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cimcrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

15. Juni 1994

23

USA-EUROPA

USA UND EUROPA MÜSSEN GEMEINSAME
FRIEDENSSTRATEGIE VERFOLGEN
Rede Präsident Clintons vor der
französischen Nationalversammlung

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN

CHRISTOPHER: PARTNERSCHAFT FÜR DEN
FRIEDEN IST BEMERKENSWERTE LEISTUNG
Rede des Außenministers vor dem
Nordatlantikrat

WIRTSCHAFT

DIE
DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN
Ron Brown vor der
American Chamber of Commerce

ARBEITSWELT

REICH FORDERT
INTERNATIONALE
ARBEITSNORMEN
Ansprache von Arbeitsminister Reich
vor der IAO

««

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�USA-EUROPA
15. Juni 1994

USA UND EUROPA MÜSSEN GEMEINSAME
FRIEDENSSTRATEGIE VERFOLGEN
Rede Präsident Clintons
vor der französischen Nationalversammlung
PARIS - (AD) - Präsident Clinton zufolge müssen die Vereinigten Staaten und Europa eine gemeinsame
Strategie für den Frieden verfolgen, die den gesamten europäischen Kontinent durch drei Bande integriert:
"Erstens Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik, zweitens Marktwirtschaft, drittens Demokratie."
Das schwierigste europäische Sicherheitsproblem stelle Bosnien dar, äußerte Präsident Clinton am 7. Juni
1994 vor der französischen Nationalversammlung, und obwohl es nicht gelöst worden sei, "wurden
entschlossene und bislang erfolgreiche Bestrebungen zur Beschränkung des Konflikts auf Bosnien
unternommen, damit er sich nicht zu einem größeren Balkankrieg ausweitet".
"Heute sehen sich die ehemals kommunistischen Staaten einer beängstigenden Übergangszeit gegenüber...
Es muß unser Ziel sein, ihnen zum Erfolg zu verhelfen - durch die Förderung marktwirtschaftlicher Reformen,
gezielte Hilfe bei der Privatisierung, Verstärkung unserer Bande in den Bereichen Handel und Investitionen."
Der Präsident bezeichnete die Demokratie als den "Klebstoff, der Wirtschaftsreformen und sicherheitspolitische
Zusammenarbeit verkitten kann" und äußerte, trotz einiger "Entwicklungen mit Hindernissen" in den ehemals
kommunistischen Staaten habe es auch ermutigende Ergebnisse gegeben, einschließlich neuer Verfassungen
und der Gründung unabhängiger Fernsehstationen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Weißen Haus freigegebene Rede des Präsidenten in Paris.

Es ist mir eine große Ehre, gemeinsam mit meiner
Frau und unserer verehrten Botschafterin Pamela
Harriman hierher eingeladen worden zu sein.
Zwischen unseren beiden Völkern besteht eine
besondere Verwandtschaft, denn schließlich wurden
unsere beiden Republiken im Abstand von nur
wenigen Jahren gegründet. Wir setzten die Regeln
von Königen außer Kraft und ersetzten sie durch
gemeinsame Ideale, Gleichheit, Freiheit, Gemeinschaft und Menschenrechte.
Zwei Jahrhunderte lang haben unsere Nationen
einander großzügig gegeben. Frankreich vermittelte
unseren Gründervätern die Ideale von Montesquieu
und Rousseau. Lafayette und Rochambeau halfen,
diese Ideen in die Realität unserer eigenen Unabhängigkeit umzuwandeln. Denn ebenso wie wir
bei der Befreiung Ihres Landes 1944 halfen, halfen

AMERIKA DIENST 23

Sie bei der Befreiung unseres Landes vor zwei
Jahrhunderten.
Während dieser ganzen Zeit haben Ihre Kunst und
Kultur zahllose Amerikaner inspiriert - von Benjamin
Franklin bis zu John und Jacqueline Kennedy. Wir
wiederum liehen Ihnen das revolutionäre Genie
Thomas Jeffersons, den feurigen Geist Thomas
Paines und das Leben so vieler junger Männer, als
die Freiheit Europas am stärksten in Gefahr war.
Diese Woche haben Sie uns ein weiteres großartiges
Geschenk in Form der wunderbaren Gedenkfeiern
aus Anlaß der Landung der Alliierten in der Normandie gemacht. Ich danke Präsident Mitterand und dem
ganzen französischen Volk für diese großzügige
Gastfreundschaft. Mein Dank gilt insbesondere den
Tausenden französischer Familien, die unseren
Veteranen ihr Heim geöffnet haben.

Seite 1

�Die gestrigen Bilder werden mich den Rest meines
Lebens begleiten - die eindrucksvollen Cliffs von
Pointe du Hoc, die Parade unserer Alliierten Streitkräfte am Utah Beach, die tödlichen Felsufer an der
blutigen Omaha Beach, die endlosen Reihen von
Grabsteinen auf unserem Friedhof bei Colleville.
D-Day war der Wendepunkt des 20. Jahrhunderts.
Er setzte die Befreiung Europas in Gang. Auf
vielerlei Weise bewies der Sieg der Alliierten, wie
der Glaube der Demokratie an den einzelnen die
Demokratie selbst rettete. Von der tapferen französischen Resistance bis zum Erfindungsreichtum der
Soldaten an der Omaha Beach bewies er, was freie
Nationen erreichen können, wenn sie gemeinsam
hinter einer großen und edlen Sache stehen.
Die bemerkenswerte Einigkeit der Alliierten während
des Zweiten Weltkriegs spiegelte die lebensbedrohliche Gefahr für die Freiheit wider. Demokratien freier
und oftmals ungestümer Völker werden angesichts
einersolchen Gefahr eherzusammenhalten. Unsere
Herausforderung besteht jetzt jedoch darin, unser
Volk um die Chancen für den Frieden zu einen, wie
sich unsere Vorfahren angesichts der Gefahren des
Krieges einten.
Wie Ihr Präsident so beredt formulierte, konnten wir
einmal in diesem Jahrhundert - nach dem Ersten
Weltkrieg - nicht diesem Gebot folgen. Nach dem
Waffenstillstand waren viele Amerikaner der Ansicht,
es beständen keine Gefahren mehr für uns. Amerika zog sich zunehmend von der Welt zurück, wodurch hohen Zöllen, Handelskriegen, dem Anstieg
des Faschismus und einem weiteren Weltkrieg
innerhalb von 20 Jahren Tor und Tür geöffnet
wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg machten Amerika,
Frankreich und die anderen Demokratien es besser.
Unter der Führung von weitblickenden Staatsmännern wie Truman, Marshall, De Gaulle, Monnet und
anderen bauten wir unsere Bündnisse und die
Länder unserer ehemaligen Feinde - Deutschland,
Italien und Japan - wieder auf und stellten uns der
Gefahr einer sowjetischen Expansion und Nuklearmacht.
Gemeinsam gründeten wir die NATO,
setzten den Marshallplan, das Allgemeine Zoll- und
Handelsabkommen GATT sowie weitere Motoren
wirtschaftlicher Entwicklung in Gang. In einem
großartigen historischen Akt der Versöhnung reichte
Frankreich die Hand zur Bildung der deutsch-französischen Partnerschaft - der Grundlage von Einheit
und Stabilität im modernen Westeuropa.
Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben
in der Tat einen Akt politischer Alchimie begangen,
ein Zauberkunststück, das Schutt in Erneuerung,

Seite 2

Mißtrauen in Sicherheit und Feinde in Verbündete
verwandelte.
Jetzt sind wir am dritten Scheideweg dieses Jahrhunderts angelangt. Der Kalte Krieg ist vorüber.
Prag, Warschau, Kiew, Riga, Moskau und viele
andere sind Hauptstädte demokratischer Länder mit
vom Volk gewählten Politikern. Wir bauen das
Atomwaffenarsenal ab, und Amerika und Rußland
richten nicht mehr ihre Atomwaffen gegeneinander.
Unsere Arbeit ist jedoch noch lange nicht beendet.
Um diesen Frieden zu sichern, müssen wir unseren
Blick auf einen strategischen Stern richten. Hier, wo
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten so hart
um die Rettung dieser Welt gekämpft haben, sollte
dieser Leitstern für uns beide - Amerikaner und
Europäer gleichermaßen - die Integration und Stärkung eines umfassenden Europas sein. Dies ist eine
gewaltige Herausforderung, die Ressourcen erfordert.
Sie wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte benötigen.
Sie wird von uns etwas für Demokratien sehr Schwieriges erfordern - unser Volk zu einen, wenn es sich
nicht mit der direkten Gefahr konfrontiert sieht,
entfernteren Bedrohungen begegnen zu müssen und
schwierige und aufregende Chancen zu ergreifen.
Dennoch sprechen die geheiligten Grabsteine, die wir
gestern ehrten, eine deutliche Sprache. Sie definieren den Preis des Scheiterns in Friedenszeiten. Sie
bekräftigen die Notwendigkeit, jetzt zu handeln.
Wir können bereits die grausame Alternative sehen.
Militanter Nationalismus ist im Ansteigen begriffen
und verwandelt den gesunden Stolz von Nationen,
Volksstämmen, religiösen und ethnischen Gruppen in
tödliche Vorurteile, die Staaten unterminieren und ihr
Volk abhängig von den politischen Schmerzstillern
Gewalt und Demagogie machen, die anderen die
Schuld an ihren Problemen geben, wenn sie sich
eigentlich der harten Arbeit widmen sollten, durch
Versöhnung, Gewaltenteilung und umweltverträgliche
Entwicklung wirkliche Antworten auf diese Probleme
zu finden.
Anzeichen dieser Krankheit sind von dem willkürlichen Gemetzel in Bosnien bis zu der wahllosen
Gewalt der Skinheads in allen unseren Ländern zu
beobachten. Wir sehen sie an dem mit der Geschichte getriebenen aufwiegelnden Mißbrauch sowie
an dem Antisemitismus und dem Irredentismus
einiger ehemals kommunistischer Staaten. Und
jenseits von Europa sehen wir die dunkle Zukunft
dieser Trends an massenhaftem Abschlachten,
ungezügeltem Terrorismus, verheerender Armut und
völliger Zerstörung von Umwelt und Gesellschaft.

AMERIKA DIENST 23

�Unser transatlantisches Bündnis ist eindeutig an
einem kritischen Punkt angelangt. Wir müssen die
für diese Zeit erforderlichen Bande zwischen Nationen schmieden, wie wir das nach dem Zweiten
Weltkrieg taten. Wir müssen das jedoch zu einer
Zeit tun, in der unsere Sicherheit nicht direkt bedroht
ist - wie nach dem Ersten Weltkrieg.
Für diese Generation führender Politiker lautet die
Frage, ob wir den Willen, die Vision und die Geduld
hierzu aufbringen. Ich möchte die Position der
Vereinigten Staaten deutlich darlegen. Amerika wird
sich weiterhin in Europa engagieren. Das gesamte
transatlantische Bündnis zieht Nutzen, wenn wir Europa und Amerika - stark und engagiert sind.
Amerika wünscht sich ein starkes Europa, und
Europa sollte sich die Zusammenarbeit mit einem
starken Amerika wünschen.
Um sicherzustellen, daß unser Land ein starker
Partner bleibt, leisten wir zu Hause harte Arbeit, um
einen neuen Geist der amerikanischen Erneuerung
zu schaffen, unser Haushaltsdefizit abzubauen,
unsere Wirtschaft neu zu beleben, den Handel zu
erweitern, unsere Straßen sicherer vor Verbrechern
zu machen und die Grundpfeiler unserer Stärke
wiederherzustellen - Arbeit, Familie, Gemeinschaft
sowie die Aufrechterhaltung unserer defensiven
Präsenz in Europa.
Wir wünschen uns auch ein starkes Europa. Aus
diesem Grund unterstützt Amerika die von Europa
unternommenen Schritte für stärkere Einigung - die
Europäische Union, die Westeuropäische Union
sowie die Entwicklung einer europäischen Verteidigungsidentität. Wir müssen jetzt eine gemeinsame Strategie verfolgen - den Frieden und Wohlstand
eines umfassenderen Europas zu sichern. Diese
Strategie hängt von der Integration des gesamten
Kontinents durch drei Bande ab: Erstens Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik, zweitens Marktwirtschaft und drittens Demokratie.
Zunächst einmal müssen wir in einem Zeitalter stark
und sicher bleiben, das noch viele Gefahren birgt.
Zu diesem Zweck sind unsere Sicherheitsinstitutionen an neue Gebote anzupassen. Die Vereinigten
Staaten haben den Umfang ihrer Militärpräsenz in
Europa reduziert, wir werden hier jedoch weiterhin
eine starke Streitmacht aufrechterhalten.
Die Europäische Union, die Westeuropäische Union,
die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa sowie andere Organisationen müssen alle
eine größere Rolle spielen. Ich war erfreut darüber,
daß die NATO kürzlich einen amerikanischen Vorschlag annahm, ihre Aktivposten der WEU zugänglich zu machen. Zur Förderung größerer sicherheits-

AMERIKA DIENST 23

politischer Zusammenarbeit in ganz Europa müssen
wir auch die NATO an dieses neue Zeitalter anpassen.
Beim NATO-Gipfel im Januar einigten wir uns auf die
Schaffung einer Partnerschaft für den Frieden, um die
Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik zwischen
den Mitgliedstaaten der NATO und den anderen
europäischen Staaten zu fördern - den ehemaligen
Warschauer Pakt-Staaten, den Staaten der früheren
Sowjetunion und den aus anderen Gründen nicht der
NATO angehörenden Staaten. Nur sechs Monate
später ist diese Partnerschaft für den Frieden Realität. 19 Nationen sind ihr bereits beigetreten, und
weitere befinden sich auf dem Weg dazu. Auch
Rußland hat Interesse an einem Beitritt bekundet.
Die Partnerschaft wird ihre ersten Militärübungen im
kommenden Herbst durchführen. Stellen Sie sich
diese Veränderung vor: Truppen, die sich einst durch
den Eisernen Vorhang getrennt gegenüberstanden,
arbeiten jetzt auf europäischem Gelände zusammen.
Wir haben Verständnis für die historisch begründeten
Ängste Mittel- und Osteuropas. Die Sicherheit dieser
Staaten ist für unsere eigene Sicherheit von Bedeutung. Und wir sind der Erweiterung der NATO
verpflichtet. Solange wir die Chance haben, überall
in Europa zur sicherheitspolitischen Zusammenarbeit
beizutragen, sollten wir diese Möglichkeit nirgendwo
verspielen.
Es gibt Anzeichen dafür, daß ein solches Ergebnis
möglich ist. Die Ukraine, Kasachstan und Belarus
haben sich jetzt zur Beseitigung aller auf ihrem
Territorium stationierten Atomwaffen verpflichtet. Bis
August haben sich möglicherweise erstmals seit dem
Ende des Zweiten Weltkriegs alle russischen Truppen
aus Osteuropa und dem Baltikum zurückgezogen.
Sind diese Entwicklungen eine Garantie dafür, daß
wir alle ehemals kommunistischen Staaten in die
friedliche Zusammenarbeit einbinden können? Das
ist nicht der Fall. Wir würden jedoch unserer Generation und unseren Nachfahren gegenüber versagen,
wenn wir nicht den Versuch unternähmen.
Bedeuten diese Absprachen, daß wir alle Probleme
lösen können? Nein, zumindest nicht direkt. Das
schwierigste europäische Sicherheitsproblem und das
herzzerreißendste humanitäre Problem stellt natürlich
Bosnien dar. Wir haben dieses Problem nicht gelöst,
es ist jedoch wichtig anzuerkennen, was bereits
getan wurde, denn Frankreich, die Vereinigten
Staaten, Großbritannien und andere haben im
Rahmen der Vereinten Nationen und der NATO
zusammengearbeitet. Schauen Sie auf das, was
getan wurde. Erstens wurden entschlossene und

Seite 3

�bislang erfolgreiche Bestrebungen zur Beschränkung
des Konflikts auf Bosnien unternommen, damit er
sich nicht zu einem größeren Balkankrieg ausweitet.
Zweitens hat die massivste Luftbrücke mit humanitären Gütern in der Geschichte Tausende von Menschenleben gerettet - ebenso wie die UNPROFORMission, bei der Frankreich einen großen Truppenbeitrag leistete.
Wir haben eine Ausweitung des Krieges auf den
Luftraum verhindert.
Es wurde ein Abkommen
zwischen den bosnischen Muslimen und den Kroaten geschlossen. Es wurden Fortschritte gemacht.
Was bleibt noch zu tun? Heute haben die Vereinten
Nationen durch ihren Beauftragten Akaschi einen
Vorschlag über die Einstellung der Kampfhandlungen für mehrere Monate vorgelegt. Die Vereinigten
Staaten unterstützen dieses Programm. Frankreich
unterstützt diesen Vorschlag. Wir müssen alles in
unserer Macht Stehende tun, um beide Seiten zu
seiner Annahme zu veranlassen.
Die Kontaktgruppe arbeitet an einer Landkarte, die
die Grundlage einer vollständigen und endgültigen
Einstellung der Kampfhandlungen dort darstellen
kann. Wir müssen alles uns Mögliche tun, um
dieses Abkommen zu sichern.
Letztlich dürfen wir auch nicht vergessen, was diese
Wahrscheinlichkeit erhöht hat: Rußland wurde in
den Prozeß zur Lösung dieser schrecklichen Krise
eingeschaltet, was bisher sehr positiv verlief und den
Weg zu einer Zukunft weist, in der wir vielleicht alle
zusammen eine Zeitlang an der Lösung von Problemen wie diesem arbeiten.
Wir brauchen Geduld. Wir müssen verstehen, daß
wir keine vollständige Kontrolle über die Ereignisse
in jeder Nation haben. Wir haben jedoch in Bosnien
Fortschritte erzielt und müssen das weiterhin tun:
Mit Geduld und Festigkeit weiterarbeiten, bis die
Arbeit getan ist. Das wird gelingen, wenn wir
zusammenbleiben und zusammenarbeiten können.
Die beste Möglichkeit zur Beibehaltung dieser Art
von Kooperation stellt die Unterstützung der allgemeinen europäischen Entwicklung dar. Diese
muß auch eine wirtschaftliche Dimension haben.
Wir müssen den Ländern Osteuropas bei ihrer Arbeit
beistehen, sich in den Kreis der prosperierenden
marktwirtschaftlichen Demokratien zu integrieren.
Das führt mich zum zweiten Element unserer Integrationsstrategie. Integration erfordert den erfolgreichen Übergang zu starken Volkswirtschaften in ganz
Europa.
Heute sehen sich die ehemals kommunistischen
Staaten einer beängstigenden Übergangszeit gegen-

Seite 4

über. Es muß unser Ziel sein, ihnen zum Erfolg zu
verhelfen - durch die Förderung marktwirtschaftlicher
Reformen, gezielte Hilfe bei der Privatisierung,
Verstärkung unserer Bande in den Bereichen Handel
und Investitionen. Dieses Verfahren verläuft unweigerlich langsam und natürlich nicht ohne Hindernisse.
Es hängt teilweise davon ab, was in diesen Ländern
geschieht. Wir waren Zeuge, wie Wähler in ehemals
kommunistischen Staaten ihre Stimme gegen Reformen und ihre Härten abgaben. Solange diese
Staaten jedoch demokratische Prozesse respektieren,
sollten wir nicht zu beunruhigt reagieren. Die Reformarbeit wird Jahre und Jahrzehnte erfordern.
Trotz einer Vielzahl von Problemen waren die Wirtschaftsreformen in Osteuropa immer noch beeindruckend. Mittlerweile sind 40 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung Rußlands im Privatsektor beschäftigt, und 50 Millionen Russen haben Aktienanteile an im Privatbesitz befindlichen Unternehmen.
Im vergangenen Januar habe ich in Prag erklärt, der
Westen müsse solche Reformen durch die weitestgehende Öffnung unserer Märkte für solche Reformen
unterstützen. Denn wenn unsere neuen Freunde ihre
Produkte nicht exportieren können, exportieren sie
statt dessen vielleicht Instabilität, selbst gegen ihren
Willen.
Wir können auch andere Reformen unterstützen,
indem wir das Weltwirtschaftswachstum fördern. In
den vergangenen Jahren war einer der wichtigsten
Schritte zu diesem Ziel das neue GATT-Abkommen.
Es schafft Millionen Arbeitsplätze. Frankreich spielte
beim erfolgreichen Abschluß dieser Gespräche eine
absolute Schlüsselrolle. Ich bin mir bewußt, daß
diese Angelegenheit für Ihr Land sehr schwierig war.
Ich weiß, daß sie Staatskunst erforderte. Und ich
versichere Ihnen, daß diese Frage auch für die
Vereinigten Staaten nicht einfach war.
Es bleiben noch Fragen zu regeln. Nachdem wir
jedoch die Tür zu der weitreichendsten Handelsvereinbarung der Geschichte geöffnet haben, müssen
wir die Sache abschließen. Mein Ziel ist die Ratifizierung des GATT-Ankommens durch den amerikanischen Kongreß in diesem Jahr sowie im Rahmen
der G-7 eine Politik zur Belebung unserer Volkswirtschaften.
Wir haben uns in den G-7-Staaten darauf verständigt,
einander die schwierigen Fragen zu stellen: Was
können wir zur Förderung von Wirtschaftswachstum
und der Schaffung von Arbeitsplätzen unternehmen?
Welche Handelspolitik ist der Erwerbsbevölkerung
unserer Länder gegenüber fair? Wie können wir
Wirtschaftswachstum auf eine Weise fördern, die in
den ärmeren Ländern der Welt umweltverträgliches
Wachstum fördert, so daß sie nicht ihre Ressourcen

AMERIKA DIENST 23

�verschwenden und letztlich alle diese Bestrebungen
zum Scheitern verurteilt sind? Dies sind Fragen von
größter Bedeutung. Sie werden erstmals in einem
multilateralen Forum gestellt, was von großer Tragweite ist.
Ungeachtet dessen, wie wir mit Sicherheits- oder
Wirtschaftsfragen umgehen, muß unsere Mission
denselben Kern haben wie die vor einem halben
Jahrhundert an den Küsten der Normandie durchgeführte. Das ist Demokratie. Denn letztlich ist
Demokratie der Klebstoff, der Wirtschaftsreformen
und sicherheitspolitische Zusammenarbeit verkitten
kann. Aus diesem Grund muß unser drittes Ziel die
Konsolidierung der jüngsten demokratischen Errungenschaften Europas sein.
Dieses Ziel steht im Einklang mit den grundlegenden
Idealen unserer beiden Republiken. Schließlich
haben wir so angefangen. Es dient auch unseren
fundamentalen Sicherheitsinteressen, denn Demokratie ist ein machtvolles Abschreckmittel, das die
dunklen Ambitionen der Möchtegern-Tyrannen und
-Aggressoren eindämmt und die vielversprechenden
Hoffnungen freier Bürger respektiert.
Unsere beiden Nationen und andere Länder haben
gemeinsam große Anstrengungen zur Förderung der
Demokratie in den ehemals kommunistischen
Staaten unternommen. Der Fortschritt kommt nicht
über Nacht. Es wird Entwicklungen mit Hindernissen
geben, aber wir können bereits ermutigende und
bisweilen atemberaubende Resultate ausmachen.
Wir waren Zeuge, wie unabhängige Fernsehstationen gegründet wurden, wo früher nur die staatliche
Version der Wahrheit übertragen wurde. Wir sahen,
wie Tausende von Menschen aus der ehemals
kommunistischen Welt - Studenten, Bankiers,
Politiker - in unsere Länder kamen, um etwas über
die Ideen und den Umgang mit der Freiheit zu
lernen.
Wir konnten beobachten, wie neue Verfassungen
geschrieben und neue Staaten auf der Grundlage
der Prinzipien gegründet wurden, die unsere Republiken bei ihrer Geburt inspirierten. Letztlich müssen
wir demokratische Bande fördern - nicht nur innerhalb dieser ehemals kommunistischen Staaten,
sondern auch zwischen ihren und unseren Staaten.

*

AMERIKA DIENST 23

Die Nationen spechen in der Sprache der Demokratie
miteinander. Sie zeigt sich an der Art und Weise, in
der wir unsere Differenzen überbrücken, mit den
Bürgern anderer Länder umgehen und das Erbe der
anderen in Ehren halten. Es ist die Sprache, in der
unsere beiden Republiken seit mehr als 200 Jahren
miteinander sprechen. Es ist die Sprache, in der die
westlichen Alliierten während des Zweiten Weltkriegs
miteinander sprachen.
Jetzt haben wir die Chance, die Sprache der Demokratie auf diesem gesamten Kontinent zu hören.
Wenn wir dieses Ziel erreichen können, werden wir
denen aus unseren beiden Ländern einen großartigen
und dauerhaften Tribut zollen, die vor fünfzig Jahren
für die Freiheit kämpften und starben.
Nahezu 25 Jahre nach dem D-Day kehrte ein amerikanischer Veteran, der bei dieser Invasion als Stabsarzt tätig war, in die Normandie zurück. Er schlenderte die Omaha Beach entlang, an der er im Juni
1944 gelandet war, und ging dann zum nächstgelegenen Dorf. Dort klopfte er an eine ihm vertraut erscheinende Tür.
Eine Französin öffnete ihm, drehte sich dann plötzlich
um und rief ihrem Mann zu: "Er ist zurückgekommen. Der amerikanische Doktor ist wieder da."
Einen Augenblick später kam ihr Mann, in der Hand
eine mit Staub und Spinnweben bedeckte Weinflasche. "Willkommen, Herr Doktor!", rief er. "1944
haben wir diese Flasche für Ihre Rückkehr aufgehoben. Jetzt wollen wir feiern."
Dieses freudige Wiedersehen und feierliche Gedenken fand diese Woche überall statt - bei geplanten
und ungeplanten Begegnungen.
Während unser Volk alte Bande erneuert, wollen wir
die zeitlose Arbeit wiederaufnehmen, die uns hierhergebracht hat und unsere Vorfahren vor 200
Jahren zusammenführte - die Stärkung der Grundlagen der Freiheit und den Aufbau eines dauerhaften
Friedens für kommende Generationen.
Meines
Erachtens können wir das tun. Es ist der einzige und
letzte Tribut, den wir der aus dem Zweiten Weltkrieg
und den Ereignissen in der Normandie gelernten
Lektion zollen können.

* * *

*

Seite 5

�PARTNERSCHAFT

FÜR

FRIEDEN
15. Juni 1994

CHRISTOPHER: PARTNERSCHAFT FÜR DEN FRIEDEN
IST BEMERKENSWERTE LEISTUNG
Rede des Außenministers vor dem Nordatlantikrat
ISTANBUL - (AD) - Außenminister Christopher bezeichnete die Partnerschaft für den Frieden als
"bemerkenswerte Leistung" und fügte hinzu, der Vorschlag Präsident Clintons habe sich in nur fünf Monaten
"von einem bloßen Konzept zu einer funktionierenden Realität" gewandelt.
In einer Rede vor der Ministertagung des Nordatlantikrats am 9. Juni 1994 in Istanbul erklärte Christopher:
"Die Partnerstaaten engagieren sich aktiv im NATO-Hauptquartier in Brüssel und werden in Kürze im
Partnerschaft-Koordinationszentrum in Mons Seite an Seite mit den Militärplanern der NATO zusammenarbeiten."
Mit der Feststellung, die Friedenssicherungsmanöver der Partnerschaft für den Frieden würden in diesem Jahr
aufgenommen, erläuterte der Außenminister: "Stellen Sie sich vor - Truppen, die sich im Kalten Krieg ein
halbes Jahrhundert feindlich gesinnt gegenüberstanden, kommen jetzt bei gemeinsamen Manövern
zusammen."
Christopher verwies ferner darauf, daß der Rat die Beziehungen der NATO zu den Nationen im Osten erörtere
und dabei "Rußland eine prominente Rolle in unseren Überlegungen spielen" wird. Die Zusammenarbeit
zwischen der NATO und Rußland bei der Eindämmung von nuklearen und anderen Massenvernichtungswaffen
würde unsere gemeinsamen Interessen voranbringen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Außenministers im Wortlaut.

Ich danke Ihnen. Es ist eine Freude, wieder im
Nordatlantikrat zusammenzukommen. Ich möchte
unseren türkischen Gastgebern unseren Dank für
diesen beeindruckenden Tagungsort am Ufer des
Bosporus aussprechen und auch unseren verehrten
Stellvertretenden Generalsekretär Sergio Balanzino
nicht unerwähnt lassen, der die Diskussion leiten
wird.
Unsere Gedanken weilen heute auch bei Generalsekretär Wörner. Präsident Clinton und ich übermitteln
unsere besten Wünsche für Manfreds vollständige
und rasche Genesung. Seine Stärke, Widerstandskraft und sein Mut sind uns allen ein Beispiel. Sein
Beitrag zur Erneuerung dieses Bündnisses war
bemerkenswert.
In der vergangenen Woche hat Präsident Clinton - in
Italien, Großbritannien und Frankreich - erneut das
unerschütterliche Engagement der Vereinigten
Staaten für Europa unterstrichen. Am Dienstag hat
Präsident Clinton vor der französischen Nationalversammlung unsere gemeinsame strategische Heraus-

AMERIKA DIENST 23

forderung beim Aufbau eines stärkeren und besser
integrierten Europa auf der Grundlage von Sicherheitszusammenarbeit, Marktwirtschaften und demokratischen Institutionen dargelegt.
Der Präsident wird seine Vision eines umfassenderen
Europa bei seinen Reisen nach Italien, Deutschland
und Polen im nächsten Monat bekräftigen. Während
das hoffnungsvollste Kapitel der europäischen
Geschichte geschrieben wird, werden die Vereinigten
Staaten weiterhin Seite an Seite mit den Menschen
eines ungeteilten, demokratischen Kontinents stehen.
In der vergangenen Woche erneuerte Präsident
Clinton sein beim Gipfeltreffen in Brüssel abgegebenes Versprechen zur Beibehaltung von rund 100.000
amerikanischen Soldaten in Europa. Er bekräftigte,
daß unser politisches Engagement weiterhin durch
unsere militärische Präsenz verstärkt wird. Unsere
Präsenz ist nach wie vor zum Schutz der vitalen
amerikanischen und europäischen Interessen erforderlich.

Seite 1

�Das NATO-Bündnis wird weiterhin das Kernstück
des amerikanischen Engagements in Europa und
der europäischen Sicherheit bilden. Seit dem
Ministertreffen im Juni letzten Jahres in Athen haben
wir unsere Bestrebungen zur Verstärkung der transatlantischen Bande erneuert, die von der NATO
verkörpert werden. Während wir die beim Gipfel
getroffenen bahnbrechenden Entscheidungen umsetzen, gestalten wir das Bündnis um, damit die Sicherheitserfordernisse der Welt nach dem Kalten
Krieg bewältigt werden können.
Die Bedrohung heute ist nicht eine Invasion aus dem
Osten, sondern Instabilität im Osten. In Mitteleuropa
konsolidieren neue demokratische Marktwirtschaften
die Freiheit und zeigen vielversprechende Anzeichen
von Wirtschaftswachstum. Aber in vielen aus dem
sowjetischen Imperium hervorgegangenen Ländern
steht die Demokratie noch auf tönernen Füßen.
Demagogen setzen auf ethnische Spaltung und
Vertreibung ethnischer Minderheiten, um Aggression
zu schüren. Unkontrolliert werden diese Spannungen die Fortschritte der Region zu Reformen vereiteln und letztlich die umfassendere Sicherheit
Europas gefährden.
Wie Präsident Clinton in seiner Rede im Januar in
Brüssel feststellte: "Diese Zeit entscheidet vielleicht,
ob die Nachfolgestaaten der Sowjetunion in das
Gefüge des transatlantischen Wohlstands und der
Sicherheit eingegliedert oder aber isoliert und im
Stich gelassen werden." Wir müssen die sich uns
bietende Chance ergreifen, damit die Demokratien
stabile Partner bei der Sicherheit und im Handel
werden können.
Beim Gipfeltreffen in Brüssel setzte das Bündnis
zwei zentrale, sich gegenseitig verstärkende Ziele
fest. Das erste war der Entwurf flexiblerer Kommandostrukturen und die Inangriffnahme neuer
Sicherheitsbedrohungen wie die Weiterverbreitung
von Waffen. Das zweite historische Ziel war die
Vertiefung unserer Bande mit den aufstrebenden
Demokratien im Osten. Wir haben sie zur Beteiligung an einem breiten Spektrum politischer und
militärischer Aktivitäten mit Mitgliedern des Bündnisses eingeladen, wodurch der Weg zu einer möglichen Erweiterung des Bündnisses geebnet wird.
Wir haben bei diesen beiden Zielen Fortschritte
gemacht. 1994 war in der Tat ein Jahr von enormer
Bedeutung für das Bündnis.
Zur Erlangung des ersten Ziels verbesserter Effektivität hat die NATO wichtige Entscheidungen zur
Unterstützung der Bestrebungen der Verbündeten
getroffen, um eine fähigere europäische Sicherheitsund Verteidigungsidentität zu entwickeln. Diese

Seite 2

Identität sollte die öffentliche Unterstützung in Europa
für die Erfüllung der europäischen Verpflichtungen
und Verantwortungsbereiche aufrechterhalten und
erweitern und unsere kollektive Fähigkeit zur Reaktion auf künftige Sicherheitserfordernisse stärken.
Sie sollte auch die transatlantischen Beziehungen
verstärken. Wir blicken weiterhin auf unsere Verbündeten für eine ausgewogenere Aufteilung der
Verantwortung.
Eine weitere wichtige beim Gipfeltreffen getroffene
Entscheidung zur Verwirklichung des ersten Ziels war
die Gründung alliierter Streitkräftekommandos (Combinded Joint Task Forces - CJTF). Wir haben bei der
Umsetzung dieses innovativen Konzepts einen
vielversprechenden Anfang gemacht. Unser Ziel ist
nach wie vor die Erneuerung des Bündnisses und die
Stärkung der Westeuropäischen Union (WEU). Wir
hoffen, daß die Bestrebungen in der NATO und der
WEU uns zu konkreten Entscheidungen über die
alliierten Streitkräftekommandos beim Ministertreffen
im Dezember in die Lage versetzen.
Als Teil der Förderung des Ziels, die Effektivität des
Bündnisses zu verbessern, unternehmen wir wichtige
Schritte zur Bekämpfung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme. Die
NATO muß diese Bedrohung in Angriff nehmen,
sowohl um andere internationale Bestrebungen zu
ergänzen als auch um unser feierliches Versprechen
einzulösen, die Sicherheit der Bündnispartner zu
schützen.
Ich bin erfreut über die rasche Arbeit der infolge
dieser Initiative gegründeten Hochrangigen PolitischMilitärischen und Verteidigungsgruppen. Wir werden
diese Fortschritte heute durch die Verabschiedung
des politischen Rahmens des Bündnisses für Nichtverbreitung konsolidieren. Dieser Rahmen bildet die
politische Grundlage für die Verbesserung der
Fähigkeiten des Bündnisses zum Schutz vor der
Androhung oder dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen.
Die Verteidigungsgruppe hat der
Prüfung der Bedrohungen, der Verteidigungsplanung,
militärischen Doktrin und Fähigkeiten zugestimmt.

Zur Erlangung des zweiten Ziels war die beim NATOGipfel erzielte bedeutendste Entscheidung die Schaffung der Partnerschaft für den Frieden. Die von
Präsident Clinton vorgeschlagene und vom Bündnis
verabschiedete Partnerschaft für den Frieden bezieht
den Osten mit ein, um die neuen Demokratien zu
kräftigen und die europäische Sicherheit zu stärken.
In nur fünf Monaten konnten wir eine bemerkenswerte Entwicklung beobachten: Die Partnerschaft hat
sich von einem bloßen Konzept zu einer funktionierenden Realität, einer Reihe konkreter Beziehungen
gewandelt. 20 Länder sind beigetreten. Ich möchte

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�zwei der zahlreichen von uns bisher für das Funktionieren der Partnerschaft unternommenen Schritte
besonders hervorheben.
Erstens engagieren sich die Partnerstaaten aktiv im
NATO-Hauptquartier in Brüssel und werden in Kürze
im Partnerschaft-Koordinationszentrum in Mons Seite
an Seite mit den Militärplanern der NATO zusammenarbeiten. Das bisher Unvorstellbare wird allmählich zur Routine.
Zweitens werden wir den beim Gipfeltreffen geäußerten Appell zur Aufnahme von Friedenssicherungsmanövern im Jahr 1994 erfüllen. Diese Manöver stehen für einen bemerkenswerten Umbruch.
Stellen Sie sich vor - Truppen, die sich im Kalten
Krieg ein halbes Jahrhundert feindlich gesinnt
gegenüberstanden, kommen jetzt bei gemeinsamen
Manövern zusammen.
Im kommenden Herbst werden die Niederlande eine
Geländeübung veranstalten und Polen wird auf dem
Boden eines Partnerlandes das erste Manöver
abhalten. Der Oberste Alliierte Befehlshaber Atlantik
(SACLANT) veranstaltet im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden eine maritime Übung, die vor
Ende des Jahres stattfinden wird. Darüber hinaus
werden die Vereinigten Staaten sowie andere Verbündete und Partner bereits geplante Manöver zur
Förderung der Ziele der Partnerschaft für den
Frieden nutzen. Wir erwarten mindestens 14 derartige Aktivitäten vor Ende des Jahres. Wir entwikkeln ferner einen umfangreichen Manöverplan für
1995.
Diese Übungen von NATO-Einheiten mit ihren
ehemaligen Gegnern werden eine deutliche Botschaft aussenden, daß die alte Ost-West-Teilung
Europas tot ist. Dies sind reale, konkrete Schritte zu
dem integrierten und gestärkten Europa, das Präsident Clinton beim Gipfeltreffen und erneut in der
vergangenen Woche forderte.
Wir werden die Partner auch in zahlreiche Ausschuß- und Trainingsaktivitäten der NATO einbeziehen. Die Mitglieder des Bündnisses und die Partner
werden gemeinsam praktische Mittel für die Bewältigung der neuen Bedrohungen der regionalen Sicherheit entwickeln. Nichtmitgliedstaaten der NATO
können sich mit gewohnheitsmäßiger Kooperation
wie Verteidigungsplanung vertraut machen, die der
Lebensnerv des Bündnisses ist.
Wir verpflichten uns zur Erweiterung der NATO.
Effektive Kooperation ist ein entscheidender Schritt
bei der Vorbereitung der Partner für die NATOMitgliedschaft. Ich möchte heute unterstreichen, was
der Präsident den osteuropäischen Staats- und

AMERIKA DIENST 23

Regierungschefs gegenüber im Januar in Prag
äußerte: "Die Partnerschaft verändert die gesamte
Diskussion innerhalb der NATO über die Erweiterung
der NATO-Mitgliedschaft. Die Frage lautet jetzt nicht
länger, ob das Bündnis neue Mitglieder aufnehmen
wird, sondern vielmehr wann und wie."
Herr Stellvertretender Generalsekretär, bei unserer
Erörterung der Beziehungen der NATO zu den
Nationen im Osten wird Rußland eine prominente
Rolle in unseren Überlegungen spielen. Rußland
vollzieht einen schwierigen Übergang, der tiefgreifende Auswirkungen für die gesamte Welt haben wird.
Welchen Kurs die innenpolitische Evolution auch
nehmen wird - Rußland ist und bleibt ein lebenswichtiger Akteur bei europäischen Sicherheitsbelangen. Es liegt in unserem - und Rußlands - Interesse,
eine umfassende und konstruktive Interaktion zwischen der NATO und Rußland zu entwickeln. Die
Partnerschaft für den Frieden ist von zentraler
Bedeutung für diesen Prozeß.
Wir begrüßen Verteidigungsminister Gratschows
jüngste Äußerung, daß Rußland sich ohne Einschränkungen an der Partnerschaft für den Frieden beteiligen wird. Wie die NATO erklärt hat, wird jeder
Partner das gleiche Rahmenabkommen unterzeichnen. Aber jeder Partner wird sein eigenes Präsentationsdokument erarbeiten und jeder sein eigenes,
unabhängiges Partnerschaftsprogramm entwickeln.
Zweifelsohne hat Rußland beachtliche Fähigkeiten

und inhärente Stärken, auf die wir bei der Erarbeitung
eines Partnerschafts-Kooperationsprogramms zurückgreifen können, das den Interessen der Partnerschaft
für den Frieden dient und die Sicherheit Europas
erweitert.
Gleichzeitig bieten Rußlands Größe, umfassende
Interessen, Ressourcen und militärische Fähigkeiten
die Grundlage für produktive Beziehungen zur NATO
zusätzlich zu der Partnerschaft für den Frieden.
Entsprechend gestaltet und umgesetzt, können diese
Beziehungen den Interessen aller europäischen
Länder dienen. Vor kurzem haben wir Minister
Gratschow im NATO-Hauptquartier zu einer außerordentlich fruchtbaren Sitzung begrüßt. Wo Rußland
einen konstruktiven Beitrag leisten kann und will,
wären periodische Konsultationen und praktische
Zusammenarbeit außerhalb der Partnerschaft für den
Frieden natürlich und von gegenseitigem Vorteil.
Die nuklearen Fähigkeiten Rußlands bilden beispielsweise eine offensichtliche Grundlage für einen Dialog
über Nukleartragen wie die sichere und geschützte
Zerlegung von Waffen. Die Kooperation zwischen
der NATO und Rußland zur Eindämmung der Verbreitung von nuklearen und anderen Massenver-

Seite 3

�nichtungswaffen würde unsere gemeinsamen Interessen voranbringen.
Die europäischen Staaten könnten natürlich auch
Interessen oder Fähigkeiten besitzen, die "Sechzehn-plus-Eins"-Konsultationen oder die Zusammenarbeit mit ihnen außerhalb der Partnerschaft für den
Frieden gegebenenfalls rechtfertigen. Wir sollten
diese Möglichkeiten befürworten.
Bilaterale Beziehungen zwischen Rußland und den
einzelnen Verbündeten ergänzen Rußlands Beziehungen zur NATO. Die Vereinigten Staaten und die
anderen Verbündeten entwickeln eine bilaterale
politische und militärische Zusammenarbeit, die die
Arbeit des Bündnisses ergänzen wird.
Ich möchte mich jetzt kurz zwei bedeutenden Fragen
zuwenden, die weitreichende Konsequenzen für die
Beziehungen Rußlands zur NATO und den generellen Kurs der europäischen Sicherheit haben.
Erstens hängt die Stabilität Europas von der Respektierung der Souveränität, Unabhängigkeit und
territorialen Integrität aller Staaten ab, die aus dem
sowjetischen Imperium hervorgegangen sind. Wir
sind uns Rußlands berechtigter Sorgen in dieser
Region bewußt, haben jedoch klargestellt, daß kein
Land das Recht zur Übernahme einer Rolle hat, die
nicht mit den internationalen Normen in Einklang
steht.
Ein zweites Schlüsselelement der Stabilität und
Sicherheit Europas ist der Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa. Die Vereinigten Staaten
verpflichten sich zur Aufrechterhaltung der Integrität
des Vertrags auf lange Sicht. Wir begrüßen die
Erörterung aller Fragen bezüglich der Implementierung unter den Signatarstaaten des KSE-Vertrags in
dem von dem Vertrag geschaffenen Forum - der
Gemeinsamen Wiener Konsultativgruppe.
Ein bedeutender Bereich, in dem Rußland und die
Mitglieder des Bündnisses produktiv zusammengearbeitet haben, ist die Herbeiführung von Frieden
im ehemaligen Jugoslawien. Dieses Bündnis - in
der Tat alle mit der Zukunft Europas und den Normen der humanitären Würde befaßten Nationen sind weiterhin zutiefst besorgt über die andauernden
Kämpfe in Bosnien. Dieser brutale und tragische
Konflikt - die grausamsten Kämpfe in Europa seit
1945 - schreit nach einer Lösung.
Wir sind nach wie vor der Überzeugung, daß dieser
Konflikt nur durch Verhandlungen gelöst werden
kann. Wir wissen, daß die NATO keine Lösung
aufzwingen kann. Seit unserem letzten Treffen hat
die NATO die Bestrebungen der Vereinten Nationen
unterstützt, Frieden für das ehemalige Jugoslawien

Seite 4

herbeizuführen. Unsere Bemühungen haben zweifelsohne das Ausmaß an Gewalt und Zerstörung
verringert. Das NATO-Ultimatum vom 9. Februar hat
den Beschuß Sarajevos beendet. Wir haben die
Flugverbotszone über Bosnien durchgesetzt. Die
Entscheidung der NATO vom 22. April beendete die
brutalen Angriffe auf Zivilisten in Gorazde. Wir alle
erkennen die Führungsrolle der italienischen Regierung bei der Bereitstellung von Stützpunkten für
Operationen der Alliierten bei diesem lebenswichtigen
Unternehmen an.
Diese und frühere Aktionen der NATO - einschließlich
der Durchsetzung von Sanktionen - demonstrieren
unsere Fähigkeit, als 16 Verbündete schwierige
Entscheidungen zu treffen.
Die entschlossenen
Aktionen der NATO beweisen, wie Präsident Clinton
es formulierte, daß das Bündnis "in der Zeit nach
dem Kalten Krieg immer noch eine glaubwürdige
Kraft für Frieden sein kann". Diese Aktionen bieten
den Vereinten Nationen weiterhin entscheidende
Unterstützung und retten das Leben Unschuldiger.
Die NATO hat in Bosnien unter Beweis gestellt, daß
sie die einzige internationale Institution mit dieser
Fähigkeit ist.
Wir befinden uns jetzt an einem entscheidenden
Punkt unserer Bemühungen um eine Verhandlungslösung. Gemeinsam haben die Europäische Union,
die Vereinten Nationen, Rußland und die Vereinigten
Staaten gute Fortschritte bei der Zusammenstellung
eines territorialen Vorschlags erzielt, der unseres
Erachtens als vernünftige Basis für eine Lösung
dienen könnte. Unsere Hoffnung ist, daß dieser
Vorschlag von beiden Seiten akzeptiert wird und das
gestrige Waffenstillstandsabkommen ein Schritt zur
landesweiten Einsteilung der Feindseligkeiten ist.
Wenn diese Bestrebungen Erfolg haben, können wir
unsere Aufmerksamkeit und Ressourcen der Aufgabe
zuwenden, ein Friedensabkommen durchzusetzen
und das vom Krieg erschütterte Bosnien wiederaufzubauen. Wir müssen jedoch davon ausgehen, daß
die für den Frieden erforderlichen Kompromisse nicht
leicht erzielt werden. Das Bündnis muß wie bisher
zur Unterstützung des diplomatischen Prozesses
bereit stehen. Und die NATO muß sich weiterhin für
diese Bestrebungen engagieren.
Die internationale Staatengemeinschaft - und insbesondere die NATO - sind mächtige Kräfte, die zur
Lösung dieses Konflikts beitragen. Wir müssen
dabeibleiben, bis die Arbeit vollendet ist. Wir können
den Konflikt eindämmen. Wir können die Gespräche
erleichtern. Wir können bei der Erarbeitung von
Lösungen behilflich sein. Wir können die zur Verwirklichung des endgültigen Abkommens erforderlichen Streitkräfte bereitstellen.
Und ich möchte
ausdrücklich die Verpflichtung der Vereinigten Staa-

AMERIKA DIENST 23

�lebenswichtigen

Ländern zu intensivieren. Die OECD unterzeichnete
auch ein Kooperationsabkommen mit Rußland.

Der Krieg in Bosnien ist weiterhin eine schwerwiegende Bedrohung unseres Ziels eines integrierten
Europa. Er droht andere, noch instabile Demokratien in einen größeren Krieg einzubeziehen. Und
gewalttätiger Nationalismus unterminiert die Sicherheit aller europäischen Nationen.

Wir setzen uns für die Ausweitung der Wirtschaftsinstitutionen nach Osten ein, weil wir uns bewußt
sind, daß das Streben nach Sicherheit in Europa
nicht allein den Sicherheitsinstitutionen überlassen
werden kann. Es muß auch auf dem politischen und
wirtschaftlichen Wiederaufbau der neuen demokratischen Nationen ruhen.
Unsere Erfahrungen in
Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg lehrten uns,
daß wirtschaftliche Integration unabdingbar zur
Verankerung der Stabilität in Nationen ist, die sich im
Wiederaufbau befinden. Aus diesem Grund müssen
wir die verbliebenen Handelsschranken abbauen, die
Exporte des Ostens und sein Potential für dauerhaftes Wachstum behindern.

ten zur Beteiligung an dieser
Aufgabe bekräftigen.

Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zu größerer
Integration aller europäischen Demokratien - Ost und
West. Wir sind entschlossen, die Vorteile - und
Pflichten - der gleichen liberalen Handels- und
Sicherheitsordnung auf den Osten auszuweiten, die
Säulen der Stärke für den Westen waren. Dies ist
der beste Weg zur Sicherstellung der Vorteile der
Demokratie im Osten. Dies ist der beste Weg zu
gewährleisten, daß niemals wieder ein größerer
Krieg Europa verschlingt.
Gestern waren viele von uns anwesend, als die
OECD in Paris die Entscheidung zur Aufnahme der
Verhandlungen über die Mitgliedschaft mit den
Visegrad-Ländern traf. Wir beschlossen, die OECDAktivitäten in anderen mittel- und osteuropäischen

*

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Mit dem Ende des Kalten Krieges müssen die Türen
des Westens offen für offene Gesellschaften und
offene Märkte im Osten sein. Mit der größeren
Reichweite der NATO und von Organisationen wie
der OECD, EU und dem GATT werden wir den
Wohlstand eines ungeteilten Europa mehren und die
Sicherheit stärken, die dieses Bündnis weiterhin
erhält.

* * *

*

Seite 5

�WIRTSCHAFT
15. Juni 1994

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN
Ron Brown vor der American Chamber of Commerce
Düsseldorf - (AD) - Am 9. Juni 1994 bezeichnete der amerikanische Wirtschaftsminister Ron Brown in
Düsseldorf vor der American Chamber of Commerce in Germany die Förderung von Wirtschaftswachstum
"in den neunziger Jahren und im 21. Jahrhundert" als Grundlage der Wirtschaftsstrategie der ClintonAdministration. Brown nannte Deutschland den wichtigsten Markt für die Stärkung der amerikanischen
Wirtschaftspräsenz in Europa und die Initiative Showcase Germany die Vorhut eines dramatischen
Wachstums amerikanischer Wirtschaftsaktivitäten.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Wirtschaftsminister Brown.

Meine Damen und Herren, es ist mir eine Freude
und eine Ehre, hier sein zu dürfen. Die American
Chamber of Commerce in Germany spielt bei der
Stärkung der engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten
eine führende Rolle.
Im Rahmen dieser engen Beziehungen besteht
jedoch ein starker und andauernder Wettbewerb, bei
dem es um Millionen von Arbeitsplätzen und Milliarden Dollar geht. Die Gesundheit, die Wettbewerbsfähigkeit und der Wohlstand multinationaler Unternehmen sind für eine gesunde Binnenwirtschaft
unserer beiden Nationen von grundlegender Bedeutung.
Ich werde heute darüber sprechen, wie die USRegierung meiner Ansicht nach - im Gefolge von
vielleicht erfahreneren Handelsnationen wie beispielsweise Deutschland - enger mit der Privatwirtschaft zusammenarbeiten kann um sicherzustellen,
daß amerikanische Unternehmen effizienter arbeiten
und auf der internationalen Bühne mehr Erfolg
haben.
Zunächst einmal möchte ich betonen, daß es für
mich keine Frage ist, daß Sie - als Mitglieder der
amerikanischen und deutschen Wirtschaft - Vertreter
der wettbewerbsfähigsten, fortschrittlichsten und
erfolgreichsten Unternehmen der Welt sind.

AMERIKA DIENST 23

Diese Attribute alleine garantieren noch keinen
Absatz und Wachstum.
Ein günstiges Umfeld und die aktive Unterstützung
des öffentlichen Sektors können selbst den wettbewerbsfähigsten Unternehmen enormen Auftrieb
geben.
Der öffentliche Sektor kann niemals den Privatsektor
verdrängen. Wir können und sollten jedoch Ihr
Partner werden: Eine kräftige Stimme für freien und
fairen Handel, ein Partner bei der strategischen
Planung, der Trends verzeichnet und entstehende
Sektoren und Märkte anvisiert und ein wirklicher
Fürsprecher, wenn Fürsprache hilfreich sein könnte.
Zur Zeit wird die Aufgabe, amerikanische Unternehmen hier und auf der ganzen Welt zu unterstützen, durch eine politische Auseinandersetzung in
unserem Land über die Abkommen der UruguayRunde erschwert. Ich bin zuversichtlich, daß wir die
Zustimmung erhalten. Besorgt bin ich jedoch angesichts einer Parallele zwischen dieser Debatte und
derjenigen, die die Annahme des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) zu einem so
mühsamen Unterfangen machte: Wohin man schaut,
rüsten sich die Gegner zum Kampf.
Man sieht jedoch nicht, daß diejenigen, die um die
Bedeutung einer Annahme des aus der UruguayRunde hervorgegangenen Abkommens wissen,

Seite 1

�ebenfalls Vorbereitungen treffen, um zurückzuschlagen.
Im vergangenen Jahr exportierten amerikanische
Unternehmen Güter und Dienstleistungen im Wert
von 19 Milliarden Dollar nach Deutschland - und im
Wert von 120 Milliarden Dollar nach Europa als
Ganzes. Zwei Millionen amerikanischer Arbeitsplätze hängen vom Handel mit Europa ab - und zwei
Millionen Familien benötigen das GATT, um die
Ausbildung ihrer Kinder zu finanzieren und ihre
Hypotheken abzahlen zu können. Allein der Absatz
von in Deutschland angesiedelten Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen bewegt sich
jährlich in der Größenordnung von nahezu 200
Milliarden Dollar. Hierher stammen die Milliarden
Dollar an Dividenden aus Aktienbesitz, die Rentenfonds oder die F&amp;E-Ausgaben, die die nächste
Produktgene ratio n und Profite hervorbringen.
Es steht viel auf dem Spiel. Wir brauchen Ihre Hilfe,
um unserer Botschaft Gehör zu verschaffen.
Die Wirtschaftsstrategie der Clinton-Administration
beruht auf einer einzigen, einfachen Annahme: Die
Förderung von Wirtschaftswachstum in den neunziger Jahren und im 21. Jahrhundert bedeutet, uns
den immer schnelleren Wandel in der uns umgebenden Welt zu eigen zu machen, anstatt sich ihm zu
widersetzen.
Dieses Jahr führten mich meine Dienstreisen in ein
kapitalistisches Rußland, zur Amtseinführung eines
Präsidenten schwarzer Hautfarbe nach Südafrika,
und nach den Feierlichkeiten aus Anlaß des 50.
Jahrestages der Landung der Alliierten in der Normandie in ein geeintes Deutschland, das in Kürze
die Präsidentschaft der Europäischen Union übernehmen wird. Das ist atemberaubend. Diese
Ereignisse demonstrieren, daß es nicht nur nutzlos,
sondern sogar schädlich ist, sich gegen Wandel zu
sträuben.
Zum dritten Mal in diesem Jahrhundert finden bei
den deutsch-amerikanischen Beziehungen dramatische Veränderungen statt. Der ehemalige Grundstein eines multinationalen, auf die Eindämmung des
Kommunismus abzielenden Militärbündnisses muß
jetzt Mittelpunkt multinationaler Handelsbeziehungen
werden, welche die Vorteile des Kapitalismus ganz
Europa zugänglich machen.
Das US-Wirtschaftsministerium erfüllt unsere Bestrebungen in den neuentstehenden großen Märkten China, Indien, Polen und Türkei - mit neuem Leben.
Deutschland mit seinen engen Beziehungen zu
Mittel- und Osteuropa sowie Rußland und den
Neuen Unabhängigen Staaten (NUS) kann und muß

Seite 2

bei der Unterstützung des Übergangs dieser Nationen
zu Demokratie und Marktwirtschaft eine Schlüsselrolle
spielen.
Wir in den Vereinigten Staaten bemühen uns um ein
Gleichgewicht zwischen unserem Streben nach
Innovation und erneuter Konzentration auf den
Handel - ebenso wie Europa und Japan, die heute
den Großteil des Welthandels abwickeln.
In Zeiten beschleunigten Wandels und der Unsicherheit ist eine starke und verläßliche Partnerschaft
zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland
gleichermaßen ermutigend und vorteilhaft. Unsere
Regierungen und unsere Unternehmen sind - aufgrund langjähriger Erfahrung und Bündnisse - in der
Lage, über vorübergehende Unstimmigkeiten hinaus
langfristig zu handeln, um eine für beide Seiten
vorteilhafte Freundschaft zu stärken und zu vertiefen.

*

Meines Erachtens wird eine wachsende Superstruktur
von Lizensierungen, Joint Ventures und F&amp;D-Abkommen zwischen amerikanischen und deutschen
Unternehmen beide Nationen stärker in die Lage
versetzen, die Chancen des 21. Jahrhunderts auf
diesen neuentstehenden und im Übergang befindlichen Märkten zu ergreifen.
Trotz einer rezessionsbedingten Wachstumslücke bei
unserer bilateralen Handelsbilanz war Deutschland
der fünftgrößte Handelspartner der Vereinigten
Staaten und unser zweitgrößter Partner in Europa.
Der Handel zwischen unseren beiden Ländern belief
sich 1993 auf 48 Milliarden Dollar. Die Vereinigten
Staaten und Deutschland wetteifern jährlich um den
Titel der größten Exportnation der Welt.
Deutschland wurde tatsächlich als wichtigster Markt
für die Stärkung der amerikanischen Wirtschaftspräsenz in Europa ausgewählt. Ich möchte jetzt kurz
auf das Modell Showcase Germany eingehen.
Showcase Germany wird hier und in ganz Europa
die Vorhut eines dramatischen Wachstums amerikanischer Wirtschaftsaktivitäten bilden.
Eine der Säulen von Showcase Germany ist die
Wiedereröffnung des amerikanischen Generalkonsulats als American Business Center. Das Dusseldorfer American Business Center wird sich auf
Wirtschaftsaktivitäten und die Förderung des Handels
konzentrieren, insbesondere auf den wachsenden
Messen in Köln, Essen und Düsseldorf.
Düsseldorf, die Hauptstadt Nordrhein-Westfalens, ist
der Anker einer Region, in der ein Fünftel des gesamten deutschen Bruttosozialprodukts erwirtschaftet
wird.

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'

�Dieses Gebiet fördert die Aktivitäten von 600 amerikanischen Unternehmen. Ferner ist dort die zweithöchste Konzentration japanischer Firmen außerhalb
Japans zu finden, und somit wurden der Generalkonsul und seine Stellvertreterin teilweise aufgrund
ihrer Asienerfahrungen sowie ihres europäischen
Hintergrunds ausgewählt.
Angesichts des geplanten Umzugs der US-Botschaft
nach Berlin hält die Wiedereröffnung des Konsulats
die amerikanische Präsenz in einer wirtschaftlich
lebenswichtigen Region aufrecht und betont erneut
die Bedeutung, die wir den deutsch-amerikanischen
Beziehungen in der Zeit nach dem Kalten Krieg
beimessen.

nische Präsenz bei den großen deutschen Messen aufbauen und eine größere Zahl europäischer
Käufer anziehen, die auf dem Messegelände
Kontakt zu den amerikanischen Ausstellern
knüpfen.
In Zusammenarbeit mit dem deutschen Wirtschaftsminister errichten wir mehrere Handelsund Investitionsmissionen in den neuen Bundesländern - einer Region, die von amerikanischen
Wirtschaftsvertretern oftmals übersehen wird.

Angesichts der Bedeutung dieser Aufgabe haben wir
den neuen Generalkonsul aus den Reihen der
Handelsabteilung im US-Wirtschaftsministerium
(Foreign Commercial Service - FCS) ausgewählt:
Wir entschieden uns für Thomas "Lee" Boam.

Im September veranstaltet Botschafter Holbrooke
in Berlin eine Konferenz "Neue Traditionen", an
der ich gerne teilnehmen möchte. Vertreter der
deutschen und amerikanischen Wirtschaft werden
die Zukunft der bilateralen Geschäfts- und Wirtschaftsbeziehungen erörtern. Die für den 8. bis
10. September anberaumte Konferenz fällt zeitlich
mit den Feierlichkeiten aus Anlaß des Abzugs der
Berlin Brigade zusammen.

Lee hat viel Zeit in Deutschland verbracht, und viele
von Ihnen haben ihn sicher während seiner zehnjährigen Tätigkeit für den Foreign Commercial Service
in Stuttgart, Frankfurt und Berlin kennengelernt. Wir
haben ihn gebeten, seinen derzeitigen Posten in
Hongkong frühzeitig zu verlassen, um diese Herausforderung anzunehmen.

Wir gestalten die Präsenz der US-Regierung in
Europa effektiver, um Ihnen stärkere Unterstützung
anbieten zu können. Botschafter Holbrooke hat alle
Mitarbeiter der US-Botschaft angewiesen, wie Wirtschaftsbeamte zu handeln und zu denken und Hand
in Hand mit den acht Büros des Foreign Commercial
Service in Deutschland zu arbeiten.

Ein neues American Business Center ist jedoch
nur ein Teil unserer umfassenden Bemühungen um
eine Partnerschaft. Showcase Germany wird auf
zwei Gleisen Fortschritte machen:

Marktchancen als Ergebnis politischer Initiativen: Auf den Gebieten, auf denen durch die
Liberalisierung des deutschen und europäischen
Marktes und die Deregulierung protektionistische
Hemmnisse abgebaut werden, unterstützen wir
amerikanische Unternehmen durch Frühwarnprogramme und Fürsprache für amerikanische
Bewerber bei größeren Projektausschreibungen.
Für Deutschland scheinen Telekommunikation,
Energie und Umwelt die vielversprechendsten
Sektoren zu sein.

Erstens wollen wir das Profil amerikanischer Unternehmen verbessern, die in Deutschland tätig werden
wollen - wir machen amerikanische Verkäufer und
deutsche Abnehmer miteinander bekannt und
überlassen ihnen alles weitere.
Zweitens unterstützen wir amerikanische Unternehmen durch eine Vielzahl von Dienstleistungen,
Daten und Empfehlungen.
Wir haben eine Reihe von Initiativen zur Förderung
von Kontakten zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmen eingeleitet:
Die Initiative Hauptkunden wird deutsche Abnehmer mit einer größeren Auswahl amerikanischer Technologie bekannt machen, insbesondere mit dem Angebot kleinerer, in Deutschland
noch nicht so bekannter Unternehmen.
Ferner haben wir großes Interesse an der Initiative Showcase Germany auf Handelsmessen, durch die wir auf die bereits starke amerika-

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Im Januar wurde in Frankfurt das erste gemeinsame Business Information Center des Foreign
Commercial Service und des US-Informationsamts
(United States Information Service - USIS) eröffnet, um an einem Ort erleichterten Zugang zu
Wirtschafts- und Handelsdienstleistungen zu
gewähren. Weitere Business Information Centers existieren in Berlin, Köln, Hannover und
München; für Hamburg, Leipzig und Stuttgart ist
ihre Eröffnung geplant.
Wirtschaftsförderung durch die Konsulate:
Konsularbeamte in Deutschland fördern jetzt
durch ihre Kontakte mit Antragstellern für Wirtschafts- und Investitionsvisa die Wirtschaftsinteressen der Vereinigten Staaten. In den Konsular-

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�abteilungen in Bonn, Berlin, Frankfurt, Hamburg
und München wurden Business InformationStellen eingerichtet.
Im September konsolidiert die US-Regierung ihre
Unterstützung im landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich in Hamburg. Wir hoffen,
daß die gemeinsame Ansiedlung von Wirtschaftsund Landwirtschaftsbeamten einen synergetischen Effekt bei der Erhöhung von Exporten in
dieser bedeutenden norddeutschen Stadt haben
wird.
Das Programm Showcase Germany ist jedoch in
vielerlei Hinsicht nur die Spitze des Eisbergs - ein
kleiner Teil der politischen Initiativen der ClintonAdministration zur Förderung von Geschäftsabschlüssen und Exporten.
Wir haben das Haushaltsdefizit unter Kontrolle
gebracht, unsere feste Entschlossenheit demonstriert, unsere internationale Position verbessert und
die Zinssätze niedrig gehalten.
Wir haben das Exportkontrollregime gelockert und
die Lizenzverfahren für amerikanische Hochtechnologieunternehmen vereinfacht, was der Regierung
erlaubt, sich stärker auf die wirklich gefährlichen
Nationen und Technologien zu konzentrieren. Unser
neuer Ansatz gestattet beispielsweise die Ausweitung des Verkaufs von Satellitenaufnahmen sowie
den Export von Fernerkundungssystemen.
Diese Politik sollte in Europa tätigen amerikanischen
Luftfahrtunternehmen die Chance zu effektiverem
Wettbewerb auf einem 400 Millionen Dollar-Weltmarkt eröffnen - einem Markt, der bis zum Jahr 2000
auf mehr als 2 Milliarden Dollar anwachsen könnte.
Der Markt für geographische Informationssysteme für Bilder, die demographische oder technische
Daten mit digitalen Karten verbinden - könnte zur
Jahrhundertwende zwischen 5 und 15 Milliarden
Dollar betragen.
*

Seite 4

*

Wir haben das NAFTA angenommen und die Uruguay-Runde nahezu zum Abschluß gebracht.
Wir wurden unermüdliche Fürsprecher der Geschäftswelt, angefangen mit Präsident Clinton. Und
die Ergebnisse sind bereits sichtbar - Düsenflugzeuge
und Telekommunikationsmittel für Saudi Arabien, eine
Verschiebung und möglicherweise Aufhebung massiver Zollerhöhungen in Rußland, Joint Ventures und
neue Initiativen in Südafrika.
Der Zweck ist jedoch in jedem Bereich der gleiche:
Eine effektivere Zusammenarbeit mit der amerikanischen Wirtschaft in einer im Wandel begriffenen Welt.
Bill Clinton wurde zum Präsidenten gewählt, um in
Amerika Arbeitsplätze zu schaffen.
Früher konnte das durch alleinige Konzentration auf
die Binnenwirtschaft getan werden. Aber die von uns
geschaffenen drei Millionen Arbeitsplätze - und die
steigenden Unternehmensgewinne, die diese Einstellungen begleiteten - waren hauptsächlich das
Ergebnis eines weltwirtschaftlichen Ansatzes.
In Deutschland, ganz Europa, in allen Mitgliedstaaten
der Uruguay-Runde wird sich die Geschwindigkeit
des Wandels weiter beschleunigen, der Wettbewerb
zunehmen und die nationale Sicherheit enger an die
wirtschaftliche Leistung gebunden. Nur durch die
Kombination der Ressourcen des öffentlichen und
privaten Sektors können die Vereinigten Staaten den
Wohlstand und die Sicherheit erreichen, die sie
anstreben. Die Clinton-Administration ist Ihr Fürsprecher und Ihr Partner.
Wenn die Regierung und der Privatsektor weiterhin
effektiv zusammenarbeiten und langfristige Ziele im
Auge behalten, können wir sowohl den amerikanischen Familien als auch den Familien in ganz Deutschland und Westeuropa zu einem neuen Maß an
Wohlstand verhelfen.

*

*

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�ARB E I T S W E L T
15. Juni 1994

REICH FORDERT INTERNATIONALE ARBEITSNORMEN
Ansprache von Arbeitsminister Reich vor der IAO
GENF - (AD) - Der amerikanische Arbeitsminister Robert Reich forderte die Annahme "grundlegender
Arbeitsnormen", die jedes Land der Welt einhalten sollte.
In seiner am 9. Juni 1994 bei der 81. Sitzung der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) gehaltenen Rede
äußerte Reich, solch grundlegende Normen sollten das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit bei der
Herstellung kommerzieller Produkte beinhalten sowie ein Ende der Einschränkung der Koalitionsfreiheit der
Arbeitnehmer oder des Rechts von Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf Tarifverhandlungen.
Reich erklärte ferner, er werde Präsident Clinton die Ratifizierung einer wichtigen Konvention der IAO durch
den Senat empfehlen und teilte mit, derzeit würde eine zweite Konvention ausgehandelt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Arbeitsminister Reich.

Es ist mir eine Ehre, an dieser 81. Sitzung der
Internationalen Arbeitsorganisation teilnehmen zu
dürfen. Ich gratuliere Charles Gray zu seiner Wahl.
Ferner entbiete ich IAO-Generaldirektor Michel
Hansenne meine Glückwünsche zu seinem anregenden Bericht an diese Konferenz. Es handelt sich um
ein vorausschauendes Dokument, das einen wertvollen Rahmen für die Debatte über die Integration von
Arbeitsnormen und handelspolitischen Tagesordnungen darstellt.
Zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich das
dauerhafte Engagement der Vereinigten Staaten für
die Belange der IAO bekräftigen und die pragmatischen Bestrebungen dieser Organisation zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf der ganzen Welt
begrüßen.
Mit Stolz kann ich berichten, daß sich die ClintonAdministration der Ratifizierung der wichtigsten
Konventionen der IAO verpflichtet hat. Vor meiner
Reise nach Genf habe ich dem Präsidenten empfohlen, die Ratifizierung von Konvention 150 durch den
Senat anzustreben, und wir beteiligen uns an den
trilateralen Gesprächen über Konvention 111.
Wir befinden uns an einem besonders angemessenen Punkt in der Geschichte, um die von der IAO
geleistete Arbeit zu würdigen. Dieses Jahr markiert
nicht nur den 75. Jahrestag der Gründung der IAO,
sondern auch den 50. Jahrestag der Erklärung von

AMERIKA DIENST 23

Philadelphia, dem bislang vielleicht ehrgeizigsten
Versuch, einer internationalen Position zu Arbeitsnormen Ausdruck zu verleihen. Heute hat die Frage
internationaler Arbeitsnormen jedoch zusätzliche
Betonung erhalten, was in Marrakesch durch die
Anerkennung symbolisiert wurde, daß Arbeitsnormen
bei der Formulierung der Aufgaben der neuen
Welthandelsorganisation (World Trade Organization WTO) in Betracht gezogen werden müssen.
Wir sind aus der konzeptuellen Sackgasse herausgekommen, welche die internationale Staatengemeinschaft so lange belastet hat. Nur wenige sind bereit
öffentlich zu behaupten, Arbeitsnormen seien zwar
hervorragend, jedoch rein innenpolitische Belange.
Es gibt auch nur wenige unvoreingenommene Befürworter des anderen Extrems, die Normen müßten in
jedem Land identisch sein. Wir haben die unerläßliche Voraussetzung eines Abkommens erreicht - den
Konsens, einen Mittelweg zu suchen.
Während wir ihn noch ausarbeiten, möchte ich die
Rechtmäßigkeit einer Definition absoluter Normen
geltend machen, deren Einhaltung von jedem Land
erwartet wird. Einige Praktiken am Arbeitsplatz
schließen manche Länder einfach aus der Gemeinschaft zivilisierter Nationen aus. Wie können diese
grundlegenden Arbeitsnormen definiert werden? Hier
müssen wir zunächst auf die Internationale Arbeitsorganisation blicken, deren Arbeit eine solide Grundlage für alle Bestrebungen zur Entwicklung von Listen

Seite 1

�verbotener Praktiken bietet. Jede dieser Listen
umfaßt zweifellos durch Zwangs- oder Sklavenarbeit
hergestellte Waren. Einige Formen der Kinderarbeit
- beispielsweise die Arbeit sehr kleiner Kinder verstoßen ebenfalls gegen die universellen Normen,
selbst in den ärmsten Ländern. Armut ist auch kein
stichhaltiger Vorwand für die Einschränkung der
Versammlungs- und Koalitionsfreiheit oder des
Rechts von Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf
Tarifverhandlungen.
Über die kurze Liste grundlegender Arbeitsnormen
hinaus müssen die Urteile stärker von den jeweiligen
Bedingungen abhängig gemacht werden.
Die
internationale Staatengemeinschaft kann keinesfalls
den Versuch unternehmen, Arbeitszeit, Mindestlöhne, Sozialleistungen, Gesundheits- oder Sicherheitsnormen zu diktieren, die jenen in den Vereinigten Staaten oder anderen Industrienationen
entsprechen. Die Überzeugung, daß die Entwicklungsländer reicher werden müssen, um ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern - und
zu diesem Zweck Handel treiben müssen - ist
fundiert. Diese Beobachtung enthält jedoch das
implizite Zugeständnis, daß Normen nicht statisch
sein sollten, daß die Fähigkeit eines Landes, seinen
Bürgern bessere Arbeitsbedingungen anzubieten, mit
dem zunehmendem Grad seiner Entwicklung steigt
und internationale Erwartungen ebenfalls entsprechend steigen könnten.
Obwohl es weder fair noch realistisch ist darauf zu
bestehen, daß Arbeitsnormen in Entwicklungsländern
mit denen in den reicheren Ländern identisch sein
sollten, kann man zu Recht erwarten, daß sich die
Arbeitsnormen mit zunehmendem Entwicklungsgrad
verbessern.
Diese Erwartung spiegelt sowohl
moralische als auch materielle Interessen wider.
Länder mit einem steigenden Lebensstandard für die
Massen bieten auch einen Markt für die Exporte
anderer Staaten. Somit haben alle Länder ein
ökonomisches Interesse an verbreitetem Wohlstand
im Ausland. Freier Handel ist hierzu das Mittel, nicht
der Zweck. Das Ziel ist ein höherer Lebensstandard
weltweit. Wenn ein Land jedoch eine Politik verfolgt,
die auf die Einfrierung des Lebensstandards auf
niedrigem Niveau und die Beschränkung der Vorteile
des Handels auf eine kleine Elite abzielt, wird das
Versprechen offenen Handels verkehrt und seiner
logischen Grundlage beraubt.
Wenn die Welt zu Recht erwarten kann, daß Wachstum in der Dritten Welt mit verbesserten Arbeitsbedingungen einhergeht, welche Kriterien - die über
die Verletzung absoluter Normen hinsichtlich
Zwangs-, Sklaven- und Kinderarbeit sowie offenkundige Beschränkungen der Versammlungs- und
Koalitionsfreiheit hinausgehen - könnten dann einen

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Leitfaden dafür bieten, worauf die internationale
Staatengemeinschaft ihre Aufmerksamkeit richten
sollte?
Ich möchte einen aus zwei Teilen bestehenden Test
vorschlagen. Der erste betrifft demokratische Institutionen, der zweite Trends.
Arbeitsbedingungen werden sowohl von wirtschaftlichen als auch von politischen Faktoren bestimmt, und
die Auswirkungen sind schwer auseinanderzuhalten.
Die Existenz demokratischer Institutionen - Pluralismus, Rede- und Pressefreiheit, saubere Wahlen geben Anlaß zu der Überzeugung, daß niedrige
Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen mit ökonomischen Beschränkungen in Verbindung stehen. Je
weniger demokratisch ein Land ist, desto größerer
Anlaß besteht zu Mißtrauen, daß Arbeitsnormen
unterdrückt werden, um engstirnigen kommerziellen
Interessen oder einem irregeleiteten merkantilistischen Impuls der Eliten zu dienen.
Im Falle einigermaßen gefestigter demokratischer
Institutionen können wir demnach vermuten, daß
Arbeitsnormen ein Spiegelbild dessen sind, was sich
ein Land angesichts seines Entwicklungsstandes
leisten kann. Was gilt jedoch für Länder mit schwachen oder nicht vorhandenen demokratischen Institutionen?
Ungleichheit ist eine weitere Meßlatte. Das Leben
schlechtbezahlter Arbeitnehmer sollte sich verbessern, nicht verschlechtern, wenn Handel und Investitionen das Volkseinkommen erhöhen. Die Kluft
zwischen reich und arm sollte mit zunehmendem
Entwicklungsgrad schmaler, nicht breiter werden.
Wenn ein Land nicht über demokratische Institutionen
verfügt und nicht allen die Vorteile des Wachstums
zukommen läßt, könnten andere Länder zu Recht
den Schluß ziehen, daß Arbeitsnormen nicht auf die
Armut an sich zurückzuführen sind, sondern auf
politische Entscheidungen, die Entwicklung und die
Wirtschaftsstruktur verzerren.
Der von mir umrissene vorläufige Rahmen befaßt
sich nur mit der Diagnose, nicht mit dem Rezept.
Welche Antwort sollte die internationale Staatengemeinschaft auf Maßnahmen geben, welche die von
ihr artikulierten Nuimen verletzen?
In diesem Zusammenhang möchte ich mich auf drei
allgemeine Prinzipien beschränken. Erstens sollte
jede Intervention vorzugsweise multilateral genehmigt
und durctigeführt werden, um die Expertise globaler
Organisationen auszunutzen und die Chance zu
erhöhen, daß diese intervention wirksam ist.

AMERIKA DIENST 23

�Zweitens sollte es eine Reihe potentieller Antworten
auf den Mißbrauch von Arbeitsnormen je nach deren
Natur und Schwere geben. Diese könnten technische Hilfe zur Förderung von Verbesserungen
umfassen, Vorschriften zum Aufdecken von Mißbrauch, eine Verweigerung des Anspruchs auf
internationale Kredit- und Darlehensprogramme
sowie gezielte handelspolitische Maßnahmen.
Das dritte Prinzip, das den beiden anderen Auftrieb
verleiht, ist Pragmatismus. Der Zweck jeder Intervention muß in der Herbeiführung von Wandel in
den die Normen verletzenden Nationen liegen.
Eingehende Untersuchung und Analyse auf jeder
Stufe müssen die Bestrebungen der internationalen
Staatengemeinschaft zur Verbesserung von Arbeitsnormen durchsetzen. Und wir dürfen nicht die

* *

AMERIKA DIENST 23

Tatsache aus den Augen verlieren, daß der Handel
an sich - durch die Öffnung der Wirtschaft für externe
Einflüsse und Ermöglichung eines breiteren Spektrums innenpolitischer Interessen - ein Katalysator für
progressiven Wandel sein kann.
Die Entwicklung eines detaillierten Programms für die
Förderung internationaler Arbeitsnormen wird uns bis
zum Ende dieses Jahrhunderts und vielleicht sogar
darüber hinaus beschäftigen. Wir dürfen bei der
Fortsetzung, Ausweitung und praktischen Umsetzung
der Kernaufgaben der IAO keine Zeit verschwenden.
Wir hoffen und erwarten, daß sich die Welthandelsorganisation das herausragende Wissen und die
Expertise der IAO zunutze machen wird, während sie
die Rolle angemessener Arbeitsnormen in einer
zunehmend integrierten Weltwirtschaft erörtert.

*

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA und Europa müssen gemeinsame Friedensstrategie verfolgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Clintons vor der französischen Nationalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Partnerschaft für Frieden&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher: Partnerschaft für den Frieden ist bemerkenswerte Leistung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor dem Nordatlantikrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ron Brown vor der American Chamber of Commerce&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Arbeitswelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reich fordert internationale Arbeitsnormen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Arbeitsminister Reich vor der IAO&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
^r,

D

N ^

Z 12462 C

8. Juni 1994

22

D-DAY

CLINTON RUFT AMERIKANER
ZUM
GEDENKEN AN DIE LEHREN DES ZWEITEN
WELTKRIEGS AUF
Gedenkbotschaft des Präsidenten
CLINTON FORDERT DEN GEIST DER
LANDUNG IN DER NORMANDIE FÜR DIE
HEUTIGEN HERAUSFORDERUNGEN
Erklärung des Präsidenten vor Euröpareise
CLINTON EHRT DIE GEFALLENEN
Ansprache an Bord der USS
Washington

George

AUSSENPOLITIK

DIE AMERIKANISCHE VISION:
EIN
INTEGRIERTES EUROPA VOM ATLANTIK
ÜBER GANZ RUSSLAND
WorldNet-Interview mit Außenminister Christopher
- Auszüge

USA-CHINA

USA
UNTERSTÜTZEN
WELTWEIT
DEMOKRATIE UND MENSCHENRECHTE
Ansprache von Außenminister Christopher

NORDKOREA

USA NEHMEN KONSULTATIONEN ÜBER
SANKTIONEN GEGEN NORDKOREA AUF
Gespräche mit UNO und Verbündeten

BOSNIEN

DER
BOSNIEN-VERTRAG
RETTETE
MENSCHENLEBEN
Rede von Botschafter Galbraith in Zagreb

SPORT

"LIEBE IST WIE EIN BASEBALLSPIEL:
ZUSCHAUERSPORTARTEN
UND DIE
AMERIKANISCHE KULTUR (II)
von John R. Eidson

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 339 23 72
Fax: 0228 334102

�D - DAY
8. Juni 1994

CLINTON RUFT AMERIKANER ZUM GEDENKEN AN
DIE LEHREN DES ZWEITEN WELTKRIEGS AUF
Gedenkbotschaft des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat die Amerikaner dazu aufgerufen, sich angesichts der
bevorstehenden Feierlichkeiten aus Anlaß des 50. Jahrestages der Landung der Alliierten in der Normandie
erneut mit den aus diesem verhängnisvollen Konflikt zu ziehenden Lehren zu befassen und die Werte des
menschlichen Anstands zu bekräftigen.

In einer am 2. Juni 1994 veröffentlichten Gedenkbotschaft erinnerte Präsident Clinton daran, daß diejenigen,
die den Krieg führten und gewannen den Amerikanern das Recht sicherten, "dem Land der Freiheit
anzugehören. Es ist daher angemessen und erforderlich, daß wir ihrer gedenken und ihnen danken."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Botschaft des Präsidenten im Wortlaut.

Vor fünfzig Jahren befand sich diese Nation im
Krieg.
Vor fünfzig Jahren kämpften die Amerikaner Seite an
Seite mit Männern und Frauen aus 32 anderen
Ländern - geeint im Kampf gegen die klar definierten
Kräfte des Bösen und der Tyrannei.
Vor fünfzig Jahren hatten diejenigen, die zurückblieben und den Krieg an der Heimatfront kämpften,
keinen Zweifel an der Rechtmäßigkeit unserer Sache
und zeigten sich der Lage ohne Zögern gewachsen.
Jeder einzelne - von den Vertretern unserer Wirtschaft bis zu unseren Müttern und Schwestern, die
sich über Nacht dem Bataillon der Fabrikarbeiterinnen anschlössen - engagierte sich für eine Welt,
deren Rettung der Mühe wert war, für Werte, die zu
erhalten sich lohnte.
Vor fünfzig Jahren führten und gewannen die Amerikaner diesen Krieg. Und als unsere Männer und
Frauen nach Hause zu denjenigen zurückkehrten,
die diesen Krieg mit ihnen gekämpft hatten, wurden
sie als Helden gefeiert - die nicht um ein Imperium
oder einen Schatz gekämpft hatten, sondern um die
Freiheit und das Gute und gegen das Böse.

AMERIKA DIENST 22

Das Böse waren Hitler und der Blitzkrieg, sein
wahnsinniger Eroberungskrieg. Das Böse waren die
Konzentrationslager und die vorsätzliche Ausrottung
von Millionen Menschen. Das Böse waren die
Angriffe auf Pearl Harbor, die Todesmärsche auf den
Philippinen und die Versklavung wehrloser Nationen.
Das Gute waren der Glaube der freien Welt an den
Geist und die Freiheit des Menschen und das einfache Konzept menschlichen Anstands.
Es gibt eine amerikanische Tradition, die aus dem
Ackerland des Südens, dem offenen Land des
äußersten Westens, den Städten des Ostens und den
Industriegebieten des Mittleren Westens stammt - die
Tradition, sich für menschlichen Anstand einzusetzen.
Genau darum ging es im Zweiten Weltkrieg. Das ist
sein Vermächtnis, und ich hoffe, daß bei dem Gedenken an den 50. Jahrestag der Beendigung dieses
Krieges und an den Sieg sich alle Amerikaner erneut
mit den aus diesem verhängnisvollen Konflikt zu
ziehenden Lehren befassen und die Werte des
menschlichen Anstands bekräftigen.
In den kommenden zwei Jahren werden meine Frau,
Tipper und AI Gore und ich hoffentlich mit Ihnen allen
an den Gedenkfeiern aus Anlaß des 50. Jahrestages
der Beendigung des Zweiten Weltkriegs teilnehmen.
Ich habe den Verteidigungsminister gebeten, die aus

Seite 1

�diesem Anlaß abgehaltenen Veranstaltungen aufeinander abzustimmen und rufe alle Veteranen-, Regierungs-, zivilen, wirtschaftlichen und sozialen Organisationen dazu auf zu demonstrieren, daß eine
dankbare Nation im Gedenken geeint ist.

Diejenigen, die vor uns die Stellung hielten, haben
uns das Recht gesichert, dem Land der Freiheit
anzugehören. Es ist angemessen und erforderlich,
daß wir ihrer gedenken und ihnen danken,

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 22

�D - DAY
8. Juni 1994

CLINTON FORDERT DEN GEIST DER LANDUNG IN DER
NORMANDIE FÜR DIE HEUTIGEN
HERAUSFORDERUNGEN
Erklärung des Präsidenten vor Europareise
WASHINGTON - (AD) - Angesichts der die Vereinigten Staaten im In- und Ausland konfrontierenden neuen
Herausforderungen kommen die Erfolge Präsident Clinton zufolge nicht mit großer Geschwindigkeit. "Wir
müssen unsere Schlachten jedoch zu einem guten Ende bringen."
Vor dem Aufbruch zu seiner achttägigen Europareise, auf der er an den Gedenkfeierlichkeiten aus Anlaß des
50. Jahrestages der Landung in der Normandie teilnimmt, verglich der Präsident die derzeitige Situation mit
der Militäraktion in der Normandie und zitierte die Äußerung Präsident Franklin Roosevelts vom 6. Juni 1944:
"Der Erfolg wird nicht mit großer Geschwindigkeit kommen. Wir werden jedoch wieder und wieder
zurückkehren."
Nachfolgend veröffentlichen wir die offizielle Version der von Präsident Clinton vor seiner Abreise abgegebenen
Erklärung.

Vielen Dank, Colonel Nechey, für Ihre einleitenden
Worte, Ihre Ausführungen und Ihren heroischen
Einsatz für Ihr Land. General Sullivan, General
Talbott, Herr Stanton.

Ich werde gleich zu der historischen Europareise aus
Anlaß des 50. Jahrestages der Landung der Alliierten
in der Normandie und anderer entscheidender
Schlachten des Zweiten Weltkriegs aufbrechen.

Wir stehen heute im Schatten von Winged Victory,
der Statue zuoberst des Monuments der Ersten
Infanteriedivision, der Big Red 1. Das Motto spricht
für sich: "Kein Auftrag ist zu schwierig, kein Opfer
zu groß, die Schönheit steht an erster Stelle". Die
Nummer Eins ist nicht nur im Namen Ihrer Division
enthalten, sondern demonstriert auch, welches
Vertrauen Ihr Land schon seit langer Zeit in Sie
setzt.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um dem
Verteidigungsministerium und dem Ausschuß für das
Gedenken an den Zweiten Weltkrieg für die bei der
Organisation dieser Feierlichkeiten geleistete harte
Arbeit zu danken. In Europa werden wir der Opfer
der Generation gedenken, die diesen großen Krieg
geführt hat. Sie hat uns zu 50 Jahren der Freiheit
und starken nationalen Souveränität verholten,
Generationen junger Amerikaner hervorgebracht und
uns die Chance gegeben, gemeinsam mit anderen
Ländern den Kalten Krieg zu beenden und das 21.
Jahrhundert vorzubereiten.

Sie standen seit Beginn Ihres Bestehens im Kampf
an erster Stelle: Die ersten in Paris im Ersten
Weltkrieg, die ersten an der Küste der Normandie,
die erste Armeedivision in Vietnam, die ersten, die
bei der Operation Wüstensturm die irakischen
Verteidigungsstellungen durchbrachen.

AMERIKA DIENST 22

Bevor wir abreisen um jener zu gedenken, die im
Zweiten Weltkrieg kämpften und starben, sollten wir
meines Erachtens hier auf amerikanischem Boden
ein Wort über diejenigen sagen, die während des
Krieges zu Hause blieben und ebenfalls Helden sind.

Seite 1

�Sie leisteten einen Beitrag: Die Frauen, die Flugzeuge bauten oder Bandagen rollten, die Landwirte,
die Nahrungsmittel für die Truppen anbauten,
Männer in meinem Bundesstaat und in vielen
anderen, die 16 Stunden in den Kohlenbergwerken
arbeiteten, den Kohlenstaub einatmeten und ihre
Körper schunden, um unsere Produktionsmaschinerie in Gang zu halten, oder die Kinder, die Schrott
und Gummi für die Produktion sammelten. Die
Heimatfront, die Armee der Demokratie, die sich um
ihre Lieben in Übersee sorgte, behielt den Glauben
an die nach dem Krieg zu erntenden Früchte bei,
wodurch die Landung in der Normandie und der
Sieg ermöglicht wurden.
Unter der starken Führung Präsident Roosevelts
weckten diese Menschen das schlummernde Genie
der riesigen amerikanischen Industrie. 1940 besaß
unsere Marine nicht ein Landungsboot. 1944 waren
es mehr als 25.000. 1940 produzierten die Vereinigten Staaten monatlich nicht einmal 500 Flugzeuge. 1941 forderte Franklin D. Roosevelt die Produktion von über 4.000 monatlich an, worauf ihn jeder
füi ein wenig übergeschnappt hielt. Am Tag der
Landung der Alliierten in der Normandie produzierten
die Fabrikarbeiterinnen Amerikas und ihre Kolleginnen andernorts doppelt soviele Flugzeuge, wie
Roosevelt gefordert hatte.
Nach dem Krieg setzte dieselbe Generation ihre
Energie für die Schaffung neuen Wohlstands ein.
Sie baute Schulen und Autobahnen und schuf durch
das Gl-Gesetz, die Wohnungsbauinitiativen und
anderes einen Sinn für das gemeinsame Ziel, der
das Land wieder auf den normalen Weg führte und
zum Entstehen der stärksten Mittelschicht in der
Geschichte des Menschen führte.
Am Tag der Landung der Alliierten in der Normandie
versammelten sich die Amerikaner vor den Radios
und stimmten in Präsident Roosevelts Gebet ein.
"Der Erfolg", äußerte er, "kommt vielleicht nicht mit
großer Geschwindigkeit. Wir werden jedoch wieder

*

Seite 2

*

und wieder zurückkehren. Und wir wissen, daß durch
Deine Gnade und die Rechtmäßigkeit unserer Sache
unsere Söhne triumphieren werden."
Heute werden wir im In- und Ausland mit neuen
Herausforderungen konfrontiert. Wir wissen heute
wie damals, daß der Erfolg sich nicht mit großer
Geschwindigkeit einstellt.
Wir müssen unsere
Schlachten jedoch zu einem guten Ende bringen.
Ebenso wie vor 50 Jahren am Tag der Landung in
der Normandie wird Amerika auch am Montag, den 6.
Juni bei der Arbeit sein. Sie werden an diesem
Montag vielleicht einen Moment in der Arbeit innehalten und jenes Tages vor 50 Jahren gedenken, an
dem die Männer und Frauen Amerikas die Demokratie in Europa retteten und den Lauf der Weltgeschichte veränderten.
Wo immer Sie sich an diesem Tag befinden, werden
Sie hoffentlich etwas Zeit finden, den Feierlichkeiten
zuzuschauen. Ich hoffe, daß Sie sich Gedanken
darüber machen, wie wir das Vermächtnis ehren,
indem wir es fortführen. Das ist die größte Ehrbezeugung überhaupt.
Eines der größten Privilegien, die ich als Präsident
genieße, besteht darin, unser gesamtes Land bei der
Ehrung derjenigen zu vertreten, die den Zweiten
Weltkrieg gewannen. Diese Woche wollen wir alle vom Präsidenten bis zu jedem einzelnen Bürger unser Bestes geben, um einfach Danke zu sagen.
Danke für das von Euch Geleistete. Danke für das
von Euch durch Euer Opfer, Euren Mut und Eure
Entschlossenheit gegebene Beispiel.
Es ist angebracht, daß wir an diesem Ort damit
beginnen - im Schatten dieses großartigen Monuments der Ersten Armeedivision. Wir alle, alle
Amerikaner, sollten diese Woche in Dankbarkeit,
Nachdenklichkeit und mit Entschlossenheit verbringen.
Gott segne Sie alle und Gott schütze Amerika.

*

*

AMERIKA DIENST 22

�D - DAY
8. Juni 1994

CLINTON EHRT DIE GEFALLENEN
Ansprache an Bord der USS George Washington
Colleville-sur-Mer - (AD) - In einer feierlichen Zeremonie im Morgengrauen an Bord der USS George
Washington vor der Küste der Normandie ehrte US-Präsident Clinton am 6. Juni 1994 die vor 50 Jahren am
Tag des Einmarsches der Alliierten in der Normandie Gefallenen.
"Wir versammeln uns heute in der Stille kurz nach Sonnenaufgang, um jenes schicksalsschweren Morgens zu
gedenken, des Dreh- und Angelpunktes des Krieges und vielleicht sogar des 20. Jahrhunderts", erklärte der
Präsident.
"Wir sollten jedoch nie vergessen, daß zu diesem Zeitpunkt am 6. Juni 1944 für die an der Invasion Beteiligten
der Sieg alles andere als sicher war... und diese Wasser sind auf ewig durch ihr Opfer geweiht."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Vielen Dank, Herr Rockwell, Herr Minister, Herr
Admiral, Kapitän Sprigg, verehrte Mitglieder des
Kongresses, des Kabinetts, der Streitkräfte, verehrte
Veteranen, Familienangehörige und Freunde. Diese
neue, dem historischen Tag entsprechende Morgendämmerung ruft uns das Morgengrauen vor 50
Jahren ins Gedächtnis, den Anbruch eines neuen
Zeitalters, als sich Tausende von Kriegsschiffen zur
Befreiung Europas versammelten. Von den Kriegsschiffen der Alliierten abgegebene Geschützsalven
trafen auf die Strände der Normandie, während der
Himmel ein helles Grau annahm. Eine Unzahl
junger Männer in Landungsbooten machte sich an
die Eroberung dieser Strände.
Nach mehr als einjähriger hervorragender Planung
General Eisenhowers und seines aus Mitgliedern der
Alliierten bestehenden Stabs und derjenigen, die
sogar schon früher hier waren und nach einer
quälenden, wetterbedingten Verzögerung brach
endlich der D-Day an - heute vor exakt 50 Jahren.
Wir versammeln uns heute in der Stille kurz nach
Sonnenaufgang, um jenes schicksalsschweren
Morgens zu gedenken, des Dreh- und Angelpunktes
des Krieges und vielleicht sogar des 20. Jahrhunderts.
Wir sollten jedoch nie vergessen, daß zu diesem
Zeitpunkt am 6. Juni 1944 für die an der Invasion

AMERIKA DIENST 22

Beteiligten der Sieg alles andere als sicher war. Das
Wetter war bedrohlich, die See aufgewühlt, der Feind

hatte feste Stellung bezogen. Selbst wenn die Pläne
in allen Einzelheiten vorliegen, kann das Chaos der
Schlacht die besten Pläne über den Haufen werfen,
und bei einigen unserer Einheiten liefen die Pläne
schief. General Eisenhower hatte sogar schon eine
Erklärung für den Fall vorbereitet, daß die Operation
scheitern sollte.
Als die Stunde kam, war jeder an der Invasion
Beteiligte gezwungen, sich auf seine Art darauf
vorzubereiten. Wir wissen heute, daß einige Soldaten und Seeleute Briefe an ihre Frauen schrieben,
oder an ihre Kinder, die sie nie in den Armen gehalten hatten. Einige machten Würfelspiele und hofften
auf eine Glückssträhne. Andere versuchten zu lesen,
wieder andere beteten. Ein jüdischer Offizier, Kapitän Irving Gray, bat den Kaplan seines Landungsbootes, ein Gebet zu sprechen: "An den Gott, an
den wir alle glauben, seien wir Protestanten, Katholiken oder Juden, daß unsere Mission gelingen möge
und wir wieder sicher nach Hause zurückkehren."
Als die Nachricht von der Invasion die zu Hause
gebliebenen Amerikaner erreichte, wandten sie sich
an Gott. In einer Schiffswerft in Brooklyn knieten die
Schweißer auf den Decks ihres Freiheitsschiffes
nieder und beteten zusammen das Vater Unser. Die

Seite 1

�Soldaten, die in Utah und auf Omaha Beach landeten, brauchten diese Gebete, denn sie fanden ein
schreckliches Gemetzel vor. Tausende kehrten nie
mehr nach Hause zurück. Denjenigen, die überlebten, halfen ihr Glaube an die Gnade ihres Schöpfers und an ihre eigenen Fähigkeiten, den Tag zu
überstehen. Und auch schierer Mut, Freiheits- und
Vaterlandsliebe.

Flagge. Als er davonschwamm, flatterte unsere
Fahne in der Meeresbrise. Der Untergang der Corry
war keine Niederlage. Heute liegt das Wrack dieses
Schiffes direkt unter uns - ein unsichtbares Monument für diejenigen, die zum Sieg in diesem großen
Krieg beitrugen. Dreizehn Mitglieder der Besatzung
der Corry liegen ebenfalls hier, und diese Wasser
sind auf ewig durch ihr Opfer geweiht.

Eine der bewegendsten Geschichten, die über DDay erzählt werden, und die der Marineminister
bereits angesprochen hat, ist die Geschichte der
USS Corry. Die von Minen zerrissene Corry, die
feindliche Positionen auf der Utah Beach attackierte,
begann zu sinken. Einer blieb jedoch an Bord. Er
erkletterte das Heck, nahm die Flagge ab, schwamm
und kletterte zum Hauptmast. Dort hißte er die

Vor fünfzig Jahren beendete General Eisenhower
seinen Tagesbefehl mit den Worten: "Wir wollen alle
den Allmächtigen Gott um seinen Segen für dieses
großartige und edle Unterfangen anflehen." Zu
Beginn dieses Gedenktages wollen wir ebenfalls den
Segen Gottes erbitten: Für alle, die vor 50 Jahren im
Dienste der Freiheit gefallen sind, und für die Amerikaner, die ihr nobles Werk fortsetzen. Gott segne
sie, und Gott segne Amerika.

* *

Se

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2

*

*

AMERIKA DIENST 22

�AUSSENPOLITIK
8. Juni 1994

DIE AMERIKANISCHE VISION: EIN INTEGRIERTES
EUROPA VOM ATLANTIK ÜBER GANZ RUSSLAND
WorldNet-Interview mit Außenminister Christopher - Auszüge
WASHINGTON - (AD) - Am Vorabend seiner gemeinsamen Europareise mit Präsident Clinton aus Anlaß der
Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Landung in der Normandie erklärte US-Außenminister Christopher:
"Natürlich ist der Beginn der Reise ein Blick zurück in die Vergangenheit und ein großartiges Gefühl wegen
der Landung in der Normandie. Das wichtigste bei dieser Reise ist für mich jedoch in vielerlei Hinsicht der
Blick in die Zukunft.
In einem WorldNet-Interview mit Teilnehmern aus Bonn, Moskau und Warschau erklärte Außenminister
Christopher am 31. Mai 1994: "Unsere Vision, unser Traum ist der eines integrierten Europas, das sich vom
Atlantik über ganz Rußland erstreckt. Wenn wir das erreichen können, wird die Welt meines Erachtens
sicherer sein."
Nachfolgend veröffentlichen wir einen Auszug aus dem per Satellit übertragenen WorldNet-Interview des USInformationsamts (United States Information Service - USIA).

Ansager:

eine

daß nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine

internationale Telekonferenz. Live aus unseren
Studios in der amerikanischen Bundeshauptstadt
Washington meldet sich jetzt Jim Harriott.

WorldNet

präsentiert

Dialog,

Anzahl von Institutionen geschaffen wurden, die für
uns gängige Begriffe geworden sind: Die NATO, das
Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT, die
Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung OECD. Aufgrund der Spannungen aus
der Zeit des Kalten Krieges waren wir jedoch nie in
der Lage, die Vorteile dieser wichtigen Institutionen
auf Mittel- und Osteuropa auszudehnen. Folglich
haben der Präsident und ich die Vorstellung, daß jetzt
die Zeit gekommen ist, die Vorteile dieser Organisationen auch dem Osten zugute kommen zu lassen.

Harriott: Ich begrüße Sie zu unserer WorldNetSendung Dialog. Es ist uns eine große Ehre,
Außenminister Christopher bei uns willkommen zu
heißen.
Christopher: Guten Morgen, Jim.
Harriott: Wir freuen uns immer, sie hier bei uns zu
Gast zu haben. Gleich werden die europäischen
Teilnehmer aus Deutschland, Rußland und Polen
zugeschaltet.
Herr Außenminister, Sie reisen
morgen nach Europa und werden an mehreren
Ministerkonferenzen teilnehmen. Könnten Sie bitte
kurz einige der Ziele der Administration bei diesen
Treffen umreißen?
Christopher: Ich werde morgen zusammen mit
dem Präsidenten aufbrechen. Natürlich ist der
Beginn der Reise ein Blick zurück in die Vergangenheit und ein großartiges Gefühl wegen der Landung
in der Normandie. Das wichtigste bei dieser Reise
ist für mich jedoch in vielerlei Hinsicht der Blick in
die Zukunft. Für mich ist die Tatsache interessant,

AMERIKA DIENST 22

Ich werde - soweit ich weiß am 8. Juni - in Paris an
dem Treffen der OECD teilnehmen.
Präsident
Clinton hat sich persönlich dazu verpflichtet, die
Vorteile der OECD den mitteleuropäischen Ländern
wie beispielsweise Ungarn, der Tschechischen
Republik, Polen und der Slowakischen Republik
zugänglich zu machen. Und ich werde bei unseren
Zusammenkünften in Paris darauf drängen. In Paris
soll auch ein bedeutendes Abkommen zwischen der
OECD und Rußland abgeschlossen werden, das
meines Erachtens ein bedeutender Schritt vorwärts
ist, damit Rußland einige der aus einer Mitgliedschaft
in der OECD resultierenden Vorteile genießen kann.

Seite 1

�Anschließend werde ich zu dem NATO-Treffen nach
Istanbul reisen, einer unserer regelmäßigen Zusammenkünfte. Wir werden dort weitere Fortschritte
an unserem Konzept einer Partnerschaft für den
Frieden machen. Es bestärkt uns außerordentlich
zu sehen, daß zum Zeitpunkt dieses Treffens bereits
20 Nationen einen Antrag auf Mitgliedschaft in der
Partnerschaft für den Frieden gestellt haben. Es
handelt sich hier um ein sehr wertvolles Konzept.
Alle Nationen werden an der Partnerschaft für den
Frieden als gleichberechtigte Partner teilhaben.
Keine erhält einen Sonderstatus. Natürlich sehen
wir der Teilnahme Rußlands an der Partnerschaft
erwartungsvoll entgegen. Wir werden im Rahmen
der Partnerschaft für den Frieden sehr wichtige
Beziehungen zu Rußland unterhalten. Gleichzeitig
werden wir jedoch auch außerhalb dieser Partnerschaft Kontakte zu Rußland pflegen, da dieses Land
über einzigartige Eigenschaften verfügt. Dies sind
für unsere Arbeit äußerst bedeutende Zusammenkünfte. Das allgemeine Konzept habe ich bereits
angesprochen - es ist einfach, aber solide und
enthält die Möglichkeit, die von uns nach dem
Zweiten Weltkrieg geschaffenen Institutionen nach
Osten hin zu erweitern. Ich danke Ihnen, Jim.
Harriott: Vielen Dank, Herr Minister. Wir begrüßen
jetzt unseren ersten Teilnehmer aus Bonn, Klaus
Prömpers vom Zweiten Deutschen Fernsehen. Sie
haben das Wort.
Frage: Herr Außenminister, um mit dem ersten Teil
Ihrer Europareise, dem OECD-Treffen in Paris zu
beginnen: Die Europäische Union versucht, Staaten
wie Polen, die Tschechische und die Slowakische
Republik, Ungarn und andere einzubeziehen.
Würden die Vereinigten Staaten Ihrer Ansicht nach
eine Aufnahme dieser Staaten in die Europäische
Union in, sagen wir, fünf oder zehn Jahren begrüßen?
Christopher: Das würden wir. Die Vereinigten
Staaten halten das für einen weiteren Aspekt der
Öffnung der Grenzen nach Osten um sicherzustellen, daß die Nationen Mittel- und Osteuropas in
diese wertvollen Organisationen integriert werden.
Natürlich bleibt die Geschwindigkeit und Methode
dieser Aufnahme der Europäischen Union überlassen. Vom Standpunkt der Vereinigten Staaten
aus handelt es sich hier jedoch um eine äußerst
wünschenswerte Entwicklung.
Frage: Gestatten Sie mir eine Frage zur Konferenz
der NATO-Außenminister in Istanbul? Vergangene
Woche ließ der Ausschuß für Verteidigungsplanung
in Brüssel wissen, daß Herr Gratschow Sonderwünsche hinsichtlich der Teilnahme Rußlands an dem
Programm einer Partnerschaft für den Frieden habe.

Seite 2

Sind Sie der Ansicht, daß Ihr russischer Amtskollege
Kosirew einen genaueren Zeitplan dazu vorlegen
wird, was die Russen als besonderer Partner in dem
Programm wünschen und ob sie als besondere
Supermacht außerhalb bleiben?
Christopher: Ich sehe den Gesprächen mit Andrej
Kosirew über den Beitritt Rußlands zur Partnerschaft
für den Frieden erwartungsvoll entgegen. Ich weiß
nicht genau, wann diese Gespräche stattfinden
sollen, aber wir sprechen bereits seit Monaten über
das allgemeine Konzept. Wenn Rußland der NATO
beitritt - und ich war sehr erfreut über die Äußerung
Verteidigungsminister Gratschows, daß an den Beitritt
keine Bedingungen geknüpft werden sollen - wäre
das Land ein Mitglied wie jedes andere, auf der
Grundlage der Gleichberechtigung.
Natürlich werden wir aufgrund der Größe und Bedeutung Rußlands auch außerhalb der Partnerschaft für
den Frieden weiterhin Beziehungen besonderer Art
zu diesem Land unterhalten. Meines Erachtens sind
die atomaren Fähigkeiten des Landes eindeutig ein
Gebiet, auf dem wir wegen dieser einzigartigen
Befähigung Kontakte zu Rußland pflegen sollten.
Innerhalb der Partnerschaft für den Frieden ist es
meiner Meinung nach jedoch äußerst wichtig, daß
alle Nationen gleichberechtigt sind. Natürlich hat jede
dieser Beziehungen, jedes der Abkommen zwischen
der NATO und den Mitgliedstaaten einen besonderen
Charakter. Sie sind auf das besondere Land zugeschnitten. Im allgemeinen bin ich jedoch sicher, daß
uns die Ausarbeitung einer zufriedenstellenden
Grundlage für die Teilnahme Rußlands an der
Partnerschaft für den Frieden gelingen wird, und wir
werden ferner die Beziehungen aufrechterhalten, die
wir mit dem Land außerhalb der Partnerschaft
pflegen.
Frage: Im Oktober vergangenen Jahres brachten die
Vereinigten Staaten das Programm einer Partnerschaft für den Frieden zur Sprache, und viele Menschen hier in Europa, insbesondere in Deutschland,
hatten den Eindruck, daß dieses Programm darauf
abzielt, die Polen, Tschechen und Slowaken aus der
NATO herauszuhalten. Das Problem könnte für die
Vereinigten Staaten und Rußland gleichermaßen
sein, daß ein Beitritt zur NATO für Polen, die Slowakische Republik, die Baltischen Staaten und andere
ein dringliches Problem darstellt, jedoch nicht dem
Wunsch der Russen entspricht. Ist es jetzt nicht der
Wunsch der Vereinigten Staaten, diesen Ländern
etwas mehr Demokratie und Marktwirtschaft zu
bringen, damit sie - in einigen Jahren - der NATO als
vollwertiges Mitglied beitreten können?
Christopher: Präsident Clinton war meines Erachtens sehr präzise, als er vor nicht allzulanger Zeit

AMERIKA DIENST 22

�äußerte, die Frage, ob Staaten wie Polen NATOMitglied würden, sei beantwortet worden. Die wirkliche Frage ist, wann und wie sie Mitglied werden, ob
sie tatsächlich bereit zu einem Beitritt sind, denn in
dieser Situation ist der Vorteil beiderseitig. Daher ist
meines Erachtens diese zeitliche Abstimmung - die
Möglichkeit einer Teilnahme an der Partnerschaft für
den Frieden - eine ideale Grundlage, auf der diese
Länder ihre Fähigkeit zu einem Beitritt zur Partnerschaft für den Frieden demonstrieren können. Wir
erwarten in Kürze gemeinsame Übungen. Wie Sie
vielleicht bereits wissen, wurde in Mons ein Gebäude
für die Partnerschaft für den Frieden bereitgestellt, in
dem die Länder ihre Beziehungen zur NATO pflegen
können. Wir geben somit sehr aktiv den an der
Partnerschaft teilnehmenden Ländern die Möglichkeit, ihre Fähigkeit zur Vollmitgliedschaft in der
NATO unter Beweis zu stellen.
Ich kann heute keine zeitlichen Prognosen abgeben,
aber um noch einmal auf die Erklärung des Präsidenten zurückzukommen: Es ist nicht eine Frage
ob, sondern nur wann und wie die Länder beitreten.
Frage: Auf dem Brüsseler Gipfel im Januar definierte der Präsident nicht näher seine Äußerung, die
Länder sollten bereit sein. Könnten Sie vielleicht
näher darauf eingehen, was damit gemeint ist.
Beispielsweise Polen - wann ist das Land bereit?
Wenn es 10, 12, 20 oder 100 gemeinsame Übungen
mit Deutschland, Dänemark und anderen abgehalten
hat, oder wenn seine Truppenstruktur jener der
NATO vergleichbar ist oder wenn sein Kommunikationssystem mit unserem in der NATO verglichen
werden kann - oder wann?
Christopher: Meines Erachtens kann in dieser
Situation nicht eine Reihe spezifischer, mathematisch genauer Kriterien angelegt werden. Wichtig ist
sich vor Augen zu halten, daß die NATO eine aus
16 Mitgliedern bestehende Organisation ist, die
ähnliche Zukunftsvorstellungen haben. Die Frage
ist, wann ihrer Ansicht nach Polen für eine Mitgliedschaft bereit ist - denn es muß eine einmütige
Entscheidung sein. Die Frage wird meiner Meinung
nach sein, ob beide Seiten Vorteile genießen, ob
Polen seinen aus einer Mitgliedschaft resultierenden
Pflichten nachkommen kann. Wir sind kein Wohl-

*

AMERIKA DIENST 22

tätigkeitsverein, sondern ein emstzunehmendes
Militärbündnis, das von einem potentiellen Mitglied
Stärke und Engagement verlangt. Aus diesem Grund
ist die Partnerschaft für den Frieden so genial, weil
sie beitrittswilligen Mitgliedern die Chance gibt, den
Mitgliedern zu beweisen, daß sie einen Beitrag
leisten können. Natürlich kann die NATO zu ihnen
sehr viel beitragen. Und ich sehe dem als evolutionäre Entwicklung der kommenden Monate und Jahre
erwartungsvoll entgegen, in denen die NATO-Mitglieder einen solchen Beitritt immer stärker befürworten und Länder wie Polen und andere die Chance zur
Teilnahme an gemeinsamen Übungen und gemeinsamer Planung haben sowie zur Präsenz in Mons, um
das Funktionieren der NATO und die Bedeutung
einer Mitgliedschaft verstehen zu lernen.
Frage: Darf ich noch einmal auf den Beginn Ihrer
Reise zu sprechen kommen. Sie werden mit Präsident Clinton in die Normandie reisen und an den
Feierlichkeiten aus Anlaß des 50. Jahrestages der
Landung in der Normandie teilnehmen. Es war in
den Vereinigten Staaten überall Kritik daran zu hören
- beispielsweise auch von Seiten der Nichte Dwight
D. Eisenhowers - daß Deutschland und Rußland
dabei nicht vertreten sind. Wird der Präsident in
Frankreich in seinen Reden hierauf eine Antwort
geben?
Christopher:
Das muß wohl dem Präsidenten
überlassen bleiben. Ich möchte dem Präsidenten
natürlich nicht zuvorkommen.
Aufgrund meiner
jüngsten Gespräche mit ihm kann ich Ihnen jedoch
zweierlei mitteilen: Der Präsident ist sich durchaus
des großen Beitrags der Russen zum Sieg der
Alliierten im Zweiten Weltkrieg bewußt und mißt
meines Erachtens auch der derzeit von Deutschland
gespielten Rolle eine große Bedeutung zu - dem
Beitrag des Landes zur NATO und seiner Bedeutung
in Europa. Ich bin sicher, daß wir dem in der kommenden Woche oder den kommenden zehn Tagen
Rechnung tragen werden. Wie Sie wissen, sind die
Vereinigten Staaten in Frankreich nicht der Gastgeber. Wir sind ein stolzer Teilnehmer. Ich möchte nur
darauf hinweisen, daß ich persönlich den von Rußland zu den Bestrebungen der Alliierten geleisten
Beitrag würdige sowie die ernormen Anstrengungen
Deutschlands und die Rolle dieses Landes im heutigen Europa.

* * *

*

Seite 3

�USA-CHINA
8. Juni 1994

USA UNTERSTÜTZEN WELTWEIT
DEMOKRATIE UND MENSCHENRECHTE
Ansprache von Außenminister Christopher
NEW YORK - (AD) - Mit dem Hinweis darauf, daß sich die Vereinigten Staaten für Demokratie und
Menschenrechte auf der ganzen Welt engagieren, erklärte US-Außenminister Christopher: "Wir zwingen
anderen kein amerikanisches Modell auf. Wir unterstützen den universellen Impuls für die Freiheit."
Christopher hielt am 27. Mai 1994 eine Ansprache vor der Asia Society in New York - einen Tag, nachdem
Präsident Clinton die Meistbegünstigungsklausel für China verlängert hatte - und betonte gleichzeitig das
fortgesetzte amerikanische Engagement für die Verbesserung der Menschenrechtssituation in diesem Land.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede Außenminister Christophers.

Vielen Dank für die freundliche Einführung. Es ist
mir eine Ehre, vor Amerikas herausragender Organisation zu sprechen, die sich dem Aufbau von Beziehungen über den Pazifik hinweg widmet.
Wir verfolgen ein gemeinsames Ziel: Den Aufbau
einer neuen pazifischen Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit unseren Partnern und Freunden.
Unser Engagement in Asien ist von entscheidender
Bedeutung für die Sicherheit und das Wohlergehen
des amerikanischen Volkes sowie unserer Freunde
in der Region.
Während der vergangenen 16 Monate haben wir die
asiatisch-pazifische Region in den Mittelpunkt der
außenpolitischen Tagesordnung der Vereinigten
Staaten gerückt. Und wir haben gegenüber unseren
asiatischen Partnern demonstriert, daß unser Land
seine zentrale Führungsrolle in der asiatisch-pazifischen Region ausüben wird.
Der Präsident hat einer umfassenden Vision Ausdruck verliehen und sie mit bedeutenden Initiativen
untermauert: Veranstaltung des Treffens der führenden Politiker des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation Forum - APEC) in Seattle im November vergangenen Jahres, Förderung des erstmaligen regionalen Dialogs über Sicherheitsfragen
unter Einbeziehung von Vietnam, Rußland und
China, Einleitung einer Reihe von Rahmengesprächen mit Japan zur Wiederbelebung unserer Wirt-

AMERIKA DIENST 22

schaftsbeziehungen sowie die entschlossene Unterstützung für die Entstehung eines demokratischen
Kambodscha. Ferner haben wir unsere vornestationierte Militärpräsenz aufrechterhalten, die einen
Schlüssel für die strategische Stabilität der Region
und eine Grundlage für ihren fortgesetzten wirtschaftlichen Erfolg darstellt.
Die Schlagzeilen dieser Woche illustrieren auf dramatische Weise unsere Verpflichtung zu einem umfassenden Engagement in Asien und zum Aufbau
einer neuen pazifischen Gemeinschaft. Wir haben
uns mit Japan auf eine Fortsetzung der Verhandlungen über ein Rahmenabkommen geeinigt. Wir haben
den Vorschlag einer dritten Verhandlungsrunde über
die Nuklearfrage mit Nordkorea unterbreitet. Wir
haben uns mit Vietnam auf die Einrichtung von
Verbindungsbüros in Hanoi und Washington geeinigt,
wodurch eine stärkere Grundlage für die Bemühungen geschaffen wird, das Schicksal der vermißten
Amerikaner zu klären. Und am gestrigen Tag traf der
Präsident eine bedeutsame Entscheidung hinsichtlich
unserer Politik gegenüber China.
Jede der Entwicklungen dieser Woche ist an sich
wichtig. Sie sollten jedoch nicht einzeln betrachtet
werden. Das Zusammenspiel dieser bedeutenden
Entwicklungen spiegelt die Vielfalt unseres umfassenden Engagements in Asien wider. Unser Ansatz ist
auf die Vielschichtigkeit dieser dynamischen Region
abgestimmt.

Seite 1

�Die Stabilität der asiatisch-pazifischen Region liegt
im ureigensten Interesse der Vereinigten Staaten.
Seit 50 Jahren wissen wir bereits, daß das Entstehen einer dominanten feindlichen Macht in Asien
eine Gefahr für unsere wichtigen Verbündeten und
letztlich für Amerika selbst darstellen würde. Instabilität und Konflikte in Asien würden die Aussichten auf ein Wachstum der Weltwirtschaft unterminieren, Demokratien bedrohen und zur Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen ermutigen.
Im vergangenen halben Jahrhundert sind Zehntausende von Amerikanern bei der Verteidigung unserer
Interessen in Asien gestorben. Wir haben starke
Bündnisse mit Japan, Südkorea, Australien, den
Philippinen und Thailand aufgebaut, einem demokratischen Kern, der eine feste Grundlage für die Abschreckung von Aggression darstellt. 37.000 amerikanische Soldaten stehen mutig an Koreas 38.
Breitengrad auf Wacht - an der gefährlichsten
Bruchstelle der Welt.
Amerikas seit langer Zeit bestehende Sicherheitsbindungen zu der Region finden ihre Entsprechung
in unseren explosionsartig wachsenden wirtschaftlichen und kulturellen Bindungen. Die am schnellsten
wachsenden Volkswirtschaften der Welt sind in
Asien. Mehr als 40 Prozent des Handels der Vereinigten Staaten wird mit Asien abgewickelt, wodurch
nahezu 2,5 Millionen Arbeitsplätze erhalten werden.
Millionen Amerikaner asiatischer Herkunft haben
weiterhin ein besonderes Interesse an der Heimat
ihrer Vorfahren.
Alle Amerikaner haben auch ein Interesse an der
Förderung von Demokratie und Menschenrechten in
Asien, weil diese im Einklang mit den Werten
unseres Volkes und den Interessen unserer Nation
stehen. Staaten, die im eigenen Land die Rechtsstaatlichkeit respektieren, sind auch eher zur Beachtung des Völkerrechts im Ausland bereit - und es
ist weniger wahrscheinlich, daß sie Terrorismus
praktizieren oder Flüchtlinge über Grenzen abschieben.
Unser Engagement für Demokratie und Menschenrechte ist weder westlich noch zufällig. Wir zwingen
anderen kein amerikanisches Modell auf.
Wir
unterstützen den universellen Impuls für die Freiheit.
Im vergangenen Jahr hat dieser Impuls die Menschen in Kambodscha inspiriert, wo Bauern, Mönche
und ehemalige Soldaten das Risiko von Gewaltanwendung eingingen, um zu wählen. Diese authentischen Stimmen Asiens unterstützen keine ihnen
fremde Überzeugung, sondern machen ihre Menschenwürde geltend.

Seite 2

Meiner Meinung nach steht die Geschichte auf der
Seite der Freiheit. Es besteht eine mächtige Tendenz zur Öffnung von Märkten und Gesellschaften.
Die wirtschaftliche Entwicklung hängt vom freien
Informationsfluß ab; Computer sind das neue Medium
politischer Äußerungen. Die Software der Freiheit
wird sich letztlich gegenüber der Hardware der
Unterdrückung durchsetzen.
Asien befindet sich derzeit inmitten einer bemerkenswerten Umgestaltung. Es existiert ein wachsendes
Netz konstruktiver Beziehungen zwischen den
wichtigsten Staaten der Region; explosionsartiges
Wirtschaftswachstum; die Ausweitung der Freiheit des
Menschen und neue Bestrebungen zur Förderung
von Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft und
Sicherheit. Diese Leistungen sind auf die Fertigkeiten, den Fleiß und die Entschlossenheit der Menschen dieser Region zurückzuführen. Das Engagement der Vereinigten Staaten kann sogar eine noch
bessere Zukunft ermöglichen. Es ist für den regionalen Frieden, den Wohlstand und die Freiheit von
essentieller Bedeutung.
Unsere vornestationierte militärische Präsenz ist
entscheidend für ein stabiles Kräftegleichgewicht in
der Region. Da wir keine Ambitionen zur Vergrößerung unserer Macht haben, sind wir ein vertrauenswürdiger Partner. Unsere Technologie, unser Kapital
und riesiger Markt machen uns zu einem Magneten
für die Volkswirtschaften Asiens. Und die von uns
verkörperten universellen Werte - Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit - lassen uns zu einem
Leitstern für alle Völker der Region werden.
Praktisch alle asiatischen Länder begrüßen unser
aktives Engagement und drängen darauf.
Sie
wissen, daß ein Mangel an Engagement unsererseits
diese vielversprechenden Zukunftsaussichten gefährden und ihren und unseren Interessen schaden
würde.
Bei drei drängenden Fragen ist das dringliche Engagement der Vereinigten Staaten eindeutig von zentraler Bedeutung: der Evolution in China, dem
Atomwaffenprogramm Nordkoreas sowie der Verbesserung unserer Wirtschaftsbeziehungen zu Japan.
Die Lösung jeder dieser Fragen hat einen direkten
Einfluß auf Sicherheit und Wohlstand der Vereinigten
Staaten.
Mehr als jeder andere Faktor wird die politische,
wirtschaftliche und soziale Umgestaltung Chinas
entscheiden, ob Asien seine verheißungsvollen
Aussichten verwirklicht. Wie Sie wissen, hat der
Präsident gestern bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten den Meistbegünstigungsstatus für
China erneuern und gleichzeitig eine umfassende

AMERIKA DIENST 22

�Strategie zur Förderung von Menschenrechten in
China verfolgen werden.
Die Entscheidung des Präsidenten reflektiert eine
weitgefaßte amerikanische Strategie des Engagements und der Führung im asiatisch-pazifischen
Raum. Sie zielt auf die Einbeziehung Chinas in die
internationale Staatengemeinschaft, nicht auf den
Ausschluß des Landes ab. Sie ermutigt die chinesische Mitwirkung beim Aufbau einer neuen regionalen und internationalen Ordung auf der Grundlage
von Frieden und Sicherheit. Und sie fördert die
friedliche Entwicklung einer demokratischeren und
humaneren Gesellschaft.
Unsere Beziehungen zu China sind für alle Amerikaner von Bedeutung. China hat weltweit die größte
Armee, ein Atomwaffenarsenal und - nicht unbedeutend - ein Vetorecht im UN-Sicherheitsrat. Die
Vereinigten Staaten und China haben ein gemeinsames zwingendes Interesse an einem stabilen und
sicheren Asien und einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel. China kann einen bedeutenden
und verantwortungsvollen Beitrag zur Lösung globaler Fragen leisten, beispielsweise Umweltschutz und
Drogenhandel. China hat die am schnellsten wachsende und drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Über
150.000 amerikanische Arbeitsplätze hängen von
unseren Exporten nach China ab, und die Zahl wird
mit den Jahren noch ansteigen.

Empfehlungen an den Präsidenten das Verhalten
Chinas weder erfinden noch übertrieben darstellen.
Und das habe ich auch nicht getan. Obwohl einige
Verbesserungen zu beobachten waren, finden in
China weiterhin gravierende Menschehrechtsverletzungen statt, darunter Verhaftung und Festnahme
von Personen, die friedlich ihre Meinung äußern, die
Einschränkung der Religionsfreiheit und die Unterdrückung von Religion und Kultur Tibets.
Der Präsident traf im vergangenen Jahr mit seinem
Präsidialerlaß die richtige Entscheidung. Eine Anzahl
chinesischer Dissidenten ist heute teilweise aufgrund
des von uns ausgeübten Drucks in Freiheit. Wie der
Präsident jedoch gestern erklärte, hat die Bindung
der Meistbegünstigung an die Menschenrechtsfrage
uns so weit gebracht wie möglich. Es ist unwahrscheinlich, daß sie zu weiteren Fortschritten bei den
Menschenrechten führt.
China ist nicht länger ein isoliertes Land. Heute
haben zwei Millionen Chinesen Zugang zu westlichem Radio und Fernsehen. Millionen sind in einem
wachsenden und dynamischen Privatsektor am
Handel mit anderen Nationen beteiligt. Dieser Trend
muß ermutigt werden. Nur wenige sind der Ansicht,
eine völlige Aufhebung der Meistbegünstigungsklausel würde die Menschenrechtsbilanz Chinas
verbessern. Wir müssen unser Engagement mit
China intensivieren und erweitern, wenn wir den
Wandel fördern wollen.

Beim Amtsantritt Präsident Clintons existierte nicht
mehr der breite Konsens hinsichtlich unserer Politik
gegenüber China, der nahezu zwei Jahrzehnte
bestanden hatte. Im vergangenen Jahr stellte der
Präsident diesen Konsens durch einen Präsidialerlaß
mit breiter Unterstützung beider Parteien wieder her.
Seitdem haben wir die Menschenrechtsfrage entschieden auf unsere Tagesordnung mit China
gesetzt und gleichzeitig konstruktiv an der Lösung
weiterer Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse gearbeitet.
Der Präsidialerlaß und unsere Strategie des diplomatischen Engagements haben positive Ergebnisse
gezeitigt. Wir haben mit China einen echten Dialog
über Menschenrechtsfragen begonnen. Und China
hat die vorgeschriebenen Bedingungen für eine
Erneuerung der Meistbegünstigungsklausel erfüllt,
insbesondere die im Zusammenhang mit der Emigration und dem Export von Waren, die von Zwangsarbeitern hergestellt wurden.
Im Hinblick auf die fünf anderen, im Präsidialerlaß
festgelegten Kriterien stellen die von China erzielten
Fortschritte keine "insgesamt wesentlichen Fortschritte" dar, wie im Erlaß anvisiert. Vor Monaten
habe ich bereits versprochen, ich würde in meinen

AMERIKA DIENST 22

Ich möchte deutlich machen, daß wir uns nicht allein
auf die unsichtbare Hand der Ökonomie verlassen,
um Fortschritte im Menschenrechtsbereich zu erzielen. Wirtschaftliche Freiheit kann politische Freiheit
fördern, sie allein reicht jedoch nicht aus. Aus
diesem Grund hat der Präsident ein neues nachhaltiges Programm zur Förderung von Menschenrechten
und Demokratie in China bekanntgegeben.
Wir werden gemeinsam mit Vertretern der chinesischen Wirtschaft Grundsätze auf freiwilliger Basis zur
Verbesserung der Arbeitsbedingungen entwickeln.
Wir werden durch Voice of America und Radio Free
Asia die internationalen Rundfunkübertragungen
nach China ausweiten. Wir werden uns zur Gewohnheit machen, mit einem breiten Spektrum chinesischer Bürgerzusammenzutreffen, mit nichtstaatlichen
Organisationen zusammenzuarbeiten und diese zu
unterstützen. Wir werden andere Nationen und die
Vereinten Nationen an unseren Bestrebungen zur
Förderung von Menschenrechten beteiligen. Wir
werden die von uns nach dem Massaker auf dem
Platz des Himmlischen Friedens verhängten Wirtschaftssanktionen beibehalten. Und wir werden den
Import von Munition aus China aufgrund mangelnder
"wesentlicher Fortschritte" bei der Menschenrechts-

Seite 3

�Politik verbieten. Im vergangenen Jahr gelangte fast
eine Million billiger halbautomatischer Gewehre aus
China in die Vereinigten Staaten. Durch die Politik
des Präsidenten wird ihre Einfuhr in unser Land
verhindert.
Wir haben größere Aufmerksamkeit auf die Menschenrechtspraktiken in China gelegt. Diese Prüfung
wird fortgesetzt und unser Dialog über Menschenrechtsfragen mit China intensiviert.
Unterdrückung ist kein Mittel gegen Instabilität.
Langfristig muß politische Demokratie - die Wei
Jingsheng als Chinas "fünfte Modernisierung" bezeichnete - mit wirtschaftlicher Demokratie einhergehen, wenn Chinas großes Experiment von Erfolg
gekrönt sein soll.
Meiner Überzeugung nach bietet unsere Strategie
eines umfassenden Engagements die beste Möglichkeit, Einfluß auf die Entwicklung Chinas zu nehmen.
Auf diese Weise werden wir Sicherheit, Wohlstand
und Werte unseres Landes fördern.
Das drängendste Sicherheitsproblem des asiatischpazifischen Raumes - an dem wir mit der chinesischen Regierung zusammenarbeiten - ist das Atomwaffenprogramm Nordkoreas. Pjöngjangs Streben
nach Nuklearwaffen stellt eine Vielzahl von Gefahren
dar: Es ist eine direkte Bedrohung der Sicherheit
derwichtigsten Verbündeten unseres Landes, erhöht
dramatisch die Wahrscheinlichkeit eines destabilisierenden Rüstungswettlaufs in Asien und beschwört
das Gespenst einer Weitergabe nuklearen Materials
an verbrecherische Regimes wie den Iran herauf.
Bei unserer Zusammenarbeit mit der internationalen
Staatengemeinschaft besteht unser Ziel in der
Eindämmung und Umkehrung des nordkoreanischen
Nuklearprogramms und der Schaffung von Bedingungen für ein stabiles Nordostasien in den kommenden Jahren. Gemeinsam mit unseren südkoreanischen und japanischen Verbündeten und mit
Unterstützung Chinas und anderer Länder der
Region haben wir den Vorschlag unterbreitet, daß
Nordkorea mit uns umfassende und eingehende
Gespräche über zwischen uns ausstehende Fragen
führt. Diese Gespräche würden die Möglichkeit
eröffnen, die Atomwaffenfrage als Teil eines Prozesses der Verbesserung wirtschaftlicher und politischer
Kontakte zu lösen und uns normalen bilateralen
Beziehungen näherbringen.
Bei uns besteht ein entschiedener Konsens über die
von uns unternommenen Bestrebungen zur Herbeiführung einer friedlichen Lösung der Kernwaffenfrage.
Sollte Nordkorea diese Verhandlungen
ablehnen, wird unsere Strategie der Konsensfindung

Seite 4

unsere Fähigkeit stärken, die internationale Staatengemeinschaft für härtere Maßnahmen zu mobilisieren, falls diese erforderlich sein sollten. Dieser
Kurs - internationale Sanktionen - verurteilt Nordkorea
zu fortgesetzter Isolation, wirtschaftlichen Härten und
dem Status eines Paria. Er würde verhindern, daß
die Nordkoreaner die Früchte des derzeitigen dramatischen wirtschaftlichen Fortschritts in Asien ernten
können.
Mittlerweile stehen amerikanische Streitkräfte Seite
an Seite mit denen unseres Verbündeten - Südkorea
- zur Abschreckung und Abwehr jeglicher Aggression
von Seiten Nordkoreas. Konfrontation ist entschieden
nicht der von uns bevorzugte Weg. Wenn Nordkorea
auf eine atomare Zukunft verzichtet und nicht auf
andere Weise den Frieden in Nordostasien unterminiert, hat es von uns oder von Südkorea nichts zu
fürchten. Vielmehr hat das Land durch die Teilnahme
an der internationalen Staatengemeinschaft viel zu
gewinnen.
Unsere Bestrebungen im Zusammenhang mit Nordkorea unterstreichen erneut die weiterhin entscheidende Bedeutung der amerikanisch-japanischen
Beziehungen für dauerhafte Stabilität und Sicherheit
im asiatisch-pazifischen Raum. Unsere Partnerschaft
stellte während des Kalten Krieges den Kern der
amerikanischen Bemühungen dar, den sowjetischen
Expansionismus einzudämmen. Heute steht diese
Partnerschaft im Zentrum unserer Bestrebungen , die
Herausforderungen und Gefahren des Zeitalters nach
dem Kalten Krieg zu bewältigen.
Unser Militärbündnis ist stärker als je zuvor. Wir
haben gemeinsam am Aufbau von Demokratie in
Kambodscha mitgewirkt. Wir arbeiten im Rahmen
der APEC gemeinsam am Ausbau von Wirtschaftsbeziehungen in der gesamten Region. Und wir
haben kühne neue Abkommen über globale Fragen
wie Umwelt und AIDS abgeschlossen.
Unsere wirtschaftlichen Bande zu Japan müssen
ebenso stark werden wie die anderen Bereiche
unserer Beziehungen. Anfang dieser Woche haben
wir uns im Rahmen des amerikanisch-japanischen
Rahmenabkommens für wirtschaftliche Partnerschaft
auf die Wiederaufnahme von Verhandlungen geeinigt.
Wir bemühen uns weiterhin um eine Verbesserung
dieser Beziehungen.
Als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt spielt
Japan bei der Förderung von regionalem und globalem Wohlstand eine entscheidende Rolle. In dem
Rahmenabkommen wird Japan zu einer Ausweitung
des Zugangs zu seinem Markt sowie zu Schritten für
eine Erhöhung seines heimischen Wachstums
aufgerufen. Durch die Verpflichtung zu klaren Zielen

AMERIKA DIENST 22

�für unter diesem Rahmenabkommen ausgehandelte
Übereinkünfte haben die Vereinigten Staaten und
Japan den Weg für Fortschritte geebnet.
Jetzt müssen wir diesen Weg durch den Abschluß
solider Abkommen über spezifische Industriezweige
und Angelegenheiten gehen. Ministerpräsident Hata
gewann meinen Respekt, als wir beide als Außenminister tätig waren. Mein erstes Treffen mit Außenminister Kakizawa zeigt mir, daß er zu einem konstruktiven Ansatz bei der Beilegung unserer Differenzen im Bereich der Wirtschaft entschlossen ist. Vor
dem Hintergrund unserer grundlegend starken
Beziehungen freuen wir uns auf eine Zusammenarbeit mit Japan zur Förderung von Wirtschaftswachstum für unsere Völker und die Welt.
Heute beherrschen die Entwicklungen in Beijing,
Pjöngjang und Tokio unsere Schlagzeilen. Diese
Ereignisse haben tiefgreifende Auswirkungen auf
Amerika, die asiatisch-pazifische Region und tatsächlich die ganze Welt. Auf jedem dieser Gebiete
verfolgt die Clinton-Administration eine vielschichtige
Strategie des Engagements, die das gesamte Spektrum der amerikanischen Interessen am effektivsten
fördert.
*

AMERIKA DIENST 22

Gleichzeitig verfolgen wir ungeachtet der Schlagzeilen dieser Woche eine langfristige Tagesordnung für
die ganze Pazifikregion. Im Juli werde ich zur
Ministerkonferenz des Verbands Südostasiatischer
Nationen (Association of South-East Asian Nations ASEAN) nach Bangkok reisen, um unsere Bindung
zu Südostasien weiter zu stärken. Ferner werde ich
im regionalen Forum der ASEAN am Dialog über
regionale Sicherheit teilnehmen - eine wichtige Übung
in präventiver Diplomatie. Im kommenden Herbst
werden die Minister und führenden Politiker der
APEC erneut zusammentreffen, dieses Mal in Indonesien, um den Kurs für eine Erweiterung der Wirtschaftsbeziehungen im gesamten asiatisch-pazifischen Raum zu planen.
Die Führung der Vereinigten Staaten kann beim
Aufbau einer hoffnungsvolleren Zukunft für alle Völker
der asiatisch-pazifischen Region eine Hilfe sein. Sie
kann die Wahrscheinlichkeit eines Krieges und einer
Weiterverbreitung von Atomwaffen verringern helfen.
Sie kann dazu beitragen sicherzustellen, daß Amerika
Anteil am Wohlstand der Region und die Asiaten
Anteil an der weltweiten Freiheitsbewegung haben.

* * *

*

Seite 5

�NORDKOREA
8. Juni 1994

USA NEHMEN KONSULTATIONEN ÜBER SANKTIONEN
GEGEN NORDKOREA AUF
Gespräche mit UNO und Verbündeten
WASHINGTON - (AD) - Die Botschafterin der
Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen,
Madeleine Albright, bezeichnete den Bericht der
Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO)
über Nordkorea an die Vereinten Nationen als
"alarmierend" und gab am 3. Juni 1994 bekannt, die
Vereinigten Staaten würden Gespräche mit anderen
Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats über "zeitliche
Abstimmung, Taktik und Inhalt" der Resolution über
Sanktionen aufnehmen.
Nach ihrem Treffen hinter verschlossenen Türen mit
dem Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation, Hans Blix, äußerte Albright vor
Journalisten: "Wir haben Nordkorea gewarnt, daß
diese Angelegenheit erneut im Sicherheitsrat behandelt würde, wenn das Land weiterhin die Beweise
früherer Reaktoroperationen vernichtet, und unsere
Warnungen wurden offensichtlich ignoriert. Ich muß
leider feststellen, daß Nordkorea sich entschieden
hat, gegen den Willen der internationalen Staatengemeinschaft und des Sicherheitsrats zu handeln."
Albright zufolge kommt der von Blix vorgelegte
Bericht nicht unerwartet, ist aber "dennoch alarmierend".
"Aufgrund unserer Gespräche ist klargeworden, ...
daß es sich um eine ernste Angelegenheit handelt,
und die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, das
Gehörte erfordere eine ernsthafte Antwort des UNSicherheitsrats", teilte die UNO-Botschafterin mit.
Albright fügte hinzu, die Vereinigten Staaten würden
am Wochenende weiterhin ihre Konsultationen in
Washington mit "jenen Ländern der Region" fortsetzen, "für die bei dieser Angelegenheit am meisten
auf dem Spiel steht".
"Meine Regierung wird in Kürze Konsultationen mit
anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats über zeitli-

AMERIKA DIENST 22

che Abstimmung, Taktik und Inhalt der Resolution
über die Sanktionen aufnehmen", fügte sie hinzu. Sie
lehnte es ab, Einzelheiten eines gegen Pjöngjang zu
verhängenden möglichen Sanktionspakets bekanntzugeben.
In einem Brief an den Sicherheitsrat vom 2. Juni
1994 erklärte lAEO-Generaldirektor Blix, auf der
Grundlage der von den I AEO-Inspekteuren in Nordkorea erhaltenen Informationen sei die Behörde zu dem
Schluß gekommen, "die verbleibende begrenzte
Möglichkeit der Internationalen Atomenergie-Organisation, Brennstäbe für spätere Messungen im Einklang mit den Maßstäben der Organisation auszuwählen, zu isolieren und in sichere Verwahrung zu
nehmen, ist verloren".
"Der Grund ist, daß alle hierfür benötigten wichtigen
Teile des Reaktorkerns entfernt wurden", so Blix.
Folglich hat die IAEO nicht länger die Fähigkeit,
zuverlässig festzustellen, ob in der Vergangenheit
aus dem Reaktor abgezweigtes Nuklearmaterial
ebenfalls verloren gegangen ist."
Blix erklärte ferner: "Jede zukünftige Messung an
diesen Brennstäben wäre ohne praktischen Wert, weil
sie auf der Grundlage von Betreiberberichten stattfände, die nicht nachzuprüfen sind und weil es nicht
möglich ist, die Konfiguration der Brennstäbe im Kern
zu rekonstruieren".
"Die aus dieser Entnahme aus dem Reaktorkern
resultierende Situation ist unumkehrbar", fügte Blix
hinzu.
Während einer 1992 durchgeführten Inspektion zeigte
die Analyse der IAEO Widersprüche zwischen den
Angaben Nordkoreas über sein Nuklearmaterial und
den Erkenntnissen der Internationalen AtomenergieOrganisation, was den Schluß zuließ, Nordkorea
habe mehr Plutonium hergestellt - ob in der Größenordnung von Gramm oder Kilogramm ist nicht be-

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�kannt - als es der IAEO gegenüber angab. Somit ist
es Generaldirektor Blix zufolge von essentieller
Bedeutung, daß die IAEO Zugang zum Kern des
Versuchsreaktors erhält um feststellen zu können, ob
Brennstäbe wiederaufbereitet werden konnten.
Diplomaten zufolge konzentrierten sich mehrere der
von Mitgliederndes UN-Sicherheitsrats, insbesondere den Vereinigten Staaten und China, an Blix
gerichteten Fragen darauf, ob eine Möglichkeit zur
Rettung des Überprüfungsprozesses besteht.
Um prüfen zu können, ob Pjöngjang kein Nuklearmaterial abgezweigt hat, muß die IAEO ihrem
Generaldirektor zufolge Zugang zu allen Sicherheitsinformationen und -orten erhalten, und dazu ist die
umfassende Kooperationsbereitschaft Nordkoreas
erforderlich.
Am 30. Mai hatte der UN-Sicherheitsrat eine Erklärung abgegeben, in der Nordkorea eindringlich
aufgefordert wurde, seine Operationen nur im
Einklang mit den Erfordernissen der IAEO fortzusetzen.
Als Reaktion auf den Bericht des IAEO Generaldirektors erklärte Robert Gallucci, der Vorsitzende des
hi chrangigen politischen Lenkungsausschusses der
Ci nton-Administration für Korea, Nordkorea sei
wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die
Ni. klearfrage letztlich nicht gelöst werden könne,
ohne daß über die Plutoniumherstellung Nordkoreas
in Jer Vergangenheit Rechenschaft abgelegt werde.
Grllucci traf am 3. Juni einzeln mit Vertretern
Südkoreas und Japans zusammen, und die drei
Parteien sollen am 4. Juni gemeinsame Gespräche
beginnen.
Seit Aufnahme der Verhandlungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Nordkorea im Juni vergangenen Jahres hat Amerika Gallucci zufolge
darauf hingewiesen, die Anwesenheit von Vertretern
der IAEO beim Auswechseln der Brennelemente in
dem 5-Megawatt-Reaktor sei eine unverzichtbare
Grundlage für die Fortsetzung des Dialogs. Dies sei
erforderlich, weil Messungen dieser Brennelemente
nötig seien um festzustellen, wieviel Plutonium
hergestellt worden sei.
Nordkorea widersetzte sich Gallucci zufolge jedoch
jeder von der IAEO vorgeschlagenen Methode für
den Erhalt der technischen Möglichkeit, in Zukunft
die Brennelemente zu erfassen und setzte die
absichtliche Vernichtung von Beweismaterial über
seine vergangenen nuklearen Aktivitäten fort.

Seite 2

Im vergangenen Jahr hätten sich die Vereinigten
Staaten ihm zufolge "mit Geduld und taktischer
Flexibilität um eine Lösung auf dem Verhandlungsweg bemüht".
Bei den jüngsten inoffiziellen Gesprächen mit Nordkorea hätten die Vereinigten Staaten das Angebot
einer dritten Runde hochrangiger Gespräche für
Anfang Juni vorgelegt, "um eine umfassende Lösung
nuklearer und anderer Fragen im größeren Kontext
einer Normalisierung der Beziehungen zu erörtern".
Als Grundlage für eine solche umfassende Lösung
hätten die Vereinigten Staaten auf dem Erhalt der
technischen Möglichkeit einer Messung von Brennstäben des Reaktors bestanden.
Nordkorea hatte seine Bereitschaft bekundet, Messungen als Teil einer politischen Lösung zu gestatten,
sich jedoch geweigert, eine dritte Verhandlungsrunde
anzuberaumen, falls die Vereinigten Staaten nicht auf
diese Forderung verzichteten. Das Land begann
jedoch Gallucci zufolge den schnellen Abzug von
Brennstäben mit der Behauptung, es existierten keine
Sicherheitseinwände.
Gallucci wies auf die Feststellung von lAEO-Generaldirektor Blix hin, eine der drei Möglichkeiten zur
Rekonstruktion der Betreibergeschichte des Reaktors
sei "grundlegend und unwiderruflich zerstört" worden.
Ferner machte er vor Fragestellern deutlich, es stehe
mehr auf dem Spiel als die Abzweigung von Brennstäben aus dem Reaktor.
"Wir streben eine atomwaffenfreie koreanische
Halbinsel an. Wir wünschen einen vollständigen
Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag (NW). Wir
bemühen uns um umfassende Sicherheitsvorkehrungen, die Bereitschaft zu Sonderinspektionen und die
Umsetzung der Nord-Süd-Erklärung über die Entnuklearisierung, die ein Verbot jeglicher Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen auf der koreanischen
Halbinsel umfaßt."
Internationale Sanktionen würden Gallucci zufolge
nicht notwendigerweise die Grundlage für eine
Beilegung der Angelegenheit zerstören, "wären
jedoch ein Schritt in die richtige Richtung, weil sie
den Nordkoreanern klarmachen würden, daß es in
diesem Bereich Grenzen dafür gibt, was sie tun
können und was die internationale Staatengemeinschaft toleriert".
Gallucci warnte, die Vereinigten Staaten und die
internationale Staatengemeinschaft würden sich von
der Behauptung Nordkoreas "nicht einschüchtern
lassen", Sanktionen würden als Kriegshandlung
angesehen. "Die derzeit von Nordkorea abgegebe-

AMERIKA DIENST 22

�nen Erklärungen sind vollkommen unangemessen",
so der Botschafter.
"Wir werden bewußt unsere Konsultationen mit
Südkorea, Japan und anderen Staaten der Region
sowie anderen Mitgliedern des Sicherheitsrates
fortsetzen und tun, was angemessen erscheint und
unseren Pflichten entspricht", betonte er.
Gallucci zufolge ist es "äußerst wichtig", daß andere
Nationen, die die Entwicklung von Kernwaffen anstreben, verstehen, "daß man sich nicht ungestraft
den Verpflichtungen im Rahmen des NW entziehen
und Sicherheitsvorschriften mißachten kann".

Die Vereinigten Staaten haben ihm zufolge ihre
Besorgnis über die nuklearen Absichten Libyens,
Iraks und Irans - die alle dem NW angehören ausgedrückt.
Gallucci betonte erneut die Sorge der Vereinigten
Staaten über das ballistische Raketenprogramm
Nordkoreas, das - in Verbindung mit nuklearen
Fähigkeiten - "eine Bedrohung ganz Asiens darstellt",
wenn diese Raketen entwickelt werden - und über die
Raketenexporte dieses Landes nach Iran und Syrien,
die "eine Gefahr für Frieden und Stabilität im Nahen
Osten sind".
Im Hinblick auf die Sicherheit Südkoreas betonte er,
die Vereinigten Staaten hätten das gute Gefühl, das
Notwendige unternommen zu haben, um Südkorea
eine Abschreckung und eine Verteidigung bieten zu
können, "falls es soweit kommen sollte".

* * * * *

AMERIKA DIENST 22

Seite 3

�BOSNIEN
8. Juni 1994

DER BOSNIEN-VERTRAG RETTETE MENSCHENLEBEN
Rede von Botschafter Galbraith in Zagreb
Zagreb - (AD) - In einer am 2. Juni 1994 in Zagreb vor der kroatischen Gesellschaft für politische Wissenschaft
gehaltenen Rede erklärte der amerikanische Botschafter in Kroatien, Peter W. Galbraith, das in Washington
geschlossene bosnisch-kroatische Abkommen (durch das eine Föderation zwischen bosnischen Kroaten und
der bosnischen Regierung sowie eine Konföderation zwischen den Regierungen Bosniens und Kroatiens
geschlossen wurde) habe, was auch immer es sonst noch bewirken möge, "Menschenleben gerettet".
Nachfolgend veröffentlichen wir die in der Fakultät für politische Wissenschaften der Universität Zagreb
gehaltene Rede, der mehr als 200 Zuhörer, darunter Wissenschaftler, Vertreter der kroatischen Regierung und
der westlichen Medien beiwohnten.

Vielen Dank für die freundliche Einführung. Ich
freue mich, hier sein zu dürfen und zu meinen
Professorenkollegen und den Studenten dieser
Fakultät sprechen zu können.
Ich hielt zum letzten Mal am 17. Februar eine Rede
über die amerikanisch-kroatischen Beziehungen. An
diesem Tag lief das Kroatien vom UN-Sicherheitsrat
für den Abzug seiner Truppen aus Bosnien gestellte
Ultimatum aus, und die Möglichkeit einer Verhängung von Sanktionen rückte bedrohlich näher. In
Bosnien litt Sarajevo unter den Nachwirkungen des
Massakers auf dem Zentralmarkt und wir alle wußten
nicht, wie die Serben auf das NATOUItimatum
reagieren würden. Andernorts in Bosnien fanden
viele Kämpfe zwischen den bosnischen Kroaten und
den Muslimen statt, und in einigen Fällen arbeitete
jede dieser Parteien tatsächlich mit den bosnischen
Serben zusammen gegen die andere Seite.
Angesichts der drohenden Verhängung von Sanktionen gegen Kroatien und des zwischen drei Parteien
geführten bosnischen Krieges schien es, daß das
frühere Jugoslawien einer endlosen Zukunft von
Krieg, Isolation, Armut und Hoffnungslosigkeit
entgegensah. Kurz gesagt, die ohnehin schon
düstere Lage schien immer trüber zu werden.
Glücklicherweise wurde dieses Szenarium nicht
Wirklichkeit.
Die kroatische Regierung traf die
Entscheidung, sich gemeinsam mit den Vereinigten
Staaten für eine Beendigung der Kämpfe zwischen

AMERIKA DIENST 22

Muslimen und Kroaten in Bosnien einzusetzen und
auf eine umfassende Friedenslösung hinzuarbeiten.
Kroatien traf eine sehr inhaltsschwere, und meines
Wissens für viele Kroaten äußerst schwierige Entscheidung.
Insbesondere stimmte Kroatien zu, die Idee einer
separaten kroatischen Republik in einem Teil Bosniens aufzugeben und beschloß statt dessen, die
territoriale Integrität, Unabhängigkeit und Einheit
dieses souveränen Landes voll zu unterstützen.
Durch diese Entscheidung stellte sich Kroatien
deutlich auf die Seite des Völkerrechts und der
Gerechtigkeit. Die kroatische Entscheidung war der
Schlüssel zum Washingtoner Abkommen, einem
politischen Arrangement für eine Föderation zwischen
Muslimen und Kroaten mit einer Regierungsstruktur,
die jeder Volksgruppe ein beträchtliches Maß an
Selbstverwaltung zubilligt und gleichzeitig die politischen und Menschenrechte dieser Gruppen umfassend schützt.
Trotz einer Vielzahl von Hindernissen, einschließlich
der Tatsache, daß der Großteil des von Muslimen
und Kroaten bewohnten Gebietes vom Feind belagert
wird, wurden bei der Umsetzung des Abkommens
über eine Föderation beträchtliche Fortschritte erzielt.
Die Kantonsgrenzen wurden definiert. Ein Präsident
und ein Vizepräsident für die Föderation wurden
ausgewählt. Eine Verfassung wurde entworfen und
angenommen. Das wichtigste Ergebnis des BosnienVertrags war jedoch die fast sofortige Beendigung der

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�sinnlosen Kämpfe zwischen den beiden Volksgruppen, die Opfer der serbischen Aggression sind. Was
auch immer das Washingtoner Abkommen sonst
noch bewirken mag, es hat Menschenleben gerettet.

ein Wissenschafts- und Technologieabkommen, und
erst kürzlich empfing Kroatien hier zur Umsetzung
des Abkommens eine große amerikanische Delegation.

Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß das
Abkommen eine solide Grundlage für eine umfassende Lösung in Bosnien-Herzegowina darstellt.
Im Idealfall würden die Serben auch ihr Interesse an
einer Teilnahme an der Föderation bekunden, einem
politischen Arrangement, das ihre Rechte schützt
und gleichzeitig einen in wirtschaftlicher, politischer
und militärischer Hinsicht lebensfähigen Staat
schafft.

Wichtig in finanzieller Hinsicht ist unsere Zusammenarbeit mit multilateralen Institutionen - der Weltbank
und dem IMF - um bisher insbesondere aus politischen Gründen zurückgehaltene Darlehen freizusetzen.

Leider betrachten die derzeitigen Führer der bosnischen Serben ihre Interessen nicht in diesem Licht.
Ich könnte noch beiläufig hinzufügen, daß man nur
schwerlich eine Verbindung zwischen der von der
serbischen Führung eingenommenen Position und
den Interessen der bosnischen Serben sehen kann.
Sie haben sich zur Ablehnung einer Föderation
entschlossen. Wir haben jedoch die Hoffnung, daß
das Abkommen über eine Föderation die Verhandlungsbasis für eine andere Art von politischem
Arrangement zwischen der Föderation der Muslime
und Kroaten sowie der serbischen Seite in Bosnien
darstellen könnte.
Mit anderen Worten hoffen wir, daß die Föderation
der erste Schritt zu einer umfassenden Lösung sein
wird. Selbst wenn dieses Ziel nicht erreicht wird, hat
das Abkommen dennoch ein Bündnis zwischen zwei
Opfern der serbischen Aggression geschlossen und
diese beiden Opfer besser in die Lage versetzt, in
diplomatischer, politischer und militärischer Hinsicht
mit dieser Aggression umzugehen.
Um es noch einmal zu wiederholen: Das Abkommen über eine Föderation wäre nicht möglich
gewesen ohne eine von der kroatischen Regierung
unternommene grundlegende Kursänderung. Als wir
mit Kroatien über die Möglichkeit sprachen, im
Friedensprozeß unser Partner zu werden, erklärten
wir auch, daß wir mit Kroatien als unserem Partner
seine möglichst baldige Integration in die politischen,
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Strukturen
anstreben würden. Und, wie Vizepräsident Gore
Präsident Tudjman bei der Unterzeichnung des
Washingtoner Abkommens mitteilte: "Der heutige
Tag markiert den Beitritt Kroatiens zum Westen."
Nach der Unterzeichnung schlössen wir im Bereich
landwirtschaftlicher Produkte ein Abkommen über 10
Millionen Dollar im Rahmen des Austausches
"Nahrungsmittel gegen Frieden". Wir haben die Zahl
der zwischen unseren beiden Ländern ausgetauschten Fulbright-Stipendiatenverdoppelt. Wirschlossen

Seite 2

Die Clinton-Administration hat sich immer für die
Unabhängigkeit und territoriale Integrität Kroatiens
eingesetzt, und unsere höchste Priorität ist unser
Wunsch, eine friedvolle Wiedereingliederung der von
den Vereinten Nationen errichteten Schutzzonen in
Kroatien zu erreichen. Der Bosnien-Vertrag, der dem
Friedensprozeß neuen Schwung verlieh, schuf auch
eine neue Chance zur Erreichung dieses Ziels. An
dem Morgen, an dem ich mit Präsident Tudjman von
der Unterzeichung des Abkommens zurückkehrte,
ging ich vom Flughafen aus direkt zur Russischen
Botschaft und leitete die erste Phase aus drei Stufen
bestehender Verhandlungen zur Lösung der KrajinaFrage ein.
Nach zwei Nachtsitzungen schlössen wir ein Abkommen über einen Waffenstillstand. Mit einigen Verzögerungen ist der Waffenstillstand jetzt großenteils
in Kraft getreten. Die Schießereien in Kroatien
betragen derzeit weniger als ein Prozent der Vorfälle
vor dem April. Die Infanterie hat sich zurückgezogen
und die schweren Waffen wurden abgezogen. Neben
dem Schutz von Leben und Sachwerten sollte der
Waffenstillstand Kroatien bei der Wiederbelebung
seiner Tourismusbranche helfen und Ressourcen
vom Militär abziehen und den wichtigen Aufgaben
beim Aufbau einer Nation zuführen. Der Waffenstillstand ist an sich schon eine bedeutende Leistung,
stellt jedoch nur den ersten Schritt eines auf die
Wiedereingliederung der UN-Schutzzonen abzielenden dreistufigen Prozesses dar.
Die zweite Phase der Verhandlungen steht im Zusammenhang mit wirtschaftlichen und vertrauensbildenden Maßnahmen. Unser Ziel ist nicht nur die
Verbesserung des Lebens der Menschen, sondern
auch die Einigung auf Schritte, welche die gegenseitige Abhängigkeit der einzelnen Teile Kroatiens
unter Beweis stellen. Diese Gespräche konzentrieren
sich auf die Öffnung von durch die UNO-Schutzzonen
laufenden Verkehrsverbindungen, die Wiedereröffnung der Erdölpipeline, die Versorgung Zadars mit
Wasser, der Krajina mit Strom sowie auf die Versorgung der in den Schutzzonen lebenden Menschen. Sowohl Kroaten als auch Serben werden aus
diesen Schritten Nutzen ziehen. Da die Wirtschaft
dort jedoch dermaßen am Boden liegt, wird der

AMERIKA DIENST 22

�Gewinn für die Bewohner der Schutzzonen vergleichsweise größer sein.

nischen Bundesstaaten, der kanadischen Provinzen
oder der Kantone in Bosnien-Herzegowina.

Wie Sie wissen, haben wir Schwierigkeiten bei der
Aufnahme dieser Wirtschaftsverhandlungen. Ich
habe jedoch aus einem einfachen Grund die Hoffnung, daß sie beginnen. Das pro-Kopf-Einkommen
der in den UNO-Schutzzonen lebenden Menschen
gehört zu den niedrigsten der Welt. Das Einkommen beträgt monatlich etwa 20 Mark. Der Lebensstandard der Menschen dort liegt unter dem in
Bangladesh, was im Herzen Europas kaum vorstellbar ist. Welche Zukunft haben die Menschen dort,
insbesondere die jungen Leute? Sie haben keine
Zukunft, und deshalb werden sie dieses Gebiet
verlassen. Bisweilen behaupten die Serbenführer in
der Krajina, Kroatien habe den Wiedergewinn von
Territorium zum Ziel, jedoch ohne die Serben. In
Wirklichkeit besteht die Politik der Krajina-Serben in
selbstauferlegter Isolation von Kroatien, das die
Serben wahrscheinlich aus den UNO-Schutzzonen
vertreiben wird. Die Wiedereingliederung dieser
Zonen in Kroatien stellt die vielversprechendste
Lösung dar, den serbischen Charakter der Krajina zu
bewahren.

Autonomie umfaßt mit Sicherheit das Recht auf eine
Wahl der Legislative, eine Kontrolle über das Bildungswesen, die Erhebung von Steuern, Gewalt über
das Polizeiwesen und Einfluß auf die Kultur. Sie
kann auch symbolische Elemente enthalten. Die
amerikanischen Bundesstaaten haben ihre eigene
Flagge. Gibt es einen Grund, warum eine autonome
Region, ein autonomer Kanton oder Bundesstaat
nicht auch seine eigene Fahne haben sollte, wenn
die Menschen dies wünschen?

Unser oberstes Ziel besteht darin, jedem aus seiner
Heimat Vertriebenen die Rückkehr nach Hause zu
ermöglichen. Wir hoffen, in der zweiten Verhandlungsphase Übereinkünfte zu erzielen, die Serben
und Kroaten gleichermaßen die Rückkehr in zumindest einige Dörfer auf der jeweils anderen Seite
der Waffenstillstandslinie ermöglichen.
Die dritte Phase der Verhandlungen befaßt sich mit
dem politischen Status. Alle in Kontakt zu den
Krajina-Serben stehenden Diplomaten - die Russen,
Botschafter der Europäischen Union und meine
Person - haben eindeutig gesagt, daß eine unabhängige "Serbenrepublik Krajina" niemals akzeptiert oder anerkannt wird, und diese Gebiete niemals
als Teil Serbiens akzeptiert oder anerkannt werden.
Von den 190 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen
unterstützt nicht ein einziger eine unabhängige
"Serbenrepublik Krajina" oder ihre Bestrebungen,
Teil Serbiens zu werden.
Die endgültigen politischen Arrangements zwischen
den in den UNO-Schutzzonen lebenden Serben und
dem übrigen Kroatien müssen auf dem Verhandlungsweg gelöst werden. Obwohl die Unterhändler
keinen speziellen Plan empfehlen, müssen einige
Elemente eindeutig Bestandteil einer funktionierenden Lösung sein. Eine Lösung muß den mehrheitlich von Serben bewohnten Gebieten ein beträchtliches Maß an Autonomie gewähren. Was
bedeutet ein beträchtliches Maß an Autonomie? Es
gibt verschiedene Modelle, darunter die der amerika-

AMERIKA DIENST 22

Um es deutlich zu machen: Ich gebe hier keine
Empfehlung für die eine oder andere Lösung.
Hierüber müssen die kroatische Regierung und die
Serben in den UNO-Schutzzonen auf dem Verhandlungswege entscheiden. Ich breite vor Ihnen heute
keine amerikanische Formel aus. Dies sind lediglich
die Beobachtungen eines an den Verhandlungen
Beteiligten hinsichtlich einerfunktionierenden Lösung.
Im Rahmen einer ausgehandelten Lösung werden die
Serben ihre Hoffnung auf einen unabhängigen Staat
aufgeben müssen. Kroatien wird vielleicht wider
Willen politische Arrangements akzeptieren müssen.
Betrachten Sie sich jedoch die Alternativen: Fortgesetzte Spaltung des Landes oder Krieg. Es wird
viel über eine militärische Option gesprochen. Selbst
im Falle ihres Erfolgs hätte sie verheerende Konsequenzen für Kroatien. Und es besteht unter den
gegenwärtigen Umständen die nicht zu unterschätzende Möglichkeit, daß die militärische Option
scheitert und Kroatien sich in einer noch schlechteren
Position befindet als derzeit bereits der Fall.
Zum Schluß möchte ich noch einen Punkt ansprechen. Im Verlauf der Verhandlungen ist es für
Kroatien von essentieller Bedeutung, alles in seiner
Macht Stehende zu unternehmen, um zu einem Ort
zu werden, der für die Serben zum Leben akzeptabel
oder sogar erstrebenswert ist.
Die Jahre des Kommunismus und insbesondere der
Krieg haben Bitterkeit hervorgerufen. Folglich war
eine Diskriminierung der Serben im staatlich kontrollierten Teil Kroatiens zu beobachten. Den Serben
wurden ihre Arbeitsplätze gekündigt, sie wurden aus
ihren Wohnungen vertrieben und - was noch betrüblicher ist - mehrere tausend ihrer Häuser wurden in die
Luft gesprengt.
Soweit mir bekannt ist, wurde
niemand wegen dieser Verbrechen verhaftet oder
verurteilt.
Wenn Kroatien den Serben nicht das Gefühl vermittelt, daß Kroatien in jeder Hinsicht ihr Land ist,
besteht keine Aussicht darauf, daß die in den UNO-

Seite 3

�Schutzzonen lebenden Serben jemals in Kroatien
leben wollen. Somit ist der umfassende Schutz der
Rechte der Serben und aller anderen politischen und

Menschenrechte für unser gemeinsames Ziel einer
friedlichen Wiedereingliederung in die UNO-Schutzzonen von essentieller Bedeutung.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 22

�SPORT
8. Juni 1994

"LIEBE IST WIE EIN BASEBALLSPIEL":
ZUSCHAUERSPORTARTEN UND DIE
AMERIKANISCHE KULTUR (II)
von John R. Eidson
Nachfolgend veröffentlichen wir den zweiten Teil des Essays von Professor John R. Eidson.

Der Sport und die amerikanische Vorstellungskraft
Der Sport durchdringt die amerikanische Gesellschaft in solchem Ausmaß, daß praktisch jeder
gezwungen ist sich zu entscheiden, ob er ihn mag,
toleriert oder ablehnt. Intellektuelle definieren sich
häufig im Gegensatz zur Vulgarität des Sports, aber
vom Elfenbeinturm läßt sich das Getöse des Stadions kaum übertönen. Der Collegesport hat bereits
seit den Anfängen des Football die Feindseligkeit
mancher Gelehrter hervorgerufen, und diese Feindseligkeit findet von Zeit zu Zeit literarischen Ausdruck in dem traditionellen amerikanischen Genre
der Jeremiade. Einen hohen moralischen Standpunkt einnehmend, brandmarken hochgestochene
Kritiker die Sportindustrie geradezu als Inkarnation
des amerikanischen Sündenfalls. Einige Intellektuelle - ob in einem Anfall von Populismus oder einem
Zustand hoher ästhetischer Sensibilität - nehmen
den Baseball jedoch von diesem allgemein über den
Sport gefällten strengen Urteil aus. Einer der
bekanntesten Vertreter dieser Kategorie ist der
unlängst verstorbene A. Bartlett Giamatti, der Englischprofessor, der seinen Posten als Rektor der
Yale University aufgab, um Beauftragter für Baseball
zu werden. Giamattis Buch Take Time for Paradise
(Summit Books 1989) gehört zu dem Genre, das die
idyllischen Tugenden des Baseball preist und zu
dem auch politische Kolumnisten, Naturwissenschaftler und Sportjournalisten mit literarischen
Ambitionen ihren Beitrag leisten.
Für die meisten Amerikaner bedeutet der Sport nicht
nur eine Serie von Festen, sondern auch ein Thema,
das das Leben in einem Ausmaß begleitet und
durchdringt, das für den Außenstehenden nahezu
unbegreiflich ist. Die "Heimmannschaft" ist integraler

AMERIKA DIENST 22

Bestandteil lokaler Identität, und ihr Erfolg oder
Scheitern bringt die Leidenschaften ganzer Gemeinden in Wallung. In den siebziger Jahren des 19.
Jahrhunderts machten ortsansässige Förderer
Provinzstädte des Mittleren Westens dadurch bekannt, daß sie die ersten professionellen Baseballmannschaften gründeten, während heute Städte wie
Charlotte, Orlando, Phoenix und Denver um Profimannschaften buhlen und vor Bürgerstolz platzen,
wenn ihre Wünsche erfüllt werden. Die Bürger von
Green Bay (Wisconsin) gründeten eine Aktiengesellschaft, um die traditionsreiche, jedoch abstiegsbedrohte Mannschaft der Packers zu retten, während
die Einwohner von Washington immer noch den
Verlust ihrer geliebten Senators zu Beginn der
siebziger Jahre betrauern. Der meistgehaßte Mann
Baltimores ist immer noch Bob Irsay, der vor vielen
Jahren die Colts nach Indianapolis umziehen ließ. In
Indiana hat der Basketballsport auf High-SchoolEbene regionalen Kultstatus erlangt - eine Tatsache,
die in dem Hollywoodfilm "Hoosiers" von 1986
thematisiert wurde. Dasselbe gilt für Football in
Westtexas, wie Ross Perot feststellen mußte, als er
als Vorsitzender einer Kommission zur Reform des
staatlichen Bildungswesens eine Vorschrift einführen
wollte, derzufolge die Teilnahme am High-SchoolSport von einem bestimmten Mindestnotendurchschnitt abhängen sollte.
Einige Mannschaften fesseln die Phantasie des
ganzen Landes und werden zum Symbol einer
ganzen Ära. In den siebziger Jahren wurden die
Dallas Cowboys zu der Mannschaft, die aufgrund
ihrer aufregenden Spielweise und des von ihr kultivierten Images in ganz Amerika entweder geliebt
oder inbrünstig gehaßt wurde. In der Frühzeit des
College- und Profisports taten die Fans ihre Präferenz für die eine oder andere Mannschaft durch das

Seite 1

�Schwenken von Fähnchen oder das Tragen von
Kappen ihrer Mannschaften kund. Mit der phänomenalen Zunahme der Vermarktung des Sports ziehen
sich Fans heute Kostüme an, die mit den Visionen
Hollywoods von verschwenderischer orientalischer
Pracht konkurrieren können.

größtmögliche Freiheit, ihm eine Bedeutung anzudichten. Der Sport verkörpert eine solch große
Anziehungskraft, weil im Gegensatz zu spezielleren
dramaturgischen Formen jede Vorstellung mehrere
verschiedene Interpretationen für ein einziges zugrundeliegendes Drehbuch zuläßt.

Die Diversifizierung von Waren, die weit über den
Wettbewerb selbst hinausreicht - Schuhe, Kleidung,
"offizielle" Ausrüstung, Literatur, Sammelkarten etc. weist auf das Ausmaß hin, in dem der Sport zu
einem riesigen und äußerst profitablen Industriezweig geworden ist. Die Popularität des Sports
jedoch lediglich als Reflex von Marketingstrategien
zu interpretieren, hieße die Rolle des Zuschauers zu
unterschätzen. Wie der Begriff "Fan" andeutet, ist
das Zuschauerdasein eine Aktivität, und "dem Spiel
zuschauen", bedeutet für den Sportfan eine totale
Erfahrung, die ebenso kostbar ist wie Prousts Abend
in der Oper.

Im Zuschauersport ist die Besetzung auf Antagonisten, Protagonisten und Nebenrollen beschränkt, aber
diese Figuren treten in allen Formen und Dimensionen auf. Wenn der Unparteiische anpfeift, beginnt
das Drama, und jede Rolle bietet ein nahezu unerschöpfliches Reservoir an Variationen. Da sind die
stoischen Spieler, die selbst im Triumph keine
Gefühlsregung zeigen, jungenhafte Spieler, die mit
derselben Spontaneität Freude und Mißfallen bekunden sowie die extravaganten Spieler, die mit wunderbar einstudierter Prahlerei spielen, Spaße machen
und feiern. Da sind Trainer, die wie Bankiers aussehen, Trainer, die vor jedem Spiel zum Gebet
niederknien und Trainer, die von einem Verliererteam
zum nächsten wechseln. Einige Clubbesitzer tragen
Tweed und breite Krawatten, andere sehen aus wie
Gangster aus den zwanziger Jahren; einige Clubbesitzer bleiben in ihren Logen der Masse entrückt,
während andere die Aufgaben ihrer Trainer und
Manager usurpieren. Unter den Reportern sind
Meister des Understatements, Reporter, die überjede
neue sportliche Höchstleistung ins Schwärmen
geraten und Reporter, die dem Trainer ständig
ungebetene Ratschläge erteilen. Einige Fans feuern
die Heimmannschaft an, andere bleiben passiv und
wieder andere applaudieren jedem guten Spielzug
ungeachtet dessen, welcher Mannschaft der Spieler
angehört. Es gibt Fans, die in ausgefallenen Kostümen erscheinen, Fans, die sich mit Statistiken
beschäftigen, und Fans, die über dem Anstehen nach
Bier und Erdnüssen das Spiel verpassen. Zehntausende von Fans drängen sich in den Stadien, während weitere Millionen vor den Fernsehgeräten
hocken. Dazu gehören Gruppen von Freunden
ebenso wie einsame Zuschauer, die sich schon
darauf freuen, das Spiel später im Büro bei einer
Tasse Kaffee mit den Kollegen zu analysieren.

Sportveranstaltungen lassen sich tatsächlich am
besten verstehen, wenn man sie als eine Art von
Gesamtkunstwerk betrachtet, in dessen Rahmen die
Fans ebenso wichtig sind wie all die anderen Beteiligten, darunter Spieler, Trainer, Manager, Talentsucher, Clubbesitzer, Unparteiische oder Schiedsrichter, Reporter und Kameraleute. Der Zuschauersport unterscheidet sich vom Theater nicht nur darin,
daß er zu mehr Publikumsbeteiligung ermutigt,
sondern auch dadurch, daß er den eigentlichen
Konflikt des gesamten Dramas auf eine simple
dualistische Form reduziert, in der die Beziehung
zwischen Protagonisten und Antagonisten reversibel
ist. Jedes Spiel ist eine Schlacht zwischen Doppelgängern, ein Krieg zwischen zwei Thronprätendenten, von denen beide zugleich den Helden, den
Schurken und den dummen August repräsentieren.
Deshalb hat jedes Spiel einen guten "Plot" oder, wie
Northrop Frye in Anlehnung an die literarische Form
des romantischen Abenteuerromans geschrieben
hat, den guten "Plot". Der "Abenteuerroman" - der
Triumph des "Underdog" - ist jedoch nur eine
Möglichkeit für den Verlauf, den das Spiel nehmen
kann. Je nach Regie, Handlungsverlauf und Blickwinkel des Zuschauers kann der athletische Wettbewerb auch ein Epos, eine Tragödie oder eine
Parodie sein, durch die eine gerechte Ordnung
bestätigt, wiederhergestellt oder auf den Kopf gestellt
wird. Die dramatische Form des Sports kann zu
Recht als "primitiv" bezeichnet werden, unter der
Voraussetzung, daß dieser Begriff in der Bedeutung
"undifferenziert" und als grundsätzlich verschwommen verstanden wird. Durch die Simplifizierung der
Handlung, das Auf und Ab in der Beziehung zwischen Protagonisten und Antagonisten sowie die
Vervielfachung der Aspiranten auf Haupt- und
Nebenrollen, verleiht der Sport seinem Publikum die

Seite 2

Die Fans beurteilen die Leistungen der Spieler nicht
nur nach messbaren Maßstäben, sondern auch
aufgrund weithin geteilter, aber auch sehr unterschiedlicher Kriterien für sportliches Verhalten, Mut,
Finesse, trickreiches Spiel und Stil. Der Held des
einen ist der Schurke des anderen, und was die
Bewunderung des einen hervorruft, ist für den anderen verachtenswert. Es gibt jedoch auch besondere
Momente, in denen von allen Beteiligten verlangt
wird, unantastbaren Konventionen ihre Reverenz zu
erweisen, insbesondere während der Zeremonien vor
und nach dem Spiel. Am Ende jedes Basketballspiels schütteln sich die Trainer oberflächlich die

AMERIKA DIENST 22

�Hand, dann geben sie gemeinsam mit den Spielern
Fernsehinterviews, die immer die gleichen bohrenden Fragen enthalten, dieselben hölzernen Antworten und dasselbe peinliche Sammelsurium von Fans,
die in Beifallsrufe ausbrechen oder im Hintergrund
Grimassen schneiden. In jenen seltenen Augenblicken, in denen Sportreporter um Worte verlegen
sind, verfallen sie häufig auf pathetische Phrasen,
indem sie die wohltätigen Aktivitäten eines Spielers,
seine Liebe zu seiner Mutter oder seine Achtung vor
den Mitmenschen ansprechen.
Die Verletzung
dieses Kodex' ist strikter Zensur unterworfen, wie
man an den Reaktionen der Fans auf unsportliches
Verhalten oder der unlängst erfolgten Rüge durch
den Präsidenten ablesen kann, nachdem eine
bekannte Komikerin versucht hatte, zu Beginn eines
Baseballspiels die Nationalhymne zu karikieren.

Right Thing (1989) aufs Korn nahm. Natürlich
spiegeln die Unterstellungen der Fans nicht unbedingt
die Haltung von Spielern und Management wider, und
es mutet wie Ironie an, daß die Mannschaft, die
sowohl den ersten schwarzen Spieler als auch den
ersten schwarzen Trainer einstellte, zum Ventil für
den latenten Rassismus derjenigen Fans werden
sollte, denen die dominierende Rolle schwarzer
Athleten ein Dorn im Auge ist. Andere Fans stellen
ihre liberale Einstellung zur Schau, indem sie Stars
aus anderen ethnischen Gruppen unterstützen als
der, der sie selbst angehören. Die phänomenale
Popularität schwarzer Stars unter Jugendlichen aller
ethnischen Gruppen demonstriert die fortdauernde
Stärke einer ganz und gar amerikanischen Tradition die Jugend macht sich die Kulturen der Minderheiten
zu eigen.

Vor dem Anpfiff und nach dem Schlußpfiff bietet der
Sport unerschöpflichen Stoff für Kommentare und
Spekulationen. Wer wird die Schlacht der Titanen
gewinnen? Wird der neue Spieler gut einschlagen?
Wie wird ein alterndes oder von Verletzungen
geplagtes Team auf eine Herausforderung reagieren? Warum ist ein Spieler an einem Tag "brandheiß" und am nächsten "ausgebrannt"? Wie hat es
der Underdog geschafft, einen Überraschungscoup
zu landen? Eine Analyse der Beiträge von Kommentatoren und der Gespräche von Fans würde den
Sport als eine Domäne "ungezähmten Denkens"
entlarven, wo nichts zufällig geschieht, wo alles
irgendeine Bedeutung hat und wo jede Bedeutung
mit 100 anderen verbunden ist - kurzum, wo Amerikaner von heute in einer Art und Weise denken, die
Anthropologen bisweilen primitiven Völkern zuschreiben. Die Spieler selbst sind notorisch abergläubisch, aber eine nähere Betrachtung des Verhaltens der Fans würde genug diagnostische und
prognostische Konventionen aufdecken, um eine
Enzyklopädie des Volkstums zu füllen.

Aus diesem Grund bietet der Sport sowohl eine
umfassende Erfahrung als auch ein Symbol, das in
die Welt außerhalb des Stadions hineinwirkt. Die
Häufigkeit, mit der Amerikaner entdecken, daß "der
Sport ist wie das Leben", wird lediglich von der
Trivialität dieser Entdeckung übertroffen. Metaphern
aus dem Sport sind besonders in den Bereichen
Politik und Wirtschaft sowie in den Beziehungen
zwischen Mann und Frau anzutreffen. Während der
Präsidentschaftskampagne von Ross Perot im Jahr
1992 beschwerte sich ein Mitglied seiner "Mannschaft" über die politische Unertahrenheit und den
ineffektiven Stil seines Chefs. In einem anonymen
Hintergrundgespräch mit Journalisten führte der
Berater Perots "Zurückfallen" in den Meinungsumfragen auf dessen Weigerung zurück, Fernsehwerbung
einzusetzen, aber er tat diese Äußerung auf typisch
amerikanische Weise: "Das ist so, als ob wir einen
Receiver völlig ungedeckt am anderen Ende des
Spielfelds hätten und der Quarterback immer wieder
den Fullback mit dem Ball durch die Mitte schickt."
Selbst der uniformierte Leser wird diese Erklärung
als Kritik verstehen, aber eine vollständige Interpretation erfordert ein nicht geringes Maß an Insiderwissen vom Footballspiel - ein Wissen, das nahezu
jeder Amerikaner besitzt. Mit dem Ball zu laufen, ist
der traditionelle und meistens weniger aufregende
Weg, um dieses Spiel zu spielen - "drei Yards und
eine Staubwolke", wie man zu sagen pflegt. Die
Entwicklung des "Paßspiels" hat dramatische Umkehrungen des Spielglücks ermöglicht und erheblich zur
wachsenden Popularität des Football beigetragen.
Wenn der "Receiver völlig ungedeckt am Ende des
Spielfelds steht", dann wirft ihm der Quarterback (der
"Spielmacher") die "Bombe" zu und erzielt hoffentlich
einen "Touchdown" - die plötzliche Wendung, die der
Wahlkampfberater durch Fernsehwerbung zu erzielen
hofft. Aber Perot erreichte niemals einen "Touchdown". Statt dessen wurde er von Bush aus dem

Der Sport stellt bisweilen das Rohmaterial für einen
unbewußten Diskurs zur Verfügung, in dem man
Wünschen, Vorurteilen und Schuldgefühlen freien
Lauf lassen kann, die ansonsten unterdrückt werden.
Die vom Fernsehen übertragenen Bilder scheinen
häufig die Teamarbeit zwischen Schwarzen und
Weißen zu betonen, aber die Reaktion der Fans auf
bestimmte Spieler und Mannschaften könnte auch
auf unterschwellige Rassenspannungen hindeuten.
Als die Boston Celtics in den achtziger Jahren gegen
die Los Angeles Lakers spielten, identifizierten sich
viele weiße Fans außerhalb Bostons mit CelticsStars wie Larry Bird, Kevin McHale und Danny
Ainge, während die Sympathien schwarzer Jugendlicher im ganzen Land "Magic" Johnson, James
Worthy und Kareem Abdul-Jabbar galten - eine
Tatsache, die Spike Lee in seinem Film Do the

AMERIKA DIENST 22

Seite 3

�Feld geschlagen, und Clinton gewann, obwohl er in
den Debatten keinen "K.O." landen konnte.
Nach bescheidenen Anfängen als volkstümliche
Propheten gehen einige berühmte Sportler heute mit
einer "Siegesphilosophie" hausieren, die auf Analogien zwischen Sport und dem Leben anspielt. In
den sechziger Jahren machte Vince Lombardi, der
enorm erfolgreiche Trainer der Green Bay Packers,
eine Filmserie, die Schulkindern sowie Männern und
Frauen aus der Wirtschaft im ganzen Land die
tiefgründigeren Lehren des Football näherbringen
sollte. Die in der Evolution am höchsten entwickelte
Spezies ist dieser Abstammungslehre zufolge der
erfolgreiche Athlet oder Trainer, der Führungskräften
der Wirtschaft als "Motivationsredner" dient. Die
zugrundeliegende Voraussetzung lautet, daß das
Geschäftsleben wie der Sport von Wettbewerb
geprägt wird und daß amerikanische Führungskräfte
die Konkurrenz im In- und Ausland "schlagen"
können, wenn sie den richtigen "Trainer" haben, der
die "Mannschaft" motivieren kann. Ein Beispiel für
einen Motivationsredner aus der Welt des Sports ist
der unlängst verstorbene Jim Valvano, der als
Trainer der North Carolina State University einen der
größten Überraschungserfolge in der Geschichte des
Collegebasketballs erzielen konnte. 1983 erreichte
Valvanos niedrig eingeschätzte Mannschaft das
Endspiel der NCAA und schlug die University of
Houston mit dem afrikanischen Superstar Hakeem
Olajuwon. Valvano leitete seine Vorträge vor
Wirtschaftsvertretern für gewöhnlich damit ein, daß
er ein Videoband der letzten fünf Minuten des
Sieges von North Carolina State über Houston
abspielte - denn, wissen Sie, das Leben ist wie ein
Basketballspiel.
Metaphern aus dem Sport werden besonders häufig
auf die Beziehung zwischen Mann und Frau angewandt. Viele Amerikaner erinnern sich noch an den
populären Schlager mit dem Titel "Love is just like a
baseball game" vor zwanzig Jahren, und jeder weiß,
daß einige Männer ihre sexuellen Erfolge bei Frauen
mit Begriffen aus dem Baseball wie "zur 'first base'
vordringen", zur "second base", zur "third base" oder
einen "home run" erzielen, beschreiben. Die Einführung des Begriffs "scoring" (im Sport "einen
Treffer erzielen", hier, eine Frau ins Bett bringen,

* *

Seite 4

Anm. d. U.) in die Sphäre der Sexualität wird zweifellos den Verdacht mancher Leser bestätigen, der
Sport sei eine der letzten Bastionen des Patriarchats.
Tatsächlich ergehen sich einige Kritiker in Interpretationen von Footballspielen als einer Art von
wollüstigem Passionsspiel, das zur Bekräftigung
archaischer Geschlechterrollen dient. Trotzdem
scheint die Konfrontation zwischen Sport und Feminismus in den meisten Fällen eher reformistische als
abolitionistische Positionen hervorzubringen.
Wie bereits im Fall der Beziehungen zwischen
sozialen Schichten und Rassen, wird der Sport zu
einer symbolischen Arena, in der neue Einstellungen
zu Sexualität und Geschlecht geformt werden. Eine
der ersten geschlechtsspezifischen Reformen war die
Gründung getrennter aber (nicht ganz) gleichwertiger
Collegesportprogramme für Frauen. Nur selten sind
Schritte unternommen worden, um Schulmannschaften oder Profiteams selbst zu integrieren, aber
kürzlich gab die erste Spielerin ihr Debüt in der
National Hockey League - als Torwart! Die größten
Fortschritte wurden vielleicht bei der Integration des
Sportjournalismus und bei der Veränderung oder
Erweiterung der Sportkommentierung erzielt, um ein
breiteres Publikum zu erreichen. Reporterinnen sind
in die Domänen des Baseball, Football und Basketball eingebrochen, und der Zutritt von Frauen zu den
Umkleidekabinen der Männer hat ebensoviel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie die Berufung der
ersten Frau in das Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten. Obwohl das Publikum von Sportveranstaltungen in erster Linie aus Männern besteht,
gilt dies keineswegs ausschließlich. Einige Beobachter betrachten die neue Konzentration des Sportjournalismus auf die familiäre Situation der Spieler und
andere Aspekte ihres Privatlebens als Versuch, das
Spiel zu feminisieren und damit seine Anziehungskraft zu verstärken.
Eine der neuesten Episoden in dieser unvollendeten
Revolution trug sich am "ersten Spieltag" 1993 zu, als
Hillary Rodham Clinton, eine begeisterte Anhängerin
der Baseballmannschaft der Chicago Cubs, den
Anbruch des Frühlings in Amerika verkündete - und
die Baseballsaison eröffnete - indem sie den ersten
Ball warf. Wenn man sie schon nicht besiegen kann,
muß man eben mit den Wölfen heulen.

*

*

AMERIKA DIENST 22

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                <text>&lt;strong&gt;1. D-Day&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton ruft Amerikaner zum Gedenken an die Lehren des Zweiten Weltkriegs auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gedenkbotschaft des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton fordert den Geist der Landung in der Normandie für die heutigen Herausforderungen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten vor Europareise&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton ehrt die Gefallenen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache an Bord der USS George Washington&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Vision: ein integriertes Europa vom Atlantik über ganz Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;WorldNet-Interview mit Außenminister Christopher - Auszüge&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-China&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA unterstützen weltweit Demokratie und Menschenrechte &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Außenminister Christopher&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Nordkorea&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA nehmen Konsultationen über Sanktionen gegen Nordkorea auf &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gespräche mit UNO und Verbündeten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Bosnien-Vertrag rettete Menschenleben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Galbraith in Zagreb&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Sport&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Liebe ist wie ein Baseballspiel:"&lt;br /&gt;Zuschauersportarten und die amerikanische Kultur (II)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John R. Eidson&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

1. Juni 1994

21

AUSSENPOLITIK

USA HABEN DIE CHANCE ZUR VERBREITUNG
VON DEMOKRATIE
Rede von Präsident Clinton vor der Naval
Academy

NATO

ANPASSUNG DER NATO AN NEUE ÄRA
ERFORDERT KONTINUIERLICHE
AUFMERKSAMKEIT
Rede von Verteidigungsminister Perry

RÜSTUNGSKONTROLLE

TRANSPARENZ WICHTIG FÜR GLOBALE
SICHERHEIT
Rede von ACDA-Direktor Holum

SPORT

"LIEBE IST WIE EIN BASEBALLSPIEL":
ZUSCHAUERSPORTARTEN
UND
DIE
AMERIKANISCHE KULTUR (I)
von John R. Eidson

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�AUSSENPOLITIK
1. Juni 1994

USA HABEN DIE CHANCE ZUR
VERBREITUNG VON DEMOKRATIE
Rede von Präsident Clinton vor der Naval Academy
ANNAPOLIS - (AD) - Zum ersten Mal in der Geschichte haben die Vereinigten Staaten Präsident Clinton
zufolge die Chance "zur Verbreitung von Demokratie und wirtschaftlichem Fortschritt in ganz Europa und bis
in die entlegensten Teile der Welt".
In einer Rede bei der Abschlußfeier an der U.S. Naval Academy in Annapolis stellte der Präsident am 25. Mai
1994 fest: "Der erste Schritt dieser Mission besteht in der Bewahrung der Sicherheit unserer eigenen Nation,
und Sie werden durch Ihren heutigen Abschluß dazu beitragen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.
Es ist mir eine große Ehre, mit Ihnen zusammen
diesen feierlichen Augenblick zu begehen. Ich freue
mich, am Vorabend des 150. Jahrestages der
Akademie wieder hier sein zu können.
Seit 1845 hat die U.S. Naval Academy für unsere
Marine, unsere Marineinfanteristen und unsere
gesamte Nation eine herausragende Führungsrolle
übernommen, und ich kann mir keinen wertvolleren
Beitrag vorstellen.
Nächste Woche werde ich die ehrenvolle Pflicht
haben, unsere Nation in Europa bei den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Invasion in der Normandie zu vertreten. Der Zweite Weltkrieg markierte den
Wendepunkt in unserem Jahrhundert, als wir uns mit
unseren Verbündeten zusammenschlössen, um ein
dunkles Kapitel der Diktatur, der Aggression und des
Terrors abzuschließen und Demokratie und Freiheit
den Weg zu ebnen, die sich bis zum heutigen Tag
in der Welt ausbreiten.
Der Zweite Weltkrieg steht auch für ein Zeitalter der
Opfer, die in unserer gesamten Geschichte ihresgleichen suchen. Nahezu 400.000 unserer Landsleute verloren ihr Leben. Über eine halbe Million
weitere wurden verwundet.
An die Angehörigen des Abschlußjahrgangs 1994
gerichtet, möchte ich sagen: Die Generation meiner
Eltern und Ihrer Großeltern hat ihre Arbeit nicht mit
der Befreiung Europas und dem Sieg im Pazifik

AMERIKA DIENST 21

beendet. Sie kamen zurück, um zu Hause Wunder
zu vollbringen. Sie entwarfen das Gl-Gesetz, damit
die Helden der Freiheit wieder ins bürgerliche Leben
zurückkehren, Erfolg haben und starke Familien und
starke Gemeinden gründen konnten. Sie bauten
unser Autobahnnetz auf. Sie machten unsere
Volkswirtschaft zu einem weltweiten Wunder. Sie
schmiedeten die Instrumente für internationale
Sicherheit und Handel, mit denen die Länder unserer
früheren Verbündeten und unserer ehemaligen
Feinde wiederaufgebaut werden und wir schließlich
den Kalten Krieg gewinnen konnten. Wir erlebten
Jahrzehnte des Friedens und Wohlstands.
Heute sind wir hier zusammengekommen, um Ihren
Abschluß an dieser Akademie und Ihr Offizierspatent
für die US-Marine und das Marineinfanteristenkorps
zu feiern. Dabei stellt sich Ihnen die Frage, ob Ihre
Generation ebenso viel leisten wird wie die Generation des Zweiten Weltkriegs.
In letzter Zeit wurden einige Bücher über Ihre Generation geschrieben, in denen festgestellt wird, so viele
Ihrer Altersgruppe seien fatalistisch und zynisch, es
sei eine Art Generation X, die glaubt, die besten
Tage Amerikas lägen hinter uns und es gäbe keine
großen Taten mehr zu vollbringen. Nun, dieser
Jahrgang ist ein Gegenbeweis für Zyniker jeglichen
Alters.
Ich respektiere Ihre Entscheidung zutiefst, unserer
Nation zu dienen. Ihr Dienst kann in den kommen-

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�den Jahren vielfältige Formen annehmen - das
Kommando über Schiffe im Kampf, die Ausbildung
von Kampfpiloten, die Leitung eines Unternehmens,
und vielleicht sitzt einer von Ihnen eines Tages
sogar im Oval Office. Unabhängig von ihrem
bisherigen Verlauf wird Ihre Karriere Opfer verlangen, Zeit, die nicht mit den Angehörigen verbracht
werden kann, und die Möglichkeit bergen, den
Dienst im Angesicht von Gefahr verrichten zu
müssen. Wo immer Ihre Laufbahn Sie hinführen
mag - zweifelsohne verstehen Sie das Gebot der
Bürgerpflicht. Es gibt keinen besseren Weg als den
von Ihnen gewählten und den Eid, den Sie ablegen
werden.
Die Herausforderung für Ihre Generation lautet, sich
der Taten Ihrer Vorgänger zu erinnern und jetzt auf
ihre Arbeit in einer neuen und völlig veränderten
Welt aufzubauen. Die Weltkriege sind vorüber, der
Kalte Krieg wurde gewonnen. Jetzt ist es unsere
Aufgabe, den Frieden zu gewinnen.
Ich bin heute hierhergekommen, weil ich Amerika
wissen lassen möchte, daß es keine bessere Marine
in der Welt als die US-Marine und keine bessere
Ausbildungsstätte für Führungspersonal der Marine
gibt als die United States Naval Academy. Sie
haben mein Vertrauen, und Sie haben das Vertrauen
Amerikas.
Dies ist eine Zeit der Herausforderungen für Angehörige der Marine, weil wir uns in einem neuen
Zeitalter der internationalen Angelegenheiten befinden. Als dieser Jahrgang im Juni 1990 in die
Akademie eintrat, waren Israel und die PLO zutiefst
verfeindet, Südafrika lebte unter dem Apartheidregime, Moskau, Kiew und Riga gehörten noch zur
Sowjetunion, und die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion hatten ihre Nuklearwaffen noch immer
in massiver Anzahl gegeneinander gerichtet. Aber
jetzt ist Nelson Mandela Präsident von Südafrika. Im
Nahen Osten werden zwischen Israel und der PLO
sowie den anderen Parteien echte Fortschritte
erzielt. Wo der Kreml einstmals seinen Willen
aufzwang, ringt eine Reihe neuer freier Staaten jetzt
mit der Last der Freiheit. Und die Vereinigten
Staaten und Rußland haben endlich ihre Nuklearwaffen nicht mehr gegeneinander gerichtet.
Diese erstaunlichen Veränderungen machen unsere
Nation sicherer. Sie gestatten uns auch, mehr
Ressourcen für die tiefgreifenden Herausforderungen
freizusetzen, mit denen wir uns hier im Inland
konfrontiert sehen - von der Bereitstellung von
Arbeitsplätzen für unsere Mitbürger über bessere
Bildung und Ausbildung für alle bis zu größerer
Sicherheit auf unseren Straßen, der Gewährleistung
von medizinischer Versorgung für alle unsere Bürger

Seite 2

und letztlich dem Aufbau einer Volkswirtschaft, die
weit bis ins 21. Jahrhundert wettbewerbsfähig ist und
Erfolg haben kann.
Die Veränderungen der Wert können jedoch auch
Unsicherheit für diejenigen enthalten, die ihre Karriere
dem Militärdienst verschrieben haben. Sie können in
der Tat Unsicherheit für die Vereinigten Staaten
schaffen. Und in diesen Zeiten der Unsicherheit sind
einige versucht, unseren Verteidigungshaushalt zu
stark zu kürzen.
Am Ende des Kalten Krieges war es richtig, unsere
Verteidigungsausgaben zu senken. Wir sollten uns
jedoch vor Augen führen, daß dieses neue Zeitalter
vielfältige Gefahren birgt. Wir haben die Bedrohung
des Kalten Krieges - eine Welt in einer nuklearen
Pattsituation - durch eine neue Welt ersetzt, die von
Instabilität und sogar hoffnungslosem Chaos bedroht
ist, die in den mit dem Übergang vom Kommunismus
zu Marktwirtschaften einhergehenden wirtschaftlichen
Erschütterungen wurzeln; in religiösen und ethnischen Konflikten wurzeln, die lange von jetzt abgesetzten autoritären Regimes unterdrückt wurden; in
Kämpfen zwischen einzelnen Stämmen wurzeln und
durch Umweltkatastrophen, grausame Hungersnöte
sowie Massenmigration über nationale Grenzen
hinweg verschärft werden. Und obwohl drei Nachfolgestaaten der Sowjetunion jetzt atomwaffenfrei
werden und die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland über Nuklearfragen
abnehmen, dürfen wir immer noch nicht vergessen,
daß die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen
in dem andauernden Disput anhält, den wir über
Korea haben und andernorts mit Ländern, die entweder versuchen, solche Waffen zu entwickeln, zu
verkaufen oder zu kaufen.
Wir müssen es also besser machen. Damit diese
Generation die Freiheit vergrößern kann, müssen wir
Amerika stets von Gefahren fernhalten.
Eine Verteidigung richtigen Umfangs kostet weniger,
aber sie kostet immer noch ziemlich viel. Aus diesem
Grund habe ich Versuchen widerstanden, unserem
Verteidigungshaushalt weitere Kürzungen aufzuzwingen.
Ich möchte, daß Sie dies voll und ganz verstehen.
Es ist wichtig für Ihre Generation und Ihre Kinder,
diese schreckliche Verschuldung abzubauen, die wir
in den vergangenen Jahren angehäuft haben. Ich
habe den Kongreß gebeten, über 100 Programme
völlig zu streichen und weitere 200 zu kürzen. Wir
haben einen Haushaltsentwurf vorgelegt, der die
verfügbaren Mittel zum ersten Mal seit 1969 verringert. Damit haben wir zum ersten Mal, seit Harry
Truman direkt nach dem Zweiten Weltkrieg Präsident

AMERIKA DIENST 21

�der Vereinigten Staaten war, drei aufeinanderfolgende Jahre des Defizitabbaus. Aber wir sollten die
Verteidigungsausgaben nicht weiter kürzen. Ich
danke dem Kongreß, daß er in dieser Woche den
Rufen danach widerstanden hat.
Wir arbeiten auf die Gewährleistung der Qualität des
wichtigsten Verteidigungspotentials überhaupt hin Sie und die über eine Million anderen Männer und
Frauen in Uniform, die über unsere Sicherheit wachen. Heute sind unsere Streitkräfte ohne Zweifel
das am besten ausgebildete, am besten ausgerüstete, am besten vorbereitete und am höchsten motivierte Militär auf der ganzen Welt. Solange ich
Präsident bin, wird dies weiterhin der Fall sein.
Die Frage unserer Sicherheit in diesem Zeitalter
hängt letztlich immer noch von unserer Entscheidung
ab, wo wir unsere militärische Macht zum Einsatz
bringen. Dies ermöglicht unserer enormen wirtschaftlichen Stärke, sich im In- und Ausland zu
behaupten. Und es gibt keine Entscheidung, die ein
Präsident ernster nimmt als die Entscheidung,
Amerikaner in Gefahr zu entsenden.
Die Geschichte lehrt uns, es gibt weder ein Patentrezept noch sollte sich ein Präsident je auf eine
solche Gratwanderung begeben, daß wir den Einsatz unseres Militärs unter Umständen völlig ausschließen würden, die sich später als wichtig erweisen könnten. Schließlich ist die bloße Möglichkeit
des Einsatzes von Gewalt durch die Vereinigten
Staaten an sich schon eine mächtige Waffe auf der
ganzen Welt. Eines ist jedoch klar: Wir müssen
zuerst zur Verteidigung unseres Landes und unserer
Menschen zum Kampf bereit sein. Aus diesem
Grund haben wir mit dem Einsatz von Gewalt
reagiert, als wir das irakische Komplott zur Ermordung des ehemaligen Präsidenten Bush aufdeckten.
Und die von uns an jenem Tag abgeschossenen
Tomahawk-Raketen wurden von der Marine abgefeuert.
Wir müssen zum Schutz unserer vitalen Interessen
zu kämpfen bereit sein. Aus diesem Grund habe ich
eine Verteidigungsstrategie verabschiedet, dank der
zwei größere regionale Konflikte nahezu gleichzeitig
gewonnen werden können. Wir müssen zum Schutz
unserer Verbündeten zu kämpfen bereit sein. Aus
diesem Grund haben wir Patriot-Raketen in Südkorea stationiert, und zusammen mit anderen müssen
wir zum Einsatz von Gewalt bereit sein, wenn
andere amerikanische Interessen bedroht sind. Und
aus diesem Grund haben wir uns für eine stärkere
Rolle der NATO in Bosnien eingesetzt.
Die härtesten Fälle sind die zahlreichen ethnischen
und religiösen Konflikte, die in unserem Zeitalter

AMERIKA DIENST 21

ausgebrochen sind. Das Ende des Gleichgewichts
des Schreckens hat seit langem schwelenden Haß
zur Eruption gebracht. Nun blutet das gesamte
globale Terrain von solchen Konflikten - von Ruanda
bis Georgien. Wir können nicht jeden dieser Ausbrüche bürgerlichen Hasses oder militanten Nationalismus einfach durch die Entsendung unserer Streitkräfte lösen. Wir können ihnen auch nicht den
Rücken kehren. Aber unsere Interessen stehen bei
vielen dieser Konflikte nicht ausreichend auf dem
Spiel, um eine Verpflichtung unserer Männer und
Frauen zu rechtfertigen.
Als die größte Macht der Welt haben wir jedoch die
Verpflichtung zu einer Führungsrolle und manchmal
zum Handeln, wenn genug von unseren Interessen
und Werten auf dem Spiel steht.
Betrachten Sie sich das Beispiel des ehemaligen
Jugoslawien. Seit Jahrhunderten markierte dieses
Land eine spannungsgeladene und häufig gewalttätige falsche Trennlinie zwischen Imperien und Religionen. Das Ende des Kalten Krieges und der Zerfall
dieses Landes in so viele neue Republiken brachte
all diese alten Spannungen wieder an die Oberfläche
und löste die serbische Aggression, ethnische Säuberungen und den brutalsten Konflikt in Europa seit
dem Zweiten Weltkrieg aus.
Ob wir uns in einem der ethnischen Konflikte der
Welt engagieren, muß letztlich von dem Gesamtgewicht der amerikanischen Interessen abhängen, die
auf dem Spiel stehen. Heute haben wir in Bosnien
eindeutig ein Interesse an der Verhinderung einer
Ausweitung der Kampfhandlungen zu einem größeren
europäischen Krieg, an der Gewährleistung, daß die
NATO im Zeitalter nach dem Kalten Krieg weiterhin
eine glaubwürdige Kraft für Frieden sein kann, an
diesem allerersten Engagement der NATO in bündnisfremdem Gebiet, an der Eindämmung des durch
diesen Konflikt verursachten unglaublich destabilisierenden Flüchtlingsstroms und an der Beendigung des
Abschlachtens Unschuldiger.
Diese Interessen rechtfertigen nicht unser einseitiges
Engagement, sollen jedoch den Weg zu einem
durchführbaren Friedensabkommen ebnen, falls dies
zustandekommt. Und wenn dies der Fall ist, werden
wir zu seiner Umsetzung beitragen. Unsere Administration ist verpflichtet, bei der Herbeiführung einer
solchen Revolution behilflich zu sein, indem sie mit
anderen wie der NATO, den Vereinten Nationen und
Rußland zusammenarbeitet.
Diese Bemühungen waren weder leicht noch unkompliziert, aber wir haben Ergebnisse hervorgebracht.
Durch die Durchsetzung der Flugverbotszone über
Bosnien durch die NATO haben wir eine Eskalation

Seite 3

�den Krieges in der Luft verhindert. Wir haben den
Abwurf humanitärer Hilfsgüter in die Wege geleitet
und uns an der längsten humanitären Luftbrücke der
Geschichte beteiligt. Wir haben die Durchsetzung
der Schutzzonen um Sarajevo und Gorazde durch
die NATO sichergestellt, und infolgedessen haben
die Menschen in Sarajevo mehr als drei Monate
relativer Ruhe erlebt, und Gorazde wird nicht länger
beschossen. Durch die Verstärkung unseres diplomatischen Engagements haben wir mit anderen an
einem Abkommen zwischen den Kroaten und
Bosniern zusammengearbeitet, das einen Durchbruch bewirkt hat, hier in Washington unterzeichnet
wurde und meines Erachtens schließlich zu einer
umfassenderen Lösung führen wird.
Einer der Träume des Zweiten Weltkriegs war, daß
die Vereinigten Staaten nach dem Krieg im Rahmen
der Vereinten Nationen und in anderer Weise mit
anderen zusammenarbeiten könnten, um die schwierigsten Probleme unseres Zeitalters zu lösen ohne
das Leben unserer eigenen Soldaten einzusetzen,
wo sie nicht eingesetzt werden sollten, und immer
noch eine positive Rolle spielen zu können. Aus
diesem Grund versuchen wir, in Bosnien eine
Lösung zu finden. Und wenn dies gelingt, werden
wir einen Teil dieses unglaublichen Chaos meistern
können, das drohte, die Welt zu verschlingen, in der
Sie Ihre Kinder aufziehen wollen.
Zu jeder Zeit haben wir darauf hingearbeitet, die
Parteien dort zu einer durchführbaren Friedenslösung zu bewegen. Dies ist einer der Konflikte, die
nur am Verhandlungstisch, nicht auf dem Schlachtfeld, enden können. Sie können weitere 100 Jahre
kämpfen und werden ihn nicht auf dem Schlachtfeld
lösen. Zu jeder Zeit haben wir die Notlösung zu
stark vereinfachender Ideen verworfen, die gut auf
Autoaufklebern klingen, aber tragische Konsequenzen gehabt hätten. Die neueste lautet, wir sollten
einfach einseitig das Waffenembargo der Vereinten
Nationen gegen Bosnien und die anderen ehemals
jugoslawischen Staaten brechen.
Ich unterstütze das Waffenembargo nicht und habe
das nie getan. Wir haben mit unseren Verbündeten
zusammengearbeitet und versucht, sie alle von der
Beendigung des Embargos zu überzeugen. Einige
argumentieren jetzt, wir sollten das Embargo unsererseits brechen, weil es von Anfang an eine
schlechte Idee gewesen sei. Täten wir dies, würde
der Friedensprozeß im Keim erstickt, würden sich
unsere Beziehungen zu unseren europäischen
Verbündeten in der NATO und den Vereinten
Nationen verschlechtern, würde die Partnerschaft
unterminiert, die wir mit Rußland in einem breiten
Spektrum von Bereichen aufzubauen versuchen,
würden unsere Bemühungen zur Durchsetzung der

Seite 4

von uns befürworteten UN-Embargos wie gegen
Saddam Hussein, Oberst Gadhafi und General
Cedras in Haiti vereitelt.
Wir dürfen uns einfach nicht für Optionen und Aktionen entscheiden, die simpel, schmerzlos und gut
klingen, aber in diesem Zeitalter der Interdependenz
nicht funktionieren, in dem es von Bedeutung ist, daß
wir den amerikanischen Einfluß ausüben und Führungsstärke beweisen, indem wir unsere Fähigkeit zur
Zusammenarbeit mit anderen unter Beweis stellen,
insbesondere wenn für die anderen mehr und unmittelbarer auf dem Spiel steht und sie bereit sind,
ihre Soldaten in die Gefahr zu entsenden.
Unsere Administration wird sich dem bosnischen
Konflikt nicht entziehen. Aber wir werden keine
Lösungen befürworten, die falsch sind. Wir beabsichtigen, den von uns eingeschlagenen Kurs fortzusetzen - den Preis für diejenigen zu erhöhen, die Aggression ausüben, Hilfslieferungen für die Leidenden
bereitzustellen und mit unseren Partnern in Europa
zusammenzuarbeiten, um die Parteien von einem
durchführbaren Abkommen zu überzeugen. Es geht
nicht schnell, es ist nicht einfach, und es ist nicht
bequem. Aber ich bin überzeugt, daß es in einer
Welt der Interdependenz, in der wir durch die Zusammenarbeit mit anderen eine Führungsrolle
übernehmen müssen, der richtige Weg ist. Es ist der
Weg, der unsere Führungsrolle sichert, unser Gut
bewahrt und unsere Streitkräfte in der richtigen Weise
verpflichtet.
Die erschütterndsten Konflikte der Welt in Bosnien
und andernorts entstehen nicht an einem Tag. Und
eine der frustrierendsten Erfahrungen, mit der man
leben muß, ist, daß viele dieser Konflikte selten mit
raschen Lösungen beizulegen sind. Führen Sie sich
jedoch folgendes vor Augen: Es dauerte Jahre nach
der Invasion in der Normandie, bis der Krieg beendet
und ein dauerhafter Frieden aufgebaut wurde. Es
erforderte Jahrzehnte der Geduld, Stärke und Entschlossenheit, um im Kalten Krieg zu überdauern.
Ebenso wie die Generationen vor uns müssen wir
häufig bereit sein, den Preis der Zeit - manchmal den
schmerzlichsten Preis überhaupt - zu bezahlen. Es
gibt keine bessere Quelle des Muts und der Beständigkeit unserer Nation für unsere Führungsrolle in
diesem Zeitalter als diese Akademie und unsere
Streitkräfte. Diese Akademie hat Sie auf die Führung
dieser Streitkräfte vorbereitet. Wenn Sie Ihren Platz
in der Marine und im Marineinfanteristenkorps einnehmen, denken Sie stets an den Heroismus, die
Opfer und die Führungsstärke derjenigen, die vor
Ihnen gedient haben.

AMERIKA DIENST 21

�Ein großartiges Land muß immer der Opfer der
Vorfahren gedenken, die unsere Freiheit ermöglichten. Noch größere Leistungen liegen jedoch vor
uns, wenn Sie diese erbringen. Vergessen Sie nie:
Wenn unsere Erinnerungen unsere Träume übersteigen, haben wir angefangen, alt zu werden. Es
ist das Schicksal Amerikas, für immer jung zu sein.
Als die Wächter der Freiheit Ihrer Generation und
unserer Zukunft wissen Sie vielleicht nie genau,

*

AMERIKA DIENST 21

wessen Leben Sie gerettet, wessen Zukunft Sie
verbessert haben. Sie mögen vielleicht nie ihren
Dank vernehmen oder ihre Hand schütteln. Aber sie
werden dort draußen sein. Wir alle werden dort
draußen sein - im Bewußtsein Ihres Mutes, beeindruckt von Ihrem Pflichtgefühl und dankbar für Ihren
Dienst für Gott und das Vaterland. Sie können
Amerika für immer jung erhalten.
Viel Erfolg. Gott segne Sie.

* * * *

Seite 5

�NATO
I.Juni 1994

ANPASSUNG DER NATO AN NEUE ÄRA
ERFORDERT KONTINUIERLICHE AUFMERKSAMKEIT
Rede von Verteidigungsminister Perry
BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von US-Verteidigungsminister Perry am 24. Mai bei der
Frühjahrstagung 1994 des Verteidigungsplanungsausschusses der NATO gehaltene Rede. Verteidigungsminister Perry ging auf die beim jüngsten NATO-Gipfeltreffen in die Wege geleiteten drei wichtigen Initiativen
ein: Partnerschaft für den Frieden, alliierte Streitkräftekommandos sowie die NATO-Nichtverbreitungsinitiative.

Für das Atlantische Bündnis war der NATO-Gipfel
vom Januar 1994 ein Wendepunkt. Unsere Staatsund Regierungschefs unternahmen eine Reihe
dramatischer Schritte zur Umgestaltung unseres
Bündnisses. Vier Monate nach diesem historischen
Ereignis ist es angebracht, Bilanz zu ziehen. Ich
möchte kurz auf die bei dem Gipfeltreffen eingeleiteten drei wichtigen Initiativen eingehen: Partnerschaft
für den Frieden (Partnership for Peace - PFP),
alliierte Streitkräftekommandos (Combined Joint
Task Forces - CJTF) sowie die NATO-Nichtverbreitungsinitiative.
Partnerschaft für den Frieden
Ich möchte mich zunächst der Partnerschaft für den
Frieden zuwenden. Diese Initiative wird die Grundlage für ein neues europäisches Sicherheitssystem
legen, dessen Kernstück die NATO bildet.
Wir können mit den in nur wenigen Monaten erzielten Fortschritten zufrieden sein. Wir müssen jedoch
weiter nach vorne drängen, um Fortschritte zur
Vertiefung der Beziehungen zwischen der NATO und
ihren neuen Partnern zu machen.
Manöver
Ein Bereich kontinuierlicher Aufmerksamkeit sind
Manöver. Wir beglückwünschen die Niederlande,
die als erstes Land eine gemeinsame PFP-Gefechtsübung veranstalten und sind erfreut über den Vorschlag des Obersten Alliierten Befehlshabers Atlantik
zu einem PFP-Seemanöver. Die Vereinigten Staaten werden diese beiden Aktivitäten unterstützen und
an ihnen teilnehmen.
Darüber hinaus vertreten die Vereinigten Staaten die
Auffassung, daß die Veranstaltung von PFP-Manö-

AMERIKA DIENST 21

vern in Partnerländern wichtig ist. Polens Angebot
zur Abhaltung einer solchen Übung ist genau das,
was wir zur Vervollständigung des Programms für
1994 benötigen. Die NATO sollte rasch handeln, um
dieses Angebot anzunehmen und die erforderliche
Planung beschleunigen. Ich kann Ihnen versichern,
daß dieses Unternehmen die uneingeschränkte
Unterstützung der Vereinigten Staaten genießen wird.
Gleichzeitig müssen wir über das PFP-Manöverprogramm für 1995 und darüber hinaus nachdenken.
Die NATO und ihre Partner sollten die Vervollständigung eines ehrgeizigeren Manöverprogramms für
1995 bis Ende dieses Jahres anstreben. Ich schlage
vor, mindestens zwei Gefechtsübungen in PFPMitgliedstaaten abzuhalten.
Verteidigungsplanung
Wir sollten ebenfalls mit der Erarbeitung eines
Verteidigungsplanungs- und Überprüfungsprozesses
beginnen wie im Rahmendokument der Partnerschaft
für den Frieden gefordert. Verteidigungsplanung
sollte eine Schlüsselaktivität der Partnerschaft für den
Frieden sein. Sie kann die Grundlage zur Erfüllung
des langfristigen PFP-Ziels der Entwicklung von
Streitkräften sein, die zu gemeinsamen Operationen
mit denen der NATO besser geeignet sind.
Dieser Verteidigungsplanungs- und Überprüfungsprozeß sollte folgendes umfassen:
Möglichst parallele erprobte NATO-Verteidigungsplanungsverfahren,
Berücksichtigung der besonderen Erfordernisse
und Fähigkeiten von Partnern und Verbündeten,
die derzeit nicht an der NATO-Verteidigungsplanung beteiligt sind,

Seite 1

�besondere Konzentration auf die Erfordernisse
der im Rahmen des PFP-Programms vorgesehenen Missionen und Operationen sowie
Förderung von Transparenz und Wechselseitigkeit maximalen Ausmaßes.
Wir sind uns bewußt, daß die vollständige Entwicklung und Umsetzung dieses Prozesses Zeit erfordert.
Wir sollten jedoch frühzeitige Einigung auf die Verfahren anstreben und uns dem Ziel verpflichten, eine
erste, vereinfachte Überprüfung der Verteidigungspläne interessierter Partner vor dem Ministertreffen
im Herbst 1994 vorzunehmen.
Beziehungen zwischen den Verteidigungsministerien

Die Vereinigten Staaten engagieren sich weiterhin für
die Stärkung einer europäischen Sicherheits- und
Verteidigungsidentität durch die Einrichtung von
CJTF-Kommandos.
In diesem Zusammenhang unterstütze ich die Bestrebungen der Koordinierungsgruppe für vorläufige
Maßnahmen bei der Erarbeitung der politischen
Richtlinien für die Zusammensetzung und Entwicklung
der alliierten Streitkräftekommandos, einschließlich
der Verfeinerung der Strukturen und Verfahren zur
Handhabung der politischen Richtlinien, Planung
sowie Vorbereitung auf Krisenmanagementmissionen
des Bündnisses.

Wir müssen im Rahmen der Partnerschaft für den
Frieden auch eine stabilere Kooperation zwischen
den Verteidigungsministerien aufbauen. Ein solcher
Austausch wäre eine nützliche Ergänzung unserer
Kooperation zwischen den Militärs.

Im Hinblick auf diese Strukturen und Verfahren
müssen wir die Fähigkeiten der integrierten MilitärStruktur nutzen und uns weiterhin einem einzigen
Bündnis verpflichten - nicht einem für Artikel 5 und
einem für andere Zwecke. Jede Strukturanpassung
muß von dem uneingeschränkten Engagement aller
16 Nationen in allen geeigneten Gremien für das
Krisenmanagement begleitet sein.

Ich schlage vor, daß unsere Ständigen Vertreter
prüfen, wie die NATO eine zunehmend kooperative
Rolle der Verteidigungsministerien unterstützen
kann. Zu den Optionen sollten regelmäßige Treffen
der NATO-Verteidigungsminister mit ihren Kollegen
aus den PFP-Mitgliedstaaten, eventuell auf jährlicher
Basis, zählen.

Wir sollten darüber hinaus Schritte unternehmen, um
enge Beziehungen zwischen den alliierten Streitkräftekommandos und der Partnerschaft für den
Frieden sicherzustellen und unsere PFP-Partner
durch Ausbildung, Übungen und andere Aktivitäten in
die Einrichtung von CJTF-Kommandozentralen
einzubeziehen.

Finanzierung der Partnerschaft für den Frieden

Das Tempo der Fortschritte bei der CJTF-Initiative
ruht mehr auf den Schultern der Europäer als der
Amerikaner. Die Europäer werden sehr viel mehr
von der Entwicklung eines Mechanismus profitieren,
der uns die Nutzung des NATO-Potentials für ausschließlich europäische Eventualfälle gestattet.

Wir müssen ferner prüfen, wie wir die angemessene
Finanzierung der Partnerschaft für den Frieden
sicherstellen können.
Wir sollten uns an das generelle Prinzip halten, daß
jede Partnernation ihre eigene Beteiligung an den
PFP-Aktivitäten finanziert. Es ist jedoch bereits klar,
daß einige Partner, die sich aktiv beteiligen wollen,
dies nicht ohne eine gewisse Unterstützung tun
können. Es wäre eine Tragödie, wenn die PFP
aufgrund mangelnder Unterstützung nicht ihr volles
Potential entfalten könnte.
Wir sollten unsere bilaterale Sicherheitsunterstützung
der Partner unter dem Aspekt der Erleichterung ihrer
Beteiligung an der Partnerschaft für den Frieden
besser koordinieren, und das Bündnis sollte beraten,
wie es einen Teil seines gemeinsamen Budgets zur
Unterstützung der PFP umdirigieren kann.
Alliierte Streitkräftekommandos
Die zweite Initiative des Gipfeltreffens ist das Konzept der alliierten Streitkräftekommandos (CJTF).

Seite 2

Nichtverbreitung
Beim Gipfeltreffen im Januar haben wir auch eine der
Hauptbedrohungen der Sicherheit des Bündnisses in
der Zeit nach dem Kalten Krieg angesprochen: Die
andauernde Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme.
Das Bündnis muß gewährleisten, daß es die Mittel
zum Schutz vor durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen entstandenen militärischen
Bedrohungen zur Verfügung hat, sollten unsere
anfänglichen Präventionsversuche scheitern. Aus
diesem Grund bin ich sehr erfreut über die Fortschritte, die von den beiden beim Gipfeltreffen
eingesetzten Gremien bei der Bewältigung der
Herausforderung der Weiterverbreitung erzielt wurden.

AMERIKA DIENST 21

�Der von der Hochrangigen Politisch-Militärischen
Gruppe erarbeitete Gesamtrahmen wird die Natur
des Weiterverbreitungsproblems veranschaulichen
und die entscheidende Rolle der NATO widerspiegeln.
Die Verantwortung für die Entscheidung, welche
Fähigkeiten zur Abwehr der Bedrohung durch die
Weiterverbreitung erforderlich sind, obliegt der
Hochrangigen Verteidigungsgruppe für Weiterverbreitung (Senior Defense Group on Proliferation DGP). Die Verantwortung sicherzustellen, daß die
NATO entsprechend dieser Empfehlungen handelt
und tatsächlich die benötigten Fähigkeiten disloziert,
wird uns - den NATO-Verteidigungsministern übertragen.
Der von der DGP entworfene Arbeitsplan verfolgt
einen ehrgeizigen Kurs. Ich bin zuversichtlich, daß
die DGP die richtigen Leute zur richtigen Zeit mit
dem richtigen Auftrag zusammenbringt, um einen
Aktionsplan hervorzubringen, der die künftige Si*

AMERIKA DIENST 21

cherheit des Bündnisses und seiner Mitglieder
maßgeblich verbessert.
Schlußbemerkung
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß wir große
Anstrengungen unternehmen, um die NATO an eine
neue Ära anzupassen und den Herausforderungen
der Zukunft zu begegnen. Wir haben die Grundlage
für dieses Unternehmen beim Gipfeltreffen im Januar
gelegt und seitdem viel geleistet. Aber es ist ein
langwieriges Unternehmen, das unsere kontinuierliche Aufmerksamkeit erfordert.
Vor uns liegt die historische Chance zum Aufbau
eines neuen transatlantischen Sicherheitssystems,
das bis weit ins nächste Jahrhundert Frieden und
Stabilität in ganz Europa gewährleisten wird. Wenn
wir unsere Bemühungen zur Umgestaltung des
Atlantischen Bündnisses fortsetzen können, bin ich
zuversichtlich, daß wir Erfolg haben werden.

* * * *

Seite 3

�RÜSTUNGSKONTROLLE
1. Juni 1994

TRANSPARENZ WICHTIG FÜR GLOBALE SICHERHEIT
Rede von ACDA-Direktor Holum
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede beim National Press Symposium über Offenheit (Transparenz) und
Geheimhaltung erklärte der Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (Arms Control and
Disarmament Agency - ACDA), John Holum, am 19. Mai 1994, je mehr die Staatsoberhäupter von Nationen
wüßten, desto weniger wahrscheinlich würden sie in einen Krieg stolpern. Aus diesem Grund müßten die
Nationen "die feste Einbeziehung von Transparenz und anderen vertrauensbildenden Maßnahmen in das
Gefüge der globalen Sicherheit" anstreben, um den Frieden in der Zukunft zu sichern.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Holums im Wortlaut.
Wenn wir über jemanden sagen: "Er ist leicht zu
durchschauen", meinen wir, er ist wie ein offenes
Buch für uns und wir verstehen seine Motive." Der
tägliche Gebrauch des Begriffs veranschaulicht,
warum man unter anderem folgende drei Definitionen für "Transparenz" im Wörterbuch findet: "Klar
und lichtdurchlässig", "leicht verständlich oder
festzustellen" und "arglos, offen und freimütig".
Im Bereich der Rüstungskontrolle versteht man unter
Transparenz Schritte, die Länder unternehmen, um
ihre Karten auf den Tisch zu legen - wenn auch
häufig in sehr kontrollierter und in der Tat kalkulierter
Weise - um sich gegenseitig zu versichern, daß ihre
Absichten nicht feindlich gesinnt sind, wenn sie
bestimmte miilitärische Maßnahmen ergreifen oder
Vorbereitungen treffen.
Sorgfältig abgestimmt
können solche Maßnahmen außerordentlich präventiv wirken. In Zeiten der Unsicherheit können sie die
Eskalation von Spannungen zu einem bewaffneten
Konflikt verhindern.
Transparenz kann unsere Vorstellungen des
schlimmstmöglichen Falls beruhigen.
Was
aussah wie der bedrohliche Griff nach einer Pistole
in der Westentasche, entpuppt sich statt dessen als
harmloses Herausnehmen der Autoschlüssel. Wie
Nietzsche es (in einem seiner lichteren Momente)
formulierte: "Eine Sache, die uns klarwird, hört auf,
uns zu beunruhigen."
Der beste Weg zum Verständnis des Werts von
Transparenz ist zu prüfen, was in ihrer Abwesenheit
geschieht. Viele Historiker haben argumentiert, daß
es 1914 der Nebel der Mißverständnisse - und die
Ermangelung von Kommunikationswegen - gewesen

AMERIKA DIENST 21

seien, die eine automatische Eskalation auf beiden
Seiten hervorriefen, nachdem die deutschen Streitkräfte nach der Ermordung von Erzherzog Ferdinand
mit der Mobilisierung begonnen hatten.
In der Welt von heute haben wir unsere internen und
internationalen Kommunikationsfähigkeiten drastisch
verbessert. Die technischen Mittel zur Erlangung von
Transparenz (bildlich gesprochen, unsere Ferngläser
und unsere Telefone) sind besser als je zuvor - wenn
wir klug genug sind, sie zu nutzen. Aber wir haben
auch das destruktive Potential unserer Waffenarsenale drastisch erhöht. Dabei haben wir die Vorwarnzeit
manchmal auf weniger als die Reaktionszeit verkürzt.
Mit den moderneren Waffen von heute und dem
komprimierteren Zeitrahmen müssen wir alle uns zur
Verfügung stehenden Mittel nutzen - einschließlich
der Transparenz - um die automatische Ausweitung
zu einem Konflikt zu verhindern.
Dies wurde durch die Eskalation der Spannungen, die
im Frühjahr 1990 beinahe zu einem Krieg zwischen
Indien und Pakistan geführt hätten, nur zu lebhaft
veranschaulicht. Der Vorläufer der Krise war ein
großes indisches Manöver in der Nähe der pakistanischen Grenze.
Auf dem Höhepunkt der Krise entsandte Präsident
Bush den Stellvertretenden CIA-Direktor Robert
Gates in die Region zur Beruhigung der Spannungen.
Gates meisterte diese Aufgabe, indem er in seine
Rolle die Glaubwürdigkeit einbrachte, die er bei
beiden Seiten als erfahrener Experte im Nachrichtendienst erworben hatte. Er konnte direkt verifizieren,
daß die indischen Einheiten, einschließlich Indiens
berühmtem Angriffskorps, mit der Beendigung des

Seite 1

�Manövers befaßt waren. Diese Information wurde
der pakistanischen Führung unverzüglich übermittelt.
In den nächsten Tagen zogen beide Heere ihre
Truppen von der Grenze ab, und ihre Außenminister
nahmen Gespräche über vertrauensbildende Maßnahmen auf. Ende Juni 1990 war die Krise vorüber.
Obwohl dieser Zwischenfall nicht die schrecklichen
Konsequenzen von 1914 hatte, dient er nicht als
Modell. Einerseits gibt es viele Orte auf der Welt, an
denen die Vereinigten Staaten nicht die Rolle spielen
können, die sie 1990 bei der Entschärfung der Krise
in Südasien übernommen haben. Andererseits war
die von uns in die Situation eingebrachte Transparenz ein Zufall im Nachhinein, nicht ein international in die regionale Sicherheitsarchitektur
eingebauter Aspekt.
Offen gesagt, wir waren gut - aber wir hatten auch
Glück. An einem anderen Ort und zu einer anderen
Zeit könnte dies nicht der Fall sein. Zweifelsohne
sollte unser Ziel darin bestehen, die feste Einbeziehung von Transparenz und anderen vertrauensbildenden Maßnahmen in das Gefüge der globalen
Sicherheit anzustreben.
Ich möchte auf die Anfänge dieser bewußten Bemühungen zur Einbeziehung von Transparenz in die
Rüstungskontrolle zurückgehen und einige der bis
heute erzielten Leistungen darlegen.
Der den Kalten Krieg betreffende Teil dieser Geschichte beginnt zutreffenderweise mit dem Antarktis-Vertrag. Dieses 1961 in Kraft getretene Abkommen verbot die Einrichtung militärischer Stützpunkte
und die Erprobung jeglicher Waffen in der Antarktis.
Das ACDA drängte darauf, den Vertrag ernst zu
nehmen - und ignorierte anfängliche Witze über eine
"Pinguin-Verifizierung". Meines Wissens haben wir
bei unseren Inspektionen der sowjetischen Einrichtungen in der Antarktis nie etwas von militärischer Bedeutung gefunden. Von Bedeutung bei
diesem Vertrag war jedoch der Präzedenzfall, den er
für lnspektionen vor Ort schuf: Dank der eingeleiteten Überprüfungen gewöhnten die Russen und wir
uns an die Inspektion der Einrichtungen des anderen
- und im Gegenzug der eigenen. Der AntarktisVertrag ebnete daher den Weg für spätere internationale Abkommen, die den Rüstungswettlauf
maßgeblich begrenzten.
Während der Kuba-Krise im Jahr 1962 schätzte
Präsident Kennedy die Chancen eines Krieges mit
der Sowjetunion auf "zwischen eins zu drei und 50
zu 50" ein. Angesichts drohender apokalyptischer
Auswirkungen gab es für die Staatsoberhäupter der
beiden Supermächte der Welt kein Mittel zuver-

Seite 2

lässiger und direkter gegenseitiger Kommunikation
miteinander. Diese Krise führte zum Vertrag über
den heißen Draht - offiziell als Abkommen über
direkte Kommunikation bezeichnet - das die Gefahren
eines Krieges aufgrund von Fehlern oder Mißverständnissen mildern, zur Entschärfung von Konflikten
beitragen und die Eskalation einer Krise aufgrund von
Fehleinschätzungen verhindern sollte. Das System
hat seine Arbeit geleistet, und wir haben es mehr als
einmal modernisiert.
Sie haben vielleicht einmal die treffende Formulierung
gehört: "Je mehr die Staatsoberhäupter von Nationen wissen, desto weniger wahrscheinlich tun sie
etwas Dummes". Obwohl direkte Kommunikationsverbindungen an sich keine Informationen auf den
Tisch legen, gestatten sie den Staatsoberhäuptern
von Nationen, sie anderen in entscheidenden Momenten mitzuteilen.
Ähnliche Aspekte - mit dem Tenor "Laßt uns miteinander reden, wenn es Probleme gibt" - sind Bestandteil einer Reihe weiterer Rüstungskontrollverträge. Ein ausgezeichnetes Beispiel ist das Abkommen über Nuklearunfälle von 1971. Diese Vereinbarung sieht unverzügliche Kommunikation vor, wenn
die Gefahr eines Nuklearkriegs aus dem zufälligen
oder unberechtigen Einsatz von Atomwaffen oder der
Aufspürung nicht identifizierter Objekte auf Frühwarnsystemen entstehen sollte. Sie sieht femer die
vorherige Benachrichtigung bestimmter geplanter
Raketenabschüsse vor.
Die Abkommen über Nuklearunfälle, den heißen
Draht und ähnliche Maßnahmen (wie das Abkommen
über Zwischenfälle auf See) verringern zusammen
das Risiko, daß eine Krise zu einer Eskalation führt,
die keine Seite will.
Einige unserer bekannteren Verträge des Kalten
Krieges mit den Sowjets enthielten bereits erste
Anfänge von Transparenz schaffenden Maßnahmen.
Ein solches Abkommen ist der ABM-Vertrag - der
Grundlagenvertrag, der strategische Verteidigungssysteme landesweit verbietet und uns seit über 20
Jahren gute Dienste leistet. Der ABM-Vertrag fordert
die Parteien auf, sich nicht in die technischen Verifikationsmittel der anderen Nation einzumischen und
nicht absichtlich Verschleierungsmaßnahmen zu
ergreifen. Diese Bestimmungen an sich legen
ebenfalls keine Informationen auf den Tisch, enthalten jedoch die Aussage: "Wir versprechen, nichts zu
verstecken, wenn Ihr überprüft."
Die frühen Rüstungskontrollverträge enthielten bereits
einige Aspekte späterer Maßnahmen, die sich sehr
viel eingehender mit Vertrauensbildung im allgemeinen und Transparenz im besonderen befaßten. Ich

AMERIKA DIENST 21

�möchte einige der herausragenden Leistungen des
modernen Zeitalters im Bereich der internationalen
Transparenz hervorheben.
Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) hat eine Reihe von Maßnahmen
erarbeitet, die das Risiko eines militärischen Überraschungsangrifs in Europa verringern sollen.
Solche Maßnahmen gehen auf die Schlußakte von
Helsinki aus dem Jahr 1975 zurück, mit der die
KSZE gegründet wurde. Die ersten Maßnahmen
forderten die obligatorische Benachrichtigung 21
Tage vor großen Manövern mit über 25.000 Soldaten, freiwillige Benachrichtigung über andere
Manöver und die freiwillige Einladung von Beobachtern zu diesen Manövern.
Diese Maßnahmen wurden seitdem verbessert zunächst im sogenannten Stockholmer Dokument und dann im Wiener Dokument kodifiziert. Um der
Transparenz willen verhalten sich potentielle Gegner
merkwürdig. Zur Zeit benachrichtigen sie sich
gegenseitig 42 Tage vor militärischen Aktivitäten mit
250 Panzern oder mindestens 3.000 amphibischen
oder luftgestützten Truppen. Für zahlreiche militärische Aktivitäten sind jetzt Beobachter erforderlich.
Einige Manöver sind zahlenmäßig begrenzt und
werden allen Mitgliedstaaten in einem Jahreskalender mitgeteilt. Diese Staaten genehmigen Vor-OrtInspektionen. Sie stellen auch gegenseitig jährliche
Informationen über die Verteidigungsplanung (einschließlich der Verteidigungspolitik, Streitkräfteplanung und Haushaltsvorlagen) zur Verfügung.
Besuche bei Luftwaffenstützpunkten finden in
Friedenszeiten alle fünf Jahre statt. Im Jahr 1993
wurde eine erweiterte Liste vorgeschlagener militärischer Kontakte (einschließlich Austauschprogrammen auf Arbeitsebene und Besuchen) sowie der
vorgeschlagenen militärischen Kooperation (einschließlich Manövern und Ausbildung) verabschiedet.
Zusätzliche Maßnahmen zur Risikoverringerung
wurden eingeführt - wie die Konsultations- und
Kooperationsmechanismen über ungewöhnliche und
ungeplante Aktivitäten der Streitkräfte, und in jedem
Mitgliedstaat wurde ein Kommunikationsnetz eingerichtet, das rund um die Uhr in Betrieb ist.
Im Jahr 1992 wurde das Forum für Sicherheitskooperation unter der Schirmherrschaft der KSZE
gegründet. Das Forum strebt die weitere Verfeinerung und Verbesserung der im Wiener Dokument
verankerten Maßnahmen an. Es arbeitet ferner an
der Einführung eines "Verhaltenskodex" für politischmilitärische Aspekte der Sicherheit und an verbesserter Transparenz durch den jährlichen Austausch
globaler militärischer Informationen durch die KSZEMitgliedstaaten.

AMERIKA DIENST 21

Diese KSZE-Maßnahmen verbessern die europäische
Sicherheit, indem sie durch Offenheit Vertrauen
schaffen. Sie erweitem die Stabilität, indem den
Staaten die Beobachtung gestattet wird, daß ihre
Nachbarstaaten keine bedrohende militärische
Kräfteverteilung vornehmen. Und sie vertiefen auch
das Verständnis, weil kooperative Beziehungen
zwischen militärischen und Regierungsvertretem
unterschiedlicher Länder geknüpft werden.
Geographisch ist der Vertrag über Offene Himmel die
bis heute weitreichendste Bestrebung zur Förderung
von Offenheit über Streitkräfte und militärische
Aktivitäten. Er öffnet das Gebiet von Wladiwostok bis
Vancoucer für Inspektionen aus der Luft. Er räumt
allen Teilnehmerstaaten eine direkte Beteiligung beim
Sammeln von Informationen über Streitkräfte und
Aktivitäten ein, die ihnen Anlaß zur Sorge bereiten.
Und wer weiß - vielleicht könnte er eines Tages von
Valparaiso in Chile bis zum Vaaltal in Südafrika
erweitert werden.
Offene Himmel gestattet jedem Signatarstaat die
Beschaffung von Kopien von während der Überwachungsflüge gemachten Filmen oder Tonbändern,
wobei die Kosten geteilt werden. Jedem Teilnehmerstaat wird eine Quote von Flügen über andere
Staaten zugewiesen, die er einhalten muß.
Offene Himmel und die von mir erwähnten KSZEMaßnahmen verstärken sich gegenseitig. Sie erschweren es den Teilnehmerstaaten, die Vorbereitungen für einen Überraschungsangriff oder eine raumgreifende Offensive zu verheimlichen. Offene Himmel tut dies, indem es den Blick auf Streitkräfte und
militärische Einrichtungen aus der Vogelperspektive
gestattet. Und die KSZE-Maßnahmen tun es durch
die direkte Weitergabe von Militärplänen und Informationen.
Zusammengenommen verringern diese
Maßnahmen das Risiko der Art von reflexiver Eskalation erheblich, die zum Ersten Weltkrieg führte. Im
besten Falle demonstrieren sie, was internationale
Transparenzmaßnahmen im Szenarium nach dem
Kalten Krieg bewirken können. Und sie werden die
Rückkehr zu den alles umfassenden Spannungen
dieser Ära verhindern helfen.
In jüngster Zeit haben die Vereinigten Staaten die
Anwendung des Transparenzansatzes - vor allem bei
unseren Gesprächen mit den Russen - bei dem
traditionell undurchsichtigsten Teil unseres nationalen
Sicherheitsumfeldes angestrebt: den Nuklearwaffenprogrammen. Aufbauend auf dem von den Präsidenten Clinton und Jelzin im Januar erzielten Abkommen haben wir Gespräche mit den Russen darüber
aufgenommen, wie konkrete Schritte zur Verbesserung der Transparenz für beide Seiten bei unseren
Verfahren und Einrichtungen für die Handhabung,

Seite 3

�Lagerung und Berechnung des spaltbaren Materials
ergriffen werden können, das aus den zerlegten
Waffen gewonnen wurde.
Kurzfristig hoffen wir ein Abkommen über gemeinsame Besuche der Einrichtungen jeder Seite erlangen
zu können, in denen aus zerlegten Nuklearwaffen
entnommenes spaltbares Material gelagert wird. Auf
längere Sicht hoffen wir, ein Abkommen über ein
Regime aushandeln zu können, mit dem die Bestände von spaltbarem Material aus zerlegten Waffen
jeder Seite bestätigt werden.
Wie ich bereits bei der Erörterung der Situation
zwischen Indien und Pakistan im Jahr 1990 andeutete, sind es die spannungsgeladensten Regionen der
Welt, die Transparenz am dringendsten benötigen und sie allzu häufig am wenigsten herbeiführen.
Dies ist ein Grund, warum ich von den Gesprächen
im Rahmen der Arbeitsgruppe für Rüstungskontrolle
und regionale Sicherheit im Nahen Osten ermutigt
bin, die unter der Schirmherrschaft der Vereinigten
Staaten und Rußlands geführt werden. 14 Parteien
aus der Region erörtern vertrauensbildende Schritte
wie Deklarierungsmaßnahmen, ein Krisenverhütungszentrum, Informationsaustausch und das erste
regionale Kommunikationsnetz.
Die Fortschritte dieser Arbeitsgruppe werden offensichtlich vom Tempo der Ereignisse im Gesamtfriedensprozeß beeinflußt. Eine dramatische Errungenschaft steht nicht unmittelbar bevor. Aber durch
die Förderung konstruktiver Gespräche zwischen
historischen Gegnern hat diese Arbeitsgruppe
bereits die positive Rolle unter Beweis gestellt, die
Transparenz bei der Unterstützung von regionaler
Sicherheit leisten kann.
Ich möchte damit nicht implizieren, daß Transparenzmaßnahmen formalisiert werden müssen, um wertvoll zu sein. Wir haben auch die Weitergabe von
Informationen mit den Russen außerhalb des Kontextes von offiziellen Abkommen angestrebt. Ich
möchte zwei Beispiele anführen.
Während des Kalten Krieges boten wir der Sowjetunion Informationen über PAL-Vorrichtungen - wie
elektromagnetische Schlösser - an, die unsere
Nuklearwaffen vor zufälligem oder unbefugtem
Einsatz schützen. Die Sowjets lehnten unser Angebot offiziell ab. Bemerkenswert finde ich jedoch, daß
wir es unterbreitet haben - und so unsere Sicherheit
zu erhöhen versuchten, indem wir die Fähigkeit der
Sowjets zur Kontrolle ihrer Waffen verbesserten.
An ein zweites Beispiel haben wir uns alle gewöhnt
und vergessen dabei, was für eine wichtige Innovation dies war, als Verteidigungsminister McNamara

Seite 4

es unter der Kennedy-Administration einführte. Die
Erklärung zum Einsatzkonzept beinhaltet eine umfassende Beschreibung der Entwicklung unserer
Militärdoktrin und einer Reihe von Streitkräfteerfordemissen sowie detaillierte Beschreibungen unserer
Militärprogramme. Diese Erklärung wurde in dem
Bestreben verfaßt, das Verständnis dessen in der
amerikanischen Öffentlichkeit - und der Welt einschließlich der Sowjetunion - zu vertiefen, was die
Vereinigten Staaten mit ihren Militärprogrammen
beabsichtigten und was nicht.
Meines Erachtens haben diese Berichte - und der
durch die relativ detaillierten und genauen Beschreibungen unserer militärischen Absichten gesetzte
Standard - einen maßgeblichen Beitrag zu dem
sicheren Kurs durch den Kalten Krieg geleistet.
Die Grenzen der Offenheit
Da unser Bedürfnis nach Geheimhaltung zum großen
Teil auf diesem mit der Sowjetunion geführten Kalten
Krieg beruhte, hat das Ende dieser Ära und dieser
Union natürlich bei vielen zu der Frage geführt,
warum wir überhaupt Geheimhaltung benötigen. Die
kurze Antwort lautet, daß die Welt nicht über Nacht
sicher geworden ist und nicht jedes hierzu erforderliche Abkommen bereits verwirklicht wurde.
Trotz all der positiven Dinge, die ich über Transparenz und Offenheit sagen mußte, möchte ich nicht
implizieren, sie seien ohne jede Einschränkung gut.
Ich möchte kurz auf die Grenzen von Offenheit und
Transparenz bei der Rüstungskontrolle eingehen.
Zunächst eine Tatsache: Selbst bei einem System,
das bei vertrauensbildenden Maßnahmen so weit
fortgeschritten ist wie die KSZE, sind die Länder eher
geneigt, den Austausch militärischer Informationen
auf Regierungsebene zu halten, anstatt ihn an die
Öffentlichkeit zu tragen. Das zwischen Regierungen
und Militärs aufgebaute Vertrauensverhältnis erstreckt
sich nicht auf die Öffentlichkeit oder die Presse.
Wenn wir also die Regeln nicht befolgten und beispielsweise unsere Videokassetten von Überflügen im
Rahmen des Offenen Himmels der Öffentlichkeit
zugänglich machten, würden wir ein Abkommen
unterminieren, das einen beträchtlichen Beitrag zur
weltweiten Sicherheit leistet.
Einfach ausgedrückt: Wenn wir von anderen Regierungen erhaltene vertrauliche Informationen nicht
vertraulich behandeln könnten, würden wir sie auch
nicht erhalten.
Verhandlungen sind ein weiteres wichtiges Tätigkeitsfeld, auf dem Offenheit eingegrenzt werden muß.
Woodrow Wilson sprach sich für "durch Offenheit

AMERIKA DIENST 21

�erlangte offene Verträge" aus, und diese Formulierung klingt noch immer großartig. In Wahrheit
bestehen jedoch grundlegende Beschränkungen
dieser offenen Verhandlungen.
Wenn ein Verhandlungspartner mir einen vertraulichen Vorschlag unterbreitet, kann er ihn wieder
zurücknehmen, wenn ich ihn überzeugen kann, daß
es sich um keine gute Idee handelt oder er nicht die
notwendige Unterstützung erhält. Wenn er ihn
jedoch in der Öffentlichkeit vorlegt, schafft er dadurch eine Verpflichtung, der sich seine Regierung
vielleicht nicht ohne Gesichtsverlust wieder entziehen kann. Das ist ein Grund dafür, warum Verhandlungen unter Ausschluß der Öffentlichkeit oft funktionieren, wohingegen das bei öffentlichen Verhandlungen nicht der Fall war.
Eine in Verhandlungen unter Ausschluß der Öffentlichkeit eingesetzte Technik ist das nicht zu Papier
Gebrachte, nicht in einen Vorschlag Gekleidete, nicht
bei einem Treffen Unterbreitete. Hierbei handelt es
sich um Entwürfe, Vorschläge oder Treffen, die auf
der Übereinkunft basieren, daß sie nie an die Öffentlichkeit getragen werden und offiziell nicht existieren.
Somit können sie jederzeit in Abrede gestellt werden.
Nicht Existierendes kann ein äußerst nützliches
Werkzeug für die Verbreitung versuchsweiser Ideen

mit dem Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot vertrauliche Konsultationen ab. Unsere Bestrebungen zum Abschluß eines Vertrags über ein
umfassendes Atomtestverbot - "so bald wie möglich",
wie der Präsident anordnete - würden einen schweren Schlag erleiden, wenn selbst diese Verhandlungen unter den fünf Atommächten öffentlich stattfinden
müßten.
Der dritte und offensichtlichste Grund dafür, unsere
Verhandlungsposition geheimzuhalten, ist der, der
anderen Seite nicht unsere Grenzen aufzuzeigen.
Ich brauche nicht auf diese Regel eingehen. Sie zu
mißachten, wäre gleichbedeutend damit, ein gebrauchtes Auto zu kaufen und dabei seinen Kontostand offenzulegen.
Diese Einschränkungen beziehe ich nicht nur auf den
internationalen Kontext. Ich weiß aus eigener Erfahrung, welchen Schaden das Durchsickern von Informationen und andere unangemessene Bekanntmachungen in der Öffentlichkeit einer guten Regierungsführung und der Formulierung einer soliden
Politik zufügen können. Der Formulierung einer
endgültigen Haltung der Administration vorausgehende politische Differenzen sind meines Erachtens nicht
für die Ohren der Öffentlichkeit bestimmt, bis die
Angelegenheit abgeschlossen ist und die Historiker
ihre Forschungen aufnehmen. Wenn die Politiker
damit rechnen müssen, daß solche Differenzen

sein, um zu sondieren, ob ihre Entwicklung zu

ständig

offiziellen Vorschlägen lohnend ist. Wenn sie durch
die Erfordernis ihrer vollständigen Enthüllung eingeschränkt werden, wird die Flexibilität bei den Verhandlungen verringert - und Abkommen über heikle
Rüstungskontrollfragen wären noch schwieriger zu
erlangen als ohnehin schon der Fall.

werden sie nicht mehr aufrichtig sein.

Die Notwendigkeit derartiger Flexibilität und Geheimhaltung ist vielleicht sogar noch größer in den
multilateralen Verhandlungen, die unsere Rüstungskontroll- und Nichtverbreitungstagesordnung beherrschen werden. Ich habe in Genf aus erster Hand
erlebt, welche Geschicklichkeit multilaterale Diplomatie erfordert und war beeindruckt davon, in welchem
Ausmaß dieses Verfahren neben direkten Verhandlungen auch aus Inszenierung besteht.
Die diese Woche in Genf wiederaufgenommenen
Verhandlungen über einen Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot sind öffentlich. Die Abrüstungsverhandlungen finden öffentlich statt. Angesichts der in vielen öffentlichen Foren vertretenen
Haltung werden Sie auch nicht überrascht sein zu
hören, daß ein Großteil dieser bedeutenden Arbeit
außerhalb der öffentlichen Bühne geleistet wird.
Beispielsweise halten die fünf Staaten, die den
Besitz von Atomwaffen angeben, im Zusammenhang

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der

Öffentlichkeit

preisgegeben

werden,

Ich habe keine Probleme mit dem umfassenden
Grundsatz der Regierungsführung 'im Sonnenlicht'.
Als Beteiligter an den heiklen Rüstungskontrollverträgen spreche ich mich jedoch für eine kontrollierte
Lichtzufuhr aus. Wenn man eine Pflanze, die nur mit
wenig Licht gedeiht, auf das Fensterbrett stellt, wird
sie von der Mittagssonne verbrannt. Ihr Absterben
bedeutet nicht, daß sie keine gesunde Pflanze war
oder das Sonnenlicht schlecht ist. Es bedeutet, daß
sie einen schlechten Gärtner hatte.
An die Experten des Gesetzes über das Recht auf
Information gerichtet kann ich meine Vorbehalte kurz
zusammenfassen. Meines Erachtens besteht die
Ausnahme im Bereich nationale Sicherheit und
Verhandlungen aus gutem Grund - und sollte nicht
abgeschafft werden.
Schlußbemerkung
Es gibt wichtige Einschränkungen. Es sind jedoch
keine Ausnahmen, die die Regel außer Kraft setzen.
Offenheit und Transparenz sind nicht nur von Vorteil
für den ersten Zusatzartikel zur Verfassung, für
Körper oder Seele des Staates. Meine gesamte

Seite 5

�heutige Rede zielte darauf ab, daß sie - weltweit
angewandt - Spannungen abbauen und unser aller
Leben sicherer machen können.
Diese ermutigende Moral ist meines Erachtens von
zunehmender Bedeutung, denn viele der heutigen
Schlagzeilen könnten uns entmutigen.
Die Barbarei in Bosnien und Ruanda unterscheidet
sich von dem Blutvergießen früherer Jahre vorwiegend dadurch, daß sie Schlagzeilen machen
kann. Allein 1992 fanden 29 Kriege statt (die als
Feindseligkeiten unter Einbeziehung einer oder
mehrerer Regierungen definiert werden und jährlich
den Tod von mehr als 1.000 Menschen verursachen). Und seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges
kamen in über 150 Kriegen weltweit insgesamt mehr
als 23 Millionen Menschen ums Leben.
Wir scheinen von Beweisen dafür umgeben zu sein,
daß die Technologie der Zerstörung weitere Fortschritte gemacht hat, die menschliche Natur jedoch
nicht. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig,
daß politische Institutionen diese Lücke füllen.
Wenn man sich die Welt sorgfältig anschaut, sieht
man Anlaß zu großer Ermutigung. Denken Sie an
Rabin und Arafat im Nahen Osten - Erzfeinde
wurden entschlossene Partner für den Frieden.
Halten Sie sich Mandela und De Klerk in Südafrika
vor Augen: Der Gefangene wurde zum Präsidenten,
der Gefängniswärter zum Befreier.
In beiden Fällen dieses bemerkenswerten Umschwungs begann sich die Situation zu verbessern,
als die Menschen sich füreinander öffneten. Oftmals
bedurften sie dazu eines Vermittlers. In beiden
Fällen dauerte es Jahrzehnte.
*

Seite 6

*

Das in beiden Fällen für einen Neuanfang erforderliche Vertrauen wäre nicht ohne eine gewisse Öffnung
entstanden, ohne zaghafte Transparenz. Erstmals
wurde gemeinsam eine Wahrheit anerkannt - ein
erster Lichtstrahl - und die hinter dem Glas sichtbare
Figur reagierte auf menschliche Art und Weise - und
der Initiator bekam das Gefühl, er könne seinem
Gegenüber bei einem weiteren Schritt ebenfalls
trauen.
Auf diese mühevolle Weise wird Geschichte gemacht.
Auf diese Weise wird Schatten zu Licht. Auf diese
Weise wird Friede gewonnen.
Transparenz kann uns bei der Anpassung politischer
Institutionen an überkommene Feindschaften und
neue Bedrohungen gleichernmaßen helfen. Sie ist
gleichzeitig eine Technik zur Rüstungskontrolle und
eine lebendige Metapher - verständlich auf individueller, menschlicher Ebene - für das Verhalten, das die
Nationen zunehmend an den Tag legen sollten.
Shakespeare schrieb: "Kein Vermächtnis ist so reich
wie die Ehrlichkeit." Transparenz ist der Ertrag der
Klugheit, der Beginn von Vertrauen und die Hoffnung
auf Frieden.
Ich habe bereits früher meiner Hoffnung Ausdruck
verliehen, daß eines Tages die Länder nicht aufgrund
ihrer Waffen beurteilt werden, sondern aufgrund der
von ihnen eingehaltenen Verpflichtungen und der von
ihnen verteidigten Werte. Der Aufbau einer solchen
Welt liegt in unserem ureigensten Interesse.
Lassen Sie uns alle zur Verfügung stehenden Mittel
dafür einsetzen.
Und lassen sie uns mit der Transparenz beginnen.

*

*

AMERIKA DIENST 21

�SPORT
1. Juni 1994

LIEBE IST WIE EIN BASEBALLSPIEL":
ZUSCHAUERSPORTARTEN UND DIE
AMERIKANISCHE KULTUR (I)
von John R. Eidson
Der nachfolgende Essay, den wir in leicht gekürzter Fassung in dieser und der nächsten Ausgabe des Amerika
Dienst veröffentlichen, behandelt kulturhistorische Wurzeln und gesellschaftlichen Kontext des Sports in den
Vereinigten Staaten und geht dabei auf "typisch amerikanische" Sportarten wie Baseball, Football und
Basketball ein.
John R. Eidson ist Professor für Kulturanthropologie.
Universität Leipzig.

Er lehrt am Institut für Kulturwissenschaften der

Copyright (c) 1994 John R. Eidson.

Wir können viel über die Vereinigten Staaten erfahren, indem wir die Spiele analysieren, an denen sich
die Amerikaner aktiv - und als Zuschauer - beteiligen. Die Vereinigten Staaten sind eine Weltmacht,
aber in gewisser Hinsicht bilden sie auch eine
kulturelle Provinz. Trotz heldenhafter Versuche
einiger kosmopolitischer Geister, stehen die meisten
Amerikaner dem Fußball gleichgültig gegenüber,
dem Spiel, das weltweit die Leidenschaften in
Wallung bringt. Die Vorbereitungen für die Fußballweltmeisterschaft 1994 werden von einer Werbekampagne begleitet, mit der Fußball in Amerika "verkauft" werden soll. Trotzdem scheinen die Amerikaner weiterhin ihre eigenen Spiele zu bevorzugen,
insbesondere die drei populärsten Sportarten Baseball, Football und Basketball. Natürlich beteiligen
sich die Amerikaner aktiv und als Zuschauer auch
an anderen Disziplinen, darunter, um nur einige zu
nennen, Leichtathletik, Turnen, Tennis, Golf; aber
Baseball, Football und Basketball nehmen - vielleicht
mit Ausnahme von Eishockey - im Pantheon des
amerikanischen Sports einen besonderen Platz ein.
In ihrer heutigen Form sind Baseball, Football und
Basketball ureigene amerikanische Traditionen, die
sich ihren angestammten Platz im Jahreszyklus

AMERIKA DIENST 21

festlicher Ereignisse gesichert haben. Für viele
Amerikaner beginnt der Frühling mit dem ersten
Spieltag der Baseball-Saison, an dem der amerikanische Präsident symbolisch den ersten Ball wirft. Im
amerikanischen Gefühlsleben ist Baseball ebenso
eng mit dem Sommer verknüpft wie Wärme und
Sonnenschein, und das unbescheiden als "World
Series" bezeichnete Baseballfinale markiert ebenso
das Ende der Jahreszeit wie der Saison. Wenn sich
im Herbst die Blätter goldgelb färben, die Luft kühler
wird und die Marschmusikkapellen ihre Instrumente
ertönen lassen, hat die Footballsaison begonnen. Mit
Einbruch des Winters versammeln sich die Fans in
den Sporthallen - oder vor dem Fernsehgerät - um
den Anpfiff der Basketballsaison zu erleben. Für jede
Jahreszeit gibt es eine Sportart, und damit ist im
amerikanischen Kosmos alles okay.
In den Vereinigten Staaten ist der Sport aufs engste
mit einer Reihe von weltlichen und religiösen Feiertagen verbunden. Besondere Ereignisse wie der erste
Spieltag, Ausscheidungsrennen, die World Series, die
Finalspiele im Collegefootball ("Bowls"), die Superbowl, "March Madness" (ein Turnier der NCAA) und
die Ausscheidungsspiele sowie die Meisterschaft der
amerikanischen Basketballiga bilden eigenständige

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�Feste. Darüber hinaus werden Feiertage, die an
sich nichts mit dem Sport zu tun haben, durch
besondere Sportveranstaltungen geehrt (oder
heimgesucht), die man, vom Standpunkt der Fans
betrachtet, "nicht verpassen darf". Infolgedessen
feiern viele Amerikaner den Neujahrstag, indem sie
sich vor den Fernsehgeräten versammeln, um die
Footballspiele dieses Feiertages zu verfolgen.

Die gesellschaftlichen Wurzeln des Baseball,
Football und Basketball
So ist es heute, aber als die ersten Wellen von
Einwanderern im 17. Jahrhundert an den Küsten
Amerikas landeten, gab es weder Baseball noch
Football oder Basketball. Die Indianer spielten eine
Vielzahl von Ballspielen, darunter einige, die man als
frühe Vorformen des Lacrosse bezeichnen könnte;
aber die Sportarten, die uns in diesem Zusammenhang interessieren, entwickelten sich aus europäischen Vorbildern, die von den Siedlern mitgebracht
wurden. Dazu gehörten das von Kindern gespielte
Schlagballspiel und verschiedene Arten des Fußball,
die jedoch im Lauf des 19. Jahrhunderts umgestaltet
und verfeinert wurden.
Sporthistoriker sind sich einig, daß Baseball ein
Derivat englischer Ballspiele wie "rounders" ist. Die
entscheidende Metamorphose vollzog sich durch
eine Klasse von jungen Männern, die Charles
Alexander als die ersten "Yuppies" bezeichnet. In
den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts begannen in Boston, New York und Philadelphia Angehörige der gebildeten Mittelschicht, die gerade ihre
Laufbahn in den modernen Berufen des Rechtswesens, der Medizin, in Wirtschaft und Bankwesen
aufgenommen hatten, ihre Freizeitaktivitäten auf eine
Art und Weise zu gestalten, die zu ländlichen Arten
des Zeitvertreibs wie Pferderennen oder Hahnenkämpfen in scharfem Gegensatz stand. Sie gründeten Clubs, entwarfen Regeln und verbrachten ihre
Abende und Wochenenden bei einem neuen Spiel,
das sie in städtischen Parks oder auf Wiesen in den
Vororten betrieben. An die Spiele schloß sich häufig
ein Picknick oder eine Party an, zu denen die
Frauen oder Freundinnen eingeladen wurden.
Einige moderne Autoren möchten im Baseball eine
Art von ländlicher Idylle sehen, die sich von dem
industriellen Charakter des Football und Basketball
abhebt. Baseball hat jedoch seit seinen Anfängen
seinen eigenen urbanen Charakter, der auf die
modernen Bedingungen des Zeitmanagements
zugeschnitten ist. In den amerikanischen Städten
des Nordostens herrschten zwar starke britische
Einflüsse, aber Kricket, das über einen Zeitraum von
mehreren Tagen gespielt wird, wurde zugunsten

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eines Spiels verworfen, das an einem einzigen
Nachmittag begonnen und beendet wurde.
Das Footballspiel wurde von den Studenten der
sogenannten "Ivy League"-Colleges und -Universitäten geprägt. Dieser Oberbegriff für die ältesten
und renommiertesten Institutionen akademischer
Bildung in den Vereinigten Staaten - Harvard, Yale,
Princeton, Columbia, Pennsylvania, Cornell, Dartmouth und Brown - leitet sich charakteristischerweise
von der Sportliga ab, an der sich diese Institutionen
beteiligen. Heute bildet die Ivy League eine Sportliga
unter vielen anderen, aber in jenen Tagen spielte sie
gewissermaßen die erste Geige. Infolgedessen hatte
der Football anfänglich einen Hauch von Exklusivität:
Es war das Spiel, das junge Männer von Elitecolleges
unter sich spielten. Eines der ersten überlieferten
Footballspiele fand 1869 zwischen Princeton und
Rutgers statt.
Baseball und Football waren ursprünglich Freizeitaktivitäten junger Angehöriger der städtischen Eliten
des Nordostens. Aufgrund der nachgewiesenen
Tendenz des Menschen, den Lebensstil gesellschaftlicher Eliten nachzuahmen und wegen der Modernisierung der amerikanischen Gesellschaft um die
Jahrhundertwende erfaßten diese Sportarten rasch
auch andere soziale Schichten, Regionen und
ethnische Gruppen.
Basketball hatte seinen Ursprung einige Zeit später,
nachdem Baseball und Football bereits von ihren
elitären Wurzeln in andere gesellschaftliche Gruppen
hineingewachsen waren. Das Spiel wurde von
James Naismith vom Christlichen Verein Junger
Männer (CVJM) 1891 in Springfield (Massachusetts)
erfunden, um die Jungen in der Winterpause zwischen der Football- und der Baseballsaison zu
beschäftigen. Der 1844 in London gegründete CVJM
war ursprünglich eine Institution der Mittelschicht, die
das Ziel verfolgte, junge Angestellte und Arbeiter, von
denen viele Neuankömmlinge in der großen Stadt
waren, zu unterstützen, fortzubilden, zu leiten oder zu
beaufsichtigen. Beim CVJM handelte es sich nicht
um eine exklusive Institution wie die ersten Baseballclubs und die Colleges der Ivy League. Gleichwohl
wurde er von der angelsächsischen Mittelschicht
geleitet und diente als wichtiger Mechanismus zur
Verbreitung der angelsächsischen Kultur.

Der Sport und der Aufstieg der modernen amerikanischen Kultur
In den Jahrzehnten nach der Gründung der ersten
Baseballclubs riefen die Facharbeiter der Städte im
Nordosten der USA ihre eigenen Clubs ins Leben
und begannen, die Oberschicht in ihren angestamm-

AMERIKA DIENST 21

�ten Spielen zu schlagen. Regeländerungen, die mit
der Verbreitung des Baseballspiels einhergingen zum Beispiel die Flugballregel von 1858 - spiegeln
die männlichen Tugenden der Arbeiterklasse und die
Vitalität eines Spieles wider, das schon bald in
Rochester, Buffalo, Baltimore, Washington und sogar
in New Orleans gespielt wurde. Der Sieg des industrialisierten Nordens im Bürgerkrieg beschleunigte
die Ausbreitung des Baseballspiels, das ländliche
Freizeitaktivitäten wie Reiten, Angeln und Jagen
immer rascher in den Hintergrund drängte. Mit der
Gründung der ersten Profiligen in den siebziger
Jahren des 19. Jahrhunderts war Baseball bereits
zum "nationalen Zeitvertreib" geworden.
Zu Beginn des Jahrhunderts strömten mit der
zweiten Welle industrieller Entwicklung Landarbeiter
und Einwanderer aus Süd- und Osteuropa in die
Städte des Nordostens und des Mittleren Westens.
Gleichzeitig wurden Provinzstädte durch die neuen
Massenmedien, neue Massenverkehrsmittel und die
Standardisierung der Lehrinhalte an den öffentlichen
Schulen mit den urbanen Ballungsgebieten verbunden. Im Zuge dieser Entwicklung wurde der
Sport für die Vielzahl der Volksgruppen in den
Vereinigten Staaten ein wichtiges Instrument zur
Beteiligung an der nationalen Kultur, in der sich
gerade die Traditionen festigten, die von den Fans
heute als sakrosankt betrachtet werden. Die World
Series of Baseball, eines der wenigen großen
amerikanischen Spektakel, wurde zwischen 1903
und 1905 etabliert.
Bis zu den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts
hatte sich der College-Football über die Ivy League
hinaus auf Staatsuniversitäten bis hin nach Texas
ausgebreitet.
Die neuen Collegemannschaften
organisierten sich rasch in Ligen und kämpften um
Teilnahmeplätze in den nach der Saison veranstalteten "Bowls", die 1902 mit der Rose Bowl in Pasadena (Kalifornien) begannen. Die ersten professionellen Footballmannschaften waren aus ehemaligen
Collegespielern zusammengewürfelt, die nach dem
Ersten Weltkrieg in den Industriestädten Westpennsylvanias und des Mittleren Westens ihr Publikum
fanden. Zu diesen Mannschaften zählten eine Reihe
spektakulärer Spielerpersönlichkeiten, darunter
insbesondere Jim Thorpe und Red Grange, standen
jedoch bis zu den Boomjahren nach dem Zweiten
Weltkrieg organisatorisch auf unsicheren Füßen.
Kurz nach seiner Erfindung im Jahr 1891 verbreitete
sich Basketball innerhalb des CVJM und in den
Einwandererclubs von New York und anderen
Städten des Nordostens und Mittleren Westens. Die
halbprofessionellen Mannschaften, die aus dem
CVJM entstanden, wiesen durch ihre Namen häufig
offen auf ihren ethnischen Hintergrund hin - die

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Hebrew All-Stars, die Detroit Pulaskis, die Brooklyn
Visitations und die Buffalo Germans. Es gibt kaum
ein besseres Beispiel für diese besondere amerikanische Mischung des "Schmelztiegels" und der multikulturellen Gesellschaft als die Konfrontation und der
Zusammenhalt zwischen diesen Mannschaften, die
ein neues Spiel spielten und die Regeln dafür gleichsam nebenher entwickelten.
Nachdem das Spiel seinen Ruf, ein "unmännlicher"
Sport ohne Körperkontakt zu sein, verloren hatte,
breitete sich Basketball ebenfalls über das gesamte
amerikanische Universitätsnetz aus. Eine 1934 im
New Yorker Madison Square Garden veranstaltete
Demonstration mit zwei Spielen, an der Mannschaften der New York University, von Notre Dame, dem
Westminster College und der St. John's University
teilnahmen, trug dazu bei, dieses Collegespiel
populär zu machen. Schon bald darauf wurden die
ersten nationalen College-Basketballwettbewerbe,
das NIT (National Invitational Tournament) und das
NCAA-Turnier (National Collegiate Athletic Association) ins Leben gerufen. Die ersten professionellen
Basketballigen wurden Ende der dreißiger Jahre in
den Industriestädten des Mittleren Westens gegründet.
Die Entwicklung, die wahrscheinlich am nachdrücklichsten auf die Durchdringung der amerikanischen
Gesellschaft mit diesen drei neuen Sportarten einwirkte, war die landesweite Einführung des Schulsports an den weiterführenden Schulen der USA in
den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts. Dazu
gehören Programme, in deren Rahmen nachmittags,
abends oder am Wochenende ausgewählte Schulmannschaften gegeneinander antreten. Die meisten
Schulen fördern eine Vielzahl von Schulmannschaften, aber die Sportarten, die unweigerlich den Stellenwert der Schule in einer Gemeinde ausmachen, sind
nahezu ausnahmslos Football, Basketball und Baseball. Um die Mitte dieses Jahrhunderts schlössen
sich die High Schools in Kreis- und Regionalligen
zusammen, die einen regulären Spielplan und Spiele
zum Saisonabschluß organisieren, deren Höhepunkt
das Endspiel um die Meisterschaft des jeweiligen
Bundesstaates ist. Auf diese Weise wurde das
Spektakel des Profi- und Collegesports auf einer
niedrigeren, aber auch greifbareren Ebene nachgeahmt, auf der Spieler, Trainer, Einpeitscher, PomPom Girls und Mitglieder der Marschmusikkapellen
allesamt in der Gemeinde bekannt sind.
Bis zu den dreißiger Jahren war der Sport zu einem
festen Bestandteil im Erfahrungsschatz nahezu jeden
Amerikaners geworden.
Während Mädchen oft
Volleyball oder Feldhockey spielten, wuchsen die
meisten Jungen mit Baseball, Football und Basketball
auf. Einige schlössen sich in außerschulischen Ligen

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�zusammen, aber die meisten spielten in ihrer Freizeit
mit Freunden und Nachbarn in einem Hinterhof, auf
der Straße oder auf dem Schulhof. Durch Reportagen in Radio und Presse konnten Sportfans aller
Altersstufen die Taten ihrer Lieblingsmannschaften
im Collegesport, bei den Halbprofis oder Profis miterleben, und in der Schule beteiligten sich junge
Leute im Sportunterricht an den Spielen, machten in
den Schulmannschaften mit und demonstrierten
ihren Einsatz für die Schule durch den Besuch von
Spielen der Schulmannschaften.
Für eine wachsende Zahl von Studenten hatte sich
der Sport bis zu den dreißiger Jahren zu einem
integralen Teil ihres Collegelebens entwickelt. "Auf
das College gehen", bedeutet in den Vereinigten
Staaten mehr als studieren und ein Examen ablegen. Es ist vielmehr eine "Erfahrung", ein kollektiver
Initiationsritus für eine neue und anspruchsvollere
Welt, der sich in der Periode zwischen den Weltkriegen zu gleichen Teilen aus Hollywoodfilmen,
Swingmusik und Football zusammensetzte. So, wie
die High-School-Mannschaft zum Repräsentanten
der Heimatstadt geworden war, entwickelte sich die
Collegemannschaft zum Instrument, um eine neue
Gemeinschaft unter Klassenkameraden herzustellen
und, nach dem Examen, die Bindungen zwischen
den "Ehemaligen" aufrechtzuerhalten. Die Rolle des
Football in den weiterführenden Bildungseinrichtungen Amerikas wird wirkungsvoll in Buster Keaton's
satirischem Film "College" dargestellt.

gesellschaftlichen Schichten nach neuen Identitäten
und neuen Ausdrucksformen, die denen entsprachen,
die sie in ihren Heimatstädten oder während ihrer
Collegejahre gekannt hatten. Über die Loyalität
gegenüber der "Heimmannschaft" ließen sich Bindungen nicht nur zu neuen Nachbarn und Kollegen
sondern auch zwischen Einwohnern aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und ethnischen Gruppen
herstellen, die ansonsten sehr wenig gemeinsam
hatten. In der Bundeshauptstadt zum Beispiel bietet
die Footballmannschaft der Washington Redskins
Massen von Neuankömmlingen - seien es Mitglieder
einer neuen Administration, Mitarbeiter von Verbänden oder Migranten der Arbeiterschicht aus North
Carolina - eine gemeinsame Leidenschaft und ein
stets willkommenes Gesprächsthema. Mitglieder des
amerikanischen Kongresses stehen vor dem Dilemma, ihre Loyalität gegenüber den Profimannschaften
ihres Wahlbezirks zu bewahren, die Fans in großen
Bundesstaaten, bei denen sie oder ihre politischen
Freunde um Stimmen werben, nicht zu verprellen und
gleichzeitig "Hail to the Redskins" zu brüllen - eine
Aufgabe, der die meisten gewachsen zu sein scheinen.

Sport und die amerikanische Demokratie

Der Wirtschaftsboom nach dem Zweiten Weltkrieg
brachte Tausende von Menschen aus der Provinz in
die großen Städte und half bei der Finanzierung der
enormen Infrastruktur, die erforderlich war, um ihre
Freizeitbedürfnisse zu befriedigen. Schon bald
wälzten sich Blechlawinen über die neuen Highways,
um Zuschauer in die neugebauten Stadien zu bringen. Die aufstrebende Luftverkehrsindustrie ermöglichte es den Profiligen, zum ersten Mal bis zur
Pazifikküste zu expandieren: Football erreichte
Kalifornien Ende der vierziger Jahre, Baseball Ende
der fünfziger Jahre und Basketball zu Beginn der
sechziger Jahre. Mit dem aufkommenden Fernsehen steigerten sich die Zahl der Zuschauer und die
Summe der für College-Sportprogramme und Profiligen zur Verfügung stehenden Gelder dramatisch,
und Baseball, Football und Basketball wurden zu
den viele Millionen Dollar umsetzenden Industrien,
wie wir sie heute kennen.

Der Sport stellt vorgefertigte Traditionen zur Verfügung, die zur Integration von Neuankömmlingen
besonders gut geeignet sind, und für das bunte
Völkergemisch Amerikas sind die neuen Spiele zu
einem zwar unvollkommenen, aber auch sehr realen
Teil des demokratischen Prozesses geworden. Als in
den vierziger Jahren die Footballmannschaften der
"Fighting Irish" von Notre Dame auf die der Ivy
League trafen, so bedeutete dies, daß nun katholische Jungs gegen die Söhne der Yankee-Elite
spielten, und ein Sieg einer Staatsuniversität aus dem
Mittleren Westen war auch ein Sieg der in dieser
Region vertretenen gesellschaftlichen Gruppen,
darunter insbesondere die Nachkommen von Einwanderern aus Nord-, Mittel- und Osteuropa. Amerikaner in der zweiten Generation und Mitglieder
ethnischer Minderheiten nehmen in den ersten
Jahrzehnten des College- und Profisports einen
bedeutenden Platz unter den Spielern und Trainern
ein, wie ein Querschnitt von Spielernamen verdeutlichen mag - Knute Rockne, Bronko Nagurski, Adolph
Rupp, George Mikan, Casey Stengel, Roy Campanella.

Sport wurde zum "Big Business", aber er war - und
ist - ein Geschäft, das die Wünsche der Kunden
erfüllt. In den wachsenden städtischen Ballungsgebieten im Amerika der Nachkriegszeit erfüllten die
professionellen Baseball-, Football- und Basketballmannschaften das Bedürfnis von Angehörigen aller

Um das Spiel zu gewinnen, muß man sich an die
Regeln halten, und die Aufnahme der neuen amerikanischen Sportarten durch ländliche Bevölkerungsgruppen, Einwanderer und Minderheiten erforderte
ein nicht unbeträchtliches Maß an Konformismus.
Die Anpassung der vielfältigen Bevölkerungsgruppen

Seite 4

AMERIKA DIENST 21

�Amerikas an sportliche Normen hat jedoch auch zur
Modifizierung von Regeln und Vervielfältigung von
Stilen und Werten beigetragen, und zwar nicht nur
auf dem Spielfeld, sondern auch jenseits der Auslinien und in den Kabinen der Reporter. Zugleich mit
den Helden bestimmter ethnischer Gruppen hat der
Sport auch den Aufstieg von Trainern oder Managern von bäuerlichen oder plebejischen Ursprüngen
zu einer Art Prophetenstatus gefördert. Spieler und
Trainer können darüber hinaus zu Übermittlem
origineller Redensarten wie auch zu Verbreitem von
Binsenweisheiten werden.
Die Einstellung des
ehemaligen Werfers der St. Louis Cardinais, Dizzy
Dean, als Radioreporter könnte mehr zur Einführung
umgangssprachlicher Redensarten in die amerikanische Hochsprache beigetragen haben als Mark
Twains Huckleberry Flnn, und der ehemalige
Fänger der New York Yankees, Yogi Berra, - der
uns unter anderem klargemacht hat, daß ein Spiel
"erst zu Ende ist, wenn es zu Ende ist" - gehört zu
den meistzitierten Amerikanern. Deshalb bietet der
Sport nicht nur ein Forum für tollkühne Taten,
sondern auch für die Darbietung andernfalls stigmatisierter kultureller Stile, die in diesem besonderen
Umfeld salonfähig werden.

Basketballspieler Schwarze.
In dieser Zeit der
neuerlichen Rassenspannungen und neuer Diskussionen über die Rassenbeziehungen bedürfen diese
Statistiken einer Erklärung.
Die traditionell populären rassisch begründeten
Erklärungen für den Erfolg schwarzer Athleten sind
von vornherein von der Hand zu weisen. Zusammengenommen bedeutet der relative Charakter rassischer
Grenzen und die kulturelle Mediation unseres genetischen Erbes, daß wir wahrscheinlich nie in der Lage
sein werden, menschliches Verhalten einzig als
Ausdruck biologischer Merkmale zu interpretieren.
Bessere Erklärungen für die Vorherrschaft der
Afroamerikaner im College- und Profisport sind in
einer Mischung aus sozialen, kulturellen und historischen Faktoren zu suchen.
Die Professionalisierung des Sports führte notwendigerweise zum Aufstieg der weißen Arbeiterschichten,
und in einem ethnisch so vielfältigen Land wie den
Vereinigten Staaten hatte dies auch die Einbeziehung
von Minderheitengruppen zur Folge - schwarzen und
weißen.

Jede Erörterung des Verhältnisses zwischen dem
Sport und der amerikanischen Demokratie muß der
Rolle der Afroamerikaner besonderes Augenmerk
schenken.
Ursprünglich durch die berüchtigten
Rassenschranken von den populärsten sportlichen
Wettbewerben ausgeschlossen, dominiert die
Präsenz schwarzer Athleten heute in den organisierten College- und Profisportarten. Die Rassenintegration im Profisport war Teil der Demokratisierungswelle, die nach dem Zweiten Weltkrieg die amerikanische Gesellschaft erfaßte und ihren Höhepunkt mit
der Bürgerrechtsbewegung der späten fünfziger und
frühen sechziger Jahre erreichte. 1947 sorgten die
Brooklyn Dodgers für eine Sensation, als sie Jackie
Robinson in die Mannschaft aufnahmen, und innerhalb weniger Jahre wurden auch in die National
Basketball Association (NBA) und die National
Football League (NFL) die ersten schwarzen Spieler
aufgenommen.

Angehörige von Minderheiten versuchen ihr Glück
aus einer Reihe unterschiedlicher Gründe im Sport.
Da er keine künstlich aufgerichteten Hindernisse wie
Rassenschranken aufweist, bietet der Sport wirkliche
Chancengleichheit, so daß die Leistungen des
talentierten Einzelnen ohne Ansehen seiner sozialen
Herkunft voll anerkannt werden. Der finanzielle und
symbolische Lohn für den erfolgreichen Athleten ist
darüber hinaus sehr hoch. Gleichzeitig sind Angehörige von Minderheiten häufig benachteiligt, wenn sie
in anderen Bereichen Spitzenpositionen anstreben:
Zu den Hindernissen auf dem Weg zum Erfolg zählen
Armut, Rassenvorurteile, die schlechtere Qualität der
Schulen in von Minderheiten bewohnten Stadtvierteln,
mangelnde Unterstützung durch Familie und PeerGruppen sowie die Entfremdung von den stillschweigenden Werten der etablierten Mittelschicht. Außerdem kommen Wettkampfsportarten häufig auch den
männlichen Werten entgegen, die unter einigen
Minderheiten besonders im Vordergrund stehen.

Heute beherrschen schwarze Spieler die professionellen Football- und Basketballmannschaften in
einem Ausmaß, das in keinem Verhältnis zu dem
prozentualen Anteil der Schwarzen an der amerikanischen Gesamtbevölkerung steht. Während 13 %
der US-Bevölkerung Schwarze sind, stellen die
Afroamerikaner 18% aller Baseballprofis, 60% aller
Footballprofis und 75% aller professionellen Basketballspieler. Auch die Collegestatistiken sind in vielen
Fällen ebenso asymmetrisch: An der University of
California in Los Angeles (UCLA) waren 1991 7%
der Studenten, 44% der Footballspieier und 53% der

Das Bild von dem schwarzen Jugendlichen, der aus
bescheidenen Verhältnissen kommt und durch den
Sport erfolgreich wird, könnte irreführend sein, und
jede Erörterung dieses Themas läuft Gefahr, in
Klischees zu verfallen. Nicht alle Schwarzen leben in
Armut (neueren Schätzungen zufolge gehören 26-45
Prozent der Afroamerikaner zur Mittelschicht, je nach
Definition des Begriffs "Mittelschicht") und nicht alle
schwarzen Jugendlichen sind aufstrebende - oder
auch nur gute - Athleten. Athleten sind in allen
Formen, Größen, Hautfarben, Geschlechtern und
gesellschaftlichen Schichten vertreten, aber trotzdem

AMERIKA DIENST 21

Seite 5

�ist offenkundig, daß eine große Zahl männlicher
Schwarzer, von denen einige aus sozial schwachen
oder bescheidenen Verhältnissen stammen, sich auf
den Sport konzentrieren und davon träumen, Stars
in der NFL oder NBA zu werden.
Der jüngste Rückgang des Anteils der Schwarzen im
Profibaseball ist wahrscheinlich auf die Eigenheiten
in der Organisation dieses Sports zurückzuführen.
Seit der Gründung der Little League im Jahr 1939
wurde der Jugendbaseball hauptsächlich durch
außerschulische Organisationen gefördert. Wohlfahrtsprogramme des Bundes unterstützten in den
sechziger Jahren ähnliche Initiativen in ärmeren
Stadtvierteln, aber der Mangel an öffentlichen Mitteln
hat in den letzten beiden Jahrzehnten die Einstellung
solcher Programme zur Folge gehabt. Dagegen
werden Football und Basketball im schulischen
Rahmen organisiert und stehen deshalb unabhängig
von sozialem oder finanziellem Status der Eltern
allen Kindern offen. Als wichtigste Collegesportarten
bieten Football und Basketball darüber hinaus mehr
Stipendien für mittellose Studentensportler, die
entweder einen Collegeabschluß oder ein Sprungbrett in die Profiliga anstreben.
Baseball hat auch unter der zunehmenden Popularität des Basketball bei schwarzen Jugendlichen und
in der amerikanischen Jugendkultur insgesamt
gelitten. Für den derzeitigen Basketballboom gibt es
handfeste Gründe: Der Sport erfordert die geringste
persönliche Ausrüstung, und er läßt sich alleine oder
in Gruppen von zwei bis zehn Personen spielen.
Der wichtigste Grund für die wachsende Popularität
des Basketball liegt wahrscheinlich in der Möglichkeit
begründet, die sie dem einzelnen für die Zurschaustellung seiner Virtuosität bietet. Das Potential des
Basketballspiels als Showbühne für extravagante
Vorstellungen einzelner Spielerpersönlichkeiten
wurde am erfolgreichsten von den großen Stars der
letzten Jahrzehnte ausgeschöpft - Julius Erving ("Dr.
J") in den siebziger Jahren, Earvin "Magic" Johnson
in den achtziger Jahren und Michael Jordan in den
achtziger und neunziger Jahren. Diese drei Spieler allesamt Afroamerikaner - haben größere Berühmtheit erlangt als die meisten Wirtschaftskapitäne,
Politiker oder Wissenschaftler je erhoffen können,
und wie die großen Helden des Sports in der Vergangenheit haben sie dazu beigetragen, viele aufstrebende junge Menschen auf den Weg in die NBA
zu führen.
Profi-Basketball ist zu einem wichtigen Platz für die
ausdrucksstarke Kultur des schwarzen Amerika
geworden, aber von den vielen Sportlern, die eine
Karriere in der NBA anstreben, haben nur wenige
Erfolg. Was geschieht mit denen, die scheitern?
Einige spielen in zweitrangigen ausländischen Ligen,

Seite 6

andere finden Arbeit in ortsansässigen Unternehmen
in den Städten, in denen sie noch als High School
oder College-Sporthelden bekannt sind, und andere
wiederum geraten völlig in Vergessenheit. Aus
diesem Grund beschuldigen viele Kritiker den Collegesport, er beute die jungen Athleten um des
eigenen Vorteils willen aus. Ein siegreiches Basketballteam hebt das Ansehen einer Universität, macht
sie attraktiver für mögliche (Studiengebühren zahlende) Studenten und veranlaßt ehemalige Studenten,
die nostalgisch an ihre Studentenzeit zurückdenken
und deren Formen der Geselligkeit häufig über
Vereine von Ehemaligen und Sportveranstaltungen
organisiert werden, zu freiwilligen Spenden. Deshalb
möchten viele Colleges und Universitäten ein konkurrenzfähiges Sportprogramm, auch wenn dies
bedeutet, Spieler anzuwerben, die nicht unbedingt
auch gute Studenten sind.
Vom Standpunkt des Spitzenathleten betrachtet,
bedeutet der Besuch einer Universität mit einem
hervorragenden Sportprogramm hauptsächlich die
Chance, an vom Femsehen übertragenen Spielen
teilzunehmen. Ein Spitzenspieler, der "viel Fernsehzeit bekommt", ist in einer wesentlich besseren
Verhandlungsposition, wenn er am Ende seiner
Collegekarriere Profi werden möchte. Stars helfen
ihren Mannschaften nicht nur, indem sie zum Sieg
beitragen, sondern auch dadurch, daß sie zahlende
Fans anziehen. Deshalb kann ein medienwirksamer
Collegestar mehr Geld fordern, wenn er von einer
Profimannschaft angeworben wird.
Nicht alle Collegesportprogramme sind gleich: Einige
sind berüchtigt, weil sie es Spielern erlauben, drei
oder vier Jahre ein College zu besuchen ohne
wirklich zu studieren, während andere das Ideal des
"Studentensportlers" aufrechterhalten. Allzu häufig
schaffen Collegespieler jedoch keinen Abschluß. Mit
einer Examensquote von 56% schneiden die Studentensportler jedoch insgesamt besser ab als der
landesweite Durchschnitt aller Studenten, der bei
48% liegt. Wenn man jedoch Football und Basketball
- die Sportarten, die viel Geld einbringen - von
Leichtathletik, Tennis, Golf und Turnen trennt, verschlechtert sich das Bild: Lediglich 43% aller Collegebasketballspieler schließen mit dem Examen ab.
Das bedeutet, daß viele Studentensportler, insbesondere Angehörige von Minderheiten, am Ende weder
einen Collegeabschluß noch eine NBA-Karriere vorweisen können.
Trotzdem ist der Traum unwiderstehlich. Denn Erfolg
im Profisport bedeutet persönliche Bestätigung,
Berühmtheit und natürlich Reichtum. Das durchschnittliche Jahresgehalt in der NBA stieg von
275.000 Dollar im Jahr 1983 auf 1,2 Millionen Dollar
1992. Vor seinem Rücktritt 1993 verdiente Michael

AMERIKA DIENST 21

�Jordan 3 Millionen Dollar jährlich sowie zusätzlich 25
bis 40 Millionen Dollar pro Jahr aus seinen verschiedenen Werbeverträgen. Als Jordan sich aus der
Liga zurückzog, unterschrieb Larry Johnson, ein
Ersatzspieler bei den Charlotte Hornets, einen
Zwölfjahresvertrag über 84 Millionen Dollar. Tatsächlich deuten alle Anzeichen darauf hin, daß die
Höhe der Spielergehälter in neue und beispiellose
Dimensionen klettert und daß ein Ende dieser
Spirale nicht abzusehen ist.
Die meisten Fans schütteln den Kopf über die neuen
Gehälter im Profisport, aber viele scheinen auch zu
denken, daß Spielerstars, die sich zermürbenden
Terminplänen unterwerten, das Risiko eingehen,
durch Verletzung zum Krüppel zu werden und ihr
Privatleben opfern ebenso das Recht haben, überhöhte Gehälter zu beziehen wie Topmanager oder
Filmschauspieler und -Spielerinnen. Eine Ironie ist
jedoch die Tatsache, daß Erfolg im Sport inzwischen
als die Quintessenz der amerikanischen Demokratie
und der Chancengleichheit betrachtet wird. Viele
Kommentatoren schwärmen immer wieder von dem
Mann aus dem ländlichen Louisiana, der es "so weit
gebracht" hat; in Wirklichkeit jedoch ist sein Erfolg
lediglich eine symbolische Geste - eine Dramatisierung unserer demokratischen Ideale, die andererseits häufig von der Erfahrung widerlegt werden.
Sicherlich weist der Erfolg schwarzer Athleten auf
eine unterschwellige Realität hin, nämlich den sich
wandelnden Status der Schwarzen in der amerikanischen Gesellschaft in den vergangenen 150 Jahren.

*

AMERIKA DIENST 21

Ebenso klar ist jedoch, daß der phänomenale Erfolg
einiger Weniger keinen Ersatz für die Verbesserung
des Loses der überwältigenden Mehrheit bieten kann.
In den letzten Jahrzehnten sind viele Schwarze in die
Mittelschicht aufgestiegen, doch jüngeren Schätzungen zufolge bezieht ein Drittel der Schwarzen immer
noch ein Einkommen, das unter dem allgemein
festgelegten Minimum liegt. Darüber hinaus sind
Schwarze nicht nur im Profisport, sondern auch in
den Gefängnissen überproportional vertreten, während sie trotz der Verbesserungen in neuerer Zeit in
den akademischen Berufen unterrepräsentiert sind.
Trotzdem neigen die führenden Vertreter von Minderheiten dazu, erfolgreiche Athleten zu feiern,
während sie auch in anderen Lebensbereichen auf
Veränderungen hinarbeiten. Sporthelden werden
nicht nur als erfolgreiche Persönlichkeiten, sondern
auch als Vorbilder angesehen, die oft zu Programmen beitragen, die junge Menschen ermutigen, ihre
Lebenschancen nicht durch Sport sondern durch
Bildung zu verbessern. Ebenso wichtig sind die
neueren Versuche zahlreicher Stars aus Minderheiten, ihren Erfolg im Sport in geschäftlichen Erfolg
umzumünzen, und zwar nicht nur dadurch, daß sie
ein Restaurant mit berühmtem Namen eröffnen,
sondern insbesondere durch Besitz und Führung von
Sport-Franchiseunternehmen. Nahezu fünfzig Jahre
nachdem Jackie Robinson seinen rechtmäßigen Platz
auf dem Spielfeld einnahm, scheinen Angehörige von
Minderheiten immer häufiger auch in Vorstandsetagen Einzug zu halten.

* * *

*

Seite 7

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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA haben die Chance zur Verbreitung von Demokratie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Clinton vor der Naval Academy&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Anpassung der NATO an neue Ära erfordert kontinuierliche Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Perry&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Rüstungskontrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Transparenz wichtig für globale Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor Holum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Sport&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Liebe ist wie ein Baseballspiel":&lt;br /&gt;Zuschauersportarten und die amerikanische Kultur (I)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John R. Eidson&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z 12462 C

25. Mai 1994

20

HANDEL

CLINTON UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DES
HANDELS
FÜR
AMERIKANISCHE
WIRTSCHAFT
Proklamation des Präsidenten

NAHER OSTEN

NArfER OSTEN FÜR USA WEITERHIN VON
VITALEM INTERESSE
Rede von Anthony Lake

WAFFEN

USA ÄNDERN HALTUNG GEGENÜBER
WAFFEN
Amerikaner für strengere Waffenkontrollen

LANDMINEN

USA PLANEN MULTILATERALES REGIME ZUR
KONTROLLE VON LANDMINEN
Anhörung McNamaras im Kongreß

USIA

FULTON WIRD DIREKTOR DES NEUEN
INFORMATIONSBÜROS
IM
USINFORMATIONSAMT
Ankündigung des Weißen Hauses

JACQUELINE KENNEDY ONASSIS

ZUM TODE DER PRASIDENTENWITWE
Ein Porträt

FUSSBALL

DIE AUSTRAGUNGSORTE DES
WORLD CUP 1994
Neun amerikanische Städte im Porträt (II)

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-334102

�HANDEL
25. Mai 1994

CLINTON UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DES HANDELS
FÜR AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT
Proklamation des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer aus Anlaß der Welthandelswoche 1994 am 18. Mai herausgegebenen
Proklamation unterstrich US-Präsident Bill Clinton die Bedeutung von Exporten für die amerikanische Wirtschaft
und erklärte, seine Administration sei der Schaffung eines für den Privatsektor günstigen Klimas verpflichtet.
Der Präsident wies darauf hin, daß Exporte "ein entscheidender Motor" des wirtschaftlichen Fortschritts
geworden seien. Seit fünf Jahren gehen mehr als 40 Prozent des Wachstums in den Vereinigten Staaten auf
Exporte von Waren und Dienstleistungen zurück und sichern damit 20 Prozent der Arbeitsplätze im
Fertigungsgewerbe.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten im Wortlaut.
Während wir die Welthandelswoche 1994 begehen,
ist unsere Nation durchaus für den Konkurrenzkampf
der neunziger Jahre gerüstet. Unsere Wirtschaft ist
die stärkste in der industrialisierten Welt. Unsere
Erwerbsbevölkerung steht keiner anderen nach.
Unser höheres Bildungswesen sucht seinesgleichen. Und unser Volk ist optimistischer - und hat
dazu allen Grund.
Dennoch kommt der Erfolg auf dem Weltmarkt nicht
automatisch - er setzt Planung und Anstrengungen
voraus.
"Amerikanische Exporte bedeuten amerikanische
Arbeitsplätze" - das Thema der Welthandelswoche
illustriert, warum die Vereinigten Staaten sich bemühen müssen, das Engagement amerikanischer
Unternehmen auf dem Weltmarkt zu erhöhen.
Exporte sind ein entscheidender Motor des wirtschaftlichen Fortschritts unserer Nation geworden.
Seit fünf Jahren gehen mehr als 40 Prozent des
Wachstums in den Vereinigten Staaten auf Exporte
von Waren und Dienstleistungen zurück.
Heute steht jeder fünfte Arbeitsplatz im Fertigungsgewerbe mit Exporten in Verbindung. Exporte von
Gütern und Dienstleistungen sichern ungefähr 10,5
Millionen Arbeitsplätze. Exporte schaffen besser
bezahlte Arbeitsplätze.
In der Exportindustrie
beschäftigte amerikanische Arbeitnehmer verdienen
17 Prozent mehr als der Durchschnitt.

Angesichts der engen Verbindung zwischen Binnenund Weltwirtschaft ist es wichtiger denn je, Gewicht
auf die Faktoren zu legen, die Amerika wettbewerbsfähig machen. Umweltverträgliches Wachstum ist nur
zu erzielen, wenn wir die Probleme unserer Gesellschaft lösen, die unsere Bürger hindern, ihr Bestes zu
geben.
Der erste Punkt auf der Tagesordnung dieser Administration war die Verbesserung des Wirtschaftsklimas
in unserem Land, und das ist auch in Zukunft meine
Priorität. Wir haben beim Abbau unseres Haushaltsdefizits große Fortschritte gemacht. Steuerliche
Anreize haben einen starken Anstieg von Investitionen ausgelöst. Derzeit verfolgen wir eine Politik zur
Ermutigung von Partnerschaften zwischen Regierung
und Privatwirtschaft. Wir haben die schwierige
Aufgabe in Angriff genommen, der Rüstungsindustrie
bei der Konversion der Produktion zu friedlichen
Zwecken behilflich zu sein. Und wir widmen der
weiterführenden Bildung sowie der Ausbildung und
Umschulung unserer erwerbstätigen Bevölkerung
mehr Aufmerksamkeit.
Diese Administration setzt sich entschieden für eine
sichere Gesundheitsfürsorge für alle Amerikaner ein,
und wir haben einen Vorschlag zur Reform unseres
Sozialversorgungsnetzes vorgelegt.
Wir haben
wichtige Initiativen zur Bekämpfung von Verbrechen
und Drogenhandel ergriffen.
Diese Schritte zur Förderung von gesundem Wirtschaftswachstum und mehr Sicherheit für die Gesell-

AMERIKA DIENST 20

Seite 1

�schaff stellen die Grundlage für die Konkurrenzfähigkeit Amerikas in der Weltwirtschaft dar.
Amerikanischen Unternehmen muß jedoch ein fairer
Zugang zu internationalen Märkten gewährt werden.
Wir haben viel Gewicht auf den Abbau von Handelshemmnissen im Ausland gelegt und machen Fortschritte. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen schafft einen pulsierenden, integrierten Markt
auf unserem Kontinent und eröffnet für die Zukunft
gute Chancen auf eine noch größere Freihandelszone. Der erfolgreiche Abschluß der UruguayRunde des GATT nach siebenjähriger harter Verhandlungsarbeit sollte jetzt zu einer beträchtlichen
Ausweitung des Welthandels führen.
Die Partnerschaft zwischen der US-Regierung und
dem Privatsektor ist erforderlich, wenn wir die zu
Beginn der Amtszeit meiner Administration umrissenen wirtschaftlichen Ziele erreichen wollen. Die
Bundesregierung will für die Privatindustrie ein
konstruktiver Partner sein, indem sie sich für die
Schaffung eines günstigen Wirtschaftsklimas im Inund Ausland einsetzt. Die Hauptverantwortung für
die Entwicklung überseeischer Märkte liegt jedoch
beim Privatsektor. Die Unternehmen müssen das
Risiko tragen, was auch das Recht mit sich bringt,
die Früchte zu ernten.

*

Seite 2

*

Unsere Arbeitnehmer werden die Früchte in Form
vieler neuer Arbeitsplätze ernten, denn Exporte
können unsere Methode Nummer eins für die Schaffung hochbezahlter Arbeitsplätze darstellen.
Das alles läßt nur eine Schlußfolgerung zu: Wir
müssen uns weltweit entwickeln, um eine gesundere
Wirtschaft zu sichern, und es liegt im Interesse der
Unternehmen, Arbeitnehmer und der gesamten
Bevölkerung, daß dies geschieht. Wir müssen auf
dem Weltmarkt mehr verkaufen - und tun weiterhin
unser Bestes, um den Zugang amerikanischer Waren
zu diesem Markt zu erweitern. Ferner müssen wir
den Handel auf eine Art und Weise fördern, die für
die Arbeitnehmer von Vorteil ist und umweltverträgliche Entwicklung ermutigt.
Aufgrund dessen erkläre ich, William J. Clinton,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft
der mir von der Verfassung und den Gesetzen der
Vereinigten Staaten übertragenen Vollmachten die
am 22. Mai 1994 beginnende Woche zur Welthandelswoche. Ich rufe das Volk der Vereinigten Staaten
dazu auf, sich an entsprechenden Vorhaben zu
beteiligen, um das Potential des Welthandels zur
Schaffung von Wohlstand für alle zu unterstreichen.

*

*

AMERIKA DIENST 20

»

*•

�NAHER

OSTEN
25. Mal 1994

NAHER OSTEN FÜR USA WEITERHIN
VON VITALEM INTERESSE
Rede von Anthony Lake
WASHINGTON - (AD) - Der Nahe Osten bleibt Präsident Clintons Nationalem Sicherheitsberater Anthony Lake
zufolge trotz der Beendigung der Rivalität zwischen den Supermächten für die Vereinigten Staaten von "vitalem
Interesse".
Der Nahe Osten kann ein "Paradigma für die Haltung unserer Nation gegenüber der Welt nach dem Kalten
Krieg" sein, erklärte Lake am 16. Mai 1994 vor dem Washington Institute for Near East Policy.
Die Interessen der Vereinigten Staaten in der Region umfassen ihm zufolge den ungehinderten Fluß von Erdöl,
die Stabilität befreundeter arabischer Nationen, einen sicheren und dauerhaften Frieden zwischen Israel und
seinen Nachbarn sowie die Eindämmung der Ablehnungsfront - Irak, Iran und Libyen.
"Unser Feind", so Lake, "sind Unterdrückung und Extremismus, sei es unter religiösem oder weltlichem
Deckmantel". Washington grenze sich von jenen ab, "die ihre Ziele mit Hilfe von Terror, Intoleranz oder Zwang
fördern wollen". Er wies jedoch die Ansicht zurück, "eine erneute Betonung der traditionellen Werte der
islamischen Welt müßte zwangsläufig zu einem Konflikt mit dem Westen führen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext.
Ich freue mich über die Einladung, vor dem SorefSymposium des Washington Institute sprechen zu
dürfen. Ich weiß, daß Sie alle großes Interesse am
Nahem Osten haben und viel darüber wissen.
Folglich geht es mir wie dem Professor, der eine
Vorlesung über die Flut halten soll und genau weiß,
daß Noah unter den Zuhörern ist.
Da Außenminister Christopher derzeit intensive
Gespräche führt, werde ich heute nicht über den
Stand der Verhandlungen sprechen, sondern mich
auf unseren konzeptuellen Ansatz gegenüber dem
Nahen Osten konzentrieren. Der Nahe Osten ist in
vielerlei Hinsicht ein Paradigma für die Haltung
unserer Nation gegenüber der Welt nach dem Kalten
Krieg. Und es ist für uns eine Herausforderung und
eine Verantwortung, ein regionales Umfeld zu
schaffen, in dem das Versprechen einer Zukunft
voller Frieden und Hoffnung realisiert werden kann.
Der Nahe Osten sieht sich im wesentlichen mit einer
Entscheidung zwischen zwei verschiedenen Zukunftsmöglichkeiten konfrontiert. Ein Weg führt in
eine Zukunft, in der im Besitz von Massenvernichtungswaffen befindliche Extremisten eine Region
beherrschen, die von Konflikten zwischen Gemein-

AMERIKA DIENST 20

den und Staaten zerrissen ist. Die Alternative bringt
demokratischen Fortschritt, freien Verkehr von
Menschen und Waren und zu regionaler Sicherheit
führenden Dialog hervor. Gewalt oder Frieden,
Unterdrückung oder Freiheit, Isolation oder Dialog das sind die Alternativen.
Wir können jeden Tag Beispiele für diese Zukunftsmöglichkeiten sehen. Denken Sie an die Ereignisse
der vergangenen Tage. Bestrebungen zur Einigung
und Demokratisierung Jemens scheiterten, als der
Norden und der Süden des Landes das Schlachtfeld
dem Verhandlungstisch vorzogen. Gleichzeitig wurde
ein für die Beendigung eines anscheinend unlösbaren
Konflikts entscheidender Schritt unternommen, als
israelische Soldaten die Kontrolle über den Gazastreifen und Jericho friedlich an die palästinensischen
Behörden übergaben.
Inmitten dieses von Unruhen und Hoffnung gekennzeichneten Zeitalters können die Vereinigten Staaten
es sich nicht leisten, untätiger Zuschauer zu sein.
Obwohl die Rivalität zwischen den Supermächten
nicht mehr besteht, bleibt die Region für unsere
Nation von vitalem Interesse. Der freie Fluß von
Erdöl aus der Golfregion zu vernünftigen Preisen, die

Seite 1

�Sicherheit und das Wohlergehen Israels, ein sicherer
und dauerhafter arabisch-israelischer Frieden, die
Stabilität befreundeter arabischer Staaten, die Notwendigkeit der Eindämmung Iraks, Irans und Libyens
- der Ablehnungsfront gegen Frieden im Nahen
Osten, Bestrebungen zur Verhinderung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen - aus
diesen Gründen hat unsere Nation ein wirkliches
Interesse an einer demokratischen Zukunft mit mehr
Frieden und Wohlstand.
Wir wollen jedoch nicht die Zukunft des Nahen
Ostens beherrschen. Die bewegte Geschichte der
Region war zu stark auf den Kampf um Beherrschung ausgerichtet und es wurden zu wenige
kooperative Anstrengungen unternommen, um
gemeinsame Interessen und Werte für eine bessere
Zukunft aller Völker der Region zu fördern.
Wir betrachten diesen Kampf um die Zukunft des
Nahen Ostens auch nicht als einen "Zusammenprall
der Zivilisationen". Ich möchte diesen Punkt besonders hervorheben. Es wurde von manchen angedeutet, daß es in der Welt nach dem Kalten Krieg
eine grundlegende Kluft gebe, welche die liberaldemokratischen Traditionen des Westens scheinbar
gegnerischen, auf dem Islam und anderen Religionen basierenden "Zivilisationen" gegenüberstelle.
Diese Theoretiker sind der Ansicht, daß es keine
gemeinsame Basis für eine Verständigung zwischen
"dem Westen und dem Rest" gebe, sondern nur die
Aussicht auf Konfrontation und Konflikt. Sie behaupten, die Vereinigten Staaten als einzige verbleibende
Supermacht auf der Suche nach einer neuen zu
bekämpfenden Ideologie sollten sich einem neuen
Kreuzzug gegen den Islam widmen. Bei der Suche
nach einer neuen feindlichen Ideologie würde der
Fundamentalismus den Kommunismus als Gefahr für
den Westen ablösen.
Wir lehnen das entschieden ab. Im Nahen Osten
gibt es, ebenso wie auf der ganzen Welt, eine
grundlegende Spaltung. Die Trennlinie zwischen
Gut und Böse verläuft jedoch nicht zwischen "Zivilisationen" oder Religionen, sondern zwischen Unterdrückung und verantwortungsbewußter Regierungsführung, zwischen Isolation und Offenheit und
zwischen Mäßigung und Extremismus. Sie macht
keine Unterschiede zwischen Rasse oder Glauben.
In Südafrika und in China, in Burma und in Rußland,
im Gazastreifen und im Norden des Irak sprechen
mutige Männer und Frauen, die für Menschenrechte
und Demokratie streiten, die universelle Sprache der
persönlichen und politischen Freiheit. Die dramatischen weltweiten Veränderungen der vergangenen
vier Jahre haben gezeigt, daß diese Sprache die
Vergangenheit überwinden und die Zukunft umgestalten kann.

Seite 2

Dies gilt im Nahen Osten und der muslimischen Welt
ebenso wie andernorts. Unser Feind sind Unterdrückung und Extremismus, sei es unter religiösem
oder weltlichem Deckmantel. Wir grenzen uns von
jenen ab, die ihre Ziele mit Hilfe von Terror, Intoleranz und Zwang fördern wollen. Ich versichere
Ihnen, daß Präsident Clinton sich weiterhin unerschütterlich gegen Terrorakte wenden wird, die den
Friedensprozeß behindern oder den Völkern des
Nahen Ostens eine hoffnungsvolle Zukunft verweigern. Die Feinde des Friedens zögern nicht, zur
Förderung ihres Ziels Gewalt einzusetzen. Der
Präsident hat jedoch bekräftigt, er werde nicht
zulassen, daß sie Erfolg haben.
Wir weisen auch die Vorstellung zurück, daß eine
erneute Betonung traditioneller Werte in der islamischen Welt unweigerlich zu einem Konflikt mit dem
Westen oder mit demokratischen Grundsätzen führen
muß. Diese Werte - die Hingabe an Familie und
Gesellschaft, Glauben und gute Taten - sind uns
nicht fremd. Es ist nicht überraschend, daß die
Menschen im Nahen Osten und Nordafrika die Rolle
dieser Werte in Gesellschaft und Regierung testen
und debattieren. Die Menschen in der Region - wie
auf der ganzen Welt - suchen nach Mitteln und
Wegen, eine dem Volk verantwortliche Regierung zu
bilden, die fundamentalen Menschenrechte zu
garantieren und ihrem Leben einen Sinn zu geben.
Es ist weder ungewöhnlich noch einzigartig, daß viele
von ihnen auf den Islam schauen. Dies ist eine
universelle Suche. Es geht nicht um den Islam.
Heute sind die wirklichen Konflikte, die eine Beleidigung für das Gewissen der Menschheit darstellen,
keine "Konflikte der Zivilisationen". In Bosnien
widersetzen wir uns dem Haß und der Gewalt. Unser
Feind sind Selbstgerechtigkeit und skrupelloser
Nationalismus. Die Führer der Serben wollen ihre
Eroberungen durch Behauptungen legitimieren, sie
wehrten eine muslimische Bedrohung des Westens
ab. Die Welt sollte solche falschen Vorgaben jedoch
nicht akzeptieren. Zweifelsohne werden wir sie nicht
akzeptieren. Wir setzen uns für einen demokratischen bosnischen Staat ein, in dem Muslime und
Christen in Frieden miteinander leben. Unseres
Erachtens hat der Westen ein Interesse daran zu
demonstrieren, daß ein solcher Staat im Herzen
Europas willkommen ist, überleben und prosperieren
kann.
Die von Saddam Hussein abgegebene Erklärung für
seine Invasion in Kuwait - die Verteidigung der
islamischen Welt gegen einen westlichen Eindringling
- war ebenso fadenscheinig wie heute das Gerede
Slobodan Milosevics von einer Schlacht der Zivilisationen. Niemand läßt sich davon täuschen. Der
Golfkrieg wurde als das angesehen, was er war - ein

AMERIKA DIENST 20

�Versuch zur Eroberung und regionalen Vorherrschaft, den eine aus islamischen und nichtislamischen Nationen bestehende Koalition vereitelte.
Nach diesem Krieg sahen sich die Vereinigten
Staaten gezwungen, sich mit zwei feindlichen Regimen in der Region auseinanderzusetzen - dem
weltlichen Irak und dem fundamentalistischen Iran.
Andernorts in der Region widersetzen wir uns der
extremistischen Politik des weltlichen Libyen und des
fundamentalistischen Sudan. Und wir sind wachsam
von Algerien bis zum Südlibanon, vom Westjordanland und dem Gazastreifen bis Ägypten und
Jordanien, wo Extremisten die Region zu spalten
und auf den alten Pfad der Gewalt zurückzubringen
drohen.
Es sollte keinen Zweifel geben. Der islamische
Extremismus stellt eine Gefahr für die Interessen
unserer Nation dar. Es gibt Kräfte, die unter dem
Deckmantel des wiederauflebenden Islam die
Freiheit unterdrücken, sich von der Welt zurückziehen und Feindseligkeiten rechtfertigen.
Diese
Bewegungen stellen eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten und die internationale Staatengemeinschaft dar, da sie sich einer mächtigen und
allzuhäufig verführerischen Sprache bedienen - der
jahrhundertealten Leier von Haß, Furcht und Vorurteilen. Vor allem aber stellen sie - wie wir wissen eine Gefahr für die Zukunft des Nahen Ostens dar.
Obwohl sich die Umstände ändern, hat das Phänomen des Extremismus weltweit eines gemeinsam:
Ernüchterung, Unfähigkeit zur Deckung der Grundbedürfnisse des Menschen sowie vereitelte Hoffnungen auf politisches Mitspracherecht und soziale
Gerechtigkeit. Weitverbreitete Desillusionierung ist
eine Brutstätte für einen von Haß und Gewalt
gekennzeichneten Extremismus - der keineswegs
nur dem Nahen Osten oder der muslimischen Welt
vorbehalten ist. Kennzeichnend für den islamischen
Extremismus ist, daß er die Religion zur Tarnung
seiner wahren Absichten nutzt - dem puren Streben
nach politischer Macht.
Angesichts dieser Herausforderung müssen die
Vereinigten Staaten gemeinsam mit anderen dazu
bereiten Nationen regionale Bollwerke gegen den
Extremismus errichten. In Zentralasien pflegen wir
Beziehungen zu den neuen unabhängigen islamischen Staaten, beispielsweise Kasachstan. Andernorts - von der Türkei bis Saudi-Arabien, von Pakistan
bis Indonesien - halten wir alte Bündnisse und
Freundschaften mit weltlichen und fundamentalistischen Staaten aufrecht, die eine muslimische
Bevölkerung haben. Im Nahen Osten haben wir
dieselbe Aufgabe.

AMERIKA DIENST 20

Bei der Bewältigung der vor uns liegenden Herausforderungen müssen wir energisch den arabischisraelischen Frieden anstreben, die religiösen und
weltlichen Extremismus fördernden oder unterstützenden Staaten und Organisationen eindämmen und
eine Gemeinschaft gleichgesinnter Staaten im Nahen
Osten bilden, die dieselben Ziele verfolgen wie wir:
freie Märkte, Ausweitung von Demokratie sowie
Kontrolle der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme.
Diese Elemente ergänzen und verstärken sich
gegenseitig. Fortschritte beim arabisch-israelischen
Friedensprozeß drängen die Extremisten in die
Defensive und verstärken ihre Isolation. Die Unterminierung extremistischer Kräfte erleichtert Fortschritte bei dem Friedensprozeß. Wenn Friedensschaffung und Eindämmung Wirkung zeitigen, ist es
für gemäßigte Regierungen einfacher, ihre Legitimierung zu erhöhen und Extremisten in ihrer Mitte in
Schach zu halten. Diese Mäßigung ist gegenseitig
verstärkend und führt zum Aufbau von Beziehungen,
die das Versprechen größerer regionaler Stabilität
beinhalten.
Das aktive Streben nach Frieden im Nahen Osten ist
eine der höchsten außenpolitischen Prioritäten der
Clinton-Administration.
Es bildet den Eckpfeiler
unserer Bemühungen zur Umgestaltung der Region.
Wenn Araber und Juden nach soviel Haß und Konflikten in Frieden im Heiligen Land leben, können sie
ihre enormen Talente und Ressourcen für die Aufgaben des Fortschritts ausschöpfen. Und sie können
ein Beispiel geben - eine Friedensschaffungsdynamik
entwickeln - die alle anderen Konflikte in der Region
positiv beeinflussen kann.
Was in der vergangenen Woche in Gaza und Jericho
geschah, ist daher sowohl einfach als auch tiefgreifend. Im wahrsten Sinne des Wortes hat die
palästinensische Polizei die Verantwortung für die
Aufrechterhaltung der Ordnung vom israelischen Heer
übernommen. Diese einfache Übergabe der Machtbefugnis symbolisierte jedoch auch die Veränderung
der Beziehungen zwischen Palästinensern und
Israelis. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte haben
die Palästinenser das Recht - und die Verantwortung
- erhalten, sich selbst zu regieren. Zum ersten Mal in
der Geschichte des israelisch-arabischen Konflikts
haben sich Israelis und Palästinenser auf praktische
Wege für eine friedliche Koexistenz im Heiligen Land
geeinigt.
Wir sind uns alle der mit diesem Prozeß einhergehenden Schwierigkeiten und Gefahren äußerst
bewußt. Zwischen dem historischen Händedruck vor
dem Weißen Haus im September vergangenen
Jahres und der Unterzeichnung von Kairo neun

Seite 3

�Monate später wurden wir konstant daran erinnert,
daß die Kräfte des Extremismus und der Reaktion
entschlossen sind, die Hoffnung auf Frieden zu
ersticken. Wir können - und dürfen - ihren Erfolg
nicht zulassen.
Einige mögen die Klugheit und Tragfähigkeit des von
Yitzhak Rabin und Jassir Arafat eingeschlagenen
Kurses in Frage stellen. Aber dies ist nicht der
Augenblick für Vorhersagen. Die Israelis und
Palästinenser haben erkannt, daß der Status quo
nicht tolerierbar und eine friedliche Versöhnung
endlosem Konflikt und Gewalt vorzuziehen ist. Wir
schulden ihnen mehr als nur im Zweifelsfall zu ihren
Gunsten zu entscheiden, wir schulden ihnen unsere
Unterstützung und Ermutigung. Wenn sie scheitern wenn wir ihnen erlauben zu scheitern - werden die
Hoffnungen für einen friedlichen Nahen Osten
zerschlagen. Und wer kann sagen, wieviele weitere
Menschenleben es kostet, wieviele Familien zerrissen oder Schlachten geschlagen werden, bevor ihre
mutigen Anführer wieder den Aufbau des Friedens
versuchen können.
Genausowenig können wir es uns leisten, die Hände
in den Schoß zu legen und der Geschichte in Gaza
und Jericho ihren Lauf zu lassen. Die Komplexität
des Friedensprozesses beginnt sich erst abzuzeichnen. Die israelisch-palästinensische Grundsatzerklärung fordert die Ausweitung entscheidender
Elemente der palästinensischen Selbstverwaltung
auf das Westjordanland. Die Wahlen im Westjordanland und im Gazastreifen sollten in diesem Jahr
stattfinden. Und binnen zwei Jahren werden Israel
und die PLO Verhandlungen über den endgültigen
Status aufnehmen.
In jeder Phase der israelisch-palästinensischen
Verhandlungen werden Schwierigkeiten auftreten.
Schwierigkeiten bei der Friedensschaffung zwischen
einem Staat und einer Organisation, die aus höchst
unterschiedlichen Elementen zusammengesetzt sind.
Sie beinhalten die Lösung äußerst komplizierter
Konflikte, die schnell wieder zunichte gemacht
werden kann. Ein dauerhafter regionaler Frieden
kann nicht auf dieser instabilen Grundlage allein
aufgebaut werden.
Aufgrund eben dieser Israelis und Palästinenser jetzt
konfrontierenden Schwierigkeiten hat der Präsident
Außenminister Christopher und seine Mitarbeiter
zurück in die Region entsandt, um bei den Verhandlungen zwischen Israel und Syrien mitzuwirken.
Ein syrisch-israelisches Abkommen wäre jedoch eine
entscheidende Lösung zwischen zwei starken Staaten, die gemeinsam in einen "Frieden der Mutigen"
eintreten. Es würde den Konflikt zwischen Israel und

Seite 4

den arabischen Staaten beenden. Jordanien und der
Libanon könnten ihre Differenzen mit Israel binnen
Kürze beilegen. Die vollständige Normalisierung der
Beziehungen zwischen Israel und den arabischen
Maghreb- und Golfstaaten würde rasch folgen. Mit
anderen Worten, die Pattsituation wäre durchbrochen.
Ein israelisch-syrischer Frieden würde mehr bewirken
als nur das Abkommen zwischen Israel und der PLO
zu stützen und eine Veränderung der Beziehungen
zwischen Israel und der arabischen Welt sicherstellen. Dieser Frieden würde auch viel zur Förderung unserer Bestrebungen um die Erweiterung des
Kreises von Friedensstiftern beitragen, die Mäßigung
im Nahen Osten fördern und eine Bastion gegen
reaktionäre Staaten errichten.
Im größeren Kontext des regionalen Friedens spielt
Syrien eine entscheidende Rolle. Historisch gesehen
haben Syriens Bündnis mit dem Iran und die Unterstützung von Gruppen der Ablehnungsfront den
Kräften des Extremismus im Nahen Osten eine
lebenswichtige Basis geschaffen. Durch das Schüren
von arabischem Nationalismus hat Syrien diesen
Kräften eine wichtige Quelle der Legitimität geboten.
Syrien hat diese Legitimität durch die Ablehnung von
Sadats Frieden mit Israel schlecht und durch den
Beitritt von Damaskus zur Koalition im Golfkrieg
gegen Saddam Hussein und die Aufnahme direkter
bilateraler Verhandlungen mit Israel gut genutzt.
Als Präsident Assad den entscheidenden Schritt
unternahm und in Genf bekanntgab, daß Syrien eine
strategische Entscheidung für Frieden mit Israel
getroffen habe, wurden die bisherigen extremistischen Verbündeten des Landes daher nervös.
Hisbollah-Anführer argumentierten, wie ein extremistisches Programm in einem Zeitalter des Friedens
zwischen Israel und dem Libanon am besten verfolgt
werden könnte. Die Anführer der palästinesischen
Ablehnungsfront gegen einen Friedensschluß gingen
aus Angst vor dem Verlust ihrer Basis im Libanon
und in Syrien auf der Suche nach neuen Zufluchtsorten nach Libyen. Iranische Regierungsvertreter
besuchten eilig Damaskus, das sie offensichtlich mit
leeren Händen wieder verließen. Als sie nach Hause
zurückkehrten, begann der iranische Klerus die
Führung zu kritisieren, die sich abzeichnende Isolation ihrer Nation nicht verhindert zu haben.
Trotz dieser ermutigenden Anzeichen unterschätzen
wir die Risiken und Kosten bei der Erlangung eines
israelisch-syrischen Friedens nicht. Wie Ministerpräsident Rabin feststellte, wird die heftige interne
Debatte in Israel den Preis für Frieden mit Syrien in
der Tat schmerzhaft machen. Obwohl es für die
Vereinigten Staaten schwierig sein wird, diesen
Schmerz zu mildern, können und wollen wir - wie

AMERIKA DIENST 20

�Präsident Clinton wiederholt klargestellt hat - Israel
bei der Minimierung der bevorstehenden Risiken
behilflich sein.
Erstens werden wir darauf bestehen, daß der
Frieden ein echter Frieden ist - nicht nur die bloße
Tatsache, daß kein Krieg herrscht - sondern eine
qualitative Veränderung der Beziehungen zwischen
Israel und Syrien. Volle diplomatische Beziehungen,
ein Ende des Boykotts, die Öffnung der Grenzen für
Menschen und Handel, die Förderung gemeinsamer
Wirtschaftsprojekte. Wie Präsident Clinton in Genf
feststellte, haben wir bereits guten Grund zu der
Annahme, daß Syrien sich jetzt zu echtem Frieden
verpflichtet hat in der Art, wie Israel und die anderen
ihn definieren.
Zweitens werden wir darauf bestehen, daß der
Frieden gesichert ist - die Vereinigten Staaten sind
bereit, sich an den von den Parteien ausgehandelten
Sicherheitsarrangements zu beteiligen. Spezifische
Gespräche über die Form der Beteiligung haben
noch nicht begonnen, aber unsere Verpflichtung ist
fest. Und ebenso wie wir in diesem vergangenen
Jahr gehandelt haben, um das Versprechen des
Präsidenten zur Aufrechterhaltung und Erweiterung
des qualitativen Vorsprungs von Israel einzulösen,
werden wir handeln, um Israels Frühwarnfähigkeiten
und seine Fähigkeit zur Bewältigung von Bedrohungen größerer Reichweite zu stärken, um einen
Ausgleich für die strategischen Vorteile zu schaffen,
die es für den Frieden aufzugeben bereit sein
könnte.
Schließlich werden wir darauf bestehen, daß der
Frieden umfassend ist. Wir werden mit Jordanien
und dem Libanon beharrlich zusammenarbeiten um
sicherzustellen, daß ihre Verhandlungen mit Israel
zu Friedensabkommen führen. Und wir werden
darauf bestehen, daß die anderen arabischen und
muslimischen Staaten ihren Boykott beenden und
ihre Beziehungen zu Israel vollständig normalisieren.
Doppelte Eindämmung
Stellen Sie sich die strategischen Auswirkungen
eines solchen Friedens auf den Nahen Osten
insgesamt vor. Wir werden unsere Bestrebungen
zur Eindämmung der vom Iran und Irak ausgehenden Bedrohungen drastisch verstärken. Dem Iran
würden die Mittel verwehrt, im Kernland des Nahen
Ostens Probleme zu schüren. Seine Botschaft des
Hasses, sein Ruf nach der Zerstörung der "zionistischen Einheit" werden der Welt als leere, anachronistische Drohung erscheinen. In gleicher Weise
werden Saddam Husseins Hoffnungen zur Mobilisierung der arabischen Welt hinter einem antiisraelischen Banner zerschlagen.

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Wir werden diese beiden reaktionären Staaten und
die sie unterstützenden Gruppen zunehmend isolieren können. Durch den Friedensprozeß wird ein
neues regionales Umfeld geschaffen, das bereits
Gestalt anzunehmen beginnt. Darin werden gemäßigte islamische Staaten von der Türkei im Norden
bis zu Saudi-Arabien im Süden, von Ägypten im
Westen bis zu Pakistan im Osten die Fähigkeiten
dieser verbrecherischen Staaten und Organisationen
zur Erweiterung ihres Einflusses sowie zur Verbreitung ihrer Botschaft des Hasses und der Gewalt
einschränken. Mit Syrien und den anderen Staaten
in diesem Lager, das mit Israel in Frieden lebt, wird
sich das Kräftegleichgewicht im Nahen Osten entschieden zugunsten der Mäßigung verlagern. Den
Extremisten wird der Anspruch verwehrt, daß ihnen
die Zukunft gehört - sie werden sich mit der Realität
des Scheiterns auseinandersetzen müssen.
Die Erweiterung des Friedens wird auch die Förderer
des Friedens in ihrem Kampf gegen Extremismus im
Inland unterstützen. Den Regierungen wird die
Chance geboten, Desillusionierung wegen gescheiterter Ideologien und unerfüllter Erwartungen mit den
greifbaren Ergebnissen der Friedensschaffung zu
begegnen. Ressourcen werden freigesetzt, um die
Grundbedürfnisse der Menschen zu erfüllen statt die
destruktiven Erfordernisse des Krieges. Regionale
Wirtschaftsentwicklung unter Einsatz der bisher
aufgrund von Boykotten und Konflikten verweigerten
Technologien und Gelder wird den Geschmack auf
ein besseres Leben bieten. Und wenn die Regierungen einmal in der Lage sind, für das wirtschaftliche
Wohlergehen ihrer Bevölkerung zu sorgen, werden
sie sich bei der Erfüllung des Wunsches ihrer Bürger
nach größerer politischer Beteiligung und Rechenschaftspflicht sicherer fühlen. Ein Friedensschluß
vermittelt den Regierungen die Stärke, Extremismus
im In- und Ausland zu bekämpfen.
Wir wissen, daß die Realitäten im Nahen Osten
unweigerlich diese Vision beeinträchtigen werden.
Wir unterschätzen die Schwierigkeiten nicht, die mit
Friedensschaffung oder dem Widerstand extremistischer Kräfte einhergehen, die in der Region auf
Beute lauern. In unserem Gedächtnis ist jedoch
Raum für mehr als nur das Massaker von Hebron,
die Autobombe in Alufa, die Invasion von Kuwait und
die Revolution im Iran. Wir sind bereits Zeuge von
zwei Unterzeichnungszeremonien auf dem Rasen vor
dem Weißen Haus geworden: Des Abkommens von
Camp David und der israelisch-palästinensischen
Grundsatzerklärung. Wir wissen jetzt, daß eine
Zukunft mit Frieden und Wohlstand für alle Menschen
im Nahen Osten mehr als eine bloße Illusion ist.
Abschließend möchte ich aus dem ersten Buch des
Talmud zitieren:

Seite 5

�Der Tag ist kurz,
die Aufgabe ist groß,
es ist nicht an Euch,
die Arbeit zu beenden.
Aber es steht Euch nicht frei,
Euch ihr zu entziehen.

Die Clinton-Administration ist sich der mit der Umgestaltung des Nahen Ostens einhergehenden schwierigen Aufgabe wohl bewußt. Aber wir werden diese
Herausforderung annehmen. Und ich weiß, daß Sie
uns dabei zur Seite stehen werden.

* * * *

Seite 6

*

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�WAFFEN
25. Mal 1994

USA ÄNDERN HALTUNG GEGENÜBER WAFFEN
Amerikaner für strengere Waffenkontrollen
WASHINGTON - (AD) - Am 15. Mai 1994 berichtete
das US-Justizministerium, daß Verbrechen mit
Handfeuerwaffen in den Vereinigten Staaten nach
den letzten vorliegenden Zahlen aus dem Jahr 1992
stark angestiegen sind. Bei einer Gedenkfeier für
ermordete Strafverfolgungsbeamte am 16. Mai 1994
bedauerte Präsident Clinton das Ausmaß von
Verbrechen mit Waffengewalt, verwies jedoch auf
Veränderungen im Gesetz und der öffentlichen
Meinung, die auf eine Inangriffnahme des Problems
schließen lassen. "Amerika wird sich des Problems
bewußt", stellte Clinton fest. "Wir haben eine Wende
bewirkt. Jetzt müssen wir die Arbeit zu Ende
bringen."
Obwohl die Verbrechensrate in den Vereinigten
Staaten insgesamt niedriger ist als in vielen anderen
Ländern - einem kürzlichen Artikel im Wall Street
Journal zufolge wird in London doppelt so oft
eingebrochen wie in New York - belegen die Statistiken, daß Verbrechen mit Waffengewalt in Amerika
sehr viel häufiger sind als in jeder anderen modernen Industriegesellschaft. Die weithin in die Schlagzeilen geratenen Morde an ausländischen Touristen
-einschließlich der Erschießung einer Deutschen und
Verwundung ihres Ehemanns am 16. Mai in Kalifornien - bereiten weltweit Anlaß zu der besorgten
Frage, warum Waffen in den Vereinigten Staaten so
leicht erhältlich sind, und was die US-Regierung
dagegen unternimmt.
Nirgendwo ist die Sorge über den Waffenbesitz
jedoch größer als in den Vereinigten Staaten - unter
den Amerikanern - selbst, stellen Experten fest. Da
die Amerikaner sehr viel wahrscheinlicher Opfer von
mit Waffen ausgerüsteten Verbrechern werden als
ausländische Besucher, hat ihnen zufolge der Ruf
der Öffentlichkeit nach einer Änderung der amerikanischen Gesetze über Waffenbesitz bereits zu zwei
wichtigen Gesetzen geführt, die den Besitz von
Waffen einschränken.
Das erste Gesetz - nach Präsident Reagans Pressereferent Brady benannt, der 1981 bei dem Anschlag
auf Präsident Reagan angeschossen wurde - gelangte im Herbst zur Verabschiedung und schreibt

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eine fünftägige Wartezeit beim Kauf einer Waffe vor.
Damit wird den Strafverfolgungsbeamten Zeit eingeräumt, Nachforschungen über den möglichen Käufer
anzustellen.
Das zweite Gesetz wurde Anfang dieses Monats vom
Repräsentantenhaus verabschiedet.
Mit diesem
Gesetz werden 19 halbautomatische Waffentypen
verboten, mit denen kein anderer Zweck verfolgt
würde, als Menschen umzubringen. Der Senat
stimmte im Rahmen eines umfassenden Gesetzes
zur Verbrechensbekämpfung einer ähnlichen Maßnahme zu. Die Maßnahmen müssen bei einer
Konferenz von Repräsentantenhaus und Senat vor
der erwarteten Unterschrift des Präsidenten abgestimmt werden.
Präsident Clinton, der stark für das Verbot von
halbautomatischen Waffen eintrat, erklärte, die für die
Maßnahme stimmenden
Kongreßabgeordneten
"haben sich für das nationale Interesse eingesetzt".
"Wir sind begeistert über das Verbot halbautomatischer Waffen. Unsere harte Arbeit hat sich bezahlt
gemacht", äußerte Cheryl Brolin, Sprecherin der
Handgun Control Incorporated, einer Organisation,
die für stärkere Waffenkontrolle kämpft. In einem
Interview erklärte sie: "Das zeigt in der Tat, daß die
Amerikaner der Lobbyisten müde werden, die einer
vernünftigen Waffenkontrolle entgegenarbeiten."
Eine dieser Interessengruppen ist die National Rifle
Association (NRA), die seit Jahren äußerst effektiv
die Maßnahmen zur Waffenkontrolle im Kapitol
vereitelt hat. Die amerikanische Presse sieht das
Brady-Gesetz und das Gesetz über halbautomatische
Waffen als wichtige Niederlage für die NRA und
verweist darauf, daß sich Meinungsumfragen zufolge
bis zu 80 Prozent der Bevölkerung für Einschränkungen ausgesprochen haben.
Die NRA verweigerte jeden Kommentar zu diesem
Artikel, hat sich jedoch häufig für strengere Gesetze
zur Bestrafung Krimineller statt für härtere Kontrollen
des Waffenbesitzes ausgesprochen und oft auf den
Zweiten Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung

Seite 1

�verwiesen, der das Recht der Amerikaner auf
Waffenbesitz schützt. Der Zusatzartikel, der Bestandteil der Bill of Rights ist, lautet folgendermaßen:
"Da eine gut ausgebildete Miliz für die Sicherheit
eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht
des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht
beeinträchtigt werden."
Brolin erklärt, die Interpretation des Zweiten Zusatzartikels durch die NRA "ist schlichtweg falsch. Die
Gerichte vertreten die Auffassung, daß der Zweite
Zusatzartikel nicht das Recht des einzelnen auf
Waffenbesitz schützt", erläuterte sie. "Kein Gesetz
zur Waffenkontrolle wurde je aufgrund des Zweiten
Zusatzartikels abgelehnt", fügte sie hinzu.
Auf die Frage, ob sie optimistisch bezüglich zusätzlicher Gesetze zur weiteren Einschränkung des
Waffenverkaufs in den Vereinigten Staaten sei,
antwortete Brolin, ihre Organisation sei bereits für
ein dem Repräsentantenhaus am 28. Februar
vorgelegtes, gemeinhin als Brady II bekanntes
Gesetz aktiv.
Im Fall ihrer Annahme würden zu den von diesen
Gesetzen verordneten Einschränkungen eine weitere
Verschärfung der Bestimmungen über den Waffenhandel, die Einführung von Waffenscheinen sowie
eine Sicherheitsausbildung für die Benutzung von
Schußwaffen gehören, erklärte sie. Ihre Organisation werde "unsere 400.000 Mitglieder im ganzen
Land zur Unterstützung von Brady II mobilisieren."
Einige Kongreßabgeordnete wollen jedoch weiter
gehen als Handgun Control Incorporated. Der
republikanische Senator John Chafee aus Rhode
Island hat beispielsweise einen Gesetzesvorschlag
über das Verbot sämtlicher Handfeuerwaffen in den
Vereinigten Staaten eingebracht mit dem Argument,
daß "82 Prozent aller Morde in den Vereinigten
Staaten mit Schußwaffen begangen werden".
Senator Pat Moynihan (Demokrat aus New York)
wiederum möchte das Problem durch eine starke
Steuererhöhung auf Munitionsverkäufe lösen, da
eine Beseitigung der schätzungsweise 214 Millionen
Waffen schwierig sei, während eine starke Verteuerung der Munition viel effektiver wäre.
Senator Bill Bradley (Demokrat aus New Jersey)
machte vergangene Woche den Vorschlag, sämtliche Waffenbesitzer sollten einen Ausweis mit Foto
mitführen müssen, wodurch bei einem Verbrechen
verwendete Waffen viel schneller aufgespürt werden
könnten als bisher.
Mittlerweile wurden vielerorts die Bestimmungen zur
Waffenkontrolle verschärft, ohne Maßnahmen der

Seite 2

Bundesregierung abzuwarten. In der Bundeshauptstadt Washington beispielsweise ist Privatpersonen
der Besitz von Schußwaffen verboten.
Diese Schritte bedeuten dem konservativen Kommentator Charles Krauthammer zufolge, daß die
Amerikaner im Hinblick auf Schußwaffen Taten
wünschen. Im Zusammenhang mit der Annahme des
Gesetzes über halbautomatische Waffen im Repräsentantenhaus wies Krauthammer darauf hin, daß
eine ähnliche Aktion vor einiger Zeit wegen 70
fehlender Stimmen scheiterte.
Dieses Mal, erklärte er, stimmten sogar überzeugte
Konservative wie der republikanische Kongreßabgeordnete aus Illinois, Henry Hyde, für diese Maßnahme. Mehrere Abgeordnete aus ländlichen Gebieten,
die aufgrund der niedrigen Verbrechensrate in ihren
Wahlkreisen eine Schußwaffenkontrolle ablehnten,
gaben jetzt angesichts des Schußwaffenproblems in
den Städten ihre Stimme für diese Maßnahme ab.
"Das ist das beginnende Ende der Waffenmanie",
stellte Krauthammer in seiner Kolumne fest.
Richard Kohn, Historiker und Experte für den Zweiten
Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung an der
University of North California, verweist darauf, daß
die Haltung der USA gegenüber Waffen im Unabhängigkeitskrieg und dem Geist der Westbewegung
verwurzelt ist. In einem Interview äußerte er: "Die
Vereinigten Staaten entstanden als eine revolutionäre
Gesellschaft, die eine übermächtige Regierung
fürchtete. Die Amerikaner hegten Mißtrauen gegenüber einer Gesellschaft, in der Waffenbesitz dem
Staat vorbehalten war."
"Der Zweite Zusatzartikel der Verfassung sollte
verhindern, daß die Zentralregierung die Macht zur
Zerstörung der Bürgerwehr der Bundesstaaten
erhält", fuhr Kohn fort. "Die Interpretation der Gerichte geht in diese Richtung, besagt jedoch nicht, daß
alle Bürger das Recht auf unkontrollierten Waffenbesitz haben", stellte er fest.
Das kulturelle Erbe des Landes ist ebenfalls ein die
Haltung gegenüber Waffen beeinflussender Faktor.
Während der Zeit der Siedler waren Waffen aufgrund
derweiten Entfernung von den Sicherheitskräften und
ihrer unregelmäßigen Verteilung im Land sowie für
die Jagd erforderlich.
Jack Greene, Historiker an der Johns Hopkins
University in Baltimore (Maryland) weist jedoch darauf
hin, daß die weitverbreitete Verfügbarkeit von Waffen
ein nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenes
Phänomen und nicht tief in der amerikanischen
Psyche verwurzelt ist.

AMERIKA DIENST 20

�In einem Interview äußerte er: "Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges waren die meisten Bürger nicht im Besitz von Waffen, obwohl sich
die Situation im 19. Jahrhundert durch die Ausdehnung des Landes nach Westen hin etwas veränderte. Der Süden hatte von jeher eine tolerantere
Haltung gegenüber dem Waffenbesitz. In den
dreißiger Jahren, als ich aufwuchs, besaßen vergleichsweise wenige Menschen Schußwaffen."
Kohn und Greene stimmen jedoch darin überein,
daß sich im stark verstädterten Amerika Ende des
*

AMERIKA DIENST 20

20. Jahrhunderts und angesichts einer im Vergleich
zu früheren Zeiten stark erhöhten Verbrechensrate
selbst die Einstellung derjenigen wandelt, die sich in
der Vergangenheit für einen einfachen Zugang zu
Waffen aussprachen - eine Entwicklung, mit der sich
Administration und Kongreß befassen.
Zusammenfassend stellte Kohn fest, daß die Amerikaner "sich große Sorgen über die Eskalation von
Waffen in unserer Gesellschaft machen und eine
Veränderung fordern".

* * * *

Seite 3

�LANDMINEN
25. Mai 1994

USA PLANEN MULTILATERALES REGIME
ZUR KONTROLLE VON LANDMINEN
Anhörung McNamaras im Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben eine "beschleunigte Überprüfung der Politik" zur
Entwicklung eines Vorschlags für ein multilaterales Regime zur Kontrolle von gegen lebende Ziele gerichteten
Landminen eingeleitet, erklärte Thomas McNamara, Stellvertretender Abteilungsleiter im Außenministerium für
politische und militärische Angelegenheiten.
Millionen bereits gelegter Landminen stellen "eine große Gefahr für die Zivilbevölkerung" dar, insbesondere
in den Entwicklungsländern, teilte McNamara dem Bewilligungsunterausschuß des Senats für auswärtige
Operationen am 13. Mai 1994 mit.
"Neben diesem tragischen, in Menschenleben zu zahlenden Preis verhindern nicht entschärfte Landminen die
Rückführung von Flüchtlingen sowie die wirtschaftliche Entwicklung und stellen eine andauernde Gefahr für
die politische Stabilität dar."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Eingangserklärung McNamaras vor dem
Unterausschuß.

*

Herr Vorsitzender, zunächst einmal möchte ich Ihnen
für die Gelegenheit danken, über die Bestrebungen
der Administration zur Lösung des Problems zu
sprechen, das unter unschuldigen Zivilisten einen
schrecklichen Tribut fordert: Der unverantwortliche
Einsatz von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen. Ich weiß, Herr Vorsitzender, daß Sie sich für
diese Sache stark engagieren. Obwohl wir bereits
in den achtziger Jahren diesbezügliche Anstrengungen unternommen haben, waren Ihr Weitblick und
Ihre Führungsqualitäten unerläßlich, um dieser
Angelegenheit die ihr zukommende Aufmerksamkeit
zu widmen. Die Administration ist ebenso engagiert
wie Sie, und wir bemühen uns energisch um eine
Beendigung dieser menschlichen Tragödie.

Unser Ansatz zur Lösung des Problems von Landminen basiert auf zwei grundlegenden Tatsachen.
Erstens der Unmittelbarkeit des Problems. Landminen fordern jede Woche Hunderte von Todesopfern.
Aus diesem Grund wollen wir dringend Lösungen
finden, die in naher Zukunft Wirkung zeitigen.
Zweitens der Komplexität des Problems. Sie führt
dazu, daß ein einziger Ansatz zu seiner Lösung nicht
ausreicht. Folglich haben wir eine umfassende,
vierteilige Strategie entwickelt, um die vielfältigen
Facetten des Problems anzusprechen. Ich möchte
unseren Ansatz vorstellen.

Es gibt mehrere Millionen noch gelegter, gegen
lebende Ziele gerichteter Landminen. Sie werden
noch jahrelang eine große Gefahr für die Zivilbevölkerung darstellen, vor allem in den Entwicklungsländern, in denen die Zivilbevölkerung besonders
verletzlich ist. Neben diesem tragischen, in Menschenleben zu zahlenden Preis verhindern nicht
entschärfte Landminen die Rückführung von Flüchtlingen sowie die wirtschaftliche Entwicklung und
stellen eine andauernde Gefahr für die politische
Stabilität dar. Somit sind Landminen in vielen

Der erste Teil umfaßt unsere Initiativen zur Entschärfung der Minen. Er richtet sich auf die Landminen, die bereits gelegt wurden und jeden Tag unschuldige Zivilisten gefährden. Wir nehmen zur Zeit
an laufenden Hilfsprogrammen zur Entschärfung von
Minen in Kambodscha, Afghanistan, Nicaragua und
Mosambik teil und unterstützen entsprechende
Bestrebungen in Eritrea, Äthiopien, Honduras und
Costa Rica. In Angola, Somalia, Ruanda und Liberia
bestehen ebenfalls bedeutende Probleme, die fortdauernden Unruhen in diesen Ländern haben aber

AMERIKA DIENST 20

Regionen der Welt ein bedeutendes Hindernis bei der
Erreichung unserer außenpolitischen Ziele.

Seite 1

�bisher eine detaillierte Planung und Umsetzung
unserer Hilfsprogramme verhindert. Wir hoffen, bis
Ende 1994 in mindestens sechs weiteren Ländern
unsere Beurteilungen darüber abgeschlossen zu
haben, wo Landminen ein ernstes Problem darstellen. Ich möchte darauf hinweisen, daß diese
Staaten zusammengenommen einen großen Prozentsatz der Länder ausmachen, die Schätzungen
über die Verbreitung von Landminen zufolge diese
Krise herbeiführten. Ich versichere Ihnen, daß wir
uns um die Lösung der schwierigsten Fälle bemühen.
Diese Aktivitäten kommen uns bei unseren Bestrebungen zu Hilfe, die örtliche Bevölkerung über den
optimalen Umgang mit Landminen bis zu ihrer
endgültigen Beseitigung zu unterrichten. Ferner
fördern sie in den betroffenen Ländern die Ausbildung in effektiven, sicheren Techniken zur Entschärfung. In diesem Zusammenhang, Herr Vorsitzender, möchte ich darauf verweisen, daß unsere
diesjährigen Leistungen auf diesem Gebiet direkt auf
Ihre Unterstützung in Form einer Zuweisung von 10
Millionen Dollar im Finanzjahr 1994 an das Verteidigungsministerium zurückzuführen sind.
Das Programm "Ausbildung der Ausbilder" soll von
Landminen geplagten Ländern die Fähigkeit zur
Lösung des Problems aus eigener Kraft vermitteln.
Angesichts moderner Technologie ist das der
kostengünstigste Weg zur Lösung des Problems und
für diese Länder die einzige Möglichkeit, die zur
Entschärfung der Minen erforderliche Zahl von
Menschen einzusetzen.
Herr Senator, ich freue mich, Ihnen heute mitteilen
zu können, daß die Vereinigten Staaten für Ende
dieses Jahres oder Anfang des kommenden die
Veranstaltung einer Konferenz möglicher Geberländer planen - ein Beweis dafür, welch große Bedeutung unsere Regierung dem Problem der Landminen
beimißt. Unseres Erachtens wird eine solche
Konferenz die Aufmerksamkeit der Welt verschärft
auf das Problem lenken und eine Vielzahl von
Staaten - und ihre zusätzlichen Ressourcen - in die
weltweiten Bestrebungen zur Beseitigung von
Landminen einbringen.
Dies ist zwar ein Anfang, reicht aber nicht aus.
Angesichts der derzeitigen Technologie und Ressourcen schätzen wir, daß es mehrere Jahrzehnte
dauern wird, alle derzeit verlegten Minen zu entsorgen. Aus diesem Grund schließen das Außen- und
das Verteidigungsministerium einen Forschungsplan
zur Entwicklung von Technologien ab, die den
betroffenen Nationen beim Aufspüren und der
Beseitigung von Landminen behilflich sind. Um

Seite 2

unsere Minenentschärfungsprogramme fortzusetzen,
haben wir für das Haushaltsjahr 1995 zusätzliche
Hilfsgelder beantragt.
Der zweite Teil unserer Gesamtstrategie besteht in
der Stärkung der Konvention über konventionelle
Waffen (Convention on Conventional Weapons CCW), insbesondere von Protokoll II, das den Einsatz
von Landminen regelt. Der Präsident hat die Konvention gestern dem Senat zur Beratung und Zustimmung zur Ratifizierung übermittelt. Dank dessen
können wir Druck auf maßgebliche Verbesserungen
des Protokolls über Landminen ausüben, damit es bei
internationalen Konflikten Anwendung findet, die
Forderung enthält, daß alle Minen einen beträchtlichen metallischen Anteil haben und bestimmte
Minen sich selbst entschärfen.
Der dritte Teil unserer Strategie ist der Appell an alle
Länder, die Landminen herstellen und/oder exportieren, Moratorien für den Transfer von Landminen zu
verhängen. Im Dezember vergangenen Jahres
verabschiedete die UN-Generalversammlung die von
Ihnen im Namen der Vereinigten Staaten vorgelegte
Resolution einstimmig, die ein Moratorium für den
Export von ein gravierendes Risiko für Zivilisten
darstellenden Landminen fordert. Wie haben ernsthafte Bestrebungen in die Wege geleitet, die betreffenden Länder zur Unterstützung der UN-Resolution
mit konkreten Maßnahmen zu veranlassen. Acht
weitere Länder haben ihrerseits bereits Moratorien
verhängt, und mehrere andere haben uns erklärt, sie
hätten Kontrollsysteme eingeführt, die Moratorien
gleichbedeutend sind. Obwohl wir der Ansicht sind,
daß noch weitere Länder Moratorien verhängen
werden, reicht dies nicht aus. Wir werden die anderen weiterhin auf eine Reaktion drängen.
Unilaterale Exportmoratorien sind eine nützliche
Maßnahme. Sie sind jedoch nur zeitlich befristet.
Wir sehen sie als Bindeglied zum vierten Teil unserer
Strategie:
Der Schaffung eines dauerhafteren
internationalen Kontrollmechanismus. Die Leichtigkeit, mit der Landminen verlegt werden können und
die damit einhergehenden außerordentlich niedrigen
Kosten gebieten zusammen mit der Schwierigkeit und
den enormen Kosten der Aufspürung und Entfernung
der Minen verstärkte Präventivmaßnahmen als hohe
Priorität unseres Gesamtansatzes. Aus diesem
Grund hat die Administration eine beschleunigte
Überprüfung der Politik eingeleitet, um den Vorschlag
für ein multilaterales Kontrollregime für gegen lebende Ziele gerichtete Landminen zu erarbeiten. Wir
überprüfen rigoros und systematisch ein breites
Spektrum von Optionen. Obwohl wir noch keine
Entscheidungen getroffen haben, ist unser Ansatz
von mehreren Grundprinzipien geleitet.

AMERIKA DIENST 20

�Erstens ist die Crux des Problems das Fehlverhalten
der Zivilisten in der Dritten Welt. Landminen sind
zur Waffe der Wahl vieler Entwicklungsländer
geworden, wo sie bei Unruhen häufig gegen Zivilisten eingesetzt werden.
Zweitens müssen wir eine Reihe von Faktoren
abwägen, um ein Regime zu erzielen, das tatsächlich Leben und Gliedmaßen rettet. Zweifelsohne
wollen wir keine Gefahren hinterlassen, die eine
andauernde Bedrohung für Zivilisten darstellen,
wenn die Kampfhandlungen eingestellt wurden.
Gleichzeitig würde es keinen Sinn ergeben, eine
Lösung zum Landminenproblem zu verfolgen, die
das Risiko für unsere Männer und Frauen in Uniform
erhöht. Zur Zeit müssen sie auf Landminen als
Schutz und zur Verwirklichung der nationalen
Sicherheitsziele in unterschiedlichen Kampfsituationen zurückgreifen, wie etwa der entmilitarisierten
Zone zwischen Nord- und Südkorea.
Drittens könnten einige wünschenswerte Aspekte
des Regimes nicht verhandelbar sein. Da ein
Großteil des Problems aus dem unverantwortlichen
Einsatz der Minen durch diejenigen herrührt, die
keine Rücksicht auf die Sicherheit der Nichtkombattanten nehmen, wollen wir den Ländern, deren
Verhalten wir einzudämmen versuchen, keine
Entschuldigung geben, dem Regime nicht beizutreten. Wir wollen auch einen Verhandlungsprozeß
verhindern, der Jahre benötigt, um Ergebnisse
hervorzubringen. Je länger die Erlangung eines
Abkommens dauert, das etwas bewirkt, desto mehr
unschuldige Zivilisten werden leiden.
Wir wollen, daß unsere Vorschläge von praktischen
Gesichtspunkten geleitet sind. Dies ist der klassische Fall, bei dem das Beste der Feind des Guten
sein könnte. Wir sollten nicht von Anfang an die
Schaffung eines Regimes erwarten, das nicht mit der

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AMERIKA DIENST 20

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Zeit zu Verbesserungen und Verfeinerungen fähig ist.
Von höchster Bedeutung ist jetzt, das Regime zu
formulieren und umzusetzen. In diesem Zusammenhang sind unsere Erfahrungen mit dem Raketentechnologie-Kontrollregime (Missile Technology
Control Regime - MTCR) nützlich. Die heute durchgeführten Kontrollen sind sehr viel schärfer als bei
der Einführung des MTCR.
Mit anderen Worten, ein internationales Kontrollregime kann unseres Erachtens bei der Milderung
des durch Landminen verursachten menschlichen
Leidens äußerst nützlich sein. Die Administration hat
sich der Erlangung des erforderlichen internationalen
Konsenses in möglichst kurzer Zeit verschrieben. Wir
legen bereits den Grundstock bei unseren Gesprächen mit den wichtigsten Ländern.
Abschließend möchte ich feststellen, daß seit Beginn
dieser Anhörung aufgrund von Landminen zwei
weitere Opfer zu beklagen waren. Dies unterstreicht
nicht nur den Ernst des Problems, sondern auch
seine Dringlichkeit. Ich möchte das Engagement der
Administration zur Bewältigung dieses Problems in
einem Zeitrahmen unterstreichen, der für die Millionen von Bedeutung ist, die jeden Tag mit diesem
Problem leben und sterben.
Herr Vorsitzender, in diesem Zusammenhang möchte
ich die von Ihnen in den vergangenen fünf Jahren
übernommene Führungsrolle bei der Schaffung und
Finanzierung des Fonds für Kriegsopfer würdigen.
Dieser zur Unterstützung von zivilen Opfern von
Konflikten - vornehmlich Opfern von Landminen verwendete Fonds hat in Afrika, Asien und Lateinamerika viel Gutes getan. In gewisser Weise könnte
er als fünfter Teil einer umfassenden amerikanischen
Strategie zur Reaktion auf diese menschliche Tragödie bezeichnet werden, die durch den willkürlichen
Einsatz von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen verursacht wurde.

*

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Seite 3

�USI A
25. Mai 1994

FULTON WIRD DIREKTOR DES NEUEN
INFORMATIONSBÜROS IM US-INFORMATIONSAMT
Ankündigung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Das Pressebüro des Weißen Hauses gab ab 19. Mai 1994 die Ernennung von Barry
Fulton zum Direktor des neuen Informationsbüros im US-Informationsamt (United States Information Agency USIA) durch Präsident Clinton bekannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Ankündigung.

Der Präsident gab heute seine Absicht bekannt,
Barry Fulton zum Direktor des neuen Informationsbüros im US-Informationsamt zu ernennen.

Fulton ist seit 1968 im Auswärtigen Dienst des USInformationsamts tätig und hat den Rang GesandterBotschaftsrat. Seit Dezember 1991 war er Stellvertretender Direktor des Büros für Bildung und Kultur

"Ich freue mich, Barry Fulton zum ersten Direktor
dieses neuen Büros ernennen zu können", äußerte
der Präsident. "Er wirkte entscheidend an der
Entwicklung des neuen Informationsbüros mit und
verfügt über ausgezeichnete Qualifikationen, um in
einer sich wandelnden Welt neue Wege für die
Informationsprogramme von USIA zu weisen."

und seit August 1992 sein amtierender Direktor. Zu

Fulton wird für die Leitung und Verwaltung des
neuen Informationsbüros verantwortlich sein, das
verschiedene, bereits bestehende Elemente des
Büros für Politik und Programme sowie des Büros
für Bildung und Kultur miteinander verbindet. Das
Informationsbüro verbreitet Informationen über die
Vereinigten Staaten - ihre Bürger, Institutionen,
Werte und Regierung.

seinen Posten in Übersee zählen Islamabad und
Karatschi, Tokio, Rom und Brüssel. Seine letzte
Position im Ausland war die eines Beraters für
Öffentlichkeitsarbeit in der NATO-Mission der Vereinigten Staaten. Davor war er als Chef für Ressourcen und Operationsanalysen sowie als Personalchef der Angehörigen des Auswärtigen Dienstes
für USIA in Washington tätig.
Fulton unterrichtete zeitweise an der American
University, der Pennsylvania State University, der
University of Illinois, der University of Maryland und
dem San Antonio College. Vor Aufnahme seiner
Tätigkeit für USIA war er Direktor der Rundfunk- und
Fernsehanstalt für die in der Türkei stationierten
amerikanischen Streitkräfte. Fulton erwarb an der
Pennsylvania State University den Grad eines Bachelor of Science sowie eines Master of Arts und promovierte an der University of Illinois.

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AMERIKA DIENST 20

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�JACQUELINE

KENNEDY

ONASSIS
25. Mai 1994

ZUM TODE DER PRÄSIDENTENWITWE
Ein Porträt
WASHINGTON - (AD) - Wir wußten, daß selbst
Jacqueline Kennedy Onassis eines Tages alt werden
und wie wir alle aus diesem Leben scheiden würde.
Aber in unserem Herzen weigerten wir uns, es zu
glauben.
Für eine ganze Generation, die John Kennedys
Camelot - Jackie, wie sie Millionen bekannt war nicht vergessen können und wollen, wird sie für
immer jung und ein ewiges Symbol einer besonderen Zeit im Leben dieser Nation sein, als alles
möglich schien und die Hoffnung grenzenlos war.
Für diejenigen unter uns, die die Kennedy-Jahre
miterlebten, brachte die Nachricht von ihrem Tod am
19. Mai 1994 alle Erinnerungen zurück - Jackie mit
ihrer Familie und Freunden beim Segeln vor Cape
Cod und beim Tennis in Hyannis Port, ihre blendenden Auftritte im Weißen Haus bei Staatsempfängen,
ihre stille Würde am Arlington National Cemetery mit
John Jr. und Caroline an ihrer Seite, als die Nation
ihrem jüngsten Präsidenten Lebewohl sagte.
Das Fernsehen wurde während der Kennedy-Präsidentschaft populär. Zum ersten Mal in der Geschichte sah die Nation das Präsidentenpaar aus der
Nähe - sowohl bei offiziellen als auch inoffiziellen
Anlässen - für alle Zeiten festgehalten, zumeist auf
körnigem Schwarzweißfilm. Dies macht die Erinnerung unweigerlich noch lebhafter - die Ereignisse
scheinen soviel realistischer.
Aber das Gefühl des Verlusts bei der Nachricht vom
Tode dieser bemerkenswerten Frau ging noch tiefer.
Die Anziehungskraft von Jacqueline Kennedy
Onassis und John Kennedy war sehr viel stärker als
die Schaffung eines Images durch die Macht des
Fernsehens, ging weit über Zauber und Stil hinaus,
war im wesentlichen losgelöst von unserer Trauer
bei der Tragödie einer Amtszeit, die durch einen
Mord frühzeitig beendet wurde.
Jacqueline Kennedy Onassis und John Kennedy
schienen etwas im tiefstem Inneren von uns allen
anzurühren - Amerikanern und Nichtamerikanern
gleichermaßen. Sie stellten einen Bruch mit dem

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Bedauern der Vergangenheit dar, sie schienen die
Unruhe und Rastlosigkeit einer Nachkriegsgeneration
zu verkörpern, die nach der tieferen Bedeutung des
Lebens und höherer Leistung in der Staatskunst
strebte. Sie steckten ihre Ziele so hoch. Die Enttäuschungen, die sie im privaten wie im öffentlichen
Bereich erlitten, schienen die von uns allen gefühlte
Frustration widerzuspiegeln, wenn wir unsere Fähigkeiten erweitern und unsere Besorgnis vertiefen.
Niemand war sich ihrer Anziehungskraft besser
bewußt als John Kennedy. Überall auf der Welt
wollten die Menschen etwas über Jackie und John
wissen. Bei einem Staatsbesuch in Frankreich sagte
der Präsident geistreich: "Ich bin der Mann, der
Jacqueline Kennedy nach Paris begleitet hat." Aber
auch Jackie besaß Humor, wenn auch etwas tiefgründiger. Auf die Frage, welche Art von Musik ihr
Mann gerne hörte, erwiderte sie: "Spielen Sie nur
immer wieder 'Hail to the Chief."
Sie war eine leidenschaftliche Anhängerin der Kunst
und des Denkmalschutzes. Das Weiße Haus veränderte sein Gesicht nach ihrem Einzug, und Washington wurde eine andere Stadt. Bald waren
Dichter wie Carl Sandburg und Komponisten wie Igor
Strawinsky ebenso willkommen wie die herausragendsten ausländischen Staatsoberhäupter und die
wichtigsten Kongreßabgeordneten. Die Amerikaner
gewannen nicht nur durch ihre Regierung, sondern
auch durch das Engagement ihrer Nation für Kultur
an Stolz.
Obwohl unsere Erinnerung an sie immer mit den drei
unglaublichen Jahren verbunden sein wird, in denen
sie die First Lady war, blieb Jacqueline Kennedy
Onassis auch in den Jahren nach Dallas in unserem
Gedächtnis haften. Die Öffentlichkeit war in gewisser
Weise enttäuscht, als sie 1968 den griechischen
Schiffsmagnaten Aristoteles Onassis heiratete, zeigte
jedoch auch Verständnis, daß diese Frau viel durchlitten hatte und ihren eigenen persönlichen Frieden
suchte.
Als sie Mitte der siebziger Jahre in die Vereinigten
Staaten zurückkehrte, wurde sie Lektorin bei einem

Seite 1

�Verlag und zog sich in New York in das Leben einer
Berufstätigen und Mutter zurück. Ihre Aufopferung
für ihre Kinder - und deren Privatsphäre - war legendär. Sie sagte einmal: "Wenn man die Erziehung
seiner Kinder verpfuscht, zählt alles andere, was
man tut, nicht mehr viel." Ein Freund stellte fest:
"Ihre Kinder waren immer der Mittelpunkt ihrer Welt."
In den Jahren nach Washington äußerte sie sich
selten in der Öffentlichkeit. Sie behielt ihre Gefühle
für die Menschen und Ereignisse in ihrem Leben für
sich und vertraute sich vielleicht ein paar engen
Freunden an. Wir wissen wenig von ihrem persönlichen Leid oder der Grundlage ihrer inneren Stärke.
Im Januar wurde bei Jacqueline Kennedy Onassis
Krebs diagnostiziert. In den vergangen Wochen
wurde die Prognose düster. Einen letzten Blick von
ihr erheischten wir am vergangenen Wochenende,

*

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als sie zum letzten Mal durch ihren geliebten Central
Park spazierte. Als sie in der vergangenen Nacht
verstarb, waren ihre beiden Kinder bei ihr. Draußen
fiel ein leichter Regen als sich die Menschen versammelten, um ihr die letzte Ehre zu erweisen.
Ihr Schwager, Senator Edward Kennedy, sagte:
"Jackie war 40 wundervolle und unvergeßliche Jahre
lang ein Teil unserer Familie und unseres Lebens,
und sie wird uns nie verlassen."
Ohne Zweifel kann man hinzufügen, daß sie auch
stets in der Erinnerung unserer Nation lebendig sein
wird. Amerika trauert nicht nur um eine starke und
mutige Frau, sondern auch um ein lebenswichtiges
Bindeglied zur Vergangenheit, das niemals verloren
sein wird. Henry Allen von der Washington Post
schrieb: "Sie war still. Sie war schön. Sie war
unser, und sie war wir."

* * *

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�FUSSBALL
25. Mai 1994

DIE AUSTRAGUNGSORTE DES WORLD CUP 1994
Neun amerikanische Städte im Porträt (II)
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend setzen wir die Porträts der Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft 1994 mit den Städten New York/New Jersey, Orlando, San Francisco und Washington fort.

NEW

YORK/NEW

JERSEY

New York City, auch "Big Apple" genannt, ist als
Veranstaltungsort für Spiele der Fußballweltmeisterschaft geradezu prädestiniert. Schließlich war es
hier, wo die berühmteste Mannschaft der Vereinigten
Staaten, Cosmos, hochklassigen Profifußball in den
Vereinigten Staaten salonfähig machte und bei der
amerikanischen Jugend das Interesse für diesen
Sport weckte.
Die Weltmeisterschaftsspiele werden im 76.000
Sitzplätze bietenden Giants Stadium in East Rutherford (New Jersey), rund 15 Kilometer westlich
von Mannhattan stattfinden. Das Stadion ist die
Heimat von zwei American Football-Profiteams, den
Giants und den Jets, und gehört zu einem riesigen
Sportkomplex, in dem auch die New Jersey Devils
(Eishockey) und die New Jersey Nets (Basketball)
ihre Heimspiele absolvieren.
Das Gebiet von New York City wurde Anfang des
17. Jahrhunderts zunächst von Holländern besiedelt.
Der Legende nach erwarben holländische Kaufleute
Mannhattan im Jahr 1624 von dem örtlichen Indianerstamm für Tand im Wert von 24 Dollar. Ob
zutreffend oder nicht, seither wird auf der Insel mit
Geld, Land oder wertlosem Plunder gehandelt.
Als England das Gebiet 1664 in Besitz nahm, war
New York bereits ein pulsierender Handelshafen.
Heute ist es das Finanzzentrum und die größte Stadt
der Vereinigten Staaten. Die Bevölkerungszahl von
New York/New Jersey mit ihren Vororten erreicht 18
Millionen.
Aufgrund von Größe, Einfluß und Geschichte besitzt
New York in der Psyche Amerikas einen einzigartigen Stellenwert. Keine andere Stadt kann es an
Vielfalt, Kulturleben, Wohlstand oder Schamlosigkeit
mit ihr aufnehmen. Nirgends sonst stößt man auf
soviele Widersprüche, eine solch einmalig gemischte

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Gesellschaft, soviel Humor, Hybris und Egozentrik.
Es wird als ehernes Gesetz hingenommen, was
Frank Sinatra in seinem berühmten Lied über New
York zum Ausdruck brachte, als er sang: "If I can
make it there, I can make it anywhere. It's up to you.
New York, New York."
New York ist zu Recht stolz auf seine großen Kulturinstitutionen: Der Broadway - das bedeutendste
Theaterviertel des Landes -, das Metropolitan Museum of Art, das Museum of Modern Art, das Natural
History Museum, die Carnegie Hall, das Lincoln
Center for the Performing Arts und viele andere
exzellente Museen, Theater und Galerien.
New York ist darüber hinaus eine Stadt der Parks
und charakteristischen Stadtviertel. Der 340 Hektar
große Central Park trennt die Upper East von der
Upper West Side Manhattans.
Er beherbergt
Sportplätze, angelegte Gärten, einen See, Spielplätze, einen Zoo, Waldwege, ein Karussel und eine
Schiittschubahn. Die Freiheitsstatue, ein Geschenk
des französischen Volkes zur Erinnerung an die
Erringung der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten, ist ebenso wie Ellis Island, das für viele Einwanderer zum Tor nach Amerika wurde, nach einer
kurzen Fahrt mit der Fähre zu erreichen.
Wer Manhattan erforschen möchte, sollte vielleicht
Greenwich Village ins Auge fassen, ein Viertel mit
interessanten Geschäften und Cafös, in dem die
Beat-Generation ihre Blütezeit erlebte und wo Jazz-,
Dichter- und Schachclubs auch heute noch ihr
Publikum finden. Soho ist eine schicke und arrivierte
Künstlergemeinde, die Radio City Music Hall ist
berühmt wegen ihrer Live-Shows mit den langbeinigen Rockettes. Einen Besuch wert sind auch Chinatown und das benachbarte Little Italy, Viertel, die für
ihr besonderes Ambiente und die zahlreichen Restaurants bekannt sind. Am nördlichen Ende des Central
Park liegt Hartem, das berühmteste afroamerikani-

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�sehe Stadtviertel der Vereinigten Staaten und Zentrum schwarzen Wirtschafts- und Kulturlebens.
Die Metropole New York erstreckt sich bis weit nach
New Jersey hinein, das wiederum seinen eigenen
Charakter besitzt. Sein Rückgrat bilden eine Reihe
von ethnisch gemischten Industriestädten. Es ist
vielleicht kein Zufall, daß eine dieser Städte, Kearny,
die Heimat von drei der besten Spieler im amerikanischen Fußballteam ist: Torwart Tony Meola und der
Mittelfeldspieler John Harkes und Tab Ramos.
New Jersey ist auch für seine Seebäder bekannt.
Praktisch die gesamte Küste besteht aus Sandstränden, von denen jeder ein etwas anderes Publikum anzieht. Etwa zwei Drittel des Weges an der
Küste entlang liegt Atlantic City, die glitzernde Metropole des Glücksspiels, die lediglich von Las Vegas
übertroffen wird.
Weitere Informationen können angefordert werden
bei: New York Convention and Visitor's Bureau, 2
Columbus Circle, New York, New York, 10019;
Telefon: 212-484-1244.
ORLANDO
Es ist historisch überliefert, daß der spanische
Forschungsreisende Ponce de Leon, der 1513 als
erster Europäer Florida erkundete, einen sagenhaften "Jungbrunnen" zu finden hoffte. Heute
strömen Jahr für Jahr Millionen Besucher auf der
Suche nach anderen Phantasiegebilden in den
Staat, und keine andere Stadt wird dabei mehr
frequentiert als Orlando, der Standort des berühmtesten Vergnügungsparks der Welt - Walt Disney
World.
Orlando liegt etwa 170 Kilometer östlich des Golfs
von Mexiko, 90 Kilometer westlich vom Kennedy
Space Center und Cape Canaveral, wo die NASA
ihre Raumfähren startet, und 380 Kilometer nördlich
von Miami, Floridas größter Stadt.
Obwohl die Vereinigten Staaten bereits 1821 die
Kontrolle über Florida erlangten, dauerte es noch 20
weitere Jahre, bis Siedler zu dem ursprünglich
Jernigan genannten Ort vordrangen. Im Jahr 1857
wurde die Stadt zu Ehren des Soldaten Orlando
Reeves umbenannt, der in den Kriegen gegen den
Indianerstamm der Seminolen gefallen war. Bis
1880 war die Eisenbahnlinie der South Florida
Railroad über Orlando nach Tampa an Floridas
Westküste vorgedrungen.
Als die Bundesregierung in den fünfziger Jahren
ihren Raumfahrtkomplex in Cape Canaveral grün-

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dete, war Orlando immer noch eine schläfrige, von
Orangen- und Grapefruitplantagen umgebene Stadt.
Das veränderte sich schlagartig, als die Walt Disney
Company 1971 einen Themenpark dort eröffnete.
Orlando ist heute eine der am schnellsten wachsenden Städte in den Vereinigten Staaten. Mit
Vororten zählt Orlando über eine Million Einwohner,
und allein im Jahr 1992 kamen über 15 Millionen
Besucher dorthin. Obwohl der Tourismus der
Haupterwerbszweig der Region ist, haben auch
Unternehmen wie der Rüstungskonzern Martin
Marietta, der amerikanische Automobilclub American
Automobile Association, AT&amp;T, Westinghouse und
Alfa Romeo dort ihren Sitz. Darüber hinaus ist
Orlando nach wie vor das Zentrum für Anbau und
Verarbeitung von Zitrusfrüchten in Mittelflorida.
Neben dem 11.300 Hektar großen Vergnügungspark
von Walt Disney World befinden sich im Raum von
Orlando noch der Themenpark der Universal Studios,
die Sea World of Florida, mehrere Wassersportparks,
der Einkaufs- und Unterhaltungskomplex Church
Street Station sowie Gatorland, die größte Alligatorenfarm Floridas. Orlando bietet darüber hinaus ein
Symphonieorchester, Oper- und Ballettruppen,
Kunstgalerien und Museen. In den zahlreichen
botanischen Gärten blühen das ganze Jahr über
Blumen und tropische Pflanzen.
Weniger als einen Kilometer vom Stadtzentrum
entfernt befindet sich das 70.000 Sitzplätze bietende
Citrus-Bowl-Stadion, in dem Spiele der Fußballweltmeisterschaft ausgetragen werden. Obwohl
Orlando im internationalen Fußball noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt ist, hat die Stadt in der
Vergangenheit bereits amerikanische Collegefußballspiele ausgerichtet, und ein nationales Trainingszentrum für amerikanische Nationalmannschaften befindet sich im nahegelegenen Seminole
County.
Orlando ist die Heimat des Profibasketballteams
"Magic". An weiteren Sportarten sind unter anderem
Angeln, Bootssport, Tennis und sogar Eishockey
vertreten.
Sollte ein Besucher auf die Idee kommen, es gebe in
Orlando immer noch zuwenig Abwechslung, so findet
er eine Autostunde entfernt Silver Springs, das
berühmt ist für seine Fahrten mit dem Glasbodenboot
und "Dschungel"-kreuzfahrten, Weeki Wachee, wo
"echte" Meerjungfrauen Unterwassershows vorführen
oder das Kennedy Space Center mit seinem Raumfahrtmuseum.
Weitere Informationen über Orlando sind erhältlich
bei: Orlando/Orange County Convention &amp; Visitors

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�Bureau, Inc., 7208 Sand Lake Road, Suite 300,
Orlando, Florida 32819; Telefon: 407-363-5800;
Telefax: 407-363-5899; Telex: 4977247.

SAN

San Francisco ist überraschend kompakt. Viele
seiner Hauptattraktionen befinden sich nur einen
Spaziergang voneinander entfernt. Das preisgünstige
und bequeme öffentliche Nahverkehrsnetz umfaßt
Cable Cars, Busse und Straßenbahnen.

FRANCISCO

"I left my heart in San Francisco", schmachtet der
Sänger Tony Bennett in einer bekannten Ode an
diese Stadt an der Bucht. Jeder, der San Francisco
schon einmal besucht hat, kann nachfühlen, warum.
Auf einer vom Pazifik und der San Francisco Bay
umspülten Halbinsel gelegen, nimmt die Stadt einen
der lanschafllich malerischsten Plätze des ganzen
Landes ein.
Die berühmteste Attraktion der Stadt ist die Golden
Gate Bridge, von wo man beobachten kann, wie der
Nebel vom Pazifik in die San Francisco Bay hineinströmt. Fast ebenso berühmt sind die Cable Cars,
die die steilen Hügel von San Francisco herauf- und
hinunterfahren. Aufgrund der kühlen Sommer und
milden Winter blühen das ganze Jahr über Blumen.
Gärten - von traditionellen englischen bis zu strengen japanischen - sind überall anzutreffen.
Seit Jahren besitzt San Francisco mit den "FortyNiners" - so benannt nach dem Jahr 1849, als durch
den Goldrausch angezogene Siedler nach San
Francisco kamen - eine der besten Profi-Footballmannschaften der USA. Darüber hinaus ist die
Stadt Heimat des Baseballteams der Giants und der
Basketballmannschaft Golden State Warriors. Im
nahegelegenen Oakland ist ein weiteres Baseballteam, die Athletics, vertreten; im südlich nahe dem
Silicon Valley (dem Zentrum der amerikanischen
Computerindustrie) gelegenen San Jose spielt die
Profi-Eishockeymannschaft der Sharks.

Der zum Gedenken an Mitglieder der freiwilligen
Feuerwehr des 19. Jahrhunderts errichtete 64 Meter
hohe Coit Memorial Tower auf dem Telegraph Hill
bietet den besten Überblick über die verschiedenen
Stadtviertel. Zu den meistbesuchten Orten gehört
Fisherman's Wharf, wo Fischerboote vor den zahlreichen Restaurants festmachen, die ihre Spezialitäten
aus der Überfülle des Pazifiks beziehen. Von dort
kann man sich zur Insel Alcatraz übersetzen lassen
und das berühmte - und ausbruchssichere - ehemalige Bundesgefängnis besuchen, wo einst Gangster
wie AI Capone und "Machine Gun" Kelly einsaßen.
In der Nähe der Whart befinden sich die Cannery und
der Ghirardelli Square, beides pittoreske Komplexe
mit Galerien, Geschäften und Restaurants, die in
einer alten Obstpackerei bzw. einer ehemaligen
Schokoladenfabrik untergebracht sind.
Die berühmteste Grünanlage San Franciscos ist der
Golden Gate Park, ein bewaldetes Gelände mit Seen,
Gärten und malerischen Fahrwegen, der sich vom
Pazifik sechs Kilometer landeinwärts erstreckt. Der
Park, in dem seit den sechziger Jahren viele Rockkonzerte stattfanden, bietet ferner ein Kunstmuseum,
Aquarium, Planetarium, Promenadenkonzerte und
einen japanischen Teegarten. Der Presidio, ein
ehemaliges Militärgelände und heute ein hoch über
dem Ozean nahe der Golden Gate Bridge gelegener
Park, eröffnet auf malerischen Nebenstraßen Aussichten auf den Ozean und die Bucht.

Der Fußball besitzt in der Region, wie in ganz
Kalifornien, eine starke Anhängerschaft. Die Weltmeisterschaftsspiele werden an der Stanford University im 40 Kilometer südlich gelegenen Palo Alto
stattfinden.

San Francisco ist seit langem das Finanz-, Wirtschafts- und Kulturzentrum Nordkaliforniens. Die
darstellenden Künste werden angeführt vom Symphonieorchester der Stadt und einer Oper von
Weltformat.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche
Theater und eine sehr aktive Musikszene.

San Francisco wurde 1776 von den Spaniern
gegründet. Bekannt wurde die Stadt jedoch, als
1848 in der Nähe Gold gefunden wurde. Schiffe
voller Abenteurer aus jedem Winkel der Welt gaben
der Ansiedlung bereits in ihrer Frühzeit ein kosmopolitisches Flair, das sie nie mehr verlor. Chinesen,
Italiener, Russen, Japaner, Mexikaner - sie alle
tragen ihren Teil zu dem Völkergemisch dieser Stadt
bei. Das bekannteste Stadtviertel ist heute Chinatown, die größte Konzentration von chinesischen
Geschäften, Restaurants, Märkten, Wohnhäusern
und Tempeln außerhalb Asiens.

Bei Ausflügen in den Norden der Stadt sollte man
Sausalito oder Tiberon besuchen, die sich durch ihre
Geschäfte und Restaurants sowie die Aussicht auf
die Bucht auszeichnen. Ebenso zu empfehlen sind
eine Wanderung durch die 220 Hektar großen Muir
Woods mit ihren beeindruckenden riesigen Mammutbäumen oder ein Besuch bei einigen der über 200
Weingüter zwischen den sanften Hügeln der Täler
von Napa und Sonoma, wo einige der besten Weine
des Landes gekeltert werden. Eine der malerischsten
Fahrten in Amerika führt von San Francisco am
Pazifik entlang nach Süden, nach Monterey Bay,

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�Pebble Beach, Carmel und Big Sur - hoch auf den
Cliffs über dem Pazifik gelegen.
Die Region von San Francisco ist darüber hinaus
stolz auf ihre akademische Tradition mit nahegelegenen Universitäten wie Stanford und der University
of California at Berkeley, die zu den führenden der
USA gehören.
Weitere Informationen über San Francisco können
vom San Francisco Convention &amp; Visitors Bureau,
Visitor Information Center, P.O. Box 429097, San
Francisco, CA 94142-9097, Telefon: 415-391-2000,
angefordert werden.
WASHINGTON
Spiele der Fußballweltmeisterschaft '94 werden auch
in der Bundeshauptstadt Washington, D.C., ausgetragen, dem politischen Zentrum der Vereinigten
Staaten - und Schwerpunkt des Fußballsports in den
USA.
Jahr für Jahr kommen Millionen Besucher aus der
ganzen Welt, um Washington zu sehen, insbesondere die Gebäude an beiden Enden der Pennsylvania Avenue: das US-Kapitol, in dem der Kongreß
zusammentritt, und das Weiße Haus, Residenz und
Arbeitsort des Präsidenten. Als einzige Stadt der
USA, die nicht einem der 50 Bundesstaaten angehört, wurde Washington 1790 aus Teilen der Staaten
Maryland und Virginia gebildet, um als Bundeshauptstadt der neuen Republik der Vereinigten Staaten zu
dienen. Washington ist jedoch mehr als der Sitz der
Regierung. Die Stadt und ihr Einzugsgebiet sind
eine der am schnellsten wachsenden Regionen des
Landes. Die Stadt an sich hat rund 600.000 Einwohner, während die Bevölkerung der Hauptstadtregion insgesamt etwa 3,9 Millionen beträgt.
Washington ist eine Stadt berühmter Museen, von
denen viele entlang der National Mall liegen, einem
Parkstreifen, der sich vom Kapitol über das Washington Monument bis über das Lincoln Memorial
hinaus erstreckt. An der Mall liegen das Nationale
Museum für Luft- und Raumfahrt (National Air and
Space Museum), das Naturkundemuseum (Museum
of Natural History), das Museum für amerikanische
Geschichte (Museum of American History), die
Arthur M. Sackler Gallery (asiatische Kunst), das
Museum für afrikanische Kunst (Museum of African
Art), das Nationalarchiv (in dem die Unabhängigkeitserklärung und die amerikanische Verfassung
aufbewahrt werden) sowie die Nationale Kunstgalerie (National Gallery of Art).

Seite 4

Eines der größten Feste, die auf der Mall veranstaltet
werden, ist das jährlich stattfindende Festival of
American Folklife, das diesmal am 24. Juni 1994
eröffnet wird. Als Teil des Festivals ist während der
Fußballweltmeisterschaft eine World Cup Night
geplant, mit amerikanischer Musik, Kunsthandwerk,
Spezialitäten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und anderen kulturellen Veranstaltungen.
Washington hat ebenfalls zahlreiche charakteristische
Stadtviertel. Im Norden liegen das Geschäftsviertel
und Adams-Morgan, ein Bezirk mit einem bunten
Völkergemisch, zahlreichen Restaurants und Nachtclubs, die vor allem Studenten und Akademiker
anziehen. Das Viertel geht nach und nach in eine
Reihe von Bezirken mit vornehmlich afroamerikanischer Bevölkerung über, in die sich um das Gelände
der Howard University gruppieren, eine der renommiertesten Universitäten für Schwarze in den Vereinigten Staaten.
Weiter im Westen teilen sich die Kanzleien diplomatischer Vertretungen die Massachusetts Avenue
mit den Büros wichtiger Wirtschaftsverbände und
berufsständischer Organisationen. In einem etwas
abgelegenen Winkel der Stadt befindet sich
Georgetown, das im 18. Jahrhundert ursprünglich ein
Hafen am Potomac-Fluß war. Heute ist dieses Viertel
ein Zentrum des Nachtlebens und der Gastronomie,
und in seinen Nebenstraßen sind viele historische
Gebäude erhalten geblieben.
Washingtons erste Kontakte mit dem Fußball ergaben
sich durch Botschaftsmannschaften, die zu Beginn
des Jahrhunderts das Spiel dort einführten. Heute ist
Fußball in der ganzen Region ein Sport für Angehörige aller Schichten; zur amerikanischen Nationalmannschaft gehören eine Reihe von Spielern aus Vororten
Washingtons oder von nahegelegenen Universitäten.
Die Weltcupspiele werden im 56.500 Sitzplätze
fassenden Robert F. Kennedy-Stadion ausgetragen,
das etwa 20 Häuserblocks vom US-Kapitol entfernt
liegt. Im RFK wurde bereits früher Fußball gespielt:
zu Zeiten der North American Soccer League war
das Stadion die Heimat der Washington Diplomats,
für die kurzzeitig auch der holländische Fußballstar
Johan Cruyff spielte. In den letzten Jahren wurden
auch mehrere Spiele der Nationalmannschaft und im
Rahmen des US-Cups dort ausgetragen.
Am bekanntesten ist das RFK jedoch wegen der
Washington Redskins, der Footballmannschaft, die in
der ganzen Region viele leidenschaftliche Anhänger
hat. Darüber hinaus hat die Stadt Profimannschaften
im Basketball und Eishockey aufzuweisen. Für
Baseballfans liegt das wunderschöne neue Camden-

AMERIKA DIENST 20

�Yards-Stadion der Baltimore Orioles weniger als eine
Autostunde entfernt.
In Zusammenhang mit den Wettmeisterschaftsspielen wird die Stadt Washington 1994 eine Reihe von
Veranstaltungen durchführen, darunter eine von der
Corcoran Gallery ausgerichtete Kunstausstellung
sowie Ausstellungen mit Gemälden und Photographien von Künstlern aus allen 24 Teilnehmerstaaten.
Das 1994 Gospel Project plant einen Wettmeisterschaftsabend als Teil des zweimonatigen Festivals
der Gospelmusik, und bei einer Weltcup-Modenschau wird je ein Modeschöpfer aus allen 24 Teilnehmerstaaten vorgestellt. Schließlich wird die
französische Botschaft am Abend des 14. Juli, dem
französischen Nationalfeiertag, eine Feier veranstalten, um die Weltmeisterschaft 1994 ausklingen zu
lassen und die Wettmeisterschaft 1998 anzukündigen, die in Frankreich stattfinden wird.
In Washington befinden sich darüber hinaus das
John F. Kennedy Center for the Performing Arts, in

*

AMERIKA DIENST 20

*

dem die National Symphony und Solisten aus der
ganzen Welt auftreten, sechs Universitäten und
Colleges, 43 öffentliche Bibliotheken und die Library
of Congress sowie zahllose Restaurants und Cates,
in denen amerikanische Gerichte und Spezialitäten
aus aller Herren Länder geboten werden.
Für eine Großstadt ist Washington mit großen
Grünflächen gesegnet, von denen die bedeutendsten
am Potomac-Fluß und am Rock Creek liegen.
Tretboote schwimmen auf dem Tidal Basin am
Jefferson Memorial, während am anderen Ufer des
Potomacs in Virginia der Nationalfriedhof von Arlington liegt, auf dem Präsident John F. Kennedy
beigesetzt ist.
Weitere Informationen sind erhältlich bei: Washington, D.C. Convention and Visitors Association, 1212
New York Avenue, N.W., Washington, D.C. 20005,
oder beim International Visitors Information Service,
733 15th Street, N.W., Suite 300, Washington, D.C.
20005; Telefon: 202-789-7000.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton unterstreicht Bedeutung des Handels für amerikanische Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Naher Osten für USA weiterhin von vitalem Interesse&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Anthony Lake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Waffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA ändern Haltung gegenüber Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikaner für strengere Waffenkontrollen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Landminen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA planen multilaterales Regime zur Kontrolle von &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Landminen Anhörung McNamaras im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. USIA&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Fulton wird Direktor des neuen Informationsbüros im US-Informationsamt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ankündigung des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Jaqueline Kennedy Onassis&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Zum Tode der Präsidentenwitwe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Porträt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Fußball&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Austragungsorte des World Cup 1994&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neun amerikanische Städte im Porträt (II)&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

19

18. Mai 1994

FRIEDENSOPERATIONEN

POLITIK DER CLINTON-ADMINISTRATION ZUR
REFORM VON FRIEDENSOPERATIONEN
Bericht der US-Regierung

RASSENDISKRIMINIERUNG

SENAT SOLL KONVENTION ÜBER RASSENDISKRIMINIERUNG UNTERSTÜTZEN
Ansprache von John Shattuck

VERBRECHENSBEKÄMPFUNG

NACHRICHTENDIENSTE
UND
VERFOLGUNG
Rede von CIA-Direktor Woolsey

TERRORISMUS

TERRORISMUS WEITERHIN
GLOBALES
PROBLEM
Jahresbericht des Außenministeriums

PORTRÄT

DESIGNIERTER OBERSTER RICHTER IST
PRAGMATISCHER
ARCHITEKT
DES
KONSENSES
Porträt von Stephen Breyer

UMWELT

UMWELTVERTRÄGLICHE ENTWICKLUNG
EINE ILLUSION
von Thomas J. DiLorenzo

FUSSBALL

DIE AUSTRAGUNGSORTE DES
WORLD CUP 1994
Neun amerikanische Städte im Porträt (I)

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

STRAF-

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�FRIEDENSOPERATIONEN
18. Mal 1994

POLITIK DER CLINTON-ADMINISTRATION ZUR
REFORM VON FRIEDENSOPERATIONEN
Bericht der US-Regierung
WASHINGTON - (AD) - Am 5. Mai 1994 gab die US-Regierung den Bericht Die Politik der ClintonAdministration zur Reform von multilateralen Friedensoperationen (The Clinton-Administration's Policy
on Reforming Multilateral Peace Operations) heraus. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge über die neuen
Richtlinien zur Unterstützung von Friedensoperationen der Vereinten Nationen und anderer Organisationen
durch die Vereinigten Staaten und deren Beteiligung daran.
Notwendigkeit der Reformen
Obwohl UN-Friedensoperationen den Interessen der
Vereinigten Staaten dienen, bedürfen sie weiterhin
der Verbesserung und Reform. Zur Zeit wird jede
Operation getrennt eingeleitet und verwaltet, wodurch knappe Ressourcen verloren gehen. Weitere
organisatorische Veränderungen im UN-Hauptquartier würden entsprechend Effizienz und Effektivität
verbessern. Ein völlig unabhängiges Büro eines
Generalinspekteurs sollte unverzüglich eingerichtet
werden. Der Beitragssatz der Vereinigten Staaten
sollte auf 25 Prozent gesenkt werden.
Da die Unterstützung von UN-Friedensoperationen
gelegentlich in unserem Interesse liegt, ist es für uns
auch von Interesse, die Fähigkeiten der Vereinten
Nationen zur Friedenssicherung zu stärken, die
Operationen billiger zu machen und die Verwaltung
der Friedenssicherung offenzulegen.
Rolle der amerikanischen Außenpolitik
Die UN- und anderen multilateralen Friedensoperationen sind manchmal der beste Weg zur Verhinderung, Eindämmung oder Lösung von Konflikten, die
ansonsten kostenintensiver und todbringender
wären. In solchen Fällen ziehen die Vereinigten
Staaten einen Nutzen daraus, nur einen Teil der
Last tragen zu müssen. Wir profitieren auch davon,
um die Stimme der internationalen Staatengemeinschaft zugunsten der von uns unterstützten Sache
bitten zu können. So ist die Schaffung einer Fähigkeit zur Durchführung multilateraler Friedensoperationen Teil unserer nationalen Sicherheitsstrategie
und unserer nationalen Militärstrategie.

AMERIKA DIENST 19

Obwohl der Präsident den Oberbefehl über die
amerikanischen Streitkräfte nie abgibt, kann die
Beteiligung amerikanischen Militärs an UN-Operationen unter bestimmten Umständen amerikanischen
Interessen dienen. Erstens kann die amerikanische
militärische Beteiligung gelegentlich notwendig sein,
um andere von der Teilnahme an Operationen zu
überzeugen, die amerikanischen Interessen dienen.
Zweitens könnte die amerikanische Beteiligung ein
Weg zur Ausübung des Einflusses der Vereinigten

Staaten für eine wichtige UN-Mission sein, ohne
unilateral die Last zu tragen. Drittens könnten die
Vereinigten Staaten gebeten werden, einzigartige
Fähigkeiten für wichtige Operationen zur Verfügung
zu stellen, die andere Länder nicht bieten können,
und sich zu deren Bereitstellung entscheiden.
Mit der Verbesserung unserer Fähigkeiten für Friedensoperationen werden andere Instrumente zur
Erlangung von Zielen der Vereinigten Staaten nicht
außer acht gelassen oder geschwächt. Die Vereinigten Staaten werden die Fähigkeit beibehalten, im
Alleingang oder im Rahmen von Koalitionen zu
handeln, wenn unsere wichtigsten Interessen oder die
unserer Freunde und Verbündeten auf dem Spiel
stehen.
Die Vereinigten Staaten unterstützen weder ein
stehendes Heer der Vereinten Nationen noch werden
wir spezifische amerikanische Militäreinheiten zur
Beteiligung an UN-Operationen zuweisen.
Es ist nicht die Politik der Vereinigten Staaten, die
Zahl von UN-Friedensoperationen oder die amerikanische Teilnahme an solchen Operationen zu erweitern.

Seite 1

�Unterstützung der richtigen Friedensoperationen
Entscheidung für Friedensoperationen
Die Vereinigten Staaten werden gut definierte Friedensoperationen im allgemeinen als Instrument zur
Schaffung fest umgrenzter Möglichkeiten unterstützen, damit die Kombattanten ihre Differenzen beilegen und gescheiterte Gesellschaften mit ihrem
Wiederaufbau beginnen können. Friedensoperationen sollten keine Verpflichtungen mit offenem Ende,
sondern vielmehr an konkrete politische Lösungen
gebunden sein, ansonsten sollten sie nicht unternommen werden. Jede UN-Friedensoperation sollte
in möglichst hohem Maße einen an unmittelbare
oder endgültige Ziele gebundenen festgelegten
Zeitrahmen, eine mit anderen humanitären Hilfsbestrebungen gut koordinierte integrierte politischmilitärische Strategie, spezifische Truppenstärken
und eine fest umrissene Budgetkalkulation haben.
Die Vereinigten Staaten werden das UN-Sekretariat
und die Mitglieder des Sicherheitsrats weiterhin zur
Verpflichtung zurigorosen,regelmäßigen Auswertungen aller vorgeschlagenen neuen Friedensoperationen auffordern.
Die Administration wird die nachfolgend genannten
Faktoren bei der Entscheidung in Erwägung ziehen,
ob sie für eine vorgeschlagene neue UN-Friedensoperation stimmen (Kapitel VI oder Kapitel VII) oder
eine regional geförderte Friedensoperation unterstützen:

Bei traditionellen Friedensoperationen (Kapitel VI)
sollte ein Waffenstillstand verhängt worden sein
und vor der Entsendung der Streitmacht die
Zustimmung der Parteien eingeholt werden.
Zur Friedensschaffung (Kapitel VII) wird die
Bedrohung des internationalen Friedens und der
Sicherheit als wesentlich angesehen.
Die Mittel zur Erfüllung der Mission stehen zur
Verfügung, einschließlich der Streitkräfte, Finanzierung und eines für die Mission geeigneten
Mandats.
Die politischen, wirtschaftlichen und humanitären
Konsequenzen der Untätigkeit seitens der internationalen Staatengemeinschaft wurden abgewogen und werden als inakzeptabel erachtet.
Die vorraussichtliche Dauer der Operation ist an
klare Ziele und realistische Kriterien für die Beendigung der Operation gebunden.
Diese Faktoren sind eine Hilfe bei der Entscheidungsfindung, sie sind nicht per se ein Patentrezept.
Entscheidungen wurden und werden vom Gesamtgewicht der Faktoren abhängen und ein Einzelfaktor
ist nicht zwangsläufig die absolute Determinante.

a.

Internationale Aggression oder

Bei der Berücksichtigung der oben genannten Faktoren werden die Vereinigten Staaten darüber hinaus
weiterhin alle bestehenden Friedensoperationen
genau prüfen, wenn sie dem Sicherheitsrat zur
regulären Verlängerung vorgetragen werden, um den
Sinn ihrer Fortsetzung zu prüfen. In geeigneten
Fällen werden die Vereinigten Staaten um freiwillige
Beiträge der Nutznießer oder größere Unterstützung
des Gastlandes zur Verringerung oder zumindest
teilweisen Deckung der Kosten bestimmter UNOperationen ersuchen. Die Vereinigten Staaten
werden auch in Betracht ziehen, gegen die Verlängerung bestimmter, seit langem bestehender,
konkrete Ziele nicht erfüllender Friedensoperationen
zu stimmen, um militärische und finanzielle Ressourcen für dringendere UN-Missionen freizusetzen.

b.

eine dringende humanitäre Katastrophe
gekoppelt mit Gewalt,

Beteiligung an UN- und anderen Friedensoperationen

c.

eine plötzliche Störung der bestehenden
Demokratie oder gravierende Verletzung von
Menschenrechten verbunden mit Gewalt
oder der Androhung von Gewalt.

Die Administration wird auch weiterhin noch strengere
Normen bei der Beurteilung anwenden, ob dem
Präsidenten die Beteiligung amerikanischen Personals an einer Friedensoperation empfohlen werden
soll. Neben den oben genannten werden wir folgende Faktoren in Betracht ziehen:

Das UN-Engagement fördert die Interessen der
Vereinigten Staaten und es gibt eine internationale Interessengemeinschaft zur Bewältigung des
Problems auf multilateraler Ebene.
Es gibt eine Bedrohung oder einen Bruch des
internationalen Friedens und der Sicherheit,
häufig mit regionalem Charakter, die als ein
Aspekt oder eine Kombination folgender Punkte
angesehen werden:

Es gibt klar umrissene Ziele und das Wissen, wie
sich die Mission in das Spektrum zwischen
traditioneller Friedensschaffung und Friedenssicherung fügt.

Seite 2

Die Beteiligung fördert die Interessen der Vereinigten Staaten, und das alleinige sowie das

AMERIKA DIENST 19

�generelle Risiko für amerikanisches Personal
wurden abgewogen und als akzeptabel eingestuft.
Personal, Mittel und andere Ressourcen stehen
zur Verfügung.
Die Beteiligung der Vereinigten Staaten ist für
den Erfolg der Operation notwendig.
Die Rolle der amerikanischen Streitkräfte ist an
klar umrissene Ziele gebunden, und ein Endpunkt
für die amerikanische Beteiligung kann ausgemacht werden.
Die Unterstützung der Bevölkerung und des
Kongresses ist vorhanden oder kann mobilisiert
werden.
Die Führungsarrangements sind annehmbar.
Darüber hinaus werden noch strengere Faktoren
angewandt, wenn die Möglichkeit maßgeblicher
Beteiligung der Vereinigten Staaten an Kapitel VIIOperationen wahrscheinlich
Kampfhandlungen
beinhaltet:
Man ist entschlossen, zur Erlangung klar umrissener Ziele eine ausreichende Anzahl von Streitkräften zu entsenden.
Es gibt einen Plan zur uneingeschränkten Erlangung dieser Ziele.
Es besteht die Verpflichtung, zur Erreichung
unserer Ziele Umfang, Zusammensetzung und
Disposition unserer Streitkräfte gegebenenfalls zu
überprüfen und anzupassen.
Jede Empfehlung an den Präsidenten wird sich auf
das Gesamtgewicht der oben genannten Faktoren
gründen und ein Einzelfaktor wird nicht zwangsläufig
die absolute Determinante sein.

cherheitsrats bewirken wollen, hängt die Unterstützung der Vereinigten Staaten von der Einhaltung der
Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen und der
Erfüllung gültiger Kriterien des UN-Sicherheitsrats ab,
einschließlich Neutralität, Einwilligung der Konfliktparteien, offizielle Aufsicht der Vereinten Nationen und
endgültige, erneuerbare Mandate.
Im Hinblick auf die Frage der Friedenssicherung auf
dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion werden
Anträge für die "traditionellen" UN-Blauhelmoperationen auf der gleichen Grundlage wie andere Anträge
unter Anwendung der vorher dargelegten Faktoren in
Betracht gezogen (beispielsweise eine Bedrohung
des internationalen Friedens und der Sicherheit, klare
Ziele und so weiter). Die Unterstützung der Vereinigten Staaten für diese Operationen wird wie bei
anderen derartigen Anträgen von der Einhaltung der
Prinzipien der UN-Charta und gültiger Kriterien des
UN-Sicherheitsrats abhängig gemacht.
Kostensenkung
Die Administration verpflichtet sich zur Reduzierung
des amerikanischen Anteils der Kosten für Friedenssicherung auf 25 Prozent bis zum 1. Januar 1996,
verglichen mit der derzeitigen Rate von 31,7 Prozent.
Wir werden darüber hinaus die Vereinten Nationen
von der voraussichtlichen Weigerung des Kongresses
in Kenntnis setzen, den amerikanischen Beitrag zur
Friedenssicherung nach dem Haushaltsjahr 1995 auf
mehr als 25 Prozent anzusetzen.
Die Administration ist weiterhin besorgt, daß die
Vereinten Nationen die Managementmängel nicht
behoben haben, die zu übermäßigen Kosten sowie
gelegentlich Betrug und Mißbrauch führen. Als eine
Priorität werden die Vereinigten Staaten auch in
Zukunft auf drastische Verbesserungen bei Verwaltung und Management des UN-Systems drängen.
Die Vereinigten Staaten arbeiten besonders hart an
der Gewährleistung, daß neue und andauernde
Friedensoperationen kosteneffektiv sind und entsprechend verwaltet werden.

Die Rolle regionaler Organisationen
Führung der amerikanischen Streitkräfte
In einigen Fällen werden bei der sachgerechten
Durchführung von Friedensoperationen regionale
Organisationen einbezogen. Die Vereinigten Staaten sehen weiterhin die Vereinten Nationen als
vorrangiges internationales Gremium mit der Befugnis zur Durchführung von Friedensoperationen an.
Gleichzeitig werden die Vereinigten Staaten Bestrebungen zur Verbesserung der Fähigkeiten regionaler
Organisationen für Friedenssicherung unterstützen.
Wenn regionale Organisationen oder Gruppierungen
Friedenssicherung mit Zustimmung des UN-Si-

AMERIKA DIENST 19

Die Politik der Vereinigten Staaten lautet: Der
Präsident behält das Kommando über die amerikanischen Streitkräfte und wird es niemals abgeben. Von
Fall zu Fall wird der Präsident die Unterstellung
geeigneter amerikanischer Streitkräfte unter die
operative Kontrolle eines kompetenten UN-Kommandeurs für spezifische, vom Sicherheitsrat angeordnete UN-Operationen in Erwägung ziehen. Je
größer die militärische Rolle der Vereinigten Staaten,
desto weniger wahrscheinlich werden die Vereinigten
Staaten zustimmen, daß ein UN-Kommandeur die

Seite 3

�operative Gesamtkontrolle über die amerikanischen
Streitkräfte ausübt. Jede umfassende Beteiligung
amerikanischer Streitkräfte an einer größeren Friedensschaffungsmission, die wahrscheinlich Kampfhandlungen beinhaltet, sollte für gewöhnlich unter

amerikanischem Kommando und operativer Kontrolle
oder durch kompetente regionale Organisationen wie
die NATO oder Ad-hoc-Koalitionen durchgeführt
werden,

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 19

�RASSENDISKRIMINIERUNG
18. Mal 1994

SENAT SOLL KONVENTION ÜBER
RASSENDISKRIMINIERUNG UNTERSTÜTZEN
Ansprache von John Shattuck
WASHINGTON - (AD) - Der Balkan ist "das gravierendste Beispiel dafür, was geschehen kann, wenn
rassischer und ethnischer Antagonismus zur Entfachung von Gewalt ausgenutzt wird", erklärte John Shattuck,
Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium.
In seiner am 11. Mai 1994 vor dem Senatsausschuß für auswärtige Beziehungen gehaltenen Ansprache zur
Unterstützung der internationalen Konvention über die Abschaffung aller Formen von Rassendiskriminierung
äußerte Shattuck, eine solche Diskriminierung stehe in direktem Gegensatz zu den grundlegenden Zielen der
amerikanischen Demokratie.
Die Ratifizierung der vor 28 Jahren konzipierten Konvention ist ihm zufolge seit langem überfällig. Sie werde
"ein wertvolles Instrument für unseren Kurs in der uns jetzt konfrontierenden neuen internationalen, von großen
Herausforderungen gekennzeichneten Szene sein".
Herr Vorsitzender, meine sehr verehrten Damen und
Herren, es ist mir eine Ehre, mich heute bei Ihnen
für die Unterstützung der internationalen Konvention
über die Abschaffung aller Formen von Rassendiskriminierung verwenden zu dürfen.

Herr Vorsitzender, aus diesem Grund ist es so
wichtig, daß die Vereinigten Staaten sich entschlossen hinter diese Bestrebungen stellen, jegliche
rassische und ethnische Diskriminierung in Gesetz
und Politik abzuschaffen.

Herr Vorsitzender, es ist eine Binsenwahrheit, daß
wir nach dem Ende des Kalten Krieges und den für
dieses Jahrhundert charakteristischen großen
ideologischen Kämpfen an der Schwelle zu einer
neuen, unbekannten Welt stehen. In dieser Zeit
sollten die in diesem schmerzlichen Kampf erprobten
Grundsätze uns leiten, darunter Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit. Diese Grundsätze sind in der amerikanischen Geschichte tief
verwurzelt und repräsentieren die Bestrebungen von
Männern und Frauen auf der ganzen Welt. Unter
der Führung Präsident Clintons verwandeln die
Vereinigten Staaten sie in die Bausteine der neuen
Welt nach dem Kalten Krieg.

Wir in den Vereinigten Staaten wissen allzu gut, wie
selbst die mit den besten Absichten durchgeführten
demokratischen Experimente durch Rassendiskriminierung vergiftet und im Keim erstickt werden können.
Rassendiskriminierung steht in direktem Gegensatz
zu den grundlegenden Zielen der amerikanischen
Demokratie. Wir haben durch harte Kämpfe viel
erreicht, damit das Ideal der Gleichheit vor dem
Gesetz anerkannt wird. Durch die Ratifizierung der
Ihnen vorliegenden Rassenkonvention wollen wir das
Gelernte in die entstehende Welt nach dem Kalten
Krieg einbinden.

Heute werden wir auf internationaler Ebene mit
schwierigen und äußerst beunruhigenden Problemen
konfrontiert, von denen vielleicht keines so verhängnisvoll ist wie rassische und ethnische Konflikte.
Einige ethnische Konflikte bestehen bereits seit
langer Zeit, andere sind erst kürzlich entstanden.
Heute sehen wir, wie ethnische und rassische
Spannungen für politische Ziele ausgenutzt werden,
gewaltige Feuersbrünste schüren oder in Gesellschaften schleichend am Werk sind.

AMERIKA DIENST 19

Der Konvention zufolge sollen die Vertragsparteien
spezifische Schritte unternehmen, um Rassendiskriminierung abzuschaffen, Rassentrennung und
Apartheid zu verbieten, rassistische Propaganda und
entsprechende Organisationen zu verurteilen, Gleichheit vor dem Gesetz, politische und Menschenrechte
für alle ungeachtet ihrer Rasse, Nationalität oder
ethnischen Herkunft zu garantieren, wirksame Mittel
gegen Verletzungen dieser Bestimmungen zu ergreifen, Vorurteile zu bekämpfen und Toleranz in
Bildung und Kultur zu fördern. Die Konvention ruft
auch einen unabhängigen Ausschuß für die Abschaffung von Rassendiskriminierung ins Leben, der

Seite 1

�'1

die von den Vertragsparteien vorgelegten obligatorischen Berichte prüfen und der Generalversammlung
einen Jahresbericht vorlegen soll.
Die Geschichte zeigt, daß solche Konventionen und
Überprüfungsprozesse bei der Förderung von Zielen
im Bereich der Menschenrechte Wirkung zeitigen.
Das von der Internationalen Arbeitsorganisation
(IAO), der KSZE und dem Helsinki-Komitee Erreichte
sind Beispiele dafür, wie der Schutz der Menschenrechte durch Instrumente wie die Ihnen heute vorgelegten ermutigt werden kann.
Meine Kollegen konzentrieren ihre heutigen Ausführungen auf die rechtlichen Implikationen der
Konvention und auf die Auslegung und Einwände
der US-Regierung. Wenn die Vereinigten Staaten
die Konvention ratifizieren, werden wir auf der
internationalen Bühne unser Engagement für die
Abschaffung von Rassendiskriminierung unter
Beweis stellen und auch die mit Rassendiskriminierung einhergehende schreiende Ungerechtigkeit
sowie sozialen und politischen Erschütterungen.
Natürlich stellt sich die Frage, warum wir diese
Konvention jetzt ratifizieren wollen - 28 Jahre nach
ihrer Abfassung und ungefähr 16 Jahre nach ihrer
ersten Vorlage im Senat.
Die Antwort lautet, daß die Ratifizierung seit langem
überfällig ist und die Konvention ein wertvolles
Instrument für unseren Kurs in der uns jetzt konfrontierenden neuen internationalen, von großen
Herausforderungen gekennzeichneten Szene sein
wird.
Wie Sie alle wissen, wurde die Menschenrechtstagesordnung einschließlich des Kampfes gegen
Rassendiskriminierung während des Kalten Krieges
zu einem politischen Fußball. Dies trifft nicht länger
zu. Wir beobachten jetzt echte, greifbare Fortschritte
beim Kampf gegen rassische und ethnische Diskriminierung.
In Südafrika schließen die mutige Führungsrolle von
Nelson Mandela und F.W. de Klerk sowie die
heroischen Bestrebungen von Millionen Menschen
guten Willens das Kapitel der Apartheid und der
Bewegung zu Demokratie für alle Menschen in
Südafrika ab.
Bei der jüngsten Sitzung der UN-Menschenrechtskommission in Genf konnten wir zum ersten Mal in
der Geschichte der UNO erfolgreich die offene
Verurteilung von Antisemitismus sicherstellen.
Bedauerlicherweise ist das Bild jedoch nicht ausschließlich von Fortschritten gekennzeichnet. Man

Seite 2

kann fairerweise sagen, daß eine der vorrangigen
Herausforderungen für die Vereinigten Staaten und
unsere Verbündeten in den kommenden Jahren darin
besteht, die Entschärfung und Handhabung bitterer
Konfrontationen über rassische und ethnische Differenzen zu erlernen. Der Balkan ist nicht nur das
gravierendste Beispiel dafür, was geschehen kann,
wenn rassischer und ethnischer Antagonismus zur
Entfachung von Gewalt ausgenutzt wird, wenn
Minderheiten unter neuen Regierungsformen Diskriminierung fürchten oder zu Aggression gegen
andere Gruppen verleitet werden.
Es erübrigt sich zu sagen, daß rassische und ethnische Diskriminierung für politische Entscheidungsträger äußerst komplexe Probleme darstellen, und die
Ratifizierung der Rassenkonvention durch uns ist kein
Allheilmittel. Die Ratifizierung ist jedoch aus mehreren Gründen unerläßlich.
Erstens können wir durch die Ratifizierung der
Konvention andere Signatarstaaten besser zur
Einhaltung ihrer Verpflichtungen anhalten. Wir
müssen nicht länger fürchten, dadurch geopolitischen
Gegnern in die Hände zu spielen. Statt dessen
können wir die Konvention als Referenz bei unseren
bilateralen Verhandlungen mit den Staaten verwenden und werden unsere Position in multilateralen
Zusammenkünften stärken.
Zweitens könnten wir uns effektiver an der zur Zeit
stattfindenden Diskussion über sich abzeichnende
internationale Normen in der Welt beteiligen. Wenn
wir uns nicht uneingeschränkt und aktiv in dieser
Debatte engagieren, werden andere die Tagesordnung der internationalen Staatengemeinschaft zu
Rassendiskriminierung festsetzen. Ein Diskussionsforum ist das Komitee für Rassendiskriminierung, an
dem wir uns derzeit nicht beteiligen können, weil wir
die Konvention nicht ratifiziert haben.
Drittens wäre dies Bestandteil unserer Bestrebungen,
neue amerikanische Energien und Zielsetzungen in
das UN-Menschenrechtssystem einzubringen, das bis
jetzt - offen gesagt - nicht so konsequent und effektiv
war wie wir erhofft hatten. Eine Lehre der Weltkonferenz über Menschenrechte vom vergangenen Jahr
in Wien war, daß multilaterale Gremien und nichtstaatliche Organisationen eine zunehmend weitreichende Rolle bei der Gestaltung der Welt nach den
Kalten Krieg spielen. Wir sind erfreut, daß unsere
Bestrebungen zur Einrichtung eines UN-Hochkommissars für Menschenrechte Erfolg hatten. Durch die
Tätigkeit im Rahmen von multilateralen sowie nichtstaatlichen Organisationen und die Zusammenarbeit
mit ihnen können wir unsere Effektivität auf der
internationalen Bühne verbessern.

AMERIKA DIENST 19

�n
Sobald wir die Konvention ratifiziert haben, wird uns
unsere Beteiligung an der Arbeit des Komitees
bessere Chancen zur Vermittlung unserer hart
erarbeiteten und historisch fundierten Erfahrungen
bei der Förderung von Toleranz und der Beendigung
von Diskriminierung zusammen mit anderen Ländern, vor allem den neuen demokratischen Nationen
der Welt, einräumen.

Herr Vorsitzender, abschließend möchte ich nochmals betonen, daß wir durch die Ratifizierung dieser
Konvention viel zu gewinnen haben. Obwohl sie die
rassischen und ethnischen Spannungen der Welt
nicht auf magische Weise löst, wird sie uns eine
konstruktivere Inangriffnahme dieser Probleme
gestatten.
Aus diesen Gründen bitte ich Sie, die Ratifizierung
der Konvention zu empfehlen und stehe Ihnen für
weitere Fragen gerne zur Verfügung.

*

AMERIKA DIENST 19

*

Seite 3

�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
18. Mal 1994

NACHRICHTENDIENSTE UND STRAFVERFOLGUNG
Rede von CIA-Direktor Woolsey
WASHINGTON - (AD) - Am 29. April 1994 hielt R. James Woolsey, der Direktor des amerikanischen
Nachrichtendienstes CIA, vor der American Bar Association eine Rede, die wir nachfolgend veröffentlichen.
40 Jahre lang war ein Hauptmerkmal der amerikanischen Außenpolitik die Eindämmung der Sowjetunion und ihrer Verbündeten, wobei die Nachrichtendienste den Präsidenten und den Kongreß bei der
Bewältigung der Herausforderung des Kalten Krieges unterstützten. Einer der vielfältigen Aspekte
dieser Zeit war, daß sich abgesehen von der Aufgabe der Spionageabwehr die Welten der Strafverfolgung und der Nachrichtendienste selten überschnitten. Jede Welt hatte unterschiedliche - gesetzlich verankerte - Mandate und unterschiedliche
Aufgaben.

internationale Geldwäsche erreichten ein solches
Maß, daß sie die nationalen amerikanischen Sicherheitsinteressen bedrohten. Ich stimmte voll und
ganz überein. Diese und die anderen von mir
genannten Bedrohungen sind nicht länger ausschließlich die Domäne von Nachrichtendiensten oder
Strafverfolgung. Wie ich Anfang dieses Monats vor
dem Senat festgestellt habe, ist die Kooperation
zwischen der Welt der Nachrichtendienste und der
Strafverfolgung keine Wahl, sondern eine Notwendigkeit. Dies ist nicht nur meine Sichtweise, sie wird
auch von der Justizministerin, dem FBI-Direktor Louis
Freeh und den Leitern der anderen Behörden geteilt.

Dies ändert sich jetzt.
Natürlich haben die beiden Welten noch immer
unterschiedliche Aufgaben. Wir bei den Nachrichtendiensten Tätigen müssen den politischen Entscheidungsträgern behilflich sein, die auf den Schutz
der möglichen Gewinne der vergangenen fünf
revolutionären Jahre hinarbeiten, und wir müssen
dem Präsidenten und seinen Beratern die entscheidende Vorwarnzeit für regionale Bedrohungen von
Nationen wie Nordkorea und Irak einräumen, die
eine völlig andere Konzeption der Ära nach dem
Kalten Krieg haben als wir und unsere Freunde und
Verbündeten.
Wir müssen jedoch auch neue und wachsende
Bedrohungen in Angriff nehmen, die Grenzen
überschreiten können: Die Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen, Terrorismus, international organisiertes Verbrechen und Drogenhandel
einer Größenordnung, bei der allein die Profite das
Bruttosozialprodukt der meisten Länder weltweit
übertreffen. Im Gegensatz zu den Herausforderungen des Kalten Krieges bringen diese Herausforderungen die Welt der Nachrichtendienste und der
Strafverfolgung zusammen.
Im Herbst vergangenen Jahres erklärte die Justizministerin Janet Reno, Terrorismus, Drogenhandel und

AMERIKA DIENST 19

Ich möchte kurz einige der unsere Welten einander
näherbringenden Bedrohungen beschreiben, angefangen mit der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Weiterverbreitung ist kein neues Problem, aber ein
wachsendes. Heute entwickeln 25 - viele unseren
Interessen feindlich gesinnte - Länder nukleare,
chemische und biologische Waffen. Einige dieser
Länder sind am Kauf ballistischer Raketen interessiert, mit denen sie bisher außerhalb ihrer Reichweite liegende Länderund Nachbarstaaten bedrohen.
Die Eindämmung der Weiterverbreitung besteht nicht
nur in der Inspektion von Material an Flughäfen oder
der Öffnung von Kisten in Häfen. Unsere Arbeit
beinhaltet die Aufdeckung der Versuche von Ländern,
Technologie, Entwürfe, Komponenten und sogar
vollständige militärische Systeme zu beschaffen.
Dazu zählt das Durchdringen von Transfernetzen, die
Käufer und Verkäufer, Beschaffungsagenten, Makler,
Banken, Hersteller, Frachtuntemehmen, Spediteure
und falsche Endverbraucher aufzubauen versuchen.
Zur Bekämpfung dieses Problems setzen wir politische, militärische, Wirtschafts- und Finanzanalysten,
Ingenieure und Wissenschaftler ein, um die Technologie, das Fachwissen und häufig das zum Aufbau und
zur Unterhaltung verdeckter Käufemetze verwendete

Seite 1

�Geld aufzuspüren. Diese wurden von Ländern wie
dem Irak eingerichtet, um illegal Material zu kaufen.
Wir arbeiten eng mit dem Außenministerium und
ausländischen Nachrichtendiensten bei der Durchbrechung dieser Netze zusammen. Und wir unterstützen das FBI und die Zollbehörde bei ihren
Bestrebungen, Umleitungen aufzudecken, Lieferungen abzufangen und herauszufinden, ob amerikanische Unternehmen in solche Transaktionen verwickelt sind.
Wir befassen uns ferner intensiv mit der Bekämpfung
von Terrorismus, der, wie wir wissen, mit dem
Bombenanschlag auf das World Trade Center in
New York vom vergangenen Jahr und der Ermordung von zwei CIA-Mitarbeitern vor unserem Hauptquartier in Virginia im Januar letzten Jahres seinen
Weg in die Vereinigten Staaten gefunden hat.
1986 gründete Bill Webster das Terrorismusbekämpfungszentrum des CIA, um die operativen, technologischen und analytischen Fähigkeiten der Nachrichtendienste den Strafverfolgungsbeamten zugänglich
zu machen. Wir haben gemeinsam die unerläßlichen nachrichtendienstlichen Informationen zusammengetragen, die zur Verurteilung der des
Bombenanschlags auf das World Trade Center
Angeklagten führten. Im vergangenen Jahr benutzte
der CIA in Zusammenarbeit mit dem FBI und dem
Justizministerium seine analytischen Fähigkeiten und
technischen Analysen um zu beweisen, daß der Irak
hinter dem Komplott zur Ermordung des früheren
Präsidenten Bush stand.
Das internationale organisierte Verbrechen und
seine Hauptertragsquelle - der internationale Drogenhandel - ist eine weitere große Herausforderung
der nationalen Sicherheit. Der Drogenhandel ist
eine den gesamten Globus umspannende Krise:
Lateinamerikanische Drogenhändler, chinesische
organisierte Verbrecherbanden, italienisches organisiertes Verbrechen und nigerianische kriminelle
Unternehmen - das Außenministerium berichtete
Anfang dieses Monats, 35 bis 40 Prozent des
gesamten Heroins werde von Nigerianern in die
Vereinigten Staaten gebracht. Aufgrund der enorm
hohen Profite - 200 bis 300 Milliarden Dollar pro
Jahr - gehen Drogenhandel und Geldwäsche darüber hinaus Hand in Hand und bringen eine riesige
Industrie zur Erfüllung der Bedürfnisse der Drogenbarone hervor, um den illegalen Ursprung ihres
Geldes zu verschleiern.
Organisierte Verbrecherbanden sind nicht nur
mächtig und gewalttätig, sie sind auch technisch
immer versierter, greifen auf modernste Technologie
und internationale Unternehmenstechniken zurück,
um ihre Operationen durchzuführen und sowohl die

Seite 2

Sammlung nachrichtendienstlicher Erkenntnisse als
auch die Strafverfolgungsbestrebungen zu vereiteln.
Das organisierte Verbrechen ist auch für die Zukunft
Rußlands zu einem entscheidenden Thema geworden. In seiner Rede im Februar stellte Präsident
Jelzin fest, organisiertes Verbrechen sei das Problem
Nummer eins, mit dem sich sein Land konfrontiert
sehe. Dem russischen Innenministerium zufolge gibt
es rund 5.700 organisierte Verbrecherbanden in
Rußland, von denen 200 große, moderne kriminelle
Organisationen sind. Sie sind nicht nur in der ehemaligen Sowjetunion, sondern in 21 anderen Ländern
aktiv. In dieser Woche wurde ein für die Verfolgung
des organisierten Verbrechens bekanntes Mitglied
des russischen Parlaments, Andreji Aysderdsis, bei
einem Anschlag im Stil der Mafia niedergestreckt.
Obwohl die russischen kriminellen Banden sich mit
einer Vielzahl illegaler Aktivitäten wie Drogenhandel
befassen, widmen wir dem potentiellen illegalen
Verkauf von spaltbarem Atommaterial besondere
Aufmerksamkeit.
Wir konnten nicht beobachten, daß beträchtliche
Mengen waffenfähigen Materials oder nukleare
Gefechtsköpfe aus der ehemaligen Sowjetunion
geschmuggelt wurden, haben jedoch mehrere Berichte über den Diebstahl von minderwertigem Nuklearmaterial erhalten. In vielen Fällen wurden die Diebe
oder Schmuggler verhaftet. Es gab auch Berichte
über Verkaufsangebote für solches Material auf dem
schwarzen Markt, sie waren in der Regel aber falsch.
Wir sind jedoch weiterhin besorgt über das potentielle
Engagement organisierter Verbrecherbanden in
diesem Bereich, weil ihnen sowohl die Ressourcen,
mit denen sie die Nuklearwaffenhändler oder Wachleute bestechen, als auch die Schmuggelnetze zur
Verfügung stehen, die zum Transport dieses Materials aus der ehemaligen Sowjetunion benutzt werden
könnten.
In Rußland ist das Problem des organisierten Verbrechens derart verbreitet, daß einer im März dieses
Jahres in russischen Städten durchgeführten Umfrage
zufolge 23 Prozent der Bevölkerung der Ansicht sind,
das Land werde vom organisierten Verbrechen
beherrscht. 22 Prozent meinten, daß niemand das
Land regiere, 19 Prozent wußten nicht wer und nur
14 Prozent hielten Präsident Jelzin für den Machthaber.
Diese Liste der Bedrohungen ist keineswegs erschöpfend, und Sie werden mehr über die Zusammenarbeit von Nachrichtendiensten und der Strafverfolgung hören, während wir die Gefahren gemeinsam
bekämpfen.

AMERIKA DIENST 19

�Zusammenarbeit und Spionageabwehr
Wir haben in vielerlei Hinsicht einen Vorsprung bei
der Ausarbeitung unserer von Zusammenarbeit
geprägten Beziehung zu den Strafverfolgungsbehörden aufgrund der Rolle, die jeder von uns in den
Bereichen Nachrichtendienste und Strafverfolgung
seit Jahren bei der Spionageabwehr gespielt hat.
Historisch gesehen sammeln wir im Nachrichtendienst Hinweise zur Spionageabwehr von unseren
zuständigen Beamten und ihren Agenten in Übersee,
unseren Ermittlern sowie die von Nachrichtendiensten befreundeter Länder zur Verfügung gestellten
Informationen. Wie ich bereits erwähnte, konnten
wir nach dem Ende des Kalten Krieges eine beträchtliche Anzahl derartiger Hinweise an unsere
Verbündeten und die Ermittlungsbehörden in den
Vereinigten Staaten weiterleiten.
Generell möchte ich vorschlagen, daß jede Weitergabe von Informationen zwischen den Nachrichtendiensten und den Strafverfolgungsbehörden in
diesem Land - sei es bei Spionageabwehr, Drogenhandel, Weiterverbreitung oder auf einem anderen
Gebiet - die nachrichtendienstlichen Quellen und
Methoden schützen, alle gesetzlichen Bestimmungen
sowohl im nachrichtendienstlichen und Strafverfolgungsbereich erfüllen und die einzigartigen
Erfordernisse dieser beiden Bereiche in Betracht
ziehen sollte. Beispielsweise können von uns dem
FBI zur Verfügung gestellte Informationen zur
Festnahme von Verbrechern beitragen; das darf
jedoch nicht dazu führen, daß als Teil des juristischen Verfahrens Quellen und Methoden offengelegt
werden. Die uns vom FBI übermittelten Daten
ermöglichen eine zielgerichtetere Sammlung nachrichtendienstlicher Informationen in Übersee. Wir
müssen jedoch darauf achten, uns auf Nachrichtendienste im Ausland zu konzentrieren und in Übersee
nicht wie eine Strafverfolgungsbehörde zu handeln.
Im vergangenen Jahr haben die Justizministerin und
ich eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um die
effektivsten Wege zur Verbesserung der Zusammenarbeit zu prüfen, die für im Nachrichtendienst und in
der Strafverfolgung Tätige von Nutzen ist und
Terroristen, Drogenhändlern und Schmugglern
schadet.
Dieser Bericht ist nahezu abgeschlossen. Eine
seiner Schlußfolgerungen lautet, daß wir keine
zusätzlichen Gesetze über die Verbesserung der
Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungsbehörden
und Nachrichtendiensten benötigen.
Vielmehr
können wir unser Ziel einer verstärkten Kooperation
durch eine Reihe von Initiativen erreichen, beispielsweise gemeinsame Ausbildung von Vertretern der
Strafverfolgungsbehörden und der Nachrichtendien-

AMERIKA DIENST 19

ste. Obwohl die Strafverfolgungsbehörden einerseits
und der Nachrichtendienst andererseits verschiedene
Mandate, Perspektiven und Kulturen haben, kann die
Zusammenarbeit meines Erachtens durch ein Programm praktischer Schritte verbessert werden.
Die von Justizministerin Reno und mir zu Beginn
vergangenen Jahres eingeleiteten Bestrebungen,
Nachrichtendienste und Strafverfolgungsbehörden
aneinander anzunähern, fanden lange vor der Festnahme von Aldrich Arnes statt. Unsere Arbeit wird
fortgesetzt, wobei wir Lehren aus dem Fall Arnes und
anderen Beispielen für Zusammenarbeit zwischen
Nachrichtendiensten und Strafverfolgungsbehörden
ziehen. Nach Ansicht des Präsidenten, der Justizministerin, von FBI-Direktor Freeh und meiner Meinung
nach war der Fall Arnes ein Beispiel für eine solche
Zusammenarbeit. Direktor Freeh formulierte es
kürzlich folgendermaßen: "Der Fall Arnes ... war
meines Erachtens mustergültige Zusammenarbeit."
Zur besseren Umsetzung der Lektionen positiver
Zusammenarbeit und Vermeidung unnötiger Reibungen in den wenigen Fällen, in denen sie stattfinden,
und zusätzlich zu den bereits unternommenen
Anstrengungen werden einige organisatorische
Änderungen in den dem Nationalen Sicherheitsrat
unterstehenden Strukturen durchgeführt, um die
Zusammenarbeit zwischen allen an der Spionageabwehr beteiligten Regierungsbehörden zu verbessern.
Unter der Leitung des Sicherheitsrats werden Vertreter verschiedener Behörden oder Büros zusammenarbeiten, um einen zügigen, effektiven und
angemessenen Umgang mit Fragen der Koordination
und Rechtsprechung sicherzustellen. Vertreter des
Justizministeriums und ich werden in der kommenden
Woche vor den nachrichtendienstlichen Sonderausschüssen des Senats und des Repräsentantenhauses
zu diesen vorgeschlagenen Änderungen aussagen.
Nachdem sich Aldrich Arnes schuldig bekannt hat
und verurteilt wurde, kann ich auch über die Arbeit
des CIA im Hinblick auf die Folgen seiner Verbrechen
sprechen. Ich bin mir bewußt, daß der Kongreß ebenso wie die Mitarbeiter des CIA und ich - frustriert
war, weil bis gestern das Gremium zur Einschätzung
des Schadens und der Generaldirektor nur erste
Schritte unternehmen konnten. Sie werden verstehen, warum das Justizministerium darum gebeten
hat, daß wir uns auf diese vorläufigen Schritte
beschränken, um die strafrechtliche Verfolgung von
Arnes nicht zu erschweren. Jetzt können wir diese
Überprüfung ungehindert fortsetzen.
Wenn die Untersuchung des Generalinspekteurs
abgeschlossen ist, werde ich die Verantwortlichen zur
Rechenschaft ziehen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Ich habe bereits die Beförderung und

Seite 3

�Auszeichnung bestimmter Personen eingefroren und
vom Ergebnis unserer Überprüfungen abhängig
gemacht. Ich werde mich jedoch nicht der juristischen Philosophie der Red Queen aus Alice im
Wunderland anschließen, bei der die Verurteilung
dem Urteil vorangeht. Das von uns begonnene
Verfahren ist gründlich, aber fair. Unsere Mitarbeiter
leisten harte Arbeit und riskieren ihr Leben für ihr
Land. Sie verdienen ein fundiertes Urteil, keine
Schnellverfahren.
Wir planen bereits eine Änderung der Sicherheitsverfahren, beispielsweise eine Überprüfung der Datenbankverwartung und der Nutzung des Lügendetektors.
Andere Schritte erfordern entsprechende Gesetze insbesondere bei der Verbesserung des Zugangs zu
den Daten über die Finanzsituation einiger Angestellter.
Die Finanzfrage ist nichts Neues. 1990 gab das
Jacobs-Gremium, in dem ich kurze Zeit zusammen
mit Lloyd Cutler und Warren Christopher tätig war,
eine Reihe von Empfehlungen zur Verbesserung der
Spionageabwehr an die Senatoren Boren und Cohen
ab, die damals Vorsitzender beziehungsweise Mitglied des Sonderausschusses des Senats für Nachrichtendienste waren. Dazu gehörte auch verbesserter Zugang zu Informationen über die finanzielle
Situation der Mitarbeiter. Diesen Empfehlungen
wurde damals jedoch keine Gesetzeskraft verliehen.
Die Empfehlungen wurden nicht leichtfertig abgegeben. Obwohl bei vielen die irrtümliche Meinung

*

Seite 4

vorherrscht, daß der CIA oder das FBI jederzeit
Informationen über die Finanzlage jedes Mitarbeiters
der Regierung erhalten können, entspricht das nicht
der Realität. Es entspricht nicht einmal annähernd
der Wahrheit. Ein derartig ungehinderter Zugang
widerspricht den vom Kongreß erlassenen Gesetzen
über Datenschutz der Finanzlage des einzelnen. Das
Jacobs-Gremium empfahl 1990 den Senatoren Boren
und Cohen keine umfassenden, in die Privatsphäre
einbrechenden Gesetzesänderungen, die Änderungen
waren jedoch nützlich und wichtig. Ich vertraue
darauf, daß jetzt, nach der Auswertung der von der
Administration auf diesem wichtigen Gebiet abgegebenen Empfehlungen sowie anderer vorgelegter
Gesetzentwürfe der Kongreß handeln und kluge
Maßnahmen ergreifen wird, um den Zugang der
Regierung zu den finanziellen Daten einiger ihrer
Mitarbeiter zu verbessern und dies auf ausgewogene
und angemessene Weise geschehen wird.
Als Präsident Truman die nationale Sicherheitsstruktur modernisierte, und unter anderem den CIA
gründete, bereitete er die Nation auf das vor, was
Präsident Kennedy als den langen Kampf im Zwielicht bezeichnete - den Kalten Krieg. Heute werden
wir mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die
neue Ansätze erfordern. Sie setzen aber auch
dieselbe Mischung von Engagement, Beständigkeit,
Weitblick und harter Arbeit voraus, die Präsident
Truman von seinen Mitarbeitern erwartete. Wir im
Nachrichtendienst werden aus unseren früheren
Fehlern und Erfolgen lernen. Wir werden uns ändern
und gemeinsam mit unseren Kollegen bei der Strafverfolgung dem Präsidenten, dem Kongreß und dem
amerikanischen Volk dienen.

* * *

*

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�TERRORISMUS
18. Mai 1994

TERRORISMUS WEITERHIN GLOBALES PROBLEM
Jahresbericht des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Dem Jahresbericht des USAußenministeriums zufolge "ist es eindeutig, daß
Terrorismus für uns noch einige Zeit ein Thema sein
wird".
"Die Clinton-Administration richtet ihr Hauptaugenmerk auf globale Fragen, und internationaler Terrorismus gehört zu den todbringendsten und andauerndsten", erklärte Barbara Bodine, amtierende
Koordinatorin für die Terrorismusbekämpfung, in der
Einleitung des Berichts.
Das Dokument - Muster des globalen Terrorismus
1993 (Patterns of Global Terrorism 1993) - wurde
am 9. Mai 1994 freigegeben. Der dem Kongreß
übermittelte Bericht enthält detaillierte Analysen der
Länder, in denen Terroranschläge verübt wurden
und macht Nationen aus, die internationalen Terrorismus wiederholt staatlich unterstützt haben.

pagne gegen türkische Interessen", stellt der Bericht
fest.
Die meisten der 150 Anschläge der Gruppe fanden
an zwei Tagen statt - am 24. Juni und 4. November und waren auf ganz Westeuropa verteilt. "Hätte es
diese beiden Tage koordinierter Anschläge nicht
gegeben, hätte sich der Abwärtstrend bei Terroranschlägen der letzten Jahre fortgesetzt".
Im vergangenen Jahr kamen 109 Menschen bei
Terroranschlägen ums Leben und 1.393 wurden
verletzt - die höchste Anzahl von Opfern in den
vergangenen fünf Jahren.
Westeuropa hatte 1993 mehr internationale Terrorakte zu verzeichnen - insgesamt 180 - als jede andere
Region, vor allem wegen der Gewalttaten der PKK.
Der Nahe Osten folgte an zweiter Stelle mit 101

Anschlägen, gefolgt von Lateinamerika mit 97.
Auf der Liste der internationalen Terrorismus fördernden Staaten stehen immer noch Kuba, Iran,
Irak, Libyen, Nordkorea und Syrien. Im August 1993
wurde zusätzlich der Sudan auf die Liste gesetzt.
"Der Iran ist nach wie vor der aktivste und gefährlichste Terrorismus fördernde Staat der Welt, mit
eigenen Agenten und den von ihm unterstützten
radikalen Gruppen", so der Bericht.
Mit der Feststellung, daß auch der Irak weiterhin
internationalen Terrorismus unterstützt, verweist der
Bericht auf die Tatsache, daß "der Irak die Ermordung des früheren Präsidenten Bush während
seines (privaten) Besuchs in Kuwait im April 1993
plante und seine Agenten für zahlreiche Anschläge
auf internationale humanitäre Einrichtungen und
Hilfspersonal im Irak verantwortlich waren".
1993 waren 427 internationale Terroranschläge zu
verzeichnen - verglichen mit den 364 im Jahr 1992
festgestellten Vorfällen eine Zunahme.
"Der Hauptgrund für die Zunahme war eine von der
kurdischen Arbeiterpartei (PKK) geführte Terrorkam

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Als gravierendste Terrorakte des Jahres 1993 führte
Bodine den Bombenanschlag auf das World Trade
Center, das vereitelte irakische Komplott zur Ermordung Präsident Bushs und die Anschläge der PKK
an.
Der Bericht erachtet den Bombenanschlag auf das
World Trade Center als Akt des internationalen
Terrorismus aufgrund der dem Anschlag zugrundeliegenden politischen Motivation und der Tatsache, daß
die Mehrzahl der festgenommenen Verdächtigen
Ausländer waren. Der Bericht betont, das FBI habe
"keine Beweise, daß eine ausländische Regierung für
den Bombenanschlag verantwortlich war".
Die Politik der Vereinigten Staaten zur Terrorismusbekämpfung und die damit einhergehenden erfolgreichen internationalen
Kooperationsbestrebungen
gründen sich dem Bericht zufolge auf drei Prinzipien:
keine Konzessionen,
Anwendung der Rechtsstaatlichkeit und Verbesserung der Fähigkeiten freundlich gesinnter

Seite 1

�Regierungen zur Bekämpfung der sie konfrontie-1
renden Bedrohung und
Ausübung von Druck auf Terrorismus fördernde
Staaten.
Zur Erläuterung dieser Prinzipien führte Bodine aus,
als die Verantwortung der irakischen Regierung für
das vereitelte Komplott zur Ermordung von Präsident
Bush klar wurde, "setzten die Vereinigten Staaten
militärische Gewalt ein, um Saddam Hussein zu
demonstrieren, daß ein solches Verhalten nicht
toleriert wird". Die Vereinigten Staaten schössen
einen seegestützten Marschflugkörper auf ein Führungszentrum terroristischer Aktivitäten des Irak ab.
Die Vereinigten Staaten ermutigten darüber hinaus
die andauernde internationale Unterstützung der UNSanktionen gegen Libyen und deren Einhaltung, "die
zwingend sind und den ersten Schritt der von den
Vereinten Nationen gegen einen Staat nur wegen
dessen Unterstützung des Terrorismus verhängten
Sanktionen darstellen", äußerte Bodine.
"Der internationale Terrorismus hätte ohne die
Terroristen durch souveräne Staaten gewährte
Finanzierung, Ausbildung, Zuflucht, Waffen und
logistische Unterstützung nicht wie in den vergangenen Jahrzehnten gedeihen können", so der Bericht.
Zu den als Förderer des internationalen Terrorismus
ausgemachten sieben Staaten stellt der Bericht
folgendes fest:
Kuba unterstützt seit langem internationalen
Terrorismus.
Aufgrund der wirtschaftlichen
Schwierigkeiten Kubas kann das Land keinen
maßgeblichen Beitrag leisten. Dennoch bietet es
einigen Terrorgruppen Zuflucht und gewährt
weiterhin Gruppen politische Unterstützung, die
sich mit terroristischen Aktivitäten befassen.

*

Seite 2

Der Iran ist nach wie vor der "gefährlichste" Förderer
und bietet den amerikanischen Politikern den größten
Anlaß zur Sorge. Die iranische Regierung ermordet
weiterhin Dissidenten und andere "Feinde" und
finanziert und bildet Extremisten aus, die freundlich
gesinnte Regierungen wie Ägypten und Tunesien
stürzen wollen.
Trotz der Anforderungen der maßgeblichen
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats hat der Irak
die Förderung von Terrorismus wieder aufgenommen. Der Irak war "eindeutig verantwortlich" für
das vereitelte Komplott zur Ermordung von Präsident Bush.
Die Unterstützung Libyens für Terrorismus besteht
"seit langem und ist offenkundig". Obwohl Libyen
eine Reihe rein kosmetischer und leicht rückgängig zu machender Schritte zur Verringerung seiner
Unterstützung des internationalen Terrorismus
unternommen hat, erfüllt das Land die Forderungen des Sicherheitsrats nicht uneingeschränkt.
Unseres Wissens hat Nordkorea seit 1987, als ein
Flugzeug der Korean Airlines im Flug explodierte,
keine Terroranschläge mehr unterstützt. Nordkorea unterhält angeblich Kontakte zu Terrorismus
praktizierenden Gruppen.
Der Sudan wurde im August letzten Jahres auf die
amerikanische Liste der Terrorismus fördernden
Staaten gesetzt, weil die sudanesische Regierung
trotz mehrerer Warnungen zur Einstellung der
Unterstützung radikaler Extremisten internationalen Terrorgruppen Zuflucht gewährte.
Syrien bietet mehreren Gruppen weiterhin Unterstützung und Zuflucht, die sich mit internationalem
Terrorismus befassen. Es gibt keine Beweise,
daß syrische Regierungsvertreter seit 1986 direkt
in die Planung oder Ausführung von Terroranschlägen einbezogen waren.

*

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�PORTRAT
18. Mai 1994

DESIGNIERTER OBERSTER RICHTER IST
PRAGMATISCHER ARCHITEKT DES KONSENSES
Porträt von Stephen Breyer
WASHINGTON - (AD) - Die Amerikaner glauben an
das Gesetz, die Rechte des einzelnen und die
Verfassung, erklärte Stephen Breyer, designierter
Richter am neunköpfigen Obersten Bundesgericht
der Vereinigten Staaten, und sie tun gut daran, denn
das ist für ihr Leben äußerst wichtig.
Bei einer Feierstunde im Rosengarten des Weißen
Hauses am 16. Mai 1994 stellte Breyer fest, die
Verfassung und das Gesetz müßten mehr sein als
nur Worte und sollten für den Menschen eine
praktische Realität darstellen.
Er versprach, sich dafür einzusetzen, daß die
amerikanischen Gesetze "in Wort und Geist" dem
Volk dienen.
Breyer ist seit 1990 als Oberster Richter am Appellationsgericht in Boston tätig, wozu er ursprünglich
1981 nominiert wurde. Im Falle seiner Bestätigung
durch den Senat wird er Nachfolger von Richter
Harry Blackmun, der für das liberalste Mitglied des
Obersten Bundesgerichts gehalten wird.
Der 55jährige Breyer hat etwa 600 Gutachten
erstellt, die von Juristen als politisch neutral bezeichnet werden und Entscheidungen gefällt, die von
gemäßigt bis liberal einzustufen sind.
Präsident Clinton erklärte, Breyer, der bereits im
vergangenen Jahr für die Besetzung dieses Amtes
in Betracht gezogen wurde - die Entscheidung fiel
jedoch zugunsten von Ruth Bader Ginsberg verfüge über "das erforderliche politische Urteilsvermögen". Neben Breyers politischen Fähigkeiten
führte der Präsident dessen "Begabung als Architekt
des Konsenses" an und würdigte ihn als "einen der
herausragenden Juristen unserer Zeit".
Dem Präsidenten zufolge wird Breyer seine Fähigkeit
einbringen, im Obersten Gerichtshof Amerikas
"Brücken der Fairness und Gerechtigkeit" zu bauen.
Er erwarte von seinem Kandidaten, "dem Gericht
Größe zu verleihen".

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Breyer bezeichnete seine juristische Philosophie als
"eher pragmatisch denn theoretisch" und schrieb, das
Gesetz sei "eine Einrichtung des Menschen, die den
grundlegenden Erfordernissen des Menschen und der
Gesellschaft diene". Der designierte Oberste Richter
äußerte, rechtliche Instrumente wie die Verfassung,
die Bill of Rights, Gesetzesbestimmungen und
Vorschriften sollten den Menschen das Zusammenleben in einer Gesellschaft ermöglichen, in der es
eine Vielzahl unterschiedlicher Ansichten und Bedürfnisse gebe.
Breyer möchte als ein Mitglied des öffentlichen
Dienstes bekannt werden, das allen drei Zweigen der
US-Regierung diente: dem Justizministerium, dem
Kongreß und dem Gericht.
In den sechziger Jahren arbeitete er im Bereich des
Kartellrechts für das Justizministerium und war 1973
Mitglied der Sonderuntersuchungsgruppe der Watergate-Affaire. Kurz darauf wurde er Sonderberater
des Justizausschusses des Senats und wirkte an der
Formulierung der Richtlinien fürdie Deregulierung der
Luftfahrtindustrie mit.
Später arbeitete Breyer als Juraprofessor in Salzburg.
Vor seiner Tätigkeit als Richter praktizierte er als
freiberuflicher Anwalt. Ferner gehörte er dem Bundesstrafausschuß an, der erstmals Richtlinien für die
Verurteilung von Verbrechern aufstellte.
Der Verwaltungsrechtsexperte David Bickert äußerte
der Washington Post gegenüber, Breyer verfüge über
"ein außergewöhnlich feines Gespür dafür, welche
Auswirkungen Vorschriften auf den einzelnen haben,
wer schutzbedürftig ist und welche Belastung daraus
für ein Unternehmen entsteht".
Breyer ist unter anderem Verfasser eines Buches mit
dem Titel Breaking the Viclous Circle: Toward
Effectlve Rlsk Regulation. Ferner veröffentlichte er
eine Vielzahl von Fachartikeln und wirkte in Havard
an der Law Review mit.

Seite 1

�Breyers Frau Joanna ist als Psychologin am Krankenhaus tätig, ihr Vater, Lord John Blankenham, war
früher Vorsitzender der Konservativen Partei Großbritanniens. Die Breyers haben drei Kinder - Michael, Neil und Chloe. Der energiegeladene Richter
joggt und fährt Fahrrad.

Seine juristische Laufbahn ist auch für Umweltschützer ansprechend. Er arbeitete an Fällen im Zusammenhang mit Strandbuggys am Küstenstreifen
von Cape Cod, der Säuberung des Bostoner Hafens
und Bedrohungen der gefährdeten Flora und Fauna
von Maine.

Der Kandidat für das Richteramt hat einen trockenen
Humor. Er wuchs in Kalifornien auf, besuchte die
Lowell High School in San Francisco und machte
1959 an der Stanford University seinen Abschluß mit
Auszeichnung. Während seiner Zeit in Stanford war
er auch als Generalsekretär bei einem Modellversuch "Vereinte Nationen" tätig.

Angesichts der starken Unterstützung Breyers durch
beide Parteien erwartet man aus dem Kapitol keinen
Widerstand gegen seine Nominierung. Der Minderheitsführer im Senat, Robert Dole, beschrieb den
Kandidaten als Persönlichkeit mit "hohem Intellekt"
und Integrität. Orrin Hatch, Mitglied im Justizausschuß des Senats und Angehöriger der Republikanischen Partei, äußerte, Breyer werde eine Bereicherung des Obersten Gerichts sein. Der Demokratische
Senator Patrick Leahy erwartet eine problemlose
Bestätigung Breyers vor der im August beginnenden
Sommerpause des Kongresses.

Breyer, der Französisch spricht, studierte als Marshall-Stipendiat Politik und Ökonomie an der Oxford
University und machte 1964 an der juristischen
Fakultät von Harvard sein Examen magna cum
laude.
Mitte der sechziger Jahre war er Assistent von
Richter Arthur Goldberg am Obersten Bundesgericht.
In den siebziger Jahren kehrte Breyer nach Harvard
zurück, wo er Kartell- und Wirtschaftsrecht lehrte.

Die Anhörung zur Bestätigung Breyers vor dem
Justizausschuß des Senats soll im Sommer stattfinden. Bis zu diesem Zeitpunkt will Breyer keine
Antwort auf wesentliche Fragen geben. Er wird
wahrscheinlich zu Bürgerrechten, der Todesstrafe,
Schwangerschaftsabbruch, dem Schulgebet und dem
Recht auf Privatsphäre befragt.

* * * *

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*

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�UMWELT
18. Mal 1994

UMWELTVERTRÄGLICHE ENTWICKLUNG EINE ILLUSION
von Thomas J. DiLorenzo
Umweltverträgliche Entwicklung - staatliche Kontrolle der Ressourcen im Namen des Umweltschutzes funktioniert nicht, argumentiert der Verfasser und führt die ehemals kommunistischen Länder als Beispiel an.
DiLorenzo zufolge ist die Ursache der Umweltverschmutzung in der bisher kommunistischen Welt und weltweit
"das Fehlen von Eigentumsrechten und Haftungsgesetzen, die Umweltverschmutzer für ihr Handeln zur
Rechenschaft ziehen... Wenn man das Recht auf Eigentum an Ressourcen hat, besteht ein stärkerer Anreiz
zum Schutz dieser Ressourcen."
Der Autor ist Ökonomieprofessor an der Sellinger School of Business and Management am Loyola College in
Baltimore (Maryland). Er hat zahlreiche Artikel über öffentliches Finanzwesen und politische Themen verfaßt
und Vorlesungen darüber gehalten. Er ist ferner redaktioneller Sachverständiger für 15 wissenschaftliche
Zeitschriften.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The Futurist, Ausgabe SeptemberOktober 1993, herausgegeben von World Future Society, 7910 Woodmont Ave., Suite 450, Bethesda MD
20814. Copyright (c) 1993 World Future Society.
Es gibt keine genaue Definition von umweltverträglicher Entwicklung. Für einige bedeutet sie nur
das Abwägen zwischen Wirtschaftswachstum und
den Zielen des Umweltschutzes - eine relativ unumstrittene Position. Für andere bedeutet sie jedoch
etwas anderes: Eine dramatische Verringerung des
Wirtschaftswachstums in den Industrienationen
gekoppelt mit einer massiven Umverteilung des
internationalen Sozialprodukts.
Den Verfechtern der letzteren Sichtweise zufolge gibt
es weltweit nicht mehr genug Ressourcen zur
Aufrechterhaltung der derzeitigen Wirtschaftswachstumsraten, und diese Wachstumsraten sind außerdem zu schädlich für die Umwelt. Infolgedessen
argumentieren diese Befürworter zugunsten von
staatlicher Regulierung praktisch des gesamten
menschlichen Verhaltens auf nationaler und internationaler Ebene sowie für staatliche Kontrolle von
in Privatbesitz befindlichen Ressourcen weltweit.
Solche Kontrollen könnten durch nationale Regierungen oder internationale Bürokratien wie die Vereinten Nationen durchgeführt werden. Die aus dem
tragischen Scheitern des Sozialismus zur ziehende
"Lehre" - so glauben die Verfechter der umweltverträglichen Entwicklung anscheinend - lautet, daß die
Welt mehr Sozialismus braucht.

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Solche Ansichten würden als bizarr und irrational
abgetan, wenn sie nicht von einer so einflußreichen
Persönlichkeit wie der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Hartem Brundtland vertreten würden, die
auch den Vorsitz der Weltkommission für Umwelt und
Entwicklung der Vereinten Nationen führt. Diese
Kommission veröffentlichte ihre Ansichten 1987 in
dem Buch Our Common Future, das den Grundstein
für den im Juni 1992 in Rio de Janeiro abgehaltenen
Erdgipfel legte.
Die in Our Common Future und beim Erdgipfel
befürworteten politischen Vorschläge trugen jedoch
den inhärenten Mängeln staatlicher Planung und
Regulierung nicht Rechnung und ignorieren die
wichtige Rolle des Rechts auf Privateigentum, der
Technologie und des Marktsystems bei der Milderung
von Umweltproblemen.
Der endgültige Zusammenbruch des Kommunismus
im Jahr 1989 enthüllte ein schmutziges Geheimnis:
In der kommunistischen Welt war die Verschmutzung
sehr viel schlimmer als an irgendeinem anderen Ort
des Planeten. Theoretisch hätte dies nicht der Fall
sein dürfen, denn seit langem wurde argumentiert,
das Profitdenken und das Versagen unregulierter
Märkte, Anreize zur Deckung externer Kosten im
Inland zu bieten, seien die Hauptursachen der

Seite 1

�Verschmutzung gewesen. Staatliche Regulierung
oder staatlicher Besitz von Ressourcen wurden als
notwendige Voraussetzung für Umweltschutz angesehen.
Aber das war nur Theorie. Realität ist, daß in den
Ländern, in denen Profitstreben seit Jahrzehnten
verpönt war und die Regierung den Besitz praktisch
aller Ressourcen beanspruchte, die Verschmutzung
und andere Formen von Umweltzerstörung verheerend waren. Dem globalen Umwelt-Überwachungsprogramm der Vereinten Nationen zufolge zählt die
Verschmutzung in Mittel- und Osteuropa zu der
"schlimmsten auf der Erdoberfläche".
In Polen hat der saure Regen beispielsweise die
Eisenbahnschienen so korrodiert, daß die Züge nicht
schneller als 38,4 km pro Stunde fahren dürfen. 95
Prozent des Wassers sind für menschlichen Verbrauch und der Großteil sogar für industrielle Zwekke ungeeignet und so vergiftet, daß es Schwermetalle auflösen würde. Der Industriestaub regnet auf
Städte und lädt Kadmium, Blei, Zink und Eisen ab.
Die Hälfte der polnischen Städte entsorgt nicht
einmal die Abfälle, und die Lebenserwartung der
Männer ist niedriger als vor 20 Jahren.
Ein ähnliches Bild bietet sich in anderen Teilen
Mittel- und Osteuropas, der ehemaligen Sowjetunion
und China. 80 Prozent der Gewässer im früheren
Ostdeutschland sind als ungeeignet zum Fischen,
Trinken oder für sportliche Aktivitäten eingestuft. Ein
Drittel der Seen wurde für biologisch tot erklärt, weil
jahrzehntelang unbehandelte chemische Abfälle dort
abgeladen wurden. Einige Städte haben eine so
hohe Luftverschmutzung, daß die Autos am Tag mit
Licht fahren müssen. Bulgarien, Ungarn, Rumänien,
das ehemalige Jugoslawien und die frühere Tschechoslowakei erlitten während der Jahrzehnte des
Kommunismus ähnliche Umweltschäden.
Diese traurigen Tatsachen lehren die wichtige
Lektion, daß die Theoretiker der umweltverträglichen
Entwicklung nichts gelernt haben. Die Ursache der
Umweltverschmutzung in der bisher kommunistischen Welt und weltweit sind nicht das Profitstreben
und unregulierte Märkte, sondern das Fehlen von
Eigentumsrechten und Haftungsgesetzen, die
Umweltverschmutzer für ihr Handeln zur Rechenschaft ziehen. Die Zerstörung der Umwelt in der
ehemals kommunistischen Welt ist ein Beispiel für
die riesige 'Tragödie der Menschheit", um die von
dem Biologen Garrett Hardin geprägte Formulierung
zu entlehnen. Wo Eigentum in kommunalem oder
staatlichem Besitz ist und als freie Ressource
behandelt wird, werden Ressourcen unweigerlich
unter geringer Berücksichtigung zukünftiger Konsequenzen erschöpft.

Seite 2

Wenn man jedoch das Recht auf Eigentum an
Ressourcen hat, besteht ein stärkerer Anreiz zum
Schutz dieser Ressourcen. Wenn der einzelne ferner
nicht für anderen zugefügte Schäden - einschließlich
der Umweltschäden - verantwortlich gemacht wird,
besteht wenig Hoffnung, daß verantwortungsbewußtes Verhatten die Folge sein wird. Es erübrigt sich zu
sagen, daß der Staat sich nicht für die von ihm in den
ehemals kommunistischen Ländern verursachten
Umweltschäden verantwortlich fühlte. Weit davon
entfernt, eine Antwort auf Umweltprobleme zu sein,
war daher überall vorhandene staatliche Kontrolle der
Rohstoffe die Ursache.
Our Common Future vernachlässigt die Rolle der
Eigentumsrechte und vertraut daher viel zu stark auf
die Wirksamkeit stärkerer staatlicher Kontrolle und
Regulierung als Lösung für Umweltprobleme. Einige
Beispiele ragen heraus.
Rodung der Wälder. Internationale Wirtschaftsbeziehungen "stellen ein besonderes Problem für
arme Länder dar, die ihre Umweltprobleme in den
Griff zu bekommen versuchen", stellt Our Common
Future fest. Beispielsweise ist "der Handel mit
Tropenhölzern... ein Faktor für die Rodung tropischer
Regenwälder. Der Bedarf an Devisen ermutigt viele
Entwicklungsländer zum schnelleren Abholzen der
Wälder als diese sich regenerieren können."
Der Devisenbedarf besteht jedoch nicht nur in den
Entwicklungsländern. Jeder hat lieber mehr als
weniger, aber nicht alle fällen Bäume und verkaufen
sie für einen wirtschaftlichen Profit. Die Rodung der
Wälder war auch in den ehemals kommunistischen
Ländern ein massives Problem, aber der Hauptgrund
war, daß die Wälder sich in kommunalem Besitz
befanden. Infolgedessen konnte jeder sie abholzen
und in Ermangelung von Eigentumsrechten gab es
praktisch keinerlei Anreiz, neue zu pflanzen.
Auch in demokratischen Ländern wurde abgeholzt,
vor allem in an Holzfällereien verpachteten staatlichen Wäldern, die - da das Land nicht ihr Privatbesitz
ist - wenig an der Wiederaufforstung und dem Schutz
ihres künftigen Werts interessiert sind. Einige dieser
holzverarbeitenden Unternehmen tragen in der Tat
Sorge, nicht zu stark zu roden oder ihren eigenen
privaten Waldvorrat wiederaufzuforsten. Sie tun dies
nicht so sehr in dem Wunsch, die Umwelt zu schützen, als vielmehr für den Schutz ihrer Vermögenswerte. Gut umgesetzte Eigentumsrechte und die
Existenz eines Markts für Holzprodukte werden
gewährleisten, daß wahrscheinlich eine kluge Nutzung der Wälder und kein Raubbau betrieben wird.
Versteppung. Die Theoretiker der umweltverträglichen Entwicklung stellen auch eine Fehldiagnose

AMERIKA DIENST 19

�beim Problem der Versteppung - dem Prozeß, durch
den "produktives und teilweise unfruchtbares Land
wirtschaftlich unproduktiv wird", wie Our Common
Future es definiert. Sie machen den Kapitalismus
für die Versteppung verantwortlich, insbesondere
"den Druck auf unabhängige Nahrungsmittelproduktion, kommerziellen Anbau und Fleischproduktion in
fruchtbaren und halbfruchtbaren Gebieten". Ihre
"Lösung" lautet stärkere staatliche Kontrolle bei der
Landwirtschaft.
Die Versteppung ist zweifelsohne ein weltweites
Problem, das auch Teile der Vereinigten Staaten
betrifft. Die Hauptursache ist jedoch nicht die kommerzielle Landwirtschaft, sondern die Tragödie der
Bevölkerung.
Ein besonders anschauliches Beispiel der Bedeutung von Privateigentum für die Versteppung wurde
1974 in einem Artikel der Zeitschrift Science über
die Versteppung der Sahelzone in Afrika geschildert.
Zu dieser Zeit litt die Region unter einer fünfjährigen
Dürreperiode. Die Satellitenfotos der NASA zeigten
ein merkwürdig grünes Fünfeck, das in scharfem
Gegensatz zur übrigen afrikanischen Wüste stand.
Bei Nachforschungen entdeckten die Wissenschaftler, daß der grüne Klecks eine 10.000 Hektar große,
mit Stacheldraht umzäunte, in fünf Sektoren unterteilte Ranch war, und das Vieh pro Jahr nur in einem
Sektor weiden durfte. Die Ranch wurde zu der Zeit
in Betrieb genommen, als die Dürre begann, aber
der dem Land gebotene Schutz reichte aus, um den
Unterschied zwischen Weideland und Wüste zu
bewirken.
Flora und Fauna. Beim Erdgipfel wurde ein "Vertrag über Artenvielfalt" befürwortet, mit dem die
nationalen Regierungen Maßnahmen für eine
Verlangsamung des Verlusts von Pflanzen und
Tieren ergreifen sollten. Die von den Verfechtern
einer umweltverträglichen Entwicklung bevorzugte
Maßnahme umfaßt das Verbot der kommerziellen
Nutzung bestimmter Pflanzen und Tiere, wie etwa
das Verbot der Ausfuhr von Elefantenzähnen aus
Afrika und die Auflistung weiterer "gefährdeter
Arten", die dann von Regierungen in Naturschutzreservaten oder andernorts "geschützt" werden
könnten.
Es gibt jedoch zunehmende Beweise, daß der beste
Weg zur Rettung wirklich gefährdeter Arten nicht in
ihrer Sozialisierung sondern darin besteht, den
Menschen deren Besitz zu gestatten. Um den
Naturschützer Ike Sugg zu zitieren:
"Wenn Regierungen dem einzelnen erlauben,
die Früchte der Erhaltung und des Schutzes
ihrer Flora und Fauna zu ernten, werden

AMERIKA DIENST 19

diese gedeihen. Wenn dem einzelnen die
Chance verwehrt wird, legal von Flora und
Fauna zu profitieren, wird er dies illegal und
ohne das Verantwortungsgefühl tun, das mit
der Verwaltung der Ressourcen einhergeht."
Ein besonders anschauliches Beispiel für Suggs
Argument ist der afrikanische Elefant. Kenia verhängte in den siebziger Jahren das Verbot der
Elefantenjagd, woraufhin sich die Zahl der Elefanten
aufgrund der Wilderei von 140.000 im Jahr 1970
rasch auf heute 16.000 verringerte.
Im Gegensatz dazu hatte Simbabwe 1979 nur 30.000
Elefanten, zählt heute jedoch über 65.000. Der
Hauptgrund für diesen Unterschied ist Sugg zufolge,
daß die Regierung von Simbabwe 1984 den Einwohnern den Besitz von Elefanten auf kommunalem
Gelände gestattete - ein großer Schritt in Richtung
auf die Definition von Eigentumsrechten. Ein Stammeschef, der den Wert von Eigentumsrechten und
der Kommerzialisierung von Elefanten verstand,
drückte es folgendermaßen aus:
"Lange Zeit erklärte uns die Regierung, Flora
und Fauna seien ihre Ressource. Aber ich
sehe, wie lebende Tiere unsere Ressource
sein können. Unser Wohlstand. Unser Weg
zur Verbesserung des Lebensstandards ohne
auf eine Entscheidung der Regierung zu
warten. Ein Wilderer stiehlt nur von uns."
Auch in einigen Gebieten der Vereinigten Staaten
werden gefährdete Arten durch private Eigentumsrechte und freie Märkte in Form von Wildgehegen
geschützt, in denen typischerweise "exotische" oder
nichteinheimische Tiere gehalten werden.
Der
Rancher David Bamberger aus Texas hat beispielsweise 29 der 31 verbliebenen Arten der Oryx-Antilope
erhalten - einer seltenen Antilope, die in ihrem
Herkunftsland Afrika praktisch ausgestorben ist.
Trotz solcher Erfolge haben mehrere Bundesstaaten
Wildgehege aufgrund der Argumentation verboten,
sie seien Blasphemie für die "Religion" der Umweltschützer (ganz zu schweigen von "Tierrechten"), die
lautet, Märkte und Eigentumsrechte dezimierten die
Arten.
Das Prinzip der Nutzung von Eigentumsrechten und
Marktanreizen zum Schutz globaler Ressourcen und
der Umwelt findet auf ein breites Spektrum von
Problemen Anwendung, einschließlich der Ausbeutung von Wasserressourcen im amerikanischen
Westen, dem Mismanagement staatlicher Wälder, der
Überfischung öffentlicher Seen und Flüsse und sogar
der Ozeane. Das Seerechtsgesetz, dessen Unterzeichnung die Vereinigten Staaten bisher verweigert
haben, würde die Ozeane als größtes Gut - und

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�unweigerlich als größte Tragödie - der Erde in
staatlichem Besitz und unter staatlicher Verwaltung
definieren.
Dieses elementare Prinzip wird jedoch noch nicht
einmal von den Theoretikern der umweltverträglichen
Entwicklung bei den Vereinten Nationen anerkannt.
Auf die Frage: "Wie können Einzelpersonen ...
überzeugt oder veranlaßt werden, im Interesse des
Allgemeinwohls zu handeln?", antwortete die Brundtland-Kommission mit "Bildung", Undefinierter "Strafverfolgung" und Beseitigung "des Gefälles bei wirtschaftlicher und politischer Macht". Die Rolle der
Eigentumsrechte bei der Formulierung von Anreizen
wurde nicht erwähnt.
Umweltverträgliche Entwicklung - wie von der
Brundtland-Kommission und den Planern des
Erdgipfels definiert - kann bestenfalls als Euphemismus für umweltpolitischen Sozialismus verstanden
werden, der den Regierungen immer mehr Kontrolle
über die Zuweisung von Ressourcen im Namen des
Umweltschutzes einräumt. Wenn jedoch aus dem
Zusammenbruch des Sozialismus in den ehemals
kommunistischen Ländern überhaupt eine Lektion zu
lernen ist, dann, daß der staatliche Besitz und die
staatliche Kontrolle von Ressourcen ein Rezept für
wirtschaftlichen Zusammenbruch und Verschlechterung der Umwelt sind. Sozialismus ist beim Schutz
der Umwelt genausowenig effektiv wie bei der
Schaffung von Wohlstand.
Der staatliche Besitz von Rohstoffen führt unweigerlich zu der Tragödie der Menschheit, dies ist jedoch
allzuhäufig die von der Brundtland-Kommission
angebotene "Lösung". Die Kommission empfiehlt
staatliche Kontrolle für alles vom Weltall bis zur
Energie, die angeblich "zu wichtig für die Entwicklung ist, als daß sie in solcher Weise fortgeführt
werden könnte", wie es der freie Markt gestattet.
Die oberste Priorität der Verfechter von umweltverträglicher Entwicklung ist vielleicht, den internationalen Wohlstandsstaat durch die Verlagerung von
Wohlstand aus "den reichen" Ländern in die Entwicklungsländer zu erweitern. Die gesamte Geschichte
der Entwicklungshilfe vollzieht sich jedoch zwischen
den Regierungen - der Großteil wird für gewöhnlich
zur Finanzierung der Erweiterung von Regierungsbürokratien in den Empfängerländern verwendet was der wirtschaftlichen Entwicklung abträglich sein
kann. Selbst wenn der größte Teil der Hilfe in die
Hände der Einwohner der Empfängerländer gelangen würde, erläutern die Theoretiker der umweltverträglichen Entwicklung nicht, wie dies in Ersparnisse,
Investitionen, Kapitalbildung und Unternehmenstätigkeit umgesetzt werden soll - die Bestandteile der
Wirtschaftsentwicklung.

Seite 4

Und schließlich begeht die Theorie umweltverträglicher Entwicklung den großen Fehler "der Vortäuschung von Wissen", wie es der Nobelpreisträger
Friedrich von Hayek bezeichnete. Die zur effizienten
Herstellung selbst der einfachsten Produkte erforderlichen detaillierten und sich ständig verändernden
"Informationen über Zeit und Ort" sind so enorm und
weitverzweigt, daß kein menschliches Gehirn oder
eine Denkfabrik mit dem größten Computer der Welt
die Effizienz eines dezentralisierten Marktsystems
imitieren könnte. Dies ist letztlich die Hauptlektion,
die aus dem weltweiten Zusammenbruch des Sozialismus zu lernen ist.
Je größer und komplexer die Wirtschaft darüber
hinaus wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit,
daß staatliche Planung irgend etwas anderes als ein
bloßes Herumgerate sein könnte. Wie Hayek in
seinen 1988 erschienenen Buch The Fatal Conceit
feststellt:
"Indem wir den der wettbewerbsorientierten
Marktordnung zugrundeliegenden spontan
geschaffenen moralischen Traditionen folgen...
schaffen und speichern wir größeres Wissen
und Wohlstand als je in einer zentral gelenkten
Wirtschaft gewonnen und genutzt werden
könnte... Daher sind sozialistische Ziele und
Programme faktisch unmöglich zu erlangen
oder durchzuführen."
Die Theorie umweltverträglicher Entwicklung fordert
vielfältige Varianten internationaler zentraler Planung
der Wirtschaftsaktivität. Wenn das "vorgetäuschte
Wissen" fatal für Versuche staatlicher Planung auf
nationaler Ebene ist, so ist die Überzeugung unhaltbar, daß internationale oder globale Planung möglicherweise Erfolg haben könnten.
Die Empfehlung der Brundtland-Kommission, daß
jede Regierungsbehörde der Welt sich mit wirtschaftlicher Planung und Regulierung im Namen des Umweltschutzes befassen sollte, würde zu einer massiven Bürokratisierung der Gesellschaft und konsequenterweise einer drastischen Verschlechterung des
Lebensstandards führen. Die Vorstellung von Millionen "grüner" Bürokraten, die in jeden Aspekt unseres
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens
eingreifen, ist erschreckend.
Die Ironie des Schicksals ist, daß die wohlhabenderen Volkswirtschaften typischerweise gesünder und
sauberer sind als die ärmeren. Durch die Verarmung
der Weltwirtschaft würde "umweltverträgliche Entwicklung" tatsächlich auch schädlich für die Umwelt sein.
Privateigentum, freie Märkte und gute Haftungs-

AMERIKA DIENST 19

�gesetze - Anatheme der Theorie von umweltverträglicher Entwicklung - sind unabdingbar für eine

saubere Umwelt und Wirtschaftswachstum,

* * * *

AMERIKA DIENST 19

*

Seite 5

�FUSSBALL
18. Mal 1994

DIE AUSTRAGUNGSORTE DES WORLD CUP 1994
Neun amerikanische Städte im Porträt (I)

WASHINGTON - (AD) - Die Fußballweltmeisterschaft 1994 in den USA wird in neun Städten veranstaltet.
Beginnend mit Boston, Chicago, Dallas, Detroit und Los Angeles, veröffentlichen wir in den nächsten beiden
Ausgaben des Amerika Dienst kurze Porträts dieser Austragungsorte von Weltmeisterschaftsspielen.

BOSTON
Boston, auch "Beantown" oder "the Hub" genannt,
war eine der ersten europäischen Ansiedlungen in
den Vereinigten Staaten. Die Stadt wurde 1630 von
englischen Puritanern auf der Suche nach Religionsfreiheit gegründet und ist seither die bedeutendste
Stadt von Neu-England. Heute zählt Boston mit
seinen Vororten mehr als vier Millionen Einwohner.
Die Bewohner der Stadt haben seit ihrer Gründung
eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Landes
gespielt. Im nahegelegenen Concord und in Lexington wurde "der Schuß, den die ganze Welt hörte",
abgefeuert. Er markierte den Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges im April 1775. Am
gegenüberliegenden Ufer des Charles River in
Cambridge übernahm im folgenden Jahr George
Washington den Oberbefehl über das Revolutionsheer. Die Region ist ferner der Geburtsort solch
historisch bedeutender Persönlichkeiten wie Benjamin Franklin, John Adams, John Quincy Adams und
John F. Kennedy.
Die Geschichte der Stadt ist im großen und ganzen
erhalten geblieben und kann im Verlauf des 2,4 km
langen "Freedom Trail" besichtigt werden. Er
beginnt am Boston Common, dem ältesten Park der
Vereinigten Staaten. An dem historischen Weg
liegen ferner das Old State House, das als Sitz der
Kolonialregierung diente, die King's Chapel, Standort
der ersten öffentlichen Schule, der Globe Corner
Book Store, der einst von so berühmten Gelehrten
und Schriftstellern wie Ralph Waldo Emerson, Henry

AMERIKA DIENST 19

Wadsworth Longfellow und Nathaniel Hawthome
besucht wurde, das Old South Meeting House, wo im
Jahr 1773 die Boston Tea Party ihren Ausgang
nahm, und Faneuil Hall, seit 1742 Versammlungsort
von Bürgern, die dort über Politik und Wirtschaft
diskutieren.
Boston setzt sich aus vielen unterschiedlichen
Stadtvierteln zusammen. In der Nähe des Boston
Common befindet sich Beacon Hill, ein Viertel mit
engen Straßen und gut erhaltenen Stadthäusern aus
der Kolonialzeit. Nahe bei Faneuil Hall liegt das
North End, das zahlreiche historische Gebäude
beherbergt, wie etwa die Old North (Christ) Church,
Bostons älteste erhaltene Kirche, und das Paul
Revere House, das Heim des Patrioten aus der
Revolutionszeit. Heute wird das North End hauptsächlich von italienischen Einwanderern bewohnt,
und die zahlreichen Märkte und Restaurants verleihen dem Viertel ein besonderes Flair.
Die Wirtschaftskraft der Stadt gründet sich auf
Finanz- und Versicherungswesen, Niederlassungen
von Unternehmen, Universitäten, medizinische
Einrichtungen, Freizeit und Tourismus, Einzelhandel
und Industrie.
Boston besitzt einen der größten und meistfrequentierten Häfen der Welt. Er ist ferner ein wichtiger
Fischereihafen, und seine Fischrestaurants zählen zu
den besten des Landes.
Über 50 Colleges und Universitäten, darunter einige
der renommiertesten Bildungsstätten des Landes,
sind in Boston und seinen Vororten beheimatet. Dazu

Seite 1

�gehören: Die Harvard University (das älteste College des Landes), das Massachusetts Institute of
Technology (MIT), das Boston College, die Tufts
University, die Northeastem University, die University
of Massachusetts at Boston und das New England
Conservatory of Music.
Die Region von Boston ist auch als Standort zahlreicher High-Tech-Firmen bekannt, die in Cambridge
und entlang von Route 128, einer Ringautobahn um
Boston herum, angesiedelt sind. Ihre Wirtschaftstätigkeit konzentriert sich auf die Bereiche Elektronik,
Computer, Ingenieurwesen und Raumfahrt, und ihre
Mitarbeiter rekrutieren sich in großem Maß aus dem
Talentreservoir der umliegenden Universitäten.
Die Stadt besitzt darüber hinaus ein blühendes
Kulturleben. Die Symphony Hall, eine Konzerthalle
mit weltweit einzigartiger Akustik, ist die Heimat des
Boston Symphony Orchestra und der Boston Pops.
Das American Repertory Theater in Cambridge wird
landesweit für seine avantgardistischen Produktionen
gerühmt.
Natürlich sind die Einwohner Bostons auch begeisterte Sportfans. Im alten Boston Garden spielen
die Basketballmannschaft der Boston Celtics, die
bereits zahlreiche nationale Meisterschaften gewinnen konnte, und das Hockeyteam der Boston Bruins.
Beide Mannschaften werden seit langem von einer
großen Schar loyaler Anhänger unterstützt. Das
beliebte Baseball-Team der Stadt, die Red Sox,
absolviert seine Heimspiele von April bis Oktober im
Fenway Park nahe dem Kenmore Square. Die
Football-Mannschaft der New England Patriots spielt
im Sullivan Stadium von Foxboro (Massachusetts)
südwestlich von Boston.
Boston ist eine Stadt der Fußgänger, denn viele
seiner Attraktionen sind von bekannten Hotels und
vom Stadtzentrum aus zu Fuß zu erreichen. Wanderer werden darüber hinaus den 24 Kilometer
langen Weg am Charles River entlang, vorbei am
MIT, der Boston University und Harvard zu schätzen
wissen.
Für Tages- oder Wochenendausflüge in die nähere
Umgebung bieten die Küsten von North Shore und
South Shore sowie Cape Cod lohnende Ziele. In
North Shore befinden sich Rockport, eine Künstlerkolonie mit Geschäften, Galerien und Kunsthandwerkstudios, Gloucester, einst einer der größten
Fischereihäfen des Landes und heute ein Ort mit
exzellenten Fischrestaurants sowie Salem mit seinen
herrschaftlichen Häusern, die sich Clipperkapitäne
dort bauen ließen. Im Süden liegt Plymouth, wo die
Rekonstruktion der ersten europäischen Siedlung
besucht werden kann. Noch weiter südlich befindet

Seite 2

sich Cape Cod, eine schmale Halbinsel, die für ihre
Fischspezialitäten und sauberen Strände bekannt ist.
Weitere Informationen über Boston und Umgebung
können angefordert werden bei: Greater Boston
Convention &amp; Visitors Bureau, Prudential Tower,
Suite 400, P.O. Box 490, Boston, Massachusetts
02199; Telefon: 617-536-4100.

CHICAGO
Lange bevor die Europäer nach Nordamerika gelangten, kannten die Indianer Chicago als den Ort, an
dem eine niedrige Wasserscheide den Michigan-See
und die anderen Großen Seen von den Gewässern
trennte, die zum Mississippi und dem Golf von
Mexiko fließen. Als erste Europäer erforschten
Franzosen dieses Gebiet; ein schwarzer Trapper mit
dem Namen Jean-Baptiste Point du Sable gründete
die erste Siedlung an dem Ort, der von den Indianern
"Chicagou" genannt wurde, was starker oder mächtiger Ort heißt.
Von Beginn an erkannten die Vereinigten Staaten die
Bedeutung Chicagos; 1803 wurde dort das Fort
Dearborn errichtet. Das 1833 urkundlich als Dorf
eingetragene Chicago verzeichnete seit seiner
Gründung ein enormes Wachstum. Damals wie
heute war der Grund dafür seine Lage. Um die Mitte
des 19. Jahrhunderts bildete die Stadt bereits einen
wichtigen Eisenbahnknotenpunkt und Seehafen, das
Tor zum oberen Mittelwesten und seinen landwirtschaftlichen Reichtümern.
Angeführt von Menschen wie Cyrus McCormick, dem
Erfinder der Mähmaschine, entwickelte sich Chicago
zu einem Zentrum der Produktion; in seinen Silos
wurde ein Großteil des Getreides aus dem mittleren
Westen gelagert und in seinen Schlachthöfen das
Fleisch verarbeitet, das in Haushalten des ganzen
Landes auf den Tisch kam. Heute ist die Stadt die
wichtigste Verkehrsdrehscheibe des Landes, das
Zentrum eines riesigen Netzes von Lastwagen- und
Bahnrouten in das ganze Land sowie von weltweiten
Flugverbindungen.
Chicago vermittelt ein Bild der Stärke und Härte. Der
Dichter Carl Sandberg rühmte sie als die "Stadt der
breiten Schultern". Es ist die Art von schnörkelloser
Stadt, in der Mannschaften wie die Chicago Bulls
dreimal hintereinander Landesmeister im Basketball
werden oder die Chicago Bears, die oft auch die
"Monsters of Midway" genannt werden, in einem
Footballspiel gegen Ende der Saison ihre Gegner
inmitten eines heulenden Schneesturms überrennen.

AMERIKA DIENST 19

�Die Chicago Cubs und die Chicago White Sox
spielen in der "Windy City" bereits nahezu seit der
Jahrhundertwende Baseball. Die Stadt hat ferner
das Profi-Eishockeyteam der Black Hawks sowie den
Meister der North American Soccer League von
1991, Chicago Sting, aufzuweisen.
Die Weltmeisterschaftsspiele werden im SoldierField-Stadion ausgetragen, das nahe am MichiganSee und im Herzen der Stadt gelegen ist. Chicago
ist darüber hinaus der Sitz von U.S. Soccer, dem
Dachverband dieses Sports in den USA.
Im Einklang mit seinem Image der breiten Schultern
hat Chicago drei der fünf höchsten Gebäude der
Welt vorzuweisen: Der 110stöckige Sears Tower,
der Amco Tower und das John Hancock Building.
Die Chicago Symphony, das Field Museum of
Natural History, das Chicago Art Institute und die
Lyric Opera Company tragen zu Chicagos Stellung
als bedeutendem Zentrum des Kulturlebens bei, und
dasselbe gilt für die Präsenz der University of
Chicago, der Northwestern University, Loyola University und DePaul University. Das Daley Center mit
seiner berühmten Plastik von Picasso ist eines der
bekanntesten Freigelände der Stadt, wo häufig
Konzerte oder Demonstrationen stattfinden.
Auch für die Liebhaber des Blues ist Chicago vielleicht einer der attraktivsten Orte auf der Welt.
Jahrzehntelang sind legendäre Sänger, Gitarristen
und Harmonikaspieler vom Delta des Mississippi und
den Baumwollfeldern in Ost-Texas nach Norden
gezogen, um in den Clubs der Southside zu spielen.
Zusätzliche Informationen sind erhältlich bei: Chicago Convention and Tourism Bureau, 2301 South
Lake Shore Drive, McCormick Place on the Lake,
Chicago, Illinois 60616; Telefon: 312-567-8500.
DALLAS
Dallas, auch "Big D" genannt, ist die zweitgrößte
Stadt von Texas, dem zweitgrößten Staat der USA.
Wenn man Texas erwähnt, denken die Menschen an
Ölquellen und Cowboys mit breitkrempigen Hüten,
die über weite Ebenen reiten und Vieherden treiben.
Obwohl Rodeos und Ölarbeiter auch heute noch
häufig anzutreffen sind, ist Texas wesentlich vielfältiger und kosmopolitischer als dieses Image vermuten
läßt.
Dallas wurde 1841 als Handelsstation gegründet.
Zu jener Zeit war Texas eine unabhängige Republik,
die zwar ihre Freiheit von Mexiko errungen hatte,
aber noch nicht Teil der Vereinigten Staaten geworden war. Nachdem die Stadt eine Generation später

AMERIKA DIENST 19

durch zwei Eisenbahnlinien erschlossen wurde,
wuchs die Bevölkerung sprunghaft an.
Um die Jahrhundertwende war Dallas einer der
weltweit bedeutendsten Binnenmärkte für Baumwolle
geworden.
Es war jedoch die überraschende
Entdeckung von Ölvorkommen, die der Stadt seit
Beginn der dreißiger Jahre unverhofften Reichtum
bescherte. Heute haben zahlreiche ölfirmen ihre
Zentrale in Dallas.
Etwa ein Viertel der Bürger ist im Produktionssektor
beschäftigt, und Dallas ist ein bedeutendes Zentrum
der amerikanischen Elektronik- und Elektroindustrie,
des Flugzeugbaus sowie der Herstellung von ölfördergerät und Damenbekleidung. Darüber hinaus gilt
die Stadt als Finanzzentrum für den Südwesten der
Vereinigten Staaten.
In Dallas befinden sich die Southern Methodist
University sowie eine Reihe renommierter Priesterseminare und medizinischer Fakultäten. Darüber
hinaus besitzt die Stadt eine erstklassige Oper und
hervorragende Theaterensembles sowie bodenständige Country &amp; Western-Tanzschuppen, in denen
der "Texas Two Step" der bevorzugte Tanz ist. Jazz,
Rock sowie Rhythm and Blues sind in der Dallas
Alley im historischen West End zu Hause. Der große
Bevölkerungsanteil mexikanischer Einwanderer
verleiht der Stadt ihr charakteristisches texanischmexikanisches Flair, das sich auch in Speisen und
Musik niederschlägt.
Dallas ist eine der fußballfreudigsten Städte in den
Vereinigten Staaten. Vor zwanzig Jahren wurden die
Kinder der Stadt - und deren Eltern, die die zahlreichen Jugendligen von Dallas organisieren - vom
Fußballfieber erfaßt, und dieser Boom hatte wahrhaft
texanische Ausmaße. Die Zahl der Mannschaften hat
sich seit den siebziger Jahren verzehnfacht, und an
der Zahl der aktiven Jugendmannschaften gemessen
liegt Texas an zweiter Stelle hinter Kalifornien. Die
meisten Amerikaner würde diese Tatsache vermutlich
überraschen, da Dallas in den USA hauptsächlich für
American Football steht, nicht für Fußball.
In Big D wird der American Airlines Dallas Cup
ausgetragen, eines der angesehensten Jugendfußballturniere der Welt, und die Stadt ist auch im
Profifußball bereits in Erscheinung getreten: Gemeinsam mit Mexiko-Stadt war sie 1993 Veranstaltungsort
der Meisterschaft für Nord- und Mittelamerika und die
Karibik (CONCACAF). Im Finale schlug Mexiko die
USA mit 4:0.
Die Weltmeisterschaftsspiele werden im Cotton-BowlStadion mit 72.000 Sitzplätzen stattfinden, wo an

Seite 3

�jedem Neujahrstag zwei der besten College-Footballmannschaften des Landes aufeinandertreffen.
Im Sommer strömen die Besucher nicht nur um des
dort stattfindenden Jahrmarkts willen in den State
Fair Park, sondern auch um die Spitzenaufführungen
von Broadway-Musicals zu erleben, die zu einem
Markenzeichen der Stadt geworden sind. Das
Gebäude des Dallas Theater Center ist einzigartig:
Es ist das einzige Theater, das je von dem berühmten amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright
entworfen wurde.
An Einkaufsmöglichkeiten bietet Dallas unter anderem Nieman-Marcus, das legendäre Kaufhaus der
Stadt, sowie den weitläufigen Market Center-Komplex, in dem sich verschiedene Geschäfte für Damen- und Herrenbekleidung sowie Möbel befinden.
Politisch ist Dallas auf tragische Weise mit einem der
erschütterndsten Momente der amerikanischen
Geschichte verbunden - der Ermordung von Präsident John F. Kennedy während einer Fahrt durch die
Stadt am 22. November 1963. Kennedys Nachfolger
Lyndon B. Johnson bot als Texaner vom Scheitel bis
zur Fußsohle - groß und überwältigend - einen kaum
zu überbietenden Kontrast zu seinem Vorgänger.
Mit einem Besuch der Daley Plaza, dem Ort des
Attentats, und im Gedenkmuseum wenige Häuser
weiter kann der Besucher die Wirrungen des Schicksals nachvollziehen, die der Stadt ihren notorischen
Ruf und dem berühmtesten Politiker aus Texas das
Präsidentenamt einbrachten.

Weitere Informationen über Dallas sind erhältlich bei:
Dallas Convention and Visitors Bureau, Suite 2000,
1201 Elm Street, Dallas, TX 75270; Telefon: 214746-6677.

DETROIT
Detroit - Motown - ist zu Recht stolz auf die Tatsache, daß es Fußballgeschichte machen wird. Im
Silverdome bei Pontiac werden zum ersten Mal
Weltmeisterschaftsspiele in einem völlig überdachten
Stadion ausgetragen. Die Mannschaften werden auf
einer von der University of Michigan entwickelten
besonderen Art von Rasen (Rispengras) spielen, der
in 1.800 sechseckigen Behältern angebaut wurde.
Der Rasen hat sich beim 2:1 Sieg Deutschlands
über England beim US-Cup von 1993 bewährt - so
stellte der deutsche Star Jürgen Klinsmann fest, er
habe noch nie auf einem Platz mit solch perfekten
Verhältnissen gespielt - und die Offiziellen vom
Silverdome sind sich sicher, daß er den harten
Weltmeisterschaftsspielen standhalten wird.

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Detroit besitzt renommierte Profimannschaften im
Baseball, Basketball und Eishockey. Im Silverdome
mit seinen 76.000 Zuschauerplätzen wurden bereits
zahlreiche Fußballspiele ausgetragen, bis zurück zu
den Zeiten als dort die Heimspiele von Detroit Express in der North American Soccer League stattfanden.
Die Stadt wurde 1701 von einem Händler names
Cadillac gegründet, der den französischen Pelzhandel
schützen wollte. Der von ihm gewählte Ort lag am
Detroit River, an der wichtigen Wasserstraße zwischen den Großen Seen, die drei Jahrhunderte lang
die wichtigste Verbindung zwischen dem Zentrum des
Landes und dem Atlantik bildete. Vor dem Bürgerkrieg (1861-1865) war die Stadt eine wichtige Station
der "Underground Railroad": Über diesen Weg
gelang es Hunderten von Sklaven, in die Freiheit des
nahen Kanada zu entkommen.
Die Stadt wurde durch die Eisen- und Stahlindustrie
sowie andere Industriezweige rasch industrialisiert
und erlebte ihre erste Blütezeit um die Jahrhundertwende. Dann fuhr im Jahr 1896 Charles B. King in
einer Kutsche ohne Pferde durch Detroit, und die
Stadt machte Geschichte. Die drei großen Automobilhersteller - General Motors, Chrysler und Ford haben ihren Sitz im Einzugsgebiet von Detroit. Die
Region gehört femer zu den führenden Produzenten
von Büromaschinen, chemischen Erzeugnissen,
Eisenwaren, Werkzeugmaschinen und Sanitärausrüstung.
Kanada ist von Detroit aus leicht zu erreichen: die
Stadt ist durch eine Brücke und einen Tunnel mit der
kanadischen Stadt Windsor (Ontario) verbunden.
In den sechziger Jahren entwickelte eine Gruppe von
Musikern aus Detroit den charakteristischen MotownSound (abgeleitet von dem Begriff "Motor Town"), der
von Gruppen und Interpreten wie den Temptations,
Smokey Robinson and the Miracles, Marvin Gaye,
Aretha Franklin und den Jackson Five weltweit
berühmt gemacht wurde. Darüber hinaus ist Detroit
Sitz solch renommierter Institutionen wie des Detroit
Institute of Arts, der Detroit Symphony und der
Cranbook Academy of Art.
Für Freizeitaktivitäten bietet sich der 400 Hektar
große Belle Isle Park an, der mit seinen schönen
Stränden, dem Jachthafen, einem Zoo, Aquarium und
Botanischen Garten sowie Sommerkonzerten Tausende von Besuchern anzieht. Der Detroit River wird
von Vergnügungsdampfern und Frachtschiffen, die
zwischen den Großen Seen fahren, stark frequentiert;
durch die Öffnung des St.-Lorenz-Kanals im Jahr
1959 wurde Detroit zum internationalen Seehafen.

AMERIKA DIENST 19

�Weitere interessante Stätten sind das Henry and
Edsel Ford Auditorium, wo das Detroit Symphony
Orchestra spielt, das Kongreß- und Ausstellungsgebäude Cobo Hall sowie ein 73stöckiges Hotel, das
im Renaissance Center am Flußufer integriert ist.
Für Autoliebhaber ist das Henry Ford Museum
sicherlich einen Besuch wert, während das angrenzende Greenfield Village Rekonstruktionen amerikanischer Häuser und alter Handwerkskünste beherbergt.
In Detroit befinden sich die Wayne State University,
die University of Detroit und das Detroit College of
Law. Das unweit von Detroit gelegene Ann Arbor
beherbergt die renommierte University of Michigan.
Weitere Informationen über die Region Detroit
können angefordert werden bei: Metropolitan Detroit
Convention and Visitors Bureau, 100 Renaissance
Center, Suite 1900, Detroit, MI 48243-1056; Telefon:
313-259-4333.
LOS

ANGELES

Los Angeles, LA, Stadt der Engel - sie ist eine der
bekanntesten, am wenigsten verstandenen und
ethnisch vielfältigsten Städte der Welt. Als Unterhaltungshauptstadt Amerikas bietet diese Stadt rund um
die Uhr einen Cocktail aus Fakten und Fiktionen und
verbindet die Realität so nahtlos mit der Illusion, daß
der Unterschied zwischen beiden nicht immer eindeutig zu klären ist.
Eines steht jedoch fest: Im Sommer 1994 wird die
Stadt Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft sein.
Es werden Vorrundenspiele, ein Halbfinalspiel sowie,
am 16. und 17. Juli 1994, die beiden Finalspiele dort
stattfinden. Sie werden im Rose-Bowl-Stadion mit
seinen 102.000 Sitzplätzen ausgetragen, das rund
16 Kilometer nördlich vom Stadtzentrum liegt.

den Städten der Vereinigten Staaten weist Los
Angeles heute die zweithöchste Bevölkerungszahl auf
- in ihrem Einzugsgebiet leben nahezu 15 Millionen
Menschen.
Das milde Wetter Südkaliforniens und die spektakuläre Lage zwischen den San-Gabriel-Bergen und dem
Pazifik verleihen Los Angeles bereits seit langem
große touristische Bedeutung. Sonne und Sand
laden den Besucher ein - mit Santa Monica, Malibu
und Venice als populären Stränden zum Schwimmen,
Surfen, Volleyballspielen, zum Rollerbladefahren, um
Menschen bei ihren Aktivitäten zuzusehen oder
einfach die entspannte und freundliche Atmosphäre
Südkalifomiens auf sich wirken zu lassen.
Pasadena, der Vorort, in dem sich das Rose-BowlStadion befindet, ist auch der Sitz des weltberühmten
California Institute of Technology (Caltech). Andere
renommierte Universitäten der Umgebung sind
beispielsweise die University of California at Los
Angeles (UCLA), das Claremont College, das Occidental College und die University of Southern California. An jedem Neujahrstag wird in Pasadena die
Tournament of Roses Parade abgehalten, deren
Festwagen vollständig aus Blumen gefertigt sind.
Nach der Parade findet im Stadion ein landesweit im
Fernsehen übertragenes Endspiel zweier CollegeFootballmannschaften (das Rose-Bowl-Spiel) statt.
Die Region von Los Angeles hat bereits eine stolze
Tradition als Ausrichter von Sportveranstaltungen
vorzuweisen, darunter die Olympischen Spiele von
1932 und 1984. Gemäß ihrem Image als Mekka von
Aktivitäten im Freien nimmt der Sport einen wichtigen
Stellenwert im Leben der Stadt ein. Zu den Profimannschaften gehören die Lakers und die Clippers
(Basketball), die Dodgers und die Angels (Baseball),
die Rams und die Raiders (American Football) und
die Kings (Eishockey).
Auch Fußball ist sehr populär. Mehrere Spieler der
amerikanischen Nationalmannschaft stammen aus
Kalifornien, und die unlängst eröffnete nationale
Fußballeinrichtung befindet sich im nahegelegenen
Mission Viejo.

Los Angeles wurde im Jahr 1771 von spanischen
Missionaren gegründet, die ihre Gemeinde Stadt der
Engel nannten. Sie war mehrmals Hauptstadt der
mexikanischen Provinz Atta California, bis die
Region in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts
Teil der Vereinigten Staaten wurde. Ein halbes
Jahrhundert später gewann die Stadt durch die
Entdeckung von Ölvorkommen an Bedeutung. Es
war jedoch der Einzug der Filmindustrie in Hollywood in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts,
der Los Angeles weltweit bekannt machte.

Los Angeles ist eine Stadt mit zahlreichen charakteristischen Stadtvierteln, darunter das East Los
Angeles der Latinos, Chinatown und Little Tokyo. In
der Innenstadt befinden sich ferner die historische
Old Plaza und die Olvera Street, wo noch das Flair
der alten Siedlung aus der Kolonialzeit zu spüren ist.

Die Stadt ist seit 1950 stark gewachsen, als sich
Amerikaner und Einwanderer aus der ganzen Welt
vom LA-"Lifestyle" - jenem Inbegriff kalifornischer
Lebensart - wie magisch angezogen fühlten. Unter

Ein Besuch in Los Angeles wäre nicht vollständig
ohne einen Abstecher ins nahegelegene Hollywood.
Touristen gehen gerne den Walk of Farne entlang,
wo die Fußabdrücke von Unterhaltungsstars in Beton

AMERIKA DIENST 19

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�verewigt sind oder bronzene Sterne auf dem Bürgersteig des Hollywood Boulevard und anliegender
Straßen die Namen von Größen des Showbusiness
tragen. In der Nähe befindet sich Mann's (früher
Graumann's) Chinese Theater, dessen verblaßte
Eleganz von den Weltpremieren kündet, die einst
hier stattfanden.
Um Filmgeschichte bei ihrer Entstehung zu erleben,
kann der Besucher sich die Kulissen der im Norden
von Hollywood gelegenen Universal oder WarnerBrothers-Studios ansehen. Alle drei großen amerikanischen Fernsehstationen haben ebenfalls Studios
in Los Angeles und bieten freie Eintrittskarten zu
Game Shows, Talkshows mit berühmten Persönlichkeiten oder Comedy-Serien, die vor einem Studiopublikum aufgezeichnet werden.
Bei einer Bustour zu den Villen von Beverly Hills und
Bei Air westlich von Hollywood kann man vielleicht
einen Blick auf einen der berühmten Stars der Stadt
werfen. Im Herzen von Beverly Hills liegt die exklusive Einkaufsgegend des Rodeo Drive. Andere
Viertel mit Kunstgalerien, Boutiquen und eleganten
Restaurants befinden sich am Wilshire-, Santa
Monica- und La Cienega-Boulevard, alles liegt in
Hollywood und vor der dorfähnlichen Kulisse von
Westwood nahe beieinander.
Los Angeles hat außerdem ein eindrucksvolles
kulturelles Spektrum zu bieten. In der Nähe des
Finanzviertels liegt das Los Angeles County Music
Center for the Performing Arts mit dem Dorothy
Chandler Pavilion - dort findet jedes Jahr die Verleihung der Oscars statt. Das Mark Taper Forum, in

dem Dutzende von Theatertruppen auftreten, ist das
größte Theater der Stadt.
Das neueste kulturelle Juwel von Los Angeles, das
Museum of Contemporary Art, befindet sich in der
Innenstadt, während der größte Kunstausstellungskomplex der Stadt, das Los Angeles County Museum
of Art, am exklusiven Wilshire Boulevard liegt. Das
Museum besteht aus vier Gebäuden mit umfangreichen Sammlungen, die von Kunstschätzen der Antike
bis zu zeitgenössischen Werken reichen. Neben dem
Museum kann man die La Brea Tar Pits besuchen,
wo prähistorische Säugetiere, die sich das falsche
Wasserloch ausgesucht hatten, seither als Fossilien
ruhen.
Die ausgedehnteste Attraktion der Stadt und zugleich
der größte städtische Park der Vereinigten Staaten ist
der Griffith Park, der sich über zerklüftetes, gebirgiges Gelände ausbreitet. Ein weiterer malerischer
Aussichtspunkt ist der Mulholland Drive auf dem
Scheitelpunkt der Hollywood Hills, der besonders bei
Nacht spektakuläre Ausblicke auf die Stadt ermöglicht. Im südlich der Stadt gelegenen Anaheim
befindet sich die populärste Attraktion Kaliforniens,
Disneyland, wo sich riesige Menschenmassen an den
Themenparks Magic Kingdom, Adventureland,
Frontiertand, Fantasyland und Tomorrowland erfreuen.
Weitere Informationen sind beim Greater Los Angeles
Convention and Visitors Bureau, 633 W. 5th St., Suite
6000, Los Angeles, CA, 90071, Telefon: 800-2282452, erhältlich.

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AMERIKA DIENST 19

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                <text>&lt;strong&gt;1. Friedensoperationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Politik der Clinton-Administration zur Reform von Friedensoperationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht der US-Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Rassendiskriminierung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Senat soll Konvention über Rassendiskriminierung unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von John Shattuck&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Verbrechensbekämpfung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nachrichtendienste und Strafverfolgung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von CIA-Direktor Woolsey&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Terrorismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Terrorismus weiterhin globales Problem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahresbericht des Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Designierter oberster Richter ist pragmatischer Architekt des Konsenses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Stephen Breyer&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;6. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Umweltverträgliche Entwicklung - eine Illusion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Thomas J. DiLorenzo&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Fußball&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Austragungsorte des World Cup 1994&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neun amerikanische Städte im Porträt (I)&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

18

11. Mal 1994

AUSSENPOLITIK

AUSSENPOLITIK MUSS AUCH RISIKOBEREITSCHAFT ENTHALTEN
Fernsehinterview des Präsidenten

SÜDAFRIKA

AUFSTOCKUNG DER HILFE FÜR SÜDAFRIKA
Erklärungen von Clinton und Gore

NAHER OSTEN

CLINTON BEGRÜSST UNTERZEICHNUNG DES

AUTONOMIEVERTRAGS
Erklärung des Präsidenten

FULBRIGHT

LEO M. GOODMAN AWARD FÜR
SENATOR FULBRIGHT
Rede von Botschafter Holbrooke

FUSSBALL

FUSSBALLWELTMEISTERSCHAFT IN DEN
VEREINIGTEN STAATEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel: 0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�AUSSENPOLITIK
11. Mai 1994

AUSSENPOLITIK MUSS AUCH
RISIKOBEREITSCHAFT ENTHALTEN
Fernsehinterview des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Außenpolitik muß dem Präsidenten zufolge die Bereitschaft zur
Übernahme von Risiken in den "Grauzonen" der Zeit nach dem Kalten Krieg enthalten.
In Rahmen der umfassendsten Verteidigung der Politik seit seiner Amtsübernahme beantwortete Clinton im
amerikanischen Fernsehsender CNN (Cable News Network) am 3. Mai 1994 Fragen aus der ganzen Welt und
räumte ein, es sei viel schwieriger, internationale Koalitionen aufzubauen, als er gedacht habe.
Clinton skizzierte die Grundprinzipien seiner taktischen außenpolitischen Entscheidungen und erklärte, die
Vereinigten Staaten würden beim Umgang mit Unruheherden in den meisten Fällen ein Vorgehen im Rahmen
multilateraler Organisationen anstreben. Sollten Washingtons wichtigste Interessen auf dem Spiel stehen,
würde jedoch kein Alleingang gescheut.
Der Präsident wies Kritik zurück, er sei bei außenpolitischen Entscheidungen, insbesondere zu Bosnien,
wankelmütig gewesen und stellte fest, es habe im Hinblick auf die Grundsätze der Politik "keine Unschlüssigkeit" gegeben.
Im weiteren Verlauf der Fernsehdiskussion beantwortete Präsident Clinton Fragen zum Handel mit China, dem
Nahostfriedensprozeß, den nuklearen Fähigkeiten Nordkoreas und der Wiederherstellung der Demokratie auf
Haiti.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung des Präsidenten im Wortlaut.
Meine Damen und Herren, ich begrüße die Teilnehmer der CNN-Konferenz und die Millionen
Fernsehzuschauer aus aller Welt. Mein Dank gilt
dem Carter Center, in dem diese bahnbrechende
Diskussion über die Weltpolitik stattfindet.
Während der gesamten Geschichte der Vereinigten
Staaten, und insbesondere nach größeren Konflikten, mußte Amerika erneut prüfen, wie es seine
Sicherheit definiert, in was für einer Welt wir und
unsere Kinder leben wollen und welche Verantwortung wir für sie tragen. Nach dem Ende des Kalten
Krieges sind wir erneut an einem solchen Zeitpunkt
angekommen -einer Zeit großer Veränderungen und
Chancen. Das Gespenst der atomaren Vernichtung
verschwindet immer mehr. An die Stelle des sowjetischen Imperiums ist eine Vielzahl neuer Demokratien getreten. Aufgrund der Revolution im Kommunikationswesen, die am eindeutigsten von CNN
und unserer Tätigkeit am heutigen Abend symbolisiert wird, überwindet die Weltwirtschaft Entfernungen und eröffnet neue Möglichkeiten.

AMERIKA DIENST 18

Wir sind Augenzeugen der Geschichte. Wir beobachten die Geschehnisse. Ich erinnere mich, wie
ich als junger Mann abends die Nachrichten sah.
Dem Weltgeschehen wurde nur wenig Platz eingeräumt, und oftmals waren die Nachrichten schon
einen Tag alt. Heute werden wir schon ungehalten,
wenn die Nachrichten eine Stunde alt sind und keine
live-Berichte vorliegen.
Die Berliner Mauer ist gefallen. Ein von Hoffnungen
begleiteter Händedruck hat einen Friedensprozeß in
Gang gesetzt, der für einen dauerhaften Frieden im
krisengeschüttelten Nahen Osten erforderlich ist.
Diese Woche waren wir Zeugen ruhmreicher und
unvergeßlicher Szenen, als Millionen von Südafrikanern aller Rassen sich freudig und mutig in die
Schlangen vor den Wahllokalen einreihten, um eine
neue Demokratie für Angehörige aller Rassen ins
Leben zu rufen.
Wir alle sind uns jedoch bewußt, daß dieses Zeitalter
auch Gefahren beinhaltet. Rußland und die anderen

Seite 1

�Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion
durchlaufen eine schwierige Übergangszeit. Das
Ende der Konfrontation der beiden Supermächte
Sowjetunion und Vereinigte Staaten hat brodelnden
ethnischen Haß freigesetzt. Innerhalb der nationalen
Grenzen der Länder dieser Welt hat sich sehr viel
Aggression angestaut. Wir alle spüren die Gefahr
für die Menschheit, die mit diesen Kämpfen innerhalb und zwischen Ländern einhergeht.
Regime wie beispielsweise Irak, Iran und Nordkorea
bestehen auf der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen. Wir sind Zeugen brutaler Menschenrechtsverletzungen von Haiti bis Ruanda sowie
schrecklicher humanitärer und Umweltprobleme von der weitreichenden AIDS-Epidemie und der
Versteppung in Afrika bis zur Rodung der Wälder in
Lateinamerika und Asien.
Angesichts so großer Versprechen und Unruheherde
haben wir die Chance, die Bedingungen für mehr
Frieden und Wohlstand zu schaffen, hoffentlich
dauerhaften Frieden und Wohlstand - vorausgesetzt,
die führenden Nationen der Welt setzen sich aktiv
dafür ein.
Nach dem Ende des Kalten Krieges wird hier in
Amerika und in anderen Ländern darauf gedrängt,
sich nach innen zu wenden und auf nationale
Erfordernisse zu konzentrieren. Bei uns bedeutet
das Schaffung von Arbeitsplätzen, Verbrechensbekämpfung und Gesundheitsfürsorge für alle
Bürger. Es ist richtig und geboten, sich diesen
Erfordernissen zu widmen.
Die Vereinigten Staaten können jedoch nicht der
Welt oder anderen Ländern den Rücken kehren. Ich
weiß, daß Engagement Geld und manchmal Menschenleben fordert. Ich bin mir wohl bewußt, daß
wir nicht jedes Problem lösen können, oder das
auch nur versuchen sollten. In einem Zeitalter des
Wandels, der Chancen und Gefahren muß Amerika
jedoch willens sein, die mit einer Führungsrolle
einhergehenden Verpflichtungen und Risiken zu
übernehmen. Und ich werde entschlossen dafür
sorgen, daß wir das tun.
Es ist von Bedeutung, daß wir in dem neuen Zeitalter eine klare Wegbeschreibung auf der Grundlage
unserer nationalen Interessen und eindeutig definierten Werte haben. Heute möchte ich vor der Beantwortung der Fragen kurz auf den von uns einzuschlagenden Weg eingehen.
Unsere oberste Priorität - und meine oberste Priorität
als Präsident - muß weiterhin eindeutig und klar der
Schutz unseres Landes, unseres Volkes und unserer
Lebensweise sein. Das ist das Kernstück unserer

Seite 2

nationalen Interessen. Wir müssen auch die Chancen ergreifen, die unsere Sicherheit und unseren
Wohlstand fördern, wenn nötig im Alleingang und
wenn möglich gemeinsam mit anderen vorgehen.
Wir haben ein Interesse daran, weiterhin als Symbol
für Stärke, Freiheit und Hoffnung zu dienen. Schließlich sind wir eine einzigartige Nation. Wir sind das
mächtigste Arsenal der Welt, ihre älteste Demokratie,
ihr gewagtestes Experiment der Verschmelzung
verschiedener Rassen, Religionen und Kulturen zu
einem Volk.
Seit meiner Amtsübernahme basierte meine Strategie
zur Förderung dieser Interessen auf drei Prioritäten:
Erstens der Entwicklung einer Politik, die den sichherheitspolitischen Herausforderungen dieses neuen
Zeitalters Rechnung trägt und dem Aufbau von zur
Umsetzung dieser Politik erforderlichen Streitkräften,
zweitens der Umwandlung unserer nationalen Wirtschaftsinteressen in einen integralen und essentiellen
Bestandteil unserer Außenpolitik und drittens der
Förderung von Demokratie im Ausland.
Ich möchte kurz auf jede dieser Prioritäten eingehen.
Erstens eine starke Politik und einsatzbereite Verteidigung für ein neues Sicherheitsumfeld. Glücklicherweise besteht nicht mehr die Aussicht auf einen
Einmarsch sowjetischer Truppen in Westeuropa. Die
Welt ist aber immer noch ein gefährlicher Ort, und
das Können, die Stärke und Einsatzbereitschaft
unserer Männer und Frauen in Uniform bleibt das
Bollwerk unserer Freiheit und der Freiheit vieler
anderer Länder.
Im vergangenen Jahr schlössen wir eine umfassende
Überprüfung unserer Streitkräfte ab, um den Bedrohungen dieses Zeitalters begegnen zu können.
Wir gelangen zu dem Schluß, daß wir Streitkräfte
benötigen, die gleichzeitig in zwei größeren regionalen Konflikten kämpfen und siegen können. Diese
Streitkräfte werden weniger Geld kosten als während
des Kalten Krieges, wir dürfen aber nicht zu viele
Kürzungen vornehmen. Ich habe gegen weitere
Kürzungen unserer Streitkräfte gekämpft, die unsere
Fähigkeit zur Verteidigung unserer Interessen beeinträchtigen könnten.
Wir unternehmen weitere Schritte, um den Gefahren
dieses neuen Zeitalters zu begegnen. Auf dem
NATO-Gipfel im vergangenen Januar haben wir
gemeinsam mit unseren NATO-Verbündeten das
Konzept der Partnerschaft für den Frieden angenommen, um die ehemals kommunistischen Staaten und
andere, derzeit nicht der NATO angehörende europäische Länder in eine engere sicherheitspolitische
Zusammenarbeit mit Westeuropa einzubinden. Wir
arbeiten an der Verbesserung der regionalen Si-

AMERIKA DIENST 18

�cherheit in Gebieten wie dem Nahen Osten und
hoffen, daß Israel und die PLO morgen das bedeutende Autonomieabkommen unterzeichnen werden,
das auf dem Versprechen eines Durchbruchs vom
vergangenen September aufbaut.
Wir bauen die nuklearen Bedrohungen der Welt
weiter ab und arbeiten auf die Einstellung von Nordkoreas gefährlichem Nuklearprogramm hin. Wir
haben Verhandlungen über ein umfassendes Atomtestverbot aufgenommen. Bei meiner Amtsübernahme waren vier ehemalige Sowjetrepubliken im
Besitz von Nuklearwaffen. Es ist uns gelungen, drei
von ihnen zur Übernahme bindender Verpflichtungen
über die Beseitigung ihres gesamten Atomwaffenarsenals zu überzeugen, und wir setzen diese
wichtige Arbeit fort. Und zum ersten Mal in der
Geschichte sind jetzt weder unsere Nuklearraketen
gegen Rußland, noch die Rußlands gegen uns
gerichtet.
Der zweite Teil unserer Strategie besteht darin,
wirtschaftlichen Fortschritt zum Kernstück unserer
Maßnahmen im Ausland zu machen. Zu viele Jahre
gab es hier in Amerika ein gefährliches Ungleichgewicht zwischen unserer internationalen Politik und
unserer Wirtschaftspolitik. Wir waren militärisch
stark, als wir wegen unserer gefährlich hohen
Defizite und niedrigen Produktivität wirtschaftlich
schwach wurden - Dinge, die zur Schwächung der
Nationen auf der ganzen Welt beigetragen haben
und einen Großteil des in weniger entwickelten
Ländern für Entwicklung und Wachstum erforderlichen Kapitals aufzehrten.
Wir befürworteten freien Handel, haben aber häufig
genau das Gegenteil praktiziert, wenn wir wegen
geringer Wirtschaftsleistung unter Druck gerieten.
Und selbst als wir auf freien Handel drängten,
ermangelte es uns hier in unserem eigenen Land oft
an den benötigten Maßnahmen um sicherzustellen,
daß der Durchschnittsamerikaner davon profitierte.
Mein Ziel bestand im Abbau unseres Defizits, der
Aufstockung unserer Investitionen, Verbesserung
unserer Wettbewerbsfähigkeit sowie der Bildung und
Ausbildung unserer Bürger, dem Drängen auf
Abkommen zur Öffnung der Weltmärkte ohne
Sonderbehandlung der Vereinigten Staaten aber mit
mehr offenen Märkten, damit wir alle zusammen
wachsen und konkurrieren können.
Im vergangenen Jahr konnten wir wichtige Fortschritte verzeichnen. Wir verabschiedeten das Nordamerikanische Freihandelsabkommen mit Kanada
und Mexiko und stellten mit den Welthandelsgesprächen des GATT das umfassendste Abkommen der
Geschichte zur Öffnung der Märkte sicher - Verein-

AMERIKA DIENST 18

barungen, die amerikanische Arbeitsplätze für uns
hier in den Vereinigten Staaten schaffen und gleichzeitig beträchtliches globales Wirtschaftswachstum
ankurbeln werden. Wir haben ein Gipfeltreffen der
Staats- und Regierungschefs aus der asiatischpazifischen Region - der am schnellsten wachsenden
Region der Erde - veranstaltet.
In diesem Jahr werden wir die Umsetzung der GATTRunde im Kongreß anstreben und das erste Gipfeltreffen unserer Nachbarn auf diesem Kontinent seit
einer Generation anberaumen. Wir arbeiten auf die
Förderung umweltverträglicher Formen von Wirtschaftsentwicklung sowohl hier als auch im Ausland
hin. Wir müssen uns vor Augen führen, daß viele der
in ganz Afrika und andernorts Gesellschaften auseinanderreißenden Bürgerkriege, die wir erlebten und
heute erleben, nicht nur durch historische Konflikte,
sondern auch durch die sträfliche und ungemein
erschreckende Verschlechterung der Volkswirtschaft
und Umwelt verursacht werden, in der diese Völker
leben.
Der dritte Schlüssel zu unserer Politik ist die Förderung von Demokratie. Die neuen Fortschritte der
Demokratie auf der ganzen Welt decken sich mit
unseren Werten und Interessen. Sie machen uns
hier in den Vereinigten Staaten sicherer. Wir wissen,
daß Demokratien weniger schnell Kriege führen,
Menschenrechte verletzen oder Verträge brechen.
Aus diesem Grund haben wir zum Schutz der Demokratien Europas in zwei Weltkriegen gekämpft, aus
diesem Grund haben wir ein halbes Jahrhundert lang
unerschütterlich den Kommunismus eingedämmt.
Die größte Chance für unsere Sicherheit besteht
heute darin, zur Erweiterung der demokratischen
Marktwirtschaften der Welt beizutragen und auf eine
Welt hinzuarbeiten, in der alle Großmächte nach
einem demokratischen Plan regieren. Wenn uns dies
gelingt, werden wir wertvollere Partner im Handel, in
der Diplomatie und bei der Sicherheit haben. Aus
diesem Grund habe ich der Förderung von demokratischen und marktwirtschaftlichen Reformen in Rußland, der Ukraine, dem Baltikum und anderen ehemals kommunistischen Staaten große Aufmerksamkeit gewidmet.
Die Früchte dieser Strategie konnten wir bereits vor
wenigen Wochen sehen, als Rußland und Lettland
ein historisches Abkommen über den Abzug des
russischen Militärs von lettischem Territorium bis
Ende August abschlössen.
Unser Ziel besteht in der Förderung des Erfolgs
neuer Demokratien wie denen in Lateinamerika und
jetzt in Südafrika sowie der Ausübung von Druck zur

Seite 3

�Wiederherstellung der Demokratie in Ländern, in
denen sie abgeschafft wurde, wie auf Haiti.
Sicherheit, Wohlstand, Demokratie: Dies sind die
Pfeiler unserer Strategie in der neuen Welt. Diese
Bausteine beantworten nicht jede Frage, die sich
uns stellt. Dieses Zeitalter war von einer Epidemie
humanitärer Katastrophen gekennzeichnet, von
denen viele durch ethnische Konflikte aufgrund des
Zusammenbruchs von Regierungen verursacht
wurden. Einige, wie in Bosnien, betreffen eindeutig
unsere Interessen. Andere, wie in Ruanda, betreffen
unsere eigenen Sicherheitsinteressen weniger direkt,
verdienen jedoch dennoch unsere Sorge und Hilfe.
Amerika kann nicht jedes Problem lösen und darf
nicht der Weltpolizist werden. Aber wir haben eine
Verpflichtung, gemeinsam mit anderen alles in
unserer Macht Stehende zu tun, um das Leiden zu
mildern und den Frieden wiederherzustellen.
Die von uns eingesetzten Mittel werden und müssen
sich je nach den Umständen ändern. Wenn unsere
wichtigsten Interessen auf dem Spiel stehen, werden
wir nicht zögern, gegebenenfalls im Alleingang zu
handeln. Wo wir ein Interesse an Aktionen mit der
internationalen Staatengemeinschaft teilen, werden
wir vielleicht im Rahmen der Vereinten Nationen
tätig.
Diese Woche wird eine Reihe von Maßnahmen zur
Reform der UN-Friedenssicherungsoperationen
bekanntgegeben, um diese Operationen billiger und
effektiver zu machen. In anderen Fällen werden wir
partnerschaftlich mit anderen Nationen zusammenarbeiten. In Bosnien haben wir beispielsweise unser

*

Seite 4

diplomatisches Engagement gemeinsam mit Rußland
und anderen Nationen erweitert. Wir haben die
Durchsetzungsmaßnahmen der NATO unterstützt und
uns verpflichtet, im Rahmen der Durchsetzungsmission der NATO amerikanische Streitkräfte zu
entsenden, wenn die Parteien ein umsetzbares
Friedensabkommen erzielen können.
Obwohl dieser Konflikt andauert, sollten wir nie
vergessen, daß es heute abend in Sarajevo, Tuzla
und Mostar Menschen gibt, die aufgrund der gemeinsam von der NATO und den Vereinten Nationen
unternommenen Aktionen am Leben sind. Die
Schutzzonen, die Flugverbotszone, die längste
Luftbrücke mit humanitären Hilfsgütern der Geschichte - diese und andere Bestrebungen tragen zur
Lösung eines äußerst schwierigen Problems bei.
Dies ist ein entscheidender Moment in den Angelegenheiten unserer Welt - ein Moment, in dem wir die
Grenzen der Freiheit erweitern, eine wohlhabendere
Weltwirtschaft schaffen und den Millionen Menschen
in von Kriegen erschütterten Ländern die Chance zu
einem normalen Leben bieten können; ein Moment,
in dem wir die Menschen in jedem unserer Länder
sicherer vor den todbringendsten Waffen der Welt
machen können.
Bei all dem ist meines Erachtens die Führungsrolle
der Vereinigten Staaten unerläßlich. Meine Verpflichtung besteht darin, diese Führungsrolle auszuüben, damit wir unseren Kindern eine Welt hinterlassen können, die sicherer, freier und lebenswerter
für ihre Zukunft ist.
Ich danke Ihnen.

* * * *

AMERIKA DIENST 18

�SU D A F R I K A
11. Mal 1994

AUFSTOCKUNG DER HILFE FÜR SÜDAFRIKA
Erklärungen von Clinton und Gore
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat eine "beträchtliche Erweiterung" der amerikanischen
Bestrebungen zur Förderung von Hilfe und Investitionen für Südafrika bekanntgegeben - rund 600 Millionen
Dollar in den kommenden drei Jahren - und wird Vizepräsident Gore als Vertreter der Vereinigten Staaten zur
Amtseinführung des neuen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela entsenden.
Bei einer Feier im Weißen Haus am 5. Mai 1994 erklärte Präsident Clinton, er werde an die Staats- und
Regierungschefs der anderen G-7-Länder schreiben "und sie bitten, uns bei der Erweiterung der Hilfe für
Südafrika behilflich zu sein".
Anläßlich dieser Zeremonie äußerte Vizepräsident Gore, Südafrika "sieht sich mit einer schwierigeren
Herausforderung als der Abschaffung der Apartheid konfrontiert - dem Aufbau einer nichtrassischen Demokratie
und einer Kultur der Toleranz".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärungen von Präsident Clinton und Vizepräsident Gore im Wortlaut.
Präsident Clinton: Meine Damen und Herren, ich
möchte Sie herzlich willkommen heißen. In der
vergangenen Woche beobachteten wir mit Erstaunen, wie die Brüder Südafrikas zu den Wahlurnen
gingen, wie die Wähler sich in kilometerlange
Schlangen einreihten, auf Krücken und in Rollstühlen
kamen, geduldig warteten und quer durch das
gesamte Land reisten, um ihr Wahlrecht auszuüben,
eine in Freiheit geborene neue Nation zu schaffen,
die durch die Erlösung ihres Leidens an die Macht
gelangte.

der Apartheid nicht erlöschen ließen, verhängte der
Kongreß Sanktionen, um das Apartheid-Regime
seiner Legitimität zu berauben. Die Studenten
demonstrierten in Solidarität. Die Aktionäre verpflichteten die Unternehmen zu einem höheren
ethischen Standard. Die amerikanischen Kirchen schwarze und weiße gleichermaßen - übernahmen
die Schutzrolle der moralischen Führung. Und im
gesamten Verlauf des Kampfes trugen die amerikanischen Bürgerrechtler hier dazu bei, den Weg zu
weisen.

Ich habe gerade mit dem gewählten Präsidenten
Mandela und Präsident de Klerk gesprochen. Ich
habe Mr. Mandela zu seinem Sieg gratuliert und
Präsident de Klerk versichert, daß er zweifelsohne
enormes Lob für seine Führungsrolle verdient. Ihr
Mut, ihre Staatskunst hat zusammen mit der maßgeblichen Rolle des Führers der Inkartha-Freiheitspartei Buthelezi und anderen diesen Übergang
leichter gemacht als viele für möglich hielten.

Die südafrikanische Sache war stets auch die amerikanische Sache. In der vergangenen Woche wurde
das Wunder zum Teil aufgrund der Hilfe Amerikas
Wirklichkeit. Und jetzt dürfen wir nicht den Rücken
kehren.

Südafrika ist heute frei aufgrund der Entscheidung,
die seine politisch Verantwortlichen und das Volk
getroffen haben. Ihre Aktionen dienen als Anregung.
Wir können auch auf die Rolle der Vereinigten
Staaten bei diesem großen Drama stolz sein. Weil
Sie, die heute hier Anwesenden, und viele andere
die Flamme der Freiheit während der dunklen Nacht

AMERIKA DIENST 18

Ich möchte mit der Feststellung beginnen, wir alle
wissen, daß Südafrika sich mit der Aufgabe des
Aufbaus einer toleranten Demokratie und einer
erfolgreichen Marktwirtschaft konfrontiert sieht und
daß den Bürgern Südafrikas die Möglichkeit zur
Ausschöpfung ihres wirtschaftlichen Potentials zu
geben entscheidend für den Erhalt der toleranten
Demokratie ist. Um unter Beweis zu stellen, daß
Versöhnung und Demokratie greifbare Vorteile
bringen können, müssen auch andere helfen. Ich bin
überzeugt, daß Südafrika zu einem Modell für den

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�gesamten Kontinent werden kann. Und die Vereinigten Staaten müssen ein neuer und gleichwertiger Partner dieser neuen Regierung werden, damit
sie ihr Versprechen möglichst schnell verwirklichen
kann.
Wir haben bereits einen Anfang gemacht. Im letzten
Jahr haben die Vereinigten Staaten Experten zur
Aushandlung einer neuen Verfassung nach Südafrika entsandt - oder um Südafrika dabei behilflich
zu sein. Wir haben zum Funktionieren der Wahlen
maßgeblich beigetragen. Wir haben die Sanktionen
aufgehoben. Wir haben zwei Handels- und Investitionsmissionen ins Leben gerufen, um die
Grundlage für größere wirtschaftliche Zusammenarbeit zu legen. Und eine hochrangige amerikanische Delegation von Wahlbeobachtern war während
der jüngsten Wahlen anwesend. Ich möchte besonders dem Delegationsleiter, Reverend Jesse Jackson, für seinen herausragenden Beitrag zum Erfolg
der südafrikanischen Wahlen meinen Dank aussprechen.
Heute gebe ich eine "beträchtliche Erweiterung"
unserer Bestrebungen zur Förderung von Handel,
Hilfe und Investitionen für Südafrika bekannt. In den
kommenden drei Jahren werden wir Mittel in Höhe
von ungefähr 600 Millionen Dollar für Südafrika
bereitstellen und verteilen. In diesem Haushaltsjahr
haben wir die Hilfsleistungen von 83 Millionen auf
143 Millionen Dollar aufgestockt. Zusammen mit
Bürgschaften und anderen Mitteln werden sich
unsere für das nächste Jahr mobilisierten Ressourcen auf über 200 Millionen Dollar belaufen.
Im Rahmen der Programme von 10 amerikanischen
Regierungsbehörden werden wir mit Südafrika
zusammenarbeiten, um den von diesem Land
ausgemachten Bedarf zu erfüllen - Bau von Häusern
und Kliniken, Bereitstellung besserer Bildung,
Förderung einer guten Regierungsform und wirtschaftlicher Entwicklung.
Ich werde an die Staats- und Regierungschefs der
anderen G-7-Länder schreiben und sie bitten, uns
bei der Erweiterung der Hilfe für Südafrika behilflich
zu sein. Und wir werden internationale Finanzinstitutionen wie die Weltbank auffordern, unserem
Beispiel zu folgen.
In der nächsten Woche werde ich ferner eine offizielle Delegation zu Präsident Mandelas Amtseinführung
nach Südafrika entsenden. Vizepräsident Gore wird
die Delegation zusammen mit seiner Gattin anführen. Sie werden begleitet von der First Lady,
Wirtschaftsminister Brown, Landwirtschaftsminister
Espy und vielen anderen, einschließlich einiger
heute hier Anwesenden.

Seite 2

Wir unternehmen diese Schritte, weil für uns beim
Erfolg der Reise Südafrikas wichtige Interessen auf
dem Spiel stehen. Wir haben ein wirtschaftliches
Interesse an einem prosperierenden Südafrika, das
unsere Exporte aufnimmt und in der gesamten
Region größeren Wohlstand hervorbringt. Wir haben
ein Sicherheitsinteresse an einem stabilen, demokratischen Südafrika, das mit seinen Nachbarn bei der
Wiederherstellung und Sicherung des Friedens
zusammenarbeitet.
Wir haben ein eindeutiges
moralisches Interesse. Wir haben unseren eigenen
schwierigen Kampf zur Überwindung der Rassentrennung geführt und kämpfen noch immer mit der
Herausforderung, Stärke aus unserer Vielfalt zu
ziehen. Aus diesem Grund haben die beeindruckenden Bilder der südafrikanischen Wahlen ein so
großes Echo im Herzen aller Amerikaner gefunden.
Ob Südafrika oder Amerika - wir wissen, daß die
Arbeit der Demokratie niemals beendet ist. Toleranz
und Respekt zu entwickeln, Chancen für all unsere
Bürger zu schaffen - diese Arbeit ist nie ganz getan.
Wir wollen jedoch glücklich über die Tatsache sein,
daß Südafrika jetzt die Chance zum Beginn dieser
hehren und lebenswichtigen Aufgabe hat.
Vor 33 Jahren wurde Albert Luthuli als erster von vier
Südafrikanern mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Als er den Preis entgegennahm, beschrieb
er sein Volk "als lebenden Beweis für den unbeugsamen Geist der Menschheit. All die Jahre hat es
das Ziel eines erfüllteren Lebens und der Freiheit mit
unglaublicher Entschlossenheit und Stärke angestrebt".
Heute beginnen diese Entschlossenheit und das
Streben von Generationen Früchte zu tragen.
Gemeinsam müssen wir allen Südafrikanern helfen,
auf ihrer neu gefundenen Freiheit aufzubauen.
Und jetzt möchte ich den Vizepräsidenten bitten,
nach vorne zu kommen und kurz über die bevorstehende Reise der von ihm angeführten amerikanischen Delegation zu sprechen.
Vizepräsident Gore: Vielen Dank, Herr Präsident.
Ich möchte zunächst die Mitglieder der Delegation
willkommen heißen, die die First Lady, Tipper und
mich nach Südafrika begleiten werden. Wir sind
begeistert über diese Reise. Es ist ein großer
Moment der Geschichte.
Die letzten Säulen der Apartheid fallen und drei
Jahrhunderte der Ungerechtigkeit gehen zu Ende.
Viele haben diesen Augenblick herbeigeführt, und wir
sind - wie gesagt - begeistert über die Möglichkeit,
Zeuge dieser Umgestaltung zu werden.

AMERIKA DIENST 18

�Ich begrüße Landwirtschaftsminister Espy und den
Nationalen Sicherheitsberater, Tony Lake, der in den
vergangenen 16 Monaten und vor dieser Administration in anderen Funktionen unermüdlich gearbeitet
hat, um diesen Moment herbeizuführen. Botschafter
Talbott und sein Kollege George Moose vom USAußenministerium. Herr Botschafter, ich danke
Ihnen für den herausragenden Beitrag des Außenministeriums zu dieser Entwicklung.

übernommene Rolle, uns an die Schwelle eines
neuen Zeitalters in Südafrika zu bringen.

Ich möchte auch einige der anderen Anwesenden
erwähnen. Der Präsident hat bereits auf die Rolle
von Reverend Jesse Jackson als Leiter der Wahlbeobachtergruppe verwiesen. Einige von ihnen
wissen vielleicht nicht, daß er in Südafrika besondere Anerkennung und Dank für die Art und Weise
erhalten hat, in der er und die von ihm angeführte
Delegation zu diesem herausragenden Ereignis
beigetragen und eine maßgebliche und wichtige
Rolle dabei gespielt haben, diesen bedeutenden
Augenblick der Geschichte sicherzustellen und vor
Störungen zu bewahren.

Wie Präsident Clinton wiederholt klargestellt hat,
werden die Vereinigten Staaten von Amerika helfen.
Wir werden dort sein und das Unsere tun. Unsere
Arbeit ist Teil der umfassenderen Strategie von
Präsident Clinton zur Erweiterung der internationalen
Staatengemeinschaft freier marktwirtschaftlicher
Demokratien in Afrika und andernorts.

Die Direktorin des Peace Corps, Carol Bellamy, ist
anwesend; der Leiter des Amts für internationale
Entwicklung (Agency for International Development AID), Brian Atwood; Ruth Harkin, die Präsidentin der
Entwicklungsgesellschaft OPIC; Botschafter Harry
Schwarz, der in wenigen Minuten auf das Podium
kommen wird, und der ANC-Vertreter Kingsley
Makhubela, der ebenfalls in Kürze das Podium
betritt, sowie andere hochrangige Gäste wie die
Mitglieder der Präsidentendelegation, die aus herausragenden Personen besteht, die in sehr persönlicher Weise zu der wunderbaren Veränderung
beigetragen haben, die in Südafrika stattfindet.
Jeder der heute hier Anwesenden kann stolz auf die
von ihm bei der Abschaffung der Apartheid gespielte
Rolle sein. Sie haben den Weg bei einem großen
moralischen Kampf dieses Jahrhunderts gewiesen.
Sie werden heute Anrufe erhalten - wir konnten Sie
nicht früher anrufen - mit denen Sie zu einem
Treffen mit der Delegation vor ihrer Abreise nach
Südafrika in unsere Residenz am Samstag abend
eingeladen werden. Ich hoffe, Sie können alle
kommen und mit uns dieses Ereignis feiern.
Eine Reihe von Kongreßmitgliedern hat eine entscheidende Rolle dabei gespielt, das Bewußtsein in
den Vereinigten Staaten für die Schrecken der
Apartheid zu schärfen. Bedauerlicherweise können
diese Kongreßabgeordneten aufgrund einer wichtigen Abstimmung heute auf dem Capitol Hill nicht an
dieser Veranstaltung teilnehmen, sie verdienen
jedoch besondere Anerkennung für die von ihnen

AMERIKA DIENST 18

Jetzt beginnt die harte Arbeit der Förderung von
Demokratie und Stärkung der marktwirtschaftlichen
Reformen. Südafrika sieht sich mit einer schwierigeren Herausforderung als der Abschaffung der Apartheid konfrontiert - dem Aufbau einer nichtrassischen
Demokratie und einer Kultur der Toleranz.

Zusammen mit anderen Delegationsmitgliedern habe
ich die Chance, mit den Staatsoberhäuptern anderer
Nationen in Südafrika zu sprechen, die sich in
unterschiedlichen Stadien des Übergangs zu freien
Marktwirtschaften befinden. Ich werde auf dem
Rückweg von "den Amtseinführungsfeierlichkeiten
Namibia und Benin sowie Cap Verde besuchen.
Selbst während wir uns heute auf Hilfe für Südafrika
konzentrieren, sind wir uns der Bedeutung bewußt,
Entwicklung im gesamten südlichen Afrika und
darüber hinaus zu fördern. Südafrikas erfolgreiche
Umgestaltung wird diese Ziele unterstützen und allen
Hoffnung geben, die Freiheit lieben. Die von dem
gewählten Präsidenten Mandela und Präsident F.W.
de Klerk demonstrierte große Staatskunst sind ein
anschauliches Beispiel, um zur Wiederherstellung des
Friedens in Nationen wie Mosambik, Bosnien, Haiti,
Ruanda, Angola, Burundi und andernorts beizutragen.
Wie der gewählte Präsident Mandela nach den
viertägigen Wahlen erklärte, war das Volk Südafrikas
siegreich - es hat gewonnen. Er sprach auch zu all
denjenigen auf der Welt, die an den Kampf für
Gerechtigkeit, Demokratie und Selbstverwaltung
glauben. Und in eloquenten Worten äußerte er, dies
ist auch unser Sieg.
Ich möchte eine persönliche Anmerkung machen. Ich
dachte an den Sonntag morgen amerikanischer Zeit
vor nicht allzuvielen Jahren zurück, als Nelson
Mandela aus dem Gefängnis entlassen wurde. Nur
unser jüngstes Kind war damals wach, und ich sah
fern, gebannt von der sich in Südafrika abspielenden
Szene. Und als Vater kam mit in den Sinn, daß all
die Male, wenn Eltern schreckliche, ungerechte
Greueltaten und Tragödien in der Welt erklären
müssen und die vor Schreck verzerrten Gesichter der
Kinder sehen, während sie die Nachricht verdauen,
daß es schreckliche Dinge auf dieser Welt gibt, in der

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�sie aufwachsen - dies ebenso wie die Amtseinführung ein Moment ist, an dem Eltern auf der
ganzen Welt die Freude haben werden, ihren
Kindern die tiefere Bedeutung eines Ereignisses
erklären zu können, das über das Gewöhnliche
hinausgeht, den menschlichen Geist beflügelt und
uns allen die Hoffnung gibt, daß die dem menschlichen Geist innewohnenden großen Fähigkeiten in
Wegen ihren Ausdruck finden können, die unsere
Welt umgestalten, den Horizont erweitem und uns
die Chance für eine vielversprechendere Zukunft
bieten.
Was den praktischen Aspekt anbetrifft, so bildet das
von Präsident Clinton heute angekündigte Handelsund Investitionspaket in Höhe von 600 Millionen
Dollar den Höhepunkt der engen Zusammenarbeit
zwischen dem Kongreß und den 10 ausführenden
Behörden. Darüber hinaus setzt es die im Herbst
vergangenen Jahres von Wirtschaftsminister Brown
mit der von ihm äußerst erfolgreich geführten Handels- und Investitionsmission in Südafrika in die
Wege geleitete Arbeit fort und baut darauf auf.
Brian Atwood und das Amt für internationale Entwicklung verdienen ebenfalls besondere Anerkennung für die kreative Erweiterung ihres Investitionsprogramms. Zum ersten Mal wird AID mit der
südafrikanischen Regierung bei der Unterstützung
ihrer Entwicklungsprioritäten zusammenarbeiten.
In diesem Zusammenhang bin ich äußerst erfreut,
am 3. und 4. Juni bei der vom US-Informationsamt
veranstalteten Konferenz in Atlanta über die Förderung von wirtschaftlichen und akademischen Austauschprogrammen zwischen den Vereinigten
Staaten und Südafrika sprechen zu können.

Auch die OPIC-Präsidentin Ruth Harkin hat eine
wichtige Investitionsmission in Südafrika geleitet und
drei amerikanisch-südafrikanische Gemeinschaftsunternehmen angekündigt, mit denen Millionen Dollar
in die benachteiligten Gemeinden des Landes gepumpt werden könnten.
Zu den anderen Behörden, die eine führende Rolle
bei der Entwicklung unseres soliden Wirtschaftspakets für Südafrika gespielt haben, zählen das
Peace Corps - ich habe Carol Bellamy bereits willkommen geheißen - das Amt für Handel und Entwicklung, die Ex-Im Bank, der amerikanische Handelsbeauftragte sowie das Finanz- und Verteidigungsministerium.
Abschließend möchte ich nochmals unterstreichen,
daß wir in der vergangenen Woche Zeuge dieses
außergewöhnlichen historischen Ereignisses wurden,
wir sollten jedoch nicht vergessen - wie Harry Truman
einmal gesagt hat - daß die Menschen die Geschichte machen, und nicht umgekehrt.
Mutige Männer und Frauen in Afrika und Amerika von denen viele heute hier anwesend sind - haben
zur Abschaffung der Apartheid beigetragen. Die vor
uns liegenden Herausforderungen bedürfen kontinuierlicher harter Arbeit. Um Präsident Clintons
Worte zu wiederholen, wir haben versprochen, allen
Südafrikanern behilflich zu sein, auf ihrer neu gefundenen Freiheit aufzubauen.
Und jetzt ist es mir eine persönliche Ehre, Botschafter
Harry Schwarz aus Südafrika und den Stellvertretenden Repräsentanten des ANC bei den Vereinten
Nationen, Kingsley Makhubela, vorstellen zu dürfen.
Sie werden Präsident Clinton ein greifbares Symbol
der Wiedergeburt Südafrikas überreichen - ihre neue
Nationalflagge, die die multikulturelle Vielfalt wiedergibt, die heute in Südafrika gedeiht.

*

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*

AMERIKA DIENST 18

�NAHER

OSTEN
11. Mal 1994

CLINTON BEGRUSST UNTERZEICHNUNG DES
AUTONOMIEVERTRAGS
Erklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton würdigte am 4. Mai 1994 die Unterzeichnung des Abkommens zur
Umsetzung der israelisch-palästinensischen Grundsatzerklärung in Kairo als "einen weiteren Meilenstein bei
den Fortschritten für einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten".
Clinton erklärte, er habe die Hoffnung, daß 1994 "einen Durchbruch zu einem dauerhaften und umfassenden
Frieden für alle Völker des Nahen Ostens bringen wird".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung Präsident Clintons im Wortlaut.

Die heute in Kairo erfolgte Unterzeichnung des
Abkommens über die Umsetzung der israelischpalästinensischen Grundsatzerklärung markiert einen
weiteren Meilenstein bei den Fortschritten für einen
dauerhaften Frieden im Nahen Osten. Ich habe
Ministerpräsident Rabin und den PLO-Vorsitzenden
Arafat angerufen und ihnen im Namen aller Amerikaner zu dieser Leistung gratuliert. Ich habe meiner
hohen Wertschätzung der von Ministerpräsident
Rabin gespielten mutigen Führungsrolle Ausdruck
verliehen und dem PLO-Vorsitzenden Arafat gegenüber auf die Bedeutung einer unverzüglichen Umsetzung des Abkommens hingewiesen. Gestern und
heute habe ich mit Präsident Mubarak telefoniert und
unsere Dankbarkeit und Anerkennung angesichts
der von ihm bei der Ermöglichung dieses historischen Schrittes gespielten Schlüsselrolle betont.

Jetzt muß die möglichst zügige und erfolgreiche
Umsetzung der Grundsatzerklärung der Schwerpunkt
sein. Der Prozeß zur Verbesserung der Situation im
Land muß in Gang gebracht werden. Das Versprechen einer neuen, hoffnungsvollen Zukunft für Israelis
und Palästinenser gleichermaßen muß jetzt realisiert
werden. Ich habe Ministerpräsident Rabin und dem
PLO-Vorsitzenden Arafat versichert, daß die Vereinigten Staaten hierzu alles in ihrer Macht Stehende
unternehmen werden.
Aufgrund der heute erzielten Fortschritte und unserer
laufenden Gespräche mit den Parteien in der Region
habe ich die Hoffnung, daß dieses Jahr einen Durchbruch zu einem dauerhaften und umfassenden
Frieden für alle Völker des Nahen Ostens bringen
wird.

* * * *

AMERIKA DIENST 18

*

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�FULBRIGHT
11. Mai 1994

LEO M. GOODMAN AWARD FÜR SENATOR FULBRIGHT
Rede von Botschafter Holbrooke
MÜNCHEN - (AD) - In diesem Jahr wurde der Goodman Award der American Chamber of Commerce in
Germany für besondere Verdienste um die Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen am 29. April
1994 an Senator J. William Fulbright verliehen. Seine Ehefrau, Harriet Fulbright, nahm die Auszeichnung
stellvertretend entgegen. Präsident Clinton sandte ein Grußwort, und Walter Leisler Kiep würdigte Fulbright
in seiner Laudatio als großen Visionär, der Meilensteine im deutsch-amerikanischen Verhältnis gesetzt habe.
Aus Anlaß der Verleihung hielt der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik
Deutschland nachfolgende Rede, die wir in wesentlichen Auszügen veröffentlichen.

Wie die meisten von Ihnen wissen, ist das FulbrightProgramm das bekannteste der Welt und ein herausragendes Symbol des internationalen Austauschs. In der 45jährigen Geschichte des Programms wurde 180.000 Menschen - darunter jeweils
24.000 Deutschen und Amerikanern - die Chance
geboten, daran teilzunehmen und klügere Weltbürger zu werden. Viele von ihnen sind Führungskräfte
in dem von ihnen gewählten Beruf, in ihren Gemeinden und ihren Nationen geworden. In Deutschland
besteht das Programm seit 1952. Es dient als
Modell für andere Austauschprogramme, auch für
das von uns im kommenden Jahr in der Amerikanischen Botschaft beabsichtigte. Senator Fulbright
selbst erklärte 1967: "Die größte Macht akademischer Austauschprogramme ist die Macht, Nationen
in Menschen umzuwandeln und Ideologien in
menschliches Streben umzusetzen."
Während wir heute im vierten Jahr der Vereinigung
Deutschlands versammelt sind, entnehmen wir
seinen Worten die tiefere Bedeutung, die er im Sinn
hatte, als er von der Umsetzung von Ideologien in
menschliches Streben sprach. Denn eben dies
geschieht zur Zeit. Wir befinden uns im postideologischen Zeitalter. Natürlich gibt es Fundamentalismus auf der Welt, nicht nur der islamischen,
sondern auch andernorts. Es gibt immer noch viele
Ideen auf der Welt, aber der eiserne Griff der
Ideologien, die einen Großteil des zwanzigsten
Jahrhunderts beherrschten und in mancher Weise
ruinierten - vor allem Faschismus und Kommunismus
- gehören der Vergangenheit an. Die Nationen der
Welt und ihre politisch Verantwortlichen müssen jetzt
das menschliche Streben ihrer Völker erfüllen, und
das heißt vornehmlich, deren wirtschaftliches Stre-

AMERIKA DIENST 18

ben, das Streben nach Glück für die größte Zahl der
Bürger zu verwirklichen.
Dies ist für die Regierungen der führenden Nationen
der Welt eine entscheidende und schwierige Aufgabe.
Und sie wird in einem unsicheren Rahmen durchgespielt. Seit Jahrzehnten dachten Deutsche und
Amerikaner, die Welt, wie wir sie während des Kalten
Krieges kannten, würde fortdauern, solange die
Vorstellung reicht. Die Menschen dachten, Deutschland bleibe auf ewig geteilt und mitten durch Europa
verliefe weiterhin eine Trennlinie. Als sie ausradiert
wurde, sahen wir uns alle mit unerwarteten und
unvorhergesehenen Konsequenzen konfrontiert. Wie
mein amerikanischer Lieblingsphilosoph, Yogi Berra,
feststellte: "Die Zukunft ist nicht mehr, was sie
einmal war."
Die unerwartete Welt schafft neue Herausforderungen. Wenn man sich beispielweise die Berichterstattung über die Vereinigung Deutschlands betrachtet, stellt man fest, daß sich praktisch nichts als
richtig erwiesen hat, was damals geschrieben wurde.
Die Wirtschaftslage in Ostdeutschland war sehr viel
schlimmer als erwartet. Was als Erwerb Ostdeutschlands durch den Westen abgehandelt wurde, erwies
sich - um eine Metapher aus dem Unternehmensbereich zu verwenden - eher als Fusion denn Erwerb.
Die beiden Kulturen haben sich schrittweise assimiliert, und das ist nicht immer leicht. Im Osten
Deutschlands hat der Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums ein chaotisches Erbe hinterlassen,
dessen Entwirrung mindestens ein Jahrzehnt benötigt, und während dieses Jahrzehnts wird es viele
Probleme geben. Wir werden keine neuen Sarajevos
haben, denn hier geht es um eine Grausamkeit, die

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�in diesem Zeitalter kaum denkbar scheint. Aber wir
werden viele Probleme, viel Streß haben und andere
Schlachten kämpfen müssen. Vor diesem Hintergrund verändern sich die deutsch-amerikanischen
Beziehungen dramatisch, sind jedoch nicht weniger
wichtig.
Während des Kalten Krieges bestand die Rolle der
Vereinigten Staaten im Schutz Westdeutschlands
gegen den Osten. Die Trennlinie Europas verlief,
wie Sie alle wissen, mitten durch dieses Land. Und
als der Kalte Krieg endete, hatten viele Amerikaner
und Deutsche das Gefühl, das war's. Jetzt können
wir nach Hause gehen. Manche forderten sogar das
Ende der NATO, da sie ihre ursprünglichen Ziele
erfolgreich verwirklicht hatte. Dies erwies sich als
nicht richtig. Die Vereinigten Staaten und Deutschland befinden sich jetzt in dem Prozeß der Neudefinition ihrer gemeinsamen Interessen und es scheint,
daß sich unsere Interessen in der Tat stark decken.
Es gibt kein Land in Europa, mit dem uns so viele
gemeinsame strategische Ziele verbinden. Während
Deutschland die Europäische Union zur Erweiterung
ost- und nordwärts führt, während Deutschland
engere Verbindungen zu Frankreich knüpft, unterhält
es weiterhin die engsten Bande zu den Vereinigten
Staaten. Und ich möchte betonen, daß sich diese
beiden Ziele Deutschlands decken. Manche denken,
Deutschland müsse sich zwischen den Vereinigten
Staaten und Frankreich entscheiden. Ich möchte
unterstreichen, bekräftigen und offen sagen, daß
dies nicht die Meinung der US-Regierung, nicht der
Clinton-Administration, nicht die Meinung des Präsidenten, des Vizepräsidenten oder des Außenministers ist.
Unseres Erachtens liegen starke deutsch-französische Beziehungen auch im Interesse der Vereinigten
Staaten. Die gute alte Zeit, in der die Vereinigten
Staaten häufig mit der Bitte nach Bonn kamen, eine
Botschaft nach Paris zu übermitteln, ist für immer
vorüber. Je näher Frankreich und Deutschland sich
stehen, desto besser für die Stabilität in Europa und
deshalb für die Vereinigten Staaten. Wir werden
jedoch auch die stärksten und direktesten bilateralen
Beziehungen zu Deutschland unterhalten. In der
Europäischen Union und der NATO sind es Deutschland und die Vereinigten Staaten, deren Ansichten
sich im Hinblick auf die Situation in Osteuropa und
der ehemaligen Sowjetunion am stärksten decken.
Aus diesem Grund sahen wir uns zur Schaffung
eines einzigartigen Konsuttationsprozesses mit den
Deutschen im Hinblick auf die Ereignisse in der
ehemaligen Sowjetunion veranlaßt. Hierfür gibt es
drei Gründe. Den ersten habe ich gerade erwähnt die gemeinsamen strategischen Ziele unserer beiden

Seite 2

Länder. Zweitens sind Deutschland und die Vereinigten Staaten direkt und indirekt die beiden größten Geberländer von Hilfe für die ehemalige Sowjetunion, und wahrscheinlich haben wir die größten
Geschäftsinteressen. Der dritte Punkt, den ich
anführen möchte, ist nicht unwichtig, und das sind die
ungewöhnlich engen persönlichen Beziehungen
zwischen Präsident Clinton und Bundeskanzler Kohl.
Sie mögen einander und verstehen sich gut. Das
war in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall.
Die persönlichen Beziehungen von Staatsmännern
sind ein wesentlicher Faktor in der Außenpolitik, und
in diesem Fall sind sie entscheidend. Ich möchte das
jüngste und dramatischste Beispiel hierfür nennen:
Richard Nixons letzter öffentlicher Auftritt vor seinem
Tod war die Reise nach Bonn vor vier Wochen, um
auf dem Rückweg von Moskau Gespräche mit
Bundeskanzler Kohl zu führen.
Neben der neuen Partnerschaft, die das vereinigte
Deutschland und die Vereinigten Staaten schmieden,
müssen wir unsere bilateralen Beziehungen stärken,
und natürlich möchte ich heute darüber sprechen.
Ohne starke bilaterale Beziehungen kann es keine
guten internationalen Beziehungen geben, und das
heißt, persönliche Kontakte. In den vergangenen 45
Jahren wurden diese Beziehungen durch die Präsenz
der amerikanischen Truppen untermauert und vertieft.
Diese Truppen ziehen jetzt nicht ab. Ende nächsten
Jahres werden noch immer 65.000 amerikanische
Soldaten hier stationiert sein.
Wir haben nach Wegen gesucht, um die Beziehungen außerhalb des militärischen Bereichs zu stärken.
Dies ist von entscheidender Bedeutung, und wir
haben zwei Bereiche ausgemacht, auf die wir unser
Augenmerk konzentrieren: Kultur und Wirtschaft.
Diese Bereiche, für die in der US-Regierung aus
bürokratischen Gründen zwei verschiedene Behörden
zuständig sind - das US-Informationsamt und das
Wirtschaftsministerium - waren historisch stets eng
verbunden. Dies geht zurück auf die Medicis bis zum
Museum Ludwig in Köln. Stets haben große Kulturmagnaten großartige Kulturereignisse veranstaltet.
In diesen beiden Bereichen wollen wir mit der American Chamber of Commerce und mit der Kulturszene
zusammenarbeiten. In zweieinhalb Wochen werden
wir in Bonn eine einzigartige Ausstellung organisieren, bei der wir die Werke amerikanischer Künstler
nicht nur in der Botschafterresidenz, sondern auch im
Gebäude der Amerikanischen Botschaft zeigen
werden. Unseres Wissens ist dies noch nie zuvor
geschehen. Botschaften sind für gewöhnlich nicht
der Ort für Kunstwerke, und das amerikanische
Außenministerium stellt für ein solches Programm
keine Mittel zur Verfügung. Dank der großzügigen
Unterstützung einer Kunstgalerie mit Sitz in New York

AMERIKA DIENST 18

�und hier in München - der ACA-Galerie - können wir
zwei Ausstellungen gleichzeitig veranstalten.
Wir tun dies jedoch nicht nur um der Kunst willen,
sondern als Mittel zur Vertiefung der Bande zwischen unseren beiden Ländern. Deutschland und
die Vereinigten Staaten stehen sich auf dem Gebiet
der Kunst äußerst nahe. Geht man zu einem
Kunsthändler in den Vereinigten Staaten, wird er
Ihnen erzählen, daß Deutschland der beste Markt für
amerikanische Kunst ist. Und einige der berühmtesten amerikanischen Kunstwerke werden jetzt in
Deutschland gezeigt. Kunst ist also ebenso wie das
Fulbright-Programm ein wichtiges Bindeglied zwischen unseren beiden Ländern.
Im Bereich der Wirtschaft sind wir zu einer verbesserten Unterstützung unserer Aktivitäten durch die
amerikanische Regierung entschlossen. Wir haben
in den Amerika Häusern München, Frankfurt, Berlin,
Hannover und Köln Business Information Centers
gegründet und werden solche Zentren in Kürze in
Hamburg, Stuttgart und Leipzig eröffnen. In diesen
Zentren haben wir unser gesamtes Referenzmaterial
über Wirtschaftsaktivitäten zusammengestellt. In
den Amerika Häusern sind Mitarbeiter der Handelsabteilung bei Anfragen behilflich. Wir haben diese
Arbeit erst in den vergangenen drei Monaten begonnen, erhalten jedoch in jedem der Häuser bereits 50
bis 75 Anrufe pro Woche. Wir sind hier, um Ihnen
zu helfen.
Jedem Mitarbeiter der Amerikanischen Botschaft
wurde gesagt, daß die Förderung der Wirtschaft Teil
seines Verantwortungsgebietes ist. Unsere Konsularbeamten werden zu Wirtschaftsfachleuten
ausgebildet, um Probleme ausmachen zu können
und bei ihrer Lösung behilflich zu sein, von den
unvermeidlichen Visaproblemen bis zur Beratung
über die richtigen Kontakte. Wir sind hier, um Ihnen
zu helfen, weil es im nationalen amerikanischen und
gleichermaßen im deutsch-amerikanischen Interesse
liegt. Wirtschaftschancen sind von entscheidender
Bedeutung.
Im Juni werden wir das 1987 geschlossene amerikanische Generalkonsulat in Düsseldorf wiedereröffnen, das dann ein Wirtschafts- und Handelszentrum
sein wird. Dort werden keine Visaanträge bearbeitet, wir werden nur die amerikanischen und deutschen Wirtschaftsinteressen im Raum Düsseldorf
fördern. In Düsseldorf gibt es einen sehr hohen
Anteil von Japanern - an die 30.000. Ungefähr 600

AMERIKA DIENST 18

japanische Unternehmen haben ihren Sitz in Düsseldorf - damit ist dort die japanische Wirtschaftspräsenz
auf dem europäischen Kontinent in höchstem Maße
konzentriert. Wir haben nichts gegen die Japaner,
aber wir wollen den Amerikanern behilflich sein,
direkter gegen sie zu konkurrieren.
Ich bin nicht hierher gekommen, um eine lange Rede
zu halten, aber ich wollte diese Themen ansprechen
und abschließend nochmals die Verbindung zwischen
Beziehungen auf persönlicher Ebene, kulturellen und
wirtschaftlichen sowie bilateralen Beziehungen und
den nationalen amerikanischen Sicherheitsinteressen
unterstreichen. Es gibt keine Wahl. In den Vereinigten Staaten herrscht zur Zeit großes Mißverständnis hierüber. Es gibt keine Entscheidung
zwischen Außen- und Innenpolitik oder zwischen
Wirtschafts- und strategischer Politik. Die beiden
können nicht getrennt werden.
Häufig wird - auch im Kongreß - das Argument
vorgebracht, wir müßten uns auf unsere innenpolitischen Probleme konzentrieren und im gleichen
Atemzug wird gesagt, die amerikanische Wirtschaft
werde global und interdependent. Die so argumentieren, sollten sich den Widerspruch ihrer Aussage
vor Augen führen. Wenn die Wirtschaft der Vereinigten Staaten jetzt global und interdependent ist und Sie alle in diesem Raum wissen, daß dies zutrifft
- wie kann man dann gleichzeitig neoisolationistisch
werden? Das ist offenkundig falsch und meines
Erachtens eine falsche Entscheidung. Wir müssen
einen neuen Konsens für die internationale Position
der Vereinigten Staaten erarbeiten, der sich nicht auf
die nicht länger relevanten Fakten des Karten Krieges
gründet, sondern auf die Realitäten der Welt und ihre
heutige Funktionsweise.
Ich bin heute also aus zwei Gründen hier: Um
Senator Fulbright zu ehren, einen der großen Visionäre der internationalen Politik der Vereinigten
Staaten, einen Mann, der seit langem argumentierte,
die amerikanische Außenpolitik müsse über den
Karten Krieg hinausblicken, weil dieser nicht der
einzige maßgebliche Faktor zur Definition der Außenpolitik sei; und wegen der American Chamber of
Commerce, die gleichermaßen die Interessen ihrer
Mitglieder wie die nationalen amerikanischen Interessen vertritt. Dies beides - scheint mir - symbolisiert, was die Vereinigten Staaten hier in Deutschland
zu tun versuchen.
Ich danke Ihnen.

Seite 3

�Nachfolgend verö
die von Harriet

... Ich habe lange darüber nachgedacht, welche
Botschaft ich Ihnen heute übermitteln und was ich
als Entschädigung dafür sagen könnte, daß der
heute von Ihnen mit dem Leo Good*an Award
Ausgezeichnete nicht hier sein kann. Schließlich
kam mir in den Sinn, daß Sie vielleicht gerne einige
seiner von ihm selbst in Worte gefaßte Gedanken
und Geschichten aus seinem Leben hören würden,
die Ihnen eine Vorstellung davon geben, wer J.
William Fulbright wirklich ist und aufgrund welcher
Charakterzüge er so Außergewöhnliches leistete.
Bill Fulbright war immer ein praktischer, tatkräftiger
und bescheidener Mensch, der die Dinge anpackt,
ohne sich über Anerkennung oder Förmlichkeiten
Sorgen zu machen. Prunk, Pomp und Pose entsprachen nie seiner Natur... Praktisch und bescheiden bedeutet jedoch nicht durchschnittlich. Das
Wort durchschnittlich trifft auf ihn überhaupt nicht zu.
Er ist ein Mensch auf der Suche nach ungewöhnlichen Ideen, der immer nach der Überwindung des
Alltäglichen, der routinemäßigen Praktiken, der
derzeitigen Gewohnheiten und Traditionen gestrebt
hat. Diesen Charakterzug verfeinerte er immer
weiter, zuerst als Juraprofessor und danach als
Rektor der University of Arkansas. Trotz ihres
Gefahrenpotentials behielt er diese Gewohnheit auch
als Senator bei. Ein Mitglied des Ausschusses für
auswärtige Beziehungen erinnert sich, wie erstaunt
er war, als der Ausschußvorsitzende ihn während
seiner ersten Arbeitswoche anrief und fragte:
"Haben Sie irgendwelche neuen Ideen?" Der arme
Mann war vollkommen sprachlos, bis er schließlich
begriff, daß sein Vorsitzender neue Ideen wollte neue, unerhörte, unerprobte, undenkbare Ideen. In
einer am 27. März 1964 im Senat gehaltenen Rede
formulierte William Fulbright es folgendermaßen:
Wir müssen es wagen, "Undenkbares" zu denken. Wir müssen lernen, alle vor uns liegenden
Optionen und Möglichkeiten in einer komplexen,
in schnellem Wandel begriffenen Welt zu sondieren. Wir müssen lernen, die Stimmen Andersdenkender zu begrüßen und nicht zu fürchten.
Wir müssen wagen, über "Undenkbares" nachzudenken, denn wenn die Dinge undenkbar werden, hört das Denken auf und die Taten werden
gedankenlos.
Dieser konstante Strom "undenkbarer" Gedanken,
die er Kollegen entlockte und selbst hervorbrachte,
wurde keinesfalls hastig oder ohne sorgfältige Über-

Seite 4

wir unwesentlich gekürzt
gehaltene Dankesrede.

legung in die Öffentlichkeit getragen. Fulbright hatte
immer eine ausgeprägte Vorstellung von der Pflicht
gewählter Volksvertreter und der Bedeutung einer
führenden Position in einer Demokratie. Er war der
Meinung, daß das Volk gehört werden sollte, der
gewählte Politiker jedoch das aus seiner führenden
Position resultierende Urteilsvermögen, Wissen und
den Erfahrungsschatz nutzen sollte, um Politik zu
machen oder zu beeinflussen, die ihm - ungeachtet
der öffentlichen Meinung - als die beste erschien.
Nachdem er alle Seiten gehört hat, sollte er durch
Überzeugungskraft die Wähler informieren und bilden,
anstatt zu schweigen oder Meinungsunterschiede zu
verschleiern - nach Ansicht Fulbrights ein völlig
verantwortungsloses Handeln. Sein Hang zu unabhängigem Denken rief oftmals Kontroversen
hervor, insbesondere als er sich öffentlich gegen
Präsident Johnsons Vietnam-Politik aussprach. Dies
war wohl seine schwerste Zeit im öffentlichen Leben,
und es wurde gesagt, damals hätten sogar seine
Augen ihren Glanz verloren. Aber selbst in dieser
düsteren und feindlichen Umgebung fühlte er sich
verpflichtet, das seiner Meinung nach Richtige
ungeachtet der Konsequenzen in Worte zu fassen.
Viel später schrieb er:
Unsere gewählten Volksvertreter und die von
ihnen eingesetzten "Kommunikations"-Experten
untersuchen und analysieren heute die Einstellung
der Öffentlichkeit mit Hilfe neuer Umfragetechniken. Ihre Absichten haben jedoch wenig mit einer
Führungsrolle und noch weniger mit Bildung in
irgendeinem Bereich unseres nationalen Lebens
zu tun. Ihre Absichten scheinen sich darauf zu
beschränken herauszufinden, was die Menschen
wollen, fühlen und nicht mögen, um sich dann
diese Gefühle zu eigen zu machen. Sie wollen
entdecken, auf welche Fragen sie sich unbesorgt
konzentrieren können und welche besser umgangen werden. Das ist das Gegenteil von Führungsqualität - es ist Mitläufertum, das zum eigenen
Nutzen zur Wissenschaft erhoben wurde, (aus:
The Price of Empire)
Fulbright hatte das Gefühl, daß eine Führungsrolle
wiederum die Fähigkeit voraussetzt, Mittel und Wege
zu finden, um den Menschen die Augen zu öffnen
und ihren Horizont zu erweitern - die Fähigkeit, im
gesamten Volk kritisches Denken und Verantwortungsgefühl zu fördern, damit es mit dem wunderbaren, universellen, goldenen Verbindungsglied aller
Gesellschaften auf der Erde - der Freiheit - umgehen

AMERIKA DIENST 18

�und prosperieren kann. Fulbright beschrieb die
Freiheit mit folgenden Worten:
Wenn jemals ein universeller Sieg der demokratischen Werte in greifbare Nähe rückt, wird das
meines Erachtens nicht durch außenpolitische
Maßnahmen geschehen, und sicher nicht durch
Militärpolitik, sondern durch die magnetische
Anziehungskraft der Freiheit selbst. Die Aussicht
auf Freiheit hängt letztlich davon ab, welcher
Gebrauch in freien Gesellschaften von ihr gemacht wird, (aus: Prospects for the West)
Ferner erklärte Senator Fulbright immer wieder, daß
die in einer Demokratie lebenden Bürger Bildung
benötigten, damit alle Einwohner eines freien Landes
in Wohlstand leben können. Bildung war immer der
Kern seiner Worte und Taten. Er schrieb seine
Reden selbst mit der Hand und strich jeden unklaren
Satz. Er überarbeitete sie, bis jeder einzelne Satz
zu seiner Zufriedenheit nicht nur vollkommen verständlich, sondern auch bar jeder Übertreibung war.
Seine Reden sollten Dinge klarstellen und Menschen
überzeugen, mit anderen Worten bilden - die Zuhörer auf der ganzen Welt und seine Wähler. Sein
berühmtestes Gesetzeswerk hat über nationale
Grenzen hinweg mehr als 200.000 Stipendiaten aus
jedem Teil der Erde Zugang zu Bildung verschafft.
Es basierte auf der während seinerzeit als RhodesStipendiat gemachten Erfahrung und wurde - wie die
meisten von Ihnen wissen - direkt nach dem Ende
des Zweiten Weltkriegs aus einem Gefühl der
Dringlichkeit heraus konzipiert - aus dem Wissen,
daß die Erfindung der Atombombe im Falle eines
weiteren Weltkrieges das Ende der Menschheit
bedeuten würde. Dieses internationale akademische
Austauschprogramm, das nach ihm benannt wurde,
hat während seines nahezu fünfzigjährigen Bestehens weniger Geld gekostet als zwei Tage unseres
derzeitigen Verteidigungsprogramms. Trotz der
relativ geringen finanziellen Auslagen ist es als eine
der stärksten Kräfte für den Frieden auf unserem
Planeten anerkannt. Fulbright formulierte es folgendermaßen:
Bildung ist eine langsame, aber mächtige Kraft.
Sie mag nicht schnell oder stark genug sein, um
uns vor der Katastrophe zu retten, aber sie ist die
stärkste verfügbare Kraft.
Der Erfolg des Fulbright-Programms ist deutlich.
Wenn Nachahmung die ernsthafteste Form von
Schmeichelei ist, könnte sich Fulbright angesichts
des raschen Anstiegs internationaler Austauschprogramme enorm geschmeichelt fühlen, die wie
Pilze aus dem Boden schießen. Aufmerksamkeit

verlangt auch die Notwendigkeit eines öffentlichen
Bildungssystems in unseren beiden Ländern, das
lebenslanges Lernen und Gemeinschaftssinn fördert.
Es wird zunehmend deutlich, daß wir in unmittelbarer
Zukunft mit einer großen Herausforderung konfrontiert
werden. Fulbright hat oft geäußert, daß Demokratie
nur inmitten aufmerksamer, verantwortungsbewußter
und gebildeter Bürger gedeihen kann, womit er nicht
meint, Schüler und Studenten mit Informationen und
Statistiken zu überfüttern, die sie in Multiple-choiceTests wieder ausspucken. Vielmehr fordert er eine
Schulung unserer gesamten Fähigkeiten, so daß
lebenslanges Lernen zur universellen Gewohnheit
wird, eine Verfeinerung unseres kritischen Denkvermögens, um berufliche Probleme und Regierungspolitik analysieren und auswerten zu können und
somit zu besseren Wählern zu werden. Und er meint
damit die Ermutigung kreativen Denkens zur Lösung
großer Probleme wie Umweltverschmutzung und
Weltwirtschaftspolitik sowie die Förderung einer
aktiven Beteiligung an gemeinschaftlichen Angelegenheiten, damit sie für Erwachsene bereits zur Gewohnheit geworden ist. Er meint interdisziplinäre Bildung
für alle Kinder - arme und reiche, in der Stadt und auf
dem Land. Er meint die Art von Bildung, die auf der
ganzen Welt verbreitet werden muß, wenn wir über
das Ziel eines bloßen Überlebens der menschlichen
Rasse hinausgehen wollen.
All diese Ausführungen über Führungsqualitäten,
Freiheit und Bildung mögen Ihnen einfach, selbstverständlich und alltäglich erscheinen, sie wurden jedoch
früher einmal als rassistisch und sogar gefährlich
angesehen. Vor dreißig Jahren wurde Senator
Fulbright mit Worten betituliert, die ich nicht zu Papier
zu bringen wage und noch viel weniger vor einem so
hochkarätigen Publikum aussprechen möchte.
Emotional geladene Briefe voller Lob und Haß
wurden ihm zu Häuf in sein Büro geschickt - manche
waren für ihn sehr quälend. Ein Brief berührte ihn so
sehr, daß er sich in sein Büro einschloß, keine Anrufe
durchstellen ließ und handschriftlich eine Antwort
verfaßte.
Diesen Mann zeichnen Sie heute aus: Einen bescheidenen, stets suchenden und überlegten Menschen, der sich über die Natur von Freiheit und
Führung Gedanken macht, sich leidenschaftlich für
eine Ausweitung der Bildungsmöglichkeiten auf der
ganzen Welt einsetzt und Kritik nicht fürchtet. Ich
hoffe, daß es mir gelungen ist, Sie daran zu erinnern,
was er verkörpert und warum Sie ihm so große Ehre
zuteil werden lassen. Hoffentlich sind Sie heute über
Ihre Entscheidung noch stolzer und bereit, seine
Arbeit fortzusetzen.

* *

AMERIKA DIENST 18

*

Seite 5

�FUSSBALL
11. Mal 1994

FUSSBALLWELTMEISTERSCHAFT IN DEN
VEREINIGTEN STAATEN
von Timothy Carlson
Das größte Ereignis bei "König Fußball" - die fünfzehnte, alle vier Jahre veranstaltete Fußballweltmeisterschaft
- findet endlich in den Vereinigten Staaten statt. Im Sommer 1994 wird in neun amerikanischen Städten die
aus 52 Spielen bestehende Fußballweltmeisterschaft ausgetragen, bei der die 24 weltweit besten
Fußballmannschaften gegeneinander antreten und die im Endspiel im Rose-Bowl-Stadion gipfelt.
Nachfolgend beschreiben wir die Vorbereitungen vor Ort, Fernsehbelichterstattung, Kartenverkauf, Sicherheit
sowie einige der wichtigsten Spieler. Die Organisatoren hoffen, daß der mit der Fußballweltmeisterschaft
einhergehende Trubel zu einem Aufschwung für den Profi-Fußball in den Vereinigten Staaten führen wird.
Timothy Carlson ist freiberuflicher Schriftsteller aus Culver City (Kalifornien).

Es hat 64 Jahre gedauert, aber nun hat endlich das
Hauptereignis des weltweit beliebtesten Sports die
von einem internationalen Fußballvertreter sogenannte "letzte Grenze" überschritten: Im Sommer
1994 wird die Fußballweltmeisterschaft zum ersten
Mal in den Vereinigten Staaten ausgetragen.
Dieses fünfzehnte in einer Reihe von alle vier Jahre
stattfindenden Turnieren beginnt mit einer verschwenderischen Eröffnungsfeier in Chicago, derein
Spiel mit dem amtierenden Fußballweltmeister
Deutschland folgt. Wenn am 17. Juli vor 100.000
anfeuernden Fans, die sich ihre Eintrittskarte 475
Dollar kosten lassen, im Rose-Bowl-Stadion von
Pasadena (Kalifornien) das Endspiel stattfindet
(begleitet von einer Supershow im Broadway-Stil
während der Halbzeit und einer extravaganten,
futuristischen Abschlußfeier, die die jüngsten Feierlichkeiten aus Anlaß der Olympischen Spiele noch
übertreffen soll), werden einige für den Fußball in
der Welt und in Amerika entscheidenden Fragen
beantwortet sein.
Die erste Frage lautet: Kann der mit einer Fußballweltmeisterschaft einhergehende Trubel - freudige
brasilianische Fans, die sich im Tanzschritt durch die
Straßen wiegen, enthusiastische Deutsche, die sich
Gesicht und Körper in ihren Nationalfarben bemalen
und farbenfrohe fähnchenschwenkende Fans aus
Kamerun - ein Land in Begeisterung versetzen, das

AMERIKA DIENST 18

mit seinen heimischen Veranstaltungen wie Baseball
und American Football bereits mehr als saturiert ist?
Die Fußballweltmeisterschaft - die internationale, nicht
die amerikanische Variante des Fußballs - zieht
gewöhnlich zwei Milliarden Zuschauer vor die Fernsehschirme. Die meisten Zuschauer in den Vereinigten Staaten gab es beim Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 1986, der fast sieben Millionen
Haushalte zusahen.
"Der internationale Fußballverband, die FIFA (Föderation Internationale de Football Association) sieht die
Vereinigten Staaten als eines der letzten Länder an,
das Möglichkeiten für Wachstum großen Umfangs
bietet", äußert Jim Trecker, Vizepräsident und Pressereferent von World Cup USA. Joseph Blatter,
Generalsekretär der FIFA, die ihren Sitz in der
Schweiz hat, erklärt: "Als wir die Entscheidung
trafen, den Vereinigten Staaten die Ausrichtung der
Spiele zu gestatten, hatten wir zwei Ziele. Wir
wollten das Spiel in diesem riesigen Land bekannt
machen, und wir wollten es in den Vereinigten
Staaten auf die Profi-Ebene bringen. Es ist ein
offener Markt." Obwohl die Fußballvertreter der
Vereinigten Staaten die Forderung der FIFA akzeptierten, bis zum Herbst 1994 eine aus Berufsspielern
bestehende Fußballmannschaft aufzustellen, konzentrieren sie sich hauptsächlich auf die Vorbereitung
einer erfolgreichen Fußballweltmeisterschaft und
hoffen, daß der Rest von selbst kommt.

Seite 1

�Als die FIFA bei der Vergabe der Weltmeisterschaft
den Vereinigten Staaten vor Ländern wie Brasilien
und Marokko den Vorzug gab, war sie sicher, daß
dieses Land über die für eine erfolgreiche Organisation der Spiele erforderlichen Einrichtungen verfügt.
Aber obwohl der internationale Fußballverband vom
Wachstumspotential des Fußballs in den Vereinigten
Staaten fasziniert war, fürchtete er auch, einem Land
die Ausrichtung der Weltmeisterschaft zu übertragen,
das nie eine überwältigende Begeisterung für diesen
Sport unter Beweis gestellt hatte. Trecker erinnert
sich, daß die amerikanischen Fußballvertreter hart
daran arbeiten mußten, die FIFA zu überzeugen,
den Vereinigten Staaten ihre Kronjuwelen zu überlassen.
"In den Vereinigten Staaten geht die Geschichte des
Fußballs auf die Einwanderer zurück, die seit dem
19. Jahrhundert diesen Sport ausgeübt haben", so
Trecker. "Aber erst der von 1968 bis 1984 bestehende spektakuläre nordamerikanische Fußballbund
(North American Soccer League - NASL) - mit Stars
wie Pele aus Brasilien oder Franz Beckenbauer aus
Deutschland, Giorgio Chinaglia aus Italien und
Johan Cruyff aus den Niederlanden - erweckte das
Interesse der Massen." Leider strapazierte die
Expansion des Bundes über Gebühr die zur Verfügung stehende Basis und schrumpfte gerade in
dem Moment, als seine Popularität in der Bevölkerung stieg. In den 25 Jahren seit der Gründung des
NASL wuchs die aktive Beteiligung am Fußball in
den Vereinigten Staaten auf 16 Millionen - was die
Zahl der American Football-Spieler übersteigt.
Ironischerweise handelt es sich hier um eine der
wenigen Sportarten in den Vereinigten Staaten, bei
der die Zahl der aktiven Teilnehmer die der Fernsehzuschauer bei ihrem Hauptereignis übersteigt.
Ein Anzeichen dafür, daß die Vereinigten Staaten für
die Fußballmeisterschaft bereit waren, war die
erfolgreiche Veranstaltung des Olympischen Fußballwettbewerbs 1984 in Los Angeles mit 103.000 Fans,
die dem olympischen Endspiel im Rose-Bowl-Stadion beiwohnten. Der für die olympischen Fußballspiele Verantwortliche, der Rechtsanwalt und Sportexperte Alan Rothenberg aus Los Angeles, erhielt
internationales Lob, das den Vereinigten Staaten bei
ihren Bemühungen um die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 1994 zugute kam.
1986 bewarb sich der amerikanische Fußballbund
(U.S. Soccer Federation) um den World Cup, der
plötzlich in Reichweite rückte, als der vorgesehene
Gastgeber Kolumbien seine Kandidatur zurückzog
und die FIFA die Ausschreibung erneut öffnete. Für
die FIFA war es Trecker zufolge jedoch ziemlich klar,
"daß sie lieber ein Land wollte, das bereits einmal

Seite 2

eine Weltmeisterschaft organisiert hatte, und so
entschied sie sich für Mexiko".
Die Vereinigten Staaten bewarben sich nicht um die
Fußballweltmeisterschaft 1990, organisierten sich
jedoch neu und legten sich für 1994 kräftig ins Zeug.
"Das Schlüsselereignis, das FIFA-Präsident Joao
Havelange endgültig davon überzeugte, daß wir zur
Veranstaltung der Spiele fähig sind, war ein Besuch
bei Präsident Ronald Reagan im Frühjahr 1987 im
Weißen Haus", teilte Trecker mit. Die Zusicherung
Reagans, die US-Regierung stehe hinter der Bewerbung, und die Annahme einer Resolution durch beide
Häuser des Kongresses zu ihrer Unterstützung
sandte die eindeutige Botschaft, daß die Vereinigten
Staaten bereitstanden.
Am 4. Juli 1988 wurden die Vereinigten Staaten
aufgefordert, die Planung für 1994 zu beginnen und
Gelder für die Ausgaben in Höhe von 300 bis 400
Millionen Dollar zu sammeln. Ein Jahr vor Beginn
der Weltmeisterschaft sah die Lage bereits gut aus:
Durch Untemehmensspenden wurden bereits 276
Millionen Dollar aufgebracht. Der finanzielle Erfolg
scheint gesichert angesichts der 10 "Hauptsponsoren"
- Coca-Cola, Snickers, Gillette, Phillips, JVC, MasterCard, Canon, Fuji, General Motors und McDonald's
- die jeweils 15 bis 20 Millionen Dollar bereitstellen,
die an die FIFA gehen. Eine zweite Kategorie sind
die sogenannten "Marketing-Partner", von denen
American Airlines, adidas, Sheraton Hotels, Sprint,
Upper Deck und vier weitere jeweils 7 Millionen
Dollar für den World Cup USA bereitgestellt haben.
Die Austragungsorte sind bereit. Für die Spiele
zwischen 24 Teams hat World Cup USA '94 eine
möglichst geringe Anzahl von Veranstaltungsorten
(neun) mit der größten durchschnittlichen Zahl von
Sitzplätzen (73.809) ausgewählt. Dazu gehören der
erste völlig überdachte Veranstaltungsort der Weltmeisterschaft, der Silverdome in Pontiac (Michigan),
in dem an der Michigan State University entwickeltes,
2 Millionen Dollar teures Rispengras dem 2:1 Sieg
Deutschlands über England im Juni 1993 vor 62.126
Fans im Endspiel um den US-Cup gut standhielt.
Der aus sechs Spielen bestehende US-Cup vom
Sommer 1993 zog 286.761 Fans an, durchschnittlich
47.793 pro Match. Für die aus 52 Spielen bestehende Weltmeisterschaft werden 3,6 Millionen Eintrittskarten ausgegeben, von denen allein 2 Millionen in
den Vereinigten Staaten verkauft werden. Eine
Million werden der preisgünstigeren Kategorie 3
angehören, bei der 25 Dollar der unterste Preis sind.
Der Vorsitzende von World Cup USA, Rothenberg,
erklärte: Millionen junger Amerikaner aus der Mittelschicht spielen Fußball, und unsere Preisstruktur gibt
ihnen die Möglichkeit, der Veranstaltung zu einem

AMERIKA DIENST 18

�vernünftigen Preis live beizuwohnen."
650.000
Eintrittskarten für Spiele noch nicht spezifizierter
Mannschaften wurden bereits an Zuschauer in den
Vereinigten Staaten verkauft, die eine Verbindung
zum Fußball haben.
Auch der öffentliche Kartenverkauf läuft gut. Die
meisten Eintrittskarten sind bereits verkauft, nur für
die Spiele in Dallas, Pontiac und Palo Alto (Kalifornien) ist der Vorrat noch nicht ganz erschöpft. Die
für Europa und andere Länder vorgesehenen Zuweisungen werden sicherlich ausverkauft, und Interessenten sollten sich an die beauftragten Reisebüros
wenden.
Neben Rose Bowl und dem Silverdome werden
Spiele im Stanford Stadium in Palo Alto, im Soldier
Field in Chicago, im Cotton-Bowl-Stadion in Dallas,
dem Citrus-Bowl-Stadion in Orlando (Florida), im
Robert F. Kennedy Stadium in Washington, dem
Giants Stadium in East Rutherford (New Yersey)
sowie im Foxboro-Stadion in Massachusetts stattfinden.
Die erste Runde des World Cup besteht aus 36
zwischen dem 17. und dem 30. Juni stattfindenden
Spielen, wobei pro Tag mindestens zwei und maximal vier Spiele veranstaltet werden. Nach einem
Tag Pause am 1. Juli beginnt eine Runde mit 16
Spielen an allen Austragungsorten, mit Ausnahme
von Michigan, wo bis zum 5. Juli zwei Spiele täglich
stattfinden. Das Viertelfinale wird am 9. Juli in
Boston und Dallas und am 10. Juli in Palo Alto und
East Rutherford abgehalten. Am 13. Juli findet ein
Halbfinalspiel im Giants Stadium, das andere in
Pasadena statt. Pasadena veranstaltet dann auch
das Spiel um den dritten Platz vom 16. Juli sowie
das Endspiel am 17. Juli.
"Der Zeitplan bietet eine spannende Zusammenstellung von Spielen und soll dazu dienen, die ganze
Nation für die Fußballweltmeisterschaft zu begeistern", so Rothenberg. Dazu trägt auch die landesweite Fernsehübertragung bei, die in Amerika für
kommerzielle Sportereignisse einzigartig ist. Die
Hauptsponsoren der FIFA - Snickers, MasterCard
und Coca-Cola - finanzieren einen Plan, nach dem
die beiden beteiligten amerikanischen Fernsehgesellschaften (ABC, das 11 Spiele überträgt, einschließlich zwei Spielen amerikanischer Teams aus der
ersten Runde und das Finale sowie ESPN mit 41
Spielen) auf Werbung während der Spiele verzichten. Die beiden 45minütigen Halbzeiten aller Spiele
werden ohne Unterbrechung gesendet.
"Nie zuvor konnte die gesamte Fußballweltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten in englischer
Sprache gesendet werden", erklärte Rothenberg.

AMERIKA DIENST 18

ABC nd ESPN, die 11 Millionen Dollar für die amerikanischen Femsehrechte bezahlen, werden ihre
Ansager in die vorwiegend neutrale Berichterstattung
der Europäischen Rundfunk- und Femsehunion
integrieren, deren Berichte über die 52 Spiele in alle
Welt gesendet werden.
Wenn sich die Fußballfans in Pasadena und dem
Umkreis von Los Angeles versammeln, werden sie
dem Organisator David Simmons zufolge von einer
Stadt und einer Region begrüßt, die bereit für den
Geist des World Cup sind. "Pasadena ist eine der
schönsten Gemeinden im Süden Kaliforniens", stellt
Simmons fest. "Es ist außergewöhnlich, daß eine
kleine Gemeinde über ein großes Stadion in landschaftlich schöner Umgebung am Fuße der San
Gabriel Mountains verfügt, in einem Tal, das von
märchenhaften Villen umgeben ist - einem Spiegelbild
hochkarätiger Architektur und des spanischen Erbes
von Kalifornien. Wir planen ein Aktivitäten-Festival im
Umkreis des Stadions - einschließlich eines Fußballfelds im Kleinformat, auf dem die Besucher ihre
Talente testen können. Pasadena, wo fünf Endspiele
um die amerikanische Football-Weltmeisterschaft, die
Fußballspiele der Olympiade von 1994, 80 Rose
Bowls (eines der wichtigsten Spiele im CollegeFootball) und die weltweit bekannte Rosenparade am
Neujahrstag stattfanden, ist auf die ungefähr 1,5
Millionen erwarteten Besucher aus aller Welt vorbereitet."
Pasadena bietet wie die anderen Veranstaltungsorte
der Weltmeisterschaft eine Vielzahl von Unterhaltungsmöglichkeiten, die eine Pause von der völligen
Versunkenheit in den Sport ermöglichen. Es verfügt
über zwei Kunstmuseen und das Pacific Asia Museum mit seinem authentischen chinesischen Garten.
Die 250 Restaurants der Stadt bieten jede Art von
Küche an. Nachts offeriert die Stadt Jazz- und
Tanzclubs, Sportbars und gemütliche Pubs in der
Nachbarschaft, um die Fans aus dem Ausland zu
unterhalten.
Diejenigen, die sich etwas weiter hinaus wagen,
können Disneyland, die Universal Studios, Malibu
Beach und berühmte Comedy Clubs in Hollywood
besuchen, sich die Femsehshows ansehen, die in
den großen Studios aufgezeichnet werden, oder zu
den einzigartigen Wüstenformationen beim Joshua
Tree National Monument fahren. Sie können Zeuge
der eindrucksvollen Mischung verschiedener Kulturen
aus der ganzen Welt werden, wegen der viele
Sozialforscher Los Angeles als eine Stadt des 21.
Jahrhunderts bezeichnen.
Sicherheitsvorkehrungen stellen in diesem Zeitalter
des Terrorismus und der weltweiten sporadischen
Krawalle bei Fußballspielen eine enorme Verantwor-

Seite 3

�tung dar. Auf den ersten Blick erscheint das unmöglich in einer demokratischen Gesellschaft, die
bei öffentlichen Veranstaltungen kein massives
Polizeiaufgebot und keine Anwesenheit des Militärs
duldet. Die Vertreter der FIFA erheben Einspruch
gegen die Zäune, Gräben und den Stacheldraht, die
bei anderen Fußballspielen verwendet wurden.
"Wenn die Menschen in Käfige gesperrt werden,
werden sie zu Tieren", erklärte der FIFA-Generalsekretär Blatter.
Trecker zufolge wird es bei der Fußballweltmeisterschaft keine Hooligans geben. "Diese Ausbrüche
waren das Ergebnis von Loyalität gegenüber örtlichen Fußballvereinen in auf die Ereignisse nicht
vorbereiteten Stadien. Diese Art von Aufruhr gab es
nicht bei Fußballweltmeisterschaften und Olympiaden, teilweise weil die Reisekosten unerschwinglich
sind und zum Teil wegen verbesserter Sicherheitsvorkehrungen. Dieses Jahr hat die Zusammenarbeit
zwischen internationalen Sicherheitsbehörden dazu
geführt, daß wegen Gewaltanwendung bei Fußballspielen Verurteilte an den Grenzen der Vereinigten
Staaten abgewiesen wurden. Wir wollen diese
Menschen fernhalten."

Trotz Warnungen vor möglichen terroristischen
Aktionen bei großen internationalen Zusammenkünften haben sich die Sicherheitskräfte bei der
jüngsten Olympiade der Herausforderung gestellt
und bereiten jetzt den World Cup vor. Trecker fügte
hinzu: "Neben den neuen Pressetribünen auf dem
Dach des Rose Bowl-Stadions wird eine Sicherheitszentrale eingerichtet."
Wenn hinter den Kulissen für die Sicherheit gesorgt
wird, kann die Veranstaltung nach außen hin einen
guten Eindruck machen. Weltberühmte Designer
entwerfen farbenprächtige Motive, um die Straßen
der nahegelegenen Stadteile und die Stadien für die
Spiele zu dekorieren und bauen in jeder der neun
Städte Themenparks.
Das mit diesem gewaltigen Ereignis einhergehende
Spektakel wäre jedoch nichts ohne den Wettbewerb.
Trotz der schauererregenden Spannung verschiedener Spiele, die 1990 durch Strafstoß entschieden
wurden, nachdem in der regulären Spielzeit keine
Entscheidung herbeigeführt werden konnte, machen
sich die Fußballvertreter Sorge, daß vorsichtige,
defensive Spiele mit wenigen Toren das Interesse
der Fans in den Vereinigten Staaten eher zunichte
machen als anheizen könnten - einem Land, das an
die vielen Tore und "Mätzchen" von Superstar
Michael Jordan und das offensive Feuerwerk seiner
eigenen Fußball-Champions - die aus dem Super-

Seite 4

Bowl siegreich hervorgegangen Dallas Cowboys gewöhnt ist.
"Am meisten spricht gegen den Fußball, daß es ein
vorwiegend defensiver Sport ist", so der stellvertretende amerikanische Nationaltrainer Timo Liekoski.
"Das Schöne am Fußball sind nicht unbedingt die
erzielten Tore, sondern vielmehr die Kämpfe um den
Ball, der Aufbau des Spiels, das Abfangen des Balls
durch einen guten Torwart und die Fehlschüsse.
Meines Erachtens ist das in den Vereinigten Staaten,
mit seinen Traditionen in anderen Sportarten, schwierig zu akzeptieren."
Das Spiel scheint sich Sportanalytikern zufolge
jedoch zu ändern. "1990 waren die FIFA und jeder
andere betroffen über die farblose Spielweise", so
Trecker. "Wenn es dieses Jahr 52 langweilige Spiele
gibt, trägt das natürlich nicht unbedingt dazu bei, hier
und andernorts die Begeisterung für den Fußball zu
wecken. Es deutet jedoch alles darauf hin, daß die
Teams für die Fußballweltmeisterschaft sich weiterentwickeln."
Beim jüngsten Spiel um den US-Cup, wo die Vereinigten Staaten, Deutschland, England und Brasilien
an sechs Spielen teilnahmen, wurden 22 Tore
geschossen. "Im Vergleich zu den Turnieren der
Vergangenheit war das ein an Toren sehr ertragreiches Spiel", äußerte Trecker. "Auch in der gerade
beendeten europäischen Saison wurden viele Tore
geschossen. Ebenso wie in den Profi-Sportarten in
Amerika scheint sich auch der defensive Fußball in
einer Umbruchphase zu befinden."
Am besten wird diese gelungene "Öffnung" des
Spiels von der argentinischen Mannschaft, einem der
diesjährigen Favoriten, veranschaulicht. "Argentinien
hat jetzt ein lebhaftes Angreiferteam, das sich stark
von der Mannschaft unterscheidet, die 1990 in Italien
nach Deutschland den zweiten Platz einnahm", so
Trecker. "Das ist vor allem das Verdienst von Alfio
Basile."
Die südamerikanischen Champions haben ihr Team
sehr vorteilhaft umorganisiert - um Diego Maradona
zu ersetzen, der sich aus dem Fußball zurückgezogen hat, einen einzigartigen, hervorragenden Spielmacher - und verfügen jetzt über drei Stars: Gabriel
Batistuta, einen großartigen Torschützen, der in der
italienischen Fußballmeisterschaft für das ausgezeichnete Team des AC-Florenz spielt, Mittelfeldstar
Fernando Redondo und Torwart Sergio Goyochea.
Seit dem Finale von 1990 hat die argentinische
Mannschaft kein Länderspiel mehr verloren.
Die deutsche Mannschaft scheint nie einen so
feurigen Superstar zu haben wie Maradona, ist

AMERIKA DIENST 18

�jedoch mit den Worten Liekoskis "eine wunderbare
Maschine". "Die Deutschen stürmen gerne, wenn es
möglich ist, und haben viele Spieler im Mittelfeld.
Dadurch erschweren sie es dem gegnerischen
Team, anzugreifen und den Ball so schnell wiemöglich auf ihr Tor zuzuspielen. Ihr jüngstes Spiel
um den US-Cup endete 3:3 gegen die Brasilianer.
Die Deutschen benötigten im Durchschnitt einen Paß
für jedes ihrer Tore, während die Brasilianer, die
absichtlich technischer und bewußter spielten, acht
Spieler für 11 Pässe einsetzten."
Auch Deutschland hat seine Stars: Die Mannschaft
wird von Lothar Matthäus angeführt, der vor kurzem
sein 100. Spiel in der Nationalmannschaft absolvierte, oder den Stürmer Jürgen Klinsmann, der mit
seinen vier Toren zum "wertvollsten Spieler" des
jüngsten Turniers um den US-Cup ernannt wurde.
Deutschland gewann das Turnier mit seinem Unentschieden gegen Brasilien und einem harterkämpften
4:3-Sieg über die Vereinigten Staaten und einem
knappen 2:1 gegen England, das über das flügge
gewordene amerikanische Team schockiert war.
"Die deutsche Mannschaft weiß genau, wie sie mit
der Belastung einer Fußballweltmeisterschaft fertig
wird - sie wird in die Endrunde kommen", erklärt
Liekoski.
Das läßt im Turnier noch Platz für eine weitere
unbekannte Größe - wie beispielsweise Kameruns
brilliante Mannschaft mit ihrem alternden Superstar
Roger Milla von der Weltmeisterschaft 1990. "Kamerun ist bei den Qualifikationsspielen führend,
seine Spieler sind technisch geschickt und können
spektakulär spielen", so Liekoski. "Wie die meisten
afrikanischen Mannschaften können sie jedoch
besser eine dramatische Show abziehen als eine
Strategie verfolgen."

t

Direkt nach der Überraschung gegen England vom
Juni 1993 - einer in den vergangenen 40 Jahren
internationaler Fußballbegegnungen des US-Teams
einzigartigen Meisterleistung - wurde man auf das
amerikanische Team aufmerksam. Nachdem die
Mannschaft in der ersten Runde der Fußballweltmei-

sterschaft von 1990 alle drei Spiele verloren hatte,
engagierte der amerikanische Fußballbund den
jugoslawischen Trainer Bora Milutinovic, der Mexiko
in das Viertelfinale der Weltmeisterschaft von 1986
und Costa Rica 1990 in die zweite Runde geführt
hatte, für 200.000 Dollar jährlich - mehr als jeder
amerikanische Fußballer erhält.
Milutinovic rechtfertigte diese Investition der Vereinigten Staaten sofort beim Sieg des amerikanischen
Teams über Uruguay im Jahr 1991. Höhepunkt 1992
war der 1:0-Sieg gegen Portugal beim Spiel um den
US-Cup, ein 3:1 gegen Irland, der 1:1 Gleichstand mit
Italien, obwohl die Vereinigten Staaten in den ersten
beiden Spielminuten im Rückstand waren. Torwart
Tony Meola verhinderte achtmal ein Tor, und schließlich schoß John Harkes den Ball am italienischen
Torhüter Luica Marchegiani vorbei ins Netz - das
erste Tor der Vereinigten Staaten gegen Italien seit
1934.
Die Aufnahme des südafrikanischen Stürmers Roy
Wegerle (der mit einer Amerikanerin verheiratet ist)
und des europäischen Fußballstars, Thomas Dooley,
(der in Deutschland geborene Sohn eines amerikanischen Soldaten) hat die Mannschaft gestärkt und
schlagkräftiger gemacht. "Obwohl wir wahrscheinlich
nicht den Cup gewinnen werden, haben wir bewiesen, daß wir jederzeit mit den besten der Welt
spielen können", so Liekoski. "Wir könnten sehr wohl
die Kameruner der Fußballweltmeisterschaft 1994
werden."
Dooley teilte einem Journalisten mit Hilfe eines
Dolmetschers mit: "Wir werden unser rot-weiß-blaues
Trikot anziehen und die Welt in Erstaunen versetzen."
In der Zwischenzeit bemüht sich World Cup USA, den
Fußball in den Vereinigten Staaten populärer zu
machen. Die Nation lädt die Welt ein, die amerikanische Tradition der Gastfreundschaft und effektvollen
Darbietung zu genießen, insbesondere da die Vereinigten Staaten sich jetzt der weltweiten Begeisterung für den Fußball anschließen.

* *

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Seite 5

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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenpolitik muss auch Risikobereitschaft enthalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehinterview des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Südafrika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aufstockung der Hilfe für Südafrika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen von Clinton und Gore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton begrüßt Unterzeichnung des Autonomievertrags&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Fulbright&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leo M. Goodman Award für Senator Fulbright&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Holbrooke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Fußball&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fußballweltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten</text>
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amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Inforsnation Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

4. Mal 1994

17

SÜDAFRIKA

VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE HILFE FÜR
SÜDAFRIKA
Radioansprache des Präsidenten

UMWELT

LEITERIN DES
UMWELTSCHUTZAMTS
FORDERT MEHR "UMWELTDEMOKRATIE"
Rede von Carol Browner

AIDS

AIDS-KRISE HAT WEITREICHENDE IMPLIKATIONEN FÜR AMERIKANISCHE POLITIK
Rede von Timothy Wirth

FILM

AUSLANDISCHE FILME IN DEN USA
Marketing und Verleih

FUSSBALL

FUSSBALL IN DEN USA
von Mike Woitalla

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�SU D A F R I K A
4. Mal 1994

VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE HILFE FÜR SÜDAFRIKA
Radioansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - US-Präsident Bill Clinton begrüßte "das Wunder der Wiedergeburt Südafrikas als
nichtrassische Demokratie" und erklärte, er werde diese Woche "eine beträchtliche Erhöhung" der
amerikanischen Hilfe bekanntgeben, die dieses Land bei der Verfolgung eines neuen Kurses für alle seine
Bürger unterstützen werde.
Diese Art von wirksamem Engagement und einer Führungsrolle der Vereinigten Staaten bleibe von
entscheidender Bedeutung, nicht nur in Südafrika, sondern in Bosnien, Nordkorea und auf der ganzen Welt,
erklärte der Präsident in seiner Radioansprache vom 30. April 1994 an die Nation.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.
Diese Woche waren wir alle staunende Zeugen der
Wiedergeburt Südafrikas. Junge Männer trugen ihre
alten Väter auf dem Rücken zu den Wahlurnen,
Schwarze kamen auf Krücken und in Rollstühlen,
reisten viele Kilometer und warteten stundenlang auf
diesem großartigen Marsch in die Freiheit.
Das Wunder der Wiedergeburt Südafrikas als
nichtrassische Demokratie ist ein anregender Beweis
für den Mut und die Vision der Bürger dieses Landes. Ich bin stolz auf die von den Vereinigten
Staaten gespielte Rolle, dieses Wunder wahr werden
zu lassen.
Privatpersonen, Vertreter der Religionsgemeinschaften und Kongreßabgeordnete haben jahrelang
daran gearbeitet, die Öffentlichkeit zu mobilisieren
und Wirtschaftssanktionen gegen Johannisburg zu
verhängen. Als Nelson Mandela und F.W. de Klerk
ihr Abkommen über die Beendigung der Apartheid
erzielten, waren wir eines der ersten Länder, die die
Sanktionen aufhoben, um zur Schaffung eines
neuen Südafrika beizutragen.
Im vergangenen Jahr haben wir eine einmalige
Wählererziehung und Ausbildungsprogramme für
Wahlbeobachter gefördert. Diese Woche werde ich
eine beträchtliche Erhöhung unserer Hilfe für Südafrika bekanntgeben, die dieses Land bei der Verfolgung eines neuen Kurses für alle seine Bürger
unterstützen wird.

rungsrolle der Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung bleibt, nicht nur für Südafrika, sondern
weltweit. Denken Sie an das ehemalige Jugoslawien,
wo das amerikanische Engagement heute unentbehrlich ist. Der Zusammenbruch dieses Landes, der
durch serbische Aggression entfacht wurde, hat zu
einem bereits drei Jahre andauernden Blutvergießen
und ethnischen Säuberungen in Bosnien und andernorts geführt.
Wir haben ein eindeutiges Interesse an einer friedlichen Beilegung des bosnischen Konflikts, ein Interesse an der Verhinderung eines größeren Krieges in
Europa, ein Interesse an der Verhütung eines Flüchtlingsstroms, ein Interesse an der Aufrechterhaltung
der Glaubwürdigkeit und Effektivität der NATO als
Kraft für den Frieden in dem neuen Zeitalter nach
dem Kalten Krieg - und eindeutig ein Interesse an der
Beendigung des Niedermetzeins unschuldiger Zivilisten. Aus diesem Grund haben wir uns um die
Förderung von Verhandlungen zwischen den kriegführenden Parteien bemüht. Und aus diesem Grund
haben wir die Macht der NATO in den Dienst der
Diplomatie gestellt.
Im Februar hat die NATO auf Initiative der Vereinigten Staaten den bosnischen Serben ein Ultimatum
gestellt, die fortgesetzten Granatenangriffe auf die
bosnische Hauptstadt Sarajevo zu beenden. Heute
ist die Lage in Sarajevo relativ ruhig. Die Bürger der
Stadt kommen aus den Ruinen hervor und bauen ihr
Leben wieder auf.

Heute morgen möchte ich darüber sprechen, warum
diese Art von wirksamem Engagement und Füh-

AMERIKA DIENST 17

Seite 1

�In der vergangenen Woche haben wir gemeinsam
mit unseren NATO-Verbündeten ein ähnliches
Ultimatum für das belagerte Gorazde und fünf
andere, von den Vereinten Nationen zu Schutzzonen
erklärte mehrheitlich muslimische Städte gestellt.
Nach wochenlangem, ununterbrochenem Beschuß
haben die Serben eingelenkt und ihre Waffen aus
dem Gebiet um Gorazde abgezogen. Obwohl wir in
Bosnien mit neuen Herausforderungen konfrontiert
sind, hat unsere Entschlossenheit, gemeinsam mit
unseren NATO-Verbündeten die dortige UNOMission zu unterstützen, eindeutig zu neuen Fortschritten für den Frieden geführt.
Im März unterzeichneten die Führer der Bosnier und
Kroaten im Weißen Haus ein Friedensabkommen.
Seitdem haben wir unsere diplomatischen Bestrebungen verstärkt, um auch die Serben einzubeziehen. Wenn die Parteien in Bosnien eine tragfähige
Lösung aushandeln können, werde ich - wie ich
bereits sagte - mit Hilfe des Kongresses auf die
Stationierung amerikanischer Truppen im Rahmen
der NATO hinarbeiten, um diesen Frieden durchzusetzen.
Es bestehen zur Zeit auch andere Bedrohungen, die
ebenfalls unser aktives Engagement erfordern, vom
Kernwaffenprogramm Nordkoreas bis zu den Bestrebungen des Iran und anderer reaktionärer Staaten
zur Förderung des Terrorismus. Wir begegnen
diesen Gefahren mit Festigkeit und Entschlossenheit.
Gleichzeitig sind wir uns bewußt, daß wir in ein
Zeitalter historischer Chancen eingetreten sind. Die
Wahlen in Südafrika sind hierfür ein anschaulicher
Beweis. Im Nahen Osten haben sich Erzfeinde die
Hand gereicht. In der ehemaligen Sowjetunion
leisten wir Beistand beim Abbau von Atomwaffen,
die einst auf uns gerichtet waren. Und gerade am
heutigen Tag haben Rußland und Lettland ein
historisches Abkommen über den Abzug der verbleibenden russischen Streitkräfte von lettischem
Gebiet bis Ende August unterzeichnet. Diese und
andere vielversprechende Entwicklungen wurden
zum Teil durch die Unterstützung und Entschlossenheit der Vereinigten Staaten ermöglicht.

Seite 2

Ein derartiges Engagement erfordert jedoch Ressourcen, die unseren Herausforderungen entsprechen. Nach dem Ende des Kalten Krieges sind wir in
der Lage, unsere Ausgaben für Verteidigung und
auswärtige Angelegenheiten zu senken. Wir haben
diese Programme starken Kürzungen unterzogen.
Wir stehen derzeit mit unseren Ressourcen auf des
Messers Schneide. Wir können uns keine Unzulänglichkeiten bei unserer nationalen Sicherheit leisten.
Aus diesem Grund setze ich mich gegen weitere
Kürzungen unseres Verteidigungshaushalts ein, und
aus diesem Grund arbeite ich mit dem Kongreß
zusammen, um eine angemessene Finanzierung von
Friedenssicherungsoperationen und anderen internationalen Bestrebungen sicherzustellen, die Sicherheit und Wohlstand unseres Volkes fördern.
Am Vorabend des 50. Jahrestages der Invasion in
der Normandie im Juni dieses Jahres sollten wir uns
an den Opfergeist und den Einsatz für die gemeinsame Sache erinnern, die diesen großen Kreuzzug für
die Freiheit im Zweiten Weltkrieg charakterisierten.
In fünf Wochen werde ich aus Anlaß der Feierlichkeiten zum Gedenken an diesen Jahrestag und zu
Ehren derjenigen nach Europa reisen, die im Zweiten
Weltkrieg unsere demokratische Lebensweise verteidigten. Die Welt hat sich verändert - sie ist besser
geworden durch den von ihnen gezeigten Mut. Wir
schulden ihnen den Aufbau einer besseren Zukunft
für die nächste Generation.
Währen wir die Kriegsveteranen grüßen, die im Juni
zu Tausenden in der Normandie landen werden,
während wir die heutigen Wahlen in Südafrika feiern,
sollten wir daran denken, daß die Führungsrolle der
Vereinigten Staaten in einer sich wandelnden Welt
dauerhaftes Engagement verlangt. Wir wollen diese
neue Welt gemeinsam zum Nutzen aller gestalten.

AMERIKA DIENST 17

�UMWELT
4. Mal 1994

LEITERIN DES UMWELTSCHUTZAMTS
FORDERT MEHR "UMWELTDEMOKRATIE"
Rede von Carol Browner
WASHINGTON - (AD) - Der Leiterin des Umweltschutzamts (Environmental Protection Agency - EPA), Carol
Browner, zufolge möchte die Clinton-Administration, daß die von Bestimmungen zum Umweltschutz betroffenen
lokalen Interessengruppen ein größeres Mitspracherecht bei der Gestaltung und Umsetzung dieser
Maßnahmen haben.
In einer Rede vor der Liga der Umweltschützer am 22. April 1994, dem Tag, der von den Umweltschützern als
Tag der Erde gefeiert wird, verwies Browner auf eine Reihe spezifischer Vorschläge der Clinton-Administration
zur Verbesserung der Beteiligung vor Ort an Bestrebungen zur Kontrolle der Wasserverschmutzung und
Entsorgung von Giftmülldeponien.
"Jede dieser Initiativen", so Browner, "ist eine Abkehr von der Bundesbürokratie, die machtlosen Gemeinden
und nichtsahnenden Unternehmen willkürliche Einheitsvorschriften aufzwingt - die nicht die erforderlichen
Resultate erzielen."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Carol Browner.

Der Tag der Erde ist der geeignete Zeitpunkt, um
Bilanz unserer Bestrebungen zum Schutz der
Umwelt zu ziehen. Zweifelsohne haben wir in den
vergangenen 20 Jahren viel geleistet. Praktisch aus
dem Nichts haben wir eine umweltpolitische Infrastruktur von Gesetzen, Vorschriften und Behörden
auf allen Regierungsebenen geschaffen. Flüsse
geraten nicht mehr aufgrund ihrer Verschmutzung in
Brand. Unsere Luft ist sauberer.
Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben,
daß die letzten 20 Jahre des Umweltschutzes auch
von ernsthaften Versäumnissen gekennzeichnet
waren. Wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir
zugeben, daß wir in vielfältiger Weise die Warnungen um uns herum ignoriert haben.
Dreißig Jahre nachdem Rachel Carson in Sllent
Spring warnte, unsere Abhängigkeit von Pestiziden
zu verringern, haben wir unseren Einsatz von
Schädlingsbekämpfungsmitteln verdoppelt. Unsere
Pestizid-Gesetze konzentrieren sich ausschließlich
auf Krebs und ignorieren zunehmende Beweise, daß
Chemikalien negative Auswirkungen auf Schwangerschaften haben, Geburtsfehler verursachen und
unser Immunsystem schädigen können. 25 Jahre
nachdem der mit Abfällen überhäufte Cuyahoga
plötzlich Feuer fing, eignen sich 40 Prozent unserer

AMERIKA DIENST 17

Flüsse und Seen nicht zum Fischen oder Schwimmen. Der einzige Unterschied bei der heutigen
Umweltverschmutzung besteht darin, daß wir sie nicht
sehen können. Im vergangenen Jahr wurde die
Bevölkerung von Milwaukee, New York und Washington angewiesen, ihr Wasser abzukochen. In Milwaukee wurden einige Einwohner krank, andere starben.
20 Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes zur
Reinhaltung der Luft lebt ein Fünftel der Amerikaner 54 Millionen Menschen - in Gegenden mit so hoher
Smogkonzentration, daß die Luft nicht die staatlichen
Qualitätsnormen erfüllt. 14 Jahre nach Love Canal
lebt ein Viertel der Amerikaner vier Meilen von einer
Giftmülldeponie entfernt.
Während meines Lebens hat sich die Weltbevölkerung fast verdoppelt. Bis zu meinem Ruhestand wird
sie von 5,5 Milliarden auf 9 Milliarden ansteigen.
Allein im vergangenen Jahr nahm die Weltbevölkerung um 87 Millionen zu - das entspricht der Gesamtbevölkerung von Mexiko. Um Lester Brown aus
State of the World 1994 zu zitieren: "Wir haben den
ökologischen Raum des Planeten erschöpft."
80 Prozent der Amerikaner bezeichnen sich als
Umweltschützer. Das amerikanische Volk hat durch
die Wahl von Präsident Clinton eine eindeutige
Botschaft pro Umweltschutz ausgesandt. Aber wie

Seite 1

�Sie alle nur zu gut wissen, beobachten wir auch eine
gut organisierte Hintertreibung des Umweltschutzes.

Ferne operierende Bürokratie.
Umweltdemokratie aufbauen.

Einige prangern "unbegründete Vorschriften" an,
andere fordern weniger umweltpolitische Bestimmungen. Aber wer kann besser als unsere Regierung
unsere Luft, unser Wasser, unser Land und die
Ressourcen schützen, die wir alle teilen müssen?
Wir haben dem Kongreß Vorschläge unterbreitet,
mehr Geld für die Gemeinden zur Verfügung zu
stellen. Wir sind zu mehr Flexibilität bereit. Aber wir
werden keine Abstriche beim Schutz der öffentlichen
Gesundheit machen.

Wir im Umweltschutzamt ändern die Art und Weise,
in der wir die Öffentlichkeit informieren und beteiligen,
um die Mitsprache der Gemeinden zu stärken und
den Menschen die Umweltpolitik näher zu bringen.

Wir hören Proteste gegen sogenannte "Eingriffe" die Macht der Regierung zu Einschränkungen, was
Eigentümer mit ihrem Land machen können. Natürlich unterstützen wir das Recht auf Privateigentum,
vertreten jedoch auch die Auffassung, daß die
Menschen das Recht auf sauberes Wasser, saubere
Luft und eine gesunde Umgebung haben. Diese
Rechte müssen wir schützen. Wir müssen das Gut
des Privateigentums schützen.
Wir vernehmen den Appell des Umweltschutzamts,
mehr "Risikoanalysen", mehr Kosten-Nutzen-Analysen vorzunehmen. Natürlich sind das wertvolle
Instrumente. Natürlich nutzen wir sie. Aber diese
Worte sind zu Codeworten für diejenigen geworden,
die den Umweltschutz schwächen wollen.
Als Antwort auf diese Kritik - und zur Lösung der
verbleibenden Umweltprobleme - benötigen wir
Veränderungen. Die Regierung muß sich verändern.
Und, offen gesagt, muß sich die Umweltbewegung
als Ganzes verändern. Wir müssen eine Umweltdemokratie aufbauen. Wir müssen sicherstellen, daß
jeder ein größeres Mitspracherecht in der Umweltpolitik hat - Gemeindemitglieder, Unternehmer und
Umweltaktivisten gleichermaßen.
Die Clinton-Administration stellt gegenüber der
vorigen Administration eine bedeutende Veränderung dar - eine neue Generation von Umweltschützern. Diese Administration setzt sich entschlossen
für die Ziele im Bereich des Umweltschutzes ein, wie
vom amerikanischen Volk gefordert. Wir sind bei
der Verfolgung dieser Ziele aber auch zu Flexibilität,
Neuerungen und gesundem Menschenverstand
verpflichtet.
Wir müssen uns von umweltpolitischen Vorschriften
auf wirklichen Umweltschutz hinbewegen, der auf
der verstärkten Beteiligung amerikanischer Bürger
an der Erhaltung unserer Erde basiert. Meines
Erachtens leistet eine informierte Gemeinde einen
größeren Beitrag zum Umweltschutz als eine in der

Seite 2

Wir müssen eine

Unsere "Initiative gesunder Menschenverstand" stellt
einen neuen Ansatz im Bereich der Vorschriften dar,
um den uns Umweltschützer und Industrielle seit
Jahren gebeten haben. Wir sehen die Industrie als
Ganzes - eine beeindruckende Verbesserung gegenüber den stückweisen Ansätzen der Vergangenheit.
Wir räumen Unternehmen und Industriezweigen ein
größeres Mitspracherecht bei der Erreichung umweltpolitischer Ziele ein.
Unsere Gesetze zielen ebenfalls auf den Aufbau
einer Umweltdemokratie ab. Wir erkennen die
Notwendigkeit, unsere Gesetze zu ändern und hohe
Umweltnormen zu setzen - und uns die Energien der
Menschen außerhalb Washingtons zunutze zu
machen, um diese Standards zu erreichen.
Wir schlagen eine Änderung des Gesetzes zur
Reinhaltung des Wassers vor, um Gemeinden vor Ort
an der Kontrolle Tausender verseuchter Abflüsse
sowie der Planung zur Verhinderung der Verschmutzung ganzer Wassereinzugsgebiete zu beteiligen.
Wir schlagen eine Änderung des Gesetzes zur
Reinhaltung des Trinkwassers vor, um Gemeinden
vor Ort nicht nur mehr Geld bereitzustellen, sondern
auch Anreize zu verhindern, daß das Trinkwasser
überhaupt verschmutzt wird. Ein neues Gesetz zur
Reinhaltung des Trinkwassers wird zur Verhütung
von Krisen - wie die Verseuchung von Milwaukees
Trinkwasser - beitragen und sicherstellen, daß der
ganzen Nation sauberes Trinkwasser zur Verfügung
steht.
Wir schlagen eine Änderung des Gesetzes über
umfassende Reaktion, Schadenersatz und Haftung
bei Umweltschäden, auch "Superfund" genannt, vor,
um die Gemeinden von Anfang an in den Entscheidungsprozeß über die Entsorgung von Giftmülldeponien einzubeziehen. Wir streben eine schnellere,
fairere und effizientere Gesetzgebung an, um verseuchte Müllhalden einer produktiven Nutzung durch
die Gemeinden zuzuführen.
Jede dieser Initiativen stellt eine Antwort auf Kritik
dar. Jede dieser Initiativen ist eine Abkehr von der
Bundesbürokratie, die machtlosen Gemeinden und
nichtsahnenden Unternehmen willkürliche Einheitsvorschriften aufzwingt - die nicht die erforderlichen
Resultate erzielen. Jede dieser Initiativen wird durch

AMERIKA DIENST 17

�stärkere Beteiligung der Bevölkerung vor Ort zu
besserem Schutz führen.
All das funktioniert jedoch nur, wenn auch die Umweitbewegung als Ganzes ihre Vorgehensweise
ändert - und dessen sind auch Sie sich bewußt. Wir
müssen die Umweitbewegung an der Basis wiederbeleben. Die Schlacht wird außerhalb Washingtons, nicht nur innerhalb der Bundeshauptstadt
geschlagen.
Wir müssen sicherstellen, daß die Mitglieder der
Administration und des Kongresses nicht nur mit
Washingtoner Lobbyisten sprechen, sondern mit
Amerikanern aus allen Lebensbereichen - der Mehrheit der Amerikaner, die sich um ihre Gemeinden
sorgen und einen starken, wirksamen Umweltschutz
wünschen. Wir müssen hart daran arbeiten, die
Kommunikationswege offenzuhalten.
*

AMERIKA DIENST 17

Die Kongreßabgeordneten müssen die Menschen in
ihren Heimatgemeinden anhören, die ihre Gesundheit
schützen und Giftmülldeponien entsorgen möchten Menschen, die Fische aus den Flüssen essen und
sichergehen wollen, daß ihre Kinder das ihnen
vorgesetzte Essen unbedenklich verzehren können.
Und diese Kongreßabgeordneten müssen auch
lernen, daß sie es bei den Wahlergebnissen spüren
werden, wenn sie sich nicht für einen starken Umweltschutz mit Bürgerbeteiligung einsetzen.
Am Tag der Erde wollen wir uns erneut einer Stärkung der Umweitbewegung verschreiben, dem
Aufbau einer neuen Generation von Umweltschützern
- einer neuen Umweltdemokratie.

* * * *

Seite 3

�AIDS
4. Mai 1994

AIDS-KRISE HAT WEITREICHENDE IMPLIKATIONEN
FÜR AMERIKANISCHE POLITIK
Rede von Timothy Wirth
WASHINGTON - (AD) - Die internationale AIDS-Epidemie - früher lediglich als Problem der öffentlichen
Gesundheit betrachtet - hat sich jetzt zu einer Krise mit tiefgreifenden Folgen für die amerikanische
Außenpolitik und die weltweite Zusammenarbeit entwickelt, warnte Timothy Wirth, hochrangiger Berater des
US-Außenministeriums.
"Bis zum Jahr 2000", erklärte er vor einem Unterausschuß des Kongresses am 28. April 1994, "werden 30 bis
40 Millionen Menschen infiziert sein, und die Krankheit wird sich mit einer Quote von zwei bis drei Millionen
neuen Fallen jährlich verbreiten, wodurch sich die Zahl der Infizierten innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt."
Ein Grund zur Besorgnis sei insbesondere die "immer offensichtlicher werdende" negative Auswirkung der
Krankheit auf Frauen und Kinder. In vielen Entwicklungsländern seien vor allem die Frauen für den
landwirtschaftlichen Ertrag und die Ernährung der wachsenden Bevölkerung verantwortlich.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede Timothy Wirths vor dem Bewilligungsunterausschuß des Repräsentantenhauses für auswärtige Angelegenheiten, Exportfinanzierung und damit in
Zusammenhang stehenden Programmen.
Herr Vorsitzender, sehr geehrte Mitglieder des
Unterausschusses, ich danke Ihnen für die Einladung, heute über die besorgniserregende und
tragische Ausbreitung von HIV und AIDS zu sprechen. Präsident Clinton hat sie zu Recht als die
"Gesundheitskrise dieses Jahrhunderts" bezeichnet,
und aufgrund des uns jetzt zur Verfügung stehenden
Wissens wird sie in internationalen Angelegenheiten
auch im kommenden Jahrhundert wachsenden
Anlaß zur Sorge bereiten.
Zur Zeit sind mehr als 15 Millionen Erwachsene und
Kinder auf der ganzen Welt mit dem HI-Virus infiziert. Keine Region der Welt wurde von der stetigen, heimtückischen Ausbreitung des mit dieser
Krankheit einhergehenden menschlichen Leidens
verschont, die ärmsten Regionen der Welt waren
jedoch am stärksten betroffen. Mehr als 60 Prozent
(oder 8 Millionen) der HIV-Infektionen fanden im
Afrika südlich der Sahara statt, jeweils 1,5 Millionen
in Südamerika und Südostasien, während in Nordamerika eine Million mit dem Virus Infizierte leben.
Unglücklicherweise setzt die Krankheit ihren Vormarsch mit raschem Tempo stetig fort. Bis zum Jahr
2000 werden 30 bis 40 Millionen Menschen infiziert
sein, und die Krankheit wird sich mit einer Quote von

AMERIKA DIENST 17

zwei bis drei Millionen neuen Fällen jährlich verbreiten, wodurch sich die Zahl der Infizierten innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt.
Mit diesen Tendenzen gehen enorme Herausforderungen einher. Unsere erste Hürde ist das Verständnis: AIDS ist nicht länger nur eine Krise der
öffentlichen Gesundheit und des menschlichen
Leidens. Jetzt, und vor allem in der Zukunft, stellt
AIDS ein politisches, soziales, wirtschaftliches,
gesundheits- und sicherheitspolitisches Problem dar,
das tiefgreifende Auswirkungen auf die Außenpolitik
und Führungsrolle der Vereinigten Staaten sowie die
internationale Zusammenarbeit hat.
Im umfassenden Sinn macht die AIDS-Krise harterkämpfte soziale und wirtschaftliche Vorteile zunichte
und zerstört Entwicklungsmöglichkeiten gerade in den
Ländern, die es sich am wenigsten leisten können.
Ich weiß, daß Dr. Helene Gayle sich eingehend damit
befassen wird, die innerhalb und außerhalb der
Administration äußerst wichtige Arbeit bei den amerikanischen und weltweiten Bestrebungen zur Bekämpfung der Ausbreitung von AIDS leistet. Ich möchte
nur darauf hinweisen, daß AIDS die Entwicklung auf
vielen Ebenen und in vielfältiger Weise unterhöhlt von seinen nachteiligen Auswirkungen auf die Er-

Seite 1

�werbsbevölkerung bis zu vergeudeten Bildungsmöglichkeiten und Auswirkungen auf spezifische
Industriezweige wie die Tourismusbranche. In
einigen der am härtesten betroffenen Regionen
erwarten Experten Verluste des Bruttoinlandsprodukts von fünf Prozent oder mehr.
Besondere Sorge bereiten die immer offensichtlicher
werdenden Auswirkungen der Krankheit auf Frauen
und Kinder. Der Anteil der HlV-infizierten Frauen
steigt rapide an, was bedeutende Implikationen für
Entwicklungsbestrebungen auf allen Ebenen hat,
insbesondere für die Landwirtschaft, wo Frauen das
Rückgrat der Bestrebungen sind, in vielen Entwicklungsländern eine immer stärker anwachsende
Bevölkerung zu ernähren. Die Krankheit fordert
auch unter den Kindern der Welt ihren Zoll. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
zufolge werden zu Beginn des 21. Jahrhunderts
zwischen 10 und 15 Millionen Kinder infolge dieser
Krankheit zu Waisen, werden entscheidender
Dienstleistungen (Bildung und Ausbildung sowie
Gesundheitsfürsorge) und der stabilen Familienstruktur beraubt, die sie für ihre Zukunft benötigen.
Für die Amerikaner bedeuten diese Tendenzen noch
mehr quälende Bilder auf den Fernsehschirmen. Die
AIDS-Krise stellt eine zunehmende Herausforderung
für unser Interesse am Aufbau einer wachsenden
Weltwirtschaft sowie für unsere Wettbewerbsfähigkeit
dar. Jeden Tag verstehen wir etwas besser, daß die
Welt unerbittlich immer interdependenter wird und
Amerikas Zukunft untrennbar verbunden ist mit der
gemeinsamen internationalen Priorität, eine Welt
wachsender Chancen und steigenden Wohlstands zu
schaffen.
Das Interesse der Vereinigten Staaten an einer
friedlicheren Welt ist ein zweiter Bereich, der durch
die Ausbreitung von HIV/AIDS beeinträchtigt wird.
Indem sie den Verlust von Entwicklungsmöglichkeiten verschärfen, wirken mit AIDS in Zusammenhang
stehende Tendenzen unserer Priorität entgegen,
demokratische Institutionen und politische Reform,
Rechststaatlichkeit und soziale Stabilität auf der
ganzen Welt zu stärken. In mehreren Ländern sind
die HlV-Infektionsraten unter den Streitkräften
beunruhigend hoch, was Anlaß zur Sorge bereitet die sich unter anderem auch auf die Durchführung
multilateraler Friedenssicherungsoperationen weltweit bezieht.
Tatsächlich bleibt kein Teil unserer Gesellschaft von
HIV/AIDS unberührt: Die Krankheit dringt in verarmte Gemeinden vor sowie in die vergleichsweise
dünne Schicht der sozialen, wirtschaftlichen und
politischen Führungsriege. Wir stellen zunehmend
fest, daß in vielen Gesellschaften die höchsten

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Risikogruppen aus den Reihen der Besten und
Klügsten stammen. Und ebenso wie sie ist auch die
Stabilität der politischen Institutionen gefährdet, von
denen Fortschritte für unsere gemeinsame Zukunft
abhängen.
Drittens bestehen, während sich die Krankheit
ausbreitet und wir ihre Verhütung anstreben, eine
ganze Reihe von Befürchtungen im Bereich der
Menschenrechte, mit denen wir uns befassen müssen. Mindestens 50 Länder verlangen von ausländischen Besuchern explizit einen AIDS-Test.
Zukünftige verstärkte Beschränkungen der Bewegungsfreiheit könnten nicht nur die grundlegenden
Menschenrechte untergraben, sondern auch den
freien Fluß von Arbeitskräften und Kapital behindern.
Wir haben bereits gesehen, wie weit Nationen, die
keine Grundsätze haben, gehen können: Kuba
machte einen äußerst beunruhigenden Vorschlag den es wieder zurückzog - alle HIV/AIDS-positiven
Personen lebenslang unter Quarantäne zu stellen.
Umgekehrt enthalten unsere Bestrebungen zur
Verhinderung weiterer Infektionen eine starke Komponente im Zusammenhang mit der Übertragung von
Rechten und Pflichten an ausgegrenzte und benachteiligte Mitglieder der menschlichen Familie - vor
allem Frauen. Es besteht eine enge Wechselbeziehung zwischen bildungspolitischen und wirtschaftlichen Chancen sowie der Realisierung von Zielen im
Bereich der Gesundheit.
Herr Vorsitzender, dies sind nur einige der bedeutsamen außenpolitischen Aspekte dieser Krankheit.
Mit der Zeit verstehen wir sie immer besser. Es
sollte festgestellt werden, daß in den zehn Jahren, in
denen AIDS sich in unser nationales Bewußtsein
katapultiert hat, die internationalen Aspekte der
Krankheit nur wenig anerkannt und behandelt wurden.
In diesem Sinne ist es auch wichtig, die Leistungen
der amerikanischen Führung auf internationaler
Ebene anzuerkennen. Mit der führenden Rolle
dieses Unterausschusses und des Senats standen
die Vereinigten Staaten an der Spitze der internationalen Bestrebungen zur Bewältigung der fortschreitenden weltweiten Krise.
Die Bemühungen der Vereinigten Staaten im In- und
Ausland werden von drei übergeordneten Zielen
geleitet: 1. Forschung, 2. Prävention und 3. mitfühlende Pflege von HlV-Infizierten. All diese Bestrebungen werden durch eine zunehmende Konzentration der Außenpolitik auf HIV/AIDS gefördert.
Unsere im Bereich der Forschung unternommenen
Anstrengungen stellen die weltweite Norm dar sowie

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�die Hoffnung auf besseres Verständnis der Krankheit
sowie die Entwicklung von Impfstoffen und Therapien zur Milderung des Leidens und Bekämpfung
des Todes aufgrund von HIV/AIDS. Unser Forschungsetat für biomedizinische und sozialwissenschaftliche Initiativen zusammengenommen beläuft
sich auf nahezu 2 Milliarden Dollar. Und obwohl ich
hier unterstreichen muß, daß wir in absehbarer
Zukunft keine dramatischen bahnbrechenden Erkenntnisse erwarten können, ist es von Bedeutung,
daß wir unsere Bestrebungen zur Verbesserung der
Behandlung und Suche nach einem Impfstoff gegen
die Krankheit fortsetzen, selbst während wir ihre
Ausweitung zu verhindern trachten.
Die Verhütung einer weltweiten Verbreitung dieser
Infektionskrankheit ist eine vordringliche Aufgabe.
Die Gefahr für die Stabilität einzelner Nationen sowie
die Sicherheit und den Wohlstand der Weltgemeinschaft ist einfach zu groß, als daß wir unsere Hoffnungen einzig und allein auf die Wunder der Wissenschaft setzen könnten.
Prävention ist keine einfache Angelegenheit - sie
umfaßt grundlegende Verhaltensänderungen, die
Bereitstellung sicherer Blutkonserven und ein weltweites Angebot von Artikeln wie Kondomen. Dennoch muß es dringende Prioritäten für alle Aspekte
der Außenpolitik geben - insbesondere den Entwicklungsbereich, der zunehmend die entscheidenden
Beziehungen zwischen Investitionen in den sozialen
Sektor (insbesondere das Gesundheitswesen) und
dem Streben nach umweltverträglicher Entwicklung
anerkennt.
Neben der Entwicklung können andere Aspekte
unserer Außenpolitik sowie der zu ihrer Umsetzung
bestimmte Apparat zur Förderung einer internationalen Reaktion auf HIV/AIDS eingesetzt werden. Vor
diesem Hintergrund haben wir im Außenministerium
umfassende, behördenübergreifende Bestrebungen
zur Entwicklung einer koordinierten internationalen
Strategie für die Bekämpfung von HIV/AIDS eingeleitet. Obwohl wir unsere Arbeit noch nicht beendet
haben, kommt eine Reihe wichtiger Themen zum
Vorschein.
Erstens die Notwendigkeit einer weiteren Verbesserung der Verbindungen zwischen unseren innenpolitischen und internationalen Bestrebungen. Im
Forschungsbereich versprechen - wie Dr. Satcher
vom Zentrum für Seuchenbekämpfung im einzelnen
darlegen wird - Informationsaustausch und internationale Zusammenarbeit eine Verbesserung des
Verständnisses des einzelnen von der Krankheit
sowie die Suche nach Impfstoffen und neuen,
verbesserten Behandlungsmethoden. Durch verstärkte internationale Zusammenarbeit an Präven-

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tionsstrategien können wir von unseren Partnern aus
der ganzen Welt mehr über erfolgreiche Strategien
lernen. Auch bleibt im Bereich der Erarbeitung von
Hilfsprogrammen für Entwicklungsländer viel Raum
für Zusammenarbeit. Die Programme des Amts für
internationale Entwicklung (Agency for International
Development - AID) sind weltweit nicht nur die
besten, sondern auch die größten. Unser Jahresetat
in Höhe von ungefähr 120 Millionen Dollar macht
mehr als 50 Prozent der gesamten Hilfe für Entwicklungsländer zur Verhütung von AIDS aus.
Um mit der Größenordnung dieser Bedrohung Schritt
halten zu können, sollten die hervorragenden AIDProgramme uneingeschränkt unterstützt werden. In
gleicher Weise können wir mehr tun, um andere zur
Übernahme ihrer Verantwortung bei der Bewältigung
dieser und anderer globaler Probleme zu ermutigen.
Anfang dieses Jahres trugen unsere Bestrebungen
zur Mobilisierung von Ressourcen Früchte, als Japan
seine Absicht zur Aufstockung der nominalen Investitionen zur Bekämpfung der Bevölkerungsexplosion und AIDS mit Aufwendungen in Höhe von 3
Milliarden Dollar über die nächsten sieben Jahre
hinweg bekanntgab. Die Mobilisierung von Ressourcen sollte unsere höchste internationale Priorität sein.
Multilateral unterstützen wir das gemeinsame und von
den Vereinten Nationen mitfinanzierte HIV/AIDSProgramm, das verspricht, als Modell dafür zu
dienen, was die Vereinten Nationen durch enge,
systematische Koordinierung ihrer Behörden erreichen können. So müssen wir auch die von der
Weltbank übernommene, zunehmend wichtige Rolle
bei der Bereitstellung von Krediten für dringend
benötigte Güter und Investitionen in das Gesundheitswesen unterstützen.
Zweitens, Herr Vorsitzender, müssen unsere diplomatischen Bestrebungen die hohe Priorität eindeutig
unterstreichen, die wir dieser Krise beimessen, sowie
unserer Erwartung, daß unsere internationalen
Partner und Verbündeten die entsprechende Entschlossenheit an den Tag legen. Es gibt keinen
Ersatz für den konkreten Ausdruck der nationalen
Verpflichtung zur Bekämpfung dieser Krankheit. Seit
einiger Zeit in Uganda und seit kurzem in Thailand in
die Wege geleitete erfolgreiche Bemühungen sprechen für die starke und ausdrückliche Unterstützung
von oberster Regierungsebene. Wir können mit den
von uns ausgesandten Signalen höchste Aufmerksamkeit für HIV/AIDS ermutigen, und das werden wir
tun.
Drittens müssen wir in Anerkennung der multisektoralen Art der Reaktionsstrategien sich gegenseitig
verstärkende Verbindungen bei der Bekämpfung der
AIDS-Krise und der Verwirklichung anderer außen-

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�politischer Ziele unterstreichen und fördern - beim
Bevölkerungswachstum, bei Menschenrechten,
Umwelt, Gleichstellung von Frauen und Bekämpfung
des Drogenmißbrauchs.
Viertens müssen wir die Achtung für die grundlegenden persönlichen und politischen Freiheiten fördern,
die durch die Ausbreitung der Epidemie gefährdet
werden könnten. Wir können nicht zulassen, daß
die Opfer zum Sündenbock dieses Problems gemacht werden. Diese Tragödie wird maßgeblich
verschärft, wenn diejenigen, die den schmerzlichen
Zoll von AIDS erleiden müssen, weiter durch ungerechte Bestrafung oder Diskriminierung schikaniert
werden.
Fünftens müssen wir die militärischen Implikationen
dieser Krankheit weiter erforschen. Als einen ersten
Schritt ist verstärkte Zusammenarbeit unter Verteidigungsexperten erforderlich, um die Auswirkungen dieser Krankheit besser zu verstehen und
Strategien zur Verhinderung ihrer Ausbreitung unter
den Soldaten zu erarbeiten. Darüber hinaus müssen
wir auch die Auswirkungen von HIV/AIDS auf internationale Friedenssicherungsoperationen sowie auf
Kampfsituationen sondieren.
Schließlich sind wir uns der Notwendigkeit von
Zusammenarbeit mit dem Privatsektor bewußt, um
die Auswirkungen von HIV/AIDS auf amerikanische
Unternehmen besser verstehen zu können und an
deren lobenswerten Bestrebungen zur Reaktion auf
die sich abzeichnende Krise mitzuwirken.

Herr Vorsitzender, HIV/AIDS ist Teil eines Korbs
globaler Probleme, die so wenig greifbar wie komplex
sind. Zusammengenommen untenminieren diese
Trends meines Erachtens die kollektiven Bestrebungen der Welt nach umweltverträglicher Entwicklung
und das öffentliche Vertrauen in die Fähigkeit der
Welt, sich mit den langfristigen Geboten der Zeit nach
dem Kalten Krieg auseinanderzusetzen. Ich bin
ferner der Ansicht, daß diese Situation sich verschlechtert, bevor sie besser wird. Man muß nur die
jüngste Titelgeschichte von Robert Kaplan im Atlantic Monthly lesen, um eine anschauliche Darstellung
dessen zu erhalten, was für eine düstere Zukunft
diese Trends prophezeien.
Unser Erfolg bei der Bewältigung dieser neuen
Bedrohungen der nationalen Sicherheit und des
globalen Wohlstands werden in nicht unerheblicher
Weise die Welt beeinflussen, die wir unseren Kindern
und Enkeln hinterlassen. Die Geschichte wird uns
nicht wohlgesonnen sein, wenn wir beim Ausmachen
dieser Probleme und der Reaktion darauf nachlässig
sind. Die HIV/AIDS-Pandemie fällt in diese Kategorie. Glücklicherweise haben wir in weniger als zehn
Jahren wichtige Strategien zur Verhinderung ihrer
Verbreitung und der Bewältigung ihrer Konsequenzen
entwickelt. Zwangsläufig müssen wir diese Bestrebungen fortsetzen und vertiefen. Die Clinton-Administration sieht der Zusammenarbeit mit Ihnen bei
unserer gemeinsamen Sache erwartungsvoll entgegen.

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 17

�FILM
4. Mal 1994

AUSLÄNDISCHE FILME IN DEN USA
Marketing und Verleih
WASHINGTON - (AD) - Ausländische Filme waren
in den Vereinigten Staaten schon immer ein Problem
- zu esoterisch, zu wortreich, zu prosaisch, zu viele
unbekannte Schauspieler und vor allem zu ablenkend wegen dieser lästigen Untertitel oder schlechten Synchronisation, an die sich die Amerikaner nie
ganz gewöhnt haben. Ausländische Filme mögen
Campus-Intellektuellen und anderen mit einem
außergewöhnlichen Geschmack attraktiv erscheinen,
aber der durchschnittliche amerikanische Kinogänger
sagt: "Für mich nur Hollywood".
Die Kinokassen sprechen für sich. 1992 wurden
beispielsweise mit ausländischen Filmen nur 22
Millionen Dollar auf dem amerikanischen Markt
erzielt - dem Varlety Magazine zufolge nur ein
Bruchteil der Gesamteinnahmen.
Amerikanische Filmverleiher und Filmexperten
stellen jedoch fest, daß die Amerikaner ausländische
Filme in viel größerer Zahl akzeptieren würden,
wenn diese unter Berücksichtigung des amerikanischen Markts gemacht und effizient an eine Zielgruppe vermarktet werden.
Ein gutes Beispiel ist der jüngste Kinoerfolg Belle
Epoque, eine Anfang der dreißiger Jahre vor Ausbruch des Bürgerkrieges in Spanien spielende
knisternde Sexkomödie. Der Film gewann den
diesjährigen Oscar als bester ausländischer Film,
und zur Zeit sind die Kinos landesweit ausverkauft nicht nur die auf ausländische Filme spezialisierten.
"Wir stehen diese Woche an 20. Stelle im Hinblick
auf Zuschauerzahlen - und das bei 200 derzeit
laufenden Filmen", stellt Tom Bernard, Stellvertretender Vorsitzender von Sony Classics Pictures
fest, die den Film in den Vereinigten Staaten verleihen.
Auf die Frage, welchen Rat er ausländischen Produzenten erteilen würde, die einen Kassenschlager bei
den Filmpremieren landen wollen, erklärt Bernard:
"Dem Marketing und Verleih sowie der Größe und
Vielfalt dieses Landes mehr Aufmerksamkeit zu
widmen", und fügt hinzu, "ein Grund für den großen
Erfolg von Belle Epoque ist die Tatsache, daß ein

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gutes Unternehmen wie das unsere, das den Markt
gut kennt, angeheuert wurde."
"Das Geheimnis des Erfolgs eines Films besteht in
der ausgezeichneten Planung und Finanzierung Ihrer
Marketingkampagne, sie flexibel zu gestalten und
genau auf Ihr Ziel zuzuschneiden", erläutert Bernard.
Er stellt fest: "Wenn Ihr Film in einer Stadt gute
Kritiken erhält, muß man sofort daraus Kapital
schlagen, indem man Werbespots in örtlichen Rundfunksendern ausstrahlt, Zeitungsanzeigen plaziert und
so weiter. Wenn der Film von einer Oper handelt,
muß man Listen von Opernfans beschaffen, in
klassischen Musiksendungen Reklame machen etc."
Bernard zufolge ist "ein häufig begangener Fehler,
daß besonders europäische Produzenten große
Summen für Rechte in den Vereinigten Staaten
verlangen. Oft sind wir über das Potential eines
Films geteilter Meinung."
Jack Valenti, Präsident des amerikanischen Filmverbands, stellt fest, ebenso wichtig wie Vermarktung
und Verleih sei die Art des gedrehten Films. In
einem Interview mit Associated Press im vergangenen Jahr führte Valenti aus: "Die Kinos werden keine
Filme zeigen, bei denen sie denken, sie würden Geld
verlieren. Die Anziehungskraft eines Stars ist wichtig.
Jeder kennt Tom Selleck", äußert er mit dem Hinweis
auf Seilecks Rolle in Drei Männer und ein Baby,
dem amerikanischen Remake des französischen
Knüllers mit dem gleichen Titel. "Wenn ich drei
obskure internationale Schauspieler habe, von denen
noch nie jemand etwas gehört hat, ist es schwer,
diesen Film zu verkaufen", fügt er hinzu.
Robert Kolker, Professor an der University of Maryland und Autor von Bestsellern über Filme, vor allem
The Clnema of Lonellness, stimmt zu.
Kolker stellt fest, daß ausländische Produzenten im
wesentlichen zwei Wege zum Erfolg in den Vereinigten Staaten haben: "Entweder müssen sie einen
Film machen, der möglichst wie ein amerikanischer
Film aussieht, oder sie müssen einen Film machen,
der besonders ist und herausragt."

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�"Historisch gesehen war die Zielgruppe für europäische Filme in Amerika ganz anders als die für
amerikanische Filme - zum Beispiel angefangen mit
den italienischen Filmen der frühen fünfziger Jahre
über die französische nouvelle vague Ende der
fünfziger und Anfang der sechziger Jahre bis zum
Wiederauftauchen des deutschen Films Ende der
siebziger und Anfang der achtziger Jahre", erklärt
Kolker. "Aber seit Mitte der achtziger Jahre hat es
in Europa wenig phantasievolle Filme gegeben, was
auf den Rückgang an Subventionen zurückzuführen
sein mag, an die europäische Filmemacher gewöhnt
waren."
Gleichzeitig, so Kolker, sehen die in Europa gedrehten Filme für gewöhnlich "nicht genug wie amerikanische Filme aus, um hier Erfolg zu haben". Europäische Produzenten "müssen anpassungsfähiger
sein", um dies auszugleichen, stellt er fest. Kolker
zufolge haben die Produzenten des holländischen
Films Spurlos den Film praktisch völlig neu auf
englisch gedreht und einige der Darsteller durch
bekannte amerikanische Schaupieler ersetzt, um ihn
für den amerikanischen Markt attraktiv zu gestalten.
Bernard erklärt, die amerikanischen Produktionsstandards und -techniken seien wichtig, betont
jedoch, daß es nicht ein bestimmter Typ europäischer oder ausländischer Filme sei, der in den
Vereinigten Staaten Erfolg hat. "Betrachtet man sich
die Filme, die als beste ausländische Filme ausgezeichnet wurden, so sind sie inhaltlich höchst unterschiedlich."
Douglas Gomery, ein Wirtschaftsfachmann der
Filmindustrie, dessen jüngstes Buch Shared Pleasures von der Geschichte des Kinos handelt,
bemerkt, auch der Zeitpunkt sei wichtig. "Hollywood
plant seine Kassenschlager für den Sommer und
Weihnachten, also sind Frühjahr und Herbst gute
Zeiten für die Vermarktung eines ausländischen
Films in den Vereinigten Staaten."
Gomery rät ausländischen Filmproduzenten jedoch
auch, in anderen Größenordnungen zu denken. "Es
gibt sechs große Hollywood-Studios, die nicht nur in
den Vereinigten Staaten, sondern auch weltweit
Büros unterhalten. Sie verleihen und vermarkten in
allen wichtigen Ländern, nicht nur den Vereinigten
Staaten, und besitzen in vielen Ländern Theaterketten. Die größte Theaterkette in Großbritannien und
Kanada gehört einer Hollywood-Gesellschaft."
"Wenn ausländische Unternehmen und Produzenten
wirklich in den Vereinigten Staaten Erfolg haben
wollen, haben sie zwei Alternativen", erläutert Gomery. "Sie könnten ihre Kräfte bündeln, um ein siebtes

großes Hollywood-Unternehmen aufzubauen, oder sie
könnten sich in die bestehenden Hollywood-Firmen
einkaufen."
"Genau das ist übrigens geschehen", fährt er fort.
"Hollywood ist nicht mehr Hollywood. Zwei der
großen sechs - Universal und Sony, eine Tochtergesellschaft von Columbia Pictures, sind in japanischem
Besitz. Fox gehört Rupert Murdoch, einem Zeitungstycoon mit Sitz in Großbritannien und Australien",
äußert Gomery. "Disney, Time-Warner und Paramount sind in amerikanischer Hand. Zur Zeit gibt es
ein siebtes Unternehmen, MGM-UA, das im wesentlichen von einer französischen Bank finanziert wird.
Aber die Firma befindet sich am Rande des Bankrotts", erklärt Gomery.
"Die Bedeutung dieser Wirtschaftsstruktur besteht
darin, daß derzeit nur die großen sechs - drei in
amerikanischer, drei in ausländischer Hand - Ihnen
die entsprechende Publicity für Ihren ausländischen
Film in den Vereinigten Staaten garantieren können.
Wenn Erfolg beim ausländischen Verleih der Schlüssel für Hollywood im Ausland ist - und das ist der Fall
- müssen die Ausländer beim Verleih in den Vereinigten Staaten Erfolg haben, um ihren Film hier publik
zu machen", stellt er fest. "Und das heißt, hier einen
neuen Giganten zu schaffen, sich in die großen
seschs einzukaufen, oder zumindest ein gutes
Geschäft mit einem der Giganten abzuschließen, wie
es den Produzenten von Belle Epoque gelungen ist."
Auf die Frage, ob es hilft, wenn ein ausländischer
Film eine Koproduktion ist, vorzugweise mit einem
Hollywood-Studio, antwortet Gomery: "Natürlich hilft
das. Dies hat eine lange Tradition, die bis in die
zwanziger Jahre zurückreicht, als MGM in das
Koproduktionsgeschäft im Ausland einstieg. Der
Schlüssel ist jedoch Marketing und Verleih. Der
Punkt ist, daß die Koproduktion, an die Sie denken,
Ihnen Zugang zum Vertriebsnetz verschafft oder ihn
zumindest erleichtert", fügt er abschließend hinzu.
Wenn all das gesagt und getan ist, muß das Produkt
aber auch richtig für den amerikanischen Markt sein.
Alle für diesen Bericht befragten Experten stimmten
überein, daß sich die meisten Amerikaner an Actionfilme in Englisch - ohne lästige Synchronisierung - mit
bekannten Stars gewöhnt haben. Diese Gewohnheit
wird schwer zu durchbrechen sein. Ausländische
Produzenten müssen also bereit sein, die Art von
Film zu produzieren, den anzusehen die Amerikaner
bereit sind, und müssen Geschick bei der Werbekampagne und beim Verleih haben, der ihr Produkt auf
den konkurrenzfähigsten Markt der Welt bringen
kann.
* *

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*

AMERIKA DIENST 17

�FUSSBALL
4. Mai 1994

FUSSBALL IN DEN USA
von Mike Woitalla
In Anbetracht der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA planen wir in den folgenden
Ausgaben von Amerika Dienst eine Artikelserie über Fußball.
Der Verfasser ist langjähriger Redakteur von Soccer America.

Pnin entered a sport Shop in Waindell's Main
Street and asked for a football. The request was
unseasonable but he was offered one.
"No, no," said Pnin, "I do not wish an egg or, for
example, a torpedo. I want a simple football.
Round!"
And with his wrists and palms he outlined a
portable world. It was the same gesture he used
in class when speaking of the "harmonical wholeness" of Pushkin.
The salesman lifted a finger and silently fetched
a soccer ball. "Yes, this I will buy," said Pnin
with dignified satisfaction.
Aus Vladimir Nabokov's Roman Pnin, 1953.

Pnin, ein in die Vereinigten Staaten eingewandeter
russischer Professor, schenkt seinem in Amerika
geborenen Sohn den Fußball als Geburtstagsgeschenk, nur um die Abneigung seines Sohnes gegen
diesen Sport zu hören zu bekommen. Der Ball wird
aus dem Fenster geworfen und schwimmt in einem
Bach davon.
Vierzig Jahre später geben die Amerikaner rund 50
Millionen Dollar pro Jahr für Fußbälle aus, die von
ihren Kindern gerne angenommen werden, und
Fußball ist zum am schnellsten wachsenden Mannschaftssport geworden.

AMERIKA DIENST 17

Dennoch ist Fußball in den Vereinigten Staaten
irgendwie ein Paradoxon. Die Anzahl der Spieler
nimmt insbesondere unter den Jugendlichen jedes
Jahr zu, unter den älteren Durchschnittsamerikanern
herrscht jedoch eine generelle Gleichgültigkeit
gegenüber diesem Sport vor. Selbst im Jahr 1993
würde Pnins Wunsch einen verwirrten Blick hervorrufen.
Fußballfans verweisen auf den Erfolg des Sports auf
Amateurebene unter den Jugendlichen. Fußball ist
heute nach Basketball der populärste Mannschaftssport im Land. Dem Soccer Industry Council of
America zufolge spielten 1992 nahezu 15 Millionen
Amerikaner das Spiel mindestens einmal, und fünfeinhalb Millionen spielten mehr als 25 Mal.
Innerhalb einer Generation erlebte der Jugendfußball
eine dramatische Zunahme. Drei Viertel der amerikanischen Spieler sind unter 18. Im Jahr 1974 hatte die
amerikanische Fußball-Jugendliga 100.000 eingetragene Spieler. Heute zählt sie über 100.000 Mannschaften und 1,9 Millionen eingetragene Spieler - und
das beinhaltet nicht die High School- oder CollegeMannschaften.
Vertretern der Organisation zufolge hat die Anzahl
der in der Jugendliga eingetragenen Spieler seit 1974
jede Saison zugenommen. Unter den Mädchen ist
der Trend noch deutlicher, die jetzt mindestens 30
Prozent der jungen Spieler des Landes ausmachen.
In den weiterführenden Schulen zeichnet sich dasselbe Bild ab. 1972 gab es 2.290 High School-Jungenmannschaften in den Vereinigten Staaten. Heute
sind es 7.025, und die Zahl der Mädchenmannschaften beläuft sich inzwischen auf 4.665.

Seite 1

�Obwohl dies offensichtlich ein Ergebnis der von
Tausenden Kindern in der Jugendriege geschaffenen
Nachfrage ist, begrüßen auch Schulen mit finanziellen Engpässen den Sport. Für die zur Ausrüstung
eines einzigen amerikanischen Football-Spielers
erforderlichen Summe kann eine Schule eine ganze
Fußballmannschaft ausrüsten.
Auch die Eltern loben Fußball als idealen Jugendsport im Gegensatz zu Baseball und Football, bei
denen Verletzungen relativ häufig sind. Die Spieler
sind weder wie bei Football und Baseball auf bestimmte Positionen beschränkt, noch ist die Körpergröße so entscheidend wie bei Basket- und Football.
Amerikanische Mannschaften Im internationalen
Wettbewerb
Wie durch die Erfolge der amerikanischen Nationalmannschaften in jüngster Vergangenheit unter
Beweis gestellt, ist Qualität in der Tat mit Quantität
einhergegangen. Zum ersten Mal seit 40 Jahren
qualifizierte sich das amerikanische Team 1990 für
den World Cup. Bei der Juniorenweltmeisterschaft
1989 belegten die USA bei den Männern den vierten
Platz und erreichten bei der alle zwei Jahre stattfindenden Austragung im Jahr 1993 wieder die
zweite Runde.
Die Vereinigten Staaten gewannen 1991 bei der
ersten je in diesem Sport ausgetragenen FrauenWeltmeisterschaft. Während auf hoher Ebene
organisierter Frauenfußball jedoch weltweit ein
relativ neues Phänomen ist, sehen sich die amerikanischen Männer immer noch einem mühsamen
Kampf auf der internationalen Bühne ausgesetzt.
"Unser größtes Problem ist, daß wir keine Profi-Liga s
haben", erklärt Trainer Bora Milutinovic, der Serbe,
der Mexiko für die Weltmeisterschaft 1986 und Costa
Rica für 1990 trainierte, bevor er 1991 das amerikanische Team übernahm. "Unsere Spieler sehen sich
nicht mit den wöchentlichen, das ganze Jahr über
stattfindenden Wettkämpfen konfrontiert wie die
Spieler der übrigen Welt."
Kurz nach seiner Übernahme führte Milutinovic die
Vereinigten Staaten zu den regionalen Meisterschaften, dem CONCACAF (Confederation of
Central and North America and the Caribbean) Gold
Cup. Daß Milutinovic sein Team wahrscheinlich in
die zweite Runde der Weltmeisterschaft 1994
bringen wird, spricht für die großen Fortschritte, die
das amerikanische Spiel gemacht hat.
1985 wurden die Vereinigten Staaten von Costa
Rica, einem Land mit zwei Millionen Einwohnern, in
der Weltmeisterschafts-Qualif ikationsrunde aus dem

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Wettbewerb geworfen. Acht Jahre später könnten die
Vereinigten Staaten kurz davor stehen, ein legitimer
Konkurrent der führenden Fußballnationen der Welt
zu werden. Jüngste Siege über Mannschaften aus
Irland, Mexiko und Portugal sowie ein Unentschieden
gegen Italien, Rußland und Dänemark geben den
amerikanischen Fans Grund zu Optimismus, obwohl
diese Spiele reine Freundschaftsspiele waren.
Milutinovic wird sich auf amerikanische "Legionäre"
stützen wie Dänemark, als es 1992 die Europameisterschaft gewann, obwohl es keine eigene Profi-Liga
hat. Eine Reihe von Spielern in der amerikanischen
World Cup-Gruppe zeichnen sich jetzt in England
(Kasey Keller, John Harkes), Deutschland (Eric
Wynalda, Brent Goulet) und Spanien (Tab Ramos)
aus.
Der Kalifomier Wynalda wurde in Deutschland sofort
zum Star, nachdem er von den Bay Blackhawks in
San Francisco zum FC Saarbrücken gewechselt
hatte. "In San Francisco dauerte es drei Jahre, bevor
mich jemand auf der Straße erkannte", erzählt er. "In
Saarbrücken dauerte es zwei Wochen."
Den amerikanischen Hoffnungen weiteren Auftrieb
verleihen Spieler mit lockeren Verbindungen zu den
Vereinigten Staaten. Der Bundesligastar Tom Dooley
begann 1991 für die Vereinigten Staaten zu spielen,
nachdem sich herausstellte, daß sein Vater ein in
Deutschland stationierter amerikanischer Soldat war.
Dooley betrat zum ersten Mal amerikanischen Boden,
um für die Nationalmannschaft zu spielen.
Stürmer Roy Wegerle aus Coventry in Großbritannien
ist in Südafrika geboren, aber amerikanischer Staatsbürger mit einer amerikanischen Frau und kann so im
amerikanischen Team spielen. Er besuchte die
University of South Florida.
Die Mehrzahl der Spieler in Milutinovics Mannschaft
hat eine Collegeausbildung durchlaufen - ein weiterer
außergewöhnlicher Aspekt des amerikanischen
Sports. Collegesport ist in den Vereinigten Staaten
so ausgezeichnet, daß das wichtigste College-Basketballturnier - das NCAA - zu den Fernsehübertragungen mit den höchsten Einschaltquoten zählt.
Während College-Fußball äußerst sielten im Fernsehen gesendet wird und nur eine Handvoll Mannschaften regelmäßig mehr als 2.000 Zuschauer
anlocken, bietet es den Spielern Stipendien. Die
Kosten für Ausbildung, Unterkunft und Verpflegung rund 20.000 Dollar pro Jahr in einer Privatuniversität stellen einen attraktiven Anreiz für die jungen Spieler
dar.

AMERIKA DIENST 17

�Spieler, die einen Collegeabschluß anstreben,
kommen für gewöhnlich aus der Mittelschicht. Die
zahlreichen hispanischen Talente - die hispanische
Bevölkerung in den Vereinigten Staaten zählt über
20 Millionen und viele haben Wurzeln in Ländern, in
denen Fußball gespielt wird - könnten übersehen
werden, wenn die Colleges weiterhin das Hauptrekrutierungsfeld der Nationalmannschaft bleiben.

Eine Erklärung ist, daß den Zuschauern sehr wenig
Fußballspiele angeboten werden. Das von dem
amerikanischen Fernsehsender ABC am 13. Juni
1993 übertragene Spiel zwischen den Vereinigten
Staaten und Deutschland war das erste Mal seit dem
Endspiel der Weltmeisterschaft 1986, daß ein internationales Spiel von einem größeren amerikanischen
Fernsehsender ausgestrahlt wurde.

Langsam werden Schritte unternommen, um Fußball
in den Städten populär zu machen, und in der
amerikanischen Nationalmannschaft sieht man
zunehmend hispanische Spieler. 1992 könnte durch
den College-Meister, die University of Virginia, ein
Trend eingeleitet worden sein, als eine Mischung
weißer, hispanischer und schwarzer Spieler beeindruckenden Fußball bot und alle Gegner beherrschte. Die Spieler verkörperten die Vielfalt der amerikanischen Bevölkerung besser als jeder andere College-Meister je zuvor.

Der größte Test wird natürlich die Weltmeisterschaft
1994 sein, wenn den Amerikanern mehr Fußball als
je zuvor geboten wird. Die Spiele um den World Cup
werden in neun Städten ausgetragen. Zum ersten
Mal werden alle 52 Spiele live in den Vereinigten
Staaten übertragen.

Der Journalist Paul Gardner, der seit den sechziger
Jahren über amerikanischen Fußball berichtet,
vertritt die Auffassung, wenn lateinamerikanische
Talente aktiver in das Spiel integriert würden, ergäbe
sich im amerikanischen Fußball ein Stil, der dem
brasilianischen Fußballspiel ähnelt. Diese Art von
Fußball, meint er, wird die Menschen in die Stadien
locken.
"Wenn wir über die Gründung einer Profi-Liga
sprechen, müssen wir auch an das Produkt selbst
denken: den Sport", erklärt Gardner. "Denken Sie
an die Spiele: Baseball, Basketball, Football. In
diesem Land muß Fußball auf höchstem Niveau
geboten werden, um auf Profi-Ebene Erfolg zu
haben."

Skeptische Medien
Trotz der wachsenden Zahl von Spielern und der
bevorstehenden Weltmeisterschaft läßt der kommerzielle Erfolg des Fußballs in den Vereinigten
Staaten noch auf sich warten. Dies könnte auf die
demographische Zusammensetzung der amerikanischen Fernsehzuschauer zurückzuführen sein. Als
Sports lllustrated, die am meisten gelesene Sportzeitschrift Amerikas, 1991 eine Umfrage unter 2.320
Erwachsenen durchführte, äußerten nur neun
Prozent der Befragten Interesse an dem Spiel und
setzten es auf Platz 25 von 28 Angaben.
Der deutsche Fußballstar Jürgen Klinsmann, bekannt
für seine Publicityscheu, erklärt, er mache immer in
den Vereinigten Staaten Urlaub, "um dem Fußball zu
entfliehen".

AMERIKA DIENST 17

Optimisten sind der Auffassung, diese spektakuläre
Austragung werde schließlich die Amerikaner überzeugen, daß Fußballspiele es wert sind, gesehen zu
werden. Viel wird davon abhängen, wie die Vereinigten Staaten gegen die besten Spieler der Welt
abschneiden.
Ein weiterer Test besteht in der Reaktion der Medien.
Obwohl das Spiel unter Sportreportern einige Freunde gefunden hat - wie bei George Vecsey von der
New York Times - ist es für die meisten Kolumnisten
immer noch nicht der Rede wert. Als die Vereinigten
Staaten 1988 zum Gastgeber der Weltmeisterschaft
1994 nominiert wurden, brachten Massen von Reportern ihre Verachtung zum Ausdruck. Ein beliebter
Ausspruch war, bei dem Spiel gebe es so wenig
Tore, daß es "so spannend sei wie Farbe trocknen zu
sehen".
Der Sportjournalist Brian Lincicome von der Chicago
Tribüne schrieb, die Ankündigung der Weltmeisterschaft war "nicht überraschender als die Erklärung,
der nächste Weltkrieg werde ausschließlich in der
Schweiz geführt".
Massive Ausschreitungen bei Spielen im Ausland
wurden ein bevorzugtes Argument, auch wenn sie
gar nichts mit dem Sport selbst zu tun hatten. Der
Pulitzerpreis-Gewinner Mike Royko von der Chicago
Tribüne erklärte das schlechte Benehmen von Fans
folgendermaßen: "Vielleicht weil es das einzige Spiel
ist, bei dem die Spieler ihren Kopf zum Schießen des
Balles benutzen. Angenommen die Fußballfans
spielen selbst Fußball, könnten all die Kopfbälle ihr
Gehirn zermatschen."
Daß solche Gefühle nicht repräsentativ für die Nation
sind, wurde deutlich, als sich die Rekordzahl von 27
Städten als Austragungsorte von Weltmeisterschaftsspielen bewarb.

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�Darüber hinaus tritt eine neue Generation von Sportjournalisten auf. Während der Tage der Nordamerikanischen Fußball-Liga (North American Soccer
League - NASL) schickten die Zeitungen Reporter
ohne Fußballerfahrung zur Berichterstattung über die
Spiele. Heute sind in den Nachrichtenagenturen
Männer und Frauen, die an dem Mitte der siebziger
Jahre begonnenen Jugendfußballboom teilhatten. In
Städten, in denen Weltmeisterschaftsspiele ausgetragen werden, haben die dortigen Zeitungen - wie die
Chicago Sun Times, Washington Post und Dallas
Morning News - wöchentliche Fußballbeilagen
eingeführt.
Das federführenden internationale Gremium der
Spiele, die FIFA (Federation Internationale de Football Associaton), wählte die Vereinigten Staaten als
Austragungsland der Weltmeisterschaft in dem
Versuch, die letzten Schranken einzureißen. Seine
Absichten waren nicht rein altruistisch. Amerikanische Unternehmen, die als Sponsoren Millionen für
Reklame auszugeben haben, machen die Nation
attraktiv für große Sportveranstaltungen. Firmen wie
Coca-Cola, General Motors, McDonalds und Gillette
geben im Ausland als Sponsoren von Weltmeisterschaften jeweils 15 bis 20 Millionen Dollar aus.
Die Probleme der Profi-Ligen
Als die Vereinigten Staaten 1988 die Ausschreibung
gewannen, ging die FIFA davon aus, daß es bis
1992 eine Profi-Liga geben würde. Dies ist jetzt auf
1995 verschoben worden.
FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter stellt fest: "Als
wir die Entscheidung trafen, den Vereinigten Staaten
die Ausrichtung der Spiele zu gestatten, hatten wir
zwei Ziele. Wir wollten das Spiel in diesem riesigen
Land bekannt machen, und wir wollten es in den
Vereinigten Staaten auf die Profi-Ebene bringen."
Eine Profi-Fußball-Liga wird jedoch nicht nur um die
Dollar der Fans, sondern auch um Femsehübertragungszeit mit dem amerikanischen Football,
Baseball, Basketball und Hockey konkurrieren
müssen.
Der Präsident des amerikanischen Fußballbundes
(U.S. Soccer Federation - USSF) Alan Rothenberg
erklärt: "Im Augenblick entwerfen wir einen Arbeitsplan... Die Profi-Liga ist nicht leicht zu machen - es
gibt kein Allheilmittel. Sie benötigt beträchtliches
Investitionskapital über einen langen Zeitraum
hinweg und vielleicht eine robustere Volkswirtschaft."
Der nordamerikanische Fußballbund (North American Soccer League -NASL) wurde 1968 gegründet.
Während seines 16jährigen Bestehens machte er die

Seite 4

Amerikaner mit Weltklassespielern bekannt und trug
zweifelsohne zur Verbreitung der Jugend-Ligen bei.
1975 landete New York Cosmos einen Coup, indem
man Pele, den größten Spieler aller Zeiten, mit einem
Dreijahresvertrag über 4,5 Millionen Dollar aus dem
Ruhestand lockte. Die Zukunft sah vielversprechend
aus. Der hervorragende Brasilianer spielte häufig vor
über 50.000 Zuschauern. Mehrere Mannschaften
konnten Zuschauerquoten von über 30.000 pro Spiel
verzeichnen. Berauscht vom Erfolg holte Cosmos
weitere Stars wie Franz Beckenbauer im Jahr 1977.
Das Spiel Beckenbauers und von Stars wie Johan
Cruyff, Carlos Alberto und Johan Neeskens begann
die Amerikaner zu begeistern. 1977 kam der Höhepunkt, als 78.000 Fans das Entscheidungsspiel im
Giants Stadium in New Jersey sahen. Im Moment
war Fußball schick, und in den Umkleideräumen
waren nach dem Spiel Berühmtheiten wie Robert
Redford, Mick Jagger, Rod Stewart und Henry Kissinger zu finden.
Aber die NASL-Clubs wurden zu optimistisch und
kauften immer mehr Topspieler, deren Ablösesummen und Gehälter die Mannschaftskassen leerten.
Zwischen 1977 und 1978 stieg die Zahl der LigaMannschaften von 18 auf 24 - ein Zuwachs, den sie
nicht verkraften konnte.
Am Ende konnte der NASL seine Jugendsünden und
die Fehler seiner Besitzer nicht ausmerzen. Der
Cosmos-Geschäftsführer Clive Toye sagte von den
neuen Besitzern, die nach 1977 in die Liga kamen:
"Viele der neuen Clubs gehörten arroganten Männern, die sich weigerten, in Jugendzentren und der
Gemeinde zu werben - wo in der Vergangenheit die
Wurzeln unseres Erfolges lagen." Die Liga gab 1984
auf.
Aber in demselben Jahr war Fußball der größte
Magnet bei der Olympiade von Los Angeles. 1,4
Millionen Fans besuchten Fußballspiele und über
100.000 das Endspiel.
Für die Weltmeisterschaft 1994 verkaufen sich die
Eintrittskarten so schnell - 600.000 im ersten Monat daß der Ausverkauf der 3,6 Millionen Plätze möglich
erscheint. Aber wird der gleiche Enthusiasmus einer
amerikanischen Profi-Liga zuteil, die nicht von dem
Fieber einer Weltmeisterschaft begleitet wird?
Hallenspiele
Der Profi-Hallenfußball hat sich in den Vereinigten
Staaten auf einzigartige Weise entwickelt. Während
das Spiel für gewöhnlich außerhalb der Saison in der
Halle gespielt wird, damit die Spieler fit bleiben,

AMERIKA DIENST 17

�machte die führende Hallenfußball-Liga (Major
Indoor Soccer League - MISL) es zur Alternative zu
den Spielen im Freien und übernahm in den letzten
Jahren der nordamerikanischen Fußball-Liga sogar
einige NASL-Spieler.
Häufig wird gesagt, dem Fußball gelänge es nicht,
den Appetit der amerikanischen Sportfans und
Journalisten auf Statistiken zu befriedigen. Die
Architekten der amerikanischen Hallenspiele gaben
sich große Mühe, ihrem Hunger nach Statistiken
gerecht zu werden. Die Fähigkeit des Torwarts zur
Verteidigung des Tors wurde nicht nur in eintausendstel Prozentpunkten umschrieben, sondern den
Abwehrspielern, die die meisten Schüsse verhinderten, wurden auch Auszeichnungen verliehen.
Verglichen mit dem populären amerikanischen Sport
bot Fußball dem amerikanischen Publikum nicht
genügend Unterbrechungen. Einem Sportereignis
beizuwohnen und dem Feld 45 Minuten lang ununterbrochen ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen,
eine 10minütige Pause in der Halbzeit zu haben,
und dann weitere 45 Minuten zuzusehen, war vor
Bekanntwerden des Fußballs in der Tat unerhört.
Der amerikanische Sportfan beobachtet natürlich die
Aktionen auf dem Spielfeld, nutzt aber die Chance
der häufigen Auszeiten um zu essen, zu trinken und
sich an sonstigen Unterhaltungen wie den Einpeitschern, einer Tombola oder der Aufzeichnung des
Spielstands zu erfreuen.
Der Hallenfußball versuchte wiederum, den Sport zu
amerikanisieren. Das Spiel wurde in Viertel- statt
Halbzeiten unterteilt und Auszeiten wurden eingeführt. Tänzer, Jongleure und andere Unterhaltungskünstler übernahmen während der Pausen das
Spielfeld, und selbst im Verlauf des Spiels ertönte
Musik aus den Lautsprechern.
Während des 12jährigen Bestehens der MISL spielten zu unterschiedlichen Zeiten 32 Mannschaften,
aber als sie aufgab, waren es nur sieben. Pro Spiel
sahen durchschnittlich 8.000 Fans zu, aber durch
Fernsehübertragungen konnte kein Geld eingenommen werden.
Im Juni 1993 riefen die Besitzer der nationalen
Basketball-Liga (National Basketball League - NBA)
eine neue Hallenfußball-Liga ins Leben. Sie sehen
sie als Chance, um ihre Stadien und Mitarbeiter
außerhalb der Basketballsaison zu nutzen. Die acht
Mannschaften wollen den Spielern während der
dreimonatigen Saison zwischen 6.000 und 9.000
Dollar bezahlen.
Jerry Buss, der Besitzer des Los Angeles Lakers
Basketballteams mußte zusehen, wie seine letzte

AMERIKA DIENST 17

Hallenfußball-Mannschaft Millionen Dollar vor leeren
Rängen verlor. Er bezweifelt, daß die Amerikaner
ihre Sommerabende in der Halle verbringen wollen.
"Ich weiß nicht, ob Hallenfußball im Sommer gut
geht", stellt er fest. "Aber ich weiß, daß es im Winter
nicht funktioniert."
Die nationale Profi-Fußball-Liga (National Professional Soccer League - NPSL) mit ihren 13 Mannschaften besteht seit 1984 und führte solche Tricks ein wie
drei Punkte für ein aus über 15 Metern erzieltes Tor,
zwei Punkte für reguläre Tore und einen Punkt für ein
beim sogenannten Elfmeterschießen errungenes Tor.
Damit erhält das Spiel nicht nur mehr Statistiken,
sondern auch mehr Tore.
Trotz ihres Durchhaltevermögens hat die NPSL
mehrere Clubs, die am Rande des Konkurses operieren, und es ist keine Saison vergangen, ohne daß ein
Club schließen mußte. Ihre gewöhnlichen Spieler
erhalten kein volles Gehalt.
Was immer die Zukunft des Hallenfußball sein mag,
sein Beitrag zur Popularität des Fußball in den
Vereinigten Staaten ist fraglich. Paul Gardner, der für
die Puristen unter den Fußballfans sprach, schrieb
zum Ende der MISL: "Von Anfang an war die MISL
ein Parasit im wirklichen Fußball. Sie zog Energie,
Geld und Talent vom Fußball im Stadion ab." Obwohl der Hallenfußball dem Sport einige neue Fans
eingebracht haben mag, könnte er den Durchschnittsamerikaner über die wahre Natur des Sports verwirrt
haben.

Jetzt ein amerikanisches Spiel
Seit dem Ende der NASL sind eine Reihe von
Fußball-Ligen in der amerikanischen Sportszene
aufgetaucht, aber mit Ausnahme der führenden
Hallenfußball-Liga (MISL), die 1992 nach 12 Jahren
ein Ende nahm, waren alle bestenfalls Halbprofis.
Die amerikanische Profi-Fußball-Liga (American
Professional Soccer League - APSL) beendete die
Saison 1993 mit fünf Mannschaften, 1993 kamen drei
kanadische Teams hinzu. Durchschnittlich verdienten
die Spieler, was im amerikanischen Profisport einem
Almosen gleichkommt - rund 10.000 Dollar für die
fünfmonatige Saison. (Das Durchschnittsgehait eines
Spielers in der führenden Baseball-Liga beträgt in
den Vereinigten Staaten 1 Million Dollar).
Die APSL wird vom amerikanischen Fußballbund als
Profi-Liga angesehen, aber im Plan des Fußballbundes für eine Profi-Liga nimmt die APSL einen von
vier Zweitligistenplätzen ein. Die anderen drei

Seite 5

�Zweitligistenplätze sind ebenso wie die erste Division
unbesetzt.
Die überregionale Fußball-Liga der Vereinigten
Staaten (United States Inter-regional SoccerLeague
- USISL) ist ein landesweiter Zusammenschluß von
40 Clubs in fünf Regional-Ligen. Sie hat keinen
Ehrgeiz, eine führende Liga zu werden und beschreibt sich selbst als zwischen der zweiten und
dritten Division liegend.
Fußball hat über die Jahre Interesse bei kleineren
Ligen wie dieser erweckt, und keine ist je zur führenden Liga aufgestiegen. Wenn eine nationale ProfiLiga entsteht, kommt sie von oben wie die NASL.

Toye ist der Ansicht, daß Investoren für eine neue
Liga gefunden werden können, wenn ein solider Plan
vorgelegt wird, der erläutert, wie in der Vergangenheit
begangene Fehler nicht wiederholt werden.
"Die NASL hat ein Erbe hinterlassen", so Toye.
"Fußball ist nicht länger ein komisches, von Ausländern gespieltes Spiel. Es ist jetzt ein amerikanisches Spiel, und die Söhne und Töchter von Abteilungsleitern großer Unternehmen spielen es."
In der Tat. Und auch die Kinder von Präsident
Clinton und Vizepräsident AI Gore spielen Fußball.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 17

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                <text>&lt;strong&gt;1. Südafrika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verstärkte amerikanische Hilfe für Südafrika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Radioansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leiterin des Umweltschutzamts fordert mehr "Umweltdemokratie"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Carol Browner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. AIDS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;AIDS-Krise hat weitreichende Implikationen für amerikanische Politik &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Timothy Wirth&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Film&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausländische Filme in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Marketing und Verleih&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Fußball&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fußball in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Mike Woitalla&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

27. April 1994

16

RICHARD NIXON

STAATSTRAUERTAG FÜR NIXON
Proklamation des Präsidenten
RICHARD NIXON - EIN UMSTRITTENER ABER
TATKRÄFTIGER POLITIKER
Zum Tode des ehemaligen Präsidenten

BOSNIEN

CHRISTOPHER: ANGRIFF DER BOSNISCHEN
SERBEN ERFORDERT ENTSCHLOSSENE
REAKTION
Eröffnungsansprache bei Anhörung vor dem
Kongreß

BOSNISCHES VERHALTEN ERFORDERT
ENTSCHLOSSENE, SACHLICHE REAKTION
Rede von Thomas Weston

MENSCHENRECHTE

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

DEMOKRATIE UND MENSCHENRECHTE SIND
SCHLÜSSELELEMENTE DER
AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
Anhörung Shattucks vor dem Kongreß

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�RICHARD

NIXON
27. April 1994

STAATSTRAUERTAG FÜR NIXON
Proklamation des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Mit den Worten, Richard M. Nixon sei "ein vehementer Verfechter von Freiheit und
Demokratie weltweit" gewesen, ordnete Präsident Clinton einen Staatstrauertag für den 37. Präsidenten der
Vereinigten Staaten an, der am 22. April 1994 verstarb.
Nixon, der sich als einziger Präsident zum Rücktritt gezwungen sah, verbrachte die letzten Jahre seines
Lebens mit dem Verfassen von Schriften über außenpolitische Themen und erstellte, so Clinton, "ein
überzeugendes Bild der sich abzeichnenden Weltpolitik, das auf Jahre hinaus politischen Entscheidungsträgern
als Leitfaden dienen wird".
Nixon wird am 27. April 1994 neben seiner Frau Patricia in seinem Geburtsort Yorba Linda (Kalifornien)
beerdigt, wo sich auch das Nixon-Museum und seine Präsidentenbibliothek befinden.
An das Volk der Vereinigten Staaten:
Mit großer Trauer gebe ich offiziell den Tod von
Richard Milhous Nixon, dem 37. Präsidenten der
Vereinigten Staaten von Amerika, am 22. April 1994
bekannt.

,
•»

Als für herausragende Dienste im Zweiten Weltkrieg
ausgezeichneter Marineoffizier war Richard Nixon
seit langem ein Fixpunkt in unserem nationalen
Leben. In einer sich über ein Vierteljahrhundert
erstreckenden Laufbahn im öffentlichen Dienst trug
er zur Gestaltung der amerikanischen Geschichte
bei. Vor seiner Amtsübernahme als Präsident im
Jahr 1969 leistete er hervorragende Arbeit im
amerikanischen Repräsentantenhaus, im Senat und
als Vizepräsident in der Eisenhower-Administration.
Seit seinen frühen Tagen im Kongreß, während
seiner Amtszeit im Weißen Haus und im gesamten
Verlauf der zwei Jahrzehnte, die seit seinem Ausscheiden aus dem Amt verstrichen sind, war er ein
vehementer Verfechter von Freiheit und Demokratie
weltweit.
Staatsmänner und Studenten internationaler Angelegenheiten werden noch lange auf Präsident Nixons
enorme Leistungen als Richtschnur blicken. Sein
Kampf um die Überbrückung der Kluft zwischen den
Vereinigten Staaten und der ehemaligen Sowjetunion - angefangen von der berühmten "Küchendebatte" mit Nikita Chruschtschow, der in der Entspannungspolitik Anfang der siebziger Jahre seinen
Höhepunkt fand - trug zur Aufrechterhaltung des

AMERIKA DIENST 16

Friedens in einem unsicheren Zeitalter bei. Unsere
inzwischen verbesserten Beziehungen zu den Chinesen sind auf Nixons mutigen Besuch in China vor
über 20 Jahren zurückzuführen. In zahlreichen
später von ihm verfaßten Büchern erstelfte er ein
überzeugendes Bild der sich abzeichnenden Weltpolitik, das auf Jahre hinaus politischen Entscheidungsträgern als Leitfaden dienen wird.
Präsident Nixon hat für unsere Nation auch eine
Vielzahl positiver innenpolitischer Initiativen ergriffen.
Seine Bemühungen um Umweltschutz, Änderung des
Sozialleistungssystems unserer Nation, Verbesserung
des Gesetzesvollzugs und Reform des Gesundheitswesens dienen uns heute als Anregung, während wir
den Amerikanischen Traum in greifbare Nähe all
unserer Bürger rücken.
In seinem Buch In the Arena: A Memolr of Victory,
Defeat and Renewal schrieb Präsident Nixon:
"Meiner Ansicht nach... ist die Fülle des Lebens nicht
an seiner Länge, sondern an seiner Breite, Höhe und
Tiefe zu messen." Das ist in der Tat ein äußerst
passendes Epitaph auf sein bemerkenswertes Leben.
Er erlitt Niederlagen, welche die meisten politischen
Karrieren beendet hätten, errang aber auch phantastische Siege, die vielen der beliebtesten Politiker der
Welt nicht beschieden waren. An diesem denkwürdigen Tag erkennen wir den bedeutenden Wert des
von ihm zu unserer Nation geleisteten Beitrags an
und beten, daß er uns genug von seiner Klugheit
hinterlassen haben möge, um uns sicher ins kommende Jahrhundert zu geleiten.

Seite 1

�Aufgrund dessen verfüge ich, William J. Clinton,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft
der mir von der Verfassung und den Gesetzen der
Vereinigten Staaten übertragenen Vollmachten, daß
im Gedenken an Präsident Nixon und als Ausdruck
der öffentlichen Trauer die Flagge der Vereinigten
Staaten am Weißen Haus und auf allen Gebäuden,
Grundstücken und Kriegsschiffen der Vereinigten
Staaten über einen Zeitraum von 30 Tagen nach
seinem Todestag auf halbmast stehen soll. Femer
ordne ich an, daß während dieser Zeit die Vertreter
der Vereinigten Staaten im Ausland ähnliche Anweisungen für Trauerbeflaggung an ihren Botschaften,
Missionen und anderen öffentlichen Gebäuden im
Ausland geben, einschließlich aller militärischen
Einrichtungen und Stützpunkte.

*

Seite 2

Hiermit verfüge ich, daß am Tag der Beisetzung
Einheiten der Streitkräfte auf Befehl des Verteidigungsministers dem Verstorbenen angemessene
Ehrenbezeugung erweisen.
Weiterhin erkläre ich den Tag der Beisetzung zum
Staatstrauertag im gesamten Land. Ich rufe das
amerikanische Volk dazu auf, sich an diesem Tag in
die Gotteshäuser zu begeben, Präsident Nixons zu
gedenken und Gott um seinen Segen für unser Land
zu bitten. Ich rufe die Menschen auf der ganzen
Welt, die mit uns in Trauer vereint sind, dazu auf,
sich unserem feierlichen Gedenken anzuschließen.
Unterzeichnet am 22. Tag des April, im Jahre des
Herrn 1994 und im 218. Jahr der Unabhängigkeit der
Vereinigten Staaten von Amerika.

* * *

*

AMERIKA DIENST 16

�RICHARD

NIXON

27. April 1994

Richard Nixon - ein umstrittener aber tatkräftiger Politiker
Zum Tode des ehemaligen Präsidenten
Richard Milhous Nixon, der als einziger Präsident
der Vereinigten Staaten sein Amt niederlegte, war
einer der umstrittensten und bedeutendsten amerikanischen Regierungschefs der vergangenen 40 Jahre.
Nur über wenige Politiker in der amerikanischen
Geschichte wurde kontroverser diskutiert als über
Nixon. Der konservative Politiker war bei vielen
Liberalen, Akademikern und Journalisten unbeliebt.
Er scheute sich aber auch nicht, ihnen mit derselben
Abneigung zu begegnen. Nixon mußte unglaubliche
politische Niederlagen erleiden - Schläge, die andere
vielleicht nicht ertragen hätten. Auf irgendeine
Weise gelang es ihm jedoch immer wieder, sich
davon zu erholen.
Der größte Erfolg von Nixons Präsidentschaft war
seine Entspannungspolitik gegenüber der Sowjetunion sowie die politische Öffnung für das kommunistische China Anfang der siebziger Jahre.
Letztere festigte seinen Ruf eines herausragenden
außenpolitischen Strategen.
Sein größter Mißerfolg war sein unehrenhafter
Rücktritt vom Amt des Präsidenten im Jahr 1974, um
einer drohenden Amtsenthebung durch Impeachment als Folge der Watergate-Affäre zuvorzukommen.
Nixon hatte aber auch Bewunderer - viele erinnern
sich an sein Eintreten für die Demokratie in der
berühmten, in Moskau mit dem sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow geführten "Küchendebatte" und an seinen Mut, als seine Frau Pat und er
1958 in Venezuela von einem Mob antiamerikanischer Demonstranten angegriffen wurden.
Praktisch in der gesamten Nachkriegszeit war Nixon
für jeden Erwachsenen und jedes Kind in Amerika
ein Begriff - nicht nur als Politiker, sondern auch als
Produkt seiner Zeit, möglicherweise, weil er einer
der ersten Politiker war, die im gesamten Verlauf

AMERIKA DIENST 16

ihrer Karriere immer wieder im Fernsehen erschienen.
Nach seinem Rücktritt nahm die Abneigung gegen
Nixon ab, und in späteren Jahren wurde er in den
Augen der Öffentlichkeit ein "eider statesman" - eine
Rolle, an der er offensichtlich Gefallen fand.
Der 1913 auf der Farm seines Vaters in Yorba Linda
(Kalifornien) geborene Nixon wuchs mit vier Brüdern von denen zwei als Kind starben - unter der strengen Erziehung seines Vaters auf. Seine Mutter war
Quäkerin, und zu ihr hatte Nixon eigenen Angaben
zufolge ein engeres Verhältnis. Während seiner
Kindheit zog die Familie in das 20 Kilometer von Los
Angeles entfernte Whittier. Nixon besuchte das
Whittier College, wo er Geschichte studierte und sich
in Debatten besonders hervortat. 1937 legte er an
der Duke University sein juristisches Staatsexamen
ab.
Nachdem Nixon im Zweiten Weltkrieg in der USMarine gedient hatte, gab er 1946 seine Kandidatur
für einen Sitz als Abgeordneter des Bundesstaates
Kalifornien im Kongreß gegen den demokratischen
Amtsinhaber Jerry Voorhis bekannt.
Aufgrund
angeblicher Kontakte Voorhis zu den Linken gewann
Nixon seinen ersten größeren politischen Sieg.
Während seiner frühen Jahre im Kongreß erwies sich
Nixon bei innenpolitischen Fragen als pragmatischer
Konservativer, bei auswärtigen Angelegenheiten als
Weltpolitiker, der sich für den Marshallplan einsetzte.
Als Mitglied des Ausschusses des Repräsentantenhauses für unamerikanische Umtriebe schlug er aus
der starken antikommunistischen Einstellung seiner
Zeit Kapital und formulierte sie als nationale Politik.
Als der Ausschuß 1948/49 den Fall von Alger Hiss,
einem Beamten des US-Außenministeriums, untersuchte, veranlaßte Nixon eine Gegenüberstellung
zwischen Hiss und seinem Ankläger, Whittaker

Seite 1

�Chambers, was schließlich zur Verurteilung von Hiss
wegen Meineid führte. Nixon schreib später zutreffend in seinen autobiographischen Memoiren "Six
Crises", der Fall Hiss "hinterließ Haß und Feindseligkeit mir gegenüber - nicht nur unter Kommunisten,
sondern auch wichtigen Vertretern der Presse und
Intellektuellen - eine Feindseligkeit, die selbst heute
noch spürbar ist".
Verstärkt wurde diese Feinseligkeit durch Nixons
Kampagne gegen Helen Gahagan Douglas 1950 im
Rennen um einem Sitz im Senat. Wie üblich bediente sich Nixon harter Worte, und seine Gegner
bezichtigten ihn des Kommunistenhasses und des
Antisemitismus. Während seiner gesamten nachfolgenden politischen Karriere blieb Nixon Zielscheibe
der Ablehnung durch die Liberalen.
1952 wurde Nixon auf dem Parteitag der Republikaner zum Vizepräsidentschaftskandidaten von Dwight
D. Eisenhower gewählt. Während des Wahlkampfes
kritisierte Nixon die Demokraten wegen ihrer Schwäche gegenüber dem Kommunismus und Korruption
innerhalb der Regierung. Dies erwies sich als
Bumerang, weil er selbst unangemessener Verwendung von Wahlkampfspenden beschuldigt wurde
und es bei der ersten schweren Krise seiner Karriere
den Anschein hatte, Eisenhower, der eine persönliche Abneigung gegen ihn hegte, werde Nixon von
seiner Wahlliste streichen.
Am 23. September 1952 hielt Nixon im Fernsehen
seine berühmte "Checkers"-Rede. Er stellte seine
Frau Pat und seinen Cockerspaniel "Checkers" der
Öffentlichkeit vor, bestritt den Mißbrauch von Wahlkampfgeldern für persönliche Zwecke (nach amerikanischem Gesetz ein Vergehen) und verwies auf den
"respektablen republikanischen Tuchmantel" seiner
Frau als Zeichen ihrer persönlichen Genügsamkeit.
Die Intellektuellen haßten seine Rede, bei der
amerikanischen Öffentlichkeit kam sie jedoch gut an
und rettete seine Karriere.
Als Eisenhowers Vizepräsident während zwei
Amtsperioden übernahm Nixon eine aktive Rolle in
der Administration, als sich Eisenhowers Gesundheitszustand verschlechterte. Bei Besuchen und im
diplomatischen Auftrag bereiste er 54 Länder. Bei
ihrem Aufenthalt in Caracas wurden die Nixons von
antiamerikanischen Demonstranten angepöbelt, aber
Nixon gelang es, sich von ihnen zu befreien, während die Kameras den Angriff festhielten.
1959 hatte Nixon einen großen Glückstreffer:
Während eines Besuchs in der Sowjetunion besichtigte er mit dem damaligen sowjetischen Staatschef
Chruschtschow in Moskau eine Ausstellung amerikanischer Küchengeräte. Eine angeregte Unterhaltung

Seite 2

zwischen beiden Männern wurde von den Fernsehkameras aufgezeichnet. Sie wurde bekannt als die
"Küchendebatte", und die Öffentlichkeit zollte Nixon
Lob, weil er sich gegen den sowjetischen Staatschef
auf dessen Territorium "gut geschlagen" hatte.
Nixon gewann die Nominierung der Republikaner als
Präsidentschaftskandidat im Jahr 1960. Dieses Mal
zeichnete das Femsehen jedoch seine Demontage
auf als ein müde aussehender Nixon - der sich von
einer Krankheit erholte - bei dem Fernsehduell mit
einem ausgeruhten, jugendlichen John F. Kennedy
um die Präsidentschaft kämpfte. Nixon verlor die
Wahl mit weniger als einem Prozent der Stimmen,
entschloß sich jedoch, keinen Einspruch gegen das
Wahlergebnis einzulegen, wie Kollegen ihm geraten
hatten.
Viele Politiker hätte sich nach so einem frustrierenden
Wahlkampf zurückgezogen. Aber zur allseitigen
Überraschung trat Nixon wieder auf, um 1962 die
Nominierung als Gouverneur von Kalifornien anzustreben. Wiederum mußte er sich durch den Amtsinhaber, Edmund G. Brown, knapp geschlagen
geben.
1963 zog Nixon nach New York und praktizierte
neben seiner Tätigkeit für die republikanische Partei
als Rechtsanwalt. In demselben Jahr wurde Kennedy
erschossen und sein Nachfolger, Lyndon B. Johnson,
wurde bald in den Vietnamkrieg verstrickt. 1968 gab
Johnson, dessen Ruf durch diesen Krieg zerstört
worden war, bekannt, er werde sich nicht zur Wiederwahl stellen. In dem Wissen um die geschwächte
Position der Demokraten strebte Nixon erneut die
Präsidentschaftsnominierung an und besiegte den
Kandidaten der Demokraten, Vizepräsident Hubert
Humphrey. Nixons Kampagne kam die Desillusionierung der Öffentlichkeit über den Vietnamkrieg zu Hilfe
sowie die Kandidatur eines dritten Kandidaten, des
Gouverneurs von Alabama, George C. Wallace, die
den Demokraten Stimmen entzog.
Als 37. Präsident regierte Nixon die Nation als
gemäßigter Konservativer. Nixon und sein Außenminister, Henry Kissinger, ordneten die weitere
massive Bombardierung Indochinas an - weiteten die
Luftangriffe auf Laos und Kambodscha aus und
provozierten riesige Demonstrationen auf den amerikanischen College-Campuses - begannen jedoch
auch den Prozeß des amerikanischen Rückzugs aus
der Region. Im Rückblick erscheint wichtiger, daß sie
die gefeierte diplomatische Öffnung Chinas ausarbeiteten und durchführten. Nixon erzielte femer
Fortschritte bei den Verhandlungen mit der Sowjetunion über strategische Rüstungen und setzte sich
für Gesetze über das Sozialwesen und ökologische
Fragen ein.

AMERIKA DIENST 16

�1972 gewann Nixon erneut die Präsidentschaft dieses Mal in einem erdrutschartigen Sieg über
seinen demokratischen Herausforderer George S.
McGovern. Diese Wahl erwies sich jedoch als seine
Demontage. Von seinen Assistenten bezahlte
Männer waren in das Hauptquartier des nationalen
Ausschusses der Demokraten im Watergate-Apartmentgebäude in Washington in dem offensichtlichen
Versuch eingebrochen, den Demokraten abträgliche
Informationen zu erhalten.
Was immer Nixon über den Einbruch gewußt haben
mag, sein schwerwiegendster Fehler war der Versuch, die Ermittlungen zu vereiteln und Beweismaterial zu vernichten - eine Fehleinschätzung, die zu
einem riesigen Skandal und einem Ermittlungsverfahren des Kongresses führte. Schließlich sah er
sich 1974 angesichts der drohenden Anklage zum
Rücktritt gezwungen. Sein Nachfolger, Gerald R.
Ford, amnestierte ihn wegen aller im Amt begangenen Vergehen - und Nixon zog sich in Kalifornien in
den Ruhestand zurück.

*

AMERIKA DIENST 16

Während seiner Präsidentschaft im Oval Office
gemachte und späterfreigegebene Tonbandaufzeichnungen zeigten Nixon als häufig ungehobelten und
rachsüchtigen Mann. Wie in vergangenen Jahrzehnten überwand Nixon jedoch die Bitterkeit und Schande von Watergate und kehrte allmählich ins öffentliche Leben zurück. Über die Jahre trat er als kluger
Berater und Kommentator außenpolitischer Themen
auf und wurde von der jüngeren Generation von
Amerikanern als angeschlagener, aber dennoch
geachteter "eider statesman" akzeptiert.
Gegen Ende seines Lebens bewerteten die Historiker
seine geschichtliche Rolle in einem günstigeren Licht.
Seine letzte Auslandsreise im Jahr 1994 führte ihn
nach Rußland, wo er die Kommunikation zwischen
den politischen Parteien zu verbessern und ihr
Potential einzuschätzen versuchte.

*

Seite 3

�BOSNIEN
27. April 1994

CHRISTOPHER: ANGRIFF DER BOSNISCHEN SERBEN
ERFORDERT ENTSCHLOSSENE REAKTION
Eröffnungsansprache bei Anhörung vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Der Angriff der bosnischen Serben auf die von der UNO erklärte Schutzzone Gorazde
hat erneut die Mißachtung der Serben für die "internationale Staatengemeinschaft und einen Mangel an
Kooperationsbereitschaft bei der Erlangung des Friedens demonstriert", stellte Au ßenminister Christopher fest.
Bei einer Anhörung vor dem Bewilligungsunterausschuß für Wirtschaft des Senats am 21. April 1994 erklärte
Christopher, das jüngste Verhalten der bosnischen Serben "erfordert eine entschlossene Reaktion", wenn die
Parteien in Bosnien einbezogen werden sollen, um ein Abkommen am Verhandlungstisch zu erzielen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprache von Außenminister Christopher im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder, es
ist mir ein Vergnügen, heute vor Ihnen sprechen zu
dürfen. Der Präsident und ich profitieren in höchstem Maße von Ihrer Klugheit und Ihrem Fachwissen. Ich sehe einer produktiven Diskussion erwartungsvoll entgegen.
Ich werde heute den Haushaltsantrag 1995 für
internationale Angelegenheiten erläutern sowie seine
Prioritäten und Ziele darlegen. Zuerst werde ich
Ihnen jedoch über unsere Reaktion auf die Situation
in Bosnien berichten.
Die Serben haben wieder einmal ihre Mißachtung für
die internationale Staatengemeinschaft und einen
Mangel an Kooperationsbereitschaft bei der Erlangung des Friedens demonstriert. Seit Tagen beschießen sie eine von Zivilisten bewohnte Stadt,
selbst nachdem deren Verteidigung zerschlagen
worden ist.
Dies ist ein Rückschlag für die in den vergangenen
Wochen mit dem Ultimatum bezüglich Sarajevo und
dem Friedensabkommen zwischen den Bosniern und
Kroaten erzielten Fortschritte. Wir müssen uns
jedoch über unsere Ziele im klaren sein. Wir müssen die Parteien in Bosnien zur Beilegung ihrer
Differenzen am Verhandlungstisch veranlassen. Und
wie Präsident Clinton gestern eindeutig klargestellt
hat, müssen wir die Serben zu Verhandlungen
ermutigen, indem wir sicherstellen, daß sie einen
hohen Preis für die andauernde Aggression bezahlen.

AMERIKA DIENST 16

Das jüngste Verhalten der bosnischen Serben
erfordert eine entschlossene Reaktion. Der Präsident
hat drei unverzüglich zu ergreifende Initiativen
vorgelegt.
Erstens schlagen wir unseren Verbündeten vor, den
von uns erfolgreich angewandten Ansatz zu Sarajevo
auf andere von der UNO zu Schutzzonen erklärte
Gebiete in Bosnien einschließlich Gorazde auszuweiten. Wir wissen, daß Luftangriffe allein die serbische
Aggression nicht aufhalten können. Sie können
jedoch ebenso wie in Sarajevo als Abschreckung für
den mutwilligen Beschuß der von Zivilisten bewohnten Regionen dienen und den Verletzern hohe
Strafen auferlegen.
Zweitens werden wir unsere Bestrebungen verdoppeln um zu gewährleisten, daß harte Sanktionen
gegen Serbien so streng wie möglich durchgesetzt
werden.
Drittens werden wir unsere Unterstützung für humanitäre Hilfslieferungen in Bosnien erweitern.
Die
Vereinigten Staaten werden mit den Vereinten
Nationen zusammenarbeiten, um den Menschen in
Gorazde zu helfen.
Wir unternehmen diese Schritte, weil die Vereinigten
Staaten in Bosnien wichtige strategische und humanitäre Interessen haben. Wir haben ein strategisches
Interesse an der Verhinderung eines größeren
europäischen Konflikts. Wir haben ein Interesse an
der Aufrechterhaltung der NATO als glaubwürdige
Streitmacht für Frieden in Europa nach dem Kalten

Seite 1

�Krieg. Wir haben ein Interesse an der Eindämmung
des Flüchtlingsstroms und der Beendigung dieser
schrecklichen Tragödie.
Letztlich ist eine Verhandlungslösung unter den
Parteien der einzige Weg zur Beendigung des
Konflikts. Das Abkommen zwischen den bosnischen
Muslims und Kroaten, zu dessen Zustandekommen
wir beigetragen haben, hat bereits eine Kampf linie in
Bosnien ausradiert. Es weist darüber hinaus den
Weg zu der von uns angestrebten umfassenderen
Lösung.
Ich möchte hinzufügen, Herr Vorsitzender, daß wir
die Entsendung weiterer UN-Friedenstruppen zur
Sicherstellung der humanitären Hilfslieferungen und
zur Konsolidierung des bosnisch-kroatischen Friedens unterstützen werden. Wie der Präsident
gestern erklärte, "lautet das Gebot jetzt, sich nicht
nur mit dem jüngsten serbischen Vergehen auseinanderzusetzen, sondern die Kraft für Frieden zu
erneuern".
Wir werden unsere Initiativen morgen in Brüssel mit
unseren NATO-Verbündeten und den Russen
erörtern. Wir hoffen, daß wir einen gemeinsamen
Ansatz zur Beendigung des Konflikts und zur Erlangung von Frieden im ehemaligen Jugoslawien
erarbeiten können.
Ich möchte mich jetzt dem Antrag des Präsidenten
für das Haushaltsjahr 1995 zuwenden - dem ersten
wirklichen Etat für internationale Angelegenheiten in
der Zeit nach dem Kalten Krieg.
Dieses Budget entspricht den Herausforderungen
der Ära nach dem Kalten Krieg, indem es die von
mir als zentral für die Außenpolitik dieser Administration ausgemachten sechs strategischen Prioritäten
unterstützt. Erstens gestattet es uns die Verbesserung unserer wirtschaftlichen Sicherheit. Zweitens
stellt es Unterstützung für die Reformen in Rußland
und den anderen neuen unabhängigen Staaten
bereit. Drittens können wir dank dieser Haushaltsvorlage die transatlantische Sicherheit und den
Wohlstand aufrechterhalten. Viertens fördert sie
unser Interesse am asiatisch-pazifischen Raum.
Fünftens bringt sie den Frieden im Nahen Osten
voran. Sechstens trägt sie dazu bei, globale Themen wie Nichtverbreitung, Menschenrechte, Bevölkerungswachstum und die Umwelt zum wesentlichen
Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik zu
machen.
Diplomatie ist ein starkes Instrument, diese Prioritäten zu fördern sowie starke und sichere Vereinigte
Staaten zu gewährleisten. Ich bin der festen Überzeugung, daß präventive Diplomatie und Friedens-

Seite 2

Sicherung kosteneffektiv sind. Sie sparen Geld.
Noch wichtiger ist, sie retten Leben.
Herr Vorsitzender, wie Sie wissen, wird ein Großteil
dieses Haushalts von anderen Bewilligungsunterausschüssen finanziert. Heute konzentriere ich mich auf
die von diesem Unterausschuß finanzierten Budgetkategorien, obwohl ich auch kurz auf die anderen
eingehen werde.
Die erste Haushaltskategorie ist die Förderung von
Wohlstand in den Vereinigten Staaten. Ich habe
unsere Missionen im Ausland angewiesen, der
Unterstützung der Interessen amerikanischer Exporteure, Investoren und Arbeitnehmer höchste Priorität
einzuräumen. Diese Bestrebungen bewirken jeden
Tag etwas für amerikanische Unternehmen. Ohne
die kontinuierliche Unterstützung dieses Unterausschusses wären sie nicht möglich.
In diesem Zusammenhang, Herr Vorsitzender,
möchte ich die von der Handelsabteilung des amerikanischen Wirtschaftsministeriums gespielte unerläßliche Rolle hervorheben. Ich darf Ihnen versichern, daß unsere Beamten im Ausland enger als
je zuvor mit der Handelsabteilung bei der Förderung
unserer gemeinsamen Ziele zusammenarbeiten.
Eine zweite Kategorie - die Förderung von Demokratie - spiegelt unsere Ideale wider und verstärkt unsere
Interessen. Der freie Austausch von Ideen ist eine
notwendige Voraussetzung für die Entwicklung
demokratischer Institutionen auf der ganzen Welt.
Unser Finanzierungsantrag für das US-Informationsamt (USIA) wird die umfassende Modernisierung und
Konsolidierung des internationalen Hörfunks gestatten. Auch die Finanzierung der nationalen Stiftung
für Demokratie ist unerläßlich. Ihre Aktivitäten zielen
auf die Stärkung von Institutionen ab, die Pluralismus,
demokratische Regierungsformen, Staatsbürgerkunde, Menschenrechte und Respektierung der Rechtsstaatlichkeit ermutigen.
In diesem Kontext möchte ich betonen, wie hoffnungsvoll wir über die Aussichten eines demokratischen Übergangs in Südafrika sind, wo die nationale
Stiftung für Demokratie die Aufklärung von Wählern,
Konfliktlösung und die Ausbildung politisch Verantwortlicher unterstützt hat. Wir sind erfreut über die
Vereinbarung vom Dienstag, mit der die Beteiligung
der Inkatha an den Wahlen sichergestellt ist. Wir
müssen jetzt zusammenarbeiten, um Südafrika beim
Aufbau neuer demokratischer Institutionen behilflich
zu sein.
Der größte Teil des Haushaltsantrags entfällt auf die
Förderung des Friedens. Über 80 Prozent der Gelder
sind für die Aufrechterhaltung und die Schaffung von

AMERIKA DIENST 16

�Frieden im Nahen Osten vorgesehen. Obwohl
Extremisten den Friedensprozeß sabotieren wollen,
macht dieser Prozeß Fortschritte. Wenn die bilateralen Gespräche hier Anfang Mai wiederaufgenommen
werden, hoffe ich, daß die Parteien zu den harten
Entscheidungen bereit sind, die für Fortschritte im
Friedensprozeß erforderlich sind.
Der beste Weg zum Schutz des Friedensprozesses
und zur Isolierung der Extremisten besteht in der
Veränderung der Gegebenheiten am Boden, so daß
die Menschen in der Region greifbare Verbesserungen für ihr Leben sehen. Die Aktionen von Extremisten - sei es in Hebron oder Afula - sind darauf
ausgerichtet, nicht nur Einzelpersonen zu töten,
sondern den Frieden selbst zu vereiteln. Wir sind
entschlossen, ihnen den Erfolg zu verwehren.
Darüber hinaus haben wir Mittel für die UN-Friedenssicherung beantragt. Wir werden sorgfältig abwägen, wann wir die Friedenssicherungsoperationen
unterstützen und wann wir uns daran beteiligen.
Wenn wir eine solche Entscheidung treffen, stellen
wir harte Fragen über Umfang, Auftrag, Dauer,
Verfügbarkeit von Ressourcen und Höhe des Risikos
einer solchen Mission. Wir erarbeiten rigorose
Kriterien um festzustellen, ob bereits bestehende
Friedenssicherungsoperationen eine neue Bewilligung verdienen.
Wir sehen UN-Friedenssicherung als Instrument,
Krisen zu entschärfen und zu verhindern, daß
Verletzungen des Friedens unsere Interessen
bedrohen und unsere Ressourcen weiter aufzehren.
Wir werden uns stets das Recht vorbehalten, im
Alleingang oder über ein Bündnis wie die NATO zu
handeln.
Wenn eine UNO-Operation unseren
Interessen jedoch am besten dient, wollen wir
sicherstellen, daß sie funktioniert.
UN-Friedenssicherungsmissionen erfüllen wichtige
Ziele zu weit geringeren Kosten als wenn wir alleine
eingegriffen hätten. Weniger als 1.000 der 70.000
weltweit stationierten UN-Friedenstruppen sind
Amerikaner. Die Vereinigten Staaten tragen 30
Prozent der Gesamtkosten, und wir werden alles in
unserer Macht Stehende tun, um diese Zahl bis
1996 auf 25 Prozent zu verringern.
Herr Vorsitzender, die Kosten der UN-Friedenssicherung sind eine Angelegenheit, die dem Kongreß
und der Administration ständig Anlaß zur Sorge
bereitet. Wir arbeiten an der Verbesserung der
Effizienz und Senkung der Kosten. Meines Erachtens müssen wir jedoch unseren Verpflichtungen
im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen
nachkommen und unsere Beiträge entrichten.

AMERIKA DIENST 16

Wir erwarten, daß die Auslagen für Friedenssicherung im Haushaltsjahr 1994 1 Milliarde Dollar übersteigen. Wie Sie wissen, beraten Repräsentantenhaus und Senat am 19. April über das Bewilligungsgesetz des Außenministeriums, mit dem der Haushaltsantrag der Administration für 1994 in Höhe von
670 Millionen Dollar für Friedenssicherung unter
bestimmten Bedingungen bewilligt werden soll. Wir
benötigen Ihre Hilfe bei der Lösung dieses Finanzierung sproblems.
Wir sind entschlossen, Friedenssicherung effektiver
und finanziell transparenter zu machen.
Unser
Argument für Reformen ist stärker, wenn unsere
Rechnungen bezahlt sind - und wird unterminiert,
wenn sie es nicht sind. Wir wollen mit Ihnen und
Ihrem Unterausschuß zusammenarbeiten.
Wir
erbitten Ihren Rat und Ihre Unterstützung bei der
Finanzierung von Friedenssicherung und sonstigen
Maßnahmen.
In dieser Kategorie beantragen wir auch Mittel für
Nichtverbreitung und Abrüstung, einschließlich des
Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung. Dieses
Thema hat größere Relevanz als je zuvor angesichts
der Tatsache, daß Nordkorea seine Verpflichtungen
im Rahmen des Nichtverbreitungsvertrags nicht
einhält.
Schließlich, Herr Vorsitzender, erbitten wir Mittel zur
Unterstützung der Operationen des Außenministeriums sowie für unsere voraussichtlichen Beiträge zu
internationalen Organisationen. Mit diesen Mitteln
werden vor allem unsere Bürger und unsere lebenswichtigen Missionen im Ausland finanziert.
Unsere im auswärtigen Dienst tätigen hochqualifizierten Mitarbeiter üben die harte Arbeit der Diplomatie
an schwierigen und gefährlichen Orten auf dem
ganzen Globus aus. Amerikanische Diplomaten
unterhalten nicht nur Beziehungen zu ausländischen
Regierungen.
Sie schlichten Konflikte, fördern
Exporte, verteidigen Menschenrechte und koordinieren humanitäre Hilfslieferungen.
Wie Sie wissen, Herr Vorsitzender, begann die vorige
Woche mit den heroischen Dienst unserer Menschen
im Kugelhagel von Ruanda. Einige Tages später
kam Barbara Schell, eine mutige und ausgezeichnete
Beamtin im auswärtigen Dienst, bei einem Hubschrauberunglück im Nordirak ums Leben.
Wir können die Arbeit amerikanischer Diplomaten
nicht mit Geld aufwiegen. Aber wir können sagen,
daß ihr Engagement, ihre Urteilskraft und ihr Mut in
hohem Maße zur Stärke Amerikas beitragen.

Seite 3

�Das Außenministerium hat eine dramatische Zunahme seiner globalen Verantwortungsbereiche erlebt
mit über 20 neuen Vertretungen in den neuen
unabhängigen Staaten und andernorts. Wir bewältigen die zunehmende Arbeitsbelastung der Konsulate
und verstärken die Sicherheit an unseren Grenzen.
Das Ministerium muß darüber hinaus den jahrzehntelangen Verschleiß seiner Einrichtungen in Angriff
nehmen und mit der Modernisierung seiner Informations- und Finanzverwaltungssysteme sowie des
Telekommunikationsnetzes beginnen. Wir müssen
unsere veraltete und zunehmend funktionsuntüchtige
Computer-Hardware und Software erneuem. Aus
diesem Grund hat der Präsident eine Aufstockung
unseres Betriebskontos um 30 Millionen Dollar
beantragt. Wenn wir unsere Modernisierungsbestrebungen wieder vertagen, würden wir unsere Fähigkeit zur Verwirklichung der von mir heute erörterten
politischen Ziele aufs Spiel setzen.
Diese Haushaltskategorie enthält auch unseren
Anteil der geschätzten Beiträge an die Vereinten
Nationen und andere internationale Organisationen.
Der Antrag steht im Einklang mit satzungsmäßigen
Einschränkungen und führt unsere Verpflichtung zur
Zahlung der Rückstände fort. Die Vereinten Nationen und andere multilaterale Gremien befassen sich
mit den schwierigsten Problemen unserer Zeit, von
Hungersnöten über Flüchtlinge und ethnische Konflikte bis zum Überleben der Demokratie in Entwicklungsländern.

*

Seite 4

*

Unseres Erachtens müssen die Vereinten Nationen
rigoroser Prioritäten setzen und neue Wege zur
Kosteneinsparung finden. Angesichts der zunehmenden Komplexität der UNO-Operationen sind weitreichende Verbesserungen der Rechenschaftspflicht
erforderlich. Die Vereinten Nationen haben beachtliche Fortschritte erzielt, aber weitere Reformen sind
vonnöten. Eine unserer höchsten Prioritäten bei den
Vereinten Nationen ist die Einrichtung eines völlig
unabhängigen Büros mit den Aufgaben eines Generalinspekteurs.
Herr Vorsitzender, die Haushaltsvoriage für 1995
steht im Einklang mit dem Plan zum Defizitabbau des
Präsidenten. Es ist ein Sparantrag, der in realen
Zahlen gegenüber dem bereits knappen Budget für
1994 nochmals reduziert wurde. Mit diesem Antrag
werden die Bestrebungen zur Kostensenkung der
vergangenen Jahre fortgesetzt. Es ist darüber hinaus
ein Haushalt mit einem einzigen übergeordneten
Auftrag: Investitionen in die Sicherheit und den
Wohlstand der Vereinigten Staaten.
Die kontinuierliche Unterstützung Ihres Unterausschusses ist entscheidend für den Erfolg unserer
Bestrebungen. Sie haben mein Versprechen, daß wir
mit Ihnen allen bei den von mir dargelegten gemeinsam festgesetzten Prioritäten und Zielsetzungen
zusammenarbeiten werden.

*

*

AMERIKA DIENST 16

�BOSNIEN
27. April 1994

BOSNISCHES VERHALTEN ERFORDERT
ENTSCHLOSSENE, SACHLICHE REAKTION
Rede von Thomas Weston
WASHINGTON - (AD) - Der Referatsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten, Thomas G.
Weston, hielt am 21. April 1994 folgende Rede vor dem European Council of American Chambers of
Commerce.
Meine Damen und Herren, es ist mir eine Ehre und
ein Vergnügen, diese bedeutende Konferenz des
European Council of American Chambers of Commerce eröffnen zu dürfen. Außenminister Christopher und Abteilungsleiter Oxman haben mich gebeten, Ihnen ihr Bedauern zu übermitteln, daß sie
heute morgen nicht anwesend sein können. Im
Augenblick bereitet sich der Außenminister auf die
Anhörung zur Krise in Bosnien vor dem Kongreß
vor. Ich glaube, wir können den Worten des Ministers Glauben schenken, daß er sehr viel lieber hier
bei Ihnen gewesen wäre.
Bei der Vorbereitung meiner Rede für dieses Publikum erinnerte ich mich an eine Feststellung von
Dorothy Neviil, der bekannten Schriftstellerin des 19.
Jahrhunderts. "Die Geschäftswelt", so Neviil, "hat
verbaler Brillanz und Witz stets mißtraut, weil sie
solche Qualitäten - vielleicht zu Recht - als frivol und
unrentabel erachtet." Ich habe mein Bestes getan,
diesen Rat zu befolgen.
Ich möchte für Sie zwei Erfolgsgeschichten in
unseren Beziehungen zu Europa seit der Amtsübernahme dieser Administration analysieren. Die eine
betrifft die Wirtschaft: Der erfolgreiche Abschluß der
Uruguay-Runde des GATT zusammen mit unseren
Bestrebungen zur Integration der Länder Mittel- und
Osteuropas in den Westen. Die andere ist strategischer Art: Die Wiederbelebung unserer Sicherheitsinstitutionen, insbesondere der NATO.
Diese Leistungen werden verständlicherweise
gelegentlich von der andauernden Tragödie im
ehemaligen Jugoslawien überschattet. Ich möchte
Sie auch zu diesem schwierigen Problem auf den
neuesten Stand bringen.
Erstens muß ich jedoch ein Gerücht entkräften, das
von Zeit zu Zeit in den Leitartikeln auftaucht:

AMERIKA DIENST 16

Europa sei für den Wohlstand und die Sicherheit der
Vereinigten Staaten nicht länger von Bedeutung.
Nichts ist weniger zutreffend.
Ja, diese Administration ist sich bewußt, daß mit dem
Ende des Kalten Krieges neue außenpolitische
Ansätze erforderlich sind. Wir sind uns jedoch auch
darüber im klaren, daß Europa weiterhin sehr wohl
integraler Bestandteil unseres außenpolitischen
Bildes ist.
In einer Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats legte Außenminister Christopher im vergangenen Jahr die sechs strategischen Prioritäten
der Vereinigten Staaten dar. Die ersten drei Prioritäten - Förderung weltweiten Wachstums, Erweiterung
von Demokratie und Reformen in der ehemaligen
Sowjetunion sowie die Stärkung unserer sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Verbindungen zu
Europa - konzentrieren sich direkt auf Europa. Zwei
der verbleibenden drei - Frieden im Nahen Osten und
die Inangriffnahme globaler Probleme wie Umwelt,
Überbevölkerung und nukleare Weiterverbreitung können nur durch eine aktive amerikanisch-europäische Partnerschaft erfüllt werden.
Während die Amerikaner das Banner der Wirtschaft
in Europa hochhalten, wissen Sie besser als die
meisten, wie wichtig Europa für unser wirtschaftliches
Wohlergehen ist. Tatsache ist, daß Europa nach wie
vor unser bedeutendster Handelspartner ist, wenn wir
uns das Exportvolumen, Investitionen, Gewinne und
die Handelsbilanz insgesamt ansehen. Diese Administration tut alles in ihrer Macht Stehende, um diese
Wirtschaftsbeziehungen zu pflegen und zu erweitern.
Aus diesem Grund hat Außenminister Christopher die
Einrichtung einer "Amerika-Abteilung" im Außenministerium zu einem seiner ersten Tagesordnungspunkte gemacht. Handel und die Erfordernisse der

Seite 1

�Geschäftswelt im Ausland sind für diese Administration oberste Prioritäten. Dem Beispiel des Außenministers folgend haben die amerikanischen Botschaften begonnen, bei der Förderung unserer
Wirtschaftsinteressen weltweit eine aggressivere
Rolle zu spielen. Unsere Diplomaten werden ausgebildet, nicht nur unsere Werte, sondern auch unsere
Produkte zu fördern und nicht nur zum Schutz
unserer Sicherheit, sondern auch unseres geistigen
Eigentums beizutragen. Angesichts des Umfangs
unserer bestehenden Beziehungen ist eine AmerikaAbteilung nirgends wichtiger als in Europa.
Dem Beispiel des Außenministers folgend haben wir
jeden Botschafter in der Europa- und KanadaAbteilung angewiesen, die Unterstützung amerikanischer Unternehmen zur obersten Priorität zu erklären. Ich freue mich berichten zu können, daß
unsere Bestrebungen Früchte zu tragen beginnen.
Ich bin heute hier, um mir alle Vorschläge anzuhören, die Sie zu unterbreiten haben. Ich weiß, daß es
in der US-Regierung viel Papierkrieg gibt und
Europa mit seinen eigenen bürokratischen Problemen zu kämpfen hat. Ich will nicht versprechen, daß
wir alle unsere Probleme lösen können. Aber ich
kann die gesamte Abteilung dazu verpflichten, Ihnen
behilflich zu sein. Mit anderen Worten, wir sind Ihre
Vertreter in den Hauptstädten Europas.
Dies gilt auch für die Handelsabteilung im Wirtschaftsministerium unter Ron Brown und für das USInformationsamt (USIA), die wir auffordern, eine
beispiellose Rolle zu übernehmen - etwas, das sie
während des Kalten Krieges nie getan haben - um
den Unternehmen zur Seite zu stehen. Projekte
zum Abbau der bürokratischen Schranken zwischen
dem Außenministerium, dem Wirtschaftsministerium
und USIA wurden in unseren Vertretungen in
Deutschland und Frankreich in die Wege geleitet,
und dies wird in Kürze in der Schweiz, Österreich
und andernorts der Fall sein. Einige unserer Botschafter, darunter die in Ungarn, Belgien, Deutschland, Polen, der Schweiz, den Niederlanden, Dänemark und anderen Missionen kommen aus der
Wirtschaft. Ich weiß, daß sie Ihren Sorgen gegenüber besonders aufgeschlossen sind.

Mit anderen Worten, ich möchte Ihnen versichern,
daß Sie - auf ausdrückliche Anweisung des Präsidenten und des Außenministers - auf lange Sicht
unsere oberste Priorität sind. Wir wissen, daß unsere
nationale Sicherheit sich auf unsere wirtschaftliche
Stärke gründet. Ihr Erfolg ist unser Erfolg.
Partnerschaften für Wohlstand
Während wir unsere Geschäftsbeziehungen vertiefen,
müssen wir uns natürlich offen dem Wettbewerbscharakter dieser Beziehungen stellen, insbesondere
im Bereich des Handels. Unsere lang andauernden
Verhandlungen mit der Europäischen Union im
Rahmen der Uruguay-Runde des GATT zeigen, wie
leicht die besten Freunde sich in Handelsbeziehungen schwierigen Zeiten ausgesetzt sehen. Ich weiß,
daß viele der hier Anwesenden diese Achterbahnfahrt
ebenso wie ich durchgemacht haben.
Letztlich wurden die Vereinigten Staaten und die EU
jedoch ihrer Verantwortung gerecht. Das GATTAbkommen wird die Globalisierung der Weltwirtschaft
beschleunigen sowie mehr Länder und Regionen in
ein offenes Handelssystem einbeziehen. Dies wird
zu größerem Wirtschaftswachstum und mehr Arbeitsplätzen auf beiden Seiten des Atlantiks führen. Die
zur Erlangung eines Abkommens erforderliche
Aufhebung von Handelsschranken wurde von den
Vereinigten Staaten und der Europäischen Union
vorgenommen. Dies war ein anschaulicher Beweis
für unseren gemeinsamen Glauben an die Vorteile
freieren Handels.
Wir müssen jetzt einige Bereiche ansprechen, in
denen die Vereinigten Staaten und Europa Meinungsverschiedenheiten haben könnten, wie etwa den
audiovisuellen Sektor, Stahl und Subventionen für
den Flugzeugbau. Und wir müssen die sogenannten
Probleme der nächsten Generation in Angriff nehmen, wie beispielsweise Handel und die Umwelt
sowie Handel und Arbeitsnormen. Wir müssen
weiterhin auf das GATT aufbauen, um ein offenes
Handelssystem zu gewährleisten und unseren
eigenen Wohlstand zu mehren.
Integration Mittel- und Osteuropas

Darüber hinaus haben wir begonnen, unsere Konsularbeamten in ausgewählten Botschaften wie
beispielsweise Frankreich, Deutschland und der
Schweiz, denen weitere folgen werden, in Wirtschaftsangelegenheiten auszubilden. Ich hoffe, daß
wir bis Ende dieses Jahres wirklich in der Lage sein
werden zu sagen, alle unsere Konsularbeamten sind
auch Wirtschaftsfachleute - die Visa beschleunigt
bearbeiten, Geschäftsanfragen an die zuständigen
Stellen in der US-Regierung weiterleiten und Unternehmenschancen ausmachen können.

Seite 2

Die Clinton-Administration ist sich ferner der einzigartigen historischen Chance bewußt, die sich aus
dem Fall der Berliner Mauer ergeben hat. In Mittelund Osteuropa gibt es 135 Millionen Verbraucher und
weitere 285 Millionen in der ehemaligen Sowjetunion.
Die aktive Förderung ihrer Volkswirtschaften wird
letztlich auch ihnen helfen und unseren eigenen
Wohlstand durch die Öffnung riesiger Märkte für
unsere Waren und Dienstleistungen sicherstellen.

AMERIKA DIENST 16

�Wie meine Freunde und Kollegen aus der Region
eloquent - und zu Recht - argumentieren, besteht
eine grundlegende Aufgabe für den Westen im
weiter verbesserten Zugang zu unseren Märkten.
Schließlich können wir kaum mit der einen Hand
diese Nationen zum Beitritt zur demokratischen
Staatengemeinschaft auffordern, während wir sie
gleichzeitig mit der anderen von einigen unserer
Märkte ausschließen. Abgesehen von Fairness ist
dies ein praktisches Gebot. Um Außenminister
Christopher zu zitieren: "Die mittel- und osteuropäischen Nationen, die den schwierigen Übergang zu
freier Marktwirtschaft und Demokratie vollziehen,
müssen ihren Völkern greifbare Vorteile bieten
können. Ihre Bürger müssen wissen, daß Opfer
durch die Handelspolitik der führenden Industrienationen belohnt werden. Unser Engagement für die
neuen Demokratien des Ostens wird an dem Marktzugang gemessen, den wir im Westen gewähren."
Gleichzeitig kann nur der uneingeschränkte Übergang zu prosperierenden freien Marktwirtschaften für
Ost- und Mitteleuropa eine vielversprechende
Zukunft als Handelspartner sicherstellen. Dies wird
Hunderte Milliarden von Dollar erfordern. Ich verrate
kaum ein Staatsgeheimnis, wenn ich Ihnen sage,
daß der Großteil dieser Gelder angesichts der
Haushaltsengpässe für offizielle Gläubiger und
Geber im Westen aus dem Privatsektor kommen
muß. Es ist, wie es sein sollte: Schließlich besteht
das Ziel in der Konsolidierung wirtschaftlich unabhängiger freier Marktwirtschaften, nicht Abhängigkeiten. Letztlich muß Handel Hilfe ersetzen. Dies ist
der erfolgreiche Weg, um nicht nur amerikanische
Unternehmen in Europa zu stärken, sondern auch
um Demokratie in den ehemals kommunistischen
Staaten zu verankern.
Mit diesem Argument möchte ich jedoch nicht die
Bedeutung unserer offiziellen Hilfe herunterspielen.
Seit 1989 haben wir den Ländern Mittel- und Osteuropas mehr als 8 Milliarden Dollar an finanzieller
und technischer Hilfe sowie Schuldenerlaß gewährt.
Diese Gelder sind gut angelegt: Eine heute getätigte, relativ geringe Investition wird für die Vereinigten
Staaten und Europa große Dividenden in Form von
Sicherheit und Wohlstand bringen.
Letztlich muß jedoch das Wirtschaftswachstum im
Osten mit Privatkapital angekurbelt werden. Seit
dem Zusammenbruch des Kommunismus wurden
nicht unwesentliche Privatinvestitionen - in Höhe von
ungefähr 11 Milliarden Dollar - getätigt, die jedoch
längst nicht der gesamten Leistungsfähigkeit entsprechen und nur einen Bruchteil der benötigten
Menge darstellen. Wie viele von Ihnen aus eigener
Erfahrung wissen, sind Privatinvestitionen mit einem
Bach, nicht mit einer Flut zu vergleichen - teilweise

AMERIKA DIENST 16

aufgrund von Investitionshemmnissen. Während wir
uns um die Bereitstellung eines größeren Zugangs
zum westlichen Markt bemühen, müssen wir folglich
auch die Verbesserung des Investitionsklimas im
Osten anstreben.
Aus diesem Grund hat der Präsident Anfang dieses
Jahres in Prag mehrere substantielle Maßnahmen
angekündigt, um unsere fortgesetzte Unterstützung
marktwirtschaftlicher Reformen zu demonstrieren.
Am wichtigsten ist wohl, daß wir für diesen Herbst in
Washington eine größere Konferenz über Handel und
Investitionen in Mittel- und Osteuropa anberaumt
haben. Diese Konferenz sowie eine Reihe daraus
resultierender Aktivitäten werden darauf abzielen, die
in Mittel- und Osteuropa lebenden Menschen an
konstruktiven Bestrebungen zum Abbau der Hindernisse für Privatinvestitionen zu beteiligen.
Diejenigen von Ihnen, die in Mittel- und Osteuropa
Geschäfte tätigen, stehen an erster Stelle bei den
Bemühungen um eine Integration der mittel- und
osteuropäischen Staaten in den Westen. Dies ist
eine bedeutende Arbeit. Sie ist wichtig, weil die
Vereinigten Staaten aus Wohlstand in Mittel- und
Osteuropa wirtschaftliche Vorteile ziehen. Sie ist von
Bedeutung, weil die Konsolidierung der Demokratie
im Osten unsere Sicherheit erhöht. Schließlich
haben die Ereignisse des 20. Jahrhunderts gezeigt,
daß Buschfeuer in Europa, insbesondere in Osteuropa, sich in verheerende Feuersbrünste verwandeln können, die uns in materieller und menschlicher Hinsicht verbrennen. Und schließlich ist diese
Arbeit wichtig, weil die Förderung der Entwicklung
Osteuropas der richtige Weg ist. Die Vereinigten
Staaten haben diese Länder aufgefordert, sich der
Fesseln des Kommunismus zu entledigen. Nachdem
das geschehen ist, haben wir jetzt die Verpflichtung,
gemeinsam mit ihnen sicherzustellen, daß sie den
Lohn der Freiheit genießen können.
Eine Partnerschaft für Sicherheit
Handel und Investitionen stellen die eine Säule
unserer besonderen Beziehungen zu Europa dar,
Sicherheit die andere. Den Vereinigten Staaten ist in
Europa durch eine aktive Präventionspolitik eher
gedient als durch eine reaktive Politik der Unaufmerksamkeit. Mit anderen Worten - es ist letztlich
einfacher und kostengünstiger, Frieden zu sichern als
wiederherzustellen.
Unser Erfolg im Kalten Krieg ist auf diese Präventionspolitik zurückzuführen. Nachdem sich jetzt der
durch den Fall der Berliner Mauer aufgewirbelte
Staub gelegt hat, befinden wir uns nicht - wie mache
hofften - am Ende der Geschichte, sondern vielmehr
am Beginn eines neuen Zeitalters, das von uns ein

Seite 3

�erneutes Überdenken unserer Sicherheitsbeziehungen erfordert, angefangen mit der NATO.
Heute steht eine Vielzahl von Problemen, die während des Kalten Krieges schwelten, kurz vor dem
Siedepunkt - Probleme, für deren Lösung die NATO
nicht geschaffen ist. Ethnische und regionale Konflikte, die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, die Unterbrechung des Flusses lebenswichtiger Ressourcen, die Zerstörung der Umwelt,
Terrorismus - dies sind die größten Bedrohungen
unserer Sicherheit.
Trotz dieser neuen Herausforderungen sollte die
NATO die Grundlage unserer Partnerschaft sowie
der Sicherheit und Stabilität in Europa bleiben. Die
vor uns liegende elementare Aufgabe besteht darin,
die NATO an die veränderten Zeiten anzupassen,
sie stärker auf Krisenmanagement und Friedenssicherung zu konzentrieren und gleichzeitig ihre
Hauptfuhktion - die Verteidigung des NATO-Territoriums gegen Angriffe - beizubehalten.
Beim NATO-Gipfel im Januar trug die Führung
Präsident Clintons dazu bei, der NATO die für eine
Neudefinition ihrer Aufgaben erforderlichen Instrumente an die Hand zu geben. Wir trafen auch zwei
historische Entscheidungen zur Förderung der
Umgestaltung der NATO. Erstens hat die NATO
deutlich gemacht, daß sie die Erweiterung des
Bündnisses als Teil eines evolutionären Prozesses
begrüßt und erwartet. Zweitens ermutigte sie ihre
ehemaligen Warschauer Pakt-Gegner und andere
Staaten, unverzüglich einer Partnerschaft für den
Frieden beizutreten, um somit den praktischen
Prozeß der Erweiterung von Sicherheit in Europa zu
beginnen.
Die Partnerschaft wird den Unterzeichnerstaaten die
Möglichkeit zur Beteiligung an realer, praktischer
militärischer und verteidigungspolitischer Zusammenarbeit mit der NATO und untereinander geben sowie
die Fähigkeit zur Übernahme der aus einer NATOMitgliedschaft resultierenden Verantwortung. Sie
wird auch zur Schaffung eines wirklich integrierten
Europa beitragen, ohne neue, einige Länder ausschließende Grenzen zu ziehen und ohne die
Fähigkeiten der NATO zu schwächen oder ihre
derzeitige Aufgabe zu beeinträchtigen.
Obwohl die Teilnahme an der Partnerschaft keine
Garantie für eine NATO-Mitgliedschaft darstellt, ist
sie der beste Weg dorthin. Sie trägt dazu bei sicherzustellen, daß im Fall einer Erweiterung der NATO
ihre neuen Mitglieder den die Grundlage der NATO
bildenden politischen Grundsätzen verpflichtet und
zur Übernahme der aus der Mitgliedschaft resultierenden Pflichten bereit sind.

Seite 4

Bosnien
Von allen vor uns liegenden Herausforderungen ist
die Verhinderung oder Entschärfung ethnischer und
regionaler Konflikte vielleicht die greifbarste und
erschreckendste. Dies ist nirgends deutlicher als im
ehenaligen Jugoslawien.
Um die dortige Krise in die richtige Perspektive zu
rücken, müssen wir uns meines Erachtens zwei
Dinge vor Augen halten, die ich nicht als Entschuldigungen, sondern als einfache Tatsachen anführe.
Erstens wurde vor einigen Jahren von manchen die
Ansicht vertreten, daß sich Jugoslawien auf friedliche
Weise auflösen und eine gutes Modell für den Zerfall
der ehemaligen Sowjetunion bieten würde. Hinterher
ist man meistens klüger als vorher. Zweitens hätte
die Krise zu keinem ungüstigeren Zeitpunkt entstehen
können, denn sie ereignete sich zu bald nach dem
Ende des Kalten Krieges, um dem Westen eine
Anpassung seiner Sicherheitsinstitutionen an die
neuen Gegebenheiten zu gestatten.
Allgemein bleibt jedoch die traurige Wahrheit bestehen, daß es angesichts des fehlenden Friedenswillens unter den Kombattanten sehr schwierig, wenn
nicht unmöglich ist, einen derartigen Krieg zu beenden. Selbst die massive Entsendung von Truppen
und Ressourcen würde wohl nicht ausreichen. Im
Fall des ehemaligen Jugoslawien gab es keinen
Konsens über eine Intervention dieser Größenordnung, sei es unter den Verbündeten oder innerhalb
der Vereinigten Staaten.
Ungeachtet dieser Faktoren haben die Vereinigten
Staaten im ehemaligen Jugoslawien etwas bewirkt:
Wir haben durch den Abwurf humanitärer
Güter - der längsten Luftbrücke in der Geschichte - und die Bereitstellung von Lebensmitteln, Brennstoff, Medikamenten und anderen
Versorgungsgütem das Leiden des bosnischen
Volkes gemildert.
Im Rahmen der Vereinten Nationen haben wir
ein strenges und erfolgreiches Sanktionsregime gegen Serbien verhängt.
Wir haben uns durch die Einrichtung eines UNKriegsverbrechertribunals bemüht, diejenigen
vor Gericht zu bringen, die für das Abschlachten Unschuldiger verantwortlich sind.
Wir haben die Ausweitung des Konflikts verhindert, indem wir im Kosovo eine Grenze markierten und Bodentruppen nach Makedonien
entsandten.

AMERIKA DIENST 16

�In Abstimmung mit unseren Verbündeten werden wir
auf einem Waffenstillstand sowie dem Rückzug der
serbischen Streitkräfte aus der Schutzzone bestehen.
Um den Druck auf eine Beendigung ihrer militärischen Aggression und die Rückkehr an den Verhandlungstisch zu verstärken, werden wir die Serben auch
zum Abzug ihrer schweren Waffen aus anderen
Schutzzonen auffordern oder andernfalls mit NATOLuftangriffen drohen.

Im Rahmen der NATO setzten wir eine Flugverbotszone über Bosnien sowie Luftunterstützung für die UN-Friedenstruppen durch.
Durch das NATO-Ultimatum vom 9. Februar
werden die Granatenangriffe auf Sarajevo auch in Zukunft - verhindert.
Wir verstärkten das diplomatische Engagement der Vereinigten Staaten, was zum
Abkommen zwischen Bosnien und Kroatien
über eine Föderation führte, das am 18. März
1994 im Weißen Haus unterzeichnet wurde.
Die neuen Beziehungen zwischen Sarajevo
und Zagreb, an deren Gestaltung wir beteiligt
waren, verändern das strategische Gleichgewicht in der Region auf eine Weise, die eine
Lösung erleichtern und zu größerer Stabilität
führen kann.

Die Vereinigten Staaten haben in Bosnien bedeutende strategische und humanitäre Interessen. Diese
Interessen rechtfertigen eine aktive amerikanische
Führungsrolle bei der Erarbeitung einer politischen
Lösung des Konflikts und einer Erleichterung des
menschlichen Leidens unter der bosnischen Bevölkerung.

Wir alle sind empört über den unmenschlichen
Angriff der bosnischen Serben auf die UN-Schutzzone Gorazde. Die Serben haben erneut ihre völlige
Mißachtung der internationalen Staatengemeinschaft
und ihre mangelnde Bereitschaft zur Zusammenarbeit an einer Friedenslösung unter Beweis gestellt.
Dieses jüngste Verhalten der Serben erfordert eine
entschlossene, aber sachliche Antwort.
Diese
Reaktion muß die Integrität der von der UNO errichteten Schutzzonen bewahren und sicherstellen, daß
sich die Ereignisse von Gorazde nicht wiederholen.

*

AMERIKA DIENST 16

*

Abschließend möchte ich Ihnen allen für die von
Ihnen geleistete Arbeit bei der Gestaltung einer
harmonischeren Welt danken. Ich weiß, daß Wirtschaft die Menschen einander näher bringt, anstatt
sie auseinanderzureißen. Durch die Förderung der
Wirtschaftsverbindungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa weben Sie ein starkes Netz der
Interdependenz zwischen den Völkern. In einer
zunehmend auseinanderbrechenden Welt ist diese
Arbeit unabdingbar.
Ich danke Ihnen.

*

*

Sefteö

�MENSCHENRECHTE
27. April 1994

DEMOKRATIE UND MENSCHENRECHTE SIND
SCHLÜSSELELEMENTE DER AMERIKANISCHEN
AUSSENPOLITIK
Anhörung Shattucks vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration strebt die "Einbeziehung von Menschenrechten und
Demokratie in den außenpolitischen EntScheidungsprozeß" an, stellte der Abteilungsleiter für Menschenrechte
und humanitäre Angelegenheiten im Außenministerium, John Shattuck, fest.
Bei einer Anhörung vor dem Bewilligungsunterausschu ß des Senats erläuterte Shattuck am 19. April 1994 neun
Wege, um dies durchzuführen, darunter die Verbindung von Handel und Wirtschaftsbeziehungen mit
Menschenrechten, die Integration der Rechte von Frauen in alle Aspekte der Menschenrechtspolitik, der Aufbau
neuer juristischer und neuer multilateraler Institutionen, die Verbesserung der Menschenrechtsmaschinerie der
Vereinten Nationen sowie die Vertiefung der Beziehungen zu nichtstaatlichen Organisationen, die in zahlreichen
Ländern auf die Förderung von Demokratie und Menschenrechten hinarbeiten.
Shattuck zufolge kann die Administration amerikanische Hilfsleistungen aussetzen und sieht sich gelegentlich
rechtlich dazu gezwungen, "um unsere Mißbilligung der Menschenrechtsverletzungen oder der Störung von
Demokratie zum Ausdruck zu bringen".
Shattuck fügte hinzu, die Vereinigten Staaten versuchten, Menschenrechte selbst in den Ländern zu fördern,
zu denen sie keine diplomatischen Beziehungen unterhalten.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge der Ausführungen Shattucks.

Wie lauten unsere strategischen Ziele für Demokratie
und die Menschenrechtspolitik der Vereinigten
Staaten? Was haben wir geleistet, und was versuchen wir zu tun?
Wir streben die Einbeziehung von Menschenrechten
und Demokratie in den außenpolitischen Entscheidungsprozeß an.
Erstens arbeiten wir mit anderen Ländern beim
Aufbau neuer juristischer Institutionen zusammen,
die Menschenrechtsverletzer zur Verantwortung
ziehen. Wir haben beispielsweise die Bestrebungen
zur Gründung eines Kriegsverbrechertribunals der
Vereinten Nationen für das ehemalige Jugoslawien
angeführt, wir waren an der Einrichtung und Verwirklichung einer Wahrheitsfindungskommission in El
Salvador beteiligt, und wir arbeiten mit anderen bei
der möglichen Gründung einer ähnlichen Institution
in Guatemala zusammen. In zahlreichen Ländern
finanzieren wir Justizverwaltungsprogramme.

AMERIKA DIENST 16

Zweitens verbinden wir Handel und Wirtschaftsbeziehungen mit Menschenrechten, einschließlich der
Bindung von Hilfe und Handel an Menschenrechtsverbesserungen - sozusagen wie Zuckerbrot und
Peitsche. Das Junktim zwischen Menschenrechten
und Handel ist nicht zufällig. Der Schutz von Menschenrechten ist unabdingbar für die Stabilität unserer Handelsbeziehungen und wirtschaftlichen Investitionen. Offene Gesellschaften sind bessere und
stabilere Handelspartner, weil sie im allgemeinen
Abkommen eher einhalten und zuverlässige Rechtssysteme haben. Im Gegensatz dazu fördern repressive Regime langfristig Instabilität und setzen
Investitionen einem hohen Risiko der Enteignung
oder des Verlusts aus.
Drittens gründet sich die Außenpolitik dieser Administration auf die Erkenntnis, daß wirtschaftliche
Entwicklung, politische Entwicklung, der Schutz von
Menschenrechten und der Schutz der Demokratie als
integriertes Ganzes gesehen werden und gesehen
werden müssen. Menschenrechte und Demokratie

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�bilden eine der drei außenpolitischen Säulen der
Clinton-Administration, zusammen mit der Aufrechterhaltung unserer nationalen Sicherheit und der
Förderung von wirtschaftlichem Wohlstand. Unsere
Position der Verbindung von Menschenrechten,
Demokratie und Entwicklung behauptete sich bei der
Weltkonferenz über Menschenrechte in Wien im Juni
vergangenen Jahres gegen Einwände derjenigen,
die politische Entwicklung und Menschenrechte der
wirtschaftlichen Entwicklung unterordnen wollten.
Eine neue interministerielle Arbeitsgruppe für Demokratie und Menschenrechtspolitik, deren Vorsitz ich
übernehmen werde, wird unsere Arbeit ebenso wie
die Reorganisation und Erweiterung des Büros als
neues Büro für Demokratie, Menschenrechte und
Arbeitsfragen auf das Wesentliche konzentrieren und
sie besser koordinieren. Durch den interministeriellen Prozeß nehmen wir jetzt eine Bestandsaufnahme
der Demokratieprogramme der US-Regierung vor
und erarbeiten Demokratie- und Menschenrechtsstrategien, um den aufstrebenden oder im Übergang
befindlichen Demokratien behilflich zu sein.
Viertens arbeiten wir am Aufbau neuer multilateraler
Institutionen, um rassische, ethnische und religiöse
Konflikte anzusprechen - Institutionen, die zur
Entschärfung von Konflikten beitragen, bevor sie zu
gravierenden Menschenrechtsverletzungen führen.
Angesichts der zahlreichen Konflikte, von denen die
Welt heute heimgesucht wird, liegt noch ein weiter
Weg vor uns. Neben den Vereinten Nationen bieten
Organisationen wie die Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa ein vielversprechendes Modell für Konfliktlösungen, insbesondere in
Anbetracht der jüngsten, im Stillen erzielten Erfolge
der KSZE im Baltikum.
Fünftens integrieren wir zum ersten Mal die Rechte
von Frauen in alle Aspekte unserer Menschenrechtspolitik. In den vergangenen Monaten haben wir
Kinderhandel und -Prostitution in Thailand in den
Brennpunkt gerückt. Wir haben veranlaßt, daß
systematische Vergewaltigung als Instrument der
sogenannten ethnischen Säuberung im Rahmen der
Genozid-Konvention als Völkermord definiert werden
kann. Wir haben die Ratifizierung der Konvention
über die Abschaffung aller Formen der Diskriminierung von Frauen unterstützt. Wir haben zur Einrichtung eines Sonderberichterstatters der Vereinten
Nationen für Gewalt gegen Frauen beigetragen und
Frauenfragen umfassend in unsere Menschenrechtsberichte der jeweiligen Länder einbezogen.
Sechstens arbeiten wir auf die Einhaltung der
internationalen Verpflichtungen zu Menschenrechten
der Vereinigten Staaten hin, indem wir auf die
Verabschiedung eines Durchführungsgesetzes für
die Konvention über Folter drängen. Wir haben

Seite 2

ferner auf die Ratifizierung von zwei weiteren wichtigen Verträgen gedrängt - die Konvention über
rassische Diskriminierung und die Konvention über
Frauen. Darüber hinaus haben wir eine beschleunigte Überarbeitung der Rechte der Konvention über
Kinder und der amerikanischen Konvention über
Menschenrechte in die Wege geleitet. Wir werden
unsere Aufmerksamkeit in Kürze auf die internationale Konvention über wirtschaftliche, soziale und
kulturelle Rechte lenken. Konkret am wichtigsten ist
vielleicht, daß wir eine führende Rolle bei den Bestrebungen zur Erarbeitung eines internationalen Moratoriums für den Export von Landminen im Einklang mit
einer kürzlich verabschiedeten Resolution der UNGeneralversammlung und zur Einrichtung ständiger
internationaler Kontrollmechanismen übernommen
haben, um dieses verheerende globale Problem in
Angriff zu nehmen.
Siebtens arbeiten wir auf die Verbesserung der
Menschenrechtsmaschinerie der Vereinten Nationen
hin. Wir leiteten die Bestrebungen in der UN-Generalversammlung zur Einrichtung eines Hohen Kommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen
und des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige
Jugoslawien. Wir wollen mehr Ressourcen für
Aktivitäten des Menschenrechtszentrums der Vereinten Nationen einschließlich Beraterdiensten, des
Systems eines Sonderberichterstatters und des
Fonds für die Opfer von Folter freisetzen und arbeiten
mit anderen Ländern an der Modernisierung und
Verbesserung der Funktionsweise der UN-Menschenrechtskommission zusammen.
Achtens vertiefen wir unsere Beziehungen zu nichtstaatlichen Organisationen, die in zahlreichen Ländern auf die Förderung von Demokratie und Menschenrechten hinarbeiten.
Das Entstehen von
nichtstaatlichen Organisationen auf der ganzen Welt
ist eine der eindrucksvollsten und aufregendsten
Entwicklungen der Zeit nach dem Kalten Krieg. Wir
werden es uns gemeinsam mit den nichtstaatlichen
Organisationen zum Anliegen machen, Mißbrauch
aufzudecken, ihnen bei ihrer Arbeit behilflich sein und
- wo wir können - zusammen mit Basisgruppen,
Gewerkschaften, religiösen Organisationen und den
anderen sich abzeichnenden Elementen neuer
pluralistischer bürgerlicher Gesellschaften mit ihnen
zu arbeiten.
Schließlich verbessern wir die Konzentration und
Koordination unserer Programme zur Förderung von
Demokratie und Menschenrechten im Ausland. Die
interministerielle Arbeitsgruppe wird als wichtiger Ort
für den Austausch von Informationen über Programmpläne, die Beantragung amerikanischer staatlicher
Ressourcen für höchste Effizienz und die besten

AMERIKA DIENST 16

�Auswirkungen sowie zur Verhinderung von Überschneidungen dienen.
Dank der spezifischen Instrumente, mit denen wir
unsere Mißbilligung von Menschenrechtsverletzungen oder der Störung von Demokratie signalisieren
können, werden wir in extremen Fällen amerikanische Hilfsleistungen aussetzen - und sehen uns
gelegentlich rechtlich dazu gezwungen - um unsere
Mißbilligung der Menschenrechtsverletzungen oder
der Störung von Demokratie zum Ausdruck zu
bringen.
Die amerikanische Hilfe für Guatemala wurde beispielsweise unverzüglich unterbrochen, als die
demokratische Verfassung des Landes im vergangenen Jahr vom damaligen Präsidenten Serrano
aufgehoben wurde. Die Hilfe für Nigeria wurde im
Sommer letzten Jahres ausgesetzt, als die Militärregierung die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl für
ungültig erklärte.
Gelegentlich erachten wir es als effektiver, Hilfe an
spezifische Schritte zur Verbesserung der Situation
zu binden.
So ist die Hilfe für Peru an Verbesserungen des
Rechtssystems bei der Lösung gravierender Fälle
von Menschenrechtsverletzungen und die Rückkehr
zu einer konstitutionellen Regierung gebunden.
In Nicaragua wurde die amerikanische Hilfe teilweise
an wesentliche und greifbare Fortschritte im Menschenrechtsbereich durch die Umsetzung einer
Empfehlung der von der OAS geförderten trilateralen
Kommission gebunden.
Hilfe für El Salvador ist abhängig von Fortschritten
bei der Befolgung der von den Ad-hoc- und Wahrheitsfindungsausschüssen abgegebenen Empfehlungen, der Einhaltung von Bestimmungen der Friedensvereinbarungen, einem ungestörten Wahlprozeß
sowie anderen Reformen und wurde zur Finanzierung spezifischer, im Zusammenhang mit den
Menschenrechten stehender Schritte eingesetzt, zum
Beispiel der gemeinsamen Untersuchungsgruppe zur
Ermittlung politischer Morde.
In einem ganz anderen Teil der Welt - Tadschikistan
- ist unsere Unterstützung an den Fortschritt demokratischer Reformen und eine stärkere Achtung der
Menschenrechte gebunden.
Wir machen es uns nicht leicht, Hilfe an Bedingungen zu knüpfen. Menschenrechtsverletzungen geschehen nicht in einem Vakuum, und andere treibende Kräfte unserer bilateralen Beziehungen müssen
sorgfältig erwogen werden, bevor wir Strafmaßnah-

AMERIKA DIENST 16

men wie die Aussetzung unserer Hilfe ergreifen.
Bisweilen ist Hilfe dringend erforderlich und wir
müssen nach anderen Mitteln suchen, mit denen wir
unser Engagement für Demokratie und Menschenrechte ausdrücken und fördern können.
Das Menschenrechtsbüro prüft beispielsweise Lizenzanträge für Munitionskäufe und erteilt Ratschläge. In
Indonesien entwickelten wir vor kurzem aufgrund
unserer Besorgnis wegen den Aktionen der Regierung in Osttimor und ihrer Untätigkeit bei der Lösung
der aus dem Dili-Massaker von 1991 herrührenden
Fragen Maßnahmen, um den Verkauf von Handfeuerwaffen an Sicherheitskräfte zu verbieten.
Das Büro prüft und berät auch bei Ersuchen um
Exportlizenzen für Instumente und Gerät zur Verbrechenskontrolle und -ermittlung. Als Reaktion auf den
Militärputsch und die Verschlechterung der Menschenrechtslage in Nigeria haben wir uns gegen
einen Export von Gaspistolen und Tränengas in
dieses Land ausgesprochen. Ferner empfehlen wir
keinen Export von Schrotflinten und anderen Gegenständen zur Verbrechenskontrolle nach Südafrika.
Im Hinblick auf Tunesien warnten wir vor dem Verkauf von Maschinengewehrmunition an Mitglieder der
Sicherheitsdienste, die für einen Angriff auf zivile
Demonstranten verantwortlich sind.
Allgemein wurden Ausbildung und Zusammenarbeit
im militärischen Bereich mehrmals ausgesetzt, verringert und/oder eng an den Umgang mit Menschenrechtsproblemen gebunden. Beispielsweise wurden
militärische Ausbildungprogramme für Peru als Folge
von Präsident Fujimoris Staatsstreich ausgesetzt und
für Guatemala als Konsequenz fortgesetzter Übergriffe des guatemaltekischen Militärs.
Die Vereinigten Staaten sprechen sich derzeit gegen
Darlehen internationaler Finanzinstitutionen an den
Iran, Burma, China, Mauritanien, Äquatorialguinea,
den Sudan und andere Staaten aus oder enthalten
sich der Stimme, mit Ausnahme von Darlehen, die
ausschließlich der Deckung menschlicher Grundbedürfnisse dienen.
Im Zusammenhang mit Handelsprivilegien stehende
Sanktionen können ebenfalls Wirkung zeitigen. Beispielsweise trug die unmittelbare Gefahr eines
Verlusts von Privilegien im Rahmen des Allgemeinen
Präferenzsystems in Guatemala zur Zeit des SerranoPutsches dazu bei, daß die führenden Wirtschaftsvertreter des Landes ihre Unterstützung für die
Aktionen Serranos einstellten.
Der Präsident hat in bezug auf China die Erneuerung
des Meistbegünstigungsstatus an Fortschritte bei

Seite 3

�bestimmten Menschenrechtsfragen gebunden.
Obwohl in verschiedenen Bereichen Fortschritte zu
beobachten waren, muß eindeutig noch mehr getan
werden.
Um eine Politik zu vermeiden, die unschuldige Opfer
fordern würde und um die tatsächlich für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen zu erreichen,
hat der Präsident die Verweigerung von Visa für
Regierungsmitglieder und andere Vertreter bestimmter Länder angeordnet, die als persönlich verantwortlich für gravierende Menschenrechtsverletzungen
oder die Behinderung einer demokratischen Entwicklung erachtet werden. Beispielsweise haben wir
Visa von Regierungsvertretern Haitis, Nigerias oder
Zaires für ungültig erklärt oder verweigert.
Unsere Mittel gehen jedoch über Kürzungen oder
Erhöhungen amerikanischer Hilfe, handelspolitische
Maßnahmen oder die Abstimmung in internationalen
Finanzinstitutionen hinaus. Aus diesem Grund
binden wir die Menschenrechte in die derzeitige
Struktur unserer Beziehungen zu anderen Ländern
auf der ganzen Welt ein. Wir können jederzeit auf
traditionelle diplomatische Mittel wie Zusammenkünfte, Demarchen, bilateralen Austausch sowie
öffentliche Reden, Artikel und Presseerklärungen
zurückgreifen. Dies sind bedeutende Wege, um den
mit uns in Kontakt stehenden Regierungen die Ziele
amerikanischer Menschenrechtspolitik mitzuteilen.
Im vergangenen Jahr leiteten wir offizielle bilaterale
Menschenrechtskonsultationen auf Abteilungsleiterebene mit Rußland ein, was zu einer gemeinsamen
Erklärung der Präsidenten Clinton und Jelzin mit der
ersten öffentlichen Verurteilung von Antisemitismus
durch eine russische oder sowjetische Regierung
führte.

Wir weisen in öffentlichen Erklärungen auf Problemgebiete hin. Als ich im vergangenen Monat Thailand
einen Besuch abstattete, war ich der erste Vertreter
der amerikanischen Regierung, der bei der thailändischen Regierung die Frage von Kinderhandel
und -prostitution anschnitt und in nach meiner Reise
abgegebenen Erklärungen unserer Besorgnis Ausdruck gab.
Im Dezember vergangenen Jahres verlieh ich dem
ermordeten Justizminister der Regierung Präsident
Aristides, Guy Malary, postum eine Auszeichnung. In
der Öffentlichkeit und bei Pressekonferenzen in Portau-Prince verurteilte ich mehrmals die vom Militär und
der Polizei Haitis begangenen Morde und anderen
schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen.
Bei einer vergangenen Dezember in Kairo abgehaltenen Pressekonferenz brachte ich unsere Sorge über
den Einsatz von Folter durch die ägyptische Regierung öffentlich zum Ausdruck. Ich ermutigte die
ägyptische Regierung, auf Anfragen der ägyptischen
Menschenrechtsorganisation zu reagieren und sich
mit Vertretern dieser Gruppe zu treffen.
Um nachdrücklich die Notwendigkeit eines Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien zu
veranschaulichen, besichtigte ich Massengräber in
der Nähe des kroatischen Vukovar, in denen wahrscheinlich die Leichen mehrerer Hundert kroatischer
Krankenhauspatienten verscharrt sind, die im Rahmen der von den Serben durchgeführten "ethnischen
Säuberungen" umgebracht wurden.
Ich nehme regelmäßig an Fernsehsendungen und
-interviews des US-Informationsamts teil, die sich mit
Ländern der ganzen Welt befassen, in jüngster Zeit
mit Serbien und Montenegro.

Menschenrechte sind ein entscheidender Bestandteil
unseres neuen Ansatzes gegenüber Vietnam. Mein
Hauptstellvertreter leitete kürzlich Menschenrechtsgespräche mit der vietnamesischen Regierung durch
ihren Ständigen Vertreter in New York in die Wege.

Zusätzlich zu unseren Bestrebungen im Bereich der
Öffentlichkeitsarbeit bemühen wir uns in vielen
Staaten um die Entwicklung spezifischer Menschenrechtsmechanismen, beispielsweise Menschenrechtskommissionen.

Bisweilen rufen wir Botschafter oder Angehörige
unserer Botschaften zurück, um unsere Mißbilligung
oder Sorge zu demonstrieren. Wir haben Präsident
Mobutu von Zaire gegenüber deutlich gemacht, daß
die Vereinigten Staaten für sein Land keinen Botschafter ernennen, solange seine Regierung demokratische Reformen verhindert.

In Indien, das zwar die größte Demokratie der Welt
ist, aber mit gravierenden Menschenrechtsproblemen
zu kämpfen hat, haben wir im vergangenen Jahr auf
die Einrichtung einer nationalen Menschenrechtskommission gedrungen. Seit ihrer Gründung Anfang
dieses Jahres hat diese Kommission zur Entwicklung
einer Regierungsstruktur beigetragen, die sich mit
Menschenrechtsverletzungen in Indien befaßt.
Ferner haben wir uns erfolgreich um ungehinderten
Zugang internationaler Menschenrechts- und humanitärer Organisationen zu Kaschmir bemüht - den
Schauplatz des Konflikts, der Ursache für die akuten
Menschenrechtsprobleme Indiens ist.

In Burma dringen wir weiterhin bei der Regierung auf
zusätzliche Maßnahmen, durch die ein Wandel zum
Besseren herbeigeführt werden kann und halten die
offiziellen diplomatischen Beziehungen auf Distanz
und niedriger Ebene.

Seite 4

AMERIKA DIENST 16

�In einer Vielzahl von Ländern versuchen wir, im
Dienste von Menschenrechten und Demokratie
stehenden nichtstaatlichen Organisationen finanzielle, politische und logistische Unterstützung zu
gewähren. Neben engen Konsultationen mit amerikanischen und ausländischen nichtstaatlichen
Organisationen in Washington und andernorts
unterstützen wir öffentlich nichtstaatliche Organisationen vor Ort bei ihrer mutigen und oftmals gefährlichen Arbeit.

Selbst in Ländern, zu denen wir keine diplomatischen
Beziehungen unterhalten, bemühen wir uns um die
Förderung von Menschenrechten. Beispielsweise
erfuhren wir im Januar, daß ein Bürger des Iran in
seinem Land zum Tode verurteilt wurde, weil er zum
christlichen Glauben konvertierte, gaben daraufhin
eine aussagekräftige öffentliche Erklärung ab und
drängten über verschiedene multilaterale Kanäle auf
seine Freilassung. Nachdem diese erfolgt war,
erklärten christliche Gruppen, die Intervention westlicher Regierungen, einschließlich der Vereinigten
Staaten, sei eine große Hilfe gewesen.

* * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 5

�</text>
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                    <text>&lt;&lt;£OS^

^

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cimerikci
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
20. April 1994

15

BOSNIEN

CLINTON: KEINE ERMÄCHTIGUNG DER UNO
FÜR USA UND NATO ZUR UNTERSTÜTZUNG
GORAZDES
Einsatz von Luftstreitkräften nicht möglich

USA PRÜFEN OPTIONEN FÜR REAKTION AUF
TRAGÖDIE VON GORAZDE
Stellungnahme des Außenministers

GATT

WELTHANDELSSYSTEM DARF NICHT DIE
AUSBEUTUNG
DER
ARBEITNEHMER
FÖRDERN
Erklärung Vizepräsident Gores in Marrakesch

GLOBALE INTERDEPENDENZ ERFORDERT
ÜBERPRÜFUNG VON ARBEITSFRAGEN
Erklärung des Handelsbeauftragten

KRIEGSVERBRECHEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

ALBRIGHT FORDERT WELTWEITE UNTERSTÜTZUNG FÜR
KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL
Rede im Holocaust Memorial Museum

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�BOSNIEN
20. April 1994

CLINTON: KEINE ERMÄCHTIGUNG DER UNO FÜR USA
UND NATO ZUR UNTERSTÜTZUNG GORAZDES
Einsatz von Luftstreitkräften nicht möglich
WASHINGTON - (AD) - Die Richtlinien der Vereinten
Nationen hindern die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten in der NATO, den Einwohnern des
belagerten Gorazde, einer UN-Schutzzone in Bosnien, beizustehen, äußerte Präsident Clinton am 18.
April 1994.
Während Vertreter der Vereinten Nationen und
russische Diplomaten erklärten, die Stadt und ihre
mehr als 70.000 leidgeprüften Bürger seien den
angreifenden serbischen Truppen auf Gedeih und
Verderb ausgeliefert, teilte der Präsident vor Journalisten mit, der Einsatz von Luftstreitkräften zur
Verteidigung der Stadt sei weder praktikabel noch
möglich.
"Wir können nur das unternehmen, wozu wir befugt
sind", so der Präsident, der vorbrachte, die Vereinten
Nationen hätten der NATO keine Ermächtigung
erteilt, die vom UN-Sicherheitsrat errichteten Schutzzonen zu verteidigen.
"Halten Sie sich vor Augen", erläuterte der Präsident
den Reportern, "daß die Rolle der Vereinigten
Staaten und der NATO darin besteht, Luftunterstützung bereitzustellen, wenn die Vereinten Nationen darum bitten. Dies ist kein Sarajevo. Sarajevo
war ein Sonderfall."
Im Februar hatten serbische Truppen unter Androhung von NATO-Luftangriffen ihre schweren
Waffen der UNO übergeben oder sie aus der Sperrzone von zwanzig Kilometern um Sarajevo entfernt,
wodurch die Belagerung der bosnischen Hauptstadt
beendet wurde. Die serbischen Streitkräfte haben
jedoch seitdem den Zugang humanitärer Hilfskonvois
in die Stadt beschränkt, Mitarbeiter von Hilfswerken
entführt und die UNO-Truppen in ihren Stellungen
praktisch unter Hausarrest gestellt.
Der Präsident räumte ein: "Dies war kein großartiges Wochenende für den Friedensprozeß in
Bosnien." Nachrichten zufolge wird Gorazde im
Durchschnitt einmal pro Minute von einer Artillerie-

AMERIKA DIENST 15

granate getroffen, und die Mitarbeiter von Hilfswerken, Vertreter des Roten Kreuzes und ein Teil des
UNO-Personals wurden innerhalb der Stadt - wahrscheinlich von serbischen Streitkräften - unter Hausarrest gestellt.
Der Präsident billigte die Taktik des Kommandeurs
der UN-Bodentruppen, des britischen Generalleutnants Michael Rose, und erklärte, er habe die ihm zur
Verfügung stehenden Mittel nach besten Kräften
eingesetzt. "Meines Erachtens macht man es sich
leicht, die Aktionen von General Rose zu kritisieren,
der sehr aggressiv, sehr stark war und in diesem
Land und weltweit wegen seiner aggressiven Aktionen viel Unterstützung fand. Es ist leicht, jetzt zu
sagen, er hätte in Gorazde aggressiver sein sollen.
Meiner Meinung nach hat er angesichts der ihm zur
Verfügung stehenden Mittel und der Fakten das
Beste getan."
Clinton nannte die Situation "in und um Gorazde
ernst und unsicher" und machte die Serben für die
Verletzung "der Bedingungen eines mit den Vereinten
Nationen und den Russen abgeschlossenen Waffenstillstands verantwortlich". Er habe am Wochenende
den Zusammenbruch des Waffenstillstands und der
diplomatischen Bemühungen beobachtet und erklärte,
als er zu einem Redetermin nach Milwaukee aufbrach, seine wichtigsten sicherheitspolitischen Berater
würden im Laufe des Tages zur Besprechung der
Situation zusammentreffen.
Der Präsident teilte einem Fragesteller mit, er befürworte immer noch eine Aufhebung des Waffenembargos für Bosnien, das vom Sicherheitsrat gegen
alle Staaten des ehemaligen Jugoslawien verhängt
worden war. Die serbischen Streitkräfte verfügen
über Panzer und schwere Artillerie, die einst der
jugoslawischen Armee angehörten, während die
bosnischen Muslime nur wenige schwere Waffen
besitzen. Berichten zufolge haben Einheiten der
serbischen Streitkräfte Seite an Seite mit Truppen der
bosnischen Serben gekämpft.

Seite 1

�Der Präsident äußerte, er sei immer der Meinung
gewesen, das Waffenembargo wirke sich zum
Nachteil der bosnischen Muslime und zum Vorteil
der Serben aus, und das sei immer noch der Fall.
Aus diesem Grund befände man sich derzeit in einer
solch üblen Lage.
Er nannte jedoch eine Reihe von Faktoren, die
gegen eine Aufhebung des Embargos zum derzeitigen Zeitpunkt sprächen, einschließlich der Tatsache,
daß dies lediglich die Kampfhandlungen verlängern
würde, ohne sie zu einem endgültigen Abschluß zu
bringen. Sollte das gegen Bosnien verhängte UNEmbargo aufgehoben werden, so argumentierte er
ferner, würden einige Staaten das UN-Embargo
gegen den Irak verletzen.
Unterdessen deutete die Pressesprecherin des
Weißen Hauses, Dee Dee Myers, an Bord der Air
Force One an, das schlechte Wetter über Gorazde
sei der Hauptverbündete der angreifenden serbischen Truppen gewesen.
Auf die Frage, ob angesichts der mangelnden
Luftunterstützung für die UN-Mitarbeiter in der Stadt
die NATO "mehr bellt als beißt", entgegnete Myers,
das träfe nicht zu. Sie räumte jedoch ein, es habe
"am Wochenende und in der vergangenen Woche
Probleme gegeben, insbesondere das schlechte
Wetter. Somit ist es schwierig... Die NATO-Streitkräfte können die Ziele nicht richtig identifizieren."

*

Seite 2

*

Myers machte ihre Äußerungen vor Journalisten,
während Clinton sich auf dem Flug nach Milwaukee
befand, wo er um Unterstützung für seine Pläne zur
Gesundheitsreform werben wollte.
Sie teilte mit, der Präsident habe während des Flugs
ein zehnminütiges Telefongespräch mit Bundeskanzler Kohl geführt, bei dem die beiden Politiker "die
Situation in Bosnien erörterten und ihr beiderseitiges
Engagement für eine Verhandlungslösung bekräftigten. Sie beschlossen, in Kontakt zu bleiben."
Myers zufolge ist der einzige Weg "zur Beendigung
der Feindseligkeiten eine Verhandlungslösung, und
meiner Ansicht nach wissen die bosnischen Serben
das ebenso wie jeder andere Beteiligte". Sie brachte
vor, es habe auf dem Gebiet "einige Fortschritte"
gegeben und äußerte: "Sie dürfen nicht vergessen,
daß wir die Flugverbotszone über Bosnien durchgesetzt haben, was bedeutet, daß die Serben keine
Luftstreitkräfte eingesetzt haben. Sarajevo wurde
Schutz gewährt, und das war entscheidend."
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses stellte fest,
"die Androhung von Gewalt hat gewisse Fortschritte
im diplomatischen Bereich bewirkt, oder zumindest
dabei, der serbischen Aggression Einhalt zu gebieten,
damit die diplomatischen Bemühungen fortgesetzt
werden können. Die Rolle der UNO und die Androhung von Gewart waren an verschiedenen Fronten
erfolgreich. Das heißt jedoch nicht, Gorazde sei kein
ernstes Problem. Das ist es in der Tat."

*

*

AMERIKA DIENST 15

�BOSNIEN
20. April 1994

USA PRÜFEN OPTIONEN FÜR REAKTION
AUF TRAGÖDIE VON GORAZDE
Stellungnahme des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Indem er den Krieg in
Bosnien als "die größte menschliche Tragödie in
Europa seit dem Eisernen Vorhang" bezeichnete,
stellte Außenminister Christopher fest, die Vereinigten Staaten unterzögen ihre Optionen für eine
geeignete Reaktion auf die Belagerung Gorazdes
durch die bosnischen Serben einer eingehenden
Prüfung.
In seiner Rede bei einer nationalen außenpolitischen
Konferenz für Lehrkräfte an weiterführenden Bildungseinrichtungen am 18. April 1994 im US-Außenministerium erklärte der Außenminister, die von den
Vereinigten Staaten in Bosnien ergriffenen positiven
Maßnahmen seien "von den schrecklichen Ereignissen der vergangenen Woche in Gorazde überschattet worden", einer isolierten Muslimenklave, die vom
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur Schutzzone erklärt worden ist.
"Durch ihre flagrante Aggression und ihr unmenschliches Vorgehen haben die bosnischen Serben
erneut ihre Verachtung für die internationale Staatengemeinschaft und alle humanitären Belange unter
Beweis gestellt", so der Außenminister. Mit der
Feststellung, die Belagerung Gorazdes sei am
Wochenende in Washington die Hauptsorge gewesen, äußerte er, der Krieg in Bosnien sei die größte
menschliche Tragödie in Europa seit dem Eisernen
Vorhang.
"In diesem Augenblick unterziehen wir unsere
Optionen für eine geeignete Reaktion auf die Belagerung Gorazdes durch die bosnischen Serben und
die Situation in Bosnien insgesamt einer eingehenden Prüfung", stellte Außenminister Christopher fest.
Bei einem Phototermin mit dem zu Besuch weilenden slowakischen Außenminister Eduard Kukan
beschrieb Christopher später die Lage als "äußerst
ernst".
"In den vergangenen Tagen haben die Serben die
Vereinten Nationen angelogen, haben die sie seit
jeher unterstützenden Russen angelogen sowie sich
in ein Netz von Lügen und irreführenden Erklärun-

AMERIKA DIENST 15

gen verstrickt, das seinesgleichen sucht", äußerte der
Außenminister vor Journalisten.
"Wir werden uns mit der Situation dort befassen, und
meines Erachtens ist es weder klug noch angeraten
für mich, die uns zur Verfügung stehenden Optionen
zu diskutieren", antwortete Christopher auf die Frage,
ob militärische Aktionen in Erwägung gezogen
würden. "Zweifelsohne gibt es ein ziemlich breites
Spektrum an Optionen. Offensichtlich werden wir im
Zusammenhang mit der Situation nichts ausschließen."
Im Hinblick auf die von den Vereinigten Staaten zur
Bewältigung der Krise in Bosnien ergriffenen Maßnahmen erläuterte Christopher: "Wir haben die am
längsten andauernde Luftbrücke mit humanitären
Hilfslieferungen in der Geschichte eingerichtet und für
die Menschen in Bosnien über 10 Millionen Tonnen
Mahlzeiten abgeworfen. Wir haben die internationalen Bestrebungen zur Verhängung von Sanktionen
gegen Serbien angeführt - eines der wenigen Druckmittel, die uns noch zur Verfügung stehen. Wir
haben zur Verhinderung einer Ausweitung des
Konflikts nach Makedonien und in den Kosovo
beigetragen, und dies sind sehr feste amerikanische
Verpflichtungen."
Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten hart
an der Einrichtung eines Kriegsverbrechertribunals
gearbeitet, "um einige der Menschen zur Rechenschaft zu ziehen, die für Aktionen wie die am Wochenende verantwortlich sind", stellte Außenminister
Christopher fest.
Die Vereinigten Staaten leiteten eine neue Runde der
Diplomatie ein, die im Februar begonnen und dazu
beigetragen hat, "ein Abkommen zwischen den
bosnischen Muslimen und den Kroaten in Bosnien zu
erlangen, das ihren Krieg beendet, die Bürde ihres
Volkes mildert und hoffentlich den Weg zu einer
umfassenden Lösung ebnet", so der Außenminister.
"NATO-Flugzeuge haben das Ultimatum durchgesetzt, das den Beschuß Sarajevos stoppte, und
glücklicherweise dauert diese Situation an. Wir

Seite 1

�haben zur Durchsetzung der Flugverbotszone beigetragen und vier serbische Flugzeuge abgeschossen, die dieses Verbot verletzten."
Bei seiner regulären Pressekonferenz erklärte der
Sprecher des Außenministeriums, Michael McCurry,
die Optionen für Aktionen der Vereinigten Staaten zu
Bosnien würden auf "höchster Ebene" im Nationalen
Sicherheitsrat geprüft. Normalerweise versteht man
darunter den Außen- und Verteidigungsminister, den
CIA-Direktor und den Nationalen Sicherheitsberater.
"Aus diesem Grund kann ich Ihnen wirklich nichts ...
darüber sagen, welche Schritte wir im Hinblick auf
Gorazde, andere Schutzzonen oder Kämpfe in
Bosnien generell unternehmen werden", stellte
McCurry fest. Es habe Berichte über den weiteren
Beschuß von Gorazde gegeben und möglicherweise
sei ein Krankenhaus getroffen worden. "Die Angriffe
der bosnischen Serben am Wochenende hatten 35
Tote und über 200 Verletzte zur Folge", äußerte
McCurry und fügte hinzu, Berichten zufolge hielten
sich noch immer Panzer der bosnischen Serben in
unmittelbarer Umgebung der Stadt auf.
Auf die Frage nach dem möglichen Schicksal der
65.000 in Gorazde eingeschlossenen Menschen
antwortete der Sprecher: "Sie befinden sich in einer
Lage, die mit den Worten eines UNO-Beamten als
menschliches Desaster beschrieben werden könnte,
wenn die bosnischen Serben die Stadt zu überrollen
versuchen sollten."
Seines Erachtens sei Gorazde keine Schutzzone,
erwiderte McCurry einem Fragesteller und fügte
hinzu: "Es ist eine umkämpfte, von der UNO geschützte Enklave, in der sich im Augenblick Zehntausende von Flüchtlingen befinden, die sich einer
Offensive der bosnischen Serben ausgesetzt sehen."
Er erläuterte, er wolle nichts über den Status von
Gorazde im Rahmen der Resolutionen des UNSicherheitsrats implizieren. "In der Tat glaube ich
nicht, daß sich heute irgend jemand in Gorazde
sicher fühlen kann. Das ist alles, was ich sagen
wollte."
Die Vereinigten Staaten befürworten andauernde
Bestrebungen zur Entsendung ukrainischer Truppen
nach Gorazde, um die kleine dort stationierte UNOSchutztruppe UNPROFOR zu unterstützen - ein
Schritt, der seines Erachtens "sehr hilfreich wäre".
In jeder der im Rahmen der UNO-Resolutionen
erklärten sogenannten "Schutzzonen" gebe es eine
"beträchtliche" Anzahl von UNO-Mitarbeitern, im
Gegensatz zur Situation in Gorazde, wo sich nie
mehr als rund ein Dutzend UNO-Beobachter aufhielten, führte McCurry aus.

Seite 2

Er unterstrich, die UNPROFOR in Bosnien "versucht,
einen auf äußerst tönernen Füßen stehenden Frieden
aufrechtzuerhalten und die erforderlichen humanitären Hilfslieferungen für Hunderttausende Opfer dieses
Krieges bereitzustellen. Sie sind nicht dort, um einen
Krieg zu führen."
McCurry erklärte den Journalisten, sie sollten die
Hoffnung auf ein Ende der Offensive gegen Gorazde
nicht aufgeben, und die bosnischen Serben würden
vielleicht den wiederholten Aufforderungen des UNSicherheitsrats nachkommen, sich zurückzuziehen
und UNPROFOR-Truppen zuzulassen. "Vielleicht
erkennen sie, daß das in ihrem Interesse läge", fügte
der Sprecher hinzu.
Weil Außenminister Christopher die Serben als
Lügner und unglaubwürdig bezeichnet hatte, wurde
McCurry gefragt, wie irgend jemand überhaupt mit
ihnen verhandeln könnte. "Es ist schwierig", antwortete er. "Wie der Außenminister erläuterte, hatten wir
allerdings dank der Kraft eines von der NATO verhängten Ultimatums ein gewisses Maß an Erfolg bei
den Verhandlungen über eine Sperrzone um Sarajevo."
Bei der Beantwortung von Fragen bezüglich der Rolle
Rußlands zur der Bewältigung der Krise von Gorazde
stellte McCurry fest, der Außenminister sei zufrieden,
daß die russische Regierung "sehr sorgfältige und
geeignete diplomatische Schritte hierzu unternommen
und direkt mit den bosnischen Serben verhandelt
hat." Er fügte hinzu, einige damit befaßte russische
Diplomaten hätten erklärt, "sie könnten sich des
Gefühls nicht erwehren, von den Serben nicht aufrichtig behandelt worden zu sein."
"Ich glaube nicht, daß wir uns je Illusionen über die
von den bosnischen Serben gemachten Äußerungen
hingegeben haben", so der Sprecher des Außenministeriums. "Wir suchen nach Wegen um zu
verifizieren, welche von ihnen versprochenen Schritte
ergriffen und welche Veränderungen am Boden
stattfinden werden. Es war ziemlich klar, daß diese
Veränderungen am Boden nicht vorgenommen
würden, und meiner Ansicht nach war es für den
Westen und die russische Regierung ebenso enttäuschend."
McCurry zufolge war es "gerechtfertigt, weiterhin in
enger Verbindung zur russischen Regierung zu
stehen, während diese die diplomatischen Gespräche
mit den Serben führte. Zweifelsohne wird sie diese
Gespräche fortzusetzen versuchen. Er fügte jedoch
hinzu, "aufgrund des serbischen Verhaltens am
Boden wird es äußerst schwierig zu verstehen,
welcher diplomatische Weg der gangbare bleiben
wird".

AMERIKA DIENST 15

�Der Sprecher bekräftigte die Position der Vereinigten
Staaten, daß es keine Lockerung der Sanktionen
gegen die Serben geben kann, solange nicht eine
bosnische Lösung erzielt worden ist und die internationale Staatengemeinschaft Vertrauen haben
kann, daß sie in gutem Glauben umgesetzt wird.

Gespräche nicht angebracht sind, die eine Lockerung
der Sanktionen zum Ziel hätten. Die Serben haben
nicht einmal die grundlegendsten Verpflichtungen
über einen Waffenstillstand im Zusammenhang mit
Gorazde eingehalten, und daher gibt es meiner
Ansicht nach überhaupt keine Rechtfertigung, über
eine Lockerung der Sanktionen zu sprechen."

"Meines Erachtens belegen die Ereignisse der
vergangenen Tage jn Gorazde mehr als genug, daß
* * * *

AMERIKA DIENST 15

*

Seite 3

�GATT
20. April 1994

WELTHANDELSSYSTEM DARF NICHT
DIE AUSBEUTUNG DER ARBEITNEHMER FÖRDERN
Erklärung Vizepräsident Gores in Marrakesch
WASHINGTON - (AD) - "Ein nicht auf das Ende der Ausbeutung abzielendes Welthandelssystem wird
schließlich scheitern", erklärte Vizepräsident Gore.
In einer Rede aus Anlaß der Unterzeichnung des aus der Uruguay-Runde der weltweiten Handelsgespräche
hervorgegangenen Abkommens am 14. April 1994 vor Ministern aus mehr als 120 Ländern im marrokanischen
Marrakesch äußerte der amerikanische Vizepräsident, das Ende der Runde stelle nicht das Ende schwieriger
Fragen dar, die jetzt in einer Vielzahl internationaler Foren angegangen werden müßten, einschließlich der
neuen Welthandelsorganisation (World Trade Organization - WTO).
"Wirtschaftswachstum, das ohne Vision und ohne Berücksichtigung seiner Auswirkungen auf das Leben der
Arbeitnehmer und die - örtliche, regionale und globale - Umwelt angestrebt wird, ist Wachstum, das die Saat
für seine eigene Zerstörung birgt", teilte der Vizepräsident mit und fuhr fort: "Wirtschaftswachstum kann nicht
aufrechterhalten werden, wenn es letztlich zu sozialen Unruhen führt. Und es kann auch nicht aufrechterhalten
werden, wenn es letztlich Ressourcen erschöpft und vernichtet und vor allem, wenn es das weltweite natürliche
Gleichgewicht zerstört."
Die Vereinigten Staaten werden sich dem Vizepräsidenten zufolge jedem Versuch eines Landes
entgegenstellen, Arbeitsnormen als eine Art versteckter Handelsrestriktionen einzusetzen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext AI Gores.

Bevor ich meine geplante Rede beginne, möchte ich
einen Moment innehalten und meiner Bestürzung
über die heute morgen im Norden Iraks geschehene
Tragödie Ausdruck verleihen. Ich spreche den
Familien derjenigen mein Mitgefühl aus, die im
Dienste der Vereinten Nationen gestorben sind.
Somit bin ich schweren Herzens in dieser schönen
und erinnerungsträchtigen Stadt, um mit Ihnen den
Abschluß eines Abkommens zu feiern, das viel zur
Verbesserung des Lebens der Menschen beitragen
wird. Das war natürlich auch das Ziel derjenigen,
die heute morgen umgekommen sind.
Marokko ist ein Land von bezaubernder Schönheit
mit einem großen Geschichtssinn. Es ist ein Land
mit weitblickenden Politikern, einer langen Vergangenheit und einer vielversprechenden Zukunft.
Vor nahezu 1.000 Jahren war Marokko die Hauptstadt eines arabischen Reiches, das den Maghreb
einte.

AMERIKA DIENST 15

König Hassan ist seit über einer Generation ein
weltweit anerkannter Politiker. Sein Interesse an
globalen Fragen, das seine Bestrebungen zur Förderung des Friedens im Nahen Osten demonstrieren,
machen Marokko zu einem geeigneten Ort für den
Abschluß einer internationalen Übereinkunft vom
Rang eines GATT-Abkommens.
Ich möchte vorschlagen, daß wir alle unseren marokkanischen Gastgebern danken - nicht nur für die bei
der Organisation dieser Veranstaltung geleistete
großartige und schwierige Arbeit, sondern für ihre
dauerhafte Rolle als positive Kraft in dieser häufig so
unruhigen Welt.
Dem Generaldirektor des GATT, Peter Sutherland,
seinen Vorgängern und allen Delegationen spreche
ich aufrichtigen Dank für ihre in siebeneinhalb Jahren
gezeigte Ausdauer aus, die uns so weit gebracht hat.
Vor fünfzig Jahren wirkte Außenminister Cordeil Hüll
bei der Konferenz von Bretton Woods an der Ausarbeitung des Welthandelssystems mit. Minister Hüll

Seite 1

�stammte aus meiner Heimat - Carthage (Tennessee)
- wo etwa 2.000 Menschen leben.

dent und ich gemeinsam mit dem Kongreß an einer
Annahme des Abkommens arbeiten.

Dieser Gründervater des GATT veranlaßte meinen
Vater, in den öffentlichen Dienst zu gehen, und ist
damit auf gewisse Weise verantwortlich für die
Inspiration, die mein Vater an mich weitergab.

Präsident Clinton ist ein überzeugter Befürworter des
Welthandelssystems, weil erweiterter Handel für die
wirtschaftliche, soziale und umweltpolitische Gesundheit aller Nationen von Vorteil ist. Die Clinton-Administration hat sich einer Fortsetzung des weltweiten
Dialogs und der Einrichtung eines offeneren und
faireren Handelssystems verschrieben.

Botschafter Mickey Kantor, der ebenfalls aus Tennessee stammt und nur etwa 80 Kilometer von
Carthage entfernt aufwuchs, hat mein Land auf
herausragende Weise vertreten.
Er empfindet ebenso wie ich ein persönliches
Vergnügen dabei, in die Fußstapfen Cordell Hulls zu
treten.
In gewisser Weise sind Fußstapfen der Grund dafür,
warum ich heute hierher gereist bin. Der Abschluß
der Uruguay-Runde stellt einen Sieg dar - nicht nur
für uns, sondern auch für unsere Kinder, Enkel und
alle nachfolgenden Generationen. Ich bin heute
hier, weil ich der Überzeugung bin, daß das zu
unterzeichnende Abkommen es unseren Nachkommen gestatten wird, sich auf der Grundlage der von
uns erzielten Fortschritte auf eine glücklichere
Zukunft zuzubewegen.
Wir alle sind hier zusammengekommen, um eine
großartige Leistung zu feiern. Dieses Abkommen
wird die wirtschaftlichen Bedingungen weltweit
verbessern. Dieses Abkommen wird mehr Ressourcen in den Dienst des Umweltschutzes stellen.
Dieses Abkommen wird den weltweiten Dialog
fördern. Die Auswirkungen der Uruguay-Runde sind
wahrhaft von großer Tragweite.
Allein in den Industriestaaten könnte das Wachstum
des Bruttosozialprodukts im kommenden Jahrzehnt
die bisherige Rate um bis zu 3,5 Prozent erhöhen,
was dem Ertrag eines ganzen Jahres entspricht. In
den Entwicklungsländern wird das Wachstum die
wirtschaftliche Entwicklung ankurbeln und Ressourcen freisetzen, die für die Bekämpfung von Armut,
Hunger, einem Verfall der Infrastruktur, Epidemien
und Umweltzerstörung von entscheidender Bedeutung sind. Am wichtigsten ist, daß dieses Abkommen Familien auf der ganzen Welt eine Erhöhung
ihres Realeinkommens und eine echte Chance zur
Verbesserung ihres Lebens und ihrer Länder gibt.
Präsident Clinton hat sich persönlich für den erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde eingesetzt und
unterstützt entschieden die erzielten Ergebnisse.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich entschlossen für eine Annahme des Abkommens der Uruguay-Runde noch in diesem Jahr. Wenn ich in die
Vereinigten Staaten zurückkehre, werden der Präsi-

Seite 2

Seit der Gründung des GATT vor 47 Jahren haben
die Vertragsparteien ein nie dagewesenes Maß an
dauerhaftem Wohlstand genossen. Die Lektion des
GATT ist offensichtlich: Der Weg zu Wohlstand,
Wachstum und Partnerschaft für alle liegt darin, sich
der Welt zu öffnen anstatt sich abzuschotten.
Die Uruguay-Runde hat einen bedeutenden Beitrag
zur Erreichung dieses Ziels geleistet.
Die Uruguay-Runde wird die Zölle um mehr als ein
Drittel senken. Sie wird den Agrarhandel reformieren
und den Landwirten in jedem Staat neue Exportmöglichkeiten aufzeigen, während gleichzeitig den
Verbrauchern niedrigere Preise und bessere Qualität
geboten werden.
Die Runde legt neue Handelsregeln für zwei Sektoren
der Weltwirtschaft schriftlich nieder, die von zunehmender Bedeutung sind: Geistiges Eigentum und
Dienstleistungen. Kurzum, sie führt das Welthandelssystem ins 21. Jahrhundert.
Die Runde stärkt auch das Verfahren zur Beilegung
von Streitigkeiten. Wir haben eine Reihe wirksamer
Regeln für die unverzügliche Schlichtung von Disputen geschaffen und Mängel im derzeitigen System
beseitigt. Die Länder werden in Zukunft nicht mehr
das Verfahren in die Länge ziehen und ihnen unangenehme Urteile blockieren können. Die UruguayRunde ist jetzt abgeschlossen.
Das Welthandelssystem macht jedoch Fortschritte.
Ich möchte gerne über die vor uns liegenden Herausforderungen sprechen. Die Beziehungen zwischen
Handel und der Schaffung von Wohlstand sind
offenkundig - ebenso wie die Notwendigkeit weiteren
wirtschaftlichen Fortschritts weltweit.
Wirtschaftswachstum, das ohne Vision und ohne
Berücksichtigung seiner Auswirkungen auf das Leben
der Arbeitnehmer und die - örtliche, regionale und
globale - Umwelt angestrebt wird, ist Wachstum, das
die Saat für seine eigene Zerstörung birgt. Wirtschaftswachstum kann nicht aufrechterhalten werden,
wenn es letztlich zu sozialen Unruhen führt. Und es
kann auch nicht aufrechterhalten werden, wenn es

AMERIKA DIENST 15

�letztlich Ressourcen erschöpft und vernichtet und vor
allem, wenn es das weltweite natürliche Gleichgewicht zerstört.
Die Uruguay-Runde hat beim Abbau der Hindernisse
auf dem Weg zu einem Anwachsen des Handels
große Fortschritte gemacht. Sie schafft auch - dank
der Verdienste jedes heute Anwesenden sowie
unserer Regierungen - ein lebensfähiges Forum zur
Erörterung aktueller und zukünftiger Fragen im
Zusammenhang mit dem Welthandel - die Welthandelsorganisation.
Jetzt verfügen wir erstmals über ein Mittel, um über
das Verhältnis erweiterter Handelsmöglichkeiten zu
den Voraussetzungen für das Wohlergehen unserer
Arbeitnehmer zu sprechen sowie über die Notwendigkeit, die Gesundheit unseres Planeten zu schützen - Fragen, die großen Einfluß auf unser Lebensgefüge haben.
Ich bin mir bewußt, daß dies heikle und kontroverse
Themen sind, möchte sie jedoch der Reihe nach
ansprechen und beginne mit der Arbeit.
Die Menschen von Armut zu befreien, setzt Wirtschaftswachstum voraus, aber auch verbesserte
Arbeitsnormen. Eine Erhöhung der Produktivität
sollte auch eine Erhöhung von Löhnen und Gehältern sowie des Lebensstandards mit sich bringen.
Ein nicht auf das Ende der Ausbeutung abzielendes
Werthandelssystem wird letztlich scheitern, weil die
Menschen auf der ganzen Welt es nicht unterstützen
können.
Heute genießen einige Staaten nicht nur dynamisches Wirtschaftswachstum, sondern binden es auch
an sozialen Fortschritt. Diese Länder verstehen, daß
verbesserte Arbeitsnormen den Weg zu einer
Erhöhung des Lebensstandards sowie zu langfristigem Wohlstand und Stabilität darstellen. Die
Vereinigten Staaten sind sich der Angst vieler
Länder bewußt, eine Einbindung von Arbeitsnormen
in den Kontext des Welthandels setze ihre Exporte
potentiellen versteckten Handelsrestriktionen aus.
Ich möchte folgendes sagen:
Die Vereinigten
Staaten stellen sich jedem Versuch eines Landes
entgegen, die Frage verbesserter Arbeitsnormen in
eine Art von Protektionismus umzuwandeln. Wir
waren führend bei den Bestrebungen zum Abbau
von Handelshemmnissen und Ablehnung des
Protektionismus und werden das auch in Zukunft
sein. Andererseits sind wir von der Bedeutung und
Notwendigkeit eines ernsthaften weltweiten Dialogs
über dieses Thema überzeugt.

AMERIKA DIENST 15

Jetzt möchte ich auf die Umwelt zu sprechen kommen.
Wir befinden uns inmitten einer langen Zeit wirtschaftlichen, technologischen und geopolitischen
Wandels. Während die uns konfrontierenden Probleme größer und komplexer werden, wird unsere Welt
kleiner und interdependenter.
Wir können jedoch die Gesundheit unserer Bürger
oder unser natürliches Erbe nicht im Alleingang
schützen. Aber mit Hilfe von Handel und weltweiter
Zusammenarbeit können wir ein besseres Leben für
uns selbst schaffen - und unseren Kindern einen
besseren Planeten hinterlassen.
Während die Welt kleiner wird und unsere Probleme
immer komplexer werden, müssen wir uns vor Augen
führen, daß selbst eine auf einen Ort begrenzte
Veränderung überall Konsequenzen haben kann.
Eine Veränderung des weltweiten Klimas kann zu
erhöhten Schäden durch Flutkatastrophen, Wirbelstürme und Dürreperioden führen - und die menschlichen und ökologischen Auswirkungen können
verheerend sein. Die Abnahme der Ozonschicht
erhöht die Fälle von Hautkrebs und wirkt sich auf die
Ernteerträge sowie die Nahrungsmittelproduktion aus.
Schlechte landwirtschaftliche Praktiken tragen den
Boden ab, führen zur Ablagerung von Salzen und
Giftstoffen, erhöhen die Armut und rufen Hungersnöte
hervor. Die Verschlechterung der Wasserqualität und
des Ackerlandes sowie das rasche Bevölkerungswachstum können nicht nur Hunger und Krankheiten
verursachen, sondern auch Wanderbewegungen
großen Ausmaßes mit daraus resultierenden Konflikten und sogar Kriegen. Wir erkennen sehr schnell,
daß Umweltschutz keine Option, sondern eine
Notwendigkeit darstellt. Durch energische Arbeit im
Umweltschutzbereich in Verbindung mit dem Welthandel werden wir Erfolg haben.
Jede große Herausforderung beinhaltet aber auch
eine große Chance. Die Verhinderung, Kontrolle und
Beseitigung von Verschmutzung ist derzeit eine
florierende Industrie. Mit erweitertem Handel und
einem höheren Lebensstandard könnte die Umwelttechnologieindustrie im Laufe des Jahrzehnts um
50 Prozent anwachsen. Die heute in Energieeinsparung, saubere Produktion und Umweltdienstleistungen investierenden Unternehmen schaffen die
hochwertigen und hochbezahlten Arbeitsplätze der
Zukunft.
Wir haben nicht die Wahl zwischen Handel oder
Umweltschutz. Wir können - und müssen - beides
haben.

Seite 3

�Langfristig können wir keine wachsende Wirtschaft
ohne eine sichere und gesunde Umwelt haben. Und
ohne eine starke Wirtschaft können wir keine sichere
und gesunde Umwelt aufrechterhalten. Die Armut ist
vielleicht der Hauptgrund für die Umweltverschmutzung auf der Welt. Freierer Handel wiederum ist der
Motor des Fortschritts.
Kurzfristig müssen wir uns bemühen, die Besorgnis
derjenigen zu zertreuen, die einen sogenannten
"grünen Protektionismus" fürchten - bei dem unter
dem Deckmantel des Umweltschutzes die Länder
auf der ganzen Erde der aus dem Handel resultierenden Vorteile beraubt werden. Andererseits ist die
mangelnde Beachtung von Umweltnormen kein
akzeptables Mittel zur Förderung von Wachstum.
Wir dürfen nicht die Regenerationsfähigkeit unseres
Ökosystems einer Erweiterung des Handels opfern
oder die wertvolle biologische Vielfalt einem kurzfristigen Wirtschaftswachstum. Der Preis dafür ist zu
hoch.
Auch hier sind die gegenseitigen Vorteile offensichtlich. Freierer Handel beschleunigt den wirtschaftlichen Fortschritt und setzt mehr Ressourcen für den
Umweltschutz frei. Andererseits kann eine unverantwortliche Entwicklung zur dauerhaften Erschöpfung von Ressourcen führen, unsere natürliche
Umwelt schädigen und dadurch Wirtschaftswachstum unmöglich machen.
Ein Beispiel für das von mir Ausgeführte ist der
besorgniserregende Zustand unserer Fischbestände.
Einer Schätzung aus dem Jahr 1965 über den
umweltverträglichen Fischfangertrag aus den Weltmeeren zufolge beläuft sich dieser auf 100 Millionen
Tonnen jährlich. Dieses Niveau wurde 1989 erreicht, und der weltweite Verbrauch betrug 90
Millionen Tonnen. Seitdem ist überfischt worden.
Der durchschnittliche Fang bei vielen Arten ist trotz
verbesserter Methoden und Techniken gesunken.
1992 sank der Fischfang weltweit um 5 Prozent. Es
gibt einfach nicht mehr so viele Fische. Wir haben
in zu kurzer Zeit zu viel gefischt und keine natürliche
Auffüllung der Vorräte zugelassen.
In ähnlicher Weise hat die schnelle Verstädterung
die Nationen der Fähigkeit beraubt, ihren neuen
Bürgern Arbeitsplätze, Ausbildung und andere
Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Das kann
nicht hingenommen werden. Wir schulden es uns
und zukünftigen Generationen, eine Welt zu hinter-

*

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lassen, die prosperierender und lebenswerter ist als
die von uns vorgefundene, in der die Luft und das
Wasser sauberer sind sowie unsere Bevölkerung und
großen Ökosysteme gesund.
Während die Welt sich der Lösung von Umweltproblemen und der Stärkung des Umweltschutzes
widmet, müssen die entsprechenden Auswirkungen
im Bereich des Handels in der Welthandelsorganisation und in anderen Foren offen besprochen werden.
Die Entscheidung, innerhalb der Welthandelsorganisation einen Ausschuß für Handel und Umwelt zu
schaffen, stellt hierzu ein offizielles Mittel bereit.
Dieser Ausschuß hat klare Richtlinien und ein umfassendes Arbeitsprogramm. Und er besitzt ein
Mandat zur Entwicklung von Empfehlungen für
notwendige Veränderungen.
Wir können uns jetzt gemeinsam an einen Tisch
setzen und zukunftsorientierte Lösungen für diese
äußerst komplizierten Fragen finden. Wir haben viel
harte Arbeit vor uns. Dieser Ausschuß wird uns bei
ihrer Bewältigung helfen. Ich freue mich besonders
über die heutige Annahme der Ministerentscheidung
zur Einrichtung dieses Ausschusses für Handel und
Umwelt.
Wie ich bereits zu Beginn meiner Ausführungen
anmerkte, hinterläßt die Uruguay-Runde ein Vermächtnis enormer Leistungen und schafft einen
Rahmen für die Zukunft. Wir schulden unseren
Kindern, die gemeinsame Arbeit an der Entwicklung
und Aushandlung der richtigen Maßnahmen aufzunehmen. Wir müssen Menschen unterschiedlicher
Fachrichtungen zusammenbringen, die nicht dieselbe
Sprache sprechen und die Probleme nicht auf die
gleiche Weise angehen. Es ist schwierig, das in
jedem einzelnen Land zu tun.
Es ist noch schwieriger, das in allen Ländern gemeinsam zu tun. Aber die jetzt vor uns liegenden
Aufgaben werden für den künftigen Wohlstand in der
Welt nicht weniger wichtig sein als die von Cordeil
Hüll und unseren anderen politischen Vorfahren in
Bretton Woods angegangenen.
Unser Ziel muß eine Welt mit einem offenen Handelssystem sein, in der die Arbeitnehmer Hoffnung
haben und die Umwelt durch eine umweltverträgliches Wachstum fördernde Politik geschützt ist. Wir
wollen zusammen auf dieses Ziel hinarbeiten.

* * *

*

AMERIKA DIENST 15

�GATT
20. April 1994

GLOBALE INTERDEPENDENZ ERFORDERT
ÜBERPRÜFUNG VON ARBEITSFRAGEN
Erklärung des Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Mickey Kantor zufolge betreffen die
Maßnahmen einer Nation zu Arbeitsnormen, Umweltschutz und Wettbewerbspolitik ihre Handelspartner.
"Ich bin mir bewußt, daß einige sich unbehaglich fühlen, wenn wir Fragen des Umweltschutzes und
international anerkannte Arbeitsnormen anzusprechen versuchen", erklärte Kantor in einer am 14. April 1994
vor den Handelsministern in Marrakesch gehaltenen Rede. Die Minister aus über 120 Ländern waren zur
Unterzeichnung des globalen Handelsabkommens der Uruguay-Runde am 15. April 1994 zusammengekommen. "In dieser sich rasch wandelnden und zunehmend interdependenten Welt ist es nützlich - und
unvermeidlich - daß wir über das herkömmliche Diktat des Handels hinauszugehen begonnen haben."
Kantor erläuterte, daß die Globalisierung der Volkswirtschaften mit in Lichtgeschwindigkeit die Grenzen
überquerenden Waren, Dienstleistungen und Kapital nicht die Souveränität einzelner Nationen aufhebt. Dieser
Prozeß erfordere jedoch die Erkenntnis seitens der Länder, daß ihr wirtschaftlicher Wohlstand aneinander
gebunden ist und Wohlstand eher durch den Abbau von Handelshemmnissen als durch deren Errichtung
gemehrt wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des Handelsbeauftragten.

Es ist mir eine große Ehre, als Vertreter Präsident
Clintons zur offiziellen Unterzeichnung des Abkommens der Uruguay-Runde anwesend sein zu dürfen.
Ich freue mich, daß Vizepräsident Gore im weiteren
Verlauf des Nachmittags zu uns sprechen wird. Der
Vizepräsident ist von Kalifornien hierher geflogen,
um das Engagement unseres Landes für den Erfolg
der Uruguay-Runde zu unterstreichen.
Die Herausforderung, das neue Abkommen umzusetzen und das globale Handelssystem auf den Weg
zu bringen, beginnt erst. Obwohl viele Menschen
zum Erfolg der Runde beigetragen haben, möchte
ich den Generaldirektor des GATT, Peter Sutherland, besonders würdigen. Er hat die Arbeit von
seinem Vorgänger Arthur Dunkel übernommen und
mit seinem Intellekt und seiner Energie eine unerläßliche Rolle für den erfolgreichen Abschluß der
Verhandlungen gespielt. Ich möchte auch König
Hassan meinen Dank für seine großzügige Gastfreundschaft bei dieser Veranstaltung aussprechen.
Lange nach den meisten von Ihnen habe ich die
harte Arbeit dieser Verhandlungen aufgenommen.
Ich werde stets für die mir von Präsident Clinton
gebotene Chance dankbar sein, zusammen mit

AMERIKA DIENST 15

Ihnen zum erfolgreichen Abschluß der Runde beizutragen. Wenn ich über das von uns gemeinsam
Geleistete nachdenke, bin ich erstaunt über die
dünne Linie, die Erfolg und Scheitern trennt.
Es gab viele Momente, in denen die siebenjährigen
Bestrebungen zum Scheitern verurteilt schienen.
Scharfsinnige Kommentatoren nannten uns zahlreiche Gründe für unser voraussichtliches Versagen.
Sie sagten, die Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern könne nicht überwunden werden. Sie
sagten, die Probleme bei Dienstleistungen, Investitionen und geistigem Eigentum seien zu komplex. Sie
sagten, das Ende des Kalten Krieges habe wirtschaftlichen Wettbewerb, nicht Zusammenarbeit
bewirkt. Sie sagten, wir könnten unsere bilateralen
Meinungsverschiedenheiten nicht beilegen.
Sie irrten sich. Ehrliche Diskussionen und harte
Verhandlungen haben zu gegenseitigem Verständnis
geführt. Wir erkannten, daß die Zeit nach dem
Kalten Krieg sowohl durch wirtschaftliche Zusammenarbeit als auch wirtschaftlichen Wettbewerb gekennzeichnet sein würde und muß. Bilaterale Differenzen
würden nicht verschwinden, aber wir weigerten uns,
unsere Fortschritte davon blockieren zu lassen.

Seite 1

�Wir hatten Erfolg, weil die uns verknüpfenden Bande
stärker als die Kräfte sind, die uns zu trennen versuchen. Wir befinden uns in einer globalen Wirtschaft, in der Waren, Dienstleistungen und Kapital
die Grenzen in schwindelerregender Geschwindigkeit
überqueren. Die Kräfte der Globalisierung werden
die Souveränität oder die jeweilige Kultur einzelner
Nationen nicht aufheben, aber sie erfordern von uns,
der Tatsache Rechnung zu tragen, daß der Wohlstand unserer Länder aneinander gebunden ist, daß
wir Wohlstand eher durch den Abbau von Handelshemmnissen als durch deren Errichtung mehren und
wir ein internationales Handelssystem benötigen, um
dieses Wachstum zu ermöglichen.

Wir werden auch in Zukunft auf die Leistungen der
Runde aufbauen. Weitere 21 Länder wollen ebenfalls
der Welthandelsorganisation (World Trade Organization - WTO) beitreten, und wir begrüßen den Beitritt
der Länder, die zur Beibehaltung hoher Normen und
zur Einhaltung der grundlegenden GATT-Prinzipien
bereit sind.
Wir leben in einer veränderten Welt, einer Welt, in
der die einzige Konstante Wandel ist. Mit dem Ende
des Kalten Krieges und dem Aufstieg einer globalisierten Wirtschaft ist die Gestaltung der sich aus
einer interdependenteren Welt ergebenden Veränderungen absolut entscheidend für globalen
Wohlstand.

Der Dichter Yeats schrieb einmal: "Die Dinge lösen
sich vom Mittelpunkt, der sie nicht hält." Dieses Mal
hat er gehalten.

Ich bin mir bewußt, daß einige sich unbehaglich
fühlen, wenn wir Fragen des Umweltschutzes und
international anerkannte Arbeitsnormen anzusprechen
versuchen. In dieser sich rasch wandelnden und
zunehmend interdependenten Welt ist es nützlich und unvermeidlich - daß wir über das herkömmliche
Diktat des Handels hinauszugehen begonnen haben.
Es ist offenkundig, daß offene Märkte und erweiterter
Handel Wachstum und Wohlstand fördern. Unsere
Vision des Handelssystems muß jetzt dynamisch und
in der Lage sein, die sich abzeichnenden Herausforderungen für unser kollektives globales Wirtschaftswachstum zu bewältigen.

Präsident Clinton beschreibt diesen Wendepunkt als
"die dritte große Entscheidung des 20. Jahrhunderts". Nach dem Ersten Weltkrieg zogen sich die
Vereinigten Staaten zurück, nach 1945 entschieden
wir uns für einen anderen Weg, knüpften internationale Verbindungen und öffneten die Tür für eine
Periode beispiellosen globalen Wachstums.
Heute befinden wir uns am dritten entscheidenden
Moment. Das Ende des Kalten Krieges bietet neue
Chancen und neue Gefahren, aber wir sehen uns
mit derselben grundlegenden Entscheidung konfrontiert: Engagement oder Rückzug? Durch die
Uruguay-Runde und die morgen von uns zu unterzeichnenden Abkommen engagieren sich die Vereinigten Staaten weiterhin intensiv und verpflichten
sich zum internationalen System. Wie der Präsident
erklärt hat, vertreten wir die Auffassung, daß offener
und wettbewerbsorientierter Handel uns als Land
und die Welt bereichert. Und wir beabsichtigen, uns
der Konkurrenz zu stellen, nicht uns zurückzuziehen.

* *

Seite 2

Wir werden zunehmend Fragen in Zusammenhang
mit der jeweiligen Innenpolitik eines Landes erörtern,
wie Wettbewerbspolitik und andere innenpolitische
regulative Maßnahmen, sowie Umweltschutz und
Arbeitsnormen. Wie eine Nation in einer globalisierten Wirtschaft diese Fragen angeht, hat direkte
Auswirkungen auf ihre Handelspartner.

*

AMERIKA DIENST 15

�KRIEGSVERBRECHEN
20. April 1994

ALBRIGHT FORDERT WELTWEITE UNTERSTÜTZUNG
FÜR KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL
Rede im Holocaust Memorial Museum

WASHINGTON - (AD) - Die Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine
Albright, rief zur weltweiten Unterstützung des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien auf
und erklärte, das "Ausmaß" der dort verübten Kriegsverbrechen "erfordert eine internationale juristische
Antwort".
In einer am 12. April 1994 im amerikanischen Holocaust Memorial Museum in Washington gehaltenen Rede
gab die Ständige Vertreterin Amerikas bei der UNO einen Überblick über "die Gründe, warum die USRegierung das Kriegsverbrechertribunal für so wichtig hält".
"Selbst die Androhung von Bestrafung für Kriegsverbrechen kann Leben retten", äußerte sie, und das Tribunal
wird "es den Menschen in Bosnien erleichtem, einen echten Frieden zu erlangen".
Das Tribunal "kann als Abschreckung für andere potentielle Aggressoren dienen" und "das Völkerrecht
stärken", so Madeleine Albright.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede der amerikanischen UNO-Botschafterin im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und eine Herausforderung,
heute abend hier sein zu dürfen. Es ist nicht einfach, in diesem Gebäude eine Rede zu halten. In
seine Wände sind einige der eloquentesten sprachlichen Äußerungen eingraviert, die je gemacht wurden. In seine Ausstellungen wurden einige der
grausamsten Taten aufgenommen, die je begangen
wurden. In diesem lebendigen Museum, das kompromißlos und besser als Worte eine erzieherische
Wirkung hat, das uns tief im Innersten lehrt und
berührt, müssen wir den Taten Worte gegenüberstellen. Es gibt keinen angemesseneren Ort als
diesen, über das Kriegsvertrechertribunal für das
ehemalige Jugoslawien zu sprechen.
Wir haben großes Interesse an einem Erfolg dieses
Tribunals. Heute werde ich erörtern, warum das so
ist. Ich werde jedoch zunächst die Argumente
derjenigen anführen, die nicht dieser Meinung sind.

AMERIKA DIENST 15

Von manchen wird das Kriegsverbrechertribunal als
ein schwacher Ersatz für stärkere internationale
Aktionen zurückgewiesen, als Mittel, Schuld zu
sühnen, weil nicht schon eher mehr zur Beendigung
des Mordens in Bosnien unternommen wurde.
Andere machen sich über das Tribunal lustig, weil es
nicht über sichere Mittel verfügt, die Hauptverdächtigen in Gewahrsam zu nehmen, selbst diejenigen, die
wir für die Hauptverantwortlichen der geschehenen
Grausamkeiten halten.
Andere wiederum stellen die Frage, warum der
Konflikt im ehemaligen Jugoslawien besondere
Aufmerksamkeit verlange. Auch andernorts wurden
und werden Kriegsverbrechen begangen, auch
andernorts finden ethnische Säuberungen statt, gibt
es andere Kriege, die mehr Opfer fordern, andere
Kriege aufgrund von internationaler Aggression,

Seite 1

�andere Kriege, bei denen Greueltaten von oben
befohlen werden. Warum soll man Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien bestrafen und Pol
Pot, Saddam Hussein und ihresgleichen unbehelligt
lassen?
Und schließlich wird das Tribunal von einigen als
Hindernis auf dem Weg zum Frieden betrachtet, die
der Ansicht sind, die Unterhändler würden niemals
einem Frieden zustimmen, wenn er keine Amnestie
für Kriegsverbrechen einschließt.
Die Regierung der Vereinigten Staaten ist nicht der
Ansicht, daß alle Kriegsverbrecher ungestraft davonkommen sollten, nur weil das bei einigen der Fall ist.
Wir sind nicht der Ansicht, daß das Tribunal keinen
Versuch wert ist, weil seine Arbeit so schwierig ist.
Wir widersetzen uns einer Amnestie für die Architekten der ethnischen Säuberungen. Wir sind der
Ansicht, daß die Ermittlung der Wahrheit über die
Ereignisse in Bosnien eine Vorbedingung - und kein
Hindernis - für eine nationale Versöhnung darstellt.
Und wir sind uns bewußt, daß das Tribunal kein
Ersatz für andere Aktionen zur Abschreckung von
Aggression und Ermutigung des Friedens darstellt.
Vor zwei Wochen habe ich in Sarajevo das Grundstück für die neue US-Botschaft eingeweiht. Dort
entdeckte ich ein neues Gefühl der Hoffnung,
gemischt mit fester Entschlossenheit.
In Zentralbosnien hat die Versöhnung zwischen der
Regierung und der Faktion der bosnischen Kroaten
die tödliche Belagerung Mostars beendet. Die
Androhung einer Intervention kroatischer Truppen
besteht nicht mehr. Im unkämpften Osten ist jetzt
der Flugplatz von Tuzla geöffnet worden. Es wird
einfacher und sicherer, sich im Land fortzubewegen.
Wir hoffen, daß die Planer sich bald weniger auf
humanitäre Hilfslieferungen und stärker auf die
Arbeit an den Grundlagen einer nationalen Versöhnung konzentrieren können.
Der vor uns liegende Weg ist jedoch sehr steil.
Bereits erzielte Fortschritte müssen konsolidiert
werden. Der Waffenstillstand muß ausgeweitet
werden. Weitere Aggression in Gorazde und andernorts muß eingestellt werden. Wo es möglich ist,
müssen die Vertriebenen die Chance auf eine
Rückkehr nach Hause erhalten. Die bosnischen
Serben müssen zur Annahme des Friedens überredet werden. Und der Grundsatz, für den das
bosnische Volk kämpfte, litt, lebte und starb, muß
bewahrt werden. Bosnien muß ein multiethnischer
Staat bleiben.
Die Arbeit des Kriegsverbrechertribunals hängt nicht
von politischen Ereignissen ab, und das sollte auch

Seite 2

nicht der Fall sein. Sie ist unabhängig. Sein Auftraggeber ist die zivilisierte Welt, sein versteckter
Feind die in unserer Welt herrschende Selbstgefälligkeit. Selbstgefälligkeit ist jedoch nicht etwas
Angeborenes, kein inneres Organ, sondern etwas
selbst Gewähltes. Es gibt keinen angemesseneren
Ort als diesen, um einen Appell gegen Gleichgültigkeit und für die schwerere Wahl einer Verpflichtung
zur Rechtsstaatlichkeit anzubringen.
Das Kriegsverbrechertribunal wurde im Mai vergangenen Jahres offiziell vom UN-Sicherheitsrat
eingerichtet. Seine Rechtsprechung umfaßt mehrere
Kategorien schwerer Verletzungen der internationalen
Menschenrechte, die ich heute abend der Einfachheit
halber unter der Überschrift "Kriegsverbrechen"
zusammenfasse. Dazu zählen gravierende Verletzungen der Genfer Konvention von 1949, Genozid
und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie im
konventionellen gewohnheitsrechtlichen Völkerrecht
sowie in der Charta und den Urteilen des Nürnberger
Kriegsverbrechertribunals anerkannt.
Die elf Richter des Tribunals, unter ihnen Richterin
Gabrielle Kirk McDonald aus Texas, wurden im
Herbst letzten Jahres gewählt und bereiten sich
intensiv auf ihre Arbeit vor. Beweisregeln und
Prozeßordnung sind bereits beschlossen.
Die
Vereinten Nationen haben für 1994 einen Haushalt in
Höhe von 11 Millionen gebilligt. Wir sind der Ansicht,
daß dieser Betrag sowie die erhaltenen Spenden
vollkommen ausreichen, das Tribunal zu verwirklichen.
Die Suche nach einem Oberstaatsanwalt war lang
und frustrierend. Der bevorzugte Kandidat des
Sicherheitsrats wartete drei Monate, bevor er offiziell
das Amt ablehnte. Die Suche nach einem Nachfolger
hat zu lange angedauert, wir erwarten hierzu jedoch
in Kürze eine Ankündigung. Ich kann Ihnen versichern, daß die Vereinigten Staaten alles in ihrer
Macht Stehende unternommen haben, damit dieses
entscheidende Amt besetzt wird. Glücklicherweise
leistet der stellvertretende Staatsanwalt - in den wir
großes Vertrauen setzen - harte Arbeit.
Die Zusammenstellung von Fakten, auf denen die
Ermittlungen und Anklagen basieren, ist schon weit
fortgeschritten. Tausende Seiten von Dokumenten
und Zeugenaussagen sind zu den Akten genommen
worden: Erklärungen und Berichte von Opfern,
Zeugen, Regierungen, UN-Behörden, internationalen
und nichtstaatlichen Organisationen sowie die von
der Europäischen Union durchgeführten Untersuchungen der gegen muslimische Frauen verübten Verbrechen. Ich begrüße insbesondere die Bestrebungen nichtstaatlicher Organisationen, die für die Sache

AMERIKA DIENST 15

*

�der Gerechtigkeit unschätzbare Arbeit geleistet
haben.
Die Vereinigten Staaten zeigen umfassendes Engage nent:
Wir bemühen uns um eine angemessene Finanzierung des Tribunals,
wir leisten einen freiwilligen Beitrag in Höhe von
3 Millionen Dollar,
der Kongreß hat den Präsidenten ermächtigt,
dem Tribunal bis zu 25 Millionen Dollar an
Waren und Dienstleistungen zur Verfügung zu
stellen (im vergangenen Monat bewilligte der
Präsident die erste Zuweisung - ungefähr 6
Millionen Dollar - dieser Bewilligung),
wir haben eine Gruppe von ungefähr 25 Staatjanwälten, Untersuchungsbeamten, Experten
und anderen zusammengestellt, die direkt mit
dem Tribunal zusammenarbeiten und ihre Arbeit
in den nächsten Wochen aufnehmen,
wir sammeln und analysieren ständig Informationen zu Kriegsverbrechen und
wir haben dem Tribunal Hunderte von Flüchtlingsberichten zur Verfügung gestellt und bereiten Hunderte von weiteren vor.
Diese Berichte wurden aufgrund der sorgfältigen
Arbeit amerikanischer Regierungsbediensteter in
mehreren Teilen der Welt gesammelt. Die meisten
waren Augenzeugenberichte von Greueltaten oder
ethnischen Säuberungen. Nebenbei bemerkt, gehört
einer meiner Mitarbeiter dem Team an, das unter
der Schirmherrschaft des Oberstaatsanwalts des
Tribunals arbeitet und die Opfer der schlimmsten in
diesem Krieg begangenen Greueltaten befragt.
Wir haben andere Regierungen wiederholt gebeten,
sich in finanzieller, politischer und juristischer Hinsicht unseren Bestrebungen zur Unterstützung des
Tribunals anzuschließen. Die Regierungen müssen
bereit sein, Informationen weiterzugeben, Zeugen zu
befragen, die Beschlüsse des Tribunals einzuhalten
und unter ihre Zuständigkeit fallende Verdächtige in
Gewahrsam zu nehmen. In diesem Zusammenhang
möchte ich anmerken, daß Deutschland eine entsetzlicher Verbrechen in einem Konzentrationslager
in Bosnien verdächtige Person verhaftet hat. Die
Dänen haben ebenfalls einen Verdächtigen festgenommen.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eine
Zusammenarbeit in gutem Glauben mit dem Kriegs-

AMERIKA DIENST 15

verbrechertribunal seitens Serbien/Montenegro sowie
der bosnischen und kroatischen Serben in Betracht
ziehen um zu entscheiden, wie im Hinblick auf eine
Lockerung oder Aufhebung der vom UN-Sicherheitsrat gegen die Serben im ehemaligen Jugoslawien
verhängten Wirtschaftssanktionen verfahren werden
soll.
Wir sollten uns bezüglich der das Tribunal konfrontierenden Hindernisse keinen Illusionen hingeben. Dies
ist kein Nürnberg. Die Angeklagten sind nicht die
ausgelieferten Führer einer am Boden liegenden
Macht. Es wird äußerst schwierig werden, Beweismaterial zu beschaffen, einschließlich des Auffindens
von Massengräbern, insbesondere in serbisch
kontrollierten Gebieten. Es wird bei vielen der
Angeklagten schwierig sein, sie in Gewahrsam zu
nehmen.
Realismus im Hinblick auf die Aussichten des Tribunals darf jedoch nicht zu einer zynischen Einstellung
über seine Bedeutung führen. Obwohl es keine
Gerichtsverfahren in Abwesenheit geben wird,
werden Ermittlungen durchgeführt und Fakten gesammelt. Das Tribunal ist ermächtigt, Anklage zu erheben und Haftbefehle auszustellen. Die Regierungen
werden verpflichtet, in ihrem Zuständigkeitsbereich
befindliche Angeklagte auszuliefern. Das Tribunal ist
befugt, den Sicherheitsrat um Vollzugsmaßnahmen
gegen jede Regierung zu ersuchen, die dem nicht
nachkommt. Die Angeklagten haben die Wahl, vor
Gericht zu erscheinen oder internationale Parias zu
werden, die innerhalb der Grenzen ihres eigenen
Landes gefangen sind und mit einer sofortigen
Verhaftung rechnen müssen, falls sie es verlassen
sollten.
Einer unserer Vorteile ist Nürnberg selbst. Viele der
von den Verteidigern in Nürnberg vorgetragenen
rechtlichen Argumente wurden in den dort gefällten
Urteilen wieder entkräftet. Heute sollte es keine
Frage sein, daß die politisch und militärisch Verantwortlichen strafrechtlich verfolgt werden können,
wenn sie nicht den von ihren Anhängern begangenen
Greueltaten ein Ende setzen oder die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Wer den Befehl zu
einem Kriegsverbrechen gibt, ist genauso schuldig
wie derjenige, der das Verbrechen tatsächlich durchführt. Umgekehrt bleibt derjenige verantwortlich, der
solche Befehle durchführt, vorausgesetzt, er hatte
eine moralische Wahl. "Nur Befehle durchzuführen"
oder "nur Befehle zu geben" ist keine haltbare
Rechtfertigung.
Ich möchte jetzt auf die Gründe eingehen, aus denen
die Regierung der Vereinigten Staaten das Kriegsverbrechertribunal für so wichtig hält.

Seite 3

�Erstens erfordert das Ausmaß der im ehemaligen
Jugoslawien begangenen Kriegsverbrechen eine
internationale juristische Antwort.
Der Krieg an sich ist das Ergebnis vorsätzlicher
bewaffneter Aggression. Die Führer der bosnischen
Serben haben eine "Endlösung" - Ausrottung oder
Vertreibung - des Problems der ihrer Kontrolle
unterstehenden nichtserbischen Bevölkerung gesucht. Die gewählten Mittel umfassen Mord, Folter,
wahllose Bombardierung, Brandschatzung, Verstümmelung, Vergewaltigung und Kastration. Die
Hälfte der bosnischen Bevölkerung wurde vertrieben.
Fünf Prozent wurden umgebracht. Die Mißhandlungen waren massiv, wiederholt, absichtlich und
ungeheuerlich. Und keine Seite ist frei von Schuld.
Zu Beginn dieses Jahres besuchte ich ein Massengrab in der Nähe von Vukovar. Dort sah ich eine
Müllhalde, ein Feld verrosteter Kühlschränke und
verschrotteter landwirtschaftlicher Ausrüstung, unter
denen zwei- bis dreihundert Leichen begraben
waren. Es gab keine Blumen, keine Plaketten oder
Grabsteine, keine Vertiefung im Boden.
Hannah Arendt schrieb über die Banalität des
Bösen. Die Banalität dort enthält Übelkeit erregendes Böses.
Während dieses Besuchs fielen mir die Bilder von
Flüchtlingsströmen der aus ihren Häusern in und um
Vukovar Vertriebenen ein. Die Bilder waren mir
unheimlich vertraut. Sie hätten von den Bildern in
diesem Museum stammen können, von Familien auf
der Flucht aus Warschau, Minsk, Bukarest oder
Prag. Die Gesichter waren nicht dieselben, aber ihr
Ausdruck und ihre Bewegungen waren es: Der
langsame, stauchelnde, irregeführte Schritt entwurzelter Familien, gebeugt unter der Last ihrer verbliebenen Habseligkeiten auf einem unbekannten
Weg in eine unsichere Zukunft; die Stärkeren helfen
den Schwächeren, bis sie selbst nicht mehr können.
Ebenso wie die Opfer, deren in diesem Gebäude
gedacht wird, sind die meisten Opfer des Krieges in
Bosnien nicht Soldaten. Es sind Bürger unterschiedlicher Nationalitäten - Kinder, Großeltern, Ärzte,
Krankenschwestern, psychisch Kranke und Kirchenvertreter. Die Mehrheit wurde getötet, nicht weil sie
in die Schußlinie geriet oder einem militärischen Ziel
zu nahe kam. Diese Toten waren -in der Terminologie der Soldaten - keine zwangsläufige Begleiterscheinung eines Krieges. Es waren Männer und
Frauen wie Sie und ich, Jungen und Mädchen wie
die, die wir kennen. Sie wurden zum internationalen
Ziel - nicht aufgrund dessen, was sie getan hatten,
sondern für das, was sie waren.

Seite 4

Der das Kernstück der Nazi-Ideologie bildende
Rassenkult ist im Konflikt in Bosnien nicht vorhanden.
Dies ist nicht der Holocaust. Es hat jedoch Verbrechen des Genozids gegeben. 1939, als Feldmarschall Wilhelm Keitel die Säuberung Polens befahl,
nannte er es "politischen Hausputz". Heute wird es
als ethnische Säuberung bezeichnet. Die Fragen
lauten jedoch ziemlich gleich:
Wie reagieren wir, wenn die Autorität und Ressourcen eines Staates auf die Zerstörung einer
ganzen Kategorie von Menschen ausgerichtet sind?
*
Wie ist es möglich, daß so viele Menschen - die in
anderem Zusammenhang zu Großzügigkeit und
Wärme fähig sind - auf das Niveau von Bestien
sinken?

•

Wie ist es möglich, daß die Zivilisation nicht auf
Verbrechen dieser Größenordnung reagiert und
sich immer noch als "zivilisiert" bezeichnet?
Und wie können wir unsere Reaktion abwägen,
damit sie nicht nach Rache, sondern Gerechtigkeit
dürstet?
Dies bringt mich zu einem zweiten Argument zur
Unterstützung des Kriegsverbrechertribunals. Selbst
die Androhung von Bestrafung für Kriegsverbrechen
kann Leben retten.
Die Aussicht von Kriegsverbrecherprozessen in den
letzten Phasen des Zweiten Weltkriegs veranlaßte
einige Nazigrößen zu einer Änderung ihrer Behandlung der Juden und anderen Gefangenen. Im ehemaligen Jugoslawien hat sich jedesmal die Behandlung der Inhaftierten verbessert und die Zahl der
Greueltaten verringert, wenn die Bestrafung von
Kriegsverbrechern angekündigt wurde. Heute gibt es
Anzeichen, daß einige der schlimmsten Verletzer von
Menchenrechten ihrer Autorität durch ihre früheren
Beschützer beraubt werden, die jetzt Gerechtigkeit
unter dem Gesetz fürchten.
Mit anderen Worten - je ernsthafter wir bezüglich des
Tribunals sind, desto größer wird seine potentielle
Abschreckung sein. Wenn das bedeutet, ein Dorf
bleibt verschont, das sonst angegriffen würde, eine
Frau wird respektiert, die sonst vergewaltigt würde,
einem Gefangenen wird das Leben geschenkt, der
sonst exekutiert würde - dann ist die Existenz des
Tribunals allein aus diesen Gründen gerechtfertigt.
Drittens wird das Tribunal es den Menschen in
Bosnien erleichtern, einen echten Frieden zu erlangen.

AMERIKA DIENST 15

'

�Die auf den Körpern und im Gedächtnis der Überlebenden dieses Krieges hinterlassenen Narben
erfordern Zeit zu heilen. An zu vielen Orten wurden
Nachbarn von Nachbarn betrogen und Freunde von
Freunden durch wilden und feindlich gesinnten
Fanatismus getrennt. Zu viele Familien kommen auf
zu vielen Friedhöfen zusammen, als daß wir sagen
könnten, die ethnischen Differenzen in Bosnien
wären unerheblich. Die Verantwortung für diese
Verbrechen liegt jedoch nicht bei den Serben,
Kroaten oder Muslimen als Menschen - sie liegt bei
denjenigen, die die Verbrechen befohlen und begangen haben. Die durch diesen Krieg geschlagenen
Wunden werden sehr viel schneller heilen, wenn die
kollektive Schuld für Greueltaten getilgt und individuelle Verantwortung zugewiesen wird.
Viertens kann das Tribunal als Abschreckung für
andere potentielle Aggressoren dienen.
Adolf Hitler hat einmal die Argumente gegen die
Ermordung der Juden mit der rhetorischen Frage
verworfen: "Wer erinnert sich schließlich noch an
die Armenier?"
Wenn die Architekten des Krieges und der ethnischen Säuberung in Bosnien ungestraft ausgehen,
würde die für Möchtegern-Milosevics auf der ganzen
Welt daraus zu ziehende Lehre uns alle gefährden,
denn die heutige Welt ist ein Pulverfaß offener und
potentiell nationalistischer Konflikte.
Nationalstolz kann der Treuhänder eines reichen
kulturellen Erbes sein, er kann Menschen bei der
Verteidigung des Gemeinwohls vereinen, er kann ein
Gefühl der Identität und Zugehörigkeit vermitteln,
das Zeit und Raum überbrückt.
Wenn jedoch der Stolz in "uns" zu Haß gegen "sie"
erstarrt, ist das Ergebnis ein verengter Blickwinkel
und der Zwang zu Gewalt. Wie wir in Deutschland
vor einem halben Jahrhundert, in Amerika mit dem
Ku-Klux-Klan beobachten konnten und wie wir heute
in Serbien sehen können, steht am äußersten Ende
von ethnischem Stolz Faschismus.
Es gibt Tausende selbsterklärter ethnischer Gruppen
auf der Welt, allein über 100 in der ehemaligen
Sowjetunion. Nicht jede kann zu Recht erwarten,
ihre eigene Flagge, Währung, Fluggesellschaft und
ihren eigenen Staat zu haben.
Heute gewinnen gewalttätige separatistische Bewegungen an Stärke. Unkontrolliert könnten sie ganze
Teile Europas, Asiens und Afrikas in einem Konflikt
verschlingen. Die Geschichte von Sarajevo bis
Sarajevo warnt uns, daß große Mächte häufig hineingezogen werden, wenn kleine Mächte kämpfen.

AMERIKA DIENST 15

Wir haben ein Interesse daran, daß die Glut ethnischer Konflikte gekühlt wird und Modelle zur Beschwichtigung der Angst, Harmonisierung der Ambitionen und Klärung der Prinzipien entworfen werden.
Aus diesem Grund werden wir weiterhin unsere
Ansicht vertreten, daß dem einzelnen unabhängig
von der Gruppenidentität grundlegende Menschenrechte zustehen. Aus diesem Grund werden wir
weiterhin die Arbeit der KSZE und anderer Organisationen unterstützen, um die Achtung der Rechte von
Minderheiten zu verbessern. Aus diesem Grund
werden wir weiterhin über die Vereinten Nationen und
regionale Organisationen auf die friedliche Beilegung
von Konflikten hinarbeiten. Aus diesem Grund sollten
wir entschlossen sein, aus dem Konflikt in Bosnien wenn wir können - zwei Lehren zu ziehen: Erstens,
daß Aggressoren und Geächtete zur Rechenschaft
gezogen werden und zweitens, daß das Problem der
Minderheiten nicht durch ethnische Säuberung gelöst
werden kann.
Und aus diesem Grund werden wir weiterhin den
Aufstieg ultranationalistischer Gruppen in strategischen Regionen der Welt mit tödlichem Ernst beobachten.
Wir sollten niemals vergessen, daß die extremen
Ansichten Adolf Hitlers viele dazu veranlaßten, sich
über ihn lustig zu machen, als sie sich gegen ihn
hätten stellen sollen. Heute möchten wir vielleicht
dem russischen Außenminister zustimmen, daß
Wladimir Schirinowskij weniger ein politisches als ein
medizinisches Problem ist. Es ist jedoch beunruhigend, Verbindungen zwischen radikalen Nationalisten
in Rußland und dem ehemaligen Jugoslawien zu
sehen. Und die Geschichte lehrt uns, daß der
einzelne gleichzeitig geistesgestört und gefährlich
sein kann.
Schließlich kann das Kriegsverbrechertribunal das
Völkerrecht stärken.
Was wir im ehemaligen Jugoslawien beobachten,
geht über einen Krieg bis zur Vergewaltigung von
Recht und Zivilisation selbst hinaus. Wir in einer
freien Gesellschaft lebenden Amerikaner haben
großes Interesse an einer Welt, in der akzeptable
"Spielregeln" eingehalten werden. Heute kommt die
Mehrzahl der uns konfrontierenden Bedrohungen von
Regimen, die sich entschlossen haben, außerhalb
des Gesetzes zu operieren. Wir sind entschlossen,
für ein solches Verhalten einen Preis zu fordern, sei
es in Form diplomatischer Isolierung, Wirtschaftssanktionen, militärischer Eindämmung oder Zwang.
Das Kriegsverbrechertribunal begrüßt diesen Ansatz.

Seite 5

�Beispielsweise verleiht das Tribunal dem Prinzip
Inhalt, daß die Gesetze des Krieges unabhängig von
Erfolgen auf dem Schlachtfeld angewandt werden
sollten.
Das Tribunal bekräftigt den Status von Vergewaltigung während eines bewaffneten Konflikts als
Verletzung des internationalen humanitären Rechts.
Das Tribunal erkennt an, daß Störungen humanitärer
Hilfslieferungen ein Kriegsverbrechen sind. Dies hat
tiefgreifende Auswirkungen auf künftige UN-Missionen.
Und das Tribunal klärt, daß es eine logische Konsequenz des Rechts auf Auswanderung gibt - das
von der Hohen Flüchtlingskommissarinder Vereinten
Nationen, Dr. Sadako Ogata, sogenannte "Bleiberecht" - ein Recht, das in diametralem Gegensatz zu
ethnischer Säuberung steht.
Dies sind Schlüsselprinzipien. Mit ihrer Verwirklichung würden sie nicht nur Bürger einer ethnischen
Gruppe im ehemaligen Jugoslawien schützen,
sondern alle. Und sie würden uns allen einen
gesonderten Sicherheitsrahmen bieten.
Zweifelsohne wird das Kriegsverbrechertribunal nicht
das menschliche Verhalten revolutionieren, es wird
nicht jegliche Aggression stoppen, es wird Kriegsverbrechen kein Ende setzen, es wird - selbst im besten
Falle - nicht mehr sicherstellen als ein gewisses Maß
an Gerechtigkeit im ehemaligen Jugoslawien. Aber
es wird zumindest die Kraft und das Prestige des
Völkerrechts direkt an die Seite der Opfer dieses
Konflikts stellen. Es wird die Aussichten auf einen
dauerhaften Frieden verbessern. Es wird in den
Köpfen der Möchtegern-Aggressoren ein Quentchen
Vorsicht hinzufügen. Es wird die Fundamente einer
zivilisierten Gesellschaft in einer gefährlich instabilen
Welt sichtbar stärken. Und es wird das Berichten
der New York Times zufolge jetzt in Belgrad populäre Lied Lügen strafen: "Mein Vater ist ein Kriegsverbrecher, aber niemand wagt, ihn vor Gericht zu
bringen."
Heute abend, mit dem Krieg und dem Kriegsverbrechertribunalvor Augen wollen wir hier in diesem
der Erinnerung gewidmeten Museum feierlich geloben, nicht zuzulassen, daß die Zukunft von der
Vergangenheit definiert wird.
Einige sagen, wir alle seien Gefangene der Geschichte und die Gewalt, die das ehemalige Jugoslawien heimsucht, sei nur das unvermeidliche
Nachbeben der Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte
zuvor erlebten Streitigkeiten.

Seite 6

Einige fühlen sich von den gegen die Menschen in
Bosnien begangenen Verbrechen nicht betroffen, weil
die Opfer so weit weg sind, und aufgrund anderer
Probleme - und anderer Verbrechen - die unsere
Aufmerksamkeit hier zu Hause erfordern.
Einige sehen die menschliche Tragödie und die
rechtmäßige Entrüstung vor einem breiten geopolitischen Hintergrund und sagen, es sei "unrealistisch"
für uns, sich sehr oder sehr lange darum zu kümmern.
Einige sind so entsetzt über die Grausamkeit dieses
und anderer Kriege, daß sie am menschlichen
Fortschritt verzweifeln und sich weigern anzuerkennen, daß ein gewisses Maß an Gerechtigkeit überhaupt keiner Gerechtigkeit vorzuziehen ist.
Aufgrund unserer Erfahrungen können wir jede dieser
Einstellungen unterstützen. In diesem Gebäude gibt
es vieles, das zu Pessimismus und Verzweiflung
verleitet.
Wir können uns den verdammenswerten beiden
Gesichtern der menschlichen Natur nicht entziehen.
Wir können unser Leben oder unsere Politik nicht auf
Illusionen über den menschlichen Charakter gründen.
Aber wir können verstehen, daß es Grenzen in uns
für das von uns zu Leistende gibt, die das von uns
Angestrebte einschränken. Wir können die Realität
der Grausamkeit akzeptieren, ohne die Grausamkeit
zu akzeptieren. Wir können an Auschwitz denken
und verzweifeln, oder wir können über Auschwitz
nachdenken und geloben, Verzweiflung niemals
Untätigkeit entschuldigen zu lassen.
Wir sind dieselbe Spezies wie Adolf Hitler, aber auch
wie Anne Frank, Oskar Schindler, Raoul Wallenberg
und die Rebellen im Warschauer Ghetto.
Wir sind dieselbe Spezies wie die Belagerer Sarajevos und ihre Verteidiger, dieselbe Spezies wie die
Mörder in Bosnien und dieselbe wie die vielen,
einschließlich der bosnischen Serben, die ihr Leben
zur Rettung anderer riskiert haben.
Wir sind die Erben einer Nation, die zu spät zu wenig
zur Beendigung des Holocaust getan und dann
Buchenwald befreit hat.
Wir sind eine Nation, die mit ihrem direkten Engagement in Bosnien gezögert und mehr als jede andere
Nation getan hat, um Hoffnung zu wecken.
Wir kommen nicht in dieses Museum, um das Verständnis zu erleichtem. Wir kommen nicht zur

AMERIKA DIENST 15

�Beruhigung hierher. Wir kommen hierher um zu
lernen - nicht Antworten, sondern Fragen.

Dieses Museum fordert, was das Leben fordert: Eine
Entscheidung zu treffen.

Das Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige
Jugoslawien ist ein Test, ob wir die richtigen Fragen
stellen. Indem wir es unterstützen und dafür kämpfen, können wir unseren Teil dazu beitragen, nicht
von der Geschichte gefangengenommen zu werden,
sondern sie zu gestalten; eine Welt aufzubauen, die
nicht ohne Konflikt ist, in der Konflikt aber effektiv
eingedämmt wird; eine Welt nicht ohne Repression,
in der jedoch der Einflußbereich der Freiheit erweitert wird; eine Welt nicht ohne gesetzloses Verhalten, in der aber die Interessen der Gesetzestreuen
zunehmend gesichert sind.

Solange zuzusehen, wie wir können, oder so viel zu
tun, wie wir können.
Lassen Sie uns im Namen der seit langem und vor
kurzem Verstorbenen, der Lebenden und der nachfolgenden Generationen alles in unserer Macht
Stehende tun, um den Genozid zu beenden und uns
in den Dienst des Lebens zu stellen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 15

Seite 7

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Keine Ermächtigung der UNO für USA und NATO zur Unterstützung Gorazdes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Einsatz von Luftstreitkräften nicht möglich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA prüfen Optionen für Reaktionen auf Tragödie von Gorazde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme des Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Welthandelssystem darf nicht die Ausbeutung der Arbeitnehmer fördern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Vizepräsident Gores in Marrakesch&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Globale Interdependenz erfordert Überprüfung von Arbeitsfragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kriegsverbrechen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Albright fordert weltweite Unterstützung für Kriegsverbrechertribunal&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede im Holocaust Memorial Museum&lt;/em&gt;</text>
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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

S T » N *'

Z12462 C

13. April 1994

14

&gt;

BOSNIEN

CLINTON: LUFTANGRIFFE DER NATO
IM EINKLANG MIT UNO-POLITIK
Erklärungen des Präsidenten

LAKE: BOSNISCH-KROATISCHES
ABKOMMEN SETZT SERBEN UNTER
DRUCK
Rede an der Johns Hopkins
University

ABRÜSTUNG

DAS NUNN-LUGAR-PROGRAMM
Übersicht des Amts für
Rüstungskontrolle und
Abrüstung

EXPORTKONTROLLEN

USA UND VERBÜNDETE
GRÜNDEN NEUE
EXPORTKONTROLLGRUPPE
Ankündigung des
Wirtschaftsministeriums

MENSCHENRECHTE

FÖRDERUNG VON DEMOKRATIE UND
MENSCHENRECHTEN
John Shattuck über das Hauptziel
der US-Außenpolitik
bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 4102

�.

DROGEN

WICHTIGE UND DAUERHAFTE
ERFOLGE BEIM KAMPF GEGEN
DROGEN ERZIELT
Bericht des Außenministeriums

BILDUNG

CLINTON UNTERZEICHNET GESETZ
FÜR UMFASSENDE REFORM DES
BILDUNGSWESENS
"Goals 20Ö0" stellt neue Normen auf

LANDESKUNDE

HAUPTSTADTBESUCHE
von Patricia Harris und David Lyon

4

&amp;

Wir bitten unsere Leser um Verständnis,
daß der Amerika Dienst letzte Woche aus
technischen Gründen nicht erscheinen konnte.

r

*.

�BOSNIEN
13. April 1994

CLINTON: LUFTANGRIFFE DER NATO
IN EINKLANG MIT UNO-POLITIK
Erklärungen des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Die jüngsten Luftangriffe der NATO gegen serbische Ziele in Bosnien waren "eine
direkte Antwort" auf die Bitte um Luftunterstützung von General Michael Rose, dem UN-Kommandeur in
Bosnien, und wurden "voll und ganz im Einklang" mit der bestehenden UN-Politik durchgeführt, erklärte
Präsident Clinton.
Bei einem Phototermin im Weißen Haus am 11. April 1994 erläuterte der Präsident, warum die NATOLuftstreitkräfte zum zweiten Mal binnen 24 Stunden auf eine Bitte der UN-Schutztruppe UNPROFOR reagierten.
"Die andauernde Bombardierung Gorazdes durch die Serben gefährdete das dort stationierte UN-Personal",
stellte Clinton fest. Die Vereinten Nationen, betonte er, "wollen die Serben zur Einstellung der Bombardierung
... zum Rückzug und zur Wiederaufnahme der Verhandlungen veranlassen".
In einer am 10. April 1994 nach dem NATO-Luftangriff gegen die Gorazde belagernden serbischen Streitkräfte
abgegebenen Erklärung äußerte Clinton, das Vorgehen des Bündnisses sei "ein klarer Ausdruck des Willens
der NATO und ein eindeutiger Appell an die Serben, sich aus Gorazde zurückzuziehen und die Verhandlungen
wiederaufzunehmen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärungen von Präsident Clinton im Wortlaut.

Frage: Was können Sie uns zu den jüngsten
Luftangriffen in Bosnien sagen?
Antwort: Die jüngsten Luftangriffe waren eine
direkte Antwort auf General Roses Bitte um
Luftunterstützung. Die andauernde Bombardierung
Gorazdes durch die Serben gefährdete das dort
stationierte UNO-Personal, und die Luftangriffe
wurden voll und ganz im Einklang mit der
bestehenden UN-Politik durchgeführt.
Frage: Können Sie uns sagen, wieviele Flugzeuge
welcher Art eingesetzt und welche Ziele getroffen
wurden?

ermutigen die Serben zum Rückzug aus der
Schutzzone sowie zur Wiederaufnahme der
Verhandlungen und Einstellung der Bombardierung.
Wenn die Vereinten Nationen bei der Durchführung
ihrer Aufgabe einem Risiko ausgesetzt werden,
können sie um Luftunterstützung der NATO bitten.
Das haben sie getan, und wir haben alles in unserer
Macht Stehende getan, um diese Unterstützung
bereitzustellen.
Frage: Sind wir nur um das UNO-Personal besorgt?

Antwort: Sie haben Ziele getroffen, und über die
Einzelheiten werden Sie noch informiert.

Antwort: Die UNO-Resolution erteilt der NATO die
Befugnis zu handeln. Wir handeln ausschließlich im
Rahmen der vom Sicherheitsrat verabschiedeten
bestehenden UNO-Resolution.

Frage:
Werden die Vereinten Nationen die
Einwohner von Gorazde verteidigen?

Frage: Würde man wie in Sarajevo eine Sperrzone
um Gorazde errichten?

Antwort:
Die Vereinten Nationen führen ihre
Mission dort aus und versuchen, Gorazde wieder
wie vereinbart zu einer Schutzzone zu machen. Sie

Antwort: Die Vereinten Nationen wollen die Serben
zur Einstellung der Bombardierung, zum Rückzug
und zur Wiederaufnahme der Verhandlungen

AMERIKA DIENST 14

Seite 1

�veranlassen. Ich möchte es nicht unbedingt mit
Sarajevo vergleichen. Es gibt einige taktische und
faktische Unterschiede. Die NATO hat nur auf die
Bitte um Luftunterstützung bei der Durchführung der
UNO-Mission reagiert.
Frage: Haben Sie mit Präsident Jelzin über diese
jüngsten...
Antwort: Nein, ich habe gestern abend mit ihm
gesprochen, und heute ist er nicht in der Stadt. Wir
hatten gestern abend ein ziemlich langes Gespräch.
Ich habe ihm erklärt, daß sich die Situation von der
in Sarajevo unterscheidet. Es gab eine gültige UNPolitik, die gleiche Politik, gemäß der wir handelten,
als die Flugzeuge vor einigen Wochen
abgeschossen wurden, daß wir aber meines
Erachtens enge Koordinierung mit den Russen
haben sollten. Schließlich sind die Russen Teil der
UNPROFOR-Delegation hier. Sie haben Soldaten
am Boden in Bosnien stationiert. Wir hatten ein
gutes Gespräch. Meines Wissens wurden heute
zwischen dem amerikanischen Außenminister und
seinem Amtskollegen sowie zwischen den
Verteidigungsministern weitere Gespräche geführt.
Sie haben eine entscheidende Rolle zu spielen,
wenn die Friedensgespräche wiederaufgenommen
werden, was ich hoffe.
Wie gesagt, wir hatten ein gutes Gespräch. Ich
habe ihm erklärt, was geschehen ist. Am Anfang
war er - glaube ich - besorgt, daß er nicht vorher
darüber informiert worden war. Ich habe genau
erläutert, was geschehen ist - daß die Vereinten
Nationen darum gebeten haben und Generalsekretär
Boutros-Ghali am Tag davor eine Presseerklärung
herausgegeben hatte, in der er sich für diese Aktion
aussprach, wenn die Bombardierung nicht eingestellt
würde, General Rose die entsprechende
Genehmigung von den Zivilbehörden in Bosnien
erhalten hatte, zu dieser Aktion Befugnis erteilt
wurde und ich in der Annahme war, daß die
Vereinten Nationen alle UNPROFOR-Mitglieder
darüber in Kenntnis gesetzt hätten, es sich aber um
nichts Neues oder anderes handelte.
In solchen Fällen hat man oft nicht viel Zeit. Wie Sie
wissen, hatten wir nur etwa eine halbe bis
anderthalb Stunden für die Entscheidung. Ich weiß
nicht genau, wieviel Zeit, aber wir haben meines
Erachtens unter den Umständen absolut richtig
reagiert.
Während heute Verhandlungen über einen
Waffenstillstand in Bosnien geführt wurden,
begannen die Serben einen neuen Angriff auf
Gorazde. Diese Angriffe haben zu vielen Opfern
geführt und das dortige UNO-Personal gefährdet.

Seite 2

Der Kommandeur der UNPROFOR, General Rose,
ersuchte und erhielt von den UN-Zivilbehörden die
Genehmigung für Luftunterstützung durch die NATO.
Entsprechend der derzeitigen Befugnis und Politik
reagierten die Streitkräfte der NATO unverzüglich.
Unter dem Kommando der NATO stehende
amerikanische F-16-Kampfflugzeuge griffen
mindestens ein von der UNPROFOR identifiziertes
Ziel an. Der NATO unterstehende französische
Flugzeuge nehmen keine Einschätzung der
entstandenen Schäden vor.
Wir haben erklärt, wir würden handeln, wenn wir
darum gebeten würden. Jetzt haben wir das getan
und werden es wieder tun, wenn man uns darum
ersucht. Die Serben sollten ihre Angriffe auf Gorazde
einstellen und sich zurückziehen. Die Gespräche
über eine Beendigung der Feindseligkeiten in
Bosnien sollten wiederaufgenommen werden. Wir
befanden uns bei diesen Gesprächen an einem
wichtigen Punkt, als diese Angriffe ihren Verlauf
unterbrachen, und ich hoffe stark, daß die Angriffe
jetzt eingestellt werden, die Serben sich zurückziehen
und die Gespräche über eine Einstellung der
Feindseligkeiten fortgesetzt werden.
Ich habe viel Vertrauen in die Entschlossenheit von
General Rose. Wir unterstützen ausdrücklich seine
Entscheidung, und ich begrüße die schnelle Reaktion
der Zivilbehörden der Vereinten Nationen.
Frage: Was denken Sie über eine serbische
Vergeltung?
Antwort: Wir haben keinen Grund, damit zu
rechnen. Wir haben Vergeltung geübt. Die Vereinten
Nationen haben eindeutig klargestellt, daß sich UNOPersonal in Gorazde befand und ein Angriff auf die
Stadt als eindeutige Verletzung der Regeln
interpretiert würde. Und es geschah trotzdem.
General Rose bat um Luftunterstützung, die
Zivilbehörden genehmigten sie prompt und wir
unterstützten sie.
Frage: Nach dem Luftangriff gab es Berichte, es
seien Luftabwehrraketen in die Vorstädte geschossen
worden - auf die Häuser.
Antwort: Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht
bestätigen.
Frage: Herr Präsident, wußten sie von dem
Luftangriff, bevor er begann?
Antwort: Wir wußten vor seinem Beginn, daß
General Rose darum gebeten hatte. Es geschah
alles sehr schnell. Es verging nicht viel Zeit zwischen
seinem Ersuchen um Unterstützung durch die

AMERIKA DIENST 14

�Zivilbehörden und ihre Gewährung. Wir haben diese
Entwicklung genau verfolgt.
An zwei
aufeinanderfolgenden Tagen - Donnerstag und
Freitag - habe ich mit dem Außenminister, dem
Verteidigungsminister und dem Nationalen
Sicherheitsberater über dieses Thema gesprochen.
Ich wurde gestern informiert, und wir sprachen heute
morgen erneut zusammen. Es wurde klar, daß
General Rose wahrscheinlich das Ersuchen stellen
würde, und als er das tat, wurden wir informiert,
sobald Herr Akashi ihm stattgab.

Frage: Sind Sie der Ansicht, daß der Angriff in
Bosnien ein einmaliger Vorfall war? Glauben Sie,
daß wir unsere Luftstreitmacht dort erneut einsetzen
müssen?

Frage: Was wird ihrer Meinung nach als nächstes
geschehen? Glauben Sie, daß das alles war, oder
fürchten Sie, die NATO muß erneut zuschlagen?
Antwort: Das weiß ich nicht. Wir müssen fest
bleiben. Wir haben in der Vergangenheit gesehen,
daß es den Verhandlungen förderlich war, wenn wir
eine UNO-Mission entschieden unterstützten.
Genau das versuchen wir: Die Verhandlungen zu
fördern.
Ich würde gerne noch einen weiteren Kommentar
anfügen. Wie Sie alle wissen, liegt uns die
Sicherheit der in Ruanda lebenden Amerikaner sehr
am Herzen. Soweit wir wissen, sind die letzten
Konvois mit allen Amerikanern, die das Land
verlassen wollen, entweder bereits in Burundi oder
auf dem Weg dorthin.

*

AMERIKA DIENST 14

Im Namen unserer ganzen Nation möchte ich
unserem Botschafter in Ruanda, Botschafter Rawson,
ein besonderes Wort des Dankes dafür aussprechen,
wie er mit den Problemen umging und die Sicherheit
der amerikanischen Bürger in dieser äußerst
schwierigen Situation garantierte. Darüber kann
morgen vielleicht noch mehr gesagt werden. Zum
jetzigen Zeitpunkt sollten wir ihm alle für das dankbar
sein, was er für die Sicherheit unserer Bürger getan
hat.

Antwort: Meines Erachtens müssen wir dazu bereit
sein. Ich habe jedoch keinen Grund, die eine oder
andere Ansicht zu vertreten.
Ich bin nicht
hoffnungsvoll und nicht skeptisch. Ich bin lediglich
der Meinung, daß die Führung dort nicht sehr straff
ist, die Kommunikationswege nicht so lückenlos.
Vielleicht geschah etwas, für das von seiten der
Kommandozentrale der bosnischen Serben keine
Genehmigung erteilt wurde. Meines Erachtens ist
das ein klarer Ausdruck des Willens der NATO, der
Vereinten Nationen und der UNPROFOR-Operation.
Es ist ein eindeutiger Appell an die Serben, sich aus
Gorazde zurückzuziehen und die Verhandlungen
wiederaufzunehmen.

* * *

*

Seite 3

�BOSNIEN
13. April 1994

LAKE: BOSNISCH-KROATISCHES ABKOMMEN
SETZT SERBEN UNTER DRUCK

Rede an der Johns Hopkins University
BALTIMORE - (AD) - Dem Nationalen Sicherheitsberater Anthony Lake zufolge ändert das bosnisch-kroatische
Abkommen "das Kräfteverhältnis in dem Gebiet und übt auf die Serben größeren Druck aus, an den
Verhandlungen über ihren künftigen Status in Bosnien teilzunehmen".
In einer am 7. April 1994 an der Johns Hopkins University in Baltimore (Maryland) gehaltenen Rede erklärte
Lake, obwohl es in einigen bosnischen Städten Fortschritte im Zusammenhang mit einem Waffenstillstand und
den Hilfslieferungen gebe, stehe der Fortschritt in anderen Gebieten, in denen ethnische Säuberungen und die
Kämpfe andauern, "weiterhin auf tönernen Füßen".
Lake umriß vier von den Vereinigten Staaten in Bosnien verfolgte Ziele:
"Serbien und den bosnischen Serben gegenüber klarstellen, daß die Kosten fortgesetzter Kompromißlosigkeit
hoch sind."
"Die Effektivität des NATO-Engagements durch verbesserte Koordinierung mit den Vereinten Nationen erhöhen."
Die Intensivierung der "diplomatischen Bestrebungen zur Einbeziehung der Serben" gleichzeitig mit den
europäischen Verbündeten und Rußland.
Die Vorbereitung einer möglichen Dislozierung von NATO-Truppen, einschließlich amerikanischer Truppen, zur
Durchsetzung des Friedens, während die Parteien auf eine Lösung hinarbeiten.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus freigegebenen Redetext im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, hier an der Johns Hopkins
University sprechen zu dürfen. Im vergangenen
Jahr habe ich den Studenten aus dem ganzen Land
eine einfache Botschaft vermittelt: Ihre Generation
muß sich engagieren, sich für die Welt als Ganzes
interessieren, sich an der Gestaltung unserer
Außenpolitik beteiligen. Denn zum gegenwärtigen
Zeitpunkt ist die Führungsrolle Amerikas in der Welt
wichtiger als je zuvor.
Auf einem Campus, aus dem so viele führende
Persönlichkeiten dieser Nation hervorgegangen sind,
erneuere ich diesen Appell an Ihr Engagement. Und
ich möchte heute insbesondere über den Konflikt im

AMERIKA DIENST 14

ehemaligen Jugoslawien und das amerikanische
Interesse an seiner Beilegung sprechen.
Seit nahezu drei Jahren werden die Nationen dieser
Region von Krieg zerrüttet. Wir können uns nur an
wenige Konflikte erinnern, die ein derartiges
Gemetzel verursacht haben. Wir haben alle die
Bilder von blutbefleckten
Märkten
und
blutüberströmten Zivilisten gesehen, die von
Heckenschützen niedergeschossen wurden. Wir alle
waren erschüttert über die schrecklichen Berichte von
Massenvergewaltigungen, Konzentrationslagern und
ethnischen Säuberungen. Unsere Herausforderung

Seite 1

�besteht darin, diese Empörung für klare Analysen
und entschlossenes Handeln zu nutzen.
Die Kampfhandlungen in Bosnien sind Teil einer
längeren Geschichte von Wandel und Konflikt in
diesem Gebiet. In Europa und auf der ganzen Welt
hat das Ende des Kalten Krieges Millionen
Menschen befreit und neue Chancen für mehr
Sicherheit geschaffen.
Es hat aber auch
nationalistischen Haß freigesetzt.
Nirgends waren die Konsequenzen tragischer als im
ehemaligen Jugoslawien. Dort haben durch
serbische Aggression angeheizte nationalistische
und religiöse Spannungen zu brutalen Kämpfen und
einer massiven Verschleppung von Zivilisten geführt.
Mehr als 115.000 Menschen haben in diesem Krieg
ihr Leben verloren. Mehrere Millionen wurden zum
Verlassen ihrer Häuser gezwungen. Man kann
jedoch die zerstörten Hoffnungen und ausgelöschten
jungen Leben nicht in Zahlen ausdrücken,
ebensowenig wie die langsame und schreckliche
Unterminierung des grundlegenden Anstands und
der menschlichen Zivilisation, die dieser Krieg
herbeiführte.
Wenn uns dieses Jahrhundert etwas gelehrt hat,
dann die Tatsache, daß Amerika es sich nicht leisten
kann, die Konflikte in Europa zu ignorieren. Der
fünfzigste Jahrestag der Invasion in der Normandie
erinnert uns daran, daß die Sicherheit unserer
Nation weiterhin mit der Sicherheit und dem Frieden
in Europa verbunden ist. Und in dieser Ära besteht
unsere Aufgabe nicht nur in der Aufrechterhaltung
des erforderlichen Kräfteverhältnisses, sondern auch
im Umgang mit einer Welt, in der die meisten
Auseinandersetzungen interne Konflikte sind.
Wie der Präsident wiederholt erklärte, stehen für die
Vereinigten Staaten im bosnischen Konflikt deutliche
Interessen auf dem Spiel. Zunächst sind wir daran
interessiert, die Ausweitung eines Krieges zu
verhindern, der unsere Verbündeten einbeziehen
und die Stabilität der neuen demokratischen Staaten
Mittel- und Osteuropas bedrohen könnte. In keiner
Region ist der Erfolg von Demokratie und
Marktwirtschaft wichtiger. Durch die Beteiligung an
den Bestrebungen zur Lösung des Krieges in
Bosnien tragen wir zur Verteidigung der historischen
Reformen in Nachbarstaaten wie Bulgarien, Ungarn
und Rumänien bei - Nationen, deren Sicherheit für
unsere eigene von großer Bedeutung ist.
Für uns stehen in Bosnien auch andere Interessen
auf dem Spiel. Wir haben ein Interesse daran zu
zeigen, daß die NATO - das größte Militärbündnis
der Geschichte - eine glaubwürdige Kraft für den
Frieden in diesem Zeitalter darstellt. Wir haben ein

Seite 2

Interesse
daran, zur
Eindämmung
des
Flüchtlingsstroms in ganz Europa beizutragen. Und
wir haben ein humanitäres Interesse an der
Beendigung des fortgesetzten Gemetzels an
Unschuldigen.
Obwohl diese
Interessen keine unilaterale
amerikanische Intervention rechtfertigen, rechtfertigen
sie ein starkes amerikanisches Engagement und eine
Führungsrolle unseres Landes. Aus diesem Grund
hat Präsident Clinton in seiner Wahlkampagne die
Vereinigten Staaten dringend aufgefordert, sich
aktiver zu engagieren. Aus diesem Grund haben wir
unter Präsident Clinton aktiv Anteil an den
Bestrebungen zur Beendigung des Konflikts
genommen.
Aus diesem Grund hat der Präsident deutlich
gemacht, daß die Vereinigten Staaten für den Fall,
daß die Parteien eine tragfähige, durchsetzbare
Friedenslösung finden, im Rahmen der NATO zur
Dislozierung von Truppen zu ihrer Umsetzung bereit
sind.
Wenn wir die Entsendung von Truppen zur
Durchsetzung einer Lösung in Erwägung ziehen,
müssen wir uns über die Ursprünge und Natur dieses
verworrenen Konflikts ebenso im klaren sein, wie wir
es vorher über unsere Interessen in dieser Region
waren. Ich möchte Ihnen einen kurzen Überblick
geben.
Als 1991 in Jugoslawien ein halbes Jahrhundert
kommunistischer Herrschaft endete, begann der
Balkan wieder einmal auseinanderzubrechen. Unter
den jugoslawischen Serben fing der Nationalismus
erneut Feuer.
Die von Serben beherrschte
Bundesarmee und die von Demagogen angeführten
paramilitärischen Einheiten der Serben schürten die
Flammen des Krieges, als mehrere Republiken des
Landes - Slowenien, Bosnien und Kroatien - nach
Unabhängigkeit strebten.
Die ersten Kämpfe begannen im Juni 1991, als
Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit
erklärten. Nach mehreren Monaten zog sich die
Bundesarmee aus Slowenien zurück und erkannte
damit stillschweigend die Unabhängigkeit des Staates
an. In Kroatien einigten sich nach mehrmonatigen
Kämpfen und dank der diplomatischen Bemühungen
von Cyrus Vance und anderen führende serbische
und kroatische Politiker auf einen Waffenstillstand
und die Entsendung von UN-Blauhelmen. Für die
Situation in Kroatien ist noch keineswegs eine
Lösung gefunden worden, sie hat sich jedoch
verbessert.
In Bosnien geht das Blutvergießen jedoch weiter.
Früher war Bosnien ein Staat, in dem Kroaten,

AMERIKA DIENST 14

�Serben und Muslime friedlich Seite an Seite lebten.
Die bosnische Hauptstadt Sarajevo war vor zehn
Jahren Gastgeber der Olympischen Spiele und ein
Denkmal für Toleranz und Brüderlichkeit. Als sich
Bosnien im Februar 1992 jedoch für die
Unabhängigkeit entschied, reagierten die Serben mit
Gewalt. Einige fürchteten um ihren Status als
Minderheit, trotz Bosniens Status als multiethnische
Demokratie. Andere in Bosnien und Serbien sahen
eine Chance, ihren Traum von einem "Großserbien"
zu verwirklichen. Als Folge davon tauchte Bosnien
in eine dunkle Nacht des Terrors ein.
Während des Frühjahrs und Sommers 1992
arbeiteten die Europäische Gemeinschaft und die
Vereinten Nationen erfolglos an einer diplomatischen
Lösung. Eine Waffenstillstandsvereinbarung nach
der anderen wurde gebrochen. In dieser ganzen
Zeit wuchs die Entrüstung der internationalen
Staatengemeinschaft über die von den Serben
initiierte brutale Belagerung und die ethnischen
Säuberungen. Quälende Bilder ausgemergelter
muslimischer Gefangener verfolgten uns. Und das
Gespenst unkontrollierter serbischer Aggression in
anderen Teilen des Balkans bedrohte unsere
Interessen. Im Oktober 1992 hatten die Serben
nahezu 70 Prozent Bosniens in ihren Besitz
gebracht.
In dieser Anfangsphase, als Präventivmaßnahmen
noch die größte Erfolgschance hatten, forderte Bill
Clinton eine energischere Reaktion des Westens.
Seit seiner Amtsübernahme hat der Präsident
mehrere Bestrebungen unternommen, um ein
friedliches Ende des Konflikts herbeizuführen.
Haben wir alle die Fortschritte gemacht, die wir uns
im vergangenen Jahr gewünscht haben? Nein.
Haben wir etwas bewirkt? Das denke ich schon.
Erstens hat die Administration das Leiden der
Menschen in Bosnien gemildert. Die Vereinigten
Staaten riefen ein innovatives Programm für den
Abwurf humanitärer Güter ins Leben und beteiligten
sich an einer Luftbrücke - der längsten in der
Geschichte - um das Los der Einwohner im
belagerten Sarajevo zu verbessern. Im Rahmen der
Operation Provide Promise haben amerikanische
Flugzeuge gemeinsam mit UN-Friedenstruppen in
Tausenden von Flügen Lebensmittel, Brennstoff,
Medikamente und andere Hilfsgüter geliefert.
Zweitens haben wir mit den Vereinten Nationen und
der Europäischen Union zusammengearbeitet, um
die Sanktionen gegen Serbien zu verschärfen und
ihre Umsetzung zu verbessern. Diese Sanktionen
haben effektiv sämtliche Lieferungen außer
humanitären Hilfsgütern unterbunden. Sie zwangen

AMERIKA DIENST 14

zu drakonischen Sparmaßnahmen und trieben die
Wirtschaft Serbiens in eine Hyperinflation.
Die
Industrieproduktion brach zusammen.
Der
Schiffsverkehr kam zum Erliegen. Als Folge davon
machte die serbische Regierung die Aufhebung der
Sanktionen zu einem ihrer wichtigsten Anliegen.
Drittens haben wir uns bemüht, diejenigen vor Gericht
zu bringen, die für das Gemetzel an Unschuldigen
verantwortlich sind. Im vergangenen Jahr führte das
beständige Engagement der Vereinigten Staaten zur
Schaffung eines Kriegsverbrechertribunals der
Vereinten Nationen. Die Vereinigten Staaten haben
einen signifikanten Beitrag zur Finanzierung und
personellen Besetzung des Tribunals gemacht sowie
Informationen bereitgestellt, die bei der
strafrechtlichen Verfolgung von Kriegsverbrechern
behilflich sein sollten.
Viertens haben wir uns um die Verhinderung der
Ausweitung des Konflikts bemüht. Im serbischen
Kosovo haben die Serben die Menschenrechte der
albanischen Minderheit systematisch unterdrückt. Die
Serben drohten mit derselben Art von ethnischen
Säuberungen, die sie andernorts durchführten. Aus
diesem Grund haben wir unsere Position - tatsächlich
unsere Warnung - erneut bekräftigt, welche die
vorherige Administration gegen die Ausweitung des
Kosovo-Konflikts durch die Serben aussprach. Und
wir haben mehrere Hundert amerikanische Soldaten
zu einer präventiven Friedenstruppe in der
jugoslawischen Nachbarrepublik
Makedonien
beigesteuert.
Fünftens haben wir den Umfang des amerikanischen
diplomatischen Engagements erhöht. Im Februar
vergangenen Jahres entsandte Präsident Clinton
einen Unterhändler zu den Friedensbestrebungen der
Vereinten Nationen und den Vermittlern der EU. Seit
dieser Zeit haben wir Versuche zurückgewiesen, die
Muslime in Bosnien zur Annahme einer ungerechten,
nicht durchsetzbaren Lösung zu drängen.
Sechstens haben wir die Macht der NATO in den
Dienst der Diplomatie gestellt. Mit unseren NATOVerbündeten haben wir eine Flugverbotszone über
Bosnien durchgesetzt - und die Ernsthaftigkeit dieses
Unternehmens unter Beweis gestellt, als die
Jagdflugzeuge der NATO am 28. Februar vier
serbische Jagdbomber abschössen.
Im letzten
Sommer signalisierte die NATO Entschlossenheit, die
Abschnürung Sarajevos und anderer Schutzzonen zu
verhindern. Die NATO stimmte darüber hinaus zu,
fürTausende mutiger UN-Friedenstruppen in Bosnien
Luftüberwachung bereitzustellen.
Und am 9. Februar dieses Jahres stellte die NATO
ermutigt durch Präsident Clintons Führungsrolle beim
Gipfeltreffen im Januar ein Ultimatum. Gemeinsam

Seite 3

�mit unseren NATO-Verbündeten erklärten wir, daß
alle in der Zone um Sarajevo verbliebenen oder
nicht der UNO-Kontrolle unterstellten schweren
Waffen das Ziel von Luftangriffen sein würden.
Auch Rußland hat eine nützliche Rolle gespielt, um
die Serben von der Einhaltung zu überzeugen. Die
diplomatische Intervention Moskaus demonstrierte,
wie die Vereinigten Staaten und Rußland von ihren
klar definierten nationalen Interessen geleitet häufig
kooperativ auf ein gemeinsames Ziel in diesem
Bereich hinarbeiten können.
Das NATO-Ultimatum hat sowohl auf dem Boden als
auch in unserer Diplomatie neue Dynamik
geschaffen. Seit Februar wurden über 300 schwere
Waffen der bosnischen Serben der UN-Kontrolle
unterstellt. Bosnische Regierungstruppen haben
ebenfalls nahezu 50 schwere Waffen übergeben.
Obwohl es sporadische Handfeuergefechte und
unbestätigte Meldungen von Mörserangriffen in der
Umgebung von Sarajevo gab, wurden die
Kampfhandlungen oder die Bombardierung
Sarajevos praktisch nicht wieder aufgenommen.
Das NATO-Ultimatum in Sarajevo hat auch zu neuen
Fortschritten am Verhandlungstisch geführt. Am 18.
März kamen der bosnische und kroatische
Regierungschef im Weißen Haus zusammen, um
Abkommen über die Gründung einer Föderation
zwischen den bosnischen Muslimen und Kroaten zu
unterzeichnen. Diese muslimisch-kroatische Einheit
wird dann zu einer Konföderation mit Kroatien
führen.
Das Abkommen zwischen den Muslimen und
Kroaten hat strategische Konsequenzen.
Es
verändert das Kräftegleichgewicht in dieser Region
und übt größeren Druck auf die Serben zur
Teilnahme an Verhandlungen über ihren zukünftigen
Status in Bosnien und zu territorialen Fragen aus.
Wir befinden uns also an einem Wendepunkt in
Bosnien. Andererseits gibt es Fortschritte in Städten
wie Mostar, wo der Waffenstillstand Monate der
Bombardierung und Kämpfe beendet hat; oder in
Tuzla, wo der Flugplatz jetzt für UN-Hilfsflüge
vorbereitet wird; oder in Maglaj, wohin zum ersten
Mal seit Monaten Hilfslieferungen gelangen.
Die Fortschritte stehen jedoch weiterhin auf tönernen
Füßen. Die ethnischen Säuberungen dauern an, wie
wir in Prijedor beobachten mußten. Die Serben
greifen nach wie vor Muslim-Enklaven an, wie in den
vergangenen Tagen rund um Gorazde. Diese
Kämpfe sollten uns nicht überraschen. Im Vorfeld
einer weiteren Verhandlungsrunde ist jede Seite zur
Verstärkung ihrer Situation auf dem Boden verleitet.
Die Parteien müssen jedoch entscheiden, ob sie bei

Seite 4

der Suche nach einem marginalen Vorteil bereit sind,
wieder Blutvergießen über ganz Bosnien zu bringen.
Wohin müssen wir also von hier aus gehen? Wir
müssen vier Dinge tun. Erstens müssen wir Serbien
und den bosnischen Serben gegenüber klarstellen,
daß die Kosten fortgesetzter Kompromißlosigkeit
hoch sind. Wir müssen die Wirtschaftssanktionen
aufrechterhalten. Wir müssen wachsam gegen
serbische Aggression im Kosovo sein. Wir müssen
den Regionen unter serbischer Belagerung weiterhin
mit humanitären Hilfslieferungen und anderen
geeigneten Schritten behiflich sein.
Ich möchte unmißverständlich klarstellen: Weder der
Präsident noch einer seiner hochrangigen Berater
schließen den Einsatz von NATO-Streitkräften zur
Beendigung von Angriffen wie dem auf Gorazde aus.
Ein Kontingent von UNO-Streitkräften sollte bald auf
dem Weg nach Gorazde sein. Es ist wichtig, daß
dies so schnell wie möglich geschieht. Die NATO ist
gegebenenfalls zur Bereitstellung von
Luftüberwachung für diese Streitkräfte verpflichtet.
Wir stehen zu dieser Verpflichtung. Während wir
andere Wege sondieren, um auf die in Sarajevo
erzielten Fortschritte aufzubauen, müssen wir uns
das zentrale Prinzip unseres Handelns dort vor
Augen führen: Daß effektive Dipomatie an praktische
Machtkalkulationen gebunden ist.
Zweitens müssen wir auch die Effektivität des NATOEngagements durch verbesserte Koordinierung mit
den Vereinten Nationen erhöhen. Wenn die UNFriedenstruppen Luftunterstützung der NATO fordern
- wie sie es seit Februar zweimal getan haben - sollte
ihr Antrag nicht einem zögerlichen
EntScheidungsprozeß unterworfen werden. General
Shalikashvili, der Vorsitzende der Vereinigten
Stabschefs, hat diesen Prozeß als "bestenfalls eine
Tortur" bezeichnet. Wir arbeiten auf die Behebung
der bisherigen Probleme hin.
Drittens müssen wir gleichzeitig mit unseren
europäischen Verbündeten und Rußland unsere
diplomatischen Bestrebungen zur Einbeziehung der
Serben intensivieren. Wir sind zur Zusammenarbeit
mit allen Parteien in Bosnien bei den verbleibenden
territorialen Fragen verpflichtet. Dieser Prozeß - der
unsererseits durch unseren Sonderunterhändler
Botschafter Charles Redman - durchgeführt wird, ist
weiterhin mühevoll, heikel und äußerst schwierig.
Viertens müssen wir uns auf die mögliche
Dislozierung von NATO-Truppen, einschließlich
amerikanischer Truppen, zur Durchsetzung des
Friedens vorbereiten, während die Parteien auf eine
Lösung hinarbeiten. Der Präsident hat erklärt, er
beabsichtige zur Umsetzung eines tragfähigen
Abkommens beizutragen. Unseres Erachtens hat

AMERIKA DIENST 14

�diese Verpflichtung die Parteien zur Beilegung ihrer
Differenzen ermutigt.
Aktive amerikanische
Unterstützung ist unabdingbar. Wie der Präsident
jedoch betont hat, muß eine Einbeziehung unserer
Truppen auf Antrag der Parteien erfolgen und die
erzielte Lösung tragfähig sein.
Wir haben eindeutige und praktische Bedingungen
für eine amerikanische
Beteiligung
an
Friedenssicherungsmissionen in Bosnien gestellt.
Diese Bedingungen sollen eine effektive Operation
mit erreichbaren Zielen sicherstellen. Wir arbeiten in
der NATO an der Weiterentwicklung eines Plans, der
General Shalikashvili und unseren anderen
hochrangigen Militärs zufolge funktionieren wird.
Und wir arbeiten mit den Kongreßmitgliedern beider
Seiten am Aufbau breiter öffentlicher Unterstützung
zusammen. Der Präsident ist bereits mehrere Male
mit Kongreßabgeordneten beider Parteien bezüglich
der Entwicklungen in Bosnien zusammengekommen.
Während wir uns auf die Möglichkeit einer
Entsendung amerikanischer Truppen nach Bosnien
vorbereiten, kann uns die eben mit großem Geschick
in Somalia beendete Mission gewisse Einblicke
vermitteln. Ebenso wie in Somalia können wir in
Bosnien zur Schaffung der Möglichkeit eines
Friedens beitragen. Die Verantwortung für den
Frieden liegt jedoch bei den Menschen, die sich im
Krieg befinden. Indem wir einen Endpunkt für unser
Engagement in Somalia festsetzten, haben wir den
kriegführenden Parteien Anreize für neue Lösungen
gegeben. In eben dieser Weise können wir den
Friedensprozeß in Bosnien durch die Klarstellung
beleben, daß unsere Mission kein offenes Ende hat.
Wir müssen unsere Mission auch eindeutig,
frühzeitig und häufig definieren.
Als unsere
Streitkräfte im Oktober vergangenen Jahres in
Mogadischu Verluste erlitten, machte sich Verwirrung
in der Öffentlichkeit über unsere Ziele in Somalia
breit. Der Präsident sprach nach wenigen Tagen zur
Nation, um unsere Ziele und Mission klarzustellen,
aber offen gesagt, hätten wir dies sehr viel früher tun
können. Im Falle Bosniens hat der Präsident unsere
Interessen und Ziele konsequent spezifiziert. Wir
werden diese Bestrebungen beschleunigen, wenn
die Entsendung unserer Streitkräfte wahrscheinlicher
wird.
Eine letzte Lektion lautet, daß wir unsere Streitkräfte
in ausreichendem Umfang zur Bewältigung der
Aufgabe entsenden müssen.
Wenn unsere
Streitkräfte nach Bosnien disloziert werden, sollen
sie stark vertreten sein. Sie werden Teil einer
NATO-Streitmacht sein, nicht einer UNO-Truppe.
Sie werden eine kommandierende Präsenz mit der
Anzahl, dem Gerät und den festen Regeln des

AMERIKA DIENST 14

Engagements herstellen, die für ihre Verteidigung und
die Erfüllung ihrer Mission erforderlich sind.
In den kommenden Wochen und Monaten wird
Bosnien wahrscheinlich weiterhin Schlagzeilen
machen. Während die Öffentlichkeit diesem Konflikt
zunehmend Aufmerksamkeit widmet, sollten wir uns
vor Augen führen, wo Bosnien auf der
Bedrohungsskala unserer Sicherheit in diesem Gebiet
steht.
Direkte Bedrohungen unserer Nation oder unseres
Volkes erfordern, daß wir auf eine einseitige
militärische Reaktion vorbereitet sind.
Iraks
versuchter Mordanschlag auf Präsident Bush fiel in
diese Kategorie, und wir haben nicht gezögert, darauf
im Alleingang zu reagieren. Eine zweite Kategorie
von Bedrohungen rechtfertigt nur einen begrenzten
Einsatz von Gewalt und generell unter internationaler
Schirmherrschaft. Friedenssicherung würde in diese
Kategorie fallen. Eine dritte Kategorie könnte unser
starkes diplomatisches Engagement, nicht aber die
Stationierung unserer Streitkräfte erfordern.
In dieser groben Typologie paßt Bosnien in die zweite
Kategorie: Die auf dem Spiel stehenden Interessen
rechtfertigen eine amerikanische Führungsrolle und in unterschiedlichen Stadien und unterschiedlicher
Weise - den gemeinsamen Einsatz amerikanischer
und anderer Truppen. Wir blicken auf Europa zur
Übernahme zahlreicher Aspekte der Last einer
Lösung dieser Krise, weil Europa am direktesten
betroffen ist. Aber Europa - und in der Tat die ganze
Welt - blicken auf Amerika für durchgreifende
Führungsstärke im Einklang mit unseren Interessen.
Stellen Sie sich die Situation in Bosnien - und der
gesamten Region - vor, wenn wir nicht die
Führungsstärke bewiesen hätten, dank der die
Fortschritte der vergangenen Wochen möglich
wurden.
Als der Präsident im Januar den Atlantik überquerte,
hatte er eine Vision für Europa entwickelt - nicht
basierend auf der Grundlage der Art von Bedrohung,
die Europa seit Jahrzehnten kannte, sondern auf
größerer Integration. Diese Vision von Demokratie,
Marktwirtschaft und
Sicherheitszusammenarbeit
spiegelt unsere höchsten Werte und grundlegendsten
Interessen wider.
Der derzeitige Krieg in Bosnien stellt eine klare
Herausforderung dar: Für die Stabilität Europas, die
Glaubwürdigkeit der NATO und für unsere Vision
eines Europa nach dem Kalten Krieg. Wie bei so
vielen Konflikten, die in diesem Zeitalter
ausgebrochen sind, häuft auch in Bosnien jede
Generation einen von der nächsten Generation zu
zahlenden Blutzoll an. Kindern wird nichts anderes

Seite 5

�als Haß zwischen Religionen, Rassen und Clans
gelehrt.
Was Amerika zur Lösung des Konflikts in Bosnien
tut, wird zur Gestaltung der Welt beitragen, die Ihre
Generation erbt. Aus diesem Grund haben wir hart
gearbeitet, um diesen Konflikt friedlich zu beenden,
Bosnien bei der Durchbrechung des Teufelskreises
von Gewalt und Vergeltung, des Blutvergießens und
des Blutzolls behilflich zu sein.

Und aus diesem Grund schließe ich heute mit
demselben Appell, mit dem ich begonnen habe:
Einem Appell an Sie - die Männer und Frauen, die
diese Nation ins 21. Jahrhundert führen werden - an
der Gestaltung des lebenswichtigen Engagements
der Vereinigten Staaten in diesem neuen Zeitalter ein
aktives Interesse zu haben und eine aktive Rolle zu
spielen.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 14

�ABRÜSTUNG
13. April 1994

DAS NUNN-LUGAR-PROGRAMM
Übersicht des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über das Nunn-Lugar-Programm für die
sichere Lagerung und Zerlegung von Nuklearwaffen, die am 21. März 1994 vom US-Amt für Rüstungskontrolle
und Abrüstung (U.S. Arms Control and Disarmament Agency - ACDA) herausgegeben wurde.

Hintergrund
Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr
1991 war eines der wichtigsten sicherheitspolitischen
Anliegen und Ziele der Vereinigten Staaten die
Förderung der sicheren Lagerung und Zerlegung von
Atomwaffen (safety, security and dismantlement SSD) im Arsenal der aus der ehemaligen
Sowjetunion hervorgegangenen neuen unabhängigen Staaten (NUS). Dieses Ziel umfaßt die
vollständige Entnuklearisierung von Belarus,
Kasachstan und der Ukraine, der drei unabhängigen
Staaten, die neben Rußland auf ihrem Territorium
Kernwaffen der ehemaligen Sowjetunion stationiert
haben. Die Vereinigten Staaten streben auch eine
Beschleunigung des Abbaus russischer Atomwaffen
an.
Die Mittel für die SSD-Hilfe kommen aus dem
Verteidigungsministerium, das für die Durchführung
dieser Programme verantwortlich ist. Unter dem
ursprünglichen Nunn-Lugar-Gesetz ermächtigt der
Kongreß den Präsidenten, 400 Millionen Dollar der
dem Verteidigungsministerium bewilligten Gelder für
im Zusammenhang mit dem Abbau von Atomwaffen
in den NUS stehende Aktivitäten auszugeben. Als
Folge davon wurde im nationalen Gesetz über die
Bewilligung von Geldern für das Verteidigungsministerium im Haushaltsjahr 1993 dieser Betrag auf
800 Millionen Dollar erhöht.
Der Kongreß
genehmigte zusätzliche 400 Millionen Dollar als Teil
des Bewilligungsgesetzes für den Verteidigungsetat
1994. Wie in diesem Gesetz gefordert, muß der
Präsident jährlich bestätigen, daß diese Staaten für
weitere Hilfe im Rahmen dieser Programme in Frage
kommen. Jedes dieser Länder verfügt zur Zeit über
die Bescheinigung vom Präsidenten, daß es einen
Anspruch auf SSD-Hilfe hat.

AMERIKA DIENST 14

Die Vereinigten Staaten haben bei der Vergabe von
SSD-Hilfe an die NUS die
Führungsrolle
übernommen, jedoch auch darauf hingewiesen, daß
sie nicht die gesamten Bestrebungen im Alleingang
übernehmen können. Im April 1993 wandten sich die
Vereinigten Staaten offiziell an die NATO, Japan
sowie andere Freunde und Verbündete, damit diese
der NUS ebenfalls Hilfe bei der Entnuklearisierung
bereitstellen. Die Vereinigten Staaten nahmen auch
regelmäßige, offizielle Konsultationen mit ihren
NATO-Partnern in Brüssel auf um sicherzustellen,
daß ihre separaten Programme sich ihre relative
Stärke und unterschiedlichen
Finanzierungsabkommen zunutze machen, einander ergänzen und
unnötige Duplizität vermeiden.
SSD und die Strategie der Vereinigten Staaten
Die amerikanische Hilfe bei der Entnuklearisierung
und Beseitigung anderer Massenvernichtungswaffen
in der NUS stellt eines der wichtigsten Elemente der
gesamten Strategie der Vereinigten Staaten in dieser
Region dar, die diese Staaten in die westlichen und
internationalen politischen sowie wirtschaftlichen
Institutionen einbinden soll.
Die amerikanische
SSD-Hilfe erleichtert und beschleunigt die Umsetzung
des START-I-Vertrags in den NUS und verringert für
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten die
Gefahr der Weiterverbreitung.
Die für die
Durchsetzung der SSD-Programme erforderliche
enge Zusammenarbeit zwischen technischen
Experten aus den Vereinigten Staaten und der
ehemaligen Sowjetunion wird auch unseren Zielen
dienlich sein, indem wertvolle Bindungen zwischen
unseren Militärs und Wissenschaftlern geschaffen
und gestärkt werden.
Das SSD-Programm ist eingeleitet worden und
funktioniert.
Die Vereinigten Staaten haben
Rahmenabkommen mit Belarus, Kasachstan,
Rußland und der Ukraine unterzeichnet, um den

Seite 1

�erforderlichen Gesetzesrahmen für derartige
amerikanische Hilfe zu schaffen. Neben diesen
Rahmenabkommen
haben
amerikanische
SSD-Delegationen
31
SSD-Durchführungsabkommen ausgehandelt und vervollständigt, die
eine bestimmte Art und Menge technischer und
materieller
Hilfe der Vereinigten
Staaten
bereitstellen. Jedes dieser Abkommen ist in Kraft
getreten. Als Folge davon wird in einigen wichtigen
Bereichen bereits materielle amerikanische Hilfe zur
Verfügung gestellt.
Die größte Bedeutung hat vielleicht, daß die Aussicht
auf Hilfe der Vereinigten Staaten bei der
Entnuklearisierung weitere Fortschritte bei der
Rüstungskontrolle ermöglicht hat. SSD-Hilfe bei der
Zerlegung strategischer Offensivwaffen soll den
unter dem START-I-Vertrag geforderten Abbau und
die Beseitigung beschleunigen.
Zu im
Zusammenhang damit stehenden Erfolgen gehören
die Entscheidungen von Belarus und Kasachstan,
dem Nichtverbreitungsvertrag (NW) von 1968 als
atomwaffenfreie Staaten beizutreten sowie die
jüngste bedingungslose Ratifizierung von START I
durch die Ukraine, darunter eine Verpflichtung im
Protokoll von Lissabon, dem N W in kürzester Zeit
als atomwaffenfreier Staat beizutreten.
Art der bereitgestellten Hilfe
Die SSD-Durchführungsvereinbarungen
sehen
folgende Arten technischer und materieller Hilfe für
Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine vor:
Erstens wird die entscheidende Unterstützung für die
tatsächliche
Zerlegung der
strategischen
Offensivwaffen der ehemaligen Sowjetunion in
Kasachstan, Rußland und der Ukraine bereitgestellt.
Hierbei handelt es sich um die vielleicht
bemerkenswertesten SSD-Vereinbarungen, weil die
mit amerikanischer
Hilfe
abzubauenden
Interkontinentalraketen (intercontinental ballistic
missiles - ICBMs) einschließlich ihrer silogestützten
Abschußvorrichtungen, die Unterseeboote und
schweren Bomber zu Zeiten der Sowjetunion gegen
die Vereinigten Staaten gerichtet waren.
Ihre
Beseitigung stellt einen Wendepunkt in den
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
den NUS dar und führt zu einer beispiellosen
Verbesserung der nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten.
Zweitens werden die SSD-Vereinbarungen die
Sicherheit in den NUS erhöhen. In allen vier
NUS-Staaten, die ehemalige
sowjetische
Nuklearwaffen auf ihrem Territorium stationiert
haben - Belarus, Kasachstan, Rußland und die
Ukraine - wurden Abkommen zur Bereitstellung von
amerikanischem Gerät für Notfälle geschlossen, das

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bei einem Nuklearunfall im Zusammenhang mit dem
Transport oder der Zerlegung von Nuklearwaffen
benutzt werden kann.
Weil alle außerhalb Rußlands stationierten ehemals
sowjetischen Nuklearwaffen zur Zerlegung nach
Rußland zurücktransportiert werden, hat Rußland
einen besonderen Bedarf an amerikanischer
Unterstützung im Sicherheitsbereich.
Nach
Konsultationen mit russischen Technikern zur
Feststellung der spezifisch russischen Erfordernisse
wurden SSD-Vereinbarungen abgeschlossen, um
Rußland so spezielles Gerät wie Behälter für
spaltbares Material, biegsame
gepanzerte
Ummantelungen zum Schutz dieser Container
während des Transports und der Lagerung sowie
sichere und geschützte Eisenbahnwaggons für den
Transport von Nuklearwaffen und spaltbarem Material
bereitzustellen. Die Vereinigten Staaten stellen ferner
Unterstützung beim Entwurf, der Konstruktion und
dem Betrieb von Gerät für eine Lagereinrichtung für
spaltbares Material zur Verfügung, in der Material von
zerlegten Nuklearwaffen der ehemaligen Sowjetunion
aufbewahrt werden soll.
•
Drittens werden die SSD-Vereinbarungen zur
Verhinderung der Weiterverbreitung
von
Massenvernichtungswaffen
beitragen.
Die
SSD-Vereinbarungen
sehen
amerikanische
Exportkontrollhilfe für Belarus, Kasachstan und die
Ukraine vor um sicherzustellen, daß die für die
Entwicklung von Nukearwaffen
erforderlichen
Schlüsseltechnologien nicht aus der ehemaligen
Sowjetunion herausgelangen.
Die Vereinigten
Staaten sind auch Kasachstan, Rußland und der
Ukraine bei der Entwicklung und Verbesserung ihrer
Kontroll- und Zählverfahren für spaltbares Material
behilflich. Damit wird gewährleistet, daß spaltbares
Material aus zerlegten Nuklearwaffen unter Kontrolle
bleibt und zu jedem Zeitpunkt darüber Rechenschaft
abgelegt werden kann. Andere SSD-Vereinbarungen
gehen das Nichtverbreitungsproblem umfassender
an. Im Rahmen der Abkommen mit Rußland und der
Ukraine werden Wissenschafts- und Technologiezentren in Moskau und Kiew gegründet, damit die
sowjetischen Atomwissenschaftler und -techniker ihr
Wissen und ihre besondere Qualifikation für friedliche
Zwecke verwenden. Andere SSD-Vereinbarungen
zielen darauf ab, Belarus und Rußland bei der
Konversion
ehemaliger
sowjetischer
Rüstungsindustrien zu produktiven
zivilen
Unternehmen behilflich zu sein.
Viertens tragen die bereits in Kraft getretenen
SSD-Vereinbarungen zur verbesserten Durchführung
von Rüstungskontrollabkommen durch Belarus, die
Ukraine und Kasachstan bei.
Diese Hilfe war
erforderlich, weil vor der Unabhängigkeit von Belarus,
Kasachstan und der Ukraine all diese Aktivitäten von

AMERIKA DIENST 14

�Moskau durchgeführt wurden. Jetzt ist jedes dieser
Länder ein gleichberechtigter Partner bei wichtigen
Rüstungskontrollverträgen wie INF, ABM und
START.
Während wir den neuen unabhängigen Staaten bei
der Beseitigung der Massenvernichtungswaffen

behilflich sind, wird sich die nationale Sicherheit der
Vereinigten Staaten und die Sicherheit dieser Staaten
gleichermaßen verbessern, ihre aufstrebenden
Demokratien werden gestärkt und Chancen für
amerikanische Privatinvestitionen auf den sich
entwickelnden Märkten zunehmen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 14

Seite 3

�EXPORTKONTROLLEN

13. April 1994

USA UND VERBÜNDETE GRÜNDEN NEUE
EXPORTKONTROLLGRUPPE
Ankündigung des Wirtschaftsministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir ein vom Wirtschaftsministerium herausgegebenes
Informationsblatt über neue Vereinbarungen zu Exportkontrollen.

Zusammenfassung
In den vergangenen Jahren hat sich das
Sicherheitsumfeld gewandelt.
Infolgedessen
überarbeiten die Vereinigten Staaten und ihre
COCOM-Partner zur Bewältigung der neuen
Herausforderungen der Zeit nach dem Kalten
Krieg die Ansätze zu Exportkontrollen.
Mitglieder des COCOM - des Koordinierungsausschusses für multilaterale Exportkontrollen haben vereinbart, das Regime des Kalten
Krieges mit Wirkung vom 31. März 1994
aufzuheben und bei der Gründung eines neuen
Regimes zusammenzuarbeiten, das die
Transparenz verbessern sowie Rüstungsverkäufe
und den Transfer sicherheitsempfindlicher
Technologie eindämmen soll.
Die COCOM-Mitglieder haben zugestimmt, die
bestehenden Listen als Grundlage für nationale
Exportkontrollen
nach dem 3 1 . März
beizubehalten.
Das Wirtschaftsministerium wird eine
Bekanntmachung
im
Bundesanzeiger
veröffentlichen, in der die amerikanischen
Lizenzverfahren beschrieben werden.
Veränderung
des
Exportkontrollen

Sicherheitsumfelds

Das Ende des Kalten Krieges, die Auflösung der
Sowjetunion, tiefe Einschnitte in die strategischen
Arsenale beider Seiten sowie das Ziel, die
wirtschaftlichen und politischen Reformen in Rußland
und den neuen unabhängigen Staaten zu
unterstützen, veranlaßten uns und unsere
Verbündeten zu der Erkenntnis, daß die strategische
Denkweise des COCOM nicht länger haltbar war. Im
vergangenen Jahr haben wir und unsere COCOMPartner die Kontrollen für Exporte in vom COCOM
verbotene Länder beträchtlich gelockert. Im Herbst
letzten Jahres gaben wir eine Reihe von
Lizenzreformen sowie die Liberalisierung der
Lizenzbedingungen für Waren in Milliardenhöhe
bekannt.

für

In der Vergangenheit hatten unsere Verbündeten
und wir ein klares Verständnis der Notwendigkeit
von Exportkontrollen.
Ebenso wie andere
kommunistische Länder stellten die Länder des
Warschauer Pakts eine ernsthafte und klar definierte
Bedrohung der Vereinigten Staaten und des

AMERIKA DIENST 14

Westens im allgemeinen dar. Mit der Gründung des
COCOM im Jahr 1949 leiteten wir gemeinsam
Schritte in die Wege um der Sowjetunion, den
Ländern des Warschauer Pakts, China und
schließlich Vietnam den Zugang zu Waffen,
Mehrzweckgerät und -technologien zu verweigern.
Zu den COCOM-Mitgliedstaaten zählen (mit
Ausnahme Irlands) die NATO-Länder, Japan und
Australien. Der COCOM operierte nach dem Prinzip
der Einstimmigkeit, so daß jedes Mitglied gegen den
vorgeschlagenen Export von Gütern, auf deren
Kontrolle man sich verständigt hatte, sein Veto
einlegen konnte.

Heute sehen wir uns sehr unterschiedlichen
Bedrohungen des Friedens in Regionen außerhalb
Europas - der koreanischen Halbinsel, dem
Persischen Golf und Südasien - gegenüber, in denen
außerhalb der Nichtverbreitungsregime und UNEmbargos keine multilateralen Kontrollen existieren.
Diese Gefahren werden noch verschärft durch die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und das

Seite 1

�Verhalten von Ländern wie Iran, Irak, Libyen und
Nordkorea. Aus diesem Grund beschlossen die
Vereinigten Staaten und ihre COCOM-Partner im
November 1993 eine Zusammenarbeit zur Erzielung
eines neuen, umfassenderen Abkommens zur
Erhöhung von Transparenz und Zurückhaltung bei
der Lieferung konventioneller Waffen und
hochentwickelter Technologien an Staaten, deren
Verhalten Grund zu ernster Besorgnis ist sowie an
potentiell instabile Regionen.
Das neue Arrangement verfolgt also einen völlig
anderen Zweck als die COCOM-Liste. Es soll einen
multilateralen Ansatz auf gegen neue Bedrohungen
gerichtete Kontrollen anwenden. Während die
spezifischen Verfahren des neuen Regimes noch
entwickelt werden, wollen die COCOM-Mitglieder auf
nationaler Ebene die Fähigkeit zur Kontrolle vorher
auf der COCOM-Liste aufgeführter Güter (Listen für
den Industrie-, Rüstungs- und Atomenergiebereich)
beibehalten und gleichzeitig neue Kontrollisten und arrangements erstellen.

während der Übergangszeit beschreibt.
Diese
Verfahren umfassen Bestimmungen über liberalisierfe
Lizenzverfahren bei weniger entwickelten Gütern auf
der Liste (vorwiegend denjenigen, die im regulären
COCOM-Verfahren vor dem 1. Januar 1994 unter die
Ausnahmeregelung fielen). Für die zivile Nutzung
wird in Ländern der Gruppen Q, W und Y (der
ehemalige Sowjetblock) und China ein neues,
generelles Lizenzverfahren zur Verfügung stehen.
Dieses neue Lizenzverfahren wird die Exporte in
Länder wie Rußland und China beschleunigen.
Keine Änderungen erfolgen im Hinblick auf Exporte
nach Nordkorea, das Militär in Rußland und China
oder auf Güter, die zur Verhinderung ihrer
Weiterverbreitung oder Lieferung an terroristische
Staaten kontrolliert werden. Aus Gründen der
nationalen Sicherheit wird die strenge Lizenzpolitik
bei sicherheitsempfindlichen Gütern fortgesetzt, wie
Vorstoffen für Chemiewaffen, Supercomputer sowie
sicherheitsempfindlicher elektronischer Ausrüstung
mit beträchtlicher militärischer Anwendungsmöglichkeit.

Neue Lizenzabkommen
Im Einklang mit diesen Abmachungen wird das
Wirtschaftsministerium eine Bekanntmachung in den
Bundesanzeiger setzen, der die Lizenzverfahren

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AMERIKA DIENST 14

�MENSCHENRECHTE

13. April 1994

FÖRDERUNG VON DEMOKRATIE UND
MENSCHENRECHTEN
John Shattuck über das Hauptziel der US-Außenpolitik
WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel basiert auf einer von John Shattuck, dem Abteilungsleiter für
Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium, vor einer Konferenz der American
Foreign Service Association kürzlich in Washington gehaltenen Rede.

Es ist inzwischen eine Binsenwahrheit, daß wir nach
dem Ende des Kalten Krieges und der ideologischen
Auseinandersetzungen, die unser Jahrhundert
charakterisierten, auf der Schwelle zu einer neuen
und unbekannten Welt stehen.
Die Welt ist von einem Widerspruch konkurrierender
Tendenzen gekennzeichnet.
Die Konfrontation der Supermächte aus der Zeit des
Kalten Krieges und das sie erhaltende Gleichgewicht
des Schreckens bestehen nicht mehr, aber in vielen
Ländern toben noch zahlreiche Konflikte.
Die Völker der Welt sind stärker als je zuvor durch
Bande der Kommunikation und der Wirtschaft
verbunden, jedoch auch mehr denn je durch
ethnische und nationalistische Konflikte getrennt.
Inmitten dieser konkurrierenden Trends besteht ein
wachsender Konsens über die Notwendigkeit
multilateraler Institutionen. Nach dem Ende des
Kalten Krieges kann der Multilateralismus auf
globaler Ebene endlich auf die Probe gestellt
werden. Eine amerikanische Führungsrolle ist für die
Kultivierung eines weltumspannenden Netzes
unerläßlich, das auf konstruktive Weise mit den
globalen Problemen umgeht. Das begann bereits im
Juni vergangenen Jahres mit der Weltkonferenz über
Menschenrechte in Wien und setzt sich mit der für
kommenden September anberaumten Bevölkerungskonferenz in Kairo fort.

AMERIKA DIENST 14

Inzwischen ist der ideologische Konflikt zwischen
Marxismus und liberaler Wirtschaft entscheidend vom
Liberalismus gewonnen worden. Wir haben das von
Francis Fukuyama prognostizierte "Ende der
Geschichte" nicht erreicht und auch nicht den von
Samuel Huntington beschriebenen "Zusammenprall
der Zivilisationen", befinden uns jedoch irgendwo
dazwischen. Der größte ideologische Feind des
Liberalismus mag überwunden worden sein, wir
beobachten jedoch ein Wiederaufleben religiöser,
ethnischer und nationalistischer Bewegungen. Ein
Grund für den Niedergang des Kommunismus in der
Sowjetunion und Osteuropa war seine Unterdrückung
nationaler und religiöser Unterschiede.
Neben diesen tiefgreifenden Spaltungen sind wir
Zeuge einer weltweiten Bewegung für Demokratie
und Menschenrechte, die teilweise durch die
Revolution im Kommunikationswesen, teilweise durch
universale Bestrebungen angetrieben wird und im
Einklang mit der Verbreitung von Marktwirtschaften
fortschreitet.
Da die Aktivisten für Menschenrechte und Demokratie
an Zahl, Selbstbewußtsein und Stärke zunehmen,
waren sie trotz unglaublicher Widerstände in der
Lage, das Gesicht ganzer Regionen zu verändern:
In Osteuropa wurden Vaclav Havel und Lech Walesa
Staatsoberhäupter, in Lateinamerika sind ganze
Juntas abgesetzt worden und auf den Schlachtfeldern
in Kambodscha fanden Wahlen zu einer
Volksregierung statt.

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�Die Vereinigten Staaten müssen ihren Kurs unter
diesen widerstreitenden Trends finden in einer Welt,
die internationaler ist als je zuvor: In Wirtschaft,
Kommunikationswesen und Politik, da weltweit
Frauen und Männer an der Basis sich mobilisieren
und Demokratie und Menschenrechte fordern.
In dieser seltsamen neuen Welt benötigen wir alle
uns zur Verfügung stehenden Mittel und Ideen. Das
bringt mich zu den wirtschaftlichen Anreizen auf dem
Gebiet der Außenpolitik Präsident Clintons, für das
ich eine gewisse Verantwortung trage:
Die
Förderung von Demokratie und Menschenrechten.
Wenn wir ökonomische und nichtökonomische Ziele
miteinander verbinden, wenn wir politische Ziele
durch wirtschaftliche Maßnahmen verfolgen, sollten
diese Bindungen ein gemeinsames grundlegendes
Konzept nationaler Interessen und Ziele haben,
wenn sie zusammenhängend und effektiv sein
sollen.
Die Förderung von Demokratie und Menschenrechten hat sich aus verschiedenen Gründen zum
Hauptziel von Präsident Clintons Außenpolitik
entwickelt:
Der erste und wichtigste Grund dafür besteht darin,
die Welt sicherer, weniger anfällig für Konflikte und
stabiler zu gestalten.
In der Regel führen
Demokratien nicht miteinander Krieg, sie legen
Konflikte auf friedliche Weise bei und respektieren
internationale Abkommen.
Umgekehrt werden
Länder, die die Rechte ihrer eigenen Bürger nicht
respektieren, wahrscheinlich auch nicht die legitimen
Forderungen und Interessen anderer Staaten in
Betracht ziehen.
Zweitens wird eine Staatengemeinschaft, die
Demokratie und Menschenrechte respektiert, ein für
Wirtschaft und Handel günstigeres Klima schaffen.
Offene Gesellschaften sind bessere Handelspartner.
Unterdrückung fördert langfristig Instabilität und
erhöht die Gefahr einer Enteignung oder eines
Verlustes von Investitionen.
Wirtschaftliche
Entwicklung fand oftmals gleichzeitig mit
Demokratisierung statt und war zeitweise eine
notwendige Bedingung dafür. Wie die Erfahrung
deutlich zeigt, reicht wirtschaftliche Entwicklung an
sich jedoch nicht aus, um Demokratie und
Grundfreiheiten zu schaffen oder gar zu garantieren.
Und schließlich möchte das amerikanische Volk, daß
seine Außenpolitik für etwas steht und die
Grundsätze und Überzeugungen widerspiegelt, die
uns zu dem machen, was wir sind. Menschenrechte
und der Glaube an die Beteiligung des Volkes in
einer Demokratie sind der Kern unserer Werte und
auch in der Allgemeinen Erklärung der Men-

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schenrechte niedergelegt. Natürlich gibt es viele
Unterschiede zwischen den Kulturen, aber - wie
Außenminister Christopher vergangenes Jahr auf der
Weltkonferenz über Menschenrechte darlegte "dürfen wir nicht zulassen, daß kultureller
Relativismus der letzte Zufluchtsort der Unterdrückung wird".
Zwischen dem Kongreß und dem amerikanischen
Volk existiert ein umfassender Konsens über die
Förderung von Demokratie und Menschenrechten als
Hauptrichtung der amerikanischen Außenpolitik.
Bedeutende Mehrheiten beider Häuser des
Kongresses haben beispielsweise die Administration
dringend aufgefordert, sich bei unseren Beziehungen
zu China weiterhin für die Menschenrechte zu
engagieren, wie das in einer jüngsten Umfrage des
Wall Street Journal zwei Drittel der Befragten taten.
Hier im Außenministerium stellen wir durch positive
und negative Anreize, gewissermaßen 'mit Zuckerbrot
und Peitsche' - Demokratie und Menschenrechte in
den Mittelpunkt der amerikanischen Außenpolitik.
Was das 'Zuckerbrot' anbelangt, nehmen wir diese
Fragen in unseren diplomatischen Austausch auf
allen Ebenen und in jedem bilateralen Kanal auf - in
Wirtschaft, Militär und natürlich Politik. Wir erhöhen
unser Engagement bei nichtstaatlichen Organisationen und führen umfassende Programme
durch, um Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit zu
fördern und zu lehren.
Eine Anzahl von Verbindungen zwischen unseren
Zielen im Bereich der Menschenrechte und unseren
Wirtschaftsbeziehungen sind bereits Bestandteil
amerikanischer Gesetze und Außenpolitik.
Im Sicherheitsbereich überprüft das Menschenrechtsbüro bereits die Anwendung auf den Export von
Gegenständen und Dienstleistungen aus dem
Verteidigungsbereich, alle potentiellen Verkäufe von
Warfensystemen, deren Gesamtwert 14 Millionen
Dollar übersteigt sowie den Export von
Polizeiausrüstung.
Das Büro unterhält zum
Verteidigungsministerium, den Vereinigten
Stabschefs, der Haushaltsbehörde, dem Amt für
internationale Entwicklung sowie weiteren Stellen des
Außenministeriums regelmäßige Kontakte auf den
jährlichen Zusammenkünften der Arbeitsgruppe für
die Überprüfung von Sicherheitsprogrammen, die den
sicherheitspolitischen Haushalt im Detail prüft,
einschließlich der Finanzierung des Militärs im
Ausland, internationaler Militärausbildung und der
Finanzierung wirtschaftlicher Sicherheit.

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�Im Hinblick auf die internationale Führungsrolle sind
die Vereinigten Staaten per Gesetz verpflichtet, sich
der Vergabe von Darlehen durch multilaterale
Entwicklungsbanken an Länder zu widersetzen,
deren Regierungen die international anerkannten
Menschenrechte grob verletzen. Die 1977 vom
damaligen Stellvertretenden Außenminister Warren
Christopher ins Leben gerufene interministerielle
Arbeitsgruppe zu Menschenrechten nimmt eine
monatliche Überprüfung der zu erwartenden Kredite
und allgemeinen Hilfe für Länder vor, die uns Anlaß
zur Sorge im Hinblick auf
Menschenrechtsverletzungen geben. Darüber hinaus wird das
Menschenrechtsbüro
regelmäßig von der
Entwicklungsgesellschaft
OPIC zu Kreditbürgschaften und Versicherungsprojekten konsultiert
und nimmt zu Krediten der Export-Import Bank
Stellung.
Praktisch gesehen sind diese und andere auf die
Verbesserung
der
Menschenrechtsbilanz
ausgerichtete Sanktionen starker Tobak und müssen
sorgfältig auf spezifische, gut geprüfte Probleme
abzielen.
Obwohl die Sanktionen beispielsweise die
militärischen Fähigkeiten von Irak und Iran begrenzt
haben, waren sie weniger wirksam, um eine
Veränderung des Verhaltens dieser Regime zu
bewirken.
Die durch internationale Sanktionen
erzwungene Isolation Südafrikas war ein Element für
die heute zu beobachtenden tiefgreifenden
Veränderungen und wurde durch günstige externe
Faktoren verstärkt.
Ein anderes Mittel zur Durchsetzung der
Menschenrechte ist Bedingtheit. Ein bekanntes
Beispiel ist der Jackson-Vanik-Zusatzartikel, der
explizit den Meistbegünstigungsstatus beim Handel
für bestimmte Länder an ein spezifisches
Menschenrechtsziel bindet, in diesem Fall an das
Recht auf Emigration.
Dies bringt uns zu China.
Die derzeitige Menschenrechtspolitik gegenüber
China, deren Hauptmerkmal der Präsidialerlaß ist,
wurde im Frühjahr 1993 festgelegt. Die Politik
gründet sich nicht nur auf die Sichtweise und
Führungsrolle des Präsidenten, sondern auch auf die
Meinung beträchtlicher Mehrheiten in beiden
Häusern des Kongresses, die in den vergangenen
fünf Jahren für ein Junktim zwischen dem
Meistbegünstigungsstatus und Menschenrechten
gestimmt haben, sowie auf die öffentliche Meinung
in den Vereinigten Staaten, die dieses Junktim
konsequent unterstützt. Nach der schrecklichen
Tragödie auf dem Platz des Himmlischen Friedens
und in ganz China im Jahr 1989 sowie den seitdem

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andauernden Menschenrechtsverletzungen hat das
amerikanische Volk regelmäßig wissen lassen, zur
Warnung Beijings müsse etwas unternommen
werden, daß Menschenrechte ein wichtiges Element
der Beziehungen zwischen China und den
Vereinigten Staaten sind. Im Juni letzten Jahres gab
Präsident Clinton bekannt, ein wesentliches Element
seiner Chinapolitik sei "das resolute Insistieren" auf
beachtlichen Fortschritten bei den Menschenrechten
insgesamt, wenn der Meistbegünstigungsstatus für
China erneuert werden soll.
Der Präsidialerlaß wurde in enger Zusammenarbeit
mit dem Kongreß und der Geschäftswelt entworfen.
Er stellt ein realistisches und effektives Mittel zum
Abwägen unserer Menschenrechtsziele gegen eine
Vielfalt anderer Zielsetzungen und Interessen in
unseren umfassenden und komplexen Beziehungen
zu China dar.
Bei der Verfolgung unserer Menschenrechtsziele
wollen wir die chinesische Gesellschaft nicht
umgestalten. Um Außenminister Christopher zu
zitieren: "Wir bitten China nicht um die Anwendung
amerikanischer Patentrezepte, sondern nur um die
Einhaltung universeller Normen, die die meisten
Nationen der Welt heute verbinden".
In den vergangenen acht Monaten haben wir einen
intensiven Dialog mit China über ein breites Spektrum
von Themen in unseren bilateralen Beziehungen
aufgenommen, einschließlich aber nicht beschränkt
auf Menschenrechtsfragen.
Unsere Menschenrechtsgespräche finden nicht isoliert statt, sondern
sind vielmehr ein unabdingbares Element unserer
Strategie des umfassenden Engagements für China,
zu dem auch unsere wirtschaftlichen und
sicherheitspolitischen Interessen zählen.
Wir unterhalten ernsthafte und kontinuierliche
Gespräche mit Beijing, in denen wir offen unsere
Meinungsverschiedenheiten sowie Bereiche des
Verständnisses und der Übereinstimmung sondieren.
Wir haben gewisse Fortschritte erzielt, aber es muß
noch mehr getan werden.
Unsere umfassende Politik zielt auf die Unterstützung
von wirtschaftlicher Entwicklung und Handel mit der
Volksrepublik China ab.
Wir sind jedoch der
Überzeugung, daß die langfristigen Interessen der
Chinesen und Amerikaner in einem China liegen, das
die heute von den Nationen der Welt universell
akzeptierten Grundnormen der Menschenrechte
respektiert.
Aus unserer Sicht unterstützen die Erweiterung des
Handels und die Verteidigung der Menschenrechte
dasselbe Ziel, allein reicht jedoch keines von beiden
zur Erlangung dieses Ziels aus. Das Ziel besteht in

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�einem besseren Leben für Chinesen und Amerikaner
gleichermaßen und besseren Beziehungen
zwischen unseren beiden Regierungen.
Wir
unterstützen die Schaffung offener Gesellschaften,
in denen Männer und Frauen Chancen haben, in
denen ihre Regierungen ihnen gegenüber und ihrem
Wohlstand verpflichtet sind. Wir unterstützen die
Reformer in China, weil wir sie als unsere Freunde
im weitesten Sinne ansehen. Wir wollen Chinas
Wohlstand Hand in Hand mit der Achtung der
Grundrechte und menschlichen Würde des
chinesischen Volkes einhergehen sehen.

Es trifft natürlich zu, daß wirtschaftliche Entwicklung
ein unabdingbarer Teil des Weges Chinas zu
Demokratie und Menschenrechten ist. Marktkräfte
allein werden jedoch nicht demokratische Reformen
und Achtung der Grundrechte gewährleisten. Statt
dessen könnten sie autoritäre Regierungen
unterstützen und legitimieren.

gegenüber Burma, die zu bedeutenden
Menschenrechtsverbesserungen in diesem Land
führen könnten.
Es ist daher von besonderer Bedeutung, daß wir
kreativ sind und die gesamte Bandbreite
diplomatischer Instrumente wie Demarchen, den
wohldosierten Einsatz diplomatischer Beziehungen
und der Öffentlichkeitsarbeit einsetzen, während wir
unsere Tagesordnung von Demokratie und
Menschenrechten voranbringen. Auch dies erfordert
die echte Ausübung des politischen und
diplomatischen Willens und verlangt - ebenso wie
Wirtschaftssanktionen - auch der sie in die Wege
leitenden Partei gewisse Kosten ab.
Der erfolgreiche Einsatz von Sanktionen und anderen
wirtschaftlichen Junktims kann nicht als Patentrezept
definiert werden, denn was wir in unseren
Beziehungen zu jedem einzelnen Land erreichen
wollen, unterscheidet sich beträchtlich. Dies ist eine
komplizierte Welt.

Unseres Erachtens geht es hier nicht um eine
undurchdachte Entscheidung zwischen Zuckerbrot
und Peitsche, sondern um ein umfassendes
Engagement, mit dem wir unsere Interessen
verfolgen und unserer Besorgnis über das gesamte
Spektrum von Fragen Ausdruck verleihen.

Abschließend möchte ich betonen, daß das Junktim
zwischen Handel und Menschenrechten für die
wohldurchdachte Anerkennung der Mittel und Wege
steht, mit denen Politik und Wirtschaft in der Welt
nach dem Kalten Krieg zunehmend und untrennbar
verbunden sind.

Unser Dialog mit China und Engagement für dieses
Land erfolgen auf einer Reihe von Ebenen und zu
einer Vielzahl gegenseitiger Interessen. Wir haben
Beijing gegenüber klargestellt, daß man von
konstruktiven Beziehungen profitieren kann. Im
Zusammenhang mit ersten bescheidenen
Verbesserungen bei der Menschenrechtsbilanz
Chinas haben wir beispielsweise im Herbst
vergangenen Jahres die Lizenzvergabe für einen
Supercomputer für das staatliche chinesische
Meteorologische Amt genehmigt.

In dieser neuen Zeit erleben wir das Funktionieren
dessen, was der Historiker John Lewis Gaddis als
Kräfte der Integration chrakterisiert hat, in der
Wirtschaft, bei Reisen und im Kommunikationswesen
neben den von Repression und der Mißachtung der
Grundfreiheiten, insbesondere der rassischen,
ethnischen und religiösen Minderheiten, getriebenen
Kräfte des Zerfalls.

Allgemeiner gesehen sind der mögliche Abbau
bestehender Handelshemmnisse und künftige
Vorteile im Gegenzug für signifikante
Menschenrechtsverbesserungen ein Weg, den wir
auch in anderen Regionen Asiens und anderen
Ländern der Welt außer China einzuschlagen hoffen.

Es ist die Aufgabe der amerikanischen Führung,
diese konkurrierenden Kräfte anzusprechen und eine
globale Synthese zwischen wirtschaftlichem
Wohlstand und Achtung der menschlichen Würde in
der Regierung und im Gesetz hervorzubringen. Das
ist kein Luxus. Es ist eine Notwendigkeit und eine
Angelegenheit unseres tiefsten nationalen Interesses.

Wir haben einen Menschenrechtsdialog mit Vietnam
als Teil eines Prozesses verbesserter Beziehungen
aufgenommen, und wir erwägen geeignete Schritte
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�DROGEN
13. April 1994

WICHTIGE UND DAUERHAFTE ERFOLGE BEIM KAMPF
GEGEN DROGEN ERZIELT
Bericht des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Obwohl im vergangenen
Jahr "gemischte" Ergebnisse bei den internationalen
Bestrebungen zur Drogenbekämpfung berichtet
wurden, konnten "wichtige und dauerhafte Erfolge
auf Kosten der Drogenhändler" erzielt werden, so
das US-Außenministerium.
"Langfristig bieten diese kontinuierlichen Fortschritte
die beste Hoffnung für die Verringerung der potentiellen Bedrohung der Stabilität von Nationen auf ein
erträgliches Maß", stellte der am 4. April 1994 vom
Außenministerium herausgegebene Bericht über die
internationale Betäubungsmittel-Kontrollstrategie fest.
Dem Bericht an den Kongreß zufolge erreichen
mehrtonnige Kokainlieferungen, die früher vornehmlich in die Vereinigten Staaten und Kanada
kamen, jetzt jeden Winkel der Welt, und die europäischen Hauptstädte erhalten wachsende Mengen der
Droge.
Der Jahresbericht wird vom Präsidenten für die
Feststellung verwendet, ob die wichtigsten Drogen
produzierenden oder Transitländer mit den Vereinigten Staaten bei der Drogenbekämpfung zusammengearbeitet oder ihrerseits angemessene Schritte zur
uneingeschränkten Einhaltung der Konvention der
Vereinten Nationen gegen unerlaubten Suchtstoffverkehr und psychotropische Substanzen von 1988
unternommen haben.
Unter Verweis auf spezifische Regionen der Welt
stellt der Bericht fest, daß hartnäckige Bestrebungen
gegen Kokaindealer in der westlichen Hemisphäre
"Wirkung zu zeigen beginnen".
Das "spektakulärste Ereignis" in der Region im Jahr
1993 war der Tod des Leiters des Medelliner Drogenkartells Pablo Escobar nach einer 17monatigen
Großfahndung, so das Dokument. Die Suche nach
Escobar "demonstriert den Wert internationaler
Zusammenarbeit, Hartnäckigkeit und Ausdauer bei
der Zerstörung des Mythos eines unbesiegbaren
Drogenhandels", fährt der Bericht fort.

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Der Bericht verweist auf die 20prozentige Verringerung des Kokaanbaus in den Anden aufgrund einer
beträchtlichen Abnahme der peruanischen Kokaernte.
Obwohl die Vereinigten Staaten sich nicht der Illusion
hingeben, daß eine Reduzierung des Nachschubs
allein das Drogenproblem des Westens lösen kann,
ist dem Bericht zufolge "auch klar, daß die Verknappung des Nachschubs unerläßlicher Bestandteil einer
erfolgreichen Drogenstrategie ist".
Obwohl die Vereinigten Staaten und andere Nationen
den Drogen herstellenden Ländern bei ihren Bestrebungen zur Drogenbekämpfung Unterstützung leisten
wollen, "erwarten wir gleichzeitig von ihnen den
politischen Willen zu der schwierigen Entscheidung
gegen die Drogenproduktion".
Der Bericht stellt fest, daß praktisch alle der führenden Drogen produzierenden und Transitländer jetzt
eine beträchtliche Anzahl Abhängiger haben, "die
nicht nur die politische, soziale und wirtschaftliche
Stabilität der Nationen untergraben, sondern auch
dem Drogenhandel neue Märkte eröffnen".
Der Bericht unterstreicht, daß die US-Regierung sich
"auf die Stärkung von Institutionen in Ländern konzentrieren werden, die den politischen Willen zur
Drogenbekämpfung unter Beweis stellen".
"Die US-Regierung wird sich auch auf die Zerschlagung von Dealerringen und das Abfangen der Drogen
in jedem Stadium von der Quelle bis zum Bestimmungsort konzentrieren", betont der Bericht. "Gleichzeitig wird die US-Regierung die Dealerorganisationen an ihrem empfindlichsten Punkt - ihren Finanzoperationen - angreifen."
Zu den einzelnen Ländern stellt der Bericht folgendes
fest:
Afghanistan. Ist der zweitgrößte Opiumproduzent
der Welt nach Burma. Das wiederholte Scheitern der
konkurrierenden Fraktionen in Burma bei der Erlan-

Seite 1

�gung einer allgemeinen politischen Lösung verhindert weiterhin die staatliche Kontrolle über einen
Großteil des Landes und konkrete Schritte gegen
illegalen Suchtstoffhandel.

Libanon. Das Land ist trotz der jüngsten Erfolge bei
der Ausrottung der Mohnblume im Bekaa-Tal weiterhin ein Produktionszentrum für Heroin, Haschisch und
Kokain.

Baltikum. In den baltischen Staaten Estland,
Lettland und Litauen faßt der Drogenhandel Fuß.
Die Gesundheitsbehörden in allen drei Ländern sind
jedoch der Ansicht, daß der Drogenhandel trotz
seines Anstiegs noch ein relativ kleines Problem
darstellt.

Mexiko. Trotz enger Zusammenarbeit und Fortschritten bleibt die tiefverwurzelte Korruption die größte
Herausforderung der mexikanischen Regierung. Die
Regierung muß ihre legalen Werkzeuge für die
Bekämpfung der Geldwäsche und Kontrolle des
Handels mit Grundstoffen und wichtigen Chemikalien
verbessern.

.

Bolivien. Dieses Land ist ein bedeutender Drogenproduzent und verantwortlich für nahezu ein Drittel
der Weltproduktion an Kokapflanzen. Obwohl
Bolivien bei seinen Bemühungen zum Abfangen der
Lieferungen einige Fortschritte machte, gelang es
dem Land nicht, das in den bilateralen Abkommen
mit den Vereinigten Staaten angestrebte Ziel zu
erreichen.

Nigeria. Die Drogenhändlerringe Nigerias kontrollieren Verbindungsnetze, die große Mengen Heroin aus
Asien in die Vereinigten Staaten und auf die europäischen Märkte bringen und betreiben ausgefeilte
Geldwäscherringe.
Pakistan. Teilweise als Ergebnis der politischen
Unruhen im Jahr 1993 ergriff die pakistanische Regierung wenige neue Maßnahmen oder Gesetzesinitiativen zur Drogenkontrolle.

Burma. Die Regierung Burmas hat trotz häufiger
öffentlicher Erklärungen und einiger gesetzgeberischer Bemühungen seit 1988 keine ernsthaften oder
dauerhaften Bestrebungen zur Kontrolle von Suchtstoffen unternommen.

Panama. Das Land machte 1993 Fortschritte auf
einigen Gebieten der Drogenbekämpfung, liegt jedoch
in dem entscheidenden Bereich der Kontrolle von
Geldwäsche noch zurück.

China. Die führenden Politiker Chinas haben
gegenüber Drogenhandel und -konsum eine harte
Haltung eingenommen.
Kolumbien. Dieses Land ist der geographische
Kern der Weiterverarbeitung von Kokain und des
weltweiten Handels mit dieser Droge. Es produziert
auch Heroin. Die kolumbianische Regierung arbeitet
bei einer Vielzahl von Aktivitäten im Bereich der
Drogenkontrolle mit den Vereinigten Staaten zusammen. Die Bestrebungen zur Verfolgung der wichtigsten Drogenhändler haben jedoch bestenfalls
gemischte Ergebnisse gezeitigt.
Indien. Obwohl Indien vor kurzem mit Pakistan und
Burma Gespräche über Drogenkontrolle aufgenommen hat, könnte es auf dem Gebiet internationaler Zusammenarbeit mehr unternehmen. Indien ist
ein Transitland für Heroin und andere illegale Opiumderivate aus Südwest- und Südostasien.
Iran. Das Land ist ein wichtiger Umschlagplatz für
illegale Opiate aus Pakistan und Afghanistan. Die
iranische Regierung behauptet, sie hätte bei der
Bekämpfung illegaler Drogen Fortschritte gemacht.
Diese Behauptungen sind schwer zu überprüfen, da
die Vereinigten Staaten keine diplomatischen Beziehungen zum Iran unterhalten.
*

Seite 2

Peru. Nahezu zwei Drittel des weltweiten Kokainangebots stammt von den in Peru angebauten Kokablättern. Die Regierung hat den politischen Willen
gezeigt, gegen den Drogenhandel vorzugehen, wird
jedoch den Anbau nicht beseitigen, ohne alternative
Programme für die Kokapflanzer anzubieten.
Rußland. Die Drogenprobleme des Landes vergrößerten sich 1993. Die wirtschaftliche Situation, ein
allgemeiner Mangel an Koordination auf höherer
Ebene sowie eine Lockerung der Sicherheit an den
Grenzen haben Drogenschmuggler angezogen, die
neue Wege von Asien auf die westeuropäischen
Drogenmärkte suchen.
Syrien. Die syrische Militärpräsenz im Libanon gibt
Syrien neben dem Libanon zumindest einen Teil der
Verantwortung für den Anbau und die Verarbeitung
von libanesischen Heroin, Haschisch und Kokain, das
für Europa, die Golfstaaten und die Vereinigten
Staaten bestimmt ist. Die Syrer haben 1993 den
durch ihr Land gehenden Drogenhandel nicht entscheidend verringert. Das Land ist nur sporadisch
und ineffektiv gegen die Drogenlabors vorgegangen
und hat keine syrischen Regierungsmitglieder überprüft, verhaftet oder strafrechtlich verfolgt, die am
Drogenhandel beteiligt sein sollen.

* * * *

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�BILDUNG
13. April 1994

CLINTON UNTERZEICHNET GESETZ FÜR
UMFASSENDE REFORM DES BILDUNGSWESENS
'Goals 2000" stellt neue Normen auf
WASHINGTON - (AD) - Am 31. März 1994 verlieh
Präsident Clinton durch seine Unterschrift einer
umfassenden Bildungsreform Gesetzeskraft, die ihm
zufolge "Normen darüber aufstellen soll, was jedes
Kind in jeder amerikanischen Schule wissen sollte Normen von Weltklasse".
"Dies ist ein neuer und anderer Ansatz der Regierung", erklärte der Präsident, "ein bemerkenswerter
Ausgangspunkt" für eine Nation, die vorher den
Großteil der Verantwortung für die Bildung ihrer
Bürger auf Tausende von örtlichen Schulbezirken
übertragen hatte.
"Heute können wir sagen, daß Amerika es mit der
Bildung ernst meint", so der Präsident. "Amerika
liegt die Zukunft jedes Kindes am Herzen und
Amerika wird im 21. Jahrhundert in der Welt eine
Führungsrolle spielen, weil wir sicherstellen werden,
daß (die Schüler) ... (ihre) von Gott gegebenen
Begabungen so weit wie möglich zum Tragen
bringen".
Präsident Clinton bezeichnete das neue Gesetz als
"Grundlage" für die Bildung im Amerika der Zukunft,
in dem "wir jedem Kind, das nicht das College
besucht, eine Chance geben, die erforderliche
praktische Ausbildung zu erhalten; in dem jedes
Kind, das aufs College gehen möchte, sich keine
Sorgen über die Finanzierung machen muß und
jeder Erwachsene die Möglichkeit zu lebenslangem
Lernen hat. Dies ist der Anfang."
Der Präsident stellte fest, daß ein Amerikaner
durchschnittlich zehnmal im Leben seinen Arbeitsplatz wechselt und teilte mit, das Gesetz Goals
2000: Educate America werde den Amerikanern
dabei helfen, sich auf "lebenslanges Lernen vorzubereiten... Wir haben das nie zuvor getan, wir
werden es jedoch wegen dieses Gesetzes tun." Die
Äußerungen des Präsidenten während der Unter-

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zeichnungszeremonie in Kalifornien wurden ins
Weiße Haus übertragen.
"Wir sind der Ansicht", so Clinton, "daß jedes Kind
lernen kann und muß" - auf einem Niveau, das es
gegenüber Kindern aus anderen Kulturen und anderen Ländern konkurrenzfähig macht. Er fügte
hinzu, Erwachsene "haben eine praktische und eine
moralische Verpflichtung" gegenüber Kindern, "sicherzustellen, daß (Schüler) hierzu eine Chance erhalten".
Der Präsident, der in San Diego (Kalifornien) Urlaub
macht, reiste in die nahegelegene Fine Arts Academy
in Zamorano, eine staatliche Grundschule, um das
Gesetz zu unterzeichnen. Eine kleine Gruppe von
Schülern wurde eingeladen, eine Kopie des Gesetzes
zu unterzeichnen, die in der Schule ausgestellt wird.
Clinton versprach, bei seiner Rückkehr in die Bundeshauptstadt Washington in der kommenden Woche
eine offiziellere Unterzeichnungszeremonie abzuhalten.
Präsident Clinton entschied sich eigenen Angaben
zufolge zur Unterzeichnung des Gesetzes in Zamorano, weil die Schule mit ihrer "in ethnischer, rassischer
und wirtschaftlicher Hinsicht sehr Vielfalt igen" 900köpfigen Schülerschaft vorzügliche Leistungen erbracht
habe. "Sie sehen aus wie das Amerika des 21.
Jahrhunderts, und wir müssen mit Ihnen gewinnen."
Zamorano bezeichnete er als eine "magnetische
Schule", die wegen ihrer akademischen Errungenschaften Schüler aus dem gesamten Schulbezirk
anziehe.
Bevor Clinton seine Unterschrift unter das Gesetz
setzte, hielten er, seine Frau Hillary und Bildungsminister Richard Riley eine Telekonferenz mit renommierten Befürwortern des Gesetzes aus dem Kongreß ab, darunter dem Mehrheitsführer im Senat,
George Mitchell, dem Vorsitzenden des Bildungsaus-

Seite 1

�Schusses im Senat, Senator Edward Kennedy,
einem äußerst wichtigen Förderer aus den Reihen
der Republikaner, Senator James Jeffords sowie
dem Speaker des Repräsentantenhauses, Tom
Foley.

Ihre Energie, und wir werden Sie unterstützen. Wir
werden all Ihre besten Ideen ermutigen und Ihre
Energie fördern.'"

Das neue Gesetz ist der Höhepunkt nationaler
Basisbestrebungen, die aufgrund des Berichts einer
Präsidialkommission über die Mängel im öffentlichen
Bildungswesen mit dem Titel Eine gefährdete
Nation (A Nation At Risk) in die Wege geleitet
wurden. Präsident Bush berief 1989 ein Gipfeltreffen der Gouverneure des Landes in der University of
Virginia ein und Clinton, damals der Gouverneur des
Bundesstaates Arkansas, spielte eine Schlüsselrolle
bei der nationalen Gouverneurskonferenz bei der
Erarbeitung der jetzt gesetzlich verankerten Vorschläge.

Das neue Gesetz wird einheitliche nationale Bildungsziele definieren, Flexibilität auf lokaler Ebene zur
Erfüllung dieser Ziele fördern und berufliche Bildung
für Schüler bereitstellen, die nicht aufs College
gehen. Arbeitsminister Robert Reich bekräftigte bei
der Verabschiedung der Maßnahme durch den
Kongreß in der vergangenen Woche, daß dank des
Gesetzes "Unternehmer Hand in Hand mit Lehrkräften, Arbeitnehmer- und Gemeindevertretern" zusammenarbeiten werden, um Qualifikationsnormen
festzusetzen. "Zum ersten Mal", fügte er hinzu,
"können Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Lehrkräfte
eine gemeinsame Sprache über die am Arbeitsplatz
erforderlichen Qualifikationen sprechen".

Das Gesetz sieht vor, daß "jeder Schüler die Schule
bereit und willens zu lernen besuchen sollte", durch
Vorschulprogramme wie Head Start, und "90 Prozent der Jugendlichen ebenso wie die Schüler
anderer Nationen innerhalb der vorgesehenen Zeit
die Schule abschließen sollten".

Wie Riley darlegte, enthält das Gesetz Verfügungen
für eine Rolle des Staates, die Schulen für die Kinder
sicherer zu machen und gleichzeitig höhere akademische Normen und bessere Lehrkräfte zu ermutigen.
Es wird neue Technologien zur Verbesserung des
Lernens fördern.

Obwohl das Gesetz Bildungsnormen in Grundbereichen festsetzt, bleibt den Schulbezirken, denen die
Hauptverantwortung für die öffentliche Bildung
zukommt, die Feststellung überlassen, wie die
Normen erreicht oder übertroffen werden. Das
Gesetz sieht Prüfungen zur Beurteilung der schulischen Leistungen vor.

Riley zufolge wollen die Amerikaner, "daß ihre Kinder
Teil der sich abzeichnenden, neuen hochtechnologischen Volkswirtschaft mit einem hohen Wissensstand
des 21. Jahrhunderts werden. Diese freiwilligen
nationalen Normen bei den akademischen Hauptfächern wie Englisch, Staatsbürgerkunde, Geographie,
Geschichte, Mathematik, Naturwissenschaften,
Fremdsprachen und Kunst wird den Eltern, Lehrkräften und Unternehmern ein deutliches Zeichen geben,
was man unter Weltklassebildung versteht".

Clinton stellte fest, daß sich im Bildungswesen
bereits gewisse Veränderungen abzeichnen, und
"man etwas Neues, anderes versucht, das bisher
noch nie ausprobiert worden ist", einschließlich
neuer Wege zur Organisation der Schulen und neue
Arten von Lehrern. "Wir wissen, daß letztlich die
Kinder lernen müssen", erläuterte der Präsident.
"Also wollen wir Weltklassestandards, wir wollen
einen Maßstab, ob die Kinder lernen oder nicht, und
wir wollen einen Weg, um den Menschen sagen zu
können, 'das sind die Normen, damit wissen Sie, ob
Sie es schaffen oder nicht, nun finden Sie heraus,
wie Sie es anpacken. Gebrauchen Sie Ihren Kopf,
*

Seite 2

Die Schauspielerin Jane Alexander, Vorsitzende der
Nationalen Stiftung für die Schönen Künste, begrüßte
die Maßnahme und unterstrich, die Konzentration auf
die Künste "wird kreative Denker und künstlerisch
gebildete Kinder kultivieren ... und Qualifikationen
anbieten, die das Lernen während des gesamten
Lebens fördern".

*

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»
'

�LANDESKUNDE
13. April 1994

HAUPTSTADTBESUCHE
von Patricia Harris und David Lyon
Die beiden Autoren beschreiben ein Dutzend der 50 Hauptstädte amerikanischer Bundesstaaten, die jeweils
die Identität der Amerikaner als Volk in etwas unterschiedlicher Weise widerspiegeln.
Die Verfasser schreiben für Adventure Road. Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung
von Adventure Road. Copyright (c) 1992 Patricia Harris und David Lyon.

Architekten und Historiker vertreten die Auffassung,
öffentliche Gebäude trügen zum Verständnis der
Menschen bei, die sie gebaut haben, und diese Idee
ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Die 50
Hauptstädte der amerikanischen Bundesstaaten
spiegeln die obersten Ziele der Bürgerschaft besonders anschaulich wider. David Chase, Kurator des
National Building Museum in der Bundeshauptstadt
Washington, stellt fest: "Die Regierung sollte ein
erhabenes Unterfangen sein, also meint man, sie
sollte in einem diese Bedeutung zum Ausdruck
bringenden Gebäude untergebracht sein."
Jede Bundeshauptstadt spiegelt die Identität der
Amerikaner als Volk in etwas unterschiedlicher
Weise wider. Im folgenden geben wir Beispiele
einiger Hauptstädte mit einer ungewöhnlichen
Geschichte und herausragenden Architektur.
Die frühen Tage
Das Staatsparlament von Annapolis (Maryland) ist
das älteste, ununterbrochen von der Legislative
benutzte Kapitol eines Bundesstaates und diente als
erstes Friedenskapitol der Vereinigten Staaten. Der
Grundstein wurde 1772 gelegt, aber der Bau wurde
durch die Revolution verzögert und das Gebäude
erst 1779 fertiggestellt. Zum ersten Mal wurde der
inzwischen vertraute Stil einer großen Kuppel auf
einem rechteckigen Block verwandt - ein im Kapitol
der Vereinigten Staaten in Washington kopierter
Entwurf.
Thomas Jefferson führte die andere Hauptstilrichtung
für Kapitolsgebäude ein, die erstmals mit dem
Kapitol von Virginia in Richmond verwirklicht wurde.
Er wählte einen römischen Tempel in Nimes aus

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dem 1. Jahrhundert als Modell, und so wurde das
zwischen 1785 und 1788 erbaute Kapitol von Virginia
das erste öffentliche Gebäude der Neuen Welt mit
den Säulen im Stil des klassischen Humanismus.
Im Kapitol von Virginia ist auch eine bemerkenswerte
Sammlung von Statuen untergebracht, darunter
Büsten aller in Virginia geborenen Präsidenten der
Vereinigten Staaten. Eine herrliche lebensgroße
Marmorstatue von George Washington - die einzige,
für die er je Modell stand - beherrscht die Rotunde.
Auch andere Kapitolsgebäude zeugen von der
amerikanischen Geschichte. Das Kapitol von Columbia (South Carolina) befand sich im Bau, als 1861 der
Bürgerkrieg ausbrach. Sechs Bronzesterne auf der
westlichen Wand markieren die Einschlaglöcher der
Kanonenkugeln. Angesichts der harten Zeiten nach
dem Bürgerkrieg dauerte die Fertigstellung des
Gebäudes - ein herrliches Beispiel des römisch-korinthischen Stils - vier Jahrzehnte. Jede der blauen
Granitsäulen des vorderen und hinteren Säulengangs
ist 13,1 Meter hoch, wiegt ungefähr 37 Tonnen und
ist aus einem einzigen Steinblock gearbeitet.
Das Kapitol in Raleigh (North Carolina) litt weniger
unter dem Bürgerkrieg als unter den Folgen der
Rekonstruktion. Während dieser berüchtigten Zeit
wurde ein Sitzungsraum im zweiten Stock in eine Bar
umgewandelt, die zu den Kammern führenden
Granitstufen sind angeschlagen und gefurcht, angeblich von Whiskey-Fässern. Ansonsten das besterhaltene Gebäude des Landes im Stil des griechischen
Humanismus, enthält der Bau von 1840 zahlreiche
antike Details. Die äußeren Säulen sind denen des
Parthenon nachempfunden, und die Kammer des
Repräsentantenhauses folgt dem Plan eines griechischen Amphitheaters.

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�Die Ära des Selbstbewußtseins
Statt die Antike wiederzugeben, steht das majestätische Kapitol in Des Moines (Iowa) für die Leistungen
amerikanischer Handwerker und die Vielfalt des
Bundesstaates.
Der zwischen 1871 und 1886
errichtete palastartige Bau enthält sieben inländische
und 22 importierte Marmorsorten. Seine Hauptkuppel ist mit 23karätigem Gold verziert.
Höchste Handwerkskunst herrscht vor, insbesondere
bei den Steinmetzarbeiten und Holzschnitzereien
sowie den kunstvoll bemalten Decken. Die Endpfosten des Haupttreppenaufgangs - dem Mittelpunkt
des Gebäudes - sind mit Girlanden von Früchten,
Blumen, Obst, Nüssen, Schmetterlingen und Vögeln,
einschließlich einer Fledermaus mit ausgbreiteten
Flügeln, einem kämpfenden Dinosaurierpaar und
einer Schlange mit gespaltener Zunge verziert. Auf
dem Treppenabsatz stellt das Gemälde "Westwärts"
symbolisch den Geist der Zivilisation und Aufklärung
dar, von dem die Pioniere bei der Kultivierung des
Westens geleitet waren.
Texas hat das größte Kapitol eines Bundesstaates.
In seiner Gesamtgröße nur vom Kapitol in der
Bundeshauptstadt Washington übertroffen, ist es 2,1
Meter höher als das Gebäude in Washington. Im
Jahr 1888 fertiggestellt, wird der Bau in Austin zur
Zeit renoviert, während dahinter unterirdische Büros
erstellt werden. Der gewaltige Bau aus der Zeit der
italienischen Renaissance hat eine Grundfläche von
12.140,4 m2 und eine Gesamtfläche von 72.842,4
m2.
Das rote Granitgebäude ist schön und groß. Auch
enthält es wunderbare Verzierungen und genug
Statuen berühmter Texaner, um damit ein Museum
auszustatten. Das letzte Wort hat jedoch die Skulptur an der Spitze des Kuppelgewölbes. Die mit einer
Toga bekleidete junge Frau hält einen Stern in die
Höhe - das Wahrzeichen des Bundesstaates Texas.
Die vergoldete Statue einer Frau, die auf der Kuppel
des Kapitols von Madison im Bundesstaat Wisconsin
steht, symbolisiert das Motto "Vorwärts".
Das
zwischen 1906 und 1917 errichtete Gebäude hat
eine ungewöhnliche Struktur, da die vier Flügel von
der Rotunde und der Hauptkuppel ausgehen, der
einzigen Granitkuppel in den Vereinigten Staaten.
Diese Gestaltung schafft eine wunderschöne Innenansicht.
Moderne Visionen der Demokratie
West Virginia beauftragte Cass Gilbert, den berühmten Architekten großartiger öffentlicher Gebäude, das
Kapitol des Bundesstaates in Charleston mit Blick
über den Kanawha zu entwerfen. Die Gesetzgeber

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schlössen unter genauer Kontrolle der Kosten das
Projekt in drei separaten Verträgen zwischen 1924
und 1932 ab, deckten die Kosten durch eine Sondersteuer und brachten das Projekt in den Haushalt ein.
Das Ergebnis kann kaum als schmucklos bezeichnet
werden: Säulengänge mit majestätischen Säulen aus
Kalkstein von jeweils 86 Tonnen und massive Türen
aus Bronze und Kupfer. Schwarze Marmorsäulen mit
Alabasterurnen säumen die Hallen. Eine glänzende,
vergoldete Kuppel (1990 frisch vergoldet) hebt sich
leuchtend gegen den Himmel ab. Die üppigen
Kurven und klaren Linien des Gebäudes weisen es
als architektonische Leistung aus. Wahrscheinlich
enttäuschte es Gilbert, der genaue Angaben zu
Skulpturen und Bemalung der unteren Reliefs machte. Zu dem Zeitpunkt, als mit dem Bau des unteren
Teils begonnen wurde, brach gerade der Aktienmarkt
zusammen und es gab eine Dürre. Der Bundesstaat
beschloß, auf die Details zu verzichten und ohne
Verschuldung ein elegantes Gebäude zu errichten.
Die Architekten des Kapitols von Oklahoma waren
wahrscheinlich auch enttäuscht, als sich die ursprünglich vorgesehenen Gelder für den Bau der
geplanten Kuppel als unzureichend erwiesen, was zur
Einstellung der Arbeiten im Jahr 1917 führte. Seitdem haben die Gesetzgeber keine Gelder mehr für
die Kuppel bewilligt, so daß das Geld durch Bürgerinitiativen aufgebracht wird.
Das Kapitol von Oklahoma ist das einzige seiner Art,
das auf einem Ölfeld errichtet wurde. Je nach
Jahreszeit sind auf dem Grundstück des Kapitols
mehr als fünf Ölquellen in Betrieb. Der Bohrturm im
Blumenbeet des Kapitols ist abgestellt, da die Quelle
versiegt ist, er symbolisiert jedoch den Reichtum an
Bodenschätzen dieses Bundesstaates.
In der Rotunde gibt es vier Wandgemälde: "Entdekkung" (die frühe Erforschung des Landes), "Grenzhandel" (die französische Herrschaft unter Napoleon),
"Indianische Einwanderung" (ein Tribut an die 67
Indianerstämme des Bundesstaates) und "Besiedelung" (das den Ansturm auf das Land in Oklahoma
zeigt. Am 12. April 1889 war Oklahoma nur Prärie,
bei Anbruch der Nacht hatte es 10.000 Bewohner).
Nebraska bemühte sich bewußt um ein Design, das
sich vom Kapitol anderer Bundesstaaten abhob und
schuf ein erstaunliches Art Deco-Gebäude mit einem
122 Meter hohen Obelisken, der sich von einem
rechteckigen Fundament über die Ebenen von
Lincoln erhebt. Er stellt eindeutig etwas Einzigartiges und eine Einheit dar. Die Arbeit am Kapitol
wurde 1922 begonnen, erstreckte sich jedoch über
ein Jahrzehnt, da es um das alte Staatsparlament
herum gebaut wurde, damit die Behörden ihre Arbeit
fortsetzen konnten. In der Eingangshalle ist eine
gemalte Chronik der frühen Pioniere zu finden. In
der großen Halle stellen 1967 aus Anlaß der Hundert-

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�jahrfeier hergestellte Mosaike bedeutende Ereignisse
aus Nebraska dar.
Symbolische Erklärungen
Der Regierungssitz in Olympia im Bundesstaat
Washington betont die natürliche Schönheit des
Bundesstaates. Nach Jahrzehnten der Enge in dem
unzureichenden hölzernen Staatsparlament nahm
Washington 1911 einen radikalen Plan an und
beendete den Bau 1928. Das Kapitoi des Bundesstaates Washington besteht aus einer Gruppe
einzelner Gebäude für jeden Regierungszweig in
einem 14 Hektar großen Park mit Blick über den
Caprtol Lake und den Budd Inlet of Puget Sound ein "Capitol Campus". Japanische Kirschbäume und
Bepflanzung je nach Saison beherrschen die

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Landschaft, der Brunnen ist einem Brunnen im Tivoli
in Kopenhagen nachempfunden.
Das Kapitoi von New Mexiko in Santa Fe kombiniert
den einzigartigen Architekturstil der Pueblo-Indianer
mit Elementen des griechischen Humanismus,
wodurch ein Gebäude entsteht, das dem Zia-Symbol
auf der Flagge des Bundesstaates ähnelt. Das am 8.
Dezember 1966 eingeweihte Kapitoi hat vier Etagen,
eine davon unterirdisch. Im Einklang mit der PuebloTradition sind die elliptischen Kammern der Legislativen im unteren Stockwerk, tief in der Erde angesiedelt.
Letztlich drückt jedes Kapitoi in Stein aus, was zu
einem bestimmten Platz zu gehören scheint. Es sind
die staatsbürgerlichen Monumente einer Regierung
des Volkes, durch das Volk und für das Volk.

*

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