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                    <text>^n^m
nroimocion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22

25. Mai 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION
Ikle: Sowjetunion bringt jährlich 100 neue Objekte in den
Weltraum
- Darlegung des Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium
vor Senatsausschuß -

HINTERGRUNDMATERIAL
Unannehmbare Einmischung:

"Aktive Maßnahmen" der Sowjets

- Von Lawrence S. Eagleburger Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium
»

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Sorgfältige Schwangerenbetreuung bei Diabetes
- Angeborene Defekte gehen merklich zurück -

Um Übcr/cn Jung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation

l

United States Information Service
Embassy of the United States of America

22

25. Mai 1983

IKLE: SOWJETUNION BRINGT JÄHRLICH 100 NEUE OBJEKTE IN DEN WELTRAUM
- Darlegung des Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium
vor Senatsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der Staatssekretär für politische Angelegenheiten
im amerikanischen Verteidigungsministerium, Fred Ikle, erklärte am 18, Mai
1983 vor dem außenpolitischen Ausschuß des US-Senats, daß die Sowjetunion
in den vergangenen Jahren fast 100 neue Objekte jährlich in den Weltraum
transportiert habe. Diese Zahlen zeigten deutlich, welche Bedeutung Moskau
seinen Weltraumprogrammen beimesse.
Die Ausführungen Ikles haben folgenden Wortlaut:
Ich begrüße die Gelegenheit zur Diskussion über die Bedeutung, die der
Weltraum und die jüngste Initiative des Präsidenten über die Verteidigung
mit ballistischen Raketen für die nationale Sicherheit haben.
Die technologischen Revolutionen bei der potentiellen Nutzung des Weltraums haben der nationalen Verteidigung neue Möglichkeiten - wie auch neue
Drohungen - gebracht. Sowohl die Streitkräfte der Vereinigten Staaten als
auch die der Sowjetunion setzen Satellitensysteme ein.
Die militärischen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die militärischen Weltraumobjekte der Vereinigten Staaten dienen der
Unterstützung militärischer Operationen - bei Kommunikation, Kommando und
Kontrolle, bei Warnung, Navigation und bei Wettervorhersagen.

Die Weltraum-

systeme werden in der Tat in zunehmendem Ma3 für Kommando, Kontrolle und
Kommunikation eingesetzt.
Unsere Satelliten, die Raketenstarts signalisieren, sowie unsere strategischen Warnsysteme leisten einen Beitrag zu unserer nuklearen Abschrekkung.

Weltraumsysteme ermöglichen es uns auch, die Einhaltung von Rüstungs-

kontroll Vereinbarungen zu überwachen.
Es bedarf nicht des Hinweises, daß die militärische Nutzung des Weltraums durch die Vereinigten Staaten in Einklang mit dem Völkerrecht steht.
Unsere militärischen Weltraumprogramme sind nicht lediglich eine Reaktion auf die Weltraumaktivitäten der Sowjetunion, sondern sind Ergebnis unserer ständigen Überlegungen hinsichtlich der Art und Weise, wie wir die
Ziele unserer nationalen Sicherheit am besten erreichen. Wir sehen den Weltraum als ein Gebiet, in dem militärische Unterstützungsoperationen durchgeführt werden können. Obgleich unsere Programme keine Reaktion auf die sowjetischen sind, müssen wir selbstverständlich die sowjetischen Weltraumaktivitäten in Rechnung stellen. Wie in anderen Bereichen auch, unterscheidet
sich die sowjetische Haltung hinsichtlich des Weltraums von der unseren erheblich.

Die sowjetischen Weltraumaktivitäten
Mit der Entwicklung und der Bereitstellung einer orbitalen Antisatellitenwaffe vor über einem Jahrzehnt hat die Sowjetunion ein deutliches Zeichen dafür gesetzt, daß sie den Weltraum als eine Arena der Kriegsführung ansieht.
In den

�In den vergangenen zehn Jahren hat die UdSSR jährlich über 75 Weltraumobjekte gestartet, vier bis fünfmal mehr als die Vereinigten Staaten. Während der letzten Jahre stieg die Zahl sogar auf annähernd 100 pro Jahr.
Die jährliche Nutzlast, die die Sowjets in eine Erdumlaufbahn brachten, ist
mit 660 000 Pounds zehnmal größer als die der Vereinigten Staaten.
Diese Anstrengungen spiegeln die Bedeutung wider, die die Sowjets
ihren Weltraumprogrammen beimessen. Allerdings könnten sie ebenso eine gewisse technologische Schwäche hinsichtlich der Dauerhaftigkeit und Flexibilität ihrer Weltraumobjekte widerspiegeln. Die militärischen und militärbezogenen Raumfahrtprogramme der Sowjetunion reichen von ausgedehnten bemannten
Missionen bis zu meteorologischen Kommunikations-, Navigations-, Aufklärungs-, überwachungs-, Ziel- und Antisatellitenmissionen.
Seit dem erfolgreichen Start des SPUTNIK I im Jahre 1957 haben die Sowjets sin tatkräftiges und methodisches Programm der Nutzung des Weltraums
für militärische Zwecke verfolgt. Zum erstenmal zeigte sich die Nutzung des
Weltraums für militärische Zwecke durch die Sowjetunion im Jahr 1961 beim
Start ihres ersten Fotcaufklärungssatelliten. über die sechziger und siebziger Jahre hinweg weiteten sich die militärischen Weltraumprogramme der
Sowjetunion sowohl hinsichtlich des Umfangs als auch der Anzahl aus. Mittlerweile sind aus diesen Programmen reife, integrierte Systeme für die direkte und indirekte Unterstützung der sowjetischen Streitkräfte geworden, die
die Fähigkeit haben, die niedrigfliegenden Satelliten der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu bedrohen.
Ständig befinden sich zwischen 70 und 110 Satelliten auf ihrer Umlaufbahn, wobei über die Hälfte hauptsächlich militärischen Zwecken dient. Etwa
85 Prozent aller sowjetischen Weltraumstarts sind hauptsächlich militärische oder militärisch-zivile Missionen.
Es hat

�Es hat den Anschein, als entwickelten die Sowjets ein wiederverwendbares Raumfahrtsystem, dem der amerikanischen Weltraumfähre ähnlich, sowie ein kleineres Weltraumflugzeug. Probeflüge dieses kleineren Flugapparates in Erdumlaufbahn haben bereits stattgefunden. Diese Systeme könnten
innerhalb eines Jahrzehnts in regulärem Einsatz sein und werden die militärische Flexibilität und Kapazität der sowjetischen Weltraumanstrengungen weiter vergrößern.
Die bemannten Weltraumflüge der Sowjets werden immer umfangreicher
und stellen das weitläufigste Element des sowjetischen Raumfahrtprogramms
dar. Nachdem die Sowjets in den frühen sechziger Jahren eine ganze Reihe
von

Erstflügen schafften - einschließlich des ersten Menschen im Welt-

raum -, wurde das bemannte Programm der Sowjetunion zeitweilig von den bemannten Programmen der Vereinigten Staaten Ende der sechziger Jahre überflügelt.

Seit 1971 haben die Sowjets sieben Raumstationen in eine Erdum-

laufbahr gebracht. Die erste bemannte Raumstation - SALYUT I - wurde 197i
gestartet. Ein zweiter Typ davon wurde 1973 gestartet. Beide waren in der
Lage, militärische Forschungen durchzuführen. 1977 hatten die Sowjets die
Fähigkeit entwickelt, die Besatzung ihrer SALYUT-Raumstationen neu zu versorgen und auszutauschen. Dreimal haben die Sowjets bemannte Missionen
durchgeführt, die bis zu sechs Monaten dauerten. Mit der Beendigung einer
211-Tage-Mission im Jahre 1982 schafften die Sowjets eine neue Höchstleistung.
Das sowjetische Engagement im Hinblick auf das bemannte Weltraumprogramm wächst weiter. Die Entwicklung einer großen, bemannten Raumstation
bis etwa 1990 zur Erlangung einer militärischen Präsenz im Weltraum ist
unserer Meinung nach eines der Ziele der neuen schubkräftigen Startsysteme, die sich derzeit in der Entwicklung befinden. Die Sowjets werden
außerdem weitere Hilfssysteme von großer Schubleistung einsetzen, um noch
größere Raumstationen und Raummodule vor Ende des Jahrhunderts in eine
Umlaufbahn zu bringen. Diese Raumstationen könnten über 100 Tonnen wiegen

- 4 -

�Tonnen wiegen und in der Lage sein, eine größere Mannschaft über einen
längeren Zeitraum hinweg ohne Neuversorgung aufzunehmen.
Die Einführung, Anwendung und bekannte zukünftige Entwicklung von
sowjetischen Weltraumwaffensystemen weisen auf ein koordiniertes Programm
hin, das folgendes umfaßt:
- Die derzeitige Generation von AntiSatellitenkörpern, die jetzt einsatzfähig sind und dazu entworfen wurden, Satelliten in niedriger
Umlaufbahn zu zerstören.
- Ein sehr umfangreiches Forschungsprogramm über gelenkte Energie, einschließlich der Entwicklung von Laserstrahlwaffensystemen, die entweder auf dem Erdboden disloziert oder an Bord der nächsten Generation
der sowjetischen AntiSatellitensysteme oder auf bemannte sowjetische
Weltraumstationen verbracht werden könnten.
Das bereits aufgestellte sowjetische Antisatellitensystem hat die Fähigkeit, amerikanische Weltraumsysteme in erdnaher Umlaufbahn zu zerstören.
Die Sowjets veranstalten alle Jahre Tests, um den Satellitenabfang zu proben
und das Antisatellitensystem zu verfeinern. Wir sind der Überzeugung, daß
eines der Ziele des sowjetischen Weltraumwaffenprogramms die Entwicklung
und Dislozierung von im Weltraum stationierten Lasern ist.
Die Sowjets könnten den prsten Prototypen einer kleinen, im Weltraum
stationierten Antisatelliten-Laserwaffe Ende der achtziger oder Anfang
der neunziger Jahre starten. Ein System, das in der Lage wäre, andere
Satelliten im Abstand von einigen tausend Kilometern anzugreifen, könnte
in den neunziger Jahren möglich sein. Im Weltraum stationierte ABM-Systeme könnten in den neunziger Jahren erprobt werden, würden allerdings
wahrscheinlich nicht vor der Jahrhundertwende einsatzbereit sein.
Seit Anfang

�Seit Anfang der sechziger Jahre haben die Sowjets ihre Anstrengungen
bei der Foto- und Elektronikaufklärung im Weltraum ständig verstärkt. Jedes Jahr werden mehr als 50 dieser Satelliten gestartet, um die Streitkräfte mit täglichen Informationen auf dem Laufenden zu halten. Das Raumfahrtprogramm des sowjetischen Militärs spiegelt zudem die immer stärkere
Nutzung des Weltraums für weltweite Überwachung und Vorwarnung wider. Durch
diese im ,feltraum stationierten Systeme haben die Sowjets einen erheblichen Teil der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
unter Beobachtung. Die Überwachungssatelliten umfassen ein System, mit dem
Abschüsse von Interkontinentalraketen entdeckt werden können, sowie Meeresüberwachungssysteme wie die beiden atomangetriebenen Satelliten, die während
ihres Funktionsendes und ihres Wiedereintritts in die Erdatmosphäre 1978
und Anfang 1983 weltweiten Alarm hervorriefen.
Die sowjetischen Anstrengungen auf dem Gebiet der Beobachtung werden
allen Erwartungen zufolge zu einem Mehrfachsatellitensystem der Aufklärung,
Beobachtung und Angriffswarnung gegen ballistische Raketen strategischer
wie nichtstrategischer Art und möglicherweise auch gegen Bomber führen.
Die Sowjets verstärken auch ihren Einsatz von Weltraumsystemen zum
Zweck von Kommando, Kontrolle und Kommunikation. Seit dem Start ihres
ersten Fernmeldesatelliten Mitte der sechziger Jahre hat die UdSSR ihre
Programme für Kommunikationssatelliten zur Unterstützung ihrer politischen Führung sowie ihrer militärischen, diplomatischen und nachrichtendienstlichen Missionen verbessert und ausgeweitet.
Die Sowjets führen eine ehrgeizige Ausweitung ihres Kommunikationssatellitenprogramms durch, das ihre weltweite Kommando-, Kontroll- und
Kommunikationskapazität beträchtlich verbessern wird. Im Lauf der nächsten zehn Jahre werden die Sowjets eine noch fortgeschrittenere Serie
von Kommunikationssatelliten entwickeln und dislozieren, von denen
einige, von bemannten Kommando- und Kontroll Plattformen in Erdumlaufbahn

- 6 -

�in Erdumlaufbahn übermittelte Daten weitergeben könnten.

Die Weltraumaktivitäten des amerikanischen Verteidigungsministeriums
Gestatten Sie mir, nun auf unsere eigenen Aktivitäten einzugehen. Im
Dienst unserer nationalen Sicherheit beschafft und betätigt das Verteidigungsministerium Weltraumsysteme und betreibt weltraumbezogene Forschung
und technologische Entwicklungsprojekte.
Wie erwähnt, bringt die sowjetische Entwicklung einer einsatzfähigen
AntiSatellitenkapazität die Möglichkeit mit sich, daß der Weltraum zu
einem feindlichen Umfeld wird. Aus diesem Grund bestimmt die Weltraumpolitik des Verteidigungsministeriums, daß die militärischen Weltraumsysteme,
einschließlich der wesentlichen Bodenelemente wie der Objekte im Weltraum,
auf ihrer Erdumlaufbahn so entworfen, entwickelt und betrieben werden,
daß ihre Überlebensfähigkeit und ihre Dauerhaftigkeit verstärkt werden.
Seit 1977 ist es die Politik der Vereinigten Staaten, die Entwicklung
einer einsatzfähigen, nichtnuklearen Antisatellitenkapazitat zu verfolgen.
Wenn wir eine glaubwürdige Vergeltungskapazität besitzen, dann sind wir
besser in der Lage, vor Angriffen gegen unsere Weltraumsysteme abzuschrekken.
Wir sind derzeit Signarstaat von wenigstens drei Verträgen, die gewisse militärische Aktivitäten im Weltraum berühren: Dem Weltraumvertrag,
dem Teil Verbotsabkommen für Nuklearversuche und dem Raketen-Abwehrraketenvertrag (ABM-Vertrag). Unsere vertraglichen Verpflichtungen umfassen:
- Haftung bei Schäden durch Tätigkeiten im Weltraum;
- Aufrechterhaltung des sicheren Zugangs zum Weltraum und zu Operationen in ihm;
- Nichteinmischung in
- 7 -

�- Nichteinmischung in die nationalen technischen Mittel der Verifizierung (ABM-Vertrag, SALT I, SALT II).
- Der Weltraumvertrag verbietet außerdem die Errichtung von Militärstützpunkten, von militärischen Installationen und Befestigungen auf
dem Mond und

anderen Himmelskörpern sowie die Erprobung jedweder

Waffentypen sowie das Abhalten von militärischen Manövern daselbst.
Dieser Vertrag verbietet außerdem das Einbringen in die Erdumlaufbahn, die Installation auf dem Mond oder anderen Himmelskörpern oder
die Stationierung im Weltraum von jedwedem Objekt, das Atomwaffen oder
irgend andere "Waffen der Massenvernichtung" trägt. Die Erprobung
oder das Einbringen von Waffen, die konventionelle Explosivstoffe mit
sich führen, in eine Erdumlaufbahn ist nicht verboten.
- Der ABM-Vertrag von 1972 verbietet die Entwicklung, Erprobung und
Dislozierung von weltraumgestützten ABM-Systemen und Teilen davon
(Artikel V ) . Sollte eine zukünftige Technologie neue ABM-Systeme hervorbringen, die "sich auf andere physikalische Prinzipien stützen" wie etwa Laser- oder Teilchenstrahlen gegenüber jenen, die in den
derzeitigen Systemen verwendet werden - so die Übereinkunft, so würde in Einklang mit den Zusatzbestimmungen des Vertrags eine Begrenzung solcher Systeme vor ihrer Dislozierung erörtert werden.
Lassen Sie mich zum Abschluß ein paar Worte über die Initiative des
Präsidenten auf dem Gebiet der strategischen Verteidigung sagen. Der Präsident hat beschlossen, daß wir ein Programm in Angriff nehmen, das der
sowjetischen Raketenbedrohung mit Maßnahmen begegnet, die defensiven Charakter haben. Er ordnete eine umfassende und intensive Anstrengung an, um
ein langfristiges Forschungs- und Entwicklungsprogramm in Richtung auf
das Ziel zu entwerfen, die Bedrohung aus der Welt zu schaffen, die die
Atomraketen darstellen. Diese Entwicklung könnte - ja, sollte - durch
Rüstungskontrollmaßnahmen vervollständigt werden.
In Einklang

�In Einklang mit der Entscheidung des Präsidenten hat das Verteidigungsministerium in Zusammenarbeit mit anderen Behörden eine doppelte
Anstrengung angeregt: Einerseits die Erforschung und die Klassifizierung
entsprechender Technologien, andererseits die Entwicklung und Festlegung
von politischen und strategischen Optionen.
Uns geht es nicht um ein einziges System des Abfangens und der Verteidigung gegen jedweden Raketenangriff. Unsere Forschung richtet sich auf die
Analyse eines Verteidigungsnetzwerkes - einer Reihe von Systemen, die sich
nicht notwendigerweise auf die gleichen technischen oder physikalischen
Prinzipien stützen-, das in seiner Gesamtheit für uns und unsere Verbündeten eine wirksame Verteidigung gegen Atomraketen bietet. Wir sind uns der
Tatsache voll bewußt, daß es sich hierbei um eine langfristige Anstrengung
handelt, deren Früchte möglicherweise erst im nächsten Jahrhundert zur Verfügung stehen.
Da es sich um eine solche langfristige Anstrengung handelt, müssen wir
uns - wie der Präsident erklärt hat - darüber im klaren sein, daß wir uns
in der Zwischenzeit auch weiterhin auf die Abschreckung verlassen müssen,
um den Frieden zu bewahren. Wir müssen - und wir wollen - auch weiterhin
vertraglich vereinbarte Verringerungen bei den Kernwaffen verfolgen, die
ausgewogen und verifizierbar sind. Da unsere Suche nach defensiven Technologien das Ziel hat, die Bedrohung durch die ballistischen Raketen zu
vermindern, steht sie in vollem Einklang mit den Rüstungsverringerungsanstrengungen, die wir derzeit bei den START-Verhandlungen verfolgen.
Sie unterstützt jene Anstrengungen, indem sie die Aussicht bietet,
daß die Wirksamkeit und die Rolle der ballistischen Raketen in Zukunft
deutlich verringert wird. Die Initiative des Präsidenten ist natürlich
auch in völliger Übereinstimmung mit den bestehenden Rüstungskontrollvereinbarungen. Während der ABM-Vertrag zwar die Entwicklung, die Erprobung oder die Dislozierung von ABM-Systemen verbietet, so erlaubt er

- 9 -

�erlaubt er doch die Forschung.
Das Wesentliche der Entscheidung des Präsidenten hinsichtlich der
strategischen Verteidigung besteht in meiner Sicht darin, daß sie andere
Wege eröffnet, um den Frieden im Atomzeitalter zu wahren. Die Nachfolger
von Präsident Reagan - im nächsten Jahrzehnt oder im ersten Jahrzehnt
des nächsten Jahrhunderts - sollten ihre Optionen nicht durch die strategischen Vorstellungen eingeengt wissen, die in den siebziger Jahren Mode
waren.
Unsere strategische Planung war viel zu sehr durch den Gedanken eingeschränkt, daß Defensivsysteme schlecht seien und wir für unbegrenzte
Zeit in eine Konfrontation der allgewaltigen, offensiven Raketenstreitkräfte eingebunden sein könnten und müßten. Wir schulden es der nächsten
Generation, entschlossen die Suche nach besseren Alternativen aufzunehmen.

+ + + ++

- 10 -

�22

25. Mai 1983

UNANNEHMBARE EINMISCHUNG:
"AKTIVE MASSNAHMEN" DER SOWJETS
von Lawrence S. Eagleburger
Staatssekretär für Politische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der "NATO REVIEW"

Seit einiger Zeit ist der sowjetische Begriff "Aktive Maßnahmen" Aktivnyye Meropriyatiya - in das Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt.
Dieser Begriff schließt eine ganze Reihe von Techniken der Irreführung
ein - wie sogenannte Frontgruppen (d.h. Gruppen, die nach außen nicht als
kommunistisch erscheinen), Falschinformationen, Fälschungen, Pressemanipulation und sogenannte Einflußagenten (d.h. politische Einflußnahme).
All das gehört routinemäßig zur Außenpolitik der Sowjetunion. In keiner
anderen Sprache läßt sich die Bedeutung des Begriffs "aktive Maßnahmen" "Active Measures" - genau wiedergeben. Am nächsten kommt vielleicht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�kommt vielleicht der Begriff "psychologische Kriegführung" aus dem Zweiten
Weltkrieg.
Aktive Maßnahmen werden gegen praktisch alle Länder außerhalb des
Sowjetblocks angewandt - Länder wie Nordkorea und China sind ebenso Ziel
dieser Maßnahmen wie NATO-Länder. Zur Illustration nur einige wenige
Beispiele solcher Tätigkeiten, die in der Öffentlichkeit bekannt wurden:
- Ein sowjetischer Botschafter wurde 1980 aus Neuseeland ausgewiesen,
nachdem er dabei ertappt worden war, daß er der dortigen moskautreuen kommunistischen Partei Geld gab.
- Ein französischer Autor und Journalist wurde verurteilt, weil er
fast 20 Jahre lang als sowjetischer Einflußagent tätig war.
- Eine großangelegte Falschinformationskampagne in den Medien wurde
unternommen, um die von den Vereinigten Staaten geförderten Bemühungen zur Lösung des Namibia-Konflikts zunichte zu machen.
- Allein 1982 wurden über ein Dutzend Fälschungen - meist von amerikanischen Dokumenten oder Schreiben - aufgedeckt.
- Eine Kampagne in den Medien - z.T. mit heimlich untergeschobenen Berichten und Fälschungen - sollte den Eindruck erwecken, die Vereinigten Staaten hätten den Staatsstreichversuch im Novembe
1981 auf den Seychellen unterstützt.
- Rundfunkstationen gaben vor, für oppositionelle politische Fraktionen in China und im Iran zu sprechen, sendeten aber in Wirklichkeit
von unbekannten Orten in der Sowjetunion aus.

- 2 -

�Aus der Sicht des Fachmanns
Die obige Liste von öffentlich bekanntgewordenen aktiven Maßnahmen
ließe sich lange fortsetzen, aber den Geheimdiensten in der ganzen Welt
sind noch sehr viel mehr Fälle bekannt, die die Öffentlichkeit nicht erfahren hat, entweder weil empfindliche Quellen nicht bloßgestellt werden sollen oder weil politische oder diplomatische Überlegungen gegen
eine Veröffentlichung sprechen.
Aktive Maßnahmen sind auch kein neues Mittel im politischen Repertoire der Sowjets. Schon in den zwanziger Jahren infiltrierten politische
Agenten der Sowjets russische Emigrantenorganisationen und brachten sie
zum Streit untereinander. In den dreißiger Jahren manipulierten sowjetische Agenten eine ganze Reihe von Frontgrupper.. in denen die Hand Moskaus
geschickt verborgen blieb, bis es im August 1939 zum Hitler-Stalin-Pakt
kam. Zu jener Zeit sprach ein altgedienter Organisator in der Komintern,
Willi Mlinzenberg, von diesen Gruppen zynisch als "Klubs der Unschuldigen". Eine sowjetische Falschinformationskampagne bald nach dem Zweiten
Weltkrieg versuchte die Vereinigten Staaten der "bakteriologischen Kriegführung" im Korea-Krieg zu beschuldigen.
Gelegentlich erhalten wir einen kleinen Einblick in die aktiven Maßnahmen von sowjetischer Seite. Eine solche Gelegenheit bot sich, als
der ehemalige KGB-Major Stanislaw Lewtschenko überlief, der von 1975 bis
1979 die aktiven Maßnahmen in Japan koordinierte - offiziell als Korrespondent für die Zeitschrift "Neue Zeiten" tätig - und eine Zeitlang
der Stellvertretende Leiter der KGB-Gruppe für aktive Maßnahmen in Japan.
Lewtschenko beschreibt in seinen vor einiger Zeit veröffentlichten Aussagen vor dem amerikanischen Kongreß mehrere erfolgreiche Fälschungen
und Falschinformationen. Er erklärt, daß der KGB in den siebziger Jahren die Politik in Japan durch zahlreiche Einflußagenten beeinflußt
hat, einschließlich eines früheren Kabinettsministers, Mitgliedern des

- 3 -

�Mitgliedern des Parlaments und prominenter Journalisten. Nach Schätzungen Lewtschenkos hat der Resident des KGB in Tokio im Jahr einige hundert
Anweisungen für aktive Maßnahmen erhalten. Von diesen ist es nach Lewtschenko gelungen, etwa ein Drittel erfolgreich durchzuführen.
Ein weiterer Überblick bietet die Aufdeckung der heimlichen Beziehungen zwischen dem KGB und dem Autor und Journalisten Arne Herloev Petersen durch dänische Behörden. Im ~ommer 1981 gaben die Sowjets Petersen
das Geld, für das dieser eine Reihe von Anzeigen aufgab, in denen dänische
Künstler ihre Unterstützung für eine Nordische Kernwaffenfreie Zone zum
Ausdruck brachten. In einem anderen Fall überbrachte Petersen der nordkoreanischen Botschaft außenpolitische Dokumente, die ihm die sowjetische
Botschaft lieferte und die er auf Anweisung der Sowjets als v i einer amerikanischen Quelle stammend deklarierte. In einem weiteren typ-sehen Zug der
Falschinformation veröffentlichte Petersen eine Broschüre, in der er die
britische Premierministerin Margaret Thatcher angriff. Den Text dieser
Broschüre erhielt er jedoch von der sowjetischen Botschaft. Wie in der dänischen Stellungnahme zu diesem Fall erklärt wird, war es für diese Anstrengungen zur Beeinflusssung der öffentlichen Debatte typisch, daß die sowjetische Herkunft verheimlicht wurde, um ihre Wirksamkeit nicht zu verringern. Als Geheimkontakt Petersens wurde der KGB-Offizier Wladimir
Merkulow - Zweiter Sekretär an der Sowjetbotschaft in Kopenhagen - enttarnt und

,n Oktober 1981 als persona non grata aus Dänemark ausgewiesen.

Großer bürokratischer Unterbau
Die aktiven Maßnahmen werden von einem
Unterbau in der UdSSR getragen. Das geheime
ist der Dienst A des Ersten Chefdirektorats
KGB. Im Außendienst kann jeder KGB-Offizier
Durchführung aktiver Maßnahmen herangezogen

- 4 -

großen organisatorischen
Organ der aktiven Maßnahmen
(Auslandsgeheimdienst) des
oder Geheimagent für die
werden, und in den größeren

�den größeren KGB-Residenzen, wie in Tokio, gibt es Spezialgruppen, die sich
mit diesen Geheimoperationen befassen. Die Techniken aktiver Maßnahmen
sind integraler Bestandteil der Ausbildung aller KGB-Offiziere.
Bei der Ausarbeitung dieser Operationen arbeitet der Dienst A eng mit
der Internationalen Abteilung und der Internationalen Informationsabteilung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei zusammen. Andere Elemente ues sowjetischen Apparates, wie Zeitschriften, Rundfunkstationen,
und die amtliche Luftverkehrsgesellschaft Aeroflot, werden je nach Bedarf
herangezogen.
Die Internationale Informationsabteilung überwacht die sowjetische
Propagandatätigkeit im Ausland und ist damit von entscheidender Bedeutung
für die Durchführung aktiver Maßnahmen. So verbreitet beispielsweise die
sowjetische Propagandamaschinerie üblicherweise irreführende oder tendenziöse Berichte, die von Agenten des KGB in der ausländischen Presse untergebracht worden waren. Diese Technik erlaubt es den sowjetischen Propagandisten, Falschinformationen die größte Verbreitung zu verschaffen, deren
angebliche Echtheit kaum in Zweifel gestellt wird, da sie ja aus ausländischen - und daher ganz offensichtlich unvoreingenommen - Presseorganen
stammen. Die Propagandaorgane unterstützen die Durchführung aktiver Maßnahmen auch dadurch,daß sie Themen der Kampagnen der Frontgruppen laut
hinausposaunen. Publikationen wie "New Times" (Neue Zeiten) stehen ebenso
voll im Dienst der Sache wie Radio Moskau und der angeblich nichtamtliche
Sender Frieden und Fortschrift.
Die Internationale Abteilung ist zuständig für die Verbindung zu den
kommunistischen Frontorganisationen im Ausland. Sie insinuiert oder befiehlt kommunistischen Parteien im Ausland, politische und propagandistische Maßnahmen zur Unterstützung bestimmter Kampagnen aktiver Maßnahmen
durchzuführen. Frontgruppen, wie die verschiedenen sowjetischen Freundschaftsgesellschaften, die Solidaritätsorganisation afro-asiatischer Völker

- 5 -

�afrc asiatischer Völker und der Weltgewerkschaftsbund werden über die
entsprechenden sowjetischen Organisationen durch die Internationale Abteilung kontrolliert.
Eine Frontorganisation, der Weltfriedensrat (WPC), wurde aus Frankreich und ös^rreich wegen Tätigkeiten gegen das Gastland ausgewiesen.
Schließlich gelang es ihm 1957, in Helsinki ein Hauptquartier zu errichten. Seit über 30 Jahren sind die Stellungnahmen des Weltfriedensrates
zu internationalen Fragen im^er wieder deckungsgleich mit dem Standpunkt
der Sowjetunion: Der Weltfriedensrat hat die früheren militärischen Interventionen der Sowjets in Ungarn und in der Tschechoslowakei ebenso gebilligt wie die sowjetische Invasion und Besetzung /""ghanistans. Die Unterstützung sowjetischer Aggressionen hat den Weltfriedensrat nicht abgehalten, bei einer Reihe von "Friedens"-Bewegungen als sowjetisches trojanisches Pferd zu dienen - angefangen von dem Stockholmer Appell zum "Verbot der Bombe" im Jahre 1950 über die Kampagne gegen die "Neutronenbombe"
im Jahre 1977 bis zur heutigen Agitation gegen die INF-Modernisierung.
Da der Großteil der Mittel des Weltfriedensrates aus sowjetischen
Quellen kommt, haben die Anhänger einiger nichtkommunistischer Friedensbewegungen praktisch indirekt sowjetische Unterstützung angenommen, indem sie die Mitwirkung des WPC bei ihren Tätigkeiten akzeptiert haben.
Es ist bedrückend, daß Moskau in der Lage ist, sich in die öffentliche Debatte im Westen über diejenigen Verteidigungsmaßnahmen einzumischen, die
notwendig sind, um der sowjetischen Bedrohung zu begegnen, und das noch
mit Hilfe so durchsichtiger Medien wie des Weltfriedensrates.

Die Wirkung aktiver Maßnahmen
Wie wirksam sind die aktiven Maßnahmen? Diese Frage ist nicht leicht
zu beantworten. Es ist nicht nur unmöglich, ein kontrolliertes Experiment
durchzuführen, sondern die in den aktiven Maßnahmen innewohnende Täuschung

- 6 -

�innewohnende Täuschung erschwert jede Beurteilung. Im übrigen werden aktive
Maßnahmen nicht für sich allein angewandt, sondern koordiniert mit anderen
Elementen der sowjetischen Außenpolitik, wie diplomatischen, handelspolitischen, informationspolitischen und militärpolitischen Tätigkeiten. Es ist
nicht leicht, den Beitrag der aktiven Maßnahmen zum Gesamtergebnis isoliert
darzustellen.
Daß die sowjetische Führung an die Wirksamkeit glaubt, liegt auf der
Hand. Es bedarf eines großen Aufwandes an Menschen und Geld, um eine weltweite Infrastruktur von Frontorganisationen und Agenten für aktive Maßnahmen
aufzubauen und zu betreiben. Wir gehen davon aus, daß die sowjetische Kampagne gegen die "Neutronenbombe" - die die Sowjets als eine ihrer erfolgreichsten betrachten - rund 100 Millionen Dollar gekostet hat. Aus sowjetischer Sicht war dieses Geld gut angelegt. Es ist der UdSSR gelungen, die
öffentliche Debatte über dieses Thema in ihrem Sinn zu beeinflussen und die
Aufmerksamkeit von der massiven sowjetischen Bedrohung der Sicherheit Europas durch die konventionellen Streitkräfte des Warschauer Paktes abzulenken
- eine Bedrohung, der die Waffen mit verstärkter Strahlung (Neutronenwaffe)
so wirksam begegnen kann. Aber abgesehen von den finanziellen Kosten sind
die Sowjets auch bereit, Prestige und guten Willen aufs Spiel zu setzen, da
ihre Beteiligung an aktiven Maßnahmen zwangsläufig immer wieder ans Tageslicht kommen muß. Dieser indirekte Preis, den die Sowjets bezahlen müssen,
geht über eine momentane Verärgerung hinaus. Auf lange Sicht erhöhen diese
fiachenschaften zur Täuschung und Manipulation die Enttäuschung über da: sowjetische Modell.
Auch wenn die Sowjets offensichtlich glauben, daß das Spiel den Einsatz
wert sei, sollten wir doch versuchen, zu einem eigenen unabhängigen Urteil
zu kommen. Aktive Maßnahmen sind keine Wundermittel, und es ist keineswegs so, daß die ganze Welt nach einer heimlichen sowjetischen Pfeife tanzt.
Moskau beherrscht die politischen Prozesse in den westlichen Demokratien
nicht. Trotzdem sind die beharrlichen Versuche der Sowjets, unser politi-

- 7 -

�unser politisches Geschehen zu beeinflussen, nicht immer ohne Wirkung.
Dies gilt besonders, wenn aktive Maßnahmen der Sowjets darauf ausgerichtet
sind, die ernsthaften Besorgnisse nichtkommunistischer Kritiker der amtlichen Politik westlicher Regierungen aufzublähen und in die richtigen
Kanäle zu lenken. Solche Bemühungen dienen weiter dazu, interne Spaltungen in unseren Gesellschaften zu verschärfen - ein altes sowjetisches
Ziel.
In den Entwicklungsländern ist die Wirkung größer. Die dortigen Regierungen - oft instabil, wirtschaftlich unter Drucl und ohne bewährte politische Institutionen - sind der heimlichen Manipulation gegenüber anfälliger.
Abgesehen von dem gelegentlichen Beitrag aktiver Maßnahmen zu den Bemühungen, eine Moskau hörige Regierung an die Macht zu bringen, tragen diese
Techniken dazu bei, die Unsicherheit legitimer Regierungen zu erhöhen und
die Aufmerksamkeit ihrer Führer von ihrer Hauptaufgabe - der Entwicklung abzulenken. Der zerbrechliche Zustand der freien Presse in vielen Ländern
und die einfache Tatsache, daß Journalismus in den weniger entwickelten
Ländern oft ein wenig einträglicher Beruf ist, bietet gute Ansatzpunkte für
sowjetische Manipulationen.

Steter Tropfen höhlt den Stein
In Industrieländern wie in Entwicklungsländern haben, abgesehen von
dem Erfolg oder Mißerfolg bestimmter aktiver Maßnahmen, diese eine aushöhlende Wirkung auf die politischen Systeme offener Gesellschaften. Die
Verwirrung, die durch Manipulation der Medien, Fälschungen, gezielte Gerüchte, gefälschte Quellenangaben von Rundfunksendungen und die Tätigkeit
von Einflußagenten hervorgerufen wird, kann mit der Zeit das Vertrauen
der Öffentlichkeit in politische Institutionen und Prozesse untergraben.
Angesichts dessen

- 8 -

�Angesichts dessen, was die Geschichte bisher gezeigt hat, und aufgrund des großen bürokratischen Apparates, der hinter diesen Tätigkeiten
steht, dürfen wir nicht davon ausgehen, .aß sich das sowjetische Programm
der aktiven Maßnahmen nach Schwankungen des internationalen Klimas richten
wird. Sie ließen

beispielsweise auf dem Höhepunkt der Entspannungsperiode

in den siebziger Jahren nicht merklich nach. Die Anwendungen dieser offensiven Techniken, die Ländern schaden sollen, die die Sowjets als Gegner
ansehen, sind eher ein Hinweis auf den Grad der unterschwelligen Feindseligkeit. Die aktiven Maßnahmen müssen ein Anlaß zur Sorge für das Bündnis
sein. U^ekehrt würde die Einstellung dieser Tätigkeiten ein wesentliches
Hindernis für bessere Beziehungen beiseite räumen.
Bevor wir uns der Frage zuwenden, wie wir den aktiven Maßnahmen der
Sowjets begegnen können, ist es angebracht, über eine Haltung zu sprechen, die nach Auffassung der amerikanischen Regierung wenig nützlkch ist.
Gemeint ist die "Na-wenn-schon"-Reaktion auf sowjetische aktive Maßnahmen, die meist in solchen Formulierungen zum Ausdruck kommt: "Wir alle
wissen, daß die Sowjets schmutzige Tricks anwenden, das ist nichts Neues.
Warum sollen wir uns also darüber aufregen?" Das heiß' nichts anderes, als
daß es naiv wäre, sich wegen solcher Tätigkeiten Sorgen zu machen, da sie
ein unabänderliches, aber triviales Element des internationalen Verhaltens
der Sowjets darstellen.
Diese Einstellung bedeutet ein voreiliges Urteil über die Frage der
Bedeutung sowjetischer aktiver Maßnahmen, und da man die Bedeutung von
vornherein bestreitet, steht sie einer realistischen Beurteilung im Wege.
Aktive Maßnahmen beinhalten per definitionem Täuschung, und ihre Wirksamkeit und Ernsthaftigkeit sind von Zeit zu Zeit und von Ort zu Ort unterschiedlich. Nur eine sorgfältige Untersuchung kann zu einem ausgewogenem
Urteil führen. Eine Verniedlichung des Problems gefährdet die notwendigen
Anstrengungen, um die Wirksamkeit sowjetischer aktiver Maßnahmen einzudämmen .
Es lohnt
- 9 -

�Es lohnt sich, einen Blick auf die deutliche Unausgewogenheit der
Lage in Ost und West bezüglich aktiver Maßnahmen zu werfen. Das straff
kontrollierte politische System der Sowjets läßt wenig Raum für heimliche
Manipulationen. Es würde Einflußagenten wohl kaum gelingen, in die Strukturen des "demokratischen Zentralismus" einzudringen und diese fehlzuleiten.
Die kontrollierte Presse der UdSSR bietet kaum Möglichkeiten für einen Einfluß von außen. Westliche Gesellschaften sind dagegen für alle möglichen
politischen Einflüsse offen - einschließlich jener, die in trügerischer
Absicht im Dienste der sowjetischen Außenpolitik eingebracht werden. In
den Ländern des Westens unterliegen die Durchführungen der meisten aktiven
Maßnahmen nicht einmal strafrechtlicher Verfolgung - aus Angst, damit könnten der legitimen politischen Betätigung Grenzen gesetzt werden. Und wenn
im übrigen eine heimliche Bemühung in der totalitären Gesellschaft der
Sowjetunion fehlschlüge, dann gäbe es - im Gegensatz zum Westen - keine politische Opposition, die sich die Verlegenheit der Machthaber zunutze machen könnte, und eine gehorsame Presse würde der Öffentlichkeit eine solche
Schande vorenthalten. Die Antwort auf jene berühmte Reaktion, "das tun
doch alle", ist, daß aktive Maßnahmen ein Gebiet sind, auf dem der Westen
nicht effektiv konkurrieren kann.
In Demokratien - ganz sicherlich in den Vereinigten Staaten - sind alle
Meinungen, auch solche, die für Standpunkte eintreten, die den Standpunkten
von ausländischen Gegnern entsprechen, vom Gesetz unbedingt und völlig geschützt. Bemühungen, Interventionen durch aktive Maßnahmen einzudämmen,
sollten sich, außer in Fällen ungesetzlicher Handlungen zugunsten einer
ausländischen Macht, auf ausländische Einflußagenten konzentrieren und
nicht auf eigene Staatsbürger, die exotische Meinungen vertreten. Wir betrachten sogar die freie Konkurrenz der Ideen - woher sie auch stammen mögen - nicht nur als einen fundamentalen Anziehungspunkt unserer Gesell"
schaften, sondern auch als das Lebenselixier demokratischer Kraft. Daß
die Sowjetunion und ihre Stellvertreter zu aktiven Maßnahmen greifen, ist
ein stillschweigendes Eingeständnis ihrer Schwäche. Weil eben ihre Ideolo-

- 10 -

�ihre Ideologie nicht aus sich selbst überzeugen kann, müssen sie im Wettbewerb in der internationalen Arena so stark zu Täuschung und psychologischer
Kriegführung greifen.

Notwendigkeit beharrlicher Antwort
Die vernünftigste Reaktion auf die aktiven Maßnahmen der Sowjets ist,
daß wir ausgewogen bleiben. Es wäre sicherlich ebenso unklug, die Bedrohung
zu ignorieren als von der Vorstellung einer ganz großen sowjetischen Verschwörung besessen zu sein, die unsere wichtigen politischen Prozesse manipuliere. Wir dürfen nicht vergessen, daß aktive Maßnahmen nur ein Aspekt
unserer komplexen Beziehung zur Sowjetunion sind.
Grundlage einer vernünftigen Antwort auf aktive Maßnahmen muß sein,
daß wir das Problem erkennen. Dazu gehört die Sammlung und Analyse von reT
levanten Informationen. Das ist keineswegs nur eine Sache der Geheimdienste, da die aktiven Maßnahmen sowohl politische als auch psychologische Aspekte
haben. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, daß aktive Maßnahmen über
Landesgrenzen hinweg wirken. Eine Fälschung, die den Interessen eines bestimmten Landes schaden soll, kann auf der anderen Seite des Globus auftauchen. Falschinformationskampagnen zielen auf die Medien vieler Länder.
Diese und andere Probleme sind jedoch keine unüberwindlichen Hindernisse
für ein viel besseres Verständnis des weltweiten Musters der aktiven Maßnahmen. Wir müssen nur unsere Antennen richtig auf die Herausforderung
ausrichten.
Da die Sowjets die aktiven Maßnahmen zu einem regulären Instrument
ihrer Außenpolitik gemacht haben, müssen wir de. Ganze als ein langfristiges Problem betrachten. Plötzliche Begeisterung, ihre schmutzigen Tricks
aufzudecken, gefolgt von Zeiten der Apathie, sind keine Antwort. Eine vernünftige und wirksame Antwort muß beharrlich und anhaltend sein. Das wird
am besten erreicht durch eine wachsende Aufklärung der Öffentlichkeit

- 11 -

�der Öffentlichkeit und einen zunehmenden Konsens über die Bedeutung dieser
Tätigkeiten. Auch Regierungen haben die Pflicht, ihre Souveränität vor
Verzerrungen durch aktive Maßnahmen zu schützen, indem sie die ausländischen
Instrumente der Intervention enthüllen und entfernen - wie etwa den Diplomaten, der seinen Status mißbraucht, oder den ausländischen Journalisten,
der als Deckadresse für Falschinformationstätigkeit dient.
Aber unsere Antwort darf sich nicht auf eine wirksame Abwehr beschränken, so wichtig diese ist. Wir müssen aktiven Maßnahmen dadurch begegnen,
daß wir sie öffentlich enthüllen. Das sind Krankheiten, die nur im Dunkeln
gedeihen, und Sonnenlicht ist das beste Desinfektionsmittel. Die Regierungen sollten die Öffentlichkeit soweit wie möglich an unseren wachsenden
Erkenntnissen der sowjetischen Praxis teilhaben lassen. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß solche Enthüllungen sowjetischer Manipulationen ein
Höchstmaß an Genauigkeit haben müssen.
Publizität dient mehreren Zwecken. Unsere Öffentlichkeit braucht die
besten Informationen, um ihren demokratischen Pflichten nachkommen zu können. Darüber hinaus hilft die Erkenntnis sowjetischer Praktiken unseren
Bürgern, daß sie nicht Opfer spezifischer aktiver Maßnahmen werden. Publizität schwächt auch den Anreiz für die Sowjets, da sie zunehmende Enthüllungen fürchten müssen. Umgekehrt würde einf stillschweigende Hinnahme des
sowjetischen Einsatzes aktiver Maßnahmen die UdSSR zu immer kühneren Aktionen ermutigen.
Zusammengefaßt kann man sagen, die Sowjetunion setzt aktive Maßnahmen in großem Umfang ein und hat einen großen bürokratischen Apparat für
die Durchführung dieser Maßnahmen geschaffen. Wenn sie auch keine unmittelbare, tödliche Bedrohung des Westens darstellen, so sind die aktiven Maßnahmen doch schädlich - in welchem Ausmaß läßt sich nicht ohne weiteres
feststellen. Welche Gefahr die aktiven Maßnahmen auch darstellen, ihr anhaltender Einsatz allein ist ein offensichtliches Hindernis für bessere

- 12 -

�für bessere Beziehungen zur Sowjetunion. Wir sind uns zwar darüber im klaren,
daß die aktiven Maßnahmen nur ein Aspekt unseres komplexen Verhältnisses
sind, aber der gesunde Menschenverstand gebietet uns, diesen Übergriffen
nicht nur durch wirksame Abwehr, sondern auch dadurch entgegenzutreten,
daß wir unsere Bürger so umfassend wie möglich über diese Täuschungspraktiken informieren, denen sie ausgesetzt sind. So sehr wir auch wünschten,
die aktiven Maßnahmen würden aus der Außenpolitik verschwinden, so müssen
wir doch als Realisten mit den Folgen dieser feindseligen sowjetischen
Tätigkeiten leben und sie, so gut wir können, eindämmen.

+ + + + +

- 13 -

�22

25. Mai 1983

SORGFÄLTIGE SCHWANGERENBETREUUNG BEI DIABETES
- Angeborene Defekte gehen merklich zurück -

- (AD) - Obgleich angeborene Defekte und Mißbildungen bei Babies diabetischer Frauen zwei- bis fünfmal häufiger als bei Babies nicht zuckerkranker Mütter zu beobachten waren, ist Diabetes heute kein Grund mehr,
von einer Schwangerschaft abzuraten, "ei richtiger Betreuung der werdenden Mutter, so Dr. Larry Cousins, Gynäkologe am Klinikum der Universität
Kalifornien in San Diego, und bei sorgfältiger Überwachung der Entwicklung des Kindes sei kaum mehr mit Anomalien zu rechnen. Diese betrafen in
erster Linie Gehirn, Wirbelsäule, Herz, Nieren und Skelett sowie lebenswichtige Stoffwechselprozesse.
Dr. Cousins macht aber besonders darauf aufmerksam, daß bei nichtdiabetischen Frauen eine Schwangerschaft Zuckerkrankheit auslösen könne*
Schwangerschaftsdiabetes sei eine Folge der hormonalen Veränderungen in
dieser Zeit und verschwinde in den meisten Fällen nach der Entbindung
wieder. Aber die Erkrankung sei oft das Anzeichen für eine genetisch bedingte Disposition für Zuckerkrankheit und ein Signal, daß diese im späteren Lebensalter manifest werden könne. Auf jeden Fall sollten stets

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sollten stets Tests auf Schwangerschaftsdiabetes durchgeführt und eine
entsprechende Behandlung eingeleitet werden.
Am Universitätsklinikum in San Diego werden regelmäßig Informationsprogramme über "Schwangerschaft" und "Diabetes der Frau" angeboten, in
denen u.a. Schwangerschaftsdiabetes und Risikoschwangerschaften eingehend
erörtert werden. Es gibt keine klinischen Symptome dafür, daß sich bei
einer Fr u Schwangerschaftsd'abetes entwickelt. Jedoch können gewisse Faktoren wie Korpulenz, familiär gehäuftes Auftreten von Diabetes, Lebensalter (älter als 25 Jahre) oder die Tatsache, daß die Schwangere bereits
sehr schwere Babies von mehr als 3 800 Gramm Gewicht zur Welt gebracht hat,
ein erhöhtes Risi«o bedeuten. Eine Schwangerschaft diabetischer Frauen
verlangt eine besonders sorgfältige Überwachung von Mutter und Kind und
Vorsorge für spezielle Maßnahmen zur Geburt. Häufig wird noch vor Ablauf
der normale; 40-Wochen-Frist die Geburt künstlich eingeleitet.
Laut Cousins sei bei angemessener vorgeburtlicher Betreuung zu vermeiden, daß Babies diabetischer Mütter zu groß und zu schwer werden, was
die Geburt kompliziert. Die schwangeren Diabetikerinnen erhalten regelmäßige diätetische Beratung, ihre medikamentöse Behandlung ist ganz auf
die jeweiligen individuellen Gegebenheiten zugeschnitten. Auch werden die
Frauen gründlich darin unterwiesen, zu Hause den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu kontrollieren. Für die Untersuchung der Neugeborener steht ein
Team besonders geschulter Ärzte zur Verfügung.

- Eltern lernen Mund-zu-Mund-Beatmung Babies, die auf der Frühgeborenen-Intensivstation des Universitätsklinikums gepflegt werden mußten, dürfen von ihren Eltern erst dann nach
Hause genommen werden, wenn diese einen Spezialkursus über Herzmassage

- 2 -

�über Herzmassage

und Mund-zu-Mund-Beatmung erfolgreich absolviert haben.

Wenn Säuglinge das Leben in einer Intensivstation beginnen, haben sie gewöhnlich Untergewicht, sind nicht voll entwickelt und sehr krankheitsanfällig. Tod während des ersten Lebensjahres ist bei ihnen doppelt so häufig wie bei gesunden Babies; bei Frühgeborenen ist der sogenannte plötzliche Kindstod sogar achtmal häufiger.
Entgegen anfänglicher Bedenken bei Ärzten und Schwestern, daß eine
Schulung der Eltern in Wiederbelebungsmaßnahmen bei Atem- oder Herzstillstand solcher gefährdeten Babies sie noch mehr verunsichern oder verängstigen könne, erwiesen sich als völlig unbegründet. Vielmehr ist gerade
dieses Programm eine wichtige psychologische Hilfe. Die Eltern haben nun
die Gewißheit, im Notfall zunächst selbst das Richtige zun zu können, bis
der Arzt eintrifft oder die weitere Behandlung in der Klinik gesichert ist.
Im Verlauf der letzten Monate wurde im Einzugsbereich des Klinikums sieben
Babies auf diese Weise das Leben gerettet. Die Methode ist speziell auf
die Gegebenheiten bei dem winzigen Körper abgestellt. Die Eltern der Babies erlernen die Technik überraschend schnell und erweisen sich in der
Regel in der Anwendung als sehr geschickt.

+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ikle: Sowjetunion bringt jährlich 100 neue Objekte in den Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Darlegung des Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium vor Senatsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unannehmbare Einmischung: "Aktive Maßnahmen" der Sowjets&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Lawrence S. Eagleburger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

*

25.

20

Hai

L988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Amerikanische Politik beim Gipfel ist auf Realismus und
Stärke gegründet
- Fernsehansprache Präsident Reagans anitdie Bündnispartnec Baker sieht positive Auswirkungen der Koordinierungsbemühungen
- Rede beim OECD-Ministertreffen HINTERGRUNDMATERIAL
ACDA-Chronologie der Verhandlungen über chemische Waffen
- Zusammenfassung der ACDA Probleme der Freizügigkeit
- Übersicht des Weißen Hauses Fünf Treffen Reagan-Gorbatschow beim Gipfel
- Das Programm des Gipfeltreffens Religiöse Rechte in der Sowjetunion
- Eine Übersicht Menschenrechte in der Sowjetunion
- Eine Übersicht DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Die Präsidentschaftswahlkampagne und Ihre Parallelen in der
Vergangenheit
- von Dom Bonafede * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�^°5?&lt;

%

AMERIKA DIENST
Dokumentation

"^ '&lt;£

23. Mai 1983

20

AMERIKANISCHE POLITIK BEIM GIPFEL IST AUF
REALISMUS UND STÄRKE GEGRÜNDET
- Fernsehansprache Präsident Reagans an die Bündnispartner WASHINGTON - (AD) - In seiner am 24. Mai 1988 vom Fernsehsender Wor^.dnet
des US-Informationsamts (USIA) über Satellit ausgestrahlten Ansprache erklärte
Präsident Reagan, er begrüße "die Fortschritte, die wir iTI Bereich der Menschenrechte in der Sowjetunion beobachten konnten", fügte jedoch hinzu, die
Menschenrechtssituation "ist immer noch alles andere als gut. Die Politik der
Unterdrückung hält an". In seiner an die "anderen Demokratien der Welt am
Vorabend seiner Abreise zum Gipfeltreffen nach Moskau irit Generalsekretär
Gorbatschow" gerichteten Rede erklärte Reagan, "wir, die Vereinigten Staaten,
sind unsererseits zu einem nützlichen Gedankenaustausch bereit".
Nachfolgend bringen wir die Ansprache Präsident Reagans Lm Wortlaut.
Wie Ihnen sicherlich bekannt ist,
werde ich Washington morgen verlassen, um nach einem Zwischenaufenthalt
in Helsinki zum Gipfeltreffen mit Generalsekretär Gorbatschow nach Moskau
weiterzureisen. Es erschien mir angemessen, am Vorabend meines vierten
Zusammentreffens mit Generalsekretär
Gorbatschow einige Worte an die anderen Demokratien dieser Welt zu richten, mit denen wir den Traum von
Freiheit und Frieden teilen.
Zunächst möchte ich die Politik
erörtern, die zu diesem Gipfeltreffen
geführt hat, und die meiner Ansicht
nach in hohem Maße dazu beigetragen
hat, Freiheit und Frieden in der Welt
weiterzuverbreiten.
Von Anfang an hat unsere Admini-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stration ?ine Politik gegenüber der
Sowjetunion angestrebt, die auf Realismus, einen vernüftigen Austausch
mit den Sowjets und auch auf Stärke
gegründet ist, insbesondere im Hinblick auf die Einheit des Westens.
Die sowjetische Führung spricht um den von ihr geprägten Begriff zu
verwenden - von einem "gemeinsamen
Haus Europa". Meiner Meinung nach
ist das wahre Heimatland Europas
eines, das von hehren Überzeugungen
definiert ist, dem Glauben an die geheiligte Freiheit des Einzelnen, an
die Bedeutung der Familie, an einen
gerechten und liebenden Gott und an
Demokratie.
Die atlantische Gemeinschaft ist
nicht nur ein militärisches Bündnis.

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Denn sie ist aus Nationen zusammengesetzt, die sich der Demokratie und
dem freien Unternehmertum verpflichtet fühlen. Die atlantische Gemeinschaft ist auch nicht mehr nur auf
den Westen beschränkt. Denn die Gemeinschaft der demokratischen Nationen hat sich über den Atlantik hinweg
ausgebreitet und umschließt nun auch
Japan, Australien, die Philippinen,
Indien, zahlreiche Länder Lateinamerikas und in anderen Regionen der
Welt.
Bei den Gesprächen und Verhandlungen mit der Sowjetunion standen
die Vereinigten Staaten stets in engen Konsultationen mit dieser Gemeinschaft freier Nationen - mit unseren
Verbündeten im nordatlantischen Bündnis und anderen Freunden. Die NATO
selbst hat angesichts der ernsthaften
Herausforderungen Anfang der achtziger Jahre ihre Standhaftigkeit und
ihren Zusammenhalt unter Beweis gestellt.
Wir waren bereits Zeugen einer
historischen Errungenschaft: die Unterzeichnung des historischen INFVertrages beim Washingtoner Gipfel im
vergangenen Dezember.
Dieser Vertrag, mit dem zum ersten Mal in der
Geschichte eine gesamte Kategorie
amerikanischer und sowjetischer Nuklearraketen beseitigt -wird, wurde
durch die Solidarität und auch den
Mut der NATO ermöglicht.
Dieser Vertrag birgt auch eine
entscheidende Lehre für die Politik
des Westens gegenüber der Sowjetunion
und dem Warschauer Pakt, nämlich, daß
die freien Nationen ihre Ziele verwirklichen können, wenn sie fest dazu
stehen.
Bei der Durchführung des
Doppelbeschlusses von 1979 - der Entscheidung,
die
Stationierung
der
INF-Raketen voranzutreiben - hat das
Bündnis weder gezögert noch versagt.
Ebenso war man sich einig, die
durch die neu stationierten sowjetischen SS-20 Raketen entstandene Bedrohung zu beseitigen, und auch hier
hat das Bündnis keine Minute gezö-

gert. Als Ergebnis dessen wird die
SS-20 Bedrohung bald beseitigt, denn
die Sowjets hatten guten Grund, diese
SS-20 und andere Raketen abzuziehen,
die sie im Rahmen des INF-Verträges
abbauen müssen.
Jetzt wenden wir diese Lehren des
INF-Vertrages auf die Verhandlungen
zu einem Vertrag über den Abbau strategischer Fernwaffen an. Wir hoffen
auf den Abschluß eines START-Abkommens noch in diesem Jahr. Der Zeitplan wird jedoch von den Erfordernissen eines guten Vertrages diktiert
und nicht von irgendeiner willkürlich
gesetzten Frist.
Da wir aus einer Position der
Stärke heraus verhandeln, lassen wir
uns von einer realistischen Sichtweise darüber leiten, was in unseren Beziehungen zur Sowjetunion erreicht
werden kann und was die Sowjets
selbst erreichen wollen.
Wir erwarten keine unverzügliche
radikale Umgestaltung des sowjetischen Systems. Wir erwarten nicht,
eines Tages aufzuwachen und festzustellen, daß sich all unsere Probleme
in Nichts aufgelöst haben, weil unser
Gegner sich verändert hat.
Wir
müssen
weiterhin
unsere
Pflicht erfüllen, fest zusammenstehen
und wachsam sein, um Anreize für eine
neue sowjetische Politik zu schaffen,
die sich von der alten unterscheidet.
Denn es bestehen immer noch grundlegende politische und moralische Gegensätze zwischen dem sowjetischen
System und dem unsrigen.
Die Geburtsstätte der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) - die Stadt Helsinki,
die ich auf meinen Weg nach Moskau
besuchen werde - hat einem Prozeß den
Namen gegeben, der das Kernstück der
Ost-West-Beziehungen
bildet.
Die
1975 unterzeichnete Schlußakte von
Helsinki regelt internationale Verhaltensnormen bei den Menschenrechten
und hat - als Barometer für die OstWest-Beziehungen - in den Bereichen

- 2 -

�Wirtschaft und Soziales sowie in der
Sicherheitspolitik neue Maßstäbe für
Offenheit gesetzt.
Es ist keine Übertreibung, wenn
man darauf verweist, daß die Schlußakte von 1975 den Austausch zwischen
Ost und West neu definiert und dabei
Menschenrechte als Thema von dauerhafter Bedeutung
hervorhebt.
Der
Prozeß wird gegenwärtig im KSZE-Folgetreffen weitergeführt, das seit
1986 in Wien stattfindet.
Die
Vereinigten
Staaten
verpflichten sich, gemeinsam mit den anderen KSZE-Ländern an der Erlangung
eines ausgewogenen Ergebnisses in
Wien
zusammenzuarbeiten, das entscheidende
Verbesserungen
sowjetischer und osteuropäischer Praktiken
bei den Menschenrechten umfassen muß,
und ein Gleichgewicht zwischen der
neuen Zusammenarbeit, Sicherheitsbelangen und der Wirtschaft hervorbringt.
Dieses
Gleichgewicht
ist
das
Kernstück des KSZE-Prozesses.
Als
Unterzeichner der Schlußakte von Helsinki haben sich die Regierungen der
Sowjetunion, Europas, Kanadas und der
Vereinigten Staaten formell und öffentlich zur Anerkennung grundlegender Freiheiten verpflichtet: Religionsfreiheit, Recht auf freie Meinungsäußerung,
Pressefreiheit
und
Freizügigkeit.
Nur wenn diese Freiheiten gewahrt
werden, kann das größte Potential
eines jeden Landes - die Kreativität,
Ideen und Initative seiner Bürger gedeihen.
In Moskau werde ich Fortschritte
begrüßen, die wir im Bereich der Menschenrechte insbesondere seit Ende
1986 erkannt haben. Mehr als 300 politische Gefangene und aus religiösen
Gründen Inhaftierte sind aus Arbeitslagern entlassen worden.
Die immer noch zu niedrige Zahl
der Auswanderer ist gestiegen. Viele
Fälle geteilter Familien und getrenn-

ter Ehepartner sind zufriedenstellend
gelöst worden, und die Zensur von
Filmen, Büchern und anderen kreativen
Arbeiten ist gelockert worden.
Trotz dieser Fortschritte ist die
Lage der Menschenrechte in der Sowjetunion und Osteuropa immer noch
alles andere als gut. Die Politik
der Unterdrückung hält an. Friedliche Demonstrationen von Minderheiten,
Ausreisewilligen und anderen Gruppen
werden immer noch von der Polizei gewaltsam aufgelöst.
Religionsfreiheit wird immer noch
verweigert und Mitglieder nichtregistrierter religiöser Gruppen werden
immer noch verfolgt. Nichtoffizielle
Publikationen sind verboten. Dutzende politischer Gefangener und religiöser Abweichler sind immer noch in
den Gefängnissen und viele aus Gewissensgründen Inhaftierte werden immer
noch
in
psychiatrischen
Kliniken
festgehalten.
Die Freizügigkeit ist immer noch
eingeschränkt. Wir alle, die wir uns
in unserem Glauben an die Demokratie
vereint wissen, werden die Sowjetunion weiterhin drängen, in diesen
entscheidenden Bereichen ihr Verhalten zu verbessern, kurz gesagt, die
grundlegenden
Menschenrechte
vollständig anzuerkennen.
Unsere Neigung, diese Probleme
anzusprechen, entspricht nicht nur
einem traditionellen Grundsatz. Gemäß der Schlußakte von Helsinki ist
dies unsere Pflicht.
Die Vereinigten Staaten sind zu
einem
nützlichen
Meinungsaustausch
bereit. Wir werden zuhören, wenn die
Sowjets uns kritisieren, und wir werden ihre Anliegen so offen und konstruktiv
wie möglich diskutieren.
Ich möchte jedoch darauf hinweisen,
daß unser Austausch mit den Sowjets
eine Grundlage hat. Sie ist nicht
neutral oder wertfrei. Diese Grundlage ist nicht nur eine Angelegenheit
amerikanischer Maßstäbe.
Dies sind
moralische Normen, die Maßstäbe der

- 3 -

�westlichen Zivilisation selbst, die
wir Amerikaner von Europa geerbt haben.
Zweimal in diesem Jahrhundert haben wir in Europa gekämpft, um diese
Maßstäbe zu verteidigen. Diese gemeinsamen Normen und Überzeugungen
verbinden uns heute mit Europa. Sie
bilden den Wesensgehalt der Gemeinschaft freier Nationen, der wir angehören .
Ich habe die Reduzierung der Rüstungen genannt, und ich habe die
Menschenrechte erwähnt. Wie die Tagesordnung der meisten Ihrer Regierungen mit den Sowjets enthält meine
Tagesordnung mit Herrn Gorbatschow
noch zwei weitere Elemente. Eines
ist die sowjetische Politik im Hinblick auf regionale Konflikte.
Wir stellen mit Freude fest, daß
die sowjetische Armee Afghanistan
verläßt. Wenn dieser Abzug vollendet
ist und den Afghanen wieder das Recht
auf Selbstbestimmung
zuteil wird,
wird dies ein historischer Triumph
sein.
Ich werde noch andere Problembereiche zur Sprache bringen und die
sowjetische Kooperation bei der Erlangung politischer Lösungen für andere Konflikte anstreben, wie im südlichen Afrika, beim Krieg zwischen
Iran und Irak, Kambodscha, Mittelamerika, Äthiopien und beim arabisch-israelischen Konflikt.
Außerdem werden unsere Gespräche
das Thema größerer Offenheit und des
freieren Austauschs von Menschen, Informationen
und
Ideen
umfassen.
Staatliche Schranken, die das Verständnis der Menschen von der Außenwelt und den Kontakt mit dieser Aussenwelt behindern, müssen beseitigt
werden.
Wir alle glauben, daß Menschen
frei sein müssen, um miteinander in
Kontakt zu treten, seien sie Journalisten, Wissenschaftler, Hochschullehrer, Touristen oder Gymnasiasten,

und ich werde deshalb Generalsekretär
Gorbatschow auffordern, mit uns zusammen die menschlichen Kontakte zwischen Ost und West in großem Umfang
auszubauen.
Eine Angelegenheit liegt mir in
dieser Hinsicht besonders am Herzen,
einer wachsenden Zahl junger Menschen
die Möglichkeit zu verschaffen, zwischen Ost und West zu reisen. Ich
werde mit Generalsekretär Gorbatschow
über den Jugendaustausch sprechen,
weil dieser für ein besseres Verständnis in der Zukunft so vielversprechend ist.
Junge Menschen sollten frei sein,
frei, zu kommen und gehen wie sie
möchten, frei, zu reisen und im Land
des anderen zu leben. Frei, in der
ganzen
Welt
Freundschaften
zu
schließen. Als ich vor fast einem
Jahr in Berlin war, habe ich Generalsekretär
Gorbatschow
aufgefordert,
die Mauer niederzureißen, die diese
Stadt trennt - und die in vieler Hinsicht Europa selbst, Ost und West,
trennt.
Die Mauer steht immer noch, eine
Narbe, eine schreckliche Erinnerung
an die Teilung Europas. Diese Teilung ist grausam, sie ist unnötig;
sie besteht schon zu lange. Wir werden in unseren Bemühungen nicht nachlassen, bis diese Teilung durch Frieden und Freiheit abgelöst wird. Bis
zu diesem Tage mag noch viel Zeit
vergehen, aber die Vereinigten Staaten werden der Erringung dieser vollständigen Freiheit immer bedingungslos verpflichtet bleiben.
Bis dahin werden wir bei der Verteidigung unseres gemeinsamen Erbes
und unserer Überzeugungen, unserer
gemeinsamen Heimat der Freiheit an
Ihrer Seite stehen. Vielen Dank, und
Gott segne Sie.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
1-7

Dokumentation

C*

20

25. Mai 1988

BAKER SIEHT POSITIVE AUSWIRKUNGEN DER KOORDINIERUNGSBEMÜHUNGEN
- Rede beim OECD-Ministertreffen -

PARIS - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister James Baker zufolge wird
die zwischen den Industriestaaten vereinbarte Koordinierung in die Tat umgesetzt und hat schon erste Erfolge gezeitigt. Beim jährlichen Ministertreffen
der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in
Paris verwies Baker am 18. Mai auf anhaltendes Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten, das wachsende Volumen des Welthandels und den Rückgang außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte der Industriestaaten als Beweise für die Effektivität der Koordinierung.
Die Rede des Finanzministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender Feldt, Generalsekretär Paye, verehrte Kollegen:
Das Thema unserer Tagesordnung heute
morgen - die weitere Durchführung
wirtschaftlicher Maßnahmen zur Verbesserung
des Wirtschaftswachstums
und der Beschäftigung weltweit - beschreibt im wesentlichen die Aufgaben
der Finanzminister in der ganzen Welt
dar.
Es wirft die grundsätzliche
Frage auf, die wir uns selbst stellen
sollten:
Welche Maßnahmen sollten
wir anstreben, um unsere Volkswirtschaften zu stärken und das Wohlergehen unserer Bürger zu verbessern?
Mit zunehmender Integration der
Weltwirtschaft erfordert die erfolgreiche Bewältigung unserer Aufgaben
als Finanzminister zunehmend einen
kooperativen Ansatz. Bedeutende Ver-

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änderungen in der Weltwirtschaft haben die Notwendigkeit zur Koordinierung der Wirtschaftspolitik zwischen
den führenden Industriestaaten noch
verstärkt. Insbesondere gilt:
Die weltweite Verflechtung der
Finanzmärkte hat die Unabhängigkeit der politischen Entscheidungsträger
in den einzelnen
Staaten verringert.
Die Liberalisierung von internationalem Handel und Investitionen
hat die Bedeutung des außenwirtschaftlichen
Sektors in allen
Ländern erhöht.
Und schließlich
erfordert das
stärkere Gleichgewicht in wirtschaftlicher Größe zwischen den

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�wichtigsten Landern, daß alle
sich die Verantwortlichkeit für
eine effektive außenwirtschaftliche Anpassung teilen.
Sicherlich haben wir einen fortlaufenden Prozeß zur Förderung miteinander im Einklang stehender Maßnahmen und Leistungen benötigt, von
dem alle profitieren. Der seit der
Plaza-Übereinkunft entwickelte - auf
den Gipfeln von Tokio und Venedig unterstützte und bekräftigte - Koordinierungsprozeß dient dazu, diesem Bedürfnis gerecht zu werden. Er zielt
darauf ab, eine gesunde Weltwirtschaft und ein stabiles internationales Finanzsystem zu fördern. Er hat
die Annahme miteinander vereinbarer,
konsequenter und sich gegenseitig unterstützender Maßnahmen der sieben
führenden Industriestaaten zum Ziel.
Der Prozeß wurde schrittweise in
den vergangenen zweieinhalb Jahren
entwickelt. Heute sind wir im Begriff, einen weiteren Schritt nach
vorn zu machen - mit der Vereinbarung, einen Warenpreisindex als zusätzliches analytisches Instrument in
unsere Koordinierungsbemühungen einzubeziehen.
Die Vereinbarungen der G-7 haben
meiner Meinung nach den Rahmen für
wichtige Bemühungen und positive Ergebnisse geliefert:
Die Vereinigten Staaten haben ihr
Defizit im Bundeshaushalt im vergangenen Haushaltsjahr um 71 Milliarden Dollar verringert. Der
Rückgang ist gleichbedeutend mit
fast 2 Prozent des Bruttosozialprodukts (BSP).
Unser gesamtes
Haushaltsdefizit - einschließlich
der Bundesstaaten sowie Städten
und Gemeinden - ging im Jahr 1987
auf nur 2,25 Prozent des BSP zurück, eine Zahl unter dem OECDDurchschnitt.
Des weiteren garantiert die einzigartige
Haushaltsvereinbarung
zwischen Präsident und Kongreß
ein Einsparungspaket von insge-

samt 76 Milliarden Dollar in den
Haushaltsjahren 1988 und 1989.
Wir erwarten weitere Defizitreduzierungen in den folgenden Jahren, wobei das Defizit im Bundeshaushalt bis zum Haushaltsjahr
1990 auf unter 2 Prozent des BSP
fallen wird. Außerdem haben wir
trotz starken Drucks Protektionismus vermieden.
Japan hat eine Reihe monetärer
und steuerpolitischer Maßnahmen
getroffen, darunter vergangenes
Jahr das Paket zur Ankurbelung
der Wirtschaft in Höhe von 6 Billionen Yen, die zum höchsten Anstieg der Binnennachfrage unter
den Industriestaaten geführt haben.
Kombiniert mit Bemühungen
zur weiteren Öffnung seiner Märkte für importierte Waren leistet
dieses Wachstum einen Beitrag zur
Verringerung
außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte.
Großbritannien hat eine bedeutende Steuerreform durchgeführt, zu
der auch eine erhebliche Reduzierung der Spitzensteuersätze gehört.
Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat besondere Anreize für Investitionen geschaffen und ein bedeutendes mittelfristiges Steuerreformprogramm formuliert.
Ich denke, daß diese und andere
koordinierte Bemühungen zur Reduzierung der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte und zur Förderung von
Wachstum bei geringer Inflation beitragen werden. Seit unserem letzten
Treffen im Mai vergangenen Jahres
sind uns gute Gründe zum Optimismus
gegeben worden.
Diese lassen sich
wie folgt illustrieren:
Die Unruhe an den Finanzmärkten
im vergangenen Oktober war natürlich für uns alle Grund zur Besorgnis. Tatsächlich aber wuchs
das reale BSP in den Industriestaaten in der zweiten Hälfte des
Jahres 1987 schneller als in der

�ersten. Die Stärke unseres Wirtschaftsaufschwungs wurde eindeutig unterschätzt. Heute stellen
wir neuen Optimismus im Hinblick
auf die Wachstumsaussichten für
1988 fest.
Überdies stieg das Volumen des
Welthandels 1987 um über 5 Prozent, die größte Rate seit 1984.
Die Exporte der nichtölproduzierenden Entwicklungsländer wuchsen
volumenmäßig um 10 Prozent - und
verhalfen dadurch ihrem BSP real
zu einem Anstieg von 4,5 Prozent.
Außerdem zeichnete sich in den
größten Industriestaaten eine Reduzierung der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte ab. In den
Vereinigten Staaten stiegen die
Exporte 1987 real um 18 Prozent,
während die Importe lediglich um
sieben Prozent anwuchsen.
Wir
erwarten einen weiteren Rückgang
der amerikanischen Handels- und
Zahlungsbilanzdefizite in diesem
Jahr, was sich in den gestern
verkündeten
Handelszahlen
für
März widerspiegelt.
Auch in anderen Ländern werden
weiterhin Fortschritte erzielt.
Japans Handelsüberschuß, ausgedrückt als Anteil am BSP, erreichte im Jahr 1986 seinen Höhepunkt und ging seitdem stetig zurück; der Überschuß der Bundesrepublik Deutschland stabilisierte
sich im vergangenen Jahr und wird
sich erwartungsgemäß 1988 verringern.

Verbleibende Herausforderungen
Um nicht verdächtigt zu werden,
alles durch eine rosarote Brille zu
sehen, möchte ich betonen, daß immer
noch viel Arbeit vor uns liegt. Während die kurzfristige wirtschaftliche
Lage ermutigend aussieht, müssen wir
diesen Elan auch mittelfristig beibehalten. Wir müssen handeln, um das
Wachstum zu bewahren, die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte zu re-

duzieren und ein günstiges Umfeld für
die wirtschaftliche Entwicklung und
die Verbesserung des internationalen
Schuldenproblems zu schaffen.
Die OECD erkennt die Notwendigkeit struktureller Reformen zur Ergänzung
solider
makroökonomischer
Maßnahmen. Im Februar 1984 hat sie
ein Ministertreffen in kleinem Rahmen
veranstaltet, wobei der Schwerpunkt
darauf lag, wie mit Hilfe struktureller
Anpassungen
Wachstumshemmnisse
abgebaut werden können. Solche Verkrustungen verhindern, daß Marktsignale von Gewerkschaften, Unternehmern
und Verbrauchern in wirtschaftliche
Reaktionen
umgesetzt werden.
Sie
verhindern oder verlangsamen den Grad
der Anpassung an neue Bedingungen in
der Wirtschaft und deren Umfeld. Wir
Tiüssen unsere Regierungen in den
Dienst einer Politik stellen, die unsere Volkswirtschaften befreit.
Viele von uns haben bereits in
erheblichem Maße Schranken abgebaut,
mit denen die Flexibilität unserer
Volkswirtschaften gehemmt wird.
In
den OECD-Ländern sind Steuerreformen
für Privatpersonen und Unternehmen zu
allseits akzeptierten Schritten geworden. Die Stitzensteuersätze sind
in vielen Ländern erheblich und in
anderen in bescheidenem Umfang gesenkt
worden.
Mittels
positiver
staatlicher Aktivitäten werden Anreize für Arbeit, Spartätigkeit und Investitionen geschaffen.
Darüber hinaus ist die Deregulierung auf den Finanzmärkten auf dem
Vormarsch. Großbritannien und Kanada
mit ihrem "big bang" und "little
bang" waren hier Wegbereiter. Andere
folgen auf dem Fuße. In den Vereinigten Staaten suchen wir die umfangreiche Deregulierung auszubauen, die
vor einigen Jahren stattfand. Gegenwärtig überdenkt der Kongreß das Gesetz, demzufolge Bank- und Wertpapiergeschäfte bei uns getrennt sind.
Der Senat hat ein Gesetz verabschiedet, mit dem das Glass-Steagall-Gesetz gründlich überholt wird. Unsere
Regierung unterstützt diesen lange

- 3 -

�überfälligen Schritt zur Modernisierung unseres Finanzwesens.
Wir erkennen ebenfalls die Notwendigkeit zur Stärkung der Spartätigkeit in den Vereinigten Staaten.
Aus diesem Grunde wurden wir im vierten Halbjahr des vergangenen Jahres
von der auf 4,75 Prozent gestiegenen
Sparrate der Privathaushalte ermutigt. Die Rate lag im ersten Halbjahr über 4,50 Prozent. Das bedeutet
eine Zunahme gegenüber 3,50 Prozent
zu Beginn des Jahres 1987 und 4,25
Prozent im Jahr 1986.
Die europäischen Länder haben bei
der Liberalisierung ihrer Arbeitsund Kapitalmärkte sowie bei der Verringerung der Vorschriftenlast für
Unternehmen
Fortschritte
erzielt.
Aber es muß noch mehr getan werden,
um die hohe Arbeitslosenquote abzubauen und mehr Wachstum ohne Inflation herbeizuführen.
Japan hat bemerkenswerte Fortschritte bei der Schaffung von mehr
Wettbewerb und Effizienz auf seinen
Kapitalmärkten erzielt. Aber es sind
weitere Aktivitäten notwendig, um die
bestehenden Verkrustungen abzubauen
und einen verbesserten weltweiten Zugang zu den japanischen Finanzmärkten
zu gewährleisten.

Die Rolle der Schwellenländer
Die Schwellenländer Asiens müssen
sich ebenfalls in erhöhtem Maße an
den Anpassungprozessen in der Außenwirtschaft beteiligen.
Ihre Außenhandelsüberschüsse erschweren - insbesondere im Falle Koreas und Taiwans
- eine Korrektur des weltweiten Ungleichgewichts und tragen zu protektionistischem Druck bei. Zur Verbesserung des Gleichgewichts zwischen
In- und Auslandsnachfrage sind bedeutsame strukturelle Veränderungen
erforderlich.
Bei Wechselkursen, Handel, Besteuerung, Deregulierung, Investitionen und Zugang zu den Kapitalmärkten

sind insbesondere in Korea und Taiwan
besondere Reformen notwendig. Diese
Veränderungen liegen langfristig im
besten Interesse dieser Länder. Die
Veränderungen sind ebenfalls erforderlich, wenn diese Länder ein Maß an
Verantwortung zur Erhaltung des internationalen Handelssystems übernehmen sollen, das mit ihrer rasch zunehmenden wirtschaftlichen Stärke im
Einklang steht.

Zusammenarbeit
in
schaft und Technik

Handel,

Wissen-

über diese Aufgaben hinaus ist
die Erhaltung eines offenen Handelsystems entscheidend für die interdependente Welt von heute. Um eine Liberalisierung des Handels zu erlangen, insbesondere in der Landwirtschaft, unterstützen wir die Arbeit
der Uruguay-Runde voll und ganz und
engagieren uns für ihren erfolgreichen Abschluß.
Dennoch sind alle
Länder letztlich verantwortlich für
den Erfolg der Runde, nicht nur die
Industrieländer.
Ich möchte ihre Aufmerksamkeit
kurz auf die politischen Empfehlungen
für Mitgliedstaaten, einen "Allgemeinen Rahmen von Prinzipien für die Internationale Zusammenarbiet in Wissenschaft und Technik" richten, der
im letzten Monat vom OECD-Ministerrat
verabschiedet wurde. Angemessene Investitionen
in
dynamische
Forschungs- und
Entwicklungsprogramme
werden eine zunehmend wichtige Rolle
spielen, wenn es darum geht, die Dauerhaftigkeit des Wirtschaftswachstums
in den OECD-Ländern zu gewährleisten.
Dieser Rahmen stellt für diese Organisation eine große Leistung dar. Er
birgt die Möglichkeit zu weitreichenden Auswirkungen auf einen zunehmend
wichtigen Aspekt der internationalen
Wirtschaftsbeziehungen.
Ich fordere
Sie auf, mit mir zusammen dieses Dokument morgen in unserem Kommunique
zu bekräftigen.
Internationale Schuldenlast

�Ich möchte mich jetzt unseren gemeinsamen Bemühungen in einem anderen
Bereich zuwenden - dem Abbau der internationalen
Schuldenlast.
Der
wachstumsorientierte, auf den Einzelfall ausgerichtete Ansatz, den wir
seit 1985 verfolgen, hat uns unserem
Ziel ein erhebliches Stück näher gebracht und bleibt der einzige, für
alle Parteien akzeptable und praktizierbare Ansatz.
Unsere Strategie
ist evolutionär angelegt, und das hat
sich im vergangenen Jahr in der Weiterentwicklung eines "Spektrums" von
Finanzierungsoptionen für Finanzierungspakete von Geschäftsbanken widergespiegelt.
Im Gegensatz dazu
sind wir strikt gegen jeden Ansatz einschließlich der Schaffung einer
internationalen
Schuldenbehörde
-,
der seiner Beschaffenheit nach allgemein, global, von Regierungen der
Gläubigerländer finanziert oder obligatorisch ist. Solche Programme sind
nicht nur undurchführbar, sondern bewirken auch das Gegenteil. Im Hinblick auf die ärmsten Länder begrüßen
wir die positiven Schritte, die in
diesem Jahr unternommen worden sind,
um die Annahme von wirtschaftlichen
Reformprogrammen zu fördern.

Zusammenfassung
Abschließend möchte ich bemerken,
Herr Vorsitzender, daß trotz unserer
großen Leistungen in den vergangenen
Jahren noch wichtige Aufgaben vor uns
liegen. Das Programm ist weiterhin
von Herausforderungen gekennzeichnet,
und weitere Fortschritte werden anhaltende Zusammenarbeit erfordern.
Der große französische Philosoph
Alexis de Tocqueville hat im Jahr
1835 bemerkt, der Vorteil eines jeden
Mitglieds einer Gemeinschaft bestehe
in der Arbeit für das Gemeinwohl ein Grundsatz, den er als "wohlverstandenes Eigeninteresse" bezeichnete. Wir sollten de Tocquevilles Rat
folgen und die kleinlichen Eigeninteressen zum allgemeinen Wohl der internationalen Gemeinschaft beiseite
legen.
- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

20

25. Mai 1983

ACDA-CHRONOLOGIE DER VERHANDLUNGEN ÜBER CHEMISCHE WAFFEN
- Zusammenfassung der ACDA -

WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Zusammenfassung der Verhandlungen
über chemische Waffen wurde im Mai von der amerikanischen Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) herausgegeben.
Verhandlungen über chemische Waffen
Die Vereinigten Staaten streben
seit langem ein umfassendes, wirksames, verifizierbares und wirklich
weltweites Verbot chemischer Waffen
an.

einigten Staaten strebten die Erörterung der umfangreichen Verifizierungsprobleme an, die sich aus dem
Verbot solcher Waffen ergeben würden
sowie die offene Verbreitung der zur
Verwirklichung eines solchen Verbots
erforderlichen Informationen.

Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten bei der 40 Nationen
umfassenden
Abrüstungskonferenz
in
Genf eine Reihe von Inititiativen
vorgeschlagen.
Im Jahr 1984 legten
die Vereinigten Staaten einen Vertragsentwurf vor, der ein weltweites
Verbot der Entwicklung, Beschaffung,
Produktion, Lagerung sowie des Transfers und Einsatzes chemischer Waffen
vorsieht. Dieser Entwurf bildet nach
wie vor die Grundlage für die andauerden Verhandlungen.
Die Ver-

Im Jahr 1983 haben die Vereinigten Staaten beispielsweise für die
Abrüstungskonferenz
einen
Workshop
über die Verifizierung der Vernichtung chemischer Waffen im TooeleHeeresdepot in Utah veranstaltet. Im
August 1987 nahm die UdSSR die seit
langem ausgesprochene Einladung zum
Besuch des Heeresdepots an, nachdem
sie im Jahr 1983 ihre Teilnahme an
dem Tooele-Workshop verweigert hatte.
Bei diesem Besuch im November 1987
wurden der sowjetischen Delegation

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�Proben aller chemischen Munition in
amerikanischem Bestand gezeigt, einschließlich des Protoyps einer binären Artilleriegranate des Kalibers
155mm . Ferner wurden detaillierte
Ausführungen über die Charakteristika
der chemischen Kampfstoffe in amerikanischem Bestand sowie über das Vernichtungsprogramm für chemische Munition gemacht und das Vernichtungssystem für Munition mit chemischen
Kampfstoffen (CAMDS) besichtigt, wo
die ausgereiftesten Technologien der
Welt zur Vernichtung chemischer Waffen vorgeführt wurden. Im Jahr 1986
legten die Vereinigten Staaten der
Abrüstungskonferenz umfangreiche Informationen über die Zusammensetzung
chemischer Waffen und den Standort
der amerikanischen Bestände vor und
drängten andere Nationen, ihrem Beispiel zu folgen.
Es sind zahlreiche Verletzungen
der Genfer Konvention von 1925 über
das Verbot des Einsatzes chemischer
Waffen festzustellen. Die Sowjetunion war bei Produktion, Transfer und
Einsatz von Giftstoffen und anderen
Kampfstoffen zur chemischen Kriegführung in Laos, Kambodscha und Afghanistan
beteiligt.
Seit Januar
1931 sind chemische Waffen auch wiederholt im iranisch-irakischen Krieg
eingesetzt worden.
Die derzeitige
Anzahl von Staaten, die tatsächlich
oder
möglicherweise
einsatzfähige
chemische Waffen besitzen, ist groß
und weiter im Zunehmen begriffen.
Die amerikanische Regierung verurteilt
jeglichen
illegalen Einsatz
chemischer Waffen und unterstützt die
unverzügliche Überprüfung von Berichten über den Einsatz chemischer Waffen zusammen mit diplomatischen und
politischen Aktionen, die auf die
Wahrung des Genfer Protokolls von
1925 ausgerichtet sind.
Die Vereinigten Staaten treffen in regelmässigen Abständen mit einer Gruppe
westlicher Staaten und auf bilateraler Ebene mit der Sowjetunion zusammen, um Schritte zu erörtern und zu
koordinieren, mit denen der Weitergabe und dem Einsatz chemischer Waffen
Einhalt geboten werden kann.

Die Vereinigten Staaten haben im
Jahr 1984 zum Zweck der Erörterung
bilateraler Fragen in dem Versuch,
multilaterale Verhandlungen zu erleichtern und sich insbesondere auf
amerikanisch-sowjetische Meinungsverschiedenheiten zu konzentrieren, Gespräche mit der UdSSR über chemische
Waffen aufgenommen. Im November 1985
forderte die beim Gipfel abgegebene
Erklärung von Reagan und Gorbatschow
die Intensivierung bilateraler Gespräche über einen Vertrag über chemische Waffen. Wir haben solche Gespräche im Rahmen der Abrüstungskonferenz aufgenommen, und seither haben
acht Gesprächsrunden stattgefunden.
Wir erwarten weitere Gespräche im
Sommer 1988.
Im März 1987 haben die Sov/jets
zum ersten Mal den Besitz chemischer
Waffen zugegeben und behauptet, deren
Produktion
eingestellt
zu haben.
Ebenfalls im Jahr 1987 luden die
Sowjets die Abrüstungskonferenz zum
Besuch in ihren Produktionsstätten
für chemische Waffen in Schichany
ein, akzeptierten das Prinzip der Adhoc-Inspektion ohne Ablehnungsrecht
und gaben zweifelhafte Stückzahlen
für ihre Arsenale an.
Im Jahr 1988 haben die Sov/jets
ihre aktive Propaganda-Kampagne weitergeführt, die darauf abzielt, das
amerikanische Programm zur Modernisierung unseres eigenen CW-Abschrekkungspotentials
zu
unterminieren.
Sie verurteilten dieses Modernisierungsprogramm als Hindernis für den
Abschluß eines Vertrages, ignorierten
aber gleichzeitig die Tatsache, daß
die Vereinigten Staaten seit Jahren
mit ihnen trotz ihres Besitzes chemischer
Waffen
verhandelten.
Die
Sowjets haben für die rasche Erarbeitung eines Verbots öffentlich Druck
ausgeübt. Dennoch haben ihre Experten daraufhin in den Verhandlungen
keine detallierten Vorschläge darüber
unterbreitet, wie noch anstehende
Fragen gelöst werden sollten. Wie
zahlreiche Vertreter bei den Verhandlungen über chemische Waffen festge-

- 2 -

�stellt haben, liegt "der Teufel im
Detail".
Leider waren die Sowjets
gerade bei den Details am unproduktivsten.
Obwohl sowjetische Initiativen,
mit denen größere Offenheit demonstriert wird, begrüßenswert sind, haben sie mehr Fragen aufgeworfen als
sie beantworten konnten. Die Sowjets
haben nicht das gleiche Datenmaterial
geliefert, wie es von den Vereinigten
Staaten über die Zusammensetzung des
Bestands, die Stationierungsorte, abgeschlossene, gegenwärtige und geplante Programme zur Zerstörung und
Technologie
geliefert wurde.
Die
dargelegte
Zahl
zum Bestand von
"nicht mehr als 50 000 Tonnen chemischer
Kriegführungsmittel"
liefert
keine Information über deren Zusammensetzung im Hinblick auf die abgefüllte Munition gegenüber der Gesamtmenge .
Trotz des bis jetzt bei der Abrüstungskonferenz
erzielten
Fortschritts bleiben zahlreiche entscheidende Fragen ungelöst.
Die Konferenzteilnehmer müssen immer noch detaillierte Bestimmungen aushandeln,
die eine verläßliche Verifizierung
sicherstellen, unverminderte Sicherheit für alle am Abkommen Beteiligten
im Zeitraum der Zerstörung der Bestände gewähren, die zivile chemische
Industrie überwachen, um sicherzustellen, daß sie keine chemischen
Waffen herstellt und sich mit dem Risiko befassen, daß einige Staaten,
die mit ihren chemischen Waffen eine
Bedrohung darstellen, nicht Unterzeichner der Konvention über chemische Waffen werden. Darüber hinaus
müssen Struktur, Durchführung, personelle Besetzung und Finanzierung der
internationalen Behörde noch erarbeitet und vereinbart werden, die diese
Konvention verwirklicht und überwacht.
Ein weltweites Verbot über chemische Waffen wäre schwierig zu verifizieren, und wir haben noch keine Lösungen für zahlreiche noch anstehende
entscheidende Verifizierungsprobleme.
Dazu zählen:

Ein militärisch bedeutsamer Bestand könnte in einem kleinen Gebiet versteckt werden.
Die Tatsache, daß viele Chemikalien und Materialien, die bei
chemischen Waffen Verwendung finden, ebenfalls in der Industrie
und Landwirtschaft verwandt werden.
Die Leichtigkeit und das Tempo,
mit dem chemische Waffen heinlich
unter Verwendung neuester Technik
hergestellt werden können.
Die Vereinigten Staaten verhandeln weiterhin über diese Probleme
und modernisieren gleichzeitig ihren
größtenteils veralteten Bestand, sowohl um einen Angriff auf amerikanische StreD.tkräfte und unsere Verbündeten weltweit abzuschrecken als auch
um der UdSSR einen Anreiz 2U schaffen, ernsthaft über ein Verbot, zu
verhandeln. Die Vereinigten Staaten
haben 196) einseitig die Produktion
chemischer Waffen eingestellt. Seitdem haben die Sowjets jedoch ihre
CW-Fähigkeiten erhöht. Demgemäß mußten die Vereinigten Staaten einen
doppelten Ansatz verfolgen.
Als Folge der von den Vereinigten
Staaten geübten einseitigen Zurückhaltung und des intensiven Modernisierungsprogramms der Sowjets bei ihren chemischen Waffen besteht bei
diesen Waffen ein ernstliches Ungleichgewicht zwischen Ost und West.
Die UdSSR besitzt ein enormes modernes C-Waffen-Arsenal, das als größter
Bestand chemischer Waffen auf der
Welt gilt, während die Fähigkeit der
Vereinigten Staaten - größtenteils
unbrauchbar und vielfach aus den
vierziger und fünfziger Jahren - viel
von ihrer abschreckenden Wirkung gegen einen Ersteinsatz chemischer Waffen verloren hat. Es ist daher von
entscheidender Bedeutung, daß wir die
Glaubwürdigkeit der westlichen Abschreckung mit C-Waffen wiederherstellen, während Verhandlungen über
ein weltweites Verbot weitergeführt

- 3 -

�werden. Die Vereinigten Staaten sind
von Rechts wegen verpflichtet, ihre
Bestände an herkömmlichen C-Waffen
ungeachtet des Ergebnisses des Vertragsverhandlungen zu zerstören.
Ein umfassendes, wirksam verifizierbares und weltweites Verbot chemischer Waffen wäre eine bedeutende
Leistung und bleibt das Ziel der Vereinigten Staaten. Dennoch würde ein
nicht umfassendes oder verifizierbares Verbot die demokratischen Nationen ganz einfach der Fähigkeit berauben, den Einsatz chemischer Waffen
von seiten skrupelloser Mächte abzuschrecken.
Bis zum Abschluß eines
verläßlichen Verbots muß der Westen
seine Fähigkeit erhalten, den Einsatz
dieser Waffen durch andere Staaten
abzuschrecken.

* * * * *

-4

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

25. Mai 1983

20

PROBLEME DER FREIZÜGIGKEIT
- Übersicht des Weißen Hauses -

Nachfolgend bringen wir eine vom Weißen Haus am 23. Mai anläßlich des Gipfeltreffens veröffentlichte Übersicht zu Problemen der Freizügigkeit.
Die Freizügigkeit ist bei allen
hochrangigen Diskussionen mit sowjetischen Regierungsvertretern über die
Menschenrechte ein Thema von besonderer Bedeutung. Unser Engagement bei
diesem Themenkomplex entstammt der
ersten Menschenrechtsverfügung, die
in der amerikanischen Gesetzgebung in
Form des Jackson-Vanik-Zusatzartikels
zum Handelsgesetz von 1974 verankert
wurde.
Anfang des Jahres 1987 stieg die
Zahl der auswanderungswilligen sowjetischen Juden beachtlich über den relativ geringen Stand Mitte der achtziger Jahre an. Die Gesamtzahl des
Jahres 1987 belief sich auf 8 155
verglichen mit insgesamt nur 914 im
Jahr 1986. Im Verlauf des Jahres
1987 erhielten pro Monat 700 bis 900

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sowjetische Juden Auswanderungsdokumente. Seit Beginn des Jahres 1988
scheinen die sowjetischen Behörden
diese Zahl auf 1 000 pro Monat angehoben zu haben, eine Zunahme, die in
der Zahl derjenigen ihren Niederschlag fand, die ihre Auswanderungsvorbereitungen im März und April trafen. Die Zahl der auswandernden sowjetischen Juden liegt jedoch noch
immer weit unter den Zahlen der siebziger Jahre, als im Jahresdurchschnitt ca. 25 000 sowjetische Juden
ausreisten. Im Spitzenjähr 1979 emigrierten 51 320 sowjetische Juden.
Am 1. Januar 1987 traten neue sowjetische Einund Ausreisebestimmungen in Kraft. Diesen Bestimmungen
zufolge müssen Antragsteller eine
Einladung von engen Verwandten im

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�Ausland vorweisen - Geschwistern, Eltern oder Ehepartnern. Die sowjetischen Behörden haben sich nicht immer
ganz strikt an diese Bestimmung gehalten, sie dient jedoch dazu, neue
Antragsteller abzuschrecken.

Monat das Land verlassen.

Die Mehrzahl der Ausreiseverweigerungen erfolgt noch immer aufgrund
angeblicher "Kenntnis von Staatsgeheimnissen". Diese Logik wird höchst
willkürlich und häufig auch dann angewandt, wenn der Antragsteller noch
nie Zugang zu sicherheitsempfindlichen Informationen hatte, oder der
Zugang so lange zurückliegt, daß jegliche aus dieser Zeit stammenden Informationen längst nicht mehr sicherheitsrelevant sind.
Ein weiteres
Ausreisehindernis ist die erforderliche Unterzeichnung von finanziellen
Verzichtserklärungen durch die Eltern
und ehemaligen Ehegatten von erwachsenen Antragstellern. Die amerikanische Regierung hat die Sowjets wiederholt aufgefordert, diese und andere die Ausreise erschwerende Hemmnisse abzubauen.
Die Zahl der Emigranten ist auch
bei den anderen beiden Gruppen angestiegen, die als einzige in beträchtlicher Zahl ausreisen dürfen, den
Volksdeutschen
und den Armeniern,
tlehr als 14 000 Deutsche emigrierten
im Jahr 1987 in die Bundesrepublik
Deutschland, ein neuer Rekord im Vergleich zu 783 im Jahr 1986. Im Jahr
1988 belief sich die Zahl der deutschen Auswanderer im Durschnitt auf
über 2 000 pro Monat. Im Jahr 1986
wurde nur 247 sowjetischen Armeniern
die Ausreise gestattet. 1988 erhielten schätzungsweise 0 000 die Ausreisegenehmigung, die meisten von ihnen
in der zweiten Jahreshälfte. Aufgrund dieses steilen und unerwarteten
Anstiegs konnte die amerikanische
Botschaft in Moskau bis Ende des Jahres nur 3 000 armenische Anträge bearbeiten.
Die Botschaft hat jetzt
ihre Bearbeitungskapazität entsprechend der Anzahl derer erhöht, die
eine
Ausreisegenehmigung
erhalten,
und im Jahr 1988 haben durchschnittlich 1 000 sowjetische Armenier pro
- 2 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

**

25. Mai 1988

20

FÜNF TREFFEN REAGAN-GORBATSCHOW BEIM GIPFEL
- Das Programm des Gipfeltreffens -

WASHINGTON - (AD) - Einer Erklärung des Weißen Hauses vom 20. Mai
1988 zufolge wird Präsident Reagan
während des Gipfeltreffens - bei dem
täglich Öffentliche Auftritte vorgesehen sind - fünfmal mit Generalsekretär Gorbatschow zusammentreffen.
Offizieller Beginn des Gipfeltreffens ist der 29. Mai, der Präsident verläßt das Weiße Haus jedoch
bereits am 25. Mai und kommt am frühen Morgen des nächsten Tages in Helsinki an. Reagan wird am 27. Mai von
Präsident Koivisto offiziell in Finnland willkommen geheißen; das Programm sieht eine BegrüßungsZeremonie,
ein Gespräch sowie ein Mittagessen
vor.
Danach

wird

sich

der

Präsident

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zum großen Finlandia Konzertsaal begeben, in dem die Schlußakte von Helsinki unterzeichnet wurde und um 2.00
Uhr MESZ eine Ansprache über die
Durchführung
dieser
Vereinbarungen
und die Tagesordnung des Moskauer
Gipfels halten. Am 28. Mai wird die
wöchentliche
Rundfunkansprache
des
Präsidenten zum Gipfeltreffen ausgestrahlt.
Präsident Reagan kommt am 29. Mai
um 12.15 Uhr MESZ in Moskau an und
wird von Staatspräsident Gromyko am
Flughafen begrüßt.
Im Anschluß an
eine kurze Begrüßungszeremonie wird
sich der Präsident, begleitet von
einer Polizeieskorte, zum Kreml begeben. Sein erstes Zusammentreffen mit
Generalsekretär Gorbatschow ist für
13.15 Uhr MESZ im Georgssaal des

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�Kreml vorgesehen.

sion vorgesehen.

Das
zweite
Treffen
zwischen
Reagan und Gorbatschow findet am 30.
Mai um 8.00 Uhr MESZ im Katharinensaal statt. Nach einem für die Mittagszeit anberaumten Besuch des Danilow-Klosters treffen die beiden Regierungschefs ein drittes Mal, wiederum im Katharinensaal, zusammen.
In dem 700 Jahre alten Danilow-Kloster, das mit staatlichen Mittel restauriert wird, unterhält sich der
Präsident
mit
russisch-orthodoxen
Mönchen und sieht ihnen bei der Restaurierung von Ikonen zu. Dem Sprecher des Weißen Hauses Marlin Fitzwater zufolge betrachtet das Weiße Haus
diesen Besuch als "Symbol unseres Anliegens der Religionsfreiheit".

Arn Abend gibt Präsident Reagan im
Spaso-Haus ein Abendessen zu Ehren
von Generalsekretär Gorbatschow.

Um 14.30 MESZ ist eine Begegnung
mit sowjetischen Dissidenten und Ausreisewilligen im Spaso-Haus vorgesehen, der Residenz des amerikanisehen
Botschafters, in der Reagan während
des
Gipfels
untergebracht
ist.
Reagan wird mit den Besuchern Themen
wie die Rede- und Pressefreiheit und
das Recht auf Ausreise erörtern, gab
Fitzwater bekannt.
Der Präsident wird am Abend an
einem von Gorbatschow gegebenen offiziellen Essen im Facettenpalast des
Kreml teilnehmen.
Eine vierte offizielle Begegnung
zwischen Reagan und Gorbatschow findet am 31. Mai wiederum im Kreml
statt. Der Präsident kommt am Mittag
mit der sowjetischen Kulturund Künstlergemeinde im Schriftstellersaal zusammen.
"Bei diesem Treffen mit
Schriftstellern, Künstlern, Filmemachern und Intellektuellen wird die
Freiheit der Künste diskutiert", erklärte Fitzwater.
Am frühen Nachmittag wird der
Präsident vor Studenten der Moskauer
Universität eine Rede über die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen halten, unter besonderer Berücksichtigung der Jugendlichen; im Anschluß an
seine Ausführungen ist eine Diskus-

Am 1. Juni findet das fünfte und
letzte Treffen mit Gorbatschow im
Kreml statt. Der Präsident hat für
14.00 MESZ eine Pressekonferenz im
Spaso-Haus anberaumt.
Am Abend des 1. Juni werden die
Ehepaare Reagan und Gorbatschow einer
Aufführung des Bolschoi-Balletts beiwohnen und anschließend an einem privaten Abendessen in Gorbatschows Datscha teilnehmen.
Die beiden Ehepaare verabschieden
sich offiziell am 2. Juni um 8.00 Uhr
MESZ, und Staatspräsident Gromyko
nimmt an der Abschiedszeremonie für
Präsident Reagan am Flughafen teil.
Der Präsident unterbricht den
Rückflug in London. Zum Nachmittagstee ist er zu Gast bei Königin Elisabeth im Buckingham Palast. Nach Abschreiten der königlichen Ehrengarde
kommt Präsident Reagan mit Premierministerin Thatcher in Nr. 10 Downing
Street
zusammen.
Das
Ehepaar
Thatcher gibt am Abend ein Essen zu
Ehren der Reagans.
Am 3. Juni hält der Präsident um
13.00 Uhr MESZ eine Ansprache im Rathaus der City von London mit einer
Zusammenfassung der Ereignisse in
Moskau. Fitzwater zufolge wird der
Präsident ferner die Zukunft der
Ost-West-Beziehungen ansprechen. Vor
der Rede ist ein Treffen mit dem japanischen Premierminister Takeshita
vorgesehen.
Der Präsident und seine Gattin
werden am 3. Juni um 22.30 Uhr MESZ
auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrew
Air Force Base zurückerwartet.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
1

W

Hintergrundmaterial

25. Mai 1983

20

RELIGIÖSE RECHTE IN DER SOWJETUNION
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht ist dem am 23. Mai vom Weißen Haus veröffentlichen
Pressehandbuch zum amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen in Moskau entnommen:
Obwohl die sowjetische Regierung
für sich in Anspruch nimmt, die Rechte ihrer Bürger auf Ausübung jeglicher Religion zu respektieren, werden
die Gläubigen durch zahlreiche vom
Staat auferlegte Hindernisse eingeschränkt.
Zum Beispiel garantiert
die sowjetische Verfassung das Recht
auf "religiöse Verehrung", gestattet
aber nicht die Bildung religiöser Organisationen und die Verbreitung religiöser Überzeugungen im Hinblick
auf eine vollständige verfassungsmässige Gleichstellung mit atheistischen
Organisationen.
Selbst das verfassungsmäßig garantierte Recht auf Religionsausübung
ist in der Sowjetunion sehr eingeschränkt. Alle religiösen Bekenntnisse müssen zur legalen Religions-

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ausübung vom sowjetischen Staat offiziell anerkannt sein.
Diese Vorschrift wurde in der Vergangenheit
dazu benutzt, um die Legalisierung
der von der sowjetischen Regierung
vor über 40 Jahren verbotenem Ukrainischen Katholischen Kirche zu blokkieren und die Registrierung der Hare-Krishna-Bewegung
zu
verhindern.
Des weiteren muß jede Religionsgemeinschaft per Gesetz mindestens 20
Gläubige zählen und vom Staat zugelassen
und
registriert
werden.
Manchmal schleppt sich die Bearbeitung von Anträgen dieser Art jahrelang dahin und hindert somit eine Gemeinde daran, sich legal zu formieren.
Sowjetische Bürger, die trotz
dieser Hindernisse hartnäckig an der
Praktizierung ihres Glaubens fest-

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�halten, sind häufig Belästigungen
ausgesetzt. Gläubige sind von der
Mitgliedschaft in der Kommunistischen
Partei ausgeschlossen und haben deshalb in der Sowjetunion praktisch
keinerlei Zugang zu einflußreichen
Stellungen. Außerdem wird Gläubigen
der Zugang zu bestimmten Bildungswegen und Berufen verweigert.
Zahlreiche Gläubige wurden inhaftiert. Die meisten wurden auf der
Grundlage von Paragraphen des Strafgesetzbuches verurteilt wie etwa denen für "antisowjetische Verleumdung"
oder "antisowjetische Agitation und
Propaganda", die eine direkte Verletzung freiwillig von der Sowjetunion
eingegangener
internationaler
Verpflichtungen darstellen. Andere etwa
"die Verletzung von Gesetzen über die
Trennung von Kirche und Staat" betreffende Paragraphen werden benutzt,
um Gläubigen ihre Rechte vorzuenthalten. Obwohl, über 100 Gläubige in den
vergangenen eineinhalb Jahren aus
Haftanstalten, Arbeitslagern und Verbannung entlassen wurden, sind über
100 Personen weiterhin
in Haft.
Einigen Berichten zufolge sind die
Zahlen der Häftlinge aus religiösen
Gründen noch höher.
Religiöse Erziehung ist ebenfalls
sehr stark eingeschränkt. Alle Formen religiösen Unterrichts, mit Ausnahme der Ausbildung in Priesterseminaren und der elterlichen Erziehung,
sind in der Sowjetunion verboten.
Die Ausübung der Religion wird weiterhin durch Schranken gegen die Einfuhr und Herstellung religiösen Materials sowie durch den Mangel an
ausgebildeten Geistlichen und Gebetsstätten behindert.

* * * * *

-2

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

^^ION

25. Mai 1983

20

MENSCHENRECHTE IN DER SOWJETUNION
- Eine Übersicht -

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin unbefriedigt über das sowjetische Verhalten bei den Menschenrechten.
Die Sowjetunion verletzt
anhaltend Menschenrechte und Grundfreiheiten, wie sie in der Schlußakte
von Helsinki und anderen internationalen Abkommen definiert werden.
Dennoch haben in den vergangenen
anderthalb Jahren mehrere bedeutsame
Entwicklungen bei den Menschenrechten
in der Sowjetunion stattgefunden. Im
Dezember 1986 gestatteten die sowjetischen Behörden Andrej Sacharow nach
sieben Jahren Verbannung die Rückkehr
nach Moskau. Mehr als 300 politische
Gefangene sind seit Februar 1987
freigelassen worden, die umfangreichste Haftentlassung von Dissidenten
seit der Zeit unmittelbar nach Sta-

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lin. Die Sowjets haben ebenfalls erklärt, psychiatrische "Spezial"-Kliniken gehörten nicht mehr in den Zuständigkeitsbereich des Innenministeriums.
Vereinigungen und Organisationen
ohne staatliche Unterstützung werden
geduldet, obwohl die Mitglieder einiger
politischer
Interessengruppen,
wie etwa des "Presseclubs Glasnost"
belästigt werden. Im Dezember 1987
gelang dem "Presseclub Glasnost" die
Durchführung eines Seminars zur Problematik der Menschenrechte, obwohl
sich die Teilnehmer in Privatwohnungen treffen mußten und einige potentielle Teilnehmer
verhaftet wurden.
Einer Reihe von Amerikanern, die sich
um eine Teilnahme bemüht hatten, wurden sowjetische Visa verweigert.

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�Es muß noch viel mehr getan werden. Uns sind die Namen von über 300
Personen bekannt, die aufgrund ihrer
politischen oder religiösen Überzeugung immer noch in Gefängnissen, Arbeitslagern und psychiatrischen Kliniken eingesperrt sind.
Obwohl im
November 1986 eine Überprüfung des
entsprechenden Gesetzes zugesagt wurde, ist bis jetzt keine einschneidende Reform durchgeführt worden. Einen
besonderen Anlaß zur Besorgnis liefert die Festnahme des armenischen
Aktivisten Paruir Arikian im März
1988 wegen "antisowjetischer Verleumdung". Es handelt sich hierbei um
einen der "politischen" Paragraphen,
der Vertretern der sowjetischen Regierung zufolge mit der ' Gesetzesreform abgeschafft werden sollte - Arikian war seit anderthalb Jahren die
erste aufgrund dieses Paragraphen
festgenommene Person.
In diesem Jahr der Tausendjahrfeier des Christentums in der Kiewer
Rus ist die religiöse Unterweisung
außerhalb des eigenen Hauses verboten. Die Gebetsstätten, die Zahl der
Priester und die Versorgung mit religiöser Literatur reichen nicht aus,
um den Bedarf der Gläubigen zu dekken. Die Lehre der hebräischen Sprache ist verboten. Die unabhängige
Ukrainische Orthodoxe Kirche bleibt
zwangsweise mit einer russisch-orthodoxen Kirche verbunden, und die
Ukrainische Katholische Kirche darf
dem Gesetz nach nicht bestehen.
1987 stieg die Zahl der Auswanderer. Die Gesamtzahl der im Jahr 1987
ausgewanderten Juden betrug 8 155,
und gegenwärtig erhalten monatlich
etwa 1 000 sowjetische Juden Ausreisegenehmigungen. Obwohl diese Zahlen
gegenüber 914 im gesamten Jahr 1986
ein günstiges Bild zeigen, liegen sie
wesentlich unter den Zahlen der siebziger Jahre, als jeden Monat etwa
2 000 sowjetische Juden ausreisten.
Im Spitzenjähr der Auswanderung von
Juden, 1979, emigrierten mehr als
51 000 sowjetische Juden.

- 2 -

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Hintergrundmaterial

20

25. Mai 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPAGNE UND IHRE PARALLELEN
IN DER VERGANGENHEIT
- von Dom Bonafede (Der Verfasser ist leitender Redakteur der Zeitschrift 'National Journal')

Die
amerikanische
Präsidentschaftswahlkampagne des Jahres 1988
hat ähnlich wie die voraufgegangenen
Wahlkämpfe der letzten zwei Jahrhunderte Parallelen in der Vergangenheit
und Auswirkungen für die Zukunft.
Ein hervorragendes Beispiel dafür
liefern die gegenwärtige Kampagne und
der Wahlkampf von 1960, bei denen offensichtlich Parallelen bestehen. In
beiden Fall standen zwei populäre
Präsidenten - damals Dwight Eisenhower und jetzt Ronald Reagan - am
Ende
ihrer
verfassungsmäßig
beschränkten zwei Amtszeiten und machten den Weg frei für ein offenes Rennen in beiden politischen Parteien.
Jeder war bei seinem Rücktritt
der älteste Präsident der Geschichte

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und in seiner Eigenschaft als Regierungschef bekannt dafür, daß er Vollmachten delegierte. Während seiner
Amtszeit erlebte jeder eine nationale
Rezession, eine Wahlniederlage seiner
Partei zur Mitte der Amtszeit sowie
Skandale bei seinen Beratern und fand
dennoch weiterhin Anklang in der Öffentlichkeit.
Im Bereich der Außenpolitik amtierte jeder gerade zu der Zeit, als
die sowjetische Führungsspitze die
überkommenen
Formen
aufzubrechen
suchte, zuerst Nikita Chruschtschow
und gegenwärtig Michail Gorbatschow.
Sowohl Eisenhower als auch Reagan
ließen der Republikanischen Partei
als Teil ihres Vermächtnisses die
Wahl zwischen Kontinuität oder Wan-

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�del.
Darüber hinaus versetzten sie
ihre Vizepräsidenten in die Lage,
Nachfolger zu werden.
Ungeachtet
der
Übereinstimmung
zwischen Vergangenheit und Gegenwart
hat jedes Streben nach der Präsidentschaft seinen besonderen Eigencharakter und eigene Merkmale, wenn es darum geht, die Anliegen und Wunschvorstellungen der Zeit zu berücksichtigen.
Im Einklang mit dem historischen
Zyklus und der Stimmung im Land
scheinen amerikanische Wähler bei ihrem nächsten Präsidenten in stärkerem
Maße Kompetenz und eine starke Führungsrolle zu suchen als Stil und
Charisma, wozu im Zeitalter der Massenmedien die Tendenz bestand.
Der gegenwärtige Wahlkampf ist
der ertse seit 1968, in dem sich kein
amtierender Präsident zur Wiederwahl
stellt. Noch wichtiger ist, daß der
erste ernsthafte schwarze Kandidat,
Jesse Jackson, sich nunmehr um die
Präsidentschaft bewirbt.
Obwohl George Bush schon für die
Nominierung der Republikaner feststeht, sollte man sich vergegenwärtigen, daß die Geshichte nicht wohlwollend mit Vizepräsidenten umgegangen
ist, die direkt aus ihrer Position
der Nummer Zwei heraus ins Weiße Haus
gewählt werden wollten. Der letzte
erfolgreiche Kandidat war Martin Van
Buren im Jahr 1836 als Vizepräsident
unter Andrew Jackson.
Van Buren war der Nutznießer der
loyalen Gefolgschaft von "Old Hickory", wie Jackson genannt wurde. Dasselbe trifft nicht auf das Verhältnis
zwischen Bush und Reagan zu.
Die Billigung des Präsidenten bedeutet nicht den Sieg für einen Vizepräsidenten, wie Richard Nixon 1960
und Hubert Humphrey 1968 erfahren
mußten.
Als Nicht-Regierungspartei suchen
die Demokraten - wie im Jahr 1960 bei

ihrer Nominierung John F. Kennedys nach einem neuen und anders gearteten
Kandidaten, der keine Assoziationen
mit der Vergangenheit hervorruft.
Diese Beschreibung trifft auf den
möglichen Kandidaten der Partei, den
Gouverneur von Massachusetts Michael
Dukakis, zu.
Im Gegensatz zu den letzten Präsidentschaftswahlkampagnen zieht keiner der Kandidaten gegen Washington
zu Felde. Unter den möglichen Faktoren, die zu dieser Entwicklung beitragen, ist die allgemein gesunde
Wirtschaftslage der Nation, mit bemerkenswert niedriger Inflationsrate
und Arbeitslosenquote sowie die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten
eine Zeitspanne relativen Friedens
erleben, obgleich sie ihre nationalen
Interessen gegen internationale Terroristen verteidigen und weltweit ihre Präsenz in Unruheherden behaupten,
wie etwa in Mittelamerika und dem
Persischen Golf.
Es ist auch das erste Mal in der
jüngeren Vergangenheit, daß es keine
Kandidaten gibt, die als Außenseiter
oder Unabhängige gegen den Strom und
das politische Establishment kandidieren, wie etwa George Wallace,
Eugene McCarthy, John Anderson und
Jimmy Carter in früheren Kamapagnen.
Darüber hinaus gibt es den Beobachtungen Gary Orrens von der John F.
Kennedy School of Government an der
Harvard University
zufolge keinen
herausragenden Kandidaten, der eindeutig das Zeug zum Präsidenten hat.
Zitat Orren: "Es gibt keinen Kandidaten, der als Komet fungiert, an dem
sich die anderen orientieren".
Ihm zufolge "bedeutet dies, daß
die Kampagne von kurzfristigen Faktoren dominiert wird - den Medien, den
Vorschriften, Geld und der Charakterfrage" .
Damit besteht ebenfalls die grössere
Wahrscheinlichkeit
für
ein
Kopf-an-Kopf-Rennen im November.

�Ein weiterer herausragender Faktor der Kampagne von 1988 besteht darin, daß die führenden Kandidaten Bush, Dukakis und Jackson - eher
Pragmatiker als Ideologen sind. Das
steht in starkem Gegensatz zur Kampagne von 1984, bei der Reagan seine
konservativen Werte und der demokratische Kandidat Walter Mondale seinen
Liberalismus propagierte.
Statt dessen stellt sich jeder
Kandidat mit dem Thema dar, daß er
die Kompetenz, Kenntnisse und Erfahrungen mitbringt, um mit den Problemen des Landes sowohl auf nationaler
wie auch auf internationaler Ebene
fertigzuwerden.
Jeder stellt seine
zupackenden organisatorischen Fähigkeiten stärker heraus als seine Ideologie.
Ungewöhnlich an der gegenwärtigen
Kampagne ist das Fehlen eines 'heißen
Eisens', mit dessen Hilfe die Parameter des Wettbewerbs abgesteckt werden
und zu dem die Kandidaten eine Koalition mobilisieren können. Traditionell schlägt der Spitzenkandidat ein
Programm vor, das größtenteils auf
eine Wiederbelebung der Wirtschaft
und Stärkung der amerikanischen Aussenpolitik abzielt. Aber dieses Mal,
so bemerkt der Politikwissenschaftler
Erwin Hargrove von der Vanderbilt
University, "gibt es keine Problembereiche, die der Öffentlichkeit ein
Anliegen wären".
Dennoch gibt es zahlreiche soziale und die Lebensqualität betreffende
Fragen von großer Bedeutung für nahezu jeden Amerikaner, auf die der Kandidat eingehen muß. Dazu zählen Erziehung,
Drogenkonsum, Verbrechen,
Gesundheitsfürsorge, AIDS, die Todesstrafe, Abtreibung und Pornographie.
Die vom Meinungsforscher des Weißen
Hauses, Richard Wirthlin, durchgeführten Untersuchungen zur öffentlichen Meinung zeigen, daß soziale Fragen die Wähler stärker beschäftigen
als die Wirtschaft. Man sollte sich
auch daran erinnern, daß Reagan in
seiner
Präsidentschaftswahlkampagne
Werte wie Familie, Gemeinwesen und

Religion hervorhob.
Jackson hat sich mehr als alle
anderen Kandidaten auf diese Themen
konzentriert und vorgeschlagen, der
Staat solle bei ihrer Lösung eine
größere Rolle spielen. Zum Drogenproblem vertritt Bush die Auffassung,
führende Köpfe des Drogengeschäfts
sollten im Falle ihrer Überführung
mit dem Tode bestraft werden; Dukakis, der die Todesstrafe ablehnt,
spricht sich dagegen für verstärkte
Erziehungsmaßnahmen, Prävention und
Rehabilitation bei Jugendlichen aus.
Um die Präsidentschaftswahl 1988
zu gewinnen, muß ein Kandidat der
einhelligen Meinung der politischen
Beobachter zufolge in gesellschaftlichen Fragen einen nachhaltigen Eindruck bei ethnischen, religiös motivierten und zur Arbeitnehmerschaft
zuzurechnenden Wählern hinterlassen.
Ein weiteres parteiübergreifendes
Thema betrifft die persönliche Moral
und das Berufsethos der Kandidaten.
Robert Teeter, ein Experte zu Fragen
der öffentlichen Meinung, der sich
auf republikanische Kandidaten und
Anliegen spezialisiert hat, behauptet, daß nach der Ausschaltung von
Ideologie als entscheidender Faktor
die Wähler nun dem Charakter der Kandidaten mehr Beachtung schenken.
Die von großem publizistischen
Echo begleiteten Skandale um den ehemaligen demokratischen Kandidaten Senator Gary Hart, die Insider-Geschäfte an der Wall Street und die Sexund-Geld-Enthüllungen um die Fernsehevangelisten Jim und Tammy Bakker und
Jimmy Swaggart sowie die Verurteilungen
der
früheren
Reagan-Berater
Michael Deaver und Lyn Nofziger haben
die amerikanische Öffentlichkeit besonders für das Problem der Moral
sensibilisiert.
Enthüllungen über moralisch zweifelhafte Verhaltensweisen sind kaum
neu. Dennoch habe sich die Spielregeln geändert: das Privatleben von
im Lichte der Öffentlichkeit stehen-

- 3 -

�den
Personen,
Regierungsvertretern
und Politikern wird heute als legitimes Betätigungsfeld der Nachrichtenmedien angesehen, womit theoretisch
ein Schlüssel zu ihrem Charakter hinter den Kulissen, ihren potentiellen
Fähigkeiten und zu erwartenden Leistungen geliefert wird.
Eine damit in Zusammenhang stehende Frage betrifft die Kontroverse
über den Mißbrauch staatlicher Macht
in der Iran-Contra-Affäre.
Obwohl
gegen zwei ehemalige Berater des
Weißen Hauses für Angelegenheiten der
nationalen Sicherheit, Admiral John
Poindexter und Oberstleutnant Oliver
North, in diesem FalL Anklage erhoben
wurde, bleiben die Auswirkungen auf
Bushs Wahlkampf weiter ungewiß. Der
Vizepräsident hat standhaft behauptet, daß er mit dem Entscheidungsfindungsprozeß vor der Affäre nichts
zu tun hatte.
Trotzdem könnte die Besorgnis der
Öffentlichkeit über den Vorfall Auswirkungen auf die Wahl haben.
Ein ehernes Gesetz der amerikanischen Politik besagt, daß die Außenpolitik - mit Ausnahme der Frage von
Krieg oder Frieden - keinen starken
Einfluß auf den Präsidentschaftswahlkampf hat. Die anstehende Wahl könnte jedoch eine Ausnahme bilden.
Bushs Haltung zur Außen- und Verteidigungspolitik
ist zum größten
Teil eine Reproduktion derjenigen
Präsident Reagans - Unterstützung antikommunistischer Kräfte, eine starke
Verteidigung, Weiterverfolgung eines
Rüstungskontrollabkommens
mit
der
Sowjetunion
und Unterstützung der
Strategischen Verteidigungsinitiative
(SDI).
Die beiden führenden Bewerber bei
den Demokraten haben andere politische Maßnahmen vorgeschlagen, die
sich in vielen Bereichen unterscheiden.
Aufgrund
seiner
Erfahrung
in
"Privatdiplomatie" und seines Ein-

fühlungsvermögens für die Dritte Welt
tritt Jackson für eine radikale Neuorientierung amerikanischer Außenund Verteidigungspolitik ein, die er
als "neuen Realismus" bezeichnet.
Grundlegende
Vorschläge
sind:
Beendigung der amerikanischen Hilfe
für die Contra-Rebellen in Nicaragua,
Unterstützung eines unabhängigen Palästinenserstaates,
schärfere
USSanktionen gegen Südafrika, Schuldenentlastung für Staaten der Dritten
Welt. Im Verteidigungsbereich befürwortet er: Einfrieren der Militärausgaben auf gegenwärtigem Dollarstand für fünf Jahre, Reduzierung der
US-Streitkräfte in Westeuropa, Einstellung der Entwicklung von Tarnbombern (Stealth) und SDI, Reduzierung
der Flugzeugträgerverbände der Marine, Abschaffung der MX-Raketen und
einen Stop bei Midgetman und D-5-Raketen.
Kritiker argumentieren, die
Reduzierungen im Militärarsenal des
Landes machten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten verwundbar
für einen sowjetischen Angriff. Ausserdem drücken sie ihre Besorgnis
über sein gutes Verhältnis zu Kubas
Fidel Castro und zu Yassir Arafat,
dem Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), aus.
Was seine Vorschläge zur Außenund Verteidigungspolitik angeht, so
hat sich Dukakis weniger deutlich
ausgedrückt und wurde sowohl von
Jackson wie auch von Bush wegen seines Mangels an direkter Erfahrung in
diesem Bereich kritisiert.
Er hat eine außen- und verteidigungspolitische Haltung umrissen, die
den Vorstellungen der liberalen Mitte
der Demokratischen Partei entspricht.
So hat er betont, was er als eine politische Position bezeichnet, die
"amerikanische Werte" widerspiegelt,
darunter Menschenrechte, Respektierung der Herrschaft des Gesetzes und
einen multilateralen Ansatz zur Lösung weltweiter Probleme durch internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen und die Organisation
Amerikanischer Staaten.

- 4 -

�Dukakis ist strikt gegen die Gewährung von Hilfe an die Contras. Er
ist ein energischer Freund Israels,
weigert sich aber gleichzeitig, eine
positive oder negative Haltung gegenüber einem Palästinenserstaat einzunehmen. Er hat über die Möglichkeit
eines Abzugs amerikanischer Truppen
aus Korea spekuliert und Wege zur
Aufnahme von Gespräche mit Castro
sondiert.
In der Verteidigung befürwortet
er eine Reduzierung der strategischen
Waffen um 50 oder mehr Prozent, einen
umfassenden Atomteststopp, die Beschränkung von SDI auf das Forschungs- und Entwicklungsniveau von
vor 1983 sowie eine Aufrüstung der
konventionellen Streitkräfte.

der enorm breiten Berichterstattung
durch die Medien sowie des großen
Felds früher Kandidaten hat der Präsidentschaftswahlkampf
1988
nicht
vermocht, intensives Interesse oder
echte Begeisterung unter den Wählern
hervorzubringen. Weitgehend aufgrund
seiner Fähigkeiten als Redner, persönlicher Anziehungskraft und seinem
Status als Superstar hat Jackson allein ein gewisse Maß an Energie und
Enthusiasmus geliefert. Bush und Dukakis entbehrten dem allgemeinen Empfinden zufolge der Wärme, des Flairs
und jener undefinierbaren Aura, die
einer nationalen Zuhörerschaft imponiert.
Angesichts dessen ist es nicht
unvorstellbar, daß die Wahlbeteiligung geringer ausfallen wird als die
im Jahr 1984 verzeichneten 53 Prozent.

Während Dukakis weniger Erfahrung
im Umgang mit ausländischen Politikern hat als Bush oder Jackson, ist
er ihnen gegenüber jedoch durch seine
natürliche Begabung für Fremdsprachen
im Vorteil. Er spricht fließend Spanisch und besitzt ausreichende Kenntnisse in Griechisch und Französisch.
In einer bedeutsamen Abkehr von
der Praxis des Jahres 1984 hat Dukakis es sorgfältig vermieden, Politik
für einzelne Wählergruppen zu machen
und vor seiner Nominierung Verpflichtungen für mächtige Interessengruppen
einzugehen, wie Mondale dies zu seinem Bedauern getan hatte. Zu Beginn
seiner Kampagne um die demokratische
Nominierung hatte Mondale sich beflissen um die Unterstützung der
AFL-CIO, der National Education Association und der National Organization
for Women bemüht und sie auch erhalten. Zu seinem Nachteil wurde Mondale als "Gefangener" von Interessengruppen dargestellt.
Im
Dukakis
höherer
wohl er

Gegensatz zu Mondale vermied
es auch, sich zur Einführung
Steuern zu verpflichten, obdies nicht ausgeschlossen hat.

Trotz des langen Zeitraums der
Vorwahlen und Caucus-Abstimmungen und
- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Politik beim Gipfel ist auf Realismus und Stärke gegründet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehansprache Präsident Reagans anitdie Bündnispartner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Baker sieht positive Auswirkungen der Koordinierungsbemühungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim OECD-Ministertreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;ACDA-Chronologie der Verhandlungen über chemische Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung der ACDA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Probleme der Freizügigkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fünf Treffen Reagan-Gorbatschow beim Gipfel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Programm des Gipfeltreffens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Religiöse Rechte in der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechte in der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Die Präsidentschaftswahlkampagne und Ihre Parallelen in der Vergangenheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Dom Bonafede&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z 12462 C

25. Mai 1994

20

HANDEL

CLINTON UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DES
HANDELS
FÜR
AMERIKANISCHE
WIRTSCHAFT
Proklamation des Präsidenten

NAHER OSTEN

NArfER OSTEN FÜR USA WEITERHIN VON
VITALEM INTERESSE
Rede von Anthony Lake

WAFFEN

USA ÄNDERN HALTUNG GEGENÜBER
WAFFEN
Amerikaner für strengere Waffenkontrollen

LANDMINEN

USA PLANEN MULTILATERALES REGIME ZUR
KONTROLLE VON LANDMINEN
Anhörung McNamaras im Kongreß

USIA

FULTON WIRD DIREKTOR DES NEUEN
INFORMATIONSBÜROS
IM
USINFORMATIONSAMT
Ankündigung des Weißen Hauses

JACQUELINE KENNEDY ONASSIS

ZUM TODE DER PRASIDENTENWITWE
Ein Porträt

FUSSBALL

DIE AUSTRAGUNGSORTE DES
WORLD CUP 1994
Neun amerikanische Städte im Porträt (II)

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-334102

�HANDEL
25. Mai 1994

CLINTON UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DES HANDELS
FÜR AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT
Proklamation des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer aus Anlaß der Welthandelswoche 1994 am 18. Mai herausgegebenen
Proklamation unterstrich US-Präsident Bill Clinton die Bedeutung von Exporten für die amerikanische Wirtschaft
und erklärte, seine Administration sei der Schaffung eines für den Privatsektor günstigen Klimas verpflichtet.
Der Präsident wies darauf hin, daß Exporte "ein entscheidender Motor" des wirtschaftlichen Fortschritts
geworden seien. Seit fünf Jahren gehen mehr als 40 Prozent des Wachstums in den Vereinigten Staaten auf
Exporte von Waren und Dienstleistungen zurück und sichern damit 20 Prozent der Arbeitsplätze im
Fertigungsgewerbe.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten im Wortlaut.
Während wir die Welthandelswoche 1994 begehen,
ist unsere Nation durchaus für den Konkurrenzkampf
der neunziger Jahre gerüstet. Unsere Wirtschaft ist
die stärkste in der industrialisierten Welt. Unsere
Erwerbsbevölkerung steht keiner anderen nach.
Unser höheres Bildungswesen sucht seinesgleichen. Und unser Volk ist optimistischer - und hat
dazu allen Grund.
Dennoch kommt der Erfolg auf dem Weltmarkt nicht
automatisch - er setzt Planung und Anstrengungen
voraus.
"Amerikanische Exporte bedeuten amerikanische
Arbeitsplätze" - das Thema der Welthandelswoche
illustriert, warum die Vereinigten Staaten sich bemühen müssen, das Engagement amerikanischer
Unternehmen auf dem Weltmarkt zu erhöhen.
Exporte sind ein entscheidender Motor des wirtschaftlichen Fortschritts unserer Nation geworden.
Seit fünf Jahren gehen mehr als 40 Prozent des
Wachstums in den Vereinigten Staaten auf Exporte
von Waren und Dienstleistungen zurück.
Heute steht jeder fünfte Arbeitsplatz im Fertigungsgewerbe mit Exporten in Verbindung. Exporte von
Gütern und Dienstleistungen sichern ungefähr 10,5
Millionen Arbeitsplätze. Exporte schaffen besser
bezahlte Arbeitsplätze.
In der Exportindustrie
beschäftigte amerikanische Arbeitnehmer verdienen
17 Prozent mehr als der Durchschnitt.

Angesichts der engen Verbindung zwischen Binnenund Weltwirtschaft ist es wichtiger denn je, Gewicht
auf die Faktoren zu legen, die Amerika wettbewerbsfähig machen. Umweltverträgliches Wachstum ist nur
zu erzielen, wenn wir die Probleme unserer Gesellschaft lösen, die unsere Bürger hindern, ihr Bestes zu
geben.
Der erste Punkt auf der Tagesordnung dieser Administration war die Verbesserung des Wirtschaftsklimas
in unserem Land, und das ist auch in Zukunft meine
Priorität. Wir haben beim Abbau unseres Haushaltsdefizits große Fortschritte gemacht. Steuerliche
Anreize haben einen starken Anstieg von Investitionen ausgelöst. Derzeit verfolgen wir eine Politik zur
Ermutigung von Partnerschaften zwischen Regierung
und Privatwirtschaft. Wir haben die schwierige
Aufgabe in Angriff genommen, der Rüstungsindustrie
bei der Konversion der Produktion zu friedlichen
Zwecken behilflich zu sein. Und wir widmen der
weiterführenden Bildung sowie der Ausbildung und
Umschulung unserer erwerbstätigen Bevölkerung
mehr Aufmerksamkeit.
Diese Administration setzt sich entschieden für eine
sichere Gesundheitsfürsorge für alle Amerikaner ein,
und wir haben einen Vorschlag zur Reform unseres
Sozialversorgungsnetzes vorgelegt.
Wir haben
wichtige Initiativen zur Bekämpfung von Verbrechen
und Drogenhandel ergriffen.
Diese Schritte zur Förderung von gesundem Wirtschaftswachstum und mehr Sicherheit für die Gesell-

AMERIKA DIENST 20

Seite 1

�schaff stellen die Grundlage für die Konkurrenzfähigkeit Amerikas in der Weltwirtschaft dar.
Amerikanischen Unternehmen muß jedoch ein fairer
Zugang zu internationalen Märkten gewährt werden.
Wir haben viel Gewicht auf den Abbau von Handelshemmnissen im Ausland gelegt und machen Fortschritte. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen schafft einen pulsierenden, integrierten Markt
auf unserem Kontinent und eröffnet für die Zukunft
gute Chancen auf eine noch größere Freihandelszone. Der erfolgreiche Abschluß der UruguayRunde des GATT nach siebenjähriger harter Verhandlungsarbeit sollte jetzt zu einer beträchtlichen
Ausweitung des Welthandels führen.
Die Partnerschaft zwischen der US-Regierung und
dem Privatsektor ist erforderlich, wenn wir die zu
Beginn der Amtszeit meiner Administration umrissenen wirtschaftlichen Ziele erreichen wollen. Die
Bundesregierung will für die Privatindustrie ein
konstruktiver Partner sein, indem sie sich für die
Schaffung eines günstigen Wirtschaftsklimas im Inund Ausland einsetzt. Die Hauptverantwortung für
die Entwicklung überseeischer Märkte liegt jedoch
beim Privatsektor. Die Unternehmen müssen das
Risiko tragen, was auch das Recht mit sich bringt,
die Früchte zu ernten.

*

Seite 2

*

Unsere Arbeitnehmer werden die Früchte in Form
vieler neuer Arbeitsplätze ernten, denn Exporte
können unsere Methode Nummer eins für die Schaffung hochbezahlter Arbeitsplätze darstellen.
Das alles läßt nur eine Schlußfolgerung zu: Wir
müssen uns weltweit entwickeln, um eine gesundere
Wirtschaft zu sichern, und es liegt im Interesse der
Unternehmen, Arbeitnehmer und der gesamten
Bevölkerung, daß dies geschieht. Wir müssen auf
dem Weltmarkt mehr verkaufen - und tun weiterhin
unser Bestes, um den Zugang amerikanischer Waren
zu diesem Markt zu erweitern. Ferner müssen wir
den Handel auf eine Art und Weise fördern, die für
die Arbeitnehmer von Vorteil ist und umweltverträgliche Entwicklung ermutigt.
Aufgrund dessen erkläre ich, William J. Clinton,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft
der mir von der Verfassung und den Gesetzen der
Vereinigten Staaten übertragenen Vollmachten die
am 22. Mai 1994 beginnende Woche zur Welthandelswoche. Ich rufe das Volk der Vereinigten Staaten
dazu auf, sich an entsprechenden Vorhaben zu
beteiligen, um das Potential des Welthandels zur
Schaffung von Wohlstand für alle zu unterstreichen.

*

*

AMERIKA DIENST 20

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�NAHER

OSTEN
25. Mal 1994

NAHER OSTEN FÜR USA WEITERHIN
VON VITALEM INTERESSE
Rede von Anthony Lake
WASHINGTON - (AD) - Der Nahe Osten bleibt Präsident Clintons Nationalem Sicherheitsberater Anthony Lake
zufolge trotz der Beendigung der Rivalität zwischen den Supermächten für die Vereinigten Staaten von "vitalem
Interesse".
Der Nahe Osten kann ein "Paradigma für die Haltung unserer Nation gegenüber der Welt nach dem Kalten
Krieg" sein, erklärte Lake am 16. Mai 1994 vor dem Washington Institute for Near East Policy.
Die Interessen der Vereinigten Staaten in der Region umfassen ihm zufolge den ungehinderten Fluß von Erdöl,
die Stabilität befreundeter arabischer Nationen, einen sicheren und dauerhaften Frieden zwischen Israel und
seinen Nachbarn sowie die Eindämmung der Ablehnungsfront - Irak, Iran und Libyen.
"Unser Feind", so Lake, "sind Unterdrückung und Extremismus, sei es unter religiösem oder weltlichem
Deckmantel". Washington grenze sich von jenen ab, "die ihre Ziele mit Hilfe von Terror, Intoleranz oder Zwang
fördern wollen". Er wies jedoch die Ansicht zurück, "eine erneute Betonung der traditionellen Werte der
islamischen Welt müßte zwangsläufig zu einem Konflikt mit dem Westen führen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext.
Ich freue mich über die Einladung, vor dem SorefSymposium des Washington Institute sprechen zu
dürfen. Ich weiß, daß Sie alle großes Interesse am
Nahem Osten haben und viel darüber wissen.
Folglich geht es mir wie dem Professor, der eine
Vorlesung über die Flut halten soll und genau weiß,
daß Noah unter den Zuhörern ist.
Da Außenminister Christopher derzeit intensive
Gespräche führt, werde ich heute nicht über den
Stand der Verhandlungen sprechen, sondern mich
auf unseren konzeptuellen Ansatz gegenüber dem
Nahen Osten konzentrieren. Der Nahe Osten ist in
vielerlei Hinsicht ein Paradigma für die Haltung
unserer Nation gegenüber der Welt nach dem Kalten
Krieg. Und es ist für uns eine Herausforderung und
eine Verantwortung, ein regionales Umfeld zu
schaffen, in dem das Versprechen einer Zukunft
voller Frieden und Hoffnung realisiert werden kann.
Der Nahe Osten sieht sich im wesentlichen mit einer
Entscheidung zwischen zwei verschiedenen Zukunftsmöglichkeiten konfrontiert. Ein Weg führt in
eine Zukunft, in der im Besitz von Massenvernichtungswaffen befindliche Extremisten eine Region
beherrschen, die von Konflikten zwischen Gemein-

AMERIKA DIENST 20

den und Staaten zerrissen ist. Die Alternative bringt
demokratischen Fortschritt, freien Verkehr von
Menschen und Waren und zu regionaler Sicherheit
führenden Dialog hervor. Gewalt oder Frieden,
Unterdrückung oder Freiheit, Isolation oder Dialog das sind die Alternativen.
Wir können jeden Tag Beispiele für diese Zukunftsmöglichkeiten sehen. Denken Sie an die Ereignisse
der vergangenen Tage. Bestrebungen zur Einigung
und Demokratisierung Jemens scheiterten, als der
Norden und der Süden des Landes das Schlachtfeld
dem Verhandlungstisch vorzogen. Gleichzeitig wurde
ein für die Beendigung eines anscheinend unlösbaren
Konflikts entscheidender Schritt unternommen, als
israelische Soldaten die Kontrolle über den Gazastreifen und Jericho friedlich an die palästinensischen
Behörden übergaben.
Inmitten dieses von Unruhen und Hoffnung gekennzeichneten Zeitalters können die Vereinigten Staaten
es sich nicht leisten, untätiger Zuschauer zu sein.
Obwohl die Rivalität zwischen den Supermächten
nicht mehr besteht, bleibt die Region für unsere
Nation von vitalem Interesse. Der freie Fluß von
Erdöl aus der Golfregion zu vernünftigen Preisen, die

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�Sicherheit und das Wohlergehen Israels, ein sicherer
und dauerhafter arabisch-israelischer Frieden, die
Stabilität befreundeter arabischer Staaten, die Notwendigkeit der Eindämmung Iraks, Irans und Libyens
- der Ablehnungsfront gegen Frieden im Nahen
Osten, Bestrebungen zur Verhinderung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen - aus
diesen Gründen hat unsere Nation ein wirkliches
Interesse an einer demokratischen Zukunft mit mehr
Frieden und Wohlstand.
Wir wollen jedoch nicht die Zukunft des Nahen
Ostens beherrschen. Die bewegte Geschichte der
Region war zu stark auf den Kampf um Beherrschung ausgerichtet und es wurden zu wenige
kooperative Anstrengungen unternommen, um
gemeinsame Interessen und Werte für eine bessere
Zukunft aller Völker der Region zu fördern.
Wir betrachten diesen Kampf um die Zukunft des
Nahen Ostens auch nicht als einen "Zusammenprall
der Zivilisationen". Ich möchte diesen Punkt besonders hervorheben. Es wurde von manchen angedeutet, daß es in der Welt nach dem Kalten Krieg
eine grundlegende Kluft gebe, welche die liberaldemokratischen Traditionen des Westens scheinbar
gegnerischen, auf dem Islam und anderen Religionen basierenden "Zivilisationen" gegenüberstelle.
Diese Theoretiker sind der Ansicht, daß es keine
gemeinsame Basis für eine Verständigung zwischen
"dem Westen und dem Rest" gebe, sondern nur die
Aussicht auf Konfrontation und Konflikt. Sie behaupten, die Vereinigten Staaten als einzige verbleibende
Supermacht auf der Suche nach einer neuen zu
bekämpfenden Ideologie sollten sich einem neuen
Kreuzzug gegen den Islam widmen. Bei der Suche
nach einer neuen feindlichen Ideologie würde der
Fundamentalismus den Kommunismus als Gefahr für
den Westen ablösen.
Wir lehnen das entschieden ab. Im Nahen Osten
gibt es, ebenso wie auf der ganzen Welt, eine
grundlegende Spaltung. Die Trennlinie zwischen
Gut und Böse verläuft jedoch nicht zwischen "Zivilisationen" oder Religionen, sondern zwischen Unterdrückung und verantwortungsbewußter Regierungsführung, zwischen Isolation und Offenheit und
zwischen Mäßigung und Extremismus. Sie macht
keine Unterschiede zwischen Rasse oder Glauben.
In Südafrika und in China, in Burma und in Rußland,
im Gazastreifen und im Norden des Irak sprechen
mutige Männer und Frauen, die für Menschenrechte
und Demokratie streiten, die universelle Sprache der
persönlichen und politischen Freiheit. Die dramatischen weltweiten Veränderungen der vergangenen
vier Jahre haben gezeigt, daß diese Sprache die
Vergangenheit überwinden und die Zukunft umgestalten kann.

Seite 2

Dies gilt im Nahen Osten und der muslimischen Welt
ebenso wie andernorts. Unser Feind sind Unterdrückung und Extremismus, sei es unter religiösem
oder weltlichem Deckmantel. Wir grenzen uns von
jenen ab, die ihre Ziele mit Hilfe von Terror, Intoleranz und Zwang fördern wollen. Ich versichere
Ihnen, daß Präsident Clinton sich weiterhin unerschütterlich gegen Terrorakte wenden wird, die den
Friedensprozeß behindern oder den Völkern des
Nahen Ostens eine hoffnungsvolle Zukunft verweigern. Die Feinde des Friedens zögern nicht, zur
Förderung ihres Ziels Gewalt einzusetzen. Der
Präsident hat jedoch bekräftigt, er werde nicht
zulassen, daß sie Erfolg haben.
Wir weisen auch die Vorstellung zurück, daß eine
erneute Betonung traditioneller Werte in der islamischen Welt unweigerlich zu einem Konflikt mit dem
Westen oder mit demokratischen Grundsätzen führen
muß. Diese Werte - die Hingabe an Familie und
Gesellschaft, Glauben und gute Taten - sind uns
nicht fremd. Es ist nicht überraschend, daß die
Menschen im Nahen Osten und Nordafrika die Rolle
dieser Werte in Gesellschaft und Regierung testen
und debattieren. Die Menschen in der Region - wie
auf der ganzen Welt - suchen nach Mitteln und
Wegen, eine dem Volk verantwortliche Regierung zu
bilden, die fundamentalen Menschenrechte zu
garantieren und ihrem Leben einen Sinn zu geben.
Es ist weder ungewöhnlich noch einzigartig, daß viele
von ihnen auf den Islam schauen. Dies ist eine
universelle Suche. Es geht nicht um den Islam.
Heute sind die wirklichen Konflikte, die eine Beleidigung für das Gewissen der Menschheit darstellen,
keine "Konflikte der Zivilisationen". In Bosnien
widersetzen wir uns dem Haß und der Gewalt. Unser
Feind sind Selbstgerechtigkeit und skrupelloser
Nationalismus. Die Führer der Serben wollen ihre
Eroberungen durch Behauptungen legitimieren, sie
wehrten eine muslimische Bedrohung des Westens
ab. Die Welt sollte solche falschen Vorgaben jedoch
nicht akzeptieren. Zweifelsohne werden wir sie nicht
akzeptieren. Wir setzen uns für einen demokratischen bosnischen Staat ein, in dem Muslime und
Christen in Frieden miteinander leben. Unseres
Erachtens hat der Westen ein Interesse daran zu
demonstrieren, daß ein solcher Staat im Herzen
Europas willkommen ist, überleben und prosperieren
kann.
Die von Saddam Hussein abgegebene Erklärung für
seine Invasion in Kuwait - die Verteidigung der
islamischen Welt gegen einen westlichen Eindringling
- war ebenso fadenscheinig wie heute das Gerede
Slobodan Milosevics von einer Schlacht der Zivilisationen. Niemand läßt sich davon täuschen. Der
Golfkrieg wurde als das angesehen, was er war - ein

AMERIKA DIENST 20

�Versuch zur Eroberung und regionalen Vorherrschaft, den eine aus islamischen und nichtislamischen Nationen bestehende Koalition vereitelte.
Nach diesem Krieg sahen sich die Vereinigten
Staaten gezwungen, sich mit zwei feindlichen Regimen in der Region auseinanderzusetzen - dem
weltlichen Irak und dem fundamentalistischen Iran.
Andernorts in der Region widersetzen wir uns der
extremistischen Politik des weltlichen Libyen und des
fundamentalistischen Sudan. Und wir sind wachsam
von Algerien bis zum Südlibanon, vom Westjordanland und dem Gazastreifen bis Ägypten und
Jordanien, wo Extremisten die Region zu spalten
und auf den alten Pfad der Gewalt zurückzubringen
drohen.
Es sollte keinen Zweifel geben. Der islamische
Extremismus stellt eine Gefahr für die Interessen
unserer Nation dar. Es gibt Kräfte, die unter dem
Deckmantel des wiederauflebenden Islam die
Freiheit unterdrücken, sich von der Welt zurückziehen und Feindseligkeiten rechtfertigen.
Diese
Bewegungen stellen eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten und die internationale Staatengemeinschaft dar, da sie sich einer mächtigen und
allzuhäufig verführerischen Sprache bedienen - der
jahrhundertealten Leier von Haß, Furcht und Vorurteilen. Vor allem aber stellen sie - wie wir wissen eine Gefahr für die Zukunft des Nahen Ostens dar.
Obwohl sich die Umstände ändern, hat das Phänomen des Extremismus weltweit eines gemeinsam:
Ernüchterung, Unfähigkeit zur Deckung der Grundbedürfnisse des Menschen sowie vereitelte Hoffnungen auf politisches Mitspracherecht und soziale
Gerechtigkeit. Weitverbreitete Desillusionierung ist
eine Brutstätte für einen von Haß und Gewalt
gekennzeichneten Extremismus - der keineswegs
nur dem Nahen Osten oder der muslimischen Welt
vorbehalten ist. Kennzeichnend für den islamischen
Extremismus ist, daß er die Religion zur Tarnung
seiner wahren Absichten nutzt - dem puren Streben
nach politischer Macht.
Angesichts dieser Herausforderung müssen die
Vereinigten Staaten gemeinsam mit anderen dazu
bereiten Nationen regionale Bollwerke gegen den
Extremismus errichten. In Zentralasien pflegen wir
Beziehungen zu den neuen unabhängigen islamischen Staaten, beispielsweise Kasachstan. Andernorts - von der Türkei bis Saudi-Arabien, von Pakistan
bis Indonesien - halten wir alte Bündnisse und
Freundschaften mit weltlichen und fundamentalistischen Staaten aufrecht, die eine muslimische
Bevölkerung haben. Im Nahen Osten haben wir
dieselbe Aufgabe.

AMERIKA DIENST 20

Bei der Bewältigung der vor uns liegenden Herausforderungen müssen wir energisch den arabischisraelischen Frieden anstreben, die religiösen und
weltlichen Extremismus fördernden oder unterstützenden Staaten und Organisationen eindämmen und
eine Gemeinschaft gleichgesinnter Staaten im Nahen
Osten bilden, die dieselben Ziele verfolgen wie wir:
freie Märkte, Ausweitung von Demokratie sowie
Kontrolle der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme.
Diese Elemente ergänzen und verstärken sich
gegenseitig. Fortschritte beim arabisch-israelischen
Friedensprozeß drängen die Extremisten in die
Defensive und verstärken ihre Isolation. Die Unterminierung extremistischer Kräfte erleichtert Fortschritte bei dem Friedensprozeß. Wenn Friedensschaffung und Eindämmung Wirkung zeitigen, ist es
für gemäßigte Regierungen einfacher, ihre Legitimierung zu erhöhen und Extremisten in ihrer Mitte in
Schach zu halten. Diese Mäßigung ist gegenseitig
verstärkend und führt zum Aufbau von Beziehungen,
die das Versprechen größerer regionaler Stabilität
beinhalten.
Das aktive Streben nach Frieden im Nahen Osten ist
eine der höchsten außenpolitischen Prioritäten der
Clinton-Administration.
Es bildet den Eckpfeiler
unserer Bemühungen zur Umgestaltung der Region.
Wenn Araber und Juden nach soviel Haß und Konflikten in Frieden im Heiligen Land leben, können sie
ihre enormen Talente und Ressourcen für die Aufgaben des Fortschritts ausschöpfen. Und sie können
ein Beispiel geben - eine Friedensschaffungsdynamik
entwickeln - die alle anderen Konflikte in der Region
positiv beeinflussen kann.
Was in der vergangenen Woche in Gaza und Jericho
geschah, ist daher sowohl einfach als auch tiefgreifend. Im wahrsten Sinne des Wortes hat die
palästinensische Polizei die Verantwortung für die
Aufrechterhaltung der Ordnung vom israelischen Heer
übernommen. Diese einfache Übergabe der Machtbefugnis symbolisierte jedoch auch die Veränderung
der Beziehungen zwischen Palästinensern und
Israelis. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte haben
die Palästinenser das Recht - und die Verantwortung
- erhalten, sich selbst zu regieren. Zum ersten Mal in
der Geschichte des israelisch-arabischen Konflikts
haben sich Israelis und Palästinenser auf praktische
Wege für eine friedliche Koexistenz im Heiligen Land
geeinigt.
Wir sind uns alle der mit diesem Prozeß einhergehenden Schwierigkeiten und Gefahren äußerst
bewußt. Zwischen dem historischen Händedruck vor
dem Weißen Haus im September vergangenen
Jahres und der Unterzeichnung von Kairo neun

Seite 3

�Monate später wurden wir konstant daran erinnert,
daß die Kräfte des Extremismus und der Reaktion
entschlossen sind, die Hoffnung auf Frieden zu
ersticken. Wir können - und dürfen - ihren Erfolg
nicht zulassen.
Einige mögen die Klugheit und Tragfähigkeit des von
Yitzhak Rabin und Jassir Arafat eingeschlagenen
Kurses in Frage stellen. Aber dies ist nicht der
Augenblick für Vorhersagen. Die Israelis und
Palästinenser haben erkannt, daß der Status quo
nicht tolerierbar und eine friedliche Versöhnung
endlosem Konflikt und Gewalt vorzuziehen ist. Wir
schulden ihnen mehr als nur im Zweifelsfall zu ihren
Gunsten zu entscheiden, wir schulden ihnen unsere
Unterstützung und Ermutigung. Wenn sie scheitern wenn wir ihnen erlauben zu scheitern - werden die
Hoffnungen für einen friedlichen Nahen Osten
zerschlagen. Und wer kann sagen, wieviele weitere
Menschenleben es kostet, wieviele Familien zerrissen oder Schlachten geschlagen werden, bevor ihre
mutigen Anführer wieder den Aufbau des Friedens
versuchen können.
Genausowenig können wir es uns leisten, die Hände
in den Schoß zu legen und der Geschichte in Gaza
und Jericho ihren Lauf zu lassen. Die Komplexität
des Friedensprozesses beginnt sich erst abzuzeichnen. Die israelisch-palästinensische Grundsatzerklärung fordert die Ausweitung entscheidender
Elemente der palästinensischen Selbstverwaltung
auf das Westjordanland. Die Wahlen im Westjordanland und im Gazastreifen sollten in diesem Jahr
stattfinden. Und binnen zwei Jahren werden Israel
und die PLO Verhandlungen über den endgültigen
Status aufnehmen.
In jeder Phase der israelisch-palästinensischen
Verhandlungen werden Schwierigkeiten auftreten.
Schwierigkeiten bei der Friedensschaffung zwischen
einem Staat und einer Organisation, die aus höchst
unterschiedlichen Elementen zusammengesetzt sind.
Sie beinhalten die Lösung äußerst komplizierter
Konflikte, die schnell wieder zunichte gemacht
werden kann. Ein dauerhafter regionaler Frieden
kann nicht auf dieser instabilen Grundlage allein
aufgebaut werden.
Aufgrund eben dieser Israelis und Palästinenser jetzt
konfrontierenden Schwierigkeiten hat der Präsident
Außenminister Christopher und seine Mitarbeiter
zurück in die Region entsandt, um bei den Verhandlungen zwischen Israel und Syrien mitzuwirken.
Ein syrisch-israelisches Abkommen wäre jedoch eine
entscheidende Lösung zwischen zwei starken Staaten, die gemeinsam in einen "Frieden der Mutigen"
eintreten. Es würde den Konflikt zwischen Israel und

Seite 4

den arabischen Staaten beenden. Jordanien und der
Libanon könnten ihre Differenzen mit Israel binnen
Kürze beilegen. Die vollständige Normalisierung der
Beziehungen zwischen Israel und den arabischen
Maghreb- und Golfstaaten würde rasch folgen. Mit
anderen Worten, die Pattsituation wäre durchbrochen.
Ein israelisch-syrischer Frieden würde mehr bewirken
als nur das Abkommen zwischen Israel und der PLO
zu stützen und eine Veränderung der Beziehungen
zwischen Israel und der arabischen Welt sicherstellen. Dieser Frieden würde auch viel zur Förderung unserer Bestrebungen um die Erweiterung des
Kreises von Friedensstiftern beitragen, die Mäßigung
im Nahen Osten fördern und eine Bastion gegen
reaktionäre Staaten errichten.
Im größeren Kontext des regionalen Friedens spielt
Syrien eine entscheidende Rolle. Historisch gesehen
haben Syriens Bündnis mit dem Iran und die Unterstützung von Gruppen der Ablehnungsfront den
Kräften des Extremismus im Nahen Osten eine
lebenswichtige Basis geschaffen. Durch das Schüren
von arabischem Nationalismus hat Syrien diesen
Kräften eine wichtige Quelle der Legitimität geboten.
Syrien hat diese Legitimität durch die Ablehnung von
Sadats Frieden mit Israel schlecht und durch den
Beitritt von Damaskus zur Koalition im Golfkrieg
gegen Saddam Hussein und die Aufnahme direkter
bilateraler Verhandlungen mit Israel gut genutzt.
Als Präsident Assad den entscheidenden Schritt
unternahm und in Genf bekanntgab, daß Syrien eine
strategische Entscheidung für Frieden mit Israel
getroffen habe, wurden die bisherigen extremistischen Verbündeten des Landes daher nervös.
Hisbollah-Anführer argumentierten, wie ein extremistisches Programm in einem Zeitalter des Friedens
zwischen Israel und dem Libanon am besten verfolgt
werden könnte. Die Anführer der palästinesischen
Ablehnungsfront gegen einen Friedensschluß gingen
aus Angst vor dem Verlust ihrer Basis im Libanon
und in Syrien auf der Suche nach neuen Zufluchtsorten nach Libyen. Iranische Regierungsvertreter
besuchten eilig Damaskus, das sie offensichtlich mit
leeren Händen wieder verließen. Als sie nach Hause
zurückkehrten, begann der iranische Klerus die
Führung zu kritisieren, die sich abzeichnende Isolation ihrer Nation nicht verhindert zu haben.
Trotz dieser ermutigenden Anzeichen unterschätzen
wir die Risiken und Kosten bei der Erlangung eines
israelisch-syrischen Friedens nicht. Wie Ministerpräsident Rabin feststellte, wird die heftige interne
Debatte in Israel den Preis für Frieden mit Syrien in
der Tat schmerzhaft machen. Obwohl es für die
Vereinigten Staaten schwierig sein wird, diesen
Schmerz zu mildern, können und wollen wir - wie

AMERIKA DIENST 20

�Präsident Clinton wiederholt klargestellt hat - Israel
bei der Minimierung der bevorstehenden Risiken
behilflich sein.
Erstens werden wir darauf bestehen, daß der
Frieden ein echter Frieden ist - nicht nur die bloße
Tatsache, daß kein Krieg herrscht - sondern eine
qualitative Veränderung der Beziehungen zwischen
Israel und Syrien. Volle diplomatische Beziehungen,
ein Ende des Boykotts, die Öffnung der Grenzen für
Menschen und Handel, die Förderung gemeinsamer
Wirtschaftsprojekte. Wie Präsident Clinton in Genf
feststellte, haben wir bereits guten Grund zu der
Annahme, daß Syrien sich jetzt zu echtem Frieden
verpflichtet hat in der Art, wie Israel und die anderen
ihn definieren.
Zweitens werden wir darauf bestehen, daß der
Frieden gesichert ist - die Vereinigten Staaten sind
bereit, sich an den von den Parteien ausgehandelten
Sicherheitsarrangements zu beteiligen. Spezifische
Gespräche über die Form der Beteiligung haben
noch nicht begonnen, aber unsere Verpflichtung ist
fest. Und ebenso wie wir in diesem vergangenen
Jahr gehandelt haben, um das Versprechen des
Präsidenten zur Aufrechterhaltung und Erweiterung
des qualitativen Vorsprungs von Israel einzulösen,
werden wir handeln, um Israels Frühwarnfähigkeiten
und seine Fähigkeit zur Bewältigung von Bedrohungen größerer Reichweite zu stärken, um einen
Ausgleich für die strategischen Vorteile zu schaffen,
die es für den Frieden aufzugeben bereit sein
könnte.
Schließlich werden wir darauf bestehen, daß der
Frieden umfassend ist. Wir werden mit Jordanien
und dem Libanon beharrlich zusammenarbeiten um
sicherzustellen, daß ihre Verhandlungen mit Israel
zu Friedensabkommen führen. Und wir werden
darauf bestehen, daß die anderen arabischen und
muslimischen Staaten ihren Boykott beenden und
ihre Beziehungen zu Israel vollständig normalisieren.
Doppelte Eindämmung
Stellen Sie sich die strategischen Auswirkungen
eines solchen Friedens auf den Nahen Osten
insgesamt vor. Wir werden unsere Bestrebungen
zur Eindämmung der vom Iran und Irak ausgehenden Bedrohungen drastisch verstärken. Dem Iran
würden die Mittel verwehrt, im Kernland des Nahen
Ostens Probleme zu schüren. Seine Botschaft des
Hasses, sein Ruf nach der Zerstörung der "zionistischen Einheit" werden der Welt als leere, anachronistische Drohung erscheinen. In gleicher Weise
werden Saddam Husseins Hoffnungen zur Mobilisierung der arabischen Welt hinter einem antiisraelischen Banner zerschlagen.

AMERIKA DIENST 20

Wir werden diese beiden reaktionären Staaten und
die sie unterstützenden Gruppen zunehmend isolieren können. Durch den Friedensprozeß wird ein
neues regionales Umfeld geschaffen, das bereits
Gestalt anzunehmen beginnt. Darin werden gemäßigte islamische Staaten von der Türkei im Norden
bis zu Saudi-Arabien im Süden, von Ägypten im
Westen bis zu Pakistan im Osten die Fähigkeiten
dieser verbrecherischen Staaten und Organisationen
zur Erweiterung ihres Einflusses sowie zur Verbreitung ihrer Botschaft des Hasses und der Gewalt
einschränken. Mit Syrien und den anderen Staaten
in diesem Lager, das mit Israel in Frieden lebt, wird
sich das Kräftegleichgewicht im Nahen Osten entschieden zugunsten der Mäßigung verlagern. Den
Extremisten wird der Anspruch verwehrt, daß ihnen
die Zukunft gehört - sie werden sich mit der Realität
des Scheiterns auseinandersetzen müssen.
Die Erweiterung des Friedens wird auch die Förderer
des Friedens in ihrem Kampf gegen Extremismus im
Inland unterstützen. Den Regierungen wird die
Chance geboten, Desillusionierung wegen gescheiterter Ideologien und unerfüllter Erwartungen mit den
greifbaren Ergebnissen der Friedensschaffung zu
begegnen. Ressourcen werden freigesetzt, um die
Grundbedürfnisse der Menschen zu erfüllen statt die
destruktiven Erfordernisse des Krieges. Regionale
Wirtschaftsentwicklung unter Einsatz der bisher
aufgrund von Boykotten und Konflikten verweigerten
Technologien und Gelder wird den Geschmack auf
ein besseres Leben bieten. Und wenn die Regierungen einmal in der Lage sind, für das wirtschaftliche
Wohlergehen ihrer Bevölkerung zu sorgen, werden
sie sich bei der Erfüllung des Wunsches ihrer Bürger
nach größerer politischer Beteiligung und Rechenschaftspflicht sicherer fühlen. Ein Friedensschluß
vermittelt den Regierungen die Stärke, Extremismus
im In- und Ausland zu bekämpfen.
Wir wissen, daß die Realitäten im Nahen Osten
unweigerlich diese Vision beeinträchtigen werden.
Wir unterschätzen die Schwierigkeiten nicht, die mit
Friedensschaffung oder dem Widerstand extremistischer Kräfte einhergehen, die in der Region auf
Beute lauern. In unserem Gedächtnis ist jedoch
Raum für mehr als nur das Massaker von Hebron,
die Autobombe in Alufa, die Invasion von Kuwait und
die Revolution im Iran. Wir sind bereits Zeuge von
zwei Unterzeichnungszeremonien auf dem Rasen vor
dem Weißen Haus geworden: Des Abkommens von
Camp David und der israelisch-palästinensischen
Grundsatzerklärung. Wir wissen jetzt, daß eine
Zukunft mit Frieden und Wohlstand für alle Menschen
im Nahen Osten mehr als eine bloße Illusion ist.
Abschließend möchte ich aus dem ersten Buch des
Talmud zitieren:

Seite 5

�Der Tag ist kurz,
die Aufgabe ist groß,
es ist nicht an Euch,
die Arbeit zu beenden.
Aber es steht Euch nicht frei,
Euch ihr zu entziehen.

Die Clinton-Administration ist sich der mit der Umgestaltung des Nahen Ostens einhergehenden schwierigen Aufgabe wohl bewußt. Aber wir werden diese
Herausforderung annehmen. Und ich weiß, daß Sie
uns dabei zur Seite stehen werden.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 20

�WAFFEN
25. Mal 1994

USA ÄNDERN HALTUNG GEGENÜBER WAFFEN
Amerikaner für strengere Waffenkontrollen
WASHINGTON - (AD) - Am 15. Mai 1994 berichtete
das US-Justizministerium, daß Verbrechen mit
Handfeuerwaffen in den Vereinigten Staaten nach
den letzten vorliegenden Zahlen aus dem Jahr 1992
stark angestiegen sind. Bei einer Gedenkfeier für
ermordete Strafverfolgungsbeamte am 16. Mai 1994
bedauerte Präsident Clinton das Ausmaß von
Verbrechen mit Waffengewalt, verwies jedoch auf
Veränderungen im Gesetz und der öffentlichen
Meinung, die auf eine Inangriffnahme des Problems
schließen lassen. "Amerika wird sich des Problems
bewußt", stellte Clinton fest. "Wir haben eine Wende
bewirkt. Jetzt müssen wir die Arbeit zu Ende
bringen."
Obwohl die Verbrechensrate in den Vereinigten
Staaten insgesamt niedriger ist als in vielen anderen
Ländern - einem kürzlichen Artikel im Wall Street
Journal zufolge wird in London doppelt so oft
eingebrochen wie in New York - belegen die Statistiken, daß Verbrechen mit Waffengewalt in Amerika
sehr viel häufiger sind als in jeder anderen modernen Industriegesellschaft. Die weithin in die Schlagzeilen geratenen Morde an ausländischen Touristen
-einschließlich der Erschießung einer Deutschen und
Verwundung ihres Ehemanns am 16. Mai in Kalifornien - bereiten weltweit Anlaß zu der besorgten
Frage, warum Waffen in den Vereinigten Staaten so
leicht erhältlich sind, und was die US-Regierung
dagegen unternimmt.
Nirgendwo ist die Sorge über den Waffenbesitz
jedoch größer als in den Vereinigten Staaten - unter
den Amerikanern - selbst, stellen Experten fest. Da
die Amerikaner sehr viel wahrscheinlicher Opfer von
mit Waffen ausgerüsteten Verbrechern werden als
ausländische Besucher, hat ihnen zufolge der Ruf
der Öffentlichkeit nach einer Änderung der amerikanischen Gesetze über Waffenbesitz bereits zu zwei
wichtigen Gesetzen geführt, die den Besitz von
Waffen einschränken.
Das erste Gesetz - nach Präsident Reagans Pressereferent Brady benannt, der 1981 bei dem Anschlag
auf Präsident Reagan angeschossen wurde - gelangte im Herbst zur Verabschiedung und schreibt

AMERIKA DIENST 20

eine fünftägige Wartezeit beim Kauf einer Waffe vor.
Damit wird den Strafverfolgungsbeamten Zeit eingeräumt, Nachforschungen über den möglichen Käufer
anzustellen.
Das zweite Gesetz wurde Anfang dieses Monats vom
Repräsentantenhaus verabschiedet.
Mit diesem
Gesetz werden 19 halbautomatische Waffentypen
verboten, mit denen kein anderer Zweck verfolgt
würde, als Menschen umzubringen. Der Senat
stimmte im Rahmen eines umfassenden Gesetzes
zur Verbrechensbekämpfung einer ähnlichen Maßnahme zu. Die Maßnahmen müssen bei einer
Konferenz von Repräsentantenhaus und Senat vor
der erwarteten Unterschrift des Präsidenten abgestimmt werden.
Präsident Clinton, der stark für das Verbot von
halbautomatischen Waffen eintrat, erklärte, die für die
Maßnahme stimmenden
Kongreßabgeordneten
"haben sich für das nationale Interesse eingesetzt".
"Wir sind begeistert über das Verbot halbautomatischer Waffen. Unsere harte Arbeit hat sich bezahlt
gemacht", äußerte Cheryl Brolin, Sprecherin der
Handgun Control Incorporated, einer Organisation,
die für stärkere Waffenkontrolle kämpft. In einem
Interview erklärte sie: "Das zeigt in der Tat, daß die
Amerikaner der Lobbyisten müde werden, die einer
vernünftigen Waffenkontrolle entgegenarbeiten."
Eine dieser Interessengruppen ist die National Rifle
Association (NRA), die seit Jahren äußerst effektiv
die Maßnahmen zur Waffenkontrolle im Kapitol
vereitelt hat. Die amerikanische Presse sieht das
Brady-Gesetz und das Gesetz über halbautomatische
Waffen als wichtige Niederlage für die NRA und
verweist darauf, daß sich Meinungsumfragen zufolge
bis zu 80 Prozent der Bevölkerung für Einschränkungen ausgesprochen haben.
Die NRA verweigerte jeden Kommentar zu diesem
Artikel, hat sich jedoch häufig für strengere Gesetze
zur Bestrafung Krimineller statt für härtere Kontrollen
des Waffenbesitzes ausgesprochen und oft auf den
Zweiten Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung

Seite 1

�verwiesen, der das Recht der Amerikaner auf
Waffenbesitz schützt. Der Zusatzartikel, der Bestandteil der Bill of Rights ist, lautet folgendermaßen:
"Da eine gut ausgebildete Miliz für die Sicherheit
eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht
des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht
beeinträchtigt werden."
Brolin erklärt, die Interpretation des Zweiten Zusatzartikels durch die NRA "ist schlichtweg falsch. Die
Gerichte vertreten die Auffassung, daß der Zweite
Zusatzartikel nicht das Recht des einzelnen auf
Waffenbesitz schützt", erläuterte sie. "Kein Gesetz
zur Waffenkontrolle wurde je aufgrund des Zweiten
Zusatzartikels abgelehnt", fügte sie hinzu.
Auf die Frage, ob sie optimistisch bezüglich zusätzlicher Gesetze zur weiteren Einschränkung des
Waffenverkaufs in den Vereinigten Staaten sei,
antwortete Brolin, ihre Organisation sei bereits für
ein dem Repräsentantenhaus am 28. Februar
vorgelegtes, gemeinhin als Brady II bekanntes
Gesetz aktiv.
Im Fall ihrer Annahme würden zu den von diesen
Gesetzen verordneten Einschränkungen eine weitere
Verschärfung der Bestimmungen über den Waffenhandel, die Einführung von Waffenscheinen sowie
eine Sicherheitsausbildung für die Benutzung von
Schußwaffen gehören, erklärte sie. Ihre Organisation werde "unsere 400.000 Mitglieder im ganzen
Land zur Unterstützung von Brady II mobilisieren."
Einige Kongreßabgeordnete wollen jedoch weiter
gehen als Handgun Control Incorporated. Der
republikanische Senator John Chafee aus Rhode
Island hat beispielsweise einen Gesetzesvorschlag
über das Verbot sämtlicher Handfeuerwaffen in den
Vereinigten Staaten eingebracht mit dem Argument,
daß "82 Prozent aller Morde in den Vereinigten
Staaten mit Schußwaffen begangen werden".
Senator Pat Moynihan (Demokrat aus New York)
wiederum möchte das Problem durch eine starke
Steuererhöhung auf Munitionsverkäufe lösen, da
eine Beseitigung der schätzungsweise 214 Millionen
Waffen schwierig sei, während eine starke Verteuerung der Munition viel effektiver wäre.
Senator Bill Bradley (Demokrat aus New Jersey)
machte vergangene Woche den Vorschlag, sämtliche Waffenbesitzer sollten einen Ausweis mit Foto
mitführen müssen, wodurch bei einem Verbrechen
verwendete Waffen viel schneller aufgespürt werden
könnten als bisher.
Mittlerweile wurden vielerorts die Bestimmungen zur
Waffenkontrolle verschärft, ohne Maßnahmen der

Seite 2

Bundesregierung abzuwarten. In der Bundeshauptstadt Washington beispielsweise ist Privatpersonen
der Besitz von Schußwaffen verboten.
Diese Schritte bedeuten dem konservativen Kommentator Charles Krauthammer zufolge, daß die
Amerikaner im Hinblick auf Schußwaffen Taten
wünschen. Im Zusammenhang mit der Annahme des
Gesetzes über halbautomatische Waffen im Repräsentantenhaus wies Krauthammer darauf hin, daß
eine ähnliche Aktion vor einiger Zeit wegen 70
fehlender Stimmen scheiterte.
Dieses Mal, erklärte er, stimmten sogar überzeugte
Konservative wie der republikanische Kongreßabgeordnete aus Illinois, Henry Hyde, für diese Maßnahme. Mehrere Abgeordnete aus ländlichen Gebieten,
die aufgrund der niedrigen Verbrechensrate in ihren
Wahlkreisen eine Schußwaffenkontrolle ablehnten,
gaben jetzt angesichts des Schußwaffenproblems in
den Städten ihre Stimme für diese Maßnahme ab.
"Das ist das beginnende Ende der Waffenmanie",
stellte Krauthammer in seiner Kolumne fest.
Richard Kohn, Historiker und Experte für den Zweiten
Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung an der
University of North California, verweist darauf, daß
die Haltung der USA gegenüber Waffen im Unabhängigkeitskrieg und dem Geist der Westbewegung
verwurzelt ist. In einem Interview äußerte er: "Die
Vereinigten Staaten entstanden als eine revolutionäre
Gesellschaft, die eine übermächtige Regierung
fürchtete. Die Amerikaner hegten Mißtrauen gegenüber einer Gesellschaft, in der Waffenbesitz dem
Staat vorbehalten war."
"Der Zweite Zusatzartikel der Verfassung sollte
verhindern, daß die Zentralregierung die Macht zur
Zerstörung der Bürgerwehr der Bundesstaaten
erhält", fuhr Kohn fort. "Die Interpretation der Gerichte geht in diese Richtung, besagt jedoch nicht, daß
alle Bürger das Recht auf unkontrollierten Waffenbesitz haben", stellte er fest.
Das kulturelle Erbe des Landes ist ebenfalls ein die
Haltung gegenüber Waffen beeinflussender Faktor.
Während der Zeit der Siedler waren Waffen aufgrund
derweiten Entfernung von den Sicherheitskräften und
ihrer unregelmäßigen Verteilung im Land sowie für
die Jagd erforderlich.
Jack Greene, Historiker an der Johns Hopkins
University in Baltimore (Maryland) weist jedoch darauf
hin, daß die weitverbreitete Verfügbarkeit von Waffen
ein nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenes
Phänomen und nicht tief in der amerikanischen
Psyche verwurzelt ist.

AMERIKA DIENST 20

�In einem Interview äußerte er: "Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges waren die meisten Bürger nicht im Besitz von Waffen, obwohl sich
die Situation im 19. Jahrhundert durch die Ausdehnung des Landes nach Westen hin etwas veränderte. Der Süden hatte von jeher eine tolerantere
Haltung gegenüber dem Waffenbesitz. In den
dreißiger Jahren, als ich aufwuchs, besaßen vergleichsweise wenige Menschen Schußwaffen."
Kohn und Greene stimmen jedoch darin überein,
daß sich im stark verstädterten Amerika Ende des
*

AMERIKA DIENST 20

20. Jahrhunderts und angesichts einer im Vergleich
zu früheren Zeiten stark erhöhten Verbrechensrate
selbst die Einstellung derjenigen wandelt, die sich in
der Vergangenheit für einen einfachen Zugang zu
Waffen aussprachen - eine Entwicklung, mit der sich
Administration und Kongreß befassen.
Zusammenfassend stellte Kohn fest, daß die Amerikaner "sich große Sorgen über die Eskalation von
Waffen in unserer Gesellschaft machen und eine
Veränderung fordern".

* * * *

Seite 3

�LANDMINEN
25. Mai 1994

USA PLANEN MULTILATERALES REGIME
ZUR KONTROLLE VON LANDMINEN
Anhörung McNamaras im Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben eine "beschleunigte Überprüfung der Politik" zur
Entwicklung eines Vorschlags für ein multilaterales Regime zur Kontrolle von gegen lebende Ziele gerichteten
Landminen eingeleitet, erklärte Thomas McNamara, Stellvertretender Abteilungsleiter im Außenministerium für
politische und militärische Angelegenheiten.
Millionen bereits gelegter Landminen stellen "eine große Gefahr für die Zivilbevölkerung" dar, insbesondere
in den Entwicklungsländern, teilte McNamara dem Bewilligungsunterausschuß des Senats für auswärtige
Operationen am 13. Mai 1994 mit.
"Neben diesem tragischen, in Menschenleben zu zahlenden Preis verhindern nicht entschärfte Landminen die
Rückführung von Flüchtlingen sowie die wirtschaftliche Entwicklung und stellen eine andauernde Gefahr für
die politische Stabilität dar."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Eingangserklärung McNamaras vor dem
Unterausschuß.

*

Herr Vorsitzender, zunächst einmal möchte ich Ihnen
für die Gelegenheit danken, über die Bestrebungen
der Administration zur Lösung des Problems zu
sprechen, das unter unschuldigen Zivilisten einen
schrecklichen Tribut fordert: Der unverantwortliche
Einsatz von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen. Ich weiß, Herr Vorsitzender, daß Sie sich für
diese Sache stark engagieren. Obwohl wir bereits
in den achtziger Jahren diesbezügliche Anstrengungen unternommen haben, waren Ihr Weitblick und
Ihre Führungsqualitäten unerläßlich, um dieser
Angelegenheit die ihr zukommende Aufmerksamkeit
zu widmen. Die Administration ist ebenso engagiert
wie Sie, und wir bemühen uns energisch um eine
Beendigung dieser menschlichen Tragödie.

Unser Ansatz zur Lösung des Problems von Landminen basiert auf zwei grundlegenden Tatsachen.
Erstens der Unmittelbarkeit des Problems. Landminen fordern jede Woche Hunderte von Todesopfern.
Aus diesem Grund wollen wir dringend Lösungen
finden, die in naher Zukunft Wirkung zeitigen.
Zweitens der Komplexität des Problems. Sie führt
dazu, daß ein einziger Ansatz zu seiner Lösung nicht
ausreicht. Folglich haben wir eine umfassende,
vierteilige Strategie entwickelt, um die vielfältigen
Facetten des Problems anzusprechen. Ich möchte
unseren Ansatz vorstellen.

Es gibt mehrere Millionen noch gelegter, gegen
lebende Ziele gerichteter Landminen. Sie werden
noch jahrelang eine große Gefahr für die Zivilbevölkerung darstellen, vor allem in den Entwicklungsländern, in denen die Zivilbevölkerung besonders
verletzlich ist. Neben diesem tragischen, in Menschenleben zu zahlenden Preis verhindern nicht
entschärfte Landminen die Rückführung von Flüchtlingen sowie die wirtschaftliche Entwicklung und
stellen eine andauernde Gefahr für die politische
Stabilität dar. Somit sind Landminen in vielen

Der erste Teil umfaßt unsere Initiativen zur Entschärfung der Minen. Er richtet sich auf die Landminen, die bereits gelegt wurden und jeden Tag unschuldige Zivilisten gefährden. Wir nehmen zur Zeit
an laufenden Hilfsprogrammen zur Entschärfung von
Minen in Kambodscha, Afghanistan, Nicaragua und
Mosambik teil und unterstützen entsprechende
Bestrebungen in Eritrea, Äthiopien, Honduras und
Costa Rica. In Angola, Somalia, Ruanda und Liberia
bestehen ebenfalls bedeutende Probleme, die fortdauernden Unruhen in diesen Ländern haben aber

AMERIKA DIENST 20

Regionen der Welt ein bedeutendes Hindernis bei der
Erreichung unserer außenpolitischen Ziele.

Seite 1

�bisher eine detaillierte Planung und Umsetzung
unserer Hilfsprogramme verhindert. Wir hoffen, bis
Ende 1994 in mindestens sechs weiteren Ländern
unsere Beurteilungen darüber abgeschlossen zu
haben, wo Landminen ein ernstes Problem darstellen. Ich möchte darauf hinweisen, daß diese
Staaten zusammengenommen einen großen Prozentsatz der Länder ausmachen, die Schätzungen
über die Verbreitung von Landminen zufolge diese
Krise herbeiführten. Ich versichere Ihnen, daß wir
uns um die Lösung der schwierigsten Fälle bemühen.
Diese Aktivitäten kommen uns bei unseren Bestrebungen zu Hilfe, die örtliche Bevölkerung über den
optimalen Umgang mit Landminen bis zu ihrer
endgültigen Beseitigung zu unterrichten. Ferner
fördern sie in den betroffenen Ländern die Ausbildung in effektiven, sicheren Techniken zur Entschärfung. In diesem Zusammenhang, Herr Vorsitzender, möchte ich darauf verweisen, daß unsere
diesjährigen Leistungen auf diesem Gebiet direkt auf
Ihre Unterstützung in Form einer Zuweisung von 10
Millionen Dollar im Finanzjahr 1994 an das Verteidigungsministerium zurückzuführen sind.
Das Programm "Ausbildung der Ausbilder" soll von
Landminen geplagten Ländern die Fähigkeit zur
Lösung des Problems aus eigener Kraft vermitteln.
Angesichts moderner Technologie ist das der
kostengünstigste Weg zur Lösung des Problems und
für diese Länder die einzige Möglichkeit, die zur
Entschärfung der Minen erforderliche Zahl von
Menschen einzusetzen.
Herr Senator, ich freue mich, Ihnen heute mitteilen
zu können, daß die Vereinigten Staaten für Ende
dieses Jahres oder Anfang des kommenden die
Veranstaltung einer Konferenz möglicher Geberländer planen - ein Beweis dafür, welch große Bedeutung unsere Regierung dem Problem der Landminen
beimißt. Unseres Erachtens wird eine solche
Konferenz die Aufmerksamkeit der Welt verschärft
auf das Problem lenken und eine Vielzahl von
Staaten - und ihre zusätzlichen Ressourcen - in die
weltweiten Bestrebungen zur Beseitigung von
Landminen einbringen.
Dies ist zwar ein Anfang, reicht aber nicht aus.
Angesichts der derzeitigen Technologie und Ressourcen schätzen wir, daß es mehrere Jahrzehnte
dauern wird, alle derzeit verlegten Minen zu entsorgen. Aus diesem Grund schließen das Außen- und
das Verteidigungsministerium einen Forschungsplan
zur Entwicklung von Technologien ab, die den
betroffenen Nationen beim Aufspüren und der
Beseitigung von Landminen behilflich sind. Um

Seite 2

unsere Minenentschärfungsprogramme fortzusetzen,
haben wir für das Haushaltsjahr 1995 zusätzliche
Hilfsgelder beantragt.
Der zweite Teil unserer Gesamtstrategie besteht in
der Stärkung der Konvention über konventionelle
Waffen (Convention on Conventional Weapons CCW), insbesondere von Protokoll II, das den Einsatz
von Landminen regelt. Der Präsident hat die Konvention gestern dem Senat zur Beratung und Zustimmung zur Ratifizierung übermittelt. Dank dessen
können wir Druck auf maßgebliche Verbesserungen
des Protokolls über Landminen ausüben, damit es bei
internationalen Konflikten Anwendung findet, die
Forderung enthält, daß alle Minen einen beträchtlichen metallischen Anteil haben und bestimmte
Minen sich selbst entschärfen.
Der dritte Teil unserer Strategie ist der Appell an alle
Länder, die Landminen herstellen und/oder exportieren, Moratorien für den Transfer von Landminen zu
verhängen. Im Dezember vergangenen Jahres
verabschiedete die UN-Generalversammlung die von
Ihnen im Namen der Vereinigten Staaten vorgelegte
Resolution einstimmig, die ein Moratorium für den
Export von ein gravierendes Risiko für Zivilisten
darstellenden Landminen fordert. Wie haben ernsthafte Bestrebungen in die Wege geleitet, die betreffenden Länder zur Unterstützung der UN-Resolution
mit konkreten Maßnahmen zu veranlassen. Acht
weitere Länder haben ihrerseits bereits Moratorien
verhängt, und mehrere andere haben uns erklärt, sie
hätten Kontrollsysteme eingeführt, die Moratorien
gleichbedeutend sind. Obwohl wir der Ansicht sind,
daß noch weitere Länder Moratorien verhängen
werden, reicht dies nicht aus. Wir werden die anderen weiterhin auf eine Reaktion drängen.
Unilaterale Exportmoratorien sind eine nützliche
Maßnahme. Sie sind jedoch nur zeitlich befristet.
Wir sehen sie als Bindeglied zum vierten Teil unserer
Strategie:
Der Schaffung eines dauerhafteren
internationalen Kontrollmechanismus. Die Leichtigkeit, mit der Landminen verlegt werden können und
die damit einhergehenden außerordentlich niedrigen
Kosten gebieten zusammen mit der Schwierigkeit und
den enormen Kosten der Aufspürung und Entfernung
der Minen verstärkte Präventivmaßnahmen als hohe
Priorität unseres Gesamtansatzes. Aus diesem
Grund hat die Administration eine beschleunigte
Überprüfung der Politik eingeleitet, um den Vorschlag
für ein multilaterales Kontrollregime für gegen lebende Ziele gerichtete Landminen zu erarbeiten. Wir
überprüfen rigoros und systematisch ein breites
Spektrum von Optionen. Obwohl wir noch keine
Entscheidungen getroffen haben, ist unser Ansatz
von mehreren Grundprinzipien geleitet.

AMERIKA DIENST 20

�Erstens ist die Crux des Problems das Fehlverhalten
der Zivilisten in der Dritten Welt. Landminen sind
zur Waffe der Wahl vieler Entwicklungsländer
geworden, wo sie bei Unruhen häufig gegen Zivilisten eingesetzt werden.
Zweitens müssen wir eine Reihe von Faktoren
abwägen, um ein Regime zu erzielen, das tatsächlich Leben und Gliedmaßen rettet. Zweifelsohne
wollen wir keine Gefahren hinterlassen, die eine
andauernde Bedrohung für Zivilisten darstellen,
wenn die Kampfhandlungen eingestellt wurden.
Gleichzeitig würde es keinen Sinn ergeben, eine
Lösung zum Landminenproblem zu verfolgen, die
das Risiko für unsere Männer und Frauen in Uniform
erhöht. Zur Zeit müssen sie auf Landminen als
Schutz und zur Verwirklichung der nationalen
Sicherheitsziele in unterschiedlichen Kampfsituationen zurückgreifen, wie etwa der entmilitarisierten
Zone zwischen Nord- und Südkorea.
Drittens könnten einige wünschenswerte Aspekte
des Regimes nicht verhandelbar sein. Da ein
Großteil des Problems aus dem unverantwortlichen
Einsatz der Minen durch diejenigen herrührt, die
keine Rücksicht auf die Sicherheit der Nichtkombattanten nehmen, wollen wir den Ländern, deren
Verhalten wir einzudämmen versuchen, keine
Entschuldigung geben, dem Regime nicht beizutreten. Wir wollen auch einen Verhandlungsprozeß
verhindern, der Jahre benötigt, um Ergebnisse
hervorzubringen. Je länger die Erlangung eines
Abkommens dauert, das etwas bewirkt, desto mehr
unschuldige Zivilisten werden leiden.
Wir wollen, daß unsere Vorschläge von praktischen
Gesichtspunkten geleitet sind. Dies ist der klassische Fall, bei dem das Beste der Feind des Guten
sein könnte. Wir sollten nicht von Anfang an die
Schaffung eines Regimes erwarten, das nicht mit der

*

AMERIKA DIENST 20

*

Zeit zu Verbesserungen und Verfeinerungen fähig ist.
Von höchster Bedeutung ist jetzt, das Regime zu
formulieren und umzusetzen. In diesem Zusammenhang sind unsere Erfahrungen mit dem Raketentechnologie-Kontrollregime (Missile Technology
Control Regime - MTCR) nützlich. Die heute durchgeführten Kontrollen sind sehr viel schärfer als bei
der Einführung des MTCR.
Mit anderen Worten, ein internationales Kontrollregime kann unseres Erachtens bei der Milderung
des durch Landminen verursachten menschlichen
Leidens äußerst nützlich sein. Die Administration hat
sich der Erlangung des erforderlichen internationalen
Konsenses in möglichst kurzer Zeit verschrieben. Wir
legen bereits den Grundstock bei unseren Gesprächen mit den wichtigsten Ländern.
Abschließend möchte ich feststellen, daß seit Beginn
dieser Anhörung aufgrund von Landminen zwei
weitere Opfer zu beklagen waren. Dies unterstreicht
nicht nur den Ernst des Problems, sondern auch
seine Dringlichkeit. Ich möchte das Engagement der
Administration zur Bewältigung dieses Problems in
einem Zeitrahmen unterstreichen, der für die Millionen von Bedeutung ist, die jeden Tag mit diesem
Problem leben und sterben.
Herr Vorsitzender, in diesem Zusammenhang möchte
ich die von Ihnen in den vergangenen fünf Jahren
übernommene Führungsrolle bei der Schaffung und
Finanzierung des Fonds für Kriegsopfer würdigen.
Dieser zur Unterstützung von zivilen Opfern von
Konflikten - vornehmlich Opfern von Landminen verwendete Fonds hat in Afrika, Asien und Lateinamerika viel Gutes getan. In gewisser Weise könnte
er als fünfter Teil einer umfassenden amerikanischen
Strategie zur Reaktion auf diese menschliche Tragödie bezeichnet werden, die durch den willkürlichen
Einsatz von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen verursacht wurde.

*

*

Seite 3

�USI A
25. Mai 1994

FULTON WIRD DIREKTOR DES NEUEN
INFORMATIONSBÜROS IM US-INFORMATIONSAMT
Ankündigung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Das Pressebüro des Weißen Hauses gab ab 19. Mai 1994 die Ernennung von Barry
Fulton zum Direktor des neuen Informationsbüros im US-Informationsamt (United States Information Agency USIA) durch Präsident Clinton bekannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Ankündigung.

Der Präsident gab heute seine Absicht bekannt,
Barry Fulton zum Direktor des neuen Informationsbüros im US-Informationsamt zu ernennen.

Fulton ist seit 1968 im Auswärtigen Dienst des USInformationsamts tätig und hat den Rang GesandterBotschaftsrat. Seit Dezember 1991 war er Stellvertretender Direktor des Büros für Bildung und Kultur

"Ich freue mich, Barry Fulton zum ersten Direktor
dieses neuen Büros ernennen zu können", äußerte
der Präsident. "Er wirkte entscheidend an der
Entwicklung des neuen Informationsbüros mit und
verfügt über ausgezeichnete Qualifikationen, um in
einer sich wandelnden Welt neue Wege für die
Informationsprogramme von USIA zu weisen."

und seit August 1992 sein amtierender Direktor. Zu

Fulton wird für die Leitung und Verwaltung des
neuen Informationsbüros verantwortlich sein, das
verschiedene, bereits bestehende Elemente des
Büros für Politik und Programme sowie des Büros
für Bildung und Kultur miteinander verbindet. Das
Informationsbüro verbreitet Informationen über die
Vereinigten Staaten - ihre Bürger, Institutionen,
Werte und Regierung.

seinen Posten in Übersee zählen Islamabad und
Karatschi, Tokio, Rom und Brüssel. Seine letzte
Position im Ausland war die eines Beraters für
Öffentlichkeitsarbeit in der NATO-Mission der Vereinigten Staaten. Davor war er als Chef für Ressourcen und Operationsanalysen sowie als Personalchef der Angehörigen des Auswärtigen Dienstes
für USIA in Washington tätig.
Fulton unterrichtete zeitweise an der American
University, der Pennsylvania State University, der
University of Illinois, der University of Maryland und
dem San Antonio College. Vor Aufnahme seiner
Tätigkeit für USIA war er Direktor der Rundfunk- und
Fernsehanstalt für die in der Türkei stationierten
amerikanischen Streitkräfte. Fulton erwarb an der
Pennsylvania State University den Grad eines Bachelor of Science sowie eines Master of Arts und promovierte an der University of Illinois.

* * * *

AMERIKA DIENST 20

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Seite 1

�JACQUELINE

KENNEDY

ONASSIS
25. Mai 1994

ZUM TODE DER PRÄSIDENTENWITWE
Ein Porträt
WASHINGTON - (AD) - Wir wußten, daß selbst
Jacqueline Kennedy Onassis eines Tages alt werden
und wie wir alle aus diesem Leben scheiden würde.
Aber in unserem Herzen weigerten wir uns, es zu
glauben.
Für eine ganze Generation, die John Kennedys
Camelot - Jackie, wie sie Millionen bekannt war nicht vergessen können und wollen, wird sie für
immer jung und ein ewiges Symbol einer besonderen Zeit im Leben dieser Nation sein, als alles
möglich schien und die Hoffnung grenzenlos war.
Für diejenigen unter uns, die die Kennedy-Jahre
miterlebten, brachte die Nachricht von ihrem Tod am
19. Mai 1994 alle Erinnerungen zurück - Jackie mit
ihrer Familie und Freunden beim Segeln vor Cape
Cod und beim Tennis in Hyannis Port, ihre blendenden Auftritte im Weißen Haus bei Staatsempfängen,
ihre stille Würde am Arlington National Cemetery mit
John Jr. und Caroline an ihrer Seite, als die Nation
ihrem jüngsten Präsidenten Lebewohl sagte.
Das Fernsehen wurde während der Kennedy-Präsidentschaft populär. Zum ersten Mal in der Geschichte sah die Nation das Präsidentenpaar aus der
Nähe - sowohl bei offiziellen als auch inoffiziellen
Anlässen - für alle Zeiten festgehalten, zumeist auf
körnigem Schwarzweißfilm. Dies macht die Erinnerung unweigerlich noch lebhafter - die Ereignisse
scheinen soviel realistischer.
Aber das Gefühl des Verlusts bei der Nachricht vom
Tode dieser bemerkenswerten Frau ging noch tiefer.
Die Anziehungskraft von Jacqueline Kennedy
Onassis und John Kennedy war sehr viel stärker als
die Schaffung eines Images durch die Macht des
Fernsehens, ging weit über Zauber und Stil hinaus,
war im wesentlichen losgelöst von unserer Trauer
bei der Tragödie einer Amtszeit, die durch einen
Mord frühzeitig beendet wurde.
Jacqueline Kennedy Onassis und John Kennedy
schienen etwas im tiefstem Inneren von uns allen
anzurühren - Amerikanern und Nichtamerikanern
gleichermaßen. Sie stellten einen Bruch mit dem

AMERIKA DIENST 20

Bedauern der Vergangenheit dar, sie schienen die
Unruhe und Rastlosigkeit einer Nachkriegsgeneration
zu verkörpern, die nach der tieferen Bedeutung des
Lebens und höherer Leistung in der Staatskunst
strebte. Sie steckten ihre Ziele so hoch. Die Enttäuschungen, die sie im privaten wie im öffentlichen
Bereich erlitten, schienen die von uns allen gefühlte
Frustration widerzuspiegeln, wenn wir unsere Fähigkeiten erweitern und unsere Besorgnis vertiefen.
Niemand war sich ihrer Anziehungskraft besser
bewußt als John Kennedy. Überall auf der Welt
wollten die Menschen etwas über Jackie und John
wissen. Bei einem Staatsbesuch in Frankreich sagte
der Präsident geistreich: "Ich bin der Mann, der
Jacqueline Kennedy nach Paris begleitet hat." Aber
auch Jackie besaß Humor, wenn auch etwas tiefgründiger. Auf die Frage, welche Art von Musik ihr
Mann gerne hörte, erwiderte sie: "Spielen Sie nur
immer wieder 'Hail to the Chief."
Sie war eine leidenschaftliche Anhängerin der Kunst
und des Denkmalschutzes. Das Weiße Haus veränderte sein Gesicht nach ihrem Einzug, und Washington wurde eine andere Stadt. Bald waren
Dichter wie Carl Sandburg und Komponisten wie Igor
Strawinsky ebenso willkommen wie die herausragendsten ausländischen Staatsoberhäupter und die
wichtigsten Kongreßabgeordneten. Die Amerikaner
gewannen nicht nur durch ihre Regierung, sondern
auch durch das Engagement ihrer Nation für Kultur
an Stolz.
Obwohl unsere Erinnerung an sie immer mit den drei
unglaublichen Jahren verbunden sein wird, in denen
sie die First Lady war, blieb Jacqueline Kennedy
Onassis auch in den Jahren nach Dallas in unserem
Gedächtnis haften. Die Öffentlichkeit war in gewisser
Weise enttäuscht, als sie 1968 den griechischen
Schiffsmagnaten Aristoteles Onassis heiratete, zeigte
jedoch auch Verständnis, daß diese Frau viel durchlitten hatte und ihren eigenen persönlichen Frieden
suchte.
Als sie Mitte der siebziger Jahre in die Vereinigten
Staaten zurückkehrte, wurde sie Lektorin bei einem

Seite 1

�Verlag und zog sich in New York in das Leben einer
Berufstätigen und Mutter zurück. Ihre Aufopferung
für ihre Kinder - und deren Privatsphäre - war legendär. Sie sagte einmal: "Wenn man die Erziehung
seiner Kinder verpfuscht, zählt alles andere, was
man tut, nicht mehr viel." Ein Freund stellte fest:
"Ihre Kinder waren immer der Mittelpunkt ihrer Welt."
In den Jahren nach Washington äußerte sie sich
selten in der Öffentlichkeit. Sie behielt ihre Gefühle
für die Menschen und Ereignisse in ihrem Leben für
sich und vertraute sich vielleicht ein paar engen
Freunden an. Wir wissen wenig von ihrem persönlichen Leid oder der Grundlage ihrer inneren Stärke.
Im Januar wurde bei Jacqueline Kennedy Onassis
Krebs diagnostiziert. In den vergangen Wochen
wurde die Prognose düster. Einen letzten Blick von
ihr erheischten wir am vergangenen Wochenende,

*

Seite 2

als sie zum letzten Mal durch ihren geliebten Central
Park spazierte. Als sie in der vergangenen Nacht
verstarb, waren ihre beiden Kinder bei ihr. Draußen
fiel ein leichter Regen als sich die Menschen versammelten, um ihr die letzte Ehre zu erweisen.
Ihr Schwager, Senator Edward Kennedy, sagte:
"Jackie war 40 wundervolle und unvergeßliche Jahre
lang ein Teil unserer Familie und unseres Lebens,
und sie wird uns nie verlassen."
Ohne Zweifel kann man hinzufügen, daß sie auch
stets in der Erinnerung unserer Nation lebendig sein
wird. Amerika trauert nicht nur um eine starke und
mutige Frau, sondern auch um ein lebenswichtiges
Bindeglied zur Vergangenheit, das niemals verloren
sein wird. Henry Allen von der Washington Post
schrieb: "Sie war still. Sie war schön. Sie war
unser, und sie war wir."

* * *

*

AMERIKA DIENST 20

�FUSSBALL
25. Mai 1994

DIE AUSTRAGUNGSORTE DES WORLD CUP 1994
Neun amerikanische Städte im Porträt (II)
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend setzen wir die Porträts der Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft 1994 mit den Städten New York/New Jersey, Orlando, San Francisco und Washington fort.

NEW

YORK/NEW

JERSEY

New York City, auch "Big Apple" genannt, ist als
Veranstaltungsort für Spiele der Fußballweltmeisterschaft geradezu prädestiniert. Schließlich war es
hier, wo die berühmteste Mannschaft der Vereinigten
Staaten, Cosmos, hochklassigen Profifußball in den
Vereinigten Staaten salonfähig machte und bei der
amerikanischen Jugend das Interesse für diesen
Sport weckte.
Die Weltmeisterschaftsspiele werden im 76.000
Sitzplätze bietenden Giants Stadium in East Rutherford (New Jersey), rund 15 Kilometer westlich
von Mannhattan stattfinden. Das Stadion ist die
Heimat von zwei American Football-Profiteams, den
Giants und den Jets, und gehört zu einem riesigen
Sportkomplex, in dem auch die New Jersey Devils
(Eishockey) und die New Jersey Nets (Basketball)
ihre Heimspiele absolvieren.
Das Gebiet von New York City wurde Anfang des
17. Jahrhunderts zunächst von Holländern besiedelt.
Der Legende nach erwarben holländische Kaufleute
Mannhattan im Jahr 1624 von dem örtlichen Indianerstamm für Tand im Wert von 24 Dollar. Ob
zutreffend oder nicht, seither wird auf der Insel mit
Geld, Land oder wertlosem Plunder gehandelt.
Als England das Gebiet 1664 in Besitz nahm, war
New York bereits ein pulsierender Handelshafen.
Heute ist es das Finanzzentrum und die größte Stadt
der Vereinigten Staaten. Die Bevölkerungszahl von
New York/New Jersey mit ihren Vororten erreicht 18
Millionen.
Aufgrund von Größe, Einfluß und Geschichte besitzt
New York in der Psyche Amerikas einen einzigartigen Stellenwert. Keine andere Stadt kann es an
Vielfalt, Kulturleben, Wohlstand oder Schamlosigkeit
mit ihr aufnehmen. Nirgends sonst stößt man auf
soviele Widersprüche, eine solch einmalig gemischte

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Gesellschaft, soviel Humor, Hybris und Egozentrik.
Es wird als ehernes Gesetz hingenommen, was
Frank Sinatra in seinem berühmten Lied über New
York zum Ausdruck brachte, als er sang: "If I can
make it there, I can make it anywhere. It's up to you.
New York, New York."
New York ist zu Recht stolz auf seine großen Kulturinstitutionen: Der Broadway - das bedeutendste
Theaterviertel des Landes -, das Metropolitan Museum of Art, das Museum of Modern Art, das Natural
History Museum, die Carnegie Hall, das Lincoln
Center for the Performing Arts und viele andere
exzellente Museen, Theater und Galerien.
New York ist darüber hinaus eine Stadt der Parks
und charakteristischen Stadtviertel. Der 340 Hektar
große Central Park trennt die Upper East von der
Upper West Side Manhattans.
Er beherbergt
Sportplätze, angelegte Gärten, einen See, Spielplätze, einen Zoo, Waldwege, ein Karussel und eine
Schiittschubahn. Die Freiheitsstatue, ein Geschenk
des französischen Volkes zur Erinnerung an die
Erringung der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten, ist ebenso wie Ellis Island, das für viele Einwanderer zum Tor nach Amerika wurde, nach einer
kurzen Fahrt mit der Fähre zu erreichen.
Wer Manhattan erforschen möchte, sollte vielleicht
Greenwich Village ins Auge fassen, ein Viertel mit
interessanten Geschäften und Cafös, in dem die
Beat-Generation ihre Blütezeit erlebte und wo Jazz-,
Dichter- und Schachclubs auch heute noch ihr
Publikum finden. Soho ist eine schicke und arrivierte
Künstlergemeinde, die Radio City Music Hall ist
berühmt wegen ihrer Live-Shows mit den langbeinigen Rockettes. Einen Besuch wert sind auch Chinatown und das benachbarte Little Italy, Viertel, die für
ihr besonderes Ambiente und die zahlreichen Restaurants bekannt sind. Am nördlichen Ende des Central
Park liegt Hartem, das berühmteste afroamerikani-

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�sehe Stadtviertel der Vereinigten Staaten und Zentrum schwarzen Wirtschafts- und Kulturlebens.
Die Metropole New York erstreckt sich bis weit nach
New Jersey hinein, das wiederum seinen eigenen
Charakter besitzt. Sein Rückgrat bilden eine Reihe
von ethnisch gemischten Industriestädten. Es ist
vielleicht kein Zufall, daß eine dieser Städte, Kearny,
die Heimat von drei der besten Spieler im amerikanischen Fußballteam ist: Torwart Tony Meola und der
Mittelfeldspieler John Harkes und Tab Ramos.
New Jersey ist auch für seine Seebäder bekannt.
Praktisch die gesamte Küste besteht aus Sandstränden, von denen jeder ein etwas anderes Publikum anzieht. Etwa zwei Drittel des Weges an der
Küste entlang liegt Atlantic City, die glitzernde Metropole des Glücksspiels, die lediglich von Las Vegas
übertroffen wird.
Weitere Informationen können angefordert werden
bei: New York Convention and Visitor's Bureau, 2
Columbus Circle, New York, New York, 10019;
Telefon: 212-484-1244.
ORLANDO
Es ist historisch überliefert, daß der spanische
Forschungsreisende Ponce de Leon, der 1513 als
erster Europäer Florida erkundete, einen sagenhaften "Jungbrunnen" zu finden hoffte. Heute
strömen Jahr für Jahr Millionen Besucher auf der
Suche nach anderen Phantasiegebilden in den
Staat, und keine andere Stadt wird dabei mehr
frequentiert als Orlando, der Standort des berühmtesten Vergnügungsparks der Welt - Walt Disney
World.
Orlando liegt etwa 170 Kilometer östlich des Golfs
von Mexiko, 90 Kilometer westlich vom Kennedy
Space Center und Cape Canaveral, wo die NASA
ihre Raumfähren startet, und 380 Kilometer nördlich
von Miami, Floridas größter Stadt.
Obwohl die Vereinigten Staaten bereits 1821 die
Kontrolle über Florida erlangten, dauerte es noch 20
weitere Jahre, bis Siedler zu dem ursprünglich
Jernigan genannten Ort vordrangen. Im Jahr 1857
wurde die Stadt zu Ehren des Soldaten Orlando
Reeves umbenannt, der in den Kriegen gegen den
Indianerstamm der Seminolen gefallen war. Bis
1880 war die Eisenbahnlinie der South Florida
Railroad über Orlando nach Tampa an Floridas
Westküste vorgedrungen.
Als die Bundesregierung in den fünfziger Jahren
ihren Raumfahrtkomplex in Cape Canaveral grün-

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dete, war Orlando immer noch eine schläfrige, von
Orangen- und Grapefruitplantagen umgebene Stadt.
Das veränderte sich schlagartig, als die Walt Disney
Company 1971 einen Themenpark dort eröffnete.
Orlando ist heute eine der am schnellsten wachsenden Städte in den Vereinigten Staaten. Mit
Vororten zählt Orlando über eine Million Einwohner,
und allein im Jahr 1992 kamen über 15 Millionen
Besucher dorthin. Obwohl der Tourismus der
Haupterwerbszweig der Region ist, haben auch
Unternehmen wie der Rüstungskonzern Martin
Marietta, der amerikanische Automobilclub American
Automobile Association, AT&amp;T, Westinghouse und
Alfa Romeo dort ihren Sitz. Darüber hinaus ist
Orlando nach wie vor das Zentrum für Anbau und
Verarbeitung von Zitrusfrüchten in Mittelflorida.
Neben dem 11.300 Hektar großen Vergnügungspark
von Walt Disney World befinden sich im Raum von
Orlando noch der Themenpark der Universal Studios,
die Sea World of Florida, mehrere Wassersportparks,
der Einkaufs- und Unterhaltungskomplex Church
Street Station sowie Gatorland, die größte Alligatorenfarm Floridas. Orlando bietet darüber hinaus ein
Symphonieorchester, Oper- und Ballettruppen,
Kunstgalerien und Museen. In den zahlreichen
botanischen Gärten blühen das ganze Jahr über
Blumen und tropische Pflanzen.
Weniger als einen Kilometer vom Stadtzentrum
entfernt befindet sich das 70.000 Sitzplätze bietende
Citrus-Bowl-Stadion, in dem Spiele der Fußballweltmeisterschaft ausgetragen werden. Obwohl
Orlando im internationalen Fußball noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt ist, hat die Stadt in der
Vergangenheit bereits amerikanische Collegefußballspiele ausgerichtet, und ein nationales Trainingszentrum für amerikanische Nationalmannschaften befindet sich im nahegelegenen Seminole
County.
Orlando ist die Heimat des Profibasketballteams
"Magic". An weiteren Sportarten sind unter anderem
Angeln, Bootssport, Tennis und sogar Eishockey
vertreten.
Sollte ein Besucher auf die Idee kommen, es gebe in
Orlando immer noch zuwenig Abwechslung, so findet
er eine Autostunde entfernt Silver Springs, das
berühmt ist für seine Fahrten mit dem Glasbodenboot
und "Dschungel"-kreuzfahrten, Weeki Wachee, wo
"echte" Meerjungfrauen Unterwassershows vorführen
oder das Kennedy Space Center mit seinem Raumfahrtmuseum.
Weitere Informationen über Orlando sind erhältlich
bei: Orlando/Orange County Convention &amp; Visitors

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�Bureau, Inc., 7208 Sand Lake Road, Suite 300,
Orlando, Florida 32819; Telefon: 407-363-5800;
Telefax: 407-363-5899; Telex: 4977247.

SAN

San Francisco ist überraschend kompakt. Viele
seiner Hauptattraktionen befinden sich nur einen
Spaziergang voneinander entfernt. Das preisgünstige
und bequeme öffentliche Nahverkehrsnetz umfaßt
Cable Cars, Busse und Straßenbahnen.

FRANCISCO

"I left my heart in San Francisco", schmachtet der
Sänger Tony Bennett in einer bekannten Ode an
diese Stadt an der Bucht. Jeder, der San Francisco
schon einmal besucht hat, kann nachfühlen, warum.
Auf einer vom Pazifik und der San Francisco Bay
umspülten Halbinsel gelegen, nimmt die Stadt einen
der lanschafllich malerischsten Plätze des ganzen
Landes ein.
Die berühmteste Attraktion der Stadt ist die Golden
Gate Bridge, von wo man beobachten kann, wie der
Nebel vom Pazifik in die San Francisco Bay hineinströmt. Fast ebenso berühmt sind die Cable Cars,
die die steilen Hügel von San Francisco herauf- und
hinunterfahren. Aufgrund der kühlen Sommer und
milden Winter blühen das ganze Jahr über Blumen.
Gärten - von traditionellen englischen bis zu strengen japanischen - sind überall anzutreffen.
Seit Jahren besitzt San Francisco mit den "FortyNiners" - so benannt nach dem Jahr 1849, als durch
den Goldrausch angezogene Siedler nach San
Francisco kamen - eine der besten Profi-Footballmannschaften der USA. Darüber hinaus ist die
Stadt Heimat des Baseballteams der Giants und der
Basketballmannschaft Golden State Warriors. Im
nahegelegenen Oakland ist ein weiteres Baseballteam, die Athletics, vertreten; im südlich nahe dem
Silicon Valley (dem Zentrum der amerikanischen
Computerindustrie) gelegenen San Jose spielt die
Profi-Eishockeymannschaft der Sharks.

Der zum Gedenken an Mitglieder der freiwilligen
Feuerwehr des 19. Jahrhunderts errichtete 64 Meter
hohe Coit Memorial Tower auf dem Telegraph Hill
bietet den besten Überblick über die verschiedenen
Stadtviertel. Zu den meistbesuchten Orten gehört
Fisherman's Wharf, wo Fischerboote vor den zahlreichen Restaurants festmachen, die ihre Spezialitäten
aus der Überfülle des Pazifiks beziehen. Von dort
kann man sich zur Insel Alcatraz übersetzen lassen
und das berühmte - und ausbruchssichere - ehemalige Bundesgefängnis besuchen, wo einst Gangster
wie AI Capone und "Machine Gun" Kelly einsaßen.
In der Nähe der Whart befinden sich die Cannery und
der Ghirardelli Square, beides pittoreske Komplexe
mit Galerien, Geschäften und Restaurants, die in
einer alten Obstpackerei bzw. einer ehemaligen
Schokoladenfabrik untergebracht sind.
Die berühmteste Grünanlage San Franciscos ist der
Golden Gate Park, ein bewaldetes Gelände mit Seen,
Gärten und malerischen Fahrwegen, der sich vom
Pazifik sechs Kilometer landeinwärts erstreckt. Der
Park, in dem seit den sechziger Jahren viele Rockkonzerte stattfanden, bietet ferner ein Kunstmuseum,
Aquarium, Planetarium, Promenadenkonzerte und
einen japanischen Teegarten. Der Presidio, ein
ehemaliges Militärgelände und heute ein hoch über
dem Ozean nahe der Golden Gate Bridge gelegener
Park, eröffnet auf malerischen Nebenstraßen Aussichten auf den Ozean und die Bucht.

Der Fußball besitzt in der Region, wie in ganz
Kalifornien, eine starke Anhängerschaft. Die Weltmeisterschaftsspiele werden an der Stanford University im 40 Kilometer südlich gelegenen Palo Alto
stattfinden.

San Francisco ist seit langem das Finanz-, Wirtschafts- und Kulturzentrum Nordkaliforniens. Die
darstellenden Künste werden angeführt vom Symphonieorchester der Stadt und einer Oper von
Weltformat.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche
Theater und eine sehr aktive Musikszene.

San Francisco wurde 1776 von den Spaniern
gegründet. Bekannt wurde die Stadt jedoch, als
1848 in der Nähe Gold gefunden wurde. Schiffe
voller Abenteurer aus jedem Winkel der Welt gaben
der Ansiedlung bereits in ihrer Frühzeit ein kosmopolitisches Flair, das sie nie mehr verlor. Chinesen,
Italiener, Russen, Japaner, Mexikaner - sie alle
tragen ihren Teil zu dem Völkergemisch dieser Stadt
bei. Das bekannteste Stadtviertel ist heute Chinatown, die größte Konzentration von chinesischen
Geschäften, Restaurants, Märkten, Wohnhäusern
und Tempeln außerhalb Asiens.

Bei Ausflügen in den Norden der Stadt sollte man
Sausalito oder Tiberon besuchen, die sich durch ihre
Geschäfte und Restaurants sowie die Aussicht auf
die Bucht auszeichnen. Ebenso zu empfehlen sind
eine Wanderung durch die 220 Hektar großen Muir
Woods mit ihren beeindruckenden riesigen Mammutbäumen oder ein Besuch bei einigen der über 200
Weingüter zwischen den sanften Hügeln der Täler
von Napa und Sonoma, wo einige der besten Weine
des Landes gekeltert werden. Eine der malerischsten
Fahrten in Amerika führt von San Francisco am
Pazifik entlang nach Süden, nach Monterey Bay,

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�Pebble Beach, Carmel und Big Sur - hoch auf den
Cliffs über dem Pazifik gelegen.
Die Region von San Francisco ist darüber hinaus
stolz auf ihre akademische Tradition mit nahegelegenen Universitäten wie Stanford und der University
of California at Berkeley, die zu den führenden der
USA gehören.
Weitere Informationen über San Francisco können
vom San Francisco Convention &amp; Visitors Bureau,
Visitor Information Center, P.O. Box 429097, San
Francisco, CA 94142-9097, Telefon: 415-391-2000,
angefordert werden.
WASHINGTON
Spiele der Fußballweltmeisterschaft '94 werden auch
in der Bundeshauptstadt Washington, D.C., ausgetragen, dem politischen Zentrum der Vereinigten
Staaten - und Schwerpunkt des Fußballsports in den
USA.
Jahr für Jahr kommen Millionen Besucher aus der
ganzen Welt, um Washington zu sehen, insbesondere die Gebäude an beiden Enden der Pennsylvania Avenue: das US-Kapitol, in dem der Kongreß
zusammentritt, und das Weiße Haus, Residenz und
Arbeitsort des Präsidenten. Als einzige Stadt der
USA, die nicht einem der 50 Bundesstaaten angehört, wurde Washington 1790 aus Teilen der Staaten
Maryland und Virginia gebildet, um als Bundeshauptstadt der neuen Republik der Vereinigten Staaten zu
dienen. Washington ist jedoch mehr als der Sitz der
Regierung. Die Stadt und ihr Einzugsgebiet sind
eine der am schnellsten wachsenden Regionen des
Landes. Die Stadt an sich hat rund 600.000 Einwohner, während die Bevölkerung der Hauptstadtregion insgesamt etwa 3,9 Millionen beträgt.
Washington ist eine Stadt berühmter Museen, von
denen viele entlang der National Mall liegen, einem
Parkstreifen, der sich vom Kapitol über das Washington Monument bis über das Lincoln Memorial
hinaus erstreckt. An der Mall liegen das Nationale
Museum für Luft- und Raumfahrt (National Air and
Space Museum), das Naturkundemuseum (Museum
of Natural History), das Museum für amerikanische
Geschichte (Museum of American History), die
Arthur M. Sackler Gallery (asiatische Kunst), das
Museum für afrikanische Kunst (Museum of African
Art), das Nationalarchiv (in dem die Unabhängigkeitserklärung und die amerikanische Verfassung
aufbewahrt werden) sowie die Nationale Kunstgalerie (National Gallery of Art).

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Eines der größten Feste, die auf der Mall veranstaltet
werden, ist das jährlich stattfindende Festival of
American Folklife, das diesmal am 24. Juni 1994
eröffnet wird. Als Teil des Festivals ist während der
Fußballweltmeisterschaft eine World Cup Night
geplant, mit amerikanischer Musik, Kunsthandwerk,
Spezialitäten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und anderen kulturellen Veranstaltungen.
Washington hat ebenfalls zahlreiche charakteristische
Stadtviertel. Im Norden liegen das Geschäftsviertel
und Adams-Morgan, ein Bezirk mit einem bunten
Völkergemisch, zahlreichen Restaurants und Nachtclubs, die vor allem Studenten und Akademiker
anziehen. Das Viertel geht nach und nach in eine
Reihe von Bezirken mit vornehmlich afroamerikanischer Bevölkerung über, in die sich um das Gelände
der Howard University gruppieren, eine der renommiertesten Universitäten für Schwarze in den Vereinigten Staaten.
Weiter im Westen teilen sich die Kanzleien diplomatischer Vertretungen die Massachusetts Avenue
mit den Büros wichtiger Wirtschaftsverbände und
berufsständischer Organisationen. In einem etwas
abgelegenen Winkel der Stadt befindet sich
Georgetown, das im 18. Jahrhundert ursprünglich ein
Hafen am Potomac-Fluß war. Heute ist dieses Viertel
ein Zentrum des Nachtlebens und der Gastronomie,
und in seinen Nebenstraßen sind viele historische
Gebäude erhalten geblieben.
Washingtons erste Kontakte mit dem Fußball ergaben
sich durch Botschaftsmannschaften, die zu Beginn
des Jahrhunderts das Spiel dort einführten. Heute ist
Fußball in der ganzen Region ein Sport für Angehörige aller Schichten; zur amerikanischen Nationalmannschaft gehören eine Reihe von Spielern aus Vororten
Washingtons oder von nahegelegenen Universitäten.
Die Weltcupspiele werden im 56.500 Sitzplätze
fassenden Robert F. Kennedy-Stadion ausgetragen,
das etwa 20 Häuserblocks vom US-Kapitol entfernt
liegt. Im RFK wurde bereits früher Fußball gespielt:
zu Zeiten der North American Soccer League war
das Stadion die Heimat der Washington Diplomats,
für die kurzzeitig auch der holländische Fußballstar
Johan Cruyff spielte. In den letzten Jahren wurden
auch mehrere Spiele der Nationalmannschaft und im
Rahmen des US-Cups dort ausgetragen.
Am bekanntesten ist das RFK jedoch wegen der
Washington Redskins, der Footballmannschaft, die in
der ganzen Region viele leidenschaftliche Anhänger
hat. Darüber hinaus hat die Stadt Profimannschaften
im Basketball und Eishockey aufzuweisen. Für
Baseballfans liegt das wunderschöne neue Camden-

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�Yards-Stadion der Baltimore Orioles weniger als eine
Autostunde entfernt.
In Zusammenhang mit den Wettmeisterschaftsspielen wird die Stadt Washington 1994 eine Reihe von
Veranstaltungen durchführen, darunter eine von der
Corcoran Gallery ausgerichtete Kunstausstellung
sowie Ausstellungen mit Gemälden und Photographien von Künstlern aus allen 24 Teilnehmerstaaten.
Das 1994 Gospel Project plant einen Wettmeisterschaftsabend als Teil des zweimonatigen Festivals
der Gospelmusik, und bei einer Weltcup-Modenschau wird je ein Modeschöpfer aus allen 24 Teilnehmerstaaten vorgestellt. Schließlich wird die
französische Botschaft am Abend des 14. Juli, dem
französischen Nationalfeiertag, eine Feier veranstalten, um die Weltmeisterschaft 1994 ausklingen zu
lassen und die Wettmeisterschaft 1998 anzukündigen, die in Frankreich stattfinden wird.
In Washington befinden sich darüber hinaus das
John F. Kennedy Center for the Performing Arts, in

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dem die National Symphony und Solisten aus der
ganzen Welt auftreten, sechs Universitäten und
Colleges, 43 öffentliche Bibliotheken und die Library
of Congress sowie zahllose Restaurants und Cates,
in denen amerikanische Gerichte und Spezialitäten
aus aller Herren Länder geboten werden.
Für eine Großstadt ist Washington mit großen
Grünflächen gesegnet, von denen die bedeutendsten
am Potomac-Fluß und am Rock Creek liegen.
Tretboote schwimmen auf dem Tidal Basin am
Jefferson Memorial, während am anderen Ufer des
Potomacs in Virginia der Nationalfriedhof von Arlington liegt, auf dem Präsident John F. Kennedy
beigesetzt ist.
Weitere Informationen sind erhältlich bei: Washington, D.C. Convention and Visitors Association, 1212
New York Avenue, N.W., Washington, D.C. 20005,
oder beim International Visitors Information Service,
733 15th Street, N.W., Suite 300, Washington, D.C.
20005; Telefon: 202-789-7000.

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Information
und
Dokumentation

\TJ

afJ[J

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

25. Juni 1980

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Herausforderung des westlichen Bündnisses
Afghanistan: Die Beweggründe für die Reaktion der NATO
von George S. Vest
Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
NATO« Stärkung der transatlantischen Zusammenarbeit
von Robert W. Komer
Unterstaatssekretär im US-Verteidigungsministerium

Um Übef/endung von
ßckqcKcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�30

25. Juni 1980

DIE HERAUSFORDERUNG DES WESTLICHEN BÜNDNISSES

AFGHANISTAN: DIE BEWEGGRÜNDE FÜR DIE REAKTION DER NATO
von George S. Vest
Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten

NATO: STÄRKUNG DER TRANSATLANTISCHEN ZUSAMMENARBEIT
von Robert W. Komer
Unterstaatssekretär im US-Verteidigungsministerium

Unterstaatssekretär George S. Vest
vom amerikanischen Außenministerium
und Unterstaatssekretär Robert W. Komer
vom Verteidigungsministerium haben in
den nachfolgenden Artikeln die Auffassung
der Vereinigten Staaten zu der sowjetischen
Invasion in Afghanistan und die aus
ihrer Sicht notwendigen Reaktionen des
Nordatlantischen Bündnisses dargelegt.

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

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25. Juni 1980

AFGHANISTAN: DIE BEWEGGRÜNDE FÜR DIE REAKTION DER NATO
von George S. Vest

Strategisch gesehen, stellt die sowjetische Invasion Afghanistans
eine erhöhte Bedrohung für das Nordatlantische Bündnis dar, vor allem
wenn man sie vor dem Hintergrund der langfristigen sowjetischen Aufrüstung
in Osteuropa und des Strebens Moskaus sieht, seine Macht in der ganzen
Welt darzustellen. Und diese Bedrohung kann noch größer werden, wenn
die sowjetische Führung die Fähigkeit der NATO, sich auf eine gemeinsame
und langfristige Reaktion auf diese jüngste Herausforderung zu einigen,
falsch einschätzen würde.
Am 14. Mai dieses Jahres kamen die Außenminister der an der militärischen
Integration des Bündnisses beteiligten Länder mit den Verteidigungsministern
dieser Länder zur Halbjahreskonferenz des Verteidigungs- Planungsausschusses
der NATO in Brüssel zusammen. Es war das erstemal seit der sowjetischen
Invasion der Tschechoslowakei im Jahre 1968, daß Außen- und Verteidigungsminister des Bündnisses sich auf diesem Forum trafen. Ihr Hauptaugenmerk
war auf Afghanistan gerichtet. Die Bedeutung der sowjetischen Invasion dort

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�dort geht weit über die in der Tschechoslowakei hinaus.

Zum erstenmal

seit dem Zweiten Weltkrieg haben reguläre Einheiten der sowjetischen Landund Luftstreitkräfte die Grenzen eines Landes außerhalb des Warschauer
Paktes überschritten.
Die Konferenz in Brüssel unterstrich den Ernst, mit dem das Bündnis
diese neue Herausforderung des Weltfriedens und der internationalen Stabilität
betrachtet.

Und da die Verteidigungsprogramme des Bündnisses auf den Grund-

lagen der Außenpolitik beruhen, war die gemeinsame Tagung geeignet,
sicherzustellen, daß die Führer im Kreml klar verstehen, daß sich die NATO
über die Auswirkungen des sowjetischen Handelns einig ist und sich auf
eine gemeinsame Verteidigungsreaktion darauf verständigt hat.
Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die sowjetische Aggression
in Afghanistan - einem scheinbar fernab liegenden Land - eng mit der
Sicherheit Westeuropas und der Vereinigten Staaten zusammenhängt. Damit
soll nicht gesagt werden, daß wir der Auffassung seien, die Sowjets planten
die Anwendung direkter militärischer Gewalt gegen Europa selbst in naher
Zukunft, sondern vielmehr soll bekräftigt werden, daß ihre neue Position
in Afghanistan eine subtilere, wenn auch keineswegs weniger ernste Bedrohung
der Nordatlantischen Gemeinschaft darstellt:
-

Der Zugang zum öl des
amerika lebenswichtig
der Zeit, als sich die
Instabilitäten in der

Persischen Golfs, der für Europa und Nordist, ist heute stärker gefährdet, als zu
Sorgen des Westens auf im wesentlich interne
Region Südwestasien beschränkten.

-

Obwohl der sowjetische Schritt nur der jüngste, wenn auch ohne
Zweifel flagranteste Übergriff auf die Dritte Welt ist, so bleibt
die Tatsache bestehen, daß die Sowjets gezeigt haben, daß sie, wenn
sie es für notwendig erachten, bereit sind, ihre Streitkräfte über
die Grenzen und über die Grenzen ihrer Verbündeten im Warschauer

�Warschauer Pakt hinaus einzusetzen.
-

Während der letzten fünfzehn Jahre sind die konventionellen Streitkräfte und die nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) der Sowjetunion
vis-a-vis Westeuropa ständig verstärkt worden und übersteigen heute
in ihrer Stärke alle vernünftigen Verteidigungserfordernisse ganz
beträchtlich.

Gleichzeitig haben die Sowjets ihre Fähigkeit zur

weltweiten Darstellung ihrer Macht stetig weiter entwickelt und
haben mit der Erprobung dieser Fähigkeiten in Afrika, im Indischen
Ozean und in S'üdostasien begonnen.
-

Es besteht ein ernstes Risiko, daß die sowjetischen Führer die
Lebhaftigkeit der gegenwärtigen Debatte in der NATO über grundlegende Risse im Bündnis falsch verstehen und versucht sein könnten,
die Situation weiter auszunutzen.

Die Brüsseler Tagung der Außen- und Verteidigungsminister der NATO
war daher darauf ausgerichtet, jeden Zweifel auszuräumen, den die sowjetischen
Führer an der Reaktion des Bündnisses auf die Invasion Afghanistans haben
könnten.
Die Minister verurteilten die sowjetische Handlung nachdrücklich als
eine Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Stabilität. Und
sie einigten sich auf eine Reihe kurz- und längerfristiger Verteidigungsprogramme, um die dringendsten Mängel in der NATO-Verteidigung zu beheben.
Sie kamen ferner in unmißverständlichen Formulierungen überein, daß die
Notwendigkeit der Wiederherstellung des Gleichgewichts in Südwestasien,
das durch die sowjetische Aggression gestört wurde, eine Neuverteilung der
Sicherheitslasten im Bündnis erfordert.
Sie

- 3 -

�Sie einigten sich darauf, daß zumindest kurzfristig das Ungleichgewicht
in Südwestasien durch einen raschen Aufbau von Sicherheitsvorkehrungen
gegen jede weitere sowjetische Expansion dort behoben werden muß.

Die

Vereinigten Staaten müssen dabei notwendigerweise den Hauptteil dieser
Last übernehmen.
Da die Vereinigten Staaten diese Last nicht tragen und gleichzeitig
alle ihre erhöhten Beiträge zur Verbesserung der Verteidigung Europas
verwirklichen können, wie sie in dem Langfristigen Verteidigungsprogramm
der NATO vorgesehen sind, haben die europäischen Verbündeten zugestimmt,
Anpassungen ihrer Beiträge zu den langfristigen Plänen für die Modernisierung
der konventionellen Streitkräfte der NATO vorzunehmen.

Dazu gehören solche

Gebiete wie erhöhte Einsatzbereitschaft, raschere Mobilisierung von Reserven,
erhöhte Einlagerung von Munitions- und Materialreserven für den Ernstfall,
Verbesserung der Verteidigung zur See, Erweiterung der strategischen
Luftbrücken-Kapazität, wirksamere europäische Unterstützung der nordamerikanischen Verstärkung Westeuropas, Militärhilfe für Portugal und
die Türkei sowie Verbesserungen der militärischen Infrastruktur der NATO.
Diese Neuverteilung der Lasten bedeutet in keiner Weise, daß die
Sicherheit Europas in den grundlegenden amerikanischen Prioritäten einen
geringeren Rang erhielte. Ja, es ist vielmehr so, daß Außenminister Muskie
und Verteidigungsminister Brown ihren Kollegen in Brüssel versichert haben:
"Die Sicherheit des NATO-Gebietes bleibt ein zentrales Anliegen der
amerikanischen Politik, und die Vereinigten Staaten haben keine Pläne,
irgendwelche amerikanischen Streitkräfte, die ständig in Europa stationiert
sind, für einen Einsatz in Südwestasien abzuziehen."
Es wird zwar eine Verlagerung eines geringen Teils der amerikanischen
Seestreitkräfte geben, die jetzt im Mittelmeer stationiert sind, und im
Fall einer größeren Konfrontation in Südwestasien möglicherweise auch v_oini

- 4 -

�von Seestreitkräften im Atlantik, aber es ist und bleibt eine Tatsache, daß
die Vereinigten Staaten Europa weiterhin als die Grenze für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten betrachten.

Außenminister Muskie hat dies am

14. Mai so ausgedrückt: "Die Lasten, die wir tragen, um unsere kollektive
Verteidigung aufrechtzuerhalten, sind keine Lasten, die wir edelmütig
für andere tragen, sondern Lasten, die wir in kluger Weise für uns selbst
tragen."
Wenn wir das sagen, dann erwarten wir jedoch weiterhin von unseren
Verbündeten, daß die Lasten des Opfers gerecht verteilt werden, wenn es
darum geht,durch Entwicklungen in Südwestasien entstehende neue Bedrohungen
der Stabilität zu begegnen.
Das Bündnis muß im vernünftigen Selbstinteresse gegen diese jüngste
sowjetische Bedrohung aufstehen. Obwohl diese Bedrohung weitab vom NATOTerritorium erfolgte, so hat sie doch direkte Auswirkungen auf unser aller
Lebensinteressen.
Die Vereinigten Staaten haben nach dem Zweiten Weltkrieg erkannt, daß
ihre Sicherheit nicht mehr länger in den Vorstellungen einer "Festung
Amerika" gewährleistet werden kann.

Heute könnte das Atlantische Bündnis

durchaus an einem ähnlichen Punkt anlangen.

Damit soll keine Veränderung

in den traditionellen Grenzen des Vertragsgebiets der NATO vorgeschlagen
werden, sondern betont werden, daß sich die NATO jetzt kollektiv darauf
einigen muß, wie sie die Sicherheit innerhalb dieser Grenzen gewährleisten
will, und zwar in Begriffen,die weit über diese Grenzen hinausreichen,
angefangen mit dem Gebiet,aus dem 60 Prozent der öllieferungen kommen,
die für unser wirtschaftliches Wohlergehen so entscheidend wichtig sind.
Die Tagung vom 14. Mai zeigt sicherlich, daß das Bündnis jetzt bereit
ist, kollektiv auf die Ereignisse in Südwestasien zu reagieren.

Und ich

bin sicher, daß in den kommenden Wochen und Monaten die Festigkeit und

- 5 -

�. :

und Dauerhaftigkeit dieser Reaktion die Sowjetunion von der Verführung
abhalten wird, unsere Entschlossenheit und unsere Einigkeit falsch einzuschätzen.
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�25. Juni 1980

NATO: STÄRKUNG DER TRANSATLANTISCHEN ZUSAMMENARBEIT
von Robert W. Komer

Ich glaube, daß nunmehr innerhalb des Atlantischen Bündnisses generelle
Einigkeit darüber herrscht, daß die sowjetische Invasion Afghanistans
eine ausgewogene, langfristige westliche Antwort erfordert.

Das Treffen

der Außen- und Verteidigungsminister aus den Ländern, die der integrierten
Militärstruktur der NATO angehören, am 14. Mai 1980 war ein Meilenstein
auf dem Weg zur Entwicklung einer solchen Antwort.
Die zunehmende Bedrohung des westlichen Zugangs zum lebenswichtigen
Erdöl des Persischen Golfs bedarf kaum der Erläuterung. Die Gesundheit
unserer Volkswirtschaften, von denen wiederum unsere Verteidigung abhängt,
steht womöglich auf dem Spiel. Die sowjetische Invasion Afghanistans
läßt mit ziemlicher Sicherheit auf eine zunehmende sowjetische Bereitschaft
schließen, brutale Militärgewalt unter solch einladenden Umständen anzuwenden.
Die

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0 5 3 0 0

�Die Invasion muß zudem gesehen werden vor dem Hintergrund des gewaltigen Zuwachses sowjetischer Militärmacht im Lauf der letzten 20 Jahre.
Wir in der NATO wurden in den letzten Jahren in zunehmendem Maß dadurch
alarmiert.

Wir reagieren darauf mit unserer Verpflichtung zu einem

dreiprozentigen Realzuwachs des Verteidigungshaushalts und dem Langfristigen
Verteidigungsprogramm, das auf dem NATO-Gipfeltreffen im Jahr 1978 beschlossen wurde.
Afghanistan hat die amerikanische Erkenntnis der sowjetischen Bereitschaft geschärft, die wachsende militärische Stärke dazu zu verwenden, die
sowjetische Macht entweder direkt oder durch Vertreter weitab von der
Sowjetunion selbst zu demonstrieren.

Aus diesem Grund begreifen wir zugleich

die Notwendigkeit einer gemeinsamen globalen Antwort.
Stärke oder Schwächt

Eine einmal erkannte

in Nordostasien oder in Europa kann nicht ohne

Auswirkungen auf die sowjetische Kalkulationen bleiben, was in SUdwestasien
machbar ist.

Und so wird auch die Abschreckung sowjetischer Abenteuerlust

im Bereich des Persischen Golfs beeinträchtigt, wenn die Staaten, die zu
Gegenmaßnahmen in der Lage wären, sich vor solchen Schritten fürchten, weil
sie anderswo verwundbar sind.
Die Vereinigten Staaten aber sind das einzige größere Land der
Freien Welt, das ausreichende Fähigkeiten zur Demonstration weitreichender
Macht hat, um im Namen der anderen wie im eigenen Namen diese Rolle der
Abschreckung oder - falls notwendig - der Verteidigung gegenüber dem
sowjetischen Expansionismus in diesem Schlüsselbereich zu übernehmen.
Wir rechnen mit der Hilfe der bedrohten Regierungen in diesem Gebiet
und der amerikanischen Verbündeten. Dennoch wird die Hauptlast notwendigerweise auf die Vereinigten Staaten fallen.
Diese neue große Last für die Vereinigten Staaten - zusätzlich zu
unserer vorrangigen Verantwortung für die Aufrechterhaltung des strategischen
und taktischen Nuklearschirms, zur Kontrolle der Meere im Namen des Bündnisses

- 2 -

�Bündnisses und zu einem substantiellen Beitrag zur Abschreckung in Europa
und Nordostasien - wird unvermeidlich eine Umorientierung der amerikanischen
Militärmittel aus anderen Bereichen bedeuten, sollte es zu einem dringenden
Notfall in Sü'dwestasien kommen.

Obwohl wir versuchen, unsere Schnellen

Eingreiftruppen soweit möglich aus Streitkräften zu rekrutieren, die keine
NATO-Verpflichtungen haben, so werden doch einige Umgruppierungen sogar
in Friedenszeit notwendig sein - und könnten im Fall einer ernsten Krise
im Persischen Golf ziemlich umfangreich sein.
Die Vereinigten Staaten haben bereits die folgenden Schritte unternommen, um die westlichen

Möglichkeiten im Indischen Ozean und im

Bereich des Persischen Golfs zu verbessern:
-

Wir haben einen Zerstörer und eine Fregatte zu unserer Streitmacht
im Mittleren Osten zum ständigen Einsatz verlegt;

-

Wir haben unsere Streitmacht im Mittleren Osten vorläufig durch
zwei zusätzliche Zerstörer vergrößert;

-

Wir haben vorläufig eine unserer beiden Flugzeugträger-Kampfgruppen
aus dem Mittelmeer in den Indischen Ozean verlegt.

Sollte sich die Situation im Persischen Golf zu einer grcßBren
Konfrontation auswachsen, so müßten wir auf unsere Schnellen Eingreiftruppen zurückgreifen.
Taktische Flugzeugstaffeln könnten aus den Vereinigten Staaten nach
Südwestasien verlegt werden, und auch andere Luft- und Bodenstreitkräfte
könnten eingesetzt werden.
Zusätzlich zu den Einheiten, die bereits in unsernSchnellen Eingreiftruppen zusammengefaßt sind, prüfen die Vereinigten Staaten, welche noch

- 3 -

�noch umfangreicheren Streitkräfte notwendig sein könnten, um auf einen so
großen Ernstfall in Slidwestasien reagieren zu können, für den sogar die
derzeit aufgestellten Eingreiftruppen nicht ausreichend sein würden.
Sogar die Dislozierung von Truppen in bescheidenem Umfang würde im
Eventualfall notwendigerweise eine erhebliche Auslastung amerikanischer
Luft- und Seetransportkapazitäten erfordern, die natürlich zugleich nötig
sind, um amerikanische Dislozierungen in Europa und Nordostasien zu unterstützen.
Dennoch - und dies ist von grundlegender Bedeutung - haben diese
möglichen Verminderungen der Verfügbarkeit amerikanischer Streitkräfte für
die NATO keinerlei Einfluß auf die Bedeutung der NATO für die grundlegende
Politik Amerikas.
In der Tat wollen wir Verminderungen der amerikanischen Streitkräfte
und amerikanischer Ausrüstung im europäischen NATO-Bereich vermeiden, wie
dies während des Vietnam-Konflikts und im Verlauf der Nahostkrise 1973
geschah.
Die Vereinigten Staaten haben noch immer die Absicht, mit dem Programm
der raschen Verstärkung für Europa weiterzumachen. Wenn Europa seinen
Anteil an der "transatlantischen Zusammenarbeit" erfüllt, werden wir
unsere Verpflichtung aufrecherhalten, innerhalb von 10 bis 14 Tagen nach
der Dislozierungsentscheidung unsere Landstreitkräfte in Europa mehr als
zu verdoppeln und unsere taktischen Luftstreitkräfte zu verdreifachen.
Dennoch spreche ich nur einen ganz einfachen Tatbestand aus, an dem wir
alle nicht vorbeikommen: Wenn die Vereinigten Staaten umfangreiche Streitkräfte nach Südwestasien dislozieren müssen, um dem gemeinsamen Interesse
zu dienen, so wird dies unvermeidlich in einem gewissen Maß zu Lasten
unserer Fähigkeit gehen, die NATO oder Nordostasien in einem Eventualfall
direkt zu unterstützen.
Daher
- 4 -

�Daher brauchen wir eine bessere "Arbeitsteilung" zwischen den
Vereinigten

.Staaten und ihren Verbündeten, weil wir in einem zusätzlichen

kritischen Gebiet der Welt die Hauptlast für Abschreckung und Verteidigung
übernehmen müssen.

Dies bedeutet in der Tat, daß unsere Verbündeten mehr

tun müssen, um die Verteidigung der Freien Welt in der NATO und in anderen
Bereichen zu stärken.

Wir drängen indessen nicht auf eine große Zahl neuer

Initiativen "made in Washington".
Davon liegen der NATO schon mehr als genug vor mit den bestehenden
Zielsetzungen für die Streitkräfte und dem Langfristigen Verteidigungsprogramm.

Stattdessen schlagen wir die Beschleunigung ausgewählter be-

stehender Programme vor - über die man sich im Bündnis schon weitgehend
geeinigt hat.
Wesentlich aber bleibt, daß wir NATO-Mitglieder zumindest unserer
Verpflichtung nachkommen müssen, eine dreiprozentige reale jährliche
Zuwachsrate in den Verteidigungsausgaben auf jeden Fall zu erzielen.
Ein Nachlassen unserer Anstrengungen in dieser Hinsicht kann in Moskau
nicht anders als ein Zeichen unseres Versagens angesehen werden, die harten
Entscheidungen zu treffen, die zur Erhaltung unserer eigenen Sicherheit
notwendig sind.

Dies ist nicht nur eine Aufgabe für die größeren Verbündeten.

Auch die kleineren Mitglieder des Bündnisses spielen entscheidende Rollen
und müssen ihrerseits ihren Beitrag leisten.
Als Antwort auf die Notwendigkeit unmittelbarer kurzfristiger Initiativen
seitens aller Verbündeten, werden die Vereinigten Staaten ihrerseits:
-

so rasch wie möglich mit der Produktion unserer neuen großen
Kampfpanzer vorangehen;

-

die Beschaffung von Materialreserven für die Land- ind Luftstreitkräfte beschleunigen;
die
- 5 -

�-

die Maßnahmen zum Schutz all unseres militärischen Personals
gegen eine nukleare, biologische und chemische Kriegsführung
beschleunigen;

-

weitere Seeüberwachungsflugzeuge einsetzen und die Indienststellung
von Raketen-Schnellbooten beschleunigen;

-

eine rasche Dislozierung von

Nah-Luftverteidigungssystemen

für Flugplätze planen, soweit dies notwendig ist;
-

in Anerkennung der Erfordernisse der NATO die Streitkräfte zur
Luftaufklärung im Gefechtsfeld ausweiten;

-

etwa 14 Tanker der Handelsschiffahrt dafür bestimmen, mit Heckausrüstungen zum Auftanken anderer Schiffe versehen zu werden; und

-

wie bereits angelaufen das "Maritime Poinf'-Luftverteidigungsprogramm und das HARPOON-Antischiffsraketen-Programm - beschleunigen.

Wenn wir angesichts der eklatanten sowjetischen Aggression ein
deutlichen Signal gemeinsamer Entschlossenheit geben wollen, müssen
alle Verbündeten ihre entsprechenden kurzfristigen Maßnahmen innerhalb
der nächsten 12 Monate durchführen.
Aber diese kurzfristigen Initiativen sind lediglich ein erster
Schritt in Richtung auf eine Befriedigung dringlicher Erfordernisse des
Bündnisses. Wir müssen außerdem die langfristigen Maßnahmen beschleunigen,
um die Verminderung der NATO-Abschreckung auszugleichen, die durch die
Notwendigkeit geschaffen wird, daß die Vereinigten Staaten die Antwort
des Bündnisses in Südwestasien verstärken:

Die

- 6 -

�-

Die NATO bedarf besserer Nutzung ihrer europäischen Mannschaftsreserven und besserer Mobilisierungsverfahren.

Die Maßnahmen im

Rahmen des Langfristigen Verteidigungsprogramms, die zusätzliche
Reservekampfeinheiten erfordern, sollten von Vorschlägen rein
studienhaften Charakters übergehen zu konkreten Schritten und
sollten beschleunigt werden.
-

Die Bevorratung an Ausrüstung und Material für den Ernstfall sollte
in Europa erhöht werden.

-

Die Vereinigten Staaten brauchen den Beistand der zivilen Luftfahrt der Verbündeten, um bei der Erfüllung der europäischen
Zielsetzungen

zur Verstärkung behilflich zu sein - besonders dann,

wenn eine umfangreiche Verlegung amerikanischer Streitkräfte in
ein anderes Gebiet notwendig sein sollte.
-

Wir alle benötigen noch größere Beweglichkeit bei der Dislozierung
der verfügbaren Seestreitkräfte sowie qualitative Verbesserungen.
Desgleichen bedarf es der Verbesserungen bei der landgestützten
taktischen Luftunterstützung für Marineoperationen.

-

Die geplante Überprüfung des Finanzplafonds des laufenden Fünfjahres-Infrastrukturplans (1980-1984) nach Ablauf der ersten
Hälfte sollte beschleunigt werden.

NATO-Kommandeure lassen keinen

Zweifel daran, daß zusätzliche Mittel notwendig sind, um bekannte
Mängel der Infrastruktur auszugleichen - einschließlich der wichtigen
neuen Erfordernisse für die Stationierung der weitreichenden
nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF).
-

Weitere Maßnahmen im Rahmen der Zielsetzungen des derzeitigen
Langfristigen Verteidigungsprogramms und anderer NATO-Programme
mögen den verbündeten Staaten wert erscheinen, sie beschleunigt

- 7 -

�beschleunigt durchzuführen. So werden zum Beispiel 1n den USA
stationierte Streitkräfte und erste Verstärkungen in noch größerem
Maß auf die rechtzeitige Bereitstellung der Unterstützung des Gastlandes angewiesen sein, wenn kurz vorher oder gleichzeitig eine
Dislozierung amerikanischer Streitkräfte zum Persischen Golf
stattfinden sollte. Daher haben wir unsere Verbündeten und die
zuständigen NATO-Stellen dazu ermutigt, noch weitere Maßnahmen
vorzuschlagen.
Die Pläne fUr die Verbesserungen der Verteidigung existieren bereits.
Wir Amerikaner drängen nur auf Dinge, Über die bereits Obereinstimmung
herrscht - zumindest 1m Prinzip. Und wenn wir uns zumindest an unsere
bereits gegebene Zusage zu einem Realzuwachs der Verteidigungsausgaben um
Jährlich drei Prozent halten, dann wird nach unserer Überzeugung das meiste
von dem, was nötig Ist, auch finanziert werden können. So suchen wir erneut
Jene Solidarität bei der Antwort auf die auftauchenden Verteidigungsaufgaben, wie wir sie 1977, 1978 und beim TNF-Programm 1979 gezeigt haben.

+ + + + +

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%

^

Sonderdienst

^

25. Juni 1987

DER MARSHALL-PLAN:

POLITIK DER VISION

Rede des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt in Berlin

SPERRFRIST:

25. Juni 1987, 16.00 Uhr (MESZ)

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�BERLIN - (AD) - In seiner Rede aus Anlaß des 40. Jahrestages der Verkündung des Marshall-Plans erklärte Botschafter Burt am 25. Juni 1987 in Berlin,
der Westen müsse "zu einer gemeinsamen Bewertung der anstehenden Probleme gelangen", um sich die Möglichkeiten zunutze zu machen, die Glasnost für die
Teilung Europas eröffnen kann.
Burt verwies ferner darauf, daß sich angesichts einer bevorstehenden Rüstungskontrollvereinbarung und heraufziehender Verhandlungen über konventionelle Waffen besonders die Ost-West Beziehungen an einem Scheideweg befänden.
Es sei deshalb "von vorrangiger Bedeutung, daß wir uns auf gemeinsame, diesem
neuen Zeitalter angemessene sicherheitspolitische Maßnahmen einigen und Abrüstungenverhandlungen jeglicher Art gemeinsam angehen".
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut:

Herr
Regierender
Bürgermeister
Diepgen,
Herr
Minister
Bangemann,
Herr
Bundestagsvizepräsident
Cronenberg,
Frau
staatssekretärin
Berger, meine Damen und Herren.
Jahrestage bieten eine gute Gelegenheit,
die
Errungenschaften
der
Vergangenheit zu feiern. Wir sollten
solche Augenblicke nutzen, um uns zu
vergegenwärtigen, wie wir uns den
Herausforderungen der Gegenwart und
der Zukunft stellen können.
Es ist
ganz einfach unsere Pflicht, aus der
Geschichte jede nur mögliche Lehre zu

ziehen, so
sein mag.

riskant

diese Übung

auch

Die Welt von 1947 war das Produkt
eines
Viertel Jahrhunderts,
in
dem
Kirchturmpolitik, wechselweise in Gestalt von fanatischem Nationalismus,
Imperialismus,
Isolationismus
oder
grenzenlosem Protektionismus das internationale Staatengefüge zerrüttete. Jahre der Aggression, Beschwichtigungspolitik, der engstirnigen und
eigennützigen
politischen
Entscheidungsfindung und der Wirtschaftspolitik des einseitigen Vorteils gipfel-

�ten in sinnlosem Gemetzel und Zerstörung.
Amerika war
verhältnismäßig
unversehrt
daraus
hervorgegangen,
seine Selbstherrlichkeit war jedoch
schwer angeschlagen und die traditionelle
Politik
des
Isolationismus
zweifelhaft geworden.
Das zerstörte
und erschöpfte Europa sah einer Zukunft
wirtschaftlichen
und
politischen Zusammenbruchs, sozialer Zerrüttung und der scheinbar unweigerlichen Ausbreitung eines neuen totalitären Regimes entgegen.
Aber die Nationen der westlichen
Welt hatten doch etwas aus ihren Fehlern gelernt.
Ungeachtet der Verzweiflung
schuf diese außergewöhnliche Generation zum ersten Mal eine
funktionsfähige internationale Politik und ebensolche Institutionen
die Vereinten Nationen, Punkt Vier
des Abkommens von Bretton Woods und
als bemerkenswerteste
Leistung das
Programm
zum Wiederaufbau Europas,
das in diesem Monat vor 40 Jahren von
Außenminister George c. Marshall ins
Leben gerufen wurde.
Wie Außenminister Shultz es formulierte, liegt dem Marshall-Plan die
- im Jahre 1947 gewagte - Ansicht zugrunde, daß "wir nicht immer unsere
existentiellen
Eigeninteressen
auf
Kosten anderer Länder verfolgen sollten. Im Gegenteil besteht der effektivste
Weg
zur
Erlangung
unserer
grundlegenden Ziele darin, mit anderen an der Durchsetzung ihrer grundlegenden Ziele zusammenzuarbeiten".
Wir schweben heute meiner Ansicht
nach in Gefahr, diese einfache - zu
einem solch hohen Preis erfahrene Wahrheit zu vergessen.
Die Herausforderungen, denen wir uns im Jahre
1987
gegenübersehen,
unterscheiden
sich von denen des Jahres 1947. Aber
Kirchturmdenken
herrscht
nach
wie
vor, und damit sind unsere Probleme

heute so wenig zu lösen wie vor 40
Jahren. Es ist ungemein wichtig, daß
wir dieselbe Kreativität, großzügige
Gesinnung und denselben Weitblick an
den Tag legen, wie sie George C.
Marshall und seine Zeitgenossen bewiesen haben.
Ein kurzer Blick zurück mag uns
einigen Aufschluß darüber geben, wie
wir die Herausforderungen von heute
angehen könnten. Im Europa der Nachkriegszeit verfolgten Amerikaner und
Sowjets völlig unterschiedliche Ziele.
Die Amerikaner waren nicht an
einem eigenen Weltreich interessiert,
rüsteten schnell ab und zogen ihre
Streitkräfte nahezu vollständig aus
Europa zurück. Amerikanische Politiker hatten die Vorstellung von einem
Europa
der
unabhängigen,
demokratischen Nationen, das seine eigenen
Angelegenheiten untereinander und mit
dem Rest der Welt partnerschaftlich
bewältigt.
Die Vereinten Nationen
sollten dabei die Sicherheit der internationalen
Gemeinschaft
gewährleisten.
Ein freies
Handelssystem
sollte wieder für Wohlstand sorgen.
Genau
dieses
Denken
brachte
den
Marshall-Plan,
das
Abkommen
von
Bretton Woods und später die NATO und
die Europäische Gemeinschaft hervor.
Das ziel der Sowjets bestand darin, ein geschlossenes, stark zentralisiertes Weltreich zu schaffen, das
mit so weit wie möglich gezogenen
Grenzen die Sicherheit Rußlands garantieren würde.
Im Jahre 1945 erklärte Stalin dem jugoslawischen Kommunisten Milovan Djilas, daß "jeder
mit seinem System herrscht, soweit
seine Armee
reichen kann.
Anders
kann es nicht sein". Mit ihrem Streben nach absoluter Sicherheit für
sich selbst zwang die Sowjetunion ihren Nachbarn absolute Unsicherheit
auf.
Die sowjetischen Absichten in
Ost- und Südeuropa waren offensicht-

�lieh expansionistischer Art. Die Sowjetunion behielt ihr großes stehendes Heer bei und zwang damit die
Westeuropäer, die Gründung der NATO
und das erneute Engagement der Amerikaner in Europa voranzutreiben.
Der Gegensatz zwischen amerikanischer und sowjetischer Wirtschaftspolitik
ist
ebenso
bemerkenswert.
Der Plan von Marshall zielte, seinen
eigenen Worten zufolge, auf "die Wiederbelebung
einer
funktionierenden
Weltwirtschaft ab, damit die Entstehung politischer und sozialer Bedingungen ermöglicht wird, unter denen
freie Institutionen existieren können".
Die
amerikanische
Politik
trachtete
danach, die
europäischen
Volkswirtschaften
wiederaufzubauen,
ein offenes Handelssystem zu schaffen
sowie wirtschaftliche Gesundung und
allgemeinen Wohlstand zu fördern und
nicht etwa danach, der amerikanischen
Wirtschaft Vorteile
zu verschaffen
oder ein amerikanisches Imperium zu
errichten.
Ein offenes internationales Handelssystem war mit der sowjetischen
Politik
unvereinbar.
Die
Sowjets
hatten vielmehr bereits in den ersten
Monaten des Jahres 1945 damit begonnen, ihren osteuropäischen Satelliten
einschließlich der deutschen Ostzone
geschlossene, autark regierte Volkswirtschaften aufzuzwingen.
Die Sowjets verweigerten ihre Beteiligung
am Marshall-Plan und am Internationalen Währungsfonds und zogen es vor,
Osteuropa von der Weltwirtschaft zu
isolieren und ihm erhebliche Reparationen abzufordern.
Nichts
entspricht
weniger
der
Wahrheit als die weithin verbreitete
Ansicht, im Europa der Nachkriegszeit
hätten Amerika und die Sowjetunion
das gleiche
Ziel verfolgt
- die
Schaffung von Einflußbereichen.
Re-

visionistische Historiker können sicher auf Fehler und verpaßte Gelegenheiten verweisen. Aber die Tatsachen
sprechen für sich. Mit den amerikanischen, durch den Marshall-Plan belegten Verbindungen zum Europa der
Nachkriegszeit wurde nicht die Absicht verfolgt, ein Imperium oder
Einflußbereiche zu schaffen oder etwa
Europa zu teilen, sondern es sollte
eine offene, pluralistische und demokratische internationale Ordnung hervorgebracht werden.
Es war die Sowjetunion, die Europa und Deutschland teilte.
Es war
die sowjetische Politik, die amerikanische Truppen nach Westeuropa zurückbrachte, damit sie den Erhalt der
europäischen Selbstbestimmung unterstützen.
Sie werden abziehen, wenn
die Europäer ihre Anwesenheit nicht
länger wünschen.
Russische Truppen
werden Osteuropa dagegen nur dann
verlassen, wenn die Sowjets entscheiden, daß sie abziehen sollten.
Wie
durch die Breschnew-Doktrin und wiederholte militärische Interventionen
in Osteuropa verdeutlicht wird, besteht seit 40 Jahren das Ziel der Sowjetunion darin, ihr Weltreich mittels der Teilung Europas vollständig
zu erhalten.
Es ist das beständige
Ziel der amerikanischen Politik, diese Teilung Europas, Deutschlands und
Berlins zu überwinden.
Die Bedingungen, denen sich die
Europäer heute gegenübersehen - konkurrierende Bündnissysteme, die Präsenz amerikanischer Truppen in Europa, der Rüstungswettlauf - ergeben
sich aus der erzwungenen Teilung dieses Kontinents und dieses Landes.
Diejenigen, die Waffen als einzige
Bedrohung des Friedens betrachten und
den Rüstungswettlauf auf den Wettstreit der Supermächte in Europa zurückführen,
erliegen
dem
Trugbild
einer "Europäisierung Europas", die

- 3 -

�diesen Kontinent womöglich aus den
Klauen der Supermächte befreien könnte.
Weil Europa geteilt ist, besteht
das Problem der Sicherheit. Wie Präsident Reagan Anfang des Monats in
Berlin ausführte, liegt die Lösung
für dieses Problem in der Überwindung
der
Teilung
dieses
Kontinents.
Gorbatschows
neue
Glasnost-Politik
könnte Möglichkeiten für einen Aufbruch in die richtige Richtung bedeuten. Es ist kaum anzunehmen, daß er
versuchen wird, die Sowjetunion in
eine Demokratie nach westlichem Muster umzuformen. Henry Kissinger hat
sicherlich recht mit seinen Xußerungen, daß Gorbatschow danach strebt,
die sowjetische Gesellschaft stabiler
und leistungsfähiger zu machen, damit
die Sowjetunion eher mit dem Westen
konkurrieren kann. wir haben offensichtlich noch keinen Wandel in der
geopolitischen Strategie der Sowjets
wahrgenommen.
Dennoch ist es jetzt an der Zeit,
darüber nachzudenken, wie der Westen
die sich durch Glasnost eröffnenden
Möglichkeiten zur Beendigung der Teilung Europas am besten nutzen kann.
Um dies zu erreichen, müssen wir zu
einer gemeinsamen Bewertung der anstehenden
Probleme gelangen, einer
Bewertung, die sich auf das Verständnis der historischen Gegebenheiten
gründet.
Auf der Grundlage dieser
Bewertung
und
einer
zuverlässigen
Analyse westlicher Interessen müssen
wir eine gemeinsame Strategie entwikkeln. Wir sollten zu einer Einigung
über unsere Zielsetzungen und Taktiken gelangen und einen Konsens bezüglich ihrer Durchführung erarbeiten.
Aber bevor wir all dies in die Wege
leiten können, ist die Beilegung unserer Differenzen in Sicherheits- und
Wirtschaftspolitik
unbedingt
erforderlich, weil diese die westliche Zu-

sammenarbeit schwächen und untergraben. In einer zeit der Hoffnung können wir uns Kirchturmpolitik, Provinzialismus und Protektionismus nicht
leisten, wie sie auf beiden Seiten
des Atlantiks zunehmend in Mode kommen.
Das trifft besonders angesichts
der Diskussion über Mittelstreckenwaffen und Rüstungskontrolle zu. Wir
stehen jetzt kurz vor einem historischen Abkommen über diese umstrittene Waffenkategorie, und zu meiner
Überraschung
und
leichten
Enttäuschung betrachten manche Beobachter auf beiden Seiten des Atlantiks
dieses Abkommen bereits als eine Niederlage für das Bündnis und die militärische Strategie des Westens.
In
Wirklichkeit
wäre ein
INF-Abkommen
für den Westen ein entscheidender Erfolg mit Verstärkungsfunktion für das
Prinzip, daß Rüstungskontrolle
nur
durch die Solidarität des Bündnisses
und dessen entschlossene Bestrebungen
zur Aufrechterhaltung
des militärischen Gleichgewichts Erfolge zeitigen kann.
Sicher würde ein INF-Abkommen für
die Strategie und die militärische
Doktrin des Bündnisses wichtige Fragen aufwerfen.
Aber unbedachtes Gerede
über
"Entnuklearisierung"
und
"Abkopplung" dient nicht unseren gemeinsamen Interessen.
Wenn wir uns
nicht in acht nehmen, laufen wir Gefahr, uns selbst zu zermürben und die
Leistungen des Westens in einen sieg
für die Sowjetunion umzumünzen.
Wir dürfen daher die Grundregel
der Rüstungskontrolle im Bereich der
Mittelstreckenraketen nicht ignorieren: Solidarität im Bündnis und insbesondere deutsch-amerikanischer Zusammenhalt - und nicht die Vorschläge
von Herrn Gorbatschow - haben ein Abkommen möglich gemacht.

- 4 -

�Mit einer Rüstungskontrollvereinbarung vor Augen und heraufziehenden
neuen Verhandlungen über konventionelle Waffen stehen wir an einem
Scheideweg.
Es ist von vorrangiger
Bedeutung, daß wir uns auf gemeinsame, diesem neuen Zeitalter angemessene
sicherheitspolitische
Maßnahmen
einigen
und
Abrüstungsverhandlungen
jeglicher Art gemeinsam angehen. Die
Strategie des Bündnisses umfaßt fünf
wesentliche Prinzipien, auf die sich
jedwede von uns erarbeitete Politik
gründen muß:
Erstens muß amerikanische stärke
weiterhin mit einem Engagement auf
dem europäischen Kontinent verbunden
sein.
Die Strategie des Bündnisses
ist grundsätzlich vom Engagement der
amerikanischen Streitkräfte abhängig.
Zweitens
bleibt
nukleare
Abschreckung ein wesentlicher Bestandteil unserer Strategie. Dazu gehört
die andauernde Präsenz von Nuklearwaffen auf europäischem Boden ebenso
wie die Beibehaltung funktionsfähiger
Nuklearstreitkräfte
der
Vereinigten
Staaten.
Drittens werden die Vereinigten
Staaten wie auch die europäischen
Bündnispartner
weiterhin
an
einer
Verbesserung ihrer Fähigkeiten im Bereich der konventionellen Streitkräfte arbeiten müssen.
in einer Zeit,
in der wir zunehmend vom alleinigen
Vertrauen auf Nuklearwaffen abrücken,
muß unsere konventionelle Verteidigung gestärkt werden.
Viertens muß das Prinzip des gemeinsam getragenen Risikos erhalten
bleiben. Im Rahmen unserer Strategie
darf es nicht dazu kommen, daß irgendein
Bündnispartner
oder
eine
Gruppe von Verbündeten beträchtlich
größere Risiken auf sich nimmt als

die anderen tragen müssen. Die Vereinigten Staaten können von ihren europäischen Verbündeten nicht verlangen, einer Situation zuzustimmen, in
der ein nuklearer oder konventioneller Krieg allein auf ihrem Territorium ausgetragen würde.
Und fünftens müssen wir die besondere Bedeutung der Bundesrepublik
Deutschland innerhalb der Strategie
des Bündnisses erkennen.
In vieler
Hinsicht ist sie das verwundbarste
Land der NATO.
Durch ihre Lage an
der Trennungslinie zwischen Ost und
West ist die Bundesrepublik im geographischen Sinne direkt bedroht. Im
Gegensatz
zu
Großbritannien
und
Frankreich besitzt dieses Land keine
Nuklearwaffen.
Darüberhinaus ist es
ein geteiltes Land. Aus allen diesen
Gründen
ist
die
Bundesrepublik
Deutschland
für
Druck
von
sowjetischer Seite besonders anfällig und
daher vielleicht in stärkerem Maße
von ihren Freunden abhängig als jedes
andere Land innerhalb der NATO.
Heute
wird
die
Fähigkeit
des
Westens, einen Konsens über anwendbare politische Richtlinien in Bereichen von absolut vorrangiger Bedeutung zu erzielen, durch die wachsende
Neigung zu amerikanischem Alleingang
und europäischer Kirchturmpolitik bedroht.
Die Amerikaner
akzeptieren
die weltweiten Verpflichtungen ihres
Landes, sind jedoch häufig um schnelle Lösungen bemüht und vielfach ungeduldig angesichts der mit kooperativen
Vorgehensweisen
einhergehenden
Verzögerungen und komplexen zusammenhänge. Die Europäer arbeiten im Bereich des Handels und der Kultur untereinander und mit den anderen Nationen der Welt gut zusammen.
Sie
ziehen es jedoch vor, ihre Bestrebungen zur Bewältigung der sicherheitspolitischen Probleme auf Europa zu
beschränken und andernorts auftreten-

- 5 -

�de unangenehme Probleme anderen zu
überlassen - für gewöhnlich den Vereinigten Staaten.
Diese Tendenzen nähren sich gegenseitig.
Während
Europa
danach
trachtet, sich außenpolitischen Verpflichtungen zu entziehen, versucht
Amerika, Maßnahmen ohne angemessene
Konsultation und Kooperation zu ergreifen. Anstatt kreative neue politische Richtlinien und Programme hervorzubringen, verkümmerte unser Dialog zu amerikanischen Klagen über
"europäische Schwächlinge" und europäischer Verärgerung über amerikanische
"Rambomanie".
Die Neoneutralisten fordern die "Europäisierung"
und Entnuklearisierung Europas, während Amerikas Neoisolationisten endlose
Serien
außenpolitischer
Vorschläge entwickeln, die ebenso weit
von den Realitäten einer interdependenten Welt entfernt sind.
Verhaltensweisen wie diese gründen sich auf Unkenntnis der Geschichte und unzutreffende
Vorstellungen
von der Zukunft.
Wie ich versucht
habe auszuführen, können wir zu deren
Bekämpfung beitragen, indem wir zurückblicken, um herauszufinden, wie
unsere Vorgänger auf die damalige,
zugegebenermaßen andersartige, Krise
in der Geschichte der westlichen Welt
reagiert haben.
Der Marschall-Plan
und die anderen zu jener Zeit entworfenen
politischen
Richtlinen
und
Programme erkannten unser gemeinsames
Interesse
an
unserem
gemeinsamem
Wohlergehen. Ihr Ansatz war internationalistisch
im besten Sinne des
Wortes und gründete sich auf Partnerschaft statt auf Kirchturmpolitik, um
sowohl Europa als auch Amerika stark
und wohlhabend zu machen.

Amerika einen zentralen Platz ein.
Die
Nachkriegszeit
ist
vorüber.
Größtenteils dank des Marschall-Plans
hat sich Europa vollständig von der
Verwüstung
erholt, die der zweite
Weltkrieg für Menschen und Volkswirtschaften
brachte.
Die europäische
Wirtschaftsmacht ist wieder zu einer
führenden Kraft in der Welt geworden.
Die
europäische
Verteidigungsfähigkeit entspricht der einer Supermacht.
Europäische
Entscheidungen
haben
starken
Einfluß
auf
die
Menschen
überall in der Welt, nicht nur die
Europäer.
Wenn es also wirklich eine "reife
Partnerschaft"
zwischen
Amerikanern
und Europäern geben soll, müssen beide die Lektion neu lernen, daß sie
gemeinsam sehr viel mehr erreichen
können
als
allein.
Partnerschaft
zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa muß sich auf einen Konsens
gründen - den Konsens darüber, wie
Sicherheit aufrechterhalten, die Beendigung der Teilung Europas herbeigeführt, wie ein offenes internationales Handelssystem im Zeitalter neuer Technologien und Konkurrenten beibehalten und ausgebaut und wie in der
Dritten Welt und überall auf der Erde
zusammengearbeitet werden kann.
Lassen sie uns ebenso kreative
Lösungen zur Bewältigung unserer Probleme suchen, wie sie unsere Vorfahren in der Nachkriegszeit fanden.
Lassen sie uns diese Lösungen gemeinsam suchen. Wenn uns dies gelingt,
werden sich vielleicht in 40 Jahren
unsere
Nachfahren,
die
Vertreter
eines wahrhaft geeinten Westens, hier
versammeln, in einem wiedervereinigten Berlin, im Herzen eines ungeteilten Europa, um dessen feierlich zu
gedenken, was wir erreicht haben.

Meine Vision der Zukunft - und
ich hoffe, auch die Ihre - räumt der
Partnerschaft
zwischen
Europa
und
- 6 -

+ + + + + +

�</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

25. Juni 1997

12

G-8

GIPFEL IN DENVER IST VORBEREITUNG
AUF ZUKÜNFTIGE GLOBALE
HERAUSFORDERUNGEN
Radioansprache von Präsident Clinton

GESELLSCHAFT

CLINTON: VIELFALT IST VON
ELEMENTARER BEDEUTUNG
Rede des Präsidenten in San Diego

WIRTSCHAFT

RUBIN FORDERT FORTGESETZTES
INTERNATIONALES ENGAGEMENT
DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede des Finanzministers

AUSSENPOLITIK

THEMEN DER GESAMTEUROPÄISCHEN
SICHERHEITSPOLITIK
Ansprache von J.D. Bindenagel

TERRORISMUS

TERRORISMUS, DIE MEDIEN UND DAS
21. JAHRHUNDERT
von Raphael F. Perl

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�G-8
25. Juni 1997

Gipfel in Denver ist Vorbereitung
auf zukünftige globale Herausforderungen
Radioansprache von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Radioansprache, die Präsident Clinton im Vorfeld des
vom 20.-22. Juni 1997 in Denver abgehaltenen Wirtschaftsgipfels der Staats- und Regierungschefs der acht
führenden Industriestaaten hielt.

Guten Morgen. Ich spreche heute aus Denver (Colorado) zu Ihnen, wo die Staats- und Regierungschefs
der führenden demokratischen Industriestaaten am
G-8-Gipfel teilnehmen. Während der nächsten zwei
Tage werden die Augen der Weltöffentlichkeit auf
Denver und Amerika ruhen, und wir haben allen
Grund, stolz zu sein.
Unsere Volkswirtschaft ist die gesündeste seit einer
Generation und die stärkste der Welt mit der niedrigsten Arbeitslosenquote seit 24 Jahren, der niedrigsten
Inflationsrate seit 30 Jahren, der größten Verringerung
der Ungleichheit unter unseren Arbeitnehmerfamilien
seit den sechziger Jahren und mehr als 12 Millionen
neuen Arbeitsplätzen. Unsere Exporte befinden sich
auf dem Höchststand. Wir bahnten einen neuen Weg
zu Wohlstand und Sicherheit mit einer Strategie zum
Abbau des Haushaltsdefizits, Investitionen in unsere
Menschen und der Öffnung der Welt für unseren
Handel. Amerika ist bereit zur Übernahme einer
Führungsrolle im 21. Jahrhundert, wie wir sie schon im
zu Ende gehenden 20. Jahrhundert innehatten.
Heute möchte ich darüber sprechen, warum dieser
Gipfel für unsere Nation und unser Volk von Bedeutung ist und was wir dort erreichen wollen. Die
führenden Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Kanadas, Frankreichs, Deutschlands,
Italiens, Großbritanniens, Japans, der Europäischen
Union und Rußlands werden an einem Tisch sitzen.
Die Tatsache, daß sie zusammenkommen, sagt schon
alles über die Welt von heute aus. Unsere Heimatländer liegen Tausende von Kilometern voneinander
entfernt, aber das durch die Revolution im
Technologie-, Verkehrs- und Kommunikationsbereich

AMERIKA DIENST 12

angekurbelte Wachstum der Weltwirtschaft hat uns alle
einander nähergebracht. Und die Tatsache, daß ein
demokratisch gewählter Regierungschef Rußlands
erstmals einem dieser jährlichen Treffen von Anfang
bis Ende beiwohnt, zeigt, wie weit wir seit den Tagen
des Kalten Krieges gekommen sind.
Dieser Moment der Möglichkeiten bietet enorme
Chancen für all unsere Völker - Ideen, Waren und
Dienstleistungen, Technologie und Kapital überqueren
die Grenzen schneller denn je, bereichern unser
Leben auf vielfältige Weise und erhöhen unseren
Wohlstand. Aber während sich der Fortschritt schnell
auf der Welt verbreitet, kann das bei Problemen
ebenfalls geschehen. Eine Währungskrise in einem
Land kann auch weit über seine Grenzen hinaus
Erschütterungen verursachen, Arbeitsplätze und
Stabilität in einem völlig anderen Teil der Welt gefährden. Moderne Technologien und offenere Grenzen
tragen zum Prosperieren der Unternehmen bei können aber auch Terroristen, Drogenhändlern und
Verbrechern beim Planen und Verwischen ihrer
Spuren behilflich sein.
Vermehrte Reisen und Handel setzen unsere Menschen neuen Kulturen und Chancen aus, aber auch
der Verbreitung gefährlicher Krankheiten, gegen die
keine Nation immun ist. Und die Verschlechterung der
Qualität der Umwelt in einem Land kann zu globalen
Problemen beitragen, die die Lebensqualität aller
verschlechtern.
In den vergangenen vier Jahren haben wir hart
gearbeitet, um gemeinsame Maßnahmen gegen diese
Bedrohungen zu ergreifen und diese gemeinsamen

Seite 1

�Maßnahmen zum zentralen Bestandteil unserer
Gipfeltreffen zu machen. Hier in Denver werde ich
weitere Schritte zum Schutz unserer Bürger vor diesen
Bedrohungen ankündigen. Vor zwei Jahren, als wir in
Halifax zusammenkamen, vereinbarten wir Zusammenarbeit zur Abwendung von Finanzkrisen und deren
Verbreitung im Falle ihres Auftretens. Inzwischen
haben sich unsere Finanzminister auf die Schaffung
eines globalen Netzwerks von Bank- und Marketingvertretern zur Überwachung der Finanzpolitik der
jeweiligen Länder und riskanter Maßnahmen geeinigt.
Unsere Zusammenarbeit wird verhindern, daß ein
Finanzschock im Ausland den Wohlstand hier bei uns
zu Hause bedroht.
Wir arbeiten auch mit den Entwicklungsländern an der
Verabschiedung solider Finanzpraktiken zusammen,
so daß ihre Märkte ungestört funktionieren, sie stabile
Unternehmen aufbauen sowie Handel und Investitionen anziehen können. Diese aufstrebenden Volkswirtschaften sind die am schnellsten wachsenden der
Welt. Ihnen bei der Schaffung von mehr Wohlstand
behilflich zu sein, bedeutet größere Chancen für
amerikanische Exporte und bessere amerikanische
Arbeitsplätze.
Wir werden auch unseren Kampf gegen Grenzen
mißachtende neue Kräfte der Zerstörung fortsetzen.
Als wir im vergangenen Jahr in Lyon zusammenkamen, vereinbarten wir eine Reihe von Maßnahmen zur
Bekämpfung von Terrorismus und organisiertem
Verbrechen. In der Zwischenzeit haben wir konkrete
Schritte durchgeführt, von der Verbesserung der
Flugsicherheit bis zur Verweigerung von Zuflucht für
Verbrecher. Darüber hinaus haben wir beträchtliche
Fortschritte bei der Verbesserung der Sicherheit und
sicheren Lagerung von Nuklearmaterial erzielt - was
ohne Rußland als Partner einfach nicht möglich
gewesen wäre.
Gemeinsam arbeiten die Acht auf die verschärfte
Kontrolle von Plutonium aus zerlegten Gefechtsköpfen

*

Seite 2

hin, damit es nicht in die falschen Hände gerät. Um
Nuklearschmuggel besser zu verhindern und solche
Fälle zu ermitteln, haben wir ein rasches Reaktionsnetz aufgebaut und die Zusammenarbeit zwischen
Strafverfolgungs- und Zollbehörden, den Nachrichtendiensten sowie die Arbeit unserer Gerichte verbessert,
damit wir die Quellen von geschmuggeltem Nuklearmaterial besser ausmachen können. Bald werden sich
uns über 20 zusätzliche Länder in Europa und Zentralasien bei diesen gemeinsamen Unternehmungen
anschließen.
In diesem Jahr werden wir eine weitere globale
Herausforderung in Angriff nehmen: Die Verbreitung
von ansteckenden Krankheiten. Viele glauben, daß
dies eines der gravierendsten Probleme des 21.
Jahrhunderts sein wird. Ich werde auf ein Abkommen
zur gemeinsamen Entwicklung eines globalen Krankheitsüberwachungsnetzes drängen, das frühzeitig über
den Ausbruch einer Krankheit informiert, so daß wir
rasch und effektiv reagieren können. Um diese
Reaktion zu koordinieren, damit wir die richtigen
Medikamente so schnell wie möglich dort zur Verfügung haben, wo sie benötigt werden, und zur Stärkung
des öffentlichen Gesundheitssystems - insbesondere
in den Entwicklungsländern - werde ich ferner die
anderen Staats- und Regierungschefs bitten, sich
Amerika bei der vehementen Suche nach einem
HIV/AIDS-lmpfstoff anzuschließen, wie ich bereits im
vergangenen Monat in meiner Rede vor der Morgan
State University in Maryland gefordert habe.
Das Treffen der Acht ist Teil der von uns unternommenen umfassenderen Bestrebungen zur Gestaltung der
Welt, damit sie die Herausforderungen in dem vor uns
liegenden Jahrhundert meistern kann. Wir wissen,
wenn wir unsere Stärke, unsere Erfahrung und unsere
Ideen koordinieren, haben wir eine sehr viel bessere
Chance auf Erfolg. Und für die amerikanischen
Familien bedeutet dies mehr Wohlstand, mehr Frieden
und mehr Sicherheit für unsere Kinder.

* * *

*

AMERIKA DIENST 12

�GESELLSCHAFT
25. Juni 1997

Clinton: Vielfalt ist von elementarer Bedeutung
Rede des Präsidenten in San Diego

SAN DIEGO - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir unwesentlich gekürzt die Rede, die Präsident Clinton am 14.
Juni 1997 im Rahmen einer Abschlußfeier an der University of California in San Diego hielt. Darin konzentriert
sich der Präsident auf die Rassenbeziehungen in den Vereinigten Staaten und stellt einen Plan vor, den Dialog
zu fördern und Rassentrennung auf allen Gebieten zu überwinden.

Heute feiern wir Ihre Leistungen in einem für Amerika
wahrhaft glücklichen Moment. Der Kalte Krieg ist
vorüber und überall auf der Welt ist die Freiheit auf
dem Vormarsch. Mehr als die Hälfte der Menschen
weltweit leben erstmals unter einer Regierung ihrer
Wahl.
Unsere Wirtschaft ist die gesündeste seit einer Generation und die stärkste der Welt. Unsere Kultur, unsere
Wissenschaft und unsere Technologie versprechen
unvorstellbare Fortschritte und interessante neue
Berufswege. Dank unserer Bestrebungen bekommen
wir unsere sozialen Probleme - von Kriminalität bis
Armut - endlich in den Griff.
Natürlich liegen vor Ihnen noch Herausforderungen.
Jenseits unserer Grenzen müssen wir Terrorismus,
organisiertes Verbrechen und Drogenhandel, die
Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen
sowie potentielle neue Krankheiten und Umweltkatastrophen bekämpfen.
In unserem Land müssen wir sicherstellen, daß jedes
Kind die Chance zur Entwicklung seiner von Gott
gegebenen Fähigkeiten erhält. Wir dürfen den Kindern
nicht erst Beachtung schenken, wenn sie in Schwierigkeiten sind.
Wir müssen weiterhin die Geißel von Jugendbanden,
Verbrechen und Drogen bekämpfen. Wir müssen uns
darauf vorbereiten, daß die Babyboom-Generation in
Rente geht, damit uns noch Geld für die Bekämpfung
der Armut unter Kindern übrigbleibt. Wir müssen die
Kräfte von Wissenschaft und Technologie zum Wohl
der gesamten amerikanischen Öffentlichkeit einsetzen.

AMERIKA DIENST 12

Aber meines Erachtens ist unsere größte Herausforderung auch unsere größte Chance. Das komplexeste aller unsere Gesellschaft immer noch konfrontierenden Probleme von Diskriminierung und
Vorurteilen ist das älteste und in mancher Hinsicht
auch neueste: das Rassenproblem. Können wir das
Versprechen Amerikas erfüllen und dabei die Bürger
aller Rassen einbeziehen - nicht nur an einer Universität, deren Studenten verständige Dozenten und
die Zeit haben, nachzudenken, sich zu entfalten und
sich im täglichen Leben kennenzulernen? Mit anderen
Worten: Können wir im 21. Jahrhundert zu einem
Amerika werden?
Ich weiß und habe das auch bereits gesagt, daß
dieses Ziel nicht mit Geld erkauft, nicht mit Gewalt
erzwungen und nicht mit Technologie geschaffen
werden kann. Es kann nur vom menschlichen Geist
ausgehen - dem Geist, der sichtbar wurde, als der aus
Angehörigen vieler Rassen bestehende Chor die
Gospels sang.
Heute hat der Bundesstaat Hawaii, der hier durch
einen Senator und eine Kongreßabgeordnete vertreten
ist, keine rassische oder ethnische Mehrheit. Es ist ein
wunderbarer Ort voller Freundschaft und Patriotismus.
Binnen drei Jahren wird hier in Kalifornien keine
rassische oder ethnische Gruppe mehr die Mehrheit
der Bevölkerung des Bundesstaates ausmachen. Fünf
unserer größten Schulbezirke haben bereits Schüler
aus mehr als 100 verschiedenen rassischen und
ethnischen Gruppen. Auf diesem Campus haben 12
Nobelpreisträger aus neun verschiedenen Ländern
gelernt oder gelehrt. In einem halben Jahrhundert,

Seite 1

�wenn unsere Enkel aufs College gehen, wird es in
Amerika keine Rasse geben, die die Mehrheit stellt.
Was für ein Amerika wird das sein? Wird es ein
Amerika sein, das seine Unterschiede nicht nur
respektiert, sondern feiert, und vor allem seine Gemeinsamkeiten betont? Werden wir definieren können, was es bedeutet, ein Amerikaner zu sein, nicht
nur im Zusammenhang mit dem Kompositum, das
unsere ethnische Herkunft angibt, wie zum Beispiel
afroamerikanisch, sondern vor allem im Hinblick auf
unsere Bindung an die Werte, für die Amerika steht
und nach denen wir leben? Unsere Herzen sehnen
sich danach, diese Fragen mit Ja zu beantworten, aber
unsere Geschichte erinnert uns daran, daß das
schwierig ist. Die uns verbindenden Ideale sind so alt
wie unsere Nation, aber dasselbe gilt für die uns
trennenden Kräfte. Unsere Gründerväter wollten eine
perfektere Union bilden: Die in diesem Satz enthaltene
Demut und Hoffnung ist die Geschichte von Amerika
und unsere heutige Mission.
Halten Sie sich folgendes vor Augen: Wir wurden mit
einer Unabhängigkeitserklärung als Staat geboren, die
bekräftigt, daß wir alle gleich geschaffen sind und einer
Verfassung, die die Sklaverei festschrieb. Wir kämpften einen blutigen Bürgerkrieg, um die Sklaverei
abzuschaffen und die Union zu erhalten, blieben
jedoch ein weiteres Jahrhundert lang geteilt und
ungleich vor dem Gesetz. Wir drangen im Namen der
Freiheit auf den gesamten Kontinent vor, vertrieben
dabei aber die Indianer von ihrem Land und vernichteten oftmals ihre Kultur und ihr Leben. Unsere
Freiheitsstatue heißt die armen, müden, gebeutelten
Massen der Einwanderer an unseren Grenzen willkommen, aber jede neue Welle spürte den Stachel der
Diskriminierung.
Im Zweiten Weltkrieg kämpften die Amerikaner
japanischer Herkunft mutig für die Freiheit in Europa
und brachten große Opfer, während ihre Familien zu
Hause in Internierungslager gepfercht wurden. Die
berühmten schwarzen Kampfpiloten aus Tuskegee
verloren während des Krieges keinen ihrer Bomber,
aber ihre afroamerikanische Herkunft beraubte sie
vieler Rechte, als sie in Friedenszeiten nach Hause
zurückkehrten.
Obwohl Angehörige von Minderheiten heute mehr
Chancen denn je haben, sehen wir immer noch
Beweise für Intoleranz: Von der Entweihung von
Gotteshäusern - seien es Kirchen, Synagogen oder
Moscheen - bis zu abfälligen Bemerkungen in Unternehmen. Sie, die Absolventen des Jahrgangs 1997,
haben noch viel Arbeit vor sich. Wer jedoch sagt, wir
könnten das Problem der Vorurteile nicht in das
Versprechen der Einheit umwandeln, vergißt, wie weit
wir schon gekommen sind und hat wahrscheinlich
noch nie einen Jahrgang wie den Ihren gesehen.

Seite 2

Wenn ich Sie betrachte, kann ich mich fast nicht mehr
an mein eigenes Leben erinnern. Ich wuchs während
des höchst dramatischen Kalten Krieges im patriotischen Süden auf. Schwarze und weiße Bürger der
Südstaaten trugen gleichermaßen die nationale
Uniform zur Verteidigung der Freiheit gegen den
Kommunismus. Sie kämpften und starben gemeinsam
- von Korea bis Vietnam. Aber zu Hause ging ich in
nach Rassen getrennte Schulen, schwamm in nach
Rassen getrennten Schwimmbädern, saß im Kino in
dem für Weiße abgetrennten Bereich und reiste in
meinem Heimatstaat durch kleine Städte, in denen
Toiletten und Wasserspender noch nach "Weiß" und
"Farbig" getrennt waren.
Durch die Gnade Gottes hatte ich einen Großvater, der
zwar nur eine Grundschulbildung, dafür aber das Herz
eines wahren Amerikaners hatte. Er brachte mir bei,
daß das falsch ist. Und durch die Gnade Gottes gab
es mutige Afroamerikaner wie den Kongreßabgeordneten John Lewis, die immer wieder ihr Leben aufs
Spiel setzten, um das Unrecht zu beheben. Und es
gab weiße Amerikaner wie den Kongreßabgeordneten
Bob Filner, der gemeinsam mit John Lewis den langen,
edlen Kampf für die staatsbürgerlichen Rechte kämpfte
und wußte, daß es auch ein Kampf zur Befreiung der
Weißen war.
Es gibt zweifellos noch unerledigte Angelegenheiten
zwischen schwarzen und weißen Amerikanern, aber
das klassische amerikanische Dilemma ist jetzt zu
einer Vielzahl von Dilemmas der Rasse und ethnischen Zugehörigkeit geworden. Wir sehen sie an
den Spannungen zwischen schwarzen und hispanischen Kunden und ihren koreanischen oder arabischen Lebensmittelhändlern, an dem wiederauflebenden Antisemitismus sogar auf dem Campus einiger
Colleges, an der Feindseligkeit gegenüber neuen
Einwanderern von Asien über den Nahen Osten und
die ehemals kommunistischen Länder bis nach
Lateinamerika und der Karibik - selbst denen, die
durch harte Arbeit und dank starker Familien Erfolg auf
die amerikanische Art hatten.
Wir beobachten eine beunruhigende Tendenz, das zu
beanstandende Verhalten einiger Mitglieder bestimmter Gruppen, einschließlich der weißen Mehrheit, auf
die ganze Gruppe zu übertragen. Wenn ein farbiger
Amerikaner ein Verbrechen begeht, sollte man dieses
selbst verurteilen - aber dabei nicht vergessen, daß die
meisten Afroamerikaner hart arbeitende, gesetzestreue Bürger sind. Wenn das Mitglied einer Gang von
Latinos Drogen schmuggelt, sollte man das verurteilen
- aber dabei nicht vergessen, daß die große Mehrheit
der Hispanoamerikaner
verantwortungsbewußte
Bürger sind, die ebenfalls die Geißel der Drogen in
unserem Leben beklagen. Wenn weiße Teenager
einen afroamerikanischen Jungen nur wegen seiner
Rasse fast zu Tode prügeln, dann verurteilen Sie das
um Gottes willen - aber vergessen Sie nicht, daß die

AMERIKA DIENST 12

�überwältigende Mehrheit der Weißen das ebenso
verabscheuungswürdig findet. Wenn eine asiatische
Großhändlerin ihre einer anderen Minderheitengruppe
angehörenden Kunden diskriminiert, sollte man sie
darauf ansprechen - aber dabei nicht vergessen, daß
sehr viele Asiaten ebenfalls unter Vorurteilen gelitten
haben und nicht möchten, daß das jemand anderem
passiert.
Vergessen Sie auch nicht, daß wir trotz hartnäckiger
Vorurteile integrierter denn je sind. Es gibt in Wohngegenden, bei der Arbeit, in der Schule und bei
sozialen Aktivitäten, im religiösen Leben und sogar in
der Liebe und Ehe mehr die Rassenschranken
überwindende Verbindungen als je zuvor. Mehr
Amerikaner denn je erfreuen sich der Gesellschaft und
unterschiedlichen Kultur anderer Rassen. Und mehr
denn je erkennen die Vorteile unserer rassischen,
sprachlichen und kulturellen Vielfalt in einer globalen
Gesellschaft, in der Handels- und Kommunikationsverbindungen die Menschen näherbringen und
diejenigen reich belohnen, die das Leben jenseits der
Grenzen ihrer Nation verstehen.
Mit nur einem Zwanzigstel der Weltbevölkerung aber
einem Fünftel des Welteinkommens müssen wir
Amerikaner in den übrigen 95 Prozent der Verbraucher
auf der Welt Abnehmer finden, um unseren Lebensstandard beizubehalten. Da wir aus allen Kulturen der
Erde stammen, sind wir hierzu in einer einzigartigen
Weise befähigt. Über den Handel hinaus können die
unterschiedliche Herkunft und die Begabungen
unserer Bürger Amerika helfen, den Globus zu erhellen und den durch Rasse, Religion und ethnische
Herkunft gespaltenen Ländern zu zeigen, daß es einen
besseren Weg gibt.
Wie Sie uns heute gezeigt haben, bereichert unsere
Vielfalt unser Leben auf immaterielle Weise - sie
vertieft unser Verständnis der menschlichen Natur und
der Unterschiede zwischen den Menschen und macht
unsere Gemeinden interessanter, vergnügter und
sinnvoller. Deshalb bin ich heute hierher gekommen.
Ich möchte das amerikanische Volk bitter), sich mir bei
dem großen nationalen Bestreben anzuschließen, das
Versprechen Amerikas für diese neue Zeit zu vervollkommnen, in der wir den Aufbau einer vollkommeneren Union anstreben.

Teilnahme an diesen Bestrebungen ebenso viel
gewinnen wie alle anderen - sie werden durch ein
Amerika bereichert, in dem wir endlich die Verantwortung für alle unsere Kinder übernehmen, damit sie,
wie Martin Luther King hoffte, "nicht anhand ihrer
Hautfarbe, sondern anhand ihres Charakters" beurteilt
werden.
Was müssen wir tun? Ich arbeite seit viereinhalb
Jahren daran, Amerika auf das 21. Jahrhundert
vorzubereiten - mit Chancen für alle, Pflichten für alle
und einer amerikanischen Gemeinschaft aller Bürger.
Um auf diesen Gebieten Erfolg zu haben, müssen wir
uns mit den Realitäten und Vorstellungen aller Rassen
in Amerika befassen.
Erstens müssen wir weiterhin die Chancen verbessern. Umfassende Beteiligung an einer starken
und wachsenden Wirtschaft ist das beste Mittel gegen
Neid, Verzweiflung und Rassismus. Wir müssen
Fortschritte machen, um Millionen aus Armut und
Sozialhilfe zu retten und ihnen Arbeit zu geben, die
Innenstädte mit Unternehmergeist zu erfüllen und
unsere Bestrebungen zu verdoppeln, die ländlichen
Gebiete zu erreichen, die noch nicht in den Genuß des
Wohlstands gekommen sind. Und am wichtigsten ist,
daß wir unseren jungen Menschen die beste Bildung
der Welt bieten müssen.
Es gibt keine Kinder, die aufgrund ihres ethnischen
oder rassischen Hintergrunds nicht den von uns

gesetzten höchsten akademischen Standards entsprechen können, wenn wir ihnen gut ausgebildete
Lehrer und gut ausgestattete Klassenzimmer geben
und weiterhin vernünftige Reformen zur Förderung
herausragender Leistungen unterstützen, wie beispielsweise die Bewegung zur Gründung von Privatschulen.
Zu einer Zeit, in der eine Collegeausbildung Stabilität,
einen guten Arbeitsplatz und Zugang zur Mittelschicht
bedeutet, müssen wir allen Amerikanern die Tür zum
College öffnen, damit am Vorabend des nächsten
Jahrhunderts ein mindestens zweijähriger Collegebesuch ebenso üblich wird, wie es heute das HighSchool-Diplom ist.

Jetzt, da mehr Grund zur Hoffnung als zur Angst
besteht und wir nicht durch Notfälle oder soziale
Umwälzungen unter Druck stehen, ist der richtige
Zeitpunkt, gemeinsam zu lernen, miteinander zu
sprechen und gemeinsam das eine Amerika aufzubauen.

Bei unseren Bestrebungen zur Ausweitung von
Wirtschafts- und Bildungschancen für alle unsere
Bürger müssen wir die Rolle von Programmen zur
beruflichen Gleichstellung in Betracht ziehen. Ich
weiß, daß diese in Amerika nicht perfekt waren,
weshalb wir vor zwei Jahren Bestrebungen in die
Wege leiteten, die Mängel zu beseitigen. Aber wenn
sie richtig eingesetzt werden, funktionieren sie.

Ich weiß, daß viele Amerikaner weißer Hautfarbe den
Eindruck bekommen können, dieses Gespräch würde
sie ausschließen oder bedrohen. Das darf nicht sein.
Meines Erachtens können die Weißen durch die

Die berufliche Gleichstellung brachte eine ganze
Generation von Führungskräften auf Gebieten hervor,
die früher exklusive Clubs waren - in denen Menschen
wie ich den Vorteil einer 100-prozentigen Gleich-

AMERIKA DIENST 12

Seite 3

�Stellung genossen. Jetzt gibt es mehr Unternehmerinnen denn je. Und es gibt mehr Rechtsanwälte und
Richter, Wissenschaftler und Ingenieure, Wirtschaftsprüfer und Geschäftsführer afrikanischer, hispanischer
und asiatischer Herkunft denn je.

der Ausbildung der Studenten geschehen. Wir dürfen
bei der weiterführenden Bildung nicht wieder die
Rassentrennung einführen oder es den Privatuniversitäten überlassen, die Arbeit der Öffentlichkeit zu
übernehmen.

Das beste Beispiel für berufliche Gleichstellung ist
jedoch unser Militär. Unsere Streitkräfte sind vollkommen vielfältig - vielleicht die integrierteste Institution in unserer Gesellschaft und zweifelsohne das
integrierteste Militär der Welt. Und noch wichtiger ist,
daß niemand in Frage stellt, daß sie die besten der
Welt sind. Soviel zu dem Argument, herausragende
Leistungen und Vielfalt gingen nicht Hand in Hand.

Zu einer Zeit, in der wir daran arbeiten müssen, besser
zusammen zu leben und zu lernen, sollten wir weiterhin versuchen, wirtschaftliche Chancen anzugleichen.
Diejenigen, die Förderprogramme ablehnen, bitte ich,
eine Alternative zu bieten. Ich würde sie akzeptieren,
wenn ich dadurch einen besseren Weg finden könnte.
Und denjenigen unter uns, die sie noch unterstützen,
sage ich, wir sollten uns weiterhin dafür einsetzen, wir
sollten diejenigen einbeziehen, die anderer Meinung
oder unsicher sind, und über die praktischen Auswirkungen dieser Probleme reden, und man sollte nie
von uns denken, daß wir nicht mit denen zusammenarbeiten wollen, die anderer Meinung sind als wir, um
neue Wege zu finden, den Menschen weiterzuhelfen
und die Menschen zusammenzubringen.

Einige argumentieren, daß die bei einheitlichen Tests
erzielten Noten der einzige Qualifikationsmaßstab für
die Zulassung zum College oder zur Universität sein
sollten. Häufig wird jedoch für die Kinder von Ehemaligen oder Studenten mit sportlichen Fähigkeiten nicht
derselbe Maßstab angelegt.
Meines Erachtens haben Studenten, die die herausragenden Leistungen und die Vielfalt der Menschen
verkörpern, mit denen wir leben und arbeiten werden,
einen eigenständigen erzieherischen Wert. Blicken
Sie um sich. Glauben Sie nicht, daß Sie aufgrund der
Sie umgebenden Vielfalt sehr viel mehr gelernt haben
als wenn alle um Sie herum genauso aussehen
würden wie Sie? Ich glaube, Sie haben sehr viel mehr
gelernt.
Und über den erzieherischen Wert hinaus liegt es im
öffentlichen Interesse, weil Sie lernen, in der Welt, in
der Sie besser leben werden, zu leben und zu arbeiten. Wenn junge Menschen Seite an Seite mit Menschen unterschiedlichster Herkunft sitzen, lernen sie
etwas, das sie in die Welt mitnehmen können. Sie
werden bessere Bürger sein.
Viele Studenten, die an einem Förderprogramm
teilgenommen haben, erbringen herausragende
Leistungen. Sie arbeiten hart, sie bestehen die
Prüfungen, sie gehen und dienen den Gemeinden, die
sie wegen ihres Fachwissens und als Vorbild brauchen. Wenn wir ihnen die Tür verschließen, werden
wir unsere großartigsten Universitäten schwächen,
und es wird schwieriger sein, die Gesellschaft aufzubauen, die wir im 21. Jahrhundert benötigen.
Ich weiß, daß die Bürger Kaliforniens ohne böse
Absicht für die Aufhebung der Förderprogramme
gestimmt haben. Die große Mehrheit tat es einfach
aus der Überzeugung heraus, daß Diskriminierung und
Isolierung keine Barrieren für Leistung mehr sind.
Aber betrachten Sie sich die Ergebnisse. Die Immatrikulationszahl der Angehörigen von Minderheiten an
juristischen Fakultäten und anderen Graduiertenprogrammen ist zum ersten Mal seit Jahrzehnten
gesunken. Stellen Sie sich vor, dasselbe würde bei

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Abgesehen von den Chancen müssen wir von jedem
Amerikaner
Verantwortungsbewußtsein
fordern.
Unsere Stärke als Gesellschaft hängt von beidem ab davon, daß die Menschen die Verantwortung für sich
selbst und ihre Familien übernehmen, ihren Kindern
Werte beibringen, hart arbeiten und das Gesetz
befolgen und den anderen etwas zurückgeben. Die
neue Wirtschaft bietet weniger Garantien, enthält mehr
Risiken, aber auch größere Belohnung. Sie fordert von
uns allen, noch mehr Verantwortung für unsere
Ausbildung zu übernehmen als je zuvor.
In dem derzeitigen wirtschaftlichen Aufschwung hat nur
eine rassische oder ethnische Gruppe in den Vereinigten Staaten tatsächlich einen Einkommensrückgang erlebt - die Hispanoamerikaner. Ein Hauptgrund dafür ist, daß die Zahl der Schulabbrecher an
hispanischen High Schools weit über der von Weißen
und Schwarzen liegt. Einige der Abbrecher wollen
unbedingt arbeiten. Wir bewundern die legendäre
Bereitschaft, viele Stunden lang eine harte Arbeit bei
schlechter Bezahlung zu übernehmen. In der alten
Wirtschaft war das vernünftig. Aber in der neuen
Wirtschaft, in der Ausbildung der Schlüssel ist, bedeutet Schulbesuch Verantwortung.
Keine Verantwortung ist grundlegender als das
Befolgen von Gesetzen. Es ist nicht rassistisch, darauf
zu bestehen, daß jeder Amerikaner das tut. Der Kampf
gegen Verbrechen und Drogen ist ein Kampf für die
Freiheit aller unserer Menschen - einschließlich und
vielleicht insbesondere der Minderheiten, die in
unseren ärmsten Vierteln leben. Aber die Respektierung der Gesetze muß in beide Richtungen erfolgen.
Die schockierend unterschiedlichen Auffassungen
über die Fairneß unseres Strafrechtssystems erwachsen aus den realen Erfahrungen, die so viele
Angehörige von Minderheiten mit den Strafverfol-

AMERIKA DIENST 12

�gungsbeamten gemacht haben. Die Antwort besteht
zum Teil darin, daß alle unserer Bürger die Gesetze
befolgen, aber die Grundregel muß lauten, daß das
Gesetz alle unsere Bürger respektiert.
Und das gilt auch für die Durchsetzung unserer
Gesetze über die Bürgerrechte. Die Behörde für die
Gleichberechtigung am Arbeitsplatz hat beispielsweise
einen enormen Überhang an Fällen von Diskriminierungsklagen - obwohl wir diesen in den vergangenen
vier Jahren um 25 Prozent reduziert haben. Ohne
mehr Ressourcen können wir nicht sehr viel mehr tun.
Es ist unerläßlich, daß der Kongreß - insbesondere die
Abgeordneten, die sagen, sie seien für Bürgerrechte
aber gegen Förderprogramme - uns mindestens das
erforderliche Geld für die Umsetzung des Rechts des
Landes geben und zwar bald.

unterrichtet, einen Dialog in jeder Gemeinde des
Landes fördert, um diese Probleme in Angriff zu
nehmen und durchzuarbeiten, Führungspersönlichkeiten auf allen Ebenen anwirbt und ermutigt, Rassentrennung zu überwinden sowie konkrete Lösungen zu
unseren Problemen erarbeitet und umsetzt - Lösungen, die uns alle in der Regierung, den Unternehmen,
Gemeinden und als einzelne Bürger einbeziehen.
Ich werde dem amerikanischen Volk in regelmäßigen
Abständen von unseren Erkenntnissen und Aktionen
berichten, die wir alle durchführen müssen, um
Amerika voranzubringen.
Dieses Gremium wird
Amerikanern aller Rassen und aller Lebensbereiche
zuhören. Sie leisten einen großartigen Dienst am
Bürger, aber beim Aufbau eines Amerikas müssen alle
Bürger dienen.

Unser drittes Gebot ist vielleicht das Schwierigste. Wir
müssen eine auf die Respektierung des anderen und
unsere gemeinsamen Werte gründende amerikanische
Gemeinschaft aufbauen. An der Schwelle zu einem
neuen Jahrhundert müssen wir heute mit einer offenen
Diskussion über den Stand der Rassenbeziehungen
und die Auswirkungen auf Amerikaner so vieler
unterschiedlicher Rassen beginnen, die zusammen
leben und arbeiten. Seit langem reden wir aneinander
vorbei und übereinander. Es ist höchste Zeit, daß wir
alle beginnen, miteinander zu reden.

Wie ich beim Gipfeltreffen des Präsidenten über den
Dienst am Bürger in Philadelphia erklärt habe, sind
solche Akte des Dienstes am Bürger grundlegende
Akte der Staatsbürgerschaft. Die Regierung muß ihre
Rolle spielen, ein Großteil der Arbeit muß jedoch vom
amerikanischen Volk als Dienst am Bürger geleistet
werden. Dieses Unternehmen wird uns stärken und
uns näher zusammenbringen.

Im kommenden Jahr möchte ich mit dem amerikanischen Volk ein großartiges und beispielloses Gespräch über Rassen führen. An den Bestrebungen der
Gemeinden von Lima in Ohio bis zu Billings in Montana, an bemerkenswerten Experimenten rassenübergreifender Kommunikation wie dem einzigartigen
ERACISM habe ich gesehen, was Amerikaner tun
können, wenn sie aufeinander zugehen.

allen anerkannt wird.

Ich habe einen der größten Gelehrten der Vereinigten
Staaten, Dr. John Hope Franklin, gebeten, den Vorsitz
über ein Beratergremium von sieben herausragenden
Amerikanern zu übernehmen, um mir bei diesem
Unternehmen behilflich zu sein. Es sind die ehemaligen Gouverneure Thomas Kean aus New Jersey und
William Winter aus Mississippi - beide vehemente
Bürgerrechtsaktivisten; Linda Chavez-Thompson,
Stellvertretende Vorsitzende des amerikanischen
Gewerkschaftsdachverbands AFL-CIO; Reverend
Suzan Johnson Cook, Pfarrerin aus der Bronx und
ehemaliger Fellow des Weißen Hauses; Angela Oh,
Rechtsanwältin und Gemeindevertreterin von Los
Angeles sowie Robert Thompson, Geschäftsführer von
Nissan USA - alle herausragende Führungspersönlichkeiten und Führungspersönlichkeiten in ihrer Gemeinde.
Ich möchte, daß dieses Gremium die Amerikaner über
die Fakten im Zusammenhang mit Rassenfragen

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Mit anderen Worten: Ich möchte, daß Amerika das
Gefühl und den Geist bewahrt, den Sie alle uns heute
vermittelt haben. Ich möchte, daß das Gremium von
Ich möchte, daß Sie sich die

Freiheit nehmen, im nächsten Jahr mit Dr. Franklin
und den Angehörigen des Gremiums zu sprechen.
Zunächst wird ein ehrlicher Dialog nicht leicht sein.
Wir alle müssen unsere Abwehrhaltung, Furcht,
political correctness und andere Barrieren für Ehrlichkeit aufgeben. Die Emotionen können hohe Wellen
schlagen, aber wir müssen beginnen.
Was werden wir als Land wirklich erreichen? Wenn
wir nicht mehr tun als reden, wird es interessant sein aber nicht genug. Wenn wir nicht mehr tun als voneinander losgelöste Maßnahmen vorzuschlagen, wäre
das hilfreich - aber nicht genug.
Aber wenn die Menschen in zehn Jahren zurückblicken und sehen, daß dieses Jahr des ehrlichen
Dialogs und konzertierter Aktionen dazu beitrug, die
Zukunft unserer Kinder von der schweren Last der
Rassenfrage zu befreien, dann haben wir Amerika ein
wertvolles Geschenk gemacht.
Ich möchte Sie bitten, sich jetzt, nach dem schwierigen
Prozeß über den Bombenanschlag in Oklahoma,
einen Augenblick lang an diesen schrecklichen Tag zu
erinnern, als wir für Amerikaner geweint und einen
Moment lang vergessen haben, daß viele von ihnen
einer anderen Rasse angehörten.

Seite 5

�Erinnern Sie sich an die vielen Gesichter und Rassen
der Amerikaner, die nicht geschlafen und ihr Leben
aufs Spiel gesetzt haben, um zu retten, zu helfen und
Trost zu spenden. Erinnern Sie sich, daß Sie Naturkatastrophen wie hier in Kalifornien gesehen haben. Das
ist das Gesicht des echten Amerikas. Das ist das
Gesicht, das ich immer wieder gesehen habe. Das ist
das Amerika, das wir auf irgendeine Weise im täglichen Leben Amerikas real werden lassen müssen.
Sie als Absolventen werden eine bessere Chance
haben, Ihre Träume auszuleben als jede andere
Generation in unserer Geschichte, wenn wir aus
unseren vielen unterschiedlichen Elementen ein
Amerika machen - eine Nation in Frieden mit sich
selbst, die durch gemeinsame Werte, Wünsche und
Chancen sowie die Respektierung unserer Unterschiede verbunden ist.
Ich bin ein schottisch-irischer Baptist aus dem Süden
der Vereinigten Staaten, und ich bin stolz darauf. Aber
mein Leben wurde in unermeßlicher Weise durch die
Kraft der Thora, die Schönheit des Koran, die eindringlichen Weisheiten der Religionen Ost- und Südasiens
bereichert - die meine amerikanischen Mitbürger
ausüben. Ich habe unbeschreibliche Freude und
Frieden in Kirchen der Schwarzen und Pfingstler
gefühlt. Ich habe die Intensität und Selbstlosigkeit
meiner hispanischen Mitbürger gegenüber der Familie
lieben gelernt. Als Südstaatler bin ich mit Countrymusic und Dorffesten aufgewachsen, und sie
gefallen mir immer noch. Aber ich habe auch die
Feiern und das Essen, die Musik, Kunst und Kultur der
Indianer und Amerikaner aus jeder Region der Welt
genossen.
In jedem Land, das ich als Ihr Präsident besucht habe,
fühlte ich mich wie zu Hause, weil einige Bürger dieser
Länder in Amerika ein Zuhause gefunden haben. Seit
zwei Jahrhunderten ist ein Strom von Einwanderern,
angezogen von dem Versprechen der Freiheit und
fairen Chancen, an unsere Küsten gekommen, um ein
neues Leben aufzubauen. Was immer sie sonst
vorfanden - selbst Intolereanz und Gewalt - sie haben

*

Seite 6

Amerika jedoch nie aufgegeben. Selbst Afroamerikaner, von denen die ersten in Ketten hierhergebracht
wurden, haben Amerika nie aufgegeben.
Es ist an Ihnen zu beweisen, daß sie zu Recht an
Amerika glaubten. Isoliert auf Inseln - einige großartig,
andere armselig - zu leben, ist nicht die amerikanische
Art. Unsere Selbstachtung darauf zu gründen, auf
andere herabzusehen, ist nicht die amerikanische Art.
Zufrieden zu sein, wenn wir haben was wir möchten,
achtlos gegenüber anderen, die noch nicht einmal das
haben, was sie brauchen und verdienen, ist nicht die
amerikanische Art. Wir haben die Schranken in
unseren Gesetzen niedergerissen. Jetzt müssen wir
die Schranken in unserem Leben, in unseren Köpfen
und unseren Herzen niederreißen.
Vor über 30 Jahren, auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung, stellte die Kerner-Kommission fest,
wir würden zu zwei Amerikas - einem weißen und
einen schwarzen, getrennt und ungleich. Heute sehen
wir uns mit einer anderen Entscheidung konfrontiert:
Werden wir nicht zwei, sondern viele Amerikas,
getrennt, ungleich und isoliert? Oder werden wir Kraft
aus allen unseren Menschen und unserem althergebrachten Glauben an die Qualität der menschlichen
Würde schöpfen, um die erste wirklich multirassische
Demokratie der Welt zu werden? Das ist die unbeendete Arbeit unserer Zeit - die Last der Rassentrennung
aufzuheben und das Versprechen Amerikas einzulösen.
Liebe Stundenten des Jahrgangs 1997 - ich bin im
Schatten eines nach Rassen getrennten Amerikas
aufgewachsen, aber ich habe den Hoffnungsschimmer
eines einzigen Amerikas gesehen. Sie haben mir
heute einen Hoffnungsschimmer gegeben. Das ist das
Amerika, das Sie schaffen müssen. Es beginnt mit
Ihren Träumen - also hegen Sie große Träume, leben
Sie Ihre Träume, stellen Sie Ihre Eltern vor eine
Herausforderung und erziehen Sie Ihre Kinder gut.
Gott schütze Sie.
Lebensweg.

* * *

Alles Gute für Ihren weiteren

*

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�WIRTSCHAFT
25. Juni 1997

Rubin fordert fortgesetztes internationales
Engagement der Vereinigten Staaten
Rede des Finanzministers

WASHINGTON - (AD) - Finanzminister Robert Rubin zufolge hat sich die Notwendigkeit der Führungsrolle und
des Engagements der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft seit dem Marshallplan nicht verändert.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Rubin bei einer von der George Washington University zum 50.
Jahrestag des Marshallplans veranstalteten Konferenz am 2. Juni 1997 hielt.

Ich freue mich über die Einladung, heute aus Anlaß
des 50. Jahrestages des Marshallplans zu Ihnen
sprechen zu dürfen. Es ist mir eine Ehre, mit denen
zusammenzutreffen, die am Marshallplan mitgewirkt
haben.
Zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich einen
kurzen Rückblick vornehmen und anschließend
erörtern, wie Geist und Vision des Jahres 1947 in der
Welt von heute und morgen bewahrt werden können.
Vor fünfzig Jahren hielt George Marshall eine Rede an
der Harvard University, in der er seinen Hilfsplan für
Europa vorstellte, der nach ihm benannt wurde. Zu
einer Zeit, in der wir vom Krieg erschöpft waren und
die Versuchung groß war, sich von der Weltbühne
zurückzuziehen, griffen wir einem krisengeschüttelten
Europa mit einer dramatischen Hilfsaktion unter die
Arme. Die Kosten des Marshallplans beliefen sich auf
die enorme Summe von 13 Milliarden Dollar für drei
Jahre oder nahezu 10 Prozent des damaligen Bundeshaushalts. Aber der Ertrag unserer Investitionen
war ebenfalls enorm. Der Marshallplan war für den
Wiederaufbau Europas, die Stärke und den Wohlstand
der westlichen Volkswirtschaften entscheidend.
Dieser Plan - sein Geist und seine Vision - markierte
einen der großartigsten Momente Amerikas.
Es besteht kein Zweifel daran, daß der Marshallplan in
moralischer Hinsicht das Richtige war. Der Marshallplan lag jedoch auch in unserem wirtschaftlichen und
nationalen Sicherheitsinteresse. Amerika benötigte und benötigt auch heute noch - eine prosperierende
und erfolgreiche Welt, um selbst zu prosperieren und

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Erfolg zu haben. Visionäre wie George Marshall waren
sich dessen bewußt. Obwohl Marshall dem Militär
angehörte, wußte er, daß Sieg nicht bedeutet, daß die
Waffen beiseite gelegt werden und die Flagge gehißt
wird - es nur dann einen Sieg gibt, wenn die Bedingungen für dauerhaften Frieden und Wohlstand geschaffen sind. Mit anderen Worten: Er wußte, daß Stabilität
von heute morgen zu Konflikten führen kann und
präventive Diplomatie die effektivste Art von Diplomatie
ist.
Heute ist das Vermächtnis des Marshallplans klar. Er
trug zum Aufbau eines prosperierenden und freien
europäischen Kontinents bei, der sich immer stärker
auf eine Integration zubewegt. Er brachte die Vereinigten Staaten entschlossen auf den Kurs einer
Führungsrolle und des Engagements für internationale
Angelegenheiten. Und er zeigte, daß wir aus unserer
nach dem Ersten Weltkrieg getroffenen Entscheidung
zum Rückzug aus globalen Angelegenheiten etwas
gelernt haben.
Die Notwendigkeit der Führungsrolle und des Engagements der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft hat
sich seit dem Marshallplan nicht verändert - obwohl
sich die Umstände offensichtlich geändert haben.
Tatsächlich hat sich diese Notwendigkeit in mancher
Hinsicht verstärkt, ebenso wie die Bedeutung der
Wirtschaft für die Außenpolitik, die schon damals groß
war, in mancher Hinsicht zugenommen hat. 1947
waren 12 Prozent unserer Wirtschaft vom Handel
abhängig. Heute hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. 1947 sahen sich die meisten führenden amerikanischen Unternehmen als amerikanische Unterneh-

Seite 1

�men mit Auslandsniederlassungen. Heute betrachten
sie sich als globale Unternehmen mit Sitz in den
Vereinigten Staaten. 1947 gab es nationale Kapitalmärkte mit sehr wenig grenzüberschreitendem Kapitalfluß. Heute haben wir einen riesigen integrierten
globalen Kapitalmarkt mit enormen grenzüberschreitenden Investitionen und täglichem Finanzfluß.
Technologie, politischer Wandel und Marktöffnung
haben die Integration unserer Volkswirtschaften
beschleunigt und neue Wachstumsmöglichkeiten, aber
auch neue Risiken geschaffen. Es ist nicht übertrieben
zu sagen, daß unser wirtschaftliches Wohlergehen in
hohem Maße und irreversibel an das der übrigen Welt
gekoppelt ist. Kürzlich las ich eine Kolumne, deren
Verfasser die Globalisierung des Wirtschaftslebens
schlecht machte. Meines Erachtens hätte er sich
ebensogut über die Gezeiten beklagen können.
Meiner Meinung nach steht nicht die Realität zur
Diskussion. Die einzige Frage lautet, ob wir sie uns
zunutze machen - mit den möglicherweise großen,
daraus resultierenden Vorteilen - oder ob wir der
Realität den Rücken zuwenden - mit dem normalerweise daraus resultierenden Ergebnis. Es steht außer
Frage, wofür sich George Marshall entschieden hätte.
Die Förderung einer gesunden Weltwirtschaft liegt
1997 ebenso in unserem Interesse wie 1947. Damals
legte Marshall angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen des Europas nach dem Krieg eine aus
drei Teilen bestehende Strategie vor: Den zerstörten
Nationen das dringend benötigte Kapital für ihren
Wiederaufbau zur Verfügung zu stellen, diese Hilfe an
wesentliche Wirtschaftsreformen zu binden und
Europa in die internationale Staatengemeinschaft zu
integrieren. Diese Bedingung und diese Vision von
integrierten Volkswirtschaften werden bisweilen
vergessen, aber sie waren integraler Bestandteil des
Marshallplans.
Die Strategie zur Förderung von Wachstum und
wirtschaftlichem Wohlergehen in den Industrie- und
Entwicklungsländern von heute ist sehr ähnlich: Die
Unterstützung einer soliden Wirtschaftspolitik in
Verbindung mit Hilfsleistungen, derzeit großenteils
durch die internationalen Finanzinstitutionen und ihre
an Bedingungen geknüpften Maßnahmen, die Überwindung der Hindernisse für wirtschaftliche Integration,
einschließlich der Bestrebungen des NAFTA, GATT,
APEC und der Freihandelszone auf dem amerikanischen Kontinent zur Liberalisierung des Handels
sowie die Bereitstellung von Kapital, obwohl das in der
heutigen Welt zunehmend durch die Förderung von
Bedingungen geschieht, die Privatkapital anziehen.
Das unterstreicht den grundlegenden Unterschied
zwischen der Herausforderung des Wiederaufbaus
von Europa 1947 und der Herausforderung, heute
Entwicklung und Wachstum weltweit zu fördern. In
den vierziger Jahren gab es keine globalen Kapitalmärkte.
Die im Marshallplan vorgesehenen 13

Seite 2

Milliarden Dollar an direkten zwischenstaatlichen
Krediten waren für den Wiederaufbau Europas von
entscheidender Bedeutung. Jetzt liegt der Schlüssel
für Entwicklung und Wachstum weniger in offizieller
Hilfe, sei es durch bilaterale oder internationale
Finanzinstitutionen, obwohl sie wichtig bleibt, sondern
vielmehr in der Schaffung eines Umfelds, das Anreize
für Privatinvestitionen gibt.
Wesentlich für die Schaffung dieses Umfelds ist ein
anderes Produkt dieser bemerkenswerten Periode
internationaler Vision und Führung in den späten
vierziger Jahren: Die Bretton Woods Institutionen - der
internationale Währungsfonds und die Weltbank sowie ihre jüngeren Begleitinstitutionen, die regionalen
Entwicklungsbanken und das GATT/die WTO.
Betrachten Sie sich die Entwicklungsländer weltweit,
die während der vergangenen 25 Jahre einen außergewöhnlichen Wandel durchgemacht haben. In Asien,
Lateinamerika und Zentraleuropa entsteht in einem
Land nach dem anderen ein fast universeller Konsens,
daß die freie Marktwirtschaft der Schlüssel zu Wohlstand ist, wobei viele Länder in jeder dieser Regionen
während der letzten Jahre - und in einigen Fällen,
insbesondere in Asien, während der letzten Jahrzehnte
- große wirtschaftliche Fortschritte gemacht haben.
Die internationalen Finanzinstitutionen waren hierfür
von zentraler Bedeutung. Sie investieren in Bildung,
Gesundheitsfürsorge und die anderen grundlegenden
Voraussetzungen für eine erfolgreiche, marktorientierte
Wirtschaft und ermutigen solide finanzpolitische und
andere Maßnahmen, indem sie ihre Hilfe an Bedingungen knüpfen - ebenso wie es der Marshallplan vor 50
Jahren tat. Das wiederum ist entscheidend für unser
Land, denn Wohlstand in den Entwicklungsländern und
den ehemals kommunistischen Ländern fördert
politische Stabilität und Demokratie, die wiederum zu
wirtschaftlicher Aktivität in unserem Land beitragen
und unsere nationale Sicherheit erhöhen.
Trotz aller Fortschritte in den Entwicklungsländern und
den im Übergangsstadium befindlichen Staaten bleibt
die Herausforderung bestehen, die gesamte Weltbevölkerung in die wirtschaftliche Hauptströmung
einzubeziehen. Unsere Zukunft - unser wirtschaftliches Wohlergehen, unsere nationale Sicherheit,
unsere Umwelt und unsere öffentliche Gesundheit hängen von der Bewältigung dieser Herausforderung
ab. Schätzungen der Weltbank zufolge leben 1,3
Milliarden Menschen von weniger als einem Dollar pro
Tag, und selbst in vielen Ländern, in denen beträchtliche Fortschritte gemacht wurden, sind diese Errungenschaften nicht unumkehrbar.
Viele Teile Asiens haben wirtschaftliche Bedingungen
geschaffen, die vor 30 Jahren unmöglich erschienen
wären, aber eine große Zahl von Asiaten lebt noch in
Armut. Und Afrika ist ein ganzer Kontinent, der in
Armut gefangen ist, obwohl einige Länder Reformen

AMERIKA DIENST 12

�eingeleitet haben und jetzt echte wirtschaftliche
Verbesserungen erleben. Wenn man den Geist und
die Vision des Marshallplans auf Afrika anwendet, ist
es meines Erachtens gar keine Frage, daß ein wirtschaftlich erfolgreiches Afrika nicht nur im Interesse
der Afrikaner liegt, sondern auch in unserem.
Zur Erlangung dieser Ziele arbeitet die Administration
im Kongreß mit einer aus Mitgliedern beider Parteien
bestehenden Gruppe an einer tragfähigen Strategie für
Afrika und mit den internationalen Finanzinstitutionen
an einer signifikanten Erhöhung ihrer Konzentration
auf Afrika. Ein Afrika, das mit seinem Engagement für
Demokratie, Wirtschaftsreformen und nachhaltige
Entwicklung erfolgreich ist, bietet seinen Menschen
einen höheren Lebensstandard und ist in politischer
und sozialer Hinsicht stabiler. Das wiederum wird für
amerikanische Unternehmen und Arbeitnehmer von
Vorteil sein, aber auch unsere nationale Sicherheit
stärken, indem die Notwendigkeit verringert wird, auf
Krisen in Afrika zu reagieren.
Jede Komponente einer zukunftsorientierten internationalen Wirtschaftspolitik ruft jedoch unverzüglich die
Debatte über die Rolle unseres Landes in der Weltwirtschaft und in der Welt generell hervor - ebenso wie der
Marshallplan zu seiner Zeit eine umfassende Debatte
auslöste. Diese Debatte wird an vielen Fronten
deutlich. Eine davon ist der Bereich der Ressourcen.
Wir sind bei weitem die größte und wohlhabendste
Volkswirtschaft der Welt, und dennoch sind wir der
größte Schuldner der Vereinten Nationen, und auf uns
entfällt der Löwenanteil der Rückstände bei der
Weltbank sowie den multilateralen Entwicklungsbanken. Wir waren entscheidend an der Schaffung
dieser Institutionen beteiligt, und jetzt bedrohen wir ihre
Existenz.
Auch der Handelsliberalisierung scheinen die Vereinigten Staaten immer ablehnender gegenüberzustehen, während die Nationen auf der ganzen Welt
sich in vielfältigerweise zusammenschließen wie beim
Europäischen Binnenmarkt in Europa, dem MERCOSUR in Lateinamerika und dem ASEAN in Asien.
Diese Bewegung zu Integration wird andauern - mit
oder ohne uns. Die einzige Frage ist, ob wir dabei sein
und von den Vorteilen profitieren werden, oder sehr zu
unserem Nachteil außen vor bleiben.
Die Sicherung der politischen Unterstützung für die
Aufrechterhaltung unserer Führungsrolle im Ausland
erfordert den Aufbau öffentlicher Unterstützung für
diese zukunftsorientierten Maßnahmen. Auch dies
verstand George Marshall sehr gut. Als er 1947 in
Harvard über seinen Vorschlag, Europa zu helfen,
sprach, war er sich der politischen Herausforderung
bewußt, als er sagte: "Ein unerläßlicher Bestandteil

AMERIKA DIENST 12

jeder erfolgreichen Aktion der Vereinigten Staaten ist
das Verständnis der Menschen in Amerika über den
Charakter des Problems und der anzuwendenden
Mittel. Politische Leidenschaft und Vorurteile sollten
dort keinen Platz haben." Nachdem er den Vorschlag
unterbreitet hatte, leiteten Präsident Truman, der
republikanische Senator Arthur Vandenberg und
Mitglieder beider Parteien eine Kampagne zur Aufklärung der Öffentlichkeit über den Plan und für seine
Unterstützung ein. Der Marshallplan, der anfänglich
auf Skepsis und Ablehnung stieß, wurde schließlich mit
überwältigender Mehrheit von beiden Häusern des
Kongresses verabschiedet.
Heute sehen wir uns mit derselben Herausforderung
beim Aufbau des Verständnisses - um mit Marshalls
Worten zu sprechen - der Menschen in Amerika über
den Charakter des Problems und der anzuwendenden
Mittel konfrontiert. Die Regierungsvertreter, die sich
der Bewältigung dieser Herausforderung verpflichtet
haben, können dies nicht alleine tun. Alle, die verstehen, wie entscheidend unser Wohlergehen mit dem
Wohlergehen der übrigen Welt verbunden ist, müssen
sich beim Aufbau eines gemeinsamen Verständnisses
aller Amerikaner über diese lebensnotwendige Verbindung zusammenschließen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete sich ein Großteil
der Unterstützung für den Marshallplan aus dem
dringenden Bedarf der Zeit des Kalten Krieges ab.
Heute besteht auch dringender Bedarf für die amerikanische Führungsrolle in der Welt, aber er ist weniger
offensichtlich und schwieriger zu verstehen und macht
die Herausforderung des Aufbaus öffentlicher Unterstützung umso größer. Ich möchte abschließen, indem
ich Sie auffordere, das heutige Programm an der
George Washington University nicht nur mit einem
vertieften Verständnis des Marshallplans und von
General George Marshall zu verlassen, sondern mit
der Verpflichtung, seinen Geist und seine Vision
angesichts der Herausforderungen von heute zu
bewahren - und zum Aufbau dieses gemeinsamen
Verständnisses unter allen unseren Bürgern über
unser gemeinsames Interesse an der übrigen Welt
beizutragen.
Ich habe mich heute Nachmittag primär auf die
wirtschaftliche Interdependenz konzentriert, aber in der
heutigen Welt sind nationale Sicherheit, öffentliche
Gesundheit, Umweltschutz, Verbrechen und Terrorismus zu Problemen geworden, die keine Nation - selbst
die reichste und mächtigste - alleine meistern kann.
Eine der großen Lektionen des 20. Jahrhunderts - eine
Lektion, die George Marshall völlig verstand - lautet
zweifelsohne, daß ein Rückzug aus internationalen
Angelegenheiten nicht funktionieren kann. Wenn wir
uns zurückziehen, leiden wir; wenn wir uns engagieren, prosperieren wir. Ich danke Ihnen.

Seite 3

�AUSSENPOLITIK
25. Juni 1997

Themen der gesamteuropäischen Sicherheitspolitik
Ansprache von J. D. Bindenagel

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires der Botschaft der
Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland, am 18. Juni 1997 beim Außenpolitischen Kongreß der
Sozialdemokratischen Partei hielt.

Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, einige der
wichtigsten Themen auf unserer transatlantischen
Sicherheitstagesordnung erörtern zu dürfen, während
wir uns auf das 21. Jahrhundert vorbereiten.
Die Revolution von 1989 hat die Welt grundlegend
verändert. Wenn wir jedoch das gesamte Spektrum
der uns während dieser hektischen Tage des Wandels
konfrontierenden Probleme betrachten, stellen wir fest,
daß einige Themen herausstechen:
Integration,
Konsolidierung der Demokratie,
Erweiterung des Wohlstands und
Stärkung von Stabilität, Sicherheit und Freiheit.
Diese Themen unserer Außenpolitik ermöglichten den
westlichen Nationen die Prosperität während des
vergangenen halben Jahrhunderts. Unser Ziel sollte
darin bestehen, dieses Versprechen den Ländern zu
geben, die gerade erst begonnen haben, sich an der
transatlantischen Sicherheitsgemeinschaft zu beteiligen. In diesem Kontext versuchen wir, unsere
wichtigsten Institutionen anzupassen.
Als europäische Macht haben sich die Vereinigten
Staaten zutiefst verpflichtet, die Trennlinien in Europa
auszuradieren. Es gibt eine Fehleinschätzung, daß die
NATO-Erweiterung neue Trennlinien in Europa
schaffen wird. Das Gegenteil ist der Fall.
Unsere gesamte Politik zielt auf die Schaffung eines
Europas ab, das frei von den während des Kalten
Krieges gezogenen künstlichen und unrechtmäßigen
Trennlinien ist. Ein Beweis dafür ist die Grundakte

AMERIKA DIENST 12

zwischen der NATO und Rußland über Zusammenarbeit und Sicherheit, die eine einzigartige Gelegenheit
für Kooperation zwischen dem Bündnis und Rußland
bei einem breiten Spektrum sicherheitspolitischer und
militärischer Angelegenheiten bietet. Darüber hinaus
unterstreicht sie, daß die NATO und Rußland grundlegende Prinzipien teilen - die von Demokratie und
Pluralismus bis zu gegenseitiger Transparenz bei der
Verteidigungspolitik und Militärdoktrin reichen. Unser
Engagement für diese Prinzipien wird ein sicheres und
ungeteiltes Europa fördern. Die Grundakte schafft
auch die Grundlage für gemeinsame Entscheidungen
und gemeinsame Aktionen der NATO und Rußlands
bei der Gestaltung der europäischen Sicherheit. Damit
wird offensichtlich, daß es bei unserer Vision der
europäischen Sicherheit nicht um Ausgrenzung,
sondern um Einbeziehung geht. Unsere Zusammenarbeit mit den russischen Streitkräften - und mit den
Streitkräften anderer an der Partnerschaft für den
Frieden beteiligter Länder - in Bosnien demonstriert,
daß dieser Ansatz funktionieren kann.
Aus diesem Grund möchte ich der in jüngster Zeit in
der Presse geäußerten Meinung widersprechen, daß
die Erweiterung die Handlungsfähigkeit der NATO
einschränken wird und die NATO zu einer Art Debattierclub würde - so die Überschrift eines Artikels von
Henri Kissinger in der "Welt am Sonntag" von vergangener Woche (8. Juni). Der Gedanke, die NATO
würde nur noch aus Worten und keinen Taten bestehen, entspricht schlicht und einfach nicht der Realität.
Wir konnten bereits Aktionen vor Ort beobachten reale Zusammenarbeit zwischen den NATO-Verbündeten und Partnerstaaten - die auf das Ende des Konflikts
und die Bewahrung des Friedens in Bosnien sowie die
Schaffung der Bedingungen für die Wiederherstellung

Seite 1

�von Ordnung und Demokratie in Albanien ausgerichtet
sind.
In diesem Zusammenhang möchte ich die konstruktive
Rolle unterstreichen, die die Partnerstaaten bereits
spielen und in Zukunft durch den Euroatlantischen
Partnerschaftsrat noch effektiver spielen werden. Der
Rat wird dem Bündnis und den Partnern einen politischen Rahmen für ihre kooperativen Beziehungen
bieten. Der EAPR ist Teil einer umfassenderen
Struktur, die wir zur Verhinderung zukünftiger Konflikte
in Europa aufbauen. Er verkörpert unsere Entscheidung, daß wir mehr tun müssen als nur auf Krisen zu
reagieren: Wir werden dem Entstehen einer Bedrohung Vorschub leisten, wenn wir auf das Entstehen
einer Bedrohung warten.
Der EAPR ist ein lebender Beweis, daß die sich
innerhalb des NATO-Bündnisses vollziehenden
Veränderungen Europa integrieren, dem Kontinent
mehr Sicherheit bieten und ihn nicht teilen oder instabil
machen. Dieses neue Gremium ist nicht nur für
diejenigen ein Forum, die eine NATO-Mitgliedschaft
anstreben, sondern auch für diejenigen, die sich
dagegen entscheiden.
Fragen bezüglich der Erweiterung der Mitgliedschaft
des Bündnisses stehen an oberster Stelle der Tagesordnung im Vorfeld des Madrider Gipfeltreffens im
kommenden Monat. Es ist der logische nächste Schritt
nach der Entscheidung des Bündnisses zur Erweiterung der Gemeinschaft von NATO-Verbündeten vor
drei Jahren. Durch die Erweiterung des Bündnisses
hofft die NATO, für den Osten Europas das zu tun, was
die NATO einst für den Westen Europas getan hat alten Haß zu überwinden, Integration zu fördern, ein
sicheres Umfeld für Wohlstand zu schaffen und Gewalt
in der Region abzuschrecken, in der zwei Weltkriege
und der Kalte Krieg begannen. Was die Frage neuer
Bündnismitglieder anbelangt, unterstützen die Vereinigten Staaten die Aufnahme einer kleinen Gruppe
von drei Ländern in der ersten Runde und in Zukunft
eine offene Tür für weitere Mitglieder.
Die Anpassung der NATO ist nicht auf neue Mitglieder,

Partner und unsere Charta mit Rußland und die mit der
Ukraine beschränkt. Sie beinhaltet auch die Umstrukturierung der militärischen Führung des Bündnisses, die Entwicklung einer
Europäischen
Sicherheits- und Verteidigungsidentität innerhalb der
NATO sowie die Umsetzung des Konzepts Alliierter
Streitkräftekommandos (CJTF). Wir drängen darauf,
daß der im Juni 1996 in Berlin von den Außenministern
des Bündnisses vereinbarte Zeitplan für die interne
Anpassung eingehalten wird.
Unser Engagement für eine gestärkte OSZE - die
einzige gesamteuropäische Sicherheitsorganisation ist ein zusätzlicher Beweis für unser Vorhaben, die
Trennlinien der Vergangenheit zu beseitigen. Die

Seite 2

OSZE ist von Natur aus eine Organisation, die ständig
verbessert und umstrukturiert wird. Wir haben zahlreiche Debatten über den richtigen Aufbau der OSZE
geführt, und die Vereinigten Staaten sind weiterhin der
Ansicht, daß die Einzigartigkeit der OSZE eine ihrer
Stärken ist. Sie ist eine werteorientierte politische
Organisation, die stark ist, weil sie keine formalrechtliche Struktur hat. Wir müssen diese Organisation
stark, kreativ und bereit halten, damit sie weiterhin an
vorderster Front der Bestrebungen zur Förderung von
Sicherheit, Demokratie und Wohlstand im gesamten
OSZE-Gebiet steht.
Wir machen Fortschritte mit einer Agenda von Aktivitäten, die unsere Fähigkeit unter Beweis stellt, auf die
neue internationale Situation zu reagieren und uns auf
die Zukunft vorzubereiten. Wir sind von Anzeichen für
Wandel und Anpassung umgeben. Während wir hier
zusammentreffen, nehmen Dänemark, Deutschland,
Estland, Finnland, Großbritannien, Lettland, Litauen,
die Niederlande, Norwegen, Polen, Rußland, Schweden und die Vereinigten Staaten an der 25. jährlichen
amerikanischen Marineübung BALTOPS in der Ostsee
teil (16.-27. Juni). Dieses Manöver zeigt, wie weit wir
gekommen sind.
Wir arbeiten hart daran, Europa zusammenzubringen,
wobei wir, wie Außenministerin Albright es kürzlich
formulierte, folgendes bedenken sollten: "Ein Europa
ohne Teilungen ist kein Europa ohne Unterschiede.
Diese Unterschiede müssen jedoch auf neuen Verhaltensweisen und Gegebenheiten, nicht auf alter
Geschichte oder Geographie basieren."
Ich möchte kurz auf die bedeutende Rolle Deutschlands in diesem ständigen Anpassungsprozeß zu
sprechen kommen. Nach dem Ende des Kalten
Krieges und der Vereinigung Deutschlands wurde
immer deutlicher, daß die Bundesrepublik zusammen
mit den anderen Bündnismitgliedern Streitkräfte zu
diesen Krisenreaktions- und Friedenssicherungsbestrebungen beisteuern kann und sollte, wenn die
Stabilität in Europa in Gefahr ist. Das Bundesverfassungsgericht hat klare Richtlinien dafür gegeben, wie
die Bundeswehr in solchen Situationen eingesetzt
werden darf, und wir respektieren die Notwendigkeit,
daß das Militär ein Mandat vom Bundestag erhält. Die
erfolgreiche Beteiligung der Bundeswehr an der IFOR
und der SFOR zeigt, daß Deutschland in diese neue
Rolle hineinwächst.
Wir werden uns alle für die Förderung des Friedens in
Europa einsetzen. Wie die jüngsten Entwicklungen in
Albanien jedoch deutlich machen, ist die Bedrohung
von Gewalt und Instabilität immer noch akut. Aus
diesem Grund soll Deutschland, ebenso wie seine
europäischen Partner und wir bereit sein, einen
militärischen Beitrag zu leisten, wenn Menschenleben
und der Frieden auf dem Spiel stehen. Unsere lange
Partnerschaft mit der Bundesrepublik nach dem Krieg

AMERIKA DIENST 12

�überzeugt uns, daß Deutschland für diese Rolle bereit
ist. Wir begrüßen die führende Rolle Deutschlands
innerhalb des Bündnisses, die Anpassung des Vertrags über konventionelle Streitkräfte in Europa zu
bewirken. Diese Anpassung ist zu einem wichtigen
Aspekt der umfassenderen europäischen Sicherheit
geworden, da sie den Weg für die NATO-Erweiterung
bereitet. Wir konzentrieren uns auf erhöhte Sicherheit
anstatt erhöhte militärische Stärke, und der KSEVertrag ist ein wichtiger Mechanismus für die Erlangung dieses Ziels.

dieser Ziele unterstreichen. Diese Ziele basieren auf
dem gemeinsamen Engagement für Demokratie,
Menschenrechte und Freiheit, die in der Welt nach
dem Krieg im Zentrum der deutsch-amerikanischen
Partnerschaft stehen. Wenn wir unsere Aktionen auf
diese gemeinsamen Verpflichtungen und Prinzipien
gründen, können wir zuversichtlich sein, daß wir
unsere Ziele erreichen. Dann können wir auf das
Ende des 20. Jahrhunderts als eine Zeit zurückblicken,
in der wir die richtigen Entscheidungen trafen und den
Mut hatten, historische Chancen zu ergreifen.

Abschließend möchte ich die Bedeutung der deutschamerikanischen Zusammenarbeit bei der Erlangung

Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 12

Seite 3

�TERRORISMUS
25. Juni 1997

Terrorismus, die Medien und das 21. Jahrhundert
von Raphael F. Perl

(AD) - Der Verfasser des nachfolgenden Artikels, Raphael F. Perl, ist beim Forschungsteam des Kongresses in
der Library of Congress Experte für internationale Terrorismusfragen.

Bei der Konfrontation von Regierungen mit Terroristen
stellen die Medien weiterhin eine mächtige Kraft dar.
Wenn sie sich an die Öffentlichkeit wenden und diese
beeinflussen, hat das nicht nur Auswirkungen auf die
Aktionen von Regierungen, sondern auch von Terrorgruppen.

erstattung über einen Terroranschlag erwarten.
Anschließend untersucht er drei Trends, die Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Terrorismus
und Medien haben und bietet zum Abschluß einige
Optionen.
Die Erwartungen der Terroristen an die Medien

Aus der Sicht der Terroristen ist die Berichterstattung
in den Medien ein wichtiges Maß für den Erfolg
terroristischer Gewalttaten oder Kampagnen. Im Fall
von Geiselnahmen, bei denen die Medien für den
Terroristen möglicherweise die einzige unabhängige
Quelle für Berichterstattung über den Lauf der Ereignisse sind, kann die Berichterstattung eine Rettungsaktion erschweren.
Regierungen können sich der Medien bedienen, um
die Weltöffentlichkeit gegen ein terroristisches Land
oder eine Terrorgruppe aufzubringen. Öffentlichkeitsarbeit und die Medien können auch eingesetzt werden,
um die Öffentlichkeit in anderen Ländern zu mobilisieren, Druck auf die Regierung auszuüben, damit diese
gegen den Terrorismus vorgeht.
Margaret Thatcher stellte einmal fest, Publicity sei der
Sauerstoff für den Terrorismus. Das unterstreicht, daß
Public Relations eine wichtige Waffe der Terroristen
und die Medien das zentrale Medium für den Einsatz
dieser Waffe sind. Der Terrorismus spielt heute in den
Medien eine Rolle.
Dieser Artikel befaßt sich mit den widersprüchlichen
Ansichten über die wünschenswerte Rolle der Medien
bei der Berichterstattung über terroristische Zwischenfälle sowie den verschiedenen Erwartungen an die
Medien: Was die Terroristen erwarten, was die
Regierung erwartet, was die Medien von der Bericht-

AMERIKA DIENST 12

Terroristen, Regierungen und die Medien sehen
Funktion, Rolle und Pflichten der Medien bei der
Berichterstattung über Terroranschläge aus unterschiedlichen und oftmals scheinbar widersprüchlichen
Blickwinkeln. Diese Einstellungen leisten dem Gruppenverhalten während terroristischer Gewaltakte
Vorschub, was oftmals zu taktischen und strategischen
Vorteilen für die Terroristen und ihre Sache führt. Für
die Regierung und die Medien besteht die Herausforderung darin, die diesen Einstellungen innewohnende Dynamik zu erkennen und politische Optionen zu
entwickeln, die den jeweiligen Interessen dienen.
Terroristen wollen kostenlose Publicity, die
eine Gruppe normalerweise nicht bekommt
oder sich nicht leisten kann. Jegliche Publicity
macht die Welt auf ein existierendes Problem
aufmerksam, das nicht ignoriert werden darf
und angesprochen werden muß. Ein unredigiertes Interview ist ein kostbares Gut, beispielsweise das im Mai 1997 von CNN gesendete Interview mit Mohammad Bin Ladin.
Zugang zu einem Terroristen verspricht eine
heiße Story.
Terroristen wollen Verständnis für Ihre Sache,
wenn nicht sogar für ihre Aktionen. Man mag
ihren Aktionen nicht zustimmen, was jedoch
nicht ausschließt, daß man Teilnahme an

Seite 1

�ihrem Leiden und ihrer Sache zeigt. Die
Öffentlichkeit braucht Hilfe um zu verstehen,
daß ihre Sache gerecht und terroristische
Gewalt ihr einziges Mittel im Kampf gegen die
überlegenen Kräfte des Bösen ist. Daher sind
gute Beziehungen zur Presse für sie von
großer Bedeutung, weshalb sie oft über Jahre
aufgebaut und weiterentwickelt werden.
Terroristen versuchen unter Umständen, ihren
Anhängern Stellen im Pressebereich zu
vermitteln, insbesondere bei Nachrichtenagenturen, und bemühen sich manchmal
sogar, kleinere Medienorganisationen durch
Finanzhilfe zu kontrollieren. Ein Beispiel ist
Bin Ladin, der angeblich einen islamischen
Nachrichtendienst am Golf finanziert haben
soll, der einen harten Kurs verfolgt.
Sie wollen Legitimität. Die Presse soll das
legitimieren, was oft als eindeutige Spaltung
zwischen bewaffneten Gruppen und politischen Gruppierungen dargestellt wird. Die
IRA und die Hamas sind Beispiele. Musa Abu
Marzuq beispielsweise, dem der politische
Flügel der Hamas unterstand, hat angeblich
bestimmte Bombenanschläge und Morde
befürwortet. Solche Unterscheidungen dienen
oftmals dazu, den Menschen den Beitritt zu
Terrororganisationen zu erleichtern.
Sie wollen, daß die Presse den Erkenntnissen
und Ansichten speziell ins Leben gerufener
Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Legitimation verschafft und prüft, welche Zentren
als Deckmantel für terroristische Finanzierung,
Anwerbung und Reisen von Terroristen ins
Zielland dienen können. Die Finanzierung des
palästinensisch-islamischen Dschihad und
seiner Kontrolle über World and Islam Studies
Enterprise ist nur eins von vielen Beispielen.
Ein zweites ist die von der Hamas finanzierte
Islamic Association for Palestine (IAP) mit Sitz
in Richardson (Texas).
Sie wollen - im Fall von Geiselnahmen Einzelheiten über Identität, Zahl und Wert der
Geiseln, über möglicherweise geplante Rettungsversuche sowie das Ausmaß der öffentlichen Berichterstattung über ihre Operation.
Insbesondere wenn staatliche Sponsoren
betroffen sind, wollen sie Einzelheiten über
Pläne für militärische Vergeltungsmaßnahmen.
Und sie wollen die Hilfe der Medien, um ihrem
Feind Schaden zufügen. Das gilt insbesondere, wenn die Gewalttäter und der Grund für ihr
Handeln anonym bleiben. Sie wollen, daß die
Medien Panik machen, Angst verbreiten,

Seite 2

wirtschaftliche Verluste wie beispielsweise
beim Tourismus herbeiführen, damit die
Bevölkerung das Vertrauen in die Fähigkeit
ihrer Regierungen verliert, sie zu schützen,
und damit Regierung und Bevölkerung in
bestimmten Situationen und im Hinblick auf
die gesamte Bedrohung durch den Terrorismus überreagieren.

Die Erwartungen der Regierungen an die Medien
Regierungen erwarten von den Medien Verständnis,
Zusammenarbeit, Zurückhaltung und Loyalität bei ihren
Bestrebungen, den durch Terrorismus verursachten
Schaden für die Gesellschaft zu begrenzen und die für
terroristische Gewalttaten Verantwortlichen zu bestrafen oder festzunehmen. Das gilt insbesondere für
folgende Bereiche:
Regierungen wollen Publicity zur Förderung
ihrer Tagesordnung und nicht der terroristischen. Aus ihrer Perspektive sollten die
Medien bei bestimmten Operationen die
Aktionen der Regierung unterstützen und ihr
die benötigten Informationen liefern.
Ein wichtiges Ziel besteht darin, den Terroristen von den Medien abzuschotten - und ihm
so das Forum für Propaganda zu entziehen,
ohne daß dies zu seiner unmittelbaren Niederlage führt.
Ein weiteres Ziel besteht darin, daß die Medien Terroristen als gemeine Verbrecher
brandmarken.
Im Fall von Geiselnahmen ziehen Regierungen es normalerweise vor, die Medien vom
unmittelbaren Vorgehen auszuschließen, aber
sie möchten von den Medien nachrichtendienstliche Informationen erhalten, wenn diese
Zugang zum Ort der Geiselnahme haben.
Sie wollen, daß die Publicity zur Entschärfung
der angespannten Lage beiträgt, nicht umgekehrt. Es ist ein wichtiges Ziel der Politik, die
Nation zu beruhigen.
Bei Zwischenfällen wollen sie den Zugang der
Terroristen zu Daten von außerhalb kontrollieren - Daten über Geiseln zurückhalten,
damit die Medien keine Informationen über
Terrorbekämpfungsaktionen preisgeben oder
die Terroristen mit Informationen versorgen,
die ihnen dienlich sind.
Nach Zwischenfällen wollen sie, daß die
Medien nichts darüber verlauten lassen,
welchen Handel die Regierung eingegangen

AMERIKA DIENST 12

�ist, um die Operation erfolgreich abzuschließen - und nichts über die erfolgreichen oder
erfolglosen Methoden der Terroristen verlauten lassen, damit diese nicht von anderen
Terroristen nachgeahmt werden können.
Sie wollen vermeiden, daß die Medien durch
Desinformationen getäuscht werden. Viele
Gruppen haben ein Motiv, unrichtige oder
falsche Informationen zu verbreiten.
Sie wollen, daß die Medien ein positives Bild
der staatlichen Stellen vermitteln. Die Behörden können gezielt Informationen zu bestimmten Medienvertretern durchsickern lassen, die
wiederum positiv über sie berichten und Kritik
an ihrer Vorgehensweise vermeiden.
Sie möchten, daß die Journalisten sie informieren, wenn sie Grund zu der Annahme
haben, daß ein Terroranschlag geplant oder
eine bestimmte Person an terroristischen
Aktivitäten beteiligt ist.
In extremen Fällen unter den gegebenen
Umständen möchten sie, wenn die nationale
Sicherheit auf dem Spiel steht und die Erfolgschancen groß sind, daß die Medien mit ihnen
zusammenarbeiten und eine Ente verbreiten,
die zur Aufhebung einer unmittelbaren terroristischen Bedrohung beiträgt.
Die Erwartungen der Medien im Falle terroristischer
Berichterstattung
Jeder Journalist wünscht sich die Freiheit, ohne
Einschränkungen - sei es von Seiten seiner Redaktion
oder der Regierung - über ein Ereignis berichten zu
können.
Die Medien wollen eine Story als erste herausbringen. Die Erstmeldung ist das Goldene
Vlies. Alte Neuigkeiten sind keine Neuigkeiten. Im heutigen äußerst konkurrenzfähigen, hochtechnisierten Kommunikationsumfeld ist die Informationsübermittlung in
Realzeit ein ständiges Muß.
Die Medien wollen die Story so früh und so
dramatisch wie möglich herausbringen möglichst in Form eines Interviews. Während
der Entführung der TWA 847 im Juni 1985
sendete ABC ausführliche Interviews mit
Kidnappern und Geiseln gleichermaßen. Es
wurde sogar ein Bild des Piloten mit der
Pistole an der Schläfe gezeigt.
Meistens wollen sie professionell und genau
sein und Desinformationen keinen Glauben

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schenken, so attraktiv sie auch scheinen
mögen.
Sie möchten ihre Fähigkeit bewahren, in der
Gesellschaft so sicher und frei wie möglich zu
agieren. In vielen Fällen geht dies über ihr
Recht zu relativ ungehinderter Berichterstattung hinaus. Es wird in persönliche physische
Sicherheit umgesetzt. Sie wollen sich selbst
schützen - und nicht während Operationen
getötet oder von Terroristen wegen negativer
Berichterstattung ermordet werden.
Sie wollen das Recht auf Information der
Gesellschaft schützen.
Und sie wollen eine konstruktive Rolle bei der
Lösung spezifischer Terrorsituationen spielen,
wenn dies ohne einen übermäßig hohen Preis
im Hinblick auf den Verlust der Story oder
moralische Kompromisse erfolgen kann.
Trends mit Auswirkungen auf den Terrorismus und
die Medien
Es scheinen sich eine Reihe von Trends abzuzeichnen, die Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen
den Medien, den Terroristen und der Regierung
haben. Dazu zählen: 1. Ein Trend zu Anonymität bei
Terrorismus. 2. Ein Trend zu gewalttätigeren Terroranschlägen. 3. Ein Trend zu Angriffen auf Medienvertreter und -Institutionen.
Anonymität bei Terrorismus
Heute beobachten wir einen Trend zu anonymem
Terrorismus, bei dem niemand die Verantwortung
übernimmt und keine Forderungen gestellt werden.
Der Anschlag auf das World Trade Center ist nur ein
Beispiel. Diese Praxis räumt den Medien eine größere
Rolle für Spekulationen ein und hilft ihnen bei Behauptungen, sie würden die Forderungen oder Ziele
der Terroristen hochspielen. Dennoch kann die
andauernde aufgebauschte Berichterstattung über
Terrorakte Ziele der Terroristen fördern, wie die
Verbreitung von Angst, Beeinträchtigung des Tourismus und Provokation starker staatlicher Reaktionen,
die letztlich zu Einschränkungen der persönlichen
Freiheit führen.
Gewalttätigerer Terrorismus
In der Welt hochtechnologisierter Informationsgesellschaften von heute ist das Potential für gewalttätigeren
Terrorismus eine Realität, die nicht ignoriert werden
kann. Während der Terrorismus gewalttätiger wird,
könnte sich sehr wohl die Annahme breit machen, daß
die Presse in gewissem Maße für die Begünstigung
von Terrorismus oder das Hochspielen seiner Auswirkungen verantwortlich ist. Zunehmend bedrohte

Seite 3

�Gesellschaften könnten geneigt sein, angesichts der
Konsequenzen von massenhaften Opfern weniger
Risiken einzugehen und den Medien immer weniger
die Selbstkontrolle zutrauen.
Angriffe auf Medienvertreter und -institutionen
Wir könnten auch einen Trend zu Angriffen auf
Journalisten beobachten, die Terroristen betreffende
Themen offen ansprechen. Solche Aktivitäten gibt es
nicht nur in Algerien, Mexiko, Rußland, Tschetschenien oder London, sondern auch hier in der Bundeshauptstadt Washington im nationalen Pressegebäude und bei den Vereinten Nationen in New York.
Eine private Gruppe hat die 1995 von Terroristen
getöteten Journalisten auf 45 beziffert.

agenturen und Printmedien besteht. Die Fernsehberichterstattung über Zwischenfälle würde dann von
dem Fernsehmitarbeiter in dem Zentrum koordiniert.
Ein solches Zentrum könnte von einem Regierungssprecher (dem Koordinator für terroristische Informationen -TIC) geleitet werden, der unverzüglich versuchen
würde, der speziellen Terrorgruppe die Propaganda zu
entreißen.
Wenn Zwischenfälle in den Vereinigten Staaten
vorkommen, gibt es abgesehen von dem Vorfall selbst
ein Nachrichtenvakuum und bis zu dem Zeitpunkt, zu
dem die Regierungsbehörden sich geeinigt haben, was
gesagt und welche Position bezogen werden kann, ist
die Propagandainitiative der Regierung nur allzu
häufig bereits verloren.

Optionen

Medienpools

Es gibt eine Reihe von Optionen, um die Effektivität der
medienorientierten Reaktionen der Regierung auf
Terrorismus zu verbessern und zu verhindern, daß die
Medien unabsichtlich zur Förderung terroristischer
Ziele manipuliert werden. Dazu zählen: 1. Die
Finanzierung gemeinsamer Übungen der Medien und
der Regierung. 2. Die Einrichtung eines Reaktionszentrums der Regierung auf terroristische Informationen. 3. Verstärkter Einsatz von Medienpools. 4.
Förderung freiwilliger Richtlinien für Presseberichterstattung. 5. Überwachung von gegen Medien
gerichtetem Terrorismus.

Eine andere Option, insbesondere für die Berichterstattung bei Geiselnahmen, wäre der Einsatz eines
Medienpools, von dem die Nachrichten gleichzeitig
gesendet werden. Wenn man sich für diese Option
entscheidet, sollten Mechanismen für die Durchführung eines solchen Konzepts vorhanden sein.

Gemeinsame Übungen der Medien und der Regierung
Öffentlichkeitsarbeit muß vor der Story erfolgen, nicht
als Reaktion darauf. Die Nationen benötigen umfassende Strategien für Öffentlichkeitsarbeit, um von
Terroristen geleitete Initiativen zu bekämpfen, und die
Medien können im Rahmen einer solchen Strategie
eine wichtige Rolle spielen. Übungen sind hier von
entscheidender Bedeutung: Übungen wie die von der
George Washington University und dem Technologieinstitut in Holon (Israel) durchgeführten, die
Regierungs- und Medienvertreter zusammenbringen,
um eine Reaktion der Regierung und die Medienberichterstattung über Scheinangriffe von Terroristen zu
simulieren.
Ein Reaktionszentrum der Regierung auf terroristische Informationen
Eine Option, die Regierungen in Erwägung ziehen
könnten, wäre die Einrichtung eines ständigen Reaktionszentrums der Regierung auf terroristische
Informationen (TIRC). Nach Absprache mit den
Medien könnte ein solches Zentrum eine Gruppe für
rasche Reaktionen auf Terrorismus (über Kommunikationsverbindungen) in Rufbereitschaft haben, die aus
Mitarbeitern der Fernsehanstalten, Nachrichten-

Seite 4

Freiwillige Richtlinien für die Presseberichterstattung
Eine weitere Option wäre die Einführung eines lockeren freiwilligen Verhaltenskodex oder von Richtlinien,
zu denen die Redakteure und Reporter Zugang haben
sollten. Ein spezieller Mediengipfel - vielleicht unter
der G-7-Rubrik - würde für Geschäftsführer der
Fernsehanstalten und Printmedien einberufen, um
freiwillige Richtlinien für die Berichterstattung über
Terrorismus zu erarbeiten.
Es könnte Richtlinien für folgende Bereiche geben:
Beschränkung von Informationen über die
Geiseln, die ihnen schaden könnten, zum
Beispiel Anzahl der Geiseln, Nationalität,
berufliche Position, finanzielle Verhältnisse
oder wichtige Verwandte.
Beschränkung von Informationen über militärische Bewegungen während Rettungsoperationen.
Beschränkung von unredigierten Liveinterviews mit Terroristen oder die Vereinbarung,
sie nicht zu senden.
Sorgfältige Prüfung der Informationsquellen,
wenn der Druck auf Berichterstattung hoch ist,
die vielleicht nicht genau ist.
Abschwächung von Informationen, die weitverbreitete Panik verursachen könnten.

AMERIKA DIENST 12

�Selbst wenn keine spezifischen Richtlinien verabschiedet werden, würde ein solcher Gipfel das Verständnis
der Öffentlichkeit und der Presse über die Erfordernisse ihrer jeweiligen Institutionen verbessern.
Überwachung' von gegen Medien gerichtetem
Terrorismus
Schließlich könnte sich weltweit ein Trend von vermehrten Terrorangriffen auf Medienvertreter und -Institutionen abzeichnen. Überraschenderweise gibt es
jedoch keine schnell verfügbaren staatlichen Statistiken. Um diese Situation zu beheben, könnten Regierungsberichte über Terrorismus, wie der vom USAußenministerium unter dem Titel Patterns of Global
Terrorism veröffentlichte, weltweite jährliche Statistiken enthalten, die die Anzahl der pro Jahr bei Terroranschlägen getöteten oder verletzten Journalisten
angeben sowie die Anzahl von Terroranschlägen auf
Medienvertreter und -Institutionen pro Jahr.

Schlußbemerkung
Die Medien und die Regierung haben gleichermaßen
ein Interesse daran, daß die Medien nicht unabsichtlich
zur Förderung von Terrorismus oder seinen Methoden
manipuliert werden. Andererseits wollen die Politiker
jedoch nicht, daß der Terrorismus die Pressefreiheit einen Pfeiler demokratischer Gesellschaften - unterhöhlt.
Per definitionem ist dies ein Dilemma, das nicht
vollständig beseitigt werden kann und mit dem die
Gesellschaft ständig kämpfen muß. Die Kommunikation zwischen der Regierung und den Medien ist hier
ein wichtiges Element bei jeder Strategie, die auf die
Verhinderung von Terrorismus und den Erhalt der
Demokratie abzielt.
In der Realität sind Terrorismus und Demokratie nicht
vereinbar, und in von Verbrechern oder radikalen
religiösen Extremisten beherrschten Gesellschaften ist
die freie Presse eine der ersten Institutionen, die
verschwinden muß.

* *

AMERIKA DIENST 12

*

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28

2 5 .Juli

1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Präsident Nixon gibt neues Stabilisierungsprogramm bekannt
-Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 18. JuliDas neue wirtschaftliche Stabilisierungsprogramm in Stichworten
-WortlautUSA bestätigen Intervention auf den Devisenmärkten
-WortlautVolcker verweist auf Fortschritte der internationalen Währungsgespräche
-Auszüge-

HI NTERGRUNDMATERIAL :
Alaska-Pipeline könnte Situation auf dem Weltölmarkt einschneidend
ändern

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Vitamin Bft-Zusatztherapie bei Langzeitdialyse

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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28/1973

PRÄSIDENT NIXON GIBT NEUES STABILISIERUNGSPROGRAMM BEKANNT
-Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 18.Juli-

WASHINGTON —(AD)-- Präsident Nixon hat am 18. Juli die Maßnahmen der
Phase IV seines Programmes zur Stabilisierung von Preisen und Löhnen bekanntgegeben. Die wesentlichen Teile der Erklärung des Präsidenten haben
folgenden Wortlaut:
"Das amerikanische Volk steht jetzt vor einer äußerst wichtigen Entscheidung. Wir haben einen Preisstopp, um die Inflationswelle einzudämmen,
die ausbrechen würde, wenn die Kontrollen aufgehoben würden. Gleichzeitig
drückt aber der Preisstopp auch die Produktion herab und schafft so Verknappungen, die bei einem Anhalten des Preisstopps und der Kontrollen
immer schlimmer zu werden drohen und zu noch höheren Preisen führen koennen.
In dieser Situation sind uns zwei extreme Ratschläge angeboten worden. Der eine Vorschlag besagt, daß wir Preis-und Lohnkontrollen als ständigen Aspekt der amerikanischen Wirtschaft akzeptieren sollten... Der andere Vorschlag läuft darauf hinaus, jetzt den Schritt zur Freiheit zu tun
und alle Kontrollen sofort aufzuheben...
Wenn

-1-

�Wenn wir klug sind, dann entscheiden wir uns heute nicht für einen
dieser extremen Vorschläge, sondern bemühen uns um den bestmöglichen

Aus-

gleich zwischen unseren Interessen, indem wir die Inflationsrate auf der
einen Seite verlangsamen und die Produktion sowie Produktivität der USA
auf der anderen Seite erhalten.
Die Hauptelemente der von uns benötigten Politik sind folgende:
Erstens, das Kontrollsystem muß greifen...
Zweitens, das Kontrollsystem muß selektiv sein, Es muß eine Lockerung
der Beschränkungen zulassen, die die Produktion am stärksten beeinträchtigen. ..
Drittens, das Kontrollsystem muß eine ausreichende Gewähr dafür bieten,
daß es zu gegebener Zeit auslaufen wird, damit der Anreiz zu Investitionen
und zur Produktion erhalten bleibt und ein Schutz gegen Bestrebungen besteht, die Kontrollen zu verewigen.
Viertens, das Kontrollsystem muß durch entschlossene Maßnahmen zum
Ausgleich des Haushalts untermauert werden, so daß die Übernachfrage den
inflationistischen Druck nicht ständig nährt, der das Leben mit oder ohne
Kontrollen so erschwert.
Wir hatten 1973 ein ungewöhnliches Zusammentreffen von Umständen, die
zu einem schnellen Preisauftrieb führten. Die Binnenwirtschaft erlebte einen
Boom von ungewöhnlichem Ausmaß, der einesehr starke Nachfrage nach Gütern
und Dienstleistungen auslöste. Der Boom in anderen Ländern und die Dollarabwertung, so erwünscht diese von den meisten Gesichtspunkten her auch
sind, haben die Preise für Waren, die wir exportieren oder importieren,
steigen lassen.
Diese Kräfte lösten Anfang 1973 einen starken Preisanstieg aus. Der
Index der Verbraucherpreise erhöhte sich in der Zeit von Dezember 1972 bis
Mai 1973 - auf Jahresbasis - um rund 8 Prozent...
Ein

�Ein gewisser angestauter Druck für eine We!!e von Preiserhöhungen ist
für das Ende des Preisstopps zu erwarten. Abgesehen von dieser noch nicht
verkrafteten Welle von Preiserhöhungen bestehen die Bedingungen, die Anfang
1973 zu dem Preisanstieg führten, aber noch weiter, auch wenn es nicht mehr
so viele sind. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen wird weniger
stark als im ersten Halbjahr ansteigen. Das Lebensmittelangebot wird zunehmen, wenn

auch nicht schnell genug. Unsere Position im Welthandel wird sich

verbessern, und dies wird den Dollar stärken.
Alles in allem wird die Tendenz zu Preissteigerungen in den restlichen
Monaten des Jahres 1973 - eine Tendenz, die sich entweder in höheren Preisen niederschlagen oder durch Kontrollen unterdrückt wird - weniger stark
als im ersten Halbjahr, aber immer noch größer als erwünscht sein.
Vor allem gibt es keine Möglichkeit - mit oder ohne Kontrollen -, einen
beträchtlichen Anstieg der Lebensmittelpreise zu verhindern. Bis 1974 sollten wir jedoch eine wesentlich gemäßigtere Inflationsrate erreichen können.
Dann wird die für dieses Jahr zu erwartende gute Futtermittelernte zu einem
weit größeren Lebensmi.ttelangebot geführt haben, und die Gesamtnachfrage
dürfte dann weniger schnell als 1973 steigen.
Diese befriedigendere Situation auf der Inflationsfront wird erreicht
werden, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
Erstens ... müssen wir ... Preise und Löhne niedrig halten.
Zweitens dürfen wir es nicht zulassen, daß die derzeitigen Kontrollen
1974 die Produktion stark herunterdrücken - ein Problem, das bei Fleisch und
Geflügel am deutlichsten auftritt.
Drittens dürfen wir es nicht zulassen, daß die Übernachfrage andauert
oder wieder auflebt, die neue inflationistische Kräfte auslösen wird. Aus
diesem Grunde ist die Kontrolle des Bundeshaushalts ein unerläßlicher Bestandteil der Gesamtanstrengungen...
Das

-3-

�Das Kontrollprogramm der Phase IV

Die Kontrollen werden bindend sein. Der Erfolg des Programms wird jedoch von einem hohen Maß an freiwilliger Einhaltung abhängen...
Trotzdem sind die von uns jetzt vorgeschlagenen Bestimmungen strenger,
und es ist nur fair gegenüber denjenigen, die sich freiwillig daran halten,
sicherzustellen, daß die anderen dazu gezwungen werden.
Mit Ausnahme der Lebensmittel wird der Preisstopp bis zum 12. August
in Kraft bleiben. Es werden jedoch Modifizierungen der Preisstoppbestimmungen vorgenommen werden, um die gröbsten Ungerechtigkeiten zu beseitigen.
Grundlegend für die Preisbestimmungen der Phase IV ist, daß die Preise
in dem Ausmaß steigen dürfen, wie sich die Kosten erhöhen, und zwar in
Dollar pro Einheit und ohne irgendeine Gewinnspanne auf die zusätzlichen
Kosten... Die Lohnbestimmungen der Phase II und III werden weiter in Kraft
bleiben. Bei größeren Belegschaften wird eine Benachrichtigung von Lohnanhebungen weiterhin erforderlich sein.
Dies sind, und das räumen wir ein, einschneidende Bestimmungen, in gewisser Hinsicht einschneidender als in der Phase II. Aber die Situation
ist ebenfalls in vieler Hinsicht schwieriger als in Phase II. Solange das
System jedoch als vorübergehend betrachtet wird, kann unserer Ansicht nach
die Wirtschaft weiter prosperieren, der Arbeitsfriede in der Industrie gewahrt bleiben und die Produktion im Rahmen dieser Bestimmungen sich weiter
ausweiten...
Die besondere Situation bei Lebensmitteln
Nirgendwo ist das Dilemma der Preiskontrollen deutlicher zu Tage getreten als bei Lebensmitteln. Zu Anfang des Jahres bildeten die steigenden Lebensmittelpreise den Hauptteil des Inflationsproblems, statistisch wie auch

�auch psychologisch. Wenn es irgendwo einer Zurückhaltung bei den Preisen bedurft hätte, so war dies bei Lebensmitteln der Fall. Aber seit für die Fleisch
preise am 29. März Höchstgrenzen festgesetzt wurden und besonders seit dem
am 13. Juni verfügten Preisstopp, hat sich bei den Lebensmitteln ganz deutlich gezeigt, wie schädlich Kontrollen für die Versorgung sein können. Wir
haben erlebt, wie Küken ertränkt und trächtige Schweine und Kühe, also praktisch im kommenden Jahr anfallende Lebensmittel, geschlachtet und Versandbetriebe geschlossen wurden...
Wir müssen sorgfältig einen Weg verfolgen, der zwischen einer Preispolitik für Lebensmittel,die so starr ist, daß die Erzeugung stark eingeschränkt wird

und die so zwangsläufig in einigen Monaten zu Verknappungen

führt, und einer Preispolitik für Lebensmittel liegt, die so locker ist, daß
sie uns einen unnötigen und untragbaren Preisauftrieb bringt. Auf dieser Basis haben wir für Lebensmittel die folgenden besonderen Bestimmungen erlassen:
1.

Ab sofort können Erzeuger und Verteiler von Lebensmitteln, Rindfleisch

ausgenommen, ihre Preise in Cent pro Stück in dem Maße erhöhen, wie die
Kosten für die landwirtschaftlichen Rohprodukte seit dem Basiszeitraum für
den Preisstopp (1.-8.Juni) gestiegen sind.
2.

Für die Rindfleischpreise gelten weiterhin die gegenwärtigen Höchst-

grenzen.
3.

Die oben genannten besonderen Bestimmungen laufen am 12. September

aus; nach diesem Zeitpunkt gelten für Lebensmittel die gleichen Bestimmungen
wie für andere Produkte.
4.

Landwirtschaftliche Rohprodukte bleiben von den Preiskontrollen ausge-

nommen.
Um

-5-

�Um eine Erleichterung bei den extrem hohen Preisen für Futtermittel
zu schaffen, die .sich stark auf die Preise für Fleisch, Geflügel, Eier und
Molkereiprodukte auswirken, haben wir Exportbeschränkungen für Sojabohnen
und verwandte Erzeugnisse eingeführt, bis die neue Ernte auf den Markt kommt.
Diese Beschränkungen werden bis dahin in Kraft bleiben. Ständige Exportkontrollen sind jedoch nicht die Politik dieser Regierung, und wir beabsichtigen im Augenblick keine Ausdehnung der Kontrollen über den derzeitigen
Stand hinaus. In gewissem Maße hebt sich die Wirkung von Exportkontrollen
als Antiinflationsmaßnahme von selbst auf. Eine Begrenzung unserer Exporte
verringert unsere Devisenerlöse, drückt den Wert des Dollar und erhöht die
Kosten der Waren,' die wir einführen, was sich wiederum auf die Lebenshaltungskosten der amerikanischen Familien auswirkt. Eine Begrenzung unserer
Agrarexporte läuft darüber hinaus auch unserer grundlegenden Politik zuwider,
Absatzmärkte für unsere Agrarerzeugnisse im Ausland zu erschließen. Sofern
die Ernteerwartungen bei uns nicht sehr enttäuschend sind oder die Auslandsnachfrage äußerst groß ist, werden Exportkontrollen nicht erforderlich
sein. Das Melden von Exportaufträgen für Agrarerzeugnisse wird jedoch auch
weiterhin notwendig sein. Unsere Politik muß stets davon ausgehen, daß die
Aufrechterhaltung einer ausreichenden Lebensmittelversorgung im Inland von
grundlegender Wichtigkeit ist.
Die Stabilität der amerikanischen Wirtschaft in den kommenden Monaten
und Jahren bedingt eine maximale Agrarerzeugung. Ich appelliere an die amerikanischen Farmer , so viel wie möglich zu produzieren. Es liegen Berichte
vor, daß Farmer zögerten, Vieh aufzuziehen, weil sie nicht sicher waren, ob
ihnen die Bestimmungen der Regierung einen fairen Ertrag ihrer Investitionen
gestatten würden, und vielleicht auch, weil sie die Einführung von Höchstpreisen für Lebensmittel ablehnten. Ich hoffe, daß diese Berichte nicht zutreffen. Im letzten Jahr ist das reale Nettoeinkommen pro Farm um 14 Prozent
gestiegen, fürwahr eine beachtliche Zunahme. Ich kann den amerikanischen
Farmern versichern, daß die Regierung nicht die Absicht hat, sie zu diskri-

�diskriminieren. Die heute bekanntgegebenen Bestimmungen sollten den Farmern
Vertrauen geben, daß die Regierung sie nicht daran hindern wird, einen
fairen Ertrag aus ihren Investitionen für die Lebensmittelerzeugung zu erzielen.
Der Landwirtschaftsminister... hat entschieden, daß es 1974 keine Reduzierung der Anbauflächen für Futtergetreide, Weizen und Baumwolle geben wird.
•«« •

Der Prozeß bei der Aufhebung der Kontrollen
Es besteht keine Notwendigkeit, daß ich meinen Wunsch,die Kontrollen
zu beenden und zu einem freien Markt zurückzukehren, erneut wiederhole. Ich
glaube, daß ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung, wenn ihm ein abgewogener Überblick über die Optionen gegeben wird, diesen Wunsch teilt...
Und trotzdem muß ich eine Politik der Geduld fordern. Ein Übergang zu
völliger Freiheit jetzt würde höchst wahrscheinlich auf Abwegen und in einem
Sumpf von noch viel länger dauernden Kontrollen enden. Ich bin beeindruckt
von der einstimmigen Empfehlung der führenden Vertreter von Gewerkschaften
und Wirtschaft im Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeirat, daß die Kontrollen Ende
1973 auslaufen sollten. Ich hoffe, da'ß dies möglich sein wird, und werde
alles in meinen Kräften stehende tun, um dieses Ziel zu erreichen. Ich halte
es jedoch nicht für klug, uns auf ein bestimmtes Datum für die Beendigung
aller Kontrollen zu diesem Zeitpunkt festzulegen...

Haushaltsausgleich
Den Schlüssel für den Erfolg unserer Anti-Inflationsanstrengungen bildet
der Haushalt. Wenn die Bundesausgaben anschwellen und das Defizit steigt,
dann wird das Kontrollsystem dem Nachfragedruck nicht standhalten können. Die
häufigste Ursache für einen Zusammenbruch von Kontrollsystemen war, daß £j&gt;

-7-

�es nicht gelang, die Haushalts-und Währungspolitik einzuschränken. Wir dürfen es nicht zulassen, daß dies auch bei uns geschieht.
Ich bin mir sicher, daß der Federal Reserve Board durch Verlangsamung
der Geld-und Kreditausweitung unsere Anti-Inflationsanstrengungen unterstützen
wird. Aber man sollte und darf nicht erwarten, daß die Währungspolitik alleine
die erforderliche Zurückhaltung übt. Auch ein weiterer Beitrag von der Haushaltsseite ist erforderlich.
Ich schlage vor, daß wir uns als Ziel für das laufende Haushaltsjahr
einen ausgeglichenen Haushalt setzen. In der Vergangenheit habe ich als Norm
für den Bundeshaushalt vorgeschlagen, daß die Ausgaben die Einnahmen, die bei
einer Vollbeschäftigung erzielt würden, nicht überschreiten sollten. Wir halten diese Norm ein. Aber unter den heutigen Umständen... können wir uns es
nicht mehr leisten, uns an diese Mindestnorm zu halten. Wir müssen unser Ziel
höher setzen und den Haushalt tatsächlich ausgleichen.
Dieses Ziel zu erreichen wird schwierig sein - schwieriger, als es dies
zunächst den Anschein hat. Meine Ausgaben waren ursprünglich für das Finanzjahr 1973/74 auf 268,7 Milliarden Dollar veranschlagt worden. Seit Vorlage
dieses Haushaltes haben die Expansion der Wirtschaft, die Inflation und andere Faktoren die Einnahmen auf die Höhe der ursprünglich veranschlagten Ausgaben ansteigen lassen. Während dies geschah, sind aber auch die voraussichtlichen Ausgaben gestiegen...
Es ist klar, daß bei den voraussichtlichen Ausgaben mehrere Milliarden
Dollar gekürzt werden müssen, wenn wir den Haushalt ausgleichen wollen. Das
wird schwerfallen, da mein ursprünglicher Haushalt bereits scharf kalkuliert
war. Ich erachte dies jedoch für notwendig und versichere Ihnen feierlich,
darauf hinzuarbeiten.
Wir sollten uns daran erinnern, daß ich es vor etwas mehr als einem Jahr
als das Ziel für das Finanzjahr 1972/73 bezeichnet habe, die Ausgaben unter

�unter 250 Milliarden Dollar zu halten. Damals war man deswegen sehr skeptisch,
und es fielen Andeutungen, daß diese Zahl nur politischen Zwecken dienen
sollte und nach den Wahlen vergessen sein würde. Aber ich habe dies so gemeint, die Bevölkerung stand hinter mir, und der Kongreß hat mich unterstützt.
Heute kann ich Ihnen berichten, daß dieses Ziel erreicht worden ist und daß
die Gesamtausgaben im Finanzjahr 1972/73 unter 249 Milliarden Dollar lagen.
Ich werde die administrativ möglichen Schritte ergreifen, um das Ziel
eines ausgeglichenen Haushaltes im Finanzjahr 1973/74 zu erreichen. Als Beginn werde ich anordnen, daß die Zahl der Zivilangestellten der Bundesregierung am Ende des Finanzjahres 1973/74 unter der jetzt im Haushalt angewiesenen
liegen muß...
Trotz der schwierigen Situationen und Entscheidungen, vor denen wir jetzt
stehen, ist die amerikanische Wirtschaft stark. Die Gesamterzeugung liegt um
6 1/2 Prozent höher als vor einem Jahr. Die Beschäftigtenzahl ist um drei
Millionen gestiegen, und die Realeinkommen sind höher als zuvor. Auch was die
Inflation anbetrifft, ist die Entwicklung bei uns besser als in den meisten
Teilen der Welt. So sollten wir ob unserer Lage nicht verzweifeln. Aber wir
haben Probleme, und sie sind zum Teil schwerwiegender Natur, denn wir und die
übrige Welt erwarten von der amerikanischen Wirtschaft eine optimale Leistung.
Wir können noch besseres leisten. Und wir werden dies in beiderseitigem Einvernehmen und mit Unterstützung des amerikanischen Volkes tun."

+-H-

-9-

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28/1973
DAS NEUE WIRTSCHAFTLICHE STABILISIERUNGSPROGRAMM IN STICHWORTEN
-Wortlaut-

WASHINGTON —(AD)-- Das Weiße Haus hat am 18. Juli eine Zusammenfassung
der wichtigsten Punkte des neuen wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms
veröffentlicht, die folgenden Wortlaut hat:
"Das Ziel
Die Verringerung der in den ersten sechs Monaten des Jahres 1973 verzeichneten Inflationsrate bei minimalen nachteiligen Auswirkungen auf die
Versorgung.
Der Rahmen
- Die Phase IV ist gesetzlich bindend; sie umfaßt die meisten Sektoren der Wirtschaft, verlangt Vorausmeldungen und beschränkt den Preisanstieg, indem Kosten nur Dollar um Dollar weitergegeben werden dürfen.
- Der Preisstopp bleibt auf allen Gebieten bis zum 12. August in Kraft,
die Sektoren

Lebensmittel und Gesundheitswesen ausgenommen, für die so-

fort gesonderte Bestimmungen in Kraft treten.
- Für alle Wirtschaftssektoren - außer dem

Lebensmittelsektor -

werden mit Wirkung vom 12. August neue Bestimmungen in Kraft treten, die
jetzt zur Stellungnahme veröffentlicht werden. Stellungnahmen müssen bis

�I
bis zum 31. Juli erfolgt sein.
- Die während der Phasen II und III geltenden Richtlinien für Löhne
und Zuwendungen bleiben weiter gültig.
- Kleinbetriebe (60 Beschäftigte und weniger), die Sätze der öffentlichen Versorgungsbetriebe, Zinsen und Renten sowie Löhne und Preise bei
Holz und Sperrholz fallen ab 12. August nicht mehr unter die Bestimmungen.
- Es werden Verfahren für die Prüfung einer schrittweisen Aufhebung der
Kontrollen in der Industrie festgelegt.

LebensmittelSektor
- Die Preisbestimmungen der Phase IV werden in zwei Phasen, A und B,
unterteilt.

' •-'

,

Phase A (tritt sofort in Kraft)
- Die Höchstpreise für Rindfleisch bleiben bestehen.
- Bei allen übrigen Lebensmitteln dürfen die Preise nur auf einer Dollar-um-Dollar-Basis heraufgesetzt werden, die dem Kostenanstieg bei den
landwirtschaftlichen Rohprodukten entspricht.
Phase B

(tritt am 12. September in Kraft)

- Die Höchstpreise für Rindfleisch werden aufgehoben.
- Erzeuger und Verteiler dürfen alle Kostenerhöhungen auf einer Dollarum-Dollar-Basis weitergeben. ••••-'
- Andere Aspekte der Lebensmittelbestimmungen werden den Kontrollen auf
dem Industrie-, dem Dienstleistungs-, dem Großhandels- und dem Einzelhandelssektor angeglichen.
Industrie

-2-

�Industrie-utid Dienstleistungssektor
- Die Preise bleiben bis zum 12. August eingefroren, wenn die Bestimmungen der Phase IV in Kraft treten.
- Am 19. Juli werden Bestimmungen zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht werden. Diese Bestimmungen werden:
- von den Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von über 100 Millionen
Dollar verlangen, daß sie den Lebenshaltungskostenrat 30 Tage im voraus benachrichtigen, bevor Preiserhöhungen in Kraft treten dürfen;
- von Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von über 50 Millionen Dollar die Vorlage von ViertelJahresberichten verlangen;
- von allen Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von weniger als
50 Millionen Dollar, aber mit mehr als 60 Beschäftigten, die Vorlage eines
Jahresberichtes verlangen;
- einen neuen Basiszeitraum für Preiserhöhungen und Kostennachweis festlegen - das letzte Quartal des vor dem 11. Januar 1973 abgelaufenen Finanzjahres. Vor dem neuen Basiszeitraum der Phase IV angefallene Kosten dürfen
nicht als Rechtfertigung für höhere Preise benutzt werden;
- die Weitergabe von Kosten nur auf einer Dollar-um-Dollar-Basis gestatten;
- die Begrenzungen für die Gewinnspanne beibehalten.

Einzel-und Großhandelssektor (ohne Lebensmittel)
- Die Preise bleiben bis zum 12. August eingefroren, wenn die Bestimmungen der Phase IV in Kraft treten.
-Am

�- Am 19. Juli werden Bestimmungen zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht werden. Diese Bestimmungen werden verlangen:
- eine vorherige Billigung der Preisgestaltungspläne durch den Lebenshaltungskostenrat auf der Basis der einzelnen Warengruppen bei Gesellschaften
mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Dollar;
- Kontrolle der Bruttospannen bei diesen Warengruppen;
- Beibehaltung der Begrenzung der Gewinnspannen.
-

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Erdölsektor
- Die Preise bleiben bis zum 12. August eingefroren, wenn die Bestimmungen der Phase IV in Kraft treten.
- Am 19. Juli werden Bestimmungen zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht werden. Diese Bestimmungen werden vorsehen:
- Höchstpreise für Benzin, Heizöl und Dieselkraftstoff. Die Höchstpreise
setzen sich aus den tatsächlichen Kosten des Verkäufers der Produkte und dem
Aufschlag in Dollar und Cent zusammen, der im Einzelhandel für das gleiche
Produkt am 10. Januar .1973 galt;
- einen Höchstpreis für Rohöl;
- - Die Mehrförderung von Rohöl und die entsprechenden Mengen der alten
Förderung sind davon auszunehmen;
- Höchstpreise und Oktanzahl müssen an jeder Tankstelle angegeben sein.

Bestimmungen für besondere Sektoren
- Das Gesundheitswesen wird von dem Preisstopp sofort ausgenommen und
wieder den bindenden Kontrollen der Phase III unterworfen.
- Die vorgeschlagenen Bestimmungen für das Versicherungswesen werden jim

-4-

�am 19. Juli zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht. Die neuen Bestimmungen werden am 12. August in Kraft treten. Bis dahin bleibt der Preisstopp
in Kraft.

Löhne
- Die allgemeinen Normen der Phasen II und III für Löhne und Zuwendungen bleiben bestehen. Die Berichte müssen eingehendere Informationen über die
Erhöhung von Löhnen und Zuwendungen enthalten.
- Benachrichtigungen über eine Anhebung von Löhnen und Zuwendungen durch
die größten Verhandlungsgruppen werden weiterhin notwendig sein. Vorausbenachrichtigungen werden in besonderen Fällen verlangt.
- Innerhalb des Lebenshaltungskostenrates ist eine neue Organisation
zur Überprüfung einer Anhebung von Löhnen, Gehältern und Zuwendungen im Bereich der Bundesstaaten und der Kommunalverwaltungen geschaffen worden."

-H-+

�Gegenüberstellung der wichtigsten Bestimmungen der Phasen II, III und IV
(' .",!. f 'i

Phase II

Phase IV

Phase III

Industriesektor:
-•*----------—»«f&lt;

Kostensteigerungen Kostensteigerungen einschließlich Gewinnspanne werden voll- weitergegeben

Weitergabe auf Dcllar-um-Dollar-Basis ohne Gewinn-

if

spanne
Basis

Letzte Preiserhö-

Letzte Preiserhö-

Basiszeitraum

hung oder Stand

hung vor dem 11.

letztes Quartal des

vom 1. Jan. 1971

Jan. 1973

vor dem 11. Jan.
beendeten Finanzjahres

Gewinnspanne

Basispreis

Die 2 besten von

Die besten 2 der

3 Finanzjahren

nach dem 15. Aug.

vor dem 15. Aug.

1968 beendeten

1971

Finanzjahre

wie Phase III

Höchstpreis, der für 10 Prozent der

Durchschnittliche

Produktion 30 Tage lang vor dem Zeit-

Preis im letzten

raum vom 16.Aug. bis 13. Nov.1971

Quartal des vor dem

gefordert worden ist

11. Jan. 1973 beendeten Geschäftsjahres

&gt;i

': (.iL

• . .:•;

-•&lt;••;

Verfahren

�.

Phase II

Phase III

Phase IV

Verfahren und Geltungs.

Alle Firmen mit

Ab 2. Mai 1973 von

Alle Firmen mit

bereich

Jahresumsatz

allen Firmen mit

Jahresumsatz

Vo vau sme1düng en

von über 100

Jahresumsatz von

von über 100

Millionen D o L

über 25 Millio-

Millionen Dol-

lar; 30 Tage vor nen Dollar, die

lar; 30 Tage

Preisanhebung;

Preisanhebungen

vor Preisanhe-

Zustimmung er-

von über 1,5 %

bung; kann er-

forderlich

des Indexes

folgen, sofern

durchgeführt

Lebenshaltungs-

hatten; 30 Tage

kostenrat sie

vor Preisanhe-

nicht aussetzt,

bung

ablehnt oder
kürzt. Recht zur
Überprüfung bereits erfolgter
Preisanhebungen

Kriterien für Aus-

Bedeutende Här-

Wenn sie sich

Bedeutende H ä r -

nahmen

ten oder Unge-

von selbst an

ten oder Unge-

rechtigkeiten

die Bestimmun-

rechtigkeiten un-

gen der Phase II

ter Berücksichti-

halten

gung etwaiger Störungen für die
Wirtschaft

Meldungen

Alle Firmen mit

Alle Firmen mit

Alle Firmen mit

Jahresumsatz

Jahresumsatz

Jahresumsatz von

von über 50 Mil-

oder Einnahmen

über 50 Millionen

lionen Dollar

von über 250

Dollar viertel-

vierteljährlich

Millionen Dollar

jährlich; nicht

vierteljährlich

befreite Firmen
mit Jahresumsatz
darunter jährlich

«•7Ausnahmen

�Phase III

Phase II
Ausnahmen für Klein-

Weniger als 60 Angestellte

Phase IV
Wie Phase II, jedoch aufgrund neu-

betriebe

er Einschätzung

Andere Sektoren:

Lebensmittel

Allgemeine Norm

Sonderbestimmungen

Neue Sonderbestimmungen; in
2 Phasen unterteilt

Erdöl

Allgemeine Norm

Sonderbestimmungen

Neue Sonderbestimmungen

Versicherungen

Sonderbestimmungen, die vom allgeraeinen Preisniveau abhängen

Öffentliche Versor-

Bestätigung der

Besondere Krite-

gungsbetriebe

zuständigen Be-

rien

Revidierte Sonbestimmungen

Ausgenommen

hörden erforderlich
Gesundheitswesen

Besondere Bestimmungen

Wie Phase III bis
neue Bestimmungen
ausgearbeitet
sind

Renten

Sonderbestimmungen

-8-

Ausgenommen

Ausgenommen

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USA bestätigen Intervention auf den Devisenmärkten
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Die amerikanische Regierung hat am 18. Juli offiziell
bestätigt, daß die Vereinigten Staaten damit begonnen haben, auf den Devisenmärkten aktiv zu intervenieren mit dem Ziel, "geordnete Marktverhältnisse aufrechtzuerhalten."
Die kurze gemeinsame Erklärung des Finanzministeriums und des Federal
Reserve Board enthält keine Einzelheiten, doch kann angenommen werden, daß
die Vereinigten Staaten unter den gegenwärtigen Umständen für eine Intervention

ausländische Währungen zum Ankauf von Dollar verwendet haben,

um so den Rückgang des Dollar-Kurses zu verlangsamen oder in sein Gegenteil umzukehren.
Aufgrund der kürzlich erweiterten Vereinbarungen mit den ausländischen Notenbanken kann der Federal Reserve Board - die amerikanische Notenbank - bis zu 17 980 Millionen Dollar in ausländischen Währungen für derartige Operationen aufnehmen. Die Vereinigten Staaten könnten ferner ihre
Sonder-und ihre regulären Ziehungsrechte beim Internationalen Währungsfonds (IWF) oder ihre Goldreserven einsetzen, um sich ausländische Währungen
zur Stützung des Dollar-Kurses zu beschaffen.
Die

�Die am 18. Juli veröffentlichte gemeinsame Erklärung hat folgenden
Wortlaut:
"Der Vorsitzende des Federal Reserve Board und der Finanzminister

ha-

ben gemeinsam die folgende Erklärung herausgegeben:
•Auf der Sitzung der Finanzminister und der Notenbankgouverneure am
16. März 1973 in Paris wurde Übereinstimmung darüber erzielt, daß eine offizielle Intervention auf den Devisenmärkten zu gegebener Zeit nützlich sein
könnte, um die Aufrechterhaltung geordneter Marktverhältnisse zu erleichtern. Angesichts der dem Dollar innewohnenden Stärke und nach Konsultationen zwischen dem Federal Reserve Board, dem Finanzministerium und den Vertretern anderer Länder wurde am 10. Juli mit Interventionen des Federal
Reserve Board an der New Yorker Devisenbörse begonnen. Aktive Interventionen werden auch künftig zu gegebener Zeit und in der erforderlichen Größenordnung erfolgen, um geordnete Marktverhältnisse aufrechtzuerhalten.1"

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VOLCKER VERWEIST AUF FORTSCHRITTE DER INTERNATIONALEN WÄHRUNGSGESPRÄCHE
-Auszüge-

WASHINGTON — ( A D ) — Der Staatssekretär für Währungsfragen im US-Finanzministerium, Paul Volcker, hat am 19. Juli vor einem Unterausschuß des
amerikanischen Repräsentantenhauses zu dem derzeitigen Stand der internationalen Währungsgespräche Stellung genommen, die bereits zu einer Übereinstimmung über zahlreiche Grundprinzipien, darunter die Notwendigkeit
eines besseren Mechanismus für die Anpassung von Zahlungsbilanzen, geführt
hätten. Die wesentlichen Teile der Ausführungen des Staatssekretärs haben
folgenden Wortlaut:
"Ich glaube, daß jetzt, zum Teil durch Klärung der Auffassung aller
Seiten, ein besseres Verständnis für bestimmte Punkte besteht, die wir bei
Unterbreitung unserer Vorschläge hervorgehoben haben. Vor allem haben wir
darauf bestanden, daß die verschiedenen Elemente des monetären Systems
- Konvertierbarkeit, Wechselkurssystem, Anpassungsprozeß, Bereitstellung und
Art der internationalen Währungsreserven - als Teile eines ausgewogenen und
in sich geschlossenen Systems entwickelt werden müssen. Wir brauchen daher,
wenn ein System konvertierbarer Währungen wirklich funktionieren soll, eine
Technik, die gewährleistet, daß Anreize für Anpassungen nicht nur für Defizitländer mit schwindenden Reserven gelten, sondern gleichermaßen für
Überschuß-und Defizitländer. Die Toleranz, die wir für temporäre Ungleich-

-1-

�Ungleichgewichte im System zulassen wollen - und eine gewisse Toleranz
ist notwendig - muß im Einklang mit der Verfügbarkeit von Reserven zur Finanzierung von Ungleichgewichten stehen. Höhe der Reserven, die die einzelnen Länder in der Praxis halten möchten, und Verfügbarkeit solcher Reserven
im Rahmen dieses Systems müssen auf breiter Basis aufeinander abgestimmt
sein. Die als internationale Reserven benutzten Aktiva dürfen keinen spekulativen Verzerrungen ausgesetzt sein, und die einzelnen Länder müssen frei
und flexibel über sie verfügen können...
Meines Erachtens ist es fair, zu sagen, daß die Mitglieder des Zwanziger-Ausschusses bereits zu bestimmten, mehr oder weniger einstimmig gefaßten Schlußfolgerungen gelangt sind. Man schließt sich uns bei der Suche
nach wirksameren Mechanismen an, die zeitgemäßere

und effektivere Zah-

lungsbilanzanpassungen gewährleisten sollen und die sich in gleicher Weise
auf Überschuß-wie auf Defizitländer auswirken - ihr Fehlen hat ganz wesentlich zum Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods beigetragen.
Es besteht eine allgemeine Bereitschaft, die These zu akzeptieren,
daß Anreize und Druck erforderlich sein könnten, um den Anpassungsprozeß
zu 'disziplinieren». Gleichzeitig möchten die meisten Länder es den betreffenden Staaten weitmöglichst überlassen, wie die Anpassung vorgenommen
wird - während solche Anpassungsformen verhindert werden sollen, die für das
internationale Handels-und Zahlungssystem abträglich sind.
Wir haben vereinbart, daß das Wechselkurssystem auf stabilen, aber anpaßbaren Paritäten basieren soll, wobei ein Floaten von Wechselkursen sich
in bestimmten Situationen als nützliche Technik erweisen könnte. Wir stimmten darin überein, daß die globale Liquidität besser gelenkt werden sollte
und daß modifizierte Sonderziehungsrechte (vielleicht mit anderem Namen)
zum Hauptreservemedium werden sollten. Wir waren uns einig darüber, daß
effektivere Mittel notwendig sind, um mit den Problemen der kurzfristigen

-2-

�kurzfristigen

Kapitalflüsse fertig zu werden, obwohl noch beträchtliche

Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der angebrachten Form der diesbezüg
liehen Kontrollen verbleiben.
Eine Übereinstimmung über diese Punkte ist wichtig und trägt zur Ermutigung bei. Ich lasse mich jedoch nicht dazu verleiten, etwa zu glauben, daß
das Maß an Übereinstimmung über diese Punkte, so wichtig jeder von ihnen im
einzelnen ist, ausreicht, um die Vereinbarkeit, die Ausgewogenheit und Kohärenz, von der ich sprach, insgesamt zu gewährleisten., Im besonderen haben
wir noch viel Arbeit zu bewältigen, um diese Prinzipien funktionsfähig zu
machen und zwar im Sinne spezifischer und festgelegter Verhaltensnormen, die
für alle akzeptabel sind.
Zum Beispiel möchten wir alle ganz allgemein ein besseres Verfahren für
die Anpassung von Zahlungsbilanzen. In der Praxis jedoch stellt der schwerfällige und abstrakte Begriff 'Zahlungsbilanzanpassungen» jede Regierung
vor schwierige wirtschaftliche Entscheidungen und delikate politische Probleme. Wer soll entscheiden, welche Maßnahme wann und von welchem Land getroffen werden soll?

Praktisch müssen wir praktikable Antworten auf diese Fra-

gen finden und zwar Antworten, die für alle Handel treibenden Länder in ihrer Gesamtheit wie auch für die einzelnen Staaten zufriedenstellend sind.
Wir müssen zum Beispiel den geeigneten nationalen Ermessensspielraum, die
Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) und das Ausmaß festlegen, bis
zu dem »objektive Indikatoren» nutzbringend angewandt werden können. Auf allen
diesen Gebieten ist eine volle Übereinstimmung noch nicht erreicht worden.
Das von uns im September letzten Jahres gesetzte Ziel war, bis zur
nächsten Septembertagung des IWF in Nairobi Übereinstimmung über die groben
Umrisse der Reform zu erreichen. Unser Ziel von heute bis zum September
bleibt weiterhin, ein weitmögliches Gebiet der Übereinstimmung zu erreichen,
so daß die Arbeit über die Durchführungsbestimmungen zur Verwirklichung

3-

�Verwirklichung dieser Prinzipien fortschreiten kann. Dies bedeutet, daß
Nairobi nicht das Ende der Reformarbeiten sein wird; selbst unter den günstigsten Aspekten wird noch eine Menge zu tun sein, um die Durchführungsbestimmungen abzufassen und die erforderlichen gesetzgeberischen Maßnahmen
vorzubereiten...
Seit März hat es bei einigen Wechselkursen, vor allem zwischen dem
Dollar und einigen europäischen Währungen, beträchtliche Bewegungen gegeben.
Ich, wie auch viele andere, glauben, daß die Bewertung bestimmter Währungen
gegenüber dem Dollar weiter gegangen ist, als dies gerechtfertigt oder erforderlich war, um das langfristige internationale Zahlungsbilanzgleichgewicht, und auch im besonderen den Ausgleich unserer eigenen Zahlungsbilanz,
wieder herzustellen.
Bei der Bewertung der letzten Wechselkursveränderungen möchte ich betonen, daß die starken Ausschläge sich fast ausschließlich auf die europäischen Länder beschränkten, die an einem gemeinsamen Floaten - an der sogenannten 'Schlange* - beteiligt sind. Ja, der Dollar war seit Monaten gegenüber den Währungen der Länder, auf die rund 75 Prozent unseres Handels entfallen, ziemlich konstant. Zu diesen Ländern gehören unsere wichtigen Handelspartner außerhalb Europas,Japan, Kanada und die meisten Entwicklungsländer, aber auch einige wichtige europäische Länder wie zum Beispiel Großbritannien und Italien.
Bei der Auswertung dieser jüngsten Erfahrungen möchte ich einige für
eine längerfristige Reform relevante Schlüsse ziehen:
- - Erstens, in einer Situation, die durch größere, während eines langen
Zeitraums aufgebaute Zahlungsungleichgewichte charakterisiert wird, mit
gleichzeitigen Unsicherheiten und spekulativen Strömungen, führen Versuche-,
feste Währungsrelationen aufrechtzuerhalten, zu wiederholten Spannungen und

�und Krisen. Solche Spannungen werden noch durch die Tatsache vergrößert, daß
die Ungleichgewichte sich nachhaltig auf die Hauptwährung des Systems - den
Dollar - ausgewirkt haben. In einer derartigen Situation bildete das Floaten
von Währungen, im Gegensatz zu den verfügbaren Alternativen, eine allgemein
akzeptable Arbeitsgrundlage für den Zeitraum bis zur Wiederherstellung des
Gleichgewichts, und die derzeitigen Anzeichen deuten darauf hin, daß der
Handelsfluß und die langfristigen Investitionen nicht ernst beeinträchtigt
worden sind.
— Zweitens unterstreicht diese Erfahrung meines Erachtens, was die
Erzielung stabilerer Währungsrelationen anbetrifft, wie wichtig die Schaffung eines Ausgleichs der amerikanischen Zahlungskonten ist. Keine Reform
des internationalen Währungssystems kann einen Ersatz für dieses Erfordernis bilden. Wir können, als Teil des Reformprozesses, das Ausmaß, in dem
das System vom Dollar abhängig ist, reduzieren, aber wir können nicht der

Tatsache ausweichen, daß die Vereinigten Staaten weiterhin die größte Wirtschaftseinheit bleiben werden und daß es für andere Länder wie auch für uns
wichtig ist, daß der Dollar gesund bleibt.
-- Drittens, die jetzt in Kraft befindlichen Interimsvereinbarungen sind
kein Ersatz für eine langfristige Reform. Sie geben keinen Rahmen für vereinbarte und einigermaßen klare Bestimmungen, die notwendig sind, um den
längerfristigen Erfordernissen des Systems zu entsprechen. Dies ist die Aufgabe der Reform.
-- Viertens beweisen die von mir zu Anfang meiner Ausführungen aufgezeigten Schwierigkeiten, auf die wir gestoßen sind, welche Gefahren sich ergeben, wenn man einen Aufbau von Zahlungsbilanzungleichgewichten über einen
längeren Zeitraum hinweg zuläßt. Obwohl die Februarabwertung fast überall als
ausreichend betrachtet wurde, haben die unumgängliche Zeitspanne bis zu ihrem
Wirksamwerden und die hieraus resultierende Unsicherheit, bis diese Auswir-

-5-

�I
t

Auswirkungen voll durchschlagen können, zu den darauf folgenden Marktstörungen beigetragen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit wirksamer Anreize für
Länder - für die USA wie auch für andere -, sich entwickelnde Ungleichgewichte umgehend anzupassen. Dies wiederum ist die Aufgabe der Reform.
-- Fünftens, die Instabilität des privaten Goldmarktes mit dem starken
Hochschnellen der Preise hat erneut bewiesen, daß dieses Metall als zentrales Reservemedium eines neuen Systems ungeeignet ist.
-- Schließlich hat sich, während eine Reihe von Ländern vermehrt zur
Anwendung von Kontrollen für kurzfristiges Kapital griffen, um so den massiven
Flüssen beweglicher Gelder, wie sie sich in der heutigen Welt ergeben können,
zu begegnen, erneut gezeigt, daß die Wirksamkeit solcher Kontrollen begrenzt
ist. Derartige Kontrollen scheinen keine adäquate Lösung für das Problem der
Spekulationen und der Ungleichgewichte zu sein."
»

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28/1973

ALASKA-PIPELINE KÖNNTE SITUATION AUF DEM WELTÖLMARKT EINSCHNEIDEND ÄNDERN
Von John Uhler

--(AD)-- Die projektierte Ölleitung aus dem Norden des amerikanischen Bundesstaates Alaska zu den nächstgelegenen Häfen am Pazifik dürfte früher
Realität werden als zunächst erwartet, da der US-Senat jetzt wichtige Entscheidungen getroffen hat. Durch die Abstimmung vom 17. Juli 1973 wurde
eine Anzahl jener Hindernisse aus dem Wege geräumt,die eine Aufschiebung
des Baues der Pipeline verlangten, bis eine Studie zum Alternativprojekt
mit Verlegung der Trasse durch Kanada vorgelegen hätte. Der Senat entschied
u.a., daß die Beschränkung der Trassenbreite in den Gebieten in Regierungsbesitz auf je 7,5 m links und rechts der Rohrleitung zu entfallen habe,
weil andernfalls die erforderlichen Versorgungsstraßen nicht gebaut und
die Trassen nicht über Bergregionen geführt werden könnten.
In seiner Eigenschaft als Senatspräsident setzte sich Vizepräsident
Agnew auch für die Aufnahme eines Zusatzparagraphen in die Gesetzesvorlage
ein, in dem erklärt wird, daß die Erfordernisse des Umweltschutzgesetzes
von 1970 berücksichtigt seien und das Projekt durch Gerichtsurteile, die
unter Berufung auf das Umweltschutzgesetz gefällt wurden, nicht länger aufgehalten werden dürfe.
In

�In seiner Energiebotschaft an den Kongreß hatte Präsident Nixon bereits im April dieses Jahres um eine rasche Entscheidung ersucht, damit mit
den Bauarbeiten für die 1 280 km lange Rohrleitung begonnen werden könne.
Mehr als ein Jahr lang mußte sich die Regierung mit den Umweltschützern auseinandersetzen, die Schäden für die Tundra und die Tierwelt befürchteten.
Jetzt fehlen noch die Verabschiedung der Vorlage durch das Repräsentantenhaus
und

entsprechende Beschlüsse der Bundesgerichte im Hinblick auf mögliche

künftige Beschwerden.
Obgleich die Umweltschützer bereits wissen ließen, daß sie ihre Kampagne zur Blockierung des Baues der neuen Pipeline fortsetzen würden, besteht gute Aussicht, daß diese Streitfrage noch in diesem Jahr beigelegt
wird. Die Bauarbeiten könnten noch im Herbst in Angriff genommen werden,
so daß schon in etwa drei Jahren Öl durch die Leitungen fließt. Um 1980 dürf
te Alaska täglich etwa 286 000 Tonnen Erdöl liefern; das entspräche etwa
10 Prozent des amerikanischen Erdölbedarfs, der dann bei drei Millionen Tonnen pro Tag liegen dürfte. Der letztgenannten Zahl liegt die Schätzung zu»
gründe, daß die 1980 erforderlichen Importe der USA doppelt so hoch liegen
wie 1973. Die Explorationsbohrungen in Alaska dürften schon in Kürze wieder
aufgenommen werden, und es besteht Grund zu der Annahme, daß man durch sie
zusätzlich neue Vorkommen lokalisieren kann.
Die ersten abbaufähigen Öllager in Alaska wurden 1968 entdeckt. Große
Ölfirmen taten sich zusammen, um die Anlage einer Rohrleitung von 1,2m
Durchmesser zu finanzieren, durch welche heißes Öl zu dem eisfreien Hafen
Valdez an der Südküste Alaskas transportiert werden sollte. Von dort hätten
es Tanker zum Weitertransport in die amerikanischen Raffinerien an der Pazifikküste übernommen. Die Ökologen wandten sich jedoch gegen diesen Plan,
da sie befürchteten, daß Flora und Fauna in Alaska und im Golf von Alaska
allein durch die Existenz einer Leitung, in der heißes Öl fließt, und durch
die zahlreichen Tanker gefährdet seien, die eine mögliche Quelle für Öl-

-2-

�Ölverschmutzungen größten Stils darstellten. Die stärksten Bedenken verursachte die Tatsache, daß die Pipeline durch ein Erdbebengebiet in Alaska
führt, wo ein Bruch der Rohrleitung verheerende Folgen hätte. Das US-Innenministerium zog in Zusammenarbeit mit anderen Behörden zahlreiche Gutachter
hinzu, um Mittel und Wege zu finden, durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen
Schäden an der Pipeline zu verhindern. Bei der Überlandleitung sollen beispielsweise automatische Ventile eingebaut werden, die den Ölfluß sofort
unterbinden,sobald auch nur ein minimales Leck auftritt. Tägliche Patrouillenflüge über das gesamte Gebiet, in dem die Trassen verlaufen, und häufige
Inspektionen zu Lande sollen eine Gewähr dafür bieten, daß kein Öl in die
zahlreichen Flußläufe einsickert. Den Tankern im Golf von Alaska wird untersagt, Spill-Öl und Ballastwasser abzulassen.
Die Alaska-Leitung dürfte Kosten von insgesamt 3 Milliarden Dollar verursachen; weitere 2 Milliarden Dollar sind für den Bau zusätzlicher Öltan ker notwendig. Hätte man sich für den Verlauf einer Ölleitung durch Kanada
entschieden, bei der eine Strecke von 4 800 km zu überwinden wäre, würden die
Kosten doppelt so hoch sein - nämlich 6 Milliarden Dollar. Präsident Nixon
erklärte zu dem Projekt in seiner Energiebotschaft vom 8. April 1973 unter
anderem:
"In einer Zeit, in der wir wachsende Mengen von Rohöl importieren und
dabei unsere Zahlungsbilanz erheblich in Unordnung bringen, außerdem zu
einer Zeit, in der wir beachtliche Ölverknappungen erleben, sind wir eindeutig auf die 286 000 Tonnen Öl pro Tag angewiesen, die Alaska liefern könnte - eine Menge, die ein volles Drittel unserer gegenwärtigen Importe ausmachen würde....
Ich appelliere an den Kongreß, diese Angelegenheit schnell zu behandeln, damit wir den Bau der Ölleitung so schnell wie möglich in Angriff nehmen können.
Ich

-3-

�\

Ich wende mich gegen jede weitere Verzögerung, die durch die nochmalige
Untersuchung der Frage entstünde, ob es ratsam sei, die Ölleitung durch Kanada zu verlegen. Unserem Interesse an einer raschen Steigerung unserer Ölversorgung wird am besten damit gedient, daß die Alaska-Leitung gebaut wird.
Sie könnte viel schneller fertiggestellt werden als eine Pipeline durch Kanada; ihre gesamte Kapazität würde für den Transport von Öl benutzt, das auf
amerikanischem Territorium gefördert wird und für amerikanische Märkte in
Regionen bestimmt wäre, wo es am meisten gebraucht wird. Außerdem würde der
Bau einer Leitung durch Alaska eine beachtliche Anzahl von Arbeitsplätzen
für Amerikaner in Alaska und in der Schiffbauindustrie schaffen..."
Einige Senatoren waren deshalb gegen den Bau der Alaska-Leitung, weil,
wie sie behaupteten, das Öl an Japan verkauft würde, während die Oststaaten
der USA in immer stärkerem Maße au*f Importe aus dem Nahen Osten angewiesen
seien. Im US-Innenministerium ist man jedoch der Meinung, daß schon im Jahre
1980 das gesamte in Alaska geförderte Öl in Alaska selbst, in Hawaii und den
drei Bundesstaaten der Westküste verbraucht würde. Befürworter des AlaskaProjektes im Senat schlugen außerdem vor, zwar an Japan Alaska-Öl zu liefern, jedoch mit der Auflage, daß dann Japan aus seinen Verträgen mit dem
Mittleren Osten die Lieferung der gleichen Mengen Öl aus diesen Ländern nach
den Vereinigten Staaten veranlassen solle. Auf diese Weise würden die Transportkosten auf einem.Minimum gehalten, weil das Öl auf den kürzesten Seewegen angeliefert werde.

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28/1973

VITAMIN B,-ZUSATZTHERAPIE BEI LANGZEITDIALYSE
o

--(AD)-- Etwa 12 000 Menschen in den Vereinigten Staaten werden durch regelmäßige Blutwäsche mit einer "künstlichen Niere" am Leben erhalten.
An einem der Dialyse-Zentren, den Kliniken der Stanford-Universität (Kalifornien), wurde bei Patienten, bei denen die Dialyse-Behandlung schon über
einen langen Zeitraum durchgeführt wird, ein auffälliger Mangel oder sogar das Fehlen eines wichtigen Enzyms festgestellt. Es handelt sich um
Aspartat-Transaminase, die eine Schlüsselrolle beim Gewebestoffwechsel
spielt.
Zunächst wurde vermutet, daß bei der Dialyse das für die Bildung des
Enzyms wichtige Vitamin B, (Pyridoxin) "ausgewaschen" wird. Auf einer Tagung der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Chemie (19. Juli 1973
in New York) berichtete nun eine Wissenschaftlergruppe der Stanford-Universität über ihre Erfahrungen und die Mutmaßungen zur Ursache des beobachteten Enzymmangels. Dr. Paul L. Wolf, der zusammen mit Dr. Norman Coplon,
Dr. Alan S. Coulson und Dorothy Williams (med.-techn.Assistentin) nach New
York gekommen war, erklärte in einem Interview, daß möglicherweise sogar
das Enzym selbst beim Dialyseprozeß "ausgewaschen" werde. In einer jetzt in
Angriff genommenen gründlichen Studie hoffe man, diese Frage zu klären.
Die Wissenschaftler neigen allerdings eher zu der Ansicht, daß nur das
Vitamin B,, das als Koferment für die Aktivität der Aspartat-Transaminase

-l-

�Transaminase (abgekürzt GOT) von Bedeutung ist, beim Blutwäsche-Prozeß reduziert werde.
Eine unzureichende GOT-Aktivität ist bisher nur als eine Begleiterscheinung in der Schwangerschaft bekannt. Keine der Patientinnen, die gegenwärtig am Dialysezentrum von Stanford behandelt werden, erwartet jedoch ein
Baby. Künftig sollen alle Patienten, die auf Langzeitdialyse angewiesen
sind, Vitamin B, als Zusatztherapie erhalten, um den Pyridoxin-Spiegel zu
normalisieren. Andernfalls ist mit Komplikationen wie Anämie, Nierensteinen,
Dermatitis, neurologischen Störungen und bei Frauen, die die Pille nehmen,
mit Depressionen zu rechnen.
Aufgrund der schon früher gemachten Erfahrung, daß bei Langzeitdialyse
Vitamin C und Folsäure ausgewaschen werden,verordnet man seit geraumer
Zeit den Patienten diese Wirkstoffe zusätzlich zur medikamentösen Therapie.
Dadurch sollen Störungen der Blutgerinnung und anämische Erscheinungen verhindert werden.

•H-f

-2-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon gibt neues Stabilisierungsprogramm bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 18. Juli -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das neue wirtschaftliche Stabilisierungsprogramm in Stichworten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA bestätigen Intervention auf den Devisenmärkten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Volcker verweist auf Fortschritte der internationalen Währungsgespräche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Alaska-Pipeline könnte Situation auf dem Weltölmarkt einschneidend ändern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vitamin B-Zusatztherapie bei Langzeitdialyse</text>
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und
TToITi

• 11

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

25. Juli 1979

INHALT

DOKUMENTATION
Vizepräsident Mondale unterbreitet Sieben-Punkte-Programm in Genf
- Rede auf der UN-Flüchtlingskonferenz HINTERGRUNDMATERIAL
Erläuterungen des Weißen Hauses zum Energieprogramm des Präsidenten

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1
I

3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25. Juli 1979

30

VIZEPRÄSIDENT MONDALE UNTERBREITET SIEBEN-PUNKTE-PROGRAMM IN GENF
- Rede auf der UN-Flüchtlingskonferenz -

GENF

- (AD) - Der amerikanische Vizepräsident Walter F. Mondale

hat am 21. Juli 1979 auf der Flüchtlingskonferenz der Vereinten Nationen
in Genf ein sieben Punkte umfassendes Aktionsprogramm zur Linderung der
Not der Indochinaflüchtlinge unterbreitet.

Es sei an der Zeit, so sagte

er in seiner vielbeachteten Rede, endlich zu handeln und nicht nur zu
reden.
Die Ansprache Mondales hat folgenden Wortlaut:
"Wieder einmal wenden sich die Staaten dieser Welt an die Vereinten
Nationen.

Wenn Probleme auftauchen, die die ganze menschliche Gemeinschaft

berühren, bietet kein anderes Forum ein umfassenderes Bild.

Wenn nationale

Interessen miteinander in Widerstreit geraten und aufeinanderprallen, lädt
uns keine andere Institution mit größerer moralischer Autorität vor. Die
Vereinten Nationen sind oft kritisiert, manchmal sogar verleumdet worden.
Aber die gemeinsame Grundlage, die sie uns bieten, verdient unseren Dank
und unser Lob.

Im Namen der Vereinigten Staaten und, wie ich glaube, im

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Tel: 02221-89 3 2 4 0
Telex:08-85432

�»

im Namen aller Länder der Staatengemeinschaft danke ich Generalsekretär
Waldheim und dem Hochkommissar Hartling für ihre Initiative, uns hier und
heute einzuberufen.
Herr Generalsekretär, manche Tragödien spotten der Einbildungskraft.
So manches Unglück entzieht sich dem Zugriff der Vernunft, so daß die Sprache
selbst unter der Last der Wirklichkeit zusammenbricht.
wir zu Metaphern.

Als Ersatz greifen

Als Ersatz sprechen wir den unhörbaren Dialekt des

menschlichen Herzens.
Heute stehen wir einer solchen Tragödie gegenüber. In praktisch allen
Sprachen der Welt wurden verzweifelte neue Ausdrücke geboren: "Sklaverei
hinter Stacheldraht", "Ein Archipel GULAG der Verzweiflung", "Eine Flutwelle
menschlichen Elends": mit solch neuen Schöpfungen wurde unsere Sprache
bereichert, aber im gleichen Maße verarmte unsere Zivilisation. "Die Bootsmenschen", "Die Landmenschen". Die Wörter sind neu, aber unglücklicherweise
sind die Vorgänger in den Annalen der Scham es nicht: diese Woche vor
genau 41 Jahren beendete eine andere internationale Konferenz am Genfer See
ihre Beratungen. 32 "Asylländer" kamen in Evian zusammen, um die bedrohten
Juden in Nazi-Deutschland und in Österreich zu retten. Am Ende der
Konferenz schleuderte Hitler seine Herausforderung der Welt ins Gesicht.
Er sagte: "Ich kann nur hoffen, daß die andere Welt, die so voller tiefer
Sympathie für diese Kriminellen ist, zumindest großzügig genug sein wird,
um diese Sympathie in praktische Hilfe umzuwandeln." Wir alle haben
ähnliche Argumente über die Lage der Flüchtlinge in Indochina gehört.
In Evian ging es um zweierlei: es ging um menschliches Leben, und es
ging um den Anstand und die Selbstachtung der zivilisierten Welt. Wenn
jedes Land an jenem Tag in Evian zugestimmt hätte, gleichzeitig 17 000
Juden aufzunehmen, hätte jeder Jude im "Reich" gerettet werden können.
Damals schrieb ein amerikanischer Beobachter: "Es ist herzzerreißend, an
die verzweifelten Menschen zu denken, wie sie in Ungewißheit darauf warten

�warten, was in Evian geschieht.

Aber die Frage, die sie aufwerfen, ist

nicht einfach nur eine humanitäre..., es ist ein Test für die Zivilisation."
In Evian begann alles mit großen Hoffnungen.

Aber der Test für die

Zivilisation schlug fehl.
Die zivilisierte Welt versteckte sich im Mäntelchen der Dogmatismen.
Zwei Länder sagten, sie hätten den "Sättigungspunkt" für jüdische Flüchtlinge
erreicht. Vier Länder sagten, sie würden lediglich erfahrene Landarbeiter
aufnehmen. Ein anderes wollte nur getaufte Einwanderer aufnehmen. Drei
erklärten Intellektuelle und Händler für unerwünscht. Ein Land befürchtete,
daß der Zustrom von Juden antisemitische Gefühle wachrufen würde. Und ein
Abgeordneter sagte folgendes: "Da wir kein echtes Rassenproblem haben,
haben wir auch nicht den Wunsch, eins zu importieren." Und während die
Delegierten Evian verließen, verspottete Hitler "die andere Welt" weiter
wegen ihres "triefenden Mitleids, das sie für das arme,gequälte Volk hegt,
während sie gleichzeitig hart und halsstarrig bleibt, wenn es darum geht,
ihm zu helfen." Nur wenige Tage später wurde die "Endlösung des jüdischen
Problems" entworfen, und bald darauf wurde es Nacht.
Lassen Sie uns den Irrtum von damals nicht wiederholen.
nicht die Erben jener Scham sein.

Lassen Sie uns

Um die Tragödie in Südostasien zu erleichtern, müssen wir alle eine
Rolle spielen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Anteil zu tragen genauso, wie wir dies schon seit Generationen getan haben. "Mother of
Exil es" steht auf dem Sockel der Freiheitsstatue im Hafen von New York.
Das amerikanische Volk hat bereits über 200 000 Menschen aus Indochina
will kommengeheißen. Ihr Talent und ihre Energien bereichern unser Land
unermeßlich.
Wir

- 3 -

�Wir sind dabei, die Vorbereitung zur Aufnahme von weiteren 168 000
Flüchtlingen im kommenden Jahr zu treffen.

Die Gouverneure und Kongreß-

mitglieder unserer Delegation sowie hervorragende Religions- und Bürgerrechtsführer in ganz Amerika sind ein Symbol der dauernden Verpflichtung
Präsident Carters und des amerikanischen Volkes.
Viele der hier vertretenen Länder haben sich dem Test der Geschichte
gestellt und haben eine große Zahl von Flüchtlingen aufgenommen.

Die

ASEAN-Länder, China und Hong Kong haben seit 1975 über einer halben Million
Flüchtlingen aus Vietnam, Laos und Kamputschea Sicherheit und Asyl angeboten.
Und auch andere haben ihre Tore geöffnet.
Aber der wachsende Exodus aus Indochina übertrifft noch immer die
internationalen Anstrengungen. Wir müssen zusammenarbeiten oder das Leiden
wird weiter zunehmen. Wenn wir nicht alle noch mehr tun, wird die Gefahr
eines neuen Konflikts wachsen und die Stabilität von Südostasien untergraben.
Wenn diese Konferenz nicht neue Verpflichtungen hervorbringt, sondern nur
neue Metaphern, werden wir die Verachtung von Evian erben. Es ist Zeit
für Taten, nicht für Worte.
Ich möchte sieben Gebiete ausführen, auf denen Handeln nottut:
Zuerst und vor allem muß die fundamentale Verantwortung bei der
Führung von Indochina, vor allem bei der Regierung der Sozialistischen
Republik von Vietnam liegen. Diese Regierung versäumt es, die Menschenrechte
ihres Volkes zu garantieren. Ihre gefühllose und
verantwortungslose
Politik zwingt zahllose ihrer Bürger dazu, alles zu verlassen, was ihnen
wert ist, ihr Leben auf Spiel zu setzen und ins Unbekannte zu fliehen.
Es muß ein sofortiges Moratorium gegen die weitere Vertreibung von
Menschen aus Vietnam geben.

Wir müssen das Ertrinken von Menschen sofort

verhindern und ein menschliches Auswanderungsprogramm erstellen.

- 4 -

Die Politik

�Politik der Vertreibung, die zu so vielen tragischen Todesfällen geführt
hat, muß aufhören.

Sie muß durch eine Politik ersetzt werden, die es

denjenigen, die ihre Heimat verlassen wollen, ermöglicht, dies zu tun in Sicherheit, nach eigener Wahl und auf geordnete Weise.
Gleichzeitig dürfen wir nicht die Landflüchtlinge vergessen, die durch
Kampf und ausländische Invasion aus ihrem Heimatland

vertrieben werden.

Die Völker dieser Welt müssen eine politische Lösung in Kamputschea unterstützen.
Das überleben eines ganzen Volkes ist in höchster Gefahr. Weder das
Pol Pot-Regime noch das von Hang Samrin repräsentieren das kamputscheische
Volk. Der Kampf und die menschliche Tragödie in seinem Gefolge müssen aufhören. Die internationale Gemeinschaft darf nicht die gewaltsame Vertreibung
ganzer Bevölkerungsteile tolerieren.
Ich rufe alle Regierungen auf, normale freizügige Auswanderung sowie die
Zusammenführung von Familien zu erlauben.

Meine Regierung unterstützt die

Anstrengungen zur Aushandlung eines Programmes zum ordnungsgemäßen direkten
Verlassen von Vietnam - aber nicht auf Kosten derjenigen, die bereits in
Lagern irgendwo in Südostasien auf Neuansiedlung warten.
Zweitens appelliere ich an die Länder, die ein erstes Asyl gewähren,
auch weiterhin allen Flüchtlingen vorläufige sichere Aufnahme zu bieten.
Für das von diesen Ländern gezeigte Mitleid verdienen sie Respekt und
Bewunderung der Staatengemeinschaft dieser Welt.
diese Verantwortung nicht allein tragen.

Aber diese Länder können

Wir rufen sie dazu auf, in ihrem

Geist der Menschlichkeit auszuharren, so daß unsere eigene Anstrengung weitergehen kann.
Deshalb muß, drittens, der Rest von uns den Ländern, die erstes Asyl
gewährt haben, die Zusicherung geben, daß die Flüchtlinge innerhalb einer

- 5 -

�einer vernünftigen Frist eine neue Heimat finden werden.

Um dieses Ziel

zu erreichen, rufen wir alle Länder auf, ihre Verpflichtungen zur Ansiedlung
zu verdoppeln, wie es die Vereinigten Staaten bereits getan haben.

Darüber

hinaus müssen wir alle bereit sein, uns zu mehrjährigen Neuansiedlungsprogrammen zu verpflichten, denn das Problem läßt sich nicht rasch lösen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten bemüht sich jetzt um diese Befugnis.
Viertens muß jeder von uns einen großen Beitrag zu den Anstrengungen
leisten, die der Hochkommissar der Vereinten Nationen für das Flüchtlingswesen unternimmt.

Er wird in den kommenden Jahren vermehrte Hilfsmittel

benötigen, um für die anwachsende Zahl von Flüchtlingen zu sorgen und um
das Elend in den Flüchtlingslagern zu mindern.

Er wird möglicherweise für

seine Indochina-Programme des Jahres 1980 rund 400 Millionen Dollar benötigen.
Um unseren Teil zu dieser Hilfe beizutragen, darf ich heute ankündigen,
daß meine Regierung den Kongreß ersuchen wird, 105 Millionen Dollar für
solche Programme zur Verfügung zu stellen - mehr als das Doppelte unserer
bisherigen Anstrengungen.

Wir sind auch bereit, hochqualifizierte Freiwillige

des Friedenskorps zu ernennen, um in den Lagern in Südostasien zu arbeiten,
nicht nur mit den einzelnen Ländern, sondern auch im Rahmen der Programme
des UN-Hochkommissars.

Wir drängen andere Länder dazu, ähnliche Hilfsprogramme

durchzuführen.
Fünftens ist es wesentlich, den Druck auf die bestehenden Lager zu
mildern und ein Netz neuer Durchgangslager für Flüchtlinge zu schaffen, die
dann für immer woanders angesiedelt werden sollen. Ausgehend von der großen
Anzahl von Flüchtlingen, müssen solche Zentren mindestens 250 000 Flüchtlinge
beherbergen. Meine Regierung hat der Initiative der ASEAN-Staaten für
Flüchtlings-Durchgangslager beigepflichtet. Präsident Carter applaudierte
der Regierung der Philippinen für die mutigen und beispielhaften Schritte,
die sie unternommen hat - ein Modell verantwortungsbewußter Führerschaft.
Heute freue ich mich besonders darüber, ankündigen zu können, daß wir vom

- 6 -

�vom Kongreß mehr als 20 Millionen Dollar fordern, um unseren Anteil an
solch neuen Anlagen des UN-Hochkommissars finanzieren zu können.
Sechstens müssen wir die Umsiedlung von Flüchtlingen auf Länder ausdehnen, die bereit sind, sie aufzunehmen - aber nicht die Mittel dazu haben.
Ich schlage heute im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten die
Schaffung eines Internationalen Fonds zur Neuansiedlung von Flüchtlingen
vor. Wenn andere Länder mitarbeiten, werden wir unseren Kongreß um Beiträge für den Fonds von insgesamt 20 Millionen Dollar im ersten Jahr ersuchen.
Wir fordern heute die anderen Länder auf, es uns gleichzutun. Wir empfehlen,
den Fonds mit 200 Millionen Dollar auszustatten. Dieser Fonds könnte zum
Beispiel eine internationale Körperschaft subventionieren, die anderen
Ländern dabei behilflich ist, mit ihren eigenen Plänen zu beginnen und
zusätzliche Mittel für diesen hohen menschlichen Zweck bereitzustellen.
Siebentens - und vor allem - müssen wir handeln, um das Leben derer
zu schützen, die Sicherheit suchen. Die Vereinigten Staaten handeln
energisch, um die Flüchtlinge vor Ausgesetztsein, Hunger, Ertrinken und
Tod auf See zu retten. Als militärischer Oberbefehlshaber hat der Präsident
der Vereinigten Staaten seine Befehle an unsere Flotte dramatisch verschärft,
um den ertrinkenden und verzweifelten Menschen zu helfen. Heute hat der
Präsident vier weitere Schiffe des militärischen Seebrückenkommandos in
das südchinesische Meer entsandt, wo sie sowohl zum Transport Zehntausender
von Flüchtlingen von ihren Lagern zu Transitzentren als auch zum Beistand
von Flüchtlingen auf hoher See verfügbar sind. Gleichzeitig hat der
Präsident Patrouillenflüge von Marineflugzeugen angeordnet, um in Not
befindliche Flüchtlingsboote auszumachen und ihnen Hilfestellung zu geben.
Zudem hat der Präsident unsere Handelsschiffahrt und die Gewerkschaften
aufgefordert, in ihren altehrwürdigen Anstrengungen fortzufahren, Flüchtlingen
auf hoher See zu helfen. Wir rufen die anderen Regierungen auf, dasselbe
zu tun und diejenigen zur Ansiedlung aufzunehmen, die aufgefunden werden.
Herr

�Herr Generalsekretär, verehrte Mitglieder, lassen Sie mich zusammenfassend zwei Punkte wiederholen.
Erstens:

die internationale Gemeinschaft darf diese erzwungene Aus-

treibung nicht tolerieren.

Wir rufen Vietnam auf, eine Politik einzustellen,

die so viele zur Flucht verurteilt.

Ein sofortiges Moratorium für Vertreibungen

ist notwendig.
Die Freiheit zur Emigration ist ein grundlegendes Menschenrecht. Aber
kein Land ist blind gegenüber dem Unterschied zwischen freiwilliger Auswanderung und erzwungenem Exodus. Verhängen wir ein Moratorium über diesen
Exodus. Halten wir einen Atemzug lang inne, damit wir alle - Regierungen,
freiwillige Kommissionen ebenso wie einzelne Privatleute - unsere Großzügigkeit mobilisieren und bei diesem menschlichen Unglück helfen können.
Und lassen Sie uns der Regierung von Vietnam gegenüber darauf bestehen, die
unveräußerlichen Menschenrechte im Innersten einer jeden zivilisierten
Gesellschaft zu ehren.
Zweitens: unsere Kinder werden hart mit uns ins Gericht gehen, wenn
wir versagen. Die Konferenz von Evian vor 41 Jahren fand in der gleichen
Bequemlichkeit und Schönheit statt, die wir auch während unserer Beratungen
heute genießen. Ein Beobachter jener Vorgänge, bewegt durch den Gegensatz
von Dekor und Aufgabe, sagte:
"Diese armen Menschen und diese großen Prinzipien scheinen so weit
entfernt. Für jemanden, der andere Konferenzen am Genfer See erlebt hat,
ist am Vorabend dieser hier das Erschreckendste, daß die Atmosphäre genau
so ist wie bei den anderen."
Lassen Sie uns nicht so sein wie die anderen. Lassen Sie uns dieses
Vermächtnis der Scham zurückweisen. Lassen Sie uns über die Metapher
hinausreichen. Lassen Sie uns die moralischen Prinzipien ehren, die wir

- 8 -

�wir ererbt haben.

Lassen Sie uns etwas Sinnvolles tun, etwas Grundlegendes,

um gegen dieses Unglück anzugehen.
Problem.

Wir stehen vor einem weltweiten

Lassen Sie uns eine weltweite Lösung gestalten.

Die Geschichte wird uns nicht vergeben, wenn wir versagen.
Geschichte wird uns nicht vergessen, wenn wir erfolgreich sind.

+ + + + +

- 9 -

Die

�25. Juli 1979

30

ERLÄUTERUNGEN DES WEISSEN HAUSES ZUM ENERGIEPROGRAMM DES PRÄSIDENTEN

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 16. Juli 1979 Daten und
Fakten zum Energieprogramm Präsident Carters veröffentlicht, das auf eine
wesentliche Senkung der öleinfuhren abzielt.
Die Veröffentlichung hat folgenden Wortlaut:

Wesentliche Punkte
Die von der Regierung seit April 1977 getroffenen Maßnahmen haben
den für das Jahr 1990 vorausberechneten Bedarf des Landes an importiertem
öl um etwa vier Millionen Barrel pro Tag (MMB/D) reduziert. Die heute vom
Präsidenten angekündigten Maßnahmen werden zusätzliche 4,5 MMB/D bis zum
Ende des nächsten Jahrzeznts einsparen und somit den geschätzten amerikanischen
Einfuhrbedarf halbieren. Der Präsident erklärte, daß die Vereinigten Staaten
nie mehr wieder mehr öl einführen werden als im Jahre 1977. Der Präsident
kündigte an, daß die Importquoten für 1979 und 1980 auf ein Niveau begrenzt

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�begrenzt werden, das noch unter den Höchtsgrenzen liegen soll, auf das
man sich auf dem Gipfeltreffen in Tokio festgelegt hatte.
Eine umfassende Strategie zur Verminderung der Einfuhren ist absolut
wichtig, um die weitere wirtschaftliche Stärke und die Sicherheit der
Vereinigten Staaten sicherzustellen.

Bei der Ausarbeitung dieses Programms

hat die Regierung alle zur Verfügung stehenden politischen Mittel geprüft,
um die Abhängigkeit von ausländischem öl einzuschränken, einschließlich
anderer Quellen für ül und Erdgas, direkte Verwendung von Kohle und Sonnenenergie.

Das vom Präsidenten heute verkündete Programm zieht alle diese

Quellen heran, um unser Einfuhrbeschränkungsziel vom Jahre 1990 zu erreichen.
Das Programm des Präsidenten soll
•

-

eine Energiesicherungsgesellschaft schaffen, um die Entwicklung
von 2,5 MMB/D an ölersatzstoffen aus Flüssigkohle und Gas, aus Ölschiefer, Biomasse und unkonventionellem Gas bis 1990 zu überwachen;

-

einen aus drei Mitgliedern bestehenden EnergiemcbilisierungsAusschuß (Energiemobilisierungsamt) einrichten, der mit der
Vollmacht ausgestattet sit, die Genehmigung und den Bau entscheidend
wichtiger Energieanlagen zu beschleunigen;

-

neue Anreize bieten zur Entwicklung von Ressourcen an Schweröl,
unkonventionellem Gas und Ölschiefer;

-

Versorgungseinrichtungen fördern, um den gegenwärtigen Ölverbrauch
um 50 Prozent zu reduzieren, eine Einsparung von 750 000 Barrel pro
Tag;

-

ein neues größeres Programm zur häuslichen und kommerziellen Einsparung einführen, das darauf gerichtet ist, im Jahr 1990 500 000 Barrel

�Barrel öl pro Tag einzusparen;
-

2,4 Milliarden Dollar jährlich bereitstellen zur Unterstützung
von amerikanischen Familien mit niedrigem Einkommen;

-

eine Summe von 16,5 Milliarden Dollar im Verlauf der nächsten zehn
Jahre bereitstellen für Verbesserungen im Massenverkehrssystem des
Landes und für niedrigeren Benzinverbrauch bei Autos.

In Verbindung mit den Initiativen, die in der Energierede des Präsidenten
vom 5. April angekündigt wurden und in Verbindung mit der Sonnenbank, wird
das heute vom Präsidenten angekündigte Programm es den Vereinigten Staaten
ermöglichen, ihren Einfuhrbedarf bis zum Jahr 1990 zu halbieren.

I.

Geschätzte Auswirkung der Initiativen der Regierung, um die öleinfuhren
im Jahr 1990 herabzusetzen.
Importeinsparungen aufgrund der Programme des Präsidenten:

2,5 MMB/D geschätzter Importeinsparungen durch das Nationale Energiegesetz, darin eingeschlossen
-

Gesetz über die Erdgas-Politik
Gesetz über Benzinverbrauch
Gesetz über Energiesteuer
Ausführungsbestimmungen für öffentliche Versorgungseinrichtungen

-

Gesetz über die nationale

Energieeinsparungspolitik

1,5 MMB/D geschätzter Einfuhreinsparungen durch das
Programm des Präsidenten vom 5. April, darin eingeschlossen
phasenweise
- 3 -

�phasenweise Freigabe der Preise für inländisches Rohöl;
die Juni-Botschaft zur Sonnenenergie mit vier MMB/D geschätzter
Gesamteinsparungen durch Maßnahmen von heute an;
Geschätzte Einfuhreinsparungen aufgrund der Initiativen vom
16. Juli, darin eingeschlossen
synthetische Brennstoffe und unkonventionelles Gas, 2,5 MMB/D;
Schweröl 0,5 MMB/D;
Verminderung bei Versorgungsanlagen 0,75 MMB/D;
häuslische Einsparungen 0,5 MMB/D;
Massenverkehr und niedrigerer Benzinverbrauch 0,25 MMB/D;
4,5 MMB/D geschätzte Gesamteinsparungen durch ein neues Programm;
8,5 MMB/D geschätzte Gesamteinsparungen von alten und gegenwärtigen
Programmen.

Einfuhrniveau für 1990
Eine Projektion der gesamten öl nachfrage und -einfuhren im Jahr 1990
ohne die breitgefächterten politischen Initiativen des Präsidenten bleibt
reine Spekulation. Bei Fortschreibung des Zustandes von 1977 wäre jedoch
ein Einfuhrniveau von 13 Millionen Barrel pro Tag nicht unwahrscheinlich gewesen.
Aus diesem Grund könnte sich bei einer erfolgreichen Anwendung der
Programme zur Einfuhrbeschränkung über annähernd 8,5 MMB/D die geschätzte
Einfuhr im Jahr 1990 zwischen 4 MMB/D und 5 MMB/D bewegen.
Tabelle:

Gesamtverbindlichkeiten des Programms von 1980 - 1990

(Zahlen in Milliarden Dollar zu gegenwärtiger Kaufkraft)
Energiesicherungsgesellschaft

�Energiesicherungsgesellschaft
3-Donar-Steuervergünstigung pro Barrel für Ölschiefer

88.0
1.0

50 Cents pro tausend Kubikfuß Steuervergünstigung für
unkonventionelles Erdgas

1.0

Schweröl

—

Verminderung des Ölverbrauchs bei Versorgungseinrichtungen

5.0

Häusliche/Kommerzielle Einsparung

2.0

Wi rksameres Verkehrswesen

16.5

Beihilfe für niedrige Einkommen (10 Jahre)

24.0

Sonnenbank und Steuervergünstigungen (20 Jahre)
Zwischensumme
Wei tere Programme vom 5. Apri 1
Endsumme

3.5
141.0
1.2
142.2

Diese Schritte werden allein aus dem Energiesicherungs-Treuhandfonds
(Energy Security Trust Fund -ESTF-) finanziert, der Einnahmen aus der
Steuer für ungerechtfertigte Gewinne (windfall profits tax) erhält. Die
jeweilige finanzielle Ausstattung dieses Treuhandfonds wird von der
endgültigen Gestaltung der Steuer für ungerechtfertigte Gewinne und von
der zukünftigen Bewegung der Preise für das Weltöl abhängen. Schätzungen
über Einnahmen aus der Steuer für ungerechtfertigte Gewinne bewegen sich
zwischen 146 Milliarden Dollar und 270 Milliarden Dollar für den Zeitraum
von 1980 bis 1990, sind jedoch davon abhängig, welche ölpreise man annimmt.
Alle zusätzlichen Mittel, die diese Steuer aufbringen sollte, werden für
weitere Energieausgaben oder ähnliche Schritte verfügbar gemacht. Jede
Einnahmeminderung aus dieser Steuer wird Einschränkungen bei den Programmniveaus nötig machen. Das Beratende Komitee
des Präsidenten für Energiesicherung wird dem Präsidenten Vorschläge über die Verwendung aller zusätz-

�zusätzlicher Geldmittel unterbreiten.

II.

Einfuhrquoten und Einfuhrziele
Der Präsident hat angekündigt, daß Importquoten eingeführt werden, um

die amerikanischen Netto-Üleinfuhren im Jahr 1979 und 1980 unter den Höchstgrenzen von 8,5 MMB/D zu halten, über die auf dem Gipfeltreffen in Tokio
im Juni Einigkeit erzielt wurde.

Für das Jahr 1979 wird die Quote so fest-

gesetzt werden, daß die amerikanischen Netto-Importe auf 8,2 MMB/D begrenzt
werden, also um 300 000 unter dem Niveau der Tokioter Grenze. Auch die
Importquote für das Jahr 1980 wird unter der Grenze von Tokio liegen,jedoch
wird das exakte Niveau später festgelegt.
Die Quoten werden aufgrund der Vollmacht von Artikel 232 (B) des Gesetzes
zur Ausweitung des Handels von 1953 festgesetzt, die es dem Präsidenten erlaubt,
aufgrund des Urteils des Finanzministers alle Importe zu begrenzen, die die
nationale Sicherheit gefährden.

Am 14. März 1979 urteilte der Finanzminister,

daß die gegenwärtigen Einfuhrniveaus eine solche Bedrohung darstellen.

Der

Präsident kann diese Quoten ohne weitere gesetzliche oder verfahrensrechtliche
Erfordernisse durchsetzen.
Der Präsident hat die Minister für Energie und für Finanzen angewiesen,
ihm umgehend Empfehlungen über Verfahren zur Durchsetzung dieser Quoten zu
übermitteln.
Außerdem kündigte der Präsident seine Absicht an, daß er auch weiterhin seine Vollmacht hinsichtlich der Quoten anwenden werde, um sicherzustellen,
daß Einfuhrziele für die Jahre über 1980 hinaus erreicht werden. Diese
Ziele werden auf einer jährlichen Grundlage erstellt.
Die

- 6 -

�III.

Die Energiesicherungsgesellschaft

Struktur und Organisation
Der Präsident fordert den Kongreß auf, die notwendigen Gesetze zur
Schaffung einer unabhängigen Energiesicherungsgesellschaft zu erlassen, die
in der Produktion flüssiger und gasförmiger synthetischer Brennstoffe
investieren wird, die aus Kohle, Biomasse, Torf und Ölschiefer gewonnen
werden können,sowie in die Erschließung unserer gewaltigen Reserven an
unkonventionellem Erdgas.
Die Gesellschaft wird ein unabhängiges, von der Regierung gefördertes
Unternehmen sein, das vom Kongreß genehmigt ist. Sie wird außerhalb der
Exekutive angesiedelt und unabhängig von jeder Regierungsstelle sein.

Die

Gesellschaft wird durch einen siebenköpfigen Aufsichtsrat geleitet werden.
Ein Vorsitzender und drei andere Direktoren werden vom Präsidenten ernannt
und vom Senat bestätigt werden.

Zudem werden der Energieminister und der

Finanzminister sowie ein weiterer Minister im Aufsichtsrat sitzen.
Die Vorstandsmitglieder und die Mitarbeiter der Gesellschaft werden
von den Bestimmungen des öffentlichen Dienstes befreit,und auch die
Gesellschaft selbst wird einer Reihe von Bestimmungen nicht unterliegen,
die normalerweise auf Regierungsdienststellen Anwendung finden.
Die Gesellschaft wird eine Satzung für 12 Jahre haben, was ausreichend
sein sollte, um sie in die Lage zu versetzen, ihr Produktionsziel des
Jahres 1990 zu erreichen.

Nach diesen 12 Jahren könnte die Satzung ver-

längert werden; ansonsten würden ihre Verbindlichkeiten und ihre Vermögens
werte vom Finanzministerium übernommen.
Das

- 7 -

�Das Mandat der Gesellschaft
Die Energiesicherungsgesellschaft wird eine Investition von 88 Milliarden
Dollar beaufsichtigen, um bis 1990 2,5 Millionen Barrel pro Tag an Ersatzstoffen für importiertes öl zu produzieren.

Die Mittel für die Gesellschaft

werden aus den Einnahmen der vom Präsidenten vorgeschlagenen Steuer für ungerechtfertigte Gewinne kommen.

Es wird das ausschließliche Ziel der Gesellschaft

sein, die Kapazität der inländischen Produktion zu entwickeln; sie wird
sich nicht mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben beschäftigen.
Die Gesellschaft wird die Vollmacht haben, in die Produktionskapazität
für Flüssigkohle, Kohlengase, Torf, Biomasse, Ölschiefer und unkonventionelles
Erdgas

zu investieren oder diese unmittelbar zu entwickeln.

Die Gesellschaft wird die anteilige Mischung der Energiequellen und
die Technologien festlegen, die Verwendung finden, um den Auftrag von
2,5 Millionen Barrel pro Tag anzuführen. Die folgende Tabelle zeigt jedoch
eine erläuternde Aufgliederung der Energiequellen, um das Ziel des Jahres 1990
zu erreichen:
1.0 bis 1.5 MMB/D von Flüssigkohle und Kohlengasen;
0.4 MMB/D von Ölschiefer;
0.1 von Biomasse und
0.5 bis 1.0 MMB/D von unkonventionellem Gas.

Finanzierung
Der Gesellschaft wird eine große Auswahl von Finanzierungsmöglichkeiten
zur Verfügung stehen, um ihren Einfluß innerhalb des privaten Sektors zu
verstärken.

Diese umfassen:

Preisgarantien, übereinkommen über Bundesein-

�Bundeseinkäufe, direkte Darlehen, Darlehensgarantien und außerdem eine
begrenzte Anzahl von regierungseigenen und durch die Regierung betriebenen
sowie von regierungseigenen, aber durch Gesellschaften betriebenen Anlagen.
Die Energiesicherungsgesellschaft wird keine Vollmachten zur Beteiligung
an Gemeinschaftsunternehmen (Joint ventures) oder anderen Formen von
Eigenkapital haben,und die Anwendung der ihr verliehenen Vollmacht wird
sich auf der Grundlage der Einmaligkeit abwickeln.
Die Vollmacht über einen eigenen Haushalt wird der Energiesicherungsgesellschaft im Moment ihrer Gründung übertragen. Direkte Geldmittel werden
geleistet für die Ausgaben der laufenden Tätigkeit,und 83 Milliarden Dollar
der Budgetbefugnis sind vorgesehen für direkte Obligationen und Schuldgarantien. Die Energiesicherungsgesellschaft wird die Einnahmen durch die
Auflage von Energieobligationen in kleiner Stückelung erhalten, die vom
Finanzministerium verkauft werden und die die gleichen Zinssätze haben wie
die kleingestückelten Regierungsobligationen. Bis zu 5 Milliarden Dollar
aus dem Verkauf von Energieobligationen werden zur Aufrechterhaltung der
Tätigkeiten der Körperschaft genehmigt.

IV.

Das Energiemobilisierungsamt

Die Regierung hat bereits im Rahmen der existierenden Vollmacht
gehandelt, daß Verzögerungen bei der Genehmigung wichtiger Energieanlagen
auf ein Mindestmaß reduziert wurden. Diese bereits getroffenen Maßnahmen
beinhalten:
-

Verfahren zur Erstellung von Entscheidungsplänen für wichtige
Energieanlagen wurden im April 1979 unter der Leitung des Hauhaltsamtes eingeführt;

Verordnungen

- 9 -

�-

Verordnungen zur Reform und Anpassung der Erfordernisse des Gesetzes
zur staatlichen Umweltpolitik wurden im November 1978 vom Rat für
Umweltqualität (Council on Environmental Quality) herausgegeben;

-

ein Energiekoordinierungs-Ausschuß auf Kabinettsebene, geleitet
vom Energieminister, wurde durch eine Durchführungsverordnung im
September 1978 eingerichtet.

Um jedoch die für das Jahr 1990 vorgesehenen Ziele bei der Verminderung
der üleinfuhren zu erreichen, sind erhebliche zusätzliche Vollmachten notwendig, um die Entwicklung der inländischen Energieproduktions-Kapazität
zu beschleunigen.

Der Präsident wird dem Kongreß einen Gesetzentwurf zur

Errichtung eines Energiemobilisierungsamtes vorlegen (EMB - Energy
Mobilization Board).

Dieses Amt wird drei Mitglieder haben und innerhalb

des Exekutivbüros des Präsidenten angesiedelt sein.

Die Mitglieder des

Amtes werden vom Präsidenten eingesetzt und werden vom Senat bestätigt.
Das Amt wird befugt sein, bestimmte nichtnukleare Anlagen als entscheidend für die Erreichung der Einfuhrminderungen des Landes zu erklären
und bindende Fristen für Entscheidungen auf bundesstaatlicher, einzelstaatlicher und kommunaler Ebene hinsichtlich solcher Projekte zu erstellen.
Gerichtliche Überprüfung von Entscheidungen dieses Amtes findet in einem
beschleunigten Verfahren vor dem Finanzgerichtshof des Kreises statt, in
dem sich die Anlage befindet.
Wenn eine bundesstaatliche, einzelstaatliche oder kommunale Behörde
es versäumt, innerhalb eines klar umrissenen Zeitrahmens zu handeln, wird
das Amt ermächtigt, die Entscheidung anstelle der Behörde zu treffen, indem
es das angemessene Bundes-, EinzelStaats- oder Gemeindegesetz anwendet.
Das Amt wird außerdem die Befugnis haben, Verfahrensbestimmungen von Bundes-,
EinzelStaats- und Gemeindegesetzen zu umgehen, um die Entwicklung und den
Bau einer entscheidend wichtigen Energieeinrichtung zu beschleunigen. Um

- 10 -

�Um Verzögerungen nach Baubeginn zu vermeiden, könnte das Amt auch die
Anwendung neuer materieller oder prozeduraler Bestimmungen des Gesetzes
fallenlassen, die nach Baubeginn eines Projektes in Kraft getreten sind.
Ein solcher Verzicht würde auf einer Fall-zu-Fall-Basis möglich sein.
Jede Anwendung einer solchen Vollmacht durch das Amt würde dem Veto des
Präsidenten unterliegen.

V.

Schweröl

Die Vereinigten Staaten verfügen über geschätzte Vorkommen von mehr
als zehn Milliarden Barrel Schweröl - hochviskose, fast teerähnliche Kohlenwasserstoffe, die für die Gewinnung erhitzt werden müssen. Ein großer Teil
dieser Vorkommen liegt in Kalifornien. Bei Schweröl ist sowohl die Förderung
als auch die Raffination kostspieliger als bei herkömmlichen Rohölen;
dennoch lassen sich zahlreiche Aufbereitungsprodukte guter Qualität daraus
herstellen.
Der Präsident weist das Energieministerium an, für Schweröl die Preiskontrolle sofort aufzuheben.

Schweröl soll auch nicht unter die Steuer für

ungerechtfertigte Gewinne fallen, damit es den vollen Weltmarkt-Öl preis
erzielen kann.

Neben diesem Anreiz hinsichtlich der Preisgestaltung wird

das Energieministerium Schritte unternehmen, die gewährleisten, daß Erdgas
für die Schweröl-Produktion im Rahmen der zur Zeit gültigen Umweltschutzmaßnahmen verfügbar wird.
Mit solchen Maßnahmen sollte es möglich sein, im Jahr 1990 schätzungsweise 500 000 Barrel pro Tag aus Schwerölquellen zu gewinnen.

Der Staats-

haushalt wird durch diese Initiative relativ wenig in Anspruch genommen, weil
nur geringe Mengen Schweröl erschlossen würden, wenn für diese Quelle Gelder
aus der Steuer für ungerechtfertigte Gewinne zur Verfügung stünden.

- 11 -

Während

�Während die Kosten der Schweröl gewinnung je nach den Gegebenheiten der
Lagerstätten und den angewandten Ausbringungstechniken unterschiedlich
sind, rechnet die Regierung mit erheblichen Produktionsmengen zu gegenwärtigen ölWeltmarktpreisen oder einem geringfügig darüber liegenden Satz.
Die Schwerölerschließung fällt nicht unter die Kompetenz der Energiesicherungsgesellschaft, weil es sich dabei im Grunde um eine Ausweitung bereits vorhandener ölerschließungstechniken handelt, ferner die Vorkommen verhältnismäßig gut bekannt sind und die Aufhebung der Preisbindung sowie die Steuererleichterungen genügend Anreize für

VI.

die Erschließung bieten.

Gas aus unkonventionellen Quellen
Angesichts des überaus großen Potentials von Gasvorkommen in den

Vereinigten Staaten in bisher nicht in Anspruch genommenen Formationen
wie schwer durchlässigen Sanden, Devonschiefer, methanhaltigen Druckschichten und kohleführenden Schichten hat der Präsident zusätzlich zu
den Aktivitäten, die die Energiesicherungsgesellschaft durchführen kann,
Initiativen vorgeschlagen, durch die bei folgenden Vorkommen eine Erschließung großen Stils merklich beschleunigt würde:
-

Der Präsident wird sich über das Energieministerium um Maßnahmen
seitens der Bundesenergie-Aufsichtskommission (FERC - Federal
Energy Regulatory Commission) zur Einführung eines speziellen
Ansporn-Preises für Erdgas aus Hartsanden bemühen, der dem aus
der Preisbindung genommenen öl preis vergleichbar ist. Obgleich
das Gesetz über die Erdgaspolitik die Preisbindung für Gas aus
anderen ungewöhnlichen Quellen aufhob, wurden Hartsande nicht
berücksichtigt.

-

Sollte die FERC nicht im Sinne dieses Ersuchens tätig werden, wird

- 12 -

�wird die Regierung einen Zusatz zum Erdgasgesetz anstreben, um
solches Gas aus der Preisbindung zu nehmen.

-

Um die Erschließung dieser Vorkommen noch stärker zu beschleunigen,
wird ein Steuerfrei betrag von 50 Cent pro 1 000 000 Kubikfuß
(28 320 cbm) für Gas aus allen unüblichen Quellen gewährt.

Die

Steuerbegünstigung erlischt, sobald das Ölpreis-Äquivalent auf dem
Weltmarkt 28 Dollar pro Barrel erreicht.

-

Die Energiesicherungsgesellschaft ist ermächtigt, Unterstützung
bei der Erschließung von Gas aus ungewöhnlichen Quellen zu leisten,
wenn sie zu dem Schluß kommt, daß zur Erreichung der für 1990
gesteckten Ziele zusätzliche Anreize notwendig sind.

Produzenten

von Gas aus nicht herkömmlichen Quellen kämen dann jedoch nicht
für die oben genannte Steuervergünstigung in Frage.

Die mögliche Produktion aufgrund dieser Anreize wird auf 28,3 bis
56,6 Milliarden cbm Gas oder dem Äquivalent von 0,5 bis 1 Million Barrel
pro Tag geschätzt.

Die wichtigsten unüblichen Gasquellen sind:

-

Becken mit nicht oder schwer durchlässigen gasführenden Schichten
im Gebiet der Rocky Mountains.

-

Devonschiefer-Vorkommen im Appalachenbecken.

-

Methan aus kohleführenden Schichten.

-

Methan aus wasserführenden geologischen Druckzonen im Golf von
Mexiko.
Die

- 13 -

�Die zur Gewinnung von Gas aus Hartsanden und Devonschiefer angewandte
Technologie besteht in einer Ausweitung natürlicher Risse in den gasführenden
Formationen.

Zu den Gewinnungsverfahren gehören zusätzliches Aufbrechen

durch Sprengmittel oder mit hydraulichen Methoden und die Anlage von Umleitungsbohrungen.

Schon jetzt leisten diese Quellen mit jährlich 28 Milliarden

cbm einen beachtlichen Beitrag zur einheimischen Erdgasförderung (566
Milliarden cbm/Jahr).

Obgleich die Produktionsanstrengungen vor allem in

den Hartsandbecken im Westen beschleunigt werden, machen die Unsicherheit
über die Aufhebung der Preisbindung für Gas aus nicht oder schwer durchlässigen Schichten und das Unvermögen bestimmter potentieller Verbraucher,
langfristige Gasabnahmeverträge abzuschließen, eine Erweiterung von Exploration
und Produktion nur in begrenztem Umfang möglich.

Alles in allem wurde die

Erschließung dieser Vorkommen durch die Erdgaspreispolitik vor der Verabschiedung
des Gesetzes über die Erdgaspolitik beeinträchtigt.

Obgleich Schätzungen über die mögliche Produktion von Methan aus
geologischen Druckschichten im Golf von Mexiko variieren, sind sich die
meisten Fachleute einig darin, daß mindestens 4,248 Billionen bis 6,2
Billionen cbm an zusätzlichem Gas aus diesen Quellen zu Kosten gefördert
werden könnten, die einen Preis von 15 bis 30 Dollar pro Barrel öl entsprechen.

Die abbaufähigen Quellen könnten sich als noch viel umfangreicher

erweisen.

Die Technologie, dieses Gas zu erschließen, verlangt allerdings

noch weitere Entwicklungen.

VII.

Drosselung der Verwendung von Dl in Kraftwerkskesseln

Die Kraftwerke in den Vereinigten Staaten verbrauchen derzeit täglich
1,5 Millionen Barrel öl pro Tag für die Stromerzeugung. Der Präsident
schlägt dem Kongreß eine gesetzliche Regelung vor, durch die von den

�den Versorgungsunternehmen gefordert wird, den gegenwärtigen Verbrauch
bis zum Jahr 1990 um 50 Prozent zu senken.

Es sollen Anreize in der Form

von Beihilfen und/oder Kreditgarantien gegeben werden, um die Versorgungsunternehmen zu ermutigen, Investitionen für den Einbau von Kesseln vorzunehmen, die nicht mit öl geheizt werden und auf diese Weise ölbefeuerte
Anlagen früher stillzulegen, als dies normalerweise geschehen würde.

Unter

diese Initiative fallen sowohl ölbefeuerte Anlagen, die auch Kohle verheizen
können, als auch Anlagen, bei denen eine solche Umstellung nicht möglich ist.
Im Rahmen dieses Programms werden die Zielwerte des Ölverbrauchs durch
Kraftwerke bis zum Jahr 1990 auf die Hälfte des jetzigen Verbrauchs gesenkt auf 750 000 Barrel pro Tag. An die Kraftwerksbetriebe werden "Genehmigungsscheine" bzw. Berechtigungen zum Verheizen von öl ausgegeben. Kein Versorgungsunternehmen darf öl über die ihm genehmigte Menge hinaus verbrauchen.
Diese Anrechtsscheine können in Anbetracht der unterschiedlichen Möglichkeiten
für den Einsatz von Ersatzbrennstoffen an andere Versorgungsunternehmen
weitergegeben werden. Die transferierbaren Rechte zum Verfeuern von öl
erlauben es den Versorgungsunternehmen, selbst zu bestimmen, an welcher
Stelle gegenwärtig ölbefeuerte Anlagen durch andere Anlagen ersetzt werden
sollen. So dürfen beispielsweise Versorgungsunternehmen in Gebieten, wo
Umweltschutzbestimmungen oder lange Wege für den Antransport von Kohle eine
Umstellung unwirtschaftlich machen würden, Anrechtsscheine aus anderen
Regionen ankaufen, wo die Abkehr vom öl weniger Kosten verursachen würde.
Es wird erwartet, daß diese Anrechtsscheine für jedes Versorgungsunternehmen
maximal den Wert besitzen, der den Kosten der Umstellung oder des Ersatzes
von öl befeuerten Anlagen gegenüber einer Weiterverwendung von öl entspräche.

Es sind Zuweisungen und Kreditgarantien in Gesamthöhe von 5 Milliarden
Dollar für die Zeit von 1980 bis 1990 vorgesehenem die Finanzierung entsprechender Maßnahmen, wo immer sie möglich sind, und den Einsatz solartechnischer Anlagen sowie Einsparungen zu unterstützen.

- 15 -

Durch dieses

�dieses Programm werden 750 000 Barrel öl pro Tag gespart.

VIII.

Einsparungs- und Umbaumaßnahmen im privaten Wohn- und Geschäftsbereich
Im Jahre 1978 entfielen auf den privaten Wohn- und Geschäftsbereich

37 Prozent der Gesamtnachfrage an Energie in den USA, von der etwa die Hälfte
als öl und Erdgas verbraucht wurde.

Der direkte Ölverbrauch in privaten

Wohnhäusern und Geschäftsgebäuden, in erster Linie für Raumheizung und Warmwasserbereitung belief sich auf mehr als 3 MMB/D, und der Erdgasverbrauch
betrug das Equivalent von zusätzlichen 3,3 MMB/D.

Wesentliche Möglichkeiten

für die Einsparung von Importöl zu relativ geringen Kosten können durch
beschleunigte Einsparungsinvestitionen verwirklicht werden.
Das Programm des Präsidenten stützt sich auf drei sich ergänzende
Methoden in diesem Bereich: Den nachträglichen Umbau für Einsparungsmaßnahmen
in bereits vorhandenen Gebäuden und die Umstellung von ölbeheizten Räumen
auf Erdgas, wo immer dies möglich ist. Dieses Programm soll das Haupthindernis
für nachträgliche Umbauten für Einsparungen überwinden helfen, indem es
eine wirksame langfristige Finanzierung der Einsparungen durch Strom- und
Gasversorgungsbetriebe sowie von der Regierung subventionierte Anleihen für
ölbeheizte Häuser und Gebäude bietet. Das Ziel dieses Programmes für eine
Reduzierung der ölimporte wird auf 3,6 Prozent des gesamten Energieverbrauchs
der vorhandenen Gebäude oder auf 500 000 B/D an öl geschätzt.
Die Einsparung auf dieser Ebene stellen etwa 20 Prozent der potentiellen
Einsparungen dar, die durch nachträgliche Umbauten für Einsparungsmaßnahmen
in Gebäuden erreichbar sind.

Eine starke Beteiligung der Öffentlichkeit an

diesem Programm kann wesentlich zu einer Steigerung des Einsparungsniveaus
beitragen.
Die

- 16 -

�Die Gesetzgebung, die der Präsident vorschlagen wird, umfaßt drei
Komponenten.
Sie basiert auf den Energieüberprüfungsprogrammen, die das Nationale
Energiegesetz erfordert und die die Bereitstellung von Versorgungsanlagen
für alle Besitzer von Privathäusern garantieren sollen.

Dieses Überprüfungs-

erfordernis soll auf Geschäftsgebäude ausgedehnt werden.
Von Strom- und GasVersorgungsbetrieben wird erwartet, ihren Privatund Geschäftskunden langfristige Finanzierungshilfen für Verbesserungen zur
Einsparung anzubieten.

Diese

Darlehen werden mit den Gebühren der

Versorgungsbetriebe verrechnet, genau wie dies bei Investitionen für neue
Kraftwerke der Fall wäre, und das Grundkapital würde nur im Fall des Verkaufs
des Hauses oder Gebäudes zurückgezahlt. Die Forderung, einem Kunden ein
Darlehen anzubieten, würde nur auf Gebäude zutreffen, die mit Hilfe von
Gas oder Elektrizität geheizt oder gekühlt werden;

ähnliche Darlehen

könnten Gasversorgungsbetriebe auch für Häuser mit Ölheizung anbieten,
um sie auf Erdgas umzustellen, obwohl dies nicht von ihnen verlangt werden
kann.
Ein Zusatz zum Nationalen Energieeinsparungsgesetz wird angestrebt,
um Zinszuschüsse bei Darlehen für Eigentümer von ölbeheizten Privat- oder
Geschäftshäusern zu gewähren, damit Einsparungsmaßnahmen durchgeführt
werden können oder die Umstellung auf Erdgas erfolgen kann. Ober einen
Zeitraum von 10 Jahren werden für dieses Programm 2 Milliarden Dollar zur
Verfügung gestellt.
Die Verbesserung der Wärmeisolierung von Gebäuden ist das billigste
Mittel für die Verminderung der ölimporte bei einer geschätzten Durchschnittseinsparung von unter 10 Dollar pro Barrel und Tag.

- 17 -

Dieses Programm

�Programm wird das noch verbleibende Haupthindernis für Einsparung bei
Gebäuden beseitigen, indem die unmittelbaren Kosten durch eine langfristige
Finanzierung oder Darlehen reduziert werden. Alle Kunden der Versorgungsbetriebe werden in den Genuß der Energieeinsparungen kommen und zwar durch
die Einsparungen aufgrund des dann wegfallenden Kaufs teurer neuer Energievorräte oder zusätzlicher Kraftwerkskapazität.

IX.

Unterstützung für Bevölkerungsschichten mit geringem Einkommen

Diejenigen Amerikaner, die in ärmlichen Verhältnissen leben, werden
die größte Last der höheren Energiepreise sowie der knapperen Vorräte
tragen müssen, und sie sind am wenigsten im Stande, diese Last zu tragen.
Die energiepolitischen Ziele unseres Landes dürfen nicht verfolgt werden,
ohne daß man sich diesen dringenden menschlichen Erfordernissen zuwendet.
Der Präsident wird den Kongreß um die Verabschiedung eines Programmes
ersuchen, das eine Unterstützung für Schichten mit geringem Einkommen
vorsieht und das, wenn es voll wirksam ist jährlich 2,4 Milliarden Dollar
aus dem Energiesicherungsfonds bereitstellt.

Ein Teil dieses Betrages

wird auf einer entsprechenden Zuwendungsbasis verfügbar sein, um die
Einzel Staaten zu ermutigen und ihnen bei der Aufteilung der fiskalischen
Lasten für die Erfordernisse der Armen zu helfen.

Die Geldmittel werden für verschiedenartige Zwecke verfügbar sein,
wobei der größte Anteil auf eine direkte finanzielle Unterstützung für die
bedürftigen Haushalte entfällt. Die begrenzten Programme der mit der
Energiekrise zusammenhängenden Interventionsmaßnahmen und der Notstandshilfe, die von Seiten der "Community Services Administration" betrieben

- 18 -

�betrieben werden, sollen gestärkt werden.

Diese Behörde wird mit dem

Kongreß in dem Bemühen zusammenarbeiten, sicherzustellen, daß wesentliche
Beträge für eine Unterstützung der ärmeren Bevölkerungskreise in diesem
Winter zur Verfügung stehen.

X.

Verbesserung des Verkehrswesens
Für den Zeitraum von 1980 bis 1990 schlägt der Präsident Ausgaben

in Höhe von 16,5 Milliarden Dollar für die Verbesserung des Massenverkehrssystems des Landes und für die Verringerung des Benzinverbrauchs für Automobile vor. Mehr als 10 Milliarden Dollar sollen in die bestehenden Massenverkehrssysteme investiert werden, um neue Autobusse anzuschaffen und das
U-Bahnsystem zu verbessern. Man schätzt, daß diese Investitionen Einsparungen
von 250 Tausend Barrel pro Tag an ül bis zum Jahre 1990 mit sich bringen
werden. Der Präsident hat Verkehrsminister Adams angewiesen, umgehend
spezifische Vorschläge für die Erreichung dieses Zieles zu entwickeln.

XI.

Der Beratungsausschuß des Präsidenten für Energiesicherung

Der Präsident wird einen Beratungsausschuß für Energiesicherung ins
Leben rufen, der ihm und dem Energieminister hinsichtlich künftiger Anweisungen für die Energiepolitik Bericht erstatten wird. Dieser Beratungsausschuß wird sich aus 11 Mitgliedern zusammensetzen, die aus Bereichen
außerhalb der Regierung kommen. Er wird die Aufgabe haben, weitreichende
Empfehlungen und Ratschläge für den Energiebereich und damit zusammenhängende
Wirtschaftsfragen zu erteilen.
Beschreibung
- 19 -

�XII.

Beschreibung spezifischer Rohstoffquellen von Kohle, Synthesebrennstoffen, Biomassen und Schieferöl sowie von Technologien, deren sich
die Energiesicherungsgesellschaft annehmen soll.
In den folgenden Abschnitten ist die Art der Ressourcen oder Technologien

beschrieben, für die Investitionen seitens der Energiesicherungsgesellschaft
vorgeschlagen werden.
Einzelentscheidüngen zu

Die Gesellschaft wird dafür verantwortlich sein,
den angemessenen Anreizen zu treffen sowie

Produktionsziele für jede dieser Kategorien festzusetzen.
A.

Flüssigbrennstoffe aus Kohle

Die amerikanischen Kohlevorkommen sind die größten in der Welt und
können auf sehr lange Sicht einen beträchtlichen Anteil zur Deckung des
Bedarfs an Flüssigbrennstoffen in den USA liefern, wenn moderne Technologien
für die Herstellung synthetischer Brennstoffe mit Erfolg kommerziell genutzt
werden.
Verfahren zur Herstellung von Flüssigbrennstoffen auf Kohlebasis
können in zwei große Bereiche - nämlich direkte und indirekte Verfahren untergliedert werden.
-

Bei der indirekten Verflüssigung wird Kohle zunächst vergast, um
ein Synthesegas zu bekommen (Kohlenmonoxid und Wasserstoff), das
dann seinerseits auf katalytischen) Wege in einer Stufe oder in
mehreren Stufen in flüssige Brennstoffe umgewandelt wird. Es
gibt bereits mehrere kommerzielle Verfahren, um Synthesegas in
Flüssigbrennstoffe umzuwandeln. Mit dem Fischer-Tropsch-Verfahren,
das gegenwärtig in Südafrika kommerziell angewandt wird, ist es
möglich, ein breites Spektrum von flüssigen Produkten, einschließlich
Benzin und Dieselöl, herzustellen. Auch Methanol kann unter
Nutzung einer Anzahl von Lizenzverfahren aus Kohlesynthesegas herge-

�hergestellt werden.

Methanol läßt sich als Benzinzusatz und als

Turbinenkraftstoff verwenden.

Außerdem befindet sich ein Verfahren

zur Gewinnung von Benzin hoher Klopffestigkeit direkt aus Methanol
bereits im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium.
-

Bei den direkten Verflüssigungsprozessen wird Kohle in ein Lösungsmedium gegeben und unter hohen Temperaturen und hohem Druck mit
Wasserstoff zur Reaktion gebracht, um eine Vielfalt von flüssigen
Produkten zu erzeugen. Mit finanzieller Unterstützung des Bundes
wurden mehrere direkte Verflüssigungsverfahren entwickelt; sie
werden in Kürze in Anlagen von nahezu kommerziellem Umfang demonstriert,

Schätzungen der Kosten für die Herstellung synthetischer Brennstoffe aus
Kohle schwanken je nach den Produkten, z.B. Flüssigkeit oder Gas, und je
nach Standort zwischen 27 und 45 Dollar pro Barrel. Zum Zweck von Budgetschätzungen für die Gesellschaft wurden 38 Dollar pro Barrel angesetzt:
man hofft jedoch, daß die Kosten niedriger liegen werden.
B.

Kohlevergasung

Die Herstellung eines Brenngases aus Kohle war in den ersten Jahrzehnten
dieses Jahrhunderts eine allgemein anerkannte Technologie, ehe den Verbrauchern
große Mengen von Erdgas zur Verfügung standen

Tatsächlich werden in einigen

Ländern nach wie vor beachtliche Mengen von Gas aus Kohle zur Verwendung in
der chemischen Verfahrenstechnik erzeugt.
Obgleich es viele verschiedene Arten von Vergasungsanlagen gibt, funktionieren
die meisten kommerziell verfügbaren Konstruktionen am besten nnt nichtverbackender Kohle, wie sie beispielsweise im Westen der USA gefunden wird
Neuere Konstruktionen, die auch Kohlen aus den Ostregionen mit hohem
Wirkungsgrad nutzen, sind bis zur Demonstration im kommerziellen Rahmen gediehen.
Für
- 21 -

�Für die Privatwirtschaft wurde eine Anzahl kommerzieller Kohlevergasungsanlagen entworfen, die nunmehr gebaut werden könnten.

Unsicherheit

hinsichtlich der Betriebsvorschriften und Beschränkung der finanziellen
Mittel verhindern jedoch eine sofortige Kommerzialisierung.

Das Energie-

mobilisierungsamt (EMB - Energy Mobilization Board) und die Energiesicherungsgesellschaft können helfen, einige dieser Barrieren abzubauen.
C. Schieferöl
Die ölschiefervorkommen der Vereinigten Staaten, die sich hauptsächlich
unter einem 4,3 Millionen Hektar großen Gebiet in aneinandergrenzenden Regionen
der Bundesstaaten Colorado, Utah und Wyoming finden, stellen eine der größten
potentiellen Energiequellen in den USA dar. Man schätzt, daß sie 400
Milliarden Barrel an gewinnbarem öl enthalten und damit größer sind als die
ölreserven von Saudi-Arabien.

Schon seit langem sieht man in diesem Vorkommen

eine mögliche Quelle für Rohölersatz.

Die Herstellung von Flüssigbrenn-

stoffen aus Ölschiefer dürfte weniger kostspielig sein als aus Kohle; man
schätzt die Kosten auf 25 bis 35 Dollar pro Barrel.

Für die Verarbeitung von Ölschiefer werden zur Zeit zwei verschiedene
Verfahren entwickelt. Das eine erfordert den Abbau mit dem Retortenaufschluß
an der Oberfläche (wobei der ölhaltige Schiefer auf mehr als 480 Grad
Celsius erhitzt wird, um "Kerogen", Ausgangsstoff für das schließlich verwertungsfähige Ölschieferprodukt, zu extrahieren). Bei dem anderen sogenannten
"in situ"-Verfahren wird der Retortenaufschluß mit der Erhitzung des zerkleinerten Ölschiefers unterirdisch vorgenommen. Im Westen der Vereinigten
Staaten befinden sich gegenwärtig vier größere Schieferöl-Projekte in
verschiedenen Stadien der Planung oder Entwicklung. Die Produktion von
Schieferöl wird Investitionen von mehr als einer Milliarde Dollar pro Anlage
erfordern. Jedoch wurde bisher keines der Verfahren in einem Rahmen angewandt,
der einer großtechnischen Nutzung nahekäme. Es ist erforderlich, daß die

�die Bundesregierung diese Projekte in gewissem Umfang unterstützt.

Die

erwarteten Kosten für Schieferö'l, 25 bis 35 Dollar pro Barrel, deuten
jedoch darauf hin, daß es der erste synthetische Brennstoff sein wird,
der mit Importöl konkurrieren kann.
Zusätzlich zur Einbeziehung von Ölschiefer in den Aufgabenbereich der
Energiesicherungsgesellschaft hat der Präsident für jedes Faß Schieferöl
eine Steuerabschreibung von 3 Dollar/Barrel für die Produzenten vorgeschlagen. Diese Vergünstigung,die der Präsident erstmals in seiner Energiebotschaft vom 5. April erwähnte, würde allmählich abgebaut, wenn die ölpreise
22 Dollar pro Barrel betragen, und sie würde ganz aufgehoben, sobald ein
Preis von 28 Dollar pro Barrel erreicht wird. Man erwartet, daß viele
Unternehmen nur der durch diese Steuervergünstigungen ausgelösten Ermutigung
bedürfen, um mit dem Bau und der Inbetriebnahme großer Schieferöl-Produktionsstätten zu beginnen. Für Schieferölprojekte, die von der Gesellschaft unterstützt werden, können keine Steuervergünstigungen beansprucht werden.

D.

Biomasse

Die kommerzielle Produktion von alkoholischen Brennstoffen - Äthanol
und Methanol - aus landwirtschaftlichen Produkten, Rückständen, Abfällen der
Nahrungsmittel- und Holzverarbeitung mittels Fermentation und anderer
Verfahren kann einen Beitrag zur Deckung unseres Energiebedarfs leisten.
Äthanol als Zusatz zu Benzin vermag Kraftstoffe auf ölbasis zu strecken
und die Klopffestigkeit zu erhöhen.

Gemessen am Energiegehalt ist die

Herstellung von Äthanol im Vergleich zu Erdöl gegenwärtig verhältnismäßig
teuer. Aber infolge der höheren Klopffestigkeit kann subventioniertes
GASOHOL (Mischung aus Benzin und Alkohol) mit bleifreiem Superkraftstoff
konkurrieren.

Ein Ausschluß auf Dauer von der Bundesbenzinsteuer in Höhe

von 4 Cent/Gallone (knapp 1 Cent pro Liter) bei GASOHOL - eine Subvention,
die 16,80 Dollar pro Barrel entspricht - wird helfen, GASOHOL auch gegen-

- 23 -

�gegenüber bleifreiem Normalbenzin konkurrenzfähig zu machen.

Es werden

verbesserte Verfahren erwartet, die zu bedeutenden Kosteneinsparungen führen
und die Einbeziehung von mehr Abfall Stoffen in das Spektrum der Ausgangsmaterialien ermöglichen.
Die Produktion von Methanol aus Biomasse geschieht in einem ZweistufenVerfahren, bei dem zunächst Synthesegas erzeugt und dieses dann auf katalytischem
Wege mittels kommerziell verfügbarer Prozesse in Methanol umgewandelt wird.
Man erwartet, daß Holz die wichtigste Biomasse-Rohstoffquelle bildet, weil es
in großem Umfang zur Verfügung steht und relativ wenig kostet. Auch andere
Ausgangsmaterialien wie Rückstände von Ernteprodukten und fester Stadtmüll
lassen sich verwerten - aber zu höheren Kosten.
Die Herstellung alkoholischer Brennstoffe kann zur Verbesserung der
Umweltqualität beitragen, indem Abfall Stoffe in nützliche Produkte umgewandelt
werden.

XIII.

Andere Maßnahmen

A.

Die Erdgasleitung aus Alaska

Mit Erdgas aus Alaska könnten 425 000 Barrel öl pro Tag ersetzt werden,
die die Vereinigten Staaten bis zum Jahr 1985 aus anderen Quellen beschaffen
müßten, und nach diesem Zeitpunkt sogar noch größere Mengen. Im August 1977
genehmigte der Präsident den Bau einer Rohrleitung vom Norden Alaskas in
die Staaten des Westens und Mittelwestens unter der Bedingung, daß sie von
privater Seite finanziert würde. Beteiligungen seitens der Produzenten an
diesem Erdgas in der Form von Kreditbürgschaften gegen Kostenüberschreitungen
sind erforderlich, um eine private Finanzierung zu ermöglichen. Bisher haben

�haben jedoch die betreffenden Mineral öl gesell Schäften keine Bereitschaft
zu erkennen gegeben, ihren Beitrag zu leisten, damit Fortschritte zur
Realisierung der Rohrleitung möglich werden.

Der Präsident hat den Energie-

minister angewiesen, bei den führenden Persönlichkeiten dieser Unternehmen
darauf zu dringen, daß die für den Bau der Leitung notwendige finanzielle
Unterstützung einsetzt.

B.

Vorsorgliche Benzinrationierung

Unser Land muß umfassend gerüstet sein, um selbst beträchtliche
Versorgungsunterbrechungen zu überstehen.

Der Präsident hat den Kongreß

aufgefordert, mit ihm zusammen vorrangig sicherzustellen, daß ihm die
Vollmacht übertragen wird, einen Plan zur vorsorglichen Benzinrationierung
auszuarbeiten, der es uns ermöglichen wird, in einer Notlage angemessen
zurechtzukommen.
C.

Staatliche Einsparungspläne und -ziele

Der Präsident drängt den Kongreß zur Verabschiedung der notwendigen
Gesetze, die es ihm erlauben, in den einzelnen Bundesstaaten Planziele für
die Einsparung von Benzin und anderen Brennstoffen festzulegen.

Jeder

Einzelstaat wird sodann einen Plan zur Erreichung dieses Zieles ausarbeiten
und ausführen.

Wenn ein Einzel Staat bei der Erreichung des festgelegten

Einsparungszieles versagt, wird der Bundesregierung die Erlaubnis erteilt,
selbst diesem Einzelstaat einen Plan aufzuerlegen.

Diese Vollmacht ist

notwendig, um sicherzustellen, daß wir mit einem Anhalten der gegenwärtigen
Knappheit und allen weiteren zukünftigen Versorgungsunterbrechungen fertig
werden können.
D.

Sonnenbank

In seiner Botschaft vom 28. Juni 1979 an den Kongreß schlug der Präsident

- 25 -

�Präsident zum Thema Sonnenenergie die Errichtung einer Sonnenbank vor, um
die Verwendung von Sonnenenergie durch subventionierte Darlehen anzuregen
und dadurch die Abhängigkeit des Landes von ausländischem öl zu mindern.
Die Gesetzgebung zur Errichtung einer Sonnenbank, die dem Kongreß in
Kürze zugehen wird, sieht folgende wesentlichen Elemente vor:
-

Die Bank würde befugt sein, Zinszuschüsse zu Darlehen für die bauliche
Verbesserung von Häusern zu gewähren sowie Hypotheken zur Finanzierung
des Kaufs und der Installierung genehmigter Sonnenenergie-Systeme.
Die Bank würde Banken und anderen Finanzinstituten Geldmittel zur
Verfügung stellen, die diese wiederum in die Lage versetzen würden,
Mittel für Verbesserungen von Häusern und Hypothekendarlehen für
Sonnenenergie-Investitionen zu einem Zinssatz anzubieten, der unter
dem üblichen Marktsatz liegt.

-

Sonnenenergie-Systeme sollen ihrer Definition nach jede Art von
Ausrüstung bedeuten, die entweder aktive oder passive solartechnische
Anlagen verwendet, wie zum Beispiel Sonnenheizung für die Warmwasserzubereitung, Sonnenheizung oder -kühlung, passive Solaranlagen oder
Kombinationen aus diesen Möglichkeiten. Der Minister für Wohnungsbau
und Städteplanung wird in Abstimmung mit dem Energieminister die
näheren Bestimmungen für diese Systeme ausarbeiten.

-

Die Zinssubvention würde lediglich für Mittel zur Verbesserung derjenigen Wohnanteile oder des Hypothekendarlehens zur Verfügung gestellt werden, die unmittelbar Solarinvestitionen finanzieren.
Diese Zinssubvention würde dergestalt kalkuliert, daß sie den
Darlehensgeber für den Unterschied entschädigt, der zwischen dem
subventionierten Darlehen und einem ähnlichen Darlehen zu freien
Marktbedingungen besteht.
Diese

- 26 -

�-

Diese Zinssubvention würde von Zeit zu Zeit durch den Aufsichtsrat
der Bank (der aus den Mi nistern für Wohnungsbau und Städteplanung,
für Energie und für Finanzen besteht) auf einem Niveau festgelegt
werden, das dem Grundgedanken, nämlich die Verwendung von Sonnenenergie-Systemen in privaten und kommerziellen Gebäuden zu beschleunigen, am ehesten gerecht würde.

-

Die Verfügbarkeit über diese Subvention würde einem angemessenen
Nachweis gegen Mißbrauch unterliegen.

-

Einen angemessenen Teil der Subventionen würde die Sonnenbank
zurückerlangen, falls jemand mit einem Solardarlehen in Zahlungsverzug kommt.

-

Die folgenden Obergrenzen würden für den Umfang eines subventionierten
Darlehens oder Darlehensanteils gelten:

10 000 Dollar für ein

Einfamilienhaus; 5 000 Dollar für jede Wohneinheit in einem Mehrfamilienhaus (wobei insgesamt bei diesem Darlehen 500 000 Dollar
nicht überschritten werden dürfen);

und 200 000 Dollar für ein

Geschäftsgebäude.
-

Die Bank würde pro Jahr mit 150 Millionen Dollar ausgestattet.
Sie würde mit Geldern finanziert, die aus dem EnergiesicherungsTreuhandfonds stammen.

Je nach dem Umfang der Subvention und der Aufteilung der Mittel der
Sonnenbank unter Hypotheken, Darlehen zur Hausverbesserung und Darlehen für
kommerzielle Gebäude könnte die Bank bei diesem Umfang des Fonds sicher bei
über 150 000 Solaranlagen pro Jahr mitwirken.
Steuervergünsti gungen

- 27 -

�E.

Steuervergünstigungen für Sonnenenergie

Zusätzlich zur Sonnenbank hat der Präsident noch umfangreiche neue
Vorschläge für Steuervergünstigungen für Sonnenenergie unterbreitet.

Diese

Vergünstigungen umfassen den privaten, den kommerziellen, den landwirtschaftlichen
und den industriellen Sektor und schließen aktive und passive solartechnische
Anlagen ein, Prozeßwärme, Holzöfen, sowie Befreiung von Bundessteuern für
Benzin auf Alkoholgrundlage (Gasohol).

Diese Vorschläge werden einen

deutlichen Anreiz für die Verwendung von Sonnenenergie bilden und gleichzeitig
zu unserem Ziel beisteuern, den für Heizung und Transport verwendeten Anteil
an öl zu vermindern.

Demnächst werden dem Kongreß weitere Gesetzesvorschläge

unterbreitet, die folgendes vorsehen:
-

Steuervergünstigungen für private und kommerzielle passive Solaranlagen
Die Bauherrn neuer Mehrfamilien- und Geschäftshäuser mit passiven
Solaranlagen würden eine Steuervergünstigung von 20 Dollar je
schätzungsweise jährlich eingesparter Million Britischer Wärmeeinheiten (British Thermal Units - BTU) erhalten, wenn die Heizleistung
auf einem vorgesehenen Niveau oberhalb der Leitlinie liegt, die für
die Heizleistung bei Gebäuden gemäß dem Gesetz zur Energieeinsparung
und Energieproduktion (P.L. 94-385) gilt.
Der Höchstbetrag dieser Steuervergünstigungen beträgt 10 000 Dollar
pro Gebäude.

Die Steuervergünstigung wird durch Einnahmen aus dem

Energiesicherungs-Treuhandfonds finanziert.
Eine Steuervergünstigung soll auch denjenigen gewährt werden, die
neue Häuser mit passiven Solaranlagen bauen. Den Bauherrn soll
eine 20-prozentige Steuervergünstigung auf die Kosten einer solartechnischen Anlage pro Einheit im vorgeschriebenen Entwurf gewährt
werden (bis zu vier Wohneinheiten pro Gebäude), und zwar bis zu einer

- 28 -

�einer Höchstgrenze von 2 000 Dollar pro Einheit.

Von 1983 an

können diejenigen Bauherren eine Berechtigung für diese Art
Steuervergünstigung erhalten, die die Leistungskriterien gemäß
Bundesgebäude-Energiegesetz um mehr als 50 Prozent übertreffen.
Steuervergünstigungen für Wohn- und Geschäftshäuser werden bis
zum 31. Dezember 1985 inkraft bleiben.
-

Steuervergünstigungen für solare Prozeßwärme
Eine zusätzliche Steuervergünstigung von 15 Prozent (bei insgesamt
25 Prozent) soll über den Energiesicherungs-Treuhandfonds gewährt
werden auf die Kosten von solarthermischen Ausrüstungen, um bei
landwirtschaftlichen und technischen Verfahren Prozeßwärme zu erzeugen. Die Vergünstigung wird gewährt für die Kosten zur Installation
von Ausrüstungen, die den Bedingungen entsprechen. Sie gilt bis
zum 31. Dezember 1989.

-

Steuerbegünstigungen für Holzöfen
Eine neue, 15-prozentige Steuervergünstigung wird vorgeschlagen
für den Kauf und die Installation von luftdichten Holzbrandöfen
in Erstwohnhäusern. Diese Steuererleichterung soll die größere
Verwendung unserer Holzvorräte für Hausbrand ermöglichen und sollte
es den Verbrauchern erlauben, bei ihren Heizkostenrechnungen
deutliche Einsparungen zu erzielen.

-

Steuerbefreiung
Eine ständige Befreiung von der gegenwärtigen 4-Cent-Bundessteuer
auf Benzin für Mischungen aus Benzin und Alkohol wird vorgeschlagen,
um die Verwendung von Benzinalkohol "Gasohol" zu ermutigen.

- 29 -

Benzin-

�Benzinalkohol stellt eine nützliche Ergänzung unserer Brennstoffe
für den Antrieb von Automobilen dar und kann dabei helfen, unsere
Nachfrage nach importiertem Rohöl zu mindern.

XIV.

Die gegenwärtige Lage bei der Ölversorgung

Gestiegene Rohöl einfuhren im letzten Monat und der vorgesehene weitere
Anstieg im Juli und August haben ein verbessertes Bild der Ölversorgung zur
Folge. Die Gesamtimporte von Rohöl lagen im Durchschnitt im Verlauf der
letzten fünf Wochen bei fast 6,4 Millionen Barrel pro Tag (MMB/D) und bestätigen damit die Erwartung der Regierung, wonach die Einfuhren im Monat
Mai mit Niveaus von unter 6 Millionen Barrel pro Tag einen Tiefstand erreicht
hatten. Voraussagen für die restlichen Tage im Juli und für August deuten an,
daß der Stand der Gesamteinfuhren von Rohöl bei etwa 6,5 MMB/D bleiben wird.
(Die Einfuhren von ölprodukten, die in dieser Quote enthalten sind, werden
auf 1,9 MMB/D geschätzt). Diese geplanten Mengen an Gesamteinfuhren von
Rohöl und ölprodukten werden es den Vereinigten Staaten ermöglichen, die vom
Präsidenten festgelegten Importquoten einzuhalten. Das verbesserte Versorgungsbild hatte auch einen Anstieg der Verarbeitung von Rohöl in den
Raffinerien zur Folge: Seit Ende Mai ein Anstieg von über 1 Million Barrel
pro Tag (von 14,2 auf 15,4 MMB/D). Die Produktion von Benzin, Dieselöl und
Heizöl ist gleichfalls angestiegen.

Brennstoffvorräte für die Raumheizung im nächsten Winter sind seit Ende
Mai um mehr als 27 Millionen Barrel angewachsen und die Vorräte haben sich
mit einer Rate von fast 1 Million Barrel pro Tag in den letzten zwei Wochen
vermehrt. Diese Rate ist angemessen, um das Ziel von 240 Millionen Barrel
an Vorräten im Oktober zu erreichen. Vorräte von 240 Millionen Barrel werden
sicherstellen, daß angemessene ölvorräte für die Raumheizung im nächsten
Winter zur Verfügung stehen, sogar wenn es ungewöhnlich kalt werden sollte.

Die
- 30 -

�XV.

Die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne (windfall profits tax) und die
Verwendung des Energiesicherungs-Treuhandfonds

Die Energiebotschaft des Präsidenten vom 5. April umriß seine Pläne
für die schrittweise Freigabe der ölpreise und den Vorschlag einer Steuer
für ungerechtfertigte Gewinne, die einen neuen übermäßigen Einkommensstrom
zu den ülförderern als ein Ergebnis der Freigabe der Preise verhindern soll.
Die Botschaft schlug außerdem die Bildung eines Energiesicherungs-Treuhandfonds vor, in den die Einnahmen aus dieser Steuer für ungerechtfertigte
Gewinne fließen sollten ebenso wie die Gelder aus den Einkommenssteuererhöhungen
für Olproduzenten während der ersten drei Jahre, die sich aus der Aufhebung
der Preisbindung ergeben würden. Dieser Fonds würde verwendet für 1) Familien
mit niedrigen Einkommen, um ihnen dabei zu helfen, mit den gestiegenen
Energiekosten fertig zu werden; 2) Schritte zu neuen Massenverkehrsmitteln
und 3) Investitionen auf dem Gebiet neuer Energiequellen.
Es ist entscheidend, daß der Kongreß die vorgeschlagene Steuer für
ungerechtfertigte Gewinne und den Energiesicherungs-Treuhandfonds verabschiedet, um den Finanzstrom übermäßiger Einnahmen an die ülproduzenten
zu verhindern und um die notwendigen Fondsmittel bereitzustellen, die für
eine mutige Inangriffnahme der breitgefächerten Energieprobleme dieses
Landes notwendig sind.
Die heute vom Präsidenten angekündigten Initiativen zur Einschränkung
des ölflusses sind die zum erstenmal am 5. April vorgeschlagenen energiebezogenen Investitionen. Diese können nicht durchgeführt werden ohne die
Mittel, die durch die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne zur Verfügung
gestellt werden und im Energiesicherungs-Treuhandfonds enthalten sind.
Der Energiesicherungs-Treuhandfonds wird die einzige Quelle für alle
die in der Ankündigung des Präsidenten enthaltenen Ausgaben sein. In dem
Maße, in dem die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne nur ungenügende

- 31 -

�ungenügende Einnahmen erbringen sollte, werden Programmangleichungen nach
unten gemacht werden müssen. Andernfalls werden einem Budget zusätzliche
Lasten aufgebürdet, das schon jetzt höchstwahrscheinlich angespannt sein
wi rd.

+ + + + +

- 32 -

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        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>Amerikadienst 25.07.1979</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vizepräsident Mondale unterbreitet Sieben-Punkte-Programm in Genf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede auf der UN-Flüchtlingskonferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erläuterungen des Weißen Hauses zum Energieprogramm des Präsidenten</text>
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