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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON**
25 Oktober 1989

39

I N H A L T
.
DOKUMENTATION

Mosbacher; Die Rolle der Marktwirtschaft In den Ost-West-Beziehungen
- Rede des US-Wirtschaftsministers Baker: USA streben mit UdSSR Minimierung der Erstschlagfähigkeit an
- Rede des US-Außenministers beim Commonwealth Club -

HINTERGRUND

Versicherung für Arbeitslose
- Dritter von fünf Artikeln über das amerikanische Sozialwesen
Medizinische Versorgung für Bedürftige und Sltere Menschen
- Vierter von fünf Artikeln über das amerikanische Sozialwesen

WIRTSCHAFT

Pro-Kopf-Einkommen steigt, Ausmaß der Armut unverändert
- Artikel über eine Pressekonferenz des statistischen Bundesamts
der Vereinigten Staaten •

I

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Sichere Landung der Raumfähre nach geglückter Aussetzung der
Raumsonde GALILEO

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

39

25. Oktober 1989

MOSBACHER:

DIE ROLLE DER MARKTWIRTSCHAFT IN DEN OST-WEST-BEZIEHUNGEN
- Rede des US-Wirtschaftsministers -

FRANKFURT - (AD) - Dem amerikanischen Wirtschaftsminister Robert Mosbacher zufolge unterstützen die Vereinigten Staaten die Bestrebungen des Ostblocks zur
Umstrukturierung der Wirtschaft, auf lange Sicht müßten die Wirtschaftsbeziehungen jedoch von den Kräften des Marktes gesteuert werden.
In einer Ansprache beim Institute for East-West Security Studies in Frankfurt
drängte Mosbacher Ungarn und Polen, "mutige Programme der Marktentwicklung und
politischen Freiheit" in die Wege zu leiten.
Nachfolgepd
Wortlaut.

veröffentlichen

wir

die Ansprache

Vor hundert Jahren prägte ein britischer Dichter die berühmten Verszeile
"Ost ist Ost und West ist West - und
diese beiden werden niemals zusammenkommen".
Unsere
Zusammenkunft
am
heutigen Abend belegt in anschaulicher Weise, daß Kiplings Zeilen vor
hundert Jahren oder vielleicht sogar
noch vor ein oder zwei Jahren zutrafen,
heute
jedoch
zumindest
der
Wunsch - und wir hoffen, Engagement besteht, den Prozeß friedlicher Begegnungen zwischen Ost und West in
die Wege zu leiten.
Es ist mir eine große Ehre und ein
Vergnügen, Ihnen am heutigen Abend
einige meiner Gedanken zur nationalen
Sicherheit und zum Weltfrieden darlegen zu können. Auf dem Flug von Washington habe ich den soeben veröf-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

des Wirtschaftsministers

im

fentlichten Bericht über d''e Integration der sozialistischen Volkswirtschaften gelesen.
Es ist eine interessante Studie mit
vielen Denkanstößen. Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer ausgezeichneten Arbeit und begrüße den Bericht als konstruktiven Beitrag zum gegenwärtigen
Dialog.
Wenn bei Ihnen vom heutigen Abend nur
ein einziger Gedanke haften bleiben
sollte, so der, daß Sicherheit und
Stabilität in direktem Zusammenhang
mit piner gesunden Wirtschaft stehen.
Denn - wie wir in den vergangenen Monaten wiederholt beobachten konnten nur, wenn eine Volkswirtschaft die
Grundbedürfnisse
und Wünsche eines

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Volkes befriedigt, nur, wenn ein Volk
Hoffnung für sich und seine Nachkommen hat, kann es Stabilität und Frieden geben.
Wie das
werden
Chancen
ren gut

Wasser sich seinen Weg sucht,
die
Menschen
Freiheit
und
suchen.
Die Regierungen wäberaten, sich dies zu merken.

Es gibt mehrere Anzeichen dafür, daß
die Länder des Ostblocks zu dieser
Erkenntnis gelangt sind. Aus diesem
Grund werden wirtschaftlicher und politischer Wandel in diesen Ländern so
ernsthaft durchgeführt.
In der Sowjetunion hat Perestrojka
Pläne zur Umstrukturierung der sowjetischen
Volkswirtschaft
hervorgebracht. Die zentrale Verwaltung von
Kapital und Ressourcen wurde in Frage
gestellt. Die Schaffung von Marktmechanismen zur realistischen Preisgestaltung wird in Erwägung gezogen.
Selbst ein konvertierbarer Rubel ist
angeblich im Gespräch.
Trotz der bisherigen
Veränderungen
und beeindruckenden Absichten ist die
Sowjetunion jedoch noch immer weit
von einer Marktwirtschaft entfernt,
die zum Beispiel für die Mitgliedschaft im GATT erforderlich wäre.
In Teilen Osteuropas - insbesondere
in Polen und Ungarn - kommen die Dinge etwas schneller in Bewegung. Einzelnen
Firmen
steht
es
zunehmend
frei, ihre Preise und ihr Produktionssoll selbst festzusetzen.
Geschäfte und Fabriken in Privatbesitz
werden Realität.
Selbst Unternehmen
mit ausschließlich ausländischem Kapital sind möglich.
Gleichzeitig können wir in der Sowjetunion zum ersten Mal Wahlen mit
mehreren Kandidaten
beobachten, in
Polen die Wahl der ersten nichtkommunistischen Regierung im Ostblock seit
40 Jahren, in Ungarn die Umgestaltung
der kommunistischen in eine sozialistische Partei. Dies sind bedeutende
erste Schritte. Aber es bleibt noch
sehr viel mehr zu tun.

Niemand
sollte die
Schwierigkeiten
und Unwägbarkeiten bei der Verwirklichung
einschneidender
Veränderungen
unterschätzen.
Es wird ein langwieriger und harter Prozeß sein. Und offen gesagt - die Last dieser Veränderungen wird primär der Ostblock zu
tragen haben.
Aber es zeichnen sich Veränderungen
ab. Und sie finden aus der Erkenntnis heraus statt, daß Initiative und
Innovation im Bereich der Wirtschaft
ohne politische Freiheit
unmöglich
sind und politische Freiheit wiederum
den Eckpfeiler wirtschaftlicher Liberalisierung bildet.
Darüber hinaus spiegeln die Veränderungen im Ostblock die Erkenntnis der
zunehmenden Globalisierung nationaler
Volkswirtschaften wider.
Die ausgegebenen Obligationen und Aktien der
internationalen Kapitalmärkte belaufen sich auf rund 25 Billionen Dollar. Insgesamt werden täglich internationale Zahlungen zwischen 700 Milliarden und 1,5 Billionen Dollar abgewickelt. In der Mehrzahl der Fälle
handelt es sich hierbei natürlich um
Devisentransaktionen, aber sie spiegeln das Ausmaß unserer Verflechtung
wider.
Die Internationalisierung macht nicht
an den Finanzmärkten halt.
Sie erstreckt sich auch auf den Produktionssektor
und
Gemeinschaftsunternehmen bei Waren und Dienstleistungen.
Das bedeutet, der Wettbewerb
selbst wird internationaler, fordert
mehr Effizienz, bessere Dienstleistungen und schnellere Einführung von
Produkten durch die Konkurrenten.
Unabhängige
Volkswirtschaften
haben
bei der Anhebung des Lebensstandards
eine entscheidende Rolle gespielt.
Die Schwellenländer nehmen effektiv
am weltweiten Wettbewerb teil und
zwar eben weil sie durch ihre marktorientierten Maßnahmen den Anforderungen des internationalen Wettbewerbs gerecht werden.
Währenddessen
sind die Volkswirtschaften des Ost-

�blocks immer welter ins Hintertreffen
geraten.
Die Auswirkungen des internationelen
Wettbewerbs waren in den Vereinigen
Staaten
schmerzhaft
spürbar
aber
lehrreich.
Sie zwingen uns nicht
nur, über unseren eigenen beachtlichen
Inlandsmarkt
hinauszuMicken,
sondern auch, Nabelschau zu betreihen
und die unserer Konkurrenzfähigkeit
abträglichen Herausforderungen im Inland genauestens zu analysieren.
Unsere Probleme im Inland werden heute von der Sorge um die Verbesserung
unseres
Bildungssystems,
Eindämmung
des Drogenmißbrauchs. Anhebung der
Sparrate und die erneute Verpflichtung zu Produkt- und Dienstleistungsqualität beherrscht.
Die Notwendigkeit
internationaler
Wettbewerbsfähigkeit
findet
in den Vereinigten
Staaten praktisch in jeder von uns
über diese Probleme geführten Diskussion ihren Niederschlag.
Die Amerikaner sind zu der Erkenntnis
gelangt, daß ihr zukünftiger Wohlstand - und ihre künftige Sicherheit
- davon abhängen, wie sie die Herausforderungen der Weltwirtschaft
und
des Wettbewerbs meistern.
Und was
für uns gilt, trifft um so mehr auf
die Volkwirtschaften
des Ostblocks
zu.
Mit anderen Worten, als isolierter
Block kann der Ostblock nicht wachsen
und gedeihen. Der Ostblock muß wirtschaftliche Gewinne erzielen, die nur
durch Austausch seiner besten Leistungen gegen Waren und Dienstleistungen erzielt werden kann, die in
anderen Ländern rentabler produziert
werden.
Ich möchte die Position der Bush-Adminsitration
eindeutig
klarstellen.
Wir begrüßen die Hinwendung des Ostblocks zu den Werten, auf denen unser
Land gegründet wurde: Menschenrechte, Demokratie, wirtschaftliche Freiheit, freie Märkte, das Recht auf
freie Wahl und Selbstbestimmung.

Sie bilden nicht nur die Grundlage
für Wohlstand sondern für echte Harmonie und Frieden auf der Welt. Wir
wünschen den mutigen Programmen der
Marktentwicklung
und
politischen
Freiheit in Ungarn und Polen Erfolg.
Wir sind bereit, diese Veränderungen
zu unterstützen.
Und wir wünschen der Perestrojka In
der Sowjetunion Erfolg.
Wir hoffen
auf die vollständige Integration der
Sowjetunion und aller Länder des Ostblocks in die internatioanle Staatengemeinschaft, so daß ihre Bürger die
Vorzüge
des freien
Unternehmertums
genießen können.
Im Mal dieses Jahres habe ich fünf
Prinzipien festgelegt, nach denen die
Wirtschaftsbeziehungen
zwischen
Ost
und West florieren können. Ich möchte sie als realistische Richtlinien
für zukünftige Maßnahmen wiederholen.
Erstens: Heute, morgen und für alle
Zeiten sind die nationalen Sicherheitsinteressen des Westens von vorrangiger Bedeutung. Wir streben die
Integration der Sowjetion in die internationale Staatengemeinschaft und
das Wachstum friedlichen Handels an.
Die Exportkontrollen, die wir und unsere Verbündeten aus Gründen der Sicherheit
vornehmen. bleiben
jedoch
bestehen.
Und unsere Entschlossenheit In dieser Sache wird durch die
Tatsache noch verstärkt, daß die militärische Aufrüstung der Sowjetunion
anhält - trotz Glasnost und Perestrojka.
Exportkontrollen dienen der nationalen Sicherheit - nicht der Wirtschaft.
Unser Ziel besteht darin,
den Transfer sensibler Technologie zu
verhindern, nicht den Handel zu lähmen.
Die Aufrechterhaltung unserer nationalen
Sicherheit
darf
nicht
mit
friedlichem Handel nichtstrategischer
Güter kollidieren, und gemeinsam mit
unseren Verbündeten werden wir sicherstellen, daß nur die entscheiden-

- 3 -

�den Technologien kontrolliert werden.
Zweitens:
Wir dürfen nicht leichtfertig
hohe
Kredite
bereitstellen
oder subventionieren, um einen künstlichen Aufschwung im Ost-West-Handel
zu fördern, der nicht im Einklang mit
der wirtschaftlichen Realität steht.
Die Vereinigten Staaten unterstützen
und ermutigen die Entwicklung des
friedlichen Ost-West-Handels, jedoch
auf
einer
gesunden
kommerziellen
Grundlage.
Drittens:
Investitionen können und
sollten ebenso wie Gemeinschaftsunternehmen
beim
Aufbau
von
Wirtschaftsbeziehungen eine Rolle spielen.
Auch hier müssen Investitionsentscheidungen
nach
kommerziellen
Kriterien getroffen werden.
Die Länder Osteuropas müssen in ihrer
Rechtsprechung und in anderen Bereichen Veränderungen vornehmen, um dem
Westen Investitionsanreize zu bieten,
weil das der Wirtschaft förderlich und nicht nur politisch vorteilhaft ist.
Viertens:
Unsere
Bereitschaft
zu
grundlegenden
Verbesserungen
des
Ost-West-Handels
bleibt
an
Fortschritte bei den Menschenrechten geknüpft. In diesem Bereich machen die
Sowjetunion und andere Länder große
Fortschritte, was sich wiederum günstig auf den Handel auswirkt. Präsident Bush trifft zum Beispiel aufgrund der neuen Gesetze in Ungarn
Vorbereitungen, um Ungarn Meistbegünstigungsstatus einzuräumen.
Und fünftens:
Mehr Offenheit.
Für
den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen
müssen die Länder Osteuropas mehr Informationen liefern, weil sich Märkte
nicht entwickeln können, wenn Käufern
und Verkäufern keine genauen Zahlen
über das jeweils andere Land und seine Wirtschaft vorliegen.
Diese Grundsätze liefern den Rahmen
zur Integration Osteuropas in den
Welthandel.
Aber vollständige Inte-

gration bedeutet Wettbewerb auf dem
Weltmarkt.
Und das heißt, die Menschen müssen zunächst die Freiheit
haben, in ihrem eigenen Land konkurrieren zu können.
Die Integration der Weltwirtschaft
geschieht vorwiegend durch die Impulse freier Unternehmen, durch multinationale Konzerne und die kleine Firma, die erstmals auf den Exportmarkt
strebt.
Osteuropa wird erst vollständig in
die Weltwirtschaft integriert sein,
wenn seine eigenen Unternehmen das
Gleiche tun und ihre und unsere Unternehmen uneingeschränkt zusammenarbeiten können.
Darüber hinaus wird die Privatisierung von Staatsunternehmen an sich
nicht
zu
besserer
internationaler
Wettbewerbsfähigkeit
führen,
wenn
diese Privatunternehmen auf dem Binnenmarkt nicht konkurrenzfähig sind.
Ohne aktive Konkurrenz werden sogar
Joint Ventures in ausländischer Hand
den sicheren Hafen eines Monopols anzustreben suchen.
Und Wettbewerb von Produkt!onsgütern
allein reicht nicht aus. Unabdingbar
sind unabhängige Banken, die auf der
Basis marktwirtschaftlicher Kriterien
und Zinssätze Kapital vergeben und
Dienstleistungen anbieten, die wir im
Westen als selbstverständlich ansehen.
Bei meinem jüngsten Besuch in Polen
habe ich einen Geschäftsmann getroffen, der ein Joint Venture betreibt.
Seinen Erklärungen zufolge ist das
polnische Bankwesen so unzureichend
auf internationale Geschäftsabschlüsse eingerichtet, daß es keine Akkreditive und kein System von Sicherheiten gibt, wie wir es kennen.
Ein anderes Problem wurde von einem
Geschäftsmann angeschnitten, der berichtete, er fahre mindestens zweimal
pro Woche etwa 300 Kilometer von seiner Fabrik nach Warschau, um mit Regierungsvertretern zu sprechen. Seine Geschäfte seien leicht mit einem

�Telephongespräch zu
man komme nie durch.

erledigen,

aber

Ein dritter Geschäftsmann
beklagte
sich über eine staatliche Bestimmung,
die Werbung einschränkt.
Den Vorschriften zufolge dürfen nicht mehr
als 2 Prozent vom Umsatz bei der
Steuer als Werbungskosten abgeschrieben werden. - Dies nur als Beispiel
für die Probleme der Unternehmer in
Osteuropa.
Ich lege jedoch den Schwerpunkt nicht
auf Offenheit und Wettbewerb, um die
schwierigen politischen Entscheidungen zu verharmlosen, die von den Reformpolitikern für die Wirtschaft getroffen werden müssen.
Die Kontrolle des Geldflusses wird
schwierig
sein, aber entscheidende
Bedeutung haben, wenn diese Volkswirtschaften des Mangels sich zu einem preisorientierten System wandeln
wollen, in dem das Bild nicut mehr
von LebensmittelKarten und Schlangen
vor den Geschäften bestimmt wird.
Dasselbe gibt für Subventionen.
Auch dem Bericht der Arbeitsgruppe
des Instituts zufolge gibt es kein
Patentrezept
für den Weg von der
staatlich kontrollierten zur freien
Marktwirtschaft.
Natürlich
kennen
wir alle die für den Erfolg einer
Marktwirtschaft erforderlichen Faktoren. Und wie wir wissen, sind dabei
Halbheiten nicht möglich.
Die Vorteile der Märkte kann man sich nur
zunutze machen, wenn man Konkurrenz
zuläßt.
Wir im Westen sind uns der Tatsache
bewußt, daß die versuchte Umgestaltung schwierig und schmerzhaft sein
wird.
Und wir werden nicht untätig
zusehen.
Die Vereinigten Staaten haben sich
mit den anderen Ländern der G-7, der
Europäischen Gemeinschaft und weiteren Industrieländern in einer konzertierten
Aktion
zusammengeschlossen,
mit der Reformbestrebungen in Polen
und Ungarn gefördert werden sollen.

Wir wollen ihnen bei der Öffnung ihrer Binnenmärkte helfen, indem wir
unsere eigenen Märkte für ihre Produkte öffnen. Präsident Bush hat den
Kongreß davon in Kenntnis gesetzt,
daß er Ungarn die Vorteile unseres
Allgemeinen Systems der Begünstigung
im Handel zugute kommen lassen will
und hat den Kongreß gebeten, es auch
auf Polen auszuweiten.
Ich fordere
unsere Handelspartner in anderen Industrieländern auf, ihre Märkte weiter zu öffnen, um die Reformbestrebungen dieser Länder zu fördern.
Ein T^il unserer Bemühungen muß darauf
abzielen, gegebenenfalls echte
finanzielle Erleichterung zu bieten.
Wir werden das Geld nicht zum Fenster
hinauswerfen, aber wo es gute Wirtschaftspläne und eine gesunde Wirtschaftspolitik gibt, müssen wir bereit sein, den Übergang zu erleichtern. Beim jüngsten Weitwirtschaftsgipfel hat Präsident Bush die eine
baldige und unkomplizierte Wiederaufnahme Polens in den Pariser Club gefordert .
Soeben hat er den Kongreß aufgefordert, Polen 200 Millionen Dollar als
Stabilisierungsmaßnahme
zu bewilligen.
Damit
liegt
unser
gesamtes
Hilfsangebot für Polen bei 400 Millionen Dollar. Und wir fordern alle
Länder der westlichen Welt auf, unserem Beispiel zu folgen.
Es ist von
entscheidender Bedeutung, daß die gesamte den Polen für den Stabilisierungsprozeß erbetene 1 Milliarde Dollar westlicher Hilfe verfügbar ist,
weil sie nur nützt, wenn der Fonds
voll finanziert wird.
Aber was diese Länder nötiger als alles andere brauchen, ist ein florierender Privatsektor, der auf Marktkräfte reagieren kann.
Und wir im
Westen können helfen, indem wir den
Grundstein für eine starke Partnerschaft mit unserem eigenen Privatsektor legen.
In den Vereinigten Staaten versuchen
wir das auf unterschiedliche Art und
Weise
private
Unternehmensfonds

- 5 -

�werden geschaffen, die Hilfe der Entwicklungsgesellschaft OPIC erweitert,
Besuche von Geschäftsleuten organisiert wie bei meinem jüngsten Besuch
in Polen und Ungarn, Seminaren über
Gesetzgebung unter Einbeziehung unserer gemeinnützigen Verbände von Führungskräften und Experten veranstaltet sowie Angebote zum Aushandeln von
Verträgen über Vertrauensbildung in
der Wirtschaft und Sicherheit für Investoren.
Aber an der Tatsache, daß die wirtschaftlichen Probleme Osteuropas eben
dort ihren Ursprung haben, ist nicht
zu rütteln, und sie können nur durch
radikale - und echte - Veränderungen
auf dem Binnenmarkt gelöst werden.
Inbesondere müssen sie erkennen, daß
Halbheiten nicht zum Ziel führen.
Nur der freie Markt, nur das freie
Unternehmertum können die tiefgreifenden wirtschaftlichen Probleme der
Länder Osteuropas . lösen.
Und aus
diesem Grund kann nur der Markt ein
internationales Svstem schaffen, das
sowohl Stabilität als auch Frieden
gewährleistet.
Als Geschäftsmann liegt mir nichts an
Beschönigungen. Ich ziehe eine offene Sprache vor.
Und ich sage, was
wir alle wissen:
eine marxistisch
orientierte Volkswirtschaft funktioniert nicht.
Die Politiker Osteuropas können Jahrzehnte verschwenden, indem sie vorgeben, das System sei nicht tot und
zaghafte Maßnahmen treffen, die ideologisch mit der Vergangenheit im Einklang stehen.
Oder sie können zum
Kern der Dinge vorstoßen - zu einem
Übergang zur freien Marktwirtschaft,
die den Bedürfnissen des Volkes gerecht wird.
Die neuen Reformpolitiker Osteuropas
haben jetzt die volle Unterstützung
der Öffentlichkeit.
Und sie müssen
sich diese zunutze machen, um den
wichtigen Schritt zum Aufbau eines
neuen Wirtschaftssystems zu tun.

Die Politiker in Polen und Ungarn haben sich zu diesen Veränderungen verpflichtet.
Die sowjetischen Politiker kommen ihnen immer näher.
Die
Politiker in den anderen Volkswirtschaften Osteuropas leben jedoch immer noch in der Vergangenheit.
Aber sie werden hoffentlich bald erkennen, daß der Wunsch ihrer Bevölkerung
nach
Freiheit
und
Wohlstand
wichtigere Ziele sind als die Beibehaltung
veralteter
und
Überholter
Konzepte.
Als Geschäftsmann kann ich ihnen nur
raten:
Wagen Sie den Sprung.
Das
Wasser ist nicht kalt.
Vergangene Woche schenkte uns eine
Gruppe junger Sowjetbürger die Anstecknadel , die ich heute trage. Ich
kann mir keine bessere Art und Weise
vorstellen, um unseren heutigen Abend
zu beenden, als Ihnen die Aufschrift
auf der Nadel vorzulesen, denn sie
bringt das zum Ausdruck, was der Präsident und ich uns von der Zukunft
erhoffen:
Glasnost
Perestrojka
Demokratie
Ja!
In diesem Sinne kommen Ost und West
endlich zusammen.
In diesem Sinne
können sich endlich fruchtbare Beziehungen
entwickeln.
Darauf
hoffen
wir. Ich danke Ihnen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
25. Oktober 1989

39

BAKER: USA STREBEN MIT UdSSR MINIMIERUNG DER ERSTSCHLAGFÄHIGKEIT AN
Rede des US-Außenministers beim Commonwealth Club SAN FRANCISCO - (AD) - In einer Rede beim Commonwealth Club in San Francisco
erklärte Außenminster Baker am 23. Oktober, die Vereinigten Staaten strebten
im strategischen Bereich ein Verhältnis zur Sowjetunion an, "in dem Fähigkeiten und Anreize für einen Erstschlag minimiert und Möglichkeiten strategischer
Verteidigungssysteme untersucht werden". Bakpr verwies in diesem Zusammenhang
auf einige andere Aspekte der von Washington angestrebten neuen Beziehungen:
Die sowjetische Militärmacht soll für jedermann und nicht nur für Satelliten erkennbar sein,
Verifizierbare Verträge sollen ein niedrigeres Kriegsrisiko festschreiben,
Rüstungskontrolle soll "die Saat des Krieges zu Früchten des Friedens"
aufgehen lassen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Außenministers im Wortlaut:

Wie Sie wissen, sollte diese Rede bereits vergangene Woche gehalten werden.
Eine furchtbare Tragödie kam
jedoch dazwischen. und aus diesem
Grund wollte ich sie zunächst absagen.
Angesichts all des Leidens schien es
nicht angemessen, hierher zu kommen
und Ihnen einen Vortrag über Rüstungskontrolle zu halten. Aber Sie
haben mich gebeten, meine Verpflichtung einzuhalten, und diese Bitte
spricht Bände.
Sie offenbart den
wahrhaft amerikanischen Charakterzug,
sich einer Katastrophe zu stellen,
entsprechende Maßnahmen zu ergreifen
und dann die reguläre Arbeit wiederaufzunehmen.
Diese Orientierung auf
die Zukunft entspricht der Mentalität
von San Francisco.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ihre Taten legen - mehr als Worte es
auszudrücken
vermögen
beredtes
Zeugnis Ihrer Dynamik ab, und ich
möchte hinzufügen, daß sie die Hoffnungen eines ganzes Landes beflügelt.
Sie arbeiten Hand in Hand mit anderen, um Krisen in Chancen, Schmerz in
Fortschritt zu verwandein und eine
aus dem Ruder gelaufene Welt wieder
in ihr richtiges Fahrwasser zu bringen. Mein herzliches Beileid geht an
die Familien der Opfer.
Ich werde
mit Ihnen beten.
Ich möchte meinen heutigen Vortrag
mit dem Hinweis auf eine andere Oktoberkrise beginnen, die vor 27 Jahren
stattfand: die Kubakrise von 1962.
Diese Krise scheint sehr lange vorbei
zu sein und weit entfernt von der
Tragödie, die Sie heute zu überwinden

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�suchen.
Die Kluft in den Beziehungen zwischen
Moskau und Washington im Oktober 1962
und im Oktober 1989 könnte nicht
größer sein.
Im Oktober 1962 sahen
wir uns mit einer Sowjetunion konfrontiert, die sich drohend vor uns
aufbaute und deren Führung uns in
Schutt und Asche legen wollte. Heute
haben wir es mit einer ernüchterten
Sowjetunion zu tun, deren Führungsspitze von einer Umstrukturierung der
Gesellschaft spricht.
Im Oktober 1962 verzeichnete die Sowjetunion
einen
Wirtschaftsaufschwung, mit dem sie ihre unablässige
Aufrüstung vorantreiben konnte. Heute steht die sowjetische Wirtschaft
unmittelbar vor dem Ruin.
Im Oktober 1962 wurden durch das sowjetische Weltraumprogramm Ängste geschürt, wir würden das Wettrennen zum
Mond verlieren.
Heute will die Sowjetunion
unbedingt vermeiden, daß
sie zurückbleibt, wenn der Rest der
Welt den Übergang vom Zeitalter der
Industrialisierung in ein neues Jahrhundert vollzieht.
In diesem Monat vor 27 Jahren standen
wir uns - wie Sie sich erinnern werden - Auge in Auge an der Schwelle
zum Krieg gegenüber.
Im Gegensatz
dazu sind heute die Beziehungen der
Supermächte so vielversprechend wie
nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.
Im Rückblick wird deutlich, daß die
Kubakrise in der Nachkriegszeit die
größte Möglichkeit zu einem Atomkrieg
bot. Wenn wir in die Zukunft blikken, haben wir jetzt die größten
Chancen zum Abbau des Kriegsrisikos
seit Anbruch des Atomzeitalters.
Der Präsident hat unser Ziel als
Schritt über den Frieden bewaffneter
Lager hinaus zu einem Frieden des gemeinsamen
Optimismus
beschrieben.
Letzte Woche habe ich unsere Strategie zur Erlangung dieses Ziels mittels einer vorsichtigen Suche nach
Elementen beschrieben, die uns beiden
zum Vorteil gereichen.
Heute möchte
- 2

ich eines dieser Elemente - die Rüstungskontrolle - eingehender erörtern.
Rüstungskontrolle kann den Aufbau eines dauerhaften Friedens in starkem
Maße unterstützen, aber Rüstungskontrolle kann nicht nicht einem politischen Vakuum erfolgen.
Das möchte
ich klarstellen:
Wir konkurrieren
militärisch, weil wir politisch unterschiedlicher Meinung sind.
Politische Querelen nähren das Feuer des
Rüstungswettbewerbs.
Nur durch die
Lösung politischer Meinungsverschiedenheiten können wir den mit ihnen
einhergehenden Rüstungswettlauf aufhalten.
Um mit Clausewitz zu sprechen - wenn Krieg die Fortsetzung von
Politik mit gewalttätigen militärischen Mitteln ist, dann ist Rüstungskontrolle die Suche nach stabilen,
berechenbaren strategischen Beziehungen mit friedlichen politischen Mitteln.
Aus diesem Grund blicken wir so hoffnungsvoll in die Zukunft.
In den
letzten vierzig Jahren hat Rüstungskontrolle bei der Gestaltung der amerikanisch-sowjetischen sicherheitspolitischen Beziehungen nur eine untergeordnete Rolle gespielt, weil unsere
politischen Differenzen zu breit gefächert waren, als daß dauerhafte und
substantielle
Fortschritte
möglich
gewesen wären.
Stärke und Einheit
des Westens haben in dieser ganzen
Zeit, als wir im Schatten gegensätzlicher Werte und divergierender Ziele
gelebt haben, die Abschreckung gestützt.
Jetzt könnte Perestrojka in
der sowjetischen Innen- und Außenpolitik den Schatten teilweise erhellen.
Die politische
Voraussetzung
für eine dauerhafte und strategisch
bedeutsame
Rüstungskontrolle
könnte
endlich Gestalt annehmen. Mit Recht
schrieb der Präsident im Juni an Gorbatschow: "Wir tragen - gemeinsam eine große Verantwortung, wenn wir
uns die Hoffnungen dieser ungewöhnlichen Zeit zunutze machen wollen, um
die internationale Sicherheit zu verbessern. "

�Der Präsident und ich haben erklärt,
wir wünschen Perestrojka den Erfolg.
Wir dürfen diese Gelegenheit nicht
leichtfertig
verstreichen
lassen.
Das sowjetische "neue Denken" in der
Außen- und Verteidigungspolitik verspricht Möglichkeiten, die noch vor
zehn Jahren undenkbar gewesen wären,
wie etwa einschneidende stabilisierende Reduzierungen bei den strategischen Streitkräften und einen Gleichstand bei reduzierten konventionellen
Streitkräften
in
Europa.
Dennoch
kann der Erfolg von Perestroika nicht
als gesichert gelten.
Jegliche Unsicherheit über den Ausgang der Reformen in der Sowjetunion
ist für uns umso mehr - nicht etwa
weniger - Anlaß, die gegenwärtige
Chance zu ergreifen. Denn die Früchte unserer Arbeit - eine geringere
sowjetische Bedrohung und wirksam verifizierbare Abkommen - können Bestand haben, auch wenn das für Perestrojka nicht gelten sollte.
Wenn
die Sowjets bereits Waffen zerstört
haben, wird es für jede künftige Führung im Kreml schwierig, kostenträchtig und zeitraubend sein, diese Maßnahme wieder rückgängig zu machen und
erneut die militärische Vormachtsteilung zu erlangen.
Und wenn die Abkommen geschlossen sind, wird jeder
Versuch des Vertragsbruchs als Anzeichen für den neuerlichen Ausbruch alten Denkens gelten.
Wir können uns das neue politische
Klima zunutze machen, um Abschreckung
auf einem Niveau mit geringerem Risiko zu konsolidieren.
Durch gesunde
und verifizierbare Abkommen
können
wir stabilere und vorhersehbare strategische Beziehungen
gestalten und
festigen.
Die sich wandelnden politischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten
sollten sich in veränderten sowjetischen
Streitkräftestrukturen
und
strategischen
Konzepten
widerspiegeln. Auf diese Weise können wir dazu beitragen, daß politische Fortschritte in militärische Realität umgesetzt werden und damit gleichzeitig
diesen
Fortschritt untermauern und

stärken.

Die
Strategie
im
strategischen Umfeld

sich

wandelnden

Bevor ich auf die Grundlagen der RUstungskontrollpolitik dieser Administration eingehe, möchte ich noch
kurz etwas zum strategischen Umfeld
sagen.
in
dem
Rüstungskontrolle
durchgeführt wird.
Politisch befindet sich die Sowjetunion mitten in der Revolution von
Perestrojka, Glasnost und Demokratisierung.
Die neuen Denker wissen,
daß Stalins System sich grundlegend
verändern muß, wenn die Sowjetunion
in einer Art und Weise, die - wie
Gorbatschow erklärt hat - einer Supermacht gebührt, ins 21. Jahrhundert
eintreten soll. Dafür hat die sowjetische Führung viel getan und im Hinblick auf politische, wirtschaftliche
und
gesetzgeberische Reformen
noch
mehr versprochen.
Obwohl diese Reformen noch erweitert, festgeschrieben, institutionalisiert und zur Normalität werden müssen, wandelt sich
doch bereits das politische Gesicht
der sowjetischen Macht.
Die Reformaussichten sind in Polen,
Ungarn, der DDR, der Tschechoslowakei
und anderen Ländern Osteuropas ebenso
vielversprechend - und nicht in manchen Fällen noch vielversprechender.
Obwohl man sich vor einer Überbewertung der Trends hüten sollte, stürzen
die politischen Pfeiler eines nach
1945
gewaltsam
geteilten
Europas
langsam ein. Wir können der Vision
des Präsidenten von einem ungeteilten
und freien Europa näherkommen.
Diese großen politischen Veränderungen finden in einer Zeit rascher
technologischer Veränderungen statt.
Unsere militärischen Instrumente werden durch neue Technologien so verändert, daß mehr Sicherheit geschaffen
werden könnte. Mit Fortschritten in
der Meß- und Regeltechnik, Datenverarbeitung und bei ziel genauerer Munition ergeben sich neue Möglichkeiten

- 3-

�für die Stärkung der Abschreckung.
Wir müssen jedoch vorsichtig sein und
die Schattenseiten der sich verändernden technischen Realitäten erkennen. Immer mehr Länder erwerben die
Fähigkeit zur Herstellung von chemischen Waffen und Raketen. Da viele
dieser Regime in anhaltende regionale
Konflitke verwickelt sind, liegt das
Potential für eine explosive Eskalation ihrer Querelen auf der Hand.
Ich möchte hinzufügen, daß diese
technischen Veränderungen in einer
Zeit sich wandelnder rüstungswirtschaftlicher
Bedingungen
erfolgen.
Es ist allgemein bekannt, daß die Sowjetunion gezwungen ist, einen Teil
ihrer ungeheuren Militärausgaben für
den Wiederaufbau der heimischen Wirtschaft aufzuwenden. Auch im Westen
ist das Zeitalter schnell steigender
Verteidigungshaushalte vorbei.
Aus
den neuen Technologien müssen wir
diejenigen Waffen auswählen, mit denen sich Abschreckung am kostengünstigsten aufrechterhalten läßt.
Was ist nun das Ergebnis dieser politischen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen? Strategisch
stellt sich die Welt, die wir seit
der Kubakrise geplant haben, anders
dar als die Realität heute. Bedrohungen unserer Interessen verändern
sich politisch und werden durch neue
Technologien multipliziert.
Unsere
Fähigkeiten werden technisch verbessert, aber finanziell beschränkt.
Unsere grundlegenden Werte und Interessen werden Bestand haben. Aber mit
der Umgestaltung unseres strategischen Umfelds müssen wir einige unserer Leitlinien und Ansätze neu überdenken. Viele traditionelle Annahmen
müssen neu erwogen werden. Die Strategie verbindet den Zweck und die
Mittel. Wenn sich beide verändern,
muß sich auch die Strategie verändern.
Wir müssen zum Beispiel auch an die
Zukunft der europäischen sicherheitspolitischen Beziehungen und das wichtige strategische Verhältnis der Su-

permächte denken. Die heute als historisch angesehene politische Umgestaltung Osteuropas macht - wenn sie
angemessen institutionalisiert wird solche Neubewertungen doppelt wichtig.
Angesichts der steigenden Bedrohung für unsere weltweiten Interessen und der sich mit der Weiterverbreitung moderner Technologien ergebenden Machtverlagerung müssen wir
auch unsere Strategie bei Konflikten
in der Dritten Welt neu überdenken.
Langfristig müssen wir erwägen, ob
sich durch Optionen zur strategischen
Verteidigung, einschneidende Reduzierungen nuklearer und konventioneller
Waffen, wirkungsvolleres konventionelles Gerät und Verschiebungen in
der sowjetischen Strategie die Bedingungen für unsere Abschreckung verändern.
Um diesem veränderten Umfeld Rechnung
tragen zu können, müssen Verteidigungsprogramme und Rüstungskontrolle
Hand in Hand gehen. Das ist die Voraussetzung für eine einheitliche, integrierte Strategie, mit der das Risiko eines Krieges durch Abschreckung
eines Angriffs verringert und gleichzeitig amerikanische Werte hochgehalten werden können. Sowohl Verteidigungsprogramme als auch Rüstungskontrolle können den gemeinsamen Zielen
einer Verbesserung der Stabilität,
Gewährleistung
der
Berechenbarkeit
und Stärkung der Abschreckung dienen.
Wenn sich in Reaktion auf ein sich
entwickelndes
strategisches
Umfeld
unsere Strategie wandelt, würde das
auch eine Veränderung unserer Verteidigungsprogramme
und
RUstungskontrollPositionen bedeuten.
Insgesamt
würde die Sicherheit verbessert.
Natürlich können weder Verteidigungsprogramme noch Rüstungskontrolle das
allein leisten.
Um die Integrität
der Triade zu erhalten, müssen wir
auf die Stationierung mobiler Raketen
als wichtigem Element unseres nuklearen
Modernisierungsprogramms
vertrauen. Aber START kann hier eine
Schlüssel rolle spielen. Der Vertrag
kann die sowjetische Bedrohung für
unsere Streitkräfte vermindern, und

- 4 -

�damit wird Uberlebensfähigkeit durch
Mobilität
wahrscheinlicher.
Wenn
START nicht die sowjetische Bedrohung
einschränken würde, wäre eine verläßliche Abschreckung kaum vorhersehbar
und finanziell tragbar zu gewährleisten.
Ohne die START-Verhandlungen
wäre der zur Unterstützung wichtiger
Modernisjerungsprogramme - nicht nur
mobiler ICBMs, sondern auch B-2, Trident und SDI - erforderliche innenpolitische Konsens sehr schwierig aufrechtzuerhalten.
In ähnlicher Weise
würden ohne unsere strategischen Modernisierungprogramme
die
Vorteile
eines START-Abkommens erheblich verringert.
Somit verstärken sich die
Modernisierung
unserer
Streitkräfte
und die Rüstungskontrollbestrebungen
gegenseitig.
Im September habe ich die Entscheidung des Präsidenten verkündet, bei
START mobile, landgestützte Raketen
zu gestatten. Die Zulassung mobiler
Raketen ist nur sinnvoll, wenn die
Vereinigten Staaten zu ihrer Stationierung bereit
sind.
Deshalb ist
diese Entscheidung von der Bewilligung der Mittel für das mobile Raketenprogramm durch den Kongreß abhängig.
Der Kongreß muß jetzt START
durch die Finanzierung dieses Programms unterstützen und darf es nicht
unterminieren.
Senator Nunn hat unlängst erklärt: "Wenn wir es im Kongreß nicht schaffen, unser Modernisierungsprogramm für ICBMs wieder auf
den richtigen Weg zu bringen (...),
sehen die START-Verhandlungen einer
sehr düsteren und langen Zukunft entgegen."
Eine weitere Voraussetzung für eine
erfolgriche Strategie - für mit der
Rüstungskontrolle einhergehende Verteidigungsprogramme
- ist die Notwendigkeit der Einheit als Nation und
als Bündnis.
Das besagt schon die
einfache Weisheit:
Einigkeit macht
stark, Uneinigkeit schwach. Wir dürfen nicht zulassen, daß die Sowjets
Meinungsverschiedenheiten
zwischen
Administration und Kongreß oder zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten ausnutzen.
Das ent-

bindet uns natürlich nicht von der
Pflicht zu eingehenden Debatten.
Es
ist zwingend erforderlich, daß wir
innerhalb der strategischen Gemeinschaft
und
in der
Öffentlichkeit
überhaupt offene und ehrliche Gespräche über Strategie und Rüstungskontrolle führen. Wenn wir einen potentiellen Angriff abschrecken, müssen
wir - wie der bekannte Historiker
Michael Howard
erklärte - unseren
Völkern versichern, daß ihre in die
Verteidigung gesteckten Dollars die
Sache des Friedens effizient und effektiv unterstützen. Eine offene und
ehrliche Debatte ist die sicherste
Formel für Einigkeit. Und eine solche Debatte muß geführt werden und zu
Ergebnissen gekommen sein, bevor Verträge unterzeichnet werden - wenn wir
Verträge mit nach Hause bringen wollen, die im Interesse der Nation liegen.

Das Ziel der Rüstungskontrolle
der Weg dorthin

und

Als Beitrag zu einer solchen Debatte
möchte ich nunmehr von den Voraussetzungen der Rüstungskontrolle auf die
grundlegenden Ziele unserer Rüstungskontrollpolitik und die Grundsätze zu
sprechen kommen, mit denen diese zu
erreichen sind.
Das wichtigste Ziel der Rüstungskontrolle ist die Reduzierung des Risikos eines Krieges - sei er nun nuklear oder konventionell.
Wir hoffen,
den Krieg zu verhindern, indem wir
stabile,
berechenbare
strategische
Beziehungen
erarbeiten.
Stabilität
erfordert Streitkräfte und eine Politik, mit denen niemand auch nicht angesichts der schlimmsten Krise von
einem
Erstschlag
profitieren kann.
Einen
Krieg
- insbesondere
einen
Atomkrieg - zu gewinnen, darf für die
Sowjets niemals eine Option - auch
keine Option des kleineren Übels, wie
es ein bekannter Stratege genannt hat
sein.
Berechenbarkeit erfordert,
daß ausreichende Offenheit und Transparenz vorherrscht, um Fehleinschätzungen, Fehlplanungen und einen unab-

- 5 -

�sichtlich begonnenen Krieg - den niemand gewollt hat, den aber auch niemand aufhalten könnte - zu verhindern.
Je offener und transparenter
die militärischen Angelegenheiten der
Sowjets sind, umso mehr Vertrauen
können wir ihren Absichten entgegenbringen.
Vier Grundsätze leiten unsere Suche
nach stabilen, berechenbaren strategischen Beziehungen. Erstens streben
wir eine Reduzierung der Fähigkeit zu
einem überraschenden Erstschlag an.
Wir streben durch Vorschläge nach
Stabilität, mit denen die für eine
Offensive
in Blitzkrieg-Manier
und
präventive Erstschläge erforderlichen
Fähigkeiten
reduziert werden.
Bei
KSE haben wir uns darauf konzentriert, den sowjetischen Vorteil bei
solchen Waffen zu beseitigen, mit denen Territorium am ehesten überfallen
und besetzt werden kann:
Panzer,
Schützenpanzer und Artillerie.
Bei
Start streben wir die Reduzierung der
am meisten destabilisierenden Waffen
an, der verwundbaren, silogestützten
ICBMs, etwa der sowjetischen SS-18.
Diese Waffen sind insbesondere für
präventive Erstschläge und nicht vordringlich zur Verteidigung geeignet.
In Wyoming haben wir den Vorschlag
für ein Verbot der Erprobung seegestützter ballistischer Raketen (SLBM)
mit kurzer Flugzeit unterbreitet und
versuchen damit, die sowjetische Fähigkeit
eines
vernichtenden
Erstschlags abzubauen. Unsere START-Vorschläge betonen die relativen Vorzüge
langsam fliegender Waffen - wie etwa
Marschflugkörper und Bomber, die für
einen Erstschlag nicht geeignet sind.
Unser
SDI-Programm
legt
ebenfalls
Priorität auf Stabilität.
Effektive
strategische Verteidigung kann zu einem überlebensfähigen, kostengünstigen Schild gegen einen erfolgreichen
Erstschlag führen. Aus diesem Grund
betrachten wir die von den Sowjets in
Wyoming getroffene Entscheidung zur
Abkoppelung der Gespräche über Vertetdigungs- und
Weitraumwaffen
von
START
positiv.
Diese
sowjetische
Entscheidung, START nicht länger von

der Lösung der Probleme bei Verteidigungs- und Weltraumwaffen abhängig zu
machen, beseitigt ein wichtiges Hindernis für einen START-Vertrag und
versetzt uns gleichzeitig In die Lage,
unsere SDI -Pläne fortzuführen.
Wir engagieren uns weiterhin für die
Erhaltung unseres Rechts auf SDI-Aktivitäten, die im Einklang mit dem
ABM-Vertrag stehen.
Und wir werden
die Gespräche über Verteidigungs- und
Weltraumwaffen nutzen, um einen gemeinsamen und stabilen Übergang zu
mehr Vertrauen auf
stabilitätsfördernde, kosteneffektive strategische
Verteidigung auszuloten.
Unser zweiter Grundsatz - Berechenbarkeit durch Offenheit - geht über
den
traditionellen
Schwerpunkt
der
Rüstungskontrolle, der auf den Fähigkeiten liegt, hinaus.
Jeder Krieg
hat seine eigenen Ursachen, aber sicherlich
brachte
Thukydides
eine
wichtige allgemeine Tatsache zum Ausdruck, als er schrieb:
"Was den
Krieg unvermeidlich machte, war das
Anwachsen der Macht Athens und die
dadurch in Sparta ausgelöste Furcht."
Die Rüstungskontrolle bat sich hauptsächlich mit dem ersten Teil dieser
Einschätzung auseinandergesetzt: Beschränkung oder Reduzierung destabilisierender
militärischer
Fähigkeiten. Bei der Erweiterung der Tagesordnung bemühen wir uns darum, das
zweite Element des Thukydides zu behandein:
Furcht vor agressiven Absichten. Wir drängen auf mehr Offenheit und Transparenz der sowjetischen
militärischen
Handlungen.
Je mehr
wir wissen und verstehen, desto mehr
können wir sichergehen, daß unsere
Befürchtungen nicht das Ergebnis falscher Eindrücke und Fehleinschätzungen sind. Mehr Offenheit ist der sicherste Weg zu größerer Berechenbarkeit und einem niedrigeren Kriegsrisiko, insbesondere dessen eines Krieges aus Versehen.
Die Offene-Himmel-Initiative des Präsidenten ist ein deutliches Beispiel
für diesen neuen Schwerpunkt in der
Rüstungskontrolle.
Offenheit in beziig auf die militärischen Kräfte und

�Maßnahmen bildet das Kernstück der
Gespräche über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM),
an denen alle europäische Staaten
teilnehmen. In diesen Verhandlungen
schlagen wir einen ganz Europa umfassenden Austausch militärischer Daten
über alle unsere Streitkräfte und
Waffen vor.
Im Einklang mit dem
Geist der Offenheit, der auch bei unserem Ministertreffen in Wyoming zutage trat, haben wir ein Abkommen zur
Benachrichtigung
über
strategische
Übungen unterzeichnet und die Sowjets
eingeladen, unsere SDI-Einricbtungen
zu besichtigen.
Der Datenaustausch
über chemische Waffen wird uns dabei
helfen, einem verifizierbaren, weltweiten Verbot näherzukommen. Verteidigungsminister Jasows Besuch zu Beginn dieses Monats ist nur eines einer ganzen Reihe von Treffen, die
praktische Gelegenheiten zum Verständnis des sowjetischen MiLitärwesens bieten. Wir haben die Sowjets
ferner gedrängt, die realen Zahlen
ihres Verteidigungshaushalts zu veröffentlichen, aus denen Mitteleinsatz
und Ausstoß ihrer Rüstungsproduktion
hervorgehen.
Offenheit in militärischen Angelegenheiten ist nur ein Teil unserer Bemühungen zur Schaffung offener, pluralistischer Institutionen. von denen
wir im Umgang mit den Sowjets geleitet werden. Bei seinem jüngsten Besuch sprach der sowjetische Verteidigungsminister Jasow vom wachsenden
Einfluß der Ausschüsse des Obersten
Sowjets gegenüber dem sowjetischen
Verteidigungskomplex.
Wir
hoffen,
daß die sowjetische Militärmacht zunehmend der heilsamen Wirkung einer
umfassenden und gründlichen öffentlichen Debatte ausgesetzt wird.
Zusammen mit einem Streitkräfteabbau
wird mehr Offenheit auch dem politischen Wandel zugute kommen.
Bei
KSE werden unsere Vorschläge nicht
nur das Potential für einen sowjetischen Blitzkrieg, sondern auch für
eine
sowjetische
Einschüchterung
Westeuropas verringern.
Die sowjetische Armee, mit der wir als poten-

tieller
Angriffsarmee
konfrontiert
sind, ist für die Osteuropäer eine
Besatzungsarmee. Das Gewicht der sowjetischen Militärpräsenz in Osteuropa wird reduziert werden.
Befreit
von dem kalten Schatten sowjetischer
militärischer
Vorherrschaft
werden
politischer
Pluralismus und freie
Märkte in Osteuropa besser gedeihen
können.
Ein
berechenbareres
strategisches
Verhältnis wird voraussichtlich auch
weniger kostspielig sein. Wie der
Präsident in einem Brief an Gorbatschow schrieb, kann die Rüstungskontrolle "Berechenbarkeit in die militärische Planung einführen, so daß
wir das Ausmaß des militärischen
Wettbewerbs abbauen
können".
Ein
verringerter Wettbewerb könnte auch
ein billigerer und sichererer Wettbewerb sein. Unser Wunsch nach Einsparungen darf jedoch nicht mit der erforderlichen Sicherheit in Konflikt
geraten.
Der dritte Grundsatz unserer Politik
ist die Erweiterung der Tagesordnung
bei der Rüstungskontrolle, die ihren
traditionellen Ost-West-Rahmen sprengen muß. Wir erweitern unsere Tagesordnung mit den Sowjets sowohl bei
der Behandlung drängender, weltweiter
RUstungskontrollprobleme,
wie
der
Verbreitung chemischer und nuklearer
Waffen, als auch bei der Konzentration auf regionale Konflikte. In einer
zunehmend miteinander verflochtenen
Welt besteht eine teilweise Wechselwirkung zwischen einem stabilen, berechenbaren amerikanisch-sowjetisches
Verhältnis und regionaler Stabilität.
Ich habe vorhin schon darauf hingewiesen, daß moderne Technologien in
der dritten Welt Verbreitung finden.
Moderne Kampfflugzeuge sind an Libyen, Syrien und Nordkorea geliefert
worden. Über 20 Staaten besitzen die
Fähigkeit zur Herstellung chemischer
Waffen.
Die Verbreitung nuklearer
Waffen, insbesondere das Reaktorprogramm Nordkoreas, bleibt gefährlich.
Die Rüstungskontrolle sollte sich zunehmend solchen Problemen widmen.

- 7 -

�Die UNO-Initiative des Präsidenten
kann uns einem verifizierbaren, weltweiten Verbot chemischer Waffen näherbringen. Der Vorschlag des Präsidenten
bietet
einen
realistischen
Plan für Fortschritte.
Als Schritt
zu einem multilateralen Verbot werden
wir bilateral mit den Sowjets die
chemischen Potenttale auf 20 Prozent
des heutigen amerikanischen
Stands
reduzieren.
Innerhalb von acht Jahren nach Inkrafttreten einer multilateralen Konvention werden wir unsere
Bestände weiter auf nur 2 Prozent des
heutigen Niveaus reduzieren.
Diese
Gesamtverringerung um 98 Prozent bedeutet eine erhebliche Beschleunigung
gegenüber
früheren
Vernichtungsplänen. Nach einer zweijährigen Einhaltung des Verbots durch alle chemiewaffenfähigen Staaten werden wir unser Potential auf Null reduzieren.
Wir sind uns darüber im klaren, daß
es schwierig sein könnte, Problemstaaten wie Libyen zu einem Beitritt
zu bewegen.
Wir arbeiten jedoch an
der Schaffung eines Umfelds, das jedem Land Anreize zum Beitritt bietet
und Kosten für ein weiteres Fernbleiben auferlegt. Aufbauend auf den bei
der unlängst in Canberra abgehaltenen
Konferenz
erzielten
Fortschritten
werden
die
Exportkontrollen
für
Grundchemikalien
verschärft.
Der
Präsident hat ferner angeordnet, eine
Untersuchung über Sanktionen durchzuführen, mit denen der Einsatz chemischer Waffen und andere Verletzungen
einer Konvention abgeschreckt und bestraft werden sollen.
Alle Staaten
müssen wissen, daß sie für ihre Unmenschlichkeit
einen
Preis
zahlen
müssen.
Unser vierter Grundsatz ist die Institutionalisierung einer sichereren
Welt. Der Präsident bemüht sich darum, das Kriegsrisiko
auf
Dauer,
nicht auf Zeit zu reduzieren.
Wir
streben an, daß defensive militärische Operationen bei den Sowjets zum
Normalzustand werden.
Wir möchten,
daß sich das neue Denken konkret in
der sowjetischen Streitkräftestruktur
niederschlägt. Wir möchten, daß Waf-

fen zerstört, nicht nur verlegt werden.
Und wir wünschen Vereinbarungen, die Bestand haben.
Mit
einer
wirksamen
Verifizierung
kann gewährleistet werden, daß die
von uns unterzeichneten Verträge ihre
Aufgabe, eine sicherere Welt zu institutionalisieren,
erfüllen.
Aufgrund des Primats, den die wirksame
Verifizierung in der Haltung dieser
Administration zur Rüstungskontrolle
genießt, haben unsere
Unterhändler
bereits einen Datenaustausch und versuchsweise
Verifikationsmaßnahmen
vorgeschlagen, die schon vor Vertragsabschluß
durchgeführt
würden.
Solche Maßnahmen werden uns bei START
und bei den chemischen Waffen helfen,
Vertrauen zu bilden und praktische
Erfahrungen zu sammeln, die den Abschluß solider, verifizierbarer Abkommen erleichtern werden.
Auch bei unserem Drängen auf vollständige Einhaltung der bereits geschlossenen
Vereinbarungen
seitens
der Sowjets hat es keinen Stillstand
gegeben.
Im September hat Staatsund Parteichef Gorbatschow den Präsidenten informiert, daß das Radar von
Krasnojarsk endlich beseitigt wird.
Wir begrüßen Moskaus Schritt zur Einhaltung des ABM-Vertrags.

Ein realistischer
duzierung

Weg

zur Risikore-

Diese vier Prinzipien eines stabileren, offeneren und weniger umkehrbaren strategischen Verhältnisses bieten uns einen realistischen Weg zur
dauerhaften Reduzierung von Risiken.
Dieser Weg wird am besten mit stetigen, aufeinander aufbauenden Schritten
begangen, anstatt
mit
großen
Sprüngen, die häufig wirklichkeitsfern sind oder wieder rückgängig gemacht werden. Bei START, bei KSE, in
all unseren Verhandlungen haben wir
faire,
verantwortungsbewußte
Vorschläge unterbreitet, die zur Erlangung dauerhafter Elemente beiderseitigen Vorteils dienen.
Die Sowjets
haben viele unserer Vorschläge mit Ja

�beantwortet. Jetzt haben wir unsere
Ärmel aufgekrempelt und uns zusammen
an die Arbeit begeben, um Grundsätze
mit Leben zu erfüllen.

'
*

ten des Friedens aufgehen zu lassen.
Dies ist das strategische Verhältnis,
das wir anstreben.

Wir sollten uns über die vor uns liegende Aufgabe im klaren sein.
Wir
befinden uns nicht am Rande eines
ewigen Friedens, in dem ein Krieg
nicht mehr möglich ist. Wir können
weder die Erfindung der Atomwaffen
noch die Notwendigkeit der andauernden Abschreckung rückgängig machen.
Auch die sowjetisch-amerikanische Rivalität läßt sich nicht vollständig
beseitigen.
Diese Rivalität erfordert es jedoch nicht, daß wir am Rande des Weltkriegs stehen, wie dies
vor 27 Jahren in diesem Monat der
Fall war. Der Frieden muß nicht länger von dem von Winston Churchill so
bezeichneten "Prozeß erhabener Ironie" abhängen, "wo Sicherheit das robuste Kind des Schreckens sein wird
und das Überleben der Zwillingsbruder
der Vernichtung".
Die Abschreckung muß nicht einzig und
allein
auf
einem
zerbrechlichen,
technischen Gleichgewicht des Schrekkens beruhen, das von periodischen
Krisen gestört wird.
Heute bietet
sich uns stattdessen die Chance, über
die Politik des Containment, über den
kalten Krieg hinaus zu einem neuen
strategischen Verhältnis zu gelangen,
das auf einer soliden politischen
Grundlage beruht.

i

Ein neues Verhältnis, in dem die Fähigkeiten und Anreize zu einem Erstschlag minimiert und die Möglichkelten
strategischer
Verteidigungssysteme untersucht werden. Ein neues
Verhältnis, in dem die sowjetische
Militärmacht mit bloßem Auge zu erkennen ist und nicht nur von Satelliten am Himmel. Ein neues Verhältnis,
in dem alle Völker Europas frei von
militärischer Einschüchterung
sind.
Ein neues Verhältnis, in dem ein niedrigeres Kriegsrisiko durch wirksam
verifizierbare
Verträge
verankert
wird. Ein neues Verhältnis, in dem
Rüstungskontrolle
unseren
Völkern
hilft, die Saat des Krieges zu Früch- 9 -

*****

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

39

25. Oktober 1989

VERSICHERUNG FÜR ARBEITSLOSE
- Dritter von fünf Artikeln über das amerikanische Sozialwesen

WASHINGTON - (AD) - Verliert ein amerikanischer Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz, bezieht er Leistungen aus
der Arbeitslosenversicherung, die für
gewöhlich ein Drittel bis die Hälfte
seines
letzten Einkommens
betragen
und maximal 26 Wochen lang ausbezahlt
werden.
In Zeiten außerordentlich hoher Arbeitslosigkeit kann er für weitere 13
Wochen zusätzliche Unterstützung erhalten.
Zusätzliche
Unterstützung
wird dann genehmigt, wenn die Arbeitslosenquote
in
dem
jeweiligen
Staat 1n den vergangenen 13 Wochen
bei durchschnittlich 6 Prozent liegt
oder wenn sie über 5 Prozent beträgt
und mindestens 20 Prozent höher ist
als in den vorausgegangenen 2 Jahren.
Für Zeiten einer landesweiten Rezes-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

sion, wenn die Mehrzahl der Staaten
von hoher und anhaltender Arbeitslosigkeit betroffen sind, hat der Kongreß darüber hinaus von der Bundesregierung finanzierte zusätzliche Unterstützung bewilligt.
In der Mehrzahl der Staaten erhalten
vorübergehend entlassene Arbeitnehmer
eine Woche nachdem sie arbeitlos werden
reguläre Unterstützung
selbst
wenn sie ihren ehemaligen Arbeitsplatz nach kurzer Zeit zurückerhalten
oder rasch einen neuen finden.
Nur wenige beziehen die Leistungen
aus der Arbeitslosenversicherung für
den längsten möglichen Zeltraum. Im
Jahr 1988 betrug die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit eines
vorübergehend aus einer Vollzeitbe-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schäftigung entlassenen Arbeitnehmers
13,5 Wochen.
Mit Ausnahme einiger weniger Staaten,
in denen der Arbeitnehmer geringe
Beiträge entrichten muß, wird die Arbeitslosenversicherung durch getrennte vom Staat und Bund erhobene Lohnsummensteuern des Arbeitgebers finanziert. Sie wird anhand der vom amerikanischen Arbeitsministerium erarbeiteten Richtlinien verwaltet.

Arbeitslosenunterstützung
Im Gegensatz zur Sozialversicherung
ist
die
Arbeitslosenunterstützung
nicht einheitlich und variiert von
Staat zu Staat entsprechend der Lebenshaltungskosten
erheblich.
Im
Landesdurchschnitt betrug der 1988 im
Rahmen der Arbeitslosenversicherung
an einen Arbeitslosen ausgezahlte Betrag 143 Dollar pro Woche, wobei der
Satz mit 103 Dollar in Alabama am
niedrigsten und mit 206 Dollar in
Massachusetts am höchsten lag. In 12
Staaten einschließlich Massachusetts
wurden darüber hinaus Familienzulagen
bezahlt, wodurch der wöchentliche
Höchstbetrag dort auf 382 Dollar aufgestockt wurde.
Arbeitslose Arbeitnehmer, deren Jahreseinkommen
unter die landesweit
festgesetzte Armutsgrenze fällt - im
Jahr 1989 rund 10 060 Dollar für eine
dreiköpfige Familie - kommen auch für
andere Sozialprogramme in Frage wie
Wohnungsbeihilfe, Lebensmittelmarken,
landwirtschaftliche Überschüsse, Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern (AFDC) sowie durch
Blockzuschüsse des Bundes an die
Staaten finanzierte allgemeine Sozialleistungen.
Da die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten in den vergangenen
Jahren kontinuierlich gesunken ist
und die meisten Gewerkschaften in den
Tarifverhandlungen die Sicherheit des
Arbeitsplatzes vor Gehaltserhöhungen
und andere Leistungen des Arbeitgebers gestellt haben, mußten weniger

amerikanische Arbeitnehmer die Arbeitslosenversicherung
in
Anspruch
nehmen.
Nur ein Staat - Alaska zahlte im Jahr 1988 zusätzliche Unterstützung und 1989 wurde sie überhaupt noch nicht in Anspruch genommen.
Im letzten Zeitraum, für den vollständige Daten zur Verfügung stehen dem am 30. September 1988 zu Ende gegangenen Haushaltsjahr - bezogen 7
Millionen Amerikaner Arbeitslosenunterstützung in Höhe von 13,4 Milliarden Dollar. Rund 3 Milliarden Dollar
dieser Gesamtsumme - einschließlich
2,2 Milliarden Dollar an Ausgleichszahlungen für Arbeitnehmer, die ihren
Arbeitsplatz aufgrund von Importen
verloren hatten - wurden von der Bundesregierung
bereitgestellt, wobei
die jeweiligen Staaten für den Rest
aufkamen.

Hintergrund
Die Arbeitslosenversicherung
wurde
1935 im Rahmen des Sozialversicherungsgesetzes ins Leben gerufen, um
Arbeitnehmer und ihre Familien gegen
die durch den unverschuldeten vorübergehenden Verlust ihres Arbeitsplatzes verursachten wirtschaftliche
Härten abzusichern.
In den meisten
Staaten muß der Anspruchsberechtigte
mindestens zwei Quartale des vorausgegangenen Kalenderjahres beschäftigt
gewesen sein, um Unterstützung beziehen zu können. Alle Staaten stellen
die Bedingung, daß der Antragsteller
arbeitsfähig und verfügbar ist, sollte ein Arbeitsplatz angeboten werden.
Einkommensschwache Familien, die von
langfristiger
Arbeitslosigkeit
betroffen sind, können Unterstützung
durch andere Sozialhilfeprogramme des
Bundes, Staates oder der Gemeinde beantragen.
Die Unterstützung für ehemalige Zivilangestellte des Bundes, kürzlich
aus dem Militärdienst ausgeschiedene
Soldaten oder Offiziere und Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz aufgrund der Handelspolitik oder Naturkatastrophen verlieren. ist an die

- 2-

�Arbeitslosenverslcherung angeglichen,
wird
jedoch aus Bundesmitteln und
nicht aus der Lohnsummensteuer finanziert.
Arbeitslosenversicherung
ist
ebenso
wie die Sozialversicherung kein vermögensabhängiges
Programm, bei dem
die Höhe der Unterstützung vom verfügbaren Einkommen oder anderen Mitteln des Versicherten abhängt. Praktisch alle amerikanischen Arbeitnehmer sind durch Programme des Bundes
oder der Staaten abgedeckt.
Ausgenommen sind Arbeitnehmer, die für Arbeitgeber tätig sind, die in jeder
der vorausgegangenen 20 Kalenderwochen niemanden beschäftig hatten oder
deren
gezahlte
Gehälter
in
jedem
Quartal der letzten beiden Kalenderjahre 1 500 Dollar nicht überstiegen.
In der Landwirtschaft und im Haushalt
tätige Arbeitskräfte sind ebenfalls
ausgenommen, wenn
ihre Arbeitgeber
über mindestens 10 Kalenderwochen in
den vergangenen zwei Jahren hinweg
weniger als 10 Beschäftigte hatten
oder deren vierteljährliche Lohnsummensteuer in einem der beiden Jahre
unter 20 000 Dollar lag.

dies, daß die tatsächlich vom Arbeitgeber abgeführte Lohnsummensteuer 0,8
Prozent
beträgt.
Dem
Bundesgesetz
zufolge ist jeder Staat ermächtigt,
seinen eigenen Steuersatz für die Arbeitslosenversicherung
festzusetzen
und
sowohl die
Bemensungsgrundlage
für die Erhebung dieser Steuern zu
bestimmen als auch, welche Arbeitgeber Steuern zahlen müssen.
Im Jahr
1988 belief sich der durchschnittlich
von den Staaten erhobene Lohnsummensteuersatz auf 2,4 Prozent der ersten
7 000 Dollar der gezahlten Gehälter
und variierte zwischen 5,4 Prozent in
Puerto Rico und 0,7 Prozent in New
Hampshire.
Die
Beitragsbemessungsgrenze lag zwischen 7 000 und 20 900
Dollar.
Für gewöhnlich werden die Staatskonten genutzt, um Arbeitslosen während
des regulären Unterstützungszeitraums
von 26 Wochen direkte Unterstützung
zu gewähren.
Die Lohnsummensteuer
des Bundes wird zur Deckung der den
Staaten bei der Verwaltung des Programms entstandenen Kosten verwendet
und zur Finanzierung von 50 Prozent
der Kosten für zusätzlich gewährte
Unterstützung

Finanzierung
Andere Programme
Die vom Arbeitgeber abgeführte Lohnsuramensteuer wird in einen von der
Bundesregierung verwalteten Treuhandfonds eingezahlt, bei dem jeder Staat
sein eigenes Konto unterhält.
Ende
1988 beliefen sich die Reserven dieser Staatskonten zusammengenommen auf
über 30 Milliarden Dollar.
Die
betroffenen
Arbeitgeber müssen
eine Lohnsummensteuer in Höhe von 6,2
Prozent der an die Arbeitnehmer ausgezahlten Jahresgehälter bis zu 7 000
Dollar an die Bundesregierung abführen. Dem Gesetz zufolge wird jedoch
Arbeitgebern eine Einkommensteuervergünstigung in Höhe von 5,4 Prozent
gewährt, die eine Steuer für die Arbeitslosenversicherung an den Staat
entrichten.
Da alle Staaten jetzt
ihre eigene Steuer für die Arbeitslosenversicherung
erheben,
bedeutet

Im Rahmen des Bundesgesetzes müssen
Firmen mit über 100 Vollzeitbeschäftigten Betriebsstillegungen oder Massenentlassungen mindestens 60 Tage im
voraus ankündigen.
So können sich
die Arbeitnehmer besser mit dem Gedanken
zukünftiger
Arbeitslosigkeit
vertraut machen und haben Zeit, sich
einen neuen Arbeitsplatz zu suchen.
Darüber hinaus kann so im Falle von
Massenentlassungen die Unterstützung
durch die staatlichen und kommunalen
Regierungen rechtzeitig und im angemessenen Umfang erfolgen.
Andere Programme wie die Gesetze über
Wirtschaftsausgleich, Übergangshilfen
für Arbeitnehmer und
Unterstützung
durch importbedingte Handelsanpassungen
gewähren Voll- und Teilzeitbeschäftigten
zusätzliche
Unterstüt-

- 3 -

�zung, die ihren Arbeitsplatz infolge
von Betriebsstillegungen und Massenentlassungen verlieren.
Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz
verloren haben, können für gewöhnlich
im Rahmen einer Reihe von Ausbildungs- und
Beschäftigungsprogrammen
der Staaten und des Bundes an Umschulungsmaßnahmen
teilnehmen.
Einkommensschwache Jugendliche und Angehörige von Minderheiten, die neu auf
den Arbeitsmarkt kommen, können im
Rahmen des außerordentlich erfolgreichen Job Corps-Programms an Ausbildungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen teilnehmen, die von der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit staatlichen Regierungen und Privatfirmenen
durchgeführt werden.
Die Bezahlung
der meisten Arbeitsplätze, für die
Arbeitnehmer
ausgebildet
werden,
liegt über dem allen amerikanischen
Arbeitnehmern durch das Bundesgesetz
garantierten Mindestlohn.
Zusätzlich zur Sozial- und Arbeitslosenversicherung wird bestimmten Personengruppen Unterstützung im Rentenalter und bei Behinderung geboten.
Diese erstreckt sich auf pensionierte
und behinderte zivile Bundesbedienstete, Angehörige des Militärs, Bahnangestellte, durch die "Staublunge"
berufsunfähig gewordene Bergarbeiter
sowie Familienangehörige oder Hinterbliebene dieser Personengruppen.
Die meisten staatlichen und kommunalen Regierungen bieten ihren Angestellten ähnliche Versicherungen gegen Einkommensverlust an.
Im Jahr
1988 waren rund 30 Millionen Amerikaner durch andere öffentliche Rentenversicherungen als die Sozialversicherung abgedeckt.
Jeder Staat bietet darüber hinaus ein
eigene
Berufsunfallversicherung,
die für gewöhnlich durch vom Arbeitgeber entrichtete Steuern finanziert
wird und Arbeitnehmern und ihren Familienangehörigen zusätzliche Versicherungsleistungen
bei Verlust des
Einkommens aufgrund
von Verletzung
oder Tod am Arbeitsplatz bietet. Ei-

nige dieser Programme wurden bereits
Anfang dieses Jahrhunderts ins Leben
gerufen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

VoN^

25. Oktober 1989

39

MEDIZINISCHE VERSORGUNG FÜR BEDÜRFTIGE UND ÄLTERE MENSCHEN
- Vierter von fünf Artikeln zum amerikanischen Sozialwesen -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten
Staaten haben kein einheitliches System der Gesundheitsfürsorge für die
gesamte Bevölkerung.
Es gibt jedoch
zwei Einzelprogramme, die gemeinsam
die medizinische Versorgung für die
Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung abdecken, die keine private oder
vom Arbeitgeber mitfinanzierte Krankenversicherung haben.
MEDICARE wurde
im Jahr
1965 als
Krankenversicherung für ältere Menschen
ins
Leben
gerufen
und
MEDICAID
im gleichen
Jahr verabschiedet, um die Kosten für die medizinische Versorgung der Bedürftigen
und Behinderten zu tragen, die keinen
Anspruch auf MEDICARE haben.
Dem amerikanischen Statistischen Bun-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

desamt zufolge übernahm MEDICARE die
GesundheitsfUrsorgekosten
für
12.6
Prozent und MEDICAID für 8,1 Prozent
der Bevölkerung ; 73,3 Prozent waren
durch vom Arbeitgeber, den Gewerkschaften oder dem Versicherten selbst
abgeschlossenen privaten Versicherungen abgedeckt, und 14,7 Prozent hatten überhaupt keinen Versicherungsschutz.

MEDICARE für die älteren Mitbürger
MEDICARE gliedert sich in zwei Teile. Jeder sozialversicherte Amerikaner über 65 Jahre, kann Krankenhausversicherungsleistungen
in Anspruch
nehmen und praktisch jeder (mit Ausnahm" von Ausländern, die ihren Wohnsitz in den USA haben) kann mit fe-

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�sten
monatlichen
Beitragszahlungen
eine
staatliche
Versicherung
abschließen, die andere Auslagen übernimmt.

nimmt MEDICARE 100 Prozent aller übrigen im Rahmen von Teil B genehmigten Kosten für den Rest des Kalenderjahres.

1987, dem letzten Jahr, für das vollständige Daten zur Verfügung stehen,
erhielten schätzungsweise 32,4 Millionen Amerikaner Leistungen aus dem
MEDICARE-Programm der Bundesregierung
in Höhe von 78,9 Milliarden Dollar.

Wenn ein Arzt oder Krankenhaus mehr
als
den
von
MEDICARE
anerkannten
Höchstbetrag berechnet, muß der Patient für die Differenz aufkommen,
die nicht auf den 1.370 Dollar-Betrag
angerechnet wird.
Die Mehrzahl der
Arzte und Krankenhäuser vereinbaren
jedoch bereits im voraus, nicht mehr
als den von MEDICARE genehmigten Betrag für solche Leistungen zu berechnen.

Die
Krankenhausversicherung
(Teil
A) übernimmt zu 100 Prozent alle
Leistungen in einem von MEDICARE anerkannten
Krankenhaus - unabhängig
von Kosten. Dauer des Krankenhaasaufenthalts oder der Häufigkeit, mit
der sich ein Patient pro Jahr einer
Behandlung unterzieht - nach Zahlung
einer einmaligen "Selbstbeteiligung"
(564 Dollar im Jahr 1989).
Unter
Selbstbeteiligung
versteht man den
Betrag, den ein Patient für einen erforderlichen
Krankenhausaufenthalt
bezahlen muß, bevor MEDICARE die mit
dem Programm abgedeckten Kosten für
Behandlung und Versorgung übernimmt.
Teil A kommt auch für bestimmte Arten
von häuslicher Betreuung auf wie für
die Pflege durch eine Krankenschwester oder einen Krankenpfleger, nachdem der Patient aus dem Krankenhaus
entlassen worden ist.
Außerdem für
bis zu 150 Tage pro Kalenderjahr in
einem von MEDICARE anerkannten Heim
mit
qualifiziertem
Pflegepersonal,
wobei der Patient einen Zuschuß zu
den ersten sechs Tagen der Behandlung
zahlen muß (22 Dollar pro Tag im Jahr
1989) und für unbegrenzte Behandlung
in einer Sterbeklinik.
Im
Rahmen
der
Krankenversicherung
(Teil B) muß ein Patient die ersten
75 Dollar dpr von MEDICARE genehmigten Kosten für Behandlung und Ausgaben pro Kalenderjahr und 20 Prozent
aller danach anfallenden Kosten bis
zu einem Höchstbetrag von 1.370 Dollar im Jahr 1989 übernehmen. Es ist
nicht ausschlaggebend, ob der Patient
oder eine private Krankenversicherung
für diese Kosten aufkommt.
Ist die
1.370 Dollar-Grenze erreicht, über-

Die Krankenhausversicherung im Rahmen
von MEDICARE wird zum Teil aus derselben von der Bundesregierung erhobenen Lohnsummensteuer finanziert wie
die Sozialversicherung.
Die Krankenversicherung (Teil B) wird von den
vom Versicherungsnehmer entrichteten
Monatsbeiträgen getragen (31,90 Dollar im Jahr 1989).
Die Krankenhauskosten werden im allgemeinen direkt von MEDICARE an die
jeweilige Institution bezahlt.
Alle
anderen Behandlungskosten werden vom
Patienten übernommen, der sich dann
zur Rückerstattung an MEDICARE wendet.
Zur Zeit kommt MEDICARE für alle dem
Patienten im Krankenhaus verordneten
Medikamente auf. Vorbehaltlich eines
Einspruchs
durch
den
Kongreß
erstreckt sich diese Bestimmung ab 1.
Januar 1991 auch auf alle anderen
verordneten
Medikamente, bei einer
Selbstbeteiligung des Patienten von
600
Dollar
jährlich.
Wenn
die
Selbstbeteiligung
ausgeschöpft
ist,
übernimmt MEDICARE die Hälfte der Kosten für alle anderen verschriebenen
Medikamente bis zum Ende des Kalenderjahres.

MEDICAID für die Bedürftigen
Im Rahmen der von den Bundesstaaten
verwalteten und gemeinsam mit der
Bundesregierung finanzierten MEDICAID
muß jeder Staat ein Minimum an Lei-

- 2 -

�stungen übernehmen, etwa ambulante
und
stationäre
Klinikhehandlung.
Arztleistungen, qualifizierte Betreuung zu Hause, Laboruntersuchungen und
Röntgendiagnose, Vorsorgeuntersuchungen und Nachsorge für Kinder unter 21
Jahren, Krankenpflege, Beratung bei
der Familienplanung. Sanatorien auf
dem Land sowie Begleitdienste.
Alle Familienmitglieder, die entweder
Zuschüsse
für
Einkommensschwache
(SSI) oder Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten
Kinder
(AFDC)
erhalten,
sind
automatisch
durch
MEDICAID abgedeckt. SSI ist ein vom
Staat
finanziertes und
verwaltetes
öffentliches Hilfsprogramm, in dessen
Rahmen Kindern und älteren Menschen,
Behinderten oder Blinden festgesetzte
monatliche
Beträge
bar
ausgezahlt
werden - auch denjenigen, die über
sehr
begrenzte
finanzielle
Mittel
oder ein geringes Einkommen verfügen
oder nicht vollständig durch andere
größere
Sozialhitfeprogramme
abgedeckt sind. AFDC unterstützt Familien finanziell, in denen ein Elternteil verstorben ist, die Familie verlassen hat, behindert ist oder - in
einigen Staaten - seinen Arbeitsplatz
verloren hat
Dem Bundesgesetz zufolge müssen die
Staaten darüber hinaus minderjährigen
Kindern Bedürftiger und Behinderter
bestimmte
kostenlose
medizinische
Dienste anbieten.
Augen, Gehör und
Zähne dieser Kinder müssen untersucht
und gegebenenfalls behandelt werden.
Ihr Wachstum und ihre Entwicklung muß
regelmäßig überprüft, und sie müssen
gegen ansteckende Krankheiten geimpft
werden.
Die jeweiligen Staaten bestimmen, wer
Anspruch auf MEDICAID hat, und die
Bedingungen sind von Staat zu Staat
unterschiedlich.
In
den
meisten
Staaten kann eine Person MEDICAID in
Anspruch nehmen, wenn das Einkommen
der Familie unter der festgelegten
Armutsgrenze liegt.
Im Jahr 1987 erhielten rund 23,3 Millionen Amerikaner MEDICAID in Höhe

von 47,5 Milliarden Dollar. Der Anteil des Bundes an dieser Gesamtsumme
belief sich auf 26,2 Milliarden Dollar, von denen 40 Prozent auf vier
Staaten entfielen - New York, Kalifornien. Ohio und Pennsylvania.
Der jeweilige Staat oder seine Zahlstelle bezahlt die Kosten für von
MEDICAID abgedeckte Dienstleistungen
für den Versicherungsnehmer
direkt
beim Arzt oder Krankenhaus.
Gemäß
einem vom Kongreß festgelegten Kostenschlüssel übernimmt die Bundesregierung in Staaten mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Einkoramen einen größeren Kostenanteil
der
medizinischen
Versorgung
Im Jahr 1989 bewegt sich
der Anteil des Bundes in den einzelnen Staateo zwischen mindestens 50
und höchstens 80 Prozent und beträgt
durchschnittlich ca. 56 Prozent der
gesamten Programmkosten.
Die Regierungen des Bundes und der Staaten
teilen sich die Verwaltungsausgaben
jeweils zur Hälfte.

Änderungen
gramme

der

medizinischen

Pro-

Im Dezember 1988 verabschiedete der
Kongreß
einen
Gesetzentwurf
für
MEDICARE bei Krankheiten mit katastrophalen Folgen, der mit Unterschrift des Präsidenten zum Gesetz
wurde. Zusätzlich zu stark erweiterter
MEDICARE-Abdeckung
anhaltender
und kostenintensiver Krankheiten der
älteren Menschen müssen die staatlichen
MEDICAID-Prograrame
im
Rahmen
dieses Gesetzes die MEDICARE-Beiträge, Selbstbeteiligung und den Beitragsanteil verarmter älterer und behinderter Amerikaner für Krankenhausaufenthalt
und
Krankenversicherung
übernehmen.
Ab 1. Juli 1990 schreibt das Gesetz
den Staaten erweiterte MEDICAID-Leistungen
für schwangere Frauen und
Kinder von unter einem Jahr vor, wenn
das
verfügbare Einkommen
unterhalb
der Armutsgrenze liegt.
Dem Gesetz
zufolge steht dem Ehepartner eines
Patienten, bei dem eine langfristige

- 3 -

�medizinische Versorgung in einem anerkannten Pflegeheim, einer psychiatrischen Klinik oder anderen Institution erforderlich ist, ausreichendes
verfügbares Einkommen zu. um nicht
unter 122 Prozent der Armutsgrenze zu
sinken.
Ältere Amerikaner lehnten das Gesetz
von 1938 jedoch ab, vor allem wegen
der Art seiner Finanzierung - durch
eine Ergänzungsabgabe zur Einkommenssteuer für ältere Menschen, bei der
die vermögenderen einen höheren Prozentsat/, als die einkommenssehwachen
Versicherten zahlen.
Am 4. Oktober
stimmte das amerikanische Repräsentantenhaus über einen Einspruch ab,
und zwei Tage später verabschiedete
der Senat eine Maßnahme zur Abschaffung der Ergänzungsabgabe und Aufrechterhai tung unbegrenzter Übernahme
der Kr-inkenhauskosten durch MEDICAX.E
sowie erweiterte MEDICARE Leistungen
für die Einkomuensschwachen. wid^rri.'f jedoch andere MEDICARE-Klausein
für Krankheiten
mit
katastrophalen
Folgen, die nach 1989 in Kraft treten
sol lter,.

Die Ausgaben von Bund, Staaten und
Gemeinden
für
Gesundheitsfürsorge
(einschließlich durch Lohnsuramensteuer
finanzierte
MEDICARE-Leistungen)
stiegen von 19 Milliarden Dollar im
Jahr 1967 auf 202 Milliarden Dollar
im Jahr 1987 und machten 1987 fast 41
Prozent der Gesamtausgaben im Bereich
des Gesundheitswesens aus.

Bis die beiden gesetzgebenden Kammern
ihre Meinungsverschiedenheiten beigelegt hoben und der Präsident einen
Kompromi ßvorschlag
unterzeichnet,
bleibt das Schicksal der durch die
Maßnahm* von 1988 erzwungenen Gesetzesönderung ungewiß.

US-Aufwendungen
sorge

für

Gesundheitsfür-

Die Ausgaben für das amerikanische
Gesundheitswesen nehmen innerhalb der
amerikanischen
Volkswirtschaft
am
schnellsten zu und stiegen von 51
Milliarden Dollar oder 6,3 Prozent
des
Bruttosozialprodukts
(BSP)
im
Jahr 1967 auf 497 Milliarden Dollar
oder 11,2 Prozent des BSP im Jahr
1987.
Im gleichen Zeitraum erhöhten
sich die Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheitsfürsorge von 247 Dollar auf
1.973 Dolla-.
- 4 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

'VON«*

39

25. Oktober 1989

PRO-KOPF-EINKOMMEN STEIGT, AUSMASS DER ARMUT UNVERÄNDERT

Artikel Über eine Pressekonferenz des Statistischen Bundesamts
der Vereinigten Staaten -

WASHINGTON - (AD) - Vertretern der
amerikanischen Regierung zufolge ist
das Pro-Kopf-Einkommen in den Vereinigten Staaten im Jahr 1988 auch inf lationsbereinigt
angestiegen. während sich die Zahl der Personen unterhalb der amtlich festgelegten Armutsgrenze nicht verändert hat.
"In diesem Jahr haben die meisten
Gruppen Verbesserungen erzielt oder
das Niveau des Vorjahres gehalten",
erklärte William Butz, der für demographische
Entwicklungen
zuständige
stellvertretender Direktor des Statistischen Bundesamts der Vereinigten
Staaten am 18. Oktober 1988 bei der
Vorstellung der ersten nach Alter,
Rasse,
Familienstand,
Haushaitstvp.
geographischen Gebieten und anderen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Merkmalen
unterteilten
Studie
des
Amts über die Einkommensentwicklung
im Jahr 1988.
Während das Pro-Kopf-Einkommen inflationsbereinigt
auf die Rekordsumme
von 13 120 Dollar stieg, hielt ein
seit 20 Jahren bestehender Trend an,
wonach die Zahl der ärmsten und der
reichsten Bürger weiter zunahm. Das
bedeutet, daß der Anteil der Mittelklasse an der Gesamtbevölkerung abnimmt.
Butz zufolge sind sich die
Experten über die Gründe dieses Phänomens nicht im klaren.
Das
inflationsbereinigte
Pro-KopfEinkommen, auch als reales Pro-KopfEinkommen bezeichnet, stieg für die
meisten Schwarzen von 1987 bis 1988

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�an. Der 3,9prozentige Zuwachs erhöhte die Einkommen auf 8 270 Dollar pro
schwarzem Bürger.
Der im Jahr 1988 für Weiße verzeichnete geringere Anstieg von 1,5 Prozent bescherte diesen trotzdem ein
stark
gestiegenes
Durchschnittseinkommen von 13 900 Dollar, da sie
schon vorher ein wesentlich höheres
Niveau erreicht hatten.
Das Realeinkommen der Hispano-Amerikaner blieb mit 7 960 DoLlar im Jahr
1988 unverändert.
Die Zahl der Personen unterhalb der
amtlich festgelegten Armutsgrenze lag
im Jahr 1988 mit 31,9 Millionen kaum
niedriger als im Jahr 1987, als sie
32,3 Millionen betrug. Mit der Aussage, daß dieser Unterschied statistisch nicht ins Gewicht fällt, verweisen die Statistiker darauf, daß
die Differenz zwischen den beiden
Zahlen auf verfahrenstechnischen oder
Rechenfehlern beruhen könnte.

zent. Die Quoten des Jahres 1987 waren praktisch gleich.
Etwa 75 Prozent aller Armen lebten in
Familien.
Innerhalb dieser Gruppe
waren alleinerziehende Mütter besonders stark von Armut betroffen.
Zum Beispiel war bei 75,6 Prozent aller schwarzen Familien, die unterhalb
der Armutsgrenze lebten, eine alleinerziehende
Frau
Haushaltsvorstand.
Bei Hispano-Amerikanern lag die Vergleichsquote bei 47,9 Prozent, bei
Weißen erreichte sie 43,5 Prozent.
In fast der Hälfte der armen Familien
(48,3 Prozent) gab es im Jahr 1988
berufstätige Mitglieder, In 16,4 Prozent dieser Familien hatte zumindest
ein Familienmitglied einen Vollzeitarbeitsplatz. Letztere Zahl bedeutet
im Vergleich zum Jahr 1987 eine Zunahme, als nur In 14,6 Prozent der
armen Familien mindestens ein Familienmitglied einen Vollzeitarbeltsplatz
hatte, das Familieneinkommen dennoch
unter der Armutsgrenze lag.

Die Arrautsquote belief sich im Jahr
1988 auf 13,1 Prozent, während sie
1987 13,4 Prozent betragen hatte.
Die Armutsgrenze wird jedes Jahr von
der Bundesregierung nach den Lebenshaltungskosten und der Zahl der Familienmitglieder neu festgesetzt.
Im
Jahr 1988 lag die Armutsgrenze für
einen
Vier-Personen-Haushalt
bei
12 092 Dollar.
Die Armutsquote hatte im Jahr 1978
mit 11,4 Prozent ihren niedrigsten
Stand seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht. Der Anteil der Armen an der
Gesamtbevölkerung
stieg
inflationsund
rezessionsbedingt
auf
einen
Höchststand von 13,5 Prozent im Jahr
1983.
Die Armutszahlen unterscheiden sich
stark
je nach Rassenzugehörigkeit.
Während die Quote bei Weißen im Jahr
1988 bei 10,1 Prozent lag, erreichte
sie bei den Schwarzen 31,6 und bei
den
Hispano-Amerikanern
26.8
Pro-

* * * * *

&lt;

�^eos^

^VoN^

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

25. Oktober 1989

39

SICHERE LANDUNG DER RAUMFÄHRE NACH GEGLÜCKTER AUSSETZUNG
DER RAUMSONDE GALILEO

WASHINGTON - (AD) - Die Besatzung der
Raumfähre ATLANTIS
ist nach einer
fünftägigen Mission im All, in deren
Verlauf
die
unbemannte
Raumsonde
GALILEO auf den Weg durch das Sonnensystem zum Planeten Jupiter gebracht
wurde, sicher zur Erde zurückgekehrt.
Am 23. Oktober 1989 machte die Raumfähre um ] 7! 33 Uhr MEZ eine perfekte
Landung auf einem zum LuftwaffenStützpunkt Edwards in Kalifornien gehörenden ausgetrockneten See in der
Mojave-WUste.
Damit wurde der 31.
Flug einer Raumfähre insgesamt und
der sechste seit der CHALLENGER-Katastropbe erfolgreich beendet.
Die ATLANTIS
landete drei Stunden
früher als vorgesehen, um für später
vorhergesagten
stürmischen
Winden

United States Information Service
Embassy of the United States of America

auszuweichen.
Bei zu starkem Wind
hätte die Landung bis zum nächsten
Tag verschoben werden können.
"Wir gratulieren zu einer hervorragenden Mission," funkte das Raumfahrtzentrum in Houston, nachdem die
Astronauten die Raumfähre zum Stillstand gebracht hatten.
"Sie haben
den Aktionsradius der Raumfähre zu
den äußeren Planeten ausgedehnt."
Während die Astronauten zur Erde zurückkehrten, befand sich die von der
ATLANTIS am 18. Oktober 1989 gestartete Raumsonde GALILEO schon 1,6 Millionen Kilometer von der Erde entfernt auf der ersten Etappe einer
sechsjährigen Reise durch das Sonnensystem
zum Riesenplaneten
Jupiter.
Der Bodenkontrolle zufolge funktio-

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Telex: 8-85432

�nieren alle
einwandfrei.

Systeme

der

Raumsonde

Die Flugbahn von GALILEO wird einmal
an der Venus und zweimal an der Erde
vorbeiführen,
bevor
die
Sonde
schließlich am 7. Dezember 1995 den
Jupiter erreichen wird.
Nach ihrer
Ankunft wird GALILEO 22 Monate lang
den Jupiter und seine Monde erforschen. Damit wird zum ersten Mal eine Raumsonde einen der äußeren Riesenplaneten umkreisen.
Eine weitere Sonde an Bord von Galileo wird in die Jupiter-Atmosphäre
eintauchen und von dort Daten zur Erde zurücksenden, durch die sich Wissenschaftler
genauere
Aufschlüsse
über den Ursprung des Sonnensystems
erhoffen. Nach etwa 75 Minuten wird
diese Sonde wahrscheinlich durch Umwelteinflüsse
des Jupiter zerstört
werden.
Die Astronauten setzten GALILEO etwa
sechseinhalb Stunden nach dem Start
der Raumfähre aus und wandten dann
ihre Aufmerksamkeit einer Reihe von
Experimenten zu, im Rahmen derer sie
mit einer speziellen 70-Mi11imeterKamera im Orbit Aufnahmen für einen
Umweltfilm machten.
Unter anderem wurden Nord- und Südkorea gefilmt, ferner Japan. China und
der Taifun Elsie über dem Südchinesischen Meer. Die Astronauten machten auch Filmaufnahmen von Europa,
der Meerenge von Gibraltar, den griechischen Inseln, dem Nahen Osten mit
Israel und bewässertem Ackerland in
Saudi-Arabien.
Die Aufnahmen
sind
für einen Film mit dem Titel Blue
Planet bestimmt, der von der Iaiax
Systems Corporation in Toronto produziert wird. Er wird nächstes Jahr im
September
im
Nationalen
Luft- und
Raumfahrtmuseum in Washington erstmals gezeigt werden.
Die Besatzung führte ferner eine Reihe von Experimenten durch, unter anderem, um Wissenschaftlern bei der
Beobachtung der die Erde schützenden
Ozonschicht zu helfen und ein ande-

res, um die Bildung vom Molekülen und
Eiskristallen im Weltall zu beobachten.
Darüber hinaus führten die Astronauten
medizinische
Untersuchungen
durch, um mehr über die Ursachen der
Weltraumkrankheit zu erfahren, an der
etwa die Hälfte aller Astronauten erkranken. Als Teil einer anderen medizinischen Versuchsreihe wurden bei
zwei Astronauten, dem Piloten Michael
McCuliey und der Ärztin Ellen Baker
nach der Landung Muskelgewebeproben
entnommen, um sie mit entsprechenden
vom dem Start entnommenen Proben zu
vergleichen. So will man herausfinden, ob und unter Umständen welche
Auswirkungen die Schwerelosigkeit auf
Zellgewebe hat.
Die Besatzung, zu der auch der Kommandant
Donald
Williams
und
die
Astronauten Shannon Lucid und Frank
Chang-Diaz zählten, setzten zu ihrem
einstündigen Abstieg zur Erde über
dem Indischen Ozean an, als Williams
und McCuliey die beiden Bremsraketen
der Raumfähre zündeten und damit die
Geschwindigkeit
der
Raumfähre
so
drosselten, daß sie die Erdumlaufbahn
verlassen und wieder in die Erdatmosphäre eintreten konnte.
Nach dem
Flug entlang der kalifornischen Küste
setzte die Raumfähre zu einer sanften
Landung in Edwards an.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mosbacher: die Rolle der Marktwirtschaft In den Ost-West-Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Wirtschaftsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: USA streben mit UdSSR Minimierung der Erstschlagfähigkeit an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Außenministers beim Commonwealth Club&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Versicherung für Arbeitslose&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dritter von fünf Artikeln über das amerikanische Sozialwesen&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Medizinische Versorgung für Bedürftige und ältere Menschen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vierter von fünf Artikeln über das amerikanische Sozialwesen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pro-Kopf-Einkommen steigt, Ausmaß der Armut unverändert&lt;br /&gt;Artikel über eine Pressekonferenz des statistischen Bundesamts der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sichere Landung der Raumfähre nach geglückter Aussetzung der Raumsonde GALILEO</text>
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                    <text>amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
25. Oktober 1995

30

AUSSENPOLITIK

FUHRUNGSROLLE DER USA IST FÜR SICHERHEIT UND WOHLSTAND ENTSCHEIDEND
Rede von Präsident Clinton

VEREINTE NATIONEN

CLINTON UNTERBREITET NEUE UN-TAGESORDNUNG FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT
Rede des Präsidenten vor der
UN-Generalversammlung

USA-IRAN

IRAN - DER PREIS FÜR VERANTWORTUNGSLOSES VERHALTEN
von Peter Tarnoff

NICHTVERBREITUNG

USA DRÄNGEN AUF VERTRAG ÜBER EIN
UMFASSENDES ATOMTESTVERBOT
Rede von ACDA-Direktor Holum

DATENAUTOBAHN

NEUES VON DER DATENAUTOBAHN
Übersicht jüngster Entwicklungen

AIDS

ÜBERLEBEN
von Kathleen Fackelmann

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Um Übersendung von
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�RELIGION

AMERIKA UND SEINE RELIGIONSVIELFALT
von Carolyn J. Mooney

Diese Artikel sind elektronisch abrufbar.
Nähere Informationen erhalten Sie bei der
Presseabteilung der Amerikanischen Botschaft
unter den unten angegebenen Adressen.

�AUSSENPOLITIK
25. Oktober 1995

Führungsrolle der USA ist für
Sicherheit und Wohlstand entscheidend
Rede von Präsident Clinton
WASHINGTON - (AD) - In einer im Weißen Haus weithin als Grundlage für seinen Kampf um eine Wiederwahl
erachteten Rede vor dem Freedom House - einer vor fünf Jahrzehnten gegründeten Privatorganisation zur
Förderung einer überparteilichen Außenpolitik in Amerika - setzte sich Präsident Clinton für eine interventionistische Außenpolitik in einer Zeit haushaltspolitischer Engpässe ein und rief dazu auf, den
Isolationismus zu bekämpfen.
Wenn die Vereinigten Staaten nicht weltweit eine Führungsrolle übernähmen, würden ihre Werte von
Demokratie und Marktwirtschaft nicht überdauern, erklärte der Präsident.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten vom 6. Oktober 1995 im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, hier mit Ihnen allen in Freedom
House zu sein. Seit über 50 Jahren ist Freedom
House eine Stimme für die Menschenwürde. Dank
Ihrer Arbeit geht es Menschen auf der ganzen Welt
besser. Ich freue mich sehr, daß Freedom House
diese buntgemischte und dynamische Gruppe
versammelt hat. Es kommt nicht so oft vor, daß die
Carnegie-Stiftung, das Progressive Policy Institute,
die Heritage Foundation und der American Foreign
Policy Council unter einer Flagge fahren.
Das beweist, daß es in unserem Land ein starkes,
dynamisches Zentrum gibt, das eine fortgesetzte
Führungsrolle Amerikas auf der Welt unterstützt. Wir
alle setzen uns dafür ein. Und ich möchte öffentlich
dem Außenminister und Tony Lake sowie anderen
Mitgliedern unseres außenpolitischen Teams danken. Dank auch an Thomas McLarty, der sich
besonders in Lateinamerika für unsere Belange
eingesetzt hat. Und ich möchte Ihnen allen danken,
die Sie diese ständigen Bestrebungen unterstützen.
Wie Sie wissen, strebte ich 1991 die Präsidentschaft
an, weil es meines Erachtens wichtig war, für alle
Amerikaner den Amerikanischen Traum wiederherzustellen und in der Welt nach dem Kalten Krieg die
Führungsrolle Amerikas erneut zu bekräftigen. Im
Zuge des Übergangs vom Industrie- zum Informationszeitalter, von der Welt des Kalten Krieges zum
Weltdorf, haben wir die außergewöhnliche Chance,
unsere Werte im In- und Ausland zu fördern. Aber
wir sehen uns dabei auch mit einigen schwierigen
Herausforderungen konfrontiert.

AMERIKA DIENST 30

Wir wissen, daß wir in unserem Land die Pflicht
haben, allen Bürgern die Chance zu geben, das
Beste aus Ihrem Leben zu machen, ihre Familien und
Gemeinden zu stärken. Wir wissen auch, daß wir die
Pflicht haben, im Ausland Freiheit und Demokratie,
Wohlstand und den Schutz unseres Planeten zu
fördern. Wir wissen, daß die Kräfte der Integration
und des wirtschaftlichen Fortschritts auch die Saat
der Zerstörung und größerer Ungleichheit beinhalten.
Wir wissen, daß Familien, Gemeinden und Nationen
anfällig für die organisierten Kräfte der Zerstörung
und der siegessicheren Mentalität in Politik und
Wirtschaft sind. Wir haben dieses Wissen und daher
eine um so größere Pflicht zur Förderung unserer
Werte und Interessen.
Freedom House verdient meines Erachtens außerordentliches Lob für den Zeitpunkt dieser Veranstaltung. Ich frage mich, ob Adrian Karatnycky und sein
Kollege wußten, daß die Vereinigten Staaten an den
Tagen vor dieser Diskussion die Chance haben
würden, die Behauptung so lebhaft unter Beweis zu
stellen, die diese Konferenz fördern möchte: Daß die
amerikanische Führungsrolle und ihre überparteiliche
Unterstützung eine absolut notwendige Quelle
unserer Stärke im Inland und unseres Erfolgs im
Ausland sind.
Wir müssen für Demokratie und Freiheit stehen. Wir
müssen für Chancen und Verantwortung auf einer
Welt stehen, in der die Trennlinie zwischen Innenund Außenpolitik zunehmend verwischt wird.

Seite 1

�Unsere persönliche, familiäre und nationale Sicherheit wird zunehmend von unserer Politik gegenüber dem Terrorismus im In- und Ausland beeinflußt.
Unser persönlicher, familiärer und nationaler Wohlstand wird von unserer Marktwirtschaft im In- und
Ausland beeinflußt. Unsere persönliche, familiäre
und nationale Zukunft wird von unserer Umweltpolitik
im In- und Ausland beeinflußt. Das Gemeinwohl im
Inland kann einfach nicht von unseren Bestrebungen
zum Förderung des Gemeinwohls auf der ganzen
Welt getrennt werden. Sie müssen ein und dasselbe
sein, wenn wir in der Welt des 21. Jahrhunderts
wirklich sicher sein wollen.
i

Wir sehen die Vorteile der amerikanischen Führungsrolle und die jetzt in Bosnien gemachten
Fortschritte. In den letzten Wochen haben unser
Militär im Rahmen der NATO und unsere entschlossene Diplomatie in der gesamten Region die Konfliktparteien einer Lösung näher gebracht als zu
jedem anderen Zeitpunkt seit Beginn dieses schrecklichen Krieges vor vier Jahren. Gestern halfen wir
beim Abschluß des Abkommens über einen Waffenstillstand in ganz Bosnien. Jetzt kommen die
Parteien zur Fortsetzung der Friedensgespräche in
den Vereinigten Staaten zusammen, die von unserem Verhandlungsteam sowie unseren europäischen
und russischen Kollegen vermittelt wurden.
Wir haben noch einen langen Weg vor uns, und es
gibt keine Erfolgsgarantie. Aber wir werden unseren
gesamten Einfluß nutzen, um den Konfliktparteien
beim Abschluß eines Friedens zu helfen, der Bosnien als einheitlichen demokratischen Staat erhält
und die Rechte aller Bürger ungeachtet ihrer ethnischen Zugehörigkeit schützt.
Falls und wenn der Frieden kommt, ist damit die
Verantwortung der internationalen Völkergemeinschaft nicht beendet. Nach all dem Blutvergießen,
dem Haß, den verlorenen Jahren wird der Frieden
sicherlich brüchig sein. Die internationale Staatengemeinschaft muß bei seiner Sicherung Beistand
leisten. Die einzige zur starken und wirksamen
Erfüllung dieser Pflichten fähige Organisation ist die
NATO. Und als führendes Bündnismitglied müssen
die Vereinigten Staaten das Ihrige tun und Truppen
entsenden, um unsere mit klaren Regeln für das
Engagement unter dem Kommando der NATO
stehenden Verbündeten zu unterstützen. Sollten wir
scheitern, wären die Konsequenzen für Bosnien und
die Zukunft der NATO gravierend. Wir dürfen nicht
versagen.
Die Vereinigten Staaten werden ihre Truppen nicht
in den Kampf nach Bosnien entsenden. Wir werden
sie nicht in einen Frieden schicken, der nicht aufrechterhalten werden kann. Aber wir müssen unsere

Seite 2

Macht zur Sicherung dieses Friedens einsetzen. Ich
habe zugesagt, den Kongreß zu konsultieren, bevor
ich unsere Beteiligung an einer solchen Aktion
genehmige. Diese Konsultationen haben bereits
begonnen.
Meines Erachtens versteht der Kongreß die Bedeutung dieses Zeitpunkts und der amerikanischen
Führungsrolle. Ich freue mich, daß Herr Livingston
heute den Vorsitz dieser Zusammenkunft führt. Ich
vertrete bereits seit zwei Jahren konsequent die
Meinung, daß wir eine Unterstützung des Kongresses
wünschen und begrüßen. Aber in Bosnien und
andernorts wird die Arbeit nicht getan, wenn die
Vereinigten Staaten nicht die Führung übernehmen.
Wir sahen die Vorteile der amerikanischen Führungsrolle auch vergangene Woche im Weißen Haus, als
Politiker aus dem gesamten Nahen Osten zusammenkamen, um das Abkommen zwischen Israel und
den Palästinensern zu unterstützen. Seit nahezu
einem halben Jahrhundert setzen sich Administrationen der Demokraten und der Republikaner für die
Sache des Friedens im Nahen Osten ein. Das
Verdienst hier gebührt den Friedensstiftern. Aber wir
alle sollten stolz darauf sein, daß unsere Bestrebungen in kritischen Momenten dazu beitrugen, den
Unterschied zwischen Scheitern und Erfolg zu
bewirken.
Vor praktisch genau einem Jahr führten die Vereinigten Staaten die internationalen Bestrebungen an,
Haitis Militärregierung abzusetzen und den Menschen
auf Haiti eine wirkliche Chance für Demokratie zu
geben. Wir waren erfolgreich, weil wir unsere Diplomatie mit Sanktionen und letztlich mit Macht verstärken. Wir waren erfolgreich, weil wir verstanden,
daß der Einsatz für Demokratie in unserer Hemisphäre richtig für die Haitianer und richtig für Amerika war.
Die amerikanischen Bestrebungen in Bosnien, dem
Nahen Osten, Haiti und andernorts erforderten
Investitionen in Form von Zeit, Energie und Mitteln.
Sie erforderten ausdauernde Diplomatie und den
maßvollen Einsatz der stärksten Streitmacht der Welt.
Sie erforderten gleichermaßen Entschlossenheit und
Flexibilität bei unseren Bestrebungen zur Übernahme
einer Führungsrolle und zur Zusammenarbeit mit
anderen Nationen. Und bisweilen mußten wir Entscheidungen treffen, die notwendigerweise kurzfristig
unpopulär waren und sich nicht schon nach Tagen
oder Wochen, sondern erst nach Monaten oder
Jahren auszahlen.
Vielen Amerikanern fiel es manchmal schwer, die
Notwendigkeit dieser Entscheidungen zu verstehen,
weil sie - wie viele Entscheidungen direkt nach dem
Zweiten Weltkrieg - ohne den Vorteil eines über-

AMERIKA DIENST 30

�greifenden Ordnungsprinzips getroffen werden
mußten, wie es lange Jahre vom bipolaren Kalten
Krieg bereitgestellt wurde.
Um eine populäre Analogie aus der heutigen Zeit zu
verwenden: Es scheint keine main-frame-Erklärung
für die PC-Welt zu geben, in der wir leben. Wir
müssen uns von Abstraktionen und Dogmen befreien, beharrlich experimentieren, dabei Irrtümer
einkalkulieren und auf dieser Grundlage eine Politik
verfolgen, die unsere Werte von Freiheit und Demokratie, Frieden und Sicherheit fördert.
Wir müssen weiterhin die Verantwortung einer
weltweiten Führungsrolle übernehmen. Aus diesem
Grund sind Sie hierhergekommen, und darüber
möchte ich heute mit Ihnen sprechen. Es ist mehr
als nur ein glücklicher Zufall, daß die Geburt der
überparteilichen Unterstützungfürdie amerikanische
Führungsrolle auf der Welt mit der Gründung dieser
Organisation durch Eleanor Roosevelt und Wendel!
Willkie im Jahr 1941 zusammenfiel, als Demokraten
und Republikaner, Liberale, Konservative und Gemäßigte gleichermaßen zum ersten Mal unsere besondere Verpflichtung zur Übernahme einer Führungsrolle in der Welt verstanden.
Die Ergebnisse dieser verantwortungsbewußten
Führung waren wirklich beeindruckend: Der Sieg im
Krieg und der Aufbau einer Welt nach dem Kalten
Krieg. Nicht mit abstrakten Dogmen, sondern erneut
über einen Zeitraum von fünf Jahren mit auf den
neuen Gegebenheiten gegründeten Erfahrungen,
durch Experimentieren mit einem unerschütterlichen
Streben nach unseren eigenen Werten schufen wir
die NATO, den Marshallplan, das Bretton WoodsSystem - die Institutionen, die den Frieden in Europa
sicherten, den atomaren Konflikt vermieden, zur
Ausbreitung von Demokratie beitrugen, uns beispiellosen Wohlstand brachten und letztlich den
Triumph der Freiheit im Kalten Krieg sicherstellten.
In diesem Kampf erinnerten Freedom House und
ähnliche Organisationen die Amerikaner daran, daß
unsere Führung von essentieller Bedeutung ist und
zur Förderung unserer Interessen weiterhin in unseren Werten wurzeln und auch in Zukunft Demokratie
und Freiheit unterstützen muß, um Frieden und
Sicherheit, Wohlstand und den Schutz unseres
Planeten zu gewährleisten.
Bei der Verfolgung dieser Ziele ist es wichtig, immer
daran zu denken, daß unsere Werte und unsere
Interessen ein und dasselbe sind. Die Förderung
von Demokratien, die an diesem neuen globalen
Markt teilnehmen, ist genau das Richtige. Trotz ihrer
Mängel fördern sie, was alle Menschen wünschen
und wofür sie oft kämpfen und sterben: Menschen-

AMERIKA DIENST 30

würde, Sicherheit und Wohlstand. Wie wir wissen, ist
es weniger wahrscheinlich, daß diese Demokratien
Krieg führen, sich an terroristischen Aktivitäten
beteiligen, und sie werden sich eher gegen die Kräfte
des Hasses, der Intoleranz und organisierten Zerstörung wenden.
Während des sogenannten amerikanischen Jahrhunderts waren sich Republikaner und Demokraten bisweilen leidenschaftlich - uneins über spezifische
politische Maßnahmen, aber wir waren uns immer
über die Notwendigkeit einig, für die Sache von
Demokratie, Freiheit, Sicherheit und Wohlstand eine
amerikanische Führungsrolle zu übernehmen. Jetzt
ist dieser Konsens wirklich in Gefahr, und interessanterweise in beiden Parteien. Stimmen vom linken
und rechten Spektrum fordern uns auf, uns den
heutigen Herausforderungen zu entziehen, statt sie
anzugehen. Sie drohen, die überparteiliche Unterstützung für unsere Führungsrolle umzukehren, die
seit 50 Jahren für unsere Stärke entscheidend ist.
Manche sind wirklich davon überzeugt, daß die
Vereinigten Staaten nach dem Kalten Krieg in der
Welt eine sekundäre Rolle spielen können, ebenso
wie es einige nach dem Zweiten Weltkrieg dachten
und wofür andere nach dem Ersten Weltkrieg Sorge
trugen.
Wenn Sie sich die Ergebnisse ansehen - von Bosnien
bis Haiti, vom Nahen Osten bis Nordirland - zeigt sich
erneut, daß eine Führungsrolle der Vereinigten
Staaten unerläßlich ist, weil sonst unsere Werte,
unsere Interessen und sogar der Frieden selbst in
Gefahr wären.
Es ist jetzt zu einem Gemeinplatz geworden, den
derzeitigen Isolationismus auf das Ende des Kalten
Krieges zurückzuführen, weil es in dieser PC-Welt
nicht länger eine main-frame-Bedrohung gibt. Bei
meiner Amtsübernahme habe ich jedoch deutlich
gemacht, daß viel Arbeit vor uns liegt, bis wir unser
Haus in Ordnung gebracht haben.
Ich stimme zu, daß Amerika sich im Inland Herausforderungen gegenübersieht, die in Angriff genommen
werden müssen. Wir müssen unsere Wirtschaft
wiederbeleben und Chancen für alle Bürger schaffen.
Wir müssen wieder das Element der Verantwortung
in unsere sozialen Programme einführen sowie
unsere Familien und Gemeinden stärken.
Wir
müssen unsere Regierung reformieren, um sie
"schlanker" und effektiver zu gestalten. Aber wir
können all diese Dinge nicht isoliert von der Welt
erreichen, zu deren Gestaltung wir so viel beigetragen haben und in der wir weiterhin die Führung
übernehmen müssen.

Seite 3

�Betrachten Sie sich die Ereignisse. Viele der neuen
Demokratien auf dieser Welt leisten sehr harte
Arbeit. Ich treffe immer wieder mit ihren führenden
Politikern zusammen. Sie glauben an die Sache der
Freiheit und müssen in ihren Ländern gegen unglaubliche Hindernisse ankämpfen. Aber ihr Fortschritt steht auf tönernen Füßen, und das dürfen wir
nie vergessen. Wir müssen sie als etwas im Wachstum Begriffenes sehen, das Betreuung in einem
Prozeß braucht, der immer noch umgekehrt werden
kann.
Ferner müssen wir uns auch bewußt sein, daß wir
uns einer Bedrohung gegenübersehen, die neue und
bisweile gefährliche Dimensionen angenommen hat:
Die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen. Im technologischen Zeitalter kann das
einfach nur bedeuten, in einer Tokioter U-Bahn eine
Phiole Saringas zu öffnen. Es könnte bedeuten, sich
ins Internet einzuloggen und zu lernen, wie man eine
Bombe baut, die im Herzen Amerikas ein Regierungsgebäude in die Luft sprengen kann. Diese
Kräfte könnten ebenso wie der Faschismus und der
Kommunismus Dunkelheit statt Licht verbreiten,
Zersplitterung statt Integration, Chaos statt Gemeinschaft. Und diese Kräfte erfordern immer noch eine
Führungsrolle der Vereinigten Staaten.
Ich möchte es noch einmal wiederholen: Die einst
klare Linie zwischen Innen- und Außenpolitik verwischt immer mehr. Wenn ich irgend etwas tun
könnte, um die Sprachgewohnheiten der im öffentlichen Leben Stehenden zu ändern, würde ich dafür
sorgen, daß die Menschen nicht länger über Außenpolitik und Innenpolitik sprechen, sondern vielmehr
beginnen, Wirtschaftspolitik, Sicherheitspolitik, Umweltpolitik - was auch immer - zu erörtern.
Wenn Sie über die Welt nachdenken, in der sie
leben, sehen sie sofort, daß die Unterscheidung
zwischen Außen- und Innenpolitik sich auf tiefgreifende Art verflüchtigt. Und wenn Sie lernen könnten,
auf andere Weise darüber zu sprechen, würde allein
unsere Sprach- und Denkweise meines Erachtens
den Isolationismus als Alternative zu Öffentlichkeitsarbeit vollkommen unmöglich machen.
Wenn in einigen Tagen der mexikanische Präsident
in die Staaten kommt und wir über Drogenprobleme
sprechen, sprechen wir dann über innen- oder
außenpolitische Probleme? Wenn wir über Einwanderung sprechen, geht es dann um eine innenodereine außenpolitische Angelegenheit? Wenn wir
über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen
(NAFTA) und den Handel sprechen, geht es dann
um Mexikos Außen- und unsere Innenpolitik? Wir
müssen das auf ganz andere Art und Weise ver-

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stehen. Und wir müssen lernen, auf verschiedene
Weise darüber zu sprechen.
Die Isolationisten haben einfach unrecht. Wir mögen
mit einem neuen und veränderten Umfeld konfrontiert
sein, aber um seine Herausforderungen und Chancen
bewältigen zu können und unsere dauerhaften Werte
zu fördern, müssen wir uns in der Welt mehr, nicht
weniger engagieren. Aus diesem Grund unternehmen wir in der Administration alles in unserer Macht
Stehende, um den Kampf gegen die nukleare Bedrohung anzuführen, Demokratie und Menschenrechte zu verbreiten, den Frieden zu fördern, Märkte
zu öffnen, die internationale Völkergemeinschaft zu
vergrößern und zu verteidigen, unsere Bestrebungen
und Werte nicht auf abstrakte, sondern auf praktische
und unmittelbare Weise zum Wohl des amerikanischen Volkes einzusetzen.
Betrachten Sie sich nur einige Beispiele. Heute ist
jeder Amerikaner sicherer, weil wir uns vom nuklearen Abgrund entfernt haben. Russische Raketen sind
nicht länger auf unsere Bürger und amerikanische
Raketen nicht länger auf russische Bürger gerichtet.
Dank der von Präsident Reagan, Präsident Bush und
unserer Administration erzielten Abkommen bauen
unsere beiden Länder ihr Nuklearwaffenarsenal ab.
In den letzten drei Jahren konnten wir die Ukraine,
Kasachstan und Belarus davon überzeugen, auf die
Nuklearwaffen zu verzichten, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf ihrem Territorium
verblieben. Wir überzeugten Nordkorea, sein Nuklearprogramm einzufrieren. Wir stellten die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags sicher.
Wir arbeiten hart daran, daß Nuklearmaterial nicht in
den Händen von Terroristen oder internationalen
Verbrechern endet. Und ich hoffe und bete, daß wir
im kommenden Jahr ein umfassendes Atomtest verbot
erzielen.
Die Amerikaner sind sicherer dank unserer harten
Kampagne zur Bekämpfung des Terrorismus, einschließlich engerer Zusammenarbeit mit ausländischen Regierungen, Sanktionen gegen den Terrorismus fördernde Staaten sowie Erhöhung der Finanzierung, Stärke und Ausbildung unserer Strafverfolgungsbehörden. Dies half uns bei der Erzielung von
Ergebnissen - großen, sichtbaren Ergebnissen wie
erst diese Woche die Verurteilung derjenigen, die
sich an der Terrorkampagne in New York beteiligten
und nicht so sichtbaren, aber dennoch äußerst
wichtigen Dingen wie die Vereitelung geplanter
Terroranschläge auf die Vereinigten Staaten und
amerikanische Bürger oder der in anderen Ländern
durch unsere Zusammenarbeit sichergestellten
Verhaftungen.

AMERIKA DIENST 30

�Wir haben die Verpflichtung, uns immer stärker dafür
einzusetzen. Und wenn es auf der Welt ein Gebiet
gibt, auf dem kein Unterschied zwischen Innen- und
Außenpolitik besteht, dann ist es zweifellos unsere
gemeinsame Aufgabe, bei der Bekämpfung des
Terrorismus zusammenzuarbeiten.
Aus diesem Grund habe ich bereits vor Oklahoma
City eine Gesetzesvorlage ins Kapitol gesandt, in der
ich zusätzliche Mittel und Hilfe beim Umgang mit der
Bedrohung durch den Terrorismus anforderte. Und
nach Oklahoma City modifizierte und stärkte ich
diese Gesetzgebung. Der Senat verabschiedete den
Gesetzentwurf schnell, aber ich bin sehr enttäuscht
darüber, daß er jetzt im Repräsentantenhaus liegengeblieben ist. Wir brauchen dieses Gesetz.
Meines Erachtens müssen die Strafverfolgungsbehörden der Bundesregierung zur Rechenschaft
gezogen werden. Wir müssen offen über das sprechen, was in der Vergangenheit geschehen ist. Das
ist jedoch unabhängig von unserer Verpflichtung
sicherzustellen, daß das amerikanische Volk über
die zur Bekämpfung des Terrorismus erforderlichen
Mittel verfügt. Ich wiederhole es nochmals: Ich
hoffe, daß die Antiterrorismusgesetze angenommen
werden. Wir brauchen sie. Die Bedrohung wird
größer, nicht kleiner.
Als wir in Haiti der Demokratie eine weitere Chance
gaben, erklärten viele, dies habe nichts mit den
Vereinigten Staaten zu tun. Das hatte es aber.
Wenn jemand in unser Land kommt und sein Wort
gibt, er würde gehen und die Demokratie zurückbringen, ist es von Bedeutung, daß wir diese Verpflichtung realisieren. Und im Monat vor unserer
Intervention flohen 16.000 Haitianer vor der Tyrannei
und suchten Zuflucht in Florida und andernorts in
der Region; drei Monate nach der Intervention gab
es praktisch gar keine Flüchtlinge mehr.
Als Mexiko in eine Währungskrise geriet, stellten wir
ein Nothilfepaket zusammen, um unseren Nachbarn
wieder auf den Weg der Stabilität und des wirtschaftlichen Fortschritts zu bringen. Den führenden Republikanern im Kongreß gebührt Lob, daß sie diese
Bestrebungen unterstützt haben. Es war jedoch
unmöglich, im Kongreß eine entsprechende Gesetzesvorlage durchzubringen, weil alle Meinungsumfragen belegten, daß das amerikanische Volk mit
80 Prozent gegen und nur 15 Prozent für eine
Rettungsaktion für Mexiko war - ich erinnere mich
der Umfrage von dem Tag, an dem ich die entsprechenden Anweisungen gab. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, daß etwas kurzfristig Unpopuläres
langfristig eindeutig im Interesse der Vereinigten
Staaten liegt.

AMERIKA DIENST 30

Wenn ein Nachbar in Schwierigkeiten ist und versucht, das Richtige zu tun, ist es normal, ihm zu
helfen, weil das gut für die nachbarschaftlichen
Beziehungen ist. Betrachten Sie, was geschehen ist,
seit die Vereinigten Staaten einsprangen und versuchten, Mexiko ein guter Nachbar zu sein. Das
Wirtschaftswachstum hat sich, wenn auch noch auf
tönernen Füßen, schneller als erwartet wieder eingestellt; die Exporte sind wieder auf einem Niveau, das
weit über dem vor der Gründung des NAFTA liegt,
und erst gestern rief mich Präsident Zedillo an um zu
sagen, daß Mexiko den Vereinigten Staaten 700
Milionen Dollar seiner Schulden früher als geplant
zurückzahlen wird.
Überlegen Sie, was geschehen wäre, wenn wir die
isolationistische Position bezogen hätten. Was wäre
mit der mexikanischen Wirtschaft geschehen? Was
wäre aufgrund der Reaktion der internationalen
Finanzmärkte hierauf in Argentinien, Brasilien, ganz
Lateinamerika und anderen instabilen, neuentstehenden Demokratien geschehen? Was wäre bei einer
Vielzahl bilateraler Fragen mit unseren Beziehungen
und unserer Zusammenarbeit geschehen?
Wir
haben das Richtige getan. War es eine innenpolitische oder eine außenpolitische Angelegenheit?
Sagen Sie es mir. Ich weiß nur, daß wir jetzt bessere nachbarschaftliche Beziehungen haben und die
Zukunft für das amerikanische und das mexikanische
Volk besser aussieht, weil wir eine Strategie des
Engagements, nicht der Isolation verfolgen.
Sie sehen, was in Europa geschieht, wo wir versuchen, die Nationen einander näherzubringen, uns
für Demokratie und Wirtschaftsreformen in der
ehemaligen Sowjetunion und Zentraleuropa sowie die
Modernisierung der NATO und Stärkung der Partnerschaft für den Frieden einsetzen. Und wiederum
fördert all das unsere Interessen.
Mir wurde erst letzte Woche gesagt, daß mit allen
handelspolitischen Initiativen - vom NAFTA und GATT
bis zu den mehr als 80 von Botschafter Kantor
abgeschlossenen Handelsvereinbarungen, 15 davon
allein mit Japan - das erhöhte Exportvolumen der
Vereinigten Staaten in den letzten zweieinhalb Jahren
über zwei Millionen Arbeitsplätze geschaffen hat, die
überdurchschnittlich gut bezahlt sind.
Mit dem
gesamtamerikanischen Gipfel und dem Forum für
asiatisch-pazifische Zusammenarbeit (APEC) werden
noch mehr geschaffen.
Das Wirtschafts- und das Außenministerium arbeiten
verstärkt und enger denn je zusammen, um den
Amerikanern dabei zu helfen, diese neuen Chancen
zu ergreifen. Sie sind integraler Bestandteil unserer
Außen- und unserer Innenpolitik.

Seite 5

�Ich möchte noch etwas ansprechen: Wir versuchen
ständig, alle Länder auf der Grundlage des Goodwill
zu engagieren und gleichzeitig tür die Werte einzutreten, die unseres Erachtens das Leben lebenswert machen. Wir müssen uns weiterhin dafür
einsetzen, daß alle Menschen ungeachtet ihrer
Nationalität, Rasse oder ethnischen Zugehörigkeit,
ihrer Religion oder ihres Geschlechts die Möglichkeit
erhalten, das Beste aus ihrem Leben zu machen,
um Freiheit und Chancen zu genießen.
Die überzeugendste Erklärung dieser Art durch ein
Mitglied unserer Administration wurde kürzlich von
der First Lady bei der Pekinger Frauenkonferenz
abgegeben. Die First Lady verurteilte den Mißbrauch von Frauen und ihren Kindern, insbesondere
kleinen Mädchen weltweit und scheute sich auch
nicht, die Probleme von häuslicher Gewalt und
Straßenverbrechen hier in den Vereinigten Staaten
anzusprechen.
Dies sind Dinge, gegen die Amerika auch weiterhin
kämpfen muß. Von Belfast bis Jerusalem hat die
amerikanische Führungsrolle Katholiken und Protestanten, Juden und Arabern geholfen, mit weniger
Angst vor Bomben und Gewalt durch die Straßen
ihrer Städte gehen zu können. Von Prag bis Portau-Prince arbeiten wir an der Konsolidierung der
Vorteile von Demokratie und Marktwirtschaft. Von
Kuwait bis Sarajevo kämpfen unsere tapferen
Männer und Frauen in Uniform gegen Aggression
und für die Freiheit.
In unserer Hemisphäre stellt sich nur ein Land Kuba - weiterhin dem Trend zu Demokratie entgegen. Heute geben wir neue Schritte bekannt, um
einen friedlichen Übergang des Landes zu einer
freien und offenen Gesellschaft zu ermutigen. Wir
werden die Durchsetzung unseres Embargos verschärfen, um den Druck auf Reformen beizubehalten, aber die Demokratie und den freien Fluß von
Ideen aktiver unterstützen. Ich habe die Eröffnung
von Büros unserer Nachrichtenagenturen in Kuba
genehmigt. Wir werden mehr bildungspolitischen
und religiösen Vertretern sowie Menschenrechtlern
die Reise nach Kuba gestatten. Ferner werden wir
jetzt den nichtstaatlichen Organisationen Amerikas
erlauben, sich umfassender in Kuba zu engagieren.
Ich freue mich, heute bekanntgeben zu dürfen, daß
unser erstes Darlehen zur Finanzierung der Arbeit
nichtstaatlicher Organisationen in Kuba dem Freedom House zur Förderung friedlichen Wandels und
zum Schutz der Menschenrechte verliehen wird.
Allein die Erwähnung dieser breiten Palette von
Aktivitäten und der Möglichkeiten einer positiven
Führungsrolle Amerikas zeigt erneut, wie entschei-

Seite 6

dend sie für unsere Sicherheit und unseren Wohlstand ist. Ferner beweist sie erneut, daß die Förderung unserer Werte und Interessen ein und dasselbe
sind.
Angesichts des Ziels dieser Konferenz und ihrer
einzigartigen Schirmherren gehe ich davon aus, daß
jeder hier Anwesende diese Überzeugung teilt. Aber
die isolationistischen Tendenzen in beiden Parteien
sind sehr real. Und vom Standpunkt derjenigen aus
gesehen, die sich von den Veränderungen auf der
Welt bedroht fühlen, sind sie sogar völlig verständlich.
Daher ist es wichtig, sie nicht einfach nur zu verurteilen, sondern vielmehr die Art und Weise zu
erklären, auf die die Welt funktioniert. Und während
die Welt sich durch diese Zeit des Übergangs auf
eine neue Ordnung hinbewegt, in der wir alle Vorteile
des Wandels, der Technologie und Chancen genießen und dabei noch die Bedeutung betonen, jedem
einzelnen eine Chance zu geben, allen Familien eine
Chance zu geben, starke, einigende Gemeinschaften
zu werden, müssen wir versuchen zu erklären, wie
die Welt funktioniert und warum wir engagiert bleiben
und führen müssen.
Verurteilung ist nicht genug. Charakterisierung ist
nicht genug. Wir müssen diese Fragen eingehend
bearbeiten. Das amerikanische Volk ist ein gutes
Volk. Es hat gesunden Menschenverstand. Es ist
betroffen, wenn weltweit Menschen ermordet werden.
Es versteht, daß unsere Söhne und Töchter eines
Tages in einen Krieg andernorts verwickelt werden
könnten. Es weiß, daß wir nicht einfach vorgeben
können, die übrige Welt existiere nicht. Aber viele
Menschen in unserem Volk haben ihre eigenen
Schwierigkeiten. Wir müssen uns stärker für diese
Grundwerte, Interessen und Argumente einsetzen, bis
wir die Kräfte der Isolation mit Leidenschaft und
Vernunft abwehren.
Sie können das leisten. Sie müssen uns dabei
helfen. Jeder von Ihnen, und jeder auf seine eigene
Weise, mit seinen eigenen Einflußsphären, kann das
entschlossen und begründet leisten.
Ich möchte Ihnen ein spezifisches Beispiel nennen:
Ich bin entschlossen, alles in meiner Macht Stehende
zu unternehmen, um unseren Haushalt für internationale Angelegenheiten beizubehalten. Er stellt
letztlich weniger als 2 Prozent unseres Gesamthaushalts dar. Auslandshilfe ist rein theoretisch
betrachtet unpopulär, weil die Amerikaner der Ansicht
sind, wir gäben einen viel größeren Anteil ihres
Geldes für Auslandshilfe aus, als es tatsächlich der
Fall ist. Wenn Sie das amerikanische Volk aber
fragen, wieviel wir ausgeben sollten, antwortet es 3
Prozent, 4 Prozent, 5 Prozent - mehr, als wir de facto
ausgeben.

AMERIKA DIENST 30

�Keine Behörde kann in dieser Zeit des Haushaltsausgleichs von bewußter Kostenersparnis ausgenommen werden. Vizepräsident Gore und ich haben
sehr hart daran gearbeitet, dem amerikanischen Volk
die im Hinblick auf die Zahl der Mitarbeiter kleinste
Regierung seit der Amtszeit Präsident Kennedys zu
geben und Hunderte von Programmen abzuschaffen.
Aber wir müssen über die Instrumente der Diplomatie verfügen.
Die amerikanische Führungsrolle besteht aus mehr
als Worten und dem Verteidigungshaushalt. Obwohl
der Verteidigungshaushalt wichtig ist, benötigen wir
ein Budget für die Diplomatie. Einige Kongreßabgeordnete wollen die Auslandshilfe praktisch aushöhlen
- den Haushalt des Außenministeriums zerstören,
das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung
(ADCA), das US-Informationsamt (USIA) und das
Amt für internationale Entwicklung (AID) abschaffen.
Sie würden sich vor unseren Pflichten gegenüber
den Vereinten Nationen drücken.
Müssen die Vereinten Nationen reformiert werden?
Ist ein Großteil unserer Gelder und der anderer
Staaten verschwendet worden? Brauchen wir mehr
Aufsicht? Natürlich brauchen wir das. Ist das ein
Grund dafür, die Vereinten Nationen anzugreifen?
Nein.
Wir benötigen Ihre Unterstützung. Wir müssen dies
tun. Es ist das Richtige. Es ist verantwortungsbewußt. Wer wirklich will, daß wir den Vereinten
Nationen den Rücken kehren, von den internationalen Finanzinstitutionen ganz zu schweigen, würde
unsere Fähigkeit zur Übernahme einer Führungsrolle
wirklich in Gefahr bringen.
Wie Sie beispielsweise in Bosnien oder Haiti gesehen haben, ist es bisweilen frustrierend und fast
immer schwierig, einerseits eine Führungsrolle zu
übernehmen und andererseits unsere Bündnisse
aufrechtzuerhalten und im Rahmen der Vereinten
Nationen und der NATO zusammenzuarbeiten. Aber
es ist sehr wichtig. Wir wollen nicht ganz auf uns
gestellt in die Zukunft gehen. Und das bedeutet,
daß wir verantwortungsbewußt im Rahmen dieser
internationalen Organisationen vorzugehen haben.
Und wir müssen unseren gerechten Anteil zahlen.
Jeder Dollar, den wir für Auslandshilfe ausgeben,
kommt mehrfach zurück.
Durch die Verringerung der Gefahr eines Atomkrieges in den neuen unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion konnten wir unsere Ausgaben für strategische Waffen kürzen. Durch die
Unterstützung von demokratischen Reformen und
den Übergang zur freien Marktwirtschaft in der
früheren Sowjetunion und in Zentraleuropa fördern

AMERIKA DIENST 30

wir Stabilität und Wohlstand in einem Gebiet, das in
der Zukunft zu einem riesigen Markt für die Vereinigten Staaten wird. Indem wir den Entwicklungsländern bei ihrem Kampf gegen Überbevölkerung,
AIDS, Drogenschmuggel, Umweltzerstörung und einer
Vielzahl von Problemen zur Seite stehen, stellen wir
sicher, daß ihre Problem von heute nicht zu unseren
Problemen von morgen werden. Die von uns für
Entwicklung, Friedenssicherung oder Katastrophenhilfe aufgewendeten Gelder helfen bei der Verhütung
künftiger Krisen, deren Kosten viel größer wären.
Und das ist das Richtige.
Ich bin sehr besorgt darüber, daß diese Haushalte in
Gefahr sind - einige davon durch den fast willkürlichen Versuch, die Vereinigten Staaten von der
Partnerschaft zu trennen. Ich möchte Ihnen nur noch
einige weitere Beispiele nennen.
Wir haben etwas Geld für umfassende, weltweite
Bestrebungen zur Bekämpfung der Bedrohung der
globalen Erderwärmung aufgewandt. Hierbei handelt
es sich um wissenschaftliche Beweise. Erst in den
vergangenen Tagen haben wir eine Reihe neuer
wissenschaftlicher Beweise erhalten, daß 1995 seit
20.000 Jahren das wärmste Jahr auf dem gesamten
Planeten, das Loch in der Ozonschicht größer als
erwartet ist und der Treibhauseffekt eine reale
Bedrohung darstellt. Wir haben nur ein paar Pfennige dafür aufgewandt. Es ist eines der Ziele, die
abgeschafft werden sollen. Das sind keine Haushaltskürzungen - das ist Ideologie. Solche Kürzungen sind nicht erforderlich für einen ausgeglichenen
Haushalt. Wir müssen uns dagegen wehren und für
die amerikanischen Werte und Interessen eintreten.
Ich möchte noch ein weiteres Beispiel anführen.
Radio Free Europe und Radio Liberty waren die
entscheidenden Waffen im gegen den Kommunismus
geführten Krieg der Ideen. Viele von Ihnen haben
sich dafür eingesetzt und für sie gekämpft. Um die
Herausforderungen des neuen Zeitalters bewältigen
zu können, wurde das Personal der beiden Sender
drastisch abgebaut und ein Umzug von München
nach Prag vorgenommen. Aber einige wollen das
bereits stark reduzierte Budget am Vorabend wichtiger russischer Wahlen weiter kürzen, genau zu dem
Zeitpunkt, an dem die russischen Reformer objektive
Informationen und den freien Gedankenaustausch am
meisten benötigen. Sie wollen dasselbe mit der
Voice of America tun, die auf der ganzen Welt von
Burma bis zum Balkan an den Frontlinien der Demokratie dient.
Rücksichtslose Verfechter von Haushaltskürzungen
wollen zuerst unsere Botschaften schließen und
später über die Konsequenzen nachdenken. Allein
im vergangenen Jahr haben unsere Botschaften

Seite 7

�nahezu zwei Millionen Anträge von Amerikanern im
Ausland bearbeitet. Sie haben amerikanischen
Unternehmen Verträge in Milliardenhöhe verschafft.
Und jeder internationale Geschäftsmann wird Ihnen
sagen, daß das Außenministerium und seine Botschaften härter als je zuvor in der Geschichte der
Weltwirtschaft arbeiten, um unsere Wirtschaftsinteressen zu fördern.
Wenn wir keine Diplomaten in Asien und Lateinamerika hätten, um den Strom der Drogen in unser
Land zu unterbinden, wäre unsere Aufgabe sehr viel
schwerer. Wenn wir keine Vertreter in Nordirland
und dem Nahen Osten hätten, wäre es sehr viel
schwieriger, den Friedensprozeß voranzubringen.
Wenn wir keine mutigen Leute wie Botschafter Bob
Krueger in Burundi oder Ruanda hätten, wäre es
noch schwerer, menschliche Tragödien zu verhindern. Wir brauchen keine halbherzige Diplomatie in
einer Welt neuer Chancen und Krisen rund um die
Uhr.
Ich möchte einen letzten Punkt anschneiden: Einige
Leute sagen, "Herr Präsident, ich bin für ein starkes
Amerika. Ich verstehe nur nicht, warum Sie sich mit
den Vereinten Nationen abgeben. Wir brauchen ein
Amerika, das im Alleingang handelt. Wir werden
entscheiden, was das Richtige ist und es tun. Es
mag der übrigen Welt gefallen oder nicht. Das ist
es, was es heißt, die einzige Supermacht der Welt
zu sein." Das ist auch eine verschleierte Form von
Isolationismus.
Unilateralismus ist keine tragfähige Option in der
Welt, in der wir leben. Wenn unsere lebenswichtigen Interessen auf dem Spiel stehen, müssen wir
natürlich im Alleingang handeln. Aber wir sind klug
beraten, wenn wir mit den Vereinten Nationen
zusammenarbeiten und unsere Rechnungen bezahlen. Wir benötigen die Flexibilität zum Aufbau von
Koalitionen, die Risiken, Verantwortung und die
Kosten der Führungsrolle verteilen, wie Präsident
Bush es bei der Operation Wüstensturm tat und wir
es in Haiti getan haben.

Wenn die vergangenen 50 Jahre uns irgend etwas
gelehrt haben, dann, daß die Vereinigten Staaten die
einzigartige Verantwortung und die einzigartige
Fähigkeit haben, eine Kraft für Frieden und Fortschritt
auf der Welt zu sein, die gleichzeitig Koalitionen von
Menschen aufbaut, die in echter Partnerschaft
zusammenarbeiten können.
Wir können jedoch nur Erfolg haben, wenn wir
weiterhin eine Führungsrolle übernehmen. In diesem
neuen Zeitalter muß unsere Aufgabe dieselbe sein
wie bisher. Unabhängig von unseren politischen
Überzeugungen verfolgen wir meines Erachtens alle
dieselben Ziele. Ich glaube, wir wollen eine Zukunft,
in der die Menschen auf der ganzen Welt die Vorteile
der Demokratie kennen; in der unser Volk sein Leben
frei von Furcht leben kann; in der unsere Söhne und
Töchter nicht zum Kampf in einem Krieg eingezogen
werden, der hätte verhindert werden können; in der
die Menschen nicht länger der Tyrannei in ihrem
Land entfliehen und an unsere Küsten kommen; in
der die Märkte offen für unsere Produkte und Dienstleistungen sind; in der unsere Beschäftigten gute,
hochbezahlte Arbeitsplätze haben; ein Land, in dem
es beispiellosen Frieden und Wohlstand gibt, weil wir
ein traditionelles amerikanisches Mandat des 20.
Jahrhunderts bis weit ins 21. Jahrhundert erfüllt
haben, weil wir - wir - die Welt zu Demokratie und
Freiheit, zu Frieden und Wohlstand geführt haben.
Wenn wir die von mir beschriebene Zukunft wollen,
müssen wir die Last der Führungsrolle übernehmen.
Es gibt einfach keine andere Alternative. Daher bitte
ich Sie, Geduld in diese Aufgabe einzubringen,
Argumente für diese Aufgabe zu finden und das
Gefühl der Dringlichkeit zu vermitteln, das dieses
Land in Zeiten der größten Herausforderung in den
vergangenen 50 Jahren bewegt hat.
Die Zukunft wird meiner Ansicht nach für das amerikanische Volk noch vielversprechender sein als die
letzten 50 Jahre, wenn - wenn - wir unsere Führungsrolle beim Streben nach unseren Werten bewahren
können.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

*

Seite 8

*

AMERIKA DIENST 30

�VEREINTE

N A T I O N EN
25. Oktober 1995

Clinton unterbreitet neue UN-Tagesordnung
für das 21. Jahrhundert
Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - In seiner Eröffnungsansprache anläßlich des 50jährigen Bestehens der
Vereinten Nationen forderte Präsident Clinton die versammelten Staats- und Regierungschefs auf, eine neue
Tagesordnung aufzustellen, in der die Herausforderungen der Zeit nach dem Kalten Krieg angesprochen
werden - Terrorismus, Drogenhandel, organisiertes Verbrechen und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, Exzellenzen,
verehrte Gäste. In dieser Woche feiern die Vereinten Nationen ihr 50jähriges Bestehen.
Die
Träume ihrer Gründerväter wurden nicht vollständig
wahr, aber ihr Versprechen dauert an. Der Wert der
Vereinten Nationen ist auf der ganzen Welt sichtbar
- in den genährten Körpern einstmals hungernder
Kinder, in der Lebenskraft der gegen Krankheit
Geimpften, in den Augen von lernbegierigen Schülern, in der geschützten Umwelt, in geretteten
Flüchtlingen, in bewahrtem Frieden und - in jüngster
Zeit - im Eintreten für Menschenrechte und Chancen
für Frauen und ihre Kinder bei der Pekinger Frauenkonferenz.
Die Vereinten Nationen sind ein Produkt des Glaubens und Wissens: Des Glaubens, daß unterschiedliche Menschen für Toleranz, Würde und Frieden
zusammenarbeiten können; des Wissens, daß dieser
Glaube auf ewig von den Kräften der Intoleranz, des
Bösen und der Aggression auf die Probe gestellt
wird. Wir müssen uns jetzt von diesem Glauben
leiten lassen und in diesem Wissen handeln, um die
Herausforderungen eines neuen Zeitalters zu bewältigen.
In den Vereinigten Staaten wird manchmal die Frage
gestellt, warum wir uns mit den Vereinten Nationen
abgeben - Amerika ist stark, wir können im Alleingang handeln. Nun, wir werden alleine handeln,
wenn wir müssen. Aber meine amerikanischen
Mitbürger sollten nicht vergessen, daß unseren
Werte und unseren Interessen auch durch die
Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen gedient
ist.

AMERIKA DIENST 30

Die Vereinten Nationen helfen den Friedensstiftern,
den Hilfsorganisationen, den Verteidigern der Freiheit
und der Menschenrechte, den Architekten von
wirtschaftlichem Wohlstand und den Umweltschützern, das Risiko gemeinsam zu tragen, die Last zu
teilen und den Effekt unserer gemeinsamen Bestrebungen zu verbessern.
Im vergangenen Jahr habe ich versprochen, daß die
Vereinigten Staaten weiterhin einen maßgeblichen
Beitrag zur Finanzierung der Vereinten Nationen
leisten werden. Historisch gesehen waren und sind
die Vereinigten Staaten der größte Beitragszahler der
Vereinten Nationen. Ich bin jedoch entschlossen,
daß wir unseren Verpflichtungen in voller Höhe
nachkommen, und ich arbeite mit dem Kongreß an
einem Plan hierfür zusammen.
Alle, die zur Arbeit der Vereinten Nationen beitragen
und um ihre Zukunft besorgt sind, müssen sich auch
zu Reformen verpflichten - um bürokratische Ineffizienz und veraltete Prioritäten abzuschaffen. Die
Vereinten Nationen müssen unter Beweis stellen
können, daß das Geld, das sie erhalten, Einsparungen fördert und Menschenleben bereichert und nicht
einen unnötigen Wasserkopf schafft.
Reformen
erfordern die Beseitigung bürokratischer Relikte,
überkommener Behörden und die Bewältigung von
mehr Aufgaben mit weniger Mitteln. Die Vereinten
Nationen müssen reformiert werden, um weiterhin
relevant zu sein und eine noch größere Rolle beim
Marsch der Freiheit, des Friedens und Wohlstands zu
spielen.
Wir können es auf der ganzen Welt beobachten, vom
Nahen Osten bis nach Nordirland - die Menschen

Seite 1

�wenden sich von einer gewalttätigen Vergangenheit
zu einer Zukunft des Friedens. In Südafrika und
Haiti sind lange Nächte der Furcht neuen Tagen der
Freiheit gewichen. Auf dieser gesamten Hemisphäre
haben sich alle Nationen mit einer Ausnahme für
Demokratie entschieden, und das Ziel eines integrierten, friedlichen und demokratischen Europa ist
jetzt zum ersten Mal in greifbare Nähe gerückt. Auf
dem Balkan haben die Entschlossenheit der internationalen Staatengemeinschaft und der NATO die
Aussichten für Frieden vielversprechender gemacht,
als sie vier Jahre lang waren.
Ich möchte die Vereinten Nationen im Namen des
bosnischen Volkes zu ihren Bestrebungen beglückwünschen. Die Nationen, die sich an der UNPROFOR beteiligt haben, zahlten den Blutzoll für diesen
schrecklichen Krieg und die verlorenen Menschenleben, die ungeheilten Wunden, die unterernährten
Kinder, denen es noch viel schlechter hätte gehen
können.
Nächste Woche kommen die Kriegsparteien Bosniens unter der Schirmherrschaft der Vereinten
Nationen und unserer Partner in der Kontaktgruppe Rußland, Großbritannien, Frankreich und Deutschland - in Dayton (Ohio) zusammen, um die Suche
nach Frieden zu intensivieren. Es bestehen noch
viele grundlegende Differenzen. Aber ich fordere die
Parteien auf, diese Chance für eine friedliche Beilegung des Konflikts zu ergreifen. Wenn wir Frieden
erlangen, werden die Vereinigten Staaten mit ihren
Freunden und Verbündeten dort sein, um zur Sicherung dieses Friedens beizutragen.
Auf der ganzen Welt sehnen sich die Menschen
nach einem Leben in Frieden. Und dieser Traum
wird Wirklichkeit. Aber die Zeit ist nicht frei von
Gefahren. Während der Karte Krieg dem Weltdorf
weicht, sind noch zu viele Menschen Armut, Krankheiten und Unterentwicklung ausgesetzt. Und wir
alle sehen uns mit ethnischem und religiösem Haß,
der rücksichtslosen Aggression verbrecherischer
Staaten, Terrorismus, organisiertem Verbrechen,
Drogenhandel und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen konfrontiert.
Das Entstehen des Informations- und Technologiezeitalters hat uns näher zusammengebracht und
bietet uns außergewöhnliche Chancen zum Aufbau
einer besseren Zukunft. Aber in unserem Weltdorf
können sich Fortschritte ebenso schnell verbreiten
wie Probleme. Probleme am anderen Ende der
Stadt können schnell zu einer Plage für jeden
einzelnen werden. Wir können unsere Nachbarschaft nicht von im Zusammenhang mit der Beschaffung von Drogen stehenden Verbrechen ohne die
Hilfe der Länder befreien, in denen die Drogen

Seite 2

hergestellt werden. Wir können Terroristen nicht
ohne die Unterstützung anderer Regierungen zur
Strecke bringen. Wir können nicht prosperieren oder
unsere Umwelt schützen, solange umweltverträgliche
Entwicklung nicht eine Realität in allen Nationen ist.
Und unsere Wachsamkeit allein kann nicht verhindern, daß auf der anderen Seite der Erdkugel gelagerte Nuklearwaffen in die falschen Hände geraten.
Nirgendwo ist Zusammenarbeit unerläßlicher als bei
der Bekämpfung von immer enger verbundenen
Gruppen, die sich mit Terroranschlägen, organisiertem Verbrechen, Drogenhandel und der Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen befassen. Niemand
ist immun - weder in Japan, wo Terroristen Nervengas in der U-Bahn ausströmen ließen und Tausende
vergifteten, weder in Lateinamerika oder Südostasien,
wo Drogenhändler mit importierten Waffen Richter,
Journalisten, Polizeibeamte und unschuldige Spaziergänger ermordet haben, weder in Israel oder Frankreich, wo haßerfüllte Agitatoren Busse und Züge
voller Kinder mit Bomben explodieren ließen, die aus
geschmuggeltem Sprengstoff hergestellt waren,
weder in der ehemaligen Sowjetunion und Zentraleuropa, wo organisierte Verbrecherversuchen, neue
Demokratien zu schwächen und anständige, hart
arbeitende Männer und Frauen berauben. Und auch
nicht in den Vereinigten Staaten, wo amerikanische
Terroristen ein Bundesgebäude im Herzen Amerikas
in die Luft sprengten und ausländische Terroristen
versuchten, einen Bombenanschlag auf das World
Trade Center vorzunehmen und die Zerstörung des
Saals planten, in dem wir heute versammelt sind.
Diese Kräfte gefährden den globalen Trend zu
Frieden und Freiheit, unterminieren noch instabile
neue Demokratien, berauben die Entwicklungsländer
ihrer Stärke und bedrohen unsere Bestrebungen zum
Aufbau einer Welt mit mehr Sicherheit und Wohlstand.
Daher fordere ich heute alle Nationen auf, sich an
unserem Kampf gegen diese Kräfte zu beteiligen.
Unsere gemeinsamen Bestrebungen können Ergebnisse zeitigen. Um die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen abzubauen, arbeiten wir mit Rußland
am Abbau unserer Nuklearwaffenarsenale um zwei
Drittel. Wir haben die Ukraine, Kasachstan und
Belarus bei der Beseitigung von auf ihrem Territorium
befindlichen Atomwaffen unterstützt. Wir haben mit
den Staaten der ehemaligen Sowjetunion an der
Sicherstellung von Nuklearmaterial und seiner Umwandlung zur friedlichen Nutzung zusammengearbeitet. Nordkorea stimmte einem Einfrieren seines
Nuklearprogramms unter internationaler Kontrolle zu.
Viele der hier vertretenen Nationen traten für die
unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags ein.

AMERIKA DIENST 30

�Zur Eindämmung des Stroms von Betäubungsmitteln
und des organisierten Verbrechens arbeiten wir mit
einer Vielzahl von Nationen zusammen, tauschen
Informationen aus, bieten militärische Unterstützung
und leiten Bestrebungen zur Bekämpfung von
Korruption in die Wege. Und wir zeitigen Ergebnisse. Gemeinsam mit den kolumbianischen Behörden sind wir gegen die Drogenkartelle vorgegangen,
die den internationalen Kokainmarkt kontrollieren.
Vor zwei Jahren lebten sie außerhalb der Legalität
als Milliardäre; heute leben sie als Gefangene hinter
Gittern.
Zur Bekämpfung von Terroristen verhängen wir
strenge Sanktionen gegen den Terrorismus fördernde und die Rechtsstaatlichkeit verletzende Staaten
wie Iran, Irak, Libyen und Sudan. Wir fordern diese
Länder heute erneut dazu auf, diesen Weg zu
verlassen. Inzwischen verstärken wir unsere Bestrebungen im Bereich der Strafverfolgung sowie die
Zusammenarbeit mit anderen Nationen.
Nichts von dem, was wir unternehmen, wird uns
unverwundbar machen, aber wir alle werden weniger
verwundbar, wenn wir zusammenarbeiten. Aus
diesem Grund gebe ich heute neue Initiativen zur
Bekämpfung des internationalen organisierten
Verbrechens, des Drogenschmuggels, des Terrorismus und der Ausbreitung von Massenvernichtungswaffen bekannt - Initiativen, die wir im Alleingang
sowie andere, die wir gemeinsam in Form einer
internationalen Erklärung ergreifen, um die Sicherheit der Bürger dieser Welt zu erhöhen.

Und schließlich habe ich das Justizministerium um
die Ausarbeitung von Gesetzen gebeten, damit
unsere anderen Behörden mit den Instrumenten
versehen werden, die für eine Reaktion auf kriminelle
Aktivitäten erforderlich sind.
Da wir diesen Kampf zusammen führen und gewinnen müssen, möchte ich jetzt jeden Staat bitten, sich
an der Aushandlung und Unterstützung einer Erklärung über internationales Verbrechen und Sicherheit der Bürger zu beteiligen. Diese Erklärung
soll erstens die Zusicherung enthalten, Angehörigen
des organisierten Verbrechens, Terroristen sowie
Drogenhändlern und -Schmugglern keine Zuflucht zu
gewähren, damit diese keinen Ort haben, an den sie
flüchten und wo sie sich verstecken können.
Ein zweites Element dieser Erklärung wäre ein
Abkommen zur Bekämpfung des Terrorismus, damit
wir gemeinsam mehr Staaten zur Ratifizierung
existierender Verträge über Terrorismusbekämpfung
auffordern und gemeinsam an der Schließung des
grauen Markts arbeiten können, der Terroristen und
andere Verbrecher mit Schußwaffen und gefälschten
Papieren versorgt.
Drittens, eine Offensive zur Drogenbekämpfung. Der
internationale Drogenhandel vergiftet die Menschen,
sät Gewalt und zerstört das moralische Gefüge
unserer Gesellschaft. Wir müssen unser Vorgehen
gegen die Kartelle sowie den Drogenanbau intensivieren. Und in den Verbrauchernationen wie den
Vereinigten Staaten müssen wir unsere Nachfrage
nach Drogen verringern.

Zunächst möchte ich kurz darlegen, welche Schritte
wir unternehmen. Gestern habe ich unsere Regierung angewiesen, Geldwäsche tolerierende Nationen
zu identifizieren und sie zu verwarnen. Kriminelle
Unternehmen schleusen riesige Summen illegaler
Gewinne vollkommen ungestraft durch das internationale Finanzsystem. Wir dürfen nicht zulassen,
daß sie ihre durch den Verkauf von Drogen, durch
Terror oder organisiertes Verbrechen erlangten
Profite reinwaschen. Die Nationen sollten ihre
Banken und Finanzsysteme in Einklang mit den
internationalen Normen zur Bekämpfung von Geldwäsche bringen. Wir werden ihnen dabei helfen.
Sollten sie sich weigern, werden wir angemessene
Sanktionen in Erwägung ziehen.

Viertes Element ist eine effektive Partnerschaft mit
den Polizeibeamten.
Internationale Verbrecherorganisationen suchen sich Nationen als Ziel aus,
deren Strafverfolgungsbehörden nicht über die
Erfahrung und Möglichkeiten verfügen, ihnen Einhalt
zu gebieten. Zur Unterstützung der Polizei in den
neuen Demokratien Zentraleuropas gründeten
Ungarn und die Vereinigten Staaten in Budapest eine
internationale Strafverfolgungsakademie. Jetzt sollten
wir die Gründung eines weltweiten Netzes von
Zentren für den Austausch der neuesten Verbrechensbekämpfungstechniken und -technologien in
Erwägung ziehen.

Ferner habe ich die Regierung angewiesen, die
Scheinfirmen auszumachen und die Guthaben des
größten Drogenhändlerrings der Welt - des KaliKartells - einzufrieren, um sie von ihrer wirtschaftlichen Lebensader abzuschneiden und den unwissentlichen Handel unseres eigenen Volkes mit
diesen Unternehmen zu unterbinden.

Fünftens sind Bestrebungen zur Kontrolle illegaler
Waffen und todbringenden Materials vonnöten, an
denen wir uns allesamt beteiligen sollten. Ein Päckchen von der Größe des Lunchpakets eines Schulkindes enthielt das Giftgas, das Tokio in Angst und
Schrecken versetzte. Ein Klumpen Plutonium von
der Größe einer Coladose reicht für den Bau einer
Atomwaffe aus. Auf der Grundlage von bereits mit
den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und unse-

AMERIKA DIENST 30

Seite 3

�ren G-7-Partnern begonnenen Bestrebungen werden
wir uns um eine Verbesserung von Nachweis, Lagerung und Sicherung von Material mit massiver
Zerstörungskraft bemühen. Wir sollten die Konvention über biologische Waffen stärken, im kommenden Jahr den Vertrag über ein umfassendes
Atomtestverbot verabschieden und die tödliche
Geißel der Landminen endgültig eliminieren. Wir
müssen in anderen Ländern und in unserem Kongreß auf die Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention drängen und damit unsere Bestrebungen zur
Bekämpfung des weltumspannenden Netzes illegaler
Waffen intensivieren, das dem Terrorismus Vorschub
leistet, Drogenkartelle versorgt und tödliche Konflikte
verlängert.
Dies ist eine lange und schwierige Tagesordnung,
die wir zusammen vervollständigen und umsetzen
müssen.
Vor fünfzig Jahren, als in San Francisco die Konferenz zur Gründung der Vereinten Nationen abgehalten wurde, gab ein junger amerikanischer Kriegsheld seine Eindrücke von diesem Ereignis an eine
Zeitung weiter. "Der durchschnittliche Soldat scheint
keine sehr klare Vorstellung davon zu haben, worum
es bei diesem Treffen geht", schrieb der junge John

*

Seite 4

F. Kennedy. Aber ein hochdekorierter Feldwebel
faßte die allgemeine Reaktion zusammen, als er
erklärte: "Ich weiß nicht genau, was hier vor sich
geht, aber wenn es dazu führt, daß wir nicht mehr
kämpfen müssen, bin ich dabei."
Die Vereinten Nationen haben Kriege nicht abgeschafft, sie aber weniger wahrscheinlich gemacht.
Und sie halfen vielen Nationen beim Übergang von
Krieg zu Frieden. Die Vereinten Nationen haben
menschliches Leid nicht abgeschafft, aber die Wunden geheilt und das Leben von Millionen Menschen
verlängert. Die Vereinten Nationen haben nicht
Unterdrückung oder Armut von der Erdoberfläche
verschwinden lassen, aber sie haben die Sache der
Freiheit und des Wohlstands auf jedem Kontinent
gefördert. Die Vereinten Nation sind nicht alles, was
wir uns von ihnen gewünscht hätten, aber sie sind
eine Kraft des Guten und ein Bollwerk gegen das
Böse.
Kurz vor Anbruch eines so vielversprechenden neuen
Jahrhunderts, das aber auch von Gefahren heimgesucht wird, brauchen wir die Vereinten Nationen
immer noch. Und daher können Sie für die nächsten
fünfzig Jahre und darüber hinaus mit den Vereinigten
Staaten rechnen.

* * * *

AMERIKA DIENST 30

�USA - I R A N
25. Oktober 1995

Iran - der Preis für verantwortungsloses Verhalten
von Peter Tarnoff
(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Staatssekretärs für politische Angelegenheiten im USAußenministerium, Peter Tarnoff, der auf dessen Anhörung vor dem Bankenausschuß des Senats vom 11.
Oktober 1995 basiert.

Am 30. April dieses Jahres gab Präsident Clinton
seine Entscheidung bekannt, sämtliche Handels- und
Investitionsverbindungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Iran abzubrechen. Diese neuen Sanktionen demonstrieren den Willen der Vereinigten
Staaten, sogar entgegen den amerikanischen
Interessen Aktionen zur Erhöhung des Preises
durchzuführen, den der Iran für sein verantwortungsloses Verhalten zahlen muß. Der Iran beteiligt sich
am Terrorismus. Er behindert den arabisch-israelischen Friedensprozeß, beschafft Massenvernichtungswaffen, strebt den Aufbau eines bedrohlichen
Militärapparats am Persischen Golf an und verletzt
die Menschenrechte seiner Bürger.
Die Unterbindung von Handels- und Investitionsbeziehungen zum Iran trat vor nur vier Monaten in
Kraft.
Natürlich ist wirtschaftlicher Druck kein
sofortiges Gegenmittel. Es gibt jedoch Anzeichen
dafür, daß das amerikanische Embargo bereits die
iranische Wirtschaft ausblutet, selbst wenn es noch
zu früh für endgültige Ergebnisse ist.
Statt dessen müssen wir auf die Trends blicken, die
eine grundlegende Verschlechterung der wirtschaftlichen Schlüsselindikatoren des Iran indizieren, und
unsere Aktionen beschleunigen diese Verschlechterung. Ferner ist die Administration entschlossen,
wenn nötig im Alleingang zu handeln und wenn
möglich gemeinsam mit anderen, um die Intensität
des internationalen Drucks auf den Iran zu erhöhen.
Die Politik des Iran bedroht nicht nur die Interessen
der Vereinigten Staaten, sondern auch die unserer
Verbündeten in Westeuropa und Japan.
Wir bitten diese Verbündeten, auf die beschränkten
wirtschaftlichen Vorteile des Handels mit dem Iran zu
verzichten und angesichts seines bedrohlichen
Verhaltens eine verantwortungsbewußte Führungsrolle zu übernehmen. Wenn ihre kollektive Stärke
unseren Bestrebungen hinzugefügt wird, stiege der

AMERIKA DIENST 30

Preis erheblich, den die iranische Führung für ihre
verbrecherischen Aktivitäten zahlen muß.
Das größte wirtschaftliche Problem des Iran ist heute
der Mangel an harter Währung im Staat. Unsere
Politik gegenüber dem Land zielt darauf ab, es der
iranischen Regierung noch weiter zu erschweren, in
den Besitz harter Währung zu gelangen und somit
seine Fähigkeit zur Finanzierung seiner unsere
Interessen bedrohenden Politik einzuschränken.
Obwohl unser Embargo erst seit kurzem Wirkung
zeitigt, hat es das iranische Budget bereits auf
dreierlei Weise geschmälert.
Erstens verlor die
iranische Währung, der Rial, nach der Ankündigung
eines Handels- und Investitionsembargos gegen Iran
durch Präsident Clinton ein Drittel seines Wertes. Die
vom Iran zur Stabilisierung des Rial verhängten
strengen Währungskontrollen werden langfristig zu
einem verlangsamten Wachstum oder einer Rezession führen.
Zweitens erzwang unser Embargo eine vorübergehende Verringerung des iranischen Einkommens aus
Erdölverkäufen, da amerikanischen Unternehmen
jetzt der Handel mit iranischem Erdöl verboten ist.
Die Regierung mußte große Anstrengungen unternehmen, um zusätzliche 400.000 Barrel pro Tag zu
verkaufen. Der Iran sah sich mit der Entscheidung
konfrontiert, entweder den Preis für das Erdöl herabzusetzen, um es verkaufen zu können, oder es in
der Hoffnung auf Verkauf zu einem höheren Preis an
einem späteren Zeitpunkt zu lagern. Der Iran entschied sich, zu warten. Zu den Folgekosten gehören
verzögerte Erdöleinnahmen, höhere Kosten für das
Chartern von Tankern sowie gestiegene Rohöllagerkosten. Obwohl diese Kosten kurzfristiger Natur sind,
ist klar, daß durch unser Embargo die Verfügbarkeit
harter Währung im Iran verringert wurde.

Seite 1

�Unser Embargo hatte auch eine dritte Auswirkung.
Indem wir dem Iran immer stärker den Finanzhahn
zudrehen, schwächen wir die Fähigkeit der Regierung zur Deckung ihrer externen Kosten. Ferner
wird sich der finanzielle Ruf des Iran noch weiter
verschlechtern, weil die Schuldenzahlungen der
Regierung sich bis 1996 voraussichtlich verdoppeln
werden.
Unser Embargo hat die Schwierigkeiten des Iran
verschärft, auf einfache Weise Zugang zu ausländischem Kapital zu erhalten. Bevor wir Handelssanktionen verhängten, bezeichneten andere Regierungen den amerikanischen Handel mit dem Iran als
vernünftigen Grund für die Förderung bilateralen
Handels und Bereitstellung von Finanzhilfe für den
Iran. Solche Hilfe, die neue staatliche Kredite und
Entwicklungshilfe beinhaltet, verschafft dem Iran
neue Finanzressourcen.
Durch die Unterbindung wirtschaftlicher Aktivitäten
zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran
erhöhen wir den politischen Preis solcher Beziehungen zu diesem Land. Seit der Verhängung des
Embargos haben die wichtigsten Handelspartner des
Iran keine neuen offiziellen Kredite angeboten.
Selbst wenn andere Regierungen sich nicht drängen,
die amerikanische Politik zu kopieren, haben die von
uns unternommenen Schritte sie dazu ermutigt, das
Ausmaß ihrer Wirtschaftsbeziehungen zum Iran zu
begrenzen. Unsere Investitionssanktionen verbieten
einen amerikanischen Beitrag zur Entwicklung der
iranischen Volkswirtschaft, insbesondere auf dem
Erdölsektor. Aus diesem Grund verhinderte der
Präsident eine Zusammenarbeit des amerikanischen
Unternehmens Conoco mit dem Iran, und aus
diesem Grund ist es für uns wichtig, andere Regierungen von der Notwendigkeit ähnlicher Maßnahmen
zu überzeugen.
Es ist wichtig festzustellen, daß wir die Auswirkungen unserer Politik auf amerikanische Unternehmen
nicht unterschätzen. Diese Schritte waren notwendig
zur Unterstützung unserer Bestrebungen, Druck auf
den Iran auszuüben, die nationalen Interessen
unseres Landes betreffenden Praktiken aufzugeben.
Unseres Erachtens sollten andere Regierungen
ebenfalls verantwortungsvoll handeln und ähnliche
Schritte zur Abwehr des bedrohlichen Verhaltens
des Iran unternehmen.
Die Entscheidung der französischen Firma Total, das
Conoco-Geschäft zu übernehmen, ist äußerst
bedauerlich. Wir fordern Total dringend auf, die
Entscheidung zu überdenken und andere anzuweisen, von vergleichbaren Aktionen Abstand zu
nehmen.
Die hochrangigsten Vertreter dieser
Administration werden weiterhin bei unseren Kolle-

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gen aus anderen Ländern für unsere Einstellung
gegenüber dem Iran eintreten.
Es wäre jedoch ein Fehler, wenn die Vereinigten
Staaten die Kluft zwischen unserer Politik gegenüber
dem Iran und der der meisten anderen Industrienationen übertreiben würden. In den von Außenminister
Christopher und mir mit hochrangigen Vertretern der
G-7-Länder geführten Gesprächen brachten unsere
Kollegen beispielsweise ihre gemeinsame Besorgnis
über die Beschaffung von Massenvernichtungswaffen
und die Unterstützung des Terrorismus durch den
Iran sowie die andauernde militärische Aufrüstung
des Landes aufgrund dieser Sorgen zum Ausdruck.
Die G-7-Nationen weigern sich, nukleare Zusammenarbeit in irgendeiner Form mit dem Iran aufzunehmen, und sie verbieten Exporte von Waffen für
sicherheitsempfindliche Mehrzwecktechnologie an das
iranische Militär.
Wir glauben nicht, daß ein Engagement für den Iran wie von einigen unserer Freunde befürwortet - das
abzulehnende Verhalten des Iran ändern wird. Aus
diesem Grund haben wir uns entschieden, die
amerikanische Führungsrolle zu intensivieren, indem
wir einseitig neue Sanktionen verhängen.
Die vor uns liegende Frage lautet, wie können wir
andere Regierungen am besten überzeugen, unserem Beispiel zu folgen? Ein Vorschlag fordert, daß
die Vereinigten Staaten die ausländischen Firmen
boykottieren, die Geschäftsaktivitäten mit dem Iran
aufnehmen. Wir haben diesen Vorschlag sorgfältig
geprüft und ihn aus zwei Gründen abgelehnt. Unserer Ansicht nach würde ein sekundärer uneingeschränkter Boykott unsere gemeinsame Zusammenarbeit bei der Iranpolitik gefährden, insbesondere bei
entscheidenden Fragen wie der Verweigerung von
Waffen für den Iran. Wir glauben auch, daß ein
solches Eingreifen in den internationalen Markt
fehlschlagen und amerikanischen Unternehmen sowie
der amerikanischen Wirtschaft schaden würde.
Ein anderer Vorschlag ist, gezielte Sanktionen gegen
ausländische Firmen zu verhängen, die der iranischen Ölindustrie Geräte oder Technologie liefern.
Ein solches Vorgehen wäre ein zusätzliches Abschreckungsmittel für europäischen Handel mit dem
Iran und Investitionen in das Land. Es könnte auch
negative Auswirkungen auf die amerikanischen
Wirtschaftsinteressen haben, da unsere Beziehungen
zu wichtigen Verbündeten in der ausländischen
Industrie aus dem Gleichgewicht gebracht würden.
Unsere Partner im GATT, der WTO und NAFTA
argumentieren beispielsweise vehement, daß selbst
ein begrenzter sekundärer Boykott unsere Verpflichtungen im Rahmen dieser Abkommen verletzen

AMERIKA DIENST 30

�würde. Darüber hinaus wäre es schwierig, einen
sekundären Boykott der Vereinigten Staaten mit der
Freihandelsrhetorik in Einklang zu bringen, mit der
wir arabische Regierungen drängen, ihre sekundären
und tertiären Boykotte gegen Israel aufzuheben.
Andere von uns anzusprechende Belange sind
unsere Fähigkeit zur umfassenden Überwachung der
Aktivitäten ausländischer Unternehmen, die möglicherweise negativen Reaktionen einiger unserer
Verbündeten und die Auswirkungen auf die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit. Am wichtigsten ist
auszuwerten, ob zusätzliche Aktionen zu unserem
Ziel beitragen würden, internationale Unterstützung
für den Druck auf den Iran zu gewinnen.
Unserem derzeitigen Ansatz einer beispielgebenden
Führungsrolle und der kooperativen Zusammenarbeit
mit Verbündeten muß eine echte Chance zu funktionieren eingeräumt werden. Das wird einige Zeit
erfordern. Unsere Geduld ist jedoch nicht grenzenlos. Wenn Diplomatie allein sich nach einer gewis-

*

AMERIKA DIENST 30

sen Zeit bei der Erlangung eines akzeptablen Niveaus multilateraler Unterstützung für unsere Bestrebungen als unzureichend erweist, könnten wir zusätzliche Ansätze in Erwägung ziehen.
Die amerikanische Politik des wirtschaftlichen Drucks
wird ergänzt durch unsere unermüdlichen Anstrengungen, andere Regierungen davon zu überzeugen,
nicht zur Beschaffung von Massenvernichtungswaffen
durch den Iran oder seiner militärischen Aufrüstung
beizutragen.
Wir sind der Auffassung, daß unsere Bemühungen
zur Intensivierung des Drucks auf den Iran Fortschritte machen und das Embargo einen wichtigen
Beitrag leisten wird. Es wird mehr getan, insbesondere um größere Unterstützung unserer Freunde und
Verbündeten zu erlangen, vor allem im Bereich von
Investitionen und Finanzhilfe. Die amerikanische
Führungsrolle ist entscheidend für effektiven Druck
auf den Iran zur Änderung seines Verhaltens und
wird dies auch in Zukunft sein.

* * *

*

Seite 3

�NICHTVERBREITUNG
25. Oktober 1995

USA drängen auf Vertrag über ein
umfassendes Atomtestverbot
Rede von ACDA-Direktor Holum
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Mit den Worten, "ein Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot
(Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT) ist in greifbare Nähe gerückt", forderte der Direktor des Amts für
Rüstungskontrolle und Abrüstung (Arms Control and Disarmament Agency - ACDA) die Regierungen auf, bis
April 1996 einen Vertragsentwurf vorzulegen.
In einer Ansprache vordem Ersten Ausschuß (für Abrüstung und Sicherheitsfragen) der Generalversammlung
der Vereinten Nationen am 17. Oktober 1995 erklärte Holum, die wissenschaftlichen Fortschritte und das durch
die unbegrenzte Verlängerung des nuklearen Nichtverbreitungsvertrags (NW) Anfang dieses Jahres
herbeigeführte neue politische Klima böten die besten Chancen für einen Erfolg der in Genf geführten
Verhandlungen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von ACDA-Direktor Holum.

Seit Jahrzehnten haben sich viele Staaten für einen
Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot als
den wichtigsten Schritt zur Erfüllung des N W
eingesetzt. Die NW-Konferenz bekräftigte seine
einzigartige Bedeutung und forderte den Abschluß
eines CTBT "nicht später als" 1996.

effizienten Funktionsweise der anderen drei "Pfeiler"
ausgerichtet ist. Zusammen mit den Vertragsbestimmungen für Konsultationen und Klärung - und den
Vertragsparteien zur Verfügung stehenden nationalen
Mitteln zur Verifizierung - sind diese vier "Pfeiler"
unerläßlich für die effektive Umsetzung des CTBT.

Wir begrüßen die bei der Genfer Abrüstungskonferenz erzielten Fortschritte zum Abschluß eines
Vertrags sowie die Fortschritte zur Einigung auf ein
internationales Überwachungssystem für effektive
Verifizierung. Wir sehen vier sorgfältig gestaltete
und miteinander verbundene "Pfeiler" für dieses
Regime vor.

Präsident Clinton hat sich zum Abschluß des vollständigen Wortlauts des Abkommens bis April
verpflichtet - dem Ende des ersten Teils der Sitzungsperiode 1996 der Genfer Abrüstungskonferenz. Wir
gehen davon aus, daß die neue Sitzungsrunde des
Ersten Ausschusses und die 50. Generalversammlung der Vereinten Nationen den Vertrag unterstützen, so daß er vor Beginn der 51. Generalversammlung unterzeichnet werden könnte.

Erstens sollten auf solide, aber kostengünstige
Weise international Daten aus Netzen mit Fernsensoren unter Anwendung von seismischen, hydroakustischen, radionukliden und Infraschall-Techniken
gesammelt und ausgetauscht werden. Um Mehrdeutigkeiten oder Umgehungsversuche anzusprechen, sollte der Vertrag zweitens ein System unverzüglicher, obligatorischer
Vor-Ort-Inspektionen
vorsehen. Drittens sollte er ein Paket "assoziierter
Maßnahmen" für den Informationsaustausch enthalten, das zur Behebung von Mehrdeutigkeiten beispielweise durch die Netze der Fernsensoren
aufgedeckte Vorfälle - beitragen soll. Und viertens
sollte es ein internationales Umsetzungsgremium
geben, dessen Rolle und Kompetenzen klar definiert
und auf die Erleichterung der reibungslosen und

AMERIKA DIENST 30

Der CTBT ist in greifbare Nähe gerückt. Wissenschaftliche Fortschritte und das Ende des Kalten
Krieges ermöglichen endlich, was Wissenschaftler
und Staatsmänner seit über vier Jahrzehnten anstreben. Ich darf Sie jedoch daran erinnern, daß sich
die politischen und geostrategischen Umstände
konstant verändern. Die sich uns heute bietenden
Chancen könnten ungenutzt verstreichen.
Wir
müssen sie ergreifen, damit nicht eine Verzögerung
die Aussichten für den Vertrag - vielleicht für eine
kurze Zeit, vielleicht auf viele Jahre hinaus - wieder
in Frage stellt.

Seite 1

�Daher fordern wir die an der Arbeit der Genfer
Abrüstungskonferenz beteiligten Nationen auf, ihre
Bestrebungen zum Abschluß eines Vertragstextes zu
beschleunigen und bei Positionen zusammenzukommen, die eine Unterstützung der internationalen
Staatengemeinschaft zwingend erfordern. Es ist an
der Zeit, auf gemeinsamem Terrain zu einem Abschluß zu gelangen.
In diesem Geiste zog Präsident Clinton Ende Januar
dieses Jahres den Vorschlag der Vereinigten Staaten für ein 10jähriges Austrittsrecht zurück - eine
Position, die weder salopp formuliert noch leicht aufzugeben war. Und vor zwei Monaten sendete
Präsident Clinton eine unmißverständliche Botschaft,
daß die NW-Konferenz das Engagement der
Vereinigten Staaten für ein Atomtestverbot nicht
schwächte, sondern vielmehr intensivierte.
Er
forderte einen wirklich absoluten CTBT mit null
Detonationswert - ohne jede Ausnahme, nicht einmal
Atomexplosionen mit einer Sprengkraft von wenigen
Pfunden.
Zusammen mit den parallelen Entscheidungen
Frankreichs und Großbritanniens verleiht diese
Entscheidung den Verhandlungen in Genf echten
Auftrieb. Denn alle Nationen sollten sich für einen
Vertrag aussprechen, in dem das Wort "umfassend"
folgende Bedeutung hat: "Null" atomaren Detonationswert, wobei alle Länder gleich behandelt
werden.
Wie Vizepräsident Gore bei der Konferenz in New
York erklärte, sind wir bereit zu der Feststellung, daß
die Vereinigten Staaten bereits ihren letzten Atomtest durchgeführt haben. Die Entscheidung des
Präsidenten über einen Null-Detonationswert demonstriert, daß wir meinen, was wir sagen.
Der CTBT wird mehr zur Sicherheit aller Staaten
beitragen als alle weiteren Atomtests - überall, von
allen, zu jedem Zweck. Die Nukleararsenale der
Welt sind mehr als ausreichend erprobt worden.
Jetzt sind wir es, die auf die Probe gestellt werden.

Eine weitere Maßnahme, die bei der diesjährigen
NW-Konferenz spezifisch unterstützt wurde, ist das
Verbot der Produktion von spaltbarem Material für
nukleare Sprengkörper.
Ein multilateraler, effektiv verifizierbarer Vertrag über
die Einstellung der Produktion von spaltbarem
Material wird den CTBT ergänzen, indem er weltweit
die Menge des für Nuklearwaffen zur Verfügung
stehenden spaltbaren Materials begrenzt. Er wird
die internationalen Sicherheitsvorschriften auf derzeit
nicht geschützte Produktionseinrichtungen ausdehnen.

Seite 2

Viele Nationen streben seit langem diese Einstellung
der Produktion an. Der indische Premierminister
Nehru forderte dies beispielsweise bereits im Jahr
1954. Vor zwei Jahren unterstützte Präsident Clinton
die Einstellung hier bei den Vereinten Nationen
vehement, und die Generalversammlung verabschiedete einstimmig eine Resolution, die Verhandlungen
zwingend vorschreibt. Dann forderte die diesjährige
NW-Konferenz "die unverzügliche Aufnahme und
einen baldigen Abschluß der Verhandlungen".
Dennoch haben die Verhandlungen - erstaunlicherweise - noch nicht begonnen.
Es ist eine Ironie des Schicksals, daß einige der
Länder, die traditionell die stärksten Verfechter der
Einstellung waren, offensichtlich jetzt den Enthusiasmus dafür verloren haben, da eine Realisierung
potentiell in greifbare Nähe gerückt ist.
Einige wenige Staaten hegen vielleicht Zweifel, ob ein
solches Abkommen ihren Interessen dient - und
wollen sich ihre Optionen offen halten. Sie sollten
sorgfältig erwägen, ob sie sich wirklich einem Wettbewerb aussetzen wollen, der ewig andauern und nie
gewonnen werden kann. Die Geschichte des Wettrüstens bietet reichhaltige Beweise, daß das Streben
nach einem undefinierbaren "genug" vergebliche
Mühe ist.
Andere haben absolut keine Absicht, etwas zu tun,
das nicht im Einklang mit einer Einstellung der
Produktion von spaltbarem Material steht - haben
sogar mit wiederholten einstimmigen Entscheidungen
den Wert eines solchen Abkommens anerkannt werden jedoch von dem Gedanken in Versuchung
geführt, daß seine Aushandlung an andere Ursachen
gebunden sein sollte, beispielsweise einen weiteren
atomaren Verhandlungsprozeß in Genf. Das ist ein
Rezept für Lähmung, nicht für Fortschritt - und
vereitelt daher ein Ziel, das alle NW-Parteien unterstützen.
Niemand sollte auch auf die vertraute Verhandlungstaktik hereinfallen, das Perfekte zum Feind des Guten
zu machen. Die Einstellung der Produktion von
spaltbarem Material kann nicht alle Probleme, jedoch
ein wichtiges lösen - indem die Menge von Material
für Nuklearexplosionen nicht nur in Atomwaffenstaaten, sondern auch in Teilen der Welt begrenzt wird,
die am wenigsten das Risiko eines eskalierenden
Wettrüstens tragen können.
Auch hier könnten Chancen ungenutzt verstreichen.
Daher sollten wir entsprechend handeln und jetzt die
Verhandlungen eröffnen, um den ausdrücklichen
Willen der NW-Konferenz zu erfüllen, das Verbot von

AMERIKA DIENST 30

�Atomtests zu unterstützen und alle Menschen sicherer zu machen.
In der Zwischenzeit praktizieren die Vereinigten
Staaten, was sie predigen. Wir produzieren nicht
länger spaltbares Material für Waffen. Und im März
haben wir 200 Tonnen spaltbares Material aus
unseren Arsenalen abgezogen, die nie wieder für
Nuklearexplosionen verwendet werden.
Ein anderes Element der Abrüstung besteht darin,
die Überrüstung des Kalten Krieges abzubauen.
Lange Zeit wurde argumentiert, ein ständiger N W
würde den Anreiz für solche Bestrebungen zunichte
machen. In der Tat haben jedoch kontinuierliche
Bestrebungen vor und seit der New Yorker Konferenz gezeigt, daß das Gegenteil der Fall ist: Ein
ständiger N W fördert die nukleare Abrüstung, indem
er das globale Sicherheitsumfeld konsolidiert, in dem
er agieren kann.
Anstelle des unerbittlichen Wachstums der Arsenale
in den vergangenen Jahren nehmen sie heute mit
noch größerer Geschwindigkeit ab - angestachelt
durch offizielle Abkommen wie den INF-Vertrag und
die START-Verträge, inoffizielle gegenseitige Zurückhaltung bei taktischen Nuklearwaffen und durch
finanzielle Hilfe bei den Kosten der Zerlegung beschleunigte Reduzierungen.
Solche Fortschritte werden möglich, weil es immer
weniger Gründe für Nuklearwaffen gibt. Nuklearwaffen spielen jetzt eine geringere Rolle in unserer
Sicherheitsstrategie als je zuvor.
Entsprechend
zerlegen die Vereinigten Staaten weiterhin bis zu
2.000 Atomwaffen pro Jahr - die höchste Zahl, die
aufgrund der technischen Begrenzungen möglich ist.
Die amerikanischen Bodentruppen haben keine
Nuklearwaffen mehr unter ihrer Obhut. Nichtstrategische atomare Seestreitkräfte werden nicht länger
disloziert. Und seit 1988 haben wir unser gesamtes
aktives Arsenal um nahezu drei Fünftel reduziert,
unsere strategischen Gefechtsköpfe um fast die
Hälfte und die Gefechtsköpfe unserer nichtstrategischen Nuklearstreitkräfte um bemerkenswerte 90
Prozent.
Natürlich hat jeder Weg seine Krümmungen: Der
START Il-Vertrag muß noch in Kraft treten. Aber
das wird geschehen, weil START II offensichtlich
gleichermaßen im Interesse Rußlands und der
Vereinigten Staaten liegt.
Während sowohl in
Washington als auch in Moskau Bestrebungen zu
seiner Ratifizierung unternommen werden, ist der
Abbau unter START I dem Zeitplan mehr als zwei
Jahre voraus.

AMERIKA DIENST 30

Und wir sind bereit zu weiteren Fortschritten. Die
Vereinigten Staaten und Rußland gehen von einer
Begrenzung der Träger- und Waffensysteme zu einer
sichtbareren und unumkehrbaren Beseitigung nuklearer Gefechtsköpfe über. Die Präsidenten Clinton und
Jelzin wiesen vergangenes Jahr ihre Experten an, die
nächsten Schritte zu prüfen. Wie die Vereinigten
Staaten vor und während der diesjährigen Konferenz
über den N W bekräftigten, bleibt nukleare Abrüstung
unser oberstes Ziel.
Seit Mai hat die Welt bei einem anderen Grundsatz
der Konferenz über den Nichtverbreitungsvertrag
Fortschritte gemacht - der universellen Einhaltung
des N W .
Erst dieses Frühjahr sind dem Vertrag vier weitere
Staaten beigetreten - Chile, die Komoren, Vanuatu
und die Vereinigten Arabischen Emirate, und es
werden noch mehr. Dies stellt eine Ergänzung
verschiedener wichtiger Beitritte während der letzten
Jahre dar, die das NW-System spürbar erweiterten bis zu dem Punkt, an dem es sich dem Mitgliederverzeichnis der Vereinten Nationen annähert und nur
neun Staaten außerhalb des Vertrags bleiben.
Fortschritte werden ebenfalls beim Grundsatz der
NW-Konferenz erzielt, atomwaffenfreie Zonen als
nützliche Ergänzung des N W zu betrachten.
Die Vereinigten Staaten respektieren den RarotongaVertrag, der eine atomwaffenfreie Zone im Südpazifik
errichtet, indem sie in der Region keine Aktionen
unternehmen, die mit den Zielen des Vertrags unvereinbar sind. Die jüngsten Ereignisse einschließlich
der CTBT-Verhandlungen veranlaßten uns zu schnellem Handeln, um zu einer endgültigen Entscheidung
über diesen Vertrag zu kommen. Die Vereinigten
Staaten begrüßen auch den jüngst geschlossenen
Pelindaba-Vertrag, der eine afrikanische atomwaffenfreie Zone vorsieht. Und wir hoffen, daß eine unseren Kriterien entsprechende atomwaffenfreie Zone in
Südostasien geschaffen werden kann.
Jeder Staat im Nahen Osten befürwortet im Prinzip,
was auch bei der diesjährigen Konferenz über den
Nichtverbreitungsvertrag unterstützt wurde: Eine
Zone im Nahen Osten, die frei von Atomwaffen sowie
anderen Massenvernichtungswaffen ist. Die Vereinigten Staaten freuen sich natürlich über den
bemerkenswerten jüngsten Erfolg im Nahostfriedensprozeß. Und wir bekräftigen erneut die Bedeutung
einer frühzeitigen Realisierung des universellen
Beitritts zum N W .
Dem seit langem gehegten Wunsch nach verstärkten
Sicherheitszusagen entsprechen die dieses Jahr von
jeder derfünf Atommächte abgegebenen Erklärungen

Seite 3

�sowie die vom UN-Sicherheitsrat übereinstimmend
angenommene Resolution 984. Diese Aktionen sind
eine direkte Reaktion aut Empfehlungen der Nichtatomwaffenstaaten zur Harmonisierung negativer
Sicherheitszusagen und zur expliziteren Gestaltung
der Rolle des Sicherheitsrates, auf nukleare Aggression gegen dem N W angehörende Nichtatomwaffenstaaten zu reagieren, einschließlich der Handlungsmöglichkeit gemäß Kapitel VII der Charta der
Vereinten Nationen zur Wiederherstellung des
internationalen Friedens und der Sicherheit. Unseres Erachtens stellen diese Maßnahmen substantielle Fortschritte zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit von
Sicherheitszusagen für Nichtatomwaffenstaaten des
N W dar. Bei der NW-Konferenz bestand Einigkeit
darüber, daß weitere Schritte auf diesem Gebiet
erwogen werden sollten.
Die Wirksamkeit des N W steht in engem Zusammenhang mit der Wirksamkeit seiner Sicherheitsklauseln - ein auf der diesjährigen NW-Konferenz
befürworteter wichtiger Grundsatz. Die Vereinigten
Staaten arbeiten eng mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) an der Stärkung nuklearer Schutzvorrichtungen durch das "Programm
93 + 2" zusammen. Seit der Konferenz einigte sich
der Verwaltungsrat der Behörde auf die Umsetzung
einer Vielzahl wichtiger Empfehlungen, die seine
Fähigkeit zur Aufdeckung nicht bekanntgegebener
Nuklearaktivitäten beträchtlich erhöhen. Wir fordern
jeden Staat zur Unterstützung dieser Empfehlungen
auf - und erwarten die Unterstützung einer zweiten
Serie zusätzlicher Maßnahmen, die beim Treffen des
Verwaltungsrats im Dezember vorgestellt werden.

zusammenarbeiten, der kein umfassendes Sicherheitsabkommen mit der IAEO abgeschlossen hat.
Und bei der Auswahl von Möglichkeiten für friedliche
nukleare Zusammenarbeit besteht unsere Politik
schon seit langem in der Bevorzugung von Unterzeichnern des N W und des Tlatelolco-Vettrags.
Die Vereinigten Staaten haben solche Chancen aktiv
sondiert.
In den vergangenen Jahren sind wir
beispielsweise Abkommen über die Zusammenarbeit
von Laboratorien mit Ägypten, Marokko, Kenia,
Ghana, Malaysia, Thailand, Peru und Mexiko eingegangen. Und kürzlich unterzeichneten wir ein wichtiges Abkommen über friedliche nukleare Zusammenarbeit mit Südafrika.
Die Vereinigten Staaten unterstützen auf multilateraler Ebene entschieden die Aktivitäten der IAEO im
Bereich technischer Hilfe und leisten konsequent den
größten Beitrag zu zusätzlichen Haushaltsmitteln für
diese Behörde. Wir werden auch in Zukunft die
weltweite Nutzung von Kernenergie bei Landwirtschaft, Medizin, Industrie und zu anderen friedlichen
Zwecken fördern.
Schlußbemerkung
Ebenso wie auf vielen anderen Gebieten ist auch bei
der multilateralen Diplomatie wirklicher Wandel
schwierig. Die herkömmliche Art und Weise wird
immer ihre Anhänger haben, solange das Gedächtnis
die Oberhand über die Phantasie behält.
Aber die Zeit für wirklichen Wandel ist gekommen:

Wir müssen einen neuen Dialog führen.
Wir stellen unser Engagement für das lAEO-System
auch auf andere Arten unter Beweis: Indem wir
alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um
per Gesetz ausreichende Mittel zur Bewältigung der
wachsenden Arbeitsbelastung der IAEO zu erhalten
und zusätzliches spaltbares Material den Sicherheitsbestimmungen unterstellen. Die lAEO-lnspektionen
überschüssigen spaltbaren Materials der Vereinigten
Staaten sind seit letztem Jahr im Gange - und
werden ausgeweitet. Vergangenen Monat beschlossen die Vereinigten Staaten, zusätzliche 20 Tonnen
überschüssigen waffenfähigen Materials für Sicherheitskontrollen der IAEO zugänglich zu machen.
Die Vereinigten Staaten werden auch in Zukunft das
Sicherheitsregime des N W entschieden unterstützen.
Ebenso werden die Vereinigten Staaten weiterhin mit
Überzeugung den friedlichen Einsatz von Atomenergie im Rahmen wirksamer internationaler
Sicherheitskontrollen befürworten. Die Vereinigten
Staaten dürfen von Gesetz wegen auf nuklearem
Gebiet nicht in größerem Umfang mit einem Staat

Seite 4

Der überragende Erfolg der diesjährigen Konferenz
über den Nichtverbreitungsvertrag demonstriert, daß
einst rivalisierende Nationen besser miteinander
arbeiten als aneinander vorbeireden können, daß
Konfrontation wegen rhetorischer Absolutheitsansprüche durch Fortschritt ersetzt werden und internationale Sicherheit über herkömmliche Weltpolitik
triumphieren kann. Unsere Zusammenarbeit bei
dieser schicksalhaftesten multilateralen Rüstungskontrollkonferenz der Geschichte zeigt tatsächlich,
daß ein konstruktiver neuer Dialog bereits begonnen
hat.
Wir müssen diese neue Denkweise auf die großen
Herausforderungen anwenden, denen wir uns in
Zukunft gegenübersehen: Abschluß des Vertrags
über ein umfassendes Atomtestverbot und Aushandlung eines Vertrags über die Einstellung der Produktion spaltbaren Materials.
Meine heutigen Ausführungen sollten deutlich machen, daß die Vereinigten Staaten es für eine Frage

AMERIKA DIENST 30

�der Ehre halten, abgegebene und vor fünf Monaten
erneut bekräftigte Versprechen einzuhalten. Aber
wir erwarten dasselbe von allen anderen Ländern.
Wer seine früher eingegangenen Verpflichtungen
nicht ernst nimmt, schädigt mehr als nur das N W Regime oder bestimmte Verhandlungen - er schadet
dem Gefüge der internationalen Sicherheit durch
seine zynische Haltung gegenüber den Möglichkeiten der von uns geleisteten Arbeit.
Der N W verkörpert Gleichgewicht und Symmetrie:
Nichtverbreitung und Abrüstung sind geboten, und
alle Staaten müssen ihre Rolle im schlagkräftigen
Kampf des Vertrags gegen Nuklearwaffen übernehmen. Artikel VI ist nicht auf nukleare Abrüstung
oder auf die Atommächte beschränkt. Alle Staaten
müssen für ihre Taten und ihre Worte Rechenschaft
ablegen. Kein Staat ist davon ausgenommen oder
wird automatisch verdächtigt, weil er ein Atomwaffenstaat oder ein Nichtatomwaffenstaat ist oder weil
er früher einem bestimmten Block oder einer bestimmten Ländergruppe angehörte oder nicht. Wer
von anderen Abrüstung fordert, muß sie auch selbst
praktizieren.
Dies sind wichtige Gründe, warum der N W jetzt
unbegrenzt und stärker denn je ist - und warum
seine größten Beiträge zur internationalen Sicherheit
noch zu erwarten sind.
Wenn wir diese Lektionen beherzigen - und erinnern,
daß echter Dialog, ebenso wie der N W selbst, eine
in beide Richtungen führende Straße ist - werden wir

*

AMERIKA DIENST 30

wichtige Schritte zur Erlangung des vollen Versprechens von Rüstungskontrolle und Abrüstung unternehmen.
Zyniker werden das als Rat interpretieren, langsam
voranzuschreiten. Aber es ist tatsächlich ein Ratschlag, Fortschritte zu machen. Wer hätte sich
schließlich noch vor wenigen Jahren träumen lassen,
daß die Vereinigten Staaten an vorderster Front auf
ein umfassendes Atomtestverbot drängen würden?
Oder daß wir zu denjenigen gehören würden, die sich
am stärksten für die Einstellung der Produktion
spaltbaren Materials einsetzen?
Die Vereinigten Staaten fordern alle Staaten auf, sich
gemeinsam mit uns an dem konstruktiven neuen
Dialog im Zeitalter nach der Verlängerung des N W
zu beteiligen. Das wird unsere heutigen Bestrebungen beflügeln - selbst während wir die 50jährige
Arbeit der Vereinten Nationen im Bereich der Abrüstung ehren.
Wenn wir auf diese Art und Weise zusammenarbeiten, können wir eine Welt schaffen, die in unser aller
größtem Interesse liegt: Eine Welt, in der nie wieder
spaltbares Material für waffenfähige Zwecke produziert wird, in der nie wieder Nuklearwaffen gezündet,
sondern diese am Ende beseitigt werden können, in
der Nationen nicht wegen ihrer Waffenarsenale,
sondern wegen der Einhaltung eingegangener
Verpflichtungen geschätzt werden - anderen Nationen
und ihrem eigenen Volk gegenüber.

* * *

*

Seite 5

�DATENAUTOBAHN
25. Oktober 1995

Neues von der Datenautobahn
Übersicht jüngster Entwicklungen
Der nachfolgende Artikel faßt die jüngsten Entwicklungen in den Vereinigten Staaten bei Informations- und
Telekomunikationstechnologien zusammen und erörtert Neuheiten auf dem Internet sowie die Entwicklung einer
globalen Informationsinfrastruktur.

Bündnis gegen Pornographie
Dem The Wall Street Journal zufolge bildet eine
Gruppe von Hochtechnologieunternehmen - darunter
IBM, Microsoft, AT&amp;T, MCI, America Online, Netscape Communications, Time Warner und Viacom ein Bündnis zur Bekämpfung von "Cyberpornographie". Koordiniert wird diese Gruppe vom World
Wide Web Consortium des Massachusetts Institute
of Technology, das, so ein Vertreter des Bündnisses,
auch als "Dachorganisation zur Verhinderung interner Kämpfe in der Industrie" dient. "Es soll Normen
entwickeln, die alle Softwareunternehmen erreichen
können." Ein separates Projekt unter Beteiligung
von Microsoft, Netscape, SurfWatch Software und
Progressive Networks wird in die neuen Bestrebungen eingegliedert.
Anstieg von Chip-Diebstählen
Ein weltweiter Mangel an Memory Chips führt zu
einem Anstieg der Diebstähle von RAM Chips in
Colleges und Universitäten, so der Chronicle of
Higher Education. Die Diebe sind anscheinend auf
Memory Chips spezialisiert, für die man 160 bis 200
Dollar je vier-Megabite-Set bekommt und die schwierig, wenn nicht unmöglich aufzuspüren sind.
Spezialisierung auf Internet-Nutzer außerhalb des
englischen Sprachraums
Während immer mehr Länder stark im World Wide
Web präsent sind, wird die Vorherrschaft des Englischen im Internet in Frage gestellt, berichtet der
Investor's Business Daily. Im Juni stammten 19
Prozent der neuen Web Seiten aus Ländern, die
nicht dem englischen Sprachraum angehören, und
im Juli war dieser Prozentsatz dem Marketingdirektor
der Yahoo (Corporation zufolge auf 23 Prozent
angestiegen. Yahoo hat einen beliebten Quellenfinder im Web. Dem Trend entsprechend entwickelt

AMERIKA DIENST 30

Netscape Communications einen Web Browser, um
japanische und chinesische Texte aufrufen zu können, und Übersetzungssoftware wird immer beliebter.
Gesucht: Software zur Verbrechensbekämpfung
Strafverfolgungsbeamte haben die Herstellung von
moderner Software zur Überwachung der über
700.000 elektronischen Geldtransfers vorgeschlagen,
die jeden Tag zwischen amerikanischen Finanzinstitutionen vorgenommen werden, und befürworten
die genauere Überprüfung verdächtiger Transaktionen, schreibt The Wall Street Journal. Ein neuer
Bericht des US-Amts für Technologiebewertung
verweist jedoch darauf, daß eine solche Überwachung es amerikanischen Banken erschweren würde,
Geschäfte aus Europa und anderen Industrienationen
anzuziehen. Die Vereinigten Staaten würden "das
Risiko einer Flucht legitimen Kapitals" von inländischen Banken eingehen, stellt der Bericht fest.
Softwareverkäufe in USA schnellen in die Höhe
Im zweiten Quartal dieses Jahres stiegen die Softwareverkäufe in Nordamerika dem Verband der
Software-Herausgeber zufolge auf 1,57 Milliarden
Dollar.
Immobilienmakler richten Informationsnetz ein
Der nationale Verband der Immobilienmakler richtet
einen Dienst ein, der dem Verband angeschlossenen
Maklern den Austausch von Listen und anderen
Informationen gestattet sowie den Käufern behilflich
ist, berichtet The Wall Street Journal. Das landesweite System würde Zugang zu Landkarten, Verbrechensstatistiken, Informationen über Schulen,
statistische Daten, Steuerdaten und andere Informationen zur Verfügung stellen. Eine halbe Million
Immobilienmakler haben sich dem "The Realtors

Seite 1

�Information Network" genannten Dienst bereits
angeschlossen.

Babel:
http://www.access.digex.net/~ikind/babel95c.html

Interessante Web Sites auf dem Internet
Nachfolgend einige nützliche Adressen auf dem
World Wide Web.

Hierbei handelt es sich um ein Glossar von Computerabkürzungen und Akronyme. Es wird dreimal
jährlich, im Januar, Mai und September, auf den
neuesten Stand gebracht.

Electronic Reference Desk:
http://excalibur.alfred.edu/Ref.html

The Tech Classics Archive:
http Mhe-tech. mit. edu/Classics/

Diese von der Scholes Library in der Alfred University betriebene Site bietet "unverzüglich Auskunft"
durch Verbindungen zu zahlreichen nützlichen
Auskunftsstellen. Zu den Kategorien zählen Wörterbücher, Thesauri und Zitatensammlungen, allgemeine wissenschaftliche Quellen, geographische Daten,
historische Dokumente, Colleges und Universitäten
sowie Wetterstationen.

Diese Quelle klassischer Literatur bietet jetzt 375
Werke von Klassikern in englischer Übersetzung an.
Das gesamte Werk ist attraktiv und logisch zur
unkomplizierten und schnellen Einsicht formatiert. Es
wird von einem verbesserten Suchlaufwerk unterstützt. Das Tech Classics Archive ist eine nichtkommerzielle, von Studenten geschaffene World Wide
Web Site.

*

Seite 2

* * * *

AMERIKA DIENST 30

�AIDS
25. Oktober 1995

Überleben
von Kathleen Fackelmann
(AD) - Wissenschaftler führen Studien an Personen durch, die das AIDS-Virus seit längerem überlebt haben,
in der Hoffnung herauszufinden, wie ihr Immunsystem das tödliche Virus in Schach hält. Die Antwort könnte
zu einer Behandlungsmethode oder einem Impfstoff gegen AIDS führen, so die Verfasserin, die Mitarbeiterin
von Science News ist.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Science News, einem wöchentlich
erscheinenden wissenschaftlichen Nachrichtenmagazin. Copyright (c) 1995 von Science Service, Inc.

Für gewöhnlich dauert es acht bis zehn Jahre, bis
eine HlV-infizierte Person AIDS entwickelt. Dennoch
sind einige Personen seit über einem Jahrzehnt
Träger der humanen Immunschwächeviren - und
blieben gesund.

dieser Menschen über einen langen Zeitraum hinweg
robust bleibt. Drei Artikel im New England Journal
of Medicine in der Ausgabe vom 26. Januar 1995
veröffentlichen Daten über Menschen, die dem Tod
vorerst ein Schnippchen geschlagen haben.

Wie halten sie diesen todbringenden Zerstörer des
Immunsystems in Schach?

"Wir wissen seit einiger Zeit, daß es Personen gibt,
die mit einer HIV-Infektion lange gesund bleiben",
erklärt die Koautorin Susan Buchbinder vom Gesundheitsministerium in San Francisco. "Wir fangen jetzt
an zu verstehen, welche Mechanismen für einen
verzögerten oder unterbrochenen Krankheitsverlauf
verantwortlich sind."

Wissenschaftler erforschen dieses Mysterium mit
Leidenschaft. Wenn sie zu einer Lösung gelangen,
könnten ihre Erkenntnisse zu einer Behandlungsmethode für die HIV-Infektion oder sogar einem
Impfstoff gegen das Virus führen.
Am Anfang vermehrt sich das HI-Virus rapide im
Körper und verursacht manchmal eine der Grippe
ähnliche Krankheit. Wochen oder Monate später
dämpft das Immunsystem einer infizierten Person
das Virus, worauf mehrere Jahre relativ guter
Gesundheit folgen. Während dieses Zeitraums setzt
das Virus jedoch seine Angriffe auf die Infektionen
bekämpfenden weißen Blutkörperchen des Körpers
fort. Schließlich gewinnt das HIV die Oberhand.
Das zerstörte Immunsystem kann seine Arbeit nicht
mehr leisten, und normalerweise harmlose Mikroben
fangen an, Amok zu laufen. Die HlV-infizierte
Person entwickelt dann zahllose opportunistische
Infektionen - vor allem Pneumocystis carinii, eine
Lungenentzündung - die die Entwicklung von AIDS
markieren. Der Tod folgt gewöhnlich binnen weniger
Jahre.
Für schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der HIVinfizierten Personen brachten die folgenden Jahre
jedoch nicht den finalen Angriff. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, daß die Gesundheit

AMERIKA DIENST 30

Um ein vollständigeres Bild der Personen zu erhalten,
die eine HIV-Infektion seit längerem überleben,
untersuchten Buchbinder und der Immunologe
Giuseppe Pantaleo vom nationalen Institut für Allergien und ansteckende Krankheiten zusammen mit
ihren Kollegen 14 Männer und eine Frau, die seit
über sieben Jahren mit dem HIV lebten. 13 der 15
waren seit mindestens einem Jahrzehnt mit dem
Virus infiziert. Die Probanden berichteten über keine
mit HIV in Verbindung stehende Krankheit.
Noch wichtiger war, daß diese Überlebenden ein
beständiges Blutbild mit CD4 T Lymphozyten hatten den weißen Blutkörperchen, die durch das AIDSVirus zerstört werden. Um in die Studie aufgenommen werden zu können, mußten die Probanden eine
T-Zellenzahl von mindestens 600 pro Kubikmillimeter
Blut haben. Sieben hatten CD4-Zahlen, die gut im
normalen Bereich von 800 bis 1.200 lagen.
Die Forscher untersuchten auch eine Gruppe von 18
HlV-infizierten Personen, deren Krankheitsverlauf zu
AIDS durch das Auftreten von mit der Krankheit

Seite 1

�einhergehenden Symptomen indiziert war. Alle
hatten sich kontinuierlich verringernde CD4-Zahlen ein Anzeichen einer Virusdominanz. Sobald die
Konzentration der CD4-Zellen unter ein kritisches
Niveau sinkt, fallen Horden von Mikroben über den
geschwächten Körper her.
Um herauszufinden, welche Auswirkungen das HIV
auf die Personen hatte, die seit längerem überlebten, konzentrierte sich das Team erst auf die
Lymphknoten - bohnenförmige Knötchen des Immunsystems. Sie erforschten Lymphknotengewebe
von 14 der 15 Überlebenden und fanden keine
Beweise einer mit dem HIV verbundenen Verschlechterung. Die Proben erschienen normal.
In einem Fall konnten die Forscher im Abstand von
neun Jahren entnommene Lymphknotenproben
vergleichen. Die Proben sahen nahezu identisch
aus. Als das Team jedoch seine Aufmerksamkeit
auf die 18 Personen mit einer fortgeschrittenen HIVInfektion lenkte, stellte es fest, daß das Virus eine
alarmierende Spur der Verwüstung hinterlassen
hatte: Das Lymphgewebe dieser Personen zeigte
Degenerierungen und Vernarbungen.
Die Forscher entdeckten auch, daß Nichtprogressive
- diejenigen, bei denen die Krankheit nicht fortschritt
- weniger HIV in ihren Lymphknoten-Keimzentren den Regionen der Zellverbreitung - lagerten als die
18 Probanden mit progressivem Krankheitsverlauf.
Bei den Progressiven scheinen die Lymphknoten als
Infektionsreservoir zu fungieren, erläutert Koautor
Anthony S. Fauci, Direktor des amerikanischen
Instituts für Allergien und ansteckende Krankheiten.
Er spekuliert, daß mit dem HIV beladene Keimzentren Millionen von weißen Blutkörperchen infizieren
können, die auf ihrem Weg zu anderen Teilen des
Körpers durch die Lymphknoten wandern.
In diesem Fall kann das HIV ein gesundes Verteidigungssystem gegen seinen Gastgeber wenden.
"Indem der Körper versucht, das Virus aufzunehmen
und festzuhalten, schafft er ein phänomenales Milieu
oder Umfeld für eine fortschreitende Infektion der
Blutkörperchen", so Fauci.
Andere Teile des Immunsystems der Überlebenden
schienen aktiv trotz der langfristigen HIV-Infektion.
Die Überlebenden hatten beispielsweise verglichen
mit den 18 anderen Probanden sehr hohe Konzentrationen von Antikörpern in ihrer Blutbahn. Antikörper sind vom Immunsystem zur Bekämpfung von
Infektionen erzeugte Proteine.
In der Retorte
zerstörten diese Antikörper den Forschern zufolge
zwei bekannte Stränge des HIV.

Seite 2

Weitere Beweise einer besonders wirksamen Immunattacke auf das HIV wurden durch den Befund
geliefert, daß die Vermehrung der Viren bei den
Überlebenden langsamer voranschritt als bei den
Progressiven. Die Forscher vermuten, daß das
Immunsystem das HIV nicht ausschalten, aber unter
Kontrolle halten kann. Die HIV-Vermehrung im Blut
und in Lymphknotenproben der Progressiven erschienen vier bis 20 Mal höher als in den Proben, die
den 15 Überlebenden entnommen worden waren.
"Wenn sich das Virus nicht effektiv vermehrt, ist die
Krankheit nicht sehr aktiv", erklärt Pantaleo. "Wenn
die Vermehrung stark ist, bedeutet das, die Krankheit
könnte fortschreiten."
Zusammengenommen legen die Daten den Schluß
nahe, daß für einige Wenige die Infektion mit dem
HIV nicht das unvermeidliche Todesurteil bedeutet.
"Diese Menschen überleben nicht nur 10 oder mehr
Jahre, sie leben auch ohne jeglichen Schaden ihres
Immunsystems weiter", stellt Fauci fest.
David D. Ho und seine Kollegen beim Aaron Diamond AIDS-Forschungszentrum in New York führten
eine ähnliche Studie bei Probanden durch, die die
Krankheit lange überlebt hatten.
Das in der New York University School of Medicine
untergebrachte Forschungsteam untersuchte 10 Hl Vinfizierte Personen, die trotz ihrer 12- bis 15jährigen
Infektion mit HIV keine AIDS-spezifischen Krankheiten durchgemacht hatten. Die Studie umfaßte auch
eine Frau.
Alle Probanden hatten T-Lymphozytenzahlen im
normalen oder fast normalen Bereich - ein Zeichen,
daß das Virus das Immunsystem noch nicht geschädigt hatte. Darüber hinaus hatte keiner über einen
längeren Zeitraum hinweg Medikamente gegen den
Virusinfekt eingenommen.
Diese Daten verweisen auch auf eine gut kontrollierte
HIV-Infektion hin, die keine Krankheiten hervorruft.
Mit den herkömmlichen Techniken zum Anlegen einer
Kultur konnten die Forscher zum Beispiel kein HIV im
Plasma, dem klaren Teil des Blutes, nachweisen.
"Es ist sehr schwierig, das Virus dieser Patienten zu
isolieren", so Koautor Jeffrey Safrit. Mit einem
empfindlicheren Test fanden sie das HIV im Plasma
von vier ihrer Probanden.
Als nächstes erforschten die Wissenschaftler die
äußeren mononuklearen Blutkörperchen - einen
Mischmasch weißer Blutkörperchen einschließlich
CD4 T-Lymphozyten in der Blutbahn. Mit herkömmlichen Techniken fanden sie das HIV in den weißen

AMERIKA DIENST 30

�Blutkörperchen von vier Probanden. Die anderen
sechs hatten jedoch kein nachweisbares Virus in
diesen Blutkörperchen.
Unter Anwendung der
Polymerase-Kettenreaktion, einer Molekulartechnik
zum Kopieren von DNA, fanden die Forscher
schließlich kleine Mengen des Virus in den weißen
Blutkörperchen der sechs Überlebenden.
"Insgesamt war die Virusbelastung (die Menge des
HIV) im Plasma und den weißen Blutkörperchen der
seit längerem Überlebenden enorm viel niedriger als
bei denjenigen mit einem progressiven Krankheitsverlauf", erklärt der Verfasser.
Diese geringe Virusbelastung läßt darauf schließen,
daß die Überlebenden eine wirksamere Immunreaktion auf das HIV entwickeln. Hos Gruppe fand
heraus, daß diese Überlebenden beschleunigte
Aktivitäten der weißen Blutkörperchen, genannt CD8
T-Lymphozyten, aufwiesen.
Diese Immunzellen
machen die HlV-infizierten Blutkörperchen im Körper

aus und töten sie.
Schließlich legen die Forschungsergebnisse des
New Yorker Teams nahe, daß die HIV-Stränge, die
die Überlebenden infizieren, weniger virulent sind als
die Stränge, die zur Krankheit der meisten Infizierten
führen. Das von den seit längerem Überlebenden
isolierte HIV wuchs im Labor sehr schlecht - ein
Hinweis, daß es sich um eine besonders dürftige
Version des Virus handelt.
Ronald C. Desrosiers vom New England Regional
Primate Research Center der Harvard University in
Southborough (Massachusetts) und seine Kollegen
waren auch der Überzeugung, daß einige Menschen
AIDS entgehen, weil sie Träger einer abgeschwächten Form des HIV sind.
Frühere Arbeiten belegten, daß mit dem AffenImmunschwächevirus (SIV) infizierte Rhesusaffen
eine AIDS-ähnliche Krankheit entwickeln. Affen,
denen jedoch ein mutierender Strang von SIV
gegeben wurde, schienen eine kleine Infektion zu
entwickeln ohne je krank zu werden. Und wie die
menschlichen Probanden zeigten diese SlV-infizierten Primaten keine dramatische Verringerung der
CD4 T-Lymphozyten.
Es stellt sich heraus, daß die mildere Version des
SIV einen Defekt in einem als Nef-Gen bekannten
einzelnen Gen hat. Ohne ein richtig funktionierendes Nef-Gen kann sich das SIV nicht wirksam
vermehren - und verschafft so dem Immunsystem
einen Vorteil bei seinem Kampf, das Virus zu zerstören.

AMERIKA DIENST 30

Könnte man dieselbe Schlußfolgerung auf das HIV
anwenden, einen engen Verwandten des SIV? Das
Massachusetts-Team entschied sich, das Nef-Gen bei
fünf Personen zu erforschen, deren Infektion nicht
fortschritt. Einer von ihnen, ein 44jähriger Hämophiler, hatte einen Nef-Defekt.
"Das von uns immer wieder nachgewiesene Virus
zeigt, daß das 118-Basenpaar in dem Nef-Gen fehlt",
erläutert Koautor John L. Sullivan, ein Genetiker an
der University of Massachusetts Medical School in
Worcester.
Der 44jährige erwies sich 1983 als HIV-positiv,
nachdem er bei einer Transfusion verseuchtes Blut
erhalten hatte. Dennoch ist er weiterhin gesund, mit
sehr geringen Konzentrationen des sich spärlich vermehrenden Virus in seinem Blut, stellt Sullivan fest.
"Unseres Erachtens verlangsamt der Defekt die
Fähigkeit des Virus, sich zu vermehren", so Sullivan.
"Das erlaubt dem gastgebenden Immunsystem, die
Oberhand über das HIV zu behalten".
Die Forscher spekulieren, daß der Mann zusätzlichen
Strängen des HIV ausgesetzt war vom Zeitpunkt
seiner Infektion bis Mitte der achtziger Jahre, als die
Zentren routinemäßig Blutprodukte auf das Virus zu
untersuchen begannen. Dennoch hatte dieser Mann
nie eine zweite Infektion mit einer todbringenderen
Form des HIV.
Führte diese erste Infektion zu einer natürlichen
"Impfung"? Wehrt eine schwelende Infektion mit
einem mutierenden Virus eine Attacke durch einen
virulenteren Strang des HIV ab?
Das ist zweifelsohne die Hoffnung. Wenn jedoch das
Nef eine Rolle beim Schutz einiger HlV-infizierter
Personen spielt, dann ist das wahrscheinlich nicht die
ganze Geschichte.
Ho und seine Kollegen wiesen keine Defekte in dem
Nef-Gen beim HIV nach, das sie von den 10 seit
längerem Überlebenden isolierten. Im Journal of
Virology vom Januar 1995 beschrieben sie ihre
Untersuchungen des Nef-Gens bei diesen Patienten.
"Wir gelangen daher zu der Schlußfolgerung, daß
Defekte oder gravierende Sequenzanomalien im Nef
wahrscheinlich keine allgemeingültige Erklärung des
guten Befindens der seit längerem Überlebenden
einer HIV-1-Infektion sind", schreiben die Autoren.
David Baltimore vom Massachusetts Institute of
Technology in Cambridge stimmt dem zu. "Die
Tatsache eines Nef-Defekts bei diesem Patienten
scheint sehr selten zu sein", schrieb Baltimore in

Seite 3

�einem Leitartikel des New England Journal of
Medicine vom 26. Januar.
Das schließt die Möglichkeit nicht aus, daß zusätzliche, jedoch noch nicht identifizierte Mutationen des
HIV anderen Fällen längeren Überlebens zugrunde
liegen. In der Tat jagt Hos Team weiter nach genetischen Defekten im HIV. Desrosiers, Sullivan und
ihre Kollegen tun dasselbe.
"Wir nehmen diese Viren Stück für Stück auseinander und versuchen herauszufinden, wo der Defekt
liegt", erklärt Sullivan.
Sind die seit längerem Überlebenden wirklich so
glücklich wie sie scheinen?
Wissenschaftler können den Gedanken nicht ausschließen, daß einige Nichtprogressive noch eine
Schwelle in ihrem Kampf gegen das AIDS-Virus
überschreiten müssen. Sie könnten einfach Patienten mit Anomalien sein, die zu einer Zerstörung des
Immunsystems verdammt sind und zu irgendeinem
Zeitpunkt in der Zukunft AIDS entwickeln. Die
meisten Forscher glauben jedoch, daß einige dieser
Personen nie der Krankheit anheimfallen.
Die neuen Daten vermitteln den Forschem einige
aufschlußreiche Anhaltspunkte, aber kein Patentrezept für längeres Überleben.
"Es gibt keine allgemeingültige Antwort darauf, was
eine Person zu einem längerfristigen Nichtprogressiven macht", kommentiert Kathleen E. Squires,
stellvertretende Direktorin der AIDS-Klinik an der
University of Alabama in Birmingham.
"Offensichtlich trifft einiges auf diese Patienten zu",
äußert Safrit mit dem Hinweis, daß die im New
England Journal of Medicine veröffentlichten Stu-

*

Seite 4

*

dien nahelegen, daß eine Vielzahl von Faktoren eine
Rolle dabei spielen können, die Gesundheit einer
HlV-infizierten Person zu bewahren. "Es wird wahrscheinlich eine Kombination eines abgeschwächten
Virus und einer starken Immunreaktion sein, dank der
eine Person über einen langen Zeitraum hinweg
überleben kann", stellt er fest.
Wenn die Forscher die Mechanismen des Überlebens
klären können, könnten sie eine Therapie entwickeln,
die die Infektion in ihrer asymptomatischen Phase
einfriert. So könnten die Infizierten zwar nie ihren
Körper vom HIV befreien, aber sie würden ein langes,
gesundes Leben leben.
"Diese Beobachtungen werden uns hoffentlich im
Hinblick auf unterschiedliche Strategien helfen", so
Squires.
Darüber hinaus könnten solche Studien neue Wege
zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen das HIV
eröffnen. Die Forscher fragen sich, ob eine Infusion
eines verkrüppelten HIV die Menschen vor der
Infektion mit den virulenten Strängen des HIV schützen würde, die AIDS verursachen.
Desrosiers
Gruppe und andere suchen nach Mutationen im HIV,
die eine Immunität, aber nicht den Ausbruch der
Krankheit hervorrufen würden. Letztlich könnte ein
solcher Impfstoff Menschen mit einem hohen Infektionsrisiko angeboten werden.
Die Forscher warnen jedoch, daß sie noch sehr viel
grundlegende Laborarbeit leisten müssen, bevor sie
solche Träume in die Realität umsetzen können.
"Wir haben noch nicht genau herausgefunden, was
diese Personen zu langfristigen Nichtprogressiven
macht. Aber wir arbeiten sehr hart daran", stellt
Fauci fest. "Früher oder später werden wir die
Antwort finden."

*

*

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�RELIGION
25. Oktober 1995

Amerika und seine Religionsvielfalt
von Carolyn J. Mooney
(AD) - Diana L. Eck, Professorin für Indianistik und Religionsvergleiche an der Harvard University in Cambridge
(Massachusetts), leitet ein Forscherteam, das sich mit der religiösen Vielfalt in 25 amerikanischen Städten
befaßt. Eck, Laienmitglied der United Methodist Church, ist sich als eine der ersten eines "multireligiösen
Amerika" bewußt, in dem Islam und Hinduismus neben jüdischen und christlichen Glaubensrichtungen
bestehen.
Die Verfasserin des nachfolgenden Artikels ist Redaktionsmitglied von The Chronicle of Higher Education.
Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von The Chronicle of Higher Education
Copyright (c) The Chronicle of Higher Education.

Diana L. Eck tritt auf die Bremse und verpaßt fast
die Abzweigung zum Hindu-Tempel. Sie biegt links
ab, und schon liegt er vor ihr - ein helles Stuckgebäude, dessen vier kunstvoll gemeißelte Spitzen die
Vorstadtgegend in Ashland (Massachusetts) überragen.
Der Tempel ist von der Straße aus nicht zu sehen
und daher leicht zu verpassen. Aber wer vorbeifährt, verpaßt weitaus mehr als nur einen Tempel,
erklärt Eck, Professorin für Indianistik und Religionsvergleiche an der Harvard University. Er verpaßt ein
Symbol des neuen, multireligiösen Amerika.
Ihr zufolge verändert sich die religiöse Landkarte
Amerikas vor unseren Augen, aber viele Amerikaner
erkennen das noch nicht. Die landesweite Debatte
über Pluralismus läßt die religiöse Dimension außer
acht, und mit ihrem jüngsten Werk will Eck dazu
beitragen, das zu ändern. Sie leitet das Projekt der
Harvard University über Pluralismus, das durch
demographische Forschung, Arbeit vor Ort und
Fallstudien genau dokumentieren soll, wie sich die
religiöse Landkarte der Vereinigten Staaten verändert hat.
"Man kann nicht länger über Weltreligionen dozieren,
als ob es sie woanders gäbe", so Eck. "Wenn man
über die hinduistische Tradition spricht, redet man
von etwas, das nicht an den Grenzen Indiens
haltmacht."
Ein Hindu-Tempel in einem Vorort von Boston, ein
gurdwara der Sikhs in Virginia, eine Moschee am

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Rande eines Maisfelds in Ohio oder in einem großen
Einkaufszentrum - all das sind kleine Bestandteile
des heutigen religiösen Lebens in Amerika. Diese
Veränderung ist vor allem auf die 1965 geänderten
Einwanderungsgesetze zurückzuführen, die zu einem
dramatischen Anstieg von Einwanderern aus Asien
und dem Nahen Osten führten.
Bummel in Banaras
Ebenfalls im Jahr 1965 unternahm Eck die erste ihrer
vielen Reisen nach Indien. Die Studentin vom Smith
College wanderte durch die Gassen und das Hafenviertel von Banaras, einer der heiligen Städte der
Hindus. Die vielen Menschen, die Gerüche, religiösen Rituale, die Badenden und Scheiterhaufen am
Ufer des Ganges faszinierten sie. Dreißig Jahre
später hat ihr langes blondes Haar graue Strähnen,
aber dieses erste Gefühl des Staunens ist geblieben.
Wenn sie Tempel und Moscheen besucht, stellt sie
sich eher als Studentin denn als Professorin vor.
Und sie besucht viele davon. In den letzten vier
Jahren haben sie und ihr Forscherteam - von Studenten im Grundstudium bis zu Doktoranden - religiöse
Vielfalt in 25 amerikanischen Städten erfaßt. Sie
schwärmten im ganzen Land aus, beobachteten
Rituale, führten Interviews und nahmen wahrhaftig
eine Zählung von Tempeln und Moscheen vor.
Das Pluralismusprojekt konzentriert sich insbesondere
auf Glaubensgemeinschaften des Buddhismus,
Hinduismus, Jainismus und Zarathustra, auf Muslime
und Sikhs, verfolgt jedoch umfassendere Ziele. Die

Seite 1

�Forscher untersuchen, wie religiöse Gruppen von
der amerikanischen Gesellschaft geformt werden.
Sie befassen sich mit den medizinischen Bedürfnissen muslimischer Patienten, den Auswirkungen von
Bebauungsvorschriften auf heimische Tempel und
von Gerichtsentscheidungen auf Religionsfreiheit
sowie einer Vielzahl anderer Fragen. Ferner untersuchen sie, wie sich die Amerikaner an die Veränderungen anpassen oder auch nicht.
Im Rahmen des Projekts wird ein umfassendes
Archiv mit Literatur über Tempel, Moscheen und
verschiedene Religionsgruppen angelegt. Außerdem
wurde ein Führer über die verschiedenen Religionsstätten Bostons veröffentlicht, und kürzlich begannen
einige Mitarbeiter mit der Arbeit an einer interaktiven
CD-ROM, die Eck im nächsten Jahr auf den Markt
bringen möchte. Die Nutzer können eine bestimmte
Religion anklicken, sehen, wie sie sich in den
Vereinigten Staaten verbreitet hat und Videoaufnahmen religiöser Zeremonien anschauen.

1995 verliehen, ein mit 150.000 Dollar dotierter Preis,
der gemeinsam vom presbyterianischen theologischen Seminar von Louisville und der University of
Louisville vergeben wird.
Der Ausflug in die Theologie ist für Eck etwas Natürliches. Sie weiß, daß einige Wissenschaftler auf
Religion - das Wort mit dem "R" am Anfang, wie sie
es scherzhaft nennt - empfindlich reagieren. "Aber
Religion ist nicht etwas, das man in einer Schublade
verwahrt", erklärt sie.
"Es ist unter Religionswissenschaftlern üblich, einen
tiefen persönlichen Glauben zu haben, aber es ist
nicht so üblich, ihm auf dem Höhepunkt seiner
Karriere Ausdruck zu verleihen", erklärt Frederick M.
Denny, Professor für Islamistik an der University of
Colorado in Boulder. "Eck integriert ihren Glauben in
ihr umfassenderes Berufsleben und tut das auf
ehrliche und wunderschöne Weise."

Obwohl sich auch andere Wissenschaftler mit den
Weltreligionen in Amerika befassen, untersucht oder
interpretiert keiner die religiöse Vielfalt der Nation in
solchem Umfang - oder von Ecks ungewöhnlichem
Ausgangspunkt.

Eck hat vier weitere wissenschaftliche Bücher geschrieben oder redigiert, die meisten über religiöse
Traditionen Indiens. Das bekannteste ist Banaras:
City of Light (Alfred A. Knopf, 1982), ein Buch über
die Bedeutung der Stadt, des Ganges und der Götter
für die Hindus.

Sie ist sowohl eine auf den Hinduismus spezialisierte
Religionshistorikerin als auch engagierte Christin, die
an religiösen Pluralismus glaubt. Das aktive Laienmitglied der United Methodist Church gehörte 15
Jahre lang einem Gremium an, das im Auftrag des
Weltkirchenrates, einer internationalen christlichen
Organisation, den Dialog zwischen den Religionen
förderte.

Die meisten amerikanischen Religionshistoriker
haben nicht den Blickwinkel, den das Studium einer
anderen großen Tradition mit sich bringt, so John F.
Wilson, einer der drei Wissenschaftler, die das
Zentrum für das Studium amerikanischer Religion an
der Princeton University leiten. Das Zentrum lud Eck
diesen Monat zur Eröffnung einer Konferenz über
religiösen Pluralismus ein.

Ein Ausflug in die Theologie

Eck, die auch dem Ausschuß für Religionsstudien der
Harvard University vorsitzt und gleichzeitig einen
Posten an der Divinity School innehat, befindet sich
derzeit auf Forschungsurlaub und schreibt ein Buch
über das multireligiöse Amerika. Gemeinsam mit
anderen Religionshistorikern ist sie der Überzeugung,
der größte Beitrag des Pluralismusprojekts könnte
seine Funktion als Katalysator für andere Wissenschaftler sein.

Eck vereinigte ihre wissenschaftlichen und religiösen
Interessen in einem 1993 erschienenen Buch mit
dem Titel Encountering God: A Spiritual Journey
from Bozeman to Banaras (Beacon Press). Es ist
in Teilen historisch, in Teilen autobiographisch und
im Unterschied zu ihrem letzten Werk sehr theologisch. Sie argumentiert darin, Christen könnten die
Überzeugungen der Menschen anderer Glaubensrichtungen nicht ignorieren. Eck legt dar, wie ihr
eigener Glaube klarer wurde, als sie ihn mit der
hinduistischen Tradition vergleichen konnte.
In
Abschnitten über Tod und spirituelle Erneuerung
schreibt sie über ihren jüngsten Kampf gegen
Brustkrebs sowie den Selbstmord ihres Vaters und
den gewaltsamen Tod ihres 48jährigen Bruders.
Eck wuchs in Bozeman (Montana) auf, daher der
Verweis im Titel. Im April wurde ihr für ihr Buch der
Louisville Grawemeyer Award in Religion des Jahres

Seite 2

Das Projekt befaßt sich mit wichtigen Entwicklungen,
die zwischen zwei wissenschaftliche Gebiete fallen,
so Bruce B. Lawrence, Islamwissenschaftler an der
Duke University.
Das Studium amerikanischer
Religion wird ihm zufolge von den Wissenschaftlern
der Hauptströmung großer christlich-jüdischer Traditionen dominiert, wohingegen Gelehrte asiatischer
und islamischer Religionen zur Erforschung klassischer Traditionen außerhalb der Vereinigten Staaten
neigen.

AMERIKA DIENST 30

�Eck befaßt sich immer noch mit Indien. Dieser Tage
kann ihre Forschungstätigkeit ebenso wahrscheinlich
einen Wochenendflug nach Los Angeles zum Studium buddhistischer Tempel beinhalten wie lediglich
eine Fahrt zu den Religionsstätten in der Gegend
um Boston.
Eine Moschee und ein Hindu-Tempel
An diesem Frühlingsmorgen plant Eck eine Fahrt zu
zwei Orten - dem Islamic Center of New England in
Sharon (Massachusetts) sowie zum Sri Lakshmi,
dem Hindu-Tempel in Ashland. Sie fährt in ihrem
roten Toyota Camry den Highway entlang und
schüttelt den Kopf über die anderen Autofahrer "nur in Boston" - die mit mehr als 80 Stundenkilometern über die Standspur fahren. Zusammen mit
einem Besucher erreicht sie nach ungefähr einer
Dreiviertelstunde das Islamic Center.
Über 1.000 Muslime sind zusammengekommen, um
"Id al-Adha" zu feiern, den Festtag am Ende der
jährlichen Pilgerreise nach Mekka. Das Zentrum ist
ein modernes weißes Gebäude auf einem grasbewachsenen Hügel mit Blick auf ein ehemaliges
Gestüt.
Die Gründer des Zentrums durften nicht in einer
anderen Stadt bauen, aber in Sharon, einer Gemeinde mit vielen Juden, wo die ansässigen Rabbis
1992 an der Grundsteinlegung teilnahmen, wurde
ihnen ein herzlicher Empfang bereitet. (Eck nahm
ebenfalls daran teil).
Viele Frauen tragen selvar kameez, bunt bestickte
Seidenkleidung, die in ganz Südasien getragen wird.
"Assalamu 'alaykum" - Eck grüßt Bekannte mit
"Frieden sei mit Dir" auf arabisch. Sie schlingt sich
ein Tuch um den Kopf, stellt ihre Schuhe in ein
Regal und betritt die Gebetshalle. Im Vordergrund
sitzen Männer in mit Kreppband markierten Reihen
auf dem Boden. Frauen und Kinder sitzen hinten.
Der erste Prediger eröffnet den Gottesdienst mit
einer Anmerkung zu in den Vereinigten Staaten
lebenden Muslimen. "Man hält uns immer noch für
Terroristen", erklärt er. "Das ist unser Fehler". Er
ruft die Versammelten dazu auf, die Menschen über
islamische Traditionen aufzuklären.
Gemeinsamer Glaube
Während der arabischen Gebete verharren Männer
und Frauen auf den Knien und beugen den Kopf
zum Boden. Später werden sie aufgefordert, für die
Opfer des Bombenanschlags von Oklahoma City zu
beten.

AMERIKA DIENST 30

Anschließend unterhält sich Eck bei Kaffee und
Doughnuts mit mehreren Bekannten. Einer ist Sam
Hassan, dessen Familie seit Jahrzehnten in der
Gegend lebt. Hassan, der mit breitem Bostoner
Akzent spricht, erwähnt, daß er früher einer unitarischen Kirche angehörte. Die Menschen sind sich oft
nicht bewußt, daß Muslime und Christen gemeinsame
religiöse Überzeugungen haben und der Koran Jesus
als einen Propheten Gottes ansieht, äußert er.
Eck sammelt Literatur und informiert sich über die
jüngsten Jugendprogramme der Muslime. Sie regt
sich darüber auf, daß das Zentrum kurz nach dem
Anschlag von Oklahoma City wegen Bombendrohungen vorübergehend schließen mußte.
Wieder im Auto erklärt sie dann, viele Amerikaner
seien tolerant gegenüber Muslimen - solange diese
unsichtbar blieben. "Aber die Muslime in den Vereinigten Staaten treten immer mehr in Erscheinung."
Mit derzeit zwischen vier und sechs Millionen Mitgliedern stellen sie die am stärksten wachsende
Religionsgruppe der Nation dar.
Der nächste Halt ist der Hindu-Tempel, der auf einer
Lichtung in den Wäldern außerhalb von Ashland
steht. Er ist nach Sri Lakshami, der hinduistischen
Göttin des Wohlstands benannt. Vor dem Bau des
Tempels im Jahr 1990 wurde der puja, der Gottesdienst, in den Häusern abgehalten.
Bei der Einweihung des Tempels, an der Eck ebenfalls teilnahm, bildeten 12 Hindu-Priester einen Kreis
um den Tempel. Jeder hielt ein Gefäß mit Weihwasser - aus dem Ganges und dem Mississippi sowie
anderen amerikanischen Flüssen - in der Hand und
besprengte damit die Tempelmauern.
Die Hindu-Tradition
Im Tempelinneren stehen in drei großen Schreinen
Gottheiten aus schwarzem Granit. Die Besucher
haben Gaben in Form von Früchten und Milchtüten
hinterlegt, mit denen die Gottheiten in einem rituellen
Bad übergössen werden.
Besucher haben oft
Schwierigkeiten mit dem Verständnis der HinduTradition, die sowohl polytheistisch als auch monotheistisch ist. Die Hindus glauben an die Existenz
eines Gottes, verehren ihn jedoch mittels einer
Vielzahl von Göttern. "Die Wahrheit ist eine Sache,
aber die Weisen geben ihr viele Namen", steht in der
Rig Veda, der alten hinduistischen Schrift.
Aus zwei Gefäßen steigt Weihrauch auf. Priester in
weiten Gewändern singen Gebete. Nur wenige
Menschen sind da; die meisten kommen aufgrund
ihrer Arbeitszeit am Wochenende. "Namaste", grüßt
Eck die Priester mit einem indischen Ausdruck der

Seite 3

�Ehrerbietung. Die Priester informieren sie über den
Ausbau des Tempels, ihre jüngsten Bestrebungen
zur Aufbringung von Mitteln und den bevorstehenden
Festtag. Eck will versuchen, daran teilzunehmen.
Seminar über die Weltreligionen
Eck lehrt an der Harvard University, seit sie dort
1976 promovierte. Die Idee zu dem Pluralismusprojekt hatte sie 1989, als sie in New England ein
Sonderseminar über Weltreligionen abhielt. Sie
entwickelte das derzeitige Projekt mit Hilfe eines
Stipendiums der Lilly Endowment in Höhe von
403.000 Dollar.
Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt stellte sie fest, daß
in Harvard mehr Studenten asiatischer Herkunft
waren. In den nachfolgenden Jahren eröffneten
muslimische Vorbeter Versammlungen, und Har-

vard nahm Lesungen aus dem Koran und der Rig
Veda in die Abschlußfeiern auf.
"Immer mehr Institutionen stellen sich die Frage, was
wir mit 'wir' meinen, wenn wir von uns sprechen.
Das 'wir' ist ein viel komplizierteres 'wir'. Das ist
heute in der ganzen Gesellschaft offensichtlich. Eck
fragt sich beispielsweise, wie konservative Christen,
die ein Schulgebet fordern, reagieren würden, wenn
es aus dem Koran stammte.
Wer von staatlichen Schulen eine Unterweisung in
der Lehre von der Weltschöpfung durch einen allmächtigen Schöpfer fordert, geht ihr zufolge davon
aus, daß die Genesis gelehrt wird. Es gibt aber auch
eine hinduistische Version: Sie berichtet davon, wie
die Schöpfung aus der Lotusblume entstand, die im
Nabel des Gottes Lord Vishnu wuchs.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 30

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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

Sonderdienst

4

25. November 1987

DIE REVOLUTION IM INFORMATIONSWESEN
UND DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der amerikanische Botschafter Richard R. Burt hat auf dem BertelsmannForum am 24. November die deutschen und amerikanischen Massenmedien dazu aufgerufen, sich intensiver darum zu bemühen, die breite Öffentlichkeit besser
über die drängenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit zu unterrichten.
Im Zusammenhang mit den revolutionären Entwicklungen im Bereich der Massenkommunikation verwies Burt auf das Paradoxon, daß "es mehr Informationen
gibt, aber weniger Verständnis".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Die
Bemerkung, wir
lebten
im
Zeitalter einer Revolution im Informationswesen, ist zu einem Gemeinplatz geworden. Aber selbst wenn es
sich hierbei um einen Gemeinplatz
handelt, ist es doch eine unbestreitbare Tatsache.
Diese Revolution hat zwei Dimensionen, die beide in den Auswirkungen
moderner Technik auf die Kommunikation begründet sind. Erstens ist die
Fülle der uns heute zur Verfügung
stehenden Informationen im wahrsten
Sinne des Wortes überwältigend.

In den Vereinigten Staaten erscheinen zum Beispiel etwa 1 700 Tagesund
9 000 Wochenzeitungen.
Der
Leser kann unter mehr als 11 300
Zeitschriften wählen, die nahezu alle
Interessengebiete abdecken. Amerikaner haben über einen der 7 000 Kabelfernsehsender Zugang zu insgesamt 150
Fernsehkanälen, von denen viele 24
Stunden täglich senden.
Das Radionetz ist mit seinen mehr als 9 000
Stationen in den Vereinigten Staaten
ebenso weitverzweigt.
Bei den gedruckten Medien können sich Amerika-

�ner zum Beispiel einem der 50 000
neuen Bücher zuwenden, die jedes Jahr
von über 350 verschiedenen Verlagshäusern herausgegeben werden.
Die Zahlen sind in Europa gleichermaßen beeindruckend.
Allein in
der Bundesrepublik
werden
jährlich
etwa ebensoviele Bücher veröffentlicht wie in den Vereinigten Staaten,
5 000 davon als Übersetzungen aus dem
Englischen.
Das
Verlagswesen
hat
seit
dem
zweiten Weltkrieg
einen
ebenso großen Aufschwung erfahren wie
das Fernsehen. Im Jahr 1950 stellten
auf der Frankfurter Buchmesse lediglich 460 Verlage aus. In diesem Jahr
waren es 7 147.
Deutsche Verleger
bringen inzwischen 6 900 verschiedene
Publikationen auf den Markt. In der
Bundesrepublik werden über 1 300 Tages- und Wochenzeitungen herausgegeben, und die Gesamtzahl der Zeitungsleser ist sicher größer als in den
Vereinigten
Staaten.
Rundfunk
und
Fernsehen sind in der Bundesrepublik
in geringerem Umfang ausgebaut als in
meinem Land, dennoch gibt es neun
Rundfunkstationen und 10 Kabelsender,
die täglich mehr als 60 Stunden Fernseh- und 700 Stunden Rundfunkübertragungen senden - wenn man die zahlreichen deutschen Haushalten zugänglichen Sendungen aus dem Ausland unberücksichtigt läßt.
Die zweite Dimension dieser Revolution im Kommunikationswesen ist Geschwindigkeit.
Heute arbeiten wir
weltweit
mit
"Echtzeit"-Informationen. Rundfunk und Fernsehen ermöglichen uns mehr denn je die unmittelbare Teilnahme an überall stattfindenden Ereignissen. Wir können das Geschehen im Augenblick seines Geschehens miterleben. Spätestens am nächsten Tag liefert uns die Morgenzeitung ein breites Spektrum von Analysen und Hintergrundberichten.

All dies ist möglich, weil in den
vergangenen vier Jahrzehnten im Kommunikationswesen wahrhaft spektakuläre Fortschritte stattgefunden haben.
Die Massenmedien, Vertreter aus Wirtschaft und Regierung, Forscher und
Büroangestellte können auf elektronischem Wege Informationen
austauschen, sich von Satelliten abgegebene
oder durch Glasfaserkabel verbreitete
Signale zunutze machen und damit in
Bruchteilen von Sekunden Kontinente
verbinden.
Von jedem Computerterminal hier haben Sie zum Beispiel sofortigen Zugang zu Hunderten von Datenbanken in den Vereinigten Staaten
und
anderswo.
Für
Dokumente
und
graphische Darstellungen gibt es Telefax, mit dem Vorlagen bildgetreu
übermittelt werden können. Nachrichtenagenturen
können auf elektronischem Wege Berichte weltweit übermitteln, während ihre Kunden denselben
Computer, mit dem sie einen Bericht
empfangen, zu dessen Weitergabe zum
Druck und zur Übermittlung der Informationen
an
den
Leser
benutzen.
Fernsehzuschauer können an jedem mit
einer Videokamera erreichbaren Schauplatz dabeisein.
Aber diese Umwälzungen im Informationswesen enthalten ein Paradoxon.
Es gibt mehr Informationen, aber weniger Verständnis.
Zumindest was die westliche Welt
betrifft, sind sowohl politische Entscheidungsträger als auch die Öffentlichkeit ohne Frage besser informiert
als noch vor einem Jahrhundert oder
auch nur vor einem Jahrzehnt.
Aber
das heißt nicht, daß wir einander
besser verstehen.
Die Informationen
haben nicht etwa Vorurteile und engstirniges Denken abgebaut, die - mehr
noch als schlichte Ignoranz - die Zusammenarbeit erschweren.
Zum Teil

- 2

ergibt

sich

unser

Pro-

�blem aus der Revolution im Informationswesen selbst. Wie die von mir
angeführten wenigen Beispiele zeigen,
ertrinken wir buchstäblich in Informationen.
Und diese
Informationen
stürzen so schnell auf uns ein, daß
ein Bemühen um Verständnis der Ereignisse in der Welt dem Versuch gleichkommt, einen Film im Zeitraffer zu
verstehen.
Aber das reicht als Erklärung dafür nicht aus, warum sich Europäer
und Amerikaner in einer zunehmend integrierten und interdependenten Welt
politisch und psychologisch einigeln.
Das ist keine Erklärung dafür, warum
wir mehr denn je zu Mißverständnissen
neigen als jemals zuvor, warum wir an
überholten,
unvollständigen,
stark
vereinfachten oder ganz einfach falschen Bildern und Klischeevorstellungen festhalten und sie dazu benutzen,
eigennützige und kurzsichtige politische Maßnahmen zu rechtfertigen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schien
es, als ob wir die Lektionen der
zwanziger und dreißiger Jahre gelernt
hätten - daß eine Politik, die sich
auf
Kirchturmdenken
und nationalen
Egoismus stützt, langfristig destruktiv und sinnlos ist. In der unmittelbaren Nachkriegszeit hat eine begabte Generation von Amerikanern und
Europäern optimistisch
und erfolgreich an der Sicherheit und dem Wohlstand des Westens gearbeitet.
Wir
haben gemeinsam Sicherheitsvereinbarungen getroffen und Bündnisse zu unserem Schutz geschaffen.
Wir haben
destruktiven
Protektionismus
durch
ein offenes internationales Handelssystem ersetzt. Wir haben neue pädagogische Austauschprogramme erarbeitet, die Wissenschaftler und Studenten aus der gesamten westlichen Welt
zusammengeführt haben.
Aber

in

den

vergangenen

Jahren

ist meiner Ansicht nach unsere Fähigkeit zur Erarbeitung gemeinsamer Ziele stetig unterhöhlt worden. Mit dem
Heranwachsen einer neuen Generation
ohne persönliche Erinnerung an die
Kriegsjahre haben westliche Politiker
zu erkennen versäumt, daß das internationale System den Erfordernissen
eines neuen Zeitalters angepaßt werden mußte. Die wirtschaftlichen und
politischen Schockwellen der späten
sechziger und siebziger Jahre haben
daher die alte Mentalität des Einzelkämpf ertums wiederbelebt.
Ich erkenne insbesondere die zunehmende Hinwendung zum wirtschaftlichen Kirchturmdenken.
Amerikaner,
Europäer und Japaner stimmen überein,
daß freier Handel uns mehr Wohlstand
und
Sicherheit
bringt.
Aber
wir
scheinen alle unsere eigenen Entschuldigungen für eben die Entscheidungen zu haben, die weltweit das
Wirtschaftswachstum
lähmen und das
offene
Welthandelssystem
aushöhlen.
Als Ergebnis davon befinden wir uns
in einem Teufelskreis, der - wenn er
nicht unterbrochen wird - unsere Kassen
leeren, unseren
Lebensstandard
verringern und in einen neuen Handelskrieg münden wird.
Und
Kirchturmdenken
beschränkt
sich bei weitem nicht nur auf den
Handel.
in den Vereinigten Staaten
tendieren wir zunehmend zum Unilateralismus, der mit einer Reihe von
Verzerrungen und falschen Vorstellungen gerechtfertigt wird. von meinen
Landsleuten sind Vorwürfe zu vernehmen, die Europäer seien zu sehr geneigt, sich sowjetischem Einfluß anzupassen. Andere vertreten die Ansicht, die Europäer seien in bezug
auf ihre Verteidigung Schmarotzer und
nicht bereit, die zu ihrem Schutz
notwendigen Opfer
zu bringen; sie
ließen sich von Terroristen erpressen
und zeigten selten Bereitschaft, die

- 3 -

�Vereinigten
Staaten bei
regionalen
Konflikten in der Dritten Welt zu unterstützen.
Auf der anderen Seite scheinen zu
viele Europäer der Ansicht zu sein,
die Amerikaner hielten an der starren
Ideologie
des
Kalten
Krieges
der
fünfziger Jahre fest, die eine mögliche Entwicklung besserer Ost-West-Beziehungen
nicht zuläßt; Amerikaner
seien hoffnungslose
Waffenfanatiker
und nur allzu leicht zu deren Gebrauch bereit.
Ferner besteht die
Meinung, eine amerikanische Bereitschaft, in regionale Konflikte einzugreifen oder gegen Terroristen vorzugehen, sei unberechenbar, nicht vorherzusehen und gefährlich.
Wir nehmen auf beiden Seiten des
Atlantiks einen Auftrieb engstirniger
Vorschläge
und
Denkschemata
wahr.
Sie haben ihren Ursprung vornehmlich
an den beiden extremen Enden des politischen Spektrums, die (wenn auch
aus sehr unterschiedlichen Gründen)
Europa und Amerika voneinander abgekoppelt
sehen möchten.
Unglücklicherweise finden diese Schemata immer
mehr Eingang ins allgemeine öffentliche
Denken.
Auf
amerikanischer
Seite gibt es protektionistische Gesetzesentwürfe, die sich durchaus mit
Smoot-Hawley messen können; kurzsichtige Vorschläge zur Einsparung von
Milliarden Dollar durch den Abzug unserer Truppen aus Europa; sogar Vorschläge zur Wiedergewinnung unseres
"Handlungsspielraumes" durch Austritt
aus der NATO.
In Europa hören wir intellektuelle Rechtfertigungen der "Xquidistanz"
zwischen den "Supermächten", begründet in ihrer sogenannten "moralischen
Gleichwertigkeit".
Es gibt zunehmend
Forderungen
nach
Denuklearisierung,
"defensiver
Verteidigung"
und
der
"Europäisierung Europas".
- 4

Nahezu all diesen Vorschläge ist
eines gemein - sie sind extrem engstirnig.
Viele
ihrer
Befürworter
streben nach einer einfachen Lösung
für schwierige Probleme in der Wirtschaft und im Haushalt, einer Lösung,
die uns nicht zwingt, die Vorzüge der
amerikanischen
Konsumgesellschaft
oder des europäischen Wohlfahrtsstaates
aufzugeben.
Manche
Politiker
hoffen auf Stimmen bei den nächsten
Wahlen.
Andere
sind
einfach
bestrebt, Sicherheit um jeden Preis zu
erlangen - koste es, was es wolle.
Aber
solche Ideen wären lediglich
leicht zu verwerfende Hirngespinste
extremistischer Außenseiter, wenn sie
nicht ihren Widerhall im Bewußtsein
der Öffentlichkeit fänden.
Und die
Öffentlichkeit
wird meiner
Ansicht
nach nicht von simplem Egoismus getrieben. In der Tat denken die Menschen überall, sie brächten Opfer und
zeigten Flexibilität, Kreativität und
ihre Bereitschaft zur Übernahme von
Risiken, ausländische "Freunde" täten
jedoch genau das Gegenteil.
Kurzum, zahlreiche Probleme entstehen aus Fehleinschätzungen, die
trotz der Revolution im Informationswesen weiterhin gedeihen.
Und wenn
wir nicht daran arbeiten, diese Fehleinschätzungen aus der Welt zu schaffen,
könnten
wir
in
ernsthafte
Schwierigkeiten geraten.
Meiner Ansicht nach gibt es nur eine Lösung
für das Problem der Fehleinschätzungen - größeres Verständnis. Wie ich
bereits angedeutet habe, führen mehr
Informationen und bessere Technik im
Kommunikationswesen
nicht
notwendigerweise zu besserem Verständnis. Im
Falle der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland können wir dieses bessere Verständnis nur erreichen, wenn wir sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede zwischen unseren beiden Ländern erkennen

�- und uns diese auch bewußt machen.
Meiner Meinung nach hat das Amerikabild
der
Deutschen
und
das
Deutschlandbild der Amerikaner in der
Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg drei
Stadien durchlaufen.
Das erste Stadium dauerte von
Kriegsende bis in die sechziger Jahre.
Die schreckliche Erfahrung der
Jahre 1933 bis 45, die offene amerikanische Politik nach dem Krieg und
die Großzügigkeit einzelner Amerikaner führten dazu, daß zahlreiche, vor
allem junge Deutsche den Vereinigten
Staaten
Modellcharakter
beimaßen.
Das traf auf ein breites
Spektrum
der deutschen Gesellschaft und sogar
auf viele Intellektuelle zu.
Somit
hatten die Vereinigten Staaten in der
Zeit des Wiederaufbaus, den fünfziger
Jahren, diesem Land ihren Stempel
aufgedrückt. Die oberflächlichen Gemeinsamkeiten wurden so beträchtlich,
daß ein Besucher nahezu jeder deutschen Stadt sich vorstellen konnte,
in den Vereinigten Staaten zu sein.
Auf beiden Seiten entwickelte sich
ein Mythos über unsere Beziehungen der Mythos gleicher Identität.
Aber die deutsche Hinwendung zu
Amerika in den fünfziger Jahren war
zu unkritisch und die deutsche Betrachtungsweise nahezu aller Aspekte
des amerikanischen Lebens zu idealistisch.
Der amerikanische Blickwinkel war das Spiegelbild der deutschen Betrachtungsweise - angesichts
so großer Ähnlichkeit mit den Vereinigten Staaten sahen Amerikaner die
Bundesrepublik zunehmend als "KleinAmerika", das zufällig in Europa beheimatet war.
Diese Ansichten brachten Erwartungen mit sich, die am Ende nicht
aufrechterhalten werden konnten. Das
führte zum zweiten Stadium unserer

Beziehungen
in der
Nachkriegszeit.
Als die Bundesrepublik sich dem Ende
ihrer erfolgreichen Wiederaufbauphase
näherte, begannen die Deutschen wiederum
über
ihre
eigene
Identität
nachzudenken, darüber, was es heißt und was es heißen sollte - Deutscher
zu sein. Weil die Deutschen ihre Gesellschaft der Nachkriegszeit so sehr
nach amerikanischem Muster ausgerichtet hatten, wurde die Diskussion über
die deutsche Identität ironischerweise vornehmlich über amerikanische Lebensqualität und amerikanische Politik geführt. Der in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren vor
allem durch den Vietnamkrieg entfachte Aufruhr teilte Amerika. Aber er
hatte hier vielleicht noch größere
Auswirkungen. Wir in den Vereinigten
Staaten haben einen Krieg verloren.
Viele, vor allem junge Deutsche, haben ihr Ideal verloren.
Die Vereinigten Staaten, denen in den fünfziger Jahren Modellcharakter zugekommen war, hatten für viele junge Deutsche in den siebziger Jahren ein Negativ-Image.
Amerikaner, die der Fehleinschätzung einer Amerikanisierung der Bundesrepublik unterlagen, fühlten sich
durch
die
scheinbar
schonungslose
Kritik der Deutschen verunsichert und
betroffen. Viele betrachteten Kritik
an den Vereinigten Staaten als Zeichen eines virulenten Antiamerikanismus in der Bundesrepublik.
Auf beiden Seiten bekamen viele das Gefühl,
unser gesamtes Verhältnis sei in Gefahr.
In den achtziger Jahren haben wir
begonnen, uns dem dritten Stadium in
unserem Verhältnis
anzunähern, das
weder romantisch verbrämt noch desillusioniert
ist
sondern
auf
einer
realistischeren Einschätzung unserer
Unterschiede und Gemeinsamkeiten beruht.

- 5 -

�Dieses neue Stadium wird von der
Tatsache geprägt, daß die Deutschen
jetzt gegenüber den Vereinigten Staaten ihre eigene Identität zu finden
und zu behaupten suchen.
Ein neues
Interesse an deutscher Geschichte ist
erwacht, ein neuer Stolz auf deutsche
Kultur
und die neue Bereitschaft,
einem gewissen Bewußtsein deutscher
Leistungen in einer Reihe von Lebensbereichen offen Ausdruck zu verleihen. Kurzum: es gibt zunehmend Beweise dafür, daß sich eine deutsche
Identität herausbildet - eine Identität, die sich weder als Imitation
noch als Ablehnung der Vereinigten
Staaten versteht.
Manch einer auf beiden Seiten des
Atlantiks empfindet diese Entwicklung
als beunruhigend.
Einige Beobachter
stellen Spekulationen über die Bedeutung
des Wiederauflebens
deutscher
Kultur und deutschen Stolzes an; dies
heiße, daß beide Gesellschaften auseinanderdriften und daß die enge Kooperation, die bis heute unsere Nachkriegsbeziehungen geprägt hat, unvermeidlich zum Scheitern verurteilt sei.
Ich kann solch eine düstere Prophezeiung nicht hinnehmen.
Es ist
nicht schlecht, daß die Deutschen den
Stolz auf ihre Kultur und Geschichte
wiedergewinnen - dies ist ein notwendiger Schritt auf der Suche nach
Identität. Es sollte uns nicht beunruhigen, daß wir in so vielen Dingen
verschieden sind. unsere Unterschiede sind einfach eine Tatsache, ein
Faktum,
das
auf
unterschiedlichen
geographischen Gegebenheiten und geschichtlichen
Erfahrungen beruht
und die Auswirkungen unserer Unterschiede sind genau das Gegenteil von
dem, was die Pessimisten behaupten.
Die wichtigen und interessanten Bereiche, in denen sich unsere Länder
voneinander unterscheiden, akzentuieren die sich gegenseitig ergänzenden

Starken, die meiner Meinung nach lohnende Chancen für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit eröffnen.
Erstens unterscheiden wir uns der
Größe nach. Die Vereinigten Staaten
sind ein Kontinent mit nur wenigen
Nachbarn und geschützt durch zwei
Ozeane.
Die Bundesrepublik ist geographisch kompakt und von zahlreichen
Nachbarstaaten umgeben.
Während die
Vereinigten Staaten aufgrund dieser
Situation eher zum Alleingang neigen,
wird die Bundesrepublik von den Erfordernissen der internationalen Zusammenarbeit geleitet.
Zweitens unterscheiden wir uns,
wiewohl beide von Vielfalt geprägt,
eben in unserer Vielfalt.
Das auf
einer komplexen, sich ständig verändernden ethnischen Mischung beruhende
Gefüge
der
amerikanischen
Gesellschaft hat zu einem Reichtum an Sprache, Küche, Kunst, Lebensstilen und
Ansätzen zur Problemlösung geführt,
der in der Welt einzigartig ist. Die
Bundesrepublik Deutschland ist ethnisch viel homogener.
Ihre Vielfalt
hat ihre Wurzeln in Geschichte und
geschichtlichem Erinnerungsvermögen und das Ausmaß dieser Vielfalt spiegelt die Tatsache wider, daß die Bundesrepublik
- nahezu als einziges
Land in Europa - nicht eine Hauptstadt besitzt sondern deren mehrere,
eine für die Politik, eine für das
Finanzwesen, eine für den Handel und
eine für die Medien. Jede bedeutende
Stadt der Bundesrepublik spielt in
einem bestimmten Lebensbereich eine
nationale Führungsrolle.
Drittens:
Obwohl wir viele gemeinsame demokratische Institutionen
teilen, funktionieren
unsere politischen Systeme auf verschiedene Art
und Weise. Das System der Bundesrepublik beruht auf relativ zentralisierten und vergleichsweise diszipli-

�nierten politischen Parteien.
Deutsche Politiker machen Karriere, wenn
sie in ihrer Partei Karriere machen.
Dieses System dient dazu, die politischen Debatten einander
näherzubringen,
indem
es
nationalen
und
langfristig
angelegten
politischen
Maßnahmen hohe Priorität in der Innen- wie auch
in der Außenpolitik
einräumt.
Das politische System der
Vereinigten Staaten hingegen ist von
schwachen Parteien und dezentral organisierter
Macht
gekennzeichnet.
Amerikanische
Politiker haben eine
individuelle Machtbasis auf lokaler
Ebene.
Die
amerikanische
Politik
spiegelt die Vielfalt der Vereinigten
Staaten wider und projiziert diese
Vielfalt auf die Gestaltung ihrer Innen- und Außenpolitik.
Viertens sind unsere Wirtschaftsstrukturen in wichtigen Bereichen unterschiedlicher
Art.
Die deutsche
Gesellschaft ist wirtschaftlich homogener und bietet nahezu all ihren
Bürgern einen hohen Lebensstandard,
ein bemerkenswertes Maß an Arbeitsplatzsicherheit und ein verläßliches
soziales Netz.
Deutsche Unternehmen
sind auf langfristigen Erfolg angelegt, auf Sicherheit und - darüber
läßt sich streiten - auf das Erzielen
einer "annehmbaren" statt einer maximalen Gewinnmarge.
in den Vereinigten Staaten ist der Wohlstand weniger
gleichmäßig verteilt, jedoch ermutigt
die größere soziale Mobilität Innovationen, bietet immense Möglichkeiten
und erlaubt unserem Land, eine erhebliche Zahl von Einwanderern schneller
in die Gesellschaft zu integrieren.
Geschichten des Aufstiegs vom Tellerwäscher zum Millionär sind immer noch
ein normaler Bestandteil amerikanischen Lebens. Natürlich besteht neben der Möglichkeit des Erfolgs auch
die des Scheiterns; und Scheitern
kann in der amerikanischen Gesellschaft mit großen Risiken verbunden
- 7

sein, insbesondere, weil unser soziales Netz bei weitem nicht so engmaschig geknüpft ist wie das deutsche.
Risiken einzugehen ist jedoch ein anerkannter Teil des amerikanischen Systems.
Geschäftsleute
können
mit
einem
Unternehmen
scheitern
und
trotzdem in der Lage sein, mit einem
anderen Erfolg zu haben.
Im Unterschied dazu scheinen die Deutschen
eher risikofeindlich zu sein.
Fünftens ist die Bundesrepublik
Deutschland
grundsätzlich
eine beständige und gefestigte Gesellschaft.
Demgegenüber
sind
die
Vereinigten
Staaten weiterhin ein Land ruheloser
Einwanderer. Die geographische Mobilität in den Vereinigten Staaten ist
legendär.
Nahezu ein Fünftel der
amerikanischen Bevölkerung zieht jedes Jahr um - eine Statistik, die für
viele Deutsche schwer faßbar
ist.
Die Deutschen sind weniger mobil, und
diese Tatsache bringt Probleme für
Unternehmer und Regionen mit sich,
die aus den durch den technologischen
Wandel
geschaffenen
Möglichkeiten
Vorteile zu ziehen suchen. Natürlich
sind mit der amerikanischen Mobilität
auch Kosten verbunden.
Es ermangelt
uns oft an einem gewachsenen Sinn für
Tradition und Lokalpatriotismus, wie
er in der Bundesrepublik so offen
sichtbar ist.
Sechstens und letztens ist die
geographische Mobilität in den Vereinigten Staaten gepaart mit einem
fast ebensolchen Ausmaß an sozialer
Mobilität, sowohl vertikal als auch
horizontal.
Diese einmalige amerikanische Qualität führt zu gesellschaftlichen Spannungen und gelegentlichen Auseinandersetzungen, aber sie
bedeutet auch größere Möglichkeiten
und mehr Innovation. Die gegenseitige Befruchtung unterschiedlicher Berufsgruppen ist in den Vereinigten
Staaten
besonders
ausgeprägt.

�Rechtsanwälte
werden
Unternehmer.
Unternehmer
werden Präsidenten von
Universitäten.
Professoren
gründen
Unternehmen.
Filmschauspieler werden
Politiker - und sogar Staatsmänner.
Es scheint mir, daß die Deutschen im
Gegensatz
dazu
neigen, früh
eine
Laufbahn
einzuschlagen
und
dieser
treu zu bleiben. Natürlich hat auch
dies vorteile - der erfahrene deutsche Beamte, Politiker oder Unternehmer wird in seine Tätigkeit ein Maß
an Professionalismus, eine Reihe von
Fähigkeiten und eine historische Perspektive einbringen, die ihn befähigen, die sich entwickelnden Veränderungen in ihrer "langfristigen Perspektive" zu sehen. Deshalb besteht
bei der Entscheidungsfindung in der
Bundesrepublik ein größeres Maß an
Kontinuität als in den Vereinigten
Staaten, wo in der Regierung ein Kommen und Gehen herrscht und Führungskräfte in der Wirtschaft häufiger ihren Arbeitsplatz wechseln.
Man ist
deshalb eher kurzfristigem Denken und
schnellen Entschlüssen bei Problemlösungen zugeneigt.
Ich kann unsere grundlegenden Unterschiede am besten zusammenfassen,
indem ich sage, daß die geordnetere
und weniger mobile deutsche Gesellschaft ein Gefühl der Gemeinschaft
und der Zusammengehörigkeit fördert.
Wenn man dieser Gleichung noch den
Wohlfahrtsstaat hinzufügt, dann bekommt man als Ergebnis ein hochentwickeltes Gefühl dafür, daß das Resultat
jeglicher
gesellschaftlicher
Interaktion
letzlich
"fair"
sein
sollte.
Sozial, wirtschaftlich und politisch herrscht
in den Vereinigten
Staaten ein wesentlich rauheres Klima.
Nicht alle Beteiligten werden
zum gleichen Ergebnis kommen.
Aber
unsere Gesellschaft schafft jedem die
Möglichkeit, einen Versuch zu unter- 8

nehmen.
Kurzgesagt: wo die Gesellschaft der Bundesrepublik das Bedürfnis nach Fairneß betont, legt die
amerikanische Gesellschaft die Betonung auf die Möglichkeiten.
Die Erkenntnis, daß wir nicht
gleich sind, ist wichtig, wenn wir
verstehen sollen, warum wir von Zeit
zu Zeit auf gleiche Entwicklungen unterschiedlich
reagieren.
Und
was
ebenso wichtig ist: dies ist meiner
Meinung nach der beste Grund für uns,
unsere Beziehungen zu erhalten und zu
stärken.
Unser gemeinsames strategisches Interesse macht deutsch-amerikanische
Zusammenarbeit
erforderlich. Unsere gemeinsamen politischen
Werte ermöglichen diese Zusammenarbeit.
Es sind jedoch unsere unterschiedlichen Stärken und Schwächen,
die diese Zusammenarbeit so lohnend
machen können. Jeder bringt in unser
Verhältnis Dinge ein, von denen der
andere lernen und profitieren kann.
Während wir uns also auf die
neunziger Jahre vorbereiten, sollten
wir jetzt in ein neues Stadium unserer Beziehungen eintreten, eine Phase, in der sowohl Deutsche wie auch
Amerikaner realistischere Erwartungen
aneinander haben. Wir sollten in der
Lage sein, unsere Unterschiede zu erkennen, ohne von ihnen beunruhigt zu
werden und sowohl aus den Bereichen,
in denen wir uns unterscheiden, als
auch aus unseren Gemeinsamkeiten Nutzen zu ziehen.
Wir müssen uns vor Augen führen,
daß wir unveräußerliche Werte teilen,
die es gestatten, daß die zwischen
uns bestehenden Unterschiede Möglichkeiten
anstatt
Gefahren
bedeuten.
Das amerikanische Unternehmertum kann
von deutscher Stabilität, Kontinuität
und der Fähigkeit, langfristige strategische Planungen
vorzunehmen und
hochwertige
Waren
zu
produzieren,

�lernen. Die Deutschen können lernen,
indem sie beobachten - den amerikanischen Unternehmergeist, die Bereitschaft zum Risiko und die Vitalität
im Bereich der kleineren Unternehmen.
Die Amerikaner können von den Deutschen eine Menge in bezug auf Haushaltsdisziplin
und
Spargewohnheiten
lernen - aber den Deutschen würde es
gut anstehen, herauszufinden, wie die
Vereinigten Staaten ein solch schnelles Wirtschaftswachstum erreicht und
so viele Arbeitsplätze geschaffen haben.
Der
Lernprozeß
ist
mindestens
ebenso wichtig in anderen Bereichen
der Politik. Die Vereinigten Staaten
müssen zum Beispiel ihre Neigung zum
Unilateralismus
kontrollieren,
den
Entschluß fassen, sich nicht von der
Verteidigung Europas zurückzuziehen während die Deutschen und andere Europäer bereit sein sollten, außerhalb
Europas eine umfassendere Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen.
Kurzum:
wir können viel voneinander lernen und uns somit gegenseitig ergänzen - aber nur, wenn wir
einander verstehen.
Das neue Bewußtsein einer nationalen deutschen Identität auf beiden
Seiten des Atlantiks kann unter diesen Bedingungen in der Tat zur Stärkung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses beitragen. Umgekehrt können amerikanische und deutsche Fehleinschätzungen
äußerst
entzweiend
wirken.
Beispielsweise
sind viele
Deutsche immer noch davon überzeugt,
sie lebten in einem kleinen, schwachen Land, das zwischen zwei Supermächten eingekeilt
und unfähig zu
entscheidender
Einflußnahme
ist.
Diese deutsche Selbsteinschätzung ist
für viele Amerikaner schwer begreiflich. Sie betrachten die Bundesrepublik als eines der stabilsten, wohl- 9

habendsten,
demokratischsten
und
mächtigsten Länder der Welt - die
größte Handelsnation der Welt, die
wirtschaftlich den vierten und vom
Verteidigungsaufwand her den dritten
Platz in der Welt einnimmt.
Setzt
man diese Gegebenheiten voraus, dann
können die Amerikaner unschwer zu der
Schlußfolgerung
gelangen,
daß
die
Deutschen zusammen mit den Japanern
darauf bedacht sind, einen möglichst
großen Anteil des Weltmarktes zu erobern und gleichzeitig die Kosten und
Risiken der Bewahrung des Friedens
und eines stabilen Weltwirtschaftssystems
den
Vereinigten
Staaten
zu
überlassen.
Diese
Fehleinschätzung
erleichtert die Rechtfertigung egoistischer, unilateralistischer amerikanischer Maßnahmen - welche wiederum
in diesem Land Neigungen zu einer Inselmentalität verstärken.
Wie können wir es bewerkstelligen, daß wir einander besser verstehen? Wie ich schon festgestellt habe,
besitzen wir viele Wege, um uns zu
verständigen, um Informationen
und
Ideen
auszutauschen.
Bisweilen
scheinen die Institutionen, durch die
wir kommunizieren, uns jedoch daran
zu hindern, einander wirklich zu verstehen.
So spielt zum Beispiel an
amerikanischen Schulen und Universitäten
der
Deutschunterricht
eine
solch untergeordnete Rolle, daß die
meisten Amerikaner von dem reichen
Vermächtnis deutscher Geschichte und
Kultur ausgeschlossen sind. Deutsche
Bildungsstätten leisten Hervorragendes auf dem Gebiet des Englischunterrichts, präsentieren
jedoch
häufig
ein solch verzerrtes Bild der amerikanischen Gesellschaft und Politik,
daß der Lernende kaum verstehen kann,
was er in dieser Sprache sieht und
hört. Um nur ein einziges typisches
Beispiel zu nennen:
in einem Text
über Minderheiten in den Vereinigten
Staaten wird erklärt: "Spricht man

�von den Negern und den Puertorikanern, dann meint man nichtorganisierte
und
ungelernte
Arbeiter,
die
schlecht
bezahlte Arbeitsplätze in
Hotels, Restaurants, kleinen Fabriken
innehaben
oder
Sozialhilfeempfänger
sind". Der Autor, dem offensichtlich
völlig entgangen ist, daß Millionen
von schwarzen und puertorikanischen
Amerikanern hochgebildet und wohlhabend sind, macht sich der Verleumdung
Amerikas als rassistischer Gesellschaft schuldig.
Austauschprogramme tragen, unabhängig davon, ob sie aus öffentlichen
oder privaten Mitteln gefördert werden, in hohem Maße dazu bei, die Menschen einander näher zu bringen und
das gegenseitige Verständnis zu verbessern. Die Einfühlungsvermögen und
Verständnis für eine andere Kultur
hervorbringende persönliche Erfahrung
ist noch immer unersetzlich.
Bedauerlicherweise ist jedoch die Zahl der
Teilnehmer an solchen Programmen begrenzt.
Die Vereinigten Staaten und
die Bundesrepublik Deutschland führen
eine
Vielzahl
unterschiedlichster
Austauschprogramme
durch, aber die
sich jährlich auf einige tausend belaufende
Teilnehmerzahl
entspricht
nur einem Bruchteil der Bevölkerung
beider Länder.
Die Buchindustrie ist ein weiterer großer Kommunikator der Gesellschaft, mit dessen Hilfe eine Fülle
von Informationen von einem Land ins
andere getragen und vermittelt werden. Dennoch ist auch sie einer Reihe harter wirtschaftlicher Zwänge unterworfen - es reicht nicht aus, ein
gutes Buch zu veröffentlichen - es
muß auch verkauft werden. Die Ergebnisse sind vorhersehbar.
Eine kürzlich vom US-Informationsamt
(United
States Information Agency - USIA) erstellte Studie kam zum Beispiel zu
dem Ergebnis, daß es, trotz der in

jedem Jahr von deutschen Verlegern
übersetzten und auf den Markt gebrachten Vielzahl amerikanischer Titel schwierig ist, von Amerikanern
geschriebene
Bücher
über
amerikanische Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft in deutschen Bücherregalen
zu finden. Sachbücher verkaufen sich
in der Bundesrepublik nur in Ausnahmefällen so gut wie etwa Lee Iacoccas
Autobiographie. Die Anzahl wichtiger
deutscher Bücher, die übersetzt und
in Amerika herausgegeben werden, ist
natürlich noch geringer.
in der Welt von heute sind die
wichtigsten Kommunikationsinstitutionen
zweifelsohne
die Massenmedien,
worunter ich Zeitungen, Zeitschriften, Radio und natürlich vor allem
das Fernsehen verstehe.
Die meisten
Menschen beziehen das Gros ihrer Informationen
aus
den
Medien.
Abschließend möchte ich daher gerne einige Anmerkungen über den Journalismus und die Medien machen, weniger
aus theoretischer Sicht als aus meiner eigenen Erfahrung als Journalist.
Paradoxerweise führen die bloße
Fülle der von den Medien verarbeiteten Informationen, die Geschwindigkeit ihrer Verbreitung und ihr intensiver Wettbewerb allzu häufig zu einer Berichterstattung, die trivial,
oberflächlich und sogar konformistisch ist.
Dies gilt in besonderem
Maße für das Fernsehen, zweifelsohne
das spektakulärste Produkt der Revolution in der Kommunikationstechnologie. Erst vor 50 Jahren verließen
die ersten Fernsehgeräte die Forschungslabors.
Der Preis war unerschwinglich, das Bild
schrecklich,
und es gab sowieso wenig, was man
sich ansehen konnte.
Heute ist das
Fernsehen sowohl in Amerika und - in
zunehmendem Maße - in Europa einer
der größten Industriezweige.

�Meinungsumfragen
belegen,
daß
sich die Menschen immer mehr auf das
Fernsehen als erste Informationsquelle über Ereignisse in der Welt verlassen.
Die
Aufmerksamkeit
der
"Fernsehgeneration"
ist von kurzer
Dauer, über die internationalen Themenkomplexe erfährt sie zumeist aus
den nur 30 bis 60 Sekunden dauernden
Sequenzen
in den Abendnachrichten.
Der Bürger von heute, der häufig unter zeitdruck steht, ist meist glücklich darüber, daß das Fernsehen die
scheinbar
wichtigsten
Fakten
so
schnell zur Verfügung stellen kann.
Meine
eigenen
Erfahrungen
als
Journalist haben mir zu der Überzeugung verholfen, daß das Fernsehen die
traditionelle Schwäche des Journalismus noch verschärft - um so mehr als
die gedruckten Medien, die zwangsläufig
zur Bereitstellung
eingehender
Informationen
besser
ausgerüstet
sind, beim Wetteifern um die begrenzte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit
den Stil des Fernsehens zu imitieren
suchen.
Zum Beispiel zwingt das Fernsehen
den Journalisten mehr denn je, möglichst der erste mit einer Nachricht
zu sein. Einen anderen Fersehsender
um nur ein paar Minuten "auszustechen" könnte bedeuten, man kommt in
die Abendnachrichten und der andere
nicht.
Sie heimsen die Lorbeeren
ein, und er bekommt Xrger.
Für
ernsthafte
Analysen
bleibt
keine
Zeit.
Das Ergebnis des "Sensationsjournalismus" ist, daß Journalismus
als Beruf nicht diejenigen anzieht,
die komplexe Themenbereiche im einzelnen untersuchen wollen.
Der ständige Zwang zu einer Erstmeldung führt auch zu "Herden Journalismus" und dem Problem unzusammenhängender Nachrichten.
Die Journalisten versuchen sich vor dem Ausste-

chen durch eine Erstmeldung zu schützen, indem sie sich jeden Tag oder
jede Woche
untereinander
für
ein
Leitthema entscheiden. Jeder konzentriert sich in höchstem Maße auf dieses Thema - bis zur nächsten Woche,
wenn ein anderes Thema herausgegriffen wird. Wir können aus einer Vielzahl von Fernsehkanälen
auswählen,
aber nur allzu häufig wird über diesselben Nachrichten - und wenig anderes - auf jedem Kanal berichtet. Als
Ergebnis dessen ist das welterschütternde Problem von heute morgen bereits vergessen.
Der Öffentlichkeit
wird keine Gelegenheit gegeben - erst
recht nicht durch die Darstellung im
Fernsehen
- sich zu umfassenderen
Themenkomplexen eine Meinung zu bilden. Die Diskussion über die Mittelstreckenraketen ist hierfür ein anschauliches Beispiel. Vor vier Jahren konzentrierten sich alle Nachrichten über INF auf die Stationierung
der
amerikanischen
Raketen.
Heute ist ihre Beseitigung, zusammen
mit den entsprechenden sowjetischen
Waffen, das Hauptthema. Aber die Medien stellen keine Verbindung zwischen diesen beiden Themen her - tragen nichts zum Verständnis der Öffentlickeit bei, daß die Stationierung von gestern die unabdingbare
Voraussetzung für das historische Abkommen von heute war.
Das Fernsehen verschärft auch den
traditionellen Hang der Journalisten
zur Übertreibung. Die Reporter haben
immer gewußt, daß es Geschichten von
"menschlichem Interesse" bedarf, um
Zeitungen und Zeitschriften zu verkaufen. Aber das Fernsehen trägt die
Nachrichten mit nie dagewesener Dramatik in unsere Wohnzimmer - Abend
für Abend leben wir mit den Schrecken
von Vietnam oder Beirut, dem Terror
des jüngsten Geiseldramas, mit apokalyptischen Visionen dessen, was mit
Tschernobyl, dem Einleiten von chemi-

- 11 -

�kalien in den Rhein, der explosiven
Lage am Persischen Golf auf uns zukommen wird. Die Fähigkeit des Fernsehens, jede einzelne Nachricht zu
dramatisieren, wirft zwangsläufig die
Frage auf, ob der Zuschauer dadurch
besser informiert wird - oder einfach
zu einer emotionaleren Betrachtungsweise gelangt und häufig komplexe Ereignisse nur als Zusammenprall von
Gut und Böse versteht, die sich in
nichts von den jüngsten HollywoodProdukten unterscheiden.
Was heute nicht fotografiert und
im Fernsehen übertragen werden kann,
hat
keinen
Nachrichtenwert.
Der
Krieg zwischen Iran und Irak ist
einer der blutigsten und zerstörerischsten Konflikte der jüngsten Geschichte - und dennoch besteht, weil
die Kombattanten das Fernsehen vom
Kriegsschauplatz ferngehalten haben,
in der westlichen Öffentlichkeit wenig Sorge darüber, was mit den Menschen dieser beiden Länder geschieht
- und wenig Bereitschaft, eine Politik zur Beendigung des Krieges zu unterstützen.
Natürlich ist das Fernsehen nicht
der alleinige Sündenbock.
unter den
Journalisten herrscht auch ein gewisser "Standesdünkel", der einer Entfaltung echter Sachkenntnis zuwiderläuft.
Von jedem Journalisten wird
erwartet, ein Allroundgenie zu sein,
das mit der gleichen Gewandtheit über
jede Geschichte berichten kann, sei
es die Hochzeit im Lokalteil oder
komplexe
RüstungskontrollVerhandlungen. Das Ergebnis ist allzu häufig,
daß der Leser oder Zuschauer nur eine
entsprechend oberflächliche Berichterstattung über jede Geschichte erhält. Die meisten Journalisten, die
sich mit komplizierten
politischen
Fragen auseinandersetzen, sind intelligent und haben ihr Metier von der
Pike auf gelernt, aber vielen mangelt
- 1

es an der Sachkenntnis, über diese
Sachverhalte im Zusammenhang zu berichten.
Es ist offenkundig, daß die Probleme der Medien in Europa und Amerika nicht identisch sind. In den Vereinigten Staaten machen kommerzielle
Interessen und der Medienwettbewerb
die Nachrichtenberichterstattung häufig zu einer Art Unterhaltungssendung. Dies führt notwendigerweise zu
Oberflächlichkeit.
Aber während unsere Nachrichtenmedien vielleicht zu
sehr
auf
Wettbewerb
ausgerichtet
sind, trifft dies für Ihre nicht in
ausreichendem
Maße zu.
Staatliche
Einflußnahme und Subventionen führen
zu Konformität der Medien und Politisierung der Nachrichten - die Öffentlichkeit erhält gelegentlich nur einen Aspekt einer Geschichte und nur
einen Teil der Fakten.
Dies gilt
wiederum insbesondere für das Fernsehen. Die Zunahme der privaten Kabelund Satellitenfernsehsender
in der
Bundesrepublik ist daher, denke ich,
eine positive Entwicklung, die ermutigt werden sollte. im weiteren Sinne würde sogar eine Lockerung des Telekommunikationsmarktes in der Bundesrepublik in starkem Maße zu einer
Vielfalt - und damit Qualität - der
jedermann zur Verfügung stehenden Informationen beitragen.
In diesem Zeitalter der Information müssen wir uns bewußt sein, daß
die Medien zum wichtigsten Teilnehmer
am politischen Prozeß geworden sind.
Sie haben aufgehört, bloße Beobachter
zu sein - wenn sie das je waren. Hohe Regierungsvertreter und leitende
Geschäftsführer verbringen viel zeit
damit, sich Gedanken zu machen, wie
sie und ihre Entscheidungen in der
Presse
dargestellt werden.
Häufig
sind es die Medien, von denen die Tagesordnung des öffentlichen Interesses bestimmt wird, indem sie die Auf-

t

\

'

�merksamkeit auf ein bestimmtes Thema
lenken. Ebenso häufig setzen die Medien die Handlungsparameter,
indem
sie bestimmte politische Ansätze als
gut und andere als schlecht bezeichnen.
Sollten ihnen meine Ausführungen
kritisch erschienen sein, so hoffe
ich doch, daß ich auch dem schwierigen Auftrag der Medien gerecht geworden bin.
Dennoch
haben wir
das
Recht, zu fordern, daß die Medien
sich selbst verbessern.
Die Medien
sind eine der mächtigsten Institutionen unserer Gesellschaft.
Wie jede
andere mächtige
Institution müssen
sie der übrigen Gesellschaft gegenüber verantwortlich sein. Die Medien
sollten zur Lösung unseres Problems
gegenseitiger
Fehleinschätzung
beitragen, und nicht Teil des Problems
sein.
Aber wir können nicht die ganze
Schuld den Medien anlasten oder ihnen
die gesamte Verantwortung dafür aufbürden, uns zu besser informierten
Menschen zu machen. Es ist von vordringlicher Bedeutung, daß politische
Entscheidungsträger, insbesondere die
Experten auf dem Gebiet der Außenpolitik, aktiv an der Unterrichtung der
Öffentlichkeit über komplexe Sachverhalte mitwirken. In diesem Zusammenhang habe ich mich besonders gefreut,
kürzlich
durch
Herrn
Professor
Biedenkopf
von
den
Plänen
des
Bertelsmann-Unternehmens zu erfahren,
regelmäßig stattfindende Treffen in
unseren beiden Ländern ins Leben zu
rufen, bei denen Experten und politische Entscheidungsträger mit Journalisten
zu eingehenden
Gesprächen
über die Hauptprobleme deutsch-amerikanischer Beziehungen zusammenkommen
werden.
Das ist genau die Art von
Unterstützung, die wir dem ernsthaften Journalisten gewähren müssen, der
zum besseren Verständnis zwischen un-

seren beiden Ländern beiträgt.
Es reicht nicht aus, Lippenbekenntnisse zum Recht der Öffentlichkeit auf wissen abzulegen - wir müssen auch der Tatsache Rechnung tragen, daß eine verantwortungsbewußte
Öffentlichkeit verstehen muß - denn
in einer Demokratie kann der Mangel
an Verständnis seitens der Öffentlichkeit effektives Regieren unmöglich machen. Angesichts der Wirkung
der Medien auf den Entscheidungsprozeß
kann
die
Trivialisierung
der
Nachrichten auch die Trivialisierung
der Regierungspolitik bedeuten.
Der
politische Entscheidungsträger sollte
erkennen, daß die Medien für das Verständnis unabdingbar sind, und daß
Journalismus - ebenso wie Politik,
Diplomatie, Handel oder wissenschaftliche Forschung - einer der entscheidenden Berufe des öffentlichen Lebens
ist. Wir müssen die Journalisten wie
unseresgleichen behandeln.
Für diejenigen unter uns, die mit
der Verbesserung des europäisch-amerikanischen Verständnisses beauftragt
sind, ist es frustrierend, daß so
viele Fehleinschätzungen anscheinend
unzugänglich
für Korrekturen durch
die Fülle von Informationen sind, die
über den Atlantik hin und her geschickt werden.
Unsere gemeinsamen Werte und Interessen sind jedoch ungleich größer
als unsere Unterschiede - und selbst
unsere Unterschiede bergen - wie ich
versucht habe, herauszuarbeiten - in
sich den Keim der fruchtbaren Zusammenarbeit. Wenn wir unsere Sensibilität
für Unterschiede entwickeln,
dann glaube
ich, daß
die
"reife
deutsch-amerikanische Partnerschaft",
von der ich so häufig gesprochen habe, Realität wird und nicht länger
nur eine Zielvorstellung bleibt.
* * * * * *

- 1

�</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

25. November 1992
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CLINTON-KONGRESS
•_

^

FRAKTIONSFUHRER DER DEMOKRATEN UND
REPUBLIKANER BEGRÜSSEN CLINTON IM
KAPITOL
Clinton verspricht Zusammenarbeit
mit dem Kongreß

CLINTON-AUSSENPOLITIK

CLINTONS INTERESSE AN AUSSENPOLITIK BEGANN IM COLLEGE
Georgetown, Oxford als
prägende Erfahrungen

GATT

BUSH GIBT EINIGUNG MIT EG ÜBER
AGRARHANDELSFRAGEN BEKANNT
Erklärung des Präsidenten
USA, EG ERZIELEN EINIGUNG ZU
WESENTLICHEN FRAGEN DER
URUGUAY-RUNDE
Gemeinsame Erklärung der
USA-EG-Kommission
USA UND EG VERKÜNDEN DURCHBRUCH
BEI WELTHANDELSGESPRÄCHEN
Beschleunigung der Verhandlungen erwartet

JUGOSLAWIEN

VERBRECHEN IN JUGOSLAWIEN WERDEN
GESÜHNT
Rede von Botschafter Blackwell

PORTRAT

HILLARY CLINTON WIRD "SPRACHROHR'
FÜR KINDER SEIN
Die Frau des gewählten Präsidenten ein Porträt
TIPPER GORE IST TREIBENDE KRAFT
DER NATIONALEN ELTERNBEWEGUNG
Die Gattin des gewählten Vizepräsidenten
- ein Porträt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�CLINTON/KONGRESS
25. November 1992

FRAKTIONSFÜHRER DER DEMOKRATEN UND
REPUBLIKANER BEGRÜSSEN CLINTON IM KAPITOL
Clinton verspricht Zusammenarbeit mit dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Der künftige Präsident Clinton der Exekutive, von denen ein Großteil der Reaganhat auf dem Capitol Hill verkündet, daß er bei der und Bush-Administrationen gekennzeichnet war, im
Lösung der Wirtschaftsprobleme des Landes mit dem Verschwinden begriffen seien. "Wenn Sie genau
Kongreß zusammenarbeiten will und erhielt nicht nur aufpassen, können Sie heute schon spüren, wie sich
von den Mitgliedern seiner eigenen Partei, sondern die festgefahrene Situation lockert", stellte dergewählauch von den Fraktionsführem der republikanischen te Vizepräsident fest.
Oppositionspartei erste Zusicherungen.
Clinton sprach von 'beispiellosen" Problemen der Nation,
Am 19. November, dem letzten Tag seines zweitägi- die mit den Gegebenheiten des Zeitalters nach dem
gen Besuchs in der Bundeshauptstadt Washington, Kalten Krieg zu tun hätten, in dem "wir uns darum
traf sich Clinton im Kapitol zu mehreren Gesprächen, kümmern müssen, wie wir mit der Weltwirtschaft Schritt
teils auch unter vier Augen, mit führenden Parlamen- halten oder in manchen Fällen auch nicht".
tariern, die über das Schicksal der von ihm vorgeschlaClinton zufolge erfordert die Lösung der wirtschaftligenen Programme entscheiden werden.
chen Probleme die Zusammenarbeit beider Parteien
Auf einer am Nachmittag nach einer Reihe von Ge- und er versprach den Republikanern "eine offene Tür
sprächen anberaumten Pressekonferenz erläuterte und regelmäßige Gespräche".
der gewählte Präsident nochmals seine Prioritäten
nach der Vereidigung am 20. Januar 1993: Wirt- Die Fraktionsführer der Republikaner ihrerseits schieschaftswachstum, Abbau des Haushaltsdefizits, Ko- nen die Angebote des gewählten Präsidenten zu
stenkontrolle und Kostendeckung im Gesundheitswe- begrüßen.
sen, sein Vorschlag eines Dienstes an der Allgemein- Dole, der einige Tage zuvor angekündigt hatte, daß er
heit für Collegestudenten und politische Reformen.
vielleicht während Clintons "Flitterwochen" mit dem
Clinton erschien auf der in der historischen Standbildgalerie des Kapitals stattfindenden Pressekonferenz
zusammen mit seinem gewählten Vizepräsidenten
Gore, dem Sprecher des Repräsentantenhauses
Thomas Foley, Senator George Mitchell und dem
Mitglied des Repräsentantenhauses Richard Gephardt,
den demokratischen Fraktionsführern des Senats und
des Repräsentantenhauses sowie deren Amtskollegen aus dem republikanischen Lager, Senator Robert
Dole und dem Mitglied des Repräsentantenhauses
Robert Michel.

Kongreß die Rolle der Anstandsdame übernehmen
werde, prophezeite, "es wird viele Bereiche geben, bei
denen wir einer Meinung sind".
"Sie sind Demokraten, wir sind Republikaner, aber es
liegt in unserem gemeinsamen Interesse, das Land
weiterzubringen, uns um Arbeitsplätze, die Wirtschaft,
das Gesundheitswesen, den Abbau des Haushaltsdefizits zu kümmern... Daher vermute ich, daß viele
Gemeinsamkeiten gefunden werden", fügte er hinzu.

Michel stellte fest, Clinton werde sich "dem Dilemma
gegenübersehen, die Wirtschaft anzukurbeln, ohne
Clinton verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, bis zu seiner das Problem des Haushaltsdefizits zu verschärfen,
Amtseinführung die Einzelheiten seines Wirtschafts- dem wir uns gegenübersehen". Ihm zufolge bieten
förderungsprogramms ausgearbeitet zu haben, um diese Bestrebungen die Chance zusammenzuarbeirechtzeitig eine Rede zur Lage der Nation halten zu ten, und "wir alle werden das im Interesse unseres
können, die "den Konsens, welchen Kurs wir einschla- Landes tun müssen".
gen müssen", reflektiere.
Nach der offiziellen Pressekonferenz machte Michel
Er betonte die Rolle, die er Gore beim Aufbau einer vor Reportern noch einige Ausführungen und stellte
funktionierenden Partnerschaft mit dem Kongreß ein- fest, daß viele Mitglieder des Repräsentantenhauses
räumen will, und Gore selbst äußerte die Vermutung, "das Haushaltsdefizit sehr ernst nehmen." Es werde
daß derartige Konflikte zwischen der Legislative und
AMERIKA DIENST 47

Seite 1

�seiner Ansicht nach für sie von höchster Priorität sein,
"eine ordnungsgemäße Ausgabenreduzierung durchzusetzen", gleichzeitig aber exzessive Kürzungen der
Verteidigungsausgaben zu verhindern.
Der allgemeine Eindruck des guten Einvernehmens
zwischen den beiden Parteien wurde sogar durch
Newt Gingrich, dem abwesenden, an zweiter Stelle in
der Rangfolge der Republikaner liegenden Mitglied
des Repräsentantenhauses gefördert, der normalerweise den Demokraten mit offener Feindseligkeit
begegnet. Gingrich brachte einen von ihm an Clinton
geschriebenen Brief in Umlauf, in dem er sich für seine
Abwesenheit entschuldigte, und versprach, sich an
den "gemeinsamen Anstrengungen" zur Lösung der
Probleme des Landes zu beteiligen.
Clinton betrat auf seiner Pressekonferenz wenig Neuland,
gab aber zu spezifischen Fragen folgende Kommentare ab:
Explodierende Kosten im Gesundheitswesen,
sowohl im öffentlichen als auch im privaten
Bereich, sind ein entscheidendes Element bei
den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes und "niemand glaubt ernsthaft, daß wir
jemals das Defizit unter Kontrolle bringen können, bis wir ein System einführen, das (sie)...
unter Kontrolle bringt''. Er wird an der Entwicklung eines überparteilichen Vorschlags arbeiten, der eine Kontrolle der Kosten vorsieht und
gleichzeitig allen Amerikanern eine Grundversorgung anbietet.
Er räumt der Verwirklichung des anstehenden
Nordamerikanischen Freihandelsabkommens
(NAFTA) mit Kanada und Mexiko höchste Priorität ein. Clinton, der früher gesagt hatte, daß
einige Punkte des NAFTA-Entwurfs zu UmweRund Arbeitsfragen noch geprüft werden müßten, wiederholte "es gebe noch einiges andere
zu tun", bevor der Vertrag in Kraft gesetzt werden könne, fügte jedoch hinzu: "Ich freue mich
auf die Zusammenarbeit mit Präsident Salinas
(Mexiko) in diesem Bereich, die sicherlich erfolgen wird."

Auf Präsident Bushs "sehr aggressive Politik"
zur Erweiterung des Handels mit Lateinamerika
angesprochen, antwortete er: "Ich werde wahrscheinlich noch aggressiver sein." Er hofft auf
ein Handelsabkommen mit Chile und "mehr
Handel mit Argentinien".
Die Vereinigten Staaten haben "ein großes Interesse daran, China nicht zu isolieren, darauf
hinzuwirken, daß China weiter eine Marktwirtschaft entwickelt". Aber gleichzeitig "müssen
wir darauf bestehen, daß ... in den Bereichen
Menschenrechte und Menschenwürde Fortschritte gemacht werden". Er habe "in den letzten
Monaten Anzeichen dafür gesehen, daß eine
starke Hand unserer Regierung dazu beitragen
kann, das zu erreichen", da die Bush-Administration "aus welchem Grund auch immer...
gegenüber von Strafgefangenen hergestellten
Waren und unfairen Handelspraktken eine härtere
Gangart einschlug".
Er will die amerikanische Politik bei Waffenverkäufen als Teil einer entschiedenen, mit anderen Nationen zu koordinierenden Anstrengung
überprüfen, "um die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und die Ansammlung
von Waffen in den Händen derjenigen zu verhindern, die zu ihrem Einsatz entschlossen sind".
Während die Politik der Bush-Administration,
Flüchtlinge aus Haiti abzuschieben, zu undifferenziert war, ist eine vernünftige Unterscheidung zwischen Wirtschafts- und politischen
Flüchtlingen legitim. "Es wäre meiner Ansicht
nach äußerst unklug, wenn irgend jemand denken
würde, ich würde eine Politik der wahllosen
Massenmigration befürworten... Es geht hier
darum, den Haitianern die Chance zu geben,
aus triftigen Gründen eine Zeitlang in diesem
Land Asyl zu beantragen, bis auf Haiti wieder
eine demokratisch gewählte Regierung eingesetzt worden ist", stellte Clinton fest.
Clinton befürwortet weiterhin, den District of
Columbia zum Bundesstaat zu erklären und
geht davon aus, daß ein entsprechender Gesetzesvorschlag im Kongreß eingebracht wird.

* * *

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AMERIKA DIENST 47

�CLINTON/AUSSENPOLITIK
25. November 1992

CLINTONS INTERESSE AN AUSSENPOLITIK
BEGANN IM COLLEGE
Georgetown, Oxford als prägende Erfahrungen
WASHINGTON - (AD) - Der gewählte Präsident Bill
Clinton hatte stets ein starkes Interesse an auswärtigen Angelegenheiten, und er hat sein Studium und
seine Karriere so angelegt, ihn darauf vorzubereiten,
eine internationale Führungsrolle zu spielen, behaupten einige Personen, die ihn seit seiner Universitätszeit
kennen.
Kommilitonen von der School of Foreign Service der
Georgetown University sowie ehemalige Rhodes-Stipendiaten, die Ende der sechziger Jahre mit ihm in
Oxford studiert haben, sind sich darin einig, daß Clinton immer ein reges Interesse an der Welt insgesamt
und an der amerikanischen Rolle darin gehabt hat.
In einem Interview mit der Washington Post stellte
Clinton fest, er habe sich für das Studium an der
Georgetown University in der Bundeshauptstadt
Washington entschieden, weil "ich erkannte, daß die
Welt immer kleiner wurde und jeder, der den Lauf der
Ereignisse in jedem beliebigen Teil der Welt beeinflussen wollte, auch den Rest davon verstehen müßte".
Georgetown "war die einzige Universität, an der er sich
bewarb", erklärt Tom Campbell, der dort vier Jahre
lang das Zimmer mit Clinton teilte. "Er fragte seine
Studienberaterin an der High School in Hot Springs
(Arkansas), wohin er gehen solle, um Außenpolitik zu
studieren, und sie verwies ihn an die School of Foreign
Service in Georgetown."
Obwohl Clinton aus einer Kleinstadt im Süden kam,
war er "stets sehr kosmopolitisch und in seinem Denken immer sehr zukunftsorientiert", erläutert Campbell, der heute Pilot bei einer Fluggesellschaft ist. "Er
paßte perfekt zu Georgetown."
In Georgetown war Clinton Sprecher im 1. und 2.
Studienjahr seines Jahrgangs und bewarb sich im
letzten Studienjahr erfolglos um das Amt des Präsidenten des Studentenrats. "Bei allem stand er stets an
der Spitze seines Jahrgangs", so Campbell.

AMERIKA DIENST 47

Clintons Interesse an internationalen Angelegenheiten "war bereits sehr stark ausgeprägt, als ich ihn traf,
erklärt der Romanschriftsteller Thomas Caplan, der
ebenfalls in Georgetown das Zimmer mit Clinton teilte.
Die von Clinton ausgewählten Kurse "waren sehr stark
auf die Wert ausgerichtet", erläutert Caplan. "Der
Mann hat stets die größte Neugier und das stärkste
Interesse an der Welt gezeigt... Erglaubt.daßdiesein
großartiges Land ist, das in einer größeren Welt existiert... Er gehört nicht zu denen, die eine scharfe
Trennungslinie zwischen Innen- und Außenpolitik ziehen, weil sie sehr stark miteinander verbunden sind gewiß im Hinblick auf wirtschaftliche und moralische
Fragen."
Campbell erinnert sich daran, wie Clinton mit einem
Zimmergenossen, der zeitweise für den Vorsitzenden
des Streitkräfteausschusses des Senats arbeitete,
"endlos" Außenpolitik diskutierte, insbesondere den
Vietnamkrieg.
Damals arbeitete Clinton nebenbei als Assistent für
den Gouverneur von Arkansas, J. William Fulbright,
damals Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses.
Fulbright war der Initiator des nach ihm benannten
internationalen Austauschprogramms, das 1946 vom
Kongreß verabschiedet wurde.
Clinton nahm sich den Senator als Vorbild, so Campbell. "Fulbright kam aus einer kleinen Stadt in Arkansas, erhielt seine Ausbildung an der Ostküste, war
Rhodes-Stipendiat und kam dann nach Arkansas zurück
und wurde erfolgreich."
Fulbright, jetzt 87, wehrt seinen Einfluß auf Clinton
bescheiden ab, fügt jedoch hinzu, Clinton sei "ein sehr
fähiger Mann - besser als das, was wir als Präsidenten
gewohnt sind".
"Er ist sehr intelligent, jung, tatkräftig, hat eine reizende
Gattin und sollte ein Erfolg sein. Das amerikanische
Volk hat großes Glück, einen Mann seiner Qualitäten

Seite 1

�in dieser Position zu haben. Meiner Prognose zufolge
wird er sehr gute Arbeit leisten."
Seitdem er seinen Posten als Senator im Jahr 1974
aufgegeben hat, ist Fulbright Sozius einer Washingtoner Rechtsanwaltskanzlei.
Als Rhodes-Stipendiat verbrachte Clinton zwei Jahre
in Oxford und bereiste ganz Europa. Die Zeit in Oxford
"war für uns alle eine wundervolle Erfahrung. Wir
waren ein Gruppe von hart arbeitenden, zielstrebigen,
disziplinierten Studenten", stellt John Isaacson fest,
der sich zusammen mit Clinton am College der Universität eingeschrieben hatte.
"Es war eine Zeit, in der wir lernen konnten, was wir
wollten. Man hatte eine Tendenz, das zu lesen, was
man früher nicht gelesen hätte, zu reisen und eine
andere Kultur kennenzulernen", erklärt Isaacson,
Gründer und Leiter einer Personalberatung für Managementpositionen.

Clinton "ist jemand, der in der Tat sehr viel mehr über
internationale Angelegenheiten - insbesondere Europa und Asien - weiß als man erwarten würde, weil wir
uns in unserer Jugend vor allem damit auseinandersetzten, wie sich die Vereinigten Staaten in die Weltordnung einfügen", erklärt Isaacson. "Clinton studiert
und engagiert sich für die Welt entschieden intensiver,
als sich die meisten bewußt sind."
"Bill hat genau dasselbe wie ich in Oxford getan - wir
haben unermüdlich gelesen", stellt Richard Stearns
fest, ebenfalls Rhodes-Stipendiat, mit dem Clinton
einige Monate das Zimmer teilte. "Er erzählte mir, er
habe während seines ersten Jahres dort nahezu 300
Bücher gelesen."

Stearns und Clinton reisten zusammen nach Deutschland, Österreich und Spanien. "Bill beschrieb es als
eine intellektuelle Odyssee", so Stearns. "Wir erkannten beide, daß der Spanische Bürgerkrieg sehr viel
komplexer war, als wir zunächst angenommen hatten",
erklärt Sterns, der heute beigeordneter Richter
Im außenpolitischen Bereich "verfügten wir über beam
höchsten
Gerichtshof von Massachusetts ist.
scheidenes Wissen, aber einige von uns, insbesondere Strobe Talbott (jetzt Redakteur von Time Maga- Clinton erklärte dem American Oxonian, einer Vierzine) hatten wirklich fundierte Kenntnisse", fügte Isaac- teljahresschrift für ehemalige Rhodes-Stipendiaten,
son hinzu. Er verwies darauf, daß Talbott, mit dem die Zeit in Übersee habe seine - während seiner Arbeit
Clinton während der Semesterferien die Sowjetunion fürden Auswärtigen Ausschuß unter Fulbright gebildebesuchte, Nikita Chruschtschows Memoiren während te - Meinung bestätigt, "daß Amerika sich für die übrige
seiner Zeit in Oxford übersetzte.
Welt engagieren muß. In diesem Sinne bin ich zum
Internationalisten geworden."

Seite 2

AMERIKA DIENST 47

�GATT
25. November 1992

BUSH GIBT EINIGUNG MIT EG ÜBER
AGRARHANDELSFRAGEN BEKANNT
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten und die Europäische
Gemeinschaft sich über ein Paket von Agrarhandelsmaßnahmen geeinigt haben, das seiner Ansicht nach zu
einem erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde des GATT führen wird. Nachfolgend veröffentlichen wir die
Erklärung des Präsidenten vom 20. November 1992 im Wortlaut.
Ich begrüße Minister Madigan und Botschafterin Carla
Hills. Meine heutige Ankündigung bezieht sich auf
beider Arbeit. Es ist mir eine große Freude, bekanntgeben zu können, daß die Vereinigten Staaten und die
Kommission der Europäischen Gemeinschaften übereinstimmend ein Agrarhandelspaket angenommen haben, das den baldigen erfolgreichen Abschluß der
Welthandelsgespräche ermöglichen sollte.

zur Verfügung stehen, von denen einige äu ßerst technisch sein können. Sie wissen, wie stolz ich auf die von
ihnen geleistete Arbeit bin. Ich war Zeuge, wie sie hier
in Amerika und im Ausland dieses Abkommen ausgearbeitet haben. Das hat sehr lange gedauert, aber es
steht auf einer soliden Grundlage.

Zusätzlich haben wir Lösungen zur Beilegung unserer
Differenzen über Ölsaaten und andere Agrarfragen
gefunden und damit einen möglichen Handelskrieg
verhindert, was von sehr großer Bedeutung ist.

Der nächste Schritt wird dann für die Vereinigten
Staaten, die EG und alle anderen Verhandlungspartner in der Uruguay-Runde darin bestehen, mit der
Bereitschaft an den Verhandlu ngstisch in Genf zurückzukehren, die für den erfolgreichen Abschluß dieser
Verhandlungen nötige Flexibilität zu zeigen.

Der Weg hin zu dem heute erzielten Ergebnis war lang
und schwierig. Ich erinnere mich an die ausführlichen
Diese Welthandelsgespräche, die sogenannte Uru- und häufig lebhaften - diese Bezeichnung habe ich
guay-Runde des GATT, sind wesentlich für die Ankur- bewu ßt gewählt - Debatten über Landwirtschafts- und
belung des Wirtschaftswachstums und die Schaffung andere Handelsfragen auf dem Weltwirtschaftsgipfel
von Arbeitsplätzen in unserem Land, ja auf der ganzen in Houston im Jahr 1990 und auf jedem der nachfolWelt. Ich hege die Hoffnung, daß der heute erzielte genden Gipfel. Jetzt bin ich voll und ganz davon
Durchbruch die laufenden Verhandlungen zwischen überzeugt, daß die geleistete Arbeit die Sache wert
allen GATT-Mitgliedern in Genf auf breiter Front in war. Heute Morgen sprach ich mit Premierminister
Bewegung bringen wird, so daß wir zu dem schon so John Major und hatte die Gelegenheit, ihm für seine als
lange angestrebten umfassenden, weltweiten und gegenwärtiger Präsident der EG gespielte Schlüsselrolle zu danken.
ausgewogenen Abkommen gelangen können.

Besonders freue ich mich darüber, daß Botschafterin
Hills und Minister Madigan heute bei uns sind, denn sie
haben mit ihrer hervorragenden Arbeit zur Erzielung
dieses historischen Ergebnisses beigetragen. Auch
möchte ich ihre hier anwesenden Mitarbeiter begrüßen. Sie werden heute zur Beantwortung von Fragen

Ich möchte nochmals unsere Partner bei diesen Anstrengungen grüßen. Und besonders grüße ich das
au ßergewöhnlich effektive Team, das mit seiner Arbeit
diesen Erfolg möglich gemacht hat.

* * * *

AMERIKA DIENST 47

*

Seite 1

�GATT
25. November 1992

USA, EG ERZIELEN EINIGUNG ZU WESENTLICHEN
HANDELSFRAGEN DER URUGUAY-RUNDE
Gemeinsame Erklärung der USA-EG-Kommission
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut einer am 20. November 1992 herausgegebenen gemeinsamen Erklärung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften und der Vereinigten
Staaten, in der die zwischen ihnen erzielte Einigung zu Agrarfragen, Marktzugang und Dienstleistungsproblemen bei den Handelsgesprächen der Uruguay-Runde bekanntgegeben wird.
Die Vereinigten Staaten und die Kommission der
Europäischen Gemeinschaften beabsichtigen, einen
erfolgreichen Abschlu ß der Uruguay-Runde anzustreben. Als Ergebnis unserer Erörterungen vertreten wir
die Auffassung, daß wir die erforderlichen Fortschritte
erzielt haben, um Einigung zu den wesentlichen Fragen zu gewährleisten, die Fortschritte in Genf blockieren - vor allem in den Bereichen Landwirtschaft, Dienstleistungen und Marktzugang. Ein erfolgreiches Ergebnis wird sich positiv auf das Handels- und Wirtschaftswachstum der Volkswirtschaften der Welt auswirken.

Wir stimmen voll u nd ganz überein, da ß ein wirksames
Abkommen über Agrarreformen die Beteiligung aller
Länder an den Verhandlungen erfordert.
Die Vereinigten Staaten und die EG-Kommission haben
sich auf eine Lösung der Kontroverse über Ölsaaten
geeinigt.

Im Hinblick auf Marktzugang haben die Vereinigten
Staaten und die EG-Kommission die Basis zur Erlangung eines ehrgeizigen Ergebnisses gefunden, das
ihre jeweiligen Zielsetzungen folgendermaßen erfüllt:
Unsere Unterhändler kehren nach Genf zurück, um Die detaillierten Verhandlungen über bestimmte Sekgemeinsam auf den Aufbau eines umfassenden, glo- toren oder Produkte werden fortgesetzt, um Fortschritbalen und ausgewogenen Pakets hinzuarbeiten, das te zum Abschlu ß eines substantiellen und ausgewogewir beide bei diesen Verhandlungen anstreben. Wir nen Pakets zu ermöglichen. Die Senkung von Zöllen
beabsichtigen, mit GATT-Direktor Dunkel bei endgül- wird mit so wenigen Ausnahmen wie möglich maxitigen Vereinbarungen über alle im Entwurf der "Schluß- miert, einschließlich einer beträchtlichen Reduzierung
akte" dargelegten Bereiche zusammenzuarbeiten, die hoher Zölle, der Harmonisierung von Zöllen auf äuer im vergangenen Dezember vorgelegt hat, sowie ßerst niedriger Ebene und der Beseitigung von Zöllen
beimAbschlußderVerhandlungenüberMarktzugang, in Schlüsselbereichen. Es besteht die Aussicht, daß
die unserer einhelligen Meinung nach integralen Be- das in Montreal festgesetzte Ziel erheblich überschritstandteil der Gesamtergebnisse der Uruguay-Runde ten werden kann. Die Beteiligung dritter Länder - nicht
nur der Entwicklungsländer, sondern auch anderer
bilden.
Industrienationen - sowie die Behebung nichttarifärer
Verzerrungen
wird als von entscheidender Bedeutung
Im Bereich Landwirtschaft haben wir unsere Differenerachtet
und
beide
Parteien werden ihre Bestrebunzen über die Hauptbestandteile im Hinblick auf inländigen
fortsetzen,
während
der kommenden Wochen in
sche Stützungsmaßnahmen, Exportsubventionen und
Genf
weiterhin
die
bestmöglichen
Ergebnisse in dieser
Marktzugang so beigelegt, daß es dem GeneraldirekHinsicht
zu
erzielen.
tor möglich sein sollte, die Verhandlungen zu einem
erfolgreichen Abschluß zu bringen. Wir werden Generaldirektor Dunkel über unsere Fortschritte informieren Darüber hinaus wurden im Bereich staatlicher Beund mit ihm zusammenarbeiten, um eine umfassende schaffung wesentliche Fortschritte im Hinblick auf die
Vereinbarung in Genf sicherzustellen. Wir haben Erweiterung der Abdeckung erzielt. Die Unterhändler
unsererseits unsere Unterhändler angewiesen, die der Vereinigten Staaten und der EG wurden angewiedetaillierten Verhandlungen zu unseren jeweiligen sen, die Einzelheiten der Erweiterung der Abdeckung
Terminplänen zu rasch wie möglich abzuschließen. und der Verbesserungen des Kodex auszuhandeln.

AMERIKA DIENST 47

Seite 1

�Bei Dienstleistungen stimmen wir überein, daß die
Angebote zu Marktzugang integralen Bestandteil des
ehrgeizigen Ergebnisses bilden müssen, das wir anstreben. Wir haben jetzt einen gemeinsamen Ansatz
zu Finanzdienstleistungen vereinbart. Darüberhinaus
haben wir Verbesserungen unserer jeweiligen Angebote erörtert und uns auf die größtmögliche Liberalisierung mit minimalen Ausnahmen geeinigt, in der Erwartung, daß die anderen Teilnehmer der Verhandlungen
ihre Angebote entsprechend verbessern werden.
Wir sind voller Erwartung, daß der von uns erzielte
Durchbruch die Patt-Situation der Verhandlungen
beheben und den zum Abschluß der Runde erforderlichen Auftrieb verleihen wird. Wir ermutigen unsere

Verhandlungspartner, die notwendige Flexibilität an
den Tag zu legen, um diese Verhandlungen zu beenden.
Beim Wirtschaftsgipfel in München im Juli dieses
Jahres forderten die Staats- und Regierungschefs der
G-7 den Abschluß der Uruguay-Runde bis Ende dieses Jahres. Die Zeit ist knapp, aber die Unterhändler
kehren nach Genf in dem Vertrauen zurück, daß
substantielle Fortschritte erzielt werden können, um
die Verpflichtung der Staats-und Regierungschefs der
G-7 zu erfüllen, vorausgesetzt, die anderen Länder
sind zur Zusammenarbeit mit uns bereit, um ein ehrgeiziges und weitreichendes Ergebnis dieser wichtigen Gespräche sicherzustellen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 47

�GATT
25. November 1992

USA UND EG VERKÜNDEN DURCHBRUCH BEI
WELTHANDELSGESPRÄCHEN
Beschleunigung der Verhandlungen erwartet
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und Dabei werden die Staaten generell aufgefordert, ihre
die Europäische Gemeinschaft haben ihre gröbsten gesamten inländischen Stützungsmaßnahmen für die
Differenzen über die Reform des Welthandels mit Landwirtschaft in einem Zeitraum von sechs Jahren
Agrarprodukten beigelegt und damit den Weg für den um 20 Prozent zu verringern - auf ein Niveau, das von
Abschluß der Uruguay-Runde weltweiter Handelsge- den Vereinigten Staaten durch das Landwirtschaftsgespräche geebnet.
setz von 1990 bereits erreicht wurde.
Der durch gravierende Meinungsverschiedenheiten
über Ölsaaten verschärfte Disput über Agrarsubventionen zwischen den Vereinigten Staaten und der EG
hatte in den vergangenen beiden Jahren alle wirklichen Fortschritte bei den Welthandelgesprächen blokkiert. An den Verhandlungen, die neben der Landwirtschaft Bereiche wie Dienstleistungen, Investitionen,
geistiges Eigentum und Textilien umfassen, nehmen
über 100 Staaten teil.
Bei der Bekanntgabe der Einigung über Ölsaaten und
die umfassenderen Fragen in der Uruguay-Runde
zwischen der EG und den Vereinigten Staaten verlieh
Präsident Bush am 20. November 1992 der Erwartung
Ausdruck, dies werde es den Ländern ermöglichen,
bei den Welthandelsgesprächen auf dem Weg zu
einem erfolgreichen Abschluß Fortschritte zu erzielen.
"Diese Welthandelsgespräche ... sind wesentlich für
die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums und die
Schaffung von Arbeitsplätzen in unserem Land, ja auf
der ganzen Welt", erklärte Bush.
"Unseres Erachtens ist dies ein sehr, sehr gutes Abkommen für die landwirtschaftlichen Erzeuger in den
Vereinigten Staaten", erläuterte der amerikanische
Landwirtschaftsminister Edward Madigan im Anschluß
an Bushs Erklärung vor Reportern.
Obwohl nur vage Einzelheiten der Vereinbarungen zu
den umfassenderen Problemen veröffentlicht wurden,
scheinen diese im allgemeinen dem von Arthur Dunkel, dem Generaldirektor des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens (GATT), vor fast einem Jahr
skizzierten Plan zu folgen.

AMERIKA DIENST 47

Ferner wird eine 36prozentige Reduzierung der für
Exportsubventionen aufgewendeten Mittel sowie eine
21 prozentige mengenmäßige Reduzierung subventionierter Exporte gefordert, gemessen am Durchschnittsniveau der im Basiszeitraum von 1986-90 bereitgestellten Exportsubventionen.
Um dieses Ziel zu erreichen, müßte die EG ihre
Exportsubventionen gemessen an den Ausgaben in
den Jahren 1991 und 1992 um 38 Prozent senken, da
diese wesentlich höher liegen als im Basiszeitraum
von 1986-90, stellte Madigan fest.
Madigan zufolge sollten es die Bestimmungen über
Exportsubventionen den landwirtschaftlichen Erzeugern in den Vereinigten Staaten gestatten, viele in den
vergangenen Jahren infolge der europäischen Subventionen verlorengegangene M ärkte zu rückzugewinnen.
Ein entscheidendes drittes Element der Landwirtschaftsverhandlungen im Rahmen der Uruguay-Runde Beschränkungen des Marktzugangs - wurde von
Madigan nicht erwähnt. Amerikanischen Vertretern
zufolge sollen diese Woche weitere Einzelheiten der
Einigung veröffentlicht werden.
Die US-Handelsbeauftragte Carla Hills erklärte - ebenfalls vor Reportern - am 20. November, das von den
Europäern angestrebte Konzept des "Ausgleichs"
(rebalancing) sei in der Vereinbarung nicht enthalten.
Diesem Konzept zufolge hätten die Europäer die
Subventionen bei einer Produktart erhöhen können,
solange der Gesamtumfang der Subventionskürzungen eingehalten würde.

Sehe 1

�"Nachdem wir die Probleme im Bereich Landwirtschaft
aus dem Weg geräumt und sie zumindest in das
multilaterale Forum in Genf verlagert haben, besitzen
wir jetzt eine optimale Chance zur Erlangung eines
multilateralen Abkommens, das tiefgreifende positive
Auswirkungen auf alle unsere Volkswirtschaften im
Welthandelssystem haben könnte", erklärte Hills.
Bush verwies auf eine Unterredung mit dem britischen
Premierminister John Major, in der er ihm dafür dankte,
daß er die Gespräche vorwärts gebracht habe. Major
hatte entscheidend dazu beigetragen, dem französischen Widerstand gegen landwirtschaftliche Reformen entgegenzutreten.

"Ich hoffe, daß zwischen Montag, dem 23. (November)
und dem Beginn der Weihnachtsferien aggressive
Verhandlungen stattfinden", erklärte Hills. "Mit gutem
Willen und Energie von allen Seiten können in diesen
drei Wochen enorme Fortschritte erzielt werden."
"Wir haben sicherlich eine gute Ausgangsposition",
erklärte Hills.
Hills zufolge haben sich die beiden Seiten ferner über
die Vorgehensweise bei mehreren Teilbereichen der
Uruguay-Runde verständigt, darunter die Senkung
von Zöllen, Regeln für staatliche Beschaffungen und
die Einbeziehung von Finanzdienstleistungen in die
Welthandelsgespräche.

Der Präsident forderte alle Staaten auf, mit der Bereitschaft an den Verhandlungstisch in Genf zurückzukehren, "die für den erfolgreichen Abschluß dieser
Verhandlungen nötige Flexibilität zu zeigen".

* * * *

Seite 2

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AMERIKA DIENST 47

�JUGOSLAWIEN
25. November 1992

VERBRECHEN IN JUGOSLAWIEN WERDEN GESÜHNT
Rede von Botschafter Blackwell
WARSCHAU - (AD) - Diejenigen, die "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" im ehemaligen Jugoslawien
begangen haben, "werden zur Verantwortung gezogen, egal wie lange dies dauert und wie schwierig diese
Aufgabe auch sein mag", erklärte der amerikanische Vertreter bei der UN-Menschenrechtskommission
(UNHRC), Botschafter Kenneth Blackwell, am 17. November 1992.
Blackwell, der kürzlich aus Bosnien-Herzegowina zurückgekehrt war, wo er 19 Intemierungszentren in 13
Städten besucht hatte, sprach beim Seminar über Toleranz der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE).
Obwohl die internationale Staatengemeinschaft mehr tun müsse, um zu versuchen, den Konflikt im ehemaligen
Jugoslawien zu beenden, betonte Blackwell, daß "der Versuch, ethnische Kriegführung nach deren Ausbruch
zu beenden, der ineffektivste Weg ist, um das Problem in den Griff zu bekommen". Die amerikanische Erfahrung
habe ihn davon überzeugt, daß Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der Schutz der Menschenrechte des
einzelnen der beste Weg seien, "um zu verhindern, daß ethnische Spannungen zu Gewaltanwendung entarten",
erklärte Blackwell.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Botschafter Blackwells im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, wir treffen in einer Zeit zusammen,
in der auf diesem Kontinent, an einem Ort namens
Jugoslawien, Akte unsäglichen Grauens stattfinden.
Ich brauche vor diesem Publikum den widerlichen
Katalog der Verbrechen gegen die Menschlichkeit
nicht im einzelnen zu erläutern, die jenes Land und das
Leben aller Menschen befleckt haben, ob sie dort
leben oder nicht - ein weiteres Beispiel aus einer
langen Reihe von Gesellschaften, in denen unzureichend bekämpfte und im Lauf der Zeit verfestigte
Intoleranz zum Wahnsinn geführt hat.

den, um dem Alptraum im ehemaligen Jugoslawien ein
Ende zu setzen. Den Umständen nach wäre dies
selbstgefällig. Was immer wir unternommen haben,
es ist offensichtlich nicht genug. Und wir alle, in
unseren Regierungen, in den Vereinten Nationen, in
der Europäischen Gemeinschaft und nicht zuletzt in
der KSZE müssen unsere Maßnahmen und unsere
Verpflichtungen erneut unter die Lupe nehmen, um zu
sehen, was wir zusätzlich tun können - denn wir
können mehr tun, und wir müssen mehr tun.

Dies ist nicht nur eine Frage, die das ehemalige
Jugoslawien
betrifft, so schrecklich die Lage dort auch
Ich bin kürzlich aus Bosnien-Herzegowina zurückgeist.
Seit
dem
Ende des Kalten Krieges wurden die
kehrt, wo ich 19 Intemierungszentren in 13 Städten
Schranken,
die
ethnische Konflikte gezügelt hatten, an
besucht habe, und ich glaube deshalb, daß ich zuminallzu
vielen
Orten
- und nicht nur in Europa - weggedest einen Teil dieses Wahnsinns aus eigener Ansprengt.
Diese
Entwicklung
bedroht die Ausbreitung
schauung erlebt habe. Meine Regierung hat den
der
Demokratie,
die
durch
das
Ende des Kalten Krieges
Vereinten Nationen gerade ihren dritten Bericht über
auf
der
ganzen
Welt
ausgelöst
wurde.
die dortige Situation zugeleitet, und dieses Gremium
hat erst vor wenigen Wochen seinen eigenen Bericht
veröffentlicht. Niemand sollte sich täuschen: Diejeni- Das Versprechen "nie wieder" ist zu einer Art Klischee
gen, die diese Verbrechen begangen haben, werden geworden - nie wieder eine Situation zuzulassen, wie
zur Verantwortung gezogen, egal wie lange dies dau- sie das ehemalige Jugoslawien und Somalia erfaßt hat
ert und wie schwierig diese Aufgabe auch sein mag. oder andere Regionen, über deren Lage zu wenig
berichtet wurde, etwa der Sudan und Liberia. Aber das
Ich beabsichtige heute nicht, diese Berichte detailliert ist es, wonach wir weiterhin streben müssen. Es gibt
zu erläutern oder die Maßnahmen aufzuführen, die keine andere Option.
von meiner und anderen Regierungen ergriffen wurAMERIKA DIENST 47

Seite 1

�I

Diese Aufgabe ist in allen Gesellschaften erforderlich,
auch in meiner - und es ist eine Aufgabe, bei der alle
Regierungsstellen gefordert sind, nicht nur auf nationaler Ebene. Ich hatte die Ehre, 12 Jahre als Bürgermeister und Ratsmitglied in Cincinnati (Ohio) tätig zu
sein - einer größeren, ethnisch vielfältigen Stadt im
Mittelwesten. Ich neige also dazu, diese Dinge ebenso
aus einem praktischen wie aus einem theoretischen
Blickwinkel zu betrachten. Sicherlich ist es für jeden
politischen Entscheidungsträger - ob er eine Nation,
einen Bundesstaat oder wie ich eine Stadt führt wichtig, sein Amt als eine Art Kanzel (mit den Worten
von Präsident Theodore Roosevelt) zu benutzen, um
Toleranz und Verständnis zwischen den ethnischen
Gruppen zu fördern. Ebenso entscheidend ist es
jedoch, energisch zu handeln, die Institutionen der
Regierung einzusetzen, um die Förderung von ToleManch einer vertritt die Ansicht, das Trennende sei in ranz zur ersten Aufgabe jeder Institution, jedes Proeinigen Ländern so stark, daß kein Rechtssystem und gramms und besonders jeder Ernennung zu machen.
kein Regierungsmodell Gewalt und Chaos abwenden Diese Spitzenbeamten stehen im Licht der Öffentlichkönnten.
keit und müssen durch ihr Beispiel führen.

Der Versuch, ethnische Kriegführung nach deren
Ausbruch zu beenden, ist der ineffektivste Weg, um
das Problem in den Griff zu bekommen. Der Kampf für
Toleranz und Verständnis zwischen ethnischen Gruppen muß ein Lebensstil sein, keine Anleitung zum
Handeln, wenn bereits zuviel Blut vergossen wurde,
als daß die Welt dies weiterhin ignorieren könnte.
Die amerikanische Erfahrung hat mich davon überzeugt, daß Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der
Schutz der Menschenrechte des einzelnen, etwa des
Rechts auf friedliche Versammlung und das Recht auf
freie Rede, der beste Weg sind, um alle Bürger zu
schützen, einschließlich der Angehörigen von Minderheiten, und um zu verhindern, daß ethnische Spannungen zu Gewaltanwendung entarten.

Ich aber bin der Überzeugung, daß eine solche Haltung gefährlich und defätistisch ist. Obwohl Zeitungen
und Fernsehberichte häufig anderes aussagen, gibt es
viele Beispiele für Länder mit zahlreichen ethnischen
Gruppen, die Rivalität und Konflikte erfolgreich bewältigt haben. Der Grund: Die Menschenrechte des
einzelnen werden geschützt und freie Institutionen
können gedeihen. Nehmen Sie zum Beispiel die
Schweiz. Bürger, die deutsch, französisch, italienisch
und rätoromanisch sprechen, haben sicherlich kein
utopisches Paradies des Verständnisses geschaffen.
Aber sie leben in Frieden, weil Demokratie und Freiheiten des einzelnen institutionalisiert sind und praktiziert
werden.

Ich habe nicht die Zeit, um viele Beispiele zu nennen.
Eines jedoch möchte ich anführen - die Verbrechensbekämpfung. Obwohl in meinem Land die Polizei
eindeutig der Kontrolle ziviler Behörden unterliegt und
obwohl jeder Polizeibeamte denselben Gesetzen unterworfen ist wie alle anderen Bürger, hat es Fälle
gegeben, in denen intolerante Handlungen einiger
weniger Polizeibeamter größere städtische Unruhen
auslösten. Dies könnte im vergangenen Mai in Los
Angeles im Fall Rodney King so gewesen sein, mit
dem Sie sicherlich alle vertraut sind.

Ich sage "könnte", denn trotz des Spruchs der Geschworenen in diesem Fall ist immer noch ein VerfahEs gibt zahlreiche weitere Fälle, in denen ethnische ren vor einem Bundesgericht im Hinblick auf die mögliche
Gruppen friedlich Seite an Seite miteinander leben, Verletzung von Rodney Kings Bürgerrechten anhänetwa in Schweden und Finnland - und nicht nur in gig. Es wäre jedoch nicht statthaft, wenn ich diesen
Europa. Nehmen Sie zum Beispiel die Karibik. Auf speziellen Fall vor dem Urteilsspruch kommentieren
Jamaica, in Trinidad und Tobago und auf Barbados würde. Aber ich möchte betonen, daß jede Stadt und
leben Schwarze und Südasiaten ebenso wie andere jeder Staat aggressive Programme einführen könnte,
Gruppen und bauen seit der Erlangung der Unabhän- um die für die Verbrechensbekämpfung Zuständigen
gigkeit eine wachsende demokratische Tradition auf. für die besonderen Probleme ethnischer Minderheiten
Ahnliche Beispiele gibt es in anderen Regionen. Es zu sensibilisieren, auf diese Gemeinden zuzugehen
trifft einfach nicht zu, daß ethnische Gruppen nicht und die Art von Personalpolitik zu verankern, die
harmonisch zusammenleben können, wenn die Rech- sowohl die Vielfalt der Gemeinde als auch schärfste
te jedes einzelnen - der Angehörigen von Minderheiten Normen ethisch einwandfreien Verhaltens widerspieund der Mehrheit gleichermaßen - geschützt werden gelt.
und wenn die Regierungen rechenschaftspflichtig sowie Die Verbrechensbekämpfung ist nur ein Beispiel, das
institutionelle Kontrollen und Ausgleichsmechanismen im Hinblick auf die Rolle besonders wichtig ist, die
fest verankert sind.
Vorfälle zwischen Polizeibeamten und Bürgern bei der
Es ist lebenswichtig, nicht nur diese Maßnahmen zu
ergreifen, die zur Schaffung eines Klimas der Toleranz
beitragen und friedliche M ittel zur Beilegung von Streitfällen bereitzustellen, sondern auch, die politische
Kultur und die politischen Institutionen zu fördern, mit
denen die Neigung zu Intoleranz bewältigt und eingedämmt werden kann.

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Auslösung städtischer Unruhen im Lauf der Jahre
gespielt haben. Es gibt aber noch weitere, die ich
Ihnen im einzelnen erläutern könnte - die Bedeutung,
die insbesondere in den ersten Schulklassen der Einbeziehung der Toleranzförderung in Lehrpläne zukommt, die Notwendigkeit des Engagements der verschiedenen Gruppen auf allen Regierungs- und Ent-

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�scheidungsebenen sowie - an vielleicht wichtigster
Stelle - die Notwendigkeit, eine möglichst breite politische Beteiligung sicherzustellen. Einigen dieser Ziele
könnte durch Bürgerräte und lokale Kommissionen,
die sich der Kontaktpflege widmen, sehr gut gedient
werden. Beide Mechanismen können Maßnahmen
zur frühzeitigen Warnung, Prävention und Konfliktlösung bereitstellen. Diese beiden gemeindeorientierten Mechanismen können dazu beitragen, eine politische Kultur zu bewahren, die Vielfalt schätzt. Sie
können durch Informationskampagnen deutlich machen, daß eine unterschiedliche Volkszugehörigkeit,
Rasse, Religion oder ein anderes Herkunftsland kein
Defizit im Wesen eines Menschen oder eine Rechtfertigung ist, um die Würde eines Menschen anzutasten.
Die Entscheidungsträger auf Gemeindeebene müssen darüber hinaus nationale Bürgerrechtsgesetze
uneingeschränkt unterstützen, die dazu dienen, Diskriminierung abzuschrecken und in auftretenden Diskriminierungsfällen Abhilfezu schaffen. Viele Städte in
den Vereinigten Staaten haben die nationalen Bürgerrechtsgesetze um Bürger- und Menschenrechtsgesetze auf Staats- und Gemeindeebene ergänzt. Wiederum liegt es in der Verantwortung von Gemeindevertre* *

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tem zu gewährleisten, daß diese Gesetze eingehalten
und befolgt werden. Die Förderung von Toleranz muß
sowohl von unten nach oben als auch von oben nach
unten wahrgenommen werden.
Die Welt nähert sich dem 21. Jahrhundert mit der
Demokratie als Sieger, zumindest im Kampf um die
Köpfe von Männern und Frauen. Aber eine Schlacht
muß noch gewonnen werden, die so alt ist wie die
Geschichte selbst - der Kampf gegen Bigotterie, Rassismus und ethnischen Haß. Während die ideologischen Kämpfe, die dieses Jahrhundert so entstellt
haben, in der Vergangenheit verblassen, sollten wir
uns in diesem Gremium erneut verpflichten, die Institutionen und Verfahren zu stärken, die wir zur Konfliktverhütung geschaffen haben. Gleichzeitig sollten wir
jedoch aggressiv nach neuen Wegen suchen, damit
die KSZE eine dynamische praxisorientierte Kraft wird,
die Toleranz in ganz Europa zum Lebensstil macht.
Dies ist die elementare Antwort auf die Situation in
Jugoslawien, die bleibende Lehre aller Jugoslawien
unserer Vergangenheit und der moralische Imperativ
zur Verhütung aller Jugoslawien, die noch kommen
könnten.
*

*

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�PORTRAT
25. November 1992

HILLARY CLINTON WIRD
"SPRACHROHR FÜR KINDER" SEIN
Die Frau des gewählten Präsidenten - ein Porträt
WASHINGTON - (AD) - Hillary Clinton weckt Hoffnungen bei vielen amerikanischen Frauen, die Beruf und
Mutterschaft unter einen Hut bringen müssen und
davon ausgehen, daß sie ihren Einfluß als First Lady
benutzen wird, um sich für arbeitende Mütter und die
Kinder einzusetzen.
"Wie wir unsere Kinder behandeln, sollte Dreh- und
Angelpunkt unseres nationalen Programms sein", hat
Frau Clinton wiederholt festgestellt. "Ich möchte ein
Sprachrohr für die Kinder sein."
Die 45jährige Ehefrau des gewählten Präsidenten ist
als stark und entschlossen, intelligent, selbstbewußt,
abenteuerlustig, verspielt, als harte Rechtsanwältin,
liebende Mutter, loyale Freundin und Mensch charakterisiert worden, auf dessen Urteil ihr Mann, Bill Clinton, am meisten vertraut.

die Seele einer Aktivistin und wird sich eine politische
Rolle entweder im Bildungswesen oder im Bereich
Kindererziehung sichern wollen".
In Arkansas leitete Frau Clinton eine Kommission,
deren Ziel die Verbesserung der Schulen des Bundesstaates war. Zu jener Zeit legte ihr Mann, derdamalige
Gouverneur, einen - später verabschiedeten - auf den
Empfehlungen der Kommission fußenden Gesetzentwurf vor, der unter anderem die Überprüfung der
Fachkenntnisse von Lehrern vorsah.
Ein Korrespondent, der Bill Clinton während des
Wahlkampfs begleitete, stellte fest, die Frau des
gewählten Präsidenten sei seine "engste Vertraute,
und er verläßt sich auf ihr Urteil mehr als auf das jedes
anderen Menschen". Sie machte Vorschläge, half bei
der Abfassung von Reden und kritisierte seine Auftritte
bei den Fernsehdebatten der Präsidentschaftskandidaten.

Politische Experten spekulieren heftig darüber, ob sie
in der Clinton-Administration eine politische Rolle spielen wird, sind sich jedoch in der Vorhersage einig, daß Hillary Clinton stand im Wahlkampf jedoch auch im
sie als First Lady ihren eigenen besonderen Stil ent- Mittelpunkt von Kontroversen. "Selten wurde die Frau
eines Präsidentschaftskandidaten von der politischen
wickeln wird.
Opposition so eingehend unter die Lupe genommen
In den frühen sechziger Jahren schrieb Hillary Clinton und kritisiert", schrieb das Nachrichtenmagazin Time
als Teenager einen Brief an die Nationale Luft- und zwei Monate vor der Wahl.
Raumfahrtbehörde NASA, in dem sie mitteilte, sie
wolle Astronautin werden. Sie erinnert sich an das Die Konservativen porträtierten Frau Clinton als radiAntwortschreiben der NASA, in dem stand: "Wir kale Feministin, und sie wurde Zielscheibe von Attaknehmen keine Bewerbungen von Mädchen für die ken in den Medien und in Reden, die beim WahlparteiTätigkeit als Astronaut an." Das, so erklärte sie, hat tag der Republikaner gehalten wurden. Sie hielt dem
"mich auf die Palme gebracht".
entgegen, ihre Ansichten seien häufig falsch dargestellt worden, insbesondere die zu den Rechten von
Die Zeiten haben sich geändert. Seit 1983 schickt die Kindern.
NASA Frauen ins Weltall. Und jetzt bekommen die
Vereinigten Staaten zum ersten Mal eine First Lady, Darüber hinaus waren ihr einige ihrer eigenen Bemerdie an der gleichen Universität (Yale) studiert hat wie kungen abträglich. Als man sie kritisierte, weil sie
ihr Mann und die für berufliche Leistungen bekannt ist, während der Tätigkeit ihres Mannes als Gouverneur
die denen ihres Gatten ebenbürtig sind. Die Frau des von Arkansas ihre Karriere als Rechtsanwältin aktiv
gewählten Präsidenten wird zu den 100 besten Rechts- weiterverfolgte, antwortete Hillary Clinton: "Wahranwälten des Landes gezählt.
scheinlich hätte ich zu Hause bleiben, Plätzchen bakken und Kaffeekränzchen veranstalten sollen." Diese
In einem unlängst veröffentlichten Artikel über die Bemerkung wurde weithin verbreitet, nicht jedoch der
künftige First Lady stand zu lesen, Hillary Clinton "hat
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�Rest ihrer Äußerungen - daß sie sich bemüht habe,
Frauen eine freie Entscheidung zu ermöglichen, "ob
sie vollzeitig berufstätig sein, sich ganz der Rolle als
Mutter widmen oder irgendeine Kombination aus beidem anstreben mochten".

Ein Beitrag in Time vermerkte Frau Clintons "im Lauf
der Jahre gewachsene Spiritualität... Sie führt ihre
liebsten Schriften (aus der Bibel)... stets mit sich. Vor
dem Zubettgehen beten sie und Bill regelmäßig mit
Chelsea."

Mit dem Herannahen des Wahltages wurde Frau Clinton vorsichtiger in ihren Äußerungen, da sie sich
bewußt wurde, daß ihre Bemerkungen aus dem Zusammenhang gerissen werden konnten. Sie machte
klar, daß sie ihre Rolle als Frau von Bill Clinton, als
Mutter ihrer 12jährigen Tochter Chelsea und als Karrierefrau hoch einschätzte.

Caputo zufolge gibt Frau Clinton derzeit keine Interviews. "Sie nimmt sich Zeit, um über ihre Rolle und
darüber nachzudenken, welchen Ansatz sie wählen
soll, und sie verbringt eine besonders intensive Zeit mit
ihrer Familie."

Wie auch immer ihre Rolle als First Lady aussehen
wird, so ein Kolumnist in der Baltimore Sun, viele
"Das amerikanische Volk lernt sie nur besser kennen", Menschen sind der Meinung, es wäre "eine furchtbare
erklärte ihre Pressesprecherin Lisa Caputo. Caputo Verschwendung von Intelligenz", wenn es Hillary Clinfügte dem jedoch hinzu, daß "nicht genug über die ton nicht gestattet würde, einen wichtigen Beitrag zu
spirituelle Seite" Frau Clintons und ihre Fähigkeit gesagt den für sie wichtigen Problemen zu leisten.
worden sei, die Anforderungen von Karriere und Familie
zu meistern, die von so vielen amerikanischen Frauen
heute erfüllt werden müssen.
* * * *

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*

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�PORTRAT
25. November 1992

TIPPER GORE IST TREIBENDE KRAFT
DER NATIONALEN ELTERNBEWEGUNG
Die Gattin des gewählten Vizepräsidentschaftskandidaten - ein Porträt
WASHINGTON - (AD) - Tipper Gore hat sich in den
Vereinigten Staaten einen Namen gemacht, lange
bevor ihr Mann vom demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bill Clinton als Kandidat für die Vizepräsidentschaft ausgewählt wurde und lange bevor sie
gemeinsam den Sieg bei den allgemeinen Wahlen in
den Vereinigten Staaten errungen haben.
Tipper Gore, deren richtiger Name Mary Elizabeth
lautet, ist eine treibende Kraft der nationalen Elternbewegung, die um den Gewalt und Sexualität verherrlichenden, potentiell negativen Einfluß von Rockmusik
besorgt ist.

sie nie getan hat -, verwenden einige Schallplattenfirmen jetzt freiwillig Aufkleber, die vor Sexualität und
Gewalt verherrlichenden Texten warnen.
Einem Sprecher des Eltern-Musikzentrums zufolge
hat die Recording Industry Association of America,
eine Dachorganisation der Schallplattenindustrie, Gore
für ihr eingehaltenes Versprechen gelobt, die Zensur
nicht zu fördern.

In der Clinton-Administration wird ihre Kampagne weitere
Unterstützung finden. Der gewährte Präsident Bill
Clinton hat erklärt, er fühle sich durch manche Fernsehprogramme "abgestoßen" und seinem Wunsch
Gore hat einen Magister in Psychologie, ist Mutter von Ausdruck verliehen, daß Hollywood eine Führungsrolvier Kindern und zusammen mit Susan Baker, der le bei der "Entglorifizierung von gedankenlosem Sex
Gattin des ehemaligen Außenministers James Baker, und Gewalt" übernimmt. Und die zukünftige First Lady
Mitbegründerin des Eltern-Musikzentrums - einer na- Hillary Clinton, Rechtsanwältin und vehemente Vertionalen Anlauf stelle, die Informationen darüber bereit- fechterin der Rechte von Kindern, hat ebenfalls ihre
stellt, wie die Botschaft der Popmusik Kinder und Unterstützung für Gores Bestrebungen zugesagt.
Erwachsene beinflußt.
Die 44 Jahre alte Tipper Gore hat jedoch immer wieder
festgestellt,
"es treffe sie", wenn gesagt würde, sie
In einem 1987 veröffentlichten Buch beschreibt Gore,
hasse
Rockmusik.
Sie hält dem stolz entgegen, daß
was sie zur Gründung des Zentrums motivierte. Sie
sie
in
ihrer
Jugend
Schlagzeug
gespielt hat und in ihrer
erinnert sich daran, wie sie ihrer 11 Jahre alten Tochter
High-School-Zeit
in
den
sechziger
Jahren Mitbegründas Prince-Album "Purple Rain" kaufte und schockiert
derin
der
"Wildcats"
war,
einer
nur
aus Mädchen
über die sexuell äußerst freizügigen Texte der Lieder
bestehenden
Rockband.
war. Sie sah sich dann das Rock-Video-Kabelprogramm von MTV an und glaubte, ihren Augen nicht
Entertainment Weekly zitiert Gore mit den Worten:
trauen zu können.
"Ich wollte Schlagzeug spielen, bekam mit 14 Jahren
"Diese Bilder erschreckten meine Kinder und mich", eines geschenkt und fing einfach an, zu Hause zu
schreibt sie. "Der offenkundige Sex und die Gewalt üben... Ein Jahr später gründete ich die nach dem Auto
waren zuviel für uns." In ihrem Buch schlägt sie vor, die meiner Mutter - einem schwarzen Buick Wildcat Eltern sollten sich mit der Musik und den Videos benannten Wildcats."
befassen, denen ihre Kinder ausgesetzt werden.
Frau Gore, deren Gatte seit 1984 Senator von TennesTipper Gore hielt Vorträge über dieses Thema, trat im see ist, hat sich auch zum Sprachrohr von DrogenbeFemsehen auf und sagte in von Senator John Danforth kämpfungskampagnen gemacht und die Unterhaltungsanberaumten Senatsanhörungen aus, dessen Gattin industrie beschuldigt, Gewalt, Drogen und Sex zu
verherrlichen.
Mitglied des Eltern-Musikzentrums ist.
Ihre Kampagne beginnt, sich bezahlt zu machen.
Obwohl zahlreiche Vertreter der Musikindustrie Gore
zunächst beschuldigten, für Zensur einzutreten - was
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Bei der internationalen Konferenz von PRIDE (Parents' Resource Institute on Drug Education - Elterninstitut zur Drogenaufklärung) im März 1991 war es
Seite 1

�Gore, die langjährige Aktivistin gegen die Darstellung
von Gewalt und Drogenmißbrauch in den Medien, die
als Mutter von vier Kindern erklärte, sie sei "sehr
ärgerlich, daß meine Kinder und Ihre Kinder sich den
Gefahren stellen müssen, mit denen wir uns jetzt
aufgrund der Drogenepidemie konfrontiert sehen...
Unser Land wird mit chemischen Waffen bedroht, und
wir müssen diesen Krieg mit Entschlossenheit, Stärke
und den richtigen Waffen bekämpfen."
Gores Freunde haben sie als jemand bezeichnet, den
sie um die Integrität, den Weitblick, das Mitgefühl und
Verständnis beneiden. Sie erinnern sich beispielsweise an eine Episode Anfang der achtziger Jahre. Frau

Gore kam von einem M ittagessen mit ihren Kindern auf
dem Kapital zurück. Wenige Häuserblocks entfernt
sah sie eine Frau in Lumpen, die mit sich selbst sprach.
Die Kinder wollten die Frau mit nach Hause nehmen.
Tipper Gore erklärte ihnen, das ginge nicht, aber kurz
darauf organisierte sie die Familienfürsorge für Obdachlose, die sich dem Sammeln von Spenden verschrieben hat und Menschen zusammenbringt, die zur
Unterstützung der Bedürftigen bereit sind.
"Wie jeder andere habe ich meine Augen von den
Obdachlosen abgewandt", stellte sie in der Washington Post fest. "Meine Kinder haben mein Herz berührt
und mir die Augen geöffnet."

* * * * *

Seite 2

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                <text>&lt;strong&gt;1. Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die vier Kennedys des ersten Jahres&lt;br /&gt;Von James MacGregor Burns&lt;br /&gt;&lt;em&gt;vom Institut für Politische Wissenschaften am Williams College&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Blindenhilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stipendiat gesucht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Hilfswerk des Schnellzeichners George Wally&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kommunistische Agentenzentrale Ost-Berlin (III und Schluss)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Geheimdienstwerber sind unter uns - Einige lehrreiche Fälle&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Arthur Dubin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Raumflug und Astronomie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Startpläne für 1962&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lichtkammertest für Raumflugkörper&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Elektrische Ausrüstungen in Stickstoffatmosphäre&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Molekularelektronische Rechengeräte für Raketen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Langwellen "sickern" in den Weltraum&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Radiowellen von Planeten Merkur&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Van-Allen-Zone - die Magnetosphäre der Erde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Gedenktage im Februar 1962&lt;/strong&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

1
I

BMJ I
,N

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. Januar 1979

INHALT

DOKUMENTATION
Haushaltsbotschaft Präsident Carters an den Kongreß
...-..

.i

?

- Wortlaut -

Präsident Carters Haushaltsvoranschlag 1979/80
- Zusammenfassender überblick - Kurzfristige wirtschaftliche Voraussage - Verteidigungshaushalt - Internationale Angelegenheiten -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. Januar 1979

HAUSHALTSBOTSCHAFT PRÄSIDENT CARTERS AN DEN KONGRESS
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat dem amerikanischen
Kongreß am 22. Januar 1979 den Haushaltsvoranschlag für den Zeitraum vom
1. Oktober 1979 bis 30. September 1980 übermittelt.

Die Haushaltsbotschaft,

das Begleitschreiben des Präsidenten zu seinem Budget 1980, in dem er
seine allgemeine Politik darlegt, hat folgenden Wortlaut:
Das Budget für das Haushaltsjahr 1980 ist bescheiden und maßvoll.
Es sieht ein erheblich niedrigeres Ausgabenniveau vor, als angesichts der
jüngsten Schwerpunktverlagerungen im Ausgabegebaren der Bundesregierung
nahegelegen hätte. Es wird diejenigen enttäuschen, die erweiterte Anstrengungen seitens der Bundesregierung auf so gut wie allen Gebieten
anstreben. Es erfüllt aber mein Versprechen, das Defizit auf 30 Milliarden
Dollar oder darunter zu senken.
Diese Politik der Mäßigung ist kein Zufall.

Sie ist vielmehr geboten,

wenn wir einer drohenden Beschleunigung der Inflation entgegentreten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�entgegentreten wollen.
Sollte diese Bedrohung wahr werden, würde dies das Wohl unserer
Wirtschaft und Gesellschaft ernsthaft gefährden.

Amerikaner mit geringen

und festgelegten Einkommen würden darunter am schwersten leiden.

Zurück-

haltung in der Ausgabenpolitik aber würde dann schließlich doch zu einer
unausweichlichen Notwendigkeit.

Je länger wir jedoch warten würden, um

so ernster und kostspieliger müßten die unvermeidbaren Einschränkungen ausfallen.

Im Gegensatz hierzu stellt dieses Budget eine Stütze für eine

ausgewogene Haushaltspolitik dar. Es ist hinreichend einschränkend, um
den inflatorischen Druck abzuschwächen, gestattet aber dennoch ein anhaltendes wirtschaftliches Wachstum.
Die Bundesregierung kann die Inflation nicht allein von sich aus
überwinden.

Der Erfolg erfordert die Mitarbeit seitens der Wirtschaft,

der Gewerkschaften, der Verbraucher, der einzelstaatlichen Regierungen
und der Kommunal Verwaltungen - kurz gesagt aller.

Ich habe im Rahmen

meines Programms zur Bekämpfung der Inflation zu dieser Zusammenarbeit
aufgerufen.

Die Bundesregierung vermag diese Mitarbeit nur durch ihre

Führung und ihr Beispiel sicherzustellen.
entspricht dieser Führungsrolle.
an die Wirtschaft ein.

Dieser Haushaltsvoranschlag

Er schränkt den staatlichen Anspruch

Er trägt gleichzeitig dafür Sorge, daß mit dem

amerikanischen Dollar härter und besser gewirtschaftet wird.
•

Der Schlüssel zu einer wirkungsvollen Führungsrolle des Bundes im
Kampf gegen Inflation, Arbeitslosigkeit und Armut liegt in einer wirkungsvolleren Verteilung und einem wirkungsvolleren Umgang mit den vorhandenen
Mitteln.

Wir müssen das Wachstum der Staatsausgaben vermindern und gleich-

zeitig die Sicherheit unserer Nation gewährleisten und die Wohlfahrt des
amerikanischen Volkes schützen.
Dieser Haushallsvoranschlag sorgt für die notwendige Disziplin vm

�im Ausgabegebaren der Bundesregierung, in dem er
- Programme ausmerzt, die praktisch nicht realisierbar sind;
- andere Programme verbessert, um sie wirkungsvoller zu gestalten;
- die Hilfe für Benachteiligte und Arme besser konzentriert; und
- die Tätigkeit der Bundesregierung reorganisiert und auf eine festere
Basis stellt, um ihre Effizienz zu verbessern und Verschwendung,
Mißbrauch oder Mißmanagement zu vermeiden.
Nach meinem Dafürhalten stellt diese Forderung nach Disziplin eine
Gelegenheit dar, die künftige Regierungstätigkeit neu zu durchdenken und
auf eine festere Grundlage zu stellen - eine Gelegenheit, die Regierung
zum Besseren hin zu verändern. Es ist meine feste Absicht, diese Politik
in den vor uns liegenden Jahren fortzuführen, das Ausmaß der Haushaltsdefizite zu verringern und ein ausgewogenes Budget zu dem frühest möglichen
Zeitpunkt vorzulegen, zu dem die wirtschaftlichen Verhältnisse dies gestatten.
Gesamthaushalt
(in Milliarden Dollar)
.978

1979

1980

1981

1982

VORANSCHLAG

456
493

503

577

Ausgaben

402
451

532

578

653
615

Überschuß oder Defizit

-49

-37

-29

-1

38

Ausgabeermächtlgungen

502

560

616

651

Einnahmen

696

�Mein Gesamthaushaltsvoranschlag sieht für das Haushaltsjahr 1980
Ausgaben von 532 Milliarden Dollar - eine Erhöhung um 38 Milliarden
Dollar oder 7,7 Prozent gegenüber 1979 - und
Milliarden Dollar vor.

Einnahmen von 503

Für die Haushaltsjahre 1981 und 1982 werden sich

die Gesamtausgaben schätzungsweise auf 578 bzw. 615 Milliarden Dollar
beziffern.

Die Haushaltsausgaben, in Prozent des Bruttosozialproduktes

ausgedrückt, werden von 22,1 Prozent in 1978 auf 21,2 Prozent in 1980
und 20,3 Prozent in 1982 zurückgehen.

Diese Verminderung des Anteils

am Bruttosozialprodukt, den die Bundesregierung in Anspruch nimmt, ist ein
grundsätzliches Ziel meiner Politik, das ebenso wichtig ist

wie die

Verminderung des Defizits selbst.
Die von mir empfohlenen Ausgaben konzentrieren sich vor allem auf
die Bemühungen zur Lösung der wichtigsten Probleme unseres Landes.

Ober

eine strenge Analyse aller Regierungsprogramme auf Null-Basis wurden
Prioritäten aufgestellt, die uns dazu verhelfen sollen, die bestmögliche
Regierung zu einem Finanzaufwand zu erhalten, den wir verkraften können.
Sorgfältige Aufmerksamkeit in bezug auf Effizienz und Produktivität werden
die für das Ausgabegebaren verantwortlichen Stellen in die Lage versetzen,
unsere wichtigsten Prioritäten mit weniger Aufwand an Geld und Personal
zu erreichen.
Die Beschränkung der Ausgaben in diesem Haushaltsvoranschlag bedeutet,
daß es der Regierung in einigen Bereichen einfach nicht möglich sein wird,
soviel zu tun wie in der Vergangenheit. Wollen wir die Inflation überwinden, müssen zwangsläufig echte Opfer gebracht werden. Bei der Aufstellung dieses Budgets habe ich alle nur denkbaren Anstrengungen unternommen, die hieraus resultierenden Lasten gerecht und objektiv zu verteilen. Die Einschränkungen wurden nicht willkürlich vorgenommen.
Es gibt allerdings Bereiche, auf denen wesentliche Einschränkungen
nicht möglich sind. Ich war bemüht, die Notwendigkeit außerordentlicher

- 4 -

�außerordentlicher Mäßigung bei den Staatsausgaben mit der Notwendigkeit
der Aufrechterhaltung einer stärkeren Verteidigung in Einklang zu bringen;
eine nationale Energiepolitik zu betreiben; notleidenden Menschen zu
helfen; wichtige Dienstleistungen für die Öffentlichkeit beizubehalten
und die staatlichen Investitionen fortzuführen.

Erstens ist es meine zentrale Verantwortung als Präsident, sicherzustellen, daß unsere Verteidigungsstreitkräfte stark genug sind, um vor
einer Aggression abzuschrecken.

Dieser Haushaltsvoranschlag bietet die

Gewähr hierfür.

Im Mai 1977 traf ich mit unseren NATO-Verbündeten zusammen und wies
sie dringend darauf hin, daß wir zur Stärkung unserer gemeinsamen Verteidigung künftig enger zusammenarbeiten müssen.

Sie stehen im Begriff,

das Ziel zu erreichen, auf das wir uns damals geeinigt haben.

Wir müssen

und werden unseren Teil dazu beitragen.

Alles in allem sieht der Verteidigungshaushalt für 1980 ein Wachstum
der Ausgaben um real 3 Prozent gegenüber den Ausgaben im laufenden Haushaltsjahr vor.

Der größte Teil dieser Steigerung wird auf die Stärkung

unserer NATO-Streitkräfte und die Aufrechterhaltung des strategischen
Gleichgewichts verwandtwerden.

Dieser Haushaltsvoranschlag ermöglicht

eine Fortführung meiner Politik der ständigen Modernisierung unserer
strategischen Streitkräfte und der Hebung der Kampfbereitschaft unserer
taktischen Streitkräfte.

Er legt ferner großes Gewicht auf militärische

Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, um künftigen Gefährdungen unserer
Sicherheit begegnen zu können.

Gleichzeitig verringert das Budget jedoch

die Verteidigungskosten insofern, als es erhebliche Einsparungen bei
Einkauf, Verwaltung, Nachschub und Versorgung sowie bei den Personalkosten und Personalstand verfügt.

Zweitens trägt der Haushaltsvoranschlag 1980 der entscheidenden

- 5 -

�entscheidenden Bedeutung der Energieversorgung für unser Land Rechnung.
Wegen unserer Abhängigkeit von ausländischem öl laufen wir auch weiterhin
Gefahr, daß die Lieferungen unterbrochen werden, wie dies vor fünf Jahren
geschah.

Es ist von größter Wichtigkeit, daß wir ein wirksames nationales

Energieprogramm entwickeln, das unseren Bedarf an ausländischem öl senkt
und uns Schutz im Falle einer Unterbrechung ausländischer öllieferungen
gewährt.
Das Budget für 1980 gewährleistet eine weitere Aufstockung unserer
strategischen ölreserve.

Es trägt ferner zur Entwicklung von Technologien

bei, die es uns gestatten werden, unsere heimischen Energie-Ressourcen
wirksamer zu erschließen.

Ich habe besonderen Nachdruck auf die Entwicklung

modernster Sonnenenergie-Technologien gelegt.

Der Haushaltsvoranschlag

widmet einer wirksameren Nutzung des Urans, der Frage der nuklearen
Proliferation und Problemen des Umweltschutzes und der Entsorgung nuklearer
Abfall Stoffe verstärkte Aufmerksamkeit.
Drittens werden wir - als eine von Mitempfinden bestimmte Gesellschaft trotz der Wichtigkeit der Mäßigung in der Haushaltspolitik unsere Verpflichtungen gegenüber Benachteiligten auch künftig erfüllen. Deshalb
habe ich sichergestellt, daß mein Haushaltsvoranschlag ausreichende Mittel
für Programme einschließt, die wirklich hilfsbedürftigen Amerikanern helfen.
Um diese Gelder möglichst wirkungsvoll zu nutzen, schließt der Haushaltsvoranschlag Empfehlungen ein, die gewisse Anpassungen bei den direkten
Geldleistungen und eine strengere Zweckbindung und eine verbessertes
Management bei bestehenden Programmen vorsehen, damit die Gelder nicht
vergeudet werden, sondern den Menschen zugute kommen, für die sie eingeplant
wurden.
Meine Administration ist dabei,einen Nationalen Gesundheitsplan
aufzustellen.

Gemäß dieser Absicht legt der Haushaltsvoranschlag großes

Gewicht auf solche Programme, die auf die besonders wichtigen Gesundheits-

- 6 -

�Gesundheitserfordernisse gerichtet sind. Im Vorgriff auf diesen Plan
sehen meine Vorschläge die Ausdehnung des Anspruchs auf die Gewährung
von Gesundheitsmaßnahmen auf weitere 2 Millionen Kinder und Schwangere
der unteren Einkommensklassen vor, die sich die Gesundheitsvorsorge,
derer sie bedürfen, nicht leisten können, und auch auf Personen, die in
medizinisch unterversorgten Gebieten wohnen. Der Haushaltsvoranschlag
sieht neue und erweiterte Programme zur Einschränkung von Aktivitäten vor,
die Gesundheitsschäden verursachen - wie beispielsweise Drogen- und
Alkoholmißbrauch - sowie Programme zum Schutz des einzelnen und der
Gemeinden vor Wasser- und Luftverschmutzung und toxischen Stoffen. Erhöhte
Aufwendungen sind auch für die geisteshygienische Forschung und für
erweiterte medizinisch-notwendige Zusatzleistungen wie NahrungsmittelProgramme für Mütter und Kinder der unteren Einkommensklassen eingeplant.
Ich schlage wiederum gesetzgeberische Maßnahmen zu dem Zweck vor,
den mäßigen Anstieg der Krankenhauskosten überall im Lande zu begrenzen.
Die während der letzten zehn Jahre verzeichnete Erhöhung dieser Kosten
um 320 Prozent war ein erheblicher inflatorischer Faktor und eine unzumutbare Belastung der Haushaltseinkommen. Der Kongreß muß bezüglich dieser
Probleme etwas tun.
Eine Begrenzung der Krankenhauskosten wird die einzelstaatlichen und
kommunalen Haushalte ebenso wie die der privaten Bürger und den Bundeshaushalt entlasten.

Sie wird zudem der Inflation auf einem Gebiet direkt

entgegenwirken, auf dem die Preissteigerung seit langem schon sehr hoch war.
Der Haushaltsvoranschlag empfielt eine Reihe von Änderungen des
Sozialversicherungssystems, um es besser den Gegebenheiten anzupassen
und unnötige Leistungen zu streichen. Das wird die künftigen Aufwendungen
für dieses größte aller Bundesprogramme verringern - und letztlich dazu
beitragen, die Arbeitern und Unternehmern auferlegten Soziallasten niedriger
zu halten. Ich werde in Rücksicht auf die hierdurch erzielten Einsparungen

- 7 -

�Einsparungen künftige Senkungen der Sozialversicherungssteuern in Erwägung
ziehen.
In den letzten beiden Jahren nahm die Gesamtbe.jchaft-.gung in den
Vereinigten Staaten um 7,4 Millionen zu.

Das entspricht einer durchschnittlichen

Steigerungsrate von 4,1 Prozent pro Jahr - einem der höchsten Steigerungssätze unserer gesamten Geschichte.

Der Anteil der Berufstätigen an der

gesamten Zivilbevölkerung ist mit rund 60 Prozent höher als je zuvor.
Aber trotz dieser Erfolge ist die Arbeitslosigkeit insbesondere unter den
Benachteiligten und Minderheitenangehörigen zu hoch.
Die anhaltende hohe strukturelle Arbeitslosigkeit in einer inflatorischen
Volkswirtschaft macht eine Neuorientierung unserer diesbezüglichen Bemühungen
erforderlich.

Die Programme, die darauf abzielen, die wirklich Benach-

teiligten in den Arbeitsprozess einzugliedern, sollen in dem derzeitigen
großen Umfang, wie er von dieser Administration etabliert wurde, weitergeführt
werden.

Die mehr generellen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die nicht

spezifisch auf die Bedürfigsten abzielen, müssen im Hinblick auf die
beschleunigte Wirtschaftstätigkeit und die Notwendigkeit, Prioritäten zu
setzen, eingeschränkt werden.

Unsere Programme zur Beseitigung der

Jugendarbeitslosigkeit und die Maßnahmen aufgrund des umfassenden Beschäftigungs- und Ausbildungsgesetzes (CETA) sind Ausdruck meiner anhaltenden Verpflichtung auf den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit Bedürftiger.
Die im vergangenen Jahr gesetzlich verfügte Gewährung von Steuergutschriften
bei Schaffung neuer Arbeitsplätze ermutigt die Privatwirtschaft zunehmend,
Beschäftigungsmöglichkeiten für Benachteiligte und insbedondere die Jugendlichen
unter ihnen zu schaffen.

Diese Anreize sollen durch eine Beschäftigungs-

initiative auf dem Sektor der Privatwirtschaft noch verstärkt werden,
für die ich um die zusätzliche Bewilligung von 400 Millionen Dollar für
das Haushaltsjahr 1979 ersuche.
Mein Budget sieht auch eine nachdrückliche Förderung wirtschaftlicher
Entwicklungsprogramme vor und enthält abermals Vorschläge für die Schaffung
- 8 -

�Schaffung einer Nationalen Entwicklungsbank, die bei der Finanzierung
diesbezüglicher Anstrengungen helfen soll.

Der Vorschlag sieht eine

Erhöhung der Hilfe bei Geschä'ftsneugründungen durch Angehörige von Minderheiten um 36 Prozent vor.
Letzlich halte ich dafür, daß sich die Bundesregierung bei den
Investitionen in die Zukunft unseres Landes an die Spitze stellen muß.
Dieser Haushaltsvoranschlag sieht deshalb eine Weiterführung meiner
Politik vor, eine reale Zunahme der Bundeshilfe für Zwecke der Grundlagenforschung sicherzustellen. Diese Hilfe - 4,6 Milliarden Dollar
in 1980 - macht einen relativ kleinen Teil unseres Gesamthaushaltes
aus, ist aber für die Zukunft unseres Landes von ausschlaggebender Bedeutung. Das von der Grundlagenforschung erarbeitete Wissen gibt das
Potential für Durchbrüche in den Bestrebungen zur Lösung von Problemen
ab, denen wir uns in so kritischen Gebieten wie Landwirtschaft, Gesundheitsfürsorge, Umweltschutz, Energieversorgung, Verteidigung und der Gesamtproduktivität unserer Volkswirtschaft gegenüber sehen oder in Zukunft
gegenübersehen werden. Der künftig zu erwartende Produktivitätszuwachs
wird darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur Verminderung der Inflation
leisten.

Wenn wir die Hauptbedürfnisse unserer Nation befriedigen und gleichzeitig Mäßigung bei den Gesamtausgaben üben wollen, wird eine wirksamere
Nutzung der Haushaltsmittel nicht nur wünschenswert, sondern gebieterischer
Zwang.
Im Jahr 1977 schlug ich vor - und beschloß der Kongreß -,ein Energieministerium auf Kabinettsebene zu errichten, das Bundespräsidialamt
straffer zu organisieren und unsere Informationstätigkeiten im Ausland
zusammenzufassen.
Im Jahre 1978 schlug ich vor - und beschloß der Kongreß -,den

- 9 -

�den Bundesdienst zu reorganisieren, eine Energiereserve anzulegen und eine
Notstandsplanung auszuarbeiten, die Durchführung der Bürgerrechtsgesetzgebung zu straffen und eine Versicherung für Pensionspläne der privaten
Wirtschaft einzurichten, um diese wirklichkeitsnäher und wirksamer zu
machen.
Im Jahre 1979 werde ich vorschlagen, ein Bildungsministerium zu
errichten, die Reorganisaierung der Hilfe für die wirtschaftliche

Ent-

wicklung fortzuführen und diese zu konsolidieren, die nationalen Hilfsquellen einer Verwaltung zu unterstellen und den Schienen- und Straßenverkehr zu verbessern.
Mein Haushaltsvoranschlag spiegelt nunmehr im zweiten Jahr eine auf
alle Regierungsaktivitäten ausgedehnte Haushaltsplanung auf Null-Basis
wider.

Die Programme der einzelnen Bundesstellen wurden ausdrücklich

ihrer Dringlichkeit nach eingestuft und verschiedene Programme im Zuge
einer interbehördlichen Haushaltsplanung auf Null-Basis auf mehrere
Ressorts verteilt und dementsprechend veranschlagt.
Zum ersten Mal basiert das Budget auf dem System der auf drei Jahre
ausgelegten Haushaltsplanung, das ich eingeführt habe, um eine bessere
Übersicht über die langfristigen Auswirkungen und die künftige Gestalt
der Regierungspolitik zu erlangen.
In diesem Haushalt schlage ich ein neues System zur Überwachung der
zunehmenden Kredit-Aktivitäten der Bundesregierung und insbesondere der
Übernahme von Kreditgarantien durch den Bund vor.
Weitere wichtige Schritte werden unternommen, die Regierungstätigkeit
und deren Auswirkungen auf den Privatsektor zu verbessern.

Um die

Leistungsfähigkeit der Privatwirtschaft zu steigern, wird die Administration
wo immer anhängig unnötige Bestimmungen streichen und den Schreibaufwand

- 10 -

�Schreibaufwand hinsichtlich Umweltschutz und Sicherheit einschränken.
Weitere Bemühungen werden darauf gerichtet sein, den Verwaltungsaufwand
zu verringern. Die einzelstaatlichen Regierungen, die Kommunal Verwaltungen
sowie private Einrichtungen und Bürger werden durch eine Vereinfachung
der Bedingungen zur Erlangung von Bundeshilfe entlastet werden. Insbesondere sollen die einzelnen Programme enger koordiniert werden, um das
System von Bundeszuschüssen zu vereinfachen; weitere Erleichterungen sind
geplant. Die Verwaltungsarbeit der Bundesregierung wird durch wirksamere
Methoden im Zahlungsverkehr, die Anwendung des Gesetzes zur Reform des
Bundesdienstes und die neu eingesetzten Inspektoren-Teams verbessert,
deren Aufgabe es sein wird, Verschwendung, Betrug und Korruption aufzudecken.
Bei der Vorbereitung dieses Haushaltsvoranschlags wurde ich einmal
mehr an die überwältigenden Anforderungen an den Bundeshaushalt und an
die Begrenztheit unserer finanziellen Hilfsquellen erinnert.
Ich glaube, daß wir die staatlichen Einnahmen und Ausgaben der Höhe
nach rigoros einschränken sollten.

Wir müssen einen Ausgleich zwischen

dem staatlichen und dem privaten Bedarf finden.
Prioritäten sorgfältig wägen.
neue setzen.

Wir müssen unsere

Wir müssen alte Prioritäten ändern und

Wir müssen einige unserer Ansprüche zurückstellen, wenn

wir den kritischsten Erfordernissen von heute genügen

wollen.

Ich ließ mich bei der Gestaltung dieses Haushaltsvoranschlags von
nachstehenden Grundsätzen bestimmen, die mich auch in Zukunft leiten
werden:
-

Der Haushalt ist innerhalb der Grenzen dessen zu halten, was
angesichts der wirtschaftlichen Umstände angemessen ist;

-

die Regierung verfügt über keine eigenen finanziellen Hilfs-

- 11 -

�Hilfsquellen, weil sie nur Gelder verausgabt, die sie den Steuerzahlern abverlangt.
-

Staatliche Maßnahmen müssen auf jene Gebiete beschränkt bleiben,
auf denen staatliche Eingriffe das bessere Mittel zur Lösung von
Problemen schienen, als sie zu immer größeren Dimensionen auflaufen
zu lassen; und

-

wir sind verpflichtet, innerhalb des in diesem Haushaltsvoranschlag
abgesteckten Rahmens von 532 Milliarden Dollar sorgfältig zu
wirtschaften und angemessene Prioritäten festzusetzen.

Ich weiß, daß der Kongreß meine Auffassung teilt. Seine Mitglieder
sind ebenso wie die Regierung gegenüber den Sorgen des amerikanischen Volkes
in bezug auf die Tätigkeit der Regierung, die Steuerlast, die Bedürfnisse
der Bürger und die Effizienz des staatlichen Management aufgeschlossen.
Der Kongreß hat in der Tat in den letzten Jahren wichtige Schritte unternommen - insbesondere in Gestalt der Einführung eines neuen parlamentarischen
Haushaltsverfahrens -, um seine Methode zur Festsetzung von Dringlichkeiten
zu verbessern.

Ich arbeite schon immer eng mit dem Kongreß zusammen und

werde mich auch weiterhin vom Geiste der Zusammenarbeit bestimmen lassen.
Ich freue mich darauf, mit dem Kongreß und dessen führenden Vertretern
bei der Beratung des Budgets zusammenzuarbeiten.
Die von mir getroffenen Entscheidungen waren schwierig.

Es geht hier

nicht um Zahlen in einer Bilanz,sondern um das Leben und die Zukunft der
Menschen in Amerika.

Ich habe mich zur Beschränkung der Regierungsaus-

gaben entschlossen, weil wir die Inflation unter Kontrolle bringen müssen.
Ich habe mich bemüht, bei der Festsetzung der Prioritäten gerecht zu verfahren.

Ich habe aber wiederum jenen Programmen Vorrang gegeben, die auf

unsere dringlichsten Erfordernisse ausgerichtet sind.

- 12 -

Ich habe im Verlaufe

�Verlaufe dieses Prozesses gewisse Programme eingestellt, verringert oder
vorläufig ausgesetzt.
Es ist schwierig, ein Bewußtsein strenger nationaler Zielstrebigkeit
in einer Zeit aufrechtzuerhalten, in der wir keiner klar erkennbaren unmittelbaren Krise ausgesetzt sind - es ist aber ebenso wichtig.

Wir leben

in einer Zeit, in der verantwortungsvolle Führung bedeutet, jene tagtäglichen
Aktionen voraussehen, die uns in die Lage versetzen, Krisen zu vermeiden
und auf die Zukunft hinzuplanen.

Das ist die Absicht, die den hier zur

Erwägung anstehenden Entscheidungen zugrunde liegt, und das ist auch der
Zweck dieses Haushaltsvoranschlags.

+ + + + +

- 13 -

�ffliilm Tffü
1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. Januar 1979

PRÄSIDENT CARTERS HAUSHALTVORANSCHLAG 1979/80
- Auszüge -

Zusammenfassender überblick
WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 22. Januar 1979 dem
amerikanischen Kongreß seinen Haushaltsvoranschlag für das Finanzjahr 1980
zugeleitet, das vom 1. Oktober 1979 bis zum 30. September 1980 dauert. Der
Haushalt sieht Ausgaben von 532 Milliarden Dollar und Einnahmen von rund 503
Milliarden Dollar vor und bleibt damit im Rahmen der von Präsident Carter zugesagten Senkung des Defizits auf 30 Milliarden Dollar oder weniger.
In dem einleitenden Kapitel des Haushaltsvoranschlages heißt es unter
der Überschrift "Überblick über das Budget" unter anderem:
"Das ist ein sparsamer Haushaltsvoranschlag. Die schwere Inflation, mit
der unser Land heute kämpft, erfordert eine Zurückhaltung im Wachstum der
Bundesausgaben.
Dieser Voranschlag sieht eine solche Zurückhaltung vor. Er schlägt eine
wesentliche Verlangsamung des Wachstums der Bundesausgaben vor. Die im Haus-

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Haushalt vorgesehenen Ausgaben nehmen (im Haushaltsjahr) 1979 um 9,4 Prozent;
1980 um 7,7 Prozent; 1981 um 8,7 Prozent und 1982 um 6,4 Prozent zu - verglichen mit einer durchschnittlichen Zuwachsrate von 12,1 Prozent von 1973
bis 1978.
•

Diese Verlangsamung schließt eine allgemeine Senkung des Wachstums der
Programme in allen Regierungsbereichen ein.

Einige der auf der Prioritäten-

liste der Regierung obenan stehenden Initiativen sind verschoben worden.

Es

sind energische Bemühungen unternommen worden, um die Programme wirksamer
zu gestalten.

Es sind keine Routineerhöhungen vorgeschlagen worden ...

Der Gesamthaushalt erhöht sich von 1979 auf 1980 um 38 Milliarden Dollar.
Die Auszahlungen im Rahmen der Pensions-, Invaliden- und Gesundheitsfürsorgeprogramme werden aufgrund der Angleichung an die Lebenshaltungskosten und wegen der normalen jährlichen Zunahme des Kreises der Bezugsberechtigten steigen. Beschaffungen von Material für wesentliche Modernisierungen der Verteidigung - hauptsächlich zur Stärkung der NATO-bezogenen Kapazitäten - sollen
real etwas zunehmen. Die Zinsleistungen für die öffentliche Verschuldung
werden höher werden, da die ausstehende. Schuldsumme insgesamt steigen wird.
Der übrige Haushalt ist jedoch real gesenkt. Der Stand der Bundesbediensteten wird im Laufe des Haushaltsjahres 1979 gesenkt und bei der Besoldung der
Bundesbediensteten wird in Übereinstimmung mit den nationalen Lohn-PreisNormen Zurückhaltung empfohlen. Insgesamt sieht dieser Haushaltsvoranschlag
unter Berücksichtigung der Inflation für 1980 den gleichen realen Stand
der Tätigkeit der Bundesregierung wie für 1978 und 1979.vor.
In der Zeitspanne von 1978 bis 1982 nehmen die Ausgaben mit einer wesentlichen geringeren Rate zu als die Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts,
so daß die Ausgaben im Prozentsatz zum Bruttosozialprodukt (BSP) von 22,1
Prozent im Haushaltsjahr 1978 auf 21,2 Prozent 1980 und 20,3 Prozent 1982
zurückgehen würden. Die Einnahmen würden von 19,7 Prozent des BSP 1978
auf 20,1 Prozent 1980 und - bei keinen weiteren Steuersenkungen - 21,6 Prozent 1982 erreichen ...
Die
- 2 -

�Die diesem Budget zugrunde liegende Haushaltspolitik läßt eine ausgewogene Einstellung zu den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen erkennen.
Währungs- und Haushaltspolitik zusammen dürften ein Klima schaffen, in dem
der inflationistische Druck nachlassen wird.

Während diese Politik eine aus-

reichende Zurückhaltung erkennen läßt, um den inflationistischen Druck zu
mindern, so ist sie doch nicht so restriktiv, daß sie ein weiteres Wirtschaftswachstum verhindern wird.

Die relativ niedrige Rate des Wachstums 1979

dürfte zu einem leichten Anstieg der Arbeitslosenrate auf etwa 6,2 Prozent
gegen Ende des Kalenderjahres führen.

Es ist damit zu rechnen, daß die Ar-

beitslosenrate 1980 auf diesem Stand bleiben wird.

Die Inflationsrate, die

1978 über 9 Prozent betrug, dürfte bis Ende 1980 auf etwa 6 Prozent zurückgehen.

Das Haushaltsdefizit ging von 66 Milliarden Dollar 1976 auf 49 Mil-

liarden Dollar 1978 und soll nach dem Haushaltsvoranschlag 1980 auf 29 Milliarden Dollar zurückgehen...

Wichtige Haushaltsvoranschläge

Steuervorschläge:

Die Haushaltsvoranschläge tragen dem Vorschlag zur

Sicherung des Reallohns Rechnung, der im Oktober (1978) als integraler Bestandreil des Antiinflationsprogramms des Präsidenten

bekanntgegeben wurde.

Gemäß diesem Vorschlag sollen Arbeitnehmer, deren Bezüge nur innerhalb des
Rahmens der Antiinflationsrichtlinien zunehmen, eine Steuerrückzahlung erhalten können, wenn die Inflationsrate in dem Programmjahr sieben Prozent
übersteigt.

Die Kosten für den Reallohn-Sicherungsvorschlag werden für 1980

mit 2,5 Milliarden Dollar veranschlagt ...

Verteidigung und Internationale Angelegenheiten:
sentliche Erhöhungen der Verteidigungsausgaben vor.

Das Budget sieht weDie Ausgaben werden für

1980 mit 125,8 Milliarden Dollar gegenüber 114,5 Milliarden Dollar 1979 veranschlagt.

Sowohl die strategischen als auch die konventionellen Streitkräfte

sollen verstärkt werden - vor allem unsere Landstreitkräfte in Westeuropa.
Insgesamt sollen nach den Haushaltsvoranschlägen die Verteidigungsausgaben

- 3 -

�Verteidigungsausgaben 1980 um real etwa drei Prozent steigen ...
Das Budget sieht Erhöhungen der Auslandshilfe mit dem Schwergewicht auf
der langfristigen Entwicklung armer Länder und einer Behebung der weitverbreiteten Armut vor.

Eine beträchtliche Erhöhung der Mittel für die Export-

Import-Bank ist dazu gedacht, unsere Außenhandelslage verbessern zu helfen.
Die Gesamtausgaben für internationale Programme würden von 7,3 Milliarden
Dollar 1979 auf 8,2 Milliarden Dollar 1980 steigen.
Energie:

Die Ausgaben für Energieprogramme werden 1980 mit 7,9 Milli-

arden Dollar angesetzt und liegen damit etwas unter den Ausgaben 1979.

Die-

ser Rückgang ist hauptsächlich auf die Verzögerungen in der Anlage der strategischen Erdölreserve zurückzuführen . Erhöhungen werden für die Forschung
und Entwicklung zur wirksameren Erschließung einheimischer Energiequellen
vorgeschlagen.

Besonderer Nachdruck wird dabei auf die Forschungs- und Ent-

wicklungsbemühungen auf vielversprechenden Gebieten gelegt, die die Privatindustrie auf eigene Initiative kaum unternehmen würde - vor allem auf dem
Gebiet der Sonnenenergie...
Die Nuklearpolitik der Regierung fordert eine Verschiebung der Wiederaufbereitung von abgebranntem Brennstoff von Kernkraftwerkden auf unbegrenzte
Teil und die Einstellung des Versuchsprojekts für einen Schnellen Brüter mit
flüssigem Metall in Clinch River. Im Rahmen dieser Politik sieht der Haushalt 1980 Mittel für die weitere Forschung und Entwicklung zur Verbesserung
der Leistungsfähigkeit bestehender Kernkraftwerke und zur Überprüfung neuer
alternativer Reaktorkonzeptionen. Wesentliche Erhöhungen sind für die nuklearen Entsorgungsprogramme gedacht ...
Binnenwirtschaftliche Entwicklung: Das Budget schlägt die Schaffung
einer Nationalen Entwicklungsbank vor, die Zuschüsse, Kreditgarantien, Zinssubventionen und andere finanzielle Unterstützungen für Unternehmen gewähren
soll, die sich in wirtschaftlichen Notstandsgebieten ansiedeln oder dort
verbleiben ...
Politik

�Politik der öffentlichen Hand:

In den letzten zwei Jahren ist die Zahl

der Beschäftigten rasch gestiegen - von 88,4 Millionen im Dezember 1976 auf
95,9 Millionen im Dezember 1978 ... Die Arbeitslosenrate ging von 7,9 Prozent
im Dezember 1976 auf 5,9 Prozent im Dezember 1978 zurück ...

Diese Zunahme der Beschäftigung erstreckte sich auf alle Gruppen unserer
Gesellschaft.

Der Beschäftigungsanstieg betrug bei Schwarzen und anderen

Minderheiten 11,8 Prozent, bei Frauen 11,7 Prozent und bei Jugendlichen aus
Minderheitengruppen etwa 14,2 Prozent.

Trotzdem ist die Arbeitslosigkeit bei

vielen dieser Gruppen noch immer unannehmbar hoch.

Die Verringerung dieser

Arbeitslosigkeit wird erfordern, daß wir uns auf den Abbau der strukturellen
Arbeitslosigkeit konzentrieren - die Arbeitslosigkeit jener, die selbst in
einer starken Wirtschaft schwer einen Arbeitsplatz finden.

Die Vorschläge

dieses Budgets richten unser Arbeits- und Ausbildungsprogramm auf dieses
Ziel aus.

Die Inflation hat sich in letzter Zeit verschlimmert.

Der Verbraucher-

preisindex stieg 1977 um 6,75 Prozent und 1978 um schätzungsweise 9,25 Prozent.

Eine weitere Beschleunigung der Inflation würde unsere Wirtschaft

und die Volkswirtschaften anderer Länder stören.

Hier in den USA würde es

die Gruppen mit einem begrenzten Einkommen besonders hart treffen.

Es könnte

die Gewinne an Beschäftigung und an Realeinkommen, die wir erzielt haben,
zunichte machen.

Der Haushaltsvoranschlag 1980 empfiehlt daher eine zurückhaltendere
Politik der öffentlichen Hand durch eine Begrenzung des Wachstums der Ausgaben und eine Senkung des Defizits.

Diese Zurückhaltung wird dazu beitragen,

den inflationistischen Druck zu mildern, während sie gleichzeitig ein anhaltendes, mäßiges Wachstums erlaubt ...

Beschäftigung und Bezahlung im Bundesdienst:

In Übereinstimmung mit

dem Ziel des Präsidenten, die Zahl der Zivilbediensteten des Bundes auf dem
Minimum zu halten, das für die wirksame und effiziente Ausübung der Regierungs-

- 5 -

�Regierungsfunktionen notwendig ist, soll die Zahl der Festangestellten in
der Exekutive (Bundespost nicht eingeschlossen) bis Ende 1980 auf einem Stand
von 1 895 900 gehalten werden.

Das sind 35 700 weniger als im Budget des

vorigen Jahres für Ende 1979 angesetzt waren ...
In Obereinstimmung mit den nationalen Lohn- und Preis-Normen im Rahmen
des Antiinflationsprogramms der Regierung geht das Budget von Lohn- und Gehaltserhöhungen für Bundesbedienstete von 5,5 Prozent für 1980 aus.

Diese

Erhöhungen stünden zusammen mit Erhöhungen von Nebenleistungen, die sich im
Rahmen der nationalen Lohn- und Gehaltsnormen bewegen, im Einklang mit diesen Normen.

Die angesetzte Lohn- und Gehaltserhöhung würde nicht notwendiger-

weise eine Vergleichbarkeit mit Lohn- und Gehaltstarifen außerhalb der Bundesregierung nach derzeitigem Verfahren erlauben, es ist jedoch von entscheidender Bedeutung, daß die Regierung ein geeignetes Beispiel setzt, indem sie im
Rahmen der Richtlinien bleibt, deren Einhaltung von anderen gefordert wird."

Kurzfristige wirtschaftliche Voraussage
Für die wirtschaftliche Entwicklung von 1977 bis 1980 geht der Präsident in seinem Haushaltsvoranschlag von folgenden Daten aus (bei den Jahres
zahlen handelt es sich um Kalenderjahre, nicht um Haushaltsjahre, für 1977
liegen die tatsächlichen Zahlen vor, für 1978 bis 1980 handelt es sich um
Voranschläge):

1977

�1977

1978

1979

1980

11.9
5,5

12,7
4,0

9,8

9,8

2,2

3,2

BSP-Deflator

6,1

8,4

7,4

6,4

Verbraucherpreisindex (Zunahme von
Dezember zu Dezember)

6,8

9,2

7,4

6,3

Arbeitslosenrate (Prozent, Dezember)

6,6

5,8

6,2

6,2

Hauptwi rtschaftsi ndikatoren:
Bruttosozialprodukt (BSP), prozentuale
Zunahme von 4. Quartal zu 4. Quartal:
in laufenden Dollar
in konstanten Dollar (1972)

Verte i d i gu ngs ha u s ha11

In dem Haushaltsvoranschlag des Präsidenten ist ein langes Kapitel dem
Verteidigungsbudget der USA im neuen Finanzjahr gewidmet, wobei die Ziele und
Aufgaben der nationalen Verteidigung umrissen werden.

Unter anderem führt Carter in diesem Zusammenhang als nationale Verteidigungserfordernisse auf:

"Den Schutz des amerikanischen Volkes, seiner Institutionen und seines
Landes vor ausländischer Aggression;

die Wahrung eines militärischen Gesamtgleichgewichtes, das zumindest so
günstig ist, wie es gegenwärtig zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten einerseits und der Sowjetunion und ihren Verbündeten besteht;

die Abschreckung eines nuklearen Angriffs auf die Vereinigten Staaten oder
andere Länder, deren Sicherheit für uns wichtig ist, sowie die Garantie, daß
die USA einen Vergeltungsschlag auslösen können, der der Sowjetunion untragbaren

- 7 -

�untragbaren Schaden zufügt, sollte die Abschreckung erfolglos ein;
die Aufrechterhaltung - und zwar gemeinsam mit unseren Verbündeten - einer
ausreichenden Streitmacht, um jeden Aggressor abzuschlagen;
das Bemühen um internationale Abkommen»um alle Rüstungen zu begrenzen und
zu reduzieren, um eine Verbreitung der nuklearen Technologie zu verhindern, um
den Waffenhandel einzuschränken, um Streitfälle durch friedliche Mittel beizulegen und um die internationale Stabilität zu fördern.
Der Haushalt für 1980 sieht eine Ausgabeermächtigung von 138,2 Milliarden
Dollar vor, um diesen nationalen Erfordernissen Rechnung zu tragen.

Die Aus-

gaben für Aufgaben der nationalen Verteidigung werden für 1980 auf 125,8 Milliarden Dollar veranschlagt; sie dürften im Jahre 1981 auf 137 Milliarden Dollar
ansteigen.

Verteidigungsministerium
Die militärischen Programme des Verteidigungsministeriums sorgen für die
Kapazität, unseren hauptsächlichen nationalen Verteidigungserfordernissen Rechnung zu tragen. Die Gesamtausgabeermächtigung (TOA), die für die militärischen
Aufgaben des Verteidigungsministeriums vorgeschlagen werden, belaufen sich auf
135,5 Milliarden Dollar für 1980 und auf 145,7 Milliarden Dollar für 1981. Die
Ausgaben werden für 1980 auf 122,7 Milliarden Dollar geschätzt, was ein Ansteigen von 10,8 Milliarden Dollar gegenüber 1979 bedeutet.
Im Mai 1977 kamen alle Mitglieder der NATO überein, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen.

Erhöhte Verteidigungsausgaben innerhalb der NATO werden zur

Aufrechterhaltung des Abschreckungswertes der Streitkräfte des Bündnisses beitragen, da der Warschauer Pakt seine militärische Kapazität verstärkt.
Im Januar letzten Jahres schlug meine Administration ein Militärprogramm
für 1979 in Höhe von 126 Milliarden Dollar an Gesamtausgabeermächtigungen vor.
- 8 -

�vor.

Der Kongreß kürzte dieses Programm jedoch auf 123,6 Milliarden Dollar.

Das jetzige Budget sieht zusätzliche Bewilligungen für 1979 in Höhe von 2,2
Milliarden Dollar vor, so daß das Gesamtprogramm sich jetzt auf 125,7 Milliarden Dollar an Gesamtausgabeermächtigungen beläuft.
Unser Vorschlag für das Budget 1980 umfaßt die Verteidigungsprogramme,
die zur Erfüllung der nationalen Sicherheitserfordernisse notwendig sind.
Weitere Programme wurden erwogen aber aufgrund geringer Priorität, technischer
Probleme, Terminschwierigkeiten oder zu hoher Kosten verworfen. Alle Programme wurden genau darauf überprüft, Mittel und Wege zu finden, um sie wirksamer zu gestalten. Die sich daraus ergebenden Vorschläge sehen die geringsten Programmkosten bei gleichzeitiger Übereinstimmung mit unseren nationalen Sicherheitsvorkehrungen vor. Das reale Wachstum der Ausgaben wird 1980
auf etwa drei Prozent geschätzt. Die Hauptvorschläge, die der Haushalt 1980
enthält, sind die folgenden:
Aufrechterhaltung ausreichender strategischer Streitkräfte, um der Sowjetunion ganz klar die Nachteile vor Augen zu führen, die die Auslösung eines
nuklearen Krieges hätte;
Verbesserung der Kampfkraft unserer konventionellen Streitkräfte, die für
die Verteidigung unserer NATO-Verbündeten bestimmt sind, um der Sowjetunion
oder ihren Verbündeten im Warschauer Pakt ganz klar die Nachteile vor Augen
zu führen, die die Auslösung eines konventionellen Krieges hätte;
Aufrechterhaltung einer ausreichenden Kapazität, um vor Konflikten in
aller Welt abzuschrecken, insbesondere in solchen krisengeplagten und potentiell
unsicheren Gebieten wie Nordostasien, dem Nahen Osten sowie dem Persischen Golf;
Modernisierung unserer Seestreitkräfte, um die Freiheit der Meere zu wahren
sowie unsere Kapazität zu schützen, militärische Operationen durchzuführen, wann
immer wir dazu gezwungen sind;
Aufrechterhaltung

�Aufrechterhaltung verläßlicher Möglichkeiten zur Erfassung ausländischer
militärischer Entwicklungen und Aktivitäten sowie zur Verifizierung internationaler Abkommen über die Rüstungskontrolle, einschließlich eines neuen Vertrages
über die Begrenzung strategischer Rüstungen (SALT);
Reform der Besoldung, um in den kommenden Jahren, in denen die Zahl junger
Menschen abnehmen wird, Militärpersonal für den Dienst in den Streitkräften zu
interessieren und zu verpflichten;
Verbesserung der Effizienz des militärischen Betriebes durch stärkeren
Wettbewerb im Beschaffungsprozeß, durch Reformen des Nachschubsystems sowie
durch wirksameren Einsatz von Zivilisten.
Der Haushalt 1980 enthält eine Vielzahl von Programmen zur Verbesserung
unserer konventionellen Kapazität. Diese Programme stärken die Streitkräfte,
die vor nicht-nukleare

militärische Bedrohungen gegen Westeuropa oder in ande-

ren Gebieten abschrecken sollen oder für eine solche Reaktion bereitstehen.
Diese Anstrengungen werden in Zusammenarbeit mit unserem NATO-Verbündeten ergriffen, und zwar als Teil eines Langfristigen Verteidigungsprogramms, das auf
dem NATO-Gipfel im Mai 1977 beschlossen wurde.
Der Haushalt enthält ferner kooperative Programme mit unseren NATO-Verbündeten, einschließlich des gemeinsamen Einkaufs sowie des Betriebs einer Flotte
von Flugzeugen des Frühwarn- und Kontroll Systems (AWACS), der Koproduktion des
neuen Kampfflugzeugs vom Typ F-16 sowie einer gemeinsamen Kanone für neue Panzer. Eine beträchtliche Steigerung der Beschaffung moderner Ausrüstungen für
unsere Landstreitkräfte wird ebenfalls vorgeschlagen. Dazu gehören zusätzliche
Panzer, Luftverteidigungssysteme, Hubschrauber, gepanzerte Mannschaftswagen
und Munition. Das Budget sieht ferner eine beträchtliche Verstärkung der
Artillerie, der Panzerabwehrwaffen sowie der Kampfkraft der Streitkräfte in
Europa vor. Darüber hinaus wird die Kapazität zur See durch den Bau eines neuen,
konventionell angetriebenen Flugzeugträgers verstärkt ...
Strategische

- 10 -

�Strategische Streitkräfte, 10,8 Milliarden Dollar:

Das Hauptziel der ame-

rikanischen strategischen Streitkräfte ist die Abschreckung vor einem nuklearen Angriff auf die Vereinigten Staaten und auf ihre Verbündeten.

Sie tragen

ferner dazu bei, vor einem nicht-nuklearen Angriff abzuschrecken.
Eine Bewertung der strategischen Streitkräfte umfaßt mehr als einen reinen
zahlenmäßigen Vergleich der amerikanischen und der sowjetischen Streitkräfte.
Unsere Streitkräfte sind darauf abgestellt, zu überleben, und in angemessener
Zahl und Stärke auf einen wesentlichen sowjetischen Nuklearangriff zu antworten.
Sie müssen in der Lage sein, den sowjetischen Verteidigungsschirm zu durchdringen und wichtige Ziele in einer kontrollierten Art und Weise unter jeden
Umständen, einschließlich eines massiven sowjetischen Angriffes, zu zerstören.
Unsere Streitkräfte werden diesen Bedingungen heute gerecht, sie müssen
jedoch verbessert werden, um dies auch für die Zukunft sicherzustellen. Zusätzliche Mittel werden für 1979 angefordert, um eine umfassende Entwicklung
einer größeren, treffsicheren ballistischen Interkontinentalrakete vorzunehmen, die mit Modifizierungen auf Unterseebooten, Flugzeugen oder Landstützpunkten disloziert werden kann. Die umfassende Entwicklung einer Methode zur Stationierung dieser Rakete würde nach der Abwägung von Stationierungsalternativen
im Jahre 1979 erfolgen.
Der Haushalt schlägt die Beschaffung von acht TRIDENT-Unterseebooten sowie die weitere Beschaffung der TRIDENT 1-Rakete vor. Ferner wird die Entwicklung und Beschaffung auf Ausschreibungsbasis von luftgestützten Marschflugkörpern (Cruise Missiles) vorgeschlagen, ausgehend von der Entwicklung der
B-52 als Trägerflugzeug, die für das Jahr 1982 geplant ist.
Außerdem werden Mittel für wichtige Verbesserungen der strategischen Befehls- und Kontroll- sowie Warnsysteme angefordert.

Es werden Initiativen

empfohlen, die für eine frühere und. verläßlichere Warnung vor einem Angriff
sorgen und sicherstellen sollen, daß unsere Abschreckungsstreitkräfte rechtzeitig und kontrolliert auf einen weiten Bereich potentieller Bedrohungen reagieren können ...
Allgemeine
- 11 -

�AI 1 gerneine Streitkräfte:

Die allgemeinen (nicht-strategischen) Streit-

kräfte helfen, vor einer Aggression unterhalb der Schwelle des strategischnuklearen Konflikts abzuschrecken oder ihr zu begegnen.

Der größte Teil des

Verteidigungshaushaltes ist für die konventionellen Streitkräfte vorgesehen.
Die aktiven Streitkräfte zählen 16 Heeresdivisionen, 3 Marinedivisionen (Marinekorps), 3 Luftgeschwader des Marinekorps, 26 Geschwader der taktischen Luftwaffe und 269 Kriegschiffe, einschließlich von 13 Flugzeuträgern und 12 trägergestützten Luftgeschwadern.

Das Budget 1980 sieht eine Ausgabelermächtigung

für allgemeine Programme von 50 Milliarden Dollar vor, d.h. eine Erhöhung um
2,5 Milliarden Dollar ...

Es wird eine Reihe von Initiativen zur Modernisierung der bestehenden
Streitkräfte und zur Verbesserung ihrer Kampfbereitschaft vorgeschlagen.

Die-

se Initiativen würden die Fähigkeit unserer allgemeinen Streitkräfte stärken,
das Gleichgewicht der konventionellen militärischen Macht, vor allem in Westeuropa, aufrecht zu erhalten und auch anderswo in der Welt vor einer Aggression
abzuschrecken.

Die Heerestruppen sind dazu bestimmt, die schwerste aller Aufgaben der
allgemeinen Streitkräfte zu bestehen - einen Konflikt zwischen Mitgliedern
der NATO und des Warschauer Paktes - aber sie müssen auch die Flexibilität
besitzen, mit anderen Ernstfällen fertig werden zu können, die amerikanische
Interessen anderswo bedrohen.

Zu den für 1980 vorgeschlagenen Verbesserungen der Einsatzbereitschaft
und Kampfkraft gehören:

Aufstellung zusätzlicher motorisierter Infanterie- und Panzerbataillone
bei unseren nach Europa orientierten Streitkräften;

Erhöhung des Gerätebestandes, der in Europa eingelagert ist, um NAT0Verstärkungen auszurüsten;

Erhöhung
- 12 -

�.

Erhöhung der Einsatzbereitschaft von in Europa stationierten Kampfeinheiten und ausgewählten Kampfeinheiten in den Vereinigten Staaten;
Erhöhung der Zahl der amerikanischen Geschütze in Europa um ein Drittel
und Dislozierung zusätzlicher Panzerabwehrwaffen;
Steigerung der Zahl und der Einsatzbereitschaft der Panzerbesatzungen;
Dislozierung sicherer Fernmeldeeinrichtungen für die taktischen Streitkräfte; und
Verbesserung der Fähigkeit unserer Streitkräfte, nuklearen, biologischen
und chemischen Angriffen widerstehen zu können.
Ferner sind auf allen wichtigen Gebieten der Heeresbeschaffung Erhöhungen
vorgesehen. Bei Panzern gehört zu den Vorschlägen die weitere Beschaffung des
neuen Kampfpanzers XM-1 und der Ersterwerb des neuen Infanterie-Kampffahrzeuges, das der Infanterie die Beweglichkeit geben soll, zusammen mit dem
XM-1-Panzer zu kämpfen. Was die Fliegerei angeht, so ist die Beschaffung von
Transporthubschraubern des Typs Black Hawk und die weitere Umrüstung des
Artilleriehubschraubers vom Typ Cobra auf Panzerabwehrraketen vorgesehen. Für
die Luftabwehr ist die Beschaffung des Patriot-Raketensystems und der StingerRakete geplant ...
Die Hauptaufgabe der taktischen Flugzeuge der Luftwaffe besteht in der
Erringung einer ausreichenden Luftüberlegenheit, um den amerikanischen und
verbündeten Luftstreitkräften zu erlauben, den Landstreitkräften Unterstützung
zu gewähren und die gegnerischen Streitkräfte hinter den Linien zu stören.
Das Budget 1980 schlägt die Beschaffung folgender taktischer Flugzeuge
vor:
144 A-10-Angriffsflugzeuge für die Panzerbekämpfung;
60 F-15T 13 M i ; % , n i i •&gt;• •

•

i

i

�die Marine und das Marinekorps in Europa übernehmen.

Luft- und Seebrückenstreitkräfte:

Vorgesehen 1,9 Milliarden Dollar.

Für die tägliche Neuversorgung der in Übersee stationierten amerikanischen
Streitkräfte in Friedenszeiten und die rasche Verlegung von Soldaten und Gerät in Kampfzonen werden strategische bewegliche Streitkräfte (Transportstreitkräfte) herangezogen.

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten

sind für das Durchhalten ihrer Streitkräfte von raschem Transport und rascher
Neuversorgung abhängig.

Aggressionen gegen mit den Vereinigten Staa-

ten befreundete Länder können nur dadurch abgewendet werden, daß sich der Gegner der amerikanischen Fähigkeit der raschen Verstärkung und Neuversorgung
bewußt ist.

Der größte Teil der für die Luft- und Seebrückenstreitkräfte angeforderten Ausgabeermächtigung in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar ist für den täglichen Betrieb und die Wartung vorgesehen.

Es werden Veränderungen vorgeschla-

gen, um unsere Fähigkeit zur Mobilisierung und zum Transport amerikanischer
Streitkräfte zu verbessern, indem die dienstliche Lebensdauer der C-5A und der
C-141 verlängert und ihre Kapazität erhöht wird.

Ferner ist eine zusätzliche

vorherige Bereitstellung von Gerät in Europa für schwere Heereseinheiten geplant.

Dies wird die rasche Dislozierung von amerikanischen Truppen zur Begegnung von Bedrohungen Westeuropas erleichtern.

Eine beträchtliche Erhöhung

des Programms für die zivile Reserveluftflotte ist geplant.

Das wird Fracht-

kapazitäten in kommerziellen Großraumflugzeugen schaffen, während sie noch in
der Produktion sind.

Die kommerzielle Luftbrückenkapazität kann dann in Krisen-

zeiten mehr Unterstützung bieten, so wie wir zur Verstärkung der Seebrückenkapazität auf Handelsschiffe zurückgreifen.

Die militärischen Seebrückenkräfte transportieren Erdöl und Trockenfracht
für das Verteidigungsministerium.

Diese Schiffe der Kriegsmarine werden in

Friedens- und Kriegszeiten von zivilen Besatzungen gefahren.

- 15 -

Das erlaubt eine

�eine stärkere Konzentration des ausgebildeten Marinepersonals auf Kriegsschiffe ..."
Für Forschung und Entwicklung sind im Budget 11,8 Milliarden Dollar angesetzt, was eine Erhöhung gegenüber 1979 um 7 Prozent bedeutet.

Für die in dem

Bereich des neuen Energieministeriums fallenden Aufgaben der nuklearen Verteidigung, darunter Forschung und Entwicklung, Erprobung und Herstellung von Kernwaffen, Lagerung von nuklearen Abfällen aus Verteidigungsprogrammen und die
Entwicklung von Kernreaktoren für Kriegschiffe, sind 3,022 Milliarden Dollar
vorgesehen, verglichen mit 2,6 Milliarden Dollar im Haushalt 1979.

Internationale Angelegenheiten
Zur Frage der internationalen Angelegenheiten heißt es in dem Haushaltsvoranschlag unter anderem:
"In internationalen Angelegenheiten wird den meisten Erfordernissen durch
diplomatische und politische Initiativen Rechnung getragen, die nur geringe
Beträge an Ausgabevollmachten und Ausgaben nötig machen. Die Auslandshilfe
ist der bedeutsamste Haushaltsposten in den internationalen Angelegenheiten.
Der Haushalt legt besonderen Nachdruck darauf, für folgende Punkte zu
sorgen:
- Eine Erhöhung der bilateralen Entwicklungshilfe der USA, um den grundlegenden Erfordernissen der armen Bevölkerung in den armen Ländern gerecht zu
werden;
- die Erfüllung bereits gegebener Zusagen an die Weltbank sowie andere
multilaterale Entwicklungsbanken, deren Programme die Ressourcen aller Geberländer bei der Bewältigung wirtschaftlicher Probleme in den armen Ländern zusammenfassen;
,.
- die
- 16 -

�- die Fortsetzung der Sicherheitshilfe auf einem hohen Stand, um an der
Schaffung eines Friedens im Nahen Osten mitzuwirken;

- weitere Bemühungen, um die nichtrückzahlbare Militärhilfe herunterzustufen;

- die Erfüllung der humanitären Erfordernisse einer rasch wachsenden
Anzahl von Flüchtlingen; und
- eine beträchtliche Erhöhung der Mittel für die Export-Import-Bank, um
die vermehrten Handelsmöglichkeiten zu nutzen.
Bedarf für die Pflege internationaler Beziehungen

(in Millionen Dollar)

Voranschlag
Hauptprogramme

1978

1979

1980

1981

1982

1926

2515

3625

2619

4315

240

260

277

315

346

1294

1544

1726

2054

2534

25

40

60

Ausgabenermächtigung
Wirtschaftliche und finanzielle
Auslandshilfe:
Multilaterale Entwicklungshilfe:
Multilaterale Entwicklungsbanken:
Internationale Organisation
Amt für Internationale Entwicklung
Vorgeschlagene Gesetzgebung
Lebensmittelhilfe (Gesetz 480)
Sicherheitshilfe
Flüchtlingshilfe
Sonstige wirtschaftliche und
finanzielle Auslandshilfe
Einnahmen aus Offset-Abkommen
Zwischensumme der wirtschaftlichen
und finanziellen Auslandshilfe

923
2219
79

806
1921
164

719
1995
152

1069
1950
154

1195
1950
161

127
336

149

162

165

166

- 346

- 370

- 416

- 458

6472

7013

8348

7951

10269

- 17 -

�1978

1979

1980

1981

1982

180

209

110

92

18

30

34

33

33

33

676

654

656

647

649

- 277
608

- 244
653

- 239
560

- 238
534

- 236
464

Militärhilfe:
Nichtrückzahlbare Militärhilfe
Militärische Ausbildung ausländischer Soldaten
Militärische Lieferungen ins
Ausland auf Kredit
Einnahmen aus Offset-Abkommen
und sonstiges
Zwischensumme der Militärhilfe
-

Gesamtsumme der Auslandshilfe

•

i

•

-

i

•

7080

+ + + + +

r

i

r

-

•

-

I

7666

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10734"

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                    <text>26. Januar 1979

4

INHALT

DOKUMENTATION

PRÄSIDENT CARTERS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- 23. Januar 1979 -

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. Januar 1979

PRÄSIDENT CARTERS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- 23. Januar 1979 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 23. Januar 1979 vor
beiden Häusern des amerikanischen Kongresses seine verfassungsmäßig vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation - State of the Union Message verlesen.

Die diesjährige Botschaft hat folgenden Wortlaut:

Herr Präsident, Mr. Speaker, Mitglieder des 96. Kongresses, meine Mitbürger.
Ich möchte heute abend ganz allgemein die Lage unserer amerikanischen
Union untersuchen - wie wir eine neue Grundlage für eine friedliche und blühende Welt schaffen.
Unsere in diesem Jahr geborenen Kinder werden im 21. Jahrhundert in ein
reiferes Alter kommen. Was für eine Gesellschaft, was für eine Welt bauen
wir für sie? Werden wir im Frieden leben? Werden sich unsere Kinder einer
besseren Lebensqualität erfreuen? Wird ein starkes und einiges Amerika noch
immer eine Macht der Freiheit und Prosperität in der ganzen Welt sein?
Heute

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�»

Heute gibt es alle Anzeichen, daß die Lage unserer Nation gut ist. Unsere Wirtschaft bietet größeren Wohlstand für mehr Menschen als je zuvor.
Das reale Pro-Kopf-Einkommen und die realen Gewinne sind in den letzten zwei
Jahren wesentlich gestiegen.

Die Exporte landwirtschaftlicher Erzeugnisse

stellen absolute Rekordeauf, und das Einkommen der Farmer ist im vorigen Jahr
um mehr als 25 Prozent gestiegen.
sichert.

Unsere bürgerlichen Freiheiten sind ge-

Unsere militärische Verteidigung ist stark und wird immer stärker.

Und was heute noch wichtiger ist, Amerika lebt in Frieden.
Unsere frühesten nationalen Verpflichtungen, von nachfolgenden Generationen abgewandelt und neu gestaltet, sind uns gut bekommen.

Aber die Probleme,

vor denen wir heute stehen, sind ihrer Natur nach anders als jene, mit denen
es frühere Generationen von Amerikanern zu tun hatten.

Sie sind subtiler,

komplexer und stehen in einem stärkeren Zusammenhang zueinander.

In unserem

eigenen Lande können nur wenige dieser Probleme durch die Regierung allein gelöst werden.

Draußen in der Welt können nur wenige dieser Probleme von den

Vereinigten Staaten allein gelöst werden..
Aber die Amerikaner haben sich als geeintes Volk - in Zusammenarbeit
mit unseren Verbündeten und Freunden - niemals davor gefürchtet, sich den Problemen im eigenen Lande oder draußen in der Welt zu stellen und sie zu lösen.
Die Herausforderung an uns besteht darin, eine neue und festere Grundlage für die Zukunft zu bauen - für eine gesündere Wirtschaft, für eine
leistungsfähigere Regierung, für politisches Vertrauen und für einen stabilen Frieden - damit das Amerika, das unsere Kinder erben werden, noch stärker
und besser sein wird als das unsrige.
Wir können uns nicht in vereinfachte oder extreme Lösungen flüchten,
den Märchenglauben an die Stelle des gesunden Menschenverstandes setzen.
Es ist ein solches Märchen, daß wir in unserer Wirtschaft ewig zwischen
Inflation und Rezession wählen müssen.

Zusammen können wir die Grundlage für

eine starke Wirtschaft mit niedriger Inflation bauen, ohne dadurch eine Re- 2 -

V

�.

Rezession mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit oder undurchführbaren Zwangskontrol&gt;2n durch die Regierung herbeiführen zu müssen.

Es ist ein solches Märchen, daß wir in unserer Regierung zwischen Mitgefühl und Kompetenz wählen müßten.

Zusammen können wir die Grundlage für

eine Regierung bauen, die funktioniert - und die für das Volk funktioniert.

Es ist ein solches Märchen, daß wir in unseren Beziehungen zu unseren
potentiellen Gegnern zwischen Konfrontation und Kapitulation wählen müßten.
Zusammen können wir die Grundlage für eine stabile Welt sowohl der Vielfalt
wie des Friedens schaffen.

Zusammen haben wir bereits begonnen, die Grundlage für das Vertrauen in
unser Wirtschaftssystem zu schaffen.

Während der letzten zwei Jahre haben

wir, als wir unsere Wirtschaft aus der tiefsten Rezession seit den dreißiger
Jahren herausgeführt haben, über 7,1 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen.
Die Arbeitslosenrate hat sich um 25 Prozent gesenkt.

Jetzt müssen wir un-

seren Kampf gegen die zähe Inflation verdoppeln, die unser Land seit über
einem Jahrzehnt plagt.

Das ist unser wichtigstes Problem im eigenen Lande,

und wir müssen es gemeinsam angehen.

Die Inflation ist eine Last für alle Amerikaner, aber sie ist eine
Katastrophe für die Armen, die Kranken und die Alten.

Keine amerikanische

Familie sollte gezwungen sein, zwischen Nahrung, Heizung, Gesundheitsfürsorge oder einer anständigen Wohnung wählen zu müssen, weil die Kosten für
jedes dieser Grundbedürfnisse zu hoch geklettert sind.

Vor drei Monaten habe ich ein ausgewogenes Anti-Inflationsprogramm vorgelegt, das eine verantwortungsbewußte Zurückhaltung der Regierung mit einer verantwortungsbewußten Zurückhaltung bei Löhnen und Preisen verbindet.
Es basiert auf meiner Erkenntnis, daß es eine mächtigere Kraft gibt als den
Zwang seitens der Regierung - nämlich die Kraft, die durch die gemeinsamen
Anstrengungen von Millionen von Amerikanern entsteht, die auf ein gemeinsames
Ziel hinarbeiten.

,. .
,
Unternehmer

�\

Unternehmer und Gewerkschaften reagieren zunehmend positiv.
erläßlich, daß wir in der Regierung unseren Teil dazu tun.

Es ist un-

Wir müssen der

Gewohnheit übertriebener Regierungsausgaben Einhalt gebieten.
Ich habe diesem Kongreß einen knappen aber fairen Haushaltsvoranschlag
unterbreitet - ein Budget, das, seit ich für die Präsidentschaft kandidiert
habe, das Defizit des Bundes auf die Hälfte gesenkt hat, und dieses Defizit
wird als Prozentsatz unseres Bruttosozialprodukts fast um 75 Prozent niedriger
liegen.
Der Kongreß hat im vorigen Jahr viel geleistet, und ich bitte jetzt diesen 96. Kongreß, an unserer Partnerschaft festzuhalten, wenn es darum geht,
übertriebenen Bundesausgaben Zügel anzulegen.
Wir müssen stark und ausdauernd sein.

Das wird nicht leicht sein.

Dieses Budget ist eine deutliche Bot-

schaft, daß ich mit Ihrer und des amerikanischen Volkes Hilfe entschlossen
bin, die Inflation unter Kontrolle zu bringen.
Das Budget 1980 sieht eine Zurückhaltung in den Ausgaben vor, die groß
genug ist, um der Inflation Einhalt zu gebieten, aber auch groß genug, um
genug Anreiz zu bieten, um die amerikanischen Arbeiter beschäftigt zu halten
und Investitionen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze zu ermutigen.

Wir werden

weiterhin die Ressourcen unserer Nation mobilisieren, um unser Handelsdefizit
abzubauen und die Stärke des amerikanischen Dollar aufrechtzuerhalten.
Wir haben in diesem zurückhaltenden Haushaltsvoranschlag gezeigt, daß
wir auf den Gewinnen der letzten zwei Jahre aufbauen können, um zusätzliche
Unterstützung für die Bildung benachteiligter Kinder, für die Altenfürsorge,
für die Ernährung und die Rechtsberatung der Armen und zur Stärkung der wirtschaftlichen Grundlage unserer städtischen Gemeinden und ländlichen Gebiete
aufbringen können. Wir werden in diesem Jahr den ersten Schritt unternehmen,
um einen nationalen Gesundheitsplan zu entwickeln.
Wir dürfen niemals eine Gruppe von ständig arbeitslosen Amerikanern akzeptieren, die keine Hoffnung hegen und kein Interesse am Aufbau unserer Ge- 4 -

�I

Gesellschaft haben.

Für all jene, die aufgrund von Diskriminierung, Mangel

an besonderen Fähigkeiten oder Armut von unserer Wirtschaft ausgeschlossen
sind, müssen wir Ausbildungsprogramme auf einem hohen Stand aufrechterhalten,
und müssen wir Arbeitsplätze beschaffen.

Ein verantwortungsbewußtes Budget ist nicht unsere einzige Waffe zur
Bekämpfung der Inflation.

Wir müssen jetzt etwas tun, um alle Amerikaner vor Gesundheitsfürsorgekosten zu schützen, die stündlich um eine Million Dollar - 24 Stunden am Tag steigen und sich alle fünf Jahren verdoppeln.

Wir müssen den Faktor der am

stärksten zu dieser Inflation beiträgt - die ins Unermeßliche steigenden Krankenhauskosten - in den Griff bekommen.

Es wird keine deutlichere Bewährungsprobe für die Verpflichtung dieses
Kongresses zum Kampf gegen die Inflation geben als die Gesetzesvorlage, die
ich in diesem Jahr erneut unterbreiten werde, um die Inflation der Krankenhauskosten zu senken.

Mein Vorschlag wird im Laufe der nächsten fünf Jahre

den Amerikanern insgesamt 60 Milliarden Dollar einsparen, von denen allein
25 Milliarden Dollar Einsparungen im Bundeshaushalt sein werden.
nische Volk hat lange genug gewartet.

Das amerika-

In diesem Jahr müssen wir handeln, um

die Krankenhauskosten einzudämmen.

Wir müssen die Inflation auch durch Verbesserungen und eine bessere Anwendung der Antikartellgesetze und durch einen Abbau der Hindernisse bekämpfen,
die die Regierung der Konkurrenz auf dem Privatsektor in den Weg legt.

Wir müssen anfangen, die Gesamtauswirkung der Reglementierung in unserer
Wirtschaft genau zu untersuchen.

Durch die Aufhebung der Reglementierung der

Luftfahrtgesellschaften haben wir die Gewinne erhöht, die Preise für alle
Amerikaner gesenkt und mit einem der wenigen Fälle in der Geschichte begonnen,
bei denen eine große Bundesbürokratie tatsächlich abgebaut wurde.

In diesem

Jahr müssen wir damit anfangen, den Reglementierungsprozeß für die Eisenbahn-

�.

Eisenbahngesellschaften, die Busgesellschaften und die Lastwagengesellschaften zu reformieren.
Amerika besitzt das größte Wirtschaftssystem der Welt.

Wollen wir den

Eingriff der Regierung verringern und dem Wirtschaftssystem eine Chance geben
zu funktionieren!
Und ich appelliere an den Kongreß, weitere Maßnahmen gegen die Inflation zu ergreifen - nämlich unsere Exporte zu fördern und amerikanische Arbeitsplätze zu schützen, die durch unfairen Handel bedroht werden; Energie
einzusparen; die Entwicklung von Sonnenenergie zu steigern und zu beschleunigen und die technologische Führung unserer Nation zu stärken.

Amerikanische

Arbeiter, die sich uns in dem Kampf gegen die Inflation anschließen, verdienen
nicht nur unsere Dankbarkeit, sondern auch den Schutz durch den Reallohnsicherungsvorschlag, den ich unterbreitet habe.
Wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir unsere Haltung wie auch unsere
Politik ändern. Wir können es uns nicht leisten, über unsere Verhältnisse
zu leben, Programme zu schaffen, die wir weder verwalten noch finanzieren können, oder unsere nationalen Ressourcen zu verschwenden. Und wir können Mißwirtschaft und Betrug nicht dulden. Und vor allem müssen wir der Inflation
als geeintes Volk entgegentreten.
Mit Unterstützung des amerikanischen Volkes ist es der Regierung in den
letzten Jahrzehnten gelungen, Rassenschranken zu beseitigen; Hilfe für die
Arbeitslosen und Rentner zu gewähren; die Hungrigen zu speisen; die Sicherheit, die Gesundheit und die Tarifverhandlungsrechte der Arbeiter zu schützen
und unser natürliches Erbe zu erhalten.
Aber es genügt nicht, eine Vielzahl von Regierungsprogrammen ins Leben
gerufen zu haben. Jetzt müssen wir die guten Programme wirksam gestalten und
jene, die verschwenderisch oder unnötig sind, verbessern oder aussortieren.
Mit

�Mit Unterstützung des Kongresses haben wir damit angefangen, die Bürokratie zu reorganisieren und in den Griff zu bekommen.

Wir reformieren das

Zivildienstsystem, damit wir jenen Anerkennung und Belohnung zukommen lassen
können, die gut gearbeitet haben, und jene korrigieren oder entlassen können,
die nicht gut gearbeitet haben.
Wir müssen in diesem Jahr große Anstrengungen unternehmen, um unser Bildungswesen, die wirtschaftliche Entwicklung und das Management unserer natürlichen Ressourcen zu reorganisieren. Wir müssen ein "Sonnenuntergangsgesetz"
verabschieden, damit Regierungsprogramme, wenn sie ihren Wert verloren haben,
automatisch beendet werden.
Es gibt keine wirksame Reorganisation, die nicht umstritten wäre, und
Reform kann niemals leicht sein. Aber wir wissen, daß eine ehrliche und tüchtige Regierung wesentlich ist, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in unser
öffentliches Handeln wiederherzustellen.
Niemand von uns kann damit zufrieden sein, wenn zwei Drittel der amerikanischen Bürger es vorzogen, im letzten Jahr nicht zur Wahlurne zu gehen. Zu
viele Amerikaner fühlen sich machtlos gegen den Einfluß privater Interessengruppen und die Flut des privaten Wahl kämpfgel des, das unseren Wahlprozeß bedroht. In diesem Jahr müssen wir das Vertrauen der Öffentlichkeit wieder erringen, indem wir eine begrenzte öffentliche Finanzierung der Wahl kämpfe für
Kongreßwahlen fordern. Das Gesetz Nummer 1 des Repräsentantenhauses sieht
eine öffentliche Finanzierung von Kongreßwahl kämpfen vor, und ich erwarte, daß
ich dieses Gesetz bald unterzeichnen kann.
Eine starke Wirtschaft und eine tüchtige Regierung werden das Vertrauen
hier in Amerika wiederherstellen. Aber der Weg in die Zukunft muß in Frieden
abgesteckt werden. Wir müssen weiterhin eine neue und feste Grundlage für
eine stabile Weltgemeinschaft schaffen.
Wir bauen diese neue Grundlage von einer Position der nationalen Stärke
aus auf - der Stärke unserer eigenen Verteidigung, unserer Freundschaft mit
- 7 -

�mit anderen Nationen und unserer ältesten Ideale.

Die militärische Macht

Amerikas ist eine Hauptkraft für Sicherheit und Stabilität in der Welt.

Wir

müssen unsere strategische Kapazität aufrechterhalten und den während der
letzten zwei Jahren mit unseren Verbündeten in der NATO erzielten Fortschritt
weiterführen, mit denen zusammen wir unsere Einsatzbereitschaft vergrößert,
unsere Ausrüstung modernisiert und unsere Verteidigungstruppen in Europa verstärkt haben.

Ich appelliere an Sie, das starke Verteidigungsbudget, das ich

unterbreitet habe, zu unterstützen.
Aber in unserem Zeitalter erfordert die nationale Sicherheit mehr als nur
militärische Macht.

In weniger als einem Menschenalter hat sich die Bevölke-

rung der Welt verdoppelt, die Kolonialreiche sind verschwunden, und etwa 100
neue Nationen sind entstanden.

Massenkommunikation, Bildung und Abwanderung

in die großen Städte der Welt haben ein neues Streben nach wirtschaftlicher
Gerechtigkeit und den Menschenrechten unter den Menschen überall auf der Welt
ausgelöst.
In einer solchen Welt geht es nicht darum, welche Supermacht die Welt beherrscht.

Keine kann das und keine wird das.

Die Wahl liegt vielmehr zwi-

schen einer Welt der Anarchie und Zerstörung und einer Welt der Zusammenarbeit
und des Friedens.
In einer solchen Welt wollen wir nicht den unvermeidlichen Wandel hemmen,
sondern seinen Lauf in einer hilfreichen und konstruktiven Weise beeinflussen,
die unsere Werte, unsere nationalen Interessen und die Sache des Friedens fördert, über der sich schnell ändernden Welt hängt wie eine Gewitterwolke im
Sommerhimmel die schreckliche Macht der Kernwaffen.
Wir werden auch weiterhin bei der Gestaltung der Kräfte des Wandels mitwirken, die sich anbahnenden Probleme der nuklearen Proliferation und der konventionellen Waffenverkäufe erkennen und unsere große Stärke und unseren Einfluß einsetzen, um internationale Konflikte in anderen Teilen der Welt beizulegen, bevor sie akut werden und sich ausbreiten.
Wir
- 8 -

�Wir haben nicht den Wunsch, den Weltpolizisten zu spielen,

Amerika

möchte vielmehr der Friedensstifter der Welt sein.

Wir legen die Grundlage für eine wahrhaft global Zusammenarbeit - nicht
nur mit den westlichen Nationen und den Industrieländern, sondern auch mit den
Entwicklungsländern.

Unsere Bindungen mit Japan und unseren europäischen Ver-

bündeten sind stärker als je zuvor, und das gilt auch für unsere freundschaftlichen Beziehungen zu den Völkern Lateinamerikas, Afrikas, des westlichen Pazifik und Asiens.

Wir haben mit den Panamakanal-Verträgen in der westlichen Hemisphäre neuen Respekt gewonnen.

Wir haben innerhalb der Entwicklungswelt neues Vertrauen

gewonnen durch unsere Ablehnung des Rassismus, unser Eintreten für die Menschenrechte und unsere Unterstützung der Mehrheitsregierung in Afrika.
Die Multilateralen Handelsverhandlungen stehen nunmehr vor einem erfolgreichen Abschluß, und ihre Billigung durch den Kongreß ist entscheidend wichtig für das wirtschaftliche Wohlergehen sowohl unseres Landes als auch der
Welt.

Dies wird eine unserer Hauptprioritäten für 1979 sein.

Wir treten in eine hoffnungsvolle Ära unserer Beziehungen mit einem Viertel der Weltbevölkerung ein, die in China lebt.

Der Besuch des Stellvertre-

tenden Ministerpräsidenten Deng Xiaoping in der nächsten Woche wird dazu beitragen, diese neue Ära einzuleiten.

Und mit prompten Maßnahmen des Kongresses

hinsichtlich der Billigung einer entsprechenden Gesetzgebung

werden wir un-

sere Verpflichtung für ein gedeihliches, friedliches und sicheres Leben der
Menschen auf Taiwan fortführen.

Ich bin dankbar dafür, daß im vergangenen Jahr - wie auch schon im Jahr
davor - kein Amerikaner auf einem Schlachtfeld irgendwo in der Welt sein Leben gelassen hat.

Und im Iran, in Nikaragua, auf Zypern, in Namibia und in

Rhodesien bemüht sich unser Land um friedliche Lösungen für gefährliche Konflikte.
_Im
- 9 -

�Im Nahen Osten waren wir unter schwierigsten Umständen bemüht, alten
Feinden dabei zu helfen, tiefwurzelnde Differenzen beizulegen, die vier
bittere Kriege zu unseren Lebzeiten ausgelöst haben.
Unser festes Eintreten für den Fortbestand und die Sicherheit Israels
wurzelt in unseren tiefsten Überzeugungen sowie in dem Wissen um die strategische Bedeutung eines stabilen Nahen Osten für unser eigenes Land.

Um Frie-

den und Aussöhnung in diesem Gebiet zu fördern, müssen wir das Vertrauen und
die Zuversicht sowohl Israels als auch der arabischen Länder behalten, die
aufrichtig nach Frieden suchen.
Ich bin fest entschlossen, den vollen

nützlichen Einfluß unseres Landes

einzusetzen, damit die kostbare Gelegenheit für einen dauerhaften Frieden
zwischen Israel und Ägypten nicht verloren geht.
Die neue Grundlage der von uns angestrebten internationalen Zusammenarbeit schließt kein Land aus. Die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion dient
der Sache des Friedens, denn im Atomzeitalter muß der Weltfriede den Frieden
zwischen den Supermächten einschließen, und er muß die Kontrolle der Kernwaffen bedeuten.
Vor zehn Jahren trafen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die
historische Entscheidung, die Gespräche über die Begrenzung strategischer
Rüstungen, SALT, zu eröffnen. Ziel und Zweck von SALT, damals wie heute,
ist nicht, einen einseitigen Vorteil für irgendeine Nation zu erlangen, sondern die Sicherheit beider Nationen zu schützen, das kostspielige und gefährliche nukleare Wettrüsten ins Gegenteil zu verkehren, ein stabiles Gleichgewicht der nuklearen Kräfte zu erhalten und einer besorgten Welt zu zeigen,
daß wir entschlossen sind, an der Wahrung des Friedens mitzuwirken.
Das erste SALT-Abkommen wurde 1972 abgeschlossen.

Seit dieser Zeit

sind in sechsjährigen Verhandlungen - sowohl unter republikanischen wie unter demokratischen Präsidenten - fast alle Fragen von SALT II gelöst worden.
Wenn die Sowjetunion weiterhin guten Willens verhandelt, dann wird ein SALT- 10 -

�SALT-Abkommen erreicht werden, das zu verantworten ist.

Es ist wichtig, daß das amerikanische Volk den Charakter des SALT-Prozesses versteht,

SALT II basiert nicht auf Gefühlen

Es basiert auf Selbstinteresse

sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Sowjetunion

Beide Länder haben

ein mächtiges gemeinsames Interesse an der Verringerung der Drohung eines
nuklearen Krieges,

Ich werde kein Abkommen unterzeichnen, das nicht unsere

nationale Sicherheit fördert.

SALT II wird nicht von Vertrauen abhängig sein
sein,,

Es wird verifizierbar

Wir verfügen über sehr moderne und bewährte Möglichkeiten, einschließ-

lich unserer Satelliten, um festzustellen, ob die Sowjetunion ihren Vertragsverpflichtungen nachkommt

Ich werde kein Abkommen unterzeichnen, das nicht

verifiziert werden kann

Die nukleare Abschreckungsmacht Amerikas wird nach SALT II stark bleiben.
Beispielsweise trägt eines unserer relativ unverwundbaren Poseidon-Unterseeboote allein - weniger als zwei Prozent unserer gesamten nuklearen Macht an
Unterseebooten, Flugzeugen sowie landgestützten Raketen - genug Gefechtsköpfe, um jede große und mittlere Stadt in der Sowjetunion zerstören zu können.

Unsere Abschreckungsmacht ist überwältigend, und ich werde kein Abkom-

men unterzeichnen, wenn unsere Abschreckungskraft nicht überwältigend bleibt.

Ein SALT-Abkommen kann eine kluge Diplomatie oder eine starke Verteidigung nicht ersetzen, und es wird auch nicht d'e Gefahr eines nukTearen Krieges
beenden,

Aber es wird ganz gewiß diese Gefahr vermindern.

Es wird unsere

Bemühungen stärken, die Nuklearversuche zu ächten und die Verbreitung von
Kernwaffen an andere Länder zu beenden.

Und es kann der Beginn sein für den

Verhandlungsprozeß über neue Abkommen, die die nuklearen Rüstungen weiterhin
begrenzen werden

Der

�Der Weg zu einer Rüstungskontrolle, die sich auf eine starke Verteidigung stü.zt - ein Weg, den unser Land und jeder Präsident seit 30 Jahren eingeschlagen haben - kann zu einer Welt des Rechtes und der internationalen Verhandlungen und Konsultationen führen, in der alle Völker in Frieden leben
können.

In diesem Jahr 1979 ist nichts wichtiger, als daß der Kongreß und das
Volk der Vereinigten Staaten entschlossen sind, zusammen mit mir auf diesem
Weg der nuklearen Rüstungskontrolle und des Friedens voranzuschreiten-

Das

ist von allergrößter Bedeutung.

Ich habe hier einige der Veränderungen erläutert, die die Welt umgeformt
haben und die auch heute weiterwirken.
den Wandel nicht zu fürchten.

Aber wir brauchen die Veränderung und

Die Werte, auf denen unsere Nation gegründet

wurde - Freiheit des einzelnen, Selbstbestimmung, d'e Möglichkeit einer menschlichen Erfüllung in Freiheit - alle diese Werte gelten weiterhin.

W-»r finden

ein Lob für diese demokratischen Prinzipien sqgar in Büchern, die aus totalitären Staaten herausgeschmuggelt werden, oder auf Plakaten und Wandzeitungen
in Ländern, von denen wir dachten, daß sie unserem Einfluß verschlossen seien.

Unser Land hat seinen besonderen Platz bei der Führung eines weltweiten
Kampfes für die Menschenrechte wieder eingenommen.

Und das ist eine Verpflich-

tung, die wir im eigenen Lande genauso einhalten müssen wie draußen in der
Welt.
freit.

Die Bürgerrechtsrevolution hat alle Amerikaner, schwarz wie weiß, beAber ihre

vollen Verheißungen sind immer noch nicht verwirklicht.

Ich werde auch weiterhin mit all meiner Kraft für gleiche Möglichkeiten und
Chancen für alle Amerikaner arbeiten - und für positive Maßnahmen für diejenigen, die die besondere Last tragen, daß ihnen in der Vergangenheit die
Chancengleichheit verwehrt wurde.

Wir treten weiterhin für eine Verbesserung

unserer Arbeitsgesetzgebung ein, um die Rechte aller amerikanischen Arbeiter
besser zu schützen.

Und unser Land muß durch die Ratifizierung des Verfassungs-

zusatzes über die Gleichheit der Rechte klarstellen, daß die Rechte der Frauen als Bürger aufgrund der Gesetze unseres Landes garantiert werden.
Solange
- 12 -

�Solange ich Präsident bin, wird hier im eigenen Lande wie auch in der
ganzen Welt Amerikas Beispiel und Amerikas Einfluß eingesetzt wenden, um die
Sache der Menschenrechte zu fördern.
Um die Grundlage für diese Werte zu legen, hat vor zwei Jahrhunderten
eine kühne Generation von Amerikanern ihr Eigentum, ihre Stellung und selbst
ihr Leben aufs Spiel gesetzt.
Wir sind ihre Erben. Und sie senden uns eine Botschaft über die Jahrhunderte hinweg. Die Worte, die sie so deutlich artikuliert haben, werden
jetzt langsam undeutlich, weil sie nicht oft genug gehört werden. Es sind
Worte wie Gerechtigkeit, Gleichheit, Einigkeit, Opfer, Freiheit, Glauben und
Liebe.
Diese Worte erinnern uns daran, daß es die Pflicht unserer Generation
von Amerikanern ist, den Glauben unserer Nation zu erneuern - nicht nur gegen Drohungen von außen gerichtet, sondern gegen Selbstsucht, Zynismus und
Apathie. Die neue Grundlage, von der ich heute abend gesprochen habe, kann
uns helfen, eine Nation und eine Welt zu schaffen, in der jedes Kind genug
an Nahrung und Ausbildung hat und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken kann,
in der die Ressourcen, die jetzt für den Krieg vergeudet werden, den menschlichen Erfordernissen zugeführt werden, in der alle Menschen genug zu essen,
ein anständiges Heim sowie Schutz vor Krankheiten haben. Sie kann uns helfen,
eine Nation und eine Welt zu schaffen, in der alle Völker die Freiheit haben,
nach der Wahrheit zu streben und einen Beitrag zur menschlichen Verständigung
zu leisten, damit wir alle unser Leben in Frieden leben können.
Heute abend ersuche ich Sie, sich mir bei der Schaffung dieser neuen
Grundlage - einer besseren Grundlage - für unser Land und unsere Welt anzuschließen.
*

+ + + + +

- 13 -

�</text>
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3
I 3

1

und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. Januar 1979

INHALT

WIRTSCHAFT

DER WIRTSCHAFTSBERICHT PRÄSIDENT CARTERS
- Auszüge -

Um Ubcr/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. Januar 1979

DER WIRTSCHAFTSBERICHT PRÄSIDENT CARTERS
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat dem amerikanischen Kongreß am
25. Januar 1979 seinen Wirtschaftsbericht übermittelt, in dem er zu einem
verstärkten Kampf gegen Inflation, Verschwendung und Unfähigkeit aufruft.
Wir geben nachstehend wesentliche Auszüge aus diesem Bericht im Wortlaut
wieder:
Als ich vor zwei Jahren das Präsidentenamt übernahm, hatte unsere Wirtschaft schwer zu ringen, um aus der tiefen Rezession der Jahre 1974/75 herauszukommen. Es herrschte eine weitverbreitete Arbeitslosigkeit, und ein
erheblicher Teil unserer industriellen Produktionskapazität lag brach.
Heute stehen 7 Millionen mehr Amerikaner im Erwerbsleben, und die Fabriken überall im Lande haben wieder einen hohen Güterausstoß zu verzeichnen.
Die inflationsbereinigten Einkommen der privaten Haushalte sind beträchtlich
gestiegen, das gleiche gilt auch für die Unternehmensgewinne.
Die Aufgabe, vor die wir uns jetzt gestellt sehen,ist, eine Wirtschaft
beizubehalten, die nahezu mit voller Kapazität arbeitet - die Prosperität

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�t

Prosperität aufrechtzuerhalten und die Früchte unserer Leistungen gleichmäßiger auf alle Bürger zu verteilen.
Selbst unter den bestmöglichen Umständen erfordert die Ausarbeitung
einer Wirtschaftspolitik zur Lösung dieser Aufgaben Mäßigung und eine sorgfältige Auswahl der Methoden.

Die Entwicklung geeigneter Politiken wurde

durch die Beschleunigung der Inflation im vergangenen Jahr und die Verlangsamung des Produktivitätszuwachses, die teilweise für erstere verantwortlich
war, noch kompliziert.
Mein Wirtschafts- und mein Haushaltsprogramm sind direkt auf die wirtschaftlichen Realitäten zugeschnitten, mit denen wir heute konfrontiert sind.
Sie beruhen auf vier Grundsätzen:
Erstens muß die Eindämmung der Inflation unsere erste wirtschaftliche
Priorität sein.

Die Inflation gefährdet den während der letzten beiden Jahre

erzielten Beschäftigungs- und den Einkommenszuwachs.

Wir müssen tatkräftig

und wirkungsvoll handeln, um die Inflation zu bekämpfen, und wir müssen darin
solange fortfahren, bis die Schlacht gewonnen ist.
Zweitens muß die Regierung mehr leisten. Die Eindämmung der Inflation
wird Mäßigung in der Haushaltpolitik erfordern und ein bescheideneres wirtschaftliches Wachstum bedingen. Angesichts des sehr geringen Produktivitätszuwachses wird der Lebensstandard nicht mehr so rasch steigen, wie in den
vergangenen zwei Jahren. In einem solchen Wirtschaftsklima sind Verschwendung, Ineffizienz oder falsch gesetzte Prioritäten einfach untragbar. Es
ist heute wichtiger als je zuvor, daß unsere Regierung sowohl in ihren Haushaltsprogrammen als auch bei allen Eingriffen bestmöglichen Gebrauch von den
ihr zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln macht und sich besserer und
weniger kostspieliger Methoden bedient, um unsere nationalen Zielsetzungen
zu verwirklichen.
Drittens

�Drittens dürfen wir die Inflation nicht auf Kosten der am ehesten verletzlichen Mitglieder unserer Gesellschaft verringern, nämlich der Armen, der
Alten und jener, denen es schwer fällt, selbst in e^'ner Vollbeschäftigungswirtschaft e'-nen Arbeitsplatz zu fanden

Wir sind ein Volk erfüllt vom Mit-

gefühl für andere, das sich der Fairness verschrieben hat, Wir werden diejenigen, die unserer Hilfe am meisten bedürfen, nicht aus den Augen verlieren.
Viertens muß unsere Politik die Tatsache widerspiegeln, daß die Vereinigten Staaten ein sehr wichtiger Teil einer engverflochtenen Weltwirtschaft sind.
Wir werden auch weiterhin eine Innenpolitik betreiben und andere notwendige
und angemessene Maßnahmen ergreifen, um die Stärke und Stabilität des Dollar
zu wahren,und wir werden uns mit anderen Ländern in dem Bemühen zusammenschließen, eine offene und expandierende Weltwirtschaft zu fördern.
In den vor uns liegenden Monaten werden wir eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß die von dieser Regierung betriebene Politik
im Einklang mit diesen vier Prinzipien steht. Das Budget für 1980 mußte sehr
eingeschränkt werden, und ich beabsichtige sicherzustellen, daß eine Haushalt- und Steuerpolitik der strengen und maßvollen Zurückhaltung beibehalten
wird. Das Budget muß aber die Weiterführung und Stärkung unserer wichtigsten
Programme ermöglichen, und ich trete nachdrücklich für diese Programme ein.
Um den Kampf gegen die Inflation zu verstärken, befürworte ich eine umgehende
Annahme meines Programms zur Sicherung des Reallohns und meiner Vorschläge
zur Dämpfung der Krankenhauskosten und zur Reform regulativer Bestimmungen.
Ich werde mich auch weiterhin um die Zusammenarbeit und Mithilfe des
amerikanischen Volkes im Kampf gegen die Inflation bemühen.

Im Oktober vergan-

genen Jahres schlug ich ein Programm von Preis- und Lohrnormen vor, das dem
Zweck dient, die Preis-Lohn-Spirale zu durchbrechen, die unsere Volkswirtschaft
seit über einem Jahrzehnt plagt„

Dieses Programm genießt die nachdrückliche

Unterstützung des amerikanischen Volkes, und ich werde alle möglichen Anstrengungen unternehmen, mir seine weitestmögliche Zusammenarbeit auch in den kommenden Jahren zu sichern.
Die

�I

Die Lohn- und Preisnormen mahnen jeden Amerikaner, Mäßigung zu üben.
Jeder Amerikaner darf deshalb von der Regierung erwarten, daß ihre eigenen
Maßnahmen die freiwilligen Anstrengungen zur Eindämmung der Inflation begünstigen und nicht unterminieren.

Die standhafte Wahrung der Disziplin

in der Haushalt-, Steuer- und Währungspolitik und die Begrenzung der inflatorischen Auswirkungen anderer staatlicher Maßnahmen sind entscheidende
Voraussetzungen für den Erfolg des Anti-Inflationsprogramms.

Gemeinsam kön-

nen die Maßnahmen der Regierung und das Verhalten der Privatwirtschaft eine
neue Grundlage für eine andauernde Prosperität schaffen.

Fortschritte und Probleme im Jahr 1978
Zu meinen ersten Maßnahmen nach dem Amtsantritt gehörten Schritte, das
wirtschaftliche Wachstum zu fördern und die Rückkehr zu einer Vollbeschäftigungswirtschaft zu beschleunigen... Im Jahr 1977 stieg unsere Wirtschaftswachstumsrate gegenüber dem Vorjahr um knapp ein Prozent, 1978 erhöhte sich
der Ausstoß unseres Landes an Waren und Dienstleistungen um den gesunden Satz
von 4,25 Prozent. Heute schöpft unser Land seine Industriekapazität weit stärker aus als vor einem Jahr.
Im Vorjahr wurden 3 Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen. Heute
steht ein größerer Prozentsatz unseres Volkes im Arbeitsprozeß als je zuvor
in unserer Geschichte. Der Beschäftigungszuwachs war in den letzten beiden
Jahren besonders stark bei Frauen und Angehörigen von Minderheitengruppen.
Die Arbeitslosigkeit verringerte sich 1978 auf weniger als 6 Prozent
des Arbeitspotentials.

Es waren im Dezember 1978 nahezu eineinhalb Millionen

Amerikaner weniger arbeitslos als zwei Jahr zuvor.

Die Arbeitslosigkeit unter

Minderheitenangehörigen ist ebenfalls rückläufig von dem hohen Stand, den sie
in der frühen Phase der wirtschaftlichen Gesundung erreicht hatte, wobei diese Bevölkerungsgruppen aber noch immer einen unverhältnismäßig hohen Anteil
an der Last der Arbeitslosigkeit tragen.
Der

�Der Beschä'ftigungs- und Produktionszuwachs bescherte den meisten Amerikanern 1978 erhebliche Einkommenssteigerungen.

Das inflationsbereinigte ver-

fügbare Personaleinkommen stieg während der vier Quartale des letzten Jahres
um über 3 Prozent.

Das Einkommen der Farmer unseres Landes, das 1976 und

1977 stark gedrückt war, verzeichnete einen spürbaren Auftrieb.

Die Unternehmensgewinne erhöhten sich 1978 um über 10 Prozent, was
wiederum die Vorbedingungen für eine anhaltende Zunahme der Investitionen
schuf, die für Produktivitätssteigerungen und eine gesunde Wirtschaftsexpansion erforderlich sind.

Auch die Investitionen der Wirtschaft in neue An-

lagen und Ausrüstungen sind 1978 gestiegen, so daß der Anteil der Gesamtproduktion des Landes, der für Zwecke der Kapitalbildung aufgewandt wird, den
höchsten Stand in vier Jahren erreichte.

Die Prosperität unseres Landes ruht, nach den meisten Indices zu urteilen, auf einer soliden Grundlage.
ende noch immer stark.

Unsere Volkswirtschaft wuchs zu Jahres-

Der expansive Schwung wird zu Anfang dieses Jahres

dank der im Einkommensteuergesetz von 1978 verfügten Senkung der Steuern
auf das Einkommen und die Unternehmensgewinne weiter anhalten.

Im vergange-

nen Jahr wie in früheren Jahren der Wiedergesundung verlief der Prozeß der
wirtschaftlichen Expansion relativ ausgewogen.

Industrieunternehmen und Fi-

nanzinstitute sind in guter finanzieller Lage.

Zu Verknappungen und Spekula-

tionskäufen kommt es so gut wie nicht.

Dennoch stellt die Inflation eine

ernste Bedrohung der anhaltenden wirtschaftlichen Gesundheit des Landes dar.
Wenn wir Fortschritte im Abbau der Inflation erzielen, sind die Aussichten
auf einen erfolgreichen Obergang von einer Periode der wirtschaftlichen Erholung
zu einer Periode eines bescheidenen aber anhaltenden Wachstums gut.

Seit über zehn Jahren sieht sich unser Land, wie viele andere Länder,
einer hartnäckigen Inflation ausgesetzt.

Im Verlauf des Jahres 1978 hat

sich das Problem der Inflation bei uns verschlimmert.

Die Verbraucherpreise

stiegen um etwa 9 Prozent - eine hohe Zunahme gegenüber der Inflationsrate
von 6,75 Prozent im Jahr 1977.

Die Lohnerhöhungen fielen ebenfalls höher aus,

und die Gestehungskosten stiegen sogar noch stärker, weil sich der Produkti-

�.

Produktivitätszuwachs stark abschwächte.
Die Bemühungen zur Eindämmung der Inflation erhielten 1978 höchste
Dringlichkeit zugesprochen.

Ich empfahl im Mai dem Kongreß, die von mir vor-

geschlagenen Steuersenkungen um 5 Milliarden Dollar zu verringern und 3 Monate aufzuschieben.

Im Oktober unterbreitete ich ein starkes und umfassendes

Programm zur Bekämpfung der Inflation.

Kurz darauf ergriff unser Land im Zu-

sammenarbeit mit anderen Ländern eine Reihe von Maßnahmen, um den Dollar im
Ausland zu stärken und darüber hinaus zur Verringerung der Inflation in unserem Land beizutragen.

Die Inflation im Jahr 1978
Der Anstieg der Inflation im vergangenen Jahr rührte aus mehreren Quellen
her.

Ein kalter Winter wirkte sich auf die Nahrungsmittel Versorgung und

-preise aus. Die Abwertung des Dollar

auf ausländischen Devisenmärkten

wirkte sich preiserhöhend auf die Einfuhren und auf die Produkte amerikanischer
Hersteller aus, die im Wettbewerb mit Einfuhrgütern stehen.

Die Preise für

Boden und Baumaterialien wurden von der starken Nachfrage nach neuen Wohnungen
hochgetrieben, und auch der Anstieg der Hypothekenzinssätze wirkte sich beim
Kauf von Wohnungen preissteigend aus.

Die kumulativen Auswirkungen von staat-

lichen Gesetzen und Bestimmungen haben während der letzten Jahre den Kostendruck noch weiter verstärkt.
Zu einem großen Teil war die Verschlimmerung der Inflation im vergangenen
Jahr aber dem geringen Zuwachs der Arbeitsproduktivität zuzuschreiben.

Im

letzten Jahrzehnt oder länger hat sich der Produktivitätszuwachs abgeflacht.
Gegen Jahresende 1977 und das ganze Jahr 1978 über nahm die Verlangsamung des
Produktivitätszuwachses ernste Formen an.

Im vergangenen Jahr erhöhte sich

die Produktivität unserer Wirtschaft nur um knapp 1 Prozent.

Die

�Die Gründe für d e Abschwächung des Produktivitätszuwachses in unserem
Lande, L id der besonders niedrige Zuwachs im vergangenen Jahr sind vielschichtiger Natur und nicht vol"1 und ganz verständlichbekannt.

Die Folgen aber sind wohl-

Angesichts eines verminderten Produktivitätszuwachses kann unser Le-

bensstandard sowohl für den einzelnen als für das Volk insgesamt nicht mehr so
rasch wie bisher steigen.

Ein geringerer Produktivitätszuwachs aber bedeutet,

daß die Mittel, die für die Durchführung von Regierungsprogrammen zur Verfügung
stehen, knapp werden..

Ei" bedeutet ferner, daß hohe Lohn- und anderweitige

Einkommenssteigerungen einen stärkeren Druck auf Kosten und Preise ausüben.
Wollten wi&gt; die Realitäten eines geringeren Produktivitätszuwachses übergehen
- und würde die Regierung unvermindert hohe Ansprüche an unsere finanziellen
Ressourcen stellen und die Bürger damit fortfahren, auf größere Erhöhungen
ihrer Geldeinkommen zu pochen - wird sich das Problem der Inflation weiter
verschärfen.

Der Kampf gegen die Inflation

Die Inflation schädigt jeden einzelnen hier im Lande.

Sie bedeutet, daß

die Lohn- und Gehaltszahlungen nicht mehr so viel wert sind wie früher.

Sie

bedeutet ferner, daß Sparguthaben, die für die Zeit des Ruhestandes oder für
die Ausbildung von Kindern angesammelt worden sind, nicht mehr ausreichen.
Viele arme und ältere Menschen müssen erleben, wie die Preise für Nahrungsmittel,
Unterkunft und Heizung rasch steigen, während ihr eigenes Einkommen nur langsam oder überhaupt nicht wächst.

Und diese Probleme sind so akut, daß sie

höchste Anstrengungen erforderlich machen, die Inflation zu vermindern.

Stei-

gende Preise und Kosten haben zudem zusätzliche und sehr ernste Auswirkungen
auch auf unsere Wirtschaft als Ganzes.
Die Inflation t&lt;"e7'bt die Zinssätze in die Höhe, sie höhlt d^e Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie und den Wert unseres Dollar im Ausland aus.

Das

Vertrauen der Wirtschaft in die Zukunft wird vermindert, und Investitionspläne
werden umgestoßen.

Das Vertrauen der Verbraucher in ihre eigene Zukunft wird

- 7 -

�wird untergraben.

Früher oder später werden diese Auswirkungen der Inflation

die Grundlage für die wirtschaftliche Expansion unterminieren und eine anhaltende Prosperität unmöglich machen.
Schließlich werden die korrodierenden Auswirkungen der Inflation an den
Banden nagen, die uns als Volk einen ... In einer Zeit der Inflation beobachtet
jeder einzelne frustriert, wie der Wert der Lohnzahlung der vergangenen Woche
oder der der höheren Sozialversicherungszahlung vom vergangenen Monat im weiteren Verlauf des Jahres aufgrund eines Porzesses schwindet, auf den er selbst
keinerlei Einfluß hat ... Die Zukunft ist ohnehin ungewiß und die Realisierung
unserer Pläne unterliegt ohnehin niemals gänzlich unserer eigenen Kontrolle.
Wenn der Wert des Maßstabes, nach dem wir uns in unserer Planung richten die Kaufkraft des Dollar

-, einem stärkeren und unvorhersagbaren Schrumpfungs-

prozeß unterliegt, dann entgleitet ein weiteres Element der Gestaltung der eigenen Zukunft unseren Händen.

Man braucht sich nicht zu wundern, daß darüber

das Vertrauen in die Regierung und in die sozialen Institutionen schwindet.
Aus allen diesen Gründen muß die Eindämmung der Inflation nunmehr wichtigstes Anliegen der Wirtschaftspolitik sein.

Politische Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung
Das erste Element in unseren Anstrengungen zur Verringerung der Inflation
muß eine feste, anhaltende und sorgfältig angewandte fiskalische und monetäre
Zurückhaltung sein. Wir sind in einen Zeitraum eingetretenen dem die hohe
Rate des wirtschaftlichen Wachstums, die wir erlebten, als der Spielraum ungenutzter Ressourcen größer war, nicht mehr zutrifft. Wir werden die notwendige
Zurückhaltung üben und daran festhalten.
Wir werden nicht versuchen, die Inflation aus unserem Wirtschaftssystem
herauszupressen, indem wir eine Politik verfolgen, die eine Rezession herbeiführen würde.

Eine solche Handlungsweise wäre unfair.

Sie würde die schwerste

Last des Kampfes gegen die Inflation jenen aufbürden, die sie am wenigsten

�wenigsten tragen können.

Und es wäre auch eine unwirksame Methode.

Schon

zweimal im zurückliegenden Jahrzehnt hat sich die Inflation beschleunigt mit
einer darauffolgenden Rezession.

Aber jede Rezession hat nur eine begrenzte

Erleichterung von der Inflation gebracht.

Der unterschwellige Druck hinter

steigenden Preisen und Kosten blieb weiterhin stark,und wenn der Wiederaufschwung begann, begann sich auch die Inflation wieder zu beschleunigen.
Politik des ständigen Bremsens und Gasgebens funktioniert nicht.

Eine

Ein erfolg-

reiches Anti-Inflationsprogramm muß einen langen Atem haben, um mit einem
langfristigen Inflationsproblem fertigzuwerden.

Unser Programm entspricht

diesen Anforderungen.

Als ich im Oktober vorigen Jahres meine Anti-Inflationsinitiativen bekanntgegeben habe, versprach ich eine zurückhaltende Haushaltspolitik für das
Finanzjahr 1980.

Ich habe dieses Versprechen gehalten.

Das zentrale Ele-

ment meines fiskalischen Programms ist die strenge Kontrolle der Ausgaben
des Bundes:
- Das Wachstum der Bundesausgaben wird eingeschränkt werden.

Wie 1979

werden die Ausgaben des Bundes im kommenden Haushaltsjahr real um beträchtlich weniger als ein Prozent steigen.

- Der Anteil des Bruttosozialprodukts, der durch Bundesausgaben bestritten wird, wird im Haushaltsjahr 1980 auf etwa 21 Prozent zurückgehen - ein
ganzes Jahr früher,als ich ursprünglich angekündigt hatte.

Ein eingeschränktes Wachstum der Bundesausgaben zusammen mit den Einkünften aus einer mäßig wachsenden Wirtschaft werden das Haushaltsdefizit
im Haushaltsjahr 1980 auf 29 Milliarden Dollar senken - weniger als die Hälfte
als in dem Jahr, bevor ich mein Amt antrat.

Dieser Kurs in der Haushaltspoli-

tik wird die maßvolle Zurückhaltung bewirken, die notwendig ist.

übertriebene

Anforderungen an die Ressourcen der Nation werden vermieden werden.

Das

Wachstum der Wirtschaftstätigkeit wird sich etwas unter den Anstieg des Wirtschaftspotentials des Landes verlangsamen.
Diese
- 9 -

�Diese Maßnahmen der Haushaltspolitik werden durch eine feste und sorgfältige Zurückhaltung in der Währungspolitik seitens der amerikanischen Bundesbank (Federal Reserve Board) ergänzt. Auf diese Weise unterstützen sich
Währungs- und Haushaltspolitik gegenseitig in der Bekämpfung des inflationistischen Druckes und in der Förderung einer gesunden und stabilen Wirtschaft.

Andere Regierungsmaßnahmen
Ich werde noch weitere Schritte unternehmen, um die inflationären Auswirkungen von Regierungsmaßnahmen zu verringern.

Ich habe die Behörden in

der Exekutive angewiesen, besonders darauf zu achten, daß gewährleistet wird,
daß die Verordnungen, die sie herausgeben, der Öffentlichkeit keine unnötigen Belastungen auferlegen, und ich werde die im Jahre 1978 in Gang gesetzten
Bemühungen fortsetzen, um den Prozeß des Erlasses von Verordnungen zu verbessern.
Im vorigen Jahr hat die Aufhebung der Verordnungen für die Luftfahrtgesellschaften dem amerikanischen Verbraucher die Vorteile wesentlich niedrigem
Preise und bessere Dienstleistungen gebracht. In diesem Jahr habe ich die
Absicht, die Billigung einer Gesetzgebung zur Erhöhung der Konkurrenz bei
den Eisenbahnlinien und den Lastwagengesellschaften durch den Kongreß anzustreben. Ich werde dem Kongreß Gesetzesvorlagen für die Reform des Prozesses
vorlegen, durch den Verordnungen von Bundesbehörden ausgearbeitet werden, um
den Nachdruck auf eine sorgfältige Abwägung von Kosten und Nutzen zu erhöhen.
Die Regierung muß im Kampf gegen die Inflation ein deutliches Beispiel
geben.

Aus diesem Grunde habe ich im vorigen Jahr angeordnet, daß die Lohn-

und Gehaltserhöhungen für Bundesbedienstete 5,5 Prozent nicht übersteigen
dürfen und daß für Neueinstellungen strenge Einschränkungen verfügt werden.
Diese

- 10 -

�Diese Maßnahmen der Regierung werden zwar für sich allein der Inflation
kein Ende setzen, aber sie sind unerläßlich.

Sie können ein Klima schaffen,

das zur freiwilligen Zusammenarbeit mit den Lohn- und Preisnormen ermutigt.
Ohne Zurückhaltung seitens der Regierung könnte der Druck einer überhitzten
Wirtschaft sehr leicht die besten Anstrengungen von Unternehmen und Arbeitern
zunichte machen, den Lohn- und Preisanstieg zu verringern.

Es wird jedoch

einer breiten Mitarbeit des Privatsektors bedürfen, wenn die freiwillige Anstrengung zur Senkung der Inflation Erfolg haben soll.

Freiwillige Lohn- und Preisnormen
Die freiwilligen Lohn- und Preisnormen fordern für dieses Jahr eine durchschnittliche Lohnzuwachsrate von sieben Prozent oder weniger. Ich habe auch
die Unternehmer ersucht, ihre durchschnittliche Preiszuwachsrate mindestens
ein halbes Prozent unter der durchschnittlichen Zuwachsrate von 1976/77 zu
halten. Wo eine solche Senkung der Preiszuwachsrate nicht möglich ist, sehen
die Normen Begrenzungen der Gewinnspannen vor.
Um diesen Normen zu entsprechen, müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber Zurückhaltung üben.

Diese Normen sind jedoch fair und flexibel. Wenn sie weit-

gehend eingehalten werden, wie ich es erwarte, können wir den Schwung des
Preis-Lohn-Zyklus umkehren und die Inflationsrate langsam senken.
Ich sehe ein, daß die Zusammenarbeit mit diesem Programm für die Arbeitnehmer, die sich an die Lohnnormen halten, Unsicherheiten bringt.

Sie könnten

verlieren, wenn andere sich nicht daran halten, oder wenn Kräfte, die außerhalb jeder Kontrolle stehen, dazu führen, daß die Preise wider Erwarten steigen.

Um den Arbeitnehmern eine gewisse Gewähr dafür zu bieten, daß jene, die

mitarbeiten, deswegen keine Verluste erleiden werden - und damit eine Motivation für eine breitere Einhaltung der Normen zu geben - habe ich dem Kongreß
ein Programm für die Reallohnsicherung vorgeschlagen.

Wenn die Inflation in

diesem Jahr mehr als sieben Prozent steigen sollte, dann werden im Rahmen dieses Programms jene Arbeitnehmer, die sich an die sieben-Prozent-Norm für die
- 11 -

�die Lohnerhöhungen gehalten haben, eine Steuervergünstigung in einer Höhe
erhalte., die der Differenz zwischen der tatsächlichen Inflationsrate und
sieben Prozent entspricht.

Diese Vergütung wird das Realeinkommen des Ar-

beitnehmers bei einem Anstieg der Inflation bis zu zehn Prozent garantieren
- eine weit höhere Rate, als zu erwarten ist.
Die Elemente meines Anti-Inflationsprogramms unterstützen und ergänzen
sich gegenseitig und sind darauf angelegt, unserem langfristigen Inflationsproblem anhaltend zu Leibe zu rücken.

Die freiwillige Mitarbeit mit den Lohn-

und Preisnormen ist von wesentlicher Bedeutung für die Umkehr der Inflationsentwicklung,

Die Regierung muß nachhaltige Maßnahmen ergreifen, um zu ver-

hindern, daß sie zu dem inflationistischen Druck beiträgt, wenn sie gewährleisten will, daß die Vorteile der freiwilligen Zurückhaltung voll erkannt
uriid verwirklicht werden.

Zusammen bieten diese politischen Maßnahmen die

beste Möglichkeit, den Kampf gegen die Inflation zu gewinnen.
Mein Anti-Inflationsprogramm wird die Gesundheit der Wirtschaft im Jahre
1979 in zweierlei Hinsicht fördern. Erstens, die Inflationsrate dürfte sich
in diesem Jahr verlangsamen - auf etwa 7,5 Prozent auf das ganze Jahr bezogen und auf etwas unter sieben Prozent zu Ende des Jahres. Zweitens, die Abschwächung der Inflation wird uns helfen, eine Rezession zu vermeiden, und
die Aussichten auf ein anhaltendes Wirtschaftswachstum im Jahre 1980 und darüber hinaus verbessern.
Im Laufe der vier Quartale 1979 dürfte die Produktion des Landes um etwa
2,25 Prozent steigen, was etwas unter dem potentiellen Wachstum der Wirtschaft
liegt. Dies dürfte ein wirtschaftliches Klima schaffen, in dem die Lohn- und
Preisnormen gute Aussichten auf Erfolg haben. Die Zahl der Arbeitskräfte wird
nachhaltig steigen,und die meisten neuen Arbeitskräfte werden auch Arbeitsplätze finden.
Ein weiterer Fortschritt der Senkung der Inflationsrate darf für 1980
erwartet werden, wenn die Auswirkungen des Anti-Inflationsprogramms konzentriert

- 12 -

�konzentriert spürbar werden.

Ein mäßiges Wachstum in dem kommenden Jahr

wird zusammen mit einem wesentlichen Fortschritt in der Bekämpfung der Inflation die Grundlage für eine anhaltende Prosperität schaffen.
In den Jahren nach 1980 können wir, wenn es uns gelingt, das Wachstum
der Bundesausgaben einzudämmen und die Inflationsrate zu senken, mit Steuersenkungen rechnen. Steigendes Realeinkommen und Inflation, selbst bei einem
verringerten Tempo, heben den Steuerzahler in höhere Steuerklassen und heben
damit den durchschnittlichen Steuersatz an. Sowohl um das wirtschaftliche
Wachstum aufrechtzuerhalten als auch um den Bürger von ungerechtfertigten
Steuerlasten zu befreien, werden von Zeit zu Zeit Steuersenkungen höchst wünschenswert sein.
Es wäre jedoch unklug - ja sogar sehr gefährlich - uns heute schon auf
irgendeine mechanische Formel für künftige Steuersenkungen festzulegen ...

Politische Maßnahmen im Dienst der Nation
In einer Zeit, in der das gesamte Wachstum der Haushaltsmittel streng
eingeschränkt werden muß, haben Haushaltsentscheidungen eine besondere Bedeutung. Ein gewisses reales Wachstum unseres Verteidigungshaushaltes ist wesentlichem unseren nationalen Sicherheitserfordernissen gerecht zu werden
und unsere internationalen Verpflichtungen angesichts der wachsenden militärischen Stärke unserer potentiellen Gegner zu erfüllen.
Im Rahmen des innenpolitischen Bereichs des Budgets habe ich den Bedürfnissen der Armen und Benachteiligten besonderen Vorrang eingeräumt ...
Besondere Aufmerksamkeit habe ich auch auf die Notwendigkeit gerichtet,
mit der Entwicklung alternativer Energiequellen, einschließlich der Sonnenenergie,voranzukommen und die Grundlagenforschung und Entwicklung anzuregen,
die in unserem Lande vernachlässigt wurde.
Die
- 13 -

�Die internationale Wirtschaft
Die Entwicklung im vorigen Jahr erinnerte uns erneut an die Interdependenz unserer Wirtschaft und der Volkswirtschaften anderer Länder in der ganzen Welt. Unsere Handelspartner betrachten unsere Fähigkeit, mit unseren
wirtschaftlichen Problemen im eigenen Lande fertig zu werden, als einen Indikator der Stärke und Führung, die sie von den Vereinigten Staaten erwarten
können.

Wir werden sie nicht enttäuschen.

Das Jahr 1978 war ein Jahr des bedeutsamen Fortschritts für die Weltwirtschaft.

Die Real Produktion begann in den Industriestaaten - außer den

Vereinigten Staaten - wieder anzusteigen.

Wichtige Initiativen in der inter-

nationalen Arena wurden in der Handelspolitik, in der Angleichung der Zahlungsbilanzen und auf den Geldmärkten ergriffen - alles unter dem Einfluß
der auf dem Bonner Wirtschaftsgipfel gezeigten Kooperation.
Ende 1978 und Anfang 1979 brachten und bringen den Gipfelpunkt der TokioRunde der Multilateralen Handelsverhandlungen. Diese Verhandlungen - die
1975 begannen und 1977 intensivert wurden - dürften zu der ersten umfassenden
Überarbeitung der Regeln für den internationalen Handel seit den sechziger
Jahren führen.
Die Notwendigkeit einer Neugestaltung des Handelssystems liegt auf der
Hand. Unser großes Außenhandelsdefizit stammt zu einem Teil aus dem Verlust
der Vitalität Amerikas auf den Weltmärkten. Aber es ist auch das Ergebnis
der Zollschranken und nicht-tarifären Handelsschranken unserer Handelspartner.
Im Laufe des kommenden Jahres werden im Rahmen eines endgültigen multilateralen
Handelsabkommens die Schranken in den Vereinigten Staaten und in den anderen
Ländern wechselseitig abgebaut werden.
Im Jahre 1979 werde ich eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um das endgültige multilaterale Handelsabkommen über die Bühne zu bringen, das zusammen
mit den Durchführungsgesetzen ein starkes Exportwachstum und einen freien und

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�und fairen Wettbewerb im Welthandel nach Regeln fordern wird, die sowohl gerecht als auch wirtschaftlich vernünftig sind.

Diese Maßnahmen werden einen

Rahmen für den Handel schaffen, der im kommenden Jahrzehnt unseren Lebensstandard heben wird.

In den letzten Jahren verzeichneten die Vereinigten Staaten ein ernstes
Zahlungsbilanzdefizit.

Unsere Importe stiegen sprunghaft in dem Maße, in dem

unsere Wirtschaft rasch wuchs und wir stark auf importiertes Erdöl zurückgriffen.

Unsere Exporte stagnierten wegen des langsamen Wirtschaftswachstums

in den anderen Ländern.

Diese Faktoren trugen zu einem Handelsdefizit bei,

das von etwa 10 Milliarden Dollar im Jahre 1976 auf eine Jahresrate von fast
45 Milliarden Dollar Anfang 1978 anwuchs. Als Ergebnis des scharfen Anstiegs
unseres Außendefizits und der Beschleunigung der Inflation in den Vereinigten
Staaten ging der Wert des Dollar auf den ausländischen Devisenmärkten im vorigen Jahr im wesentlichen zurück.

Wir haben wichtige Schritte unternommen, um das Defizit zu bereinigen.

- Ende 1978 verabschiedete der Kongreß das nationale Energiegesetz,
das erste umfassende Gesetz für die Bewältigung unserer Energieprobleme.

Dies

wird zu dem Ergebnis führen, daß unsere öl einfuhren bis 1985 um 2,5 Millionen
Barrel pro Tag gesenkt werden.

- Im Jahre 1978 gab ich die erste Phase einer nationalen Exportpolitik
bekannt.

Dadurch, daß wir einen Rahmen zur Verstärkung der Unterstützung

der Exporte und zur Senkung der Negativanreize der Exporte schaffen, können
wir anfangen»unseren Anteil am Welthandel zu steigern.

Eine fundamentale

Verbesserung unserer Handelsposition ist von entscheidender Bedeutung für
einen gesunden Dollar.

- Ein starkes und wirksames Anti-Inflationsprogramm steht uns jetzt zur
Verfügung.

Ein integraler Bestandteil dieses Programms, ist die Währungs-

und Haushaltspolitik, die die Expansionsrate der Wirtschaft mäßigen wird.

Die-

se Maßnahmen werden dazu beitragen, unser großes Außenhandelsdefizit abzubauen.
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�Diese politischen Entscheidungen begannen Ende 1978 Früchte zu tragen.
Unsere Exporte wachsen heute rascher als die Binnenwirtschaft.

Das Warenhan-

delsdefizit ging von einer Jahresrate von 38 Milliarden Dollar in der ersten
Hälfte des vorigen Jahres auf etwa zwei Milliarden Dollar in der zweiten
Hälfte 1978 zurück.

Die Verkleinerung des Defizits dürfte weiter anhalten,

und wir rechnen mit einer deutlichen Verbesserung der umfassenderen Position
auf den laufenden Konten.
Das Jahr 1978 war auch ein Jahr der ungewöhnlichen Instabilität auf den
internationalen Geldmärkten.

Im Herbst wurden die Kursbewegungen des Dollar

sehr unordentlich,und sein Wertverlust wurde eindeutig exzessiv.
Am 1. November gab ich eine Reihe von Maßnahmen bekannt, um die Ordnung
auf den ausländischen Devisenmärkten wieder herzustellen und den übertriebenen
Kursverfall des Dollar zu korrigieren.

Von den Vereinigten Staaten wurden

bis zu 30 Milliarden Dollar an Devisenmitteln bereitgestellt, um in Koordination mit anderen Ländern, die ihre eigenen Mittel einsetzen, dazu verwandt
zu werden, den Wert des Dollar auf den Devisenmärkten zu schützen.

Die Zins-

sätze in den Vereinigten Staaten wurden beträchtlich erhöht, um dazu beizutragen, die Inflation zu senken und den Dollar auf den Devisenmärkten zu stärken.

Und die Vereinigten Staaten unterstrichen ihre Verpflichtung, ihr In-

flationsproblem anzupacken und ihre grundlegende wirtschaftliche Position zu
stärken.
Diese Maßnahmen haben das Klima auf den Devisenmärkten verbessert und zu
einem Anstieg des Dollarkurses beigetragen. Sie haben, was auf lange Sicht
noch wichtiger ist, dazu beigetragen, stabilere Verhältnisse auf den Devisenmärkten zu schaffen, unter denen der Wert des Dollar der fundamentalen Stärke
der amerikanischen Wirtschaft besser Ausdruck verleihen kann.
Im Jahre 1978 wurde auch ein Fortschritt in einer engeren wirtschaftlichen
Zusammenarbeit der führenden Industrienationen

erzielt.

Ich traf in Bonn

mit den Führern der sechs führenden Industriestaaten zusammen, um mit ihnen

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�ihnen über die großen wirtschaftlichen Probleme zu sprechen, vor denen wir
stehen.

Daraus resultierte ein konzertiertes Aktionsprogramm zur Wiederher-

stellung eines größeren Gleichgewichts und Vertrauens in die internationale
Wirtschaft und auf den Geldmärkten der Welt.

Zusammen haben wir die not-

wendigen Schritte unternommen, um diese Ziele zu erreichen - die Vereinigten
Staaten verpflichteten sich, die Inflation zu bekämpfen und ^hre öleinfuhren
zu verringern.

Die Bundesrepublik Deutschland und Japan verpflichteten sich

zu verstärktem Wachstum und zum Abbau der Handelsüberschüsse, andere verpflichteten sich, Maßnahmen zur Förderung des Handels oder zur Bekämpfung der Inflation zu ergreifen.

Nur durch eine anhaltende wirtschaftliche Zusammenarbeit

und gesunde Politiken können wir das Ziel der Vollbeschäftigung und Preisstabilität erreichen, das unser letztliches Ziel ist.

Ausblick auf die Zukunft
Im Laufe dieses kommenden Jahres haben wir als Nation die Chance und die
Möglichkeit, unsere Wirtschaft zu stärken und die Grundlage für eine anhaltende Prosperität zu schaffen.
bemerkenswert.

Die Gewinne der beiden letzten Jahre waren

Wir haben im eigenen Lande große Fortschritte bei der Erholung

von der Rezession gemacht,und wir haben die Position der Vereinigten Staaten
in der Weltwirtschaft gestärkt.

In dem vor uns liegenden Jahr können wir die-

se Gewinne sichern und ausweiten, wenn wir zusammenarbeiten, um die Inflation
zu dämpfen.

Ich bin sicher, daß wir diese Aufgaben meistern werden.

+ + + + +

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