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                    <text>AMERIKA DIENST
%

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Ä&lt;

2 . November 1988

40

*

INHALT

DOKUMENTATION

Reagan kündigt "energisches Vorgehen" In der Außenpolitik an
- Rede des Präsidenten vor dem World Affairs Council in
Los Angeles -

INFORMATION

Kampf gegen Drogen - eine Aufgabe der Gesellschaft
- Einzelaktionen können nichts mehr ausrichten -

WIRTSCHAFT

Zusammenarbeit für ein Vereintes Europa
- Von C. William Verity -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
\ o N

^

Dokumentation

2. November 1988

40

REAGAN KÜNDIGT "ENERGISCHES VORGEHEN" IN DER AUSSENPOLITIK AN
- Rede des Präsidenten vor dem World Affairs Council von Los Angeles LOS ANGELES - (AD) - Mit der Feststellung, seine Administration habe in
acht Jahren "in kürzerer Zeit mehr" erreicht als selbst die "größten Optimisten hätten annehmen können", versprach Präsident Reagan in einer am 28. Oktober 1988 vor dem World Affairs Council von Los Angeles gehaltenen Rede während
der ihm noch verbleibenden Amtszeit ein "energisches Vorgehen" in wichtigen
außenpolitischen Fragen. Dazu gehören unter anderem weitere Portschritte zur
Beilegung regionaler Konflikte in Angola, Afghanistan, Kambodscha und insbesondere Mittelamerika, die entschiedene Weiterführung von "Forschung, Entwicklung und Erprobung" der Strategischen Verteidigungsinitiative sowie die Aufrechterhaltung einer starken Verteidigung.
Nachfolgend veröffentlichen wir Reagans Ansprache im Wortlaut:

Ich freue mich, wiederum vor dem
World Affairs Council sprechen zu
dürfen. Vieles von dem, über das ich
heute sprechen möchte, betrifft den
wesentlichen Zweck dieser Organisation:
Durch öffentliche Diskussion
einen demokratischen Konsens zur Unterstützung einer starken amerikanischen Außenpolitik zu entwickeln.
Vor diesem Hintergrund hat der Council eine bemerkenswerte und sehr notwendige Arbeit geleistet.
Die Bedeutung Ihrer Arbeit tritt
besonders heute in der Endphase eines
Wahlkampfes zutage, eines Wahlkampfes, im Verlauf dessen das amerikanische Volk sich zu den Themen Krieg
und Frieden, Demokratie und Totalitarismus äußern - und Entscheidungen
treffen wird, die die Welt und unse-

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Embassy of the United States of America

ren Konsens in der Außenpolitik auf
lange Zeit beeinflussen werden.
Diese Wahl findet ferner nach
einem der wichtigsten und bedeutendsten Jahre in der Geschichte dieser
Außenpolitik statt. Heute sind wir
hoffnungsvoll - und in diesem Moment
müssen wir uns vergegenwärtigen, daß
dies nur Hoffnungen sind -, daß unsere Kinder das Jahr 1988 einmal als
Wendepunkt in jenem großen Kampf zwischen Licht und Finsternis betrachten
werden, den wir als den Kalten Krieg
bezeichnen.
In einer Reihe von Reden - zuletzt vor den Vereinten Nationen habe ich dieses Jahr über die außergewöhnlichen Fortschritte gesprochen,
die wir an so vielen Fronten erzielt

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�haben, daß wahrhaft "an allen Ecken
und Enden der Frieden ausbricht".
Selbst in den wenigen Wochen nach
meiner Rede vor der Vollversammlung
konnten wir feststellen, wie weitere
Fortschritte zur Beilegung regionaler
Konflikte, etwa in Angola, Kambodscha, Afghanistan, dem Persischen
Golf und andernorts stattfanden - regionale Konflikte, die einst als unlösbar galten.
Der INF-Vertrag ist in Kraft getreten; wir waren Zeugen, wie russische und amerikanische Raketen - die
vormals immer zahlreicher wurden und
bereitstanden, massive Zerstörungen
zu bewirken - in den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion selbst
zerstört wurden. In einer Reihe anderer Bereiche finden Rüstungskontrollgespräche statt oder stehen kurz
bevor: chemische Waffen, konventionelle Rüstung, Kernwaffenversuche und
natürlich die START-Gespräche über
strategische Offensivwaffen.
Wiederholt haben wir auf folgende
Tatsache hingewiesen:
Was in der
Vergangenheit Fortschritte in diesen
Bereichen verhindert hat - ja, was
den Kern des Kalten Krieges gebildet
hat - war nicht ein Zusammenbruch der
Kommunikation oder ein riesiges Mißverständnis zwischen Ost und West.
Ganz im Gegenteil, die grundlegende
Ursache war das Verständnis, nicht
ein Mißverständnis. Und hiermit meine ich den klaren Konsens, der sich
im Westen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg
in
mehreren
entscheidenden
Punkten bildete:
über den wahren
Charakter des sowjetischen Regimes,
den fundamentalen Unterschied zwischen Totalitarismus und Demokratie
sowie die moralische Pflicht, der
durch den sowjetischen Expansionismus
hervorgerufenen internationalen Bedrohung der Menschenrechte entgegenzutreten. Es waren diese Realitäten
- kein unglückliches oder vermeidbares Mißverständnis -, die zu den
Spannungen zwischen Ost und West
führten. Und wenn wir diese Lehre
vergessen, setzen wir uns höchster
Gefahr aus.

Glücklicherweise stellen wir aber
auch gerade in diesem Bereich die ermutigendsten Veränderungen fest. Jede neue Ausgabe der Morgenzeitungen
scheint Nachrichten darüber zu enthalten, daß in der Sowjetunion Dinge
in Frage gestellt werden - die staatliche Kontrolle über die Industrie,
die Einschränkung der Menschenrechte
und sogar die Ideologie der Weltherrschaft, des Klassenkampfes in der
Weltpolitik, alles Punkte, die zwischen unseren Nationen unüberwindbare
Schranken geschaffen hatten.
Die Diskussionen über demokratische Reformen in der Sowjetunion
sind noch unverbindlich, kaum geeignet, sichere
Prognosen abzugeben.
Trotzdem erscheinen diese Veränderungen denjenigen unter uns, die an die
monolithische
Struktur der sowjetischen Gesellschaft gewöhnt sind,
bemerkenswert.
Noch nicht überzeugend, aber sicherlich bemerkenswert.
Wie ich selbst, so würden unter Ihnen
die meisten vor Jahren bei dem damaligen Stand der Beziehungen sicherlich Schwierigkeiten gehabt haben,
sich vorzustellen, wie ein amerikanischer Präsident mit seinem sowjetischen Gegenüber auf dem Roten Platz
spazierengeht, oder daß derselbe Präsident in den Leninhügeln zu den Studenten der Moskauer Staatsuniversität
über das Wunder und die Großartigkeit
der menschlichen Freiheit sprechen
würde.
Ferner stellen wir auch in Osteuropa Unruhe fest, wo Völker, denen
das Recht auf Selbstbestimmung seit
vier Jahrzehnten vorenthalten wurde,
nun die Grenzen eines neuen, scheinbar toleranteren Umfeldes erkunden.
In Polen sehen wir das Wiederaufleben
der freien Gewerkschaftsbewegung Solidarität, mit der zu verhandeln sich
die Regierung heute nach Jahren versuchter
Unterdrückung
gezwungen
sieht.
In
Ungarn
werden
kühne
Schritte in Richtung auf wirtschaftliche Reformen unternommen. In der
ganzen Region nimmt der Druck auf
Veränderungen - und auf Freiheit zu. Und falls es immer noch jemanden

- 2 -

�gibt, der das immense Ausmaß der in
den vergangenen acht Jahren erfolgten
Veränderungen bezweifelt, dann sollte
er vielleicht mit Amerikanern sprechen, die aus jenen Regionen stammen
und sie um ihre Meinung bitten. Er
sollte polnisch- oder ungarischstämmige Amerikaner fragen, solche, die
aus Estland, Lettland oder Litauen
stammen, er sollte sie fragen, ob es
etwas bedeutet, wenn Verwandte in der
alten Heimat zumindest in einer lange
Zeit geschlossenen Kathedrale beten
oder über die Arbeitsbedingungen auf
einer Werft vehandeln können. Ja,
Amerikaner, die von dort stammen,
werden es bestätigen: solche Veränderungen, wie lange sie auch schon
überfällig sein mögen, sind sehr
vielversprechend; und heute beten wir
darum, daß dieses Versprechen in Erfüllung gehen möge.
Veränderungen sind in der Tat unausweichlich. Niemand sollte an der
Instabilität der heutigen Lage in
Osteuropa zweifeln, in der sich ein
seit langem gegen den Willen der Osteuropäer
aufrechterhaltenes
künstliches wirtschaftliches und politisches System zunehmend als bankrott
und diskreditiert erweist. Wir begrüßen das neue Maß an Toleranz und
Experimentierfreude.
Niemand sollte
jedoch bezweifeln, daß Moskaus Haltung gegenüber dem wachsenden Trend
zur Selbstbestimmung innerhalb seines
europäischen Imperiums von uns als
entscheidender Prüfstein dafür verstanden wird, wie tiefgreifend die
Umgestaltung der sowjetischen Außenpolitik in einem neuen Zeitalter
wirklich ist.
Was immer auch in Zukunft geschehen mag, können wir eines mit Sicherheit sagen: Wir haben große Fortschritte erzielt, und dies ist eine
verheißungsvolle Zeit. Wir sollten
uns ins Gedächtnis rufen, daß wir in
den vergangenen Jahren große Schritte
unternommen
haben,
Schritte,
um
Schutzmaßnahmen gegen unsere Erzfeinde zu ergreifen - von einer Zerstörung der Welt ganz zu schweigen. Natürlich sollten wir uns damit nicht

zufrieden geben und ^,anz gewiß nicht
selbstgefällig werden.
Wir sollten
jedoch das, was gesc1-hen ist, entsprechend würdigen und entschlossen
sein, auf diesen Fortschritten aufzubauen.
In anderen hier gehaltenen Ansprachen ist mir aufgefallen, daß die
Erhaltung dieses Fortschritts gleichbedeutend mit einem bemerkenswerten
Umschwung ist, den unsere Außenpolitik in diesen vergangenen acht Jahren
erfahren hat: wir vertreten jetzt
die Auffassung, daß Containment nicht
mehr ausreicht und wenden daher eine
konstruktive Strategie für die Freiheit an. Und diese Strategie bedeutet nicht nur, unsere Verteidigung
und ein starkes diplomatisches Engagement
aufrechtzuerhalten,
sondern
auch Offenheit gegenüber unseren Verbündeten, Unterstützung
der Freiheitskämpfer auf der ganzen Welt und
Förderung von Menschenrechten und demokratischen Reformen im Ostblock.
Obwohl diese Elemente einen Umschwung
bedeuten, müssen wir uns dennoch vor
Augen führen, daß sie alle auf dem
unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg vereinbarten und von beiden
Parteien getragenen Konsens basieren
- dem Konsens, der in den ersten
Jahrzehnten der Nachkriegszeit die
Grundlage der Führungsrolle amerikanischer Außenpolitik bildete.
Manche von Ihnen wissen vielleicht, daß Winston Churchills Regierung nach Beendigung des Zweiten
Weltkrieges bei der anstehenden Wiederwahl eine Niederlage erlitt - eine
Niederlage, die mit der Konferenz von
Potsdam zusammenfiel. Als Churchill
die Konferenz verließ, bedrückten ihn
die zunehmend aggressiven Tendenzen
in der sowjetischen Regierung, und er
war äußerst bestürzt über die Unfähigkeit seiner eigenen Regierung, unter neuer Führung der sowjetischen
Weigerung,
ihre
Abkommen
über
Deutschland, Polen und die anderen
Länder Mitteleuropas einzuhalten, den
Kampf anzusagen.

- 3 -

Es war aber genau der Mann, den

�viele als Krämer und Roosevelts
schlecht vorbereitete zweite Besetzung verachteten - der neue amerikanische Präsident Harry Truman - der
Churchill Beistand leistete. Es war
Harry Truman, der entschieden der sowjetischen Bedrohung für den Weltfrieden
entgegentrat.
Tatsächlich
erarbeitete
Trumans
Administration
genau zu dem Zeitpunkt, als Europa am
verwundbarsten schien - zusammen mit
einem republikanischen Kongreß - den
Rahmen für eine Strategie des Überlebens:
die
Truman-Doktrin,
den
Marshall-Plan und die NATO.
Man sollte sich vor Augen führen,
daß sich die Truman-Doktrin, die sowohl Griechenland als auch die Türkei
vor der drohenden sowjetischen Herrschaft bewahrte und die freiheitlichen Kräfte in vielen anderen Ländern wiederbelebte, auf zwei wichtige
Postulate stützte:
Erstens müssen
die Vereinigten Staaten "bereit sein,
freien Menschen bei der Erhaltung ihrer freien Institutionen und nationalen Integrität gegen aggressive Bestrebungen, die ihnen totalitäre Regime aufzwingen wollen, zu helfen".
Und zweitens:
"Dies ist lediglich
eine ehrliche Erkenntnis, daß den
freien Völkern durch direkte oder indirekte Aggression aufgezwungene totalitäre Regime die Grundlage des
Weltfriedens und damit die Sicherheit
der Vereinigten Staaten untergraben."
Ich denke, daß diese Postulate
weiterhin gültig sind. Und sie sind
von dieser Administration weniger
verändert als vielmehr erweitert worden. Wiederum beziehe ich mich hier
nicht nur auf das Konzept militärischer Hilfe für Freiheitskämpfer,
sondern auch auf das Konzept des Vorantreibens - durch private Kontakte
aber insbesondere durch Öffentlichkeitsarbeit - demokratischer Reformen
und Menschenrechte im Ostblock und
selbst in der Sowjetunion. Und dennoch kann dieser Fortschritt vom
Containment zu einer konstruktiven
Strategie mißverstanden werden, wenn
er
im
streng
amerikanisch-sowjetischen Kontext betrachtet wird.

Wie die Tatsachen belegen, hat
dieses neue Streben nach Freiheit unsere Außenpolitik durchdrungen und
tritt in allen multilateralen Beziehungen zutage.
Die Forderung nach
einem weltweiten Kreuzzug für Freiheit und Demokratie, die ich erstmals
1982 in Westminister gestellt haben,
betraf alle Nationen und alle Völker.
Und in diesem Zusammenhang haben wir
insbesondere die Bedeutung der Freiheit in der Wirtschaft hervorgehoben
- Freiheit als Quelle von Kreativität
und Wohlstand des Menschen.
Es gab eine größere und sogar
tiefgreifendere Veränderung in unserer Außenpolitik.
Es handelt sich
hierbei weniger um eine politische
Entscheidung, sondern vielmehr um eine eingehende Erneuerung von Amerikas
Engagement für die Freiheit. Deren
Früchte sehen wir heute täglich in
den Schlagzeilen. auf den Philippinen und in Südkorea, aber auch in
Chile, Burma und Haiti streben die
Völker nach Demokratie.
Am Anfang
der achtziger Jahre lebte zum Beispiel lediglich ein Drittel der Völker Lateinamerikas unter einer demokratischen Regierung: heute sind es
nahezu 90 Prozent. In Südostasien,
Taiwan, Hongkong, Sri Lanka, Korea
und selbst in der Volksrepublik China
finden Wirtschaftswunder statt. Darüber hinaus ist in Afrika eine spezielle Vollversammlung der Vereinten
Nationen abgehalten worden, um einen
Konsens für weniger staatliche Kontrolle und mehr marktwirtschaftliche
Anreize zu entwickeln.
Und wenn wir dies eingehend genug
betrachten, sehen wir nicht nur eine
Außenpolitik, die erfolgreich die Sache der Freiheit interpretiert, sondern eine Außenpolitik, die eben deshalb erfolgreich ist, weil ihre Ziele
und Inhalte sich aus dieser Sache definieren und aus der größten aller
Ideen westlichen Gedankengutes und
westlicher
Zivilisation
entstanden
sind - der Freiheit und der Würde des
Menschen vor Gott.

- 4 -

Hier

möchte

ich

kurz

auf

eine

�Ironie verweisen, die darin besteht,
daß während diese westlichen Gedanken
und Traditionen Grundlage und Iriebfeder der Freiheit des Menschen sind
und auf der ganzen Welt Verbreitung
finden, sie in unserem Land aber in
Frage gestellt und sogar ihre Berechtigung als Unterrichtsfach an Universitäten angezweifelt wird.
Ich habe kürzlich in der Zeitschrift
Time
ein
Interview
mit
Allan Bloom, dem Verfasser von "Der
Niedergang des amerikanischen Geistes" gelesen, in dem er seine tiefe
Bestürzung darüber zum Ausdruck gebracht, daß ein allzu großer Teil der
wissenschaftlichen Welt die Einzigartigkeit und moralische Überlegenheit
westlicher Werte - wie Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
aus den Augen verloren hat.
"Die
westliche Kultur muß verschwinden"
lauteten die Parolen auf dem Campus,
überall in den Vereinigten Staaten
haben wir andere Äußerungen der Besorgnis vernommen, wie etwa vom früheren
Erziehungsminister
William
Bennett, der Interessenvertretungen
oder politische Programme kritisiert,
die den Unterricht über die in den
wichtigen Werken und Lehren der westlichen Zivilisation enthaltenen Erkenntnisse abbauen oder einschränken
wollen.
Unser Chefunterhändler
in Rüstungskontrollfragen, Max Kampelman,
hat dazu ein von ihm gern vorgebrachtes Zitat. Er erwähnt gern, daß niemand besser über den Wert dieses Erbes oder seine Relevanz für außenpolitische Fragen gesprochen hat als
der frühere Präsident der UN-Vollversammlung, der inzwischen verstorbene
Charles Malik - ein Freund der Vereinigten Staaten und Wegbereiter der
Freiheit. Er schrieb: "Eine Zivilisation, die ihre Ursprünge auf Homer,
Plato und Aristoteles zurückführt,
auf das Alte und Neue Testament, auf
Cicero und Augustinus, Shakespeare
und Goethe, Newton und Einstein,
Puschkin und Dostojewski und die
Freude und Begeisterung, den Unternehmergeist und die Freiheit der

großen amerikanischen Erfahrung und
all das, für das diese Namen konkret
stehen - kann solch eine Zivilisation
für ihre Überzeugung ohne höchste
Werte und ohne Triebkraft für ihren
Willen sein? Wer besitzt sonst noch
etwas, das sich an diesem unvergleichlichen Erbe messen läßt? Amerika und der Westen unterschätzen ihr
unermeßliches Potential ... Und der
Westen hat nicht nur ein Problem,
sondern auch die Lösung. Sie liegt
in seiner einzigartigen Größe. Und
die Lösung liegt wahrhaftig im höchsten Gut des Westens: der Vorherrschaft des Geistes und der Freiheit
der Seele."
Dank des Durchhaltevermögens des
amerikanischen Volkes und seiner Verbündeten hatte der Kampf zwischen
Licht und Finsternis nicht die Nacht
einer totalitären Herrschaft zur Folge. Statt dessen erstrahlen im Jahr
1988 die Lichter der Freiheit überall
auf der Welt. An diesem entscheidenen Wendepunkt müssen wir sicherstellen, daß dies Bestand hat, daß die
Quelle dieses Lichts, die großen Errungenschaften westlichen Denkens und
westlicher Kultur geschützt und bewahrt und vor allem hier in den Vereinigten Staaten studiert werden.
Die Frontlinie
der amerikanischen
Verteidigung ist ebensosehr in unseren Universitäten und den großen Werken humanitärer Lehren zu finden wie
in allen unseren
Panzerdivisionen
entlang der deutschen Grenze. Und
die Richtung
unserer Außenpolitik
gründet
sich ebensosehr auf den
großen Gedanken, der die freien Nationen der Welt verbindet, wie auf
die Fortschritte der Friedenskonferenzen in Genf. Daher fordere ich
heute die Lehrkörper der amerikanischen Colleges und deren Leitungen
auf, den folgenden Vorschlag zu erwägen: Die Rückkehr zu einer soliden
Ausbildung, die Besinnung auf das Wesentliche beinhalten nicht nur vermehrte Konzentration auf richtige
Grammatik oder bessere Mathematik,
sondern Hinwendung zu den wahren Ursprüngen der menschlichen Freiheit der Pflege des wertvollen intellek-

- 5 -

�tuellen Vermächtnisses der westlichen
Kultur und Hinwendung zu der Kostbarkeit des Gedankens der menschlichen
Freiheit.
Und in eben diesem Geiste können
wir die großen Probleme angehen, die
nach wie vor bestehen, die noch unerledigte Tagesordnung unserer Außenpolitik der Nachkriegszeit. In diesem
Geiste können wir die noch verbleibende Amtszeit dieser Administration
bewältigen und an die nächste herangehen, indem wir uns die wichtigsten
Ziele unserer Außenpolitik vor Augen
halten.
Erstens
müssen
wir
weiterhin
Fortschritte bei der Beilegung regionaler Konflikte erzielen, Konflikte,
die leicht in einen größeren Krieg
eskalieren könnten. Insbesondere in
diesem Bereich ist es von vorrangiger
Bedeutung, die Politik in Mittelamerika fortzuführen, die Fortschritte
in Angola, Afghanistan und Kambodscha
mit sich bringt.
Der Kongreß muß
aufhören, mit zweierlei Maß zu messen
- einmal zugunsten der Freiheitskämpfer in den entlegensten Winkeln der
Welt und einmal zuungunsten der Freiheitskämpfer, die nur einige Tagesreisen von unseren Grenzen entfernt
sind. Bis die Sandinisten ihr Versprechen der Demokratie erfüllen bis Daniel Ortega aufhört, die Bürgerrechte einzuschränken -, müssen
wir die Contras unterstützen.
Zweitens müssen wir Forschung,
Entwicklung und Erprobung unserer
Strategischen Verteidigungsinitiative
entschieden verfolgen. In den vergangenen Monaten konnten wir entscheidende Durchbrüche in der Forschung beobachten - Durchbrüche, die
uns glauben machen, die Stationierung
könne weniger kostenintensiv sein als
ursprünglich angenommen. Unsere Forschungsbemühungen waren so erfolgreich, daß wir die geplanten Kosten
unseres
vielversprechendsten
Programms um Milliarden Dollar senken
konnten. Jetzt ist es an der Zeit,
unsere Anstrengungen zu verdoppeln nicht, sie zurückzuschrauben.
Für

eine gegen einen Angriff - insbesondere einen versehentlichen oder begrenzten Abschuß - mit ballistischen
Raketen geschützte Nation ist dies
nicht nur eine Option der Politik,
sondern ein moralisches Muß.
Drittens müssen wir unter allen
Umständen eine starke Verteidigungsstruktur beibehalten.
Das amerikanische Volk hat in den vergangenen 40
Jahren enorme Opfer gebracht, um die
Einsatzbereitschaft der Vereinigten
Staaten aufrechtzuerhalten.
Dieses
Opfer findet jetzt sichtbaren Niederschlag in den Friedensinitiativen auf
der ganzen Welt, einer Welt mit mehr
Sicherheit und Freiheit und einem
Ostblock, der gezwungen ist, seine
eigenen Probleme in Angriff zu nehmen. Gerade jetzt, in diesem Augenblick der Chance, ist es an der Zeit,
unsere militärische Stärke aufrechtzuerhalten, die all dies ermöglicht
hat.
Viertens müssen wir weiterhin
Menschenrechtsverletzungen öffentlich
anprangern und die fundamentalen moralischen Unterschiede zwischen Totalitarismus und Demokratie hervorheben. Wir dürfen nicht müde werden,
aggressiv für die Sache der menschlichen Freiheit einzutreten und nicht
davor zurückschrecken, unseren Finger
auf das moralische Unrecht derjenigen
zu legen, die die Freiheit unterdrücken. Wir müssen voller Stolz darauf
verweisen,
daß
Wirtschaftswachstum
und materieller Wohlstand das Ergebnis von wirtschaftlicher Freiheit und
nicht einer zentral gelenkten Wirtschaft sind.
Fünftens müssen wir unsere Politik des diplomatischen Engaments bei
den Abrüstungsverhandlungen fortführen. Ein START-Vertrag ist für die
nächsten Jahre in greifbare Nähe gerückt.
In wenigen Monaten werden
neue Verhandlungen über konventionelle Rüstungen aufgenommen.
Es gibt jedoch noch andere Bereiche der Besorgnis. Es grenzt an Ironie, daß gerade zu einer Zeit, in der

�wir den Abbau der Nukleararsenale und
neue Verhandlungen über konventionelle Rüstungen beobachten können, die
Geißel einer älteren und ebenso tödlichen Drohung wiederauflebt.
Ich
beziehe mich hier auf die chemischen
Waffen - Giftgas -, deren Einsatz im
Golfkrieg die zivilisierte Welt in
Schrecken versetzt hat.

*

Und wir sehen uns mit der Aussicht konfrontiert, daß immer mehr
Länder in der Lage sind, solche Waffen herzustellen oder zu beschaffen.
Wir müssen die Wahrung der internationalen Normen gegen den illegalen
Einsatz chemischer Waffen wiederherstellen und darauf achten, daß dies
nicht zu einem Kapitel der Geschichte
des 21. Jahrhunderts wird. Ich habe
eine internationale Konferenz gegen
den Einsatz chemischer Waffen einberufen, die im Januar in Paris zusammenkommt. Zusammen mit den derzeitigen Verhandlungen über ein umfassendes,
wirksam
verifizierbares
und
weltweites Verbot chemischer Waffen
liegt in dieser Konferenz unsere
größte Hoffnung, diesem Schrecken ein
Ende zu bereiten.

unsere berechtigten Sorge müssen gehört werden.
Für die noch verbleibende Amtzeit
dieser Administration ist dies ein
umfangreiches Programm und dies gilt
zweifelsohne für jede zukünftige Regierung. Aber ich bin der Ansicht,
daß wir in diesen vergangenen acht
Jahren in kürzerer Zeit mehr erreicht
haben als selbst die größten Optimisten hätten annehmen können.
Ich
denke, dieser Prozeß kann jetzt fortgeführt werden - solange wir unerschütterlich an die großen Werte und
Traditionen der westlichen Zivilisation glauben und unseren Glauben an
die Freiheit und den letztlichen
Triumph des menschlichen Geistes bewahren. Dieser Glaube muß uns leiten, bis - wie Winston Churchill in
den ersten Tagen des Jahres 1945 an
Harry Truman schrieb - "die dunklen
Tage der Welttragödie vergangen sind".

Ein anderes Problem, das den ansonsten vielversprechenden Horizont
überschattet, ist die stete Nichteinhaltung entscheidender Verpflichtungen im Bereich der Rüstungskontrolle
durch die Sowjetunion.
An erster
Stelle steht hier die große Radaranlage von Krasnojarsk, die den Hauptbestandteil des ABM-Vertrages entschieden verletzt. Wir haben die Sowjetunion darauf hingewiesen, daß wir
keinerlei neue Abkommen über strategische Rüstungskontrolle abschließen
können,
solange
diese
Verletzung
nicht in verifizierbarer Art und Weise behoben wird. Nichts ist der Integrität des Rüstungskontrollprozesses abträglicher als daß eine Seite
in der Lage ist, zu entscheiden, welche Bestandteile eines feierlichen
Abkommens sie zu erfüllen gewillt
ist. Die Sowjets haben sich gestern
zu diesem Thema erneut geäußert.
Zweifelsohne werden wir uns anhören,
was sie zu sagen haben. Aber auch
- 7 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

*

2. November 1988

40

KAMPF GEGEN DROGEN - EINE AUFGABE DER GESELLSCHAFT
- Einzelaktionen können nichts mehr ausrichten -

WASHINGTON - (AD) - Die Woche vom 24. bis 31. Oktober 1988 brachte Millionen von Amerikanern auf die Straße, die ihr Engagement gegen den Konsum von
Drogen und für Gesundheit und Wohlbefinden demonstrieren wollten.
Rote Bänder und Abzeichen ließen
erkennen, wer sich gegen Drogenmißbrauch einzusetzen gedenkt. Besonders aktiv waren die "Elternvereinigungen für drogenfreie Jugend" und
die Gruppen "Drogenfreie Jugend von
Amerika", die allein etwa eine Million Mitglieder haben. Schulen und
Kraftfahrer waren gebeten worden,
sich durch das Tragen roter Bänder zu
beteiligen. Polizei und Feuerwehren
luden zu Sonderveranstaltungen ein.
In öffentlichen Bibliotheken, die umfassendes Informationsmaterial anboten, gab es Vorträge, Filmvorführungen und Tonbildschauen. Die Fernsehstationen
brachten
häufig
"AntiRauschgift-Spots". Einige der großen
und die meisten kleineren Tageszeitungen veröffentlichten Sonderartikel
zum Thema "Drogen". Bekannte Sport-

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ler, Schauspieler, Künstler und andere Persönlichkeiten des öffentlichen
Lebens ebenso wie der Religionsgemeinschaften stellten sich für Sonderaktionen zur Verfügung.
Nur wenige Tage vor Beginn der
"Woche für ein drogenfreies Amerika"
hatte der amerikanische Kongreß ein
Gesetz verabschiedet und dem Präsidenten zur Unterzeichnung zugeleitet,
das nicht nur zahlreiche Weisungen
zur Vorbeugung und Erziehung gegen
den Drogenmißbrauch (bei Jugendlichen
gegen den Gebrauch aller illegalen
Substanzen
einschließlich
Alkohol)
gibt, sondern unter anderem auch die
Bestrafung von Rauschgiftkonsumenten
und -händlern erheblich verschärft.
So müssen künftig die Hintermänner
von Drogengeschäften, bei denen Men-

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�sehen ermordet wurden, mit der Todesstrafe rechnen. Wer mit Rauschgift
handelt, Jugendliche zum Verteilen
benutzt oder es an Jugendliche verkauft, wird sehr viel härter bestraft
als bisher. Polizei und Justizbehörden sind gehalten, in der Öffentlichkeit und auf den Straßen hart durchzugreifen.
Lokale Stellen sollen
Programme entwickeln und durchsetzen,
die darauf abzielen, den illegalen
Drogenkonsum in Schulen und auf allen
kommunalen Ebenen drastisch zu reduzieren.
Wer verbotene Drogen benutzt, soll von den Anklagenbehörden
dafür belangt werden.
Das Gesetz basiert zum großen
Teil auf den mehr als hundert Empfehlungen des 238 Seiten starken Berichtes, der in sieben großen Konferenzen
mit insgesamt 5 000 Teilnehmern aus
allen Bereichen der amerikanischen
Gesellschaft in eineinhalb Jahren erarbeitet und in seiner endgültigen
Fassung am 21. Juni 1988 verabschiedet worden war.
Mitte Juli 1988
richtete die "Konferenz des Weißen
Hauses für ein drogenfreies Amerika"
unter Hinweis auf den Bericht einen
dringenden Appell an die amerikanische Bevölkerung, jetzt energisch
gegen den Drogenmißbrauch vorzugehen.
Andernfalls sei der Kampf "um eine
drogenfreie Gesellschaft" verloren.
Das neue Gesetz fordert die Einsetzung eines Nationalen Drogenbeauftragten mit Kabinettsrang sowie die
Schaffung einer nationalen Behörde
zur Vorbeugung gegen Drogenkonsum.
Vorbeugende Maßnahmen wird im Kampf
gegen Rauschgift überragende Bedeutung zuerkannt.
Diese beginnen in
der Familie, weshalb auch Eltern und
Erziehungsberechtigte
verantwortlich
dafür zu sein hätten, den Gebrauch
verbotener Drogen aller Personen im
Haushalt zu verhindern.
In allen
Kommunen sollen Elternvereinigungen
eingerichtet werden, um rechtzeitig
Informationen und Rat zu geben und
nicht zu warten, bis die Kinder mit
Drogen bereits in Berührung gekommen
sind. Für die Jugend sollten mehr
als bisher Begegnungszentren einge-

richtet werden, in denen ein drogenfreies Leben anschaulich und überzeugend demonstriert und von jungen Menschen der verschiedensten sozialen,
kulturellen und ethnischen Herkunft
selbst geplant und organisiert wird.
Schulen, Colleges und Universitäten sind gehalten, den Konsum von
Rauschgift generell und von Alkohol
für Minderjährige zu verbieten. In
die Lehrpläne für alle Altersstufen
müssen auch die neuesten Informationen über die Gefahren von Drogen,
über die zu erwartende Bestrafung und
über Therapiemöglichkeiten bzw. Therapiemaßnahmen
eingebaut
werden.
Lehrer aller Schulformen und Fachrichtungen müssen für die staatliche
Anerkennung ihre Kenntnisse über Fragen, die mit Drogen und Alkohol zusammenhängen, nachweisen.
Nicht nur in Behörden aller Art,
sondern auch in der Privatwirtschaft,
bei Gewerkschaften und Angestelltenverbänden sei unter allen nur erdenklichen Aspekten eine "Anti-Drogen-Politik", unter anderem mit Erziehungsund
Rehabilitationsprogrammen
und,
falls erforderlich, mit Drogentests
sowie mit Spezialkursen für Personen
in leitender Funktion durchzusetzen.
Die Arbeitgeberanteile bei Versicherungen für die Sektoren Haftpflicht,
Krankenversicherung und Krankengeld
sollen für Unternehmen, die Anti-Drogen-Programme eingeführt haben, gesenkt werden.
Bundesstaatliche und einzelstaatliche Behörden sowie Kommunalverwaltungen sollen die Therapiekapazitäten
für Suchtkranke wesentlich erweitern.
Dazu gehören unter anderem die Verstärkung des Personals in den zuständigen Institutionen, deren Zusammenarbeit über die Grenzen der einzelnen
Bundesstaaten hinaus und die Einführung stärker gegliederter und vielfältiger Behandlungsmodalitäten. Soweit möglich soll der Patient die
Therapiekosten selbst tragen.
Das Ergebnis einer Narkotika-Therapie soll anhand standardisierter,

�objektiver Methoden bewertet werden,
die das Amt für Alkohol-, Drogenmißbrauch und Geistige Gesundheit (Alcohol, Drug Abuse and Mental Health Administration - ADAMHA) entwickelt.
Therapieprogramme sollen primär auf
ihrer Wirksamkeit, dem Nutzeffekt und
dem Prozentsatz der Klienten, die danach drogenfrei bleiben, basieren.
Das Bundesministerium
für Gesundheits- und Sozialwesen
setzt eine
multidisziplinäre Arbeitsgruppe ein,
die den gegenwärtigen und künftigen
Personalbedarf für den Therapiesektor
untersucht und entsprechende Empfehlungen gibt.
Die Träger von Therapiemaßnahmen
haben dafür zu sorgen, daß die Therapeuten mit der Familie, mit der Schule, mit sozialen Diensten und der Justiz in jedem einzelnen Fall zusammenarbeiten.
Staatliche und lokale
Behörden sollen die Bereitstellung
der Mittel für alle gerichtlich verfügten Therapiemaßnahmen gewährleisten.
Die medizinischen Fakultäten
der Universitäten und Fachhochschulen
müssen eine umfassende Ausbildung für
die Diagnose und Behandlung Drogensüchtiger in ihre Lehrpläne aufnehmen. Die Bundesregierung soll außerdem einen AIDS-Ausbildungskursus entwickeln, der von allen in der Drogentherapie tätigen Personen absolviert
werden muß.

1963 in New York galt "Daytop Village" als die erste drooenfreie Wohngemeinschaft in den Vereinigten Staaten. Mit Selbsthilfe und Unterstützung durch die Familien Süchtiger
wurden Tausende von Männern, Frauen
und Kindern rehabilitiert. Die Einrichtung in New York diente als Vorbild für viele weitere Rehabilitationszentren in den USA und in 40 anderen Ländern. Im Raum New York werden laut Stan Satlin, dem Sprecher
der Organisation, gegenwärtig 1 600
Personen in DAYTOP-Zentren behandelt.
Satlin konnte keine Angaben darüber machen, wieviele Suchtkranke
derzeit in Deutschland, Großbritannien, Italien, Irland, Schweden, Argentinien oder auf den Philippinen
von DAYTOP-Programmen erfaßt sind.
Er verwies aber darauf, daß 92 Prozent der Rehabilitanten ein drogenfreies Leben führten, nicht auf die
Hilfe anderer angewiesen seien, verantwortungsbewußt handelten und vielfach selbst ähnliche Programme in aller Welt eingeführt hätten. Nach der
DAYTOP-Methode
steht der Süchtige
ständig unter strikter Kontrolle seiner unmittelbaren Umgebung, bis feststeht, daß die Therapie erfolgreich
war. (Anfragen können gerichtet werden an "DAYTOP for a Drug Free World,
59 West 40th Street, New York, New
York 10018.)

Der amerikanischen Regierung wird
empfohlen, die diplomatischen Bemühungen sowie den Rechtsvollzug zur
Durchsetzung einer besseren internationalen Kontrolle und Bekämpfung von
Rauschgiften weiter zu intensivieren.
Die im Ausland unterstützten Maßnahmen, die bisher meist der Vernichtung
von Anbauflächen für Drogenpflanzen
galten, sollten mehr auf die Aushebung und Zerstörung von Drogenlabors
und
Produktionsausrüstung
konzentriert werden.
Das älteste amerikanische Zentrum
zur Vorbeugung und Drogentherapie,
DAYTOP, wurde im Oktober 25 Jahre
alt. Zur Zeit seiner Gründung durch
Monsignore William O'Brien im Jahr
- 3 -

�musMfiwwm^
Wirtschaft

2. November 1988

40

ZUSAMMENARBEIT FÜR EIN VEREINTES EUROPA
- Von C. William Verity -

Der folgende Artikel des amerikanischen Handelsministers wurde am 26. Oktober
1988 im Journal of Commerce veröffentlicht:
Die aus zwölf Staaten bestehende
Europäische Gemeinschaft hat sich ein
ehrgeiziges Programm vorgenommen, um
zu vollenden, was sie vor über 30
Jahren begonnen hatte: Den Abbau interner
Handelshemmnisse
und die
Schaffung eines einzigen großen Binnenmarktes bis 1992 mit Freizügigkeit
für Güter, Menschen und Dienstleistungen. Das Ergebnis wird ein Markt
von vier Billionen Dollar mit über
340 Millionen Verbrauchern sein.
Jeder Wirtschaftsbereich in Europa wird hiervon berührt werden, sei
es in Form von neuen gemeinsamen
Zolldokumenten, harmonisierten Produktnormen und der Liberalisierung
des Kapitaltransfers bis zur Harmonisierung der Richtlinien für Unternehmenszusammenschlüsse und -übernahmen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Das EG-Programm hat schon an Schwungkraft zugenommen, aber es bleibt noch
viel zu tun.
Für die Vereinigten Staaten ist
die erfolgreiche Schaffung eines gemeinsamen europäischen Marktes von
enormem Interesse. Die EG ist bei
weitem unser größter Handelspartner.
Zählt man die amerikanischen Exporte
in die EG und die Lieferungen von in
Europa
ansässigen
amerikanischen
Tochtergesellschaften
zusammen, so
belief sich der Gesamtumsatz amerikanischer Unternehmen in der Europäischen Gemeinschaft im vergangenen
Jahr auf über 500 Milliarden Dollar.
Das ist mehr als das Doppelte des
amerikanischen Absatzes in Kanada und
über dreimal so viel wie der Absatz
von amerikanischen Produkten in Japan.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�EG-Schätzungen zufolge könnte der
Abbau gegenwärtig bestehender Handelsschranken und die Vollendung des
Binnenmarktes zu einem Anstieg der
europäischen Produktionsleistung um
260 Milliarden Dollar führen. Das
bedeutet einen erheblichen Zuwachs
der europäischen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen - einschließlich amerikanischer Güter und
Dienstleistungen.
Die gesamte Weltwirtschaft wird
von einem europäischen Binnenmarkt
profitieren. Der Abbau von Schranken
innerhalb der EG wird einige der
strukturellen Verkrustungen aufbrechen, die in den vergangenen Jahren
die Wachstumsrate in Europa so niedrig hielten. Die Unternehmen werden
konkurrenzfähiger werden, da sie sich
die kontinentale Dimension des Marktes zunutze machen können.
Dies
sollte zu einer erhöhten Beschäftigungsquote führen und eine dauerhaft
robuste europäische Wirtschaft nach
sich ziehen.
Die Vereinigten Staaten unterstützen den Abbau von Binnengrenzen
innerhalb Europas und die Vollendung
des "Gemeinsamen Marktes".
Dies findet nicht nur aus - auf
der Hand liegenden - politischen,
sondern auch aus wirtschaftlichen
Gründen unsere Unterstützung.
Im
Großen und Ganzen bestehen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft offene Handelsbeziehungen. Es gibt jedoch Ausnahmen, wie etwa europäische Subventionen für Landwirtschaft und Kohle.
Aber insgesamt hat der bilaterale
Handel zugenommen und beiden Seiten
Vorteile verschafft. Seit 1965 war
der Handel der Vereinigten Staaten
insgesamt mit Europa in etwa ausgewogen. Tatsächlich konnten wir einen
leichten Überschuß erzielen.
Die Offenheit im Handel der Vereinigten Staaten mit der EG könnte
sich infolge des Programms von 1992
verändern.
Es darf keine "Festung
Europa" geben. Protektionismus würde

das gesamte Konzept für 1992 zerstören.
Die europäische Industrie kann
weltweit keinesfalls wettbewerbsfähiger werden, wenn sie sich dem Wettbewerb gegenüber abschottet. Die Planer des europäischen Programms für
1992 - weitsichtige europäische Politiker und Industrievertreter - haben
das erkannt. Sie wollen eine "Festung Europa" verhindern.
Bedauerlicherweise sind die Planer des Binnenmarktes ins Kreuzfeuer
der Kritik geraten. Es gibt Anzeichen dafür, daß Rückfälle, engstirnige Eigeninteressen und Protektionismus zunehmen könnten, je näher das
Jahr 1992 heranrückt. Wir müssen besorgt darüber sein, daß bestimmte Interessengruppen die Durchführung der
Liberalisierung verzögern oder die
Vorteile der Liberalisierung außereuropäischen Firmen nicht zugänglich
machen wollen.
F.s gibt zum Beispiel Stimmen in
Europa, die ein Prinzip der Gegenseitigkeit fordern, das auf ausländischen Märkten nahezu identische
Vorschriften fordert, bevor die Vorzüge einer Liberalisierung im Rahmen
der EG gewährt werden. Dieses Konzept ist vor allem im Zusammenhang
mit Dienstleistungen der Handelsbanken erwähnt worden, die gegenwärtig
nicht vom allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen erfaßt werden. Wie vorgeschlagen, würde Gegenseitigkeit zu
einer Absage an die Bearbeitung auf
nationaler Ebene führen, die bisher
für internationales Investment galt
und könnte amerikanische Unternehmen
ernsthaft gefährden. Die Vereinigten
Staaten sollten das nicht akzeptieren.
Die Regierung
der Vereinigten
Staaten muß eng mit der EG-Kommission
und den Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten, um das Konzept von 1992 zu
bewahren und sicherzustellen, daß ein
EG-Markt wirklich offen ist. Wenn
spezielle Interessen dieses Ziel gefährden, müssen wir etwas dagegen unternehmen.

- 2 -

*

(

\

�Ich möchte den Vorschlag unterbreiten, daß die Vereinigten S aaten
und die Europäische Gemeinschaft eine
Reihe bilateraler Beratergruppen für
verfahrenstechnische Fragen und Vorschriften ins Leben rufen, die Wege
empfehlen, wie wir unsere Zielsetzungen im Hinblick auf die Vorschriften
erreichen und gleichzeitig miteinander zu vereinbarende wirtschaftliche
Umfelder schaffen können. Ich hoffe,
die EG wird diesen Vorschlag unterstützen.
i

i

Im Januar wird in Brüssel eine
neue EG-Kommission ihre Arbeit aufnehmen.
Gleichzeitig wird in den
Vereinigten Staaten eine neue Administration ihr Amt antreten. Eine neuerlich
eingegangene
Verpflichtung
wird in der Europäischen Gemeinschaft
im Hinblick auf das Grundkonzept des
Binnenmarktes und die Vorteile, die
ein offener und einheitlicher EGMarkt für die Bürger Europas und die
Weltwirtschaft mit sich bringt, erforderlich sein. Wir müssen mit Europa zusammenarbeiten, um diesen Erfolg sicherzustellen.

* * * * * *

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagin kündigt "energisches Vorgehen" in der Außenpolitik an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor dem World Affairs Council in Los Angeles&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kampf gegen Drogen - eine Aufgabe der Gesellschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Einzelaktionen können nichts mehr ausrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zusammenarbeit für ein Vereintes Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von C. William Verity&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcriko
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

2. November 1994

43

IRAK

CUNTON: USA LASSEN BEDROHUNG DURCH
DEN IRAK NICHT ZU
Rede des Präsidenten in Kuwait

AUSSENPOLITIK

MACHT UND DIPLOMATIE DER VEREINIGTEN
STAATEN
Rede von Anthony Lake

NATO

DIE ZWEITEN 50 JAHRE DER NATO
AUFGABEN EINES BÜNDNISSES
Rede von Botschafter Kornblum

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�IRAK
2. November 1994

CLINTON: USA LASSEN BEDROHUNG
DURCH DEN IRAK NICHT ZU
Rede des Präsidenten in Kuwait
KUWAIT - (AD) - "Die Vereinigten Staaten und die internationale Staatengemeinschaft werden weder jetzt noch
in Zukunft zulassen, daß Bagdad seine Nachbarn bedroht", verkündete Präsident Clinton am 29. Oktober 1994
vor den nach Kuwait als Reaktion auf die aggressiven Bewegungen der irakischen Elitetruppe Republikanische
Garde nach Kuwait entsandten amerikanischen Truppen. Der Präsident fügte hinzu, die internationale Koalition
"wird den Irak von der Massierung der Invasionsstreitkräfte und dem Versuch abhalten, die Waffeninspektoren
der Vereinten Nationen einzuschüchtern".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus freigegebenen Redetext des Präsidenten.

Ich möchte den Männern und Frauen der Operation
Vigilant Warrior, den Männern und Frauen der 24.
Panzergrenadierdivision - der Siegesdivision, die die
Philippinen befreite und von Korea bis zum Golfkrieg
kämpfte - sagen, daß es mir eine Ehre ist, heute bei
Ihnen in der Tactical Assembly Area Liberty sein zu
dürfen. Ich bin stolz auf die Arbeit, die Sie für Ihr
Land leisten.
Vor allem bin ich nach einigen faszinierenden, sehr
wichtigen Tagen für Ihr Land und Ägypten, Jordanien, Israel und Syrien hierhergekommen, um Ihnen
ein einfaches Dankeschön zu sagen. Ich danke
Ihnen für das, was Sie für Kuwait getan haben. Ich
danke Ihnen für das, was Sie für die Vereinigten
Staaten von Amerika getan haben.
Vor fast vier Jahren rollten unsere Panzer mit voller
Kraft über dieses Sanddünen. Sie waren der
Wüstensturm. Dann vertrieben Sie den Irak aus
Kuwait. Jetzt sind wir entschlossen, den Irak aufzuhalten, bevor er die Grenzen seines Nachbarlandes verletzen und neue Instabilität schaffen kann.
So haben wir Sie wieder einmal um Hilfe gerufen das Heer, die Marine, die Luftwaffe, die Marineinfanteristen.
In die Geschichte dieses Unternehmens wird eingehen, daß Sie unverzüglich nach hier entsandt
wurden. Und aus diesem Grund erhielt der Irak die
Botschaft unverzüglich. Der Irak zog seine Truppen

AMERIKA DIENST 43

ab, die in der Nähe der kuwaitischen Grenze zusammengezogen worden waren.
Wie Sie wissen, gab es einige in unserem Land, die
unsere militärische Bereitschaft in Frage stellten, als
diese Krise begann. An sie gerichtet sage ich, sie
sollten hierhinkommen und einen Blick auf Sie werfen
und wären eines Besseren belehrt.
Unsere Politik am Golf ist klar. Wir werden nicht
zulassen, daß der Irak seinen Einfluß über den 32.
Breitengrad hinaus erweitert.
Wir werden nicht
zulassen, daß Bagdad die Vereinten Nationen
einschüchtert - und sicherstellen, daß der Irak nie
wieder in den Besitz von Massenvernichtungswaffen
gelangt. Die internationale Koalition wird den Irak
von der Massierung der Invasionsstreitkräfte und dem
Versuch abhalten, die Waffeninspektoren der Vereinten Nationen einzuschüchtern. Die Vereinigten
Staaten und die internationale Staatengemeinschaft
werden weder jetzt noch in Zukunft zulassen, daß
Bagdad seine Nachbarn bedroht. Das ist nicht
unsere Drohung - das ist unser Versprechen.
Sie hier halten dieses Versprechen. Die Streitmacht,
die Sie vertreten, ist Stahl und Schwert der amerikanischen Diplomatie. Sie sind die am besten ausgerüstete, am besten ausgebildete und am besten vorbereitete Streitmacht der Welt und in der Geschichte
unseres Landes. Sie haben es hier am Golf erneut
unter Beweis gestellt. Wir alle sind stolz auf Sie.

Seite 1

�Ich weiß, daß Ihr Dienst an unserem Land nicht in
Geld aufgewogen werden kann. Ich weiß, daß Sie
alle aus höheren Motiven dienen. Aber ich freue
mich, Ihnen heute sagen zu können, daß ich gerade
einen Präsidialerlaß unterzeichnet habe, um einen
Fehler bezüglich der Zuschüsse zu Ihrer Vergütung
zu beheben. Ich finde, Sie sollten für diese wichtige
Arbeit belohnt, nicht bestraft werden.

den schwierigen Tagen des Jahres 1990 wiederaufgebaut hat. Das kuwaitische Volk sollte stolz auf
seine Leistungen sein, stolz auf seine harte Reaktion
auf die irakische Provokation. Die internationale
Staatengemeinschaft steht dafür ein, daß der Irak
diese Nation nie wieder bedroht. Der Beweis für
dieses Versprechen sind die tapferen Männer und
Frauen der Operation Vigilant Warrior.

Ihr Land benötigt Sie, damit Amerika stark ist. Wir
sind eine friedliebende Nation, aber Präsident Truman hat einmal gesagt: "Der Wille zu Frieden ohne
die Stärke zu Frieden nützt nichts." Sie sind diese
Stärke. Sie und Ihre Befehlshaber verbreiten
Hoffnung und Stabilität auf der ganzen Welt von
Port-au-Prince bis zum Persischen Golf. Unser
höchstes Ziel ist der Frieden, und der Frieden
erfordert noch mehr als militärische Macht. Er
erfordert den Mut, über Konflikt und Aussöhnung
hinauszugehen.

Ich möchte auch sagen, daß wir nicht im Streit mit
dem irakischen Volk liegen. Wir kennen das Leid,
das es im Krieg mit dem Iran erduldete, einem Krieg,
der eine ganze Generation vernichtete. Nur zwei
Jahre nach diesem schrecklichen Konflikt entsandte
der Irak seine Söhne erneut in den Krieg, und wir
kennen den Preis, den sie für die Dummheit ihrer
Politiker zahlten. Das Leid des irakischen Volkes ist
jedoch auf nur eine Sache zurückzuführen - den
Weg, den seine Führung gewählt hat.

Vor zwei Tagen wurde ich Zeuge eines ausgezeichneten Beispiels hierfür an der Grenze zwischen
Israel und Jordanien. Ich beglückwünsche die
Politiker israels, Jordaniens und anderer Länder im
Nahen Osten, die sich von einer gewalttätigen
Vergangenheit zu einer Zukunft des Friedens wenden. Dies ist eine schwierige und gefährliche
Aufgabe, wie die gemeinen Terroranschläge der
vergangenen Tage gezeigt haben. Die hinter diesen
Anschlägen stehenden Menschen wollen den
Frieden verhindern. Sie wollen den Haß weiter
schüren. Sie wollen Ihre Mission unterminieren. Sie
können keinen Erfolg haben, sie dürfen keinen
Erfolg haben, und sie werden keinen Erfolg haben.
Falls Sie sich irgendwann hier draußen in der Wüste
fragen, ob Sie mit Ihrem Tun wirklich etwas bewirken, dann denken Sie nur daran, was in den letzten
Wochen geschehen ist. Ich fühle mich ebenso
geehrt wie Sie alle, daß die Vereinigten Staaten eine
Rolle bei der Beendigung des 47 Jahre währenden
Konflikts zwischen Israel und Jordanien, bei der
Wiedereinsetzung von Präsident Aristide und der
Wiederherstellung der Demokratie in Haiti, bei
echten Fortschritten zur Beendigung des gewalttätigen Konflikts in Nordirland, beim Erfolg der Demokratie in Südafrika und beim Aufbau einer neuen
Partnerschaft mit Rußland spielen konnten, dank der
wir zum ersten Mal seit dem Anbruch des Atomzeitalters sagen können, es sind keine Nuklearraketen
gegen die Kinder in den Vereinigten Staaten gerichtet. Und ich bin auch stolz auf das, was Sie getan
haben, um sich der Aggression hier am Golf entgegenzustellen.

Wir fordern den Irak erneut auf, die Resolutionen der
Vereinten Nationen uneingeschränkt einzuhalten und
den Willen und die Gesetze der Internationalen
Staatengemeinschaft zu befolgen. Das ist der
einzige Weg zu einem normalen Leben, es ist der
Weg, den die übrigen von uns eingeschlagen haben.
Und sie sollten ihn ebenfalls versuchen.
Liebe Mitbürger, Sie bringen Opfer, um Ihr Land,
seine Werte und Interessen zu verteidigen. Ich weiß,
daß die Ansprüche an Sie groß sind. Ich weiß, die
Liebe zu Ihrem Land hat sie Ihrer Heimat und der
Familie, die Sie lieben, für lange Zeit entrissen. Ich
weiß, als Sie sich über meine Ankündigung eint.;
Gehaltserhöhung freuten, galt ein Teil der Freude
Ihrer Familie zu Hause - den Kindern und der Hoffnung, die Sie für Ihre Familien und deren Zukunft
hegen.
Sie übernehmen die Bürde Amerikas in einer neuen
Zeit voller Herausforderungen zur Aufrechterhaltung
unserer nationalen Sicherheit, Einhaltung unserer
nationalen Verpflichtungen, zur Erleichterung des
Übergangs zu Frieden und Freiheit auf der Welt. Ich
hoffe, Sie werden immer den Stolz für Ihren Beitrag
empfinden, den ich heute in Ihren Gesichtern gesehen und in Ihren Stimmen vernommen habe.
Unser Land ist das Land der Freien und die Heimat
der Mutigen, wie es in dem Lied heißt. Dank Ihres
Mutes verbreiten wir die Freiheit in anderen Ländern.
Dank Ihres Mutes werden wir für immer frei sein.
Ich danke Ihnen. Ich danke für Ihren Dienst. Ici.
danke Ihren Familien zu Hause. Gott schütze Sie
alle. Gott schütze Amerika.

Wir stehen dem kuwaitischen Volk zur Seite, einem
Volk, das seine Armee und seine Volkswirtschaft seit

Seite 2

AMERIKA DIENST 43

�AUSSENPOLITIK
2. November 1994

MACHT UND DIPLOMATIE DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede von Anthony Lake
HARVARD - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 21. Oktober 1994 vom Nationalen Sicherheitsberater Anthony Lake an der Harvard University gehaltene Rede.

Das Thema meiner heutigen Ausführungen sind die
Beziehungen zwischen Macht und Diplomatie insbesondere Macht und Diplomatie der Vereinigten
Staaten - in einer dramatisch gewandelten Welt.
Auf der internationalen Bühne durchleben wir einen
außergewöhnlichen Moment. Die einzigartige, alles
umfassende Bedrohung des Kalten Krieges ist
verschwunden. Das internationale Umfeld ist völlig
umgestaltet und unterscheidet sich stark von der
alten strategischen Landkarte, auf der jede Bewegung und Veränderung im Zusammenhang mit der
sowjetischen Bedrohung gesehen wurde.

Aber selbst in diesem neuen Zeitalter behalten
einige alte Wahrheiten ihre Gültigkeit.
Die erste lautet, daß Meinungsverschiedenheiten
und Debatten über unsere Rolle in der Welt so alt
sind wie unsere Republik. Auf der einen Seite
stehen stark beschränktes Engagement im Ausland
und Protektionismus, auf der anderen aktives
Engagement der Vereinigten Staaten im Ausland im
Namen von Demokratie und Ausweitung des Handels.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Debatte,
großenteils aufgrund der Bedrohung durch die
Sowjetunion, zugunsten eines aktiven Engagements
beigelegt. Heute werden wir, ebenso wie Ende der
vierziger Jahre, erneut mit dem alten Impuls konfrontiert, uns zurückzuziehen. Und ebenso wie Ende
der vierziger Jahre erfordern unsere Interessen
heute, daß wir diesen Impuls unter Kontrolle halten.
Unsere Aufgabe ist jetzt jedoch weitaus schwieriger,
da wir sie nicht unter Gegebenheiten wie Ende der
vierziger, sondern wie in den zwanziger Jahren
erfüllen müssen: Ein Großteil unserer Gesellschaft
strebt eine Pause von den Härten des internationalen Engagments an, und es gibt keine einzelne

AMERIKA DIENST 43

Gefahr, gegen die man die Öffentlichkeit mobilisieren
könnte.
Die zweite alte Wahrheit lautet folgendermaßen:
Ideen sind von Bedeutung. Sie stehen bei den
meisten der derzeit weltweit ausgetragenen Kämpfe
auf dem Spiel. Wie Präsident Clinton äußerte: "In
dieser neuen Welt sehen wir uns jedoch einem
Wettstreit gegenüber, der so alt ist wie die Geschichte selbst - einem Kampf zwischen Freiheit und
Tyrannei, zwischen Toleranz und Bigotterie... Es ist
ein Kampf zwischen denen, die freie, von Gesetzen
regierte Gesellschaften aufbauen wollen und denjenigen, die ihren Willen mit Gewalt durchsetzen möchten. Der heute von uns geführte Kampf in einer Welt,
die stärker als jemals zuvor von Spitzentechnologie
bestimmt ist, sich schneller verändert, chaotischer
und vielfältiger ist als je zuvor, ist der jahrhundertealte Kampf zwischen Hoffnung und Angst."
Das führt mich zu der dritten, in diesem neuen
Zeitalter gültigen alten Wahrheit: Macht ist immer
noch von Bedeutung. Wir sind nicht der Weltpolizist.
Aber in diesem Kampf zwischen Hoffnung und Angst
wird unsere Macht etwas Entscheidendes bewirken,
ebenso wie es in den beiden Weltkriegen und während des Kalten Krieges der Fall war. Das Kernstück
der amerikanischen Macht ist die Androhung oder der
Einsatz militärischer Gewalt. Ohne sie würde sich in
Haiti heute nicht eine schwierige, aber aufregende
Chance für die Demokratie abzeichnen. Und ohne
sie würde der Irak heute seine Nachbarn durch
gefährliche Truppenbewegungen an der Grenze zu
Kuwait bedrohen.
Mit anderen Worten: Von der Macht losgelöste
Diplomatie führt normalerweise zum Scheitern.
Gleichzeitig läuft Macht ohne Diplomatie Gefahr,
planlos zu sein.

Seite 1

�Das ist kein neuer Gedanke. In der Antike schilderte
Thucydides im Fall der Insel Milos anschaulich die
Schwäche der nicht durch Macht unterstützten
Diplomatie. Die fundierten Argumente der Bewohner
von Milos für die Bewahrung ihrer Unabhängigkeit
stellten keine Verteidigung gegen ein auf Unterwerfung abzielendes Athen dar. Ohne die Macht zur
Untermauerung ihrer Position wurden die Männer
von Milos enthauptet, Frauen und Kinder als Sklaven
verkauft.
Dieselben Meinungsverschiedenheiten wurden in
Europa Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts von Hitler und seiner Politik der Panzer und im
Pazifik durch Pearl Harbor beigelegt. Nach dem
Zweiten Weltkrieg setzte sich der weitblickende
Staatsmann Dean Acheson dafür ein, daß die
Amerikaner diese Lektion nicht vergaßen. Acheson
und andere kluge Politiker wußten, daß die Vereinigten Staaten aller Instrumente der Diplomatie
und Macht bedurften, um ihre vitalen Interessen zu
verteidigen und im Kalten Krieg langfristig den Sieg
davonzutragen. Es war Acheson, der erstmals
davon sprach, "aus einer Position der Stärke heraus
zu verhandeln".
Heute bezieht die amerikanische Diplomatie natürlich
einen großen Teil ihrer Stärke aus unserer Wirtschaftsmacht und der Macht unseres Beispiels.
Es ist nicht nur die Tatsache, daß unser globaler
ökonomischer Geltungsbereich der Stimme Amerikas
bei nahezu jeder internationalen Angelegenheit
Gehör verschafft - die neue Weltwirtschaft könnte
auch eine kleine Revolution in der Diplomatie
auslösen.
Da die Volkswirtschaft jeder Nation
zunehmend von der Teilnahme am Weltmarkt
abhängt, werden immer mehr Länder auch ungeschützter gegenüber den Auswirkungen wirtschaftlicher Isolation.
Das bedeutet, daß sie gleichermaßen empfänglich
für ökonomische Anreize und Strafen werden.
Südafrika bietet hierfür ein anschauliches Beispiel.
Und wir haben gesehen, wie effektiv Anreize und
Sanktionen bei unseren Verhandlungen mit Nordkorea über das Atomwaffenprogramm dieses Landes
waren. Wir begrüßen die Entscheidung Nordkoreas,
die zur heutigen Unterzeichnung eines Abkommens
führte. Das Abkommen liegt sowohl im Interesse
Nordkoreas als auch der Vereinigten Staaten, da es
einen Beitrag zur Beendigung der wirtschaftlichen
und politischen Isolation des Landes leisten kann.
Es war aber wahrscheinlich kein Zufall, daß bei den
Gesprächen im vergangenen Sommer wirkliche
Fortschritte erzielt wurden als deutlich wurde, daß
wir dem UN-Sicherheitsrat eine Resolution über
Sanktionen vorzulegen beabsichtigten.

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Die Macht von Sanktionen zeigt sich auch am Verhalten Serbiens. Man sieht in der Tat eine direkte
Verbindung zwischen den dramatischen Auswirkungen der Isolierung der serbischen Wirtschaft und der
sich abzeichnenden Politik von Slobodan Milosevic.
Das Kernstück der amerikanischen Macht ist jedoch
militärische Macht. Aus diesem Grund hat Präsident
Clinton zugesagt, daß unsere Streitkräfte die am
besten ausgebildeten, am besten ausgerüsteten und
einsatzbereitesten der Welt bleiben sollen, ich sage
"bleiben sollen", da die effiziente und schnelle Art und
Weise, auf die unser Militär kürzlich die Operationen
am Golf und in Haiti durchführte, keinen Zweifel an
seiner derzeitigen Einsatzbereitschaft und Stärke
lassen.
Die Kassandrarufe der Kritik an unserer Einsatzbereitschaft treffen nicht zu: Wir haben Waffen in
Krisenherden wie dem Persischen Golf voreingelagert, unsere See- und Lufttransportfähigkeiten erweitert und die Finanzmittel für Operationen und Instandhaltung im Haushaltsjahr 1995 um 5,7 Prozent
erhöht. Es gibt Fragen zu unserer zukünftigen
Einsatzbereitschaft und Mobilität, die wir ansprechen
müssen und wollen, aber der schnelle und höchst
effiziente Aufmarsch unserer Truppen in Haiti und
Irak hat unsere Zuversicht bestärkt, daß wir weiterhin
praktisch gleichzeitig in zwei regionalen Konflikten
größeren Ausmaßes kämpfen und gewinnen können.

Die sich uns stellende Herausforderung ist nicht nur
der Erhalt unserer Militärmacht. Wir müssen heute
auch eine neue nationale Debatte über die entscheidenden Fragen führen, wann, wo und wie wir unsere
militärische Macht einsetzen. Ende der vierziger und
Anfang der fünfziger Jahre wurden solch umfassende
Diskussionen nur über Fragen der Nukleardoktrin und
des begrenzten Krieges geführt. Wir benötigen heute
einen ähnlichen Gedankenaustausch, und Sie müssen bei der Gestaltung der Debatte und somit unserer gemeinsamen Zukunft eine zentrale Rolle spielen.
Wann werden wir Gewalt einsetzen? Die kurze
Antwort lautet stets gleich: Wenn unsere Interessen
das von uns verlangen.
Während des Kalten Krieges wurden unsere Interessen vorwiegend vor dem Hintergrund der Bedrohung der Vereinigten Staaten durch die sowjetischen Nuklearwaffen definiert. Dies führte zur Politik
der nuklearen Abschreckung. Wir verdanken es zum
Teil dieser Politik, daß wir am Leben sind und uns
heute hier frei versammeln können.
Die Politik der Eindämmung war auch das Resultat
der Definition amerikanischer Interessen angesichts

AMERIKA DIENST 43

�der sowjetischen Bedrohung. Der nationale Konsens über die Eindämmung trug zum Sieg im Kalten
Krieg bei. Aber wie der Vietnamkrieg zeigte, wurden
die Beziehungen zwischen Mitteln und Zielen beim
Führen begrenzter Kriege nie zufriedenstellend
definiert.
Heute benötigen wir angesichts der immer größeren
Auswahl zwischen möglichen Missionen in einer sich
schnell wandelnden Welt genauere Definitionen.
Ebenso wie bei der Förderung von Demokratie und
Marktwirtschaft konzentrieren wir uns auf die Gebiete, in denen unsere Interessen auf dem Spiel stehen, und wir müssen so klar wie möglich definieren,
wann und wo wir unsere Militärmacht einzusetzen
gedenken. Denn es gibt keine wichtigere Entscheidung, die ein Präsident trifft.

Dasselbe gilt auf dem Gebiet humanitärer Angelegenheiten, beispielsweise beim Kampf gegen
Hunger und Naturkatastrophen sowie bei ernsthaften Menschenrechtsverletzungen.
Eine Reihe von Interessen zu haben bedeutet nicht,
daß wir keine Prioritäten setzten könnten. Unsere
hier dargelegten Interessen - mit der sicheren
Ausnahme von Angriffen auf unsere Nation und
unsere Verbündeten und der möglichen Ausnahme
von Aggression andernorts - sollten nicht automatisch
zu Gewaltanwendung führen. Je mehr dieser Interessen in Gefahr sind, desto wahrscheinlicher werden
wir wieder unser Militär zu Hilfe rufen. Aus diesem
Grund sahen wir uns in Haiti zur Intervention gezwungen angesichts der Verweigerung von Demokratie, Bedrohung unserer Grenzen, Gefährdung unserer
Verläßlichkeit und Errichtung eines brutalen Regimes
direkt vor unseren Küsten.

Ungeachtet dessen, wie klar unsere Militärdoktrin
formuliert ist, muß und sollte diese Entscheidung auf

einem Urteil basieren, das die Bedeutung einer
Mission im Hinblick auf unsere Interessen und ihre
mutmaßlichen Kosten gegeneinander abwägt.
Ich möchte kurz, wenn auch nicht streng nach
Prioritäten geordnet, die sieben nationalen Interessen aufführen, die nach Ansicht dieser Administration allein oder in Kombination den Einsatz unseres
Militärs rechtfertigen, insbesondere in Gebieten von
größter strategischer Bedeutung:
Verteidigung der Vereinigten Staaten, ihrer
Bürger im In- und Ausland sowie ihrer Verbündeten gegen direkte Angriffe.
Abwehr von Aggression, was für den Erhalt einer
friedlichen Welt von zentraler Bedeutung ist.
Verteidigung unserer wichtigsten Wirtschaftsinteressen, denn auf diesem Gebiet steht für die
Amerikaner bei unserem internationalen Engagement persönlich am meisten auf dem Spiel.
Bewahrung, Förderung und Verteidigung der
Demokratie, die wiederum unsere Sicherheit
erhöht und unsere Werte verbreitet.
Verhinderung der gefährlichen Weiterverbreitung
von Atomwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen sowie terroristischer Gewalttaten.
Bewahrung unserer Verläßlichkeit. Wenn die
Vereinigten Staaten anderen Nationen gegenüber
Verpflichtungen eingehen, müssen sie ihre
Versprechen harten.

AMERIKA DIENST 43

Es sind nicht allein unsere Interessen, die entscheiden, wann und wo wir Gewalt anwenden. Wir
müssen Kosten und Nutzen jeder einzelnen Operation gegen die auf dem Spiel stehenden Interessen
abwägen und uns die folgenden Fragen stellen: Gibt
es eine klar definierte, durchführbare Mission?
Welche Risiken gehen wir ein? Wie groß sind die
Aussichten auf Erfolg? Was benötigen wir zur
Erreichung unserer Ziele? Wie hoch sind die möglichen - humanitären und finanziellen - Kosten des
Engagements? Haben wir eine realistische Erfolgsstrategie?
Es gibt hier keinen Algorithmus, keine einfache
Formel, bei der wir nur Zahlen einzusetzen brauchen,
um die Risiken und Erfordernisse zu kalkulieren. Wir
wissen jedoch, welche Faktoren wir bei unserer
Entscheidung darüber in Erwägung ziehen müssen,
wann und wo wir unsere Männer und Frauen in die
Gefahr entsenden.
Es gibt auch eine Reihe von Richtlinien, die uns beim
Einsatz von Gewalt behilflich sind, und sie befassen
sich mit dem Nutzen der Operation. Wenn wir
amerikanische Truppen ins Ausland schicken, haben
sie eine klare Aufgabe und verfügen über die erforderlichen Mittel. Wenn wir Gewalt einsetzen, müssen
wir sie unerschrocken anwenden. Sonst würden wir
die Interessen gefährden, die wir eigentlich verteidigen wollen sowie die Truppen, die wir entsenden.
Wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben: Die
Entsendung unseres Militärs wird oftmals nicht zur
Lösung der zugrundeliegenden Probleme führen, und
wir müssen die von uns beschlossenen Missionen
sorgfältig begrenzen. Gewalt kann einen Aggressor
besiegen, wird jedoch keine Demokratie ins Leben

Seite 3

�rufen oder zu Wohlstand führen. Sie bewirkt vielleicht erst im Nachhinein eine Lösung.
Wenn wir handeln, tun wir das wenn möglich gemeinsam mit anderen, wenn nötig aber auch im
Alleingang. In einigen Fällen, in denen wir nicht
unilateral vorgehen sollten, könnten wir uns zur
Teilnahme an einer multilateralen Aktion entscheiden, bei der Lasten und Risiken aufgeteilt werden.
Die Vereinigten Staaten haben konsequent die
Bestrebungen angeführt, Koalitionen zu bilden, um
den Bedürfnissen der internationalen Staatengemeinschaft gerecht zu werden. Wenn wir uns
zusammen für eine gemeinsame Sache einsetzen,
werden wir alle stärker und haben mehr moralische
Autorität.
Je mehr unsere Interessen bedroht sind, desto eher
sind wir geneigt, im Alleingang zu handeln. Aus
diesem Grund haben wir gesagt, wir werden am
Persischen Golf wenn nötig unilateral handeln - und
haben dies auch getan, als die Iraker einen Anschlag auf das Leben des ehemaligen Präsidenten
der Vereinigten Staaten und damit gegen unser
ganzes Volk planten.
Schließlich möchte ich noch eine Warnung bezüglich
einer anderen möglichen Leitlinie anbringen. Einige
haben sich zugunsten einer vereinfachten Politik
ausgesprochen: Wir sollten uns in unserer eigenen
Hemisphäre und in begrenzten Gebieten im Ausland
einen Einflußbereich sichern und den anderen die
Aufgabe überlassen, die Stabilität und Ordnung in
ihrer jeweiligen Sphäre aufrechtzuerhalten.
Diese Sichtweise ist in gefährlicher Weise falsch.

Zweifelsohne zählt Nähe. Läge Haiti nicht so nahe
vor unseren Küsten, hätten wir wahrscheinlich nicht
gehandelt. Der dramatische Vormarsch der Demokratie in dieser Hemisphäre ist eine der wirklich
beeindruckenden Entwicklungen unserer Zeit, und
wir haben ein offenkundiges Interesse, eine Beeinträchtigung dieser Entwicklung zu verhindern.
Wir sind uns bewußt, daß alle Nationen stärker um
ihre unmittelbare Umgebung besorgt sind als um
entfernte Regionen. Aber als große Nation, deren
Interessen und Ideale globale Ausmaße haben,
können - und wollen - wir nicht anderen das Recht
überlassen, sich je nach ihrem Gutdünken ohne
Rücksicht auf internationale Normen in die Angelegenheiten ihrer Nachbarn einzumischen. Wir müssen von anderen insbesondere erwarten, daß sie die
Souveränität und territoriale Integrität ihrer Nachbarn
respektieren.

Seite 4

Dies sind also die Kosten-Nutzen-Rechnungen, die in
der Vergangenheit hinter unseren Einsätzen militärischer Macht standen und uns in der Zukunft leiten
werden.
Bei jedem Einsatz von Gewart haben wir die Interessen und Kosten gegeneinander abgewogen. Und
in jedem Fall hat der Einsatz unseres Militärs unsere
Diplomatie untermauert und uns Fortschritte erlaubt,
die wir ansonsten nicht erzielt hätten.
Beim Irak handelt es sich um einen Fall drohender
Aggression, bei der ein breites Spektrum amerikanischer Interessen in Gefahr ist. Aus diesem Grund
führen wir die Koalition unter der Schirmherrschaft
der Vereinten Nationen an - sind jedoch bereit, im
Alleingang zu handeln, wenn wir müssen. Das
Ergebnis des entschlossenen Handelns des Präsidenten war nicht nur die in greifbare Nähe gerückte
Lösung der derzeitigen Krise, sondern eine neue
Verfügung des Sicherheitsrats bezüglich einer weiteren irakischen Aggression.
In Haiti, wo geringere, aber dennoch wichtige Interessen auf dem Spiel stehen, haben wir ebenfalls
gehandelt - aber zu erheblich niedrigeren Kosten. Im
Verlauf von drei Jahren hatten wir alle Verhandlungsmöglichkeiten und die Verhängung von Wirtschaftssanktionen bei unseren Bestrebungen erschöpft, das
Versprechen zweier Administrationen zur Wiederherstellung der demokratisch gewährten Regierung auf
Haiti zu erfüllen. Nur der Einsatz von Gewalt konnte
schließlich den Erfolg herbeiführen. Als die haitianischen Generale die Nachricht erhielten, daß die 82.
Luftlandedivision gestartet und auf dem Weg nach
Haiti war, gaben sie nach. Infolgedessen erreichten
wir auf friedlichem Wege, was wir mit Feuerkraft zu
erzielen bereit waren. Wenn man zum Einsatz von
Gewalt bereit ist, kann man Sun Tzus Worten zufolge
"den Feind ohne Kampf unterwerfen". Der alte
Stratege bezeichnete dies als "das Höchstmaß an
Geschicklichkeit".
In Bosnien konnten wir nicht alle von uns gewünschten Fortschritte machen, aber als die Diplomatie
Hand in Hand mit militärischer Macht ging, konnten
wir eine positive Bewegung beobachten. Das Ultimatum von Sarajevo hatte beispielsweise vor allem
Erfolg, weil die Androhung von Luftangriffen der
NATO konkret war. Die Entscheidung der NATO zum
Einsatz der Luftstreitkräfte hat den Druck auf Sarajevo maßgeblich verringert, den Fall von Gorazde
verhindert und die Grundlage für das Abkommen vom
Frühjahr zwischen den Bosniern und den bosnischen
Kroaten bereitet, ihren Konflikt zu beenden und eine
Föderation zu bilden. Die jüngste NATO-Entscheidung, größere Klarheit und Flexibilität der Vereinten

AMERIKA DIENST 43

�Nationen in Bosnien anzustreben, war ein Schritt in
die richtige Richtung.
In Ruanda und Somalia waren unsere Missionen
vornehmlich humanitär und unsere Interessen begrenzt. Nur das amerikanische Militär konnte das
Geleistete vollbringen und Hunderttausende Menschenleben retten.
Längerfristig rechtfertigten
unsere Interessen jedoch nicht mehr als die Unterstützung der multilateralen Friedenssicherungsbestrebungen nach Abschluß unserer Mission. Wie
überall können die internationalen Friedenssicherungsbestrebungen auch dort einer zersplitterten
Gesellschaft nur eine Chance bieten - eine Zeit
relativer Sicherheit - in der sie ihre Wunden heilen
kann. Keine Kraft von außen kann einer Gesellschaft das auferlegen, was letztlich ihre eigene
Verantwortung ist.
Ein letzter Punkt: Natürlich hat Politik in einem
Vakuum weder Erfolg noch Mißerfolg. Zu Recht
spielen die öffentliche Meinung und der Kongreß
eine zentrale Rolle dabei, wie die Vereinigten
Staaten ihre Macht im Ausland ausüben. Die
wichtigste von uns in Vietnam gelernte Lektion war
vielleicht, was Les Gelb einmal als "den unerläßlichen Dominostein" bezeichnet hat: Die öffentliche
Meinung. Dieser Konflikt lehrte uns, sorgfältiger
über Kosten, Willens- und Feuerkraft sowie die
Länge des Einsatzes nachzudenken. Vor allem aber
lehrte er uns, daß die Vereinigten Staaten ohne die
Unterstützung durch die öffentliche Meinung keinen
Kampf lange durchhalten können.
In unserem Zeitalter bildet sich die öffentliche Meinung in noch verwirrenderer Weise als während des
Vietnamkrieges. Dies trifft insbesondere auf humanitäre und andere nicht herkömmliche Interventionen
zu. Der von CNN und anderen Sendern bei der
Berichterstattung vollführte Quantensprung bedeutet,
daß praktisch jeder Amerikaner jeden Tag mit einer
schmerzlichen Ambivalenz konfrontiert werden muß.
Bilder von Gewalt, Leid und Brutalität rufen natürlich
den Impuls zu intervenieren hervor. Der Fernsehschirm setzt einen bestimmten Vorfall in eine anscheinend universelle Gegebenheit um. Die Kamera
hat bedauerlicherweise keinen periphären Blickwinkel. Mein Land, und wahrscheinlich nur mein Land denkt der Zuschauer - kann etwas gegen dieses
Blutbad unternehmen.
Aber wenn Bilder von Opfern - unseren Opfern erscheinen, ändert sich alles sofort. Die Kosten
werden schmerzlich offenbar und es erhebt sich die
Frage: Kann dies auch nur ein amerikanisches
Menschenleben wert sein?

AMERIKA DIENST 43

Keines dieser Gefühle sollte uns überraschen oder
bestürzen. Beide Reaktionen sind Ausdruck des
hohen Werts, den Amerikaner dem menschlichen
Leben beimessen. Und aus diesem Grund sind wir
bessere Menschen.
Aber während wir als einzelne diese schmerzliche
Ambivalenz teilen können, obliegt der Regierung die
Verantwortung, reale Entscheidungen zu treffen und
zu handeln - zwischen dem Wesentlichen und den
Marginalien zu entscheiden, auf der Grundlage
dessen zu handeln, was richtig ist, und dann, wenn
Maßnahmen ergriffen worden sind, sie ohne Zögern
und Wankelmut durchzuführen.
Um dies zu tun, benötigen wir ein besseres Verständnis der Zusammenarbeit zwischen der Exekutive
und dem Kongreß. Beide müssen natürlich der
Öffentlichkeit für ihre Entscheidungen Rechenschaft
ablegen. Und dies bedeutet eine notwendige und
angemessene Vorsicht bezüglich der Kosten einer
Militäraktion. Es ist schließlich das amerikanische
Volk, das die Last und die Kosten trägt.
Aus unserer jüngsten Erfahrung am Persischen Golf
wissen wir jedoch auch, daß das amerikanische Volk
dem Einsatz von Gewalt nicht so ablehnend gegenübersteht wie manche denken, insbesondere, wenn
klassische Interessen wie die Sicherheit in Europa
oder im Nahen Osten bedroht sind. Und wie eine
neue Rand-Studie belegt, wollen die Amerikaner, daß
wir erfolgreich sind, wenn wir uns einmal engagiert
haben.
Wie wir gesehen haben, unterstützt auch der Kongreß den Einsatz von Gewalt, wenn die klassischen
Interessen der Nation auf dem Spiel stehen. Das ist
ein großer Vorteil, denn es ist unabdingbar, daß die
Exekutive und der Kongreß in der Außenpolitik
zusammenarbeiten.
In der Welt nach dem Kalten Krieg müssen wir
jedoch auch die Kapazität für den begrenzten Einsatz
von Gewalt unter neuen Gegebenheiten haben. Zu
häufig in solchen Fällen reagieren einige im Kongreß,
indem sie nur Warnungen äußern, nur die Kosten
und die Opfer sehen, statt den Nutzen und die
Chancen.
Ich wiederhole: Wenn wir Gewalt einsetzen, müssen
wir dies unerschrocken tun. Sonst setzten wir unsere
Ziele aufs Spiel und gefährden unsere Truppen,
sowohl bei der spezifischen Mission als auch weltweit. Wenn der Kongreß fast automatisch Resolutionen in Erwägung zieht, die einen frühzeitigen Abzug
unserer Truppen fordern, wenn sie in ungewohnter
Umgebung stationiert sind, unterminiert er unsere
Ziele und vergrößert das Risiko für unsere Truppen.

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�Es ist praktisch eine Einladung für den "Verbrecher
des Monats", herauszufinden, ob er unseren Rückzug aus einem schwierigen Teil der Welt erzwingen
kann, indem er unsere Soldaten angreift.
Nicht zuletzt aus diesem Grund hat Präsident Clinton
im Herbst den übereilten Rückzug aus Somalia
abgelehnt. Das wäre der falsche Ausweg gewesen
und hätte die falsche Botschaft übermittelt. Statt
dessen erhöhte er das Truppenniveau bevor er es
langsam, rechtzeitig und ohne weitere Opfer wieder
abbaute.

wissen auch, daß vor uns eine Chance zum Aufbau
einer Welt mit mehr Demokratie, Toleranz und
Pluralismus liegt. Eine solche Chance bietet sich
höchstens einmal in einem Zeitalter. Um die Gefahren zu bekämpfen und die Chance zu ergreifen,
müssen wir unsere Kreativität und unser gesamtes
diplomatisches Geschick aufbieten. Und diese
Geschicklichkeit müssen wir stets mit unserer Macht
untermauern. Wir sollten also die Lehre von Friedrich
dem Großen, einem der großen Realisten der Aufklärung, im Gedächtnis behalten, der sagte: "Diplomatie ohne Waffen ist Musik ohne Instrumente".

Dieses Thema geht über die tägliche Zusammenarbeit mit dem Kongreß hinaus. In Anerkennung der
Rolle des Kongresses hat diese Administration in
beispielloser Weise Konsultationen mit ihm geführt 75mal allein im Falle Haitis.

Wir sollten gegen die Gefahr des Schleudems und
Rückzugs gewappnet sein. Wir müssen die Rufe von
links und rechts ebenso wie die Rhetorik der Neonichtwisser ohne eigene Meinung zurückweisen, zu
Hause zu bleiben, statt uns zu engagieren.

Erforderlich sind jedoch ein Kriegsmächtemechanismus und Konsultationssystem, die funktionieren. Im
kommenden Jahr werden wir mit dem Kongreß
ernsthafte Gespräche über eine Neuformulierung der
Kriegsmächteresolution führen in dem Versuch, den
zwei Jahrhunderte währenden Kampf zwischen
diesen Regierungszweigen zu beenden. Er wird und
sollte vielleicht niemals beigelegt werden. Aber die
Bedingungen und der Ton bei der Formulierung
unserer nationalen Sicherheitspolitik müssen verbessert werden und etwas von ihrem derzeitigen parteipolitischen Gepräge verlieren, oder unsere Nation
und unsere Truppen könnten einen unnötig hohen
Preis bezahlen.

Die in diesem Raum Anwesenden sind vielleicht nicht
der Auffassung, daß wir eine neue Runde des alten
Kampfes zwischen Engagement und Verschanzung
kämpfen. Die Debatte ist nicht so klar definiert wie in
der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Aber
jedes Mal, wenn eine Gesetzesvorlage drastisch
gekürzt, die Stationierung von Truppen aus ideologischen statt praktischen Gründen abgelehnt oder ein
gutes Handelsabkommen attackiert wird, ist es Teil
der herkömmlichen Argumentation. Der Impuls, sich
von der Welt zurückzuziehen wie sich Nebelschwaden auflösen, kommt unbemerkt. Daher bitte ich Sie,
gemeinsam mit uns zu verhindern, daß unsere Nation
angesichts einer neuen Welt mit andauernden
Gefahren die Orientierung verliert. Denn dies ist
auch eine Zeit enormer Chancen. Ich glaube, wir
werden sie mutzen.

Amerikaner wissen, daß das Ende des Kalten Krieges - so ermutigend es auch ist - nicht bedeutet,
daß wir in einer Welt wirklicher Sicherheit leben. Wir
*

Seite 6

*

* *

AMERIKA DIENST 43

�NATO
2. November 1994

DIE ZWEITEN 50 JAHRE DER NATO AUFGABEN EINES BÜNDNISSES
Rede von Botschafter Kornblum
DEN HAAG - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Botschafter John Kornblum am 26. Oktober 1994 vor
der 40. Versammlung der NATO in Den Haag gehaltene Rede.

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, vor der
Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO) eine
Rede halten zu dürfen. Es ist die aktive Rolle von
Bürgern wie Ihnen, die unsere Partnerschaft gesund
erhalten. Die Zusammenarbeit mit der atlantischen
Kommission der Niederlande ist stets eine besondere Freude. Ihre Konferenzen haben nicht nur ein
äußerst hohes Niveau - die Rolle der Niederlande in
Europa, der atlantischen Partnerschaft und in der
Welt ist ein ausgezeichnetes Beispiel der engagierten, aufgeklärten Politik, die in den kommenden
Jahren unabdingbar sein wird.

Wie der Name schon besagt, bildet der Atlantik das
Kernstück dieser Partnerschaft. Das zentrale Kriterium der europäischen Sicherheit in diesem Jahrhundert war die zunächst allmähliche und dann rasche
Verlagerung der Macht von der europäischen Landmasse zu den Demokratien Nordamerikas - insbesondere den Vereinigten Staaten.

Meine heutigen Ausführungen tragen den Titel: "Die
zweiten 50 Jahre der NATO - Aufgaben eines
Bündnisses". Es gibt einen speziellen Grund für
diese Themenstellung. Vor fünf Jahren hätten viele
Beobachter nicht geglaubt, daß die NATO ihre
ersten 50 Jahre vollenden, ganz zu schweigen
davon, sich auf weitere 50 vorbereiten würde.

Seit den frühesten Zeiten der Kolonisierung sahen die
amerikanischen Kolonien und das europäische
Mutterland ihre Sicherheit als untrennbar verbunden.
Die Revolution in unserem Land hatte beispielsweise
eine Parallele in den anglo-französichen Konflikten in
Europa. Und im 19. Jahrhundert spielte die britische
Marine eine zentrale Rolle dabei, Nordamerika frei
von Konflikten zu halten, die in Europa ihren Ursprung hatten.

Heute sind die Zweifler von der Bildfläche verschwunden. Die NATO hat nicht nur überlebt, sie ist
für mögliche neue Mitglieder zunehmend begehrenswert sowie für diejenigen, die ein Engagement der
NATO in ihrem Namen wünschen. Dieses Engagement geht inzwischen weit über die ursprünglichen
Kernfunktionen des Bündnisses hinaus. Zu sagen,
die NATO fördert Stabilität in ganz Europa, ist zu
einem Understatement geworden.
Grundlagen des Erfolges
Bevor wir uns jedoch in Euphorie über neue Verwendungen unserer Partnerschaft verlieren, sollten
wir uns vor Augen führen, warum die NATO selbst
in einem Zeitalter raschen Wandels so erfolgreich ist.
Die Gründe für das Stehvermögen der NATO finden
sich sowohl in ihren grundlegenden Kernfunktionen
als auch in ihren neuen Aufgaben.

AMERIKA DIENST 43

Beachten Sie, daß ich nicht gesagt habe, die nordamerikanische und die europäische Sicherheit seien
zum ersten Mal in diesem Jahrhundert miteinander
verbunden. Das wäre nicht richtig.

Was sich im 20. Jahrhundert änderte, war der Ursprung der Macht und ihre Anwendung. Bis 1914
hatten die zunehmend wohlhabenden und geographisch sicheren Vereinigten Staaten das Kräftegleichgewicht in Europa gehalten. Wirtschaftlich stark,
hatten die Vereinigten Staaten den Glauben an die
Macht der eigenen Ideale und Ziele, der bis heute in
Europa noch nicht vollständig wiederentdeckt worden
ist. Es gibt eine Bereitschaft, für diese Überzeugungen einzutreten und für ihre Verteidigung Opfer zu
bringen.
Dieses Gefühl der Zuversicht und Vision wurde
irgendwann im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts
auf die andere Seite des Atlantiks übertragen. Seit
über 70 Jahren ist es das definierende Moment der
europäischen Sicherheit geblieben. Als die amerikanische Energie der europäischen Sicherheitsglei-

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�chung hinzugefügt wurde, war die Freiheit gesichert.
Als die Vereinigten Staaten diese Rolle aufgaben,
machten die historischen Konflikte der Vergangenheit den Frieden schnell zunichte.
Die NATO verleiht dieser Rolle der Vereinigten
Staaten Form und Substanz. Sie setzt das atlantische Ideal von Hoffnung auf gegenseitiges Engagement in eine funktionierende Partnerschaft um. Das
Bündnis bietet das Instrument für die Anwendung
der amerikanischen Macht und Vision auf die Sicherheitsordnung in Europa. Es dient jedoch auch
als wichtiger Vermittler von Hoffnungen, Idealen und
Menschen unter den europäischen Mitgliedstaaten
und über den Atlantik hinweg.
Die Kernfunktion der NATO ist ebenso europäisch
wie transatlantisch. Die überwältigende Mehrheit
ihrer Streitkräfte, ihrer Planer und Infrastruktur wird
von den europäischen Partnern bereitgestellt. Zu
einer Zeit, in der Pläne für eine getrennte europäische Verteidigungs- und Sicherheitsidentität noch
erörtert werden, betreibt die NATO zahlreiche in
Europa angesiedelte Verteidigungs- und Sicherheitsinstitutionen, die eine funktionierende Integration der
politisch und militärisch Verantwortlichen vornehmen.
Diese auf Europa zugeschnittene Aufgabe der NATO
wird häufig von denen mißverstanden, die eine
getrennte europäische Identität wünschen. Die
Vereinigten Staaten zählen sich zu den Gründern
der europäischen Integrationsbewegung. Bereits
1947 forderte Außenminister George Marshall eine
gemeinsame europäische Antwort auf das amerikanische Angebot der Wirtschaftshilfe.
Bei der Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft
innerhalb Europas ist es jedoch unerläßlich, sich vor
Augen zu führen, daß die Grundlagen einer europäischen Sicherheitsidentität bereits existieren - in der
NATO. Die Aufgabe für die Zukunft besteht darin,
dieses europäische Thema im Nordatlantikrat besser
zu artikulieren.

Nachdem diese Aufgabe nun erfüllt ist, dürfen wir
unsere Energien nicht mit der Suche nach neuen
Bedrohungen erschöpfen, damit die NATO beschäftigt ist. Die NATO wurde ursprünglich als politisches
Bündnis konzipiert - eine Partnerschaft unter gleichgesinnten Ländern zur Verteidigung der Demokratie
in einer Zeit der Unsicherheit und des Wandels. Ihrer
Gründung folgte ein langer und ermüdender Krieg,
der die Ressourcen Europas verschlang, neue
Herausforderungen für die Demokratie mit sich
brachte und die Notwendigkeit zu Solidarität angesichts der überwältigenden Aufgabe des Wiederaufbaus unter Beweis stellte.
Gibt es auch für das vor uns liegende Zeitalter eine
genauere Definition der Aufgaben? Nachdem die
NATO zur Beseitigung der Bedrohung durch Totalitarismus und militärische Aggression beigetragen hat,
sehen sie und ihre Mitgliedstaaten sich mit einer
neuen Nachkriegszeit konfrontiert. Der gerade hinter
uns liegenden "kalte" Krieg hat Herausforderungen
hinterlassen, die in jeder Hinsicht ebenso groß sind
wie die, denen sich unsere berühmten Vorgänger vor
nahezu 50 Jahren gegenübersahen.
Die Gesellschaften und der Geist der Hälfte
Europas sind gebrochen und orientierungslos.
Das Versprechen der Demokratie ist von der
Gefahr des wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruchs bedroht.
Ein besiegter Gegner versucht mit aller Macht,
seinen Weg in einem neuen Europa zu finden.
Seine Volkswirtschaft ist zerstört und sein Image
angeschlagen.
Eine sich rasch wandelnde Welt enthält noch vor
wenigen Jahren undenkbare Herausforderungen.
Ebenso wie 1947 kämpfen im Jahr 1994 neue
Nationen und neue Politiker um Einfluß in einer
zunehmend konkurrierenden Welt. Die Integration
dieser neuen Nationen in ein sicheres und demokratisches Weltsystem ist eine Aufgabe historischen Ausmaßes.

Wo ist die Bedrohung?
Sie haben vielleicht festgestellt, daß ich bei der
Definition der Kernfunktionen des Bündnisses weder
spezifische Aufgaben genannt noch eine klare
Bedrohung definiert habe. Als ein militärisches
Bündnis bereitet sich die NATO natürlich auf die
Sicherheitsherausforderungen für ihre Mitglieder vor.
Seit über 40 Jahren sah man diese Bedrohung als
von der Sowjetunion und dem Warschauer Pakt
ausgehend an. Zur Abschreckung der sowjetischen
Aggression wurde eine kunstvolle Struktur aufgebaut.

Seite 2

Aus dieser Perspektive erscheint die scheinbar ewige
Frage: "Wo ist der Feind?" immer weniger relevant
Die NATO wurde ursprünglich nicht gegründet, um
etwas zu sein. Ihr ursprünglicher Zweck war vielmehr, sich für etwas zu vereinen:
Für ein demokratisches und friedliches Europa,
das zunehmend eine Führungsrolle in der Welt
übernahm.
Für eine atlantische Partnerschaft, die die Verbindung zur amerikanischen Militärmacht zum
Aufbau politischer, wirtschaftlicher und kultureller

AMERIKA DIENST 43

�Bande über den Atlantik hinweg nutzte, die zur
Überwindung der alten Gewohnheiten von Wettbewerb und Konfrontation beitragen würden.
Und schließlich, um diesen Schutzschild für
Demokratie als Grundlage einer fruchtbaren
europäischen Partnerschaft zu nutzen, die Selbstbewußtsein, Vertrauen und Verantwortungsbewußtsein unter ehemaligen Gegnern und Verbündeten gleichermaßen beinhaltete.
So verändert unsere Zukunft auch erscheinen mag,
sind die Ideale der NATO dennoch in einzigartiger
Weise dafür geeignet, diese vor uns liegenden
Aufgaben zu erfüllen. Sie benötigt keine neuen
Aufgaben, um weiterhin ihren unerläßlichen Beitrag
zu der demokratischen Zukunft Europas zu leisten.
Sie benötigt nur den Einsatz und Willen ihrer Mitgliedstaaten, ebenso hart zu arbeiten, um dasselbe
Engagement und dieselbe Energie auf das übrige
Europa auszuweiten, die vor vier Jahrzehnten zu
Freiheit und Wohlstand in Westeuropa führten.
Eine amerikanische Vision
Es ist diese Vision eines in Ziel und Zweck integrierten Europas, die Präsident Clinton vor zehn Monaten
in Brüssel umriß.
Sein Rezept für die Zukunft gründete auf der NATO
und der Europäischen Union als organischer Verkörperung der westlichen Kooperation.
Seine
Botschaft stellte jedoch eindeutig klar, daß unsere
eigene Sicherheit ohne die Konzentration des
demokratischen Erneuerungsprozesses in eine
östliche Richtung bald in Frage gestellt sein würde.
Wenn sich nicht alle auf diesem Kontinent der
Früchte der demokratischen Revolution erfreuen,
könnten sie bald auch im Westen ihre Anziehungskraft verlieren.
Diese Vision ist nicht auf eine einzelne Institution
oder Gruppe von Ländern begrenzt. Wenn es eine
Lektion der Jahre seit dem Zusammenbruch des
Kommunismus gibt, lautet sie, daß vielfältige Anstrengungen erforderlich sind, um die uns konfrontierenden neuen Probleme zu definieren und zu lösen.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß
unsere nationale Sicherheit in dieser Periode raschen Wandels am besten durch das gleichzeitige
Vorgehen auf mehreren politischen Schienen garantiert werden kann.
Die erste Schiene bieten die NATO, die Westeuropäische Union (WEU), die Europäische
Union (EU) und andere als integrierte Organisationen. Sie schützen die Interessen ihrer Mit-

AMERIKA DIENST 43

glieder und beziehen zunehmend neue Aufgaben
und neue Partner ein.
Eine zweite Schiene wird durch umfassendere
Strukturen definiert, die sich der Aufgabe der
Integration neuer demokratischer Staaten in die
demokratischen Strukturen des Westens verschrieben haben. Der Nordatlantische Kooperationsrat (NAKR), die Partnerschaft für den Frieden
(PfP), das Partnerschaftsprogramm der WEU und
die Bestrebungen der EU zur Einbeziehung der
neuen unabhängigen Staaten sind spezifische
Beispiele. Die KSZE spielt eine besondere Rolle
bei der Entwicklung eines Zusammengehörigkeitsgefühls und der Erarbeitung gemeinsamer Ziele
unter der größten Anzahl euroatlantischer Staaten.
Und schließlich schreitet die wirtschaftliche Integration der euroatlantischen Welt schnell voran,
während die westlichen Länder einen Binnenmarkt
bilden, in dem die alten Ängste der wirtschaftlichen Konfrontation rasch durch Einzelmarktstrategien auf beiden Seiten des Atlantiks ersetzt
werden. Wenn der Frieden gesichert werden soll,
muß diese Integration auch ostwärts erweitert
werden.
Präsident Clinton hat eine radikal neue Definition der
Sicherheit mit dem Argument vorgeschlagen, daß
sich die Friedenssicherung in Zukunft um drei wesentliche Elemente drehen wird:
militärische Stärke,
wirtschaftlichen Wohlstand und
Menschenrechte.
Die drei Schienen unserer europäischen Vision
decken sich mit diesen wesentlichen Elementen. Sie
bieten den Kern einer neuen Sicherheitsarchitektur in
Europa, die umfassend, einbeziehend und nichtdiskriminierend ist und sich auf die integralen Beziehungen zwischen der Sicherheit Europas und der Nordamerikas gründen.
Statt vorzuschreiben, wie sich jedes Teil dieser
Struktur entwickeln sollte, konzentriert sich unsere
amerikanische Vision auf die Entwicklung eines weiter
vertieften Zusammengehörigkeitsgefühls unter den
Nationen der euroatlantischen Welt. Während sich
Demokratie und freie Marktwirtschaften entfalten, wird
sich das Gefühl gemeinsamer Ziele und eines gemeinsamen Schicksals in einer neuen Art von Sicherheits- und Kooperationsgemeinschaft vertiefen,
die bestehende Organisationen verstärkt und den
Weg für neue praktische Fortschritte ebnet.
Es wird einigen Beobachtern nicht entgangen sein,
daß diese Vision einer erweiterten euroatlantischen

Seite 3

�Gemeinschaft der Vision eines zunehmenden Gemeinschaftssinns ähnelt, die Präsident Clinton und
andere westliche Politiker in ihren Ländern umreißen.

den Entwicklung einer unabhängigen sicherheitspolitischen Identität unter den 12 Nationen der
Europäischen Union und Partnern in Nordamerika
herzustellen.

Die Ähnlichkeit ist offenkundig. Der Unterschied
zwischen diplomatischen und sicherheitspolitischen
Erwägungen in der Außenpolitik und die Notwendigkeit einer Erneuerung unserer eigenen Gemeinden
wird jeden Tag kleiner. In einer nicht länger von
dem einzigen Prinzip der militärischen und ideologischen Konfrontation regierten Welt werden grundlegendere humanitäre Belange das internationale
Leben in zunehmendem Maße beeinflussen.

Eine zweite europäischen Funktion wird darin
bestehen, die Zusammenarbeit nach Osten zu
erweitern, um zum Aufbau dauerhafter demokratischer Strukturen in den aus dem Warschauer
Pakt hervorgegangenen neuen Demokratien
beizutragen.

Wir werden bald feststellen, daß sich das Vokabular
der internationalen Sicherheitspol'rtik von militärischen Berechnungen zur innenpolitischen Gleichung
verlagert. Die Umwelt, Einwanderungsfragen und
ethnische Spannungen werden sehr viel wichtiger
als Wurfgewicht, Manöverpläne und Raketenlenksysteme.
Wir werden hart arbeiten müssen, um diese neuen
Definitionen in die Praxis umzusetzen. Wir befinden
uns im Übergang von einem Zeitalter zum nächsten.
Die neuen Konzepte unterbrechen unser bequemes
Denkmuster. Es scheint sich noch nicht auf die vor
uns liegenden Probleme eingestellt zu haben.
Beispielsweise wird noch viel über neue Sicherheitsarrangements, die militärische Umsetzung oder
Frühwarnsysteme gesprochen. Diese Ideen stehen
für die Bestrebungen, Konzepte der Vergangenheit
an neue und verwirrende Probleme anzupassen.
Wir werden bald sehen, wie viel wichtiger die neuen
Sicherheitsberechnungen für die uns heute konfrontierenden Aufgaben sind.
Die Rolle der NATO
Wenn man die von mir gerade dargelegte neue
Definition der Sicherheit akzeptiert, werden die
Aufgaben der NATO für die Zukunft klarer.
Das Bündnis wird weiterhin als Grundlage für die
Sicherheit all seiner Mitgliedstaaten dienen.
Durch Zusammenarbeit bei militärischen Aufgaben und Strategien für ein Engagement mit
den neuen Demokratien im Osten konsolidieren
wir eine Interessengemeinschaft unter den
Verbündeten, die den größten Bedrohungen
widerstehen kann.
Neben seiner transatlantischen Rolle wird das
Bündnis zunehmend einer europäischen Funktion
dienen. Die vordringlichste Rolle wird darin
bestehen, ein Bindeglied zwischen der andauern-

Seite 4

Mitteleuropa war seit Jahrhunderten der Ausgangsort
von Konflikten in Europa. Niemand kann sich sicher
fühlen, wenn das Konfliktpotential nicht aus dieser
Region entfernt wird. Die Rolle der NATO muß
dynamisch sein. Durch neue Bestrebungen wie den
NAKR und die Partnerschaft für den Frieden können
die Verbündeten mit den Nichtmitgliedern einen
Gemeinschaftssinn aufbauen. Praktische Zusammenarbeit kann eine zunehmende Harmonisierung
der operativen Konzepte und der politischen Verhaltensweisen gewährleisten.
Schließlich können das Geschick und die Ressourcen
der NATO zur Aufrechterhaltung von Frieden in
Konfliktgebieten dienen. Neue Strukturen werden
definiert, um dem Bündnis die Beteiligung im Alleingang oder in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen bei dieser Funktion zu ermöglichen. Für eine
solche Rolle der NATO gibt es vielfältige Möglichkeiten, aber genausoviele Gefahren. Die Evolution der
Friedenssicherungs- und Konfliktverhütungsrolle der
NATO wird gründliche Prüfung erfordern.
Die Frage neuer Mitglieder
Mit der Debatte über die zukünftigen Rollen des
Bündnisses geht die Frage neuer Mitglieder einher.
Mehrere Länder haben Interesse bekundet. Andere
kämen ohne Probleme in Frage, wenn sie einen
Beitritt wünschen. Diese Frage hat ziemliche Kontroversen hervorgerufen. Sie ist verbunden mit den
grundlegendsten Erwägungen über die zukünftige
Sicherheitsstrategie in Europa.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die
Frage einer Erweiterung der NATO im Zusammenhang mit der Evolution der Rolle des Bündnisses als
Teil einer umfassenderen Sicherheitsarchitektur in
Europa gesehen werden sollte. Wenn Sie sich an die
von mir erwähnten drei Schienen erinnern, wird
deutlich, daß jede dieser Schienen für die kontinuierliche Erweiterung von Frieden in der Region unabdingbar ist.
Eine auf ihre ursprüngliche defensive Rolle in ihren
ursprünglichen geographischen Grenzen beschränkte

AMERIKA DIENST 43

�NATO könnte nicht prosperieren. Sie wird schnell zu
einem Anachronismus in einem sich rasch wandelnden Umfeld. Andererseits würde eine die Übernahme aller Sicherheits- und Kooperationsfunktionen
in Europa anstrebende NATO bald unter der Last
der Aufgabe zusammenbrechen. Sie könnte ihr
originäres Verteidigungsmandat nicht erfüllen, wenn
sie zu einer alles einbeziehenden wechselseitigen
Sicherheitsstruktur in Europa werden wollte.

allen interessierten Parteien zusammen, um
dieser Integration zum Erfolg zu verhelfen.
Die nächsten Wochen werden entscheidend für
unsere Bestrebungen beim Aufbau einer neuen
Architektur sein.

Der Aufbau einer Sicherheitsarchitektur

Die Partnerschaft für den Frieden und der Prozeß
der Evolution der NATO werden fortgesetzt.
Nächster Termin ist das Ministertreffen im Dezember.

In den kommenden Monaten und Jahren werden die
Vereinigten Staaten die Entwicklung aller Schienen
dieser integrierten Sicherheitsarchitektur anstreben.

Die Budapester Folgekonferenz und das KSZEGipfeltreffen werden eine Chance bieten, dem
KSZE-Prozeß Auftrieb und Vision zu verleihen.

Wie Präsident Clinton im Juli in Warschau festgestellt hat, ist die Erweiterung der NATO nicht eine
Frage des Ob, sondern des Wann und Wie. Wir
werden im Herbst Konsultationen im Bündnis
über das beste Vorgehen zur Verwirklichung
dieses Ziels aufnehmen.

Die Vereinigten Staaten unterstützen eine weitreichende Anpassung der KSZE an die neue Situation
in Europa. Wir sind der Ansicht, die KSZE sollte als
wichtigstes Instrument für den Aufbau einer Sicherheits- und Kooperationsgemeinschaft in Europa
entworfen werden. Diese Gemeinschaft sollte als Ziel
die Erarbeitung von Gewohnheiten und Zusammenarbeit haben, die mit der Zeit eine dauerhafte Grundlage für Frieden bilden.

Als unerläßliche Grundlage jeder Rollenerweiterung der NATO in Mitteleuropa sollte die Partnerschaft für den Frieden die Substanz der Zusammenarbeit bei den zahlreichen Aspekten des
militärischen und politischen Verhaltens bieten,
die das Wesen der Mitgliedschaft im Bündnis
ausmachen.
Eine wichtige zweite Schiene wird sich damit
befassen, der Entwicklung der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa als
einer grundlegenden Sicherheitsstruktur zusätzlichen politischen Auftrieb zu verleihen. Die KSZE
bietet die Vision und Werte für eine echte Sicherheits- und Kooperationsgemeinschaft in der
euroatlantischen Region. Sie bietet auch die
umfassenden Strukturen für Konsultationen und
Kooperation unter allen Teilnehmerstaaten - ob
sie Mitglieder des Bündnisses sind oder nicht.
Auf diese Art und Weise kann die KSZE die übergeordnete Institution für ein wachsendes Netz von
Kontakten und Zusammenarbeit sein - die sich alle
aus den Bereichen Menschenrechte, Wirtschaft und
Sicherheit ableiten, die das Kernstück der Schlußakte von Helsinki bilden.
Wirtschaftliche Integration muß auf vielfältige Art
vorangetrieben werden. Internationale Organisationen können helfen. Die grundlegenden Entscheidungen müssen jedoch diejenigen der
nationalen Regierungen sein. Volkswirtschaften,
Rechtsstrukturen und die industrielle Infrastruktur
müssen an die neuen Erfordernisse angepaßt
werden. Die Vereinigten Staaten arbeiten mit

AMERIKA DIENST 43

Als Hauptaufgabe sollte sich die KSZE auf demokratische Entwicklung, die Achtung der Menschenrechte
und wirtschaftliche Kooperation konzentrieren. Sie
sollte darüber hinaus die neuen Disziplinen der
präventiven Diplomatie und Konfliktverhütung weiterentwickeln, zu denen sie bereits so viel beigetragen
hat. Vor allem die Rolle des Hochkommissars für
nationale Minderheiten, Max van der Stoel, verdient
besondere Erwähnung.
Die Teilnehmerstaaten sollten sich darüber hinaus auf
der höchsten politischen Ebene der Erarbeitung
neuer Formen der Konsultation und Kooperation in
der KSZE verpflichten. Sie sollte nicht zu einer Kopie
der NATO oder der Vereinten Nationen werden. Ihre
eigene besondere Form der politischen Konsensbildung sollte vielmehr genutzt werden, um die
gemeinsamen Handlungsbereiche unserer Länder zu
erweitern. Neue Konsultationsgremien können in
Erwägung gezogen werden, um diesen Zielen zusätzliche Substanz zu verleihen.
Zu einem dauerhaften Frieden
Keine Institution kann politischen Willen und die
Bereitschaft zur Zusammenarbeit ersetzen.
Die
Geschichte belegt, daß tragische Entwicklungen
stattfinden können, selbst wenn umfassende Kooperationsstrukturen vereinbart wurden wie in der Zeit
zwischen den Kriegen.

Seite 5

�Wir haben viel aus den Fehlentscheidungen dieses
Jahrhunderts gelernt. Wir können jedoch nicht
davon ausgehen, daß die zu Konflikten führenden
Probleme gelöst wurden. Im Gegenteil, es scheint,
daß der Kalte Krieg eine atypische Periode der
Stabilität war und - mit den Worten des tschechischen Präsidenten Vaclav Havel - der Wind der
Geschichte sich gewendet hat, um uns erneut
frösteln zu lassen.
Wenn wir diesem Wind dieses Mal trotzen wollen,
sollten wir uns von einer Wahrheit leiten lassen. Sie
lautet, daß alle Abkommen und Strukturen der Welt
den Frieden nicht bewahren werden, wenn der
politische Wille zur Aufrechterhaltung der Werte und

Zielsetzungen freier Gesellschaften nicht vorhanden
ist.
Wir haben uns die Instrumente zur Bewahrung und
Erweiterung des Friedens an die Hand gegeben. Wir
müssen sie jetzt nutzen. Das atlantische Bündnis ist
eine wunderbare Partnerschaft demokratischer
Staaten, das zur Erfüllung zahlreicher wichtiger
Funktionen entwickelt wurde. Den einen Bestandteil,
den es von sich aus nicht bieten kann, ist die Entschlossenheit, es zu nutzen. Wir wollen heute dieses
einfache Versprechen eingehen - daß die von uns
während der vergangenen 50 Jahre gebildete Einheit
sowohl den Frieden als auch den Krieg überlebt.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 43

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nformotion
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. Dezember 1980

53

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
David Newsom: Sowjets spüren Kosten der Invasion Afghanistans
- USICA-Interview mit dem US-Staatssekretär für politische
Angelegenheiten Äußere Ereignisse erschweren Beziehungen im Bündnis
- Von George S. Vest US-Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten
USA fordern Anwendungsbegrenzung für Fluorchlorkohlenwasserstoffe

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Saturnforschung mit Überraschungen
- Naturwissenschaftler suchen Erklärung für rätselhafte Phänomene

Um Übcr/cnJung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�3. Dezember 1980

53

DAVID NEWSOM: SOWJETS SPOREN KOSTEN DER INVASTION AFGHANISTANS
USICA-Interview mit dem US-Staatssekretär für politische Angelegenheiten

WASHINGTON - (AD) - David Newsom, Staatssekretär für politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, unterstrich in einem Interview mit
einem Korrespondenten des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA),
daß die Sowjetunion die Kosten ihrer Invasion in Afghanistan spüre.

So sei

zum Beispiel die sowjetische Fleischproduktion aufgrund des teilweisen Embargos
amerikanischer Getreideverkäufe um fünf Prozent gesunken; andere Großprojekte
seien vom Lieferausfall westlicher Technologie betroffen.

Zudem habe die

jüngste Verurteilung der sowjetischen Invasion durch die Vollversammlung der
Vereinten Nationen gezeigt, daß sich die Weltmeinung hinsichtlich der sowjetischen Präsenz in Afghanistan nicht geändert habe.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Mr. Newsom, waren Sie eigentlich während Ihrer jüngsten Reise

in mehrere europäische Hauptstädte ausreichend von der europäischen Besorgnis
über die sich verschlechternde Lage am Persischen Golf und von der europäischen
Bereitschaft beeindruckt, einen größeren Anteil der Lasten bei der Verbesserung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Verbesserung der Verteidigungskapazitäten der NATO zu übernehmen?
ANTWORT:

Die Europäer sind mit uns einer Meinung, daß eine substan-

tiellere westliche Militärpräsenz im Persischen Golf wünschenswert ist. Sie
stehen jedoch zu Hause vor dem Problem, die verschiedensten Forderungen mit
anderen internen Erfordernissen in Einklang zu bringen - ein Problem, wie
es Regierungen überall in ähnlicher Weise, und besonders in einer Zeit der
Inflation, erleben.
Im Mai dieses Jahres kam man in der NATO allgemein überein, daß eine
jährliche 3prozentige Erhöhung der Verteidigungsausgaben nötig sei, sollte
die NATO die Elemente der sogenannten Phase Zwei der Stärkung des Bündnisses
vervollständigen.
Die europäischen Staaten begreifen, daß ihr Beitrag zu dieser Anstrengung zum größten Teil in Form einer Stärkung der NATO erfolgen muß, wenn wir
eine wesentlich größere Last im Persischen Golf übernehmen sollen.

Wir be-

dauern, daß in diesem Jahr nicht alle europäischen Länder in der Lage waren,
diese drei Prozent zu erreichen.

Meiner Meinung nach wird es auch weiterhin

ein Ziel der Vereinigten Staaten sein, sie hierzu zu ermutigen, und wir
hoffen, daß sie in den kommenden Jahren in der Lage sein werden, näher an
das heranzukommen, was wir als das notwendige minimale Jahreswachstum betrachten.
FRAGE:

Sind die Vereinigten Staaten mit der europäischen Unterstützung

unserer Anstrengungen zufrieden, mehr militärische Präsenz im Persischen Golf
und im Gebiet des Indischen Ozeans zu konzentrieren?
ANTWORT: Die Europäer haben gewisse Schritte unternommen, die unserer
Ansicht nach eine große Hilfe und Unterstützung unserer Anstrengungen sind.
Großbritannien hat weitere Einheiten der britischen Flotte im Indischen
Ozean disloziert. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat der Türkei
und Pakistan umfangreiche Hilfe geleistet. Andere europäische Staaten tun,
was in ihrer Macht liegt, um Länder in dem Gebiet zu stärken, zu denen sie

�sie traditionell Beziehungen unterhalten.
Wir begrüßen alle diese Maßnahmen.

Wir sind jedoch weiterhin der Mei-

nung, daß der entscheidende europäische Beitrag in Europa geleistet werden
muß, in der Stärkung der NATO - und dies wird auch weiterhin ein Ziel dieser
Regierung sein.
FRAGE:

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat zum zweitenmal

in diesem Jahr eine Resolution verabschiedet, die den Abzug der sowjetischen
Truppen aus Afghanistan und Selbstbestimmung für das afghanische Volk fordert. Glauben Sie, daß angesichts der sowjetischen Mißachtung der UN-Resolution vom Januar und ihrer Gleichgültigkeit gegenüber einer nahezu universellen
Verurteilung der Invasion durch die Staaten außerhalb des Sowjetsblocks die
Resolution, die am 20. November verabschiedet wurde, irgendeinen Einfluß auf
den Kreml haben wird, um eine politische Lösung in Afghanistan zu erreichen?
ANTWORT:

Es ist auch weiterhin unsere Absicht, daß die weltweite Ver-

urteilung der sowjetischen Maßnahme, daß der weltweite Druck, der durch die
Abstimmungen in den Vereinten Nationen zum Ausdruck kommt, und daß das Zögern
der Staaten, mit dem Babrak-Regime in Afghanistan zu verkehren, wesentliche
Elemente dabei sind, den Sowjets die weitverbreitete Mißbilligung ihrer Schritte in Afghanistan vor Augen zu führen.
Es ist schwer zu sagen, an welchem Punkt die Sowjets sich zu dem Entschluß durchringen werden, daß ihre Haltung bezüglich Afghanistans neu überdacht werden muß.

Unserer Meinung nach werden sie es jedoch sicher nicht

tun, wenn diese Art internationalen Drucks nicht anhält.

Daher begrüßen wir

die Maßnahmen, die in diesem Jahr von der Vollversammlung hinsichtlich
Afghanistans getroffen wurden, und insbesondere die Tatsache, daß im Gegensatz zu den 104 Stimmen, die im Januar für eine ähnliche Resolution abgegeben
wurden, diesmal 111 Stimmen dafür waren - was ein weiterer dramatischer Beweis dafür ist, daß die Weltmeinung sich über die Sowjetpräsenz in Afghanistan
nicht geändert hat.
FRAGE:
- 3 -

�FRAGE:

War Ihrer Ansicht nach die westliche Reaktion auf die sowjetische

Invasion Afghanistans ausreichend, um - erstens - der Sowjetunion eine sinnvolle Strafe aufzuerlegen und um - zweitens - sie davor abzuschrecken, weitere
aggressive Schritte im Bereich des Persischen Golfs zu unternehmen?
ANTWORT:

Wir sind der Meinung, daß die getroffenen Maßnahmen etwa beim

Teilembargo für Getreide und die Einschränkung beim Transfer von modernster
Technologie - um zwei davon zu nennen -, eine Wirkung auf die Sowjetunion
ausgeübt haben.

Die Frage der Beziehungen zur Sowjetunion nach der Invasion

von Afghanistan war unsererseits gegründet auf der Erkenntnis, daß wir einerseits zufriedenstellende Beziehungen zu den Sowjets brauchen, aber daß andererseits die Sowjets keine aggressiven Schritte dieser Art unternehmen
können, ohne die Kosten dafür zu zahlen.

Ich glaube, sie zahlen einen Preis.

Man sagt uns, daß die Fleischproduktion in der Sowjetunion um 5 Prozent zurückgegangen ist. Wir wissen, daß einige ihrer Großprojekte durch den Lieferstopp modernster Technologie betroffen wurden.
Die Antwort lautet "Ja", wir sind der Meinung, daß die von uns getroffenen Maßnahmen der Sowjetunion die Kosten dieser Art Unternehmung deutlich
gemacht haben, und wir können sehen, daß sie derzeit keinerlei weitere aggressive Schritte plant. Wir meinen, daß die Erfahrung von Afghanistan sie zu
einer Pause veranlassen dürfte, sollte sie solcherlei Schritte im Sinne haben.
FRAGE: Können Sie sich möglicherweise eine sowjetische Rolle bei der
Lösung des Konflikts zwischen dem Iran und dem Irak oder eine darauf folgende "
Vertiefung der sowjetischen Beziehungen zu den ölfördernden Ländern am Golf
vorstellen?
ANTWORT:

Das Zentrum der Anstrengungen zur Lösung des iranisch-irakischen

Krieges ist gegenwärtig der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen,und die
Sowjets sind natürlich eins der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates.
über diese Art von Rolle im Sicherheitsrat hinaus erkennen wir keinerlei
sowjetische Anstrengungen, entweder zu einer friedlichen Lösung beizutragen
- 4 -

�beizutragen oder sich in diesem Konflikt auf die eine oder andere Seite zu
schlagen.
Derzeit scheinen die Sowjets nicht glücklicher über diesen Krieg zu
sein als irgendwer sonst, und sie scheinen unserer Ansicht nach auch keine
besonderen Vorteile daraus zu ziehen.
FRAGE:

Herr Staatssekretär, kann man realistischerweise Verringerungen

bei den weitreichenden nuklearen Mittel Streckensystemen (LRTNF) der Sowjets
erwarten, wenn die Systeme dort bereits disloziert sind und wir keinerlei
LRTNF-Dislozierungen vor Ende 1983 vorsehen?
ANTWORT: Es herrscht das Gefühl, daß es eine echte Möglichkeit dahingehend gibt, daß die Gespräche, die wir mit den Sowjets auf eine sehr vorläufige
Weise angefangen haben, die Möglichkeiten bieten, gewisse Abkommen bei den Reduzierungen zu erzielen. Und wir setzen voraus, daß die Sowjets hierzu in
der Lage sind, wenn sie erst einmal solchen Gesprächen zustimmen.
FRAGE:

Die amerikanische Außenpolitik war während des Wahl kämpfs um

die Präsidentschaft ein entscheidendes Thema.

Welches waren die wesentlichen

Leistungen der Regierung Carter in diesem Bereich und welche Wirkung hatten
sie auf Europa?
ANTWORT: Unser umfassendes Eingehen auf die Außenpolitik im Verlauf
unseres Wahlkampfes überschattete meiner Meinung nach dennoch die Liste der
wesentlichen Leistungen der Regierung Carter auf dem Gebiet der Außenpolitik.
Ich würde hier nennen den Panamakanal-Vertrag, den Frieden zwischen
Israel und Ägypten als ein Ergebnis der Camp-David-Vereinbarungen, die Verhandlungen über und den Abschluß des SALT II-Vertrags - obwohl dieser schwerwiegende Probleme nach sich zog -, das enge Arbeitsverhältnis mit den Verbündeten in Europa, das eine Lösung der Zimbabwe-Rhodesien-Frage mit sich gebracht hat, sowie die Haltung, die die Entwicklung eines Friedensplans für

�für Namibia zur Folge hatte, der ebenfalls unter entscheidender Zusammenarbeit
mit den Verbündeten in Europa ausgearbeitet wurde.
Ich glaube, dies alles sind Beiträge zur Geschichte, die sowohl einige
der neuen Initiativen dieser vergangenen Administration zeigen

als auch das

enge Verhältnis, mit dem sie - trotz vieler Kommentare, die das Gegenteil behaupten - mit Europa zusammengearbeitet hat, um einige dieser Ziele zu erreichen.
i

FRAGE:

Die Regierung Reagan wird im Januar ihr Amt übernehmen.

Es

scheint die Vorstellung zu herrschen, daß allein die Tatsache einer neuen Administration eine neue Art von Führung bringen wird.

Könnten Sie hierzu etwas

sagen?
ANTWORT: Natürlich hat jede neue Regierung die Möglichkeit zu neuen Richtungen, zu neuen Methoden. Dennoch sind die grundlegenden Probleme, vor denen
die Vereinigten Staaten stehen, ziemlich konstanter Natur und werden zweifellos die Tagesordnung der neuen Administration in großem Umfang festlegen. Dinge
wie unsere Beziehungen zu den Sowjets, unser Verhältnis zu Europa, der Einstieg
in den gesamten Problemkomplex von Kairo bis Islamabad wird eine neue Regierung unvermeidlicherweise beschäftigen. Es wird Gelegenheit zu Neuanfängen
geben, aber die Grundsätze amerikanischer Interessen, die grundlegende Verständigung mit unseren Verbündeten und die Notwendigkeit effektiver amerikanisch-sowjetischer Beziehungen, wie sie weltweit verstanden werden, werden für
jede neue Administration bestimmte Grenzen ihres Verhaltens festlegen.

+ + + + +

- 6 -

�3. Dezember 1980

53

ÄUSSERE EREIGNISSE ERSCHWEREN BEZIEHUNGEN IM BÜNDNIS
Von George S. Vest
US-Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten

- (AD) - Die transatlantischen Beziehungen wurden während des vergangenen Jahres durch Entwicklungen außerhalb des NATO-Gebietes erschwert
- man könnte sogar sagen, davon beherrscht.
Zu diesen gehört natürlich auch die Gefangennahme amerikanischer Diplomaten als Geiseln im Iran, der anhaltende Krieg zwischen dem Iran und dem
Irak sowie vor allem die sowjetische Invasion und die noch andauernde Besetzung Afghanistans. Auch sollte man die fortgesetzte Modernisierung der
sowjetischen konventionellen Rüstung und der nuklearen Mittel Streckenwaffen
(TNF) nicht übersehen, die auf Westeuropa gerichtet sind.
Um ganz offen zu sein:

Das Atlantische Bündnis steht heute vor einem

der drängendsten und kontroversesten Probleme seiner 31jährigen Geschichte:
Wie es nämlich wirkungsvoll und gemeinsam mit den Bedrohungen seiner Sicherheit fertig wird, deren Ursprung außerhalb seiner Vertragsgrenzen liegt.
Als

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Als der Nordatlantikvertrag im Jahr 1949 unterzeichnet wurde, schien
die Welt viel größer zu sein; das Konzept weltweiter Interdependenz war noch
nicht auf den Plan getreten.

Die NATO-Mitgliedstaaten nahmen die Verpflich-

tung zu gegenseitiger Sicherheit auf sich und schworen, daß ein Angriff auf
einen als Angriff gegen alle angesehen würde.

Der Vertrag definiert das

Gebiet obligatorischen wechselseitigen Militärbeistands als Westeuropa einschließlich der Türkei, Nordamerika sowie den Teil des Atlantik nördlich
des Wendekreises des Krebses.
Aber was geschieht bei einer Bedrohung des Wohlergehens eines oder
mehrerer Mitgliedstaaten, die ihren Ursprung außerhalb dieses Bereiches
hat?

Es ist eindeutig, daß das Interessengebiet der NATO weit über diese

Grenzen hinausreicht.
Heute stellen die sowjetische Invasion und Besetzung Afghanistans, der
anhaltende Aufruhr im Iran sowie der iranisch-irakische Krieg eine entscheidende neue Bedrohung dieses Wohlergehens des Bündnisses dar. Wir stehen ganz
einfach vor einer Periode der Instabilität in einem Gebiet von lebenswichtiger Bedeutung sowohl für Europa als auch für die Vereinigten Staaten.
über 50 Prozent des von Westeuropa importierten Erdöls sowie ein wesentlicher Teil des üls, das Amerika einführt, kommen aus dem Bereich des
Persischen Golfs. Die sowjetische Präsenz in Afghanistan stellt eine Bedrohung des Persischen Golfs dar, die weder politisch noch wirtschaftlich
zu ignorieren ist.
Die Staaten Westeuropas und Nordamerikas stellen zusammen mit Japan
heute die Grundlage des weltweiten wirtschaftlichen Fortschritts und der
Stabilität dar. Würde diese Grundlage erschüttert, würde dies alle Staaten
negativ beeinflussen.
Es besteht ein entscheidendes Bedürfnis, die politische Solidarität
des Nordatlantischen Bündnisses aufs neue zu bestätigen.

Und ebenso bedeut-

sam - womöglich noch bedeutsamer angesichts der Bedrohung des Öls vom
- 2 -

�vom Persischen Golf - ist die lebenswichtige Notwendigkeit, sich dieser Bedrohung - wenn nötig auf militärische '.^leise - stellen zu können.

Aufgrund der Fähigkeit Amerikas, seine Militärmacht weltweit darzustellen, müssen d^e Vereinigten Staaten die Hauptrolle bei der Verteidigung der
Bündnisinteressen im Golfgebiet übernehmen.

Darauf verständigten sich im

vorigen Mai einstimmig die Außen- und Verteidigungsminister des Bündnisses.

Auch wenn die Vereinigten Staaten diese Rolle übernehmen sollen - und
sie haben damit durch die Aufstellung einer Schnellen Eingreiftruppe (RDF),
durch die Vorausbereitstellung von Schiffen mit Ausrüstung, Munition, Treibstoff und weiteren Versorgungsgütern im Indischen Ozean sowie durch den
Abschluß von Abkommen mit Staaten der Region zur Nutzung von Anlagen zur Unterstützung der amerikanischen Präsenz im Bedarfsfall einen Anfang gemacht -,
müssen die Europäer die sich hieraus ergebende Lücke in der europäischen Verteidigungsplanung füllen.

Um es jedem ganz deutlich zu machen:

Wir schlagen nicht die Schaffung

einer militärischen Streitmacht des Bündnisses zum Einsatz außerhalb des
NATO-Gebietes vor.

Erforderlich ist vielmehr die Übernahme einer Arbeitstei-

lung, die sich auf das Konzept gründet, daß Europa Schritte zum Auffüllen jener
Lücke übernehmen wird, indem eine glaubwürdige Abschreckung und angemessene
Verteidigung für Europa durch Europa gewährleistet wird, wenn die Vereinigten
Staaten den Hauptteil der Sicherheitslasten in Südwestasien übernehmen.

Aus amerikanischer Sicht hat oberste Priorität, daß alle Bündnismitglieder ihrer Verpflichtung aus dem Jahr 1978 nachkommen und ihre Verteidigungsausgaben jährlich um drei Prozent - inflationsbereinigt - erhöhen.

Die

amerikanischen Verteidigungsausgaben werden im kommenden Jahr wahrscheinlich
entsprechend dem Haushalt, den Präsident Carter dem Kongreß im Januar vorlegen wird, um 4 oder 5 Prozent steigen.

Sein Nachfolger Reagan hat sich be-

reits für noch höhere Verteidigungsausgaben stark gemacht; allerdings wird
die genaue Höhe der Verteidigungsausgaben erst bei Amtsübernahme der neuen
Regierung festgesetzt.

...
wir
- 3 -

�Wir sind uns darüber im klaren, daß viele unserer Verbündeten vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten stehen, die sie ihrer Meinung nach davon abhalten, einen angemessenen Umfang der Verteidigungsausgaben zu erreichen.

Wir

haben jedoch allen unseren NATO-Verbündeten klargestellt, daß wir die Verpflichtungen eines jeden Verbündeten zu einem Real Zuwachs von 3 Prozent bei
den Vereinigungsausgaben ebensolche Bedeutung beimessen und ein jeder darum
ringen sollte, ihr nachzukommen.
Was erwarten die Vereinigten Staaten über diese Verpflichtung hinaus
noch von Europa, um die Lücke zu füllen, die durch das Erfordernis amerikanischer Präsenz und Militärkapazität im Persischen Golf entstanden ist?
Hier gibt es eine Reihe von Notwendigkeiten, auf die sich die Außen- und
Verteidigungsminister der NATO im Mai vorigen Jahres einigten und mit denen
sich die Treffen der Außen- und Verteidigungsminister der NATO im Dezember
beschäftigen werden.
- Vermehrte Vorräte bei den Verteidigungsreserven: Wenn die Streitkräfte des Bündnisses nicht genügend Munition und Vorräte haben, können sie
keine glaubwürdige Abschreckung und keine angemessene Verteidigung bieten.
- Verbesserten Einsatz der Reserven und verfeinerte Mobilisierungsverfahren.
- Erhöhte Marinekapazitäten:

Die Verbündeten müssen in der Lage sein,

die lebenswichtigen Nachschublinien über den Atlantik zu schützen, wenn
amerikanische Seestreitkräfte im Indischen Ozean und im Persischen Golf
disloziert sind.
- Bereitstellung ziviler Luftfahrtkapazität in Europa zur Verstärkung
in Krisenzeiten:

Dies ist für eine rasche Verstärkung in Europa von entschei-

dender Bedeutung, da amerikanische Flugzeuge wahrscheinlich für Lufttransportverstärkung und Nachschub bei Ereignissen im südwestasiatischen Raum eingesetzt werden würden.
- Unterstützung
- 4 -

�- Unterstützung in Europa zu Lande:

Die Vereinigten Staaten haben sich

verpflichtet, bis Ende 1982 Vorausbereitstellungsmaterial für weitere drei
Armeedivisionen in Europa zu liefern.

Die Europäer können hierfür Gelände

und Lagermöglichkeiten zur Verfügung stellen sowie durch den Einsatz ausgebildeter Reservekräfte und qualifizierter Zivilisten die Sicherung und andere
Unterstützung der Verstärkung und des Nachschubs übernehmen.
Weitere Bereiche, auf denen Verbesserungen möglich sind, wurden seit
Mai im Langfristigen Verteidigungsprogramm (LTDP) der NATO und von den
höchsten militärischen Stellen der NATO genannt.
Die Vereinigten Staaten fordern nicht die Schaffung neuer, aktiver
Militäreinheiten in Westeuropa.

Jedoch sollten Reservisten in Einheiten ein-

gegliedert und mit Ausrüstung versorgt werden, falls ihre Mobilisierung in
einer Krise erforderlich sein sollte.
Anstrengungen sollten zur Mobilisierung von Unterstützung amerikanischer
Verstärkungen unternommen werden.

Schließlich tragen die Vereinigten Staaten

den Hauptanteil der Kosten in diesem Bereich, indem sie das vorausbereitzustellende Material liefern, das in Europa gelagert werden soll, sowie das
geschulte Personal, um es im Ernstfall zu bedienen.
Es ist wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, daß es bisher zwischen den
NATO-Verbündeten keinerlei Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Analyse
der Verteidigungserfordernisse gegeben hat.

Es gab vielleicht einige Mei-

nungsverschiedenheiten zu Fragen wie dem Boykott der Olympischen Spiele in
Moskau und darüber, ob ein normaler Dialog mit der Sowjetunion fortgesetzt
werden sollte. Aber es gab keine Meinungsverschiedenheiten über die Verteidigung des Bündnisses.
Die NATO steht nunmehr vor einer entscheidenden Herausforderung:

Wie

sollen ihre Streitkräfte modernisiert und wie soll die Lücke geschlossen
werden, die durch das Bedürfnis nach einer amerikanischen Präsenz - im Namen
aller Bündnismitglieder - im Persischen Golf geschaffen wurde.
Die
- 5 -

�Die vor uns liegende Aufgabe besteht weniger in der Definition dessen,
was zu tun ist, als darin, die Verpflichtungen zu erfüllen, die eingegangen
wurden.
heit.

Wir wissen, daß dies heute nicht leichter ist als in der VergangenDie Verteidigung ist in einer Zeit der Inflation und der knappen Haus-

halte nicht billig, aber es ist nicht zum erstenmal in der Geschichte des
Bündnisses, daß seine kollektiven Erfordernisse gegen die lauten Stimmen angehen müssen, die argumentieren, daß in diesem Jahr andere Erfordernisse
höhere Priorität hätten.

Aber ohne die spezifischen und anhaltenden Ver-

teidigungsausgaben, die erforderlich sind, werden die allgemeinen Verpflichtungen zu einer angemessenen Verteidigung sinnlos.

Die Beiträge der ein-

zelnen Mitglieder des Bündnisses sind - ungeachtet ihres Umfangs - nicht nur
in militärischer Hinsicht bedeutsam; kollektiv bilden sie den Ausdruck einer
politischen Verpflichtung gegenüber dem Bündnis und des Zusammenhangs des
Bündnisses.

Sie sind - und dies ist ebenso wichtig - die unabdingbare Grund-

lage für die Rüstungskontrolle.
Es wäre für die Gesundheit des Bündnisses und für die Sicherheit Westeuropas tödlich, wenn sich die Einstellung durchsetzen würde, daß die Aufrechterhai tung des Gleichgewichts zwischen Ost und West oder die Reaktion
auf Entwicklungen im größeren, globalen Kontext Angelegenheiten seien, die
dem einzelnen Mitgliedstaat gleichgültig sein könnten.
Um ganz offen zu sein: Es herrscht hier in den Vereinigten Staaten eine
weitverbreitete Einstellung, wonach Europa zu seiner eigenen Verteidigung und
in seinem eigenen Interesse bereit sein sollte, seinen Anteil der Last zu
übernehmen - in Maßgabe seines wirtschaftlichen und politischen Gewichtes in
der Welt.
In der Welt von heute beeinflussen Ereignisse jenseits der Grenzen von
Europa unausweichlich auch Europa und eigentlich uns alle.

Unser Ziel muß

sein, zu einer gemeinsamen Definition des Problems sowie zu einer übereinstimmenden Formel zu gelangen, um sich gemeinsam mit ihm auseinanderzusetzen.
Dieser Prozeß hat erst begonnen, und die Diskussionen innerhalb des Bündnisses waren und werden zeitweilig schwierig sein.

Auf jeden Fall will ich

�ich unseren europäischen Verbündeten versichern, daß das Atlantische Bündnis ein Grundstein der Außenpolitik der Vereinigten Staaten bleiben wird.
Dies ist schließlich stets die grundlegende Einstellung der beiden großen
politischen Parteien in den Vereinigten Staaten und ihrer Führung seit Gründung der NATO im Jahr 1949 gewesen.
Die NATO hat uns allen in den vergangenen Jahrzehnten einen großen
Dienst geleistet. Die Ministertreffen der NATO im Dezember müssen sich den
neuen Herausforderungen mit derselben Standhaftigkeit stellen. Davon hängt
unsere gemeinsame Verteidigung ab. Und wie gut wir uns diesen Herausforderungen stellen, wird ein entscheidender Prüfstein der Wirksamkeit der NATO
in den achtziger Jahren sein.

- 7 -

�3. Dezember 1980

53

USA FORDERN ANWENDUNGSBEGRENZUNG FÜR
FLUORCHLORKOHLENWASSERSTOFFE

- (AD) - Mehr internationale Zusammenarbeit ist erforderlich, um die
Mengen von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FKW) in der Atmosphäre zu begrenzen.

Diesen Standpunkt vertritt die US-Delegation auf der Tagung des Umwelt-

ausschusses der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung) vom 2. - 4. Dezember 1980 in Paris. Denn die Wissenschaftler
der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA befürchten, daß die wachsenden
Mengen von FKW-Verbindungen in der Stratosphäre zu einem übermäßigen Abbau
der Ozonschicht führen, die Mensch, Tier und Pflanze gegen schädliche Ultraviolettstrahlung von der Sonne schützt.
Die Vereinigten Staaten haben schon vor einigen Jahren Maßnahmen ergriffen, um die Verwendung von FKW-Verbindungen zu drosseln. So ist seit 1978
die Verwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen als Treibmittel bei Spraydosen nur noch in ganz bestimmten, wenigen Fällen (fünf Prozent des früheren
Umlaufs) erlaubt. Auch Schweden, Norwegen und Kanada haben FKW-Verbindungen
in Spraydosen entweder verboten oder stark eingeschränkt.

Die EG appellierte

an ihre Mitgliedstaaten, den Einsatz solcher Chemikalien bei Spraydosen um
mindestens 30 Prozent zu verringern und die Produktionskapazität nicht weiter

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�weiter zu erhöhen.

Für 1981 ist eine Überprüfung der Situation vorgesehen.

Die amerikanischen Herstellerfirmen bemühten sich um eine rasche Umstellung auf andere Chemikalien als Treibgase für Spraydosen, beispielsweise
Stickstoff, Kohlendioxid und Propanverbindungen.

Befürchtungen, daß dadurch

die Unfallgefahr infolge der Brennbarkeit mancher Ersatz-Treibgase erhöht
würde, sind nach den bisherigen Erfahrungen nicht gerechtfertigt.

Dies er-

klärte F. Allen Harris, Direktor der EPA-Abteilung für Internationale Angelegenheiten.
Aber die ungiftigen, nicht brennbaren und chemisch sehr beständigen
Fluorchlorkohlenwasserstoffe finden nicht nur in Spraydosen Anwendung.

Sie

dienen z.B. als Kühlmittel, als industriell verwendete Lösungsmittel bei Reinigungs- und Trocknungsprozessoioder als Aufschäummittel zur Herstellung von
Schaumstoffen, wie sie für Isolierzwecke aller Art - von der Bauindustrie
bis zum Verpackungswesen - gebraucht werden.

Zum Teil wurde die Anwendung

auf diesen Gebieten in den letzten zwei Jahren noch ausgeweitet. Wie Barbara
Blum, die stellvertretende Leiterin der EPA, kürzlich erklärte, befürchte
man, daß durch diesen Sachverhalt die günstigen Auswirkungen der gesetzlich
verordneten und freiwillig vorgenommenen Einschränkung des Einsatzes von
FKW-Verbindungen bald zunichte gemacht werden.
Eine Studie der Rand Corporation besagt, daß ohne zusätzliche Beschränkungen die Anwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen, weltweit gesehen,
in den nächsten zehn Jahren um neun Prozent jährlich ansteigen werde.

Das

bedeute eine Erhöhung der im Jahr 1980 emittierten Menge von 680 000 Tonnen
auf 2,041 Millionen Tonnen im Jahr 1990. Die Nationale Akademie der WissenSchäften (NAS) der USA verwies in ihrem 1979 veröffentlichten Bericht auf
die Gefahr, durch die fortgesetzte Emission von Fluorchlorkohlenwasserstoffen
den Abbau der schützenden Ozonschicht unserer Erde um ein Sechstel zu riskieren.

Dies hätte zur Folge, daß der Anteil gefährlicher ultravioletter Sonnen-

einstrahlung in mittleren Breiten um 44 Prozent steigt.

Für die Vereinigten

Staaten allein könne dies eine Zunahme um mehrere Hunderttausend Fälle von

- 2 -

•

�von Hautkrebs der nicht lebensbedrohlichen Erscheinungsform bedeuten, aber
auch um einige Tausend Fälle der malignen Verlaufsform bedeuten.

Zu anderen

möglichen Auswirkungen verstärkter ultravioletter Einstrahlung zählten
niedrigere Ernteerträge u.a. bei Tomaten, Zuckerrüben und Mais, merkliche
Einbußen bei Fangerträgen an Makrelen, Schrimps, Krabben und Anchovis als
Folge des Absterbens von Larven, und Schäden bei Rinder- und Schweinebeständen.
Die EPA strebt nunmehr eine allgemeine Beschränkung der FKW-Produktion
mit strikter Emissionskontrolle an. Allerdings habe es, wie EPA-Beamte betonen und auch in Pressekommentaren erörtert wird, wenig Sinn, wenn die Vereinigten Staaten, auf die ein Drittel der Weltproduktion an FKW-Verbindungen
entfällt, einseitig Maßnahmen zur Produktions- und Anwendungsbeschränkung
ergreifen.

Schließlich handle es sich um ein weltweites Problem, das welt-

weit in Angriff genommen und durch international abgestimmte Maßnahmen gelöst werden müsse.
Entsprechende Vereinbarungen werden durch den Umstand erschwert, daß
es für die Zerstörung der Ozonschicht durch die Freisetzung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen noch immer keine exakten wissenschaftliche Beweise
gibt.

Zwar sind sich die Experten einig, daß FKW-Gase unverändert bis zur

Stratosphäre aufsteigen und dort an chemischen Reaktionen beteiligt sind,
die zu ihrer Zersetzung und damit auch zum Abbau der Ozonschicht führen.
Aber hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs, des Ausmaßes des Ozonabbaus, des
Ausmaßes der Schäden für das Leben auf der Erde gibt es unterschiedliche
Meinungen.
Die "New York Times" vertrat kürzlich in einem Leitartikel die Ansicht,
daß vorläufig kein Ende des Gelehrtenstreits zu erwarten sei, weil es noch
ein Jahrzehnt dauern könne, bis genaue Meßdaten zu den komplexen Vorgängen
und Auswirkungen in der Atmosphäre vorliegen.
langen jedoch sofortige, vorbeugende Maßnahmen.

Die EPA-Wissenschaftler verDenn wenn man sich erst in

zehn Jahren zu drastischen Einschränkungen entschlösse, könne es bereits zu
spät sein - und die ganze Welt wäre von den Schäden betroffen.
+ + + + +
- 3 -

�T

Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. Dezember 1980

53

SATURNFORSCHUNG MIT ÜBERRASCHUNGEN
Naturwissenschaftler suchen Erklärung für rätselhafte
Phänomene

(AD)

Noch bis zum 19. Dezember 1980 läuft die Fotoserie der

amerikanischen Raumsonde VOYAGER 1 vom Planeten Saturn, die Ende August 1980
begann und während des Vorbeiflugs am zweitgrößten Planeten unseres
Sonnensystems Mitte November der Forschung so faszinierende und völlig
unerwartete Einblicke in eine fremde Welt ermöglichte.

"Wir haben in diesen

Tagen mehr über das Saturnsystem gelernt als in der gesamten bisherigen
Geschichte der Plantenforschung", meine der Astronom Dr. Bradford Smith,
der Leiter des VOYAGER-Aufnahmeteams.
"Sprachlos", wie sie selbst sagten, "überwältigt", "begeistert"
verfolgten die Astronomen, Geologen und Physiker im Beobachtungszentrum
des Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (Kalifornien) die Bildfolge auf
den Monitoren, die der mit größter Präzision arbeitende Roboter aus
1,5 Milliarden Kilometern Entfernung zur Erde funkte.

Hypothesen und

Vorstellungen die in Jahrhunderten auf- und ausgebaut worden waren, erwiesen sich plötzlich als viel zu primitiv, unvollständig, zum Teil auch

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�auch schlichtweg als falsch.

Und da die Auswertung der ca. 18 000 Fotos

und der Flut von Meßdaten, die zum allergrößten Teil noch in den Computern
gespeichert sind, erst am Anfang steht, dürften der Planetenforschung
noch manche Überraschungen sicher sein.
Rätselhaft ist den Wissenschaftlern vieles an dem prachtvollen, in
Rot-, Gelb- und Braunschattierungen schimmernden Ringsystem in seiner
hundert- oder gar tausendfachen Gliederung, wie sie VOYAGER zumersten
Mal sichtbar machte.

Die Saturnringe beschäftigten die Astronomen, seitdem

Galilei sie im Jahr 1610 entdeckte.

Allerdings sah er mit seinem kleinen

Fernrohr gar keine Ringstruktur, sondern er verglich das seltsame Phänomen
mit Henkeln an beiden Seiten einer Schüssel.

Die moderne Fernrohroptik

läßt drei breite Hauptringe im Äquatorbereich (die Rotationsebene ist um
27 Grad zur Bahnebene geneigt) erkennen, die von innen nach außen mit
"C", "B" und "A" bezeichnet werden.
Was aber brachten die Aufnahmen der beiden VOYAGER-Fernsehkameras
alles an den Tag! Sie bestätigten beispielsweise nicht nur die Existenz
des von PIONIER 11 im vergangenen Jahr entdeckten dünnen "F"-Rings, sondern
zeigten auch, daß er aus mindestens drei unterschiedlich stark verzwirnten
"Strähnen" besteht. Diese Tatsache verlangt eine spezielle Analyse, denn
sie ist nicht allein mit den Keplerschen Gesetzen der Himmelsmechanik zu
erklären. Vielleicht, so meinen jetzt mache Wissenschaftler, sind
neben der Gravitation auch elektrische und mechanische Kräfte unter dem
Einfluß von Strömen und Magnetlinien im Magnetfeld des Saturn am Werk.
VOYAGER 1 fand einen zusätzlichen "G"-Ring - aber nur indirekt,
nämlich an Hand seines Schattens, der über zwei Monde zwischen den Bahnen
des "F"- und des noch weiter draußen liegenden "E"-Rings wanderte.

Der

"G"-Ring scheint innerhalb der Umlaufbahnen der beiden Geschwistermonde
S-10 und S-ll zu liegen.

Auch den sehr durchsichtigen, dünnen "D"-Ring

konnte VOYAGER 1 fotografieren.
aufzuspüren.

Er ist von der Erde aus optisch nicht

�Nach Ansicht der Wissenschaftler ist es zum besseren Verständnis
der Entwicklung des Sonnensystems sehr wichtig, herauszufinden, wie und
weshalb die Ringpartikel rillenähnlichen Bahnen folgen, wie sie Strähnen
bilden und ob sie verklumpen oder nicht.

Denn aus Ringen von Partikeln,

die um die Sonne kreisten, könnten sich Klumpen und schließlich die
Planeten herausgebildet haben.

"Die Saturnringe verhalten sich manchmal

wie eine Wolke von Partikeln, manchmal aber wie Monde", sagte der Geologe
Harold Masursky.

"Erst wenn wir wissen, weshalb das so ist, verstehen wir

auch besser die Vorgänge bei der Planetenbildung".
Große Überraschung löste der Anblick der kraterübersäten Oberfläche
des Eismondes Rhea aus, der den Saturn auf einer der inneren Trabantenbahnen
umkreist. Für die Geologen ist es noch ein Rätsel, wieso bei Eis die
Auswirkungen von Meteoritenbombardements oder einer Kollision mit anderen
Körpern den Auswirkungen auf Gestein so ähnlich sind - beispielsweise
beim sonnennahnem Planeten Merkur.
Der Saturnmond Titan scheint ein Objekt ganz besonderer Art zu
sein. Er enthält mehr Gestein als die anderen Trabanten, und er besitzt
eine Atmosphäre. Die Annahmen zu seiner Größe mußten allerdings korrigiert
werden. Er ist zwar größer als der Planet Merkur (Durchmesser: 4 840 km),
aber sein Durchmesser wird jetzt kleiner als 5 100 km beschätzt, so daß
als größter Mond im Sonnensystem nicht Titan, sondern der Jupitermond
Ganymed anzunehmen ist.
Die Atmosphäre des Titan besteht hauptsächlich aus Stickstoff "eine Ironie, daß wir bei den Innenplaneten vergeblich nach einer der
irdischen Lufthülle ähnlichen Atmosphäre suchten und sie nun weit draußen,
in den kalten Außenbereichen des Sonnensystems finden", meinte Masursky.
Drei Dunstschleier liegen über der dichten Atmosphäre, die am
Boden einen Druck vom Eineinhalbfachen des Drucks an der Erdoberfläche
haben dürfte. Der erste Schleier liegt 150 km über der Wolkengrenze, der
zweite 300 km und der dritte 500 km darüber. Die Schichten bestehen vor

- 4 -

�Vor VOYAGER hatte man die Trennung der Ringe, deren Materie sich
ja unterschiedlich schnell um den Planeten bewegt (die Bahngeschwindigkeit
nimmt von innen nach außen ab), als Resonanzerscheinungen erklärt, die
Lücken als Instabilitätszonen.

Heute weiß man, daß selbst die "Lücken"

erhebliche Mengen von Materie enthalten, und daß das gesamte Ringsystem
eher einer fein gerillten Scheibe gleicht, unterteilt in mehrere größere,
unterschiedlich gefärbte Zonen.

Viele Hunderte, vielleicht sogar Tausende

von "Rillen" scheinen auf der Ringscheibe eingekerbt zu sein - und mindestens
zwei der Ringe dieser Feinstruktur schwingen nicht kreisförmig, sondern
ellipsenförmig um den Planeten.

Dasselbe gilt übrigens für die beiden

Monde S-10 und S-ll, die den Saturn gemeinsam auf nur 50 km auseinanderliegenden Umlaufbahnen umkreisen.
Nur in einigen Fällen gibt es eine Erklärung für die Trennung der
Ringe - so durch Resonanzerscheinungen (Störung der Eigenbewegung von
Materie und Körpern durch Fremdeinfluß) in Verbindung mit den Monden
Iapetus, Mimas, Titan, S-10 und S-ll. "Die Resonanztheorie ist aber auf
die Struktur des 'B'-Rings nicht anwendbar", erklärt der Physiker Jeffrey
Cuzzi, "Sie reicht dafür einfach nicht aus. Der 'B'-Ring ist stark
gegliedert - aber ohne eine erkennbare Symmetrie oder ein Muster". Im
Vergleich zum relativ flachen und einheitlichen "A"-Rinc erscheint er
geradezu "chaotisch", während sich der "C"-Ring durch eine gut hervortretende Struktur von gewisser Symmetrie auszeichnet. Seine Materie
scheint zum Teil aus Brocken bis 1 m Größe zu bestehen, wie aus Frequenzänderungen von Radiowellen geschlossen wurde. Zwischen den Brocken gibt
es große Zwischenräume. Dagegen scheinen die Materieteile im "B"- und
"A"-Ring dicht an dicht zu schweben. Bei den dunklen "Speichen", die über
dem hellen "B"-Ring liegen, dürfte es sich um sehr kleine Partikel handeln,
die mit dem Magnetfeld des Saturn, nicht aber mit den Ringen rotieren.
Elektrostatische Kräfte halten sie über der "B"-Ring-Materie.

Nach

�vor allem aus Polymeren und anderen kohlenwasserstoffhaltigen Verbindungen,
die entstehen, wenn Methan durch Sonnenlicht chemisch verändert wird.
Weitere wichtige Ergebnisse der VOYAGER-Reise:
-

Die dem Saturn zugekehrte Seite des Titan emittiert Radiostrahlung.

-

Die Ringe des Saturn emittieren Impulse von Radiowellen, die
durch elektrische Felder in den Ringen und Partikelkollisionen
verursacht werden.

-

Radiowellen vom Saturn selbst scheinen nur von der nördlichen
Hemisphäre zu kommen, was offenbar auf eine Magnetfeldanomalie
zurückzuführen ist.

-

Hellere oder dunklere Färbung in den bunten Bändern der Gashülle
des Planeten Saturn (man zählt erheblich mehr solcher Bänder als
in der Jupiterhülle) scheint mit tieferen bzw. etwas höheren
Temperaturen in Zusammenhang zu stehen, was in den nächsten
Monaten genau analysiert werden wird. Strahlströme in den
orange- und lachsfarbenen Bändern in Äquatornähe erreichen Windgeschwindigkeiten von 400 Metern pro Sekunde, verglichen mit
100 m/sec auf dem Jupiter. Sie scheinen stets im Mittelbereich
breiter Bänder aufzutreten, während in den Randgebieten nahezu
Windstille herrscht - auf dem Jupiter dagegen erscheinen sie
an den Bandrändern. Und die Strömung nimmt nur eine Richtung,
während in den Zonen und Bandgürteln des Jupiter sowohl Ostais auch Westströmunqen beobachtet wurden. Kreisförmige Wolkengebilde und Strömungswirbel führen den Strahl strömen Energie zu,
die offenbar aus tieferen Regionen der Atmosphäre stammt.
Der

- 5 -

�Der nächste Besuch einer irdischen Meß- und Fotosonde beim Saturn
wird im August 1981 erwartet, wenn VOYAGER 2 den Ringplaneten erreicht
und u.a. die Monde Enceladus und lapetus recht genau unter die Lupe nehmen
wird.

Vielleicht erhalten dann die Wissenschaftler Aufschluß darüber,

weshalb die Oberfläche von Enceladus verhältnismäßig glatt, frei von
Kratern erscheint, als ob sie aufgeschmolzen worden sei, und weshalb
lapetus eine dunkle und eine helle Seite aufweist.

i

"Die dunkle Seite sieht

aus, als ob jemand Ruß darüber gestreut hätte", meinte einer der Geologen.
Dieser "Jemand" könnte der Mond Phoebe gewesen sein.

Er umkreist den Saturn

gegenläufig zu den anderen Trabanten in einer lang ausgezogenen Ellipse,
Vielleicht stammt er aus dem Asteroidengürtel und wurde vom Saturn eingefangen.

Staub, durch Meteoritenbombardements von Phoebes Oberfläche

freigesetzt und von der Masse des Saturn angezogen, könnte die Bahn des
lapetus gekreuzt haben und dabei dem Mond so nahe gekommen sein, daß sich
große Mengen auf der einen Hälfte niederschlugen.
mehreren Hypothesen.

Dies ist eine von

Mehr Klarheit können erst weitere Untersuchungen

bringen.
VOYAGER 1 wird in etwa zehn Jahren unser Sonnensystem in Richtung
des Sternbildes Ophiuchus (Schlangenträger) verlassen.

NASA-Wissenschaftler

halten es für denkbar, auch dann noch Meßsignale, ja vielleicht sogar
eine "Übersichtsaufnahme" des Sonnensystems von der Sonde zu empfangen.

+ + + + +

- 6-

l

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Außenministers zum Beginn der Genfer Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Haig verspricht "Sorgfalt und Geduld" der Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der menschliche Faktor in der Gestaltung der Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers William P. Clark -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Europa aus der Sicht Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Botschafters der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns, vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Bonn -&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Biosynthese-Interferon im Sicherheitstest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wirkstoff gegen Virus-Infektionen - Erprobung in der Krebstherapie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

2 . Dezember 1987

42

I N H A L T

DOKUMENTATION

Regionale Konflikte beim Gipfel im Brennpunkt
- Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache

HINTERGRUUNDHATERIAL

Die Bedeutung von SDI
- Ein Überblick -

Die Reduzierung der strategischen Waffen
- Eine Übersicht der amerikanischen Regierung

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Antarktisches "Ozonloch* hat weltweite Auswirkungen
- Schutzabkommen von Montreal nur ein erster Schritt

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
%

^

at

Dokumentation

42

2. Dezember 1987

REGIONALE KONFLIKTE BEIM GIPFEL IM BRENNPUNKT
- Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache -

WASHINGTON - (AD) - in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache an die Nation bekundete Präsident Reagan am 28. November die Absicht, dem sowjetischen
Verhalten in regionalen Konflikten auf der Tagesordnung des Gipfels erste
Priorität einräumen zu wollen.
Der Präsident erklärte, sein Appell an
Gorbatschow werde lauten, "wo auch immer die Sowjets oder ihre Vasallen gewaltsam ihre Interessen durchzusetzen suchen - in Nicaragua, Afghanistan,
Angola, Kambodscha oder anderswo - sollten sie dem Einhalt gebieten und die
Völker in diesen Ländern ihr eigenes Schicksal wählen lassen". "...das Verhalten der Sowjets in diesen Regionen bleibt ein Haupthindernis für die Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rundfunkansprache im Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
ich möchte mit Ihnen über mein bevorstehendes Treffen mit Generalsekretär
Gorbatschow sprechen.
Aber zunächst
hoffe ich, daß Sie gemeinsam mit mir
das tun werden, was viele von uns gemeinsam mit ihren Familien erst vor
zwei Tagen getan haben - innehalten,
um das zu betrachten, wofür wir dankbar sein müssen.
Amerika befindet sich heute im
Frieden. Trotz mancher Höhen und Tiefen ist unsere Wirtschaft immer noch
stark und steigerungsfähig. Und wenn

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Embassy of the United States of America

das Erntedankfest immer noch die Zeit
ist, in der wir besonders der vom
Glück weniger Begünstigten gedenken
sollten, dann müssen wir in diesen
Zeiten wirtschaftlichen Wachstums sicherlich dafür danken, daß die Zahl
der in Armut lebenden Amerikaner auf
ihren niedrigsten Stand der letzten
fünf Jahre gefallen ist.
Mit dem Wirtschaftswachstum hat
auch die private Wohltätigkeit zugenommen. Private Spenden für wohltätige Zwecke haben in jedem der vergangenen vier Jahre neue Rekordzahlen

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Telex: 8-85432

�erreicht. Wer würde daran zweifeln,
daß wir unserem Schöpfer gegenüber
eine
große Dankesschuld
abzutragen
haben?
Nach 200 Jahren herrschen in
unserem Land immer noch Freiheit und
- Güte.
Wie Sie wissen, werde ich mich in
zehn Tagen in Washington mit Generalsekretär Gorbatschow treffen.
Wenn
alles klappt, werden wir gemeinsam
ein Abkommen unterzeichnen, mit dem
zu ersten Mal in der Geschichte eine
gesamte Kategorie amerikanischer und
sowjetischer
Raketen
abgeschafft
wird.
Aber dieses Abkommen muß im
Zusammenhang mit unseren umfassenderen Beziehungen zur Sowjetunion gesehen werden.
Unsere Regierung hat seit ihren
Anfängen darauf bestanden, daß vier
wesentliche Bereiche mit den Sowjets
behandelt werden. Die Menschenrechte
sind
einer
davon.
Menschenrechte
charakterisieren
schließlich
unsere
Nation.
In diesem Bereich haben wir
gewisse Fortschritte erzielt. In der
Sowjetunion
sind einige politische
Gefangene
freigelassen worden; die
Zahl der Auswanderer ist leicht angestiegen, und es wird über die Gewährung
beschränkter
wirtschaftlicher
Freiheiten für die Völker der Sowjetunion gesprochen.
Dennoch ist all
dies viel zu wenig.
Und Menschenrechte werden ein Punkt auf der Tagesordnung bleiben, wenn ich Herrn
Gorbatschow treffe.
Die Erweiterung bilateraler Beziehungen,
besonders
menschlicher
Kontakte, ist der zweite von uns hervorgehobene Bereich. Auch hier haben
wir nach meinem ersten Genfer Gipfeltreffen mit Herrn Gorbatschow gewisse
Fortschritte, insbesondere beim Kulturaustausch,
verzeichnet.
Das
Bolschoi-Ballett
hat
eine
Tournee
durch die Vereinigten Staaten unter-

nommen.
Und
viele
amerikanische
Künstler wiederum haben die Sowjetunion besucht.
ich denke besonders
an die historische Rückkehr des Pianisten Wladimir Horowitz nach Moskau
im vergangenen Jahr, seinen ersten
Besuch in Rußland nach mehr als 60
Jahren.
Regionale
Konflikte bilden den
dritten wesentlichen
Punkt in den
amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, und die amerikanische Haltung
ist ganz einfach zu erklären:
Wo
auch immer die Sowjets oder ihre Vasallen
gewaltsam
ihre
Interessen
durchzusetzen suchen - in Nicaragua,
Afghanistan, Angola, Kambodscha oder
anderswo - sollten sie dem Einhalt
gebieten und die Völker in diesen
Ländern ihr eigenes Schicksal wählen
lassen.
Und ich versichere Ihnen,
daß ich diesem Thema auf der Tagesordnung des Gipfels erste Priorität
einräumen werde. ich werde daran erinnern, daß das Verhalten der Sowjets
in diesen Regionen ein Haupthindernis
für die Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen bleibt.
Damit
komme
ich
zum
vierten
Hauptpunkt unseres Programms - meinem
Streben nach einer besseren Möglichkeit zur Abschreckung von Agression
und dauerhaften Erhaltung der Sicherheit statt der Drohung mit Vergeltung
durch nukleare Offensivwaffen.
Eine
Antwort darauf
ist unsere Strategische
Verteidigungsintiative
oder
SDI, unsere Arbeit an einem Verteidigungssystem, das uns und unseren Verbündeten
einen Schutzschild
bietet
und dabei niemanden bedroht.
Eine
zweite Antwort waren die Rüstungskontrollverhandlungen mit den Sowjets
- Verhandlungen, die das INF-Abkommen
hervorgebracht
haben,
das
Herr
Gorbatschow
und
ich
unterzeichnen
wollen.
Mit diesem Abkommen wird,
wie ich bereits sagte, eine gesamte

- 2 -

�Kategorie sowjetischer und amerikanischer
Mittelstreckenwaffen
abgeschafft. Für jeden auf unserer Seite
abgebauten Gefechtskopf werden die
Sowjets nahezu vier abschaffen.
Da die Sowjets ein Register der
Verletzung von Rüstungskontrollabkommen vorzuweisen haben, bestehen wir
auf dem strengsten System zur Verifizierung in der Geschichte der Rüstungskontrolle. Und wir werden weiterhin die Sowjets zu Fortschritten
bei den START-Gesprächen drängen, in
deren Rahmen wir einen SOprozentigen
Abbau der strategischen Waffenarsenale beider Seiten vorgeschlagen haben.
Aber die Sowjets müssen ihre Taktik
aufgeben,
den
Abbau
strategischer
Waffen als Pfand für ihre Bemühungen
zur Lähmung unseres SDI-Programms zu
betrachten.
Lassen Sie mich Ihnen versichern,
daß SDI kein Faustpfand ist. Es ist
der Weg zu einer sichereren Zukunft.
Wir müssen uns darüber
im klaren
sein, daß die Sowjets unsere Gegner
sind und unsere Gegner bleiben werden
- die Gegner all derer, die an die
Freiheit des Menschen glauben. Dennoch müssen wir in unseren Bemühungen, die Sache der Freiheit voranzutreiben, mit den Sowjets sachlich,
aus einer Position der Stärke heraus
und im Namen des Friedens verhandeln.
Vielen Dank
fürs Zuhören, bis
nächste Woche, und Gott schütze Sie.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

2. Dezember 1987

42

DIE BEDEUTUNG VON SDI
- Ein Überblick -

"Völlig unannehmbar ist die sowjetische Taktik, Reduzierungen als Faustpfand für Maßnahmen einzusetzen, die unsere Strategische Verteidigungsinitiative zunichte machen ... Wir werden SDI nicht zum Tauschobjekt machen."
Präsident Reagan am 4. November 1987

Die
Strategische
Verteidigungsinitiative
(SDI) Präsident
Reagans
verkörpert unsere größten Hoffnungen
auf eine sicherere Welt - eine Welt,
in der unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten nicht länger auf
Abschreckung durch die Androhung von
Massenvernichtung gegründet ist.
Die
Reagan-Administration
hat
stets über eine klar umrissene Strategie verfügt, um der Bedrohung durch
die sowjetische Aufrüstung mit offensiven
Atomwaffen
entgegenzutreten.
Unser Ziel besteht darin, den Frieden
sicherer zu machen und ein stabiles

United States Information Service
Embassy of the United States of Amerii

strategisches Gleichgewicht
stig zu gewährleisten.
Diese
Strategie
wichtige Bestandteile:

langfri-

enthält

drei

- Modernisierung unseres strategischen Abschreckungspotentials, da
wir uns zur Erhaltung des Friedens weiterhin auf die Androhung
von
Vergeltung
mit
Atomwaffen
stützen.
- Das streben nach einschneidenden,
gleichgewichtigen und wirksam ve-

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�'

rifizierbaren
Reduzierungen
der
amerikanischen
und
sowjetischen
Atomwaffen.

- SDI hat dazu beigetragen, daß die
Sowjets Anfang 1985 zu den Verhandlungen
über Atomwaffen zurückkehrten, die sie Ende 1983
abgebrochen hatten.

- Mit
Hilfe
der
amerikanischen
Strategischen
Verteidigungsinitiative die Suche nach einem sichereren und moralisch vorzuziehenden
Mittel zur Abschreckung
des Krieges voranzutreiben, indem
wir zur Verbesserung unserer Sicherheit zunehmend auf Verteidigungssysteme vertrauen.
SDI ist ein Forschungs- und Technologieprogramm mit dem Ziel, bis zu
den frühen neunziger Jahren zu zeigen, ob wirksame Verteidigungssysteme
gegen ballistische Raketen für die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten machbar sind.
Die aussichtsreichsten Konzepte stützen sich auf
gestaffelte Verteidigungssysteme für
das Abfangen der Raketen des Angreifers in jeder Flugphase - in der Antriebsphase, mitten im Flug und in
der Endphase.

- SDI unterstreicht die Integrität
jeglichen neuen Rüstungskontrollabkommens, indem es für die Sowjets die Anreize zum Betrug verringert.
Das Register sowjetischer Verletzungen früherer Rüstungskontrollabkommen macht diesen Aspekt besonders bedeutungsvoll.
- SDI bietet
den
Sowjets
einen
starken Anreiz, auf den Vorschlag
des Präsidenten zur 50prozentigen
Reduzierung
der
strategischen
Waffen einzugehen.
Selbst wenn eine 50prozentige Reduzierung
der strategischen Waffen
erreicht ist, wird SDI weiterhin unerläßlich sein, um die Sowjets zu
weiteren Reduzierungen zu bewegen.

- unser Engagement für SDI ist unerschütterlich.
Der
Präsident
hat erklärt:
"SDI ist kein Verhandlungsgegenstand.
Es ist ein
Eckpfeiler
unserer
Sicherheitsstrategie für die neunziger Jahre
und darüber hinaus.
Wir werden
es erforschen.
Wir werden es
entwickeln. Und wenn es fertiggestellt ist, werden wir es stationieren. "
SDI dient
dender Ziele:

einer

Reihe

entschei-

- Mit SDI suchen wir nach einen defensiven Mittel zur Abschreckung
von Aggressionen, das auf Systemen beruht, mit denen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten vor einem Angriff mit ballistischen Raketen geschützt werden.
- 2 -

- Schließlich bildet SDI eine Versicherung gegen einen versehentlichen Raketenabschuß oder künftige Drohungen mit ballistischen
Raketen - seien sie atomar, konventionell oder chemisch bewaffnet - durch Länder, die alle Gesetze
der
Staatengemeinschaft
mißachten.
- Die möglichen Vorteile von SDI
wiegen die Kosten bei weitem auf.
Die Ausgaben für SDI vom Haushaltsjahr 1984 bis einschließlich
1988 werden sich auf etwa 12 Milliarden Dollar oder annähernd 13
Dollar jährlich pro Kopf der amerikanischen Bevölkerung belaufen
- ein geringer Preis für eine sicherere Zukunft.

�Die Bedeutung von SDI wird durch
die seit langem bestehenden, umfangreichen Programme der Sowjets zur
strategischen Verteidigung noch betont.

Abschreckung untergraben würden,
Dies hätte verheerende Auswirkungen auf die Sicherheit des Westens,

- Im Unterschied zu unseren eigenen
bescheidenen Ausgaben haben die
Sowjets
in den vergangenen 10
Jahren etwa 200 Milliarden Dollar
für ihre strategischen Verteidigungsprogramme aufgewendet, ungefähr ebenso viel wie für ihre
strategischen Offensivstreitkräfte.
Zu den Programmen der Sowjets gehören:
- Das
einzige
Verteidigungssystem
gegen ballistische Raketen der
Welt, das um Moskau herum stationiert ist und von den Sowjets
ständig verbessert wird.
- Der Bau eines großen phasengesteuerten
Radars
nahe
Krasnojarsk, das den ABM-Vertrag von
1972 verletzt.
- Forschung, Entwicklung und Erprobung, einschließlich eines mit 1
Milliarde Dollar pro Jahr ausgestatteten
Programms
für LaserWaffen -, das 10 000 erfahrene
Wissenschaftler und Techniker beschäftigt.
Wir können den Sowjets kein Monopol auf strategische Verteidigungssysteme einräumen.
- Wenn beide Seiten sie besitzen,
können
strategische
Verteidigungssysteme stabilisierend wirken und die Drohung des Krieges
verringern. Wenn die Sowjets sie
allein
besitzen, werden
solche
Systeme den Frieden bedrohen, da
sie die Glaubwürdigkeit unserer
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

2. Dezember 1987

42

DIE REDUZIERUNG DER STRATEGISCHEN WAFFEN
- Eine Übersicht der amerikanischen Regierung -

- (AD) - Die Vereinigten Staaten messen den Bemühungen zur Erlangung eines
ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Abkommens mit der Sowjetunion über
einschneidende Reduzierungen der strategischen Atomwaffen höchste Priorität
bei. insbesondere liegt unsererseits die Betonung auf den gefährlichsten Waffen - den schnell fliegenden ballistischen Raketen, darunter besonders die
großen Interkontinentalraketen (ICBMs) mit Mehrfachgefechtsköpfen.

Als einen konkreten Schritt zu
diesem
Ziel haben die Vereinigten
Staaten bei den Verhandlungen über
nuklear-strategische
Waffen
(START)
in Genf am 8. Mai 1987 einen Vertragsentwurf vorgelegt.
Dieser Entwurf
spiegelt
die
von
Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow im vergangenen Oktober in
Reykjavik erzielten Bereiche grundsätzlicher Übereinstimmung wider und
sieht eine Reduzierung der strategischen Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion um
ca. 50 Prozent vor.

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Embassy of the United States of America

Der amerikanische Vertragsentwurf
liefert eine solide Grundlage für die
Schaffung eines fairen und dauerhaften START-Abkommens.
Er sieht unter
anderem vor:
- Amerikanische und sowjetische Reduzierungen auf ein Maximum von
1 600 stationierten ballistischen
Raketen und schweren Bombern mit
höchstens
6 000
Gefechtsköpfen
innerhalb einer Frist von sieben
Jahren
nach
Inkrafttreten
des
Vertrages.

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�- Untergrenzen
für
Gefechtsköpfe
auf schnell fliegenden ballistischen Raketen, insbesondere derjenigen
auf
ICBMs,
denjenigen
Nuklearsystemen mit der destabilisierendsten und gefährlichsten
Wirkung.
- Eine 50prozentige Reduzierung des
heutigen Wurfgewichts der sowjetischen ballistischen Raketen auf
eine für beide Parteien gültige
Höchstgrenze.
- Ein Verbot mobiler ICBMs, das auf
von diesen hervorgerufenen Bedenken bezüglich Verifizierung und
Stabilität beruht.
- Eine ausführliche Verifizierungsregelung mit dem ziel, die beiderseitige Einhaltung des Abkommens so umfassend wie möglich sicherzustellen.
Der von den Sowjets am 31. Juli
vorgelegte Vertragsentwurf
bedeutet
eine willkommene Abkehr von der sowjetischen Praxis der Vergangenheit,
sehr allgemein abgefaßte Dokumente zu
präsentieren, die lediglich grundlegende Prinzipien enthielten. in seinem Aufbau ähnelt er dem amerikanischen Entwurf, und er enthält einige gemeinsame Sprachregelungen. Dies
hat die Erstellung eines gemeinsamen
Vertragsentwurfs, der die noch ungelösten Probleme umreißt, erleichtert.
Der sowjetische Entwurf hat jedoch bei den wichtigsten noch zu lösenden Fragen, einschließlich der Untergrenzen für die gefährlichsten Raketensysteme, keinerlei Bewegung signalisiert.
Zusätzlich hat er Reduzierungen bei den strategischen Offensivwaffen
von
Begrenzungen
der
strategischen
Verteidigung
abhängig
gemacht, die über die bereits im ABMVertrag vereinbarten hinausgehen und
- 2

unserer Meinung nach eine Fortführung
sowjetischer Bemühungen zur Lähmung
der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) bedeuten.
Der Präsident hat eindeutig erklärt, daß er keinerlei Maßnahmen
hinnehmen kann und will, die zur Beseitigung oder Lähmung von SDI führen
würden - eines Forschungs- und Entwicklungsprogramms, das für die Stärkung der Sicherheit der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten in der
Zukunft sowie die Sicherung des langfristigen
strategischen
Gleichgewichts großartige Aussichten enthält.
Im
Rahmen
ihres
Washingtoner
Treffens im September haben die Aussenminister Shultz und Schewardnadse
vereinbart, bei den Genfer Verhandlungen die Bemühungen zur Erlangung
eines Abkommens zur 50prozentigen Reduzierung der strategischen Offensivwaffen zu intensivieren. Während des
Ministertreffens - und seither bei
den Genfer Verhandlungen - wurden
Fortschritte bei noch ungelösten Fragen erzielt.
Zum Beispiel schlugen
die Sowjets eine Begrenzung auf 1 540
Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs vor,
obwohl dieser Ansatz die Entwicklungen neuer, noch bedrohlicher, schwerer
ICBMs keinerlei
Beschränkungen
unterwirft.
Während ihrer Treffen im Oktober
(22. bis 23. Oktober in Moskau und
30. Oktober in Washington) hielten
die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse intensive Gespräche zu
START ab. Die Sowjets schlugen folgende neue Untergrenzen vor:
3 000
bis 3 300 Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen
(ICBMs), 1 800 bis
2 000 Gefechtsköpfe auf seegestützten
ballistischen Raketen (SLBMs) sowie
800 bis 900 Gefechtsköpfe auf luftgestützten
Marschflugkörpern
(ALCMs).
Dieser Vorschlag
stellt nicht die

�notwendige Freiheit für eine Mischung
bereit, die die
stabilisierenderen
Systeme begünstigen würde, und er
würde von den Vereinigten Staaten
verlangen, ihre SLBMs und ALCMs um
über 50 Prozent zu verringern und
gleichzeitig
bei den ICBMs aufzurüsten.
Wenn jedoch die im sowjetischen Vorschlag enthaltenen Zahlen
auf die Struktur hindeuten sollen,
die die Sowjets für ihre eigenen
Streitkräfte wünschen, dann sollten
die Sowjets in der Lage sein, die von
den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Untergrenzen zu akzeptieren.

te, wenn die Sowjets nun dazu bereit
sind, sich diesem Ziel mit dem gleichen Ernst zu widmen wie die Vereinigten Staaten und wenn sie ihr Beharren auf Maßnahmen aufgeben, die
SDI lähmen würden.

Beim Washingtoner Treffen verabredeten beide Seiten, daß Generalsekretär Gorbatschow
im Dezember die
Vereinigten Staaten besuchen wolle,
um ein INF-Abkommen zu unterzeichnen
und daß Präsident Reagan in der ersten Hälfte des Jahres 1988 die Sowjetunion besuchen werde, unter anderem mit der Absicht, ein START-Abkommen zu unterzeichnen.
Beide Seiten
vereinbarten, intensiv auf solch einen
Vertrag
hinzuarbeiten.
START
wird in den Gesprächen mit Generalsekretär Gorbatschow bei dessen Besuch im Dezember einen hohen Stellenwert einnehmen.
Trotzdem
bleiben wichtige Meinungsverschiedenheiten bestehen, einschließlich der Untergrenzen bei bestimmten Arten von Gefechtsköpfen auf
ballistischen Raketen, einer vertraglich
festgelegten
Begrenzung
des
Wurfgewichts und dem Verbot mobiler
ICBMs.
Ein weiterer Streitpunkt ist
das sowjetische Beharren auf einem
Junktim zwischen den START-Reduzierungen
und weiteren
Beschränkungen
der Verteidigung gegen ballistische
Raketen.
Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß ein START-Vertrag nächstes Jahr fertiggestellt werden könn- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

2. Dezember 1987

42

ANTARKTISCHES "OZONLOCH" HAT WELTWEITE AUSWIRKUNGEN
- Schutzabkommen von Montreal nur ein erster Schritte -

WASHINGTON - (AD) - Die Meßergebnisse für die Ozonkonzentration in der
Stratosphäre über der Antarktis zwischen August und Oktober 1987 waren alarmierend.
Dr. Peter Wilkniss, der Direktor für die Polarforschungsprogramme
der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten, erklärte
bei Anhörungen vor einem Unterausschuß des amerikanischen Senats, er fürchte
um die Gesundheit und Sicherheit seiner Mitarbeiter in dieser Region.

Die durchschnittliche Dichte der
Ozonschicht
in
den
antarktischen
Luftmassen betrug kaum mehr die Hälfte des Normalwertes, der in Höhen
zwischen 12 und ca. 35 km zu erwarten
wäre.
In diesem Bereich der Atmosphäre
sammeln
sich
Ozonmoleküle
(dreiatomiger
Sauerstoff), die für
den Schutz von Menschen, Tieren und
Pflanzen auf der Erde - einschließlich des Planktons im Meer - gegen
gefährliche
ultraviolette
Strahlen
von der Sonne eine wichtige Rolle
spielen.
Wird die stratosphärische
Ozonschicht zu dünn, dringt zu viel
UV-Licht bis zur Erdoberfläche durch.

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Embassy of the United States of America

Mehr Fälle von Hautkrebs, grauem Star
und Schädigung des Immunsystems beim
Menschen sind nur einige der Folgen.
Die Entdeckung des in der antarktischen Frühlingszeit besonders auffälligen "Ozonlochs" durch britische
Forscher im Jahr 1979, die 1985 in
einer wissenschaftlichen Zeitschrift
darüber
berichteten, wurde anfangs
mit
zweifeln
begegnet.
Aber
die
Nachprüfung von Meßdaten aller Art,
auch solcher von Instrumenten in Forschungssatelliten,
bestätigte,
daß
diese Entwicklung
sogar schon gut

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�zehn Jahre lang erfaßt, aber zunächst
als Meßfehler mißdeutet und in ihrer
Bedeutung nicht erkannt worden war.
Amerikanische Forschergruppen befassen sich seit 1985 mit dem Ozonschwund über dem Südkontinent.
in
diesem Jahr wurde diesem Problem von
weltweiter Bedeutung besonders intensiv
nachgegangen.
Meßstationen am
Boden, Wetterballons, Daten aus Satelliten
und
"fliegende
Laboratorien", zu denen ein Flugzeug vom Typ
DC-8 und ein Höhenforschungsflugzeug
vom Typ ER-2 umgebaut wurden, dienten
wissenschaftlichen Beobachtungen speziell im Hinblick auf den Ozonabbau.
Nicht nur Forschergruppen amerikanischer Universitäten und anderer
Institute, sondern auch Laboratorien
in Chile, Argentinien, Frankreich,
Großbritannien und Neuseeland beteiligten sich an den Studien, die die
US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt
(NASA)
koordinierte.
Vom
chilenischen Punta Arenas, der südlichsten
Stadt der Erde aus, flogen die beiden
Flugzeuge
insgesamt
25
Einsätze.
Dreizehn entfielen auf die DC-8 mit
jeweils etwa 40 Wissenschaftlern an
Bord. Mit der ER-2 dagegen war der
Pilot allein unterwegs.
Es wurden
Höhen bis 22 000 Meter erreicht. Im
Vergleich dazu wurde die DC-8 relativ
niedrig geflogen.
Nur gelegentlich
stieg sie bis ca. 15 000 Meter. Sie
sondierte die Atmosphäre über der
Antarktis in allen Himmelsrichtungen
bis zum Südpol - in einem Bereich,
der wegen der gefährlichen Winde von
militärischen und kommerziellen Flugzeugen stets gemieden wird.
Die oft riskanten Einsätze der
ER-2 brachten die wichtige Erkenntnis, daß sich im Gegensatz zu anderen
Gebieten der Erde, wo die Luft in so
großer Höhe klar ist, über der Antarktis in extremer Kälte Wolken aus

feinsten Eispartikeln bis weit in die
Stratosphäre hinauf halten.
Selbst
in 22 000 Meter Höhe gibt es keine
freie Sicht.
Erst seit kurzem weiß
man, daß die Eispartikel wegen ihrer
Oberflächen geeignet sind, chemische
Reaktionen, die u.a. Ozon zerstören,
um ein vielfaches zu beschleunigen.
Das mag einer der Gründe sein, weshalb in Verbindung mit weltweiten meteorologischen Vorgängen die stratosphärische Ozonkonzentration über der
Antarktis im Winter und am Frühlingsanfang so drastisch zurückgeht.
Zu den Hauptfeinden des Ozons in
der Stratosphäre zählen die Chlorfluorkohlenwasserstoffe (FCKW).
Nach
ihrer Freisetzung - etwa als Treibgas, aus Kühlmitteln oder aus Schaummaterial - bewegen sie sich zunächst
völlig reaktionsträge und somit unbehelligt durch die Troposphäre langsam
aufwärts.
Erst unter den besonderen
Bedingungen der Stratosphäre beginnen
sie mit anderen Gasen, Molekülen und
freien Atomen zu reagieren.
Allmählich gelingt es der Forschung, die komplizierten Reaktionen
im Zusammenhang mit dem Abbau des
Ozons in der Stratosphäre zu entschlüsseln.
Nach Ansicht von Prof.
Michael McElroy, der die Abteilung
für Geo- und Planetenforschung an der
Harvard-Universität
(Cambridge,
Massachusetts) leitet, versteht man
heute die Vorgänge unter den besonders extremen Bedingungen
für die
Ozonschicht über der Antarktis zu etwa 80 Prozent. "Es gibt keinen Zweifel mehr, daß chlorhaltige Industriegase für eine dramatische großräumige
Veränderung in der Stratosphäre verantwortlich sind", sagte er.
Aber
man könne nicht einfach darüber hinweggehen, wenn die Ozonschicht etwa
zwei Monate lang über fast zehn Prozent einer Hemisphäre stark verdünnt
bleibe. Und es gebe keinen Grund für

- 2 -

*

&lt;

,

?

�die Annahme, daß diese Ozonverluste
in absehbarer Zeit wettgemacht würden.
Dr. Wilkniss berichtete, daß die
Wissenschaftler in der Antarktis atmosphärische
Konzentrationen
von
Chlormonoxyd (einer aus CFKW-Verbindungen abgespaltenen Substanz) gefunden hätten, die etwa das Hundertfache
der Konzentrationen betragen, die in
der übrigen Welt gemessen werden.
(Dies ist ein wichtiger Hinweis auf
spezielle atmosphärische Bedingungen
für chemische Reaktionen in dieser
Region.) Besonders starken Ozonabbau
beobachtete man in ca. 15 000 Meter
Höhe, wo nur noch drei Prozent der
als normal angesehenen Werte zu ermitteln waren. im Durchschnitt habe,
so Dr. Robert Watson (Leitender Wissenschaftler für das Ozonprojekt der
NASA), im September 1987 die Ozonkonzentration
in
stratosphärischen
Schichten über der Antarktis nicht
einmal mehr 50 Prozent der vor etwa
zehn Jahren geltenden "Normalwerte"
betragen.
im Jahr 1985 wurde nach
Winterende ein Rückgang um 4 0 Prozent, im Jahr 1986 um 35 Prozent verzeichnet. Daß ungewöhnliche Vorgänge
im Spiel
sein müssen, sieht Dr.
Watson beispielsweise in dem Rückgang
der Ozondichte um zehn Prozent über
einem drei Millionen Quadratkilometer
großen Gebiet an einem einzigen Tag.
Chemische Substanzen allein könnten
dies niemals bewirken, meinte er.
Die Auswertung der Daten dürfte
mindestens noch ein halbes Jahr in
Anspruch nehmen.
Dann werden erste
wissenschaftliche Berichte in Fachzeitschriften erscheinen.
Die Forscher sind sich darüber einig, daß es
falsch wäre, anzunehmen, die über der
Antarktis beobachteten chemischen Reaktionen könnten sich andernorts, etwa in der Atmosphäre über den gemässigten Zonen, nicht ereignen. Dr. F.
Sherwood Rowland (Universität Kali-

fornien), der 1974 zusammen mit Dr.
Mario J. Molina zum ersten Mal vor
den Halogenverbindungen gewarnt hatte, verwies u.a. auf Beobachtungen in
Europa und den Vereinigten Staaten:
In der Schweiz, wo im Raum von Arosa
seit 1931 Ozonmessungen durchgeführt
werden, zeigte sich, daß jedes Jahr
im März die Werte um etwa neun Prozent unter dem Durchschnitt liegen.
Und von Meßstationen in Norddakota
und Maine im Norden der USA werden
jeden Winter bemerkenswerte Ozonverluste registriert.
Das im September 1987 von 46 Nationen in Montreal (Kanada^ unterzeichnete Protokoll der Vereinten Nationen über die Kontrolle von Chlorfluorkohlenwasserstoffen
bezeichnet
Rowland als einen wichtigen ersten
Schritt, der aber vor dem Jahr 2000
relativ geringe Auswirkungen auf die
Chlormengen in der Atmosphäre haben
werde.
Das Protokoll sieht vor, daß
die meisten Signatarstaaten, insbesondere
die
Industrieländer,
die
CFKW-Produktion
bzw. den Verbrauch
bis 1990 auf dem jetzigen Stand einfrieren und im nächsten Jahrzehnt um
50 Prozent verringern.
Dagegen wird
Entwicklungsländern
eine
Weiterführung des Verbrauchs für ein Jahrzehnt
zugestanden, damit sie Lücken in bestimmten Technologien, z.B. in der
Kühltechnik, schließen können. Wegen
der langen Lebensdauer der CFKW-Verbindungen in der Atmosphäre, für die
bis zu 110 Jahre angesetzt werden,
müßten
jedoch Rowland
zufolge die
Emissionen vollständig aufhören, um
den gegenwärtigen Stand der Chlorkonzentrationen in etwa zu halten.

Zusammenarbeit mit der Sowjetunion
Im Rahmen der am 2. November 1987
bekanntgegebenen
Zusammenarbeit
der
Vereinigten Staaten mit der Sowjet-

- 3 -

�union in der Klimaforschung über 30
gemeinsame Projekte spielen auch der
Abbau
des
stratosphärischen
Ozons
über der Antarktis und die amerikanischen
Satellitenbeobachtungen
zur
weltweiten Überwachung der Ozondichte
eine wichtige Rolle. Die Ozonmessungen über der Antarktis werden koordiniert, ermittelte Daten ausgetauscht;
für ein- und zweidimensionale Modelle
für Ozon und andere Spurengase sowie
Messungen der CFKW-Aufnahme wurde Zusammenarbeit
vereinbart.
Außerdem
ist ein gemeinsames Experiment auf
der &gt; Heiss-Insel
(Franz-Josef-Land)
zum Studium der Beziehungen zwischen
stratosphärischen
Aerosolen in der
Arktis und
ihrer Auswirkungen auf
Ozon in der Stratosphäre vorgesehen.

* * * * * *

�</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

2. Dezember 1992

48

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USA/DEUTSCHLAND/EUROPA

DIE VEREINIGTEN STAATEN, DIE WIEDERVEREINIGUNG DEUTSCHLANDS UND DIE
ÜBERWINDUNG DER TEILUNG EUROPAS
Rede von Botschafter Kimmitt in Dresden

CLINTON/AUSSENPOLITIK

CLINTON VOR AUSSENPOLITISCHEN
HERAUSFORDERUNGEN
Experten beraten den künftigen
Präsidenten

VERTEIDIGUNG

US-STREITKRÄFTE: KLEINER
ABER STARK UND EINSATZBEREIT
Keine einschneidenden Veränderungen
von Clinton erwartet

SOMALIA

DIPLOMATIE KONZENTRIERT SICH
AUF SICHERE NAHRUNGSMITTELLIEFERUNGEN NACH SOMALIA
Vereinigte Staaten nicht
für Machtübernahme der UNO

RASSENBEZIEHUNGEN

BERUFLICHE GLEICHSTELLUNG UND
DIE AMERIKANISCHE WELTANSCHAUUNG
von Seymour Martin Lipset

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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�USA/DEUTSCHLAND/EUROPA
2. Dezember 1992

DIE VEREINIGTEN STAATEN, DIE WIEDERVEREINIGUNG DEUTSCHLANDS UND DIE
ÜBERWINDUNG DER TEILUNG EUROPAS
Rede von Botschafter Kimmitt in Dresden
DRESDEN - (AD) - In einer Rede vor Gästen der Herbert Quandt Stiftung im Dresdener Schloß forderte USBotschafter Robert M. Kimmitt am 23. November 1992 Amerikaner und Europäer auf, die wirtschaftlichen und
kulturellen Dimensionen der amerikanisch-europäischen Beziehungen zu vertiefen und gleichzeitig auf neue
Arten von Sicherheitsanliegen zu reagieren.
Kimmitt verwies auf die Bedeutung, die der kontinuierlichen Pflege der bestehenden Bindungen zwischen
Deutschland und den USA zukomme und ging danach auf die Bemühungen von Deutschen und Amerikanern
ein, durch Kulturprogramme und Austauschmaßnahmen das Wissen über sein Land in den neuen Ländern zu
vertiefen. "Seit ich amerikanischer Botschafter in Deutschland geworden bin, ist mir bewußt geworden, daß
unsere Beziehungen zunehmend auf den persönlichen Bindungen ruhen werden, die zwischen den Menschen
unserer beiden Länder geknüpft wurden." Austauschprogramme wie das Fulbright Programm und das Programm für junge Führungskräfte ermöglichten es jungen Deutschen, selbst etwas über sein Land und die
Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen zu lernen und sich ihre eigene Meinung darüber zu bilden,
was gemeinsam in der Zukunft getan werden könne. "In dieser Zeit wirtschaftlicher Schwierigkeiten für unsere
beiden Länder müssen wir unter Einsatz all unserer Kreativität eine Partnerschaft der öffentlichen und privaten
Unterstützung für diese Aktivitäten entwickeln, die von lebenswichtiger Bedeutung sind."
Zu den US-Investitionen in den neuen Bundesländern erklärte Kimmitt: "Nach unseren Berechnungen sind über
180 amerikanische Firmen im Osten aktiv. ... Die in den fünf neuen Bundesländern tätigen amerikanischen
Firmen haben insgesamt über 5 Milliarden D-Mark investiert und 38.000 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten.
...Verstärkte wirtschaftliche Aktivitäten amerikanischer Unternehmen in den neuen Bundesländern stellen
dringend erforderliche Investitionen zur Verfügung - und verstärken darüber hinaus die Kontakte zwischen
unseren Völkern.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt im Wortlaut.

Sehr geehrter Herr Präsident,
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Graf von der Goltz,
verehrte Frau Quandt,
sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich, heute hier auf Einladung der Quandt
Stiftung in diesem historischen Dresdener Schloß zu
Ihnen sprechen zu können. Ich finde es beeindrukkend, daß die Münchener Stiftung eines führenden
deutschen Unternehmens den amerikanischen Botschafter nach Dresden eingeladen hat, um über die
deutsch-amerikanischen Beziehungen zu sprechen.
Welch besseres Beispiel könnte es für das Zusammenwachsen von Deutschen, die lange getrennt wa-

AMERIKA DIENST 48

ren, für die Bindungen zwischen Amerikanern und
Deutschen sowie für unsere gemeinsamen Interessen
geben?
Seit zweiundzwanzig Jahren hat sich die Herbert Quandt
Stiftung intensiv mit den Ideen auseinandergesetzt,
die die Denkweise von Menschen beeinflussen und was ebenso wichtig ist - die Art und Weise, in der sie
miteinander umgehen. "Was können wir wissen?",
"Was können wir erhoffen?", "Was können wir tun?" dies sind philosophische Fragen, die jahrhundertelang
eine Herausforderung für die Menschheit darstellten,
und dies ist der philosophische Leitfaden, mit dessen
Hilfe Sie im Lauf der Jahre so erfolgreich Menschen
aus unterschiedlichen Nationen zusammengeführt

Seite 1

�haben. Ich beglückwünsche Sie zu den Beiträgen, die
Sie zum besseren Verständnis zwischen den Völkern
geleistet haben und wünsche Ihnen bei Ihrer wichtigen
Arbeit anhaltenden Erfolg für die Zukunft.

als "neue Weltordnung" bezeichnen würden auf der
Grundlage von Zusammenarbeit zwischen den Nationen, Selbstbestimmung und öffentlicher Prüfung zugänglicher Diplomatie.

Im vergangenen Jahr organisierte die Quandt Stiftung
ein Treffen an der Georgetown University in Washington, um die Zukunft der Vereinigten Staaten und Europas in einer "neuen Weltordnung" zu erörtern. Während dieser Veranstaltung gab der Präsident der
Georgetown University, Leo J. O'Donovan, eine Erklärung ab, die einen Kontext für das liefert, worüber ich
heute sprechen möchte. Reverend O'Donovan sagte,
daß "wir von einem Zeitalter großer Konfrontation zu
einem Zeitalter großer Hoffnung übergehen, aber ebenso
von einem Zeitalter erheblicher Stabilität und Klarheit
in den internationalen Beziehungen zu einem Zeitalter,
das komplexer und häufig weniger berechenbar sein
wird".

Zum Nachteil von Europäern und Amerikanern gleichermaßen begingen die Vereinigten Staaten an diesem Punkt in der Geschichte einen entscheidenden
Fehler, indem sie zu einer engstirnigen Kirchturmpolitik zurückkehrten, anstatt eine weltweite Führungsrolle zu übernehmen, die nach dem Krieg so verzweifelt
benötigt wurde. Die folgenden Ereignisse erwiesen
sich als katastrophal - eine weltweite Wirtschaftskrise
und ein zweiter Weltkrieg folgten.

Diese Erklärung hat unmittelbare Auswirkungen auf
die deutsch-amerikanischen Beziehungen, weil sich
unser Verhältnis in einer Übergangsphase befindet.
Für die Vereinigten Staaten und Deutschland enthält
diese Übergangsphase besondere Aspekte, die sich
sowohl aus der einzigartigen Partnerschaft ergeben,
die wir während der vergangenen 47 Jahre unterhielten, als auch aus dem Gewicht unserer beiden Länder
in der ganzen Welt.
Amerikanische Perspektiven und Ziele
Zunächst möchte ich Ihnen meine eigenen Ansichten
zu einigen derprägenden Erfahrungen der Vereinigten
Staaten vermitteln. Die Gründer meines Landes, die in
europäischer Politik sehr bewandert waren, warnten
vor unserer Verstrickung mit europäischen Mächten,
deren Streitigkeiten unserem Land lediglich unerwünschte und unnötige Unannehmlichkeiten bereiten würden.
George Washington riet in seiner Abschiedsrede den
Vereinigten Staaten, "sich von dauerhaften Bündnissen mit jedem Teil der ausländischen Welt fernzuhalten". Präsident Thomas Jefferson warnte vor verstrikkenden Bündnissen. Beider Rat wurde im gesamten
ersten Jahrhundert der amerikanischen Geschichte
befolgt.
Das zwanzigste Jahrhundert leitete jedoch ein neues
Zeitalter in den europäisch-amerikanischen Beziehungen ein, ein Zeitalter, in dem der atlantische Ozean
nicht mehr ausreichte, um die Vereinigten Staaten von
den Konflikten zu isolieren, die auf dem europäischen
Kontinent stattfanden. Der Erste Weltkrieg zog amerikanische Armeen zum ersten Mal in eine Schlacht auf
dem Kontinent hinein.
Die erste Nachkriegszeit
Am Ende dieses verheerenden Krieges forderte
Woodrow Wilson in seinen revolutionären Vierzehn
Punkten einen Frieden ohne Sieg, einen Frieden, der
die Grundlagen für etwas schaffen sollte, das wir heute
Seite 2

Die zweite Nachkriegszeit
Am Ende des Zweiten Weltkrieges war die amerikanische Politik zunächst wieder von dem Instinkt geleitet,
nach Hause zurückzukehren. Glücklicherweise behielten klügere, vorausschauende Entscheidungsträger wie George Marshall, John J. McCIoy und andere
die Oberhand, Männer, die die historischen Fehler, die
Amerika 1918 begangen hatte, im Hinblick auf die
Zukunft nicht wiederholen wollten. Dank ihrer Führung
trafen die Vereinigten Staaten am Ende des Zweiten
Weltkrieges die richtige Entscheidung - sie blieben in
Europa und beteiligten sich am Wiederaufbau der
zerstörten Volkswirtschaften und Gesellschaften ihrer
ehemaligen Verbündeten und Gegner. Unser Ziel
bestand darin, stabile demokratische Nationen zu
schaffen, mit denen die Vereinigten Staaten produktive, harmonische Beziehungen unterhalten und mit
denen sie zusammenarbeiten konnten, um für den
Weltfrieden einzutreten.
Die politisch Verantwortlichen in Amerika gingen gleichzeitig davon aus, daß ein integrierteres Europa stabil
und friedlich sein werde, was zweifellos im Interesse
der Vereinigten Staaten lag. Deshalb haben die Vereinigten Staaten von den Anfängen der Montanunion
über die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bis zur Schaffung des Binnenmarktes am
Ende dieses Jahres die Integration Europas stets aus
ganzem Herzen unterstützt und gefördert.
Ebenso uneingeschränkt haben wir die Vereinigung
Deutschlands unterstützt und auf das Ende der Teilung Europas gehofft. In dem gesamten Zeitabschnitt
nach dem Zweiten Weltkrieg betrachteten die Amerikaner die Teilung Deutschlands und die Spaltung
Europas als künstliche und nicht aufrechtzuerhaltende
Trennungen. Unser Wunsch wares, beide Spaltungen
friedlich zu überwinden und Freiheit für alle Betroffenen sicherzustellen.
Vom Atlantik bis zum Pazifik haben sich Amerikaner
am 3. Oktober 1990 mit Deutschland gefreut, als die
polrtische Vereinigung schließlich besiegelt wurde.
Aber: So schwierig politische Gleichberechtigung für
alle Deutschen zu erringen war - die Verwirklichung
wirtschaftlicher Chancengleichheit wird noch schweAMERIKA DIENST 48

�rer zu erreichen sein. Der Mut und die Energie, mit
denen der Wiederaufbau- und Aussöhnungsprozeß
durchgeführt wird, verdienen die Unterstützung des
amerikanischen Volkes heute ebenso wie der politische Prozeß nach dem Fall der Mauer im Jahre 1989.
Die dritte Nachkriegszeit
Mit dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des
Kalten Krieges sind wir in die dritte Nachkriegszeit
dieses Jahrhunderts eingetreten. Über eines sollten
wir uns im klaren sein: Diese dritte Nachkriegszeit ist
von ebenso entscheidender Bedeutung wie die ersten
beiden. Wiederum müssen wir die richtigen Entscheidungen treffen und die richtigen Verpflichtungen eingehen. Wir müssen aus den tragischen Fehlschlägen
der Vergangenheit ebenso wie aus unseren großen
Erfolgen lernen und den richtigen Kurs einschlagen.
Die vier Jahre von 1990 bis 1994 werden für unsere
Zukunft genauso wichtig sein wie es die vier Jahre von
1945 bis 1949 nach dem Zweiten Weltkrieg für die
Gestaltung jener Nachkriegszeit waren. Wir müssen
jetzt die Fundamente errichten, die unseren Kurs im
21. Jahrhundert bestimmen werden, in dem die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten ebenso
untrennbar mit dem Europa der Zukunft verbunden
sein werden wie mit dem Europa der Zeit nach dem
Zweiten Weltkrieg.
Das andauernde amerikanische Engagement in Europa geht mit dem Prozeß der europäischen Integration
Hand in Hand. Wir bitten lediglich darum, daß Europa
auf einer Grundlage der Weltoffenheit zusammenfindet, die bestehenden Institutionen fördert anstatt von
ihnen wegzuführen, insbesondere von der NATO.
Das Atlantische Bündnis der Zukunft
Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Partner wurden in der Vergangenheit durch die gemeinsame
Bedrohung ihrer Sicherheit zusammengeführt. Dieser
von der sowjetischen Bedrohung geschaffenen Verbindung lag jedoch eine Bindung zugrunde, die auf den
politischen Werten beruhte, die wir gemeinsam hatten
und die zu verteidigen wir bereit waren. Heute, am
Ende des Kalten Krieges, erkennen wir, wie sehr uns
diese Werte einander nähergebracht haben - und wie
wichtig der Schutz dieser Werte nach wie vor ist. Wie
die jüngsten Ereignisse auf brutale Weise unterstrichen haben, sind wirtrotzdem weiterhin mit Bedrohungen unserer Sicherheit konfrontiert. Der effektivste
Weg, um diese in den Griff zu bekommen, führt über
erprobte Institutionen - wie die NATO -, die den neuen
Umständen angepaßt sind.

stark ist. Die amerikanische Beteiligung an der NATO
verkörpert unsere Verpflichtung zur europäischen
Sicherheit.
Wenn wir die Lage in Europa heute, nur wenige Monate nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums betrachten, werden wir von der Realität ernüchtert, daß ein Zeitalter ewigen Friedens und fortwährender Sicherheit noch nicht in Sicht ist. Während die
Bedrohung der Ost-West-Konfrontation im Verschwinden begriffen ist, sind regionale Konflikte - und potentielle Konflikte - als neue und ernste Herausforderung
auf den Plan getreten. Viele Fragen in Zusammenhang mit der Zukunft der transatlantischen Beziehungen drehen sich um diese Sorgen. Wenn die Grundlagederamerikanischen Präsenz in Europa nicht mehr
vorwiegend der Schutz vor einer sowjetischen Bedrohung ist, wie sollte sie dann beschaffen sein? Wenn
Europa sein Sicherheitskonzept neu definiert, wird es
dann überhaupt eine amerikanische Präsenz geben?
Falls ja, welches sind die allseits akzeptablen Bedingungen dafür?
Die Vereinigten Staaten betrachten die NATO weiterhin als Eckpfeiler der transatlantischen Beziehungen.
Diejenigen, die dieses erfolgreichste Sicherheitsbündnis der Geschichte als Relikt des Kalten Krieges betrachten, übersehen den entscheidenden Punkt.
Der Nordatlantikvertrag erwähnt weder die Sowjetunion noch den Kalten Krieg, und er hat auch kein
"Verfallsdatum". Das Geniale ist seine Flexibilität.
Innerhalb seiner Struktur kann die euroatlantische
Gemeinschaft eine Sicherheitspolitik entwickeln, die
vom Charakter der Bedrohung - ob global oder regional
- unabhängig ist. Die NATO hat sich bereits bewährt,
und sie wird es uns gestatten, uns einer Vielzahl
unbekannter, selbst überraschender Bedrohungen
unterschiedlichsten Ausmaßes anzupassen.
Die NATO kann ihre Glaubwürdigkeit jedoch nur
bewahren, indem sie sich den neuen Bedingungen der
vergangenen zwei Jahre anpaßt. Vieles von dem, was
wir tun, wird von der künftigen Gestalt des ehemaligen
sowjetischen Imperiums abhängen. Wenn unabhängige und demokratische Gesellschaften in der Region
feste Wurzeln schlagen, dann sollte die Evolution der
NATO dieses Niveau größerer europäischer Stabilität
widerspiegeln. Ein perfektes Beispiel ist der Nordatlantische Kooperationsrat, in dem sich die NATO bemüht,
ehemalige Gegner im Osten beim Prozeß der Stärkung demokratischer Institutionen und der Entwicklung neuer sicherheitspolitischer Maßnahmen zu unterstützen.

Um es nochmals zu betonen: Unser Ziel ist ein
stärkeres Europa und eine stärkere NATO. Besonders
Die Erfahrung, zweimal in europäische Konflikte hin- in dieser Zeit unmittelbar nach dem Kalten Krieg
eingezogen worden zu sein, überzeugte das amerika- müssen wir Nullsummenanalysen als vereinfachend
nische Volk, daß seine Sicherheit mit der Europas und gefährlich zurückweisen, die davon ausgehen,
verflochten ist - eine Überzeugung, die nach wie vor eine stärkere europäische Sicherheitsidentität könne
Sicherheit

AMERIKA DIENST 48

Seite 3

�nur auf Kosten der NATO entwickelt werden. Wir
können beides haben. Die Vereinigten Staaten werden in Europa militärisch präsent bleiben, solange
unsere Anwesenheit erwünscht ist. Die Stärke unsererhier stationierten Truppen wird vonden Erfordernissen unseres Auftrages und den Dimensionen der
militärischen Pflichten abhängen, die wir mit unseren
Verbündeten teilen.

zusätzlich 4 Billionen Dollar erwirtschaftet werden.
Diese Summe ist fast so hoch wie das gesamte
jährliche Bruttosozialprodukt der Vereinigten Staaten.
In einer Zeit, in der die Wiederherstellung soliden
Wirtschaftswachstums für alle Länder - einschließlich
der Dritten Weh und der ehemaligen Sowjetunion - die
wichtigste Priorität ist, stellt dieses Abkommen genau
den richtigen Schritt im richtigen Moment dar.

In dieser dritten Nachkriegszeit des Jahrhunderts
benötigen wir darüber hinaus ein wesentlich klareres
Verständnis unserer Sicherheitsinteressen. Wir sind
nicht länger mit einem einzigen eindeutig definierten
Gegner konfrontiert. Wie die Ereignisse im ehemaligen Jugoslawien auf brutale Weise unterstreichen,
erfordern andere Sicherheitsanliegen unsere Aufmerksamkeit. Ferner sind die wirtschaftlichen, umweltpolitischen, wissenschaftlichen und kulturellen Dimensionen unserer Beziehungen erheblich wichtiger geworden. Deshalb müssen wir uns in dieser Nachkriegsperiode darum bemühen, unsere Beziehungen zu vertiefen und erweitern, um diese zusätzlichen Dimensionen
einzubeziehen und gleichzeitig auf neue Arten von
Sicherheitsanliegen reagieren. Es sind diese anderen
Dimensionen unserer Beziehungen, denen ich mich
nun zuwenden möchte.

Kulturelle Bindungen
Ich möchte mich jetzt der Bedeutung der kulturellen
Bindungen zwischen unseren beiden Ländern zuwenden. Die Übergangsphase in unseren Beziehungen
erfordert Verständnis und ein gemeinsames Gefühl
der Verpflichtung auf beiden Seiten des Atlantiks. In
diesem Zusammenhang ist eine Dimension der transatlantischen Beziehungen, die bei der Konzentration
auf unsere dringenderen Anliegen leicht übersehen
werden kann, die persönliche und kulturelle Dimension.

Im Jahre 1946 brachte ein prominenter amerikanischer Senator, William Fulbright, das in der Folgezeit
bedeutendste Gesetzeswerk im Bereich der internationalen Kulturbeziehungen in der amerikanischen
Geschichte ein - das Fulbright-Hays-Gesetz, mit dem
ein internationales akademisches Austauschprogramm
Wirtschaft
ins Leben gerufen wurde. Fulbright ging davon aus,
Der Handel spielt in unseren Beziehungen eine zuneh- daß junge Menschen, denen ein Studium im Ausland
mend wichtige Rolle. Zwei der wichtigsten Bindeglie- geboten würde, andere Nationen schließlich nicht mehr
der zwischen den Vereinigten Staaten, Deutschland nur als abstrakte Gebilde betrachteten.
und ganz Europa sind die sich selbst verstärkenden
In einer Rede über die deutsch-amerikanischen BezieBande des Handels und der Investitionen.
hungen hat Bundeskanzler Kohl in Heidelberg im Juni
Wir freuen uns darüber, daß die Unterhändler der dieses Jahres ebenfalls festgestellt, daß die FreundEuropäischen Gemeinschaft und der Vereinigten Staa- schaft zwischen unseren beiden Nationen nicht nur im
ten in der Lage waren, die noch zwischen uns beste- Verstand, sondern auch in den Herzen der Menschen
henden Meinungsverschiedenheiten - insbesondere verankert bleiben und wissenschaftliche und kulturelle
im Bereich der Landwirtschaft - auszuräumen, die so Zusammenarbeit gleichberechtigt neben die politische
lange einen erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde und wirtschaftliche Zusammenarbeit gestellt werden
verhindert haben. Darüber hinaus begrüßen wir die muß.
Einigung beim Thema Ölsaaten, die einen Handelskrieg abwendet, der in niemandes Interesse gelegen Seit ich amerikanischer Botschafter in Deutschland
geworden bin, ist mir bewußt geworden, daß unsere
hätte.
Beziehungen zunehmend auf den persönlichen BinDiese Leistung wurde durch Kreativität, enorme Ge- dungen ruhen werden, die zwischen den Menschen
duld und die Bereitschaft aller betroffenen Parteien unserer beiden Länder geknüpft wurden. Diese durch
errungen, im Interesse freieren Handels mit seinem akademische Austauschprogramme, Tourismus,
Wohlstand hervorbringenden Potential für alle erheb- Konferenzen, wissenschaftliche Zusammenarbeit und
liche Zugeständnisse zu machen. Diese Übereinkunft künstlerische Veranstaltungen geschaffenen Bande
verschafft uns die Möglichkeit, die von allen Teilneh- werden eine noch wichtigere Dimension unserer künfmerstaaten des Münchner Gipfels eingegangene tigen Beziehungen sein.
Verpflichtung zu erfüllen, bis zum Jahresende ein
Abkommen im Rahmen der Uruguay-Runde zu schlie- Diese Bindungen müssen kontinuierlich gepflegt und
vertieft werden. Jede nachfolgende Generation muß
ßen.
sich erneut zur Bewahrung und Stärkung dieser Bande
Die Handelsbeauftragte der Vereinigten Staaten, Carla verpflichten, damit sie sich nicht auflösen. Diese
Hills, hat geschätzt, daß in den ersten zehn Jahren Aufgabe ist jetzt von besonderer Bedeutung, weil die
nach der erfolgreichen Beendigung der Uruguay-Runde Generationen der Nachkriegszeit sowohl in Deutschweltweit Waren und Dienstleistungen im Wert von land als auch in Amerika in einflußreiche Positionen

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AMERIKA DIENST 48

�gelangen, und ihr Bild voneinander wurde in den
turbulenten sechziger und siebziger Jahren geformt.
Und, wie Sie hier in Dresden nur allzugut wissen, sind
diese Bemühungen wichtig für die Deutschen aller
Altersstufen in den neuen Bundesländern, die von der
persönlichen Dimension der deutsch-amerikanischen
Beziehungen noch nicht profitieren konnten.
Das amerikanische Engagement für die neuen
Bundesländer
Der erste Schritt in dem Prozeß der Stärkung dieser
Bindungen muß darin bestehen, das von uns bereits
zwischen den westlichen Bundesländern und den
Vereinigten Staaten aufgebaute Netz von Kontakten
auf die fünf neuen Länder auszudehnen - ein Prozeß,
den wir schon vordem Oktober 1990 begonnen haben.
Unsere Kontakte in dieser Region wurden von der
ehemaligen Regierung sehr eingeschränkt, und es
bleibt noch viel zu tun, um die Isolierung von den
Vereinigten Staaten zu überwinden, der die Bürger
dieses Gebietes über Jahrzehnte hinweg unterworfen
waren.
Mit großer Freude konnte ich im Januar dieses Jahres
in Neubrandenburg eine erhebliche Erhöhung des
amerikanischen Beitrages für mehrere Austauschprogramme - darunter das Fulbright-Programm - um
insgesamt über eine Million Dollar bekanntgeben, damit
die Austauschprogramme mit Menschen in den fünf
neuen Bundesländern erweitert werden können.
Im Juni dieses Jahres haben wir ein neues Amerika
Haus in Leipzig eröffnet, das den Bedürfnissen der
Menschen in Sachsen und Thüringen dienen und die
Arbeit des Amerika Hauses in Berlin ergänzen soll.
Unser Programm für junge Führungskräfte, in dessen
Rahmen viele von Ihnen zum ersten Mal mit den
Vereinigten Staaten bekanntgemacht wurden, wird
erweitert. Allein dieses Programm hat es nahezu
17.000 jungen deutschen Akademikern ermöglicht,
die Vereinigten Staaten aus erster Hand kennenzulernen. Seit der Wiedervereinigung haben über 150
Deutsche aus den neuen Bundesländern von diesem
Programm profitiert.

ten für Englischunterricht, der von seinem Berliner
Büro aus in den neuen Ländern Unterstützung leistet.
Zwei wertere amerikanische Spezialisten sind an den
Universitäten in Greifswald und Chemnitz tätig.
Mit der Schließung einiger unserer militärischen Stützpunkte in Westdeutschland werden Bibliotheken auf
Universitätsniveau an ostdeutsche Institutionen übergeben. Fast 300.000 Bücher in englischer Sprache
wurden seit Beginn dieses Programms überreicht,
darunter 20.000 Bände an die Sächsische Landesbibliothek und 10.000 an die Universität Dresden. Ich
kann mir keinen besseren Weg denken, um Schwerter
zu Pflugscharen zu machen, als eine ganze Bevölkerung mit Büchern auszustatten, aus denen sie lernen
und gewinnen kann.
Unser Ziel bei all diesen Maßnahmen liegt auf der
Hand - die Deutschen, insbesondere die jungen Deutschen, in diesem Teil des Landes zu befähigen, dasselbe zu tun, was ihre Mitbürger im Westen tun können, nämlich selbst etwas über unser Land und die
Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen zu lernen und sich ihre eigene Meinu ng darüber zu
bilden, was wir gemeinsam in der Zukunft tun können.
Die amerikanischen Investitionen in den neuen
Bundesländern
Ebenso haben amerikanische Investitionen den neuen
Bundesländern ihren Stempel aufgedrückt. Eines
meiner persönlichen Ziele als Botschafter besteht darin,
das Land so viel wie möglich zu bereisen, insbesondere die neuen Bundesländer. Neben zahlreichen Reisen nach Berlin habe ich die fünf neuen Länder achtzehnmal besucht, umdie Priorität zu verdeutlichen, die
wir dem deutschen Vereinigungsprozeß und neuen
amerikanischen Investitionen in Ostdeutschland beimessen.

In einer Rede in Berlin hat Au ßenminister Baker im Juni
1991 erklärt: "Ich zweifle nicht daran, daß dieser Teil
Deutschlands in nicht allzu femer Zukunft eines der
wirtschaftlichen Zugpferde Europas sein wird. Andern
Tag, so glaube ich, werden Amerikaner und Deutsche
gemeinsam an diesem Werk beteiligt sein." Heute sind
Deutsche und Amerikaner in vielen Unternehmen in
Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush haben kürz- Ostdeutschland bereits gemeinsam an diesem Werk
lich die Gründung der RIAS Kommission bekanntge- beteiligt. Nach unseren Berechnungen sind über 180
geben, die sich dem Ausbau von Kontakten und Stu- amerikanische Firmen im Osten aktiv. Heute nachmitdien zwischen Medienzentren und Rundfunkjoumali- tag habe ich eine dieser Firmen - Spezialtechnik Dressten in den fünf neuen Ländern und deren amerikani- den - besucht, die im Mai dieses Jahres von General
schen Kollegen widmen wird. Dies, so glauben wir, ist Atomics in San Diego übernommen wurde. Die naheeine Reaktion auf die veränderten Bedürfnisse des zu 1.400 Beschäftigten dieses Unternehmens sind an
Publikums, die der RIAS - Radio im Amerikanischen der Konversion der Rüstungsindustrie beteiligt. Sie
Sektor - während des Kalten Krieges so gut erfüllt hat. verarbeiten Munitionsbestände unter anderem zu
Rollstühlen, Erdbaugeräten und umweltverträglichen
Wir haben unsere Seminare für Englischlehrer und Produkten.
Amerikanistikstudien in den fünf neuen Bundesländern erheblich erweitert, insbesondere im Bereich der Die in den fünf neuen Bundesländern tätigen amerikaunmittelbaren Unterstützung von Universitäten und nischen Firmen haben insgesamt über 5 Milliarden Dpädagogischen Hochschulen. Wir haben einen Exper- Mark investiert und fast 38.000 Arbeitsplätze geschafAMERIKA DIENST 48

Seite 5

�fen oder erhalten. Zwei weitere amerikanische Unternehmen, die zum Energiesektor gehören, sind an
Investitionen interessiert, mit denen die Gesamthöhe
der amerikanischen Investitionen mehr als verdoppelt
werden könnte.

reit, mehr zu tun als Besorgnis auszudrücken. Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen in den
neuen Bundesländern, zu denen unsere Firmen Beiträge erbringen, sind Teil der Lösung, weil sie an den
Wurzeln der gegenwärtigen Schwierigkeiten ansetzen. Verstärkte kulturelle Aktivitäten und persönliche
Verstärkte wirtschaftliche Aktivitäten amerikanischer Kontakte sind ebenfalls lebenswichtig, und wir haben
Unternehmen in den neuen Bundesländern stellen unser Budget für solche Maßnahmen in den neuen
dringend erforderliche Investitionen zur Verfügung - Bundesländern erhöht. Wir sind zuversichtlich, daß
und verstärken darüber hinaus die Kontakte zwischen Deutschland wegen der grundsätzlichen Stärke seiner
unseren Völkern. Mit dem Abzug beträchtlicher ame- demokratischen Werte diese Probleme lösen wird rikanischer Truppenverbände aus Deutschland wer- und damit weiter die Toleranz und den Respekt für
den die von ihnen geknüpften persönlichen Kontakte, muftikulturelle Werte ausbauen wird, die in einer pulwie ich hoffe, durch Kontakte zwischen Deutschen und sierenden, lebendigen Demokratie so wichtig sind.
amerikanischen Geschäftsleuten und deren Familien
abgelöst. Ich habe die Hoffnung, daß jeder heimkeh- Die vor uns liegende Herausforderung
rende G.l. tatsächlich oder im Geiste durch einen
Deutschen, der hier für eine amerikanische Firma Sowohl die deutsche als auch die amerikanische
arbeitet, oder von einem Amerikaner, der für ein deut- Regierung waren in der Vergangenheit die Hauptförsches Unternehmen in den Vereinigten Staaten arbei- derer von Austauschprogrammen in Kultur und Biltet, ersetzt wird. Deutsche Firmen werden besonders dungswesen, und sie werden sich auch in Zukunft aktiv
wegen ihrer Betonung von Aus- und Fortbildung be- für diese Maßnahmen engagieren. Wenn wir unsere
wundert und sind sicherlich in den Vereinigten Staaten heutige Lage jedoch realistisch betrachten, müssen
willkommen. BMW ist das jüngste einer langen Reihe wir uns vor Augen führen, daß die staatlichen Mittel
führender deutscher Unternehmen, die in den Verei- künftig mehr als wir uns dies wünschen begrenzt sein
nigten Staaten investieren, und ich begrüße beson- werden.
ders die Entscheidung, sich in South Carolina niederIm vergangenen Jahr hat das US-Außenministerium
zulassen.
ohne Erhöhung seines Haushalts 20 neue Botschaften
in den neuen unabhängigen und souveränen Staaten
Die gemeinsame Erfahrung
eröffnet. Die Budgets für unsere bestehenden KulturHier und in den Vereinigten Staaten vernehme ich programme geraten stärker unter Druck, während wir
starke Besorgnis über extremistische Gewalttaten im versuchen, die heutigen Austauschprogramme in Kultur
Deutschland von heute. Manchmal wird die Frage und Bildungswesen auf diese neuen Gebiete auszugestellt: "Wird Deutschland zu den dunklen Tagen dehnen. Ich werde energisch dafür eintreten, unsere
seiner Vergangenheit zurückkehren?" Meines Erach- in Deutschland bestehenden Programme zu erhalten,
tens ist es an der Zeit, daß wir unseren Kopf gebrau- aber Einsparungen sind unvermeidlich. Angesichts
chen anstatt unsere Hände zu ringen. Wenn ich meine der Kosten der Vereinigung bin ich sicher, daß sich
eigenen Erfahrungen als Maßstab für die Beurteilung auch die Programme der Bundesregierung im kultureldieser Frage anlege, so ist den Deutschen in Ost und len Bereich Engpässen ausgesetzt sehen.
West gleichermaßen bewußt, daß Demokratie kein
Geschenk ist, das gegeben oder empfangen wird, Die Aktivitäten von Organisationen wie der Herbert
sondern ein Gesellschaftsvertrag, der geschaffen und Quandt Stiftung zur Unterstützung des internationalen
ständig bekräftigt werden muß. Die Deutschen verste- Verständnisses durch Austauschprogramme werden
hen Goethes Satz sehr wohl, daß die Freiheit stets in Zukunft noch wichtiger sein als in der Vergangenheit. Ihr Bertrag zu den historischen Ereignissen,
aufs neue errungen werden muß.
deren Zeuge wir in Europa gewesen sind, mag vielWir unterstützen voll und ganz die Bemühungen leicht niemals ermessen werden, aber eines ist sicher:
Deutschlands, unverwandt auf dem Weg der Demo- Sie haben die Herausforderungen des Kalten Krieges
kratie und der Marktwirtschaft voranzuschreiten, auf angenommen und diejenigen unterstützt, die weiter
einem Weg, den der Ostteil des Landes heute erst die Frage stellten, "Was können wir wissen?" und "Was
antritt. Aus unserer eigenen nationalen Erfahrung können wir tun?" Neue Völker haben ihre Freiheit
wissen wir, daß Nationen nicht einfach erfunden wer- errungen und können nun dieselben Fragen stellen.
den, sondern wachsen. Die amerikanische Demokra- Auch sie müssen ermutigt und in ihrem Streben nach
tie ist organisch gewachsen und hat sich im Verlauf Wissen unterstützt werden.
unserer über zweihundertjährigen Geschichte fortwährend verändert und weiterentwickelt, während wir Ich bin hier, um Ihre Hilfe zu erbitten. In dieser Zeit
wirtschaftlicher Schwierigkeiten für unsere beiden Länder
vormals benachteiligte Gruppen integriert haben.
müssen wir unter Einsatz all unserer Kreativität eine
Gemeinsam mit den anderen Freunden und Verbün- Partnerschaft der öffentlichen und privaten Unterstütdeten Deutschlands sind die Vereinigten Staaten be- zung für diese Aktivitäten entwickeln, die von lebensSeite 6

AMERIKA DIENST 48

�Beginn der neuen Administration einer eingehenden Prüfung unterzogen werden.

wichtiger Bedeutung sind. Wir haben 40jährige Erfahrung bei der Erarbeitung von Programmen, die Zehntau sende Deutsche und Amerikaner zusammengeführt haben. Nur indem wir diese Erfahrung mit Mitteln
des Privatsektors kombinieren, können wir gewährleisten, daß dieses Vermächtnis an die nächste Generation weitergegeben werden kann. Ich bin hier, um
jeden von Ihnen zu bitten, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um dieses Vermächtnis lebendig zu erhalten. Es ist die Pflicht von uns allen, Bereiche zu
identifizieren, in denen wir bei der Vertiefung des
deutsch-amerikanischen Verständnisses zusammenarbeiten können und dann unsere Ärmel hochkrempeln, um dieses Werk zu vollenden.
Diese Art von Erfahrung aus erster Hand führt gemeinsam mit soliden Amerikanistikprogrammen deutscher
Universitäten zu dem tieferen Verständnis von unserem Land, das produktive Zusammenarbeit und dauerhafte Bündnisse hervorbringt. Ich begrüße wärmstens
die Initiativen der Quandt Stiftung zur Förderung von
Amerikanistikprogrammen und damit zusammenhängenden Aktivitäten in den neuen Bundesländern. Die
Qualität der bestehenden Programme der Stiftung ist
wohlbekannt und verspricht hervorragende Ergebnisse in diesem Teil Deutschlands. Besonders erfreut bin
ich darüber, daß die Stiftung es amerikanischen Dozenten und Fachleuten ermöglicht, die neuen Bundesländer zu besuchen und engere Beziehungen zwischen den akademischen Institutionen hier und in den
Vereinigten Staaten herzustellen.
Die neue Administration
Abschließend möchte ich die jüngsten Wahlen in den
Vereinigten Staaten kommentieren.
Wie Präsident Bush möchte auch ich Gouverneur
Clinton zu seinem Wahlsieg gratulieren. In einem
weiteren Beispiel der von Präsident Bush so bezeichneten "Majestät der Demokratie" hat das amerikanische Volk gesprochen, und es findet zur Zeit ein
reibungsloser Übergang statt.
Gouverneur Clinton hat am Tag nach seiner Wahl
erklärt, er beabsichtige, Kontinuität in der amerikanischen Außenpolitik anzustreben: "Auch wenn Amerikas Regierungen wechseln", stellte er fest, "Amerikas
fundamentale Interessen verändern sich nicht." Aber
eine kontinuierliche Außenpolitik ist keine identische
Außenpolitik, und von seinen Erklärungen im Wahlkampf wissen wir, daß es Unterschiede geben wird.
Erstens werden aufgrund der Tatsache, daß
Gouverneur Clinton der Innenpolitik Vorrang
einzuräumen gedenkt, alle Teile des Haushalts
für die nationale Sicherheit - Verteidigung,
Auslandshilfe und Aktivitäten im Ausland - zu
* *

AMERIKA DIENST 48

Zweitens hat Gouverneur Clinton bereits erklärt, er werde den amerikanischen Verteidigungshaushalt etwas weiter kürzen als Präsident Bush vorgeschlagen hat. Obwohl er klargestellt hat, daß er eine schlagkräftige Streitmacht in Europa beibehalten möchte, haben
seine Berater Zahlen zwischen 75.000 und
100.000 genannt anstatt der von Präsident Bush
vorgeschlagenen 150.000. Sie haben femer im
Kongreß erhobene Forderungen aufgegriffen,
wonach unsere europäischen Verbündeten einen
größeren Teil der Lasten übernehmen sollen.
Drittens hat Gouverneur Clinton ein auf freiem
und fairem Handel basierendes offenes Welthandelssystem unterstützt. Er hat dem Wort
"fair" jedoch erhebliches Gewicht beigemessen
und insbesondere eine höhere Besteuerung
ausländischer Firmen in den Vereinigten Staaten vorgeschlagen.
Diese Auszüge aus den Wahlkampf reden des gewählten Präsidenten Clinton stellen die allgemeinen Richtlinien der neuen Außenpolitik der USA dar. Wie diese
Außenpolitik in ihren Einzelheiten durchgeführt wird,
obliegt selbstverständlich dem neuen Präsidenten sebst
nach der Amtsübernahme am 20. Januar.
Schlußbemerkung
Von heute bis zum Mittag des 20. Januar werde ich eng
mit Vertretern der Bundesregierung zusammenarbeiten, um diese und andere noch ausstehende Probleme
in unseren bilateralen Beziehungen zu behandeln. Ob
und für wie lange ich dies noch nach dem 20. Januar
tun werde, liegt bei dem neuen Präsidenten.
Wie auch immer meine Zukunft aussehen mag, eines
ist sicher: Ich gedenke, mich den Rest meines Lebens
- in und außerhalb der Regierung - für engere Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland einzusetzen. Ich werde dies großenteils deshalb
tun, weil ich dieses Land, seine Menschen und seine
Kultur liebe. Ich tue dies jedoch umso mehr, als engere
deutsch-amerikanische Beziehungen für den künftigen Frieden und Wohlstand in unseren beiden Ländern, in Europa und der ganzen Welt lebenswichtig
sind. Es ist mein brennender Wunsch, daß unsere
Kinder eines Tages Grund haben, uns dafür zu danken, die Grundlagen für ebenso solide und produktive
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
Deutschland geschaffen zu haben wie unsere Eltern
es für uns taten. Ich freue mich, mit Ihnen zusammen
auf dieses gemeinsame Ziel hinzuarbeiten.
Ich danke Ihnen.
*

*

Seite 7

�CLINTON/AUSSENPOLITIK
2. Dezember 1992

CLINTON VOR AUSSENPOLITISCHEN
HERAUSFORDERUNGEN
Experten beraten den künftigen Präsidenten
im Verteidigungssektor Tätigen abstimmen, ohne ihnen ein Vetorecht gegen seine Entscheidungen einzuräumen, in der Öffentlichkeit klar darlegen, was getan
werde - einschließlich der Rückschläge und Risiken und sich vor allem der multilateralen Unterstützung
versichern. Falls Gewaltanwendung erforderlich sei,
Dies war das Fazit der eintägigen, am 24. November sollten der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und
1992 im US-Außenministerium abgehaltenen Konfe- wenn möglich andere im bedrohten Gebiet ansässige
renz mit dem Thema "Die au ßenpolitischen Prioritäten regionale Organisationen Maßnahmen ergreifen.
Amerikas in einer neuen Welt", an der renommierte
amerikanische Experten und ausländische Delegierte Der künftige Präsident müsse erneut bekräftigen, daß
teilnahmen. Gemeinsamer Veranstalter der Konfe- die Vereinigten Staaten - falls erforderlich - auch
renz waren die Carnegie Endowment for International militärische Gewalt anwenden, er müsse jedoch - so
Peace und die American Foreign Service Association. Halperin - auch verstehen, daß das Unterstützung im
In- und Ausland erfordere. Jegliche militärische
Die angesprochenen Themen reichten von Welthan- Gewaltanwendung müsse an die Darlegung eines
del und Wirtschaftsfragen bis zu Umweltproblemen, Konzepts einer neuen Weltordnung gebunden sein.
Flüchtlingsströmen, gemeinsamer Sicherheit, der
Nichtverbreitung von Atomwaffen, Menschenrechten, Paula Dobriansky, Leiterin der Abteilung für politische
der Stärkung internationaler Organisationen und dem und programmatische Fragen des US-Informationsamtsund ehemalige hochrangige MenschenrechtsexAufbau der Demokratie.
pertin im US-Außenministerium, stand auf der KonfeMort Halperin, ehemaliger hochrangiger Berater Hen- renz dem Gremium für Menschenrechte, humanitäre
ry Kissingers im Nationalen Sicherheitsrat unter Präsi- Angelegenheiten, Völkerrecht und Aufbau der Demodent Richard Nixon, Vorsitzender der amerikanischen kratie vor.
Bürgerrechtsvereinigung (American Civil Uberties Unbn)
und führender Mitarbeiter der Carnegie-Stiftung gab "Die Förderung der Demokratie wird in absehbarer Zeit
einen Überblick über die potentiellen militärischen und unsere vorrangige Herausforderung sein", äußerte
Dobriansky auf der Schlußsitzung. Die Vereinigten
politischen Probleme Clintons.
Staaten haben zwar eine wichtige Rolle zu spielen und
"Es wird ihm meiner Ansicht nach so gehen wie all können ihre einzigartigen Erfahrungen anderen zuunseren Präsidenten der Nachkriegszeit, die entdeckt gänglich machen", erklärte sie, "wir müssen jedoch
haben, daß die Welt sie nicht in Ruhe läßt", stellte immer davon ausgehen, daß man Demokratie nicht
Halperin fest.
einfach von einem Land in ein anderes verpflanzen
kann".
Zu den Brennpunkten, mit denen Clinton sich Halperin
zufolge möglicherweise konfrontiert sehen wird, gehö- Sie stellte fest, "kollektives Engagement bei der Förderen der Irak, das ehemalige Jugoslawien, Somalia und rung von Demokratie sei garantiert" und fügte hinzu,
Haiti.
daß muftilaterale und regionale Organisationen wie die
Vereinten Nationen, die Konferenz über Sicherheit und
Er erklärte, beim Umgang mit potentiellen BedrohunZusammenarbeit in Europa (KSZE) sowie die Organigen müsse der gewählte Präsident die eindeutige sation Amerikanischer Staaten (OAS) in dieser HinUnterstützung des Kongresses erhalten, sich mit den sicht eine wichtige Rolle zu spielen hätten.
WASHINTON - (AD) - Obwohl der gewählte Präsident
Bill Clinton sich auf die Wiederbelebung der Binnenwirtschaft konzentrieren will, sieht er sich bereits mit
einer Reihe außenpolitischer Herausforderungen
konfrontiert.

AMERIKA DIENST

Seite 1

�"Fürdie Förderung der Demokratie ist die Rechtsstaatlichkeit von Bedeutung", betonte Dobriansky. Dies
beinhalte eine unabhängige Judikative, rechtmäßige
Verfahren, den Schutz von Minderheiten sowie die
Respektierung der Menschenrechte, der eingegangenen Vertragsverpflichtungen und der Souveränität
anderer Staaten.
"Im Verlauf unserer Sitzung wurde festgestellt, daß
das US-Informationsamt immer die Demokratie gefördert hat", erklärte sie. "Seine Aufgabe war stets die
Verbreitung demokratischer Werte und Ideen. Aus
diesem Grunde wurde darauf hingewiesen, daß das
US-Informationsamt gut als führende Organisation für
die Förderung der Demokratie im Ausland geeignet
sei.
"Darüber hinaus wurde dringend empfohlen, daß eine
organisationsübergreifende, dem Amt unterstellte
Arbeitsgruppe für die Bemühungen der Vereinigten
Staaten zum Aufbau der Demokratie auf der ganzen
Welt und deren bessere Koordinierung ins Leben gerufen wird", äußerte Dobriansky. Die Bestrebungen
um den Aufbau der Demokratie würden als ein "langfristiger evolutionärer Prozeß" betrachtet, "ein Prozeß,
der für die Vereinigten Staaten eine lohnende, wenn
nicht entscheidende Investition in den Weltfrieden und
die globale Sicherheit darstellt".

Ellen Frost, renommierte Mitarbeiterin des Institute for
International Economics und ehemalige hochrangige
Beamtin im Verteidigungsministerium, warnte auf der
Schlußsitzung der Konferenz, daß Clinton sich im
Bereich der Wirtschaft einer "sehr düsteren Lage auf
der Welt" gegenübersehen könnte.
"Es ist nicht allzu schwierig vorherzusagen, daß sich
der künftige Präsident Clinton im nächsten Jahr einigen äußerst schwierigen wirtschaftspolitischen Problemen stellen muß. Beispielsweise könnten wir mühelos
prognostizieren, daß das Paket (binnenwirtschaftlicher) Anreize erst mit Verzögerung Ergebnisse zeitigen, der Dollar fallen und teurere Importe zum ersten
Mal seit den letzten Tagen der Carter-Administration
wirklich zu höherer Inflation führen würden", stellte sie
fest.
•

Frost fügte hinzu: "Wir können nicht länger unsere
Binnenwirtschaft von der Weltwirtschaft gesondert
betrachten. Handel und Wirtschaftswachstum sind
untrennbar verbunden. Wir müssen uns vor Augen
führen, daß im Jahr 1991 die Hälfte des in den Vereinigten Staaten zu verzeichnenden Wachstums auf
Exporte zurückzuführen ist; in den letzten vier Jahren
waren das ungefähr 30 Prozent."
Frost betonte, das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) und die Uruguay-Runde seien zwar
"im Kern politisch", stellten aber in der Tat das Welthandelssystem dar und müßten gestärkt werden.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 48

�VERTEIDIGUNG
2. Dezember 1992

US-STREITKRÄFTE: KLEINER ABER
STARK UND EINSATZBEREIT
Keine einschneidenden Veränderungen von Clinton erwartet
WASHINGTON - (AD) - Obwohl die Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren ihre Verteidigungsausgaben
senken und weniger Truppen im Ausland stationieren werden, verpflichten sie sich nach wie vor, die für den
Schutz ihrer Interessen und der ihrer Verbündeten sowie die Förderung internationaler Stabilität erforderliche
militärische Fähigkeit beizubehalten.
Besorgnisse, die Vereinigten Staaten könnten einer isolationistischen Strömung folgen, entbehren jeglicher
Grundlage. Vor über zwei Jahren hat die Bush-Administration eine energisch betriebene amerikanische
Verteidigungsstrategie nach dem Ende des Kalten Krieges eingeführt, und es steht nicht zu erwarten, daß die
neue Clinton-Administration diese in ihrer Substanz verändert.
Sie wird sich teilweise deshalb nicht verändern, weil der gewählte Präsident seine Haltung zu wichtigen
verteidigungspolitischen Fragen bereits angedeutet hat und weil die Militärbürokratie, die den Präsidenten berät
und die Strategie mitgestaltet hat, grundsätzlich dieselben Verpflichtungen befürworten wird. Beim kontinuierlichen Abbau von Streitkräften und Haushalt werden Truppenstärke und Dollarausgaben verändert werden - der
auf fünf Jahre angelegte Haushaltsplan Clintons liegt jedoch nur fünf Prozent unter den Ansätzen Bushs.
Der gewählte Präsident Bill Clinton ist sich - wie auch seine Vorgänger - bewußt, daß die Welt "immer noch ein
gefährlicher Ort ist". Militärische Macht "ist weiterhin bedeutsam", so erklärt er, "und ich bin der Aufrechterhaltung einer starken und einsatzbereiten Verteidigung verpflichtet. Ich werde diese Stärke gegebenenfalls
einsetzen, um unsere vitalen Interessen zu verteidigen." So unterstützt er die Entscheidung Bushs, den
irakischen Kurden und Schiiten Luftunterstützung zu gewähren ebenso wie die Fortsetzung der NahostFriedensgespräche. Darüber hinaus befürwortet er eine stärkere Unterstützung demokratischer Regime in
Lateinamerika.
Diejenigen, die versuchen könnten, "ihre Ziele mit Macht und Gewalt" zu verwirklichen, sollten Clinton zufolge
wissen, daß seine Administration "die militärische Stärke aufrechterhalten wird, die wir zur Verteidigung unseres
Volkes ... und unserer Werte benötigen".

ken, wann immer eine Krise ausbricht, die eine amerikanische Reaktion notwendig macht. "Wir müssen in
Der strategische Rahmen, der von zivilen und militäri- der Lage sein, rasch und in ausreichender Stärke
schen Entscheidungsträgem formuliert wurde, deutet Macht nach Europa, dem Nahen Osten und Asien zu
darauf hin, daß die Vereinigten Staaten ein klares verlagern, um jeden möglichen Aggressor zu besieZukunftskonzept haben. Dazu gehört die weitere gen, der durch unsere Vomepräsenz nicht abgeschreckt
Vornestationierung amerikanischer Streitkräfte in wurde", erklärt der Vorsitzende der Vereinigten StabsRegionen von vitalem nationalem Interesse für die chefs (JCS), Colin Powell.
Vereinigten Staaten, die sich 40 Jahre lang bewährt
Aber Powell, der auch in der Clinton-Administration im
hat.
Amt bleiben wird, da seine Amtszeit als JCS-VorsitDie amerikanischen Interessen werden die andauern- zender bis zum September 1993 läuft, verweist darauf,
de Präsenz von Truppen in entscheidenden Regionen daß sich die amerikanische Militärstrategie nicht länwie Europa, dem Nahen Osten und Ostasien ebenso ger auf die Annahme stützt, in Europa könne es
erfordern wie die Fähigkeit, diese Präsenz zu verstär- kurzfristig zum Ausbruch eines größeren Krieges
Der strategische Rahmen

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�kommen. Dies, so erklärt er, habe "tiefgreifende
Auswirkungen darauf, wie wir unsere Streitkräfte in
Europa und in den Vereinigten Staaten planen und
strukturieren".

Andauerndes Engagement

Cheney zufolge könnte die Zukunft auch davon abhängen, wie andere Nationen die amerikanische Fähigkeit
zum raschen Streitkräfteaufwuchs sowie zur effektiven Abschreckung oder Abwehr eines Angriffs einschätzen. Die Bewahrung einer weltweiten amerikanischen Präsenz mit der Fähigkeit zur raschen Reaktion,
so Cheney, "wird absolut entscheidend für die Bewältigung künftiger Krisen und die Abschreckung künftiger Aggressoren sein". Daß Clinton Verbesserungen
der militärischen Luft- und Seetransportfähigkeiten
hohe Priorität einräumt, weist darauf hin, daß diese
Erfordernis ernst genommen wird.

Wolfowitz zufolge sind das amerikanisch-japanische
und das amerikanisch-südkoreanische Bündnis ebenso wie die NATO in Europa "Eckpfeiler der Stabilität in
diesen Regionen der Wert". Auch Clinton befürwortet
die Aufrechterhaltung eines starken Engagements für
die NATO.

Das Thema Engagement durchzieht den von Präsident Bush erstmals im August 1990 dargelegten politischen Kurs wie ein roter Faden. Paul Wolfowitz,
Verteidigungsminister Cheney zufolge wird die künfti- Staatssekretär im Verteidigungsministerium, hat es
ge Stabilität von der Bereitschaft der Vereinigten Staa- folgendermaßen formuliert: "Meines Erachtens sind
ten abhängen, Streitkräfte im Ausland zu stationieren wir nicht der Weltpolizist. Wir müssen mit anderen zuund im Inland eine qualitativ hochwertige Truppe bei- sammenarbeiten, und immer mehr Völker... wollen mit
zubehalten. Die wachsende Stärke der amerikani- uns zusammenarbeiten... Es ist beeindruckend, wie
schen Verbündeten jedoch, so fügt er hinzu, "wird es viele der Demokraten auf der Wert, einschließlich in
ihnen ermöglichen, mehr Verantwortung für unsere Moskau, uns weiterhin an der Macht und in der Welt
gemeinsamen Sicherheitsinteressen zu übernehmen". engagiert sehen wollen. Wir sind in der Tat eines der
wenigen Völker, denen jeder vertraut."
Zwischen den Lagern von Bush und Clinton hat es
Meinungsverschiedenheiten über die Zahl amerikani- Die amerikanische Militärpräsenz in Europa "unterscher Truppen gegeben, die in Europa stationiert mauert die Stabilität" dort, steift Powell fest. In
bleiben sollen. Clinton geht davon aus, daß 100.000 Südwestasien hält sie "den Tyrannen in Schach", geausreichen, während Bush 150.000 beibehalten woll- währleistet die Einhaltung der UNO-Sanktionen und
te. Darüber hinaus bestehen unterschiedliche Mei- bietet Stabilität. Im Pazifischen Becken, so Powell, ist
nungen über den Gesamtumfang der Streitkräfte bis das "amerikanische Engagement ein Sicherheitsschild
zum Jahr 1997, aber die Differenzen sind marginal: für uns und unsere zahlreichen Freunde in der ReClinton würde die von Bush angestrebte Zahl von 1,6 gion". Die US-Präsenz in all diesen Regionen ist "ein
Millionen um weitere 200.000 verringern.
strategischer Imperativ", erklärt er.

Obwohl der Umfang der US-Streitkräfte aufgrund des
Fehlens einer vorhersehbaren weltweiten Bedrohung
schrumpfen wird, bleiben die Vereinigten Staaten in
der Lage, gegebenenfalls ihre Streitkräfte rasch wiederaufzubauen: durch Aufstellung neuer Kampfeinheiten, Mobilisierung von Soldaten und Aktivierung der
rüstungsindustriellen Basis in großem Stil.

Das System amerikanischer Bündnisse ist "ein entscheidender Bestandteil der künftigen Verteidigung",
so der Sprecher des Pentagon, Pete Williams. "Wir
geben Kollektivismus nicht auf, stellt er fest. Die
Bewahrung und Erweiterung enger Zusammenarbeit
mit Verbündeten und Freunden zur Erlangu ng gemeinsamer sicherheitspolitischer Ziele bleibt weiterhin eine
amerikanische Forderung.

Zalmay Khalilzad, Referatsleiter für politische Planung
im US-Verteidigungsministerium, steift fest, die Verteidigungsplanung der Vereinigten Staaten habe sich
von der Reaktion auf die bisher von der Sowjetunion
ausgehende Bedrohung - die "unmittelbarer und apoUnd während die Rüstungskontrollabkommen der letz- kalyptischer und in gewisser Hinsicht berechenbarer
ten Jahre eindeutige und substantielle Reduzierungen war - auf die regionalen Herausforderungen verlagert,
der strategischen Kernwaffen bedeuten werden, ha- mit denen wir uns aller Voraussicht nach in der Zukunft
ben sich die Vereinigten Staaten weder von der Not- konfrontiert sehen - Herausforderungen, die sehr viel
wendigkeit abgewendet, ein modernes, zuverlässiges multidimensionaler und weniger berechenbar sind".
strategisches Abschreckungspotential beizubehalten,
darunter eine Triade luft-, land- und seegestützter In Zukunft erwartet das Pentagon, daß kleinere NatioRaketen, noch von der Erfordernis, Verteidigungssy- nen moderneres konventionelles militärisches Gerät
steme gegen begrenzte Angriffe mit ballistischen und Massenvernichtungswaffen besitzen werden. Dies
Raketen zu entwickeln. Obwohl er das Ziel der Stra- könnte bedeuten, daß die Dritte Welt über einstmals
tegischen Verteidigungsinitiative (SDI) unterstützt, Supermächten vorbehaltene militärische Fähigkeiten
möchte Clinton die strukturelle Orientierung von SDI verfügen wird.
von Weltraumsystemen wegverlagern und in dem auf Die Strategie der Vereinigten Staaten ist darauf ausgefünf Jahre veranschlagten Haushalt etwa 20 Milliarden
richtet, so Khalilzad, "Trends zu antizipieren und zu
Dollar streichen.
fördern, die unsere Sicherheit und die unserer Freunde
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�verbessern". Das entstandene neue Sicherheitsumfeld bietet laut Khalilzad eine Chance, "alte Feindschaften in kooperative Beziehungen umzuwandeln
und gleichzeitig die Fähigkeit beizubehalten, feindlich
gesinnte, nichtdemokratische Mächte davon abzuhalten, regionale Hegemonialmächte zu werden".

anderer demokratischer Werte sowie dem Übergang
von offensiven zu defensiven militärischen Doktrinen
und Einsatzkonzepten gerecht zu werden.
Unterschiedliche militärische Rollen

Während Clinton sich anschickt, 1993 die Verantwortung
des Oberbefehlshabers zu übernehmen, sieht er
Darüber hinaus werden sich Khalilzad zufolge mehr
sich
laut
Libby an "der Schwelle eines neuen ZeitalChancen zur Lösung der sicherheitspolitischen und
wirtschaftlichen Probleme durch "neue oder wiederbe- ters", in dem wahrscheinlich "gegenläufige Trends und
lebte internationale Organisationen'' bieten. Die erwei- große Unsicherheiten die neuen Demokratien schwäterte Rolle der Vereinten Nationen und die zunehmen- chen, entscheidende Regionen destabilisieren, Agde Prominenz der Internationalen Atomenergie-Orga- gression freisetzen oder gefährliche militärische Technisation sind zwei Beispiele. Die Vereinigten Staaten nologien - einschließlich nuklearer, biologischer oder
ziehen es vor, die internationalen Herausforderungen chemischer Waffen und modernster Trägersysteme der Zukunft "durch kollektive Aktionen anzusprechen, in unverantwortliche Hände gelangen werden".
aber wir müssen die Fähigkeit beibehalten, gegebenenfalls zum Schutz unserer Interessen unabhängig Clinton hat die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und der dazugehörigen Trägersysteme als eine
zu handeln", stellt er fest.
"der gravierendsten Bedrohungen" der internationalen
Äußerungen des Abteilungsleiters für Politik im Vertei- Sicherheit ausgemacht. Das ihm unterstehende
digungsministerium, I. Lewis Libby, zufolge strebt die amerikanische Militär soll erwartungsgemäß jedoch
amerikanische Strategie "eine Verstärkung und Erwei- auch weiterhin Terrorismusbekämpfung, Unterbindung
terung des Systems von Sicherheitsarrangements an, des Drogenhandels, Abrüstungsbestrebungen sowie
das demokratische und gleichgesinnte Nationen in die Bereitstellung humanitärer Hilfe weltweit unterstütgemeinsamer Verteidigung gegen Aggression verbin- zen.
det, Kooperation aufbaut, die Renationalisierung sicherheitspolitischer Maßnahmen vermeidet und Sicherheit zu geringeren Kosten und mit niedrigeren
Risiken für alle bereitstellt".
Es liegt im Interesse der Vereinigten Staaten, "lange
bestehende Bündnisse" in die Zukunft zu übertragen,
stellt der Regierungsvertreter fest, und gleichzeitig
Rußland, die Ukraine und andere Staaten der ehemaligen Sowjetunion sowie Mittel- und Osteuropas in eine
"Friedenszone" einzubeziehen. Das US-Verteidigungsministerium beabsichtigt, seiner Rolle durch die Erweiterung von Kontakten auf militärischer Ebene, Förderung demokratischer ziviler Kontrolle des Militärs und

*

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*

Die Strategie der Zukunft läßt sich in einem relativ
einfachen, vielleicht von Powell am besten formulierten Konzept zusammenfassen, der sie als "Beruhigung für u nsere Freunde und Abschreckung für unsere
potentiellen Gegner" bezeichnet.
Eine solche Führungsrolle, so Powell, impliziert das
weitere Engagement der Vereinigten Staaten . Obwohl historische Veränderungen in der Militärstrategie
und Truppenstruktur vorgenommen werden können,
steift er fest, "ziehen wir ganz entschieden einen
Rückzug aus der Welt nicht in Betracht". Die Struktur
der Zukunft wird Powell zufolge wahrscheinlich "ein
Konzert der Macht anstelle eines Gleichgewichts der
Macht" sein.
*

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�SOMALIA
2. Dezember 1992

DIPLOMATIE KONZENTRIERT SICH
AUF SICHERE NAHRUNGSMITTELLIEFERUNGEN
NACH SOMALIA
Vereinigte Staaten nicht für Machtübernahme der UNO
WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium betonte am 30. November 1992, daß die
Debatten der Vereinten Nationen über Somalia sich
darauf konzentrieren, Möglichkeiten der sicheren
Nahrungsmittelversorgung für die 1,5 Millionen vom
Hungertod bedrohten Menschen zu finden und nicht
auf eine Machtübernahme der UNO in dem von Hunger und Bürgerkrieg erschütterten Land.
Die allgemeine Lage in Somalia hat sich noch verschlechtert, da sich befehdende Kriegsherren und
bewaffnete Banden die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen an der Bereitstellung von Nahrungsmitteln und
humanitärer Hilfe für die Notleidenden in verschiedenen Teilen des Landes hindern.

Sterberate stieg weiter und es wurde uns immer klarer,
daß es uns unter den gegebenen Bedingungen nicht
gelingen würde, alle Notleidenden mit Nahrungsmitteln zu versorgen."
Auf Seiten der Vereinigten Staaten und vieler anderer
Regierungen "wächst die Erkenntnis, daß in bestimmtem Maße Militär eingesetzt werden muß, um die für
Nahrungsmittellieferungen nötige Sicherheit zu gewährleisten", erklärte Boucher, lehnte es jedoch ab,
Einzelheiten des Angebots von Eagleburger bekanntzugeben. Presseveröffentlichungen ist zu entnehmen, die Vereinigten Staaten seien bereit, bis zu
30.000 Soldaten zur Verfügung zu stellen.

"Im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen NahrungsSchätzungsweise 300.000 Menschen sind schon mittellieferungen", hob Boucher hervor. In ganz Somalia
gestorben und weitere 1,5 Millionen vom Hungertod haben wir uns mit den drei wichtigsten Aspekten der
bedroht, erklärte Sprecher Richard Boucher auf einer jetzigen Situation dort befaßt, die ganz offensichtlich
Pressekonferenz. "Wir sind daran interessiert, mit den miteinander verbunden sind. Der erste umfaßt NahUN-Organisationen zusammenzuarbeiten, um siche- rungsmittel- und humanitäre Hilfe, der zweite Sicherre Hilfslieferungen zu gewährleisten. Viele Menschen heit, der dritte politische Stabilität oder eine politische
sind gerade jetzt der Ansicht, daß militärische Aktio- Lösung. Wir waren in jedem dieser drei Bereiche tätig,
nen welcher Art auch immer erforderlich seien. Wir um mit der Situation fertigzuwerden.
wollen im Rahmen der UNO tätig werden", betonte er.
"Wir befürworten nicht, daß die Vereinten Nationen auf
"Wir verfolgen nicht die Absicht, eine Regierung einzu- die eine oder andere Art die Macht in Somalia übernehsetzen oder die Machtstrukturen des Landes zu verän- men", äußerte der Sprecher. "Wir vertreten die Andern, sondern wollen lediglich die Sicherheit der sicht, daß die Vereinten Nationen in der Lage sind, den
humanitären Hilfslieferungen gewährleisten", erklärte Menschen in Somalia beim Aufbau einer zivilen Verwaltung in ihrem Land behilflich zu sein.
Boucher.
Der amtierende Au ßenminister Eagleburger flog letzte
Woche nach New York, um mit UN-Generalsekretär
Boutros-Ghali über die Möglichkeiten eines Einsatzes
von amerikanischem Militär zur Sicherung der Hilfslieferungen nach Somalia zu sprechen.

"Am wichtigsten wäre eine funktionierende Verwaltungsstruktur zur Bereitstellung von Nahrungsmitteln
und Hilfe, und die UNO könnte in diesem Bereich eine
große Hilfe sein", stellte er fest. "Aber es läge bei den
Vereinten Nationen und den Vertretern Somalias, im
Hinblick darauf Entscheidungen über künftige Maßnahmen zu treffen."

"Wir mußten verschieden Möglichkeiten in Betracht
ziehen", antwortete Boucher auf die Frage, was Eagleburger zu dem Angebot eines Einsatzes von US- Boucher antwortete den Fragestellern, es würden
Truppen veranlasse. Die Situation in Somalia "hat sich "verschiedene Möglichkeiten in Erwägung gezogen",
ganz offensichtlich verschlechtert", stellte er fest. "Die konnte jedoch keine Einzelheiten nennen. Er betonte
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Sehe 1

�nochmals, daß man sich vor allem auf eine Stabilisie- Im Hinblick auf einen möglichen Einsatz amerikanirung der Sicherheitslage konzentriere, damit die Hilfs- scher Truppen bei erweiterten Hilfslieferungen für
lieferungen die Notleidenden erreichten.
Somalia äußerte Boucher, die Führungsmodalitäten
könnten zusammen mit den Vereinten Nationen ausDer Sprecher bezeichnete die Vereinten Nationen gearbeitet werden. In einem Fernsehinterview am 28.
deutlich als den "besten Koordinator" für alle Aktivitä- November 1992 erklärte Eagleburger, die Truppen
ten mit dem Ziel einer wirksamen Hilfe für Somalia und sollten amerikanischem Kommando unterstehen aber
äußerte, jetzt müsse Boutros-Ghali den einzuschla- unter dem Mandat der Vereinten Nationen operieren.
genden Kurs empfehlen.
Der Sprecher stellte fest, eine Anzahl führender PoliDie Vereinigten Staaten sprechen mit den anderen tiker Somalias hätte in der Presse die Möglichkeit
Mitgliedern des Sicherheitsrates, um deren Ansichten amerikanischer Hilfe zur Sicherung der Hilfsmaßnahzu sondieren, und nachdem der Generalsekretär seine men begrüßt.
Empfehlungen gegeben hat, "wird es eingehendere
Beratungen geben", so Boucher.
Boucher gab bekannt, zwischen dem 25. und dem 29.
November hätten amerikanische Militärflugzeuge bei
"Ich bin sicher, daß es viele Länder gibt, die mit uns 62 Einsätzen 724 Tonnen humanitäre Hilfsgüter an
zusammen das Ziel verfolgen, den Menschen in Somalia Ziele in Somalia und Kenia geliefert. Seit August
Nahrungsmittel und Hilfe zu gewährleisten", erklärte wurden Boucher zufolge von amerikanischen Milrtärer, hielt es jedoch für 'Verfrüht", vorzuschlagen, was und Zivilflugzeugen 23.042 Tonnen Hilfsgüter beförandere Länder vielleicht im Zusammenhang mit einem dert.
spezifischen UNO-Plan unternehmen möchten.
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AMERIKA DIENST 48

�RASSENBEZIEHUNGEN

GLEICHSTELLUNG UND DIE
AMERIKANISCHE WELTANSCHAUUNG
von Seymour Martin Lipset
Dem Verfasser zufolge sollte zur Vertiefung des nationalen Konsenses über Bürgerrechte und Gerechtigkeit
zwischen den Rassen in den Vereinigten Staaten Gleichstellung als Maßnahme einer Überprüfung unterzogen
werden. In dem nachfolgenden Artikel nimmt der Autor eine Übersicht über die Geschichte der Gleichstellung
vor und erörtert die Bedeutung von Gleichheit, wie sie von den unterschiedlichen Gruppen der amerikanischen
Gesellschaft gesehen wird.
Trotz der großen Bürgerrechtstriumphe der sechziger Jahre steht die Rassenpolitik wieder im Mittelpunkt des
amerikanischen Lebens. Was jedoch Lipsets Argumentation zufolge ein Konflikt zwischen Schwarzen und
Weißen zu sein scheint, ist vielmehr eine Kontroverse zwischen der amerikanischen Öffentlichkeit und der
politischen Elite des Landes über die wahre Bedeutung der Gleichheit.
Seymour Martin Lipset, Forscher am Wilson Center und der Hoover Institution, ist Hazel Professor of Public
Policy an der George Mason University. Derzeit ist er gewählter Präsident der American Sociological
Association, war jedoch unter anderem auch Präsident der American Political Science Association. Sein
jüngstes Buch hat den Titel Continental Divide: The Values and Institutions of the United States and
Canada (1990). Copyright (c) 1992 by Seymour Martin Lipset.
Nachdruck dieses Artikels gestattet mit folgendem Zusatz: Copyright (c) 1992 Seymour Martin Lipset mit
freundlicher Genehmigung von Wilson Quarterly.
Keine Errungenschaft der amerikanischen Politik im
zwanzigsten Jahrhundert ist von größerer Bedeutung
als die Erlangung eines nationalen Konsenses über
Bürgerrechte. Dieser Konsens wurde im vergangenen
Vierteljahrhundert von einer Bürgerrechtsbewegung
errungen, die die Amerikaner schließlich zu einer
Konfrontation mit der tiefen Kluft zwischen der Behandlung von Schwarzen und den egalitären Werten
zwang, die sie in ihrer nationalen Weltanschauung
nährten.

Gleichstellung wurde 1965 im Geiste der ersten Bürgerrechtsrevolution geboren. Bald danach wurde sie
in ein System rassischer Bevorzugung umgewandelt,
und heute polarisiert Gleichstellung die Rassenpolitik
in den Vereinigten Staaten zunehmend. Die Seiten mit
den Leitartikeln und Kommentaren strotzen vor Auseinandersetzungen mit und Analysen von Gleichstellung. In der Wahlkampagne von 1990 um das Gouverneursamt von Kalifornien konzentrierte sich der Republikaner Pete Wilson beim Kampf gegen Diane Feinstein auf die "Quotenfrage". Im gleichen Jahr gewann
In den vergangenen Jahren haben die Protagonisten Senator Jesse Helms die Wiederwahl in North Carolider Bürgerrechtsbewegung jedoch den Schwerpunkt na mit Hilfe der Quotenfrage, und in Louisiana benutzvonderVerwirklichunggleicherChancenauf die Erlan- te das ehemalige Mitglied des Ku-Klux-Klan David
gung substantieller Gleichheit durch bevorzugte Be- Duke sie, um eine Mehrheit der Stimmen von Weißen
handlung verlagert. Dadurch hat sich die Lage zuge- auf sich zu vereinigen, obwohl er die Kandidatur um
spitzt, weil die meisten Amerikaner, einschließlich einen Senatssitz verlor. Sein gescheiterter Wahlzahlreicher Schwarzer, diese Verlagerung nicht zu- kampf für das Gouverneursamt im vergangenen Herbst
sammen mit den Anführern der Bewegung vollzogen wurde ein nationales Drama. Als der Kongreß 1991 die
haben. Der Grund hierfür ist nicht schwer zu finden: Sitzungsperiode aufnahm, war der erste von der
Während die Bürgerrechtsbewegung der sechziger demokratischen Führung im Repräsentantenhaus
Jahre von den Amerikanern forderte, einem einzigen, eingebrachte Gesetzentwurf die von ihren Gegnern
unanfechtbaren Ideal gerecht zu werden, löst sie heute als "Quotengesetz" bezeichnete Bürgerrechtsgeseteinen Konflikt zwischen zwei wesentlichen amerikani- zesvorlage. Selbst als eine Version dieses Gesetzentschen Werten aus: Egalitarismus und Individualis- wurfs im November als Gesetz verabschiedet wurde,
mus.
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�hielt die Kontroverse über seine Bedeutung und Auswirkungen an.

Diese Version von Gleichheit ist eines der fünf miteinander verbundenen Elemente der amerikanischen
Weltanschauung: Freiheit, Individualismus, PopulisHäßliche politische Kampagnen und noch häßlichere mus (die Herrschaft des Volkes) und laissez faire. Im
Rassenzwischenfälle allerorts von Bensonhurst bis Europa der Zeit von de Tocqueville, mit seinem VerLos Angeles erwecken manchmal den Eindruck, daß mächtnis des Feudalismus, waren die Gesellschaften
in den Vereinigten Staaten ein Wiederaufflammen von in strenge soziale Schichten eingeteilt. Die entstehenRassismus zu beobachten ist. Der alte Konsens de Arbeiterklasse im Europa des 19. Jahrhunderts sah
zugunsten von Bürgerrechten und Chancengleichheit das Klassensystem daher als unveränderlich an und
besteht jedoch nach wie vor. Amerikaner, einschließ- strebte durch den Sozialismus Gleichheit der Ergeblich zahlreicher Wei ßer aus dem Süden, lehnen die Art nisse als Gruppe an. In Amerika - oder zumindest im
von Rassendiskriminierung kategorisch ab, die in die- weißen Amerika - der reinsten bürgerlichen und klassem Land noch vor wenigen Jahrzehnten an der sisch liberalen Gesellschaft der Welt, wird Klasse
Tagesordnung war. Eine 1991 von Gallup für News- behandelt als eine wirtschaftliche Konstruktion, und
week durchgeführte Meinungsumfrage belegte, daß die Lösung für Ungleichheit wird als wirtschaftliche
"72 Prozent der Schwarzen und 52 Prozent der Wei- Chance gesehen.
ßen aussagten, sie würden es vorziehen, in einer
rassisch 'halb und halb' gemischten Nachbarschaft zu In den späten zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts,
leben - dieser Prozentsatz liegt auf beiden Seiten als sich die ersten Anzeichen des Sozialismus in
höher als noch vor drei Jahren." Über zwei Drittel der Europa noch kaum bemerkbar machten, entstanden in
Weißen und vier Fünftel der Schwarzen behaupten, New York, Philadelphia und anderen amerikanischen
"sehr viele Angehörige der anderen Rasse gut zu Städten Arbeiterparteien. Aber die Arbeiter waren
kennen". Verschwindend wenig Weiße (6 Prozent) keine Sozialisten, sie glaubten an Privateigentum und
geben an, sie würden sich 'bei gemeinsamer Arbeit mit wollten, daß die Menschen sozialen Aufstieg anstrebAngehörigen einer anderen Rasse oder einem einer ten. Die New Yorker Partei lehnte die zu jener Zeit von
anderen Rasse angehörigen Vorgesetzten unbehag- zahlreichen egalitären Reformern befürwortete Idee
lich fühlen."
von Gemeinschaftsschulen (das heißt, öffentlichen
Schulen) ab und schlug statt dessen die Gründung
Gleichzeitig befürworten die meisten Amerikaner gewisse staatlich finanzierter Internate vor. Der Argumentation
Formen von Kompensation, um Schwarzen und ande- der Arbeiter zufolge bestand der einzige Weg zur
ren benachteiligten Gruppen zu Leistungen entspre- Schaffung der sprichwörtlichen gleichen Chancen darin,
chend der von der Gesellschaft festgelegten Wettbe- die Jugendlichen aller Schichten 24 Stunden lang in
werbsebene zu verhelfen: Head Start und andere einer Gemeinschaft zu erziehen.
spezielle Bildungsprogramme, staatliche Unterstützung für College-Studenten, berufliche Ausbildung Die amerikanische Betonung des Individualismus wurde
und Enwicklung des Gemeinwesens. Eine große früh durch das religiöse Engagement für die "nonkonMehrheit der Weißen und rund die Hälfte aller Schwar- formistischen" protestantischen Sekten bekräftigt, die
zen ziehen jedoch eine Grenze bei bevorzugter Be- wie in Europa und andernorts Voluntarismus im Hinhandlung, der Aussetzung von Normen und Einfüh- blick auf den Staat und eine persönliche, nicht durch
rung von Quoten oder anderen Hilfsmitteln, die Bürger hierarchisch organisierte Kirchen vermittelte Bezieauf der Grundlage ihrer Gruppenzugehörigkeit begün- hung zu Gott betonen. Die Hinwendung der Amerikastigen.
ner zu Liberalismus und dem Markt begünstigte ferner
einen unterschiedlichen Ansatz zur Gleichheit. Der
Wenn die meisten Amerikaner eine solche Vorzugsbe- Markt fordert eine Leistungsgesellschaft und die Abhandlung ablehnen, wer befürwortet sie dann? Wie es lehnung von Nepotismus und anderer Formen der
scheint, kommt die Unterstützung vornehmlich von Begünstigung. Die Einstellung der am besten qualifieinem Teil der nationalen Führungsschicht. In der Tat zierten Person, sei sie schwarz oder weiß, Jude oder
wurde diese Politik praktisch ausschließlich von politi- NichtJude, gebürtiger Amerikaner oder im Ausland
schen und sozialen Eliten - Republikanern und Demo- geboren, ist der beste Weg, wirtschaftlichen Ertrag zu
kraten gleichermaßen - gegen den Wunsch der Mehr- maximieren.
heit der amerikanischen Öffentlichkeit entworfen und
wird weiterhin von ihnen gefördert. Die Kontroverse Die Auswirkungen der Unterschiede zwischen Europa
über Vorzugsbehandlung ist in Wirklichkeit weniger ein und Amerika wurden von dem Politologen Walter Dean
Konflikt zwischen Wei ßen u nd Schwarzen als vielmehr Burnham präzise formuliert: "Kein Feudalismus, kein
zwischen Menschen und ihren politisch Verantwortli- Sozialismus - mit diesen vier Worten kann man die
grundlegenden soziokulturellen Realitäten zusammenchen.
fassen, die der amerikanischen Wahlpolitik im InduVor über 150 Jahren beobachtete Alexis de Tocquevil- striezeitalter zugrundeliegen."
le, daß die amerikanische Version von Egalitarismus
die Gleichheit von Chancen und Respekt betonte, statt Eine andere Realität ist jedoch unleugbar: Schwarze
die Gleichheit von Ergebnissen oder Bedingungen. stehen für die schreckliche Ausnahme der gemeinsaSeite2

AMERIKA DIENST 48

�men amerikanischen Erfahaing. Sie verbrachten ihre
ersten zweieinhalb Jahrhunderte in diesem Land als
Sklaven und weitere 100 Jahre nach dem Bürgerkrieg
als streng getrennte Gruppe der unteren Gesellschaftsschicht - soziale Arrangements, die in beiden Fällen
sehr viel deutlicher hierarchisch und vererbt waren als
irgend etwas im europäischen Feudalismus. Die
Behandlung der Schwarzen durch die weißen Amerikaner konzentrierte sich auf Gruppenkriterien, auf die
Definition und Behandlung von Menschen nicht aufgrund ihrer persönlichen Verdienste, sondern wegen
ihrer Abstammung, ihrer Rasse und ihrer ethnischen
Identifizierung.

ropäisches Land kann damit Schritt halten. Nur 31
Prozent der Franzosen und 30 Prozent der Westdeutschen können beispielsweise auf den Besuch einer
Fachhochschule, einer Universität oder anderen Bildungsinstitution nach dem Gymnasium verweisen.

Die Vereinigten Staaten geben proportional sehr viel
mehr öffentliche Gelder für das Bildungswesen aus als
jedes europäische Land, wohingegen Europa mehrfür
Sozialhilfe aufwendet. 1985 beliefen sich die Ausgaben für das Bildungswesen in den Vereinigten Staaten
auf 6,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Durchschnitt von 17 westeuropäischen Ländern lag bei 5,1
Prozent. Seit 1981 wurde ein Fünftel des amerikaniDie Betonung von Gruppencharakteristika ermutigt schen Bruttoinlandsprodukts für Sozialausgaben beGruppenlösungen. In Europa förderte die Bedeutung reitgestellt (einschließlich Bildung), verglichen mit mehr
der eigenen Position Klassenbewußtsein bei der unte- als einem Viertel in den 24 Industrienationen der
ren Gesellschaftsschicht und in gewissem Maße einen Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Sinn von noblesse oblige unter den Privilegierten. Entwicklung.
Sowohl die auf die Unterschicht gegründete sozialdemokratische Linke als auch konservative Politiker der Die Bedeutung, die Amerikaner kulturell bedingt aufOberschicht wie Disraeli in Großbritannien und Bis- Leistung legen, steht außer Frage. Die meisten
marck in Deutschland befürworteten staatliche Bestre- Amerikaner sind der Auffassung, daß es harte Arbeit
bungen zur Verbesserung des Loses der weniger statt "Glückstreffern oder Hilfe von anderen" ist, was
Wohlhabenden ohne notwendigerweise ihre Position den Menschen zum sozialen Aufstieg verhilft. Vom
in der sozialen Ordnung zu verändern: Sozialhilfe, Nationalen Meinungsforschungszentrum (National
sozialer Wohnungsbau, Beschäftigung im öffentlichen Opinion Research Center - NORC) von 1983 bis 1990
Dienst, staatliche Gesundheitsfürsorge. Europas durchgeführte Umfragen belegen die einhellige ZuSozialdemokraten waren seit den dreißiger Jahren stimmung von rund zwei Dritteln der Befragten, daß
häufig an der Regierung und haben sehr viel zur "man durch harte Arbeit vorankommt". 88 Prozent
Verbesserung des Lebens der Arbeiter getan. In den gaben an, "Ehrgeiz" sei unabdingbar oder sehr wichtig
meisten Ländern haben sie jedoch weder die Gymna- "für den sozialen Aufstieg im Leben". Die große
sien der Elite abgeschafft noch die Möglichkeiten zur Mehrheit der Amerikaner, einschließlich der meisten
Universitätsausbildung für die Jugendlichen der Arbei- Schwarzen, sind der Meinung, daß die Vereinigten
Staaten immer noch ein Land der Chancen sind, eine
terklasse maßgeblich verbessert.
Leistungsgesellschaft in Theorie und Praxis. Auf die
Im Gegensatz dazu haben die Amerikaner immer 1988 gestellte Frage, ob sie eine gute Chance zur
mehr Betonung auf die Erweiterung der Chancen des Verbesserung ihres Lebensstandards hätten, gaben
einzelnen durch Bildung gelegt. Seit Anfang des 19. 71 Prozent der Amerikaner NORC eine positive AnJahrhunderts standen die Vereinigten Staaten welt- wort. Im Gegensatz dazu vertraten nur 43 Prozent der
weit im Hinblick auf den Prozentsatz der Bevölkerung Italiener, 36 Prozent der Deutschen und Engländer
an führender Stelle, der die Grundschul- und High- und nur 23 Prozent der Holländer diese Ansicht. Und
School-Ausbildung abschließt. Horace Mann und obwohl bereits sehr viel mehr Amerikaner aufs College
andere Bildungsreformer der dreißiger und vierziger gehen als Menschen in jedem anderen Land, sind
Jahre des 19. Jahrhunderts, die für das Konzept der nahezu zwei Drittel (65 Prozent) der Auffassung, daß
Gemeinschaftschule warben, bestanden darauf, daß die Chancen für weiterführende Studien noch weiter
die Schulen für alle - reich und arm, Kinder von verbessert werden sollten. Verglichen damit haben
Einwanderern und gebürtigen Amerikanern - aber nicht nur 55 Prozent der Briten und 31 Prozent der Deutfür die Schwarzen offen sein sollten. Solche Reformer schen dieses Gefühl.
lehnten das europäische, nach Schichten unterteilte
Bildungssystem ab und verhöhnten die deutschen Die meisten weißen Amerikaner sind heute der ÜberGymnasien, die französischen Lycees, und die engli- zeugung, daß die erfolgsorientierte Ethik der Nation
schen "öffentlichen" Schulen, die höchstens die ober- auch auf Schwarze und Frauen Anwendung findet.
Und obwohl sie den Versprechungen Amerikas versten 10 Prozent der Bevölkerung ausbildeten.
ständlicherweise ambivalent gegenüberstehen, haDie transatlantischen Unterschiede sind heute bei den ben sich die meisten Schwarzen auch dem Glauben
weiterführenden Studien am offenkundigsten. Seit verschrieben, daß harte Arbeit und Bildung ihnen zu
1987 haben 65 Prozent aller 20-24jährigen Amerika- sozialem Aufstieg verhelfen. Eine 1991 von Gallup
ner an irgendeiner Form von Ausbildung nach der durchgeführte Meinungsumfrage gelangte zu dem
weiterführenden Schule teilgenommen. Kein westeu- Schluß, daß "69 Prozent der Weißen und 68 Prozent

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Seite 3

�der Schwarzen erklären, Afroamerikaner sollten ihre
Energie mehr auf die Verbesserung (ihrer) Ausbildung
konzentrieren".
Die Situation der Schwarzen hat die Werte der Nation
von Anfang an vor eine Herausforderung gesteht. "Ich
zittere um mein Land, wenn ich daran denke, daß Gott
gerecht ist", schrieb Thomas Jefferson 1781. Sollte
sich das Land über die Frage der Sklaverei spalten,
berichtete ein Freund von George Washington 1791,
"war Washington entschlossen, zu handeln und sich
den Nordstaaten anzuschließen". Jefferson sah voraus, daß das in seinen eingängigen Worten enthaltene Versprechen, "alle Menschen sind gleich geschaffen", dauerhafte Auswirkungen auf die amerikanische
Politik haben und letztlich die Sklaverei unterminieren
würde.
Der Logik von Jeffersons Beobachtungen folgend,
stellte der schwedische Soziologe Gunnar Myrdal 1944
in An American Dilemma fest, daß weiße Amerikaner, einschließlich der meisten Südstaatler, fest an
diese Weltanschauung glaubten, selbst wenn sie diese mit "Jim Crow" und anderen Rassentrennungspraktiken zutiefst verletzten. Er gelangte zu der Schlußfolgerung, die Überzeugung sei so stark, daß die Weißen
nachgeben müßten, wenn die Schwarzen sich zur
Verteidigung ihrer Rechte organisieren würden. Die
politischen Erfolge der Bürgerrechtsbewegung in den
sechziger Jahren bewiesen, daß Myrdal recht hatte.
Aber mit ihrem politischen Einlenken stimmte die weiße männliche politische Elite nicht nur der Erweiterung
der Rechte des einzelnen für die Schwarzen zu, sondern auch der Gruppenrechte, die in der Geschichte
ihresgleichen suchen.
Gleichstellung erlebte in den Vereinigten Staaten zweimal
eine Wiedergeburt und bei ihrer ersten während der
Kennedy-und Johnson-Administrationen spiegelte sie
einen mehr oder weniger traditionellen amerikanischen
Ansatz zum Problem der Ungleichheit wider. Die
vielleicht beste Erklärung der Logik dieser Vielfalt von
Gleichstellung wurde von Präsident Lyndon Johnson
in einer Rede vor der Howard University im Jahr 1965
angeboten:

ten, die auf das Baby, das Kind und schließlich
den Mann einwirken.
LBJs Lösung war der Krieg gegen die Armut, zu dem
höhere Ausgaben für das Bildungswesen durch Programme wie Head Start, Erweiterung der Hilfe für
Familien mit unterhaltspflichtigen Kindern sowie eine
Reihe anderer Initiativen zählten. Diese Bestrebungen
wurden durch Gesetze gestützt, die Abbau von Diskriminierung am Arbeitsplatz, in Wohngebieten, Schulen
und nicht zuletzt Bereichen wie Club-Mitgliedschaften
zum Ziel haben, die soziale Beziehungen betreffen.
Die Gewährung der uneingeschränkten politischen
Staatsbürgerschaft für Schwarze durch das Wahlrechtsgesetz von 1965 sowie spätere Gesetze und
Rechtsentscheidungen hatten zur Folge, daß Schwarze ebenso wie Weiße ihre legitimen Rechte als einzelner in den Gerichten und Verwaltungstribunalen durchsetzen konnten.
Die Gleichstellung wurde einer tiefgreifenden Veränderung unterzogen - mit deren Konsequenzen wir
noch heute zu kämpfen haben - als die politisch
Verantwortlichen zu der Überzeugung gelangten, daß
der erste Ansatz zu langsam Wirkung zeigte. Ironischerweise wurde die Veränderung von der konservativen Nixon-Administration durchgeführt. Es war keine
Reaktion auf spezifische, von den Schwarzen oder der
amerikanischen Linken geäußerte Bedürfnisse, sondern schien eine Innovation von Teilen der weißen
Elite zur Erfüllung der Ziele der Bürgerrechtsbewegung zu sein.
Im Oktober 1969 gab Nixons Arbeitsminister George
Shultz einen Verwaltungserlaß bekannt, mit dem eine
Quote für die Einstellung von schwarzen Lehrlingen für
Staatsaufträge der Bauindustrie von Philadelphia festgesetzt wurde, deren Arbeitgeber und Gewerkschaften zusammenarbeiteten, um Schwarzen die Arbeit zu
verwehren. Diese Politik wurde rasch auf andere
Städte und schließlich auf andere Gebiete ausgedehnt. Rückblickend erinnert sich Laurence Silberman, der als Shultz' Rechtsberater den Schriftsatz
verfaßt hatte, mit dem der Philadelphia-Plan gemäß
dem rechtmäßigen Verfahren im Rahmen des Fünften
Verfassungszusatzes gerechtfertigt wurde, daß er und
seine Kollegen durch die Doppeldeutigkeit des Gleichstellungserlasses der Johnson-Administration beunruhigt waren. Und weil sie sich "unbehaglich mit dem
Bild fühlten, das die Partei von Abraham Lincoln entwickelt hatte", schrieb der später von Reagan zum
Richter ernannte Silberman, "und vor allem, weil die
Republikaner bestrebt waren, die Berufschancen für
Schwarze zu verbessern, leiteten wir eine - wie ich
inzwischen erkannt habe - im Grunde ungesunde
Politik in die Wege."

Man nimmt nicht einen Menschen, der jahrelang
in Ketten gefesselt war und befreit ihn, stellt ihn
an die Startlinie eines Rennens und sagt dann:
"Du bist frei, um mit all den anderen zu konkurrieren", und gibt sich dann immer noch dem
berechtigten Glauben hin, man sei völlig fair
gewesen... Männer und Frauen aller Rassen
werden mit denselben Fähigkeiten geboren.
Fähigkeiten sind jedoch nicht nur das Produkt
der Geburt. Fähigkeiten werden von der Familie
und der Nachbarschaft, von der Schule, die man
besucht und der Armut oder dem Reichtum der Das neue Gleichstellungsverfahren wurde vom PräsiUmgebung gefördert oder verkümmern. Sie denten des Bundesrechnungshofes der Vereinigten
sind ein Produkt von hundert unsichtbaren Kräf- Staaten Eimer Staats (der von Johnson ernannt wor-

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�den war), der nationalen Gewerkschaftsführung und
der Mehrzahl der Demokraten im Kongreß aufs Schärfste abgelehnt. Clarence Mitchell von der nationalen
Vereinigung zur Förderung Farbiger (National Association forthe Advancement of Colored People) verurteilte es als einen "direkt vom Schreibtisch des Präsidenten kommenden kalkulierten Versuch, die Koalition zwischen Negern und den Gewerkschaften aufzubrechen. Der Großteil des sozialen Fortschritts in
diesem Land hat sich aus diesem Bündnis ergeben."
Im Namen der Administration kritisierte George Shultz
die Anführer der Bürgerrechtsbewegung, weil sie den
Quotenplan nicht unterstützten.
Gegner wandten ein, die Antidiskriminierungsklausel
des Bürgerrechtsgesetzes von 1964, Titel VII, verurteile ausdrücklich "berufliche Diskriminierung". Staats
zitierte Senator Hubert Humphreys Versprechen, daß
kein Bestandteil des Gesetzes "weder der (Gleichstellungs-) Kommission noch einem Gericht die Macht
verleihen wird, die Einstellung, Entlassung oder Beförderung von Beschäftigten zur Erfüllung einer'Rassenquote' oder Herstellung eines Rassengleichgewichts
zu fordern", sowie die Zustimmung seiner liberalen
Fraktionsführer im Senat, daß "die Hautfarbe... bei der
Entscheidung über Einstellung oder Beförderung keine Rolle spielen wird". Im Dezember 1969 lehnte der
Kongreß jedoch einen Zusatz zu einem Bewilligungsgesetz ab, der Quoten ausdrücklich verboten hätte.
Die Republikaner stimmten mit 124 zu 41 gegen das
Verbot, wohingegen die Demokraten mit 115 zu 84
dafür stimmten. "Die Demokraten orientieren sich an
der Sache - wir am Arbeitsplatz", erklärte Nixon. Binnen Kürze sollten die Parteien ihre Rolle wechseln.

folgerung, daß die Juden zwar viel Diskriminierung
erdulden mußten, jedoch alles, was sie benötigten, um
zu Wohlstand zu gelangen, ein Ende der Diskriminierung und die Anwendung von Kriterien der Leistungsgesellschaft auf sie selbst sei. Nachdem ihnen das
gelungen war, machten die jüdischen Organisationen
die amerikanische Weltanschauung zu ihrem Fetisch
und bestanden darauf, daß alle Minderheiten und
Einwanderer nur die gleiche Behandlung benötigten.
Die Sehwarzenführer argumentierten daraufhin, sie
könnten zu Recht Gruppenrechte für sich beanspruchen, teils als Wiedergutmachung für 350 Jahre beispielloser Ausbeutung durch die weiße Gesellschaft.
Schließlich, so erklären sie heute, hat der Kongreß
Amerikaner japanischer Ab stammung fürihre Inhaftierung während des Zweiten Weltkriegs entschädigt und
die deutsche Bundesregierung an die Juden und Israel
Reparationszahlungen geleistet.
Lange vor der Gleichstellung wichen die Amerikaner
darüber hinaus bei der Behandlung von Kriegsveteranen vom Prinzip der Leistungsgesellschaft ab. Als
Entschädigung für ihren Dienst wurden die Veteranen
bei den Einstellungsverfahren im öffentlichen Dienst
bevorzugt und erhielten besondere Unterstützung bei
der Finanzierung ihrer weiterführenden Studien und
Hypotheken.

In vieler Hinsicht waren die Vereinigten Staaten jedoch
niemals eine perfekte Leistungsgesellschaft. Auf dem
Arbeitsmarkt und in anderen Bereichen tendiert man
dazu, Verwandte, Freunde und Angehörige der eigenen ethnischen, religiösen, kommunalen oder kulturellen Gruppen zu begünstigen. Und Universitäten obwohl in ihren Werten ausdrücklich am Prinzip der
Nixon und seine Nachfolger- Republikaner und Demo- Leistungsgesellschaft und Universalität orientiert kraten gleichermaßen - erweiterten die "kommunalen bevorzugten schon immer die Kinder ehemaliger StuRechte" allmählich auf andere Minderheiten und Frau- denten und Fakultätsmitglieder, ganz zu schweigen
en. Solche Gesten wußte die amerikanische Öffent- von Sportlern und deren Zulassungspraktiken. Sie
lichkeit jedoch kaum zu schätzen.
vergeben femer besondere Begabten- und Forschungsstipendien, die auf Bewerber besonderer regionaler,
Meinungsumfragen haben wiederholt belegt, daß die ethnischer oder religiöser Abstammung sowie nach
überwältigende Mehrheit der Weißen - Männer wie Geschlecht begrenzt sind - obwohl einige dieser Prakauch Frauen - und häufig über 50 Prozent der Schwar- tiken jetzt verboten wurden. Die Schwarzen waren in
zen sie ablehnen.
hohem Maße von diesem Netz an Privilegien ausgeschlossen.
Zahlreiche amerikanische Eliten scheinen das Gefühl
zu haben, daß die individualistische Betonung der Frauen und die Angehörigen der meisten anderen
amerikanischen Weltanschauung einer Überholung Minderheiten benötigten lediglich echte Chancengleichbedarf. Von den vielen während der sechziger Jahre heit und keine besonderen Hilfen, um sich einen Platz
für sie vorgebrachten Argumenten wurde das bemer- in der amerikanischen Gesellschaft zu sichern. Dies
kenswerteste von einem schwarzen Gelehrten, Harald ist Juden, "konfuzianischen" Asiaten und Indem im
Cruse, in The Crisis of the Negro Intellectual (1967) Durchschnitt tatsächlich besser gelungen als alteingeangeführt. Angesichts der Unterdrückung der Vergan- sessenen weißen Amerikanern mit ähnlichen Qualifigenheit und der andauernden Diskriminierung, so kationen und Bildungsabschlüssen. Rund 40 Prozent
argumentierte er, müssen die Schwarzen als einzigar- der Amerikaner mexikanischer Herkunft sind heute als
tige nationale Minderheit anerkannt werden. Sie ver- Angestellte oder in anderen gehobenen Positionen
dienen femer über die von anderen Minderheiten und tätig, obwohl die meisten noch nicht einmal in den
nichtschwarzen Armen angestrebten Rechte hinaus- Vereinigten Staaten geboren wurden. Jedenfalls erhegehende Gruppenrechte. Cruse verglich die Situation ben Einwanderer im allgemeinen keine Ansprüche
der Schwarzen mit der der Juden anhand der Schluß- gegenüber der amerikanischen Gesellschaft. Was
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�auch immer ihre Handicaps sein mögen - unzureichen- Meinungsforschungsinstitut Gallup stellte zwischen
de Bildung, Mangel an Qualifikationen, Unerfahrenheit 1977 und 1989 fünfmal dieselbe Frage:
mit den städtischen Gepflogenheiten -, sie wurden
Einige Leute sagen, um die bisherige Diskriminicht von der amerikanischen Gesellschaft verursacht.
nierung zu kompensieren, sollten Frauen und
Schwarze erheben eindeutig Ansprüche gegenüber
Angehörige von Minderheiten bei der Vergabe
dieser Gesellschaft. Wie ich bereits 1963 in The First
von Arbeits- und Studienplätzen bevorzugt
New Nation schrieb: "Vielleicht besteht die wichtigste
behandelt werden. Andere sagen, daß die
Tatsache, die im Hinblick auf die heutige Lage des
anhand von Prüfungsergebnissen gezeigte
amerikanischen Negers erkannt werden muß, darin,
Qualifikation entscheidend sein sollte. Welche
daß Gleichheit nicht ausreicht, um seine EinbezieMeinung entspricht am ehesten Ihrer eigenen?
hung in die Gesellschaft als Ganzes zu gewährleiIn jeder Untersuchung erklärten 10 bis 11 Prozent, daß
sten." Die Frage ist, was wird ausreichen ?
Minderheiten bevorzugt behandelt werden sollten,
Ein neuerer Vorschlag wird von Lawrence Fuchs von während 81, 83 oder 84 Prozent antworteten, die
der Brandeis University in seinem Buch The Ameri- Qualifikation sollte der entscheidende Faktor sein. Als
can Kaleidoscope (1990) gemacht. Er befürwortet die Antworten im Jahr 1989 nach Rassenzugehörigkeit
ein System der Vorzugsbehandlung am Arbeitsplatz, der Befragten aufgeschlüsselt wurden, ergab sich,
die je nach Art des Arbeitsplatzes variiert. Fuchs daß Schwarze etwas mehr zur Vorzugsbehandlung
verweist darauf, daß in vielen - wenn nicht allen - neigten als Weiße (14 zu 7 Prozent). Eine Mehrheit der
Tätigkeiten die Arbeitgeber hauptsächlich die entspre- Schwarzen (56 Prozent) befürwortete "durch Testerchenden Fähigkeiten erwarten und keine außerge- gebnisse erwiesene Qualifikation". Es ist festzustelwöhnlichen Leistungen. Rechte nach Dienstalter, len, daß Frauen ebenso antworteten wie Männer: 10
Gesetze, die ein obligatorisches Rentenalter verbieten Prozent unterstützten eine Vorzugsbehandlung, wähsowie die Unkündbarkeit von Schullehrern sind unter rend 85 Prozent die Qualifikation als entscheidendes
der Voraussetzung gerechtfertigt, daß die allgemeinen Kriterium wünschten.
Fähigkeiten eine ausreichende Qualifikation für die
Beschäftigung darstellen. Aus diesem Grund, so Im Auftrag der Times Mirror Corporation stellte Gallup
behauptet Fuchs, können Bemühungen zur Erhöhung in den Jahren 1987 und 1990 die folgende, teilweise
der Zahl von Minderheiten angehörenden Arbeitneh- veränderte Frage: "Wir sollten alles tun, um die Lage
mern, bei weniger anspruchsvollen Tätigkeiten - der Schwarzen und anderen Minderheiten zu verbes"Feuerwehrleute, Maschinisten, Computer-Bediener sern, auch wenn dies bedeutet, ihnen eine Vorzugsbesowie Anwärter für die Zahntechnikerschule" - ver- handlung zu gewähren." Diese Formulierung wurde
nünftigerweise zahlenmäßige Ziele umfassen. Damit stärker unterstützt. 24 Prozent stimmten in beiden
werde erlaubt, daß beider Vergabe von Arbeitsplätzen Jahren zu, während sie von 71 bis 72 Prozent abge"Rassenzugehörigkeit als einer von vielen Faktoren lehnt wurde. Schwarze waren mit 32 zu 18 Prozent
einbezogen..." wird. Er vertritt jedoch die Ansicht, daß eherdafür, aber auch hier ist bemerkenswert, daß über
für Bereiche, in denen hochqualifizierte Leistungen zwei Drittel der Schwarzen eine Vorzugsbehandlung
äußerst wichtig sind - Lehre und Forschung, Medizin, ablehnten. Neben vier Fünftel der befragten RepubliSport, Verkehrsfliegerei und Unternehmensleitung - kanerlehnten auch zwei Drittel der Demokraten Präfeweder Quotenregelungen noch eine besondere Vor- renzen ab. Ein relativ hoher Anteil derjenigen, die sich
zugsbehandlung gelten sollten, abgesehen von be- als "überzeugte Liberale" bezeichneten, nämlich 43
sonderen Einstellungs- und Ausbildungsmaßnahmen. Prozent, befürwortete die Vorzugsbehandlung, aber
dieser Personenkreis repräsentierte lediglich 10 ProWelche Vorzüge die Unterscheidung von Fuchs auch zent der Befragten.
bieten mag, Menschen die in diesen weniger gehobenen Bereichen arbeiten, akzeptieren eine solch herab- Im vergangenen Frühjahr stellte eine Newsweeksetzende Einschätzung ihres Werts nicht. In Mei- Gallup-Erhebung die Frage im Hinblick auf Personen
nungsumfrage auf Meinungsumfrage wird deutlich, mit gleicher Qualifikation: "Sind Sie der Ansicht, daß
daß weiße Arbeiter keinen Grund sehen, warum auf aufgrund der Diskriminierung von Schwarzen in der
Leistung basierende Normen und allgemeingültige Vergangenheit qualifizierte Schwarze bei der Vergabe
Regeln nicht auf sie angewendet werden sollten. von Studien- oder Arbeitsplätzen gegenüber gleich
Tatsächlich ist bei Mitgliedern der weißen Elite, die qualifizierten Weißen bevorzugt werden sollten?" Nur
sich ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse und ihres ge- 19 Prozent der Weißen bejahten dies, während 72
sellschaftlichen Status wesentlich sicherer sind, mehr Prozent mit nein antworteten. Bei den Schwarzen
Unterstützung (oder zumindest Akzeptanz) für beson- jedoch sprach sich eine Mehrheit von 48 Prozent dafür
aus, während 42 Prozent verneinten.
dere Präferenzen anzutreffen.
Die Masse der Bevölkerung ist jedoch stets gegen eine Die Vorzugsbehandlung schneidet etwas besser ab,
Vorzugsbehandlung benachteiligter Gruppen. Das wenn sie als Kompensation fürfrühere Diskriminierung
gerechtfertigt wird, wenn Qualifikationen nicht als AI-

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�temative bezeichnet werden, wenn sie auf Schwarze
begrenzt und überdies nur auf Arbeitgeber angewendet wird, die in der Vergangenheit Diskriminierung
praktiziert haben. Die nationale Erhebung der New
York Times stellte im Mai und Dezember 1990 die
Frage: "Glauben Sie, daß heute Schwarze an solchen
Arbeitsplätzen bevorzugt eingestellt oder befördert
werden sollten, an denen sie in der Vergangenheit
diskriminiert wurden?" Beide Male antworteten rund
ein Drittel mit Ja. Kleine Mehrheiten von 51 bis 52
Prozent jedoch lehnten selbst unter diesen Bedingungen eine Bevorzugung ab.

•

Im Juni 1991, als die Debatte über das von den
Republikanern als Quotengesetz attackierte Bürgerrechtsgesetz stattfand, fiel die Unterstützung für Präferenzen auf 24 Prozent, während die Ablehnung auf
61 Prozent stieg. Einen Monat später kam eine von
USA Today durchgeführte Umfrage unter Schwarzen,
die deren Reaktion auf die Nominierung von Clarence
Thomas für das Oberste Bundesgericht untersuchen
sollte, zu dem Ergebnis, daß sie Quoten ablehnten.
Die Frage lautete: "Thomas hat erklärt, daß rassenabhängige Einstellungsquoten und andere gesetzliche
Gleichstellungsmaßnahmen die Aufstiegschancen von
Schwarzen schädigen. Er betont statt dessen die
Selbsthilfe. Stimmen Sie dem zu oder nicht?" Mit 47
Prozent stimmten mehr Schwarze Thomas zu als mit
37 Prozent gegenteiliger Auffassung waren, während
14 Prozent mit "weiß nicht" antworteten.
Sowohl Weiße als auch Schwarze werden jedoch eine
als "Gleichstellungsmaßnahme" bezeichnete Politik
unterstützen, wenn sie ausdrücklich keine Quoten
vorsieht, wie eine vom Wall Street Journal bei NBC
News in Auftrag gegebene Meinungsumfrage im Juli
1990 herausfand. Zwei Drittel der Weißen (66 Prozent) und 84 Prozent der Schwarzen beantworteten
die folgende Frage positiv: "Sind Sie im großen und
ganzen für oder gegen Gleichstellungsprogramme für
Schwarze in der freien Wirtschaft, falls es keine starren
Quoten gibt?"
Amerikaner unterscheiden nachdrücklich zwischen
Kompensationsmaßnahmen und Vorzugsbehandlung.
Um auf Lyndon Johnsons Bild vom gefesselten Läufer
zurückzukommen: Sie sind bereit, mehr zu tun als nur
die Fesseln abzunehmen. Sie werden bestimmte
Ausbildungsprogramme und finanzielle Hilfen unterstützen, mit denen die vormals Gefesselten zu denjenigen aufschließen können, die aufgrund von früheren
unfairen Vorteilen vorne liegen. Aber sie ziehen die
Grenze, wenn die Ergebnisse des Wettbewerbs schon
im voraus bestimmt werden sollen.
In gewissem Maß findet die Unterscheidung zwischen
"Kompensationsmaßnahmen" und "Vorzugsbehandlung" ihre Entsprechung bei der Unterscheidung, die
zwischen "Chancengleichheit" und "Ergebnisgleichheit" getroffen wird. Kompensationsmaßnahmen werden
wahrscheinlich als Möglichkeit betrachtet, um die
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Chancengleichheit zu verbessern. Da Schwarze in der
Vergangenheit diskriminiert wurden, ist es fair, sie
besonders zu berücksichtigen, damit sie in Zukunft
bessere Chancen haben. Vorzugsbehandlung andererseits klingt in den Ohren der meisten Weißen vielleicht wie eine Bemühung, das Ergebnis des Konkurrenzprozesses vorwegzunehmen.
Die nachhaltigste Unterstützung der Vorzugsbehandlung scheint von den liberalen Intellektuellen zu kommen, den hochgebildeten fünf oder sechs Prozent der
Bevölkerung, die nach dem College eine Universität
besucht haben, und denen, die im College Geisteswissenschaften studiert haben. (Die Universitäten selbst
fordern weiterhin Quoten oder besondere Präferenzen, die den an Universitäten stärker als in anderen
Lebensbereichen in Amerika ausgeprägten Liberalismus widerspiegeln. Es überrascht daher nicht, daß die
umfassendste Anwendung von Quoten im höheren
Bildungswesen in den Geisteswissenschaften und den
"weichen" Sozialwissenschaften angetroffen werden
kann, den am meisten nach links tendierenden Disziplinen). Starke Unterstützung gibt es darüber hinaus
bei der politischen Elite, besonders den Demokraten
und auch vielen Republikanern (hier jedoch nicht bei
zahlreichen prominenten Amtsträgern). Die Demokraten im Kongreß unterstützen diese Maßnahmen immer
stärker, eine Veränderung, die aus der Tatsache resultieren könnte, daß der Anteil demokratischer Abgeordneter, die aufgrund ihrer Stimmabgabe als liberal eingestuft werden können, seit den sechziger Jahren
stetig zugenommen hat.
Führende demokratische Politiker entfernen sich immer
weiter von der öffentlichen Meinung, und es schadet
ihnen. Die Republikaner, deren Einführung von Quoten längst in Vergessenheit geriet, verfechten heute
nachdrücklich die Normen der Leistungsgesellschaft.
Die Demokraten stehen vor einem Dilemma: Wie
sollen sie auf den Druck von Bürgerrechtsgruppen und
Intellektuellen einerseits reagieren und andererseits
verhindern, daß die Identifizierung der Partei mit Quoten
ihre traditionelle Basis unter den Weißen der Arbeiterschicht und des Südens entfremdet? Lyndon Johnson
sah dieses Problem bereits 1965 voraus, als er in
privaten Gesprächen über Bürgerrechte im Weißen
Haus feststellte: "Wir müssen sie als Sache des
Rechts fordern, aber darüber hinaus müssen wir erkennen, daß wir damit die Demokratische Partei zerstören werden."
Genau dies geschieht heute. Einer Mitte 1991 von
CBS News für die New York Times durchgeführten
Erhebung zufolge erklärten 56 Prozent der Amerikaner, die Demokratische Partei "kümmert sich mehr um
die Bedürfnisse und Probleme der Schwarzen", während nur 15 Prozent dies von den Republikanern
behaupteten. Wichtiger könnte das Ergebnis sein,
daß bei derselben Fragestellung im Hinblick auf "die
Bedürfnisse und Probleme der Weißen" 45 Prozent
antworteten, die Republikanische Partei kümmere sich
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�mehr um sie, während nur 19 Prozent dies den Demokraten zubilligten und 14 Prozent angaben, beide
Parteien kümmerten sich gleich stark um beide Rassen.

steht. So forderten Mitarbeiter des Urban Institute
unlängst gleich qualifizierte Weiße und Schwarze auf,
sich in Chicago und Washington für Arbeitsplätze in
Fabriken, Dienstleistungsunternehmen, Einzelhandel
und Büros zu bewerben. Die Weißen wurden in 20
Gleichstellungsmaßnahmen werden häufig als umge- Prozent der Fälle beim Vorstellungsgespräch besser
kehrte Diskriminierung betrachtet. Viele weniger behandelt, Schwarze in sieben Prozent. Die Weißen
wohlhabende Weiße glauben, daß die Zahl der ihnen hatten eine bessere Einstellungschance. Eine Erzur Verfügung stehenden Arbeitsplätze infolge einer kenntnis ist ermutigend: In drei Viertel der VorstelBevorzugung von Schwarzen geschrumpft ist. Zwei in lungsgespräche gab es keinerlei Diskriminierung. Die
den Jahren 1985 und 1987 von Stanley Greenberg für Wahrscheinlichkeit, daß Schwarze auf dem Arbeitsdie Analysis Group der Demokratischen Partei Michi- markt für Arbeiter von Rassismus betroffen sind, ist
gan durchgeführte Untersuchungen deuten darauf hin, jedoch immer noch höher als die, daß Weiße umgedaß die negative Reaktion auf Gleichstellungspro- kehrter Diskriminierung ausgesetzt werden.
gramme eine wichtige Rolle beim Bruch weißer männlicher Fabrikarbeiter mit der Partei gespielt hat: "Zum Wenn Weiße das Ausmaß umgekehrter Diskriminiegroßen Erstaunen und Entsetzen Greenbergs und rung überschätzen, so unterschätzen Weiße und
seiner Auftraggeber", so stellte ein Autor fest, "trat die Schwarze gleichermaßen das Ausmaß der von SchwarWut von Weißen über Gleichstellungsprogramme in zen in den vergangenen Jahrzehnten erzielten wirtbeiden seiner Berichte als Hauptanliegen der Wähler schaftlichen Fortschritte. Das allgemeine Unwissen
zutage. Demokratische Wahlkampfthemen wie 'Fair- über den Erfolg der Schwarzen basiert teilweise auf
neß', 'Gleichheit', und 'Gerechtigkeit' wurden - nicht der Abneigung führender Schwarzer, dies zuzugeben.
ohne Berechtigung - als Codewörter für Quoten ver- Mitte der achtziger Jahre gaben drei Fünftel der fühstanden."
renden Schwarzen in Meinungsumfragen an, die
Schwarzen bewegten sich rückwärts, während zwei
Nationale Meinungsumfragen belegen dieselbe Be- Drittel in einem repräsentativen Querschnitt der Schwarsorgnis. In zwei Erhebungen, die eine vom Institute for zen erklärten, sie machten Fortschritte. (Die UnterSocial Research der University of Michigan im Jahr stützung der optimistischen Haltung ging in den letzten
1986, die andere vom NORC im Jahr 1990 durchge- Jahren der Reagan-Ära etwas zurück. Anfang Juli
führt, antworteten große Mehrheiten von Weißen, es 1990 berichtete eine von ABC News für das Wall
sei "sehr wahrscheinlich" (28 Prozent in beiden Umfra- Street Journal durchgeführte Meinungsumfrage, 60
gen) oder "ziemlich wahrscheinlich" (48 und 42 Pro- Prozent aller Schwarzen erklärten, im Vergleich zu 10
zent), "daß ein Weißer einen Arbeitsplatz oder eine Jahren vorher gehe es Schwarzen in Amerika "besBeförderung nicht erhält, während statt dessen ein ser", während 29 Prozent meinten, es gehe ihnen
gleich oder weniger qualifizierter Schwarzer dies er- "schlechter").
hält". Zwei Fünftel der in der Studie von 1986 befragten
Weißen glaubten, sie oder ein Familienmitglied wür- Die Weigerung einiger führender Schwarzer, die Besden das Opfer von Diskriminierung am Arbeitsplatz serung einzuräumen, ist verständlich. Je schlechter
werden. Ein Bericht über eine von der Leadership die Dinge erscheinen und je größer die Kluft zwischen
Conference on Civil Rights in Auftrag gegebene Erhe- ihnen und anderen zu sein scheint, desto höhere
bung aus dem Jahr 1991 kommt zu dem Schluß, "eine Forderungen können sie stellen. Doch trägt die stänerhebliche Zahl von Wählern gehe davon aus, daß dige Wiederholung der Behauptung, es seien nur
Bürgerrechtsgesetze unfaire Vorteile schaffen, die auf wenige Fortschritte erzielt worden, auch zur Verfestidem Arbeitsmarkt Rang- oder Klassenprivilegien ein- gung des Arguments bei, staatliche Bemühungen zur
führen".
Begünstigung von Schwarzen funktionierten ohnehin
nicht, es gebe der Situation der Schwarzen innewoh"Weiße Amerikaner... betrachten sich nicht als Rassi- nende Faktoren, die Schwarze daran hinderten, vorsten oder Gegner von Chancengleichheit und grund- wärtszukommen. Und viele Schwarze und Weiße
sätzlicher Fairneß", bemerkt der Kolumnist William neigen dazu, dieses Argument zu verinnerlichen. Das
Raspberry. "Was sie ablehnen, sind Bemühungen, NORC fand heraus, daß von 1985-89 durchschnittlich
Minderheiten Vorzugsbedingungen zu gewähren... Wie 62 Prozent der Weißen und 36 Prozent der Schwarzen
könnten wir von ihnen erwarten, ein Produkt zu kaufen, der These zustimmten, die im Durchschnitt schlechtedas wir (die Schwarzen) 400 Jahre lang zu beseitigen ren Arbeitsplätze, geringeren Einkommen und schlechversucht haben: gesetzlich verankerte, rassisch be- tere Wohnsituation von Schwarzen gegenüber Weigründete Vorteile?"
ßen seien darauf zurückzuführen, daß "die meisten
Schwarzen einfach nicht die Motivation oder WillensFehleinschätzungen haben viel mit der Polarisierung
kraft (haben), um sich von der Armut zu befreien". Eine
von Rassenpolitik zu tun. Die besten Forschungser- von der Washington Post bei ABC News im Oktober
gebnisse belegen beispielsweise, daß in der Realität 1989 in Auftrag gegebene Umfrage kam zu dem
beim Konkurrenzkampf um weniger anspruchsvolle Ergebnis, daß 60 Prozent der Weißen und Schwarzen
Arbeitsplätze wenig umgekehrte Diskriminierung beSeite 8

AMERIKA DIENST 48

�dem Satz zustimmten: "Wenn Schwarze sich stärker der Schwarzen seit dem 2. Weltkrieg analysieren,
bemühen würden, könnte es ihnen genausogut gehen kamen 1986 zu dem Schluß, daß "das wirklich Wichwie den Weißen."
tige der letzten vierzig Jahre das Entstehen einer
schwarzen Mittelschicht ist", die "als Gruppe... zahlenSolche Überzeugungen untermauern rassistische Kli- mäßig größer ist als die der armen Schwarzen".
schees und schwarzen Selbsthaß. Anfang Januar
1991 veröffentlichte das NORC die Ergebnisse einer Die Mehrheit der Schwarzen hat eine feste Arbeit und
Erhebung des Jahres 1990. Sie belegen, daß die gehört entweder zur Mittelschicht oder könnte als
meisten Weißen der Ansicht sind, Schwarze seien solider Teil einer Arbeiterschicht mit sicherem Arbeitsweniger intelligent, fauler, gewalttätiger und neigten platz bezeichnet werden. Sie sind verheiratet oder
eher dazu, auf Dauer Sozialhilfe in Anspruch zu neh- haben eine stabile, langfristige Beziehung. Das Einmen als Weiße und mehrere andere ethnische Grup- kommen von verheirateten Schwarzen beträgt 77
pen.
Prozent des Einkommens vergleichbarer Weißer; vor
20 Jahren waren es nur 60 Prozent. Der Anteil der
Der Schaden wird durch die unbarmherzige Konzen- Schwarzen, die ihre High School-Ausbildung abbretration der Nachrichtenmedien auf die sozio-pathologi- chen, ist von 31 Prozent im Jahr 1970 auf 18 Prozent
schen Zustände in den Ghettos noch verstärkt, die den im Jahr 1988 gefallen, während sich der der Weißen
Eindruck erweckt, die meisten Schwarzen lebten im (14 Prozent) nicht geändert hat.
Elend. Soziologen schätzen jedoch, daß die Unterschicht bei Schwarzen und Weißen gleichermaßen Diese drastischen sozialen und wirtschaftlichen Änderelativ klein ist. William Julius Wilson, der als Soziolo- rungen haben zu einer wachsenden Differenzierung
ge besondere Aufmerksamkeit auf diese Frage gerich- innerhalb der Gemeinschaft der Schwarzen geführt.
tet hat, rechnet heute ein Sechstel der 30 Millionen Ein Gremium der Nationalen Akademie der WissenSchwarzen in den Vereinigten Staaten zu den Ghetto- schaften stellte im Jahr 1989 fest, daß Männer schwarArmen, wie er sie zu bezeichnen pflegt. (Dabei handelt zer Hautfarbe im Alter von 25 bis 34 Jahren mit
es sich um Menschen, die in "Gebieten mit extremer zumindest teilweiser Collegeausbildung Anfang der
Armut leben, in denen 40 Prozent der Bevölkerung arm achtziger Jahre 80 bis 85 Prozent dessen verdienten,
sind"). Eine Arbeitsgruppe des Urban Institute schätzt was ihre Kollegen weißer Hautfarbe bekamen. Andedie Unterschicht als noch geringer ein: zwei oder drei rerseits hatte ein Viertel ihrer schwarzen Peer-group
Millionen Menschen im Jahr 1980, davon zwei Drittel nicht einmal ihre High School-Ausbildung abgeschlosSchwarze und ein Fünftel Hispanier.
sen und war so zu einem Leben am Rande der
Gesellschaft verurteilt.
Inzwischen ist der Gesamtanteil der in Armut lebenden
Schwarzen, von denen viele nicht von den pathologi- Die Autoren vertreten die Ansicht, daß die beiden
schen Problemen der unterprivilegierten Klasse be- größten Gruppen innerhalb der Sozialstruktur der
troffen sind, drastisch gesunken. Während es viele Schwarzen zur Zeit "eine von alleinerziehenden MütDiskussionen über die Definition von Armut gibt, ist laut tern dominierte Unterschicht und eine vor allem aus
statistischen Erhebungen der Prozentsatz der in Armut Familien, in denen beide Elternteile präsent sind,
lebenden Schwarzen von 55 Prozent im Jahr 1959 auf bestehende Mittelschicht" seien. Das Problem besteht
33,5 Prozent im Jahr 1970 gesunken. 1990, in einem darin, daß die meisten schwarzen Erwachsenen in
von Rezession gekennzeichneten Jahr, betrug er 31,9 einer intakten Familie und stabilen wirtschaftlichen
Prozent.
Verhältnissen leben, daß das bei den meisten schwarzen
Kindern jedoch nicht der Fall ist. Sie sind die NachDer "invisible man", um Ralph Ellisons Buchtitel anzu- kommen einer großen Zahl alleinerziehender schwarführen, der unsichtbare Mann der 90iger Jahre, ist der zer Mütter. Der Anteil der schwarzen Kinder alleinererfolgreiche schwarze Vorstädter der Arbeiter- und ziehender Mütter betrug 1960 noch 23 Prozent, 1969
Mittelschicht. Der neue "invisible man", der in intakten dann 28 Prozent, stieg 1980 auf 45 Prozent und liegt
Familien außerhalb dertraditionellen Wohngebiete der heute bei 62 Prozent. Das Leben in einem solchen
Schwarzen lebt, hat nicht die Erfahrung der in Ghettos Haushalt ist häufig mit einem Leben in Armut gleichzulebenden Schwarzen und wird von den meisten Wei- setzen. Im Jahr 1988 betrug die Armutsquote für
ßen ignoriert. In den 70iger Jahren erhöhte sich die Familien Alleinerziehender mit Kindern 56,3 Prozent,
schwarze Vorstadtbevölkerung vor allem aufgrund der die für schwarze Familien, in denen beide Elternteile
Abwanderung aus den Innenstädten um 70 Prozent. präsent sind, 12,5 Prozent.
In den 80iger Jahren stieg die Zahl der schwarzen
Vorstadtbewohner von 5,4 Millionen auf 8,2 Millionen. Es besteht allgemein der Eindruck, daß ein exploZwischen 1986 und 1990 waren 73 Prozent des Bevöl- sionsartiger Anstieg illegitimer Kinder unter der schwarkerungswachstums bei den Schwarzen in den Vor- zen Bevölkerung der Grund für die zunehmende Verstädten zu verzeichnen.
armung der schwarzen Kinder ist. Christopher Jencks
von der Northwestern University kalkuliert hingegen,
Die Wirtschaftswissenschaftler James P. Smith und daß der Anteil der unehelich geborenen schwarzen
Finis R. Welch, die die Veränderungen der Situation Kinder während dieser Jahre nur von 23 auf 29 Prozent
AMERIKA DIENST 48

Seite 9

�angestiegen wäre, wenn schwarze Frauen im Jahr
1987 genausoviele Kinder bekommen hätten wie 1960.
Der Prozentsatz ist viel höher, da verheiratete Schwarze jetzt weniger Kinder bekommen.

impliziere, daß "ein Achtel der Dichter, bedeutenden
Politiker, Gelehrten, Autoren und Philosophen" Schwarze sein sollten. Douglass betonte, daß "natürliche
Gleichheit ganz verschieden von praktizierter Gleichheit ist, und ... obwohl die Menschen potentiell gleich
Welche Gründe die Armut unter Kindern auch haben sind, die Umstände eine Zeitlang die auffallendsten
mag, Gleichstellungsprogramme sind kein Heilmittel. Ungleichheiten verursachen können". Bei anderer
Vorzugsbehandlung oder Quotenregelungen sind für Gelegenheit wandte sich Douglass gegen "spezielle
den im Ghetto in Armut lebenden unehelich geborenen Anstrengungen" für freigelassene schwarze Sklaven
jungen Schwarzen, der eine minderwertige Erziehung und argumentierte, sie könnten "zur Aufrechterhaltung
erhält, kaum eine Hilfe. William Julius Wilson schreibt, genau der Vorurteile dienen, die unbedingt abgedaß dadurch wahrscheinlich eher "Familienmitglieder schafft werden sollten".
der bevorzugtesten Minderheitsgruppen..." begünstigt
werden, "(die) am besten qualifiziert für gehobene Von Thomas Jeffeison bis Hubert Humphrey haben
Positionen sind - wie beispielsweise besserbezahlte die Linken in Amerika sich für eine reale ChancenStellen, Zugang zum College, Beförderungen etc. Wenn gleichheit eingesetzt. Es war wirklich eine Ironie, daß
folglich die bevorzugte Auswahl für solche Positionen Richard Nixon, der am meisten von den Demokraten
nicht aufgrund der tatsächlichen Benachteiligung ein- geschmäht wurde, eine Situation schuf, die sie auf die
zelner, sondern aufgrund von Rasse oder der Zugehö- falsche Seite der Angelegenheit stellte.
rigkeit zu einer ethnischen Gruppe geschieht, dann
werden diese Maßnahmen die Chancen der Privile- Um wieder einen nationalen Konsens über Bürgergierteren erhöhen, ohne die Probleme der wirklich rechte und Rassengerechtigkeit zu schaffen, sollten
Programme zur Bekämpfung der Diskriminierung von
Benachteiligten anzugehen."
Minderheiten neu ausgerichtet und nicht aufgegeben
Der Konflikt zwischen verschiedenen Versionen von werden. Quoten und Vorzugsbehandlung werden
Gleichheit, zwischen dem Schwergewicht auf dem nicht den schlecht Ausgebildeten und Unqualifizierten
einzelnen und der Gruppe, wird hier und im Ausland zu einem guten Arbeitsplatz verhelfen. Erfolg in der
weitergehen. Aufgrund der Gruppenzugehörigkeit zu postindustriellen Gesellschaft erfordert eine gute Bileiner Kaste oder Sprache organisierte Gesellschaften dung und Ausbildung. Eine Ausweitung und bedeuten- in Indien, Pakistan und Kanada- haben tiefverwurzel- de Verbesserung der Ausbildung in den Ghettos, der
te Quotenregelungen für bestimmte Gruppen, die sich frühzeitige Einsatz von Förderprogrammen, finanzielwahrscheinlich kaum ändern werden. Aber das Schei- le Anreize für Schüler, Lehrer und erfolgreiche Schulen
tern verschiedener Schattierungen des Sozialismus sowie eine Ausweitung der Ausbildungsprogramme
und die steigende Akzeptanz des Marktes als die sind ein Schritt in die richtige Richtung. Solche ProQuelle von Wirtschaftswachstum - nicht nur in Europa, gramme sollten allen weniger Privilegierten ungeachsondern auch in Lateinamerika und Afrika - deutet tet ihrer rassischen und ethnischen Zugehörigkeit
darauf hin, daß in vielen Ländern der Welt neue angeboten werden.
Betonung auf eine wettbewerbsorientierte LeistungsDie ganze Gesellschaft kann auch aus der Erfahrung
gesellschaft und Individualismus gelegt wird.
mit Schwarzen im Militärdienst lernen, wo ihnen eine
Führende Bürgerrechtler, Liberale und Demokraten Berufsausbildung und die Möglichkeit einer festen
schwimmen gegen einen starken Strom. Zu Hause Anstellung und eines beruflichen Aufstiegs angeboten
stehen die Meinung der Weißen und, wie wir gesehen wurde. Diese Leistung ist ein Argument für einen
haben, sogar die Gefühle vieler Schwarzer, gegen sie. großangelegten Dienst an der Allgemeinheit. Wenn
ShelbySteele, ein schwarzer Autor, der früher in Jesse alle jungen Amerikaner ermutigt werden, sich freiwillig
Jacksons Regenbogenkoalition aktiv war, kommt zu für den Dienst an der Allgemeinheit zu melden, dann
dem Schluß, daß "Gleichstellungsprogramme eher können diejenigen mit unzureichender Ausbildung und
schlecht als gut sind und daß Schwarze ... dadurch Fähigkeiten eine Berufsausbildung erhalten, während
jetzt mehr verlieren als gewinnen könnten." Er lehnt sie sie und ihre Altersgenossen beim Wiederaufbau der
ab, da sie über "die harte Arbeit hinausgehen, ein zuvor nationalen Infrastruktur und bei der Leistung sozialer
unterdrücktes Volk so weit zu entwickeln, daß es eine Dienste mithelfen können.
angemessene eigene Vertretung erhält...". Er fürchtet, aufgrund solcher Programme festgelegte Quoten Die Abwendung von spezieller Vorzugsbehandlung
unterminierten die Moral der Schwarzen und trügen zu muß nicht, ja darf nicht bedeuten, daß man das Engaeiner "Vergrößerung der Selbstzweifel" bei, da sie gement der Nation für die Gewährleistung von Chanimplizierten, erfolgreiche Schwarze hätten sich ihre cengleichheit für benachteiligte Bürger aufgibt. Der
Positionen nicht selbst verdient. Mehr als ein Jahrhu n- Gedanke der Rechte des einzelnen bleibt ein integraler
dert zuvor, im Jahr 1871, stellte der gefeierte schwarze Bestandteil der amerikanischen Weltanschauung und
Abolitionist Frederick Douglass viele ähnliche Behaup i li lyeieUitigkeit aufgrund von Rasse und kastenartige
I eiluny stehen dazu in krassem Widerspruch. Wir sind
tungen auf. Er macht die Idee von Rassenquoten als
"in der Praxis absurd" lächerlich und stellte fest, es immer noch mit dem amerikanischen Dilemma konSeite 10

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�frontiert, undesstelltfürunseinemoralischeVerpflichtung dar, sicherzustellen, daß die Rasse weder eine
Behinderung noch einen Vorteil darstellt. Bis schwärze Amerikaner voll in die Wirtschaft und Gesellschaft

unserer Nation integriert sind, sollten wir, um Jeffersons Worte zu gebrauchen, einen gerechten Gott
fürchten,

* * * * *

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Seite 11

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                <text>&lt;strong&gt;1. USA/Deutschland/Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten, die Wiedervereinigung Deutschlands und die Überwindung der Teilung Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt in Dresden&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Clinton/Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton vor außenpolitischen Herausforderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Experten beraten den künftigen Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Verteidigung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;US-Streitkräfte: kleiner aber stark und einsatzbereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Keine einschneidenden Veränderungen von Clinton erwartet&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Somalia&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Diplomatie konzentriert sich auf sichere Nahrungsmittellieferungen nach Somalia&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vereinigte Staaten nicht für Machtübernahme der UNO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Rassenbeziehungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Berufliche Gleichstellung und die amerikanische Weltanschauung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Seymour Martin Lipset&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

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Nummer

3. Januar 1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Erste SALT Il-Verhandlungsrunde abgeschlossen
-Wortlaut des Kommuniques und des Memorandums-

HINTERGRUNDMATERIAL:
US-Energiebedarf wird sich bis zum Jahre 2000 verdoppeln
-Ein Bericht des US-Innenministeriums-

WIRTSCHAFT:

1972 erfüllte wirtschaftliche Erwartungen der Regierung
-US-Wirtschaftsbeirat gibt Jahresrückblick.-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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1/1973

ERSTE SALT II-VERHANDLUNGSRUNDE ABGESCHLOSSEN
-Wortlaut des Kommuniques und des Memorandums-

GENF --(AD)— Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben während
der am 21. Dezember zu Ende gegangenen ersten Verhandlungsrunde von SALT II
über den allgemeinen Rahmen der die Offensivwaffen betreffenden Fragen
Übereinstimmung erzielt, die nach Wiederaufnahme der Gespräche am 27, Februar erörtert werden sollen.
Das am 21. Dezember von den beiden Verhandlungsführern unterzeichnete
Kommunique hat folgenden Wortlaut:
"Die amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über eine Begrenzung der
strategischen Rüstungen wurden vom 21.November 1972 bis zum 21. Dezember
1972 fortgesetzt.
Die amerikanische Delegation wurde von dem Leiter der US-Abrüstungsbehörde, Gerard Smith, angeführt. Mitglieder der Delegation, die an den Verhandlungen teilnahmen, waren Philip J.Farley, Paul Nitze, Harold Brown und
Royal Allison.
Die

i

�Die sowjetische Delegation wurde von dem stellvertretenden Außenminister
der UdSSR, V.S.Semenow, angeführt.Mitglieder der Delegation, die an den Verhandlungen teilnahmen, waren K..S. Trusow, P.S. Pleschakow, A..N.Schukin und
0. A. Grinewsky.
Den Delegationen waren Berater und Experten beigegeben.
Gemäß dem im Mai 1972 erzielten Abkommen, die aktiven amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Offensivwaffen
fortzusetzen, haben die Delegationen sich mit der weiteren Erörterung von Fragen befaßt, die sich auf die Erzielung eines Abkommens über umfassendere Maßnahmen zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen beziehen.
Im Verlaufe dieser ersten Erörterungen wurde ein weiter Bereich von Fragen, die hiermit im Zusammenhang stehen, geprüft. Die Gespräche waren zur Vorbereitung weiterer Verhandlungen im kommenden Jahr für beide Seiten nützlich.
Es wurde eine Übereinstimmung über den allgemeinen Rahmen von Fragen erreicht,
die Gegenstand weiterer amerikanisch-sowjetischer Gespräche sein werden.
Im Verlaufe der Verhandlungen wurde ein Memorandum über die erzielte Übereinstimmung ausgearbeitet und unterzeichnet, das die Einsetzung einer ständigen
beratenden Kommission gemäß Artikel 13 des Vertrages zwischen den USA und der
Sowjetunion über die Begrenzung der ABM-Systeme vorsieht.
Beide Seiten dankten der schweizerischen Regierung für die Schaffung so
günstiger Bedingungen für die Abhaltung der Verhandlungen sowie für die ihnen
gewährte Gastfreundschaft.
Es wurde vereinbart, daß die Verhandlungen zwischen der amerikanischen und
der sowjetischen Delegation am 27. Februar 1973 in Genf wieder aufgenommen werden sollen."
Wortlaut

�Wortlaut des Memorandums:
"Erstens: Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken setzen hiermit eine
ständige beratende Kommission ein.
Zweitens: Die ständige beratende Kommission soll die Zielsetzungen und
die Durchführung der Bestimmungen des Vertrages zwischen den USA und der
UdSSR über die Begrenzung der ABM-Systeme vom 26. Mai 1972, des amerikanischsowjetischen Interi»sabkommensüber die Begrenzung bestimmter strategischer
Offensivwaffen vom 26. Mai 1972 und des Abkommens über Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr des Ausbruches eines Atomkrieges zwischen den USA und der
UdSSR vom 30. September 1971 fördern und ihre Befugnisse im Einklang mit den
Bestimmungen des Artikels 13 des besagten Vertrages, des Artikels 6 des besagten Interimsabkommens

un

d des Artikels 7 des besagten Abkommens ausüben.

Drittens: Jede Regierung soll in der ständigen beratenden Kommission durch
einen Beauftragten und einen stellvertretenden Beauftragten vertreten sein,
denen der erforderliche Arbeitsstab beigegeben ist.
Viertens: Die ständige beratende Kommission wird periodische Sitzungen
zu beiderseits über die Beauftragten vereinbarten Zeitpunkten, doch wenigstens
zweimal im Jahr, abhalten. Auf Antrag eines der beiden Beauftragten sollen
Sitzungen ebenfalls sobald wie möglich und nach entsprechender Benachrichtigung
anberaumt werden.
Fünftens: Die ständige beratende Kommission wird in Genf zusammentreten.
Sie kann auch an anderen vereinbarten Orten zusammenkommen.
Ausgefertigt in Genf am 21. Dezember 1972 in zwei Kopien, jeweils in englischer und in russicher Sprache, von denen beide Texte in gleicher Weise authentisch sein sollen."
Das

�Das Memorandum wurde

für die Vereinigten Staaten von Botschafter

Gerard Smith und für die Sowjetunion von dem stellvertretenden Außenminister
Wladimir S. Semenow unterzeichnet.

-4-

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1/1973

US-ENERGIEBEDARF WIRD SICH BIS ZUM JAHRE 2000 VERDOPPELN

-Ein Bericht des US-Innenministeriums-

WASHINGT0N --(AD)-- Der Energiebedarf der Vereinigten Staaten wird sich
bis zum Jahre 2000 mehr als verdoppeln. Dies geht aus einem Bericht des amerikanischen Innenministeriums hervor, der zum Jahresende veröffentlicht wurde. Der amerikanische Innenminister Rogers Morton hat im Zusammenhang mit dem
Bericht darauf hingewiesen, daß die USA mit Versorgungsschwierigkeiten rechnen müssen, wenn sie nicht alle nur möglichen Anstrengungen zur Sicherung
ihres Energiebedarfs machen.
Nach Angaben des Berichtes ist mit einer Zunahme des Energiebedarfs
in den Vereinigten Staaten um 3,6 Prozent jährlich zu rechnen. Man geht dabei
von einer Zunahme des amerikanischen Bruttosozialproduktes von 739,5 Milliarden Dollar im Jahre 1971 auf 2 438 Milliarden Dollar im Jahre 2000 aus. Die
industrielle Produktion in den USA dürfte sich in diesem Zeitraum vervierfachen - mit dem entsprechenden Bedarf an Brennstoff und Energie.
Ein entscheidender Faktor wird die Umstellung auf Atomstrom sein. Hier
werden vor allem die sogenannten "Brutreaktoren" eine wichtige Rolle spielen, die mehr Nuklearbrennstoff produzieren als sie verbrauchen. Gegenwärtig

-1-

�Gegenwärtig macht der Atomstrom 2,4 Prozent der gesamten amerikanischen Stromerzeugung aus, jedoch dürfte um die Jahrhundertwende der Anteil auf 51 Prozent
gestiegen sein.
Zu dem etwas schwierigeren Problem der Erdölversorgung heißt es in dem
Bericht, daß gegenwärtig rund 74 Prozent des Bedarfs aus eigener Förderung gedeckt werden können, daß jedoch bis zum Jahre 2000 die Eigenversorgung nur noch
etwa 30 Prozent ausmachen werde. Dabei ist eingerechnet, daß die neuen Vorkommen
in Alaska rund 10 Prozent des Bedarfs decken werden, Innenminister Morton räumt
jedoch die Möglichkeit ein, daß das Öl aus Alaska sogar 15 Prozent des Gesamtbedarfs erbringen wird.
Nach Ansicht der Experten wird es bis 1980 möglich sein, das Defizit in der
Ölversorgung durch Importe zu decken. Über diesen Zeitpunkt hinaus wird jedoch
die Gewinnung von Rohöl aus Ölschiefer und durch die Verflüssigung von Kohle
- aus eigenen Vorkommen - an Bedeutung gewinnen.
Wie es in dem Bericht heißt, wird auch die Erschließung neuer Ölquellen im
Festlandsockel an der Atlantikküste verstärkt vorangetrieben werden. Der Anteil
des Öls an der Gesamtenergieversorgung wird voraussichtlich von 44 Prozent im
Jahre 1971 auf 37 Prozent im Jahre 2000 zurückgehen.
Was die Versorgung mit Gas angeht, so werden bisher 96 Prozent durch Erdgas und künstliches Gas gedeckt. Hier wird bis zum Jahre 2000 ein Rückgang auf
72 Prozent erwartet, wobei etwa 20 Prozent Erdgas über Rohrleitungen aus Kanada
eingeführt werden, und die restlichen acht Prozent durch die Einfuhr von Gas in
flüssigem Zustand gedeckt werden sollen.
Die Kohleversorgung der USA aus eigener Förderung ist nach dem Bericht mehr
als ausreichend gedeckt. Man rechnet damit, daß bis 1980 das Problem des Schwefeloxyds bei der Kohleverbrennung gelöst sein und die Kohle als umweltfreundlicher Brennstoff akzeptiert wird. Obwohl sich der Kohlebedarf bis zum Jahre
2000 verdreifachen wird, werden die amerikanischen Bergleute diesen Bedarf decken
können. Dabei dürften sich die Kohleexporte der USA von 58 Millionen Tonnen im

-2-

�im Jahre 1971 auf 108 Millionen Tonnen im Jahre 2000 fast vcr ' A.peln.
Nach den Erwartungen der Experten wird sich die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von gegenwärtig 210 Millionen bis zum Jahre 2000 auf nahezu 280
Millionen erhöhen; dabei dürften jedoch wirtschaftlichere Methoden der Nutzung
der Energiequellen . vor allem durch öffentliche Verkehrsmittel statt Privatwagen - den Energiebedarf relativ verringern. Flugzeuge werden verstärkt für den
Frachtdienst eingesetzt werden, während Eisenbahnen und Lastkähne in ihrer Bedeutung zurückgehen werden.
Wie Innenminister Morton betonte, wird in Zukunft ein Unterstaatssekretär
in seinem Ministerium verstärkt mit Energiefragen betraut werden, und Präsident
Nixon wird Anfang 1973 eine "Energiebotschaft" an den Kongreß richten.

-3-

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1/1973

1972 ERFÜLLTE WIRTSCHAFTLICHE ERWARTUNGEN DER REGIERUNG
-US-Wirtschaftsbeirat gibt Jahresrückblick-

WASHINGTON — ( A D ) » Der Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons hat in einer
Erklärung zum Jahresschluß die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten während der letzten 12 Monate analysiert, die die Erwartungen
der Regierung erfüllt hätten. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
1972 war ein Jahr einer starken wirtschaftlichen Expansion; es brachte einen starken Anstieg der Beschäftigtenzahl, eine wesentliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit und eine geringere Preisauftriebsrate. Die im Dezember veröffentlichten statistischen Zahlen für Gütererzeugung, Beschäftigtenstand, Umsätze und Preise, die sich vorwiegend auf den November beziehen,
bestätigen diese Lageeinschätzung. Obwohl die endgültigen Zahlen noch nicht
vorliegen, deuten die jüngsten Berichte darauf hin, daß dieses Jahr das von
der Regierung gesetzte Ziel, eine Steigerung des Bruttosozialproduktes um
100 Milliarden Dollar - bei sechsprozentiger Zunahme der realen Güterererzeugung und 3 1/4 Prozent Preissteigerungen (wie dies der Deflator des
Bruttosozialproduktes

zeigt) - erfüllt hat.
Die

-1-

�Die Arbeitslosenrate im November von 5,2 Prozent lag im Bereich der
Voraussagen der Regierung, daß nämlich die Arbeitslosenrate gegen Ende des Jahres 1972 bei etwa 5 Prozent liegen werde
In den neun Monaten von Ende Februar bis Anfang November 1972, nachdem
der kurze Preisanstieg nach Ablauf des totalen Lohnend Preisstopps überwunden
war, ist der index der Verbraucherpreise mit einer Jahresrate von 3,1 Prozent
gestiegen. Dies liegt noch geringfügig
Ziel, den

über dem von der Regierung gesetzten

Preisauftrieb auf 2 bis 3 Prozent herabzudrücken; allerdings ist

die Preisauftriebsrate nur noch etwa halb so groß wie 1969, Andere wichtige
I idikatoren für die Preisentwicklung sind, wie dies der Deflator des Bruttosozialprodukts und des privaten Verbrauchs zeigt, in den letzten Quartalen
weniger als 3 Prozent angestiegen.
Es gibt zahlreiche Hinweise,die für ein Anhalten des wirtschaftlichen Aufschwungs 1973 sprechen. Die Höhe der Verbrauchsgüterumsätze, die anhaltend
hohen Raten des Baubeginns von Wohnungen und der Auftragseingänge in der Fertigungsindustrie, die Berichte über die Investitionspläne der Wirtschaft, der
stimulierende Einfluß des Bundeshaushaltes und die stetige Zunahme der Geldversorgung - sie alle weisen darauf hin, daß die Auftriebskräfte auf der Nachfrageseite der Wirtschaft ungebrochen sind. Dies sollte zu einer Steigerung von
Gütererzeugung und Beschäftigung führen und die Arbeitslosigkeit weiter abbauen.
Was den Preisauftrieb anbetrifft, so werden die Preis-und Lohnentscheidungen in
einem Klima getroffen werden, das von mehr Vertrauen in das Preisniveau und
einer geringeren Notwendigkeit für größere Lol lerhöhungen, um frühere, jahrelang bestandene Rückstände auszugleichen, gekennzeichnet ist. Somit sind die
Aussichten auf ein weiteres Jahr, das eine schnelle Expansion mit einer rückläufigen Preisauftriebsrate verbindet, gut.
Wenn auch diese Aussichten gut sind, so sind sie jedoch noch keineswegs
gesichert, und das endgültige Ergebnis wird wesentlich davon beeinflußt werden,

-2-

�werden, wie wir als Nation einige schwierige Aufgaben lösen. Zurückhaltung in
der Haushaltspolitik des Bundes wird notwendig sein, um zu verhindern, daß die
gegenwärtige gesunde Expansion sich wieder zu einem inflationistischen Boom
auswächst. Die Entschlossenheit der Regierung in dieser Beziehung ist wohl bekannt; es wird der Zusammenarbeit mit dem Kongreß und der Öffentlichkeit bedürfen, um das Ziel zu erreichen. Das System zur Kontrolle von Preisen und Löhnen
wird modifiziert werden müssen, um eine optimale Wirksamkeit zu erlangen, ohne
daß Effizienz und Dynamik der Wirtschaft im Laufe des Jahres 1973 beeinträchtigt werden. Die Regierung hat eingehende Konsultationen mit allen Sektoren der
Wirtschaft über die erforderlichen Änderungen geführt. Die Empfehlungen der Regierung hierzu werden gegenwärtig noch ausgearbeitet; es ist klar, daß in diesem
Bereich ebenfalls eine Zusammenarbeit mit dem Kongreß und der Öffentlichkeit
notwendig sein wird. Zweifellos werden sich auch noch andere, im Augenblick
noch nicht vorauszusehende Probleme ergeben. Aber die durch die gemeinsamen Anstrengungen allr.r Amerikaner innerhalb und außerhalb der Regierung im Jahre 1972
erzielten ausgezeichneten Ergebnisse geben Grund zu der Zuversicht

daß die

Probleme des Jahres 1973 ebenfalls gelöst werden.
Wirtsc.haftsi ndikatoren für November
Gütererzeugung und Umsätze
Alle wichtigen Wirtschaftsstatistiken für November zeigen, daß die auf einer
breiten Basis aufbauende Wirtschaftsexpansion weitergeht. Der Index der industriellen Produktion stieg im November um 1,1 Prozent und hat damit in den
letzten drei Monaten eine Jahreszuwachsrate von 12,7 Prozer.t erreicht. Der private Wohnungsbau hatte ebenfalls einen weiteren guten Monat zu verzeichnen mit
Bau! eginnen - auf Jahresbasis - von 2,45 Millionen Wohneinheiten, etwa genauso
viel wie im Oktober. In den ersten 11 Monaten des Jahres 1972

lag die Zahl der

neu begonnenen Wohneinheiten im Durchschnitt um 19 Prozent höher als im gleichen

-3-

�gleichen Zeitraum des Jahres 1971. Die Auftragseingänge in der Dauergüterindustrie zeigten im November mit 2,9 Prozent eine ungewöhnlich starke Zunahme
und lagen damit um 21 Prozent höher als vor einem Jahr. Der Absatz von Dauergütern war um 2 Prozent höher,und die Auftragsbestände nahmen im November im
vierzehnten aufeinanderfolgenden Monat zu. Ein

geringfügiger Rückgang der

Einzelhandelsumsätze im November folgte auf einen ungewöhnlich großen Zuwachs
um 3,6 Prozent im Oktober« Die beiden Monate zusammen zeigen, daß die Verbraucherausgaben auch im vierten Quartal dieses Jahres hoch sein dürften,

Beschäftigtenstand
Der Wirtschaftsaufschwung war von einem starken Anwachsen der Zahl der
Arbeitsplätze begleitet. Die Zahl der in der Wirtschaft Beschäftigten lag im
November um 2,2 Millionen höher als vor einem Jahr. Für die ersten 11 Monate
dieses Jahres ergibt sich eine Zunahme der Beschäftigtenzahl gegenüber dem
gleichen Zeitraum des Jahres 1971 um 2,3 Millionen.
Die Arbeitslosenrate verzeichnete im November einen scharfen Rückgang
auf 5,2 Prozent gegenüber der seit Juni verzeichneten Rate von 5,5 Prozent.
Zwar sollte man den Statistiken für einen einzelnen Monat nicht zu große Bedeutung beimessen, aber die beträchtliche Zunahme von Beschäftigtenzahl und
Gütererzeugung, die dieses Jahr festzustellen war, hatte bereits einen Rückgang von der 5,5 Prozentmarke angekündigt.

Löhne und Einkommen
Eine weitere ungewöhnlich starke Zunahme des Personaleinkommens wurde
für November gemeldet, die zum Teil auf die Beschleunigung von Zahlungen an
die Kriegsteilnehmer zurückzuführen ist. Die wichtigste Komponente des Personaleinkommens - die Löhne und Gehälter - erhöhte sich um 4,6 Milliarden Dollar,
was etwa dem durchschnittlichen monatlichen Zuwachs der letzten sechs Monate

-4-

�Monate entspricht. Verglichen mit dem Vorjahr war das Personaleinkommen um
10,6 Prozent und die Komponente Löhne und Gehälter um 11 Prozent höher.
Die Stundenlohnsätze waren im November unverändert, und die Bruttowochenlöhne der Industriearbeiter gingen aufgrund einer etwas geringeren Arbeitszeit leicht zurück. Die Stunden-und die Bruttowochenlöhne im November lagen beide um jeweils 6,9 Prozent höher als vor einem Jahr. Angesichts eines
weit langsameren Anstiegs des Verbraucherpreisindexes nahmen die Stunden-und
die Bruttowochenlöhne -nach Ausschaltung des Preisauftriebs-in den 12 Monaten bis Ende November um 2,9 respektive um 3,2 Prozent zu.

Preise
Die Preisentwicklung war im November, wie auch zuvor im Oktober, unterschiedlich. Die Großhandelspreise zogen nach einem relativ geringen Anstieg
in den beiden vorangegangenen Monaten um 0,6 Prozent an. Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel standen im November - wie in den
vorangegangenen 12 Monaten - an der Spitze des Preisanstiegs. Der Verbraucherpreisindex zog im November um 0,3 Punkte an. Dieser mäßige Anstieg ist zu
einem großen Teil auf ein starkes Anziehen der Lebensmittelpreise (1,1 Prozent) zurückzuführen; bei den übrigen Erzeugnissen betrug der Preisanstieg
lediglich 0,1 Prozent und bei Dienstleistungen 0,2 Prozent.

Entwicklung auf Jahresbasis

Für den größten Teil des Jahres 1972 liegen nunmehr Statistiken über die
wirtschaftliche Entwicklung vor. Es ist daher nur angebracht, die verfügbaren
Informationen einer Prüfung zu unterziehen, wenn wir uns jetzt dem Ende des
Jahres 1972 nähern. Die Tabellen 1 und 2 geben die bis jetzt verfügbaren Jah-

-5-

�Jahresstatistiken auf zwei verschiedene Weisen wieder.
Tabelle 1 zeigt die jährlichen Veränderungen für den größten Teil des
Berichtszeitraumes, wobei entweder das dritte Quartal mit dem dritten Quartal 1971 oder der November 1972 mit dem gleichen Vorjahresmonat verglichen
werden. Tabelle 1 zeigt weiter diese jährlichen Veränderungen zurückgehend b
1968, so daß die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre mit 1972 verglichen werden kann.
Die in Tabelle 2 aufgezeigten Veränderungen umfassen die ersten drei
vollen Quartale (oder die ersten 11 Monate) 1972 verglichen mit den gleichen
Vorjahreszeitraum. . Sobald die Statistiken für das vierte Quartal und für
den Dezember eingearbeitet werden können, wird ein Vergleich zwischen der
wirtschaftlichen Entwicklung im Jahre 1972 insgesamt mit 1971 möglich sein.
Tabelle 2 zeigt ferner die jährlichen Veränderungen zurückgehend bis 1968
sowie die Durchschnittsrate der Veränderungen zwischen den Jahren 1960 und
1970.

Wirtschaftsindikatoren

�WIRTSCHAFTSINDIKATOREN
(auf der Basis saisonbereinigter Zahlen)
Tabelle 1: Jährliche prozentuale Veränderungen ausgewählter Wirtschaftsindikatoren, 1968 bis 1972

Vierteljahreszahlen(Änderungen jeweils auf der
Basis des dritten Quartals jedes einzelnen Jahres) 1972

1971

1970

1969

1968

Bruttosozialprodukt

0,1

7,2

4,7

7,6

9,3

Bruttosozialprodukt - real

7,2

2,2

-0,3

2,4

4,9

Bruttosozialprodukt

2,7

4,9

5,1

5,1

4,1

6,1

6,6

7,8

6,7

7,4

2,9

2,2

1,9

1,1

2,9

5,4

2,4

2,0

-0,4

2,5

Beschäftigtenzahl in der Wirtschaft

2,8

1,9

0

2,8

1,8

Verbraucherpreis index

3,5

3,5

5,6

5,7

4,7

Verbraucherpreisindex t hne Lebensmittel

2,9

3,4

6,3

5,6

4,8

Index der Großhandelspreise

5,4

3,2

2,6

4,6

3,2

Index der Großhandelspreise - Industrieerzeugnisse
4)
Freier Wochenlohn - real
Beschäftigtenzahl in der Wirtschaft (Zunahme in
Millionen)

3,7
3,7

3,2

3,6

3,9

2,6

4,0

3,9

-1,3

-0,5

-0,2

2,21

1,47

0,01

2,13

1,37

5,2

6,0

5,8

3,5

3,4

Deflator
Lohn pro Arbeitsstunde 2)
2)
Reallohn pro Arbeitsstunde
3)
Produktivität

'

Monatszahlen (Änderungen jeweils auf der
Basis des Novembers jedes einzelnen Jahres)

Arbeitslosenrate (tatsächlicher Stand)

Tabelle 2:

�Tabelle 2: Prozentuale Veränderungen des Jahresdurchschnitts ausgewählter Wirtschaftsindikatoren 1968 bis 1972 und die Durchschnittsrate der Veränderungen zwischen den Jahren i960 und 1970
Viertel Jahreszahlen

1972

1971

1970

1969

1968

1960/70

Bruttosozialprodukt

9,3

7,6

5,0

7,6

8,9

6,8

BruttoSozialprodukt-real

6,1

2,7

-0,5

2,7

4,7

4,0

Bruttosozialprodukt-Deflator
2)
Lohn pro Arbeitsstunde
2)
Reallohn pro Arbeitsstunde
3)
Produktivität '

3,0

4,7

5,5

4,8

4,0

2,7

6,2

7,1

7,2

6,7

7,5

5,2

2,9

2,7

1,2

1,3

3,2

2,3

4,5

3,6

0,6

-0,1

2,9

2,6

Monatszahlen
Beschäftigtenzahl in der Wirtschaft

2,9

0,6

0,9

2,6

2,1

1,8

Verbraucherpreisindex

3,3

4,3

5,9

5,4

4,2

2,7

Verbraucherpreisindex ohne
Lebensmittel

3,0

4,6

6,0

5,5

4,4

2,8

Index der Großhandelspreise

4,3

3,2

3,7

3,9

2,5

1,5

Index der Großhandelspreise Industrierzeugnisse

3,4

3,6

3,8

3,4

2,5

1,4

4,2

2,8

-1,2 -0,4

0,6

0,9

Beschäftigtenzahl in der Wirtschaft (Zunahme in Millionen?

2,28

0,49

0 , 7 3 1,98

1,55

1,29

Arbeitslosenrate (tatsächlicher Stand)

5,6

5,9

4,9

3,6

4,7

Freier Wochenlohn -real 4)

3,5

5

&gt;

Fußnoten:

�Fußnoten:

1) Die ersten 3 Quartale (oder 11 Monate) 1972 verglichen mit dem
gleichen Zeitraum 1971
2) Alle Beschäftigten in der Privatwirtschaft - ohne Landwirtschaft
3) Gesamtwirtschaft - ohne Landwirtschaft
4) Arbeiter in der Wirtschaft - ohne Landwirtschaft - mit drei
Familienangehörigen
5) Durchschnitt der zehn Jahresraten

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                    <text>3. Februar 1982

I
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: USA werden akzeptablen Seerechtsvertrag unterstützen
- Stellungnahme des US-Präsidenten zur neuen LOS-Runde USA unterstreichen besondere Bedeutung des nächsten GATT-Ministertreffens
- Brock zur Handelspolitik der Vereinigten Staaten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Haig nimmt zu Polen und El Salvador Stellung
- Der US-Außenminister vor dem Außenpolitischen Senatsausschuß
Von unserem Korrespondenten Russell E. Dybvik

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kältefester Stahl
Bor statt Nickel als Legierungszusatz

Um Übei/endung von
BclegeMCfflpIciren

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Telex: 08-85432

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. Februar 1982

REAGAN: USA WERDEN AKZEPTABLEN SEERECHTSVERTRAG UNTERSTÜTZEN
- Stellungnahme des US-Präsidenten zur neuen LOS-Runde -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Erklärung am
29. Januar 1982 versichert, daß die Vereinigten Staaten an der Dritten Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen (LOS) im März teilnehmen und sich für
einen mit den amerikanischen Interessen zu vereinbarenden Vertrag einsetzen
werden. Die meisten Bestimmungen des vorliegenden Vertragsentwurfes seien
für die USA akzeptabel, so sagte Reagan, jedoch müßten vor allem bezüglich
des Tiefseebergbaus Änderungen vorgenommen werden, wenn die Administration
und der Kongreß den Vertrag annehmen sollen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die Ozeane der Welt sind für die Vereinigten Staaten und für andere Länder auf verschiedene Weise lebenswichtig. Sie stellen Wasser- und Kommunikationswege dar, die wesentlich sind für die Erhaltung des Friedens und des Handels; sie sind Hauptquellen für die Deckung des wachsenden Nahrungsmittel-

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�wachsenden Nahrungsmittel- und Energiebedarfs der Welt und versprechen ein
Potential weiterer Ressourcen. Sie sind eine offene Grenze der sich ausweitenden wissenschaftlichen Forschung und des Wissens, ein fundamentaler Teil
des Gleichgewichts der globalen Umwelt und ein Quell der Schönheit, der Ehrfurcht und der Freude der Menschheit.
Die Ausarbeitung eines internationalen Abkommens für diesen gewaltigen
Meeresraum, der über die Hälfte der Erdoberfläche bedeckt, ist eine der Hauptaufgaben der internationalen Gemeinschaft. Seit 1973 wären viele Länder aktiv
mit der mühsamen Aufgabe befaßt, auf der Dritten Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen einen umfassenden Vertrag für die Weltmeere auszuarbeiten.
Die Vereinigten Staaten waren an diesem Prozeß intensiv beteiligt.
In den Vereinigten Staaten sind ernsthafte Fragen bezüglich einiger
Teile des Vertragsentwurfes aufgetaucht, und im März vorigen Jahres habe ich
bekanntgegeben, daß meine Administration eine gründliche Überprüfung des vorliegenden Entwurfes und des Ausmaßes vornehmen werde , in dem er amerikanische
Interessen an der Schiffahrt, den überflugrechten, der Fischerei, dem Umweltschutz, dem Tiefseebergbau und anderen von der Konvention erfaßten Gebieten
berührt. Wir sind uns darüber im klaren, daß die beiden letzten Sitzungsperioden der Konferenz schwierig waren, da der Abschluß der Überprüfung ausstand.
Gleichzeitig halten wir es für wichtig, daß ein Seerechtsvertrag so aussieht,
daß die Vereinigten Staaten ihm beitreten und ihn unterstützen können. Unsere
Überprüfung ist zu dem Schluß gekommen, daß zwar die meisten Bestimmungen des
Vertragsentwurfes für die amerikanischen Interessen akzeptabel und mit ihnen
vereinbar sind, daß jedoch wichtige Teile der Bestimmungen für den Tiefseebergbau nicht annehmbar sind.
Ich gebe heute bekannt, daß die Vereinigten Staaten zu diesen Verhandlungen zurückkehren und mit anderen Ländern zusammenarbeiten werden, um einen
akzeptablen Vertrag zu erreichen. Auf dem Gebiet des Tiefseebergbaus werden
wir die Änderungen anstreben, die notwendig sind, um diese unannehmbaren Elemente zu korrigieren und das Ziel eines Vertrages zu erreichen, der:

�erreichen, der:
- nicht den Abbau von Tiefseemineral vorkommen zur Deckung des nationalen und Weltbedarfs verhindern wird;
- den nationalen Zugang zu diesen Vorkommen durch bestehende und künftige qualifizierte Körperschaften gewährleisten wird, um die Versorgung
Amerikas zu sichern, eine Monopolisierung der Vorkommen durch die Exekutive
der internationalen Behörde zu vermeiden und die wirtschaftliche Entwicklung
der Vorkommen zu fördern;
- eine Entscheidungsbefugnis des Regimes für den Tiefseebergbau vorsehen wird, die die politischen und wirtschaftlichen Interessen und die finanziellen Beiträge der beteiligten Staaten in fairer Weise widerspiegelt und
wirksam schützt;
- nicht zuläßt, daß Änderungen ohne die Billigung der beteiligten Staaten, in unserem Falle ohne den Rat und die Zustimmung des amerikanischen Senats, in Kraft treten;
- keine unerwünschten Präzedenzfälle der internationale Organisationen
schafft; und
- mit großer Wahrscheinlichkeit den Rat und die Zustimmung des Senats
erhält. Diesbezüglich sollte die Konvention keine Bestimmungen für die zwangsweise überstellung von privater Technologie und die Beteiligung oder Finanzierung von nationalen Befreiungsbewegungen enthalten.
i

Die Vereinigten Staaten bleiben dem multilateralen Vertragsprozeß
verpflichtet, um ein Übereinkommen über das Seerecht zu erreichen. Wenn wir
auf der Konferenz zusammenarbeiten und Wege finden können, um diese Grundbedigungen zu erfüllen, dann wird meine Administration die Ratifizierung
unterstützen.

.,
Ich habe
- 3 -

�Ich habe den Außenminister und meinen Sondervertreter für die Seerechtskonferenz angewiesen, in Koordination mit anderen zuständigen Regierungsstellen, sofort mit den notwendigen Konsultationen mit anderen Ländern zu beginnen
und weitere Vorbereitungen für unsere Teilnahme an der Konferenz zu treffen.

+ + + + +

- 4 -

�mE

1J

V)

DlEliT

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. Februar 1982

USA UNTERSTREICH BESONDERE BEDEUTUNG DES NÄCHSTEN GATT-MINISTERTREFFENS
- Brock zur Handelspolitik der Vereinigten Staaten -

WASHINGTON - (AD) - Der US-Sonderbeauftragte

für Handelsverhandlungen,

William Brock, hat in einer Rede vor führenden Unternehmern auf dem europäischen Managementforum in Davos dargelegt, welche Bereiche der Handelspolitik aus der Sicht der Vereinigten Staaten die höchste Aufmerksamkeit verdienen.

Nach Ansicht des wichtigsten für Handelsfragen zuständigen Mitglieds

der Reagan-Administration

werden die Handelsnationen bald vor wachsendem Pro-

tektionismus stehen, wenn es auf dem GATT-Ministertreffen im November zu keiner international koordinierten Anstrengung zur Lockerung der Handelsrestriktionen kommt.
Die Rede Brocks hat folgenden Wortlaut:
Ein großer französischer Philosoph dieses Jahrhunderts hat einmal geschrieben, "Freiheit ist die Notwendigkeit, zwischen Alternativen zu wählen."
Heute sind die Alternativen, vor denen das Welthandelssystem steht, sehr begrenzt, und die Wahl ist von entscheidender Bedeutung.
Von wenigen

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�Von wenigen Ausnahmen abgesehen, steht jedes Land der Welt vor derselben
Krise.
- Wir brauchen alle immer mehr Devisen, um die Energieeinkaufe finanzieren
zu können;
- wir alle werden bedroht von hoher Arbeitslosigkeit, von Inflation und
von Zahlungsbilanzproblemen, die den realen Lebensstandard in den meisten
Ländern der Welt vermindert haben; und schließlich - und noch schlimmer -:
- wir unterliegen alle der Versuchung - manche Länder sind ihr sogar schon
erlegen -, restriktive Handelspolitiken zu übernehmen, um die Binnenindustrien vom Wettbewerb durch Importe abzuschirmen, Subventionen zu gewähren, um die Beschäftigung aufrechtzuerhalten, sowie Regierungskredite
und ähnliche, den Handel verzerrende Anreize zu bieten, um die Exporte
zu erhöhen.
Das Ergebnis:

Ein schlimmes Syndrom, das die Mittel falsch verteilt,

Inkompetenz fördert, Ineffizienz verewigt, Marktverzerrungen institutionalisiert und zu einem Teufelskreis von Handelsungleichheit, verminderten Realeinkommen, verringerter Spartätigkeit und Kapitalbildüng, geringem oder überhaupt
keinem Wachstum und zu Inflation führt.
Die daraus resultierende Krise ist offenkundig - ebenso wie die politische
Antwort.

Rund um den Globus werden die Rufe nach Protektionismus lauter und

schriller, als sie je in 50 Jahren gewesen sind.
Ich sage dies heute nicht hier, um das Vergehen einer Ära des liberalisierten Handels zu beklagen, sondern um sein Verscheiden zu verhindern.

Meine

Regierung glaubt an den freien Handel, aber wir leisten keinen Beitrag zum
Erreichen dieses Zieles, indem wir die Angriffe anderer darauf ignorieren.

In

keinem Land gibt es über längere Zeit hinweg Unterstützung für eine Politik,
wenn das Volk spürt, daß bei der Anwendung dieser Politik keine Gerechtigkeit
herrscht.
Ich verstehe
- 2 -

�Ich verstehe die Besorgnis, die in den Vereinigten Staaten über die derzeitige Diskussion hinsichtlich der Reziprozität laut wird.

Ich bin überzeugt,

daß unter diesem Präsidenten die Reziprozität nicht ein anderes Wort für Protektionismus wird, sondern daß es dazu verwendet wird, um unser Beharren auf
Gerechtigkeit deutlich zu machen.

Weder der Kongreß noch der Präsident können

unfaire Handelspraktiken tolerieren, die entweder unseren Binnenmarkt negativ
beeinflussen oder aber unsere Möglichkeiten, draußen Handel zu treiben.
Teil des Problems ist die Frage nach dem nationalen Selbstverständnis.
Die Vereinigten Staaten verstehen sich als offener und freier Markt.

Die Euro-

päische Gemeinschaft versteht sich als ein offener und freier Markt.

Japan

sieht sich als einen offenen und freien Markt.

Und jeder wird mit einem Augen-

zwinkern und einem Lächeln eingestehen, daß sein Selbstverständnis ein ganz
klein wenig durch einige Ausnahmen verunstaltet ist.
Daher beginnt eine Formel für die Zerstörung des Welthandelssystems mit
der selbstgerechten Ansicht, daß jeder von uns so rein wie der neue Schnee
sei und daß das Problem durch die anderen komme.

Die Vereinigten Staaten sind

nicht ganz rein - und auch sonst niemand ist es.
Das Problem liegt darin, daß jedes Land unilateral versucht ist, die
Handelsregeln zu verändern und seine Ausnahmen auszuweiten - als Möglichkeit,
um mit der Wirtschaftskrise fertigzuwerden.

Kurz:

Jedes Land wünscht sich

die langfristigen Vorteile als Teilhaber am internationalen Handelssystem,
möchte jedoch gleichzeitig den Luxus und die Erlaubnis, die Regeln zu ändern,
wann immer es nötig ist, und auf seine Weise seinen nationalen Interessen folgen, ohne auf die Folgen für die anderen zu achten.
Länder können und sollten unterschiedliche Wege der Entwicklung gehen
- und wir preisen dieses ihr Recht.

Aber da es tiefgreifende Unterschiede

dabei gibt, wie ein jedes Land mit seiner Volkswirtschaft fertig wird, sind
wir doch der Ansicht, daß es von entscheidender Bedeutung ist, das Welthandelssystem neu zu strukturieren und zu stärken, um jene Unterschiede auf rationale, vorhersagbare und gerechte Weise auszugleichen.
In diesem

�In diesem Jahr geht es um mehr als um das Problem einer trägen Weltwirtschaft.

Die Entscheidungen, die wir 1982 treffen, sind für die Zukunft der

Weltwirtschaftsordnung von zentraler Bedeutung.

Es liegt in der Dynamik des

Handels, daß wir zurückfallen müssen, wenn wir nicht vorwärts gehen.

Entweder

wir bilden gemeinsam das Handelssystem der Zukunft - oder jeder von uns wird
dazu verurteilt sein, die Mauern der Vergangenheit wieder aufzurichten.
Dies ist ein Jahr der Entscheidung.

Und die Zeit sagt uns:

"Es ist

später, als ihr glaubt!"
Diese Entscheidungen werden nicht durch Aufschieben leichter.

Wir kön-

nen uns nicht der blinden Hoffnung hingeben, daß der Aufschwung der Weltwirtschaft in naher Zukunft es ermöglichen wird, diese Enscheidungen zu umgehen.
Während der letzten 35 Jahre hat sich die Liberalisierung des Welthandels
auf den Abbau der Zollschranken konzentriert. Diese Anstrengung war in großem
Umfang erfolgreich. Aber während die Zölle abbröckeln, entwickelten vielzuviele Regierungen ein beachtliches Geschick bei der Errichtung anderer Schranken. Um manche dieser Schranken ging es bei der Tokio-Runde; mit den meisten
aber befaßte man sich überhaupt nicht.
Die ungeheuer komplexen und sich rasch entwickelnden Bereiche der Dienstleistungen und der Investitionen sind besonders verletzlich, was die nichttarifären Schranken angeht. Die Tokio-Runde hat sich nicht um diese Probleme
gekümmert. Einige der raffiniertesten und heimtückischsten Barrieren gab es
zur Zeit der Tokio-Runde sogar noch nicht einmal.
Manche werden sagen, daß wir mehr Zeit brauchten, um die im Verlauf der
Tokio-Runde getroffenen Vereinbarungen zu verwirklichen, und daß wir uns gegenseitig zwischenzeitlich gratulieren und uns auf unseren Lorbeeren ausruhen
könnten. So wird es nicht gehen.
Natürlich müssen wir auf voller Durchführung der Tokio-Runde bestehen;
aber zugleich brauchen wir ein erneuertes und neubelebtes Handelssystem, dazu
- 4 -

�Handelssystem, dazu entworfen, mit den neuen Schranken fertigzuwerden, sobald
sie errichte werden und noch bevor sie die Verhandlungserfolge der Vergangenheit untergraben können.
Wir brauchen ein Handelssystem, das erkennt, daß seine Aufgabe nie erfüllt sein wird - ein System, das für den fortdauernden Prozeß der Problemanalyse und der Lösungssuche entworfen ist, noch bevor es zu einer eigentlichen
Krise kommt.
Die Nagelprobe unserer Bereitschaft zur Wahl von Alternativen und zur
Gestaltung eines neubelebten Handelssystems besteht darin, wie wir uns gemeinsam auf das GATT-Ministertreffen vorbereiten, das im November dieses Jahres in
Genf stattfinden wird.

Diejenigen, die sagen, dieses GATT-Ministertreffen

sollte als feierliche Bestätigung des Status quo fungieren, haben die Zeichen
nicht erkannt.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat sich dazu verpflichtet, dieses
Treffen zu einem Anfang, nicht einem Ende zu machen.

Jedes Land muß sich jetzt

entscheiden, ob es die politische Verpflichtung zur Inventur, zur Analyse und
zur ernsthaften Diskussion der neuen Bedrohungen des Welthandels eingehen will,
oder ob es die leichtere, aber unendlich gefährlichere Alternative wählt, eben
einfach zu einem weiteren Treffen zu kommen, um Platitüden und Gefälligkeiten
auszutauschen.
Auf dem GATT-Ministertreffen und danach ist Raum genug für Pragmatiker
und für Visionäre.
- Wir müssen die Probleme der Investitionen und all die damit zusammenhängenden Probleme der Liberalisierung des freien Kapitalflusses in den
Griff bekommen.

Wir müssen uns zu ernsthaften Gesprächen über den Handel

bei Dienstleistungen verpflichten, einem entscheidenden Element eines
künftigen Wirtschaftswachstums.
- Wir müssen

�- Wir müssen einen frischen Blick auf die dornige Frage der Sicherheitsklauseln und der Probleme der strukturellen Anpassung werfen, um mit den
sich ändernden Wirtschaftsbedingungen fertigzuwerden.
- Wir müssen die Handelsvereinbarungen bei der Landwirtschaft zum gegenseitigen Vorteil von Produzenten und Konsumenten verbessern.
- Wir müssen bessere Methoden entwickeln, um die Entwicklungsländer in
das Welthandelssystem einzubeziehen und daran teilhaben zu lassen. Wir
brauchen Fortschritte nicht nur dabei, wir wir ihnen Zugang zum Markt bei
Produkten verschaffen können, bei denen sie im Verhältnis noch einen
Vorteil haben, sondern wir müssen sie auch dazu ermutigen, ihren vollen
Anteil an der Verantwortung für die Behandlung des Welthandelssystems zu
übernehmen. Für Sie hier und für Millionen anderer in der ganzen Welt,
die der wirtschaftlichen Freiheit verpflichtet sind, muß es offenkundig
sein, daß die Devisen, die die Entwicklungsländer durch den Handel verdienen können, die Fonds, die ihnen über die Entwicklungshilfe zur Verfügung stehen, winzig erscheinen lassen. Ein freierer Handel wird es
ihnen sicherlich eher als alle Strategien der Entwicklungshilfe und der
Importerschwernisse ermöglichen, sich ein Haus zu bauen, das, einmal fertig, vor Gewalt schützt.
- W i r müssen uns auf die Herausforderungen des Handels mit fortgeschrittener
Technologie konzentrieren.
- Wir müssen die Regeln und Methoden für den Umgang mit den Planwirtschaften
verbessern, damit sie zwar in der Lage sind, auf dem Weltmarkt in
Konkurrenz zu treten, dies aber in fairer Weise tun, ohne zusammen mit
ihren Produkten zugleich Preis- und Kostenverzerrungen zu exportieren.
- Wir müssen uns mit der vielköpfigen Hydra der nichttarifären Handelsschranken sowie mit den vielen anderen Handelsproblemen auseinandersetzen,
die noch nicht einmal mit in die Überlegungen einbezogen worden waren, als
das GATT nach dem Zweiten Weltkrieg formuliert wurde, oder während der
- 6 -

�während der sieben Verhandlungsrunden, die es seither gegeben hat.
- Und über das Ministertreffen hinaus müssen wir uns auf ein System zubewegen, das diese Absichten verwirklicht.
Wir leben in einer Welt gegenseitiger Abhängigkeiten.
nicht.

Anders geht es

Wir sind frei, zwischen Alternativen zu wählen, aber diese Wahl ist

stark eingeschränkt auf ein Vorwärts oder ein Rückwärts.
Für diejenigen, die gewillt sind, auf dem GATT und anderen multilateralen
Institutionen aufzubauen, sie zu verbessern und zu stärken,
für diejenigen, die die Zukunft als neue Gelegenheit begreifen und nicht
als eine Bedrohung,
für diejenigen, die an den Zielen des freien Handels festhalten,
für diejenigen, die der Überzeugung sind, daß jedes Land an einem größeren
und allgemeinen Wohlstand teilhaben kann, anstatt den Mangel zu verteilen,
für diejenigen, die der Ansicht sind, daß der freie Fluß von Gütern,
Dienstleistungen und Kapital das beste, vom menschlichen Verstand bisher entwickelte Instrument ist, um allen Menschen das zu sichern, was sie im Schweiße
ihres Angesichts erarbeitet haben,
für all diejenigen, die hieran glauben, werden die Vereinigten Staaten
ein bereitwilliger Partner sein.
In den Händen aller Handelsnationen liegt die Entscheidung, ob das GATTMinistertreffen den Auftakt einer neuen Ära des Fortschritts und der Prosperität
oder ein großer Schlußakkord sein wird.
Wählen wir den besseren Weg:

Vereinen wir uns in der gemeinsamen Verpflich-

tung, mit den Ausflüchten aufzuhören und das Handelssystem zum Funktionieren zu
bringen.
+ + + + +
- 7 -

�Hintergrund
materiell
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Embassy of the United States of America

3. Februar 1982

HAIG NIMMT ZU POLEN UND EL SALVADOR STELLUNG
Der US-Außenminister vor dem Außenpolitischen Senatsausschuß
Von unserem Korrespondenten Russell E. Dybvik

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander Haig hat
vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats am 2. Februar 1982 nicht mit
seiner Meinung 'über das Kriegsrecht in Polen und die Pläne für demokratische
Wahlen in El Salvador hinter dem Berg gehalten.
Wenn keine Umkehr der durch die von der Sowjetunion unterstützten Unterdrückungspolitik der polnischen Regierung eintrete, so warnte Haig vor dem
Ausschuß, "dann nimmt die Wahrscheinlichkeit von Gewalttätigkeit zu". Haig
ließ keinen Zweifel, daß "die Rolle der Sowjetunion in Polen und anderswo" das
wichtigste Thema seiner Besprechungen mit dem sowjetischen Außenminister
Gromyko in der vorigen Woche in Genf gewesen sei.

"Ich habe immer wieder be-

tont, daß die sowjetische Gewaltanwendung oder Gewaltandrohung zur Verhinderung
des friedlichen Wandels die größte Gefahr für unsere beiderseitigen Interessen darstellt", so sagte Haig.

Die sowjetische Komplizenschaft in Polen und

Afghanistan und die Waffenlieferungen Moskaus an Kuba unterminierten die Grundlage der Ost-West-Beziehungen.
Der amerikanische

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�Der amerikanische Außenminister betonte in diesem Zusammenhang nachdrücklich, daß die Solidarität im westlichen Bündnis von höchster Bedeutung sei.
Darum versuche Moskau, die Einigkeit des Westens zu unterminieren.
Haig wies jedoch auch darauf hin, daß Amerika die beispiellose Zusammenarbeit und Unterstützung durch die europäischen Verbündeten anerkennen müsse.
Alle seien sich über die Unannehmbarkeit der Lage in Polen und die Verantwortung der Sowjets einig.

Es habe allerdings Meinungsverschiedenheiten bezüg-

lich des wirksamsten Weges gegeben, um Druck auf die Sowjetunion zur Geltung
zu bringen, damit sie zusammen mit der polnischen Regierung auf eine Mäßigung
hinarbeite.

"Wir marschieren nicht im Gleichschritt", so sagte Haig vor dem

Ausschuß, "und wir haben das auch nie gewollt.
schiert so, wei

1

Aber der Warschauer Pakt mar-

er seine Befehle aus Moskau erhält".

Haig wurde unter anderem auch bezüglich eines Getreideembargos gegen die
Sowjetunion befragt.

Er versicherte den Senatoren, daß Präsident Reagan kein

Getreideembargo verhängen werde, "es sei denn, eine solche Maßnahme wäre Teil
eines totalen oder breit gefaßten Rahmens von Sanktionen".

Ein amerikanisches

Embargo müsse inwirksam bleiben, solange nicht andere Getreideerzeugerländer
sich diesen Sanktionen anschlössen.
Außenminister Haig versicherte weiter, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, eine neue Runde von Gesprächen über einen Abbau der strategischen
Rüstungen (START) mit der Sowjetunion zu beginnen. Er habe dem sowjetischen
Außenminister Gromyko ein deutliches Signal gegeben, daß ein Zusammenhang bestehe zwischen erfolgreichen START-Verhandlungen, die zu einem wesentlichen
Abbau der strategischen Rüstungen führen könnten, und der anhaltenden Unterdrückung in Polen.
Haig wies auch darauf hin, daß die Verbündeten bereit seien, zur Wiederbelebung der polnischen Wirtschaft beizutragen, wenn das Kriegsrecht aufgehoben würde, die Inhaftierten freigelassen würden und das polnische Volk sein
Recht auf freie Gewerkschaften zurückerhalte.
Werte von 65 Millionen Dollar lieferbereit.

In den USA seien Hilfsgüter im
Die Lieferungen seien von Re-

�von Regierungskanälen auf katholische Hilfsorganisationen und CARE verlagert
worden. Das wichtigste sei, daß die Hilfslieferungen auch wirklich die Bevölkerung erreichten.
Haig ging auch auf die Gewalt in El Salvador ein, die mit dem Herannahen
der Wahlen noch zunimmt.

Er sagte:

"Die Trends gehen zum Besseren hin, nicht

zum Schlechteren", fügte jedoch hinzu, er sei "empört und entsetzt, wenn es
zu Greueltaten kommt, gleichgültig, ob es sich dabei um die Folge rechten oder
linken Extremismus handelt."
Haig stellte fest, daß sich die Berichterstattung über El Salvador größtenteils auf "die Gewalttaten der Rechten" konzentriert, weil das Regime offen
sei.
"Es ist schlimm, daß wir nicht eine ähnliche Berichterstattung über die
Greuel erhalten, die täglich dem Volk von El Salvador durch jene Terroristen
angetan werden, die von der Sowjetunion, Kuba und Nicaragua unterstützt und
aufgehetzt werden."

Scharf kritisierte er Kuba:

4000 bis 6000 Kubaner seien

in Nicaragua, das er "eine Basis für den Export von Subversion und bewaffneter Intervention in ganz Mittelamerika" nannte.
Haig betonte, daß die Bedrohung der Demokratie durch Gegner eines friedlichen Wandels in El Salvador besonders deutlich sei. "Die Regierung Duarte
hat sich zu politischer Reform, freien Wahlen und wirtschaftlicher Entwicklung
verpflichtet. Nicaragua und Kuba sind entschlossen, das durch Gewalt zu gewinnen, was sie nicht durch den Stimmzettel erreichen können."
Der Außenminister erklärte, die Vereinigten Staaten seien entschlossen,
die "selbstzerstörerische Methode" zu vermeiden, einseitig Polizist dieser
Region zu werden.
Auf eine Frage hin antwortete Haig, er wolle nicht im einzelnen darlegen,
welche Schritte die Vereinigten Staaten gegenüber El Salvador unternehmen
würden:

"Wir wägen derzeit eine ganze Bandbreite von Optionen gegeneinander
- 3 -

�Optionen gegeneinander ab.

In bezug auf politische, wirtschaftliche und

sicherheitspolitische Schritte ist noch nichts ausgeschlossen."
Reportern gegenüber sagte er auf die Frage, ob die USA die Entsendung
von Kampftruppen nach El Salvador ausschlössen, der Präsident habe "sehr
große Vorbehalte hinsichtlich eines solchen Schrittes, Notfälle ausgenommen".
Zu einem verwandten Thema sagte Haig zu Senator Nancy Kassebaum, daß die
Administration "sehr beunruhigt über die Zunahme der Gewalt in Guatemala ist.
Wenn ich jemals einen Embryo von Salvador gesehen habe - mit unterschiedlicher
Begründung, mit unterschiedlihcer Problemlage -, so ist das Guatemala".
In Beantwortung weiterer Fragen sagte Haig, es habe bei den marokkanischen
Anstrengungen zur Lösung der Situation in der westlichen Sahara "in letzter
Zeit einige Probleme" gegeben.

"Es gab eine gewisse Verschlechterung bei der

Anstrengung in Richtung auf ein Referendum und eine friedliche Lösung", weil
die Aufständischen der Polisario mittlerweile noch besser gerüstet seien.
Er fügte hinzu, er sei darüber "ermutigt", daß für die nächste Zeit neue
Gespräche geplant seien.

In seiner vorbereiteten Erklärung sagte Haig außer-

dem, daß seine beiden jüngsten Besuche im Nahen Osten dazu beigetragen hätten,
die Reibungen zwischen Ägypten und Israel abbauen zu helfen und daß die verbliebenen Fragen hinsichtlich der Zusammensetzung und der Dislozierung einer
multilateralen Streitmacht und von Beobachtern im Sinai nach dem endgültigen
Abzug der Israelis gelöst wurden.
Er habe sowohl Ägypten als auch Israel darauf gedrängt, ihre Anstrengungen
im Hinblick auf Verhandlungen über die Autonomie der Palästinenser zu verstärken,
gab jedoch zu, daß "auf beiden Seiten noch harte Arbeit und Einfallsreichtum
nötig sind, um die großen Meinungsunterschiede zu überbrücken, die sie trennen."
Zu anderen Themen sagte der Außenminister:
- daß die

�daß die Vereinigten Staaten dazu beigetragen haben, die Verhandlungen
über Namibia und die Hoffnungen wiederzubeleben, noch 1982 zu einer Lösung zu kommen, die zur Unabhängigkeit Namibias führen kann;
daß die Vereinigten Staaten die Wiederherstellung des Friedens im Tschad
unter den Auspizien der Organisation für afrikanische Einheit unterstützen;
daß die Vereinigten Staaten ihre Unterstützung für die "bedrohten Nachbarn" Libyens als Teil einer festen amerikanischen Haltung gegenüber
der Förderung des internationalen Terrorismus durch Libyen ausgeweitet
haben; und
daß die Vereinigten Staaten den Anstrengungen der ASEAN-Staaten zur Beendigung der vietnamesischen Besetzung Kampucheas ihre vollste Unterstützung geben.

+ + + + +

�Wi/zen/choft
und Technik

I

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Embassy of the United States of America

3. Februar 1982

KÄLTEFESTER STAHL
Bor statt Nickel als Legierungszusatz

- (AD) - Ein nickelfreier Baustahl, der unter Kälteeinwirkung nicht
versprödet, wurde von J. William Morris, S.K. Hwang und N. Niikura von der
Abteilung Metallurgie und Werkstoffwissenschaften des "Lawrence Berkeley
Laboratory" (Kalifornien) entwickelt. Nach Auffassung von Experten im USEnergieministerium, die Forschungs- und Entwicklungsergebnisse auf diesem
Spezialgebiet aus neun nationalen Laboratorien begutachteten, sind die Resultate dieser Wissenschaftlergruppe auch im Hinblick auf den Kostenfaktor besonders vielversprechend.
Die Suche nach neuen Baustählen, die den herkömmlichen Anforderungen zufolge neben genügender

Festigkeit besonders hohe Zähigkeit besitzen müssen,

wurde vor allem deshalb intensiviert, weil der Bedarf an druckfesten Tanks
und Transportbehältern für sog. kryogene Flüssigkeiten immer größer wird.
Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und Erdgas in verflüssigter Form verlangen sehr tiefe Temperaturen - teilweise weit unterhalb von minus 150 Grad
Celsius bis zu einem Bereich, der nicht allzu weit vom absoluten Nullpunkt
entfernt ist. Da Kälte aber die meisten Werkstoffe spröde und rißanfällig

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�und rißanfällig macht, sind Speziallegierungen für das Material erforderlich,
aus dem die Druckbehä'lter gebaut werden.

Bisher werden dafür rostbeständige

Stähle benutzt, die einen hohen Nickel-Anteil haben.

Die Vereinigten Staaten

verfügen selbst nur über geringe Nickel vorkommen und sind gezwungen, den größten Anteil des Nickelbedarfs aus Importen zu decken.

Vor allem Nickel macht

die rostbeständigen, zähen Baustähle enorm teuer.
J. William Morris stellte an Hand mikroskopischer Gefügeuntersuchungen
fest, daß die Rißbildung durch Kälteversprödung entlang der Korngrenzen erfolgt.

Auf der Suche nach Legierungszusätzen, die den Gefügezusammemhalt ver-

stärken könnten, erwies sich das Element Bor als besonders wirksam.

Bei eini-

gen inzwischen auf dieser Basis entwickelten Stahllegierungen ist die Kältefestigkeit um 150 Grad Celsius besser als bei vergleichbaren anderen nickelfreien Stählen.

In einem Fall wurde versucht, die Gefügestruktur durch eine

spezielle Wärmebehandlung zu verfeinern, indem man die Wärmeeinwirkung innerhalb eines bestimmten Temperaturbereichs unter genau kontrollierten Bedingungen pendeln ließ.

Damit sollte eine gleichmäßigere Verteilung der Legierungs-

beständteile innerhalb des Korns und so eine Verbesserung der Struktur erreicht werden.

Nach Ansicht von Morris wurden durch diese Versuchsarbeiten

auch allgemeine neue Erkenntnisse zu den Grundlagen metallurgischer Verfahren
zur wesentlichen Verbesserung von Werkstoffeigenschaften gewonnen.

"Wir wis-

sen jetzt auch, daß es den 'Korngrenzenkitt' tatsächlich gibt, und daß Bor
zumindest ein Beispiel dafür ist."
Zunächst dürften die neuen Legierungen zum Bau von Tanks für flüssigen
Stickstoff verwendet werden, an dem die meisten Branchen der Industrie großen
i

Bedarf haben.

+ + + + +

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 03.02.1982</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA werden akzeptablen Seerechtsvertrag unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellungnahme des US-Präsidenten zur neuen LOS-Runde -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA unterstreichen besondere Bedeutung des nächsten GATT-Ministertreffens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Brock zur Handelspolitik der Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Haig nimmt zu Polen und El Salvador Stellung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Der US-Außenminister vor dem Außenpolitischen Senatsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kältefester Stahl&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bor statt Nickel als Legierungszusatz -&lt;/em&gt;</text>
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