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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25. Januar 1980

INHALT

DOKUMENTATION

Botschaft über die Lage der Nation
- Schriftlicher Bericht Präsident Carters an den Kongreß
- Auszüge -

Um Über/encJung von
Belegexemplaren wird
gebecen

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25. Januar 1980

BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
Schriftlicher Bericht Präsident Carters an den Kongreß
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 21. Januar 1980 dem
amerikanischen Kongreß eine schriftliche Botschaft über die Lage der Nation
(State of the Union Message) zugeleitet, in der das in der mündlichen Botschaft am Abend des 23. Januar vor beiden Häusern des Kongresses dargelegte
Regierungsprogramm ausführlicher beschrieben wird.

Die schriftliche Botschaft,

die 75 Seiten umfaßt, behandelt neben der Außenpolitik auch die Wirtschaftspolitik und innenpolitische Themen, wie Jugendarbeitslosigkeit, Finanzausgleich
zwischen Bund und Einzelstaaten, Nuklearentsorgung, Neuorganisation der Nuklearaufsichtsbehörde, Vollmachten für Benzinrationierung und Senkung des Ölverbrauchs der Versorgungsbetriebe.
Im Mittelpunkt des außenpolitischen Teils steht das amerikanisch-sowjetische Verhältnis angesichts der Invasion Afghanistans durch Truppen der Sowjetunion und das Verhältnis zum Iran, der erneut dringend ersucht wird, die amerikanischen Geiseln freizulassen, um zu einer Normalisierung der Beziehungen
zu gelangen.

Die

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�V

Die wesentlichen Teile des außenpolitischen Kapitels haben folgenden
Wortlaut:
Seit ich vor drei Jahren mein Amt

antrat, habe ich die Notwendigkeit

unterstrichen, daß unser Land eine führende Rolle in einer Welt übernimmt, die
den weitgehendsten und tiefgreifendsten Wandel in der Geschichte der Menschheit durchmacht.
Meine Politik hat sich besonders auf drei Gebiete des Wandels gerichtet:
- das stetige Anwachsen und die verstärkte Darstellung sowjetischer Militärmacht im Ausland - Macht, die in den letzten zwei Jahrzehnten stärker angewachsen ist als unsere eigene;
- die überwältigende Abhängigkeit der westlichen Länder, zu denen in zunehmendem Maße heute die Vereinigten Staaten zählen, von der lebenswichtigen
Ölversorgung aus dem Mittleren Osten;
- die Forderungen des Wandels in vielen Ländern der Entwicklungswelt, einschließlich der ein Jahr alten Revolution im Iran und der Ungewißheit der Zukunft vieler anderer Länder.
Als Ergebnis dieser fundamentalen Tatsachen stehen wir vor einigen der
ernstesten Herausforderungen in der Geschichte unseres Landes. Die sowjetische
Invasion in Afghanistan ist eine Bedrohung des Weltfriedens, der Ost-West-Beziehungen sowie der regionalen Stabilität und der Ölversorgung. Wie die beispiellose und überwältigende Abstimmung in der Vollversammlung der Vereinten
Nationen gezeigt hat, betrachten Länder in der ganzen Welt - und vor allem die
blockfreien - die sowjetische Invasion als eine Bedrohung ihrer Unabhängigkeit
und Sicherheit. Unruhe in der an den Persischen Golf angrenzenden Region birgt
Risiken für die Sicherheit und Prosperität jedes westlichen Landes und damit
für die gesamte Weltwirtschaft. Das weitere Festhalten amerikanischer Geiseln
im Iran ist ein Affront für alle zivilisierten Menschen und eine ernsthafte
Behinderung, der auf der Hand liegenden Bedrohung weitreichender gemeinsamer
- 2 -

»

�gemeinsamer Interessen - einschließl ieh jener des Iran - entgegenzutreten.

Wenn wir uns jetzt auf unsere dringlichsten Anstrengungen zur Lösung
drängender Probleme'konzentrieren, werden wir'uils jedoch weiterhin auch den
positiven Aspekten zuwenden, die nur der Wandel bringen kann.

Es ist immer

das Wesen Amerikas gewesen, voranschreiten zu wollen - wir begreifen, daß
Prosperität, Fortschritt und vor allem Frieden nicht erreicht werden können,
wenn wir auf der Stelle stehen bleiben.

Eine Welt von Nationen, die nach der

Erhaltung ihrer Unabhängigkeit streben, und von Völkern, die sich'nach wirtschaftlicher Entwicklung und politischer Freiheit sehnen, ist keine Welt, die
den Idealen und Interessen der Vereinigten Staaten feindlich wäre.

Wir haben

mächtige Gegner, aber wir haben auch starke Freunde und zuverlässige Verbündete.

Wir haben gemeinsame Interessen mit der großen Mehrheit der Länder und

Völker der Welt.
Es hat in den letzten Jahren ermutigende Entwicklungen gegeben, nicht
nur Dinge, die unsere ständige Wachsamkeit und Besorgnis erfordern:

- Unser Bündnis mit den modernsten und demokratischen Staaten von Westeuropa bis Japan sind stärker denn je.

- Wir haben zu einer dramatischen Verbesserung der Beziehungen zwischen
Ägypten und Israel und einem historischen Schritt zu einer umfassenden arabisch-israelischen Lösung beigetragen.

- Unsere Beziehungen zu China werden immer enger und bilden eine große
neue Dimension in unserer Politik in Asien und in der Welt.

- überall im südlichen Afrika, von Rhodesien bis Namibia, tragen wir zum
friedlichen Übergang zur Mehrheitsherrschaft im Zusammenhang mit der Achtung
für Minderheits- als auch Mehrheitsrechte bei.

Die zentrale Herausforderung in der heutigen Zeit liegt für uns in der Beharrlichkeit der Zielsetzung.

Wir werden nicht mehr vom Isolationismus in
- 3 -

�in Versuchung geführt, aber wir müssen auch lernen, wirksam mit den Widersprüchlichkeiten der Welt fertigzuwerden - der Notwendigkeit, mit potentiellen
Gegnern ohne Euphorie zusammenzuarbeiten, ohne unsere Entschlossenheit zu
untergraben, mit solchen Gegnern zu konkurrieren und, wenn notwendig, ihnen
entgegenzutreten, wenn sie unsere Sicherheit bedrohen.
Wir stehen vor einem weiten Bereich von Bedrohungen und Chancen.

Wir

haben einen weiten Bereich von Fähigkeiten und Zielen in Verteidigung, Diplomatie und Wirtschaft verfolgt und sollten sie weiter verfolgen.

Ich sehe in

den achtziger Jahren fünf Grundziele Amerikas in der Welt:
- Erstens, wir werden weiterhin, wie wir das während der letzten drei
Jahre getan haben, Amerikas militärische Stärke und die unserer Verbündeten
und Freunde aufbauen.

Weder die Sowjetunion noch irgendein anderes Land wird

Grund haben, unseren Willen in Frage zu stellen, die stärksten und flexibelsten
VerteidigungsStreitkräfte aufrechtzuerhalten.
- Zweitens, wir werden in der Welt eine aktive Diplomatie betreiben und
- zusammen mit unseren Freunden und Verbündeten - daran arbeiten, Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln beizulegen und jedem Aggressor einen hohen Preis
abzuverlangen.
- Drittens, wir werden uns bemühen, dringende internationale Wirtschaftsprobleme zu lösen - vor allen Dingen auf dem Gebiet der Energie und der Inflation - und weiterhin unser noch größeres Ziel des globalen wirtschaftlichen
Wachstums durch Ausweitung des Handels und der Entwicklungshilfe zu verfolgen.
- Viertens, wir werden weiterhin mit allem Nachdruck den Prozeß des Aufbaus demokratischer Institutionen und der Verbesserung des Schutzes der Menschenrechte in der ganzen Welt unterstützen.

Wir sind zutiefst davon überzeugt,

daß die Zukunft nicht der Diktatur, sondern der Demokratie gehört.
- Fünftens,

�- Fünftens, wir bleiben zutiefst dem Prozeß der beiderseitigen und verifizierbaren Rüstungskontrolle verpflichtet, vor allem den Bemühungen zur Verhinderung der Ausbreitung und Weiterentwicklung von Kernwaffen.

Unsere Ent-

scheidung, die Bemühungen um die Ratifizierung des SALT II-Vertrages aufzuschieben, jedoch nicht aufzugeben, ist Ausdruck unserer festen Überzeugung, daß
die Vereinigten Staaten in den Beschränkungen der sowjetischen Nuklearstreitkräfte, die nur dieser Vertrag bieten kann, ein profundes nationales Sicherheitsinteresse haben.
Wenn diese Ziele erreicht werden sollen, dann ist eine anhaltende enge
Zusammenarbeit zwischen dem Kongreß und der Exekutive notwendig. Zu meinen
dringlichsten legislativen Prioritäten zählen:
1. Bewilligungs- und Zuweisungsgesetze für das Verteidigungsministerium;
2. besondere internationale Sicherheitshilfe für Pakistan und andere Länder;
3. Gesetze über bilaterale und multilaterale Auslandshilfe, einschließlich zusätzlicher Bewilligungen für Mittelamerika;
4. das Handelsabkommen mit China;
5. Statuten für die Nachrichten- und Aufklärungsdienste;
6. gesetzliche Regelungen und Mittel für Flüchtlinge;
7. Menschenrechtskonventionen; und
8. zu gegebener Zeit der SALT II-Vertrag.
Ein ganz unmittelbares und dringliches Ziel, das in unserem Denken und im
Denken des amerikanischen Volkes den ersten Platz einnimmt, ist die Freilassung
unserer Geiseln im Iran.
Wir
- 5 -

�Wir haben keinen grundlegenden Streit mit der Nation, der Revolution
oder dem Volk des Iran.

Ihre Bedrohung kommt nicht von der amerikanischen

Politik, sondern von sowjetischen Handlungen in der Region.

Wir sind bereit,

mit der Regierung des Iran zu arbeiten, um ein neues und beiderseits nützliches Verhältnis zu entwickeln.
Aber das wird nicht möglich sein, solange der Iran weiterhin amerikanische
Geiseln festhält - unter Mißachtung der Weltgemeinschaft und des zivilisierten Verhaltens.

Die Geiseln müssen unbeschadet freigelassen werden.

Wir haben

bisher ein maßvolles Programm friedlicher diplomatischer und wirtschaftlicher
Schritte verfolgt in dem Versuch, dieses Problem zu lösen, ohne auf die anderen,
uns nach internationalem Recht zur Verfügung stehenden Hilfsmittel zurückzugreifen.

Dies ist ein Ausdruck der tiefen Achtung unserer Nation vor der Herr-

schaft des Rechts und vor der Sicherheit unserer Menschen, die festgehalten
werden, sowie unserer Überzeugung, daß eine Großmacht eine Verantwortung trägt,
ihre Stärke in maßvoller und rechter Weise zu benutzen.

Aber unsere Geduld

ist nicht unbegrenzt, und unsere Besorgnis um das Wohlergehen unserer Mitbürger wächst jeden Tag.

STEIGERUNG DER NATIONALEN SICHERHEIT - MILITÄRISCHE STÄRKE AMERIKAS
Das amerikanisch-sowjetische Verhältnis
Wir zeigen der Sowjetunion auf breiter Front, daß sie, was unser Verhältnis zueinander angeht, einen hohen Preis für ihre Aggression zahlen wird.
Im Verlauf der letzten Jahrzehnte waren die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen eine Mischung aus Zusammenarbeit und Wettstreit. Der sowjetische Angriff
auf Afghanistan und die unbarmherzige Vernichtung seiner Regierung haben auf
das deutlichste die dunklere Seite der sowjetischen Politik erkennen lassen,
die weit über Wettstreit und legitime Verfolgung des Nationalinteresses hinausgeht und alle Normen des Völkerrechts und der internationalen Praxis verletzt. ..
Die

�Die Zerstörung der Unabhängigkeit der afghanischen Regierung und die Besetzung durch die Sowjetunion hat die strategische Lage in diesem Teil der Welt
in höchst unheilvoller Weise verändert.

Sie hat die Sowjetunion in eine bedroh-

liche Nähe zum Indischen Ozean und sogar zum Persischen Golf gebracht.
Sie hat einen Puffer zwischen der Sowjetunion und Pakistan beseitigt und
für den Iran eine neue Bedrohung geschaffen. Diese beiden Länder sind jetzt
gegenüber sowjetischer politischer Einschüchterung weitaus verwundbarer. Sollte sich diese Einschüchterung als wirkungsvoll erweisen, so könnte die Sowjetunion leicht ein Gebiet kontrollieren, das für das überleben Westeuropas, des
Fernen Ostens und letztlich der Vereinigten Staaten von entscheidender strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung ist.
Es ist offensichtlich, daß der gesamte asiatische Subkontinent und besonders Pakistan bedroht sind. Daher fordere ich als den ersten Tagesordnungspunkt den Kongreß auf, ein Paket wirtschaftlicher und militärischer Hilfsmaßnahmen zu verabschieden, um Pakistan bei seiner Selbstverteidigung zu unterstützen.

Verteidigungshaushait
über viele Jahre hinweg haben die Sowjets ständig ihre realen Verteidigungsausgaben erhöht, ihre strategischen Streitkräfte erweitert, ihre Streitkräfte
in Europa und Asien verstärkt und ihre Kapazität gesteigert, um militärische
Macht rund um die Welt entweder direkt oder durch die Verwendung von Stellvertretern auszuüben. Afghanistan bezeugt die umfassend erhöhte militärische Macht
der Sowjetunion.
Die Sowjetunion hat eine Kriegsmaschinerie aufgebaut, die weit über jedes vernünftige Erfordernis nach eigener Verteidigung und Sicherheit hinausgeht.

Im Gegensatz hierzu gingen unsere eigenen Verteidigungsausgaben von 1968

bis 1976 jedes Jahr real zurück.
Durch
- 7 -

�Durch unsere eigene Anstrengung haben wir diesen Rückgang umgekehrt.
Seit 1976 gab es jedes Jahr eine reale Steigerung unserer Verteidigungsausgaben - und unser Beispiel hat zu Steigerungen bei unseren Verbündeten ermutigt. Mit Unterstützung des Kongresses müssen wir in den kommenden Jahren
eine noch größere Anstrengung unternehmen - und wir werden es.
Das Budget des Haushaltsjahres 1981 sieht eine Ausgabenermä'chtigung für
die Verteidigung in Höhe von mehr als 158 Milliarden Dollar vor, ein Realzuwachs von mehr als fünf Prozent über meine Forderung für das Haushaltsjahr
1980 hinaus. Daher werden die geforderten Ausgaben für die Verteidigung im
Lauf des Haushaltsjahres 1981 um real über drei Prozent gegenüber dem Vorjahr
steigen.
Die Trends, die wir zu korrigieren beabsichtigen, können nicht über Nacht
abgestellt werden; wir müssen bereit sein, dieses Programm durchzuhalten .
Um dies sicherzustellen, lege ich eine Wachstumsrate für die Verteidigung fest,
die wir über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten können.
Das von mir für die nächsten fünf Jahre vorgeschlagene Verteidigungsprogramm wird einige Opfer erfordern - aber Opfer, die wir uns sicher leisten können.
Das Verteidigungsprogramm betont vier Bereiche:
1. Es stellt sicher, daß unsere strategischen Nuklearstreitkräfte denjenigen der Sowjets ebenbürdig sind und daß die Abschreckung vor einem Atomkrieg
aufrechterhalten wird.
2. Es verbessert unsere Streitkräfte, so daß das militärische Gleichgewicht zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt auch weiterhin vor dem Ausbruch eines Krieges - konventionell oder atomar - in Europa abschrecken wird.
3. Es gibt uns die Möglichkeit, Freunden und Verbündeten rund um die Welt
rasch zu Hilfe zu kommen.
.
..,

�4. Und es stellt sicher, daß unsere Seestreitkräfte auch weiterhin die
stärksten auf den Meeren sein werden.

Strategische Streitkräfte
Wir verstärken jeden der drei Bereiche unserer strategischen Streitkräfte.

Die im nächsten Jahr beginnende Produktion der Marschflugkörper wird

unsere strategische Luftabschreckung modernisieren.
ten werden verbessert.

Auch die B-52-Kapazitä-

Diese Schritte werden die B-52-Flotte aufrechterhalten

und vergrößern, indem ihre Fähigkeit verbessert wird, Waffen in immer stärker
verteidigte Ziele zu tragen.
Wir modernisieren auch unsere strategische Unterseeboot-Raketenwaffe. Das
erste neue TRIDENT-Unterseeboot ist bereits vom Stapel gelaufen, und in diesem
Jahr wird mit der Seeerprobung begonnen. Das zweite TRIDENT-Unterseeboot wird
im Frühjahr 1980 vom Stapel laufen. Die ersten unserer neuen TRIDENT-Raketen
mit einer Reichweite von über 4000 Meilen sind bereits im operativen Einsatz
auf POSEIDON-Unterseebooten.
Die neue MX-Rakete wird die Überlebensfähigkeit unserer landgestützten
interkontinentalen ballistischen Raketenstreitmacht vergrößern. Aus diesem
Grund traf ich im vorigen Frühjahr die Entscheidung, diese Rakete zu produzieren, und wählte die Stationierungsweise aus, die am meisten für die Erhöhung
ihrer Kapazität geeignet ist. Außerdem wird die MX unsere Kapazität zum Angriff
auf einen weiten Bereich sowjetischer Ziele stärken.
Unsere neuen Systeme werden die strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten in die Lage versetzen, angesichts der zunehmenden sowjetischen
Herausforderung das Gleichgewicht zu bewahren. Wir würden jedoch eine noch
größere Investition bei den strategischen Systemen brauchen, um der sowjetischen
Aufrüstung zu begegnen, die ohne SALT wahrscheinlich einsetzen würde.
Streitkräfte

�Streitkräfte für die NATO
Wir verbessern beschleunigt unsere Fähigkeit, Westeuropa im Krisenfall
durch massive Land- und Luftstreitkräfte zu verstärken.

Wir führen ein um-

fangreiches Modernisierungsprogramm für Waffen und. Ausrüstung der Armee durch
und erhöhen Bewaffnung, Feuerkraft und taktische Mobilität.
Wir lagern mehr schwere Ausrüstung in Europa, um dadurch besser Angriffen
mit kurzer Vorwarnzeit begegnen zu können, und verstärken in großem Umfang
unsere Kapazitäten für den Luft- und Seetransport.
Ebenso verbessern wir unsere taktischen Luftstreitkräfte durch die Beschaffung von etwa 1700 neuen Kampf- und Angriffsflugzeugen im Verlauf der
nächsten fünf Jahre und erhöhen die Anzahl der Jagdgeschwader der Luftwaffe
um über zehn Prozent.
Wir beschleunigen das Tempo, mit dem wir Kampfflugzeuge nach Europa verlegen können, um mit jedem Überraschungsangriff fertigzuwerden, und vergrößern
die Anzahl von Bunkern auf den europäischen Luftwaffenstütztpunkten, um einer
Zerstörung unserer Flugzeuge am Boden zu verhindern.

•

Schnelle Eingreiftruppen
•

•

-

•

'

Wir erhöhen systematisch unsere Fähigkeit, auf Ereignisse außerhalh der
NATO zu reagieren, wo immer dies aufgrund unserer Verpflichtungen erforderlich
ist oder wann immer unsere lebenswichtigen Interessen bedroht sind.
Die schnellen Eingreiftruppen, die wir zusammenstellen, werden außergewöhnlich flexibel sein:

sie können von der Größe von ein paar Schiffen oder

Luftgeschwadern bis zu Formationen von der Größe von 100 000 Mann reichen, einschließlich Versorgung.

Unsere Streitkräfte werden auf schnelle Dislozierung

in jede Region von strategischer Bedeutung vorbereitet sein.
Zu

- 10 -

�Zu den spezifischen Initiativen, die wir ergreifen, um bei der Reaktion
auf Krisen außerhalb Europas zu helfen, gehören:

- die Entwicklung und Produktion einer neuen Flotte schwerer Lastenflugzeuge mit interkontinentaler Reichweite;

- Planung und Beschaffung einer Streitmacht von Bereitstellungsschiffen,
die schwere Ausrüstung und Versorgung für drei Marineinfanteriebrigaden geladen haben.
Als Antwort auf die sowjetische, Militärpräsenz in Kuba und die Stellvertreterrolle Kubas im Namen der UdSSR haben wir zusätzlich die folgenden Schritte
zur Unterstützung der Schnellen Eingreiftruppe unternommen oder sind damit beschäftigt:
1. Wir erhöhen unsere Fähigkeit, die kubanischen und sowjetisch-kubanischen Aktivitäten zu überwachen, wesentlich;

2. wir haben ein Ständiges Hauptquartier der Gemeinsamen Einsatzstreitmacht in der Karibik eingerichtet, das unsere Fähigkeit zur Reaktion auf Ereignisse in dieser Region erhöht;
3. wir verstärken regionale Militärmanöver;und

4. wir intensivieren den Beistand für Länder in der Region, die durch
eine sowjetische oder kubanische Intervention bedroht werden.

Seestreitkräfte Seemacht ist für unsere globale Stellung unabdingbar - im Frieden wie im
Krieg.

Unser Schiffbauprogramm wird in den achtziger Jahren eine Flotte von

550 Schiffen unterhalten, und wir werden auch weiterhin die besten Schiffe

- 11 -

�Unsere Nachrichten- und Aufklärungsdienste
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Unsere nationalen Interessen sind in entscheidendem Maße von einer
starken und wirkungsvollen Kapazität unserer Nachrichten- und Aufklärungsdienste abhängig.

Wir werden diese Kapazitäten, die wir zur Gewährleistung

unserer nationalen Sicherheit benötigen, in ihrer Arbeit nicht hängen lassen...
Es ist dringend notwendig, daß wir jetzt im Rahmen einer wirkungsvollen
Aufsicht des Kongresses aktiv vorangehen, um Amerikas Nachrichten- und Aufklärungsdienste mit Satzungen zu versehen, die es ihnen erlauben, innerhalb
eines durch das Gesetz kodifizierten Bereichs wirkungsvoller zu operieren.

Regionale Politiken
Mehr als drei Jahrzehnte lang hat jeder Präsident erkannt, daß die Interessen Amerikas weltweit sind und daß wir eine weltweite Außenpolitik verfolgen müssen.
Zwei Weltkriege haben unser Interessen an Westeuropa und dem Bereich des
Nordatlantik deutlich gemacht. Wir sind auch mit dem Fernen Osten unentwirrbar verbunden - politisch, wirtschaftlich und militärisch. In beiden Bereichen
haben die Vereinigten Staaten eine ständige Präsenz und Sicherheitsverpflichtungen, die automatisch ausgelöst würden. In zunehmendem Maß wurden wir unserer wachsenden Interessen in einem dritten Gebiet bewußt - dem Mittleren
Osten und dem Gebiet um den Persischen Golf.
Wir haben auch entscheidende Interessen in anderen wichtigen Regionen der
Welt zu vertreten. Seit langem sehen wir, daß in einem Zeitalter der Interdependenz unsere eigene Sicherheit und unser Wohlstand von einer größeren gemeinsamen Anstrengung mit Freunden und Verbündeten in der ganzen Welt abhängt.
Das

�Das Atlantische Bündnis

Zu Beginn meiner Regierungszeit betonte ich die vorrangige Stellung
unserer atlantischen Beziehung auf der Tagesordnung der nationalen Sicherheit unseres Landes.

Wir haben gewaltige Fortschritte dabei erzielt, das

Atlantische Bündnis in einem sich verändernden Sicherheitsumfeld noch wirkungsvoller zu machen.

Während wir mit unseren notwendigen Verteidigungsanstrengungen in Europa
voranschreiten, setzen wir unsere Anstrengungen, die europäische Sicherheit
durch Rüstungskontrolle zu verbessern, ebenfalls fort.

Als integralen Bestandteil der TNF-Entscheidungen der NATO hat das Bündnis klargestellt, daß es bereit ist, Begrenzungen bei weitreichenden TNF-Raketen auszuhandeln...

Bei den MBFR-Verhandlungen haben wir und unsere Verbündeten kürzlich
neue Vorschläge eingebracht, die die Verhandlungen vereinfachen und die Aussichten auf baldigen Fortschritt bei der Begrenzung der konventionellen Streitkräfte in Europa erhöhen sollen.

In einem sehr konkreten Sinn haben die Leistungen des vergangenen Jahres
eine kritische Frage beantwortet, die die Zukunft der NATO betrifft:

kann

das westliche Bündnis, das das Fundament für eine der längsten Perioden des
Friedens und des Wohlstands gelegt hat, derer sich Europa je erfreut hat, noch
immer den erforderlichen Zusammenhalt, die Bedeutung und die Entschlossenheit
aufbringen, um mit den grundlegenden Sicherheitsfragen fertigzuwerden, die
seine Mitgliedsländer wahrscheinlich bis weit in das nächste Jahrhundert hinein berühren werden?

Der gemeinsame Wille der NATO zugunsten der Modernisie-

rung und Verhandlung über ihr Kernwaffenarsenal bei gleichzeitiger fortgesetzter Verbesserung ihrer konventionellen Streitkräfte bewies deutlich die Fähigkeit des Bündnisses, wirkungsvoll auf die von der Sowjetunion gestellten militärischen und politischen Drohungen zu antworten...
Alle
- 13 -

�Alle westeuropäischen Regierungen unterstützen uns bei der Verfolgung
aller friedlichen Wege, um die Freilassung der amerikanischen Geiseln zu erreichen, die in Teheran ungeachtet der universellen Normen des Völkerrechts
und des internationalen Anstandes festgehalten werden.

Wir konsultieren die

Verbündeten und arbeiten eng mit ihnen bei unseren Antworten auf die Invasion
und Besetzung Afghanistans durch die Sowjetunion zusammen...

As i en
Die Vereinigten Staaten sind ebenso eine pazifische Nation wie eine atlantische Nation.

Unsere Interessen in Asien sind uns ebenso wichtig wie un-

sere Interessen in Europa.
Handel mit Europa.

Unser Handel mit Asien ist sogar größer als unser

Wir haben diese Interessen auf der Basis eines stabilen

Machtgleichgewichts in der Region verfolgt und aufrechterhalten.

Unsere Part-

nerschaft und unser Bündnis mit Japan stehen im Mittelpunkt unserer Asienpolitik.

Wir stärken unser neues Verhältnis zu China.

Wir haben unsere Bindungen

mit der Vereinigung SUdostasiatischer Nationen (ASEAN) und ihren Mitgliedsregierungen ausgeweitet.

Sicherheit Asiens
Das Gleichgewicht der Macht ist fundamental für die Sicherheit Asiens.
Wir haben dieses Gleichgewicht durch eine starke militärische Position der
Vereinigten Staaten in der Region aufrechterhalten sowie durch enge Bindungen
mit unseren Verbündeten, Japan, Australien, Neuseeland und Korea...
Die Reaktion der Länder in Ostasien auf die sowjetische Aggression in
Afghanistan war erfreulich.

Vor allem Australien verdient Anerkennung für die

feste Haltung, die es gezeigt hat.

Auch Japan und die ASEAN-Staaten haben

uns nachdrücklich unterstützt.
China
- 14 -

�China
Im Laufe des vergangenen Jahres haben wir unser neues Verhältnis zur
Volksrepublik China ausgeweitet, um sicherzustellen, daß dort, wo sich unsere Interessen decken, unsere getrennten Maßnahmen sich gegenseitig ergänzen.

Zu diesem Zweck haben wir unsere konsultativen Beziehungen verstärkt.

Wir haben uns auch bemüht, auf wirtschaftlichem, kulturellem, wissenschaftlichem und handelsmäßigem Gebiet einen dauerhaften institutionellen Rahmen zu
schaffen...
Im Jahre 1980 erwarte ich, daß der Kongreß schon bald das Handelsabkommen mit China billigt und eine Tätigkeit der OPIC (Overseas Private Investment
Corporation = Gesellschaft für Privatinvestitionen in Übersee, die durch Regierungsbürgschaften die private Investitionstätigkeit im Ausland fördert,
Anm. der Redaktion) in China bewilligt. Wir planen den Abschluß von Abkommen
auf dem Gebiet der Zivilluftfahrt, der Schiffahrt und der Textilien. Und wir
werden weiterhin unsere kommerziellen, kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen vor allem durch Kredite der Export-Import-Bank an die Volksrepublik
China ausbauen.

SUdostasien
...Während des ganzen vorigen Jahres haben sich unsere Beziehungen zu ASEAN
in dem Maße erweitert, in dem unsere konsultativen Vereinbarungen gestärkt wurden.
Die Stabilität und Prosperität Südostasiens sind durch die sowjetisch
unterstützte vietnamesische Aggression
den.

gegen Kambodscha schwer gefährdet wor-

Während dieses Jahres werden wir weiterhin für eine politische Regelung

in Kambodscha eintreten, die es diesem Lande erlaubt, von Führern der eigenen
Wahl regiert zu werden.

Wir haben alle möglichen vernünftigen Schritte unter-

nommen, um vor vietnamesischen Angriffen auf thailändisches Gebiet abzuschrekken, indem wir unsere Unterstützung für die Thais verstärkt und Vietnam und die
- 15 -

�die UdSSR direkt gewarnt haben.

Die anderen Mitglieder der ASEAN-Gruppe

standen fest hinter Thailand, und das hat in großem Maße dazu beigetragen,
den Konflikt einzudämmen.

Wir waren erfreut über die mutige und humane Auf-

nahme von kambodschanischen Flüchtlingen durch Thailand.

Naher Osten - Persischer Golf - Südasien
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1

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ii i

Die Ereignisse im Iran und in Afghanistan haben für uns die kritische
Bedeutung des Gebietes vom Nahen Osten über den Persischen Golf bis nach Südasien für die amerikanische Sicherheit und Prosperität in dramatischer Weise
aufgezeigt.

Aus dieser Region kommen zwei Drittel der ölexporte der Welt, die

zur Energieversorgung unserer Verbündeten in Europa und Japan dienen.

Diese

Region ist fast ständig ein Schauplatz des Konflikts zwischen Ländern und
ernster interner Instabilität in vielen dieser Länder gewesen.

Und jetzt ist

eines dieser Länder von der Sowjetunion besetzt worden.
Wir packen diese zahlreichen Herausforderungen auf mehrere Weise an.

Naher Osten
Es ist seit 1977 ein entscheidend wichtiges Ziel meiner Regierung gewesen, zu einer dauerhaften Lösung des arabisch-israelischen Konflikts beizutragen - was so wesentlich dafür ist, der ganzen Region Stabilität und Frieden zu bringen...
Seit Camp David arbeiten Ägypten und Israel daran, diesen Teil des Rahmens
von Camp David auszufüllen und dem palästinensischen Volk die Möglichkeit zu
geben, seine Zukunft zu bestimmen. Ich unterstütze diese Bemühungen nachdrücklich und habe versprochen, daß wir bei den Autonomieverhandlungen ein voller
Partner sein werden. Wir werden weiterhin nachdrücklich an einem umfassenden
Frieden im Nahen Osten arbeiten - aufbauend auf den beispiellosen Erfolgen von
Cam

P

David

"

Gleichzeitig
- 16 -

�Gleichzeitig habe ich die Verpflichtung Amerikas für die Sicherheit
Israels erneut bekräftigt sowie für das Recht aller Nationen in dem Gebiet,
in Frieden mit ihren Nachbarn innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen zu
leben.

Persischer Golf
In den letzten Jahren, in denen unsere eigenen Brennstoffimporte in die
Höhe geschnellt sind, hat der Persische Golf für die Vereinigten Staaten, wie
dies für viele unserer Freunde und Verbündeten der Fall war, eine lebenswichtige Bedeutung gewonnen. Auf längere Sicht wird die Abhängigkeit der Welt
vom öl aus dem Persischen Golf eher noch zunehmen. Die Verwehrung dieser Ölversorgung - für uns oder andere - würde unsere Sicherheit bedrohen und eine
Wirtschaftskrise hervorrufen, die größer wäre als die der großen Depression
(Weltwirtschaftskrise) vor 50 Jahren, mit einer fundamentalen Veränderung unserer heutigen Lebensweise.
Eine doppelte Bedrohung des ölflusses - durch regionale Instabilität und
jetzt potentiell durch die Sowjetunion - erfordert, daß wir unsere lebenswichtigen Interessen mit Festigkeit verteidigen, wenn sie bedroht sind.
Im vorigen Jahr haben wir damit begonnen, unsere Fähigkeit zu erhöhen,
militärische Macht in der Region des Persischen Golfes darzustellen, und wir
sind gegenwärtig damit beschäftigt, Möglichkeiten einer verstärkten Nutzung
militärischer Einrichtungen in dem Gebiet zu sondieren. Wir haben unsere
Flottenpräsenz im Indischen Ozean erhöht. Wir haben mit Ländern der Region
an gemeinsamen Sicherheitsanliegen gearbeitet. Unsere vorhin erwähnten
Schnellen Eingreifstreitkräfte könnten zur Unterstützung befreundeter Regierungen am Golf - und in der Region Südwestasiens sowie in anderen Gebieten
eingesetzt werden.
Südasien

- 17 -

�Südasien
Die überragende Herausforderung in dieser Region wird die Meisterung der
neuen Lage sein, die durch die sowjetische Aggression in Afghanistan geschaffen wurde.

Wir müssen den Staaten der Region helfen, die Fähigkeit zu entwic-

keln , dem sowjetischen Druck in einem verstärkten Rahmen der Zusammenarbeit
in der Region zu widerstehen.

Wir v/ollen mit allen Staaten der Region in die-

ser Hinsicht zusammenarbeiten - mit Indien und Pakistan, mit Sri Lanka,
Bangladesch und Nepal.
Angesichts dieser neuen Situation schlagen wir dem Kongreß ein Militärund Wirtschaftshilfeprogramm vor, um Pakistan die Möglichkeit zu geben, seine
Verteidigung zu verstärken.

Dies ist eine Angelegenheit von größter Dringlich-

keit, und ich empfehle mit allem Nachdruck, daß Repräsentantenhaus und Senat
sich sobald wie irgendmöglich billigen.

Wir arbeiten außerdem eng mit anderen

Freunden Pakistans zusammen, um die verfügbaren Hilfsmittel für die Entwicklung
und Sicherheit Pakistans zu vermehren.
Wir verfolgen ferner die Möglichkeit, Zugang zu militärischen Einrichtungen in der Region in Zeiten der Unruhe zu erhalten. Wir sind bereit, auf
einer kooperativen Basis eng mit unseren Freunden in der Region zusammenzuarbeiten, um alles Erforderliche zu tun, was die Gewähr bietet, daß Aggressoren
mit schweren Opfern zu rechnen haben,und somit vor einer weiteren Aggression*
abzuschrecken.
Von hoher Priorität ist es für uns in dieser Region, unsere nuklearen
Besorgnisse mit Indien und Pakistan in einer Weise zu regeln, die mit unseren
globalen und regionalen Prioritäten vereinbar ist. Die veränderte Sicherheitslage in Südasien, die sich aus der sowjetischen Invasion Afghanistans ergibt,
fordert legislative Maßnahmen, um eine erneute Hilfe für Pakistan zu gestatten.
Dies aber vermindert in keiner Weise unsere Verpflichtung, uns darum zu bemühen, eine Proliferation nuklearer Waffen in Pakistan und anderswo zu verhindern.
Ein

�Ein stetiges Anwachsen unserer Wirtschaftshilfe ist ferner von wesentlicher Bedeutung, wenn die Länder Südostasiens zu Wachstum und wahrer Stabilität kommen sollen.

Afrika

...Mit unseren europäischen Verbündeten, mit Kanada und den direkt betroffenen afrikanischen Staaten erzielen wir ebenfalls Fortschritte in Richtung
auf die Unabhängigkeit und die Herrschaft der Mehrheit für Namibia. Der starke
Impuls, der sich aus der erfolgreichen Lösung des Rhodesienkonflikts ergibt,
sollte bei diesen Initiativen behilflich sein...

Mit der Schaffung eines unabhängigen Simbabwe nach vielen Jahren der
Kämpfe werden wir in der Lage sein, im Rahmen eines von vielen Geberländern
getragenen, in sich zusammenhängenden Entwicklungsplanes für die armen Nationen
in der Region des südlichen Afrika einzutreten...

Sei es am Hörn von Afrika oder in anderen Gebieten des afrikanischen
Kontinents, wir werden den mit uns befreundeten Nationen ebenfalls Sicherheitshilfe gewähren, wenn diese für die Verteidigung ihrer Grenzen gebraucht wird.

Nordafrika
Im Jahre 1979 gingen die Vereinigten Staaten daran, einem altbewährten
Freund zu helfen, indem wir unsere Waffenlieferungen an Marokko verstärkten.
Indem wir Marokko helfen, mit Angriffen innerhalb seiner international anerkannten Grenzen fertigzuwerden, versuchen wir, Bedingungen für größere Sicherheit und größeres Vertrauen zu schaffen, unter denen eine Lösung des Konflikts
in der westlichen Sahara erfolgreich angestrebt werden kann...

Lateinamerika

- 19 -

�Lateinamerika

...In der Westlichen Hemisphäre gab es im vergangenen Jahr einen ermutigenden Fortschritt auf dem Gebiet der Menschenrechte und der Demokratisierung.
Die Schaffung einer neuen Demokratie in Ecuador und die energische Bemühung
der Andenstaaten um die Erhaltung der Demokratie in Bolivien waren positive
Schritte...

Am 1. Oktober reisten Vizepräsident Mondale und viele führende Politiker
aus Lateinamerika nach Panama, um das Inkrafttreten der Panamakanal-Verträge
zu feiern.

Der Übergang in ein neues Verhältnis und in eine neue Struktur zur

Unterhaltung des Kanals war reibungslos und effektiv aufgrund der Beiträge und
der gegenseitigen Achtung zwischen den Panamaern und den Amerikanern...

Mittelamerika und die Karibik durchlaufen eine Periode raschen sozialen
und politischen Wandels.

Es besteht Gefahr, daß eine Intervention durch Kuba

den Wunsch der Menschen dieser Region nach Fortschritt im Rahmen demokratischer
Institutionen vereiteln könnte, und wir haben eng mit den Regierungen in diesem Gebiet zusammengearbeitet, um zu versuchen, bei dem Entwicklungsprozeß in
diesem Gebiet zu helfen, und sind auch bereit, jenen beizustehen, die durch
eine Intervention von außen bedroht werden...

DIE MENSCHLICHEN ASPEKTE DER AUSSENPOLITIK

Menschenrechte

Das höchste Ziel unserer Außenpolitik muß es sein, uns die Freiheit zu
erhalten und die Freiheit anderer zu mehren.

Das ist eine Frage, die unsere

nationalen Prinzipien ebenso wie unsere nationalen Interessen berührt.

Denn

wir glauben, daß freie und offene Gesellschaften nicht nur die steigenden Erwartungen ihrer Angehörigen besser erfüllen können, sondern auch eher in der

- 20 -

�der Lage sind, die vielfach gegenläufigen Pressionen im Inneren miteinander
in Einklang zu bringen, noch ehe eine allgemeine Frustration in Gewalt und
Radikalismus explodiert.

Wir sind nicht darauf aus, anderen unser System oder unsere Institutionen
aufzuzwingen.

Wir sind vielmehr bestrebt, die Bemühungen anderer Länder auf

praktische und konkrete Weise zu fördern, ihre eigenen Institutionen nach
Methoden aufzubauen, die dem unwiderstehlichen menschlichen Verlangen nach
Freiheit und Gerechtigkeit Rechnung tragen.

Die Menschenrechtspolitik erfordert die starke Unterstützung durch die
Bürger unseres Landes und die des Kongresses.

Das Weltklima begünstigt den

Fortschritt auf dem Gebiet der Menschenrechte in zunehmendem Maße.

Trotz neuer Turbulenzen und Konflikte brachte das vergangene Jahr einige
ermutigende positive Entwicklungen.

Wir können und dürfen nicht verlangen,

daß man sie als unser Verdienst bewertet.
einer wachsenden Bewegung sind.

Dennoch ist klar, daß wir Teil

Im Jahr 1979 wurden wir Zeuge

- eines weiteren Erstarkens der demokratischen Parteien in Spanien und
Portugal und freier Wahlen in beiden Ländern;

- des Verschwindensmehrerer der repressivsten Regime dieser Erde;

- der Befreiung politischer Gefangener in Asien, Afrika und Lateinamerika;
- der Rückkehr zu demokratischer Herrschaft in mehreren lateinamerikanischen Staaten und weitverbreiteten Fortschritts in der Verminderung von Verletzungen der Menschenrechte in dieser Region;

- der zunehmenden Kräftigung der internationalen Institutionen zur Wahrung der Menschenrechte.

Der Interamerikanische Menschenrechts-Gerichtshof

hat zum ersten Mal getagt.

Die Vorbereitungen für eine weitere Konferenz zur

- 21 -

�zur Überprüfung der Einhaltung der Vereinbarungen von Helsinki, die im November dieses Jahres in Madrid stattfinden soll, sind angelaufen.

Die Organisa-

tion für Afrikanische Einheit (OAU) ist mit ihren Bemühungen weit vorangekommen, eine Menschenrechtskommission für Afrika zu bilden.

Verschiedene UN-

Körperschaften haben ihre Anstrengungen auf dem Gebiet der Menschenrechte zunehmend verstärkt.
Die Vereinigten Staaten sind noch immer nicht den wichtigsten der Menschenrechtsverträge beigetreten, durch die Weltnormen gesetzt und ein Apparat zu
ihrer Verwirklichung etabliert werden sollen.

Anfang 1978 sandte ich dem Se-

nat vier diesbezügliche Verträge zur Billigung zu:

die Amerikanische Menschen-

rechtskonvention, die Konvention gegen Rassendiskriminierung, den UN-Vertrag
betreffend die zivilen und politischen Rechte und den betreffend die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte,

öffentliche Informationssitzungen zu

diesen Vertragswerken fanden im Jahre 1979 statt.

Kein anderer Schritt unseres

Landes könnte die Sache der Menschenrechte weiter voranbringen als die Billigung
dieser vier Verträge und eines fünften Menschenrechtsvertrags - der Völkermord-Konvention -, den ich dem Kongreß schon zu einem früheren Zeitpunkt zugeleitet habe, durch den Senat.

Ich ersuche den Kongreß um möglichst baldige

Verabschiedung.

Humanitäre Hilfe
Der Massenexodus aus Vietnam schwoll im Sommer 1979 auf über 65 000
Flüchtlinge im Monat an, die der Unterdrückung und wirtschaftlichen Beraubung
zu entgehen suchten. Im Juli unterbreitete Vizepräsident Mondale den Vereinten Nationen auf einer Sondersitzung zu Flüchtlingsfragen ein umfassendes
amerikanisches Programm, das dem Zweck dient, diese neuen Flüchtlinge zu retten, zu unterstützen und wieder seßhaft zu machen. Ich verdoppelte die Zahl
der Indochina-FTüchtlinge, die die Vereinigten Staaten in Übereinstimmung mit
unseren besten Traditionen im neuen Jahr aufnehmen, auf 14 000 monatlich...
Anfang

- 22 -

�Anfang November besuchte meine Frau Flüchtlinge an der thailändischkambodschanischen Grenze und erstattete mir, den freiwilligen Hilfsorganisationen und dem amerikanischen Volk Bericht.

In Erwiderung hierauf wurden

unsere Anstrengungen, eine Hungerskatastrophe unter den Flüchtlingsmassen
abzuwenden, erheblich beschleunigt.

Die Hindernisse bleiben entmutigend:

Die anhaltende Kriegsführung und

Aggression durch Vietnam, die NichtVerteilung eines großen Teiles der Hilfe
des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) und des Internationalen
Roten Kreuzes durch die Behörden in Phnom Penh, der Marsch von über 900 000
hungrigen Khmer zur und über die Grenze nach Thailand, wo man sie mit Nahrungsmitteln und Hilfe versorgen kann.

Die Amerikaner werden jedoch ihre Anstrengungen sowohl staatlicher als
auch privater Stellen fortsetzen, um eine drohende Hungerkatastrophe abzuwehren.

Neue Hilfe in unseren Anstrengungen wird von einem Nationalen Komitee

ausgehen, das Anfang 1980 durch führende Persönlichkeiten gegründet wurde,
um bei der Mobilisierung und Aufrechterhaltung der Anstrengungen mitzuwirken,
die für die Erreichung dieses humanitären Ziels notwendig sind.

Zu Jahresbeginn erwägen wir auch neue Formen der Hilfe wie beispielsweise über den amerikanischen Beitrag zum Haushalt des UN-Hochkommissars für
Flüchtlinge und auch auf anderen Wegen, um der wachsenden Zahl von Flüchtlingen in Pakistan und anderen Flüchtlingsströmen wie in Somalia Hilfe leisten
zu können.

Es läßt sich nicht übersehen, daß die zerstörerische und aggressive
Politik der Sowjetunion unermeßlich zum Leiden der Menschen in diesen drei
tragischen Situationen beiträgt...

Die Kontrolle der Nuklearwaffen

Gemeinsam mit unseren Freunden und Verbündeten versuchen wir, eine Welt
- 23 -

�Welt aufzubauen, in der Völker unterschiedlicher Interessen frei leben und
gedeihen können.

Aber alles, was die Menschheit bis zum heutigen Tag erreicht

hat und alles, was wir zu erreichen streben, ja die menschliche Existenz als
solche kann in einem einzigen Augenblick zunichte

gemacht werden - in der

Katastrophe eines nuklearen Krieges.
Somit ist eines der zentralen Ziele meiner Administration, die Weitergabe von Kernwaffen an jene Länder, die noch nicht in ihrem Besitz sind, und
die Weiterentwicklung der Kernwaffen durch die bestehenden Atommächte - insbesondere durch die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten - unter Kontrolle
zu bringen.

Nonproliferation
Ich trat dieses Amt unter der Verpflichtung an, die amerikanische Führungsrolle in den Bestrebungen zu bekräftigen, der Weiterverbreitung von Kernwaffen
Einhalt zu gebieten, die neue grundlegende Instabilitäten in kritischen Regionen
der Erde schafft und die Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährden könnte.
Dies konnte und sollte nicht einseitig geschehen. Die Zusammenarbeit mit anderen Lieferstaaten von nuklearen Technologien und Materialien ist erforderlich.
Diese Frage darf nicht zu einer Nord-Süd-Konfrontation führen.
Wir schreiten an mehreren Fronten voran:
- Wir suchen die Länder dazu zu ermutigen, entwder dem Vertrag über die
Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen beizutreten oder umfassende internationale Sicherheitskontrollen auf sich zu nehmen. Unser Gesetz über die nukleare
Nonproliferation verfügt im Zusammenhang mit den Nuklearexporten der Vereinigten Staaten strenge Sicherheitskontrollen.
- Die Internationale Bewertung des Brennstoffzyklus (International Nuclear
Fuel Cycle Evaluation - INFCE) hat gezeigt, daß Liefer- und Empfängerstaaten
zusammenarbeiten können.

Die Untersuchungsergebnisse werden in einem Monat ver- 24 -

�veröffentlicht werden.

Wenngleich gewisse Meinungsverschiedenheiten fort-

bestehen, wird INFCE eine breitere Basis für nationale Entscheidungen abgeben, die die Energieerfordernisse in Einklang mit den Besorgnissen wegen der
Nonproliferation bringen müsse.

- Schließlich ermutigen wir zu regionaler Zusammenarbeit und Mäßigung.
Protokoll I des Vertrages von Tlatelolco, das zur Verringerung der nuklearen
Gefahren für unsere lateinamerikanischen Nachbarn beitragen wird, wurde vom
Senat der Vereinigten Staaten bisher nicht ratifiziert.

Ich fühle mich weiterhin der tatkräftigen Verfolgung unserer eigenen
Zielvorstellungen auf dem Gebiet der Nichtweiterverbreitung in Zusammenarbeit
mit dem Kongreß verpflichtet.

Begrenzung der strategischen Rüstungen

Die herausragende unter allen unseren Bemühungen auf dem Gebiet der Begrenzung der Kernwaffen ist natürlich der SALT II-Vertrag.

Die Unterzeichnung des Vertrages beendete anstrengende Verhandlungen,
die von drei Administrationen beider Parteien geführt worden sind.

- SALT II liegt in unserem gemeinsamen Interesse; der Vertrag stellt
weder einen amerikanischen Gefallen gegenüber der Sowjetunion noch einen
sowjetischen Gefallen gegenüber den Vereinigten Staaten dar.
- Die Ratifizierung des SALT II-Vertrages wäre ein

wesentlicher Schritt

vorwärts zur Begrenzung des fortgesetzten Wachstums der sowjetischen strategischen Streitkräfte.

Weil SALT II den Wettbewerb unter den Supermächten in dessen gefährlichster
Manifestation vermindert, ist dieser Vertrag die wichtigste bilaterale Vereinbarung des Jahrzehnts:
- SALT II
- 25 -

�- SALT II wird es uns erleichtern, die strategische Äquivalenz bei den
Nuklearwaffen aufrechtzuerhalten und unsere erhöhten Verteidigungsaufwendungen weitgehend auf das höchstrangige Erfordernis einer Verbesserung unserer
konventionellen Streitkräfte zu verwenden;
- ohne diesen Vertrag können die Sowjets ihre Streitkräfte weiter verstärken und das, was sie tun, besser vor uns verbergen;
- ohne SALT II und ohne die Aufnahme von SALT HI-Verhandlungen würden
schärfere Abstriche viele Jahre mehr erfordern; und
- ohne SALT II werden unsere Anstrengungen, die Weiterverbreitung von
Kernwaffen unter Kontrolle zu bringen, weit schwerer sein.
Ich bin überzeugt, daß der Senat SALT II ratifizieren wird, weil der
Vertrag, um es so einfach wie möglich zu sagen, im Interesse der Sicherheit
unseres Landes liegt.
Ich halte es aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für ratsam, den
Vertrag im Senat zur Erörterung zu stellen.

Der Kongreß und die Exekutive

müssen sich zunächst mit den dringenden Angelegenheiten befassen, die sich
aus der sowjetischen Invasion Afghanistans ergeben.

- 26 -

�(Die wesentlichen Auszüge aus dem Wirtschaftskapitel der schriftlichen Botschaft über die Lage der Nation haben folgenden Wortlaut:)

SICHERUNG DER WIRTSCHAFTLICHEN STÄRKE
Inflation

Die Inflation ist weiterhin unser ernstestes wirtschaftliches Problem.
Die Eindämmung der Inflation bleibt meine vorrangigste innenpolitische Aufgabe.

Daß die Inflation den derzeitigen unannehmbar hohen Stand erreicht hat,
ist das Resultat wirtschaftlicher Probleme, die sich praktisch ohne Atempause
während eines Jahrzehnts gebildet haben.

Es gibt keine einfachen Antworten

oder rasche Lösungen für die Inflation.

Sie kann nicht über Nacht beseitigt

werden.

Ihre Wurzeln in unserer Wirtschaft sind zu tief, ihre Ursachen zu

durchdringend und komplex.

Wir wissen, daß wir mit immer mehr Ausgaben aus

diesem Problem nicht herauskommen.

Aber es besteht Hoffnung auf einen schrittweisen Abbau der Inflationsrate,
auf eine Abschwächung des wirtschaftlichen Drucks, die Inflation verursacht.

Die Hoffnung liegt kurzfristig in einem Programm der öffentlichen und
privaten Zurückhaltung und auf längere Sicht in einem Programm zur Beseitigung
der strukturellen Ursachen der Inflation.

Das ist die Politik, die ich ver-

folgt habe und weiterhin verfolgen werde.

Das vorige Jahr war eine besonders schwierige Zeit für Anti-Inflationspolitik.

Die Organisation Erdölexportierender Staaten (OPEC) hat ihre Preise

um mehr als 80 Prozent erhöht und damit unsere Inflationsrate um mehr als drei
Punkte in die Höhe getrieben.

Wenn man von der Erhöhung der Energiepreise ab-

sieht, dann wäre die Inflationsrate im Vorjahr fast drei Prozentpunkte niedriger
gewesen.

Die

- 27 -

i

�Die größte Herausforderung der Anti-Inflationspolitik ist die Aufgabe,
dafür zu sorgen, daß die Energiepreissteigerungen keinen dauernden Schaden
anrichten, und eine gefährliche Beschleunigung der Lohn-Preis-Spirale zurverhindern.

Mein Programm hat das mit Erfolg geschafft.

in diesem Jahr verlangsamen.
sein.

Die Inflation wird sich

Im Jahre 1981 dürfte sie sogar noch niedriger

Dieser Fortschritt ist das Ergebnis unserer Beharrlichkeit im Kampf

gegen die Inflation an vielen Fronten:
Knapper Haushalt:

Das Haushaltsdefizit wurde im Haushaltsjahr 1979 auf

27,7 Milliarden Dollar gesenkt, d.h. um mehr als 50 Prozent des Standes des
Haushaltsjahres 1976.
Reform der Verordnungen: Die Flut neuer, kostspieliger Regierungsverordnungen wurde eingedämmt, als die Verfahren zur Erreichung unserer Ziele im
Sinne höchst kostenwirksamer Verordnungen gegriffen haben.
•

Lohn-Preis-Richtlinien: Die in den Richtlinien festgelegten Normen wurden von einer großen Mehrheit der Gewerkschaften befolgt, die Tarife ausgehandelt haben, und von fast allen großen Firmen im Lande.
Energie: Die in den letzten zwei Jahren in Kraft getretene Energie-Gesetzgebung begann unsere Abhängigkeit von ausländischem öl und unseren Verbrauch so wichtiger Energiebrennstoffe wie Benzin zu vermindern und damit
auch die Fähigkeit öl produzierender Länder, unsere Wirtschaft zu stören.
Produktivität:

Wir begannen politische Maßnahmen einzuführen, um unsere

industrielle Innovation und damit unsere Produktivität zu steigern.

Der Rück-

gang des Produktivitätswachstums muß aufgehalten und umgekehrt werden, wenn
wir auf lange Sicht unseren Lebensstandard real erhöhen wollen.
Im Jahre 1980 werden wir mit Hilfe des Kongresses unseren aggressiven
Kampf gegen die Inflation an all diesen Fronten fortsetzen:
Knapper

�Knapper Haushalt:

Das Defizit des Haushaltes für das Haushaltsjahr

1981 wird weniger als die Hälfte des Haushaltsdefizits 1980 betragen und
wird gegenüber dem Haushalt, den ich (bei meinem Amtsantritt) übernahm, um
75 Prozent niedriger liegen.
Reform der Verordnungen:
i

-

Wir werden eine Politik der Aufhebung der

. . .3

^

Verordnungen auf dem Gebiet des Schwerlastverkehrs, der Eisenbahn, der Banken
und Fernmeldeindustrien verfolgen sowie eine Gesetzgebung zur Reform der Verwaltung dieser Verordnungen.

Diese Gesetzesvorlagen werden uns in die Lage

versetzen, weitere unnötige Verordnungen abzuschaffen.
Einigung der Sozia1partner: Die Beratungsausschüsse für Löhne und Preise,
die sich aufgrund des historischen Übereinkommens mit den Gewerkschaften gebildet haben, werden uns in die Lage versetzen, sowohl mit den Gewerkschaften
als auch mit den Unternehmern die private Zurückhaltung durchzusetzen und zu
koordinieren, die im Rahmen unserer Anstrengungen zur Bekämpfung der Inflation
notwendig ist.
Energie: Wir rechnen mit dem Inkrafttreten wichtiger Energiegesetze
- zur Besteuerung von Situationsgewinnen (Windfall Profit Tax), über die
Schaffung des Energiemobilisierungsamts und der Gesellschaft für Energiesicherungs - sehr bald in dieser Legislaturperiode. Diese Gesetze werden
uns, zusammen mit den freiwilligen und angeordneten Energiesparmaßnahmen,
die in diesem Jahr noch viel stärker greifen werden, in die Lage versetzen,
unsere Abhängigkeit von ausländischem öl noch weiter zu verringern.
Produktivität: Wir werden unser industrielles Innovationsprogramm durchführen und unsere Zusagen im Haushalt für Forschung und Entwicklung weiter
ausdehnen...

Der

- 29 -

�Der Haushalt 1981
...Der Haushalt 1981 wird meine Politik der Zurückhaltung fortsetzen.
Das reale Wachstum der Ausgaben wird nahe bei null liegen.

Das Defizit wird

gegenüber dem vorigen Jahr um über die Hälfte gesenkt werden.

Das Defizit,

in Prozent des Haushalts und des Bruttosozialprodukts ausgedrückt, wird den
zweitniedrigsten Stand in diesem Jahrzehnt erreichen.
Defizit in sieben Jahren haben.

Wir werden das kleinste

Und wenn sich das Wirtschaftswachstum mit

einer Rate fortsetzen sollte, die die Arbeitslosigkeit auf dem gegenwärtigen
Stand hält, dann wird der Haushalt mit einem Überschuß abschließen.
Gleichzeitig schlage ich für den Haushalt 1981 auch eine Erhöhung der
Ausgaben auf einigen lebenswichtigen Gebieten vor.

Die meisten dieser Erhö-

hungen beziehen sich auf "nicht steuerbare" Programme, d.h. auf Programme,
die per Gesetz automatische Erhöhungen vorsehen.
Erhöhungen geben;

Es wird aber auch gezielte

zum Teil, um unsere Verteidigungsstreitkräfte zu verstärken

und unsere entscheidend wichtigen Investitionen in die Erzeugung und Einsparung von Energie zu steigern.

Darüber hinaus werde ich eine große neue Ini-

tiative zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit vorschlagen, und einzelstaatliche und kommunale Stellen werden im Rahmen der von mir empfohlenen Ausweitung des Finanzausgleichs weitere Unterstützung vom Bund erhalten...

Steuerpolitik
...Ich bin mir darüber im klaren, daß ein Interesse an einer weiteren
Steuersenkung in diesem Jahr besteht, aber mein Haushalt 1981 sieht keine
Steuersenkungen vor. Solange eine zweistellige Inflationsrate anhält und
keine Anzeichen einer Rezession in Sicht sind, muß der Abbau des Defizits
höchsten Vorrang bei der Gestaltung des Haushalts genießen.
Auf lange Sicht wird eine anhaltende strenge Kontrolle der Haushaltsausgaben den Anteil der Bundesausgaben am Bruttosozialprodukt niedrig halten. Auf der anderen Seite erhöht die Inflation den Prozentsatz des National- 30 -

�Nationaleinkommens an Steuern.

Im Laufe der Zeit werden aufgrund dieser bei-

den Entwicklungen Steuersenkungen möglich werden und gleichzeitig die für
die Kontrolle der Inflation notwendige Zurückhaltung der öffentlichen Hand
weiterhin aufrechterhalten werden können.

Der Zeitpunkt und die Struktur

einer Steuersenkung sind jedoch von entscheidender Bedeutung und müssen durch
unsere wirtschaftlichen Verhältnisse diktiert werden.

Die Vordringlichkeit

des Kampfes gegen die Inflation erfordert es, daß wir Steuersenkungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufschieben...

Praktisch alle Wirtschaftsexperten sagen eine milde Rezession voraus,
und der Voranschlag meiner Regierung für das Steueraufkommen und die Ausgaben
im Rahmen des Haushaltes 1981 gehen von einer Rezession aus.

Keine der laufen-

den Wirtschaftsstatistiken zeigt jedoch einen Rückgang der Gesamtwirtschaft
an.

In den letzten Monaten hat die Wirtschaft eine viel größere Stärke ge-

zeigt, als frühe Voraussagen ankündigten.

Voraussagen einer anstehenden Re-

zession könnten sich daher als ebenso falsch erweisen als frühere Voraussagen.

Der Stand der Beschäftigten hat sich gut gehalten - zum Teil allerdings

aufgrund unbefriedigender Produktivitätsleistungen.

Wenn man jetzt Steuer-

senkungen durchführen würde, dann würde man das ernste Risiko eines zusätzlichen inflationären Nachfragedrucks auf eine Wirtschaft eingehen, die stärker wächst, als es die Voraussagen wahrhaben wollten.

Bei der gegenwärtigen

hohen Inflationsrate können wir uns dieses Risiko nicht leisten.

Wenn Steuersenkungen angebracht sind, dann sollten sie soweit wie möglich so gestaltet sein, daß mehrere Zwecke erfüllt werden - nicht nur eine
Senkung der Steuerlast und eine Anregung des Wachstums, sondern auch ein Ansteigen der Produktivität und der Investitionen sowie auch eine Senkung der
Inflationsrate.

Ein bedeutsames Element jeder Steuersenkung sollte vor allem darauf ausgerichtet sein, Anreize für erhöhte Investitionen zu bieten, die Produktivität
zu steigern, die Kapazität auszuweiten und die Anpassung an höhere Energiepreise vorzunehmen.

Im Falle von Steuersenkungen für den einzelnen sollten

ernsthafte Überlegungen darüber angestellt werden, wie die Abgaben für die
- 31 -

�die Sozialversicherung vermindert werden könnten, denn die Hälfte solcher
Senkungen würde zu einer Reduzierung der Geschäftskosten und der Preise führen.
Die Notwendigkeit der Inflationsbekämpfung erfordert, daß wir sehr vorsichtig vorgehen, wenn Steuern gesenkt werden, und es kommt darauf an, wie
das getan wird.

Nicht erforderlich ist jedoch, daß wir Veränderungen der Wirt-

schaftslage außer acht lassen.

Sollten sich die Wirtschaftslage und die wirt-

schaftlichen Aussichten stark verschlechtern, dann werde ich mich mit Empfehlungen zur Behebung dieser Situation befassen.

Unter solchen Umständen könn-

ten Steuersenkungen und andere Maßnahmen vorgenommen werden, um die Aussichten auf Wachstum und Beschäftigung zu verbessern, die Geschäftskosten zu senken und denjenigen zu helfen, die von einer Rezession am stärksten getroffen
werden, ohne daß wir drohen, einen inflationären Nachfragedruck in Gang zu
setzen.

Die derzeitige Wirtschaftslage macht jedoch solche Maßnahmen nicht

erforderlich, und es wäre unangemessen, sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt vorzuschlagen. ..

Handel
Das vergangene Jahr brachte eine der unvergleichlichen und historischen
Leistungen für eine lebenswichtige Komponente der amerikanischen Wirtschaft
- für Exporte und Handel... Unsere Exporte trugen entscheidend zum Wachstum
der amerikanischen Wirtschaft im Jahr 1979 bei.
Die Ausfuhren landwirtschaftlicher und industrieller Güter stiegen um
beispiellose 35 Milliarden Dollar und erreichten einen Stand von 180 Milliarden Dollar.

Dies stellt eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber den Ex-

porten im Jahr 1978 dar.

Dieser Rekordzuwachs bei den Exporten hatte in Ver-

bindung mit einer niedrigeren Zuwachsrate bei den Importen wesentliche Verbesserungen im Umfang von 5 Milliarden Dollar in unserer Handelsbilanz zur
Folge.

Außerdem führte ein rascher Anstieg der Dienstleistungsexporte im

Jahr 1979 zu einer Verbesserung von 13 Milliarden Dollar in der Leistungs- 32 -

�Leistungsbilanz und glich dieses Konto,das im Jahr 1978 noch defizitär war,
1979 nahezu aus.

Ich hege die Erwartung, daß unsere Exporte 1980 weiter zunehmen und wir
- sollten wir auch weiterhin Einsparungen und Einfuhrbegrenzungen beim Erdöl
machen - die Stellung unserer Handelsbilanz und des Dollar zusätzlich verbessern werden.

Die Zukunft sieht für die amerikanischen Exporte gut aus und

wird so bleiben - trotz der Notwendigkeit, gewisse Exporte in die Sowjetunion
auszusetzen...

Im Einklang mit meinen Entscheidungen, bestimmte Handelsströme mit der
Sowjetunion einzufrieren, wird meine Regierung in diesem Jahr zusätzliche Wege
suchen, um die Ausweitung des amerikanischen Exports zu fördern.

Wir unter-

suchen die Möglichkeit zusätzlicher Abkommen über erweiterten Handel sowohl
mit traditionellen als auch neueren Handelspartnern, einschließlich China.
Ich freue mich darauf, mit dem Kongreß bei den Möglichkeiten zur weiteren
Verbesserung unserer Handelsposition zusammenzuarbeiten, die umgekehrt dazu
beitragen wird, eine prosperierende amerikanische Wirtschaft zu unterhalten.

Sicherung der Energieversorgung

Seit meiner Amtsübernahme umfaßten meine obersten legislativen Prioritäten die Entwicklung der ersten zusammenhängenden Energiepolitik unseres
Landes.

Das Bemühen um die Durchsetzung dieser Politik ist für uns alle

schwer gewesen, aber die Leistungen der vergangenen drei Jahre lassen keinen
Zweifel daran, daß unser Land nunmehr den Ernst der Probleme erkennt, die
unsere übergroße Abhängigkeit von ausländischem öl mit sich bringt.

Die er-

zielten Leistungen können jedoch verlorengehen und der Fortschritt gebremst
werden, wenn es uns nicht gelingt, in diesem Jahr noch weiter voranzukommen.
Es gibt kein' Allheilmittel, das unsere Energiekrise löst.

Wir müssen uns

auf eine Vielfalt von Produktions- und Einsparungsmethoden verlassen - Kohle,
Rohöl, Erdgas, Sonnenenergie, synthetische Energien - und dazu ermutigen.
Daher
- 33 -

�Daher ist es entscheidend, daß der Kongreß die von mir im letzten Jahr
vorgeschlagenen wichtigen Energiegesetze verabschiedet; und ihre Verabschiedung wird in diesem Jahr eine meiner ersten und obersten legislativen Prioritäten sein...
•

Verminderung des Ölverbrauchs bei Versorgungsbetrieben
Ich werde dem Kongreß bald Gesetzesvorschläge unterbreiten, die den Versorgungsbetrieben bei der Verwendung von Kohle behilflich sind und sie dazu
ermutigen, vorhandene öl Verbrennungsanlagen zur Elektrizitätsgewinnung außer
Betrieb zu nehmen.

Das Energieministerium und mein Stab haben im Laufe der

letzten Monate eng mit den im Kongreß für den Energiebereich Verantwortlichen
zusammengearbeitet, um einen Gesetzesvorschlag auszuarbeiten, der rasch verabschiedet werden kann.
•

Die von mir vorgeschlagene Gesetzgebung zur Verminderung des Ölverbrauchs
bei Versorgungsbetrieben wird uns dabei helfen, zwei unserer grundlegenden
Energieziele zu erreichen:

Verminderung unserer Abhängigkeit von ausländischem

öl und Produktionsausweitung bei reichhaltigen und sicheren Energievorräten,
wie etwa bei Kohle. Aus diesem Grund wird die Verabschiedung dieser Gesetzgebung in diesem Jahr eine meiner obersten Energieprioritäten darstellen...

Sicherheit im Nuklearbereich
Unmittelbar nach dem Vorfall von Three Mile Island setzte ich eine Präsidialkommission unter dem Vorsitz des Präsidenten des Dartmouth College ein,
um mich über diejenigen Schritte zu informieren, die notwendig sind, damit eine
Wiederholung dieser Art Vorfall verhindert wird.

Sicherheit ist die oberste

Priorität meiner Regierung bei der Aufsicht und Bewirtschaftung der Kernkraft
- und wird dies bleiben.

Ich habe Schritte unternommen, um praktisch alle

die von der Kemeny-Kommission festgestellten Probleme zu korrigieren und um
die meisten ihrer ausdrücklichen Empfehlungen durchzuführen...

T h

�Ich habe
tigt, bei der
doch dringend
- keinesfalls

die Stellungnahme der Nuklearen Aufsichtsbehörde (NRC) bestäLizenzvergabe eine Pause einzulegen, habe die Kommission jeangewiesen, ihre Arbeit so rasch wie möglich fertigzustellen
jedoch später als Juni dieses Jahres.

Sobald wir die notwendigen Reformen zur Gewährleistung der Sicherheit
eingeleitet haben, müssen wir den Prozeß der Lizenzvergabe sofort wieder anlaufen lassen, damit die neuen Kraftwerke, die wir zur Verminderung unserer
Abhängigkeit von ausländischem öl benötigen, gebaut und betrieben werden
können.

Kernkraft ist eine Option, die wir uns offenhalten sollten...

Nukleare E n t s o rg u n g
Die Probleme hinsichtlich der Behandlung, der Entsorgung und Lagerung
des Atommülls bleiben die schwierigsten im Rahmen der Kernkraft. Meine Regierung hat sich mit diesem Problem in den vergangenen drei Jahren intensiv
auseinandergesetzt. Eine erschöpfende Studie und Übersicht über dieses Problem wurde von meiner Administration im Verlauf des letzten Jahres durchgeführt. Gestützt auf die Ergebnisse und Empfehlungen dieser Studie werde ich
demnächst dem Kongreß eine umfassende Gesetzesvorlage übermitteln, die sich
mit diesem Problem unmittelbar befaßt. Im Fall ihrer Verabschiedung werden
meine Vorschläge den größten Schritt vorwärts darstellen, der auf dem Gebiet
der nuklearen Entsorgung seit dem Beginn des Kernkraftzeitalters getan wurde.
Ich fordere den Kongreß auf, in diesem Bereich noch in diesem Jahr zu handeln. ..

Die Weltwirtschaft
Eine wachsende Verteidigungsanstrengung und eine tatkräftige Außenpolitik
stützen sich auf eine starke Wirtschaft hier in den Vereinigten Staaten; und
die Stärke unserer eigenen Wirtschaft hängt von unserer Fähigkeit zur Führung
und zum Wettbewerb auf den internationalen Märkten ab.
- 35 -

c„

.
Energie

�Energie
Eine der wichtigsten Lektionen, die man aus den Ereignissen im Iran
lernen kann, ist die, daß es zwingende außenpolitische und binnenwirtschaftliche Gründe gibt, unsere Abhängigkeit von ausländischem öl zu vermindern.
Als Antwort auf eine Reihe von amerikanischen Vorschlägen übernahmen
die Industrieländer 1979 eine kooperative Energiestrategie für die achtziger
Jahre.

Ihre Hauptelemente bestehen aus einer gemeinsamen Zurückhaltung bei

öl einfuhren, verstärkten Anstrengungen zur öleinsparung und zur Förderung
der Produktion konventioneller Ersatzenergien sowie gemeinsamer Forschung,
Entwicklung und Vermarktung neuer Brentistofftechnologien.
Auf der Gipfelkonferenz von Tokio im Juni 1979 kamen die Staats- und
Regierungschefs der sieben stärksten Industriedemokratien überein, die Verantwortung für die Reduzierung der öl nachfrage zu übernehmen.

Bei Jahresende

waren 20 Industrienationen, Mitglieder der Internationalen Energiegesellschaft}übereingekommen, nicht nur gerecht zugeteilte Grenzsätze für ihre öleinfuhren durchzusetzen, sondern auch ein System zu schaffen, um die Grenzsätze rasch den Veränderungen der globalen Ölversorgung anzupassen.

Der Ab-

schluß der detaillierten Abkommen zur Durchführung dieser weltweiten Steuerung
der öl nachfrage steht an der Spitze der internationalen Energietagesordnung
des Jahres 1980.
Auf dem Wirtschaftsgipfeltreffen in Venedig dieses Jahr beabsichtige
ich, weitere gemeinsame Schritte vorzuschlagen, um einen reibungsloseren
Übergang von öl zu reichlich vorhandenen Brennstoffen zu ermöglichen und den
Anstieg der öl preise einzudämmen.
Zur Unterstützung der internationalen ölstrategie starten die Regierung
und die amerikanische Kohleindustrie gemeinsame Absatzanstrengungen, um unser
Land zu einem Hauptexporteur von Bunkerkohle zu machen.

Unter Zusicherung

einer verläßlichen amerikanischen Kohleversorgung zu Wettbewerbspreisen können viele der in den achtziger und neunziger Jahren zu bauenden Elektrizi-

�Elektrizitätswerke mit Kohle anstatt mit öl betrieben werden.

Die Ausfuhr

von Kohle wird uns dabei helfen, unsere rückgängigen, aber teuren öl einfuhren zu bezahlen.
Eine neue Quelle für die Erdgasversorgung der Vereinigten Staaten - Mexiko wurde durch den Abschluß der Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen erschlossen. Durch enge Zusammenarbeit mit unserem nördlichen Nachbarn Kanada
ebnete die Regierung den Weg zur Verstärkung des Zustroms kanadischen Erdgases in die Vereinigten Staaten und zum privaten Ausbau der Erdgasleitung von
Alaska durch Kanada in die anderen 48 Bundesstaaten.
Wir glauben auch weiterhin, daß die Kernenergie bei der Befriedigung
der Energiebedürfnisse vieler Länder eine wesentliche Rolle spielen wird,
jedoch mit wirkungsvollen Schutzmaßnahmen gegen die Proliferation von Kernwaffen.

Internationale Währungspolitik
Wir unternehmen kraftvolle Schritte, um die grundlegenden Wirtschaftsbedingungen für einen starken Dollar zu schaffen. 1979 war die Zahlungsbilanz zum ersten Mal seit drei Jahren annähernd im Gleichgewicht, trotz wesentlich höherer Kosten für ölimporte. Unsere antiinflationäre Wirtschaftspolitik und unser starkes Energieprogramm dürften die Grundlage für eine
weitere Verbesserung abgeben. Natürlich hängt das Ergebnis teilweise auch
vom verantwortungsbewußten Preisgebaren der OPEC und anderer ölförderer ab...

Wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern
Unsere Beziehungen zu den Entwicklungsländern sind für die Vereinigten
Staaten von entscheidender Bedeutung.

Die Struktur der Beziehungen zu diesen

Ländern hat sowohl politische als auch wirtschaftliche Dimensionen, wie wir
es in diesen letzten Wochen beobachtet haben, als Länder der Dritten Welt
- 37 -

�Welt bei der Verurteilung der sowjetischen Invasion in Afghanistan vorangingen.

Unsere Fähigkeit, zusammen mit den Entwicklungsländern auf Ziele hinzu-

arbeiten, die wir gemeinsam haben - ihre politische Unabhängigkeit, die Lösung regionaler Spannungen und unsere wachsenden Handelsbeziehungen zum Beispiel, fordert von uns, die Politik des aktiven Engagements mit der Welt der
Entwicklungsländer fortzusetzen, die wir während der letzten drei Jahre verfolgt haben.
Die Gesetzgebung für die Auslandshilfe, die ich Ihnen für das Haushaltsjahr 1981 vorlegen werde, stellt die Ermächtigung und die Mittel bereit, um
eine kooperative Beziehung zu einer großen Anzahl von Entwicklungsländern fortzusetzen.

Eine schnelle Reaktion des Kongresses auf diese Gesetzesvorlagen

ist wesentlich, um unseren Verpflichtungen aus Verträgen und Stutzpunktabkommen nachzukommen, unsere Friedensanstrengungen im Nahen Osten fortzusetzen,
Ländern in Not Wirtschafts- und Entwicklungshilfe zu gewähren, den Fortschritt
bei den Nord-Süd-Problemen zu fördern, die westlichen Interessen zu schützen
und dem sowjetischen Einfluß entgegenzuwirken.
•

•

Wir werden den Kongreß auch ersuchen, uns in die Lage zu versetzen,
unsere multilateralen Bei Standsabkommen durch Gewährung und Zuteilung von
Mitteln für die internationalen Finanzinstitutionen einzuhalten.
. . - • • • '

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• '•

Ernährung - der Krieg gegen den Hunger
.

•

•

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•

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•

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.

.

.

Eines der wirtschaftlichen Hauptprobleme, vor dem die Entwicklungsländer stehen, ist die mangelnde Nahrungsmittel Produktion. Wir müssen diesen
Ländern bei der Überwindung dieses Problems helfen - nicht nur in der Weise,
daß ihre Völker frei sind.von der Drohung ständigen Hungers, sondern auch so,
daß ihre Gesellschaften stark genug sind, um Druck von außen standzuhalten.
Ich habe angeordnet, daß die bilaterale und multilaterale Hilfe der Vereinigten Staaten in zunehmendem Maß auf dieses Ziel gerichtet wird, wie es unsere
Kommission zur Bekämpfung des Hungers unter dem Vorsitz von Sol Linowitz em-

- 38 -

�empfohlen hat. Wir fordern andere Geberlä'nder auf, sich mit uns zu noch wirkungsvolleren Anstrengungen zu diesem Zweck zusammenzutun...
Das Ziel, die Welt bis zum Jahr 2000 vom Hunger zu befreien, verlangt
die volle Unterstützung aller Länder...

- 39 -

�</text>
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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

PRÄSIDENT REAGANS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
25. Januar 1983

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 25. Januar 1983
vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses seine durch die Verfassung
vorgeschriebene jährliche Botschaft über die Lage der Nation - State of the
Union Message - verlesen.

In seiner Botschaft, die vom Fernsehen in den Ver-

einigten Staaten übertragen wurde, forderte Präsident Reagan Einigkeit im
Bündnis als Voraussetzung für erfolgreiche Abrüstungsverhandlungen.

Im außen-

politischen Teil seiner weitgehend innenpolitischen Themen gewidmeten Botschaft hob der Präsident das Friedensstreben und die Friedensbemühungen Amerikas in der ganzen Welt hervor.
Die Botschaft hat folgenden Wortlaut:
Diese feierliche Gelegenheit bedeutet, daß zum 196. Male ein Präsident der Vereinigten Staaten über die Lage der Nation berichtet, seit George
Washington im Jahr 1790 dies zum erstenmal getan hat.

Das sind viele Berich-

te, aber es herrscht kein Mangel an Neuem, was über die Lage der Nation zu sagen wäre.

Der eigentliche Schlüssel zu unserem Erfolg ist unsere Fähigkeit -

an erster Stelle unter den Nationen - gewesen, unsere dauerhaften Werte zu
erhalten, indem wir dafür sorgten, daß der Wandel für uns und nicht gegen
uns gearbeitet hat.
Ich möchte heute abend zu Ihnen über das sprechen, was wir zusammen tun
können - nicht als Republikaner und Demokraten, sondern als Amerikaner -, um
das Amerika von morgen glücklich und blühend im eigenen Lande, stark und geachtet draußen und im Frieden mit der Welt zu machen.
Wenn wir heute abend hier zusammenkommen, dann ist die Lage unserer
Nation stark, aber unsere Wirtschaft ist in Schwierigkeiten.

Für zu viele

unserer Mitbürger - Farmer, Stahl- und Automobilarbeiter, Holzfäller, schwarze Jugendliche und arbeitende Mütter - ist dies eine schmerzliche Zeit.
- 1 -

Wir

�Zeit.

Wir müssen alle alles tun, um ihrem Leiden ein Ende zu bereiten.

Es

ist uns aufgegeben, in unserer Zeit Schaden zu beheben, der sich seit langem
abzeichnet, und mit der schweren aber notwendigen Aufgabe zu beginnen, eine
bessere Zukunft für uns und unsere Kinder aufzubauen.
Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber dank des Mutes, der Geduld und der Stärke unseres Volkes ist Amerika auf dem Weg zur Besserung.
Lassen Sie mich nur einen wichtigen Grund angeben, warum das nach meiner Meinung so ist:

Es geht viele Mitglieder dieses Hauses an.

Rettung der Sozialversicherung
Gerade vor zehn Tagen hat die überparteiliche Kommission für die Sozialversicherung nach Monaten der Debatte und des Patts das scheinbar Unmögliche
geschafft.

Die Sozialversicherung stand, wie einige uns schon seit langem

gewarnt hatten, vor der Katastrophe.
von diesem Problem gesprochen.

Ich selbst habe seit fast 30 Jahren

Mit Anbruch des Jahres 1983 stand das System

am Rande des Bankrotts, ein zweifaches Opfer unserer wirtschaftlichen Malaise.
Erstens, ein Jahrzehnt galoppierender Inflation erschöpfte seine Reserven,
weil wir die Empfänger vor der ständigen Steigerung der Lebenshaltungskosten
schützen wollten.

Dann haben Rezession und das plötzliche Ende der Inflation

die expandierende Lohnbasis und die steigenden Einnahmen unterhöhlt, die das
System braucht, um die 36 Millionen Amerikaner zu unterstützen, die auf das
System angewiesen sind.
Als der Sprecher des Repräsentantenhauses, der Vorsitzende der Mehrheitsfraktion im Senat und ich die überparteiliche Kommission für die Sozialversicherung ins Leben riefen, sagten schlaue Leute und Fachleute voraus, daß Parteienstreit und widersprüchliche Interessen die Kommission daran hindern würden,
sich auf einen Plan zur Rettung der Sozialversicherung zu einigen.
Nun, manchmal

�Nun, manchmal haben selbst hier in Washington die Zyniker unrecht.
Durch Kompromiß und Kooperation haben die Mitglieder der Kommission ihre
Differenzen Überwunden und einen fairen und durchführbaren Plan ausgearbeitet.

Sie haben bewiesen, daß Amerikaner, wenn es um die nationale Wohl-

fahrt geht, noch immer zum gemeinsamen Guten zusammenstehen können.
Ich freue mich heute abend besonders, zusammen mit dem Sprecher und
dem Vorsitzenden der Mehrheitsfraktion im Senat an den Kongreß appellieren
zu können, diesen Plan innerhalb der nächsten 100 Tage zu verabschieden.
Natürlich enthält er Elemente, die keiner von uns besonders mag, aber
zusammengenommen stellt er ein Paket dar, für das alle von uns eintreten
können.

Er fordert von allen einige Opfer - von Selbständigen, Empfängern,

Arbeitern, neuen Regierungsangestellten und den Rentnern mit besserem Einkommen - aber er verlangt von niemandem etwas Ungebührliches.

Und wenn wir

den Plan unterstützen, dann halten wir ein wichtiges Versprechen an das
amerikanische Volk:

Die Integrität des Sozialversicherungssystems bleibt

erhalten - und niemand wird weniger bekommen.
Der Plan der Kommission wird seine Aufgabe erfüllen.
seine Aufgabe erfüllen.

Er muß sogar

Das schulden wir den älteren Amerikanern von heute

- und den jungen Arbeitern von heute.
Bevor wir fortfahren, möchte ich Sie bitten, zusammen mit mir die Mitglieder der Kommission, die heute abend unter uns sind, sowie den Vorsitzenden der Mehrheitsfraktion im Senat, Howard Baker, und Sprecher Tip O'Neill
zu ihrer guten Arbeit zu beglückwünschen.
Ich hoffe und bete, daß der überparteiliche Geist, der sie bei diesem
Bemühen geleitet hat, uns alle inspirieren wird, wenn wir vor den Aufgaben
der kommenden Jahre stehen.
Eine Zeit

�Eine Zeit des Übergangs und der Erneuerung
Vor fast einem halben Jahrhundert hat ein anderer amerikanischer Präsident, Franklin Delano Roosevelt, in seiner zweiten Botschaft über die Lage der Nation Amerika aufgerufen, in die Zukunft zu blicken - sich der Herausforderung des Wandels und der Notwendigkeit einer Führung zu stellen,
die vorwärts und nicht zurück blickt.
"In der ganzen Welt", so sagte er, "ist der Wandel an der Tagesordnung.

In jedem Lande haben seit langem anstehende Wirtschaftsprobleme Kri-

sen vieler Art herbeigeführt, auf die die Meister der alten Praxis und Theorie nicht vorbereitet waren."

Er erinnerte uns auch daran, daß "die Zukunft

jenen klugen politischen Führern gehört, die erkannt haben, daß die breite
Öffentlichkeit mehr an Regierung als an Parteipolitik interessiert ist."
So wollen wir uns - Männer und Frauen beider Parteien und jeder politischen Richtung - auf die langfristigen, überparteilichen Aufgaben der Regierung konzentrieren, und nicht auf die kurzfristigen Versuchungen der Parteipolitik.
Die Probleme, die wir ererbten, waren weit schlimmer, als die meisten
innerhalb oder außerhalb der Regierung erwartet hatten.

Die Rezession war

tiefer, als die meisten innerhalb oder außerhalb der Regierung vorausgesagt
hatten.

Die Behebung dieser Probleme hat mehr Zeit und einen höheren Preis

verlangt, als wir alle wollten.

Die Arbeitslosigkeit ist viel zu hoch.

Die

vorgesehenen Ausgaben der Bundesregierung werden - wenn die Regierung sich
weigert, ihren Gürtel enger zu schnallen -, bei weitem zu hoch sein und könnten den jetzt in Gang befindlichen wirtschaftlichen Wiederaufschwung schwächen
und verkürzen.
Dieser Wiederaufschwung wird eine Wiederbelebung des wirtschaftlichen
Vertrauens und der Ausgaben für Verbrauchsgüter und Kapital guter mit sich
bringen - den Anreiz, den wir brauchen, um die stillstehenden Triebwerke un- 4 -

�Triebwerke unserer Wirtschaft wieder zu starten. Das amerikanische Volk
hat bereits seine Spartätigkeit verstärkt und damit gewährleistet, daß die
notwendigen Mittel für die Modernisierung unserer Fabriken und die Verbesserung unserer Technologie wieder in Handel und Industrie fließen werden.
Die Inflationserwartungen, die noch vor zwei Jahren zu einer 21,5 prozentigen Primarate (Zinssatz für erste Adressen) und hochschnellenden Hypothekenzinsen führten, sind jetzt um fast die Hälfte zurückgegangen. Geldverleiher haben zu begreifen begonnen, daß eine zweistellige Inflationsrate
nicht mehr zur Gewohnheit gehört. Die Zinssätze sind gestürzt und haben den
Weg für den Wiederaufschwung in lebenswichtigen Industriezweigen wie Bauwirtschaft und Automobile bereitet.
Die ersten Anzeichen dieses Wiederaufschwungs beginnen einzutreten.
Die Neubaubeginne; sind im vierten Quartal 1982 gegenüber dem gleichen Zeitraum des vorangegangenen Jahres um 45 Prozent gestiegen. Und die Baugenehmigungen - ein sicherer Indikator für künftiges Wachstum - sind um kolossale
60 Prozent gestiegen.
Wir erleben einen Aufschwung der Produktivität und eindrucksvolle Beweise, daß die amerikanische Industrie auf den Binnen- und Auslandsmärkten
wieder wettbewerbsfähig werden wird - was mehr Arbeitsplätze und bessere
Einkommen für die Erwerbsbevölkerung unseres Landes garantiert.
Aber unser Vertrauen muß auch mit Realismus und Geduld vermischt sein.
Schnellkuren und künstliche Anreize, wie sie über Jahrzehnte immer wieder angewandt wurden, haben genau das inflationäre Durcheinander herbeigeführt, für
dessen Behebung wir jetzt einen so hohen Preis bezahlt haben.
Der dauerhafte Wiederaufschwung in Beschäftigung, Produktion und Investition wird nicht in einem scharfen, kurzen Spurt kommen. Er wird sich
in den kommenden Monaten und Jahren sorgfältig und stetig aufbauen. In der
Zwischenzeit ist es die Aufgabe der Regierung, die Dinge zu identifizieren,

�zu identifizieren, die wir jetzt tun können, um diesen massiven wirtschaftlichen Übergang für das amerikanische Volk zu erleichtern.

Der vierteilige Haushaltsentwurf für wirtschaftliches Wachstum
Der Bundeshaushalt ist sowohl ein Symptom als auch eine Ursache unserer
wirtschaftlichen Probleme. Wenn wir nicht die gefährliche Wachstumsrate der
Regierungsausgaben verringern, könnten wir auf unbegrenzte Zeit hinaus vor
der Aussicht auf ein träges wirtschaftliches Wachstum stehen. Wenn es uns
nicht gelingt, jetzt mit diesem Problem fertig zu werden, dann könnte dies
eine Erhöhung der Staatsschuld allein in den nächsten vier Jahren in einer
Größenordnung von einer Billion Dollar bedeuten.

Das würde eine zusätzliche

durchschnittliche Verschuldung jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes unseres Landes um 4300 Dollar bedeuten.

Damit eine anhaltender Wiederaufschwung

gewährleistet wird, müssen wir weiterhin die davonlaufenden Ausgaben unter
Kontrolle bekommen, um diese Defizite zu senken. Wenn wir das nicht tun, dann
wird der Wiederaufschwung zu kurz sein, dann wird die Arbeitslosigkeit zu hoch
bleiben, und wir werden unseren Kindern eine unverantwortliche Last an Staatsschuld hinterlassen.

Das dürfen wir nicht.

Wollen wir uns darüber klar werden, woher das Defizit kommt!

Entgegen

dem Trommel klang, den wir in den letzten Monaten gehört haben, stammen die
Defizite nicht von den Verteidigungsausgaben.

Als Prozentsatz unseres Brutto-

sozialprodukts betragen unsere Verteidigungsausgaben nämlich nicht mehr als
etwa vier Fünftel dessen, was sie im Jahr 1970 betrugen.

Und ebenso wenig

rührt das Defizit, wie manche Leute meinen, aus den Steuersenkungen her. Selbst
nach unseren Steuersenkungen sind die Steuern als Prozentsatz unseres Bruttosozialprodukts etwa die gleichen geblieben wie im Jahr 1970.
Tatsache ist, daß unsere Defizite aus dem unkontrollierten Anwachsen
der Haushaltmittel für

Staatsausgaben herrühren.

erhöhte sich der Anteil dieser

Während der siebziger Jahre

Staatsausgaben an unserem Nationaleinkommen

um mehr als 60 Prozent - von 10 Cent eines jeden Dollar, der vom amerikanischen
- 6 -

�vom amerikanischen Volk hervorgebracht wurde, auf 16 Cent.

Trotz all unserer

Einsparungen und Leistungssteigerungen und ohne Hinzufügung irgendeines
neuen Programms werden die notwendigen

Staatsausgaben, die im Haushalt die-

ses Jahres vorgesehen sind, während der nächsten fünf Jahre um fast eine Billion Dollar steigen.
Das Defizitproblem ist eine deutliche und präsente Gefahr für die Gesundheit unserer Republik selbst. Wir brauchen einen Plan, um diese Gefahr zu
überwinden - einen Plan, der auf folgenden Prinzipien beruht:
- Er muß überparteilich sein. Um die Defizite zu bewältigen und das
Haus der Regierung in Ordnung zu bringen, bedarf es der höchsten Anstrengungen von uns allen.
- Er muß fair sein.

So wie alle an den Vorzügen teilhaben, die sich

aus dem Wiederaufschwung ergeben, so sollen auch alle in fairer Weise an den
Lasten des Übergangs teilhaben.
- Er muß klug sein.

Die Stärke unserer nationalen Verteidigung muß

wiederhergestellt werden, damit wir die Prosperität in Frieden und Freiheit
erleben können, während wir unsere Verpflichtung gegenüber den wirklich Bedürftigen aufrechterhalten.
- Und er muß realistisch sein.

Wir dürfen uns nicht auf die Hoffnung

allein verlassen.
Mit diesen richtungweisenden Prinzipien im Auge möchte ich einen vierteiligen Plan zur Steigerung des wirtschaftlichen Wachstums und zum Abbau
der Defizite aufzeigen.
Erstens, in meiner Haushaltsbotschaft werde ich ein Einfrieren der Bundesausgaben empfehlen.

Ich weiß, daß das eine bittere Medizin ist, aber bisher

haben wir nur die Wachstumsrate der Bundesausgaben verringert.

- 7 -

Die Regierung

�Die Regierung hat weiterhin jedes Jahr mehr Geld ausgegeben, wenn auch nicht
so viel mehr als in der Vergangenheit.

Alles in allem wird das Budget, das

ich für das nächste Haushaltsjahr veranschlage, um nicht mehr zunehmen als
die Inflationsrate - mit anderen Worten, die Bundesregierung wird am realen
Stand der Ausgaben festhalten.
Familien

Das ist weit weniger, als viele amerikanische

in diesem schweren Zeiten vollbringen mußten.

Ich werde beantragen, daß das vorgeschlagene sechsmonatige Einfrieren
des Lebenshaltungskostenausgleichs, das von der überparteilichen Kommission
für die Sozialversicherung empfohlen wurde, auf andere im Zusammenhang mit
der Regierung stehende Pensionsprogramme ausgedehnt wird.
ein einjähriges Einfrieren für einen weiten Bereich von

Ich werde ferner
Staatsausgabenpro-

grammen und für die zivilen und militärischen Bediensteten der Bundesregierung und für Pensionsprogramme vorschlagen.

Lassen Sie mich hier hinzufügen,

daß es mir hinsichtlich der Soldaten leid tut, das von ihnen fordern zu müssen,
denn sie waren so viele Jahre lang im Rückstand und wurden so niedrig entlohnt
für das, was Männer und Frauen in Uniform leisten.

Aber ich bin sicher, daß

sie begreifen werden, daß dies für alle ohne Ausnahme gelten muß.
Zweitens, ich werde den Kongreß ersuchen, spezifische Maßnahmen zur
Kontrolle des Wachstums der sogenannten "unkontrollierbaren" Ausgabenprogramme
zu verabschieden.

Das sind die automatischen Ausgabenprogramme, wie etwa für

Lebensmittelgutscheine, die nicht einfach eingefroren werden können - und die
seit 1970 um über 400 Prozent angewachsen sind.

Sie sind die größten, ein-

fach wegen des eingebauten oder "strukturellen" Defizitproblems.

Unsere Norm

wird hier Fairness sein - Gewährleistung, daß die hart verdienten Dollar des
Steuerzahlers nur den wirklich Bedürftigen zugutekommen; daß keiner von diesen zurückgewiesen wird; aber daß es keinen Betrug und keine Verschwendung
mehr gibt.

Und ich muß leider sagen, daß davon eine ganze Menge vorkommt.

Allein in dem Lebensmittelgutscheinprogramm haben wir im vorigen Jahr eine
Überzahlung von fast 1,1 Milliarden Dollar festgestellt.
sind nicht die einzigen Opfer dieser Art von Mißbrauch.

Die Steuerzahler
Die wahrhaft Bedürf-

tigen leiden darunter, daß ihnen Mittel, die für sie vorgesehen sind, von den

- 8 -

�von den Habgierigen weggenommen werden.

Zum Wohle aller müssen wir solcher

Verschwendung und Korruption ein Ende setzen.
Drittens, ich werde unser Programm zur Erneuerung der Verteidigung
Amerikas durch den Vorschlag, über die nächsten fünf Jahre hinweg 55 Milliarden Dollar beim Verteidigungshaushalt einzusparen, einer Anpassung unterziehen.

Es handelt sich hierbei um Einsparungen, die mir der Verteidigungsmi-

nister empfohlen hat, der mir zugleich versichert hat, daß sie ohne Schwierigkeiten erzielt werden können und weder unsere Fähigkeit einschränken,
Rüstungsverminderungen auszuhandeln, noch Amerikas Sicherheit gefährden.

Wir

werden mit unserem nationalen Oberleben kein leichtfertiges Spiel treiben.
Viertens, ich werde - da wir eine Verminderung und schließlich eine Beseitigung der Defizite über die nächsten Jahre sicherstellen müssen - eine
Bedarfsfall Steuer vorschlagen, die im Haushaltsjahr 1986 einsetzen soll und
die auf nicht mehr als 1 Prozent des Bruttosozialprodukts begrenzt sein wird.
Sie würde sich über einen Zeitraum von nicht mehr als drei Jahren erstrecken
und nur dann eingeführt werden, wenn der Kongreß zunächst unserem Einfrieren
der Ausgaben und unserem Programm zur Kontrolle des Haushalts zugestimmt hat.
Zudem müßte

eine Reihe weiterer Bedingungen erfüllt werden, damit dieses

Programm anlaufen könnte.

Man könnte sagen, es handelt sich um eine Art

Vorsorgepolitik für die Zukunft - ein Mittel, das für den Bedarfsfall zur
Verfügung steht, zu dem man aber nur greift, wenn es absolut nötig ist.
Zwischenzeitlich werden wir auch weiterhin nach Wegen suchen, um die
Steuergesetzgebung zu vereinfachen und gerechter für alle Amerikaner zu machen.
Das ist ein Ziel, das jeder Amerikaner versteht, der sich je mit einem Steuerformular herumgeschlagen hat.
Gleichzeitig werde ich mich jedoch allen Anstrengungen entgegenstellen,
die grundlegenden Steuerreformen rückgängig zu machen, die wir bereits verwirklicht haben - einschließlich der zehnprozentigen Senkung, die diesen Juli
für die Steuerzahler kommen soll, und der Steuerindexierung, die alle Amerikaner in den kommenden Jahren vor inflationsbedingten Steuerklassenverschiebungen schützen wird.
Ich bin

�Ich bin mir bewußt, daß dieser Vierpunkteplan leichter zu beschreiben
als durchzusetzen ist.

Aber die drohenden Defizite, die über uns - und über

der Zukunft Amerikas - hängen, müssen verringert werden.

Der Weg, den ich

vorgezeichnet habe, ist gerecht, ausgewogen und realistisch.

Seine Verwirk-

lichung wird einen ständigen Rückgang der Defizite sicherstellen und auf einen
ausgewogenen Haushalt zum Ende des Jahrzehnts abzielen.

Dies ist der einzige

Weg, der zu einem starken, anhaltenden Wiederaufschwung führt.
Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam gehen.

Wachsende Beschäftigungsmöglichkeiten
Keine innenpolitische Herausforderung ist entscheidender als die, stabile, dauerhafte Arbeitsplätze für alle Amerikaner zu schaffen, die arbeiten
wollen. Der Wiederaufschwung wird Arbeitsplätze für die meisten bringen, aber
andere wiederum werden der besonderen Hilfe bedürfen und der Ausbildung in
neuen Sparten. Kurz, ich werde dem Kongreß das Beschäftigungsgesetz von 1983
vorlegen, das dazu dient, sich der besonderen Probleme der langfristig Arbeitslosen sowie der jungen Leute anzunehmen, die den Versuch unternehmen, in
den Arbeitsmarkt einzutreten. Ich werde vorschlagen, die Leistungen für Arbeitslose auszuweiten, einschließlich besonderer Anreize für Arbeitgeber,
die längerfristige Arbeitslose einstellen; Programme für entlassene Arbeitnehmer vorzusehen sowie Programme der Arbeitslosenversicherung zu unterstützen,
die Gelder vom Bund erhalten und von den Einzelstaaten verwaltet werden und
Arbeitnehmern Ausbildung und Umstellungshilfe gewähren. Schließlich wird unser Vorschlag neue Anreize für die Beschäftigung von Jugendlichen in den Sommermonaten bieten, damit den jungen Menschen bei ihrem Start in den Arbeitsmarkt geholfen wird.

Wir müssen unseren Arbeitslosen sowohl kurzfristige Hilfe als auch langfristige Hoffnung bieten.

Ich hoffe, wir können hierbei zusammenarbeiten, wie

wir dies im vergangenen Jahr bei der Einführung des Gesetzes über Partnerschaft bei der Berufsausbildung taten.

Die Gesetzgebung zur Verordnungsreform,

- 10 -

�zur Verordnungsreform,ein verantwortungsvolles Gesetz über die Reinhaltung
der Luft und die Verabschiedung der Gesetze über Unternehmenszonen werden
enbenfalls neue Anreize und Möglichkeiten für Arbeitsplätze schaffen.

Neuer Vorrang für den Handel
Jeder fünfte Arbeitsplatz in unserem Land hängt vom Handel ab. Daher
werde ich auf dem Gebiet des internationalen Handels eine breiterangelegte
Strategie vorschlagen - eine, die die Offenheit unseres Handelssystems erhöht und die auf dem Weltmarkt gerechter ist gegenüber den Farmern und den
Arbeitern Amerikas. Wir brauchen eine angemessene Exportfinanzierung, um die
amerikanischen Güter im Ausland zu verkaufen. Ich werde um neue Verhandlungsvollmachten ersuchen, um Schranken zu beseitigen und mehr unserer Produkte
auf die ausländischen Märkte zu bringen. Wir müssen die Organisation unserer
Handelsvertretungen stärken und Änderungen unserer Inlandsgesetze sowie der
internationalen Handelspolitik vornehmen, um den freien Handel und den erhöhten Fluß amerikanischer Güter, Dienstleistungen und Investitionen zu fördern.
Unsere Position im Handel kann auch dadurch verbessert werden, daß wir
unser Hafensystem effizienter gestalten.

Bessere, aktivere Häfen bedeuten

auch stabilere Arbeitsplätze in unseren Kohlebergwerken, bei den Eisenbahnen,
und im Speditionsgewerbe.

Nach zwei Jahren der Debatte ist es an der Zeit,

daß wir uns zusammensetzen und das Gesetz zur Modernisierung der Häfen verabschieden.
Erziehung, Ausbildung und Fortbildung sind für unseren Erfolg genauso
grundlegend wichtig wie Forschung, Entwicklung und Produktivität.

Gewerk-

schaften, Management und Regierung können und müssen sich auf allen Ebenen
an der Verbesserung dieser Instrumente des Wachstums beteiligen.

Die Steuer-

politik, die Anwendung von Verordnungen und die Regierungsprogramme bedürfen
ständiger Überprüfung hinsichtlich unserer Wettbewerbsfähigkeit.
Amerikaner

Jeder

spielt im internationalen Handel eine Rolle.und auf jeden kommt

- 11 -

�jeden kommt es an.

Ausweitung des Bildungswesens
Wir Amerikaner sind noch immer auf den meisten Gebieten der Technologie
in der Welt führend.

Wir müssen diesen Vorsprung halten - und deswegen müs-

sen wir damit anfangen, die Grundlagen zu erneuern, wobei wir mit unserem
Bildungssystem beginnen müssen.

Während wir selbstgefällig wurden, haben

andere gehandelt. Japan, mit einer nur halb so großen Bevölkerung wie wir,
bringt aus seinen Universitäten mehr Ingenieure hervor als wir.

Wenn ein

Kind bis zum Alter von 16 Jahren noch keinen angemessenen Mathematik- und
naturwissenschaftlichen Unterricht erhalten hat, hat es die Chance verpaßt,
ein Wissenschaftler oder Ingenieur zu werden.
Wir müssen uns zusammentun - Eltern, Lehrer, private Gruppen, Gewerkschaften und Geschäftswelt, um die Ausbildung in Amerika dadurch neuzubeleben,
daß wir höchste Maßstäbe anlegen.
Im Jahr 1983 streben wir vier große Ziele im Bildungswesen an:
- Eine Initiative bei der Qualität der Ausbildung,um eine beträchtliche
Verbesserung des Unterrichts in Mathematik und Naturwissenschaften zu fördern,
indem wir den Einzel Staaten zweckgebundene Mittel gewähren.
- Die Einrichtung von Sparkonten für die Ausbildung, durch die Familien
mit mittlerem und geringerem Einkommen einen Anreiz erhalten, für die CollegeAusbildung ihrer Kinder zu sparen, wobei gleichzeitig zu einem echten Anstieg der Spareinlagen für das Wirtschaftswachstum ermutigt wird.
- Gewährung von Steuererleichterungen für Eltern, die ihre Kinder in
private oder kirchlich geführte Schulen schicken wollen.
- Einen Verfassungs- 12 -

�- Einen Verfassungszusatz, der das freiwillige Schulgebet erlaubt;
Gott hätte nie aus den Klassenzimmern Amerikas vertrieben werden dürfen.

Sicherung einer gerechten Gesellschaft
Unsere Verpflichtung zur Fairness bedeutet, daß wir die rechtliche und
wirtschaftliche Gleichheit für die Frau sichern und ein für allemal alle
Spuren der ungerechten Diskriminierung von Frauen aus der amerikanischen Gesetzgebung beseitigen müssen.

Wir werden keine Lohndiskriminierung aufgrund

des Geschlechts zulassen,und wir beabsichtigen die verstärkte Durchsetzung
von Gesetzen zur Regelung der Unterhaltszahlung, um sicherzustellen, daß alleinstehende Elternteile, wovon die meisten Frauen sind, keinen ungerechten
finanziellen Härten ausgesetzt sind.

Wir werden auch Schritte unternehmen,

um Unbilligkeiten bei Pensionen zu beseitigen.

Diesen Initiativen werden sich

andere anschließen, um damit unsere Anstrengungen zur Förderung der Gleichheit der Frau fortzusetzen.
Im Bereich der Fairness und Billigkeit werden wir auch den Fortbestand
der Bürgerrechtskommission fordern, die in diesem Jahr ihre Arbeit einstellen
sollte.

Die Kommission ist ein bedeutsamer Teil des andauernden Kampfes um

Gerechtigkeit in Amerika,und wir unterstützen mit Nachdruck ihre erneute Bestallung.

Eine wirksame Durchsetzung der fairen Wohngesetze unseres Landes

ist für die Chancengleichheit ebenso wichtig.

Im kommenden Jahr werden wir

an der verstärkten Durchsetzung der Wohngesetze für alle Amerikaner arbeiten.

Schutz der Menschen vor Verbrechen
Die Zeit ist auch reif für eine umfassende Reform der Bestimmungen der
Strafgerichtsbarkeit und für schärfere Maßnahmen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen und den Drogenhandel.
Städte wieder sicher machen.

Es ist höchste Zeit, daß wir unsere

Diese Administration erklärt hiermit einen totalen

Krieg gegen das organisierte Verbrechertum und den Drogenhandel, die unsere
- 13 -

�die unsere jungen Menschen vergiften.

Wir werden außerdem die Empfehlungen

unserer Arbeitsgruppe für Verbrechensopfer, die mir diese Woche Bericht erstatten wird, in die Tat umsetzen.

Hilfe für Amerikas Farmer
Die amerikanische Landwirtschaft, auf die die Welt mit Neid blickt,
ist Opfer ihrer eigenen Erfolge geworden.

Da nunmehr ein Farmer genug Nah-

rungsmittel produziert, um sich und 77 weitere Menschen zu ernähren, steht
Amerika vor Rekordüberschußernten

und vor Preisen für die Erzeugnisse, die

unter den Produktionskosten liegen. Wir müssen uns darum bemühen, durch Neuerungen, wie der Methode der Zahlung in Naturalien - einer Art Tauschhandel,
und einer aggressiven Exportpolitik, die Gesundheit und Lebenskraft des ländlichen Amerika wiederherzustellen.

Inzwischen habe ich das Landwirtschafts-

ministerium angewiesen, auf individueller Basis mit Farmern die Schuldenprobleme haben, zusammenzuarbeiten, um sie so durch diese schwierigen Zeiten zu
bringen.

Mobilisierung des Privatsektors
Während des vergangenen Jahres hat unsere Arbeitsgruppe für Initiativen
des Privatsektors erfolgreich eine Arbeitspartnerschaft zusammengefügt, der
führende Persönlichkeiten der Wirtschaft, der Gewerkschaften, des Bildungswesens und der Regierung angehören, die sich um die Ausbildungserfordernisse der
amerikanischen Arbeitnehmer bemühen.

Dank dieser Arbeitsgruppe werden nunmehr

in allen 50 Bundesstaaten Initiativen auf dem Privatsektor ergriffen,und Tausenden von Arbeitnehmern wurde bereits dabei geholfen, den Übergang von aussichtslosen Berufen und kaum gefragten Fähigkeiten in Wachstumsbereiche der
Hochtechnologie und des Dienstleistungswesens zu schaffen.

Außerdem kon-

zentriert sich eine weitere große Anstrengung darauf, die Ausweitung der
Kinderfürsorge privater Gemeinschaften anzuregen.

Der neue Beirat für Ini-

tiativen des Privatsektors wird diese wichtige Aufgabe der Ermutigung der
- 14 -

�Ermutigung der Privatinitiative auch 1983 fortführen.

Finanziell tragbare Gesundheitsfürsorge
Im kommenden Jahr werden wir auch Schritte zur weiteren Verbesserung
der Lebensqualität der Amerikaner unternehmen, indem wir den schwindelnden
Anstieg der Kosten der Gesundheitsfürsorge beschneiden, die für so viele eine
unerträgliche finanzielle Last geworden ist.

Außerdem werden wir Gesetze vor-

legen, die für ältere Amerikaner eine Versicherung für schwerste Erkrankungen
abdecken.

Stärkung des Föderalismus
In Kürze werde ich einen umfassenden Plan zum Thema Föderalismus vorlegen, der unsere Anstrengungen fortsetzen wird, den Regierungen der Einzel Staaten und der Kommunen ihre Rolle als dynamische Arbeitsstätten des Wandels
in einer schöpferischen Demokratie zurückzugeben.
Während der nächsten Wochen werde ich dem Kongreß eine Reihe detaillierter Vorschläge zu diesem und zu anderen Themen vorlegen und freue mich auf
eine Zusammenarbeit bei der Verwirklichung dieser Initiativen.

Vertrauen in die Zukunft
Bislang habe ich mich hauptsächlich auf die Probleme konzentriert, die
die Zukunft mit sich bringt.

Aber in fast jedem Heim und an fast jedem Ar-

beitsplatz in Amerika werden wir bereits Zeuge dessen, daß es auch Grund für
große Hoffnungen gibt - die erste Verwirklichung der vom Menschen geschaffenen
Wunder der Hochtechnologie - einem Feld, auf dem unser Land der Pionier war und
auf dem es noch immer führend ist.
Für viele
- 15 -

�Für viele von uns jetzt sind Computer, Silikon-Chips, Datenverarbeitung,
Kybernetik und all die anderen Neuerungen des anbrechenden Zeitalters der Hochtechnologie genauso geheimnisvoll, wie es das Funktionieren des Verbrennungsmotors gewesen sein muß, als das erste Automobil die amerikanischen Hauptstraßen entlangratterte.
Aber genauso wie der Pioniergeist Amerikas es war, der uns zum industriellen Giganten des 20. Jahrhunderts gemacht hat, so eröffnet uns derselbe Pioniergeist heute einen anderen, weiten Bereich neuer Möglichkeiten - das Neuland
der Hochtechnologie. Bei der Eroberung dieser neuen Räume dürfen wir unsere
überlieferten Industriezweige nicht abschreiben, sondern müssen die Fähigkeiten und Wirtschaftsweise entwickeln, die uns zu einem Pionier des Morgen
machen werden. Diese Administration steht zu der Verpflichtung, daß Amerika
der technologische Führer der Welt bleibt - jetzt und in das 21. Jahrhundert
hinein.

Amerika und die Welt
Wenden wir uns kurz der internationalen Arena zu.

Amerika kam zu seiner

Führungsrolle wegen unserer eigenen Stärke und wegen der Werte, die uns als Gesellschaft leiten:

Freie Wahlen, eine freie Presse, Freiheit des religiösen

Bekenntnisses, freie Gewerkschaften und - vor allem - Freiheit für den einzelnen und Ablehnung der willkürlichen Macht des Staates.
das Fundament unserer Stärke.

Diese Werte sind

Sie vereinen uns in einem Hüteramt für Frieden

und Freiheit mit unseren Verbündeten und Freunden in der NATO, in Asien, in
Lateinamerika und andernorts.

Es sind zugleich die Werte, die manche unter

uns in der jüngsten Vergangenheit in Zweifel zu ziehen begonnen hatten und die
von ihnen mit zynischem Blick betrachtet wurden.
Glücklicherweise haben wir und unsere Verbündeten die Kraft unserer gemeinsamen demokratischen Werte wiederentdeckt.

Und wir verwenden sie als den

Eckstein einer umfassenden Strategie für Frieden mit Freiheit.

- 16 -

Ich habe in

�habe in London im vergangenen Jahr die Verpflichtung der Vereinigten Staaten
zur Entwicklung der demokratischen Infrastruktur in der ganzen Welt angekündigt.

Wir beabsichtigen, diese demokratische Initiative tatkräftig zu ver-

folgen.

Die Zukunft gehört nicht den Regierungen und Ideologien, die ihre

Völker unterdrücken, sondern den demokratischen Systemen der Selbstregierung,
die die Initiative des einzelnen ermutigen und seine persönliche Freiheit garantieren.

Die Stärkung der Weltwirtschaft
Unsere Strategie für den Frieden muß jedoch auch auf Stärke - wirtschaftlicher und militärischer Stärke - basieren.

Eine starke amerikanische

Wirtschaft ist von entscheidender Bedetung für das Wohlergehen und die Sicherheit unserer Freunde und Verbündeten.

Die Wiederherstellung einer starken

und gesunden amerikanischen Wirtschaft ist und bleibt eine der zentralen Säulen unserer Außenpolitik.

Der Fortschritt, über den ich Ihnen heute abend

berichten konnte, wird - das weiß ich - von der übrigen freien Welt genauso
herzlich begrüßt

wie vom amerikanischen Volk.

Wir müssen uns auch darüber im klaren sein, daß unser eigenes wirtschaftliches Wohlergehen unauflösbar mit der Weltwirtschaft verbunden ist.
Wir exportieren mehr als 20 Prozent unserer Industrieproduktion, und auf 40
Prozent unseres Ackerlandes werden Güter für den Export produziert.

Wir wer-

den auch weiterhin eng mit den demokratischen Industriestaaten Europas und
mit Japan sowie mit dem Weltwährungsfonds zusammenarbeiten, um sicherzustellen,
daß dieser über die angemessenen Mittel verfügt, um dazu beizutragen, daß die
Welt wieder zu einem starken nichtinflationären Wachstum zurückkehrt.

Als

Führer der westlichen Welt und als ein Land, das aufgrund seiner wirtschaftlichen Freiheit groß und reich geworden ist, muß Amerika ein unverbrüchlicher
Verfechter des freien

Handels sein.

Wenn einige Länder versucht sind, sich

dem Protektionismus zuzuwenden, dann darf es nicht unsere Strategie sein,
ihnen auf diesem Wege zu folgen, sondern wir müssen den Weg zu einem freieren
Handel weisen.

Zu diesem Zweck wird Amerika im Mai dieses Jahres der Gast- 17 -

�der Gastgeber eines Wirtschaftsgipfeltreffens in Williamsburg

im Staate

Virginia sein.

Die Wiederherstellung der Verteidigung Amerikas
Wenn wir jetzt in unser drittes Regierungsjahr eintreten, haben wir
ein Verteidigungsprogramm erstellt, das die Vernachlässigung des letzten Jahrzehnts aufhebt.

Wir haben eine realistische Militärstrategie entwickelt,

um vor Bedrohungen des Friedens abzuschrecken und unsere Freiheit zu schützen,
falls die Abschreckung versagen sollte.

Unsere Streitkräfte werden endlich

angemessen besoldet, nachdem dies über Jahre hinweg vernachlässigt wurde; sie
sind gut ausgebildet, werden besser ausgerüstet und versorgt»und die amerikanische Uniform wird wieder mit Stolz getragen.

Der größte Teil der für die

Modernisierung unserer Verteidigung benötigten wichtigen Systeme sind bereits
im Kommen, und wir werden uns in einigen Monaten in Konsultation mit dem
Kongreß einem entscheidend wichtigen Element - der MX-Rakete - zuwenden.

Eine überparteiliche Friedenspolitik
Die Außenpolitik Amerikas gründet sich erneut auf Überparteilichkeit
- auf Realismus, Stärke, volle Partnerschaft und Konsultation mit unseren Verbündeten sowie auf konstruktive Verhandlungen mit potentiellen Gegnern.

Vom

Nahen Osten bis nach Südafrika und Genf ergreifen amerikanische Diplomaten die
Initiative, um Frieden auf einem niedrigeren Rüstungsniveau zu schaffen.

Wir

sollten auf unsere Rolle als Friedensstifter stolz sein.
Im Nahen Osten haben die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr bei
der Beendigung der tragischen Kämpfe im Libanon die wesentliche Rolle gespielt
und über den Abzug der PLO aus Beirut verhandelt.

Im September vorigen Jahres

habe ich die Grundsätze für die Weiterführung des Friedensprozesses dargelegt,
der so verheißungsvoll in Camp David begonnen hat.

Alle Menschen im Nahen

Osten sollten wissen, daß wir in dem vor uns liegenden Jahr in unserem An- 18 -

�unseren Anstrengungen, auf dieser Grundlage weiterzubauen, nicht nachlassen
werden, um ihnen die Segnungen des Friedens zu bringen.
In Mittelamerika und im Karibischen Becken sind wir in gleicher Weise
in einer Partnerschaft für Frieden, Wohlstand und Demokratie engagiert.

Die

endgültige Verabschiedung der noch verbleibenden Teile unserer Initiative
für das Karibische Becken, die das Repräsentantenhaus im vergangenen Jahr
guthieß, ist eine der höchsten gesetzgeberischen Prioritäten meiner Administration im Jahr 1983.
Die Sicherheits- und Wirtschaftshilfepolitik dieser Administration in
Lateinamerika und anderswo in der Welt basiert auf Realismus und stellt eine
entscheidend wichtige Investition in die Zukunft der Menschheit dar.

Dieses

Vorhaben fällt unter die gemeinsame Verantwortung der Exekutive und Legislative, und ich rechne auf die Zusammenarbeit und die staatsmännische Klugheit
des Kongresses, um mitzuhelfen, daß wir dieses wichtige außenpolitische Ziel
erreichen.

Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und die Rüstungsverminderung
Den Kernpunkt unserer Strategie für den Frieden bildet unser Verhältnis
zur Sowjetunion.
Das letzte Jahr hat eine Änderung in der sowjetischen Führung gebracht.
Wir sind zu einer positiven Änderung in den sowjetisch-amerikanischen Beziehungen bereit.

Aber die Sowjetunion muß mit Taten und nicht nur mit Worten

zeigen, daß sie sich aufrichtig verpflichtet fühlt, die Rechte und die Souveränität der Völkerfamilie zu respektieren.

Verantwortungsbewußte Mitglieder

der Weltgemeinschaft bedrohen oder besetzen nicht ihre Nachbarländer, und sie
halten ihre Verbündeten von der Aggression zurück.
Wir unsererseits

- 19 -

�Wir unsererseits führen mit Nachdruck Rüstungsverminderungsverhandlungen
mit der Sowjetunion.

Unterstützt von unseren Verbündeten haben wir jetzt

Entwürfe für Abkommen vorgelegt, in denen bedeutsame RüstungsVerminderungen
auf gleiche und verifizierbare niedrigere Ebenen vorgeschlagen werden.
bestehen auf einem gerechten Gleichgewicht der Kräfte.

Wir

Und angesichts der

überwältigenden Beweise sowjetischer Verletzungen internationaler Verträge
bezüglich der chemischen und biologischen Waffen

bestehen wir weiter darauf,

daß jedes von uns unterzeichnete Abkommen verifiziert werden kann und wird.
Im Falle der nuklearen Mittel Streckensysteme haben wir die völlige Beseitigung einer gesamten Kategorie landgestützter Raketen vorgeschlagen. Wir
sind ferner bereit, ernsthafte sowjetische Vorschläge sorgfältig zu prüfen.
Gleichzeitig lassen Sie mich unterstreichen, daß die Standfestigkeit der Verbündeten weiterhin ein Schlüssel zur Erreichung von Rüstungsverminderungen
ist.
Wir werden weiterhin mit Festigkeit und Hingabe verhandeln.

In ihrem

tiefsten Innern müssen die Sowjets wissen, daß es in ihrem wie in unserem
Interesse liegt, ein kostspieliges Wettrüsten zu verhindern.

Und wenn sie

sich erst einmal über unsere unerschütterliche Entschlossenheit im klaren
sind, eine angemessene Abschreckung aufrechtzuerhalten, dann werden sie allen
Grund haben, um sich uns bei der Suche nach größerer Sicherheit und wesentlichen Rüstungsverringerungen anzuschließen.

Wenn dieser Augenblick eintritt

- und ich bin überzeugt, daß er kommen wird -, dann werden wir einen wichtigen Schritt auf dem Wege zu einer friedlicheren Zukunft für alle Menschen
in der Welt getan haben.

Eine Vision der Hoffnung
Ein sehr kluger Mann, Bernard Baruch, hat einmal gesagt, daß Amerika
niemals die nobeleren Dinge vergessen hat, die zu seiner Entstehung führten
und ihm den Weg weisen.

Unser Land ist ein besonderer Ort, weil wir Amerika-

ner immer - in guten wie in schlechten Zeiten - durch eine noble Vision ge- 20 -

�Vision gestärkt wurden - eine Vision nicht nur dessen, was die Welt heute
ist, sondern auch dessen, was wir als ein freies Volk morgen aus ihr machen
können.
Wir sind Realisten.

Wir lösen unsere Probleme, statt sie zu ignorie-

ren - ganz gleich, wie laut der Chor der Verzweiflung um uns herum ist.
Aber wir sind auch Idealisten, denn es war ein Ideal, das unsere Vorfahren aus allen Ecken der Welt an diese Ufer brachte.
Heute benötigen wir sowohl Realismus als auch Idealismus.
unserer Nachbarn sind ohne Arbeit.
nicht ohne Hoffnung bleiben.

Millionen

Es liegt an uns, dafür zu sorgen, daß sie

Das ist eine Aufgabe für uns alle.

Und ich darf

sagen, daß die Amerikaner sich für diese Sache einsetzen und damit wieder einmal beweisen, daß wir das großherzigste Volk auf Erden sind.
Wir, die wir in der Regierungsverantwortung stehen, müssen die Führung
beim Wiederaufschwung unserer Wirtschaft übernehmen.

Was die Räder der In-

dustrie wieder in Bewegung setzen kann, ist eine weitere Senkung der Zinssätze.

Weitere ein oder zwei Punkte können hier Zehntausende von Arbeits-

plätzen bedeuten.

Nachdem die Inflationsrate jetzt so niedrig ist -3,9 Pro-

zent -gibt es genug Spielraum für eine Senkung der Zinssätze.
Es ist nur Angst, die eine Senkung verhindert.

Ein Geldverleiher muß

- wie wir alle wissen - einen Zinssatz erheben, der die Wertminderung des
verliehenen Dollar wieder ausgleicht.
Höhe der Inflation.

Diese Wertminderung ist natürlich die

Die Zinssätze basieren heute auf der Befürchtung, daß die

Regierung - wie in der Vergangenheit - auf Maßnahmen zurückgreifen könnte,
die die Inflation wieder in die Höhe schnellen lassen.
Wir, die wir hier in der Hauptstadt unsere Pflicht tun, müssen diese
Furcht dadurch beseitigen, daß wir unmißverständlich klarstellen, daß wir
den Kampf gegen die Inflation nicht aufgeben werden; daß wir gemeinsam nur
diejenigen Dinge tun werden, die zu einem dauerhaften wirtschaftlichen Wachstum
- 21 -

�wirtschaftlichen Wachstum führen.
Sicher, die Probleme, denen wir uns gegenübersehen, sind groß und bedrohlich.

Und ganz gewiß kann und sollte keiner die Not von Millionen unserer

Freunde und Nachbarn bagatellisieren, die in der öden Leere der Arbeitslosigkeit leben. Wir müssen und können ihnen vielmehr Grund zur Hoffnung geben.
Im Laufe der vielen Jahre haben sich Bürger wie wir hier in diesen
Mauern versammelt, wenn unser Land bedroht war, manchmal wenn seine Existenz
auf dem Spiele stand. Und immer haben diese Bürger mit Mut und Vernunft die
Krisen ihrer Zeit gemeistert und für ein stärkeres, besseres und glücklicheres
Land gesorgt. Die gegenwärtige Situation ist nicht schlimmer, ja, sie ist
nicht so schlimm wie manche jener Situationen, vor denen sie damals standen.
Immer wieder haben sie bewiesen, daß es nichts gibt, was wir als freie Männer
und Frauen nicht erreichen könnten.
Ja, wir haben immer noch Probleme - und zwar viele. Aber es ist einfach
falsch - und ungerecht gegenüber unserem Lande und auch ungerecht gegenüber
unserem Volk -, wenn wir diese Probleme der wichtigsten Wahrheit von allen
in den Weg stellen würden:

Amerika ist auf dem Weg der Besserung.

Wir sind es den Unglücklichen schuldig, uns ihrer Not bewußt zu sein
und ihnen auf jede nur mögliche Weise zu helfen. Keiner kann etwas dagegen
sagen. Wir müssen Mitgefühl für alle Opfer dieser wirtschaftlichen Krise
haben, und haben dies auch. Aber was heute im Hinblick auf Amerika einfach
großartig ist, ist die Art und Weise, wie Millionen vertrauensvoller und
mitfühlender Menschen - jene überaus "einfachen" Amerikaner, die niemals in
die Schlagzeilen der Zeitungen geraten, und die niemals interviewt werden die Grundlage nicht nur für eine Wiedergesundung von unseren gegenwärtigen
Problemen, sondern für ein besseres Morgen für all unsere Bürger schaffen.
Von Küste zu Küste, am Arbeitsplatz, in Schulen und in Laboratorien,
auf neuen Baustellen und ebenso in Kirchen und kommunalen Gruppen helfen
Nachbarn ihren Nachbarn.

Und sie haben bereits mit dem Aufbau, der Forschung,
- 22 -

�der Forschung, der Arbeit und dem Geben begonnen - Dinge, die unser Land
wieder groß machen werden.
Ich bin davon überzeugt, weil ich an diese Menschen glaube - an die
Stärke ihrer Herzen und ihres Geistes v an die Verpflichtung, die jeder von
ihnen für die täglichen Dinge des Lebens mitbringt, seien sie nun groß oder
einfach.

Die Herausforderung für uns in der Regierung ist es, daß wir uns

ihrer wert erweisen, daß wir die Regierung in den große

Anforderung

stellen-

den,aber verheißungsvollen Tagen, die vor uns liegen, zu einer Hilfe und
nicht zu einem Hindernis für unser Volk machen.
Wenn wir das tun, und wenn es uns wichtig ist, was unsere Kinder und
Kindeskinder einmal von uns sagen werden, wenn wir wollen, daß sie eines
Tages dankbar sind für unser Tun hier in diesem Hort der Freiheit, dann
werden wir zusammenarbeiten, um Amerika besser für unser Erdenleben zu machen
- nicht nur in diesem Jahr oder in diesem Jahrzehnt, sondern auch im nächsten
Jahrhundert und darüber hinaus.

- 23 -

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                    <text>25. Januar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan-Erklärung zu Stockholm
- Umfassender Meinungsaustausch Shultz-Gromyko Shultz fordert zur Wiederaufnahme des Ost-West-Dialogs auf
- Rede des US-Außenministers auf der Stockholmer Konferenz

INFORMATION
Edwin Meese zum neuen Justizminister nominiert

HINTERGRUNDMATERIAL
Probleme des Atlantischen Bündnisses
Von Dr. Henry A. Kissinger

Um Über/endung von
ßelegeiiemplciren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�25. Januar 1984

4

REAGAN-ERKLÄRUNG ZU ST0CKHCL1
Umfassender Meinungsaustausch Shultz-Gromyko

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer schriftlichen
Erklärung am 20. Januar 1984 die Bedeutung der Stockholmer Konferenz für
Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE)
hervorgehoben und die Bereitschaft betont, "Europa und die Welt zu einem
sichereren Ort zu machen'.

Der amerikanische Außenminister George Shultz und

der sowjetische Außenminister Andrei Cromyko hätten einen "umfassenden und
ernsthaften Meinungsaustausch über entscheidende globale Fragen" geführt.
Die Erklärung des Präsidenten, die im Anschluß an die Berichterstattung
von Außenminister Shultz im W ißen Haus herausgegeben wurde, hat folgenden
Wortlaut:
Außenminister Shultz ist gerade von Stockholm zurückgekehrt, wo er die
Vereinigten Staaten bei der Eröffnung der europäischen Sicherheitskonferenz,
bekannt als KVAE, vertrat. Zusammen mit den Außenministern von 34 anderen
Staaten erörterte er die Ost-West-Beziehungen und imbor; )nderen Frieden und
Sicherheit in Europa.
Der Hauptzweck

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Hauptzweck der Stockholmer Konferenz besteht darin, das Risiko eines
Überraschungsangriffs oder eines Krieges durch Zufall oder Mißverständnis zu
verringern.

Die historische Rechtfertigung liegt auf der Hand.

Zweimal in

diesem Jahrhundert war Europa Schauplatz eines schrecklichen Konflikts.
Wir dürfen nicht zulassen, daß dies wieder geschieht.

Um die Aussichten

auf Frieden und Sicherheit in Europa zu stärken, werden deshalb die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten auf der KVAE ein Paket praktischer und konkreter
Maßnahmen vorschlagen.

Wir werden vorschlagen, daß sich alle Staaten Europas,

aus dem Osten ebenso wie aus dem Westen, darauf einigen:
- Information über ihre Streitkräfte auszutauschen und jährliche Vorausankündigungen militärischer Manöver zu geben;
- wesentliche militärische Aktivitäten vorher anzukündigen und Beobachter zu
diesen Aktivitäten einzuladen;
- die Kapazität einer raschen Kommunikation unter unseren Regierungen auszubauen;
eine Verifizierung der Einhaltung der auf der Konferenz eingegangenen Verpflichtungen zu bieten.

Wir sind uns natürlich auf der anderen Seite bewußt, daß diese Schritte
allein den Frieden in Europa nicht garantieren, und daß die Vereinigten Staaten
allein keinen Erfolg haben können. Das können wir nur im Einklang mit unseren
Freunden und Verbündeten. Ein Kennzeichen unserer Außenpolitik ist die Schaffung
eines Konsenses unter unseren Partnern in Europa und Asien gewesen - eines
Konsenses, der sich auf den ganzen Bereich der politischen, wirtschaftlichen und
militärischen Fragen erstreckt.
Das Atlantische

�Das Atlantische Bündnis demonstriert in Stockholm erneut, daß es der Eckpfeiler des Friedens und der Sicherheit in Europa ist. Weil wir und unsere
Verbündeten zusammenhalten, sind wir besser in der Lage, die gemeinsamen Herausforderungen, vor denen wir stehen, zu meistern.
Keine dieser Herausforderungen ist wichtiger als die Notwendigkeit, ein
konstruktives Arbeitsverhältnis zur Sowjetunion herzustellen.
Am letzten Montag (16. Januar) habe ich vorgeschlagen, daß wir und die
Sowjetunion eine wesentliche Anstrengung unternehmen, um auf drei lebenswichtigen
Gebieten einen Fortschritt

zu sichern:

- Erstens, Mittel und Wege zu finden, um die Androhung und Anwendung von
Gewalt in internationalen Angelegenheiten zu verringern und schließlich zu
beseitigen;
- zweitens, Mittel und Wege zu finden, um die gewaltigen Rüstungsarsenale der
Welt abzubauen; und
- drittens, ein besseres Arbeitsverhältnis zu einander herzustellen - ein
Verhältnis, das durch stärkere Kooperation und Verständigung gekennzeichnet ist.
Die Treffen in der vorigen Woche in Stockholm haben uns diesen Zielen näher
gebracht.

Außenminister Shultz und Außenminister Gromyko führten einen umfassen-

den und ernsthaften Meinungsaustausch über entscheidende globale Fragen. Natürlich
haben sie unsere Differenzen nicht ausgeräumt. Aber das Wichtige ist, daß wir
trotz dieser Differenzen entschlossen sind, unsere Anstrengungen fortzusetzen,
um Europa und die Welt zu einem sichereren Ort zu machen, wo wir alle in Frieden
und Würde leben können.
+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25. Januar 1984

SHULTZ FORDERT ZUR WIEDERAUFNAHME DES OST-WEST-DIALOGS AUF
- Rede des US-Außenministers auf der Stockholmer Konferenz -

STOCKHOLM - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben die Stockholmer Konferenz
für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE)
aufgefordert, mit einem neuen, offenen und umfassenden Dialog zwischen Ost und
West zu beginnen. Auf der KVAE-Eröffnungssitzung am 17. Januar 1984 appellierte
der amerikanische Außenminister George Shultz an die Teilnehmerstaaten, die Konferenz zu einem Wendepunkt der Ost-West-Beziehungen zu machen.

Die Vereinigten

Staaten seien bereit, in dieser Richtung voranzugehen.
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Zunächst möchte ich dem schwedischen Volk und der schwedischen Regierung meinen Dank aussprechen

für die herzliche Gastfreundschaft, die sie als

Gastgeber dieser Konferenz uns gewähren.

Es ist besonders angebracht, gerade

hier in Stockholm an die heroischen Taten des schwedischen Diplomaten Raoul
Wallenberg zu erinnern, der in den letzten zwei Jahren des Zweiten Weltkrieges
Tausende von Juden vor der Vernichtung bewahrt hat.

Ich zolle unseren schwe-

dischen Tastgebern meine Bewunderung für diese langjährige Tradition aktiven

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Tradition aktiven und selbstlosen Einsatzes für die Sache des Friedens und
der Menschenrechte, für die Raoul Wallenberg ein Beispiel gab.
Lassen Sie mich auch den Beitrag der neutralen und blockfreien Teilnehmer am Helsinki-Prozeß würdigen.

Sie haben einem Jahrzehnt schwieriger

Beratungen über einen weiten Bereich lebenswichtiger europäischer Fragen ein
gesundes Gleichgewicht verliehen.
Herr Vorsitzender, wir sind hier zusammengekommen, um nach den Worten
des Schlußdokumentes von Madrid über eine Reihe sich einander ergänzender Vertrauens- und sicherheitsbildender Maßnahmen zu verhandeln - und sie zu verabschieden -, die dazu bestimmt sind, das Risiko einer militärischen Konfrontation in Europa zu verringern.

Wir sind hier, um Fortschritte auf ein spezi-

fisches Ziel hin zu erreichen: nämlich die Reduzierung der Gefahr eines Überraschungsangriffes, der Gefahr von Fehleinschätzungen und von Mißverständnissen.
Benjamin Franklin hat einmal geschrieben: "Ein mächtiger Herrscher,
der eine Armee ständig einsatzbereit hält, macht es nötig, daß seine Nachbarn
dies auch tun, um Überraschungen zu verhindern." Heute ist die Macht solcher
Herrscher zwar geringer geworden, aber die Bedrohung, die von großen Armeen
ausgeht, und die Gefahr eines Überraschungsangriffes sind gewachsen. Und
die Besorgnis hinsichtlich eines solchen Überraschungsangriffs kann zu dem
bösen Ergebnis führen, daß zu einem Präventivschlag ermutigt oder die Gefahr
eines Krieges aufgrund von Fehleinschätzungen vergrößert wird.
Wenn wir auch die Lehren der dreißiger Jahre beachten müssen, als
Schwäche zur Aggression ermutigte, dürfen wir doch niemals die Tragödie von
1914 wiederholen, als Staatsmänner ihre Entscheidungen durch die Technologie
beeinflussen ließen und als die Länder blind in einen katastrophalen Krieg
stolperten. Deshalb haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten seit
langem Maßnahmen befürwortet, die die Offenheit verstärken und die Kommunikation verbessern sowie größere Sicherheit gegenüber Überraschungen und Fehleinschätzungen bieten sollen.
Die vertrauensbildenden
- 2 -

�Die vertrauensbildenden Maßnahmen in der S c h l u ß ,
ein positiver Schritt. Hier in Stockholm hoffen wi
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nen, was andernorts erreicht und erörtert wurde
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Wir sollten nach Mitteln und Wegen suchen
griff schwieriger und Fehl einschätzt

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en militärischen Aktivitäten einzuladen;

die Kapazität schneller Kommunikationsmöglichkeiten zwischen unseren Ländern in Krisenzeiten zu verbessern;

Mittel und Wege zur beiderseitigen Verifizierung der Einhaltung der Vorhaben zu schaffen, die auf dieser Konferenz beschlossen werden.
- 3-

Wir sehen

�Wir sehen in diesen Vorschlägen nur einen Beginn.

Sie sollen unsere

Überlegungen von Anfang an auf spezifische, konkrete, realistische und nützliche Schritte konzentrieren.

Der Nachdruck sollte auf praktische Leistungen

gelegt werden und nicht auf leere Versprechungen guter Absichten.

Die Vereinig-

ten Staaten stehen voll und ganz zu den Prinzipien des Nichtangriffs, wie sie
in der Charta der Vereinten Nationen und der Schlußakte von Helsinki enthalten
sind.

Aber es wäre eine schreckliche Täuschung für die Völker Europas, würde

diese Konferenz so tun, als stelle eine neue Bekräftigung bestehender - und allzu oft verletzter Verpflichtungen - einen Fortschritt für die Vertrauensbildung in Europa dar.
Wir werden jeden Vorschlag, von welchem Teilnehmer er auch kommt, begrüßen und ihn in einem positiven Geist prüfen. Wir werden diese Vorschläge
nach den in Madrid vereinbarten Kriterien beurteilen, daß sie nämlich militärisch bedeutsam, politisch bindend, verifizierbar und auf das gesamte Europa anwendbar sein müssen.
Wir haben einen der erfahrensten amerikanischen Botschafter beauftragt,
uns auf dieser Konferenz zu vertreten. James Goodby hat mehr als ein Jahrzehnt lang am KSZE-Prozeß sowie an den Bemühungen Amerikas um eine wirksame
Rüstungskontrolle teilgenommen. Seine Anstrengungen hier werden die volle
Unterstützung unserer Regierung finden.
Bei der Fortsetzung dieser praktischen Schritte müssen wir uns vor Augen
halten, daß Vertrauens- und Sicherheitsbildung eine größere Dimension haben.
Wenn wir den Völkern Europas wirklich ein zusätzliches Maß an Sicherheit hinsichtlich ihrer Zukunft geben wollen, dann müssen die hier versammelten Staaten sich nicht nur den unmittelbaren Aufgaben dieser Konferenz zuwenden, sondern auch den grundlegenderen Fragen, die im Mittelpunkt des Problems der
europäischen Sicherheit stehen.
Wir stimmten in Madrid darin überein, daß diese Konferenz ein wesentlicher und integraler Bestandteil des Helsinki-Prozesses ist. Dieser Prozeß

- 4 -

�Dieser Prozeß ist ein historischer Versuch, sich umf
zusammenhängenden Problemen der gemeinsamen S i c h e r h e i t ^ "^ de" mnel ' nander
Wlrtschaftl
Beziehungen, der Kontakte zwischen unseren Völkern „ '
ichen
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heiten unserer Volker und der Normen internationalen X j n T n T ™ "
™dfr"setzen. Die Schlußakte von Helsinki aus dem Oahr 7 w
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rung unserer Wünsche und unseres Strebens - eine Erk " '™ ^
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Europa ist die «lege der modernen Welt. Von hier aus ging nicht nur
modernen Kultur, des modernen politischen Denkens wie auch der Formen der
ernen Diplomatie. Zum Erbe Europas gehören untrennbar die
tat. der Demokratie und der nationalen Unabhängigkeit, die das ame i a ,
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zwar ganz Europa - verdient echten Frieden und echte Sicherheit.
Seit 1945 hat Westeuropa eine große Versöhnung alter Feindschaften
sowie einen großen Wiederaufschwung der Freiheit, d r Prosp
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paischen Tradition dar, und die Vereinigten Staaten sind stolz dar uf daß

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Diese Grenze

-

�Diese Grenze wurde dort nicht vom Westen geschaffen.
nicht vom Westen aufrechterhalten.

Sie wird auch

Es ist nicht der Westen, der seine Bür-

ger an der Freizügigkeit hindert oder sie von konkurrierenden Ideen abschottet.
Lassen Sie mich dies sehr deutlich sagen:

Die Vereinigten Staaten er-

kennen die Rechtmäßigkeit dieser künstlich auferlegten Teilung Europas nicht
an.

Diese Teilung ist der Kern des Sicherheitsproblems und des Menschen-

rechtsproblems Europas - und wir alle wissen das.
Die Menschenrechte bilden den zentralen Punkt einer jeden Erörterung
der europäischen Sicherheit.

Wie die Schlußakte von Helsinki feststellt,

ist die Respektierung der Menschenrechte und der fundamentalen Freiheiten
ein überaus wichtiger Faktor für Frieden, Gerechtigkeit und Wohlergehen,
die notwendig sind,um die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen und
Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Der Versuch, Europa eine Teilung aufzuer-

legen, ist zwangsläufig eine Quelle der Instabilität und der Spannung.
Seit den Tagen Woodrow Wilsons hat mein Land begriffen, daß echter
Friede und echte Sicherheit in Europa von einem Fundament grundlegender
Freiheiten abhängen - und nicht die geringste dieser Freiheiten ist das
Recht der Menschen, über ihre eigene Zukunft zu entscheiden.
Der Helsinki-Prozeß ist eine historische, friedliche Anstrengung, die
Teilung Europas zu erleichtern und einst zu beenden; Vertrauensbildung bedeutet im weiteren Sinne, die Arbeit von Helsinki fortzusetzen - durch praktische Schritte, die die Hindernisse beseitigen, menschliche Kontakte und
geistigen Austausch erweitern, zu größerer Offenheit führen und die Grenzen
des menschlichen Geistes weiter stecken.
Herr Vorsitzender, Präsident Reagan hat gestern die Verpflichtung meines
Landes zu drei weitgefaßten Zielen bekräftigt:
- Die Drohung

- 6 -

�- Die Drohung und Anwendung von Gewalt bei der Lösung internationaler
Streitfälle zu verringern und schließlich ganz zu beseitigen;
- die gewaltigen Rüstungsarsenale in der Welt abzubauen; und
- ein besseres Arbeitsverhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion herzustellen, das durch stärkere Zusammenarbeit und größeres
Verständnis gekennzeichnet ist.
Die Vereinigten Staaten werden diese weitgesteckten Ziele auf dieser
Konferenz sowie in jedem anderen Forum und über alle anderen Kanäle mit Umsicht verfolgen. Wir glauben an den Dialog und an die Lösung von Problemen.
Wir glauben an ein realistisches und sinnvolles Engagement mit anderen, um
die Sache des Friedens zu fördern.
Die Geschichte, Herr Vorsitzender, hat viele Versuche erlebt, Begrenzungen der Zahl, der Eigenschaften oder des Einsatzes großer Rüstungen auszuhandeln.

Vor dem Ersten Weltkrieg verhandelten Großbritannien und Deutschland

über Mittel und Wege, um den Bau von Kriegsschiffen, insbesondere von Schlachtschiffen, zu begrenzen, und über Mittel und Wege, um das gegenseitige Vertrauen hinsichtlich der Konstruktionspläne des einen und des anderen zu fördern.
Zwischen den beiden Weltkriegen gab es weitgehende Verhandlungen, um
den Bau von großen Kriegsschiffen zu begrenzen, einschließlich eines wichtigen Flottenabrüstungsabkommens,das im Jahr 1922 unter amerikanischen Auspizien ausgehandelt wurde. Der Kellogg-Briand-Pakt von 1928 versuchte, den
Krieg als Instrument der Politik zu ächten.
Diese Anstrengungen konnten aber den Krieg nicht verhindern.

Die Lehre

der Geschichte zeigt, daß Anstrengungen, den Krieg zu verhindern oder die
Waffen zu kontrollieren, nicht in einem Vakuum stattfinden können.

Sie stel-

len eine Dimension der internationalen Politik dar und können nicht aus dem
politischen Zusammenhang herausgelöst werden.
Wenn wir

�Wenn wir also hier in Stockholm und in allen anderen Foren diese Anstrengungen mit aller Energie fortsetzen, dann müssen wir uns allerdings vor
Augen halten, daß der Fortschritt von mancherlei Faktoren abhängt, die über
den Inhalt der Vorschläge oder den Einfallsreichtum der Unterhändler hinausreichen.

Sollen Rüstungskontrolle und Vertrauensbildung Erfolg haben, müssen

wir daran arbeiten, Bedingungen zu schaffen, die den Erfolg möglich machen.
Dieses Vorhaben kann nicht unter Bedingungen gelingen, bei denen einige Länder
eine globale oder regionale militärische Überlegenheit anstreben oder Zuflucht
nehmen zu Drohungen oder zu Einschüchterungen als Instrumente
litik.

ihrer Außenpo-

Lassen Sie mich für mein Land sagen, daß die Vereinigten Staaten eine

solche Überlegenheit nicht anstreben.
Wir im Westen müssen daher das Gleichgewicht der Macht aufrechterhalten;
wir müssen den Zusammenhalt unseres Bündnisses bewahren, und auf dieser Grundlage müssen wir versuchen, andere zu konkreten Anstrengungen zu veranlassen,
um politische Probleme auf friedliche Weise zu lösen. Wir sind fest davon
überzeugt, daß auf dieser Grundlage praktische Fortschritte in den Ost-WestBeziehungen möglich sind. Das Beispiel Berlin unter dem Viermächte-Abkommen
ist ein eindrucksvolles Zeugnis für einen dauerhaften Fortschritt, der durch
Einigkeit, Entschlossenheit und echte Verhandlungen erzielt wurde.
über ein Jahrzehnt lang haben die Vereinigten Staaten die Sowjetunion
in einer Serie von Verhandlungen über Rüstungskontrolle und Rüstungsverminderung eingebunden.
Während der letzten drei Jahre haben wir aktive Verhandlungen verfolgt
über eine Verminderung der strategischen Waffen, über den Abbau oder die Beseitigung der nuklearen Mittelstreckenraketen in Europa, über beiderseitige
und ausgewogene Truppenreduzierungen in Europa, über ein Verbot chemischer
Waffen im Abrüstungsausschuß, über vertrauensbildende Maßnahmen zur Stärkung
der nuklearen Stabilität und über größere Sicherheiten gegenüber einer nuklearen Proliferation.
Diese Verhandlungen

�Diese Verhandlungen waren wertvolle Kanäle der Kommunikation zwischen
Ost und West; sie ließen die Hoffnung der Menschheit wachsen, daß die ernsthaften Unterschiede der politischen Weltanschauung und Ideologie zwischen uns
nicht zum Krieg führen müssen.
Einige dieser Verhandlungen sind nunmehr durch die Sowjetunion unterbrochen worden.

Dies gibt uns großen Aufschluß darüber, welche Seite um

Fortschritt bemüht ist.
Dennoch bleibt die Tür offen.

Wir sind zu Verhandlungen bereit, wann

immer die Sowjetunion dazu bereit ist.

Ich freue mich, in dieser Hinsicht

ankündigen zu können, daß die amerikanischen Unterhändler in den kommenden
Monaten auf der Abrüstungskonferenz in Genf einen Vertragsentwurf über eine
vollständige und überprüfbare Beseitigung chemischer Waffen, und zwar auf
globaler Basis, vorlegen werden.

In gleichem Geist werden wir auf baldige

Fortschritte in anderen Rüstungskontrollforen hinarbeiten, sobald diese
wieder zusammengetreten sind.
Rüstungskontroll initiativen sind Teil einer weiterreichenden amerikanischen Anstrengung, ein stabileres, dauerhafteres und konstruktiveres OstWest-Verhältnis zu schaffen - ein Verhältnis, das nicht gekennzeichnet wird
durch die abrupten Wechsel, übertriebenen Erwartungen und zerschlagenen Hoffnungen des letzten Jahrzehnts.
Während wir die Rüstungskontrolle fortgeführt haben,waren wir ebenfalls bestrebt, die Sowjetunion zu einem offenen Dialog über solche regionale
Krisen und Konflikte zu veranlassen, die den Frieden bedrohen und unser Verhältnis vergiften.

Gleichzeitig haben wir einen ganzen Bereich bilateraler

Maßnahmen vorgeschlagen, um sowohl die Krisenkommunikation als auch die normale Kommunikation zwischen uns zu verbessern, Vertrauen zu schaffen und
jede Möglichkeit eines Mißverständnisses oder einer Fehleinschätzung zu vermindern.
In Brüssel
- 9 -

�In Brüssel habe ich im vergangenen Monat zusammen mit meinen nordatlantischen Kollegen der Sowjetunion und den anderen Staaten des Warschauer
Paktes das Angebot gemacht, mit uns zusammenzuarbeiten, um ein langfristiges
konstruktives und realistisches Verhältnis zu schaffen, das auf Gleichgewichtigkeit, Mäßigung und Gegenseitigkeit basiert.

Zum Nutzen der Menschheit

haben die Außenminister des Bündnisses in Brüssel erklärt, daß wir einen offenen, umfassenden politischen Dialog befürworten sowie eine Zusammenarbeit,
die sich auf beiderseitigen Nutzen gründet.
Lassen Sie uns daher hier und heute mit diesem erneuten, offenen und
umfassenden politischen Dialog zwischen

Ost und West beginnen.

Wollen wir

uns in unseren Beratungen so verhalten, daß die Historiker der Zukunft diese
Konferenz als einen Wendepunkt in den Ost-West-Beziehungen festhalten werden.
Lassen Sie die Eröffnung dieser Konferenz, die an sich schon eine wichtige
Erweiterung des Bereichs der Ost-West-Verhandlungen darstellt, auch zu einem
neuen Schritt in dem erweiterten Verhältnis werden.
ser Richtung voranzugehen.

+ + + + +

- 10 -

Wir sind bereit, in die-

�25. Januar 1984

EDWIN MEESE ZUM NEUEN JUSTIZMINISTER NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagin hat am 23, Januar 1984 einen seiner
wichtigsten Berater im Weißen Haus, Edwin Meese, zum neuen Justizminister der
Vereinigten Staaten nominiert.

Nach seiner Bestätigung durch den amerikanischen

Senat tritt Meese die Nachfolge von William French Smith an, der sich ins Privatleben zurückzieht.
Edwin Meese wurde am 2. 12. 1931 in Oakland in Kalifornien geboren.
An der Yale-Universität erwarb er 1953 den akademischen Grad eines Bachelor of
Arts und schloß 1958 sein Jurastudium mit der Promotion an der Universität von
Kalifornien in Berkeley ab.

Von 1954 bis 1956 leistete

er seinen Wehrdienst

in der amerikanischen Armee und ist heute Oberst der Armeereserve.
Im Jahr

1959 begann Meese seine Tätigkeit als Anwalt in Kalifornien

- er gehörte der Anwaltskammer dieses Bundesstaates sowie der amerikanischen
Anwaltskammer an - und war acht Jahre als Stellvertretender Distriktsanwalt
tätig.

Der neugewählte Gouverneur des Staates Kalifornien, Ronald Reagan,

ernannte Meese 1967 zu seinem Rechtsberater,und bis 1974 war Meese Chef des
Gouverneursbüros.
Meese war

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Telex: 8-85432

�Meese war dann kurze Zeit Vizepräsident einer großen Firma in Kalifornien
und nahm 1977 seine Anwaltspraxis wieder auf.

Im Jahr 1977 erhielt er auch ei-

nen Lehrstuhl an der juristischen Fakultät der Universität von San Diego und
war daneben für zahlreiche Privat- und Berufsorganisationen tätig.
Nach seinem Amtsantritt im Jahr 1981 berief Präsident Reagan seinen früheren Mitarbeiter Edwin Meese als Chefberater, Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates und Kabinettsmitglied ins Weiße Haus.

Bei der Nominierung von Meese

zum Justizminister erklärte der Präsident, "Ed ist nicht nur ein Berater, dem
ich vertraue, sondern er ist auch eine Persönlichkeit, deren Leben und Erfahrung eine tiefe Verpflichtung zu Recht und Gesetz und zu einer stetigen Verbesserung des Rechtssystems erkennen läßt.

Ich wüßte keinen, der die große Tradi-

tion fortsetzen könnte, die Bill Smith so hervorragend ausgefüllt hat."
Edwin Meese ist verheiratet und hat eine Tochter und einen Sohn.

�25. Januar 1984

4

PROBLEME DES ATLANTISCHEN BÜNDNISSES
- Von Dr. Henry A. Kissinger -

Der frühere amerikanische Außenminister
Henry A. Kissinger hat in einem Vortrag
auf der Konferenz über "Die Zukunft der
NATO und globale Sicherheit d e / ™
bleme des Atlantischen Bündnisses ein
ehend erörtert. Die Konferenz wurd vorn
Zentrum für strategische und ^ e r n a t i o
nale Studien der Georgetown-Universität
(Washington) am 13. Januar 1984 im Palais
d'Egmont in Brüssel abgehalten.
Nachstehend der vorbereitete Wortlaut des
Vortrages.

Es gibt zwei übliche Wege, über die NATO zu sprechen.

Der erste lauft

darauf hinaus, ihre Leistungen zu preisen: den Friedenspakt, der 35 Jahre lang
den Frieden erhalten hat; die Zusammenarbeit unter 16 souveränen Staaten d
längeren Bestand hatte als alle Bündnisse der Neuzeit; die Krisen, die bewältigt wurden; und jüngst die Entscheidung, die aufrechterhalten wurde, um das
nukleare Gleichgewicht in Europa wiederherzustellen.
Oder man

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Oder man kann auch die ungelösten Fragen bedauern:

die Kluft zwischen

der verkündeten militärischen Strategie und dem, was wirklich getan wird; das
Ungleichgewicht zwischen Entspannung und Verteidigung; das Tempo und die Richtung der Rüstungskontrolle und das von den Sowjets geschürte wachsende Mißtrauen zwischen einer Generation von Amerikanern und Europäern, die ihr ganzes
Leben unter dem Schutz des Bündnisses verbracht haben, das sie angreifen.
In beiden Interpretationen liegt etwas Wahres. Die NATO ist eines der
erfolgreichsten Bündnisse der Geschichte.

Sie hat auch in zunehmendem Maße

den Eindruck der Einigkeit erweckt, indem sie einigen grundlegenden Fragen
ausgewichen ist. Der neugewählte Generalsekretär der NATO, Peter Carrington,
hat sich in einer Rede im Institut für Strategische Studien im April vorigen
Jahres mit Eleganz und Witz auf dem schmalen Grat zwischen Optimismus und Verzweiflung bewegt.

Er wird ohne Frage die NATO mit Kraft, Intelligenz, Weit-

blick und Menschlichkeit führen.

Er ist in der Tat ein Grund zum Optimismus.

Ich neige, um ganz offen zu sein, etwas zur Apokalypse.

Was ich sage, ent-

spricht hoffentlich dem Geist seiner Bemerkungen, aber der Verpflichtungen
eines Diplomaten ledig, kann ich die Dinge, d.h. einige der ungelösten Probleme der NATO - wie ich sie sehe -, besser beim Namen nennen.
Es besteht keine unmittelbare Krise. Und doch lassen uns die Demonstrationen auf den Straßen und die zögerliche Haltung einiger Regierungen erkennen,
daß keinerlei Grund zur Selbstgefälligkeit besteht. Früher oder später müssen
wir einen Preis dafür zahlen, wenn wir den entscheidenden Problemen ausweichen,
oder man müßte schon großes Glück haben. Und das Glück haben meist jene, die
sich nicht darauf verlassen. Glück, so sagt man, hat am Ende nur der Tüchtige.
In diesem Sinne möchte ich drei Fragen behandeln:
a) das endlose Nuklearproblem, vor allem den zunehmenden Trend zu der
Nicht-Ersteinsatzdoktrin;
b) die INF-Verhandlungen; und
c) die Ost-West-Beziehungen.
Die strategischen

- 2 -

�Die strategischen Fragen - die Nicht-Ersteinsatzdoktrin
Das Dilemma, das die Kernwaffen mit sich bringen, ist in den letzten
30 Jahren so oft wiederholt worden, daß es kaum mehr als einer kurzen Zusammenfassung bedarf.

Ende der vierziger und in den fünfziger Jahren glaubten

die Führer des Westens, sie könnten die von ihnen angenommene zahlenmäßige
Überlegenheit der sowjetischen Streitkräfte durch die Zerstörungskraft der
Kernwaffen ausgleichen.

Aber die Kernwaffen konnten diese Lücke - in Wirk-

lichkeit oder in der Annahme - nur solange schließen, wie die Führer und die
öffentliche Meinung überzeugt waren, daß sie die Fähigkeit besaßen, einen
sowjetischen Gegenschlag in erträglichen Grenzen zu halten, und selbst dann
nur, wenn ein Erstschlag des Westens sowjetische Verluste verursachen würde,
die mit unseren moralischen Überzeugungen noch vereinbar wären.
Diese Umstände begannen in den sechziger Jahren zu schwinden.

Die Tech-

nologie neigte sich einer Gleichwertigkeit zu - zumindest in dem Sinne, daß
ein strategischer Schlagabtausch sicherlich auf beiden Seiten zu solchen Verlusten geführt hätte, daß jede weitere Fähigkeit, Schaden zuzufügen, in keinem
Verhältnis zu vorstellbaren Ergebnissen gestanden hätte.
Dieser Trend wurde durch das Vietnam-Trauma verschärft.

Die westlichen

Militärhaushalte kamen unter immer stärkeren Druck und Angriff durch die Öffentlichkeit.

Seit Anfang der siebziger Jahre ist in den Vereinigten Staaten

kein strategisches Waffensystem mehr ohne lähmende Kontroverse und sich hinziehende Verzögerung disloziert worden.
unausweichlich wurde.

Die Parität wurde Mode, noch bevor sie

Sie wurde in der Theorie und Praxis der Rüstungskontrol-

le institutionalisiert.
Die Prämissen der NATO-Strategie wurden so systematisch untergraben,
zum Teil durch eigene Schuld, aber hauptsächlich durch unausweichliche Trends,
Aber die NATO-Doktrin änderte sich nicht.

Man legte ein Lippenbekenntnis zu

einer stärkeren konventionellen Verteidigung ab.

Es fanden sogar einige Ver-

stärkungen statt, aber niemals genügend, um mit der massiven sowjetischen Auf-

- 3-

�sowjetischen Aufrüstung Schritt zu halten.

Die flexible Antwort auf der Basis

der schrittweisen und doch systematischen Eskalation blieb NATO-Doktrin.
Als Ergebnis wird die strategische Debatte in einer anormalen Weise geführt.

Die Verteidigung der NATO ruht letztlich auf den Kernwaffen.

Besorgnis der Öffentlichkeit über einen Atomkrieg wächst.

Aber die

Sie wird bis ins

Irrationale gesteigert von Gruppen - einige wohlmeinend -, die glauben, daß
die Herbeiführung einer Panik das beste
tung eines Atomkrieges zu erreichen.

Mittel sei, um ihr Ziel der Verhü-

Regierungen, die sich fürchten, für ihre

Politik zu kämpfen, haben die Konfusion perfekt gemacht.
Kein Führer im Westen traut sich heute klar zu sagen, was seine Strategie erfordert: Daß man, wenn man eine Niederlage vermeiden will, gezwungen
wäre, auf Kernwaffen zurückzugreifen.

Präsident Reagan und Verteidigungsmi-

nister Weinberger wurden in Europa verteufelt, als sie von der "Gewinnbarkeit"
eines Atomkrieges sprachen.
sicherlich nicht froh.

Der Gedanke, einen Atomkrieg zu "gewinnen", macht

Aber wenn man es ausspricht, dann stellt man eine ele-

mentare Wahrheit auf die Probe:

Wenn der Nuklearstrategie kein vernünftiger

militärischer Platz zugewiesen werden kann, dann werden Führer und Öffentlichkeit in zunehmendem Maße durch die noch immer festgeschriebene NATO-Doktrin
demoralisiert werden.
Seither haben der Präsident und sein Kabinett nicht nur einen Rückzug
angetreten: Sie haben ausdrücklich von ihrer Behauptung Abstand genommen,
daß ein Atomkrieg gewinnbar sei. Es ist ein tragisches Symptom für den Bruch
im Verständnis zwischen unserer Administration und ihren europäischen Kritikern, daß diese nachdrücklichen Bekräftigungen nicht beachtet oder nicht geglaubt werden; daß die meisten unserer Kritiker immer wieder Präsident Reagan
und Verteidigungsminister Weinberger auf ihre ursprünglichen Äußerungen festnageln wollen.
Was führende Politiker nur andeuten, das drücken private Bürger deutlich aus. Im Jahr 1982 haben vier prominente Amerikaner, die alle ein hohes

- 4 -

�ein hohes Amt innehatten - Robert McNamara, Gerald Smith, McGeorge Bundy und
George Kennan - den einseitigen Verzicht auf den Ersteinsatz von Kernwaffen
vorgeschlagen.

McNamara bekräftigte diese Erklärung später, indem er versicher-

te, daß er als Verteidigungsminister Anfang der sechziger Jahre und als Vater
des Konzepts der flexiblen Antwort seine Präsidenten gedrängt habe, niemals und
unter keinen Umständen Kernwaffen einzusetzen.
lerweile ausgebreitet.

Diese Auffassung hat sich mitt-

Die öffentliche Meinung schlittert praktisch mehr und

mehr in eine Nicht-Ersteinsatzdoktrin hinein.
Es kann kein Zweifel bestehen, daß die NATO in einer Position sein sollte, in der sie nicht gezwungen wäre, in einem frühen Stadium eines Konflikts
auf Kernwaffen zurückzugreifen.

Hoffentlich wird sie stark genug sein, um

jeden auch noch so starken konventionellen Angriff mit konventionellen Mitteln abwehren zu können.

Die Notwendigkeit, die konventionelle Kapazität der

NATO zu stärken, wird seit langem leidenschaftlich verfochten.
lang hat sich das Ziel als unerreichbar erwiesen.
den nicht schon wieder so etwas fordern.

Aber genauso

Die Vereinigten Staaten wer-

Ihre Verbündeten werden innenpoli-

tischen Anliegen den Vorrang über einen ernsthaften Ausbau der Verteidigung
geben.
Es ist eine Sache, für eine stärkere konventionelle Verteidigung einzutreten - wie ich es mit vielen anderen hier immer wieder getan habe.

Aber

es ist etwas ganz anderes, auf den Ersteinsatz von Kernwaffen zu verzichten.
Wenn uns die Geschichte etwas lehrt, dann dies, daß die Abschreckung mit
konventionellen Waffen eine riskante Sache ist.

Die Europäer haben hunderte

von Jahren lang den Ausbruch von Kriegen zwischen Armeen erlebt, die für
gleichstark gehalten wurden.

Selbst zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde

die französische Armee für zahlen- und ausrüstungsmäßig der deutschen Armee
überlegen gehalten - und war es auch.

In einem konventionellen Krieg spielen

Führung, Konzentration der Kräfte und Taktik eine so große Rolle, daß vergleichende Berechnungen der Systemanalyse eine riskante Richtschnur für die
Abschreckung sind.

Es kann kein Zufall sein, daß alle Kriege in der Nach-

kriegszeit dort aufgetreten sind, wo es keine amerikanischen Streitkräfte und

- 5 -

�Streitkräfte und keine Kernwaffen gibt.

Während dieses Zeitraums hat sich

Europa unter dem amerikanischen Nuklearschutz der längsten Friedensperiode
in seiner Geschichte erfreut.
Die Dürftigkeit der konventionellen Abschreckung ist jedoch nicht der
eigentliche Punkt meiner Sorge über die Ausbreitung der Nicht-Ersteinsatzdoktrin.

Denn paradoxerweise könnte eine wachsende Annahme dieses Konzepts

gerade zu nuklearer Erpressung oder sogar zum Atomkrieg einladen.
Nicht-Ersteinsatzdoktrin irgendeinen

Wenn die

Sinn haben soll, dann muß sie bedeuten,

daß wir und unsere Verbündeten eher in Kauf nehmen, mit konventionellen Waffen besiegt zu werden, als auf Kernwaffen zurückzugreifen.

Aber wenn man

erst bereit ist, die Niederlage hinzunehmen, welchen Unterschied macht es
dann, mit welchen Waffen sie herbeigeführt wird?

Warum sollte man die Be-

reitschaft zur Kapitulation von der Wahl der Waffen abhängig machen, die ein
Gegner benutzt, um uns seinen Willen aufzuzwingen?

Wenn ein Aggressor die

Folgen der Nicht-Ersteinsatzdoktrin in diesem Sinne analysiert, dann hätte
er einen Anreiz zu warnen, daß jeder Krieg ganz rasch zu einem Atomkrieg würde.

Das würde den Westen vor die Wahl zwischen Kapitulation oder der Art von

Krieg stellen, zu dessen Führung unsere Länder als Ergebnis der jahrelangen
Stigmatisierung der Waffen nicht mehr in der Lage wären, um die herum unsere
Verteidigung aufgebaut ist und von denen die Arsenale unseres Gegners übervoll sind.
Aber wenn wir bereit sind, eher Kernwaffen einzusetzen, als Europa
überrennen zu lassen, dann sind wir wieder bei unserem ursprünglichen Problem angelangt: der richtigen Mischung (Mix) zwischen nuklearen und konventionellen Streitkräften und der geeigneten Strategie für den Einsatz von Kernwaffen, und wenn auch nur als letzte Zuflucht. Es führt kein Weg an der Frage vorbei, wie Kernwaffen eingesetzt werden würden, ohne die Menschheit zu
vernichten.
Eine vernünftige Behandlung dieser Realität steht noch aus. Einige
Experten - zwar immer weniger an Zahl und durch die Angriffe der Friedensbe-

- 6 -

�der Friedensbewegung so geschockt, daß sie sich in ihr Schneckenhaus zurückgezogen haben -, wollen Nuklearwaffen noch immer so sehen wie "konventionelle".
Das ist ohne Frage absurd.

Eine andere, größere Gruppe - ironischerweise in

ihrer Mehrheit aus Personen zusammengesetzt, die im allgemeinen eine humane
und "fortschrittliche" Innenpolitik befürworten - beharrt darauf, daß ein Atomkrieg notwendigerweise die bewußte Ausrottung der Zivilbevölkerung mit sich
bringen müsse.

Diese Menschen sind überzeugt, daß man Regierungen nur dadurch

von nuklearen Abenteuern abhalten kann, daß man sie auf die grausigste Strategie festlegt.
Sowohl Politik als Moral verlangen, daß Regierungen, solange Kernwaffen
existieren und ein Atomkrieg zumindest vorstellbar ist, nach Mitteln und Wegen
suchen, um ihre Anwendung zu begrenzen und einen solchen Krieg rechtzeitig beenden, bevor er sich in eine Weltkatastrophe ausweitet.

Es ist verantwor-

tungslos, in einer Welt, in der es Zehntausende von Kernwaffen gibt, zu lehren, daß jeder nukleare Zwischenfall automatisch zu einer Vernichtung der
Erde eskalieren müßte. Wenn - aus welchem Grund auch immer - das Schlimmste
eintreten sollte, dann haben Regierungen gegenüber der Menschheit und der Geschichte die Verpflichtung, die Folgen in Grenzen zu halten.

Nur Nihilisten

oder abstrakte Ideologen können sich dieser Pflicht entziehen.
Der Kern des Problems liegt darin, daß in fast allen Ländern der Konsens
über Verteidigung und Außenpolitik zusammengebrochen ist.

Deshalb wird die

Sicherheitspolitik eines Landes nur zu oft der Innenpolitik untergeordnet.
Nur zwei tröstliche Illusionen könnten das verhindern.

Europa wiegt sich in

dem Glauben, daß am Ende Amerika eine Aggression verhüten oder mit seinen
äußersten Waffen bekämpfen würde, wenn es keine andere Wahl hätte.

Amerika

wiegt sich in der Illusion, daß Europa durch intensive Konsultationen veranlaßt würde, seinen Verteidigungsbeitrag auf konventionellem Gebiet zu erhöhen.
Keine dieser Erwartungen ist realistisch - die der Europäer kaum mehr als die
der Amerikaner.
Wenn die

�Wenn die derzeitigen Tendenzen anhalten, dann gehen wir das Risiko
ein, einer prekären Kombination der formellen NATO-Doktrin der flexiblen Reaktion überlassen zu bleiben, die jedoch heute - im Gegensatz zu dem Zeitpunkt, als sie entwickelt wurde - unter Bedingungen des nuklearen Patts,
eines wachsenden nuklearen Pazifismus und anhaltender Unzulänglichkeit der
konventionellen Streitkräfte angewandt werden muß.

Einer nicht kohärenten

Verteidigungspolitik überlassen, werden wir uns der Fähigkeit zu einer militärischen Antwort begeben haben, obwohl wir auf dem zerstörerischsten Arsenal
von Waffen sitzen, das die Welt je gesehen hat; und einer Antwort an einen
Gegner, dessen politisches und wirtschaftliches System jede Gültigkeit verloren zu haben scheint.

Rüstungskontrolle und Mittel Streckenwaffen
Es ist nicht überraschend, daß sich das Erschrecken der Öffentlichkeit in Angst verwandelt hat und Abkommen zur Beendigung des sogenannten
Wettrüstens einen immer größeren "Heiligenschein" bekommen. Um die Gefahren eines Atomkriegs zu bannen und den Trend im Ost-West-Verhältnis zu wenden, wird Rüstungskontrolle gefordert. Das bürdet diesen Verhandlungen eine
größere Last auf, als sie überhaupt tragen können. Es ist kein Zufall, daß
die Genfer Verhandlungen genau an dem Moment einfroren, an dem Regierungen
und öffentliche Meinung im Westen noch nachdrücklicher auf ihnen beharrten.
Die Rüstungskontrolle steht in Gefahr, von einem technischen Streben nach
strategischer Stabilität in einen deus ex machina verwandelt zu werden. Ja,
sie ist in Gefahr, sich in ein Werkzeug der politischen Kriegführung der
Sowjets zu verwandeln - und sowohl der Mangel an strategischem Zusammenhang
im Westen als auch seine Angst leisten die Hauptbeiträge zu dieser Entwicklung.
Die Idee der Rüstungskontrolle selbst ist natürlich neu, wenn nicht
gar revolutionär.

In den fünfziger Jahren in ihrer gegenwärtigen Form ent-

wickelt, strebte sie ausdrücklich nach Stabilität, indem der Anreiz zu einem
- 8 -

�zu einem Überraschungsangriff nicht durch Waffen, sondern durch Abkommen
verringert wurde.

Die geschichtlich ungewöhnliche Vorstellung entstand, daß

die Verwundbarkeit eines Landes ein strategischer Pluspunkt sei. Wenn das Leben der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten auf dem Spiel steht - so wurde argumentiert - dann würde keine Seite es wagen, diese Waffen einzusetzen.

Die

Rüstungskontrolltheorie trug - im Westen - zu einer Abneigung gegen Defensivwaffen, wie die Raketenabwehr-Raketen (ABM), bei. Sie führte ferner dazu,
daß jedes Offensivsystem einer eingehenden Prüfung ausgesetzt wurde, ob es
die militärische Gleichung "destabilisieren" könnte.

Noch nie zuvor in der

Geschichte wurde die Militärpolitik nach solchen Kriterien beurteilt.

Aber

nie zuvor hatten natürlich auch Waffen solche Risiken gebracht.
Dies ist nicht der Platz für eine Analyse der RüstungskontroiItheorie,
die viele wertvolle Einsichten brachte.

Wenn Rüstungskontrolle jedoch wirksam

sein soll, dann erfordert sie ein ungewöhnlich feines Verständnis der Elemente
der Strategie.

In der Vergangenheit haben oft Nationen eine Katastrophe er-

lebt, die sich eigentlich für überlegen hielten.

Wenn man mit einem Gegner

Gleichwertigkeit aushandelt, dann erfordert das eine beispiellose durchdachte Analyse.

Das Maß für die Gleichwertigkeit ist durch die Neuheit dieser

Waffen, durch die Asymmetrie im Entwurf der Waffensysteme beider Seiten und
durch ihre jeweilige geostrategische Lage schrecklich kompliziert geworden.
Wären also die Sowjets sogar eher zu einer ernsthaften Überprüfung bereit,
als sie es zu sein scheinen, dann wären die Verhandlungen doch schwierig,
weil die Waffen beider Seiten nach unterschiedlichen Kriterien entwickelt
wurden und unterschiedlichen strategischen Zielen dienen.
Das Beinahe-Chaos im strategischen und politischen Denken des Westens
hat die Hindernisse für eine Rüstungskontrolle genau zu dem Zeitpunkt noch
stark vergrößert, als die Definition von "Fortschritt" immer mehr entschwand
und die westlichen Regierungen den Fortschritt in der Rüstungskontrolle als
Voraussetzung für das politische überleben betrachteten.
Die Geschichte

�Die Geschichte der INF-Verhandlungen macht diese Punkte deutlich.

Als

Antwort auf die massive Dislozierung von Mittelstreckenraketen durch die Sowjets
ermutigten die Vereinigten Staaten ihre NATO-Verbündeten 1979, sie, die USA,
einzuladen, als Antwort ähnliche Waffen in Europa zu stationieren.

Der Groß-

teil dieser Mittel Streckenflugkörper - wie etwa die Marschflugkörper - gehörte
Kategorien an, die weit weniger bedrohlich sind als die der entsprechenden
sowjetischen Waffen, die, da es sich um ballistische Raketen handelt, ihre
Ziele in Europa in viel kürzerer Zeit erreichen können.

Aber selbst 1979

traute sich die NATO nicht, ihre Entscheidung rein militärisch bekanntzugeben,
außer daß alle Dislozierungen nachfolgenden Rüstungskontroll Verhandlungen unterliegen würden.

Die Dislozierung wurde durch den sogenannten "Doppelbeschluß"

zu einer politischen Frage, der vorherige Verhandlungen über die Abschaffung
dieser Waffen überhaupt forderte und ihre Dislozierung letztlich von einem
Scheitern der Verhandlungen abhängig machte.
Es war eine schicksalhafte Entscheidung. Die Erfahrungen mit Rüstungskontroll Verhandlungen oder der diplomatischen Praxis der Sowjets hätte zur
Vorsicht mahnen sollen, daß ein wirklich eindeutiges Ergebnis solcher Verhandlungen fast unmöglich war. Beim Fehlen eines solchen Ergebnisses mußte
die gesetzte Frist in fast allen Ländern, die als Stationierungsländer für
Flugkörper vorgesehen waren, zu einer innenpolitischen Krise führen, als der
Zeitpunkt der Dislozierung näher rückte. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lieferte es den Sowjets einen Anreiz, die Verhandlungen hinauszuziehen, um die Entschlossenheit der westlichen Regierungen auf die Probe
zu stellen.
Und was noch wichtiger war, die Entscheidung der NATO rief eine Debatte über die Gründe für die Dislozierung der Mittel Streckenflugkörper hervor - eine Debatte, die bald von der Innenpolitik oder von all den Ausflüchten
und Widersprüchen der allgemeinen NATO-Kontroverse überwuchert wurde. Die
Gegner, die an Angst wie an Nationalismus appellierten - vor allem in der Bundesrepublik Deutschland - erfanden das Argument, daß die Mittelstreckenraketen
unserem (amerikanischen) Wunsch entsprächen, einen möglichen Krieg auf euro-

- 10 -

�auf europäisches Territorium zu beschränken.

Das war absurd.

Wir hatten

bereits Tausende von taktischen Nuklearwaffen in Europa stationiert.

Die

Mittelstreckenraketen trugen nichts zu unserer Kapazität bei, Europa zu verwüsten.

Ihr besonderes Kennzeichen war schließlich ihre Fähigkeit, über Euro-

pa hinaus die Sowjetunion zu erreichen.
Die wahre Begründung für die Dislozierung war genau das Gegenteil von
dem, was unsere Kritiker behaupteten:

Wir wollten eine nukleare Erpressung

Europas verhindern, indem wir die strategische Verteidigung Europas an die
der Vereinigten Staaten ankoppelten.

Mit den amerikanischen Mittelstrekcenra-

keten in Europa konnten die Sowjets nicht Europa allein für sich bedrohen.
Jeder nukleare Angriff und jeder erfolgreiche konventionelle Angriff würde
einen amerikanischen Gegenschlag von amerikanischen Einrichtungen in Europa
aus auslösen.

Die Sowjets müßten sogar im Falle eines konventionellen Angriffs

damit rechnen, daß wir unsere Raketen einsetzen würden, bevor sie überrannt
worden wären.

Die Sowjets müßten also diese Raketen angreifen, selbst wenn

sie in Europa konventionelle Waffen anwenden würden; das wiederum würde unsere strategischen Streitkräfte auf den Plan rufen.
In diesem Sinne war das amerikanische Angebot von Mittel Streckenflugkörpern ein selbstloser Akt. Wenn wir Mittel Streckenwaffen für rein amerikanische Zwecke überhaupt gebraucht hätten - was zu bezweifeln ist -, dann hätten wir sie leichter und mit sehr viel weniger Streit auf Schiffen dislozieren können.
Es ist nicht überraschend, daß die Sowjets die Bedeutung der neuen Dislozierungen sofort erkannten.

Für sie war es nicht schwer zu begreifen, daß

damit eine "Ankoppelung" der Verteidigung Europas an die strategischen Nuklearstreitkräfte der Vereinigten Staaten stattfand.

Der sowjetische Stabschef

Orgakow hat uns wiederholt öffentlich gewarnt, daß der Einsatz von in Europa
stationierten Mittel Streckenwaffen sofort einen sowjetischen Vergeltungsschlag
gegen die Vereinigten Staaten auslösen würde.
Statt diese

- 11 -

�Statt diese Ankoppelung zu begrüßen, die die Abschreckung stärkte, indem sie die Sowjets mit Risiken konfrontierte, die einzugehen sie sicherlich
nicht bereit wären, benutzten unsere europäischen Verbündeten sie, um uns zu
drängen, als Alternative zur Dislozierung den Weg des Doppelbeschlusses einzuschlagen.

Wir haben selbst zur Verwirrung beigetragen, indem wir die soge-

nannte "Null-Option" vorschlugen: die Bereitschaft, auf unsere Dislozierungen
in Europa zu verzichten, wenn die Sowjets ihre eigenen Mittelstreckenraketen
aufgeben würden.

Dieses Angebot ließ praktisch einen typischen Washingtoner

Kompromiß erkennen.
len:

Er vereinte drei Gruppen mit gänzlich verschiedenen Zie-

jene, die gegen die Dislozierung strategischer Waffen in Europa waren,

weil ihnen an einer mehr rein amerikanischen Entscheidung hinsichtlich eines
strategischen Nuklearkrieges gelegen war; jene, die gegen jedes Abkommen waren, aber die Null-Option unterstützten, weil sie überzeugt waren, daß die
Sowjets sie niemals annehmen würden; und letztlich die ehrlichen Verfechter
der Rüstungskontrolle, die der Auffassung waren, daß jede Verringerung, aus
welchen Gründen auch immer, ein Schritt vorwärts sei.
Hätten die Sowjets das Angebot angenommen - oder gar einen Gegenvorschlag
gemacht, der die Null-Option auf Europa begrenzt hätte - dann wären die Vereinigten Staaten auf immer an allen neuen Dislozierungen gehindert gewesen.
Gleichzeitig wäre die Fähigkeit der Sowjets, Europa zu erpressen, weiterhin
bestehen geblieben - entweder durch neue taktische Waffen oder durch die überreichlich vorhandenen Gefechtsköpfe der strategischen Langstreckenwaffen.
Symptomatisch für die Konfusion im strategischen Denken des Bündnisses
war es, daß viele unserer europäischen Verbündeten unser Angebot als Unnachgiebigkeit interpretierten. Da die Sowjets erklärten, sie würden unser Angebot niemals annehmen, wurden wir gedrängt, eine neue Position zu beziehen
- d.h. die Null-Option aufzugeben. Das bedeutete in der Praxis nichts anderes,
als daß wir einen vereinbarten, verringerten Stand der Waffen vorschlagen sollten. Aus Gründen der europäischen Innenpolitik - nicht aus strategischen Oberlegungen - wurden wir gedrängt, die Ankoppelung der nuklearen Verteidigung
Europas an die der Vereinigten Staaten wieder vorzunehmen, die unser Angebot
- 12 -

�unser Angebot aufgehoben hätte: nämlich doch einige Mittel Streckenflugkörper
in Europa zu stationieren - diesmal im Namen der Rüstungskontrolle.
Der Mangel an Klarheit bezüglich der strategischen und politischen Ziele
übte weiterhin einen schlimmen Einfluß auf die Politik des Bündnisses aus.
Den Vorhaltungen des Bündnisses nachgebend, gaben wir die Null-Option zugunsten eines Interimsabkommens über einen verringerten Stand von Raketen auf
beiden Seiten auf. Aber kaum waren wir ihrem Rat gefolgt3 gedachten einige
europäische Regierungen eine immer unruhiger werdende öffentliche Meinung damit zu beschwichtigen, daß sie von uns weitere Zugeständnisse verlangten.
Das erforderte eine Senkung der vorgesehenen Höchstgrenzen und praktisch nichts
anderes, als daß eine Ungleichheit zugunsten Moskaus in Kauf genommen worden
wäre.

Und als wir dann auch hier wieder nachgaben, wurden wir schließlich für

das völlige Stocken der Konferenz verantwortlich gemacht.

Nachdem die "Un-

nachgiebigkeit" der Reagan-Administration in der kritischen Publizistik Europas einen fast folkloristischen Charakter angenommen hatte, wurde das Märchen
aufgebracht, die Vereinigten Staaten hätten eine große Chance verpaßt, weil
sie nicht rasch genug auf die Ergebnisse des sogenannten "Waldspazierganges"
des sowjetischen und amerikanischen Unterhändlers im Juli 1982 eingegangen
seien.

Bei jener Gelegenheit hatte Botschafter Paul Nitze eine Obergrenze

für Mittel Streckenflugkörper auf beiden Seiten und einen Verzicht auf PERSHIN6
II-Raketen vorgeschlagen.

Die Sowjets hatten oder hatten nicht - je nachdem,

wessen Version man hört -, an der Ausarbeitung des Dokuments teilgenommen,
bevor sie einwilligten, es nach Moskau weiterzuleiten.

Dies ist nicht der Ort, genau zu analysieren, was wirklich geschah.
Unbestritten ist, daß unser Er.tscheidungsprozeß auf die Nitze-Formel in der
üblichen umständlichen Weise reagierte - aber man war auch nicht vorbereitet
worden.

Das ist weder überraschend noch besonders wichtig.

Und es rechtfer-

tigt auch nicht die Behauptung, wir hätten eine Chance verpaßt.

Denn die

Sowjets lehnten im September 1982 die Nitze-Formel ab und taten dies erneut
im Oktober 1983, als sie das jüngste amerikanische Angebot ablehnten, das dem
Nitze-Konzept sehr nahe kam.

Der einzige Unterschied zu dem jetzigen amerika- 13 -

�jetzigen amerikanischen Vorschlag von einer Höchstgrenze von 100 Mittelstrekkenraketen ist die Beibehaltung von 36 PERSHING II-Raketen.

Das ist eine Zahl,

die selbst von einem höchst paranoiden sowjetischen Führer - angesichts der
Tausenden auf Europa gerichteten sowjetischen Gefechtsköpfe - nicht als Bedrohung durch einen Überraschungsangriff angesehen werden kann.
Die Sowjets lehnten dieses Angebot ab, nicht weil die PERSHING-Raketen
eingeschlossen waren oder weil ihnen die Höchstgrenze unzureichend erschien,
sondern weil sie in den INF-Verhandlungen eine konsequent offensive Politik
verfolgten.

Sie wichen niemals von ihrem Ziel ab: Es ging ihnen nur darum,

amerikanische Mittelstreckenraketen aus Europa herauszuhalten - was zeigte,
daß zumindest sie die strategischen und politischen Probleme begriffen hatten,
um die es ging.

Und diese ganze Agitation erfolgte, nachdem die Sowjets be-

reits über 200 SS-20-Raketen disloziert hatten, während noch keine einzige amerikanische Rakete in Europa angekommen war.
Die Sowjets entnehmen unserem jüngsten Vorschlag - und vielen öffentlichen Erklärungen - ohnehin, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, sich
mit einer relativ kleinen Anzahl von Raketen, die in Europa stationiert sind,
zufriedenzugeben. Ihr Argument hinsichtlich der verkürzten Vorwarnzeit bei
der PERSHING II ist für die Leichtgläubigen. Welche entscheidende Wirkung
könnten 36 PERSHING haben? Eine PERSHING braucht acht bis zehn Minuten, um
von Westeuropa aus die Sowjetunion zu erreichen. Eine Interkontinentalrakete
braucht von den Vereinigten Staaten aus 25 bis 30 Minuten; eine unterseebootgestützte Rakete braucht, je nach ihrer Position, 15 bis 20 Minuten. Wenn man
die PERSHING abzöge: Was würden die Sowjets mit den zusätzlichen paar Minuten
Warnzeit tun? Und nachdem unser Angebot nicht die Forderung enthält, die in
Asien dislozierten SS-20 mitzuzählen, haben die Sowjets sogar in Europa einen
numerischen Vorteil, da zwei Drittel ihrer asiatischen Dislozierungen den
Größtteil Europas abdecken können. (Ich sage dies nicht als eine Kritik unseres Angebots, denn das entscheidende Element unserer Dislozierung ist die Ankoppelung der nuklearen Verteidigung Europas an die der Vereinigten Staaten,
welche unser Angebot beibehält.)
Erneut wiesen
- 14 -

�Erneut wiesen die Sowjets unseren Vorschlag zurück und verließen den
Verhandlungstisch; denn im Gegensatz zu den Argumenten unserer Kritiker und
der Ambivalenz vieler Regierungen, führen sie derzeit die Verhandlungen als
ein politisches Manöver.

Sie haben sich bislang geweigert, sich mit weniger

als der Vertreibung amerikanischer Mittelstreckenraketen aus Europa zufriedenzugeben, weil sie ein größeres Ziel als die Stabilität im Auge haben.

Es geht

ihnen um nichts weniger als darum, den politischen Charakter der NATO zu verändern.
Sollten sie - zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren - damit Erfolg
haben, so würden die Sowjets eine NATO-Dislozierung verhindern, zu der sich
die Regierungen selbst seit vielen Jahren verpflichtet haben:

Erst der Neu-

tronenbombe im Jahr 1978 und nunmehr der Mittelstreckenraketen.

Der prak-

tische Effekt bestünde darin, daß die Sowjetunion ein Veto über die künftigen
NATO-Dislozierungen hätte - zumindest im Nuklearbereich.
offen für die selektive nukleare Erpressung Europas.

Dann wäre der Weg

Nach einer kurzen Perio-

de der Entlastung würden die NATO-Länder die Schwächung des amerikanischen
Nuklearschildes erkennen.
ten gelten.

Dies würde insbesondere für die Nichtnuklearstaa-

Sie würden ihre besondere Gefahr erkennen:

Entweder Neutralismus

oder eine grollende Art des Nationalismus würde sich entwickeln.

Die Sowjets

wären nahe daran, das zu erreichen, was sie zunächst den Vereinigten Staaten
während der Verhandlungen über das Abkommen über die Verhinderung eines Atomkrieges im Jahr 1974 vorgeschlagen hatten:

Daß nämlich im Fall eines euro-

päischen Krieges der Einsatz von Kernwaffen auf die Staaten Europas beschränkt
sein sollte - mit Ausnahme der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten.
wiesen diesen Vorschlag schon damals zurück.

Wir

Es wäre eine Ironie, die an-

gestrebten Bedingungen hierfür jetzt in der Verkleidung einer Rüstungskontrolle
zu schaffen.
Das Argument, wonach die britischen und französischen Streitkräfte als
Ausgleich für die sowjetischen

SS-20 dienen könnten, ist entweder sophistisches

Gerede oder aber ein Mißverständnis.

Angesichts der gewaltigen Disparität an

Gefechtsköpfen zwischen Frankreich und Großbritannien einerseits und der Sowjet-

- 15 -

�der Sowjetunion andererseits ist es doch selbstverständlich, daß die britischen und französischen Kernwaffen lediglich - wenn überhaupt - vor einem
nuklearen Angriff auf diese Länder abschrecken können.

Sie können anderen

NATO-Verbündeten keinen Schutz bieten; sie bilden nicht die Drohung eines
Ersteinsatzes,ganz gleich, unter welch extremen Umständen sich die konventionellen Streitkräfte der NATO auch befinden würden.

Falls die Anzahl ihrer

Gefechtsköpfe zunimmt, sollten die britischen und französischen Waffen zu
einem bestimmten Zeitpunkt in die START-Verhandlungen einbezogen werden.
Derzeit sind sie - solange man sie nicht im Zusammenhang mit der amerikanischen
Abschreckung sieht - für die Verteidigung Europas nahezu irrelevant.
Das grundlegende INF-Problem ist recht einfach.

Wenn es wirklich Ziel

der Sowjets ist, einen Überraschungsangriff durch unsere europäischen Dislozierungen zu verhindern, so könnte ein Abkommen über die Anzahl und die Zusammensetzung leicht und schnell erfolgen.

Was wir nicht tun sollten, ist,

die Dislozierung von Raketen in Europa ganz und gar aufzugeben.

Und wenn die

Sowjets wirklich darauf bestehen, so wäre es ein deutlicher Beweis dafür, daß
ihr Ziel darin liegt, das westliche Bündnis zu zerschlagen.

Wenn unsere Ver-

bündeten sich nicht dazu bringen, dies ihrer jeweiligen Öffentlichkeit klarzumachen, dann können sie nur sich selbst die Schuld geben, wenn sie von schleichendem Pazifismus und Neutralismus überschwemmt werden.

Und in diesem Fall

wird die psychologische Grundlage, die Raketen in Europa zu halten, erst in
Europa, aber schließlich auch in den Vereinigten Staaten untergraben werden.
Sicher, es ist höchst wünschenswert, daß die INF-Gespräche wieder aufgenommen werden. Aber schon das Klagende der westlichen Appelle gibt den
Sowjets den Anreiz, mit der politischen Offensive weiterzumachen. Aber wenn
und falls die Gespräche erneut beginnen, dann ist es von entscheidender Bedeutung, daß die westlichen Länder mehr Stärke und Einheit zeigen als bislang.
Die Haltung zu vieler Regierungen des Bündnisses hinsichtlich der Dislozierung ist wie die eines Gastgebers gegenüber einem ungeliebten Gast, bei dem
es zu peinlich wäre, die Einladung zum Essen rundweg zurückzunehmen. So lange
eine fast verzweifelte Sehnsucht nach einem reklamehaften Verhandlungsergebnis
- 16 -

�reklamehaften Verhandlungsergebnis besteht und solange die Vereinigten Staaten
automatisch für jede Sackgasse verantwortlich gemacht werden, so lange dürfte
die sowjetische Halsstarrigkeit durch die Hoffnung genährt bleiben, daß Beständigkeit in ihrem derzeitigen Kurs das Bündnis auflösen wird.
Wenn und falls die Verhandlungen Wiederbeginnen, sollten unsere Verbündeten im Interesse eben des Fortschrittes, den sie anstreben, damit aufhören,
neue Zugeständnisse zu fordern, solange die Sowjets nicht einmal das Prinzip
der Gleichwertigkeit anerkannt haben.

In einem Jahr gab es bei unserer INF-

Position drei größere und zwei kleinere Neuanpassungen - zu einem großen Teil,
um die öffentliche Meinung des Bündnisses zu besänftigen.

Aber wenn Positionen

einander mit geradezu verwirrender Geschwindigkeit folgen, wird überhaupt keine
mehr verstanden.

Damit wird nur das Argument angeheizt, wir seien zynisch,

wir wüßten nicht, was wir tun, unsere grundsätzliche Position sei brüchig.
Die Sowjets haben keinen Anreiz dazu, ihren Kurs zu ändern, wenn sie sehen,
wie sich die Bündnispartner ständig gegenseitig etwas vormachen.

Auch die

Vereinigten Staaten haben ihre Fehler gemacht, aber die Wurzel der Schwierigkeiten bei den INF-Verhandlungen ist ein Angriff der Sowjetunion auf das bestehende politische Gleichgewicht in Europa.
Es gibt eine ganze Reihe technischer Möglichkeiten, aus dieser Sackgasse herauszukommen.

Wenn die Sowjets eine Formel zur Wiederaufnahme der

Gespräche brauchen, mit der sie ihr Gesicht wahren können, so könnten die
START- und INF-Gespräche zusammengelegt werden - obgleich ich den Verdacht
habe, daß dies
würde.

beide Verhandlungsbereiche nur verlängern und komplizieren

Und es würde nicht das Kernproblem lösen.

Es ist kein Fortschritt

möglich, solange nicht die Sowjets den Grundsatz akzeptieren, daß die amerikanischen Mittelstreckenraketen bei jeder Art von vereinbartem Umfang der Mittelstreckensysteme beider Seiten mit einbezogen werden müssen.

Wird dieser

Grundsatz erst einmal akzeptiert, wird es rasche Fortschritte geben.

Ost-West-Beziehungen
- 17 -

�Ost-West-Beziehungen
Bei der öffentlichen Debatte innerhalb des Bündnisses ist es nahezu
zu einem Axiom geworden, daß die Ost-West-Beziehungen niemals schlechter gewesen seien.

Viele Europäer geben zu, daß sie davon überzeugt seien, die ame-

rikanische UnVorhersagbarkeit und Wankelmütigkeit hätten sich mit einer Rhetorik der Konfrontation und des Kriegerischen verbunden, um die Sowjets in eine
grollende Feindseligkeit zu treiben.

Viele Amerikaner wiederum sind der Mei-

nung, die europäische Unentschlossenheit und innenpolitische Schwäche ermutige
die Sowjets nur zu einem Angriff auf das politische Gleichgewicht der Nachkriegszeit in Europa.
Wie bei jedem Familienkrach gibt es auf beiden Seiten etwas Wahres.
Seit dem Zusammenbruch des Nachkriegskonsens während des Vietnamkriegs
ist die amerikanische Politik außergewöhnlich veränderlich. Die Entspannung
der frühen siebziger Jahre wurde durch eine seltsame und noch nie dagewesene
Koalition von Liberalen und Konservativen angegriffen, die sich nie hätten
verbünden können - außer aufgrund des Zusammenbruchs der Autorität der Exekutive, wie ihn Watergate verursacht hatte. Die Liberalen griffen die Entspannung deswegen an, weil sie sich zu viele Gedanken über das Kräftegleichgewicht
mache; die Konservativen verdammten sie, weil sie nicht ideologisch oder "moralisch" genug sei. Die Koalition hatte einerseits dabei Erfolg, daß sie sowohl die Anreize als auch die Strafen zerstörte, auf denen die Entspannung
basierte; andererseits war sie - noch immer Sklave des Traumas von Vietnam nicht bereit, sich den Konsequenzen einer neuerlichen sowjetischen Unnachgiebigkeit zu stellen.
Die Kritiker der Entspannung hatten ein Argument, wenn sie darauf verwiesen, daß die amerikanische Öffentlichkeit nicht an Machtpolitik gewohnt
war; daß es in Amerika keine Tradition dafür gab, Beziehungen gleichzeitig
kooperativ und gegnerisch zu unterhalten. Aber genau dies ist die Herausforderung, vor der unsere Führungen stehen. Jeder andere Kurs verliert die

- 18 -

�verliert die Unterstützung der Öffentlichkeit wie des Bündnisses und ermöglicht es den Sowjets, sich des weltweiten Verlangens nach Frieden zu bemächtigen - wie dies die Reagan-Administration unter Schmerzen gelernt hat.
Die Carter-Administration kündigte eine "neue Methode" an, bei der die
Administrationen von Nixon und Ford dafür kritisiert wurden, daß sie sich angeblich viel zu sehr damit beschäftigt hätten, dem Kommunismus Widerstand zu
leisten.

Nachdem es zunächst die Struktur von SALT II, wie sie von der Ford-

Administration übernommen worden war, zurückgewiesen hatte, akzeptierte das
Carter-Team sie, ließ jedoch so viele Verzögerungen zu, daß die Invasion
Afghanistans alle Aussichten auf eine Ratifizierung zunichte machte.

Die

jetzige Administration kam ins Amt und verwarf die Position aller ihrer Vorgänger.

Sie verspottete die Entspannung, weigerte sich,SALT II zu ratifizie-

ren - sogar, obwohl sie sich an seine Bestimmungen hielt - und all dies nur,
um im vergangenen Jahr eine Wendung in Richtung auf den offenkundigen Wunsch
hin zu tun, die Ost-West-Beziehungen zu verbessern, ja, sogar ein Gipfeltreffen zu erreichen.
Es geht hier nicht um die Frage, welche Verkörperung der amerikanischen
Politik die richtige war.

Jede wurde von vernünftigen Leuten vertreten, die

vernünftige Argumente hatten.

Das Problem ist, daß jede neue Administration

keine Verantwortung gegenüber dem Vermächtnis ihrer Vorgängerin fühlte; ja,
sie brüstete sich geradezu damit, ganz von vorn anzufangen.

Jede dieser Neu-

beurteilungen der amerikanischen Politik hinterließ unter den europäischen
Führern Opfer, die sich im Vertrauen auf die amerikanischen Darstellungen und
Informationen auf die vorherige Ordnung verpflichtet hatten.

Jede Neubeirtei-

lung erschütterte das Vertrauen und ermutigte den europäischen Neutralismus,
sich weniger von unserer rastlosen Suche nach etwas Neuem abhängig zu machen.
Aber die Vereinigten Staaten waren auch nicht die einzigen, die ihre
Sichtweise änderten.

Unsere Verbündeten haben sich mit uns geändert - wenn

auch in einer kontrapunktischen Weise.

Als Präsident Nixon sein Amt antrat,

hatte er die Reputation als Vertreter einer harten Linie.

- 19 -

Dies löste eine

�löste eine Folge hochrangiger europäischer Besucher aus, die ihn zu einem
raschen Dialog mit Moskau drängten - obgleich die Invasion der Tschechoslowakei
noch nicht einmal ein Jahr her war.,Ein paar Jahre später warnten einige derselben Europäer vor "übertriebener" Entspannung.

Während der Carter-Administra-

tion waren es europäische Spitzenpolitiker, die als erste die Aufmerksamkeit
auf die Notwendigkeit lenkten, die sowjetische

SS-20-Aufrüstung auszugleichen.

Und die Reagan-Administration ist geradezu zu einem Symbol geworden, wenn man
die Anschuldigungen hinsichtlich Kriegslüsternheit, Unempfänglichkeit und Hauptverantwortlichkeit für die derzeitige Ost-West-Sackgasse liest.
Aber erstaunlich: Während es leicht ist, eine Aufzählung wenig durchdachter Bemerkungen der Reagan-Administration aufzuhäufen, so ist es andererseits schwierig, auf viel zu verweisen, was unbesonnene Aktionen anbelangt. Von
einiger
Rhetorik abgesehen, hat sich die Reagan-Administration tatsächlich
mit beträchtlicher Zurückhaltung benommen. Was hat sie denn eigentlich getan,
um sich von ihren europäischen Kritikern so viel Schimpf einzuhandeln? Warum
sollten sich intelligente Führer gezwungen sehen, ihre Innenpolitik auf ihre
Fähigkeit zu stützen, die Reagan-Administration in ihre Schranken zu verweisen? Warum wurde der veränderte Ton der Reagan-Administration in jüngster
Zeit, der bisweilen ans Reuemütige grenzte, von den Kritikern und den meisten
Führern im Bündnis in weiten Teilen ignoriert? Ist der Grund darin zu suchen,
daß die Kritiker eine Entschuldigung für einen kaum verhüllten Neutralismus
suchen und die Führer zumindest einen Vorwand brauchen - oder zu brauchen vermeinen -, als einigendes Element ihrer Innenpolitik die amerikanische Beschränktheit und Starrköpfigkeit zu "mäßigen"?
Die europäischen Kritiker sollten sich vor Augen führen, daß der OstWest-Dialog umso schwieriger wird, je weiter Europa und die Vereinigten Staaten auseinanderdriften. Und dabei braucht der Ost-West-Dialog dringend einen
frischen Impuls. In einer Welt, in der es Tausende von Atomwaffen gibt, können es sich die beiden Seiten nicht leisten, einander zu täuschen oder die
Vorschläge der anderen Seite in Invektiven oder in Propaganda zu ertränken.
Das Mindesterfordernis besteht darin, daß beide Seiten die Denkprozesse des
anderen verstehen, damit eine Krise nicht aus Irrtum heraus eskaliert. Denn
- 20 -

�Denn Krisen sind der derzeitigen Struktur der internationalen Politik nahezu
inhärent.

Beide Supermächte sind mit Ländern assoziiert, die sich mehr mit

ihren lokalen Rivalitäten

beschäftigen als mit dem globalen Gleichgewicht,

vom globalen Frieden ganz abgesehen.

Unsere Zeit sollte allerdings nicht mit

der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg verglichen werden, als ein Aggressor sich
daranmachte, die Welt zu beherrschen.

Die Kernwaffen dürften wahrscheinlich

sogar bei den Rücksichtslosesten zu einem großen Zögern führen.

Das passende

Modell wäre wahrscheinlich die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als Klientenstaaten mit ihren regionalen Rivalitäten ihre Schutzmächte schrittweise in
eine Katastrophe hineinzogen, deren ganze Bedeutung erst begriffen wurde, als
es bereits zu spät war.

Welcher der Staatsmänner, die 1914 in den Krieg ein-

traten in der Vorstellung, die Angelegenheit wäre rasch zu regeln, wäre nicht
mit Entsetzen davor zurückgeschreckt, hätte er auch nur die leiseste Ahnung
davon gehabt, wie die Welt 1917 aussehen würde?
Theoretisch gibt es für einen konstruktiven Dialog auch das, was die
Sowjets "objektive Gründe" nennen würden.
sich in Schwierigkeiten.

Das sowjetische System befindet

Es muß mit einer Übergangsprüfung fertigwerden, mit einer

gebrechlichen Wirtschaft und mit widerspenstigen Verbündeten.
Überlegung zufolge sollte

Aller rationalen

die Sowjetunion eine Atempause anstreben.

Sie

sollte wissen, daß eine Fortsetzung ihres derzeitigen Kurses das große Risiko
einer Konfrontation in sich birgt.

Ihre Führung kann gar nicht so sehr in ih-

ren eigenen Vorurteilen versponnen sein, um tatsächlich zu glauben, sie könnte
Amerika besiegen, ohne daß wir dies früher oder später bemerken.

Je länger

dieser Prozeß anhält, je "erfolgreicher" dies als augenblickliche sowjetische
Strategie eingesetzt wird, umso größer ist das Risiko einer Eskalation.

Es

ist aber auch möglich, daß - trotz aller derzeitigen Schmähungen - die sowjetische Führung im Sommer zu einer Vereinbarung bereit ist, wenn sie davon überzeugt wäre, daß die jetzige Administration wahrscheinlich wiedergewählt wird.
Eine wiedergewählte Administration, die dann ungehindert agieren könnte, könnte
durchaus etwas sein, was sie lieber vermeiden will.
Es ist

- 21 -

�Es ist allerdings auch möglich, daß die sowjetische Führung unter innenpolitischem Druck steht, der keinerlei politische Anpassung oder weiterblikkende Politik in dieser Hinsicht zuläßt.

Bevor wir uns jedoch dieser Möglich-

keit zuwenden, müssen wir die Chancen für einen Dialog systematisch und hartnäckig überprüfen:
1.

Demokratien haben keinen Grund, Verhandlungen mit einer stagnieren-

den und zerbrechlichen Diktatur zu fürchten.
zu einem Selbstzweck werden.

Aber Gespräche sollten auch nicht

Die Wichtigkeit für ein Gespräch sollte deshalb

weder innerhalb der Bündnisstaaten noch zwischen ihnen zum Thema der Debatte
werden.

Die Debatte sollte sich um die einem Ost-West-Dialog angemessenen

Themen drehen, nicht um die Tatsache eines solchen.
2. Bei den innenpolitischen Diskussionen der verschiedenen Bündnispartner tut Ruhe not.

Es besteht eine Tendenz, die Beurteilung der sowje-

tischen Stärke den vorgefaßten Meinungen über die Sowjetunion anzupassen und nicht umgekehrt.

Die Sowjets sind weder so mächtig und arglistig, wie

dies die Gegner der Entspannung behaupteten, noch sind sie so nahe am Auseinanderfallen, wie dies einige der selbsternannten Friedensapostel unterstellen.
Die Geschichte wird unsere Arbeit nicht für uns tun; aber das wird auch liturgische Rhetorik nicht.
3. Wenn wir vermeiden wollen, daß der Ost-West-Dialog das Bündnis
spaltet oder zu einem Selbstzweck wird, dann müssen die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten hinsichtlich einer langfristigen Ost-West-Strategie
übereinkommen. Dies wird die ganze Bandbreite der Ost-West-Beziehungen umfassen müssen - einschließlich des Ost-West-Handels mit all seinen Möglichkeiten und Gefahren.
4.

Denn die Rüstungskontrolle kann unter keinen Umständen die gesamte

Last des Ost-West-Dialogs tragen - nicht einmal den Hauptteil davon.

Wenn ein

zu großes Gewicht auf die Rüstungskontrolle gelegt wird, dann ist es wahrscheinlicher - um es mit Peter Carringtons Worten zu sagen -,daß der ungeschützte
- 22 -

�der ungeschützte nukleare Nerv des Bündnisses bloßgelegt wird, anstatt ihn
einzubetten.

Würde Moskau die politische Entscheidung treffen, sich mit der

Anwesenheit einiger amerikanischer nuklearer Mittelstreckenraketen in Europa
zufriedenzugeben, so könnte die INF-Frage rasch gelöst werden.

Was START anbe-

langt, so habe ich schon andernorts meine Überzeugung zum Ausdruck gebracht,
daß wir das Problem noch nicht angemessen durchdacht haben - obgleich wir zumindest versucht haben, zu denken, während die Sowjets es bei einer sterilen
Wiederholung ihrer alten Schlagworte belassen.
stellungen wandeln sollten:

Aber sogar wenn sich die Ein-

Auch dann würde es zunächst zu einem längeren tech-

nischen Feilschen kommen, denn das Thema ist ganz einfach zu schwierig, um eine
rasche Lösung zu ermöglichen.

Und selbst das beste Ergebnis, das man sich vor-

stellen könnte, wäre in erster Linie symbolisch.

In den Arsenalen beider Sei-

ten lagern um die zwanzigtausend strategische Gefechtsköpfe; sogar wenn die
Sowjets auf unseren Vorschlag eingehen würden, all dies um die Hälfte zu verringern, so würden die verbleibenden Gefechtsköpfe für eine Katastrophe noch
immer mehr als ausreichend sein.

Kurz, eine von einem politischen Dialog getrennte Rüstungskontrolle
kann die derzeitigen Spannungen nicht aus der Welt schaffen, sie noch nicht
einmal wesentlich abbauen.

Ja, wenn das Bemühen um Rüstungskontrolle zu toll

wird, verkehrt es sich in eine Waffe der politischen Kriegführung der Sowjetunion.

Oder aber sie wird zu einem Sicherheitsventil, das die Sowjets schlie-

ßen, um die Nervosität des Westens zu erhöhen, oder öffnen, um die Auswirkungen eines neuen Aktes der Aggression zu verringern.
5.

Was dringlichst geboten ist, ist ein ernsthafter politischer Dialog

auf höchster Ebene.

Die sogenannten vertrauensbildenden Maßnahmen, von den

professionellen Diplomaten so geliebt, können uns nicht sehr weit bringen.
Die Eröffnung von Konsulaten für den kulturellen Austausch, sogar die Vorausbenachrichtigung über Manöver:

all dies hat höchstens periphere Bedeutung.

Meiner eigenen Erfahrung nach ist es so, daß jeder wirkliche Durchbruch nur
über die Hauptpersonen oder deren wichtigste Mitarbeiter zustandekommt, die
dann den Marschbefehl an die nachgeordneten Stellen geben.
Das Problem
- 23 -

�Das Problem ist, die höchste Ebene zu definieren.

Ein verfrühtes Gipfel-

treffen würde gewaltige Risiken in sich bergen - zumal der Gesundheitszustand
von Andropow ein solches ohnehin nahezu mit Sicherheit ausschließt.

Staats-

chefs können auf einem Gipfel nicht frei sprechen; im Geiste sind ihre Wählerschaften immer bei ihnen; manchmal sind sie sogar mit im
fen lassen zudem wenig Zeit für echte Diskussionen.

Zimmer.

Gipfeltref-

Es gibt eine unvermeid-

liche zeitliche Begrenzung, die sich durch die anderen Termine der Hauptdarsteller ergibt; dann ist da das unvermeidliche Protokoll; schließlich die Zeit, die
durch das Dolmetschen verlorengeht.

Die Nachteile eines Scheiterns überwiegen

normalerweise die Möglichkeiten eines Durchbruchs.

Wenn Staats- und Regierungs-

chefs unterschiedlicher Meinung sind, dann ist es nicht mehr möglich, sich an
eine höhere Autorität zu wenden;

zudem hätten sie ihre herausragende Stellung

sicher nicht ohne ein starkes Ego erreicht; eine Position aufzugeben, von der
man fest überzeugt ist, würde gegen die psychologischen wie auch politischen
Imperative gehen.

Gipfeltreffen können einem Abkommen letzte Form geben, zu

dem man bereits vorher gelangt ist, aber sie sind nicht sehr dazu geeignet,
das Eis zu brechen.
Ein Weg, um aus diesem Dilemma herauszukommen, bestünde darin, daß jede
Seite einen Sondervertreter ernennt, der sich des vollen Vertrauens seines Regierungschefs und Außenministers erfreut. Er sollte dazu ermächtigt sein,
private exploratorische Gespräche in ihrem Namen zu führen, vorzugsweise ohne
alle Publizität. Jeder dieser Sondervertreter sollte Zugang zum Staatschef
der anderen Seite haben. Beide Seiten würden eine umfassende Überprüfung ihrer
gesamten Beziehungen durchführen. Sobald die Gespräche zwischen den Sondervertretern Hoffnungen auf Fortschritt erkennen lassen, würden die Vorbereitungen für ein Gipfeltreffen einsetzen, das dann ein umfassendes Arbeitsprogramm
für Koexistenz billigen würde. Die Methode ist dabei weniger wichtig - mehrere
Methoden wären hierbei möglich -, als die Entscheidung über die Richtung.
6. Bislang wurden Versuche einer systematischen Diskussion politischer
Probleme als "Verkuppelung" abgelehnt; diese "Verkuppelung" ist angeblich
schlecht, weil sie ein Hindernis für die Rüstungskontrolle sein soll. Wir
sollten mittlerweile gelernt haben, daß das Gegenteil richtig ist. Eine
- 24 -

�ist.

Eine Rüstungskontrolle, die von jeglichem politischen Kontext losgelöst

ist, rennt wahrscheinlich in eine Sackgasse.

Die Gefahr eines Krieges liegt

schliefälich weniger im Vorhandensein der Massenvernichtungswaffen als vielmehr
in den Gehirnen der Menschen, die in der Position sind, ihren Einsatz zu befehlen.

Und diese Menschen werden zu diesem oder jenem durch politische Kon-

flikte veranlaßt, nicht durch Systemanalysen.
Ein ernsthafter Dialog muß mit dem Problem fertigwerden, wie Koexistenz
definiert werden soll.

Wie abstrakt dies auch immer klingen mag:

der Kernpunkt des Problems.

Dies ist

Keine Entspannung kann aufrechterhalten werden,

wenn sie nichts weiter tut, als eine politische Offensive zu ermöglichen,
deren Ziel es ist, das globale Machtgleichgewicht aus den Angeln zu heben.
Es läßt sich gewiß sagen, daß der Westen bei seinem Tun und Lassen manche Fehler gemacht hat. Aber keine noch so falsche Objektivität und keine Anstrengung, beide Seiten gleich schuldig zu befinden, kann über die Provokationen
hinwegsehen, die die Verhärtung der amerikanischen Haltung beschleunigten.
Die Entsendung von Stell Vertretergruppen nach Angola und Äthiopien; die Revolution in Aden und in Afghanistan, gefolgt von der Besetzung Afghanistans;
die vietnamesische Invasion in Kamputchea; die Ermutigung terroristischer
Gruppen; die massiven Waffenlieferungen nach Kuba und von dort nach Mittelamerika - all dies sind Kennzeichen einer Außenpolitik, die zumindest seit
1976 keine Gelegenheit ausgelassen hat, die westlichen Positionen zu untergraben.
Ich sage dies nicht, um die Hoffnungen auf einen Dialog zu sabotieren,
sondern, um seinen Kerngehalt zu definieren.

Die Sowjets müssen entscheiden,

ob es ihnen um ihr Land oder um eine Sache geht.

Sie müssen bereit sein,

Sicherheit anders zu definieren als mit der Machtlosigkeit potentieller Gegner.

Einige Grundregeln für die Koexistenz sind von entscheidender Bedeutung.

Ist erst einmal diese Brücke überquert, stünden Möglichkeiten für verstärkte
Zusammenarbeit bei Handel und Kultur auf der Wunschliste ganz obenan.

Und aus

solch einem Austausch ergäbe sich Fortschritt bei der Rüstungskontrolle auf
ganz natürliche Weise, auf nahezu unvermeidliche Weise.
7.
- 25 -

Ein solcher

�7. Ein solcher Prozeß erfordert die Wiederherstellung der Überparteilichkeit in den Vereinigten Staaten und ein Ende der ständigen "Neubewertungen",
die unsere Freunde beunruhigen und verwirren, wenn sie nicht gar unsere Gegner
ermutigen.

Das nationale Interesse ändert sich nicht alle vier oder acht Jahre;

von einem bestimmten Punkt an muß es seinen festen Platz im Denken der Öffentlichkeit haben, wenn wir nicht zu einem Element der Instabilität dadurch werden
wollen, daß wir immer wieder nach immer neuen Rezepten suchen.

Und es ist an

der Zeit, daß unsere europäischen Verbündeten mit dem Spiel aufhören, daß ihr
wichtigstes außenpolitisches Ziel darin besteht, ein starrköpfiges Amerika zu be
sänftigen - eine Rolle, die mehr den Neutralen angemessen wäre, aber nicht Verbündeten.

Jene, die der Vorstellung anhängen, daß Vorbedingung für den Frieden

ist, auf der moralischen Gleichwertigkeit der beiden Supermächte zu bestehen,
bringen uns in der Tat zu einer Fortsetzung der Spannungen, indem sie sich
ihres Urteils begeben.

Die gleiche Wirkung werden jene haben, die Außenpoli-

tik mit der liturgischen Verdammung unserer Gegner verwechseln.
sind Realisten.

Die Sowjets

Gefühlsduselei auf der Linken verleitet sie zu Aggression;

Gefühlsduselei auf der Rechten verleitet sie dazu, innenpolitische Spaltungen
und Uneinigkeiten im Bündnis auszunützen.
8. Schließlich müssen wir im Westen bereit sein, uns mit der Tatsache
vertraut zu machen, daß sogar bei unseren größten Bemühungen ein Tauwetter
in den Ost-West-Beziehungen derzeit einfach nicht möglich ist. Es ist möglich, daß Andropow zu krank ist und seine Kollegen mit den Nachfolgefragen
viel zu beschäftigt, als daß ihr starrköpfiger Kurs sich ändern könnte. Vielleicht bedeutet das Auftauchen der Geheimpolizei in Führungspositionen, daß
die Sowjets nachrichtendienstliche Methoden an die Gestaltung der Außenpolitik
anlegen. Sie könnten zu dem Schluß gekommen sein, daß eine unermüdliche politische und psychologische Offensive die Demokratien aushöhlen wird, und
sie könnten darin durchaus ermutigt werden, wenn sie einige der westlichen
Erklärungen studieren. Oder womöglich ist das gesamte Sowjetsystem in Untätigkeit erstarrt.
Sollte sich

- 26 -

�Sollte sich herausstellen, daß eine dieser Hypothesen richtig ist, haben wir nur die Wahl, zu unseren besten Vorschlägen zu stehen, die mit Vorbedacht erarbeitet wurden. Der Westen muß in einer Zeit nicht in Panik geraten,
da man an einem toten Punkt angelangt ist. Bei all ihren Mängeln ist seine
Wirtschaftsform doch lebensfähiger, seine Regierungsstrukturen stabiler und
seine Macht insgesamt größer. Das Bündnis kann daher vertrauensvoll einer Periode des Durchhaltens entgegensehen - vorausgesetzt, es bewahrt seine Einheit.

Schlußfolgerung
Es ist zu einem Ritual geworden, von der Notwendigkeit der Einheit des
Bündnisses zu sprechen. Und sie wird auch in regelmäßigen Abständen immer
wieder bekräftigt. Aber man erschöpft sich in taktischen Übereinstimmungen.
Zu selten - wenn überhaupt - gibt es den wirklichen Versuch, eine Strategie
für den Rest dieses Jahrhunderts zu entwerfen.
Und doch ist dies das wichtigste Problem, vor dem das Bündnis steht.
Ich glaube nicht, daß die derzeitige Struktur der NATO für eine solche Anstrengung besonders geeignet ist.

Ich habe nicht viel Vertrauen in das, was "weise

Männer" tun. Und doch muß ein Weg gefunden werden, um mit den ungelösten Fragen fertigzuwerden, vor denen wir stehen. Nichts ist möglich, ohne die strategische Doktrin rückhaltlos einer Überprüfung zu unterziehen.

Logischerweise

muß parallel zu dieser Anstrengung auch bei der Rüstungskontrolle Gleiches
geschehen.

Es ist auch an der Zeit, sich der Frage zu stellen, ob eine jede

NATO-Dislozierung, zu der man sich vor einer Generation entschieden hatte,
für alle Ewigkeit sakrosankt bleiben muß. Die Ost-West-Beziehungen in der
ganzen Vielfalt ihrer Aspekte brauchen eine klare Richtung.

Die Reagan-Ad-

ministration hat in der Praxis ihren Konfrontationsstil aufgegeben.

Unsere

Verbündeten sollten jetzt aber auch damit aufhören, die Vergangenheit als ein
Alibi zu verwenden, um schwierige Entscheidungen zu verschieben.
Der Prozeß ist überfällig, und da er von den Mitgliedern eines demokratischen Bündnisses abhängt, bietet er auch keine Entschuldigung für ein
- 27 -

�für ein Versagen.

Die größte Ermutigung der sowjetischen Politik im Westen

ist der Mangel an Klarheit hinsichtlich der Zielsetzungen des Bündnisses.
Aber da dieses Problem hausgemacht ist, kann es auch durch unsere eigenen
Anstrengungen gelöst werden.

Da die Demokratien diese Möglichkeit haben,

ist es zugleich auch ihre Pflicht.

+ + + + +

- 28 -

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%

^

c&amp;

25. Januar 1989

INHALT
DOKUMENTATION
Shultz: Die Welt tritt In eine Phase der Hoffnung ein
- Ansprache von Außenminister Shultz vor der KSZE in Wien

Baker nennt fünf wichtige Veränderungen in der Welt
- Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats -

INFORMATION

Mulford neuer Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten
im Finanzministerium
- Porträt von David C. Mulford -

Gelb bringt langjährige Erfahrung aus dem Privatsektor mit zu USIA
- Porträt des designierten USIA-Direktors Bruce Gelb -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON**

Dokumentation

4

25. Januar 1989
SHULTZ: DIE WELT TRITT IN EINE PHASE DER HOFFNUNG EIN
- Ansprache von Außenminister Shultz vor der KSZE in Wien -

WIEN - (AD) - Außenminister Shultz zufolge "tritt die Welt in eine Phase
großer Hoffnung ein, in der die Gefahr eines Krieges durch Beendigung von Expansionismus und durch Abrüstungs- und Rüstungskontrollprozesse gebannt werden
kann".
In seiner Rede vor der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Wien am 17. Januar 1989 erklärte Shultz ferner, dies sei eine
Phase "der Chancen für jene Länder, die zur Unterstützung und Erweiterung eines offenen internationalen Wirtschaftssystems bereit sind; eine Periode, in
der internationale Zusammenarbeit zur Bewältigung gemeinsamer Bedrohungen wie
der Verbreitung chemischer Waffen, Terrorismus und Drogenhandel unabdingbar
ist".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Außenminister Shultz im
Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.
Die heutige Wiener Konferenz findet im Anschluß an eine Reihe von
Treffen statt, die ihren Ausgangspunkt in Helsinki hatten. In Helsinki haben unsere Regierungen zum
ersten Mal das Versprechen abgelegt,
die Verpflichtungen gegenüber anderen
Ländern und gegenüber unseren Völkern
zu erfüllen - Verpflichtungen, die
darauf abzielen, ein Europa mit mehr
Freiheit, Wohlstand und Sicherheit zu
schaffen.
Glücklicherweise
haben
unsere
Bürger - in Zeiten der Spannungen,
Unstimmigkeiten und Enttäuschungen an der in Helsinki angekündigten
vielversprechenden Vision der Zukunft
festgehalten. Und durch ihr Verhalten haben sie dieses Versprechen zu
einer positiven Kraft des Wandels ge-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

macht. Dieser Prozeß hat dazu beigetragen, die Zukunft Europas zu gestalten.
Das von uns hier in Wien verabschiedete Dokument ist bis heute der
umfassendste Ausdruck der in Helsinki
festgelegten
Prinzipien.
Es fügt
dem, was Präsident Reagan in seiner
Rede in der Finlandia Halle im vergangenen Frühjahr als "einen Wegweiser durch den Dschungel gegenseitiger
Feindseligkeit" bezeichnet hat, eine
neue Dimension hinzu.
Ein weiter Weg liegt jedoch noch
vor uns. Die KSZE kann nur Erfolg
haben, wenn wir uns mit den Realitäten auseinandersetzen, die uns nach
Helsinki, Belgrad, Madrid und Wien
geführt haben.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wir leben noch immer mit dem Vermächtnis des Kalten Krieges. Er war
keine Überraschung. Es war das Ergebnis von Versuchen, den Völkern
Osteuropas mit Gewalt ein politisches
System
aufzuzwingen:
Grenzen
zu
schließen,
Volkswirtschaften
abzuschotten, den Informationsfluß zu unterbinden, die Freiheit der eigenen
Entscheidung zu verweigern.

durch Versprechen erzielt werden.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten bei der KSZE von Anfang
an die zentrale Bedeutung der Durchführung betont.

Die Folgen dieser Politik sind
noch immer spürbar:
die gesellschaftliche und politische Teilung
Europas, die Militarisierung der OstWest-Beziehungen, der Aufbau zweier
diametral
entgegengesetzter
Wirtschaftssysteme sowie das Entstehen
zweier absolut gegensätzlicher Arten
politischer
und
gesellschaftlicher
Organisation - eine, in der der Bürger vom Staat beherrscht und die andere, in der die Staatsgewalt vom
Bürger definiert und gelenkt wird.

Europa ist heute über den gesamten Kontinent hinweg sehr viel offener als zu der Zeit, als wir uns im
November 1986 zum ersten Mal in Wien
versammelten.

Dennoch tritt die Welt in eine
Phase großer Hoffnung ein, in der die
Gefahr eines Krieges durch Beendigung
von Expansionismus und durch die Abrüstungs- und RUstungskontrollprozesse abgebaut werden kann. Eine Phase
der Chancen für jene Länder, die zur
Unterstützung und Erweiterung eines
offenen internationalen Wirtschaftssystems bereit sind; eine Periode, in
der internationale Zusammenarbeit zur
Bewältigung gemeinsamer Bedrohungen
wie der Verbreitung chemischer Waffen, Terror!smus und Drogenhandel unabdingbar ist.

Wenn die Durchführung das Kernstück des gesamten KSZE-Prozesses
bildet, so ist Offenlegung seine
Triebfeder.

In den zwei Jahren der Wiener
Treffen hat sich das Bild der Sowjetunion und einiger Länder des Ostblocks in bedeutender Hinsicht positiv gewandelt.
Aber es gibt noch
dunkle Bereiche, die vom Licht der
Offenheit noch nicht erhellt worden
sind.
- Das Stören von Rundfunksendungen
wurde beendet. Heute können alle
Bürger unterschiedliche Meinungen
hören und für sich selbst entscheiden, welche der Wahrheit
entspricht. Unser Schlußdokument
verpflichtet uns alle, den Äther
beständig offenzuhalten.
Warum
jetzt nicht noch einen Schritt
weitergehen und alle bestehenden
Störeinrichtungen beseitigen.

Wiens Vermächtnis der Offenlegung

- In der Sowjetunion haben sich die
Gefängnistore für über 600 politische Gefangene geöffnet, einschließlich der Mitglieder der
KSZE-Beobachtergruppe; Minderheiten, Dissidenten und Gläubige
können ihre Rechte freier wahrnehmen und erzielen in einigen
Fällen Fortschritte. Andere jedoch werden immer noch unterdrückt oder ungerechterweise für
die Inanspruchnahme ihrer Rechte
festgenommen.
Wir dürfen sie
nicht vergessen.

Fortschritte in den Ost-West-Beziehungen müssen durch Taten, nicht
durch Worte, durch Leistung und nicht

- Neue Offenheit besteht in größerer Rede- und Versammlungsfreiheit in den Ländern, wo diese

Am wichtigsten ist jedoch, daß
wir in eine Phase eintreten, in der
die Wahrung der Menschenrechte Fortschritte macht - in der allen klar
wird, daß der Vorrang des einzelnen
und die Achtung seiner fundamentalen
Freiheiten
Merkmal
aller
erfolgreichen Gesellschaften bedeutet.

�Grundrechte
bisher
verweigert
wurden. Wir begrüßen die gegenwärtig zu verzeichnenden Fortschritte in Ungarn, Polen und der
Sowjetunion, von denen wir mehr
zu sehen hoffen. Dennoch bedauern wir die Zurückhaltung der
Deutschen
Demokratischen
Republik, Rumäniens, Bulgariens und
der Tschechoslowakei, die keine
ähnlichen
Schritte
unternommen
haben.
- Erst am Sonntag, eine Stunde nach
der Verabschiedung
der Wiener
Schlußakte und in direkter Verletzung der gerade feierlich von
der tschechoslowakischen Regierung eingegangenen Verpflichtungen
wurden
Teilnehmer
einer
friedlichen Demonstration in Prag
von der Polizei mit Schlagstökken, Tränengas und Wasserwerfern
traktiert.
Berichten
zufolge
wurden 91 Demonstranten festgenommen.
- Und am gleichen Tag - dem Tag der
Verabschiedung der Wiener Schlußakte - erhalten wir Kenntnis davon, daß die Behörden der DDR 190
aktive Verfechter der Menschenrechte bei einer Demonstration in
Leipzig festgenommen haben. Die
meisten von ihnen scheinen ebenso
wie in Prag freigelassen worden
zu sein. Aber gestern abend waren einige von ihnen noch in Haft
- in krassem Wiederspruch zu der
fast zur gleichen Zeit in internationalem
Rahmen
abgegebenen
feierlichen Erklärung.
- In Rumänien werden die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen wie auch die politischen
und bürgerlichen Rechte aller
Bürger in entmutigendem Ausmaß
untergraben. Und sowohl in Rumänien als auch in Bulgarien sind
Minderheiten von der staatlichen
Politik der jüngsten Zeit besonders stark betroffen.
- Es gibt mehr Offenheit in bezug
auf verbesserte Beweungsfreiheit
- 3 -

der Menschen.
Im vergangenen
Jahr sind mehr als sieben Millionen DDR-Bürger in den Westen gereist, und mehr als fünf Millionen Bundesbürger besuchten die
DDR - Rekordzahlen auf beiden
Seiten. Darüber hinaus sind uns
vorliegenden Informationen zufolge
im vergangenen Jahr etwa
77 000 Menschen aus der Sowjetunion ausgewandert und viele andere - darunter Andrej Sacharaow
durften ins Ausland reisen.
Dennoch streben wir immer noch
nach vollständiger Verwirklichung
des Rechts auf Bewegungsfreiheit
in allen Unterzeichnerstaaten des
Ostblocks.
- Die vollständige Verwirklichung
der von uns eingegangenen Verpflichtungen, jedem das Recht
"auf Verlassen seines Landes" zuzugestehen, wird in den nächsten
Jahren zu einem offeneren Europa
führen. Wir haben uns dabei auf
vernünftige Fristen für die Entscheidungen über Reiseanträge ins
Ausland geeinigt. Und die Unterzeichnerstaaten sind übereingekomen, die Häufigkeit und Willkür
der Verweigerung von Reisen aus
Sicherheitsgründen einzuschränken.
- Wir erwarten, daß bei der Durchführung der Wiener Verpflichtungen zur "schnellen und ungehinderten" Postzustellung und den
Verpflichtungen, die den Respekt
vor der Vertraulichkeit und Integrität von Post- und Fernmeldeverkehr garantieren, zu größerer
Offenheit ermutigt wird.
- Und die Offenheit des Wiener
Treffens selbst - ein Tribut an
unsere österreichischen Gastgeber
wie auch an den KSZE-Prozeß sollte Vorbildcharakter für das
Verhalten bei künftigen Zusammenkünften haben. In der Schlußakte
von Wien verpflichten sich alle
Gastgeberländer - Frankreich, Dänemark, die Sowjetunion, Malta,
Polen, Großbritannien, Spanien,
Bulgarien, Österreich, die Bun-

�desrepublik Deutschland und Finnland
ausländischen
Journalisten, nicht-staatlichen Organisationen und einzelnen Bürgern
Zugang zu gewähren und ihren Bürgern den ungehinderten Umgang mit
Delegierten und Besuchern zu gestatten.
Insgesamt ist die von uns hier in
Wien so eindeutig und laut erhobene
einhellige Forderung nach Einhaltung
und Offenheit stärker geworden und
hat einen Wandel zum Besseren besiegelt, einen Wandel, der den Alltag
von Millionen von Menschen, ihre
Hoffnungen, Rechte und ihre Zukunft,
unmittelbar
betreffen
wird.
Das
Schlußdokument von Wien, zu dessen
vollständiger Veröffentlichung sich
all unsere Regierungen verpflichtet
haben, kann - wie bereits die Schlußakte von Helsinki - ein Motor für
fortgesetzte Veränderungen sein.

Kein Ende, ein Anfang
Aus diesem Grund bezeichnet das
Wiener Treffen nicht das Ende unserer
Reise seit Helsinki, sondern vielmehr
einen neuen Anfang.
Der berühmte
amerikanische Dichter Robert Frost
hätte auch Wien meinen können als er
seine Heimat Neuengland beschrieb:
"The woods are lovely, dark and
deep, but we have promises to keep,
and miles to go before we sleep, and
miles to go before we sleep."
Es ist noch ein langer Weg bis
zur Erlangung echten Friedens in Europa - eines dauerhaften Friedens,
der sich auf Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit
und
die
Integrität
freier und souveräner Staaten gründet. Es ist eine Herausforderung für
uns, so weit zu gehen. Was wir hier
in Wien getan haben, ist ein Zeichen
dafür, daß wir diese Herausforderung
wirklich annehmen wollen.
Die in Wien anerkannte umfassende
Tagesordnung zu den Menschenrechten
Ist ein wichtiges Zeichen für unseren
Neubeginn.

Wien steht auch für einen weiteren neuen Anfang - die Aufnahme wichtiger
Rüstungskontrollverhandlungen
über konventionelle Waffen. In einigen Wochen wird die 35 Teilnehmer umfassende Folgekonferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen die Arbeit der Stockholmer Konferenz fortführen, die das Konzept der
Offenheit im militärischen Bereich
ins Leben gerufen hat.
Darüber hinaus werden 23 unserer
Staaten unabhängige Verhandlungen im
Rahmen des KSZE-Prosesses aufnehmen,
die Stabilität bei den konventionellen Streitkräften in Europa zum Ziel
haben.
Zwischen Wien und Helsinki im
Jahr 1992 wird eine Reihe von Treffen
geben, die Bereiche der Kooperation
zwischen Ost und West - oder anhaltende
Meinungsverschiedenheiten
aufdecken können: im Informationswesen, der Wirtschaft, Umwelt, dem Mittelmeer, Kultur, bei der friedlichen
Beilegung von Konflikten und - was am
wichtigsten ist - bei den Menschenrechten. Das Wiener Treffen hat einen Mechanismus geschaffen, der es
allen Ländern ermöglicht, jederzeit
alle Menschenrechtsfragen mit jedem
anderen Land zu erörtern.
Dieser
Mechanismus wird zusammen mit den
Treffen in Paris, Kopenhagen und
Moskau einen anhaltenden Prozeß der
Überprüfung von Menschenrechtsfragen
ergeben.
Darüber hinaus wird der KSZE-Prozeß weiterhin eine bedeutende Rolle
spielen, da er die Lage in Europa widerspiegelt und mitbestimmt. Eigeninitiative, Erfindungsgabe, der freie
Fluß von Informationen und Ideen und
Freizügigkeit sind Qualitäten, mit
denen die einzelnen Staaten am besten
die Herausforderungen und Möglichkeiten der Zukunft bewältigen können.
Dies sind die Ideale der Schlußakte
von Helsinki. Der Erfolg des KSZEProzesses wird daran gemessen werden,
wie gut diese Ideale in das internationale Beziehungsgeflecht eingebunden werden.

�Bereits
heute
beobachten
wir
Schritte in die richtige Richtung.
Heute wird die Behauptung, daß in unserer zunehmend interdependenten Welt
nationale Sicherheit nicht mit militärischen Mitteln allein gemessen,
geschweige denn vollständig erreicht
werden kann, weit häufiger akzeptiert. Mit militärischer Macht läßt
sich eine bestimmte Art von Frieden
sichern, aber es ist ein Friede ohne
Seelenfrieden.
Und
überwältigende
militärische Stärke bringt keine dauerhafte Sicherheit, wenn sie zu Lasten internationaler Spannungen geht
und mit großen Kosten für das nationale Wachstum verbunden ist. Erst
vor wenigen Wochen hörte wir Generalsekretär Gorbatschow vor uen Vereinten Nationen sagen, daß "der einseitige Rückgriff auf militärische Macht
letztlich andere Komponenten der nationalen Sicherheit schwächt".
Ferner ist man zunehmend zu der
Erkenntnis gelangt, daß die Freisetzung von Marktkräften und menschlicher Kreativität die wahre Grundlage für dauerhaften Wohlstand und nationalen Erfolg bildet. Unser Vertrauen in die Lebenskraft freier Gesellschaften und offener Märkte ist
stark und fest in unseren eigenen Erfahrungen und unseren Beobachtungen
der Erfahrungen anderer verankert.

Die anhaltende Herausforderung der
Durchführung
In meinem Amt als Außenminister
kam ich vor sechs Jahren zum ersten
Mal nach Europa. Ich kam als Freund
Europas, als jemand, der an die Größe
Europas glaubte. Nach diesem, meinem
letzten offiziellen Besuch werde ich
überzeugter als je von dier-er Ansicht
nach Kalifornien zurückkehren.
Söhne und Töchter Europas haben
mein Land gegründet und eine Gesellschaft auf von Locke, Montesquieu und
Rousseau abgeleiteten Ideen aufgebaut.
Tatsächlich war die Distanz
zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa niemals sehr groß und wir wa-

ren ihm niemals näher als heute. Geschichte, Sprache und Traditionen
bilden ein gemeinsames Band - ein
Band, das jedes der hier vertretenen
Länder mit allen anderen verbindet.
Vor allem jedoch ist es die Macht der
demokratischen Ideen - Ideen, die vor
200 Jahren auf beiden Seiten des Atlantiks ihren Widerhall fanden und
die Welt auf den Kopf stellten - die
unsere Völker auch weiterhin vereinen
und Europas Bestimmung die Richtung
weisen.
Als ich im Jahr 1986 anläßlich
der Eröffnungssitzung dieser Konferenz eine Rede hielt, blickte ich in
die Zukunft zu dem Tag, an dem alle
Völker der KSZE-Gemeinschaft an dem
Geist der Offenheit und Kreativität
teilhaben würden - dem Tag, an dem
alle sich an der Freisetzung geistiger und gesellschaftlicher Energie
beteiligen könnten. Durch die Arbeit
dieser Konferenz sind wir glaube ich
dem von mir beschriebenen Tag ein
Stück näher gekommen - nicht einfach
durch den Lauf der Zeit, sondern weil
wir den Abstand zwischen Versprochenem und Geleistetem, zwischen Wort
und Tat, verkürzt haben. Es bleibt
aber noch eine große Distanz zu überbrücken.
Ich möchte Sie noch einmal an die
großen Worte Puschkins erinnern, der
im Jahr 1703 schrieb, Peter der Große
habe "ein Fenster nach Europa" aufgestoßen. Dieses Bild trifft auch auf
die in Wien geleistete Arbeit zurück.
Der KSZE-Prozeß hat dazu beigetragen,
Fenster und Türen des Verständnisses
sowie hilfreiche Kommunikationswege
zu öffnen.
Für viele Männer und
Frauen hat er dazu beigetragen, das
Tor zur Freiheit aufzustoßen.
Wir
müssen diesen Prozeß der Offenheit in
beide Richtungen
fortsetzen.
Wir
wissen, daß noch viele Schranken zwischen Ost und West durchbrochen werden müssen - ob dies physische
Schranken wie die Berliner Mauer,
starre Wirtschaftssysteme, entmutigende bürokratische Hemmnisse gegen
Freizügigkeit und Redefreiheit oder
starre Denkgewohnheiten sind.

- 5 -

�Ich möchte Ihnen einige persönliche Gedanken über die KSZE vortragen. Während meiner Amtszeit bin ich
zu diesen Sitzungen gereist und habe
mich an deren Rand mit Kollegen getroffen. Und wo immer ich sonst hingereist bin - zu den Vereinten Nationen oder anderen Orten in der Welt,
nicht nur in Europa - habe ich Menschen kennengelernt, die auf die eine
oder andere Weise an diesem Prozeß
teilhaben
und
interessiert
sind.
Diejenigen, mit denen ich zusammentraf, teilten die Haltung meines Landes zu tagespolitischen Problemen
nicht immer.
Ohne das Bindeglied
KSZE hätte es für uns weder einen Anlaß für ein Treffen gegeben noch irgendeine gemeinsame Grundlage für ein
Gespräch.
Die KSZE lieferte jenes
erste verbindende Band, daß die Konversation erleichterte.
Dies war gewiß der Fall, als
Außenminister Schewardnadse und ich
zum ersten Mal zusammentrafen. Wie
Sie sich vielleicht erinnern, begegneten wir uns während des 10. Jahrestages der KSZE-Schlußakte.
Meine
Frau und ich beschlossen, daß wir die
Schewardnadses als Menschen kennenlernen müßten, unabhängig von unseren
politischen Meinungsverschiedenheiten.
Wahrscheinlich waren sie derselben Meinung. Wir haben unsere jeweiligen Kinder und Enkelkinder kennengelernt - mit anderen Worten: unsere
gemeinsame Zukunft. Dieser zwischenmenschliche Kontakt verkörpert in
vieler Hinsicht den Wesensgehalt des
KSZE-Prozesses. Die KSZE half uns
also dabei, den Stein ins Rollen zu
bringen und konstruktive Arbeit zu
leisten. Seit jenem Tag waren wir
nicht immer einer Meinung, aber wir
haben uns immer engagiert. Ich bin
sicher, daß Sie alle ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Ferner glaube
ich, daß die von der KSZE gebotenen
Chancen für diese einzigartige Art
zwischenmenschlicher
Kontakte
ein
weiterer wichtiger Grund dafür sind,
daß dieser Prozeß so nützlich ist.

Im Verlauf der Wiener Konferenz
haben
Bevölkerung
und
Regierung
Österreichs uns allen Grund gegeben,
uns hier willkommen zu fühlen. Ihre
Gastfreundschaft hat uns viele Gelegenheiten beschert, miteinander zu
arbeiten und uns in einer Atmosphäre
besonderer Herzlichkeit kennenlernen
zu können.
Im Namen des amerikanischen Volkes und von Präsident
Reagan möchte ich dem Volk und der
Regierung von Österreich aufrichtig
danken.
Wenn wir uns nun den neuen Herausforderungen, die wir in Wien definiert haben, stellen, befindet sich
meine Regierung in einer Periode des
demokratischen Wechsels und der Erneuerung. Doch ich kann allen heute
hier Versammelten versichern, daß der
neue Präsident Bush, seine Regierung
und das amerikanische Volk in den
kommenden Jahren eine aktive und konstruktive Rolle in diesem Prozeß
spielen werden.
Wie von Anfang an, werden die
Vereinigten Staaten auch weiterhin
auf den Tag hinarbeiten, an dem endlich jenes große Ziel des KSZE-Prozesses verwirklicht ist - den Tag, an
dem Europa frei, sicher, offen und
ungeteilt sein wird.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
%

^

Dokumentation

Ä&lt;

25. Januar 1989

BAKER NENNT FÜNF WICHTIGE VERÄNDERUNGEN IN DER WELT
- Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats WASHINGTON - (AD) - Dem designierten Außenminister der Vereinigten Staaten, James Baker, zufolge vollziehen sich weltweit gegenwärtig fünf bedeutende
Veränderungen: eine demokratische Revolution, die Ausbreitung des freien Unternehmertums, wirtschaftspolitische Experimente in den kommunistischen Staaten, technologische Fortschritte im Bereich der Information und Kommunikation
sowie neue militärische Tendenzen.
In der Anhörung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats, der über die Bestätigung Bakers als Außenminister zu befinden hat, bezeichnete Baker am 17.
Januar 1989 amerikanische Werte und Ideale wie "Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung, Achtung der Menschenwürde, Fairplay" als Grundlage und "einzig
sichere Leitlinie für diesen Wandel".
Die Ausführungen Bakers haben folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder!
Es ist mir eine Ehre, als der vom
neuen Präsidenten Bush für das Amt
des Außenministers Nominierte vor Ihnen zu sprechen.
Ich danke Ihnen
ferner für Ihre Bereitschaft, diese
Anhörungen noch in der Ubergangsphase
zu veranstalten. Jede Administration
möchte einen fliegenden Start, anstatt zunächst in den Startlöchern zu
bleiben.
An diesem Freitag (20. Januar)
wird ein npuer Präsident sein Amt antreten. Er wird ein Land regieren,
das sich von dem, wie wir es noch zu
Beginn dieses Jahrzehnts kannten, erheblich
unterscheidet.
Als sich
George Bush zum ersten Mal um die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Präsidentschaft bewarb, wurden die
amerikanischen Institutionen und Werte in Frage gestellt. In den vergangenen acht Jahren haben wir sie bekräftigt. Als Ergebnis dessen wurde
unsere Nation sowohl nach innen wie
nach außen wesentlich gestärkt. Dafür schulden wir Außenminister Shultz
und zuallererst Präsident Reagan unseren Dank.
Das Vermächtnis der Reagan-Ara
ist ein kraftvolleres Amerika. Wir
haben bewiesen, daß unser Präsident
führen kann, unsere Regierung funktioniert und Fortschritte möglich
sind. Die Kreativität des Einzelnen
und die Achtung seiner Rechte - die
Prüfsteine der Demokratie - erleben
einen neuen Aufschwung.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ein Teil dieser Lebenskraft spiegelt sich in den internationalen Entwicklungen unserer Zeit wider. Bei
unserem mächtigster Gegner, der die
noch vor einem Jahrzehnt so aggressiven Sowjetunion vollzieht sich eine
ideologische Gewissenserforschung von
historischem Ausmaß. Regionale Konflikte, die lange Zeit als unlösbar
galten - zum Beispiel in SUdwestasien
und im südlichen Afrika -, sind mit
Hilfe der kreativen amerikanischen
Diplomatie ihrer Lösung ein Stück näher gerückt. Die von der längsten
wirtschaftlichen Aufschwungphase der
Geschichte in den Vereinigten Staaten
angetriebene Weltwirtschaft hat neue
Hoffnung auf Fortschritte geweckt.

Eine Welt im Wandel
Diese Entwicklungen
sind symptomatisch für die großen Veränderungen und Herausforderungen, denen wir
uns im kommenden Jahrzehnt stellen
müssen. In unserer Welt vollziehen
sich fünf bedeutende Veränderungen:
Erstens, die demokratische Revolution: In Lateinamerika haben viele
Staaten unlängst die Demokratie errungen oder bemühen sich darum, während sich in Asien die Philippinen
und Südkorea den Demokratien zugesellt haben. Viele dieser jungen Demokratien sind noch nicht gefestigt.
Ihre Institutionen benötigen Zeit, um
Wurzeln zu schlagen, und der Erfolg
ist nicht sicher. Wir wissen ferner,
daß, diese Forderungen nach Freiheit
- wenn überhaupt - nicht immer friedlich gewährt werden, obwohl Millionen
von Menschen in anderen Ländern freie
politische Institutionen fordern.
Zweitens, die Ausbreitung des
freien Unternehmertums: freie Märkte
und
Privatinitiative
sind
neue
Schlüsselbegriffe
der
wirtschaftlichen Entwicklung - weil sie in der
Praxis funktionieren. Der klassische
Sozialismus und Varianten staatlich
gelenkter Wirtschaft sind in Mißkredit geraten. Insbesondere die Staaten des pazifischen Beckens haben be-

wiesen, wie das Modell des freien Unternehmertums in Entwicklungsländern
erstaunlich gut funktioniert, nicht
nur in gereiften Volkswirtschaften.
In vielen Regionen werfen Probleme
der Verschuldung, großer Ungleichgewichte im Handel sowie protektionistischen Drucks einen Schatten auf diese Fortschritte und bedrohen die Zukunft.
Drittens, Veränderungen in der
kommunistischen Welt: Praktisch jede
kommunistische Regierung experimentiert heute mit einst als Häresie
verschrienen
wirtschaftspolitischen
Ideen, darunter auch Marktwirtschaft.
Die Krise der kommunistischen Systeme
ist deren eigenem Eingeständnis zufolge wesentlich tiefgreifender. Politische Veränderungen, insbesondere
die Forderung nach freieren Institutionen, stehen auf der Tagesordnung
ganz oben.
Trotzdem steht nicht
fest, daß die Reformen erfolgreich
sein oder zur Demokratie führen werden.
Viertens, technologischer Fortschritt: Rasche Fortschritte in der
Informations- und Kommunikationstechnologie haben dazu beigetragen, eine
Weltwirtschaft zu schaffen, Zeit und
Raum ihre Bedeutung zu nehmen und die
traditionellen Grenzen des Nationalstaats zu überwinden. Es ist jetzt
bereits klar, daß in der Weltwirtschaft von heute die Binnenwirtschaftspolitik nicht mehr unabhängig
von ihren internationalen Auswirkungen betrachtet werden kann. Es steht
jedoch noch nicht fest, daß wir die
Zusammenarbeit, die wir benötigen,
erreichen werden. Auf unfairem Verhalten
beruhende
Handelsvorteile
könnten ferner verstärkt zu wirtschaftlichen Auseinandersetzungen und
letztlich zu einer Zunahme des Protektionismus führen.
Fünftens, neue militärische Tendenzen: der sich auf die Weltwirtschaft
auswirkende
technologische
Wandel verändert ebenso die militärstrategischen
Beziehungen.
Präzisionsfeuer leittechnologien
gestatten

�es den konventionellen Waffen von
heute, Ziele zu zerstören, die in der
Vergangenheit hauptsächlich den Kernwaffen zugewiesen wurden. Die Forschungsarbeiten im Rahmen der Strategischen Verteidigungsinitiative untersuchen das Potential zur Veränderung der künftigen Zusammensetzung
von Offensiv- und Defensivpotential.
Wir müssen die Auswirkungen dieser
Veränderungen auf Abschreckung und
Rüstungskontrolle
weiterhin
untersuchen.
Es gibt einen weiteren, zu größerer Besorgnis Anlaß gebenden Gesichtspunkt der neuen militärischen
Tendenzen. Eine gefährliche Verbreitung von Spitzentechnologie hat eingesetzt. Während wir gerade im Begriff sind, einige Kernwaffen zu kontrollieren oder zu beseitigen, sind
chemische Gefechtsköpfe und ballistische Raketen Regierungen und Gruppen
in die Hände gefallen, die sich erwiesenermaßen der Aggression und des
Terrorismus schuldig gemacht haben.

Die Gegensätze unserer Zeit und
unsere Haltung
Diese fünf Wandlungsprozesse konfrontieren uns mit einer Reihe von
Gegensätzen und Paradoxen. Wir könnten zu einer zunehmend demokratischen
Welt gelangen oder - sollten die neuen, noch ungefestigten Demokratien
scheitern - die Sache der Demokratie
könnte zurückgeworfen werden.
Die
Weltwirtschaft könnte weiter wachsen
oder der Wettbewerbsdruck könnte zu
Protektionismus und miteinander rivalisierenden Handelsblöcken führen
letztlich zum Nachteil aller Beteiligten. Ein vernünftig durchdachter
Ansatz des Atlantischen Bündnisses
könnte die mit der Sowjetunion erreichten Fortschritte weiter ausbauen.
Oder diese Chance könnte aufgrund von beiderseits des Eisernen
Vorhangs gemachten Fehlern vertan
werden. Schließlich könnten neue militärische Technologien größere Stabilität auf niedrigeren Streitkräfteniveaus herbeiführen. Oder wir könn-

ten auf ein neues und dunkleres Zeitalter zusteuern, wenn es uns nicht
gelingt, der Verbreitung von Waffen
Einhalt zu gebieten, mit denen Staaten - insbesondere in politisch instabilen Regionen - an den Rand eines
Krieges getrieben werden.
Ich bitte um Ihre Bestätigung als
Außenminister.
Es ist deshalb nur
billig und recht, daß ich Ihnen - so
gut ich kann - über meine Haltung zu
dieser Welt der Herausforderungen und
Gegensätze Auskunft gebe.
Während meiner juristischen Ausbildung las ich in einer Vortragssammlung von Richter Benjamin Cardozo
mit dem Titel "Der Charakter des juristischen Prozesses". Ich erinnere
mich daran, wie ich von seiner Beobachtung gefesselt wurde, daß "jedem
von uns eine Tendenz innewohnt, ob
man es nun Philosophie nennen möchte
oder nicht, die unseren Gedanken und
Handlungen Kohärenz und Richtung verleiht".
Einige haben meine Philosophie als "pragmatisch" bezeichnet.
Ich gebe zu, daß Etikette irreführend
sein können - tatsächlich bin ich ein
texanischer Republikaner, die ja alle
konservativ sind. Ich bin jedoch mit
dem Etikett Pragmatismus einverstanden, wenn Sie damit meinen, daß man
die Welt realistisch betrachtet und
es als wichtig empfindet, Aufgaben zu
erfüllen.
Mein Ziel besteht nicht darin,
die Welt zu verstehen um sie zu akzeptieren, sondern sie zu verstehen,
um sie zu verändern, wo dies nötig
ist - manchmal mit großen, häufig gezwungenermaßen mit kleinen Schritten,
aber immer nach vorn gerichtet. Die
einzig sichere Leitlinie für solche
Veränderungen ist der Kompaß der amerikanischen Ideale und Werte - Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung,
Achtung der Menschenwürde, Fairplay die Prinzipien, denen ich treu bin.
Ich glaube an die Freiheit des
Einzelnen, weil sie ein von Gott gegebenes Recht und die Quelle menschlicher
Schöpfungskraft
ist.
Die

- 3-

�Gründer unseres Landes erkannten, daß
diese Freiheit am besten durch eine
begrenzte Regierung bewahrt wird das System der "checks and balances",
das immer noch den Rahmen für unseren
Erfolg liefert. Teil dieses Systems
ist eine dezentralisierte Regierung,
eine volksnahe Regierung, eine Regierung des Volkes. Ich möchte des weiteren argumentieren, daß wirtschaftliche Freiheit, das System der freien
Marktwirtschaft,
ein
unerläßlicher
Bestandteil
dieses
Rahmens
ist.
Schließlich und zuallererst bin ich
wie Lincoln der Meinung, daß die Vereinigten Staaten in der Welt eine besondere Rolle haben, einen besonderen
Beitrag leisten müssen - wie er es
ausdrückte "die letzte, beste Hofnung
der Erde".

Führung und Überparteilichkeit
Mein Sinn für Realismus, meine
Einschätzung des Trends, sagen mir,
daß wir Fortschritte zu diesen Idealen erzielen können, wenn wir bei
zwei Fragen fest bleiben.
Die erste ist die Notwendigkeit
amerikanischer Führung. Als Finanzminister sprach ich vor einigen Jahren von der "Wahl" der Führung - aber
tatsächlich gibt es keine Wahl. Als
mächtigste Demokratie, größte Wirtschaft, reichste Gesellschaft und
größte Ansammlung wissenschaftlicher
Talente werden wir - bewußt oder unbewußt - die Zukunft in erheblichem
Maße beeinflussen. Wir können eine
Kraft für Freiheit und friedlichen
Wandel sein, die mit keiner anderen
Kraft der Welt zu vergleichen ist.
Gelingt uns dies jedoch nicht, werden
wir uns nicht vor den Folgen verstecken können.
Die amerikanische Führungsrolle
muß sich einer Welt anpassen, die der
Nachkriegszeit entwachsen ist. Die
Vereinigten Staaten sind gleichzeitig
Tribun der Demokratie, Katalysator
für internationale Zusammenarbeit und
Wächter unserer nationalen Interessen. Wir leben in einer Welt mächti-

ger Gegner. Wir dürfen das überleben
der Demokratie nicht als selbstverständlich ansehen oder annehmen, daß,
wenn wir unsere Interessen nicht
selbst schützen, jemand anderes oder
irgendeine internationale Organisation dies für uns tun wird. Wir leben ferner in einer Welt zunehmend
einflußreicher Verbündeter, deren Zusammenarbeit unerläßlich ist, wenn
wir gemeinsame Probleme überwinden
wollen. Es gibt neue, weltweite Gefahren wie etwa Terrorismus, internationaler Drogenhandel und die weltweite Zerstörung der Umwelt, die
nicht von einer Nation allein bewältigt werden können, wie mächtig sie
auch sein mag.
Diese Realitäten erlauben keinen
blinden
Isolationismus
oder rücksichtslosen
Unilateralismus.
Nur
durch eine realistische Haltung können wir im Hinblick auf die amerikanische Führungsrolle in einer sich
rasch wandelnden Welt ein neues Kapitel aufschlagen.
Es gibt noch ein zweites Problem,
das von uns gelöst werden muß. Es
betrifft die Beziehungen zwischen
Exekutive und Kongreß im Bereich der
Außenpolitik.
Schlicht ausgedrückt:
wir benötigen zum Erfolg die Zusammenarbeit beider Parteien. Das entspricht dem Urteil der Geschichte und
der jüngsten Erfahrung.
Überparteilichkeit
bedeutet
nicht, daß wir immer übereinstimmen
müssen. Es gibt und wird immer Unterschiede in Ansatz und Substanz geben. Die Äußerung dieser Meinungsverschiedenheiten in einer Art und
Weise, die das Recht des anderen auf
eine andere Meinung achtet, ist eine
deutliche Bekräftigung des demokratischen Prozesses.
Aber letztlich
müssen wir handeln, und wenn wir dies
tun, ist es am besten, es zusammen zu
tun, wenn wir nationale Interessen
verwirklichen wollen.
Zu diesem Thema möchte ich Dean
Acheson zitieren. Offensichtlich war
er mit einigen unserer texanischen

�Bräuche vertraut, denn er sagte, daß
es in den Saloons des alten Westens
ein Gesetz gab:
"Erschieß niemals
den Klavierspieler." Und er schrieb,
daß in der Außenpolitik der Präsident
der Klavierspieler sei.
Ja, dies ist ein Appell für einen
gütigeren, sanfteren Kongreß. Aber
Überparteilichkeit ist auch mehr als
Achesons "Weihwasser der politischen
Notwendigkeit". Sie ist das Schmiermittel, mit dem die verschiedenen
Zweige des Staates in die Lage versetzt werden, ihre natürliche, von
der Verfassung bewußt angelegte Reibung zu überwinden, eine Reibung, die
aus unseren unterschiedlichen Perspektiven
und
Verantwortlichkeiten
herrührt.
Als Realist weiß ich, daß wir der
Zusammenarbeit zwischen den Parteien
bedürfen, um erfolgreich zu sein.
Während die Exekutive für das Vorschlagen und die Ausführung der Aussenpolitik zuständig ist, wird eine
Handlungsweise von der Legislative
unterstützt, modifiziert oder in manchen Fällen mit einem Veto belegt.
Aus diesem Grund wird über die Zusammenarbeit zwischen den Parteien in
der Praxis entschieden.
So laßt uns also die jüngste Erfahrung unser Lehrmeister sein. Als
wir zu Afghanistan oder während der
INF-Verhandlungen eine gemeinsame Linie verfolgt haben, waren wir erfolgreich. Als wir dies nicht taten bei Mittelamerika - war das Resultat
für jedermann unbefriedigend.
Die Schlußfolgerung daraus ist
unausweichlich. Um Erfolg zu haben,
müssen wir zusammenarbeiten.
Und
eine von beiden Parteien getragene
Außenpolitik beruht auf drei Grundsätzen:
- Erstens: Vertrauen darauf, daß
jeder von uns an das öffentliche
Interesse denkt, daß wir unser
Bestes tun, um unserer Verantwortung gerecht zu werden.

- 5

- Zweitens Konsultationen als Beweis dafür, daß wir versuchen zu
kommunizieren, einen gemeinsamen
Weg einschlagen und gemeinsam ans
Ziel gelangen wollen.
- Drittens
konsequente
Durchführung, die belegt, daß die einmal
erzielten Entscheidungen und Abkommen in der Tat Entscheidungen
und Abkommen sind, die eingehalten werden.
Die Senatoren Danforth und Boren
haben den Vorschlag einer neuen Art
von Konsultationen zur Erörterung der
umfassenderen
und
langfristigeren
Probleme unterbreitet - einschließlich regelmäßiger Treffen der Kongreßabgeordneten mit dem Außenminister und gelegentlich mit dem Präsidenten. Am 18. November 1988 schrieb
der künftige Präsident Bush an Senator Danforth diesbezüglich, "sobald
mein Nationales Sicherheitsteam seine
Arbeit aufgenommen hat, werde ich ein
Treffen dieser Gruppe mit Ihnen zur
Erörterung Ihrer hervorragenden Vorschläge anberaumen". Ich sehe diesem
Treffen erwartungsvoll entgegen.
Lassen Sie uns nun gemeinsam Exekutive und Kongreß -, vom Vertrauen in die amerikanische Führungsrolle
und der Praxis der Überparteilichkeit
geleitet, das vor uns liegende Programm in Angriff nehmen.

Die internationale Tagesordnung:
Nord- und Südamerika
An erster Stelle unserer Tagesordnung stehen unsere Nachbarländer die Länder, die an uns angrenzen, die
Länder unseres Kontinents und unserer
Hemisphäre. Die Vereinigten Staaten
sind sowohl eine Land- als auch eine
Seemacht, was uns eine einzigartige
geopolitische Perspektive verschafft.
Die alte Lehre, daß Außenpolitik zuerst einmal das eigene Land betrifft,
gilt jedoch auch für uns. Sie wurzelt in unseren Werten und dies muß
so sein. Und sie gewinnt Stärke und
Kraft
durch
unsere
unmittelbaren

�Nachbarländer - abhängig von unseren
Beziehungen mit unseren Freunden und
Nachbarn im Nordea und Süden.
Vor kurzem haben wir gemeinsam
mit Kanada ein Freihandelsabkommen
geschlossen - etwas, das beide Nationen hundert Jahre lang erfolglos angestrebt hatten.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieses Abkommens
auf bestimmte Industriezweige haben
ein vielfältiges Echo und einige Besorgnis ausgelöst.
Meiner Ansicht
nach liegt das Freihandelsabkommen in
unserem
beiderseitigen
Interesse.
Aber es gibt geopolitische Folgen,
die weit über die wirtschaftliche Bedeutung dieser Errungenschaft hinausgehen.
Das amerikanisch-kanadische Abkommen stellt den richtungweisenden
Erfolg einer Strategie dar, die darauf ausgerichtet ist, alle Länder zu
einem
offeneren
Handelssystem
zu
bringen. Es belegt, daß die beiden
größten Handelspartner der Welt nicht
nur Zollschranken abbauen, sondern
auch Lösungen in solchen Bereichen
wie Dienstleistungen und Investitionen - beide zunehmend transnational
ausgelegt - bei gleichzeitiger Wahrung der nationalen Souveränität aushandeln können. Es ist ein Beweis
dafür, daß eine aktive, internationalistische
Freihandelspolitik
eine
überparteiliche Koalition im Inland
beschleunigen und protektionistische
Bestrebungen abwenden kann. Es ist
also möglich. Und wir sehen der Zusammenarbeit mit Kanada bei anderen
vorrangigen Problemen - einschließlich internationaler Umweltprobleme erwartungsvoll entgegen, während wir
den Rahmen unserer neuen Zusammenarbeit erweitern.
Mit Blick auf den Süden haben wir
eine nicht weniger bedeutende Reihe
von Themenkomplexen zu berücksichtigen.
Unser Nachbarland Mexiko ist
hochverschuldet
und
seine Sozialstruktur sieht sLch mit ernsthaften
Herausforderungen konfrontiert. Andererseits verfügt Mexiko jedoch über
viele Vermögenswerte - die Fähigkei-

ten seines Volkes und seine bedeutenden Rohstoffe. Unter der Leitung von
Präsident Salinas hat die mexikanische Regierung den Weg wirtschaftlicher und politischer Reformen eingeschlagen. Es ist ein schwieriger
Weg und wir sind zur Unterstützung
entschlossen.
Es liegt in unserem Interesse,
dies zu tun. Es ist an der Zeit, daß
wir Mexiko den Respekt und die Ernsthaftigkeit entgegenbringen, die es
verdient. Unabhängig von der Vergangenheit müssen wir uns darüber im
klaren sein, daß die Beziehungen der
Vereinigten Staaten zu Mexiko sehr
viel bedeuten: Sie sind ebenso wichtig wie unsere Beziehungen mit jedem
anderen Land der Welt. Ich bin davon
überzeugt, daß wir gemeinsam Fortschritte erzielen können, wenn wir
Gerechtigkeit und gegenseitigen Respekt
zu unserer Ausgangsposition
machen.
Ich weiß, daß der neue Präsident
Bush baldigen Konsultationen mit Präsident Salinas und Premierminister
Mulroney
erwartungsvoll
entgegensieht, um den vor uns liegenden Kurs
festzulegen.
Ein anderes Thema auf unserer Tagesordnung für diesen Kontinent betrifft Mittelamerika.
Wir blicken
auf nahezu zehn Jahre frustrierender
und
gelegentlich
widersprüchlicher
amerikanischer Politik gegenüber dieser Region zurück.
Einige Erfolge
sind erzielt worden.
Die meisten
mittelamerikanischen Nationen haben
sich der Demokratie und Wahrung der
Menschenrechte verschrieben. Und wir
müssen helfen, diese Errungenschaften
gegen Bedrohungen der Menschenrechte
zu verteidigen, gleichgültig, ob diese Bedrohung von rechts oder von
links kommt.
Der größte Makel bleibt jedoch
bestehen:
der verheerende Konflikt
zwischen Nicaragua und seinen Nachbarländern und zwischen den nicaraguanischen Marxisten und dem eigenen
Volk, das zum Teil zu den Waffen ge-

- 6 -

�griffen hat und amerikanische Unterstützung verdient.
Im Jahr 1987 kamen alle Regierungen der Region lange genug zu sich,
um sich auf eine Reihe von Grundsätzen für den Frieden zu einigen. Das
Abkommen von Esquipulas - bekannt als
Esquipulas II und von Präsident Arias
von Costa Rica verfaßt - brachte die
Ziele aller sehr gut zum Ausdruck.
Es ist eine gute Friedensplattform.
Was ihm jedoch fehlt, ist ein Mechanismus für seine Durchsetzung. Dieses Problem trat klar und deutlich im
Verlauf der Verhandlungen nach der
Übereinkunft von Sapoa zwischen den
Sandinisten und dem demokratischen
Widerstand zutage.
Bis heute sind
weder Demokratie - wie in Esquipulas

II niedergelegt - noch die Wiedereingliederung des Widerstandes - wie in
der Sapoa-Ubereinkunft gefordert
verwirklicht worden.
Zweifellos benötigen wir einen
anderen Ansatz, einen Ansatz, der
hier in Washington von beiden Häusern
des Kongresses getragen sein muß,
wenn er in der Region Erfolg haben
soll. Die Ereignisse haben belegt,
daß nur solch ein überparteiliches
Vorgehen Einfluß auf die Sandinisten
hat.
Aus diesem Grund müssen wir uns
auf klare Ziele für Mittelamerika einigen - Demokratisierung, Entwicklung
und Sicherheit für jeden einzelnen
Staat der Region. Sie alle müssen
frei von Angst vor subversiven Nachbarländern sein.
Sie alle müssen an einem Plan zur
wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben können - vielleicht unterstützt
von unseren europäischen und japanischen Verbündeten. Aber dies alles
kann nicht verwirklicht werden, bevor
nicht die Versprechen von Demokratie
und Sicherheit Realität werden. Wir
müssen auf dem Schutz der Menschenrechte in Nicaragua, El Salvador und
Ihren Nachbarländern bestehen - indem
wir alle gleich behandeln und allen
gerecht werden.

Diese Ziele der amerikanischen
Diplomatie bergen große Verantwortung. Wir können und dürfen den demokratischen Widerstand nicht aufgeben. Wir müssen ihm beistehen, bis
unsere gemeinsamen Ziele erreicht
worden sind.
Schließlich möchte ich einen Vorschlag unterbreiten.
Im Jahr 1992
werden wir den 500. Jahrestag der
Entdeckungsreise
von
Christoph
Kolumbus feiern.
Ich möchte vorschlagen, daß wir uns heute auf eine
Entdeckungsreise begeben - in die Karibik und nach Südamerika.
Unsere
Nachbarn in dieser Hemisphäre streben
nach größerer Freiheit und wirtschaftlichem Fortschritt. Wir teilen
zahlreiche
ihrer Interessen.
Und
auch die Geißel der Drogen müssen wir
gemeinsam bekämpfen.
Jetzt ist es an der Zeit, diese
Probleme erneut einer Überprüfung zu
unterziehen und mehr aus unseren Möglichkeiten zu deren Bewältigung zu
machen.

Veränderungen bei unseren
Verbündeten und Freunden
Lassen Sie mich nun von unserer
unmittelbaren Nachbarschaft zur der
umfassenderen Welt unserer Freunde
und Verbündeten kommen. Durch Handel, politische Bündnisse und Verteidigungsabkommen verbinden die Vereinigten Staaten zwei höchst dynamische, fortschrittliche Regionen
Westeuropa und die Länder des Pazifiks. Wir sind gleichzeitig eine atlantische und ein pazifische Macht
und wir sollten uns zu keiner Zeit
dem Gedanken hingeben, eine dieser
Beziehungen auf Kosten der anderen zu
erweitern.
Realismus zwingt uns die umfassenden Veränderungen zu verstehen,
die unter unseren Verbündeten und
Freunden in beiden Regionen stattfinden. In diesem Jahr begehen wir den
40. Jahrestag der Gründung der NATO des erfolgreichsten Bündnisses aller

- 7 -

�Zelten. Aber das Westeuropa von heute ist nicht mehr das erschöpfte Europa, das sich von seiner eigenen
Verwüstung erholt, noch ist es das
ungeteilte Europa der politischen
Propheten. Von unserer wie von ihrer
Seite ist eine Neueinschä'tzung erforderlich, wie wir uns an die sich wandelnden Umstände als eine Kraft für
den Frieden anpassen können.
An erster Stelle erfordert dies wie der neue Präsident vorgeschlagen
hat - gedankliche Überstimmung, wie
wir mit einer sich wandelnden Sowjetunion umgehen sollen. In einem Zeitalter gekürzter Verteidigungshaushalte benötigen wir einen gemeinsamen
Ansatz zu den neuen militärischen Gegebenheiten, die durch den INF-Vertrag geschaffen worden sind - die
Notwendigkeit zur Modernisierung unserer nuklearen und konventionellen
Waffen.
Wir benötigen eine Reihe
realistischer und vernünftiger Normen
für konventionelle Rüstungskontrolle.
Wir brauchen ferner einen gemeinsamen
Ansatz zu den Problemen der Darlehen
und Kredite für sowie Handel und
Technologietransfer nach Moskau und
Osteuropa.
Schließlich müssen wir
eine gerechtere und kreativere Grundlage schaffen, auf der wir unsere
Verpflichtungen teilen. Unsere Erörterungen und Konsultationen sollten
so offen und ehrlich sein, wie es
seit langem Verbündete verdient haben.
Der Einsatz ist gleich geblieben.
Unser Engagement für die NATO ist
stärker, da wir als Nationen stärker
sind. Solange Europa der am schwersten bewaffnete Kontinent ist, auf
dem sich amerikanische und sowjetische Truppen an der Frontlinie gegenüberstehen, bleibt das Atlantische
Bündnis unsere erste Verteidigungslinie.
Das Jahr 1989 ist gleichzeitig
der 32. Jahrestag der Unterzeichnung
der Römischen Verträge, mit denen der
Gemeinsame Markt offiziell ins Leben
gerufen wurde. Und in nur drei weiteren Jahren wird die erweiterte Europäische Gemeinschaft das Ziel die-

ser Verträge erreicht haben - die
Schaffung
eines einzigen Marktes.
Aber wird dieses neue Europa - eine
wachsende wirtschaftliche Supermacht
- den Blick nach außen oder innen
richten? Wird es ein weiterer Baustein in dem neuen Gebäude eines offeneren,
weltweiten
Handelssystems
oder ein massiver Block sein, der gegen Wettbewerb von außen abgeschottet
ist? Wird es eine gesunde, dynamische Wirtschaft haben, die eine Fülle
von Abreitsplätzen schafft oder eine
vorsichtige, stagnierende Region, die
sich mit anhaltender Arbeitslosigkeit
zufriedengibt? Die richtigen Antworten auf diese Gegensätze müssen meiner Ansicht nach in einem Europa gefunden werden, das nach außen und
nicht nach innen orientiert ist, das
Strukturreformen
fördert, Handelshemmnisse
abbaut,
wirtschaftliche
Chancen für alle Nationen und nicht
nur für Europa eröffnet.
Als Verbündeter und wichtiger Handelspartner
werden die Vereinigten Staaten an
dieser Veränderung lebhaftes Interesse bekunden.
Wenn wir uns dem Pazifischen
Becken zuwenden, können wir einen
sich bereits abzeichnenden beeindrukkenden Erfolg beobachten. Kein Gebiet kann vergleichbare Leistungen
bei der Schaffung fortschrittlicher
Volkswirtschaften in Rekordzeit vorweisen.
Der wirtschaftliche Fortschritt ist in der beachtlichen,
jetzt vier Jahrzehnte währenden Partnerschaft zwischen den Vereinigten
Staaten und Japan verankert.
Ich
erwarte, daß diese Partnerschaft noch
weiter gestärkt und erweitert wird.
Viele haben über das pazifische
Jahrhundert gesprochen und das Pazifische Becken als die Welt der Zukunft bezeichnet. Eines ist gewiß.
Bis Ende dieses Jahrhunderts hängt
die Weltwirtschaft davon ab, wie gut
die Vereinigten Staaten und ihre
Partner im Pazifik ihre Angelegenheiten in den Griff bekommen. Unsere
Beziehungen mit der pazifischen Region müssen - ebenso wie unsere Beziehungen mit Europa und auch auf un-

t
»

'

�serem eigenen Kontinent - in einer
nach außen gerichteten Wirtschaftspolitik bestehen, die Handel und Wachstum fördert. Ich unterschätze die
Herausforderungen in Asien oder in
anderen Regionen zur Erlangung freien
und fairen Handels, zur Vermeidung
jeglicher Form von Protektionismus,
einschließlich der Manipulation von
Wechselkursen, nicht. Nach fast 10
Jahren, in denen die amerikanische
Wirtschaft Motor des internationalen
Wachstums war, sehen wir uns alle mit
einer sich wandelnden Welt konfrontiert. Die Regel, daß Erfolg Verantwortung zeugt, wird ihren Niederschlag in besserer Weise finden, wenn
die Nationen des Pazifiks eine wichtigere Rolle in Wirtschaft und Politik übernehmen.
Darüber hinaus haben wir im Pazifik lebenswichtige
politische und
strategische Interessen.
Diese Interessen werden durch in Japan, auf
den Philippinen und in Korea stationierte militärische Fähigkeiten geschützt - und durch unsere enge Zusammenarbeit mit diesen Ländern. Wir
müssen diese Zusammenarbeit erweitern, während wir "iie gemeinsame Verantwortung für Verteidigung und Entwicklung übernehmen.
Die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zur Volksrepublik China, die
an sich schon von Bedeutung sind,
tragen darüber hinaus maßgeblich zur
gesamten Stabilität der internationalen politischen Ordnung bei. Die vom
künftigen Präsidenten Bush in China
gesammelten
tiefgreifenden
persönlichen Erfahrungen werden die Erweiterung unserer wichtigen und vielschichtigen Bindungen erleichtern.
Unsere Politik gegenüber dem pazifischen Raum insgesamt muß alle Aspekte
berücksichtigen:
Gewährleistung des Wirtschaftswachstums der
Region mit seinen weltweiten Auswirkungen im Kontext einer sicheren regionalen Abschreckung.
Meiner Ansicht nach werden wir in Asien die
Notwendigkeit zu engerer Koordinierung mit den ASEAN-Ländern und ande- 9

ren regionalen Gruppen beobachten
können - und vielleicht sogar neue
institutionelle Vereinbarungen.
Beim Eintritt in ein neues, von
größerer Stärke unserer Freunde gekennzeichnetes Zeitalter kann die vor
uns liegende Herausforderung folgendermaßen formuliert werden:
Unser
gemeinsamer Erfolg sollte den Weg zu
engeren Verbindungen ebnen und nicht
in die Sackgasse kontraproduktiver
Rivalität geraten. Das ist der Weg,
den wir gemeinsam ebnen müssen.

Transnationale Themenkomplexe
Die Zukunft unserer Zivilisation
fordert auch, daß wir gemeinsam bei
der Bewältigung einer neuen Art von
Problemen vorgehen, die transnationaler Natur sind. Terrorismus ist zum
Mittel
kleiner,
gelegentlich
von
Staaten unterstützter Gruppierungen
geworden, unschuldige Menschen auf
der ganzen Welt anzugreifen.
Die
Drogenhändler sind mächtig genug geworden, um Regierungen zu unterminieren, selbst während ihre Drogen ganze
Länder vergiften. Fanatiker verbreiten ihre Botschaft der Intoleranz und
des Hasses unter Einsatz von grenzüberschreitenden
Massenkommunikationsmitteln.
Jedes Land ist sich
auch bewußt, daß wir uns großen ökologischen
Herausforderungen
gegenübersehen.
Umweltschäden
können
durch Wind und Wasser bis hin zu Kontinenten und Hemisphären getragen
werden, die vom unmittelbaren Katastrophenherd weit entfernt liegen.
Wissenschaftler haben uns wiederholt
vor den möglichen Konsequenzen einer
langfristigen Erwärmung - dem sogenannten Treibhauseffekt - gewarnt.
Der neue Präsident Bush hat eine
internationale Konferenz über weltweite Umweltprobleme gefordert. Ich
bin der Überzeugung, daß die Vereinigten Staaten bei diesen Bestrebungen eine Führungsrolle übernehmen
sollten. Wir müssen dazu beitragen,
einen Gesinnungswandel, eine Kombination der herausragenden Forderungen

�nach wirtschaftlicher Entwicklung einerseits und einer sicheren Umwelt
andererseit herbeizuführen. Als Finanzminister habe ich die multilateralen Entwicklungsbanken zur Berücksichtigung umweltverträglicher, anhaltender Entwicklung gedrängt und
dazu beigetragen, Schuldenerlaß im
Austausch für Gegenleistungen zur Erhaltung der Umwelt in Entwicklungsländern einzuführen.
Als Außenminister hoffe ich, auf diese Bilanz
aufbauen zu können.
Noch niemand konnte bisher den
politischen Rahmen für die gemeinsamen Maßnahmen perfektionieren, die
wir bei der Bewältigung dieser besonderen Art weltweiter Probleme benötigen. Aber der Einsatz ist zu hoch,
als daß wir aufgeben könnten. Wir
werden mit unseren Verbündeten beginnen, unsere Freunde einbeziehen und
unsere Gegner auffordern, sich die
Bewältigung dieser Probleme zum gemeinsamen Anliegen zu machen.

Reduzierungen bei Truppen und Panzern
in Europa erschlichen. Die Bedeutung
und die Dauerhaftigkeit der neuen sowjetischen Politik werden in den Vereinigten Staaten wie im Ausland eingehend erörtert.
Sowohl für eine optimistische als
auch für eine pessimistische Betrachtungsweise der heutigen Sowjtunion
gibt es berechtigte Gründe. Zweifellos haben sehr greifbare Veränderungen stattgefunden, von denen viele
noch vor einigen Jahren unvorstellbar
waren. Die SS-20 sind zerstört worden. Sowjetische Truppen ziehen aus
Afghanistan ab.
Einige politische
Gefangene sind befreit worden. Bald
werden amerikanische Arzte psychiatrische Kliniken besuchen, in die man
Gefangene aus Gewissensgründen eingeliefert hat.
Die sowjetische Geschichte selbst wird manchmal einer
genauen Prüfung unterzogen. Mit anderen Worten: die Schlagworte Glasnost und Perestrojka gewinnen an Inhalt.

Über Nord- und Südamerika, engere
Partnerschaft mit unseren Verbündeten, über
internationale Probleme
hinaus gibt es noch die amerikanischsowjetischen Beziehungen.
Dank der
in den vergangenen acht Jahren verfolgten Politik des Friedens durch
Stärke sind unsere Beziehungen zu
Moskau
spürbar
weniger
gespannt.
Fortschritte gäbe es im Bereich der
Rüstungskontrolle - hervorzuheben wäre der INF-Vertrag -, bei den Menschenrechten, bilateralen Beziehungen
und regionalen Konflikten. Wir sehen
dem Tag entgegen, an dem alle sowjetischen Truppen aus Afghanistan abgezogen sein werden.

Es besteht Grund zur Hoffnung.
Aber die Realität erfordert Vorsicht.
So faszinierend die Drehungen und
Wendungen der Perestrojka und so fesselnd der in den sowjetischen Zeitungen beschriebene Rückzug auch sein
mögen, so sehr bleibt die Sowjetunion
doch eine schwer bewaffnete Supermacht.
Trotz anderslautender Äußerungen haben sich ihre weitreichende
Interessen und Vasallenstaaten unterstützende
Streitkräftestruktur
und
ihre Politik nicht nennenswert gewandelt.
Vielfach sind diese Politik
und diese Vasallenstaaten amerikanischen Werten gegenüber feindlich
gesonnen und stellen eine Bedrohung
für unsere Interessen wie auch für
unsere Verbündeten dar. Das ist eine
Tatsache.

Es wurden vielfach Vorschläge
laut, denen zufolge dieser Fortschritt eine radikal andere amerikanische Politik verdient. Ferner Befürchtungen, Michail Gorbatschow habe
einen Pluspunkt bei den Demokratien
durch solche Aktionen wie einseitigen

Ich würde auch die Auswirkungen
der innenpolitischen Schwierigkeiten
Moskaus auf die sowjetische Außenpolitik
nicht
unterschätzen.
Der
Marxismus-Leninismus muß als Gesellschaftsform zweifelhaft sein, wenn
das System nach 70 Jahren einen Rück-

Realismus in den amerikanischsowjetischen Beziehungen

�gang der Volksgesundheit, Mangel an
Nahrungsmitteln und Konsumgütern und
eine überholte
industrielle Basis
verzeichnet. Die jetzt vorgenommenen
politischen
Veränderungen
spiegeln
ein anhaltendes Paradoxon wider: Obwohl das Ziel der Reform offensichtlich darin besteht, wiederkehrenden
Mißbrauch eines Diktators zu verhindern, hängt die Reform selbst von der
Machtkonzentration in der Hand eines
Mannes ab.
In der Zwischenzeit gibt es Unruhen in den osteuropäischen Ländern,
da die Prinzipien ihrer eigenen Regierungen und ihre Beziehungen zur
Sowjetunion neu festgelegt werden.
Darüber hinaus haben das Baltikum und
Armenien der Welt die seit langem mit
stalinistischen Methoden unterdrückten Probleme ethnischer Minderheiten
in Erinnerung gerufen. Diese Tatbestände dürfen nicht außer acht gelassen werden.
Angesichts von Veränderungen und
Kontinuität in der Sowjetunion sollte
eine realistische amerikanische Politik von folgenden Grundsätzen geleitet sein:
Erstens sollten wir weiterhin Reformen und Veränderungen in der Sowjetunion begrüßen, die mehr Freiheit
zuhause, am Arbeitsplatz oder in öffentlichen Institutionen verspricht.
Wir sollten aber den Fortschritt von
Gorbatschows Reformen niemals an den
von uns eventuell gewährten Krediten,
Zugeständnissen oder Gefälligkeiten
messen, mit denen wir ihm bei seinen
innenpolitischen Plänen zum Erfolg
verhelfen. Letztlich geben die Sowjets selbst zu, daß Perestrojka
nicht nur von auswärtiger Hilfe, sondern von politischen, bürokratischen
und soziologischen Veränderungen in
der Sowjetunion abhängt.
Zweitens: Obwohl wir sehen, daß
die Politik Moskaus von einem neuen
Realitätsbewußtsein
geprägt
ist,
sollten wir erkennen, daß unsere Politik zu diesem Realitätsbewußtsein
beigetragen hat. Unsere Bereitschaft

zur Unterstützung der Mujahedin - und
nicht nur wirtschaftliche Dilemmas in
der Sowjetunion - haben zum Rückzug
der Sowjets aus Afghanistan geführt.
Unsere zusammen mit der NATO bekundete Bereitschaft zur Stationierung der
Pershing und Marschflugkörper - und
nicht nur der Mangel an Nahrungsmitteln - haben zum INF-Vertrag geführt.
Wo wir nicht den Preis für Abenteurertum oder Aggression erhöht haben,
nehmen wir kaum Veränderungen wahr.
Kann es Zufall sein, daß wir bei dem
einzigen regionalen Konflikt, bei dem
wir
keinen
anhaltenden
wirksamen
Druck ausgeübt haben - in Mittelamerika - kaum Spuren einer neuer Denkweise in der sowjetischen Außenpolitik wahrnehmen?
Drittens müssen wir weiterhin
Moskau zu jedem Punkt unserer Tagesordnung - Rüstungskontrolle, Menschenrechte, regionale Konflikte und
bilaterale Beziehungen - auf die Probe stellen. Wir sind an Kooperation
und an Verhandlungen interessiert, um
in möglichst vielen Bereichen Fortschritte zu erzielen. Rüstungskontrolle sollte konventionelle und chemische Waffen wie auch die Weiterverbreitung ballistischer Raketen umfassen, über die Formulierung allgemeiner Prinzipien hinausgehen und praktische Details erarbeiten. Und Menschenrechte bedeuten die vollständige
Einhaltung der Schlußakte von Helsinki. Wir dürfen nicht von unseren
Maßstäben in diesem Bereich abrücken.
Viertens müssen wir den regionalen Konflikten in Mittelamerika, Südasien, dem südlichen Afrika, dem Persischen Golf oder dem israelisch-arabischen Konflikt zusätzliche Aufmerksamkeit widmen. Liegen ein Abbau von
Spannungen und Verhandlungen wirklich
im ureigenen Interesse der Sowjetunion?
Wir dürfen weder zulassen,
daß Gespräche über Begrenzungen ein
Ersatz für Begrenzungen werden noch
dürfen wir gestatten, daß Interesse
an diplomatischen Prozessen bei mangelndem Engagement für echte Fortschritte ausreichend ist.

- 11 -

�Fünftens müssen wir vielleicht
einen neuen Bereich in unseren Beziehungen definieren, der internationale
Probleme wie Terrorismus, Drogen und
Umwelt abdeckt. Wir sollten herausfinden, ob Moskau bei diesen Problemen Hilfe leisten kann und oder wenn nicht - aus welchen Gründen.
Ich bin überzeugt, daß die Stärke
des Westens und die innenpolitische
Schwäche der Sowjetunion dem bemerkenswerten
Realitätssinn,
der
Gorbatschows Amtszeit bis jetzt gekennzeichnet hat, den Weg bereitet
haben. Unsere Aufgabe besteht darin,
die Angelegenheiten so zu ordnen, daß
ungeachtet aller Ergebnisse der Perestrojka eine verantwortungsbewußtere,
konstruktivere sowjetische Außenpolitik weiterhin im Interesse Moskaus
liegt. Wir möchten, daß sich diese
Politik nicht nur mit alten Problemen
beschäftigt, sondern auf die uns betreffenden neuen Gefahren und Themen
eingeht. Ein großer Teil der Hoffnung der ganzen Welt auf eine stärker
von Frieden geprägte internationale
Ordnung hängt von diesem Ergebnis ab.

Die Lösung regionaler Konflikte
Ich möchte mich jetzt den sehr
regionalen Konflikten zuwenden, durch
die den Völkern im südlichen Afrika,
Süd- und Südostasien und im Mittleren
Osten Frieden und Freiheit vorenthalten yarden« Wir haben in den jüngst
durch Vermittlung
der Vereinigten
Staaten zustande gekommenen Vereinbarungen ermutigende Fortschritte erzielt, die Unabhängigkeit für Namibia
und den Abzug kubanischer und südafrikanischer Truppen aus Angola vorsehen. Und wir werden sorgfältige Beobachtungen vornehmen, um sicherzugehen, daß Kuba seinen Verpflichtungen
nachkommt.
Aber es ist noch mehr
notwendig. Angola braucht unbedingt
eine nationale Aussöhnung. Und bis
sie stattfindet, werden wir weiterhin
lie UNITA und ihren Führer Jonas
Sawimbi unterstützen, wie der neue
Präsident Bush angedeutet hat. Namibia wir! ein neuer, leicht zu er- 12

schotternder Staat sein. In Südafrika selbst werden die das unvermeidliche Ende der Apartheid begleitenden
Spannungen und Belastungen alle Beteiligten auf eine harte Probe stellen. Wir müssen in diesem Land unsere Rolle und die Auswirkungen unserer Handlungsweise sorgfältig überdenken, nicht um unseres eigenen
Selbstwertgefühls, sondern um der
Menschen willen, denen wir helfen
wollen. Schließlich dürfen wir auch
den sehr unmittelbaren Bedarf an humanitärer und Entwicklungshilfe der
Menschen im Afrika südlich der Sahara
nicht vergessen.
In Südasien hoffen wir auf den
endgültigen Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan und darauf, daß
dieses Land zu unabhängiger Neutralität mit einer Regierung findet, die
das afghanische Volk voll und ganz
akzeptieren kann. Und mit einem Abbau der Spannungen in Afghanistan
hoffen wir auch, auf dem jetzt von
den politisch Verantwortlichen Indiens und Pakistans geschaffenen konstruktiveren Verhältnis aufbauen zu
können. Es ist unerläßlich, daß wir
unsere Beziehungen sowohl zu Indien
als auch zu Pakistan verbessern, wenn
wir diesen Prozeß fördern wollen.
Alle Länder Südostasiens und der
internationalen Gemeinschaft insgesamt sollten den Abzug vietnamesischer Truppen aus Kambodscha anstreben. Dort muß ebenfalls eine schwierige nationale Aussöhnung erfolgen.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin an einem neuen Kambodscha arbeiten, befreit sowohl von der vietnamesischen Besatzung als auch von
den Roten Khmer.
Im Mittleren Osten beansprucht
der
israelisch-arabische
Konflikt
seit langem die Aufmerksamkeit, Ressourcen und den guten Willen der Vereinigten Staaten. Unsere Vermittlung
hat teilweise im Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten - dem Teil
des Camp David-Abkommens für eine umfassende Regelung - Früchte getragen.
Und unsere Politik im Mittleren Osten

�Ist wahrhaft überparteilich.
Jede
Administration hat ihren Beitrag dazu
geleistet. Ich war stolz darauf, unter Reagan an der Ausweitung unseres
Verhältnisses mit Israel in ein echtes strategisches Bündnis zu arbeiten, das auch unsere Verpflichtungen
im Persischen Golf erfüllt hat.
Jetzt hat Präsident Reagan einen
Dialog mit der PLO gestattet, nachdem
Jassir Arafat erklärt hat, seine Organisation erkenne das Recht Israels
auf friedliche Existenz an, unterstütze die UN-Resolutionen 242 und
338 und sage sich vom Terrorismus
los.
Durch Dialoge entstehen Botschaften. Und wir vermitteln der PLO
eine Botschaft über Terrorismus und
die Notwendigkeit eines stärkeren Realitätssinns, der praktische Fortschritte auf vorhandenen Grundlagen
schafft. Aber das Bestehen des Dialoges sollte niemanden dazu verleiten, unsere Politik insgesamt mißzuverstehen oder unsere anhaltende Unterstützung des Staates Israel in
Zweifel zu ziehen.
Wie der neue Präsident Bush es
beschrieben hat, besteht ein solider
Konsens über Ziele und Mittel der Erlangung des Friedens zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn. Dazu
zählt die Zielsetzung der Verhandlungen, die vor allem in einem gerechten, anhaltenden Frieden besteht, der
die Sicherheit Israels gewährleistet
und die legitimen Rechte der Palästinenser berücksichtigt. Wir sprechen
uns für direkte Verhandlungen auf der
Grundlage der UN-Resolutionen 242 und
338 aus, die einen Austausch von Territorium als Gegenleistung für den
Frieden vorsehen.
Realisitisch betrachtet, muß Jordanien in jedes Abkommen einbezogen werden. Die Palästinenser müssen an der Bestimmung
ihrer eigenen Zukunft teilhaben. Wir
sind jedoch auch weiterhin der Auffassung, daß ein unabhängiger Palästinenserstaat keine Quelle der Stabilität sein oder zu einem gerechten
und dauerhaften Frieden beitragen
wird. Dies sind gesunde Prinzipien,
von denen wir uns leiten lassen sollten.

Heute fliegen Steine und es gibt
Blut - böses Blut - zwischen den Palästinensern und den Israels in den
militärisch von Israel verwalteten
Gebieten. Wir sind entschlossen, auf
den Leistungen unserer Vorgänger aufzubauen und die Situation so zu verändern, daß sie eine Grundlage für
echten Frieden bildet. Und wir wollen mit allen Beteiligten in der Region zusammenarbieten, um dies hervorzubringen.
Eine sich ausschließlich auf den
israelisch-arabischen Konflikt konzentrierende
Politik
im Mittleren
Osten wäre jedoch zu eng gefaßt. Libyen ist weiterhin ein destabilisierender Faktor in Nordafrika und an
anderen Orten der Region. Der Libanon macht alle Hoffnungen auf eine
Wiederherstellung von Stabilität und
Unabhängigkeit in diesem tragischen
Land zunichte. Ein dauerhafter Frieden zwischen Iran und Irak muß noch
geschaffen werden. In der Zwischenzeit erfordern die Probleme chemischer Kriegführung und der Weiterverbreitung ballistischer Raketen unsere
Aufmerksamke11.
Wir werden weiterhin mit anderen
Ländern zusammenarbeiten, um bei diesen Problemen die Initiative zu ergreifen.
Ganz sicher fordern die
tragischen Erfahrungen, die Verluste
und die Opfer des iranisch-irakischen
Krieges eine zivilisiertere Ordnung
in der Region und von der Welt.
Darüber hinaus werden wir einige
dieser regionalen Konflikte auch vor
den Vereinten Nationen erörtern. Die
Vereinten Nationen sollten als das
gesehen werden, was sie sind - als
Ausdruck des weltweiten Wunsches nach
Frieden aber auch allzuoft als Bühne
solcher Auftritte, die den Frieden
verhindern. Die Erfahrung lehrt uns,
daß die Vereinten Nationen ein nützliches Forum zur Erzielung von Fortschritten sind, wenn Nationen Mittler
brauchen und Einigkeit über Verfahrensweisen und die meisten grundsätzlichen Fragen herrscht. Wir unterstützen dies und auch die Vereinten

- 13 -

�Nationen. Dennoch können die Vereinten Nationen letztlich weder Ersatz
für eine amerikanische FUhrungsrolle
noch eine Entschuldigung für nicht
unternommene Bemühungen sein.

Chemische Kriegführung und Weitergabe von Technologie
Der letzte Punkt, den ich heute
erörtern möchte, ist die Weitergabe
neuer und gefährlicher Waffen an
Staaten, die oftmals auf eine von
Terrorismus und Aggression geprägte
Geschichte zurückblicken. Die größte
Furcht jagt dabei vielleicht die Kombination von ballistischen Raketen gegen die es gegenwärtig noch keine
Verteidigung gibt - mit chemischen
Waffen - die als Verbrechen an der
Zivilisation geächtet werden - ein.
Dennoch bleibt die Tatsache bestehen,
daß diese Waffen eingesetzt werden.
Die internationale Reaktion auf diesen Einsatz war nicht stark und
rechtzeitig genug. Diese Waffen werden jetzt von einigen Nationen gelagert. Und oft genug lassen die wenigen zur Herstellung der todbringenden
Chemikalien fähigen Staaten nicht genug Vorsicht walten, um ihre Weiterverbreitung zu verhindern.
Waffen fangen jedoch keinen Krieg
an. Ein Krieg wird durch Konflikte,
Haßgefühle, Ehrgeiz und manchmal Zufall, begonnen.
Dennoch müssen wir
besondere Maßnahmen ergreifen, um die
Ansammlung von Waffen zu verhindern,
die von Natur aus Furcht und überstürzte Reaktionen provozieren. Ich
weiß, daß dies ein besonderes Anliegen des neuen Präsidenten Bush ist,
und wir sind entschlossen, auf der
gerade beendeten Pariser Konferenz
aufzubauen und bald Fortschritte zu
erzielen.

Schlußfolgerung
Wir sehen uns zweifelsohne einem
gewaltigen Programm gegenüber, wenn
wir die Gegensätze unseres Zeitalters
lösen wollen. Dennoch haben wir als

Ausgangspunkt die starke Hand eines
starken Amerikas.
Und wir werden
weitermachen, weil wir wissen, daß
sehr viel auf dem Spiel steht.
In einigen Jahren könnten wir
wissen, ob dauerhafte, konstruktive
Beziehungen mit der Sowjetunion möglich sind.
Ob die Weltwirtschaft
Fortschritte machen wird. Ob unsere
Verbündeten in Europa und Asien ihren
Blick nach außen richten. Ob wir Rüstungskontrolle und Abschreckung ausbauen können. Ob wir erfolgreich mit
internationalen Problemen wie Umwelt,
Terrorismus und Drogen fertigwerden
können. Ob wir den Entwicklungsländern einen neuen Rahmen schaffen können, damit sie sich frei vom Fluch
regionaler Konflikte bewegen können.
Für mich und meine Generation
sind dies großartige Aussichten, aber
sie sind noch großartiger für die
nächste Generation von Amerikanern.
Der neue Präsident Bush hat für uns
alle gesprochen, als er im Westminister College zu einer Gruppe von
Studenten sagte:
"Wir haben unser
Leben teilweise auf der Sonnenseite,
aber immer im Schatten von Kämpfen
verbracht ... Dieser Kampf ist noch
nicht vorüber." Und dann erklärte er
den jungen Amerikanern: "Ihre Generation hat die Möglichkeit, aus diesem
Schatten
herauszutreten
und
schließlich furchtlos die Sonne zu
genießen."
Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder. Ich bin sicher, daß
eine realistische amerikanische Führung diese Gelegenheit ergreifen und
in ein friedlicheres und wohlhabenderes Zeitalter aufbrechen kann.
Es
ist die Chance, den Schatten des
Kampfes wegzureißen und Amerika eine
bessere Welt zu hinterlassen, die
mich motiviert. Dafür bitte ich Sie
heute um Ihre Unterstützung. Zusammen und unter Leitung unseres Präsidenten können wir es schaffen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

25. Januar 1989

MULFORD NEUER UNTERSTAATSSEKRETÄR FÜR INTERNATIONALE ANGELEGENHEITEN
IM FINANZMINISTERIUM
- Porträt von David C. Mulford -

WASHINGTON - (AD) - David Mulford, treibende Kraft hinter den Initiativen
der Reagan-Administration zur stärkeren internationalen Koordinierung der
Wirtschaftspolitik und Entwicklung eines Plans zur Bewältigung der Schuldenkrise der Dritten Welt, wurde von Präsident George Bush als neuer Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten im Finanzministerium ausgewählt.
Der seit 1984 als Leiter der Abteilung für internationale Angelegenheiten im Finanzministerium tätige
Mulford hat einen Großteil der vergangenen vier Jahre mit Reisen zwischen den Industriestaaten verbracht,
um mit führenden Vertretern der Finanzwelt Möglichkeiten verbesserter
weltweiter Koordinierung und Wechselkursstabilität zu erörtern.
"Mulford wird mehr oder weniger
dasselbe tun, was er immer schon getan hat," erklärte ein Sprecher des
Ministeriums.
Mulford wird jedoch
als Erster formal den Titel eines Unterstaatssekretärs für internationale
Angelegenheiten im Finanzministerium
führen.
In der Vergangenheit war der Un-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

terstaatssekretär für Währungsangelegenheiten auch für den internationalen Bereich zuständig. Nachdem Beryl
Sprinkel im Jahr 1984 diesen Posten
aufgegeben hatte und Vorsitzender des
Rates der Wirtschaftsberater Präsident Reagans wurde, waren diese Aufgaben von Abteilungsleiter Mulford
wahrgenommen worden.
In den vergangenen vier Jahren
profilierte Mulford sich als energischer Befürworter staatlicher Interventionen auf den Devisenmärkten,
wann
immer
solche
Interventionen
durch
andere
wirtschaftspolitische
Maßnahmen unterstützt wurden.
"Wenn offizielle Interventionen
positive Auswirkungen haben sollen",
erklärte Mulford während einer Rede

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�1

am 28. Mai 1988, "müssen sie bestimmte Kriterien erfüllen. Am wichtigsten ist, daß offizielle Interventionen andere wirtschaftspolitische Maßnahmen unterstützen und mit diesen in
Einklang stehen...
(Zweitens), daß
die Marktteilnehmer auf die Bereitschaft der Behörden zur Anpassung ihrer Maßnahmen vertrauen müssen, wenn
es scheint, daß letztere den gewünschten Zweck nicht erreichen...
(Drittens), daß die führenden Länder
auf den Devisenmärkten auf konzertierter und kooperativer Grundlage
auftreten müssen, die eindeutige Vereinbarungen zu den Zielen und Pflichten jedes Teilnehmers bei bestimmten
Maßnahmen widerspiegeln muß."

hielt er mehrfach Forschungsstipendien und schrieb zwei Bücher, die
beide von der Oxford University Press
verlegt wurden.
Mulfords Nachfolger als Abteilungsleiter für internationale Angelegenheiten wird
Charles Dallara.
Seit 1984 war Dallara leitender amerikanischer Direktor des Internationalen Währungsfonds.

Er hat sich solchen Vorschlägen
widersetzt, die einen drastischen und
formaleren Umbau des gegenwärtigen
Weltwährungssystems
forderten.
Stattdessen betrachtet er die Bemühungen der Industrieländer, binnenwirtschaftliche Maßnahmen stärker mit
den international vereinbarten Zielen
in Einklang zu bringen, als den korrekten Ansatz zum Abbau der Instabilität auf den Weltmärkten. In dieser
Hinsicht ist Mulford davon überzeugt,
daß die Industriestaaten ihre Koordinierungsbemühungen auf die Bereiche
Steuerreform, Liberalisierung der Finanzmärkte, Abbau von Hemmnissen für
die Mobilität der Arbeitnehmer, Reform der Landwirtschaft, staatliche
Subventionen und Handelsschranken erweitern müssen.
Mulford, der 20jährige Erfahrung
im internationalen Bankwesen mitbringt, war vor seiner Tätigkeit im
Finanzministerium leitender Berater
der saudi-arabischen Währungsbehörde
in Riad. Davor war er einer der Direktoren
des
Finanzunternehmens
Merril, Lynch, Pierce, Fenner and
Smith sowie Direktor von White, Weld
and Company. In den Jahren 1965 und
1966 war er Sonderberater des Finanzministers im Rahmen des White House
Fellow Program.
Mulford promovierte im Jahr 1965
an der Oxford University. Ferner er- 2 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

Information

C&amp;

25. Januar 1989

GELB BRINGT LANGJXHRIGE ERFAHRUNG AUS DEM PRIVATSEKTOR MIT ZU USIA
- Porträt des designierten USIA-Direktors Bruce Gelb -

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Bush zum Leiter des US-Informationsamtes (USIA) designierte Bruce Gelb hatte noch keine öffentlichen Ämter oder
Aufgaben in der Regierung inne, bringt aber als langjähriger Topmanager in der
pharmazeutischen Industrie einen großen Erfahrungsschatz in Führungsaufgaben
mit in die international tätige USIA.

Gelb begann seine Laufbahn in der
pharmazeutischen Industrie 1950 bei
der Kosmetikfirma Clairol, kehrte jedoch ein Jahr später wieder auf die
Schulbank zurück, um an der Universität Harvard einen Abschluß (MBA) in
Betriebswirtschaft zu erwerben.
Nach Abschluß seiner Studien im
Jahr 1953 wurde er Manager bei einem
anderen führenden Unternehmen der
pharmazeutischen Industrie, Procter
und Gamble, wo er bis 1957 tätig war.
1958 ging er zu Clairol zurück, und
wurde 1961 zum Vizepräsidenten befördert.
Im Jahr 1965 wurde er dann
Präsident der Firma.
1981 trat er in das Unternehmen
Bristol Myers ein, das vor allem Arzneimittel herstellt.
1984 übernahm

United States Information Service
Embassy of the United States of America

er dort die Abteilungen Konsumgüter
und Gesundheitsfürsorge.
Gelb ist
gegenwärtig Stellvertretender Vorsitzender von Bristol Meyers.
Der am 18. Januar 1989 für das
höchste Amt bei USIA nominierte Gelb
erinnert sich an sein erstes Zusammentreffen mit Bush vor 47 Jahren,
als beide die Privatschule Andover in
Massachusetts besuchten und der künftige Präsident ihm bei einem Streit
in der Schule beistand.
Bush und Gelb trafen sich erst
1978 wieder. Gelb arbeitete bei der
Sammlung von Spendengeldern für Bushs
Kampagne, mit der er die Nominierung
der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 1980 erringen wollte.
Ihm wird das Verdienst dafür zuge-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schrieben, für Bush bei den Vorwahlen
der Republikaner und der Präsidentschaftswahlkampagne des Jahres 1988
große Summen aufgebracht zu haben.
Gelb wurde am 24. Februar 1927 in
New York geboren. Sein Vater war der
Gründer von Clairol. Er besuchte die
Universität Yale, wo er 1950 sein
Examen ablegte.
Kurz nach Beendigung seines Studiums in Harvard heiratete Gelb Lueza
Denise Thirkield.
Die Gelbs haben
vier Kinder: John, Joan, Richard und
Mary.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: die Welt tritt in eine Phase der Hoffnung ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Außenminister Shultz vor der KSZE in Wien&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker nennt fünf wichtige Veränderungen in der Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mulford neuer Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten im Finanzministerium&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von David C. Mulford&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gelb bringt langjährige Erfahrung aus dem Privatsektor mit zu USIA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten USIA-Direktors Bruce Gelb&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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dicrv&gt;t

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C
25.Januar 1996

02

LACE DER NATION

CLINTON: USA SETZEN SICH FÜR
WELTFRIEDEN EIN
Bericht zur Lage der Nation

HAUSHALT

AUSGEGLICHENER HAUSHALT LIEGT IN
REICHWEITE
Erklärung des Präsidenten

AUSSENPOLITIK

EINE FÜHRUNGSROLLE FÜR DAS NÄCHSTE
AMERIKANISCHE JAHRHUNDERT
Rede von Außenminister Christopher

PFF

PERRY: PFF KÖNNTE DEM MARSHALLPLAN
VERGLEICHBARE WIRKUNG HABEN
Rede des Verteidigungsministers

DATENAUTOBAHN

DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DES
INTERNET
von Edwin Diamond und Stephen Bates

Diese Artikel sind elektronisch abrufbar.
Nähere Informationen erhalten Sie bei der
Presseabteilung der Amerikanischen Botschaft
unter den unten angegebenen Adressen.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228 - 339 23 72
Fax 0228 - 33 31 38
Internet bbsbonn@usia.gov

�LAGE

DER

NATION
24.Januar 1996

Clinton: USA setzen sich für Weltfrieden ein
Bericht zur Lage der Nation

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des Berichts zur Lage der
Nation, den Präsident Clinton am 23. Januar 1996 beiden Häusern des Kongresses vorlegte.

Mr. Speaker, Herr Vizepräsident, sehr geehrte Mitglieder des 104. Kongresses, verehrte Gäste, liebe
Mitbürger.
Zunächst möchte ich unseren Männern und Frauen in
Uniform auf der ganzen Welt und insbesondere
denjenigen, die dazu beitragen, daß der Frieden in
Bosnien Fuß fassen kann, meinen Dank aussprechen.
Amerika ist sehr stolz auf Euch.

Und während diese Zahlen sinken, verbessern sich die
Aussichten für die Zukunft der Vereinigten Staaten.
Wir leben in einem Zeitalter der Möglichkeiten. Vor
hundert Jahren zogen wir von den Bauernhöfen in die
Fabriken. Heute befinden wir uns im Zeitalter der
Technologie, Information und des globalen Wettbewerbs. Die Veränderungen haben enorme neue
Chancen eröffnet, aber sie stellen uns auch vor große
Herausforderungen.

Heute abend habe ich die Aufgabe, den Bericht zur
Lage der Nation vorzulegen - nicht zur Lage unserer
Regierung, sondern zur Lage unserer amerikanischen
Gemeinde, und unsere Verantwortungsbereiche
darzulegen, um - mit den Worten unserer Gründerväter
- eine "perfektere Union zu schaffen".
Die Lage unserer Nation ist gut.
Unsere Volkswirtschaft ist gesünder als je zuvor in den
vergangenen drei Jahrzehnten. Wir haben die niedrigste Arbeitslosen- und Inflationsrate seit 27 Jahren.
Wir haben nahezu acht Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen, über eine Million davon in Branchen wie
der Bau- und Automobilindustrie. Die Vereinigten
Staaten verkaufen zum ersten Mal seit den siebziger
Jahren mehr Autos als Japan, und seit drei aufeinanderfolgenden Jahren verzeichnen wir eine Rekordzahl von Unternehmensneugründungen.
Unsere Führungsrolle in der Welt ist stark und birgt
neue Hoffnungen auf Frieden. Am wichtigsten ist
jedoch vielleicht, daß wir wieder beginnen, unsere
grundlegenden Werte zu bewahren. Die Verbrechensrate, die Anzahl der Sozialhilfeempfänger, die Zahl der
Armen und die schwangerer Teenager ist gesunken.

AMERIKA DIENST 02

Mehr Amerikaner haben ein

besseres Leben, aber zu viele unserer Mitbürger
arbeiten härter für ihren Lebensunterhalt und streben
nach größerer Sicherheit für ihre Familien.
Wir müssen drei grundlegende Fragen beantworten:
Wie können wir den Amerikanischen Traum zur
Realität für alle werden lassen, die dafür zu arbeiten
bereit sind? Wie bewahren wir unsere althergebrachten und beständigen Werte auf dem Weg in die
Zukunft? Und wie meistern wir diese Herausforderungen gemeinsam, als ein Amerika?
Wir wissen, daß ein großer Regierungsapparat nicht
alle Antworten bereit hält. Es gibt kein Programm für
jedes Problem. Wir wissen, daß wir eine abgespeckte,
weniger bürokratische Regierung in Washington
benötigen, die ihren Verhältnissen entsprechend lebt.
Aber was sind die Pflichten der Regierung? Ich
glaube, die Regierung kann helfen, und sie kann
schaden.
Meines Erachtens muß unsere neue, schlankere
Regierung in herkömmlicher amerikanischer Art und
Weise handeln - gemeinsam mit unseren Bürgern, mit
Hilfe der bundesstaatlichen und Kommunalverwaltungen, am Arbeitsplatz, in religiösen, Wohlfahrts- und
Bürgervereinigungen. Unser Ziel muß lauten: Unser
gesamtes Volk in die Lage zu versetzen, das meiste

Seite 1

�aus seinem Leben zu machen, mit stärkeren Familien,
besseren Bildungschancen, wirtschaftlicher Sicherheit,
sichereren Straßen, einer saubereren Umwelt und
einer sichereren Welt.
Um die Lage unserer Nation zu verbessern, müssen
wir alle mehr von uns verlangen, mehr voneinander
erwarten und uns gemeinsam den Herausforderungen
stellen.
Das Zeitalter aufgeblähter Regierungen ist vorüber.
Aber wir dürfen nicht in die Zeiten zurückfallen, in
denen unsere Bürger auf sich selbst angewiesen
waren. Wir müssen als ein Amerika in die Zukunft
blicken - als eine Nation, die zusammenarbeitet, um
die uns konfrontierenden Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Selbstvertrauen und Teamwork sind
keine gegensätzlichen Tugenden - wir müssen beides
haben.
Unsere Aufgabe hier beginnt mit dem Ausgleich des
Haushalts in einer für alle Amerikaner fairen Weise.
Es besteht jetzt breite überparteiliche Übereinstimmung, daß das ständige Deficit-spending beendet
werden muß.
Ich beglückwünsche die Republikaner zu der Energie
und Entschlossenheit, mit der sie diese Aufgabe in
Angriff genommen haben. Und ich danke den Demokraten für die Verabschiedung des umfassendsten
Plans der Geschichte zum Abbau des Defizits seit
1993, der das Defizit in nur drei Jahren bereits nahezu
um die Hälfte reduziert hat.
Seit damals konnten wir alle die Vorteile des Defizitabbaus beobachten: Niedrigere Zinssätze haben den
Unternehmen die Schaffung von Arbeitsplätzen
erleichtert und die Kosten von Hypotheken für Eigenheime, Ratenzahlungen für die Anschaffung eines
Autos sowie die Zinsen für Kreditkarten für alle Bürger
gesenkt. Unser Haushalt wäre heute im Plus, wenn
wir nicht die Zinsen für die Defizite zahlen müßten, die
in den 12 Jahren vor 1993 erwirtschaftet wurden. Jetzt
ist es an der Zeit, die Arbeit abzuschließen. Obwohl
noch Differenzen bestehen, sind die nach zähen
Haushaltsverhandlungen vorgeschlagenen, in beiden
Plänen enthaltenen Einsparungen mehr als genug, um
den Haushalt unter Zuhilfenahme der Zahlen des
Haushaltsbüros des Kongresses in sieben Jahren
auszugleichen und bescheidene Steuersenkungen
vorzunehmen.
Und diese Steuersenkungen beschneiden nicht unsere Verpflichtungen gegenüber
unseren Eltern, unseren Kindern und unserer Zukunft,
indem sie Medicare, Medicaid, das Bildungswesen
oder die Umwelt gefährden.
Wir wollen weiter über unsere Meinungsverschiedenheiten reden. Ich bitte Sie jedoch, zumindest diese
Einsparungen gesetzlich zu verankern, damit wir dem
amerikanischen Volk einen ausgeglichenen Haushalt,

Seite 2

Steuersenkungen, niedrigere Zinssätze und eine
vielversprechendere Zukunft bieten können.
Ich bin überzeugt, daß wir den Haushalt ausgleichen
werden und die permanenten Defizite zum Vermächtnis von gestern machen.
Es ist jetzt an der Zeit, sich den Herausforderungen
von heute und morgen zu stellen. Amerika wurde auf
Herausforderungen gegründet, nicht auf Versprechungen. Herausforderungen, die wir von der Stunde
unserer Geburt bis heute bewältigt haben. Wenn wir
zusammenarbeiten, versagen wir nie. Das ist der
Schlüssel zu einer perfekteren Union: Die Träume
jedes einzelnen müssen durch unsere gemeinsamen
Bestrebungen verwirklicht werden.
Heute abend möchte ich über die Herausforderungen
sprechen, denen wir uns als Volk gegenübersehen.
Unsere erste Herausforderung ist die Erziehung
unserer Kinder und die Stärkung der amerikanischen
Familie.
Die Familie ist die Grundlage des amerikanischen
Lebens. Wenn wir stärkere Familien haben, werden
wir eine stärkere Nation.
Starke Familien beginnen mit der Übernahme größerer
Verantwortung für unsere Kinder. Eltern haben es
heute nicht leicht, aber es ist noch schwieriger, ein
Kind zu sein. Wir alle - unsere Unternehmen, unsere
Eltern, unsere Medien, unsere Schulen, unsere Lehrer,
unsere Gemeinden und Regierungen - tragen die
Verantwortung, daß unsere Kinder es zu etwas
bringen.
An die Medien gewandt sage ich: Ihr solltet Filme, CDs
und Fernsehprogramme machen, an denen Eure
Kinder und Enkelkinder Freude hätten. Ich fordere den
Kongreß auf, eine Bestimmung zu erlassen, daß in
Fernsehgeräte ein Kontrollmechanismus - ein "V-Chip"
- eingebaut wird, damit die Eltern bestimmte Programme ausblenden können, die ihres Erachtens ungeeignet für ihre jüngeren Kinder sind. Wenn die
Eltern kontrollieren, was die Kinder sehen, ist das
keine Zensur. Es bedeutet, den Eltern mehr Verantwortung für ihre Kinder zukommen zu lassen. Und ich
fordere sie dringend auf, sie zu übernehmen. Die
Vorschrift des "V-Chip" ist Bestandteil des jetzt vorliegenden Telekommunikationsgesetzes. Es wird von
beiden Parteien unterstützt, und ich fordere Sie zu
seiner unverzüglichen Verabschiedung auf.
Damit der "V-Chip" funktioniert, appelliere ich an die
Fernsehindustrie, das zu tun, was die Filmindustrie
getan hat - eine inhaltliche Bewertung der Programme
vorzunehmen, um den Eltern behilflich zu sein, ihre
Kinder zu schützen.

AMERIKA DIENST 02

�Ich lade die Direktoren führender Medienanstalten und
der Unterhaltungsindustrie im nächsten Monat ins
Weiße Haus ein, um mit uns konkrete Wege zu
erarbeiten, wie das Fernsehangebot für unsere Kinder
verbessert werden kann. Ich bin zur Zusammenarbeit
mit Ihnen bereit.
An die Hersteller und Vermarkter von Zigaretten
gewandt sage ich: Jedes Jahr fangen eine Million
Kinder an zu rauchen. 300.000 haben infolgedessen
ein verkürztes Leben. Meine Administration hat
Schritte zur Eindämmung der massiven Marketingkampagnen unternommen, die unseren Kindern gefallen.
Wir sagen: Vermarktet Eure Produkte an Erwachsene,
wenn Ihr wollt - aber haltet sie von unseren Kindern
fern.
An die Sozialhilfeempfänger gewandt sage ich: Zu
lange hat unser Sozialhilfesystem die Werte unserer
Familie und unsere Arbeit untergraben, statt sie zu
unterstützen. Der Kongreß und ich nähern uns einer
Einigung zu einer tiefgreifenden Sozialreform. Wir
stimmen im Hinblick auf die Dauer der Leistungen,
strenge Arbeitsanforderungen und die durchgreifendsten Bestimmungen zu Unterhaltszahlungen für Kinder
überein. Aber wir müssen auch Kindertagesstätten
einrichten, damit die Mütter ohne Sorge um ihre Kinder
zur Arbeit gehen können. Ich fordere den Kongreß
daher auf: Unterbreitet mir eine überparteiliche
Sozialreform, dank der die Menschen wirklich von der
Sozialhilfe weg an einen Arbeitsplatz kommen und die
unseren Kindern gerecht wird, und ich unterzeichne
sie.
Aber die Verabschiedung eines Gesetzes ist nur der
erste Schritt. Der nächste besteht darin, es durchzuführen. Ich fordere die Sozialhilfeempfänger auf,
diese Chance zu Unabhängigkeit bestens zu nutzen.
Und ich fordere die amerikanischen Unternehmen auf,
ihnen diese Chance zu bieten. Wir sind dankbar für
die Arbeit der Kirchen und Gemeinden, die sich um die
Armen kümmern. Mehr als jeder andere wissen sie
um die Schwierigkeit dieser Aufgabe und sind in der
Lage zu helfen. Wir alle sollten ihnen behilflich sein.
Um die Familie zu stärken, müssen wir alles in unserer
Macht Stehende tun, damit die Zahl von TeenagerSchwangerschaften sinkt. Sie ist immer noch viel zu
hoch. Ich freue mich, heute abend ankündigen zu
können, daß ein Gruppe prominenter Amerikaner auf
die Herausforderung mit der Gründung einer Organisation reagiert hat, die Bestrebungen an der Basis der
Gemeinden mit einer nationalen Kampagne gegen
Teenager-Schwangerschaften unterstützt. Und ich
fordere jeden Amerikaner auf, sich ihnen anzuschließen.
Ich fordere die amerikanischen Männer und Frauen
auf, sich gegenseitig zu respektieren. Wir müssen uns
von der tödlichen Geißel häuslicher Gewalt befreien.

AMERIKA DIENST 02

Ich fordere die amerikanischen Familien auf, zusammenzubleiben.
Insbesondere fordere ich die Väter auf, ihre Kinder zu
lieben und sich um sie zu kümmern. Wenn Ihre
Familie getrennt ist, müssen Sie Unterhalt für Ihre
Kinder zahlen. Wir tun mehr als je zuvor um sicherzustellen, daß Sie es tun, und wir werden noch mehr
unternehmen. Aber wir müssen zugeben: Ein Scheck
kann nie Ersatz für die Liebe und leitende Hand eines
Vaters sein, und nur Sie können die Entscheidung
treffen, zur Erziehung Ihrer Kinder beizutragen unabhängig davon, wer Sie sind, ist es Ihre grundlegendste menschliche Pflicht.
Unsere zweite Herausforderung besteht darin, den
Amerikanern die Bildungschancen zu bieten, die wir
für eine neues Jahrhundert benötigen.
Jedes Klassenzimmer in Amerika muß mit Computern,
guter Software und gut ausgebildeten Lehrern an die
Datenautobahn angeschlossen werden. Wir arbeiten
mit der Telekommunikationsindustrie, Ausbildern und
Eltern zusammen, um bis zum Frühjahr 20% der
Klassenzimmer in Kalifornien sowie jedes Klassenzimmer und jede Bibliothek in Amerika bis zum Jahr
2000 an die Datenautobahn anzuschließen. Ich
fordere den Kongreß zur Unterstützung unserer
Technologieinitiative für das Bildungswesen auf, um
dieser nationalen Partnerschaft zum Erfolg zu verhelfen.
Jedes Diplom sollte Bedeutung haben. Ich fordere
jede Gemeinde, Schule und jeden Bundesstaat zur
Einführung nationaler Leistungsstandards und von
Kontrollmaßnahmen auf, ob die Schulen diese Normen
erfüllen, ich fordere sie zur Abschaffung bürokratischer
Vorschriften auf, damit die Schulen mehr Flexibilität für
Reformen an der Basis haben und dazu, sie zu
Ergebnissen zu verpflichten, indem sie sich unserer
Initiative Goals 2000 anschließen.
Ich fordere alle Bundesstaaten auf, den Eltern das
Recht zur Entscheidung einzuräumen, welche öffentliche Schule ihre Kinder besuchen, und die Lehrer neue
Schulen gründen zu lassen, an denen sie nur bleiben
können, wenn sie gute Arbeit leisten.
Ich fordere alle Schulen auf, den Charakter zu bilden:
mit Werten und Staatsbürgerkunde. Und wenn das
bedeutet, daß Teenager aufhören, sich gegenseitig
wegen der Jacke einer bestimmten Gang umzubringen, dann sollten öffentliche Schulen Schuluniformen
einführen können.
Ich fordere die Eltern auf, die ersten Lehrer ihrer
Kinder zu sein. Schalten Sie den Fernseher ab.
Achten Sie darauf, daß die Hausaufgaben gemacht
werden. Nehmen Sie an Elternversammlungen teil.

Seite 3

�Weiterführende Bildung ist heute wichtiger als je zuvor.
Wir haben ein neues Kreditprogramm für Studenten
eingeführt, das die Aufnahme und Rückzahlung von
Krediten erleichtert und die Rate nicht zurückgezahlter
Kredite drastisch gesenkt hat. Dank Americorps,
unserem nationalen Sozialdienst, werden in diesem
Jahr 25.000 Studenten das Geld für den Collegebesuch durch den Dienst an der Gemeinde verdienen.
Diese Initiativen sind richtig für Amerika, und wir sollten
sie erhalten.
Wir sollten die Türen der Colleges noch weiter öffnen.
Ich fordere den Kongreß auf, weitere Arbeitsstudien
durchzuführen und einer Million jungen Amerikanern
behilflich zu sein, bis zum Jahr 2000 das Geld für den
Collegebesuch zu verdienen, ein Stipendium in Höhe
von 1.000 Dollar für die besten fünf Prozent der
Absolventen aller High Schools anzubieten, die Pell
Grant-Stipendien für ausgezeichnete Studenten zu
erweitern und erneut bis zu 10.000 Dollar pro Jahr an
Collegegebühren steuerlich absetzbar zu machen.
Unsere dritte Herausforderung besteht darin, allen
Amerikanern bei der Erlangung wirtschaftlicher
Sicherheit behilflich zu sein.
Hart arbeitende Menschen benötigen immer noch
Unterstützung, um in der neuen Volkswirtschaft
voranzukommen: Lebenslange Bildung und Ausbildung, mehr Förderung von Familien bei der Erziehung ihrer Kinder, Rentensicherheit und Zugang zu
Krankenversicherung.
Immer mehr Amerikaner stellen fest, daß die Ausbildung, die sie als Kinder erhalten haben, nicht ein
Leben lang ausreicht. Ich fordere den Kongreß zur
Konsolidierung von 70 sich überschneidenden Ausbildungsprogrammen zu einem einfachen Voucher im
Wert von 2.600 Dollar für arbeitslose oder nicht ihrer
Ausbildung entsprechend beschäftigte Arbeitnehmer
auf, den sie für die Gebühren eines Gemeindecollege
oder eine andere Ausbildung verwenden können.
Verabschieden sie dieses Gl-Gesetz für die Arbeitnehmer Amerikas.
Immer mehr Amerikaner arbeiten hart ohne eine
Gehaltserhöhung. Der Kongreß setzt den Mindestlohn
fest. In einem Jahr wird der Mindestlohn auf den
niedrigsten Stand seit vierzig Jahren fallen. Von 4,25
Dollar pro Stunde kann man nicht leben. Aber Millionen von Amerikanern und ihre Kinder versuchen,
damit auszukommen. Ich fordere Sie zur Erhöhung
des Mindestlohns auf.
Im Jahr 1993 hat der Kongreß die Steuern für 15
Millionen einkommensschwache Arbeitnehmerfamilien
gesenkt um sicherzustellen, daß kein vollbeschäftigter
Elternteil seine Kinder in Armut großziehen muß.
Dieser erweiterte Einkommenssteuerfreibetrag beläuft
sich jetzt auf rund 1.800 Dollar pro Jahr für eine

Seite 4

vierköpfige Familie mit einem Einkommen von 20.000
Dollar. Die Gesetzesvorlage, gegen die ich mein Veto
eingelegt habe, hätte diese Leistungen abgeschafft
und die Steuern für nahezu acht Millionen Menschen
dieser Einkommensgruppe erhöht. Das dürfen wir
nicht zulassen.
Wir benötigen einen Steuerfreibetrag für Arbeitnehmerfamilien mit Kindern. Darüber sind wir uns fast alle
einig. Und dies sollte Bestandteil einer endgültigen
Einigung zum Haushalt sein.
Ich fordere jedes Unternehmen, das es sich irgendwie
leisten kann, zur Einrichtung von Rentenzahlungen für
seine Beschäftigten und den Kongreß zur Verabschiedung eines von der Konferenz des Weißen Hauses
über mittelständische Unternehmen
empfohlenen
Vorschlags auf, der mittelständischen Betrieben und
Firmen die Einführung von Pensionsplänen erleichtem
würde. Das ist etwas, auf das sich Republikaner und
Demokraten einigen können.
Wir sollten auch die bestehenden Pensionspläne
sichern. Mit überparteilicher Unterstützung haben wir
vor zwei Jahren die Renten von acht Millionen Arbeitnehmern gesichert und die Renten für weitere 32
Millionen stabilisiert. Der Kongreß sollte nicht zulassen, daß Firmen die Pensionsfonds ihrer Beschäftigten
gefährden. Ich habe im vergangenen Jahr mein Veto
gegen einen solchen Vorschlag eingelegt und würde
dies wieder tun.
Wenn Arbeitnehmerfamilien in der neuen Volkswirtschaft Erfolg haben sollen, müssen sie Krankenversicherungspolicen erwerben können, die sie nicht
verlieren, wenn sie den Arbeitsplatz wechseln oder ein
Familienmitglied krank wird. In den letzten beiden
Jahren verloren über eine Million amerikanische
Arbeitnehmerfamilien ihre Krankenversicherung. Wir
müssen mehr unternehmen, damit jeder Amerikaner
eine Krankenversicherung bekommen kann. Und der
Kongreß sollte den Anfang mit der Verabschiedung
des von den Senatoren Kassebaum und Kennedy
vorgelegten überparteilichen Gesetzentwurfs machen,
der von Versicherungsgesellschaften fordert, Versicherungsnehmer nicht länger aufgrund eines Arbeitsplatzwechsels auszuschließen oder ihnen den Versicherungsschutz aufgrund bereits vorhandener Krankheitssymptome zu verweigern.
Wir müssen auch die durch Medicare und Medicaid
gebotene Grundversorgung erhalten, nicht nur für die
Armen, sondern auch für Arbeitnehmerfamilien
einschließlich ihrer Kinder, für Behinderte, AIDSKranke und ältere Mitbürger in Pflegeheimen. In den
vergangenen drei Jahren haben wir allein durch die
Bekämpfung von Krankenversicherungsbetrug und
-mißbrauch 15 Milliarden Dollar eingespart. Wir
können noch mehr sparen. Aber wir dürfen uns nicht
unserer grundlegenden Verantwortung gegenüber den

AMERIKA DIENST 02

�Menschen entziehen, die auf Medicare und Medicaid
angewiesen sind. Amerika kann nicht stärker werden,
wenn sie schwächer werden.
Das Gl-Gesetz für Arbeitnehmer, Steuererleichterungen für Ausbildung und Kindererziehung, Verfügbarkeit
und Sicherung von Renten, Zugang zu Gesundheitsfürsorge, der Erhalt von Medicare und Medicaid, diese
Dinge - sowie das 1993 erlassene Gesetz über Urlaub
aus familiären und gesundheitlichen Gründen - werden
verantwortungsbewußten, hart arbeitenden amerikanischen Familien helfen, das meiste aus ihrem Leben
zu machen.
Aber Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen das Ihrige
tun, wie es in so vielen unserer besten Unternehmen
geschieht - indem sie zusammenarbeiten und langfristigen Wohlstand über kurzzeitige Profite stellen.
Während die Arbeitnehmer ihre Arbeitszeiten und
Produktivität erhöhen, sollten die Arbeitgeber sicherstellen, daß sie die erforderlichen Fertigkeiten erwerben können, und sie sollten die Gewinne der guten
Jahre sowie die Lasten der schlechten teilen. Wenn
Unternehmen und Arbeitnehmer als Team zusammenarbeiten, geht es ihnen besser - und Amerika ebenfalls.
Unsere vierte große Herausforderung besteht darin,
unsere Straßen von Verbrechen, Gangs und Drogen
zu befreien.
Wir haben endlich einen Weg zur Verringerung von
Verbrechen gefunden - durch Bildung von Gemeindepartnerschaften mit Polizeikräften vor Ort zur Festnahme von Verbrechern und Verhütung von Verbrechen. Diese als bürgernahe Polizei bezeichnete
Strategie funktioniert bereits. In ganz Amerika nehmen
schwere Verbrechen ab.
In New York ist die Mordrate um 25% gesunken, in St.
Louis um 18%, in Seattle um 32%. Wir haben jedoch
noch einen langen Weg vor uns, bis unsere Straßen
sicher und unsere Menschen frei von Angst sind.
Das Gesetz zur Verbrechensbekämpfung von 1994 ist
für den Erfolg der bürgernahen Polizei von entscheidender Bedeutung. Es stellt die Mittel für die Einstellung von 100.000 neuen Polizisten in Gemeinden
jeder Größenordnung zur Verfügung. Wir haben in
diesem Bereich bereits ein Drittel des Weges hinter
uns gelegt. Ich fordere den Kongreß dazu auf, diese
Arbeit zu beenden. Wir wollen uns an eine funktionierende Strategie halten und die Verbrechensrate weiter
senken.
Eine bürgernahe Polizei erfordert ein Vertrauensverhältnis zwischen unseren Bürgern und unserer
Polizei. Ich rufe alle Amerikaner dazu auf, unsere
Polizei zu respektieren und zu unterstützen. Und ich
sage an unsere Polizisten gerichtet: Unsere Kinder

AMERIKA DIENST 02

brauchen Euch als Vorbilder und Helden. Enttäuscht
sie nicht.
Durch das Brady-Gesetz wurden bereits 44.000
Menschen mit einem Vorstrafenregister am Kauf von
Waffen gehindert. Das Verbot von halbautomatischen
Waffen führt dazu, daß gewalttätige Gangs nicht in den
Besitz von 19 verschiedenen Arten halbautomatischer
Waffen gelangen können. Ich fordere den Kongreß
auf, diese Gesetze beizubehalten.
Unser nächster Schritt bei der Verbrechensbekämpfung besteht darin, so gegen die Gangs vorzugehen,
wie wir mit dem Pöbel umgingen. Ich habe das FBI
und andere Ermittlungsbehörden angewiesen, sich mit
Gangs zu befassen, die Jugendliche zu Gewaltverbrechen anstiften und die Befugnis zu erwirken,
Teenager, die wie Erwachsene morden und verstümmeln, strafrechtlich auch wie Erwachsene zu
verfolgen.
Und ich sage den Wohnungsbehörden und Mietervereinen: Die Mitglieder krimineller Gangs und Drogenhändler zerstören das Leben anständiger Mieter. Von
jetzt an sollte für Mieter, die Verbrechen begehen und
mit Drogen handeln, gelten: Ein Vergehen und Ihr fliegt
raus.
Ich fordere jeden Bundesstaat auf, sich der Politik der
Bundesregierung anzupassen und sicherzustellen,
daß schwerer Verbrechen Schuldige mindestens 85
Prozent ihrer Strafe abbüßen.
Mehr Polizei und mehr Bestrafung sind wichtig, aber
nicht genug. Wir müssen mehr junge Leute aus
Schwierigkeiten heraushalten - mit Präventionsstrategien, die nicht von Washington diktiert, sondern
innerhalb der Gemeinden entwickelt werden. Houston
hat seit 19 Jahren die wenigsten Morde zu verzeichnen, und die Jugendlichen begehen weniger Verbrechen, weil es dort mehr bürgernahe Polizisten gibt
und Tausende junger Menschen sich in Sportvereinen
und anderen Projekten engagieren, wo ihnen Werte
beigebracht werden, sie Vorbilder haben und Teamarbeit erlernen. Ich fordere alle Gemeinden und
Erwachsenen auf, diesen Kindern eine Zukunft zu
bieten, zu der sie Ja sagen können. Und ich fordere
den Kongreß auf, die Unterstützung dieser Bestrebungen im Rahmen des Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung nicht aufzugeben.
Zur Verringerung von Verbrechen und Gewalt müssen
wir schließlich auch das Drogenproblem lösen. Die
Herausforderung beginnt zu Hause - damit, daß Eltern
offen und entschlossen mit ihren Kindern reden. Sie
bezieht auch unsere Kirchen, Jugendgruppen und
Schulen ein. Ich fordere den Kongreß auf, unsere
Unterstützung für drogenfreie Schulen nicht zu kürzen.
In ganz Amerika verändern Bestrebungen zur Drogenbekämpfung in unseren Schulen das Leben unserer

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�Kinder. Drogenbeauftragte machen so großen Eindruck auf Grundschüler, daß sie die Kraft finden, zum
richtigen Zeitpunkt Nein zu sagen.
In der Zwischenzeit setzen wir unsere Bestrebungen
fort, den Fluß von Drogen in unser Land zu verringern.
Heute abend ernenne ich einen Helden des Golfkrieges und Oberbefehlshaber des Militärkommandos
Süd der Vereinigten Staaten, General Barry McCaffrey,
zum führenden Kämpfer Amerikas gegen den Drogenhandel. Er führte unser Militär geschickt bei seinen
einzigartigen Bestrebungen zur Eindämmung des
Drogenhandels.
General McCaffrey wurden bei seinem Kampf für
Amerika drei Verwundetenabzeichen Purple Heart und
zwei Silver Stars verliehen. Heute bitte ich ihn darum,
den Kampf unserer Nation gegen Drogen im In- und
Ausland anzuführen. Hierzu benötigt er eine größere
Truppe, als er je befehligt hat. Er braucht uns alle. Wir
alle haben in seinem Team eine Rolle zu spielen. Ich
danke Ihnen, General McCaffrey, daß Sie Ihre Zustimmung gegeben haben, Ihrem Land nochmals zu
dienen.
Unsere fünfte Herausforderung besteht darin, der
nächsten Generation eine sichere und saubere
Umwelt zu hinterlassen.
Aufgrund überparteilicher Bestrebungen einer Generation sind unser Wasser und unsere Luft sauberer
geworden. Der Bleigehalt im Blut von Kindern ist um
70 Prozent, die toxischen Emissionen von Fabriken
sind um die Hälfte gesunken. Der Eriesee war tot.
Jetzt ist er eine gedeihende Ressource.
Aber 10 Millionen Kinder unter 12 Jahren leben immer
noch weniger als 6 Kilometer von Giftmülldeponien
entfernt. Ein Drittel von uns atmet Luft ein, die unsere
Gesundheit schädigt. Und allzu viele Gemeinden
haben kein sauberes Trinkwasser. Wir haben noch
viel Arbeit vor uns.
Trotzdem hat der Kongreß beschlossen, die Mittel für
den Umweltschutz um 25 % zu kürzen. Das bedeutet
mehr toxische Chemikalien in unserem Wasser, mehr
Smog in unserer Luft, mehr Pestizide in unserer
Nahrung. Die Lobbyisten der Umweltverschmutzer
dürfen Gesetzeslücken schaffen, die Gesetze zum
Schutz von Gesundheit und Sicherheit unserer Kinder
schwächen. Einige Kongreßmitglieder wollen jedoch,
daß der Steuerzahler die Rechnung für den Giftmüll
bezahlt und die Verursacher davon befreit werden.
Ich fordere den Kongreß auf, die Prioritäten anders zu
setzen. Wir brauchen das Verursacherprinzip. Wir
können die Wirtschaft ankurbeln, ohne der Umwelt zu
schaden. Tatsache ist, daß wir langfristig mehr
Arbeitsplätze schaffen können, wenn wir die Umwelt
sanieren.

Seite 6

Wir müssen Unternehmen und Gemeinden dazu
auffordern, mehr Initiative zu ergreifen, und ihnen das
auch erleichtern. Den Unternehmen sagen wir: Wenn
Ihr einen kostengünstigeren und effizienteren Weg als
staatliche Vorschriften findet, strenge Umweltschutznormen einzuhalten, dann tut es - solange Ihr es richtig
macht.
Wir stärken die Gesetze über das Recht der Gemeinden auf Informationen der Verursacher über ihre
Emissionen und fordern Bürgergruppen dazu auf,
diese Informationen für die Zusammenarbeit mit
Unternehmen zur Verringerung der Verschmutzung zu
nutzen. Die Menschen haben ein Recht darauf zu
wissen, daß ihre Luft und ihr Wasser sauber sind.
Unsere sechste Herausforderung besteht in der
Wahrung der Führungsrolle Amerikas im Kampf für
Freiheit und Frieden.
Aufgrund der Führungsrolle der Vereinigten Staaten
leben mehr Menschen als je zuvor in Freiheit und
Frieden, und die Amerikaner genießen bereits seit 50
Jahren Wohlstand und Sicherheit.
Dank hierfür
schulden wir insbesondere unseren Veteranen sowie
den Menschen an der Heimatfront der Freiheit, die das
Feuer am Brennen hielten.
Menschen auf der ganzen Welt blicken auf uns. Sie
vertrauen darauf, daß wir ihnen helfen, die Segnungen
von Frieden und Freiheit anzustreben.
Während der Kalte Krieg in den Hintergrund rückt,
rufen die Stimmen der Isolationisten, Amerika solle
sich von seiner Verantwortung zurückziehen. Das ist
meiner Meinung nach falsch. Die uns Amerikaner
konfrontierenden Bedrohungen kennen keine nationalen Grenzen - Terrorismus, die Weiterverbreitung
von Massenvernichtungswaffen, organisiertes Verbrechen, Drogenhandel, ethnisch und religiös bedingter Haß, Aggression verbrecherischer Staaten,
Umweltzerstörung. Wenn wir diese Bedrohungen nicht
heute angehen, werden wir morgen unter den Konsequenzen dieses Versäumnisses leiden.
Wir können nicht überall sein. Wie können nicht alles
tun. Aber wo unsere Interessen und unsere Werte auf
dem Spiel stehen - und wo wir etwas bewirken können
- muß Amerika eine Führungsrolle übernehmen. Wir
dürfen weder Isolationisten noch sollten wir der
Weltpolizist sein. Aber wir können der weltweit beste
Friedensstifter sein: Indem wir unser Militär stark
halten, wenn möglich Diplomatie und wenn nötig
Gewalt einsetzen, indem wir die Risiken und Kosten
unseres Einsatzes mit anderen teilen, bewirken wir
etwas für die Menschen hier und auf der ganzen Welt.
Erstmals seit Beginn des Atomzeitalters sind keine
russischen Raketen mehr auf amerikanische Kinder
gerichtet. Nordkorea hat sein gefährliches Nuklearwaf-

AMERIKA DIENST 02

�fenprogramm eingefroren. In Haiti gibt es keine
Diktatoren mehr, die Demokratie hat eine neue
Chance, und es kommen keine Ströme verzweifelter
Flüchtlinge mehr an unseren Küsten an.
Durch insgesamt mehr als 80 strengere Handelsvereinbarungen hat Amerika Märkte im Ausland erschlossen. Unsere Exporte sind auf dem Höchststand,
wachsen schneller als die Importe und schaffen
amerikanische Arbeitsplätze.
Wir standen an der Seite derjenigen, die um des
Friedens willen Risiken eingingen - in Nordirland, wo
katholische und protestantische Kinder ihren Eltern
jetzt sagen, daß es nie wieder Gewalt geben darf, und
im Nahen Osten, wo Araber und Juden, die einst zum
ständigen Kampf gegeneinander verurteilt zu sein
schienen, jetzt Wissen, Ressourcen und Träume
miteinander teilen.
Und wir traten für den Frieden in Bosnien ein. Erinnern
Sie sich an die zum Skelett abgemagerten Gefangenen, junge Männer in Massengräbern, Feldzüge von
Vergewaltigung und Folter, endlose Schlangen von
Flüchtlingen, die Gefahr einer Ausweitung des Krieges
- all dies ist jetzt der Hoffnung auf den Frieden gewichen. Jetzt tragen unsere Soldaten und eine starke
NATO in Zusammenarbeit mit ihren neuen Partnern in
Zentraleuropa und andernorts dazu bei, daß dieser
Frieden Fuß fassen kann.
Durch diese Bestrebungen haben wir die Sicherheit
des amerikanischen Volkes erhöht. Aber bedeutende
Herausforderungen bleiben bestehen. Der START IIVertrag mit Rußland wird unser Nukleararsenal um
weitere 25% verringern, und ich fordere den Senat auf,
dem Vertrag - jetzt - zuzustimmen. Wir müssen den
Wettlauf um den Bau neuer Atomwaffen beenden,
indem wir noch in diesem Jahr einen wirklich umfassenden Vertrag über das Verbot von Atomtests
unterzeichnen. Wir können Giftgas für immer ächten,
wenn der Senat - noch in diesem Jahr - die Chemiewaffenkonvention annimmt. Wir können den Kampf
gegen Terroristen und das organisierte Verbrechen im
In- und Ausland intensivieren, wenn der Kongreß jetzt - die von mir nach dem Bombenanschlag in
Oklahoma City unterbreiteten Gesetze zur Terrorismusbekämpfung verabschiedet. Wir können mehr
Menschen helfen, von Haß zur Hoffnung überzugehen
- wenn der Kongreß uns die Mittel gibt, führend für den
Frieden einzutreten.
Die von mir hier erörterten sechs Herausforderungen
bestehen für alle Amerikaner. Aber unsere siebte
Herausforderung richtet sich an die heute abend hier
Versammelten.
Wenn wir in Washington unserer Pflicht nachkommen
wollen, dem amerikanischen Volk bei der Bewältigung
dieser Herausforderungen zu helfen, benötigen wir

AMERIKA DIENST 02

eine andere Art von Regierung. Sie muß schlanker
und weniger bürokratisch sein. Sie muß sich stärker
auf Ergebnisse als auf Vorschriften konzentrieren. Sie
muß partnerschaftlicher mit den Regierungen der
Bundesstaaten und Gemeinden, mit Bürgergruppen
und dem Privatsektor zusammenarbeiten. Und sie
muß sich den Respekt und das Vertrauen des amerikanischen Volkes verdienen.
Im vergangenen Jahr wandte dieser Kongreß auf sich
selbst die Gesetze an, die für alle anderen gelten. Er
verbot die Entgegennahme von Geschenken und
Essenseinladungen von Lobbyisten und zwang diese
offenzulegen, wer für sie zahlt und welche Gesetze sie
verabschieden oder zu Fall bringen wollen. Ich
begrüße das.
Jetzt fordere ich den Kongreß auf, weiterzugehen:
Den Einfluß bestimmter Interessengruppen in der
Politik einzudämmen, indem er das erste wahrhaft
parteiübergreifende Gesetz zur Reform der Wahlkampffinanzierung seit einer Generation verabschiedet. Zeigen Sie dem amerikanischen Volk, daß wir die
Ausgaben begrenzen und allen Kandidaten Zugang
zum Äther verschaffen können.
Und ich rufe den Kongreß dazu auf, mir wie versprochen das selektive Vetorecht zu gewähren.
Darüber hinaus bilden wir eine Regierung, die besser
funktioniert und weniger Kosten verursacht. Dank der
Arbeit von Vizepräsident Gore schaffen wir 16.000
Seiten unnötiger Regeln und Vorschriften ab und
verlagern die Entscheidungsgewalt von Washington
stärker in die Bundesstaaten und Gemeinden.
Während wir uns auf ein Zeitalter mit einem ausgeglichenen Haushalt und einer schlankeren Regierung
zubewegen, müssen wir die Menschen auf neue Art
und Weise in die Lage versetzen, das Beste aus ihrem
Leben zu machen. Wir unterstützen die amerikanischen Gemeinden - nicht mit Bürokratie, sondern mit
Chancen -durch unsere erfolgreichen Ermächtigungszonen und Gemeindeentwicklungsbanken, die den
Menschen in städtischen und ländlichen Gebieten
helfen, Arbeit zu finden und Unternehmen zu gründen.
Und wir tun das durch steuerliche Anreize für Unternehmen, die vernachlässigte Industrieanlagen sanieren und dort Arbeitsplätze schaffen, wo sie dringend
benötigt werden.
Es gibt jedoch einige Gebiete, auf denen die Bundesregierung direkt und entschieden handeln muß. Eines
davon ist das Problem illegaler Einwanderung. Nach
jahrelanger Vernachlässigung hat diese Administration
entschlossen Position bezogen, um den Schutz
unserer Grenzen zu verbessern. Wir erhöhen unsere
Grenzpatrouillen um 50 %; wir verstärken die Kontrollen am Arbeitsplatz zum Aufspüren illegaler Einwanderer. Heute gebe ich bekannt, daß ich einen

Seite 7

�Präsidialerlaß unterzeichnen werde, der die Vergabe
staatlicher Beschaffungsaufträge an Unternehmen
verbietet, die illegale Einwanderer beschäftigen. Um
Mißverständnissen vorzubeugen: Wir sind immer noch
eine Nation von Einwandereren, und wir achten alle
Einwanderer, die hart arbeiten, um sich einbürgern zu
lassen. Aber wir sind auch eine Nation mit Gesetzen.
Ich möchte mich auch speziell an diejenigen wenden,
die für die Bundesregierung arbeiten. Heute gibt es
200.000 weniger Regierungsangestellte als am Tag
meiner Amtsübernahme. Die Bundesregierung hat
weniger Mitarbeiter als in den 30 Jahren zuvor und
speckt jeden Tag weiter ab. Die meisten von Ihnen
wußten das wahrscheinlich nicht, und dafür gibt es
einen guten Grund.
Die verbleibenden Angestellten sind Amerikaner, die
härter und patenter arbeiten um zu gewährleisten, daß
die Qualität unserer Dienstleistungen nicht abnimmt.
Beispielsweise Richard Dean. Er arbeitet seit 22
Jahren für die Sozialversicherung. Vergangenes Jahr
leistete er harte Arbeit im Bundesgebäude von Oklahoma City, als durch einen Terroranschlag 169 Menschen getötet wurden und alles um ihn herum einstürzte. Er ging viermal in das Gebäude und rettete
drei Frauen das Leben. Er ist heute abend bei uns.
Ich möchte Richard würdigen und sowohl seinen
Dienst für die Öffentlichkeit als auch seinen außerordentlichen Heldenmut hervorheben.
Aber damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Im
November wurde er im Zuge der Schließung unserer
Bundesbehörden in den Zwangsurlaub geschickt. Bei
der zweiten Schließung setzte er seine Arbeit für
Sozialhilfeempfänger fort, ohne dafür bezahlt zu
werden. Im Namen von Richard und seiner Familie
fordere ich Sie alle in dieser Kammer auf, nie - nie wieder Behörden der Bundesregierung zu schließen.
Im Namen aller Amerikaner fordere ich den Kongreß
auf, den vollständigen Glauben an die Vereinigten
Staaten und das Vertrauen in sie zu bewahren, unsere
Verpflichtungen zu erfüllen, wie wir es seit 220 Jahren
getan haben, sich über Parteizugehörigkeit hinwegzusetzen und direkt eine Erhöhung der Schuldengrenze zu bewirken.
Ich habe heute abend eine Menge von Amerika
gefordert. Aber ich bin zuversichtlich. Wenn die
Amerikaner zu Hause, in der Schule, in der Kirche, in
Bürgergruppen oder am Arbeitsplatz zusammenarbeiten, können sie jede Herausforderung bewältigen.
Ich sage es noch einmal: Das Zeitalter des "Big
Government" ist vorbei. Aber wir können nicht zu der
Zeit zurückkehren, als unsere Bürger sich selbst
überlassen waren. Wir müssen vorwärts gehen - ins
Zeitalter der Zusammenarbeit - als Gemeinde, als
Team, als ein Amerika - um unsere Probleme zu
lösen.

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Und das alles wird nicht funktionieren, wenn nicht Sie alle Menschen in Amerika - sich über Trennlinien
hinwegsetzen und versuchen, Gemeinsamkeiten zu
finden. Wir müssen ein Klima der Spaltung, der
Diskriminierung und des Hasses ablehnen. Wir
müssen zusammenarbeiten.
Ich möchte Ihnen heute zwei Menschen vorstellen, die
das tun: Dr. Lucius Wright ist Lehrer an einer öffentlichen Schule in Jackson (Mississippi). Der VietnamVeteran bildete Teams, die Kindern aus den Innenstädten helfen, Gangs den Rücken zu kehren und eine
Zukunft zu gestalten, an die sie glauben können. Und
Wachtmeisterin Jennifer Rogers ist Polizistin in
Oklahoma City. Ebenso wie Richard Dean half sie,
ihre Mitbürger aus den Trümmern zu befreien und mit
dieser entsetzlichen Tragödie umzugehen.
Sie
erinnert uns daran, daß die Bürger von Oklahoma City
mit ihrer Reaktion auf jene Greueltat uns allen durch
ihren Sinn für Werte und Gemeinschaft ein Beispiel
gaben.
Lucius Wright und Jennifer Rogers sind ganz besondere Amerikaner. Ich habe heute die Ehre bekanntzugeben, daß sie die ersten von mehreren
tausend Amerikanern sind, die ausgewählt werden,
diesen Sommer das olympische Feuer auf seiner
langen Reise von Los Angeles zum hundertjährigen
Jubiläum der modernen Olympischen Spiele in Atlanta
zu tragen - nicht weil sie herausragende Athleten,
sondern weil sie herausragende Bürger sind - Helden
der Gemeinden, die die Herausforderungen Amerikas
bewältigen - Amerikas wirkliche Champions.
Jeder von uns muß in seinem eigenen Leben die
Fackel der Staatsbürgerschaft hochhalten. Aber
keiner von uns kann das Rennen alleine beenden. Wir
können unser Schicksal nur zusammen meistern eine Hand, eine Generation, ein Amerikaner verbunden mit dem nächsten.
Es gab schon immer Dinge, die wir gemeinsam tun
konnten - Träume, die wir wahr werden ließen, was wir
als einzelner nie bewirkt hätten. Wir Amerikaner
haben unsere Identität geschaffen, unsere Union, aus
jedem Blickwinkel und jedem Ort dieses Planeten.
Verbunden durch einen Glauben, der mächtiger ist als
alle uns trennenden Doktrinen - unseren Glauben an
Fortschritt, unsere Freiheitsliebe und unsere unablässige Suche nach Gemeinsamkeiten - hat Amerika
immer Herausforderungen gesucht und bewältigt.
Wer würde behaupten, daß wir jetzt, nachdem wir
gemeinsam so weit gekommen sind, nicht gemeinsam
weitergehen können? Wer würde behaupten, daß der
Augenblick unseres größten Potentials nicht allen
Amerikanern gehört?

AMERIKA DIENST 02

�Amerika war und ist ein großartiges und gutes Land.
Aber das Beste liegt noch vor uns - wenn wir alle das
Unsrige tun.

Ich danke Ihnen. Gott segne Sie, und Gott segne die
Vereinigten Staaten von Amerika.

* * * * *

AMERIKA DIENST 02

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�HAUSHALT
24.Januar 1996

Ausgeglichener Haushalt liegt in Reichweite
Erklärung des Präsidenten

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Präsidenten bei der Pressekonferenz am 11. Januar 1996
abgegebene Eingangserklärung im Wortlaut.

Guten Tag. Am heutigen Nachmittag möchte ich Ihnen
und dem amerikanischen Volk von den Fortschritten
berichten, die wir im Hinblick auf einen ausgeglichenen
Haushalt gemacht haben, der unsere Werte widerspiegelt. Zuerst möchte ich jedoch über unsere Aktionen sprechen, den Millionen von Menschen an unserer
Ostküste zu helfen, die von dem Schneesturm betroffen sind.
Ich habe den Direktor des Amts für Katastrophenhilfe
(FEMA), den Verkehrs- und den Verteidigungsminister
gebeten, zusammenzuarbeiten und alle erforderlichen
Schritte einzuleiten. Heute habe ich bekanntgegeben,
daß die Bundesregierung in den Fällen Katastrophenhilfe anbietet, in denen die Regierungen der Bundesstaaten und Kommunen überfordert sind. Insbesondere werden wir Gelder zur Einrichtung von Nothilfewegen in Gemeinden schaffen, nachdem die Bundesstaaten diese Hilfe beantragt haben und das Amt für Katastrophenhilfe ihre Notwendigkeit bestätigt, damit Krankenwagen, Feuerwehr und andere Katastrophenhelfer
ihre Arbeit erledigen können.
Heute habe ich diese Hilfe für Maryland und den District of Columbia zugesagt. Ferner erhielt das Amt für
Katastrophenhilfe ein Hilfeersuchen aus New York,
und wir erwarten in Kürze weitere Hilfsgesuche aus
New Jersey, Pennsylvania, Virginia, North Carolina
und Delaware. Wir werden umgehend auf diese Anfragen reagieren.
Dies sind harte Zeiten für alle Betroffenen. Oft fördern
erst Naturkatastrophen das Beste im Menschen zutage. Während wir uns aus dem Schneesturm von 1996
herausschaufeln, werden die Amerikaner in ihren Gemeinden hoffentlich auch nach ihren Nachbarn sehen,

AMERIKA DIENST 02

die Hilfsbedürftigen unterstützen und zusammenstehen. Wir hier werden alles in unserer Macht Stehende
unternehmen.
Jetzt möchte ich auf den Haushalt eingehen. Nach
wochenlangen öffentlichen und privaten Diskussionen
liegt eine historische Vereinbarung über einen ausgeglichenen Haushalt in Reichweite, wenn wir Parteipolitik beiseite lassen und den Augenblick nutzen. Ich
bin optimistisch, daß wir den Haushalt ausgleichen
können, und ich weiß, daß wir schon zu weit gekommen sind, um diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen.
In den 12 Jahren vor meiner Amtszeit stieg unser
Haushaltsdefizit erstmals in der amerikanischen Geschichte zu Friedenszeiten sprunghaft an. Unsere
Administration hat das Defizit bereits fast um die Hälfte
verringert. Aber die erforderlichen Zinszahlungen für
die in den letzten 12 Jahren gemachten Schulden verursachen ein Defizit. Müßten wir nicht die Zinsen für
die in diesen 12 Jahren vor meiner Amtszeit gemachten Schulden zahlen, wäre unser Haushalt heute ausgeglichen.
Wir haben die Bundesregierung bereits um über
200.000 Mitarbeiter reduziert, so daß sie schlanker als
zu jedem anderen Zeitpunkt seit 1965 ist. Gemessen
an der Erwerbsbevölkerung ist die Bundesregierung
die kleinste seit 1933. Wir haben Hunderte von Programmen gestrichen. Wir schaffen 16.000 Seiten mit
Vorschriften und Bestimmungen ab. Aber es ist an der
Zeit, die Arbeit abzuschließen.
Ich möchte eindeutig klarstellen: Wir können den
Haushalt ausgleichen. Wir können es in einer Weise

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�tun, die in unser Volk investiert und unsere Werte reflektiert - Chancen für alle, unsere Pflicht gegenüber
unseren Eltern und unseren Kindern zu tun, unsere
Gemeinden, unsere Familien und Amerika zu stärken.
Wie Sie wissen, habe ich einen Plan zum Ausgleich
des Haushalts in sieben Jahren auf der Grundlage
konservativer Schätzungen des Haushaltsbüros des
Kongresses vorgelegt. Ich möchte wiederholen: Mit
diesem Brief, den ich hier bei mir habe, um alle daran
zu erinnern, daß wir ihn geschrieben haben, bestätigen
die Wirtschaftswissenschaftler des Kongresses, was
wir die ganze Zeit gesagt haben. Wir können den
Haushalt ohne übermäßige Kürzungen bei Medicare
und Medicaid ausgleichen ohne bei Bildung und Umweltschutz Einschnitte vornehmen oder die Steuern für
unsere am stärksten betroffenen Arbeitnehmerfamilien
erhöhen zu müssen.
Wie Sie alle wissen, bestehen die Republikaner im
Kongreß auch auf Kürzungen bei Medicare, Medicaid,
Bildung und Umweltschutz, die meines Erachtens weit
über das für den Haushaltsausgleich Notwendige hinausgehen, weit über das, was für die Sicherstellung
der Liquidität dieser Programme erforderlich ist und
weit über das, was wir aus der Sicht des Haushaltsbüros zum Ausgleich des Haushalts tun müssen.
Wir alle wissen auch, daß die Bestrebungen der Republikaner von zwei Gedanken geleitet sind. Es besteht der echte Wunsch nach einem Ausgleich des
Haushalts, den ich teile. Aber es gibt auch diejenigen,
die den ausgeglichenen Haushalt und enorme Steuersenkungen nutzen wollen, um unsere Bundesregierung und unser Land der Fähigkeit zu berauben, unsere Arbeit hier in Washington zu leisten, um den Menschen in unseren Gemeinden bei der Bewältigung der

sie konfrontierenden Herausforderungen behilflich zu
sein. Wir dürfen unsere grundlegende Übereinstimmung zu einem ausgeglichenen Haushalt nicht zum
Faustpfand einer eng gefaßten Tagesordnung machen, die zu verhindern versucht, daß Amerika älteren
Mitbürgern Medicare oder qualitativ hochwertige Unterbringung in einem Pflegeheim, oder Bildungschancen
für junge Menschen oder Umweltschutz für uns alle
bieten kann.
Wir könnten schnell gemeinsames Terrain beim Ausgleich des Haushalts finden und die entsprechenden
bescheidenen Steuersenkungen einführen - wir könnten dies in 15 Minuten tun, nach den Stunden und
Stunden, die wir bereits gemeinsam diskutiert haben.
Was dieses Abkommen bisher verhindert hat, ist das
Beharren der Republikaner auf Kürzungen bei Medicare, Medicaid, im Bildungswesen und beim Umweltschutz, die meines Erachtens überzogen sind. Und
das Bestehen auf drastischen Steuererhöhungen für
die Arbeitnehmerfamilien mit den geringsten Einkommen. Diese Dinge sind für den Ausgleich des Haushalts nicht erforderlich.
Wir haben schon einiges erreicht. Wir haben uns auf
weit über 600 Milliarden Dollar an Einsparungen geeinigt - weit mehr als zum Ausgleich des Haushalts
erforderlich ist. Dies sollte ein Augenblick nationaler
Einheit sein, eine Zeit, Parteipolitik beiseite zu lassen,
ideologische Differenzen zu überwinden und gemeinsames Terrain für das Gemeinwohl zu finden. Einen
ausgeglichenen Haushalt, der das Beste beider Parteien, das Beste unserer Werte widerspiegelt und der
der nächsten Generation ein stärkeres Amerika hinterläßt - er ist in greifbare Nähe gerückt. Wir sollten diese Aufgabe jetzt erledigen, und ich glaube, es wird uns
in naher Zukunft gelingen.

* * * * *

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�AUSSENPOLITIK
24.Januar 1996

Eine Führungsrolle für das nächste
Amerikanische Jahrhundert
Rede von Außenminister Christopher

CAMBRIDGE (MASSACHUSETTS) - (AD) - Im kommenden Jahr werden sich die Vereinigten Staaten USAußenminister Christopher zufolge besonders auf drei Ziele konzentrieren: "Erstens das Streben nach Frieden
in Regionen von elementarem Interesse für die Vereinigten Staaten, zweitens die Inangriffnahme der neuen
transnationalen Sicherheitsbedrohungen und drittens die Förderung von offenen Märkten und Wohlstand."
In seiner Rede an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University zum Thema "Eine
Führungsrolle für das nächste Amerikanische Jahrhundert", die vom State Department als große außenpolitische
Rede bezeichnet wurde, hob Christopher hervor: "...vor allem müssen wir erkennen, daß die Vereinigten Staaten
über die Vision und Stärke verfügen, die Errungenschaften der vergangenen Jahre zu konsolidieren und eine
noch bessere Welt zu schaffen".
Nachfolgend veröffentlichen wie die Rede von Außenminister Christopher im Wortlaut.

Zunächst möchte ich Joe Nye danken - nicht nur für
seine herzlichen einleitenden Worte, sondern auch
dafür, daß er eine hartnäckig bestehende fälschliche
Annahme über diese herausragende Institution
entkräftet hat. In einigen Kreisen wurde behauptet, die
Kennedy School sei ein Platz für Verschwörer zur
Infiltrierung der Bundesregierung. Joe Nye's Ernennung beweist, daß das Gegenteil zutrifft: Tatsächlich
ist die Bundesregierung ein Ort für Verschwörer zur
Infiltrierung der Kennedy School.
Vor einem Jahr traf ich mit Ihnen zusammen, um die
außenpolitischen Leitlinien dieser Administration sowie
unsere Prioritäten für 1995 darzulegen. Heute bin ich
hier, um eine Einschätzung einer Zeit bemerkenswerter Leistungen der amerikanischen Diplomatie
vorzunehmen und unsere für 1996 gesteckten wichtigsten Ziele zu erläutern.
Das Ende des Kalten Krieges gab uns eine einzigartige Chance zur Gestaltung einer Welt mit mehr
Sicherheit, offenen Gesellschaften und offenen
Märkten - einer Welt, in der sich amerikanische
Interessen und Ideale entwickeln können. Wir sind
aber auch mit ernsthaften Bedrohungen konfrontiert,

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vor denen uns keine Grenze schützen kann - Terrorismus, Weiterverbreitung von Waffen, Verbrechen und
Umweltzerstörung.
Dies ist nicht das Ende der Geschichte, sondern
Geschichte in schneller Bewegung. Vor acht Jahrzehnten, als der erste Balkankrieg dieses Jahrhunderts endete, mußte eine internationale Kommission
rekonstruieren, was geschehen war. Jetzt werden die
Bilder der Gewalt in Sarajevo direkt auf der ganzen
Welt ausgestrahlt. Vor sechs Jahrzehnten dauerte es
mehrere Jahre, bis die Weltwirtschaftskrise zu einer
weltweiten Katastrophe wurde.
Jetzt kann eine
Wirtschaftskrise in Mexiko die Weltwirtschaft in
Sekundenschnelle erschüttern.
In dieser Zeit beschleunigten Wandels muß die
amerikanische Führungsrolle konstant bestehen
bleiben. Wir müssen unsere Interessen klar und
umsichtig verteidigen. Vor allem müssen wir erkennen, daß nur die Vereinigten Staaten über die Vision
und Stärke verfügen, die Errungenschaften der
vergangenen Jahre zu konsolidieren und eine noch
bessere Welt zu schaffen.

Seite 1

�Sechs Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer sind
einige immer noch der Ansicht, wir könnten den
Problemen der Welt entfliehen, indem wir Amerika mit
Mauern umgeben. Die Beweise der letzten drei Jahre
sollten jedoch die Debatte über Amerikas Rolle in der
Welt beenden. Da Präsident Clinton den Weg des
Rückzugs ablehnte, haben wir Leistungen erbracht,
die den dauerhaften Wert der Führungsrolle und des
Engagements der Vereinigten Staaten unter Beweis
stellen.
Der Präsident hat die Vereinigten Staaten mit Hilfe von
Internationalisten aus beiden Parteien zur weltweiten
Triebkraft für Frieden gemacht. Halten Sie sich das
vor Augen. Hätten wir keine Führungsrolle übernommen, würde der Krieg in Bosnien heute andauern,
würden weiterhin Unschuldige sinnlos sterben,
bestände die Gefahr einer Ausweitung des Krieges
und der Unterminierung der NATO. Hätten wir keine
Führungsrolle übernommen, gäbe es keine Aussicht
auf einen umfassenden Frieden im Nahen Osten. Und
es gäbe kaum Hoffnung auf Versöhnung in Nordirland.
Ohne die amerikanische Führungsrolle wären in Haiti
immer noch Verbrecher an der Macht, und Tausende
haitianischer Flüchtlinge würden versuchen, unsere
Küsten zu erreichen. Die mexikanische Wirtschaft
befände sich in freiem Fall, würde unseren Wohlstand
bedrohen und entstehenden Märkten sowie der
Weltwirtschaft schaden. Wir hätten nicht die Fortschritte beim möglichst umfassenden Nachweis über
den Verbleib amerikanischer Kriegsgefangener und
Vermißter gemacht, die uns gestatteten, Vietnam
anzuerkennen. Wir hätten nicht die unbegrenzteVerlängerung des Nichtverbreitungsvertrags erzielt die wichtigste Barriere gegen die Verbreitung von
Nuklearwaffen. Und Nordkorea könnte Atomwaffen
bauen.
Die Lektion ist klar. Wenn wir eine Führungsrolle
übernehmen, können wir den Schwung erhalten, der
den Kommunismus besiegte, uns von der Gefahr des
Nuklearkrieges befreite und auf der ganzen Welt die
Fahne der Freiheit hißte. Unsere Stärke ist ein Segen,
keine Last. Präsident Clinton ist entschlossen, sie klug
und entschlossen einzusetzen.
Die Bewahrung unserer Stärke ist nicht billig. Dennoch haben der Präsident und ich seit einem Jahr
gegen jene Kräfte im Kongreß angekämpft, die unser
außenpolitisches Budget so stark kürzen wollen, daß
wir uns aus unserer Führungsposition zurückziehen
müßten - durch die Schließung wichtiger Botschaften,
Beendigung von Friedensmissionen und selbstzerstörerische Kürzungen bei unseren internationalen
Programmen. Das sind keine verantwortungsbewußten Vorschläge. Sie würden Amerika genau zu jenem
Zeitpunkt schwächen, an dem wir stark bleiben
müssen, genau zu jenem Zeitpunkt, an dem andere
Nationen von uns eine Führungsrolle erwarten. Sie

Seite 2

zeigen einen Mangel an Anerkennung für die Errungenschaften Amerikas während der letzten 50 Jahre
sowie mangelndes Vertrauen, daß unsere große
Nation die Zukunft gestalten kann.
Die jüngste Schließung von Behörden der US-Regierung war für mich besonders beunruhigend, weil sie
unseren internationalen Ruf von Zuverlässigkeit und
Integrität unterminierte. Bei meinen jüngsten Auslandsreisen wurde ich mit den weitreichenden Konsequenzen der Schließungen konfrontiert. Führenden
Politikern und den Bürgern in vielen Teilen der Welt
schien es, als ob die weltweit mächtigste Nation ihren
Betrieb einstellte. Es entspricht nicht einer großen
Nation, ihre Rechnungen und ihre Angestellten nicht
mehr bezahlen zu können. Das darf nicht noch einmal
geschehen.
Vor drei Wochen wurde ich von der Zeitschrift
Newsweek als "wirklich davon überzeugt" bezeichnet,
"daß Amerika sich in der Welt engagieren muß". Ich
bekenne mich schuldig. Ich habe die Jahre nach dem
Zweiten Weltkrieg erlebt, in denen unsere führenden
Politiker die Investitionen tätigten, deren Vorteile wir
heute alle genießen. Ich bin kein Politiker. Aber ich
habe eine Vorliebe - für die Art von Außenpolitik, die
Amerika zu einer verläßlichen und prinzipientreuen
Führungsmacht macht, für eine Außenpolitik, die
Amerikas einzigartiges Zielbewußtsein und seine
Stärke projiziert. Ich hoffe, daß jeder Präsidentschaftskandidat diese bedeutenden Wegweiser im Kopf
behält.
Unser Engagement für eine Führungsrolle ist der erste
der zentralen Grundsätze unserer Außenpolitik, die ich
vergangenes Jahr hier dargestellt habe. Ein zweiter
damals von mir formulierter Grundsatz ist die Notwendigkeit einer Stärkung der Institutionen, die eine
dauerhafte Grundlage für weltweiten Frieden und
Wohlstand bieten. Diese Institutionen - wie die
Vereinten Nationen, die NATO, die Weltbank - helfen
uns bei der Aufteilung der Lasten und Kosten einer
Führungsrolle. In diesem Jahr wird der Zusammenarbeit mit dem Kongreß höchste Priorität bei der
Erfüllung unserer finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Vereinten Nationen beigemessen, die ein
grundlegendes Reformprogramm durchführen.
Ein dritter Grundsatz besteht darin, daß die Unterstützung von Demokratie und Menschenrechten unsere
Ideale widerspiegeln und unsere Interessen stärken
soll. Unser Einsatz für universelle Werte ist eine
bedeutende Quelle der Autorität und Glaubwürdigkeit
unseres Landes. Ohne sie können wir keine Führungsrolle übernehmen. Unsere Interessen werden
am besten in einer Welt gewahrt, in der dem Volk
verantwortliche Regierungen die Stabilität stärken und
politische Rechte sowie freie Marktwirtschaften durch
eine rechtsstaatliche Ordnung geschützt werden. Aus
diesem Grund haben wir den mutigen Reformen in

AMERIKA DIENST 02

�Nationen wie Südafrika, Mexiko und den neuen
Demokratien in Zentraleuropa so starke Unterstützung
zukommen lassen. Aus diesem Grund freuen wir uns
so sehr darüber, daß in den drei Jahren unserer
Amtszeit nach freien Wahlen in dieser Hemisphäre 16
Amtseinführungen stattfanden. Ein weiteres wichtiges
Ziel in diesem Jahr wird die Unterstützung des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien
und für Ruanda sein, damit die für die beiden größten
Tragödien in diesem Jahrzehnt Verantwortlichen zur
Rechenschaft gezogen werden.
Ein vierter Grundsatz ist die entscheidende Bedeutung
konstruktiver Beziehungen zu den Großmächten.
Diese Nationen - unsere Verbündeten in Europa und
Japan sowie Rußland und China - verfügen über die
größten Fähigkeiten, Einfluß auf unsere Sicherheit und
unseren Wohlstand zu nehmen.
In den letzten Jahren wurde von einigen behauptet, die
Vereinigten Staaten und Europa würden unweigerlich
auseinanderdriften. Das hat sich als falsch erwiesen.
Unsere gemeinsamen Aktionen in Bosnien haben das
transatlantische Bündnis dramatisch gestärkt und neue
Perspektiven für eine dauerhafte europäische Sicherheitszusammenarbeit eröffnet. Und die neue
transatlantische Agenda, auf die sich die Vereinigten
Staaten und die Europäische Union vergangenen
Monat in Madrid einigten, wird nicht nur unsere
Wirtschaftsbeziehungen ausweiten, sondern auch die
Zusammenarbeit bei den weltweiten politischen und
sicherheitspolitischen Herausforderungen verstärken.

Mit Japan stellen wir jede Säule unseres Bündnisses im sicherheitspolitischen, wirtschaftlichen und politischen Bereich - auf eine solide Grundlage. Eine von
Joe Rye und Abteilungsleiter Winston Lord durchgeführte einjährige Überprüfung unserer Beziehungen
hat unsere Sicherheitsbande erneut gestärkt. Wir
schlössen 20 Marktzugangsabkommen, die zu der
drastischen Verringerung unseres bilateralen Handelsdefizits beitrugen.
Ferner verfolgten wir unsere Interessen bei der
Stärkung unserer Zusammenarbeit mit Rußland und
China zu einem Zeitpunkt, an dem sich beide Länder in
einer schwierigen Übergangszeit befinden.
Seit Beginn seiner Amtszeit ist sich Präsident Clinton
der Tatsache bewußt, daß wir unsere nationalen
Interessen nur durch ein Engagement in Rußland
schützen können. Unsere Strategie führte zu konkreten Verbesserungen bei der Sicherheit unseres
Volkes. Wir erreichten einen massiven Abbau der
Nukleararsenale sowie mehr Sicherheit beim Umgang
mit Nuklearmaterial. Durch die Zusammenarbeit mit
Rußland förderten wir unsere Ziele von Frieden in
Bosnien und dem Nahen Osten.
Natürlich ist es einfach, unsere Meinungsverschieden-

AMERIKA DIENST 02

heiten mit Rußland aufzuführen, beispielsweise im
Hinblick auf atomare Zusammenarbeit mit dem Iran
oder auf den Krieg in Tschetschenien. Die Ereignisse
dieser Woche bieten weitere Beweise dafür, daß der
derzeitige militärische Ansatz in Tschetschenien nur zu
einer Verschlimmerung dieses Krieges führt. Der
Zyklus der Gewalt kann nur durch Verhandlungen
unterbrochen werden.
Wie ich bereits ausgeführt habe, kann ich mir nicht den
Luxus leisten, eine Liste von Differenzen mit Rußland
aufzustellen und es dabei zu belassen. Meine Aufgabe besteht darin, Bereiche der Übereinstimmung zu
schaffen und Maßnahmen zur Beilegung unserer
Differenzen zu erarbeiten.
1993 stellte ich in meiner ersten Rede als Außenministerfest, der Kampf Rußlands um seine Umgestaltung würde lang und hart, und der Erfolg sei keineswegs garantiert. Das ist auch heute noch meine
Meinung. Positiv ist, daß in den vier Jahren nach dem
Zusammenbruch der Sowjetunion die russische
Wirtschaft zunehmend von marktwirtschaftlichen
Prinzipien beherrscht wird. Freie Wahlen, die noch vor
wenigen Jahren undenkbar erschienen, werden
Tatsache. Rußland hat sein ruinöses Vermächtnis von
sieben Jahrzehnten Kommunismus noch nicht hinter
sich gelassen - ein Vermächtnis, das sich in Form von
Verbrechen, Korruption und Armut manifestiert.
Die jüngsten Ereignisse enthalten beunruhigende
Anzeichen dafür, daß die russischen Reformbestrebungen Belastungen ausgesetzt sind. Das russische
Volk muß bei den Präsidentschaftswahlen im Juni eine
bedeutende Entscheidung treffen. Letztlich kann nur
das russische Volk seine Regierung wählen und seine
Zukunft bestimmen.
Unsere Verpflichtung - die
Verpflichtung der Vereinigten Staaten - liegt in der
Förderung demokratischer Werte und demokratischer
Institutionen sowie in der Verfolgung unserer nationalen Interessen zu jedem Zeitpunkt.
Wenn ich mit dem neuen russischen Außenminister
Primakow zusammentreffe, werde ich ihm mitteilen,
daß die Vereinigten Staaten zur Fortsetzung der
Zusammenarbeit mit Rußland bei unseren zahlreichen
gemeinsamen Herausforderungen entschlossen sind.
Ich werde jedoch keinen Zweifel daran lassen, daß die
Integration Rußlands in die westlichen Institutionen die in unserem gegenseitigen Interesse liegt - von der
Bereitschaft Rußlands zur Einhaltung internationaler
Normen und zur Fortsetzung der Reformen abhängt.
Ich möchte mich nun China zuwenden. Wir haben
großes Interesse daran sicherzustellen, daß diese
mächtige Nation ihre Modernisierung auf eine Art und
Weise fortsetzt, die insgesamt zu Sicherheit und
Wohlstand der Region beiträgt - um unserer selbst
sowie unserer Freunde und Verbündeten willen. Aus
diesem Grund verfolgen wir eine Strategie des Enga-

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�gements. Sie soll China in die internationale Staatengemeinschaft integrieren und unsere Zusammenarbeit
bei gemeinsamen Problemen wie dem nordkoreanischen Nuklearprogramm, Drogenhandel und Menschenschmuggel verbessern.
Wir haben weiterhin wichtige Differenzen mit China bei
Fragen wie Menschenrechten, Weiterverbreitung von
Waffen und Handel. In den vergangenen Monaten
haben wir bei unseren Beziehungen zu China schwierige Zeiten durchlebt. Die Vereinigten Staaten sind
bereit zur Wiederherstellung der positiven Dynamik
unseres Verhältnisses zu China. Wir haben unsere
Politik bekräftigt, nur ein China anzuerkennen, und
lehnen den kurzsichtigen Rat derjenigen ab, die China
isolieren oder eindämmen wollen. Der chinesische
Staatschef hat erklärt, daß auch sein Land positive
Beziehungen anstrebt. Um es eindeutig zu formulieren: Die Vereinigten Staaten werden das Ihrige
unternehmen, aber wenn wir dauerhafte, produktive
Beziehungen anstreben, muß China bedeutende
Schritte unternehmen, um unsere Anliegen anzusprechen und international anerkannte Grundsätze zu
respektieren.
Im kommenden Jahr werden wir uns besonders auf
drei Ziele konzentrieren: Erstens das Streben nach
Frieden in Regionen von elementarem Interesse für
die Vereinigten Staaten, zweitens die Inangriffnahme
der neuen transnationalen Sicherheitsbedrohungen
und drittens die Förderung von offenen Märkten und
Wohlstand.
Vor einem Jahr war der Krieg in Bosnien das größte
uns konfrontierende ungelöste Problem. Natürlich ist
in Bosnien noch nichts gewährleistet, aber durch den
Einsatz von Gewalt und Diplomatie haben wir die von
einigen als hoffnungslos eingestufte Situation in eine
verwandelt, in der Wiederaufbau, Versöhnung und
Gerechtigkeit möglich sind. Der Besuch des Präsidenten bei unseren Truppen in der vergangenen
Woche führte uns erneut die Einstellung und das
Vertrauen vor Augen, das sie ihrer Mission entgegenbringen.
Das von uns in Dayton erarbeitete Friedensabkommen
bedeutet, daß wir über vier Jahre des Schreckens
hinausblicken können - die Konzentrationslager, die
ethnischen Säuberungen, Hunger und Tod. Im Jahr
1996 besteht unsere unmittelbare Herausforderung in
der Umsetzung der militärischen und zivilen Aspekte
des Abkommens von Dayton. Wir erwarten die
vollständige Einhaltung der Verpflichtungen durch alle
Parteien im Rahmen dieses sorgfältig ausgehandelten
Abkommens.
Man muß sich auch bewußt machen, daß der Erfolg in
Bosnien tiefgreifende Auswirkungen auf unser Ziel
eines in Frieden lebenden integrierten Europas haben
wird. Unsere Aktionen in Bosnien haben unter Beweis

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gestellt, daß die NATO als Garant der transatlantischen Sicherheit Bestand hat. Es steht fest, daß
dieser Krieg ohne die Aktionen der NATO heute noch
andauern würde.
Die von uns geschmiedete und angeführte Koalition
hat aufgrund ihrer Natur historische Implikationen.
Dies ist das erste Mal, daß Soldaten aus allen Regionen Europas an einer Militäraktion beteiligt sind.
Russen und Litauer, Griechen und Türken, Polen und
Ukrainer, Briten, Deutsche und Franzosen teilen
gemeinsam mit Amerikanern und Kanadiern die
gleichen Risiken unter derselben Flagge zur Erlangung
desselben hehren Ziels. Während wir zur Überwindung der Spaltungen in Bosnien beitragen, helfen
wir auch, die Teilung Europas selbst zu überwinden.
Die Mission in Bosnien wird einigen unserer neuen
Partner in der Partnerschaft für den Frieden eine
Chance bieten zu beweisen, daß sie die Herausforderungen der Mitgliedschaft in einem erweiterten
NATO-Bündnis meistern können. Der Prozeß der
Erweiterung macht die NATO bereits jetzt zu einer
Kraft der Stabilität und Demokratie im Osten. Wir
haben unseren Partnern gegenüber eindeutig klargestellt, daß sie für die Erlangung der NATO-Mitgliedschaft demokratische Reformen konsolidieren, ihre
Streitkräfte fester ziviler Kontrolle unterstellen und die
Streitigkeiten mit ihren Nachbarn beilegen müssen.
In Zentral- und Osteuropa muß den größten Bedrohungen der europäischen Sicherheit - ethnische
Konflikte, Weiterverbreitung und Armut - begegnet
werden. Aus diesem Grund wäre es unverantwortlich,
halb Europa aus den Strukturen auszuschließen, die
Sicherheit und Wohlstand auf dem Kontinent gewährleisten. Darum entwirft die Europäische Union eigene
Pläne zur Aufnahme neuer Mitglieder. Die NATOErweiterung sollte ungefähr parallel dazu verlaufen.
Wir sind uns bewußt, daß die NATO-Erweiterung
schrittweise, freiwillig und auf transparente Art erfolgen
muß, während Rußland seine internationale Rolle neu
definiert. Aber Rußland sollte verstehen, daß das
Bündnis, mit dem das Land in Bosnien so eng zusammenarbeitet, seine Sicherheit nicht bedroht. In der
Tat ermutigen wir Rußland weiterhin zum Aufbau
langfristiger, besonderer Beziehungen zur NATO.
Auch im Nahen Osten ist die amerikanische Führungsrolle unerläßlich. Zum ersten Mal seit einem halben
Jahrhundert stehen wir heute kurz vor der Beendigung
des arabisch-israelischen Konflikts: Ein umfassender
Frieden zwischen Israel und seinen unmittelbaren
Nachbarn, und in der Tat mit der gesamten arabischen
Welt, ist nicht länger ein Traum, sondern eine realistische Möglichkeit.
Ich bin gerade von meiner 16. Reise in die Region
zurückgekehrt. Vergangene Woche kam ich mit König

AMERIKA DIENST 02

�Hussein von Jordanien an dem Tag zusammen, als er
zum Gedenken an den ermordeten Ministerpräsidenten Rabin eine Station für Traumatologie übergab
- es ist kaum zu glauben, aber es war in einer Klinik in
Tel Aviv. Es gibt wenige Ereignisse, die besser
verdeutlichen, wie sehr sich das Umfeld der Region
gewandelt hat. Noch wichtiger ist, daß in nur zwei
Tagen nahezu eine Million Palästinenser bei den
ersten freien Wahlen im Westjordanland und im
Gazastreifen ihre Stimme abgeben werden.
Wir müssen jetzt auf die Vervollständigung des
Friedens im Nahen Osten hinarbeiten. Der Schüssel
liegt in einem Durchbruch der Lage zwischen Israel
und Syrien. Beide Seiten sind der Auffassung, daß die
Vereinigten Staaten entscheidend bei diesen Bemühungen sind. Unter unserer Schirmherrschaft führen
Israel und Syrien jetzt intensive Verhandlungen an der
Küste von Maryland. Obwohl noch sehr viel mehr
getan werden muß, überschreiten wir wichtige Grenzen und streben ein Abkommen für 1996 an. Die
Vereinigten Staaten sind entschlossen, zur Vervollständigung dieser historischen Aufgabe beizutragen.
Wir werden auch weiterhin auf die Lösung von Konflikten und den Aufbau von Sicherheit in anderen
Regionen hinarbeiten. Wir werden Initiativen an Orten
wie Nordirland, Haiti, Zypern, Angola, Burundi, Peru
und Ecuador weiterverfolgen. Wir werden die Grundlagen von Frieden und Sicherheit in der asiatischpazifischen Region durch die Vertiefung der Sicherheitszusammenarbeit mit unseren Bündnispartnern
und unsere Beteiligung an dem äußerst vielversprechenden regionalen ASEAN-Forum verstärken.
Und in dieser Hemisphäre werden wir die neue Ebene
der politischen Zusammenarbeit aufbauen, die wir
beim gesamtamerikanischen Gipfel in Miami erzielt
haben.
Als zweiten wichtigen Bereich, auf den wir uns in
diesem Jahr konzentrieren, werden wir uns neuen
Herausforderungen der globalen Sicherheit stellen.
Wieder Präsident in einer bahnbrechenden Rede vor
den Vereinten Nationen im Oktober vergangenen
Jahres betonte, gefährden Bedrohungen wie Weiterverbreitung, Terrorismus, internationales Verbrechen
und Umweltzerstörung uns alle in unserer interdependenten Welt.
Wir werden auch in Zukunft auf die Eindämmung der
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen hinarbeiten - die gravierendste potentielle Bedrohung der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten. Vor
dreißig Jahren traten die Nuklearmächte mit der
Unterzeichnung des Vertrags zur Begrenzung von
Atomversuchen "einen Schritt vom Schatten des
Krieges" zurück - wie Präsident Kennedy es formulierte. Wir müssen jetzt den Vertrag über ein umfassendes
Atomtestverbot zur Unterzeichnung in diesem Jahr
vervollständigen. Und in diesem Jahr müssen wir die

AMERIKA DIENST 02

Chemiewaffenkonvention ratifizieren.
Wir müssen auch die einschneidenden Reduzierungen
der Nukleararsenale der Vereinigten Staaten und der
Länder der ehemaligen Sowjetunion festschreiben. Ich
fordere den Senat und die russische Duma zur
Ratifizierung des START Il-Vertrages auf, mit dem
5.000 zusätzliche Gefechtsköpfe aus den Arsenalen
unserer beiden Länder entfernt werden.
Unsere regionalen Nichtverbreitungsbestrebungen
sind ebenfalls unerläßlich. Es ist entscheidend, daß
das Nuklearprogramm Nordkoreas weiterhin eingestellt bleibt und auf dem Weg zur Verschrottung ist.
Und die Bemühungen von Pariastaaten wie Irak, Iran
und Libyen zur Beschaffung von Massenvernichtungswaffen müssen gestoppt werden. Die Informationen,
die UN-Inspektoren über das Programm für biologische Waffen des Irak aufgedeckt haben, sind erschreckend. Es ist jetzt klar, daß Saddam Hussein im
Besitz von biologischen Waffen war und kurz vor ihrem
Einsatz gegen Zivilisten im Golfkrieg stand. Diese
Enthüllungen sind eine dringliche Erinnerung, daß
Saddam Hussein nach wie vor eine Bedrohung
darstellt und die Sanktionen gegen den Irak aufrechterhalten werden müssen.
Präsident Clinton hat auch die Verfolgung internationaler Verbrecher, Terroristen und Drogenhändler
zum Kernstück unserer Außenpolitik erklärt. Wir sind
entschlossen in unserem Vorgehen, solchen internationalen Verbrechern das Handwerk zu legen. Wir
haben beispiellose Schritte gegen das Kali-Kartell
unternommen, und viele seiner Anführer sind jetzt
hinter Gittern. Wir werden weiterhin Terroristen und
Drogenbaronen den Zugang zu ihrem Vermögen
verweigern, wir werden entschiedenen Druck auf
Regierungen ausüben, die solche Organisationen
tolerieren, und wir werden Operationen zur Bekämpfung von Verbrechen und Drogenhandel an der Quelle
verstärken.
Der Schutz unserer verletzbaren Umwelt hat ebenfalls
tiefgreifende, langfristige Auswirkungen für unser Land,
und 1996 streben wir die uneingeschränkte Integration
unserer umweltpolitischen Ziele in unsere Diplomatie
an - das ist bislang einmalig. Wir werden die Treibhausgase weiter reduzieren und auf die Zustimmung
des Senats zu Konventionen über die Artenvielfalt und
das Seerecht drängen. In enger Zusammenarbeit mit
dem Vizepräsidenten habe ich mich auch darauf
konzentriert, wie wir Umweltinitiativen zur Förderung
umfassenderer strategischer und wirtschaftlicher Ziele
besser nutzen können. Das bedeutet beispielsweise
die Ermutigung gemeinsamer Wasserprojekte im
Nahen Osten, zunehmende Kooperation bei Umweltproblemen mit unseren globalen Partnern sowie
Hilfestellung für unsere Umweltindustrien bei der
Erfassung eines größeren Anteils des globalen
Marktes im Wert von 400 Milliarden Dollar.

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�Das dritte Element unserer Tagesordnung ist, auf den
wirtschaftlichen Errungenschaften aufzubauen, die ein
dauerhaftes Vermächtnis der Clinton-Administration
sein werden. Präsident Clintons Führungsrolle in der
NAFTA, der Uruguay-Runde, beim Forum für
asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit
APEC und beim gesamtamerikanischen Gipfel hat die
Vereinigten Staaten zum Mittelpunkt eines zunehmend
offenen globalen Handelssystems gemacht. In diesem
Jahr lautet unsere Losung Umsetzung - sicherzustellen, daß die von uns erzielten Handelsabsprachen und
-abkommen konkrete Chancen hervorbringen, damit
amerikanische Unternehmen und Arbeitnehmer
gleichberechtigt im Ausland konkurrieren können. In
der asiatisch-pazifischen Region durch das APEC, mit
der Europäischen Union durch den transatlantischen
Markt und in dieser Hemisphäre durch den Prozeß von
Miami bauen wir Hemmnisse für Handel und Investitionen ab und öffnen Märkte für amerikanische
Produkte. Wir verpflichten uns auch, das Fast-trackMandat des Präsidenten zu erhalten, um den Beitritt
Chiles zur NAFTA auszuhandeln.
Während dieses Jahr des Präsidentschaftswahlkampfes beginnt, hören wir erneut von denen, die ein
Loblied auf Protektionismus und Isolationismus singen.
Amerika und die Welt sind diesen Weg in den dreißiger
Jahren gegangen - und unser Fehler führte zur
Weltwirtschaftskrise und ebnete den Weg für den
Zweiten Weltkrieg. Die Abschottung Amerikas von der
Welt wäre heute ebenso rücksichtslos wie vor sechzig
Jahren. Wie Präsident Clinton zu Beginn seiner
Amtszeit erklärte, "müssen wir uns der Konkurrenz
stellen und dürfen uns nicht zurückziehen".
Meine Damen und Herren, wo immer ich hingehe,
stelle ich fest, daß die Nationen der Welt auf die Ver-

einigten Staaten als eine von Prinzipien geleitete
und verläßliche Führungsmacht blicken. Sie sehen
amerikanische Soldaten, die Brücken über Flüsse
schlagen und Berge versetzen, damit der Frieden in
Bosnien Fuß fassen kann. Sie sehen, wie wir im
Nahen Osten auf Frieden und in Korea auf Sicherheit
hinarbeiten. Sie sehen, wie wir Handelsabkommen
schließen, damit jede Nation von neu entstehenden
Märkten profitieren kann. Sie sehen, wie die mächtigste Nation der Welt für verfolgte Völker auf der ganzen
Welt eintritt, weil wir der Überzeugung sind, daß es das
Richtige ist und weil diejenigen, die für Freiheit kämpfen, die Zukunft darstellen.
Die Welt sieht uns als optimistisches Volk, das durch
die umfassende Sichtweise seiner Interessen motiviert
und auf lange Sicht von seinem Potential geleitet ist.
Die Völker folgen uns, weil sie verstehen, daß der
Kampf der Vereinigten Staaten für Frieden und Freiheit
der Kampf der Welt ist. Am Ende des Amerikanischen
Jahrhunderts ist Präsident Clinton entschlossen, daß
wir auch weiterhin im Einklang mit den höchsten
Traditionen unserer Nation und unseres Volkes
handeln.
Die Antwort des Präsidenten auf die Stimmen des
Isolationismus ist klar. Wir können unsere Nation
ebensowenig von der Welt isolieren wie wir unsere
Familien von ihren Nachbarn oder unsere Nachbarn
von unseren Städten isolieren können.
Als eine globale Macht mit globalen Interessen ist
Rückzug keine verantwortungsvolle Option für die
Vereinigten Staaten. Wir müssen weiterhin eine
Führungsrolle übernehmen. Wenn wir dies tun, kann
das Ende dieses Jahrtausends den Beginn eines
zweiten Amerikanischen Jahrhunderts markieren.

*

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*

AMERIKA DIENST 02

�PFF
24.Januar 1996

Perry: PFF könnte dem Marshallplan vergleichbare
Wirkung haben
Rede des Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister William Perry vertritt die Auffassung, daß die Gründung der
Partnerschaft für den Frieden "eines der bedeutendsten Ereignisse der Zeit nach dem Kalten Krieg" sein könnte.
In einer am 10. Januar 1996 beim Marshall Legacy Symposium gehaltenen Rede erklärte Perry, daß die Partnerschaft
für den Frieden "ein Instrument mit derselben Macht zur Umgestaltung Europas in der Zeit nach dem Kalten Krieg ist
wie der Marshallplan im Zeitalter nach dem Zweiten Weltkrieg".
Ebenso wie der Marshallplan in den vierziger Jahren schaffe die PFF heute ein ganz Europa umspannendes Netz von
Menschen und Institutionen, die gemeinsam an der Bewahrung von Freiheit sowie der Förderung von Demokratie und
freien Märkten arbeiten.
Der nach George C. Marshall benannte Marshallplan war ein von den Vereinigten Staaten unterschriebenes Programm zum Aufbau der zerstörten Volkswirtschaften Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Es wurde in der Zeit
erarbeitet, als Marshall Präsident Trumans Außenminister war und wird generell als wichtigste und erfolgreichste
außenpolitische Initiative der Vereinigten Staaten im 20. Jahrhundert angesehen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Verteidigungsminister Perry.

Hinter meinem Schreibtisch im Pentagon hängt ein Bild
von George C. Marshall. Marshall - der dritte Verteidigungsminister - ist ein Vorbild für mich, nicht nur, weil er
ein großer militärischer Führer, sondern auch, weil er ein
visionärer internationaler Staatsmann war. George Marshalls Vision war ein vom Atlantik bis zum Ural in Frieden, Freiheit und Demokratie vereintes Europa. Zur Erlangung dieses Ziels sah er auch eine starke transatlantische Partnerschaft voraus - eine auf Vertrauen und enge
Zusammenarbeit gegründete und durch überparteilichen
Konsens in den Vereinigten Staaten unterstützte Partnerschaft.
George Marshalls Instrument zur Verwirklichung seiner
Vision war natürlich der Marshallplan. Auf den ersten
Blick war der Marshallplan ein Instrument zum Wiederaufbau der europäischen Volkswirtschaften nach dem
Zweiten Weltkrieg. Kernstück des Marshallplans war
jedoch der Wiederaufbau friedlicher, marktwirtschaftlicher Demokratien. Marshall lebte lange genug, um einen

AMERIKA DIENST 02

Teil seines Traums verwirklicht zu sehen, aber der Kalte
Krieg verhinderte, daß Europa vollständig vereint oder
ganz demokratisch wurde. Mit dem Ende des Kalten
Krieges haben wir heute die Chance, die von Marshall
begonnene Arbeit zu beenden - Europa als ein sicheres,
stabiles, demokratisches Ganzes zu vereinen.
Dieses Symposium dient dem Austausch und der Schärfung unserer Gedanken, damit wir diese historische Gelegenheit ergreifen können und nicht ungenutzt verstreichen lassen. Bei diesem Symposium wird die Initiative
Marshall Legacy ins Leben gerufen - eine Bestrebung
der amerikanischen Regierung, in den kommenden anderthalb Jahren der Vision europäischer und transatlantischer Zusammenarbeit von George Marshall und Senator Vandenberg zu gedenken, sie zu feiern und zu verwirklichen. Im Namen von Präsident Clinton möchte ich
allen danken, die dieses Symposium ermöglicht haben.
Insbesondere möchte ich unseren Kovorsitzenden, Jack
Marsh und Hodding Carter, danken. Beide stehen für

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�herausragende Leistung und ein Engagement für den
öffentlichen Dienst, auf das George Marshall und Senator
Vandenberg stolz gewesen wären. Mein Dank gilt auch
Präsident Stephen Trachtenberg und der The George
Washington University, die diese Veranstaltung mit organisiert haben.
Dieses Symposium beschäftigt sich mit der Vielzahl von
Instrumenten, die wir zur Erfüllung von Marshalls Vision
schaffen und bewahren. Heute konzentriert sich das
Symposium auf die Partnerschaft für den Frieden und
den Aufbau neuer Partnerschaften zur Stärkung und
Ermutigung von Demokratie. Morgen werden wir uns mit
Wohlstand durch Partnerschaften befassen. Und am
Freitag werden die Redner erörtern, wie wir Marshalls
Vermächtnis in die Zukunft übertragen können.
Viele der Instrumente beinhalten den Aufbau von Partnerschaften an der Basis zwischen Amerikanern und
allen Europäern. Die treibende Kraft bei vielen dieser
Partnerschaften sind nicht die Zentralregierungen unserer Nationen, sondern die Verbindungen zwischen den
Gemeinden in den Vereinigten Staaten und in Europa
sowie den neuen unabhängigen Staaten. Wir werden die
Rolle nichtstaatlicher Organisationen stärken und mehr
Chancen für Partnerschaften zwischen Einzelpersonen
schaffen. Größere Beteiligung wird der Initiative Marshall
Legacy nicht nur mehr Bedeutung verleihen, sie ist in
dieser Zeit haushaltspolitischer Engpässe auch sinnvoll.
Heute wollen wir uns auf ein Instrument konzentrieren die Partnerschaft für den Frieden. Die Partnerschaft für
den Frieden, oder PFF, ist der greifbare Beweis für Präsident Clintons Gelöbnis, daß die Vereinigten Staaten "es
nicht zulassen werden, daß der Eiserne Vorhang durch
einen Schleier der Indifferenz ersetzt wird". Die PFF ist
ein Instrument für die Integration der seit neuem freien
Nationen Zentral- und Osteuropas und der neuen unabhängigen Staaten in die Sicherheitsarchitektur Europas als Ganzes. Die Partnerschaft ist jedoch nicht nur
ein militärisches oder Sicherheitsprogramm. Weil sie
Frieden, Freiheit und Demokratie als Grundlage hat, trägt
sie dazu bei, Marshalls Vision Realität werden zu lassen.
Eine der wichtigen Lektionen des 20. Jahrhunderts lautet,
daß die Sicherheit Amerikas untrennbar mit der Sicherheit Europas verbunden ist. Amerika ist eine europäische Macht, weil das transatlantische Bündnis entscheidend für die Sicherheit auf beiden Seiten des Ozeans ist.
Diese Tatsache blieb nach dem Ende des Kalten Krieges
bestehen. Die Art und Weise, in der wir diese Verbindung bewahren und wie wir eine neue Ära der Sicherheit
für uns beide garantieren, unterscheidet sich heute jedoch. Die Partnerschaft für den Frieden wurde vor zwei
Jahren ins Leben gerufen. Sie war ein durchschlagender
Erfolg. Heute wehen die Flaggen von 43 Ländern NATO-Mitgliedstaaten und Partnerländern - über der
Partnerschafts-Koordinierungszelle in Mons in Belgien.
Im vergangenen Jahr übten und arbeiteten 20 Nationen
zusammen bei 10 gemeinsamen militärischen Übungen

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wie Cooperative Bridge, Cooperative Venture, Cooperative Spirit und Cooperative Nugget. Zahlreiche andere
Übungen wurden "im Geiste" der PFF abgehalten. Im
Jahr 1996 werden wir Hunderte von Übungen und
andere PFF-Aktivitäten durchführen.
Im August nahm ich an den Eröffnungsfeierlichkeiten für
Cooperative Nugget teil, dem ersten Partnerschafts-Manöver auf amerikanischem Boden. Es war ein erfreulicher Anblick, die Truppenparade der 14 beteiligten Partnernationen zu sehen. Vor nur wenigen Jahren unterhielten die Vereinigten Staaten absolut keine Sicherheitsbeziehungen zu den meisten dieser Nationen. Aber hier
waren sie versammelt: Amerikaner, Ungarn, Bulgaren,
Albaner, Rumänen, Slowenen und Ukrainer, Slowaken,
Polen und Kirgisen, Kasachen, Usbeken und Tschechen,
Litauer, Letten und Esten - alle marschierten, übten und
schwitzten gemeinsam unter der heißen Sonne von Louisiana. Es war ein wirklich bemerkenswerter Tag in der
Geschichte der transatlantischen Zusammenarbeit.
Bei der PFF geht es jedoch um sehr viel mehr als militärische Übungen für Missionen in der Zeit nach dem
Kalten Krieg wie Friedenssicherung, humanitäre Hilfe
sowie Such- und Rettungsübungen. Bei der PFF geht es
auch darum, Partnernationen beim Aufbau eines neuen
Verteidigungsapparats unter ziviler Kontrolle behilflich zu
sein. Das Konzept der zivilen Kontrolle des Militärs ist für
viele Partnernationen völlig neu - aber sie arbeiten hart
daran, es zu lernen und in die Praxis umzusetzen.
Dies lernen sie unter anderem in einer Schule in Garmisch unter Leitung des U.S. European Command. Dort
kommen Offiziere aus den zentral- und osteuropäischen
Nationen sowie Rußland und anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion zu sechsmonatigen Kursen zusammen, um über die zivile Kontrolle des Militärs zu lernen.
Ich habe mit allen Abschlußklassen gesprochen. So
wichtig wie die Arbeit in den Kursen ist die ihnen gebotene Chance, mit ihren Kollegen sowie Offizieren und Zivilisten aus NATO-Ländern zusammenzutreffen und persönliche Kontakte in einem Umfeld von Zusammenarbeit
und Vertrauen herzustellen. Die in dieser Schule geschlossenen Freundschaften sind eine Investition in die
demokratische Zukunft Europas. Es sollte niemanden
überraschen, daß die Schule The Marshall Center heißt.
Auch im Rahmen der Partnerschaftsprogramme, die viele
Partnernationen mit Einheiten der bundesstaatlichen
Nationalgarde unterhalten, erlernen die Partnernationen
die zivile Kontrolle des Militärs. Sie werden im weiteren
Verlauf des Tages mehr über dieses ausgezeichnete
Programm hören. Aber die Partnerschaft für den Frieden
ist den Nationen nicht nur dabei behilflich, die zivile Kontrolle des Militärs zu erlernen - sie hilft ihnen auch bei der
Umsetzung in die Praxis. Die PFF ermutigt die Partnernationen beispielweise zur Zusammenarbeit beim Verteidigungsplanungsprozeß und dem Austausch von Informationen in der gleichen Weise, wie die NATO-Länder es
tun. Darüber hinaus legen jetzt einige Partner ihren Par-

AMERIKA DIENST 02

�lamenten die Verteidigungspläne zur Genehmigung vor
und ermöglichen damit zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Überwachung der militärischen Planung durch die
Legislative.
Die positiven Auswirkungen der PFF gegen weit über die
Sicherheitssphäre hinaus. Bei meinen Reisen in nahezu
alle 27 Partnernationen stellte ich fest, daß sie auch im
politischen und wirtschaftlichen Bereich bedeutende,
indirekte Wirkungen zeitigt. In der Tat trägt die Beteiligung an der PFF ebenso wie die angestrebte NATOMitgliedschaft dazu bei, die politischen und wirtschaftlichen Reformen anzutreiben. Ich möchte erklären, warum.
Für einige Partnernationen wird die PFF ein Sprungbrett
für die NATO-Mitgliedschaft. Wir haben den Partnernationen gegenüber deutlich gemacht, daß jedes neue
Bündnismitglied den Grundsätzen der NATO-Mitgliedschaft entsprechen muß - Bereitschaft zur Verteidigung
des Bündnisses mit Berufssoldaten, Arbeit innerhalb der
NATO-Konsensvereinbarungen, Offenlegung der Haushalte und Planung sowie Einhaltung der NATO-Verteidigungsdoktrin mit viel Gerät, insbesondere im Kommunikationsbereich. Diese Qualitäten gewährleisten, daß die
NATO-Mitgliedschaft auch in Zukunft wirkliche Bedeutung hat und ebenso erfolgreich ist wie seit über 40 Jahren.
Vor dem Hintergrund dieser Grundsätze der NATO-Mitgliedschaft müssen die neuen Mitglieder fünf elementare
Kriterien berücksichtigen, die die Bestrebungen aller
potentiellen Beitrittsländer bei ihren Vorbereitungen leiten
sollen.
Erstens müssen die neuen Mitglieder die Demokratie
fördern, worunter auch die Respektierung von Vielfalt, die
Achtung von Minderheitenrechten und die Respektierung
der Redefreiheit fallen. Zweitens müssen die neuen Mitglieder Marktwirtschaften sein. Drittens müssen ihre
Streitkräfte ziviler Kontrolle unterstehen. Viertens müssen sie gute Nachbarn sein und Souveränität außerhalb
ihrer Grenzen respektieren. Und fünftens müssen sie auf
Kompatibilität mit den NATO-Streitkräften hinarbeiten.
Weil so viele Partnernationen hart an der Einhaltung
dieser Kriterien arbeiten, verändert die PFF die politische
und ökonomische Landkarte Zentral- und Osteuropas.
Bei dem Bestreben, diesen Kriterien zu entsprechen,
unternehmen die Partnernationen Dinge, die sie sonst
nicht oder zumindest nicht mit derselben Prioritätensetzung und Intensität unternommen hätten. In vielen Nationen ist das Streben nach NATO-Mitgliedschaft zu dem
Felsen geworden, auf den alle politischen Parteien ihr
Parteiprogramm gründen - und somit besteht derselbe
übergeordnete Konsens, der Kompromisse und Versöhnung ermöglicht, wie es in unserer eigenen freien Marktwirtschaft der Fall ist. Diese Nationen haben eine prosperierende Demokratie, und sie bemühen sich zügig um
eine Liberalisierung ihrer Märkte und Integration in die

AMERIKA DIENST 02

wirtschaftlichen Institutionen des Westens. Eine Bündnismitgliedschaft anstrebende Länder legen friedlich ihre
Grenzstreitigkeiten bei und schaffen Schutzmechanismen für ethnische Minderheiten, die Reibungen mit ihren
Nachbarn verhindern.
Darüber hinaus erachten inzwischen viele Partnernationen die PFF als wichtig um ihrer selbst willen, unabhängig von einer NATO-Mitgliedschaft. Viele meiner Amtskollegen in Partnernationen äußerten mir gegenüber, sie
wollten weiterhin der PFF angehören, selbst wenn sie
letztlich der NATO beitreten würden - so wichtig sind
ihnen der Lernprozeß innerhalb der PFF und die von ihr
geförderten Werte. Und selbst einige Partnernationen,
die wahrscheinlich nie der NATO beitreten werden, erkennen, daß sie mehr Vorteile aus dem PFF-Programm
ziehen können, wenn sie die Kriterien für eine NATOMitgliedschaft erfüllen.
Aus diesem Grund bin ich der Ansicht, daß die Gründung
der PFF wahrscheinlich eines der bedeutendsten Ereignisse der Zeit nach dem Kalten Krieg darstellt. Ich
mag voreingenommen sein, aber ich bin auch davon
überzeugt, daß die PFF ein Instrument mit derselben
Macht zur Umgestaltung Europas in der Zeit nach dem
Kalten Krieg ist wie der Marshallplan im Zeitalter nach
dem Zweiten Weltkrieg. Ebenso wie der Marshallplan in
den vierziger Jahren schafft die PFF heute ein ganz Europa umspannendes Netz von Menschen und Institutionen, die gemeinsam an der Bewahrung von Freiheit sowie der Förderung von Demokratie und freien Märkten
arbeiten.
Im Rückblick auf die vierziger Jahre erinnern wir uns,
daß die Sowjetunion sich nicht am Marshallplan beteiligte. Joseph Stalin wies das Angebot George Marshalls
zur Teilnahme zurück. Stalin hinderte diejenigen, die
hinter dem Eisernen Vorhang zurückblieben, ebenfalls an
einer Beteiligung. Das verurteilte Europa zu vierzigjähriger Spaltung und verhinderte die umfassende Verwirklichung von Marshalls Traum. Die PFF überwindet diese
Spaltungen und verfügt sogar über das Potential, das in
Rußland zu tun.
Glücklicherweise entschloß sich Rußland zur Teilnahme
an der PFF. Im Geiste von George Marshall begrüßen
wir das. Ferner freuen wir uns über die Bereitschaft Rußlands zu einer Beteiligung an dem separaten Aktivitätenplan mit der NATO außerhalb der PFF. Dadurch wird
Rußland bewußt werden, daß die NATO keine Bedrohung darstellt und selbst ihre unvermeidliche Erweiterung
Rußland nicht bedroht, denn Rußland wird partnerschaftlich mit der NATO zusammenarbeiten.
Die beiden Wege der Zusammenarbeit - Rußland mit der
NATO und Rußland auf bilateraler Ebene mit den Vereinigten Staaten - werden zum Aufbau von Vertrauen und
zur Kooperation in ganz Europa beitragen und damit für
alle Länder von Vorteil sein. In den vergangenen anderthalb Jahren haben die Streitkräfte Rußlands und der

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�Vereinigten Staaten - die einst dazu ausgebildet wurden,
einander in einem Krieg zu bekämpfen - vier friedliche
gemeinsame Manöver abgehalten. Jede dieser Übungen wurde im Geist von Vertrauen und Goodwill veranstaltet. Diesen Sommer werden wir über die bilaterale
Ebene hinausgehen und ein Manöver größeren Stils mit
Streitkräften der Vereinigten Staaten, Rußlands, der
Ukraine und anderen Nachbarstaaten Rußlands abhalten. Diese Übungen werden uns ein Sprungbrett für
umfassendere Zusammenarbeit bieten. Wir wünschen
uns eine aktive Beteiligung Rußlands an der NATO und
eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit uns an der
Verwirklichung des Traums von George Marshall.
Ironischerweise ist Bosnien der Ort, an dem alles zusammenkommt - die Schwierigkeiten und die Früchte der
Reform, militärische Zusammenarbeit zwischen allen
Nationen Europas sowie die Zusammenarbeit zwischen
der NATO und Rußland. Am Montag abend kehrte ich
von einer Reise nach Bosnien zurück. Als ich die Straßen von Sarajevo entlangfuhr, war ich betroffen über den
großen Unterschied zwischen der Zerstörung und dem
Leiden, die ich dort sah und dem, was ich im Laufe des
vergangenen Jahres in den anderen Hauptstädten
Zentral- und Osteuropas gesehen hatte. Die an der Partnerschaft für den Frieden teilnehmenden Nationen haben
einen äußerst schwierigen, aber auch lohnenden Weg für
Reformen gewählt. Die Völker in der Region haben bereits Vorteile daraus gezogen. Sie genießen mehr Sicherheit, Freiheit und Wohlstand. Durch die Konzentration auf nicht beigelegte Haßgefühle aus der Vergangenheit anstelle von Reformen wählten einige Nationen
im ehemaligen Jugoslawien einen Weg voller Blutvergießen und Tragödien.
Heute haben diese Nationen jedoch den Weg des Friedens gewählt. Es ist jetzt unsere Aufgabe - die der
NATO und Europas - diesem Frieden eine Chance zu
geben. Und schon bald werden sich mehr als ein Dutzend PFF-Nationen sowie Rußland an der Friedenstruppe der NATO - IFOR -beteiligen. Dann werden wir einige Vorteile der gemeinsamen Friedenssicherung unserer
Nationen im Rahmen der PFF und in ihrem Geiste genießen.
Lange vor der Entsendung der IFOR nach Bosnien starben bereits drei Amerikaner bei ihrer Suche nach Frieden
in dem geplagten Land. Als Bob Frasure, Joe Kruzel und
Nelson Drew vergangenen August in der Nähe von Sarajevo ihr Leben ließen, wurde die Welt dreier talentierter
Politiker und ernsthafter Friedensstifter beraubt. Sie starben im Dienste der Vision George Marshalls von einem
friedlichen Europa. Joe Kruzel war mein enger Freund,
und sein Tod hinterläßt eine schmerzhafte Lücke in meinem Leben. Die beiden größten politischen Aufgaben
auf seiner Tagesordnung - und die beiden Fragen, bei
denen ich mich am meisten auf seinen Rat verließ - wa-

ren Bosnien und die PFF. Tatsächlich zählte Joe zu den
Gründervätern der PFF. Nach seinem Tod erhielt mein
Büro eine Flut von Briefen führender europäischer Politiker - Präsidenten, Außenministern, Verteidigungsministern und Militärs. Sie alle kannten Joe, sie alle respektierten seine Leistungen und hielten seine Vision in Ehren.
Wir können Joe, Bob Frasure oder Nelson Drew nie ersetzen. Aber der beste Weg, die Erinnerung an sie in
Ehren zu halten, besteht in der Fortsetzung ihrer Arbeit.
Die Mitgliedstaaten der IFOR tun das derzeit in Bosnien.
Aber es ist unser aller Aufgabe, noch weiter zu gehen
und ein neues Europa zu schaffen, das frei von der brutalen, ruhmlosen und schrecklichen Verwüstung des
Krieges ist. Die PFF - und alle in ihrem Geiste unternommenen Aktivitäten in den Bereichen Regierung, Politik
und Wirtschaft - bringen uns diesem Ziel näher. Sie gestatten uns allen, übereinander und voneinander zu lernen. Sie gestatten uns, einander nicht durch das Prisma
des Kalten Krieges, sondern als menschliche Wesen zu
sehen. Und sie bringen uns der Verwirklichung von Marshalls Vision näher.
Wenn in den nächsten Tagen bei diesem Symposium
über Wege zur Schaffung neuer Instrumente für die vollständige Realisierung von Marshalls Vision gesprochen
wird, müssen wir uns bewußt machen, daß wir vor enormen Hindernissen stehen. Aber ungeachtet dessen, ob
dieses Feld Sicherheit, Regierung oder Wirtschaft ist,
dürfen wir nicht zulassen, daß diese Hindernisse der
Zukunft die Tür vor der Nase zuschlagen. Wir müssen,
um es mit den Worten George Marshalls auszudrücken,
'die Verantwortung übernehmen, die uns die Geschichte
auferlegt". Tun wir das, werden Amerika, Europa, jedes
unserer Länder Vorteile genießen, und unsere Kinder
und Enkel werden es uns danken.
Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, den Marshall zu
verhindern suchte, umriß John F. Kennedy seine Vision
der Partnerschaft zwischen Amerika und den Nationen
Europas. Er erklärte: "Wir müssen ... eine Welt anstreben, in der Frieden nicht ein bloßes Zwischenspiel zwischen Kriegen ist, sondern ein Anreiz zur Mobilisierung
kreativer Energien der Menschheit.... Die Hindernisse
sind groß und bedrohlich. [Aber] von dieser atlantischen
Generation soll nicht behauptet werden, daß wir [unsere]
Ideale und Visionen hinter uns ließen.... Wir haben zu
viel erreicht und zu viele Opfer gebracht, um jetzt die
Zukunft nicht hoch genug zu bewerten."
In den nächsten vier Tagen sollten wir uns alle an diese
Worte erinnern, während wir uns am Aufbau und der
Gestaltung Europas nach dem Kalten Krieg beteiligen.
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 02

�DATENAUTOBAHN
24.Januar 1996

Die Entstehungsgeschichte des Internet
von Edwin Diamond und Stephen Bates

(AD) - Die Verfasser des nachfolgenden Artikels schaffen den Mythos ab, das Internet sei von freidenkerischen
Hackern gegründet worden und erzählen die Geschichte einer Partnerschaft zwischen der US-Regierung,
amerikanischen Universitäten und der Industrie, die zur Geburt des Internet führte.
Edwin Diamond ist Professor für Journalistik an der New York University und Verfasser von "Behind the TIMES:
Inside the New 'New York Times'". Stephen Bates ist Fellow des Annenberg Washington Program und Verfasser
von "Battleground: One Mother's Crusade, the Religious Right, and the Struggle for Control of Our Schools"
(Henry Holt).
Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von American Heritage, Oktober 1995.
Copyight© 1995 American Heritage, Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Das Internet scheint so sehr dem Informationszeitalter

anzugehören, daß für seine begeisterten Anhänger die
Umstände seiner Geburt schwer zu verstehen sind.
Das Zehntausende von Nutzern verbindende Computernetz ist - wenn auch unbeabsichtigt - vor allem ein
modernes Monument für militärische Pläne zum
Führen von drei Kriegen. Das Netz verdankt seine
Existenz insbesondere den Schlachtplänen der
Alliierten während des Zweiten Weltkriegs, dem
geopolitischen Druck des Kalten Krieges sowie den
Vorbereitungen für die Apokalypse nach einem
nuklearen Holocaust (dem nie geführten "letzten Krieg"
mit der Sowjetunion).
Cyberenthusiasten verfolgen diese Linie nicht. Ein im
September 1994 in der The New York Times veröffentlichtes überschwengliches Porträt des Vaters des
Internet ging mit keinem Wort auf die Umstände seiner
Cybervaterschaft ein, während einen Monat früher in
Newsweek eine detaillierte Geschichte über die
Geburt des Internet die Unterstützung durch das
amerikanische Militär als marginalen Grund angab,
jedoch nichts darüber aussagte, aus welchem Grund
das US-Verteidigungsministerium das Projekt überhaupt finanziert hatte. Vielleicht sind diese seltsamen
Auslassungen verständlich.
Die Sponsoren des
Internet haben sofort eine Mythologie geschaffen,
welche die das Prinzip der Willensfreiheit vertretende
"Ethik der Hacker" als "freie und ungebundene,

AMERIKA DIENST 02

unzähmbare Seele" des Cyberspace bezeichnet (um
eine vor kurzem in der Zeitschrift Time veröffentlichte
überschwengliche Lobeshymne zu zitieren). Die
Bezeichnung als "Regierungsangelegenheit" scheint
einen Teil der heißen Luft freizusetzen. Eine offene
Rekonstruktion der Geschichte des Internet läßt Raum
für individuelle Auszeichnungen, bekräftigt jedoch
auch, wie einst Regierung, Universitäten und Industrie
gemeinsam an der Produktion dessen arbeiteten, was
der verstorbene Ithiel de Sola Pool vom Massachusetts
Institute of Technology (MIT) als "die größte je vom
Menschen gebaute Maschine" bezeichnete.
Wie bei den meisten großen Fortschritten in der
Geschichte der Ideen gab es nicht nur ein entscheidendes Internet-Ereignis. Dem Cyber-Isaac Newton
fiel kein Apfel auf den Kopf. Und es zog auch kein
Visionär aus, um ein neues Kommunikationsmedium
zu schaffen. Der Anfang war vielmehr ein zu Beginn
des Zweiten Weltkriegs entworfenes, bescheidenes
analytisches System, das die Weichen für ein die
Forschung förderndes Umfeld und die wichtigsten
technologischen Entwicklungen stellte, die das weltumspannende Netz von heute entstehen ließen.
Das als Betriebsforschung bezeichnete analytische
System wendete wissenschaftliche Grundsätze auf
militärische Planung an. Die erste Betriebsforschung
wurde von Wissenschaftlern aus dem Militär und

Seite 1

�Technologen aus dem zivilen Leben für die Alliierten
durchgeführt. Diese Wissenschaftler führten statistische Studien von Taktiken zur Bekämpfung von
Unterwasserbooten durch, die zeigten, wie die Alliierten die Abschußquote von U-Booten erhöhen konnten,
indem sie die Sprengladungen so verteilten, daß sie in
unterschiedlicher Tiefe explodierten. Ferner wurde im
Rahmen der Betriebsforschung eine Möglichkeit zur
Koordination radarbetriebener Flugabwehrbatterien mit
den Flugmustern befreundeter Abfangjäger ersonnen,
um den Abschuß von Jagdflugzeugen der Alliierten zu
vermeiden. Es wurde offensichtlich, daß die moderne
Kriegführung zu kompliziert ist, um sie der Intuition zu
überlassen; erforderlich waren Messungen und
mathematische Analysen. (Hitler verließ sich auf einen
seiner Träume, daß keine deutsche V-2-Rakete jemals
England erreichen würde, und verschob daher das
Programm der Nazis für die Entwicklung von Raketen
um einen entscheidenden Zeitraum. Viele Truppen der
Alliierten und englische Zivilisten verdanken dieser
unwissenschaftlichen Entscheidung ihr Leben.)
Zur Durchführung solcher Analysen ersann das Militär
stärkere
Rechnungsvorrichtungen.
1944 stellte
Howard Aiken, ein Physikprofessor aus Harvard, den
automatischen sequenzkontrollierten Rechner vor,
dem er den Spitznamen Harvard Mark I gab. Diese
riesige - mehr als 15 Meter lange, aus 750.000
Einzelteilen bestehende und 35 Tonnen schwere Maschine wurde nahezu umgehend eingesetzt, um
Ballistikübersichten für die Marine herzustellen.
In
der Zwischenzeit entwickelten vom Heer bezahlte
Ingenieure der University of Pennsylvania eine
Maschine für die Berechnung der Flugbahn von
Artilleriegeschossen. Ihr Werk - ENIAC (Electronic
Numerical Integrator and Computer) - stellte eine
wichtige Entwicklung in der Computertechnologie dar,
obwohl sie nicht den Bestrebungen der Alliierten
diente. Es wurde nur wenige Wochen nach Kriegsende vorgestellt.
Nach den Siegen in Europa und Japan wandten die
amerikanischen Militärplaner ihre Aufmerksamkeit den
neuen Feinden in der Zeit des Kalten Krieges zu,
vorwiegend der Sowjetunion, aber auch China (damals
als Rotchina bekannt). Die drei Teilstreitkräfte des
amerikanischen Militärs vergaben Arbeit aus dem
Bereich der Betriebsforschung an Universitäten und
gemeinnützige Vereinigungen.
Dies führte unter
anderem zur Gründung des vom Franklin Institute
verwalteten Center for Naval Analysis in Philadelphia
(Pennsylvania), des der Johns Hopkins University in
Baltimore (Maryland) unterstehenden und vom Heer
geförderten Betreibsforschungsbüros sowie - vielleicht
am effektivsten - der RAND Corporation, des wichtigsten Beratungsgremiums der US-Luftwaffe. RAND,
ursprünglich ein technisches Anhängsel der Douglas
Aircraft Company aus Santa Monica, trennte sich 1948
von dem Flugzeughersteller und wurde nach kalifornischem Gesetz als gemeinnützig eingestuft (der

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Name RAND ist ein Acronym für Research und
Development - Forschung und Entwicklung). Das
ursprüngliche Budget in Höhe von 3 Millionen Dollar
stammte vorwiegend von der US-Luftwaffe. Bruce
Smith, einem in Harvard ausgebildeten Politologen
zufolge, der in den sechziger Jahren für RAND
arbeitete, konnte die Luftwaffe - der jüngste und am
wenigsten traditionsgebundene Zweig des Militärs "leichter mit neuen Organisationsformen experimentieren".
Am 4. Oktober 1957, einem Freitagabend, wurden die
Analysten von RAND, Vertreter des US-Verteidigungsministeriums und die amerikanische Öffentlichkeit
durch Sputnik I wachgerüttelt. Die Sowjetunion ließ
Sputnik einen weiteren Satelliten folgen, der den Hund
Laika an Bord hatte. Es spielte keine Rolle, daß Laika
nicht aus dem All zurückkam - Amerika hatte erwartet,
als erstes Land in den Weltraum zu fliegen. Das
Image der Nation als technologische Supermacht und
seine angebliche Führungsrolle im Kalten Krieg waren
stark erschüttert. Am furchterregendsten war, daß
Amerikas Städte plötzlich anfällig für sowjetische
Angriffe zu sein schienen. Einer der Verfasser dieses
Artikels war ein tüchtiger junger Reporter, der während der Aufregung um den Sputnik für den International News Service aus dem US-Verteidigungsministerium berichtete. Er erinnert sich noch an den
überhitzten Aufmacher seines Artikels am folgenden
Samstag, der von Zeitungen im ganzen Land groß
herausgebracht wurde: "Dieselbe sowjetische Rakete,
die am Freitag einen Satelliten ins All brachte, kann
einen ballistischen Interkontinalraketengefechtskopf
nach New York und Washington schießen..."
In Panik wurde alles neu überprüft. In der Hoffnung
auf Absolventen, die bessere Ideen als die Sowjets
hätten, schraubten High-Schools und Colleges ihre
Anforderungen bei Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern nach oben. Der Rektor der
Harvard University, James Bryant Conant, äußerte
Eltern gegenüber, sie sollten ihre Kinder ermahnen:
"Um Euer selbst und um der Nation willen - macht Eure
Hausaufgaben". Der "Wettlauf im Weltraum" (auch als
"Raketenlücke" bezeichnet), hatte ebenfalls Auswirkungen auf den Haushalt der Universitäten. Das
Verteidigungsministerium rief eine weitere Betriebsforschungsgruppe ins Leben - das Amt für hochentwikkelte Forschungsprojekte (Advanced Research
Projects Agency - ARPA) und beauftragte es mit der
Verteilung von Forschungsgeldem im Hochtechnologiebereich.
Zu den obersten Prioritäten von ARPA zählten
Führungs- und Kommunikationsprojekte für den
Kriegsfall (von Kriegsplanern als "C3" - für "command,
control und communication" - bezeichnet).
Das
Verteidigungsministerium wollte Computer nicht nur im
Pentagon, sondern auch an der Front einsetzen.
Sperrige, unhandliche Zentraleinheiten, wie es sie

AMERIKA DIENST 02

�damals gab, waren für das Schlachtfeld ungeeignet,
weshalb das ARPA eine Kommunikationslösung
ersann. Von einem Arbeitsplatz auf dem Schlachtfeld
entsandte Signale, die einen Großrechner im Hauptquartier erreichen sollten, mußten von der Leitung über
Funk zu einem Satelliten und zurück übertragen
werden. Das war einmalig. Tatsächlich beinhaltete
damals das meiste Computer-Timesharing Transport
anstelle von Kommunikation: Computerspezialisten
tippten ihre Arbeit auf Papierstreifen oder Lochkarten
und schickten sie dann an das nächste Computerzentrum.
Gleichzeitig vergruben sich die Kommandostellen
Amerikas im Namen von C3 sowie der "atomaren
Überlebensfähigkeit" im Untergrund. NORAD, das
Hauptquartier für Luftverteidigung, grub ein Kontrollzentrum in einen Felsen in Colorado. In Washington
wurden Pläne für den Fall eines Atomkrieges geschmiedet, in denen eine Evakuierung des Präsidenten sowie hochrangiger Regierungsvertreter in
hochgeheimen, abgesicherten Zufluchtsorten in den
Catoctin-Bergen im nahegelegenen Maryland vorgesehen wurde, während sich alle 535 Kongreßabgeordneten in einem komplizierten Komplex unter dem
Greenbrier Hotel in White Sulphur Springs (West
Virginia) verkriechen sollen. Aus diesen unterirdischen
Verstecken würden die Regierungsmitglieder die
Nation - oder was von ihr übrigbliebe - regieren.
Die Notwendigkeit einer Kriegsplanung durch das
Militär und die Forschungsinteressen von Computerspezialisten näherten sich immer mehr aneinander an.
Das Pentagon bat RAND um eine Analyse zur Kommunikationsfähigkeit des Militärs nach einem Atomkrieg (per Telefon sowie mit Datenschaltungen). Das
existierende Telefonnetz schien einer solchen Aufgabe
nicht gewachsen. Bei jedem Anruf schlössen die
Schalter im Netz eine Verbindung zwischen den
beiden Parteien; wenn ein Teil des Schaltkreises
unterbrochen wurde - sei es durch eine ballistische
Interkontinentalrakete oder einen verirrten Bagger mußte die Verbindung ganz neu wiederhergestellt
werden.
Die von Paul Baran, der für die Luftwaffe arbeitete,
entwickelte Lösung von RAND war ein Netz, das
Schaden umgehen und die Kommunikation fortsetzen
konnte. In einem solchen System, schrieb Baran,
"würde es keinen klaren zentralen Führungspunkt
geben, aber alle verbleibenden Punkte könnten im
Falle eines Angriffs an irgendeiner Stelle durch
redundante Anschlußfähigkeit den Kontakt neu
knüpfen". Der Schlüssel für die Schaffung dieses
überlebensfähigen Versorgungsnetzes wurde später
als Paketschaltung bekannt.
Mit Hilfe der Paketschaltung, wie Baran und andere sie
sich vorstellten, hätten Computer kein Monopol auf
einen Schaltkreis für die Dauer ihrer Kommunikation,

AMERIKA DIENST 02

wie das beim Telefon der Fall ist.
Stattdessen würden die Informationen in kleine Pakete
aufgesplittert, die in einem Strom mit anderen Paketen
fließen, die alle genügend Informationen tragen, um ihr
Ziel zu finden. Pakete mit einer einzigen Information
können unterschiedliche Wege zum Ziel finden. Wenn
ein Paket nicht durchkommt, wird der Adressat den
Sender benachrichtigen, es erneut zu schicken. Wenn
alle Pakete angekommen sind, setzt der Adressat die
Botschaft wieder zusammen. Dieser Ansatz wäre
langsamer als ein zugewiesener Pfad zwischen zwei
Punkten, aber er wäre sehr viel stabiler. Wenn eine
Verbindung zusammenbricht, würden die Informationen selbst den Umweg finden. Die "Intelligenz" des
Systems läge im Computer des Nutzers und in den
Paketen selbst, nicht in zentralisierten, verletzlichen
Schaltzentralen.
Baran bei RAND führte die Grundlagenforschung zu
Paketschaltungen durch, aber ein Großteil seiner
Berichte waren klassifiziert. Donald Davies vom
National Physical Laboratory in Großbritannien legte
unabhängig davon dasselbe Allgemeinkonzept vor und
steuerte das Wort "Paket" für die Informationsbestandteile bei. Auch andere Forscher begannen, sich auf
die Idee einer Architektur für Paketschaltungen zu
konzentrieren.
ARPA gefiel diese Idee, insbesondere dem FührungsForschungsbüro, das von dem Computerwissenschaftler J.C.R. Licklider geleitet wird. In den sechziger Jahren wurde ARPA zum Vorreiter der Computerforschung, ein Medici neben dem mathematischen
Michelangelo.
Das Amt finanzierte Forschungsarbeiten für die zahllosen Aspekte der Hardware- und
Softwareentwicklung, darunter Graphiken, Simulationen, Cyberhelme, Parallelverarbeitung und Vernetzung. Mit ARPA-Stipendien wurde Mitte der sechziger
Jahre der mächtigste Computer produziert, der ILLIAC
IV der University of Illinois, sowie praktisch die gesamte künstliche nachrichtendienstliche Forschung in
den sechziger Jahren. "Weit davon entfernt, böse
Kriegstreiber zu sein", erklärte der Computerwissenschaftler Eugene Miya etwas defensiv, "haben sie gute
Arbeit geleistet."
Miya und andere Hacker (der Begriff hatte damals
keine negative Konnotation) waren echte Verweigerer
und versuchten, sich von den Strömungen der Opposition gegen den Vietnamkrieg zu isolieren, die sich in
vielen Campussen breit machten. Obwohl ihre Arbeit
fast ausschließlich vom "bösen" Pentagon finanziert
wurde (eine der prominentesten Persönlichkeiten der
digitalen Revolution der neunziger Jahre erklärte uns,
95 Prozent seines Budgets in den entscheidenden
ersten Jahren seiner Labortätigkeit kamen vom Militär),
bestanden die Computer-Wissenschaftler weiterhin
darauf, daß die Finanzierung durch das ARPA sie
nicht zum Bestandteil des militärisch-industriellen

Seite 3

�Komplexes machte. Ich möchte glauben", sagte der
Computerwissenschaftler Alan Periis später, "daß die
Aufgabe des Militärs in der Unterstützung des ARPA
besteht, und der Zweck des ARPA die Unterstützung
von Forschung ist."
Als Teil dieser Unterstützung stimmte das ARPA der
Finanzierung eines experimentellen Computernetzes
zu. Das Netz, so hofften Vertreter von ARPA, würde
die Durchführbarkeit einer ferngesteuerten Sammlung
von Daten vom Kriegsschauplatz demonstrieren und
das Potential eines militärischen Kommunikationsnetzes in der Zeit nach dem Weltkrieg testen. Darüber
hinaus könnten dank des Netzes Forscher in allen
Teilen der Welt die wenigen Supercomputer des
Zeitalters nutzen, so daß das Verteidigungsministerium
nicht einen für jeden Vertragsnehmer kaufen müßte.
1968 holte ARPA Angebote für ein erweiterungsfähiges Netz ein, das vier Standorte verbinden sollte,
die bereits ARPA-Forschung durchführten: Die
Campusse der University of California in Los Angeles
(UCLA) und Santa Barbara (UCSB), das Stanford
Forschungsinstitut (SRI) in Stanford (Kalifornien) und
die University of Utah in Salt Lake City.
Während die Angebote eingingen, kam eine Handvoll
von Vertretern dieses vorgeschlagenen ARPAnetKnotens zusammen, um die Zukunft zu erörtern. "Wir
hatten viele Fragen", erinnerte sich Stephen D.
Crocker, zu jener Zeit im Abschlußsemester an der
UCLA. Man fragte sich, wie die Computer vernetzt
würden und was sie leisten könnten. "Keiner hatte
Antworten, aber die Aussichten schienen aufregend."
Die Männer entschieden sich, mehr Treffen einzuberufen. Die Netzwerk-Arbeitsgruppe, wie sie sich
nannte, erwies sich als so fließend und nichthierarchisch, wie das Internet selbst letztlich sein würde.
"Wir hatten keine offizielle Charta", stellte Crocker fest.
"Die meisten von uns standen kurz vor dem Examen,
und wir erwarteten, daß eine professionelle Crew
auftauchen und dann übernehmen würde...". Natürlich
gab es keine Veteranen. Die Studenten und Professoren mußten ihr eigenes Team bilden.
Der Konstruktionsvertrag für das ARPAnet wurde an
Bolt Beranek &amp; Newman (BBN) vergeben, eine in
Cambridge (Massachusetts) ansässige Forschungsfirma mit engen Verbindungen zum MIT. BBN schickte
die neue Kommunikations-Software im August 1969 an
die UCLA und im Oktober an das SRI. Bei einer
Vorführung im November tauschten die beiden
Maschinen in Kalifornien Daten aus. Das erste
Fernnetzwerk für Paketschaltungen war in Betrieb.
Ende des Jahres waren alle vier Netzknoten online.
Zu diesem Zeitpunkt beginnt der prominente Computerwissenschaftler Vinton Cerf, den The New York
Times als den Vater des Internet bezeichnete, eine
führende Rolle in der Erzählung einzunehmen. 1943
in New Haven (Connecticut) geboren, wandte Cerf der

Seite 4

Yale University den Rücken, studierte Mathematik an
der Stanford University und ging dann an die UCLA,
wo er seinen Magister in Computerwissenschaften
erwarb und promovierte. 1969 arbeitete Cerf als
graduierter Student beim Netzwerk-Meßzentrum der
UCLA und beobachtete, wie das ARPAnet mit vier
Knoten funktionierte - und was man tun mußte, damit
es abstürzte. "Wir haben das Netz oft mit Belastung
zum Absturz gebracht", erinnert sich Cerf.
Bald arbeitete er mit Robert Kahn zusammen, einem
Mathematikprofessor am MIT, der eine Gastprofessur
am BBN hatte. Cerf und Kahn entwickelten eine Reihe
von Software-Trotokollen", mit denen unterschiedliche
Computer trotz variierender Paketgrößen und Computergeschwindigkeiten Pakete austauschen konnten.
Das Ergebnis - TCP/IP - wurde 1973 veröffentlicht (zu
der Zeit unterrichtete Cerf in Stanford). TCP - Transmission Control Protocol (Transmissions-Kontroilprotokoll) - wandelt Informationen in Paketströme um
und setzt sie wieder zusammen. IP - Internet Protocol
(Internet-Protokoll) - transportiert die Pakete über
verschiedene Knoten, sogar über verschiedene Arten
von Netzen. Ebenso wie TCP/IP für eine ganze "Reihe
von Protokollen" - nicht nur diese beiden - steht, hatte
auch das Internet mehrere Väter. Cerf schreibt das
Verdienst der Erfindung des uns heute geläufigen
Computernetz-Kommunikationssystems vielen Personen zu , "Tausenden inzwischen".
Nachdem er 1977 von Stanford zum ARPA gegangen
war, das damals DARPA hieß - das D für "Defense"
(Verteidigung) wurde 1972 hinzugefügt - arbeitete Cerf
an einer anderen Art von Verbindungen. Von einem
Kleinbus, der die Autobahn an der San Franciso Bay
entlangfuhr, sendete ein Computer Informationen, die
per Paket über Radio, Satellit und Landlinien insgesamt 150.400 km zurücklegten. "Wir haben überhaupt nichts verloren", erinnerte sich Cerf später. Das
Projekt demonstrierte, daß Computer vom und zum
Kriegsschauplatz kommunizieren können. ARPA
finanzierte nicht länger reine Computerforschung.
DARPA bestand jetzt auf "militärisch interessanten" wie Cerf es bezeichnete - Projekten wie diesem. Cerfs
C3 Innovation kam zum Ende des Kalten Krieges eine Reminiszenz an ENIAC, das am Ende des
Zweiten Weltkriegs geliefert worden war.
Cerf hat seit seiner Geburt einen gravierenden Gehörschaden und trägt seitdem er 14 war ein Hörgerät. Es
war daher ein glücklicher, aber passender Zufall, daß
sein TCP/IP das heute so populäre textgestützte
Netzkommunikationssystem ermöglichte, einschließlich der elektronischen Post (E-Mail), Diskussionslisten, Dateiindexierung und Hypertext. E-Mail ist
natürlich der am meisten benutzte, praktischste und
funktionellste Netzdienst.
Ray Tomlinson von BBN wird das Verdienst zugeschrieben, die Software erfunden sowie 1972 und

AMERIKA DIENST 02

�1973 die ersten E-Mail-Nachrichten über das ARPAnet
verschickt zu haben. Zuerst benutzten die Wissenschaftler die E-Mail zur Zusammenarbeit bei Forschungsprojekten. Ihre Computergespräche wurden
so geführt, wie es sich für ein ernsthaftes O.R.-Projekt
gebührt, das seinen Ursprung in sowjetisch-amerikanischen militärischen Rivalitäten hatte. Man mußte
auch Regeln befolgen. ARPA begrenzte die Nutzung
des Netzes auf Dienstsachen. Darüber hinaus waren
einige Anwender besorgt, daß das Versenden persönlicher Nachrichten per E-Mail irgendwie das Postgeheimnis verletzen könnte. "Ihr werdet binnen Kürze
im Gefängnis landen", warnte Paul Baran von RAND
seine Kollegen.
Bald machte sich jedoch eine Hacker-Manier unter den
graduierten Studenten breit. Die Software für Versandlisten gestattete großen Gruppen von Menschen die
Erörterung gemeinsamer Interessen und machte die EMail sowohl zu einem Massenmedium als auch zu
einer Verbindung von Punkt zu Punkt. Die erste Liste,
SF-LOVERS, verband Science-fiction-Fans. "ARPA
war ziemlich liberal ... aber manchmal wurde ein
Machtwort gesprochen", erinnerte sich Bernie Cosell,
ein früher ARPAnet-User später. Als das Management
von ARPA sich beschwerte, wurde SF-LOVERS
eingestellt, nur um einige Monate später wieder
aufzutauchen, nachdem die Benutzer ARPA davon
überzeugen konnten, daß die Versandliste dem
elementaren Zweck der Erprobung der Versandkapazität des Netzes diente. Bald enthielt das Netz
Rubriken wie NETZ-HACKER, WEINTESTER und eine
ganze Reihe anderer Versandlisten. ARPA hatte sich
seit C3 enorm weiterentwickelt. Der Science-fictionSchriftsteller Bruce Sterling kleidete das Phänomen am
besten in Worte: Es war "als ob ein grausiger Falloutschild sich geöffnet hätte und ein ganzer Karnevalszug
herausgekommen wäre".

*

AMERIKA DIENST 02

Mitte der achtziger Jahre verband TCP/IP das ARPAnet mit anderen Netzwerken, darunter das NSFnet der
National Science Foundation, einer weiteren Bundesbehörde, und Usenet, das von graduierten Studenten
an der University von North Carolina (Raleigh) und der
ebenfalls in North Carolina (Durham) gelegenen Duke
University entwickelt worden war. Das Ergebnis wurde
erst ARPA-Internet, dann einfach das Internet genannt. ARPAnet wurde aufgeteilt, wobei die militärische Kommunikation auf das MILNET ging und die
Computerforscher schließlich ARPAnet vollständig
übernahmen. ARPAnet wurde 1990 geschlossen und
NSFnet wurde im April vergangenen Jahres eingestellt.
Die am meisten befahrenen Routen der Datenautobahn sind jetzt in privater Hand. Praktisch alle Netze
benutzten die TCP/IP-Sprache. "Ich bin sehr stolz auf
die Tatsache, daß das Internet sich an die Spitze aller
in den vergangenen 12 Jahren erfundenen Kommunikationsfähigkeiten katapultiert hat", äußerte Cerf 1994
gegenüber Computerworld. "Ich finde, das ist keine
schlechte Leistung."
Er schieb auch Hacker-Gedichte. Als ARPAnet im Juni
1990 eingestellt wurde, merkte es kaum jemand.
Andere Elemente des Internet übernahmen nahtlos
alle seine Funktionen. Cerf schrieb ein "Requiem für
das ARPAnet". Es endet folgendermaßen:
"Nun verweile einen Augenblick mit
mir, vergieße ein paar Tränen. Im
Gedenken an die gute alte Zeit, die
Liebe, die vielen Jahre treuen Dienstes und die geleistete Arbeit weine
ich. Leg'jetzt dein Paket nieder, mein
Freund, und schlafe."

*

Seite 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Lage der Nation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: USA setzen sich für Weltfrieden ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht zur Lage der Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Haushalt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausgeglichener Haushalt liegt in Reichweite&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine Führungsrolle für das nächste amerikanische Jahrhundert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. PFF&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Perry: PFF könnte dem Marshallplan vergleichbare Wirkung haben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Datenautobahn&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Entstehungsgeschichte des Internet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Edwin Diamond und Stephen Bates&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

25.Januar 1999

SONDERDIENST

LAGE DER NATION

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

CLINTON: VERBREITUNG VON NUKLEARWAFFEN MUSS EINGEDÄMMT WERDEN
Bericht zur Lage der Nation

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�LAGE

DER

NATION
25.Januar 1999

Clinton: Verbreitung von Nuklearwaffen
muß eingedämmt werden
Bericht zur Lage der Nation

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den von Präsident Clinton am 19. Januar 1999 vor dem
Kongreß vorgetragenen Bericht zur Lage der Nation im Wortlaut.

Mr. Speaker, Herr Vizepräsident, Mitglieder des
Kongresses, verehrte Gäste, meine amerikanischen
Mitbürger. Heute Abend habe ich die Ehre, Ihnen zur
Lage der Nation Bericht zu erstatten.
Ich möchte damit beginnen, den neuen Speaker des
Repräsentantenhauses zu begrüßen und ihm dafür zu
danken, daß er heute Abend zwei besondere Gäste
eingeladen hat, die mit Frau Hastert auf der Galerie
sitzen: Lyn Gibson und Wei Ling Chestnut sind die
Witwen der zwei mutigen Polizeibeamten, die auf dem
Capitol Hill gearbeitet haben und ihr Leben für die
Verteidigung des Hauses der Freiheit ließen.
Mr. Speaker, bei Ihrer Vereidigung haben Sie uns alle
gebeten, im Geiste der Höflichkeit und Überparteilichkeit zusammenzuarbeiten. Mr. Speaker, lassen Sie
uns genau das tun.

Dank der von Ihnen allen geleisteten Pionierarbeit
haben wir die niedrigste Rate an Gewaltverbrechen
seit einem Vierteljahrhundert und die sauberste
Umwelt seit einem Vierteljahrhundert. Die Vereinigten
Staaten sind eine starke Kraft für Frieden - von
Nordirland über Bosnien bis zum Nahen Osten.
Dank der Führungsrolle von Vizepräsident Gore haben
wie eine dem Informationszeitalter entsprechende
Regierung. Wir haben wieder eine Regierung, die ein
progressives Instrument des Gemeinwohls ist und in
unseren ältesten Werten Chancengleichheit, Verantwortung und Gemeinschaft wurzelt; für steuerliche
Verantwortung eintritt; entschlossen ist, unseren
Mitbürgern die erforderlichen Instrumente an die Hand
zu geben, damit sie im 21. Jahrhundert das Beste aus
ihrem Leben machen - eine Regierung des 21. Jahrhunderts für ein Amerika des 21. Jahrhunderts.
Meine amerikanischen Mitbürger, ich stehe heute
Abend vor Ihnen um zu berichten, daß die Lage
unserer Nation gut ist.

Heute Abend stehe ich vor Ihnen um zu berichten, daß
die Vereinigten Staaten die längste wirtschaftliche
Expansion unserer Geschichte in Friedenszeiten
geschaffen haben - mit nahezu 18 Millionen neuen
Arbeitsplätzen, Löhnen und Gehältern, die mehr als
doppelt so schnell steigen wie die Inflationsrate, der
höchsten Anzahl von Eigenheimbesitzern in der
Geschichte, der geringsten Anzahl von Sozialhilfeempfängern seit 30 Jahren und der niedrigsten
Arbeitslosenzahl in Friedenszeiten seit 1957.

Amerika funktioniert wieder. Die Versprechen unserer
Zukunft sind grenzenlos. Aber wir können diese
Versprechen nicht verwirklichen, wenn wir zulassen,
daß uns unser Wohlstand in Selbstgefälligkeit einlullt.
Wie es uns als Nation weit ins 21. Jahrhundert hinein
geht, hängt davon ab, was wir heute als Nation tun.

Zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten ist der Haushalt
ausgeglichen. Nach einem Defizit von 290 Milliarden
Dollar im Jahr 1992 hatten wir im letzten Jahr einen
Haushaltsüberschuß von 70 Milliarden Dollar. Und
jetzt sind wir auf dem Weg zu Haushaltsüberschüssen
für die nächsten 25 Jahre.

Angesichts unseres wachsenden Haushaltsüberschusses, unserer expandierenden Wirtschaft und
unseres steigenden Vertrauens ist jetzt der Augenblick
für diese Generation gekommen, unsere historische
Verantwortung für das 21. Jahrhundert zu übernehmen.

AMERIKA DIENST

Seite 1

�Unsere Haushaltsdisziplin bietet uns eine einzigartige
Chance, eine bemerkenswerte neue Herausforderung
anzugehen - die Überalterung Amerikas. Da die
Anzahl älterer Amerikaner sich bis zum Jahr 2030
verdoppeln wird, wird der Babyboom zum Seniorenboom werden. Daher müssen wir als allererstes die
soziale Sicherheit für das 21. Jahrhundert gewährleisten.
Anfang dieses Jahrhunderts bedeutete alt zu sein, arm
zu sein. Als Präsident Rooseveit die Sozialversicherung ins Leben rief, schrieben ihm Tausende Dankesbriefe dafür, daß er das abgeschafft hatte, was eine
Frau als den "reinen Terror des hilflosen Alters ohne
einen Pfennig" bezeichnete. Sogar heute müßte ohne
die Sozialversicherung die Hälfte der älteren Menschen unserer Nation in Armut leben.
Heute ist unsere Sozialversicherung gut. Aber im Jahr
2013 werden die Einkommensteuern nicht mehr
ausreichen, um die monatlichen Zahlungen abzudekken. Bis zum Jahr 2032 wird der Treuhandfonds
ausgeschöpft und die Sozialversicherung außerstande
sein, die vollen Leistungen zu erbringen, die den
älteren Amerikanern versprochen wurden.
Der beste Weg, um die Sozialversicherung weiter zu
einer felsenfesten Garantie zu machen, besteht nicht in
einer drastischen Kürzung der Leistungen, nicht in
einer Einkommensteuererhöhung, nicht in einer
Ausschöpfung der Ressourcen der Sozialversicherung
um ihrer Rettung willen. Statt dessen schlage ich vor,
daß wir eine historische Entscheidung treffen, den
Überschuß in die Sicherung der Sozialversicherung zu
investieren.
Im Einzelnen schlage ich vor, daß wir 60 Prozent des
Haushaltsüberschusses für die nächsten 15 Jahre der
Sozialversicherung zuweisen und einen kleinen Anteil
in den Privatsektor investieren, genauso, wie es eine
private oder staatliche Altersversorgung machen
würde. Das bringt höhere Erträge und hält die Sozialversicherung 55 Jahre lang stabil.
Aber wir müssen unser Ziel höher stecken. Wir sollten
die Sozialversicherung für die nächsten 75 Jahre auf
eine solide Grundlage stellen. Wir sollten die Armut
unter älteren Frauen verringern, für die die Wahrscheinlichkeit, in Armut zu leben, fast zweimal zu hoch
ist wie für unsere anderen Senioren. Und wir sollten
die Obergrenzen für die Zahlungen abschaffen, die
Senioren aus der Sozialversicherung erhalten können.
Diese Veränderungen werden schwierige, aber
durchaus realisierbare Entscheidungen über die
Zuweisung des Überschusses hinaus verlangen. Sie
müssen auf einer überparteilichen Basis getroffen
werden. Sie sollten in diesem Jahr getroffen werden.
Daher möchte ich Ihnen heute Abend sagen, ich reiche
Ihnen allen in beiden Häusern des Kongresses, in

Seite 2

beiden Parteien die Hand und bitte Sie, daß wir
gemeinsam zu dem amerikanischen Volk sagen: Wir
werden die Sozialversicherung jetzt sichern.
Im letzten Jahr haben wir klugerweise den gesamten
Überschuß aufgehoben, bis wir wußten, wieviel zur
Sicherung der Sozialversicherung benötigt wird. Ich
sage wieder, wir sollten keinen einzigen Pfennig davon
ausgeben, bis die Sozialversicherung wirklich gesichert ist. Das Wichtigste kommt zuerst.
Zweitens. Sobald wir die Sozialversicherung gesichert
haben, müssen wir unsere Verpflichtung erfüllen,
Medicare zu sichern und zu verbessern. Wir haben
die Dauer des Medicare-Treuhandfonds bereits um 10
Jahre verlängert - aber wir sollten sie für mindestens
ein weiteres Jahrzehnt verlängern. Heute Abend
schlage ich vor, daß wir in den nächsten 15 Jahren
jeweils ein Sechstel des Überschusses dafür verwenden, die Solidität von Medicare bis zum Jahr 2020 zu
garantieren.
Aber auch hier sollten wir unser Ziel höher stecken.
Wir müssen zu überparteilicher Arbeit bereit sein und
neue Ideen prüfen, darunter den bevorstehenden
Bericht der überparteilichen Medicare-Kommission.
Wenn wir zusammenarbeiten, können wir Medicare für
die nächsten beiden Jahrzehnte sichern und die größte
Notwendigkeit der Senioren abdecken - finanzierbare
Medikamente auf Rezept.
Drittens müssen wir allen Amerikanern behilflich sein,
ab dem ersten Tag an ihrem Arbeitsplatz zu sparen
und Wohlstand zu schaffen. Seit der Einführung der
Sozialversicherung haben die Amerikaner sie durch
private Rentenversicherungen und Ersparnisse
ergänzt. Dennoch gehen heute Millionen von Menschen mit nicht viel mehr als der Sozialversicherung in
den Ruhestand, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Amerikaner, die länger leben als je zuvor, müssen
einfach mehr sparen als je zuvor.
Aus diesem Grund schlage ich zusätzlich zur Sicherung der Sozialversicherung und von Medicare eine
neuen Renteninitiative zur Sicherung des Ruhestands
im 21. Jahrhundert vor. Ich unterbreite den Vorschlag,
daß wir etwas über 11 Prozent des Überschusses zur
Einrichtung universeller Sparkonten nutzen - universal
savings accounts oder USA-Konten -, um allen
Amerikanern die Möglichkeit zum Sparen zu geben.
Mit diesen neuen Konten können die Amerikaner nach
Belieben investieren und finanzielle Mittel entsprechend ihrer Spareinlagen erhalten, mit einer besonderen Hilfe für diejenigen, die am wenigsten sparen
können. Die USA-Konten werden allen Amerikanern
helfen, sich am Wohlstand unserer Nation zu beteiligen
und einen sichereren Ruhestand zu genießen. Ich
bitte Sie, sie zu unterstützen.

AMERIKA DIENST

�Viertens müssen wir in die Pflegeversicherung investieren.
Ich schlage Steuererleichterungen von
1.000 Dollar für ältere, kranke oder behinderte Menschen und die sie versorgenden Familienangehörigen
vor. Die Langzeitpflege wird angesichts der Überalterung Amerikas eine immer größere Herausforderung, und wir müssen mehr tun, um unseren
Familien bei ihrer Bewältigung behilflich zu sein.
Ich bin 1946 geboren, dem ersten Jahr des Babybooms. Ich kann Ihnen sagen, daß eines der größten
Anliegen unserer Generation unsere absolute Entschlossenheit ist, unser immer älter werdendes Land
nicht zu einer unerträglichen Last für unsere Kinder
und ihre Fähigkeit werden zu lassen, unsere Enkelkinder aufzuziehen. Unser wirtschaftlicher Erfolg und
unsere Haushaltsdisziplin bieten uns jetzt die Chance,
ihnen diese Last von den Schultern zu nehmen, und
das sollten wir tun.
Die Sicherung der Sozialversicherung und von Medicare, die Einrichtung von USA-Konten - das ist der
richtige Weg zur Verwendung des Überschusses.
Wenn wir das tun, haben wir immer noch Ressourcen
zur Erfüllung der wichtigen Erfordernisse im Bereich
der Bildung und Verteidigung. Und ich möchte darauf
hinweisen, daß diese Vorschläge haushaltspolitisch
solide sind. Bedenken Sie Folgendes: Wenn wir in den
nächsten 15 Jahren 60 Prozent des Überschusses für
die Sozialversicherung und 16 Prozent für Medicare
verwenden, werden diese Einsparungen den niedrigsten Stand der öffentlichen Verschuldung seit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg -1917 - erzielen.
Mit diesen vier Maßnahmen - Sicherung der Sozialversicherung, Stärkung von Medicare, Einrichtung von
USA-Konten, Unterstützung der Pflegeversicherung können wir anfangen, die historische Verantwortung
unserer Generation zu erfüllen, wirkliche Sicherheit für
die Senioren des 2 1 . Jahrhunderts zu schaffen.
Heute gehen mehr Kinder unterschiedlicher Herkunft in
unsere öffentlichen Schulen als zu jeder anderen Zeit
in unserer Geschichte.
Ihre Erziehung muß das
Wissen vermitteln und die Kreativität nähren, die
unserer ganzen Nation gestatten, in der neuen Volkswirtschaft zu prosperieren.
Heute können wir etwas sagen, das wir vor sechs
Jahren nicht sagen konnten: Mit den Steuervergünstigungen und leichter finanzierbaren Krediten für
Studenten, mit mehr Stipendien für Studenten, die sich
ihr Studium durch Arbeit finanzieren, und mehr PellStipendien, mit privaten Rentenkonten und den neuen
Steuererleichterung für das HOPE-Stipendium, die
über fünf Millionen Amerikaner in diesem Jahr erhalten
werden, haben wir endlich die Türen der Colleges für
alle Amerikaner geöffnet. Mit unserer Unterstützung
hat fast jeder Bundesstaat höhere akademische
Standards für die öffentlichen Schulen eingeführt, und

AMERIKA DIENST

zur Zeit wird ein nationaler freiwilliger Test erarbeitet,
um die Fortschritte unserer Schüler und Studenten zu
messen. Mit über 1 Milliarde Dollar an Abzügen, die
dieses Jahr zur Verfügung stehen, sind wir auf dem
Weg zu unserem Ziel, jedes Klassenzimmer und jede
Bibliothek ans Internet anzuschließen.
Im Herbst vergangenen Jahres genehmigten Sie
unseren Vorschlag, 100.000 neue Lehrer einzustellen,
um die Klassengröße in den ersten Schuljahren zu
verringern. Jetzt bitte ich Sie, die Arbeit zu beenden.
Wie Sie wissen, leisten unsere Kinder mehr. Die von
unseren Schülern in allgemeinen Wissenstests
erreichten Ergebnisse sind höher, die Mathematikleistungen in fast allen Klassen angestiegen. Aber es
gibt ein Problem. Während unsere Viertklässler in
Mathematik und Naturwissenschaften besser sind als
ihre Mitschüler in anderen Ländern, sind unsere
Achtklässler eher Durchschnitt und unsere Zwölftklässler ziemlich weit unten. Das müssen wir besser
machen. Jetzt investiert die Bundesregierung jedes
Jahr mehr als 15 Milliarden Dollar in unsere öffentlichen Schulen. Meines Erachtens müssen wir dieses
Geld anders investieren - das unterstützen, was
funktioniert und aufhören, das zu unterstützen, was
nicht funktioniert.
Ich werde dem Kongreß im Laufe dieses Jahres einen
Plan zukommen lassen, der zum ersten Mal die
Bundesstaaten und Schulbezirke für Fortschritte
rechenschaftspflichtig macht und sie für Ergebnisse
belohnt. Mein Gesetz über die Rechenschaftspflicht im
Bildungswesen wird von jedem Schulbezirk, der
staatliche Mittel erhält, die folgenden fünf Schritte
verlangen:
Erstens müssen alle Schulen die Praxis der "sozialen"
Versetzung beenden. Kein Schüler sollte von der High
School mit einem Diplom abgehen, das er nicht lesen
kann. Wir tun unseren Kindern keinen Gefallen, wenn
wir zulassen, daß sie von Klasse zu Klasse versetzt
werden, ohne das Lehrmaterial zu beherrschen.
Aber wir können die Schüler nicht in ihrer Entwicklung
zurückhalten, weil das System sie im Stich läßt. Daher
verdreifacht mein ausgeglichener Haushalt die Finanzmittel für Sommerschul- und Nachmittagsprogramme,
damit eine Million Kinder weiterhin lernen können.
Wenn Sie Zweifel haben sollten, daß das funktioniert,
betrachten sie sich das Beispiel Chicago. In Chicago
wurde die "soziale" Versetzung abgeschafft und die
Sommerschule für diejenigen obligatorisch, die die
Grundlagen nicht beherrschen. Die Mathematik- und
Leseleistungen sind seit drei aufeinanderfolgenden
Jahren gestiegen - und in einigen der ärmsten Gegenden wurden die besten Fortschritte erzielt. Es wird
funktionieren, und wir sollten es tun.

Seite 3

�Zweitens müssen alle Bundesstaaten und Schulbezirke ihre am schlechtesten abschneidenden Schulen
verbessern - oder sie schließen. Diese Politik wurde
von Gouverneur Jim Hunt in North Carolina eingeführt.
North Carolina hat im vergangenen Jahr in unserem
Land die größten Fortschritte bei den Prüfungsergebnissen erzielt. Unser Haushalt enthält 200 Millionen
Dollar, um den Bundesstaaten behilflich zu sein, ihre
schlecht abschneidenden Schulen zu verbessern.
Drittens müssen alle Bundesstaaten und Schulbezirke
für die Qualität ihrer Lehrer verantwortlich gemacht
werden. Die große Mehrheit unserer Lehrer leistet
gute Arbeit. Aber in zu vielen Schulen haben die
Lehrer in den Fächern, die sie unterrichten, keinen
Hauptfachabschluß - oder nicht einmal einen Nebenfachabschluß - vom College. Neue Lehrer sollten
Leistungsprüfungen ablegen, und alle Lehrer sollten
die Fächer beherrschen, die sie unterrichten. Der
ausgeglichene Haushalt dieses Jahres enthält Mittel,
um ihnen bei der Erlangung höherer Standards
behilflich zu sein.
Und um die schwierigsten Posten für talentierte junge
Lehrer attraktiv zu machen, empfehle ich eine sechsfache Aufstockung unseres Programms von Collegestipendien für Studenten, die sich verpflichten, in
den Innenstädten, isolierten ländlichen Gebieten und
indianischen Gemeinden zu unterrichten. Wir wollen
herausragende Leistungen in jeden Teil Amerikas
bringen.
Viertens müssen wir den Eltern mehr Befugnisse
verleihen, ihnen mehr Informationen und mehr Wahlmöglichkeiten geben. In zu vielen Gemeinden ist es
leichter, Informationen über die Qualität der örtlichen
Restaurants zu bekommen als über die Qualität der
örtlichen Schulen. Jeder Schulbezirk sollte eine Art
Zeugnis für jede Schule ausstellen. Und die Eltern
sollten bei der Auswahl ihrer öffentlichen Schulen mehr
Wahlmöglichkeiten haben.
Als ich Präsident wurde, gab es nur eine unabhängige
öffentliche Schule in ganz Amerika. Mit unserer
Unterstützung auf überparteilicher Ebene gibt es heute
1.100. Mein Haushalt gewährleistet, daß es Anfang
des nächsten Jahrhunderts 3.000 sein werden.
Fünftens. Um sicherzustellen, daß unsere Klassenzimmer wirklich Orte des Lernens sind und um darauf
zu reagieren, was die Lehrer uns seit Jahren zu tun
gebeten haben, sollten alle Bundesstaaten und
Schulbezirke
vernünftige
Disziplinarmaßnahmen
verabschieden und einführen müssen.
Lassen Sie uns noch etwas für unsere Kinder tun.
Heute sind zu viele unserer Schulen so alt, daß sie
beinahe zusammenbrechen, oder so überfüllt, daß die
Schüler in Wohnwagen lernen. Im Herbst vergangenen Jahres hat der Kongreß die Chance verpaßt, das

Seite 4

zu ändern. In diesem Jahr darf der Kongreß angesichts von 53 Millionen Kindern in unseren Schulen
diese Chance nicht wieder verpassen. Ich bitte Sie,
unseren Gemeinden beim Bau oder der Modernisierung von 5.000 Schulen behilflich zu sein.
Wenn wir das alles tun - die "soziale" Versetzung
abschaffen, schlecht abschneidende Schulen verbessern, modernere bauen, qualifizierte Lehrer
unterstützen, Innovation, Wettbewerb und Disziplin
fördern - dann werden wir anfangen, die historische
Verantwortung unserer Generation zu erfüllen, Schulen für das 21. Jahrhundert zu schaffen.
Wir müssen auch mehr tun, um die Millionen von Eltern
zu unterstützen, die jeden Tag bei der Arbeit und zu
Hause ihr Bestes geben. Das grundlegendste Instrument ist ein ordentliches Einkommen. Deswegen
wollen wir den Mindestlohn in den nächsten zwei
Jahren um einen Dollar pro Stunde erhöhen. Und wir
wollen sicherstellen, daß Frauen und Männer die
gleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit erhalten,
indem wir die Durchsetzung der Gesetze über gleiche
Bezahlung verbessern.
Arbeitende Eltern benötigen auch qualifizierte Kinderbetreuung. Daher habe ich den Kongreß in diesem
Jahr erneut gebeten, unseren Plan für Steuererleichterungen und Fördermittel für Arbeitnehmerfamilien, für
verbesserte Sicherheit und Qualität und für erweiterte
Programme nach dem Ende des Schulunterrichts zu
unterstützen. Unser Plan beinhaltet auch eine neue
Steuervergünstigung für Eltern, die zu Hause bleiben.
Auch sie benötigen Unterstützung.
Die Eltern sollten nie in der Situation sein, zwischen
ihren Kindern und der Arbeit wählen zu müssen. Das
Gesetz über Krankenurlaub aus familiären Gründen der allererste Gesetzentwurf, dem ich Gesetzeskraft
verliehen habe - hat seit 1993 Millionen und Abermillionen Amerikanern geholfen, sich um ein neugeborenes
Baby zu kümmern oder einen kranken Verwandten zu
pflegen, ohne ihren Arbeitsplatz zu riskieren. Angesichts all der Beweise, daß dies für die Arbeitgeber so
wenig Probleme bereitet hat, ist es meiner Ansicht
nach jetzt an der Zeit, den Krankenurlaub aus familiären Gründen auf 10 Millionen weitere Amerikaner
auszuweiten, die für kleinere Unternehmen arbeiten.
Und ich hoffe, Sie werden das unterstützen.
Eltern sollten sich auch nie Diskriminierung am
Arbeitsplatz ausgesetzt sehen. Daher möchte ich den
Kongreß ersuchen, den Unternehmen zu verbieten,
jemanden nicht einzustellen oder zu befördern, nur
weil er Kinder hat. Das ist nicht richtig.
Die Familien Amerikas verdienen die beste medizinische Versorgung der Welt. Dank der überparteilichen staatlichen Unterstützung für medizinische
Forschung stehen wir jetzt kurz vor neuen Behand-

AMERIKA DIENST

�lungsmethoden zur Vermeidung oder Verzögerung des
Ausbruchs von Krankheiten wie der Parkinsonschen
oder Alzheimer, Arthritis oder Krebs. Aber während wir
unsere Fortschritte in der medizinischen Wissenschaft
fortsetzen, dürfen wir unsere medizinische Versorgung
nicht hinterherhinken lassen. Die auf Gesundheitsbetriebe beschränkte Krankenversicherung hat die
Medizin in Amerika buchstäblich umgewandelt - die
Kosten wurden gesenkt, aber nun droht ein Qualitätsverlust.
Ich finde, wir sollten zu jedem Amerikaner sagen: Sie
sollten das Recht haben, alle Ihre medizinischen
Optionen zu kennen - nicht nur die billigste. Wenn Sie
einen Spezialisten benötigen, sollten Sie das Recht
haben, einen aufzusuchen. Sie haben das Recht auf
die nächste Notaufnahme, wenn Sie einen Unfall
haben. Das ist es, was wir sagen sollten. Und ich
denke, wir sollten sagen, Sie sollten das Recht haben,
denselben Arzt während einer Behandlung zu behalten, sei es eine Schwangerschaft oder Chemotherapie
oder etwas anderes. Ich bin davon überzeugt.
Ich habe angeordnet, daß diese Rechte auf die 85
Millionen Amerikaner ausgeweitet werden, die bei
Medicare, Medicaid und anderen staatlichen Gesundheitsprogrammen versichert sind.
Aber nur der
Kongreß kann eine Patienten-Bill of Rights für alle
Amerikaner erlassen. Im vergangenen Jahr hat der
Kongreß diese Chance verpaßt, und wir dürfen diese
Chance nicht wieder verpassen. Zum Wohl unserer

Familien bitte ich Sie, daß wir uns über Parteigrenzen
hinweg zusammenschließen und eine starke, durchsetzbare Patienten-Bill of Rights erlassen.
Je mehr unserer medizinischen Daten elektronisch
gespeichert werden, desto mehr nehmen die Bedrohungen unserer Privatsphäre zu. Weil der Kongreß
mir die Befugnis zu handeln verliehen hat, wenn er
selbst es nicht bis August in der einen oder anderen
Weise tut, können wir dem amerikanischen Volk nur
sagen, wir werden Eure persönlichen medizinischen
Daten schützen, und wir werden es in diesem Jahr tun.
Vor zwei Jahren hat der Kongreß die Gesundheitsfürsorge auf bis zu fünf Millionen Kinder ausgedehnt.
Jetzt sollten wir noch weiter gehen. Wir sollten es
kleinen und mittelständischen Unternehmern erleichtem, eine Krankenversicherung anzubieten. Wir
sollten den Menschen zwischen 55 und 65, die ihren
Krankenversicherungsschutz verlieren, die Chance
bieten, sich in Medicare einzukaufen. Und wir sollten
den Zugang zu Familienplanungsprogrammen weiterhin sicherstellen.
Niemand sollte die Entscheidung treffen müssen, die
Krankenversicherung zu behalten oder eine Arbeit
anzunehmen. Und aus diesem Grund bitte ich Sie
heute Abend ganz besonders, sich zusammenzuschließen, um den - von den Senatoren Kennedy
und Jeffords, Roth und Moynihan - eingebrachten

AMERIKA DIENST

Gesetzentwurf zu verabschieden, damit behinderte
Menschen ihre Krankenversicherung behalten können,
wenn sie eine Arbeit annehmen.
Wir müssen dafür sorgen, daß unsere öffentlichen
Krankenhäuser, unsere Gemeinde- und Universitätsgesundheitszentren
grundlegende, finanzierbare
Gesundheitsfürsorge für die Millionen Arbeitnehmerfamilien bereitstellen können, die keine Krankenversicherung haben. Sie tun heute bereits sehr viel,
aber es kann sehr viel mehr getan werden. Und mein
ausgeglichener Haushalt sieht einen ordentlichen
Betrag vor, um dieses Ziel zu verwirklichen. Ich hoffe,
Sie denken an diese Familien und unterstützen dieses
Vorhaben.
Wir müssen unsere Bestrebungen zur Behandlung und
Verhinderung von Geisteskrankheiten verstärken.
Kein Amerikaner sollte je Angst haben, dieses Thema
anzusprechen. In diesem Jahr werden wir im Weißen
Haus eine Konferenz über geistige Gesundheit
veranstalten. Tipper Gore leitet unser Vorhaben mit
viel Gefühl und Engagement, und ich möchte ihr für
ihre Arbeit danken. Vielen Dank! Wie jeder weiß, sind
unsere Kinder das Ziel einer massiven Medienkampagne, sie von Zigaretten abhängig zu machen. Ich bitte
jetzt diesen Kongreß, der Zigarettenlobby zu widerstehen, die Befugnis der US-Gesundheitsbehörde zu
bekräftigen, unsere Kinder vor Tabak zu schützen, und
die Tabakunternehmen bei gleichzeitigem Schutz der
Tabakanbauer zur Rechenschaft zu ziehen.
Rauchen kostet den Steuerzahler Milliarden Dollar im
Rahmen von Medicare und anderen Programmen.
Meiner Ansicht nach hatten die Bundesstaaten Recht
in dieser Angelegenheit - nicht die Steuerzahler sollten
für die Kosten von Lungenkrebs, Emphysemen und
anderen mit Rauchen in Zusammenhang stehenden
Krankheiten aufkommen, sondern die Tabakuntemehmen. Daher gebe ich heute Abend bekannt, daß das
Justizministerium einen Rechtsstreit vorbereitet, um
die Tabakuntemehmen vor Gericht zu bringen - und
mit den gezahlten Entschädigungen können wir
Medicare aufstocken.
Wenn wir in diesen Bereichen tätig werden - Mindestlöhne, Krankenurlaub aus familiären Gründen, Kinderbetreuung, Gesundheitsfürsorge, die Sicherheit
unserer Kinder - dann werden wir beginnen, die
historische Verantwortung unserer Generation zu
erfüllen, unsere Familien für das 21. Jahrhundert zu
stärken.
Amerika ist heute die Volkswirtschaft mit der größten
Dynamik und Wettbewerbsfähigkeit und die Volkswirtschaft in der Geschichte, die am meisten Arbeitsplätze
schafft. Aber wir können es besser machen - indem
wir eine Volkswirtschaft für das 21. Jahrhundert
aufbauen, die alle Amerikaner einbezieht.

Seite 5

�Das heutige Einkommensgefälle ist vor allem ein
Qualifikationsgefälle. Letztes Jahr hat der Kongreß
ein Gesetz erlassen, mit dem Arbeitnehmer ein
Stipendium bekommen können, um die erforderliche
Ausbildung zu erhalten. Und ich beglückwünsche alle
hier Anwesenden, die daran beteiligt waren. In diesem
Jahr empfehle ich Zuweisungen an das neue System
über fünf Jahre hinweg, so daß wir allen Amerikanern,
die ihren Arbeitsplatz verlieren, in den nächsten fünf
Jahren eine angemessene Ausbildung zukommen
lassen und die schnellen Eingreifteams erweitern
können, um allen Städten zu helfen, die von der
Schließung von Unternehmen wirklich betroffen sind.
Ich hoffe, Sie unterstützen das.
Ich bitte Sie auch um Ihre Unterstützung für eine
drastische Aufstockung der staatlichen Mittel zur
Bekämpfung des Analphabetentums unter Erwachsenen, um eine nationale Kampagne in die Wege zu
leiten, die darauf abzielt, den Millionen und Abermillionen Menschen zu helfen, die immer noch schlechter
lesen können als ein Fünftklässler. Dagegen müssen
wir etwas tun.
Hier einige gute Nachrichten: In den vergangenen
sechs Jahren haben wir die Zahl unserer Sozialhilfeempfänger fast um die Hälfte verringert. Vor zwei
Jahren habe ich von diesem Podium aus fünf Unternehmen gebeten, nationale Bestrebungen anzuführen,
den Sozialhilfeempfängern Arbeit zu geben. Inzwischen haben sich 10.000 Unternehmen an unserer
Kampagne beteiligt und Hunderttausende Sozialhilfeempfänger eingestellt. Und unser ausgeglichener
Haushalt wird weiteren 200.000 Menschen helfen, die
Würde und den Stolz einer Arbeit zu erleben. Ich
hoffe, Sie unterstützen das.
Wir müssen mehr tun, um die Dynamik von Privatunternehmen in jeden Teil Amerikas zu bringen - um
eine Brücke von der Wall Street bis Appalachia im
Mississippidelta, zu den Gemeinden unserer Ureinwohner zu schlagen - mit mehr Unterstützung der
Gemeindeentwicklungsbanken für Wirtschaftsförderungszonen und für weitere 100.000 Voucher für
finanzierbare Wohnungen. Und ich bitte den Kongreß,
unseren kühnen neuen Plan zu unterstützen, Unternehmen dabei behilflich zu sein, bis zu 15 Milliarden
Dollar an Kapital des Privatsektors aufzubringen, um in
unseren Innenstädten und ländlichen Gebieten
Arbeitsplätze und Chancen zu schaffen - mit Steuererleichterungen, Kreditbürgschaften und unter Einbeziehung der neuen Entwicklungsgesellschaft für
Amerika, die entsprechend der Entwicklungsgesellschaft für das Ausland OPIC geschaffen wurde.
Die OPIC gibt es seit Jahren, weil wir wußten, daß es
im Ausland unerschlossene Märkte gab. Aber unsere
größten unerschlossenen Märkte sind nicht im Ausland
- sie sind hier im Inland. Und wir sollten uns um sie
kümmern.

Seite 6

Wir müssen hart arbeiten, um den von Familien
betriebenen Farmen wieder zu Wohlstand zu verhelfen. Und dieser Kongreß weiß sehr wohl, daß sinkende Preise und der Verlust ausländischer Märkte zu
viele dieser Farmen vernichtet haben. Im letzten Jahr
stellte der Kongreß beträchtliche Mittel bereit, um eine
Katastrophe in der amerikanischen Landwirtschaft
abzuwenden. Ich bin zur Zusammenarbeit mit den
Gesetzgebern beider Parteien bereit, um ein Sicherheitsnetz für die Farmer zu schaffen, das eine
Reform der Ernteversicherung und Einkommensunterstützungen beinhaltet. Ich bitte Sie, mir bei seiner
Einführung behilflich zu sein. Das sollte kein Politikum
sein. Jeder weiß, daß das ländliche Amerika heute mit
einem Wirtschaftsproblem konfrontiert ist, und wir
benötigen die geeigneten Mittel, um es anzugehen.
Wir müssen unsere technologische Führungsrolle
stärken. Es waren staatliche Investitionen, die zur
Schaffung des Internet führten. Ich schlage eine 28prozentige Erhöhung der Mittel für langfristige Computerforschung vor.
Wir müssen auch vom ersten Augenblick an für das
21. Jahrhundert gerüstet sein, indem wir das so
genannte Jahr 2000-Problem lösen. Das ist ein
riesiges Problem. Und wir arbeiten hart daran. Wir
haben bereits sichergestellt, daß die Sozialversicherungsschecks rechtzeitig geschickt werden. Aber ich
möchte, daß alle, die jetzt zu Hause zuhören, wissen,
daß jede bundesstaatliche und kommunale Regierung,
jedes kleine und große Unternehmen mit uns zusammenarbeiten muß um zu gewährleisten, daß uns
dieses Jahr 2000-Problem als das letzte Problem des
20. Jahrhunderts in Erinnerung bleibt, nicht als die
erste Krise des 21. Jahrhunderts.

Für unseren Wohlstand im Inland müssen wir Wirtschaftswachstum im Ausland unterstützen. Bis vor
kurzem war ein Drittel unseres Wirtschaftswachstums
auf Exporte zurückzuführen. Aber in den letzten
anderthalb Jahren haben finanzielle Turbulenzen im
Ausland dieses Wachstum gefährdet. Heute befindet
sich ein Großteil der Welt in einer Rezession, wobei
Asien besonders schwer betroffen ist. Das ist die
ernsthafteste Finanzkrise seit einem halbem Jahrhundert. Um sie zu bewältigen, haben die Vereinigten
Staaten und andere Nationen die Zinssätze gesenkt
und den Internationalen Währungsfonds gestärkt. Und
obwohl die Turbulenzen noch nicht vorüber sind,
arbeiten wir sehr hart mit anderen Nationen daran, sie
einzudämmen.
Gleichzeitig müssen wir an dem langfristigen Projekt
weiterarbeiten und ein globales Finanzsystem für das
21. Jahrhundert aufbauen, das Wohlstand fördert und
das Auf und Ab des Konjunkturzyklus eindämmt, das
einen Großteil Asiens erfaßt hat. Im Juni werde ich mit
anderen Staats- und Regierungschefs zusammenkommen, um dieses historische Ziel voranzubringen.

AMERIKA DIENST

�Und ich bitte Sie alle, unser Unternehmen zu unterstützen.
Ich bitte Sie auch, die Schaffung eines freieren und
faireren Handelssystems für das Amerika des 21.
Jahrhunderts zu unterstützen.

i

Ich möchte jedem in dieser Kammer in beiden Parteien
etwas Ernstes sagen. Meines Erachtens hat der
Handel uns und Amerika außerhalb dieser Kammer
viel zu lange gespalten. Irgendwie müssen wir
gemeinsames Terrain finden, wie Unternehmer und
Arbeitnehmer, Umweltschützer, Farmer und die
Regierung zusammenarbeiten können. Meiner Ansicht
nach sind das die Dinge, über die wir uns alle einige
sein sollten. Lassen Sie es mich also versuchen.
Erstens sollten wir Handelshemmnisse abbauen,
Märkte öffnen und den Handel erweitem. Aber
gleichzeitig müssen wir sicherstellen, daß die Bürger in
allen Ländern tatsächlich vom Handel profitieren einem Handel, der die Würde der Arbeit und die
Rechte der Arbeitnehmer fördert und die Umwelt
schützt. Wir müssen darauf bestehen, daß internationale Handelsorganisationen offener für öffentliche
Überprüfung werden, statt scharfer Kritik ausgesetzte
mysteriöse, geheime Institutionen zu sein.
Angesichts der immer stärker integrierten Weltwirtschaft müssen wir in der Welt das tun, was wir den
Großteil dieses Jahrhunderts hier zu Hause getan
haben. Wir müssen der globalen Wirtschaft ein
humanes Gesicht verleihen.
Wir müssen unsere Handelsgesetze durchsetzen,
wenn Importe unrechtmäßig unsere Nation überfluten.
Ich habe bereits die japanische Regierung davon in
Kenntnis gesetzt, daß Amerika reagieren wird, wenn
die plötzliche Welle von Stahlimporten aus Japan in
unser Land nicht aufhört.
Wir müssen allen durch die aktuelle Krise hart getroffenen Herstellern mit Kreditbürgschaften und anderen
Anreizen helfen, um die amerikanischen Exporte um
nahezu 2 Milliarden Dollar zu erhöhen. Ich glaube,
daß wir auf der Grundlage dieser Prinzipien einen
neuen Konsens zum Handel erzielen können. Und ich
bitte den Kongreß erneut, mir bei diesem gemeinsamen Ansatz zur Seite zu stehen und dem Präsidenten die seit langem genutzte - und jetzt überfällige
und erforderliche - Handelsbefugnis zu verleihen, um
den Wohlstand im 21. Jahrhundert zu vermehren.
Heute Abend rufe ich die Nationen der Welt auf,
zusammen mit den Vereinigten Staaten in eine neue
Runde globaler Handelsgespräche einzutreten, um
den Export von Dienstleistungen, Fertigwaren und
landwirtschaftlichen Produkten zu erweitern. Heute
Abend sage ich, wir arbeiten mit der Internationalen
Arbeitsorganisation an einer neuen Initiative, um die

AMERIKA DIENST

Arbeitsnormen auf der ganzen Welt zu verbessern.
Und in diesem Jahr werden wir die internationale
Gemeinschaft anführen, um einen Vertrag über das
Verbot von Kinderarbeit auf der ganzen Welt abzuschließen.
Wenn wir das alles tun - in unsere Menschen, unsere
Gemeinden, unsere Technologien investieren und die
globale Wirtschaft anführen - dann werden wir beginnen, unsere historische Verantwortung zu erfüllen,
Wohlstand für Amerika im 21. Jahrhundert zu schaffen.
Wie Sie wissen, hatte keine Nation in der Geschichte
die Chancen und die Verantwortung, die wir jetzt
haben, zur Gestaltung einer Welt mit mehr Frieden,
mehr Sicherheit und mehr Freiheit. Alle Amerikaner
können stolz sein, daß unsere Führungsrolle dazu
beigetragen hat, Frieden in Nordirland zu schaffen.
Und mit unseren NATO-Verbündeten drängen wir die
serbische Regierung, die brutale Unterdrückung im
Kosovo zu beenden - die Verantwortlichen vor Gericht
zu bringen und den Menschen im Kosovo die autonome Regierung zu geben, die sie verdienen.
Alle Amerikaner können stolz sein, daß unsere
Führungsrolle die Hoffnung auf einen dauerhaften
Frieden im Nahen Osten erneuert hat. Einige von
Ihnen haben im letzten Dezember mit mir zusammen
erlebt, wie der palästinensische Nationalrat seinen
Aufruf zur Zerstörung Israels vollständig zurückgenommen hat. Jetzt bitte ich den Kongreß, Mittel
bereitzustellen, so daß alle Parteien das Abkommen
von Wye umsetzen können - zum Schutz der Sicherheit Israels, zur Ankurbelung der palästinensischen Wirtschaft, zur Unterstützung unserer Freunde
in Jordanien. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen. Ich
hoffe auf Ihre Hilfe.
Während wir auf den Frieden hinarbeiten, müssen wir
auch die Bedrohungen der Sicherheit unserer Nation
bewältigen - einschließlich erhöhter Gefahren durch
geächtete Nationen und Terrorismus. Wir werden
unsere Sicherheit verteidigen, wo immer wir bedroht
sind, wie wir es diesen Sommer getan haben, als wir
einen Schlag gegen Osama bin Ladens Netz führten.
Die Bombenanschläge auf unsere Botschaften in
Kenia und Tansania erinnern uns erneut an die
Risiken, denen sich diejenigen jeden Tag gegenübersehen, die Amerika in der Welt vertreten. Wir
wollen ihnen daher die Unterstützung, die sicheren
Arbeitsplätze und die Ressourcen geben, die sie
benötigen, damit Amerika weiterhin eine Führungsrolle
übernehmen kann.
Wir müssen Terroristen von der Störung der Computernetze abhalten. Wir müssen die Kommunen auf
biologische und chemische Notfälle vorbereiten und
die Forschung nach Impfstoffen und entsprechenden
Behandlungsmethoden unterstützen.

Seite 7

�Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken, die
Verbreitung von Nuklearwaffen und Raketen einzudämmen - von Korea bis zu Indien und Pakistan.
Wir müssen unsere Zusammenarbeit mit Rußland, der
Ukraine und den anderen ehemaligen sowjetischen
Nationen zur Sicherung von Nuklearmaterial und
-technologie erweitem, so daß sie nie in die falschen
Hände gelangen. Unser ausgeglichener Haushalt wird
die Mittel für diese entscheidenden Bestrebungen in
den nächsten fünf Jahren um nahezu zwei Drittel
aufstocken.
Zusammen mit Rußland müssen wir den Abbau
unserer Nukleararsenale fortsetzen. Der START IIVertrag und das für START III bereits abgeschlossene
Rahmenabkommen könnte sie von ihrem Höchststand
im Kalten Krieg um 80 Prozent verringern.
Seit ich den Vertrag über ein umfassendes Verbot von
Atomtestversuchen unterschrieben habe, sind zwei
Jahre vergangen. Wenn wir nicht das Richtige tun,
werden auch andere Nationen nicht das Richtige tun.
Ich bitte den Senat, diesen entscheidenden Schritt zu
unternehmen: Verabschieden Sie den Vertrag jetzt, um
anderen Nationen die Entwicklung von Nuklearwaffen
zu erschweren und um sicherzustellen, daß wir die
Atomtests für immer einstellen können.
Seit nahezu einem Jahrzehnt hat sich der Irak seiner
Verpflichtung entzogen, seine Terrorwaffen und ihre
Trägersysteme zu zerstören. Die Vereinigten Staaten
werden Saddam Hussein weiterhin in Schach halten und wir werden auf den Tag hinarbeiten, an dem der
Irak die Regierung hat, die sein Volk verdient.
Bei unserem Militärschlag gegen den Irak im vergangenen Monat waren unsere Truppen ausgezeichnet.
Ihre Mission wurde so makellos ausgeführt, daß wir
den erforderlichen Mut und die Fähigkeiten beinahe als
selbstverständlich hinnehmen.
Hauptmann Jeff
Taliaferro, seit 10 Jahren bei der US-Luftwaffe, flog bei
unserem Angriff auf Saddam Husseins Kriegsmaschinerie einen B-1B-Bomber über den Irak. Er ist heute
Abend anwesend. Ich bitte Sie, ihm und allen 33.000
Männern und Frauen der Operation Wüstenfuchs Ihre
Ehre zu erweisen.
Es ist an der Zeit, die 1985 begonnene Kürzung der
Verteidigungsausgaben zu beenden. Seit April haben
wir zusammen das Budget um beinahe 6 Milliarden
Dollar aufgestockt, um unsere militärische Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten. Mein ausgeglichener
Haushalt sieht eine kontinuierliche Erhöhung über die
nächsten sechs Jahre für Einsatzbereitschaft, Modernisierung sowie für Gehälter und Vergünstigungen für
unseren Truppen und ihre Familien vor.
Wir sind die Erben des Muts, der durch Millionen
unserer Veteranen in jeder Gemeinde Amerikas
vertreten ist. Die Verteidiger der Vereinigten Staaten

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stehen heute immer noch jederzeit bereit, dorthin zu
gehen, wo es wenig Bequemlichkeit und viele Gefahren gibt, um zu tun, was getan werden muß, wie keiner
es kann. Sie tun immer etwas für Amerika. Jetzt
müssen wir etwas für sie tun.
Das neue Jahrhundert erfordert neue Partnerschaften
für Frieden und Sicherheit. Die Vereinten Nationen
spielen eine entscheidende Rolle und die Verbündeten
teilen Lasten, die Amerika sonst alleine tragen müßte.
Die Vereinigten Staaten benötigen eine starke und
effektive UNO. Ich möchte mit diesem neuen Kongreß
zusammenarbeiten, damit wir unsere Beiträge und
unsere Schulden bezahlen.
Wir müssen weiterhin Sicherheit und Stabilität in
Europa und Asien unterstützen - indem wir die NATO
erweitern und ihre neuen Missionen definieren, unser
Bündnis mit Japan, Korea und unseren anderen
asiatischen Verbündeten aufrechterhalten und China
einbeziehen.
Im vergangenen Jahr habe ich in China zu den
Regierungsvertretern und dem Volk gesagt, was ich
heute Abend noch einmal sagen möchte: Stabilität
kann nicht länger auf Kosten der Freiheit erkauft
werden. Aber ich möchte dem amerikanischen Volk
auch noch einmal sagen: Es ist wichtig, China nicht zu
isolieren. Je mehr wir China in die Welt einbinden,
desto mehr wird die Welt China Wandel und Freiheit
bringen.
Im Frühjahr letzten Jahres bin ich mit einigen von
Ihnen nach Afrika gereist, wo wir ein Aufkeimen von
Demokratie und Reformen beobachten konnten, das
jedoch immer noch durch Gewalt und Krankheiten
zurückgehalten wird. Wir müssen Demokratie und
Frieden in Afrika stärken, indem wir Radio Democracy
for Africa auf Sendung bringen, den jetzt in Nigeria
beginnenden Übergang zu Demokratie stärken und
das Afrikanische Handels- und Entwicklungsgesetz
verabschieden.
Wir müssen unsere Beziehungen zu Südamerika und
der Karibik, unsere gemeinsame Arbeit an der Ausbildung der Kinder, der Bekämpfung von Drogen,
Stärkung von Demokratie und Erweiterung des
Handels weiter vertiefen. In dieser Hemisphäre ist mit
Ausnahme von einer jede Regierung frei von ihrem
Volk gewählt. Wir sind entschlossen, daß auch Kuba
die Segnungen der Freiheit kennenlernen soll.
Das amerikanische Volk hat sein Herz und seine Arme
für seine Nachbarn in Mittelamerika und der Karibik
geöffnet, die von den jüngsten Hurrikanen so schwer
getroffen wurden.
In Zusammenarbeit mit dem
Kongreß habe ich micht verpflichtet, ihnen beim
Wiederaufbau behilflich zu sein. Als die First Lady und
Tipper Gore die Region besucht haben, sahen sie
Tausende unserer Truppen und Tausende von

AMERIKA DIENST

�amerikanischen Freiwilligen. In der Dominikanischen
Republik hat Hillary ein Krankenhaus seiner Bestimmung übergeben, das von Dominikanern und
Amerikanern Seite an Seite wiederautgebaut worden
war. Sie wurde von jemandem begleitet, der für die
Katastrophenhilfe sehr wichtig ist.
Wie Sie wissen, werden Rekorde im Sport aufgestellt
und früher oder später gebrochen. Aber das Leben
anderer Menschen besser zu machen und unseren
Kindern die wahre Bedeutung von Brüderlichkeit zu
vermitteln - das hat für immer Bestand. Sammy Sosa für weit mehr als Ihre Leistungen im Baseball sind Sie
heute Abend ein Held in zwei Ländern. Ich danke
Ihnen. Ihnen allen sage ich, wenn wir diese Dinge tun
- wenn wir nach Frieden streben, Terrorismus bekämpfen, unsere Stärke erhöhen, unsere Bündnisse
erneuern - werden wir beginnen, die historische
Verantwortung unserer Generation zu erfüllen, ein
stärkeres Amerika für das 2 1 . Jahrhundert aufzubauen, in einer freieren, friedlicheren Welt.
So wie sich die Welt verändert hat, haben sich auch
unsere Gemeinden verändert.
Wir müssen sie
sicherer, lebenswerter und geeinter machen.
In
diesem Jahr werden wir unser Ziel erreichen, unsere
bürgemahe Polizei um 100.000 Polizisten zu erweitem
- vor der gesetzten Frist und mit Unterschreitung
unseres Budgets. Das Brady-Gesetz hat verhindert,
daß eine Viertelmillion Verbrecher, Flüchtige und
Fanatiker Handfeuerwaffen kaufen. Und jetzt haben
wir die niedrigste Rate von Morden seit 30 Jahren, und
die Verbrechensrate ist in sechs aufeinander folgenden Jahren gesunken.
Heute Abend schlage ich einen Gesetzentwurf zur
Verbrechensbekämpfung für das 2 1 . Jahrhundert vor,
mit dem die neuesten Technologien und Taktiken
eingeführt werden, um unsere Gemeinden noch
sicherer zu machen. Unser ausgeglichener Haushalt
wird dazu beitragen, bis zu 50.000 weitere Polizisten in
Gegenden auf die Straßen zu schicken, die von
Verbrechen am stärksten betroffen sind - und sie dann
mit neuen Geräten auszurüsten, von Computern mit
Karten der Gegenden mit hoher Kriminalität bis zu
digitalen Verbrecherfotos.
Wir müssen den tödlichen Zyklus von Drogen und
Kriminalität durchbrechen. Unser Haushalt erhöht die
Unterstützung für Drogentests und -therapie, indem
den Gefangenen gesagt wird: Wenn Sie weiterhin
Drogen nehmen, müssen Sie hinter Gittern bleiben.
Und denen auf Hafturlaub: Wenn Sie Ihre Freiheit
behalten wollen, müssen Sie sich von Drogen fernhalten.
Ich bitte den Kongreß, die fünftägige Wartezeit für den
Kauf einer Handfeuerwaffe wieder einzuführen - und
das Brady-Gesetz zu erweitem, um Jugendliche, die

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ein Gewaltverbrechen begehen, vom Kauf einer Waffe
abzuhalten.
Wir müssen mehr tun, um unsere Schulen zum
sichersten Ort in unseren Gemeinden zu machen.
Letztes Jahr war jeder Amerikaner entsetzt und
verzweifelt über die tragischen Morde in Jonesboro,
Paducah, Pearl, Edinboro, Springfield. Wir waren
zutiefst bewegt von den Taten der mutigen Eltern, die
jetzt darauf hinarbeiten, Waffen von Kindern fernzuhalten und andere Anstrengungen zu unternehmen,
so daß andere Eltern nicht ihren Verlust erleiden
müssen.
Nachdem sie ihre Tochter verloren hatte, kam Suzanne Wilson aus Jonesboro in Arkansas mit einem
starken Appell ins Weiße Haus. Sie sagte: "Bitte, bitte,
zum Wohle Eurer Kinder - schließen Sie Ihre Waffe
weg. Lassen Sie nicht zu, daß in Ihrer Stadt das
geschieht, was in Jonesboro geschehen ist." Es ist
eine Botschaft, die sie jeden Tag leidenschaftlich
übermittelt.
Suzanne ist heute Abend hier, mit der First Lady. Ich
möchte ihr für ihren Mut und ihr Engagement danken.
Vielen Dank!
In Erinnerung an all die Kinder, die ihr Leben aufgrund
von Gewalt in der Schule verloren haben, bitte ich Sie,
das Gesetz über sichere und drogenfreie Schulen zu
verbessern, Gesetze zu erlassen, die kindersichere
Abzugsschlösser an Waffen vorschreiben und alles in
Ihrer Macht Stehende zu tun, um unsere Kinder zu
schützen. Vor einem Jahrhundert definierte Präsident
Roosevelt unsere "große, zentrale Aufgabe" folgendermaßen: "Dieses Land als ein noch besseres Land für
unsere Nachkommen zu hinterlassen, als es für uns
ist." Heute stellen wir die Everglades in Florida wieder
her, erhalten Yellowstone, die roten Felscanons von
Utah, schützen die Rotholzwälder in Kalifornien und
unsere herrlichen Küsten. Aber unsere verhängnisvollste neue Herausforderung ist die Gefahr der
Erderwärmung. 1998 war das wärmste je verzeichnete Jahr. Die Hitzewellen, Überschwemmungen und
Stürme des letzten Jahres sind nur eine Andeutung
dessen, was künftige Generationen erdulden müssen,
wenn wir jetzt nicht handeln.
Heute Abend schlage ich einen Fonds für saubere Luft
vor, der den Gemeinden bei der Reduzierung von
Treibhausgasen und anderer Verschmutzung behilflich
sein soll, sowie Steuererleichterungen und Investitionen, um Technologien für saubere Energie einzuführen. Und ich möchte mit den Kongreßabgeordneten in
beiden Parteien zusammenarbeiten, um Unternehmen
zu belohnen, die frühzeitig freiwillig Maßnahmen zur
Verringerung der Treibhausgase ergreifen.
Aufgrund der zunehmenden Ausdehnung unserer
Gemeinden und der Abnahme von Grünflächen sehen

Seite 9

�die Gemeinden sich mit der Herausforderung des
Naturschutzes konfrontiert. Jeden Tag gehen rund 28
Hektar Farmland und offenes Gelände verloren. Als
Reaktion darauf schlage ich zwei wichtige Initiativen
vor: Erstens eine Agenda für Lebensqualität in Höhe
von 1 Milliarde Dollar, um den Gemeinden beim Erhalt
von offenem Gelände, Behebung von Verkehrsstaus
und ihrer räumlichen Ausdehnung in einer Weise
behilflich zu sein, die die Lebensqualität aller Bürger
verbessert. Und zweitens eine Agenda für Landschaftsschutz, um Orte von natürlicher Schönheit in
ganz Amerika zu erhalten - von der entferntesten
Wildnis bis zum nächsten Stadtpark.
Das sind wirklich bahnbrechende Initiativen, die ohne
die Vision des Vizepräsidenten nicht erarbeitet worden
wären, und ich möchte ihm herzlich für sein Engagement in diesem Bereich danken.
Wenn Ihre Gemeinde Ihnen so viel wie möglich geben
soll, müssen Sie etwas zurückgeben. Aus diesem
Grund haben wir das AmeriCorps ins Leben gerufen unser Programm eines nationalen Gemeindedienstes,
das der heutigen Generation die Chance bietet, einen
Dienst in ihrer Gemeinde zu verrichten und dabei Geld
fürs College zu verdienen.
Bis jetzt haben in nur vier Jahren 100.000 junge
Amerikaner im Rahmen des Programms Habitat for
Humanity kostengünstige Eigenheime gebaut, in
Zusammenarbeit mit den Kirchen Kinder unterrichtet,
zusammen mit der FEMA die verheerenden Auswirkungen von Naturkatastrophen behoben und
zahllose andere Dienste erbracht, die Amerika besser
gemacht haben. Ich bitte den Kongreß, mehr jungen
Amerikanern die Chance zu geben, diesem Vorbild zu
folgen und im AmeriCorps zu dienen.
Jetzt müssen wir darauf hinarbeiten, auch unsere
Nation für das 21. Jahrhundert zu erneuem. Im
vergangenen Jahr verabschiedete das Repräsentantenhaus das von den Mitgliedern des Repräsentantenhausen Shays und Meehan und den Senatoren
McCain und Feingold eingebrachte überparteiliche
Gesetz zur Reform der Wahlkampffinanzierung. Aber
eine Minderheit im Senat verhinderte die Reform.
Daher möchte ich dem Repräsentantenhaus sagen:
Verabschieden Sie es nochmals, und zwar schnell.
Und ich möchte dem Senat sagen: Ich hoffe, Sie sagen
Ja zu einer stärkeren amerikanischen Demokratie im
Jahr 2000.
Seit 1997 versucht unsere Initiative zur Überwindung
der Rassentrennung die Kluft zwischen und unter
unserem Volk zu überbrücken. In seinem Bericht vom
Herbst letzten Jahres stellte das Beratergremium der
Initiative fest, daß die Amerikaner unser Volk wirklich
über Rassenschranken hinweg zusammenbringen
möchten.

Seite 10

Wir wissen, daß es eine lange Reise ist. Für einige
geht sie bis vor den Beginn unserer Republik zurück,
für andere bis zum Bürgerkrieg, für wieder andere
dauerte sie das gesamte 20. Jahrhundert. Aber für die
meisten von uns heute Lebenden begann diese Reise
in sehr realer Weise vor 43 Jahren, als eine Frau
namens Rosa Parks sich in einem Bus in Alabama
hinsetzte und nicht wieder aufstand. Heute Abend sitzt
sie bei der First Lady, und sie kann aufstehen oder
nicht - wie sie möchte. Wir danken ihr. Vielen Dank,

Wir sind uns bewußt, daß unsere andauernden
Rassenprobleme durch die bestehenden Chancenunterschiede verschärft werden, wie durch die Initiative
des Präsidenten belegt wurde. Die von mir heute
Abend dargelegte Initiative wird dazu beitragen, diese
Kluft zu schließen. Aber wir wissen, daß auch die Kluft
der Diskriminierung noch nicht ganz geschlossen ist.
Diskriminierung oder Gewalt aufgrund von Rasse oder
Religion, Abstammung oder Geschlecht, Behinderung
oder sexueller Neigung ist falsch und sollte illegal sein.
Aus diesem Grund bitte ich den Kongreß, das Gesetz
über Nichtdiskriminierung bei der Einstellung und das
Gesetz zur Verhinderung von Haßverbrechen zum
Landesrecht zu machen.
Da jede Person in Amerika zählt, sollte jeder Amerikaner gezählt werden. Wir brauchen eine Volkszählung
unter Einsatz der modernsten wissenschaftlichen
Methoden.
Unsere neuen Einwanderer müssen Teil unseres
Einen Amerikas sein. Schließlich beleben sie unsere
Städte und unsere Kultur wieder und leisten einen
Beitrag zu unserer Wirtschaft. Wir tragen die Verantwortung, sie hier willkommen zu heißen; und sie tragen
die Verantwortung, sich in das amerikanische Leben
einzugliedern. Das bedeutet, Englisch zu lernen und
sich über unser demokratisches Regierungssystem zu
informieren. Es gibt zur Zeit lange Wartelisten von
Einwanderern, die genau das zu tun versuchen. Aus
diesem Grund sieht unser Haushalt eine beträchtliche
Erweiterung unserer Bestrebungen vor, ihnen bei der
Erfüllung ihrer Verantwortung behilflich zu sein. Ich
hoffe, Sie werden das unterstützen. Ob unsere
Vorfahren auf der Mayflower oder auf Sklavenschiffen
hierhin kamen, ob sie nach Ellis Island oder LAX in Los
Angeles kamen, ob sie gestern kamen oder vor
tausend Jahren den Boden dieses Landes betraten unsere große Herausforderung für das 21. Jahrhundert
besteht darin, einen Weg zu finden, Ein Amerika zu
sein. Wir können alle anderen Herausforderungen
meistern, wenn wir als Ein Amerika vorgehen.
Wie Sie wissen, werden wir in wenig mehr als 300
Tagen die Brücke zu einem neuen Jahrtausend
überschreiten. Das ist der Augenblick, wie die First
Lady sagte, um "die Vergangenheit zu würdigen und
sich die Zukunft vorzustellen".

AMERIKA DIENST

�*

Ich möchte sie an dieser Stelle kurz würdigen - für ihre
Führungsrolle bei unserem Jahrtausendprojekt, für
alles, das sie für unsere Kinder getan hat, für alles, das
sie in ihrer historischen Rolle getan hat, unserer Nation
zu dienen und für unsere besten Ideale im In- und
Ausland.

Heute Abend, während ich den letzten Bericht zur
Lage der Nation des 20. Jahrhunderts vortrage, kann
niemand auf der ganzen Welt an der andauernden
Entschlossenheit und grenzenlosen Kapazität des
amerikanischen Volkes zweifeln, die "perfektere Union"
der Träume unserer Gründerväter anzustreben.

Im vergangenen Jahr bat ich den Kongreß und alle
Mitbürger, das Jahrtausend zu ehren, indem sie die
Schätze Amerikas bewahren. Hillary ist durch das
ganze Land gereist, um Würdigung und Unterstützung
für den Erhalt von Orten wie Thomas Edisons Erfindungslabor oder Harriet Trumans Zuhause zu gewinnen. Jetzt müssen wir unsere Schätze in jeder
Gemeinde erhalten. Und bevor ich abschließe,
möchte ich heute Abend jede Stadt, jedes Dorf, jede
Gemeinde einladen, zu einer national anerkannten
"Jahrtausendgemeinde" zu werden, indem sie Projekte
zur Bewahrung unserer Geschichte, Förderung
unserer Künste und Geisteswissenschaften und die
Vorbereitung unserer Kinder auf das 21. Jahrhundert
in die Wege leiten.

Wir befinden uns jetzt am Ende eines Jahrhunderts, in
dem eine Generation nach der anderen den Ruf nach
Größe, Überwindung der Wirtschaftskrise, Sorge um
die Mittellosen, Abbau von Rassenschranken, Aufbau
der größten Mittelklasse in der Geschichte, dem Sieg
in zwei Weltkriegen und in dem "langen Kampf im
Zwielicht" des Kalten Krieges beantwortete. Wir alle
müssen zutiefst dankbar für die herausragenden
Leistungen unserer Vorfahren in diesem Jahrhundert
sein.

Die bisherige Reaktion ist bemerkenswert. Und ich
möchte ein besonderes Wort des Dankes an unsere
Partner im Privatsektor und die Abgeordneten des
Kongresses beider Parteien für ihre Unterstützung
aussprechen. Nur ein Beispiel: Wegen Ihnen wird das
Star-Spangled Banner auf ewig bewahrt. An der
Schwelle zum Jahrtausend halten wir auf die eine oder
andere Weise das am Leben, was George Washington
als "die geheiligte Flamme der Freiheit" bezeichnet hat.

In hundert Jahren wird ein anderer amerikanischer
Präsident an diesem Platz stehen und über die Lage
der Nation berichten. Er - oder sie - wird auf ein 21.
Jahrhundert zurückblicken, das in so vielfältiger Weise
durch die Entscheidungen geprägt wurde, die wir jetzt
und hier treffen. Mögen sie dann über uns sagen, daß
wir nicht nur an unsere Zeit gedacht haben, sondern
auch an ihre Zeit; daß wir unseren Idealen gerecht
wurden; daß wir unsere Differenzen überwunden und
eine neue Zeit der Heilung und Hoffnung gefunden
haben; daß wir uns zusammengeschlossen haben, um
dem Land, das wir lieben, zu dienen und es zu stärken.

Vor sechs Jahren habe ich in einer Zeit der Zweifel für
Amerika mein Amt angetreten - unsere Volkswirtschaft
hatte Probleme, unser Defizit war hoch, unser Volk
gespalten. Einige fragten sich, ob unsere besten Tage
hinter uns lägen. Aber überall in diesem Land, in
Tausenden von Gegenden habe ich - selbst inmitten
von Schmerz und der Unsicherheit der Rezession den wahren Kern und Charakter Amerikas gesehen.
Da wußte ich, daß wir Amerikaner dieses Land
erneuern können.

Dennoch sehen wir unter dem täglichen Druck der
Ereignisse, inmitten der Kontroversen unsere Zeit
vielleicht nicht als das, was sie wirklich ist - ein neuer
Aufbruch für Amerika.

Meine amerikanischen Mitbürger, das ist unser
Augenblick. Lassen Sie uns als eine Nation die Augen
erheben und vom Höhepunkt dieses Amerikanischen
Jahrhunderts auf das nächste blicken und um Gottes
Segen für unsere Unternehmungen und unser geliebtes Land bitten.
Ich danke Ihnen. Gute Nacht.

*

AMERIKA DIENST

* * *

*

Seite 11

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Weltpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Dilemma mit der friedlichen Koexistenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Theodore C. Achilles&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sonderreferent des Staatssekretärs für Politische Fragen und Leiter der Krisenbeobachtergruppe im US-Außenministerium&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Die US-Luft- und Raumfahrtindustrie meldet:&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Satelliten-Trägerrakete "DELTA" mit größerer Schubkraft&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sauerstoff - ein Feind von Präzisionskreiseln&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Metallformung mit elektromagnetischen Kräften&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Phantom II - die schnellste Düsenmaschine der Welt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Forschungsflugzeug - aus Kunststoff&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tritium- und Kryphonleuchten für Flugzeuge&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Raumfahrt und Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kulturnachrichten aus den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brandeis-Medaille für schöpferische Kunst&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Darius Milhauds zwölfte Symphonie aufgeführt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Filmfestspiele in Boston&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abendfüllender Film über Robert Frost&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Künstler, die von der Kunst leben&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Gedenktage im März 1962&lt;/strong&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VoN ^

2 5 . F e b r u a r 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION
"Beunruhigende" Menschenrechtssituation in Südafrika
- Schifter zum neuen Menschenrechtsbericht der amerikanischen
Reqierung -

HINTERGRUNDMATERIAL
Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil V und VI
Das Gesetz über Handel, Beschäftigung und Produktivität von 1987
- Übersicht zur Gesetzesvorlage vom 19. Februar 1987, herausgegeben
vom Weißen Haus -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Donald Ian Macdonald - neuer Sonderberater in Drogenfragen
- Präsident Reagan beruft Experten aus dem Gesundheitsministerium
ins Weiße Haus -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

8

25. Februar 1987
"BEUNRUHIGENDE" MENSCHENRECHTSSITUATION IN SÜDAFRIKA
- Schifter zum neuen Menschenrechtsbericht der amerikanischen Regierung -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen eines Pressegesprächs am 19. Februar 1987
hat der Abteilungsleiter für Menschenrechtsfragen und humanitäre Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Schifter, die "sich zuspitzende Verschlechterung der Menschenrechtsbedingungen in Südafrika" als die "beunruhigendste Entwicklung" im Bereich der Menschenrechte im Jahr 1986 bezeichnet. Dieser Bericht, der am 19. Februar 1987 veröffentlicht wurde, behandelt
die Lage der Menschenrechte in 167 Staaten.
In seiner Eingangserklärung betonte Schifter, daß die frühzeitige Entlassung einiger politischer Gefangener in der Sowjetunion aus "rein humanitären
Gründen" begrüßenswert sei. Jedoch seien dieser und andere Schritte innerhalb
der neuen Politik der Offenheit "bei weitem noch nicht die Freiheit".
Schifters Eingangserklärung hat folgenden Wortlaut:

Als ich aus Anlaß der Veröffentlichung des Berichts zur Situation
der Menschenrechte 1985 das letzte
Mal hier erschienen bin, konzentrierten sich viele der gestellten Fragen
auf die Philippinen. Dort hatten gerade die Wahlen stattgefunden, die
Stimmen wurden ausgezählt, und Präsident Marcos war noch an der Macht.
Ich war damals der Meinung, daß wir
unser Vertrauen in das philippinische
Volk setzen sollten. Die Ereignisse
des vergangenen Jahres haben gezeigt,
daß das Volk der Philippinen sich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

durchgesetzt hat.
Vor
ihm liegen
noch eine Menge Probleme, aber die
Demokratie und die Achtung der Menschenrechte haben in den Philippinen
neue und starke Wurzeln geschlagen.
Auch der Diktatur in Haiti wurde
im Jahr 1986 ein Ende bereitet. Zwar
hat sich dort noch keine demokratisch
gewählte
Regierung etabliert, aber
der Nationale Regierungsrat hat die
Meinungs- und Assoziationsfreiheit in
Haiti
effektiv
gewährleistet.
Es
werden dort Schritte unternommen, um
demokratische Institutionen in einem

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Land aufzubauen, das noch nie solche
gekannt hat. Dem gegenwärtigen Zeitplan zufolge erwarten wir, daß bis
Februar 1988 eine gewählte Regierung
gebildet wird.
Dies heißt aber nicht, daß die
Probleme
der künftigen Regierungsstruktur
Haitis
einzige
Probleme
sind.
Das schwierigste Problem besteht in der Armut und der schwachen
Wirtschaft, die in diesem Lande herrschen. Es bleibt noch viel zu tun,
um die Demokratie in Haiti auf eine
solide Grundlage zu stellen.
Ein weiteres Land, in dem im Jahr
1986 bedeutende Fortschritte bei den
Menschenrechten erzielt wurden, ist
Guatemala.
In ordnungsgemäßem Übergang von einem Militärregime zur ersten demokratisch gewählten Zivilregierung seit 20 Jahren traten nach
den Wahlen des Jahres 1985 Präsident
Cerezo, ein nationales Parlament und
330 Bürgermeister am 14. Januar 1986
ihre Ämter an. Obwohl auch Guatemala
aufgrund von wirtschaftlichen Schwierigkeiten, willkürlichen Gewaltakten
und Nachwirkungen von Menschenrechtsverletzungen mit Problemen zu kämpfen
hat, verdient die neue Demokratie Respekt und Anerkennung.
Andernorts in der westlichen Hemisphäre sind wir weiterhin besorgt
über
die Menschenrechtsprobleme
in
Chile, Cuba, Nicaragua, Paraguay und
Surinam.
Die
beunruhigendste
Entwicklung
im Bereich der Menschenrechte im Jahr
1986 bestand natürlich in der scharfen Verschlechterung
der Menschenrechtsbedingungen in Südafrika in der
zweiten Jahreshälfte.
Zum seit langem bestehenden Problem der Apartheid
kam der am 12. Juni 1986 verhängte
Ausnahmezustand
hinzu, der
seitdem
noch ständig verschärft worden ist.
- 2

Schätzungen zufolge wurden unter dem
Ausnahmezustand 20 000 Personen festgenommen, von denen 10 000 am Jahresende immer noch in Haft waren. Eine
große Zahl der Verhafteten sind unter
18, einige davon sogar unter 15 Jahre
alt.
Wir sind weiterhin tief besorgt
darüber, daß Südafrika der Mehrheit
seiner Staatsbürger die grundlegenden
Menschenrechte verweigert. Wir sehen
weiterhin den Dialog zwischen allen
Südafrikanern als einzigen Weg an, um
einen positiven Wandel herbeizuführen.
Die Erfahrung des vergangenen
Jahres hat, wie wir glauben, gezeigt,
daß Gewalt zu Gegengewalt und Unterdrückung führt, welche wiederum noch
mehr Gewalt und Unterdrückung hervorrufen - all dies zu einem erschrekkenden Preis an Menschenleben.
Wir
sind von der tiefen Hoffnung erfüllt,
daß sich die Südafrikaner von dem
selbstzerstörerischen Kurs abwenden,
auf dem sie sich zu befinden scheinen, um sich wieder der Suche nach
einer friedlichen Lösung zu widmen.
In Europa haben wir mit Befriedigung die Freilassung der politischen
Gefangenen in Polen zur Kenntnis genommen. Wir werden Ihnen später noch
ausführlich zu diesem Problem Bericht
erstatten.
Obwohl unser umfassender Bericht
sich auf das Jahr 1986 erstreckt,
können wir jedoch heute nicht die
Entwicklungen bei den Menschenrechten
außer acht lassen, die sich seit Beginn dieses Jahres ergeben haben.
Lassen Sie mich deshalb kurz zu den
jüngsten Ereignissen in der Volksrepublik China und in der Sowjetunion
Stellung nehmen.
Die Regierung der Volksrepublik
China hat vor einigen Jahren gewisse
grundsätzliche Entscheidungen getrof-

�fen, um die Effizienz und Produktivität ihrer Volkswirtschaft zu steigern.
Sie faßte den richtigen Entschluß, daß ein weniger zentralisiertes und offeneres System, ein System,
das auf Anreizen basiert, zur Erhöhung der Produktion notwendig ist.
Politische Offenheit wurde mit dieser
neuen
wirtschaftlichen
Offenheit
nicht verbunden. Diese hat sich jedoch schrittweise als unvermeidliche
Konsequenz aus der Lockerung der Kontrollen entwickelt.
Sie hat verständlicherweise auch einer Reihe von
insbesondere jungen Leute Appetit gemacht, die neuen Geschmack an der
Freiheit des Ausdrucks gefunden haben. Dies drückte sich ganz klar in
den
jüngsten
Demonstrationen
aus.
Wir bedauern die Schritte, die dagegen unternommen wurden.
Dies sind
Rückschritte und wir hoffen ernstlich, daß mit der Zeit der Trend zu
mehr Offenheit und größerer Freiheit
wieder sichtbar werden wird.
Wir hegen die gleiche Hoffnung in
bezug auf die Sowjetunion. Wir glauben nicht, daß die Geschichte irgendein Volk zu ewig autoritärer Herrschaft verdammt hat. Die natürliche
Sehnsucht des Menschen nach Freiheit
muß sich unvermeidlich durchsetzen,
wie auch immer die Weltanschauung der
Regierung oder kulturelle Hemmnisse
beschaffen sein mögen. Hierzu möchte
ich auch betonen, daß es enorm wichtig ist, die jüngsten Initiativen von
Generalsekretär
Gorbatschow
richtig
einzuschätzen. Wir sollten das, was
geschehen
ist,
weder
unter- noch
überschätzen.
Die Haftentlassung von Personen
vor Ablauf der regulären Haftzeit muß
aus rein humanitären Gründen begrüßt
werden.
Sie beendet die Leiden der
unmittelbar Betroffenen, ihrer Familien und Freunde.
Die Politik des
Glasnost hat ebenso das Spektrum kul-

turellen Ausdrucks etwas
erweitert
und eine etwas größere Bandbreite der
Informationen über Ereignisse innerhalb der Sowjetunion geschaffen sowie
für einen Großteil normaler Sowjetbürger etwas mehr Spielraum zugelassen. Aber dies ist bei weitem noch
nicht die Freiheit.
Wir stellen überdies fest, daß
die entlassenen Gefangenen dazu gezwungen wurden, Schuldeingeständnisse
und Versprechen
zu unterschreiben,
daß sie sich nicht an regierungsfeindlichen
Handlungen
beteiligen
würden. Viele politische und religiöse Gefangene bleiben weiter in Haft.
Da die Sowjetunion noch kein Programm wirtschaftlicher Reformen ähnlich der gegenwärtig in China stattfindenden, eingeleitet hat, können
wir im Fall der Sowjetunion auch noch
nicht von politischen Veränderungen
sprechen, die unvermeidlich ein Nachlassen der poltischen Kontrolle begleiten werden.
Es wird sicherlich
über einen neuen Ansatz in bezug auf
wirtschaftliche Unternehmungen, über
eine neue Prüfung des ungarischen Modells diskutiert. Aber bis heute ist
dies nur Gerede.
Es gab Erwartungen - und bisweilen fielen vage Hinweise darauf -,
daß eine Verbesserung bei den Auswandererzahlen in Aussicht sei. In den
vergangenen 15 Monaten sind die Auswandererzahlen jedoch Monat für Monat
auf außergewöhnlich niedrigem Niveau
stehen geblieben und
überschritten
kaum einmal die Zahl von 100. Die
Zahl für Januar 1987 betrug zum Beispiel 98. Wir müssen anmerken, daß
ein neues, im Jahr 1986 verkündetes
sowjetisches Gesetz in Verletzung der
Schlußakte von Helsinki den Kreis von
Personen, die für die Auswanderung in
Betracht kommen, auf solche mit Ehegatten, Kindern, Elternteilen
oder

- 3 -

�Geschwistern im Ausland beschränkt.
Aber selbst innerhalb dieser kleinen
Gruppe wurde bis jetzt nur wenigen die Ausreise erlaubt.

* * * * * *

- 4-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

25. Februar 1987

STRATEGIE ZUR NATIONALEN SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil V und VI

V.

Die Durchführung der Strategie

Dieser Teil des Berichts behandelt die amerikanischen Fähigkeiten
zur Durchführung der Strategie zur
Nationalen Sicherheit, wie sie in den
vorhergehenden Kapiteln erörtert worden ist, und zwar mit besonderer Betonung der Bereiche, in denen ein
Mangel an Ressourcen die effektive
Erreichung wichtiger Ziele der nationalen Sicherheit behindert.

Außenpolitische Fähigkeiten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Vereinigten Staaten benötigen
Programme für Auslandshilfe und andere außenpolitische Operationen, um
ihre nationale Sicherheit zu schützen, ihre Interessen zu fördern und
ihre Werte und Prinzipien in der ganzen Welt zu verbreiten.
Unser Programm für Operationen im Ausland beinhaltet Wirtschafts- und Militärhilfe,
Nahrungsmittelhilfe,
Entwicklungshilfe,
internationale
Ausbildungs- und
Kommunikationsprogramme,
Operationen des Außenministeriums in
Übersee sowie viele weitere wichtige

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Funktionen.
Durch diese Programme wird unsere
Außenpolitik in positive, sichtbare
Handlungen umgesetzt, mit denen Menschen geholfen wird, die sich ernsthaft in wirtschaftlicher Not befinden
und die wirtschaftliche und politische Entwicklung gefördert wird, die
für die Unterstützung freier und demokratischer
Gesellschaften
so bedeutsam ist.
Die Programme stellen
auch denjenigen Regierungen Hilfe zur
Verfügung, die versuchen, sich gegen
innere und äußere Bedrohungen zur
Wehr zu setzen.
Indem wir unsere
Freunde bei der Stärkung ihrer Sicherheit unterstützen, können wir dabei helfen, die notwendigen Voraussetzungen für wirtschaftliche und politische Entwicklung zu schaffen.
Was ebenso wichtig ist: unsere
Programme künden den Menschen von
amerikanischen
Idealen und Werten.
Indem wir mehr Verständnis für das
aufbauen, wofür die Vereinigten Staaten stehen, können wir ein Wachstum
in die richtige Richtung beeinflussen.
Das übergeordnete Ziel unserer
Bemühungen besteht in der Schaffung
einer stabileren Welt, in der humane
gesellschaftliche und politische Ordnungen gedeihen und die ein ausgewogenes
Wirtschaftswachstum
stützen
können. Kurzum, unsere Programme für
Operationen im Ausland sind dazu bestimmt, die Arten von positivem Wandel zu unterstützen, die langfristig
unsere nationalen Interessen schützen
werden.
Eine stabile Welt, deren
Staaten die wirtschaftlichen Bedürfnisse ihrer Bürger erfüllen können
und die Rechte des Einzelnen respektieren, ist eine Welt, die für die
Vereinigten Staaten und ihre Freunde
sicherer ist.
Wir geben nur zwei Prozent unseres Bundeshaushalts jährlich für die
- 2

verschiedenen
Auslandshilfeprogramme
aus.
Zweifellos sind diese Gelder
gut angelegt. Das Gute, das wir tun,
die Probleme, zu deren Lösung wir
beitragen und die Drohungen, denen
wir mit unseren Hilfsprogrammen entgegentreten, wiegen die Kosten bei
weitem auf. Sie bilden eine Investition mit großer Hebelwirkung. Trotzdem erhalten unsere Auslandshilfeprogramme vom Kongreß nicht die Unterstützung, die sie verdienen. In den
letzten Jahren sind die Anforderungen
der Administration für das Auslandshilfebudget vom Kongreß drastisch beschnitten worden.
Obwohl die durch
die Reduzierung des Haushaltsdefizits
verursachten Lasten auf alle Programme verteilt werden müssen, sind die
Kürzungen bei der Auslandshilfe im
Vergleich zu anderen Programmen oft
überproportional hoch gewesen.
Hier wird am falschen Ende gespart. Wir können die Auslandshilfe
nicht als ein Programm von "Almosen"
abtun, mit dem Geld vergeudet wird,
das besser für Amerikaner ausgegeben
würde. Erstens entspricht eine solche Charakterisierung nicht den Tatsachen. Ein Großteil der Gelder, die
wir für Auslandshilfeprogramme ausgeben, wird für den Kauf von Gütern und
Dienstleistungen verwendet, die hier
in den Vereinigten Staaten produziert
werden.
Unsere
Nahrungsmittelhilfe
ist eines der besten Beispiele dafür,
aber auch andere Programme, wie etwa
Verkäufe von Rüstungsgütern ins Ausland, erhöhen unmittelbar die amerikanischen Exporte.
Weiterhin tragen unsere Hilfsprogramme dazu bei, Probleme zu lösen,
Härtefälle
abzubauen
und Konflikte
abzumildern, die sich zu Krisen ausweiten und amerikanischen Interessen
Schaden
zufügen könnten, wenn sie
vernachlässigt werden. Wenn wir keine aktive Rolle bei der Ermutigung

�grundlegende
durchgeführt
und Senegal.

einer Weltordnung spielen können, wie
wir sie uns wünschen, dann könnten
wir in die Lage versetzt werden, daß
wir unsere Interessen mit direkteren,
teueren
und
schmerzhaften
Mitteln
verteidigen müssen.

- Alle anderen Länderprogramme zusammen
machten
lediglich
drei
Prozent unserer Gesamtanforderung
für Auslandshilfe
aus.
Einige
darunter gehören zu den ärmsten
afrikanischen Staaten, an die wir
unsere humanitären
und technischen
Hilfsprogramme
richten.
Andere, wie Burma, sind unsere
aktiven Partner beim Kampf gegen
den internationalen Drogenhandel.

Dem vom Kongreß für das Haushaltsjahr 1987 verabschiedeten Budget
zufolge sind wir bei der Auslandshilfe mit einer Finanzierungskrise konfrontiert. In diesem Budget forderten wir 16,2 Milliarden Dollar für
Wirtschafts- und Finanzhilfe im Ausland an.
Der Umfang dieser Hilfe
wurde sorgfältig berechnet, um ein
breites Spektrum wichtiger amerikanischer Sicherheitsziele zu unterstützen.

- Die verbleibenden
neun
Prozent
unserer
Hilfsleistungen
sollten
an internationale Organisationen
vergeben werden, an multilaterale
Entwicklungsbanken,
das
Peace
Corps, die Flüchtlingshilfe, Bemühungen zur Bekämpfung des Drogenhandels und nicht-ländergebundene Programme der Internationalen
Entwicklungshilfebehörde
(AID) .

Insbesondere galt:
- 34 Prozent dieses Budgets sollten
an Israel und Ägypten vergeben
werden und unsere lebenswichtige
Bestrebungen für einen dauerhaften Frieden in dieser Region verstärken.
- 26 Prozent waren für Staaten gedacht, die uns Zugang zu militärischen Einrichtungen gewähren und
für Länder, die
amerikanischen
Truppen Gastrecht einräumen, wie
etwa
die
Republik
Korea, die
Philippinen, Griechenland und die
Türkei.
- elf Prozent wären nach Mittelamerika und die Karibik gegangen.
- 17 Prozent waren für Länder gedacht, die unsere demokratischen
Werte teilen und unsere Hilfe benötigen, um Fortschritte zu machen, wie etwa Thailand und Kolumbien, ferner für Länder, in
denen sich neue Demokratien entwickelt haben, wie Bolivien und
Uruguay und für Staaten, in denen

Wirtschaftsreformen
werden, wie Ecuador

Der Kongreß hat die von uns beantragten Mittel auf 13,6 Milliarden
Dollar gekürzt. Das Resultat dieser
Kürzungen war verheerend.
Nachdem
wir unsere Verpflichtungen für den
Friedensprozeß im Mittleren Osten erfüllt haben, bleiben uns nur völlig
unzureichende
Mittel zur Erfüllung
der weiteren Erfordernisse.
Deshalb
ist es uns unmöglich, unsere Verpflichtungen für Länder zu erfüllen,
die uns strategisch wichtige Stützpunkt- und
Zugangsrechte
gewähren.
Einige Programme werden dieses Jahr
sogar um über 50 Prozent beschnitten
werden müssen. Wir sind in Gefahr,
bei denjenigen Programmen ins Hintertreffen zu geraten, die dazu bestimmt
sind, Schlüsselregionen mit ernsthaften wirtschaftlichen und Sicherheitsproblemen Hilfe zu leisten. Außerdem
können wir wenig dazu beitragen, daß

- 3 -

�Schuldner aus der Dritten Welt wieder
auf die Beine kommen.

Staaten weit
schrecken.

Die Kürzungen signalisieren eine
Politik des Rückzuges. In den kommenden Monaten müssen der Kongreß und
die Regierung unbedingt zusammenarbeiten, um Lösungen dieser Finanzierungsprobleme
zu erarbeiten, damit
wir unsere positive Rolle wiederaufnehmen können. Diese Programme sind
ein Hauptbestandteil unserer ersten
Verteidigungslinie zum Schutz amerikanischer Freiheiten und müssen die
volle Unterstützung
aller
Parteien
genießen, um wirksam zu sein.
Ich
erbitte diese Unterstützung für den
Nachtragshaushalt
zum
Budget
für
1987, der dem Kongreß zugeleitet wurde.

Praktisch heißt dies, daß die Administration keine Strategien übernehmen darf, die sich unser Land
nicht leisten kann und daß unsere
verantwortlichen Militärs ihre Pläne
nicht auf Ressourcen gründen können
und dürfen, zu deren Bereitstellung
die Nation nicht fähig ist. Es bedeutet weiterhin, daß der Kongreß,
der von einem gemeinsamen Standpunkt
in bezug auf die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten und die
ihnen
zugrundeliegenden
Ziele ausgeht, die Exekutive mit den Mitteln
ausstatten muß, die zur Durchführung
einer realistischen, klugen und effektiven Strategie benötigt werden.

Verteidigungsfähigkeiten
Verteidigungsressourcen:
Die erfolgreiche Durchführung einer Strategie der nationalen Sicherheit hängt
von der Verfügbarkeit
angemessener
Mittel ab.
Strategien, die auf unrealistischen oder unerreichbaren Annahmen zur Verfügbarkeit von Ressourcen beruhen, sind zum Scheitern verurteilt.
Die
jüngere
Geschichte
lehrt uns aber auch, daß die Zeit
zwischen Ausbruch einer Krise und der
Notwendigkeit einer Reaktion der nationalen Sicherheit mit den Jahren
abgenommen hat. Die Zeiten, in denen
die Staaten auf Krisen mit der Aushebung, Ausbildung und Ausrüstung neuer
Streitkräfte reagieren konnten, sind
vorbei. Diese Grundtatsache in Verbindung mit der ernüchternden Erkenntnis, daß Krisensituationen mit
bestürzender
Unvermitteltheit
über
die Welt hereinbrechen können, bedeutet, daß wir in der Lage sein müssen,
Aggressionen
und
Beeinträchtigungen
unserer vitalen Interessen jederzeit
und an Orten, die von den Vereinigten

entfernt

sind,

abzu-

Die Bereitstellung der gemeinsamen Verteidigung ist die wichtigste
Pflicht der Bundesregierung, die von
Exekutive und Legislative zu gleichen
Teilen erfüllt wird.
Partnerschaft
ist der Schlüssel zu ihrer erfolgreichen
Durchführung.
In
diesem
Geist haben sich der Kongreß und die
Exekutive
in den frühen achtziger
Jahre - zum dritten Mal seit dem
Zweiten Weltkrieg - in einer gemeinsamen
Anstrengung
zusammengeschlossen, um unsere militärischen Fähigkeiten
wiederherzustellen
und
zu
stärken.
Im Gegensatz zu früheren
Verstärkungen, die von hohen Verbrauchsraten
zur Unterstützung
von
Kampfoperationen in asiatischen Konflikten geprägt waren, haben wir uns
dieses Mal auf Investitionen konzentriert.
Außerdem waren
bedeutende
Personal- und
Bereitschaftsprobleme
zu überwinden, aber es war klar, daß
nur eine Zunahme der Investitionen
die notwendigen positiven und dauerhaften Auswirkungen auf das militärische
Gleichgewicht
hervorbringen
würden.

�Diese Handlungsweise war unbedingt erforderlich, um die ernsten
Ungleichgewichte zwischen den Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion zu beheben, die sich
in den siebziger Jahren eingestellt
hatten - in einem Zeitraum beispielloser
militärischer
Investitionen
durch die Sowjets, die auf eine entscheidende Verlagerung der weltweiten
"Korrelation
der Kräfte" zu ihrem
Vorteil abzielten. Hätten wir diesem
gefährlichen Trend kein Ende bereitet, dann wäre unseren grundlegendsten
nationalen
Interessen
großer
Schaden
zugefügt
worden.
Glücklicherweise haben der Kongreß und das
amerikanische Volk erkannt, daß die
Wiederherstellung der Landesverteidigung absolut unentbehrlich war. Deshalb haben wir große Fortschritte gemacht.
Unser Investitionsniveau ist
heute dem der Sowjets ungefähr ebenbürtig. Es besteht jedoch immer noch
die Erblast eines Jahrzehnts, in dem
die Investitionen der Sowjets unsere
bei weitem übertrafen, und dies muß
korrigiert werden.
Urteile über die Angemessenheit
unserer
Verteidigungsaufwendungen
konzentrieren sich letztlich auf Fragen nach dem Risiko.
Wenn man es
ganz deutlich ausdrückt, dann ist die
Frage: ein wie hohes Risiko für das
Überleben dieses Landes und seiner
freien Institutionen sind wir einzugehen bereit?
Streitkräfte, die zur
Abschreckung eines größeren Krieges
nicht in der Lage sind, bestehen den
ersten Test für die Angemessenheit
nicht.
Wir und unsere Verbündeten
müssen glaubwürdige militärische Reaktionsmechanismen
besitzen,
deren
Aussichten unsere Feinde davon überzeugen, daß eine Aggression ihnen
einen unannehmbar hohen Preis abverlangen würde.
Wieviel militärische
Macht für die Abschreckung benötigt
wird ist unvermeidlich ein subjekti-

ves Problem, das mit unserem Gefühl
dafür zusammenhängt, wie andere unsere militärischen Fähigkeiten und unseren politischen Willen einschätzen,
diese, wenn notwendig, zu benutzen.
In
dieser
Hinsicht
müssen
unsere
Streitkräfte
nicht
nur
angemessen
sein, sondern sie müssen unmißverständlich als angemessen für die Verteidigung
unserer
Interessen,
die
Durchführung
unserer Strategie und
die Erhaltung unserer Bündnisbeziehungen eingeschätzt werden.
Fraglos können wir uns das zur
Unterstützung unserer Strategie notwendige Programm leisten.
Tatsächlich haben die Amerikaner in den vergangenen sieben Jahren durchschnittlich nur 6,1 Prozent des BSP für die
Verteidigung ausgegeben - was erheblich
unter
den
Prozentsätzen
der
fünfziger und sechziger Jahre liegt,
die zwischen 7 und 9,2 Prozent lagen.
Und mit 27 Prozent der Bundesausgaben
bleiben die Verteidigungsaufwendungen
auch erheblich unter dem Friedensdurchschnitt von 38 Prozent der Nachkriegszeit.
In beiden Fällen erscheinen die Erhöhungen der frühen
achtziger Jahre nur deshalb so hoch,
weil die Ausgaben in den späten siebziger Jahren so niedrig waren.
Im Verteidigungshaushalt der Fiskaljahre 1988-89 habe ich den Kongreß
nicht um Zustimmung zu Erhöhungen im
gleichen Ausmaß wie in den frühen
achtziger Jahren gebeten. Der Kongreß muß aber auch positive Schritte
unternehmen, um die von uns gemeinsam
erreichten Zunahmen zu schützen. Wir
dürfen den Weg der realen Reduzierung
der
Verteidigungsinvestitionen
der
vergangenen beiden Jahre nicht weiterverfolgen.
Es ist an der Zeit,
daß wir uns zusammenschließen, um bescheidene,
realistische
Erhöhungen
unseres Verteidigungshaushalts zu unterstützen, die mit dem von uns für

- 5 -

�die Nation insgesamt erwarteten Wirtschaftswachstum und mit der langfristigen Herausforderung der Sowjetunion an die freie Welt im Einklang
stehen. Als Nation müssen wir zusammen das Muster teurer und ineffizienter Schwankungen bei den Verteidigungsausgaben
durchbrechen
und den
Weg
dauerhaften
und
vernünftigen
Wachstums in einem Tempo unterstützen, das uns die stetige Modernisierung unserer strategischen und konventionellen Streitkräfte und gleichzeitig die Aufrechterhaltung angemessener Niveaus bei militärischer Bereitschaft,
Durchhaltevermögen
und
Streitkräftestruktur erlauben wird.
Streitkräfte: An früherer Stelle
dieses Berichts habe ich unsere Strategie zur Aufrechterhaltung der Abschreckung gegen einen strategischen
nuklearen
oder konventionellen Angriff gegen die Vereinigten Staaten
oder ihre Verbündeten dargelegt.
Die Ausführung unserer Strategie
zur Aufrechterhaltung eines glaubwürdigen
atomaren
Abschreckungspotentials durch die Modernisierung unserer
strategischen
Streitkräfte
ist
bis
heute
erfolgreich
verlaufen.
Wichtige Elemente des Strategischen
Modernisierungsprogramms
sind
vom
Kongreß gebilligt worden, und unsere
strategischen Streitkräfte werden mit
jedem Tag überlebensfähiger und effektiver. Wir verbessern die Fähigkeiten und die Glaubwürdigkeit unserer
diversifizierten
Mischung
von
Streitkräften
und werden
bis
ins
nächste Jahrhundert damit fortfahren.
Im Hinblick auf die Zukunft untersuchen wir zur Zeit Optionen, die
es uns gestatten werden, aus den bei
der
Strategischen
Verteidigungsinitiative erzielten Fortschritten Nutzen zu ziehen, um ballistische Raketen überflüssig zu machen und die Ab- 6

schreckung langfristig auf ein stabileres Fundament
zu stellen.
Eine
starke
Unterstützung
dieses
Programms, daß unsere Stärken im Bereich
moderner Technologien nutzt, fördert
sowohl unsere Abschreckung wie auch
unsere
Rüstungskontrollziele.
Die
volle Gewährung der für 1988-89 beantragten Mittel für SDI ist unabdingbar, um die bis heute erzielten wichtigen Fortschritte aufrechtzuerhalten
und zu gewährleisten, daß das Programm in angemessenem Tempo weitergeführt wird.
Die Uberlebensfähigkeit
unserer
landgestützten
ICBM-Kräfte wird in
den kommenden Jahren mit der Aufgabe
alter ortsfester Stationierungsmodalitäten und Hinwendung zu neuen mobilen Methoden drastisch zunehmen, die
durch erhöhte Überlebensfähigkeit zur
Stabilität beitragen. Die neuen Konzeptionen für die mobile Stationierung der Peacekeeper und der kleinen
ICBM wird den ICBM-Bereich der strategischen Triade neu beleben, die Abschreckung bedeutend erhöhen und die
Durchführung
von
Empfehlungen
der
Scowcroft-Kommission auf eine Weise
ermöglichen, die mit früheren Empfehlungen des Kongresses im Einklang
steht.
Im Zuge unserer stetigen Verbesserung der strategischen Abschrekkungsstreitkräfte
müssen
wir
aber
gleichzeitig die Tatsache berücksichtigen,
daß
unsere
konventionellen
Streitkräfte die erste Verteidigungslinie und ein grundlegendes Instrument zur Unterstützung amerikanischer
Interessen in Krisenzeiten unterhalb
der Schwelle eines allgemeinen Krieges darstellen. Mit der Herstellung
einer
ungefähren
atomaren
Parität
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion sind die konventionellen Streitkräfte für die Aufrechterhaltung
eines sicheren Abschrek-

�higkeit zu stärken, unsere konventionellen
Streitkräfte
bestmöglich einzusetzen.

kungspotentials noch wichtiger geworden.
Unser
gegenwärtiges Programm
zur Modernisierung der konventionellen Streitkräfte trägt zu einer starken, nach vorne orientierten Verteidigungshaltung bei.

- Neue bewegliche Kräfte mit kurzer
und langer Reichweite verbessern
unsere
Fähigkeit,
unser
vorne
stationierten Einheiten zu befördern und zu unterstützen, und im
Ernstfall auch Streitkräfte
zu
stationieren.
Die Fähigkeit zum
schnellen Aufbau einer Militärmacht
in strategisch
wichtigen
Gebieten an der eurasischen Periphierie ist für die Abschreckung
und zur Neutralisierung des geographischen Vorteils der Sowjetunion unerläßlich.

Zu den wichtigsten Elementen zählen:
Das Modernisierungsprogramm
für
die Streitkräfte, das auf der
neuen Air Land Battle Konzeption
und der Fähigkeit zum Karpf mit
verbundenen Waffen basiert, die
unsere Divisionen
in die Lage
versetzen,
einen
qualitativen
Vorteil über die viel größeren
sowjetischen Streitkräfte zu erhalten.
Fortgesetzte
Modernisierungsprogramme
für
unsere
taktischen
Luftstreitkräfte
unterstützen
dieses Programm der Landstreitkräfte.
Die Fähigkeit
unserer
taktischen Luftstreitkräfte, auf
unserem Territorium Überlegenheit
in der Luft
aufrechtzuerhalten
und die Landstreitkräfte zu unterstützen,
erfordert
stetige
Verbesserungen.
Das Programm zur Wiederbelebung
unserer Streitkräfte für Spezialoperationen wird als eine unserer
höchsten Prioritäten vollständig
durchgeführt werden. Dieses Programm wird sicherstellen, daß wir
in
höchstem
Maße
ausgebildete
Streitkräfte sofort verfügbar haben, um auf eine Vielzahl verschiedener Krisen und Konflikte
geringerer Intensität zu reagieren, wenn unsere Interessen dies
erfordern sollten.
Verbesserungen
bei Führung
und
Kommunikation (C3I) haben weiterhin höchste Priorität, um die Fä-

- Die Fähigkeit unserer Marine zur
Kriegführung verbessert sich bemerkenswert mit der Zunahme der
Quantität und Qualität von Schiffen und Flugzeugen. Dieses langfristige Programm zur Sicherung
unserser
Fähigkeit zur Nutzung
der Ozeane
im Frieden
und im
Krieg erfordert unausgesetzte Unterstützung .
Die
vollständigen
Auswirkungen
dieser wichtigen Modernisierungsprogramme werden im vor uns liegenden
Jahrzehnt spürbar sein.
Die Erlangung unserer Ziele wird unsere konventionelle
Abschreckungsfähigkeit
erheblich steigern.
Die wirklichen
Verbesserungen bei unserer Verteidigungshaltung
werden
nicht
gering
sein; sie werden fundamentale Ausmaße
erreichen.
Vollständige
Unterstützung dieser Programme ist unerläßlich
zur Vermeidung einer Verschlechterung
im Gleichgewicht der amerikanischen
und
sowjetischen
konventionellen
Streitkräfte und um sicherzustellen,
daß wir konventionelle Streitkräfte
haben, die in der Lage sind, eine
Vorneverteidigung unserer Interessen
durchzuführen, ohne auf Nuklearwaffen

- 7 -

�•

zurückgreifen zu müssen.
So wie wir die qualitative Erweiterung unserer Streitkräfte verfolgen, müssen wir weiterhin unsere Pläne wie auch unsere Strategien zu deren Anwendung verbessern. Unsere militärische
Strategie
ist
komplex.
Zur Erfüllung ihrer Aufgaben haben
die
Streitkräfte
angemessene
Führungs- und Einsatzgrundsätze, Organisationen
und
Taktiken
entwickelt.
Die Sicherstellung, daß diese in eine
einheitliche
Nationale
Militärische
Strategie
umgesetzt werden, bietet
angesichts der sich ständig wandelnden
internationalen
Situation
eine
Herausforderung. Dieses Problem wird
noch verstärkt durch die Vielgestaltigkeit möglicher Krisenfälle innerhalb des Spektrums
konventioneller
Konflikte. Auf verschiedenem Kriegsschauplatzniveau haben die Vereinigten Befehlshaber regionale Strategien
entwickelt.
Diese Strategien sind
zusammen mit anderen eher globalen
Überlegungen oder solchen, die nicht
mehr in den Zuständigkeitsbereich der
Oberbefehlshaber fallen, in die Nationale Militärische Strategie eingebettet.
Diese Strategie bietet eine
wirkungsvolle Grundlage für die Anwendung unserer militärischen Fähigkeiten auf koordinierte und beiderseitig stützende Art und Weise weltweit. Die Strategie wird in bestimmten
Zeitabständen
überarbeitet, um
ihre wesentlichen Elemente neu zu
ordnen und sie auf den neuesten Stand
zu bringen.
Die Ergebnisse werden
nicht nur unsere Fähigkeit zur Verwendung
militärischer
Streitkräfte
verbessern, sondern stärkeren theoretischen Unterbau für Forschung und
Entwicklung in bezug auf unsere konventionellen Streitkräfte und die Beschaffungsprogramme
unserer
konventionellen Streitkräfte bieten. Dabei
lassen wir niemals das Verhältnis
zwischen nuklearer und konventionel-

ler Abschreckung außer acht.
Unser
langfristiges ziel des Abbaus unseres
Vertrauens auf nukleare Waffen fordert, wenn es erfolgreich sein soll,
unsere besondere Aufmerksamkeit, um
die Wirksamkeit unserer konventionellen Abschreckung und enge Bündnisbeziehungen aufrechtzuerhalten.
Verbesserung der Effizienz:
Ein
wichtiger Teil unserer Aktivitäten,
die darauf abzielen, unsere Strategie
zur Nationalen Sicherheit zu stützen,
umfaßt eine Reihe von anhaltenden Bemühungen zur Verbesserung der Leitung
und operativen Wirksamkeit
unserer
Verteidigungsbehörden.
Unsere Aufmerksamkeit war auf die Verbesserung
der Effizienz im Verteidigungsministerium gerichtet, und wir haben in
den vergangenen
sechs Jahren eine
Reihe beachtlicher Erfolge erlangt.
Zu diesen Erfolgen zählten in jüngster Zeit der Bericht der Blue Ribbon
Commission zur Führung der Verteidigungsbereiche, unter dem Vorsitz von
David Packard, wie auch Maßnahmen des
Kongresses
zur Reorganisierung der
Verteidigung.
Als Ergebnis dieser
Aktivitäten sind bei der Geschäftstätigkeit des Verteidigungsministeriums
wichtige Veränderungen erzielt worden.
Die vorrangigen Zielsetzungen
dieser
vereinten Bemühungen
dienen
der Verbesserung der Qualität unserer
Strategieplanung und Förderung enger
Verbindungen zwischen Strategie, militärischen Erfordernissen und unseren Beschaffungsprogrammen; sie stellen ferner sicher, daß wir für jeden
Dollar, der für die Verteidigung ausgegeben wird, den größtmöglichen militärischen Nutzen erhalten.
Wichtige organisatorische Veränderungen haben stattgefunden; andere
stehen noch an. Die neuen Vereinigten Kommandos für Transportwesen und
Sonderoperationen
werden
in diesem
Jahr ihre Arbeit aufnehmen und wir

�werden in Kürze die neu genehmigte
Position des Staatssekretärs für Sonderoperationen und Konflikte geringerer Intensität schaffen wie auch den
vom Kongreß ermächtigten Ausschuß für
Konflikte geringer Intensität innerhalb der Organisation des Nationalen
Sicherheitsrates.
Die Autorität des
Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs und der Vereinigten Befehlshaber ist erweitert und die neue Position des Stellvertretenden Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs geschaffen worden.
Im Jahr 1986 hat der Kongreß meinem Vorschlag zugestimmt, die Stelle
eines
Unterstaatssekretärsfür
Beschaffung im Verteidigungsministerium
ins Leben zu rufen. Diese Ernennung
hat zu einer Reorganisation der Beschaffung im Verteidigungsministerium
geführt.
Diese Veränderungen zielen
darauf ab, in wichtigem Umfang bei
der Anwendung neuer Technologien und
Ausrüstungen Zeit zu sparen, das professionelle
Urteil der Vereinigten
Stabschefs
stärker
einzubeziehen,
wenn es um die Auswahl und Bewertung
militärischer Erfordernisse geht und
auch die Effizienz des Beschaffungsprozesses
generell
zu
verbessern.
Zur Förderung von Innovationen im
technologischen Bereich ist die Rolle
der Behörde für moderne Forschungsprojekte im Verteidigungsbereich bei
der Herstellung von Prototypen wie
auch bei anderen Entwicklungsarbeiten
im Rahmen gemeinsamer Programme erweitert worden.
Um
unseren
zukünftigen
Bedarf
besser einschätzen zu können, haben
wir im vergangenen Herbst eine überparteiliche Kommission für eine integrierte Langzeitstrategie ins Leben
gerufen.
Diese Gruppe bemerkenswerter Persönlichkeiten arbeitet daran,
dem Verteidigungsminister und meinem
Sicherheitsberater Einblicke in die

Rolle und die strategischen Auswirkungen neuer militärischer Technologien in den nächsten 20 Jahren zu gewähren.
Die Kommission wird sich
ferner mit Möglichkeiten beschäftigen, wie die Einführung der vielversprechensten
neuen Technologien
in
unsere militärischen Streitkräfte beschleunigt werden kann. Ebenso werden mögliche neue Bedrohungen durch
anhaltende sowjetische Forschungsprogramme überprüft werden.
Gegenwärtig stattfindende Veränderungen beim Verteidigungsplanungsverfahren werden das Verhältnis zwischen den Haushaltsplänen
für die
Verteidigung und dem Gesamthaushalt
der Bundesregierung stärken. Mit Unterstützung des Kongresses unterbreiten wir nunmehr zum ersten Mal einen
zweijährigen
Verteidigungshashalt.
In beiden Fällen ist unser Ziel größere Stabilität
für das Verteidigungsprogramm. Während wir weiterhin
nach größerer Kostenkontrolle und Ersparnissen auf Programmebene streben,
ist die Blue Ribbon Commission on Defense Management zu dem Schluß gekommen, daß in Zukunft erhebliche Verbesserungen im Verteidigungshaushalt
eher durch erhöhte Stabilität der
Programme als durch besondere Aktivitäten bei der Durchführung erzielt
werden.
Größere Stabilität kann nur durch
enge Zusammenarbeit zwischen der Exekutive und dem Kongreß wirkungsvoll
erreicht werden.
Unsere gemeinsamen
Interessen zur Verbesserung der Leitung des Verteidigungsbereiches hat
eine Reihe von miteinander in Zusammenhang stehenden Reformen bei der
Organisation und Beschaffung hervorgebracht, die heute verwirklicht werden.
Wir müssen nun das Verteidigungsministerium
diese
Reformen
durchführen lassen und ihre Wirksamkeit ohne ungebührliche Einmischung

- 9 -

�beurteilen.
Wahrscheinlich
werden
einige Korrekturen notwendig sein.
Nach angemessener Erfahrung mit der
neuen Struktur und den Verfahrensweisen werden wir dem Kongreß angemessene Empfehlungen unterbreiten.

Die Integration von Fähigkeiten zur
nationalen Sicherheit
Wie ich bereits an früherer Stelle ausgeführt habe, erfordert die effektive Verwirklichung unserer Strategie zur Nationalen Sicherheit die
sorgfältig
eingebettete
Verwendung
aller Facetten nationaler Macht. Im
größtmöglichen Ausmaß versuchen wir,
unsere Zielsetzungen durch Anwendung
gewaltloser Elemente nationaler Macht
zu erreichen. Diese Methode wird unterstützt, wenn wir in der Lage sind,
Probleme frühzeitig zu erkennen, sie
gründlich zu untersuchen und die Erkenntnisse und das Wissen meiner Berater zusammengenommen zu ihrer Lösung beizusteuern.
Die wichtigsten
Instrumente zur Verwirklichung dieser
unerläßlichen integrierenden Funktion
sind
der
Nationale
Sicherheitsrat
(National Security Council - NSC) und
die
behördenübergreifenden
Gruppen,
die unter seiner Oberaufsicht arbeiten.
Der NSC hilft uns dabei, unsere
weitgesteckten Ziele auf einzelne Situationen anzuwenden und solche Zielsetzungen in detaillierte Maßnahmen
und Strategien umzusetzen. Die übergreifende Aufgabe des NSC ist es, dazu beizutragen, daß meine Entscheidungen termingerecht getroffen werden
und klare Äußerungen über alternative
Vorgehensweisen, deren Stärken und
Schwächen und jeweiligen Konsequenzen
berücksichtgt werden können.
Die Ergebnisse dieses Prozesses
werden formell als Entscheidungsdi-

rektiven
zur Nationalen
Sicherheit
(National
Security Decision Directives - NSDD) bezeichnet. Diese Direktiven
liefern als Ganzes einen
breiten Leitfaden für die Vorbereitung der Außen- und Verteidigungspolitik, die militärische Planung und
die Entwicklung von Einzelstrategien
zur Unterstützung der Zielsetzungen
der Strategie zur Nationalen Sicherheit. Im Laufe der vergangenen sechs
Jahre haben wir 250 solcher Direktiven erstellt. Davon sind nicht mehr
alle in Kraft und auch nicht alle behandeln Themen mit weltweiten Auswirkungen, aber der Prozeß erweist sich
als sehr wirksam bei der Förderung
der integrierten Nutzung der weitgesteckten und vielfältigen Mittel, die
zur Erlangung unserer Zielsetzungen
zur Nationalen Sicherheit verfügbar
sind.
Die fortgesetzte Entwicklung und
erfolgreiche Anwendung der Strategie
zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten ist eine der wichtigsten
Pflichten
der
Exekutive.
Aber die Regierung kann dies nicht
allein ereichen. Die Entwicklung und
Unterstützung einer Strategie zur Nationalen Sicherheit für die Vereinigten Staaten, die einen gesunden Ausblick auf die Zukunft zuläßt und
einen realistischen Leitfaden bietet,
muß ein gemeinsames Unternehmen des
Kongresses und der Regierung sein.
Ich freue mich darauf, mit dem
Kongreß überparteilich dabei zusammenzuarbeiten,
um
ein
erweitertes
Verständnis
für mehr
Unterstützung
unserer Strategie zur Nationalen Sicherheit und ihrer Zielsetzungen zu
erlangen.
Es kann kein wichtigeres
Unternehmen
für
das
langfristige
Wohlergehen des amerikanischen Volkes
geben, und ich erbitte die bestmögliche Zusammenarbeit des Kongresses
für die Erlangung dieses Ziels.

- 10 -

�VI. Ausblick auf die neunziger
Jahre
Vor sechs Jahren, als das amerikanische Volk mich zum Präsidenten
wählte, war ich entschlossen, kurzfristig vier unbedingt erforderliche
Ziele im Bereich der Strategie zur
Nationalen Sicherheit zu erreichen:
- Erstens, den Aufbau der militärischen Stärke unserer Nation nach
einem Jahrzehnt der Vernachlässigung, in dem es den Sowjets möglich war, uns in vielen wichtigen
Bereichen
der
Militärmacht
zu
überholen,
- Zweitens, den Wiederaufbau
der
wirtschaftlichen
Stärke
unserer
Nation und die Wiederbelebung des
Weltwirtschaftssystems angesichts
der Energiekrise und der weltweiten Rezession,
- Drittens, den Aufbau des internationalen Ansehens unserer Nation
als Führer
in der Welt, nach
einigen Jahren, in denen das Bild
von uns getrübt war und unsere
Gegner glaubten, daß die Vereinigten Staaten sich von ihren
internationalen
Verpflichtungen
zurückgezogen hätten, und
- Viertens, den Aufbau der persönlichen Motivation aller Amerikaner, die unsere Botschaft in die
Welt hinaus tragen sollten, daß
der Einzelne und nicht Regierungen ihr wirtschaftliches, geistiges und politisches Schicksal bestimmen sollte.
Nach sechs Jahren kann ich nun
berichten, daß dieser Prozeß des Wiederaufbaus in vollem Gange ist. Das
Staatsschiff
segelt
langfristig
in

eine neue Richtung, die auch in den
verbleibenden Jahren dieses Jahrhunderts
eingeschlagen werden sollte.
Ich glaube, daß unser wichtigster Antrieb im Bereich der Strategie zur
Nationalen Sicherheit darin bestand,
das Bild der Vereinigten Staaten als
Licht der Freiheit in der ganzen Welt
wiederherzustellen.
Wir
haben
in den
vergangenen
sechs Jahren beobachten können, daß
sich Völker und Regierungen auf der
ganzen Welt unsere Botschaft zu Herzen genommen haben. Wir haben gesehen, daß Länder ihr Denken im wirtschaftlichen
Bereich verändern und
stärkere Betonung auf den Wert und
die Arbeit des Einzelnen legen als
darauf, die Interessen des Staates
befriedigen
zu wollen.
Wir haben
Tausende freiheitsliebender Menschen
gesehen, die Waffen gegen solche Regime erheben, die versuchen, nach
Frieden und wirtschaftlicher Stabilität strebenden Bevölkerungen
ihren
Willen aufzuzwingen. Wir haben beobachtet, daß sich der Widerstand gegen
solche Kräfte in der Welt bildet, die
auf aggressive Art und Weise militärische Macht und Zwang anwenden, um
ihre Ziele zu erreichen.
Dies alles hat mir persönliche
Stärke verliehen, um in schweren Zeiten der Kritik, in Zeiten großer Risiken und möglicher Niederlagen weiterzumachen.
Ich habe festgestellt,
daß die Zeit auf unserer Seite ist
gegenüber den Kräften in der Welt,
die sich der Auslöschung von Freiheit, Gerechtigkeit und demokratischer Lebensweise verschrieben haben.
Die Zeit läuft für all diese Systeme
ab, weil Menschen auf der ganzen Welt
feststellen, daß die von diesen Kräften
propagierte
Lebensweise
den
Grundwerten des Menschen entgegenstehen.
Menschen auf der ganzen Welt
sehen nun, daß wir eine Vision für

- 11 -

�die Zukunft anbieten. Unsere Gegner
bieten die durch Herrschaft militärischer
Macht,
lähmender
Planwirtschaft und politischer Unterdrückung
verdunkelten Wege einer unerfüllten
Vergangenheit.
Ich habe in den vergangenen sechs
Jahren jede Möglichkeit genutzt, um
dieses Thema im In- und Ausland zu
behandeln.
Dies ist auch das vorherrschende Thema unserer Strategie
zur Nationalen Sicherheit - das Leben
unserer Nation, das in die Zukunft
getragen werden muß, um sicherzustellen, daß wir stark und innovativ, dynamisch und frei bleiben.
Wir dürfen niemals vergessen, daß
Freiheit immer etwas kostet - es ist
das teuerste Gut der Welt. Und Freiheit wird niemals mit einer einmaligen Summe abgegolten; jede Generation
muß ihre Raten dazu beitragen. Alles, was wir tun können, ist, der
nachfolgenden Generation die Möglichkeit der Freiheit zu bieten.
Ich bitte darum, daß wir in den
letzten beiden Jahren meiner Amtszeit
als ihr Präsident zusammenstehen, um
sicherzustellen, daß wir weiterhin am
Aufbau einer Strategie arbeiten, die
uns sicher ins 21. Jahrhundert trägt.

* * * * *

- 12 -

�AMERIKA DIENST
^7

^

Hintergrundmaterial

A&lt;

25. Februar 1987

DAS GESETZ ÜBER HANDEL, BESCHÄFTIGUNG UND PRODUKTIVITÄT VON 1987
- Übersicht zur Gesetzesvorlage vom 19. Februar 1987,
herausgegeben vom Weißen Haus -

WASHINGTON - (AD) - In seinem sechsten Bericht zur Lage der Nation erklärte der Präsident die sicherstellung des Wettbewerbsvorteils der Vereinigten
Staaten bis in 21. Jahrhundert zum nationalen Ziel. "Jetzt ist es Zeit," sagte der Präsident, "zu entscheiden, daß wir auf einem so außergewöhnlichen Leistungsniveau in das nächste Jahrhundert eintreten sollten, wie es in der Geschichte niemals zuvor erreicht worden ist."

Das Gesetz über Handel, Beschäftigung und Produktivität von 1987 ist
gesetzlicher
Hauptbestandteil
der
Initiative des Präsidenten zur Verbesserung
der
Wettbewerbsfähigkeit.
Zusammen mit dem Haushaltsentwurf des
Präsidenten für das Fiskaljahr 1988
und anderen Vorlagen, umfaßt dieses
Gesetzespaket ein sechsteiliges Programm, das auf die folgenden Ziele
ausgerichtet ist:
1. Zusätzliche
menschliches
tal;

Investitionen
in
und geistiges Kapi-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Förderung der wissenschaftlichen
und technologischen Entwicklungen;
3. Verbesserter Schutz des geistigen
Eigentums;
4. Verabschiedung
wesentlicher
Rechts- und Gesetzesreformen;
5. Einflußnahme auf das internationale wirtschaftliche Umfeld; und
6. Beseitigung des Haushaltsdefizits.
Das Gesetz über Handel, Beschäftigung
und Produktivität von 1987

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Tel.: 0228-339 2035
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�enthält fünf Titel, die der Verantwortung der Bundesregierung gerecht
werden, alles nur Mögliche zur Förderung der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit zu unternehmen.

Ausarbeitung
und
Durchführung
von
Programmen, die auf die besonderen
Bildungsbedürfnisse derjenigen Schüler ausgerichtet sind, die nur über
begrenzte Englischkenntnisse verfügen.

Titel I - Gesetz über Investitionen in menschliches und geistiges
Kapital von 1987 (Investment in
Human and Intellectual Capital
Act of 1987)

C.
Gesetz über die Wiedereingliederung
von Arbeitnehmern
(Work
Readjustment
Act).
Bewilligt
ein
neues, 980 Millionen Dollar Programm
zur Wiedereingliederung von Arbeitnehmern, das die nachfolgenden Punkte
beinhaltet:

Der Präsident ist der Überzeugung, daß unsere Gesellschaft ein außergewöhnlich
hohes
Bildungsniveau
anstreben muß, um einen Wettbewerbsvorteil erreichen zu können. Weiterhin müssen wir umgesetzten Arbeitskräften bei der Anpassung an den
wirtschaftlichen
Wandel
behilflich
sein und wirtschaftlich benachteiligten Jugendlichen Möglichkeiten eröffnen,
produktive Mitglieder
unserer
Gesellschaft zu werden. Titel I des
Gesetzes über Handel, Beschäftigung
und Produktivität umfaßt:

- Unterstützung von voraussichtlich
700 000 zusätzlichen umgesetzten
Arbeitskräften pro Jahr
(nahezu
das dreifache der mit den bestehenden Programmen abgedeckten Anzahl) .
Das Programm erstreckt
sich auf alle umgesetzten Arbeitnehmer, einschließlich der Bauern, und nicht nur auf diejenigen, die von den Importen besonders stark betroffen sind;
- Beratungsangebote,
Unterstützung
bei der Arbeitssuche, Grundausbildung und berufliche Weiterbildung zur gelernten Arbeitskraft;

A. Das Gesetz und die Gesetzesänderungen über die Verbesserung des
Erziehungswesens von 1987 (Education
Consolidation and Improvement Amendments Act of 1987). In Kapitel 1 und
2 diese Gesetzes wird die Zuwendung
von Mitteln
für die bedürftigsten
Schulen und Jugendlichen bewilligt,
werden Neuerungen, Experimente und
das Mitspracherecht der Eltern gefördert, die Verpflichtung
zur Rechnungslegung des Programmes verankert,
Anreiz und Belobigungen für erfolgreiche Leistungen angeboten.
B.
Die
Gesetzesänderung
zum
zweisprachigen
Erziehungswesen
von
1987 (Bilingual Education Act Amendments of 1987). Verbessert die Bundesstipendien für zweisprachige Erziehung und verleiht den Schulbezirken somit mehr Flexibilität bei der

- Angebot von Ausbildungs- und Eingliederungsmöglichkeiten
für Arbeitnehmer zu einem frühen Zeitpunkt - lange bevor sie die Arbeitslosenunterstützung voll ausgeschöpft haben; und
- Erneuerung
der Programme
unter
Titel III des Gesetzes über die
Unterstützung
der
Handelsanpassung und Partnerschaft bei der
Berufsausbildung
(Trade Adjustment Assistance and Job Training
Partnership Act).
D.
Unterstützungsprogramm
für
Familien
mit
unterhaltspflichtigen
Kindern, Beschäftigung
Jugendlicher
während der Sommermonate und Ausbil-

- 2 -

�dungsänderung von 198 7 (AFDC and Summer Youth Employment and Training Amendments of 1987) . Mit dem Gesetz
über die Partnerschaft bei der Berufsausbildung (JTPA) wurde ein 800
Millionen Dollar Programm ins Leben
gerufen, das dazu beitragen soll,
wirtschaftlich benachteiligte Jugendliche zu produktiven Erwachsenen zu
machen, die den von Amerika gebotenen
Möglichkeiten
aufgeschlossen
gegenüberstehen und die entscheidend benötigten Talente wieder in die Gesellschaft
einbringen.
Mit diesem
Programm
haben
die Gemeinden
die
Wahl, die jetzt verfügbaren JTPA Mittel für Sonderschulunterricht während
der Sommermonate zu verwenden oder
zur beruflichen Weiterbildung junger
Leute, die aus dem Hilfsprogramm für
Familien
mit
unterhaltspflichtigen
Kindern (AFDC) finanzielle Unterstützung erhalten.
E.
Das Gesetz über Arbeitsbeschaffungsprogramme zur Verbesserung
der Möglichkeiten (Greater Opportunities Through Work Programs Act of
1987) . Mit dem AFDC Programm werden
neue Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten
geschaffen: Verbesserung der Möglichkeiten durch Arbeit
(Greater Opportunities through Work GROW).
Das Ziel dieses neuen Programms ist es, junge Eltern im Teenageralter und Jugendliche zu ermutigen, die AFDC-Unterstützung erhalten
und die keine weiterführende Schulbildung erhalten haben, nicht von der
Schule abzugehen oder an die Schule
zurückzukehren.
Die älteren AFDCEmpfanger nehmen an einer Vielzahl
von Beschäftigungs- und Ausbildungsaktivitäten, einschließlich
Sonderschulunterricht, teil, die von dem
jeweiligen
Bundesstaat
festgelegt
werden.

rung

plätzen von 1987 (Employment Security
Administrative Financing Act of 1987)
und
G.
Das Gesetz über Stellenvermittlung von 1987 (Employment Services Act of 1987) bieten größere Flexibilität bei der Erarbeitung eines
umfassenden Ansatzes, mit dem die
Probleme der Arbeitslosen angegangen
werden können, z. B. durch dezentralisierte Behörden, Finanzierung und
die Zuständigkeit für die Vergabe der
Arbeitslosenversicherung
sowie
die
SteilenVermittlungsprogramme.

Titel II - Gesetz über die Gründung
eines
nationalen
Wissenschaf tsprogrammes
(National
Science Foundation Authorization
Act)
Die Förderung von Wissenschaft
und Technologie ist unerläßlich für
die
Wettbewerbsfähigkeit
der
Vereinigten
Staaten.
Die politischen
Richtlinien des Bundes müssen drei
generelle Zielsetzungen haben:
- Schaffung neuer Kenntnisse
dernen Technologien;

in mo-

- schneller
Transfer
der
neuen
Technologien auf den Markt; und
- Erweiterung
des
wissenschaftlichen und technologischen Grundstocks der Nation.
Zur Erreichung dieser Ziele sieht
das Gesetz über Handel, Beschäftigung
und Produktivität von 1987 die Zuwendung von Mitteln an die Stiftung Nationale Wissenschaft vor und damit
eine Verdoppelung der Etatverpflichtungen für diese Programme über einen
Zeitraum von fünf Jahren.

F. Das Gesetz über die Finanzieder Sicherstellung von Arbeits- 3 -

�Titel III - Gesetz zur Verbesserung der Rechte zur Wahrung des
geistigen Eigentums von 1987 (Omnibus
Intellectual
Property
Rights improvement Act of 1987)

zenzvergabe
für
technologische
Güter zuständig sind, durch Kodifizierung und Verdeutlichung der
Entscheidung des Obersten Bundesgerichtes in Lear v. Adkins;

Der Präsident ist der Überzeugung, daß es von vorrangiger Bedeutung ist, angemessenen Schutz sowohl
auf nationaler als auch auf internationaler Ebene
für diejenigen zur
Verfügung zu stellen, die neue Gedanken entwickeln und neue Produkte und
Dienstleistungen erfinden. Titel III
des Gesetzes über Handel, Beschäftigung und Produktivität von 1987 umfaßt folgende Maßnahmen:

- Wiederherstellung der Patentdauer
für agro-chemische und tiermedizinische Produkte bis zu einer
Höchstdauer von fünf Jahren, um
den Zeitverlust bei der Dauer des
Patents auszugleichen, der sich
durch die von der Bundesregierung
vor der Vermarktung vorgeschriebene Standardkontrolle und Überprüfung ergibt;

A. Reform des Gesetzes über geistiges Eigentum von 1987 (Intellectual Property Reform Act of 1987).
Satzungsgemäße Änderung in folgenden
Wortlaut:
- Anreiz der Lizenzvergabe für patentierte Technologien durch Einschränkung der "Verordnung über
Patent-Mißbrauch" auf tatsächlich
wettbewerbsbeschränkendes Verhalten;
- verbesserter Schutz von unter Patentverfahren
entwickelten
Produkten, entsprechend dem Schutz,
der diesen Produkten von unseren
wichtigsten Handelspartnern eingeräumt wird;
- Bereitstellung einer flexibleren
Uberprüfungsnorm für die Lizenzvergabe für geistiges Eigentum im
Rahmen
der
Kartellgesetzgebung
und Beseitigung der Regelung über
Schadenersatz in dreifacher Höhe
für wettbewerbsbeschränkende Lizenzvereinbarungen;
- Wiederherstellung
der
Verhandlungsposition der vertragschließenden Parteien, die für die Li-

- Kostenreduzierung bei der Verteidigung von Patentrechten durch:
(1.) Erlassung der Anwaltskosten
für die überlegene Partei in Fällen
von Leichtfertigkeit
oder willkürlicher Rechtsverletzung, und 2.) daß
Anfechtungen eines Patents aufgrund
von Publikationen zunächst in einem
Verwaltungsverfahren
berücksichtigt
werden, bevor das Verfahren bei Gericht anhängig gemacht wird, es sei
denn, dies läge nicht im öffentlichen
Interesse.
B.
Änderung des Gesetzes über
Informationsfreiheit von 1987 (Freedom of Information Act Amendments of
1987).
Erweiterung
der
gesetzlich
verankerten Definition von Geschäftsgeheimnissen und vertraulichen Wirtschaftsinformationen gemäß dem Gesetz
über Informationsfreiheit (FOIA), das
Behörden die Vorenthaltung von Informationen getattet, wenn deren Veröffentlichung dem Geschäftsablauf oder
den Wirtschaftsinteressen dieser Behörden zuwiderlaufen würde. Die Gesetzesänderung
sieht
außerdem
die
neugeschaffene Befreiung von dem Gesetz über Informationsfreiheit
für
technische Daten vor, die ohne vorherige Genehmigung nicht aus den Ver-

�einigten
dürfen.

Staaten

exportiert

bundenen Haftungsnorm;

werden

- Abbau der Gemeinschafts- und Einzelhaftung mit Ausnahme der Fälle, in denen die beklagten Parteien gemeinschaftlich gehandelt
haben;

C.
Handelsverordnung im Gesetz
über digitale Aufnahmegeräte von 1987
(Regulation of Commerce in Digital
Audio Recording Devices Act of 1987).
Sieht die technische Lösung des potentiellen Problems nicht genehmigter
Kopien von urheberrechtlich geschütztem Material mit digitalen Tonbandgeräten vor. Es wird verfügt, daß digitale
Aufnahmegeräte
einen
Entschlüsselungsmechanismus
haben, der
die Aufnahme von urheberrechtlich geschützten, mit einem unhörbarem Signal
verschlüsselten
Digitalbändern
verhindert.

- Begrenzung der Entschädigung für
nicht-wirtschaftliche Schäden in
einer
gerechten
und zumutbaren
Höhe;
- Bereitstellung periodischer Zahlungen anstelle von Abschlagszahlungen für aus zukünftiger medizinischer Versorgung oder Einkommensverlusten resultierende Schäden;

Titel IV - Gesetz über Rechtsund
Gesetzesreformen
von
1987
(Legal and Regulatory Reforms Act
of 1987)
Aufgrund von veralteten Verordnungen und Vorschriften und selbst
auferlegten anreizhemmenden Faktoren
befinden sich die Vereinigten Staaten
in einer nachteiligen Position auf
dem Weltmarkt. Das Gesetz über Handel, Beschäftigung und Produktivität
von
1987
umfaßt
eine
Reihe
von
Rechts- und
Gesetzesreformen,
die
darauf ausgerichtet sind, diese Wettbewerbshindernisse abzubauen.
A. Reform des Gesetzes über Produkthaftung von 1987 (Product Liability Reform Act of 1987). Verringert
die Kosten der Produkthaftungs- und
Versicherungsspirale, die einen Kostenzuwachs für amerikanische Produkte verursacht und der Entwicklung und
Vermarktung
neuer
und
innovativer
Produkte durch amerikanische Hersteller zuwiderläuft. Der Titel beinhaltet:
- Aufrechterhaltung

der

- Minderung von Schadenersatz
in
solchen Fällen, in denen der Kläger auch aus anderen Quellen, wie
etwa über Zuwendungen der Regierung entschädigt wird,
- Verringerung
der
Kosten
bei
Transaktionen durch Einschränkung
des Erfolgshonorars der Anwälte
mittels Staffelsätzen, und
- Ermutigung
der
prozeßführenden
Parteien
zur
außergerichtlichen
Einigung,
B.
Verfassungszusätze von 1987
gegen
die Bildung
von
Kartellen.
Diese umfassenden Veränderungen zielen darauf ab, die Dynamik amerikanischer Unternehmen zu verbessern und
gleichzeitig Verbraucher und Firmen
vor
Monopolbildung,
Kartellen
und
Preisabsprachen zu schützen. Zu diesen Vorschlägen zählen:

fehlerge- 5 -

- Ergänzung
von
Teil
i
des
Clayton-Gesetzes zur besseren Unterscheidung
zwischen
wettbewerbsfreundlichen
Fusionen
und
solchen, die für den Verbraucher

�höchstwahrscheinlich
zu
Preise führen würden,

höheren

- Einschränkung privater und staatlicher Aktivitäten gegen Kartelle
auf tatsächliche Schäden (statt
solchen in dreifacher Höhe), außer denjenigen, die durch überhöhte Forderungen oder Unterbezahlung hervorgerufen werden,
- Beseitigung
ungerechtfertigter
und lästiger Beschränkungen für
eine Personalunion bei Verwaltungen verschiedener Gesellschaften.
- Klärung der Anwendung von amerikanischen Gesetzen gegen Kartellbildung auf private Fälle, die
mit dem internationalen Handel in
Zusammenhang stehen und
- Bedingung, daß bei Kartellbildungen alle Forderungen, die nach
der Teilregulierung eines Falles
gegen andere Beklagte bestehen,
in angemessenem Umfang reduziert
werden.
C.
Das "Sunset Act" der zwischenstaatlichen
Handelskommission
von 1987 schafft die wirtschaftlichen
Beschränkungen für Beförderungsunternehmen im Land- und Binnenwasserverkehr (außer auf der Schiene) ab und
läßt die zwischenstaatliche Handelskommission am 1. Oktober 1987 erlöschen.
D. Das Gesetz zur Reform der Bestimmungen bei ölpipelines (Oil Pipeline Regulatory Reform Act) von 1987
hebt Bestimmungen der Bundesstaaten
für solche ölpipelines auf, die nach
Kriterien des freien Wettbewerbs geführt werden.
E.
Der Zusatz zum Gesetz über
Maßnahmen beim Erdgas (Natural Gas
Policy Act Amendment) von 1987 regelt
- 6

den
Zugang zu Beförderungssystemen
für Erdgas, schafft die Preisbindung
für Erdgasquellen ab und hebt Bestimmungen des Gesetzes zur Verwendung
von Kraftstoff (Fuel Use Act) auf,
die die Nachfrage nach Erdgas einschränken.
F.
Das Gesetz zur Information
über motorisierte Fahrzeuge und Kostenersparnis (Motor Vehicle Information and Cost Savings Act) von 1987
hebt die für Autos bestehenden einheitlichen Maßstäbe für den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch aller von einem Autohersteller produzierten Modelle auf, die einen Wettbewerbsnachteil für die amerikanische
Automobilindustrie bedeuten und Verzerrungen in der Wirtschaft hervorrufen.

^

G.
Zusätze zum Gesetz zur Regelung des Exports (Export Administration Act - EAA) von 1987.
- Sie autorisieren die Lizenzvergabe
bei
Mehrfachausfuhren
nach
China und machen so die amerikanischen
Exporte
nach
China
wettbewerbsfähiger,
- Sie spezifizieren die Befugnis,
in den Vereinigten Staaten Verkäufe von im Interesse der nationalen
Sicherheit
kontrollierten
Waren an Geschäftspartner aus bestimmten Ländern zu beschneiden,
- Sie legen eine Zeitspanne von 120
Tagen fest, um abzuschätzen, welche Waren auf dem ausländischen
Markt verfügbar
sind wie auch
eine zusätzliche Frist für Konsultationen vor der Freigabe.
- Sie unterstellen die voraussichtliche Lizenzerteilung an ein Land
der freien Welt für ein Produkt,
das zum Zwecke der nationalen Si-

,

»

�cherheit
Kontrollen
unterliegt,
wenn dieses Produkt ohne effektive Einschränkungen für das Land
erhältlich ist.
Der
Regierung
der
Vereinigten
Staaten wird vor Erteilung der Lizenz
eine Frist von 20 Tagen (die um 15
weitere verlängert werden kann) gewährt, wenn die Lizenz nicht vorher
wegen des unannehmbaren Risikos eines
illegalen Transfers versagt wird.
- Sie bestimmen die Zielsetzungen
der Vereinigten Staaten bei den
Verhandlungen mit den Regierungen
des COCOM und auch die Streichung
von Posten aus der Internationalen Kontroll-Liste (ICL) dort, wo
Kontrollen unwirksam oder unnötig
sind,

dere wichtige
umstrukturiert.

Reformen

grundlegend

Titel V - Gesetz zur Verbesserung
des
internationalen
wirtschaftlichen
Umfeldes
(International
Economic Environment Improvement
Act) von 1987
Die Regierung kann eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit der Nation spielen, indem sie das internationale Umfeld für die Wirtschaft so gestaltet,
daß darin das Wissen, das Talent und
der Unternehmensgeist Amerikas gedeihen kann.
A. Das Gesetz zur Wettbewerbsfähigkeit im Handel von 1987

- Sie befugen den Handelsminister,
solchen Körperschaften
(und den
ihnen angegliederten Gesellschaften) Ausfuhrlizenzen zu verweigern, die bereits wegen Verletzungen der Exportkontrollgesetze
verurteilt worden sind und
- sie erlauben es dem Handelsminister,
Ausfuhrvergünstigungen
für einen Zeitraum von 180 Tagen
zu verweigern, um eine bevorstehende Verletzung zu verhindern,
oder, wo
immer
das
notwendig
wird, die Anwendung des EAA zu
erleichtern.
H.
Das Gesetz zur Regelung finanzieller
Dienstleistungen
(Financial Services Regulatory Efficiency
Act) von 1987 erfüllt die Empfehlungen der Arbeitsgruppe unter Vizepräsident Bush über die Regelung finanzieller
Dienstleistungen, indem es
den Rahmen zur Regelung finanzieller
Dienstleistungen
auf
Bundesebene
durch die Schaffung einer neuen Bundesbehörde für das Bankwesen und an- 7 -

- Es autorisiert Verhandlungen innerhalb
der
Uruguay-Runde
der
Handelsgespräche.
Dazu
gehört
auch
ein erheblich
erweiterter
Bedarf an Konsultationen mit dem
Kongreß und dem Privatsektor,
- es unterstützt das AntidumpingGesetz durch die Schaffung einer
neuen, berechenbaren Abhilfe bei
der Preisfestsetzung für Produkte
aus
nicht-marktwirtschaftlich
orientierten Ländern und festigt
die Gesetze gegen Dumping und
Ausgleichszölle durch neue, nicht
umgehbare Bestimmungen zur Verhinderung einer Umgehung von Zöllen ,
- es verschärft Abschnitt 301 des
Handelsgesetzes
von
1974
(über
unfaire Handelspraktiken)
durch
die Festsetzung einer 24mrnatigen
Frist bei Streitfällen ui.d durch
die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit dem Kongreß durch Berichte
über
die
kommerziellen
Auswirkungen der Fälle, die unter

�Abschnitt 301 fallen.
- Das Gesetz unterstützt den beiderseitigen Zugang zu ausländischen Märkten als einen zusätzlichen Faktor, der bei Fällen,
die unter Abschnitt 301 fallen,
in Betracht zu ziehen ist.
- Es ergänzt Abschnitt 201 des Handelsgesetzes von 1974 (der sich
auf Abhilfe bei durch Importen
verursachte Schäden bezieht) folgendermaßen: es werden beschleunigte Erleichterungen
für verderbliche Agrarprodukte gewährt,
zusätzliche Optionen für eine Unterstützung geschaffen, zu denen
multilaterale Verhandlungen
und
eine Reform von Vorschriften zählen und es wird klargestellt, daß
Erleichterungen während einer Rezession gewährt werden können.
- Es macht die in Abschnitt 337 des
Zollgesetzes von 1930 (der sich
auf bestimmte unfaire Handelspraktiken bezieht) beschriebenen
Verfahrensweisen der Internationalen Handelskommission wirkungsvoller, indem es die heute bestehende
Erfordernis
abschafft,
einer
inländischen
Firma
eine
Verletzung nachweisen zu müssen,
wenn ein Verstoß gegen den Schutz
geistigen Eigentums vorliegt,
- es verbessert das Gesetz für Gesellschaften im Exporthandel (Export Trading Company Act) und erstellt eine Statistik zur Exportförderung und
- es beschließt
Zollgebühren
für
die Abfertigung von Frachtgut, um
die Kosten der Bereitstellung von
Dienstleistungen der Zollbehörde
genauer widerspiegeln zu können
und diese Gebühren über das vorhergesehene Auslaufdatum
hinaus

zu erheben.
B.
Das Gesetz über Geschäftspraktiken und Buchführung
(Business
Practices and Records Act) von 1987.
Obwohl sie bereits Bestechung zur der
Erzielung von Verkäufen im Ausland
durch gerichtliche Strafen abschrekken, werden die vorgeschlagenen gesetzlichen Änderungen Unsicherheiten
ausräumen und Zweifels fälle im Gesetz
über korrupte Praktiken im Ausland
(Foreign Corrupt
Practices
Act
FCPA) klären. Zu den besonderen Reformen zählen:
- 'reason to know' wird durch eine
objektivere
Formulierung,
wie
'directs or authorizes' ersetzt,
- es wird näher ausgeführt, welche
Arten der Zahlung aus dem Gesetz
ausgenommen werden sollten und
- es werden die Erfordernisse für
eine Buchführung gemäß dem FCPA
spezifiziert.

Unterstützung für private Pensionsfonds
Abgesehen vom Gesetz über Handel,
Beschäftigung und Produktivität von
1987 schlägt der Präsident gesetzgebende Maßnahmen vor, um die Sicherheit für Arbeitnehmer mit privaten
Rentenversicherungen zu erhöhen, indem es den Unternehmern erlaubt wird,
überschüssige Einlagen aus der Altersversorgung abzuziehen, ohne diese
aufzulösen und indem für mit zu geringem Mitteln ausgestattete Rentenfonds erhöhte Zahlungen der Unternehmer gefordert werden.

Zusammen fassung
Das Gesetz über Handel, Beschäf-

,

»

�tigung und Produktivität von 1987 erfüllt die Aufgabe der Bundesregierung
zur
Förderung
der
amerikanischen
Wettbewerbsfähigkeit.
Jedoch müssen
sich alle Amerikaner die Verantwortung zur Förderung unserer Wettbewerbsfähigkeit teilen;

schem Geist und einfach
amerikanischen Mumm".

- das Geschäftsleben muß leistungsfähiger arbeiten und hohe Qualitätsmaßstäbe setzen, Verfahrensweisen rationalisieren, altmodische Strukturen und Führungsstile
außer Kraft setzen, sich dem Wandel anpassen und auf der Tradition des amerikanischen Unternehmertums aufbauen;
- Arbeitnehmer müssen in die Lage
versetzt werden, ihre Möglichkeiten durch die Anwendung neuer
Technologien,
Investitionen
in
ihre
Ausbildung,
Weiterbildung
und die Verbesserung ihrer Fähigkeiten
auszuschöpfen,
und
sie
sollten stolz auf ihre Arbeit
sein können.
- Familien, die durch
staatliche
oder städtische Behörden unterstützt werden, tragen die größte
Verantwortung - sie müssen ein
pädagogisches Umfeld schaffen, in
dem unsere jungen Menschen leistungsfähige Bürger werden können
und in die Lage versetzt werden,
sowohl geistig wie auch materiell
das Beste
zu
erreichen.
Wir
sollten nach einem ausgezeichneten Bildungswesen streben.
Wie der Präsident in seiner Botschaft zur Lage der Nation ausführte:
"(...) jeder einzelne muß nach
außergewöhnlichen Leistungen streben,
die sich nicht in neuen Vorschlägen
oder Milliarden
neuer öffentlicher
Mittel ausdrücken.
Stattdessen gehört dazu ein Aufwand an amerikani- 9 -

* * * * * *

geradlinigem

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
25. Februar 1987

Nr. 8

DONALD IAN MACDONALD - NEUER SONDERBERATER IN DROGENFRAGEN
Präsident Reagan beruft Experten aus dem Gesundheitsministerium
ins Weiße Haus -

WASHINGTON - (AD) - Als Nachfolger für Dr. Carlton Turner, der Ende
Januar 1987 aus dem Staatsdienst ausschied
ernannte
Präsident
Reagan
Donald Ian Macdonald zum Sonderberater und Leiter des Präsidialamtes für
Programme zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs.
Die Probleme sind für
Macdonald keineswegs neu. Seit 1984
leitet er die Abteilung "Alkohol,
Drogenmißbrauch und Geistige Gesundheit" (ADAMHA) im Bundesministerium
für Gesundheit und Soziale Dienste.
Diese Funktion wird er beibehalten,
bis ein geeigneter Nachfolger gefun-

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den ist. ADAMHA ist für die Durchführung und Koordinierung von Aktivitäten und Maßnahmen auf Bundesebene zur
besseren Aufklärung der Bevölkerung
im Zusammenhang mit Suchtstoffen, zur
Verbesserung der Vorbeugung und Behandlung bei Drogenproblemen und Störungen der geistigen Gesundheit zuständig.
Im
öffentlichen
Gesundheitsdienst der Vereinigten Staaten
nimmt Macdonald eine der höchsten Positionen ein.
Vor
seinem
Eintritt
in
den
Staatsdienst hatte sich der neue Son-

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Telex: 8-85432

�derberater
Präsident
Reagans
als
praktizierender Kinderarzt (mit Lehrauftrag an der Universität Südflorida) wegen seines Engagements für landesweite Elterninitiativen zur Suchtstoffbekämpfung in der Öffentlichkeit
wie in der Ärzteschaft einen Namen
gemacht.
Seit Jahren ist er in den
Spitzengremien berufsständischer Organisationen und von Laienvereinigungen für Eltern- und Abhängigenberatung bei Drogenmißbrauch aktiv. Auch
seine
wissenschaftliche
Tätigkeit
fand in einer Vielzahl von Veröffentlichungen ihren Niederschlag.
Darin
werden in erster Linie die pathologischen Auswirkungen bestimmter Inhaltsstoffe von Drogen aus Pflanzen
und von synthetischen Präparaten behandelt.
Die für die Allgemeinheit
gedachten Informationen zeichnen sich
durch
eine
ideale Verbindung
von
fachlich präziser
mit leicht verständlicher Darstellung aus.
Macdonald, am 15. April 1931 in
New
York
geboren,
studierte
am
Williams College (Williamstown, Massachusetts) und an der Temple University in Philadelphia. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

* * * * * *
- 2

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Beunruhigende" Menschenrechtssituation in Südafrika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schifter zum neuen Menschenrechtsbericht der amerikanischen Regierung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht der Reagan-Administration an den Kongress - Teil V und VI&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Donald Ian Macdonald - neuer Sonderberater in Drogenfragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagan beruft Experten aus dem Gesundheitsministerium ins Weiße Haus -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Äs^&#13;
&#13;
cimGrikci&#13;
dienet&#13;
&#13;
Herausgeber: U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
^rioM ^&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
&#13;
25. Februar 1998&#13;
&#13;
04&#13;
&#13;
IRAK&#13;
&#13;
CLINTON: ERNSTHAFTE KONSEQUENZEN&#13;
BEI NICHTEINHALTUNG&#13;
Erklärung des Präsidenten zu den&#13;
Bagdader Vereinbarungen&#13;
&#13;
USA WOLLEN KEINE BEEINTRÄCHTIGUNG&#13;
DER UN-WAFFENINSPEKTIONEN&#13;
Rede Präsident Clintons&#13;
im Verteidigungsministerium&#13;
&#13;
DIE BEHINDERUNG DER UNSCOM DURCH&#13;
DEN IRAK&#13;
Eine Übersicht&#13;
&#13;
DIE IRAK-KRISE: DIE BEDROHUNG,&#13;
DIE FAKTEN&#13;
Fragen und Antworten&#13;
&#13;
»&#13;
&#13;
BIOLOGISCHE WAFFEN&#13;
&#13;
DIE KONVENTION ÜBER BIOLOGISCHE&#13;
WAFFEN&#13;
Eine Übersicht&#13;
ANTHRAX IST BEVORZUGTER KAMPFSTOFF&#13;
FÜR BIOLOGISCHE KRIEGFÜHRUNG&#13;
Eine Übersicht&#13;
&#13;
bitte wenden&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
&#13;
DEUTSCHLAND UND AMERIKA:&#13;
DIE SCHAFFUNG EINER VISION&#13;
Rede von Botschafter John C. Kornblum&#13;
&#13;
TECHNOLOGIE&#13;
&#13;
DIE CHANCEN DER INNOVATION IM&#13;
21. JAHRHUNDERT NUTZEN: DIE BESTE&#13;
ROLLE FÜR DIE REGIERUNG&#13;
Rede des Gesandten Michael C. Polt&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
&#13;
�IRAK&#13;
25. Februar 1998&#13;
&#13;
Clinton: Ernsthafte Konsequenzen bei Nichteinhaltung&#13;
Erklärung des Präsidenten zu den Bagdader Vereinbarungen&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine von Präsident Bill Clinton am 23. Februar 1998 bei&#13;
einem Treffen mit Reportern im Oval Office abgegebene Erklärung zu dem zwischen UN-Generalsekretär Kofi&#13;
Annan und dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein in Bagdad geschlossenen Abkommen.&#13;
&#13;
Guten Tag. Zuerst möchte ich betonen, daß ich die&#13;
Mission von UN-Generalsekretär Annan in Bagdad&#13;
begrüße. Ich danke ihm und seinem Team für die&#13;
harte Arbeit im Dienste der internationalen Gemeinschaft.&#13;
Ferner beglückwünsche ich jeden einzelnen unserer&#13;
Männer und Frauen in Uniform und unsere Koalitionspartner zu ihrer Standhaftigkeit. Wir haben wieder&#13;
einmal gesehen, daß Diplomatie durch Stärke und&#13;
Entschlossenheit untermauert werden muß.&#13;
Die irakische Regierung ist eine schriftliche Verpflichtung eingegangen, den UNSCOM-Waffeninspektoren unverzüglichen, ungehinderten und bedingungslosen Zugang zu allen verdächtigen Anlagen im&#13;
Irak zu gewähren, wie in den Resolutionen des UNSicherheitsrats gefordert wird. Wenn diese Verpflichtung vollständig umgesetzt wird - und das ist das&#13;
große "wenn" - wird sie der UNSCOM die Erfüllung&#13;
ihrer Mission gestatten: Erstens, alle chemischen,&#13;
biologischen und nuklearen Waffen des Irak zu finden&#13;
und zu zerstören; zweitens, die Trägerraketen für&#13;
diese Waffen zu finden und zu zerstören; und drittens,&#13;
ein System zur Langzeitkontrolle einzuführen um&#13;
sicherzustellen, daß der Irak keine Waffen mehr&#13;
herstellt.&#13;
Der Generalsekretär hat deutlich gemacht, daß die&#13;
Verpflichtung des Irak sich auf alle Anlagen im gesamten Land erstreckt, einschließlich der acht sogenannten Präsidentenpaläste, die zu den Bereichen&#13;
gehören, zu denen den Waffeninspektoren vorher der&#13;
Zugang verweigert wurde.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
Vom Generalsekretär ernannte hochrangige Diplomaten werden die UNSCOM-Experten bei der Inspektion&#13;
dieser Anlagen begleiten. Sie können ihre Besuche&#13;
wiederholen, und es wird ihnen keine Frist für den&#13;
Abschluß ihrer Arbeit gesetzt. Ferner hat sich der Irak&#13;
verpflichtet, daß bei der bisherigen Verfahrensweise&#13;
alle anderen Gebiete, Einrichtungen, Geräte, Unterlagen und Transportmittel für die UNSCOM offen sind.&#13;
Das beinhaltet ebenfalls die vorher geschlossenen&#13;
Anlagen.&#13;
Es gibt Fragen, die noch zu unserer Zufriedenheit&#13;
geklärt, und Einzelheiten, die noch geregelt werden&#13;
müssen. Morgen wird uns der Generalsekretär&#13;
genauer über diese Fragen informieren, und wir&#13;
werden mit ihm und der UNSCOM zusammenarbeiten&#13;
um sicherzustellen, daß die Inspektionen genau und&#13;
professionell durchgeführt werden.&#13;
Von Bedeutung ist jedoch die Einhaltung der Verpflichtungen durch den Irak, und nicht seine Erklärungen; nicht Worte, sondern Taten des Irak sind&#13;
wichtig. In den kommenden Tagen und Wochen muß&#13;
die UNSCOM prüfen und verifizieren.&#13;
Nach zwei Krisen in den letzten vier Monaten wäre es&#13;
eine äußerst ernste Angelegenheit, wenn der Irak der&#13;
UNSCOM jetzt nicht gestatten würde, ihre Arbeit zu&#13;
tun. Wenn der Irak sich dieses Mal nicht daran hält,&#13;
den Waffeninspektoren unverzüglichen, ungehinderten&#13;
und bedingungslosen Zugang zu gewähren, wird das&#13;
ernsthafte Konsequenzen haben.&#13;
Ich habe angeordnet, daß unser Militär am Persischen&#13;
Golf bleibt. Unsere Soldaten, Schiffe und Flugzeuge&#13;
werden dort in großer Zahl bleiben, bis wir gewähr-&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�leistet haben, daß der Irak seine Verpflichtungen&#13;
erfüllt.&#13;
Wenn den Inspektoren gestattet wird, wo und wann&#13;
immer sie wollen, Inspektionen durchzuführen, sind sie&#13;
unser effektivstes Instrument zur Überwachung, ob der&#13;
Irak sich an die nach dem Golf krieg eingegangene&#13;
Verpflichtung hält, all seine biologischen, chemischen&#13;
und nuklearen Waffen, ihre Trägersysteme und die&#13;
Fähigkeit zum Wiederaufbau seines Arsenals aufzugeben.&#13;
&#13;
Ich hoffe, daß das heutige Abkommen den Fortschritt&#13;
darstellt, auf den wir warten. Aber der Beweis wird erst&#13;
durch die Inspektionen erbracht. Die Vereinigten&#13;
Staaten bleiben entschlossen und einsatzbereit, um&#13;
mit allen erforderlichen Mitteln sicherzustellen, daß&#13;
sich der Irak voll und ganz an seine Verpflichtung zur&#13;
Zerstörung seiner Massenvernichtungswaffen hält.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�IRAK&#13;
25. Februar 1998&#13;
&#13;
USA wollen keine Beeinträchtigung&#13;
der UN-Waffeninspektionen&#13;
Rede Präsident Clintons im Verteidigungsministerium&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede zur Irak-Krise, die Präsident Clinton am 17.&#13;
Februar 1998 vor den Mitarbeitern des Pentagon hielt.&#13;
&#13;
Vielen Dank, Herr Vizepräsident, für Ihre Ausführungen und Ihre Führungsrolle. Ich danke Verteidigungsminister Cohen für die herausragende Arbeit, die er&#13;
hier im Pentagon und bei dem neuesten, äußerst&#13;
schwierigen Problem leistet. Ferner danke ich General&#13;
Shelton, der die richtige Person zur richtigen Zeit ist,&#13;
General Ralston, den Angehörigen der Vereinigten&#13;
Stabschefs, General Zinni, Außenministerin Albright,&#13;
Verkehrsminister Slater, CIA-Direktor Tenet, den&#13;
Herren Bowles und Berger. Senator Robb und dem&#13;
Kongreßabgeordneten Skelton danke ich für Ihre&#13;
jahrelange Tätigkeit im Dienst Amerikas und ihren&#13;
leidenschaftlichen Patriotismus. Mein Dank gilt auch&#13;
den Angehörigen der Streitkräfte und allen anderen,&#13;
die sich hier für den Schutz unserer nationalen Sicherheit einsetzen.&#13;
Ich wurde gerade von unserer militärischen Führung&#13;
über den Status unserer an den Persischen Golf&#13;
entsandten Streitkräfte informiert. Bevor ich das&#13;
Verteidigungsministerium verlasse, möchte ich mit&#13;
Ihnen und allen sprechen, die Sie vertreten - den&#13;
Männern und Frauen in unserem Militär. Sie, Ihre&#13;
Freunde und Kollegen stehen in der Irak-Krise an&#13;
vorderster Front. Ich möchte, daß Sie und das amerikanische Volk von mir aus erster Hand erfahren, was&#13;
für Amerika und den Persischen Golf auf dem Spiel&#13;
steht, was wir zum Erhalt des Friedens, der Sicherheit&#13;
und der von uns hochgehaltenen Freiheit unternehmen, und warum wir die Position einnehmen, die wir&#13;
bezogen haben.&#13;
Als ich hier auf dem Podium Platz nahm, fiel mir das&#13;
Motto ein, das die First Lady für ihr Projekt für das&#13;
neue Jahrtausend gewählt hat: Die Vergangenheit&#13;
erinnern und sich die Zukunft vorstellen. Für dieses&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
Projekt bedeutet das den Erhalt unseres Sternenbanners, der Unabhängigkeitserklärung, der Verfassung&#13;
und der Bill of Rights, und es bedeutet ein beispielloses Engagement im Bereich medizinischer Forschung&#13;
und der Nutzung neuer Technologien. Es ist aber&#13;
auch für uns kein schlechtes Motto, wenn wir uns mit&#13;
trockeneren, schwierigeren und gefährlicheren Fragen&#13;
befassen.&#13;
Wer zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Vereinigten&#13;
Staaten in Zweifel zieht, lebt meines Erachtens nur für&#13;
den Augenblick - erinnert sich weder an die Vergangenheit, noch stellt er sich die Zukunft vor. Daher&#13;
wollen wir zunächst einmal überlegen, warum die&#13;
Bewältigung der von Saddam Hussein dargestellten&#13;
Bedrohung so wichtig für unsere Sicherheit in dem&#13;
neuen, vor uns liegenden Zeitalter ist.&#13;
Dies ist eine Zeit enormer Chancen für Amerika. Die&#13;
Konfrontation der Supermächte ist auf jedem Kontinent&#13;
zu Ende gegangen; die Demokratie schützt für immer&#13;
mehr Menschen die Grundfreiheiten, die wir Amerikaner inzwischen als selbstverständlich erachten. Das&#13;
Informationszeitalter trägt zur allmählichen Überwindung der wirtschaftlichen, politischen und sozialen&#13;
Hindernisse bei, die früher dazu führten, daß Menschen ein- und Freiheit und Wohlstand ausgeschlossen waren.&#13;
Trotz aller Versprechungen, trotz aller Chancen wissen&#13;
die hier Anwesenden sehr wohl, daß diese Zeit nicht&#13;
frei von Gefahren ist - insbesondere aufgrund der&#13;
rücksichtslosen Akte geächteter Nationen und der&#13;
unheiligen Achse von Terroristen, Drogenschhändlem&#13;
und organisierten internationalen Verbrechern. Wir&#13;
müssen unsere Zukunft vor diesen Raubtieren des 21.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Jahrhunderts verteidigen. Sie leben vom freien Fluß&#13;
von Informationen und Technologie. Sie profitieren&#13;
tatsächlich vom freieren Fluß von Menschen, Informationen und Ideen. Und sie werden um so todbringender sein, wenn wir ihnen den Aufbau von Arsenalen&#13;
nuklearer, chemischer und biologischer Waffen sowie&#13;
ihrer Trägersysteme gestatten. Das dürfen wir einfach&#13;
nicht zulassen.&#13;
Es gibt kein offensichtlicheres Beispiel für diese&#13;
Bedrohung als Saddam Husseins Irak. Sein Regime&#13;
bedroht die Sicherheit seines Volkes, die Stabilität&#13;
seiner Region und die Sicherheit von uns allen.&#13;
Ich möchte, daß das amerikanische Volk zuerst einmal&#13;
die Vergangenheit versteht - wie diese Krise entstanden ist. Und ich möchte, daß es versteht, was wir&#13;
zum Schutz unserer nationalen Interessen und in der&#13;
Tat im Interesse aller freiheitsliebenden Menschen auf&#13;
der Welt unternehmen müssen.&#13;
Sie werden sich erinnern, daß die Vereinten Nationen&#13;
- nicht die Vereinigten Staaten, sondern die Vereinten&#13;
Nationen - an den Waffenstillstand nach dem Golfkrieg&#13;
die Bedingung knüpften, daß Saddam Hussein&#13;
innerhalb von zwei Wochen seine nuklearen, chemischen und biologischen Waffen und ihre Trägersysteme angibt. Saddam stimmte damals -1991 - zu,&#13;
dies innerhalb von zwei Wochen zu tun. Das sagte er&#13;
damals zu.&#13;
Die Vereinten Nationen richteten eine Sonderkommission hervorragend ausgebildeter internationaler&#13;
Experten - genannt UNSCOM - ein um sicherzustellen,&#13;
daß der Irak dieser Verpflichtung nachkommt. Wir&#13;
hatten guten Grund, auf einer Entwaffnung des Irak zu&#13;
bestehen. Saddam hatte ein schreckliches Arsenal&#13;
aufgebaut und eingesetzt - nicht nur einmal, sondern&#13;
viele Male: In dem ein Jahrzehnt währenden Krieg mit&#13;
Iran setzte er Chemiewaffen ein - gegen Kombattanten, gegen Zivilisten, gegen den ausländischen Feind,&#13;
sogar gegen sein eigenes Volk - und während des&#13;
Golfkriegs SCUD-Raketen (Boden-Boden-Raketen)&#13;
gegen Saudi-Arabien, Israel und Bahrain.&#13;
Anstatt sich jetzt an die Regeln zu halten, denen er am&#13;
Ende des Golfkriegs selbst zugestimmt hatte, verbrachte Saddam den größten Teil des vergangenen&#13;
Jahrzehnts mit dem Versuch, sich dieser feierlichen&#13;
Verpflichtung zu entziehen. Betrachten Sie sich einige&#13;
Fakten. Der Irak machte wiederholt falsche Angaben&#13;
über die Waffen, die sich nach dem Golfkrieg noch in&#13;
seinem Besitz befanden. Wenn die UNSCOM Beweise fand, die diese Angaben Lügen straften, korrigierte der Irak einfach seine Berichte. Beispielsweise&#13;
revidierte der Irak seine Angaben zu Nuklearwaffen&#13;
viermal innerhalb von nur 14 Monaten und legte sechs&#13;
verschiedene Berichte zu biologischen Kampfstoffen&#13;
vor, von denen kein einziger von der UNSCOM&#13;
akzeptiert wurde.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
1995 setzte sich Hussein-Kamel, Saddams Schwiegersohn und der Hauptorganisator von Iraks Massenvernichtungsprogramm, nach Jordanien ab. Er enthüllte,&#13;
daß der Irak weiterhin Waffen und Raketen versteckte&#13;
und die Fähigkeit zum Bau weiterer verschwieg. Zum&#13;
damaligen Zeitpunkt - und nur damals - gab der Irak&#13;
zu, große Mengen von Waffen zu entwickeln und&#13;
Waffenlager anzulegen. Zuvor hatte Saddam Hussein&#13;
vehement abgestritten, was er einfach zugab, nachdem sein Schwiegersohn sich nach Jordanien abgesetzt und die Wahrheit gesagt hatte.&#13;
Hören Sie genau zu. Was gab er zu? Er gab unter&#13;
anderem die Fähigkeit zu einem Angriffskrieg mit&#13;
biologischen Waffen zu: Das heißt, 19.000 Liter&#13;
Botulin, das Botulismus verursacht, 7.600 Liter Anthrax, 25 mit biologischen Kampfstoffen gefüllte SCUDGefechtsköpfe sowie 157 Fliegerbomben. Und ich&#13;
kann sagen, daß der Irak nach Ansicht der UNSCOMInspektoren stark untertriebene Angaben von seiner&#13;
Produktion gemacht hat. Und als ob wir noch eine&#13;
weitere Bestätigung gebraucht hätten - Sie alle wissen,&#13;
was mit Saddams Schwiegersohn geschah, als er die&#13;
verfrühte Entscheidung traf, in den Irak zurückzukehren.&#13;
Als nächstes in diesem gesamten Prozeß unterminierten irakische Agenten die Arbeit der UNSCOM. Sie&#13;
schikanierten die Inspektoren, belogen sie, setzten&#13;
Überwachungskameras außer Betrieb, schafften&#13;
Beweismaterial buchstäblich durch die Hintertür&#13;
verdächtiger Einrichtungen weg, während die Inspektoren sie durch die Vordertür betraten - und&#13;
unsere Leute beobachteten das alles und können es&#13;
anhand von Fotos beweisen.&#13;
Trotz der Täuschungsmanöver des Irak hat die&#13;
UNSCOM bemerkenswerte Arbeit geleistet. Ihre&#13;
Inspektoren - Auge und Ohr der zivilisierten Welt haben mehr Massenvernichtungswaffen aufgedeckt&#13;
und zerstört als während des gesamten Golfkriegs&#13;
zerstört wurden. Dazu zählen nahezu 40.000 Chemiewaffen, mehr als 380.000 Liter chemischer Kampfstoffe, 48 einsatzbereite Raketen, 30 speziell für&#13;
chemische und biologische Waffen ausgerüstete&#13;
Gefechtsköpfe sowie eine riesige Fabrik für biologische Waffen in Al-Hakim, in der Anthrax und andere&#13;
tödliche Kampfstoffe hergestellt werden können.&#13;
Während der vergangenen Monate, in denen sie der&#13;
Beseitigung der Nuklearfähigkeiten des Irak näher&#13;
kamen, unternahm Saddam ein weiteres Spielchen,&#13;
um die Bemühungen der Inspektoren zu vereiteln,&#13;
indem er ihnen erschwerende Bedingungen auferlegte&#13;
und den Zutritt zu Schlüsseleinrichtungen verbot, die&#13;
noch nicht inspiziert wurden - einschließlich, wenn ich&#13;
das noch hinzufügen darf, eines Palasts in Bagdad,&#13;
der fast 11 Hektar groß ist.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�Um Ihnen eine Vorstellung von der Größenordnung&#13;
zugeben, wenn Sie alles mögliche über die Präsidentenpaläste als Symbol der Souveränität hören:&#13;
Das Areal des Weißen Hauses ist etwa 7 Hektar groß.&#13;
Einer dieser Präsidentenpaläste hat ungefähr die&#13;
Größe von Washington, D.C. Das sind mehr als&#13;
16.000 Hektar. Wir sprechen hier nicht über einige&#13;
Räume, bei denen heikle Personalfragen von Bedeutung sind.&#13;
Es ist offensichtlich, daß hier vor dem Hintergrund der&#13;
gesamten Geschichte dieser Operation seit 1991 der&#13;
Versuch unternommen wird, die verbleibenden&#13;
Fähigkeiten zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen, ihrer Trägersysteme und des zu ihrer Produktion notwendigen Materials zu schützen.&#13;
Die&#13;
UNSCOM-Inspektoren sind der Überzeugung, daß der&#13;
Irak immer noch Lager mit chemischer und biologischer Munition, eine kleine Zahl von SCUD-Raketen&#13;
und die Fähigkeit zur schnellen Wiederaufnahme&#13;
seines Programms zur Produktion von sehr viel mehr&#13;
Waffen hat.&#13;
Vor diesem Hintergrund wollen wir uns hier an die&#13;
Vergangenheit erinnern. Vor diesem Hintergrund&#13;
haben wir wiederholt und unmißverständlich klargemacht, daß wir eine diplomatische Lösung vorziehen.&#13;
Das Inspektionssystem funktioniert. Das Inspektionssystem funktioniert im Angesicht von Lügen, Verschleppungstaktik, einer Behinderung nach der&#13;
anderen. Die Menschen, die diese Arbeit leisten,&#13;
verdienen den Dank der zivilisierten Bevölkerung auf&#13;
der ganzen Welt. Es hat funktioniert.&#13;
Genau das wollen wir. Und wenn wir einen diplomatischen Weg für das finden, was getan werden muß - für&#13;
das, was Saddam am Ende des Golfkriegs zugesagt&#13;
hat, was er innerhalb von zwei Wochen nach dem am&#13;
Ende des Golfkriegs geschlossenen Abkommens hätte&#13;
tun sollen - dann ziehen wir das bei weitem vor. Damit&#13;
es aber eine echte Lösung gibt und das verbleibende&#13;
Problem nicht nur übertüncht wird, muß eine diplomatische Lösung eine klare, unveränderliche, vernünftige,&#13;
einfache Bedingung beinhalten oder erfüllen: Der Irak&#13;
muß umgehend dem freien, vollständigen, ungehinderten Zugang zu diesen Anlagen im gesamten Land&#13;
zustimmen. Es darf keine Verwässerung oder Beeinträchtigung der Integrität des Inspektionssystems der&#13;
UNSCOM geben. Diese Bedingungen sind im Grunde&#13;
genommen nicht mehr und nicht weniger als die&#13;
Punkte, denen Saddam am Ende des Golfkriegs&#13;
zugestimmt hat.&#13;
Seit damals hat der Sicherheitsrat diese Bedingungen&#13;
viele Male wiederholt. Wenn Saddam sie akzeptiert,&#13;
wird keine Gewalt notwendig sein. Wenn er sich&#13;
weigert oder sich auch in Zukunft seiner Verpflichtung&#13;
durch weitere Verzögerungs- und Täuschungsmanöver entzieht, wird er und nur er allein für die Konsequenzen verantwortlich gemacht.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
Ich bitte Sie alle, sich in diesem Zusammenhang daran&#13;
zu erinnern, was Saddam innerhalb von zwei Wochen&#13;
nach dem Ende des Golfkriegs zu tun versprach, was&#13;
er sich wiederholt weigerte zu tun, was wir im Jahr&#13;
1995 herausfanden und was die Inspektoren trotz aller&#13;
Schwierigkeiten geleistet haben.&#13;
Wir brauchen keiner Resolution zuzustimmen, die nicht&#13;
freien, ungehinderten Zugang zu den verbliebenen&#13;
Geländen für Personen mit der Integrität und erwiesenen Kompetenz für die Inspektionen beinhaltet. Das&#13;
sollten unsere Bedingungen sein. Das ist es, was die&#13;
UNSCOM getan hat, und aus diesem Grund habe ich&#13;
so hart darum gekämpft. Aus diesem Grund sollten die&#13;
Vereinigten Staaten darauf bestehen.&#13;
Wir wollen uns die Zukunft vorstellen. Was ist, wenn&#13;
er die Verpflichtungen nicht einhält und wir nicht&#13;
handeln oder eine ungewisse dritte Lösung wählen, die&#13;
ihm noch mehr Chancen zur Entwicklung seines&#13;
Programms für Massenvernichtungswaffen gibt und er&#13;
weiterhin auf eine Lockerung der Sanktionen drängt&#13;
und weiterhin die von ihm eingegangenen feierlichen&#13;
Verpflichtungen ignoriert? Er wird zu der Schlußfolgerung gelangen, daß die internationale Gemeinschaft&#13;
ihre Entschlossenheit aufgegeben hat. Er wird dann&#13;
schlußfolgern, daß er einfach weitermachen und noch&#13;
mehr tun kann, um ein Arsenal grauenhafter Zerstörung aufzubauen. Und ich garantiere Ihnen, daß er&#13;
das Arsenal eines Tages auf irgendeine Weise&#13;
benutzen wird. Ich denke, jeder von Ihnen, der sich&#13;
eine gewisse Zeit lang mit diesem Thema befaßt hat,&#13;
glaubt das auch.&#13;
Wir haben mehrere Wochen damit verbracht, unsere&#13;
Streitkräfte am Golf zu verstärken und eine Koalition&#13;
gleichgesinnter Nationen aufzubauen. Unsere Kräfteverteilung wäre nicht möglich ohne die Unterstützung&#13;
von Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, den Staaten des&#13;
Golf-Kooperationsrats und der Türkei. Andere Freunde und Verbündete haben der Bereitstellung von&#13;
Streitkräften, Stützpunkten oder logistischer Unterstützung zugestimmt, darunter Großbritannien, Deutschland, Spanien und Portugal, Dänemark und die&#13;
Niederlande, Ungarn, Polen und die Tschechische&#13;
Republik, Argentinien, Island, Australien, Neuseeland&#13;
sowie unsere Freunde und Nachbarn in Kanada.&#13;
Diese Liste wird länger - nicht weil jemand eine&#13;
Militäraktion wünscht, sondern weil es Menschen auf&#13;
dieser Welt gibt, die glauben, die Resolution der&#13;
Vereinten Nationen sollte eine Bedeutung haben, weil&#13;
sie verstehen, was die UNSCOM erreicht hat, weil sie&#13;
sich an die Vergangenheit erinnern und weil sie sich&#13;
die Zukunft vorstellen können - abhängig von dem,&#13;
was wir jetzt tun,.&#13;
Wenn Saddam den Frieden ablehnt und wir Gewalt&#13;
einsetzen müssen, ist unser Ziel klar: Wir wollen die&#13;
durch das Programm für Massenvernichtungswaffen&#13;
bestehende Bedrohung ernsthaft verringern. Wir&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�wollen seine Fähigkeit zur Bedrohung seiner Nachbarn&#13;
ernsthaft verringern. Aufgrund des Informationsgesprächs, das ich gerade mit unserer führenden&#13;
Militärs abgehalten habe, bin ich ziemlich zuversichtlich, daß wir die Ziele erreichen und unsere elementaren strategischen Interessen schützen können.&#13;
Lassen Sie mich das ganz deutlich sagen: Eine&#13;
Militäroperation kann nicht alle Fähigkeiten zur Produktion von Massenvernichtungswaffen zerstören. Aber&#13;
sie kann und wird dazu beitragen, daß Saddams&#13;
Fähigkeit, die Welt mit diesen Waffen zu bedrohen&#13;
oder seine Nachbarn anzugreifen, gegenüber heute&#13;
signifikant verringert wird. Und er wird wissen, daß die&#13;
internationale Gemeinschaft weiterhin die Entschlossenheit zu handeln besitzt, wenn er wieder droht.&#13;
Nach jedem Angriff werden wir mit allen uns zur&#13;
Verfügung stehenden Mitteln die Aktivitäten des Irak&#13;
sorgfältig überwachen. Wenn er versucht, seine&#13;
Massenvernichtungswaffen&#13;
wieder&#13;
aufzubauen,&#13;
werden wir zu einem neuen Angriff auf ihn bereit sein.&#13;
Die Wirtschaftssanktionen werden in Kraft bleiben, bis&#13;
Saddam alle UN-Resolutionen vollständig einhält.&#13;
Überlegen Sie sich folgendes: Aufgrund dieser Sanktionen sind ihm bereits 110 Milliarden Dollar entgangen. Stellen Sie sich vor, wie viel stärker seine&#13;
Streitkräfte heute wären, wie viel mehr Anlagen für&#13;
Massenvernichtungswaffen er im ganzen Land&#13;
versteckt hätte, wenn er nur einen kleinen Teil dieser&#13;
Summe für die militärische Aufrüstung hätte ausgeben&#13;
können.&#13;
Wir werden weiterhin die Flugverbotszone von den&#13;
südlichen Vororten Bagdads bis zur kuwaitischen&#13;
Grenze und im Nordirak durchsetzen und es dem Irak&#13;
dadurch erschweren, wieder Kuwait zu überrollen oder&#13;
die Kurden im Norden zu bedrohen.&#13;
Sie alle hier wissen, daß die schwerwiegendste&#13;
Entscheidung, die ein Präsident je zu treffen hat, die&#13;
Entscheidung ist, unsere Truppen einer Gefahr&#13;
auszusetzen. Und Gewalt kann nie die erste Antwort&#13;
sein. Aber manchmal ist sie die einzige Antwort.&#13;
Sie sind die am besten vorbereitete, am besten&#13;
ausgerüstete und am besten ausgebildete Streitmacht&#13;
der Welt. Und sollte es sich als notwendig erweisen,&#13;
daß ich mich für die Option Gewalt entscheiden muß,&#13;
werden Ihre Befehlshaber alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Sicherheit aller ihrem Kommando&#13;
unterstehenden Männer und Frauen zu gewährleiten.&#13;
Keine Militäraktion ist jedoch frei von Risiko. Ich weiß,&#13;
daß die Menschen in Uniform, die wir vielleicht mobilisieren müssen, bereit sind. Auch das amerikanische&#13;
Volk muß bereit sein.&#13;
&#13;
stante Wachsamkeit bezahlt macht - aber konstante&#13;
Wachsamkeit ist notwendig. Seit dem Golfkrieg haben&#13;
wir Saddam jedes Mal zurückgedrängt, wenn er eine&#13;
Bedrohung darstellte. Als Bagdad die Ermordung des&#13;
ehemaligen Präsidenten Bush plante, verübten wir&#13;
einen schweren Angriff auf die Zentralen der Nachrichtendienste des Irak. Als der Irak 1994 mit der&#13;
Massierung seiner Truppen in Kuwait entlang der&#13;
kuwaitischen Grenze eine weitere Invasion androhte,&#13;
entsandten wir unverzüglich unsere Truppen, unsere&#13;
Schiffe, unsere Flugzeuge - und Saddam zog sich&#13;
zurück. Als Saddam Irbil im Nordirak mit Waffengewalt&#13;
besetzte, verschärften wir unsere Kontrolle im irakischen Luftraum durch die Erweiterung der Flugverbotszone.&#13;
Aber wie ich bereits gesagt habe, gibt es kein besseres Beispiel als die UN-Waffeninspektionen selbst. Ja,&#13;
er hat versucht, sie in jeder erdenklichen Weise zu&#13;
verhindern. Aber die Disziplin, Entschlossenheit und&#13;
die jahrelangen Anstrengungen dieser Waffeninspektoren funktionieren. Und wir versuchen, die Arbeit&#13;
zu beenden.&#13;
Es kann kein Zweifel daran bestehen - wir sind bereit&#13;
zu handeln. Aber Saddam Hussein könnte diese Krise&#13;
morgen beenden, indem er einfach die Waffeninspektoren ihre Arbeit beenden läßt. Er ist der internationalen Gemeinschaft gegenüber die feierliche&#13;
Verpflichtung eingegangen, das zu tun und seine&#13;
Massenvernichtungswaffen schon vor langer Zeit&#13;
aufzugeben. Wir sind jetzt entschlossen, auf die eine&#13;
oder andere Weise dafür zu sorgen, daß er seine&#13;
Verpflichtung einhält.&#13;
Der Irak des Saddam Hussein erinnert uns an das,&#13;
was wir im 20. Jahrhundert gelernt haben und warnt&#13;
uns vor dem, was wir über das 21. Jahrhundert wissen&#13;
müssen. In diesem Jahrhundert haben wir durch harte&#13;
Erfahrung gelernt, daß die einzige Antwort auf Aggression und unrechtmäßiges Verhalten eine unerschütterliche Haltung, Entschlossenheit und - wenn&#13;
notwendig - Handeln ist.&#13;
Im nächsten Jahrhundert kann die internationale&#13;
Gemeinschaft vielleicht immer besser die Art der&#13;
Bedrohung erkennen, die der Irak jetzt darstellt: Es ist&#13;
ein verbrecherischer Staat mit Massenvernichtungswaffen, der bereit ist, sie einzusetzen oder sie Terroristen, Drogenhändlern oder organisierten Verbrechern&#13;
zu geben, die unerkannt unter uns durch die Welt&#13;
reisen. Wenn wir heute nicht reagieren, werden&#13;
Saddam und alle diejenigen, die in seine Fußstapfen&#13;
treten wollen, morgen durch das Wissen ermutigt, daß&#13;
sie ungestraft handeln können - selbst angesichts der&#13;
eindeutigen Botschaft des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen und klarer Beweise eines Programms&#13;
für Massenvernichtungswaffen.&#13;
&#13;
Der Umgang mit Saddam Hussein erfordert konstante&#13;
Wachsamkeit. Wir haben gesehen, daß sich kon-&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�Aber wenn wir gemeinsam handeln, können wir unsere&#13;
Interessen schützen und eine eindeutige Botschaft an&#13;
jeden Möchtegemtyrannen und -terroristen senden,&#13;
daß die internationale Gemeinschaft die Klugheit,&#13;
Entschlossenheit und die Mittel zum Schutz von&#13;
Frieden und Sicherheit in einem neuen Zeitalter&#13;
besitzt.&#13;
&#13;
deten bitte, sich vorzustellen. Wenn wir auf die&#13;
Vergangenheit zurückblicken und uns diese Zukunft&#13;
vorstellen, werden wir gemeinsam handeln. Und so&#13;
Gott will, haben wir immer noch eine Chance, hierfür&#13;
eine diplomatische Lösung zu finden, und wenn nicht,&#13;
so Gott will, die Chance, das Richtige für unsere&#13;
Kinder und Kindeskinder zu tun.&#13;
&#13;
Das ist die Zukunft, die ich Sie alle bitte, sich vorzustellen. Das ist die Zukunft, die ich unsere Verbün-&#13;
&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�IRAK&#13;
&#13;
25. Februar 1998&#13;
&#13;
Die Behinderung der UNSCOM durch den Irak&#13;
Eine Übersicht&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Zusammenfassung der Störmanöver, denen sich die&#13;
Sonderkommission der Vereinten Nationen (United Nations Special Commission - UNSCOM) im Irak bislang&#13;
ausgesetzt sah. Sie enthält grundlegende Fakten über die UNSCOM, ihr Mandat und ihre Erkenntnisse. Die&#13;
Zusammenfassung führt ferner in chronologischer Reihenfolge die Störmanöver des Irak auf, der den UNSCOMInspektoren unter anderem den Zugang zu Einrichtungen verweigert und manchmal unter den Augen der&#13;
UNSCOM-Inspektoren Beweise seines Programms für Massenvernichtungswaffen versteckt, zerstört oder&#13;
beseitigt hat.&#13;
&#13;
UNSCOM-Fakten&#13;
Das UNSCOM-Mandat. Gemäß Resolution 687 des&#13;
UN-Sicherheitsrats (vom April 1991), in der die&#13;
Bedingungen des Waffenstillstands für die Beendigung&#13;
des Golfkriegs festgelegt sind, ist der Irak verpflichtet,&#13;
folgendes zu akzeptieren:&#13;
a.&#13;
&#13;
Die Zerstörung, Beseitigung oder Unschädlichmachung all seiner nuklearen, chemischen&#13;
und biologischen Waffen und ballistischen&#13;
Raketen mit einer Reichweite von über 150&#13;
Kilometern.&#13;
&#13;
b.&#13;
&#13;
Die Zerstörung, Beseitigung oder Unschädlichmachung all seiner im Zusammenhang mit&#13;
den oben genannten Waffen stehenden&#13;
Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsanlagen.&#13;
&#13;
c.&#13;
&#13;
Von der Entwicklung solcher Waffen in Zukunft Abstand zu nehmen.&#13;
&#13;
Der Generalsekretär wurde angewiesen, zur Überwachung dieser Prozesse eine Sonderkommission&#13;
(UNSCOM) einzurichten. Der Irak muß seine uneingeschränkte Zusammenarbeit zusichern und insbesondere unverzüglichen und unbegrenzten Zugang zu&#13;
jedem Gelände gewähren, das die UNSCOM inspizieren muß.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
UNSCOM-Leistungen&#13;
a.&#13;
&#13;
Trotz der konstanten Täuschungs- und Verheimlichungsmanöver, Schikanen und Behinderung ist es der UNSCOM gelungen, 38.000&#13;
chemische Waffen, 690 Tonnen scharfer&#13;
Kampfstoffe für Chemiewaffen, 48 einsatzbereite Raketen, 60 fest installierte SCUDRaketenabschußvorrichtungen, 30 spezielle&#13;
Raketengefechtsköpfe für chemische und&#13;
biologische Waffen und Hunderte von Geräteteilen für die Chemiewaffenproduktion zu&#13;
zerstören.&#13;
&#13;
b.&#13;
&#13;
Die UNSCOM hat entdeckt, daß der Irak&#13;
tatsächlich die Fähigkeit zur Produktion von&#13;
VX-Nervengas in industriellem Umfang besaß&#13;
und vier Tonnen produziert hatte, obwohl er&#13;
behauptete, sein VX-Nervengasprojekt sei&#13;
gescheitert. Der Irak hatte ein umfassendes&#13;
Programm zur Herstellung von zahlreichen&#13;
anderen Kampfstoffen, darunter Sarin, Tabun&#13;
und Senfgas.&#13;
&#13;
c.&#13;
&#13;
Die UNSCOM entdeckte eine speziell gebaute&#13;
Fabrik für biologische Waffen, die 500.000&#13;
Liter Anthrax und Botulin produzieren konnte.&#13;
(Der Irak hatte behauptet, die Fabrik stelle&#13;
Tierfutter her.)&#13;
&#13;
d.&#13;
&#13;
Der Irak hat die Herstellung von 19.000 Litern&#13;
Botulin, 8.400 Litern Anthrax und 2.000 Litern&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Aflatoxin und Clostridium zugegeben. Der Irak&#13;
hat zugegeben, ballistische Raketengefechtsköpfe und Bomben mit den ersten drei dieser&#13;
Kampfstoffe gefüllt zu haben. Der Irak behauptet - hat jedoch noch keine eindeutigen&#13;
Beweise vorgelegt - daß diese Waffen danach&#13;
zerstört wurden. Der Irak bestritt die Existenz&#13;
all dieser biologischen Waffen bis August&#13;
1995.&#13;
e.&#13;
&#13;
Die UNSCOM unterhält ein systematisches&#13;
Überwachungssystem zur Beobachtung von&#13;
Einrichtungen, die bekanntermaßen zur&#13;
Produktion von Massenvernichtungswaffen in&#13;
der Lage sind.&#13;
&#13;
UNSCOM-Befürchtungen&#13;
a.&#13;
&#13;
Die UNSCOM hat Beweise für absichtliche&#13;
staatlich kontrollierte Verheimlichungsmanöver, die dem Irak die weitere Entwicklung von&#13;
Massenvernichtungswaffen und die Beschaffung von Material gestatten sollen. Hätte der&#13;
Irak die Möglichkeit, würde er zweifelsohne die&#13;
Produktion von Massenvernichtungswaffen&#13;
wieder aufnehmen.&#13;
&#13;
b.&#13;
&#13;
Der Irak hat vier Betriebe, in denen die Herstellung von CW-Material beobachtet wurde.&#13;
Er verfügt über genügend Personal mit dem&#13;
erforderlichen Fachwissen.&#13;
Obwohl die&#13;
UNSCOM das zur Produktion von Chemiewaffen beschaffte irakische Gerät zerstört hat,&#13;
verfügt der Irak über Mehrzweckgerät, das&#13;
legal für alternative zivile Zwecke eingesetzt&#13;
werden darf. Die UNSCOM überwacht dieses&#13;
Gerät genau, dessen Existenz der Irak bekanntgegeben hat.&#13;
&#13;
c.&#13;
&#13;
Das Chemiewaffenprogramm des Irak hatte&#13;
enorme Ausmaße. Tausende Tonnen von&#13;
chemischen Grundstoffen und Zehntausende&#13;
Tonnen von Chemiewaffenmunition konnten&#13;
nicht aufgefunden werden.&#13;
&#13;
d.&#13;
&#13;
Der Irak hat weiterhin versucht, verbotene&#13;
Technologie für Massenvernichtungswaffen zu&#13;
beschaffen.&#13;
&#13;
e.&#13;
&#13;
Der Irak könnte immer noch eine kleine Zahl&#13;
von SCUD-Raketen mit chemischen und&#13;
biologischen Gefechtsköpfen in Betrieb haben.&#13;
&#13;
f.&#13;
&#13;
Die UNSCOM hat den starken Verdacht, daß&#13;
die angegebenen irakischen Zahlen für die&#13;
Produktion von Kampfstoffen für biologische&#13;
Waffen immer noch viel zu niedrig sind.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Chronologie: Februar 1997 - Januar 1998&#13;
23. Februar 1997. Die Regierung des Irak stimmt zu,&#13;
die Behinderung des Abtransports der Überreste von&#13;
134 Motoren für SCUD-Langstreckenraketen (von&#13;
denen der Irak Schlüsselkomponenten abmontiert hat,&#13;
die immer noch nicht aufgefunden wurden) aus dem&#13;
Irak einzustellen. Dieser Abtransport wurde seit dem&#13;
18. November 1996 behindert, was die Befürchtungen&#13;
der UNSCOM verstärkte, daß "der Irak immer noch&#13;
eine Streitmacht von einsatzbereiten Raketen besitzt,&#13;
die durch Resolution 687 des Sicherheitsrats verboten&#13;
sind". Eine Erklärung des Präsidenten des UNSicherheitsrats vom 30. Dezember 1996 stellte fest:&#13;
"Der Rat mißbilligt die Weigerung des Irak", diese&#13;
Überreste durch die UNSCOM für Analysen in Labors&#13;
ihrer Wahl abtransportieren zu lassen.&#13;
7. - 20. März 1997. Ein UNSCOM-Team wird drei&#13;
Stunden lang vor von den Irakern als "Präsidentenpaläste" bezeichneten Geländen aufgehalten. Die Iraker&#13;
erlauben den Inspektoren dann nur begrenzten&#13;
Zugang. Nach diesen Verzögerungen und Beschränkungen findet das Team nichts Besorgniserregendes&#13;
und gibt die Behinderung nicht zu Protokoll.&#13;
Juni 1997. Am 4. Juni mißhandeln die Iraker einen&#13;
UNSCOM-Fotografen während des Flugs in einem&#13;
Hubschrauber und greifen nach der Treibstoffkontrolle.&#13;
Am 5. Juni greift ein Iraker nach dem Steuerknüppel&#13;
eines UNSCOM-Hubschraubers. Am 7. Juni tritt ein&#13;
Iraker auf die kollektive Blattverstellung des UNSCOMHubschraubers, und irakische Hubschrauber fliegen&#13;
vor den UNSCOM-Hubschraubern her, um sie zu&#13;
behindern - einschließlich einer Beinaheberührung der&#13;
Rotorblätter.&#13;
Am 10. Juni wird einem UNSCOM-Team sieben&#13;
Stunden lang der Zugang zu einer verdächtigen&#13;
verbotenen Waffenbeschaffungsanlage verweigert.&#13;
Nachdem vor den Augen der Inspektoren sämtliche&#13;
Dokumente abtransportiert wurden, findet das Team&#13;
eine völlig leergeräumte Anlage vor.&#13;
Am 12. Juni wird ein UNSCOM-Team auf einer Straße&#13;
mit den Worten aufgehalten, es könne nicht zu dem&#13;
von den Irakern als "Präsidentenpalast" bezeichneten&#13;
Gelände weiterfahren, obwohl der Hauptinspekteur&#13;
sagt, sein Team habe kein Interesse an irgendeinem&#13;
Palast. Am selben Tag wird einem anderen Team der&#13;
Zugang zu einem vorher bereits inspizierten Gelände&#13;
der Republikanischen Garde verweigert.&#13;
Am 13. Juni stimmt der Sicherheitsrat einer Erklärung&#13;
des Präsidenten zu, in der die Zwischenfälle vom 4., 5.&#13;
und 7. Juni wegen "der Gefährdung der Hubschrauber&#13;
und ihrer Besatzungen" mißbilligt werden und der Irak&#13;
aufgefordert wird, "alle solche Aktionen einzustellen".&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�Am 18. Juni informiert Rolf Ekeus den Rat, daß die&#13;
UNSCOM beobachtet hat, wie die Iraker Stapel von&#13;
Dokumenten verbrannten, im Reißwolf zerstörten oder&#13;
damit flohen, während die Inspektoren am Zugang&#13;
gehindert wurden.&#13;
Am 21. Juni verabschiedet der UN-Sicherheitsrat&#13;
einstimmig Resolution 1115, in der (1.) die Verweigerung des Zugangs durch den Irak als "eindeutige und&#13;
ungeheuerliche Verletzung" der einschlägigen Resolutionen verurteilt, (2.) die Überprüfung der Sanktionen&#13;
bis nach dem Sechsmonatsbericht der UNSCOM vom&#13;
Oktober an den Rat ausgesetzt und (3.) die "feste&#13;
Absicht zur Verhängung zusätzlicher Maßnahmen" im&#13;
Falle der Nichteinhaltung durch den Irak zum Ausdruck&#13;
gebracht wird.&#13;
1. Juli 1997. Richard Butler (aus Australien) wird der&#13;
Nachfolger von Rolf Ekeus als Vorsitzender der&#13;
UNSCOM.&#13;
17. September 1997. In einer Presseerklärung des&#13;
Sicherheitsrats wird mitgeteilt, daß der Rat folgendes&#13;
"als äußerst gravierend ansieht": (1.) die Zwischenfälle am 13. September vor einem großen Militärstützpunkt, einschließlich der Bewegung von Fahrzeugen&#13;
auf dem Gelände, während einem UNSCOM-Team&#13;
draußen der Zugang verweigert wurde sowie die&#13;
Mißhandlung eines UNSCOM-Fotografen während des&#13;
Flugs und die Beeinträchtigung der Sicherheit des&#13;
Flugs, wodurch die Inspektion zunichte gemacht&#13;
wurde; und (2.) die Zwischenfälle am 15. September&#13;
außerhalb eines anderen großen Stützpunkts der&#13;
Republikanischen Garde, einschließlich der Bewegung&#13;
von Fahrzeugen, während ein Team drei Stunden lang&#13;
aufgehalten wurde.&#13;
27. und 29. September und 1. Oktober 1997. Einem&#13;
UNSCOM-Team wird bei drei Geländen der Zugang&#13;
verweigert, die von den Irakern als "Präsidentenpaläste" bezeichnet werden. Begrenzter Zugang wird zu&#13;
den vom Irak als "sicherheitsempfindlich" eingestuften&#13;
Anlagen gewährt, aber das Team findet eindeutige&#13;
Beweise, daß sie vor kurzem keimfrei gemacht&#13;
wurden.&#13;
6. Oktober 1997.&#13;
Der Sechsmonatsbericht der&#13;
UNSCOM an den Sicherheitsrat stellt große Lücken&#13;
bei den Angaben des Irak zu seinen Langstreckenraketen sowie chemischen und biologischen Waffenprogrammen fest.&#13;
a.&#13;
&#13;
Im Hinblick auf die Raketen wird der besonderen Besorgnis über "die Aktionen des&#13;
Irak" Ausdruck verliehen, "Abschußvorrichtungen für spezielle Gefechtsköpfe und Treibmittel, wichtige Triebwerkskomponenten,&#13;
Leitinstrumente und verbotene Modifizierung,&#13;
Erprobungs- und Beschaffungsaktivitäten&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
nach der Verabschiedung von Resolution 687"&#13;
beizubehalten.&#13;
b.&#13;
&#13;
Im Hinblick auf chemische Waffen bestreitet&#13;
der Irak den Besitz großer Mengen von chemiewaffenfähigen Kampfstoffen, Munition,&#13;
speziellen Gefechtsköpfen und insbesondere&#13;
Fähigkeiten zur Massenproduktion von VXNervengas und VX-Nervengasprodukten.&#13;
&#13;
c.&#13;
&#13;
Im Hinblick auf biologische Waffen berichtet&#13;
die UNSCOM, ein Expertengremium aus 13&#13;
Mitgliedstaaten habe einstimmig festgestellt,&#13;
daß "die ausstehenden Probleme zahlreich&#13;
und schwerwiegend sind".&#13;
&#13;
d.&#13;
&#13;
Im Hinblick auf die Verheimlichung "ist die&#13;
Kommission der festen Überzeugung, daß&#13;
sich weiterhin einschlägiges Material und&#13;
Dokumente im Irak befinden und es bestens&#13;
koordinierte Aktionen gab, die auf eine Irreführung der Kommission ausgerichtet waren".&#13;
&#13;
23. Oktober 1997. Resolution 1134 des UN-Sicherheitsrats wird mit 10 zu 0 Stimmen, bei Stimmenthaltung von China, Ägypten, Frankreich, Kenia und&#13;
Rußland verabschiedet. Sie bringt die "große Besorgnis über Berichte von zusätzlichen Zwischenfällen&#13;
seit der Verabschiedung von Resolution 1115" zum&#13;
Ausdruck; bekräftigt "die Entschlossenheit des UNSicherheitsrats, die vollständige Einhaltung aller&#13;
Verpflichtungen durch den Irak gemäß aller einschlägigen Resolutionen sicherzustellen; verurteilt die&#13;
wiederholte Weigerung der irakischen Behörden, den&#13;
Zugang zu den von der Sonderkommission ausgesuchten Geländen zu gewähren; entscheidet, daß eine&#13;
solche Verweigerung der Zusammenarbeit eine&#13;
ungeheuerliche Verletzung der Resolutionen des&#13;
Sicherheitsrats darstellt; bringt die feste Absicht zum&#13;
Ausdruck, im Falle der Nichteinhaltung durch den Irak&#13;
weitere Maßnahmen zu verabschieden, die alle&#13;
Staaten verpflichten würden, unverzüglich die Einreise&#13;
in ihre Länder oder die Durchreise über ihr Gebiet für&#13;
alle verantwortlichen irakischen Regierungsvertreter&#13;
und Angehörigen der irakischen Streitkräfte zu verhindern und entscheidet darüber hinaus, mit der Bestimmung von Einzelpersonen zu beginnen, deren Einoder Durchreise verhindert würde; entscheidet außerdem, die Überprüfung der Sanktionen erst nach dem&#13;
11. April 1998 durchzuführen."&#13;
29. Oktober 1997. Am 29. Oktober informiert die&#13;
Regierung des Irak den Präsidenten des Sicherheitsrats, daß der Irak ab dem 30. Oktober keine amerikanischen Staatsbürger als Mitglieder der UN-Sonderkommission mehr duldet und fordert, daß alle&#13;
UNSCOM-Amerikaner den Irak binnen sieben Tagen&#13;
verlassen. In den darauf folgenden Tagen verweigert&#13;
der Irak in der Tat UNSCOM-Inspektoren amerikanischer Nationalität die Durchführung von Inspektionen&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�oder die Ankunft in einem UNSCOM-Flugzeug im Irak&#13;
und verzögert dann den Ausweisungsbeschluß,&#13;
während eine vom Generalsekretär entsandte dreiköpfige UN-Delegation zu Gesprächen in Bagdad&#13;
weilt. Die Amerikaner werden dann in der Nacht zum&#13;
12. November vom Irak gezwungen, über Land nach&#13;
Amman zu fahren, woraufhin die UNSCOM und die&#13;
Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) ihre&#13;
Aktivitäten unverzüglich auf Interimsstatus reduzieren.&#13;
&#13;
16. - 24. Dezember 1997. Ein UNSCOM-Team&#13;
inspiziert verschiedene von den Irakern als "sicherheitsempfindlich" eingestufte Einrichtungen. Der Irak&#13;
gewährt begrenzten Zugang, es gibt jedoch eindeutige&#13;
Beweise, daß Computermaterial während der Verzögerung des Zugang entfernt wurde. Der Irak beschuldigt den Hauptinspekteur (einen Amerikaner), ein&#13;
Spion zu sein und verweigert einem UNSCOM-Fotografen, Luftaufnahmen von einem Gelände zu machen.&#13;
&#13;
12. November 1997. Resolution 1137 des UN22. Dezember 1997. Nach Gesprächen in Bagdad&#13;
Sicherheitsrats "nimmt mit großer Besorgnis den Brief&#13;
vom 12. - 16. Dezember informiert Butler den Sides Stellvertretenden Ministerpräsidenten des Irak&#13;
cherheitsrat am 18. Dezember, und am 22. Dezember&#13;
vom 29. Oktober 1997 zur Kenntnis, in dem die wird in einer Erklärung des Präsidenten des Rats&#13;
inakzeptable Entscheidung der Regierung des Irak&#13;
"unterstrichen, daß die Weigerung seitens der Regiemitgeteilt wird, seiner Zusammenarbeit mit der Sonderrung des Irak, der Sonderkommission unverzüglichen&#13;
kommission Bedingungen auferlegen zu wollen und&#13;
und bedingungslosen Zugang zu einem Gelände oder&#13;
verurteilt die andauernden Verletzungen der Vereiner Kategorie von Geländen zu gewähren, inakpflichtungen durch den Irak. Die Verweigerung des&#13;
zeptabel und eine klare Verletzung der einschlägigen&#13;
Zugangs für Inspektoren der Sonderkommission zu&#13;
Resolutionen ist".&#13;
von der Sonderkommission zur Inspektion ausgewählten Geländen aufgrund ihrer Nationalität durch den&#13;
12. Januar 1998. Der Irak gibt nach einem Tag&#13;
Irak ist eine implizite Bedrohung der Sicherheit der&#13;
erfolgreicher Inspektionen auch von "sicherheitsAufklärungsflugzeuge, die im Namen der Sonderempfindlichen" Einrichtungen bekannt, daß er die&#13;
kommission operieren; entscheidet die Vorlage einer&#13;
künftige Arbeit eines UNSCOM-Teams aufgrund eines&#13;
Liste von Einzelpersonen, deren Ein- oder Durchreise angeblichen Ungleichgewichts zwischen amerikagemäß der Bestimmungen von Resolution 1134 des&#13;
nischen und englischen Inspektoren in dem Team&#13;
UN-Sicherheitsrats verhindert wird und bringt die feste&#13;
verbieten wird.&#13;
Absicht zum Ausdruck, weitere Maßnahmen zu&#13;
ergreifen, die für die Implementierung dieser Resolu- • Am 13. Januar berichtet Butler dem Rat, daß das&#13;
tion erforderlich sein könnten." In einer Erklärung des Team vom 12. Januar aus "44 Personen aus 17&#13;
Präsidenten vom 13. November verurteilt der Rat&#13;
Nationen bestand".&#13;
erneut die irakische Entscheidung.&#13;
14. Januar 1998. In einer Erklärung des Präsidenten&#13;
des Sicherheitsrats wird die Weigerung des Irak&#13;
"mißbilligt", die UNSCOM ihre Arbeit machen zu lassen&#13;
und festgestellt, daß "diese Weigerung inakzeptabel&#13;
und eine klare Verletzung der einschlägigen Resolutionen ist". Butler zieht das ausgesperrte UNSCOMTeam am 16. Januar aus dem Irak ab.&#13;
&#13;
19. November 1997. Butler und seine Experten&#13;
informieren den Sicherheitsrat über die Nichteinhaltung&#13;
durch den Irak.&#13;
20. November 1997. Der Irak gibt bekannt, daß die&#13;
UNSCOM ihre gewohnheitsmäßige Arbeit wiederaufnehmen kann. Bei einem Treffen der Außenminister&#13;
der Politischen Fünf (P-5) in Genf wird eine Erklärung&#13;
veröffentlicht, die die "bedingungslose und vollständige&#13;
Einhaltung aller einschlägigen Resolutionen des UNSicherheitsrats durch den Irak" fordert und feststellt,&#13;
daß bei einem Treffen der Sonderkommission der&#13;
Vereinten Nationen am kommenden Freitag "Wege&#13;
erörtert werden, um die Arbeit der UNSCOM effektiver&#13;
zu machen".&#13;
&#13;
23. Januar 1998. Butler informiert den Rat über seine&#13;
Gespräche in Bagdad vom 19. - 21. Januar und&#13;
verweistauf den andauernden Mangel an Zusammenarbeit der Iraker bei der Bereitstellung von Informationen, die von der UNSCOM angefordert wurden oder&#13;
dem Zugang für Inspektoren, um die Informationen zu&#13;
erhalten, deren Bereitstellung der Irak verweigert. Auf&#13;
die Frage eines Ratsmitglieds erklärt Butler, daß die&#13;
UNSCOM unter den derzeitigen Umständen ihr&#13;
Mandat nicht erfüllen kann, dem Irak seine Massenvernichtungswaffen zu entziehen und die Entwicklung&#13;
solcher Waffen durch den Irak zu verhindern.&#13;
&#13;
21. November 1997.&#13;
Dringlichkeitssitzung der&#13;
Kommissare der UN-Sonderkommission. Der Bericht&#13;
über dieses Treffen wird dem Sicherheitsrat am 22.&#13;
November vom Vorsitzenden Butler übergeben, in dem&#13;
unter anderem "die vom Irak durchgeführten systematischen&#13;
Verheimlichungsaktivitäten"&#13;
festgestellt&#13;
werden.&#13;
* *&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�IRAK&#13;
25. Februar 1998&#13;
&#13;
Die Irak-Krise: Die Bedrohung, die Fakten&#13;
Fragen und Antworten&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgenden Fragen und Antworten zur Irak-Krise wurden im Februar 1998 vom&#13;
US-Informationsamt (U.S. Information Agency - USIA) herausgegeben.&#13;
&#13;
Frage: Wie viele Menschen hat der Irak unter Saddam&#13;
Hussein bereits durch den Einsatz von chemischen&#13;
und biologischen Waffen getötet?&#13;
&#13;
gefüllt und sie für den Einsatz gelagert hatte. Obwohl&#13;
der Irak behauptete, er habe sein biologisches Arsenal&#13;
nach dem Krieg zerstört, sind die UN-Inspektoren der&#13;
Überzeugung, daß der Irak ein geheimes Lager mit&#13;
Anthraxsporen und bakteriengefüllten Gefechtsköpfen&#13;
versteckt.&#13;
&#13;
Antwort: 1984 hat der Irak als erste Nation Nervengas&#13;
auf einem Schlachtfeld eingesetzt, als er während des&#13;
iranisch-irakischen Kriegs mit Tabun gefüllte Bomben&#13;
abwarf. Ungefähr 5.500 Iraner wurden zwischen März&#13;
1984 und März 1985 durch das Nervengas getötet.&#13;
Tabun tötet binnen Minuten. Darüber hinaus wurden&#13;
Berichten zufolge zwischen August 1983 und Februar&#13;
1986 rund 16.000 Iraner durch den Hautkampfstoff&#13;
Senfgas getötet.&#13;
&#13;
Der Irak unterhält medizinische, Veterinäre und&#13;
universitäre Einrichtungen, in denen biotechnologische&#13;
Forschung und Entwicklung durchgeführt werden&#13;
kann. In einigen dieser Anlagen sind wahrscheinlich&#13;
ehemalige Angehörige des irakischen Programms für&#13;
biologische Kriegführung tätig.&#13;
Ein Großteil der&#13;
Laborgeräte sind Mehrzweckgeräte, die für die&#13;
Entwicklung von biologischen Kampfstoffen verwendet&#13;
werden könnten.&#13;
&#13;
Bei einem grauenhaften Vorfall töteten Saddam&#13;
Husseins Streitkräfte Berichten zufolge im März 1988&#13;
in der kurdischen Stadt Halabja Hunderte von irakischen Kurden mit chemischen Kampfstoffen. Saddam&#13;
Hussein befahl den Angriff, nachdem er die Kurden der&#13;
Unterstützung iranischer Truppen beschuldigt hatte.&#13;
&#13;
Frage: Wie vereitelt Saddam Hussein die Bestrebungen der UNSCOM-Inspektoren?&#13;
&#13;
I. Saddam Husseins biologische und chemische&#13;
Waffen&#13;
&#13;
Frage: Wie versucht Saddam Hussein, die internationale Gemeinschaft weiterhin über die Waffenfähigkeit des Irak zu täuschen?&#13;
Antwort: Im Oktober 1997 gelangte die Sonderkommission der Vereinten Nationen (United Nations&#13;
Special Commission - UNSCOM), die die Beseitigung&#13;
der Massenvernichtungswaffen des Irak überwacht, zu&#13;
der Schlußfolgerung, daß der Irak immer noch versucht, den vollen Umfang seines Programms für&#13;
biologische Waffen zu verheimlichen. 1995 gab der&#13;
Irak zu, daß er vor dem Golfkrieg große Mengen von&#13;
Anthraxsporen produziert und mindestens 166 Bomben und Gefechtsköpfe für SCUD-Raketen damit&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
Antwort: Im November 1997 verweigerte der Irak&#13;
amerikanischen Experten die Beteiligung an den&#13;
UNSCOM-Waffeninspektionsteams. Während die VorOrt-Inspektionen ausgesetzt waren, bewegten die&#13;
Iraker Gerät und machten sich an UN-Überwachungskameras in angeblich zivilen Einrichtungen zu schaffen, wie Betrieben zur Herstellung von Impfstoffen, in&#13;
denen auch biologische Kampfstoffe hergestellt&#13;
werden könnten. Es besteht die Sorge, daß die Iraker&#13;
ohne effektive Überwachung die Labor- oder Industriegeräte "binnen Stunden" auf die Produktion von&#13;
Kampfstoffen für die biologische Kriegführung umstellen könnten.&#13;
Der Irak hat den Vereinten Nationen den Zugang zu&#13;
acht sogenannten Präsidentenpalästen verweigert.&#13;
Den Vereinten Nationen zufolge wurde den Inspektoren auch mindestens 63 Mal an verschiedenen&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Anlagen, die sie besichtigten wollten, gesagt, diese&#13;
seien "sicherheitsempfindlich", und die Inspektoren&#13;
mußten auf einen hochrangigen Begleiter warten. Zu&#13;
diesen sicherheitsempfindlichen Geländen zählen&#13;
auch Einrichtungen der Republikanischen Garde. Und&#13;
im Januar 1998 verbot der Irak das Betreten aller&#13;
sicherheitsempfindlichen Anlagen bis mindestens April.&#13;
&#13;
abschußvorrichtungen und mehrere Dutzend Langstreckenraketen verheimlichen, die den Golfkrieg&#13;
überdauert haben. Man geht ferner davon aus, daß&#13;
der Irak auch ein breites Spektrum von mit Chemiewaffen in Verbindung stehenden Materialien besitzt,&#13;
darunter chemische Grundstoffe, Produktionsgerät,&#13;
Hülsentreibladungen und Programmunterlagen sowie&#13;
das erforderliche technische Fachwissen.&#13;
&#13;
II. Die Bedrohung durch irakische Waffen&#13;
Frage: Wie bedrohen die biologischen und chemischen Waffen des Irak die Golfregion?&#13;
Antwort: Mit chemischen oder biologischen Gefechtsköpfen bestückte einsatzbereite Raketen würden eine&#13;
ernsthafte Gefahr für die Nachbarländer des Irak&#13;
darstellen. Die UNSCOM ist der Überzeugung, daß&#13;
der Irak weiterhin chemische Kampfstoffe, Munition&#13;
und Produktionsgerät verheimlicht.&#13;
Während der achtziger Jahre entwickelte der Irak das&#13;
größte und modernste Programm für biologische&#13;
Kriegführung im Nahen Osten und behauptete,&#13;
Waffenträgersysteme mit Anthrax, Botulin und Af latoxin&#13;
bestückt zu haben.&#13;
Der Irak besaß vor dem Golfkrieg eine Reihe von&#13;
Kampfstoffen zur chemischen Kriegführung, unter&#13;
anderem den Hautkampfstoff Senfgas und die Nervengase Tabun und Sarin sowie deren Trägersysteme,&#13;
darunter Artillerieraketen, Granatwerfer, Sprühbehälter, Bomben und Raketen vom Typ SCUD. Obwohl die&#13;
Waffenprogramme des Irak während des Golfkriegs&#13;
stark beschädigt wurden, vertritt das US-Verteidigungsministerium die Auffassung, daß der Irak noch&#13;
die Fähigkeit zu ihrer Wiederherstellung besitzt.&#13;
Nachdem sich Saddam Husseins Schwiegersohn und&#13;
ehemaliger Leiter der irakischen Rüstungsindustrien,&#13;
Hussein Kamel, 1995 nach Jordanien abgesetzt hatte,&#13;
wurde klar, daß selbst eingehende UNSCOM-Inspektionen die Bestrebungen des Irak zur Entwicklung&#13;
des Nervengases VX von Mai 1985 bis Dezember&#13;
1990 nicht aufgedeckt hatten. Der Irak hatte auch&#13;
erfolgreich die Erprobung einer mit einem chemischen&#13;
Gefechtskopf bestückten Rakete vom Typ SCUD mit&#13;
einer Reichweite von 600 bis 650 Kilometern verheimlicht.&#13;
Der Irak hat seit 1991 die wichtigsten Anlagen zur&#13;
Chemiewaffenproduktion wieder aufgebaut. Obwohl&#13;
sie der genauen Überprüfung durch die Vereinten&#13;
Nationen unterliegen, könnten einige ziemlich schnell&#13;
von industrieller oder kommerzieller Nutzung umgerüstet werden und dem Irak so die begrenzte Produktion&#13;
von chemiewaffenfähigen Kampfstoffen gestatten.&#13;
Obwohl dem Irak der Besitz von Raketen mit einer&#13;
Reichweite von mehr als 150 Kilometern verboten ist,&#13;
soll Bagdad eine kleine Anzahl mobiler Raketen-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Frage: Wie viele Menschen würden bei einem Angriff&#13;
mit biologischen Waffen sterben?&#13;
Antwort: Ein Angriff mit biologischen Waffen könnte&#13;
eine fast unvorstellbare Katastrophe auslösen. Einer&#13;
Schätzung des Büros für technologische Analysen des&#13;
US-Kongresses zufolge könnten 100 Kilogramm&#13;
Anthrax, die von einem niedrig fliegenden Flugzeug in&#13;
einer klaren, ruhigen Nacht über einer großen Stadt&#13;
freigesetzt werden, zwischen ein und drei Millionen&#13;
Menschen töten. Diese Zahl entspricht der Zahl der&#13;
Opfer durch eine Wasserstoffbombe von einer Megatonne.&#13;
Frage: Welche Wirkung haben Nervengase und&#13;
andere chemische und biologische Waffen?&#13;
Antwort: Nervengase sind eine Gruppe stark toxischer chemiewaffenfähiger Kampfstoffe.&#13;
Andere&#13;
toxische CW-Kampfstoffe sind Blut, Hautkampfstoffe&#13;
und Würgereiz verursachende Kampfstoffe.&#13;
In&#13;
genügender Menge führen sie bei nicht sofortiger&#13;
medizinischer Behandlung zu einer tödlichen Vergiftung.&#13;
Zu den chemischen und biologischen Waffen, die der&#13;
Irak produziert oder zu deren Entwicklung er vielleicht&#13;
die Fähigkeit besitzt, zählen:&#13;
VX: Ein geruchloses Nervengas, das durch die Augen,&#13;
Lungen, den Mund oder die Haut in den Körper gelangt&#13;
und innerhalb von 15 Minuten töten kann. Erste&#13;
Symptome sind Sehstörungen, Bauchkrämpfe,&#13;
Krämpfe und Koma. Der Irak hat die Produktion von&#13;
3,9 Tonnen VX zugegeben. Aufgrund der lange&#13;
anhaltenden Wirkung des Kampfstoffes könnte er zur&#13;
Verseuchung von Gebieten über einen langen Zeitraum hinweg eingesetzt werden.&#13;
Sarin, Tabun und Senfgas: Chemische Kampfstoffe,&#13;
die sich in der Schnelligkeit ihrer Wirkung und der&#13;
tödlichen Wirkung unterscheiden. Die Nervengase&#13;
Tabun und Sarin töten innerhalb von 15 Minuten, wenn&#13;
das Opfer nicht behandelt wird. Der farblose Hautkampfstoff Senfgas befällt die Augen, Haut, Lungen&#13;
und den Mund, wobei die ersten Symptome erst nach&#13;
vier bis 12 Stunden oder später auftreten. Wird man&#13;
diesem Gas stark ausgesetzt, können Blindheit und&#13;
ernsthafte Atemnot die Folge sein.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�Anthrax: Ein bakterieller Kampfstoff in Form von&#13;
Sporen, die innerhalb von zwei bis vier Tagen die&#13;
Krankheit verursachen. 10.000 Sporen werden als&#13;
tödliche Dosis angesehen; 80 Prozent der Bevölkerung, die eine solche Dosis einatmen, würden sterben.&#13;
Weniger als ein Millionstel eines Gramms hat innerhalb&#13;
von fünf Tagen bis zu einer Woche eine unweigerlich&#13;
tödliche Wirkung. Typische Symptome sind Müdigkeit,&#13;
niedriges Fieber und Husten.&#13;
Der Irak erklärte, daß er nahezu 8.500 Liter konzentriertes Anthrax produziert hatte und gab zu, fünf&#13;
SCUD-Raketen mit Anthrax bestückt zu haben.&#13;
Schätzungen der UNSCOM zufolge könnte die&#13;
Produktion des Nervengases doppelt so hoch sein.&#13;
Die Iraker haben ferner die Ausrüstung einiger ihrer&#13;
Flugzeuge mit einer Sprühvorrichtung als alternatives&#13;
Mittel zur Freisetzung von Anthrax zugegeben.&#13;
Botulin: Ein tödlicher biologischer Kampfstoff, der&#13;
mehrere Stunden bis zu Tagen braucht, um Symptome&#13;
hervorzurufen wie verschwommene Sicht, Schwierigkeiten beim Schlucken und Lähmungserscheinungen.&#13;
Der Irak gibt zu, 19.400 Liter toxisches Botulin produziert und einen Teil davon auf 16 SCUD-Raketen&#13;
geladen zu haben. Die UNSCOM ist der Überzeugung, daß die produzierte Menge doppelt so hoch sein&#13;
könnte.&#13;
Aflatoxin: Ein biologischer Kampfstoff, der Kopfschmerzen, Gelbsucht und gastrointestinale Beschwerden hervorrufen kann; wenn das Opfer nicht&#13;
behandelt wird, kann er Leberkrebs und innere&#13;
Blutungen verursachen, die tödlich sein können.&#13;
Irakische Regierungsvertreter geben zu, daß sie 2.400&#13;
Liter des Kampfstoffs produziert und vier SCUDRaketen damit gefüllt haben.&#13;
&#13;
III. Saddam Husseins korrupte und unmenschliche&#13;
Maßnahmen&#13;
Frage: Wie profitiert Saddam Hussein persönlich trotz&#13;
der Not der irakischen Zivilbevölkerung?&#13;
Antwort: Das deutlichste Beispiel dafür, wie das&#13;
irakische Regime der Zivilbevölkerung Ressourcen&#13;
entzieht, war der Bau zahlreicher "Paläste" seit dem&#13;
Ende des Golfkriegs. Der Irak hat seit dem Ende des&#13;
Golfkriegs 48 Paläste und VIP-Residenzen gebaut und&#13;
damit die Gesamtzahl solcher Saddam Hussein und&#13;
seinem engsten Kreis zur Verfügung stehenden&#13;
Einrichtungen auf mindestens 78 erhöht. Der irakische&#13;
Staatschef hat seit 1990 zwischen 1,5 und 2 Milliarden&#13;
Dollar für den Bau neuer Paläste oder die Renovierung&#13;
der bestehenden ausgegeben.&#13;
Verteidigungsminister Cohen äußerte, eine der&#13;
Palastanlagen sei so groß wie die amerikanische&#13;
Bundeshauptstadt Washington, D.C. "Unseres Erachtens sollte das Betreten dieser Anlagen für&#13;
UNSCOM-Waffeninspekteure nicht verboten sein",&#13;
erklärte er. Obwohl sie oft als "Paläste des Volkes"&#13;
bezeichnet werden, legen das Ausmaß der Sicherheitsvorkehrungen und der Prunk nahe, daß sie nur für&#13;
die Elite des Irak gedacht sind.&#13;
Ausländische Besucher berichten, daß in Bagdad ein&#13;
riesiger Kuppelpalast für Saddam Hussein gebaut wird&#13;
und an archäologischen Ausgrabungsstätten Gedenktafeln mit seinem Namen angebracht sind. Gleichzeitig&#13;
berichten die Vereinten Nationen, daß die Stromversorgung unzulänglich ist, die Landwirtschaft unter&#13;
dem Mangel an Ersatzteilen und Nachschub leidet, die&#13;
Kanalisation unzureichend ist, sauberes Wasser fehlt&#13;
und das Bildungssystem zu wünschen übrig läßt.&#13;
&#13;
Clostridium Botulinum: Der Kampfstoff verursacht&#13;
Botulismus und ist ein Beispiel eines Mikroorganismus,&#13;
der zur Herstellung eines Toxins verwendet werden&#13;
kann. Rizin ist beispielsweise ein pflanzlicher Giftstoff,&#13;
der aus der Kastor- oder Rizinusbohne gewonnen&#13;
werden kann, die im Irak angebaut wird. Eine tödliche&#13;
Dosis liegt schätzungsweise bei 500 Mikrogramm.&#13;
Wird man diesem Kampfstoff ausgesetzt, kann das&#13;
zum Versagen mehrerer Organe innerhalb von einem&#13;
bis zwei Tagen führen.&#13;
&#13;
Darüber hinaus hat die irakische Führung von dem&#13;
Schwarzmarkt profitiert, der seit der Verhängung der&#13;
Sanktionen entstanden ist. Lieferungen bestimmter&#13;
Güter sind noch knapper geworden und nach allem,&#13;
was man hört, haben die Familie des Präsidenten&#13;
ebenso wie andere Angehörige der obersten irakischen Führung finanziell profitiert.&#13;
&#13;
1995 gaben irakische Regierungsvertreter Waffentests&#13;
unter Verwendung von Rizin zu. Ihren Schätzungen&#13;
zufolge produzierten sie 10 Liter des Kampfstoffs.&#13;
&#13;
Antwort: Seit 1991 ist die Bereitstellung und Lieferung von Nahrungsmitteln und Medikamenten gemäß&#13;
der UN-Resolutionen gestattet. Aber das größte&#13;
Hindernis für die erfolgreiche Durchführung dieser&#13;
Hilfsprogramme war stets Saddam Hussein selbst.&#13;
Aus politischen Gründen konnte Saddam Hussein die&#13;
Hilfsorganisationen nicht daran hindern, eine Präsenz&#13;
im Irak zu schaffen. Die Taktik seines Regimes&#13;
besteht darin, die Fähigkeit dieser Organisationen zu&#13;
behindern, effektiv zu operieren. Jede Hilfsorganisa-&#13;
&#13;
Clostridium Perfingens: Eine Substanz, die beim&#13;
Befall offener Wunden auf dem Schlachtfeld Milzbrand&#13;
verursachen kann. Berichten zufolge hat der Irak&#13;
Hunderte Liter dieser Substanz in seiner Anlage in AI&#13;
Hakum produziert, die später von den Vereinten&#13;
Nationen zerstört wurde.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
Frage: Wie hat Saddam Hussein die internationalen&#13;
Hilfsoperationen im Irak behindert?&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�tion, die versuchte, den Menschen im Irak zu helfen,&#13;
sah sich zahlreichen Schikanen ausgesetzt.&#13;
&#13;
leistungen in und aus den nördlichen Gebieten immer&#13;
noch streng kontrollierte.&#13;
&#13;
Die irakische Regierung behindert ständig die Bereitstellung humanitärer Hilfe an das irakische Volk durch&#13;
die internationale Gemeinschaft, indem sie dem Import&#13;
von Industriegütern höhere Priorität einräumt als dem&#13;
von Nahrungsmitteln und Medikamenten, Güter zum&#13;
Nutzen des Regimes abzweigt und die Arbeit von&#13;
Mitarbeitern der Vereinten Nationen und der Hilfsorganisationen beeinträchtigt.&#13;
&#13;
1997 hatten die Militäroperationen des Irak weiterhin&#13;
die in den Marschen im Süden lebenden arabischen&#13;
Schia zum Ziel. Die Regierung hielt ein teilweises&#13;
internes Embargo gegen die nördlichen Provinzen des&#13;
Irak aufrecht, blockierte Lieferungen mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und anderen Gütern mit&#13;
Ausnahme der im Rahmen des ÖI-für-NahrungsmittelProgramms der Vereinten Nationen bereitgestellten.&#13;
&#13;
Weil die Einfuhr von Nahrungsmitteln und Medikamenten im Rahmen der UN-Sanktionen nie verboten war,&#13;
konnte der Irak alle humanitären Hilfsgüter, die er&#13;
wollte, kaufen und verteilen. Es wurde jedoch offensichtlich, daß die irakische Zivilbevölkerung die für&#13;
einen Mindestlebensstandard erforderlichen Lieferungen nicht erhielt. Die Verabschiedung von Resolution&#13;
986 des UN-Sicherheitsrats gestattete den Verkauf&#13;
von irakischem Erdöl zum Kauf und der Verteilung&#13;
humanitärer Güter - unter der Aufsicht der Vereinten&#13;
Nationen um sicherzustellen, daß sie zu der bedürftigen Zivilbevölkerung gelangen. Die Vereinten Nationen überprüfen die Lebensmittelmärkte im gesamten&#13;
Irak, machen Stichproben in einzelnen Häusern und&#13;
erstellen Übersichten. UN-Mitarbeiter überwachen die&#13;
Lieferungen medizinischer Güter und Geräte und&#13;
besuchen Krankenhäuser, Kliniken sowie medizinische&#13;
und pharmazeutische Einrichtungen.&#13;
&#13;
Berichte von Angriffen auf kurdische Dörfer sowie&#13;
Angriffe auf Mitarbeiter der Hilfsorganisationen nach&#13;
dem Golfkrieg veranlaßten die Vereinigten Staaten und&#13;
ihre Verbündeten im Golfkrieg, Druck auf die Vereinten&#13;
Nationen auszuüben, um die Verteilung von Nahrungsmitteln und Medikamenten im Norden vorzunehmen&#13;
und Schutz für die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen&#13;
zu bieten. Im Rahmen des ÖI-für-NahrungsmittelProgramms gehen alle sechs Monate 15 Millionen&#13;
Dollar direkt an das UN-Programm für die nördlichen&#13;
Provinzen.&#13;
&#13;
Nachdem das ÖI-für-Nahrungsmittel-System vorgeschlagen worden war, weigerte sich Saddam&#13;
Hussein drei Jahre lang, es zu akzeptieren und&#13;
stimmte dem Plan schließlich im Januar 1996 zu.&#13;
Nachdem das Programm angelaufen war, weigerte&#13;
sich der Irak jedoch im Juni und Juli 1997, Öl zu&#13;
verkaufen. Um unnötige Härten für die irakische&#13;
Zivilbevölkerung zu vermeiden, die durch die Unterbrechung der Ölverkäufe Mitte des Jahres 1997&#13;
verursacht wurden, paßte der Sicherheitsrat die Fristen&#13;
an, so daß die gesamte Menge an Öl verkauft werden&#13;
konnte.&#13;
Frage: Warum haben Saddam Husseins Maßnahmen&#13;
Härten und Leid für die unschuldige irakische Zivilbevölkerung bewirkt?&#13;
Antwort: Im Zentrum und im Süden des Irak leitete&#13;
das Regime humanitäre Hilfsgüter an seine Sicherheitskräfte, das Militär und andere Anhänger um.&#13;
Praktisch das gesamte Jahr 1996 hielt die irakische&#13;
Regierung ein internes Embargo gegen die nördlichen&#13;
Provinzen aufrecht und blockierte die Lieferung von&#13;
Nahrungsmitteln, Medikamenten und anderen Waren&#13;
aus den von der Regierung kontrollierten Gebieten in&#13;
die von den Kurden kontrollierten Regionen. Selbst&#13;
nachdem die Regierung die Aufhebung des internen&#13;
Embargos angekündigt hatte, deuteten Berichte darauf&#13;
hin, daß das Regime den Fluß von Waren und Dienst-&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Frage: Wie verletzt Saddam Hussein die Menschenrechte im Irak?&#13;
Antwort: Die irakische Regierung weigert sich hartnäckig, Besuche von Menschenrechtsbeobachtern&#13;
zuzulassen und setzt weiterhin alles daran, Dissens&#13;
mit Hilfe von Unterdrückung zu verhindern. Es gibt&#13;
jedoch glaubwürdige Berichte, daß 1997 die Erschießungen vermeintlicher politischer Gegner im&#13;
Schnellverfahren dramatisch zunahmen; es wird von&#13;
mehr als 2.000 solcher Tötungen berichtet. Mehrere&#13;
Dutzend dieser gemeldeten Exekutionen erfolgten,&#13;
nachdem im Februar und August angeblich der&#13;
Versuch eines Staatsstreichs unternommen wurde.&#13;
Die Berichte deuten darauf hin, daß weitaus mehr&#13;
Menschen allein aufgrund ihrer Verbindung zu einer&#13;
Oppositionsgruppe oder in dem Bestreben umgebracht&#13;
wurden, die Gefängnisse von jedem zu befreien, der&#13;
zu 15, 20 oder mehr Jahren Haft verurteilt ist. Die&#13;
Regierung ermordete und folterte weiterhin Menschen&#13;
wegen angeblicher Wirtschaftskriminalität, Fahnenflucht und einer Vielzahl anderer Anschuldigungen.&#13;
Frage: Wie setzt Saddam Hussein sonst noch das&#13;
Leben der irakischen Zivilbevölkerung aufs Spiel?&#13;
Antwort:&#13;
Der Umweltterrorismus ist eine weitere&#13;
Taktik, die von Bagdad bei mehr als einer Gelegenheit&#13;
eingesetzt wurde. Diese Praktik hat schwerwiegende&#13;
Konsequenzen sowohl für die Nachbarländer des Irak&#13;
als auch diejenigen, die sich außerhalb von Saddam&#13;
Husseins Operationsgebiet befinden. Die Zerstörung&#13;
der Marschen im Süden des Irak wurde als Umweltverbrechen des Jahrhunderts bezeichnet. Die Trockenlegung der Marschen war Teil der Bestrebungen zur&#13;
Isolierung und Ausrottung im Süden lebender iraki-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�scher Zivilisten. Das Regime opferte ein gesamtes&#13;
Ökosystem, um seinen politischen Einfluß auf eine&#13;
verarmte Region zu stärken.&#13;
IV. Nicht inspizierte Anlagen im Irak&#13;
Frage: Warum müssen die UNSCOM-Inspektoren&#13;
Saddam Husseins Paläste und andere Privatwohnungen inspizieren?&#13;
Antwort: Die Inspektionen sind erforderlich um&#13;
festzustellen, ob diese Anlagen zur Tarnung von&#13;
Material benutzt werden, das zur Entwicklung biologischer und chemischer Kampfstoffe verwendet werden&#13;
könnte.&#13;
Die UNSCOM-Inspektoren müssen nach versteckten&#13;
Dokumenten und Material suchen, das mit den&#13;
verbotenen irakischen Rüstungsprogrammen für&#13;
chemische, biologische, nukleare und/oder ballistische&#13;
Waffen in Verbindung steht. Die UNSCOM hat&#13;
Beweise gesammelt, daß der Irak bestimmte Waffen&#13;
und verbotene Gegenstände zurückzuhalten versucht&#13;
hat, darunter möglicherweise Computerdisketten, der&#13;
heimliche Ankauf von Pestiziden sowie Teile von&#13;
Raketenleitsystemen.&#13;
Obwohl der Irak behauptet, seine Bestrebungen,&#13;
Dokumente vor den Vereinten Nationen zu verstecken,&#13;
hätten 1995 aufgehört, beobachtet die UNSCOM&#13;
fortgesetzte Anstrengungen, Dokumente zu verlagern&#13;
oder zu beseitigen, die im Zusammenhang mit den&#13;
verbotenen irakischen Waffenprogrammen stehen&#13;
könnten. Die Waffeninspektoren haben verdächtige&#13;
Aktivitäten beobachtet, und in Inspektionsanlagen&#13;
aufgenommene Kontrollbilder zeigten solche Aktivitäten.&#13;
Verteidigungsminister Cohen hat erklärt, daß Saddam&#13;
Hussein seit Jahren mit den UNSCOM-Inspektoren&#13;
"Katz und Maus spielt". "Er führte zahlreiche Täuschungsmanöver und Manipulationen durch, um die&#13;
UNSCOM-Inspektoren von ihrer Arbeit abzuhalten", so&#13;
Cohen. Der irakische Staatschef verfolgt durchweg&#13;
zwei Ziele: Sich der Inspektoren zu entledigen oder sie&#13;
derart einzuengen, daß sie "keine wertvolle Arbeit"&#13;
leisten können.&#13;
Frage: Welche Erfahrungen hat die UNSCOM im Irak&#13;
gemacht?&#13;
Antwort: Seit 1996 plant die UNSCOM Inspektionen&#13;
und Untersuchungen mit dem Ziel, die Geheimhaltungspläne des Irak zu analysieren und zu verstehen.&#13;
Zwischen März 1996 und November 1997 führte die&#13;
UNSCOM acht Inspektionen durch. Bei 38 der 63&#13;
Anlagen, die die UNSCOM zu besichtigen versuchte,&#13;
gab es Verzögerungen, bevor ihr Zutritt gewährt&#13;
wurde, und bei 14 wurde den Inspektoren der Zugang&#13;
rundweg verweigert.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
Frage: Zu welchen Anlagen wurde den UNSCOMInspektoren der Zugang verweigert?&#13;
Antwort: Der irakischen Regierung zufolge wird den&#13;
UN-Waffeninspektoren überhaupt kein Zugang zu&#13;
allen Anlagen gewährt, die als "Präsidentenpaläste&#13;
und souveräne Gebäude" bezeichnet werden. Dazu&#13;
zählen acht Präsidentenpaläste in vier Provinzen&#13;
sowie die Hauptgebäude aller Ministerien. Dem Irak&#13;
zufolge zählen zu den Präsidentenpalästen oder -anlagen zahlreiche Gebäude und das sie umgebende,&#13;
von Mauern eingesäumte Gelände. Das Regime in&#13;
Bagdad gibt der UNSCOM lediglich allgemeine&#13;
Beschreibungen von Größe und Standort dieser&#13;
Anlagen, jedoch keinen Plan davon.&#13;
Frage: Warum muß die Kontrolle und Überwachung&#13;
von Iraks Waffenaktivitäten fortgesetzt werden?&#13;
Antwort: "Der beste Weg, Saddam vom Besitz&#13;
nuklearer, biologischer oder chemischer Waffen&#13;
abzuhalten", erklärte Präsident Clinton am 4. Februar,&#13;
"ist einfach, daß die internationalen Inspektoren&#13;
ungehindert ihre Arbeit fortsetzen können. Denken Sie&#13;
daran, was sie für ausgezeichnete Arbeit geleistet&#13;
haben. Sie haben mehr waffenfähiges Material und&#13;
Waffenlager aufgedeckt als während des gesamten&#13;
Golfkriegs zerstört wurden."&#13;
Der Irak hat derzeit 41 Anlagen mit Gerät, das für die&#13;
Produktion von chemiewaffenfähigen Kampfstoffen&#13;
und ihren Grundstoffen umgerüstet werden könnte&#13;
sowie vier Einrichtungen, in denen bis 1991 Munition&#13;
für Chemiewaffen hergestellt wurde und die ihre&#13;
Produktion wiederaufnehmen könnten. Mindestens 30&#13;
Anlagen verfügen über die Infrastruktur, die erneut auf&#13;
die Waffenherstellung ausgerichtet werden könnte.&#13;
Ferner besitzt der Irak Erfahrung und Know-how in der&#13;
Produktion von chemiewaffenfähigen Kampfstoffen in&#13;
großem Umfang sowie genügend ausgebildetes&#13;
Personal mit praktischer Erfahrung in Forschung und&#13;
Entwicklung im Bereich chemischer Kampfstoffe sowie&#13;
ihrer industriellen Herstellung.&#13;
Schätzungen der UNSCOM zufolge wäre der Irak&#13;
unter den derzeitigen Umständen zur Produktion von&#13;
chemischen Kampfstoffen in der Lage, wenn er&#13;
verfügbares Mehrzweckmaterial innerhalb weniger&#13;
Tage oder Wochen umgestalten oder verlagern würde.&#13;
1997 kam ein internationales Expertengremium zu der&#13;
Schlußfolgerung, daß die irakischen Angaben zur&#13;
Registrierung, Lagerung und Verbreitung seiner&#13;
Hülsentreibladungen für biologische Waffen unvollständig und nicht nachweisbar sind und nicht durch die&#13;
Informationen gestützt werden, die der Irak der&#13;
UNSCOM zur Verfügung stellte.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Der Irak verfügt über das Gerät, die Rohstoffe und das&#13;
Know-how für die Massenproduktion biologischer&#13;
Kampfstoffe zur Waffenausrüstung sowie der Trägersysteme für die Kampfstoffe. Mit dem Gerät, das der&#13;
&#13;
Irak bekanntermaßen besitzt, kann er seinen eigenen&#13;
Produktionszahlen zufolge jede Woche 350 Liter&#13;
waffenfähiges Anthrax herstellen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�BIOLOGISCHE&#13;
&#13;
WAFFEN&#13;
25. Februar 1998&#13;
&#13;
Die Konvention über biologische Waffen&#13;
Eine Übersicht&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 27. Januar 1998 vom Weißen Haus&#13;
herausgegebene Übersicht zur Konvention über biologische Waffen.&#13;
&#13;
Die Konvention über biologische Waffen&#13;
Am 27. Januar 1998 gab der Präsident bekannt, daß&#13;
die Vereinigten Staaten die Bestrebungen zur Errichtung größerer internationaler Hindernisse gegen&#13;
die Weiterverbreitung und den Einsatz biologischer&#13;
Waffen anführen werden.&#13;
"Wir müssen handeln, um ... den Einsatz von Krankheitserregern als Waffe des Krieges und Terrors zu&#13;
verhindern", erklärte der Präsident. "Die Konvention&#13;
über biologische Waffen (BW-Konvention) ist seit&#13;
nahezu 25 Jahren in Kraft, aber es mangelt ihr offen&#13;
gesagt an entschiedenen Maßnahmen zu ihrer&#13;
Durchsetzung. Dieses Jahr müssen wir diesen&#13;
Vertrag durch ein internationales Inspektionssystem&#13;
zur Aufdeckung und Abschreckung von Betrug&#13;
stärken."&#13;
In der BW-Konvention von 1972 haben sich 140&#13;
Länder dazu verpflichtet, auf die Entwicklung, Herstellung oder den Besitz von biologischen oder&#13;
Toxinwaffen zu verzichten. Die Konvention enthält&#13;
jedoch nicht genügend Bestimmungen zur Durchsetzung dieser Verpflichtungen durch verbindliche&#13;
Erklärungen und Inspektionen und damit die Abschreckung von Verletzungen.&#13;
Seit 1995 werden in Genf Verhandlungen über ein&#13;
Zusatzprotokoll zur BW-Konvention über ihre Einhaltung und Transparenz geführt. Mit der neuen, vom&#13;
Präsidenten bekanntgegebenen Initiative streben die&#13;
Vereinigten Staaten einen Rahmen für ein starkes&#13;
Protokoll zur BW-Konvention bis Ende 1998 an. Die&#13;
Vereinigten Staaten werden eng mit der amerikanischen Wirtschaft an der Entwicklung und Erlangung&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
einer internationalen Übereinkunft über die folgenden&#13;
Instrumente zusammenarbeiten:&#13;
Erklärungen: Die Parteien der BW-Konvention müssen der Organisation für die Durchsetzung der Konvention jährliche Erklärungen&#13;
über Einrichtungen und/oder Aktivitäten&#13;
vorlegen, die sich besonders für die Erlangung&#13;
möglicher Ziele der Konvention eignen, beispielsweise Einrichtungen, in denen sich&#13;
bestimmte Arten von Aerosolprüfkammern&#13;
befinden oder die internationale Transporte&#13;
gefährlicher Krankheitserreger wie Anthrax&#13;
veranlassen oder erhalten.&#13;
Freiwillige Besuche: Die Parteien der Konvention über biologische Waffen werden&#13;
ermutigt, Besuche aller ihrer im Protokoll&#13;
angegebenen Einrichtungen zuzulassen,&#13;
damit Fragen in Bezug auf die BW-Konvention&#13;
oder das Protokoll geklärt werden können.&#13;
Diese freiwilligen Besuche liegen im Ermessen der betroffenen Einrichtung, und alle&#13;
Entscheidungen über den Zugang während&#13;
dieser Besuche werden von den zuständigen&#13;
Behörden der jeweiligen Einrichtung getroffen.&#13;
Nichtverdachtsbesuche: Die Parteien der&#13;
BW-Konvention müssen eine vernünftige Zahl&#13;
von Besuchen der Organisation für die Durchsetzung der BW-Konvention vor Ort zulassen,&#13;
um eventuelle Mehrdeutigkeiten, Zweifel,&#13;
Unregelmäßigkeiten, Auslassungen oder&#13;
andere Fragen im Zusammenhang mit ihrer&#13;
jährlichen Erklärung zu klären. Solche Nichtverdachtsbesuche unterscheiden sich von&#13;
Routine- oder stichprobenartigen Besuchen,&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�die die Vereinigten Staaten ablehnen, sowie&#13;
von Ad-hoc-lnspektionen, die im folgenden&#13;
erläutert werden.&#13;
Ad-hoc-lnspektionen: Die Parteien der BWKonvention müssen Inspektionen der Organisation für die Durchsetzung der BW-Konvention an jedem ihrer Zuständigkeit und Kontrolle&#13;
unterstehenden Ort zulassen, falls es Beweise&#13;
für die Nichteinhaltung der grundlegenden&#13;
Verbote der BW-Konvention gibt. Die einfache&#13;
Mehrheit des Vorstands der Organisation für&#13;
die Durchsetzung der BW-Konvention, dessen&#13;
Votum der Erlaubnis zu einer Inspektion&#13;
vorausgehen muß, gibt grünes Licht für solche&#13;
Inspektionen.&#13;
Bei der Aushandlung dieser Maßnahmen werden die&#13;
Vereinigten Staaten sicherstellen, daß das Protokoll&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
strenge Bestimmungen über den Schutz verfassungsmäßiger Rechte, vertraulicher Wirtschaftsinformationen (Confidential Business Information - CBI) und von&#13;
Informationen über die nationale Sicherheit (National&#13;
Security Information - NSI) während jeder Aktivität vor&#13;
Ort vorsieht. Diese Schutzmaßnahmen sollen den&#13;
Einsatz von Verfahren zur Kontrolle des Zugangs,&#13;
angemessene Zeitpläne und andere Schutzmechanismen beinhalten. Für den Fall, daß der Zugang zum&#13;
Schutz von verfassungmäßigen Rechten, CBI oder NSI&#13;
beschränkt wird, sollte die BW-Partei verpflichtet&#13;
werden, alle vernünftigen Maßnahmen zur Entwicklung&#13;
alternativer Mittel zu ergreifen, damit durch Aktivitäten&#13;
vor Ort hervorgerufene Unklarheiten beseitigt oder&#13;
Sorgen über die Einhaltung zerstreut werden. Das&#13;
Protokoll sollte ferner die Organisation für die Durchsetzung der BW-Konvention zum Schutz sicherheitsempfindlicher Informationen verpflichten, die sie von&#13;
den Parteien der Konvention über biologische Waffen&#13;
erhält.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�BIOLOGISCHE&#13;
&#13;
WAFFEN&#13;
25. Februar 1998&#13;
&#13;
Anthrax ist bevorzugter Kampfstoff&#13;
für biologische Kriegführung&#13;
Eine Übersicht&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zu Anthrax wurde im Dezember 1997 vom USVerteidigungsministerium herausgegeben.&#13;
&#13;
Anthrax ist aus folgenden Gründen der bevorzugte&#13;
Kampfstoff für biologische Kriegführung:&#13;
Sie ist äußerst tödlich.&#13;
Ein Gramm Anthrax-Material enthält 100 Millionen&#13;
&#13;
Was ist Anthrax?&#13;
Anthrax ist eine natürlich auftretende Krankheit&#13;
pflanzenfressender Tiere (Ziegen, Schafen, Vieh&#13;
usw.), die durch das Bakterium Bacillus Anthracis&#13;
verursacht wird.&#13;
&#13;
tödliche Dosen (und ist damit 100.000 Mal tödlicher als&#13;
&#13;
der tödlichste Kampfstoff für chemische Kriegführung).&#13;
Es ist ein stiller, unsichtbarer Killer.&#13;
Das Einatmen von Anthrax ist praktisch immer tödlich.&#13;
Es gibt wenige Hindernisse für die Herstellung.&#13;
Die Herstellung von Anthrax-Material ist mit geringen&#13;
Kosten verbunden.&#13;
Die Herstellung erfordert keine Hochtechnologie. Das&#13;
Wissen ist leicht verfügbar.&#13;
Es ist leicht in großen Mengen zu produzieren.&#13;
Waffen können leicht damit ausgerüstet werden.&#13;
Es ist außerordentlich stabil. Es kann praktisch&#13;
unendlich lange als trockenes Pulver gelagert werden.&#13;
Es kann in gefriergetrocknetem Zustand auf Waffen&#13;
geladen oder als Aerosol mit gewöhnlichen Sprühdosen verbreitet werden.&#13;
Zur Zeit verfügen wir über begrenzte Möglichkeiten, es&#13;
aufzuspüren.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
Anthrax ist eine Krankheit, die bereits in der Antike&#13;
entdeckt wurde. Anthrax war sehr bekannt in praktisch&#13;
allen Gegenden, in denen Viehzucht betrieben wurde.&#13;
Intensive Immunisierungsprogramme für Vieh haben&#13;
das Auftreten der Krankheit bei Menschen und Tieren&#13;
in einem Großteil der Welt erheblich verringert, und sie&#13;
tritt jetzt meistens in Gegenden auf, in denen die&#13;
Immunisierungsprogramme noch nicht durchgeführt&#13;
oder vernachlässigt wurden (vor allem in Afrika und&#13;
Asien; Mitte der neunziger Jahre trat die Krankheit&#13;
jedoch auch in Haiti und der ehemaligen Sowjetunion&#13;
auf).&#13;
Anthraxsporen sind unter geeigneten Bedingungen&#13;
mehrere Jahrzehnte lang lebensfähig, und daher kann&#13;
das Nichtauftreten von Krankheitsfällen nicht mit dem&#13;
Nichtvorhandensein eines Risikos gleichgesetzt&#13;
werden.&#13;
Menschen können Anthrax auf dreierlei Weise&#13;
bekommen:&#13;
Durch Schnittwunden oder Risse in der Haut&#13;
und den darauf folgenden Kontakt mit einem&#13;
infizierten Tier (Haut-Anthrax), der zu einer&#13;
lokalen und möglicherweise allgemeinen&#13;
Infektion (des Blutkreislaufs) führt.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Durch das Einatmen der Anthraxsporen&#13;
(genannt "Wollsortierer-Krankheit") mit einer&#13;
darauf folgenden Infektion der Lungen&#13;
(Inhalations-Anthrax).&#13;
Durch den Verzehr von infiziertem Fleisch mit&#13;
einer darauf folgenden gastrointestinalen&#13;
Infektion (gastrointestinales Anthrax). Gastrointestinales Anthrax wird für gewöhnlich nicht&#13;
als eine Bedrohung der amerikanischen&#13;
Streitkräfte angesehen.&#13;
&#13;
jedoch zu Atemnot mit Schock, Der Tod tritt&#13;
kurz danach ein.&#13;
Nahezu alle Fälle von Inhalations-Anthrax, bei denen&#13;
die Behandlung begonnen wurde, nachdem die&#13;
Patienten Symptome zeigten, führten zum Tod,&#13;
unabhängig von der Behandlung nach der Infektion.&#13;
Welche medizinischen Gegenmaßnahmen gibt es?&#13;
&#13;
Was sind die Symptome?&#13;
Die Symptome für Anthrax zeigen sich nach einer einbis sechstägigen Inkubationszeit.&#13;
Bei Kontakt- oder Haut-Anthrax tritt nach der&#13;
Bildung einer Läsion ein Juckreiz am Wundherd auf. Wird Anthrax nicht behandelt, hat&#13;
sie eine Sterblichkeitsrate von fünf bis 20&#13;
Prozent, aber bei effektiver Behandlung mit&#13;
Antibiotika treten selten Todesfälle auf.&#13;
Anfängliche Symptome für Inhalations-Anthrax&#13;
sind für gewöhnlich unspezifisch: niedriges&#13;
Fieber, ein trockener Reizhusten und Schwäche. Der Patient kann sich nach zwei bis vier&#13;
Tagen kurz erholen; innerhalb von 24 Stunden&#13;
nach dieser kurzen Besserung kommt es&#13;
&#13;
Vor der Infektion Verhütung durch Impfung&#13;
unter Verwendung des von der US-Lebensmittelbehörde lizenzierten Impfstoffs.&#13;
Ansonsten sind Antibiotika wie Penicillin,&#13;
Ciprofloaxin und Doxycyclin die Medikamente&#13;
der Wahl für die Behandlung von Anthrax.&#13;
Die Behandlung mit Antibiotika muß vor dem&#13;
Ausbrechen der Symptome beginnen und eine&#13;
Impfung beinhalten, bevor die Einnahme&#13;
abgebrochen wird.&#13;
Der Einsatz von Antibiotika hält den Patienten&#13;
am Leben, bis der Körper durch die Impfung&#13;
eine Immunität gegen Anthrax aufgebaut hat.&#13;
Es treten jedoch Folgesymptome auf.&#13;
Inhalations-Anthrax verläuft unabhängig von&#13;
der Behandlung nahezu immer tödlich.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
25. Februar 1998&#13;
&#13;
Deutschland und Amerika:&#13;
Die Schaffung einer Vision&#13;
Rede von Botschafter John C. Kornblum&#13;
&#13;
BREMEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von&#13;
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, anläßlich seiner Teilnahme an der&#13;
Schaffermahlzeit am 13. Februar 1998 in Bremen gehalten hat.&#13;
&#13;
Es ist mir eine große Ehre, zu der diesjährigen Schaffermahlzeit eingeladen zu sein. Sehr selten darf man&#13;
an einer Tradition teilhaben, die bis zum Jahr 1545&#13;
zurückreicht.&#13;
Im Namen aller geladenen Gäste&#13;
möchte ich den drei Schaffern herzlich danken.&#13;
Meine eigene Bremer Tradition reicht auch einige&#13;
Jahrzehnte zurück. Ich kam im Januar 1965 an Bord&#13;
der S.S. United States in Bremerhaven an, um als&#13;
junger Diplomat in Hamburg meine Tätigkeit aufzunehmen. Angesichts der tiefen gemeinsamen&#13;
Bindungen zwischen Bremen und den Vereinigten&#13;
Staaten gab es keinen geeigneteren Ort für den Beginn&#13;
einer Laufbahn, die mich viele Male nach Deutschland&#13;
zurückgebracht hat, um hier zu leben und zu arbeiten.&#13;
Bremen und die Vereinigten Staaten, Bremer und&#13;
Amerikaner haben seit Jahrhunderten eine besondere&#13;
Verbindung. Die Freie Hansestadt Bremen an der&#13;
Weser ist eine der ältesten Demokratien in Europa und&#13;
die Heimat des ersten Amerikanischen Konsulats auf&#13;
dem Kontinent - einer Mission, die während der&#13;
Präsidentschaft von George Washington gegründet&#13;
wurde. Bremen war auch einer der wichtigsten Häfen&#13;
für die Menschen, die deutschen Boden nach der&#13;
Enttäuschung der Revolutionen von 1848 verließen,&#13;
deren 150. Jahrestag wir in diesem Jahr feiern. Sie,&#13;
die sogenannten "48er", wurden zu den überzeugtesten Demokraten Amerikas. Die Einwanderungswellen dauerten an, so daß es in den Vereinigten&#13;
Staaten heute nahezu 60 Millionen Menschen deutscher Herkunft gibt, deren Vorfahren oftmals von&#13;
Bremen nach Baltimore oder New York aufgebrochen&#13;
waren. Aus diesem Grund gibt es viele Städte namens&#13;
"Bremen" auf der anderen Seite des Atlantiks.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
Die Verbindung zwischen Amerika und Bremen setzte&#13;
sich bis in dieses Jahrhundert fort, als Bremen Teil der&#13;
Amerikanischen Zone war. Es war der Ankunftshafen&#13;
für viele amerikanische Gls, von denen 12 Millionen zu&#13;
der einen oder anderen Zeit Deutschland ihr Zuhause&#13;
nannten.&#13;
Es war diese Tradition, die uns auch in schwierigen&#13;
Zeiten geholfen hat, unsere Freundschaft aufrechtzuerhalten.&#13;
Heute stehen wir an der Schwelle zu einer neuen Ära.&#13;
Ich möchte über die Zukunft der besonderen Partnerschaft sprechen, die zwischen Europa, Deutschland&#13;
und Amerika besteht. Vor allem möchte ich die&#13;
Bedeutung der Schaffung einer Vision für die Zukunft&#13;
ansprechen.&#13;
Wo stehen wir 1998, fünfzig Jahre nach unserer&#13;
heroischen Berliner Luftbrücke, acht Jahre nach der&#13;
Vereinigung Deutschlands und zwei Jahre vor dem&#13;
Beginn eines neuen Jahrtausends? Meine Antwort&#13;
wäre: An der Schwelle eines neuen Zeitalters für die&#13;
atlantische Gemeinschaft. Wir sehen uns mit Fragen&#13;
von großer Komplexität - vielleicht beispielloser&#13;
Komplexität - konfrontiert. Aber ich glaube an das, was&#13;
wir gemeinsam erreicht haben. Wir sind bereit, uns&#13;
diesen neuen Herausforderungen zu stellen und in&#13;
Zukunft noch größere Erfolge zu erzielen. Es ist&#13;
unerläßlich, daß wir die besondere deutsch-amerikanische Partnerschaft einsetzen, um zwei Ziele - eine&#13;
Vollendung Europas und eine noch engere atlantische&#13;
Gemeinschaft - zu erreichen, Demokratie in ganz&#13;
Europa zu schaffen, die Herausforderungen des neuen&#13;
elektronischen Zeitalters zu meistern und zur Er-&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�arbeitung demokratischer Lösungen für die zunehmenden Herausforderungen der übrigen Welt beizutragen.&#13;
Jeder Schritt in der Geschichte der atlantischen&#13;
Nachkriegswelt spiegelt sich in der Geschichte der&#13;
Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und&#13;
den Vereinigten Staaten wider. Ich bin sicher, daß&#13;
jeder positive Schritt in der Zukunft eine spezielle&#13;
deutsch-amerikanische Prägung trägt.&#13;
Vor fünfzig Jahren, als Europa noch damit beschäftigt&#13;
war, sich aus den Trümmern zu erheben und die&#13;
Demokratie wieder aufzubauen, unterstützten die&#13;
Vereinigten Staaten die Einbeziehung Deutschlands in&#13;
die Staatengemeinschaft.&#13;
Unser Engagement in&#13;
Europa war darauf ausgerichtet, die Trennlinie zwischen Sieger und Besiegtem auszuradieren, wirtschaftliche Instrumente einzusetzen, um aus ehemaligen Feinden Freunde zu machen und die Sicherheit zu&#13;
bieten, in der zerbrechliche Demokratien Fuß fassen&#13;
können.&#13;
Die Vereinigten Staaten waren ein einzigartiger Freund&#13;
für Deutschland, und Deutschland bot das Versprechen, bei der Verfolgung unserer gemeinsamen Ziele&#13;
ein starker und verläßlicher Partner zu sein. Amerikas&#13;
Vision 1948 war die gleiche wie 1998 - eine atlantische&#13;
Welt, die auf einer Partnerschaft zwischen einem&#13;
demokratischen Nordamerika und einem vereinten,&#13;
ungeteilten und freien Europa gründet.&#13;
Die Stärke dieser Partnerschaft wurde vielleicht 1989&#13;
am lebhaftesten unter Beweis gestellt, als die Berliner&#13;
Mauer durchbrochen wurde und die Frage der Vereinigung Deutschlands plötzlich in den Vordergrund&#13;
trat.&#13;
Wenn wir auf 1989 zurückblicken, können wir uns alle&#13;
erinnern, daß die deutsche Einheit nicht universell als&#13;
unvermeidbar oder sogar wünschenswert angesehen&#13;
wurde. Ich spreche hier nicht nur von der Zurückhaltung der Sowjetunion oder einiger Partner Deutschlands in Westeuropa, sondern auch von dem anfänglichen Zögern unter den Deutschen. Im April 1989&#13;
dachte fast die Hälfte aller Westdeutschen, daß ihr&#13;
Land den Wunsch nach Vereinigung aufgeben sollte.&#13;
Das plötzliche Akutwerden der Frage nur wenige&#13;
Monate später schien einigen destabilisierend.&#13;
Daher war eine Führungsrolle unerläßlich, um der Welt&#13;
und dem deutschen Volk den Weg zu bahnen - und&#13;
Kanzler Kohl hat eben diese Führungsrolle übernommen. Aber die Unterstützung der Vereinigten Staaten&#13;
war unabdingbar. Ich spreche nicht nur von unserer&#13;
Rolle als Partei bei den Zwei-plus-Vier-Gesprächen,&#13;
sondern auch von unserer Rolle als ein Freund&#13;
Deutschlands. So wie wir während des Kalten Krieges&#13;
fest an der Seite Deutschlands standen, so ließen sich&#13;
die Vereinigten Staaten in der Frage der Vereinigung&#13;
Deutschlands nicht beirren.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Die Geschichte der Vereinigung Deutschlands lehrt&#13;
eine noch umfassendere Lektion, die über den Horizont unserer transatlantischen Welt hinausgeht. Die&#13;
Vereinigung Deutschlands zeigt uns die Bedeutung von&#13;
Vision und die Bedeutung von Geduld bei der Verfolgung unserer Ziele. Während der schmerzlichen&#13;
Jahre der Teilung haben wir das optimale Ergebnis nie&#13;
aus dem Blick verloren: Die Überwindung der Teilung&#13;
Deutschlands und Europas ohne Krieg und ohne den&#13;
Verlust von Freiheit. Wenn wir unsere Prinzipien&#13;
aufgegeben oder unseren Standard gesenkt hätten,&#13;
sähe die Landkarte Europas heute sicherlich sehr viel&#13;
anders aus.&#13;
Heute stehen wir vor der Verwirklichung unserer&#13;
historischen Vision. Zum ersten Mal seit über 1.000&#13;
Jahren europäischer Geschichte baut der Kontinent&#13;
überall Demokratie auf. Was für ein großartiges&#13;
Vermächtnis für unsere Kinder. Was für eine großartige Vision für ein neues Jahrtausend.&#13;
Das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Vereinigung&#13;
Deutschlands sind nicht die einzigen Pfeiler der&#13;
Geschichte der transatlantischen Beziehungen. Sie&#13;
sind Meilensteine bei der Reise einer Gemeinschaft&#13;
von Nationen, die auf dem Weg von völliger Zerstörung&#13;
zu Wohlstand, von Kriegen zu beispielloser Integration&#13;
ist. Wohin wir von hier aus gehen, ist nur unserer&#13;
Vorstellung - unserer Vision - überlassen.&#13;
Genau wie vor 50 Jahren können wir nicht erwarten,&#13;
daß unsere Vision sofort verwirklicht wird. Das Drama&#13;
des Ost-West-Konflikts ist vorüber. Jetzt müssen wir&#13;
unsere neuen Ziele klar definieren. Aber was sind die&#13;
uns verbindenden Themen? Was sind unsere Prioritäten? Wie ergibt das alles einen Sinn für uns? Fragestellungen wie diese haben einige veranlaßt, sich&#13;
laut zu fragen, ob unsere Partnerschaft altmodisch&#13;
oder sogar irrelevant geworden ist. Eine solche&#13;
Denkweise geht jedoch am Wesentlichen vorbei. Die&#13;
atlantische Gemeinschaft umfaßt sehr viel mehr als&#13;
den entschlossenen Widerstand gegen die Bedrohung&#13;
der kommunistischen Tyrannei. Die transatlantischen&#13;
Beziehungen umfassen sehr viel mehr als die Überwindung der Traumata des Krieges.&#13;
Deutschland und Amerika sind wegen außergewöhnlich vieler gemeinsamer Interessen und Erfahrungen&#13;
natürliche Partner geworden. Ich habe bereits die 60&#13;
Millionen Amerikaner deutscher Abstammung erwähnt.&#13;
Aber wir haben auch eine gemeinsame Denkweise wie&#13;
Pragmatismus und den Respekt vor gesundem&#13;
Menschenverstand. Die Amerikaner haben großes&#13;
Interesse an Deutschland und die Deutschen an&#13;
Amerika. Außenminister Kinkel äußerte kürzlich in&#13;
einer Rede, daß man in der amerikanischen Presse&#13;
häufig ein besseres Bild der deutschen Wirtschaft&#13;
findet als in der deutschen Presse.&#13;
Aber es gibt auch eine pragmatische Grundlage für&#13;
unsere Partnerschaft. Aufgrund unserer ähnlichen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�Gesellschaften und gemeinsamen Ziele sind wir&#13;
Meister darin geworden, Lösungen zu finden und sie&#13;
gemeinsam umzusetzen. Kontakte zwischen Regierung, Industrie und dem Privatsektor gedeihen in der&#13;
gemeinsamen Erfahrung der Problemlösung. Nirgendwo in Europa finden wir die Fähigkeit, "dieselbe&#13;
Sprache mit unseren Amtskollegen zu sprechen" so&#13;
wie in Deutschland. Nirgendwo auf der Welt haben wir&#13;
so große Herausforderungen in Angriff genommen und&#13;
gemeistert wie in Deutschland. Die Berliner Luftbrücke&#13;
war das erste dramatische Ereignis. Aber in diesem&#13;
Jahr feiern wir auch den 50. Jahrestag der D-Mark.&#13;
Ihre Einführung war ebenfalls ein deutsch-amerikanisches Projekt. Und im nächsten Jahr begehen wir&#13;
den 50. Jahrestag der Bundesrepublik Deutschland&#13;
und des Grundgesetzes - zwei historische Errungenschaften unserer gemeinsamen Vision.&#13;
In den Jahren seit 1949 haben unsere Länder viele&#13;
internationale Herausforderungen bewältigt, aber wir&#13;
haben auch eine gemeinsame Grundlage für eine&#13;
dauerhafte euroatlantische Gemeinschaft geschaffen.&#13;
Europa und Amerika sind so eng zusammengewachsen, daß es manchmal schwierig ist, von zwei&#13;
verschiedenen Einheiten zu sprechen. Aus diesem&#13;
Grund finde ich den Begriff "atlantische Innenpolitik" so&#13;
bedeutungsvoll. Die Art und Weise, in der Deutschland&#13;
und Amerika diese Gemeinschaft unterstützen, ist eine&#13;
Herausforderung für die traditionellen internationalen&#13;
Beziehungen und die Art, in der man normalerweise&#13;
über Außenpolitik denkt.&#13;
Diese atlantische Innenpolitik konzentriert sich zunehmend auf die Herausforderungen sich wandelnder&#13;
Gesellschaften und Bevölkerungen. Es gibt eine lange&#13;
Liste gemeinsamer Fragen und Probleme, mit der sich&#13;
unsere Kongreßmitglieder und Ihre Abgeordneten&#13;
befaßt haben oder befassen. Sozialer Zusammenhalt,&#13;
Rentenreform, Bildungsreform, Liberalisierung des&#13;
Telekommunikationsmarktes, Einwanderung, die&#13;
Herausforderung des lebenslangen Lernens - das sind&#13;
nur einige wenige der Themen, mit denen sich Deutsche und Amerikaner am Ende des 20. Jahrhunderts&#13;
konfrontiert sehen.&#13;
In unseren beiden Ländern müssen sich unsere&#13;
Bevölkerungen an neue Herausforderungen und das&#13;
allmähliche Verschwinden der herkömmlichen Art und&#13;
Weise, etwas zu tun, anpassen. Die Regierungen&#13;
unserer beiden Länder sind haushaltpolitischen&#13;
Zwängen ausgesetzt, zurückzuschrauben, insbesondere in Bereichen, in denen die direkt Betroffenen und&#13;
direkt Interessierten bereit und willens sind, mehr&#13;
Verantwortung zu übernehmen.&#13;
Selbst in einem so komplexen Bereich wie der Weltraumforschung bauen wir neue Formen der Zusammenarbeit auf. Zum Beispiel, wie wir am besten&#13;
den Privatsektor für das engagieren können, was&#13;
bisher die ausschließliche Domäne der Regierung war.&#13;
Dieses Thema wurde in den vergangenen Monaten&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
zweimal von NASA-Direktor Daniel Goldin in Deutschland erörtert. Er besuchte Bremen, um zu unterstreichen, wie wichtig Partner in der Privatindustrie sind,&#13;
die eine praktische Anwendung der Weltraumforschung sondieren können.&#13;
Als entscheidender&#13;
Standort für Forschung und Technologie in der Welt&#13;
kann Deutschland - einschließlich seines Privatsektors&#13;
- eine Schlüsselrolle bei diesen aufregenden neuen&#13;
Möglichkeiten spielen. Dieser Punkt wurde von Mr.&#13;
Goldin besonders hervorgehoben. Es gibt eine breite&#13;
Palette entscheidender neuer Vorteile, die Deutschland&#13;
und Amerika im Weltraum ausmachen können, wenn&#13;
sie auf eine bereits bewährte Tradition aufbauen. Es&#13;
handelt sich jetzt um die praktische Anwendung der&#13;
Kenntnisse, die durch die Raumfahrt gewonnen&#13;
werden.&#13;
So exotisch diese Diskussion über den Weltraum auch&#13;
erscheinen mag, es gibt dennoch ein gemeinsames&#13;
Thema - etwas sehr viel "irdischeres". Ich beziehe&#13;
mich auf die Tradition von Bürgern und dem Privatsektor, die Initiative zu ergreifen statt darauf zu&#13;
warten, daß die Regierung die Verwaltung und Kontrolle übernimmt. Hier in Bremen blicken Sie auf eine&#13;
lange Tradition der Selbsthilfe und Philantrophie&#13;
zurück - eine Tradition, die durch das Haus Seefahrt so&#13;
stolz vertreten ist. Seiner Zeit voraus zu sein, bedeutet,&#13;
den Weg anzuführen und ein Beispiel für andere zu&#13;
geben.&#13;
Das mag eine merkwürdige Aussage über ein Land&#13;
sein, das sich größte Mühe gibt, die Herausforderungen des Wandels zu meistern. Aber das ist in der Tat&#13;
meine wichtigste Botschaft. Während der vergangenen 100 Jahre hat sich kein Land in Europa so sehr mit&#13;
Veränderungen auseinandergesetzt wie Deutschland.&#13;
Während der vergangenen 50 Jahre hat kein Land&#13;
eine demokratischere und prosperierendere Gesellschaft aufgebaut als Deutschland. Während der&#13;
vergangenen 10 Jahre hat kein Land mehr neue&#13;
Herausforderungen verarbeitet - muß ich sie aufzählen? - Wiedervereinigung, die Öffnung von Zentral- und&#13;
Osteuropa, den Zusammenbruch der Sowjetunion, die&#13;
Zustimmung zum Euro, kühne Fortschritte bei Privatisierung und Deregulierung - als Deutschland.&#13;
Anstatt zu stagnieren und zurückzublicken, sind Sie die&#13;
dynamischste Gesellschaft in Europa. Anstatt zurückzublicken, bricht Deutschland zu Hause, in Europa und&#13;
weltweit auf zu neuen Horizonten.&#13;
Aber wir befinden uns wirklich inmitten einer historischen Umstrukturierung in Europa und der Welt. Die&#13;
Veränderungen werden sowohl in Europa als auch in&#13;
den Vereinigten Staaten verwirrend und beunruhigend&#13;
sein. Unsere eigene amerikanische Erfahrung lehrt,&#13;
daß sie auch ungeahnte Vorteile mit sich bringen&#13;
können. Unsere vielversprechende Perspektive heute&#13;
wäre ohne die Krisen der siebziger und achtziger Jahre&#13;
nicht möglich gewesen. Ich bin sicher, daß die deutsche Erfahrung nicht anders sein wird.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�In ihrer eigenen bescheidenen Weise trägt die USMission in Deutschland dazu bei, auf diese Tradition&#13;
direkter Einbeziehung in die Veränderungen aufzubauen. Es hat sehr viele Diskussionen über die sich&#13;
verändernde Präsenz der Vereinigten Staaten in&#13;
Deutschland gegeben. Aber ebenso wie einige&#13;
Institutionen schließen, werden neue geöffnet - wie das&#13;
Berliner Büro des American Jewish Committee Anfang&#13;
dieser Woche oder im kommenden März die Amerikanische Akademie, ebenfalls in Berlin. Wir haben in&#13;
Hamburg und München neue Deutsch-Amerikanische&#13;
Zentren gegründet. Vielleicht möchten der Privatsektor&#13;
und Nichtregierungsorganisationen in Bremen auch die&#13;
Initiative ergreifen, um den Deutschen und Amerikanern neue Chancen zu bieten, auf eine gemeinsame&#13;
Sache hinzuarbeiten, oder sich einfach nur besser&#13;
kennenzulernen.&#13;
Die Bedeutung der bürgerlichen Gesellschaft war ein&#13;
Thema, das die First Lady Hillary Rodham Clinton bei&#13;
der jüngsten Davoser Konferenz erörtert hat. Sie&#13;
sprach über die Förderung der Gemeinschaft und der&#13;
Familie. Sie sprach über das zunehmende Verständnis innerhalb verschiedener ethnischer und&#13;
Stammesgruppen. Und sie erläuterte, wie wichtig es&#13;
ist, unseren Bürgern die Befugnis zu verleihen, eine&#13;
größere Rolle bei der Organisation unserer Gesellschaft zu spielen.&#13;
Dies alles miteinander zu verbinden, ist die politische&#13;
Vision unserer gewählten Vertreter. Präsident Clinton&#13;
hat seine Vision der transatlantischen Beziehungen im&#13;
Jahr 1994 umrissen. Der Präsident forderte die&#13;
Integration ganz Europas in eine demokratische&#13;
Völkergemeinschaft. Er sagte voraus, daß diese&#13;
Gemeinschaft mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten würde, um eine euroatlantische Gemeinschaft&#13;
von Nationen und Völkern zu bilden, die sich der&#13;
Bewahrung der Errungenschaften der Demokratie und&#13;
der Befreiung Europas von der konstanten Gefahr&#13;
eines Konflikts verschrieben hat, die seine Geschichte&#13;
einen Großteil dieses Jahrhunderts kennzeichnete.&#13;
Mit der Schaffung neuer Beziehungen zwischen der&#13;
NATO und Rußland, der NATO und der Ukraine, dem&#13;
Programm Partnerschaft für den Frieden und den&#13;
Plänen zur Erweiterung des Bündnisses wurde viel von&#13;
Präsident Clintons ursprünglicher Vision und der von&#13;
Außenminister George C. Marshall in seiner berühmten Rede vor 50 Jahren dargelegten Vision in unsere&#13;
gemeinsamen Bestrebungen eingearbeitet. Deutschland und Amerika sind die beiden wichtigsten Partner&#13;
bei der Gewährleistung, daß in Europa keine neue&#13;
Trennlinie auftaucht. In Zentral- und Osteuropa sowie&#13;
in der Ukraine und Rußland haben wir eine wirklich&#13;
gemeinsame strategische Vision der Zukunft der&#13;
Demokratie für ganz Europa. Die Vervollständigung&#13;
Europas ist ein wirklich gemeinsames deutsch-amerikanisches Projekt. Aber wir müssen unsere Vision auf&#13;
andere Weise übermitteln.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Aber unsere atlantische Gemeinschaft kann es sich&#13;
nicht leisten, ihre Vision auf die transatlantische Welt&#13;
zu beschränken. Unser Erfolg ist ein Modell für andere&#13;
Regionen. An unseren Leistungen müssen andere&#13;
teilhaben können, und sie müssen erweitert werden,&#13;
damit andere Teile der Welt das gleiche beispiellose&#13;
Maß an Stabilität und Entwicklung erreichen. Wo&#13;
unsere atlantische Gemeinschaft erweitert und gestärkt&#13;
werden kann, sollten wir das tun. Die Erweiterung der&#13;
NATO und der EU sind ausgezeichnete Beispiele einer&#13;
solchen Vision. Eine größere Einbeziehung der Türkei&#13;
in unsere Welt ist ein weiteres wichtiges gemeinsames&#13;
Projekt.&#13;
Bedauerlicherweise muß sich die internationale&#13;
Gesellschaft immer noch mit den Bedrohungen der&#13;
Ordnung auseinandersetzen, die so sorgfältig geschaffen wurde. Ich sage sorgfältig, weil die internationalen&#13;
Normen, nach denen wir versuchen zu leben, aus&#13;
einem der dunkelsten Augenblicke der beiden letzten&#13;
Jahrhunderte geboren wurde. Um ihre Wiederholung&#13;
zu vermeiden, haben unsere Politiker Dokumente wie&#13;
die Charta der Vereinten Nationen und die Schlußakte&#13;
von Helsinki geschrieben.&#13;
Die Prinzipien, die wir formuliert haben, um die internationale Gesellschaft zu regieren, bieten ausgezeichnete Richtlinien für den Umgang mit Staaten, die sich&#13;
weigern, entsprechend der internationalen Normen zu&#13;
leben. Sogenannte verbrecherische Staaten bedrohen&#13;
den Frieden und die Sicherheit nicht nur regional,&#13;
sondern auch global.&#13;
Die vom Irak ausgehende Bedrohung des Friedens&#13;
verletzt diese Prinzipien. Die Fähigkeit von Saddam&#13;
Husseins Regime zur Produktion von Massenvernichtungswaffen und seine offenkundige Bereitschaft&#13;
zu deren Einsatz belegen eindeutig, daß er eine&#13;
Bedrohung der Welt darstellt. Natürlich teilen wir die&#13;
tiefe Sorge über das Wohlergehen des irakischen&#13;
Volkes, das Opfer von Saddam Husseins ungeheuerlichen Verletzungen des Völkerrechts und der akzeptierten Normen internationalen Verhaltens ist. Aber es&#13;
ist Saddam, der für ihre Härten verantwortlich ist - nicht&#13;
die internationale Gemeinschaft.&#13;
Es ist notwendig, entschlossen auf Staaten zu reagieren - in einigen Fällen mit dem Einsatz von militärischer&#13;
Gewalt - die die internationale Ordnung und die&#13;
Sicherheit von Einzelpersonen in jedem Land bedrohen. Das ist der Grund, warum der Kongreß der&#13;
Vereinigten Staaten so resolut auf das Verhalten von&#13;
Iran, Irak, Libyen und Kuba reagiert hat. Die Unterstützung von internationalem Terrorismus und die Verhöhnung von Menschenrechten sind sicherlich nicht&#13;
Elemente einer internationalen Gesellschaft, die wir mit&#13;
uns ins nächste Jahrhundert nehmen möchten.&#13;
In den Vereinigten Staaten gibt es viele Diskussionen&#13;
über die Verhängung von Wirtschaftssanktionen. Aber&#13;
selbst während die Vereinigten Staaten den Nutzen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�von Sanktionen als Instrument der Außenpolitik prüfen,&#13;
sollten die gemeinsamen Prinzipien, die diese Maßnahmen untermauern, an vorderster Front unserer&#13;
Diskussionen und Debatten hier in Europa stehen. Wir&#13;
dürfen nicht zulassen, daß Mythen und Emotionen eine&#13;
ernsthafte Diskussion verderben.&#13;
Außerhalb der atlantischen Gemeinschaft entstehende&#13;
Herausforderungen haben häufig die Frage nach&#13;
unserer gemeinsamen Vision aufgeworfen. Es ist&#13;
leichter, in Berlin seine Entschlossenheit zu bewahren,&#13;
als am Persischen Golf. 1956, nach der Besetzung&#13;
von Suez durch Großbritannien und Frankreich, sah&#13;
sich die NATO einer größeren Krise gegenüber. Etwas&#13;
weniger weit entfernt debattierten wir drei Jahre lang drei tragische Jahre des Krieges und der Zerstörung bevor wir eine gemeinsame Vision zu Bosnien definieren konnten. Die Debatte in Europa über die&#13;
richtige Vision für künftige Beziehungen zur Türkei&#13;
dauert noch an.&#13;
Mit anderen Worten, Vision kann uns dabei behilflich&#13;
sein, unsere Ziele zu definieren, sich an unsere&#13;
Prinzipien zu erinnern und unseren moralischen&#13;
Kompaß in Zeiten der Herausforderungen und Veränderungen zu prüfen. Visionäre definieren selten ein&#13;
Gesamtkonzept der Geschichte. Es sind Menschen&#13;
und Gesellschaften, die Meister darin sind, den roten&#13;
Faden zu finden und einen Zweck inmitten offensichtlicher Unordnung zu definieren.&#13;
Mit anderen Worten, Vision ist nicht ein vages philosophisches Konzept. Sie ist ein praktisches Mittel,&#13;
unseren Zielen Form und Substanz zu verleihen.&#13;
Vision war der Aufbruch von der Nordseeküste, um in Amerika ein neues Leben zu&#13;
beginnen.&#13;
Vision brachte Deutschland 1945 zurück in die&#13;
Staatengemeinschaft.&#13;
Vision ist die Wirtschafts- und Währungsunion.&#13;
Vision ist regionale Zusammenarbeit zur&#13;
Bekämpfung von Terrorismus, organisiertem&#13;
Verbrechen und Zerstörung der Umwelt.&#13;
Der Schlüssel ist, unsere Grundprinzipien an die&#13;
vorderste Front unseres Denkens zu stellen. Sich auf&#13;
Probleme zu konzentrieren, ohne sich erst an die&#13;
Prinzipien zu erinnern, heißt, blind im Dunkeln herumtappen. Heute stehen genau die Prinzipien auf dem&#13;
Spiel, die uns am besten gedient haben und dies auch&#13;
im nächsten Jahrhundert tun werden - Demokratie,&#13;
Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte.&#13;
Warum sollten wir die globale Ausdehnung dieser&#13;
Prinzipien als abstrakte und unerreichbare Ziele&#13;
behandeln? Warum müssen wir pragmatisch mit&#13;
Verbrechern umgehen, die uns direkt bedrohen? Die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
Lektion der deutschen Einheit lehrt uns: Wir müssen&#13;
das Optimum anstreben.&#13;
Eigeninteresse stützt diese Schlußfolgerung. Deutschen, Amerikanern und den Bürgern der transatlantischen Gemeinschaft insgesamt ist am besten&#13;
gedient, wenn sie ihre Unterstützung der Demokratie&#13;
auf diejenigen auszuweiten versuchen, die sie aufbauen möchten. Das tun wir, wenn wir Diktatur überall&#13;
auf der Welt ablehnen. Unsere neuen Partner in den&#13;
neuen Demokratien im Osten können vielleicht den&#13;
besten Beweis für dieses Argument liefern.&#13;
Heute hier vor Ihnen zu stehen und über diese großartigen Entwicklungen zu sprechen, muß einen mit&#13;
Bescheidenheit erfüllen. Die Tradition des Hauses&#13;
Seefahrt und die Schaffermahlzeit berühren wirklich&#13;
bis ins Innerste. Sie können mir mehr über Vision und&#13;
Partnerschaft, über Solidarität und den Glauben an&#13;
Prinzipien erzählen, als ich je zu erfahren hoffte.&#13;
Vor allem können Sie klarmachen, wie wichtig Partnerschaft und gemeinsame Vision bei der Bewältigung der&#13;
Herausforderungen einer gefährlichen Welt sind. Das&#13;
16. Jahrhundert war gefährlich, ungemütlich und&#13;
häufig tragisch. Außer Bremen gab es wenige Demokratien in Europa. Solidarität unter Menschen, Berufsgruppen und Nationen war ein seltenes Gut.&#13;
Deswegen erachte ich es als eine besondere Ehre,&#13;
heute Abend bei Ihnen zu sein. Ich vertrete ein Land,&#13;
das auf den besten Traditionen europäischer Philosophie und Geschichte gründet. Wir haben die in&#13;
Bremen und andernorts gegebenen Beispiele zum&#13;
Vorbild genommen und sind zur mächtigsten Demokratie in der Geschichte der Menschheit geworden. Ich&#13;
kann Ihnen versichern, daß wir uns des Vertrauens&#13;
bewußt sind, das uns beim Umgang mit unserem&#13;
gemeinsamen Vermächtnis entgegengebracht wurde.&#13;
Amerika hat seine Stärke, seinen Wohlstand und seine&#13;
Vision wirklich für das Wohl der Welt genutzt.&#13;
Aber selbst die mächtigste Nation kann nicht auf sich&#13;
allein gestellt sein. Unsere Vision ist nutzlos, wenn sie&#13;
ins Leere geht. Damit die Dinge sich verändern,&#13;
müssen die Talente Amerikas mit denen gleichgesinnter Völker und Nationen in anderen Teilen der Welt&#13;
zusammengebracht werden. In Bremen, der Stadt, die&#13;
vor über 200 Jahren der Eröffnung eines der ersten&#13;
Amerikanischen Konsulate zustimmte, fühlen wir uns&#13;
besonders zu Hause. Bei der Schaffermahlzeit, die die&#13;
Botschaft meiner heutigen Rede hier besser verkörpert&#13;
als jede andere Veranstaltung, die ich mir vorstellen&#13;
kann, fühlen wir uns noch mehr zu Hause.&#13;
Das Treffen heute mit Ihnen rief mir ein Goethe-Zitat&#13;
aus Wilhelm Meisters Lehrjahre ins Gedächtnis:&#13;
"Die Welt ist so leer, wenn man nur&#13;
Berge, Flüsse und Städte darin denkt,&#13;
aber hie und da jemand zu wissen,&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�der mit uns übereinstimmt, mit dem&#13;
wir auch stillschweigend fortleben:&#13;
Das macht uns dieses Erdenrund erst&#13;
zu einem bewohnten Garten."&#13;
Vor mehr als 100 Jahren verließen meine eigenen&#13;
Großeltern Deutschland von einem Hafen im Norden&#13;
aus. Es hätte sehr gut Bremen sein können. Der Bo-&#13;
&#13;
den Bremens war der erste, den ich unter meinen&#13;
Füßen fühlte, als ich vor über 30 Jahren nach Europa&#13;
zurückkehrte. Die Prinzipien, die Sie über die Jahrhunderte geschaffen haben, sind diejenigen, die&#13;
Europa und Amerika gleichermaßen groß gemacht&#13;
haben. Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, heute die&#13;
nächste historische Phase des bewohnten Gartens zu&#13;
erörtern, den wir gemeinsam gepflanzt haben.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�TECHNOLOGIE&#13;
25. Februar 1998&#13;
&#13;
Die Chancen der Innovation im 21. Jahrhundert nutzen:&#13;
Die beste Rolle für die Regierung&#13;
Rede des Gesandten Michael C. Polt&#13;
&#13;
MÜNCHEN- (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Gesandten der Botschaft der Vereinigten&#13;
Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Michael C. Polt, vor der American Chamber of&#13;
Commerce in München vom 19. Februar 1998.&#13;
&#13;
Die Verbindung zwischen Technologie und internationalen Beziehungen wird historisch im Hinblick auf&#13;
die Fähigkeit einer Nation gezogen, einen Krieg zu&#13;
führen - oder zu verhindern. Die Erfindung von&#13;
Schießpulver, der Kanone, Nervengas und Nuklearwaffen veränderte das Gesicht der internationalen&#13;
Beziehungen. Ich wünschte, ich könnte sagen, daß&#13;
diese Verbindung heute nicht länger relevant ist, aber&#13;
wie der Fall Irak zeigt, gibt die Technologie zur Produktion von Massenvernichtungswaffen immer noch Anlaß&#13;
zu größter Sorge der internationalen Staatengemeinschaft. Die Fähigkeit von Saddam Husseins Regime&#13;
zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen und&#13;
seine bewiesene Bereitschaft zum Einsatz solcher&#13;
Waffen belegen eindeutig, daß er eine Bedrohung der&#13;
Welt darstellt. Eine solche Bedrohung erfordert eine&#13;
entschlossene Antwort.&#13;
Selbst wenn die Technologie von Massenvernichtungswaffen eine reale Gefahr darstellen kann, bergen&#13;
andere Formen der Technologie das Versprechen,&#13;
unser Leben besser und unsere Welt harmonischer zu&#13;
machen. Unsere Frage heute lautet: Was ist die&#13;
nützlichste Rolle, die unsere Regierungen bei der&#13;
Verwirklichung der technologischen Chancen in der&#13;
Zukunft spielen können?&#13;
Technologie ist eng mit unserem täglichen Leben&#13;
verflochten. Selbst die an Technophobie Leidenden&#13;
unter uns würden wahrscheinlich nicht gerne auf&#13;
unsere Geldautomaten oder Faxgeräte verzichten,&#13;
auch wenn sie anfangs skeptisch waren. Wir wurden&#13;
für diese Dinge eingenommen, weil wir unsere Angst&#13;
vorder Neuheit überwunden und die Tatsache akzeptiert haben, daß die neue Art entweder besser, leichter,&#13;
billiger oder alles drei zusammen ist.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
Die Rolle der Regierung, Wegbereiter für die Technologie zu sein - dabei zu helfen, daß sie noch mehr für&#13;
uns tut - ist wichtig. Das Weltraumprogramm der&#13;
Vereinigten Staaten war jahrelang intellektuell und&#13;
zweifelsohne praktisch für viele Menschen unzugänglich. Aber selbst bei denjenigen, die der Gedanke an&#13;
die Erforschung des Weltraums kalt ließ oder die&#13;
dachten, sie sei eine Geldverschwendung, sickerten&#13;
die technologischen Verbesserungen durch. Einige&#13;
von Ihnen erinnern sich vielleicht an "Tang", den&#13;
Astronautendrink. Aber Hunderte, wenn nicht Tausende anderer Innovationen waren die Nebenprodukte der&#13;
Spaziergänge im All. Viele davon wurden im Bereich&#13;
der Medizin gemacht, wie etwa eine Herzpumpe oder&#13;
der Cooling-suit für Patienten mit Multipler Sklerose.&#13;
Wie NASA-Dorektor Goldin es formulierte, befürwortet&#13;
die NASA in der Zukunft einen noch aktiveren Ansatz&#13;
bei der "Verbindung zwischen technologischen&#13;
Innovationen und den Ärzten". Die NASA hat bereits&#13;
sechs Technologien ausgemacht, die kürzlich beim&#13;
Weltraumprogramm verwendet wurden und die zur&#13;
besseren Diagnose und Heilung von Krebs beitragen&#13;
können.&#13;
Die Entdeckungen des letzten Jahrzehnts erfordern&#13;
neue Antworten seitens der Regierung. Wir sehen uns&#13;
mit Fragen konfrontiert, die alte Probleme auf neue Art&#13;
verbinden. In einigen Fällen werden grundlegend&#13;
neue Fragen gestellt. Die Art, wie wir diese Fragen&#13;
jetzt beantworten, kann Präzedenzfälle für das nächste&#13;
Jahrhundert schaffen.&#13;
Das Internet ist ein riesiges, neues und im Großen und&#13;
Ganzen unreguliertes Unternehmen. Wäre es tatsächlich reguliert worden, wäre es wahrscheinlich nicht so&#13;
schnell gewachsen. Was ist die geeignete Rolle&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�unserer Regierungen im Hinblick auf das Internet?&#13;
Diese Frage wurde von den Vereinigten Staaten und&#13;
der Europäischen Union bei ihrem jüngsten Gipfeltreffen im Dezember 1997 angesprochen. Bei dem&#13;
Gipfel gelangten wir zu der Schlußfolgerung, daß die&#13;
Regierungen einen klaren, kohärenten und vorhersehbaren rechtlichen Rahmen bereitstellen sollten.&#13;
Sie sollten ein wettbewerbsfreundliches Umfeld&#13;
fördern, in dem der elektronische Handel florieren&#13;
kann. Und die Regierungen sollten den angemessenen Schutz von im öffentlichen Interesse liegenden&#13;
Zielen sicherstellen, wie Schutz der Privatsphäre,&#13;
Schutz des Rechts auf geistiges Eigentum, Verhinderung von Betrug, Verbraucherschutz und öffentliche&#13;
Sicherheit.&#13;
Aber was ist angemessener Schutz? Die Antworten&#13;
mögen variieren, wie wir beim Verbot des Telefonierens im Internet in der Tschechischen Republik und&#13;
der Zensur des Inhalts in Singapur und China beobachten konnten. Generell glauben wir in den&#13;
Vereinigten Staaten, daß die Regierungen die Regulierung von Aktivitäten nicht überstürzen sollten, die über&#13;
das Internet stattfinden. Regulierung zu diesem&#13;
Zeitpunkt könnte den äußerst negativen Effekt haben,&#13;
die Investitionen und Innovationen des Privatsektors&#13;
zu beschränken, und das würde das Wachstum des&#13;
Internet behindern.&#13;
Wachstum ist ein Schlüsselmerkmal der Telekommunikationssektoren unserer Volkswirtschaften, und das&#13;
Internet leistet mit die vielversprechendsten und&#13;
dynamischsten Beiträge zu diesem Wachstum.&#13;
Außenminster Kinkel erklärte kürzlich in einer Rede,&#13;
daß "eine Erfindung mehr Arbeitsplätze schafft als&#13;
zehn neue Gesetze", und das ist die Geisteshaltung&#13;
der Vereinigten Staaten gegenüber dem Internet.&#13;
Was das für kleine und mittelständische Unternehmen&#13;
bedeutet, ist revolutionär. Mit Standardsoftware - in&#13;
vielen Fällen 'free-ware' - kann ein Unternehmer sein&#13;
Produkt auf globaler Ebene vermarkten. Vor dem&#13;
Einzug des Internet war das etwas, das nur nach&#13;
jahrzehntelangem Erfolg als Unternehmen geschah.&#13;
Die durch das Internet ausgelöste Spannung und der&#13;
Unternehmergeist bringen neue Produkte, neue Arten&#13;
der Geschäftstätigkeit und neue Arbeitsplätze hervor.&#13;
Der Cyberspace ist ein neues Forum und Instrument,&#13;
sich auszudrücken. So wie er eine sehr viel größere&#13;
Arena für den Ausdruck und die Übermittlung von&#13;
Ideen bietet, so bietet er auch eine sehr viel größere&#13;
Plattform für die Freiheit, die Deutsche und Amerikaner&#13;
als eines der höchsten Güter erachten: die Redefreiheit. Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung,&#13;
daß die Redefreiheit für den Cyberspace gelten sollte&#13;
und Gesetze, die den Informationsfluß im Internet zu&#13;
zensieren versuchen, sowohl fehlgeleitet als auch&#13;
unpraktisch sind. Der beste Weg zur Bekämpfung von&#13;
schlechter Information ist gute Information. Der&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Schlüssel ist also nicht Zensur, sondern die Ermutigung eines starken Informationsaustauschs über das&#13;
Internet.&#13;
Natürlich sollten wir über Sachen wie Kinderpornographie und den Zugang von Kindern zu für sie ungeeignetem Material besorgt sein. Daran besteht kein&#13;
Zweifel. Aber wie können wir unsere Kinder am besten&#13;
schützen? Als erstes könnten wir instinktiv eine neue&#13;
Regulierung wünschen. Das ist eine Versuchung, der&#13;
selbst die US-Regierung erlegen ist, nur um im&#13;
Sommer 1997 vom Obersten Bundesgerichtshof an&#13;
das verfassungsmäßig garantierte Recht der Redefreiheit erinnert zu werden.&#13;
Unser erster Instinkt könnte daher nicht der beste sein.&#13;
Eine vorzuziehende und effektivere Methode sollte die&#13;
Industrie zur Selbstregulierung und zur Entwicklung&#13;
der technologischen Instrumente ermutigen, die Eltern&#13;
und Internetprovider zur Sichtung des für Kinder&#13;
ungeeigneten Materials verwenden können. Diejenigen, die am besten wissen, wie man das macht, sind&#13;
diejenigen, die die Software produzieren und den&#13;
Zugang zum Internet anbieten.&#13;
Ein weiteres Instrument ist ganz einfach der Markt.&#13;
Familien gehören zu den häufigsten Benutzern des&#13;
Internet, und Familien werden die Produkte aussuchen, die den Bedürfnissen der Kinder gerecht&#13;
werden. Wettbewerb und die Entscheidung des&#13;
Verbrauchers können "inoffiziell" das Internet so&#13;
regulieren wie es Gesetze nicht können.&#13;
Die globale Natur des Internet bedeutet, daß es nicht&#13;
möglich oder sogar wünschenswert ist, in einem&#13;
einzigen Land Gesetze zu verfassen. Aus diesem&#13;
Grund müssen wir einen Konsens über global herrschende Standards erarbeiten.&#13;
Das ist möglich, wie die jüngere Geschichte belegt.&#13;
Ich denke an den umfassenden und beeindruckenden&#13;
Handelskonsens, den wir mit der Gründung der&#13;
Welthandelsorganisation erzielt haben.&#13;
Die&#13;
WTO-Abkommen über Basistelekommunikationsdienste und Informationstechnologie sind von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung zusätzlicher Netze.&#13;
Und das wird wiederum zur Verbreitung der Technologie und ihrer Anwendung am Arbeitsplatz und zu&#13;
Hause beitragen.&#13;
Die WTO bietet Chancen in allen Handelsbereichen,&#13;
und wie die jüngste Entscheidung über Importe von&#13;
amerikanischem Rindfleisch zeigt, kann die WTO&#13;
komplexe wissenschaftliche Fragen behandeln. 1989&#13;
erließ die EU ein Importverbot für hormonbehandeltes&#13;
Rindfleisch mit der Begründung, dieses stelle ein&#13;
Gesundheitsrisiko für die Verbraucher dar. Bislang&#13;
wurden jedoch trotz von der EU durchgeführter&#13;
Risikoanalysen keine wissenschaftlichen Beweise für&#13;
Gesundheitsgefährdungen gefunden. Die Vereinigten&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
�Staaten hoffen und erwarten, daß die EU schnell&#13;
handelt, um ihre Verpflichtungen im Rahmen der WTO&#13;
zu erfüllen. Das bedeutet die Aufhebung des ungerechtfertigten Importverbots für amerikanisches&#13;
Rindfleisch. Jede Verzögerung würde letztlich das&#13;
Prestige des Mechanismus beeinträchtigen, dessen&#13;
Lebensfähigkeit und Glaubwürdigkeit im Interesse aller&#13;
WTO-Mitglieder liegt.&#13;
Ein Grundsatz, der zu unseren elementaren Werten&#13;
zählt, ist der, solide wissenschaftliche Fakten anzuführen. Bei Handelsfragen darf eine Pseudowissenschaft nicht zu einem Hindernis für den freien Handel&#13;
werden, insbesondere wenn wir versuchen, Zölle und&#13;
andere indirekte Handelshemmnisse abzubauen oder&#13;
abzuschaffen. Ferner müssen wir darauf hinarbeiten,&#13;
unsere Debatte über technologische Innovationen auf&#13;
der Grundlage der Wissenschaft, nicht auf der von&#13;
Mythen, Vorlieben oder der Ansicht der Öffentlichkeit&#13;
zu führen.&#13;
&#13;
Test nach dem anderen hat bewiesen, daß die Produkte auf dem Markt sicher sind.&#13;
Amerikaner sind der Überzeugung, daß bei der Frage&#13;
des Einsatzes von Biotechnologie im Ernährungsbereich die Wissenschaft über Vorlieben triumphieren&#13;
muß. Es geht nicht nur um Zugang zu besser schmekkenden Nahrungsmitteln. Das ist eine ethische Frage.&#13;
Unsere ethische Frage lautet jedoch: Können wir es&#13;
uns erlauben, diese vielversprechende Technologie zu&#13;
ignorieren? Die Antwort ist: Wir können es nicht. Die&#13;
meisten bevölkerungspolitischen Prognosen der&#13;
Wissenschaftler zeigen, daß die einzige Hoffnung, in&#13;
Zukunft noch mehr Hunger zu verhindern, in der&#13;
Biotechnologie liegt.&#13;
Sie beinhaltet die größte Hoffnung auf einen dramatischen Anstieg der Nahrungsmittelerträge mit einem&#13;
höheren Nährwert&#13;
c&#13;
&#13;
Die Stimme der Wissenschaft ist auch im Hinblick auf&#13;
die Frage gentechnisch veränderter Organismen stark&#13;
und klar. Ich bin mir bewußt, daß es hier in Deutschland und andernorts in Europa eine gewisse Besorgnis&#13;
über den Einsatz der Biotechnologie im Nahrungsmittelbereich gibt. Ein Aspekt dieser Sorgen ist&#13;
ethischer und moralischer Natur: Ist es ethisch und&#13;
moralisch, die Biotechnologie im Bereich der Ernährung einzusetzen? Ein anderer Aspekt ist die Sicherheit: Ist es sicher, genveränderte Tomaten oder&#13;
Mais zu essen? Ich möchte diese beiden Aspekte&#13;
eingehender erörtern.&#13;
In den Vereinigten Staaten hat man eine sehr positive&#13;
Einstellung zu genmodifizierten Organismen. Die&#13;
Amerikaner haben bereits die Vorteile von gentechnisch veränderten Organismen gesehen - oder sollte&#13;
ich sagen "geschmeckt"? Die genveränderte Tomate&#13;
Flavr Savr soll wie eine gute, reife Tomate schmecken&#13;
und auf ihrem Weg zum Markt fest bleiben - ein&#13;
unbedeutender, aber schmackhafter Grund, warum die&#13;
Amerikaner eine so positive Einstellung zu genmodifizierten Organismen haben.&#13;
Amerika hat eine starke Verbraucherbewegung. Die&#13;
Verbraucher wissen, daß sie durch die weltweit&#13;
höchsten Standards für Nahrungsmittelsicherheit&#13;
geschützt werden. Und obwohl die Amerikaner&#13;
Anhänger einer schlanken Regierung sind, zeigen&#13;
Meinungsumfragen, daß sie großes Vertrauen in die&#13;
Arbeit ihrer Regierung im Bereich der Nahrungsmittelhygiene haben und diese unterstützen. Die&#13;
Amerikaner sind von der Sicherheit der genmodifizierten Organismen überzeugt, die angemessen getestet&#13;
und wissenschaftlich überprüft wurde.&#13;
Ihre Zuversicht gegenüber der Biotechnologie basiert&#13;
auf der Wissenschaft. Ein strenger wissenschaftlicher&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
°&#13;
0&#13;
&#13;
°&#13;
&#13;
in trockenem Klima,&#13;
unter Verwendung von weniger Wasser,&#13;
mit weniger Pestiziden,&#13;
mit geringerer Zerstörung gefährdeter Landstriche und Wälder.&#13;
&#13;
Sie hier in Europa machen sich ebensolche Sorgen&#13;
über den weltweiten Hunger wie wir in den Vereinigten&#13;
Staaten. Aus diesem Grund haben wir ein gemeinsames starkes Interesse daran, bei der Entwicklung&#13;
der Biotechnologie im Nahrungsmittelbereich Fortschritte zu machen - zusammen und ohne Zögern.&#13;
Fortschritt bedeutet die weitere Öffnung von Märkten&#13;
für sichere Nahrungsmittel. Ohne Zögern bedeutet, die&#13;
Idee eines Etiketts mit irgendeiner Warnung zu&#13;
verwerfen. Es gibt einfach keinen wissenschaftlichen&#13;
Grund, irgendwelche Warnungen auszusprechen.&#13;
Es ist richtig, daß Aufklärung der Öffentlichkeit wichtig&#13;
ist. Kürzlich war ich auf mehreren deutschen Biotechnologie-Webseiten im Internet, die viele nützliche&#13;
Informationen über die Sicherheit genveränderter&#13;
Organismen geben. Ich begrüße es außerordentlich,&#13;
daß solches verbraucherfreundliches Material zur&#13;
Verfügung steht. Genaue Informationen sind wichtig.&#13;
Die Gegner genveränderter Organismen führen oft den&#13;
Fall eines Produkts an, das nachweislich Allergien&#13;
verursacht. Sie sagen jedoch nicht, daß dieses&#13;
Produkt gar nicht auf den Markt kam. Das zeigt, daß&#13;
das Test- und Kontrollsystem funktioniert.&#13;
Wenn die Menschen die Fakten über genveränderte&#13;
Organismen kennen, sind sie eher geneigt, diese zu&#13;
akzeptieren. Beispielsweise wissen viele Menschen&#13;
nicht, daß Insulin ein mit Hilfe der Gentechnologie&#13;
hergestellter Stoff ist. Krebs- und AIDS-Patienten&#13;
werden mit einer ganzen Generation genveränderter&#13;
Medikamente behandelt. Sie mögen denken, für sie ist&#13;
es eine einfache Entscheidung: Leben oder Tod.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Aber unterscheidet sich die weltweite Ernährungslage&#13;
wirklich so sehr davon? Das ist keine rhetorische&#13;
Frage.&#13;
Niemand möchte legitime Fragen über Sicherheit,&#13;
Ethik und Werte, die durch die Biotechnologie aufgeworfen werden, als unwesentlich abtun. Aber es sollte&#13;
auch niemand gezwungen werden zu hungern, weil&#13;
keine ertragreichere Maissorte angepflanzt wird, wenn&#13;
alles darauf hindeutet, daß diese so sicher angebaut&#13;
und verzehrt werden kann wie jede traditionelle&#13;
Kreuzung.&#13;
Ich bin insgesamt optimistisch hinsichtlich der Zukunft&#13;
dieser Produkte, wobei jedes Produkt nach seinen&#13;
eigenen Vorteilen beurteilt wird. Meines Erachtens&#13;
werden diese neuen Technologien weiterentwickelt&#13;
und ihre Produkte weltweit gehandelt und klug eingesetzt, während ihre Vorteile offensichtlicher werden.&#13;
Ich freue mich besonders, in München über diese&#13;
Themen zu sprechen. Bayern hat sich zu einer der&#13;
stärksten und zukunftsorientiertesten Regionen in&#13;
Europa entwickelt. Das letzten Monat von Bayern und&#13;
dem US-Bundesstaat Kalifornien unterzeichnete&#13;
Abkommen ist ein Beweis für den Status Bayerns als&#13;
Wirtschaftsstandort für neue Technologien, insbesondere auf dem Gebiet der Biomedizintechnik und&#13;
Telekommunikation. Es ist bezeichnend, daß dies das&#13;
&#13;
erste Abkommen ist, das der Bundesstaat Kalifornien&#13;
mit irgendeiner Region in Europa unterzeichnet hat.&#13;
Dieses Abkommen bietet sich für ein Thema an, mit&#13;
dem ich meine heutigen Ausführungen abschließen&#13;
möchte: Der Faktor Mensch. Ungeachtet dessen, wie&#13;
interaktiv unsere Medien sind, ungeachtet dessen, wie&#13;
schnell unsere wissenschaftliche Entwicklung ist - es&#13;
gibt keinen Ersatz für den Faktor Mensch. Nur&#13;
Menschen haben Visionen. Nur Menschen sind offen.&#13;
Nur Menschen können sich die Chancen einer besseren Zukunft vorstellen. Optimismus - ob er lächerlich&#13;
gemacht, als verrückt bezeichnet oder als gerechtfertigt akzeptiert wird - ist ein typisch amerikanischer&#13;
Charakterzug. Ich wünsche mir, daß er zu einem&#13;
charakteristischen Merkmal der deutsch-amerikanischen Beziehungen wird.&#13;
Sie und ich können eine wichtige Rolle bei der Arbeit&#13;
unserer Regierungen spielen. Es liegt an uns, unsere&#13;
Regierungen zu einer positiven Einstellung zu konkurrenzfähigen Technologien zu bewegen.&#13;
Eine&#13;
Regierung kann zukunftsorientierte Entwicklungen&#13;
erleichtern oder behindern. Welchen Weg sie einschlägt, hängt vom Wunsch einer informierten Öffentlichkeit ab, die keine Angst hat, die Chancen der&#13;
Technologie zu ergreifen.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 04&#13;
&#13;
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                    <text>1.IRAK CLINTON: ERNSTHAFTE KONSEQUENZEN BEI NICHTEINHALTUNG&#13;
Erklärung des Präsidenten zu den Bagdader Vereinbarungen&#13;
USA WOLLEN KEINE BEEINTRÄCHTIGUNG DER UN-WAFFENINSPEKTIONEN&#13;
Rede Präsident Clintons im Verteidigungsministerium&#13;
DIE BEHINDERUNG DER UNSCOM DURCH DEN IRAK&#13;
Eine Übersicht&#13;
DIE IRAK-KRISE: DIE BEDROHUNG, DIE FAKTEN&#13;
Fragen und Antworten&#13;
2.BIOLOGISCHE WAFFEN DIE KONVENTION ÜBER BIOLOGISCHE WAFFEN&#13;
Eine Übersicht&#13;
ANTHRAX IST BEVORZUGTER KAMPFSTOFF FÜR BIOLOGISCHE KRIEGFÜHRUNG&#13;
Eine Übersicht &#13;
3.USA-DEUTSCHLAND DEUTSCHLAND UND AMERIKA:&#13;
DIE SCHAFFUNG EINER VISION&#13;
Rede von Botschafter John C. Kornblum&#13;
4.TECHNOLOGIE DIE CHANCEN DER INNOVATION IM&#13;
21. JAHRHUNDERT NUTZEN: DIE BESTE ROLLE FÜR DIE REGIERUNG&#13;
Rede des Gesandten Michael C. Polt </text>
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