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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

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Nummer

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G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

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300

Information
und
Dokumentation

T e l e x : 0 8 - 8 5 4 32

3 . Mai 1973

18

Inhalt

INFORMATION
Fulbright-Stipendien

zum S t u d i u m i n d e n USA im S t u d i e n j a h r

1974/75

HINTERGRUNDMATERIAL
Rogers: Grundprinzipien d e r amerikanischen P o l i t i k b l e i b e n
- Rede d e s U S - A u ß e n m i n i s t e r s vom 2 3 . A p r i l

-

WIRTSCHAFT
Chancen u n d P r o b l e m e d e s O s t - W e s t - H a n d e l s
- Grundzüge d e r U S - P o l i t i k -

US-Handelsdefizit

auf niedrigstem Stand s e i t

18 Monaten

- Handelsminister warnt vor v o r e i l i g e n Schlüssen -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

unverändert

�amerika dienst
United
53

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Telex:

miO

rmation

300

0 8 - 8 54 3 2

18/1973

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA IN STUDIENJAHR 1 9 7 4 / 7 5

-

(AD) - Auch f ü r d a s S t u d i e n j a h r

1974/75 kann d i e d e u t s c h e

Kommission w i e d e r k o m b i n i e r t e R e i s e - und A u f e n t h a l t s s t i p e n d i e n
an a m e r i k a n i s c h e n J o c h s c h u l e n an d e u t s c h e S t u d e n t e n v e r g e b e n .
müssen b i s zum 1 5 . J u n i

Fulbright-

zum S t u d i u m
Bewerbungen

1973 e i n g e r e i c h t w e r d e n , u n d zwar von i m m a t r i k u l i e r t e n

S t u d e n t e n b e i den Akademischen A u s l a n d s ä m t e r n d e r H o c h s c h u l e n .

In Abänderung d e r R i c h t l i n i e n werden Jungakademiker m i t abgeschlossenem
H o c h s c h u l s t u d i u m nunmehr an d e n D e u t s c h e n A k a d e m i s c h e n A u s t a u s c h d i e n s t e n

ver-

wiesen.

W e i t e r e Auskünfte e r t e i l e n d i e Akademischen A u s l a n d s ä m t e r d e r d e u t s c h e n
Hochschulen sowie d i e Fulbright-Kommission.

53 Bonn-Bad G o d e s b e r g 1
T h e a t e r p l a t z 1A
P o s t f a c h 208

+ + + ++

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Hintergrundmaterial

300

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18/1973

ROGERS: GRUNDPRINZIPIEN DER AMERIKANISCHEN POLITIK BLEIBEN UNVERÄNDERT
- Rede des US-Außenministers vom 2 3. April -

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 23. April in einer Rede vor dem Overseas Press Club in New York erklärt, daß angesichts der veränderten Verhältnisse in der Welt eine Neuorientierung der Politik der Vereinigten Staaten unerläßlich sei,. !aß dies
aber keine fundamentale Änderung der erfolgreichen Grundprinzipien dieser
Politik bedeute. Rogers, der vor allem auf das Verhältnis der USA zu Europa
und zur NATO einging, betonte, daß die Vereinigten Staaten die feste Absicht
hätten, ihre Stärke in Europa aufrechtzuerhalten und nicht von ihren vertraglichen Sicherheitsverpflichtungen gegenüber anderen abzurücken.

Die richtungweisende Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden
Wortlaut:

Ich glaube, daß in unserem Lande völlige Übereinstimmung darüber besteht, daß eine wesentlich veränderte internationale Lage eine Neuorientierung
unserer Politik und unserer Programme erfordert. Die Administration und der
Kongreß stehen mitten in diesem Prozeß. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir
die Politik fundamental ändern sollten, die wir in den letzten Jahren mit so
viel Erfolg verfolgt haben.

Sie alle kennen die großen Umrisse dieser Politik.
Wir

�I

Wir werden weiterhin unsere Beziehungen zur Volksrepublik China auf einer
stetigen und sich ausweitenden Basis verbessern. In dem Maße, in dem die Kontakte zunehmen, werden Freundschaft und Verständnis zwischen dem chinesischen
Volk und dem amerikanischen Volk wachsen. Unsere Hoffnung - und wie ich überzeugt bin, auch die ihrige (der Chinesen) - besteht darin, daß die sich entwickelnden politischen, sozialen und kommerziellen Beziehungen zur Volksrepublik China zur künftigen Stabilität im pazifischen Raum beitragen werden.

Wir werden uns bemühen, unsere Beziehungen zur Sowjetunion auf den Gebieten der Politik, des Handels, der Wissenschaft und der Technologie zu verbessern. Wir stehen jetzt in Phase II der SALT-Gespräche. In diesem Sommer
werden wir an der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa teilnehmen, und zwar mit der Absicht und der Entschlossenheit, unsere Bündnisse
mit der Europäischen Gemeinschaft, mit Japan oder mit anderen Nationen der
freien Welt, die sich auf Grund von vertraglichen Bindungen auf uns verlassen,
nicht zu schwächen.

In Indochina werden wir jeden möglichen diplomatischen Weg einschlagen jede diplomatische Möglichkeit nutzen -, um die volle Verwirklichung des Pariser
Abkommens herbeizuführen. Es ist nicht überraschend, daß viele ernste Probleme
verbleiben. Die Annäherung der Interessen und Einflüsse, die zu dem Abkommen
geführt hat, bleibt jedoch im Spiel. Daher bin ich überzeugt, daß bei erneuten
Anstrengungen seitens aller Beteiligten das Pariser Abkommen noch immer die
beste Aussicht - und nach meiner Überzeugung eine realistische Hoffnung - auf
Frieden und Stabilität in Indochina bietet.

Der Nahe Osten, wo Emotionen und Haß einen sinnvollen Dialog gelegentlich völlig unmöglich erscheinen lassen, bleibt weiterhin Anlaß zu großer
Besorgnis. Es ist jedoch jetzt immerhin schon fast drei Jahre her, daß die
Initiative der Vereinigten Staaten zu einer Waffenruhe zwischen Ägypten und
Israel geführt hat. Unser wichtigstes Nahziel wird darin bestehen, diese zerbrechliche Waffenruhe möglichst aufrechtzuerhalten, während wir gleichzeitig
versuchen, Verhandlungen unter den beteiligten Nationen zustandezubringen. Wenn

- 2 -

�t

Wenn es nun noch gelänge, einen Waffenstillstand in den aufhetzenden Reden,
einen Waffenstillstand in den kriegerischen Erklärungen unverrückbarer und
starrer Standpunkte und schließlich einen Waffenstillstand jeglicher Gewalttätigkeit von jedweder Seite zu erreichen, dann könnte nach meiner Überzeugung
ein Fortschritt im Sinne einer dauerhaften Lösung erzielt werden. Die Hauptbeteiligten haben erklärt, daß sie die Türen der Diplomatie offen halten
möchten. Wir möchten sie selbstverständlich gerne beim Wort nehmen.

Ich bin - sicherlich ebenso wie Sie - über den Fortschritt ermutigt, der
in den letzten Jahren in vielen Gebieten der Welt in den internationalen Angelegenheiten erzielt worden ist. Und ich bin zuversichtlich, daß bei einem
Anhalten der gegenwärtigen Trends ein Krieg unter großen Nationen vermieden
werden kann.

Das wird jedoch nicht leicht sein. In dem angenehmen Klima der Entspannung
gedeihen leicht Nachlässigkeit und Isolation.

So werden wir nicht nur die Politik des Präsidenten, die sich als so erfolgreich erwiesen hat, weiter verfolgen, sondern darüber hinaus auch gegen
eine Haltung angehen müssen, die eine Folge des Erfolgs ist.

Zum Beispiel können wir die kürzlichen Vorschläge nicht akzeptieren:

- die im Ausland stationierten amerikanischen Truppen in den kommenden
18 Monaten wesentlich zu reduzieren,
- die Rolle der Vereinigten Staaten bei der Bereitstellung von Material
und Dienstleistungen zur Verteidigung für andere Staaten so weit wie möglich
abzubauen und bis zum Jahre 1975 alle auf Schenkungsbasis gewährte Militärhilfe einzustellen, und
- die Richtung unserer Außenpolitik in den letzten 25 Jahren zu redivieren,
indem wir uns nach innen orientieren, unsere aktive Rolle in internationalen
Fragen radikal abbauen und Handelsschranken errichten.
So

- 3-

�&lt;

So verlockend solche Wege, oberflächlich betrachtet, auch sein mögen sie zu verfolgen, wäre töricht.

Erstens müssen die Vereinigten Staaten, wenn sie sich ihren Wohlstand
erhalten wollen, weiterhin in der übrigen Welt wirtschaftlich engagiert bleiben.
Ein immer größerer Teil unserer Wirtschaft ist, was das Wachstum anbetrifft, vom
Export abhängig - 31 Prozent unserer gesamten landwirtschaftlichen Erzeugung
und 14 Prozent unserer Fertigwaren werden gegenwärtig exportiert. Hinsichtlich
der Deckung unseres Erdölbedarfs sind wir zu 30 Prozent von Importen abhängig,
und dieser Prozentsatz nimmt ständig zu.

Das vorgeschlagene Handelsgesetz, das Präsident Nixon in diesem Monat
dem Kongreß unterbreitet hat, zielt darauf ab, daß die Vereinigten Staaten
auch weiterhin engagiert bleiben. Wir werden bei den Handels- und Währungsverhandlungen im kommenden Herbst darauf bestehen, daß die amerikanischen Exporte künftig fairer behandelt werden und der amerikanische Dollar nicht mehr
eine so drückende Last zu tragen hat. Es ist jedoch nicht das Hauptziel unserer
Wirtschaftspolitik in diesem Jahr, die amerikanische Wirtschaft auf ihrem derzeitigen Produktivitätsstand zu schützen, sondern ihr einen Ansporn zu weiterer
Expansion im Rahmen einer expandierenden Weltwirtschaft zu geben.

Zweitens müssen die Vereinigten Staaten, um die von uns allen herbeigewünschte stabile und friedliche Welt zu schaffen, ihre politischen und ihre
Verteidigungsverpflichtungen weiter einhalten.

In den letzten Jahren ist es uns gelungen, die Lasten der führenden Rolle
und der Sicherheit gerechter mit unseren Verbündeten aufzuteilen. Doch gibt
es auch weiterhin eine zentrale Rolle, die nur die Vereinigten Staaten spielen
können. Während wir uns darum bemühen werden, unsere Gegner in ein immer umfassenderes Netz von Verhandlungen hineinzuziehen, bleiben grundlegende Meinungsverschiedenheiten weiter bestehen. Der in den letzten Jahren erzielte dramatische Fortschritt ist nicht etwas Unwiderrufliches.
Angesichts

- 4-

�(

Angesichts dieser Tatsache ist die Regierung fest entschlossen, das sich
entwickelnde Gleichgewicht nicht durch einen einseitigen Abbau ihrer Stärke
aus dem Lot zu bringen.

In den letzten Jahren hat die Sowjetunion ihre Truppenstärke um 30 Prozent erhöht, ihren öffentlich bekanntgegebenen Militärhaushalt verdoppelt und
ihre Nuklearstreitkräfte ganz wesentlich verstärkt.

Die Volksrepublik China unterhielt während der letzten zehn Jahre das
größte Heer auf der Welt, verstärkte ihre Luft- und Seestreitkräfte und hat
ein Trägersystem für Nuklearraketen entwickelt.
Wir haben auf der anderen Seite unser Verteidigungspotential um rund
ein Drittel abgebaut. In Asien haben wir die Stärke unserer Truppen in den
letzten vier Jahren bereits um 70 Prozent verringert. Neben dem Abzug von
über einer halben Million Soldaten aus Vietnam haben wir unsere militärische
Präsenz in Korea, Japan, den Philippinen und anderen Gebieten um rund 70 000
Mann vermindert.

Eine weitere wesentliche Reduzierung der Truppenstärken jetzt könnte zu
Fehlschlüssen führen und sogar die neuen und noch delikaten Beziehungen stören,
die so behutsam angebahnt worden sind.

Beispielsweise ist unseres Erachtens die Aufrechterhaltung unserer Verteidigungskapazität besonders wichtig, damit Japan weiß, daß unsere Sicherheitsabkommen weiter gültig sind. Ein amerikanischer Rückzug aus Asien könnte
Japan leicht dazu veranlassen, neue Sicherheitsabmachungen, eine umfassende
Wiederaufrüstung und sogar eine Atomrüstung zu erwägen - ein Kurs, den es
sicherlich nicht gerne einschlagen möchte.

Der neue und bedeutsame Schwerpunkt unserer Politik, in Asien ein neues
Gebäude des Friedens zu errichten, liegt darin, den asiatischen Ländern, den
kleinen wie den großen, mehr Verantwortung für ihre eigene Verteidigung zu
übertragen. Alle unsere Verbündeten haben diesen Weg als richtig akzeptiert.
- 5-

�(

akzeptiert. Unser Programm für Sicherheitshilfe soll dies erreichen. Daher
lehnen wir eine wesentliche Kürzung der amerikanischen Sicherheitshilfe ab.
Sie würde unsere Bemühungen, unseren Verbündeten einen größeren Teil der Verantwortung zu übertragen, untergraben und könnte sie zu kostspieligen

und

Überreaktionen veranlassen, um nach neuen Garantien für ihre Sicherheit

zu

suchen, sie würden nicht nur feststellen, daß ihr Spielraum in den Verhandlungen eingeengt ist, sondern auch ihre wirtschaftliche Entwicklung würde
durch die Notwendigkeit beeinträchtigt werden, mehr für die Verteidigung ausgeben zu müssen.

Es ist für die Vereinigten Staaten ebenfalls wichtig, ihre Stärke in
Europa aufrechtzuerhalten, und wir haben voll und ganz die Absicht, dies zu
tun. Zu Beginn dieses Jahrhunderts war Europa ein Gebiet, für das fehlende
Stabilität typisch war und das somit innerhalb einer Generation

zur Brut-

stätte zweier überaus verheerender Kriege wurde. Die Vereinigten Staaten
mußten zu ihrem großen Kummer lernen, daß sie, so sehr sie sich dies auch
gewünscht hätten, sich aus diesen Kriegen praktisch nicht heraushalten
konnten. Als Folge davon haben wir nach dem zweiten Weltkrieg die Führung
beim Aufbau eines Gebäudes des Friedens übernommen, in dem unsere Stimme und
unsere Interessen für immer vertreten sein würden.

Gemäß dieser Übereinstimmung haben die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten

eine beachtliche Verteidigungsstruktur geschaffen. Aber vielleicht

noch wichtiger ist, daß unser Engagement in europäischen Sicherheitsfragen keine
Provokation für unsere Gegner bedeutet, sondern für unsere Verbündeten einfach
notwendig ist. Diese großartige Leistung unserer Diplomatie aufs Spiel zu
setzen - was wir bestimmt tun würden, wenn wir mit einer einseitigen Reduzierung unserer Truppen in Europa beginnen würden - ist sowohl unnötig als
auch gefährlich.

Wenn es jemals einen Zeitpunkt gegeben hat, an dem wir unsere Truppen
nicht einseitig aus Europa abziehen dürfen, dann ist dies bestimmt jetzt der
Fall - nämlich zu einer Zeit, da wir Verhandlungen mit den Ländern des
- 6 -

�des Warschauer Paktes über einen beiderseitigen Abbau der Truppenstärken
aufnehmen. Wenn wir einseitig unsere eigene Truppenstärke auf die Hälfte
verringern oder irgendeine andere wesentliche Reduzierung vornehmen, so würde
dies alle Aussichten auf erfolgreiche Verhandlungen über eine beiderseitige
Reduzierung zunichtemachen. Ein solcher Schritt würde ferner die westliche
Position auf der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in
diesem Sommer ernstlich beeinträchtigen.

Trotz dieser Tatsachen könnte es vielleicht ernsthafte Bemühungen im
Kongreß um eine wesentliche Kürzung der amerikanischen Truppenstärke in Europa
geben.

Folgende vernünftige militärische Gründe sprechen dafür, unsere Truppen
in Europa zu belassen. Die Streitkräfte, die eine potentielle Bedrohung für
die NATO darstellen, sind nicht verringert worden. So abweqig wir auch die
Möglichkeit einer direkten militärischen Aggression der Sowjets in Europa betrachten, Tatsache ist, daß die sowjetischen Streitkräfte heute stärker sind
als jemals zuvor. Sie sind gut ausgerüstet, gut ausgebildet und gut disloziert.
Über 600 OOO sowjetische Soldaten stehen in Osteuropa. Diese Streitkräfte
stützen sich auf über 9000 Panzer und 3000 taktische Flugzeuge.

Unter diesen Umständen müssen die amerikanischen und die NATO-Streitkräfte
als ernsthafte militärische Anstrengung gewertet werden und nicht lediglich
als "Stolperdraht." Die NATO ist heute in Wirklichkeit eine gewaltige Verteidigungsmacht. In Mitteleuropa zum Beispiel verfügt die NATO ungefähr über
die gleiche Zahl an Truppen wie der Warschauer Pakt.

Wir machen uns alle Sorgen über die Kosten unserer Verteidigung. Aber es
gibt noch ein anderes und weit größeres Anliegen, daß nämlich unsere Verteidigungsprogramme die grundlegenden Interessen unseres Landes fördern. Die Frage
ist, ob wir eine größere Verteidigung aufrechterhalten, als zum Schutz dieser
Interessen notwendig ist. Ich glaube nicht, daß dies der Fall ist.
Was

- 7 -

�Was sind die Tatsachen? Im Jahr 1968 machte das Verteidigungsbudget
neun Prozent des Bruttosozialprodukts aus. Im nächsten Jahr werden es sechs
Prozent sein. Dies ist keine untragbare Last für ein Land mit einem Bruttosozialprodukt von über einer Billion Dollar. Auf den Bundeshaushalt bezogen
wird die Verteidigung noch nicht ein Drittel der Gesamtausgaben des Bundes
ausmachen, während die Hälfte des Bundeshaushalts für soziale Programme
und menschliche Ressourcen bestimmt ist. Damit sind die Proportionen von vor
vier Jahren genau in ihr Gegenteil verkehrt worden.

Das Verteidigungsbudget für das kommende Jahr wird - an der Kaufkraft
gemessen - niedriger sein als jedes Verteidigungsbudget in den letzten zehn
Jahren. Dieses Verteidigungsbudget wird auf seinen Lohn- und Gehaltslisten
weniger Personen ausweisen, aus seinen Mitteln wird weniger Material beschafft
werden, es werden weniger Industrien beteiligt sein und es werden weniger
Stützpunkte unterhalten werden, als dies bei irgendeinem Verteidigungsbudget
seit 1950 der Fall war.

Seit 1968 hat die Nixon-Administration die Stärke unserer Streitkräfte
von 3,5 auf 2,3 Millionen verringert. Es sind also 1,2 Millionen Männer und
Frauen entlassen worden. In Divisionen, Schiffseinheiten und Flugzeugen gemessen haben unsere Streitkräfte ihren niedrigsten Stand seit 1951 erreicht.

Glücklicherweise scheint es heute nur wenig Kontroversen hinsichtlich
der Notwendigkeit zu geben, unsere nukleare Stärke aufrechtzuerhalten, wo wir
nunmehr in die zweite Runde von Gesprächen über strategische Nuklearwaffen
eintreten. Vielmehr konzentrieren sich die jüngsten Vorschläge für eine grundlegende Änderung der Verteidigungspolitik in erster Linie auf eine wesentliche
Verringerung der konventionellen Streitkräfte.

Diejenigen, die einen wesentlichen Abbau unserer allgemeinen Streitkräfte
befürworten, scheinen zu glauben, daß wir die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten ausreichend dadurch schützen können, daß wir uns stärker auf
unsere strategische Nuklearstreitmacht verlassen. Dies ist ein äußerst gefährlicher Gedanke in der Welt von heute.
Die
- 8-

�Die Zeit ist längst vorüber, da wir uns in erster Linie auf die Drohung
einer nuklearen Vergeltung verlassen konnten oder sollten, um vor einer Aggression gegen irgendein anderes Land abzuschrecken. Wir müssen über verschiedene
Optionen verfügen, die auf die verschiedenen Bedrohungen abgestellt sind, venn
potentielle Aggressoren Amerikas Verpflichtungen gegenüber unseren Freunden
und Verbündeten respektieren sollen.

Obwohl wir in den letzten vier Jahren beträchtliche Fortschritte beim
Abbau der internationalen Spannungen und bei der Übertragung der Verantwortung
für die örtliche Verteidigung an unsere

Verbündeten gemacht haben, bleibt

der Wettbewerbsgeist der Völker auch weiterhin das wichtigste Faktum im internationalen Leben. Wir haben immer noch viele Meinungsverschiedenheiten mit
anderen Ländern, die uns künftig in eine ernste Konfrontation führen können.
Sollten sich die Vereinigten Staaten vor eine solche Konfrontation gestellt
sehen, so muß der Präsident über verschiedene Erwiderungen, darunter auch
konventionelle, die glaubwürdig sind, verfügen können. Dies würde gewährleisten,
daß unsere Erwiderung ihrem Umfang nach so begrenzt wie möglich und doch wirksam sein könnte.

Wir konnten beträchtliche Reduzierungen im Umfang unseres militärischen
Apparates vornehmen, nicht weil wir uns einem Wunschdenken in bezug auf unsere
Gegner hingaben oder weil wir Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten
aufgaben. Im Gegenteil wir haben dies dadurch erreicht, daß wir konkrete Fortschritte in Richtung auf eine stabilere Welt erzielten - durch Aufbau der
Stärke unserer Verbündeten und durch Abbau der Spannungen zwischen den Großmächten

und durch Verringerung unserer militärischen Stärke in einer Weise,

die diesen geringeren Spannungen entspricht.

Zum ersten Mal zu unseren Lebzeiten bestehen realistische Aussichten auf
eine Welt, in der die Völker einen höheren Standard eines akzeptablen internationalen Verhaltens erreichen. Es bestehen realistische Aussichten auf eine
Welt, in der eine Lösung internationaler Streitfragen auf dem Verhandlungswege
deutlich die Oberhand über einseitige Drohungen oder die Zuflucht zur Gewaltanwendung gewinnt.
- 9-

�&lt;

Bei jeder wichtigen, die nationale Verteidigung betreffenden Frage
während der letzten 25 Jahre hat der Kongreß den Präsidenten unterstützt.
Wenn der Kongreß die Folgen einer größeren Kürzung unserer Verteidigung
oder einer einseitigen Verringerung unserer Truppenstärke in Europa eingehend und sorgfältig prüft, dann bin ich gewiß, daß er auch dieses Mal wieder
verantwortungsbewußt handeln wird.

+ + + + +

10

�amerika dienst
United

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53 B o n n - B a d
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18/1973

CHANCEN UND PROBLEME DES OST-WEST-HANDELS

Der S t a a t s s e k r e t ä r f ü r W i r t s c h a f t l i c h e
A n g e l e g e n h e i t e n im a m e r i k a n i s c h e n Außenm i n i s t e r i u m , William Casey, h a t i n e i n e r
Rede an d e r S t a a t s u n i v e r s i t ä t von G e o r g i a
i n Athens d i e Grundsätze d e r Ost-WestHandelspolitik der Vereinigten Staaten
a u f g e z e i g t . Der n a c h f o l g e n d e A r t i k e l g i b t
w e s e n t l i c h e Auszüge d e r Rede C a s e y s w i e d e r .

Die w i r t s c h a f t l i c h e n

Beziehungen d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n z u r Sowjetunion,

z u d e n L ä n d e r n O s t e u r o p a s u n d zum F e s t l a n d c h i n a s t e h e n an d e r S c h w e l l e
tiefgreifenden

eines

und r a s c h e n Wandels. Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n wünschen e i n e Nor-

malisierung der Wirtschaftsbeziehungen

zu den kommunistischen

Ländern.

Wir s t r e b e n d e n Aufbau u n d d e n A u s b a u d e s O s t - W e s t - H a n d e l s a l s A n g e l p u n k t
f ü r d e n Aufbau d e s F r i e d e n s a n . Wir b e t r a c h t e n w i r t s c h a f t l i c h e
a l s e i n e s t a r k e K r a f t d e s F r i e d e n s . Wir s t r e b e n e i n e v e r s t ä r k t e

Interdependenz
wirtschaftliche

Z u s a m m e n a r b e i t a n , um d i e m i l i t ä r i s c h e K o n k u r r e n z a b z u b a u e n . Nach u n s e r e r Auff a s s u n g w i r d d i e Hebung d e s L e b e n s s t a n d a r d s e i n e w i r t s c h a f t l i c h e
Spiel bringen,

Gleichung i n s

d i e m i t d e r n o t w e n d i g w e r d e n d e n Hinwendung z u H a n d e l u n d E n t w i c k -

l u n g z w a n g s l ä u f i g d i e Hinwendung z u Waffen a b b a u e n w i r d . W i r b e t r a c h t e n d e n
Handel und a l l d i e anderen Fäden w i r t s c h a f t l i c h e r

Beziehungen a l s Fäden, m i t

d e n e n e i n Gewebe d e s F r i e d e n s gewoben w e r d e n k a n n .
Was

-

1 -

�Was die Erfahrung im Handel mit den staatlich kontrollierten Volkswirtschaften Osteuropas und der Sowjetunion angeht, so ist uns Westeuropa weit
voraus. Die Europäische Gemeinschaft treibt etwa fünfmal so viel Handel mit
den staatlich kontrollierten Wirtschaften wie wir.

Eines der Hauptziele unserer Handelspolitik ist es, uns im Handel mit
den staatlich kontrollierten Wirtschaften eine gleiche Wettbewerbsposition
zu verschaffen, wie sie Westeuropa und Japan haben. Eines der Hauptziele
unserer Wirtschaftspolitik besteht darin, unter angemessener Berücksichtigung
unserer Sicherheitsinteressen so weit wie möglich zu gehen, um den Nachteil
zu beseitigen, den amerikanische Geschäftsleute haben, wenn sie nach der
Sowjetunion, nach Westeuropa oder nach Festlandchina verkaufen wollen.

Was die Chinesen anbetrifft, so vertreten sie die Auffassung, daß es
niemandem erlaubt werden soll, ihre Hilfsquellen zu entwickeln oder auszubeuten. Sie sind jedoch bereit, ihre Rohstoffe zu verkaufen. Sie sind heute
noch nicht bereit, Schulden einzugehen. Dies legt ihrer Kapazität, unsere
Waren zu kaufen, enge Grenzen auf, und es begrenzt ihre Fähigkeit, Entwicklungsprojekte in Angriff zu nehmen, wie sie die Sowjets durchzuführen bereit
zu sein scheinen, wenn man ihre Gespräche mit japanischen und amerikanischen
Interessenten an Erdgas und dem Düngemittelgeschäft verfolgt.

Die Sowjets sind hier großzügiger. Parteichef Breschnew hat kürzlich
erklärt, daß es für die wirtschaftliche Zusammenarbeit praktisch unbegrenzte
Möglichkeiten gebe. Diese Möglichkeiten werden jedoch offensichtlich außerhalb der überkommenen Formen des Handels liegen. Amerikanische Firmen mit notweniger Technologie, Ausrüstung und Märkten haben die Gelegenheit, an riesigen
Erz-, Öl- und Erdgasvorkommen und in riesigen Forsten zu arbeiten. Die Sowjets
suchen diese Art der wirtschaftlichen und kommerziellen Zusammenarbeit offensichtlich unter langfristigen Vereinbarungen über 10 bis 30 Jahre. Wenn amerikanische Firmen in dieser Klasse spielen wollen, dann werden sie sich zu großen
Entwicklungsprojekten zusammentun oder lernen müssen, ihre Waren gegen
sowjetische Waren einzutauschen, und Mittel und Wege finden müssen, um diese
Waren auf den Weltmärkten zu Geld zu machen.
Die
- 2-

�Die amerikanische Regierung s u c h t nach großen p o l i t i s c h e n

Richtlinien,

d i e Entwicklung des Ost-West-Geschäftes zu fördern und zu e r l e i c h t e r n .

Die

p o l i t i s c h e n und w i r t s c h a f t l i c h e n Beziehungen s i n d u n l ö s b a r m i t e i n a n d e r v e r f l o c h t e n . In E r k e n n t n i s d i e s e r Grundtatsache h a t P r ä s i d e n t Nixon schon zu Beginn s e i n e r Amtszeit a l l e s daran g e s e t z t , um i n den p o l i t i s c h e n Angelegenh e i t e n e i n b e t r ä c h t l i c h e s Maß an S t a b i l i t ä t zu g a r a n t i e r e n . Die Richtschnur
für d i e Normalisierung der W i r t s c h a f t s b e z i e h u n g e n zu den kommunistischen
Ländern i s t von Anfang an gewesen, daß w i r t s c h a f t l i c h e N o r m a l i s i e r u n g mit
dem F o r t s c h r i t t i n der Verbesserung der p o l i t i s c h e n Beziehungen

verknüpft

i s t . Das Tempo des F o r t s c h r i t t s im w i r t s c h a f t l i c h e n Bereich i s t daher von
dem Tempo des F o r t s c h r i t t s im p o l i t i s c h e n Bereich r e g u l i e r t worden.
Ich kann d i e Bedeutung d i e s e s Grundsatzes n i c h t genug u n t e r s t r e i c h e n .
Er b e s a g t , daß d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n im I n t e r e s s e des Aufbaus e i n e r dauerh a f t e n Interdependenz der I n t e r e s s e n auf dem ganzen Spektrum u n s e r e r Beziehungen
i n i t i a t i v werden und auf I n i t i a t i v e n r e a g i e r e n werden. Wir werden das Tempo
auf einem G e b i e t , etwa dem der Handelsbeziehungen, n i c h t f o r c i e r e n aus der
bloßen Hoffnung h e r a u s , daß d i e s e n t s p r e c h e n d e F o r t s c h r i t t e auf p o l i t i s c h e m ,
k u l t u r e l l e m oder m i l i t ä r i s c h e m Gebiet b r i n g e n k ö n n t e . Wir geben uns mit dem
weniger d r a m a t i s c h e n , aber s i c h e r e n s c h r i t t w e i s e n Aufbau e i n e r ausgewogenen
S t r u k t u r d e r Beziehungen

zufrieden.

Ein Z i e l u n s e r e r P o l i t i k b e s t e h t d a r i n , d i e kommunistischen Nationen
zu e i n e r Änderung i h r e r Weltanschauung zu bewegen, daß s i c h w i d e r s t r e b e n d e
Kräfte hoffnungslos i n einen Überlebenskampf v e r s t r i c k t s e i e n , zu d e r Auffassung h i n , daß w e t t e i f e r n d e K r ä f t e b e i einem I n t e r e s s e n k o n f l i k t Kompromisse
eingehen und b e i e i n e r I n t e r e s s e n g e m e i n s c h a f t zusammenarbeiten. Die e i n d r u c k s v o l l e Zahl d e r Abkommen auf und s e i t den G i p f e l t r e f f e n

i n Peking und Moskau

und d i e A u s s i c h t auf w e i t e r e Abkommen l a s s e n erkennen, daß d e r Trend zur Verhandlung s t a t t der Konfrontation zu einem f e s t e n Muster werden kann.
Normalisierung der w i r t s c h a f t l i c h e n Beziehungen - e i n e so w i c h t i g e
Konzeption der amerikanischen P o l i t i k auf dem Gebiet des Ost-West-Handels h e i ß t Abbau der Schranken für den w i r t s c h a f t l i c h e n Austausch, d i e i n der Z e i t
-

3 -

�»

Z e i t nach dem zweiten Weltkrieg und während des Korea-Krieges

errichtet

wurden. Nach d i e s e n Normen gemessen haben w i r unsere Beziehungen zu Jugoslawien
und e r s t k ü r z l i c h auch zu Polen im w e s e n t l i c h e n n o r m a l i s i e r t . Wir haben s e i t
e i n i g e n J a h r e n i n d i e s e r H i n s i c h t große F o r t s c h r i t t e mit Rumänien gemacht und i n diesem und im vorigen J a h r auch mit der Sowjetunion. Der F o r t s c h r i t t
zur Normalisierung mit anderen Ländern - Ungarn, Tschechoslowakei, B u l g a r i e n ,
A l b a n i e n , O s t d e u t s c h l a n d und Mongolei - l i e g t , wie wir h o f f e n , i n n i c h t
ferner

allzu-

Zukunft.

Es g i b t e i n Wetlwirtschaftssystem,dem s i c h a l l e Nationen anpassen müssen,
wenn s i e f l o r i e r e n w o l l e n . In dem Maße, i n dem s i c h unsere

Wirtschaftsbe-

ziehungen zu den kommunistischen S t a a t e n n o r m a l i s i e r e n , wird es e i n immer
w i c h t i g e r e s Z i e l der amerikanischen P o l i t i k werden, d i e Entwicklung s t a b i l e r ,
V e r b r a u c h e r - o r i e n t i e r t e r G e s e l l s c h a f t e n zu f ö r d e r n , d i e immer s t ä r k e r i n das
i n t e r n a t i o n a l e Handels- und Zahlungssystem i n t e g r i e r t s i n d .
Das i n t e r n a t i o n a l e System s e l b s t i s t einem grundlegenden Wandel u n t e r zogen. Nur bestimmte kommunistische S t a a t e n haben durch M i t g l i e d s c h a f t

in

den tragenden I n s t i t u t i o n e n des i n t e r n a t i o n a l e n Systems - GATT, IWF und Weltbank - e i n e a k t i v e B e t e i l i g u n g an diesem Prozeß g e s u c h t , und es b e s t e h t auch
k e i n Grund zu der Annahme, daß s i c h d i e s e S i t u a t i o n i n naher Zukunft ändern
wird.
T r o t z der p a s s i v e n R o l l e , d i e d i e kommunistischen Länder beim Aufbau der
neuen W i r t s c h a f t s o r d n u n g s p i e l e n werden, i s t es w i c h t i g , daß wir d i e Auswirkungen im Auge b e h a l t e n , d i e neue i n s t i t u t i o n e l l e V e r h ä l t n i s s e auf den O s t West-Handel haben werden. Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n werden v e r s u c h e n , den m u l t i l a t e r a l e n W i r t s c h a f t s d i a l o g mit kommunistischen Ländern i n bestehenden Foren,
wie der ECE, und i n neuen Foren, wie der Europäischen S i c h e r h e i t s k o n f e r e n z ,

aus-

zuweiten.

Das

Kriterium unserer internationalen Wirtschaftspolitik

i s t das F r e i -

handelsmodell gewesen. Wir werden das g l e i c h e K r i t e r i u m i n zunehmendem Maße
für u n s e r e W i r t s c h a f t s p o l i t i k gegenüber den kommunistischen Ländern anwenden,
-

4 -

�anwenden, wie wir das gegenüber der ü b r i g e n Welt getan haben. Wenn w i r uns
kommunistischen H a n d e l s p a r t n e r n gegenüber nach dem Grundsatz der N i c h t d i s k r i minierung v e r h a l t e n , dann erwarten wir n a t ü r l i c h , daß s i e s i c h uns gegenüber
ebenso v e r h a l t e n .
Im Ost-West-Handel g i b t es s t r u k t u r e l l e Probleme, d i e im Handel u n t e r
M a r k t w i r t s c h a f t e n n i c h t vorhanden s i n d . Bei der Überbrückung d i e s e r Probleme
e r g i b t s i c h e i n e Rolle für d i e amerikanische Regierung. Wenn P r i v a t u n t e r nehmen mit Staatsmonopolunternehmen Handel t r e i b e n , dann ergeben s i c h für d i e
e r s t e r e n o f f e n s i c h t l i c h e Probleme, und d i e amerikanische Regierung wird etwas
t u n , um u n f a i r e V o r t e i l e abzubauen.
So wird d i e amerikanische Regierung b e i s p i e l s w e i s e i n wachsendem Maße
i h r e E i n s i c h t e n i n das K r e d i t g e b a r e n

kommunistischer S t a a t e n an P r i v a t f i r m e n

w e i t e r g e b e n . Bei e i n e r b a l d i g e n Normalisierung der Handelsbedingungen könnten
d i e amerikanischen Exporte nach den i n Frage kommenden Ländern i n fünf J a h r e n
an d i e zwei M i l l i a r d e n Dollar-Grenze herankommen. Dabei d ü r f t e gegenüber
d i e s e n Gebieten auch unser Exportüberschuß

anhalten.

Unsere B o t s c h a f t e r s i n d angewiesen, d i e Förderung des Handels an d i e
S p i t z e i h r e r P r i o r i t ä t e n zu s e t z e n . In Kürze wird s i c h d i e Zahl der B e d i e n s t e t e n des Außenministeriums, d i e auf w i r t s c h a f t l i c h e m Gebiet i n der UdSSR, O s t europa und China t ä t i g s i n d , v e r d o p p e l t haben. Das Handelsministerium i n
Washington h a t den mit der Förderung des Ost-West-Handels b e t r a u t e n Stab im
l e t z t e n J a h r v e r v i e l f a c h t , und das S t a t e Department s e l b s t nimmt i n Washington
e i n e R e o r g a n i s a t i o n v i r , um mit dem wachsenden A r b e i t s a n f a l l in Form von Verhandlungen und Unternehmensberatung f e r t i g zu werden.

Ein w i c h t i g e s Gebiet der H a n d e l s p o l i t i k g i b t es a l l e r d i n g s , über das zu
verhandeln w i r gegenwärtig n i c h t b e r e i t s i n d : unsere P o l i t i k der s t r a t e g i s c h e n
H a n d e l s k o n t r o l l e n . Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n h a l t e n s i c h an d i e Embargo-Liste,
d i e von dem I n t e r n a t i o n a l e n Koordinationsausschuß

(COCOM, wie e r gewöhnlich

genannt wird) g e f ü h r t und i n Abständen r e v i d i e r t w i r d . Dem Ausschuß gehören
d i e NATO-Länder und Japan an. Dieses s t r a t e g i s c h e K o n t r o l l s y s t e m i s t e i n wich-

5 -

�w i c h t i g e r B e s t a n d t e i l u n s e r e r P o l i t i k der gemeinsamen V e r t e i d i g u n g .
Der gesunde Menschenverstand g e b i e t e t , daß w i r an d i e s e n Vereinbarungen
festhalten,

daß wir jedoch auch f l e x i b e l genug s i n d , s i e an s i c h verändernde

Bedingungen anzupassen. Wir a r b e i t e n i n j ä h r l i c h e n Überprüfungen mit anderen
Nationen zusammen, und d i e s e Überprüfungen haben k ü r z l i c h zu e i n e r s t a r k e n
Kürzung der COCOM-Liste g e f ü h r t .

Darüber h i n a u s i s t d i e e i n s e i t i g e

amerika-

n i s c h e E x p o r t k o n t r o l l - L i s t e w e s e n t l i c h v e r k l e i n e r t worden, um s i e i n s t ä r k e r e
Übereinstimmung mit der COCOM-Liste zu b r i n g e n .
Ein S c h l ü s s e l zur w e i t e r e n Ausweitung des Ost-West-Handels i s t auf jeden
F a l l d i e F i n a n z p o l i t i k . Die kommunistischen Länder werden im nächsten J a h r zehnt N e t t o - I m p o r t e u r e von F i n a n z m i t t e l n s e i n . Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n werden
a l s v o r a u s s i c h t l i c h führender H a n d e l s p a r t n e r und die g r ö ß t e Finanzmacht der
Welt e i n e w i c h t i g e Rolle b e i der F i n a n z i e r u n g des Ost-West-Handels

spielen.

So können d i e Zinsen und Kreditbedingungen der amerikanischen E x p o r t - I m p o r t Bank durchaus mit den Bedingungen der E x p o r t - K r e d i t i n s t i t u t e a n d e r e r w e s t l i c h e r
I n d u s t r i e l ä n d e r k o n k u r r i e r e n . Wir gehen davon a u s , daß E x p o r t - K r e d i t i n s t i t u t i o n e n der amerikanischen Regierung und der P r i v a t w i r t s c h a f t nach normalen
Geschäftsbedingungen a r b e i t e n . Bei K r e d i t e n t s c h e i d u n g e n müssen w i r t s c h a f t l i c h e
K r i t e r i e n an e r s t e r S t e l l e s t e h e n .

Zusammenfassend möchte i c h s a g e n , daß d i e amerikanische P o l i t i k

einfach

d a r i n b e s t e h t , den Handel mit kommunistischen Ländern i n e i n e r großzügigen und
umfassenden Art und Weise zu e r l e i c h t e r n und zu f ö r d e r n , d i e der F e s t i g u n g
des F r i e d e n s d i e n t .

- 6 -

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18/1973

US-HANDELSDEFIZIT AUF NIEDRIGSTEM STAND SEIT 18 MONATEN
- Handelsminister warnt vor voreiligen Schlüssen

WASHINGTON -

(AD) - Das W a r e n h a n d e l s d e f i z i t

-

der Vereinigten Staaten h a t

im März d i e s e s J a h r e s m i t 5 3 M i l l i o n e n D o l l a r s e i n e n n i e d r i g s t e n S t a n d
18 Monaten e r r e i c h t .

seit

So s e h r d i e s e E n t w i c k l u n g i n d e n USA b e g r ü ß t w i r d , s o

s e h r h a t doch d e r a m e r i k a n i s c h e H a n d e l s m i n i s t e r F r e d e r i c k B. Dent i n e i n e r E r k l ä r u n g davor gewarnt, d i e s b e r e i t s a l s e i n e g e n e r e l l e , g a r schon auf d i e Abw e r t u n g d e s D o l l a r z u r ü c k z u f ü h r e n d e T e n d e n z a n z u s e h e n . Nach d e n Ende A p r i l
von s e i n e m M i n i s t e r i u m v e r ö f f e n t l i c h t e n

Zahlen i s t das H a n d e l s d e f i z i t

dramatisch

von 476 M i l l i o n e n D o l l a r im F e b r u a r a u f d i e g e n a n n t e n 5 3 M i l l i o n e n D o l l a r z u rückgegangen,

u n d auch d a s D e f i z i t

für das e r s t e Quartal

M i l l i o n e n D o l l a r n u r etwa d i e H ä l f t e
des

1973 b e t r ä g t m i t 8 3 3

des d u r c h s c h n i t t l i c h e n

Quartalsdefizits

Vorjahres.

Das a m e r i k a n i s c h e H a n d e l s m i n i s t e r i u m f ü h r t

diese günstige

Entwicklung

i n e r s t e r L i n i e a u f d i e h o h e n F l u g z e u g e x p o r t e im März s o w i e a u f d i e v e r s t ä r k t e n
A g r a r e x p o r t e zu h ö h e r e n P r e i s e n z u r ü c k .

Gerade das F l u g z e u g g e s c h ä f t

doch n i c h t a l s I n d i k a t o r f ü r e i n e n T r e n d a n g e s e h e n w e r d e n , d a s o l c h e

kann j e Geschäfts-

a b s c h l ü s s e von Monat z u Monat v ö l l i g v e r s c h i e d e n s e i n k ö n n e n . E i n w e s e n t l i c h e r
T e i l d e r Mehreinnahmen l ä ß t s i c h auch m i t dem s t a r k e n A n s t i e g d e r A g r a r p r e i s e
a u f Grund e r h ö h t e r N a c h f r a g e

und b e g r e n z t e m A n g e b o t

erklären.

Die E x p o r t e d e r USA s i n d im März d i e s e s J a h r e s um 315 M i l l i o n e n D o l l a r g e stiegen,

u n d d i e I m p o r t e s i n d um 109 M i l l i o n e n D o l l a r z u r ü c k g e g a n g e n . D e r

- 1-

�Der amerikanische Handelsminister bezeichnet das als eine "willkommene Entwicklung". "Es bleibt jedoch abzuwarten," so fügt er hinzu, "ob dieser Trend
in den kommenden Monaten anhalten wird." Die Entwicklung im März dürfte nicht
unbedingt dahingehend interpretiert werden, daß bereits eine anhaltende Verbesserung der amerikanischen Handelsposition im Gange sei.
Natürlich läßt man im amerikanischen Handelsministerium auch einen anderen
Faktor nicht ganz aus den Augen: Die zunehmende Wirtschaftstätigkeit in fast
der ganzen Welt, die zu einer verstärkten Nachfrage für amerikanische Industrieausrüstungen geführt hat.

Insgesamt sieht man in amtlichen Kreisen in Washington die Dinge keineswegs pessimistisch. Im ersten Quartal 1973 stiegen die amerikanischen Importe
um neun Prozent (hauptsächlich in Form von Automobilen aus Kanada, während die
Übersee-Importe praktisch unverändert blieben) und die Exporte um 15 Prozent.
Die Erträge der amerikanischen Auslandsinvestitionen - rund 7 Milliarden Dollar
im Jahr - gleichen in etwa die amerikanischen Regierungsausgaben im Ausland
aus. Neue Auslandsinvestitionen, Touristenausgaben usw. müssen also durch einen
Handelsüberschuß ausgeglichen werden. Dieser Handelsüberschuß muß entweder
durch eine Steigerung der Exporte oder durch eine Senkung der Importe erreicht
werden, wobei das letztere - gar noch mit Hilfe von Einfuhrkontrollen - in
Washington auf wenig Gegenliebe stößt.
Der Außenhandelsberater des Präsidenten, Peter Flanigan, hat darauf hingewiesen, daß von 1970 bis 1972 die Importe um 40 Prozent und die Exporte um
15 Prozent gestiegen sind. "Es gibt überhaupt keinen Grund, warum die Entwicklung nicht auch umgekehrt verlaufen kann", so betont Flanigan.

In amtlichen Kreisen in Washington wird man die Zahlen für das zweite
Quartal 1973 und die weitere Entwicklung auf jeden Fall mit großer Spannung
und Aufmerksamkeit erwarten,um zu sehen, ob sich die ermutigende Entwicklung
in der amerikanischen Handelsposition fortsetzen wird.

+ + + + +
- 2-

�</text>
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Dokumentation

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24. Mai 1973

Inhalt

DOKUMENTATION:

Europa und das Atlantische Bündnis
-Auszug aus dem außenpolitischen Bericht Präsident Nixons-

HINTERGRUNDMATERIAL:
USA begrüßen Einigung über Beteiligung und Verfahren für MBFRVerhandlungen

WIRTSCHAFT:

Eberle unterstreicht Bedeutung der Gegenseitigkeit für die kommenden Handelsverhandlungen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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19/1973

EUROPA UND DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS

Auszug aus dem außenpolitischen Bericht Präsident Nixons -

Präsident Nixon hat am 3. Mai dem amerikanischen Kongreß und der Öffentlichkeit
seinen vierten Jahresbericht unter dem
Titel "DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK
FÜR DIE SIEBZIGER JAHRE" unterbreitet,
der den Untertitel "DIE GESTALTUNG
EINES DAUERHAFTEN FRIEDENS" trägt.
Aus diesem insgesamt 232 Seiten starken
Bericht geben wir das Kapitel "EUROPA
UND DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS" im Wortlaut wieder.

Die Vereinigten Staaten haben immer wieder ihre Verpflichtung gegenüber der erfolgreichen transatlantischen Einheit mit unseren ältesten
und engsten Verbündeten erneuert. Ich habe diese Botschaft unmittelbar
nach meinem Amtsantritt im Jahre 1969 nach Europa gebracht. Sie ist ein
zentrales Element dieses Berichtes an den Kongreß, denn kein Aspekt der
amerikanischen Außenpolitik erfordert größere Aufmerksamkeit und Sorgfalt als unsere Beziehungen zu Westeuropa.

-1-

�Ich habe 1973 als das Jahr Europas bezeichnet, nicht weil wir Europa
in der Vergangenheit als weniger wichtig betrachtet hätten oder weil wir
glaubten, die Probleme der Atlantischen Gemeinschaft in einem einzigen Jahr
bewältigen zu können. Dies wird ein Jahr Europas sein, weil Änderungen des
internationalen Klimas, vor allem in Europa, neue Probleme aufwerfen und
neue Möglichkeiten aufzeigen.
Das Bündnis zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa war ein
grundlegender Faktor der Nachkriegszeit. Es bot den erforderlichen Sicherheitsrahmen für das amerikanische Engagement in Europa und für die westliche Verteidigung. Es schuf das politische Vertrauen, das den Ländern Europas
die Wiedererholung von den Zerstörungen des Krieges ermöglichte. Es trug
zur Aussöhnung früherer Gegner bei, eine Voraussetzung für den Zusammenschluß Europas. Und es war das wichtigste Werkzeug, um die gemeinsame Politik ::u entwickeln, die in einer Zeit der Spannungen und der Konfrontationen
die Quelle der Stärke des Westens war.
Als das Bündnis geschaffen wurde, waren die Beziehungen zwischen den
Mächten, die wirtschaftlichen Faktoren und die politischen Gegebenheiten
völlig anders als heute: Die traditionellen Machtzentren in Europa wie auch
in Asien waren stark geschwächt und die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion waren mit ihrer wesentlich größeren Stärke und ihrem gestiegenen Einden
fluß zu den führen/Mächten gegnerischer Koalitionen in Europa geworden.
Westeuropa erwartete von Amerika Schutz und Führerschaft. Das Bündnis verließ sich auf die amerikanischen Vorschriften und gewöhnte sich daran,
die amerikanischen Lösungen für die wichtigen militärischen, politischen
und wirtschaftlichen Probleme gutzuheißen.
Als diese Administration ihr Amt antrat, hatte eine Zeit des Übergangs begonnen; neue, die Beziehungen Amerikas zu Europa berührende Entwicklungen, wurden bereits offenbar:
- Der

-2-

�- Der wirtschaftliche und politische Wiederaufstieg fiel mit immer
tieferen Spaltungen in der kommunistischen Welt zusammen. Die internationalen Beziehungen wurden nicht länger von der bipolaren Konfrontation der Nachkriegszeit beherrscht . Neben den Beziehungen des Bündnisses in Europa bestanden die immer mehr in Bewegung geratenen internationalen Beziehungen. Auf beiden Seiten des Atlantik mußte man
sich darüber im klaren sein,

daß ein neues Gleichgewicht der Kräfte

in der Welt unsere Einigkeit auf die Probe stellen würde.
- In Europa nahm die Gefahr eines Krieges in dem Maße ab, wie das militärische Vakuum durch die Stärke der atlantischen Koalition aufgefüllt wurde. Aber das veränderte strategische Klima schuf völlig neue
Abschreckungs-und Verteidigungsprobleme.
- Die von den sechs ursprünglichen Mitgliedern des Gemeinsamen Marktes
geschaffene europäische Einheit machte Europa zu einer gewaltigen
Wirtschaftsmacht. Die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft, die
Großbritannien, Dänemark, Irland und noch andere europäische Länder umfassen soll, verlieh der wirtschaftlichen Integration eine neue politische Dimension.
Angesichts dieser Gegebenheiten mußten sich die Beziehungen Amerikas
zu dem neuen Europa ändern. In den drei grundlegenden Aspekten - wirtschaftlich, militärisch und politisch - mußten die transatlantischen Beziehungen
auf andere Prinzipien gegründet werden, die zu anderen Aktionsformen führten:
- Auf wirtschaftlichem Gebiet betonten die Mitglieder der Europäischen
Gemeinschaft einzeln und gemeinsam die regionale Autonomie, während
die Vereinigten Staaten weiterhin der Integrität eines offenen internationalen Systems verschrieben bleiben.
- Auf

-3-

�- Auf militärischem Gebiet bildete die Einheit den überragenden Faktor:
Die NATO-Verbündeten gingen nach dem Prinzip der integrierten Streitkräfte und der gemeinsamen strategischen Planung vor. Aber die
Streitkräfte, die zu dem Zeitpunkt designiert worden waren, als die
Vereinigten Staaten noch einen unbestrittenen strategischen Vorteil
besaßen, waren noch nicht der Realität eines fast ausgeglichenen
strategischen Gleichgewichts mit der Sowjetunion angepaßt worden.
- Auf politischem Gebiet verfolgten die westlichen Verbündeten gemeinsam
abstrakte Bntspannungsziele, aber wir hatten noch keine neuen Prinzipien entwickelt, um die nationalen Zielsetzungen mit den Forderungen nach einer einheitlichen Politik des Westens in Einklang zu
bringen.
Heute stehen Amerika und Europa vor der Aufgabe, eine besser durchdachte und lebensfähige Partnerschaft zu entwickeln, in der wir zusammenarbeiten:
- um ein neues und gerechteres internationales Wirtschaftssystem zu entwickeln, das den Europäern eine Festigung ihrer Einheit ermöglicht,
aber auch faire Bedingungen für die Vereinigten Staaten enthält, um
auf den Weltmärkten konkurrieren zu können;
- um eine starke Verteidigung mit den Streitkräften aufzubauen, die
notwendig sind, um

angesichts des nuklearen Gleichgewichts der sieb-

ziger Jahre eine realistische Strategie verfolgen zu können, während
wir gleichzeitig unsere gemeinsamen Verteidigungsverpflichtungen mit
einer gerechten Aufteilung der Lasten erfüllen;
- um für die Diplomatie einen gemeinsamen Rahmen zu schaffen, in dem sie
die grundlegenden Sicherheitsfragen - wie beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen - angesichts des neuen internationalen
Klimas in Angriff nehmen kann und die Erfordernisse der Einheit mit
denen der nationalen Interessen vereinbart.
In

-4-

�In den letzten vier Jahren haben wir Fortschritte in Richtung auf
diese Ziele gemacht. Die Fortschritte waren auf den Gebieten der Diplomatie
und der Verteidigung ausgeprägter, weil hier Konsultationen schon seit langem zur Gewohnheit geworden und die gemeinsamen Interessen leichter zu definieren waren. Grundlegende Probleme bestehen noch in den wirtschaftlichen
Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft. Die Europäer haben zwar begonnen,
eine gemeinsame Wirtschaftspolitik zu verfolgen, aber das Fehlen eines vergleichbaren Maßes an politischer Einheit erschwert die Lösung wirtschaftlicher Probleme mit den Vereinigten Staaten.

Atlantische Partnerschaft und europäische Einheit
Die Vereinigten Staaten haben in der Nachkriegszeit immer die Konzeption
eines vereinten Westeuropas unterstützt. Wir waren uns darüber im klaren, daß
mit einem solchen Europa schwerer umzugehen wäre, aber wir erwarteten vielfältige Vorteile. An die Stelle der verheerenden Rivalitäten der Vergangenheit würde Einigkeit treten. Der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas würde
gestärkt, und die potentiellen Beiträge Europas für die freie Welt würden
höher. Wir glaubten, daß letztlich ein fest zusammenhängendes Westeuropa den
Vereinigten Staaten viele Lasten abnehmen würde. Wir nahmen an, daß die Einheit nicht auf die wirtschaftliche Integration begrenzt sein würde, sondern
daß auch eine wesentliche politische Dimension zu ihr gehören würde. Wir
sind - vielleicht zu unkritisch - davon ausgegangen, daß unsere grundlegenden Interessen durch unsere lange Geschichte der Zusammenarbeit, durch unsere
gemeinsamen Kulturen und unsere politischen Übereinstimmungen gewährleistet
wären.
Die wirtschaftliche Dimension: Der Fortschritt auf das Ziel hin, das
wir so lange unterstützt haben,schuf tatsächlich eine neue Dimension in den
europäisch-amerikanischen Beziehungen. Auf dem Prinzip des relativ freien
Handels entwickelte sich beiderseitige Prosperität. In dem Maße jedoch, in
dem die Europäische Gemeinschaft gedieh, entwickelte sie Politiken zum Schutz

-5-

�Schutz ihrer eigenen Sonderinteressen. Darüber hinaus veranlaßte das wachsende wirtschaftliche Gewicht der Gemeinschaft andere Staaten, ihren Zugang zu
dem aufstrebenden Markt von über 250 Millionen Menschen zu schützen. Die Entstehung eines relativ geschlossenen Handelssystems innerhalb Europas, vor
allem auf dem Agrarsektor, und die Präferenzabkommen mit Drittländern traten
zu einer Zeit auf, da die Vereinigten Staaten an einer zunehmend ungünstigen
Zahlungsbilanz litten.
Auf dem Gebiet der Währungspolitik war die Europäische Gemeinschaft weitgehend von der Suche nach einem vernünftigen Weg zur inneren Währungsunion
in Anspruch genommen. Gleichzeitig hat die wachsende Stärke einiger ihrer
Volkswirtschaften - und die relative Schwäche anderer - diesen Fortschritt erschwert und den Willen und die Fähigkeit Europas eingeschränkt, sich wirksam
und zügig mit der fundamentalen Reform des Weltwährungssystems zu befassen.
Die Europäer haben also einen wirtschaftlichen Regionalismus verfolgt,
aber sie wollen, daß der amerikanische Schutz in der Verteidigung und die unverminderte politische Verpflichtung Amerikas gewahrt bleibt. Dies wirft eine
fundamentale Frage auf: Kann das Prinzip der atlantisch en Einheit in der Verteidigung und Sicherheit mit der zunehmend regionalen Wirtschaftspolitik der
Europäischen Gemeinschaft in Einklang gebracht werden?
Wir sahen uns auch bei der Neudefinierung unserer Beziehungen zu dem anderen nordamerikanischen Mitglied des atlantischen Bündnisses - Kanada - vor
schweren Aufgaben. Unser Nachbar im Norden hat seine Position in der Welt
einer Neuorientierung unterzogen, wie auch wir einen neuen eigenen Standpunkt
bezogen haben. Eine freimütige Überprüfung unserer jeweiligen Interessen hat
einige neue Probleme in den Vordergrund treten lassen, vor allem in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Als ich im April 1972
Ottawa besuchte, bekräftigte ich mit Ministerpräsident Trudeau unsere gemeinsame Überzeugung, daß reife Partner eine autonome, unabhängige Politik verfolgen müßten, und sondierte mit ihm die Frage, wie wir unter Respektierung des

-6-

�des Rechtes Kanadas auf Wahrung seiner eigenen Identität und auf Festlegung
seines eigenen Wirtschaftskurses zusammenarbeiten könnten.
Eine umfassende Schau: Wir stehen also vor einer neuen Situation. Es
sind Elemente eines wirtschaftlichen Konfliktes vorhanden, und es hat an
der Richtungweisung gefehlt. Hier geht es um konkrete wirtschaftliche Fragen
und nicht um abstrakte Prinzipien. Aber wenn die wirtschaftlichen Fragen
völlig isoliert oder unter rein technischen Gesichtspunkten angepackt werden, dann wird jede Partei versuchen,ihre eigenen engen kommerziellen Interessen zu schützen. Das Ergebnis wird ein toter Punkt sein - mit der Aussicht
eines ständigen Konfliktes.
Die überragende Aufgabe ist die Entwicklung eines breiteren politischen
Blickwinkels für die Behandlung dieser wirtschaftlichen Fragen - einer Perspektive, die eine Angleichung der Differenzen um der größeren Ziele willen
fördert. Jeder Partner wird ein gewisses Maß an individueller oder regionaler Autonomie der Verfolgung gemeinsamer Ziele unterordnen müssen. Nur wenn
wir Interessen verfolgen, die über regionale Wirtschaftserwägungen hinausgehen, können unvermeidliche tote Punkte überwunden werden.
Wir haben damit begonnen, in einen umfassenden europäisch-amerikanischen Dialog einzutreten. Ein wichtiger erster Schritt war die europäische
Entscheidung über Art und Umfang der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten.
Im Oktober vorigen Jahres trafen sich die Führer der Europäischen Gemeinschaft, um ihren langfristigen Kurs abzustecken. Die Grundrichtung umriß
Staatspräsident Pompidou mit den Worten:
"Unsere Verbindungen mit diesem großen Land, der ersten Wirtschaftsmacht, mit der acht unserer Staaten im Rahmen des atlantischen Bündnisses vereint sind, sind so eng, daß die Vorstellung eines Europas,
das in Opposition zu ihm stünde, absurd wäre. Aber gerade diese engen
Verbindungen erfordern, daß Europa seine eigene individuelle Persönlichkeit gegenüber den Vereinigten Staaten bekräftigt. Westeuropa, das
dank des entscheidenden Beitrages der amerikanischen Soldaten von

-7-

�von Armeen befreit wurde, das mit amerikanischer Hilfe wiederaufgebaut wurde, für dessen Sicherheit im Bündnis mit Amerika gesorgt wird
und das bisher die amerikanische Währung als Hauptelement seiner Währungsreserven akzeptiert hat, darf und kann nicht seine Verbindungen
mit den Vereinigten Staaten abbrechen. Aber genau so darf es auch nicht
darauf verzichten, seine Existenz als eine neue Realität zu bekräftigen."
Dies war eine Aufforderung, mit dem komplexen Prozeß der Neudefinition
unserer grundlegenden Partnerschaft zu beginnen - ein Ziel, das wir 1969
gesetzt hatten. Dementsprechend unterstützte ich am 27. Oktober mit allem
Nachdruck die Erklärung der Europäischen Gemeinschaft:
"Es ist - und war immer - meine feste Überzeugung, daß Fortschritte
in Richtung auf ein vereintes Europa den Frieden in der Welt, Sicherheit und Prosperität fördern.
Es

ist ebenfalls von größter Wichtigkeit, daß die Vereinigten Staaten

und Europa eng zusammenarbeiten. Aus diesem Grunde begrüße ich besonders die erklärte Absicht der Gemeinschaft, mit uns in einem konstruktiven, aufgeschlossenen Dialog zu bleiben.... Ich möchte erneut unsere
Verpflichtung bekräftigen, mit den Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft in einer Reform des Weltwirtschaftssystems zusammenzuarbeiten,
und zwar in einer Weise, durch die eine Freiheit des Welthandels, eine
neue Fairness im internationalen wirtschaftlichen Verhalten sowie wirksame Lösungen der Probleme der Entwicklungswelt erreicht werden.
Dies sind die Ziele, die die Vereinigten Staaten bei den bevorstehenden
Verhandlungen über eine Währungs-und Handelsreform leiten werden. Wir
werden bereit sein, mit unseren europäischen Partnern kühne Maßnahmen
für eine gerechtere und offenere Weltwirtschaft zu ergreifen."
Die Basis für umfassende Verhandlungen mit unseren europäischen Partnern ist jetzt gelegt. Praktisch begannen diese Verhandlungen bereits mit
meinen Zusammenkünften mit Premierminister Heath. NATO-Generalsekretär Luns,

-8-

�Luns, Ministerpräsident Andreotti und Bundeskanzler Brandt. Sie werden fortgesetzt werden, wenn ich mit Staatspräsident Pompidou zusammentreffe und
wenn ich später in diesem Jahr Europa besuchen werde.
Die Fragen, denen wir uns gegenübersehen, sind nicht abstrakt. Es geht
nicht um die europäische Einheit. Es geht auch nicht um die Bedingungen gemeinsamer Innen-und Außenpolitik, die diese Einheit stärken. Uns geht es
vielmehr darum, konkrete Probleme zu prüfen, die sich auf die spezifischen
Interessen der Vereinigten Staaten auswirken, und Übereinstimmung über einen
umfassenden Weg zur Lösung dieser Fragen zu erzielen.
Im Herbst dieses Jahres werden wichtige Verhandlungen über den internationalen Handel beginnen. Unser Grundziel ist es, die Integrität eines
offeneren Handelssystems wiederherzustellen, das das tragende Prinzip des
Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) war, sowie dem Abtreiben in
einen wirtschaftlichen Protektionismus auf beiden Seiten des Atlantik Einhalt zu gebieten. Wir sind der Ansicht, daß Zölle und andere Handelsschranken sowohl bei industriellen als auch bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen
Schritt für Schritt abgebaut werden müssen. Wir sind ferner der Ansicht, daß
die nachteiligen Auswirkungen der Präferenzhandelsabkommen zwischen Europa
und den Entwicklungsländern beseitigt werden müssen. Solche Abmachungen dürfen nicht die Fähigkeit der Vereinigten Staaten oder anderer Länder beeinträchtigen, auf den europäischen Märkten oder auf den Märkten solcher Länder, mit denen sie besondere Handelsvereinbarungen haben, zu konkurrieren.
Diese und zahlreiche umfassendere Probleme,die in dem Kapitel Internationale Wirtschaftspolitik dieses Berichtes erörtert werden, erfordern
tiefgreifende Reformen. Die Verhandlungen werden langwierig und schwierig
sein. Wenn wir jedoch an unsere wirtschaftlichen Meinungsverschiedenheiten
in dem gleichen Geiste der Partnerschaft herangehen können, wie er sich
auf dem Gebiet der Verteidigung entwickelt hat, dann können wir die atlantische Einheit stärken.
Die

-9-

�Die Verteidigung des Bündnisses
Im April 1969 bestand das nordatlantische Bündnis zwanzig Jahre. Zwei
Jahrzehnte lang waren die Nationen der Atlantischen Gemeinschaft in einer
mächtigen Koalition vereint gewesen. Kein militärisches Bündnis der modernen
Zeit hat so erfolgreich den Frieden gewahrt. In militärischen Fragen kam die
Einheit ganz natürlich zustande, da die Bedrohung Europas eindeutig war, die
Notwendigkeit, ihr zu begegnen, allgemein anerkannt wurde und die grundlegende Strategie der nuklearen Vergeltung glaubwürdig und wirksam war.
Mitte der sechziger Jahre wurde es jedoch immer deutlicher, daß sich
die militärischen Verhältnisse verändert hatten und daß frühere strategische
Vorstellungen nicht mehr realistisch waren. Auf der Konferenz der NATO-Aussenminister im April 1969 unterstrich ich die Notwendigkeit, die militärische Position des Bündnisses angesichts der strategischen und politischen
Verhältnisse der siebziger Jahre zu überprüfen. Bestimmte Faktoren waren
oberstes Anliegen:
- Der Westen hatte nicht mehr das nukleare Übergewicht, das er einst
besaß. Die Sowjetunion verstärkte ihre strategischen Streitkräfte ganz
beträchtlich; die Vereinigten Staaten hatten ihre Aufbauprogramme zugunsten qualitativer Verbesserungen eingestellt. Strategische Rüstungsgespräche mußten im Falle ihres Erfolges fast mit Sicherheit ein
praktisches Gleichgewicht kodifizieren.
- In Erwartung dieses neuen strategischen Gleichgewichtes hatten die
Verbündeten ganz richtig eine Doktrin der abgestuften Antwort
(flexible response) entwickelt, um Bedrohungen mit anderen Mitteln als
einer sofortigen und massiven nuklearen Vergeltung begegnen zu können.
- In einer Situation, in der nahezu eine strategische Parität besteht,
kommt der Fähigkeit, Westeuropa mit konventionellen Streitkräften verteidigen zu können, eine weitaus größere Bedeutung zu als in den
fünfziger Jahren, als der Westen sich auf Grund der nuklearen Garantie Amerikas vorübergehende Schwächen leisten konnte.
Unter
-10-

�Unter solchen Umständen stand das tatsächliche Verhalten des Bündnisses nicht mehr mit den Folgerungen,die sich aus dem strategischen Gleichgewicht ergeben, in Einklang:
- Trotz Einführung der neuen Doktrin blieben Zusammensetzung, Stärke
und Bewaffnung der NATO-Streitkräfte praktisch unverändert. Ja, nach
der Redislozierung der Amerikaner im Jahre 1968 sowie den vorangegangenen Truppenreduzierungen war die Stärke der NATO-Streitkräfte
zurückgegangen.
- Andererseits wurden die sowjetischen Streitkräfte in Osteuropa neu
ausgerüstet und modernisiert. Nach der Invasion der Tschechoslowakei
erhöhte sich die vorgeschobene Dislozierung sowjetischer Truppen um
mehrere Divisionen. Inzwischen hatten die Vereinigten Staaten einundeindrittel Divisionen abgezogen.
- Die Verteidigungsausgaben im NATO-Bereich nahmen gemessen an realer
Kaufkraft von 1964 bis 1969 ständig ab.
- Die Verteilung der Verteidigungskosten hatte sich verlagert. Die Personalausgaben machten einen immer größeren Teil der Aufwendungen aus,
während die Beschaffungskäufe zurückgingen.
- Es gab kein Übereinkommen zwischen den Verbündeten über eine gemeinsame Norm für die Bevorratung wichtiger Munitionsarten. Wenn einige
Länder den Kampf nur einige wenige Tage durchhalten konnten, dann
war es ganz offensichtlich unerheblich, daß andere über Bestände für
einen weit größeren Zeitraum verfügten.
- Es bestand Übereinstimmung hinsichtlich der Bedeutung der konventionellen Verteidigung, aber man zögerte, vor allem in Europa, dem
nichtnuklearen Potential Vorrang einzuräumen. Europa befürchtete, daß
dies eine Beeinträchtigung der Glaubwürdigkeit nuklearer Abschreckung
mit sich bringen würde.
Darüber

-11-

�Darüber hinaus war man in den Vereinigten Staaten über unsere hohen
Verpflichtungen gegenüber dem Bündnis an Truppenstärke und Ausgaben besorgt.
Ständig fragten Kritiker, warum die Vereinigten Staaten nicht ihre Streitkräfte in Europa reduzieren könnten. Weiter nahm die Meinung zu, daß unsere
Truppendislozierung in Europa eine bereits negative Zahlungsbilanz nur noch
weiter verschlechtern würde.
Dieses Klima der Jahre 1969/70 veranlaßte mich, auf einer umfassenden
Überprüfung nicht nur der amerikanischen Verpflichtungen, sondern auch der
Politik des Bündnisses zu bestehen. Es führte zu nichts, lediglich darüber
zu diskutieren, ob die Vereinigten Staaten ihre Truppen um diese oder jene
Zahl reduzieren sollten. Die eigentliche Frage war, ob diese Truppen ein
Instrument einer vereinbarten und vernünftigen Strategie bildeten, ob ihre
Präsenz einen wesentlichen Unterschied ausmachte, und ob die Last dieser
Verpflichtungen gerecht aufgeteilt war.
Während der Jahre 1969 und 1970 haben die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten eine eingehende Überprüfung ihrer Verteidigungspolitik vorgenommen. Die Hauptergebnisse, die im Dezember 1970 bekanntgegeben wurden,
waren bedeutsam:
- Alle stimmten darin überein, daß der Trend zu ständig zurückgehenden
Potentialen in sein Gegenteil verkehrt und ein miteinander abgestimmtes, langfristiges Programm zur Verbesserung der vorhandenen
konventionellen Streitkräfte angenommen werden müsse.
- Die europäischen Verbündeten erklärten sich zu einem besonderen
FünfJahresprogramm bereit, um ihre eigenen Streitkräfte durch höhere
Ausgaben für die Ausrüstung zu verbessern und zu modernisieren.
- Das Bündnis kam zu dem Schluß, daß eine Zusage beträchtlicher amerikanischer Truppenverbände für die Verteidigung Westeuropas unerläßlich sei.
-Wir

-12-

�- Wir wiederum bekräftigten unsere Zusage, unsere eigenen Truppen in
Europa zu belassen und ihre Kampfkraft zu steigern, vorausgesetzt,
daß von Seiten unserer Verbündeten ähnliche Anstrengungen unternommen
werden.
Streitkräfteverbesserung: Unsere europäischen Verbündeten haben ihre
Verteidigungsausgaben sowohl 1971 als auch 1972 erhöht. Selbst bei Berücksichtigung des Preisauftriebs betrug die Nettoerhöhung drei bis vier Prozent. Seit 1970 haben sie in jedem Jahr über das Programm zur Verbesserung
der Europäischen Verteidigung (EDIP) eine weitere Milliarde Dollar bereitgestellt. Die Erhöhung ihrer Verteidigungsetats betrug 1972 über eine
Milliarde Dollar und im Dezember vorigen Jahres haben die europäischen Verteidigungsminister bekanntgegeben, daß sich ihre zusätzlichen Beiträge 1973
auf insgesamt 1,5 Milliarden Dollar stellen werden. Seit 1970 haben die
europäischen Verbündeten ihre Ausgaben für Ausrüstungen um 1,4 Milliarden
Dollar erhöht. In den Jahren 1971 und 1972 beschafften sie 1100 Kampfpanzer,
700 Panzerabwehrwaffen und 400 moderne Kampfflugzeuge sowie auch andere
Ausrüstungen. Dies war eine eindrucksvolle Reaktion in einer Zeit steigender Kosten und wachsender Anforderungen für innenpolitische Programme.
Aufteilung der Verteidigungslasten: Die Verbesserung der europäischen
Streitkräfte ist der wichtigste Aspekt der Aufteilung der Verteidigungslasten. Da nahezu alle europäischen Verteidigungsausgaben in direktem Zusammenhang mit der NATO erfolgen, bedeuten die erhöhten europäischen Anstrengungen in der Praxis, daß der amerikanische Anteil zurückgegangen ist. Das
ist eine geeignete Lösung, da die Vereinigten Staaten Streitkräfte zur Erfüllung ihrer weltweiten Verpflichtungen unterhalten und daher einen weitaus höhe ren Anteil ihres Bruttosozialproduktes für die Verteidigung ansetzen als die Europäer.
Ein anderer Aspekt der Verteidigungslasten ist jedoch noch nicht zufriedenstellend gelöst worden. Unsere Situation ist insofern wohl einmalig, als
unsere Truppendislozierung in Europa wesentlich zu unserem allgemeinen

-13-

�Zahlungsbilanzdefizit beiträgt. Im Jahre 1972 gaben die Vereinigten Staaten
rund 2,1 Milliarden Dollar in anderen NATO-Ländern für unsere Truppendislozierung innerhalb der NATO aus. Unter Berücksichtigung der militärischen
Ausgaben der NATO in den Vereinigten Staaten, vor allem für Ausrüstung und
Ausbildung, stellte sich unser militärisches Nettodefizit auf rund 1,5 Milliarden Dollar. Dieses Nettodefizit ist seit 1970 gestiegen und wird aus
einer Vielzahl von Gründen, darunter auch die Dollarabwertung, weiterhin
steigen.
In den vergangenen Jahren hat die Bundesrepublik Deutschland einen
großen Teil dieses Defizits, vor allem durch Kauf militärischer Ausrüstung
in den Vereinigten Staaten, ausgeglichen. Im Rahmen des derzeitigen Abkommens für die Jahre 1972-1973 hat die deutsche Regierung ferner zu den Kosten
der Renovierung der Unterkünfte für die amerikanischen Streitkräfte in
Deutschland beigetragen.

Trotzdem sollte sich das Bündnis in seiner Gesamtheit mit diesem Problem
befassen. Wir sollten prinzipiell zu einer dauerhaften Lösung kommen, in deren Rahmen die Auswirkungen der Stationierung amerikanischer Truppen in Europa auf die Zahlungsbilanz nicht wesentlich anders sind, als wenn die gleichen Streitkräfte in den Vereinigten Staaten stationiert wären. Man darf
wohl annehmen, daß das Bündnis dieses Problem in diesem Jahr prüfen wird.
Wenn die sich periodisch immer wieder ergebende Notwendigkeit entfiele, ein
zeitlich befristetes Abkommen mit nur einem Verbündeten neu auszuhandeln,
dann würde dies die Solidarität des Bündnisses insgesamt stärken.
Die Rolle der amerikanischen Streitkräfte: Die von unseren Verbündeten
seit 1970 unternommenen Anstrengungen bildeten die Grundlage meiner Zusage,
unsere NATO-Verpflichtungen weiterhin einzuhalten. Auf der Tagung des NATORates im Dezember vorigen Jahres bekräftigte ich meinen Standpunkt:
"Angesichts des gegenwärtigen strategischen Gleichgewichts und der
entsprechenden Anstrengungen unserer Verbündeten werden wir nicht nur
unsere Streitkräfte in Europa belassen, sondern sie verbessern und sie

-14-

�sie nicht verringern, es sei denn unsere Gegner ergreifen entsprechende Maßnahmen."
Diese feierliche Zusage beruht auf der grundlegenden Auffassung, die
heute noch ebenso gültig ist wie jemals seit dem zweiten Weltkrieg, daß
nämlich die Sicherheit Westeuropas untrennbar von der unsrigen ist.
Die Situation in diesem Jahrzehnt macht es erforderlich, daß die Vereinigten Staaten beträchtliche Streitkräfte in Europa aufrechterhalten.
Angesichts einer annähernden strategischen Parität wird es immer wichtiger,
daß ein starkes Potential für die Verteidigung durch nichtnukleare Streitkräfte vorhanden ist;

die Vereinigten Staaten stellen etwa ein Viertel der

NATO-Streitkräfte in dem entscheidend wichtigen mitteleuropäischen Raum, wobei der prozentuale Anteil der Streitkräfte unserer Verbündeten im gesamten
europäischen NATO-Gebiet allerdings weitaus höher liegt.
Das Kräfteverhältnis der konventionellen Streitkräfte im Herzen Europas
würde durch den einseitigen Abzug einer beträchtlichen Zahl amerikanischer
Truppen stark verschoben werden. Wenn unsere Truppenreduzierungen nicht voll
durch europäische Streitkräfte ausgeglichen würden, dann würde die Abschrekkung geschwächt werden. Im Falle von Feindseligkeiten könnte eine schwächere konventionelle Verteidigung das Bündnis vor die Wahl stellen, entweder
zu kapitulieren oder sofort Nuklearwaffen einzusetzen.
Die Zusammenarbeit innerhalb Europas auf dem Gebiet der Verteidigung
könnte auf lange Sicht eine Alternative zu dem amerikanischen Truppenbeitrag darstellen. Aber die Voraussetzung für eine solche Alternative ist
ein weitaus größeres Maß an politischer Einheit in Europa. Und selbst wenn
eine solche Einheit entsteht, so ist es unwahrscheinlich, daß die Europäer
gegenüber der riesigen nuklearen Macht der Sowjetunion allein ein strategisches Gleichgewicht aufrechterhalten können.
Kurz gesagt, ein Herauslösen unserer Streitkräfte würde das Risiko einer
ernsten Instabilität in Europa, der Folgen eines wesentlich stärkeren sowjetischen Einflusses und der gefährlichen Auswirkungen einer stärkeren Ab-

-15-

�Abhängigkeit von Nuklearwaffen heraufbeschwören. Wenn wir und unsere Verbündeten hingegen unsere Stärke aufrechterhalten, dann können wir dadurch zur
politischen Stabilität beitragen, die Wahrscheinlichkeit eines Krieges verringern und eine glaubwürdige Diplomatie bei den Verhandlungen über einen
beiderseitigen Abbau der Streitkräfte betreiben.
Wir können nicht in ernsthafte Verhandlungen eintreten, wenn wir und
unsere Verbündeten gleich zu Beginn eine Schwächung unserer Position zulassen. Ich habe die Absicht, weiterhin einen wirksamen militärischen Beitrag
der USA zum Bündnis zu leisten und Verhandlungen zu führen, die zu einem
tragbaren Gleichgewicht führen, bei dem die Anreize für einen Angriff wirksam beseitigt sind.
Unerledigte Aufgaben: In den letzten vier Jahren hat das Bündnis einige
grundlegende Schwächen festgestellt und Übereinstimmung über deren Beseitigung erzielt. In den Jahren 1971 und 1972 haben wir gemeinsame Anstrengungen
zur Verbesserung unserer Streitkräfte unternommen. Dem unmittelbarer

und

in vieler Hinsicht wohl vordringlichsten Problem haben wir uns gestej.lt.
Wir können nunmehr systematisch einige der längerfristigen Probleme untersuchen:
- Ende der siebziger Jahre werden sich alle Verbündeten vor riesige Ausgaben für die Wartung noch modernerer Ausrüstungen für noch höhere
Personalkosten und für die Aufrechterhaltung eines hohen Maßes an Einsatzbereitschaft gestellt sehen, während die Wehrpflicht abgeschafft
oder die Dienstzeit verkürzt sein dürften.
- Unter diesen umständen ist es unerläßlich, daß wir genauer definieren,
was wir unter einer ausreichenden NATO-Verteidigung verstehen. Was
verstehen wir vor allem unter Vorne-Verteidigung? Sollten wir unsere
Planungen auf maximale Anstrengungen während der ersten Zeit eines
Einsatzes abstellen? Sollten wir unsere Planungen auf anhaltende Anstrengungen über einen längeren Zeitraum hinweg abstellen? Und wenn,
mit welcher Zielsetzung? Können wir die logistische Unterstützung

-16-

�Unterstützung für eine anhaltende Verteidigung aufrechterhalten?
-

Auch wenn wir den von uns angestrebten hohen Stand an konventioneller
Verteidigung aufrechterhalten können, müssen wir immer noch unsere
nukleare Konzeption überprüfen. Wann, in welcher Weise und zu welchem
Zweck sollten wir taktische Nuklearwaffen einsetzen? Wie werden unabhängige nationale Nuklearstreitkräfte Entscheidungen des Bündnisses
beeinflussen? Brauchen wir andere Institutionen, um innerhalb des
Bündnisses solche Kernprobleme zu prüfen?
Wie ist das Verhältnis zwischen bestehenden und geplanten Verteidigungsprogrammen einerseits und den diplomatischen Bemühungen um einen Abbau der Streitkräfte andererseits?
Die Antworten auf diese Fragen sind für die Politik des Bündnisses in

den siebziger Jahren von entscheidender Bedeutung. Sie erfordern eine dringende, aber sorgfältige Prüfung. Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht,
daß eine starke konventionelle Verteidigung für eine glaubwürdige Abschrekkung unerläßlich ist und daß das Bündnis auch über eine glaubwürdige nukleare
Abschreckung verfügen muß. Im Hinblick auf die strategischen Gegebenheiten
dieses Jahrzehnts müssen diese Fragen jedoch erneut überprüft und muß der
Beitrag jedes einzelnen Verbündeten auf lange Sicht festgelegt werden.
Vor allem die Aussicht auf beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa wirft für das Bündnis einige unmittelbare Fragen auf.
Beiderseitige Truppenreduzierungen sind in erster Linie ein militärisches
Problem; jede Reduzierung muß im einzelnen im Hinblick auf ihre Auswirkungen
auf unser Verteidigungspotential abgewogen werden. Wir brauchen daher eine
gemeinsame Sicherheitskonzeption, in deren Rahmen wir Reduzierungen erwägen
können. Wenn wir Truppenreduzierungen als Teil einer politischen Anpassung
oder als Mittel zur Förderung einer Entspannung rechtfertigen, dann wird
das Bündnis in eine endlose Debatte darüber verwickelt werden, welches Maß
an Reduzierung zu welchem Ausmaß an politischer Entspannung führen wird.
In

-17-

�In einer solchen Debatte wäre es nahezu unmöglich, eine Antwort zu finden,
die jeden zufriedenstellt und die die Sicherheit nicht untergräbt.
Unser Ziel sollte es sein, ein militärisches Gleichgewicht zu schaffen,
das stabiler ist, weil es auf die Anliegen beider Seiten eingeht und von
allen als im gemeinsamen Interesse liegend angesehen wird. Wir wollen ein
größeres Maß an Stabilität, bei dem keine Seite auf Grund des niedrigeren
Truppenstandes einen Vorteil erlangt.
Das Bündnis sollte daher parallel auf drei Wegen vorgehen: Es sollte
erstens die Anstrengungen fortsetzen, um unsere Streitkräfte auf die Stärke
und den Stand zu bringen, den die Strategie der abgestuften Antwort (flexible
response) erfordert. Es sollte zweitens die strategischen Optionen prüfen,
die sich aus einer nuklearen Verteidigung - falls diese erforderlich werden
sollte - ergeben. Und es sollte drittens innerhalb des Bündnisses einen militärisch-politischen Rahmen schaffen, der Verteidigungsplanung

und Diploma-

tie der Verhandlung über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen
miteinander integriert.
Die Diplomatie des Bündnisses: Während des größten Teils der sechziger
Jahre war es kein allzu großes Problem, Einheit der Verbündeten und nationale
Diplomatie aufeinander abzustimmen. Die Ost-West-Beziehungen waren praktisch
eingefroren. Die Konfrontation stellte weniger Anforderungen an die schöpferische Initiative, sondern die Hauptsache war die Einigkeit der Verbündeten.
Dieser feste Zusammenhalt und die Stärke des Bündnisses trugen zu den
Veränderungen der internationalen Bedingungen bei, die wiederum neue Möglichkeiten für die Diplomatie des Bündnisses im Jahre 1969 boten. Aber es ergaben sich auch bedeutsame politische Probleme.
- Die internationale Diplomatie wird noch immer durch Nationalstaaten
geführt. Die europäischen Mitglieder der NATO haben regionale Sicherheitsinteressen, denen sie Vorrang einräumen müssen, und jeder

-18-

�jeder Verbündete hat ein nationales Interesse an der europäischen
Sicherheit. In zunehmendem Maße haben einzelne europäische Staaten
in den letzten Jahren jedoch ihre bilateralen Beziehungen zur Sowjetunion wie auch zu anderen Mitgliedern des Warschauer Paktes wahrgenommen.
- Die Vereinigten Staaten haben lebenswichtige Interessen außerhalb Europas und müssen bilateral mit der Sowjetunion über strategische Fragen
sowie über zahlreiche globale Probleme verhandeln. Jedes Mitglied der
NATO hat jedoch ein Interesse an der Entwicklung der amerikanischsowjetischen Beziehungen und wird durch sie berührt; unsere Verbündeten möchten unsere Beziehungen zur Sowjetunion beeinflussen, um ihre
eigene Sicherheit zu stärken. Zeitweilig haben unsere Verbündeten die
Vereinigten Staaten gedrängt, in ihrer Haltung gegenüber der Sowjetunion flexibler zu sein; zu anderen Zeiten wiederum haben sie uns kritisiert, daß wir in unseren Beziehungen zu Moskau zu schnell handelten
oder zu weit gingen.
Im Jahre 1969 waren die NATO-Verbündeten überzeugt, daß neue Initiativen notwendig waren, doch waren sie sich angesichts der Invasion der
Tschechoslowakei nicht sicher, ob sie die Kontakte zum Osten erneuern sollten. Einige Verbündete betrachteten eine europäische Sicherheitskonferenz
als einen möglichen Ausgangspunkt; andere forderten Verhandlungen über einen
Truppenabbau. Die Vereinigten Staaten waren zu Gesprächen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen bereit. Wenn wir uns nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen konnten, dann war kein wesentlicher Fortschritt zu erwarten, der nicht unsere Einheit schweren Belastungen unterworfen hätte.
Daher habe ich das Bündnis im April 1969 aufgefordert, den Prozeß enger Konsultationen neu zu beleben, und für die Vereinigten Staaten die Verpflichtung
übernommen, das Bündnis laufend über SALT zu unterrichten. Die Konsultationen
würden sich mit bestimmten allgemeinen Aufgaben befassen.
Erstens

-19-

�Erstens mußten wir die spezifischen Ursachen der Spannungen identifizieren, die es zu beseitigen galt.
Zweitens mußten wir uns darüber einigen, wie die Prioritäten und die
Zusammenhänge zwischen den Hauptfragen zu behandeln seien: diejenigen, die
für ein Land, zum Beispiel für die Ostpolitik der Bundesrepublik, ein
Hauptanliegen waren; diejenigen, die ein regionales Anliegen bildeten, wie
zum Beispiel die beiderseitigen Truppenreduzierungen und eine europäische
Sicherheitskonferenz, und diejenigen, die, wie SALT, ein internationales
Anliegen darstellten.
Drittens mußten wir uns darüber klarwerden, daß einzelne Fragen von
verschiedenen Ländern in verschiedenen Gremien behandelt werden würden. Eine
solche Vielfalt erforderte unbedingt eine Harmonisierung der Zielsetzungen
wie auch ein gewisses Maß an nationaler Autonomie.
Erste Fortschritte: Die Vereinigten Staaten drängten darauf, daß das
Bündnis als einen ersten wesentlichen Schritt die Initiative hinsichtlich
des Vorschlages von Berlin-Verhandlungen ergreife. Berlin bot sich aus verschiedenen Gründen als ein logischer Ausgangspunkt an. Es war eine Ursache
ständig wiederkehrender Konfrontationen. Wenn die Sowjetunion es so wollte,
so konnte sie ständig die Verletzbarkeit der Zugangsstraßen nach Westberlin
durch Ostdeutschland hindurch ins Spiel bringen, um Druck auf Westdeutschland und die drei Westmächte auszuüben. Andererseits gab es keine objektiven Gründe, warum die Sowjetunion keine praktischen Verbesserungen des
Reiseverkehrs nach Berlin zulassen sollte, wenn sie, wie Moskau behauptete,
ein ernsthaftes Interesse an einem Abbau der Spannungen in Europa hatte.
Wenn wir uns in dieser spezifischen Frage nicht einig werden konnten, dann
bestanden nur geringe Aussichten auf eine Lösung umfassenderer Sicherheitsfragen.
Die Berlin-Verhandlungen boten also eine erste Möglichkeit, um herauszufinden, ob die Ost-West-Beziehungen aus der Erstarrung des kalten Krieges
herausgebracht werden konnten. Darüber hinaus hatte die Bundesrepublik
Deutschland eine Ostpolitik eingeleitet, um ihre Beziehungen zur Sowjetunion zu normalisieren. Und schließlich wurde die Ratifikation des Vertra-20-

�Vertrages der Bundesrepublik Deutschland mit der Sowjetunion vom August 1970
von dem Erfolg der Berlin-Verhandlungen abhängig, die von den Vereinigten
Staaten, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion geführt wurden.
Im September 1971 wurde der erste Teil des Berlin-Abkommens abgeschlossen. Die Sowjetunion garantierte den unbehinderten Verkehr zwischen Westdeutschland und Westberlin, ohne daß die Rechte und Pflichten der Westmächte
in Berlin berührt wurden. Das Abkommen sah anschließende Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland, dem Westberliner Senat und Ostdeutschland über die Modalitäten des Zugangs nach Berlin sowie des Verkehrs von
Westberlin nach Ostberlin und nach Ostdeutschland vor. Im Zuge meines Treffens mit den sowjetischen Führern im Mai 1972 wurde vereinbart, daß das
Schlußprotokoll, durch das alle Teile des Berlin-Abkommens in Kraft gesetzt
wurden, am 3. Juni 1972 unterzeichnet werden sollte. Die Bundesregierung
setzte die Verträge mit der Sowjetunion und Polen nach deren parlamentarischer Billigung in Kraft, wodurch der Weg für sie frei wurde, einen Grundvertrag über die Regelung der Beziehungen zu Ostdeutschland auszuhandeln.
Gerade die letzten vier Jahre sind eine Zeit aktiver europäischer und
internationaler Diplomatie gewesen. Über das Berlin-Abkommen und die deutschen Verträge hinaus hat sich Frankreich bereit erklärt, einer Reihe von
Prinzipien für politische Konsultationen mit der Sowjetunion zuzustimmen.
Kanada erklärte sich während des Besuches von Ministerpräsident Kossygin zu
einer ähnlichen Vereinbarung bereit. Die Bundesrepublik und Italien handelten langfristige Wirtschaftsabkommen mit der Sowjetunion aus. Es fanden
mehrere Gipfeltreffen zwischen sowjetischen und westeuropäischen Staatsmännern statt. Und die Vereinigten Staaten vereinbarten mit der Sowjetunion
Begrenzungen der strategischen Rüstungen, Maßnahmen für eine bilaterale Zusammenarbeit sowie einige grundlegende Prinzipien für unsere Beziehungen.
Alles in allem haben die Verbündeten ihre nationale Diplomatie in einem
Rahmen der Einheit intensiviert. Aber gerade die Erfolge der letzten vier
Jahre haben einige neue Probleme geschaffen. Jedes der europäischen Länder

-21-

�Länder möchte die Entwicklung seiner eigenen bilateralen wirtschaftlichen
und politischen Beziehungen zur Sowjetunion und zu Osteuropa fortsetzen.
Die Vereinigten Staaten möchten ferner den positiven Trend weiter verfolgen,
der sich in unseren Beziehungen zur Sowjetunion entwickelt hat. Jeder unserer
Verbündeten möchte natürlich eine gewichtige Stimme in den Verhandlungen
haben, die Europa als Ganzes betreffen, sowie bei den Aspekten der sowjetischamerikanischen Beziehungen,die sich auf die internationale Stabilität auswirken.
Zwei spezifische Anlässe werden erweisen, ob die westliche Koalition
in der Lage ist, ihre Einheit mit ihrer Vielfalt in Einklang zu bringen:
die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und die
Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen
(MBFR).
Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa:Im März 1969
hat der Warschauer Pakt erneut seinen Vorschlag vorgebracht, eine europäische
Sicherheitskonferenz einzuberufen. Eine solche Konferenz hätte weitgehend
symbolische Bedeutung gehabt; ihr Zweck wäre gewesen, den territorialen und
politischen Status quo in Europa zu bestätigen. Manche Leute im Westen meinten, daß dieser Vorschlag angenommen werden sollte; man hielt ihn für einen
Weg, um die wegen der Invasion der Tschechoslowakei im August 1968 entstandenen Spannungen abzubauen und Klarheit über die sowjetische Politik zu gewinnen. Manche Leute betrachteten ihn als einen Weg, um eine bessere Atmosphäre für spätere Gespräche zu schaffen, während andere ihn als ein Bindeglied zu spezifischeren Fragen wie Truppenreduzierungen ansahen.
Wir waren skeptisch hinsichtlich symbolischer Akte, die an den wesentlichen Problemen der Ost-West-Spannungen vorbeigingen. Die vordringlichen
Fragen der europäischen Sicherheit waren die Spannungen wegen Berlin und
Deutschland und die militärische Konfrontation in Mitteleuropa. Wir konnten
unsere Verantwortlichkeiten in Berlin nicht einer europäischen Konferenz übertragen. Wenn es nicht gelang, in einer zentralen Frage, wie Berlin, einen
Fortschritt zu erzielen, dann waren die Ergebnisse einer allgemeinen Konferenz

-22-

�Konferenz illusorisch. Durch symbolische Gesten eine Atmosphäre der Entspannung hervorzurufen, mußte zu Enttäuschungen und Unsicherheit führen.
Die Vereinigten Staaten nahmen daher den Standpunkt ein, daß eine
europäische Konferenz nur akzeptabel wäre, wenn es bei spezifischen Fragen,
einschließlich der Berlin-Varhandlungen Fortschritte gäbe. Eine Konferenz
konnte angebracht sein, wenn die einzelnen Länder bei der Regelung ihrer
Beziehungen und der Lösung einiger ihrer territorialen und politischen
Probleme Erfolg hätten.
Dies wurde durch die Verträge der Bundesrepublik mit der Sowjetunion
und Polen, das Viermächte-Abkommen über Berlin und die SALT-Abkommen erreicht. Auf meinem Gipfeltreffen mit den sowjetischen Führern im Mai 1972
willigte ich ein, daß wir nunmehr mit der Vorbereitung einer europäischen
Konferenz mit dem Ziele einer Erweiterung der europäischen Zusammenarbeit
beginnen könnten.
Im November vorigen Jahres begannen vorbereitende Gespräche, um herauszufinden

°b ausreichende gemeinsame Grundlagen vorhanden wären, um eine

Konferenz der Außenminister zu rechtfertigen. Es wird eine provisorische
Tagesordnung ausgearbeitet, die die Außenminister behandeln könnten. Der
bisher erzielte Fortschritt läßt darauf schließen, daß die Konferenz dieses
Jahr einberufen werden kann und es möglich sein wird, bei mehreren wichtigen
Fragen Fortschritte zu erzielen.
- Die Teilnehmer werden sich mit bestimmten Grundsätzen der Sicherheit und der Zusammenarbeit befassen. Wenn alle europäischen Länder
gemeinsame Verhaltensnormen bejahen und sich in der Praxis nach ihnen
richten, könnte es eine weitere Verminderung der Spannungen geben.
Ferner werden bestimmte militärische Sicherheitsfragen, die das Vertrauen stärken sollen, ebenfalls erörtert werden.
- Die Konferenz kann sich damit befassen, wie Kontakte zwischen den
Völkern Europas erleichtert und wie die Lanier zum Austausch von
Ideen und Informationen ermutigt werden können.
Die

-23-

�Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa kann somit
einen neuen Tenor in die europäischen Beziehungen bringen und neue Verhaltensformen und

Wege der Zusammenarbeit schaffen. Dies wären praktische

Schritte zur Normalisierung der Beziehungen.
Beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen: Der Meinungsaustausch, der zu dieser Konferenz führte, diente auch als Brücke zu Verhandlungen über eine spezifischere und zentralere Sicherheitsfrage - beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa. Die Aussichten
auf eine Rüstungskontrolle in Europa stehen zweifellos in einem Zusammenhang mit politischen Verbesserungen zwischen Ost und West. Während der fünfziger und der sechziger Jahre gab es Vorschläge für eine Rüstungskontrolle
in Europa. Aber es war unrealistisch, mit Verhandlungen über einen Truppenabbau zu rechnen - beispielsweise in Deutschland, wo es fast ständig Krisen
wegen Berlin gab. Darüber hinaus stand die Reduzierung von Streitkräften in

Mitteleuropa in Zusammenhang mit dem strategischen Gleichgewicht zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sowie mit der politischen Situation innerhalb des Warschauer Paktes.
Aus diesen Gründen wurden die Vorschläge der NATO vom Juni 1968, Verhandlungen über Truppenreduzierungen zu beginnen, vom Warschauer Pakt kühl
aufgenommen. Erst als das Berlin-Abkommen und die SALT-Abkommen im Jahre
1972 abgeschlossen worden waren, war es möglich, eine Reihenfolge für den
Beginn von Verhandlungen in getrennten Foren für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen festzulegen.
Die einleitenden Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen, die gegenwärtig in Wien stattfinden, werden die Grundlagen
für formellere Verhandlungen im kommenden Herbst schaffen. Die militärischen
Aspekte und die Rüstungskontrollaspekte der Truppenreduzierungen werden in
anderen Kapiteln dieses Berichtes behandelt. Besti mmte Punkte, die die atlantische politische Einheit berühren, seien hier zusammengefaßt dargestellt.
Vielleicht

-24-

�Vielleicht mehr als jede andere Einzelfrage stellt das Problem der
Truppenreduzierungen die grundlegende Frage heraus, wie die Einheit des Bündnisses mit der nationalen Vielfalt in Einklang gebracht werden kann. Wir werden ein nie dagewesenes Maß an Einigkeit in grundlegenden militärischen
und politischen Sicherheitsfragen brauchen. Das Ergebnis der Verhandlungen
wird sich auf das gesamte Bündnis auswirken, gleichgültig wer am Verhandlungstisch sitzt und wessen Truppen reduziert werden. Schon der Verhandlungsprozeß selbst wird unsere gemeinsamen Zielsetzungen auf die Probe stellen.
Jedes Mitglied bringt in dieser Frage starke nationale Gesichtspunkte
mit. Wir müssen vermeiden, daß man versucht, nationale Interessen durch Verfahrenskunstgriffe oder taktische Lösungen zu schützen. Ein solches Vorgehen
würde lediglich die eigentlichen Fragen hinausschieben oder ausklammern.
Und letztlich wäre es schädlich und würde das Bündnis der Ausbeutung durch
die andere Seite ausliefern. Unser Ziel muß ein Übereinkommen über grundlegende Sicherheitsprinzipien sein. Wir müssen individuellen nationalen Anliegen im Rahmen einer gemeinsamen Sicherheitskonzeption Rechnung tragen und
uns ohne Umschweife mit der Frage befassen, wie wir unsere Sicherheit bei
verringertem Truppenstand gewährleisten können. Diese Fragen sind äußerst
delikat, und die Gespräche im Bündnis werden mühsam und schwierig sein.
Die Vereinigten Staaten stehen mit ihren Verbündeten in sehr ernsthaften
Konsultationen, die der Vorbereitung für die später in diesem Jahr zu führenden Verhandlungen dienen. Die Reduzierung der Streitkräfte in Mitteleuropa
ist selbstverständlich Bestandteil in dem Komplex der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. Die amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte sind insofern vergleichbar, als sie nicht in Mitteleuropa zu Hause sind und für
eine solche Reduzierung in Frage kämen.
Die Vereinigten Staaten werden die Sicherheit des Bündnisses nicht gegenüber den sowjetisch-amerikanischen Beziehungen hintanstellen. Wir wissen
um die in dieser Hinsicht bestehenden europäischen Besorgnisse» Aber selbst
wiederholte amerikanische Zusicherungen haben diese Sorgen nicht beschwichtigt.

-25-

�beschwichtigt. Gegenseitiges Vertrauen innerhalb des Bündnisses wird sich
nur durch ein Übereinkommen über den grundsätzlichen Sicherheitsrahmen für
die Verhandlungen entwickeln.
Beziehungen zu Osteuropa
Die Verbesserung in unseren Beziehungen zur Sowjetunion im Verlaufe des
Jahres 1972 hat eine bessere Atmosphäre für unsere Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern geschaffen. Wir sehen jedoch unsere Beziehungen zu einem der osteuropäischen Staaten nicht als eine Funktion unserer Beziehungen
zu Moskau an. Wir lehnen die Idee besonderer Rechte oder Vorteile einer
Fremdmacht in dieser Region ab. Wir haben die Chancen zur Entwicklung unserer Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern schon lange vor der Moskauer
Gipfelkonferenz begrüßt und sie auch wahrgenommen. Und wir werden auch weiterhin nach Mitteln und Wegen suchen, um unsere wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, technologischen und kulturellen Kontakte mit diesen Ländern
auszubauen. Richtschnur dabei sind der beiderseitige Nutzen und die Gegenseitigkeit.
Mit dem Nachlassen der Nachkriegsstarre in den Beziehungen zwischen
Ost-und Westeuropa

rechnen die Völker in beiden Gebieten nun auch damit,

die günstigen Auswirkungen dieser Entspannung in ihrem täglichen Leben zu
verspüren. Diese Hoffnungen bestehen zu recht. Eine Ära der Zusammenarbeit
in Europa sollte zu einer Vielfalt neuer Beziehungen führen, und zwar nicht
nur zwischen den Regierungen, sondern auch zwischen Organisationen, Institutionen, Firmen und den Menschen ganz allgemein. Wenn der Friede in Europa
von Dauer sein soll, dann muß sein Fundament breit angelegt sein.
Meine Besuche in Rumänien im Jahre 1969, in Jugoslawien im Jahre 1970
und im Polen im Jahre 1972 sollten dazu beitragen, die Tür für diese erweiterten Beziehungen zu öffnen.
Während

-26-

�Während neines Besuches in Warschau im Juni vorigen Jahres kam ich mit
den polnischen Führern überein, den amerikanisch-polnischen Handel sowie
den Austausch auf dem Gebiet der Wissenschaft, der Technologie, der Kultur,
des Tourismus und des Verkehrs zu verstärken. Eine gemeinsame amerikanischpolnische Handelskommission wurde ins Leben gerufen. Nachdem unsere Regierungen sich auf der Basis der Gegenseitigkeit über Vereinbarungen zur Export
finanzierung geeinigt hatten, entschied ich, daß Kredite der Export-ImportBank für Transaktionen mit Polen zur Verfügung gestellt werden sollten. Andere Vereinbarungen zur Erleichterung des Handels, zur Verstärkung des Austausches auf dem Gebiet der Wissenschaft und der Technologie sowie zur Verbesserung der konsularischen Einrichtungen sind ebenfalls unterzeichnet worden.
Der Besuch von Außenminister Rogers im Juli in Jugoslawien bekräftigte
unsere seit langem bestehenden herzlichen Beziehungen zu diesem wichtigen
blockfreien Land. Seine Unabhängigkeit, seine politische Stabilität und
sein wirtschaftlicher Wohlstand sind Hauptfaktoren für einen dauerhaften
Frieden in Europa.
Der Wunsch Rumäniens nach engen und beiderseitig nützlichen Beziehun»
gen hat während der letzten drei Jahre zu einer praktischen Zusammenarbeit
und zu hilfreichen Konsultationen geführt, einschließlich meines Besuches
in Bukarest und des Besuches von Staatspräsident Ceausescu in Washington. Im
letzten Jahr billigten wir die Übernahme von Garantien für Privatinvestitionen in Rumänien, und ich hoffe weiterhin, daß der Kongreß die Ermächtigung
zur Gewährung der Meistbegünstigungsklausel für dieses Land erteilen wird.
Im Dezember unterzeichneten wir das umfassendste Abkommen über einen kulturellen und wissenschaftlichen Austausch in der Geschichte unserer Beziehungen zu Rumänien.
Im Sommer vorigen Jahres unterzeichnete Außenminister Rogers Konsularkonventionen mit Rumänien und Ungarn. Sein Besuch in Budapest und die dann
folgende Regelung der langjährigen amerikanischen Ansprüche gegenüber Ungarn

-27-

�Ungarn haben die Aussichten auf normalere Beziehungen verbessert.
Wir bleiben weiterhin bereit, mit allen Ländern in Osteuropa konstruktive Beziehungen auf einer Basis der Gegenseitigkeit herzustellen. Unterschiede in den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Systemen bestehen
und müssen offen und freimütig anerkannt werden. Sie werden aber unsere Zu sammenarbeit mit einem anderen Land, das diese sucht, nicht verhindern.

Ausblick
Die weltpolitische Szenerie hat sich im Jahre 1972 dramatisch verändert. Aber ein konstanter Faktor in diesem sich verändernden

Gefüge ist das

enge Verhältnis unter den atlantischen Verbündeten gewesen. Es ist allerdings
wahr, daß einige unserer Verbündeten bei dem immer stärkeren Hervortreten
der Entspannungsbemühungen zwischen Ost und West besorgt fragen, ob die Vereinigten Staaten auch weiterhin an Europa gebunden bleiben würden oder

ob

sie stattdessen auf ein neues Machtgleichgewicht abzielen würden, bei dem
die alten Zusammenhalte aufgelöst werden könnten und die Unterschiede zwischen Verbündeten und Gegnern schwinden würden. In einer Periode großer internationaler Veränderungen nach einer langen Zeit der Konfrontation mögen
Sorgen und Befürchtungen dieser Art unvermeidbar sein. Immer wenn es zu einer
Verbesserung in den Beziehungen zwischen Gegnern kommt, wird bei denen, die
nicht direkt miteinbezogen sind, eine Tendenz bestehen, sich darüber zu sorgen, daß ihre eigenen Interessen irgendwie hinter den neuen Beziehungen zurückgestellt würden.
Aber die Vereinigten Staaten werden niemals die Sicherheit Europas oder
die Interessen ihrer Verbündeten aufs Spiel setzen. Die beste Gewähr für unsere Einigkeit liegt jedoch nicht in verbalen Beteuerungen, sondern im Wissen
um die vereinbarten Ziele und die gemeinsame Politik. Fast ein Jahrzehnt lang
hat das Bündnis die Fragen der Verteidigung und der Entspannung diskutiert
- wobei die einen diesen, die anderen jenen Kurs forderten. Diese Debatten
sollten jetzt ihr Ende finden. Wir müssen die Reihen schließen und gemeinsam

-28-

�gemeinsam unseren Kurs für das vor uns liegende Jahrzehnt festlegen. Es
gibt eine ganz klare Tagesordnung für Maßnahmen des Bündnisses.
- Die Vereinigten Staaten unterstützen die europäische Einheit, wie
dies immer der Fall gewesen ist. Aber wir müssen jetzt gemeinsam die
Basis der kooperativen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft in diesem Jahrzehnt
definieren. Damit dies geschehen kann, brauchen wir eine neue Bekräftigung unserer gemeinsamen Ziele, um unseren Wirtschaftsverhandlungen
eine politische Richtung zu geben und um kooperative Lösungen zu fördern.
- Die Vereinigten Staaten werden ihre Streitkräfte in Europa aufrechterhalten. Wir werden nicht einseitig abziehen. Aber wir müssen uns
über unsere gemeinsamen Verteidigungserfordernisse und über den Beitrag einig werden, den jeder Verbündete sowie das Bündnis kollektiv
leisten muß, um unsere Sicherheit unter neuen Bedingungen zu gewährleisten,
- Wir benötigen eine konzertierte Strategie, um mit Sicherheits-und
diplomatischen Fragen gemeinsamen Interesses fertig zu werden, in welchen Foren sie auch immer behandelt werden.
- In den siebziger Jahren stehen wir vor neuen gemeinsamen Aufgaben,
wie die Sicherstellung der Hilfsquellen für die Energieversorgung der
Industrieländer. Dies muß ein neues Gebiet unserer Zusammenarbeit werden.
Das Jahr 1973 ist das Jahr Buropas wegen der historischen Chancen, vor
denen wir gemeinsam stehen. Die Vereinigten Staaten, Kanada und Westeuropa
haben einen entscheidenden Beitrag zu einer gesuhden Weltwirtschaft und zu
einer neuen friedlichen Weltordnung zu leisten. Dies sind neue schöpferische
Aufgaben für unsere Partnerschaft.

-29-

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19/1973

USA BEGRÜSSEN EINIGUNG ÜBER BETEILIGUNG UND VERFAHREN
FÜR MBFR-VERHANDLUNGEN

WIEN - (AD) - Nach A u f f a s s u n g

der Vereinigten Staaten h a t die j e t z t e r -

z i e l t e Einigung über e i n e n T e i l n e h m e r k r e i s und d i e Verfahren
ü b e r b e i d e r s e i t i g e und ausgewogene T r u p p e n v e r r i n g e r u n g e n

f ü r Verhandlungen

(MBFR) d i e g e g e n -

w ä r t i g e n G e s p r ä c h e i n Wien e i n e n w e s e n t l i c h e n S c h r i t t w e i t e r g e b r a c h t .
l i c h i s t man s i c h i n W a s h i n g t o n d a r ü b e r im k l a r e n ,

d a ß noch w e i t e r e

Natürorgani-

s a t o r i s c h e F r a g e n g e k l ä r t w e r d e n m ü s s e n , g a n z a b g e s e h e n vom e i g e n t l i c h e n I n h a l t d e r Verhandlungen.

Am 1 4 . Mai h a t t e n d i e D e l e g a t i o n e n d e r 19 a n d e n S o n d i e r u n g s g e s p r ä c h e n
b e t e i l i g t e n L ä n d e r - z w ö l f NATO-Staaten u n d s i e b e n L ä n d e r d e s W a r s c h a u e r P a k t e s bekanntgegeben,

daß e l f Länder " d i r e k t " an den Verhandlungen b e t e i l i g t

s o l l e n - nämlich B e l g i e n , Kanada, d i e T s c h e c h o s l o w a k e i ,
Deutschland,

sein

d i e Bundesrepublik

d i e D e u t s c h e D e m o k r a t i s c h e R e p u b l i k , Luxemburg, d i e N i e d e r l a n d e ,

P o l e n , d i e UdSSR, G r o ß b r i t a n n i e n und d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n - w ä h r e n d f ü r
d i e ü b r i g e n a c h t e i n e " b e s o n d e r e " Form d e r B e t e i l i g u n g v o r g e s e h e n i s t - a l s o
für Bulgarien,
und d i e T ü r k e i .
teiligt,
direkt,

Dänemark, G r i e c h e n l a n d ,

Ungarn, I t a l i e n ,

Norwegen,

Rumänien

Dabei w i r d d i e P o s i t i o n U n g a r n s s p e z i e l l a l s n i c h t v o l l b e -

a b e r auch n i c h t g a n z u n b e t e i l i g t a n d e r Gruppe h e r a u s g e h o b e n , d i e
a l s o an den e i g e n t l i c h e n E n t s c h e i d u n g e n , b e t e i l i g t i s t .

Der S t a t u s Ungarns w a r o h n e F r a g e e i n e r d e r s c h w i e r i g s t e n A s p e k t e f ü r
künftige Verhandlungen.

D i e s e S t r e i t f r a g e wurde s c h l i e ß l i c h

promiß b e i d e r S e i t e n g e l ö s t .

d u r c h e i n e n Kom-

Dabei h a b e n b e i d e S e i t e n K o n z e s s i o n e n

gemacht,

�gemacht, nachdem d i e V e r t r e t e r der Länder des Warschauer Paktes von Anfang
an d i e B e t e i l i g u n g Ungarns zwar n i c h t a u s g e s c h l o s s e n , aber s i c h doch k l a r
gegen e i n e " v o l l e " B e t e i l i g u n g Ungarns ausgesprochen h a t t e n .
Eine e n d g ü l t i g e Lösung s t e l l t d i e j e t z i g e Regelung jedoch noch n i c h t d a r .
Der Konsensus, der b e z ü g l i c h des T e i l n e h m e r k r e i s e s für MBFR-Verhandlungen und
der Verfahren e r r e i c h t worden i s t , e n t h ä l t e i n e u n b e s t r i t t e n e Erklärung der
w e s t l i c h e n Verbündeten, daß d e r S t a t u s Ungarns b e i den gegenwärtigen Gesprächen
i n Wien s e i n e s p ä t e r e B e t e i l i g u n g an Verhandlungen oder Abkommen keineswegs
präjudiziert.
Die w e s t l i c h e n Verbündeten haben i h r e Absicht bekanntgegeben, d i e Frage
der B e t e i l i g u n g Ungarns an e v e n t u e l l e n Abkommen zu einem s p ä t e r e n Z e i t p u n k t
wieder anzuschneiden. Die j e t z t i n Wien gefundene Formel, d i e i n das Verfahrensübereinkommen aufgenommen worden i s t , e r m ö g l i c h t es einem S t a a t mit
einem " S o n d e r s t a t u s " , s p ä t e r zu dem S t a t u s der " d i r e k t e n " B e t e i l i g u n g ü b e r z u wechseln. Bezüglich des s t ä n d i g e n Versuches s e i t e n s des Warschauer P a k t e s ,
d i e d i r e k t e B e t e i l i g u n g Ungarns von e i n e r d i r e k t e n B e t e i l i g u n g I t a l i e n s abhängig zu machen, gehen d i e w e s t l i c h e n Verbündeten von dem Standpunkt a u s , daß
I t a l i e n b i s h e r den S t a t u s d e r "besonderen" B e t e i l i g u n g gehabt h a t , daß d i e s e r
S t a t u s n i c h t i n Frage g e s t e l l t werden kann und auch i n Zukunft n i c h t i n Frage
g e s t e l l t werden wird.
Die j e t z t e r r e i c h t e Einigung wird von w e s t l i c h e r S e i t e a l s e i n a k z e p t a b l e r
und f a i r e r Kompromiß b e t r a c h t e t und a l s Beweis für den e r n s t h a f t e n Wunsch
b e i d e r S e i t e n , im Verfahren und i n der Sache weiterzukommen. Die S c h w i e r i g k e i t e n und d i e Z ä h i g k e i t der b i s h e r i g e n Sondierungsgespräche wird a l s Hinweis
auf d i e S c h w i e r i g k e i t der für d i e s e s J a h r e r w a r t e t e n e i g e n t l i c h e n Verhandlungen
angesehen.
Der amerikanische D e l e g i e r t e Jonathan Dean e r k l ä r t e jedoch i n diesem Zusammenhang: "Wenn es s i c h a l s möglich e r w e i s t , i n d e r komplexen Frage d e r
b e i d e r s e i t i g e n und ausgewogenen Truppenverringerungen i n M i t t e l e u r o p a e i n Uber-

-

2 -

�Übereinkommen zu e r z i e l e n , das den Stand der Konfrontation v e r r i n g e r t , ohne
d i e S i c h e r h e i t der B e t e i l i g t e n zu v e r r i n g e r n , dann w i r d d i e s e s Ergebnis ohne
Frage e i n p o s i t i v e s neues K a p i t e l der Ost-West-Beziehungen aufschlagen und
die S i t u a t i o n i n M i t t e l e u r o p a s e l b s t w e s e n t l i c h v e r b e s s e r n . "

-

3 -

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19/1973

EBERLE UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER GEGENSEITIGKEIT FÜR DIE
KOMMENDEN HANDELSVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William D. Eberle, hat vor dem Haushaltsausschuß
des amerikanischen Repräsentantenhauses erneut die Bedeutung der Gegenseitigkeit für die kommenden HandelsVerhandlungen unterstrichen. Eberle nahm damit
zu einer Frage des AusschußVorsitzenden, des demokratischen Abgeordneten
Wilbur D. Mills, Stellung, die dieser während der öffentlichen Anhörungen zu
dem neuen Handelsgesetz der USA an ihn gerichtet hatte.

Die Frage von Mills und die Antwort Eberles haben folgenden Wortlaut:

Mills: Gestern hat Finanzminister Shultz in einer Erklärung auch zu dem
Begriff der Gegenseitigkeit Stellung genommen. Dieser Begriff Gegenseitigkeit
ist zumindest von einigen mißverstanden worden und hat in einigen ausländischen
Hauptstädten eine gewisse Besorgnis und Aufregung ausgelöst. Man gelangte
dort auf Grund der Lektüre bestimmter Zeitungsartikel zu der Auffassung, der
Finanzminister habe gesagt, daß wir bei unseren Verhandlungen und bei unserem
Handel nicht mehr von der Basis der Gegenseitigkeit ausgingen. Können Sie
dies klarstellen und uns ganz offen sagen, was gemeint war?

Eberle: Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten haben zugestimmt, und
es entspricht auch unserer Politik, daß diese Verhandlungen gemäß der Absichtserklärung von 1972 geführt werden. Diese Erklärung besagt: beiderseitiger Vor-

�V o r t e i l , b e i d e r s e i t i g e Verpflichtungen und - im ganzen gesehen - G e g e n s e i t i g keit.
Die g e s t r i g e n Ausführungen von F i n a n z m i n i s t e r S h u l t z stimmten 'li.erroit
v o l l und ganz ü b e r e i n . Er s a g t e t a t s ä c h l i c h , man werde das Wort G e g e n s e i t i g k e i t i n k e i n e r der Erklärungen im Rahmen d i e s e r Anhörungen f i n d e n . Man w i r d
d i e s e s Wort auch n i c h t i n dem Gesetz zur Ausweitung des Handels von 1962 oder
in dem Gesetz zur Reform des Handels von 1973 finden.
Hier wurde g e s a g t , daß f r ü h e r b e i ZollVerhandlungen, wie auch F i n a n z m i n i s t e r
S h u l t z a n d e u t e t e , e i n e S i t u a t i o n b e s t a n d , i n der Zug um Zug vorgegangen wurde man räumt uns b e i einem Handelswert von 100 Millionen D o l l a r e i n e Zollsenkung
um e i n Prozent e i n , und w i r müssen das Gleiche zurückgeben.
Diese Verhandlungen s i n d so umfassend und k o m p l i z i e r t , daß w i r auf z a h l r e i c h e n Gebieten e i n f a c h Vernunft walten l a s s e n müssen. Es geht h i e r n i c h t um
e i n e s o l c h e d i r e k t e G e g e n s e i t i g k e i t . Es g e h t h i e r um b e i d e r s e i t i g e

Verpflich-

tungen für neue t e c h n i s c h e oder Verhaltensnormen oder e i n e Aufhebung von Beschränkungen und V o r t e i l e für a l l e , d i e s i c h daraus ergeben, daß der Handel
b e i e i n e r B e s e i t i g u n g b e s t e h e n d e r Verzerrungen auf z a h l r e i c h e n d i e s e r Gebiete
r e i b u n g s l o s e r f l i e ß e n w i r d und w i r auf d e r B a s i s e i n e s s c h a r f e n Wettbewerbs
unseren T e i l für uns verbuchen können.

Von einem d e r a r t i g e n Vorgehen sprechen w i r h i e r .
Ich w o l l t e l e d i g l i c h s i c h e r s e i n , daß e i n Anfang gemacht w i r d . Meines Erachtens b e s t e h t e i n e gewisse Besorgnis über v e r s c h i e d e n e P r a k t i k e n a n d e r e r Länder,
gegen d i e w i r angehen, d i e w i r gerne ohne irgendwelche Kompensationen b e s e i t i g e n
möchten, w e i l w i r s i e a l s i l l e g a l b e t r a c h t e n . Wir b e t r a c h t e n s i e n i c h t a l s Bes t a n d t e i l der Verhandlungen. Es h a n d e l t s i c h h i e r zum B e i s p i e l um i l l e g a l e Quoten,
wie s i e Japan h a t , und w i r s t e h e n im B e g r i f f , über z a h l r e i c h e d e r a r t i g e Fragen
mit den ü b r i g e n Ländern zu s p r e c h e n .
M i l l s : Ich danke Ihnen, meines Erachtens t r i f f t
nanzminster g e s t e r n zum Ausdruck b r i n g e n w o l l t e .
+ + + + +
- 2 -

das genau d a s , was der F i -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Europa und das Atlantische Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszug aus dem außenpolitischen Bericht Präsident Nixons -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA begrüßen Einigung über Beteiligung und Verfahren für MBFR-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eberle unterstreicht Bedeutung der Gegenseitigkeit für die kommenden Handelsverhandlungen</text>
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Dokumentation

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1. Juni 1973

20

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL:
Kissinger erläutert Jahr Europas
-Erklärung des Präsidentenberaters auf der Pressekonferenz vom
29. Mai-

WIRTSCHAFT:
Washington umreißt Standpunkt zu schwebenden Wirtschaftsfragen
-Shultz erläutert Begriff der GegenseitigkeitUS-Wirtschaftsberater: April-Indikatoren deuten auf Rückgang der
Inflation
Dent begrüßt Verbesserung der Handelsbilanz
-Erklärung des US-Handelsministers-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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20/1973
KISSINGER ERLÄUTERT JAHR EUROPAS
- Erklärung des Präsidentenberaters auf der Pressekonferenz vom 19.Mai •

WASHINGTON — ( A D ) — Der Berater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen
Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, hat auf einer Pressekonferenz am 19. Mai
erneut den Begriff des Jahres Europas in der amerikanischen Politik näher
erläutert und ist auch auf die Treffen Nixons mit europäischen Staatsmännern eingegangen. Die Ausführungen Dr. Kissingers zu Beginn der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
"Meine Damen und Herren!
Darf ich einmal zusammenfassen, wohin unsere Pläne hinsichtlich des
"Jahres Europas" und der Gespräche abzielen, die jetzt zwischen Präsident
Nixon und Staatspräsident Pompidou in diesem Zusammenhang stattfinden.
Die Grundzüge dessen, was als Jahr Europas bezeichnet wird, sind in
dem Bericht des Präsidenten an den Kongreß und in der Rede niedergelegt
worden, die ich am 23. April vor (dem Jahresessen) der (amerikanischen
Nachrichtenagentur) Associated Press hielt.
Kurz gesagt besteht das Ziel darin, die atlantischen Beziehungen den
Bedingungen der siebziger und achtziger Jahre anzupassen und zu prüfen,

.1.

�prüfen, welche der Einrichtungen, die in den vierziger und fünfziger Jahren
entstanden sind, mit neuem Leben erfüllt und welche politischen Vorstellungen neu definiert werden müssen.
Die eigentliche Absicht dabei ist, nun festzustellen, ob wir definieren können, welchen Weg die an den Atlantik angrenzenden Nationen auf dem
Gebiet der Wirtschaft, auf dem Gebiet der Verteidigung, auf dem Gebiet der
Außenpolitik und bei der Bestimmung ihrer Beziehungen untereinander und
ihrer gemeinsamen Beziehungen zu anderen Industrieländern, wie Japan, einschlagen wollen.
In den von mir angesprochenen Unterlagen wird darauf hingewiesen, daß
in den letzten zwanzig Jahren eine Reihe von Institutionen auf den verschiedensten Gebieten entstanden ist, deren Arbeitsweise nicht notwendigerweise oder nicht unbedingt miteinander vereinbar ist.
Auf dem Gebiet der Wirtschaft liegt der Nachdruck auf Regionalismus.
Auf dem Gebiet der Verteidigung liegt der Nachdruck auf Integration. Auf dem
Gebiet der Außenpolitik werden die Geschäfte weitgehend auf nationaler Basis geführt, und daraus ergeben sich unausweichlich gewisse Belastungen.
Nun hat es im Gefolge dieser Ansätze sehr viele öffentliche Erörterungen in Europa gegeben, aber bisher noch sehr wenig offizielle Reaktionen.
Was die öffentliche Debatte anbetrifft, so ist behauptet worden, die
Vereinigten Staaten versuchten, die Verhandlungen auf dem Gebiet der Wirtschaft, der Verteidigung und der Außenpolitik sozusagen in einer einzigen
SuperVerhandlung

zusammenzuziehen, auf der alle diese Themen zugleich be-

handelt werden könnten.
Man hat argumentiert, daß die Vereinigten Staaten Europa eine regionale Rolle, sich selbst aber eine globale Rolle zuweisen wollten. Auch hat
man Besorgnis geäußert, daß die Vereinigten Staaten gegen eine Einheit
Europas seien.
Lassen

�Lassen Sie mich dazu einige Bemerkungen machen und alsdann erklären,
worauf wir abzielen und wie das bevorstehende Treffen sich in diesen Rahmen
einfügt.
Was das Wesen der Verhandlungen anbetrifft, so vertreten die Vereinigten Staaten nicht die Ansicht, daß es nur eine einzige SuperVerhandlung
geben sollte, bei der alle Themen zugleich diskutiert würden. Ganz offensichtlich ist es doch weitaus praktischer, die einzelnen Themen für sich
getrennt zu behandeln, wobei die Vereinigten Staaten allerdings der Ansicht
sind, daß diese Themen organisch miteinander verbunden sind, nicht durch
einen Akt der Politik oder eine Willensentscheidung seitens der Vereinigten
Staaten, sondern durch den Zwang der Notwendigkeit.
Mit anderen Worten: Es ist für die beiden Seiten diesseits und jenseits
des Atlantik unmöglich, einen regionalen Egoismus auf dem Gebiet der Wirtschaft hervorzukehren, dabei aber an der Doktrin einer integrierten Verteidigung innerhalb der NATO-Struktur festzuhalten. Und daher vertreten die
Vereinigten Staaten die Auffassung, daß die Verhandlungspartner auf beiden
Seiten des Atlantik bei der Verhandlungsführung auf den verschiedenen Gebieten sich der größeren politischen Realitäten bewußt sein und sich bei ihren
detaillierten Verhandlungen von ihnen leiten lassen müßten.
Das Gleiche gilt auch für den Bereich der Außenpolitik oder den Bereich
der Politik insgesamt.
Es ist auch keineswegs richtig, daß die Vereinigten Staaten durch die
Hervorhebung der Beziehung, in der die verschiedenen Gebiete zueinander
stehen, versuchten, ihre europäischen Verbündeten auf wirtschaftlichem Gebiet zu erpressen. Ganz im Gegenteil. Der sicherste Weg, um zu einer Konfrontation zu kommen, besteht darin, den Wirtschaftstechnokraten auf beiden
Seiten zu gestatten, die Verhandlungen auf der Basis rein wirtschaftlicher
Kriterien zu führen. Dies würde zu einer nachdrücklichen Betonung der speziellen Interessen der beiden Seiten des Atlantik führen und die Anpassungen
und Konzessionen unmöglich machen, die ein umfassenderes politisches Rahmen-

-3-

�Rahmenwerk gebieterisch fordernmuß.

.

..

. .,

Der tiefere Sinn unserer Forderung nach einer Neubewertung der atlantischen Beziehungen besteht gewiß nicht darin, einen einseitigen Vorteil bei
dieser oder jener Verhandlung zu erzielen* Wie diese Administration ja wiederholt in öffentlichen Erklärungen hervorgehoben hat, kann ein dauerhafter
Frieden oder eine Beziehung, die Bestand haben soll, gar nicht auf dem einseitigen Vorteil des einen Partners begründet werden. Nur solche, Übereinkommen werden von Dauer sein, an deren Bestand jede Seite ein entscheidendes Interesse hat.

..

•

, ,., •

• ,

. •.

Daher ist es das Ziel dieser Administration, die atlantische Debatte
aus dem alten Gleis der rein technischen Kontroversen herauszubringen, auf
die sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit seit rund einem.Jahrzehnt konzentriert hat.

:

,.

Wir glauben, daß&gt;es keiner zur atlantischenGruppegehoerenderi Nation
dienlich sein kann, ihre .außenpolitischen Erfolge ausschließlich mit den Beziehungen zu den Gegnern zu identifizieren. •

r

*

Wir haben uns zu einer Entspannungspolitik bekannt und halten weiter an
ihr fest. Aber es ist unserer Meinung nach auch wichtig, daß Nationen, die mit
den Gegnern gemeinsame Prinzipien abzugrenzen wissen, in der Lage sein sollten, eine Möglichkeit für die Definition gemeinsamer Prinzipien mit ihren
Freunden zu finden - und daß Länder, die sich zur gemeinsamen Verteidigung
vereint haben, fähig sein sollten, die Ziele dieser gemeinsamen Verteidigung
zu artikulieren.

;

,

Wir werden also im Verlauf dieses Jahres mit den führenden europäischen
Politikern die Grundprinzipien erörtern, die, wir wir meinen, unsere Beziehungen bestimmten sollten und die auch nach ihrer Meinung füir! unsere Beziehungen
maßgeblich sein sollten - nicht- wie sie sägten - als einseitige'anierikanische
Vorschläge, sondern als ein gemeinsames Unterfangen. Wir haben bereits mit
Premierminister Heath und Bundeskanzler Brandt Gespräche geführt, denen sich

-4-

�sich jetzt die Besprechungen mit Präsident Pompidou anschließen.
Die Rolle Frankreichs bei diesen Verhandlungen ist allerdings doch
recht entscheidend. Auf wirtschaftlichem Gebiet, bei den Verhandlungen mit
dem Gemeinsamen Markt, hat Frankreich stets eine sehr bedeutsame und in
vieler Hinsicht entscheidende Rolle gespielt.
Auf dem Gebiet der Verteidigung hat Frankreich allerdings eher abseits
gestanden und in außenpolitischen Fragen hat es den nationalen Charakter
seiner Politik nachdrücklich betont.
Was wir zu tun versuchen, ist nicht gegen die Einheit Europas gerich~
tet, sondern setzt sie vielmehr voraus und aus eben diesem Grunde halten wir
die Beteiligung Frankreichs und sein Einverständnis für sehr wichtig.
Natürlich werden wir nicht imstande sein, bei einem zweitägigen Treffen auf Island zu irgendwelchen abschließenden Entscheidungen zu gelangen.
Was wir aber zu erreichen hoffen, ist ein Übereinkommen irgendeiner Art
über die Verfahrensfragen, die bei der Artikulierung der Zielsetzungen ein»
geschlagen werden könnten, die wir zu definieren versuchen - Verfahrensfragen, bei denen die Rolle Frankreichs natürlich außerordentlich wichtig
sein wird, damit wir zu der Zeit, in der der Präsident Ende dieses Jahres
Europa besuchen wird, in der Lage sein werden, die erste Phase dieser Verhandlungen zu einem Abschluß oder doch bis unmittelbar vor einen Abschluß
zu bringen.
Ob dieses Treffen mit einem formellen Kommunique abschließen wird oder
nicht, ist allerdings noch nicht entschieden und ist auch nicht der wichtigste Aspekt dieser Gespräche.
Es gibt viele Dinge - viele konkrete Fragen, über die zu sprechen ist.
Frankreich ist sehr an einer Erörterung des Währungsproblems interessiert,
ferner an den bevorstehenden Handelsverhandlungen. Wir sind bereit, darüber
sowie über andere Fragen der atlantischen Beziehungen zu sprechen. Wir
würden sie aber gerne in einem Rahmen weitergesteckter und langfristigerer

-5-

�langfristigerer Ziele behandelt wissen. Aber selbstverständlich steht es
beiden Seiten bei diesem Treffen der beiden Präsidenten frei, jedes von
ihnen gewünschte Thema innerhalb jedes von ihnen gewählten Rahmens anzusprechen. Doch erhoffen wir konstruktive Gespräche, die den Zielen förder»
lieh sein werden, die ich Ihnen nannte und ich muß sagen, daß die Vorbesprechungen, die wir geführt haben, weitaus positiver waren als manche der
Berichte, die ich darüber gelesen habe."

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20/1973

WASHINGTON UMREISST STANDPUNKT ZU SCHWEBENDEN WIRTSCHAFTSFRAGEN
- Shultz erläutert Begriff der Gegenseitigkeit -

WASHINGTON — ( A D ) — Der amerikanische Finanzminister George P„ Shultz,
der Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im US=&gt;Außenministerium, Paul
Volcker, sowie der Berater Präsident Nixons für Wirtschaftsfragen und Vor«,
sitzende des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik, Peter Flanigan,
haben am 29. Mai auf einem vom Weißen Haus durchgeführten Wirtschaftsseminar
den Standpunkt der USA zu wichtigen nationalen und internationalen Wirtschaftsfragen umrissen.
Sowohl Shultz als auch Flanigan wurden auf das Prinzip der Gegenseitigkeit bei den kommenden Handelsverhandlungen angesprochen. Flanigan erklärte
dazu, sowohl die Europäer, die Amerikaner als auch die Japaner seien sich
darüber klar geworden, daß das Ziel ein Vorteil für alle Seiten - mit einer
allgemeinen Reziprozität - sein müsse. Es sei vorstellbar, daß in Fällen,
in denen amerikanische Exporte stärker unter Diskriminierung litten als
amerikanische Importe, die USA bei einer Senkung der Handelsschranken große»
re Vorteile erhielten als einige der anderen Handelspartner. Hier könne man
nicht einfach sagen, "wir werden Euch hier eine Million Dollar Handel geben, wenn Ihr uns dort eine Million Dollar Handel gebt."

Bei einem Abbau

der Schranken würden die USA jedoch profitieren und die Handelspartner würden ebenfalls profitieren.
Finanzminister

�Finanzminister Shultz formulierte es folgendermaßen:
Frage:.Ihr Kommentar vor einigen Tagen, daß die Einstellung der Vereinigten Staaten zu den Handelsverhandlungen mehr die des Nehmenden als
des Gebenden sein könnte, scheint eine ziemliche Unruhe verursacht zu
haben und auch eine gewisse Besorgnis über den Fortschritt in den damit
zusammenhängenden monetären Entwicklungen.
Wie schätzen Sie diese relativ harte Haltung auf Ihrer Seite hinsichtlich des zu erzielenden Fortschritts ein?
Antwort: Was ich gesagt habe, war lediglich eine Wiederholung des von
mir seit geraumer Zeit schon Gesagten. Nämlich, daß unserer Meinung nach
das gesamte System in den Jahren während der Nachkriegsperiode aus den Fugen geraten ist. Wir versuchen es wieder ins Lot zu bringen. Wir haben
entsprechendes an der monetären Front unternommen und bemühen uns auch an
der Handelsfront. Jedermann weiß, daß es bei Verhandlungen stets ein Geben
und Nehmen gibt.
Wenn man nicht bereit ist, irgendwie etwas zu geben, dann kommt man
bei Verhandlungen zu nichts.
Eine Interaktion dieser Art hat es zwischen allen an den Verhandlungen
Beteiligten gegeben. Gleichzeitig aber glauben wir Beispiele dafür zu haben
- wobei ich unsere Probleme in bezug auf einzelne Länder nicht dadurch erschweren möchte, daß ich mich auf sie in irgendwelchen besonderen Einzelheiten einlasse - aber, wie gesagt, wir glauben, daß es Probleme gibt, Orte,
an denen unsere Handelsgüter in unfairer Weise diskriminiert werden, und
wir glauben nicht, daß bei diesen Fällen die derzeitige Situation so gelagert wäre, daß etwas darauf hindeute, daß etwaige Veränderungen genau
parallel erfolgen müßten.
Wir sind der Ansicht, daß es manches gibt, was von der Bildfläche

�Bildfläche verschwinden sollte, und daß

es einen kontinuierlichen Prozeß

des Gebens und Nehmens geben muß, wie wir ihn in den Handelsverhandlungen
nunmehr seit Jahrzehnten erlebt haben - eine gewisse Art von Tradition
der Bemühung um einen Abbau der Handelsschranken.
Übrigens ist es bemerkenswert, daß in den letzten vier Jahren - bei
all dem Durcheinander, das wir im Währungssystem hatten und all den Debatten in der Öffentlichkeit über Handelsvereinbarungen und ähnliches - das
reale Volumen des Welthandels in einem Ausmaß zugenommen hat, das doppelt
oder sogar größer ist als die Wachstumsrate des Bruttosozialproduktes
der ganzen Welt.
Der Handel gedeiht also im Grunde. Natürlich ziehen wir daraus unseren
Nutzen; er ist gut für uns und ist gut für jedermann. Was wir aber brauchen,
sind bestimmte Mittel und Wege, um mit einigen der dabei auftretenden
Probleme fertig werden zu können."
Im folgenden bringen wir wesentliche weitere Auszüge aus den Darlegungen der genannten Regierungsvertreter zu den wichtigsten angeschnittenen
Themen:
"Finanzminister Shultz: Mir scheint, daß sich die Flexibilität unseres
gegenwärtigen Währungssystems gerade in der letzten Woche wie auch in der
vorangegangenen Woche recht gut bewährt hat, als wir ein gewisses Wiederaufleben der Spekulation gegen den Dollar und das Gold usw. erlebt haben.
Hätten wir ein festes System gehabt, in dem Länder feste Wechselkurse
zu verteidigen suchen, dann hätten wir, dessen können Sie sicher sein, wieder eine internationale Währungskrise erlebt. Sie hat nicht stattgefunden.
Das System hat die Entwicklung grundsätzlich im Griff gehalten und ließ
sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen
Frage:

-3-

�Frage: Herr Minister, zu den potentiellen Problemen, die nicht erwähnt
wurden, gehört auch die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Rezession, die
vielleicht Ende dieses Jahres oder 1974 ernste Ausmaße annehmen könnte.
Gibt es ein Programm, um dem zu begegnen?
Antwort: Meines Erachtens besteht das Problem darin, wie dieser Boom
so gelenkt werden kann, daß er abflacht, ohne zu einem Rückgang der Realeinkommen zu führen, denn ein reales Bruttosozialprodukt ist ein zentrales
Problem für das Management der Wirtschaft.... Wir wissen,, daß sich die gegenwärtige reale Wachstumsrate von acht Prozent nicht aufrechterhalten
läßt. Die Wirtschaft darf einfach nicht so rasch expandieren, was die
grundlegende Zunahme von Produktivität und Arbeitskräftepotential anbetrifft.
Die meisten Leute glauben, daß eine Ausweitung der Kapazitäten in der Größenordnung einer Rate von etwa 4,5 Prozent tragbar wäre. Diese reale Zuwachsrate von acht Prozent muß daher aus dieser Erkenntnis heraus auf vier Prozent
gesenkt werden. Das Problem besteht darin, die Zuwachsrate auf vier Prozent
herunterzubringen, ohne daß sie auf vielleicht minus ein Prozent oder dergleichen umschlägt; sie also so herunterzudrücken, daß die Wirtschaft mit
einer Rate von etwa vier Prozent expandiert. Das ist einfach ein Problem
des Managements, eine Frage der Beurteilung der gegenwärtigen Situation,
ob nämlich der derzeitige Boom durch monetäre oder fiskalische Maßnahmen so
gelenkt werden kann, daß wir mit einem allmählichen Abflachen auf ein Niveau
von etwa vier Prozent rechnen und dieses dann auch halten können, oder ob es
zu einer weiteren Überhitzung kommt und zum Beispiel starke fiskalische Maßnahmen notwendig werden.
Staatssekretär Volcker: Zu den Bemühungen um eine Reform des internatio«
nalen Währungssystems möchte ich sagen, wenn sie zwar nicht unverzüglich
voranschreiten, glaube ich doch nicht, daß irgendein.Grund besteht, entmutigt
zu sein. Es handelt sich hier um ein schwieriges politisches und wirtschaftliches Problem auf dem Gebiet der Reform der internationalen Wirtschaft, bei
dem unsere institutionelle Struktur und unser Währungssystem den tiefgreifen-

-4-

�tiefgreifenden Veränderungen in der Weltwirtschaft grundlegend angepaßt
werden müssen,,. .. Natürlich bestehen Meinungsverschiedenheiten darüber, wie
die verschiedenen Länder dieses Problem anpacken sollen. Doch sind meines
Erachtens auch einige Elemente vorhanden, bei denen, und zwar in wachsendem
Maße, Übereinstimmung besteht- beispielsweise über die Notwendigkeit einer
größeren Flexibilität des internationalen Währungssystems, die relative Zunahme der internationalen Reserveguthaben, die Sonderziehungsrechte und andere Währungen oder Gold oder die Notwendigkeit eines verbindlichen Verhaltenskodexes, der international ausgearbeitet oder unter Aufsicht einer internationalen Institution wie dem Internationalen Währungsfonds entwickelt werden
muß
Frage: Mr.Volcker, betrachten wir einmal ganz abstrakt die Qualität der
Sonderziehungsrechte; was halten Sie davon, die Bindung zwischen den Sonderziehungsrechten und dem Gold aufzuheben?
Antwort: Das ist eine sehr technische Frage, die Bindung zwischen den
Sonderziehungsrechten und dem Gold aufzuheben. Nach der derzeitigen Definition
haben die Sonderziehungsrechte einen bestimmten Wert in Gold und umgekehrt.
Es ist darüber diskutiert worden, ob wir dies in einem reformierten System
fallen lassen und den Wert der Sonderziehungsrechte einfach in Sonderziehungsrechten ausdrücken sollten. Natürlich besteht ein Wert in bezug auf bestimmte Währungen, nämlich der Wert, den ein Land seiner eigenen Währung in Sonderziehungsrechten gibt. Ich weiß nicht, ob dies wirklich eine zentrale Frage
ist... Wichtig ist, daß die Sonderziehungsrechte ein wachsender Bestandteil
der internationalen Reserven werden und auch wirklich diese Funktion übernehmen können, sobald die Rolle des Goldes als internationale Reserve zurückgeht, - ich sollte vielleicht sagen, weiter zurückgeht - und daß dann auf die
nationalen Währungen in dieser Beziehung eine nicht zu hohe Belastung zukommt. Hier handelt es sich um ein Gebiet, auf dem meines Erachtens bei praktisch allen Punkten dieser Frage ein sehr hohes Maß an Übereinstimmung besteht. ....
Frage:

-5-

�Frage: Sie werden also immer noch Gold als Reserve halten, doch muß
es nicht unbedingt an die Sonderziehungsrechte gebunden sein?
Antwort: Es wird noch auf lange Zeit hinaus Gold in den nationalen
Währungsreserven geben, Die einzelnen Länder verfügen heute über eine Menge
Gold. Der relative Anteil ist zurückgegangen. Niemand schlägt vor, daß das
Gold plötzlich aus den Reserven verschwinden sollte. Es ist heute ein wichtiger Bestandteil der Reserven und wird dies auch künftig bleiben...
Frage: Können Sie uns sagen, was - sofern etwas erreicht worden ist die Sitzung des Zwanzigerausschusses in der letzten Woche ergeben hat und
wie sich dies auf die Reform auswirken wird?
Antwort: Meines Erachtens war dies eine recht erfolgreiche Sitzung. Es
fand eine umfassende Diskussion statt, die weit detaillierter als früher war,
in einer zwangloseren Form vor sich ging - was nur nützlich sein kann - und
sich auf fast alle zentralen Fragen erstreckte.
Ich glaube, jeder hatte das Gefühl, daß die Standpunkte eingehender erläutert, klarer gemacht und die Punkte, bei denen Meinungsverschiedenheiten
und Unstimmigkeiten bestehen3 abgesteckt worden sind.... Das ist eine wichtige Phase, die durchgestanden werden muß
Frage: Gab es irgendwelche Entwicklungen in Richtung auf den amerikanischen Standpunkt über die Anwendung objektiver Indikatoren für eine Anpassung?
Antwort: Ich glaube, ich kann Ihnen die Situation am besten so erläutern, daß ich Ihnen sage, daß meines Erachtens in den vergangenen Monaten
die Logik aller amerikanischen Vorschläge immer mehr anerkannt worden ist
- die Art und Weise, wie sie zusammenhängen, die Hauptelemente dieser Vorschläge, die wichtig sind» Gleichzeitig besteht meines Erachtens ein gewisses Maß an Widerstand, was einige Auswirkungen dieser Vorschläge betrifft,
unter anderem die angedeutete Heranziehung von Reserven. Doch steht man
heute, wie ich meine, dieser Vorstellung positiver gegenüber als noch vor
sechs Monaten»

_

»6-

�Es wäre jedoch zu viel und würde zu Fehlschlüssen führen, wenn ich
erklärte, daß in diesem Punkt eine allgemeine Übereinstimmung bestehe,
daß dies unbedingt ein Bestandteil des Systems sei, der akzeptiert werden
muß. Es gibt hier noch beträchtliche Unstimmigkeiten....
Frage an Flanigan: Werden Sie bei den nächsten Handelsverhandlungen auf
mehr als Gegenseitigkeit drängen?
Antwort: Einmal ist uns vorgeworfen worden, wir gingen in diese Handelsverhandlungen nur, um unser Zahlungsbilanzdefizit zu beseitigen. Wenn Sie
den zeitlichen Rahmen, um den es hier geht, sowie die sich aus den Handelsverhandlungen ergebenden Vorteile betrachten und sich vergegenwärtigen, wie
unmittelbar das Zahlungsbilanzproblem ist, so werden Sie meines Erachtens
selbst sehen, daß diese Beschuldigung wirklich völlig unzutreffend ist.
Wir rechnen nicht damit, daß sich die Zollverhandlungen vor fünf Jahren
voll auswirken werden; bei vielen Punkten wird es noch bedeutend länger dauern und bei Fortschritten in der Landwirtschaft natürlich noch länger, bis
sie voll verwirklicht werden.
Wir rechnen nicht damit, daß die Handelsverhandlungen vor 1975 - als
dem frühesten Zeitpunkt - beendet sind. Dies ist die Forderung, die auf dem
europäischen Gipfeltreffen gestellt wurde und vom Präsidenten bekräftigt worden ist. Nehmen wir einmal an, daß dies ein optimistisches Ziel ist. Dann
würden die vollen Auswirkungen unserer Handelsverhandlungen real erst in den
achtziger Jahren durchschlagen. Wir rechnen jedoch damit, daß wir unser Zahlungsbilanzproblem lange vorher gelöst haben werden....

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20/1973

US-WIRTSCHAFTSBERATER: APRIL«INDIKATOREN DEUTEN AUF RÜCKGANG
DER INFLATION

WASHINGTON —(AD)-«. Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Dr. Herbert Stein, und ein Mitglied des Beirates, Marina V.N.Whitman,
haben in einer Erklärung die Wirtschaftsindikatoren für den Monat April
dargestellt, und Dr. Stein bezeichnete sie als ein Anzeichen dafür, daß
die Flut der Inflation in den Vereinigten Staaten zurückgeht. Die am
23. Mai veröffentlichte Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Zusammenfassung der wirtschaftlichen Bedingungen im April:
Das zweite Quartal (1973) begann mit Anzeichen für ein Nachlassen
der Verbrauchernachfrage gegenüber dem ausnahmsweise hohen Zuwachstempo im
ersten Quartal, während die industrielle Produktion weiterhin rasch anstieg. Die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb stark; der Beschäftigungsstand außerhalb der Landwirtschaft und die gearbeiteten Wochenstunden nahmen zu,

die Arbeitslosenrate insgesamt blieb jedoch auf der Fünf-Prozent-

Marke konstant, die seit November vorigen Jahres vorherrschte. Die Inflationsrate blieb im April noch hoch, jedoch stieg der Index der Großhandels«
und der Verbraucherpreise weniger an als in den beiden vorangegangenen Mo~
naten.
Nach

»le

�Nach ersten Berichten gingen die Einzelhandelsumsätze im April zurück,
nachdem sie vier Monate lang um durchschnittlich zwei Prozent monatlich
angestiegen waren. Die deutlichen Umsatzrückgänge in Geschäften, für die
das Ostergeschäft wichtig ist, deuten auf mögliche Schwierigkeiten für die
Saisonbereinigung für die Monate März und April. Der Absatz von neuen Automobilen (amerikanischen und ausländischen) ging gegenüber einer Jahresrate
von 12,5 Millionen Einheiten im ersten Quartal auf eine Jahresrate von
12 Millionen Einheiten zurück. Der Absatz einheimischer Wagen lag Anfang
Mai etwa auf dem gleichen Stand wie im April.
Mit einem Nachlassen auf dem Wohnungsmarkt und mit einer langsameren
Rate der Spareinlagen in Sparerinstitutionen schienen Baubeginne in eine
Richtung nach unten zu zeigen. Im April nahmen die Baubeginne im dritten
aufeinanderfolgenden Monat ab.
Die industrielle Produktion stieg im April um ein Prozent, wobei Gewinne bei Büroeinrichtungen und Verbrauchsgütern und «materialien erzielt
wurden. Die Produktion von Dauergütern stieg erneut überdurchschnittlich,
obwohl der Eingang von Neuaufträgen auf diesem Sektor nach ersten Berichten
zurückging. In den drei vorangegangenen Monaten waren die Neuaufträge für
Dauergüter durchschnittlich um vier Prozent monatlich gestiegen.
Die wachsende Produktion brachte in privaten Erzeugungsstätten außerhalb der Landwirtschaft eine erhöhte Beschäftigung und eine längere Arbeitswoche. Mit einem mäßigen Anstieg der Durchschnittstundenlöhne stieg das
Arbeitnehmereinkommen auf Jahresbasis umgerechnet um fast sechs Milliarden
Dollar oder 5,5 Milliarden Dollar, wenn man Lohnnachzahlungen berücksichtigt.
Die letztere Zahl entspricht in etwa der durchschnittlichen Zunahme in den
Monaten Februar und März.
Die Großhandelspreise stiegen im April (saisonbereinigt) um ein Prozent,
nachdem sie im Februar und März 1973 um durchschnittlich zwei Prozent monatlich und im Jahre 1972 um durchschnittlich 0,5 Prozent angestiegen waren. Bei

-2-

�Bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen und verarbeiteten Lebensmitteln zeichnete sich kaum eine Preisveränderung ab, die Industriepreise stiegen jedoch
im dritten aufeinanderfolgenden Monat sehr stark an (um 1,3 Prozent). Der
Verbraucherindex stieg im April (saisonbereinigt) um 0,6 Prozent, d.h. etwas
weniger als im Februar und im März. Im Vergleich zu Februar und März spiegelte sich diese Verbesserung in einem sehr viel langsameren Anstieg der Einzelhandelspreise für Lebensmittel wider..
Bereinigtes Bruttosozialprodukt für das erste Quartal:
Nach den bereinigten Daten stieg das Bruttosozialprodukt im ersten
Quartal etwas mehr, als die vorläufigen Zahlen hatten erkennen lassen. Der
Großteil der Berichtigung nach oben entfällt auf höhere Preise. Die vorläufigen Zahlen für Gesellschaftsgewinne stellen die Zunahme des Buchgewinns vor
Abzug der Steuern auf 11,6 Milliarden Dollar (Jahresrate), wovon sich der
größte Teil in einer Zunahme der Lagerbestände widerspiegelt. Was also die
Darstellung der Gewinne als Nationaleinkommen angeht, so betrug die Zunahme
der Gewinne im ersten Quartal nach Abrechnung der Lagerbestandsgewinne nur
3,4 Milliarden Dollar.
Zahlungsbilanz:
Die vorläufigen Daten zeigen eine Verschlechterung des Defizits der amtlichen Reservetransaktionen von 1,6 Milliarden Dollar im vierten Quartal
(1972) auf 10,2 Milliarden Dollar im ersten Quartal (1973). Das neue NettoLiquiditätsdefizit war ebenfalls schlechter. Die Defizite und negativen Verlagerungen hingen eng mit den starken Kapitalabflüssen zusammen, die hauptsächlich auf die Unsicherheit auf den Devisenmärkten zurückzuführen waren.
Gleichzeitig jedoch verbesserte sich das Defizit bei Gütern und Dienstleistungen."
Auf einer Pressekonferenz bezeichnete Dr. Stein die Zahlen für April
als ein erstes Zeichen für einen Rückgang der Inflationsflut. "Wir

-3-

haben

�haben eine Taube ausgesandt'1, so sagte er, "und sie ist mit einem Ölzweig
zurückgekehrt."

Dr. Stein wies darauf hin, daß die Daten einer erwarteten

Entwicklung entsprächen, warnte jedoch davor, daraus voreilige Schlüsse zu
ziehen. "Ein Ölzweig", so betonte er, "macht noch keinen Wald." Aufgrund
der vorliegenden Indikatoren, so erklärte er weiter, plane die amerikanische Regierung keine Verschärfung der Lohn-und Preiskontrollen, werde jedoch ihre restriktive Geld-und Haushaltspolitik fortsetzen.

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20/1973

DENT BEGRÜSST VERBESSERUNG DER HANDELSBILANZ
-Erklärung des US-Handelsministers-

WASHINGTON — ( A D ) — Der amerikanische Handelsminister Frederick B. Dent
hat die fortschreitende Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz, die
im April erstmalig seit 18 Monaten wieder zu einem Überschuß von 196,3
Millionen Dollar geführt hat, begrüßt. Die vom amerikanischen Handelsministerium am 24. Mai veröffentlichte Erklärung Dents hat folgenden Wortlaut:
"Der Handel der USA hatte im April einen Überschuß von 196,3 Millionen
Dollar aufzuweisen. Damit ist der amerikanische Außenhandel zum ersten Mal
seit eineinhalb Jahren wieder in die schwarzen Zahlen gelangt. Die sich
bereits im März abzeichnende Verbesserung, als das Handelsdefizit erheblich
auf 52,6 Millionen Dollar zurückging, hat sich weiter fortgesetzt.
Die Exporte sind im April gegenüber März - saisonbereinigt - um zwei
Prozent auf 5 487 Millionen Dollar gestiegen, während die Importe um 2,6
Prozent auf 5 291 Millionen Dollar zurückgingen. Der April war damit der
dritte aufeinanderfolgende Monat, in dem die Exporte neue Rekorde zu verzeichnen hatten. Die Importe gingen im zweiten aufeinanderfolgenden Monat
zurück.
Die

-1-

�Die Zunahme der Exporte im April war in erster Linie auf höhere Ausfuhren industrieller Erzeugnisse, vor allem Chemikalien, zurückzuführen.
Die Lieferungen von Maschinen nahmen ebenfalls zu. Die Agrarexporte hielten sich weiter auf dem hohen Stand des Monats März. Die Importe gingen
ganz allgemein zurück, wobei besonders Waren aus Kanada, Westeuropa und Japan betroffen waren. Der stärkste Rückgang war bei Kraftfahrzeugen und KfzTeilen sowie industriellen Erzeugnissen zu verzeichnen,,
Die positive Veränderung der Handelsbilanz im April war zum größten
Teil auf einen Abbau des Defizits gegenüber Kanada zurückzuführen. Auf der
anderen Seite war bei dem Handelsungleichgewicht der USA gegenüber Japan
nur ein geringer Rückgang zu verzeichnen. Der Handelsüberschuß gegenüber
Westeuropa war im April etwas niedriger als im März.
Die anhaltende Verbesserung unserer Handelsposition im April ist als
bedeutsam zu werten, da der Export eine beachtliche Stärke und der Import
eine gewisse Schwäche zeigte. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, daß
die Wechselkursänderungen der beiden letzten Jahre eine stimulierende Wirkung auf den Absatz von in den USA hergestellten Erzeugnissen ausgeübt
haben, der im übrigen auch von dem Wirtschaftsaufschwung in den anderen Ländern profitierte und sich dämpfend auf unsere Käufe ausländischer Erzeugnisse ausgewirkt hat. Es ist jedoch noch zu früh, das Ausmaß der Verbesserung
unserer Handelsbilanz für das gesamte Jahr vorauszusagen.

- Der Handel in den Monaten Januar bis April 1973 Um eine richtige Perspektive zu erhalten, ist es angebracht, die Entwicklung des Handels in den Monaten Januar bis April 1973 mit der in den
vorangegangenen vier Monaten zu vergleichen. Auf dieser Basis wiesen die
Exporte eine Zunahme um 19 Prozent und die Importe eine Zunahme um 11 Prozent auf. Gleichzeitig ging das Handelsdefizit, das in den Monaten September

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September bis Dezember 1972 eine Jahresrate von 5,9 Milliarden Dollar aufgewiesen hatte, stark zurück und zwar auf eine Jahresrate von 1,9 Milliarden Dollar.
Die in den Monaten Januar bis April 1973 erzielte Ausweitung des Exports gegenüber dem unmittelbar davor liegenden Viermonatszeitraum verteilt sich gleichmäßig auf landwirtschaftliche und nichtlandwirtschaftliche Erzeugnisse. Bei den nichtlandwirtschaftlichen Erzeugnissen verteilt
sich die Zunahme auf zahlreiche Warengruppen - unter anderem größere Lieferungen von Maschinen, verstärkte Ausfuhren der Autoindustrie nach Kanada,
Flugzeuge und zahlreiche industrielle Erzeugnisse wie Chemikalien und Stahl.
Die starke Ausweitung dieser Exporte ist auf die erhebliche Zunahme der
Wirtschaftstätigkeit in anderen Ländern in diesem Jahr und die stimulierende Wirkung der Wechselkursänderungen zurückzuführen. Die Agrarexporte haben
einen unverhältnismäßig hohen Anteil an der Ausweitung der Gesamtausfuhr
gehabt, da die Verkäufe von Getreide und Sojabohnen zu wesentlich höheren
Preisen äußerst lebhafte Formen annahmen.
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Die Zunahme der Importe war weit geringer, als dies bei den Exporten
der Fall war, und verteilt sich auf alle wichtigen Warengruppen, wobei in»
dustrielle Erzeugnisse an der Spitze standen. Die Importe der Autoindustrie
nahmen stark zu, vor allem von den amerikanischen Tochtergesellschaften in
Kanada, aber auch aus anderen Ländern. Die Einfuhr von Kapitalgütern wie
auch von Verbrauchsgütern erhöhte sich beträchtlich.
Die bisherige Stärkung unserer Handelsposition in diesem Jahr - gegenüber den letzten vier Monaten des Jahres 1972 - ist zu einem großen Teil
auf einen beträchtlichen Abbau des Handelsdefizits gegenüber Japan zurückzuführen, wo die Exporte stark anstiegen, während die Importe unverändert
blieben. Der geringe, in den Monaten September bis Dezember 1972 gegenüber
Westeuropa erzielte Handelsüberschuß erhöhte sich beträchtlich. Die

-3-

�Die positive Bilanz gegenüber Osteuropa konnte ebenfalls gefestigt werden.
Obwohl die Exporte nach Kanada stiegen, war die Zunahme der Importe noch
größer, was zu einer Ausweitung des Handelsdefizits gegenüber diesem Land
führte."

-4-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger erläutert Jahr Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidentenberaters auf der Pressekonferenz vom 29. Mai -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Washington umreißt Standpunkt zu schwebenden Wirtschaftsfragen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Shultz erläutert Begriff der Gegenseitigkeit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftsberater: April-Indikatoren deuten auf Rückgang der Inflation&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dent begrüßt Verbesserung der Handelsbilanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Handelsministers -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

08-85432

6. Juni 1973

21

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL:
Belebung des transatlantischen Dialogs
Von Paul W. McCracken

INFORMATION:
Treffen Nixon-Pompidou im Zeichen der Erneuerung der Atlantischen
Partnerschaft
-Erklärung Dr. Kissingers in Reykjavik am 31. MaiUS-Gemeinschaftsschau auf der ACHEMA »73

WIRTSCHAFT:
Washington rechnet mit wachsenden Handelsüberschüssen
Von Eugene Brake

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Hintergnjndmaterial

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BELEBUNG DES TRANSATLANTISCHEN'DIALOGS

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Professor für Betriebswirtschaft an der
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Universität von Michigan, Paul W. McCräcken,
hat in einem Artikel im Wall Street Journal am 24. Mai seine Auffassungen bezüglieh der Aussichten des transatlantischen
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Dialogs dargelegt. Mit freundlicher Geneh• .».,'

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hier im Wortlaut wieder.
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Copyright (c) 1973 by Dow Jones &amp; Co., Inc.
Für die internationale Wirtschaft ist eingutes Erntejahr zu erwarten.
Im September.ist in Tokio der Beginn einer neuen Runde von Verhandlungen
.., über einen Abbau der Handelsschranken; vorgesehen, und die Administration
(in Washington) hat bereits Gesetzesvorlagen unterbreitet, um .dem Präsidenten die notwendigen Verhandlungsvollmachten zu geben. Ferner arbeitet
der Zwanzigeraus'schuß mit Nachdruck an Vorschlagen für ein neues inter;

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nationales Währüngssystem, die aller Voraussicht: nach'auf der Jahrestagung
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�Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank im Septem,
ber Beachtung finden werden.
Wie stehen die Aussichten?
Nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten wäre eine optimistische Er«
Wartung am Platze* Trotz all der Währungsunruhen und «krisen der letzten
zwei Jahre scheint die internationale Wirtschaft noch sehr lebendig zu sein.
Zunächst einmal hat sich'das Volumen des Welthandels weiterhin kräftig ausgeweitet. Die Exporte der zehn wichtigsten Handelsnationen, die allein drei
Viertel des gesamten Welthandels ausmachen, liegen heute etwa 20 Prozent
höher als vor einem Jahr. Wenn diese Expansion auch zum Teil auf Preiserhöhungen zurückzuführen ist, so scheint das Volumen doch auch - in realer
Kaufkraft gemessen - etwas rascher gestiegen zu sein als Produktion und Realeinkommen. Die Kräfte, die eine Ausweitung des Volumens des internationalen
Handels und Wandels bewirken, scheinen sehr standhaft zu sein. Sie machen
sich weiterhin wirksam bemerkbar.
Zum anderen fängt das anhaltende amerikanische Handelsdefizit an, erste
Anzeichen einer Verbesserung zu zeigen. Es ist bedeutsam, daß während der
nachhaltigen Expansion in den USA das Handelsdefizit von einer Jahresrate von
6,7 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 1972 auf eine Rate von 6,0 Milliarden Dollar im zweiten Halbjahr und auf eine Rate von 3,7 Milliarden Dollar im
ersten Quartal 1973 gesunken ist. Die Verbesserung im ersten Quartal dieses
Jahres war zu dramatisch, als daß sie aufrechterhalten werden könnte, und
man muß damit rechnen, daß die weitere Abwertung des Dollar im Februar die
übliche kurzfristige negative Auswirkung auf unseren Handel haben wird.
Aber es ist bedeutsam, daß der allgemeine Trend des Defizits seit einem Jahr
nach unten geht, und zwar trotz der einem Boom im eigenen Lande innewohnenden starken Tendenz, Importe anzuziehen.
Darüber hinaus gibt es heute genug Fälle, wo ausländische Firmen ihre
Pläne aufgeben, in den amerikanischen Markt einzudringen, was darauf schliessen läßt, daß die Abwertung von 1971, die allgemein höheren Inflationsraten

.2*

�Inflationsraten im Ausland und jetzt die neuerliche Dollarabwertung das
amerikanische Preis-Kosten-Niveau wieder auf den Stand des Auslandes gebracht
haben. Man könnte sogar argumentieren, daß der Dollar an einem relativen
Preis-Kosten-Stand gemessen im Grunde etwas unterbewertet ist.
Und schließlich haben Wir bereits ein stabileres internationales Währungssystem erreicht, indem wir ein Floaten der Wechselkurse zulassen. Es
hat schon immer logische Gründe für die Überzeugung gegeben, daß - so paradox das klingen mag - starre Wechselkurse internationale Währungsinstabilität
und flexible Kurse ein stabileres System bedeuten. Der Grund ist natürlich
ganz einfach. Wenn die Wechselkurse sich nicht anpassen können, wen Preise,
Kosten und technologische Bedingungen sich in den verschiedenen Ländern mit
unterschiedlichen Raten bewegen, dann tritt die besonders starke Währung
beispielsweise an den ausländischen Devisenmarkt mit einer gewissen einseitigen Unsicherheit heran. Die einzige Unsicherheit ist, wann und um wieviel
diese Währung aufgewertet werden muß. Hier besteht also ganz offensichtlich
kein Risiko nach unten. Die natürliche Folge ist eine Lawine von Geld, das
dieses Land überflutet. Obwohl die unvermeidliche Heraufsetzung des Wechselkurses den Spekulanten angelastet werden kann, liegt die eigentliche Ursache
in dem Wechselkursmechanismus, der die Märkte mit einer einseitigen Unsicherheit konfrontiert hat.
Wenn sich die Wechselkurse frei bewegen können, dann wird eine Verlagerung von Geldern nach einem Lande dessen Währung stärken. Aber je*der, der
Geld in dieser Währung anlegt, muß auch mit einem Risiko nach unten rechnen».
Es besteht also entschieden weniger Anreiz, in einer solchen im Entstehen begriffenen Flutwelle mitzuschwimmen. Wir haben das im Mai erlebt, als Gerüchte
über eine mögliche weitere Aufwertung der DM im Rahmen des Antiinflationsprogramms der Bundesrepublik Deutschland zu einer kurzen Unruhe führten. Es
traten jedoch keine Flutwellen auf, und die Märkte blieben im allgemeinen im
Rahmen.
.

.

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Das

-3-

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Das gegenwärtige System flexibler Kurse hat noch ein weiteres Problem
gemildert - die Tatsache nämlich, daß die Außenhandelsziele von Nationen von
Natur aus unvereinbar sind. Die meisten Länder wollen mehr exportieren als
importieren - wag schwer zu erreichen ist, denn

der Export des einen ist der

Import des anderen. Der Versuch, dies im Rahmen eines Systems fester Wechselkurse zu erzielen, fordert jedpch einfach das Risiko heraus, daß aus Wettbewerbsgründen gegen den Standard abgewertet wird, und das ist ein Teil des
systematischen Prozesses gewesen, durch den der Dollar (der Standard) schließlich überbewertet.wurde. Wenn ein Land bewußt eine Wechselkurspolitik verfolgt,
die dahin tendiert, seine Währung ständig unterbewertet zu halten, dann kann
es eine störende Wirkung auf die Weitwirtschaft ausüben, die praktisch kaum
erkannt wird, da die Stärke seiner Währungs-und Zahlungsbilanzposition nach
außen Redlichkeit und Tugend zeigen. So ist beispielsweise Frankreich seit
langem dafür bekannt, seinen Wechselkurs auf einem Stand zu halten, der dazu neigt, den Franc unterzubewerten. Die unnötige Abwertung des Franc im
Jahre 1969 ist nur ein Beispiel, und wenn wir in der Geschichte etwas weiter
zurückgehen, so ist die Festlegung des. Franc auf:einen unterbewerteten Kurs
in den zwanziger Jahren ein weiteres.
/
Wir haben deshalb heute ein Währungssystem, das der Dynamik einer rasch
fortschreitenden und unsicheren Welt besser angepast ist,als das System von
Bretton Woods, und Finanzminister und Zentralbankpräsidenten scheinen heute eher geneigt zu sein, das zu akzeptieren,

. ,

Die eigentliche Frage ist, ob Europa und die Vereinigten Staaten miteinander reden können - zumindest in einer sinnvollen und problembezogenen
Weise. Sicherlich

hat Europa einige durchaus berechtigte Gründe, Unbehagen

wegen der Vereinigten Staaten zu empfinden. Hier stehen wir nun nur noch
wenige Monate von den Handelsgesprächen in Tokio, die im September beginnen
sollen, und die Administration hat nicht die Vollmacht, zu verhandeln. Eine
liberale Handelsgesetzgebung ist niemals einfach, und Europa sieht gerade
für das Handelsgesetz dieses Jahres ganz besondere Probleme. Sie umfassen
den gesamten Bereich vom Wiedererstehen einer protektionistischen Einstellung

&gt;.. • - 4 -

�Einstellung bis zu den Befürchtungen, daß die Watergate-Affaire die Administration so unbeweglich machen werde, daß sie nicht in der Lage sein
dürfte, das Handelsgesetz im Kongreß voranzubringen.
Außer der Ungewißheit über die Aussichten für eine Verabschiedung des
Handelsgesetzes, das für .eine Teilnahme der USA an der Handelsgesprächsrunde in Tokio notwendig ist, hegt man in Europa noch weitere allgemeinere Besorgnisse. Das alte Währungssystem hat uns nach ihrer Auffassung die Möglichkeit gegeben - ausgerüstet mit unbegrenzten Mengen der Leitwährung der
Welt (dem Dollar) - überall vorzustoßen, ihre Wirtschaftsunternehmen aufzukaufen und sie mit Dollars zu überfluten, bis sie daran erstickten. Sie
glauben - und in dieser Hinsicht haben sie vielleicht sogar Recht - daß die
amerikanische Geschäftswelt bei weitem nicht so exportorientiert ist, wie
sie es sein sollte. Die amerikanische Inflation, die Mitte der sechziger
Jahre einsetzte, wirft immer noch ihren Schatten weit voraus und der beschleunigte Anstieg unseres Preisniveaus, am Anfang des letzten Jahrzehnts erweckte die Befürchtung, daß Onkel Sam wieder einmal in der Tinte sitzt - durch
Mißmanagement seiner Wirtschaft im eigenen Lande. Nachdem wir die Wirtschaft nach 1965 auf den langen Weg einer beschleunigten Inflation eingestellt
haben, müssen wir mit dem Auftreten von ernsten Besorgnissen im Ausland
rechnen, die selbst bei geringfügigen Tendenzen einer Kursabweichung der
Wirtschaft schon unverhältnismäßig groß sein können.
Was uns betrifft, so haben wir auch einige Sorgen wegen Europa. Die
gemeinsame Agrarpolitik und die bei den EG-Ländern bestehende

Tendenz, für

gewährte Präferenzen von einigen Entwicklungsländern für die eigenen Exporte
Gegenpräferenzen zu erlangen, sind Dinge, die Uncle Sam nicht schmecken wollen. Darüber hinaus erscheinen die Gegenpräferenzabmachungen für die Exporte der Gemeinschaft in diese Länder doch wirklich schon ein wenig wie eine
Reinkarnation des Wirtschaftskolonialismus. Was nun die Inflationsraten in
den bedeutenderen europäischen Ländern anbetrifft, so sehen sie heute
schlechter aus als die der USA, und bei manchen sind die Aussichten für eine
substantielle Verbesserung für die Zukunft nicht gerade rosig. Selbst in

-5-

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&lt;

in einem Land mit einer traditionell so starken Inflationsfurcht wie
Deutschland sind die Preise in der letzten Zeit mit einer Rate von mehr als
acht Prozent gestiegen.
Die Hauptbeschwerde amerikanischerseits scheint jedoch die zu sein, daß
es praktisch unmöglich sei, heute einen Weg zu wirklich bedeutungsvollen
Gesprächen mit Europa zu finden. Wenn man mit einzelnen Regierungen spricht,
dann wird einem gesagt, daß es sich hier um Fragen der Gemeinschaft handele,
zu denen die einzelnen Regierungen keinen unabhängigen Standpunkt einnehmen
oder über die sie unabhängig sprechen könnten. Wenn man zur Gemeinschaft
geht, dann wird einem erklärt,daß man dazu nicht viel sagen könne, weil die
Mitglieder noch keinen gemeinsamen Standpunkt hätten.
Diese Sackgasse wird auf vielerlei Weise sichtbar. Die Europäer sind
schnell dabei, die allgemeinen Richtlinien von Finanzminister Shultz für
eine Währungsreform zu kritisieren, aber sie sind nicht in der Lage, eine
Alternative der Gemeinschaft anzubieten. Sie reagieren kühl auf die Rede
Kissingers, in der er eine Atlantikcharta vorschlug, aber sie sind offensichtlich nicht in der Lage, irgend etwas Konstruktives dagegenzusetzen, Sie versteifen sich auf eine Währungsunion ihrer eigenen Währungen (ohne Pfund und
Lira), aber sie sind nicht bereit, jeweils das Maß an Kontrolle über die
Geld-und Fiskalpolitik im eigenen Land aufzugeben, das notwendig ist, wenn
die Währungsunion eine vernünftige Aussicht auf Bestand haben soll.
Wenn im Hinblick auf Tokio vielleicht Ungewißheit bestehen mag, ob die
amerikanische Delegation Verhandlungsvollmacht haben wird, so kann doch kaum
Ungewißheit darüber bestehen, was sie will. Die Delegierten der Gemeinschaft
werden Verhandlungsvollmacht haben, aber sie werden möglicherweise mit keinem
klaren Auftrag dessen eintreffen, was sie eigentlich wollen.

»Viel

f

�- Viel Anlaß zum Nachdenken Wenn wir dieses wichtige Jahr einigermaßen konstruktiv überstehen wollen, dann müssen wir auf beiden Seiten noch über Vieles nachdenken. Was uns
hier in Amerika anbetrifft, so brauchen wir offensichtlich eine Handelsgesetzgebung im Sinne der Regierungsvorlage. Für uns geht es jetzt um eine
multilaterale Handelswelt und eine Welt schwindender Schranken.
Wir dürfen auch nicht vergessen, daß die Aufgabe, das Zusammenschmieden einer Europäischen Gemeinschaft zu vollenden, e ine Aufgabe ist, die
fast alle Vorstellungen übersteigt. Das Bemerkenswerte ist nicht, daß dieses Unterfangen so schwierig und so verdrießlich ist, sondern daß es überhaupt in Angriff genommen wird. Die Völker d.er Gemeinschaft stehen heute
vor all den Problemen (nur noch durch größere sprachliche, kulturelle und
politische Unterschiede ins Vielfache gesteigert), vor denen unsere Kolonien vor 200 Jahren standen, als sie versuchten, mit den Artikeln der
Konföderation unabhängig zu handeln.
Die Europäer haben selbstverständlich auch ihre Verantwortungen. Die
Ermahnung, die übrige Welt müsse geduldig warten, während sie komplexe
und schwierige innere Probleme der Gemeinschaft lösen, wird nicht ziehen.
Rund drei Viertel der Weltwirtschaft ist "dort draußen" außerhalb der Gemeinschaft. Diese Weltwirtschaft hat ihre eigenen inneren Gesetzmäßigkeiten,
und sie wird nicht in atemloser Spannung warten, bis die Gemeinschaft ihre
eigenen Probleme gelöst hat. Europa muß daher einige seiner Gedanken auf
konstruktive Ideen für die Gestaltung der gesamten Weltwirtschaft ausdehnen.
Die übrige Welt, und ganz besonders die Vereinigten Staaten, werden langsam
eines Europa müde, das sich auf negative Reaktionen auf die Initiativen anderer beschränkt. Dies wäre eine Strategie des internationalen wirtschaftlichen Zerfalls.

Sicherlich

�Sicherlich könnten die Probleme hier wesentlich abgeschwächt werden,
wenn jede Seite "sich ein bißchen mehr bemühen würde", wirklich herauszufinden, worauf die andere Seite in der Sache hinauswill, aber vielleicht leiden
wir auch darunter, daß wir keine zureichende Struktur haben, innerhalb derer
der Dialog stattfinden könnte. Früher wurden Kriege um weniger bedeutsamer
Dinge willen angefangen als die blutrünstigen Worte, die sich der französische und der deutsche Landwirtschaftsminister kürzlich wegen der Preise an
den Kopf warfen.Aber Frankreich und Deutschland leben in Frieden miteinander, und es wurde Übereinstimmung erzielt. Die Balken der Gemeinschaft wurden auf die Probe gestellt und sie hielten.
Dies schien die "große Idee" in der kürzlichen Rede Henry Kissingers
zu sein, und sie war vernünftig. Aber leider haben wir uns sofort in transatlantischen Argumenten festgefahren, ob "Jahr Europa" oder "neue Atlantikcharta" sehr gute Formulierungen seien.
Wenn wir unseren Dialog nicht mehr auf sachliche Argumente ausrichten
können als bisher, dann wird das Jahr 1973 nicht als ein irgendwie besonderes Jahr in die Geschichtsbücher eingehen.

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21/1973
TREFFEN NIXON-POMPIDOU IM ZEICHEN DER ERNEUERUNG DER ATLANTISCHEN
PARTNERSCHAFT
-Erklärung Dr.Kissingers in Reykjavik am 31.Mai-

REYKJAVIK — ( A D ) — Das Gipfeltreffen zwischen Präsident Nixon und dem französischen Staatspräsidenten George Pompidou stand im Zeichen einer Erneuerung der atlantischen Partnerschaft zwischen Europa und Amerika. Präsident
Nixon und Staatspräsident Pompidou waren am 30. Mai auf Island eingetroffen und reisten am 1. Juni in ihre Hauptstädte zurück.
Der Sonderberater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, gab auf einer Pressekonferenz in Reykjavik am
31. Mai in einer Erklärung die wesentlichen Punkte der Gipfelkonferenz
wieder:
"Meine Damen und Herren, ich möchte Ihnen zunächst meine Aufzeichnungen darüber verlesen, was nach Vereinbarung zwischen Präsident Pompidou und
Präsident Nixon am Ende ihrer Zusammenkunft bekanntgegeben werden kann. Es
handelt sich hier nicht um eine offizielle Erklärung, doch haben sich beide Seiten damit einverstanden erklärt, daß diese Erklärung in der vorliegenden Form abgegeben wird. Ich wiederhole nochmals, daß es sich nicht um eine
offizielle Erklärung

handelt. Es handelt sich um Notizen, die nach Überein-

stimmung von Präsident Pompidou und Präsident Nixon den Inhalt ihrer Gespräche wiedergeben.
Wie

�1/

!

4
Wie Ron Ziegler (der Pressesekretär des Weißen Hauses) Ihnen bereits
mitgeteilt hat, haben die beiden Präsidenten heute Vormittag in einem nützlichen und konstruktiven Geist ein Gespräch über die internationale Lage
und die Beziehungen innerhalb des atlantischen Bündnisses geführt.
Im Verlaufe dieses Gespräches hat Präsident Pompidou die wichtige Rolle der amerikanischen Truppen in Europa und die Gefahr einer einseitigen Verringerung dieser Truppen unterstrichen.
Präsident Nixon hat zu verstehen gegeben, daß er mit der Beurteilung
Präsident Pompidous voll und ganz übereinstimme.
Im Zusammenhang mit dem, was wir in den Vereinigten Staaten das 'Jahr
Europas* nennen, haben die beiden Präsidenten vereinbart, daß diese Konzeption in engster Zusammenarbeit zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten durch bilaterale Gespräche und einen Gedankenaustausch auf hoher Ebene
verwirklicht werden sollte.
Außenminister Jobert und ich werden diesen Gedankenaustausch weiterführen und unsere erste Zusammenkunft wird am 7, Juni in Paris stattfinden,
wenn ich zu den Vietnam-Verhandlungen dort sein werde.

t
Die Verhandlungen innerhalb des Bündnisses über spezifische Fragen, die
gegenwärtig bereits im Gange sind oder die noch aufgenommen werden mögen,
werden in den bestehenden Gremien fortgesetzt werden. Beide Präsidenten haben
vereinbart, daß je nach den in diesen Gremien erzielten Fortschritten eine
Zusammenkunft auf der Ebene der stellvertretenden Außenminister auf einer
ad hoc Basis wünschenswert werden könnte, um festzustellen, inwieweit sich
die Ergebnisse dieses bilateralen Gedankenaustausches und des in den anderen
Gremien geführten multilateralen Gedankenaustausches für eine mögliche Einbeziehung in eine Prinzipienerklärung eignen.
Ob ein Gipfeltreffen der führenden europäischen Staatsmänner mit dem
Präsidenten stattfinden sollte oder nicht, wird entschieden werden, sobald die
Ergebnisse all dieser anderen Verhandlungen ausgewertet werden können.
Auf

-2-

�Auf jeden Fall wird Präsident Nixon nach Europa kommen, um seine Kontakte mit den verschiedenen führenden Staatsmännern fortzusetzen.
Was die Handelsfragen anbetrifft, so haben beide Seiten vereinbart,
weiter in einem kooperativen und konstruktiven Geist vorzugehen. Zu den
Währungsfragen gab der französische Staatspräsident eine umfassende Darlegung seiner Ansichten und Präsident Nixon sagte zu, daß wir sie sehr aufmerksam und mit einer positiven Einstellung prüfen würden.
Die beiden Präsidenten stimmten darin überein, daß unsere Interessen
identisch sind und daß die einzige Meinungsverschiedenheit zwischen unseren
beiden Nationen darin besteht, wie wir die gemeinsamen Ziele am besten erreichen können.
Das war der wesentliche Inhalt der heutigen Gespräche.
Neben den Ihnen mitgeteilten Themen gab es noch ein kurzes Gespräch über
Südostasien und den Nahen Osten - Themen, die bei den Zusammenkünften der
Außenminister ausführlicher behandelt worden waren.
Morgen werden Präsident Nixon und Präsident Pompidou sich den bilateralen Fragen zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich zuwenden und
wir sind zuversichtlich, daß diese Gespräche in dem gleichen konstruktiven
und freundschaftlichen Geist wie heute stattfinden werden."

-H-+++

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21/1973
US-GEMEINSCHAFTSSCHAU AUF D£R ACHEMA «73

--(AD)— Die Vereinigten Staaten sind auf der ACHEMA »73 mit einem Gemeinschaftsstand vertreten, auf dem über 40 amerikanische Hersteller ihre
neuesten Erzeugnisse zeigen.
Der Schwerpunkt der US-Gemeinschaftsschau liegt auf dem Gebiet der Laboratoriumstechnik, auf das rund 60 Prozent der Aussteller entfallen. 20
Prozent der anwesenden Firmen zeigen Instrumente und Geräte für die Meß»
und Regeltechnik und weitere 20 Prozent Anlagen und Einrichtungen für die
Verfahrenstechnik.
Über die Hälfte der Aussteller im amerikanischen Pavillon sind an
Kontakten zu deutschen Unternehmen interessiert mit dem Ziel, Lizenzabkommen zu treffen oder Vertriebsverträge abzuschließen.
Der amerikanische Gemeinschaftsstand ist in Halle la untergebracht
und wird vom US-Handelszentrum Frankfurt organisatorisch betreut. Weitere
Auskünfte erteilt das US-Handelszentrum, 6 000 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4, Telefon 72 08 01, Telex 416535.

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21/1973

WASHINGTON RECHNET MIT WACHSENDEN HANDELSÜBERSCHÜSSEN
Von Eugene Brake
WASHINGTON —(AD)..- In Washington gibt man sich, was die weitere Entwicklung der amerikanischen Zahlungsbilanz anbetrifft, neuerdings wieder recht
optimistisch.
Dies lassen sowohl Äußerungen von Mitgliedern des Federal Reserve
Board (US-Bundesbank) wie auch maßgebender Vertreter der Regierung in jüngster Zeit erkennen. So bezeichnete der Experte für internationale Währungsfragen des Federal Reserve Board, J. Dewey Daane, in diesen Tagen die längerfristigen Aussichten für die internationale Zahlungsbilanz der USA
- und damit für den US-Dollar - als "erheblich besser" als dies seit langem
der Fall gewesen sei.
Diesen "vorsichtigen Optimismus" begründet Daane mit den letzten Statistiken über die Entwicklung des amerikanischen Außenhandels. Das Handelsdefizit der USA hatte Anfang 1972 mit einer Jahresrate von fast 8 Milliarden Dollar ihren bisher höchsten Stand erreicht. Seitdem war eine ständige
Verbesserung der Handelsbilanz zu verzeichnen, die gerade in den letzten
Monaten besonders stark war. So belief sich die Jahresrate des amerikanischen Handelsdefizits in den Monaten Januar bis April 1973 auf rund
2 Milliarden Dollar gegenüber einem Defizit von 6,8 Milliarden Dollar für
das gesamte Jahr 1972.
Der

-1-

�Der Staatssekretär für Währungsfragen im amerikanischen Finanzministerium, Paul A. Volcker, hatte bereits auf dem vom Weißen Haus veranstalteten
Wirtschaftsseminar auf diese stetige Verbesserung der US-Handelsbilanz verwiesen und betont, daß sich die Situation nunmehr im positiven Sinne zu
entwickeln scheine. Allerdings hatte Volcker einschränkend hinzugefügt:
"Ich möchte diesen Zahlen nicht zu viel Bedeutung beimessen, da sie das
Tempo, mit dem sich diese Entwicklung vollzieht, vielleicht zu schnell erscheinen lassen. Trotzdem werte ich sie als ein Zeichen dafür, daß sich
das zugrundeliegende Problem nach den sehr beträchtlichen Anstrengungen
nunmehr in der von uns gewünschten Richtung zu entwickeln beginnt."
Die in letzter Zeit eingetretene Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz ist natürlich auch zu einem großen Teil auf die ungewöhnlich starke Zunahme der US-Agrarexporte zurückzuführen, vor allem auf die umfangreichen Lieferungen an die Sowjetunion. Amerikanische Regierungskreise rechnen
damit, daß diese Entwicklung weiterhin anhalten und so zu einer Verbesserung
der Handelsbilanz beitragen wird. Allerdings glauben sie nicht, daß die ungewöhnlich hohe Zuwachsrate der Agrarexporte in den letzten Monaten auf die
Dauer aufrechterhalten werden kann.
Aus all diesen Gründen glaubt Daane nicht, daß die tatsächliche Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz wirklich so groß ist, wie dies die
letzten Statistiken vermuten lassen. Auch warnt er, daß eventuell mit vorübergehenden Rückschlägen in den nächsten Monaten zu rechnen sein könnte, da
die Dollarpreise der Importgüter aufgrund der Wechselkursänderungen in diesem Jahr zunächst steigen werden, weil das Importvolumen sich dem veränderten
Preisniveau noch nicht voll angepaßt hat. Trotzdem, so erklärte Daane, "hat
es solide Fortschritte gegeben". Selbst wenn man den Anstieg der Agrarexporte
außer Betracht läßt, lassen die Handelsstatistiken - sowohl auf der Export wie auch auf der Importseite - eine eindeutige Verbesserung erkennen.

Was

-2-

�Was nun die künftige Entwicklung anbetrifft, so rechnet Daane für die
letzten Monate dieses Jahres sowie für 1974 mit einer weiteren Verbesserung
der US-Handelsbilanz - nicht nur aufgrund der kumulierenden Wirkung der verbesserten Wettbewerbsposition der Vereinigten Staaten, sondern auch als Folge
der sich zu Gunsten der USA vollziehenden internationalen Wirtschaftsentwicklung. Während sich das Wachstumstempo der amerikanischen Wirtschaft verlangsamen und auf einem gemäßigten Niveau stabilisieren dürfte, wird der Wirtschaftsaufschwung in den anderen Ländern mit unverminderter Kraft anhalten.
Hieraus folgt, daß die dieses Jahr einsetzende beträchtliche Verbesserung der
amerikanischen Handelsbilanz sich 1974 und 1975 verstärkt fortsetzen wird,
so daß sich dann - zum ersten Male seit Ende der sechziger Jahre - wieder ein
beträchtlicher Handelsüberschuß ergeben dürfte.
Vor einem Senatsunterausschuß unterstrich Daane, daß er bei seinen Voraussagen die Notwendigkeit steigender amerikanischer Energieimporte voll berücksichtigt habe. Selbst bei ständig wachsenden Energieimporten rechne der
Federal Reserve Board mit einem beträchtlichen Handelsüberschuß der USA in den
nächsten Jahren. Allerdings, so fügte Daane hinzu, sei die Frage, wo die Öl»
exportländer ihre schnell steigenden Einkünfte aus den Erdölexporten investieren werden, nicht nur für die USA} sondern für das gesamte internationale Wirtschaftssystem von Bedeutung.
Ein wichtiger Grund für den Optimismus, den Washington hinsichtlich der
Entwicklung der amerikanischen Handelsbilanz - und damit auch der amerikanischen Zahlungsbilanz - zur Schau trägt, sind die seit 1970 erfolgten Veränderungen der Währungsparitäten. Der amerikanische Dollar ist gegenüber einigen
Währungen - vor allem dem japanischen Yen und der DM - stärker und gegenüber
anderen Währungen - vor allem den Währungen der Entwicklungsländer - in geringerem Maße abgewertet worden. Im Durchschnitt belief sich die Abwertung
des US-Dollar gegenüber allen anderen Währungen auf rund 17 Prozent. Dies
ist eine sehr erhebliche Wechselkursanpassung, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse wesentlich verbessert. Und so

�so konnte Daane mit Recht vor dem Ausschuß darauf hinweisen, daß sich mit
Sicherheit erhebliche Auswirkungen auf den amerikanischen Außenhandel ergeben werden. Allerdings lassen sich Umfang und Zeitpunkt der zu erwartenden
Exportausweitung sowie der Verlangsamung der Zuwachsrate bei den Importen
nicht genau voraussagen. Bis sich die Auswirkungen einer Abwertung positiv
auf den Außenhandel niederschlagen, braucht es immer eine gewisse Zeit.
Im Augenblick beginnen die Wechselkursänderungen der Jahre 1970 und 1971
langsam auf die amerikanische Handelsbilanz durchzuschlagen. Die neuerlichen
Wechselkursänderungen werden sich somit erst in den kommenden Jahren bemerkbar machen, und Daane rechnet damit frühestens für 1974 und 1975.
Die aufgrund des Smithsonian-Abkommens vom Dezember 1971 vorgenommenen
Wechselkursänderungen schlugen nicht so stark durch, wie man sich das in
Washington erhofft hatte. Aber nach den erneuten, in diesem Jahr vorgenommenen
Wechselkursanpassungen sind sowohl das amerikanische Finanzministerium wie
auch der Federal Reserve Board der Meinung, daß nunmehr ein vernünftiges und
realistisches System von Wechselkursen erreicht worden ist. Daher unterstrich
Daane auch auf Fragen der Ausschußmitglieder, daß mit einer eventuellen weiteren Abwertung des US-Dollar niemandem gedient sei und er darin "absolut
keinen Nutzen" sehen könne.

MIM

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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Belebung des transatlantischen Dialogs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Paul McCracken&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Treffen Nixon-Pompidou im Zeichen der Erneuerung der Atlantischen Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Dr. Kissingers in Reykjavik am 31. Mai -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Gemeinschaftsschau auf der ACHEMA '73&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Washington rechnet mit wachsenden Handelsüberschüssen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;</text>
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13. Juni 1973

Nummer 22

Inhalt

INFORMATION:
Laird erhielt Großkreuz des Bundesverdienstordens
-Ansprache des neuen PräsidentenberatersRogers unterstreicht Notwendigkeit regionaler Bündnisse
Von Marie H. König

HINTERGRUNDMATERIAL:
USA halten an realistischer Abschreckungsmacht der NATO fest
-Schlesinger in BrüsselRush umreißt weltweite Verpflichtungen der USA
-Auszüge aus der Rede des Stellvertretenden Außenministers am 5.Juni-

WIRTSCHAFT:
US-Finanzministerium rechnet mit steigendem Dollar-Kurs für die
kommenden Monate
Von Eugene Brake

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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22/1973

LAIRD ERHIELT GROSSKREUZ DES BUNDESVERDIENSTORDENS
-Ansprache des neuen Präsidentenberaters-

BONN--(AD)-- Der neuernannte Berater des Weißen Hauses für Innenpolitische Angelegenheiten und frühere amerikanische Verteidigungsminister,
Melvin R. Laird, hat am 12. Juni aus der Hand von Bundesverteidigungsminister Georg Leber das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland erhalten. An dem Essen zu Ehren von Laird nahmen unter anderem
der amerikanische Staatssekretär für die Marine (Marineminister) John W„
Warner - ebenfalls zu Besuch in der Bundesrepublik -;Bundesfinanzminister
Helmut Schmidt; der deutsche Botschafter bei der NATO, Franz Krapff; der
Generalinspekteur der Bundeswehr, Admiral Armin Zimmermann; der amerikanische Botschafter in Bonn, Martin J. Hillenbrand

und der Chef der amerika-

nischen Beratergruppe für Militärhilfe, Generalmajor Jack J. Wagstaff, teil.
Die Dankadresse Lairds anläßlich seiner Auszeichnung hat folgenden
Wortlaut:
Herr Verteidigungsminister Leber, Herr Finanzminister Schmidt,
meine Herren!
Sie haben mir und meinem Lande an diesem Abend eine große Ehre mit der
Verleihung dieser Auszeichnung erwiesen, die unsere Partnerschaft und unsere
Stärke symbolisiert, wenn wir jetzt auf eine Ära der Verhandlungen für den

�den Frieden zuschreiten, Sie erinnern mich aufs lebhafteste an unsere enge
Konsultation und Zusammenarbeit im Interesse des Weltfriedens während der
letzten Jahre,
Wir haben bei vielen Gelegenheiten freimütig und offen miteinander gesprochen - bei einzelnen, bilateralen Gesprächen als Verteidigungsminister
oder auch als Minister und geschätzte Freunde - während der NATO~Konferenzen
Unsere Zusammenkünfte waren stets harmonisch, getragen von einer Bereit»
schaft, unsere Probleme auf einer realistischen Basis gemeinsam anzupacken
sowie in einem wahren Geist deutsch-amerikanischer Partnerschaft im Rahmen
des großen NATO-Bündnisses.
In unseren Zusammenkünften spiegelte sich der stetige Fortschritt wi der, nach dem unsere beiden Nationen in ihrem Ringen um eine realistische
Abschreckung strebten, wie sie für einen dauerhaften Weltfrieden notwendig
und erforderlich ist. Die Bundesrepublik hat in der Tat bemerkenswerte Beiträge zu den für die Erreichung dieses Zieles notwendigen Maßnahmen geleistet. In den letzten vier Jahren, in denen ich die Haltung der Bundesrepublik genau verfolgen konnte, wurden Verträge mit der Sowjetunion und Polen
ausgehandelt und ratifiziert. Es wurden ferner Maßnahmen getroffen, um in
konstruktiver Weise die Situation zu verbessern, der sich die Bewohner der
Westsektoren Berlins gegenübersahen, und um die Zusammenarbeit mit der gesamten deutschen Nation zu verbessern.
Wir haben unsererseits mit den Besuchen Präsident Nixons in Peking und
Moskau Schritte unternommen, um die Beziehungen mit den Führern und der Bevölkerung der kommunistischen Welt zu verbessern. Inzwischen hat auch die
zweite Phase der Gespräche über die Begrenzung der Strategischen Rüstungen
begonnen.
Gemeinsam gehen wir als entschlossene Verbündete weiter auf dem Weg zu
einer Entspannung über die Stationen der Konferenz über Sicherheit und Zu=
sammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki und die Gespräche über eine

-2-

�eine Gemeinsame und Ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte (MBFR) in Wien.
Der jüngste Besuch von Parteichef Breschnew hier in Bonn ist ein weiteres
Beispiel für den Wunsch der Bundesrepublik, mit Begeisterung die neuen Wege
einer internationalen Verständigung zu beschreiten.
Meine eigenen Erfahrungen während meiner vierjährigen Tätigkeit im Verteidigungsministerium und während der vielen Jahre, die ich als Mitglied
des amerikanischen Kongresses tätig war, haben mir gezeigt - und wie ich
glaube auch dem amerikanischen Volk - daß Ihre Nation und meine eigene auch
weiterhin zusammen für den Weltfrieden eintreten können und werden. Unsere
beiden Nationen sind sich bewußt, daß dieser Friede auf der Grundlage der
Partnerschaft und der Stärke beruhen muß.

Um ein Beispiel zu nennen: Ich

begrüße die Schaffung einer Ständigen Seestreitmacht Mittelmeer der NATO,
in der auch die Bundesrepublik vertreten sein wird.
Ich kann Ihnen, meine geschätzten Freunde, versichern, daß ich an der
Verteidigung und an der kontinuierlichen Stärke, Vitalität und dem Zusammenhalt des großen atlantischen Bündnisses und unserer beiden Nationen ein nicht
nachlassendes Interesse habe und weiterhin behalten werde.
Ich grüße Sie und danke Ihnen von ganzem Herzen für die Ehre, die Sie
mir und meinem Lande heute abend erwiesen haben.

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22/1973

ROGERS UNTERSTREICHT NOTWENDIGKEIT REGIONALER BÜNDNISSE
Von Marie H. König

TEHERAN --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat
erneut die Notwendigkeit regionaler Bündnisse - wie CENTO, NATO und SEATO unterstrichen.
Auf einer Pressekonferenz im Anschluß an die zweitägige Ministerratssitzung der Zentralpaktorganisation (CENTO)betonte der amerikanische Außenminister am 11. Juni, daß derartige regionale Zusammenschlüsse trotz der
Verminderung der Ost-West-Spannungen auch weiterhin wichtig seien. Der
Zentralpal-torganisation gehören der Iran, die Türkei, Pakistan und Großbritannien als Vollmitglieder an, während die Vereinigten Staaten an den
Ratstagungen nur als Beobachter teilnehmen, in den wichtigen CENTO-Ausschüssen jedoch aktiv mitarbeiten.
Rogers, der am 14. und 15. Juni an der Ministerratstagung der NATO in
Kopenhagen teilnimmt, betonte, daß die Vereinigten Staaten die Bemühungen
um eine Entspannung realistisch und nicht euphorisch sehen, und er warnte
vor der Auffassung, Bündnisse als nicht mehr so wichtig zu betrachten, da
die Welt sich in Richtung auf eine Entspannung bewege. Bündnisse wie
CENTO, NATO und SEATO hätten erst die Stärke und Stabilität geschaffen,
die eine Verbesserung der Beziehungen zwischen den Ländern des Ostens und
des Westens ermöglichten. Rogers zeigte sich in diesem Zusammenhang beson-

-1-

�besonders von der wachsenden Zusammenarbeit zwischen den Ländern am Persischen Golf beeindruckt und betonte, daß gerade dieses Gebiet in den kommenden Jahren mehr und mehr an Bedeutung gewinnen werde.
Auf den Absatz des CENTO-Kommuniques angesprochen, daß die Außenminister
entschlossen seien, den subversiven Bedrohungen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu begegnen, erklärte Rogers, nachdem die Gefahr eines
dritten Weltkrieges oder eines Atomkrieges immer mehr zurückgehe, sei die
Subversion zu einem Mittel zur Ausbreitung von Ideologien geworden. Auch
die Subversion gehöre zu den Punkten, die den Ländern dieses Raumes Sorge
bereiteten, doch sei dies nur eine der Gefahren, vor denen sie auf der Hut
sein müßten. Und noch deutlicher wurde Rogers in einer Ansprache vor Angehörigen der amerikanischen Botschaft, als er betonte, daß die Subversion in
einer Atmosphäre der Entspannung bis hart an die Grenze eines Krieges gehen
könne.
Zu der bekundeten Bereitschaft der Vereinigten Staaten, dem Iran und
Saudi-Arabien militärische Ausrüstungen, darunter auch Phantom-Düsenjäger,
zu liefern, sagte Rogers, die USA glaubten nicht, daß eine Stärkung der iranischen Streitkräfte oder der Wunsch Saudi-Arabiens nach Stärkung seines militärischen Potentials irgendwelche Gefahren heraufbeschwören würden. Im
Gegenteil könnten sich derartige Maßnahmen stabilisierend auswirken.
Der amerikanische Außenminister wies in diesem Zusammenhang darauf hin,
daß die Sowjetunion ernsthaft bestrebt sei, ihre Beziehungen zu den Vereinig,
ten Staaten wie auch zu den westeuropäischen Ländern zu verbessern. Die USA
seien darüber erfreut, doch lasse sich daraus noch keineswegs folgern, daß
Moskau seine Weltanschauung geändert habe. Und man dürfe daraus auch nicht
den Schluß ziehen, daß die Sowjets künftig nicht mehr versuchen würden, ihren
Einfluß auf andere Gebiete der Welt auszudehnen oder daß sie militärische
Stärke für unwichtig hielten. Genau das Gegenteil sei der Fall. Wörtlich
fügte Rogers hinzu: "Daß wir unsere Beziehungen zu ihnen verbessern konnten,

-2-

�konnten, ist gerade darauf zurückzuführen, daß wir stark sind und daß wir
starke Bündnisse haben."
Bereits in seiner Rede zu Beginn der Ministerratssitzung hatte der
amerikanische Außenminister unterstrichen, daß an Stelle der Konfrontation
nunmehr Verhandlungen treten müßten, um ein weltweites Gebäude des Friedens
zu errichten. Alle Länder, die großen wie die kleinen, könnten hierzu beitragen. Für die Situation im Nahen Osten, so hatte Rogers in diesem Zusammenhang betont, sei es von äußerster Wichtigkeit, daß die Araber und die
Israelis nunmehr ernsthafte Verhandlungen aufnehmen. Die Vereinigten Staaten würden beide Parteien auch weiterhin dabei unterstützen, Fortschritte
in Richtung auf einen Frieden zu machen, der den legitimen Interessen
aller Betroffenen in diesem Raum gerecht wird.

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22/1973

USA HALTEN AN REALISTISCHER ABSCHRECKUNGSMACHT DER NATO FEST

-Schlesinger in Brüssel»

BRÜSSEL —(AD)--

Die Vereinigten Staaten haben ihre NATO-Verbündeten auf-

gerufen, gemeinsam mit ihnen an einer realistischen Abschreckungsmacht des
Bündnisses festzuhalten, um den Frieden auch weiterhin zu sichern. Die
Haltung der USA legte der designierte amerikanische Verteidigungsminister
Dr. James R. Schlesinger am 8. Juni vor dem NATO-Ausschuß für Verteidigungs«
planung (DPC) auf dessen Halbjahrestagung im Hauptquartier in Brüssel dar.
Dr. Schlesinger, dessen Bestätigung als Verteidigungsminister durch den
Senat noch aussteht, erhielt für seine Reise den Status eines Sonderbeauftragten des Präsidenten.
Wie aus amerikanischen Quellen im Anschluß an die vertrauliche Tagung
zu erfahren war, hat Dr. Schlesinger die NATO-Verteidigungsminister davor
gewarnt, die gegenwärtige Phase der Verhandlungen mit dem Osten bereits als
die Entspannung selbst zu betrachten. Nach diesen Berichten hat Dr. Schlesinger darauf hingewiesen, daß gegenwärtig zwar ein "milder Wind" aus dem
Osten wehe, daß dieser Wind jedoch auch sehr rasch umschlagen und wieder
"rauh" werden könne. Unter solchen unsicheren Bedingungen müsse die seit
so langer Zeit aufgebaute Verteidigung des Westens erhalten und verstärkt
werden. Wie freundlich die Atmosphäre zur Zeit auch scheinen möge, so sei

�sei die eigentliche - nukleare und nicht-nukleare - Bedrohung keineswegs
verschwunden. Dr. Schlesinger soll weiter betont haben, daß der Westen
nicht aus einer Position der Schwäche heraus erfolgreich verhandeln könne.
Nach amtlicher amerikanischer Darstellung hat Dr. Schlesinger drei
Aspekte der amerikanischen Politik hervorgehoben:
1. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eine wesentliche Rolle in
der Weltpolitik spielen. Sie werden vor allem an ihrer militärischen Verpflichtung in Europa festhalten. Bei entsprechendem partnerschaftlichem
Verhalten der europäischen Verbündeten werden die USA, wie dies Präsident
Nixon wiederholt zugesagt hat, ihre Streitkräfte in Europa aufrechterhalten
und verbessern. Eine Verringerung kann und wird nur im Rahmen eines verifizierbaren MBFR-Abkommen erfolgen.
2. Die Zeit ist vorbei, da die Vereinigten Staaten sich um alle Probleme überall auf der Welt kümmern können.
3. Die europäischen Nationen sind heute militärisch und wirtschaftlich
stärker als je zuvor und daher in der Lage, eine größere Verantwortung für
die gemeinsame Verteidigung zu übernehmen. Dr. Schlesinger soll in diesem
Zusammenhang die Hauptrolle der USA in der nuklearen Abschreckung bestätigt
und zugesichert haben. In einer Ära der nuklearen Parität komme jedoch der
konventionellen Stärke nur eine relativ größere Abschreckungswirkung und damit Bedeutung zu.
Wie von amtlicher amerikanischer Seite unterstrichen wird, hat Dr.
Schlesinger großen Nachdruck auf die Aufrechterhaltung der konventionellen
Stärke des Bündnisses gelegt. Es würde für die Vereinigten Staaten schwierig, ihre Zusage in den kommenden Jahren erfüllen zu können, wenn einige
ihrer Partner in Europa die Einsatzkraft ihrer konventionellen Streitkräfte
verringern. Jeder der Beteiligten müsse seinen Anteil an der Gesamtlast
tragen.
Dr.

-2-

�Dr. Schlesinger hat, wie von amtlicher Seite berichtet wird, die
pessimistische Auffassung abgelehnt, dis NATO werde in den kommenden Jahren
keine wirksame konventionelle Abschreckung aufrechterhalten können. Die
NATO habe heute eine ausreichende konventionelle Abschreckungsstärke und
verfüge über die Mittel und die Kapazität, sie in Zukunft aufrechtzuerhalten.
Aus amtlichen amerikanischen Kreisen verlautet in diesem Zusammenhang,
daß die USA hier an bestimmte Verbesserungen auf konventionellem Gebiet
denken. Einige dieser Ziele gehören in den Rahmen des vor zwei Jahren vereinbarten Programms für die Verbesserung der Verteidigung in den siebziger
Jahren -AD-70.
Bezüglich der NATO-Strategie hat Dr. Schlesinger nach Aussagen amerikanischer Quellen betont, daß die Vereinigten Staaten Vertrauen in die
Strategie der abgestuften Antwort (flexible response), der Vorne-Verteidigung und der realistischen Abschreckung hätten, und die Hoffnung ausgesprochen, daß sich das Bündnis auch in Zukunft von den eigentlichen Prioritäten
leiten lassen werde.
Wie aus amtlichen Quellen verlautet, hat Dr. Schlesinger ferner ein
multilaterales Programm der Verbündeten für den Ausgleich der hohen amerikanischen Ausgaben im Rahmen der NATO-Verteidigung angeregt. Spezifische
Vorschläge seien jedoch nicht unterbreitet worden. Die USA warteten auf
Vorschläge seitens der Verbündeten, und die Reaktion auf die Bemerkung
Dr. Schlesingers bezüglich der Lastenteilung sei durchaus verständnisvoll
gewesen.
Der NATO-Ausschuß für Verteidigungsplanung nahm ferner die vorangegangenen Beratungen von zehn europäischen Verteidigungsministern, der sogenannten "Euro-Gruppe" zur Kenntnis, die sich vor allem mit einer stärkeren
Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Rüstung befaßt hatte. Die Minister be-

-3-

�begrüßten im Zusammenhang mit der einhelligen Zielsetzung, die Sicherheit
auch weiterhin zu gewährleisten, die Zusicherung Dr. Schlesingers ganz besonders, daß die USA an ihren Verpflichtungen in Europa festhalten wollen.

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22/1973

RUSH UMREISST WELTWEITE VERPFLICHTUNGEN DER USA
-Auszüge aus der Rede des Stellvertretenden Außenministers am 5.Juni-

WASHINGTON — ( A D ) — Der Stellvertretende Außenminister der Vereinigten Staaten und frühere amerikanische Botschafter in Bonn, Kenneth Rush, hat am
5. Juni vor der Führungsakademie der US-Streitkräfte die weltweiten Aufgaben und Verpflichtungen der USA unterstrichen. Die Rede Rushs hat in
wesentlichen Auszügen folgenden Wortlaut:
"Präsident Nixon hat bei seiner Amtsübernahme eine große Zahl internationaler Verpflichtungen übernommen, die vor ihm eingegangen worden sind.
Er hat, wie versprochen, an diesen Verpflichtungen festgehalten. Aber die
Vereinigten Staaten haben noch zwei weitere Dinge getan:
Erstens, wir haben unsere Partner ermutigt, selbst mehr zu tun. So
haben wir beispielsweise in Vietnam mit Erfolg das Vietnamisierungsprogramm
abgeschlossen. In Europa übernehmen unsere Verbündeten einen größeren Anteil an der Verteidigungslast und stellen heute 90 Prozent der Truppen
für die NATO.
Zweitens, wir haben hart und erfolgreich daran gearbeitet, die Art
unserer Beziehungen zum kommunistischen China und zur Sowjetunion zu ändern.
Heute tritt die Konzeption an die Stelle der Konfrontation, die unsere Beziehungen kennzeichnete, als Präsident Nixon sein Amt übernahm.

Ich

�Ich möchte ein paar Worte über dieses zweite Element sagen, da unsere
veränderten Beziehungen zu unseren früheren Gegnern manche Leute veranlaßt
haben, den Wert unserer fortdauernden Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten in Frage zu stellen.
Für mich liegt es auf der Hand, daß der Fortschritt, den wir mit der
Sowjetunion und China erzielt haben, nur möglich war, weil sie und unsere
Verbündeten an unsere Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit geglaubt haben.
Sowohl Freund wie Gegner wußten, daß wir zu unseren Verpflichtungen stehen
würden. Aufgrund dieser Tatsache waren wir in der Lage, mit der Sowjetunion
und mit China zu verhandeln, ohne das Vertrauen unserer Verbündeten zu untergraben oder den Respekt unserer Gegner vor unserer Entschlossenheit zu mindern.
Während meiner Zeit als Botschafter in Deutschland hatte ich das Privileg, mit über das Berlin-Abkommen zu verhandeln, durch das diese Stadt aufhörte, eine Quelle ständiger Spannungen in den Ost-West-Beziehungen zu sein.
Es war für mich während dieser ganzen Verhandlungen klar, daß die Zuverlässigkeit unserer Verpflichtungen gegenüber der NATO ein wesentlicher Faktor für
den erfolgreichen Abschluß der Gespräche war.
Während des letzten Viertel Jahrhunderts haben die Vereinigten Staaten den
Nuklear-Schirm gestellt, von dem die Sicherheit Europas abhing. Daß wir das
taten, war in unserem beiderseitigem Interesse. Wenn dieser Nuklear-Schirm abgezogen würde, hätten die europäischen Nationen nur die Wahl, ihre eigene
Nuklearkapazität enorm auszubauen oder sich mit der Sowjetunion zu arrangieren. Diese Alternativen liegen weder in unserem eigenen Interesse noch im
Interesse unserer Verbündeten. Die Sowjetunion würde jedoch einen Abbau unserer Bindungen mit Westeuropa begrüßen - eine Entwicklung, die in ihren Augen
die sowjetische Hegemonie in Osteuropa fördern und ihren Einfluß in Westeuropa stärken würde.
Die

-2-

�Die gleiche unannehmbare Wahl zwischen verstärkter Nuklearkapazität und
Anpassung würde den europäischen Ländern aufgezwungen, wenn sie das Vertrauen
in unsere Verpflichtungen gegenüber dem Prinzip verlieren würden, daß europäische Sicherheit und amerikanische Sicherheit unteilbar sind. Wenn wir uns
einseitig von unseren Verpflichtungen in Westeuropa zurückziehen würden, dann
würde dies fast mit Sicherheit zu einem solchen Verlust des Vertrauens führen.
Wir versuchen daher vielmehr, die Spannungen im ganzen Kontinent abzu»
bauen,ohne die Verteidigung Europas zu schwächen. So wird Außenminister Rogers
nächsten Monat mit den Außenministern von 32 anderen europäischen Staaten und
Kanada an der Konferenz für die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa teilnehmen. Unser Ziel und das unserer Verbündeten besteht darin, die Freizügigkeit von Menschen, Informationen und Ideen über den Kontinent hinweg zu
steigern und die souveräne Gleichberechtigung jedes europäischen Landes zu
bekräftigen und zwar ohne Rücksicht auf seine Zugehörigkeit zusammen mit
anderen zum gleichen sozialen oder politischen System. Ferner sind Vorbereitungsgespräche für eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der Streit"
kräfte im Gange, die sich in Mitteleuropa gegenüberstehen. Diese beiden Gesprächsrunden sind entscheidende Elemente in unserem Streben, weiter von der
Konfrontation weg zu Verhandlungen in Europa zu kommen. Wenn diese Gespräche
Erfolg haben sollen, müssen sowohl unsere Verbündeten als auch die Sowjetunion
weiterhin hohen Respekt vor unserer Entschlossenheit haben, zu unseren Verpflichtungen zu stehen.
Ein wichtiges Element in der Vorstellung der Welt von unserer Zuverlässigkeit ist unsere anhaltende Stärke. Auf nuklearem Gebiet gesehen bedeutet das
im wesentlichen die Gleichwertigkeit der Nuklearstreitkräfte der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion. Und genau diese Art von Gleichwertigkeit streben
wir in der gegenwärtigen Runde der SALT-Gespräche auch an. Und wenn wir bei
diesen Verhandlungen danach streben, eine weitere Begrenzung der strategischen Rüstungen herbeizuführen, dann müssen wir weiterhin von einer starken
Kondition aus verhandeln.
In

-3-

�1

1
In Asien entwickelt sich eine neue Beziehung unter all den beteiligten
Nationen. Wir sind eine pazifische Macht und werden es auch weiterhin bleiben. Heute, da wir verantwortungsvoll unsere Rolle bei der Entwicklung eines
friedlicheren und kooperativeren Asiens spielen wollen, müssen wir unsere
dortigen Verpflichtungen peinlich genau einhalten. Es muß in diesem Zusammenhang gesagt werden, daß wir unsere Verpflichtungen gegenüber Taiwan nicht
geopfert haben, als wir unsere Beziehungen zu Peking verbesserten. Ja es
ist sogar so, daß unsere Entschlossenheit, zu diesen Verpflichtungen zu
stehen, zur friedlichen Entwicklung in Asien beigetragen hat.
Das Berlin-Abkommen, die Reisen des Präsidenten nach Moskau und Peking,
SALT I, das Ende des Krieges in Vietnam und der kommende Besuch von Parteichef Breschnew in den Vereinigten Staaten lassen das Ausmaß und die Richtung
der Veränderungen in der Weltpolitik erkennen. Aber sie zeigen auch eine gemeinsame Lehre: Fortschritt ist nur in einer Welt möglich, in der andere Nationen von der Voraussetzung ausgehend vertrauensvoll handeln, daß die Vereinigten Staaten das tun werden, wozu sie sich verpflichtet haben. Wo eine
solche Vertrauensbasis fehlt, ist es beinahe unmöglich, konstruktive Beziehungen zwischen Nationen aufzubauen - und es zeigt sich gerade im Nahen
Osten, daß die Verhandlungen lahmgelegt sind, weil es den Beteiligten an diesem Vertrauen mangelt.
Der Ruf der Vereinigten Staaten für ihre stabilen, zuverlässigen Verpflichtungen ist im Laufe vieler Jahre entstanden und teuer erkauft worden,
Wir können und werden nicht zulassen, daß dieses kostbare Gut von Jenen
verschleudert wird, die glauben, daß wir unsere Verpflichtungen hinter uns
lassen könnten, daß jetzt die offensichtliche Bedrohung unserer Sicherheit
geringer geworden sei.
Es liegt natürlich auf der Hand, daß unsere Verpflichtungen in einem
Verhältnis zu der Art und dem Ausmaß der Bedrohung und den Kosten stehen
müssen, um dieser Bedrohung entgegenzutreten. In dem Maße, in dem sich die
Bedrohung ändert, müssen sich unsere Mittel und Wege ändern, ihr zu begegnen. So beurteilen wir unsere strategische Bedrohung heute anders als wir

-4-

-,

�wir es vor SALT I taten. Und unsere Beurteilung wird sich erneut ändern,
wenn SALT II zu langfristigen Abkommen führt, durch die strategische Waffensysteme begrenzt werden.
Wenn die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und
die Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerungen
in Mitteleuropa zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt Erfolg haben,
werden wir die Stabilität in Europa gestärkt haben. Die Situation in Asien
entwickelt sich ebenfalls rasch und erfordert eine genaue Prüfung, wie
wir unsere Interessen am besten verfolgen und schützen können. Bei unserer
Feststellung, wie sich veränderte Umstände auf unsere Verpflichtungen auswirken, werden wir weiterhin in engem Kontakt mit unseren Verbündeten bleiben. Wir werden zusammen mit ihnen erneut prüfen, wie wir unsere gegenseitigen Verpflichtungen am besten gestalten können, damit sie weiterhin unseren beiderseitigen Interessen dienen.
In der Vergangenheit haben wir Verpflichtung hauptsächlich in Begriffen unserer Verteidigungserfordernisse definiert. Wir werden - wie ich bereits erklärt habe - zu unseren gegenseitigen Verteidigungsverpflichtungen
stehen. Wir rechnen jedoch nicht damit, neue militärische Verpflichtungen
einzugehen.
Wir werden vielmehr dem Begriff Verpflichtung neue Dimensionen hinzufügen. Eine dieser Dimensionen muß sich auf unsere entstehenden Beziehungen zu
China und zur Sowjetunion erstrecken. Beinahe täglich kommt in unserem produktiven Verhältnis zu Moskau und Peking etwas Neues hinzu. Diese neuen Mittel und Wege des Engagements stellen praktisch eine neue Art gegenseitiger
Verpflichtungen dar, die wir gegenüber ihnen und sie gegenüber uns übernehmen.
Die Gipfeltreffen im vorigen Jahr in China und in der Sowjetunion erbrachten eine Verpflichtung unsererseits und seitens jeder der kommunistischen Mächte gegenüber den allgemeinen Prinzipien, die für die Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und jeder dieser Macht gelten sollen. Wir
und sie haben uns seither von diesen Konzeptionen leiten lassen. Und seit

-5-

�seit jenen Gipfeltreffen hat das durch jene Prinzipien geschaffene Gerüst
beträchtlich an Gestalt gewonnen. So haben wir beispielsweise im vorigen
Jahr mehr Abkommen mit der Sowjetunion unterzeichnet als in irgendeinem
Jahr seit 1933, dem Jahr, in dem wir wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen haben. Und wer hätte noch vor 15 Monaten die Kühnheit besessen, sich
vorzustellen, daß im Mai 1973 China und die Vereinigten Staaten Vermittlungsbüros eingerichtet haben.
Es liegt auf der Hand, daß unser strategisches Nuklearverhältnis zur
Sowjetunion von uns weiterhin ein enges und anhaltendes Engagement in unseren internationalen Angelegenheiten verlangen wird. Die Unmittelbarkeit der
nuklearen Bedrohung mag etwas verringert worden sein, aber sie ist noch
keineswegs aufgehoben - und diese Aussicht liegt noch in der Ferne.
Aber selbst wenn es keine nukleare Bedrohung gäbe, werden die Vereinig»
ten Staaten unausweichlich mehr und mehr in die globalen Verhältnisse ver»
wickelt werden. Dieses Engagement fügt der Konzeption der Verpflichtung einen
weiteren Aspekt hinzu.
Internationale Beziehungen werden in zunehmendem Maße komplexer und die
Welt wird in zunehmendem Maße interdependent. Es ist unmöglich, unsere nationalen Interessen - wie ich sie vorhin beschrieben habe - zu bewahren und uns
gleichzeitig von der Welt abzuschließen. Das gilt deshalb, weil:
-- keine Nation, die allein handeln will, in der Lage sein wird, eine
annehmbare Qualität des Lebens für ihre Bürger aufrechtzuerhalten;
-- keine Nation allein die Reformen des Welthandels und des Währungssystems herbeiführen kann, von denen eine expandierende und gerechte Weltwirtschaft abhängen;
-- keine Nation unabhängig in der Lage sein wird, die Schätze der Ozeane
zu einer Quelle der Zusammenarbeit statt des Konfliktes unter Nationen zu
machen;
-- keine Nation allein in der Lage sein wird, zu garantieren, daß die
begrenzten Energievorräte der Welt zureichend und gerecht und zu einem fairen

-6-

�fairen Preis für den Erzeuger an den Verbraucher verteilt werden; und
-- keine Nation allein in der Lage sein wird, ihre Umwelt von der Bedrohung durch Verschmutzung zu retten.
Konzertierte Aktion von Nationen mit gleichen Ideologien oder gleichen
politischen Systemen wird nicht ausreichen. Ebensowenig werden Versuche
nützen, Industrienationen gegen Entwicklungsländer oder Rasse gegen Rasse auszuspielen. Eine auf solchen negativen Einstellungen basierende Politik wäre
natürlich leichter zu verwirklichen als schöpferische internationale Anstrengungen zur Zusammenarbeit. Aber sie würden kaum mehr als eine sterile Konfrontation hervorbringen. Die Welt verlangt stattdessen, sich über Unterschiede
hinweg die Hand zur konzertierten Aktion zur Erreichung gemeinsamer Ziele zu
reichen.
Die Vereinigten Staaten müssen sich an den Bemühungen beteiligen, konstruktive internationale Mittel und Wege zur Lösung globaler Fragen zu finden. Sonst werden unseren Interessen ernsthafte Schwierigkeiten erwachsen.
Und wenn wir uns beteiligen sollen und wollen, dann müssen wir auch bereit
sein, neue klar umrissene Verpflichtungen einzugehen, denn es kann ohne solche Verpflichtungen unsererseits und anderer keine Lösungen für die großen
Aufgaben des 20. Jahrhunderts geben.
Alle Fragen auf der internationalen Tagesordnung verlangen die eine Verpflichtung seitens der Weltgemeinschaft - die Verpflichtung zur gegenseitigen
Anpassung und Zurückhaltung. Von keiner Nation wird erwartet, daß sie ihre
grundsätzlichen nationalen Interessen opfert. Aber alle Nationen müssen nach
dem Prinzip handeln, daß die Aufrechterhaltung zuverlässiger Beziehungen
wichtiger ist als der Triumph in irgendeiner speziellen Frage. Dies sind die
Qualitäten, die die Oberhand behalten müssen, ob es sich um die Frage der Umweltverschmutzung oder um Rüstungsbeschränkungsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion handelt. Wenn sich die internationale Gemeinschaft durch Flexibilität, Zurückhaltung und vernünftige Anpassung unter
ihren Mitgliedern leiten läßt,dann wird die kooperativere und friedlichere
Welt, die wir anstreben, näher gebracht worden sein."

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22/1973

US-FINANZMINISTERIUM RECHNET MIT STEIGENDEM DOLLAR-KURS FÜR
DIE KOMMENDEN MONATE
Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)— Wesentliche Fakten deuten auf eine Festigung des DollarKurses in den kommenden Monaten hin. In amerikanischen Regierungskreisen
ist man daher über die gegenwärtige Schwäche des US-Dollar auf den ausländischen Devisenmärkten etwas überrascht. So erklärte der stellvertretende
Staatssekretär für Währungsfragen im US-Finanzministerium, Jack Bennett,
dieser Tage vor dem Finanzausschuß des amerikanischen Senats, er rechne
nicht mit einem weiteren wesentlichen Nachgeben des Dollar-Kurses. Vielmehr
glaube er, daß sich der Dollar-Kurs in den kommenden Monaten - insgesamt gesehen - wieder nach oben bewegen werde.
Bennett verwies in diesem Zusammenhang auf die Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz in den letzten Monaten und betonte, daß das hohe
Zahlungsbilanzdefizit der USA im ersten Quartal dieses Jahres zum großen Teil
auf spekulative Geldtransaktionen vor der zweiten Dollarabwertung und dem
Floaten der wichtigsten Weltwährungen zurückzuführen gewesen sei. Bereits in
der ersten Märzwoche habe die amerikanische Zahlungsbilanz wieder einen Überschuß ausgewiesen und für das zweite Quartal dieses Jahres könne insgesamt
ebenfalls mit einem Überschuß gerechnet werden.
Mit

-1-

�Mit ein Grund für die verbesserte Zahlungsbilanzsituation der Vereinigten Staaten ist die rasche Zunahme der ausländischen Investitionen in den
Vereinigten Staaten. So erreichte der Fluß von Investitionskapital nach den
USA im ersten Quartal dieses Jahres seinen bisher höchsten Stand und, wie
Bennett betonte, dürfte er auch in den kommenden Monaten hoch sein. Es sei
sowohl mit einer Zunahme der Direktinvestitionen als auch der sonstigen Geldanlagen in den Vereinigten Staaten zu rechnen.
Ferner haben die hohe Inflationsrate in einigen anderen Ländern und der
relativ geringere Preisauftrieb in den Vereinigten Staaten der amerikanischen
Industrie einen Kostenvorteil verschafft. Wie Bennett vor dem Senatsausschuß
betonte, hätten ihm zahlreiche Industrielle bei seinen Gesprächen in Europa
erklärt, daß eine Herstellung von Gütern in den USA gegenüber der Erzeugung
in Europa heute einen Wettbewerbsvorteil biete und sie daher die Errichtung
neuer Produktionsanlagen in den Vereinigten Staaten erwägen würden.
Auch Finanzminister Shultz sowie der Berater Präsident Nixons und Vorsitzende des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik, Peter M. Flanigan,
zeigten sich erstaunt über die jüngsten Entwicklungen auf den internationalen
Devisenmärkten. Flanigan wies darauf hin, daß die Bekämpfung der Inflation
in den Vereinigten Staaten erfolgreicher gewesen sei als zum Beispiel in
Deutschland oder Japan und daß diese Entwicklung nach Auffassung der amerikanischen Regierung wie auch der Privatwirtschaft andauern werde. Damit werde
sich die Wettbewerbsfähigkeit

amerikanischer Erzeugnisse auf den Weltmärkten

weiter verbessern.

In amerikanischen Regierungskreisen wird allerdings ein deutlicher Unterschied zwischen den Entwicklungen auf den ausländischen Devisenmärkten und
denen auf dem privaten Goldmarkt gemacht. So betonte Bennett, daß der Goldpreis in den letzten Tagen nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern gegenüber
allen Währungen stark angezogen habe. Dagegen sei der Rückgang des DollarKurses gegenüber den anderen Währungen weitaus geringer gewesen. Und Flanigan
verwies auf das nur begrenzte Goldangebot auf den Weltmärkten, dem von Seiten

-2-

�Seiten der Industrie wie auch aus Währungsgründen eine steigende Nachfrage
gegenüberstehe. Das Anziehen des Goldpreises sei daher leichter zu verstehen
als die gegenwärtige Schwäche des Dollar-Kurses.
Dies ist auch der Grund, warum der Staatssekretär für Währungsfragen im
US-Finanzministerium, Paul Volcker, bei zahlreichen Anlässen immer wieder
betont hat, die starken Schwankungen des Goldpreises unterstrichen nur, daß
Gold als Grundlage eines internationalen WährungsSystems ungeeignet sei und
seine relative Bedeutung für dieses System daher verringert werden sollte.
Bennett wies in diesem Zusammenhang auf das rasche Ansteigen des Silberpreises in den Vereinigten Staaten gerade zu dem Zeitpunkt hin, als die USA die
Verwendung von Silber für Währungszwecke einstellten.Damals hätten sich zahlreiche Spekulanten in den USA die Finger verbrannt.
Für Washington ist entscheidend, daß die in den letzten Monaten eingeführten flexiblen internationalen Währungsabmachungen ihre Bewährungsprobe
bestanden haben, und es zu keiner wirklichen Krise gekommen ist. Bennnettbetonte, daß es keine Krise gebe, die den Handel oder Währungstransaktionen erschwere. Vielmehr hätten sich die Veränderungen der Wechselkurse allmählich
vollzogen und es bestehe keine Notwendigkeit für sofortige Zusammenkünfte der
Finanzminister oder eine eventuelle Schließung der Devisenbörsen.
Bereits am 29. Mai hatte Finanzminister Shultz auf einem vom Weißen Haus
veranstalteten Wirtschaftsseminar erklärt: "Meines Erachtens hat sich die
Flexibilität unseres derzeitigen Währungssystems gerade in der letzten Woche
wie auch in der vorangegangenen Woche recht gut bewährt, als wir ein gewisses Wiederaufleben der Spekulation gegen den Dollar und das Gold hatten.
Hätten wir ein festes System gehabt, in dem Länder feste Wechselkurse zu
verteidigen suchen, dann hätten wir, dessen können Sie sicher sein, wieder
eine internationale Währungskrise erlebt. Sie hat nicht stattgefunden. Das
System hat die Entwicklung grundsätzlich im Griff gehalten und ließ sich
durch diese Entwicklungen nicht aus dem Gleichgewicht bringen."

-3-

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Laird erhielt Großkreuz des Bundesverdienstordens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des neuen Präsidentenberaters -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rogers unterstreicht Notwendigkeit regionaler Bündnisse&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Marie H. König&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA halten an realistischer Abschreckungsmacht der NATO fest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schlesinger in Brüssel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rush umreißt weltweite Verpflichtungen der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede des Stellvertretenden Außenministers am 5. Juni -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Finanzministerium mit steigendem Dollar-Kurs für die kommenden Monate&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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Doku mentation

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20. Juni 1973

23

Inhalt
HINTERGRUNDMATERIAL:
Treffen Nixon-Breschnew im Zeichen eines veränderten internationalen
Klimas
Von Alexander M. Sullivan

WIRTSCHAFT:
Präsident Nixon ordnet zweimonatigen Preisstopp an
-Wortlaut der Rundfunk-und FernsehanspracheDas neue US-Wirtschaftsprogramm in Stichworten
Shultz erläutert neue amerikanische Wirtschaftskontrollen
-Auszüge aus der Pressekonferenz des US-FinanzministersDie Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Europa
-Auszüge aus der Rede von Botschafter Greenwald in Bergneustadt-

DOKUMENTATION:
Gemeinsames amerikanisch-nordvietnamesisches Kommunique vom 13. Juni
-WortlautDas Pariser Vierer-Kommunique1 vom 13. Juni
-Wortlaut-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Hintergrundmaterial

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Telex:

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23/1973
TREFFEN NIXON-BRESCHNEW IM ZEICHEN EINES VERÄNDERTEN INTERNATIONALEN
KLIMAS
Von Alexander M. Sullivan

WASHINGTON --(AD)— Wenn Präsident Nixon und Parteichef Breschnew jetzt zum
zweiten Gipfel zusammentreffen und Breschnew zum ersten Mal die Vereinigten
Staaten besucht, dann geschieht dies im Zeichen und als Ausdruck eines veränderten politischen Klimas in der Welt. Und wenn Nixon bei der Begrübung
seines Gastes erklärte, die Gespräche in Washington würden "die Möglichkeit
für einen noch größeren Fortschritt" bei der Verbesserung der amerikanischsowjetischen Beziehungen und der Sicherung des Weltfriedens bieten, und
Breschnew von "dem Ausdruck unserer gemeinsamen Entschlossenheit" sprach,
"einen neuen Beitrag" zu den friedlichen Beziehungen beider Länder zu
leisten, dann sollte man das einmal im Lichte der Entwicklung seit 1969
betrachten.
Als Nixon im Jahre 1969 die Präsidentschaft_erlangte, kam er mit der
kühnen Hoffnung nach Washington, mit der Sowjetunion von einer Ära der Konfrontation zu einer Ära der Verhandlung zu gelangen. In einer Zeit, da der
Atomsperrvertrag im amerikanischen Kongreß angehalten wurde und die Erinnerung an die sowjetische Invasion in der Tschechoslowakei noch frisch war,
klangen solche Hoffnungen, nicht gerade überzeugend. Washington und Moskau
hatten eine Vielzahl von Reibungspunkten - in Berlin, im Nahen Osten, in
der Karibik, in Südostasien.
In

�»

In den Augen seiner Kritiker steckte Nixon gegenüber seinen Ankündigungen in der Amtsantrittsrede zurück und verfolgte bei den Gesprächen über
eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT) mit seinem Beharren auf
einer gründlichen Vorbereitung

eines etwaigen Gipfeltreffens eine hinhal-

tende Taktik. Und bevor es zum Moskauer Gipfel im Jahre 1972 kam, waren
noch weitere hohe Hürden zu nehmen: die sowjetische Flottenpräsenz in Kuba,
die Krise in Jordanien, der Krieg in Südostasien und die Verminung von
Haiphong.

,

,

•

Rückblickend muß man sagen, daß Nixon ganz offensichtlich jeden seiner
Schritte genau kalkuliert hat. Wenn die von ihm angestrebte Entspannung Wirklichkeit werden sollte, dann mußten bestimmte Realitäten und die Haltung
in bestimmten Fragen klargestellt werden. Es ging um mehr
sche Abkommen auf eng begrenzten Gebieten;

als nur spezifi-

es ging darum, daß im Weißen

Haus und im Kreml der Ausweg einer Anwendung oder Androhung von Gewalt
- vom Anfang bis zum Ende einer Krise - aus den Überlegungen gestrichen
wurde.
•

.

.

.

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*

Das Viermächte-Abkommen über Berlin leitete die von Nixon angestrebte
Ära ein. Dann wurden die SALT-Gespräche in Schwung gebracht und die erste
Lösung für die Defensivwaffen gefunden, während die Suche nach einer Lösung
für die Offensivwaffen weiterging - für die dann eine Interimslösung gefunden wurde. Die vielen anderen Abkommen, die in Moskau unterzeichnet wurden,
sollten in ihrer Bedeutung in der Sache und für die Verbesserung der Beziehungen allgemein nicht unterschätzt werden.
Für Präsident Nixon kam es darauf an, Abkommen zu erreichen, an deren
Einhaltung beide Seiten ein echtes Interesse haben. Die durch die Vereinbarungen geschaffenen Institutionen gewinnen erfahrungsgemäß ihr eigenes Beharrungsvermögen - zum Wohl der:, eigenen Sache, zum Wohl der nationalen Sache
und damit zu aller Wohl.
'"

''

Auf

-2-

�Auf lange Sicht wird vielleicht jene Grundsatzerklärung von entscheidender Bedeutung sein, in der in Moskau ein Verhaltenskodex für den Umgang
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sowie das Verhältnis
zu dritten Staaten festgelegt wurde. In dieser gemeinsamen Verpflichtung
wird die gegenseitige Zurückhaltung als Grundlage anerkannt, und sie geht
von der Erkenntnis aus, daß in einer Zeit, in der beide Seiten über die Möglichkeit verfügen, sich gegenseitig zu vernichten, die übliche, auf den einzelnen Vorteil gerichtete Diplomatie nicht mehr ausreicht.
Das zweite Gipfeltreffen in Washington wird nicht zuletzt zeigen müssen, ob es gelingt, dieses Grundsatzübereinkommen weiter zu festigen und
mit Leben zu erfüllen.

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23/1973
PRÄSIDENT NIXON ORDNET ZWEIMONATIGEN PREISSTOPP AN
-Wortlaut der Rundfunk-und FernsehanspracheWASHINGTON —(AD)-- Präsident Nixon hat am 13. Juni in einer Rundfunk- und
Fernsehansprache an das amerikanische Volk weitere wirtschaftliche Kontrollmaßnahmen, darunter einen auf zwei Monate befristeten Preisstopp, bekanntgegeben. Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Ich möchte Sie heute abend von einigen nachhaltigen Maßnahmen unterrichten, die ich heute in bezug auf die amerikanische Wirtschaft angeordnet habe - Maßnahmen, die für Sie von Bedeutung sind, was die Löhne und
Gehälter anbetrifft, die Sie verdienen, und die Preise, die Sie bezahlen
müssen.
Nachdem wir in den letzten Monaten so viel darüber gehört haben, was
in der amerikanischen Wirtschaft alles nicht stimmt, sollten wir zunächst
einen Blick auf das werfen, was in unserer Wirtschaft alles in Ordnung ist
Wir dürfen stolz darauf sein, daß die amerikanische Wirtschaft bei weitem
die freieste, die stärkste und die produktivste Volkswirtschaft der Welt
ist. Dies gibt uns den höchsten Lebensstandard auf der Welt. Wir befinden
uns mitten in einem Wirtschaftsaufschwung, der der größte und stärkste
in unserer Geschichte ist. Heute stehen mehr Amerikaner in Arbeit als jemals zuvor. Der einzelne Arbeitnehmer verdient im Durchschnitt mehr als
je zuvor. Für Ihr Einkommen können Sie sich heute mehr kaufen als je zuvor .
Im

-1-

�Im August 1971 habe ich die neue Wirtschaftspolitik verkündet. Seitdem hat die Gütererzeugung des Landes um die phänomenale Zahl von 11,5 Prozent zugenommen - das bedeutet ein schnelleres Wirtschaftswachstum als in
irgend einem vergleichbaren Zeitraum der letzten 21 Jahre. In der Privatwirtschaft wurden 4,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen - das sind
mehr als in irgend einem vergleichbaren Zeitraum zuvor. Gleichzeitig ist
das Realeinkommen pro Kopf der Bevölkerung - das heißt, was Ihnen nach
Abzug der Steuern und selbst unter Berücksichtigung der Inflation verbleibt um 7.5 Prozent gestiegen. Das bedeutet, daß Ihr Jahreseinkommen sich in
den letzten eineinhalb Jahren an Kaufkraft um zusätzlich vier Wochenlöhne
erhöht hat. Wenn wir uns diese Tatsachen vor Augen halten, dann werden wir
feststellen, daß wir, was Arbeitsplätze, Einkommen und Wirtschaftswachstum
anbetrifft, gegenwärtig in einer der besten Zeiten unseres Landes leben.
Wir haben allen Grund, hinsichtlich der Zukunft optimistisch zu sein.
Doch gibt es ein großes Problem, das im Augenblick jeden einzelnen von uns
betrifft. Das sind die steigenden Preise und vor allem die steigenden Lebensmittelpreise. Bis Ende vorigen Jahres hatten wir die Inflationsrate auf
3,4 Prozent herabgedrückt, so daß wir, was den Kampf gegen die Inflation
anbetrifft, unter den großen Industriestaaten im Jahre 1972 am besten dastanden. Aber jetzt steigen die Preise mit so hohen Raten an, daß dies nicht
mehr tragbar ist.
Dieser Preisanstieg ist zum größten Teil auf die steigenden Lebensmittelpreise zurückzuführen. Diese werden im wesentlichen hervorgerufen durch
eine erhöhte Nachfrage im In-und Ausland, durch Mißernten in anderen Ländern
sowie eine für Ackerbau und Viehzucht so ungünstige Witterung hier in Amerika,
wie wir sie noch nie erlebt haben. Was auch immer die Gründe waren, jede Familie wird mit dem sehr realen und drängenden Problem steigender Preise konfrontiert. Ich bin zu dem Entschluß gekommen, daß es jetzt an der Zeit ist,
nachdrückliche und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um dieses Problem zu

�Daher ordne ich mit sofortiger Wirkung ein Einfrieren der Preise an.
Dieses Einfrieren wird die Preise auf einem Niveau halten, das nicht über
den Preisen liegt, die in den ersten acht Tagen des Monats Juni gefordert
wurden. Es schließt alle Verbraucherpreise ein. Die einzigen Preise, die
nicht betroffen werden, sind die Preise für unverarbeitete landwirtschaftliche Erzeugnisse auf Erzeugerebene sowie die Mieten.
Während dieses Einfrierens werden für die Löhne, Zinsen und Dividenden
die gegenwärtigen Kontrollsysteme weiter gültig bleiben. Der Grund, warum ich
kein Einfrieren der Löhne und Gehälter beschlossen habe, ist der, daß die
nach den Bestimmungen der Phase III erreichten Lohn-und Gehaltsabschlüsse
keine wesentliche Ursache des Preisauftriebs waren. Solange die Lohn-und Gehaltsabkommen weiterhin von Verantwortung getragen und nicht-inflationistisch
sind, wird kein Einfrieren der Löhne und Gehälter angeordnet werden.
Das Einfrieren der Preise wird für eine Zeit von maximal 60 Tagen erfolgen. Diese Zeit wird dazu genutzt werden, ein neues und wirksameres System
von Kontrollen zu entwickeln und in Kraft zu setzen, das auf diesen Preisstopp
folgen soll. Diese neuen Kontrollen der Phase IV sollen die Kräfte eindämmen,
die die Preise in den letzten Monaten so rasch ansteigen ließen. Dazu gehören
strenge Normen und verbindlichere Maßnahmen zu ihrer Einhaltung als im Rahmen
der Phase III. Sie werden der Notwendigkeit Rechnung tragen, daß Löhne und
Preise ständig in einem Zusammenhang gesehen werden müssen.
Abgesehen von den Lebensmittelpreisen habe ich in letzter Zeit aus verschiedenen Teilen des Landes von zahlreichen Fällen gehört, daß die Benzinpreise stark heraufgesetzt wurden. Daher habe ich den Lebenshaltungskostenrat ausdrücklich angewiesen, für die neue Phase IV Maßnahmen auszuarbeiten,
die sowohl die Lebensmittelpreise auf Einzelhandelsebene wie auch die Benzinpreise an den Tankstellen stabilisieren werden.
Wenn

�I
i

Wenn ich jetzt diese Maßnahmen verkünde, möchte ich für alle, die mir
heute abend zuhören, einen Punkt herausstellen: Die Phase IV, die auf den
Preisstopp folgt, soll uns nicht für immer in eine kontrollierte Wirtschaft
hineinführen. Sie wird im Gegenteil so gestaltet werden, daß sie einen besseren Weg weist, um uns aus einer kontrollierten Wirtschaft herauszuführen
u

nd uns so schnell wie möglich wieder zurück in das freie Marktsystem zu

bringen.
Wir werden die amerikanische Wirtschaft nicht in eine Zwangsjacke pressen. Wir werden den Aufschwung nicht durch Kontrollen so eindämmen, daß dies
zu einem Rückschlag führen würde. Wir werden nicht dem Rat derer folgen,
die Maßnahmen vorgeschlagen haben, die ganz zwangsläufig zu einem ständigen
System von Preis-und Lohnkontrollen führen würden. Derartige Maßnahmen würden morgen gute Schlagzeilen haben, aber in sechs Monaten jeder einzelnen
Familie böses Kopfzerbrechen bereiten - durch Rationierung, Schwarzmarkt
und schließlich Rezension, die zu noch mehr Arbeitslosigkeit führen.
Es geht um Ihren Wohlstand. Es geht um Ihre Arbeitsplätze. Die von mir
heute angeordneten Maßnahmen sollen den Anstieg der Lebenshaltungskosten
treffen, ohne Ihren Wohlstand oder Ihre Arbeitsplätze zu gefährden.
Da der Schlüssel für eine Eindämmung der Lebensmittelpreise in einer
Ausweitung des Angebots liegt, werde ich die Preise für unverarbeitete landwirtschaftliche Erzeugnisse auf der Erzeugerebene nicht einfrieren lassen.
Ein solches Einfrieren würde nur das Angebot verringern statt es zu vergrössern, und dies würde schließlich ganz unvermeidlich zu höheren Preisen für
die Lebensmittel führen, die Sie in den Supermärkten kaufen.
Im Jahre 1972 haben wir ein umfassendes neues Programm für die Ausweitung des Lebensmittelangebotes in Angriff genommen. Neben anderen Maßnahmen
sah dieses Programm die Einbeziehung von weiteren 40 Millionen Acre
(16 Millionen Hektar) Land in den Anbau vor. Wenn in den kommenden Monaten
auf diesem Land die neue Ernte eingebracht wird, dann dürfte dies dazu beitragen, die Preise niedrig zu halten. Leider wirkt sich das jedoch noch nicht

-4-

�nicht auf die Preise aus, die sie heute in den Supermärkten zahlen müssen.
Einer der Hauptgründe für das Ansteigen der Lebensmittelpreise hier
in den USA ist, daß im Ausland gegenwärtig eine Nachfrage nach Erzeugnissen der amerikanischen Landwirtschaft besteht, wie dies noch nie der Fall
war. Auf lange Sicht werden die steigenden Lebensmittelexporte einen entscheidend wichtigen Faktor für die Hebung des Einkommens unserer Landwirtschaft,
für die Verbesserung unserer Zahlungsbilanz sowie für die Festigung der
Stellung Amerikas in der Welt bilden. Für den Augenblick jedoch - da wir
im Inland Verknappungen und stark anziehende Lebensmittelpreise haben habe ich folgende grundlegende Entscheidung getroffen: Bei der Aufteilung
der Erzeugung der amerikanischen Landwirtschaft auf Auslandsmärkte und
Binnenmarkt in den Vereinigten Staaten müssen in erster Linie die amerikanischen Verbraucher berücksichtigt werden.
Daher bin ich zu dem Entschluß gekommen, daß ein neues System von Exportkontrollen für Lebensmittel notwendig ist - ein System, das die Preise
für Futtermittel sowie Getreide auf dem amerikanischen Markt auf einem Niveau
halten soll, das die Erzeugung von Fleisch, Eiern und Milch zu Preisen ermöglicht, die Sie bezahlen können.
Ich werde den Kongreß dringlich ersuchen, mir eine neue und flexiblere
Vollmacht zu geben wie sie für die Einführung eines derartigen Systems notwendig ist. Bei der Ausübung dieser Vollmacht werde ich die folgende Politik verfolgen: Wir werden die Exportverpflichtungen, die wir als Nation eingegangen sind, einhalten. Wir werden ferner mit anderen Ländern Konsultationen pflegen, um ihre Mitarbeit bei der Lösung des weltweiten Problems der
steigenden Lebensmittelpreise zu erreichen. Aber wir werden es nicht zulassen, daß die Preise Fleisch und Eier von den Tischen der Amerikaner vertreiben.
Ich

�Ich habe heute ferner eine weitere Maßnahme ergriffen, die dem Anstieg
der Lebenshaltungskosten Einhalt gebieten soll. Ich habe die Steuerbehörden
angewiesen, sofort eine eingehende Überprüfung der Geschäftsbücher solcher
Firmen aufzunehmen, die ihre Preise gegenüber dem Höchststand vom Januar um
mehr als 1,5 Prozent erhöht haben. Durch diese Steuerprüfung soll festgestellt werden, ob solche Preisanhebungen durch die steigenden Kosten gerechtfertigt waren. Wenn dies nicht der Fall ist, dann werden die Preisanhebungen
rückgängig gemacht werden.
Der Kampf gegen die Inflation geht alle an. Ich habe Ihnen gesagt, was
die Regierung tun wird. Aber auch dem Kongreß fällt eine entscheidend wichtige Rolle zu. Das wichtigste, was der Kongreß dazu beitragen kann, um die
Lebenshaltungskosten niedrig zu halten, ist, die Regierungskosten niedrig
zu halten. Ich für meinen Teil werde mein Veto gegen alle Gesetze über
öffentliche Ausgaben einlegen, die wir uns nicht leisten können, gleichgültig, wie schön ihre Namen klingen mögen. Wenn solche die Ausgaben aufblähenden Gesetze in Kraft treten, dann würden Sie dafür bezahlen müssen - in Form
höherer Steuern, höherer Preise oder durch beides. Ich habe dem Kongreß bereits mehrere spezifische Empfehlungen unterbreitet, die wichtig sein werden, um die Preise künftig niedrig zu halten. Ich ersuche erneut um schnelle
Verabschiedung aller dieser Vorlagen.
Der Kongreß sollte den Präsidenten ermächtigen, die Zölle in bestimmten
Fällen zu senken, um das Angebot knapper Güter zu vergrößern und so ihre
Preise niedrig zu halten. Eine solche Maßnahme wird uns bei solchen knappen
Waren wie Fleisch, Sperrholz oder Zink helfen. Vor allem sollten die Zölle
für Fleischimporte aufgehoben werden.
Der Kongreß sollte Vollmachten erteilen, damit mehr überschüssige Güter
aus Regierungsbeständen veräußert werden können.
Der

�Der Kongreß sollte uns schnell mit dem Bau der Alaska-Pipeline beginnen lassen, um so der Verknappung von Erdöl und Benzin zu begegnen. Ich
werde ferner dem Kongreß bald eine Reihe neuer wichtiger Vorlagen auf dem
Gebiet der Energie unterbreiten, die von mir für notwendig erachtete neue
Maßnahmen darlegen, damit wir unseren Energiebedarf decken und so den Druck
auf die Energiepreise mildern können.
Bei der Erörterung des neuen Landwirtschaftsgesetzes ist es wichtig,
daß der Kongreß einer hohen Erzeugung Vorrang gegenüber hohen Preisen gibt,
damit der Wohlstand in der Landwirtschaft nicht auf Kosten höherer Preise
beim Verbraucher geht. Wenn mir der Kongreß ein Landwirtschaftsgesetz oder
irgend ein anderes Gesetz zusendet, das ich für inflationistisch halte, so
werde ich mein Veto gegen ein solches Gesetz einlegen.
Neben dem, was die Regierung und was der Kongreß tun können, gibt es
noch eine Menge, was Sie tun können. Die nächsten 60 Tage können über die
Frage entscheiden, ob wir weiterhin eine Inflation haben werden, die zur Rezession führt, oder ob wir unsere gegenwärtigen Probleme verantwortungsbewußt
lösen und so weiterhin einen hohen Wohlstand haben werden und bald zu einem
freien Markt zurückkehren können.
Sie können dazu beitragen, indem sie Ihren Senatoren und Kongreßabgeordneten Ihre Unterstützung geben, wenn sie diese schwierigen Entscheidungen zu
treffen haben, um unnötige Ausgaben zu unterbinden.
Sie können dazu beitragen, indem Sie denen ein •Nein» entgegensetzen,
die unserer großen produktiven Volkswirtschaft, die die Welt bewundert, ein
ständiges System von Kontrollen aufzwingen wollen.
Niemand darf sich jedoch darüber hinwegtäuschen: Wenn unsere Wirtschaft
weiterhin dynamisch sein soll, dann dürfen wir niemals der Versuchung erliegen und glauben, daß Kontrollen auf lange Sicht einen Ersatz für eine
freie Wirtschaft bilden oder uns der Notwendigkeit entbinden können, in der
Haushalts-und Währungspolitik Disziplin zu üben. Wir dürfen es nicht zulassen,

�zulassen, daß die Kontrollen zu einer Art Betäubungsmittel werden - und
wir dürfen nicht süchtig werden.
Es gibt alle möglichen scheinbar einfachen Tricks, die vorspiegeln oder
versprechen, die Inflation sei unter Kontrolle gebracht - aber sie würden das
gefährliche Risiko beinhalten, eine Rezession herbeizuführen, und das würde
nicht dazu beitragen, die Preise niedrig zu halten. Starre, ständige Kontrollen nehmen sich auf dem Papier stets besser aus als in der Praxis.
Wir müssen sehr dankbar dafür sein, daß wir hier in Amerika leben. Wir
sind das Land auf der Welt, in dem die Menschen am besten gekleidet und am
besten ernährt sind und die besten Wohnungen haben - das von jedem anderen
Land beneidet wird. Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal seit 12 Jahren Frieden in Vietnam und unsere tapferen Kriegsgefangenen sind in ihre Heimat zurückgekehrt. In diesem Jahr wird zum ersten Mal seit einer Generation kein
Amerikaner in die Streitkräfte eingezogen. In diesem Jahr sind die Aussichten
auf einen dauerhaften Frieden besser als zu irgend einem Zeitpunkt in der
neueren Geschichte - und auf den überreichen Wohlstand, den ein solcher Friede möglich machen kann.

.

Am kommenden Montag werde ich mit dem sowjetischen Parteichef Breschnew
ein Gipfelgespräch führen. Aufgrund der monatelangen Vorbereitungsarbeit, die
für dieses Treffen geleistet worden ist, und aufgrund unserer umfassenden Konsultationen und unserem eingehenden Briefwechsel kann ich mit Zuversicht
voraussagen, daß unsere Zusammenkünfte wesentliche neue Fortschritte sowohl
in Richtung auf eine Verringerung der Rüstungslasten wie auch der Kriegsgefahr und in Richtung auf bessere und fruchtbarere Beziehungen zwischen den
beiden mächtigsten Ländern der Welt erbringen werden.
Heute bietet sich uns in Amerika eine großartige Möglichkeit. Wir halten die Zukunft - unsere Zukunft - in unseren Händen. Wenn wir zusammenhalten, zusammenarbeiten und gemeinsam eine kühne, aber vernünftige Politik zur
Lösung unserer Probleme verfolgen, ohne dabei unsere dauerhafte Stärke

�t

Stärke aufzugeben, dann können wir das erreichen, was Amerika seit der
Amtszeit von Präsident Eisenhower nicht mehr gehabt hat: Wohlstand für alle
ohne Krieg und ohne Inflation. Das ist ein hohes Ziel und ein Ziel, das
wir gemeinsam erreichen können."

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23/1973

DAS NEUE US-WIRTSCHAFTSPROGRAMM IN STICHWORTEN

WASHINGTON — ( A D ) — Das Weiße Haus hat am 13. Juni eine Zusammenstellung
der wichtigsten von Präsident Nixon in seinem neuen Wirtschaftsprogramm
verkündeten Kontrollmaßnahmen veröffentlicht.

Kontrollen während des Preisstopps
1. Für alle Preise wird eine Obergrenze festgelegt, die sich nach dem
höchsten Stand während eines Basiszeitraums richtet, d. h. nach dem
höchsten Preis, zu dem in der Zeit vom 1. bis 8. Juni größere Geschäfte
abgewickelt worden sind.
2. Ausgenommen hiervon sind unverarbeitete landwirtschaftliche Erzeugnisse
auf der Erzeugerebene.
3. Die Löhne und Gehälter werden nicht eingefroren, sondern für sie bleiben
weiterhin die Bestimmungen der Phase III maßgebend.
4. Mieten werden nicht betroffen.
5. Zinsen und Dividenden unterliegen weiterhin auf freiwilliger Basis der
Zuständigkeit des Ausschusses für Zinsen und Dividenden.
6. Der Preisstopp gilt für maximal 60 Tage.
7.

-1-

�7. Während des Preisstopps wird eine Gewinnüberprüfung durchgeführt und
die Preise werden auf den nach den Bestimmungen der Phase III zulässigen
Stand zurückgesetzt, wenn festgestellt wird, daß sie über diesem Stand
liegen.
8. Der Preisstopp wird von dem Lebenshaltungskostenrat überwacht, wobei
dieser in stärkerem Maße auf die Unterstützung durch die Steuerbehörden
zurückgreifen kann.

Lizenzierung der Agrarexporte
1. Alle Exporteure müssen dem Handelsminister bis zum 20. Juni die Exportaufträge für Getreide, Sojabohnen und Sojabohnenerzeugnisse melden, die
sie nach dem heutigen Stand (13. Juni 1973) in ihren Auftragsbüchern
haben.
2. Danach müssen die Exporteure dem Handelsminister die nach diesem Zeitpunkt
eingegangenen Exportaufträge für die oben genannten Erzeugnisse wöchentlich melden.
3. Es werden Maßnahmen ergriffen, um die von der Regierung geförderten Lebensmittelexporte zu reduzieren.
4. Der Kongreß wird ersucht, das Gesetz zur Stabilisierung der Wirtschaft
(Economic Stabilization Act) dahingehend zu ergänzen, daß der Präsident,
falls dies zur Verwirklichung der Zielsetzungen dieses Gesetzes notwendig
ist, zu einer Begrenzung des Exports ermächtigt wird, und zwar untex
weniger restriktiven Bedingungen als nach dem Gesetz zur Regelung des
Exports (Export Administration Act).
5. Von der Ermächtigung zur Kontrolle des Exports wird nur Gebrauch gemacht
werden, wenn dies notwendig ist, um den Export soweit einzuschränken,
damit die Binnenmarktpreise für Futtermittel auf einen Stand gesenkt werden,

uer m i t uen

gegenwärtigen Preisen für Fleisch und andere tierische

-2-

�tierische Erzeugnisse zu vereinbaren ist.

Das Kontrollprogramm nach dem Preisstopp
1. Ziel des Programms nach dem Preisstopp (Phase IV) ist es, eine geringere
Inflationsrate zu erreichen, als wir sie während der Phase III hatten.
Der Preisstopp soll unter anderem Zeit für Konsultationen und zur Ausarbeitung eines wirksameren temporären Systems von Kontrollen geben.
2. Die Informationen aus den noch eingehenden Berichten über die Wirksamkeit der Phase III im ersten Quartal dieses Jahres werden von Nutzen sein,
um die einzelnen Punkte der Phase III daraufhin zu beurteilen, ob sie
ausreichend oder unzulänglich waren.
3. Die Phase IV wird mehr Vorausbenachrichtungen, strengere Normen, eine
größere Zahl bindender Kontrollen und einen größeren Verwaltungsaufwand ver
langen als dies in der Phase III der Fall war.
4. Der Lebenshaltungskostenrat wird Bestimmungen über die Lebensmittelpreise
in der Phase IV ausarbeiten, die zusammen mit Maßnahmen auf dem Exportsektor die Einzelhandelspreise für Lebensmittel stabilisieren werden.
5. Der Lebenshaltungskostenrat wird Bestimmungen für die Stabilisierung der
Einzelhandelspreise für Benzin ausarbeiten.
6. Die Phase IV wird dem Erfordernis einer ständigen Überwachung von Preisen
und Löhnen Rechnung tragen.
7. Es wird alles getan werden, um in etwa 3o Tagen detailliertere Informationen über das Kontrollsystem in der Phase IV geben zu können.
8. Es ist oberstes Ziel der Regierung, die Phase IV und andere Programme
der Wirtschaftspolitik so zu handhaben, daß dies eine baldige Einstellung
der Kontrollen gestattet.
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23/1973

SHULTZ ERLÄUTERT NEUE AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFTSKONTROLLEN
- Auszüge aus der Pressekonferenz

des US-Finanzministers -

WASHINGTON —(AD)-- Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz hat
vor Korrespondenten Einzelheiten des von Präsident Nixon am 13. Juni verkündeten neuen Kontrollprogramms erläutert. Die wichtigsten Teile der Ausführungen des Finanzministers sowie der sich anschließenden Fragen und Antworten
haben folgenden Wortlaut:
Shultz: .... Während der 60 Tage (des Preisstopps) erwarten wir vom
Kongreß einiges an Aktionen. Wir rechnen ferner mit einer Vielzahl von Konsultationen darüber, welche Programme auf den Preisstopp folgen sollen. Es
ist klar, daß im Programm der Phase IV das Element der mandatorischen Vorausankündigung usw. stärker sein wird; seine genaue Struktur sowohl was die
Verwaltungseinrichtungen wie auch die Bestimmungen im einzelnen anbetrifft,
dürfte sich jedoch erst aufgrund des Konsultationsprozesses ergeben.
Es wird ein Programm strenger Kontrollen sein. Ich möchte dazu hinzufügen, daß wir während des Preisstopps die Berichte prüfen werden, die jetzt
über das erste Quartal dieses Jahres eingehen, und daß wir, wenn immer wir
ein Ansteigen von Preisen über das nach den Bestimmungen der Phase III erlaubte Maß hinaus feststellen, diese Preise auf das zulässige Maß zurückdrücken werden.
Ich

�[
Ich möchte ferner betonen, daß wir die Basis (für die Kalkulation zulässiger Preiserhöhungen) vom Stand des 15. August ... auf die Basis am
10. Januar umstellen werden.
Sicher wissen die meisten von Ihnen, daß während der Phasen I und II
zahlreiche Preise noch unter dem zulässigen Stand blieben. Das heißt, daß
der Markt während des Wirtschaftsaufschwungs im vierten Quartal und auch
im ersten Quartal dieses Jahres wirksam auf die Preise drückte. Ein großer
Teil des Spielraums, den das System ließ, ist bereits genutzt worden, ein
Teil des Spielraums kann aber noch genutzt werden, wenn man den 10. Januar
als Basis nimmt...
Frage: Herr Minister, wird das auf den Preisstopp folgende Kontrollprogramm der Phase IV strenger sein als die Phase II?
Shultz: Ich weiß es nicht. Wir werden miteinander beraten und wir werden dann sehen, was für ein Programm wir einsetzen werden. Ganz sicher
wird es in einigen Punkten straffer sein. Die Phase III ist, was Lebensmittel anbetrifft, härter als Phase II. Wir werden es (das Programm), zum Beispiel was Exportkontrollen anbetrifft - das ist hier der entscheidende Punkt -'
straffer machen müssen, um nämlich einen größeren Teil unserer Gesamtproduktion im Inland zu behalten.
Auf anderen Gebieten mag es vielleicht lockerer sein. Insgesamt gesehen
hat sich die Phase III auf der Lohnseite sehr bewährt, und wir werden dies
nachprüfen und feststellen müssen, ob, wenn überhaupt, Änderungen vorgenommen
werden sollten. Die Phase IV wird Löhne und Preise fair in gleicher Weise behandeln. Es liegt kein Anlaß vor, etwas zu stören, was gut läuft....
Frage: Herr Minister, der Präsident hat erklärt, daß die Phase IV der
Notwendigkeit Rechnung tragen wird, daß Löhne und Preise als ein Ganzes behandelt werden sollten und das ist auch in der (vom Weißen Haus veröffentlichten) Zusammenstellung unterstrichen worden. Was besagt das nun?

Shultz:

�Shultz: Dies besagt, wir akzeptieren, daß die Löhne während dieser Zeit
von nu.ximal 60 Tagen, in der die Preise eingefroren bleiben, weiterhin den
Bestimmungen der Phase III unterliegen. Wir rechnen nun aber nicht damit,
daß man in der Phase IV Löhne und Preise so wesentlich anders behandeln kann...
Frage: Herr Minister, kann dieses Programm wirken, wenn Sie auf der
Exportseite nicht das bekommen, was Sie fordern?
Shultz: Das wird sehr schwierig sein, denn wenn es uns auf irgend eine
Weise gelingt, die Inlandspreise unter den Weltmarktpreisen zu halten, dann
würden ohne Exportkontrollen alle unsere Erzeugnisse insAusland fließen. Wir
hätten dann zwar niedrige Preise, aber nichts zu kaufen. Daher müssen diese
beiden Faktoren zusammenwirken.
Frage: Können Sie uns einige Beispiele dafür nennen, welche Exporte Sie
durch Kontrollen einschränken wollen?
Shultz: Der Handelsminister hat soeben ein Formblatt ausgegeben - und
Sie haben in Ihrem Informationsmaterial ein solches Formblatt, wie er es benutzt - in dem gefordert wird, daß die Exporteure ihm bis zum 20. Juni alle
vorliegenden

Lieferkontrakte melden, und der Präsident hat erklärt, daß wir

die von den Vereinigten Staaten eingegangenen Lieferverpflichtungen einhalten
werden. Er hat ferner erklärt, daß neue Exportverpflichtungen, die eingegangen
werden, ihm innerhalb von drei Tagen gemeldet werden müssen. Wir werden uns
so ein Bild über das machen können, was ansteht. Somit werden wir ein besseres
Bild über die künftige Marktsituation haben, als dies gegenwärtig der Fall
ist. Wir haben ferner flexiblere Vollmachten beantragt als die, über die wir
gegenwärtig verfügen und die wir rein rechtlich nicht für zu brauchhar halten, um notfalls Exportkontrollen anzuordnen. Für welche Handelsgüter? Ich glaube, irgendjemand hier fragte mich, welches die eigentlich kritischen
Handelsgüter seien. Ich will Ihnen nicht eine vollständige Liste verlesen.
Sie befindet sich in Ihrem Informationsmaterial, aber Weizen, Reis, Hafer,
Mais, Sojabohnen gehören unter anderem dazu.
Frage:

-3-

�I

)

l
Frage: Herr Minister, war das Getreidegeschäft mit den Russen nicht
ein Fehler?
Shultz: Nein, wir hier wollen neue Märkte für amerikanische Agrarerzeugnisse erschließen. Dies ist für uns nützlich und wird es auch weiterhin sein. Wir suchen jetzt Vorteile aus der Tatsache zu ziehen, daß wir im
Augenblick große,wichtige Weltmärkte erschließen und daß wir einen ausgezeichneten Absatzmarkt hier im Inland haben. Wir suchen jetzt eine völlig andere
Landwirtschaftspolitik zu fördern, unter der die Farmer bei hoher Erzeugung
ein hohes Einkommen und angemessene Preise erzielen können, statt durch unsere Agrarpolitik die Erzeugung einzuschränken und so hohe Einkommen durch
hohe Preise zu erzielen.
Diese letztere Politik spielte lange Zeit die dominierende Rolle. Wir
hatten große Bestände eingelagert und der Versuch, diese Bestände auf dem
Markt abzusetzen und diese Märkte zu erschließen, stellt ein wichtiges langfristiges Problem dar. Jetzt haben wir es mit einem unmittelbaren Problem
zu tun, das sich aus verschiedenen Gründen ergeben hat, unter anderem der
schreckliche Wettereinbruch nicht nur hier sondern auch in anderen Ländern.
Aber wir rechnen für dieses Jahr mit einer reichen Ernte, und sobald wir sie
eingebracht haben und sie absetzen wollen, werden wir diese Märkte brauchen.
Dies wird sich sowohl was unsere Handelsbilanz wie auch was die Einkommen in
der Landwirtschaft anbetrifft, für uns positiv auswirken.
Frage: Wie können Sie den Export einschränken und gleichzeitig die Europäische Gemeinschaft auffordern, das durch ihre gemeinsame Agrarpolitik entstandene System abzubauen?
Shultz: Ganz einfach. Wir werden sie eben dazu auffordern und darüber
sprechen. Wir wollen ein zuverlässiger Lieferant sein und wir sind es. Wir
können diese Produkte zu Kosten erzeugen, die unter denen in anderen Teilen
der Welt liegen, so daß wir auf diesem Gebiet einen großen Wettbewerbsvorteil
haben.
Wir

-4-

&lt;

�Wir sprechen hier über vorübergehende Bemühungen, um die Situation in
unserem eigenen Lande unter Kontrolle zu bringen. Was nun unsere Handelsverhandlungen anbetrifft, so werden wichtige Verhandlungen im Rahmen des
GATT über die Auswirkungen der Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft
auf den Handel aufgenommen, die Sie wahrscheinlich meinen, und die die langfristige Entwicklung der Agrarmärkte für unsere Erzeugnisse betreffen.
Frage: Schließen Sie für die Phase IV irgend eine Sonderabgabe wie
damals am 15. August aus? Schließen Sie sie schon jetzt aus?
Shultz: Ja, es gibt keinen Vorschlag für eine Sonderabgabe.
Frage: Herr Minister, rechnen Sie außer bei Agrarerzeugnissen noch mit
irgendwelchen anderen Exportkontrollen?
Shultz: Vielleicht...
Frage: Noch zu den Exporten: Lösen Sie nicht mit dieser Bekanntgabe,
noch bevor der Kongreß irgend ein Gesetz verabschiedet hat, eine Welle von
Exporten aus?
Shultz: Wir erklären, daß alle nach der Rede des Präsidenten heute abend
neu eingegangenen Kontrakte, falls es zu Exportkontrollen kommt, unter das
jeweilige Zuteilungsverfahren fallen....
Frage: Hängt dies von dem Gesetz ab, das der Kongreß verabschiedet?
Shultz: Ja, wir brauchen die Unterstützung des Kongresses auf vielen
Gebieten, nicht nur hier, wenn wir die Inflation unter Kontrolle bringen wollen. Es geht nicht an, daß der Kongreß auf der einen Seite in einem Landwirtschaftsgesetz eine Erhöhung der Agrarpreise beschließt und sich weigert,
uns die für Exportkontrollen erforderlichen Vollmachten zu geben, und gleichzeitig eine Kontrolle der Löhne und Preise fordert. Man kann nicht alles auf
einmal haben....
Frage:

-5-

�Frage: Herr Minister, ist es angesichts des nach dem Inkrafttreten der
Phase III im Januar eingetretenen Preisauftriebs realistisch, mit einer Rückkehr zu dem freien Marktsystem zu rechnen, die der Präsident noch für die
Amtsdauer dieser Regierung ankündigt?
Shultz: Das grundlegende Problem, das wir meines Erachtens zu Beginn
der Phase III hatten, lag nicht so sehr in den Bereichen von Programmen,
an die Sie im allgemeinen denken, die beispielsweise unter Phase II oder
III fielen, sondern auf anderen Gebieten, vor allem bei Lebensmitteln und
international gehandelten Rohstoffen.
Und hier wurden wir meines Erachtens durch ein Zusammentreffen verschiedener Faktoren hart getroffen. Wenn wir unsere Politik korrekt fortführen,
dürften wir kaum noch einmal so getroffen werden, vor allem, wenn es uns
gelingt, das Angebot an landwirtschaftlichen Erzeugnissen wesentlich auszuweiten, was wir versuchen.
Wenn wir also eine harte Haushaltspolitik verfolgen, wie dies der Präsident empfiehlt, wenn wir eine im Einklang hiermit stehende Währungspolitik betreiben und wenn wir die Wirtschaft ganz allmählich auf eine Wachstumsrate von vier Prozent bringen und diese Agrarerzeugnisse herbeischaffen,
dann werden wir wieder eine Chance haben...
Frage: Herr Minister, ist damit zu rechnen, daß die Regierung den
Kongreß um eine Erhöhung der Bundessteuer auf Benzin ersuchen wird?
Shultz: Das ist sehr unwahrscheinlich.

+-H-

-6-

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23/1973
DIE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN USA UND EUROPA
Auszüge aus der Rede von Botschafter Greenwald in Bergneustadt

BERGNEUSTADT -»(AD)— Der amerikanische Vertreter bei den Europäischen
Gemeinschaften, Botschafter Joseph Greenwald, hat am 16. Juni auf einem
von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Zusammenarbeit mit der US-Botschaft
veranstalteten Seminar über "Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA
und Europa" gesprochen. Im folgenden geben wir Ihnen Auszüge aus der Rede
von Botschafter Greenwald wieder:
"... Obwohl alle diese anstehenden Fragen - Handel, Währung und gemeinsame Verteidigung - in einem Zusammenhang stehen und miteinander
verkettet sind, dürften die Fragen des internationalen Handels und der
internationalen Finanz im Augenblick am stärksten das Interesse der
Öffentlichkeit finden. Die Vereinigten Staaten wie auch die Europäischen
Gemeinschaften bereiten sich sorgfältig auf die für den kommenden Herbst
in Tokio anberaumte GATT-Runde vor, bevor sie nach Genf gehen. Das Vorgehen der Gemeinschaften wird vom Ministerrat Ende des Monats beraten
werden. Die amerikanischen Vollmachten sind in dem Handelsgesetz enthalten,
das gegenwärtig dem Kongreß vorliegt. Inwieweit laufen diese beiden Vorgänge nun parallel zueinander?
Das

�Das von Präsident Nixon im April 1973 vorgeschlagene Gesetz über eine
Reform des Handels unterstreicht das Ziel eines offenen Welthandelssystems,
in dem die Marktkräfte auf eine Ausweitung des Austausches von Gütern und
Dienstleistungen zwischen den Ländern hinwirken würden. Der Wortlaut des
Gesetzes stimmt mit der Erklärung der Vereinigten Staaten und der Europäisch
Gemeinschaften vom Februar 1972 überein, in der diese GATT-Verhandlungen
fordern, »die 1973 ... mit dem Ziele einer Ausweitung und noch stärkeren
Liberalisierung des Welthandels beginnen sollen.»
Der Präsident bemüht sich um umfassende Vollmachten, um die Zollsätze
modifizieren und sich mit den nicht-tarifären Handelsschranken im Rahmen
multilateraler Verhandlungen befassen zu können. Die Kommission fordert
ein ähnliches Mandat für Verhandlungen auf diesen beiden Gebieten. Es gibt
n

atürlich viele spezifische Verhandlungstechniken, die zur Verwirklichung

unserer gemeinsamen Ziele - Liberalisierung und Gegenseitigkeit - angewandt
werden könnten, aber das Klügste wäre es zum gegenwärtigen Zeitpunkt, alle
diese Optionen offen zu lassen. Der beste Weg für einen Fortschritt wäre,
wenn die Vereinigten Staaten, die Gemeinschaft und unsere anderen Handelspartner im Rahmen allgemeiner Richtlinien umfassende Vollmachten erhalten.
Mit dem Fortschreiten der Verhandlungen können dann bei den internationalen
Gesprächen innerhalb des GATT die Verhandlungsverfahren ausgearbeitet werden. Je mehr im gegenwärtigen Stadium der Vorbereitungen bestimmte politische Verfahren ausgeschlossen werden oder auf ihnen bestanden wird, umso
mehr wird der letztliche Erfolg der Verhandlungen erschwert werden. Bereits
abgegebene einseitige Erklärungen darüber, was in den Verhandlungen erreicht
werden kann oder auch nicht, werden die Bemühungen um ein Abkommen nur komplizieren.
Eine ähnliche Einstellung (alle Optionen offen zu lassen) gilt meines
Erachtens auch für das heikle Gebiet der Landwirtschaft. Die Tatsache,daß
die Agrarpolitik zahlreiche soziale und politische Faktoren berücksichtigen
muß, dürfte ein Vorgehen auf breiter Ebene erfordern, bei dem keine Möglich-

�t

i
Möglichkeit, befriedigende Abkommen zu erreichen, ausgelassen werden sollte. Dies bedeutet nicht, daß politische Realitäten, innen~wie außenpoliti»
sehe, ignoriert werden sollten oder können. So akzeptieren wir, was die
Vereinigten Staaten anbetrifft, das weitere Bestehen der gemeinsamen Agrarpolitik. Doch gibt es ganz eindeutige Gebiete für Verbesserungen, und das
Erfordernis der Gegenseitigkeit besagt, daß alle Warengruppen, industrielle
wie landwirtschaftliche, in die Verhandlungen einbezogen werden müssen. Es
ist ganz offensichtlich, daß die Situation in der Landwirtschaft unterschiedlich ist und die Behandlung vielleicht nicht die gleiche wie bei industriellen Erzeugnissen sein kann; doch wird man weniger schnell zu einem
Fortschritt gelangen, wenn von Anbeginn an umfassende Beschränkungen der
Verhandlungsvollmachten festgelegt werden.
Die Vereinigten Staaten und die Gemeinschaft haben ein gemeinsames Interesse daran, den Entwicklungsländern zu helfen. Dieses Ziel findet seinen
Ausdruck in unseren Hilfsprogrammen, und die Gemeinschaft hat außerdem Handelsabkommen als Mittel der wirtschaftlichen Entwicklung eingesetzt. Das
Gesetz über eine Reform des Handels ermöglicht es den Vereinigten Staaten,
den Erzeugnissen der Entwicklungsländern allgemeine Zollpräferenzen einzuräumen. Das Gesetz legt jedoch im einzelnen fest, daß allgemeine Zollpräferenzen solchen Entwicklungsländern nicht gewährt werden können, die den
Erzeugnissen irgendeines Industriestaates eine bevorzugte Behandlung einräumen, es sei denn, es besteht ganz eindeutig Aussicht, daß solche *Gegenpräferenzen* bis Ende 1975 beseitigt sein werden,.
Diese Bestimmung scheint unsere Gegnerschaft, gegen die Assoziierungsabkommen der Gemeinschaft zu kodifizieren. Tatsächlich haben jedoch die
kürzlichen Erklärungen führender europäischer Politiker zu erkennen gegeben,
daß sie sich von den besonderen Bindungen, die sich verständlicherweise auf
geschichtliche Zusammenhänge begründen, wegbewegen. Auf lange Sicht werden
wir alle, auch die Entwicklungsländer, meines Erachtens besser dran sein,
wenn es zu einem für beide Seiten fruchtbaren Verhältnis zwischen Nord
und Süd kommt.
Bei

-3-

�i
Bei den bevorstehenden Verhandlungen wird den Interessen der Entwicklungsländer besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Genauso wichtig
ist es, daß sie von der Liberalisierung und der verstärkten Wirtschaftstätigkeit profitieren werden, die sich aus dem Austausch von Konzessionen zwischen den Industriestaaten ergeben.
Ein weiterer Punkt bei den bevorstehenden Verhandlungen wird unter dem
kurzen Titel »Schutzmaßnahmen» zusammengefaßt.
Hier wiederum laufen meines Erachtens die Interessen der USA und der
EG parallel. Bei einer Ausweitung des Welthandels und einer schnelleren Umschlagsrate in den höher entwickelten Volkswirtschaften nimmt das Problem
der Anpassung an Bedeutung zu. Die bestehenden Mechanismen, die nationalen
wie auch die internationalen, müssen verbessert werden. Unser Handelsgesetz
enthält eine Reihe von Bestimmungen, um dieses Ziel zu erreichen. Die multilateralen Verhandlungen bieten eine Möglichkeit, um die internationalen
Werkzeuge zu überprüfen und den neuen Erfordernissen anzupassen.

Die für

ein konstruktives Vorgehen bei allen diesen Fragen erforderliche Flexibilität sollte mit unserem Mandat jeweils gegeben sein.
Niemand bestreit, daß Japan in dem neuen Handels-und Währungssystem
eine wichtige Stellung einnimmt. Aber es ist keineswegs genauso

klar, daß

wir alle die Folgen akzeptieren, die sich aus dem Entstehen dieses neuen
Elements ergeben. Wir sollten bedenken, daß Europäer, Amerikaner und Japaner
ein gemeinsames Interesse an gemeinsamen Konsultationen haben,

um Lösungen

für die Probleme zu finden, denen sich die Länder der industrialisierten
freien Welt gegenübersehen. Bei der Frage der »Schutzmaßnahmen» und dem
Abbau der angewandten Beschränkungen, die mit den gegenwärtigen internatio«
nalen Verpflichtungen nicht zu vereinbaren sind, sollten die USA und die
EG gemeinsam und in enger Zusammenarbeit mit unseren japanischen Partnern
vorgehen. Diejenigen, die erklären, daß die japanischen Probleme lediglich
den Handels-und Zahlungsverkehr mit den Vereinigten Staaten betreffen, verstehen die wirtschaftlichen Beziehungen in einem multilateralen System nicht.

-4-

�nicht. Wir können über die Beziehungen zwischen Japan und den Vereinigten
Staaten nicht von einer rein bilateralen Basis aus sinnvoll sprechen.

Die Verhandlungen nach GATT-Artikel 24,6.
Auf dem Gebiet des Handels verdient ein weiterer wichtiger Punkt besondere Aufmerksamkeit. Ich meine hier die Reihe von Verhandlungen, die
die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft mit Drittländern über Kompensationen für bestimmte Zollerhöhungen seitens der drei neuen Mitgliedsstaaten
führt, wenn diese jetzt ihre Zollsätze auf das Niveau des gemeinsamen Außenzolls der Gemeinschaft bringen. Die Details dieser aufgrund von GATT-Artikel
24,6 geführten Verhandlungen sind äußerst komplex; aber ihre pragmatische
Bedeutung ist klar. Wenn Zollsätze gebunden sind und später erhöht werden,
dann fordern die Bestimmungen, daß Kompensationen gemacht werden. Wir haben
den Vorschlag der Gemeinschaft geprüft - der keine kompensierenden Konzessionen enthält - und sind der Ansicht,daß er dieser Norm nicht entspricht.
Wenn eine geeignete Atmosphäre für die multilaterale Verhandlungsrunde geschaffen werden soll, dann müssen die Verhandlungen aufgrund der Erweiterung
der Gemeinschaft in relativ naher Zukunft abgeschlossen werden...
So wie auf dem Gebiet des Handels Fortschritte in Richtung auf eine Liberalisierung notwendig sind, damit wir nicht in Protektionismus und politische Spaltung zurückfallen, so bleibt die Entwicklung auf dem Währungssektor auch nicht stehen. Die Realitäten des Marktes haben uns die Wechselkursflexibilität gebracht, die, wie jeder beipflichtet, für ein reformiertes System unerläßlich ist. Aber wir brauchen noch Bestimmungen, die gewährleisten, daß das neue System richtig und fair arbeitet. Der Zusammenhang
zwischen Handel und Geld ist jetzt auch von jenen erkannt worden, die in
der Vergangenheit diese Konzeption ablehnten. Natürlich würden wir das Prinzip akzeptieren, daß Handels-und Währungsverhandlungen in einem Zusammenhang zueinander stehen. Es ist ganz klar, daß Wechselkursveränderungen sich
auf den Handel auswirken können; es muß aber auch genauso klar sein, daß

�daß dem Handel eine wichtige Rolle bei dem Zahlungsbilanzanpassungsprozeß
zufällt.
Es bestehen immer noch einige Meinungsverschiedenheiten bezüglich des
von Finanzminister Shultz auf der IWF-Tagung im Herbst letzten Jahres vorgelegten Vorschlages. Aber bislang sind das die einzigen Ideen, die auf
dem Verhandlungstisch vorliegen. Wenn die Erörterung dieser Ideen weiter
fortschreitet, so werden sich die Ansichten der Gesprächspartner meines Erachtens einander weiter nähern...
Unser gemeinsames Interesse an einem offenen, gerechten und wirksamen
Währungssystem ist von überragender Bedeutung. Um dieses Ziel zu erreichen,
müssen wir, wie Finanzminister Shultz sagte, bessere Mittel finden, die eine
wirksame Disziplin garantieren, damit eine umgehende und effektive Anpassung von Zahlungsbilanzungleichgewichten, ein kooperatives Management der
internationalen Reserven sowie stabile und geregelte Devisenmärkte gewährleistet sind.
Es ist oftmals vorgeschlagen worden, daß die Vereinigten Staaten über
eine Reform des internationalen Währungssystems sprechen sollten, weil unser eigenes Haus nicht in Ordnung ist. Wir geben zu, daß Defizitländer Verpflichtungen haben und wir haben
1.

uns bemüht, den unsrigen nachzukommen.

Es sind binnenwirtschaftliche Maßnahmen, sowohl budgetäre wie auch

fiskalische, zur Eindämmung der Inflation ergriffen worden. Ferner sind Lohnund Preiskontrollen verfügt worden. In den letzten Monaten waren diese Bemühungen recht erfolgreich, obwohl der Kampf bestimmt noch nicht gewonnen ist.
2.

Der Exportförderung wird von unserer Regierung hohe Priorität ein-

geräumt .
3.

Es sind Wechselkursanpassungen vorgenommen worden,
4.

-6-

�4.

Die Kapitalkontrollen sind beibehalten worden, obwohl dies auf

lange Sicht unserer Zahlungsbilanz nicht nützen wird. Außerdem ist der Fluß
von Investitionsgeldern in beiden Richtungen über den Atlantik hinweg eines
der besten Mittel für eine beiden zum Vorteil gereichende Interdependenz.
Wir haben alle diese Maßnahmen ergriffen, aber wir haben bisher restriktive Maßnahmen auf den Gebieten des Handels und des Tourismus vermieden,
und wir hoffen, daß die Wende in unserer Zahlungsbilanz auch ohne solche
Maßnahmen kommen wird. Wir glauben an die Realitäten wechselseitiger Beziehungen zwischen Sicherheit sowie politischen und wirtschaftlichen Fragen
und erwarten daher, daß uns ein Teil unserer Lasten von unseren europäischen
Partnern abgenommen wird. Dies wird ebenfalls dazu beitragen, restriktive
Maßnahmen zu vermeiden und die Frage des Verhältnisses zwischen gemeinsamen
Verteidigungsbeiträgen und wirtschaftlicher Stärke von der europäisch-amerikanischen Tagesordnung zu streichen...".

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23/1973

GEMEINSAMES AMERIKANISCH-NORDVIETNAMESISCHES KOMMUNIQUE VOM 13. JUNI
- Wortlaut -

PARIS --(AD)—Neben dem Vierer-Kommunique iiaben die Vertreter der Vereinigten Staaten und Nordvietnams am 13. Juni 1973 in Paris ein gemeinsames Kommunique herausgegeben, das folgenden Wortlaut hat:
"Vom 17. Mai bis zum 23. Mai, vom 6. Juni bis zum 9. Juni und am 12.
und 13. Juni 1973 haben Dr. Henry A. Kissinger im Namen der Regierung der
Vereinigten Staaten von Amerika und Herr Le Duc Tho im Namen der Regierung
der Demokratischen Republik Vietnam die Verwirklichung des Pariser Abkommens
über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam und seiner Protokolle überprüft und dringende Maßnahmen erörtert,
um die korrekte und strikte Einhaltung des Abkommens und se iner Protokolle zu
gewährleisten.
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika mit der Zustimmung
der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam mit Zustimmung der
Provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam,
sind
aus der Erwägung heraus, daß die strikte Beachtung und genaue Einhaltung aller Bestimmungen des Pariser Abkommens und seiner Protokolle durch alle

-1-

�alle Signatarparteien notwendig sind, um den Frieden in Vietnam zu gewährleisten und zu der Sache des Friedens in Indochina und Südostasien beizutragen,
über folgende Punkte übereingekommen (in der Reihenfolge der einschlägigen
Artikel des Abkommens):
(Hier folgt der Wortlaut der 14 Punkte des vorangegangenen gemeinsamen
ViererkommuniquSs)
Unter Bekräftigung, daß die betroffenen Parteien alle Bestimmungen des
Pariser Abkommens, seiner Protokolle, dieses gemeinsamen Kommuniques und
eines in den gleichen Formulierungen abgefaßten gemeinsamen Kommuniques,
das von den Vertretern der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika,
der Regierung der Republik Vietnam und der Regierung der Demokratischen
Republik Vietnam und der Provisorischen Revolutionsregierung der Republik
Südvietnam unterzeichnet worden ist, strikt beachten und genau einhalten
werden, haben der Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika, Dr. Henry
A. Kissinger,und der Vertreter der Demokratischen Republik Vietnam, Herr Le
Duc Tho, beschlossen, dieses gemeinsame Kommuniqul herauszugeben und die
Punkte festzuhalten und zu veröffentlichen, auf die sie sich geeinigt haben

Unterzeichnet in Paris am 13. Juni 1973

Für die Regierung der

Für die Regierung der Demokratischen

Vereinigten Staaten von Amerika

Republik Vietnam

Dr. Henry A. Kissinger

Le Duc Tho

Berater des Präsidenten der

Vertreter der Regierung der Demokrati-

Vereinigten Staaten von Amerika

schen Republik Vietnam

-2-

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23/1973

DAS PARISER VIERER-KOMMUNIQUE VOM 13. JUNI
- Wortlaut PARIS -.(AD)»- Die Vereinigten Staaten, Nord-und Südvietnam und die Provisorische Revolutionsregierung Südvietnams (Vietcong) haben am 13- Juni
ein gemeinsames Kommunique1 über die Einhaltung des Pariser Abkommens
vom 27. Januar unterzeichnet:
"Die Signatar-Parteien des Pariser Abkommens über die Beendigung des
Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam, das am 27. Januar 1973 unterzeichnet wurde, haben sich aus der Erwägung heraus, daß die
strikte Respektierung und peinlich genaue Erfüllung aller Bestimmungen des
Abkommens und seiner Protokolle seitens all seiner Signatar-Parteien notwendig ist, um den Frieden in Vietnam zu gewährleisten und zur Sache des
Friedens in Indochina und Südostasien beizutragen über die folgenden Punkte
(in der Reihefolge der einschlägigen Artikel des Abkommens)geeinigt:
1.

In Übereinstimmung mit Artikel 2 des Abkommens werden die Vereinigten

Staaten die Luftaufklärung über dem Territorium der Demokratischen Republik
Vietnam unverzüglich sowie vollständig und ohne jede zeitliche Begrenzung
einstellen.
2.

In Übereinstimmung mit Artikel 2 des Abkommens und dem Protokoll über

die Räumung der Minen:

-1-

�a) werden die Vereinigten Staaten die Minenräumoperationen innerhalb
von fünf Tagen nach dem Zeitpunkt der Unterzeichnung dieses gemeinsamen Kommuniques wieder aufnehmen und diese Operationen innerhalb
von dreißig Tagen danach erfolgreich abschließen;
b) werden die Vereinigten Staaten der Demokratischen Republik Vietnam
die vereinbarungsgemäß als adäquat und zureichend bezeichneten Mittel zur Räumung der Minen in den Flußläufen zur Verfügung stellen;
c) werden die Vereinigten Staaten bekanntgeben, sobald die Räumung der
Minen in jedem der Hauptwassersysteme abgeschlossen ist und in
einer abschließenden Bekanntgabe mitteilen, wenn alle die Operationen beendet sind.
3.

Zur Durchführung von Artikel 2 des am 14. Juni 1973 um 12 Uhr GMT er-

zielten Abkommens werden die Oberkommandos der beiden südvietnamesischen
Parteien gleichlautende Befehle an alle regulären und irregulären Streitkräfte sowie an die unter ihrem Befehl stehenden bewaffneten Polizeiverbände erteilen, den Waffenstillstand in ganz Südvietnam ab 15. Juni 1973
0400 GMT strikt einzuhalten und das Abkommen und seine Protokolle genauestens
zu befolgen.
4.

Die beiden südvietnamesischen Parteien werden die Artikel 2 und 3 des

Protokolls über den Waffenstillstand in Südvietnam, die wie folgt lauten,
strikt befolgen:
Artikel 2
a) Sobald der Waffenstillstand in Kraft getreten ist und bis von den
Gemeinsamen Militärkommissionen Bestimmungen erlassen worden sind, sollen
alle Land-, Fluß-, See- und Luftverbände der Parteien in Südvietnam an
ihrem Standort verbleiben; das heißt, um die Einhaltung eines stabilen Waffenstillstandes zu gewährleisten, darf es keine größeren Redislozierungen
oder Truppenbewegungen geben, durch die das von jeder Partei kontrollierte

-2-

�kontrollierte Gebiet ausgedehnt würde oder die zu Berührungen zwischen den
gegnerischen Truppen und etwa erfolgenden Zusammenstößen führen würden.
b) Alle regulären und irregulären Truppen und bewaffneten Polizeiverbände der Parteien in Südvietnam sollen sich an das Verbot der folgenden Betätigungen halten:
1) Entsendung von bewaffneten Patrouillen in von gegnerischen
Truppen kontrollierte Gebiete und Flüge von Bomben-und Kampfflugzeugen aller Typen, ausgenommen unbewaffnete Flüge für
Schulungs-und Wartungszwecke;
2) bewaffnete Angriffe gegen irgendwelche Militär-oder Zivilpersonen unter Einsatz welcher Mittel auch immer; darunter fallen
auch der Einsatz von Handfeuerwaffen, Granatwerfern und Artillerie, Bombardierung und Beschuß durch Flugzeuge sowie der
Einsatz aller anderen Arten von Waffen und Sprengstoffen;
3) alle Kampfoperationen zu Lande, auf Flüssen, zur See und in der
Luft;
4) alle feindseligen Handlungen, Terror und Vergeltung; und
5) alle Handlungen, die Menschenleben oder öffentliches oder privates Eigentum in Gefahr bringen.

Artikel 3
a) Die oben erwähnten Verbote dürfen nicht zu einer Behinderung oder
Beschränkung führen:

.

1) Des zivilen Nachschubs, der Bewegungsfreiheit, der freien Wahl
des Arbeitsplatzes, der Freiheit der Bevölkerung, Handel zu
treiben

sowie des zivilen Nachrichten-und Transportwesens zwi-

schen allen und innerhalb aller Gebiete in Südvietnam;

12

�f

l
2) des Einsatzes militärischer Nachschubverbände, zum Beispiel Pionier.und Transporteinheiten durch jede Partei in den von ihr kontrollierten Gebieten zwecks Wiederinstandsetzung und Errichtung
öffentlicher Einrichtungen und für den Transport und die Versorgung der Bevölkerung;
3) der normalen militärischen Ausbildung, die von den Parteien in den
unter ihrer jeweiligen Kontrolle stehenden Gebieten bei angemessener Beachtung der öffentlichen Sicherheit durchgeführt wird.

b) Die Gemeinsamen Militärkommissionen sollen umgehend Vereinbarungen
treffen über Korridore, Routen und sonstige Bestimmungen für Flüge militärischer Transportmaschinen sowie für Fahrten militärischer Transportfahrzeuge
und militärischer Transportschiffe der einen Partei durch von den anderen
Parteien kontrollierte Gebiete.

5.

Die Gemeinsame Zweier-Militärkommission soll unverzüglich ihre Auf-

gabe gemäß Artikel 3 (b) des Abkommens durchführen, um die von jeder der
beiden südvietnamesischen Parteien kontrollierten Gebiete festzulegen und
die Modalitäten der Stationierung zu bestimmen. Diese Aufgabe soll so bald
wie möglich durchgeführt werden. Die Kommission soll ferner unverzüglich
Maßnahmen erörtern, die notwendig sind, um eine Rückführung der bewaffneten
Streitkräfte der beiden südvietnamesischen Parteien auf die Positionen zu
erzielen, die sie zu jener Zeit einnahmen, als der Waffenstillstand am
28. Januar 1973 in Kraft trat.

6.

24 Stunden nachdem der in Artikel 3 genannte Waffenstillstand in Kraft

getreten ist, sollen die Befehlshaber der sich gegenüber stehenden Streitkräfte am Ort des direkten Kontaktes zusammenkommen, um Artikel 4 des Protokolls über den Waffenstillstand in Südvietnam im Hinblick darauf auszuführen,

-4-

�auszuführen, Übereinstimmung über temporäre Maßnahmen zur Vermeidung von
Konflikten zu finden und die Versorgung und ärztliche Betreuung dieser
Truppen zu gewährleisten.
7.

In Übereinstimmung mit Artikel 7 des Abkommens:
a) werden die beiden südvietnamesischen Parteien die Einbringung von

Truppen, Militärberatern und Militärpersonal, einschließlich technischen Militärpersonals, nach Südvietnam nicht zulassen.
b) werden die beiden südvietnamesischen Parteien die Einbringung von
Waffen, Munition und Kriegsmaterial nach Südvietnam nicht zulassen. Es wird
den beiden südvietnamesischen Parteien jedoch erlaubt, periodisch einen Ersatz für Waffen, Munition und Kriegsmaterial vorzunehmen, wie dies in
Artikel 7 des Abkommens genehmigt ist, und zwar an festgelegten Übergangsstellen und unter Überwachung durch die Gemeinsame Zweier-Militärkommission
und die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission.
In Übereinstimmung mit Artikel 15 (b) des Abkommens bezüglich der
Respektierung der entmilitarisierten Zone darf militärische Ausrüstung
die entmilitarisierte Zone nur passieren, wenn sie als Ersatz im Sinne von
Artikel 7 des Abkommens über festgelegte Übergangsstellen nach Südvietnam
eingebracht wird.
c)

24 Stunden, nachdem der in Artikel 3 genannte Waffenstillstand in

Kraft getreten ist, soll die Gemeinsame Zweier-Militärkommission die Modalitäten für die Überwachung des Ersatzes von Waffen, Munition und Kriegsmaterial, wie in Artikel 7 des Abkommens erlaubt, an den bereits für jede
Partei vereinbarten drei Übergangsstellen erörtern. Innerhalb von 15 Tagen
nach Inkrafttreten des in Artikel 3 genannten Waffenstillstandes sollen
die beiden südvietnamesischen Parteien ferner drei weitere Übergangsstellen für jede Partei in dem von der jeweiligen Partei kontrollierten Gebiet bestimmen.
8.

�8.

In Übereinstimmung mit Artikel 8 des Abkommens:
a)

Alle gefangengehaltenen Personen gemäß Artikel 8 {a) des Abkommens,

die noch nicht rückgeführt worden sind, sollen ohne Verzug rückgeführt werden, auf keinen Fall jedoch später als innerhalb von 3o Tagen nach Unterzeichnung dieses gemeinsamen Kommuniques.
b) Alle Bestimmungen des Abkommens und des Protokolls über die Rückführung von gefangengehaltenem Personal sollen genau eingehalten werden. Alle
vietnamesischen Zivilpersonen, auf die sich Artikel 8 (c) des Abkommens
und Artikel 7 des Protokolls über die Rückführung gefangengehaltenen Personals erstrecken,sollen so bald wie möglich zurückgeführt werden. Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen ihr äußerstes tun, um dies innerhalb
von 45 Tagen nach dem Datum der Unterzeichnung dieses gemeinsamen Kommuniques
zu bewerkstelligen.
c) In Übereinstimmung mit Artikel 8 des Protokolls über die Rückführung
gefangengehaltenen Personals sollen alle gefangenen und in Gewahrsam gehal~
tenen Personen, auf die sich dieses Protokoll erstreckt, jederzeit human behandelt werden. Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen sofort Artikel
9 dieses Protokolls verwirklichen und innerhalb von 15 Tagen vom Datum der
Unterzeichnung dieses gemeinsamen Kommuniques gerechnet nationalen Fotkreuzgesellschaften, auf die sie sich geeinigt haben, erlauben, alle Orte zu besuchen, wo solches Personal in Gewahrsam gehalten wird.
d) Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen zusammenarbeiten, um
Informationen über vermißte Personen und über die Feststellung des Ortes von
Gräbern sowie deren Pflege zu erhalten.
e) In Übereinstimmung mit Artikel 8 (b) des Abkommens sollen die Parteien
einander helfen, Informationen über jenes Militärpersonal und jene ausländischen Zivilisten der Parteien zu erhalten, die vermißt werden, den Ort
der Gräber festzustellen und die Pflege der Gräber sicherzustellen, um die

�die Exhumierung und Überführung der sterblichen Überreste zu erleichtern
und alle anderen derartigen Maßnahmen durchzuführen, die sich als notwendig erweisen mögen, um Informationen über alle Personen zu erhalten, die
noch als vermißt angesehen werden. Zu diesem Zweck sollen häufige und regelmäßige Verbindungsflüge zwischen Saigon und Hanoi stattfinden.

9.

Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen Artikel 11 des Ab-

kommens verwirklichen, der wie folgt lautet:
"Unmittelbar nach dem Waffenstillstand werden die beiden südvietnamesischen Parteien:
- nach nationaler Wiederaussöhnung und Eintracht streben, Haß und
Feindschaft beenden, alle Vergeltungsakte und Diskriminierungen
gegen Personen oder Organisationen verbieten, die mit der einen
oder anderen Seite kollaboriert haben; die demokratischen Freiheiten des Volkes gewährleisten; persönliche Freiheit, Redefreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Organisationsfreiheit,
Freiheit der politischen Betätigung,

Glaubensfreiheit, freier

Reiseverkehr, freie Wahl des Wohnsitzes, freie Wahl des Arbeitsplatzes, Recht auf Eigentum und Recht auf freie Berufsausübung."

10.

In Übereinstimmung mit den Grundsätzen für die Ausübung des Selbst-

bestimmungsrechtes des südvietnamesischen Volkes wie in Kapitel IV des
Vertrages festgelegt:
a) Soll das südvietnamesische Volk selbst durch echt freie und demokratische allgemeine Wahlen unter internationaler Überwachung die politische Zukunft Südvietnams bestimmen.
b) Der Nationalrat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht, der
aus drei gleichen Teilen besteht, soll in Übereinstimmung mit Artikel 12
des Abkommens sobald wie möglich ins Leben gerufen werden.
Die

�f

1

Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen sobald wie möglich ein
Abkommen über die internen Angelegenheiten Südvietnams unterzeichnen

und

ihr äußerstes tun, um dies innerhalb von 45 Tagen nach Unterzeichnung dieses gemeinsamen Kommuniques zustandezubringen.

c) Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen sich auf dem Wege der
Konsultation über die Institutionen einigen, für die die freien und demokratischen allgemeinen Wahlen gemäß Artikel 9 (b) des Abkommens abgehalten
werden.
d) Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen Artikel 13 des
Abkommens verwirklichen, der wie folgt lautet:
"Die Frage der vietnamesischen Streitkräfte in Südvietnam soll von
den beiden südvietnamesischen Parteien in einem Geiste der nationalen
Wiederaussöhnung und Eintracht, der Gleichberechtigung und der gegenseitigen Achtung ohne jede ausländische Einmischung und im Einklang
mit der Nachkriegssituation geregelt werden. Zu den von den beiden südvietnamesischen Parteien zu erörternden Fragen gehören Schritte zur Verminderung ihrer militärischen Schlagkraft und zur Demobilisierung der
zu verringernden Truppen. Die beiden südvietnamesischen Parteien werden
diese sobald wie möglich durchführen."

11.

In Durchführung von Artikel 17 des Abkommens:
a) Sollen alle Bestimmungen der Artikel 16 und 17 des Protokolls über

den Waffenstillstand in Südvietnam bezüglich der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission sofort durchgeführt werden. Dieser Kommission sollen ferner sofort die elf Punkte an Privilegien und Immunitäten zuerkannt werden, wie sie
die Gemeinsame Vierer-Militärkommission vereinbart hat. Es sollen häufige und
regelmäßige Verbindungsflüge zwischen Saigon und den Hauptquartieren der regionalen Gemeinsamen Zweier-Militärkommissionen zu anderen Orten in Südvietnam stattfinden, wie dies für die Arbeit der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission notwendig ist. Ferner sollen auch häufige und regelmäßige Verbindungs-

-8-

�Verbindungsflüge zwischen Saigon und Loc Ninh stattfinden.
b) Das Hauptquartier der Zentralen Gemeinsamen Zweier-Militärkommission
soll in Saigon selbst oder an einem Ort eingerichtet werden, den die beiden
südvietnamesischen Parteien vereinbaren, wo ein von der einen Seite kontrolliertes Gebiet an ein von der anderen Seite kontrolliertes Gebiet stößt.
Die Standorte der Hauptquartiere der regionalen Gemeinsamen Zweier-Militärkommissionen und der Teams der Gemeinsamen Zweier-Militärkoramissionen sollen
innerhalb von 15 Tagen nach dem Inkrafttreten des in Paragraph 3 genannten
Waffenstillstandes von dieser Kommission festgelegt werden. Diese Standorte
können durch Beschluß der Kommission jederzeit verändert werden. Die Standorte, ausgenommen die Standorte für die Teams an den Übergangsstellen, sollen unter jenen Städten ausgewählt werden, wie sie in Artikel 11 (b und c)
des Protokolls über den Waffenstillstand in Südvietnam spezifiziert werden,
und jenen Orten, wo ein von einer der südvietnamesischen Parteien kontrolliertes Gebiet an ein von der anderen Seite kontrolliertes Gebiet angrenzt oder
an irgendeinem anderen von der Kommission vereinbarten Ort.
c) Sobald die Privilegien und Immunitäten wie in Paragraph 11 (a) genannt von beiden südvietnamesischen Parteien zuerkannt worden sind, soll die
Gemeinsame Zweier-Militärkommission personalmäßig voll ausgestattet und ihre
regionalen Kommissionen und Teams voll eingesetzt werden, und zwar innerhalb
von 15 Tagen,nachdem ihre Standorte festgelegt worden sind.
d)

Die Gemeinsame Zweier-Militärkommission und die Internationale

Kontroll-und Überwachungskommission sollen bei der Durchführung ihrer jeweiligen Funktionen eng miteinander zusammenarbeiten und einander unterstützen.

12.

In Übereinstimmung mit Artikel 18 des Abkommens und Artikel 10 des

Protokolls über die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission sind
der Internationalen Kommission,einschließlich ihrer Teams, zum Zwecke der
Beobachtung solche Bewegungen gestattet, die vernünftigerweise für die genaue
Ausübung ihrer Funktionen wie im Abkommen vorgesehen sind. Bei der Ausübung

-9-

�•

Ausübung dieser Funktionen soll der Internationalen Kommission einschließlich
ihrer Teams jede notwendige Unterstützung und Zusammenarbeit seitens der betroffenen Parteien gewährt werden. Die beiden südvietnamesischen Parteien
sollen ihrem Personal die notwendigen Anweisungen erteilen und alle anderen
notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit solcher Bewegungen zu
gewährleisten.

13.

Artikel 20 des Abkommens bezüglich Kambodscha und Laos soll ge-

nauestens eingehalten werden.
14.

In Obereinstimmung mit Artikel 21 des Abkommens soll die Gemeinsame

Wirtschaftskommission der Vereinigten Staaten und der Demokratischen Republik Vietnam vier Tage nach der Unterzeichnung dieses gemeinsamen Kommuniques ihre Sitzungen wieder aufnehmen und die erste Phase ihrer Arbeit innerhalb der darauffolgenden 15 Tage zum Abschluß bringen.
In Bekräftigung, daß die betroffenen Parteien alle Bestimmungen des Pariser Abkommens, seiner Protokolle und dieses gemeinsamen Kommuniques strikt
beachten und genauestens einhalten werden, haben die unterzeichnenden Vertreter der Signatarparteien des Pariser Abkommens beschlossen, dieses gemeinsame Kommunique herauszugeben, um die Punkte festzuhalten und zu veröffentlichen, auf die sie sich geeinigt haben.
Unterzeichnet in Paris am 13. Juni 1973
Für die Regierung der

Für die Regierung der Republik Viet-

Vereinigten Staaten von Amerika:

nam:

Henry A. Kissinger

Nguyen Luu Vien

Berater des Präsidenten der

Vertreter der Regierung der Republik

Vereinigten Staaten von Amerika

Vietnam

Für

-10-

�Für die Regierung der Demokratischen

Für die Provisorische Revolutionsre-

Republik Vietnam:

gierung der Republik Südvietnam:

Le Duc Tho

Nguyen Van Hieu

Vertreter der Regierung der

Staatsminister der Provisorischen

Demokratischen Republik Vietnam

Revolutionsregierung der Republik Südvietnam

-11-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Treffen Nixon-Breschnew im Zeichen eines veränderten internationalen Klimas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Alexander M. Sullivan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon ordnet zweimonatigen Preisstopp an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das neue US-Wirtschaftsprogramm in Stichworten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz erläutert neue amerikanische Wirtschaftskontrollen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz des US-Finanzministers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede von Botschafter Greenwald in Bergneustadt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsames amerikanisch-nordvietnamesisches Kommunique vom 13. Juni&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Pariser Vierer-Kommuniqué vom 13. Juni&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
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53

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Nummer

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und
Dokumentation

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27. Juni 1973

24

Inhalt
DOKUMENTATION:
Das amerikanisch-sowjetische Kommunique vom 23. Juni 1973
-WortlautDas amerikanisch-sowjetische Aokommen zur Verhinderung eines Atomkrieges
-WortlautDokumentation des Weißen Hauses zum Abkommen zur Verhinderung eines
Atomkrieges
«WortlautNixon-Breschnew-Abkommen über Rüstungsbegrenzungsverhandlungen
-WortlautDokumentation des Weißen Hauses zur Rüstungsbegrenzung
-WortlautAmerikanisch-sowjetisches Abkommen über die friedliche Nutzung der
Atomenergie
-WortlautDas airfcrikanisch-sowjetische
-Wortlaut-

Verkehrsabkommen

A m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e s Austauschprogramm für Kultur und Wissens c h a f t 1974-1976
Das a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e
-Wortlaut-

Landwirtschaftsabkommen

A m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e s Abkommen über d i e Meeresforschung
-Wortlaut Die a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n
-Wortlaut-

Handelsprotokolle

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

�i a m e r i k a dienst
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24/1973

DAS AMERIKANISCH-SOWJETISCHE KOMMUNIQUE VOM 25. JUNI 1973
- Wortlaut -

WASHINGTON/SAN CLEMENTE --(AD)-- Im Anschluß an das Gipfeltreffen von Präsident Nixon und Parteichef Breschnew im Rahmen des Staatsbesuches einer
sowjetischen Delegation unter Führung von Breschnew in den Vereinigten Staaten vom 18. bis 25. Juni 1973 wurde folgendes Kommunique' veröffentlicht:
«.

"Auf Einladung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Richard Nixon,
die während seines offiziellen Besuches in der UdSSR im Mai 1972 ausgesprochen wurde, und gemäß einer danach getroffenen Übereinkunft stattete der
Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Leonid Breschnew, vom 18. bis 25. Juni den Vereinigten Staaten einen
offiziellen Besuch ab. Herr Breschnew wurde begleitet von A.A. Gromyko,
Minister für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR und Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU; N.S. Patolitschew, Außenhandelsminister;
B.P. Bugajew, Minister für Zivilluftfahrt; G.E. Tsukanow und A.M. Alexandrow,
Berater des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU; L. I. Samjatin,
Generaldirektor von TASS; E. I. Tschasow, Stellvertretender Minister für
Öffentliche Gesundheit in der UdSSR; G.M. Kornijenko, Mitglied des Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR; G.A. Arbatow, Direktor des AmerikaInstituts der Akademie der Wissenschaften der UdSSR.
Präsident

�r
*

Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew führten gründliche und
konstruktive Gespräche über den Fortschritt, der in der Entwicklung der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen erzielt worden ist, sowie über eine
Reihe wichtiger internationaler Probleme von beiderseitigem Interesse.
An den Gesprächen, die in Washington, Camp David und San demente
stattfanden, nahmen ferner teil:
auf amerikanischer Seite William P. Rogers, Außenminister; George P.
Shultz, Finanzminister; Dr. Henry A. Kissinger, Berater des Präsidenten
für Fragen der Nationalen Sicherheit.
Auf sowjetischer Seite A.A. Gromyko, Außenminister der UdSSR und Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU; A.F. Dobrynin, sowjetischer Botschafter in den USA; N.S. Patolitschew, Außenhandelminister;
B.P. Bugajew, Minister für Zivilluftfahrt; A.M. Alexandrow und G.E. Tsukanow,
Berater des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU; G.M.Kornijenko,
Mitglied des Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR.

I. Der allgemeine Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Beide Seiten brachten ihre gemeinsame Befriedigung über die Tatsache zum
Ausdruck, daß das amerikanisch-sowjetische Gipfeltreffen in Moskau im Mai
1972 und die dort getroffenen gemeinsamen Entscheidungen zu einem wesentlichen Fortschritt in der Stärkung der friedlichen Beziehungen zwischen den
USA und der UdSSR geführt und die Grundlage geschaffen haben für die weitere
Entwicklung einer weitgehenden und beiderseits nutzbringenden Zusammenarbeit
auf verschiedenen Gebieten beiderseitigen Interesses für die Völker beider
Länder und im Interesse der ganzen Menschheit. Sie stellten ihre Befriedigung über die beiderseitigen Bemühungen fest, die zwischen den

USA und den

UdSSR geschlossenen Verträge und Abkommen strikt und voll einzuhalten und
die Gebiete der Zusammenarbeit auszuweiten.
Sie

-2-

�Sie waren sich einig, daß der Prozeß der Neugestaltung der Beziehungen
zwischen den USA und der UdSSR auf der Basis friedlicher Koexistenz und
gleicher Sicherheit, wie in den Grundsätzen für die Beziehungen zwischen
den USA und der UdSSR niedergelegt, die am 29. Mai 1972 in Moskau unterzeichnet wurden, in ermutigender Weise fortschrietet. Sie unterstrichen die
große Bedeutung, die jede Seite diesen Grundprinzipien

beimißt. Sie bekräf-

tigten ihre Verpflichtung zur weiteren genauen Einhai tung und zur Steigerung der Wirksamkeit jeder Bestimmung dieses Dokumentes.
Beide Seiten stellten mit Befriedigung fest, daß das Ergebnis des amerikanisch-sowjetischen Treffens in Moskau im Mai 1972 von anderen Staaten
und von der Weltmeinung als ein wichtiger Beitrag zur Stärkung des Friedens
und der internationalen Sicherheit, zur Zügelung des Wettrüstens und zur
Entwicklung einer sachlichen Zusammenarbeit zwischen Staaten mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen begrüßt wurde.
Beide Seiten betrachteten den Gegenbesuch des Generalsekretärs des
Zentralkomitees der KPdSU, L. I. Breschnew, in den USA und die während dieses Besuches geführten Gespräche als einen Ausdruck ihrer beiderseitigen
Entschlossenheit, den Weg in Richtung auf eine wesentliche Verbesserung der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen fortzusetzen.
Beide Seiten sind überzeugt, daß die von ihnen soeben geführten Gespräche einen weiteren Meilenstein in der konstruktiven Entwicklung ihrer Beziehungen darstellen.
In der Überzeugung,daß eine solche Entwicklung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen den Interessen ihrer beiden Völker wie auch der gesamten
Menschheit dient, wurde beschlossen, weitere wesentliche Schritte zu ergreifen, um diesen Beziehungen ein Höchstmaß an Stabilität zu geben und
die Entwicklung von Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen ihren Völkern
zu einem permanenten Faktor für einen weltweiten Frieden zu machen.
II.

�!

II. Die Verhinderung eines Atomkrieges und die Begrenzung der
strategischen Rüstungen

Die in Zusammenhang mit der Erhaltung und Stärkung des Weltfriedens
stehenden Fragen bildeten einen zentralen Punkt in den Gesprächen zwischen
Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew.
Im Bewußtsein der außergewöhnlichen Bedeutung, die wirksame Maßnahmen
in dieser Richtung für die gesamte Menschheit haben, erörterten sie Wege,
wie beide Seiten auf eine Verringerung der Gefahr eines Krieges, und insbesondere eines Atomkrieges, zwischen den USA und der UdSSR sowie zwischen
einer der beiden Vertragsparteien und anderen Ländern hinarbeiten können.
Im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen und der Grundsatzerklärung
für die Beziehungen vom 29. Mai 1972 wurde daher beschlossen, ein Abkommen
zwischen den USA und der UdSSR über die Verhinderung eines Atomkrieges abzuschließen. Dieses Abkommen wurde von dem Präsidenten und dem Generalsekretär
am 22. Juni 1973 unterzeichnet. Der Wortlaut ist gesondert veröffentlicht
worden.
Bezüglich der Bewertung dieses Abkommens sind der Präsident und der
Generalsekretär der Auffassung, daß es einen historischen Meilenstein in den
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen darstellt und die Grundlagen der internationalen Sicherheit in ihrer Gesamtheit wesentlich stärkt. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion erklären ihre Bereitschaft, zusätzliche Wege
zur Stärkung des Friedens sowie zur endgültigen Beseitigung der Gefahr eines
Krieges, vor allem eines Atomkrieges, zu prüfen.
Im Verlauf des Treffens wurden eingehende Gespräche über Fragen der
Begrenzung der strategischen Rüstungen geführt. In diesem Zusammenhang unterstrichen beide Seiten die grundlegende Bedeutung des Vertrages über die Begrenzung der ballistischen Raketenabwehrsysteme sowie des Interimsabkommens
über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von strategischen

-4-

�strategischen Offensivwaffen, die von den USA und der UdSSR im Mai 1972
unterzeichnet wurden und die zum ersten Mal in der Geschichte die modernsten
und furchtbarsten Waffentypen tatsächlich begrenzen.
Nach einem Austausch der Ansichten über den Fortschritt bei der Durchführung dieser Abkommen haben beide Seiten ihre Absicht, sie zu erfüllen,
sowie ihre Bereitschaft erneut bekräftigt, gemeinsam auf ein Abkommen über
die weitere Begrenzung der strategischen Rüstungen hinzuarbeiten.
Beide Seiten stellten fest, daß bei den im November 1972 wieder aufge&lt;»
nommenen Verhandlungen Fortschritte erzielt worden und die Aussichten
günstig sind, ein ständiges Abkommen über vollständige Maßnahmen zur Begrenzung von strategischen Offensivwaffen

zu erreichen.

Beide Seiten stimmten darin überein, daß der bei der Begrenzung der
strategischen Rüstungen erzielte Fortschritt ein äußerst wichtiger Beitrag
zur Stärkung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sowie zum Weltfrieden
ist.
Auf der Grundlage ihrer Gespräche haben der Präsident und der Generalsekretär am 21. Juni 1973 Grundprinzipien der Verhandlungen über die weitere
Begrenzung der strategischen Offensivwaffen unterzeichnet. Der Wortlaut ist
gesondert veröffentlicht worden.
Die USA und die UdSSR messen einem Zusammenwirken mit allen Staaten in
der Frage einer Stärkung des Friedens, der Verringerung der Rüstungslasten
sowie der Erzielung von Abkommen über eine Rüstungsbegrenzung und Abrüstungsmaßnahmen größte Bedeutung bei.
In Anbetracht der wichtigen Rolle, die einem wirksamen internationalen
Abkommen in bezug auf die chemischen Waffen zufallen würde, haben die beiden
Seiten vereinbart, ihre Bemühungen um den Abschluß eines solchen Abkommens
in Zusammenarbeit mit anderen Ländern fortzusetzen.
Die

-5-

�Die beiden Seiten stimmen darin überein, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Arbeit des Abrüstungsausschusses zu erleichtern, der in Genf
tagt. Sie werden sich aktiv an den Verhandlungen beteiligen, die darauf abzielen, neue Maßnahmen zur Einschränkung und Beendigung des Wettrüstens auszuarbeiten.
Sie bekräftigen erneut, daß das letztliche Ziel eine allgemeine und
vollständige Abrüstung, einschließlich einer nuklearen Abrüstung, unter
strikter internationaler Kontrolle ist. Eine Weltabrüstungskonferenz könnte
zu gegebener Zeit eine Rolle bei diesem Prozeß spielen.

III. Internationale Fragen: Die Verringerung der Spannungen und
die Stärkung der internationalen Sicherheit

Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew prüften wichtige Fragen
der gegenwärtigen internationalen Situation. Sie widmeten den Entwicklungen
seit der Zeit des amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffens in Moskau besondere Aufmerksamkeit. Mit Befriedigung wurde festgestellt, daß sich in den
internationalen Beziehungen positive Trends in Richtung auf die weitere Verminderung der Spannungen und die Stärkung kooperativer Beziehungen im Interesse des Friedens entwickeln. Nach Ansicht beider Seiten schafft der gegenwärtige Prozeß einerVerbesserung in der internationalen Situation neue und
günstige Möglichkeiten, um die Spannungen zu vermindern, wichtige internationale Fragen zu regeln und ein dauerhaftes Gebäude des Friedens zu errichten.
Indochina
Die beiden Seiten gaben ihrer großen Befriedigung über den Abschluß des
Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam sowie ebenfalls über die Ergebnisse der Internationalen Vietnamkonferenz Ausdruck, die dieses Abkommen billigte und unterstützte.
Die

�»

Die beiden Seiten sind überzeugt, daß der Abschluß des Abkommens über
die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam
und die darauf folgende Unterzeichnung des Abkommens über die Wiederherstellung des Friedens und die Verwirklichung der Nationalen Eintracht in Laos
den grundlegenden Interessen und Hoffnungen des vietnamesischen und des laotischen Volkes entsprechen sowie eine Möglichkeit für die Schaffung eines
dauerhaften Friedens in Indochina eröffnen, der auf der Respektierung der Unabhängigkeit, der Souveränität, der Einheit und der territorialen Integrität
der Länder dieses Raumes basiert. Beide Seiten betonten, daß diese Abkommen
strikt eingehalten werden müssen.
Sie unterstrichen ferner die Notwendigkeit,den militärischen Konflikt in
Kambodscha zu einem baldigen Ende zu bringen,um dem gesamten indochinesischen
Raum Frieden zu geben. Sie bekräftigten weiter ihren Standpunkt, daß die politische Zukunft von Vietnam, Laos und Kambodscha der freien Entscheidung
der betreffenden Völker ohne jede ausländische Einmischung überlassen bleiben
soll.
Europa
Im Verlauf der Gespräche nahmen beide Seiten mit Befriedigung zur Kenntnis, daß in Europa der Prozeß einer Verringerung der Spannungen und einer
Entwicklung der Zusammenarbeit aktiv fortgesetzt wird und somit zur internationalen Stabilität beiträgt.
Beide Seiten gaben ihrer Befriedigung über die weitere Normalisierung
der Beziehungen zwischen den europäischen Ländern Ausdruck, die ein Ergebnis der in den letzten Jahren unterzeichneten Verträge und Abkommen, vor allem
zwischen der UdSSR und der Bundesrepublik Deutschland, sind. Sie begrüßen
ferner das Inkrafttreten des Vier-Mächte-Abkommens vom 3. September 1971.
Sie teilen die Überzeugung, daß eine strikte Einhaltung der abgeschlossenen
Verträge und Abkommen zur Sicherheit und zum Wohl aller betroffenen Parteien
beitragen wird.
Sie

-7-

�»

Sie begrüßen weiter die Aussichtj daß die Bundesrepublik Deutschland und
die Deutsche Demokratische Republik noch in diesem Jahr Mitglied der Vereinten Nationen werden und erinnern in diesem Zusammenhang daran, daß die USA,
die UdSSR, Großbritannien und Frankreich am 9. November 1972 die Vier-MächteErklärung hierzu unterzeichnet haben.
Geleitet von den betreffenden Bestimmungen des in Moskau im Mai 1972
angenommenen gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Kommuniques bekräftigen
die USA und die UdSSR ihren Wunsch, ihre getrennten und ihre gemeinsamen
Beiträge zur Stärkung friedlicher Beziehungen in Europa fortzusetzen. Beide
Seiten bestätigen, daß die Gewährleistung eines dauerhaften Friedens in Europa ein überragendes Ziel ihrer Politik ist.
In diesem Zusammenhang wurde Befriedigung über die Tatsache geäußert,
daß als Folge gemeinsamer Anstrengungen zahlreicher Länder, unter ihnen die
USA und die UdSSR, die Vorbereitungsarbeiten für die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die am 3. Juli 1973 zusammentreten wird,
erfolgreich abgeschlossen worden sind. Die USA und die UdSSR sind der Auffassung, daß die Konferenz die Möglichkeiten zur Stärkung der Sicherheit in
Europa sowie zur Entwicklung von Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmerstaaten vergrößern wird. Die USA und die UdSSR werden eine Politik verfolgen, die
die Ziele der Konferenz realisieren und eine neue Ära guter Beziehungen in
diesem Teil der Welt herbeiführen soll.
Als Ausdruck ihrer anhaltend positiven Einstellung zu dieser Konferenz
werden beide Seiten sich darum bemühen, die Konferenz zum frühestmöglichen
Zeitpunkt zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Beide Seiten gehen
von der Annahme aus, daß ein Fortschritt in der Arbeit der Konferenz Möglichkeiten schaffen wird, sie auf höchster Ebene zum Abschluß zu bringen.
Die USA und die UdSSR sind der Auffassung, daß das Ziel, Stabilität
und Sicherheit in Europa zu stärken, weiter gefördert würde, wenn gleichlaufend mit der Verminderung der politischen Spannungen eine Verringerung

-8-

�Verringerung der militärischen Spannungen in Mitteleuropa erfolgt. In diesem
Zusammenhang messen sie den Verhandlungen über die beiderseitige Verringerung
der Streitkräfte und Rüstungen und damit verbundene Maßnahmen in Mitteleuropa, die am 30. Oktober 1973 beginnen werden, große Bedeutung bei. Beide Seiten erklären ihre Bereitschaft, zusammen mit anderen Ländern ihren Beitrag
zu leisten, um allseits akzeptable Entscheidungen über die wesentlichen Punkte dieses Problems zu erreichen, die auf der strikten Beachtung des Prinzips
der uneingeschränkten Sicherheit jeder einzelnen Vertragspartei basieren.

Naher Osten
Beide Seiten gaben ihrer tiefen Besorgnis über die Situation im Nahen
Osten Ausdruck und führten einen Gedankenaustausch darüber, wie eine Regelung im Nahen Osten erreicht werden kann.
Jede Seite legte ihren Standpunkt zu diesem Problem dar.
Beide Seiten vereinbarten, ihre Anstrengungen zur Förderung der schnellstmöglichen Regelung für den Nahen Osten fortzusetzen. Diese Regelung sollte
im Einklang mit den Interessen aller Staaten in diesem Räume stehen, mit ihrer
Unabhängigkeit und Souveränität zu vereinbaren sein und den legitimen Interessen des palästinensischen Volkes in angemessener Form Rechnung tragen.

IV. Handels - und Wirtschaftsbeziehungen
Der Präsident und der Generalsekretär prüften eingehend den Status und
die Aussichten der Handels-und Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und
der UdSSR. Beide Seiten nahmen mit Genugtuung von dem Fortschritt Kenntnis,
der im letzten Jahr bei der Normalisierung und der Entwicklung der Handelsund Wirtschaftsbeziehungen zwischen ihnen erzielt wurde.
Sie

�•

Sie stimmten darin überein, daß eine beiden Seiten zum Vorteil gereichende Zusammenarbeit und friedliche Beziehungen dadurch gestärkt würden,
daß eine dauerhafte Gründlage für die Wirtschaftsbeziehungen geschaffen
wird.
Sie verweisen mit Befriedigung auf die verschiedenen im letzten Jahr unterzeichneten Abkommen über Handel und Handelsbeziehungen. Beide Seiten
stellen fest, daß der amerikanisch-sowjetische Handel eine beträchtliche Ausweitung erfahren hat und daß günstige Aussichten für eine weitere Zunahme des
Warenaustausches in den kommenden Jahren bestehen.
Sie sind der Auffassung, daß das Ziel der beiden Länder in den nächsten
drei Jahren ein Handel in einer Größenordnung von 2 bis 3 Milliarden Dollar
sein sollte. Die Gemeinsame Amerikanisch-Sowjetische Handelskommission bildet weiterhin einen wertvollen Mechanismus, um die Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen auf breiter Basis zu fördern. Die beiden Seiten stellen mit Befriedigung fest, daß die Kontakte zwischen amerikanischen Firmen und ihren
sowjetischen Partnern ständig zunehmen.
Beide Seiten bekräftigten ihre feste Absicht, auf ihren früheren Vereinbarungen über Maßnahmen, die auf die Schaffung günstigerer Bedingungen für
die Ausweitung der Handels-und der sonstigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen
den USA und der UdSSR abzielen, weiter aufzubauen.
Es wurde festgestellt, daß als Folge des im Oktober 1972 unterzeichneten
Abkommens über bestimmte Schiffahrtsfragen sowjetische und amerikanische Handelsschiffe häufiger jeweils Häfen der Vereinigten Staaten oder der UdSSR anlaufen, und daß seit Ende Mai dieses Jahres eine neue regelmäßige Passagierlinie zwischen New York und-Leningrad aufgenommen worden ist.
Im Laufe des gegenwärtigen Treffens haben die beiden Seiten ein Protokoll
zur Erweiterung der bestehenden zivilen Luftfahrbeziehungen zwischen den USA
und der UdSSR unterzeichnet, das direkte Flugverbindungen zwischen Washington
und Moskau sowie zwischen New York und Leningrad vorsieht, die Zahl der Flüge
erhöht und andere Fragen auf dem Gebiet der Zivilluftfahrt löst.
Jjn

-10-

�Im Zusammenhang mit der Überprüfung der Aussichten für eine weitere und
dauerhaftere wirtschaftliche Zusammenarbeit sprachen sich beide Seiten für
gegenseitig vorteilhafte langfristige Projekte aus. Sie erörterten eine
Reihe spezifischer Projekte, die die Beteiligung amerikanischer Gesellschaften betreffen, darunter die Lieferung von sibirischem Erdgas in die Vereinigten Staaten. Der Präsident ließ erkennen, daß die USA amerikanische Firmen
ermutigen, konkrete Vorschläge zu diesen Projekten auszuarbeiten, und er
wird Vorschläge, die im Interesse beider Seiten liegen, ernsthaft und wohlwollend prüfen.
Um zur Ausweitung der Beziehungen auf d en Gebieten des Handels, der
Kultur und der Technik beizutragen, haben die beiden Seiten ein Steuerabkommen unterzeichnet, das die Doppelbesteuerung von Einkommen vermeiden und
weitmöglichst die Notwendigkeit beseitigen soll, daß Bürger des einen Landes
in das Steuersystem des anderen Landes einbezogen werden.
Es wurde ferner ein Protokoll über die Eröffnung einer Handelsvertretung der UdSSR in Washington und eines Handelsbüros der Vereinigten Staaten
in Moskau bis Ende Oktober unterzeichnet. Weiter wurde ein Protokoll über
Fragen unterzeichnet, die sich im Zusammenhang mit der Gründung einer amerikanisch-sowjetischen Handelskammer ergeben. Diese Vereinbarungen werden die
weitere Entwicklung der Handels-und Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA
und der UdSSR erleichtern.

V. Weiterer Fortschritt auf anderen Gebieten der bilateralen
Zusammenarbeit
Die beiden Seiten überprüften die Möglichkeiten für eine bilaterale Zusammenarbeit auf solchen Gebieten wie Umweltschutz, öffentliches Gesundheitswesen und Medizin, Erforschung des Weltraumes sowie Wissenschaft und
Technologie, die durch die im Mai 1972 und später unterzeichneten Abkommen
geschaffen wurde. Sie stellten fest, daß diese Abkommen in der Praxis zufriedenstellend und im Einklang mit den Programmen durchgeführt worden sind.
Im

�*
i

Im einzelnen ist gegenwärtig ein geraeinsames Programm im Gange, um wirksame Mittel zur Bekämpfung solcher Krankheiten zu entwickeln, die am weitesten verbreitet und für die Menschheit am gefährlichsten sind: Krebs,
kardiovaskuläre oder infektiöse Krankheiten und Arthritis. Die medizinischen
Aspekte der Umweltprobleme sind ebenfalls Gegenstand der gemeinsamen Forschung.
Die Vorbereitungen für den gemeinsamen Weltraumflug von Apollo-und
Sojus-Raumfahrzeugen schreiten gemäß dem vereinbarten Zeitplan voran. Der
gemeinsame Flug dieser Raumfahrzeuge mit einem Rendezvous und einem Ankoppeln sowie gegenseitigen Besuchen der amerikanischen und der sowjetischen
Astronauten in dem jeweils anderen Raumfahrzeug ist für Juli 1975 vorgesehen.
Aufbauend auf den in früheren Abkommen geschaffenen Grundlagen und unter Berücksichtigung des Potentials der USA und der UdSSR, kooperative Maßnahmen auf derzeitigen wissenschaftlichen

und technologischen Gebieten zu

unternehmen, wurden neue Projekte für nutzbringende gemeinsame Vorhaben festgelegt und entsprechende Abkommen abgeschlossen.

Friedliche Nutzung der Atomenergie

Angesichts der großen Bedeutung, die der Deckung des wachsenden Energiebedarfs in beiden Ländern und überall auf der Welt zukommt, und in der
Erkenntnis, daß die Erschließung hochergiebiger Energiequellen zur Lösung
dieses Problems beitragen könnte, haben der Präsident und der Generalsekretär ein Abkommen über die Ausweitung und Stärkung der Zusammenarbeit auf den
Gebieten der gesteuerten thermonuklearen Fusion, der schnellen Brutreaktoren
sowie der Erforschung der grundlegenden Eigenschaften der Materie unterzeichnet. Zur Durchführung dieses Abkommens, das eine Laufzeit von zehn Jahren
hat, wird ein Gemeinsamer Ausschuß für Zusammenarbeit in der friedlichen
Nutzung der Atomenergie geschaffen werden.

-12-

�t

Landwirtschaft
Angesichts der Bedeutung, die der Landwirtschaft bei der Deckung des
Nahrungsmittelbedarfs der Menschheit zukommt, sowie der Rolle, die die Wissenschaft für die moderne Agrarerzeugung spielt, haben die beiden Seiten ein
Abkommen abgeschlossen, das einen umfassenden Austausch von wissenschaftlichen Erfahrungen auf den Gebieten der landwirtschaftlichen Forschung und Entwicklung und von Informationen über die Agrarwirtschaft vorsieht. Es wird
ein Gemeinsamer Amerikanisch-Sowjetischer Ausschuß für die Zusammenarbeit
auf dem Gebiet der Landwirtschaft geschaffen werden, der die aufgrund dieses Abkommens durchgeführten gemeinsamen Programme überwachen soll.

Meeresforschung
Angesichts des einzigartigen Potentials und des großen Interesses beider Länder an der Erforschung der Weltmeere und im Hinblick auf die umfassenden Erfahrungen der amerikanisch-sowjetischen ozeanographischen Zusammenarbeit haben die beiden Seiten vereinbart, ihre Zusammenarbeit zu erweitern,
und zu diesem Zweck ein Abkommen unterzeichnet. Sie gehen dabei von der Überzeugung aus, daß die Vorteile einer weiteren Entwicklung der Zusammenarbeit
auf dem Gebiet der Ozeanographie nicht nur bilateral, sondern ebenfalls für
alle Völker der Welt von Nutzen sein werden. Ein Gemeinsamer AmerikanischSowjetischer Ausschuß für Zusammenarbeit in der Erforschung der Weltmeere
wird geschaffen werden, um die Durchführung der kooperativen Programme zu
koordinieren.
Verkehrswesen
Die beiden Seiten stimmten darin überein, daß Möglichkeiten für eine
Zusammenarbeit zwischen den USA und der UdSSR bei der Lösung von Problemen
auf dem Gebiet des Verkehrswesens gegeben sind. Um eine erweiterte, beiden
Seiten zum Vorteil gereichende Zusammenarbeit auf diesem Gebiet zu ermöglichen,

-13-

�I
1

haben die beiden Seiten ein Abkommen hierzu abgeschlossen. Die USA und die
UdSSR haben ferner vereinbart, daß ein Gemeinsamer Ausschuß für Zusammenarbeit im Verkehrswesen geschaffen wird.

Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit

Angesichts der allgemeinen Ausweitung der bilateralen amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und im besonderen der wachsenden Zahl von Austauschprogrammen auf den Gebieten der Wissenschaft, der Technologie, des Bildungswesens und der Kultur sowie auf anderen Gebieten von beiderseitigem Interesse haben die beiden Seiten vereinbart, den Umfang dieser Vorhaben im Rahmen eines neuen allgemeinen Vertrages über Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit mit einer Laufzeit von sechs Jahren zu erweitern.Die beiden Seiten
haben dies getan, da sie beide der Auffassung sind, daß dies ein besseres
Verständnis zwischen der Bevölkerung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion fördern und zur Verbesserung des allgemeinen Standes der Beziehungen
zwischen den beiden Ländern beitragen wird.
Beide Seiten sind der Auffassung, daß die Gespräche auf höchster Ebene,
die in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre geführt wurden, sehr wertvoll waren und wesentlich zur Entwicklung von beiden Seiten zum Vorteil gereichenden Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR beigetragen haben. Nach
Ansicht beider Seiten werden sich diese Gespräche vorteilhaft auf die internationalen Beziehungen auswirken.
Sie stellten fest, daß der Erfolg der Gespräche in den Vereinigten Staaten durch die ständigen Konsultationen und Kontakte erleichtert wurden, die
im Mai 1972

vereinbart worden waren. Sie bekräftigten, daß die Praxis,

Konsultationen zu führen, fortgesetzt werden sollte. Sie vereinbarten, daß
weitere Treffen auf höchster Ebene regelmäßig abgehalten werden sollten.
Nachdem

-14i

�I

Nachdem Generalsekretär Breschnew Präsident Nixon seinen Dank für die
ihm während seines Besuches in den Vereinigten Staaten gewährte Gastfreundschaft ausgesprochen hatte, lud er den Präsidenten zu einem Besuch der UdSSR
im Jahre 1974 ein. Die Einladung wurde angenommen."

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24/1973

DAS AMERIKANISCH-SOWJETISCHE ABKOMMEN ZUR VERHINDERUNG EINES
ATOMKRIEGES
- Wortlaut -

WASHINGTON — ( A D ) — Das von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef Breschnew am 22. Juni in Washington unterzeichnete amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges hat folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken, im weiteren als die Vertragsparteien bezeichnet, sind
geleitet von dem Ziel einer Stärkung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit;
in dem Bewußtsein, daß ein Atomkrieg verheerende Folgen für die
Menschheit haben würde;
von dem Wunsche beseelt, Bedingungen zu schaffen, unter denen die Gefahr des Ausbruches eines Atomkrieges irgendwo auf der Welt verringert
und letztlich beseitigt wird;
eingedenk ihrer Verpflichtungen unter der Charta der Vereinten Nationen
bezüglich der Erhaltung des Friedens, des Verzichts auf Androhung oder Anwendung von Gewalt und der Vermeidung eines Krieges sowie im Einklang mit
den von jeder der beiden Vertragsparteien unterzeichneten Abkommen;
ausgehend
-1-

�f
I
ausgehend von der am 29. Mai 1972 in Moskau unterzeichneten Grundsatzerklärung für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken;
unter Bekräftigung der Tatsache, daß die Entwicklung der Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken sich nicht gegen andere Länder und deren Interessen richtet,
wie folgt übereingekommen:

Artikel I
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion stimmen darin überein,
daß es ein Ziel ihrer Politik ist, die Gefahr eines Atomkrieges und der Anwendung von Kernwaffen zu beseitigen.
Daher vereinbaren die Vertragsparteien, so zu handeln, daß die Entwicklung von Situationen verhindert wird, die eine gefährliche Verschlechterung
ihrer Beziehungen verursachen könnten, um auf diese Weise militärische Konfrontationen zu vermeiden und den Ausbruch eines Atomkrieges zwischen ihnen
sowie zwischen jeder der beiden Vertragsparteien und anderen Ländern auszuschließen.
Artikel II
Die Vertragsparteien vereinbaren, im Einklang mit Artikel I und zur
Verwirklichung des in diesem Artikel erklärten Zieles von der Voraussetzung
auszugehen, daß jede Vertragspartei sich der Androhung oder Anwendung von
Gewalt gegenüber der anderen Vertragspartei, gegenüber den Verbündeten der
anderen Vertragspartei und gegenüber sonstigen Ländern in Situationen enthalten wird, die den Weltfrieden und die internationale Sicherheit gefährden
könnten. Die Vertragsparteien stimmen darin überein, daß sie sich bei der

-2-

�der Formulierung ihrer Außenpolitik sowie bei ihren Maßnahmen auf dem Gebiet
der internationalen Beziehungen von diesen Erwägungen leiten lassen werden.

Artikel III
Die Vertragsparteien verpflichten sich, ihre Beziehungen zueinander
und gegenüber anderen Ländern in einer Weise zu entwickeln, die mit den Zielsetzungen dieses Abkommens in Einklang steht.

Artikel IV
Wenn zu irgendeinem Zeitpunkt die Beziehungen zwischen den Vertragsparteien oder zwischen einer Vertragspartei und anderen Ländern das Risiko eines
nuklearen Konflikts heraufzubeschwören scheinen oder wenn die Beziehungen
zwischen Ländern,die nicht Vertragspartei dieses Abkommens sind, das Risiko
eines Atomkrieges zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken heraufzubeschwören scheinen, so werden
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im Einklang mit den Bestimmungen
dieses Abkommens umgehend in sofortige Konsultationen miteinander eintreten
und alles unternehmen, um ein solches Risiko zu vermeiden.

Artikel V
Jeder Vertragspartei steht es frei, den Weltsicherheitsrat, den Generalsekretär der Vereinten Nationen sowie die Regierungen verbündeter oder anderer
Länder über den Fortschritt und das Ergebnis der Konsultationen zu unterrichten, die nach Artikel IV dieses Abkommens aufgenommen worden sind.

Artikel

�Artikel VI

Nichts in diesem Abkommen soll
a) das inhärente Recht auf individuelle oder kollektive Selbstverteidigung
gemäß Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen;
b) die Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen, einschließlich der
die Erhaltung oder Wiederherstellung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit betreffenden Bestimmungen, und
c) die von einer der beiden Vertragsparteien gegenüber ihren Verbündeten
oder anderen Ländern in Verträgen, Abkommen und anderen entsprechenden
Dokumenten eingegangenen Verpflichtungen
beeinträchtigen oder beeinflussen.

Artikel VII
Dieses Abkommen soll unbegrenzt gültig sein.

Artikel VIII
Dieses Abkommen soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten.

Gegeben

in Washington am 22. Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung in

englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch sind."
I ll

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24/1973

DOKUMENTATION DES WEISSEN HAUSES ZUM ABKOMMEN ZUR VERHINDERUNG
EINES ATOMKRIEGES
- Wortlaut -

WASHINGTON _-(AD) — Das Weiße Haus hat am 22. Juni in Zusammenhang mit dem
am gleiche Tage von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef Breschnew unterzeichneten Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges folgende
Dokumentation herausgegeben:
"Das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zur Verhinderung eines Atomkrieges
Hintergrund
Dieses Abkommen ist ein Ergebnis der Grundsatzerklärung für die Beziehungen zwischen beiden Ländern), die am 29. Mai 1972 in Moskau von dem
Präsidenten und dem Parteichef unterzeichnet worden ist; das zweite dieser
Prinzipien ist besonders relevant. Es besagt, daß: *die USA und die UdSSR
größten Wert darauf legen, das Entstehen von Situationen zu verhindern, die
zu einer gefährlichen Verschlechterung ihrer Beziehungen führen könnten.
Sie werden daher ihr Äußerstes tun, um militärische Konfrontationen zu vermeiden und den Ausbruch eines Nuklearkrieges zu verhindern.1
Auf

-1-

�Auf dieser Basis haben die beiden Staatsmänner erörtert, welche weiteren Schritte zur Verringerung der Gefahr eines Krieges und im besonderen
eines Nuklearkrieges möglich sein könnten. Das Ergebnis ihrer Gespräche ist
das heute unterzeichnete Abkommen - ein Abkommen, das einen bedeutsamen
Schritt nicht nur zur Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, sondern auch zur Stärkung der Stabilität der internationalen Beziehungen darstellt.
Das Abkommen in Stichworten:
Präambel:
Sie unterstreicht den allgemeinen Rahmen des Abkommens: den Wunsch beider Seiten, Bedingungen auf der Welt zu schaffen, unter denen die Gefahr
des Ausbruchs eines Atomkrieges irgendwo verringert oder letztlich beseitigt
wird.
Artikel I
legt die wesentlichen Zielsetzungen des Abkommens dar: a) daß es ein
Ziel der Politik der USA und der UdSSR ist, die Gefahr eines Atomkrieges sowie einer Anwendung von Kernwaffen zu beseitigen; b) daß beide Seiten im
Einklang mit diesem Ziel so handeln werden,
- daß die Entwicklung von Situationen verhindert wird, die eine gefährliche Verschlechterung ihrer Beziehungen verursachen könnten;
- daß militärische Konfrontationen vermieden werden;
- daß der Ausbruch eines Atomkrieges zwischen ihnen sowie zwischen
einem von ihnen und anderen Ländern ausgeschlossen wird.
Somit akzeptiert jede der beiden Seiten in diesem Artikel sowohl ein
allgemeines Ziel als auch einen Verhaltenskodex, der nicht nur für ihre
gegenseitigen Beziehungen, sondern auch für ihre Beziehungen zu anderen Ländern gilt.
•

Artikel II

�Artikel II
definiert die Bedingungen, die geschaffen werden müssen, um die in
Artikel I aufgezeigten Ziele des Abkommens zu verwirklichen. Diese Bedingungen sind, daß jede Vertragspartei, die USA wie die UdSSR, sich der Androhung oder Anwendung von Gewalt a) gegeneinander, b) gegenüber Verbündeten des anderen Vertragspartners und c) gegenüber anderen Ländern enthalten wird. Ferner werden diese Erwägungen sowohl die USA wie auch die UdSSR
bei der Formulierung ihrer Außenpolitik leiten.
Artikel III
Beide Vertragsparteien verpflichten sich, ihre Beziehungen zueinander
sowie zu anderen Ländern in einer Weise zu entwickeln, daß dies mit den
Zielsetzungen dieses Abkommens in Flinklang steht. Die Pflichten und Rechte
dritter Länder werden nicht berührt, und die gleichen Normen und Pflichten
für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, wie sie in

diesem Abkommen

definiert sind, gelten auch für das Verhältnis der USA und der UdSSR zu
anderen Ländern.
Artikel IV
befaßt sich mit Situationen, in denen beide Seiten Konsultationen zur
Vermeidung des Risikos eines Atomkrieges aufnehmen würden. Solche Situationen werden wie folgt definiert: 1) Wenn die Gefahr eines Atomkrieges zwischen den USA und der UdSSR besteht; 2) wenn die Gefahr eines Atomkrieges
zwischen einem von ihnen und anderen Ländern besteht.
Konsultationen für den Fall der Gefahr eines Atomkrieges zwischen
zwei Ländern, die nicht Vertragsparteien dieses Abkommens sind, werden gemäß
diesem Artikel nicht gefordert, es sei denn, daß die betreffende Situation
gleichzeitig die Gefahr eines Atomkrieges heraufbeschwört, in den einer
die USA oder die UdSSR - oder beide hineingezogen werden könnten.

Artikel V

�Artikel V
gestattet es jeder Seite, ihre Verbündeten, andere Länder, den Weltsicherheitsrat und den UN-Generalsekretär über den Fortschritt und das Ergebnis der Konsultationen zu unterrichten, die gemäß Artikel IV dieses
Abkommens aufgenommen wurden.
Den USA steht es somit frei, gleichzeitig mit ihren Verbündeten oder
anderen Ländern Konsultationen zu führen, während die Konsultationen mit
der UdSSR noch im Gange sind; vertrauliche bilaterale Konsultationen werden
hiervon nicht betroffen.
Artikel VI
besagt, daß nichts in diesem Abkommen
a) das inhärente Recht auf Selbstverteidigung nach Artikel 51 der UNCharta;
b) die Bestimmungen der Charta über die Erhaltung oder die Wiederherstellung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit sowie
c) die von einer der Vertragsparteien gegenüber ihren Verbündeten oder
anderen Ländern in Verträgen, Abkommen und anderen entsprechenden Dokumenten eingegangenen Verpflichtungen
beeinflußt oder beeinträchtigt.
Das Bündnis und andere Verpflichtungen der USA wie auch unser Recht au
Selbstverteidigung bleiben somit unberührt.
Artikel VII und VIII
besagen, daß das Abkommen unbegrenzt gültig ist und mit seiner Unterzeichnung in Kraft tritt.
Alles

-4-

�Alles in allem
- ist dieses Abkommen ein weiterer Schritt zur Verminderung der Gefahren
eines Atomkrieges, wobei von der Grundsatzerklärung vom Mai 1972 ausgegangen wird;
- legt dieses Abkommen für die USA und die UdSSR die Verhaltensnormen
dar, um das Ziel - die Beseitigung der Gefahr eines Atomkrieges - zu
erreichen;
- überträgt dieses Abkommen diese Verhaltensnormen auf die Beziehungen zu
anderen Ländern;
- schützt dieses Abkommen die Rechte dritter Länder;
- steht dieses Abkommen im Einklang mit unseren Zusagen und Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten;
- bekräftigt dieses Abkommen die Bestimmungen der UN-Charta über das
Verbot der Anwendung oder der Androhung von Gewalt."

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24/1973

NIXON-BRESCHNEW-ABKOMMEN ÜBER RÜSTUNGSBEGRENZUNGSVERHANDLUNGEN
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon und Parteichef Breschnew haben am
21. Juni im Weißen Haus ein Abkommen über die "Grundprinzipien der Verhandlungen über die weitere Begrenzung der strategischen Offensivwaffen"
unterzeichnet, das folgenden Wortlaut hat:
"Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Richard Nixon,
und der Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU, L. I. Breschnew,
sind nach gründlicher Erwägung der Frage der weiteren Begrenzung der
strategischen Rüstungen und des bei den gegenwärtigen Verhandlungen bereits erzielten Fortschritts,
in Bekräftigung ihrer Überzeugung, daß die baldmöglichste Einführung
weiterer Begrenzungen der strategischen Rüstungen einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung des Ausbruchs eines Nuklearkrieges und zur Stärkung
des Weltfriedens und der Weltsicherheit darstellen würde,

wie folgt übereingekommen:

Erstens: Beide Seiten werden aktive Verhandlungen fortsetzen, um ein
ständiges Abkommen über vollständigere Maßnahmen zur Begrenzung von stra-

-1-

�strategischen Offensivwaffen wie auch ihrer nachfolgenden Verringerung auszuarbeiten, wobei sie von den Grundprinzipien der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken ausgehen, die am 29. Mai 1972 in Moskau unterzeichnet wurden, und
von dem Interimsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken vom 26. Mai 1972 über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von strategischen Offensivwaffen.
Im Laufe des nächsten Jahres werden beide Seiten ernsthafte Anstrengungen machen, um die Bestimmungen eines ständigen Abkommens über vollständigere Maßnahmen zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen auszuarbeiten,
mit dem Ziel, es 1974 zu unterzeichnen.

Zweitens: Neue Abkommen über die Begrenzung strategischer Offensivrüstungen werden auf den Prinzipien der amerikanisch-sowjetischen Dokumente
beruhen, die im Mai 1972 angenommen worden sind, und der im Juni 1973 in
Washington geschlossenen Abkommen; und vor allem werden sich beide Seiten
von der Anerkennung der jeweils gleichen Sicherheitsinteressen der anderen
Seite sowie von der Erkenntnis leiten lassen, daß Bemühungen, einseitige Vorteile zu erlangen - sei es direkt oder indirekt - unvereinbar mit der Stärkung friedlicher Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken wäre.
Drittens: Die strategischen Offensivwaffen auferlegten Beschränkungen
können sich sowohl auf ihre quantitativen Aspekte als auch auf ihre qualitative Verbesserung erstrecken.
Viertens: Begrenzungen von strategischen Offensivwaffen müssen einer
ausreichenden Verifizierung durch nationale technische Mittel unterliegen.
Fünftens: Die Modernisierung und der Ersatz von strategischen Offensivwaffen würden unter Bedingungen erlaubt, die in den abzuschließenden

-2-

�abzuschließenden Abkommen formuliert werden sollen.

Sechstens: Bis zum Abschluß eines ständigen Abkommens über vollständigere Maßnahmen zur Begrenzung von strategischen Offensivwaffen sind beide
Seiten bereit, Abkommen über separate Maßnahmen zur Ergänzung des bestehenden Interimsabkommens vom 26. Mai 1972 zu treffen.
Siebtens: Jede Seite wird weiterhin notwendige organisatorische und
technische Maßnahmen zur Verhütung von ungewollter oder nicht genehmigter
Anwendung von Nuklearwaffen unter ihrer Kontrolle treffen, und zwar in Übereinstimmung mit dem Abkommen vom 30. September 1971 zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken."

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24/1973

DOKUMENTATION DES WEISSEN HAUSES ZUR RÜSTUNGSBEGRENZUNG
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Das Weiße Haus hat am 21. Juni im Zusammenhang mit
dem am gleichen Tage von Präsident Nixon und Parteichef Breschnew unterzeichneten Abkommen über die weiteren Rüstungsbegrenzungsverhandlungen
folgende Dokumentation herausgegeben:
"Grundprinzipien der Verhandlungen über die weitere Begrenzung
der strategischen Offensivwaffen
In ihrem heutigen Abkommen haben der Präsident und Parteichef Breschnew
ihre Verpflichtung zu ständigen Begrenzungen der strategischen Rüstungen
und zu einer Intensivierung der Verhandlungen bekräftigt. Die beiden Führer
unterzeichneten ein Dokument über sieben Prinzipien, die neue Richtlinien
für die Verhandlungsdelegationen geben und sie anweisen, im Laufe des
nächsten Jahres ein ständiges Abkommen auszuarbeiten, mit dem Ziel, es
1974 zum Abschluß zu bringen. Die Prinzipien enthalten die Grundumrisse
eines neuen Abkommens, die jetzt bei den Gesprächen in Genf ausgefüllt werden sollen.
Hintergrund

-1-

�Hintergrund
Die Verhandlungen über die Begrenzung strategischer Waffen begannen im
November 1969 in Helsinki und erstreckten sich auf offensive und defensive
strategische Waffen. Die Verhandlungen gingen bis Mai 1971 weiter, als der
Präsident und Parteichef Breschnew ein Abkommen erreichten, das einen toten
Punkt hinsichtlich des Umfangs des Abkommens und der zu befolgenden Prioritäten überwand. Die Verhandlungen wurden wieder aufgenommen und dauerten
bis zu den Gipfeltreffen in Moskau im Mai vorigen Jahres. Am 26. Mai 1972
unterzeichneten der Präsident und der Parteichef die ersten beiden Abkommen
über eine Begrenzung strategischer Waffen: Einen Vertrag über die Begrenzung
der Dislozierung von Raketenabwehrsystemen (ABM) und ein Interimsabkommen
über die Begrenzung von Interkontinentalraketen (ICBM) und unterseebootgestützten Raketen (SLBM). Das Interimsabkommen hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Die beiden Abkommen traten am 3. Oktober 1972 mit dem Austausch der Ratifikationsurkunden für den ABM-Vertrag offiziell in Kraft. Der Austausch erfolgte im Rahmen einer Feierstunde im Weißen Haus, an der der Präsident und
Außenminister Gromyko teilnahmen.
Die Verhandlungen wurden im November 1972 in Genf wieder aufgenommen
und wurden am 12. Juni vertagt, um das Ergebnis der Gipfelgespräche abzuwarten. Die Verhandlungen sind gründlich gewesen, und der bisherige Fortschritt
der Gespräche ist in der Präambel der heute unterzeichneten Grundprinzipien
festgestellt worden.
Die Prinzipien in Stichworten:
Das erste Prinzip
setzt für die Fertigstellung des Abkommens eine Frist bis 1974;
bekräftigt die Absicht beider Seiten, im Laufe des nächsten Jahres aktive Verhandlungen fortzusetzen und ernsthafte Anstrengungen zu machen, ein
ständiges Abkommen auszuarbeiten, das in seinen Begrenzungen umfassender ist
und das nachfolgend Verringerungen der strategischen Offensivwaffen vorsieht.
Das
-2-

�Das zweite Prinzip
geht davon aus, daß die fundamentalen Richtlinien für ein ständiges Abkommen die gegenseitige Anerkennung jeweils gleicher Sicherheitsinteressen
und die Erkenntnis sein werden, daß Bemühungen, einseitige Vorteile zu erlangen, mit der Stärkung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen unvereinbar wären; diese Richtlinien sind den Grundprinzipien entnommen, die im
Mai 1972 in Moskau unterzeichnet wurden; sie weisen die Verhandlungsführenden
praktisch an, sich mit den jeweiligen Sicherheitsinteressen der anderen
Seite zu befassen, und zwar in weitgehender Auslegung, und nicht nur mit der
Begrenzung einzelner Waffen; Abkommen, die die Interessen anderer Länder berühren oder schädigen würden,sind durch die Grundprinzipien vom Mai vorigen
Jahres und durch dieses Prinzip ausgeschlossen.
Das dritte Prinzip
gestattet Beschränkungen sowohl der Anzahl der strategischen Waffen
als auch der qualitativen Charakteristika (Eigenschaften) dieser Waffen;
während sich das erste Abkommen mit der Begrenzung der Zahl der Interkontinentalraketen, einschließlich der Begrenzungen für schwere Interkontinentalraketen und der Festsetzung einer Grenze für unterseebootgestützte Raketen,
befaßte, wird das ständige Abkommen seiner Natur nach weitergefaßt sein und
Begrenzungen für bestimmte technische Kapazitäten beinhalten wie Raketen mit
Mehrfachsprengköpfen (MIRVS).
Das vierte Prinzip
hält das Übereinkommen fest, daß jede Begrenzung einer ausreichenden
Verifizierung durch nationale technische Mittel unterliegen soll; dies bestätigt die Grundhaltung in der Verifizierungsfrage, die bereits im ABM-Vertrag sowie im Interimsabkommen eingenommen worden ist.
Das fünfte Prinzip
erlaubt sowohl die Modernisierung einzelner Waffensysteme als auch ihren
Ersatz; beide Seiten können sich somit über einen längeren Zeitraum auf ihre
Kapazität stützen, die Bedingungen für die Einführung modernerer Systeme

-3-

�Systeme sowie für den Ersatz alter Systeme werden jedoch sorgfältig ausgehandelt werden.
Das sechste Prinzip
gestattet Ergänzungsabkommen, die unverzüglich oder in sehr naher Zukunft geschlossen werden können, selbst vor Abschluß der Verhandlungen über
das ständige Abkommen; aufgrund dieses Prinzips könnten spezifische Konkurrenzbereiche vorübergehend eingeschränkt werden, um die Möglichkeit ständiger Begrenzungen offenzuhalten.
Das siebte Prinzip
bekräftigt, daß beide Seiten auch weiterhin das Abkommen vom 30. September 1971 einhalten werden, das die Gefahr einer ungewollten oder nicht genehmigten Anwendung von Nuklearwaffen reduzieren soll; mit dieser Bekräftigung soll unterstrichen werden, daß dieses Abkommen Teil des ständigen Prozesses der Begrenzung strategischer Rüstungen bleibt.
Alles in allem stellt dieses Abkommen über Grundprinzipien eine feierliche Verpflichtung auf höchster politischer Ebene dar:
- um die strategischen Offensivwaffen ständig zu begrenzen;
- um ein Abkommen im Jahre 1974 abzuschließen;
- um den Rahmen eines Abkommens zu erweitern, damit es Begrenzungen für
qualitative Verbesserungen sowie für die Zahl der Waffen einschließt
und Raum für nachfolgende Reduzierungen gewährt;
- um sofortige Abkommen in Bereichen zuzulassen, wo eine Einschränkung
der Konkurrenz dringend sein mag."

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AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE FRIEDLICHE NUTZUNG

DER ATOMENERGIE
- Wortlaut WASHINGTON —(AD)-~ Präsident Nixon und der Generalsekretär der KPdSU,
Leonid Breschnew, unterzeichneten am 21. Juni in Washington ein Abkommen
über wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Atomenergie. Das Abkommen hat folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind
unter Berücksichtigung der großen Bedeutung des Problems, den rapide
steigenden Energiebedarf sowohl in beiden Ländern als auch in anderen
Ländern zu decken;
aus dem Wunsche heraus, die Lösung dieses Problems mit den Bemühungen
beider Länder um die Erschließung hochergiebiger Energiequellen gemeinsam
anzugehen;
in

-1-

�in Anerkennung der Tatsache, daß Lösungen für dieses Problem durch
die schnelle Entwicklung bestimmter nuklearer Techniken wie die der gesteuerten thermonuklearen Fusion und der schnellen Brutreaktoren, welche
bereits untersucht werden, sowie weiterer Studien zur Erforschung der grundlegenden Eigenschaften von Materie gefunden werden können;
angesichts der mit Befriedigung verzeichneten erfolgreichen Ergebnisse
früherer Zusammenarbeit beider Vertragspartner auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Atomenergie;
in dem Wunsche, eine stabilere und langfristige Basis zur Zusammenarbeit auf diesem Gebiet zum Wohle beider Völker und der gesamten Menschheit
zu schaffen;
in Übereinstimmung mit dem zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken am 24. Mai 1972 geschlossenen Vertrag über Zusammenarbeit auf den
Gebieten von Wissenschaft und Technik und zu dessen weiterem Ausbau,mit
dem zwischen der US-Atomenergie-Kommission und dem Staatskomitee der UdSSR
für die Nutzung der Atomenergie ausgetauschten Memorandum vom 28. September
1972 über Zusammenarbeit in der friedlichen Nutzung der Atomenergie und
mit der allgemeinen Übereinkunft zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken vom 19. Juni 1973 über
Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit

wie folgt übereingekommen:
Artikel I
Die Vertragspartner werden ihre Zusammenarbeit in Forschung, Entwicklung und Nutzung der Kernenergie erweitern und verstärken, wobei sie die Erschließung neuer Energiequellen als ein Hauptziel anstreben. Diese Zusammenarbeit wird auf der Grundlage des beiderseitigen Nutzens, der Gleichheit und

-2-

�und der Gegenseitigkeit verwirklicht werden.

Artikel II

1.

Die Zusammenarbeit wird sich auf die folgenden drei Gebiete konzen-

trieren:
a) gesteuerte thermonukleare Fusion:
Das Ziel der Zusammenarbeit auf diesem Gebiet ist die Entwicklung von
thermonuklearen Prototyp-und Demonstrationsreaktoren. Zusammenarbeit kann
auch theoretische, mathematische und experimentelle Studien sowie Konstruktionsuntersuchungen in allen Stadien bis zur industrietechnischen Anwendung
umfassen.
b) Schnellbrutreaktoren:
Die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet wird darauf gerichtet sein, Lösungen für die von beiden Seiten anerkannten wissenschaftlichen und technischen Probleme im Zusammenhang mit der Auslegung , Entwicklung, dem Bau und
dem Betrieb von Atomkraftwerken unter Verwendung von schnellen Brutreaktoren
zu finden.
c) Erforschung der grundlegenden Eigenschaften der Materie:
Die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet wird gemeinsame theoretische und
experimentelle Studien in bezug auf beide Seite interessierende Fragen,besonderster Physik der hohen, mittleren und niedrigen Energien,umfassen, wobei
beide Länder Beschleuniger, Datenverarbeitungsanlagen und andere Einrichtungen einsetzen. Auch auf die Auslegung, Planung und den Bau gemeinsamer Anlagen, die für derartige Untersuchungen benutzt werden sollen, kann die Zusammenarbeit ausgedehnt werden.

2.

-3-

�2.

Weitere Einzelheiten der Zusammenarbeit auf jedem dieser drei Gebie-

te werden in jeweils eigenen Durchführungsprotokollen festgelegt.

3.

Andere Gebiete der Zusammenarbeit können im beiderseitigen Einverständ-

nis hinzugefügt werden.
4.

Die Zusammenarbeit im Rahmen dieses Vertrages soll in Einklang mit

den Gesetzen der beiden Länder stehen.

Artikel III
1.

Die in den vorangegangenen Artikeln vorgesehene Zusammenarbeit kann

in folgender Form erfolgen:
a) Schaffung von Arbeitsgruppen mit Wissenschaftlern und Ingenieuren
für den Entwurf und die Ausführung gemeinsamer Projekte;
b) Gemeinsame Entwicklung und Konstruktion von Experimenten, Modellanlagen und Ausrüstungen;
c) Gemeinsame Arbeit von theoretischen und Experimentalwissenschaftlern
in geeigneten Forschungszentren der beiden Länder;
d) Durchführung gemeinsamer Konsultationen, Seminare und Tagungen;
e) Austausch geeigneter Instrumente, Ausrüstungen und Konstruktionsmaterialien;
f) Austausch von Wissenschaftlern und Spezialisten; und
g) Austausch von wissenschaftlicher und technischer Information, Dokumentation und von Forschungsergebnissen.

2.

-4-

�2.

Andere Formen der Zusammenarbeit können in beiderseitigem Einver-

ständnis hinzugefügt werden.

Artikel IV
Zur Förderung der Ziele dieses Abkommens werden die Vertragsparteien,
wo angebracht, die Entwicklung von Kontakten zwischen Organisationen und
Institutionen beider Länder, die der Zusammenarbeit dienen, befürworten,
erleichtern und verfolgen, worunter auch der Beschluß fällt, sich, wo angebracht, bei der Ausführung gemeinsamer Aktivitäten im Rahmen dieses Abkommens auf Protokolle und Kontrakte zu stützen.

Artikel V
1.

Für die Durchführung dieses Abkommens soll ein Gemeinsamer amerika-

nisch-sowjetischer Ausschuß für Zusammenarbeit in der friedlichen Nutzung
der Atomenergie geschaffen werden. Er soll einmal jährlich wechselweise in
den Vereinigten Staaten und in der Sowjetunion tagen, es sei denn, es würde
anders vereinbart.
2.

Der Gemeinsame Ausschuß soll alle notwendigen Maßnahmen für die wirknicht
same Durchführung dieses Abkommens ergreifen, einschließlich, aber /ausschließ«.
lieh, der Billigung spezieller Projekte und Programme der Zusammenarbeit
sowie der Benennung geeigneter daran teilnehmender Organisationen und Insti-

titionen, die für die Ausführung gemeinsamer Aktivitäten verantwortlich sind,
und der Ausarbeitung geeigneter Empfehlungen für die beiden Regierungen.
3.

Die verantwortlichen Organisationen für dieses Abkommen sollen für

die Vereinigten Staaten von Amerika die US-Atomenergie-Kommission, für die
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken das Staatskomitee der UdSSR für
die Nutzung der Atomenergie sein. Die jeweils auf beiden Seiten verantwortlichen Organisationen sollen für die Tätigkeit des Gemeinsamen Ausschusses

-5-

�Ausschusses verantwortlich sein und die Ausarbeitung und Durchführung gemeinsamer Aktivitäten im Rahmen dieses Abkommens koordinieren und überwachen.

Artikel VI
Nichts in diesem Abkommen darf dahingehend ausgelegt werden, daß es andere Abkommen zwischen den Vertragsparteien präjudiziert.

Artikel VII

1.

Dieses Abkommen soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten und

eine Laufzeit von zehn Jahren haben. Es kann im gegenseitigen Einverständnis
der Vertragsparteien geändert oder verlängert werden.

2.

Das Erlöschen dieses Abkommens soll die Gültigkeit der Durchführungspro-

tokolle und der Verträge, die im Rahmen dieses Abkommens zwischen interessierten Organisationen und Institutionen der beiden Länder geschlossen wurden,
nicht berühren.

Gegeben in Washington am 21. Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung in englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch
sind."

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24/1973

DAS AMERIKANISCH-SOWJETISCHE VERKEHRSABKOMMEN
-Wort laut WASHINGTON --(AD)_- Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 19. Juni in Washington ein
Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Verkehrswesens geschlossen, das folgenden Wortlaut hat:
''Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind
aus der Erkenntnis der wichtigen Rolle heraus, die sichere und
leistungsfähige Verkehrssysteme für die Entwicklung aller Länder spielen;
aus der Erwägung heraus, daß die Verbesserung der bestehenden Verkehrssysteme und -techniken dem Wohle ihrer beiden Völker dienen kann;
in der Überzeugung, daß die kombinierten Anstrengungen der beiden
Länder auf diesem Gebiet zu rascheren und wirksameren Lösungen der Verkehrsprobleme beitragen können, als dies durch getrennte, parallele nationale
Anstrengungen möglich wäre;
in dem Wunsch, die Schaffung langfristiger und produktiver Beziehungen
zwischen Verkehrsexperten und -Institutionen beider Länder zu fördern;
in Erfüllung und Weiterentwicklung des Abkommens zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Zusammenarbeit auf den Gebieten

-1-

�Gebieten der Wissenschaft und der Technologie vom 24. Mai 1972 und in Übereinstimmung mit dem Abkommen über den Austausch und die Zusammenarbeit
auf den Gebieten Wissenschaft, Technik, Bildungswesen, Kultur und anderen
Bereichen vom 11. April 1972 und in Übereinstimmung mit dem Abkommen über
die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes vom 23. Mai 1972
w

ie folgt übereingekommen:
Artikel I
Die Vertragsparteien werden eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet des

Verkehrs auf der Basis des beiderseitigen Nutzens, der Gleichheit und der
Gegenseitigkeit entwickeln und durchführen.
Artikel II
Diese Zusammenarbeit wird auf die Untersuchung und Lösung spezifischer Probleme von beiderseitigem Interesse auf dem Gebiet des Verkehrs gerichtet sein. Zunächst wird sich die Zusammenarbeit auf folgende Gebiete
erstrecken:
a) Bau von Brücken und Tunnels, einschließlich der Probleme der Kontrolle von Belastung und Tragfähigkeit der Konstruktion und besonderer
Konstruktionsverfahren unter Bedingungen eines kalten Klimas.
b) Eisenbahnverkehr, einschließlich des rollenden Materials, der Schie=
nen und des Unterbaus, Schnellverkehr, Automation und Betrieb bei kaltem
Wetter.
c) Zivilluftverkehr, einschließlich der Probleme der Erhöhung der
Leistungsfähigkeit und der Sicherheit.
d) Seetransport, einschließlich Technologie der Seeschiffahrt und
des Ladens und Löschens in Häfen.
ej Automobilverkehr, einschließlich der Probleme der Verkehrssicherheit.
Weitere

-2-

�Weitere Gebiete der Zusammenarbeit können in beiderseitigem Einverständnis hinzugefügt werden.

Artikel III
Die in den vorangegangenen Artikeln vorgesehene Zusammenarbeit kann
folgende Formen annehmen:
a) Austausch von Wissenschaftlern und Spezialisten;
b) Austausch von wissenschaftlichen und technischen Informationen und
Dokumentationen;
c) Einberufung von gemeinsamen Konferenzen, Tagungen und Seminaren,und
d) gemeinsame Planung, Entwicklung und Durchführung von Forschungsprogrammen und -projekten.
Andere Formen der Zusammenarbeit können in beiderseitigem Einverständnis hinzugefügt werden.
Artikel IV
Zur Förderung der Ziele dieses Abkommens werden die Vertragsparteien,
wo angebracht, die Entwicklung der Zusammenarbeit und des direkten Kontaktes zwischen Behörden, Organisationen und Firmen der beiden Länder ermutigen, erleichtern und verfolgen, einschließlich, wo angebracht, des Abschlusses von Durchführungsabkommen für spezifische Projekte und Programme
im Rahmen dieses Abkommens.
Artikel V
1.

Für die Durchführung dieses Abkommens wird ein Gemeinsamer Amerikanisch-

Sowjetischer Ausschuß für die Zusammenarbeit im Verkehrswesen eingesetzt
werden. Dieser Ausschuß soll in der Regel einmal jährlich wechselweise in

-3-

�in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zusammenkommen, es sei denn,
es würde anders vereinbart.
2.

Der Gemeinsame Ausschuß soll die Maßnahmen ergreifen, die für die

wirksame Durchführung dieses Abkommens notwendig sind, einschließlich
- aber nicht ausschließlich - Billigung von spezifischen Projekten und Programmen der Zusammenarbeit; Beauftragung zuständiger Behörden und Organisationen mit der Verantwortung für die Durchführung kooperativer Tätigkeiten und

Unterbreitung, wo angebracht, von Empfehlungen an die Vertragspar-

teien.
3.

Jede Vertragspartei wird einen verantwortlichen Beauftragten ernennen,

der für die Durchführung dieses Abkommens zuständig sein wird. Während der
Zeitspanne zwischen den Tagungen des Gemeinsamen Ausschusses werden die
verantwortlichen Beauftragten miteinander in' Kontakt bleiben, sich gegenseitig über Tätigkeiten und Fortschritt bei der Durchführung dieses Abkommens auf dem laufenden halten und die Entwicklung und Durchführung kooperativer Tätigkeiten im Rahmen dieses Abkommens koordinieren und überwachen.

. - -. Artikel VI
Nichts in diesem Abkommen darf dahingehend ausgelegt werden, daß es andere Abkommen zwischen den Vertragsparteien oder ihre jeweiligen Rechte und
Verpflichtungen im Rahmen solcher anderer Abkommen präjudiziert.

Artikel VII
1.

Dieses Abkommen soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten und

eine Laufzeit von fünf Jahren haben. Es kann im gegenseitigen Einverständnis der Vertragsparteien geändert oder verlängert werden.
2.

�2.

Die Erlöschung

dieses Abkommens wird die Gültigkeit von Durchführungs-

abkommen nicht berühren, die im Rahmen dieses Abkommens zwischen interessierten Behörden,Organisationen und Firmen der beiden Länder geschlossen worden sind.

Gegeben in Washington am 19. Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung in
englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch sind,"

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24/1973
AMERIKANISCH-SOWJETISCHES AUSTAUSCHPROGRAMM FÜR KULTUR UND
WISSENSCHAFT 1974-1976
- Wortlaut -

WASHINGTON — ( A D ) — Die Austauschprogramme auf kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet für 1974 bis 1976 wurden zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in einem Zusatzdokument zu dem allgemeinen Vertrag über Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit festgelegt, der bestehende Austauschvereinbarungen erweitert und verstärkt.
Das am 19. Juni unterzeichnete erweiterte Programm bedeutet die Verwirklichung einer im Mai 1972 in Moskau angenommenen Grundsatzerklärung,
in der gefordert wurde, dem Austauschprogramm eine langfristige Basis zu
geben. Die Bestimmungen für das Programm für 1974 bis 1976 geben auch bereits Richtlinien für das Austauschprogramm der Jahre 1977 bis 1979.
Die Zusatzvereinbarung zum Programm 1974 bis 1976 hat folgenden
Wortlaut:
"In Durchführung verschiedener Bestimmungen des am 19. Juni 1973 in
Washington unterzeichneten allgemeinen Vertrages zwischen den Vereinigten
Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über
Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit haben sich die Vertragsparteien auf
das folgende Austauschprogramm für die Zeit vom 1. Januar 1974 bis zum
31. Dezember 1976 geeinigt:
Teil

-1-

�Teil I
Bildungswesen
1.

Die Vertragsparteien kommen überein, daß von jeder Seite jährlich

für den Austausch vorgesehen werden:
a) Mindestens 40 Studenten höherer Semester, junge Wissenschaftler und
Lehrer zum Studium und zur weiterführenden Forschung in den Naturwissenschaften, technischen Wissenschaften, Geistes-und Sozialwissenschaften
für die Dauer von einem Semester bis zu einem akademischen Jahr, einschließlich fünfwöchiger Kurse für die Teilnehmer vor Beginn des Studienjahres zur
Verbesserung ihrer Beherrschung der russischen oder englischen Sprache;
b) mindestens 30 Sprachlehrer zur Teilnahme an zehnwöchigen Sommerkursen zur Verbesserung ihrer Beherrschung der russischen oder englischen
Sprache;
c) mindestens zehn Professoren und Lehrer von Universitäten oder anderen akademischen Bildungsstätten zur Durchführung wissenschaftlicher Arbeiten bei einer Aufenthaltsdauer von drei bis sechs Monaten, wobei im
Rahmen dieses Programmpunktes 50 Personen/Monate für jedes Land nicht
überschritten werden sollen; und
d) mindestens zwei Studierende der höheren Semester oder junge Spezia-r
listen der Gebiete Tanz, Musik, Film, Graphik und Bildhauerei zum Zwecke
des Studiums, der Forschung und Ausbildung für die Dauer von vier bis zehn
Monaten an speziellen

Schulen, Instituten, Konservatorien, Theatern, Museen,

Studios oder anderen Institutionen.
2.

Die Vertragsparteien kommen überein, Vorkehrungen für den Austausch

von Professoren und Spezialisten von Universitäten und anderen akademischen
Institutionen in Übereinstimmung mit den Wünschen der anderen Seite für die
Dauer von einem Semester bis zu einem akademischen Jahr zu treffen und den

�den Betreffenden Weiterbildungs-und Vorlesungsmöglichkeiten an Universitäten und anderen Stätten akademischer Bildung auf folgenden Gebieten einzuräumen:
a) Naturwissenschaften, technischen Wissenschaften, Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften; außerdem
b) Sprache, Literatur und Sprachwissenschaft.

3.

Die Vertragsparteien kommen überein, für den Austausch von mindestens

zwei Spezialisten jeder Seite auf dem Gebiet der beruflichen Rehabilitation
oder der Ausbildung Behinderter für die Zeit von drei bis sechs Monaten während der Gültigkeitsdauer dieses Programms Sorge zu tragen, Die Spezialisten
werden Forschungsaufgaben auf Gebieten durchführen, wie sie die zuständigen
Organisationen beider Länder vereinbaren werden.

4.

Die Vertragsparteien kommen überein, die Durchführung bilateraler

Seminare mit amerikanischen und sowjetischen Spezialisten auf dem Gebiet des
Bildungswesens zu erleichtern,und zwar mit zwölf Teilnehmern von jeder Seite
für die Dauer von zwei bis vier Wochen, wobei man über die Themen später
Absprachen treffen wird. Während der Gültigkeitsdauer dieses Programms werden in jedem Land vier Seminare abgehalten, von denen zwei Themen mit Bezug
auf das akademische Bildungswesen gewidmet sind, und die zwei anderen Fragen
im Hinblick auf das Grundschul-und höhere Schulwesen behandeln.
5.

Die Vertragsparteien kommen überein, während der Gültigkeitsdauer

dieses Programms vier Delegationen mit je drei bis fünf Spezialisten von
jeder Seite für eine Periode von bis zu drei Wochen auszutauschen, wobei die
Spezialgebiete später noch abgesprochen werden; zwei dieser Delegationen
sollen Vertreter des akademischen Bildungswesens sein, die zwei anderen sollen aus dem Grundschul- bezw. höheren Schulwesen kommen.
6.

•3-

�6.

Die Vertragsparteien kommen überein, die Möglichkeit eines Austau-

sches von Grundschul1ehrern oder Lehrern an höheren Schulen zwischen geeigneten Organisationen der beiden Länder zu sondieren.
7.

Die Vereinigten Staaten werden Maßnahmen ergreifen, um in Überein-

stimmung mit dem gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Kommunique1 vom 29.
Mai 1972 in den Vereinigten Staaten zum Studium der russischen Sprache zu
ermut igen.
8.

Die Vertragsparteien kommen überein, die Möglichkeit eines Austau-

sches von Informationen und geeigneten Konsultationen über die Gleichwertigkeit von akademischen Graden zu untersuchen.

9.

Die in diesem Teil spezifizierten Austauschvorhaben werden in Über-

einstimmung mit den Klauseln eines ergänzenden Abkommens, das durch einen
Notenaustausch wirksam werden soll, durchgeführt.

Teil II
Darstellende Kunst
1.

Die Vertragsparteien kommen überein, die Tourneen von mindestens zehn

bedeutenden Kunstlergruppen beider Länder während der Gültigkeitsdauer dieses Programms zu erleichtern. Detaillierte Arrangements für Tourneen solcher
Gruppen werden in Kontrakten vereinbart, die zwischen folgenden Stellen geschlossen werden: Für Tourneen amerikanischer Gruppen zwischen der Botschaft
der Vereinigten .Staaten von Amerika in Moskau oder bevollmächtigten Vertretern der Gruppen selbst und den zuständigen Organisationen der Sowjetunion; für Tourneen sowjetischer Gruppen zwischen zuständigen Organisationen oder Agenturen der Vereinigten Staaten und Organisationen der Sowjetunion. Das Gastland wird versuchen, die Wünsche der anderen Seite hinsicht-

-4-

�hinsichtlich Zeitplan und Dauer für die Tourneen sowie der Zahl der zu
besuchenden Städte zu erfüllen.

2.

Die Vertragsparteien kommen überein, die Tourneen von mindestens

35 Künstlern von jeder Seite während der Gültigkeitsdauer

dieses Programms

zu erleichtern. Arrangements für Tourneen einzelner Künstler werden direkt
zwischen zuständigen Organisationen oder Agenturen der Vereinigten Staaten
und Organisationen der Sowjetunion getroffen.

Teil III
Publikationen

1.

Die Vertragsparteien kommen überein, die erfolgreiche Verteilung

der Zeitschriften "AMERIKA" in der Sowjetunion und "SOVIET LIFE" in den
Vereinigten Staaten auf der Basis der Gegenseitigkeit praktisch zu unterstützen und sich erforderlichenfalls zu konsultieren, um Wege zur gesteigerten Verteilung dieser Zeitschriften zu finden. Sobald die Zahl der ausgegebenen Kopien für jede der beiden Zeitschriften 62 000 erreicht hat, wie
dies gegenwärtig vorgesehen ist, werden die Vertragsparteien die Möglichkeit prüfen, von Dezember 1976 ab die Zahl der pro Monat verteilten Kopien
der Zeitschriften auf 82 000 zu erhöhen. Die Vertragsparteien werden unverkaufte Kopien ihrer Zeitschrift an Besucher der wechselseitig veranstalteten Ausstellungen kostenlos verteilen.
2.

Die Vertragsparteien kommen überein, den Austausch von Spezialpubli-

kationen und Mikrofilmen zwischen den nationalen Archiven
Staaten von Amerika und der Hauptarchiwerwaltung

der Vereinigten

des Ministerrates der

Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zu erleichtern.
Teil

-5-

�Teil IV
Ausstellungen
1.

Die Vertragsparteien kommen überein, während der Gültigkeitsdauer die-

ses Programms Ausstellungen wie folgt auszutauschen:
a) Von sowjetischer Seite entweder eine große Industrie-und Handelsausstellung oder eine oder zwei Wanderausstellungen.

Die entsprechende

Entscheidung der sowjetischen Seite wird über die diplomatischen Kanäle weitergeleitet; und
b) von amerikanischer Seite ein oder zwei Wanderausstellungen. Die
Ausstellungsthemen wird man über diplomatische Kanäle vereinbaren.
Die Wanderausstellungen werden in jedem Land in neun Städten, und
zwar bis zu 28 Besuchertagen in jeder Stadt, gezeigt. Die Vertragsparteien
erörtern in vorbereitenden Gesprächen Art und allgemeinen Inhalt jeder Ausstellung und werden sich damit gegenseitig vor der offiziellen Eröffnung
vertraut machen, insbesondere durch den Austausch von Katalogen, Prospekten
und anderem, mit der Ausstellung zusammenhängenden Informationsmaterial.
Weitere Bedingungen für die Durchführung der Ausstellungen (Termine, Größe
und Art des Veranstaltungsortes, Zahl des Personals, finanzielle Bedingungen, etc.) bedürfen der Vereinbarung durch die Vertragsparteien. Vorkehrungen für die Durchführung von Ausstellungen werden mindestens fünf Monate
vor ihrer Eröffnung abgeschlossen sein.

2.

Die Vertragsparteien kommen überein, den Austausch von Ausstellungen,

einschließlich von Kunstausstellungen zwischen den Museen der beiden Länder, zu unterstützen und diese Museen zur Aufnahme und Entwicklung direkter
Kontakte zu ermutigen mit dem Ziel, informatives Material, Alben, Kunstmonographien und andere Publikationen von gemeinsamen Interesse auszutauschen. Im Fall von Kunstausstellungen würden ihr Inhalt und die Bedingungen

-6-

�Bedingungen für ihre Durchführung jeweils zwischen den zuständigen amerikanischen Museen und dem Ministerium für Kultur der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken zuvor erörtert und besonders vereinbart.

3.

Die Vertragsparteien werden über diplomatische Kanäle Vereinbarungen

über andere Ausstellungen und über die Beteiligung an nationalen Ausstellungen treffen, die in jedem der beiden Länder veranstaltet werden.

Teil V
Allgemeines

Jede der Vertragsparteien soll das Recht haben, den Delegationen Dolmetscher oder Botschaftsangehörige einzugliedern, die dann als reguläre
Angehörige solcher Delegationen zu betrachten sind."

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24/1973

DAS AMERIKANISCH-SOWJETISCHE 1ANDWIRTSCHAFTSABK0MMEN
- Wortlaut -

WASHINGTON --(AD)— Im Beisein von Präsident Nixon und Parteichef
Breschnew haben der amerikanische Außenminister Rogers und der sowjetische
Außenminister Gromyko am 19. Juni ihre Unterschrift unter das neue amerikanisch-sowjetische Landwirtschaftsabkommen gesetzt, das eine stärkere
Zusammenarbeit in der Forschung, einen verstärkten Austausch von Spezialisten und technischen Informationen sowie mehr direkte Kontakte zwischen
den Landwirtschaftsorganisationen beider Länder vorsieht. Das Abkommen
hat folgenden Wortlaut:
"Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
sind sich der großen Bedeutung bewußt, die der Nahrungsmittelerzeugung für die Bevölkerung beider Länder sowie für die gesamte Menschheit
zukommt;
sind von dem Wunsche beseelt, die zwischen den beiden Ländern bestehende Zusammenarbeit auf den Gebieten der landwirtschaftlichen Forschung und
Entwicklung zu vertiefen;
haben den Wunsch,neue Erkenntnisse und Technologien für die landwirtschaftliche Erzeugung und die Weiterverarbeitung dieser Güter zu nutzen;
sind

-1-

�sind sich darüber klar, daß die Ausweitung der Beziehungen, was den
Agrarhandel und den für solchen Handel erforderlichen Austausch von Informationen anbetrifft, wünschenswert ist;
sind der Überzeugung, daß die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Landwirtschaft insgesamt zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden
Ländern beitragen wird; und
sind in Erfüllung und Weiterentwicklung des Abkommens zwischen der
Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung der Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Zusammenarbeit auf den Gebieten der Wissenschaft und Technologie vom 24. Mai 1972 und in Übereinstimmung mit dem Abkommen über den Austausch und die Zusammenarbeit auf den
Gebieten Wissenschaft, Technik, Bildungswesen, Kultur und anderen Bereichen vom 11. April 1972 und in Übereinstimmung mit dem Abkommen über die
Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes vom 23. Mai 1972

wie folgt übereingekommen:
Artikel I
Die Vertragsparteien werden eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Landwirtschaft auf der Basis des beiderseitigen Nutzens, der Gleichheit
und der Gegenseitigkeit entwickeln und durchführen.
Artikel II
Die Vertragsparteien werden die Entwicklung einer beiden Seiten zum
Nutzen gereichenden Zusammenarbeit auf den folgenden Hauptgebieten fördern:
1.

Regelmäßiger Austausch einschlägiger Informationen, wie über Voraus-

schätzungen, Erzeugung, Verbrauch, Nachfrage und Handel bei den wichtigen
Agrarerzeugnissen.
2.

-2-

�2.

Verfahren der Vorausschätzung von Erzeugung, Nachfrage und Verbrauch

bei den wichtigsten Agrarerzeugnissen, darunter auch ökonoraetrische Verfahren.
3.

Pflanzenkunde, einschließlich Genetik, Zuchtverfahren, Pflanzen-

schutz und Anbau sowie Anbau in wasserarmen Gebieten.
4.

Wissenschaftliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Vieh-und Geflügel-

haltung, einschließlich Genetik, Aufzucht, Physiologie, Fütterung, Krankheitsschutz und Aufzucht in Großbetrieben.
5.

Bodenkunde, einschließlich der Theorien über den Transport von Was-

ser, Gasen, Salzen und Wärme in verschiedenen Böden.
6.

Mechanisierung der Landwirtschaft, einschließlich Entwicklung und

Erprobung neuer Maschinen, Ausrüstungen und Technologien sowie Reparaturund technische Dienste.
7.

Anwendung, Lagerung und Transport mineralischer Dünger und anderer

Chemikalien für die Landwirtschaft.
8.

Verarbeitung, Lagerung und Erhaltung von Agrarerzeugnissen, ein-

schließlich bestimmter Fütterungstechniken.
9.

Bodenurbarmachung und technische Verfahren hierzu, einschließlich

Entwicklung neuer Ausrüstungen, Entwürfe und Materialien.
10.

Anwendung mathematischer Verfahren und elektronischer Rechensysteme

in der Landwirtschaft, einschließlich mathematischer Modelle für die Einrichtung landwirtschaftlicher Großbetriebe.
Weitere Gebiete der Zusammenarbeit können im beiderseitigen Einverständnis hinzugefügt werden.
Artikel

�Artikel III
Die Zusammenarbeit zwischen den Vertragsparteien kann folgende Formen annehmen:
1.

Austausch von Wissenschaftlern, Spezialisten und Landwirtschaftseleven.

2.

Organisation bilateraler Symposien und Konferenzen.

3.

Austausch wissenschaftlicher, technischer und relevanter wirtschaftli-

cher Informationen und Forschungsmethoden.
4.

Planung, Entwicklung und Durchführung gemeinsamer Projekte und Pro-

gramme .
5.

Austausch von Pflanzenkeim-Plasma, Saatgut und lebendem Material.

6.

Austausch von Tieren, biologischem Material, landwirtschaftlichen

Chemikalien sowie Modellen neuer Maschinen, Ausrüstungen und wissenschaftlicher Instrumente.
7.

Direkte Kontakte und direkter Austausch zwischen den botanischen Gärten.

8.

Austausch landwirtschaftlicher Ausstellungen.
Weitere Gebiete der Zusammenarbeit können im beiderseitigen Einverständ-

nis hinzugefügt werden.

Artikel IV
1.

Zur Förderung der Ziele dieses Abkommens werden die Vertragsparteien,

wo angebracht, die Entwicklung der Zusammenarbeit und des direkten Kontaktes
zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen, Forschungs-und
anderen Organisationen, Handelsverbänden und Firmen der beiden Länder ermutigen, erleichtern und verfolgen, einschließlich, wo angebracht, des Abschlusses von Durchführungsabkommen für spezifische Porgekte und Programme
im

-4-

�im Rahmen dieses Abkommens.
2.

Um eine erfolgreiche Entwicklung der Zusammenarbeit zu gewährleisten,

werden die Vertragsparteien für Reisen von Wissenschaftlern und Spezialisten
in Gebiete der beiden Länder, soweit dies zur Durchführung der Tätigkeiten
im Rahmen dieses Abkommens angebracht ist, jede Unterstützung gewähren.
3.

Die Projekte und Austauschvorhaben im Rahmen dieses Abkommens wer-

den im Einklang mit den Gesetzen und Bestimmungen der beiden Länder durchgeführt.

Artikel V
1.

Zur Durchführung dieses Abkommens soll ein Gemeinsamer Amerikanisch-

Sowjetischer Ausschuß für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Landwirtschaft eingesetzt werden, der in der Regel einmal jährlich wechselweise in
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zusammenkommen soll, es sei
denn, es würde anders vereinbart.
2.

Der Gemeinsame Ausschuß wird spezifische Projekte und Programme der

Zusammenarbeit überprüfen und billigen, die Verfahren für ihre Durchführung
festlegen, wo angebracht Institutionen und Organisationen benennen, die für
die Durchführung kooperativer Unternehmen verantwortlich sein sollen,und,
wo angebracht, den Vertragsparteien Vorschläge unterbreiten.
3.

Im Rahmen des Gemeinsamen Ausschusses soll eine Gemeinsame Arbeits-

gruppe über agrarwirtschaftliche Forschung und Information sowie eine weitere Gemeinsame Arbeitsgruppe über landwirtschaftliche Forschung und technische Entwicklung eingesetzt werden. Sofern man nicht anderweitig übereinkommt, wird jede der beiden Gemeinsamen Arbeitsgruppen wechselweise in den
Vereinigten Staaten und in der Sowjetunion zumindest zweimal jährlich zusammenkommen. Der Gemeinsame Ausschuß kann - falls er dies als notwendig erachtet - weitere Arbeitsgruppen einsetzen.
4.

-5-

�4.

Die verantwortlichen Organisationen für die Koordinierung und die

Durchführung dieses Abkommens sollen für die Regierung der Vereinigten Staaten das amerikanische Landwirtschaftsministerium und für die Regierung der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken das Landwirtschaftsministerium
der UdSSR sein..Die verantwortlichen Organisationen werden, wo angebracht,
die Zusammenarbeit anderer Institutionen und Organisationen in ihren jeweiligen Staaten sicherstellen, so wie es für die Durchführung der gemäß diesem
Abkommen vorgesehenen gemeinsamen Aufgaben erforderlich ist. Während der
Zeitspanne zwischen den Tagungen des Gemeinsamen Ausschusses werden die verantwortlichen Organisationen miteinander in Kontakt bleiben und die Entwicklung und Durchführung

kooperativer Tätigkeiten im Rahmen dieses Abkommens

koordinieren und überwachen.

Artikel VI
Solange ein Durchführungsabkommen nicht andere Bestimmungen enthält, soll
jede Vertragspartei oder sich beteiligende Institution, Organisation oder
Firma die Kosten für ihre Beteiligung sowie für ihr Personal bei allen kooperativen Tätigkeiten, die im Rahmen dieses Abkommens unternommen werden,
tragen.
Artikel VII
1.

Nichts in diesem Abkommen darf dahingehend ausgelegt werden, daß es

irgendein anderes zwischen den Vertragsparteien bestehendes Abkommen präjudiziert oder ändert.
2.

Die von der Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Arbeitsgruppe für

landwirtschaftliche Forschung entwickelten Projekte, die auf der ersten
Sitzung der Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Kommission für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit am 21. März 1973 gebilligt wurden, werden

-6-

�werden ohne Unterbrechung fortgeführt und werden der Verantwortung des Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Ausschusses für die Zusammenarbeit auf
dem Gebiet der Landwirtschaft nach dessen formeller Gründung unterstehen.

Artikel VIII
1.

Dieses Abkommen soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten und

eine Laufzeit von fünf Jahren haben. Es wird automatisch um jeweils weitere
Zeiträume von fünf Jahren verlängert, sofern nicht eine der beiden Vertragsparteien die andere davon in Kenntnis setzt, daß sie die Absicht habe, dieses Abkommen zu beenden - und dies nicht später als sechs Monate vor dem Auslaufen dieses Abkommens.
2.

Dieses Abkommen kann jederzeit im gegenseitigen Einverständnis der

Vertragsparteien geändert werden.
3.

Die Erlöschung dieses Abkommens wird die Gültigkeit von Durchführungs-

abkommen nicht berühren, die im Rahmen dieses Abkommens zwischen Institutionen, Organisationen und Firmen der beiden Länder geschlossen worden sind.

Gegeben in Washington am 19. Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung in
englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch sind."

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24/1973

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE MEERESFORSCHUNG

- Wortlaut -

WASHINGTON --(AD)— Das am 19. Juni in Washington unterzeichnete Abkommen
über die amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit in der Meeresforschung
konzentriert sich unter anderem auf die umfassenden Wechselwirkungen von
Meer und Atmosphäre, auf Fragen der Meeresdynamik, der Geochemie und der
Chemie der Ozeane, der biologischen Produktivität sowie auf geologische und
geophysikalische Untersuchungen. Zur Durchführung des Abkommens über die
Zusammenarbeit in der weltweiten Meeresforschung wird ein Gemeinsamer
amerikanisch-sowjetischer Ausschuß gebildet. Das Abkommen hat folgenden
Wortlaut:
"Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind
angesichts der Bedeutung umfassender Studien der Weltmeere für friedliche Zwecke und für das Wohlergehen der gesamten Menschheit;
in dem Bemühen um vollständigere Kenntnis und vernünftige Nutzung der
Weltmeere seitens aller Nationen durch weitgehende internationale Zusammenarbeit in ozeanographischen Untersuchungen und Forschungen;
in

�in Kenntnis der Möglichkeiten und Ressourcen beider Länder für das
Studium der Weltmeere und der weitreichenden vorangegangenen Aktivitäten
und erfolgreichen Ergebnisse früherer Zusammenarbeit zwischen ihnen;
in dem Wunsche, ihre Anstrengungen bei der künftigen Erforschung der
Weltmeere und der Nutzung der Ergebnisse zum Wohl der Völker beider Länder
und der gesamten Menschheit zu vereinen; und
in Verfolgung und zum weiteren Ausbau des zwischen der Regierung der
Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken am 24. Mai 1972 geschlossenen Abkommens über die
Zusammenarbeit auf den Gebieten von Wissenschaft und Technik, in Übereinstimmung mit dem Abkommen vom 11.April 1972 über Austausch und Zusammenarbeit in Wissenschaft, Technik, Kultur, Bildungswesen und auf anderen Gebieten, und in Übereinstimmung mit dem Abkommen vom 23. Mai 1972 über Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes

wie folgt übereingekommen:
Artikel I
Die Vertragsparteien werden Zusammenarbeit in Projekten zum Studium
der Weltmeere auf der Grundlage des beiderseitigen Nutzens, der Gleichheit
und der Gegenseitigkeit entwickeln und durchführen.
Artikel II
Bei ihren Untersuchungen der Weltmeere werden die Vertragsparteien gemeinsame Anstrengungen unternehmen, um wichtige Probleme der reinen und angewandten Forschung aufzugreifen und zu lösen. In der Anfangsphase wird sich
die Kooperation auf folgende Gebiete erstrecken:
a)

-2-

�a) Großräumige Wechselwirkungen von Meer und Atmosphäre, einschließlich
Laborstudien, Versuchen auf See und der Ausarbeitung mathematischer Modelle
für das System Meer-Atmosphäre.
b) Meeresströmungen globalen Ausmaßes und andere Fragen der Meeresdynamik.
c) Geochemie und Meereschemie der ozeanischen Welt.
d) Geologische und geophysikalische Untersuchungen in den Weltmeeren,
einschließlich Gewinnung von Bohrkernen in der Tiefsee für wissenschaftliche
Zwecke.
e) Biologische Produktivität der Weltmeere und Fragen der Biochemie
zur Funktionserhaltung einzelner Arten und gesamter biologischer Gemeinschaften in den Meeren.
f) Abstimmung und Standardisierung ozeanographischer Instrumente und
Meßverfahren.
Andere Gebiete der Zusammenarbeit können im beiderseitigen Einverständnis hinzugefügt werden.

Artikel III
Die in den vorangegangenen Artikeln vorgesehene Zusammenarbeit kann in
folgender Form erfolgen:
a) Gemeinsame Planung, Entwicklung und Durchführung von Projekten und
Programmen in der Forschung.
b) Austausch von Wissenschaftlern, Spezialisten und Assistenten.
c) Austausch wissenschaftlicher und technischer Information, Dokumentation und Erfahrungswerte,einschließlich der Ergebnisse nationaler ozeanographischer Studien.
d)

-3-

�d) Veranstaltung gemeinsamer Konferenzen, Tagungen und Seminare von
Fachleuten.
e) Angemessene Beteiligung beider Länder an multilateralen Gemeinschaftsaktionen unter der Schirmherrschaft internationaler wissenschaftlicher Organisationen.
f) In Übereinstimmung mit den Gesetzen, Vorschriften und Bestimmungen
jedes Landes und einschlägiger bilateraler Abkommen erleichtern die Vertragspartner die Benutzung geeigneter Hafenanlagen in den zwei Ländern für
die Überholung und Versorgung von Schiffen, einschließlich geeigneter Vorkehrungen für Erholung und Austausch von Schiffspersonal im Zusammenhang
mit der Durchführung gemeinschaftlicher Aktivitäten.
Andere Formen der Zusammenarbeit können in beiderseitigem Einvernehmen
hinzugefügt werden.
Artikel IV
Zur weiteren Förderung der Ziele dieses Abkommens werden die Vertragsparteien,wo angebracht, die Entwicklung der Zusammenarbeit und direkte Kontakte zwischen Behörden, Organisationen und Firmen beider Länder - einschließlich, wo angebracht, des Abschlusses von Ausführungsabkommen zur Durchführung spezieller Projekte und Programme im Rahmen dieses Abkommens .- ermutigen, erleichtern und überwachen.

Artikel V
1.

Für die Durchführung dieses Abkommens soll ein Gemeinsamer amerika-

nisch-sowjetischer Ausschuß zur Zusammenarbeit in der Erforschung der Weltmeere geschaffen werden. Dieser Gemeinsame Ausschuß soll in der Regel einmal jährlich wechselweise in den Vereinigten Staaten und in der Sowjetunion
tagen, es sei denn, es würde anders vereinbart.

2.

-4-

�2.

Der Gemeinsame Ausschuß soll die notwendigen Maßnahmen für die wirk-

same Durchführung dieses Abkommens ergreifen, einschließlich, aber nicht ausschließlich, der Billigung spezieller Projekte und Programme der Zusammenarbeit; er soll geeignete Behörden und Organisationen benennen, die für die
Durchführung gemeinsamer Aktivitäten verantwortlich sein sollen, und, wo
angebracht, den Vertragsparteien Empfehlungen unterbreiten.

3.

Jede Vertragspartei soll ihre zuständige Organisation bestimmen, die

für die Durchführung dieses Abkommens verantwortlich sein wird. In der Zeit
zwischen den Konferenzen des Gemeinsamen Ausschusses sollen die verantwortlichen Organisationen miteinander Verbindung halten und die Entwicklung und
Verwirklichung gemeinsamer Aktivitäten, die im Rahmen dieses Abkommens durchgeführt werden, koordinieren und überwachen.

Artikel VI
Nichts in diesem Abkommen darf dahingehend ausgelegt werden, daß es andere Abkommen zwischen den Vertragsparteien oder Verpflichtungen jeder Vertragspartei in anderen internationalen ozeanographischen Programmen präjudiziert.
Artikel VII
1.

Dieses Abkommen soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten und eine

Laufzeit von fünf Jahren haben. Es kann im gegenseitigen Einverständnis der
Vertragsparteien geändert oder verlängert werden.
2.

Das Erlöschen dieses Abkommens soll die Gültigkeit der Durchführungs-

vereinbarungen, die im Rahmen dieses Abkommens zwischen den interessierten
Behörden, Organisationen und Firmen der beiden Länder geschlossen wurden,
nicht berühren.
Gegeben

-5-

�Gegeben in Washington am 19. Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung
in englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch sind."

-6-

�amerika dienst
United

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53 B o n n - B a d
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Dokumentation

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24/1973

DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN HANDELSPROTOKOLLE
- Wortlaut -

WASHINGTON — ( A D ) — Der amerikanische Finanzminister George P „ Shultz
und der sowjetische Außenhandelsminister Nikolai S. Patolitschew haben am
22. Juni zwei Protokolle unterzeichnet, die der Ausweitung der Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern dienen sollen. Die beiden Protokolle,
die auf das im Oktober 1972 unterzeichnete amerikanisch-sowjetische Handelsabkommen zurückgehen, haben folgenden Wortlaut:

Das Protokoll über Konsultationen
"Angesichts des von den sowjetischen Außenhandelsorganisationen und
den amerikanischen Gesellschaften bekundeten Interesses an der Entwicklung
organisatorischer Vereinbarungen für eine verstärkte Zusammenarbeit und
in der Erkenntnis, daß eine solche verstärkte Zusammenarbeit zur Förderung von Kontakten zwischen Geschäftsleuten der UdSSR und der USA beitragen würde, die wiederum die Entwicklung eines zum gegenseitigen Vorteil
gereichenden Handels zwischen den beiden Ländern unterstützen würde,

wird

�wird der amerikanische Handelsminister zu einem baldigen Zeitpunkt
mit Vertretern der amerikanischen Wirtschaft und Finanzwelt zusammentreffen,
um mit ihnen darüber zu sprechen, ob in den Vereinigten Staaten auf privater Basis die Errichtung einer sowjetisch-amerikanischen Handelskammer wünschenswert ist. Der sowjetische Außenminister wird ähnliche Konsultationen
mit sowjetischen Handels-sowie anderen Organisationen führen.
Die Ergebnisse dieser Konsultationen sollen umgehend der Gemeinsamen
Sowjetisch-Amerikanischen Handelskommission berichtet werden.

Gegeben am 22. Juni 1973 in Washington in zweifacher Ausfertigung in russischer und englischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch
sind."

Protokoll über Handelsbeziehungen

"Im

Interesse einer Stärkung ihrer Handels-und Wirtschaftsbeziehungen

haben sich die Regierung

der USA und die Regierung der UdSSR in dem im

Oktober 1972 von der amerikanischen und der sowjetischen Regierung unterzeichneten Handelsabkommen verpflichtet, bei der Ausweitung und Verbesserung
ihrer Handelseinrichtungen in Moskau und in Washington zusammenzuarbeiten.
Aufgrund dieser Verpflichtung haben Vertreter der sowjetischen Regierung
und der US-Botschaft in Moskau diese Woche einen Kontrakt für neue Büroräume an einem geeigneten Ort unterzeichnet, damit die US-Handelsabteilung
in der Lage ist, amerikanischen Geschäftsleuten, die um Unterstützung bei
ihren Handelsgeschäften mit entsprechenden sowjetischen Organisationen nachsuchen, wirksamer helfen zu können.
Die

-2-

�Die amerikanische Regierung hat bereits früher in diesem Jahr der UdSSR
den Erwerb eines Gebäudes an einem geeigneten Ort in Washington für die sowjetische Handelsabteilung ermöglicht.
Die sowjetische Regierung hat die amerikanische Regierung ferner davon
unterrichtet, daß sie aufgrund des Handelsabkommens eine Erlaubnis zur Errichtung von Vertretungen in Moskau an folgende amerikanische Wirtschaftsunternehmen und Banken erteilt hat:
Pullman Incorporated
Occidental Petroleum Corporation
The Chase Manhattan Bank
General Electric Company
International Harvester Company
Caterpillar Tractor Company
Hewlett-Packard Company
Engelhard Minerals &amp; Chemicals Corporation
Bank of America
First National City Bank
Anträge weiterer amerikanischer Firmen auf Akkreditierung in Moskau
werden gegenwärtig von den sowjetischen Dienststellen geprüft.
Im Einklang mit Artikel V des Handelsabkommens haben die amerikanische
Regierung und die sowjetische Regierung ferner vereinbart, sofortige Vorbereitungen für beiderseits zufriedenstellende Vereinbarungen zu treffen, damit
die Personalstärke ihrer Handelsabteilungen in dem jeweiligen anderen Lande
erhöht werden kann. Eine Handelsvertretung der UdSSR in Washington und ein
Handelsbüro der USA in Moskau werden gleichzeitig und so bald wie möglich,
auf jeden Fall nicht später als am 31. Oktober dieses Jahres, eröffnet
werden.
Gegeben

�Gegeben in Washington am 22. Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung
in englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch sind."

-4-

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanisch-sowjetische Kommuniqué vom 23. Juni 1973&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dokumentation des Weißen Hauses zum Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nixon-Breschnew-Abkommen über Rüstungsbegrenzungsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dokumentation des Weißen Hauses zur Rüstungsbegrenzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die friedliche Nutzung der Atomenergie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanisch-sowjetische Verkehrsabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Austauschprogramm für Kultur und Wissenschaft 1974-1976&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanisch-sowjetische Landwirtschaftsabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen für die Meeresforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanisch-sowjetischen Handelsprotokolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

T e I e x i 08 - 8 5 4 3 2

3. Juli 1973

25

Inhalt
DOKUMENTATION:
Forschen und Einsparen
-Aufruf Präsident Nixons zur Verbesserung der EnergiesituationAmerikanisch-Sowjetisches Protokoll über erweiterten Luftverkehr
-Wortlaut«

WIRTSCHAFT:
Nixon: Exportkontrollen werden nur kurz sein
-Auszüge aus der Rundfunkrede vom 30. Juni»
US-Sojabohnenexporte werden trotz Kontrollen alle bisherigen Rekorde
brechen
Von John Holway
Volcker fordert internationale Zusammenarbeit in Währungsfragen
-Auszüge aus der Erklärung des Staatssekretärs vor dem Gemeinsamen
Wirtschaftsausschuß des US-KongressesBurns: Rückgang des Dollar-Kurses ungerechtfertigt
-Auszüge-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Amerikanisch-Sowjetisches Gemeinschaftsprojekt der Tiefseeforschung
Neues Dialysegerät für die Heimbehandlung
Biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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25/1973

FORSCHEN UND EINSPAREN
- Aufruf Präsident Nixons zur Verbesserung der Energiesituation -

--(AD)— In einer am 29. Juni 1973 abgegebenen Erklärung, die im Folgenden
auszugsweise veröffentlicht wird, nahm Präsident Nixon erneut zur Situation
auf dem Energiesektor Stellung:
"Eines der kritischsten Probleme, das Amerika heute in Angriff nehmen
muß, ist die Deckung unseres notwendigen Energiebedarfs. Vor zwei Monaten
kündigte ich ein umfassendes Programm an, das uns in diesem Bestreben
voranbringen sollte. Heute ergreife ich folgende zusätzlichen Maßnahmen:
Erstens ernenne ich John A. Love, Gouverneur von Colorado, zum Leiter eines Energieamtes, das für die Ausarbeitung und Koordinierung der
Energiepolitik auf Präsidialebene verantwortlich sein wird.
Zweitens ersuche ich den Kongreß, ein neues Ministerium mit Kabinettsrang zu errichten, das sich mit Energie und natürlichen Hilfsquellen befaßt,
und einen neuen unabhängigen Apparat für Forschung und Entwicklung auf dem
Energiesektor zu schaffen.
Drittens leite ich ein 10 Milliarden-Dollar-Programm für Forschung
und Entwicklung auf dem Energiesektor in die Wege, das für die kommenden
fünf Jahre gelten soll.
Und

-1-

�Und schließlich starte ich einen Feldzug zur Einsparung von Energie,
um den Eigenverbrauch im ganzen Lande während der kommenden zwölf Monate,
um fünf Prozent zu drosseln. Die Bundesregierung wird in diesen Bemühungen
vorangehen, indem sie sich vornimmt, im gleichen Zeitraum sieben Prozent
einzusparen,
Amerika sieht sich einem ernsten Energieversorgungsproblem gegenüber.
Während unsere Bevölkerungszahl nur sechs Prozent der Weltbevölkerung aus«
macht, verbrauchen wir ein Drittel der Weltenergieproduktion, Die Produktion
aus verfügbaren einheimischen Energiequellen hält mit. unserem ständig wach&lt;=
senden Energiebedarf nicht Schritt. Wenn wir nicht schnell und wirksam handeln, könnten wir uns in absehbarer Zukunft einer echten Energiekrise gegenübersehen.

Am 18. April unterbreitete ich dem Kongreß eine Botschaft, in der die
drängenden Energieprobleme und die notwendigen Schritte zu ihrer Lösung er-=
örtert wurden. Diese Botschaft hob hervor, daß wir mit. unserer Aktivität
zur Drosselung unseres Energiebedarfs auch intensive Anstrengungen unternehmen müssen, unsere Energieproduktion auszuweiten. Ich freue mich, berichten
zu können, daß viele der notwendigen Schritte bereits begonnen wurden und
sich als wirksam erweisen...
Manche der Schritte, die ich im April ankündigte, erfolgten in der
Form von Vorschlägen der Legislative zur künftigen Steigerung der Energieversorgung. Sie forderten den Bau der Ölleitung in Alaska, wettbewerbsfähige Preisgestaltung bei Erdgas, die Freigabe der Bauvorhaben für Tiefwasser»
häfen, die Straffung der Vorschriften für die Standortwahl bei Kraftwerken
und ein vernünftiges Rahmenwerk für Kontrollen für den Tagebau, Nur der
Vorschlag für den Bau der Ölleitung ist endlich in einem Ausschuß behandelt
worden. Ich hoffe, daß der Kongreß über meine anderen Ersuchen schnell und
positiv entscheidet...
Forschung

~2~

�Forschung und Entwicklung
Während wir uns auf konventionelle Formen von Brennstoff stützen müssen,
um unseren unmittelbaren Energiebedarf zu decken, ist es klar, daß die Lösung für unseren Langzeitbedarf in der Erschließung neuer Formen von Energie liegt. Angesichts dieser Notwendigkeit ergreife ich mit sofortiger Wirkung drei Maßnahmen, um unsere Anstrengungen auf Bundesebene in der Energieforschung und Entwicklung auszuweiten.
Erstens leite ich ein Bundesprogramm für Forschung und Entwicklung auf
dem Energiesektor in die Wege, das für die Dauer von fünf Jahren gelten,
mit dem Finanzjahr 1975 beginnen und einen Etat von 10 Milliarden Dollar
haben soll. Um diese Maßnahme in Gang zu setzen, gebe ich Anweisung, im
Finanzjahr 1974 zusätzliche 100 Millionen Dollar für die beschleunigte Durchführung bestimmter, bereits in Angriff genommener Projekte und die Aufnahme
neuer Projekte auf einer Reihe kritischer Gebiete von Forschung und Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Zumindest die Hälfte der Mittel für die
n

eu e n Maßnahmen im kommenden Finanzjahr fließt der Kohleforschung und Ent-

wicklung zu, wobei die Schwerpunkte bei der Gewinnung sauberer flüssiger
Brennstoffe aus Kohle, der Verbesserung der Abbaumethoden zur Erhöhung der
Sicherheit und Produktivität der Gruben, bei der Beschleunigung unseres Programms zur Kohlevergasung und der Entwicklung verbesserter Verbrennungstechniken liegen. Die übrigen Beträge aus dem 100 Millionen-Dollar-Fonds sind für
Forschungs-und Entwicklungsprojekte auf dem Gebiet neuartiger Systeme zur
Energiewandlung, für Umweltschutz und Umwelthygiene, Dampfgewinnung aus geothemischen Quellen, Einsparung von Energie und gasgekühlte Kernreaktoren
vorgesehen. Obgleich es dringend notwendig ist, die gegenwärtige Etat-Begrenzung für das Haushaltsjahr 1974 einzuhalten, müssen und können diese lebenswichtigen Programme innerhalb dieser Grenzen finanziert werden.

Zweitens

�Zweitens weise ich die Vorsitzende der US-Atomenergiekoramission an, die
Energieforschungs-und Entwicklungsvorhaben des Bundes und der Privatwirtschaft
unter der generellen Leitung des Amtes für Energiepolitik umgehend überprüfen
zu lassen und ein auf nationaler Basis integriertes Energieforschungs-und
Entwicklungsprogramm zu empfehlen. Dieses Programm sollte die Industrie
zu kooperativen Anstrengungen im Sinne einer Erschließung und Demonstration
neuer Technologien, die eine bessere Nutzung unserer Energiequellen ermöglichen, ermutigen und sie aktiv in diese einbeziehen. Ich erteile der Vorsitzenden außerdem Weisung, unter Konsultation des Innenministeriums und
anderer Behörden bis zum 1. September dieses

Jahres spezielle Projekte

zu empfehlen, auf die die zusätzlichen 100 Millionen Dollar im Finanzjahr
1974 aufgeteilt würden. Bis zum 1. Dezember dieses Jahres erwarte ich von
ihr Empfehlungen für Energieforschungs-und Entwicklungsprogramme, die in
meinen Haushaltsvoranschlag für das Finanzjahr 1975 aufgenommen werden sollen.
Drittens errichte ich einen Beirat für Energieforschung und Entwicklung,
der dem Amt für Energiepolitik untersteht und sich aus außerbehördlichen
führenden Vertretern verschiedener Gebiete der Forschung und Entwicklung auf
dem Energiesektor zusammensetzen soll.
Ich bin der Ansicht, daß diese Maßnahmen unsere gegenwärtigen Anstrengungen der Energieforschung und -Entwicklung erheblich verbessern und ausweiten und die Entwicklung von Technologien sichern, die für die Deckung
unseres künftigen Energiebedarfs lebenswichtig sind.

Einsparung von Energie
In meiner Energiebotschaft vom 18. April kündigte ich einleitende
Schritte zur Einsparung der in Amerika verfügbaren Brennstoffe an. Ich erklärte damals, daß Einsparung an Energie zwar eine nationale Notwendigkeit sei,
Anstrengungen zur Einsparung jedoch auf freiwilliger Basis unternommen werden
könnten. Dieser Meinung bin ich auch heute noch.
Appelle

-4-

�i
Appelle in der Öffentlichkeit sind aber angesichts der Aufgabe, der
wir uns gegenübersehen, nicht genug. Die Bundesregierung ist der größte
Energiekonsument im Lande und hat insofern ihre eigene besondere Rolle dabei
zu spielen, den Energieverbrauch einzuschränken und so ein Beispiel für alle
Verbraucher zu geben.
Mit Wirkung vom heutigen Tage verfüge ich deshalb für die Bundesbehörden eine siebenprozentige Reduzierung ihres für

die nächsten 12 Monate

vorausberechneten Energieverbrauchs... Während die Einsparungsmaßnahmen im
einzelnen dem Kabinett und der Leitung der Behörden überlassen bleiben, ordne
ich an, daß die Einsparungsbemühungen folgende Maßnahmen einschließen müssen:
-- Weniger umfangreiche Raumklimatisierung in allen Gebäuden von Bundesbehörden während des ganzen Sommers.
-- Verringerung der Anzahl von Dienstreisen von Bundesangestellten.
-- Kauf oder Anmieten von Autos und anderer Fahrzeuge, die eine günsti«
gere Kilometerleistung mit dem getankten Benzin ergeben.
Von jedem Ministerium und jeder Behörde wird erwartet, daß sie alle
Aktivitäten unter dem Gesichtspunkt überprüfen, wie der eigene Energiebedarf reduziert werden könnte. Das Verteidigungsministerium, der größte
Einzelkonsument von Energie in der Exekutive, hat seine Aktivitäten bereits
überprüft

und im vergangenen Jahr Schritte unternommen, um seinen Energie-

bedarf um zehn Prozent zu kürzen - Schritte, die aber in keiner Weise unsere militärische Einsatzbereitschaft gefährden.
Ich weise auch alle Ministerien und Behörden an, eng mit Minister Morton
und dem Amt für Energiewirtschaft bei der Entwicklung lanfristiger Pläne
und Empfehlungen sowohl für den privaten als auch den öffentlichen Sektor
zusammenzuarbeiten.
Auf mein Ersuchen werden der Innenminister, der Handelsminister und
Gouverneur Love gemeinsam mit Vertretern der amerikanischen Industrie Mittel

-5-

�Mittel und Wege erörtern, um unnötigen Energieverbrauch abzubauen; die
Industrie wird dringend ersucht, sich aktiv an den Einsparungsbemühungen zu
beteiligen.
Des weiteren habe ich den Verkehrsminister angewiesen, gemeinsam mit
den amerikanischen Fluggesellschaften, der Behörde für die Zivilluftfahrt
und dem Bundesluftfahrtamt Wege zur Reduzierung der Fluggeschwindigkeiten
und, wo dies möglich ist, der

Frequenz der kommerziellen Flüge zu fin-

den. Diese Bemühungen laufen bereits. Schon mit einer geringen Herabsetzung
von Geschwindigkeiten und Anzahl der Flüge ist es möglich, den Energieverbrauch beachtlich zu senken.
Da diese Maßnahmen ein breites Aktivitätsspektrum auf dem öffentlichen
und privaten Sektor betreffen, müssen das Problem und die vorgeschlagenen
Einsparungsmaßnahmen in der richtigen Perspektive gesehen werden...
Das Innenministerium schätzt, daß unter Beibehaltung des gegenwärtigen Verbrauchs das Benzinangebot in diesem Sommer um ein bis zwei Prozent
hinter dem Bedarf zurückbleiben wird, unter ungünstigen umständen vielleicht
bis zu fünf Prozent. Um dieser drohenden Verknappung zu begegnen, könnte
meines Erachtens die Reduzierung des vorausgeschätzten Energiebedarfs jedes
Verbrauchers um fünf Prozent als ein vernünftiges und erreichbares nationales Ziel gelten...
Wenn man beispielsweise die Thermostat-Temperatur einer Klimaanlage
nur um 4 Grad höher einstellt, so spart man dadurch schätzungsweise 15 bis
20 Prozent Strom ein. Und so wie die Regierungsstellen Autos mit geringerem
Benzinverbrauch benutzen können, ist dies auch den Bürgern möglich. Fast drei
Viertel des in Amerika konsumierten Benzins wird von den Autos verbraucht.
Die Kraftfahrer können außerdem einen Beitrag leisten, indem sie langsamer
fahren. Wenn ein Wagen mit 80 km/st fährt, verbraucht er 20 bis 25 Prozent
weniger Kraftstoff als bei 110 Stundenkilometern. Eine bessere Ausnutzung der
Sitzplätze und die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel würden ein Übriges
tun, um Brennstoff zu sparen.
Um

�Um zur Verminderung der Fahrgeschwindigkeit beizutragen, werde ich
heute außerdem ein Schreiben an die Gouverneure aller Bundesstaaten richten und sie ersuchen, in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Parlament die
Höchstgeschwindigkeiten für Kraftfahrzeuge auf den Fernstraßen in einer
Weise herabzusetzen, wie dies sowohl mit der Sicherheit und dem Nutzeffekt
als auch mit dem Energiebedarf vereinbar ist.
Ich ersuche außerdem den Kongreß wieder dringend, die Gesetze über den
Massenverkehr zu verabschieden, welche Bundesstaaten und kommunalen Behörden mehr Flexibilität geben, zwischen Investitionen für den Straßenbau oder
für Massenverkehrsmittel zu wählen. Die teilweise Umstellung vom Individualauf den Massenverkehr wird eine merkliche Einsparung an Energie und günstige
Auswirkungen auf die Umwelt zur Folge haben und es gleichzeitig ermöglichen,
die Straßen so wirksam zu nutzen, wie dies ursprünglich gedacht war...".

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25/1973

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES PROTOKOLL ÜBER ERWEITERTEN LUFTVERKEHR
- Wortlaut -

WASHINGTON —(AD)-- Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben am
23. Juni 1973 im Rahmen des Besuches von Parteichef Breschnew in den USA
ein Protokoll über die Ausweitung des Luftverkehrs zwischen beiden Sca.
ten unterzeichnet. Die Unterzeichnung erfolgte durch den amerikanischen
Verkehrsminister Claude Brinegar und den sowjetischen Minister für Zivilluftfahrt Boris Bugajew. Das Protokoll hat folgenden Wortlaut:
"Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind
in Übereinstimmung mit Punkt 7 der9Grundsätze für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen
Sojwetrepubliken*, die am 29. Mai 1972 in Moskau unterzeichnet wurden,
aus dem Wunsche heraus, erweiterte Kommunikationen zwischen den beiden
Ländern auf gegenseitiger Basis zu fördern,
aus der Erkenntnis der Rolle heraus, die der Luftverkehr in diesem Zusammenhang spielen kann, und
gemäß Artikel 16 des Zivilluftfahrtabkommens zwischen den beiden Regie
rungen vom 4. November 1966
wie folgt übereingekommen:
Artikel I

�Artikel I
Die im Rahmen des Zivilluftfahrtabkommens bestehenden vereinbarten
Dienste zwischen New York und Moskau sollen dahingehend erweitert werden^
daß sie Dienste der designierten Fluggesellschaft der Vereinigten Staaten
von New York nach Leningrad einschließen und für die designierte Fluggesellschaft der UdSSR von Moskau nach Washington.

Artikel II
Angesichts des wachsenden Verkehrs zwischen beiden Ländern sollen die
bestehenden Vereinbarungen im Rahmen des Zivilluftfahrtabkommens bezüglich
der Flugfrequenz dahingend abgeändert werden, daß sie eine Erhöhung der
Frequenz des Dienstes zulassen.
Artikel III
Die vorgenannten und andere damit zusammenhängende Änderungen des Zivilluftfahrtabkommens sind in dem beigefügten Anhang niedergelegt, der an
die Stelle des bestehenden Anhangs zu diesem Abkommen tritt.
Dieses Protokoll soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten.

Gegeben in Washington am 23» Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung in
englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch sind.

Anhang

�Anhang

1.

Die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über-

trägt dem Ministerium für Zivilluftfahrt der UdSSR die Verantwortung für
den Betrieb der vereinbarten Dienste auf den Routen, wie sie in Tabelle I
dieses Anhangs spezifiziert werden, das zu diesem Zweck wiederum die Allgemeine Abteilung für Internationalen Luftverkehr (die sowjetische Fluglinie
Aeroflot) beauftragt.
2.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika designiert Pan

American World Airways, Inc., die vereinbarten Dienste auf den in Tabelle
II dieses Anhangs spezifizierten Routen zu betreiben.
3.

Jede der designierten Fluggesellschaften wird beim Betrieb der

vereinbarten

Dienste auf den jeweiligen in Tabelle I und II dieses Anhangs

spezifizierten Routen folgende Rechte haben:
1) Das Recht, zu technischen und kommerziellen Zwecken am Endpunkt
der vereinbarten Route im Territorium der anderen Vertragsparteien zu landen, sowie auch Ausweichflugplätze und Flugeinrichtungen in diesem Territorium für solche Zwecke zu benutzen;
2) das Recht, Passagiere, Gepäck, Fracht und Post im Territorium der
anderen Vertragspartei zu landen - ohne jedoch das Recht, Passagiere, Gepäck, Fracht oder Post zu landen, die von einem Zwischenlandungspunkt in
einem dritten Land auf der gegebenen Route kommen, mit Ausnahme von Passagieren und ihrem Begleitgepäck, die von der designierten Fluggesellschaft
an diesem Zwischenlandungsplatz gelandet worden sind und während der Gültigkeitsdauer ihres Flugscheins (auf keinen Fall jedoch später als ein
Jahr nach dem Datum ihrer Unterbrechung) wieder zugestiegen sind und die
mit einem Passagierflugschein und einem Gepäckschein reisen, die die Beförderung mit planmäßigen Flügen auf jedem Abschnitt der Route zwischen

�zwischen den beiden Vertragsparteien vorsehen; und
3) das Recht, Passagiere, Gepäck, Fracht und Post im'Territorium der
anderen Vertragspartei aufzunehmen - ohne jedoch das Recht, Passagiere,
Gepäck, Fracht und Post aufzunehmen, die für irgendeinen Zwischenlandungspunkt auf der gegebenen Route in einem dritten Land bestimmt sind, mit Ausnahme von Passagieren und ihrem Begleitgepäck, die auf diesem Zwischenlandungspunkt gelandet und später von der designierten Fluggesellschaft während der Gültigkeitsdauer ihres Flugscheins (auf keinen Fall jedoch später
als ein Jahr nach dem Datum ihrer Unterbrechung) wieder aufgenommen werden
und die mit einem Passagierflugschein und einem Gepäckschein reisen, die
die Beförderung mit planmäßigen Flügen auf jedem Abschnitt der Route
zwischen den beiden Vertragsparteien vorsehen.

4.

Über die im obigen Paragraph 3 spezifizierten Rechte hinaus wird jede

designierte Fluggesellschaft das Recht haben, vorbehaltlich Paragraph 5
unten im Territorium der anderen Vertragspartei Passagiere, Gepäck, Fracht
und Post aufzunehmen und zu landen,die an irgendeinem Zwischenlandungspunkt
auf der gegebenen Route in einem dritten Land gelandet werden sollen oder
aufgenommen worden sind.
5.

Jede designierte Fluggesellschaft darf bis zum 31. März 1974 bis zu

zwei Hin-und Rückflüge pro Woche durchführen, während der Sommerreisesaison
1974 (vom 1. April 1974 bis 31. Oktober 1974) bis zu drei Hin-und Rückflügen pro Woche, in der Wintersaison 1974/75 (vom 1.November 1974 bis 31.
März 1975) bis zu zwei Hin-und Rückflüge pro Woche und danach so viele Flüge, wie von den Vertragspartein

vereinbart werden. Die designierte Flug-

gesellschaft der Vereinigten Staaten darf das oben in Paragraph 4 spezifizierte Recht auf all ihren Flügen ausüben. Die designierte Fluggesellschaft der Sowjetunion darf das oben in Paragraph 4 spezifizierte Recht
auf einem ihrer Flüge ausüben.

�6.

Zwischenlandungspunkte, von denen in Tabelle I dieses Anhangs ge-

sprochen wird, werden jeweils zwei der folgenden Städte sein: Amsterdam,
Kopenhagen, Paris, London, Frankfurt und Brüssel; und Zwischenlandungspunkte, von denen in Tabelle II gesprochen wird, werden jeweils zwei der folgenden Städte sein: London, Amsterdam, Frankfurt, Kopenhagen, Brüssel und Paris.
Zu Beginn jeder Sommer-und Winterreisesaison kann jede designierte Fluggesellschaft von einer Kombination zweier Zwischenlandungspunkte auf eine andere Kombination zweier Zwischenlandungspunkte für diese Saison wechseln.
Auf jedem Flug darf nicht mehr als ein Zwischenlandungspunkt bedient werden.
Der Zwischenlandungspunkt oder die Zwischenlandungspunkte dürfen nach Wahl
jeder der designierten Fluggesellschaften bei jedem beliebigen oder bei
allen Flügen ausgelassen werden.
7.

Jede designierte Fluggesellschaft darf an jedem der in Paragraph 6

oben aufgeführten Zwischenlandungspunkte in Europa Maschinenwechsel vornehmen, vorausgesetzt daß:
1) der Transport über den Punkt des Maschinenwechsels hinaus von einem
einzigen Flugzeug gleicher oder geringerer Kapazität (im Falle von Diensten,
die vom Heimatland wegführen) oder gleicher oder größerer Kapazität (im
Falle von Diensten, die zum Heimatland hinführen) wie der des ankommenden
Flugzeuges durchgeführt wird;und
2) das Flugzeug für solchen Weitertransport nur in Übereinstimmung mit
dem Flugplan des ankommenden Flugzeuges weitergeführt wird (unter der gleichen Flugnummer), um einen genauen und wirklich kontinuierlichen Dienst zu
gewährleisten.

Vereinbarte

-5-

�Vereinbarte Dienste
Tabelle I
Für die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken:
Moskau nach New York oder Washington (Dulles) und zurück, über die in
Paragraph 6 oben in diesem Anhang aufgeführten Zwischenlandungspunkte.
New York und Washington werden mit getrennten Flügen bedient. Technische Landungen werden auf jene begrenzt, die in Artikel II des Zusatzabkommens in
der abgeänderten Form aufgeführt sind.

Tabelle II
Für die Vereinigten Staaten von Amerika:
New York nach Leningrad oder Moskau und zurück, über die in Paragraph
6 dieses Anhangs aufgeführten Zwischenlandungspunkte. Leningrad und Moskau
werden mit getrennten Flügen bedient. Technische Landungen werden auf jene
begrenzt, die in Artikel II des Zusatzabkommens in der abgeänderten Form
aufgeführt sind."

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25/1973

NIXON: EXPORTKONTROLLEN WERDEN NUR KURZ SEIN
- Auszüge aus der Rundfunkrede vom 30. Juni -

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat in einer Rundfunkrede am 30. Juni
betont, daß die verfügten Exportkontrollen zwar notwendig sind, aber nur
von kurzer Dauer sein werden. Langfristig gebe es, so erklärte der Präsident,
nur ein wirksames Mittel gegen Preiserhöhungen, nämlich ein zur Deckung der
Nachfrage ausreichendes Warenangebot. Die wichtigsten Teile der Rede des
Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
"Vor 18 Tagen habe ich ein Einfrieren der Preise angeordnet und angekündigt, daß auf diesen Preisstopp ein neues und schärferes Kontrollprogramm
zur Eindämmung der Inflation folgen wird...
Seit mehreren Jahren hat es in der gesamten westlichen Welt eine hohe
Inflationsrate gegeben. In dem im April abgelaufenen Jahr sind die Verbraucherpreise in den Vereinigten Staaten wesentlich langsamer gestiegen,
als dies in Großbritannien, Frankreich, Westdeutschland, Kanada oder Japan
der Fall war. Mit der Ausweitung des Welthandels trägt dieser inflationistische Druck im Ausland auch zu einem inflationistischen Druck in den Vereinigten Staaten bei: Wenn irgendwo die Preise steigen, bietet die Jagd nach
knappen Gütern im Ausland einen gewinnträchtigeren Markt, als dies in den
Vereinigten Staaten selbst der Fall wäre.
•!, .
.

»1-

Im

�\

Im letzten Jahr sind unsere Agrarexporte allein um 50 Prozent von
noch nicht acht Milliarden Dollar auf fast 12 Milliarden Dollar gestiegen.
Gleichzeitig hatte die amerikanische Landwirtschaft 1972 unter den ungünstigsten Wetterverhältnissen zu leiden, die wir jemals hatten - sowohl für
Ackerbau wie auch für Viehzucht. Die Agrarerzeugung steigt jetzt wieder an;
die Aussichten für dieses Jahr sind im allgemeinen gut.
Beispielsweise wird die Weizenernte dieses Jahr die größte sein, die
wir jemals hatten. Die zahlreichen von uns ergriffenen Maßnahmen zur Steigerung der Agrarerzeugung - darunter auch die Freigabe von weiteren 40 Millionen Acres Land für die Bestellung - wird letztlich zu einem größeren Angebot
von Agrarerzeugnissen auf dem Markt und so zu einer Entspannung bei den
hohen Lebensmittelpreisen führen. Bis dahin müssen wir jedoch höhere Lebensmittelpreise zahlen, weil ein begrenztes Angebot und eine stärkere weltweite
Nachfrage zusammenfallen....
Die sich aus den Verknappungen ergebenden Probleme, die diese Exportkontrollen notwendig machen, sind nur vorübergehender Natur. Daher bin ich
zuversichtlich, daß die Notwendigkeit von Exportkontrollen für Agrarerzeugnisse auch nur vorübergehend sein wird. Sobald im Herbst die diesjährige
Ernte eingebracht ist, rechnen wir damit, daß wir dann den anderen Ländern
wieder Zugang zu diesen Erzeugnissen gestatten können. Während dieser kurzen Zeit, in der Kontrollen notwendig sind, werden wir alles in unseren Kräften stehende tun, um sicherzustellen, daß unsere traditionellen Abnehmer so
wenig wie möglich Schaden erleiden, und wir werden stets unser ständiges Ziel
im Auge behalten, Fortschritte in Richtung auf mehr - und nicht auf weniger Welthandel zu machen.
Einen Punkt möchte ich heute nachmittag noch ganz besonders herausstellen: Kontrollen können nur kurzfristig Abhilfe schaffen; langfristig würde
eine Abhängigkeit von Kontrollen der Volkswirtschaft abträglich sein und
unserem Wohlstand schaden.
Langfristig

-2-

�Langfristig gibt es nur eine Möglichkeit - nur die eine Möglichkeit -,
um die Preise niedrig zu halten, nämlich ein zur Deckung der Nachfrage ausreichendes Angebot, während gleichzeitig eine verantwortungsbewußte Haushalts-und Währungspolitik verfolgt wird. Kontrollen schaffen uns nicht ein
solches Angebot; genau so wenig sind sie ein Ersatz für fiskalische und
monetäre Disziplin.
Aus diesem Grunde habe ich durchschlagende Maßnahmen ergriffen, um eine
Ausweitung des Angebots bei den wichtigsten Erzeugnissen zu fördern. Wir haben versucht, in unserer Landwirtschaftspolitik eine Kehrtwendung zu vollziehen; wir haben uns von der alten Politik, die Einkommen in der Landwirtschaft durch Begrenzung des Angebots und Anheben der Preise hoch zu halten,
«
abgewandt und sind zu einer neuen Politik übergegangen, die Einkommen durch
Steigerung des Angebots und Ausweitung der Absatzmärkte hoch zu halten. Wir
haben versucht, nicht mehr benötigte Vorräte an industriellen Rohstoffen
schneller abzustoßen. Wir haben eine Handelspolitik aufgenommen, die es uns
ermöglichen wird, vermehrt solche Erzeugnisse einzuführen, die andere Länder
rationeller herstellen, und vermehrt solche Erzeugnisse zu exportieren, die
wir rationeller herstellen. Wir ergreifen

Maßnahmen zur Steigerung der Pro-

duktivität .
Was immer wir auch zur Steigerung des Angebotes unternehmen, es kann
unzulänglich sein, wenn wir nicht auch die Ausweitung der Nachfrage in vernünftigen Grenzen halten. Aus diesem Grunde müssen wir nicht nur unnützen
Regierungsausgaben fest entgegentreten, sondern auch solchen Regierungsausgaben, die zwar angebracht wären, die wir uns aber nicht leisten können.
Der Kampf gegen höhere Preise beginnt mit dem Kampf um den Bundeshaushalt.
Ich werde daher weiterhin jede Maßnahme unterstützen, die einer verantwortungsbewußten Haushaltspolitik dient, und jedem Versuch widerstehen, eine solche
Politik aufzugeben.
Die

-3

�Die von der Federal Reserve Bank verfolgte Politik des knappen Geldes
ist zur Eindämmung der Inflation notwendig. Kurzfristig kann diese Politik
zu einem Ansteigen der Zinsen führen. Aber es ist besser, eine Zeitlang mit
hohen Zinsen zu leben als mit einer noch höheren Inflationsrate - und als
Folge davon mit noch höheren Zinssätzen auf lange Zeit...".

-4-

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25/1973

US-SOJABOHNENEXPORTE WERDEN TROTZ KONTROLLEN ALLE BISHERIGEN REKORDE
BRECHEN
Von John Holway

WASHINGTON --(AD)— Die amerikanischen Sojabohnenexporte werden dieses Jahr,
trotz der Kürzungen in den nächsten drei Monaten bei noch nicht ausgelieferten Kontrakten, alle bisherigen Rekorde brechen. Insgesamt dürften rund
17 Millionen metrische Tonnen Sojabohnen und Sojabohnenschrot - fast drei
Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr und fast zwei Millionen Tonnen mehr
als im bisher besten Exportjahr - bis zum Jahresende ausgeführt werden. Von
diesen 17 Millionen Tonnen werden rund 12,3 Millionen Tonnen auf Sojabohnen und 4,7 Millionen Tonnen auf Sojabohnenschrot entfallen.
Für den inneramerikanischen Verbrauch werden mit rund 15,7 Millionen
Tonnen Sojabohnen etwa die gleichen Mengen wie im letzten Jahr benötigt werden. Somit können von der neuen Ernte, die alle Rekorde zu übertreffen verspricht, 52 Prozent exportiert werden. Dies würde prozentual wie auch mengenmäßig alle früheren Exportergebnisse brechen.
Das amerikanische Handelsministerium hat am Wochenende eine Bestandsaufnahme vorgenommen und dabei festgestellt, daß nach Abzug der zur Deckung
des inneramerikanischen Bedarfs benötigten Mengen zur Zeit nur noch etwa
800 000 Tonnen Sojabohnen für den Export verfügbar sind. Dies würde aus-

-1-

�ausreichen, um die abgeschlossenen Kontrakte etwa zu 50 Prozent zu erfüllen. Eine ähnliche Situation ergab sich bei Sojabohnenschrot, wo festgestellt
wurde, daß nach Abzug der zur Deckung des inneramerikanischen Bedarfs benötigten Mengen noch etwa 75 000 Tonnen für den Export verfügbar sind. Dagegen ergaben die angestellten Erhebungen, daß die vorhandenen Bestände bei
Baumwollsaatkuchen zur Deckung des inneramerikanischen Bedarfs sowie zur
Erfüllung der anstehenden Kontrakte ausreichten.
Daher hat das US-Handelsministerium an Stelle des Exportembargos für
die nachstehenden Agrarerzeugnisse nunmehr ein Lizenzierungssystem bekanntgegeben, das eine Erfüllung der anstehenden Exportkontrakte - Stichtag 13.
Juni - wie folgt gestattet:
-- Sojabohnen: 50 Prozent
-- Sojabohnenkuchen und Schrot: 40 Prozent
—

Baumwollsaaten: 100 Prozent

—

Baumwollsaatkuchen und Expeller: 100 Prozent

Die Exportbeschränkungen für Sojabohnen wie auch bei anderen Agrarerzeugnissen dürften aufgehoben werden, sobald die Ernte.im September eingebracht ist. Die Entscheidung darüber wird letztlich aber davon abhängen, wie
hoch die eingebrachte Ernte tatsächlich ist, wie hoch die Exportnachfrage
sein wird und wie sich die Preise dann in den Vereinigten Staaten einpendeln
werden.
Die jetzt vom Handelsministerium auf der Basis der einzelnen Kontrakte
ausgestellten Lizenzen für die Ausfuhr von Sojabohnen verlieren ihre Gültigkeit am 15. September; bei den beiden Nachfolgeprodukten ist der Stichtag
der 15. Oktober. Die erteilten Lizenzen für die Ausfuhr von Baumwollsaaten
erlöschen mit dem 15. August, bei den Nachfolgeprodukten am 15. Oktober. Unabhängig hiervon bleibt das Meldesystem für Exporte für diese wie auch alle
anderen Agrarerzeugnisse gemäß dem Export Controll Bulletin des OEC (Amt für

-2-

�für Exportkontrollen) Nr„ 84 (a) vom 13. Juni und Nr. 87 vom 28, Juni voll
in Kraft. Unter dieses Meldesystem fallen unter anderem; Weizen, Reis, Gerste,
Mais, Roggen, Hafer, Hirse, Sojabohnen und -Produkte sowie Baumwollsaaten
und -Produkte
Die Ermächtigung für die US-Regierung zur Einführung von Exportlizenzen aufgrund einer Verknappung im Inland, eines schwerwiegenden Preisaul
triebs und einer anomalen Auslandsnachfrage ist mit dem Export Administration Act von 1969 gegeben. Zwar sind die Befugnisse des Präsidenten aufgrund
dieses Gesetzes eng begrenzt, doch ist die gegenwärtige Situation so, daß die
Bestimmungen des Gesetzes erfüllt sind.
Von maßgebenden amerikanischen Stellen wird in diesem Zusammenhang unterstrichen, daß aufgrund der neuen Lizenzierungsbestimmungen kein Abnehmer
gegenüber einem anderen bevorzugt werden soll. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, daß die amerikanischen Sojabohnenexporte in den ersten acht Monaten
dieses Jahres mit 10,3 Millionen metrischen Tonnen bereits höher sein werden als im gesamten Kalenderjahr 1972, in dem sie 10,2 Millionen metrische
Tonnen betrugen. So wird zum Beispiel die Bundesrepublik Deutschland

in den

ersten acht Monaten dieses Jahres 1,3 Millionen metrische Tonnen erhalten
gegenüber 1,29 Millionen metrische Tonnen im Kalenderjahr 1972.

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25/1973
VOLCKER FORDERT INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT IN WÄHRUNGSFRAGEN
-Auszüge aus der Erklärung des Staatssekretärs vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses-

WASHINGTON --(AD)-- Der Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium,
Paul Volcker, hat am 26. Juni erneut die Bedeutung einer internationalen
Zusammenarbeit in Währungsfragen unterstrichen und dabei zu der gegenwärtigen Situation auf den Devisenmärkten Stellung genommen. Die wesentlichen Teile der Erklärung des Staatssekretärs vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses haben folgenden Wortlaut:
"Die Frage, mit der sich der Unterausschuß beschäftigt - »wie bewähren sich die schwankenden Wechselkurse1 - ist im Augenblick von besonderem Interesse, sowohl im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen
auf den Devisenmärkten wie auch aufgrund der Auswirkungen auf die Verhandlungen über eine Reform des internationalen Währungssystems. Gleichzeitig
müssen wir uns aber auch darüber klar sein, daß abschließende Antworten
noch nicht möglich sind, denn wir befinden uns weitgehend auf einem neuen
und noch nicht voll ausgeloteten Gebiet...

Ich möchte annehmen, daß auf-

grund der jüngsten Erfahrungen drei große Schlußfolgerungen gezogen werden können, wobei wir uns klar sein müssen, daß wir auf jedem dieser Gebiete noch viel zu lernen haben.
1.)

�1.) Die derzeitigen Vereinbarungen für die Devisenmärkte sind angesichts
der gegenwärtigen Übergangsperiode zu einem befriedigerenden Zahlungsbilanzgleichgewicht und zu einem reformierten Währungssystem angebracht. Diese Auffassung wird meines Erachtens von den Regierungen praktisch aller
großen Länder geteilt.
Dies besagt aber nicht, daß damit Ausmaß oder Richtung der jüngsten
Wechselkursveränderungen für richtig befunden werden. Tatsächlich entsprechen, wie ich betont habe, die im Februar festgelegten Wechselkursparitäten meiner Ansicht nach wie auch nach Ansicht der meisten Regierungen
weit stärker den langfristigen Aussichten, und die täglichen Schwankungen
der Wechselkurse waren häufig weit größer, als mir lieb war. Unter den derzeitigen Gegebenheiten sind jedoch die praktisch möglichen Alternativen
zu den gegenwärtigen Vereinbarungen unbefriedigend. Ein Versuch, jetzt ein
starres System von Wechselkursen festzulegen, würde das Risiko einer Rückkehr zu massiven Kapitalflüssen, verstärkter Restriktionen und dazwischenliegender Schließung der Märkte heraufbeschwören - genau die Bedingungen,
die wir vermeiden wollen und vermieden haben.
.... Ich habe bereits gesagt, daß nach meiner Auffassung die im Februar
und März festgelegten Wechselkurse im großen ganzen den Anpassungserfordernissen entsprechen. In diesem Lichte gesehen scheint die weitere Aufwertung
der meisten europäischen Währungen in den letzten Wochen - die zwar vorübergehend die wettbewerbliche Anpassung verstärkt - viel zu weit gegangen zu
sein, und sie dürfte in ihr Gegenteil umschlagen. Der springende Punkt ist
jedoch, daß die Geschäftsleute, Händler und Finanziers nach einer Zeit der
Veränderungen und der Unsicherheit nunmehr fest davon überzeugt werden
müssen, daß das System der Wechselkurse den gegenwärtigen und den künftigen
wirtschaftlichen Gegebenheiten voll entspricht und nicht künstlich zustandegebracht worden ist. Meines Erachtens müssen wir das Verhalten des Marktes
selbst beoachten, das uns helfen wird, zu einer solchen Auffassung zu kommen, und sie auch bekräftigen dürfte.
Wir

-2-

�Wir haben während dieser Zeit eine staatliche Intervention nicht ausgeschlossen... In unseren Ausführungen vor dem Unterausschuß im September
letzten Jahres haben der Vorsitzende (des Federal Reserve Board) Burns und
ich die von der Regierung in Bezug auf eine staatliche Intervention ganz
allgemein verfolgte Politik dargelegt und zwar zu einer Zeit, bevor noch in
stärkerem Maße von einer Freigabe der Wechselkurse

Gebrauch gemacht worden

war. Ich habe dargelegt, daß wir nicht beabsichtigen, entgegen dem allgemeinen Trend in der Entwicklung der Zahlungsbilanz den Dollar künstlich zu
stützen. Wir waren uns darüber im klaren, daß die Stärke des Dollar letztlich
auf einer anderen, grundlegenden Politik zur Verbesserung unserer Zahlungsbilanz basieren muß.
Jede aktive Intervention von unserer Seite würde von uns selbst kontrolliert sein; sie würde zu einem Zeitpunkt und in einer Größenordnung - groß
oder klein - erfolgen, wie sie uns angesichts der Marktsituation angebracht
erscheint, und sie würde zu dem Zweck erfolgen, mit zur Bekämpfung der spekulativen Kräfte beizutragen, die zugegebenermaßen zu unnötiger Unruhe und
Belastung auf den Devisenmärkten führen können.
Meines Erachtens sollte diese grundlegende Politik unser Verhalten angesichts der neuen Situationen eines weitverbreiteten Floatens weiter bestimmen... Für den Augenblick wollen wir uns ein flexibles Instrument erhalten,
das wir im Interesse geordneter Marktverhältnisse und unter Berücksichtigung
der jeweiligen besonderen Gegebenheiten einsetzen können.
2.) Die verfügbaren Informationen sind zwar langfristig nicht überzeugend, lassen jedoch darauf schließen, daß die gegenwärtigen Übergangsvereinbarungen das Volumen des Handels und der langfristigen Investitionen weder in der einen noch in der anderen Richtung ernstlich beeinflußt haben.
Die massiven Flüsse kurzfristigen Kapitals, die Teil der Schwäche früherer
Vereinbarungen waren, sind eingedämmt worden, zum Teil durch Kontrollen,
aber auch durch Wechselkursvereinbarungen
3.)

�3.) Die derzeitigen Vereinbarungen sind kein Ersatz für eine vereinbarte langfristige Reform.
Die Fragen, um die es bei einer langfristigen Reform des internationalen
Währungssystems geht, sind weit umfassender als die Frage der Wechselkurspraktiken.
Die internationale Zusammenarbeit - die durch die Gepflogenheiten der
Vergangenheit, die Anerkennung der gemeinsamen Interessen sowie die gegenwärtigen engen Konsultationen gefördert wurde

- hat meines Erachtens die derzei-

tige Herausforderung bestanden. Langfristig wird diese Zusammenarbeit aber
nicht in einem Rahmen von ad hoc-Entscheidungen gedeihen können, sondern nur
in einem Rahmen vereinbarter Regeln, die klar abgefaßt sind und im gemeinsamen Interesse liegen. Derartige Bestimmungen haben wir zur Zeit nicht. Das
ist die grundlegende Aufgabe unserer Reformbemühungen.
Bei diesen Bemühungen ist bis jetzt noch keine Übereinstimmung hinsichtlich spezifischer Wechselkursbestimmungen erreicht worden. Meines Erachtens
ist es jedoch fair, zu sagen, die jüngsten Erfahrungen scheinen die Auffassung
zu unterstützen, daß eine wesentlich größere Flexibilität in der Handhabung
der Wechselkurse, als dies unter dem System von Bretton Woods der Fall war,
notwendig und wünschenswert sein wird. Gleichzeitig wird in weiten Kreisen die
Auffassung vertreten, daß die internationale Zusammenarbeit und die Überwachung
der Wechselkurspraktiken erleichtert wird, wenn die Konzeption fester Wechselkurse - von Paritäten oder Mittelwerten - beibehalten wird. Die Frage sollte nicht lauten:»Stabilität» oder 'Instabilität», sondern vielmehr: welches
ist das beste Mittel, um im Einklang mit den anderen Zielen und der internationalen Zusammenarbeit ein Höchstmaß an Stabilität auf dem Markt zu erreichen.
Meines Erachtens können wir und die anderen viel von den jüngsten Erfahrungen lernen. Ich bin nicht allzu glücklich über die meines Erachtens unnötige Abwertung des Dollar in den letzten Wochen oder über das Ausmaß einiger der tagtäglichen Schwankungen der Wechselkurse. Aber ich bin zufrieden,

-4.

�zufrieden, daß der Druck auf dem Devisenmarkt in einer Zeit großer Unsicherheit auf den Finanzmärkten neutralisiert und in einer Form abgelassen worden ist, die im Einklang mit unseren grundlegenden Zielen und Erfordernissen
wie auch denen der anderen Länder steht. Vor allem die Wirtschaftspolitik
im In-und Ausland hat durch die Notwendigkeit, daß wir uns mit massiven
Flüssen spekulativen Kapitals in einer krisenhaften Atmosphäre befassen
mußten, keinerlei Störungen erfahren. Die internationalen Geschäfte sind
nicht beeinträchtigt worden. Der grundlegende Prozeß einer internationalen
Anpassung ist im Gange.
Die jüngsten Erfahrungen weisen uns aber auch auf bestimmte grundlegende Faktoren hin. Keine internationale Währungsvereinbarung kann hohe Stabilität schaffen, wenn unsere nationalen Volkswirtschaften instabil und inflationsträchtig sind. Das internationale Vertrauen muß aus einer stetigen
Entwicklung im Inland erwachsen. Unsere monetären Techniken werden nur dann
wirksam und von Bestand sein, wenn sie das Ergebnis einer umfassenderen
internationalen Übereinstimmung und Zusammenarbeit sind.
Alles in allem sind die derzeitigen Vereinbarungen kein Zaubermittel
zur Lösung unserer Probleme oder das Ende des Weges zu einer Reform des internationalen WährungsSystems. Aber sie scheinen sich im Augenblick zu bewähren, und sie sind uns eine Lehre und geben uns Erfahrungen, die bei unseren Planungen für die Zukunft nicht übersehen werden dürfen.'1

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25/1973
BURNS: RÜCKGGANG DES DOLLAR-KURSES UNGERECHTFERTIGT
-AuszügeWASHINGTON — ( A D ) — Der Vorsitzende des Federal Reserve Board, Arthur Burns,
hat am 27. Juni vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses
zu den jüngsten Entwicklungen auf den Devisenmärkten Stellung genommen.
Die wesentlichen Teile der Erklärung von Burns haben folgenden Wortlaut:
"Einige Wirtschaftler werden vielleicht den jüngsten Rückgang des
internationalen Kurswertes des Dollar mit Genugtuung betrachten. Ich gehöre
nicht zu ihnen. Wenn der Wert einer Währung absinkt, so werden die Bemühungen eines Landes zur Eindämmung der Inflation immer schwieriger. Denn in
einem solchen Fall steigen die Preise für Importgüter, und dieser Preisanstieg überträgt sich sowohl auf einheimische Ersatzerzeugnisse als auch
auf solche Endprodukte, die auf importierten Rohstoffen basieren.
Inzwischen belebt sich der Export; und wenn gleichzeitig die Binnenmarktpreise direkten Kontrollen unterworfen werden, wie dies jetzt bei uns
der Fall ist, so können sich bei einheimischen Erzeugnissen störende Engpässe auf dem Markt entwickeln.
Im Gegensatz zu früheren Abwertungen, die zur Wiederherstellung des
Gleichgewichtes bei unseren internationalen Transaktionen erforderlich waren,
war der Rückgang des Dollarkurses im Mai und Juni bedauerlich. Er läßt
sich bestimmt nicht rechtfertigen, wenn man das internationale Preisniveau

-1-

�Preisniveau oder die grundlegenden wirtschaftlichen Entwicklungen realistisch
betrachtet.
Doch dies ist nicht alles. Sofern die übermäßig große Abwertung des
Dollar andauert, würde dies mit der Zeit zu einem unerwünscht großen Handelsüberschuß führen. Anders gesagt, wir würden dann alle transferierbaren
Hilfsquellen der übrigen Welt zu preislich günstigen Bedingungen zur Verfügung stellen, statt sie hier im Inland zu nutzen. Eine solche Entwicklung
wäre von unserem Standpunkt aus nicht nur sinnlos, sondern würde auch zu
Schwierigkeiten für die anderen Länder führen, von denen die meisten weit
mehr als die Vereinigten Staaten vom Außenhandel abhängig sind. Eine weitere
Überlegung, die wir berücksichtigen müssen, ist, daß die ständige Entwertung
unserer Währung mit der Zeit das Vertrauen in die Rolle des Dollar als Handelswährung untergraben würde. Damit würde aber die internationale Rolle
unseres hoch entwickelten Finanzsystems geschwächt werden.
Obwohl der Rückgang des internationalen Wertes des Dollar seit Mitte
Mai, was die Situation unserer Wirtschaft oder unserer Zahlungsbilanz anbetrifft, ungerechtfertigt ist, hat es bisher keinerlei Interventionen seitens
unserer Regierung auf den Devisenmärkten gegeben.
Diejenigen, die alle Dollar abstoßen - sei es, weil sie sichergehen
oder weil sie schnell Gewinne realisieren wollen - werden wahrscheinlich
durch die Entwicklungen auf dem Markt selbst bestraft werden. Die Zentralbanken der großen Länder werden auf jeden Fall nicht auf unbegrenzte Zeit
hinaus abseits stehen. Die Situation wird genau beobachtet.
Wie auf der Konferenz am 16. März in Paris vereinbart, stehen wir und
die Währungsbehörden der anderen Länder bereit, zu intervenieren, um die
Aufrechterhaltung geordneter Bedingungen auf den Devisenmärkten zu erleichtern. Unter den gegenwärtigen Umständen, da zahlreiche zwischen den Ländern
der Welt stehende Finanz-,Handels- und politische Fragen noch ungelöst sind,
müssen die gegenwärtigen Wechselkursvereinbarungen - die, wie ich hoffe,
nur geringe Interventionen der Zentralbanken erfordern werden - beibehalten

-2-

�beibehalten werden. Diese Vereinbarungen haben ihre Vorteile. Die Auswirkungen spekulativer Käufe und Verkäufe auf den Devisenmarkt spiegeln sich
in den Wechselkursschwankungen wider und setzen sich schließlich selbst eine
Grenze.

In den letzten Wochen waren wir in der Tat in der Lage, eine Krisen«,

atmosphäre zu vermeiden,

die sich entwickelt hätte, wenn die Währungsbehör-

den immer noch verpflichtet gewesen wären , bestimmte Wechselkurse durch unbegrenzte staatliche Interventionen zu stützen. Es ergab sich keine Notwendigkeit, den Markt zu schließen, um massive internationale Geldtransaktionen
zu verhindern. Ferner haben verschiedene Länder festgestellt, daß die gegenwärtigen Floating-Vereinbarungen es ihnen ermöglichen werden, die Ausweitung
des Geldumlaufes sowie die innere Verschuldung besser in den Griff zu bekommen. . .
,-,.

Ich möchte auf die Aussichten für die amerikanische Zahlungsbilanz

nur kurz eingehen, denn ich bin der Meinung, daß die Aussichten für unsere
Zahlungsbilanz sich aufgrund der Neufestsetzung der Wechselkurse 1970/71
und Anfang 1973 wesentlich verbessert haben.
Alles in allem ist der Dollar bis April dieses Jahres gegenüber den
anderen Ländern seit Mitte 1970 praktisch um rund 16 Prozent und gegenüber
einigen unserer stärksten Konkurrenten wie Japan und Deutschland um wesentlich mehr abgewertet worden. Dies ist eine große Anpassung, und sie hat die
internationale Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse wesentlich
verbessert.
Die Wechselkursänderungen der letzten Jahre beginnen bereits, sowohl
bei unseren Exporten als auch bei unseren Importen greifbare Ergebnisse zu
zeitigen. Bisher hat dieses Jahr eine merkliche Verbesserung der Handelsbilanz gebracht. Das Handelsdefizit in den Monaten März bis Mai - die letzten
drei Monate, für die Zahlen vorliegen - stellte sich auf eine Jahresrate
von 1,3 Milliarden Dollar gegenüber einer Jahresrate von 6,8 Milliarden
Dollar im Kalenderjahr 1972. Ein großer Teil dieser Verbesserung ist auf die
hohen Agrarexporte zurückzuführen, die wahrscheinlich nur vorübergehend

3-

�vorübergehend waren, so daß die wirkliche Verbesserung nicht so groß ist,
wie dies die Zahlen vermuten lassen. Wir sollten in den kommenden Monaten
auf einige vorübergehende Rückschläge gefaßt sein. Der Wert der nicht-landwirtschaftlichen Exporte war in den Monaten März bis Mai um 18 Prozent höher
als noch sechs Monate zuvor. Die neuen Auslandsaufträge für Maschinen im
ersten Quartal dieses Jahres lagen um 16 Prozent höher als im dritten Quartal
des letzten Jahres. Inzwischen scheint die Zunahme unserer Gesamtimporte
nachgelassen zu haben, auch wenn im Mai ein starker Importstoß zu verzeichnen
war - wahrscheinlich weitgehend aufgrund der jüngsten Preiserhöhungen für
importierte Lebensmittel und Rohstoffe.
Im Laufe dieses Jahres und 1974 können wir mit weiteren Verbesserungen
in unserer Außenhandelsbilanz rechnen, nicht nur aufgrund der kumulierenden
Wirkung unserer verbesserten Wettbewerbsposition, sondern auch, weil der
Wirtschaftszyklus sich zu unseren Gunsten verändern dürfte.
Die Zunahme der realen Gütererzeugung in den Vereinigten Staaten hat sich
auf eine gemäßigtere und stetigere Rate zurückzubilden begonnen, was die Ausweitung unseres Importes dämpfen dürfte. Auf der anderen Seite nimmt die
Wirtschaftstätigkeit in den anderen Ländern, die unseren Export am stärksten
beeinflußt, ständig weiter stark zu. Die Verbesserung unserer Handelsbilanz
in diesem Jahr dürfte daher wahrscheinlich 1974 und 1975 noch zunehmen, so
daß wir in diesen Jahren erstmalig seit Ende der sechziger Jahre wieder einen
beträchtlichen Handelsüberschuß erzielen werden.
Gleichzeitig mit der Verbesserung der Handelsbilanz kann sich auch eine
Verbesserung bei anderen internationalen Transaktionen ergeben - vor allem
beim Kapitalverkehr. Nachdem der Dollar heute so viel billiger als vor zwei
oder drei Jahren ist, könnten ausländische Investoren mehr daran interessiert
sein, Besitz in den Vereinigten Staaten zu erwerben - Unternehmen, Grundbesitz
oder Wertpapiere. Es gibt bereits zahlreiche Anzeichen für eine solche Zunahme des ausländischen Interesses. Auf der anderen Seite dürfte der höhere
Preis, den Amerikaner heute für Devisen zahlen müssen, den Anreiz verringern,

-4-

�verringern, Unternehmen im Ausland zu errichten oder ausländische Wertpapiere
zu erwerben.
Diese günstigen Aussichten für die amerikanische Handels-und Zahlungsbilanz setzen natürlich voraus, daß der inflationistische Druck im Inland
eingedämmt wird. Ich bin über die hohe Inflationsrate, die wir in den letzten
Monaten hatten, sehr beunruhigt.
Kein Wechselkurssystem oder internationales Währungssystem kann richtig
arbeiten, wenn die großen Industriestaaten, vor allem die Vereinigten Staaten, die Inflation nicht besser unter Kontrolle bringen, als dies bis jetzt
der Fall war."

++f

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25/1973

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES GEMEINSCHAFTSPROJEKT DER TIEFSEEFORSCHUNG

--(AD)-- Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Abkommens zur Zusammenarbeit in der Meeresforschung, das Präsident Nixon und der Generalsekretär der KPdSU, Leonid Breschnew, für die USA und die Sowjetunion im
Juni 1973 schlössen, hat die praktische Arbeit begonnen. Am 2. Juli 1973
lief das sowjetische Forschungsschiff AKADEMIK KURCHATOW in New York ein,

um Wissenschaftler der Columbia-Universität an Bord zu nehmen, die gemeinsam mit sowjetischen Kollegen Untersuchungen im Gebiet des MittelatlantikRückens und vor Island durchführen werden. Von Bord des sowjetischen
Schiffes aus wird Dr. Marcus G. Langseth, der vor allem durch neuartige
Meßmethoden für die Mondforschung im Rahmen des APOLLO-Programms bekannt
geworden ist, geothermische Messungen vornehmen, während Dr. John Ewing
seismische Experimente durchführt.
Die KURCHATOW-Expedition gilt in erster Linie der Vorbereitung künftiger gemeinsamer Sondierungen des Meeresuntergrundes mit Tiefbohrschiffen wie der GLOMAR CHALLENGER. Dieses amerikanische Forschungsschiff
hat seit 1968 bereits mehr als 30 Expeditionen durch die Weltmeere unternommen. Ähnlich wie das Columbia-Forschungsschiff VEMA lieferte es unschätzbar wertvolles wissenschaftliches Material zu Fragen der Veränderung
der Erdoberfläche, Z.B« der Kontinentalverschiebung, infolge dynamischer
Vorgänge in der Erdkruste,sowie zu Gesetzmäßigkeiten bezw. Lagebestimmungen für Rohstoffvorkommen.
Die

-i"

�Die Forschungsfahrten wurden unter der Leitung der US-Nationalstiftung für die Wissenschaft (National Science Foundation - NSF) bisher von
fünf amerikanischen Meeresforschungsinstituten und Universitäten geplant und
vorbereitet. Auch Wissenschaftler aus einer Reihe anderer Länder, u.a. der
Bundesrepublik, nahmen daran teil. Seit kurzem gehört auch das Sowjetische
Institut für Ozeanologie, in dessen Auftrag die KURCHATOW fährt, zu diesem
Gremium. Anläßlich des Empfangs der sowjetischen Wissenschaftler in New York
äußerte Dr. Mani Talwani, der Direktor des Geologischen Lamont-Doherty-Observatoriums der Columbia-Universität, die Hoffnung, daß sich künftig auch
einige europäische Institute beteiligen. Dann bestünde die Möglichkeit, das
Projekt "Tiefseebohrungen" über 1975 hinaus zu verlängern.
Man hofft, im Laufe der Zeit ca. 4 000 m tief in den Meeresuntergrund
vordringen zu können. (Die GLOMAR CHALLENGER vermag mit ihren gegenwärtigen
Ausrüstungen bis etwa 1 000 m Tiefe zu bohren, und zwar bei Wassertiefen
bis 6 000 m . ) . Damit ließen sich u.a. die Grenzen der Kontinentalsockel un'd
damit auch Ort und Ausdehnung der Sedimentbecken in den Meeren genauer ermittein, in denen Erdgas und Öl zu finden sind.
Mehr als bisher sollen bei den künftigen Studien mit Forschungsschiffen
auch Erdsatelliten in Anspruch genommen werden, die es ermöglichen, geographische Positionen auch auf offener See
zu bestimmen.

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25/1973

NEUES DIALYSEGERÄT FÜR DIE HEIMBEHANDLUNG
- Blutdruck ersetzt mechanische Pumpe -

--(AD)-- Ein kleines kompaktes Dialyse-Gerät, das eine Blutwäsche in
nur 70 Prozent der Zeit ermöglicht, die mit den herkömmlichen "künstlichen
Nieren" gebraucht wird, wurde an der Universität Chicago entwickelt. Auf
eine mechanische Pumpe für das Blut, das an halbdurchlässigen Membranen
zum Abfiltern der giftigen Stoffwechselprodukte vorbeigeführt wird, kann
dabei ganz verzichtet werden. Der Blutdruck des Patienten genügt, um den
Weitertransport durch die Maschine in Gang zu halten.
Dr. Edmund J. Lewis, der Direktor des Haemodialyse-Zentrums der Universität Chicago, leitete bereits mehr als 70 erfolgreiche klinische
Tests mit dem neuen Gerät, das Finlay Markley, ein Physiker vom Argonne
National Laboratory,entwickelt hat. Wie bei allen Dialyse-Geräten wird
auch hier Zellophan als Membran-Material benutzt, mit dessen Hilfe Abbauprodukte im Blut, Harnstoff und Kreatinin entfernt und in einer Spezialflüssigkeit auf der Rückseite der Membran, dem sogenannten Dialysat, gesammelt werden. Bei den Tests zeigte sich, daß mit dem neuen Gerät pro
Minute 146 ccm Blut von Harnstoff gereinigt werden, während die Leistung

-l-

�Leistung der menschlichen Niere bei 75 ccm liegt. Für Kreatinin beträgt der
Wert 117 ccm pro Minute; das sind drei Kubikzentimeter weniger als bei der
gesunden menschlichen Niere.
Obgleich die Gesamtoberfläche der Membran mit 1,2 qm um ca. 20 Prozent größer ist als die anderer "künstlichen Nieren", betragen die Ausmaße
des Geräts nur 5 x 5 x 30 cm. Die kompakte Bauweise wurde dadurch möglich,
daß Markley ein neues, wasserbeständiges Klebemittel für das Zellophan entwickelte. Die Membran ist dadurch in der Form von 60 harmonikaähnlich gefalteten Platten, die von einem Netz aus Polypropylen gehalten werden, zu
benutzen, während für das bisher übliche Röhren-Arrangement viel mehr Raum
benötigt wird. Das Gerät verbraucht nur 30 ccm statt der üblichen 100
bis 250 ccm Blut für den Betrieb. Die Membraneinheit wird nur einmal benutzt und dürfte bei Serienproduktion nur wenige Dollars kosten.

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25/1973
BIOLOGISCHES SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNGSMITTEL

--(AD)-- Die US-Behörde für Umweltschutz (EPA) hat Maßnahmen in die
Wege geleitet, die zum ersten Mal die kommerzielle Herstellung und die
Anwendung eines biologischen Schädlingsbekämpfungsmittels auf Virusbasis
ermöglichen. In fast fünfjährigen Labor-und Felduntersuchungen sowie
durch Prüfungen von Wissenschaftlern an staatlichen Instituten wurde
nachgewiesen, daß eventuelle Rückstände des Polyhedrose-Virus, das gegen
Samen-und Kapselschädlinge von Baumwollpflanzen eingesetzt werden soll,
für Mensch, Tier und nützliche Insekten unschädlich sind. Angesichts
dieser Ergebnisse wurde der Antrag der Firma International Minerals und
Chemical Corporation (IMC) in Libertyville (Illinois) befürwortet, das
von ihr hergestellte Viron/H von den Bestimmungen auszunehmen, die eine
Rückstands-Toleranzgrenze für Baumwollsamen fordern. Das Unternehmen muß
nunmehr das Präparat bei der EPA registrieren lassen, damit es zum Verkauf
an Baumwollfarmer zugelassen werden kann.
Viron/H ist der Handelsname für ein Virus, das der natürliche Feind
ausgerechnet der Insekten ist, die an Baumwoll-und Tabakpflanzungen
großen Schaden anrichten. Für die Anwendung als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel wird es in der Weise gewonnen, daß man in Verbindung mit
Insekten, die im Laboratorium gezüchtet wurden, Kulturen anlegt.
Bisher

�Bisher benutzte man chemische Präparate zur Bekämpfung der Baumwollkapselschädlinge, insbesondere DDT und Methylparathion. Seit dem 1. Januar
1973 ist jedoch die Anwendung von DDT weitgehend untersagt, auch für den
Schutz von Baumwollplantagen, weil die Rückstände nur sehr langsam abgebaut
werden und in alle nur erdenklichen anderen Produkte und Organismen Eingang
finden. Nach Ansicht von EPA-Wissenschaftlern könnte eine Anwendung des
neuen biologischen Präparates Viron/H auch zur Bekämpfung bestimmter Maisschädlinge in Erwägung gezogen werden. Jedoch sind dazu noch umfangreiche
Untersuchungen erforderlich.

-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Forschen und Einsparen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aufruf Präsident Nixons zur Verbesserung der Energiesituation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-Sowjetisches Protokoll über erweiterten Luftverkehr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon: Exportkontrollen werden nur kurz sein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rundfunkrede vom 30. Juni -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Sojabohnenexporte werden trotz Kontrollen alle bisherigen Rekorde brechen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Volcker fordert internationale Zusammenarbeit in Währungsfragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Erklärung des Staatssekretärs vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Burns: Rückgang des Dollar-Kurses ungerechtfertigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-Sowjetisches Gemeinschaftsprojekt der Tiefseeforschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Dialysegerät für die Heimbehandlung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel</text>
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11. J u l i 1973

26

Inhalt

DOKUMENTATION:
Rede des US-Außenministers auf der KSZE am 5. Juli
-Wortlaut-

INFORMATION:
Aktion "Rettet die Meere"
-UN-Konferenz in Genf bereitet neues Seerecht vor«
Von Barrett McGurn

WIRTSCHAFT:
US-Notenbank verfügt über beträchtliche Mittel zur Dollar-Stützung
Von Eugene Brake
US-Handelsminister unterstreicht Stärke der amerikanischen Wirtschaft
Eberle rechnet mit termingerechter Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Industrie und Umweltschutz
US.Wissenschafts-und Energiepolitik:
-Dr.Russell C. Drew übernimmt Leitung der neuen Abteilung in der Nationalen WissenschaftsstiftungMühlen im Golfstrom?
-Vorschlag amerikanischer Wissenschaftler zur Erschließung einer neuen
EnergiequelleImmunotherapie für schwere Lepra-Fälle

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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26/1973

REDE DES US-AUSSENMINISTERS AUF DER KSZE AM 5. JULI
- Wortlaut -

HELSINKI --(AD)— Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hielt
am 5. Juli auf der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Buropa
(KSZE) eine Rede, die folgenden Wortlaut hat:
"Ich möchte mich meinen Kollegen anschließen und den Dank der amerikanischen Regierung an die Regierung von Finnland für ihre vielfältigen
und wesentlichen Beiträge zum Ausdruck bringen, die das Zustandekommen
dieser Konferenz ermöglicht haben.
Diese Konferenz bietet den hier vertretenen Nationen eine historii

sehe Gelegenheit. Ob die Konferenz selbst jedoch historische Bedeutung
gewinnen wird, hängt davon ab, wie wir - die hier anwesenden Außenminister
und die 35 Regierungen, die wir vertreten - diese Gelegenheit nutzen.
Ich glaube sagen zu dürfen, daß die Konferenz bisher unseren Erwartungen entsprochen hat. Wir sind auf freundliche und konstruktive Weise zusammengekommen und haben mit der - wie wir es bezeichnen . allgemeinen Debatte begonnen - eine Debatte jedoch mit nur sehr wenig Meinungsverschiedenheiten. Ich bin der 21. Redner, und wenn ich nicht etwas verpaßt habe,
dann hat jeder meiner Vorredner überlegt und respektvoll von den Gesichtspunkten anderer gesprochen, ohne streitsüchtige Formulierungen zu gebrauchen. Vielleicht sollten wir das nicht als einen Erfolg an sich bezeichnen
- aber sicherlich dürfen wir es mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen.
Aber

�Aber über das von Anfang an herrschende freundliche Klima hinaus
haben wir schon zu Beginn eine Entscheidung von bedeutsamen Ausmaßen getroffen - sozusagen routinemäßig. Nach sorgfältiger Prüfung durch unsere Regierungen nahmen wir einstimmig die •Schlußempfehlungen der Konsultationen
von Helsinki1 an.
Diese stellen in der Tat ein bemerkenswertes Dokument dar. Hierbei
handelt es sich nicht lediglich um die Tagesordnung für eine Konferenz. Es
enthält eine lange Liste vereinbarter Grundsätze sowie ein detailliertes
und sorgfältig entworfenes Arbeitsprogramm, das dazu dienen soll, die friedliche Entwicklung in Europa in den kommenden

Jahren zu fördern.

Dieses Dokument stellt eine Verpflichtung dar,neue und zivilisierte
Wege im Umgang miteinander zu finden. Ich möchte den Punkt unterstreichen,
daß die Zusagen, die wir hier gemacht haben, feierliche Verpflichtungen bedeuten, umfassende und spezifische Maßnahmen zur Förderung unserer Beziehungen in diesem Gebiete zu entwickeln.
Ich glaube, Präsident Kekkonen hat das Wesentliche unserer Entscheidung getroffen, als er sagte: »Sicherheit gewinnt man nicht, indem man
Zäune errichtet - Sicherheit gewinnt man, indem man Pforten öffnet.'
Ein Viertel Jahrhundert lang ist die Spaltung das dominierende Merkmal
Europas gewesen. Wir alle sind uns darüber im klaren, daß diese Konferenz
nicht die Schranken bestätigen darf, die Europa noch immer spalten. Wir
haben uns vielmehr durch unsere Unterstützung der Schlußempfehlungen ausdrücklich verpflichtet, diese Schranken abzubauen. Wir haben erklärt, Koexistenz alleine genüge nicht. Ja das Dokument, auf das wir uns geeinigt
haben, verlangt konstruktive Änderungen auf breiter Front, damit wir im Laufe
der Zeit in viele wahrhaft kooperative und beiderseits nützliche und friedliche Beziehungen eintreten können.
Die entscheidende Herausforderung für diese Konferenz wird also sein,
ob wir das durchhalten können.
Wir

•2-

�Wir haben hier über den zeitlichen Rahmen für die Lösung dieser Aufgabe
gesprochen. Mir scheint, daß wir die Entscheidung darüber noch später treffen können. Wenn wir Erfolg haben - und ich bin überzeugt, daß wir erfolgreich sein können - dann wird die Festlegung des zeitlichen Ablaufs keine
Schwierigkeiten bereiten. Wenn wir keinen Erfolg haben, dann wird der zeitliche Ablauf ohnehin von geringer Bedeutung sein.
Zyniker haben erklärt, das Ziel einer internationalen Konferenz sei, sie
zum Abschluß zu bringen. Ich bin sicher, daß keine der hier vertretenen Nationen diese Auffassung hegt. Diese Konferenz sollte nach meiner Überzeugung
so rasch wie möglich vorankommen - jedoch ohne unziemliche Hast. Was wir
wollen, ist Fortschritt. Fortschritt resultiert aus praktischen Schritten.
Praktische Schritte sind nicht leicht - aber sie sind von entscheidender Bedeutung, da wir unsere Arbeit nicht einfach damit abschließen wollen, daß wir
bekannte Grundsätze wiederholen.
Wie schon einige meiner Vorredner festgestellt haben, kommt diese Konferenz zu einem günstigen Zeitpunkt. Viele der hier vertretenen Nationen haben in augerfälliger Weise dazu beigetragen, die Bedingungen zu schaffen, die
diese Konferenz ermöglicht haben.
Vor viereinhalb Jahren hat Präsident Nixon verbindlich erklärt, daß es
die Politik der Vereinigten Staaten sein werde, in allen Gebieten der Welt
von der Konfrontation zu Verhandlungen zu gelangen. Er hat prompt gehandelt,
um seine Politik zu verwirklichen, und als Ergebnis wird heute allgemein anerkannt, daß wir jetzt in einer viel friedlicheren Welt leben. Dieses neue
Klima des Friedens kommt der ganzen Menschheit zugute. Aber es bleibt noch
s

ehr viel mehr zu tun. Die weltweite Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden,

die diesen Saal erfüllt, kann durch die an dieser Konferenz teilnehmenden
Staaten wesentlich gestärkt werden. Wir vertreten die meisten Industriestaaten der Welt. Unsere Volkswirtschaften produzieren rund 75 Prozent der Güter
der Welt. Und auf uns alle entfallen insgesamt etwa 85 Prozent der militärischen Ausgaben der Welt. Es muß unser langfristiges Ziel sein, durch eine
gemeinsame Willenserklärung unsere riesigen Hilfsquellen zur Lösung der

�der gemeinsamen Probleme, vor denen wir stehen, wie auch für die Hilfe für
andere weniger vom Glück begünstigte Länder einzusetzen. Darüber hinaus
können wir jetzt unmittelbar zu einer verbesserten internationalen Atmosphäre beitragen, so daß ein Abbau der Rüstungen auf der Welt ganz gewiß im
Bereich des Möglichen liegt.
Wir alle wissen, und viele haben dies schon gesagt, daß die beiden Weltkriege in Europa begonnen haben. Wir alle haben aus diesen Konflikten gelernt. Die Vereinigten Staaten haben aus eigener Erfahrung gelernt, daß die
Sicherheit Europas untrennbar mit unserer eigenen Sicherheit verbunden ist.
Die Anwesenheit meiner Delegation hier unterstreicht diese grundlegende Tatsache - die Tatsache, wenn Sie so wollen, unseres Engagements in
Europa.
Die Amerikaner sind der Ansicht, daß wir während der letzten Generation
eine konstruktive und erfolgreiche Verpflichtung für Frieden und Stabilität in Europa übernommen haben. Und heute möchte ich hier namens meiner Regierung unterstreichen, daß wir fest entschlossen sind, sowohl diese Verpflichtung fortzusetzen als auch unsere Beziehungen zu allen hier vertretenen Staaten zu stärken.
Lassen Sie mich kurz auf einige der spezifischen Fragen eingehen, die
zu erörtern diese Konferenz vereinbart hat.
Nichts ist wichtiger als das Prinzip, daß die Länder sich jeder Anwendung oder Androhung von Gewalt enthalten. Dies ist der entscheidende Punkt
für jeden dauerhaften Frieden. Und wir haben dies als ein grundlegendes Prinzip für die Beziehungen zwischen den Ländern akzeptiert. Dies besagt natürlich, daß Grenzen nicht durch Gewalt oder Androhung von Gewalt verletzt
werden dürfen. Gleichzeitig schließt dies aber - und ich unterstreiche dies friedliche Änderungen von Grenzen nicht aus, wenn solche Änderungen sich
auf dem Willen der Bevölkerung begründen und im beiderseitigen Einvernehmen
der Staaten erfolgen. Ganz gewiß kann niemand rechtens etwas anderes be-

-4-

�behaupten, denn jede solche Behauptung wäre eine Verletzung der beiden zusammengehörenden Prinzipien: Souveränität und Recht auf Selbstbestimmung.
Ein weiteres Prinzip, das diese Konferenz bereits bekräftigt hat, ist
das Prinzip der weltweiten Achtung des Rechtes aller Länder auf Unabhängigkeit und auf eine eigenständige innenpolitische Entwicklung ohne jede ausländische Einmischung, ungeachtet seines politischen, wirtsehaftlichen oder
sozialen Systems. Wir haben praktisch erklärt, daß keinem Lande diese Rechte
aus irgendeinem Grunde verwehrt werden dürfen. Daher haben auch wir Außenminister dem Ausschuß das Mandat übertragen, daß 'er die Entschlossenheit der
Teilnehmerstaaten bekunden soll, diese Prinzipien zu respektieren und in allen ihren Aspekten gerecht und unvoreingenommen auf ihre gegenseitigen Beziehungen und ihre Zusammenarbeit anzuwenden, um sicherzustellen, daß alle Teil nehmerstaaten.in den Genuß der Vorteile gelangen, die sich aus der Anwendung
dieser Prinzipien durch alle ergeben.•
Dieser von uns getroffene Beschluß ist ganz eindeutig, und es ist von
äußerster Wichtigkeit, daß dieses Mandat in internationalen Fragen strikt eingehalten wird.
Ein weiteres wichtiges Mandat in diesem Dokument besagt, daß wir Wege
und Möglichkeiten prüfen sollten,wie zwischen den Ländern sich ergebende
Probleme frühzeitig auf einer friedlichen Basis gelöst werden können, um
einen späteren Konflikt zu vermeiden. Der Ausschuß könnte bedeutsame Ergebnisse auf diesem Gebiet erreichen, wenn er sorgfäLtig Pläne für frühzeitige
Konsultationen und eine mögliche Schlichtung ausarbeitet, um Konfrontationen
zu vermeiden.
Der Ausschuß ist ferner angewiesen worden, der Konzeption einer Verminderung der Spannungen auf militärischem Gebiet besondere Bedeutung beizumessen, wie dies in Paragraph 23 der Schlußempfehlungen festgelegt ist.

Daher

�Daher unterstützen wir:
1) die Vorausbenachrichtigung über größere militärische Manöver;
2) den Austausch von Beobachtern auf Einladung bei militärischen Manövern
zu allseits akzeptablen Bedingungen und
3) die Prüfung der Vorausbenachrichtigungen über größere militärische Bewegungen.

Wir haben diese Maßnahmen unterstützt, weil wir der Auffassung sind,
daß die Übermittlung solcher militärischen Informationen größeres Vertrauen
schaffen kann, so daß der Spielraum für Überraschungen wesentlich eingeengt
wird.
Ein grundlegender Aspekt unserer Verpflichtung ist in Teil III dargelegt. Ich meine damit den Abbau der Schranken für den freieren Fluß von Menschen, Informationen und Ideen zwischen den Teilnehmerstaaten. Dieser Aspekt
unserer Arbeit beruht auf der Bedeutung, die wir den Menschenrechten und
den grundlegenden Freiheiten beimessen. Es gibt nur wenige Worte, die so
voller Bedeutung sind - und von den Völkern überall so voller Ehrfurcht aufgenommen werden. Aber Teil III könnte zu einer traurigen Fußnote in den
künftigen Geschichtsbüchern werden, wenn der Ausschuß nicht konkrete Wege
zur Verwirklichung der in diesem Teil enthaltenen Konzeptionen findet, so
daß das tägliche Leben der Menschen positiv beeinflußt wird.
Ich denke hier zum Beispiel an Vorschläge für Vereinbarungen, die die
Wiederzusammenführung von Familien gestatten - an regelmäßigere Besuche
zwischen Angehörigen getrennter Familien; an neue Wege für einen Erfahrungsaustausch bei den auf verschiedenen praktischen und wissenschaftlichen Gebieten durchgeführten Programmen und an die Förderung engerer Beziehungen
zwischen unseren jungen Menschen - unsere Jugend sollte mehr über einander
und über die anderen Staaten und Systeme erfahren. Die künftige Entwicklung
unserer Beziehungen kann nur davon profitieren, wenn sie sich gegenseitig
versteht.
Wir

-6-

�Wir haben hier ferner vereinbart, Reisen aus persönlichen oder beruflichen Gründen zu erleichtern. In verschiedenen Ländern, wie zum Beispiel
dem unsrigen, steht es den Bürgern frei, ohne jede Beschränkung oder Einmischung überall in der Welt hinzureisen. Ich weiß natürlich, daß jedes
Land seine eigenen Bestimmungen hat. Aber dieses Mandat zielt in erster
Iinie darauf ab, die Staaten zu ermutigen, ja anzuspornen, ihre Reisebeschränkungen abzubauen und die menschlichen Kontakte zu fördern, die für
die Verständigung und die gegenseitige Achtung in der heutigen Welt so
wichtig sind.
Es wird ferner wichtig sein, unserer Vereinbarung spezifischen Inhalt
zu geben, die Weitergabe der von den verschiedenen Medien verbreiteten Informationen und den Zugang zu ihnen sowie die Bedingungen zu verbessern,
unter denen Journalisten ihren Beruf in unseren Ländern ausüben können.
Das Recht der Menschen, voll und ganz zu erfahren,was auf der Welt geschieht, gehört zu den grundlegenden Menschenrechten und ist ein Grunderfordernis für Verständigung und Wissen.
Wir haben ferner vereinbart, die Hindernisse für die Entwicklung des
Handels abzubauen, indem wir unter anderem spezifische Maßnahmen prüfen, um
geschäftliche Kontakte und den Austausch von Informationen über Handelsmöglichkeiten zu erleichtern.
Wir haben anerkannt, daß der Prozeß der Aussöhnung, unabhängig von
der Arbeit dieser Konferenz, auf einer breiteren Front voranschreiten muß.
In diesem Zusammenhang sollte darauf hingewiesen werden, daß die sich immer
stärker zusammenschließende Europäische Gemeinschaft hier einen besonderen
Beitrag zu leisten hat, während sie die Mitgliedsstaaten, deren Streitigkeiten in der Vergangenheit häufig Ursache eines Krieges in Europa waren,
zu einer wirtschaftlichen und politischen Union zusammenschweißt. Und durch
die Schaffung engerer Beziehungen zu den einzelnen osteuropäischen Ländern
bauen die Mitglieder der Gemeinschaft und andere Westeuropäische Länder die
Schranken ab, die Europa zu lange geteilt haben.
Die

-7-

�Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eng mit ihren Verbündeten in
der Atlantischen Allianz zusammenarbeiten, die nicht nur zur Sicherheit und
Unabhängigkeit ihrer Mitglieder beiträgt, sondern auch nach neuen Wegen zur
Verbesserung der Beziehungen in Europa sucht.
Mit den Ländern Osteuropas haben die Vereinigten Staaten eine neue Ära
verbesserter Beziehungen eingeleitet. Wir befassen uns mit jedem einzelnen
Land in Osteuropa gesondert - wir legen unsere Politik im Einklang mit der
spezifischen Politik und den spezifischen Maßnahmen jedes dieser Länder
fest, und wir rechnen mit umfassenderen und konstruktiveren Bindungen zu
allen Ländern dieses Raumes.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben einen wichtigen Beitrag zu einem sicheren und kooperativen Europa zu leisten. So wie die Konfrontation zwischen unseren beiden Ländern zur Spaltung des Nachkriegseuropas beigetragen hat, so hilft die Verbesserung unserer Beziehungen in
jüngster Zeit mit, Europa wieder zusammenzubringen. Gleichzeitig sind wir
uns aber auch darüber klar, daß die Frage der europäischen Sicherheit und
Zusammenarbeit von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion nicht allein
gelöst werden sollte und gelöst werden kann - und daß beide daher positiv
in dieser Konferenz mitarbeiten müssen.
Zum Abschluß ihres Treffens in Washington im letzten Monat haben Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew bekräftigt, daß »die Gewährleistung
eines dauerhaften Friedens in Europa ein überragendes Ziel ihrer Politik
ist*. Das von ihnen unterzeichnete Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges ist ein Meilenstein in den sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
und sollte sich ebenfalls positiv auf die europäische Sicherheit auswirken.
Und durch das Festlegen der Grundprinzipien für eine weitere Begrenzung der
strategischen Rüstungen sowie durch den Abschluß verschiedener anderer Abkommen über gemeinsame Programme haben die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten weiter zu dem Ziel beigetragen, das allen von uns auf dieser Konferenz gesetzt ist - der Stärkung der Stabilität und der Sicherheit in
Europa.
Die

�Die Vereinigten Staaten sind ferner erfreut über den Fortschritt, der i
den Gesprächen der verschiedenen Foren über die Begrenzung der Waffen und
Rüstungen gemacht wird. Wir sind besonders erfreut darüber, daß viele von
uns hier Übereinstimmung darüber erzielt haben, daß die Verhandlungen über
beiderseitige Reduzierung der Streitkräfte und Rüstungen sowie damit zusammenhängende Maßnahmen in Mitteleuropa am 30. Oktober beginnen werden. Diese
Gespräche werden in Wien zu der gleichen

Zeit stattfinden wie die zweite

Phase dieser Konferenz in Genf. Die Wiener Gespräche sollen unsere Bemühungen auf dieser Konferenz um eine Stärkung von Stabilität und Sicherheit in
Europa ergänzen.
Wenn jetzt die erste Phase der Konferenz zu Ende geht, dürfte es angebracht sein, kurz das zu umreißen, was, wie wir hoffen, während der zweiten
Phase erreicht werden kann.
Die Konferenz sollte:

1) Die vereinbarten allgemeinen Prinzipien so präzise ausarbeiten, daß
sie direkt und ganz speziell die Probleme der an der Konferenz teilnehmenden
Staaten ansprechen;
2) Übereinstimmung über spezifische militärische Fragen, unter anderem
über den Austausch bestimmter wichtiger militärischer Informationen und über
einen geeigneten Austausch von Beobachtern, erreichen, um so das Vertrauen
zu stärken und den Argwohn zu zerstreuen.
3) Verfahren für eine frühzeitige und friedliche Beilegung von Streitfällen, die möglicherweise zu einer Konfrontation zwischen irgendwelchen
Teilnehmerstaaten führen könnten, ausarbeiten;
4) Vorschläge zum Abbau der Schranken für eine Ausweitung des Handels
und für eine Verstärkung des Handelsaustausches, der industriellen Zusammenarbeit sowie der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Wissenschaft und Technologie vorlegen; und

1)

�»

l
5) was von überragender Wichtigkeit ist, spezifische und bedeutsame
Maßnahmen ausarbeiten, um menschliche Kontakte, die freiere Verbreitung von
Informationen und die Erweiterung der Zusammenarbeit auf den Gebieten der
Kultur und des Bildungswesens zu erleichtern.
In der zweiten Pbase müssen wir die Ergebnisse unserer Arbeit in dynamische Programme umsetzen, die den von uns angestrebten Beziehungen spezifische Bedeutung verleihen, und die Vereinigten Staaten werden hierzu konkrete Vorschläge unterbreiten. Schließlich müssen wir uns während des ganzen
Prozesses in allen unseren Schritten an den Geist der Aussöhnung halten.
Denn dies ist der Geist, der all unsere Hoffnung auf eine neue Ära des Friedens in Europa und überall auf der Welt hat aufkommen lassen.
Unser Ziel sollte ein Kontinent sein, auf dem sich kein Land bedroht
fühlt; ein Kontinent, der für den freien Fluß von Menschen und Ideen offen
ist; und ein Kontinent, der durch seine politische und kulturelle Vielfalt
bereichert und nicht gespalten wird. Ein solches Europa läßt sich nicht da-

"

durch schaffen, daß man es lediglich herbeisehnt. Nur die Zeit wird zeigen,
ob wir etwas erreicht haben oder nicht. Aber etwas ist sicher: wir müssen

&gt;

in den kommenden Tagen mit großem Fleiß und großer Sorgfalt vorgehen und unser
Ziel in den kommenden Jahren geduldig, verständnisvoll und entschlossen verfolgen. Wenn in einem solchen Geiste Übereinstimmung zwischen uns besteht,
dann können wir stolz auf die wenigen Tage sein, die wir in dieser gastfreundlichen Stadt Helsinki verbracht haben."

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26/1973

AKTION "RETTET DIE MEERE"
UN-Konferenz in Genf bereitet neues Seerecht vor
Von Barrett McGurn

--(AD)- - Die vernünftige Erschließung und Nutzung der Weltmeere ist das
Thema der diplomatischen Gespräche, die Ende vergangener Woche in Genf begannen. Nur wenige internationale Konferenzen müssen sich mit einer so komplizierten Materie befassen und haben gleichzeitig so weitreichende Auswirkungen auf die friedlichen Beziehungen aller Länder untereinander. Der
Meeresbodenausschuß der Vereinten Nationen, in dem 90 Länder vertreten sind,
trifft derzeit weitere Vorbereitungen für die große Internationale Seerechtskonferenz, die im April und Mai 1974 in Santiago de Chile abgehalten
wird.
Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Frage, ob die Weltmeere,
die ja zwei Drittel der Erdoberfläche bedecken, rationell und von allen
Ländern gleichberechtigt genutzt werden, oder aber ob sie zu einem Tummelplatz unkontrollierten Ausbeutens werden, wo Ansprüche einzelner miteinander kollidieren. Sollte letzteres sich durchsetzen, ist es völlig klar, daß
alle Länder, reiche wie arme, Verlierer sein werden.
Die

-1-

�Die Gespräche von Genf sind das vorläufig jüngste Glied in einer ganzen
Kette von Konferenzen, von denen einige formell und auf diplomatischer Ebene
wie jetzt, andere informell und auf wissenschaftlicher Ebene durchgeführt
wurden. Für die letztgenannte Kategorie mag das "Seerechtsseminar" ein Beispiel sein, das während der letzten zwei Juniwochen 1973 von der Universität Rhode Island abgehalten wurde. Fachleute aus 40 Ländern, unter anderem
der Volksrepublik China und der Sowjetunion, nahmen daran teil.

Veraltetes Se3recht

i

Kernpunkt aller Schwierigkeiten ist die Tatsache, daß das Seerecht, so
wie es heute besteht, weder dem technischen Fortschritt noch den vielfältigen Bedürfnissen der Nationen gerecht wird. Beispielsweise erhielt durch
die Sonar-Technik die Fischerei ein ungemein wirksames Hilfsmittel an die
Hand, um Fischschwärme aufzuspüren und die Fangquoten zu erhöhen. Neue Bohrverfahren ermöglichen es, Öl in großer Entfernung von der Küste aus dem Meeresboden zu fördern. Verbesserungen der Bergbautechnik werden es bald zulassen, vom Boden der Tiefsee wertvolle Mineralien zu bergen. Das alles macht
vertragliche Regelungen darüber, wie die zweifellos enormen Reichtümer an
Nahrung und Rohstoffen in den Meeren aufgeteilt werden sollen, zu einer vordringlichen Angelegenheit.

Wenn es nicht zu einer allgemeinen Verständigung kommt, könnte sich
ein verheerender Wettlauf um Besitz an den Meeren entwickeln. Anstelle der
traditionellen Drei-Meilen-Zone in nationalen Hoheitsrechten wird bereits
von vielen Ländern die Zwölf-Meilen-Zone beansprucht. Manche Länder in Lateinamerika und Afrika wollen sogar einen Bereich der Landeshoheit unterstellen, der 200 Seemeilen oder gar noch weiter ins Meer hinausreicht.

Solche

�Solche Eigenmächtigkeiten müssen zu anarchischen Zuständen führen und
alle Bemühungen unterbinden, die Rohstoffe der Meere zum Vorteil aller zu
nutzen und der Verschmutzung der Meere entgegenzuwirken. Von nicht geringerer Bedeutung wäre die Gefährdung der traditionellen "Freiheiten der Meere"
wie unbehinderte Schiffahrt, Handel und Nachrichtenwesen. In der extremsten
Form, dem Bestehen auf der 200-Meilen-Zone, würde dies bedeuten, daß^ ein
Drittel Meeresraum von den Anliegerstaaten, d.h.den Küstenländern , gesperrt
werden könnte.
Verständigung über die maximale Hoheitszone ist deshalb auch einer der
Hauptpunkte auf der im November und Dezember dieses Jahres von den Vereinten
Nationen in New York veranstalteten Konferenz und auf der Seerechtskonferenz von Santiago. Die Vereinigten Staaten sind bereit, von der Drei-MeilenZone zur Zwolf-Meilen-Zone überzugehen, aber unter einer Bedingung: In diesem Fall muß es allen Hochseeschiffen und Flugzeugen gestattet werden, internationale Schiffahrtsstraßen und Meerengen ungehindert zu passieren. Es
gibt 116 solcher internationalen Straßen,von 10 bis 70 km Breite (auch Gibraltar, Dover und Singapur gehören dazu). Vor allem Entwicklungsländer mit Zugang zum Meer dürften auf zusätzlichen Seerechten in bezug auf Fischerei und
Rohstoffgewinnung bestehen, wenn es zu einer Einigung über die Zwölf-MeilenZone kommt. Die Konferenzteilnehmer von Genf und Santiago werden deshalb eine
Flut von Vorschlägen zu begutachten haben. Einer davon befürwortet die Schaffung einer neuen internationalen Behörde, die den marinen Bergbau in Bereichen jenseits der SchelfZonen am Kontinentalabfall überwacht. Wie allgemein
bekannt, gibt es dort große Mengen von Nickel, Kupfer, Kobalt und anderen Metallen. Die Internationale Ozeanbehörde könnte bestimmte Abschnitte der Hochsee für Zwecke der Exploration und Ausbeutung verpachten. Die Vereinigten
Staaten haben bereits vorgeschlagen, die daraus resultierenden Einkünfte,
die sich jährlich auf Millionen von Dollar belaufen dürften, für internationale Aufgaben, insbesondere für solche Projekte zu verwenden, die den Entwicklungsländern weiterhelfen.
Eine

-3

�Eine weitere Frage ist die des Anrechts auf Meeresgebiete zwischen der
Zwölf-Meilen-Zone oder anderen Hoheitsgrenzen und dem Ende bezw. Übergang
des Kontinentalabfalls zur Tiefsee. Bekanntlich ist gerade der Kontinentalabfall reich an Öl. Manche Experten sind der Meinung, daß dort nicht weniger Öl zu finden sei als auf dem Festland. Wie vor der Küste von Texas oder
des Iran zu beobachten ist, rücken die Bohrtürme immer weiter ins Meer
hinaus. In Genf und in Santiago wird man sich darum bemühen, über die Anrechte an der Schelf2one und den Zuständigkeiten der Küstenanliegerstaaten
einerseits und der neuen Ozeanbehörde andererseits eine Einigung zu erzielen.

Die UN-Vo11Versammlung hat sich den Grundsatz zu eigen gemacht, daß das
Meer jenseits der Hoheitsgrenzen allen gehört und somit jede Vereinbarung,
die getroffen wird, auch die Rechte der Binnenstaaten zu beachten habe. Entweder haben diese Länder, wie Bolivien oder Afghanistan, keinen eigenen Zugang zum Meer, oder ihre Hoheitsgewässer erstrecken sich, wie im Fall der
Niederlande oder von Singapur, nur auf Flachmeer.

Die Liste der Streitfragen ist lang. Auch das Problem fällt darunter,
wie die Durchführung weitreichender Forschungsprojekte und die Teilhabe an
wissenschaftlichen Ergebnissen garantiert und wie die Meere gegen ökologische Schäden und (Tberfischen geschützt werden können.

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26/1973

US-NOTENBANK VERFÜGT ÜBER BETRÄCHTLICHE MITTEL ZUR DOLLAR-STÜTZUNG
Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)«- Während amerikanische Regierungskreise nach wie vor
jede Stellungnahme zu etwa möglichen Interventionen auf den Devisenmärkten
ablehnen, hat der Federal Reserve Board - die amerikanische Notenbank - am
10. Juli bekanntgegeben, daß sich die ihr für eine etwaige Stützung des
Dollar-Kurses verfügbaren Mittel beträchtlich erhöht haben.
Die auf der Sitzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
(BIZ) am Wochenende in Basel getroffenen Vereinbarungen sehen eine Aufstockung der für eine mögliche Dollar-Stützung vorgesehenen Swap-Kredite
um 6 250 Millionen Dollar auf 17 980 Millionen Dollar vor. Darüber hinaus
könnten die USA aber auch Geld beim Internationalen Währungsfonds ausleihen
oder eigene Reserveguthaben wie Geld und IWF^Sonderziehungsrechte zur
Stützung des Dollar-Kurses einsetzen, falls eine solche Maßnahme erforderlich werden sollte. Im Rahmen der Swap-Vereinbarungen könnten aber auch die
ausländischen Notenbanken, falls notwendig, Dollar bis zu einem Betrage von
17 980 Dollar für etwaige Interventionen aufnehmen.
In den letzten Tagen ist von amtlichen amerikanischen Stellen weder
eine offizielle Intervention auf den Devisenmärkten ausgeschlossen worden,
noch ist angedeutet worden, daß Washington etwa zu intervenieren beabsichti-

�beabsichtige. Sprecher des US-Finanzministeriums wie auch des Federal Reserve Board erklärten lediglich, daß die auf der Tagung der Finanzminister
am 16. März niedergelegten Prinzipien weiterhin Gültigkeit hätten, Damals
hatten die Finanzminister festgestellt, daß offizielle Interventionen auf
den Devisenmärkten zu gegebener Zeit nützlich sein könnten, und jedes Land
hatte erklärt, daß es auf eigene Initiative zu Interventionen bereit sein
werde, falls dies notwendig und erwünscht sein sollte, und daß es dabei
flexibel entsprechend der Marktsituation und in enger Konsultation mit den
Währungsbehörden des Landes vorgehen werde, dessen Währung

angekauft

oder verkauft werden sollte.
Diese gleichen Prinzipien sind jetzt erneut in dem zum Abschluß der
BIZ-Tagung herausgegebenen Kommunique1 bekräftigt worden. In dem Kommunique1
haben die Notenbankpräsidenten ferner ausdrücklich festgestellt, daß die erforderlichen technischen Mittel zur Verwirklichung der am 16= März festgelegten Prinzipien zur Verfügung stehen.
Nach dem Stande vom 9. März dieses Jahres ~ also vor der jüngsten Auf=
Stockung der Swap-Kredite - standen den USA im Rahmen der bestehenden Swap-*
Vereinbarungen folgende Beträge - in Millionen Dollar umgerechnet - zur Verfügung:
Österreich

200

Belgien

600

Kanada

1 000

Dänemark

200

Großbritannien

2 000

Frankreich

1 000

Bundesrepublik Deutschland

1 000

Italien

1 250

Japan

1 000

Mexiko

130

Holland

300

Norwegen

200
Schweden
-2-

�Schweden

250

Schweiz

1 000

BIZ in Schweizer Franken

600

sonstige europäische Währungen

1 000

Gesamtbetrag am 9. März

11 730

Aufstockung am 10. Juli

6 250

Gesamtbetrag ab 10( Juli

17 980

Nach den neuesten Berichten des US-Finanzministeriums und des Federal
Reserve Board haben die Vereinigten Staaten in der Zeit vom September 1972
bis zum 9. März 1973 lediglich Ende Januar und Anfang Februar, also kurz
vor der zweiten Dollar-Abwertung, mit geringen Beträgen auf den Devisenmärkten interveniert. So wurden für 318,6 Millionen Dollar Deutsche Mark
und außerdem für 20,4 Millionen Dollar Holländische Gulden verkauft..

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26/1973

US-HANDELSMINISTER UNTERSTREICHT STÄRKE DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT
NEW YORK --(AD)-- Die grundlegende Stärke der US-Wirtschaft hat der amerikanische Handelsminister Frederick B. Dent erneut unterstrichen. Auf
einer Pressekonferenz betonte Dent am 9. Juli in New York, daß die amerikanische Wirtschaft ständig weiter expandiere und sich selten zuvor in
einer besseren Verfassung befunden habe. Der Minister verwies in diesem
Zusammenhang auf die hohe Rate der Kapitalinvestitionen in der Industrie,
die ständig zunehmenden Ausstoßzahlen, den jetzt erreichten Rekord-Beschäftigtenstand sowie die rückläufige Arbeitslosenquote, die im Juni
den niedrigsten Stand seit Jahren zu verzeichnen hatte, und erklärte, daß
zahlreiche andere Länder eine weit höhere Inflationsrate als die USA aufwiesen.
Der Kursrückgang des US-Dollar auf den ausländischen Devisenmärkten
läßt sich nach Ansicht Dents nicht mit der derzeitigen Verfassung der amerikanischen Wirtschaft begründen, die völlig gesund sei. Hier handele es
sich, wie Dent betonte, vielmehr um psychologische Trugschlüsse. Der
Dollar sei seinerzeit abgewertet worden, um die Wettbewerbsposition der
USA auf den Weltmärkten zu stärken, und dies sei durch die Abwertung erreicht worden. Die US-Exporte in den ersten Monaten dieses Jahres hätten
das Ergebnis des Vergleichszeitraumes 1972 weit übertroffen, und die Handelsaussichten für den Rest des Jahres seien noch besser.
Trotz

-1-

�Trotz des Kursrückganges des US-Dollar, so betonte Dent, setze das Ausland ganz erhebliches Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft. Ausländische Geschäftsleute seien heute weit eher als früher zu Investitionen in den
USA geneigt. Die Beteiligungen ausländischer Firmen an amerikanischen Unternehmen stiegen ständig an, und vielfach würden ganze Produktionsanlagen von
ausländischen Unternehmen gekauft.
Dent verwies weiter auf die von der US-Regierung unternommenen Maßnahmen zur Steigerung der Agrarerzeugung. So seien, wie der Minister betonte,
1973 über 16 Millionen Hektar Land neu in die Bestellung genommen worden,
und die diesjährige Ernte werde bei Anhalten der günstigen Witterung eine
ausreichende Versorgung der amerikanischen Bevölkerung sowie die Bereitstellung beträchtlicher Mengen von Agrarerzeugnissen für den Export gewährleisten. Auf diese Weise werde die Regierung in die Lage versetzt, dem Preisauftrieb bei Lebensmitteln zu begegnen.
Dent unterstrich die Notwendigkeit einer ständigen Ausweitung des Exportes und forderte die Unternehmen auf, sich nicht nur um den amerikanischen
Markt, sondern auch um die Auslandsmärkte verstärkt zu bemühen. Auf die Frage, ob die Regierung weitere Exportbeschränkungen wie bei Sojabohnen und
Baumwollsaaten im Sinne habe, meinte Dent lediglich, daß die Situation bei
Mais und auf dem Getreidesektor ganz allgemein beobachtet werde.

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EBERLE RECHNET MIT TERMINGERECHTER VERABSCHIEDUNG DES NEUEN
HANDELSGESETZES

WASHINGTON — ( A D ) — Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsfragen, Botschafter William D. Eberle, rechnet damit, daß das amerikanische
Repräsentantenhaus das neue Handelsgesetz noch vor der am 3. August beginnenden Sitzungspause des Kongresses verabschieden wird. Damit, so betonte
der Botschafter am 2. Juli in einem Interview, sei die Möglichkeit gegeben,
daß der Kongreß seine Beratungen über das Gesetz noch vor Ende des Jahres
abschließen und die endgültige Vorlage dem Präsidenten zur Unterschrift
vorlegen könne, so daß der ursprüngliche Zeitplan der Regierung eingehalten
werde.
Eberle zeigte sich hinsichtlich der Beratungen über das Gesetz optimistisch und meinte, wenn auch verschiedene Änderungen noch vorgenommen würden, so dürfte die Regierungsvorlage doch in ihren wesentlichen Punkten
erhalten bleiben. Selbst wenn das Repräsentantenhaus vor der Sitzungspause
die Vorlage nicht mehr verabschieden sollte, so werde dies die für den
10. September nach Tokio einberufene GATT-Ministertagung nicht davon abhalten, eine neue umfassende Runde von Handelsverhandlungen einzuleiten. Aller«
dings sei es sehr zu wünschen, wenn auch nicht absolut notwendig, daß zu
Beginn der Tagung in Tokio bereits die erforderlichen Vollmachten vorliegen,

-1-

�vorliegen, damit die amerikanische Delegation dort nicht Verfahren zustimme,
die dann mit dem Gesetz nicht zu vereinbaren seien. Kernpunkt des neuen Handelsgesetzes sei die Ermächtigung, daß die Regierung an Verhandlungen über
Zollsenkungen teilnehmen und bei den nicht-tarifären Handelsschranken ad
referendum-Abkommen abschließen kann, die lediglich einer nachträglichen
Billigung durch den Kongreß bedürfen. Der US-Kongreß, so sagte Eberle, sei
sich darüber klar, daß wirklich bedeutsame Verhandlungen sich auch mit
den nicht-tarifären Handelsschranken befassen müssen. Seines Erachtens werde der Kongreß eine ähnliche Formel wie die der Nixon-Administration billigen, die ihm bei allen in den Verhandlungen erreichten Abkommen über nichttarifäre Handelsschranken ein Veto-Recht innerhalb von 90 Tagen einräumt.
Nach Ansicht Eberles werden die Aussichten auf schnelle Verabschiedung
des neuen Handelsgesetzes durch den Kongreß wesentlich durch das Ergebnis
der gegenwärtigen Verhandlungen mit der Europäischen Gemeinschaft über die
Auswirkungen der Erweiterung der EG auf den Welthandel beeinflußt werden. Er
sei, was die bisherige Haltung der Vertreter der EG anbetreffe, sowohl enttäuscht wie auch optimistisch. Bisher, so betonte Eberle, habe die EG der
amerikanischen Auffassung noch nicht öffentlich zugestimmt, daß sie den
Vereinigten Staaten für die durch die Erweiterung der Gemeinschaft entstandenen Handelsnachteile Kompensationen schulde. Sie bezeichne es vielmehr,
zumindest in ihren öffentlichen Erklärungen, als ihre Aufgabe, darzulegen,
wie durch einzelne Zollerhöhungen und Zollsenkungen das gegenwärtige Gleichgewicht beibehalten werde. Diese Auffassung könne von den USA so nicht akzeptiert werden, zumal zu viele Faktoren zu berücksichtigen seien. Trotzdem,
so betonte Eberle, sei er optimistisch, denn die Verhandlungen dauerten an
und die Unterhändler der EG begännen seines Erachtens zu begreifen, daß
die amerikanischen Besorgnisse berechtigt seien. Gleichzeitig gab der Botschafter der Hoffnung Ausdruck, daß der EG-Ministerrat auf seinen
Sitzungen im Juli seine Verhandlungsdelegation in Genf ermächtigen werde,
geeignete Konzessionen zu machen. Damit würden sich dann auch die Aussichten
auf eine schnelle Verabschiedung des neuen US-Handelsgesetzes verbessern,
da sonst die protektionistischen Kräfte Auftrieb erhalten würden.
Eberle

�Eberle betonte weiter, daß die amerikanischen Kontrollen für den Export von Sojabohnen und Baumwollsaaten die Notwendigkeit von Verhandlungen
über den Agrarhandel noch unterstrichen. Die Pflichten der Käufer und der
Verkäufer von Agrarerzeugnissen müßten auf internationaler Ebene klargestellt
werden, und hierzu böten gerade die bevorstehenden Handelsverhandlungen eine
günstige Möglichkeit. Eberle bezeichnete die amerikanischen Kontrollen als
Teil der Bemühungen um eine Eindämmung der weltweiten Inflation und wies darauf hin, daß die Verknappung bei einzelnen Erzeugnissen die USA gezwungen
habe, vorübergehende Kontrollen einzuführen. Diese Kontrollen seien in jedem
Fall nur vorübergehender Natur und würden lediglich so lange beibehalten werden, bis die neue Ernte auf den Markt komme. Diese jüngsten Entwicklungen
zeigten jedoch, daß der amerikanische Standpunkt richtig sei, nämlich daß
die Landwirtschaft ein wichtiger Bestandteil der kommenden Verhandlungen
sein müsse und daß Wege gefunden werden müßten, um den internationalen Handel
mit Agrarerzeugnissen auszuweiten.

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INDUSTRIE UND UMWELTSCHUTZ

--(AD)-- In Zusammenarbeit mit der "National Audubon Society", die sich
dem Naturschutz in allen seinen Aspekten verschrieben hat, wird in der
Umgebung von Detroit (Michigan) ein Komplex von drei Großkraftwerken gestaltet werden. Die Edison Company, eines der größten Elektrizitätsunternehmen der Vereinigten Staaten, errichtet in ca. 15 km Abstand vom HuronSee zwei neue Atomkraftwerke mit je 1 100 Megawatt und ein Heizölkraftwerk
mit 800 Megawatt Kapazität. Die Anlage, die den Namen "Greenwood Energy
Center" bekommt, soll bis 1981 auch als Erholungspark fertiggestellt sein.
Die Edison Company plant, ein völlig geschlossenes Kühlsystem zu
schaffen, das eine thermische "Verschmutzung" des Huron-Sees ausschließt.
Zu diesem Zweck wird ein umfangreiches Kanalnetz in Verbindung mit zwei
künstlichen Seen angelegt, um an Stelle der sonst üblichen Kühltürme, die
außerdem die Landschaft verschandeln, die Abwärme zu beseitigen. Anstatt
der für Kühltürme erforderlichen Wassermenge von 3 800 Tonnen pro Minute
werden nur 34 Tonnen pro Minute vom Huron-See erforderlich sein. Fußwege
um die künstlichen Seen, durch Marschland, Wiesen und Wald werden auf
einem insgesamt fast 100 Hektar großen Gelände angelegt, von wo aus die Besucher Gelegenheit haben, Wild und Wasservögel zu beobachten.

Die Edison

Company wird außerdem eine Forschungsstation einrichten, in der sich Wissenschaftler mit den Auswirkungen der Kraftwerke auf die Pflanzenwelt
befassen.
Die

-2-

�Die U.S.-Atomenergiekommission läßt diesen Aspekt der Atomtechnik besonders gründlich beobachten. Wie sie Ende 1973 bekanntgab, sind die
neuesten Erkenntnisse über die Toxizität von chemischen Verbindungen, die
beim Betrieb von Atomkraftwerken entstehen, für Flora und Fauna im Wasser
in dem Bericht "Toxicity of Power Plant Chemicals to Aquatic Life" zusammengefaßt. Der Bericht ist unter der Kennnummer WASH-1249 beim "Superintendent
of Documents" (U.S.Government Printing Office, Washington, D.C. 20502) zu
beziehen.

Abwasserreinigung
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Wissenschaftler des Ozeanographischen Instituts von Woods Hole
(Massachusetts) arbeiten an einem Reinigungsverfahren für städtische Abwässer, das gleichzeitig die Produktion von Muscheln, Garnelen und anderen
Meerestieren im Stil einer Meeresfarm ermöglicht. Zur Reinigung des Wassers
wird Phytoplankton, d.h. winzige pflanzliche Algen, benutzt, das seinerseits
dem Meerestier

zur Nahrung dient.

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US-WISSENSCHAFTS-UND ENERGIEPOLITIK:
-Dr.Russell C. Drew übernimmt Leitung der neuen Abteilung in der
Nationalen Wissenschaftsstiftung-

--(AD)»- Die Einrichtung einer Abteilung für Wissenschafts-u.Technologie-Politik (Science and Technology Policy Office - STPO) innerhalb der Nationalen
Wissenschaftsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten wurde von Dr. H.Guyford
Stever bekanntgegeben. Gleichzeitig ernannte Dr. Stever, der Direktor der
NSF, Dr. Russell C. Drew zum Leiter der neugeschaffenen Abteilung, die
die Aufgaben des ehemaligen Präsidialamtes für Wissenschaft und Technik
übernimmt.
Dr. Drew, von Hause aus Physiker, war bereits von 1966 bis 1972 als
Beauftragter für Technik im Amt des Wissenschaftsberaters des US-Präsidenten tätig. In dieser Eigenschaft organisierte und leitete er eine Anzahl
von Gremien, die sich mit den verschiedensten Spezialthemen befaßten- von
der Überwachung des Luftverkehrs, Raumfahrtwissenschaft und -Technik über
biomedizinische Forschung und Entwicklung auf dem Raumfahrtsektor bis zur
Fernmeldetechnik. Für die Entwicklung von internationalen Projekten, insbesondere solchender Zusammenarbeit im Weltraum, arbeitete er außerdem eng
mit den zuständigen Stellen des Außenministeriums und des Nationalen Sicherheitsrates zusammen.
Das

-1-

�I

l
Das neue Aufgabengebiet von Dr. Drew als Direktor der Abteilung
Wissenschafts-und Technologiepolitik, der ein Stab von Spezialisten verschiedener Fachgebiete zugeordnet ist, umfaßt u.a.:
- Beratung, Konsultation und Empfehlungen zu Fragen nationaler Politik auf dem zivilen Sektor von Wissenschaft und Technik;
- Entwicklung technischer Alternativen bei der Lösung nationaler
Probleme auf dem zivilen Sektor;
- Bewertung der allgemeinen Effektivität laufender nationaler Forschungs-und Entwicklungsprojekte, einschließlich solcher der Bundesregierung, und Empfehlung der einzuschlagenden Politik

und Programme, mit denen

nationale Ziele durch zivile Projekte von Wissenschaft und Technologie er«
reicht werden können;
- Funktion als zentrale Stelle für die Koordinierung von Bundesforschungs-und Entwicklungsprogrammen (die Abteilung STPO stellt u.a. dem Bundesbeirat für Wissenschaft und Technik - FCST - Spezialisten zur Verfügung);
- Zusammenarbeit, mit Wissenschaftlergruppen an Universitäten und in
der Industrie bei einem breiten Spektrum von Fragen der Wissenschaftspolitik, um deren Mitwirkung bei der Stärkung von Wissenschaft und Technik
in den Vereinigten Staaten weiter zu fördern;
- Beratung und Unterstützung

zur Förderung internationaler Ziele der

US-Regierung auf den Gebieten Wissenschaft und Technik.
Dr. Russell C. Drew, der 1961 das Studium der Physik mit der Promotion
an der Duke-Universität (Durham, Nordkarolina) abschloß, arbeitete zunächst
bei Dr. Walter Gordy am Mikrowellen-Institut der Duke-Universität.Als Mitarbeiter einer amerikanisch-britischen Kommission befaßte er sich von 1963
bis 1966 mit Problemen des Wiedereintritts von Raumflugkörpern in die Erdatmosphäre im Zusammenhang mit dem POLARIS-Programm. Während seiner Tätigkeit im Präsidialamt für Wissenschaft und Technik war er maßgeblich an der

-2-

�der Vorbereitung und Ausarbeitung von Berichten zum APOLLO-Nachfolgeprogramm,
den biomedizinischen Grundlagen des bemannten Raumflugs und zu künftigen
Raumflugprojekten beteiligt. Bis zur Aufnahme seiner neuen Funktion in
Washington leitete

Dr. Drew zuletzt die Verbindungsstelle des US-Marine-

forschungsamtes in London, das Projekte technischer Zusammenarbeit mit ver~
bündeten Nationen in Westeuropa, Afrika und dem Nahen Osten entwickelt und
wissenschaftliche und technische Kontakte zu den entsprechenden Stellen im
Ausland unterhält.

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26/1973

MÜHLEN IM GOLFSTROM ?
Vorschlag amerikanischer Wissenschaftler zur Erschließung einer neuen
Energiequelle

— ( A D ) — Dr. Harris B. Stewart und Dr. John R. Apel von den Umwelt-Laboratorien des US-Bundesamtes für Meeres-und Atmospährenforschung (NOAA)
sowie Dr. William S. von Arx (Woods Hole-Institut für Meeresforschung)
schlagen vor, daß sich Spezialisten der Meerestechnik, der Elektrotechnik und verwandter Gebiete zusammensetzen, um die wirtschaftlichen und
technischen Möglichkeiten zur Nutzbarmachung der Energie des Golfstroms zu
sondieren. Die Wissenschaftler verweisen darauf, daß schon allein der
Florida-Strom vor Miami, der einen wesentlichen Teil des Golfstromes bildet, mehr als das 50fache der Wassermengen aller Süßwasserflüsse der Erde
transportiert.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen Florida und der südöstlich
vorgelagerten Insel Bimini beträgt durchschnittlich 3,2 km pro Stunde,
in oberflächennahen Wasserschichten jedoch bis zu 8,8 km/st. Berechnungen
hätten ergeben, wie Dr. Apel hervorhob, daß mit diesem Wasser pro Quadratmeter Fläche 0,8 Kilowatt Strom erzeugt werden könnten, wenn man technische Möglichkeiten fände»

diese Energiequelle anzuzapfen. Die Ausbeute

wäre zehnmal höher als bei der Verwendung von Sonnenzallen auf entsprechend
gleichgroßer Fläche (1 qm), um z.B. im Raum von Südflorida das Sonnenlicht
für die Energiegewinnung nutzbar zu machen.
Aus

-l-

�Aus ökologischen Gründen sei es jedoch nach Meinung der Wissenschaftler
nicht ratsam,die gesamte Strömungsenergie zu nutzen, die ca. 25 000 Megawatt
Strom ergeben könnte. Das entspricht der Leistung von 25 Großkraftwerken.
Vielmehr sollten die Energiewandler - große, langsame Turbinen, deren Blätter
ähnlich wie bei einem Windrad um einen zentralen Schaft arrangiert sind vorerst nur etwa vier Prozent der verfügbaren Strömungsenergie in elektrische Energie umsetzen. Andernfalls bestehe möglicherweise die Gefahr, daß
der Weg des GolfStromes verändert werde, was einschneidende klimatische Auswirkungen in anderen Teilen der Welt zur Folge haben könnte. Das müsse auf
jeden

Fall vermieden werden.

Um mit vier Prozent der Strömungsenergie ca. 1 000 Megawatt elektrischen Strom zu erzeugen, seien etwa 200 solcher "Windradu-Turbinen erforderlich. Sie würden in der Meerenge zwischen Florida und Bimini in 30 bis 130 m
Wassertiefe quer zur Strömung über einen etwa 20 km breiten Bereich stationiert. Jede Turbine, deren Gehäuse nur zur ankommenden Strömung offen ist,
hätte ihren eigenen Generator, wobei die Verankerung gleichzeitig als Kabelführung für den so erzeugten Strom zu dem am Boden verlegten Hauptkabel dienen
könnte. Der Schiffsverkehr würde bei einem solchen Arrangement nicht gestört,
und ebensowenig könnten die Wellenbewegungen des Oberflächenwassers an den
Ausrüstungen Schäden anrichten.
Die technischen und wirtschaftlichen Aspekte eines solchen Projektes
müßten, wie Dr, Apel hervorhebt, zuvor gründlich untersucht werden. Jedoch
sei die mit der Strömung verfügbare Energiemenge groß genug, um das Interesse
von Ingenieuren und Wirtschaftlern zu rechtfertigen. Falls der so erzeugte
Strom nicht direkt im Raum von Miami verbraucht werde, könne er zur Elektrolyse von Wasser benutzt werden. Die so gewonnenen Produkte Wasserstoff und
Sauerstoff sind transportabel und könnten - über Brennstoffzellen - andernorts Strom produzieren. Als Nebenprodukt fällt dabei sogar noch sauberes
Wasser an. Der besondere Vorteil einer Nutzbarmachung des Golfstromes ist
nach Dr. Apel in der Tatsache zu sehen, daß dieser Tag und Nacht, Sommer
wie Winter Energie liefern würde.
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26/1973

IMMUNOTHERAPIE FÜR SCHWERE LEPRA-FÄLLE

--(AD)-- Etwa zehn Millionen Menschen auf der Erde leiden an Lepra. Mit
Hilfe der modernen Chemotherapie ist es in vielen Fällen möglich,die

,

Krankheit unter Kontrolle zu bekommen. Bei den schweren Erkrankungsformen
jedoch, in denen durch Knoten-und Geschwürbildung nicht nur im Haut- und
Unterhautbereich, sondern auch an inneren Organen mehr und mehr Gewebe
zerstört wird, reicht diese Behandlung nicht aus. Der Körper ist nicht
mehr in der Lage, Abwehrkräfte gegen die Erreger (Mycobacterium leprae)
zu mobilisieren.
Diese Schwäche versuchen zwei Ärztegruppen in den USA, die für
ihre Studien erhebliche Zuschüsse der medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) erhielten, durch künstlich hervorgerufene immunologische
Reaktionen zu überspielen. Das Unvermögen des Körpers, Abwehrreaktionen
trot'z möglicherweise sogar vorhandener Antikörper in Gang zu setzen,
läßt sich durch einen Hauttest mit dem antigenhaltigen Lepromin an einer
gesunden Hautstelle leicht nachweisen.
Bei solchen Kranken fehlen, obgleich sie hohe Antikörperspiegel aufweisen, die Lymphozyten, die normalerweise der Körper auf Lepromin ansetzen würde. Außerdem findet sich eine enorm große Menge von Makrophagen,
die sehr viele Lepra-Bakterien enthalten. Aus noch ungeklärten Gründen
sind bei lepromatösen Kranken die Makrophagen, die die Mikroben aufnehmen und zerstören sollen, nicht in der Lage, Lepra-Bakterien zu"er-

-1-

�"erkennen" und zu vernichten.
Auffallend gute Erfolge hatte nun eine Reiztherapie, bei der die LepraKranken einmal pro Woche - und dies bis zu 16 Wochen lang - eine hochdosierte Lymphozyten-Infusion erhielten. Dafür wurden absichtlich Spenderzellen benutzt, die den bei Gewebeübertragungen üblichen Kompatibilitätsanforderungen nicht entsprachen. Die Kalkulation der Wissenschaftler, auf
diese Weise eine begrenzte Reaktion des Fremdgewebes gegen den Wirtsorganismus hervorzurufen, erwies sich als richtig. Diesen Überlegungen lag die
Theorie zugrunde,daß Immunzellen

von einem Spender, die nicht kompatibel

sind, nicht nur das Gewebe des Empfängers, sondern auch die Lepra-Bakterien als "fremd" erkennen müßten. Deshalb war zu erwarten, daß die Lymphozyten die Makrophagen soweit mobilisieren, daß diese ihre' Schmarotzer, die
Lepra-Bakterien, zerstören.
Diese Therapie, die Prof. Soo Duk Lim (Universität Seoul, z.Zt. Gastprofessor für Pathologie an der Staatsuniversität von Minnesota in Minneapolis) zusammen mit Dr. Robert A. Good, Präsident des Sloan=Kettering-Instituts für Krebsforschung in New York, entwickelt hatte, war bei allen 14 Pa- '
tienten, an denen sie erprobt wurde, erfolgreich. Die Bakterienkonzentration im Gewebe wurde immer stärker reduziert, und die äußeren, für die Krankheit

charakteristischen Läsionen bildeten sich zurück. Das traf nicht

nur für den Schweregrad, sondern auch für ihre Ausdehnung zu. Alle 14 Patienten konnten nach 16 Wochen auf die herkömmliche Chemotherapie umgestellt werden. Auch nach mehr als einem Jahr ist es bei keinem von ihnen zu
einem Rückfall gekommen.

i.

Prof. Lim macht allerdings darauf aufmerksam, daß weitere Versuche
und Überprüfungen erforderlich seien, ehe zur Behandlung hartnäckiger LepraFälle auf dieses Verfahren übergegangen werden könne, auch wenn es, wie die
bisherigen Ergebnisse zeigen, für solche Lepraformen und vielleicht auch andere Krankheiten, bei denen die konventionelle Chemotherapie versagt, angewandt werden könnte.
In

-2-

�In einer ausführlichen Studie beabsichtigt nun Prof. Lim, die Wirkung
der neuen Therapie unter den verschiedensten Aspekten mit jenen der Chemotherapie sowie einem zweiten neuen Verfahren zu vergleichen, das Dr. W.
Bullock, Dr. James P. Fields und Dr. Michael Brandriss von der Universität
Rochester (New York) ausgearbeitet haben. Die drei Wissenschaftler versuchen
dabei unter Ausnutzung des sogenannten Transfer-Faktors, durch sensibilisierte Lymphozyten von Gesunden bei lepromatösen Patienten eine Immunreaktion in Gang zu setzen. Bei den auf diese Weise behandelten Patienten war
die Reaktion allerdings nur relativ schwach und von kurzer Dauer. Das Verfahren beruht auf der Tatsache, daß die Fähigkeit zu Abwehrreaktionen auf
die dazu unfähigen Personen übertragen werden kann, wenn sie Lymphozyten
von einer Person bekommen, die gegen ein spezielles Antigen eine Überempfindlichkeit entwickelt hat.

+++

3-

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Außenministers auf der KSZE am 5. Juli&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aktion "Rettet die Meere"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- UN-Konferenz in Genf bereitet neues Seerecht vor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Barrett McGurn&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Notenbank verfügt über beträchtliche Mittel zur Dollar-Stützung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsminister unterstreicht Stärke der amerikanischen Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eberle rechnet mit termingerechter Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Industrie und Umweltschutz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wissenschafts- und Energiepolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dr. Russell C. Drew übernimmt Leitung der neuen Abteilung in der Nationalen Wissenschaftsstiftung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mühlen im Golfstrom?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorschlag amerikanischer Wissenschaftler zur Erschließung einer neuen Energiequelle -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immunotherapie für schwere Lepra-Fälle</text>
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Dokumentation

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18 . Juli 1973

27

Inhalt

DOKUMENTATION:

Rogers gibt weltpolitischen Überblick
-Auszüge aus der Rede in Tokio vom 16. JuliRush: USA eindeutig gegen einseitige Truppenreduzierungen in Europa
-Auszüge aus der Erklärung des Stellvertretenden US-Außenministers&lt;
S

Schlesinger fordert glaubwürdige Abschreckung
-Auszüge-

WIRTSCHAFT:
Finanzminister erörtern noch offene Währungsfragen
Von Eugene Brake
USA rechnen für 1973 mit wesentlich höheren Ernteerträgen
Von John Uhler

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Materialpolitik - Schlüsselelement einer neuen "Umweltethik"
-Arbeitsgruppe des US-Forschungsrates veröffentlicht Bericht "Mansch,
Materialien und Umwelt"
SKYLAB-Radar mißt Sturmwellen
-Synchronbeobachtungen von Bord eines ForschungsflugzeugesEinfacher Bluttest auf Bleivergiftung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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27/1973

ROGERS GIBT WELTPOLITISCHEN ÜBERBLICK
-Auszüge aus der Rede in Tokio vom 16.Juli-

TOKIO—(AD)— Der amerikanische Außenminister William Rogers hat auf dem
neunten Treffen des Gemeinsamen Amerikanisch-Japanischen Kabinettsausschusses in Tokio am 16. Juli eine Rede gehalten, in der er neben amerikanisch-japanischen Angelegenheiten auch eine Reihe von weltpolitischen
Fragen behandelte. Die wesentlichen Teile der Ausführungen Rogers haben
folgenden Wortlaut:
.

•

'

.

.

•

Europa
Zu Anfang dieses Monats nahm ich zusammen mit 34 weiteren Außenministern aus Europa und Nordamerika an einer Ministersitzung der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa teil. Dieses Treffen fand in
einer Atmosphäre der Zurückhaltung und der Konzilianz statt, was dazu beitragen sollte, daß die sich jetzt anschließende Konferenzphase in Genf
einen echten Beitrag zur Entspannung in Europa leistet. Dennoch wurde klar,
daß es wesentliche Meinungsunterschiede zwischen Ost und West hinsichtlich
der Gestaltung der Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten sowie dem
freieren Fluß von Menschen, Informationen und Gedanken innerhalb Europas
gibt. Eine bis ins einzelne gehende Einigung über diese Fragen ist notwendig, wenn diese Konferenz ein sichereres und kooperativeres Europa näher
bringen soll..,
Bei

-1-

�Bei den Gesprächen in Helsinki und bei den bevorstehenden Gesprächen in
Genf war und ist es das Ziel der Vereinigten Staaten und ihrer europäischen
Verbündeten, die Spannungen auf dem europäischen Kontinent zu vermindern,
ohne daß dadurch in irgendeiner Weise die europäische Sicherheit geschwächt
wird. Zusammen mit unseren europäischen Verbündeten sind wir überzeugt, daß
die Stärke des NATO-Bündnisses ein wesentliches Element des Fortschritts in
Richtung auf eine Entspannung darstellt.
Wichtig ist ferner, daß einige Länder der NATO und des Warschauer Paktes sich am 30. Oktober offiziell in Wien treffen, um nach Wegen für eine
Reduzierung der in Mitteleuropa stationierten Streitkräfte

zu suchen.

Wahrscheinlich werden sich solche ersten Truppenreduzierungen auf die in
diesem Gebiet stationierten amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte
konzentrieren.

Die Beziehungen der USA zu Moskau und Peking
Im vergangenen Monat haben Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew
Maßnahmen ergriffen, die zu einer stabileren und sichereren internationalen
Lage führen sollen. Wir hoffen, daß solche Treffen zu einem regulären Bestandteil der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen werden, auf denen beide
Lände sich darum bemühen, die Möglichkeiten einer Konfrontation zwischen
ihnen zu vermindern und dafür ein Netz kooperativer Beziehungen zu schaffen, von denen ein stabiler Friede abhängt. Das vom Präsidenten und vom Generalsekretär unterzeichnete Abkommen über die Verhinderung eines Nuklearkrieges war von besonderer Bedeutung für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. Dieses Abkommen sollte ebenfalls wesentlich dazu beitragen, daß
die Gefahr eines nuklearen Krieges überall auf der Welt vermindert wird,
ohne daß dadurch unsere anderen Verpflichtungen und Zusagen beeinträchtigt
werden....
Die

-2-

�J

Die Beziehungen zwischen den USA und der Volksrepublik China nehmen
weiterhin einen ordentlichen Verlauf. In der Tat hat sich der Handel schneller als erwartet entwickelt, und der Handel in beiden Richtungen dürfte
dieses Jahr die 700-Millionen-Dollar-Grenze erreichen, was mehr als das
Zweifache früherer Schätzungen ist. Wir rechnen mit einem weiteren Anwachsen, sobald die damit verbundenen Fragen der privaten amerikanischen Ansprüche gegen die Chinesen und der in den USA eingefrorenen chinesischen
Guthaben gelöst sind. Die Verhandlungen über diese Fragen dauern an, wir
hoffen jedoch, daß eine endgültige Einigung zu einem baldigen Zeitpunkt
erreicht werden kann.
Als von besonderer Bedeutung sehen wir die beiderseitigen Verpflichtungen an, die von China gegenüber Japan und den Vereinigten Staaten eingegangen worden sind, auf Hegemonieambitionen in Asien zu verzichten und
sich allen Versuchen anderer, eine solche Hegemonie aufzuzwingen, zu wideri

setzen. Das neue Verhältnis zwischen uns und Peking hat uns nicht veran»

laßt, unsere Freundschaft zur Republik China oder unsere Entschlossenheit
zur Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber diesem Land zu vermindern. . ..

«
Die Veränderungen,die sich in den Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und China sowie zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vollzogen haben, haben wesentlich zu einer sichereren und kooperativeren Welt beigetragen. Wir sind uns darüber im klaren, daß die Fragen,
von denen Frieden und Zusammenarbeit abhängen, nicht zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Gegnern alleine geregelt werden können. Die Beiträge und die Zusammenarbeit unserer Verbündeten sind von entscheidender Bedeutung. Und im Zuge der Verbesserung unserer Beziehungen zu Moskau und Peking haben wir nichts unternommen und werden wir auch nichts unternehmen,
wa

s die Interessen unserer Verbündeten beeinträchtigen oder unsere Bünd-

nisse schwächen könnte.
Der

-3-

�Der Nahe Osten
Auf dem Gipfeltreffen wurde auch die Situation im Nahen Osten erörtert...
Die Sowjets und wir stimmten darin überein, daß eine Regelung in Übereinstimmung mit den Interessen aller Staaten dieses Gebietes

sowie in Über-

einstimmung mit deren Unabhängigkeit und Souveränität stehen und die legitimen Interessen des palästinensischen Volkes berücksichtigen sollte.
Die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß ein gerechter und dauerhafter Friede im Nahen Osten nur durch einen aktiven Verhandlungsprozeß erreicht werden kann, der direkt oder indirekt zwischen den direkt betroffenen
Parteien durchgeführt werden sollte. Obwohl Fortschritte in dieser Richtung
enttäuschend langsam waren, herrscht weiterhin eine Waffenruhe, und wir hoffen, daß alle Parteien sich auch künftig Zurückhaltung auferlegen werden. Wir
sind uns über die in der derzeitigen Situation bestehenden Risiken im klaren
und verfolgen sie mit aktiver Aufmerksamkeit.

Ostasien und der Pazifik
Mit Interesse haben wir den Vorschlag von Ministerpräsident Tanaka zur
Kenntnis genommen, eine allgemeine Konferenz der asiatischen und pazifischen
Nationen einzuberufen. Wenn wir in die Zukunft blicken, so könnte eine Konferenz überaus nützlich sein, die auf die Entwicklung der Prinzipien und der
Mechanismen abzielt, durch die die interessierten Länder den Frieden, die Zusammenarbeit und den Abbau von Spannungen in diesem Gebiet fördern könnten....
Der Friede in Indochina ist weiterhin ein bedeutsames Anliegen für uns.
Wenn auch noch eine Reihe von Problemen gelöst werden müssen, so sind doch
die Kampfhandlungen und der Verlust an Menschenleben glücklicherweise sehr
viel geringer geworden. Das Verhandlungsklima hat sich sehr verbessert.

In

�In Vietnam ist das Erbe aus Jahrzehnten der Feindschaft nur sehr schwer
zu bewältigen, aber die beiden Parteien sprechen doch direkt miteinander. In
ähnlicher Weise haben in Laos die militärischen Operationen fast aufgehört,
und die Aussichten auf eine baldige politische Regelung sind vielversprechend. In Kambodscha ist die Situation besonders kompliziert. Wie Präsident
Nixon jedoch im vergangenen Monat versichert hat, werden wir alles in unseren Kräften stehende tun, um am Zustandekommen eines Friedens dort mitzuwirken. Die verminderten Feindseligkeiten in diesem Raum ermöglichen es uns,
unsere Aufmerksamkeit der wichtigen Aufgabe des Wiederaufbaues und der Entwicklung zuzuwenden...
Nicht weniger als die Regierung hat auch der Kongreß klargestellt, daß
er dem kooperativen Beitrag anderer Länder zum Nachkriegs-Wiederaufbau und
zur Entwicklung große Bedeutung beimißt... Wir unsererseits hoffen, daß wir
mit den Wiederaufbau-und Entwicklungsprogrammen vorangehen können, die ein
entscheidender Faktor für den Frieden in diesem Gebiet sein können. Lassen
Sie mich schließlich noch auf unsere starke Unterstützung der konstruktiven
Vorschläge hinweisen, die Präsident Park zum weiteren Abbau der Spannungen
auf der koreanischen Halbinsel unterbreitet hat... Unsere Sicherheitsverpflichtungen in Korea haben zu einer Situation beigetragen, in der die Koreaner bereit sind, auf normalere Beziehungen hinzuarbeiten. Wir werden
auch weiterhin fest zu unseren Verpflichtungen stehen.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Wenn wir uns diesen multilateralen Fragen zuwenden, dann tun wir dies
unter stärkerer Beachtung der veränderten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den großen Handelsnationen... Die Wirtschaftsordnung nach dem Kriege
baute sich auf der dominierenden wirtschaftlichen Position der Vereinigten
Staaten auf. Heute hat kein Land eine derartig überragende dominierende
Position. Alle Länder werden in zunehmendem Maße interdependent.
Im

-5-

�Im Hinblick auf wirtschaftliche Fragen müssen die entwickelten Demokratien, insbesondere Japan, die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft, eine konstruktive Führungsrolle übernehmen. Die industrialisierten Demokratien haben mit Handels-und Währungsverhandlungen begonnen oder
werden es bald tun.
Wenn wir und unsere Partner nun in diese Verhandlungen eintreten, so
ist es von größter Bedeutung, daß wir im Interesse des Wachstums und der
Stärke von uns allen auch für uns alle denken und handeln. Sollten wir unsere gemeinsamen Interessen - unsere Interdependenz - aus dem Auge verlieren,
dann werden wir alle Schaden davontragen.

Die Entwicklungswelt
Die Schaffung einer stärker prosperierenden, sichereren und kooperativeren Welt, die uns vorschwebt, dürfte nicht gelingen, wenn die Entwicklungswelt kein stetiges wirtschaftliches Wachstum erreicht. Während die ärmeren
Länder die Hauptverantwortung für eine gesunde Entwicklungspolitik tragen
müssen, können sowohl Japan als auch die Vereinigten Staaten einen nützlichen Beitrag zu deren Bemühungen um ein besseres Leben für ihre Bürger
leisten.
Wir stimmen darin überein, daß unsere Leistungen auf dem Gebiete der
Entwicklungshilfe verbessert werden können und sollten. Dies ist das Ziel,
das wir uns gesetzt haben....
Ausländische Privatinvestitionen können einen überaus wichtigen Beitrag
zum beschleunigten wirtschaftlichen Wachstum der ärmeren Länder leisten.
Sollen

solche Investitionen prosperieren, dann müssen wir gemeinsam darauf

hinwirken, daß unsere Privatfirmen gewiß sein können, im Falle einer Enteignung eine gerechte und effektive Entschädigung zu erhalten. Um das Vertrauen

-6-

�I

Vertrauen zu fördern und unsere Investoren zu schützen, sind die Vereinig•
ten Staaten weiterhin an der Entwicklung multilateraler Methoden interessiert, die bei Investitionsstreitigkeiten zum Tragen kommen...

-7-

�amerika dienst
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27/1973

RUSH: USA EINDEUTIG GEGEN EINSEITIGE TRUPPENREDUZIERUNGEN IN EUROPA
-Auszüge aus der Erklärung des Stellvertretenden US-Außenministers-

WASHINGTON — ( A D ) — Der Stellvertretende Außenminister der Vereinigten
Staaten, Kenneth Rush, hat am 10. Juli vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Repräsentantenhauses mit allem Nachdruck erklärt, daß die Nixon-Administration sich "eindeutig jeder einseitigen Verringerung der amerikanischen Streitkräfte in Westeuropa widersetzt." Rush machte im wesentlichen folgende Ausführungen:
"Um jeden etwa bestehenden Zweifel zu beseitigen, möchte ich versichern, daß wir uns eindeutig jeder einseitigen Verringerung der amerikanischen Streitkräfte in Westeuropa widersetzen und daher auch jenen Vorschlägen, die Ihrem Ausschuß vorliegen und die den Kongreß zu einer solchen Maß«
nähme verpflichten oder die Administration an eine solche Maßnahme binden
würden.
Darf ich damit beginnen, daß wir uns durchaus der veränderten Umstände bewußt sind, die die NATO, unsere Verteidigung und unser Verhältnis zu
Europa berühren.
- Erstens, wir stehen in einer Periode aktiver Verhandlungen - SALT,
KSZE und MBFR - von denen jede in einem direkten Zusammenhang mit der Sicherheit unserer Verbündeten und unserer eigenen steht. Zusammen mit den

-1-

�den Gipfeltreffen bilden sie einen Teil unserer allgemeinen Anstrengung, ein
normaleres Verhältnis zwischen Ost und West zu schaffen. Obwohl wir glauben, daß ein Fortschritt erzielt worden ist, so hat dieser Prozeß doch
erst begonnen, und in der nächsten Phase werden wir uns mit den schwierigeren Fragen der Verringerung militärischer Spannungen befassen müssen.
- Zweitens, dieser Prozeß findet in einer Zeit statt, da in jedem der
verbündeten Länder, nicht nur in den Vereinigten Staaten, ein wachsender
Druck zu spüren ist, Mittel für innenpolitische Aufgaben abzuzweigen.
- Drittens, unsere Verbündeten sind heute wirtschaftlich stärker als
je zuvor und machen bedeutsame Schritte zu größerer politischer und wirtschaftlicher Einheit. Gleichzeitig kennzeichnet ein beachtliches Bündel
gemeinsamer Handels-und Währungsprobleme unsere wirtschaftlichen Beziehungen.
Letztens, wir stehen vor einer strategischen Nuklearsituation, in der
an die Stelle der Vorherrschaft der Vereinigten Staaten gegenüber der
UdSSR mehr oder weniger ein Gleichgewicht getreten ist, das einer konventionellen Abschreckung erhöhte Bedeutung verleiht.
Ich halte es für wesentlich, daß sich der Kongreß völlig im klaren
darüber ist, was getan wird, um die NATO und unsere Präsenz in Europa diesen Realitäten anzupassen.
Wir packen diese Aufgabe auf dreifache Weise an:
1. Wir streben in diesem Jahr Europas danach, unser

Verhältnis zu un-

seren Verbündeten neu zu bestärken und einen Rahmen zu schaffen, innerhalb
dessen wir die Fragen des Handels, der Finanz und der Sicherheit produktiv
behandeln können.
2. Als Ergebnis der jüngsten Tagungen der Außen-und Verteidigungsminister der NATO arbeiten wir Programme aus, die darauf abzielen:
- die Verteidigungsposition der NATO zu verbessern;
- einen multilateralen Mechanismus für eine gerechtere Verteilung der
Lasten und eine Erleichterung unserer militärischen Zahlungsbilanz-2-

�Zahlungsbilanzp'robleme zu entwickeln; und
- einige der grundlegenden Verteidigungskonzeptionen hinsichtlich
der Spezialisierung und der wirksameren Nutzung knapper Verteidigungsmittel zu revidieren.

3. Wir haben ein Übereinkommen erzielt, daß in etwas mehr als 90 Tagen,
am 30. Oktober, eigentliche Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen beginnen werden. Wir arbeiten gegenwärtig einen
Bündnisstandpunkt aus, der zu amerikanischen und sowjetischen Verringerungen führen könnte.
Alles in allem sind wir mit unseren Verbündeten dabei, das Nachkriegs-,
Handels-und Währungssystem zu verbessern; wir sind in der NATO dabei,
eine gerechtere und effektivere Sicherheitsposition aufzubauen, und wir
sind mit der Sowjetunion dabei, Mittel und Wege zu suchen, um die Verteidigungslasten unserer Völker ohne Verlust unserer fundamentalen Sicherheit zu erleichtern.
Dies ist ein Unterfangen von beispielloser Größe und Bedeutung für das
künftige Wohlergehen Amerikas. Es dürfte auf der Hand liegen, daß wir in
all diesen Anstrengungen einen Fehlschlag riskieren, wenn wir:
- Erstens, unseren Verbündeten erklären, daß wir ohne Rücksicht auf
ihre Wünsche, sich unseren gegenseitigen Erfordernissen anzupassen, unseren
Beitrag zur gemeinsamen Verteidigung einseitig kürzen werden, und
- zweitens, unseren Gegnern erklären, daß wir unsere Streitkräfte einseitig reduzieren werden, obwohl wir beiderseitige Reduzierungen wollen.
Praktisch würden wir unseren Verbündeten erkl ären, daß wir wollen,
daß sie in Handel, Finanz und Sicherheit mehr für Amerika tun, und wir dafür weniger tun werden. Und wir würden den östlichen Ländern erklären, daß
sie etwas umsonst erwarten können.
Darüber

-3-

�Darüber hinaus gibt es drei spezifische Gründe, die nach meiner Überzeugung von fundamentaler und entscheidender Bedeutung sind. Nämlich:
Die Unabhängigkeit und Sicherheit Westeuropas ist für jeden Amerikaner lebenswichtig wegen ihres entscheidenden Einflusses auf seine Sicherheit, sein wirtschaftliches Wohlergehen und den Fortbestand seiner demokratischen Lebensweise.
Die Unabhängigkeit Westeuropas hängt von der Aufrechterhaltung einer
glaubwürdigen Abschreckung und Verteidigung gegen einen Angriff ab, und
in einer solchen Verteidigungsposition spielen amerikanische Streitkräfte
eine lebenswichtige Rolle.
Der Prozeß der Aufrechterhaltung einer verläßlichen Verteidigungsposition würde in einer Zeit der Verhandlungen über eine geordnete und ausgewogene Verringerung der sich in Europa gegenüberstehenden Streitkräfte
durch eine einseitige Verringerung unserer Streitkräfte in katastrophaler
Weise unterlaufen.

-Amerikas lebenswichtiges Interesse an Westeuropa•

r

Unser Lebensinteresse an Westeuropa ist keineswegs nur eine Sache der
Geschichte oder der Gewohnheit. Ohne Westeuropa gäbe es für uns keine
Prosperität. Es ist in der Tat ein immer mächtigeres Zentrum der Weltwirtschaft geworden. Es ist unser wichtigster Markt und unser wichtigster Versorger. Amerikanische Firmen haben in Westeuropa über 28 Milliarden Dollar
investiert, die amerikanischen Investoren fast drei Milliarden Dollar im
Jahr einbringen. Wollen wir uns keinen Täuschungen hingeben. Unsere Prosperität und die Prosperität der ganzen Welt werden von Westeuropa zutiefst beeinflußt. Das bedeutet Arbeitsplätze für Amerikaner, Dividenden für Amerikaner und Lebensstandard für Amerikaner.
Gerade

�Gerade weil wir und unsere westeuropäischen Verbündeten uns unserer
Interdependenz so voll und ganz bewußt sind, unternehmen wir gegenwärtig gemeinsame Anstrengungen, um unsere gemeinsame Wirtschaft durch globale Handelsverhandlungen und durch eine Reform des Weltwährungssystems zu stärken.
Weder ein erweiterter Welthandel noch eine Währungsreform können ohne ein
volles Maß an westeuropäischer Mitarbeit Zustandekommen.
Die Verteidigung Westeuropas hängt von drei Bedingungen ab:
Erstens, sie hängt von dem Willen der Europäer ab, unabhängig zu sein
und sich selbst zu verteidigen..Zweitens, sie hängt von der Verpflichtung
der Vereinigten Staaten gegenüber ihren europäischen Verbündeten ab, daß
sie angesichts der eindrucksvollen militärischen Mittel ihrer Nachbarn im
Osten zu ihnen stehen werden, um vor einer Aggression abzuschrecken und unsere gemeinsamen Interessen zu verteidigen, sollte die Abschreckung nicht wirken. Drittens, sie hängt von der Existenz eines Verteidigungssystems ab,
dessen Kapazität nicht nur für die osteuropäischen Staaten überzeugend ist,
sondern auch für unsere NATO-Verbündeten und auch für uns selbst.
Die Erfüllung dieser drei Bedingungen erfordert eine unablässige Anstrengung seitens der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten...
Geschichtlich gesehen war es die Hauptfunktion der NATO - und ist
auch heute noch ihre wichtigste Funktion -,ihre Mitglieder vor einem Angriff
oder einem Druck von Außen zu beschützen. Ich weiß, daß sich die Beziehungen
der Sowjets zu ihren Nachbarn in Europa und auch zu uns in den vergangenen
Jahren wesentlich verbessert haben. Wir begrüßen diese Verbesserung . Ich
weiß aber auch, daß die Sowjetunion immer noch weitaus mächtiger als irgendein anderer Staat oder eine Staatengruppe in Europa ist. Ich weiß, daß es
keine Gewißheit dafür gibt - und eine solche auch nie wird geben können -,
daß die sowjetische Macht niemals dazu benutzt werden wird, die Interessen
der NATO-Mitgliedstaaten zu bedrohen. Eine derartige Macht könnte zu einem
konstanten politischen Druck auf die westeuropäischen Staaten werden, sich

-5-

�sich der sowjetischen Politik anzupassen, sofern ihr in der NATO nicht weiterhin ein Gegengewicht gesetzt wird.
Die Staaten des Warschauer Paktes sehen keinen Widerspruch zwischen
Verhandlungen zur Verringerung der Spannungen in Europa und der Beibehaltung, ja Verstärkung ihrer militärischen Macht. Es besteht auch notwendigerweise kein Widerspruch. Die sowjetischen Verhandlungen von einer Position
der Stärke aus haben unsere Bemühungen um bessere Beziehungen zum Osten
nicht behindert. Ja, diese Position hat wahrscheinlich sogar die eigentliche Basis für die Entwicklung der sowjetischen Politik in ihrer jetzigen
Form ergeben. Die Länder des Ostens werden zweifellos auch weiterhin von
dieser Basis aus verhandeln. Wichtig ist dabei, daß sie niemals Grund zu
der Annahme bekommen, daß wir es anders tun würden.
An dieser Stelle möchte ich mich mit einem nach unserer Auffassung
trügerischen Argument befassen, das vorgebracht wird, um einen einseitigen
amerikanischen Truppenabzug zu rechtfertigen. Es besagt:
- Die NATO verfügt nur über eine Art Stolperdrahtverteidigung, so daß
wir im Falle eines Angriffs innerhalb weniger Tage, wenn nicht Stunden,
unsere Zuflucht zu nuklearen Waffen nehmen müßten. Daher - so argumentiert
man - sei es nicht notwendig, daß die Vereinigten Staaten 300 000 Mann an
Truppen in Europa stationiert hielten, um als eine Art Stolperdraht zu
dienen.
Die Prämisse von der Stolperdrahtverteidigung ist falsch, und so ist
auch der aus ihr gezogene Schluß. Jedoch könnte eine größere Reduzierung
der amerikanischen Truppen und ihre Auswirkung auf die Moral und Bereitschaft unserer Verbündeten sehr leicht eine Stolperdrahtsituation herbeiführen, bei der die Anwendung von Gewalt in Europa automatisch die Gefahr
eines Nuklearkrieges für jeden Amerikaner heraufbeschwören könnte.
Die

�Die Doktrin von der •massiven Vergeltung» wurde sinnlos, als die
Sowjetunion sich zu einer wirklichen nuklearen Macht entwickelt hatte, die
in der Lage war, entsprechende Vergeltungsschläge auszuteilen. Aus diesem
Grunde ist es erstaunlich, Vorschläge zu vernehmen, daß man Westeuropa verteidigen könne, indem man sich einzig auf die Kernwaffen verläßt. Diese
sozusagen durch die Hintertür erneut zur Geltung kommende Doktrin von der
massiven Vergeltung fällt zeitlich zusammen mit dem Entstehen einer Art Parität in den strategischen Waffensystemen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion. Aber eine nukleare Parität läßt eine massive Vergeltung als
Mittel zur Abschreckung aller Formen von Aggression in Kuropa noch weniger
glaubhaft erscheinen. Der Vorschlag einer Rückkehr zu diesem Konzept, ob
man es nun »massive Vergeltung» oder 'Stolperdraht* nennt, an Stelle der
von der NATO vereinbarten Kapazität einer flexiblen Antwort, läßt nur zwei
Rückschlüsse: Entweder es handelt sich um ein Mißverständnis über die mit
der strategischen Parität verbundenen Implikationen oder aber um ein elegantes Sichdrücken um die Möglichkeit, daß es zu weniger als einem totalen Krieg
in Europa kommen könne.
Eine absolute Sicherheit kann es niemals geben. Aber ich bin über ein
so simples Urteil doch bestürzt: Daß der Krieg in Europa wahrscheinlich auch
weiterhin auf allen Ebenen abgewehrt werden könne durch dieselben Mittel,
mit denen man seit über einem Jahrzehnt vor ihm abgeschreckt habe. Die NATO
plante in den sechziger Jahren voraus, um eine eventuelle strategische Parität zwischen Ost und West hierbei einzubeziehen. Man traf die Entscheidung,
die konventionellen Waffen aufzustellen, die notwendig sein würden, um den
konventionellen Möglichkeiten des Warschauer Paktes entgegentreten zu können, militärische Mittel in vielfältiger Form einzusetzen, ohne direkt zu
einem strategischen Krieg überzugehen. Jetzt in den siebziger Jahren sehen
wir uns genau den Verhältnissen gegenüber, für die diese Pläne gemacht wurden. Es erscheint absurd, wollte man die so erfolgreich getroffenen Vorbereitungen zur Begegnung der vorausgesagten Gefahr, die nunmehr existiert,
aufgeben.

Kurz
-7-

�Kurz gesagt, die Notwendigkeit eines überzeugenden konventionellen
Potentials zur Verteidigung Westeuropas und zur Abschreckung vor einem
Krieg ist größer als je zuvor. Und heute haben unsere Verbündeten wie auch
wir Programme und Maßnahmen, die unseres Erachtens auch weiterhin ein
solches Potential für die Zukunft gewährleisten.
Der...Grund, warum einseitige Truppenreduzierungen unklug wären, ist,
daß ein solcher Schritt unsere behutsamen Bemühungen, beiderseitige Trupreduzierungen auszuhandeln, stark beeinträchtigen würde.
Wir stehen jetzt im Begriff, eine Serie von Verhandlungen aufzunehmen,
die sich als die bedeutungsvollsten der Nachkriegszeit erweisen könnten.
Es wäre unvorstellbar, daß wir solche Verhandlungen durch einseitige
Maßnahmen gefährden. Ein solcher Schritt würde das Führen von auf Gegenseitigkeit beruhenden Verhandlungen nahezu unmöglich machen. Allein schon
die Möglichkeit eines solchen Schrittes würde den Staaten des Warschauer
Paktes den Anreiz nehmen, überhaupt zu verhandeln.
Außerdem würde eine einseitige Reduzierung der amerikanischen Truppen
die NATO-Allianz ernstlich spalten. Da die USA ihre Truppen ohne Rücksicht
auf die militärischen Konsequenzen reduziert hätten, würden unsere Verbündeten unter dem politischen Druck ihrer Parlamente stehen, entsprechende einseitige Truppenkürzuingen vorzunehmen. Das gesamte System unserer gemeinsamen Beschlußfassung könnte zerfallen. Und während die Regierung wahrscheinlich jede weitere Truppenreduzierung - ob auf Gegenseitigkeit beruhend
oder nicht - ablehnen würde, wäre der Prozeß einer Auflösung der Verteidigung des Westens in Friedenszeiten doch im Gange und würde von den Vereinigten Staaten selbst begonnen worden sein.
Wir wissen jetzt noch nicht genau, wohin die Bemühungen um beiderseitige Truppenreduzierungen schließlich führen werden. Gleich SALT verspricht
dies ein Prozeß zu werden, der nicht nur beträchtliche militärische Ergebnisse zeitigen, sondern auch zu einem ständigen politischen Gespräch führen

-8-

�führen wird, das für uns durchaus wertvoll sein könnte. Bei SALT haben unsere offenen Gespräche mit der Sowjetunion viel dazu beigetragen, falsche Auffassungen auf beiden Seiten zu zerstreuen. Die gleichen Möglichkeiten ergeben
sich für uns bei MBFR. Ich ersuche Sie alle dringend, den Beitrag nicht zu
unterschätzen, den MBFR zu unserer Sicherheit und zu einer Verringerung der
internationalen Spannungen leisten könnte.
Die vielversprechenden Aussichten dieser umfassenden Verhandlungen würden jedoch durch einen einseitigen Beschluß der Vereinigten Staaten, ihre
NATO-Streitkräfte zu reduzieren, zunichtegemacht. Ein solcher Abzug würde
die NATO sprengen, das bestehende Ost-West-Gleichgewicht untergraben und den
Prozeß einer beiderseitigen Truppenreduzierung abrupt zu einem Stillstand
bringen.

Einseitige Truppenreduzierungen unnötig -

Unsere Haushaltsansätze für die Stationierung unserer 300 000 Soldaten
in Europa, und dies schließt auch den Mittelmeerraum ein, belaufen sich für
das Finanzjahr 1973/74 auf 4 Milliarden Dollar. Dies sind die Kosten, die
durch Gehälter und Unterbringung dieser Soldaten und ihrer Familienangehörigen in Europa entstehen.
Wenn wir jedoch die Kosten der Nachschubeinrichtungen für diese Truppen
in den Vereinigten Staaten und die Kosten für Waffen und Ausrüstung einbeziehen, so erhöhen sich die Gesamtkosten für das Finanzjahr 1973/74 auf 7,7
Milliarden Dollar. Hierin ist auch die oben genannte Zahl von 4 Milliarden
Dollar eingeschlossen. In diesen Zahlen sind die Mehrkosten für die Stationierung unserer Truppen in Europa - im Vergleich zu den Kosten entsprechender Truppen in den Vereinigten Staaten - enthalten. Sie belaufen sich auf
rund 400 Millionen Dollar pro Jahr und setzen sich weitgehend aus solchen
Ausgaben wie Transport usw. zusammen.
Dies

-9-

�Dies sind also die haushaltsmäßigen Kosten für die Stationierung der
300 000 Soldaten und ihrer Familienangehörigen in Europa. Wenn Sie diese
Soldaten nach den USA zurückbringen und unsere NATO-Verpflichtungen einhalten wollen, dann müssen Sie sie unter Waffen halten, es ergeben sich zusätzliche Transportkosten, und es muß eine Zweitausrüstung an schweren Waffen in Europa belassen werden, damit die Truppen schnell bei einem Einsatz
dorthin zurückgebracht werden können. In diesem Falle würden die jährlichen
Haushaltskosten über den gegenwärtigen liegen.
Der entscheidende Punkt ist, daß die Stationierung unserer Truppen in
Europa zwar bescheidene Mehrkosten bringt, diese Mehrkosten aber nicht dadurch eingespart werden können, daß wir diese Truppen nach Hause zurückbringen, wenn es uns gleichzeitig damit ernst ist, das Nötige zu tun, um
weiterhin unseren Verpflichtungen nachzukommen.
Ein zweiter Punkt hier sind die Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz.
Das Ergebnis der Stationierung von 300 000 Soldaten und ihren Familienangehörigen in Europa war im Finanzjahr 1971/72 ein Defizit in unserer militärischen Zahlungsbilanz von 1,5 Milliarden Dollar. Aber dieses Defizit in
unseren militärischen Konten von 1,5 Milliarden Dollar macht nur einen relativ kleinen Teil unseres Zahlungsbilanzdefizits aus. Im Jahre 1972 belief
sich unser Defizit in der Grundbilanz auf 9,2 Milliarden Dollar. Und hiervon entfiel nur ein Sechstel (das sind 1,5 Milliarden Dollar) auf unsere
militärischen Ausgaben in Europa, bei denen unsere Truppenstationierung
mit einem wesentlichen Teil zu Buche schlägt.
Es ist ganz klar, daß die Vereinigten Staaten nicht auf unbegrenzte Zeit
ein Defizit von 9 Milliarden Dollar in ihrer Grundbilanz verkraften können.
Wir können jedoch dieses Defizit nicht einfach dadurch beseitigen, daß wir
die einzelnen Punkte wie die militärischen Konten anpacken. Die Ursachen
des Defizits sind grundlegender Natur, und es bedarf grundlegender Änderungen, um sie zu beseitigen. Aus diesem Grunde sind wir so energisch vor-

-10«

�vorgegangen, um dieses Problem durch eine Abwertung des Dollar sowie durch
das Bestehen auf einer konstruktiven Reform des internationalen Währungssystems zu korrigieren.
Die Ergebnisse unserer monetären Maßnahmen beginnen sich auszuwirken.
Unsere Zahlungsbilanz begann sich zu bessern, nachdem die Wende sich als konstant erwies. Die Statistiken des Handelsministeriums für das erste Quartal
dieses Kalenderjahres zeigen einen Rückgang des Defizits in unserer Grundbilanz von 3,8 Milliarden Dollar im ersten Quartal 1972 auf 1,2 Milliarden in
diesem Jahr. Das ist eine sehr eindrucksvolle Verbesserung. Unsere Wirtschaftler sind der Ansicht, daß der Trend zurück zu einem Ausgleich trotz
einiger anfänglicher Schwächen weiter anhalten und daß sich dabei das Tempo
beschleunigen wird. Wir müssen unsere Verbündeten weiter drängen, einen größeren und gerechteren Teil der Kosten der Verteidigung Europas zu tragen.
Wenn ich unsere Verbündeten auffordere, einen größeren Teil der Verteidigungslasten zu übernehmen, so möchte ich damit nicht bei Ihnen hier den
Eindruck erwecken, sie würden nicht bereits erheblich zur Verringerung unseres militärischen Zahlungsbilanzdefizits beitragen....
Die Bundesregierung hat nicht nur beträchtliche Waffenkäufe in den Vereinigten Staaten vorgenommen, sondern auch für 621 Millionen Dollar mittelfristige Schuldverschreibungen der amerikanischen Regierung übernommen, für
die sie Zinsen zahlt, und sie hat 186 Millionen Dollar für die Renovierung
amerikanischer Unterkünfte in Deutschland aufgewandt, wovon sowohl unsere
Zahlungsbilanz wie auch unser Haushalt profitieren. Der Gesamtwert dieses
Offset-Abkommens für den Zweijahres-Zeitraum beläuft sich für die USA auf
2 065 Milliarden Dollar. Wir verhandeln jetzt über ein neues Offset-Abkommen
mit der Bundesrepublik.
Darüber hinaus - und das ist langfristig von Bedeutung - haben die
NATO-Verteidigungsminister im vergangenen Monat eine Prüfung des Problems
vereinbart, wie weitere multilaterale Wege gefunden werden können, um die
von den Vereinigten Staaten als Folge ihrer Truppenstationierung in Europa

-11-

�Europa getragenen nachteiligen wirtschaftlichen Auswirkungen zu verringern.
Wir betrachten dies als einen wichtigen Schritt, der die zusätzlichen haushaltsmäßigen Belastungen und die Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz verringern kann, die sich dadurch ergeben, daß Streitkräfte im Ausland statt
im Inland stationiert werden."

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27/1973

SCHLESINGER FORDERT GLAUBWÜRDIGE ABSCHRECKUNG
-Auszüge-

WASHINGTON — ( A D ) — D e r amerikanische Verteidigungsminister James R.
Schlesinger hat am 11. Juli vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses die Notwendigkeit einer glaubwürdigen NAT0=
Abschreckung unterstrichen, um der Sowjetunion nicht die Möglichkeit eines
Wagnisses zu minimalen Kosten zu bieten und um die Möglichkeit eines Nuklearkrieges auszuschalten. Die wesentlichen Teile der Erklärung Schlesingers haben folgenden Wortlaut:
"... Wir haben früher schon das Argument gehört, daß die NATO kein
direktes Gegengewicht gegen die überlegenen konventionellen Streitkräfte
des Warschauer Paktes brauche, weil sie ja eine Überlegenheit hinsichtlich
der taktischen und strategischen Kernwaffen besitze. Das mag in den fünfziger Jahren noch richtig gewesen sein, heute aber befinden wir uns in
einer Periode einer ungefähren nuklearen Parität. Das heißt ganz sicher
nicht, daß es von nun an keinen nuklearen Krieg mehr geben kann. Auch besagt es nicht, daß die amerikanische nukleare Verpflichtung gegenüber unserer eigenen Sicherheit und der unserer Verbündeten von der Entwicklung überholt worden ist. Unsere Verpflichtung ist fest und unerschütterlich. Es bedeutet jedoch, daß unseren nuklearen Streitkräften nicht länger das gleiche

-1-

�gleiche entscheidende Gewicht in der Balance der Abschreckung zukommt, wie
sie es zu einer früheren Zeit besassen, und dies weist den konventionellen
militärischen Kapazitäten der NATO einen höheren Wert zu.
Sollte es in einem früheren Zeitabschnitt nicht so wichtig gewesen
sein, so ist es heute doch für die Staaten der NATO ganz sicher von entscheidender Bedeutung, sicherzustellen, daß wir über eine glaubwürdige Abschreckung - nuklearer und nicht-nuklearer Art - über das ganze Spektrum
der Risiken hinweg verfügen, um für die Sowjetunion nicht die Möglichkeit
eines Wagnisses zu minimalen Kosten zu bieten und die Möglichkeit eines
Nuklearkrieges auszuschalten. Niemand will einen Krieg. Und wenn wir die
geeigneten Schritte tun, dann ist ein Krieg auch nicht zu erwarten. Aber
jedenfalls ist ein Krieg weniger wahrscheinlich, wenn wir sowohl über eine
nukleare wie eine nicht-nukleare Abschreckung verfügen. Und in einer Zeit,
in der die Folgen

eines Krieges weltzerstörerisch sein könnten, scheint

mir die durch angemessene Abschreckungsstreitkräfte gewährte Sicherheit
doch wohl ihre Kosten wert zu sein.
Wir haben auch die Behauptung gehört, daß die NATO kein Gegengewicht
an konventionellen Streitkräften gegen den Warschauer Pakt zu in Friedenszeiten irgendwie auch nur annehmbaren Kosten erstellen könne. Zwar sind
im mittleren Raum Europas die Streitkräfte des Warschauer Paktes denen der
NATO zahlenmäßig etwas überlegen, doch ist dies weder hoffnungslos noch besonders beruhigend..Tatsache jedenfalls ist, daß die NATO bereits über einen
großen Teil der Kapazitäten verfügt, die für eine starke konventionelle Verteidigung notwendig sind. Während bedeutsame Verbesserungen in der Tat notwendig sind, kann die NATO doch die bei ihr vorhandenen Mängel mit begrenzten zusätzlichen Anstrengungen überwinden, wenn die NATO-Staaten, einschließlich der Vereinigten Staaten, darauf achten, daß unsere Verteidigungsanstrengungen sich ergänzen, wenn wir gewährleisten, daß unsere Hilfsquellen
dort eingesetzt werden, wo sie am meisten benötigt werden, und wenn wir

-2-

�wir klug und entschlossen sind, eine ständige Verteidigungsanstrengung zu
unternehmen.
Es gibt keinen eigentlichen Grund, warum die NATO gegenüber dem Warschauer Pakt eine Unterlegenheit hinsichtlich der konventionellen Streitkräfte akzeptieren müßte. In den grundsätzlichen Positionen ist die NATO
dem Warschauer Pakt ganz erheblich überlegen. Die Bevölkerungszahl des
Bündnisses liegt um 54 Prozent höher. Unsere vereinten Bruttosozialprodukte sind um über das Dreifache größer. Was wir jetzt tun müssen, ist, die
Hilfsquellen der NATO, die für die konventionellen Streitkräfte in Europa
eingesetzt werden, genauer auf den Charakter der von den Staaten des Warschauer Paktes ausgehenden Bedrohung abzustellen,, Und - auf einer grundsätzlicheren Ebene - wir müssen der Tatsache entgegensehen, daß die Alternative für ein angemessenes konventionelles Potential der NATO in Europa
ein schnellerer Rückgriff auf Kernwaffen wäre, mit all den Risiken, die
eine solche Politik in unserer Ära der nuklearen Parität mit sich bringt.
Es ist ferner gesagt worden, daß unsere Verbündeten sich keine Gedanken über ihre eigene Verteidigung machten oder daß sie nicht gewillt seien,
einen fairen Teil der Lasten zu tragen. Diese Behauptung wird den in den
letzten Jahren gemachten beträchtlichen Anstrengungen nicht zur Genüge gerecht. Der frühere Verteidigungsminister Richardson hat im März 1973 in
seinem Jahresbericht an den Kongreß auf die in den letzten drei Jahren vorgenommenen Erhöhungen der Verteidigungsausgaben der Verbündeten verwiesen
- die Verteidigungshaushalte der Verbündeten liegen um 30 Prozent höher als
1970, wobei weitere beträchtliche Erhöhungen in dem britischen und dem
deutschen Verteidigungshaushalt für dieses Jahr geplant sind. Der stellvertretende Außenminister Rush, der vorher selbst stellvertretender Verteidigungsminister war, hat Ihnen gestern über einige der europäischen Modernisierungsprogramme berichtet. Ich kann Ihnen versichern, daß diese erhöhten Ausgaben und die neuen Programme sowie die bereits für die Zukunft geplanten Programme einen beträchtlichen Beitrag zu dem Potential der NATOStreitkräfte darstellen.
Ferner

3-

�(
\

Ferner trägt die Bundesrepublik Deutschland, wie Sie wissen, dazu bei,
durch beachtliche Maßnahmen einen Ausgleich für die Kosten unserer Truppen
in Deutschland zu schaffen. Das derzeitige Abkommen zwischen unseren beiden
Ländern beläuft sich für die Jahre 1972 und 1973 auf über zwei Milliarden
Dollar. Ein neues Abkommen für den nächsten Zeitraum wird jetzt ausgehandelt. ..
Dies soll nicht besagen, daß die gegenwärtige Stärke der amerikanischen
Truppen in Europa nicht verändert werden kann. Dies soll nur besagen, daß
wir - bei den konventionellen wie auch bei den strategischen Streitkräften die Stärke unserer Truppen in einer Relation zu den gegnerischen Truppen
festlegen sollten und zwar unter voller Berücksichtigung der Kapazitäten
unserer Verbündeten...
Alles in allem stehen unsere Truppen nach über 20 Jahren immer noch in
Europa - nicht aufgrund einer schlechten Politik; nicht aufgrund von Untätigkeit; nicht, um unseren europäischen Verbündeten die Mühen und Kosten
ihrer eigenen Verteidigung zu ersparen; nicht, um lediglich eine amerikanische 'Präsenz8 aufrechtzuerhalten, und nicht, um lediglich als •Stolperdraht* zu dienen. Unsere Truppen stehen vielmehr in Europa, weil die Stärke
der von der Sowjetunion und deren Verbündeten dislozierten Truppen nicht
verringert worden, ja in Wirklichkeit ständig erhöht worden ist; weil eine
vorgeschobene Verteidigung gemeinsam mit unseren Verbündeten für die Vereinigten Staaten die bestmögliche Verteidigungsposition bedeutet; weil unsere
Truppen wesentlich zu dem konventionellen

militärischen Gleichgewicht zwi-

schen der NATO und dem Warschauer Pakt beitragen - ein Gleichgewicht, das
in einer Zeit der nuklearen Parität von größerer und nicht von geringerer Bedeutung ist- und weil die kollektive militärische Stärke des Bündnisses zur
Gewährleistung der politischen Stabilität sowie zur Stärkung der Aussichten
auf eine Entspannung zwischen Ost und West ohne nichtakzeptierbare Risiken
beiträgt.
Ich

-4-

�Ich bin mir voll im Klaren darüber, daß viele im Kongreß eine umgehende Reduzierung der amerikanischen Truppenstärke in Europa wünschen. Aber ich
kann Ihnen nicht guten Gewissens eine einseitige Reduzierung zu diesem entscheidenden Zeitpunkt empfehlen. Zum ersten Male seit dem zweiten Weltkrieg
hat die Sowjetunion ein ernsthaftes Interesse an einer Verhinderung der
Spannungen in Europa sowie an Verhandlungen über beiderseitige Truppenreduzierungen gezeigt. Es wäre in der Tat unbesonnen, wenn wir diesem Prozeß,
der so gut begonnen hat, nicht eine Chance geben würden. Ferner sollten Sie
sich darüber im klaren sein, daß, falls der Kongreß einseitige Reduzierungen der konventionellen Truppen beschließen sollte, die einzig mögliche Alternative zu einer anfänglichen konventionellen Verteidigung ein frühzeitiges Zurückgreifen auf den Einsatz von Nuklearwaffen wäre - eine Alternative,
die, wie Sie wissen, andere Administrationen abgelehnt haben. Meines Erachtens steht für uns politisch zu viel auf dem Spiele und sind die potentiellen Folgen für unsere Sicherheit viel zu groß, als daß wir die sich aus einseitigen Truppenreduzierungen ergebenden unvermeidbaren Risiken akzeptieren könnten.
Was ich empfehle, sind engere Konsultationen zwischen Kongreß und Exekutive mit dem Ziel, eine konventionelle Truppenstärke in Europa zu unterhalten, die unserem Interesse an Europa Rechnung trägt, die dem Fortschritt
der Verhandlungen mit dem Warschauer Pakt entspricht und die die Möglichkeit
einer größeren Aufteilung der Lasten innerhalb des Bündnisses berücksichtigt.
Dies ist der Weg, der meines Erachtens für die Vereinigten Staaten größte
Sicherheit und maximalen Vorteil bringen würde. Aus diesem Grunde ersuche ich
Sie nachdrücklich, Vorschläge für einseitige
sitiv zu entscheiden."

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Truppenreduzierungen nicht po-

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FINANZMINISTER ERÖRTERN NOCH OFFENE WAHRUNGSFRAGEN
Von Eugene Brake
WASHINGTON «.-(AD)-« Nachdem die technischen Experten alle im Rahmen ihrer
Vollmachten liegenden Möglichkeiten ausgeschöpft haben, um einen gemeinsamen
Weg zur Errichtung eines neuen internationalen Währungssystems zu finden,
werden sich nunmehr die Finanzminister, die letztlich ohnehin die politisch
delikaten Entscheidungen zu treffen haben, mit den noch verbliebenen Problemen befassen.
Das Ergebnis der dreitägigen Beratungen des Stellvertreterausschusses
in Washington hat sein Vorsitzender Jeremy Morse zusammengefaßt, als er am
13. Juli betonte, die soeben beendete Konferenz sei insofern von besonderem
Interesse gewesen, als in den Sitzungen wie auch außerhalb des Verhandlungsraumes eine Reihe von Vorschlägen gemacht worden seien, um die noch verbliebenen Probleme durch Kompromisse, durch eine Kombination bereits vorliegender Vorschläge oder auch durch neue Vorschläge zu lösen. Zwar sei nur eine
geringe weitere Annäherung der Standpunkte erzielt worden, aber die schon
früher für den 30. und 31. Juli nach Washington einberufene Ministersitzung des Zwanziger-Ausschusses sei genau zu dem richtigen Zeitpunkt anberaumt worden.
Morse

�Morse zeigte sich hinsichtlich der Fortschritte bei den Reformgesprächen keineswegs pessimistisch und wies darauf hin, daß jetzt ein entscheidendes Stadium erreicht worden sei, in dem Entscheidungen getroffen werden
und die Stellvertreter hierzu Anweisungen von den Minister erhalten müßten.
In dem Ministerausschuß wie auch im Stellvertreterausschuß der ZwanzigerGruppe sind praktisch alle Mitglieder des Internationalen Währungsfonds
(IWF) -entweder direkt oder indirekt- vertreten.
Verschiedene, in einem engen Zusammenhang miteinander stehende entscheidend wichtige Fragen harren immer noch einer Lösung. Wie strikt sollen
zum Beispiel die Bestimmungen für eine Anpassung von Zahlungsbilanzen gehandhabt werden? Und wie einschneidend dürfen die Bestimmungen über Konvertierbarkeit und das Ausgleichssystem sein?
Alle Stellvertreter stimmen offensichtlich darin überein, daß in dem
künftigen internationalen Währungssystem Länder mit großen und ständigen
Zahlungsbilanzüberschüssen und Defizitländer gemeinsam dafür verantwortlich •
sind, daß ein Ausgleich der internationalen Geldtransaktionen gewährleistet
ist - entweder durch Anhebungen der Wechselkurse der betreffenden Währungen
oder durch andere wirksame Maßnahmen. Die Frage ist lediglich, wieviel Druck
seitens der internationalen Völkergemeinschaft auf ein Überschußland ausgeübt werden und wieviel Handlungsfreiheit einer Regierung eines solchen Landes bleiben sollte.
Der amerikanische Vorschlag enthält objektive Indikatoren, die aussagen, wann ein Überschußland handeln muß. Es war unter anderem angeregt worden, daß die Höhe der Reserven eines Landes den besten Indikator abgeben
würde. Nach den Worten von Morse hat sich eine beträchtliche Annäherung der
Ansichten auf diesem Gebiet vollzogen, seit die Vereinigten Staaten im vergangenen September erstmalig diesen Gedanken vorgetragen haben.
Die

-2-

�Die USA haben von Anfang an klarzustellen versucht, daß die Art der
Maßnahme - Wechselkursanpassung, Handelsliberalisierung, Erhöhung der Auslandshilfe usw. - der betreffenden Regierung überlassen bleiben sollte. Es
besteht jetzt weitgehende Übereinstimmung darüber, daß andere Indikatoren
als eine Art Gegenprobe ebenfalls beobachtet werden sollten - vor allem
die Grundbilanz eines Landes, die den Zu-und Abfluß von Geldern aufgrund
der meisten nicht unter den Kapitalverkehr fallenden sonstigen internationalen Transaktionen ausweist. Ferner wurde allgemein akzeptiert - selbst von
denen, die zunächst skeptisch waren -, daß Indikatoren in dem neuen System
eine gewisse Rolle zu übernehmen haben.
Die entscheidende Frage ist jetzt: Die Vereinigten Staaten bestehen darauf, daß - sobald ein Indikator einen bestimmten Punkt erreicht hat und eine
internationale Lagebeurteilung nicht zu dem Schluß führt, daß der Indikator
ein falsches Signal gesetzt hat - davon ausgegangen werden muß, daß das betreffende Land zu handeln hat, sofern nicht ein internationales Gremium eine
gegenteilige Entscheidung trifft. Andere Verhandlungsteilnehmer würden es
jedoch lieber sehen, wenn die Indikatoren nur generell auf die Notwendigkeit
hinweisen, daß ein Land handeln sollte.
Was die neuen Bestimmungen über Konvertierbarkeit und das Ausgleichssystem anbetrifft, so wird es das wichtigste Ziel sein, sicherzustellen, daß
keine nationale Währung in einem Ausmaß als Reservewährung benutzt wird, die
es dem betreffenden Lande ermöglichen würde, auf unbegrenzte Zeit hinaus Zahlungsbilanzdefizite auszuweisen. In der Vergangenheit sah sich zum Beispiel
der amerikanische Dollar in einer solchen Position.
Es besteht auch allgemein Übereinstimmung darüber, daß die Sonderstellung des Dollar beendet werden sollte und keine andere nationale Währung an
seine Stelle treten dürfe. Aber offensichtlich gehen die Meinungen immer
noch weit darüber auseinander, wie streng die Bestimmungen über eine weitere
Anhäufung nationaler Währungen für Reservezwecke gehandhabt werden sollen.
Ein

3

�Ein anderer noch offener Punkt ist die künftige Rolle der IWF-Sonderziehungsrechte. Alle Konferenzteilnehmer waren sich darüber einig, daß das Gold
wie auch der Dollar in dem künftigen internationalen Währungssystem eine geringere Rolle spielen sollten. Doch hinsichtlich der Rolle der Sonderziehungsrechte, die an deren Stelle treten würden, blieben zahlreiche Fragen
offen.
Auch hinsichtlich der gegenwärtig im Ausland vagabundierenden US-Dollar
wußte die Konferenz noch keine endgültige Antwort zu geben. Diese Frage kann
praktisch erst im Zusammenhang mit einer Entscheidung über Sonderziehungsrechte gelöst werden. Und bei der Frage, in welchem Zusammenhang die Zuteilung von Sonderziehungsrechten und die Hilfe an die Entwicklungsländer zu
sehen sei, die auf der Tagung erörtert worden war, gehen die Ansichten noch
weit auseinander. Zahlreiche Entwicklungsländer wünschen direkte Sonderzuteilungen von Sonderziehungsrechten als Entwicklungshilfe. Andere Länder möchten
den internationalen Finanzierungsgremien Sonderziehungsrechte zugeteilt wissen. Und wieder andere Länder sind gegen jede derartige Bindung, weil sie be?fürchten, daß dadurch die Rolle der Sonderziehungsrechte als internationale
Reservewährung beeinträchtigt wird.
I

Die Stellvertreter werden die offenen Fragen nunmehr am 30. und 31. Juli
ihren Ministem vortragen, die sie erörtern, aber über die sie noch nicht
entscheiden werden. Auch ist im Anschluß an die Ministertagung nicht mit einem
Kommunique zu rechnen. Doch werden die Finanzminister unmittelbar vor der Jahrestagung des IWF in Nairobi, wahrscheinlich am 22. und 23. September, erneut
zusammenkommen, und auf dieser Sitzung hoffen sie dann, die meisten der anstehenden Fragen lösen zu können. Doch auch dann, wenn auf dieser Septemberkonferenz der Finanzminister eine allgemeine Übereinstimmung erzielt wird,
dürfte es noch eines weiteren Jahres technischer Vorbereitungen bedürfen, bis
die Verträge abschlußreif sind. Doch können zahlreiche wichtige Punkte bereits
lange vor der offiziellen Bestätigung in Kraft gesetzt werden. Morse konnte
also am 13. Juli mit Recht sagen, daß die Verhandlungen nunmehr in ein wichtiges Stadium eintreten.

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27/1973
USA RECHNEN FÜR 1973 MIT WESENTLICH HÖHEREN ERNTEERTRÄGEN
Von John Uhler

WASHINGTON — ( A D ) — Die diesjährige Ernte in den Vereinigten Staaten
wird bei den meisten Agrarprodukten weitaus höhere Erträge als 1972 erbringen. Nach Ansicht maßgebender Regierungsstellen ist es jedoch noch zu
früh, jetzt bereits sagen zu können, ob die tatsächlich erzielten Ernteerträge ausreichen werden, um den einheimischen Bedarf wie auch die inter»
nationale Nachfrage voll befriedigen zu können. Eine Entscheidung darüber,
inwieweit nach dem Einbringen der Ernte die Exportbeschränkungen noch beibehalten werden müssen oder ob sie voll aufgehoben werden können, ist kaum
vor dem 9. August zu erwarten. Zur Zeit sind die Exporte von Sojabohnen
und Sojabohnenerzeugnissen Beschränkungen unterworfen, und bei 48 weiteren
Agrarerzeugnissen sind die Exporteure gehalten, alle Exportaufträge zu
meiden.
Nach den am 10. Juli vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium veröffentlichten neuesten Ernteschätzungen wird für Mai bei einer um neun Prozent größeren Anbaufläche mit rund 150 Millionen metrischen Tonnen ein
um sechs Prozent höherer Ertrag als 1972 erwartet. Bei Sojabohnen ist die
Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent und gegenüber 1971 sogar
um 31 Prozent erweitert worden, während die Erträge mit rund 43 Millionen

-1-

�43 Millionen metrischen Tonnen um 24 Prozent über der vorjährigen Ernte
liegen dürften. Dagegen ist bei Upland-Baumwolle die Anbaufläche um sechs
Prozent zurückgegangen; sie liegt aber immer noch um sechs Prozent höher
als 1971. Bei Weizen wird eine Ernte von 47 Millionen metrischen Tonnen
erwartet; 13 Prozent mehr als im Vorjahr und 8 Prozent mehr als 1971.
Auch Tabak dürfte bei einer um 5 Prozent erweiterten Anbaufläche mit rund
520 000 Tonnen einen um 13 Prozent höheren Ertrag als im Vorjahr erbringen.
Die nächste Erntevoraussage des US-Landwirtschaftsministeriums wird
für den 9. August erwartet. Die Landwirtschaft selbst hat die diesjährigen
Ernteaussichten, wie eine Umfrage vom 1. Juli ergab, zwischen gut und ausgezeichnet bezeichnet. Und ein führender Vertreter des Landwirtschaftsministeriums meinte dieser Tage, trotz Überschwemmungen, Treibstoff»und Düngemittelverknappungen sowie Transportengpässen hätten die Optimisten wieder
die Führung übernommen. Der Unterstaatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium, Carroll Brunthaver, erklärte am 10. Juli sogar, "wenn das Wetter weiter gut bleibt, werden wir eine Rekordernte haben".
Aber auch bei Fleisch und Molkereierzeugnissen wird sich nach Ansicht
des Landwirtschaftsministeriums aufgrund der positiven Ernteschätzungen
eine Entspannung anbahnen. Bei einer sofortigen Aufhebung des Preisstopps
für Lebensmittel, so wird allerdings eingeräumt, dürften die Fleischpreise
gleich ansteigen. Längerfristig werde jedoch der inflationistische Druck
nachlassen, und eine gute Ernte dürfte dann mit Sicherheit auch eine Lockerung des Preisstopps in der Phase IV zulassen.
In diesem Zusammenhang wird von Seiten des Landwirtschaftsministeriums
erneut unterstrichen, daß die Sojabohnenexporte im laufenden Erntejahr
- trotz der gegenwärtigen, vorübergehenden Exportbeschränkungen - im 14.
aufeinanderfolgenden Jahr wieder einen neuen Höchststand erreichen werden,
wobei die Zuwachsrate gegenüber dem Erntejahr 1971/72 rund 19 Prozent betragen werde. Die Sojabohnenexporte würden sich auf 13,3 Millionen metrische Tonnen - 11,3 Millionen metrische Tonnen im vorangegangenen Erntejahr -

-2-

�Erntejähr - und bei Sojabohnenschrot auf 4,3 Millionen metrische Tonnen
- gegenüber 3,5 Millionen metrische Tonnen im letzten Erntejahr - stellen.
Dabei wird darauf hingewiesen, daß zum Beispiel die Nachfrage nach Sojabohnenschrot in den USA um 7 Prozent hinter dem letzten Jahr zurückgeblieben
sei. Aufgrund des gegenwärtigen Nachfragestosses aus dem Ausland, so wird
betont, hätten jedoch zur Sicherstellung des eigenen Bedarfs Exportkontrollen
verfügt werden müssen. Im Augenblick sei nicht ganz klar, ob ein Teil der
Auslandsnachfrage nicht spekulativer Natur sei, da sich der Handel angesichts der steigenden Preise rechtzeitig habe eindecken wollen. So seien
die Preise für Sojabohnenschrot von 100 Dollar pro metrische Tonne im Oktober 1972 auf 365 Dollar im Juni angestiegen und bis zum 10. Juli wieder auf
184 Dollar zurückgegangen. Gerade bei Sojabohnen, Weizen und Mais seien
aber Auslandskontrakte in einer beträchtlichen Größenordnung bisher noch
nicht realisiert worden. Es könne also theoretisch durchaus der

Fall ein-

treten, daß bei weiterer Ausweitung der Anbaufläche in den USA und steigenden Ernteerträgen bereits in einem Jahr wieder bei verschiedenen Agrarprodukten in den Vereinigten Staaten beträchtliche Überschüsse anfielen.

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27/1973

MATERIALPOLITIK - SCHLÜSSELELEMENT EINER NEUEN "UMWELTETHIK"
-Arbeitsgruppe des US-Forschungsrates veröffentlicht Bericht "Mensch,
Materialien und Umwelt"— ( A D ) — Ein umfassender Bericht mit Empfehlungen zur Material-und industriellen Produktionspolitik, den die Arbeitsgruppe Umweltstudien des Nationalen
Forschungsrates der USA zusammengestellt hat, wurde kürzlich von der "National Commission on Materials Policy" in Washington veröffentlicht. Der Report mit dem Titel "Man, Materials and Environment" (Mensch, Materialien
und Umwelt) versucht unter Berücksichtigung internationaler, wirtschaftlicher, gesundheitlicher und versorgungstechnischer Aspekte der Probleme von
Umweltschutz und Rohstoffversorgung Richtlinien für eine Neuorientierung der
nationalen Politik auf Regierungs-und Wirtschaftsebene zu geben. In dem 227
Seiten starken Bericht wird eine "neue Umweltethik in bezug auf die Innenund Außenpolitik und bei öffentlichen und privaten Entscheidungen" gefordert, da "Energie, Materialien, Land, Wasser, Bevölkerung, Qualitätsminderung und Verschmutzung der Umwelt ein Geflecht ineinander verwobener Elemente darstellen, von denen keines gesondert und schon gar nicht im Zusammenhang mit politischen Grenzen betrachtet werden kann...".
Die Verfasser fordern u.a. eine Regierungspolitik, die der Verschwendung von so wichtigen chemischen Rohstoffen wie Mineralöl und Erdgas als
Ausgangsmaterialien für die Energieproduktion ein Ende bereitet. Als Energie-

-l-

�Energiequelle stehe z.B. Kohle, deren Aufbereitung zu sauberen Brennstoffen vorangetrieben werden müsse, ausreichend zur Verfügung. Die Vereinigten Staaten und die anderen Industrieländer müßten gewisse Vorstellungen
aufgeben oder zumindest ändern, die lange Zeit als richtungweisend galten;
1) Verwendung natürlicher Hilfsquellen entsprechend der Nachfrage
der Öffentlichkeit nach Waren und Dienstleistungen und dem Bestreben der
Produzenten, die Märkte auszuweiten;
2) die Vorstellung, daß steigende Produktionsziffern, Mehrverbrauch
pro Kopf der Bevölkerung von Industrieprodukten sowie höherer Verbrauch an
Materialien und Energie ein Maßstab für die Verbesserung der sozialen Verhältnisse seien;
3) daß technologische Entwicklungen so wie bisher auch künftig zum
pro Kopf-Materialbedarf beitragen und ihn sogar beschleunigen müßten.
Vielmehr sollten sich Regierung und Wirtschaft darauf konzentrieren,
Produkte von größerer Lebensdauer auf den Markt zu bringen anstatt ihr Veralten

schon von vorneherein einzuplanen. Sie sollten ferner durch die Ver-

wendung bestimmter Materialien und Produktionsverfahren den Einsatz von Gebraucht-und Altmaterial erleichtern und die Interessen der Konsumenten auf
Produkte lenken, die zu einer Verringerung der Umweltbelastungen führen können. Die Kosten für den Umweltschutz sollten bei allen Industrieprodukten
von vorneherein einkalkuliert werden. Die mit einer solchen Neuorientierung
einhergehenden Veränderungen der Produktionsmaschinerie, die Abkehr von der
bisherigen Konzentration auf knappe Rohstoffe und von dem rapide steigenden
Energieverbrauch sowie die Anpassung an Normen, die der Umweltschutz einfach
verlange, seien nicht gleichbedeutend mit sinkendem Lebensstandard, Rückgang der Produktion und der Beschäftigtenzahl. Wirtschaftliches Wachstum sei
so betont der Bericht, auch unter diesen neuen Aspekten gesichert, vor allem
auf den Sektoren, wo Umweltschutz gebührend berücksichtigt werde. Allerdings
sei im Laufe der Zeit mit erheblichen Schwerpunktverlagerungen auf dem Arbeitsmarkt zu rechnen.

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SKYLAB-RADAR MISST STURMWELLEN
-Synchronbeobachtungen von Bord eines Forschungsflugzeuges--(AD)-- In einer bisher einzigartigen "Versuchsanordnung" wurde der
Hurrikan Ava, der erste Wirbelsturm der diesjährigen Saison, im Ostpazifik, von Bord einer als fliegendes Laboratorium ausgerüsteten
C-130 und aus der SKYLAB-Raumstation gleichzeitig beobachtet. Das Forschungsflugzeug flog ca. 500 km südwestlich von Acapulco (Mexiko) in
das Sturmgebiet ein und führte eine Anzahl von Messungen in Höhen zwischen 150 und 3 000 m durch. Gleichzeitig passierte SKYLAB in 435 km
Höhe mehrmals diese Region.
Den Wissenschaftlern des US-Bundesamtes für Meeres-und Atmosphärenforschung ging es vor allem um die Klärung der Frage, in welchem Umfang
es möglich ist, aus dem Weltraum mit Radar und anderen Spezialinstrumenten den Seegang zuverlässig zu messen und Sturmgebiete auch unter diesem
Gesichtspunkt ausmachen zu können. Deshalb war die C-130 mit ähnlichen
Meßinstrumenten ausgerüstet, wie sie sich auch an Bord der SKYLAB-Raumstation befinden und bei den bevorstehenden Missionen SKYLAB II und III
zur Erdbeobachtung eingesetzt werden sollen. Das Flugzeug gelangte in
150 m Höhe in die Sturmfront, flog dann weiter bis zu einem Bereich, in
dem 65 Knoten Windgeschwindigkeit gemessen wurden

und stieg anschlies-

send auf 3 000 m, um in das kreisrunde "Auge" des Orkans vorzustoßen.

-l-

�vorzustoßen. Über die kurze Strecke von nur 16 km steigerten sich die
Windgeschwindigkeiten von 60 auf 130 Knoten.
Der Hurrikan Ava, der weder Land berührte noch irgendwelchen Schaden
anrichtete, machte sich am 2. Juni ca. 350 km südlich von Salina Cruz in
Mexiko zum ersten Mal als Wirbelsturm bemerkbar. Er wanderte bis zum 8. Juni
in westlicher Richtung, um anschließend nach West-Nordwest zu drehen, wobei er sich immer weiter abschwächte. Am 6. Juni registrierte ein Wetterflugzeug der US-Luftstreitkräfte im Sturmzentrum (Durchmesser 27 km) den
extrem niedrigen Druck von 915 Millibar. Als maximale Windgeschwindigkeit
wurden 140 Knoten gemessen. Ava zählt demnach zur Kategorie der Superhurrikane.
Bei den Radar-und Laserausrüstungen zur Höhenmessung an Bord des Flugzeuges und von SKYLAB handelt es sich um aktive Sensoren. Als Wellenlänge
werden 1,4 Gigahertz und 13 Gigahertz benutzt ( 1 Gigahertz=l Milliarde
Schwingungen pro Sekunde). Für Funkwellen im 1,4-Gigahertz-Bereich sind mit
Wasser beladene Sturmwolken völlig, für 13 Gigahertz begrenzt "durchsichtig",
so daß durch Abtasten der Wasseroberfläche die Höhe der Wellenberge und
die Rauhigkeit der See ermittelt werden kann. Die Messungen ergaben im offenen Meer maximale Wellenhöhen von 12 m in etwa 160 km Abstand vom "Auge"
des Hurrikans. Auffallend war eine unerwartet starke Schaumbildung an der
Wasseroberfläche, die ein passives Mikrowellen-Meßinstrument ausmachte. Dieses Phänomen ist nach Meinung der Wissenschaftler für die bei einem Wirbelsturm auftretenden Wechselwirkungen zwischen Meer und Atmosphäre besonders
aufschlußreich.

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EINFACHER BLUTTEST AUF BLEIVERGIFTUNG
--(AD)-- Wegen der verhältnismäßig großen Menge an venösem Blut, das für
eine Untersuchung auf Bleivergiftung erforderlich ist, bereitet es bei
Kindern, vor allem bei Kleinkindern, oft große Schwierigkeiten, die notwendigen Untersuchungen vorzunehmen. Toxische Industrieabgase oder auch
Bleifarben, wie sie als Anstrich in den Wohnungen von alten Stadtvierteln
noch angetroffen werden, sind die Ursachen für solche Vergiftungen, die
beispielsweise allein im Staate New York 380 000 Kinder im Alter zwischen
1 und 5 Jahren gefährden.
Um Massenuntersuchungen an diesen Kindern durchführen zu können, entwickelten Dr. Douglas G. Mitchell, Dr. Kenneth M. Aldous und Dr. Gordon
B. Patrie vom Gesundheits-Department des Staates New York einen neuen,
gegenüber früheren Verfahren erheblich vereinfachten Bluttest auf Blei.
Und da dafür nur ein paar Blutstropfen aus der Fingerspitze genügen, sind
nicht nur die technischen, sondern auch die psychologisch bedingten Schwierigkeiten wesentlich geringer als bei der Anwendung des bisherigen Verfahrens. Denn die Angst der Kinder vor der Prozedur der Blutentnahme bewog
manche Eltern, die Untersuchung zu meiden.
Mit Hilfe eines Analysenautomaten und der Auswertung der Ergebnisse
durch einen Computer wird bei dem neuen Verfahren der Bleispiegel im Blut
schnell, zuverlässig und mit geringeren Laborkosten als bei allen bisher

-1-

�bisher angewandten Meßverfahren bestimmt. Für die Vorarbeiten leisteten die
Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (N1H) erhebliche Zuschüsse.
Da bei Kindern leicht die Gefahr besteht, daß das Analysenergebnis
bei einer Blutabnahme an den Fingerspitzen trotz vorausgegangener Reinigung
durch Schmutz-oder Fremdstoffe auf der Haut verfälscht wird, gingen die
New Yorker Ärzte dazu über, zuvor eine Schicht Kollodium aufzusprühen. Nachdem diese getrocknet ist und einen Film gebildet hat, ist es überaus einfach, mit der Blutlanzette diesen Film und die Haut zu durchstechen und ein
paar Blutstropfen aus der Fingerspitze zu drücken, ohne daß dabei Fremdstoffe in die Blutprobe gelangen. Der Test wurde sowohl an Erwachsenen
als auch an Kindern von ein bis sieben Jahren erprobt, wobei sich die oben
beschriebene Technik als die günstigste erwies.
Ein weiterer Vorteil ist die Schnelligkeit, in der die Analyse im
Laborautomaten durchgeführt wird. Von der Verdampfung der Probe bis zum
ausgedruckten Ergebnis vergehen nur 10 Sekunden. Das Verfahren soll jetzt
im gesamten Staat New York angewendet werden. Wie die bisherigen Ergebnisse von Tests auf Blei zeigen, war bei 10 Prozent aller untersuchten Kinder der Bleispiegel gefährlich hoch.

+++

-2-

�BERICHTIGUNGEN

In der Nummer 26/1973 muß es in dem Beitrag von Eugene Brake
"US-Notenbank verfügt über beträchtliche Mittel zur Dollar-Stützung"
im zweiten Absatz letzter Satz richtig heißen: "Im Rahmen der Swap-Vereinbarungen könnten aber auch die ausländischen Notenbanken, falls
notwendig, Dollar bis zu einem Betrage von 17 980 Millionen Dollar
für etwaige Interventionen aufnehmen."

Lesen Sie bitte außerdem unter"Wissenschaft und Technik" die Überschrift des zweiten Artikels richtig:
US-Wissenschafts-und Technologiepolitik:

�</text>
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