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9. Juni 1976

Nummer 10

Inhalt
DOKUMENTATION:
Gemeinsame Erklärung Kissingers und Simons zu UNCTAD IV

WIRTSCHAFT:
Das internationale Gipfeltreffen in Puerto Rico
- Offizielle Verlautbarungen des Weißen Hauses •

HINTERGRUNDMATERIAL:
Die Herausforderung des Westens unter veränderten strategischen
Bedingungen
Von General Alexander Haig, Jr.
Unternehmungsgeist, Know-How, Weltoffenheit
- Schlüssel zum amerikanischen Erfolg in Wissenschaft und Forschung

U m Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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10/1976

GEMEINSAME ERKLÄRUNG KISSINGERS UND SIMONS ZU UNCTAD IV

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger
und der amerikanische Finanzminister William Simon haben zum Abschluß der
Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung - UNCTAD IV (Welthandelskonferen) in Nairobi am 31. Mai eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie die Ablehnung des Vorschlages der Vereinigten Staaten für die Schaffung einer Internationalen Rohstoffbank bedauern. Im Namen
der amerikanischen Delegation werden Vorbehalte gegenüber der von den Entwicklungsländern verabschiedeten Schlußresolution geltend gemacht. Die USA,
so heißt es weiter, hätten jedoch zum Geiste der Harmonie beitragen wollen.
Umso bedauerlicher sei die Ablehnung der weiteren Prüfung der Möglichkeiten
für die Schaffung einer Internationalen Rohstoffbank gewesen. Die Vereinigten
Staaten würden jedoch ihren Vorschlag erneut vorbringen.
Die in Washington veröffentlichte Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten kamen in einem ernsthaften und kooperativen
Geiste zur UNCTAD IV nach Nairobi. In Vorbereitung der Konferenz haben wir
eine gründliche Überprüfung der internationalen Wirtschaftspolitik Amerikas
vorgenommen, an der alle Regierungsstellen beteiligt waren. Es gab eine
Übereinstimmung über eine Reihe von Vorschlägen von besonderer Bedeutung für

- 1 -

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i

für die Entwicklungsländer, die wir auf der UNCTAD vortrugen. Wir waren
mit der höchstrangigen Delegation in der Geschichte der UNCTAD-Konferenzen
vertreten, und der Standpunkt der Vereinigten Staaten wurde zum ersten Mal
in einer Eröffnungserklärung vom Außenminister selbst unterbreitet. In dieser Erklärung legten die Vereinigten Staaten ihre Vorschläge dar, wie man die
Probleme der Entwicklungswelt lösen könnte, einschließlich von Vorschlägen,
die sich direkt auf Rohstoffe bezogen, und gleichzeitig ließen sie erkennen,
daß bestimmte andere Vorschläge von uns nicht akzeptiert würden. Während der
ganzen vier Wochen der Konferenz haben die Vereinigten Staaten mit anderen
Ländern zusammengearbeitet, und in einer Reihe von Fragen wurde auf der Konferenz ein wichtiger Fortschritt erzielt.
In unserer Überprüfung internationaler Rohstoffpolitiken in Vorbereitung der Konferenz und auch sonst haben wir versucht, Mittel und Wege zu finden, um den Anliegen der Entwicklungsländer im Rahmen eines leistungsfähigen
internationalen Marktsystems gerecht zu werden. Wie wir auf der UN-Konferenz
dargelegt haben, sind wir bereit, an einer Prüfung der Vereinbarungen von
Fall zu Fall teilzunehmen, um das Funktionieren der internationalen Rohstoffmärkte durch einen weiten Bereich von Maßnahmen, wie sie für spezifische
Rohstoffe angebracht sind, zu verbessern. Wir haben jedoch Mechanismen zur
Festsetzung von Preisen oder einer Begrenzung der Erzeugung durch zwischenstaatliche Maßnahmen abgelehnt.
Einer der bedeutendsten amerikanischen Vorschläge sprach das Problem der
Erhöhung der Investitionen im Bergbau an. Zu diesem Zweck haben die Vereinigten Staaten in einer Anstrengung, den Interessen der Entwicklungsländer wie
auch der Weltwirtschaft insgesamt gerecht zu werden, eine Internationale Rohstoff bank vorgeschlagen, um den anhaltenden Fluß von Kapital, Management und
Technologie für die Entwicklung neuer Rohstoffquellen in den Entwicklungsländern zu erleichtern.

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L

Im Laufe der Konferenz hat eine interministerielle Gruppe leitender
Beamter in Washington alle der Konferenz vorgelegten Vorschläge in dem Sinne
geprüft, möglichst viele der von den Entwicklungsländern und anderen Ländern
unterbreiteten Vorschläge in Übereinstimmung mit unseren eigenen Grundprinzipien anzunehmen.
Auf der abschließenden Plenarsitzung wurde eine Resolution der Entwicklungsländer durch Konsens angenommen.Die interministerielle Gruppe sprach
sich für Vorbehalte bezüglich von Teilen dieser Resolution aus, und diese
Vorbehalte wurden auf der Konferenz verlesen. Wir schlössen uns jedoch dem
Konsensus an, weil wir auf den Schlußsitzungen der Konferenz zu dem Geist
der Harmonie beitragen wollten und weil die Resolution eine Anzahl von Elementen unserer eigenen umfassenden Vorstellungen enthielt, auf die wir uns in
seiner (des US-Außenministers) Rede vor drei Wochen geeinigt hatten. Wie unsere Vorbehalte erkennen lassen, waren wir nicht der Überzeugung, daß alle
Aspekte der Vorschläge der Entwicklungsländer praktisch durchführbar seien.
Wir verpflichteten uns jedoch zu einer Suche nach konkreten praktischen Lösungen für die Rohstoffprobleme, die im Interesse sowohl der Erzeuger als auch
der Verbraucher liegen.
Es ist daher umso bedauerlicher, daß die Resolution, in der eine weitere
Prüfung der Einrichtung einer Internationalen Rohstoffbank mit einer Mehrheit
von zwei Stimmen bei 31 Ja-Stimmen abgelehnt wurde; 90 Länder enthielten sich
in letzter Minute der Stimme oder verließen den Saal.
Ein wesentlicher Teil der 33 Gegenstimmen kam von sozialistischen Ländern,
deren Beitrag zur Entwicklung der ärmeren Länder der Welt geringfügig ist.
An dieser Bemühung wirkten 44 Länder mit, indem sie sich bei der Resolution über die Internationale Rohstoffbank der Stimme enthielten, und 46 Staaten
verließen den Saal - fast alles Entwicklungsländer. Das ist kein gutes Omen

- 3 -

�Omen für den künftigen Dialog über die weltweite Entwicklungsanstrengung.
Wenn die Vereinigten Staaten, deren Rolle so lebenswichtig ist, große Anstrengungen zur Zusammenarbeit unternehmen, dann dürfen sie erwarten, daß ihre
Vorschläge nicht Zufallsmehrheiten ausgesetzt werden.
Wenn der Dialog zwischen Entwicklungsländern und Industrienationen, dem
wir große Bedeutung beimessen, Erfolg haben soll, dann müssen von den Industrieländern vorgelegte Vorschläge - wie der Vorschlag für eine Internationale Rohstoffbank auf der UNCTAD - sachlich und ernsthaft geprüft und behandelt werden. Die Entwicklungsländer dürfen sich nicht durch jene Staaten, die
nichts zur Entwicklung der armen Länder der Welt beitragen, zu parlamentarischen Manipulationen verleiten lassen.
Wir werden auf späteren Konferenzen, einschließlich der in der Rohstoffresolutioi.

v on

UNCTAD IV vorgesehenen Vorbereitungskonferenzen, auf die

Probleme der Finanzierung der Rohstoffentwicklung zurückkommen. Wir werden
den Vorschlag für eine Internationale Rohstoffbank erneut vorlegen, und wir
erwarten, daß er mit der gleichen Achtung und Sorgfalt behandelt werden wird,
mit der die Vereinigten Staaten die Vorschläge prüfen werden, die die Ent
wicklungsländer unterbreiten werden.
Die Vereinigten Staaten kamen mit einem weiten Bereich anderer Vorschläge nach Nairobi, die auf eine konstruktive und pragmatische Behandlung der
dringenden Probleme der Entwicklungswelt abzielten.
Wir sind befriedigt, daß die Konferenz eine Reihe dieser Vorschläge aufgegriffen hat, die sich mit dem Transfer von Mitteln und Technologie und der
Ausweitung des Handels befassen. Wir werden diese Vorschläge in den geeigneten
Gremien weiter ausarbeiten - wie auch den Vorschlag für die Errichtung einer
Rohstoffbank - denn sie sind für die Probleme, die wir behandeln, genau
richtig.
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10/1976

DAS INTERNATIONALE GIPFELTREFFEN IN PUERTO RICO
-Offizielle Verlautbarungen des Weißen Hauses-

WASHINGTON — ( A D ) — Das Weiße Haus hat am 3. Juni 1976 in einer offiziellen
Erklärung bekanntgegeben, daß die Staats- und Regierungschefs Frankreichs,
der Bundesrepublik Deutschland, Italiens, Japans, Großbritanniens und der
Vereinigten Staaten sowie Kanadas am 27. und 28, Juni in Puerto Rico zur
Erörterung wirtschaftlicher Fragen zusammentreffen werden.
In amtlichen Kreisen in Washington wird darauf hingewiesen, daß dieses
Treffen nicht das erste seiner Art sei und auch nicht das letzte sein dürfte.
Präsident Ford und seine Mitarbeiter seien überzeugt, daß die wachsende Interdependenz der Volkswirtschaften der Welt enge und häufige Konsultationen der
führenden Männer der wichtigen Industriestaaten erfordern. Ein Hauptthema in
Puerto Rico wird voraussichtlich das Tempo des wirtschaftlichen Wiederaufschwungs in den Industrieländern und dessen Auswirkungen auf die Probleme
der Entwicklungsländer sein.
Das erste dieser Gipfeltreffen hatte vom 15. bis 17. November vorigen
Jahres in Rambouillet stattgefunden.
Die Verlautbarung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:
"Auf

- 1 -

�"Auf Einladung des Präsidenten der Vereinigten Staaten werden am 27.
und 28. Juni die Staats-und Regierungschefs von Frankreich, der Bundesrepublik
Deutschland Italien, Japan, des Vereinigten Königreichs von Großbritannien
und Nordirland und der Vereinigten Staaten von Amerika in Puerto Rico zusammenkommen. Darüber hinaus hat der Präsident der Vereinigten Staaten aufgrund der engen Bindungen und Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten
und Kanada und aufgrund der Tatsache, daß die Konferenz in der westlichen
Hemisphäre stattfindet, Kanada zur Teilnahme eingeladen.
Die Teilnehmer werden Probleme von gemeinsamem Interesse erörtern
- unter anderem den Fortschritt ihres wirtschaftlichen Wiederaufschwungs und
die gegenwärtige Phase ihrer Bemühungen, ein anhaltendes wirtschaftliches
Wachstum zu erreichen, Finanz-und Währungsfragen, Handel, Energie und die
Beziehungen zu den Entwicklungsländern,
Angesichts des Beitrages, den das Gipfeltreffen in Rambouillet zu dem
bedeutsamen Fortschritt geleistet hat, der bei der Erreichung eines starker,
wirtschaftlichen Wiederaufschwungs in den Industrieländern, bei der Verbesserung des internationalen Währungssystems und der Währungszusammenarbeit, bei
der Gewährleistung einer offenen internationalen Handelsordnung, bei der
Stärkung der Zusammenarbeit der Industrieländer auf dem Energiesektor und beim
Aufbau eines konstruktiven Dialogs

mit der Entwicklungswelt erzielt worden

ist, sind die führenden Staatsmänner überzeugt, daß dieses Treffen weiteren
Fortschritt auf allen Gebieten gemeinsamen Interesses bringen kann."
Das Weiße Haus hat ferner am gleichen Tage eine Verlautbarung mit Hintergrundinformationen zu dem Gipfeltreffen herausgegeben, die folgenden Wortlaut
hat:
"Die Interdependenz, die zwischen den demokratischen Industrieländern
entstanden ist, und die Verzweigtheit der gemeinsamen Probleme, vor denen sie

�sie stehen, haben zu der Erkenntnis der Notwendigkeit einer intensiven Konsultation und Zusammenarbeit unter den führenden Staatsmännern in einem weiten Bereich von gegebenen Aufgaben und Möglichkeiten geführt. Dies muß laufend gesehen, um die Übereinstimmung für gemeinsames Handeln aufzubauen, um
Probleme zu erkennen und zu lösen und um zu verhindern, daß sie sich zu zerstörerischen Krisen auswachsen.
Das Gipfeltreffen von Rambouillet, das vom 15. bis 17. November vorigen
Jahres abgehalten wurde, diente dazu, die Bedeutung eines intensiven Meinungsaustauschs unter den Führern der großen demokratischen Industrieländer
über Entwicklungen der Weltwirtschaft und über gemeinsame Probleme ihrer jeweiligen Länder zu unterstreichen. Zu den in Rambouillet erörterten Themen
gehörten die Anstrengungen zur Erreichung eines anhaltenden wirtschaftlichen
Wiederaufschwungs, eine Reform des Währungssystems, eine Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit in Währungs- und Finanzfragen, eine Beschleunigung des Fortschritts der multilateralen Handelsverhandlungen in Genf, eine
Förderung der ordnungsgemäßen und fruchtbaren Steigerung der wirtschaftlichen
Beziehungen zu den sozialistischen Ländern, eine Zusammenarbeit zur Verringerung der Abhängigkeit von importierter Energie und die Einrichtung eines konstruktiven Dialogs mit den Entwicklungsländern.
In den Monaten seit Rambouillet ist in der Weltwirtschaft ein bedeutsamer
Fortschritt erzielt worden. Das Übereinkommen von Rambouillet hat einen wichtigen Beitrag zu diesem Fortschritt geleistet.
- Es herrschte Übereinstimmung über die Notwendigkeit, ein anhaltendes
Wachstum ohne Inflation zu erreichen. Obwohl es urmöglich ist, genau auszurechnen, welchen Beitrag Rambouillet geleistet hat, liegt es auf der Hand,
daß es dazu diente, die Entschlossenheit der führenden Staatsmänner zu stärken, den Forderungen nach übertriebener Konjunkturförderung zi widerstehen
und die politisch schwierigen Entscheidungen zu treffen, die notwendig waren,

�1
4
waren, um ihre Länder auf den Weg zu einem stabilen wirtschaftlichen Wiederaufschwung zu bringen,
- Die Teilnehmer verpflichteten sich, protektionistischen Forderungen zu
widerstehen und weiterhin auf einen erfolgreichen Abschluß der multilateralen
Handelsverhandlungen in Genf zu drängen. Dementsprechend haben sie trotz
großer Schwierigkeiten im eigenen Lande die Stärke ihrer kollektiven Verpflichtungen auf beiden Gebieten demonstriert.
- Es wurde Obereinkunft über eine Basis der Reform des internationalen
Währungssystems erreicht. Dieses Übereinkommen bereitete den Boden für die
Januar-Tagung des Interimsausschusses des Internationalen Währungsfonds (IWF)
in Jamaica, wo eine umfassende Übereinkunft erzielt wurde, die langfristige
strukturelle Reformen mit Maßnahmen zur Behebung des unmittelbaren Finanzierungsbedarfs verschiedener Länder verband.
- Die Beteiligten kamen überein, auf rasche Verbesserungen der internationalen Vereinbarungen zur Stabilisierung der Exporterlöse der Entwickluncsländer
hinzuarbeiten. Dies wurde auf der Sitzung des Interimsausschusses in Jamaica
Wirklichkeit.
Seit Rambouillet haben sich auf verschiedenen Gebieten die Verhältnisse
geändert. Viele Volkswirtschaften beschleunigen ihre Tätigkeit in einem befriedigenden Tempo; manche wachsen sogar in einem rascheren Tempo als ursprünglich erwartet. Das kommende Gipfeltreffen wird die Möglichkeit bieten, über
die gegenwärtige Phase der Bemühungen der einzelnen Teilnehmer bei der Herbeiführung eines anhaltenden wirtschaftlichen Wachstums zu sprechen, und kann
sich daher als nützlich für die Identifizierung möglicher Probleme und die
Möglichkeit ihrer Vermeidung erweisen.
Die Zusammenkunft findet auch in einem wichtigen Augenblick des sich entwickelnden Verhältnisses zwischen den Industrieländern und den Entwicklungs-

- 4 -

�Entwicklungsländern statt. Die Teilnehmer werden die Möglichkeit haben, über
die Ergebnisse der kürzlich beendeten UNCTAD-Konferenz in Nairobi zu befinden.
Sie können über zusätzliche Schritte sprechen, die in den kommenden Monaten
auf der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Paris
im Hinblick auf allseits nützliche Vereinbarungen getan werden können.
Im übrigen dürften wahrscheinlich neben anderen Themen gemeinsamen Interesses auch die Zusammenarbeit der Verbraucher zur Verringerung der Abhängigkeit von importiertem öl und verstärkte Bemühungen in den multilateralen
Handelsverhandlungen zu Erreichung einer offeneren und verbesserten Welthandel sordnung behandelt werden."

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10/1976
DIE HERAUSFORDERUNG DES WESTENS UNTER VERÄNDERTEN STRATEGISCHEN BEDINGUNGEN
Von General Alexander Haig, Jr.
Oberster Alliierter Befehlshaber Europa
(Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des nato-briefs)

--(AD)-- Seit im April 1951 das Oberste Hauptquartier der Allierten Mächte in
Europa und der Alliierte Befehlsbereich Europa in Paris ins Leben gerufen wurden, ist über ein Vierteljahrhundert vergangen. Hinter dem Schutzschild der
NATO und des Alliierten Militärkommandos ist nicht ein Quadratmeter Bündnisterritorium unter sowjetische Herrschaft gefallen. Die europäischen NATO-Staaten haben sich über 25 Jahre eines Friedens, eines Fortschritts und eines
Wohlstandes erfreut, wie es in der Geschichte Europas einmalig ist.
Obgleich Westeuropa nicht mehr, wie es General Eisenhower sagte, im gleichen Maße "den Impuls der Angst spürt", so sehen wir doch heute für das Bündnis als Ganzes eine Fülle von Problemen. Wir erleben eine sozialwirtschaftliche Krise; wir erleben das verwirrende Dilemma der Ost-West-Beziehungen; und
wir erleben eine Flut von Schwierigkeiten und Problemen an der südlichen
Flanke des Bündnisses, die tiefgreifend und gefährlich sind. Vor diesem Hintergrund erleben wir noch dazu ein unablässiges Anwachsen der militärischen

- 1 -

i

�militärischen Kapazität der Sowjets. Diese Probleme haben sich so gehäuft,
daß heute eine Atmosphäre herrscht, in der sich die Frage nach der Gesundheit
und der Lebenskraft unserer kollektiven Anstrengung stellt. Manche Leute gehen
sogar noch weiter und stellen die Grundgedanken, die Logik hinter unserer
traditionellen Einstellung zum atlantischen Sicherheitsrahmen in Frage.
Von denen, die sich den Zielen des Bündnisses verschrieben haben, werden
nur wenige diese Überzeugungen teilen, aber ihre Folgen sind schwerwiegend
genug, um eine grundlegende Untersuchung und Beurteilung der ihnen zugrundf3liegenden Prämissen zu rechtfertigen. In dem Prozeß dieser Selbstprüfung
muß man sich sorgfältig vor der gegenwärtigen Neigung zu überstürzten Analysen
und groben Verallgemeinerungen hinsichtlich unserer fundamentalen Lebensinteressen hüten. Solche Verallgemeinerungen sind meist falsch.

Veränderungen der strategischen Bedingungen
Ohne näher auf die historische Perspektive seit dem Zweiten Weltkrieg
einzugehen, kann man einige fundamentale Veränderungen der strategischen Bedingungen feststellen.
Der Erfolg der Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg und ihre geopolitische Vorherrschaft hatte zu einem überaktiven, paternalistischen Führungsstil geführt, aus dem sich ein Gefühl der Verantwortung für alles, was in der
ganzen Welt passierte oder auch nicht passierte, entwickelte. Diese Überaktivität und dieses globale Verantwortungsgefühl wurden jedoch entscheidend gedämpft, als sich die Vereinigten Staaten Mitte der sechziger Jahre durch ihre
Erfahrungen mit der Dritten Welt enttäuscht und entblößt sahen. Der entscheidende Wandel, den wir heute feststellen können, ist die klare Erkenntnis, daß
die Vereinigten Staaten ihren einzigartigen hegemonialen Status verloren haben, der die erste Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kennzeichnete. Die einge-

�f

eingetretenen Kräfteverschiebungen erlauben es den Vereinigten Staaten nicht
mehr, den Ausgang globaler Ereignisse einseitig und nach Belieben zu bestimmen.
Was Westeuropa anbetrifft, so war der Wandel ebenfalls dramatisch. Wir
haben den Übergang von der Erschöpfung und der Zerstörung nach dem Kriege zum
wirtschaftlichen, sozialen, politischen und militärischen Wiederaufschwung
erlebt. Wenn darüber hinaus Westeuropa in seinem Kampf um den Wiederaufstieg
nach dem Kriege bequemerweise amerikanische Lösungen akzeptiert hat, so
besitzt es heute die Fähigkeit zur Konkurrenz. Man ist für Partnerschaft und
Zusammenarbeit mit dem atlantischen Partner, aber nicht für Bevormundung.
Eine Analyse der Dritten Welt läßt erkennen, daß in der Zeit unmittelbar
nach dem Kriege deren Führer nach wirtschaftlicher Unterstützung und politischen Lösungen suchten, sowohl um ihre eigene politische Macht zu konsolidieren als auch um ihre Gesellschaften zu einer höheren Entwicklungsstufe zu
führen. In dieser Hinsicht tendierten sie zu diktatorischen Lösungen von
rechts oder links. Auch heute noch suchen diese Länder nach vernünftigen Beziehungen zum Westen- aber im allgemeinen zu ihren Bedingungen. Für den
Westen geht es dabei darum: Erstens, die wahre Macht der Dritten Welt in bezug
auf Rohstoffe und Energie klar zu erkennen, und zweitens, diese Realität mit
Gerechtigkeit und Verantwortungsbewußtsein anzupacken. Die jüngsten Erfahrungen
haben eindeutig bestätigt, wie entscheidend wichtig es ist, daß sich die industrialisierten Verbraucherländer dieser Herausforderung gemeinsam stellen,
oder sie riskieren, einzeln ausgebeutet zu werden.

Die veränderte Bedrohung
Die Art der Bedrohung der westlichen Industrienationen hat sich grundlegend geändert. Was sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als monolithisch
dargestellt hat, ist heute multipolar geworden. Es haben sich drei Zentren

- 3 -

�*
4

Zentren der marxistischen Macht entwickelt: Moskau, Peking und jene Gruppe
revolutionärer Entwicklungsländer, um deren Kontrolle Moskau und Peking
kämpfen. Und was das wichtigste ist, es liegt heute auf der Hand, daß in vielen strategischen Schlüssel fragen die Animosität zwischen Moskau und Peking
größer ist als zwischen dem einen oder dem anderen und der westlichen Welt.
Das bedeutet aber für den Westen, daß er nur dann Vorteile aus dieser Multipolarität ziehen kann, wenn er in jedem der Zentren der marxistischen Macht
als einig, zuverlässig und kompetent für den Ausgang globaler Entwicklungen
angesehen wird.
Bei einer Beurteilung der heutigen militärischen Bedrohung ist es zweckmäßig, sich mit den Lehren zu befassen, die die Sowjets aus der Kuba-Krise im
Jahre 1962 gezogen haben. Für die Sowjets lagen die Dinge auf der Hand. Ihr
Nachgeben mußte sich aus zwei Faktoren ergeben: Einmal durch ihre numerische
Unterlegenheit an strategischen Waffensystemen und zweitens durch ihre Unfähigkeit, konventionelle Macht nach der 10 000 Meilen von der Basis Rußland
entfernten Insel zu projizieren. Die Erfahrung in der kubanischen RaketenKrise führte zu einer unermüdlichen und anhaltenden Anstrengung, um die strategische Unterlegenheit zu beseitigen und, was vielleicht noch wichtiger war,
eine im echten Sinne globale konventionelle militärische Macht, sprich Flotte,
aufzubauen.
In den Jahren seither haben die Sowjets unvergleichlich große Mittel für
die Verteidigung bereitgestellt. Nach Angaben des früheren amerikanischen Verteidigungsministers Schlesinger haben die Sowjets im letzten Jahrzehnt ihre
Verteidigungsausgaben um jährlich brutto zwischen drei und fünf Prozent erhöht. Nach seinen Schätzungen hat die Sowjetunion die Supermacht USA im Jahre
1975 um etwa ein Drittel an militärischen Ausgaben übertroffen - bei Forschung und Entwicklung um 20 Prozent, bei der Beschaffung um 25 Prozent, bei
den Streitkräften um 20 Prozent und bei strategischen Systemen sogar um 60
Prozent, wobei das letztere besonders alarmierend ist.
Auf

- 4 -

�Auf strategischem Gebiet hat die UdSSR die frühere Unterlegenheit von 10
zu eins an strategischen Systemen im Jahre 1962 ganz eindeutig überwunden, und
heute kann man, wie es der amerikanische Verteidigungsminister Rumsfeld tat,
von einer "annä'herenden Gleichwertigkeit" an zentralen strategischen Systemen
sprechen. Der Trend ist jedoch dynamisch. Die UdSSR hat die Entwicklung von
vier neuen Raketensystemen abgeschlossen. Drei davon sind mit Mehrfachgefechts
köpfen erprobt worden, und alle haben eine wesentlich höhere Treffsicherheit *
gegen feste Ziele aufgewiesen. Darüber hinaus haben die Sowjets eine neue unterseebootgestützte Rakete entwickelt, die SS-N-8, die eine Reichweite von
4 200 Seemeilen hat. Mit dieser Rakete sind die Unterseeboote der Delta-Klasse und die neuen vergrößerten Boote der Super-Delta-Klasse ausgerüstet worden.
Beide dieser Bootstypen können im Beringmeer tauchen und von dort aus den gesamten nordamerikanischen Kontinent - bis zum Panamakanal - mit Raketen mit
Nukleargefechtsköpfen erreichen - und selbstverständlich das ganze Westeuropa
und große Teile des kommunistischen China.
Die Entwicklungen auf strategischem Gebiet hängen natürlich eng mit den
SALT-Verhandlungen zusammen.Eines ist jedoch heute schon mit Sicherheit zu sagen Wenn e' zu keinem akzeptablen SALT-Abkommen kommt, dann werden die Vereinigten Staaten vor großen Ausgaben stehen, um das gegenwärtige "annähernde
Gleichgewicht" in zentralen Systemen zu erhalten.
Was die nuklearen "Gefechtsfeldwaffen" anbetrifft so hat der Westen auch
heute noch eine qualitative und quantitative übprlegenheit, obwohl auch hier
der Trend äußerst dynamisch ist. Die Sowjets unternehmen große Anstrengungen,
um ihre Trägerwaffen zu verbessern, was vor a M e m bei der Raketenartillerie
und möglicherweise auch bei der Rohrartillerie mit Nuklearkapazität zu beobachten ist. Ferner haben sie eine neue Zwischenstreckenrakete (RBM) vom Typ
SS-X-20 entwickelt, die mobil ist und mit Mehrfachgefechtsköpfen bestückt
werden kann. Schließlich wird ein neues, modernes taktisches Flugzeug mit
Nuklearkapazität und größerem Aktionsradius und höherer Tragkraft eingeführt.

Als

�Als wichtigstes Machtpotential unter den gegenwärtigen Umständen

haben

die Sowjets in ganz bewußter Entscheidung ihren Flottenaufbau von der Küstenverteidigung auf weltweite Kapazität umgestellt. Gleichzeitig haben sie ihre
Streitkräfte während der letzten zehn Jahre um rund eine Million Mann verstärkt, davon allein um 100 000 in Mitteleuropa. Was uns bei der Verstärkung
der Landstreitkräfte am meisten beunruhigt, ist die Einführung von Artillerie,
•Panzern und Personal auf der Ebene der Armee, der Division und noch darunter.
Was die Flugzeuge angeht, so hat die NATO noch immer einen qualitativen
Vorsprung, der Warschauer Pakt jedoch eine zahlenmäßige Überlegenheit von
zwei zu eins. Eine dritte Generation sowjetischer Flugzeuge, die derzeit in
den Truppendienst gelangen, läßt erkennen, daß auch hier die Entwicklung dynamisch ist.
Aus dieser allgemeinen unbeschönigten Beurteilung der militärischen Bedrohung muß man zu dem Schluß kommen,daß die Sowjetunion zweifellos eine
Supermacht geworden ist und über die militärischen Mittel und Fähigkeiten verfügt, eine globale, imperialistische Phase ihrer Außenpolitik einzuleiten.
Angola ist in diesem Zusammenhang ein besonders wichtiges Beispiel. Eine zweite klare Erkenntnis, zu der der Westen kommen muß, ist die Tatsache, daß wir
mit dieser neuen globalen Kapazität der Sowjets nur fertig werden können, wenn
die militärischen Mittel und Fähigkeiten der atlantischen Gemeinschaft gemeinsam abgestimmt und eingesetzt werden. Einzel stehende oder gar miteinander konkurrierende Säulen der atlantischen Verteidigung sind heute sowohl militärisch
als auch psychologisch unzureichend.

Die sozial-wirtschaftliche Krise
Mit der sogenannten sozial-wirtschaftlichen Krise ist noch eine weitere
Veränderung der strategischen Bedingungen eingetreten, die für uns im Westen
von noch größerer Bedeutung ist. Manche Leute behaupten, bei dieser Krise handele es sich lediglich um ein zyklisches, fiskalisches Phänomen, und wenn die
Staaten nur ausharrten und ihre Last trügen, dann würden sie sich bald wieder
auf dem aufsteigenden Ast befinden.

F.

�T

Es gibt jedoch vier Aspekte dieser Krise, die sie fundamental anders
und tiefgreifender erscheinen lassen als früher. Erstens einmal ist schon
der fiskalische Aspekt ein anderer, da hier zum ersten Mal westlich" Marktwirtschaften - ohne Rücksicht auf die politischen Systeme - gle chzeitig die
gleiche "Stagflation" erlebt haben. Die traditionelle Flexibilität

daß sich

die Länder der westlichen Welt gegenseitig helfen konnten, indem ein Land
auf dem aufsteigenden Ast ein im Abschwung befindliches unterstützen konnte,
besteht nicht mehr. Zweitens, zum ersten Mal in der Geschichte der modernen
Industriegesellschaften mußte der Westen erkennen, daß es hinsichtlich der
Rohstoffe definitive Grenzen gibt, und daß sich damit die reale und die eingebildete Macht der Dritten Welt explosionsartig vermehrte. Drittens gibt es
die Herausforderung der egalitären Wirtschaft, wie man es oft zu nennen
pflegt, die ein Produkt des Erfolgs der westlichen Industriegesellschaft
ist. Diese Herausforderung stellt unsere Regierungen vor die große Aufgabe,
die Früchte unseres Systems so gerecht und verantwortungsbewußt wie möglich
zu verteilen. Und schließlich hat sich auf dem Gebiet des elektronischen Fernmeldewesens, vor allem im Fernsehen, eine Revolution

abgespielt, was tief-

greifende Auswirkungen auf das politische Denken in jeder Gesellschaft hat.
Diese sozial-wirtschaftliche Krise stellt eine Herausforderung an das
System selbst dar - an den Kern und den Inhalt der industrialisierten Struktur
des Westens - wie die Regierungsform in jedem einzelnen Land auch immer aussehen mag. Man spürt jedoch auch ein wachsendes Bewußtsein der fundamentalen
Aspekte dieser Krise und eine wachsende Einsicht, daß gerade, weil die Krise
allen westlichen Gemeinschaften gemeinsam ist, auch eine gemeinsame Lesung
gefunden werden muß. Ebenso wie die vorhin angeführte militärische Bedrohung
verlangt auch diese sozial-wirtschaftliche Bedrohung kollektive politische
und wirtschaftliche Anstrengungen.
In jeder kollektiven Anstrengung zur Lösung dieses Problems liegt jedoch
ein innerer Widerspruch. Auf der einen Seite sind sich die führenden Politiker
im Westen über die Tatsache im klaren, daß auf den Gebieten des Handels, der
Energi

und damit zusammenhängender Fragen kollektive sozial-wirtschaftliche

- 7 -

�•
i

wirtschaftliche Anstrengungen notwendig sind. Auf der anderen Seite sind
viele von ihnen zu der Auffassung gelangt, daß dies nur auf Kosten der bekannten Sicherheitserfordernisse erreicht werden könne. Daraus resultiert
eine Tendenz, bei der Zuteilung knapper Mittel genau das Fundament zu zerstören, auf dem alle erfolgreichen kollektiven Maßnahmen aufgebaut sein
müssen. Jeder führende Politiker im Westen, der glaubt, er könne das sozialwirtschaftliche Problem lösen und gleichzeitig das Fundament für alle erfolgreichen Kollektivmaßnahmen angreifen, wird herausfinden, daß er sich auf ein
totgeborenes Unterfangen eingelassen hat. Das anhaltende Vertrauen in unsere
Sicherheitseinrichtungen ist absolute Voraussetzung für einen erfolgreichen
sozial-wirtschaftlichen Fortschritt.

Bündnis und Abschreckung
Wenn wir heute das Bündnis betrachten, dann sehen wir, daß große Anstrengungen im Gange sind, um eine wirksamere und kosteneffektivere Verteidigung
zu erreichen. Es steht außer Frage, daß die Militärs unbedingt die Pflicht
haben, die Wirksamkeit unserer Verteidigung zu verbessern, damit unsere Länder von einer Basis des Vertrauens in unsere Sicherheitseinrichtungen operieren können.
Daher ist es in Zeiten knapper Mittel ein zwingendes Gebot für die Militärexperten, die militärische^ Kapazitäten zu analysieren, um die kosteneffektiven Strukturen zu finden. Die Gefahr einer Überbetonung rein kosteneffektiver Lösungen liegt jedoch darin, daß lediglich auf Wirksamkeit ausgerichtete Analysen sich leicht nur auf die Kapazitäten für die Führung eines
Krieges konzentrieren und dabei die Hauptaufgabe der NATO übersehen, nämlich den Ausbruch eines Krieges zu verhindern. Das geschieht in erster Linie durch die"Abschreckung". Diese kaum quantifizierbare, aber entscheidend
wichtige Aufgabe entzieht sich weitgehend dem Maßstab quantifizierbarer
Wirksamkeit. Ein zentraler Aspekt der Abschreckung ist vor allem, wie der

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�r
der Gegner den kollektiven Willen, die Solidarität und die Entschlossenheit
des Westens sieht, die Kapazität zur Führung eines Krieges anzuwenden, die
der Steuerzahler bereitstellt. Der fundamentale Maßstab, der daher an jede
Initiative zur Verbesserung der Wirksamkeit angelegt werden muß, ist ihre Auswirkung auf das gegenseitige Vertrauen und die Einigkeit im Bündnis. Jede
kosteneffektive Initiative, die diesen fundamentalen Test nicht besteht, muß
ohne Rücksicht auf etwaige Einsparungen zumindest neu überdacht werden.
Hinsichtlich der Gefahr, sich zu sehr auf die Fähigkeiten zur Führung
eines Krieges zu konzentrieren, muß noch ein weiterer Punkt hervorgehoben werden. Eine solche Befangenheit könnte sich leicht ausschließlich auf den Bereich
Mitte konzentrieren, der den Zugang zum Herzen Europas schützt und dem im
Falle eines allgemeinen Konflikts die Hauptsorge gilt. Aber muß es in einer
Zeit des nuklearen Gleichgewichtes bei einer Abwägung der militärischen Bedrohung nicht wahrscheinlicher erscheinen, daß wir es mit jenen gleichen zwiespältigen,
.inchmal berechneten, manchmal zufälligen Zwischenfällen
an den Flanken zu tun haben werden, die die strategische Umwelt während des
letzten Jahrzehnts gekennzeichnet haben?
Diese Zwischenfälle sind aus der Unruhe in der Dritten Welt in Gebieten
entstanden - und werden weiterhin entstehen - in denen bewußt oder unbewußt
die Interessen der Großmächte immer stärker mit auf dem Spiele stehen. Wie in
der Vergangenheit wird es dem Westen schwerfallen, eine Übereinstimmung über
die Wichtigkeit der anstehenden Probleme und über die notwendigen Maßnahmen
zu erzielen. Wenn wir also angesichts dieser zu erwartenden Herausforderungen
die Verteidigung des Bündnisses betrachten, dann müssen wir sie als ein Ganzes
sehen und dürfen uns nicht ausschließlich auf Mitteleuropa konzentrieren.
Interdependenz

- 9 -

�1

Interdependenz

Die Analyse der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Überlegungen bestätigt insgesamt die wachsende gegenseitige Abhängigkeit, die Interdependenz, der westlichen Welt. Unter diesen sich wandelnden strategischen
Bedingungen kann man angesichts der erwähnten relativen Machtverschiebungen
von den Vereinigten Staaten nicht länger erwarten, daß sie den Ausgang globaler Ereignisse rein durch das Gewicht ihres einzigartigen hegemonialen Status
beeinflussen. Und ebensowenig kann sich Europa länger den Luxus leisten, als
Beobachter am Spielfeldrand zu stehen, wenn die Vereinigten Staaten versuchen,
für sich allein den Ausgang globaler Krisen zu bestimmen. Angesichts der globalen sowjetischen Kapazitäten dürften sich exklusive oder konkurrierende
Verteidigungsrahmen für die atlantische Sicherheit als unzulänglich erweisen.
Wenn im übrigen auf beiden Seiten des Atlantik die jeweils andere Seite unter
Begriffen wie Unzuverlässigkeit, Unerheblichkeit, Verschlafenheit oder Kurzsichtigkeit betrachtet wird, dann kann das nur die Hoffnung auf trügerische
Alternativen nähren.
Ähnliche Schlüsse lassen sich aus einer Analyse der aufgespaltenen multipolaren Bedrohung des Westens heute ziehen. Das Ausmaß, in dem diese Multipolarität dem Westen einen größeren diplomatischen Spielraum und geopolitische
Vorteile verschafft, hängt davon ab, in welchem Maße der Westen global gesehen
als zuverlässig oder gewichtig betrachtet wird.
Und was schließlich den rein militärischen Gesichtspunkt angeht, so liegt
die Herausforderung auf der Hand. Unter den heutigen veränderten strategischen Bedingungen muß der Westen in einem stärkeren Maße denn je seine gesamten kollektiven Mittel zusammenfassen, um mit der globalen sowjetischen Militärmacht fertig werden zu können. Wenn wir in einer Zeit annähernder strategischer Gleichgewichtigkeit an die Bewältigung dieser Aufgabe gehen, dann bekommt die Aufrechterhaltung regionaler Gleichgewichte eine besondere Bedeutung.

- 10 -

�Bedeutung. Wenn es darum geht, die Fähigkeit zur Beeinflussung von Ereignissen zu besitzen und über die Mittel zu verfügen, eine Eskalation der zwiespältigen, ungewissen Situation zu verhindern, die sich aus der Unruhe in
der Dritten Welt ergeben, dann muß °ine brauchbare konventionelle Macht eine
vorrangige Rolle als Stütze und Basis der westlichen Diplomatie spielen.

Die Aufgabe für den Westen ist groß, aber er verfügt auch mit der doppelt
so großen industriellen Basis und anderthalbmal mehr Menschen eindeutig über
die Fähigkeit, mit dieser Herausforderung fertig zu werden. Die entscheidende
Frage unter den heutigen stratecn- •VIP« Bedingungen ist die, ob der Westen die
neue Ära der atlantischen Interdependenz begreifen und die notwendigen Prioritäten setzen wird, um den so wesentlichen gemeinsamen und abgestimmten Einsatz
von Anstrengungen und Mittel zu erreichen.

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10/1976
UNTERNEHMUNGSGEIST, KNOW-HOW, WELTOFFENHEIT
-Schlüssel zum amerikanischen Erfolg in Wissenschaft und Forschung-

--(AD)-- Dem Zeitgenossen der 200-Oahrfeier der Vereinigten Staaten von
Amerika wird kaum mehr bewußt, welch atemberaubende Entwicklung die politische, wirtschaftliche und technische Weltmacht Amerika seit ihrer Staatsgründung im Jahre 1776 durchgemacht hat. Er setzt voraus, daß die USA z.B. auch
in der Wissenschaft an der Spitze stehen, obgleich der internationale Konkurrenzkampf auf diesem Gebiet an Schärfe erheblich zugenommen hat.
Im Jubiläumsjahr werden die Vereinigten Staaten rund 38,1 Milliarden
Dollar (2,2 Prozent des Bruttosozialproduktes gegenüber dem Höchststand von
3 Prozent im Jahre 1964) für Forschung und Entwicklung aufwenden. Davon kommen
20,1 Milliarden Dollar aus dem Staatssäckel, der Rest wird von der Wirtschaft und von privater Seite aufgebracht. Im letzten Jahrzehnt ist der amerikanische Kongreß mit der Bewilligung von Wissenschaftsgeldern sparsamer geworden. Die Rangfolge der Schwerpunktprogramme lautet derzeit: Verteidigung
(10,6 Milliarden Dollar), Raumfahrt (3,4 Milliarden Dollar), Energieforschung und Entwicklung (2,38 Milliarden Dollar), Gesundheits-, Bildungs- und
Sozialwesen (2,32 Milliarden Dollar).
Wer denkt heute noch daran, daß in den Vereinigten Staaten zur Zeit der
ersten Volkszählung im Jahre 1790 weite Teile unbekannte Wildnis waren, daß
sich große Gebiete im Besitz Frankreichs und Spaniens befanden? Dje_

- 1 -

�1
I

#

Die "Westfront" für die Siedler jener Zeit waren die Berge der Appalachen.
Im Jahre 1806, drei Jahre nach dem Ankauf des Louisiana-Territoriums westlich
des Mississippi, entsandte Präsident Jefferson eine erste kleine Expedition
von St. Louis aus in den heutigen Nordwesten, um diesen geographisch, geologisch und nach Klima-und Lebensbedingungen erkunden zu lassen. Durch Kauf
und Verträge war schließlich bis Mitte des 19. Jahrhunderts auch der "Ferne
Westen" Hoheitsgebiet der Vereinigten Staaten geworden. Jedoch waren damals
viele Menschen überzeugt, daß mindestens noch ein halbes Jahrtausend vergehen
werde,

bis das weite Land mit seiner Vielfalt geographischer und klimati-

scher Regionen erschlossen und besiedelt sei.
Entgegen den Voraussagen ist dies längst vollzogen, geschehen in

der

Zeitspanne eines Menschenlebens. Mit Mut, Beharrlichkeit und Energie wurden
die Aufgaben angepackt, die nun einmal bewältigt werden mußten.

Initiative

und tatkräftiges Handeln des einzelnen wie der Gemeinschaft sind noch immer
typisch für die Haltung und die Bereitschaft "der Amerikaner" ungeachtet ihrer
ethnischen Herkunft, Rasse und Religion, sich einer Herausforderung zu stellen. Die Mannigfaltigkeit an individuellen Meinungen, Ideen, Zielen und an
Möglichkeiten, Beiträge zu leisten, schmälert offenbar auch unter erschwerten
Bedingungen nicht die Widerstandskraft der Nation. Ja, sie scheint sogar eine
der wesentlichen Kraftquellen Amerikas zu sein.

Praxisbezogene Wissenschaft
Von Anfang an war die Wissenschaft in das Werk des Aufbaus einer neuen
Zivilisation auf dem amerikanischen Kontinent einbezogen - allerdings in einem
sehr pragmatischen Sinne. In der im Jahre 1789 offiziell angenommenen Verfassung der Vereinigten Staaten wird dem Kongreß aufgetragen, "den Fortschritt
der Wissenschaft und der nützlichen Künste"zu fördern. Die führenden Männer
jener Zeit - Politiker, Militärs, Staatsmänner, Diplomaten - waren wissenschaftlich interessiert und, wie Benjamin Franklin, Thomas Jefferson, John
Adams, Robert Livingston, auch mehr oder weniger stark engagiert. Und obgleich

- 2 -

�obgleich sie den Naturwissenschaften oder schönen Künsten nur aus Liebhaberei
huldigten, hatten manche von ihnen bahnbrechende Leistungen oder Entdeckungen
aufzuweisen - zum Teil Leistungen, durch die sie in Europa schon vor der Wahrnehmung ihrer politischen Funktionen bekannt geworden waren.
Die Zahl der Universitäten und Hochschulen,zur Zeit der Staatsgründung
nur ein gutes Dutzend, nahm rasch zu in dem jungen Bundesstaat. Dennoch blieben
für Amerika die Gelehrten und die wissenschaftlichen Institutionen des alten
Europa das bewunderte Vorbild. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts, deutlich erkennbar nach dem Ende des Bürgerkrieges in einer durch die industrielle Revolution von Grund auf veränderten Welt, waren Wissenschaft und Technik
in den Vereinigten Staaten eigenständig etabliert und wurden ihrerseits in zunehmendem Maße richtungweisend für andere Nationen.

Harter Kampf ums Dasein
In dem noch dünn besiedelten Land hatte der Kampf ums Dasein zunächst einmal handwerkliche Fertigkeiten und Erfindergeist herausgefordert. Da gab es
zum Beispiel auf den Baumwollplantagen des Südens Textilrohstoff in Hülle und
Fülle - aber das Entkernen und Enthülsen der reifen Kapseln von Hand brachte
nicht einmal ein Pfund Fasern pro Mann und Tag. Mit diesem Problem sah sich
Eli Whitney,Absolvent der Yale-Universität in Connecticut, auf einer Reise
durch die Südstaaten in Georgia konfrontiert. Er konstruierte 1793 eine Maschine, mit der die Tagesleistung eines Plantagenarberiers auf 100 kg gereinigte Baumwollfasern erhöht werden konnte. Den TextilmanufaKturen war dadurch ein
nahezu unbegrenzter Zufluß von Rohmaterial garantiert.
Sechs Jahre später führte
Serienproduktion ein, d.h. die
teile eines Produkts und deren
typ des sachkundigen, cleveren

Whitney als einer der ersten Unternehmer die
Herstellung exakt zueinander passender EinzelMontage in großer Stückzahl. Er war der Protound gleichzeitig risikofreudigen Geschäfts-

- 3 -

�Geschäftsmannes, der sein Unternehmen durch Massenproduktion und "Know-how1'
zum Erfolg führt und konkurrenzfähig erhält.
Die Weite des Landes und der Mangel an Arbeitskräften hatten in Amerika
zwangsläufig zur Folge, daß man früher als anderswo die Dampfkraft zum Heben,
Bewegen, Ziehen, Sägen, Zerkleinern und für andere Schwerarbeit nutzte. Und
während Erfinder in Frankreich und England noch mit dem Dampfantrieb für
Schiffe experimentierten, baute Robert Fulton in Amerika schon das erste
kommerzielle Dampfschiff.

Am 17. August 1807 nahm die

CLERMONT auf dem

Hudson-Fluß den Liniendienst zwischen New York und Albany auf - "nicht etwa,
weil wir die besseren Techniker oder einen höheren Stand der Technik als die
Europäer gehabt hätten", erklärt heute Dr. Brooke Hindle', Direktor des Na- •
tionalmuseums für Geschichte und Technik der Smithsonian Institution in
Washington. "Aber wir hatten nur wenige und noch dazu miserable Straßen. Also
waren wir auf die Flüsse als Transportwege angewiesen".
Starken Aufschwung für Handel, Wirtschaft und Verkehr brachte nach 183o
die Eisenbahn. Das Streckennetz war 186o auf fast 50 000 km ausgebaut. Neun
Jahre später, am 10. Mai 1869, wurde die erste Verbindung quer durch den Kontinent hergestellt. Und heute ergänzt das Flugzeug den Verkehr auf Wasserwegen, Schiene und Straße. Die jährlich zurückgelegten Tonnenkilometer für
Luftfracht betragen fast 10 Milliarden, die Passagierkilometer liegen nur wenig unter der 250-Milliarden-Marke.

Raumfahrt - die neue Herausforderung
Fast genau 100 Jahre nach der Vollendung einer durchgehenden Schienenstrecke von der Atlantik-zur Pazifikküste, am 21. Juli 1969, betrat der Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Das amerikanische Raumfahrtprogramm, das im Januar 1958 mit dem Start des ersten EXPLORER-Satelliten begonnen hatte, erreichte mit der Verwirklichung des APOLLO-Projektes
1969-1972 einen spektakulären Höhepunkt. Bei sechs Expeditionen landeten

�landeten insgesamt 12 amerikanische Astronauten auf dem Erdtrabanten, brachten Gesteins-und Bodenproben zurück und installierten von den Ebenen bis
hinaif ins Hochland wissenschaftliche Instrumente, die nach wie vor wertvolle
Meßdaten zur Erde funken. Das Material vom Mond ist gesichtet und sortiert.
Es wurde vorläufig in mehr als 2 000 Proben unterteilt und wird nach und nach
in zahlreichen Instituten analysiert. Allein aus dem Ausland gehen bei der
amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA monatlich 50-60 Anforderungen für die
Durchführung spezieller Untersuchungen ein.
Hunderte von unbemannten Satelliten hat die NASA in 18 Jahren auf Erdumlaufbahnen gebracht oder zur Erkundung des interplanetaren Raumes, der
Sonne und ihrer Planeten und noch weiter entfernter kosmischer Bereiche auf
den Weg geschickt. Sie brachten Kunde - und übermittelten zahlreiche Nahaufnahmen - von Venus und Merkur, passierten den Asteroidengürtel und sondierten bereits Mars und Jupiter samt einiger Monde. Nach ihrem Vorbeiflug am
Planeten Jupiter im Dezember 1973 und 1974 dringen nunmehr die Robotersonden
PIONIER 10 und 11 zu den Umlaufbahnen der äußeren Planeten unseres Sonnensystems vor. Sie werden es Anfang der achtziger Jahre verlassen.
Manche wissenschaftlichen Theorien wurden durch die bisher ermittelten
Beobachtungsergebnisse umgestoßen, neue Einsichten taten sich auf. Die vergleichende Planetenforschung hat gezeigt, daß jeder Planet eine eigene und
besondere Entwicklung durchgemacht hat, und daß sich die Planeten gegenwärtig in unterschiedlichen Stadien befinden. Beim Merkur, der am meisten dem
Mond ähnlich ist, scheint eine Art Stillstand eingetreten zu sein. Er ist
weniger stark verändert, d.h. primitiver als der Mars, und dieser wiederum
scheint weniger

Veränderungen als die Erde durchgemacht zu haben. An Hand

der Planetenforschung können die Wissenschaftler Prozesse untersuchen, die
die Erde in ihrer Frühgeschichte durchgemacht haben mag, deren Spuren inzwischen aber verwischt wurden. Es ist z.B. durchaus möglich, daß die Erde in
den ersten 600 Millionen Jahren genauso von Riesenmeteoriten bombardiert
wurde wie Mond und Merkur - die Krater auf deren Oberfläche zeugen noch heute
davon.
Mars

�Mars wieder im Visier

Das heutige Erscheinungsbild der Marsoberfläche,wie es sich nach 11 Monaten Beobachtung durch MARINER IX (1971-72) gegenwärtig darstellt, könnte
dem der Erde vor Millionen Jahren ähnlich sein. Neue Aufschlüsse über das
gegenwärtige Entwicklungsstadium sollen die Landeroboter der beiden amerikanischen VIKING-Sonden, aber auch die in einer Marsumlaufbahn verbleibenden
sogenannten ORBITER bringen.
Vielleicht geben die Meßdaten einiger Instrumente der Landegeräte sogar
Hinweise darauf, ob Leben auf dem Mars existiert oder einst existiert hat,
wenn auch nur in primitiver Form. Die Lander sind praktisch vollautomatische
geologische, geophysikalische und biologische Laboratorien - die kompliziertesten Geräte, die je gestartet wurden. Sie sollen Elemente und Moleküle am
und im Boden sowie in der Atmosphäre des Mars entziffern, Bewegungen im
Marsinnern registrieren, das Wetter beobachten und den Sand nach Anzeichen
für die Existenz von Organismen sondieren.
Zur Feier des 200. Geburtstages der Vereinigten Staaten hat die Weltraumbehörde NASA den Flug der im August

und September 1975 gestarteten Sonden so

programmiert, daß VIKING I am 4. Juli 1976 (21.41 amerikanischer Zeit, d.h.
am 5. Juli 1976 um 2.41 Uhr MEZ) in dem zuvor sorgfältig ausgesuchten Landegebiet auf dem Mars aufsetzen und anschließend mit den Messungen beginnen
könnte.

Erdforschung durch die Raumfahrt intensiviert
Wettersatelliten schicken regelmäßig Meßdaten und Wolkenfeidbilder zur
Erde. Mit Hilfe der Infrarottechnik können sie auch bei Nacht Aufnahmen von
Land-und Seegebieten machen. Sie tragen viel dazu bei, daß jetzt die Treffsicherheit der Wettervorhersage für die nächsten 36 Stunden bei 82 Prozent

- 6 -

�T

Prozent liegt. Noch vor 10 Jahren war dies nur für Vorhersagen bis zu 12
Stunden möglich.
über Fernmeldesatelliten sind heute mehr als 90 Länder rund um den Erdball miteinander verbunden. Allein 72 Mitgliedsstaaten des amerikanischeFernmeldesatellitennetzes betreiben eigene Empfangs- und Sendestationen. Und
während "EARLY BIRD" (gestartet 1965 als INTELSAT I) über 240 Kanäle für Telefongespräche verfügte, kann der neueste Typ, INTELSAT IV-A, 6500 Gespräche
gleichzeitig bewältigen und als Relaisstation für Fernsehsendungen mit mehr
als 6000 Sendestunden pro Jahr dienen.
Erst die Raumfahrt und Erdaufnahmen aus dem Weltraum haben demonstriert,
daß Beobachtungen unmittelbar an der Oberfläche mit den Nachteilen und Fehlerquellen der Nahblindheit behaftet sind. Mit speziellen optischen Instrumenten
und Sonden ausgerüstete Satelliten z^iqen neue Wege auf, um landwirtschaftliche Anbaugebiete und ausgedehnte Wälder,'lasser, Eis, Schnee, Stadt- und Landregionen zu überwachen, schädliche Entwicklungen zu erkennen und neue Rohstoff vorkommen zu finden. Geologie, Geochemie und Geophysik, Atmosphärenforschung und Biologie, ja selbst die Medizin haben enorm von der Raumfahrt profitiert - und die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft.
Die Erde ist der einzige bisher bekannte Planet, auf dessen Oberfläche
Wasser, Kontinente und vielfältige Formen von Leben existieren. Die Aufnahmen
aus dem Weltraum haben uns zum ersten Mal die ganze Schönheit, Geschlossenheit, aber auch die Verletzlichkeit dieses Systems "Erde" vor Augen geführt.
Sie als die Heimstatt der Menschen funktionsfähig zu erhalten, muß eine der
vordringlichen Zukunftsaufgaben sein.
XXX
- 7 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Erklärung Kissingers und Simons zu UNCTAD IV&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das internationale Gipfeltreffen in Puerto Rico&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Offizielle Verlautbarungen des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Herausforderung des Westens unter veränderten strategischen Bedingungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von General Alexander Haig, Jr.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unternehmungsgeist, Know-How, Weltoffenheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schlüssel zum amerikanischen Erfolg in Wissenschaft und Forschung -&lt;/em&gt;</text>
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23. Juni 1976

Inhalt
HINTERGRUNDMATERIAL:
USA 200
Das dritte Jahrhundert Amerikas
Ausstellung über Wissenschaft und Technik im Kennedy-Raumflugzentrum
US-Marine feiert Amerikas 200. Geburtstag
Internationale Flottenparade und Segel schifftreffen in New York

WIRTSCHAFT:
Wirtschaftsaufschwung in den USA übertraf Erwartungen
Auszüge aus dem Halbjahresbericht des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords

US-Kongreß entwickelt Alternativprogramm gegen die Arbeitslosigkeit

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Neue Materie-Teilchen entdeckt

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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USA 200
(5)
DAS DRITTE JAHRHUNDERT AMERIKAS
Ausstellung über Wissenschaft und Technik im Kennedy-Raumflugzentrum

Eine Vorschau auf das Leben in Amerika im dritten Jahrhundert der Geschichte der Vereinigten Staaten soll eine von Präsident Ford angeregte Ausstellung vermitteln, die bis zum 7. September 1976 auf dem Gelände des John
F. Kennedy-Raumflugzentrums am Kap Canaveral in Florida zu sehen ist. Als
einzige der zahlreichen Ausstellungen, die anläßlich des 200. Geburtstages
der Vereinigten Staaten vorgesehen sind, ist diese ausschließlich von der
Regierung selbst ausgerichtet worden. Die gezeigten Objekte stammen aus Laboratorien von 16 Ministerien und anderen Bundesbehörden, von 10 führenden
Firmen der Industrie und von zahlreichen Universitäten des Landes.
15 Fuller-Kuppeln rund um die riesige Halle, in der einst die Mondraketen SATURN V und die APOLLO-Raumschiffe montiert wurden, beherbergen, wie
die Halle selbst und zwei der ehemaligen KontrollZentren für den Start der
Raumschiffe, für drei Monate die "Zukunftsschau". Sie vermittelt Einblicke
in die erwarteten Auswirkungen der Fortschritte von Wissenschaft und Technik
auf das tägliche Leben.
An der südlichen Peripherie sind die riesigen Stufen der Mondrakete
und ein APOLLO-Raumschiff horizontal aufgebaut.
- 1 -

Sie erinnern an die Großtat

�I

4
Großtat der sechziger Jahre - Landung von Menschen auf dem Mond.

In einem

Kontrollraum können die Besucher noch einmal die letzte Phase des Countdown
und den Start von APOLLO 11 an den Schaltkonsolen, Bildschirmen und mitsamt
dem Funksprechverkehr miterleben.

Eine Multi-Media-Schau erläutert das amerika-

nische Raumfahrtprogramm mit unbemannten Satelliten.
Das amerikanische Landwirtschaftsministerium präsentiert eine Ausstellung, die der Nahrungsmittel Versorgung und der notwendigen Steigerung der
Nahrungsmittelproduktion angesichts der rapide wachsenden Weltbevölkerung gewidmet ist» U.a. werden neue Verfahren der Bodenbearbeitung, des Schutzes vor
Erosion und Auslaugung demonstriert,, die gleichzeitig helfen, Zerit, Arbeitsaufwand und Traktortreibstoff zu sparen.
Die NOAA (US-Bundesbehörde für Meeres- und Atmosphärenforschung) zeigt
eine mit Instrumenten vollgepackte Boje (Gewicht 100 Tonnen,

Durchmesser 12 m ) ,

die automatisch meteorologische und meereskundliche Meßdaten sammelt und über
eine Weltraum-Relaisstation, d.h. einen Nachrichtensatelliten, zu Empfangsstellen an der Küste funkt.

Von dort aus werden sie zum Wetterdienst für die

täglichen Vorhersagemeldungen und an zentrale Informationsstellen für die
Schiffahrt weitergeleitet.
tung.

Etwa ein Jahr lang braucht die Boje keinerlei War-

Den Betriebsstrom liefern leistungsstarke Batterien.

Am Pavillon der Energieforschungs- und Entwicklungsbehörde (ERDA) können
Besucher Probefahrten mit Turbinen- und Elektroautos unternehmen - mit Fahrzeugen, die umweltfreundlich sind und zur Reduzierung der Luftverschmutzung
beitragen könnten. Allgemeine und spezielle Probleme der Wasserversorgung,
Produktion und Verbrauch von Energie und Mineralien, ferner AbfallWirtschaft
und Recycling, Arbeit und Freizeit, Vermessung und Prospektierung der Schelfgebiete, Raumordnung und Bodennutzung sind.Themen, die das amerikanische
Innenministerium aufgegriffen hat.
"Freiheit von Abhängigkeit"
ministeriums.

lautet das Motto im Pavillon des Gesundheits-

Hier wird der Fortschritt'der medizinischen Technik in seinen

Auswirkungen für Diagnose und Therapie erläutert - Leistungen, die in Verbin- 2 -

�Verbindung mit medizinischer Vorsorge und vernünftiger Lebensweise die Gefährdungen durch Krankheit verringern und die Lebenserwartung erhöhen.

Viele der neuen Entwicklungen in der Medizin gehen direkt oder indirekt
auf die Raumfahrt zurück.
NASA.

Einige davon demonstriert auch die Raumfahrtbehörde

Von Besuchern ständig umlagert ist ein Stand, wo man nur die Handfläche

auf eine Platte zu legen braucht, um ein EKG (Elektrokardiogramm) zu bekommen.
Die Herzstromkurven erscheinen auf einem Bildschirm.

Blutdruckwerte und Herz-

dimension werden mit Hilfe weniger Meßpunkte ermittelt.

Röntgen- und Ultraviolett-Astronomie, Anwendung der Weltraumfotografie,
Atmosphärenforschung, Astrophysik, Planetenforschung und mikrobiologische
Untersuchungen fallen unter Projekte der Auftragsforschung, die die NASA an
amerikanische Universitäten vergeben hat.

In einem der Ausstellungspavillons

können sich die Besucher über interessante Einzelheiten informieren.

Nutzbarmachung der Sonnenkraft zur Stromerzeugung im großen Stil mittels
riesiger Sammlerplatten im Weltraum und auf der Erde, Kolonien und Industriezentren im Weltraum oder Bergbau auf dem Mond sind zwar noch Zukunftsmusik.
Aber eines Tages dürfte auch dies realisiert werden, wie Funk und Fernsehen
via Satelliten rund um die Erde längst selbstverständlich geworden sind.

Die NASA zeigt u.a. ein Modell des Anwendungssatelliten ATS-6, mit dem
vom 1. August bis zum 31. Oktober 1976 Demonstrationsprojekte für

30 Länder

in Südost- und Vorderasien, Afrika, Mittel- und Südamerika geplant sind.

Sie

sollen zeigen, wie mit Hilfe eines solchen Geräts, das in 36 000 km Höhe über
der Erdoberfläche "stationiert" werden kann, Verbesserungen im Bildungs-, Gesundheits- und Nachrichtenwesen, bei der Erfassung und Überwachung landwirtschaftlicher Anbauflächen und Waldgebiete, der Boden- und Wassernutzung, der
Städteplanung und Wetterbeobachtung zum Wohle der Allgemeinheit zu erreichen
sind.

Am 1. August läuft die Jahresfrist ab, für die die indische Regierung
ATS-6 von den USA gepachtet hatte, um über den leistungsstarken Nachrichten-

�Nachrichtensatelliten, der übrigens auch großflächige Wolkenfeidbilder aufnimmt, Schul Programme in 2400 abgelegene Dörfer auszustrahlen und der Bevölkerung zahlreiche andere Informationen zu geben.
Der Satellit wird nun langsam von seinem gegenwärtigen Standort über dem
35

Grad östlicher Länge zu einem Punkt über dem 130. Längengrad West "ver-

schoben", was drei Monate in Anspruch nimmt.

Die NASA stellt den Ländern in

deren unmittelbaren Bereich er dabei kommt, auf Wunsch Techniker zur Verfügung, die Sende- und Empfangsgeräte zur Übermittlung landeseigener Programme
über ATS-6 installieren.

Dabei können die Regierungen selbst Erfahrungen

über die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten dieser Technik für die Landesentwicklung sammeln.

Das Amt für Internationale Entwicklung (AID) ist gemeinsam

mit der NASA an dem Projekt beteiligt.

Von November 1976 an dient ATS-6 als

Weltraum-Relaisstation, über die versuchsweise Bildungsprogramme und medizinische Informationen in abgelegene Gebiete der Vereinigten Staaten ausgestrahlt
werden.

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U/1976
USA 200
US-Marine feiert Amerikas 200. Geburtstag

Internationale Flottenparade und Segel schifftreffen 1n N?w York

— ( A D ) - - Mit einer Internationalen Flottenparade von 88 Kriegsschiffen aus
27 Ländern im Hafen von New York und einem Segelschiffkonvol aus 225 Seglern auf dem Hudson River erreichen die Feier der amerikanischen Marine aus
Anlaß des 200. Jahrestages der Proklamierung der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten am 4. Juli 1776 Ihren Höhepunkt.
Die an der International Naval Review und der Operation Sail '76 auf dem
Hudson teilnehmenden Schiffe werden am frühen Morgen des 3. Juli im New Yorker
Hafen erwartet und sollen gegen acht Uhr Liegeplätze auf dem Hudson und in
der Upper Bay einnehmen. Am gleichen Tag sollen in New York auch Offiziersabordnungen aus 14 Ländern eintreffen, die keine Schiffe entsenden.
Die amerikanische Schiffsabordnung aus 2o Einheiten modernster Bauart
- darunter mit Fernlenkwaffen bestückte Kreuzer, Fregatten und Zerstörer sowie Versorgungsschiffen und Amphibienfahrzeugen wird von der USS F0RRESTAL,
einem 8 ooo-Tonnen Flugzeugträger angeführt. Die Bundesmarine entsendet den
Lenkwaffenzerstörer HESSEN, und das Segel schulschiff GORCH FOCK.
Am

- 1 -

�Am 4. Juli werden die Schiffe von Deck eines Lenkwaffen-Kreuzers der
amerikanischen Atlantikflotte aus durch Vertreter der Admiralität mit militärischen Ehren begrüßt.

Anschließend tritt der Segelschiffkonvoi von der

Verrazano-Brücke aus über The Narrows die Fahrt in die Upper Bay an der
Freiheitsstatue vorbei an. Der Konvoi wird nach rund sechsstündiger Fahrt
den Hudson River aufwärts am Manhattan Tower vorbei den Zielpunkt bei
Spuyten Duvil rund 3,5 km oberhalb der George Washington-Brücke erreichen.
Hauptattraktion werden die Marine-Segelschulschiffe aus acht Ländern sein.
An der Spitze segeln die EAGLE, ein Schulschiff der US-Küstenwache, und die
GAZEL PRIMEIRO aus dem Besitz des Marinemuseums von Philadelphia.

Die

Operation Sail '76 mit 16 Großschiffen und Hunderten von Seglern aller Kies*
sen kann als eine der spektakulärsten Veranstaltungen aus Anlaß des 200. Geburtstages der Vereinigten Staaten betrachtet werden.
Am 5. Juli werden alle an der International Naval Review und an der
Operation Sail '76 beteiligten Schiffe an Kais in Manhattan, Jersey City,
Port Newark, Brooklyn und Hoboken festmachen und zur Besichtigunc freigegeben.
Einen Tag darauf werden Abordnungen der Kriegsschiffe aus Offizieren und Kadetten in den Straßen von Lower Manhattan paradieren.

Die meisten Schiffe

werden am 7. Juli ihre Heim- bezw, Weiterreise antreten.

Ein Treffen von

Segelschiffen der Größenordnung der Operation Sail '76 hat es bisher noch
nirgends auf der Welt gegeben.

Die diesjährige internationale Flottenparade ist die vierte, die die Vereinigten Staaten veranstalten. Die erste derartige Veranstaltung fand im Jahre
1893 aus Anlaß des 400. Jahrestages der Entdeckung Amerikas durch Columbus
statt. Die Hafenstadt Hampton Roads im Staate Virginia richtete dann 1907
und 1957 in Erinnerung an die Gründung der Siedlung Jamestown vor 300 bezw.
35o Jahren die zweite und dritte Flottenparade aus. Die einzige sonstige internationale Flottenparade dieser Größenordnung fand im Zusammenhang mit der
Krönung von Königin Elizabeth II von England im Juni 1953 statt.

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11/1976
WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG IN DEN USA OBERTRAF ERWARTUNGEN
Auszüge aus dem Halbjahresbericht des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords

WASHINGTON --(AD)-- Der Wirtschaftsaufschwung in den USA im ersten Halbjahr
1976 hat alle Erwartungen übertroffen. Dies stellt der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords, Alan Greenspan, in seinem am 10„ Juni veröffentlichten Halbjahresbericht an den amerikanischen Kongreß fest. Greenspan
zeigte sich nicht nur optimistisch hinsichtlich des weiteren Verlaufes der
Konjunktur, sondern auch hinsichtlich des Abbaus der Arbeitslosenquote, die
Ende des Jahres bei 7 Prozent liegen werde, und des weiteren Rückgangs der
Inflationsrate. Als tragende Kraft des derzeitigen Wirtschaftsaufschwungs
nannte Greenspan die Verbrauchernachfrage. Der Erfolg bei der Bekämpfung der
Inflation habe das Vertrauen der Verbraucher in die künftige wirtschaftliche
Entwicklung gestärkt und so zu einer Belebung der Nachfrage geführt.
In seinem Bericht führt der Wirtschaftsbeirat unter anderem aus:
" Ein Rückblick auf die erste Hälfte dieses Jahres zeigt, daß die Wirtschaft fast alle früheren Erwartungen - auch meine eigenen - übertroffen hat.».
In den letzten drei Quartalen ist das Bruttosozialprodukt real mit einer Jahresrate von 8,4 Prozent gestiegen. Die Wiedererholung auf dem Arbeitsmarkt war
ebenso bemerkenswert. Die Arbeitslosenquote ist zwar immer noch hoch, ist

�4
ist jedoch schneller zurückgegangen, als dies die optimistischsten Beobachter noch vor einem Jahr zu hoffen gewagt hätten, da die Zahl der Arbeitsuchenden damals eine sehr starke Zuwachsrate aufwies.
Die Inflation ist nicht nur weiter zurückgegangen, auch die jüngsten
Anzeichen - unter gebührender Berücksichtigung der einer solchen Voraussage
innewohnenden Unsicherheite . - deuten darauf hin, daß die beim Abbau der Inflation und der Überwindung der Inflationsmentalität erzielten Erfolge sich
nunmehr konsolidieren. Nach dem kürzlichen Rückgang wird sich jetzt möglicherweise zeigen, daß ein Anziehen der Preisindexe zu einem großen Teil nur auf temporäre Faktoren

.urückzuführen ist. Es mag auch sein, daß die Inflationsri-

siken jetzt unterschätzt werden. In ihrer Gesamtheit jedoch deuten die vorliegenden Zahlen darauf hin, daß die grundlegende Inflationsrate in den Vereinigten Staaten auf etwa 5 bis 6 Prozent abgebaut worden ist...
Der Anstieg der Produktion im ersten Quartal dieses Jahres wurde durch
die einsetzenden Bemühungen um eine Wiederaufstockung der Lagerbestände auf
einen normaleren Stand noch beschleunigt. Trotzdem ist die Nachfrage seitens
der Endverbraucher real rasch angestiegen, wobei dieser Anstieg in den letzten
drei Quartalen eine Jahresrate von 4,7 Prozent verzeichnet- Wir sollten jedoch nicht erwarten,daß der Anstieg der Produktion in den nächsten Quartalen
das Tempo der letzten neun Monate beibehalten wird.
Nicht nur die Wiedererholung der Wirtschaft hat an Schwung gewonnen, sondern die ihr innewohnenden grundlegenden Elemente hauen sich ebenfalls progressiv immer mehr gefestigt. Der Wiederaufschwung war gut ausgewogen, was
angesichts seines raschen Tempos überrascht...
Vielleicht am wichtigsten ist jedoch, daß der Abbau der zugrundeliegenden
Inflationsrate wie auch der Arbeitslosigkeit zu einer wesentlichen Wiederherstellung des Vertrauens der Verbraucher wie auch der Unternehmer in die

�die Kraft dieses Wiederaufschwungs geführt haben. Nachdem man sich über die
inzwischen eingetretene wesentliche Wiedererholung klar geworden war, zeigten
sich die Verbraucher wieder eher geneigt, in größerem Umfang Kraftfahrzeuge,
Häuser und andere Dauergüter zu kaufen. Die Investitionen der Wirtschaft, obwohl noch zu niedrig, beginnen zuzunehmen. Die Absichten oder Pläne der Wirtschaft für künftige Investitionen werden nach oben hin revidiert. Daher liegen, obwohl mit einer geringfügigen Verlangsamung des Tempos des Wiederaufschwungs gerechnet werden sollte, keinerlei Anzeichen dafür vor, daß der Wiederaufschwung in naher oder ferner Zukunft sich abflacher oder gar auslaufen
könnte. Vielmehr lassen - nachdem keinerlei Ungleichgewichte bestehen - der
Erfolg beim Abbau der Inflation und der Überwindung der Inflationsmentalität, die jetzt zu verzeichnenden beträchtlichen Zunahmen bei Einkommen und
Beschäftigtenzahl sowie die starke grundlegende Nachfrage nach Kapitalgütern,
mit der wir für Ende dieses Jahres rechnen, vermehrt eine stetige und dauerhafte Wiedererholung erwarten.
Zur Jahresmitte hat es daher nicht den Anschein, als ob zwingende Gründe
wesentliche Veränderungen in der Gesamtvorschau auf das Jahr 1976 erforderlich machen, die der Wirtschaftsbeirat in seinem Wirtschaftsbericht im Januar
gegeben hat..., in der er von einer jährlichen Zunahme des Bruttosozialproduktes um real 6 bis 6,5 Prozent ausging. Unter Berücksichtigung der letzten
Entwicklungen wären wir allerdings heute geneigt, unsere Erwartungen etwas
höher anzusetzen,. Wir möchten annehmen, daß der von uns erwartete jährliche
Anstieg der Preise um 6 Prozent etwas, allerdings nur geringfügig, niedriger
ausfallen wird. Einige der Faktoren, die dazu beitrugen, daß der erwartete
Preisanstieg in den letzten Monaten etwas niedriger war, vor allem bei Nahrungsmitteln und Energie, dürften kaum länger Bestand haben»..
Die Kapitalinvestitionen der Wirtschaft haben im 1. Quartal 1976 mit
einer Jahresrate von real 1],9 Prozent zugenommen und uns somit in unserer
Auffassung bestärkt, daß die Kapitalinvestitionen für die Wiedererholung in
diesem Jahr zu einem wichtigen Faktor werden dürften...

- 3 -

�Zur Zeit sind wir der Ansicht, daß die in dem Bericht auf 5 bis 6 Prozent veranschlagte Zunahme der Kapitalinvestitionen immer noch eine angemessene Voraussage darstellt. Die verbesserte Wirtschaftslage und das bessere
Investitionsklima haben uns jedoch in der Auffassung bestärkt, daß die latente starke Nachfrage nach Kapitalgütern auch 1977 weiterhin zum Tragen kommen
wird...

Der Index der Verbraucherpreise ist im vorigen Jahr (April 1975 bis
April 1976) um 6,1 Prozent gestiegen, aber die Zuwachsrate betrug in den
letzten vier Monaten lediglich 3,5 Prozent. Der rasche und anhaltende Rückgang
der Inflation Anfang 1976 war

auf ein beträchtliches Nachgeben der Preise

für Nahrungsmittel und für Energie zurückzuführen....
Alle anderen vom Verbraucherpreisindex erfaßten Warengruppen hatten eine
Zunahme - auf Jahresbasis - von 7,5 Prozent zu verzeichnen. In den nächsten
Monaten ist mit einem mäßigen Anziehen der Nahrungsmittel preise zu rechnen...
Wenn die Ernte in den USA und in der übrigen Welt so ausfällt, wie dies vom
amerikanischen Landwirtschaftsministerium und privaten Organisationen vorausgesagt worden ist, dann wird die relative Preisstabilität bei Nahrungsmitteln
auch 1977 weiter andauern. Natürlich können wetterbedingte Änderungen der
Voranschläge für die diesjährige Getreideernte die Situation ändern.„.
In jüngster Zeit b estand eine gewisse Tendenz für
hen der Preise für sensitive Industrierohstoffe. Es ist
festzustellen, daß die Preise für Industrierohstoffe in
- saisonbereinigt - mit einer Jahresrate von noch nicht
sind.

ein zyklisches Anziedaher ermutigend,
diesem Jahr bisher
3 Prozent gestiegen

Die im 1. Quartal dieses Jahres ausgehandelten großen Kollektivabkommen
haben für das erste Jahr ihrer Laufzeit zu Lohnerhöhungen von durchschnittlich
8,8 Prozent geführt. Der durchschnittliche Stundenlohn der Arbeiter - ohne
Landwirtschaft - ohne überstunden-und Schichtzuschläge erhöhte sich von Dezem-

- 4 -

�Dezember 1975 bis Mai 1976 - auf einer saisonbereinigten Jahresbasis um 6,9 Prozent. Vor uns liegen schwierige Lohnverhandlungen, aber die bisherigen Erfahrungen in diesem Jahr sind in ihrer Gesamtheit ermutigend. Die Lchnabschlüsse entsprachen dem allgemeinen Preisverhalten, wie wir dies für dieses Jahr vorgeschlagen hatten.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Besserung auf dem Arbeitsmarkt
anhalten wird. Die Arbeitslosenquote ist fast ununterbrochen von 8,9 Prozent
im Mai 1975 auf 7,3 Prozent im Mai 1976 zurückgegangen...

Die Haushaltsansätze sind kritisiert worden, weil sie für die Aufrechterhaltung des Tempos des Wiederaufschwungs unzureichend seien, Das Hauptargument stützte sich auf die Auffassung, die Wiederbelebung der Nachfrage sei
schwächer, als in unseren Voraussagen angegeben, Daraus wird gefolgert, daß
der vorgeschlagene Abbau des Defizits im Bundeshaushalt für 1977 eine zu
starke Zurückhaltung bedeute und möglicherweise dazu führen könne, daß sich
der Wiederaufschwung totläuft,
Wir haben dieser Ansicht nicht beigepflichtet, sondern glauben, daß e&gt;ne
starke Wiederbelebung der privaten Nachfrage sowohl das wahrscheinlichste wie
auch das wünschenswerteste Ergebnis sein dürfte. Diese Auffassung bedingt jedoch eine deutliche und progressive Änderung der Finanzpolitik in Richtung
auf geringere fiskalische Anreize in den nächsten drei Jahren, beginnend mit
dem Finanzjahr 1977.
Bisher stützen die vorliegenden Fakten eindeutig die Auffassung, daß der
Wiederaufschwung weiterhin stark sein wird» Es hat jedoch den Anschein, als ob
es bei diesem Argument in Wirklichkeit um weit mehr geht als darum, welche
Voraussage richtig und welche falsch ist. Nehmen wir an, unsere Voraussage
sei zu optimistisch und die private Nachfrage entwickelt sich weniger stark
als vorausgesagt» Sollte dies eintreten, dann verfügen wir über Möglichkeiten,
durch Steuersenkungen und geringere fiskalische Zurückhaltung recht rasch

�rasch gegenzusteuern. Praktisch könnte ein solcher Fehler sehr leicht korrigiert werden, und er wäre daher weniger schwerwiegend als die Folgen eines Fehlers in anderer Richtung, Eine Politik, die sich praktisch auf der Erwartung
einer sehr bescheidenen Zunahme der privaten Nachfrage und dementsprechend auf
der Notwendigkeit stärkerer fiskalischer Anreize begründet, läßt sich nicht
so rasch korrigieren, falls sie sich als falsch erweisen sollte, Die Risiken,
unter einem solchen Plan ein neues Inflationsfeuer zu entfachen, wären sehr
groß, weil unsere Möglichkeiten, bei den Bundesausgaben zu bremsen oder die
Steuern zu erhöhen, stark begrenzt sind„,,
Unser Unvermögen, die Folgen einer zu expansionistischen Politik zu
meistern, beweist eindeutig, wie erwünscht ein größeres Maß an Vorsicht bei
der von uns befolgten Politik ist. Wir sind der Ansicht, daß die wirtschaftliche Entwicklung höchstwahrscheinlich eine fiskalische Zurückhaltung erfordern
wird» Die Wirtschaftsstatistiken der letzten Monate besagen recht eindeutig,
daß ein solches Vorgehen richtig sein dürfte".

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11/1976

US-KONGRESS ENTWICKELT ALTERNATIVPROGRAMM GEGEN DIE ARBEITSLOSIGKEIT

WASHINGTON --(AD)-- Die Erfahrungen der letzten Jahre, als die Vereinigten
Staaten und andere Industrienationen schwere Inflation und starke Arbeitslosigkeit gleichzeitig erlebten - man spricht heute von Stagflation - haben
die nie endende Debatte über "Vollbeschäftigungspolitik" in den USA tiefgreifend beeinflußt. Man glaubt nicht mehr daran, daß man nur die richtige
Kombination von geld oder haushaltspolitischen Maßnahmen zu finden und anzuwenden brauche, um ganz leicht die Vollbeschäftigung und ein nichtinflationäres Wachstum zu gewährleisten. Und wenn es jemals eine wesentliche Gruppe
von Amerikanern gab, die "ein bißchen" Inflation als sichere Kur gegen die
Arbeitslosigkeit betrachteten, dann ist auch dieser Glaube zutiefst erschüttert,
Und seit den schlechten Erfahrungen mit den Lohn- und Preiskontrollen vor
einigen Jahren sind die meisten Amerikaner jeder Art von "Einkommenspolitik"
- also jedem Versuch der Regierung, die Lohn- und Preisentscheidungen direkt
zu beeinflussen - gegenüber höchst mißtrauisch.
Man sucht daher nach neuen Kombinationen politischer Maßnahmen, die die
Arbeitslosigkeit auf einem möglichst niedrigen Stand halten, ohne gleichzeitig wieder eine unnannehmbar

hohe Inflationsrate zu bewirken.
Der

- 1 -

�Der amerikanische Kongreß hat sich mit der Behandlung des "Gesetzes
über Vollbeschäftigung und ausgewogenes Wachstum von 1976" aktiv in das Problem
eingeschaltet. Der "Füll Employment and Balanced Growth Act of 1976" oder,
nach seinen Hauptinitiatoren, Senator Hubert Humphrey und Abgeordneter
Augustus Hawkins, als Humphrey-Hawkins-Bill bekannt, wird in mehreren Ausschüssen und Anhörungen gegenwärtig heftig debattiert.
Die Vorlage kann als Alternativprogramm der demokratischen Mehrheit im
Kongreß betrachtet werden, und wird praktisch von allen Bewerbern um die demokratische Präsidentschaftskandidatur unterstützt. Bei der republikanischen Administration unter Präsident Ford hat das Programm allerdings keine Unterstützung gefunden. Aber auch von Seiten führender Vertreter der Demokraten
fehlt bisher noch die letzte Zustimmung in bezug auf Einzelheiten seiner
Durchführung. Man kann jedoch damit rechnen, daß der Gesetzesvorschlag nach
gründlichen Ausschußdebatten und entsprechenden Abänderungen und Verbesserungen den Demokraten als Alternativprogramm zur derzeitigen Binnenwirtschaftspolitik der Ford-Administration dienen und damit zu einem wesentlichen Punkt in
dem bevorstehenden Präsidentschaftswahl kämpf werden wird*
Faktisch vereint die Humphrey-Hawkins-Bill zwei Problemkomplexe: die
Frage, welche Politik die amerikanische Regierung einschlagen soll, und die
andere Frage, wie weit sich die Regierung in die Koordinierung der Wirtschaftstätigkeit der Nation einschalten sollo
Was die Arbeitslosigkeit anbetrifft, so fordert die Vorlage, daß die Bundesregierung das Ziel einer Arbeitslosenrate von 3 Prozent bei den Erwachsenen
ansteuern solle, eine Zahl, die spätestens vier Jahre nach Inkrafttreten des
Gesetzes zu erreichen sei. Von der Regierung wurde gefordert, daß sie ihre
fiskalischen und monetären Werkzeuge auf die Erreichung dieses Zieles ansetzt,
daß sie aber zugleich ein ganzes Spektrum spezifischerer Maßnahmen entwickelt,
um die Zahl der Arbeitsplätze zu vermehren, und zwar vor allem auf dem priva-

- 2 -

«

�privaten Sektor. Sollte trotz dieser Maßnahmen die Zahl der Arbeitslosen
nicht rasch genug zurückgehen, so wäre die Regierung gehalten, yewissermas*en
als letztes Mittel, Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst zu schaffen, um so
das gesetzte Ziel einer Arbeitslosenrate von 3 Prozent zu erreichen.
Was die Planung anbetrifft, so sieht das Gesetz einen sorgsam bis ins
Detail ausgearbeiteten Prozeß vor, vermittels dessen der Präsident, der Wirtschaftsbeirat, die Bundesbank, der Kongreß und eine Gruppe von Beratergremier,
alljährlich einen "Plan für Vollbeschäftigung und ausgewogenes Wachstum'
aufstellen würden. Dieser Plan wäre aber keine Direktive für alle Sektoren
der Wirtschaft, sondern würde nur soweit ins Detail gehen, daß er "eine umfassende Gesamtperspektive unserer Bedürfnisse und Kapazitäten liefert und
als weit voraus weisende Richtlinie ftlr optimale private, bundesstaatliche,
einzelstaatliche und lokale Maßnahmen dient".
Alle an den Debatten über die Gesetzesvorlage Beteiligten stimmen darin
überein, daß es eine äußerst schwierige Aufgabe sein werde, die Arbeitslosenziffer bei den Erwachsenen auf 3 Prozent herunterzubringen. Im gegenwärtigen
Stadium besteht auch noch keine Klarheit darüber, wie der Begriff der "Erwachsenenarbeitslosigkeit" aufgefaßt werden soll. Doch hat der Staatssekretär
im Arbeitsministerium, William H. Kolberg, dazu vor den Kongreßmitgliedern
folgende Erklärung unter den verschiedenartigen Voraussetzungen gegeben:
"Wenn sich das Ziel der 3 Prozent auf diejenigen bezieht, die 18 Jahre
oder älter sind, dann wäre dies gleichbedeutend mit einer Arbeitslosenziffer
von fast 3 1/2 Prozent für alle Erwerbstätigen, sofern man ihre derzeitige
Zusammensetzung zugrundelegt. Während der letzten 30 Jahre hat die Arbeitslosenziffer für die Gruppe von 18 Jahren und darüber nur in den Jahren 1952-53
und 1968-69 in der Nähe der Drei prozentmarke gelegen; dies aber waren Perioden, in denen die Zahl der bei den Streitkräften tätigen Männer bei über
3,5 Millionen lag... Bezieht sich die bei diesem Ziel angestrebte Arbeits-

- 3 -

�Arbeitslosenziffer aber auf die Altersgruppe von 21 Jahren und darüber, so
entspräche dies

nach unserem besten Wissen einer Arbeitslosenziffer für

alle zivilen Erwerbstätigen von annähernd 4,1 Prozent. Im Verlauf der letzten
3o Jahre ist eine solche Ziffer in den Perioden von 1947-48, von 1951-53 und
von 1966-69 erreicht worden". Kolberg und andere Gegner der Gesetzesvorlage
argumentieren, daß die stimulierenden Maßnahmen, die notwendig wären, um
eine solche Ziffer zu erreichen, mit Sicherheit einen gefährlichen inflationären Druck erzeugen würden.
Das auf 3 Prozent festgesetzte Ziel hat selbst bei liberalen Wirtschaftsexperten, die im allgemeinen die Ziele der Demokraten unterstützen, Kritik
hervorgerufen.
So verwies Charles Schultze von der Brooking Institution vor einem Senatsausschuß auf die Relation zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit während
der vier Inflationsperioden in den Vereinigten Staaten seit 1949. "Der zentrale Punkt", so sagte er, "ist klar - sowie die Arbeitslosenziffer bei den
Erwachsenen unter die 4,5 Prozentschwelle herabgedrückt wird, steigt die Inflationsrate über ihr anfängliches Niveau. Solange es keine neuen wirksamen
Instrumente für eine Inflationskontrolle gibt, würde das Herabdrücken der Erwachsenenarbeitslosenziffer auf das Drei-Prozent-Ziel mit Sicherheit zu beträchtlicher Inflation führen."
Die Leiterin des Budgetamtes des Kongresses, Alice Rivlin, hat warnend
darauf hingewiesen, daß "niemand sich mit der Möglichkeit einer Beschleunigung
der Inflation, sobald die Wirtschaft

sich der Drei-Prozent-Ziffer in der Ar-

beitslosigkeit nähert, unbesorgt abfinden könne."
Vor einigen Jahren, als die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten
weitaus niedriger lag als heute und auch niedriger als in den meisten anderen
Industriestaaten, wurde von vielen die Ansicht vertreten, daß die Vereinigten
Staaten gewillt sein müßten, eine höhere Inflationsrate zu akzeptieren, um

- 4 -

�*

um auf diese Weise menschliches Leid zu mildern und die sozialen Kosten zu
vermeiden, die sich aus einer hohen Arbeitslosigkeit ergeben. John Kenneth
Galbraith hat sich in seinen Darlegungen vor dem Bankenausschuß des Senats
der Auffassung anderer dort ihre Ansicht vertretender Zeugen angeschlossen,
wenn er warnend darauf hinwies, daß dieser Standpunkt heute niemals die politische Unterstützung finden würde, die für eine Verabschiedung des Gesetzes
notwendig wäre.
Da die fiskalische und monetäre Politik die Inflation bekämpft, ind*»sie Arbeitslosigkeit schafft, bleibt nach Ansicht von Galbraith nur die eine
Alternative, daß man der Regierunq die Macht gibt, durch Intervention die
Lohn- und Preissteigerungen zu bremsen.
Nicht jeder jedoch ist von der Wirksamkeit der Einkommenspolitik überzeugt, und auch andere Experten, die vor dem Ausschuß ihre Aussagen zu diesem
Themenkomplex machten, sind mit Schultze der gleichen Meinung, daß zusätzliche
Instrumente eingesetzt werden müßten, um die Arbeitslosenziffer zu senken,
ohne deshalb eine inflationistische Wirkung hervorzurufen.
In der Humphrey-Hawkins-Bill sind bereits mehrere Arten zusätzlicher Maßnahmen, die r?.n °r"reifen könnte, aufgeführt, darunter ein erweitertes Ausbildungsprogramm

für arbeitslose Jugendliche, Beschleunigung bei der Durch-

führung öffentlicher Bauvorhaben, die bei steigender Arbeitslosigkeit automatisch in Angriff genommen werden würden, und direkte Einstellungen im öffentlichen Dienst, um Arbeitsplätze für all diejenigen zu schaffen, die trotz der
anderen Maßnahmen keinen Arbeitsplatz gefunden haben.
In einem immer wieder gegen den Gesetzesvorschlag vorgebrachten Einwand
wird darauf hingewiesen, daß eben diese Bestimmung, Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst als "letztes Mittel" zu schaffen, sich stark inflationär auswirken würde . Nach der Vorlage würde die Regierung gehalten sein, für diese

- 5 -

�*

diese Arbeitsplätze die "gängigen" Löhne zu zahlen. Viele Kommentatoren haben
nun hervorgehoben, daß diese "«ängigen" Löhne relativ hoch liegen und daß
manche, die dann Stellen mit niedrigen Löhnen haben, versucht sein könnten,
ihre derzeitigen Arbeitsplätze aufzugeben, für einige Wochen Arbeitslosenun*
terstützung zu beziehen, um dann Anspruch auf eine Stelle im öffentlichen
Dienst zu erheben, die ihnen mehr Geld einbringt, als sie an ihrem früheren
Arbeitsplatz verdienten.
An dem Gesetzentwurf sind, seit er im vorigen Jahr zum erstenmal eingebracht wurde, schon drastische Revisionen vorgenommen worden,und es spricht
vieles dafür, daß noch weitere Revisionen erfolgen werden. Senator Humphrey
bemerkte vor kurzem, daß die Gesetzesvorlage "während der Debatte, den Erörterungen und Hearings zweifellos noch poliert und verbessert werden wird."
Aber selbst eine drastisch revidierte Version dürfte kaum die Gunst der
derzeitigen Administration finden. Alan Greenspan, der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates von Präsident Ford, vertritt die Ansicht, daß die beste Antwort auf das Problem der exzessiven Arbeitslosigkeit in den USA wohl in einem
guten Arbeitslosenversicherungsprogramm zu liegen scheine - wie es die Nation
bereits hat - gekoppelt mit langfristigen Ausbildungs- und Umschulungsprogrammen .
Wie Greenspan hinzufügte, "wird das Fehlen an produktiven Arbeitsplätzen
für unsere Arbeiterschaft im privaten Sektor der Wirtschaft eine erhebliche
Steigerung an Kapitalinvestitionen erfordern." In diesen Ausführungen wird
seine Überzeugung deutlich, daß die Regierung nur dann Vollbeschäftigung erreichen kann, wenn sie eine Politik verfolgt, die solche Investitionen ermutigt.
Die Bundesregierung ist nach dem noch geltenden Beschäftigungsgesetz
von 1946 ohnehin verpflichtet, für Vollbeschäftigung zu sorgen. Danach muß
sie alles in ihren Kräften stehende tun, um Bedingungen zu schaffen, "die

- 6 -

�I
"die maximale Beschäftigung, Produktion und Kaufkraft fördern."

Durch

dieses Gesetz wurden unter anderem auch der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten
und der Gemeinsame Wirtschaftsausschuß (beider Häuser) des amerikanischen
Kongresses ins Leben gerufen.
Das Gesetz aus dem Jahre 1946 wird jedoch heute von vielen Befürwortern
der Vollbeschäftigung als nicht mehr strikt genug betrachtet. Hier soll die
neue Vorlage von 1976 Abhilfe schaffen. Aber ob die Fachleute, und vor allem
die Öffentlichkeit, diese Vorlage als besser empfinden werben, solange sie
nicht neben dem Ziel der Vollbeschäftigung auch eine antiinflationäre Zielsetzung enthält, ist noch sehr die Frage.

X X X

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11/1976

NEUE MATERIE-TEILCHEN ENTDECKT

— ( A D ) - - Die Entdeckung eines "höchst exotischen Atoms" gab Ende Mai 1976
Professor Melvin Schwartz (Stanford-Universität) bekannt, der zur Zeit
mit einer Forschergruppe am Brookhaven National Laboratory (New York)
arbeitet. Es handelt sich um die Kombination eines geladenen Pi-Mesons mit
einem entgegengesetzt geladenen My-Meson, in der die beiden Partikel durch
elektrostatische Anziehung miteinander verbunden sind. Diese Objekte, die
von ihren Entdeckern als "Pionium-Atome" bezeichnet werden,

ähneln dem ge-

wöhnlichen Wasserstoffatom, sind aber hundertmal kleiner. Sie entstehen als
außerordentlich seltene Zerfallsprodukte des neutralen K-Mesons (K°. ), eines
Atomteilchens mit der Lebensdauer von 50 Milliardstel Sekunden.
Die Bausteine des Pioniums sind überaus instabile Teilchen, die normalerweise nur äußerst flücl.-ig bei der Kollision energiereicher Partikel wie
Protonen und Neutronen auftreten. Das Pi-Meson, auch Pion genannt, wird zur
Gruppe jener Teilchen gerechnet, die vermutlich den "Kitt" der Atomkerne darstellen. Im freien Zustand existiert es höchstens für die Dauer von 20
Milliardstel Sekunden, um dann in ein My-Meson (Myon) und ein Neutrino zu
zerfallen. Das Myon verhält sich ganz ähnlich wie schweres Elektron. Seine
Rolle beim Ablauf von Kernreaktionen ist eines der großen Rätsel in der Teilchenphysik. Mit einer Lebensdauer von ca. 2 Millionstel Sekunden gilt es
als eines der "langlebigen" Partikel.

DU

�Die eigentliche Motivation für die Durchführung der Experimente war
laut Professor Schwartz die Tatsache, daß das Pionium ein einzigartiges
empfindliches System für das Studium der Wechselwirkungskräfte zwischen einem
Pion und einem Myon darstellte Den heute gültigen Hypothesen zufolge ist diese
Kraft elektromagnetischer Natur« Deshalb seien, so wird daraus gefolgert, alle
Eigenschaften des Pioniums und seine Produktionsrate gut v-hersagbar. Jede
Abweichung von solchen Voraucsagen aber zeige eine - für die theoretische
Kernphysik interessante - Anomalie in der Pion-Myon-Bindung an, die möglicherweise Aufschluß über die Natur des My-Mesons geben könne.

Welche Schwierigkeiten diese Art von Experimenten bereiten, ist daraus
ersichtlich, daß nur etwa alle 10 Stunden ein Pionium-Atom nachzuweisen war«
Die errechnete Wahrscheinlichkeit für das Zustandekommen einer Bindung zwischen
einem Pion und einem Myon liegt bei 1:10 000 000. Man versucht jetzt, diese
auch experimentell zu bestimmen. Alles in allem wurden bisher erst 21 Pionium"Kandidaten" ermittelt» Professor Schwartz will durch weitere Experimente
mehr Informationen zu dem von ihm und seinen Mitarbeitern entdeckten Partikel
sammeln, dessen Existenz bisher nur postuliert, aber nicht beobachtet worden
war.
Ein ähnlich wichtiger Schritt gelang Wissenschaftlern vom Lawrence
Berkeley Laboratory (LBL) der Universität Kalifornien und des Linearbeschleuniger-Instituts (SLAC) der Stanford-Universität in Palo Alto (Kalifornien) mit
der Entdeckung eines Teilchens, das sich durch die seit langem vorausgesagten,
jetzt aber zum ersten Mal experimentell erfaßten "Charm"- Eigenschaften auszeichnet. Die Masse dieses Teilchens, dem seine Entdecker noch keinen Namen
gegeben haben, ist fast doppelt so groß wie die eines Protons (Atomkern von
einfachem Wasserstoff). Es ist von relativ langer Lebensdauer, bevor es in
leichtere, häufiger auftretende Partikel zerfällt.
Diese Eigenschaften und die Zerfallsreaktionen lassen darauf schließen,
daß es zu eine.r völlig neuen Familie subatomarer Teilchen mit "Charm"- Eiigen -

�Eigenschaften gehört. "Charm" hat in diesem Zusammenhang eine ähnlich große
Bedeutung wie zum Beispiel die elektrische Ladung.

Der Entdeckung gingen - ur^er Anwendung von Neutrino-Strahlen - langwierige Versuchsserien am Bronkhaven National Laboratory (New York), am FermiNational Laboratory (Chicago) und am Europäischen Kernforschungszentrum
(CERN) in Meyrin bei Genf voraus, in deren Verlauf die beteiligten Physiker
aufgrund ihrer Beobachtungen bereits zu der Vermutung kamen, daß "charmed
particles" existieren müßten. Aber sie vermochten weder die Masse noch die
Zerfallsreaktionen dieser Teilchen aufzuspüren.
Bei den Experimenten der Gruppen von Berkeley und Stanford wurden Elektroden- und Positronen-Strahlen frontal aufeinandergerichtet. Mit der Kollision
kirn es zu einer "Zerstrahlung" und gegenseitigen Auslöschung der Materiefeil chen, die in den Zustand reiner Energie übergingen. Daraus wiederum entstanden, bekannten physikalischen Gesetzen folgend, Materie-Partikel in verschiedenen Kombinationen. Auf diese Weise lassen sich Eigenschaften subatomarer Partikel unter kontrollierten Bedingungen studieren. Die Experimente
werden fortgesetzt.

XXX

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA 200&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das dritte Jahrhundert Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausstellung über Wissenschaft und Technik im Kennendy-Raumflugzentrum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Marine feiert Amerikas 200. Geburtstag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Internationale Flottenparade und Segelschifftreffen in New York&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftsaufschwung in den USA übertraf Erwartungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Halbjahresbericht des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Kongress entwickelt Alternativprogramm gegen die Arbeitslosigkeit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Materie-Teilchen entdeckt</text>
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Dokumentation

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21. J u l i 1976

13

Inhalt

DOKUMENTATION:
Jimmy Carter Präsidentschaftskandidat der Demokraten
- Wortlaut seiner Rede vor dem Parteikonvent am 15. Juli 1976

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Das Universum ist noch älter
Genauere "Meßuhr" für kosmologische Berechnungen
Photosynthese in der Bakterienzelle
Biologische Ionenpumpe arbeitet mit Sonnenlicht

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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13/1976

JIMMY CARTER PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER DEMOKRATEN
- Wortlaut seiner Rede vor dem Parteikonvent am 15. Juli 1976 -

NEW YORK - (AD) - Jimmy Carter, ehemaliger Gouverneur des Staates
Georgia, Marineoffizier a.D. und Erdnußfarmer, hat am 15. Juli die Nominierung seiner Partei zum Präsidentschaftskandidaten angenommen. Am gleichen
Tag gab er bekannt, daß er Senator Walter F. Mondale aus dem Staate Minnesota zum Vizepräsidentschaftskandidaten gewählt habe. Diese Wahl wurde durch
den Parteikonvent bestätigt. Der Präsidentschaftskandidat und der Vizepräsidentschaftskandidat der Republikaner werden auf dem Parteikonvent dieser Partei vom 16. bis 18. August in Kansas City, Missouri, nominiert werden.
Jimmy Carter hat in der traditionellen "Acceptance Address" - der Einwilligungsansprache - sein politisches Konzept in großen Zügen umrissen.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Mein Name ist Jimmy Carter, und ich bewerbe mich um das Amt des Präsidenten.
Es ist lange her, seit ich diese Worte zum erstenmal aussprach, und
heute stehe ich hier, nachdem unser großes Land mit Ihrer Nominierung einverstanden war. Ich nehme die Nominierung mit den Worten von John F. Kennedy
"aus ganzem und dankbarem Herzen - und mit der einen einzigen Verpflichtung
- 1 -

�Verpflichtung - an, mich mit allen Fasern meines Körpers, meines Herzens
und meines Geistes dafür einzusetzen, unsere Partei wieder zum Sieg und unsere Nation wieder zur Größe zu führen."
Es ist mir eine Freude,hier bei Ihnen als Demokraten zu sein und sagen
zu können, daß unsere Zweihundertjahrfeiern und unser Parteikonvent im 200.
Jahr des Bestehens unserer Nation ein Parteikonvent des Glanzes und der Ordnung ohne alle Kämpfe oder Zügellosigkeit war.
was nur alle zweihundert Jahre vorkommen.

Unter Demokraten kann so et-

Aber mit einer so einigen Demo-

kratischen Partei sind wir bereit und erwartungsvoll, im November gegen jeden
Kandidaten anzutreten, den die Republikanische Partei nominieren mag.
1976 wird kein Jahr der Politik im üblichen Sinne werden.
einem Jahr der Inspiration und Hoffnung werden.

Es kann zu

Und es wird ein Jahr der Teil-

nahme und der ruhigen und nüchternen Besinnung auf den Charakter und die Zielsetzung unserer Nation werden - ein Jahr in dem bereits jetzt die Wähler die
Experten einigermaßen ratlos dastehen ließen.
Und ich garantiere Ihnen, es wird das Jahr sein, in dem wir die Regierung
dieses Landes dem Volk dieses Landes zurückgeben werden.
In Amerika herrscht eine neue Stimmung.
Wir sind durch einen tragischen Krieg in Übersee und durch Skandale und

gebrochene Versprechungen im eigenen Lande erschüttert worden.

Unser Volk

sucht nach neuen Stimmen und neuen Ideen und neuen Führern.
Auch wenn jede Regierung ihre Grenzen hat und nicht alle unsere Probleme
lösen kann, so lehnen wir Amerikaner doch die Auffassung ab, wir müßten uns
mit Versagen und Mittelmäßigkeit oder einer geringeren Lebensqualität zufrieden geben.
Ich

�Ich bin der Überzeugung, daß wir aus dieser Zeit der Unruhe stärker
denn je hervorgehen werden.

Wie Soldaten, die in der Schlacht waren, sind

wir im Feuer gehärtet worden - wir wurden diszipliniert und erzogen.

Von be-

ständigen und einfachen moralischen Werten geleitet,sind wir hervorgegangen
als Idealisten ohne Illusionen, als Realisten, die die alten Träume von Gerechtigkeit und Freiheit nicht vergessen haben - von unserm Land und von der
Gemeinschaft.
In diesem Jahr haben wir 30 einzelstaatliche Vorwahlen abgehalten - mehr
als jemals zuvor - die es uns ermöglichten, unseren Wahl feidzug dem amerikanischen Volk direkt nahe zu bringen - in die Wohnungen und Einkaufszentren,
zum Schichtwechsel in die Fabriken, an die Hochschulen, in die Friseursalons,
an die landwirtschaftlichen Erzeugermärkte und in die Gewerkschaftsversammlungen „
Es war ein langer und persönlicher Wahlfeldzug - eine Erfahrung, die
demütig machte und uns daran erinnerte, daß politischer Einfluß letztlich
nicht bei den Managern der Macht, sondern beim Volke liegt. Es war eine Zeit
des Lernens und des Gedankenaustauschs, eine Zeit harter Debatten über die
wichtigen Fragen unseres Landes» Diese Art von Debatte gehört zu unserer Tradition, und als Demokraten sind wir Erben einer großen Tradition.
Ich bin nie mit einem demokratischen Präsidenten zusammengekommen, aber
ich bin immer Demokrat gewesen. Ich erinnere mich, wie ich vor Jahren als
Bauernjunge mit meiner Familie mitten in der Nacht draußen vor dem Haus saß
- alles eng um ein Batterieradio herum, das an unsere Autobatterie angeschlossen war, um Berichte über demokratische Parteikonvente in fernen Städten zu
hören.
Es war ein langer Weg von dem Auswahlprozeß hierher, und ich fühle mich
heute abend meiner Sache viel näher»

Unsere Partei ist die Partei jenes

Mannes, der damals auf diesen weit entfernten Konventen gewählt wurde und der
unsere Nation in ihren dunkelsten Stunden inspirierte und wieder aufrichtete
- 3 -

�aufrichtete - Franklin D. Roosevelt.
Unsere Partei ist die Partei eines kämpferischen Demokraten, der bewies, daß ein gewöhnlicher Mann ein ungewöhnlicher Führer sein kann - Harry
So Truman.
Unsere Partei ist die Partei eines tapferen jungen Präsidenten, der jene aufrief, die - ohne Rücksicht auf ihr Alter - im Herzen jung sind, um zu
neuen Grenzen nationaler Größe aufzubrechen - John F. Kennedy.
Unsere Partei ist auch die Partei eines großherzigen Texaners, der in
einer tragischen Stunde sein Amt übernahm und der dann mehr als jeder andere
Präsident in diesem Jahrhundert tat, um die Sache der Menschenrechte voranzutreiben - Lyndon EL Johnson.
Unsere Partei entstand aus den Knochenmühlen der alten Lower East Side,
den dunklen Hügeln von New Hampshire, den glühenden Hochöfen von Illinois,
den Kohlengruben von Pennsylvania, den kargen Farmen der südlichen Küstenebenen und aus den grenzenlosen Grenzen Amerikas.
Unsere Partei ist die Partei, die Generationen von Einwanderern willkommen hieß - die Juden, die Iren, die Italiener, die Polen und all die anderen - die sie in ihre Reihen aufnahm und die politischen Kämpfe ausfocht,
die ihnen halfen, sich in den großen Strom der Amerikaner einzufügen - und
sie haben den Charakter unserer Partei bestimmt.
Das ist unser Erbe. Unsere Partei ist niemals vollkommen gewesen, wir
haben Fehler gemacht,und wir haben dafür bezahlt. Aber wir haben eine Tradition der Führerschaft und des Mitgefühls und des Fortschritts, Unsere Führer
haben für jedes Stück progressiver Gesetzgebung von den ersten Anfängen bis
zur Sozialversicherung und den Bürgerrechten gekämpft. Wenn es darauf ankam,
waren die Demokraten da.

In

�•'

In den letzten Jahren hat unsere Nation jedoch ein Versagen de»- Führung
erlebt.

Wir sind verletzt worden,und wir sind desi^lusioniert worden.

W:r

haben eine Maue&lt;- hochgehen sehen, die uns von unsere»* eigenen Regierung trennt
Wir haben einige kostbare Dinge verloren, die unser Volk und unsere Regierung
historisch miteinander verbunden haben.
Wir spüren, daß ein moralischer Verfall unser Land geschwächt hat, daß es
du^ch einen Mangel an Zielen und Werten beeinträchtigt ist,und wir spüren, daß
unsere Diener der Öffentlichkeit den Glauben an uns verloren haben. Wir sind
eine Nat.on, die zu lange dahingetrieben ist. Wir sind zu 'ange ohne Führung gewesen. Wi^ haben zu lange eine gespaltene, aktionsunfähige Regierung gehabt.
Wir sind zu 'ange durch das Veto regiert worden. Wir haben zu U n g e unter den
Händen einer müden abgekämpften Administration ohne neue Ideen, ohne Jugend
oder Lebenskraft,ohne Weitblick und ohne das Vertrauen des amerikanischen Volkes gelitten.
Es besteht die Angst, daß unsere besten Jahre hinter uns lägen, und ich
sage Ihnen, daß die besten Jahre unserer Nation noch vor uns liegen. Unser
Land hat eine Zeit der Erschütterung durchlebt. Jetzt ist die Zeit zur Heilung gekommen
Wir wollen wieder Glauben haben.
Wir wollen wieder stolz sein.
Wir wollen einfach wieder Wahrheit haben.
Es ist an der Zeit, daß die Regierung vom Volke ausgeht und nicht umgekehrt
Es ist an der Zeit, unsere Familien, unsere Nachbarschaft und unsere
verschiedenartigen Kulturen und Gepflogenheiten zu ehren und zu stärken.
Wir brauchen einen demokratischen Präsidenten und einen Kongreß, um auf
einen Wandel hinzuarbeiten, - in Harmonie, unter gegenseitiger Achtung und
offen auf einen Wandel hinzuarbeiten.

Im kommenden Jahr werden wir diese neue

Führung haben.
Es
- 5 -

�Es ist an der Zeit für Amerika, voranzuschreiten und zu reden - nicht
mit großen Worten und feindseliger Haltung, sondern mit ruhiger Stärke - um
in der Weltpolitik nicht lediglich von der Größe eines Waffenarsenals, sondern von der Nobilität der Ideen abzuhängen - und im eigenen Lande nicht durch
Konfusion und Krise, sondern mit Anstand und Einfallsreichtum und Vernunft
zu regieren.
Zu viele Menschen mußten unter den Händen einer politischen und wirtschaftlichen Elite leiden, die die Entscheidungen gestaltet haben und sich
niemals für Fehler rechtfertigen oder unter Ungerechtigkeit leiden mußten.
Wenn überall Arbeitslosigkeit herrscht, sie stehen niemals an, um einen Arbeitsplatz zu suchen.

Wenn Benachteiligung und Not aus einem konfusen und

verwirrenden Wohlfahrtssystem entstehen, ihnen fehlt es niemals an Nahrung
oder Kleidung oder an einem Platz zum Schlafen.

Wenn die öffentlichen Schulen

unzulänglich oder durch Streit zerrissen sind, dann gehen ihre Kinder auf exklusive Privatschulen.

Und wenn die Bürokratie nicht mehr aus und ein weiß,

dann wird es den Mächtigen immer gelingen, Nischen des besonderen Einflusses
und der besonderen Privilegien zu finden und zu besetzen.
system dient ihren Zwecken.

Ein unfaires Steuer-

Und enge Geheimhaltung scheint immer die Reform

zu verhindern.
Wir müssen alle aufpassen, daß wir uns nicht gegenseitig betrügen. Zu
oft sind unheilige, sich selbst fortzeugende Bündnisse zwischen Geld und Politik geschlossen worden,und der durchschnittliche amerikanische Bürger ist
auf Distanz gehalten worden.
Jedes Mal, wenn unsere Nation einen ernsthaften Fehler machte, ist das
amerikanische Volk vom Prozeß ausgeschlossen worden.

Die Tragödie von

Vietnam und Kambodscha wie die Schande von Watergate und der Ärger über die
CIA-Enthüllungen hätten vermieden werden können, wenn unsere Regierung dem
vernünftigen Urteil, dem guten gesunden Menschenverstand und dem hohen moralischen Charakter des amerikanischen Volkes entsprochen hätte.

Es

�Es ist an der Zeit, daß wir unsere eigene Regierung mit neuen Augen betrachten; die Geheimnistuerei abstreifen, den unberechtigten Druck von Interessengruppen an den Tag bringen, Verschwendung beseitigen, unsere öffentlichen Bediensteten von bürokratischem Chaos befreien, um ein festes Management
einzusetzen und immer daran zu denken, daß in jeder Stadt und in jedem Dorf
der Bürgermeister, der Gouverneur und der Präsident alle genau die gleichen
Wähler vertreten.
Als Gouverneur mußte ich mich jeden Tag mit der komplizierten, verwirrten,
sich überschneidenden und verschwenderischen Bürokratie der Bundesregierung
auseinandersetzen. Als Präsident möchte ich, daß Sie mir helfen, eine leistungsfähige, wirtschaftliche,zielstrebige und verwaltbare Regierung für unsere Nation zu entwickeln. Ich weiß, wie schwierig das ist, aber wenn ich gewählt
werde, wird es getan werden.
Wir müssen die Regierung stärken, die am engsten mit dem Volk verbunden
ist.

Unternehmen, Gewerkschaften, Landwirtschaft, Bildungswesen, Wissenschaft

und Regierung sollten nicht isoliert voneinander kämpfen, sondern sollten in
der Lage sein, nach gemeinsamen Zielen und nach gemeinsamen Chancen zu streben.

Wir sollten unsere Hauptinvestitionen in das Volk machen und nicht in

Gebäude und Waffen.

Die Armen, die Schwachen, die Alten und die vom Schicksal

betroffenen müssen mit Achtung und Mitgefühl und mit Liebe behandelt werden.
Ich habe in diesem Jahr viel von Liebe gesprochen, aber Liebe muß aktiv
in einfache Gerechtigkeit übersetzt werden. Die Bewährungsprobe für jede Regierung ist nicht, wie populär sie bei den Mächtigen ist, sondern wie ehrlich
und fair sie jene behandelt, die von ihr abhängen.
Es ist an der Zeit, für eine völlige Renovierung unseres Einkommenssteuersystems.

Es ist eine Schande für die Menschheit.

Mein ganzes Leben

lang habe ich Versprechungen für eine Steuerreform gehört, aber sie ist niemals richtig gekommen.

Mit Ihrer Hilfe wird sie endlich kommen.
Es
- 7 -

�Es ist an der Zeit

für eine umfassende Wählerregistrierung.

Es ist an der Zeit

für ein nationales umfassendes Gesundheitsprogramm

für unser ganzes Volk.
Es ist an der Zeit, die Beendigung der Diskriminierung auf Grund von Rasse
oder Geschlecht zu gewährleisten, indem jene, die wissen, was es heißt, unter
dieser Diskriminierung zu leiden, voll in die EntScheidungsprozesse unserer
Regierung einbezogen werden.
Es ist an der Zeit, daß dem Recht zum Durchbruch verholfen wird.

Wir

können nicht unsere Kinder erziehen, Harmonie unter unserer Bevölkerung schaffen
oder die grundlegenden menschlichen Freiheiten erhalten, wenn wir keine geordnete Gesellschaft haben.

Verbrechen und Mangel an Gerechtigkeit sind besonders

für jene grausam, die am wenigsten in der Lage sind, sich selbst zu schützen.
Rasche Verhaftung und rascher Prozeß und faire und einheitliche Strafen sollten
all jene erwarten, die unsere Gesetze brechen.
Es ist an der Zeit, daß die Verantwortlichen in unserer Regierung das Gesetz nicht weniger respektieren als der einfachste Bürger, damit der doppelte
Standard der Gerechtigkeit in Amerika beendet werden kann. Ich sehe keinen
Grund, warum die großen Übeltäter frei ausgehen sollten, während die armen
ins Gefängnis kommen.
Ein richtiges Funktionieren der Regierung bedeutet, daß es leicht ist,
Gutes und schwierig Böses zu tun. Als Ingenieur, Planer und Geschäftsmann erkenne ich ganz klar den Wert eines starken Systems des freien Unternehmertums,
das auf einer verstärkten Produktivität und angemessenen Löhnen basiert. Wir
Demokraten glauben, daß der Wettbewerb der Lenkung vorzuziehen ist, und wir
haben die Absicht, starke Sicherheiten für die Verbraucher mit einer Mindesteinmischung der Regierung in unser freies Wirtschaftssystem zu verbinden.

Ich

�Ich glaube, daß jeder, der in der Lage ist zu arbeiten, auch arbe^ten
sollte - und die Chance zu arbeiten haben sollte. Wir werden die Inflat'onsspirale niemals beenden können, wenn wir nicht ein ausgewogenes Budget haben - und ich bin entschlossen, das zu erreichen, solange es acht oder neun
Millionen Amerikaner gibt, die keine Arbeit finden können.
Jedes Wirtschaftssystem ist bankrott, das meint, aus der Arbeitslosigkeit Nutzen ziehen zu können. Wir können einfach nicht der Inflation Einhalt
gebieten, wenn wir unsere Menschen von der Arbeit abhalten.
Die oberste Verantwortung eines jeden Präsidenten ist es, die Sicherheit
unserer Nation zu garantieren - das heißt, die Garantie der Freiheit vor der
Drohung eines erfolgreichen Angriffs oder der Erpressung und die Garantie der
Fähigkeit, gemeinsam mit unseren Verbündeten den Frieden zu wahren.
Aber der Friede ist nicht nur einfach das Fehlen von Krieg. Friede bedeutet Maßnahmen zur Beseitigung des internationalen Terrorismus, Friede bedeutet die unaufhörlichen Bemühungen zur Wahrung de" Menschenrechte
Frede
ist die zusammengefaßte Demonstration der Stärke und des guten Willens. Wir
werden für den Frieden beten und arbeiten, bis wir alle Nationen von der Gefahr einer atomaren Zerstörung befreit haben»
Mit der Geburt Amerikas wurde ein neues Kapitel in der Geschichte der
Menschheit aufgeschlagen. Unser Land war das erste, das sich so klar der
grundlegenden Moral und den folgenden Leitsätzen verpflichtet hat: daß alle
Menschen gleich geschaffen und mit dem unveräußerlichen Recht auf Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück ausgestattet sind und daß s^ch die Macht der
Regierung aus der Zustimmung der Regierten herleitet.
Diese nationale Verpflichtung war ein einzigartiger Akt der Klugheit und
des Mutes, und sie führte die Besten und Tapfersten an unsere Ufer.
Es war eine revolutionäre Entwicklung, die Besitz ergriff von der Vorstellungskraft der Menschheit.
Sie
- 9 -

�Sie schuf die Grundlage für eine einzigartige Rolle Amerikas in der Welt
- die eines Pioniers bei der Schaffung würdigerer und gerechterer Beziehungen
zwischen Menschen und Gesellschaftsformen.
Heute, 200 Jahre später, müssen wir dieser Rolle gerecht werden sowohl
bei unseren Handlungen im eigenen Land als auch bei unseren Taten im Ausland
- in bezug auf die Menschen in aller Welt, die politisch bewußter, sozial geschlossener geworden sind und die in zunehmendem Maße ungeduldig hinsichtlich
der weltweiten Ungerechtigkeiten werden und die nun in mehr als 150 verschiedenen Nationen zusammengefaßt sind.
Dies erfordert nichts weniger als das kontinuierliche Bemühen, einen internationalen Rahmen des Friedens zu schaffen, innerhalb dessen unsere eigenen
Ideale allmählich eine globale Realität werden können.
Unsere Nation sollte ihren Charakter direkt aus unserem Volk herleiten;
dies sollte die Stärke und das Image sein, mit denen wir uns der Welt zeigen.
Unseren Freunden und Verbündeten sage ich, daß das, was uns durch unsere
gemeinsame Hingabe an die Demokratie einigt, sehr viel wichtiger ist, als das,
was uns gelegentlich in wirtschaftlichen oder politischen Fragen trennt.
Den Nationen, die sich aus der Armut erheben wollen, sage ich, daß
Amerika ihre Hoffnungen und Wünsche teilt und ihnen seine Hand entgegenstreckt,
Jenen Nationalstaaten, die sich mit uns messen wollen, sage ich, daß wir
weder den Wettbewerb fürchten, noch ihn als Hindernis für eine stärkere Zusammenarbeit betrachten.
Allen Menschen sage ich, daß Amerika nach 200 Jahren weiterhin vertrauensvoll und jugendlich an seinen Verpflichtungen gegenüber der Freiheit und
Gleichheit festhält.

In
- 10

�In diesem Wahljahr werden wir Kandidaten Sie um Ihre Stimme bitten,
und von uns wird man fordern, daß wir unsere Ideen und Vorstellungen darlegen.
Meine Vorstellung von dieser Nation und ihrer Zukunft hat sich während
der 19 Monate, in denen ich unter Ihnen meinen Wahl kämpf um die Präsidentschaft geführt habe, vertieft,und sie ist gereift. Ich habe niemals mehr
Vertrauen in Amerika gehabt als heute.
Wir haben ein Amerika, das,wie Bob Dylan sagte, noch mit seiner Geburt
und nicht mit seinem Tod beschäftigt ist.

Wir können eine amerikanische

Regierung haben, die sich von Skandal und Korruption und amtlichem Zynismus
abwendet und unserem Volke gegenüber anständig und kompetent ist.
Wir können ein Amerika haben, das seine wirtschaftlichen Erfordernisse
mit dem Wunsch nach einer Umwelt vereinbart, die wir mit Stolz der nächsten
Generation weitergeben können.
Wir können ein Amerika haben, das für die Erziehung meines Kindes und
Ihres Kindes und jeden Kindes Ausgezeichnetes leistet.
Wir können ein Amerika haben, das stolz ist, auf unsere ethnische
Vielfalt auf unsere religiöse Vielfalt und auf unsere kulturelle Vielfalt
und sie ermutigt, in dem Wissen, daß aus unserem pluralistischen Erbe die
Stärke und Lebenskraft und Kreativität gekommen ist, die uns groß gemacht
haben und uns groß erhalten werden.
Wir können eine amerikanische Regierung haben, die ihre eigene Bevölkerung nicht unterdrückt oder ihr nachspioniert, sondern unsere Würde und
unsere private Sphäre und unser Recht, zufriedengelassen zu werden,respektiert.
Wir können ein Amerika haben, in dem sich Freiheit und Gleichheit gegenseitig unterstützen und nicht in Konflikt zueinander stehen und in dem die
- 11 -

�die Träume der ersten Führer unserer Nation in unseren Tagen voll verwirklicht werden.
Wir können ein Amerika haben, das den Idealismus der Studenten, das Mitgefühl der Krankenschwester oder des Sozialarbeiters, die Entschlossenheit
des Farmers, die Klugheit des Lehrers, die praktische Leistung des Wirtschaftsführers, die Erfahrung des älteren Bürgers und die Hoffnung des Arbeiters in
seinen Dienst stellt, um ein besseres Leben für uns alle aufzubauen.
Wie ich bereits gesagt habe, können wir einen amerikanischen Präsidenten
haben, der nicht mit einer negativen Einstellung und in Angst vor der Zukunft
regiert, sondern mit Nachdruck und Weitblick und zupackender Führung - ein
Präsident, der nicht von unserem Volk isoliert ist, sondern der Ihre
Schmerzen fühlt

und Ihre Träume mit Ihnen teilt

und seine Stärke und Viel-

falt und seinen Mut von Ihnen nimmt.
Ich sehe ein Amerika, das wieder vorwärts schreitet, geeint, eine vielfältige und lebensstarke und tolerante Nation, die mit Stolz und Vertrauen
in das dritte Jahrhundert ihres Bestehens eintritt, ein Amerika, das der Gröü-»
unserer Verfassung und dem einfachen Anstand unseres Volkes gerecht wird.
Das ist das Amerika, das wir wollen.
Das ist das Amerika, das wir haben werden.
Wir werden aus diesem Parteikonvent vielleicht mit manchen Meinungsverschiedenheiten herausgehen, aber trotzdem geeint in unserer ruhigen Entschlossenheit, unser Land wieder groß, vorwärts schreitend und hochgemut zu machen,
bereit, große nationale Taten zu vollbringen. Und wieder, Brüder und Schwestern,
werden unsere Herzen vor Stolz schwellen, wenn wir uns Amerikaner nennen.

+ + + + +

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DAS UNIVERSUM IST NOCH ÄLTER
Genauere "Meßuhr" für kosmologische Berechnungen

(AD) - Auf 20 Milliarden Jahre kommen Wissenschaftler des Lawrence
Livermore Laboratory der Universität Kalifornien in Livermore bei der
Berechnung des Alters des Universums. Sie stützen sich dabei auf eine
neue, sehr viel empfindlichere und, wie sie glauben, genauere Methode,
die auf dem radioaktiven Zerfall von Rhenium-187 beruht. Dabei wird
ein Elektron abgegeben. Es entsteht das stabile, nicht radioaktive
Isotop Osmium-187.
Eine Berechnung des Alters der Welt ist nur mit theoretischen Überlegungen möglich. Bisher legte man dafür in erster Linie den radioaktiven
Zerfall von Uran und Thorium und die Rotverschiebung der Spektral!inien
von außergalaktischen Systemen, d. h. von Sternsystemen außerhalb unserer
Milchstraße zugrunde. Je weiter diese Systeme von uns entfernt sind,
desto schneller scheinen sie sich von uns fortzubewegen. Denn umso
stärker sind die Linien ihrer Spektren nach Rot verschoben.
Bei Anwendung der Uran-Thorium-Meßmethode, bei der das gegenwärtige
Mengenverhältnis der Ausgangselemente Uran und Thorium und ihrer in
bekannten Zeitabläufen entstehenden Zerfallsprodukte bestimmt wird, reicht
die kosmische Zeitskala ca. 14 Milliarden Jahre zurück«

Legt man die

�die Expansion des Weltalls mit der daraus resultierenden Rotverschiebung
der Spektren ferner Sternsysteme zugrunde, kommt man auf 17 Milliarden
Jahre.
Die amerikanischen Physiker John C. Browne und Barry L. Berman vom
Lawrence Livermore Laboratory konnten nunmehr dank einer außerordentlichen
Verfeinerung kernphysikalischer Meßmethoden die "Rhenium-Osmium"-Uhr für
kosmologische Berechnungen einsetzen, die schon 1964 von Prof. D. D.
Clayton (Rice-Universität, Houston in Texas) vorgeschlagen worden war.
Damals war es jedoch noch nicht möglich, die oben erwähnte Umwandlungsreaktion von zwei anderen Kernreaktionen zu trennen, durch die Osmium-187
gebildet und wieder abgebaut werden kann.
Das Prinzip der neuen kosmologisehen Uhr

ist die Bestimmung der

Länge einer Epoche in der Geschichte des Weltalls - der Zeitdauer der
sog. Nukleosynthese.

Sie begann mit der Bildung unseres Sternensystems,

der Milchstraße, und endete mit der Bildung unseres Sonnensystems.
wird angenommen, daß die Sternensysteme (Galaxien) etwe

Es

zwei Milliarden

Jahre nach der Geburt des Universums entstanden; des weiteren wird angenommen, daß unsere Sonne etwa 4,6 Milliarden Jahre alt ist.

Auf der Grund-

lage dieser Zahlen versuchten Dr. Browne und Dr. Berman die dazwischenliegende Zeitspanne zu ermitteln, in der im wesentlichen alle chemischen
Elemente durch Kernreaktionen entstanden sind»
In diesem Zusammenhang interessieren vor allem zwei Kernreaktionen,
und zwar stellare Wechselwirkungen von Neutronen mit Atomkernen, die in
den Sternen aufgebaut wurden. Im einen Fall fängt Osmium-186 ein Neutron
ein und wird Osmium-187; im anderen Fall fängt Osmium-187 ein Neutron ein
und wird zu Osmium-188,, Da diese Isotope außerordentlich selten sind
und ihre Reindarstellung große Schwierigkeiten bereitet, war bislang so
gut wie nichts darüber bekannt, in welchem Umfang Osmium-187 auf diese
Weise auf- und wieder abgebaut wird. Mit dem Calutron-Isotopenseparator des Oak Ridge National Laboratory gelang es jedoch, einige
Gramm hochreiner Präparate von Osmium-186 und Osmium-187 zu erzeugen.

�Bei Experimenten mit diesen Proben am Elektron-Positron-Linearbeschleuniger im Livermore-Institut, bei denen Neutronen mit Energien
erzeugt wurden, die jenen in Sternen vergleichbar sind (und die einer
Termperatur von ca. 300 Millionen Grad Celsius entsprechen), vermochten
die beiden Physiker den Ablauf der beiden Kernreaktionen zu bestimmen:
Der Zerfall von Rhenium-187 in Osmium-187 durch die Emission eines BetaTeilchens (d. h. eines Elektrons) geht sehr langsam vor sich. Die
Halbwertszeit liegt bei etwa 44 Milliarden Jahren. Auf Grund des
Mengenverhältnisses dieser beiden in Meteoriten gefundenen Isotope und
der nunmehr berechenbaren Mengen von Osmium-187, das durch Neutroneneinfang gebildet und wieder zerstört wird, wurde errechnet, daß die Periode
der Nukleosynthese vor etwa 18 Milliarden Jahren begann. Das ergibt
ein Gesamtalter von ca. 20 Milliarden Jahren für das Universum.
+ + +

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13/1976

PHOTOSYNTHESE IN DER BAKTERIENZELLE
Biologische Ionenpumpe arbeitet mit Sonnenlicht

(AD) - Jeder Gärtner weiß, daß seine Pflanzen Sonne brauchen, um zu
wachsen und zu gedeihen. Mit einem Prozess, den wir "Photosynthese"
nennen, hat die Natur einen einzigartigen Mechanismus geschaffen.
Chlorophyll, der grüne Farbstoff in Pflanzenzellen, wird vom Sonnenlicht aktiviert und setzt chemische Reaktionen in Gang, mit denen aus
Wasser und Kohlendioxid Traubenzucker synthetisiert wird. Diese Verbindung dient wiederum als Grundsubstanz für den Aufbau von Zuckern,
Stärke, Zellulose, Fetten und ölen in Pflanzenzellen. Aufspaltungsprodukte bilden in Reaktion mit Stickstoff, z. T. auch mit Phosphor und
Schwefel die Aminosäuren, die Grundbausteine für Eiweiß.
Diesen Weg der Nutzbarmachung von Sonnenenergie hielt man bisher
für ein Monopol der Pflanzen. Aber eine Gruppe von Wissenschaftlern in
den USA vermochte jetzt nachzuweisen, daß auch einfache Bakterien
(Halobacterium halobium) imstande sind, mittels Sonnenlicht chemische
Energie und physiologisch wichtige Substanzen zu produzieren. Der
Schlüssel für diese zweite Form der Photosynthese ist das Eiweißmolekül
Bakteriorhodopsin, ein Pigment, das dem Sehpurpur in der menschlichen
Netzhaut ähnlich ist.
Prof. Walther Stoeckenius, Zellbiologe an der Universität Kalifornien
in San Francisco, entdeckte die "Purpurmembran" der Halobium-Bakterien

�Halobium-Bakterien vor etwa fünf Jahren, als er noch an der Rockefell erUniversität in New York tätig war.

Er befaßte sich damals eingehend mit

dem Aufbau und den Funktionen von Zellmembranen im Zusammenhang mit Projekten der Herz- und Kreislaufforschung.

Veränderungen an Membranen können

beispielsweise zu einer Reihe von Störungen der Herztätigkeit und des
Kreislaufsystems beitragen was z. B. zu Herzversagen und Arteriosklerose
führen kann.
Am Biochemie-Department und am Institut für Herz- und Kreislaufforschungder Staatsuniversität San Francisco setzte Prof. Stoeckenius
seine Untersuchungen fort, für die sich inzwischen auch Wissenschaftler
des Ames-Instituts der NASA in Moffett Field (Kalifornien) interessierten.
Denn im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für das VIKING-Projekt,
speziell für die Aufgabenstellung und Ausrüstung des Biolabors im VIKINGLandeteil, wollte man Organismen studieren, die unter höchst ungewöhnlichen Umständen leben und auch bei extremen Bedingungen lebensfähig
sind.
Halobium-Bakterien sind solche Gesellen. Sie würden, so scheint es,
am liebsten in einer starken Salzlauge leben. Sie bevorzugen Salzwassertümpel und salzreiche Meere, beispielsweise das Mittelmeer und
die Region um San Francisco. Die Salzkonzentration kann so groß sein,
daß schon beinahe der Sättigungspunkt erreicht wird und sich in der
Flüssigkeit gar kein Salz mehr löst. Halobium-Bakterien sind die Ursache,
wenn sich Salzwasser orange verfärbt und Heringe rotfleckig werden.
Prof. Stoeckenius fand heraus, daß Halobium-Bakterien purpurrote
Membranflecke direkt unter der Zellwand bilden, wenn Sauerstoff oder
Nährstoffe im Umgebungswasser rar werden.

Die Proteine in dieser

Purpurmembran erhalten dann unter dem Einfluß von Sonnenlicht lebenswichtige Zellfunktionen solange aufrecht, bis Sauerstoff und Nährstoffe
wieder reichlicher angeboten werden.

Durch ganze Serien des Austauschs

von Protonen (elektrisch positiv geladener Atomkern des Wasserstoffs) wird

�wird in der Zelle Energie in der Form von ATP (Adenosintriphosphat)
gespeichert.
Die Forschergruppe unter der Leitung von Walther Stoeckenius (ihr
gehören Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Cornell-Universität in New York, des California Institute of Technology in Pasadena,
der Universität San Francisco, des Arnes-Forschungsinstituts der NASA,
des Weizmann-Instituts in Israel und der Universität Würzburg an) vermochte die Struktur von Bakteriorhodopsin weitgehend aufzuklären.

Dem

heutigen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse zufolge ist es das
einzige Protein in Membranen, das durch Lichtquanten aktiviert wird,
um Lebensvorgänge zu erhalten.
Die Aufgaben des Rhodopsins (Sehpurpur) in den Stäbchen der Netzhaut
des menschlichen Auges sind anderer Art. Es fungiert als Empfänger für
Lichtimpulse und als Signalwandler, der Lichtenergie in Nervenimpulse
umsetzt, die zum Gehirn weitergeleitet werden. Dort werden diese aufgenommen und interpretiert - die Endstation des Vorgangs, den wir als
"Sehen" bezeichnen. Für diesen Vorgang ist gespeicherte chemische
Energie erforderlich, die unter Lichteinwirkung freigesetzt wird. Denn
sobald Licht auf das Rhodopsin in der Zellaußenwand trifft, zerfällt
das Molekül über Retinin in Vitamin A und in Protein-Komponenten,
die später wieder zum Neuaufbau von Rhodopsin benutzt werden. Ein gewisser Anteil von Vitamin A geht jedoch verloren. Er muß über die
Nahrung ersetzt werden.
Bakteriorhodopsin dagegen setzt unter Lichteinwirkung eine Ionenpumpe in Gang, wobei elektrische Ladungen in der Form von Protonen aus
der Zelle transportiert werden.

Dadurch wird das für die Erhaltung der

Stoffwechsel Vorgänge notwendige.energieliefernde Enzym erzeugt.
Zwar ist der Nutzeffekt dieses Prozesses geringer als in Verbindung
mit Chlorophyll.

Aber das System ist einfacher und könnte der Wissen-

schaft auf vielen Gebieten weiterhelfen - z. B. allgemein in der Zell- 3 -

�Zell- und Membranforschung, vor allem bei der Aufklärung des Ionentransports durch Zellmembranen bei allen nur erdenklichen Lebewesen,
von primitiven Protozoen bis zum Menschen.

Da Bakteriorhodopsin dem

Sehpurpur der Netzhaut ähnlich ist, könnte es die überaus komplizierten
Detail Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Netzhaut-Rhodopsin
erleichtern.

Selbst die Technik könnte profitieren, indem man eines

Tages mit Hilfe künstlicher Protonenpumpen den Salzgehalt von Wasser
verändert, d. h. Salzwasser für Bewässerungszwecke entsalzt oder den
Salzgehalt in der Form von Nitrat erhöht, um Düngemittel anzureichern.
Und schließlich wäre es sogar denkbar, unter Verwendung des Halobium-Mechanismus aus Sonnenenergie Strom zu erzeugen.
+ + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jimmy Carter Präsidentschaftskandidat der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut seiner Rede vor dem Parteikonvent am 15. Juli 1976 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Universum ist noch älter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Genauere "Messuhr" für kosmologische Berechnungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Photosynthese in der Bakterienzelle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Biologische Ionenpumpe arbeitet mit Sonnenlicht&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

Telex:08-85432

14

4. August 1976

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL
Jimmy Carter: Vom Erdnußfarmer zum Präsidentschaftskandidaten
- Person und Werdegang Von Hugh 0. Muir
Die Kontinuität im öffentlichen Dienst der USA
- Geringe Auswirkungen bei Regierungswechsel Von J. Douglas Hoff
Bundesamt für den zivilen Regierungsdienst

INFORMATION
Internationale Textilmaschinenmesse in USA
Vom 21. - 29. Oktober 1976 in Greenville (South Carolina)

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Überraschungen vom Mars
Viel Sauerstoff im Boden, Stickstoff in der Atmosphäre
Vorstufe zum modulierbaren Hochleistungslaser
Erfolgreiche Versuche an der Stanford-Universität

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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14/1976

JIMMY CARTER: VOM ERDNUSSFARMER ZUM PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
- Person und Werdegang Von Hugh 0. Muir

WASHINGTON - (AD) - Am 13. Dezember 1974 kam Jimmy Carter - in den
letzten Wochen seiner vierjährigen Amtszeit als Gouverneur des Staates
Georgia - nach Washington, um eine Pressekonferenz abzuhalten. Vor einer
kleinen Gruppe von Freunden und Reportern gab er seinen Entschluß bekannt,
für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu kandidieren. Ein
im politischen Leben - außer im tiefen Süden der USA - praktisch Unbekannter
sprach jene heute weltweit bekannten Worte: "Mein Name ist Jimmy Carter,
und ich bewerbe mich um das Amt des Präsidenten ... Ich bin Farmer, Ingenieur,
Geschäftsmann, Planer, Wissenschaftler, Gouverneur und Christ."
Carter selbst erklärte einmal in einem Interview, daß er niemals einem
amerikanischen Präsidenten persönlich begegnet sei, ehe er Gouverneur von
Georgia wurde. "Die einzige Ausnahme war Harry Truman," so sagte er, "den
ich 1952 bei der Kiellegung der USS-Nautilus, des ersten amerikanischen Atomunterseeboots, in New London sah. Ich war Leutnant, der für Admiral Rickover
arbeitete."
"Für mich war die Präsidentschaft stets ein ganz erhabenes und sehr verehrungswürdiges Amt.

Das ist es immer noch!

Aber nachdem ich Gouverneur

�Gouverneur geworden war, traf ich mit Leuten zusammen, die entweder Präsident waren oder es zu werden hofften - Richard Nixon, Agnew.McGovern, Wallace,
Reagan, Rockefell er, Muskie - und ich fühlte mich keinem von ihnen unterlegen.
Ich bin überzeugt, daß ich genau so geeignet bin zum Präsidenten wie einer
von ihnen."
Jimmy Carter hat sich zum ersten Mal im Jahre 1962, als 37jähriger, um
ein politisches Amt beworben, nachdem er als Sohn eines Erdnußfarmers in der
Nähe von Plains im Staate Georgia aufgewachsen war, als Offizier in der
amerikanischen Marine gedient hatte und anschließend den im Familienbesitz befindlichen Farmbetrieb geleitet hatte.

Er kandidierte für den Senat des

Staates Georgia und konzentrierte seinen Wahl kämpf vor allem auf den ländlichen Bezirk im Südosten Georgias, in dem seine Familie seit 200 Jahren ansässig war.

Sein Gegenkandidat, ein Vertreter des politischen Establishments

gewann die Wahl mit buchstäblich einer "Handvoll" Stimmen.

Carter schöpfte

Verdacht, weil in einem Bezirk, dessen Stimmenmehrheit gegen ihn entschied,
in der Wahlurne 422 abgegebene Stimmen gezählt wurden, obwohl nur 333 Stimmzettel ausgegeben worden waren.

Carter beauftragte damals einen bewährten

Anwalt aus Atlanta, Charles Kirbo, mit der Untersuchung des Falles.

Er ge-

wann, und eine Neuwahl wurde angesetzt, bei der er mit 1500 Stimmen Mehrheit
siegte.

Kirbo ist seither der engste politische Berater Jimmy Carters.

Nach zweijähriger Amtszeit im Senat von Georgia wurde der Posten des
Staatsgouverneurs auf Grund einer Erkrankung des damaligen Gouverneurs vakant,
und Carter bewarb sich um die Nominierung für diesen Posten bei seiner Partei.
Trotz intensiver Kampagne, die er und seine ganze Familie führten, verlor er
als ein selbst in Georgia praktisch Unbekannter gegen Lester Maddox, der zum
Gouverneur gewählt wurde,
"Diese ganze Erfahrung," so schrieb Carter später,"war für mich eine
tiefe Enttäuschung.
loren.

Ich hatte Riesenschulden und 20 Pfund an Gewicht ver-

Ich wartete etwa einen Monat und begann dann erneut, mich um den

Gouverneursposten zu bemühen ... Diesmal wollte ich nicht wieder verlieren."
Er

�f

Er nutzte die vier Jahre bis zur nächsten Wahl, um seinen Heimatstaat
nach allen Richtungen zu bereisen und sich eine politische Basis zu schaffen.
Dabei vernachlässigte er keineswegs das eigene Familienuntern^hmen.
ser Zeit entwickelte er auch starke religiöse Impulse.

In die-

Er hatte schon seit

seinem 18. Lebensjahr an seiner Heimatkirche, einer Gemeinde der Southern
Baptists (Südliche Baptisten), wann immer er Zeit hatte, an der Sonntagsschule gelehrt.
Carter, dem vorgeworfen wurde, er habe seine Freunde unter den Ahängern
der Rassentrennung, versuchte 1964 die Rassentrennung in seiner Kirchengemeinde aufzuheben, die einzigen sechs Stimmen für die Aufhebung kamen jedoch
von seiner Familie. Die Southern Baptists Church praktiziert übrigens heute
noch die Rassentrennung. Carter nahm auch zweimal, 1968 und 1969,an Evangelisierungskampagnen seiner Kirche in Pennsylvania und Massachusetts teil:
"Mein kirchliches Leben gewann immer stärkere Bedeutung für mich' , so sagt er
heute. Er führte lange Gespräche mit seiner Schwester Ruth, die sich als
Evangelistin ganz in den Dienst ihrer Kirche gestellt hatte. Als sie ihn einmal fragte, ob er für seinen Glauben alles aufgeben würde, bejahte er zunächst,
räumte dann aber nach langem Nachdenken ein, daß er die Politik nicht aufgeben
würde.
Welche Intensität seine politische Betätigung erreichte, wird aus der
Tatsache deutlich, daß er in den vier Jahren bis zur Gouverneurswahl 1970 rund
1800 Reden hielt und mit seiner Frau Rosalynn - mit der er sich den Staat für
die Wahlkampagne aufgeteilt hatte.so diß sie meist getrennt auftraten - rund
600 000 Menschen die Hand schüttelten. Sein Gegner war ein populärer früherer
Gouverneur, Carl Sanders, der als liberal galt. Kritiker warfen Carter vor,
seine Anhängerschaft unter Konservativen und Anhängern der Rassentrennung zu
finden. Er hält dem entgegen, daß er sich stark um die schwarzen Wähler bemüht und zwar bei den Vorwahlen nicht sehr gut abgeschnitten,aber bei den Wahlen im Herbst (1970) die Mehrheit der Schwarzen für sich gewonnen habe.
Und dieses mal gewann er,und mit seiner Amtsantrittsrede ließ er nicht
nur die Einwohner des Staates Georgia aufhorchen, sondern verschaffte sich zum
- 3 -

�zum ersten Mal in ganz Amerika Gehör, als er erklärte:
unsere Bevölkerung so gut wie jeder andere.

"Ich glaube, ich kenne

Auf Grund dieser meiner Kennt-

nis ... sage ich Ihnen ganz offen, daß die Zeit der rassischen Diskriminierung
vorbei ist ... Kein armer, ländlicher, schwacher oder schwarzer Mensch sollte
jemals die zusätzliche Last tragen müssen, der Bildungschancen, eines Arbeitsplatzes oder der Gerechtigkeit schlechthin beraubt zu sein."
Die Presse machte Gouverneur Carter nach dieser Rede zu einem Vertreter
des "Neuen Südens",und er kam auf das Titelblatt eines großen Nachrichtenmagazins.

Er selbst bemerkte dazu:

solches Aufheben machen.

"Ich weiß nicht, warum die Leute darüber ein

All das habe ich schon den ganzen Sommer gesagt."

Während der vier Jahre seiner Amtszeit (die Verfassung des Staates Georgia
läßt nur eine Amtsperiode zu) legte er seinen besonderen Stolz in die Reorganisation der einzelstaatlichen Regierung.

Er faßte rund 300 Behörden in etwa

zwei Dutzend zusammen, führte eine Gefängnisreform durch, machte den Haushalt
übersichtlich und bot weitgehend Schwarzen Zugang zu den einzelstaatlichen Behörden,

Er prallte nicht selten mit der gesetzgebenden Körperschaft seines

Staates (Landesparlament) zusammen und erwarb sich den Ruf, daß er die Zügel
fest, wenn nicht gar zu fest, in der Hand hielte. Aber der Großteil seines
Programms wurde verabschiedet.
Während seiner Amtszeit als Gouverneur unternahm Carter auch zwei große
Auslandsreisen, die ersten, wenn man von seiner Zeit bei der Marine absieht.
An der Spitze einer Handelsmission seines Staates besuchte er im April 1972
Mexiko, Kolumbien, Brasilien und Costa Rica.

Im Mai nächsten Jahres folgte

eine Europareise, die ihn durch zahlreiche Städte führte, darunter London, Bonn,
Köln, Düsseldorf, Heidelberg, Berlin und Brüssel.

An diese Reise schloß sich

ein mehrtägiger Aufenthalt in Israel an.
Das Jahr 1972 brachte auch ein starkes Engagement in der amerikanischen
Innenpolitik.

Er nahm an Konferenzen der 50 Staatsgouverneure teil und wurde

von Aspiranten auf die Präsidentschaft, wie Hubert Humphrey, Edmund Muskie,
- 4 -

�r

Muskie, George McGovern und Henry Jackson umworben.

Auf dem demokratischen

Parteikor.vent 1972 wandte er sich gegen die Nominierung von McGovern und
setzte sich für Jackson ein.

"Ich begann das Amt des Präsidenten immer mensch-

licher und nicht unter historischen Aspekten zu sehen", so sagte er später.
Nach den Wahlen 1972 zog er sich an seinen Heimatort Plains zurück und
besuchte seine kranke Mutter.
du machen, wenn du
später erzählte:

Eines Abends fragte sie ihn:

nicht mehr Gouverneur bist?"

"Jimmy, was wirst

Seine Antwort war, wie sie

"Ich werde mich um das Amt des Präsidenten bewerben".

"Prä-

sident von was?", war ihre verblüffte Frage.
In den Jahren 1973 und 1974 schuf Carter die Grundlage für einen bundesweiten Wahlkampf.

Als Vorsitzender des Wahlkampfausschusses der Demokratischen

Partei für die Kongrefiwahlen 1974 (die sogenannten Zwischenwahlen zwischen den
Präsidentschaftswahlen) bereiste er das ganze Land, um seine Partei zu stärken
und zu reorganisieren.

Vor allen Dingen ging es ihm darum, die Scharte des

zweimaligen Verlustes des Präsidentenantes an die Pxepublikaner auszuwetzen.
Im Dezember 1S74 gab er dann, wie eingangs berichtet, seine Absicht bekannt,
sich um die Präsidentschaft zu bewerben.
Carter nutzte das Jahr 1975, um die Vereinigten Staaten intensiv zu bereisen und sich eine politische Organisation aufzubauen.

Unterstützt wurde

er von einem jungen Mann, Jody Powell, öer zum Pressesekretär avancierte.
Im Mai 1975 stattete er auch Japan einen Besuch ab.
Als im Januar 1976 der Prozeß der Nominierung der Delegierten für den
Parteikonvent begann - mit Vorwahlen und Nominierungsversammlungen in den einzelnen Staaten - war Carter bereit.
James Earl Carter Jr. wurde am 1. Oktober 1924 in Plains im Staate Georgia
als ältester von zwei Söhnen und zwei Töchtern des James Earl Carter sr. geboren.

Seinen amtlichen Vornamen benutzte weder er noch sonst jemand; er war

"Earl" oder "Jimmy" und das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben und wird
- 5 -

�wird voraussichtlich auch so bleiben.

Auch als Gouverneur unterzeichnete

er mit "Jimmy Carter",und daran will er auch als Präsident festhalten, wenn
er gewählt wird.
Er wuchs in einer kleinen Gemeinde drei Meilen östlich von Plains auf,
die Archery heißt und aus etwa 30 verstreuten Familien besteht, davon bis
auf zwei alles Schwarze.
der Familie aufwuchs.

Jimmy war die fünfte Generation, die auf der Farm

Bäuerliches Leben hieß morgens um vier Uhr aufstehen,

die Maultiere einspannen, bei der Ernte helfen, zu Fuß in die Schule gehen
- und spielen in der freien Natur - seine Spielgefährten waren alle Schwarze.
"Wir jagten, fischten, gingen auf Entdeckung, arbeiteten, bauten Baumhäuser, sammelten wilden Honig, ritten und spielten Karten", so erinnert er
sich.

"Wir haben Zuckerrohr gemahlen, Syrup gekocht, mit Maultieren gepflügt,

Melonen eingemacht, Gänse gerupft, Schafe geschert, Baumwolle gepflückt, Kühe
gemolken, Zäune geflickt, Hühner gefüttert, Haferflocken gepreßt und Baumwollbau en geschnürt".

All das spielte sich auf dem staubigen roten Lehmbo-

den an den beiden Flüßchen Choctawatchee und Kinchatoonee ab.

"Aber wenn es

zur Kirche oder zur Schule ging", so berichtete Carter erst kürzlich, "dann
trennten sich unsere Wege, und wir verstanden eigentlich nicht warum.

Unser

Leben wurde von unausgesprochenen, ungeschriebenen aber mächtigen Gesetzen
beherrscht, die praktisch nie in Frage gestellt wurden."
Eine Person, die diese Gesetze in Frage stellte, war seine Mutter, modern, liberal und unabhängig, die als ausgebildete Krankenschwester allen
half,ob schwarz oder weiß. "Miss Lillian", wie sie von Freunden und Bekannten
heute noch genannt wird, meldete sich mit 67 Jahren zum amerikanischen Friedenskorps und arbeitete zwei Jahre als Krankenschwester in Indien.
Jimmy Carter war der erste der Familie, der eine College-Ausbildung erstrebte.

Beeinflußt durch einen Onkel, der bei der Marine gewesen war, durch

seinen Vater, der eine Schwäche für das Militär hatte und im Ersten Weltkrieg
Leutnant gewesen war, und nicht zuletzt im Hinblick auf die hohen Ausbildungs-

�Ausbildungskosten auf einem privaten College bewarb er sich bei der Marineakademie in Annapolis.

1942 nahm er sein vorbereitetes Studium an der Tech-

nischen Hochschule von Georgia auf und wurde 1943 zur Marineakademie zugelassen.

Die Marine war für die nächsten zehn Jahre sein Leben.
Neben der sehr umfangreichen und harten Ausbildung leistete sich Kadett

Carter als einzigen Luxus Spanisch als Fremdsprache - die er heute noch beherrscht.

Er spielte in der Football-Mannschaft und war ein guter Langläufer.

Sein Jahrgang erhielt auf einem alten Schlachtschiff in der Karibischen
See 1945 die praktische Ausbildung.

An Bord wurden sie über den Einsatz der

ersten Atombombe durch Präsident Truman und dann einige Tage später über das
Kriegsende unterrichtet.

Ein Jahr später wurde er zum Leutnant z. See beför-

dert.
Es folgten zwei Jahre Routinedienst,und 1948 meldete er sich zu den UBooten, wo er vier Jahre Dienst tat.

Ein entscheidender Abschnitt seines

Lebens war 1952 die Bewerbung zu dem neuen - umstrittenen - AtomunterseebootProgramm unter der Leitung von Admiral Hyman Rickover.

Das Gespräch mit Rickover,

bei dem er sich meldete, hat einen tiefen Eindruck bei Carter hinterlassen und
wird heute noch zitiert.

Rickover, so berichtet Carter, überließ ihm die Wahl

der Themen, die er behandeln wolle, und er wählte Dinge, von denen er glaubte,
sie seien ihm vertraut - nur um herauszufinden, daß Rickover weit besser Bescheid wußte.

Und als Carter schließlich voller Stolz erklärte, daß er auf

der Akademie unter 820 Kadetten immerhin als 59. abgeschnitten habe, fragte
Rickover:

"Haben Sie immer Ihr Bestes geaeben?", und Carter mußte nach langem

Nachdenken bekennen:

"No, Sir!"

Und die einzige Antwort Rickovers war:

"Warum nicht?"
"Warum nicht das Beste?" wurde so zum geflügelten Wort in der Wahlkampagne Carters und zum Titel seiner Autobiographie "Why not the Best?".
Carter besuchte Sender!ohrgänge für Reaktortechnik und Kernphysik und
- 7 -

�t

und war als Technischer Offizier für das zweite Atom-U-Boot der USA, die
Seawolf, vorgesehen.

Doch nach einem Jahr trat ein Ereignis ein, das seinen

Lebensweg völlig änderte.

Sein Vater erkrankte an Krebs und starb.

Nach reiflicher Überlegung - und "den ersten ernsthaften Auseinandersetzungen in meiner Ehe" - gab er sein Offizierspatent zruück und zog mit seiner
Frau und seinen drei kleinen Söhnen nach Plains, um zuhause den Familienbetrieb zu übernehmen.
In dem Jahrzehnt zwischen seiner Rückkehr nach Plains und seinem ersten
politischen Amt als Senator in Georgia modernisierte Carter die Farm und das
Erdnußgeschäft, er betätigte sich im kommunalen Bereich, etwa im Schulausschuß,
aber er trat eigentlich nicht hervor.

Als im Jahre 1954 die Rassentrennung

an öffentlichen Schulen durch das Oberste Bundesgericht als verfassungswidrig
verboten wurde, kam es als Reaktion im Süden der USA zur Gründung zahlreicher
"Weißer Bürgerräte" für die Einrichtung von Privatschulen.
zu den wenigen, die sich weigerten, beizutreten.

Carter gehörte

Ein daraufhin seinem Unter-

nehmen angedrohter Boykott schlug jedoch fehl, und das Schulproblem begann
mit der Zeit an Bedeutung zu verlieren.
Im Jahre 1962 übernahm Carters elf Jahre jüngerer Bruder, Billy, die
Leitung des Farmbetriebs und Jimmy Carter konnte sich ganz auf seine politische Karriere konzentrieren.
In den Jahren seiner politischen Tätigkeit wuchs seine Familie heran
- seine drei Söhne - John William, 29 Jahre, James Earl III (genannt "Chip"),
26 Jahre, und Jeffrey, 24 Jahre, sind alle verheiratet; in der Familie des
ältesten Sohnes wurde der erste Enkel geboren, der heute einjährige Jason.
Als später Nachkömmling in der Familie sorgt die heute achtjährige Tochter
Amy, ein strohblonder kleiner Wildfang und bekannt als Besitzerin eines vielbesuchten Limonadenstandes in Plains, für Leben und Frohsinn in der Carterfamilie. Die Carters feierten 1976 ihren 30jährigen Hochzeitstag - Rosalynn,
seine Frau, die selbst in der fünften Generation in Georgia ansässig ist, war
- 8 -

�war Jimmy Carter in Plains während ,ei .er Ausbildung an der Marineakademie
von Annapolis begegnet und ein Jahr darauf wurde geheiratet.
Als Carter im Januar 1976 sich offiziell um die Stimmen der Delegierten
für den Parteikonvent der Demokraten bewarb, galt er als einer der sechs
stärksten Kandidaten für die Nominierung seiner Partei.

Politische Beobachter

allerdings sahen in ihm eher den wahrscheinlichsten Kandidaten für eine Nominierung als Vizepräsident, da sein Status als Gemäßigter des "tiefen Südens"
eine hervorragende Kombination ergeben würde.

Von Anfang an aber erwies er

sich als weitaus mehr als nur ein regionaler Kandidat, nachdem er in der ersten
Nominierungsversammlung im Staate Iowa die Mehrheit gewann und auch bei den
ersten Vorwahlen im Staate New Hampshire sich als überlegen erwies. Als er
in Florida seinen ebenfalls aus dem Süden kommenden Konkurrenten, George
Wallace, schlug, wurde ganz Amerika auf ihn aufmerksam und er erreichte einen
Vorsprung in der Zahl der Delegiertenstimmen, den er immer weiter ausbauen
konnte.

Sein Hauptrivale der liberalen Seite, Morris Udall, konnte sich gegen

ihn nicht behaupten und sein anderer größter Rivale der konservativen Seite,
Henry Jackson, wurde von ihm in Pennsylvania entscheidend geschlagen.

Das

späte Eingreifen der beiden Liberalen Frank Church und Edmund Brown in die
Nominierungskampagne konnten seinen Siegeszug zwar etwas aufhalten.aber dank
seiner starken Organisation nicht mehr entscheidend beeinflussen.
Mit dem Sieg in Ohio am letzten Tag der Vorwahlen stieg die Zahl seiner
Delegiertenstimmen auf 1091, vierhundert weniger als für die Nominierung erforderlich. Sein Rivale, Morris Udall, der auf dem zweiten Platz lag, hatte
nur 313 Stimmen und innerhalb von 48 Stunden wurden unter der Führung von
Illinois so viele bisher noch nicht festgelegte Stimmen für Carter abgegeben,
daß seine Nominierung gesichert war.
Der Höhepunkt für den 51jährigen ehemaligen Gouverneur und Erdnußfarmer
war erreicht, als er am 15. Juli in New York das Podium des Demokratischen
Parteikonvents betrat und unter dem jubelnden Applaus der 20 000 in der Halle
Versammelten die traditionelle Ansprache zur Annahme der Nominierung hielt.
Er
- 9 -

�Er begann sie mit den gleichen Worten, die er vor 580 Tagen, am Anfang
seines Wahlkampfes, gesprochen hatte: "Mein Name ist Jimmy Carter und ich
bewerbe mich um das Amt des Präsidenten."

- 10 -

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14/1976

DIE KONTINUITÄT IM ÖFFENTLICHEN DIENST DER USA
- Geringe Auswirkungen bei Regierungswechsel Von J. Douglas Hoff
Bundesamt für den zivilen Regierungsdienst

- (AD) - Ein Regierungswechsel in den Vereinigten Staaten, den die Neuwahl eines Präsidenten häufig mit sich bringt, hat keineswegs Massenentlassungen im Staatsdienst zur Folge, wie dies vielfach unter Hinweis auf das
amerikanische Patronage-System - das Recht der in den Wahlen siegreichen Partei, gewisse Ämter neu zu besetzen - angenommen wird.

Was geschieht tatsäch-

lich, wenn der neue Präsident der anderen als der bisherigen Regierungspartei
angehört?
Nach den Wahlen von 1968, in denen das amerikanische Volk nach acht
Jahren demokratischer Administration einen Republikaner in das Weiße Haus
wählte, schieden noch nicht einmal 5000 hohe Regierungsbeamte - weniger als
0,2 Prozent der Gesamtzahl von 2,8 Millionen Bundesbediensteten - auf Grund
des Wahlausgangs aus dem Amt. Dabei handelte es sich ausschließlich um sogenannte "politische Beamte" - Minister und Leiter der Selbständigen Bundesbehörden sowie deren engste Mitarbeiter. Hierzu gehören die Stellvertreter dieser Amtsstellenleiter, Staatssekretäre, Unterstaatssekretäre, politische Berater und persönliche Assistenten und Referenten sowie die Botschafter, die
als persönliche Repräsentanten des Präsidenten einem neuen Präsidenten ihren
- 1 -

�1

I
ihren Rücktritt anzubieten pflegen.
Die Ämterpatronage hat im amerikanischen Regierungssystem einen festen
Platz.

Die Berufung von politischen Beamten - im Gegensatz zu Karrierebeamten -

in die höchsten Staatsämter bietet die Gewähr, daß sich die Männer und Frauen
in den Spitzenpositionen persönlich für ihre politischen Entscheidungen sowie
deren Durchführung durch die ihnen nachgeordneten Karrierebeamten verantwortlich fühlen - und hierfür auch verantwortlich gemacht werden können.
Die politischen Beamten gehören nicht zum Stammpersonal der Regierung,
das seine Dienstobliegenheiten unabhängig davon ausübt, wer jeweils als politischer Beamter die Richtlinienseiner Tätigkeit festlegt.

Den Karrierebeamten

obliegt mithin die Durchführung der Entscheidungen, die die politischen Beamten getroffen haben.

Sie sind es, die für die kontinuierliche Durchführung der

Regierungsprogramme Sorge tragen.
Sollte am 20. Januar 1977 ein neuer Präsident in das Weiße Haus einziehen,
brauchen die Bundesbediensteten insgesamt nicht zu befürchten, daß ihnen der
Regierungswechsel die Kündigung ins Haus bringen könnte - auch dann nicht, wenn
sie eine andere politische Meinung vertreten als der neue Präsident. Ihre Anstellungsbedingungen regeln sich nach zwei Gesetzen, die ihnen Schutz vor Entlassungen aus politischen Gründen gewähren: das Gesetz über den Bundesdienst
von 1883 und das Gesetz zur Regelung der politischen Betätigung der Bundesbediensteten aus dem Jahre 1939. Diesen Gesetzen zufolge haben Bundesbedienstete
das Recht auf Ausübung ihrer politischen Rechte, d.h. des Rechts, einer politischen Partei anzugehören, des Wahlrechts und des Rechts der freien Meinungsäußerung. Sie sind lediglich gehalten, sich nicht aktiv an der Parteiarbeit
zu beteiligen.
Das Verbot einer aktiven politischen Betätigung der Bundesbediensteten
ist Teil des "merit System", der in der Tradition und im Gesetz von 1883 verankerten Verpflichtung aller Bundesbehörden, Stellenbewerber auf Grund ihrer
persönlichen Qualifikationen und Eignung, nicht aber auf Grund ihrer Parteizu- 2 -

�Parteizugehörigkeit zu bewerten.

Dieses Gesetz soll sicherstellen, daß

erstens offene Stellen mit dem jeweils bestqualifizierten Bewerber besetzt
werden, daß zweitens alle Bewerber gleicher Qualifikation und Eignung die
gleiche Chance haben und daß drittens die Kontinuität im Staatsdienst auch
in Zeiten eines Administrationswechsels voll erhalten bleibt.
Unabhängig davon, ob die nächste Regierung also von einem Republikaner
oder einem Demokraten gebildet werden wird, dürften höchstens 6000 politische
Beamte ausgewechselt werden. Massenentlassungen in irgend einem Ministerium
oder in einer oberen Bundesbehörde wird es nicht geben. Der Präsident genießt natürlich das Vorrecht, Männer seines Vertrauens in die höchsten Regierungsstellen zu berufen - das sind schätzungsweise 1500 Männer und Frauen,
die der Präsident nach der Verfassung oder nach gesetzlichen Vorschriften nominiert und mit Zustimmung des Senats ernennt sowie deren engste Mitarbeiter,
die diese sich auswählen dürfen.

- 3 -

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14/1976

INTERNATIONALE TEXTILMASCHINENMESSE IN USA
Vom 21. - 29. Oktober 1976 in Greenville (South Carolina)

- (AD) - Die amerikanische Textilmaschinenindustrie rüstet sich für die
nächste, im Zweijahres-Turnus abgehaltene internationale Ausstellung, die
vom 21. - 29. Oktober 1976 wieder in Greenville im Bundesstaat South Carolina
stattfindet. Mehr als 200 Firmen aus den Vereinigten Staaten und Dutzende
weiterer führender Herstellerfirmen aus 31 anderen Ländern präsentieren die
neuesten Versionen von Textilmaschinen und Zubehörausrüstungen, die der Markt
zu bieten hat.
Ein herausragendes Merkmal des amerikanischen Angebots ist u.a. eine
große technische Flexibilität, die es ermöglicht, ein- und dieselbe Maschine
zur Herstellung der verschiedensten Gewebearten zu verwenden. Nie zuvor wurden
in den USA so viele und verschiedenartige Webmaschinen neben Strick-, Färbund Druckmaschinen gezeigt. Darüber hinaus werden auf der bevorstehenden
Messe die neuesten Finish-Verfahren für Webmaterialien und Gewebe demonstriert.
Die amerikanische Textilmaschinenindustrie hat sich in ihren Entwicklungsprojekten auf energiesparende Maschinen konzentriert, um so die rapide steigenden
Kosten für Betriebsstoffe und Strom abzufangen. Aber auch die Reduzierung des
Wasserverbrauchs beim Fabrikationsprozeß, der Schadstoffe in Abwässern und
des Lärms in Textilfabriken waren Ziele, die mit den neuen Ausrüstungen er- 1 -

�erreicht werden sollten.
Das US-Handelsministerium richtete bereits Sonderbüros zur Betreuung
der ausländischen Aussteller und Besucher ein.

Die ersten drei Ausstellungs-

tage sind führenden Vertretern von Industrie, Geschäftswelt und Fachmedien
aus dem Ausland sowie Vertretern des diplomatischen Corps reserviert.

Der

Gouverneur des Bundesstaates South Carolina, James B. Edwards, wird bei dem
Empfang am 22. Oktober, mit dem die Sonderausstellung im County Museum von
Greenville über die"Textilmanufaktur als erste große Industrie Amerikas" eröffnet wird, persönlich die Repräsentanten der auf der Messe vertretenen Firmen des In- und Auslandes als Ehrengäste begrüßen.

Vor zwei Jahren beherberg-

te die Stadt Greenville Messebesucher aus 68 Ländern.

,

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14/1976

ÜBERRASCHUNGEN VOM MARS
Viel Sauerstoff im Boden, Stickstoff in der Atmosphäre

- (AD) - Die Szenerie ist inzwischen vertraut: Eine Landschaft mit
orangerotem Boden, darauf verstreut lebhaft gefärbte Steinbrocken. Ein
Plateau am fernen Horizont. In der Nähe der Landesonde VIKING 1 eine Kette
von Hügeln, zwei davon übersät mit Felsen, die vielleicht aus unsichtbaren
Kratern jenseits der Hügelkette ausgeworfen wurden. Eine nahe Sanddüne,
gekrönt von einem schwarzen Felsen, erscheint unwirklich, wie in das Bild
hineingezeichnet.
•

Am späten Nachmittag beginnt der Wind von Osten zu wehen. Aber es ist
eher eine Brise, 20 km/st werden kaum überschritten. Gegen Mitternacht wird
es windstill. Später gerät die Luft wieder in Bewegung. Jetzt kommt der
Wind von Süden und Südwesten. Gelegentlich auftretende Böen erreichen
60 km/st - aber kein Vergleich in dieser Sommerszeit zu den schweren Stürmen
im Frühjahr und Herbst mit Windgeschwindigkeiten von Hunderten von Kilometern pro Stunde.
Nachts wechselt der Wind öfter die Richtung - dann nämlich, wenn sich
die Luft infolge der Kälte verdichtet und an den Abhängen zur Talsohle gleitet.

Denn in der Nacht wird es bitterkalt, mit Temperaturen um minus 85 Grad

Celsius.

Bis zum Nachmittag steigen die Werte wieder an, derzeit bis minus

�minus 29 Grad Celsius an der VIKING-Wetterstation 1,6 m über dem Boden.
Ganz unten ist es ein bißchen wärmer.
Den schwarzen Himmel färbt die Sonne am Morgen für ganz kurze Zeit
blaugrau, wie er auch uns Erdenbewohnern in der Morgendämmerung vertraut
ist.

Dann nimmt aber rasch die rosa-lachsrote Färbung überhand, an die man

sich in Pasadena inzwischen gewöhnt hat.

"Wir hätten es uns eigentlich den-

ken können", räumte Prof. Carl Sagan (Cornell-Universität) nach der Panne
mit der ersten Farbbildauswertung ein, in der von einem "blauen Marshimmel"
die Rede war.

Die Färbung wird durch rötlichen Staub in der überaus dünnen

Atmosphäre erzeugt; der Staub absorbiert blaues Licht und streut rotes Licht
von der Sonne.
Sechs verschiedene Gesteinsarten werden bereits in der Umgebung des
Landegeräts im Chryse-Becken unterschieden. Und der Boden ist tatsächlich
rot - ein tiefes rostiges Rot, wie man es auf der Erde findet, wo Wasser,
Luft und Mineralien zusammengewirkt haben. Die Farbe des Bodens läßt vermuten, daß der Mars einst ein ganz anderes Klima hatte - und viel fließendes
Wasser dazu. Heute befindet er sich nach Meinung von Dr. Tobias Owen
(Staatsuniversität New York) in einer Eiszeit. Der Planet ist kalt. Die
Oberflächentemepraturen sind viel zu niedrig, als daß sich nennenswerte
Mengen von flüssigem Wasser halten könnten. Große Mengen scheinen verdampft
und entwichen, weitere im Dauerfrostboden unter der Oberfläche gebunden zu
sein.
Die riesigen Strombetten, die durch Fluten ausgewaschen wurden, könnten,
so Dr. Harold Masursky, gut eine Milliarde Jahre alt sein. Aber kleinere
Flußbetten und "Zuflüsse" sind möglicherweise erst durch Regenfälle in den
letzten 100 Millionen Jahren entstanden. Auffällig die glatten Ränder des
sauber gezogenen ersten Grabens, den der Arbeitsarm des Roboters produziert
hat. Der Graben ist 17 cm lang, 6,3 cm breit und 5 cm tief. Das Ganze "sieht
aus wie nasser Sand", sagte Dr. Robert Hargraves (Princeton-Universität).
"Wir wissen natürlich, daß es kein nasser Sand sein kann. Dafür ist es viel
- 2 -

�viel zu kalt.

Aber irgendetwas hält die Sandkörnchen zusammen."

zugrundeliegt, muß erst noch herausgefunden werden.

Was dem

Die ersten 7 ccm, etwa

einen Teelöffel voll, erhielt das Biolabor, wo die Probe auf drei Experimente
verteilt wurde.

"Das Material ist jetzt am Kochen", verkündete Leonard Clark,

der die Probennahme überwacht, erleichtert.

Unter "Kochen" sind die chemischen

und Temperaturbehandlungen in fünf bis 11 Tagen zu verstehen, die bei den biologischen Untersuchungen für den ersten Durchgang gebraucht werden.

Ergeb-

nisse sind kaum vor dem 10. August zu erwarten.
Nur ein Kubikzentimeter Bodenmaterial ist für die molekulare Analyse mit
dem Gaschromatographen und Massenspektrometer (GCMS) erforderlich, bei der
nach organischen und anorganischen Verbindungen in der Oberflächenschicht geforscht wird. Das Gerät wird außerdem dazu benutzt, die Zusammensetzung der
Marsluft in Oberflächennähe zu bestimmen und mögliche Veränderungen im Verlauf
der Jahreszeiten aufzuspüren.
Zur großen Überraschung der Wissenschaftler weist die Atmosphäre in Bodennähe fast 3 Prozent Stickstoff auf, außerdem etwa 2 Prozent Argon neben
95 Prozent Kohlendioxid. Stickstoff und Argon sind Produkte aus dem Planeteninnern, die durch Ausgasung in die Atmosphäre gelangten. Angesichts der geringeren Gravitationskraft und des überaus schwachen Magnetfeldes des Planeten
Mars dürften diese Gase nach Ansicht von Dr. Michael McElroy (Harvard-Universität) zu einem großen Teil in den Weltraum entwichen sein. "Ich war von dem
hohen Stickstoffanteil überrascht", erklärte er. Die Ergebnisse der VIKINGMessungen von Isotopen der Elemente Stickstoff und Sauerstoff will Dr. McElroy
benutzen, um zu berechnen, wieviel Gas aus dem Planeteninnern kam - und entwichen ist.
Die Anwesenheit von Stickstoff erhärtet die Vermutung, daß der Mars in
vieler Hinsicht Bedingungen aufweist, die jenen auf der Erde ähnlich sind oder
zumindest ähnlich waren - im Hinblick auf das bei wahrscheinlich günstigerem
Klima und dichterer Atmosphäre ehedem vorhandene Wasser könnten diese Bedingungen auch für die Entwicklung von Leben günstig gewesen sein.
Einen

�Einen überraschend hohen Sauerstoffgehalt weist eine der inzwischen
untersuchten Bodenproben auf, Jedoch wollen die Wissenschaftler gerade dieses
Ergebnis noch "sehr sorgfältig prüfen".

Eisen, Silizium, Aluminium, Calzium,

Rubidium, Strontium und Zirkon wurden mit dem Röntgen-Fluoreszenzspektrometer
bereits'identifiziert,, Aber die Untersuchungen mit diesem Gerät, die der anorganischen Chemie unter Marsbedingungen gelten, sind gerade erst angelaufen.
Um schlüssige Aussagen machen zu können, sind noch viele Analysen erforderlich,
Die Kameras des Landeroboters überwachen jede einzelne Probenentnahme, so daß
die Wissenschaftler in Pasadena genau wissen, wo im Umkreis von mehr als 3 m
die jeweils analysierte Mars-"Erde" gelegen hat„
.

+ + + + +

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14/1976

VORSTUFE ZUM MODULIERBAREN HOCHLEISTUNGSLASER
Erfolgreiche Versuche an der Stanford-Universität

1

- (AD) - Eine Physikergruppe der Stanford-Universität konnte experimentell die These von Prof. John M.J. Madey bestätigen, daß es möglich sein müsse,
Lichtstrahlen mit Energie von einem Elektronenstrahl in einem Magnetfeld zu
verstärken. Darüber hinaus wiesen die Wissenschaftler nach, daß durch Variieren der Energie des Elektronenstrahls die Frequenz der Lichtwelle verändert
und so moduliert werden kann, daß eine Abstimmung auf die Schwingungen angeregter Atome in allen Arten von Materie möglich wird.
Ein nach diesen Prinzipien arbeitender Laser würde die Isotopentrennung
außerordentlich vereinfachen und die industrielle Anwendung photochemischer
Reaktionen in der Verfahrenstechnik erlauben.

So wäre es denkbar, durch die

Abstimmung des Laserstrahls auf die Frequenzen verschiedener Elemente in einer
Verbindung chemische

Reaktionen in Gang zu setzen, durch die völlig neuartige

Materialien erzeugt werden können.

Mit den heute angewandten Methoden sind sol-

che Reaktionen nicht durchzuführen.
Die Experimente demonstrierten die Möglichkeit zur Herstellung einer
neuen Klasse von Lasern.

Sie wurden mit dem neuen Elektronenbeschleuniger

des Instituts für Hochenergiephysik der Stanford-Universität durchgeführt,
der als erstes Gerät dieser Art in der Welt die Supraleitfähigkeit bei der
Magnetfelderzeugung nutzt.

Zur Lichtverstärkung schicken die Wissenschaftler

�Wissenschaftler den Lichtstrahl zusammen mit einem Elektronenstrahl durch
ein 5,16 m langes Kupferrohr, das mit einer supraleitfähigen Spule umwickelt
ist.

Auf dem Weg durch das im Hochvakuum gehaltene Rohr wurde die Energie

des Lichtstrahls um 7 Prozent gesteigert.
Die Forschergruppe, der u.a. die Professoren William M. Fairbank und
H. Alan Schwettman sowie Dr. Luis R. Elias und Dr. Todd I. Smith als Assistenten angehören, plant nunmehr die Installierung eines Wechsel feidmagneten
innerhalb eines "Speicherrings" mit Spiegeln an beiden Magnetenden.

Wie bei

herkömmlichen Lasern würde das zwischen den zwei Spiegeln reflektierte Licht
jedesmal beim Durchgang durch das Magnetfeld mit dem Elektronenstrahl verstärkt.
Speicherringe werden seit langem in der Hochenergiephysik für Elektronen aus
einem Beschleuniger benutzt.

Die Teilchen bewegen sich nahezu mit Lichtge-

schwindigkeit in einem Hochvakuumrohr, wobei sie durch Magnetkraft "auf Kurs"
gehalten werden.
Prof. Madey schätzt, daß ein Speicherring mit einem Elektronenstrahl von
1 Ampere und 240 Millionen Volt einen Laserstrahl von 100 000 Watt erzeugen
könnte.

Zwar gibt es bereits Laser noch höherer Energie (sie wurden mit ho-

hem Kostenaufwand gebaut); sie können jedoch nicht moduliert werden.

Zur Ver-

stärkung von Laserstrahlen wurden bisher Feststoffe, Flüssigkeiten oder Gase,
d.h. Moleküle und Atome, benutzt.
Den Wissenschaftlern der Stanford-Universität gelang als ersten die
Lichtverstärkung mit Elektronen im Höchstvakuum. Mit Hilfe des Elektronenstrahls kann nach Ansicht der Wissenschaftler Strahlung bei jeder Wellenlänge verstärkt werden - Strahlung der Frequenz von 10 Micron (zehntausendstel
Millimeter) im Infrarotteil des Spektrums bis über den Bereich des sichtbaren
Lichts hinaus. Bereits existierende modulierbare Laser erreichen nicht annähernd die hohe Leistung, die für photochemische Verfahren im großtechnischen Stil oder andere Aufgaben in Verbindung mit dem Einsatz von Speicherring-Lasern notwendig ist.
Jedoch

�Jedoch seien, so Prof. Madey, noch wichtige Probleme zu lösen, bis
diese neuartigen Laser anwendungsreif sind.

Vor allem müsse sichergestellt

werden, daß beim Betrieb der Elektronenstrahl erhalten bleibt, und die speziell entwickelten optischen Elemente - Linsen, Fenster und Spiegel - den
hohen Belastungen gewachsen sind.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jimmy Carter: Vom Erdnussfarmer zum Präsidentschaftskandidaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Person und Werdegang -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hugh O. Muir&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kontinuität im öffentlichen Dienst der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Geringe Auswirkungen bei Regierungswechsel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von J. Douglas Hoff&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bundesamt für den zivilen Regierungsdienst&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Textilmaschinenmesse in USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vom 21. - 29. Oktober 1976 in Greenville (South Carolina)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Überraschungen vom Mars&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Viel Sauerstoff im Boden, Stickstoff in der Atmosphäre&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorstufe zum modulierbaren Hochleistungslaser&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erfolgreiche Versuche an der Stanford-Universität&lt;/em&gt;</text>
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18. August 1976

15

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL
Walter F. Mondale: Der Vizepräsidentschaftskandidat der
DemokraterT
- Ein Liberaler mit sozialer Verantwortung US-Abhängigkeit von Importöl
- Stellungnahme des Chefs der Bundesenergiebehörde -

INFORMATION
Mikrocomputer im US-Handelszentrum Frankfurt
- Letzte Veranstaltung vor Verlegung nach Köln

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuartige "Akustische Kamera"

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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15/1976

WALTER F. MONDALE: DER VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER DEMOKRATEN
- Ein Liberaler mit sozialer Verantwortung -

WASHINGTON - (AD) - Senator Walter Frederick Mondale verlor bisher nur
einmal in der Öffentlichkeit seine Beherrschung, als er 1970 einen Vertreter
der Großfarmer aus Florida anhörte und dieser nur von den Sorgen der Farmer
und nicht vom Elend der landwirtschaftlichen Wanderarbeiter sprach, um die
es ging. "Ich möchte einmal von Ihnen hören, daß Sie das persönlich bewegt",
so schrie Mondale und schlug mit der Faust auf den Tisch.
Der Senator aus dem Staate Minnesota spricht sonst leise und gemessen
und gilt bei all seinem sozialen Engagement als einer der liberalsten Vertreter der Demokraten.

Daß der demokratische Präsidentschaftskandidat Jimmy

Carter ihn am 15. Juli zu seinem Mitstreiter erkor - was durch den Parteikonvent gebilligt wurde - geht nicht nur auf wahltaktische Überlegungen zurück.
Natürlich sprechen der eher konservative Kandidat Carter und der Liberale
Mondale ein breites Spektrum der Bevölkerung an, und der Südstaatler Carter
und der Mann aus dem Norden, Mondale, geben sozusagen ein gutes Gespann ab,
aber Carter suchte, wie er selbst sagte, einen Mann, mit dem ein Gleichklang
herrscht.

Carter wählte den Mann mit der 'großen Verträglichkeit" und dem

"tiefen Verständnis und Mitgefühl für diejenigen, die die Leistungen der Regierung am meisten brauchen".
Mondale

�*

Mondale war einer unter sechs "Finalisten", die zur Wahl standen.

Die

anderen waren die Senatoren Edmund Muskie aus Maine, Frank Church aus Idaho,
Adlai Stevenson III aus Illinois, John Glenn aus Ohio und Henry Jackson aus
dem Staate Washington»
Carter hat seine Wahl wohlerwogen und seinen Beschluß nicht auf Anhieb
gefaßt:

"Aber ich habe absolut keinen Zweifel, daß dies die richtige Ent-

scheidung ist!"
Walter Frederick Mondale hat sich seinen Platz in der amerikanischen
Politik durch Tüchtigkeit, harte Arbeit und Fleiß erkämpft - und er war
sicherlich auch immer zur rechten Zeit am richtigen Ort.

Er sieht in der Vize-

präsidentschaft keinen "zeremoniellen Posten", sondern nahm die Kandidatur erst
an, als Carter ihm versicherte, daß er "seinen Vizepräsidenten in einem sehr
weiten Aufgabenbereich in der Innen- wie der Außenpolitik heranziehen" werde.
Die erste Aufgabe sei, die Wahl zu gewinnen.
Mondale wurde am 5. Januar 1928 als eines von sieben Kindern des Methodistenpfarrers Theodore Sigvaard Mondale in dem kleinen Städtchen Ceylon im
südlichen Minnesota geboren. Seine Familie ist norwegischer Herkunft und hieß
eigentlich Mundal; der heutige Name geht auf einen Schreibfehler der Einwanderungsbehörden zurück. Was aus Namen werden kann, zeigt sich auch daran, daß
aus Frederick der Spitzname "Fritz" wurde, der dem Senator heute noch anhängt.
Er besuchte die öffentliche Schule seines Heimatortes und von 1946 bis 1949
das Macalester College in St. Paul, Minnesota. Im letzten Studienjahr wechselte er an die Staatsuniversität von Minnesota, wo er 1951 den akademischen
Grad eines Bachelor of Arts erwarb. Sein Studium finanzierte er durch Arbeit
in einer Lebensmittelfabrik.
Schon 1948 war er in der Politik zu finden. Damals war er als Wahl kämpfleiter im Zweiten Kongreßwahlbezirk des Staates für den - erfolgreichen - Senatskandidaten Hubert H. Humphrey, damals Bürgermeister von Minneapolis, tätig.
Mondale trug wesentlich dazu bei, daß Humphrey in dem vorher stark republikanischen Wahlbezirk als demokratischer Senator mit beachtlicher Mehrheit ge- 2 -

&gt;

�gewann.

Seit dieser Zeit datiert die politische Freundschaft der beiden.

Im Jahre 1951 wurde Mondale Soldat und diente in Korea. Nach seiner
Entlassung mit dem Rang eines Korporals im Jahre 1953 studierte er Jura an
der Universität von Minnesota.
Er heiratete 1955 Joan Adams, die Tochter eines Geistlichen. Das Paar
hat drei Kinder - zwei Söhne, Theodore und William, und eine Tochter, Eleanor
Jane.
Nach seiner Zulassung bei der Anwaltskammer von Minnesota im Jahre 1956
arbeitete Mondale vier Jahre in dem großen Anwaltsbüro von Larson, Loevinger,
Lindquist, Freeman und Fräser.

Einer der Partner dieses Büros, Orville L.

Freeman, der spätere Landwirtschaftsminister unter Kennedy und Johnson, kandidierte für den Posten des Staatsgouverneurs von Minnesota. Mondale führte
für ihn den Wahlkampf und war wiederum erfolgreich.
Nachdem er zwei Jahre als Sonderberater des General Staatsanwalts seines
Heimatstaats gearbeitet hatte, wurde er 1960 von Gouverneur Freeman auf den
Posten des Generalstaatsanwalts berufen, der mit dem Rücktritt seines bisherigen Inhabers vakant geworden war.

Im November 1962 wurde er mit einer über-

zeugenden Mehrheit von 59,6 Prozent erneut für dieses Amt gewählt.
Unter den Delegierten Minnesotas nahm Mondale 1964 am Nationalkonvent
der Demokraten teil, auf dem der damalige Präsident Lyndon B. Johnson Senator
Humphrey zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten auswählte.

Am 17. November

- nach dem überwältigenden Wahlsieg der Gespanns Johnson-Humphrey - wurde
Mondale von Gouverneur Roolvag mit dem Senatssitz Humphreys betraut, der nach
dessen Ausscheiden noch für zwei Jahre vakant war.

Seither hat Mondale zwei-

mal - 1966 und 1972 - selbst als Senator kandidiert und wurde beide Male mit
überzeugender Mehrheit gewählt.
Mondale gehört dem einflußreichen Budget-Ausschuß des Senats, dem FinanzAusschuß, der mit der Abfassung der Steuer- und Handelsgesetze betraut ist,
- 3 -

�V
ist, und dem Ausschuß für Arbeit und öffentliche Wohlfahrt an. Außerdem arbeitete Mondale in dem Sonderausschuß mit, der unter Vorsitz von Senator
Frank Church aus Idaho mit der Untersuchung

der Verbindungen zwischen Re-

gierung und Geheimdiensttätigkeiten betraut war.
Bei seinen Kollegen im Senat gilt Mondale als Vertreter gemäßigter bis
liberaler Anschauungen.
Mondale tritt für Steuerreformen ein, die vor allem der breiten Masse
der Amerikaner Steuererleichterungen bringen sollen, und hat in diesem Zusammenhang auch die Forderung nach einer Straffung der Verteidigungsausgaben
gestellt, um der "Durchschnittsfamilie" finanziell zu helfen.
Er sei für Entspannung, so sagte er, aber auch für eine gesicherte Verteidigung.

Sein Kampf richte sich gegen jede Vergeudung von Mitteln und eine

einseitige Eskalation des Wettrüstens.

Wenn man in der Rüstung eine Milli-

arde Dollar einsparen könne, so stünden diese für andere vordringliche Aufgaben zur Verfügung, beispielsweise für das Erziehungswesen und die Programme
der Kinderbetreuung.
Im Jahre 1975 stimmte er für die Bereitstellung von Mitteln zur Fortsetzung der Forschungs- und Entwicklungsprogramme für den umstrittenen B-1-Bomber,
in dem er eine "nichtbedrohliche amerikanische Abschreckung" gegen die weiterentwickelten sowjetischen Nuklearwaffen sah.

Im Mai dieses Jahres jedoch er-

klärte er im Senat, daß er "ernste Zweifel" habe, ob es geraten sei, mit der
Produktion der Modelle dieses Bombertyps fortzufahren, und schlug vor, die
Entscheidung darüber dem nächsten Präsidenten zu überlassen.

(Der Senat schloß

sich diesem Vorschlag an, doch weigerte sich das Repräsentantenhaus diesen
"Aufschub" zu akzeptieren, worauf der Senat nachgab, so daß mit dem Bau der
ersten drei Prototypen des neuen Bombertyps begonnen werden konnte.)
Außer Einsparungen im Verteidigungshaushalt hat Mondale auch Kürzungen
der Auslandshilfe vorgeschlagen.

Nach seiner Auffassung könnten die Mittel
- 4 -

�Mittel für aufwendige Weltraumprogramme wie "SKYLAB" und "SPACE SHUTTLE"
ebenfalls besser für innenpolitische Aufgaben verwendet werden.
In seinem kürzlich veröffentlichten Buch "The Accountability of Power"
(Die Verantwortlichkeit der Macht) tritt Mondale für eine Ausgewogenheit der
Macht des Präsidenten und eine stärkere Verantwortlichkeit der Exekutive gegenüber dem Kongreß und dem Volk ein. Im übrigen hat er das gegenwärtig
praktizierte System der Vorwahlen in 30 Einzelstaaten und der Nominierungsversammlungen in den übrigen 20 Staaten nach unterschiedlichem Modus als
"chaotisch" bezeichnet. Er hat sich für regionale Vorwahlen in allen 50
Staaten der Union - nach geographischen Gesichtspunkten geordnet - ausgesprochen, denn die Nominierung eines Präsidentschaftskandidaten einer Partei
sei "eine nationale Angelegenheit, die auf nationaler Ebene stattfinden
sollte."

- 5 -

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15/1976

US-ABHÄNGIGKEIT VON IMPORTÖL
Stellungnahme des Chefs der Bundesenergiebehörde

- (AD) - An der wachsenden Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von
Importöl, die durch die Erholung der Wirtschaft im vergangenen Jahr noch
verstärkt wurde, wird sich nach Ansicht der Bundesenergiebehörde FEA
vorläufig nichts ändern. Frank Zarb, der Leiter der FEA, verwies anläßlich eines Pressegesprächs darauf, daß im Frühjahr 1976 die amerikanische Rohölförderung mit 1,15 Millionen Tonnen pro Tag auf den
niedrigsten Stand seit mehr als 10 Jahren abgesunken sei. Gleichzeitig
habe der Verbrauch, auf den Jahresdurchschnitt umgerechnet, nach einem
bemerkenswerten Rückgang in den Jahren 1974 und 1975 wieder um 4,1 Prozent
zugenommen. Die Importe stiegen von 850 000 Tonnen/Tag im Jahr 1975
(das entspricht 37 Prozent des gesamten Inlandsverbrauchs) auf mehr als
1 Million Tonnen/Tag (ca. 41 Prozent des für 1976 geschäetzten Verbrauchs).
Die Kosten für Erdölimporte dürften sich von 27 Milliarden Dollar im Jahr
1975 auf 3^ Milliarden im laufenden Jahr erhöhen. 37 Prozent der Importe
werden von den arabischen Mitgliedstaaten, 45 Prozent von den übrigen
Partnern der OPEC bezogen.

In dem neuen Halbjahresbericht der FEA heißt es, eine Änderung des
gegenwärtigen Trends sei erst dann zu erwarten, wenn Ende 1977 öl aus
Alaska verfügbar werde, wenn außerdem die Preiskontrolle für inländisches
Erdöl und Erdgas aufgehoben, diezusätzliche Förderung aus den bisher der
US-Marine
- 1 -

�US-Marine vorbehaltenen Ölvorkommen aufgenommen und weitere Einsparungsmaßnahmen wirksam seien.

In Vercindui;g mit der Anlage einer strategischen

ölreserve von rund 215 Millionen Tonnen könnte diese Entwicklung dazu
beitragen, die Vereinigten Staaten gagen ein weiteres ölembargo immun zu
machen.

Allerdings habe in einigen unkten, insbesondere auf dem Gebiet

der Einsparung von Energie, der US-Kongress noch keine Entscheidung getroffen.
Die Situation in bezug auf bestimmte Energie-Sektoren skizzierte Frank
Zarb folgendermaßen:
- Die Förderung von einheimischem Erdgas wird in den nächsten Jahren
wahrscheinlich den Stand von 1975 (562,8 Milliarden Kubikmeter) noch
unterschreiten, könnte jedoch bei einer Freigabe der Preise bis 1985 auf
616 Milliarden Kubikmeter/Jahr ansteigen.

Wird die jetzt gültige einge-

schränkte Preiskontrolle beibehalten, dürfte bis 1985 ein Anstieg der
Förderung auf ca. 588 Milliarden cbm zu erwarten sein.
- Die Kohleförderung wird sich im laufenden Jahr (1976) vermutlich
auf 612,2 Millionen Tonnen stellen (1975: 580,5 Millionen Tonnen).
- Das Ziel der Regierung, bis Ende 1976 so viele Kernkraftwerke in
Betrieb zu haben, daß auf diese 26 Prozent der Gesamtstromerzeugung
entfallen, wurde nicht erreicht. Die Gründe dafür sind in erster Linie
höhere Kosten und längere Anlaufzeiten bis zum Baubeginn.
- Die bisher erlassenen Verfügungen zur Umstellung konventioneller
Kraftwerke von öl bzw. Erdgas auf Kohlefeuerung bis Ende 1976 könnte zu
einer Einsparung von 43 Millionen Tonnen öl pro Jahr beitragen.
- Die Begrenzung der Einfuhr von verflüssigtem Erdgas auf zunächst 56
Milliarden cbm pro Jahr, die vom Präsidial bei rat für Energie-Rohstoffe
kürzlich genehmigt wurde, könnte einen Anreiz zur Steigerung der einheimischen Erdgasförderung schaffen.

Die Einfuhr aus einem einzelnen

Lieferland ist auf 20,4 Milliarden cbm/Jahr begrenzt.
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MIKROCOMPUTER IM US-HANDELSZENTRUM FRANKFURT
- Letzte Veranstaltung vor Verlegung nach Köln -

- (AD) - Noch einmal - bevor das US-Handelszentrum in Frankfurt seine
Tore schließt - findet vom 12. bis 15. Oktober 1976 eine Ausstellung und
Fachtagung statt, zu der eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Besuchern erwartet wird. Das Thema lautet "Mikrocomputer/Prozessoren und Zubehör". Etwa
40 amerikanische Hersteller, darunter viele wohlbekannte Namen, aber auch
eine Reihe von Firmen, die neu auf dem europäischen Markt sind, präsentieren
hier ihre neuesten Entwicklungen.
Die besondere Aktualität des Themas wird durch die gleichzeitig stattfindende Fachtagung unterstrichen, auf der deutsche und amerikanische Experten aus Industrie und Forschung zu einschlägigen Fragen Stellung nehmen werden.
Die Ausstellungspalette überdeckt praktisch alle Bereiche der Mikrocomputertechnik; sie ist sowohl für Endkunden als auch für OEM-Anwender gleichermaßen interessant.

Neben kompletten Computersystemen werden Datenspeicher

und Ausgabegeräte aller Art, "intelligente" Fernmeldeprozessoren, Datenmodems,
Zeitmultiplexer, Magnetbandformatierer sowie Hilfsgeräte (Locher usw.) gezeigt.
Besonders

�Besonders erwähnenswert ist ein "Baukasten"-Mikrocomputersystem das
durch außerordentliche Preiswürdigkeit neue, bisher aus Kostengründen verschlossene, Anwendungsgebiete eröffnet.
Weitere Informationen und komplette Programme durch:
US-Handelszentrum
Bockenheimer Landstr. 2 - 4
6000 Frankfurt a.M.
Tel.: (0611) 72 08 01

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NEUARTIGE "AKUSTISCHE KAMERA"

- (AD) - Ein elektronisches System zur Fokussierung von Ultraschallwellen in einer "akustischen Kamera" wurde anläßlich der gemeinsamen Tagung
des Amerikanischen Instituts für Ultraschall in der Medizin und der Weltorganisation für Ultraschall in Medizin und Biologie Anfang August 1976
in San Francisco (Kalifornien) zum ersten Mal öffentlich demonstriert.
Das neue System, das von Prof. Gordon S. Kino (Mikrowellenlaboratorium
des Department für Elektrotechnik), Dr. James Havlice und Prof. Calvin
Quate (Department für angewandte Physik) an der Stanford-Universität
entwickelt wurde, wird nunmehr von der Fa. Unirad Corp. 'Denver, Colorado)
in Lizenz gebaut. Es macht akustische Linsensysteme überflüssig.
Das Ultraschall-Fokussierungssystem "verarbeitet" Schallimpulse, die
von piezoelektrischen Detektoren oder Energiewandlern aufgenommen wurden.
Die Detektoren wandeln die Schallwellen, nachdem diese das zu untersuchende Objekt passiert haben, in elektrische Signale um. Die Signalstärke ist davon abhängig, welche Veränderungen die Schallwellen beim
Durchgang durch das Material erfahren haben. In der Praxis bedeutet dies,
daß man mit Hilfe von Ultraschall-Aufnahmen Körpergewebe verschiedener
Dichte, bis hin zu Gefäßen, Fett- und Muskelgewebe, voneinander unterscheiden kann. Im Gegensatz zu dieser Technik ist weiches Gewebe auf
Röntgenaufnahmen nahezu unsichtbar, sofern es nicht durch Kontrastmittel
besonders hervorgehoben wird. Das Scniucken oder die Injektion bestimmter
Kontrastmittel ist jedoch für den Patienten oft recht unangenehm.
Außerdem

�Außerdem bedeutet jede Röntgenaufnahme eine zusätzliche Strahlenbelastung,
eine Ultraschall-Aufnahme dagegen nicht.
Die Detektoren der "akustischen Kamera" sind flache, in bestimmter
Reihenordnung plattenförmig montierte Keramiksegmente.

Die Rückseite

jedes Segments ist an einen "Mixer" angeschlossen, der seinerseits vom
sog. SAW-System (SAW = "rurface acoustic wave delay 1 ine") gesteuert wird.
Auf diese Weise wird über die einzelnen Segmente ein elektronisches
"Raster" vom Objekt erzeugt und gleichzeitig die Fokussierung auf die
für die Untersuchung wichtige Ebene erreicht.
Tiefenzone im Körper möglich.

Sie ist optimal für jede

Das "Schallbild" erscheint auf einem

Bildschirm und erlaubt z. B. die Beobachtung des Ablaufs bestimmter
Prozesse im Organismus.
Da es sich bei dem neuen Stanford-Verfahren um ein elektronisches
System handelt, ist eine mechanische Fokussierung überflüssig. Der
elektronische Brennpunkt ändert sich automatisch mit der Entfernung,
so daß ein Bild produziert wird, das in allen Tiefen scharf erscheint.
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GERALD R. FORD: PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER REPUBLIKANER

Washington - (AD) - Gerald R. Ford hatte bereits vor Übernahme des
höchsten Staatsamtes der Vereinigten Staaten als Vizepräsident Gelegenheit,
sich mit allen Aspekten der Regierungsarbeit vertraut zu machen. Und aufgrund seiner 25jährigen Zugehörigkeit zum Repräsentantenhaus verfügte er
über besonders enge Verbindungen zum Kongreß. Als Fraktionsführer der
republikanischen Minderheit im Repräsentantenhaus seit 1965 war es seine
Aufgabe in den Tagen der Regierung Johnson, die Politik der Opposition und
nach der Wahl Nixons zum Präsidenten die der Administration dort zu
vertreten.
Vor seiner Wahl zum Vizepräsidenten durch den Kongreß nach dem Rücktritt
seines Vorgängers Spiro T. Agnew mußte sich Ford vielen und kritischen
Fragen in den Ausschüssen stellen,

Er bezeichnete sich als "konservativ in

fiskalischen Dingen, gemäßigt in innenpolitischen Angelegenheiten und liberal
in der Außenpolitik".

Und er erklärte schon damals, daß es ihm nicht um

persönliche Macht oder Größe gehe, sondern daß er seine Aufgabe übernehmen
wolle "einfach weil ich glaube, daß es wichtig für die Innen- und Außenpolitik unseres Landes ist."

Er errang im Kongreß die Achtung und Aner-

kennung seiner politischen Freunde wie auch Gegner.

In seinem Wahlkreis

in Michigan hat er bei se'ner ersten Wahl zum Abgeordneten in das Repräsentantenhaus und bei seinen 12 Wiederwahlen niemals weniger als 60 Prozent
der Stimmen gewonnen.
Seine

- 1-

�Seine politische Laufbahn begann er 1948 mit der erfolgreichen Kandidatur
für einen Sitz im Repräsentantenhaus, dem er bis zur Vereidigung als Vizepra'sidentder USA angehörte.

Ford, der nicht mit der gleichnamigen Auto-

Dynastie verwandt ist, hatte sich vor allem in Fragen der nationalen Sicherheit stets mit größtem Nachdruck hinter die Politik seiner Vorgänger gestellt und hält die Aufrechterhaltung der militärischen Stärke der USA nach
wie vor für unerläßlich.

Auf zahlreichen Auslandsreisen, die ihn bis in

die Volksrepublik China führten, und vor allem in seinen Verhandlungen mit
den Sowjets gewann er aus eigener Anschauung eine klare Vorstellung von
den Notwendigkeiten der amerikanischen Außenpolitik im heutigen Zeitalter
des Wandels.
In der Republikanischen Partei gilt Ford als Gemäßigter, der überzeugend
zu argumentieren und zielbewußt zu handeln versteht.

Er hat wiederholt

die Fähigkeit bewiesen, die Fraktion und darüber hinaus die Partei in der
Diskussion selbst schwieriger Fragen zu einen.
Gerald R. Ford wurde am 14. Juli 1913 in Omaha im Staate Nebraska als
Leslie King geboren. Nach Scheidung der Eltern und Wiederverheiratung der
Mutter wurde er von seinem Stiefvater, Gerald R. Ford, Sr., adoptiert,
einem Farben- und Lackfabrikanten aus Grand Rapids im Staate Michigan und
führenden Mitglied der örtlichen Parteiorganisation. Nach Absolvierung
der Oberschule in Grand Rapids bezog Ford die Universität von Michigan in
Ann Arbor, an der er 1935 den Grad eines Bachelor of Arts erwarb. Er trieb
in seiner Freizeit eifrig Sport - er schwimmt übrigens noch heute täglich,
um sich körperlich in Form zu halten - und gehörte zu den Stars der FootballMannschaft seiner Universität. Während der Depressionsjahre verdiente er
sich sein Studium mit allerlei Nebenbeschäftigungen - unter anderem als
Tellerwäscher. Und auch später, als er das Jurastudium an der Yale-Universität aufnahm, mußte er als Football- und Boxtrainer Geld verdienen und
deshalb mit fünf bis sechs Stunden Schlaf auskommen. Nach dem Studienabschluß als Bachelor of Laws 1941 und der kurz darauf erfolgten Zulassung zu
den Gerichten von Michigan und zum Obersten Bundesgericht wurde er Teilhaber
einer

�einer Rechtsanwaltskanzlei, der er bis 1949 angehörte.

Im zweiten Welt-

krieg diente er bei der US-Marine und wurde auf einem Flugzeugträger im
Pazifik eingesetzt, zuletzt im Range eines Korvettenkapitäns.
Aus dem Militärdienst entlassen, nahm er 1946 seine Anwaltstätigkeit
wieder auf und begann sich aktiv in einer Reformgruppe der Republikanischen
Partei zu betätigen, mit der er schon vor dem Krieg in engem Koniakt gestanden hatte.

Zwei Jahre später stellte ihn die Partei als Kandidaten

für das US-Repräsentantenhaus auf, in das er nach dem Sieg in den Novemberwahlen 1948 im Januar 1949 einzog.
Gerald R. Ford ist mit Elizabeth Bloomer verheiratet und hat drei Söhne
und eine Tochter.
Seine Familie gibt Ford sehr viel Kraft, und sie kann als beispielhaft angesehen werden.

Sie ist typisch amerikanisch und hat auch in der Zeit im

Weißen Haus keinen Wert auf Extravaganz gelegt.

Die familiären und

politischen Gespräche am großen runden Küchentisch in dem wohnlichen Haus
des Fraktionsführers der republikanischen Minderheit im Repräsentantenhaus
brachten viel Anregung.

Die Gastlichkeit ohne übertriebene Etikette wurde

nicht zuletzt von Diplomaten in Washington geschätzt.
Als Gerald Ford am 6. Dezember 1973 auf sein Amt als Vizepräsident der
Vereinigten Staaten vereidigt wurde, übernahm er eine Pflicht, die ihm
der Kongreß mit 92 gegen drei Stimmen im Senat und mit 387 gegen 35 Stimmen
im Repräsentantenhaus übertragen hatte. Jetzt kämpft er als der Kandidat
seiner Partei um die Präsidentschaft als gewählter Präsident.
+ + + + + +

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16/1976

GERALD R. FORD: PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER REPUBLIKANER

Washington - (AD) - Gerald R, Ford hatte bereits vor Übernahme des
höchsten Staatsamtes der Vereinigten Staaten als Vizepräsident Gelegenheit,
sich mit allen Aspekten der Regierungsarbeit vertraut zu machen.

Und auf-

grund seiner 25jährigen Zugehörigkeit zum Repräsentantenhaus verfügte er
über besonders enge Verbindungen zum Kongreß.

Als Fraktionsführer der

republikanischen Minderheit im Repräsentantenhaus seit 1965 war es seine
Aufgabe in den Tagen der Regierung Johnson, die Politik der Opposition und
nach der Wahl Nixons zum Präsidenten die der Administration dort zu
vertreten.
Vor seiner Wahl zum Vizepräsidenten durch den Kongreß nach dem Rücktritt
seines Vorgängers Spiro T. Agnew mußte sich Ford vielen und kritischen
Fragen in den Ausschüssen stellen.

Er bezeichnete sich als "konservativ in

fiskalischen Dingen, gemäßigt in innenpolitischen Angelegenheiten und liberal
in der Außenpolitik".

Und er erklärte schon damals, daß es ihm nicht um

persönliche Macht oder Größe gehe, sondern daß er seine Aufgabe übernehmen
wolle "einfach weil ich glaube, daß es wichtig für die Innen- und Außenpolitik unseres Landes ist."

Er errang im Kongreß die Achtung und Aner-

kennung seiner politischen Freunde wie auch Gegner.

In seinem Wahlkreis

in Michigan hat er bei seiner ersten Wahl zum Abgeordneten in das Repräsentantenhaus und bei seinen 12 Wiederwahlen niemals weniger als 60 Prozent
der Stimmen gewonnen.
Seine

- 1 -

�Seine politische Laufbahn begann er 1948 mit der erfolgreichen Kandidatur
für einen Sitz im Repräsentantenhaus, dem er bis zur Vereidigung als Vizepräsidentder USA angehörte.

Ford, der nicht mit der gleichnamigen Auto-

Dynastie verwandt ist, hatte sich vor allem in Fragen der nationalen Sicherheit stets mit größtem Nachdruck hinter die Politik seiner Vorgänger gestellt und hält die Aufrechterhaltung der militärischen Stärke der USA nach
wie vor für unerläßlich. Auf zahlreichen Auslandsreisen, die ihn bis in
die Volksrepublik China führten, und vor allem in seinen Verhandlungen mit
den Sowjets gewann er aus eigener Anschauung eine klare Vorstellung von
den Notwendigkeiten der amerikanischen Außenpolitik im heutigen Zeitalter
des Wandels.
In der Republikanischen Partei gilt Ford als Gemäßigter, der überzeugend
zu argumentieren und zielbewußt zu handeln versteht.

Er hat wiederholt

die Fähigkeit bewiesen, die Fraktion und darüber hinaus die Partei in der
Diskussion selbst schwieriger Fragen zu einen.
Gerald R. Ford wurde am 14. Juli 1913 in Omaha im Staate Nebraska als
Leslie King geboren. Nach Scheidung der Eltern und Wiederverheiratung der
Mutter wurde er von seinem Stiefvater, Gerald R. Ford, Sr., adoptiert,
einem Farben- und Lackfabrikanten aus Grand Rapids im Staate Michigan und
führenden Mitglied der örtlichen Parteiorganisation. Nach Absolvierung
der Oberschule in Grand Rapids bezog Ford die Universität von Michigan in
Ann Arbor, an der er 1935 den Grad eines Bachelor of Arts erwarb. Er trieb
in seiner Freizeit eifrig Sport - er schwimmt übrigens noch heute täglich,
um sich körperlich in Form zu halten - und gehörte zu den Stars der FootballMannschaft seiner Universität. Währpnd der Depressionsjähre verdiente er
sich sein Studium mit allerlei Nebenbeschäftigungen - unter anderem als
Tellerwäscher. Und auch später, als er das Jurastudium an der Yale-Universität aufnahm, mußte er als Football- und Boxtrainer Geld verdienen und
deshalb mit fünf bis sechs Stunden Schlaf auskommen. Nach dem Studienabschluß als Bachelor of Laws 1941 und der kurz darauf erfolgten Zulassung zu
den Gerichten von Michigan und zum Obersten Bundesgericht wurde er Teilhaber
einer

�einer Rechtsanwaltskanzlei, der er bis 1949 angehörte.

Im zweiten Welt-

krieg diente er bei der US-Marine und wurde auf einem Flugzeugträger im
Pazifik eingesetzt, zuletzt im Range eines Korvettenkapitäns.
Aus dem Militärdienst entlassen, nahm er 1946 seine Anwaltstätigkeit
wieder auf und begann sich aktiv in einer Reformgruppe der Republikanischen
Partei zu betätigen, mit der er schon vor dem Krieg in engem Kontakt gestanden hatte.

Zwei Jahre später stellte ihn die Partei als Kandidaten

für das US-Repräsentantenhaus auf, in das er nach dem Sieg in den Novemberwahlen 1948 im Januar 1949 einzog.
Gerald R. Ford ist mit Elizabeth Bloomer verheiratet und hat drei Söhne
und eine Tochter.
Seine Familie gibt Ford sehr viel Kraft, und sie kann als beispielhaft angesehen werden.

Sie ist typisch amerikanisch und hat auch in der Zeit im

Weißen Haus keinen Wert auf Extravaganz gelegt.

Die familiären und

politischen Gespräche am großen runden Küchentisch in dem wohnlichen Haus
des Fraktionsführers der republikanischen Minderheit im Repräsentantenhaus
brachten viel Anregung.

Die Gastlichkeit ohne übertriebene Etikette wurde

nicht zuletzt von Diplomaten in Washington geschätzt.
Als Gerald Ford am 6. Dezember 1973 auf sein Amt als Vizepräsident der
Vereinigten Staaten vereidigt wurde, übernahm er eine Pflicht, die ihm
der Kongreß mit 92 gegen drei Stimmen im Senat und mit 387 gegen 35 Stimmen
im Repräsentantenhaus übertragen hatte.

Jetzt kämpft er als der Kandidat

seiner Partei um die Präsidentschaft als gewählter Präsident.
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16/1976

SENATOR ROBERT J. DOLE; VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER REPUBLIKANER
- Der Mann aus dem Mittelwesten -

Washington - (AD) - Als Präsident Ford am 19. August 1976 - kurz nach
seiner Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei für die
Wahlen am 2. November - den außerhalb der USA relativ unbekannten Senator
Robert Dole aus Kansas zu seinem Mitstreiter als Vizepräsidentschaftskandidat auswählte, hatte er nicht zuletzt die Einigung seiner Partei im
Sinne. Obwohl Präsident Ford im ersten Wahlgang mit 1187 Stimmen gegen
seinen Konkurrenten Gouverneur Ronald Reagan - auf den 1070 Stimmen fielen siegte, galt es jetzt, die Partei für den Wahlkampf wieder möglichst geschlossen ins Feld zu führen. Und so stellte Ford den Mann seiner Wahl
flankiert von Vertretern der Flügel der Republikanischen Partei vor - zu
seiner Linken Vizepräsident Nelson Rockefeller und zu seiner Rechten den
Wahlkampfmanager seines Gegenspielers Ronald Reagan, Senator Paul Laxalt
aus Nevada. Und Ford betonte, daß die Wahl von Senator Dole die Zustimmung
von Reagan gefunden habe.
Senator Dole hat seinen Ruf als erfolgreicher W a M kämpf er und harter
Arbeiter. Mit Ford und Dole hat sich die Republikanische Partei auf das
amerikanische Kernland konzentriert: beide kommen aus dem Mitteiwesten.
Was die Anschauungen der beiden angeht, so besteht weitgehende Übereinstimmung zwischen Ford und Dole, Beide sind alte Kollegen aus dem
amerikanischen Repräsentantenhaus, wo sie acht Jahre gemeinsam Politik machten.
Beide kündigten einen harten Wahlkampf gegen die demokratischen Kandidaten
Carter und Mondale an
,

Die

�I

•
Die Wahl von Senator Dole beendet einen zweijährigen Streit in den
Reihen der Republikaner um die Vizepräsidentschaft, nachdem der jetzige
Vizepräsident Nelson Rockefeller nie den Beifall des konservativen Flügels
gefunden hatte
zu rechnen-

Dole braucht kaum mit Widerstand in den eigenen Reihen

Er ist ein ausgezeichneter und präziser Redner und besitzt

trotz gelegentlicher scharfer Formulierungen viel Humor.

Er könnte sich

als idealer Partner für Ford erweisen. Schließlich fiel die Entscheidung
Fords nach reiflicher Überlegung und Beratung mit den führenden Vertretern der Republikanischen Partei in Washington und in den Einzel Staaten.
Robert Joseph Dole kommt vom geographischen Mittelpunkt der Vereinigten
Staaten,und

sein politischer Standort ist im Mittelpunkt der republi-

kanischen Anschauungen und Überzeugungen.
Am 22. Juli 1923 in Russell im Staate Kansas geboren, wuchs e&gt;- ganz
in der Nähe des Ortes auf, an dem ihn der Parteikonvent der Republikaner
jetzt zum Vizepräsidentschaftskandidaten erkor.

Er verbrachte die letzten

16 Jahre in Washington, zunächst als Abgeordneter im Repräsentantenhaus
und dann als Senator. Auf dem Parteikonvent hatte er temporär den Vorsitz inne.
Aus einem Agrarstaat kommend, gilt Doles Hauptinteresse begreiflicherweise der Landwirtschaft,

Er ist führendes Mitglied der republikanischen

Minderheit im Senatsausschuß für Landwirtschaft und Forsten und hat sich
für die Unterstützung der Farmer eingesetzt.
Er gehörte als Berater der amerikanischen Delegation auf der Konferenz
der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen 1965
in Rom an, war 1966 Mitglied der Kongressdelegation, die die Ernährungskrise in Indien prüfte, sowie 1967 Mitglied einer ähnlichen Delegation
zur Prüfung des Flüchtlingsproblems im Nahen Osten.
Im Jahre 1971 wurde er von Präsident Nixon zum Vorsitzenden der
Republikanischen Partei berufen, schied jedoch schon 1972 trotz des
überwältigenden

�überwälticenden Wahlsieges Nixons wieder aus diesem Amt,

Der Senator schrieb

dies nicht dem Präsidenten, sondern Intrigen im Weißer Haus zu.

Dole

sprach sich - als einer der ganz wenigen in seiner Partei - gegen einen
Rücktritt Nixons aus und für das Durchstehen des Impeachment-Verfahrens.
Seine persönliche Integrität wurde jedoch niemals angetastet.

Der Republikaner Dole wurde im Jahre 1960 - als John F. Kennedy die
Präsidentschaft für die Demokraten gewann - zum erstenmal in das amerikanische Repräsentantenhaus gewählt und dann dreimal hintereinander wiedergewählt.

Im Jahre 1968 - als Nixon das Weiße Haus für die Republikaner

eroberte - gewann er einen Sitz im Senat für seinen Heimatstaat Kansas
und wurde 1974 nach einem harten Wahlkampf knapp wiedergewählt.

Seinen

Wahlsieg damals schreibt er vor allem der Wahlhilfe von Präsident Ford zu.

Während er im Repräsentantenhaus noch als "Hinterbänkler" galt - wenn
auch als tüchtiger - trat er im Senat wiederholt mit seiner Unterstützung
der Nixon-Administration und seinen Angriffen gegen die Demokröten hervor.
Er hat, wie berichtet, Präsident Ford wiederholt geraten, feste Positionen
zu beziehen, um seine Wahl als Präsident zu gewinnen.
Im Zweiten Weltkrieg kämpfte Dole in einer Gebirgsdivision in Ttalien
und wurde schwer verwundet.

Er lag drei Jahre im Lazarett und leidet noch

heute an einer Lähmung seiner rechten Hand.

Er wurde als Hauptmann ent-

lassen und gehört zahlreichen Veteranen- und Bürgervereinigungen an.

Im Dezember 1975 heiratete Senator Dole zum zweitenmal - Mary
Elisabeth Hanford, Mitglied der Bundeshandelskommission - nachdem er 1972
von Phyllis Helden geschieden wurde, mit der er seit 1948 verheiratet war
und mit der er eine 22jährige Tochter, Robin, hat.

Dole hat an der Universität von Arizona studiert und dort den akademischen Grad eines Bachelor of Arts und an der Washburn Municipal University
in Topeka, der Hauptstadt des Staates Kansas, den akademischen Grid eines
Bachelor
- 3 -

�Bachelor of Laws (Rechtswissenschaften) erworben. Vor seiner Wahl in
das Repräsentantenhaus in Washington war Dole Abgeordneter im Parlament
seines Heimatstaates. Sein Hobby ist die Politik.

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�amerika dienst
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16/1976

FORD PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER REPUBLIKANER
- Wortlaut seiner Rede vor dem Parteikonvent am 19. August 1976 -

Kansas City - (AD) - Präsident Ford hat am 19. August die ihm angetragene
Nominierung seiner Partei zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner
angenommen und in seiner "Acceptance Address" - der traditionellen Einwilligungsansprache - sein politisches Konzept in großen Zügen umrissen.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Delegierte und Stellvertreter dieses Republikanischen Parteikonvents:
Ich fühle mich durch Ihre Nominierung geehrt - und ich nehme sie an.
Ich nehme sie an mit Stolz, mit Dankbarkeit und mit dem festen Willen, für
das amerikanische Volk einen großen Sieg zu erringen. Wir werden in allen
Teilen unseres Landes einen erfolgreichen Wahl kämpf führen - von den
schneereichen Gefilden Minnesotas bis zu den sandigen Ebenen Georgias. Wir
werden keinen Staat auslassen. Wir werden auf keine einzige Stimme verzichten. Heute abend stehe ich voll Stolz vor diesem Parteikonvent als der
erste amtierende Präsident seit Dwight Do Eisenhower, der vor dem amerikanischen Volk sagen kann: Amerika hat Frieden. Heute abend kann ich Ihnen
ganz ehrlich sagen: Unser Land ist gesund. Unser Land ist sicher. Unser
Land befindet sich auf dem Weg zu einem vollen wirtschaftlichen Aufschwung
und einer besseren Lebensqualität für alle Amerikaner. Und ich werde Ihnen
noch etwas sagen. Ich bin bereit, ich brenne sogar darauf, vor das amerikanische Volk zu treten und von Angesicht zu Angesicht mit Jimmy Carter eine
Debatte über die wirklichen Probleme zu führen. Das amerikanische Volk
hat
- 1 -

�hat ein Recht darauf, aus erster Hand zu erfahren, wo genau wir beide stehen.
Ich bin denen zutiefst dankbar, die mir zur Seite gestanden haben, um die
Nominierung durch die Partei zu gewinnen, deren Sache ich mein ganzes Leben,
seit ich volljährig bin, vertreten habe.

Ich respektiere die Auffassung

derer, die einen Wechsel in Washington wollen.
Wechsel.

Ich möchte ebenfalls einen

Nach 22 langen Jahren der Mißwirtschaft einer Mehrheit sollten

wir den amerikanischen Kongress verändern.
Meine Dankbarkeit geht weit über diesen Saal hinaus; sie gilt auch den
zahllosen Freunden, deren Vertrauen, harte Arbeit und selbstlose Unterstützung mich an diese Stelle gebracht haben.
jemanden herauszustellen.

Es wäre unfair, irgend

Aber ich möchte eine Ausnahme bei meiner wunder-

vollen Familie machen - Mike, Jack, Steve und Susan und vor allem meiner
lieben Betty.

Wir Republikaner erlebten einen harten Wettstreit.

predigen nicht nur den Wettstreit, wir praktizieren ihn auch.

Wir

Heute abend

jedoch kommen wir zusammen, nicht um auf eineiji Schlachtfeld eine Waffenruhe
zu vereinbaren, sondern um uns sozusagen nach dem Training zusammenzuschließen, das uns alle für den vor uns liegenden harten Wahl kämpf fit gemacht hat.
Ich möchte Ihnen aus tiefstem Herzen folgendes sagen: Nach all dem
Hin und Her der letzten Monate ist es wirklich ein gutes Gefühl, zu wissen,
daß Ron Reagan auf der gleichen Seite der Linie steht. Zur Stärkung unseres
Führungsteams hat der Parteikonvent den klugen Beschluß gefaßt, einen der
befähigsten Amerikaner, Senator Bob Dole aus dem großen Staate Kansas, zu
unserem nächsten Vizepräsidenten zu wählen. Mit seiner Hilfe, mit Ihrer
Hilfe, mit der Hilfe der Millionen Amerikaner - die für den Frieden einstehen, die wollen, daß in Amerika die Freiheit erhalten bleibt, der Wohlstand allen zu Gute kommt und wir stolz auf Amerika sein können - werden
wir diese Wahl gewinnen. Ich spreche nicht von einem Sieg der Republikaner,
sondern von einem Sieg für das amerikanische Volk. Sie, die heute abend
in ihren Wohnungen zuhören - Sie sind das Volk, das die Steuern entrichtet und
die

�die Gesetze einhält. Sie sind diejenigen, die unser System mit Leben erfüllen. Sie sind diejenigen, die Amerika zu dem gemacht haben, was es
heute ist. Ich komme aus Ihren Reihen und stehe an Ihrer Seite.
Etwas, was beinahe an ein Wunder grenzt, ist unserem Lande in den beiden
letzten Jahren widerfahren.

Uns allen wurde es am 4. Juli bewußt.

Nach all den Jahren der Wirren und Tragödien, der Kriege und Unruhen,
der Morde und der Vergehen in höchsten Ämtern haben die Amerikaner sich
wieder zu dem Geist von 1776 bekannt. Wir erblickten vor uns wieder die
Vision der Pioniere, wie sie unsere revolutionären Gründerväter und unsere
eingewanderten Vorfahren hatten.
Ihre Vision waren freie Männer und freie Frauen mit einer eingegrenzten
Regierung und unbegrenzten Möglichkeiten.
Das Mandat, das ich 1976 anstrebe, ist, diese Vision zu einer Realität
zu machen.

Aber es wird der Stimmen zahlreicher anderer Amerikaner be-

dürfen, die nicht Republikaner sind, um dieses Mandat bindend und meine
Mission möglich zu machen.
Ich bin ein nicht gewählter Präsident und ein Zufallspräsident genannt
worden.

Wir werden das von der anderen Partei immer wieder hören - trotz

der Tatsache, daß deren gewählte Vertreter im Kongress meine Eignung für
unser höchstes Amt bestätigt haben.

Sie stimmten im Repräsentantenhaus mit

387 gegen 35 Stimmen und im Senat mit 92 gegen 3 Stimmen für mich.
Nachdem ich Vizepräsident und dann Präsident geworden bin, ohne damit
zu rechnen oder eines dieser Ämter anzustreben, habe ich eine besondere
Einstellung zu diesen hohen Ämtern gewonnen.
Für mich waren das Präsidentenamt und das Amt des Vizepräsidenten keine
Preise
- 3 -

�Preise, die zu gewinnen waren, sondern eine Pflicht, die übernommen werden
mußte.

So sind es heute nicht die Macht und der Glanz des Prä'sidentenamtes,

die mich veranlassen, Sie um weitere vier Jahre zu bitten.

Es ist vielmehr

etwas, was jeder hart arbeitende Amerikaner verstehen wird - die Herausforderung einer Aufgabe, die einen guten Anfang hatte, aber bei weitem noch
nicht zu Ende geführt ist.
Vor zwei Jahren, am 9. August 1974, legte ich meine Hand auf die Bibel,
die Betty hielt, und legte den gleichen Eid auf die Verfassung ab, den
einst George Washington abgelegt hat.

Ich vertraute auf unser Volk, auf

unsere Institutionen und auf mich selbst.
"Meine amerikanischen Mitbürger", so sagte ich damals, "unser langer
nationaler Alptraum ist jetzt vorbei".
Es war eine Stunde unserer Geschichte, die unsere Sinne beunruhigte und
unsere Herzen aufwühlte. Zorn und Haß hatten gefährliche Ausmaße erreicht, Freunde und Familien wurden auseinandergebracht. Die Polarisierung
unserer politischen Gesellschaft hatte so unwürdige Leidenschaften wie Vergeltung und Rache geschürt.
Unser Regierungssystem war dem Stillstand näher als zu irgendeinem
Zeitpunkt, seit Abraham Lincoln den gleichen Amtseid abgelegt hat.
/

Unsere Wirtschaft wurde von einer galoppierenden Inflation erschüttert,
die uns Hals über Kopf in die schwerste Rezession stürzte, seit Franklin
D. Roosevelt den gleichen Eid ablegte.
An diesem Tage sagte ich zu meinen Mitbürgern: "Ich bin mir voll bewußt, daß Sie mich nicht mit Ihren Stimmen zu Ihrem Präsidenten gewählt
haben, daher bitte ich Sie.mich mit Ihren Gebeten als Ihren Präsidenten
zu bestätigen".
An

�An einem Marmorkamn des Weißen Hauses ist ein Gebet eingraviert, das
John Adams geschrieben hat.

Es schließt mit den Worten: "Mögen nur ehrliche

und weise Männer unter diesem Dach herrschen".
Seit ich in diesem historischen Gebäude wohne, habe ich versucht, diesem
Gebet nachzuleben.
Ich habe vor zahlreichen schweren Probienen gestanden.
vielleicht manchen Fehler begangen.

Ich habe

Aber insgesamt haben Amerika und die

Amerikaner seit dem August 1974 einen unglaublichen Wiederaufschwung erlebt.
Niemand kann ehrlicherweise etwas anderes behaupten.
Und die volle Wahrheit ist, daß der große Fortschritt, den wir - im
Inland und im Ausland - erzielt haben, trotz der Mehrheit erreicht worden
ist, die den Kongress regiert.

Zwei Jahre lang habe ich für das ganze

Volk gegen die stimmenhungrige, ausgabenfreudige Mehrheit im Kongress gestanden.
Fünfundf'ünfzigmal habe ich mein Veto gegen ausgefallene und unkluge
Gesetzesentwürfe eingelegt.
durchgesetzt worden.

Vierundvierzigmal ist dieses Veto durch mich

Durch diese Vetos sind dem amerikanischen Steuer-

zahler Milliarden und Abermilliarden an Dollar erspart geblieben.
Ich bin gegen den großen Steuerausgeber und für den kleinen Steuerzahler.
Ich habe mich für eine permanente Steuersenkung verbunden mit Ausgabereduzierungen eingesetzt, um die Wirtschaft zu fördern und dem hartbedrängten Steuerzahler mittleren Einkommens Erleichterungen zu verschaffen.

Ihre

persönliche Steuerfreiheit muß von 750 Dollar auf 1000 Dollar erhöht werden.
In dem Programm der anderen Partei ist von Steuerreformen die Rede,
aber es gibt dabei ein großes Problem: deren eigener Kongress wird sie nicht
verabschieden.

.,

�Ich habe mich für vernünftige, verfassungmäßige Beschränkungen des vom
Gerichtshof angeordneten Transports von Schulkindern mit Bussen (busing)
ausgesprochen.
Das Programm der anderen Partei räumt ein, daß dieser Bustransport ein
"letztes Mittel" sein sollte; aber auch hier gibt es dasselbe Problem:
deren eigener Kongress wird dem nicht zustimmen.
Ich habe mich für eine wesentliche Überarbeitung unseres Strafrechtes
ausgesprochen, um das Verbrechen und den illegalen Drogenhandel einzudämmen .
Das Programm der anderen Partei bedauert, daß das Verbrechen Amerika
90 Milliarden Dollar kostet; und auch hier ist das Problem: deren eigener
Kongress wird nicht handeln.
Das Programm der anderen Partei spricht von einer starken Verteidigung und hier ist nun die andere Seite des Problems: deren eigener Kongress hat
tatsächlich gehandelt. Er nahm während der vergangenen zehn Jahre Abstriche von 50 Milliarden Dollar an unseren nationalen Verteidigungsausgaben
vor.
Meine Freunde: Das Problem heißt nicht Washington, der Kongress ist das
Problem. Sie alle wissen, daß der Präsident der Vereinigten Staaten kein
Zauberer ist, der eine Wand bewegen oder ein Dokument unterzeichnen kann,
durch das ein Krieg sofort beendet wird, oder der eine Rezession beseitigen
oder eine Bürokratie verschwinden lassen kann. Ein Präsident hat aufgrund
der Verfassung gewaltige Vollmachten, aber sie alle rühren letztlich vom
amerikanischen Volk und desssen Mandat her.
Deshalb wende ich mich heute abend an das amerikanische Volk und bitte
nicht nur um Ihre Gebete, sondern auch um Ihre Kraft und Ihre Unterstützung
um Ihren Zuspruch und um Ihre Stimme.
Ich

-6-

i
j

�Ich trete vor Sie hin mit einem zweijährigen Nachweis von Tätigkeiten
und Leistungen - ohne Ihr Mandat.

Ich biete Ihnen feierlich vier Jahre noch

größerer Leistungen an - mit Ihrem Mandat.
Wie Gouverneur AI Smith zu sagen pflegte: "Wollen wir uns die Tatsachen
betrachten".
Vor zwei Jahren betrug die Inflationsrate 12 Prozent.
Der Absatz ging zurück, Fabriken wurden stillgelegt, jede Woche wurden
Tausende arbeitslos.
Die Furcht vor der Zukunft beeinträchtigte unsere Wirtschaft und bedrohte
Millionen von Familien.
Lassen Sie uns das seit August 1974 Erreichte betrachten.
Die Inflation ist um die Hälfte reduziert.
Die Gehälter steigen, die Gewinne steigen, die Produktion steigt und die
Käufe steigen.
Seit die Rezession in ihr Gegenteil verkehrt wurde, haben fast vier
Millionen unserer Mitbürger neue Arbeitsplätze gefunden oder ihre alten
zurückerhalten. In diesem Jahr haben mehr Männer und Frauen Arbeit als
jemals zuvor in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
Das Vertrauen ist zurückgekehrt. Wir befinden uns in vollem Tempo auf
dem Wege zu einem gesunden Wiederaufschwung zur Prosperität.
Vor zwei Jahren steckte Amerika in dem Sumpf des Rückzuges aus Südostasien.

Ein Jahrzehnt lang hatte der Kongress unsere globale Verteidigung

gekürzt und unsere strategische Position in Frage gestellt.

Die wachsende
Spannung

- 7 -

�Spannung zwischen Israel und den arabischen Ländern ließ einen weiteren Krieg
unausweichlich erscheinen.
Die ganze Welt beobachtete dies und fragte sich, welchen Weg Amerika
gehen würde.

Würden wir mit unserem innenpolitischen Durcheinander den

Willen, die Ausdauer und die Einigkeit aufbringen, für die Freiheit aufzustehen?
Betrachten wir, was wir seit August vor zwei Jahren geleistet haben.
Heute lebt Amerika in Frieden und erstrebt den Frieden für alle Nationen.
Heute abend kämpft kein einziger Amerikaner irgendwo auf dem Antlitz dieser
Erde.
Unsere wirtschaftlichen wie militärischen Bindungen mit Westeuropa und
Japan varen niemals stärker.

Unsere Beziehungen mit Osteuropa, der Sowjet-

union und Festland-China sind fest, wachsam und auf die Zukunft gerichtet.
Von mir eingeleitete Politiken bieten einen gesunden Fortschritt für die
Völker des Pazifik, Afrikas und Lateinamerikas.
Israel und Krypten haben im Vertrauen auf die Vereinigten Staaten einen
historischen ersten Schritt getan, der mit der Zeit eine gerechte Regelung
für den gesamten Nahen Osten verspricht.
Die Welt achtet heute Amerikas Politik des Friedens durch Stärke.
Vereinigten Staaten sind wieder der vertrauensvolle Führer
Niemand stellt unsere Hingabe an

Jie

der freien Welt.

den Frieden in Frage, aber niemand

bezweifelt auch unsere Entschlossenheit, unsere Stärke einzusetzen, wenn es
um lebenswichtige Interessen geht.
Ich habe eine moderne, mächtige Armee, Marine und Luftwaffe und ein ebensolches Marinekorps verlangt, die die Sicherheit Amerikas auf Jahrzehnte gewährleisten werden.

Eine starke militärische Position ist immer der beste

Garant des Friedens.
Aber
- 8 -

�Aber die Stärke Amerikas ruhte nicnals auf den Waffen allein.

Sip hat

ihre Wurzeln in der gegenseitigen Verpflichtung von Bürgern und Führern,
an den höchsten Normen der Ethik und der Moral festzuhalten.
Vor zwei Jahren ist das Vertrauen des Volkes in seine höchsten Vertrete» denen sie mit überwältigender Mehrheit die Macht übertragen hatte - zweimal
erschüttert worden.

Mit dem Verlust des Vertrauens in das Wort ihrer ge-

wühlten Führer verloren die Amerikaner von ihrem Vertrauen in sich selbst.
Und wieder dürfen wir auf das blicken, was wir seit August 1974 geleistet
haben.
Meine Administration ist von Anfang an offen und ehrlich gewesen.
Als mein gesamtes öffentliches und privates Leben einer eingehenden
Untersuchung unterzogen wurde, als es um meine Stellung als Vizepräsident ging,
da bekräftigte ich meine lebenslange Oberzeugung, dal3 Wahrheit der Kitt ist,
der die Regierung zusammenhält •- nicht nur die Regierung, sondern die Zivilisation überhaupt.
In den 24 Jahren im Dienste meiner Nachbarn in Michigan lernte ich, ihnen
zuzuhören und sie zu verstehen.

Als Ihr Präsident bin ich mit Tausenden von

Bürgern aus allen Lebensbereichen und aus allen 50 Staaten der Union zusammengekommen.

Ich habe mir andere Meinungen und Kritik arjehört.

Ich habe alle

Fragen beantwortet und der Nation meine Standpunkte frei und umfassend dargelegt.
Ich habe von jedem in der Exekutive Ehrlichkeit, Anständigkeit und persönliche Integrität verlangt.
gleiche Pflicht.

Das Repräsentantenhaus und der Senat haben die

Das amerikanische Volk wird im Kongress der Vereinigten

Staaten keine doppelte Moral akzeptieren.
Diejenigen, die heute unsere Gesetze beschließen, dürfen den Ruf unserer
großen gesetzgebenden Körperschaften nicht ruinieren, die so große Männer
_ g .

hervorgebracht
*

�hervorgebracht haben wie Daniel Webster, Henry Clay, Sam Rayburn und Robert
A

Taft. Ob in der Hauptstadt der Nation oder in der Hauptstadt eines

Einzel Staates oder im Rathaus einer Stadt müssen private Untadeligkeit und
öffentliches Vertrauen Hand in Hand gehen.
Die Entwicklung von August 1974 bis August 1976 zeigt einen stetigen
Fortschritt nach oben zu Prosperität, Frieden und öffentlichem Vertrauen.
Was ich aufzuweisen habe, sind Fortschritte und keine Allgemeinplätze.
Was ich aufzuweisen habe, sind spezifische Dinge und kein Lächeln.
Was ich aufzuweisen habe, ist Handeln und keine Versprechungen.
Mit dem, was ich aufzuweisen habe, kann ich mit Stolz kandidieren.
Das, was ich aufzuweisen habe, wird das amerikanische Volk - Demokraten
Unabhängige ebenso wie Republikaner - am 2. November unterstützen.
Ich verspreche Ihnen, daß ich in den nächsten vier Jahren an dem festen
Kurs festhalten werde, mit dem wir begonnen haben.
Aber ich habe nicht die Absicht, mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen.
Wir werden weiterhin den Kampf gegen die Inflation siegreich führen.
Wir werden weiterhin den Ballast und die Übergriffe der Bürokratie
abbauen
Wir werden bis 1978 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen» ,
Wir werden am Arbeitsplatz, in der Freizeit und in unseren Heimen und i
unserer Nachbarschaft die Qualität des Lebens weiter verbessern.
Wir
- 10 -

�Wir werden die Städte nicht im Stich lassen.

Wir werden die Sanierungs-

programme für die Städte fördern, die Sicherheit auf den Straßen gewährleisten,
eine gesunde Umwelt schaffen und die bevorzugte Stellung der Gemeinden wiederherstellen.
Wir werden Eltern und örtlichen Schulbehörden wieder die Aufsicht über
die Erziehung und Ausbildung der Kinder übertragen.
Wir werden sicherstellen, daß die Partei Lincolns die Partei der Gleichberechtigung bleibt.
Wir werden ein Steuersystem schaffen, das für alle unsere Bürger fair ist,
das die Kontinuität der Familienheime, der Familienfarmen und der Familenunternehmen schützt.
Wir werden die Integrität des Sozialversicherungssystems gewährleisten
und den Gesundheitsdienst (Medicare) weiter verbessern, so daß die älteren
Bürger sich eines gesunden und glücklichen Lebensabends erfreuen können, den
sie sich durch ihre Arbeit verdient haben.

Es gibt keinen Grund, warum es

ihnen schlecht statt gut gehen sollte.
Wir werden sicherstellen, daß unser reiches Land nicht die Bürger vernachlässigt, die weniger vom Glück begünstigt waren, sondern ihnen mit Anteilnahme und Würde das gibt, was sie brauchen.
Wir werden die Ausweitung und die Kosten des Regierungsapparates abbauen
und es allen Arbeitnehmern und Unternehmen ermöglichen, mehr von ihrem verdienten Geld für sich zu behalten.
Wir werden ein Klima schaffen, in dem die Wirtschaft jedem, der arbeiten
will, einen zusagenden Arbeitsplatz anbieten und allen Amerikanern einer,
angemessenen Lebensstandard geben kann.
Wir

- 11 -

�Wir werden sicherstellen, daß alle unsere jungen Leute in ihrem Leben
bessere Chancen haben, als wir sie hatten - eine Ausbildung, die sie im Leben
gebrauchen können, und einen Aufstieg im Beruf, auf den sie stolz sein können.
Wir werden eine Agrarpolitik verfolgen, die dem Farmer einen fairen Marktpreis garantiert, die zur Vollproduktion anspornt, zu Rekordexporten führt
und den Hunger der Menschheit lindern hilft.
Wir werden niemals den Überfluß der amerikanischen Landwirtschaft als
Druckmittel in der internationalen Diplomatie benutzen.

Keine Embargos!

Wir werden unsere führende Stellung weiterhin dazu nutzen, überall dort,
wo Unruhe herrscht, vor allem im Nahen Osten, für Frieden, Gerechtigkeit und
wirtschaftlichen Fortschritt einzutreten.
Wir werden eine sicherere und gesündere Welt schaffen, durch geduldiges
Verhandeln und zuverlässige Rüstungsabkommen, die die Gefahr eines Konflikts
verringern und die Schrecken eines thermonuklearen Krieges ausschalten.

So-

lange ich Präsident bin, werde ich nicht auf einen Kollisionskurs zurückkehren,
der die Zivilisation zu Asche

werden

lassen könnte.

Wir werden ein Amerika errichten, in dem die Menschen reich an geistigen
wie auch weltlichen Gütern sein werden.

Wir werden ein Amerika schaffen,

in dem die Menschen stolz auf sich und auf ihr Land sein werden.
Wir werden auf Leistung, nicht auf Versprechungen; auf Erfahrung, nicht auf
selbstsüchtige Berechnung; auf echten Fortschritt, nicht auf mysteriöse
Pläne, die verschwommen In einer weit entfernten Zukunft aufgezeigt werden,
bauen.
Das amerikanische Volk ist klug, klüger als unsere Gegner glauben.
weiß, wer die Zeche für Wahl Versprechungen bezahlen muß.
die Wahrheit zu hören.

Es hat keine Angst,

Wir werden ihm die Wahrheit sagen.
Vom
- 12 -

Es

�Vom ersten bis zum letzten Tag wird unser Wahl kämpf glaubwürdig sein.
Er wird verantwortungsbewußt geführt werden.

Wir werden kämpfen.

Und wir

werden siegen.
Wir kennen alle die Meinungsumfragen und die weisen Sprüche, in denen
es heißt, unsere Partei sei tot.

Ich habe das schon früher gehört.

Und

genauso war es bei Harry Truman.
Ich werdp Ihnen sagen, was meine Meinung ist:

Die einzigen Meinungsum-

fragen, die zählen, sind die Wahlurnen, an die das amerikanische Volk am
2. November tritt.
Und ich sage Ihnen jetzt schon, das amerikanische Volk wird an diesem
Abend sagen: Jerry, du hast gute Arbeit geleistet; mache weiter so.
Und wenn ich mir so vorzustellen versuche, wie es in all den Wohnungen
aussieht, in denen Familien den Ausgang dieses Parteikonvents beobachten,
so kann ich von den Gesichtern her nicht sagen, wo Republikaner, wo Demokraten und wo Unabhängige sind.

Ich kann ihre Hautfarbe nicht sehen und

weiß nicht, welchen Glaubens sie sind.

Ich sehe nur Amerikaner.

Ich sehe Amerikaner, die ihre Männer, ihre Frauen und ihre Kinder lieben.
Ich sehe Amerikaner, die ihr Land lieben für das, was es war und was es
werden muß.
Ich sehe Amerikaner, die hart arbeiten, die aber auch bereit sind, alles,
was sie sich erarbeitet haben, zu opfern, damit ihre Kinder und ihr Land
weiterhin frei bleiben.
Ich sehe Amerikaner, die auf ihre Weise im Stillen für den Frieden urter
den Völkern und für den Frieden unter sich selbst beten. Sie lieben ihre
Nachbarn und sie vergeben denen, die gegen sie gesündigt haben.

Ich
- 13 -

�Ich sehe eine neue Generation, die weiß, was recht ist, und die sich
kennt - eine Generation, die entschlossen ist, ihre Ideale, ihre Umwelt,
unser Land und unsere Welt zu bewahren.
Meine amerikanischen Mitbürger, ich freue mich über das, was ich sehe.
Ich fürchte nicht um die Zukunft unseres großen Landes.

Und wenn wir jetzt

gemeinsam weiter voranschreiten, verspreche ich Ihnen erneut, was ich Ihnen
schon einmal versprochen hatte: die Verfassung zu verteidigen;

das zu tun,

was recht ist, so wie Gott mich das Rechte erkennen läßt; und das Beste, wie
es in meinen Kräften steht, für Amerika zu tun.
Mit Gottes Hilfe werde ich Sie nicht im Stich lassen.
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16/1976

WASSERBEHANDLUNG - GENERALTHEM." DER AUSSTELLUNG "AQUATECH1
- Umfangreiche Beiträge aus den Vereinigten Staaten -

- (AD) - Mit mehr als 100 Ausstellern werden die Vereinigten Staaten auf
der internationalen Messe AQUATECH 76 vertreten sein, die vom 14. - 18. September 1976 in Amsterdam stattfindet.
AQUATECH ist eine der größten Ausstellungen der Welt, die dem Thema
"Wasser" gewidmet sind. Zum ersten Mal wird sie in diesem Jahr in Verbindung mit dem internationalen Kongreß über Wasserversorgung abgehalten.
Auf der Ausstellung werden mehr als 400 000 Besucher aus aller Welt erwartet.
Der amerikanische Ausstellungsbeitrag präsentiert in mannigfaltiger
Weise die neuesten technologischen Entwicklungen und Fortschritte auf den
zahlreichen Gebieten von Wassernutzung und Wasserbehandlung, die für die
verschiedensten Industrien von Bedeutung sind. Nur die wichtigsten seien
hier genannt: Stahl- und Automobilindustrie, chemische und petrochemische
Industrie samt Ölraffinerien, Hersteller pharmazeutischer und kosmetischer
Produkte, Meerestechnik, Hersteller und Benutzer von Bohrausrüstungen für
die Verwendung zu Lande und auf See, Bergbauunternehmen, Lebensmittelindustrie,
Brauereien und Brennereien, Baufirmen, Wasserwerke und Klärwerke bis hin zu
Krankenhäusern und Forschungslaboratorien.
Das

- 1 -

�Das Angebot läßt erkennen, in welch hohem Maße sich die einschlägige
Industrie in den Vereinigten Staaten um die Lösung ökologischer Probleme und
die Verminderung der Umweltbelastung bemüht.

Nach Auskunft des US-Handels-

ministeriums ist vorgesehen, alle Arten von Ausrüstungen und Konstruktionstechniken zu demonstrieren, die bei der Einsparung, Reinigung, Behandlung und
Entsalzung von Wasser, bei der Beseitigung von Abwässern, beim Transport und
der Speicherung von Wasser, im Zusammenhang mit dem Betrieb von Wasserkraftwerken und selbst beim Damm- und Talsperrenbau in den USA angewandt werden.
Im einzelnen werden u. a. Ausrüstungen für die Behandlung und Qualitätseinstellung von Wasser, Meßuhren aller Art, Ventile, Röhren und Ausrüstungen
für Leitungsreparaturen, Kompressionsverbindungen, Bohrausrüstungen und
Speichersysteme, Pumpen, Filter, Ausrüstungen und Materialien zur Abscheidung
von öl, verschiedene Typen von Separatoren, Analyseninstrumente sowie
Apparaturen für die Wasserentsalzung nach dem Verfahren der Umkehrosmose gezeigt.

Außerdem können sich die Messebesucher bei den Ausstellern aus den

USA über das Angebot an Spezialkameras für die Überwachung von Wasserbrunnen,
Bohrungen, Leitungen, Ölquellen, über ein komplettes System fiberglas-verstärkter Druckkessel und über eine neuartige Vorrichtung informieren, mit
der der Wasserverbrauch bei WCs um 30 Prozent verringert werden kann.

Die

amerikanischen Aussteller sind an Kontakten mit führenden Vertretern der
einschlägigen Industrie anderer Länder sowie der zuständigen Ressorts von Ministerien und kommunalen Verwaltungen interessiert.

Zwanzig der US-Firmen be-

absichtigen, in Europa, Nordafrika und in Mittelostländern Vertretungen
einzurichten.
Im Zusammenhang mit der Ausstellung AQUATECH verdient ein Verfahren Erwähnung, das gegewärtig von Wissenschaftlern der Stanford-Universität in
Kalifornien zur Wasser-Rückgewinnung aus Kanalisationsabwässern und Auffüllung des Grundwasserreservoirs im Raum südlich von San Francisco mit
Frischwasser entwickelt wird. Durch Anwendung einer Technik, die Erdölingenieuren längst vertraut ist, will die Forschergruppe (ihr gehören u. a. die
Professoren Perry L. McCarty, Henry J. Ramey, Robert C. Cooper, James 0.
Leckie
- 2 -

�Leckie und Paul V. Roberts an) Frischwasser in Grundwasserschichten pumpen,
in die bereits Salzwasser aus der Bucht von San Francisco eingedrungen ist.
Dadurch soll nach und nach das Salzwasser wieder ausgeschwemmt werden.
Als "Arbeitsmedium" dienen täglich ca. 7,5 Tonnen behandelte Abwässer
aus dem Klärwerk Palo Alto, die auf nahezu Trinkwasserqualität gereinigt
und zum größten Teil in den Untergrund gepumpt werden, D I P Qualität und
unterirdische Verteilung dieses Wassers wird durch Bohrungen, die an
"strategischen" Punkten niedergebracht werden, ständig überwacht. Durch
kontinuierliche Injektion und Extraktion von Wasser an neun Doppel bohrungen
hoffen die Wissenschaftler, den Salzgehalt allmählich soweit zu verringern,
daß schließlich Trinkwasserqualität erreicht wird.
Mit Oberflächen- und Grundwasser werden ca. 60 Prozent des Wasserbedarfs
von Landwirtschaft, Industrie und Stadtregionen in diesem Raum gedeckt. Jedoch hat die übermäßige Inanspruchnahme des Grundwassers dazu geführt, daß
stellenweise das Oberflächenniveau abgesunken und Salzwasser aus der Bucht
in Grundwasserschichten eingesickert ist. Deshalb muß jetzt Frischwasser
"importiert" werden, um das Grundwasser aufzufüllen. Die Zuführung aus
weiter entfernten Gegenden wird jedoch zunehmend schwieriger, so daß die
Wasserbehörde des Bezirks in Zusammenarbeit mit der Stanford-Universität
nach neuen Wegen der Wasserversorgung sucht. Das Projekt zur Nutzbarmachung von Abwässern für diesen Zweck wird von der Umweltschutzbehörde der
USA (EPA) und anderen staatlichen Stellen mit Zuschüssen in Höhe von mehr
als fünf Millionen Dollar gefördert.
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ANPASSUNGSPROZESS DER US-FORSCHUNGSPOLITIK
Schwerpunkte: Verteidigung, Energie, angewandte Forschung und Entwicklung -

- (AD) - Die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen des letzten
Jahrzehnts haben zwangsläufig auch die Forschungspolitik der Industriestaaten
beeinflußt. In den Vereinigten Staaten waren es vor allem die Aufgaben und
Probleme der Rohstoffversorgung, die überhandnehmende Umweltbelastung als
Folge der massiven industriellen Expansion in Verbindung mit einem nicht
minder massiven Einsatz neuer Errungenschaften der Technik und nicht zuletzt
die Energiekrise, die dazu zwangen, die Forschungspolitik zu überdenken und
der neuen Situation anzupassen,
Die "National Science Foundation" (NSF - Nationale Wissenschaftsstiftung),
die für ein leistungsfähiges Forschungswesen und ein ebenso leistungsfähiges
Bildungswesen im Interesse von Wissenschaft und Wirtschaft in den Vereinigten
Staaten zu sorgen hat, analysiert periodisch die laufenden Forschungs- und
Entwicklungsprogramme und gibt der Bundesregierung Empfehlungen über die
Weiterführung und Neuaufnahme von Projekten auf den verschiedensten Gebieten.
Sie unterstützt experimentelle Forschung, um zu erhöhten Investitionen auch
durch Kreise außerhalb der Bundesregierung in Forschung und Entwicklung anzuregen und den Umsetzungsprozeß in die praktische Anwendung von Forschungsergebnissen durch Industrie, Regierung und andere Stellen zu beschleunigen.
Besondere Beachtung finden Programme, die die Förderung von Wirtschaftswachstum
und Produktivität erwarten lassen, die zu einer Verbesserung der Umweltqualität führen können und die helfen, Lösungen für soziale Fragen zu finden.
Regierung

�k
Regierung und Öffentlichkeit werden durch Berichte der Nationalen Wissenschaftsstiftung, die z„ B, auch Anhaltspunkte zum gegenwärtigen und künftigen
Personalbedarf der wissenschaftlichen und technischen Berufe gibt, über Ergebnisse periodisch vorgenommener Erhebungen informiert.
Die Tatsache, daß der Anteil der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in den USA am Bruttosoyialprodukt seit 1964 von knapp 3 Prozent
auf 2,3 Prozent im Jahr 1975 zurückging (für 1976 wird eine weitere Reduzierung auf 2,2 Prozent erwartet), ist vor allem auf verminderte Beiträge
seitens der Regierung zu den Gesamtaufwendungen zurückzuführen.

Aus den

NSF-Statistiken geht hervor, daß der Regierungsanteil von 2 auf 1,2 Prozent
sank, während der Anteil der übrigen Finanzierungsquellen (Industrie, Universpäten und Colleges sowie anderer gemeinnütziger Institutionen) nahezu
konstant bei 1,1 Prozent des Bruttosozialprodukts geblieben ist.

Im Jahr

1976 entfallen von 38,1 Milliarden Dollar Gesamtaufwendungen 21,6 Milliarden
(53 %) auf die Regierung, 16,6 Milliarden (43 t) auf die Industrie, 800
Millionen (2 %) auf Universitäten und Colleges, die 55 Prozent der Grundlagenforschung durchführen, und der Rest auf andere gemeinnützige Institutionen.
In der Praxis sieht es jedoch so aus, daß in der Form von Auftragsforschung der größte Teil der staatlichen Mittel der Industrie zufließt.
Denn nur 15 Prozent der derzeitigen Projekte von Forschung und Entwicklung
werden von Regierungsinstitutionen, dagegen 69 Prozent von der Industrie,
10 Prozent in Universitäten und Colleges, 3 Prozent in den von der Bundesregierung geförderten Forschungszentren der Universitäten und 3 Prozent in
anderen gemeinnützigen Instituten durchgeführt. Auf den Sektor "Entwicklung"
entfallen 24,4 Milliarden, auf "Angewandte Forschung" 8,9 Milliarden und
auf "Grundlagenforschung" 4,8 Milliarden Dollar. Etwa zwei Drittel der ca.
530 000 in Forschung und Entwicklung voll beruflich tätigen Wissenschaftler
und Ingenieure sind bei der Industrie, 16 Prozent an Universitäten und
Colleges und 12 Prozent in regierungseigenen Institutionen beschäftigt.
In dem
- 2 -

*

�In dem für 1977 vorgesehenen Haushaltsplan wird der Forschungs- und
Entwicklungsetat für "Verteidigung" um 1,3 Milliarden auf 11,2 Milliarden
Dollar steigen.

Der nächstgrößte Posten - nämlich 476 Millionen Dollar

mehr als im Jahr 1976 - ist für die Energie-Forschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA vorgesehen.

Deren neues Budget liegt mit 3,3 Milliarden

Dollar nur geringfügig unter dem des Bundesamtes für Luft- und Raumfahrt
(NASA), das 3,5 Milliarden Dollar erhalten soll. Auf den Gebieten Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialwesen werden über das zuständige Bundesministerium
und die ihm angeschlossenen Forschungsinstitute 2,54 Milliarden Dollar investiert.
Von den NASA-Programmen kann heute die Mehrzahl der wichtigen Projekte
in der Kategorie "Entwicklung" geführt werden - Projekte, die in früheren
Jahren als Grundlagen- oder angewandte Forschung zu klassifizieren waren.
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NACHRICHTENSATELLIT FÜR ÖFFENTLICHES US-FERNSEHNETZ

- (AD) - Die 165 Stationen des "öffentlichen Fernsehens" der USA werden
ab 1979 ihre Programme über einen geostationären Satelliten der "Western
Union" ausstrahlen. Mit einem Kostenaufwand von 39,5 Millionen Dollar
werden für diesen Zweck eine Haupt-Erdefunkstelle, fünf regionale Empfangsund Sendestationen sowie 150 kleine Antennenanlagen gebaut, die nur
empfangen, aber nicht senden können. Dieses System kommt alles in allem
billiger als die bisher benutzten - und nur begrenzt verfügbaren Leitungen über Land.
Wie Henry Loomis, der Präsident der "Corporation for Public Broadcasting" (CPB - Gesellschaft für öffentliche Sendestationen) kürzlich
auf einer Pressekonferenz in Washington erklärte, werden über das künftige
Satelliten-Fernsehnetz mindestens drei, wahrscheinlich sogar vier Programme
gleichzeitig angeboten, aus denen die Stationen auswählen können. Dies
bedeute mehr Abwechslung und vor allem größere Flexibilität in der Programmgestaltung.
Die öffentlichen Fernsehstationen sind unabhängig, jedoch gehören alle
dem "Public Broadcasting System" (PBS) an, das auch den öffentlichen Hörfunk
unterstützt.

Die Finanzierung erfolgt durch Mittel, die der US-Kongress

bewilligt, und durch freiwillige Beiträge von privater Seite.

Im Gegensatz

zu den kommerziellen Anstalten bringen die öffentlichen Stationen keine
Werbesendungen.

Das Hörfunk- und Fernsehpublikum braucht dennoch keine

Gebühren zu entrichten.
Von
- 1 -

�Von der in der Nähe der Bundeshauptstadt Washington stationierten
Haupt-Erdefunkstelle aus können über den "Heimsatelliten" alle £0 Bundesstaaten der USA sowie Puerto Rico und die amerikanischen Jungferninseln
erreicht werden. Im Interesse der spanisch-sprechenden Bevölkerung in
Puerto Rico und in den südwestlichen US-Bundesstaaten sind umfangreiche
Sendungen in spanischer Sprache vorgesehen.
++++++

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walter F. Mondale: Der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Liberaler mit sozialer Verantwortung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Abhängigkeit von Importöl&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellungnahme des Chefs der Bundesenergiebehörde -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mikrocomputer im US-Handelszentrum Frankfurt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Letzte Veranstaltung vor Verlegung nach Köln -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuartige "Akustische Kamera"</text>
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15. September 1976

17

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL
Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei
- Internationale Beziehungen und Verteidigung Auszüge aus dem Wahlprogramm der Republikanischen Partei
- Internationale Beziehungen und Verteidigung Keine Chance f ü r Splitterparteien
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Abgase von Überschallflugzeugen
- U.S. Behörde setzt Höchstwerte fest Interferon gegen chronische Hepatitis

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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17/1976

AUSZÜGE AUS DEM WAHLPROGRAMM DER DEMOKRATISCHEN PARTEI
- Internationale Beziehungen und Verteidigung -

Internationale Beziehungen
Die nächste demokratische Administration muß und wird eine neue amerikanische Außenpolitik einleiten.
Acht Jahre Nixon-Ford-Diplomatie haben unser Volk vom Ausland isoliert
und im Inland gespalten. Die Politik wurde mit der Zeit der geheim gehaltenen Bombardierung Kambodschas bis zu der kürzlichen verschleierten Hilfe
an Angola von dem zuständigen Ministerium in aller Heimlichkeit und willkürlich entwickelt und durchgeführt. Es handelte sich um eine Politik, die sich
auf einseitige ad-hoc-Maßnahmen und eine Diplomatie des Gleichgewichts der
Kräfte stützte, die besser in das vorige Jahrhundert als in das gegenwärtige
gepaßt hätte. Sie hat die traditionellen amerikanischen Prinzipien verächtlich gemacht, die sich einst die Achtung der anderen Völker erworben und unser eigenes Volk angespornt haben. Statt sich um die Förderung von Freiheit
und Gerechtigkeit auf der Welt zu bemühen, hat die republikanische Administration eine traurige Bilanz aufgestellt - an Mißachtung der Menschenrechte, an
manipulierter Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder und,
immer wieder, an einem stärkeren Interesse für unsere Beziehungen zu den tota-

�totalitären Gegnern statt zu unseren demokratischen Verbündeten.

Und ihre

Bemühungen, den internationalen Status quo zu erhalten statt zu reformieren,
verrät einen Zweck-Pessimismus, der im Gegensatz zu dem traditionellen amerikanischen Bekenntnis zur Möglichkeit des Fortschritts der Menschheit steht.
Verteidigungspolitik und Ausgaben für die Streitkräfte müssen im Einklang mit der Erfüllung der realen Sicherheitserfordernisse des amerikanischen
Volkes stehen.

Wir sind uns bewußt, daß die Sicherheit unseres Landes in

erster Linie von der inneren Stärke der amerikanischen Gesellschaft abhängig
ist - der wirtschaftlichen, der sozialen und der politischen.

Wir sind uns

ebenso bewußt, daß ernste internationale Bedrohungen unserer Sicherheit nicht
ausschließlich militärischer Natur sind und daß ihnen nicht durch militärische
Gewalt oder durch Androhung von Gewalt begegnet werden kann.

Die republika-

nische Administration hat durch Mißwirtschaft und falsche Politik die Sicherheit unseres Landes untergraben, indem sie die menschlichen Erfordernisse im
eigenen Lande vernachlässigte und gleichzeitig, zum ersten Male in der Geschichte unseres Landes, nach einem Krieg die militärischen Ausgaben erhöhte.
Milliarden von Dollar wurden für verschwenderische, extravagante und - in einigen Fällen - einer Stabilisierung abträgliche
zweigt.

militärische

Programme abge-

Unser Land kann - und unter einer demokratischen Administration wird

es dies tun - nachdrücklich auf die Verwirklichung einer Politik der Vollbeschäftigung und des wirtschaftlichen Wachstums hinarbeiten, die uns in die Lage
versetzen wird, dem berechtigten Eigenbedarf unserer Bürger wie auch unseren
Erfordernissen für eine ausreichende nationale Verteidigung zu entsprechen.
Eine demokratische Administration wird auf die Entwicklung einer Außenpolitik hinarbeiten, die der Stärke und Würde des amerikanischen Volkes entspricht, indem sie sich an die folgenden grundlegenden Prinzipien und Prioritäten hält:
Wir werden nach der Prämisse handeln, daß beim politischen Handeln die
Offenheit mit all ihrer Verantwortung der Geheimniskrämerei vorzuziehen ist.
Der Kongreß wird in die wichtigen internationalen Entscheidungen unserer jte^

�Regierung eingeschaltet werden, und unsere Außenpolitik wird offen geführt
und dem amerikanischen Volk ständig erläutert werden.

Selbst wenn diploma-

tische Taktiken und nationale Sicherheitsinformationen manchmal geheim bleiben müssen, kann es keine Entschuldigung dafür geben, die grundlegende Politik
ohne Wissen und Unterstützung der Öffentlichkeit auszuarbeiten und durchzuführen.
Unsere Politik muß auf der Verpflichtung unseres Landes zu den Idealen
der Freiheit und Gerechtigkeit für den Einzelnen basieren. Die Erfahrung hat
uns gelehrt, daß wir uns nicht ausschließlich auf militärische Stärke und wirtschaftliche Macht verlassen dürfen, so notwendig diese auch sind, um unsere
internationalen Zielsetzungen zu verfolgen. Wir müssen uns auch auf die moralische Stärke unserer demokratischen Werte verlassen - die für unsere Freunde
größter Ansporn und für unsere Gegner das am meisten gefürchtete Attribut sind.
Wir werden sicherstellen, daß die Erfordernisse der Menschen nicht militärischen Aufgaben geopfert werden, gleichzeitig aber die Streitkräfte aufrechterhalten, die wir für unsere Sicherheit benötigen.
Wir werden unsere Bindungen zu den anderen großen Demokratien stärken
und mit ihnen zusammenarbeiten, um unsere gemeinsamen wirtschaftlichen und
sozialen Probleme zu lösen und unsere

Verteidigung stark zu erhalten.

Wir werden die demokratische Tradition der Freundschaft und Unterstützung
der Länder der Dritten Welt wiederherstellen.
Wir müssen ferner nach Gebieten für eine Kooperation mit unseren traditionellen Gegnern suchen. Es bleibt keine andere Wahl, denn es geht um das
überleben der Menschheit. Doch das Streben nach Entspannung setzt voraus,
daß wir eine starke militärische Abschreckung der USA unterhalten, unsere
eigenen Interessen nachdrücklich vertreten, das Anhalten des Wettstreits erkennen und der amerikanischen Öffentlichkeit die unmittelbaren Vorteile einer
solchen Politik nicht übertrieben positiv darstellen.
Wir

�Wir werden das grundlegende Bekenntnis der USA zu den Menschenrechten
überall auf der Welt erneut bekräftigen.

Amerika muß sich für die Freilas-

sung aller politischen Gefangenen in allen Ländern einsetzen - der Männer
und Frauen, die sich im Gefängnis befinden, nur weil sie friedlich gegen die
Politik ihrer Regierung angegangen sind oder weil sie anderen dabei geholfen
haben.

Amerika muß eine feste Haltung einnehmen und das bestehende US-Gesetz

unterstützen und durchführen, das die Liberalisierung der Auswanderungspolitik
in solchen Ländern bewirken soll, die die freie Auswanderung einschränke1" oder
verbieten.

Amerika muß festhalten an seiner Unterstützung des Rechts der Ar-

beiter, sich zu organisieren, und der Gewerkschaften, frei und unabhängig tätig
zu werden, wie auch an seiner Unterstützung der Pressefreiheit.

Amerika muß

weiterhin als Bollwerk für die Unterstützung der menschlichen Freiheit in allen
Ländern dastehen.

Eine Rückkehr zu dieser Grundsatzpolitik setzt eine erneute

Bekräftigung der menschlichen Freiheiten überall auf der Welt voraus.

Die Herausforderung der Interdependenz
Die Weltwirtschaft
Acht Jahre der Mißwirtschaft in der amerikanischen Wirtschaft haben zu
weltweiter Rezession und Inflation beigetragen.

Der wichtigste Beitrag, den

eine demokratische Administration zur Wiedergesundung der Weltwirtschaft leisten
kann, ist die Wiedergesundung der amerikanischen Wirtschaft mit all ihrem Einfluß auf Stabilität und Fortschritt der Weltwirtschaft.
Wir bekennen uns zu einer Handelspolitik, die einer Wirtschaft mit Vollbeschäftigung nützt - durch Schaffung neuer Arbeitsplätze für amerikanische Arbeiter, Erschließung neuer Absatzmärkte für amerikanische Farmer und Unternehmen, Senkung der Preise und Ausweitung des Warenangebots für die amerikanischen
Verbraucher.

Ein stetiger Abbau der Handelsschranken sollte auf einer Basis

der Gegenseitigkeit ausgehandelt werden, so daß es anderen Ländern nicht mög-

�möglich ist, uns den Zugang zu ihren Märkten zu verwehren, während sie Zugang zu unserem Markt haben.

Diese Maßnahmen müßten von verbesserten Pro-

grammen begleitet sein, um die Folgen von Verzerrungen und die Härten für solche amerikanischen Arbeiter zu mildern, die von dem ausländischen Wettbewerb
betroffen werden.
Die Demokratische Partei wird ferner einen höheren Lebensstandard für
die Arbeiter in solchen Ländern zu fördern suchen, in denen die Produktivität
weit über den Löhnen liegt, so daß der amerikanische Arbeiter durch eine unfaire Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte geschädigt und amerikanisches Kapital ermutigt wird, die durch die Niedriglöhne sich bietenden Möglichkeiten
zu nutzen, die unserer eigenen Wirtschaft schaden und den Dollar schwächen.
Wir werden die Führung bei den internationalen Bemühungen um eine Stärkung des Weltwirtschaftssystems übernehmen. Die Auffassung der Ford-Administration, man solle sich auf die internationale "Marktwirtschaft" verlassen,
entspricht nicht mehr einer Welt, in der einige Regierungen und multinationale Gesellschaften aktiv Lenkung und Beeinflußung der Marktkräfte betreiben.
Wir verpflichten uns zu ständigen Bemühungen, um die Währungssysteme der
Welt funktionsfähig zu erhalten und so ein einigermaßen stabiles Wirtschaftsklima für die Unternehmen zu schaffen sowie einen Import von Inflation zu verhindern.

Wir werden die Reform des internationalen Währungssystems unter-

stützen, um so die institutionellen Mittel für eine Koordinierung der nationalen Wirtschaftspolitik, vor allem mit unseren europäischen und japanischen
Verbündeten, zu stärken und die Bemühungen unserer und anderer Regierungen
zur Vollbeschäftigung zu erleichtern.
Die Demokratische Partei hat sich zu einer starken und wettbewerbsfähigen, in den USA gebauten und mit amerikanischen Seeleuten bemannten Handelsflotte bekannt, die den internationalen Beziehungen sowie der nationalen Sicherheit dient.

Zur Neubelebung unserer Handelsflotte verpflichtet sich die

Partei zu einer stärkeren Koordinierung der Schiffahrtspolitik, zu einer er- 5 -

�erneuten Bekräftigung der Zielsetzungen der Handelsmarinegesetze von 1936
und 1970 und zur Ausarbeitung einer nationalen Frachtenpolitik, die der
amerikanischen Handelsflotte einen fairen Anteil am gesamten amerikanischen
Handel sichert.
Eine demokratische Administration wird nachdrücklich internationale
Verhandlungen betreiben, um sicherzustellen, daß die multinationalen Aktivitäten von Gesellschaften, amerikanischen wie ausländischen, gegenüber der
internationalen Völkergemeinschaft mehr Verantwortungsbewußtsein zeigen. Wir
werden unsere Aufmerksamkeit vorrangig der Schaffung eines internationalen
Verhaltenskodexes für multinationale Gesellschaften und Gastländer widmen.
Wir werden die multinationalen Gesellschaften ermutigen - vor Produktionsverlagerungen über internationale Grenzen hinweg -, im voraus ausreichende Vorkehrungen für solche Arbeiter zu treffen, deren Arbeitsplätze dadurch
betroffen werden.
Wir werden Bestechungen und andere korrupte Praktiken beseitigen.
Wir werden diese Gesellschaften daran hindern, sich in die politischen
Systeme der Länder einzumischen, in denen sie tätig sind.
Wenn ein Kodex nicht durch Verhandlungen erreicht werden oder sich als
undurchführbar erweisen sollte, dann sollte sich unser Land das Recht zu einseitigen Maßnahmen vorbehalten, die jedes dieser Probleme ansprechen und im
besonderen Bestechungen und andere unrechtmäßige Zahlungen an Regierungsbeamte
anderer Länder für ungesetzlich erklären.
Zur Verwirklichung offener und fairer internationaler Wirtschaftsbeziehungen werden wir nach Mechanismen, auch gesetzlicher Art, suchen, die sicherstellen, daß ausländische Regierungen in den Außenhandel der USA keinen Boykott
dritter Parteien und keine Diskriminierung aus rassischen oder religiösen
Gründen einführen.
Energie

�Energie
Die Vereinigten Staaten müssen bei der Förderung der Zusammenarbeit der
Industriestaaten in der Entwicklung alternativer Energiequellen und der Senkung des Energieverbrauchs die Führung übernehmen, um so unsere Abhängigkeit
von Importen aus dem Nahen Osten zu verringern und den hohen Energiepreisen
Einhalt zu gebieten.

Unter einer demokratischen Administration werden die

Vereinigten Staaten ferner internationale Bemühungen zur Erschließung des
riesigen Energiepotentials der Entwicklungsländer unterstützen.
Wir werden uns ferner aktiv darum bemühen, die Gefahren zu begrenzen,
die sich aus der internationalen Entwicklung der Atomenergie sowie der Ausbreitung der Kernwaffen ergeben.
geräumt werden sollte, gehören:

Zu den Schritten, denen hohe Priorität einNeubelebung des Atomsperrvertrages; Auswei-

tung der Befugnisse der Internationalen Atomenergiebehörde und anderer internationaler Sicherheiten sowie die Kontrolle nationaler Anlagen; Zusammenarbeit bei internationalem Terror mit Kernwaffen; ein Abkommen der Erzeugerländer, keine Anreicherungs- oder Wiederaufbereitungsanlagen weiterzugeben; eine
internationale Garantie, nukleare Brennstoffe nur an solche Länder zu liefern,
die sich an die strikten Bestimmungen des Atomsperrvertrages halten; Subventionierung multinationaler Nuklearanlagen und allmähliche Unterstellung des
nicht für Waffenzwecke bestimmten spaltbaren Materials unter internationale
Kontrolle.

Die Entwicklungsländer
Wir haben während des nächsten Jahrzehnts eine historische Chance, Ausmaß und Qualität der Zusammenarbeit zwischen den reichen und den armen Ländern
zu verbessern.

Die potentiellen Vorteile einer Politik der konstruktiven Zu-

sammenarbeit mit den Entwicklungsländern wären für unser Land beträchtlich:
unbehinderter Zugang zu Rohmaterialien und Rohstoffen bei angemessenen Preisen
- 7 -

�Preisen; niedrigere Raten der weltweiten Inflation; besserer Absatz für unsere Erzeugnisse auf den Weltmärkten; und eine bessere Atmosphäre für internationale Verhandlungen ganz allgemein.

Vor allem die Aussichten auf Frieden

werden in einer Welt bedeutend höher sein, in der immer weniger Menschen unter
Angst vor Hunger und unter dem Joch wirtschaftlicher Unterdrückung zu leiden
haben.
Wir unterstützen die Bemühungen zur Stabilisierung und Steigerung der
Exporterlöse der Entwicklungsländer durch unsere Beteiligung an vernünftigen
Rohstoffabkommen.

Wir unterstützen die Stärkung der weltweiten Finanzierungs-

mechanismen und die Bemühungen um eine Liberalisierung des Handels. Wir werden
die Förderung größerer Kapitalmärkte in den Entwicklungsländern unterstützen.
Da unser Land Lebensmittel und Textilfasern in die gesamte Welt liefert,
ist der amerikanische Farmer in hohem Maße abhängig von den Weltmärkten.

Die

Entwicklung auf diesen Märkten muß sich so vollziehen, daß ein ungestümes Hochschnellen der Lebensmittelpreise und periodische Verknappungen vermieden werden, wie sie unter der letzten republikanischen Administration allgemein üblich waren.

Wir verpflichten uns zu einer beträchtlichen finanziellen Unter-

stützung des Internationalen Fonds für die Entwicklung der Landwirtschaft; zu
einer wirksameren Lebensmittelhilfe durch Überprüfung des US-Lebensmittel-fürden-Frieden-Programms; zu beträchtlichen Beiträgen an ein multinationales System
für Lebensmittelreserven, das angemessene Sicherheiten für die amerikanischen
Farmer enthält; sowie zu ständigen Anstrengungen zur Förderung der amerikanischen
Lebensmi ttelexporte.
Die Ausbreitung der Rüstungen, sowohl der konventionellen als auch der
nuklearen, bildet eine wichtige potentielle Konfliktquelle in der unterentwickelten und in der industrialisierten Welt.

Die Vereinigten Staaten sollten

den Verkauf konventioneller Waffen wesentlich einschränken und die militärische
Hilfe an Entwicklungsländer abbauen.

Sie sollten den Transfer konventioneller

Waffen in die Rüstungskontroilagenda einbeziehen und bei dem Transfer amerikanischer Waffen bei jedem Land eine eingehende Begründung verlangen.
- 8 -

Solche

�Solche Verkäufe oder eine solche Hilfe müssen nach den außenpolitischen Vorteilen für die USA gerechtfertigt sein und nicht lediglich nach den wirtschaftlichen Vorteilen für die amerikanischen Waffenproduzenten.
Ein Hauptziel der amerikanischen Hilfe, der militärischen wie auch der
wirtschaftlichen, ist die Stärkung der Freiheit auf der Welt.

Die Vereinigten

Staaten sollten nirgendwo auf der Welt Hilfe an Regierungen gewähren, die sich
zur Durchsetzung ihrer Macht der Geheimpolizei, des Freiheitsentzugs ohne Anklage sowie der Folter bedienen.

Ausnahmen von dieser Politik sollten selten

sein, und die Hilfe sollte dann auf das absolut Notwendige beschränkt bleiben .

Vertei di gungspoli ti k
Umfang und Struktur unserer Streitkräfte müssen sorgfältig auf die Erfordernisse unserer Außenpolitik in der heutigen Zeit abgestimmt sein.

Sie

sollten auf einer sorgfältigen Bewertung dessen basieren, was langfristig notwendig ist, um unsere potentiellen Gegner abzuschrecken; um notfalls konventionelle Kriege in Gebieten führen zu können, in denen unsere nationale Sicherheit bedroht ist; und um unseren Verbündeten und Freunden - vor allem in Westeuropa, Japan und im Nahen Osten - Sicherheit zu geben.

Daher müssen unsere

strategischen Nuklearstreitkräfte eine starke und glaubwürdige Abschreckung
vor einem nuklearen Angriff und einer nuklearen Erpressung sein.

Unsere kon-

ventionellen Streitkräfte müssen stark genug sein, um vor einer Aggression
in Gebieten abzuschrecken, die für unsere eigene Sicherheit entscheidend wichtig sind.

So wie es mit diesen Zielen zu vereinbaren ist, sollten wir uns

um Abrüstungs- und Rüstungskontroi labkommen bemühen, die zu einer beiderseitigen Reduzierung sowohl der nuklearen als auch der konventionellen Rüstungen
beitragen.
Charakteristisch für die Verteidigungspolitik der Nixon-Ford-Administrationen waren jedoch Stagnation und Verwundbarkeit.
Durch

�Durch ihre Zögern, Veränderungen auf solchen Gebieten unserer Streitkräfte vorzunehmen, die einer Lösung von Problemen aus der Vergangenheit
dienten, hat die Administration nicht nur Verteidigungsgelder verschleudert,
sondern auch Verbesserungen vernachlässigt, die zur Erhöhung der Kampfkraft
und des Abschreckungspotentials unserer STreitkräfte bei einer künftigen
Aggression notwendig waren.
Wie die überaus starke Betonung des Gesamtumfangs des Verteidigungsbudgets als wichtigster Maßstab für unsere nationale Entschlossenheit und die
Schlagkraft unserer STreitkräfte zeigt, hat die Administration übersehen, daß
wir nicht danach trachten, mehr auszugeben als unsere potentiellen Gegner,
sondern daß wir vielmehr in der Lage sein wollen, abschreckend auf sie zu wirken und ihnen im Kampfe überlegen zu sein.

Wir müssen die Gelder ausgeben,

die legitim für die Verteidigung benötigt werden, doch sind Kürzungen bei
Überschneidungen und Verschwendung sowohl möglich als auch notwendig.

Sofern

es zu keiner wesentlichen Änderung der internationalen Lage kommt, sind wir
der Ansicht, daß wir bei richtiger Verwaltung, richtiger Verwendung der Verteidigungsgelder und richtiger Auswahl der militärischen Programme die gegenwärtigen Verteidigungsausgaben um 5 bis 7 Milliarden Dollar senken können.

Wir müs-

sen einen harten Maßstab bei der Entwicklung neuer Waffensysteme anlegen, die
nur von untergeordnetem militärischem Wert sind.

Die Höhe unseres Verteidi-

gungsbudgets sollte nicht durch bürokratische Gebote oder Erfordernisse der
Rüstungsindustrie, sondern durch unsere Bewertung der internationalen Realitäten bestimmt werden.

Um eine umfassende Überprüfung der B-1-Erprobung und

ihres Auswertungsprogramms zu ermöglichen, sollte vor Februar 1977 keine Entscheidung über eine Produktion der B-l getroffen werden.
Das Pentagon hat eine der am stärksten überzüchteten Bürokratien der
Bundesregierung. Das Verteidigungsministerium kann wirksamer und sparsamer
arbeiten, und sein Budget kann gekürzt werden, ohne daß unsere Verteidigungsposition dadurch irgendwie beeinträchtigt wird. Unsere Streitkräfte haben
heute mehr Admiräle und Generäle als während des Zweiten Weltkrieges, als unsere Streitkräfte weitaus größer waren als heute. Wir können das zahlenmäßige
- 10 -

�zahlenmäßige Verhältnis von Offizieren und Mannschaften und von Versorgungseinheiten und Kampftruppen verbessern ...
Es bedarf einer neuen Einstellung

zu den Dingen.

Unsere strategischen

Nuklearstreitkräfte sollten so gegliedert sein, daß sichergestellt ist, daß
sie einen nuklearen Angriff überstehen können und daß somit eine Abschreckung
vor einem Atomkrieg gewährleistet ist.

Eine erfolgreiche nukleare Abschreckung

ist eine äußerst wichtige Aufgabe unserer Streitkräfte.

Wir sollten jedoch

vermeiden, uns auf Ausgaben einzulassen, die nur symbolischen oder Prestigewert haben oder die zu einer nuklearen Instabilität beitragen.
Die amerikanische Marine muß die stärkste Flotte der Welt bleiben.

Un-

sere Seestreitkräfte sollten verbessert werden, wobei der Nachdruck auf das
überleben gelegt werden sollte, und unsere moderne Technologie sollte mit
neuen Methoden für die Offenhaltung der wichtigen Seewege eingesetzt werden.
Konkret ausgedrückt, wir sollten mehr Nachdruck auf neuartige Sensoren und
Rüstungen legen und auf eine Marine, die aus einer größeren Zahl kleiner und weniger verwundbarer Schiffe besteht, Vorrang einräumen.
Unsere Landstreitkräfte sollten so gegliedert sein, daß sie bei der Unterstützung unserer politischen und militärischen Verpflichtungen wirksam kämpfen können. Hierfür sind moderne, gut ausgerüstete und äußerst mobile Landstreitkräfte wichtiger als eine große Zahl sparsam ausgerüsteter Infanteriedivisionen.
Unsere taktischen Luftstreitkräfte sollten so ausgerichtet sein, daß sie
im Falle von Feindseligkeiten rasch die Luftüberlegenheit erringen und unsere
Land- und Seestreitkräfte unterstützen können.
Wir können und werden wesentliche Einsparungen beim Oberkommando sowie
beim Nachschub unserer Streitkräfte vornehmen.
Das Beschaffungssystem für Verteidigungsausrüstung sollte reformiert wer- 11 -

�werden.

Es sollten, wo immer dies möglich und mit den Bemühungen um eine

volle Beteiligung kleinerer Unternehmen zu vereinbaren ist, Ausschreibungen
auf Wettbewerbsbasis und andere Verbesserungen im Beschaffungswesen vorgenommen werden, um einen uneingeschränkten und fairen Wettbewerb zwischen allen potentiellen Lieferfirmen zu fördern und die gegenwärtige Verschwendung
im militärischen Beschaffungswesen zu unterbinden.

Es sollte eine gerechtere

Formel für die Verteilung von Verteidigungsaufträgen und anderen Beschaffungsaufträgen der Bundesregierung auf einzelstaatlicher oder regionaler Basis erwogen werden.
Die Vereinigten Staaten und andere Länder haben ein gemeinsames Interesse an einer Verringerung der militärischen Ausgaben und einer Zuteilung der
eingesparten Mittel für Programme zur Hebung des Lebensstandards.

Um den

Weg für solche Änderungen zu ebnen, sollten Exekutive und Kongreß eine langfristige Planung der von Verteidigungsaufträgen abhängigen Gemeinden, der Leitung der Firmen der Rüstungsindustrie und der Gewerkschaften fördern.

Dieser

Prozeß sollte sich im Rahmen der Verpflichtung der Demokratischen Partei zu
einer geplanten Vollbeschäftigung vollziehen.
Unsere zivilen und militärischen Geheimdienste sollten so gegliedert
sein, daß sie rechtzeitig und genaue Informationen sowie Analysen außenpolitischer und militärischer Fragen beschaffen können.

Geheime Aktionen dürfen

nur in ganz wichtigen Fällen erfolgen, wenn dies entscheidend wichtig für
die Sicherheit der USA ist; Mordaufträge müssen verboten

sein.

Es sollte

eine umfassende und genaue Kontrolle unserer Geheimdienste durch den Kongreß
geben.

Die verfassungsmäßigen Rechte der amerikanischen Bürger können und müs-

sen voll geschützt sein, und Mißbräuche des Geheimdienstes sollten korrigiert
werden, ohne daß die Vertraulichkeit des zurecht als geheim eingestuften Geheimdienstmaterials gefährdet oder die grundlegende Aufgabe des Geheimdienstes
aufs Spiel gesetzt wird.
Die

- 12 -

�Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind die einzigen Mächte, die
durch Rivalität oder durch Fehleinschätzung unsere Zivilisation in einen allgemeinen Atomkrieg stürzen könnten.

Ein Hauptziel muß der weitere Abbau der

Spannungen mit der Sowjetunion sein.

Dies kann jedoch nur durch Festhalten an

unseren Prinzipien und Interessen und durch rein sachliche Verhandlungen über
spezifische Fragen erreicht werden, nicht durch schlechte Verträge, dramatisches
Auftreten

und Betonung allgemeiner Deklarationen, wie sie für die Entspannungs-

politik der Nixon-Ford-Administration charakteristisch waren.
Sowjetische Schritte führen weiterhin zu ernsten Bedrohungen des Friedens
und der Stabilität in zahlreichen Teilen der Welt und unterlaufen die westliche Unterstützung fruchtbringender Verhandlungen über allen zum Nutzen gereichende Abkommen.

Die Sowjetunion hat während der letzten Jahre bei ihrer

Marine, ihren strategischen Streitkräften sowie ihren in Osteuropa und Asien
stationierten Landstreitkräften eine bedeutende militärische Aufrüstung vorgenommen.

Sie hat in den Verhandlungen einseitige Vorteile angestrebt und hat

politischen und militärischen Druck in Gebieten wie dem Nahen Osten und Afrika
ausgeübt sowie ohne Zögern nach Angola eigene Berater sowie Expeditionsstreitkräfte ihrer Satelliten entsandt.
Die andauernde militärische Vorherrschaft der Sowjetunion in zahlreichen
osteuropäischen Ländern bleibt eine Quelle der Unterdrückung für die Völker
dieser Länder - eine Unterdrückung, die wir nicht akzeptieren und die wir aus
moralischen Gründen ablehnen.

Jeder Versuch seitens der Sowjetunion, in ähn-

licher Weise andere Teile Europas - wie zum Beispiel Jugoslawien - zu beherrschen, würde eine ernste Bedrohung für den Frieden darstellen.

Osteuropa kann

kein Gebiet echter Stabilität sein, solange diese Länder nicht ihre Unabhängigkeit wiedererlangt haben und Teil eines großen europäischen Systems geworden
sind.
Unsere Aufgabe ist es, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen auf eine
- 13 -

�eine stabile Basis zu stellen und dabei jedes Übermaß an Hoffnung oder Angst
zu vermeiden.

Geduld, ein klarer Sinn für unsere eigenen Prioritäten und

eine Bereitschaft zu Verhandlungen über spezifische bindende Abkommen auf Gebieten von gemeinsamem Interesse können die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wieder ins Gleichgewicht bringen.
Auf dem Gebiet der nuklearen Abrüstung und der Rüstungskontrolle sollten
wir hinarbeiten:
auf eine Begrenzung der internationalen Ausbreitung von spaltbarem Material
und Nuklearwaffen;
auf spezifische Abkommen zur Begrenzung der strategischen Rüstungen, die
die Stabilität des strategischen Gleichgewichts erhöhen und das Risiko eines
Atomkrieges verringern und die beiderseitige Reduzierungen und Begrenzungen
für künftige Waffendislozierungen nachdrücklich betonen, welche das strategische
Gleichgewicht am meisten gefährden, weil ihre Charakteristika auf eine Anwendung bei einem potentiellen Erstschlag hindeuten;
auf ein umfassendes Verbot von Kernversuchen;
auf einen beiderseitigen Abbau - mit der Sowjetunion und anderen - unserer nuklearen Arsenale unter sicheren Garantien, der schließlich zur völligen Beseitigung solcher Arsenale führt;
auf beiderseitige Beschränkungen - mit der Sowjetunion und anderen - des
Verkaufs und Transfers von Waffen an Entwicklungsländer; und
auf Abkommen über konventionelle Rüstungen und beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Europa.
Auf dem Gebiet der Begrenzung der strategischen Rüstungen sollten die Vereinigten Staaten jedoch nur solche Abkommen akzeptieren, die die Gesamtstärke
- 14 -

�1

Gesamtstärke ihrer interkontinentalen strategischen Streitkräfte nicht so
stark begrenzen, daß sie unter den für die Sowjetunion vorgesehenen Begrenzungen liegt.
Auf lange Sicht sollte die Weiterentwicklung noch umfassenderer wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beiden
Ländern wesentliche Vorteile bringen.

Die Sowjetunion hat jedoch versucht,

durch unfaire Handelspraktiken solche strategisch wichtigen Gebiete wie die
Handelsschiffahrt zu beherrschen.

Statt diesen Versuchen wirksam entgegenzu-

treten, hat die Nixon-Ford-Administration solchen Schritten wie der Subventionierung des amerikanisch-sowjetischen Handels durch Gewährung von Vorzugskrediten an die Sowjetunion aufgeschlossen gegenübergestanden.

Sie hat eine Aus-

weitung des Handels auf Grund einer kurzsichtigen Hoffnung gefördert, den Handel zur Modifizierung des politischen Verhaltens benutzen zu können, und sogar
wichtige amerikanische Energieinvestitionnen zum Faustpfand der sowjetischen
Politik gemacht. Wo bilaterale Handelsabkommen mit der Sowjetunion zu unserem
wirtschaftlichen Vorteil sind, sollten wir sie verfolgen, aber die Parole für
uns sollte sein: hartes Verhandeln und konkrete wirtschaftliche, politische
oder sonstige Vorteile für die USA.

Wir sollten die Sowjetunion ferner dazu

drängen, einen größeren Anteil der Verantwortung bei multilateralen Lösungen
für solche Probleme wie die Anlage ausreichender internationaler Getreidereserven zu übernehmen.
Unsere Haltung in der Frage der Menschenrechte und der politischen Freiheiten in der Sowjetunion ist wichtig für die Selbstachtung der Amerikaner und
unsere moralische Stellung in der Welt. Wir sollten die Sowjetunion ständig
- durch

Worte und durch unser Verhalten - daran erinnern, d?ß sie sich in

Helsinki der Freizügigkeit von Menschen und Ideen verpflichtet hat, und wie
beleidigend wir und andere freie Völker ihre Verletzungen der Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen empfinden.

Im Rahmen unserer Austausch-

programme der Regierung, der Technik, des Handels und der Kultur sowie sonstiger Austauschprojekte sollten wir die sowjetischen Führer drängen, ihre Gesellschaft einem echten Austausch von Menschen und Ideen zu öffnen.
Wir
- 15 -

�«

Wir dürfen nicht von der Annahme ausgehen, daß die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in ihrer Gesamtheit größer seien als die Summe ihrer
Teile; daß ein Abkommen besser sei als überhaupt nichts, oder daß wir als
Bittsteller wirksam verhandeln könnten. Wir müssen uns darüber klar sein,
daß unsere Festigkeit dazu beitragen kann, uns Achtung zu verschaffen und die
langfristigen Möglichkeiten für allen zum Vorteil gereichende, konkrete Abkommen zu verbessern.

Wir müssen uns vor der Ansicht hüten, daß die sowjetisch-

amerikanischen Beziehungen ein nahtloses Netz seien, in dem Konzessionen auf
einem Gebiet uns Vorteile auf anderen bringen werden.

Ferner müssen wir mit

unseren Mitteln haushalten, und uns auf das für uns Wichtigste konzentrieren.
Eine Entspannung muß militärisch wie auch politisch sein.
Was noch wichtiger ist, wir müssen uns darüber klar sein, daß der allgemeine Charakter unserer Außenpolitik nicht durch unsere direkten Beziehungen
zur Sowjetunion bestimmt wird und auch nicht werden darf.
und Freunde müssen zuerst kommen.

Unsere Verbündeten

Genausowenig darf die Verfolgung unserer

Interessen irgendwo auf der Welt durch die Sorge um die Ansichten der Sowjets
bestimmt werden.

Zum Beispiel sollte die amerikanische Politik gegenüber

China weiterhin auf dem Wunsch nach einer stetigen Verbesserung und Erweiterung basieren, gleichgültig welchen Verlauf und welche Richtung die chinesisch-sowjetischen Beziehungen einschlagen.
Vor allem aber müssen wir uns selbst und unseren Verbündeten gegenüber
offen, ehrlich, besonnen und geduldig handeln.

Wir müssen uns darüber im

Klaren sein, daß langfristig eine wirksame Politik gegenüber der Sowjetunion
nur auf ehrlichen Gesprächen und bis zu einem gewissen Maße auch auf internationaler Übereinstimmung basieren kann.

Unsere eigenen Institutionen, vor

allem der Kongreß, müssen konsultiert werden und zur Formulierung unserer
Politik beitragen.

Die Regierungen unserer Verbündeten und Freunde müssen zu

Partnern unserer Initiativen gemacht werden.

Übereilung und geheime bilate-

rale Regierungsvereinbarungen bei unseren Verhandlungen mit der Sowjetunion
können nur ein Klima der Unsicherheit und des Argwohns fördern, das die öffent
liehe Unterstützung untergräbt, die für wirksame und stabile internationale Be
Ziehungen notwendig ist.

Amerika
- 16 -

�Amerika in der Weltgemeinschaft
Zahlreiche der entscheidend wichtigen außenpolitischen Fragen, vor denen
wir stehen, erfordern globale Initiativen.

Aber wenn die Vereinigten Staaten

eine wirksame internationale Rolle spielen sollen, sc bedingt dies auch ein
wirksames Zusammenarbeiten mit den besonderen Interessen bestimmter anderer
Länder und Gebiete.

Der Prüfstein für unsere Politik müssen unsere eigenen

Interessen sein, was wiederum bedeutet, daß wir nicht versuchen und auch nicht
erwarten sollten, Ereignisse irgendwo auf der Welt zu kontrollieren.

Vielmehr

setzt eine kluge Verfolgung unserer Interessen voraus, daß wir uns darüber
klar sind, daß wir auch dort, wo unser Interesse groß und unser Engagement notwendig ist, nicht alleine handeln können, sondern nur in einem internationalen
Rahmen, wo andere ebenfalls Interessen und Zielsetzungen haben.
Wir können unseren nationalen Werten nur Ausdruck verleihen, wenn wir auch
weiterhin bei der Arbeit der Vereinten Nationen und deren Sonderorganisationen
eine starke Rolle spielen.
vertreten.

Dabei müssen wir unsere Standpunkte fest und positiv

Wir sollten eine große Anstrengung zur Reform und Neugestaltung

der Vereinten Nationen unternehmen.

Das Ausmaß der in gegenseitiger Beziehung

zueinander stehenden Probleme nimmt rasch zu, und die Fragen von Krieg und
Frieden werden immer mehr die Form wirtschaftlicher und sozialer Probleme und
nicht von militärischen Sicherheitsproblemen annehmen, die in den internationalen Bezeihungen seit 1945 dominieren.
Die heißen Debatten in der Vollversammlung sollten nicht den Wert unserer
Unterstützung von Initiativen der Vereinten Nationen zur Wahrung des Friedens
oder von Initiativen bei den immer komplexeren technischen und sozialen Problemen - wie Luftverschmutzung, Gesundheitswesen, wirtschaftliche Entwicklung
und Bevölkerungswachstum - verdunkeln, vor die sich die Völkergeireinschaft der
Welt gestellt sieht.

Aber wir müssen die Welt wissen lassen, daß antiamerika-

nische Polemik kein Ersatz für eine gesunde Politik ist und daß die Vereinten
Nationen durch lautstarke Worte oder blasphemische Resolutionen wie die, die
Zionismus und Rassismus gleichsetzt, geschwächt werden.
Eine
- 17 -

�Eine demokratische Administration sollte einen fairen und umfassenden Seerechtsvertrag anstreben, der ausgewogen den Interessen der Industriestaaten
und der Entwicklungsländer dient.

Europa
Die Länder Westeuropas sind zusammen mit Japan unsere engsten Verbündeten.
Abgesehen von unseren nächsten Nachbarn in dieser Hemisphäre sind dies die Gebiete, in denen unsere Interessen am stärksten mit denen anderer Länder verflochten sind.

Gleichzeitig lassen die wachsende wirtschaftliche und politische

Stärke Europas und Japans aber auch Gebiete des Konflikts und der Spannung in
den Beziehungen aufkommen, die beide Seiten eng und gesund halten müssen.
Bei den großen wirtschaftlichen Fragen - Handel, Energie, Beschäftigung,
internationale Finanzen, Ressourcen - müssen wir mit den Europäern und Japanern
sowie anderen Ländern im Hinblick auf unser langfristiges beiderseitiges Interesse an Stabilität und Wachstum sowie der wirtschaftlichen Entwicklung der ärmeren Länder zusammenarbeiten.
Die militärische Sicherheit Europas ist von grundlegender Bedeutung für
unsere eigene Sicherheit.

Aus diesem Grunde bleibt die NATO auch weiterhin

eine lebenswichtige Verpflichtung.

'-Mr sollten in Europa weiterhin einen

amerikanischen Beitrag zu den NATO-Streitkräften leisten, so daß diese ausreichen, um vor einem Angriff abzuschrecken oder einen solchen abzuschlagen,
ohne daß vorzeitig zu nuklearen Waffen gegriffen werden müßte.

Dies schließt

keineswegs mäßige Reduzierungen der Truppenstärken aus, soweit solche durch
eine größeren Schlagkraft möglich gemacht werden, und es erfordert unbedingt
eine grundlegende Reform und Überprüfung der Streitkräfte, Planungen und Dislozierungen der NATO.

Wir ermutigen unsere europäischen Verbündeten, ihren Anteil

an den Beiträgen zur NATO-Verteidigung zu erhöhen, sowohl an Truppen als auch
an Ausrüstungsmaterial.

Durch beiderseitige Abkommen oder durch Modernisie- 18 -

�Modernisierung ließen sich die vielen Tausend taktischen Nuklearwaffen in
Europa reduzieren, so daß Geld und Truppen eingespart und unsere eigene wie
auch die internationale Sicherheit erhöht werden.
Europa sieht sich gleich der übrigen Welt einer beträchtlichen politischen Herausforderung gegenüber. Wir können diesen Prozeß nicht kontrollieren. Wir können jedoch öffentlich bekanntgeben, daß wir Entwicklungen
den Vorzug geben, die im Einklang mit unseren Interessen und Prinzipien stehen. Im besonderen sollten wir die schnellstmögliche Ausweitung stabiler
demokratischer Institutionen in Spanien und ein Fortschreiten auf dem Wege
zur Demokratie in Portugal und Griechenland fördern, die sich einer autoritären Machtübernahme von links oder von rechts widersetzen. Wir können unsere Auffassung zu den Risiken und Gefahren einer Beteiligung der Kommunisten
an westeuropäischen Regierungen klarmachen, und gleichzeitig klarstellen, daß
wir auf einem weiten Gebiet nichtmilitärischer Fragen mit jeder legal konstituierten Regierung zusammenarbeiten werden, die bereit ist, uns gegenüber genauso zu handeln. Wir müssen ferner unsere Unterstützung einer ständigen Ausweitung und eines weiteren Zusammenschlusses der Institutionen der Europäischen
Gemeinschaft erneut bekräftigen.
Die Stimme der Vereinigten Staaten sollte in Nordirland gehört werden.
Sie richtet sich gegen Gewalt und Terror und gegen die Diskriminierung, Unterdrückung und Enteignung, die zu diesem Bürgerkrieg geführt haben, und sie tritt
für die Bemühungen der Parteien um eine friedliche Lösung für die Zukunft Nordirlands ein. Einschlägige Bündnisse wie die NATO und internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen müssen über das Interesse der Vereinigten
Staaten an der Position Irlands in der internationalen Völkergemeinschaft
klar und deutlich unterrichtet sein.
Wir müssen alles in unseren Kräften stehende tun, um im Einklang mit unserem Interesse an einer starken NATO in Südeuropa und der Stabilität im östlichen Mittelmeer eine faire Lösung des Zypernproblems zu fördern, das weiterhin Menschenleben fordert.
Naher
- 19 -

�Naher Osten
Wir werden uns weiterhin um einen gerechten und dauerhaften Frieden im
Nahen Osten bemühen.

Der Grundstein unserer Politik ist ein festes Bekennt-

nis zur Unabhängigkeit und Sicherheit des Staates Israel.

Diese besondere

Beziehung präjudiziert keineswegs bessere Beziehungen zu den übrigen Nationen
dieses Gebietes.

Ein wirklicher Friede im Nahen Osten wird es Israel und

seinen arabischen Nachbarn gestatten, ihre ganze Kraft der inneren Entwicklung
zuzuwenden, und wird die Gefahr eines weltweiten Konflikts beseitigen, der sich
aus den Spannungen dort entzündet.
Der Nahostkonflikt ist kompliziert, und ein realistisches, pragmatisches
Vorgehen ist notwendig ...

Asien
Wir bleiben eine pazifische Macht mit wichtigen Interessen und Zielen
in diesem Gebiet.

Aber der Vietnam-Krieg hat uns gezeigt, wie töricht es

ist, sich auf ein militärisches Engagement dort einzulassen, wo es nicht um
unsere lebenswichtigen Interessen geht.
Freundschaft und Zusammenarbeit bilden den Eckstein unserer Interessen
und Politik in bezug auf Asien.

Unser Eintreten für die Sicherheit Japans

ist entscheidend für unsere eigene Sicherheit und eine wichtige Voraussetzung
dafür, daß dieses Land eine konstruktive und friedliche Rolle in dem künftigen
Asien spielen kann ...
Wir bekräftigen erneut unsere Verpflichtung für die Sicherheit der Republik Korea - sowohl an sich als auch als Schlüssel für die Sicherheit Japans.
Wir können jedoch auf vorsichtiger und sorgfältig geplanter Basis die amerikanischen Landstreitkräfte redislozieren und allmählich zurücknehmen und können
- 20 -

�können die jetzt in Korea stationierten Kernwaffen abziehen, ohne diese Unterstützung zu gefährden, solange unsere taktischen Luft- und Seestreitkräfte
in diesem Gebiet stark bleiben.

Unsere anhaltende Entschlossenheit in diesem

Raum sollte nicht mißverstanden werden.

Wir bedauern jedoch die Verweigerung

der Menschenrechte in der Republik Korea, genauso wie wir die brutalen und
aggressiven Handlungen des Regimes in Nordkorea bedauern ...
Die Verbesserung der Beziehungen zu China in jüngster Zeit, die die Unterstützung beider großen politischen Parteien erhalten hatte, entspringt der erfreulichen Erkenntnis, daß es nur wenige Gebiete gibt, auf denen unsere Interessen mit denen Chinas aufeinanderprallen. Unsere Beziehungen zu China sollten
auf friedlichem Wege weiterentwickelt werden; dies schließt auch baldige
Schritte in Richtung auf eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen
im Zusammenhang mit einer friedlichen Lösung für die Zukunft Formosas ein ...

Lateinamerika
Wir sind uns der fundamentalen Bedeutung enger Beziehungen und der Verminderung der wirtschaftlichen Spannungen mit unseren kanadischen und mexikanischen Nachbarn bewußt.
In den letzten acht Jahren haben sich unsere Beziehungen zu Lateinamerika
verschlechtert, wobei man auf hoher Ebene indifferent blieb, die dominierende
Stellung der Militärs in den lateinamerikanischen Regierungen zunahm und die
starke amerikanische Einmischung in die Innenpolitik Chiles und anderer Länder
sichtbar wurde. Die Prinzipien einer Politik der guten Nachbarschaft und die
Allianz für den Fortschritt, in der wir uns zur Zusammenarbeit mit den Ländern der beiden Amerikas als Gleichberechtigte verpflichtet haben, sind auch
heute noch gültig, scheinen jedoch von der gegenwärtigen Regierung vergessen
worden zu sein.
Die
- 21 -

�&lt;

Die USA sollten auf den Gebieten des Handels, der Hilfe und der Investitionen eine Politik einschlagen, die auch Rohstoffabkommen und ein geeignetes
System von Handelspräferenzen einschließt...

+ + + + +

- 22

�a m e r i k a dienst
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53

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17/1976

AUSZÜGE AUS DEM WAHLPROGRAMM DER REPUBLIKANISCHEN PARTEI
- Internationale Beziehungen und Verteidigung -

Allgemeines
Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten definiert die Beziehungen, die
wir zur ganzen Welt, zu Freunden und Gegnern, anstreben. Unsere Politik muß
fest im Grundsatz verwurzelt sein und muß unsere Ziele klar zum Ausdruck
bringen. Unsere Grundsätze dürfen nicht nach vergänglichen Regungen ausgerichtet sein, sondern sie müssen wahr, stark,,folgerichtig und dauerhaft sein.
Wir treten für eine realistische und grundsatztreue Außenpolitik ein,
die auf die Erfordernisse der Nation für die kommenden Jahre ausgerichtet ist.
Die Politik, die wir verfolgen, bedarf eines informierten Konsensus; die Grundlage dieses Konsensus wird das amerikanische Volk sein, dessen höchster Wunsch
ist, in Freiheit und Frieden und sicher vor Krieg oder Kriegsdrohung zu leben.
Die Vereinigten Staaten sind eine Weltmacht mit weltweiten Interessen
und Verantwortlichkeiten. Wir treten für die Fortsetzung der Bemühungen um
eine Neubelebung unserer traditionellen Bündnisse und die Aufrechterhaltung
enger Konsultationen mit unseren Freunden ein. Internationale Zusammenarbeit
und Kollaboration sind notwendig, denn wir können weder unsere wichtigsten
Ziele noch unsere eigene Sicherheit in jener Art von "splendid Isolation" erreichen, die von so vielen lauten Stimmen gefordert wird.
Das
- 1-

�Das bedauerliche Auftreten des Neoisolationismus, wie er im Kongreß und
anderswo zum Ausdruck kommt, ist nach unserer Überzeugung einer gesunden
Außenpolitik abträglich.
Die Zweige der Regierung können und müssen zusammenarbeiten.
die notwendige Voraussetzung für eine gesunde Außenpolitik.

Das ist

Wir bedauern das

unbesonnene Eindringen eines Zweiges in die klaren verfassungsmäßigen Vorrechte eines anderen.

Mit so vielen Herausforderungen und Krisen konfrontiert,

müssen die Vereinigten Staaten wieder mit einer Stimme sprechen, vereint im
Geist und im Handeln.

Wir lehnen parteipolitische und ideologische Streitig-

keiten zwischen den Parteien ab und fordern die Demokratische Partei auf, mit
uns zusammen die Grundlagen für einen echten überparteilichen Geist zu schaffen.
Wollen wir doch mit einer Stimme für dieses Land sprechen, damit unsere Politik
von unseren Verbündeten und unseren potentiellen Gegnern nicht mißverstanden
wird.
Eine wirksame Politik muß auf Zusagen beruhen, die verstanden und befürwortet werden, und sie muß nach Prioritäten definiert werden.

So wie sich

die Welt in dynamischer Weise verändert hat, so haben sich auch unsere Prioritäten und Ziele geändert und unsere Methoden der Diskussion dieser Ziele.

Als

wir vor acht Jahren die Exekutive übernahmen, fanden wir den Apparat der nationalen Sicherheit und der Außenpolitik in Scherben.

Die Praxis bei Krisen war

eine Reaktion in letzter Minute.
Der Nationale Sicherheitsrat, unter Präsident Eisenhower so wirksam,
wurde praktisch nicht mehr benutzt.

Als erster wichtiger Schritt wurde der

Apparat des Nationalen Sicherheitsrats gestrafft, um mit den Problemen des
Augenblicks und der langfristigen Planung fertig werden zu können.

Die Wieder-

herstellung dieses Prozesses erlaubt wieder eine ausführliche Erörterung aller
Optionen, unter denen ein Präsident wählen muß.

Ganz anders als bei der Unter-

drückung der internen Debatte und der anderen Meinung, wie dies in der Vergangenheit praktiziert wurde, lädt die republikanische Führung heute zur Beurteillung komplexer Fragen in einem geordneten Entscheidungsprozeß ein und fördert
- 2 -

�fördert diesen Prozeß.
Die republikanische Führung hat auch Schritte unternommen, um umfassend
über ihre Außenpolitik und die Ziele der nationalen Sicherheit zu berichten.
Eine jährliche "Botschaft über die Lage der Welt" zur Stärkung der Kommunikation mit dem Volk und dem Kongreß ist zu einer ständigen Praxis des Präsidenten geworden.
Ein starkes und wirksames Programm weltweiter öffentlicher Diplomatie
ist eine lebenswichtige Komponente der amerikanischen Außenpolitik.

Im Zeit-

alter der unmittelbaren Unterrichtungsmöglichkeiten ist die Welt unendlich und
endgültig kleiner geworden, und wir müssen über die Fähigkeit verfügen, uns der
Welt mitzuteilen - zu informieren, zu erläutern und uns vor ungewollten oder
gewollten Verzerrungen der amerikanischen Politik zu schützen.
Die Interdependenz ist zu einem Faktum des internationalen Lebens geworden und stellt unsere Maßnahmen und unsere Politik in einen Zusammenhang mit
den Maßnahmen und der Politik der ganzen Welt.

Die Vereinigten Staaten sollten

anderen Nationen die Hand reichen, um diese Interdependenz zu bereichern.

Die

republikanische Führung hat demonstriert, daß die Anerkennung der Bindungen an
unsere Freunde in schöpferischer Weise unseren beiderseitigen Interessen dient
und die Chancen des Weltfriedens fördert.

Moral in der Außenpolitik
Das Ziel der republikanischen Außenpolitik ist die Erreichung von Freiheit unter dem Recht sowie ein gerechter und dauerhafter Frieden in der Welt.
Die Grundsätze, die uns leiten, um den Frieden zu erreichen und die Interessen
der Vereinigten Staaten zu schützen, müssen Ausdruck des wiederhergestellten
Vertrauens unseres Volkes sein.
Wir

�Wir begrüßen und würdigen jenes leuchtende Beispiel menschlichen Mutes
und menschlicher Moral, Alexander Solschenizyn, wegen seiner überzeugenden
Botschaft, daß wir die Welt ohne Illusionen hinsichtlich der Natur der Tyrannei sehen müssen.

Wir werden eine Außenpolitik verfolgen, die sich dies

ständig vor Augen hält.
Wir werden eine Außenpolitik verfolgen, die der Tatsache Rechnung trägt,
daß wir bei internationalen Verhandlungen keine unangebrachten Konzessionen
machen;

daß wir bei dem Streben nach Entspannung keine einseitigen Vorteile

nur in der Hoffnung gewähren, dafür zukünftige Vorteile zu erlangen.
Abkommen, die ausgehandelt werden - wie das in Helsinki unterzeichnete dürfen nicht denen, die keine Freiheit haben, die Hoffnung nehmen, diese eines
Tages zu gewinnen.
Und schließlich sind wir fest einer Außenpolitik verpflichtet, in der
geheime Abkommen, die unserem Volk vorenthalten werden, keinen Platz haben.
Ehrlich, offen und mit fester Oberzeugung werden wir als geeintes Volk
unseren Weg gehen, um einen dauerhaften Frieden in der Welt zu schaffen, der
sich auf unseren tiefen Glauben an die Menschenrechte, auf die Herrschaft
des Rechts sowie auf die lenkende Hand Gottes stützt.

Nationale Verteidigung
Eine erstklassige nationale Verteidigung ist die fundamentale Voraussetzung für ein sicheres Amerika sowie für Frieden und Freiheit in der Welt.
Militärische Stärke bietet den Weg zum Frieden.

Eine gesunde Außenpolitik muß

auf einer erstklassigen Verteidigungskapazität fußen, und beide müssen als
eine Abschreckung vor Aggression und als Mittel zur Unterstützung unserer nationalen Interessen angesehen werden.
Das

�Das amerikanische Volk erwartet, daß seine Führer eine nationale Verteidigungsposition garantieren, die keiner anderen unterlegen ist.

Es weiß,

daß die Pläne für unsere nationale Sicherheit ein gemeinsames Unterfangen
des Präsidenten und des Kongresses sein müssen.
des Parteienstreits sein.

Dies kann nicht Gegenstand

Und dies sollte auch nicht zum Spielball innenpo-

litischen und parteipolitischen Abenteurertums gemacht werden.
Eine Minimalgarantie zur Wahrung der Freiheit und zum Schutz vor Erpressung und Drohung erfordert - angesichts einer wachsenden sowjetischen
Militärmacht - eine Periode des anhaltenden Wachstums in unseren Verteidigungsanstrengungen. In konstanten Dollar ausgedrückt wird das gegenwärtige Verteidigungsbudget nur dem Verteidigungshaushalt von 1964 entsprechen - ein
Jahr, bevor eine demokratische Administration Amerika so tief in den Vietnamkrieg verwickelte. Im Jahre 1975 überstiegen die sowjetischen Verteidigungsprogramme die unsrigen an Investitionen um 85 Prozent, an Operationskosten um
25 Prozent und an Forschung und Entwicklung um 66 Prozent. Worum es geht, ist,
ob unsere Streitkräfte den zukünftigen Herausforderungen gewachsen sein werden.
Wir sagen, sie müssen es sein.
Für jeden für die Verteidigung ausgegebenen Dollar müssen wir ein Maximum
an Wert herausholen.

Zusammen mit der Aufhebung der Wehrpflicht und der

Schaffung einer Berufsstreitmacht aus Freiwilligen - unter einem republikanischen Präsidenten - haben wir den Personalbestand bei Versorgungseinheiten
reduziert, ohne daß dadurch unsere Grundposition beeinträchtigt wurde.
sind heute weniger Amerikaner in Uniform als im Herbst 1950.

Es

Wesentliche Ein-

sparungen wurden bei der Waffenbeschaffung gemacht, und wir werden weiterhin
im Hinblick auf unsere Verteidigungsgelder vorsichtig verfahren.
Unsere nationalen Verteidigungsanstrengungen werden weiterhin die Fortsetzung unseres wichtigen Modernisierungsprogramms für unsere strategischen
Raketen- und Bomberstreitkräfte, die Entwicklung einer neuen ballistischen
Interkontinentalrakete sowie einer neuen mit Raketen ausgerüsteten Unterseebootstreitmacht und eines modernen Bombers - B-l - einschließen, der in der

�der Lage ist, auch die modernste Luftverteidigung der achtziger Jahre zu
durchdringen.

Diese Elemente werden eine Abschreckung allererster Ordnung

darstellen.
Wir werden unsere Armee auf 16 Divisionen erhöhen, unsere Programme
für die Produktion neuer Panzer und anderer gepanzerter Fahrzeuge verstärken
und die Entwicklung neuer höchst zielgenauer Präzisionswaffen unterstützen.
Unsere Marine, der Garant der Freiheit der Meere, muß sich auf ein wesentliches Schiffsbauprogramm stützen können, wobei ein angemessenes Gleichgewicht
zwischen nuklearen und nicht-nuklearen Schiffen bestehen muß.

Die Zusammen-

setzung der Flotte muß auf einer realistischen Bewertung der Drohung beruhen,
der wir uns gegenübersehen, und muß sicherstellen, daß kein

Gegner die Über-

legenheit zur See gewinnt.
Ein wichtiges Modernisierungsprogramm für unsere taktischen Luftstreitkräfte ist in Angriff genommen worden.

Wir werden neue Jagd- und Auffang-

flugzeuge für die Luftstreitkräfte, die Marine und die Marineinfanterie benötigen.

Als notwendige Komponente unserer langfristigen Strategie werden

wir in zeitlich angemessener Weise den B-1-Bomber produzieren und dislozieren, was uns in den Stand setzt, die Überlegenheit in der Luft zu behalten.
Unsere Investitionen in die militärische Forschung und Entwicklung sind
von großer Bedeutung für unsere zukünftige Verteidigungskapazität.
nicht die entscheidende Schwungkraft einbüßen.

Wir dürfen

Bei der zunehmenden Kompliziertheit der Waffen betragen die Anlaufzeiten
für Waffensysteme oft ein Jahrzehnt, was sorgfältige Planung und kluge finanzielle Entscheidungen erforderlich macht.

Ein herausragendes Beispiel dieses

Prozesses ist die Entwicklung und Dislozierung der Flugkörper mit Luftstrahltriebwerk (Cruise Missile), die auf Grund modernster Leitsysteme eine hundertprozentige Präzision bieten und außerdem als Waffe überaus wirtschaftlich herzustellen ist.
Programme

�Programme zur Unterstützung der Sicherheit unserer Verbündeten sind für
diese wichtig, und wir werden auch in Zukunft deren Anstrengungen zur Selbstverteidigung fördern.

Die Verbesserung ihrer Fähigkeiten und Kapazität kann

dazu beitragen, daß das Gleichgewicht in der Welt sich nicht zu unseren Ungunsten verändert, und kann außerdem dazu dienen, daß die Möglichkeiten für
eine direkte Verwicklung der USA in fernliegende Konflikte verringert werden.
Als entscheidend wichtige Komponente unserer gesamten nationalen Sicherheitsposition müssen die Vereinigten Staaten über das beste Geheimdienstsystem
in der Welt verfügen. Die Effektivität unseres Geheimdienstsystems muß in
Übereinstimmung mit den von Präsident Ford eingeführten Reformen wiederhergestellt werden. Wir befürworten die Einführung einer unabhängigen Überwachungsfunktion seitens des Kongresses und werden uns allen parteipolitischen Bemühungen widersetzen, irgendeinen Teil unseres Geheimdienstsystems zu einem politischen Zankapfel zu machen. Wir werden jede Vorsichtsmaßnahme ergreifen,
um den Zusammenbruch der Sicherheitskontrollen bei sensitiven Geheimdienstinformationen zu verhindern, wodurch das Leben amerikanischer Regierungsvertreter im Ausland gefährdet oder die Fähigkeit des Präsidenten beeinträchtigt
werden könnte, unverzüglich zu handeln, wenn immer legitime außenpolitische
oder verteidigungspolitische Erfordernisse dies notwendig machen.

Die NATO und Europa
Die Grundlage einer stabilen und sicheren Welt ist die Aufrechterhaltung
unserer Bündnisse.

Die Organisation des Nordatlantikvertrages (NATO), die

fast dreißig Jahre besteht, ist weiterhin gesund und lebensfähig.
Die Bedrohung unserer gemeinsamen Sicherheit durch eine totalitäre
Macht, die auf Expansion ausgerichtet ist, hat 15 Nationen zusammengebracht.
Der Ausdruck unseres kollektiven Widerstandswillens führte zur Schaffung und
Aufrechterhaltung einer militärischen Abschreckung, die trotz aller gelegent•

- 7 -

�gelegentlichen Belastungen unseren lebenswichtigen Interessen sehr gut gedient hat.

Die Bedrohung dauert heute weiter an.

Es ist uns gelungen, unsere Zusammenarbeit in der NATO auszuweiten, und
wir haben kühne neue Schritte in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit unseren Partnern unternommen.

Angesichts einer ernsten Krise nach dem uns auf-

erlegten ölboykott haben wir bewiesen, daß es möglich ist, unser gemeinsames
Handeln mit anderen NATO-Partnern zu koordinieren.
Die wirtschaftliche Stärke Westeuropas ist bis zu dem Punkt gewachsen,
an dem unsere NATO-Partner jetzt einen größeren Anteil an der gemeinsamen Verteidigung übernehmen können.

Auf unser Drängen hin demonstrieren unsere Ver-

bündeten eine größere Bereitschaft, entsprechend zu handeln.

Es ist nicht an

der Zeit, eine einseitige Verringerung der amerikanischen Truppen in Europa
zu empfehlen; wir werden jedoch eine ausgewogene Verringerung der Streitkräfte
in West- und in Osteuropa weiterhin anstreben; und zwar auf der Basis von Abkommen, die die Sicherheit des Bündnisses nicht in Frage stellen.
Zusammen mit unseren Bündnispartnern treten wir nachdrücklich für eine
starke NATO-Verteidigung auf der Basis der amerikanischen militärischen Präsenz ein, die lebenswichtig ist für die Verteidigung Westeuropas.
Einige unserer NATO-Verbündeten haben rasche und dynamische Veränderungen
erlebt.

Wir sind durch die Entwicklung auf der Iberischen Halbinsel ermutigt,

wo Portugal und Spanien heute mit einer vielversprechenden Zukunft rechnen
dürfen.

Wir sollten bald die Aufnahme Spaniens in die NATO überlegen.

Auf der anderen Seite würden wir mit Besorgnis jede politische Entwicklung
anderswo in Europa betrachten, die die Interessen der NATO aus dem Gleichgewicht
bringen würden.

Der Demokratie und der Freiheit wird am besten gedient, indem

wir sicherstellen, daß jene fundamentalen Rechte gewahrt bleiben und auf künftige Generationen ausgedehnt werden, die sich für die Freiheit entscheiden.
Das

�Das schwierige Zypern-Problem, das unsere Freunde Griechenland und die
Türkei trennt, sollte angepackt und von diesen beiden Ländern gelöst werden.
Die Ostflanke der NATO erfordert die Wiederherstellung der Zusammenarbeit
dort und schließlich wieder freundschaftliche Beziehungen zwischen diesen
beiden Ländern.
Die republikanische Führung hat die guten Beziehungen dieses Landes zu
der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in einer Zeit wachsender Konkurrenz
und möglicher Störungen gestärkt. Wir werden die ausgezeichneten Beziehungen
zur EWG aufrechterhalten und weiter ausbauen.
Letztlich wird das NATO-Bündnis so wirksam sein wie der Wille und die
Entschlossenheit der USA wie auch der Verbündeten, es zu unterstützen. Die
Funktion der kollektiven Sicherheit ist die Abschreckung vor einem Krieg und,
wenn notwendig, die Kriege zu führen und zu gewinnen, die nicht verhütet werden konnten. Unsere Wachsamkeit ist besonders in Perioden des Nachlassens
der Spannungen mit unseren Gegnern erforderlich, weil wir es uns nicht erlauben können, Worte und Versprechungen für Taten zu nehmen. Wir sind entschlossen, daß das NATO-Bündnis nicht in ein falsches Gefühl der Sicherheit gewiegt
werden darf. Es kann und muß entschlossen handeln, wenn es gefordert wird ...

Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Die amerikanische Außenpolitik muß auf einer realistischen Bewertung der
kommunistischen Bedrohung in der Welt fußen.

Es liegt auf der Hand, daß der

Bereich der Freiheit überall auf der Welt angesichts der kommunistischen Bedrohung auch weiterhin schrumpfen wird.

Seit 1917 arbeitete der totalitäre

Kommunismus mit dem Mittel der rohen Gewalt - nicht mit dem Mittel freier
Wahlen -, um einen ständig wachsenden wesentlichen Teil der Landmasse und der
Völker der Welt unter seine Herrschaft zu bringen.

So sind beispielsweise

erst kürzlich Südvietnam, Kambodscha und Laos unter die Kontrolle kommuni- 9 -

�kommunistischer Diktaturen gefallen, und in jenem Teil der Welt verstärkt
sich der kommunistische Druck gegen Thailand, die Republik China und die Republik Korea.

In Afrika haben kommunistische kubanische Truppen, ganz offen

unterstützt durch die Sowjetunion, erst kürzlich dem Volk von Angola eine
kommunistische Diktatur aufgezwungen.

Andere Länder in Afrika und in der

ganzen Welt erwartet ein ähnliches Schicksal - das sind die Realitäten der
Macht in der Welt in unserer Zeit.

Wenn die Außenpolitik der Vereinigten

Staaten von diesen Realitäten ausgeht, dann ist das ganz und gar gerechtfertigt.
Vor 30 Jahren befanden sich die Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in einer Phase großer Schwierigkeiten, was zu
den Spannungen der Zeit des Kalten Krieges führte.

Obwohl es Veränderungen

in dieser entscheidend wichtigen Beziehung der Großmächte gegeben hat, bestehen weiterhin fundamentale und tiefgehende Differenzen zwischen uns.
Republikanische Präsidenten haben bei aller Erkenntnis der Tiefe der
Kluft, die unsere freie Gesellschaft von der sowjetischen Gesellschaft trennt,
methodisch versucht, die Gebiete unserer Beziehungen herauszufinden und zu
entwickeln, die dazu beitragen könnten, die Spannungen zu mildern und die Möglichkeiten eines unerwünschten Konfliktes zu verringern.
In einer Welt, die bedrängt wird durch unzählige Möglichkeiten für Unstimmigkeiten und bewaffnete Konflikte, ist die Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von entscheidender Bedeutung;
ruhen die Hoffnungen der Welt auf Frieden.

auf ihr

Wir bieten eine Politik an, die

unsere fundamentale Stärke wahrt und unsere feste Entschlossenheit demonstriert, einen aggressiven Einsatz der sowjetischen Macht zu verhindern.
Die Rolle eines verantwortungsbewußten, mitarbeitenden Kongresses bei
der Wahrung dieser diplomatischen und militärischen Position ist entscheidend
wichtig für den Erfolg.

Die Vereinigten Staaten müssen ein loyaler und ver-

läßlicher Verbündeter bleiben und sie müssen bereit sein, den Willen zum Han- 10 -

�Handeln zu zeigen und zu beweisen.

Es kann nicht angehen, daß der Wider-

stand gegen eine offene Aggression wie im Falle der von sowjetischer Seite
unterstützten Intervention Kubas in Angola zum Gegenstand parteipolitischer
Debatten wird, und es kann auch nicht angehen, daß so etwas zu einem unwidersprochenen und etablierten Muster internationalen Verhaltens wird, wenn unsere Glaubwürdigkeit und unsere Abschreckungsstärke nicht entscheidend vermindert werden sollen.
Die sowjetische Militärmacht ist in den letzten Jahren rapide gewachsen;
und wenn wir auch ein militärisches Ungleichgewicht oder eine plötzliche Verschiebung des globalen Machtgleichgewichts verhindern werden, so werden wir
jedoch auch sorgfältig mit der Sowjetunion neue Wege sondieren, um die Spannungen abzubauen und zu beiderseitig nützlichen und durchsetzbaren Abkommen
auf allen Gebieten der internationalen Aktivität zu gelangen. Wichtige Schritte
sind bereits ergriffen worden, um die strategische Nuklearrüstung zu begrenzen.
Das übereinkommen von Wladiwostok vom November 1974 legte eine Begrenzung der
strategischen Streitkräfte sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Sowjetunion fest.
Weitere Rüstungskontroll Verhandlungen dauern an.
den Preis werden wir nicht zustimmen.

Einem Abkommen um je-

Im Gegenteil, wir werden sicherstellen,

daß jedes Abkommen auch fundamentalen Nutzen für unsere nationale Sicherheit
mit sich bringt.
Ein Beispiel für unser hartes Verhandeln ist unser Erfolg beim Abschluß
von Abkommen zur Begrenzung der Stärke von unterirdischen Nuklearversuchen, der
wird es den Vereinigten Staaten zum ersten Male gestatten wird,Inspektionen in der
Sowjetunion an Ort und Stelle durchzuführen.
nach praktischen Maßstäben bewertet werden.

Dieser wichtige Schritt kann nun
Alle derartigen Abkommen müssen

die Bewährungsprobe der Verifizierung bestehen.

Ein Abkommen, daß diese Si-

cherung nicht bietet, ist schlechter als überhaupt kein Abkommen.
Wir
- 11 -

�Wir unterstützen die Konsolidierung gemeinsamer Anstrengungen mit unseren Verbündeten, die sicherstellen sollen, daß unsere Politiken hinsichtlich der Weitergabe von Technologie an die Sowjetunion und ihre Verbündeten
in Einklang miteinander stehen und daß Konsultationen geführt werden, um den
Verkauf solcher Technologie-intensiver Produkte an die Sowjetunion seitens
der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten zu verhindern, die direkt oder
indirekt unsere nationale Sicherheit gefährden.

Unser Handel auf nichtstrate-

gischen Gebieten schafft Arbeitsplätze hier in den USA, verbessert wesentlich
unsere Zahlungsbilanz-Position und kann zu einer Verbesserung des politischen
Klimas in der Welt beitragen.

Der Verkauf unserer Agrarprodukte nach Übersee

nützt den amerikanischen Farmern und Verbrauchern.

Zum Schutz vor jeder plötz-

lichen Änderung des einheimischen Preisgefüges als Folge unangekündigter Käufe
haben wir strikte Meldeverfahren sowie andere vertragliche Sicherungen geschaffen.

Wir werden keine Gefälligkeitsverkäufe landwirtschaftlicher Erzeugnisse

an die Sowjetunion zulassen, wie wir auch nicht zulassen werden, daß die
Sowjetunion oder andere durch irreguläre oder nicht voraussehbare Verkäufe
Einfluß auf unsere Agrarexporte nehmen.

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion stehen weiterhin in einem ideologischen Wettstreit.

Wir schrecken vor einer solchen Herausforderung nicht

zurück; im Gegenteil, wir begrüßen die Möglichkeit,zu demonstrieren, daß unsere Lebensform von ihrer Natur her einer Reglementierung und einer von Regierungsseite aufgezwungenen Orthodoxie vorzuziehen ist.

Wir erwarten von der

Sowjetunion, daß sie die Menschenrechts-Deklaration der Vereinten Nationen sowie die Abkommen von Helsinki verwirklicht, die die Bedingungen für den freien
Austausch von Informationen und das Recht auf Auswanderung garantieren, wobei
die Auswanderung sowjetischer Juden, Christen, Moslems und anderer, die zu nahen Verwandten im Ausland reisen wollen, eingeschlossen ist.
In diesem Geist erwarten wir die Beendigung aller Formen von Behinderung,
einschließlich der Inhaftierung oder der Einberufung zum Militärdienst, die
darauf abzielen, eine Auswanderung zu verhindern.

Amerika muß eine feste Hal-

tung einnehmen, um eine Liberalisierung der Auswanderungspolitik in Ländern zu
- 12 -

�7

zu erreichen, die eine freie Auswanderung beschränken oder verhindern.

Re-

gierungen, die sich des Vertrauens ihrer Bevölkerung erfreuen, brauchen keine
Angst vor kultureller, intellektueller oder Pressefreiheit zu haben.
Unsere Unterstützung für die Völker Mittel- und Osteuropas, Selbstbestimmung zu erreichen, wird auch in Zukunft anhalten.

Ihre Fähigkeit, über

ihre Zukunft selbst zu entscheiden, ist von großer Bedeutung für den Frieden
und die Stabilität.

Wir befürworten wachsende Kontakte zwischen Ost- und

Westeuropa und unterstützen die wachsenden wirtschaftlichen Bindungen aller
europäischen Länder.

Wir unterstützen mit Nachdruck die Fortsetzung der Sen-

dungen der Stimme Amerikas, von Radio Free Europe und Radio Liberty mit angemessenen Mitteln.

Unsere Beziehungen zur Sowjetunion müssen von dem Grundsatz

strikter Gegenseitigkeit beherrscht werden.

Wir bringen unsere Besorgnis um

die Sicherheit unserer diplomatischen Vertreter in der Sowjetunion zum Ausdruck,
und wir bestehen darauf, daß Praktiken wie die gegen die amerikanische Botschaft
gerichtete Mikrowellenbestrahlung unverzüglich eingestellt werden.
Unsere Beziehungen zur Sowjetunion werden also von festen Prinzipien geleitet werden.

Wir werden unsere strategischen und konventionellen Streitkräfte

aufrechterhalten; wir werden uns gegen die Dislozierung sowjetischer Macht zu
einseitigen Vorteilen oder zu politischer und territorialer Expansion wenden;
wir werden niemals eine Verschiebung des strategischen Gleichgewichts

zu un-

serem Nachteil dulden; und wir werden gegenüber jedem Druck fest bleiben, während wir gleichzeitig unsere Bereitschaft zum Ausdruck bringen, auf der Basis
strikter Gegenseitigkeit auf neue Abkommen hinzuwirken, die zur Erreichung von
Frieden und Stabilität beitragen.

Die amerikanisch-chinesischen Beziehungen
Eine für die Zukunft Asiens und für die Welt bedeutsame Entwicklung trug
im Jahre 1972 ihre Früchte, als unsere Verbindungen mit der Volksrepublik China
- 13 -

�I

.-

China wiederhergestellt wurden.

Dieses Ereignis hat uns in den Stand gesetzt,

einen Dialog mit den Führern eines Viertels der Weltbevölkerung einzuleiten,
und es wurden Handelskanäle mit der Volksrepublik eröffnet, die für beide Seiten vorteilhaft sind.
Die Volksrepublik China kann und wird in weltpolitischen Fragen eine immer bedeutendere Rolle spielen.

Wir werden uns darum bemühen, daß sich die

Volksrepublik China an einem ständig weiter werdenden Netz von Kontakten und
Handelsbeziehungen beteiligt.

Ein solcher Prozeß kann sich realistischerweise

nicht in einem forcierten oder unvorsichtigen Tempo vollziehen; maßvolle, aber
ständige Weiterentwicklung unserer Beziehungen dient unseren Interessen am
besten.

Wir ignorieren keineswegs die profunden Unterschiede in unseren jewei-

ligen Auffassungen, Regierungseinrichtungen, Politiken und Ansichten über die
Freiheit des Einzelnen, und wir hoffen, daß die grundlegenden Menschenrechte
auf das chinesische Volk angewendet werden. Wirklich von Bedeutung ist, daß
wir reguläre Arbeitskanäle mit der Volksrepublik China eingerichtet haben und
daß dieser Vorgang einen wichtigen Beitrag zum Weltfrieden leisten kann.
Unsere freundlichen Beziehungen zu einer großen Macht sollten flicht als
Herausforderung irgendeiner anderen Nation ausgelegt werden, sei sie nun groß
oder klein. Die Regierung der Vereinigten Staaten, die sich um eine Normalisierung der Beziehungen zu China bemüht hat, wird auch weiterhin die Freiheit
und Unabhängigkeit unseres Freundes und Verbündenten, der Republik China und
ihrer 16 Millionen Menschen, unterstützen. Die Vereinigten Staaten werden ihre
Verpflichtungen gegenüber der Republik China, wie den gegenseitigen Verteidigungsvertrag, erfüllen und einhalten.

Die Länder Amerikas
Die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu den Ländern Amerikas sind von
lebenswichtiger und unmittelbarer Bedeutung.
- 14 -

Die Frage, wie wir unsere Ange-

�Angelegenheiten mit unseren Nachbarn im Norden und Süden regeln, wird auch
weiterhin vorrangig sein.
In den letzten Jahren wurde unsere Aufmerksamkeit gelegentlich auf entfernter gelegene Teile der Welt gelenkt.

Es gibt keine vernünftige Alterna-

tive für enge Beziehungen und Verständigung unter den Nationen dieser Hemisphäre.
Es ist an der Zeit, daß wir eine Reihe neuer Initiativen in unseren Beziehungen zu Kanada ergreifen.
wie auch umgekehrt.

Kanada ist unser wichtigster Handelspartner

Wir als Amerikaner empfinden ein tiefes Gefühl der Ver-

wandtschaft für unsere kanadischen Freunde, und wir haben ein großes Interesse an der Entwicklung engerer Beziehungen, die auf gegenseitigem Verständnis
und völliger Gleichheit basieren ...
Der gegenwärtige Vertrag über den Panama-Kanal bestimmt, daß die Vereinigten Staaten in der Kanalzone Jurisdiktionsrechte haben, als "seien sie der
Souverän." Die Vereinigten Staaten strebten immer danach, daß der PanamaKanal als internationaler Wasserweg für die Schiffe aller Nationen erhalten
bleibt. Der sichere Zugang wird durch Beziehungen gefördert, die die Respektierung von Amerikanern und Panamesen verlangen und den Menschen beider Länder
zugute kommen. In den Gesprächen mit Panama sollen die amerikanischen Unterhändler jedoch in keiner Weise irgendwelche Rechte, Machtbefugnisse, Autorität,
Jurisdiktionsterritorien oder Eigentum abtreten, schwächen, aufgeben, vertraglich einschränken oder transferieren, die zum Schutz und zur Sicherheit der Vereinigten Staaten und der gesamten westlichen Hemisphäre notwendig sind.
Wir bekräftigen unser Vertrauen in die Fähigkeit der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), die weiterhin ein wertvolles Instrument der inter-amerikanischen Konsultation bleibt.

Internationale
- 15 -

�I
Internationale Zusammenarbeit
Jahrzehntelang ist eine starke Unterstützung der internationalen Zusammenarbeit ein Kennzeichen der internationalen Politik der Vereinigten Staaten
gewesen.

Zwei republikanische Administrationen haben die Einrichtungen der

internationalen Zusammenarbeit nicht nur aus humanitärer Sorge für andere
unterstützt, sondern auch weil es den Interessen der Vereinigten Staaten dient,
ein gewissenhaftes Mitglied der Weltgemeinschaft zu sein.
Der politische Charakter der Vereinten Nationen ist kompliziert geworden.
Bei 144 souveränen Mitgliedern müssen sich die Vereinten Nationen mit Problemen
auseinandersetzen, die eine"so großen, manchmal schwerfälligen und nicht homogenen Körperschaft anhaften.

Wir sind bemüht, uns diesen Veränderungen im

Geiste freundlicher Anteilnahme anzupassen; wenn sich jedoch die Vereinten Nationen aus ideologischen oder anderen enggefaßten Gründen gegen die lebenswichtigen Interessen irgendeines ihrer Mitgliedstaaten stellen, dann sind die eigentlichen Grundsätze dieser Organisation gefährdet.

Die Vereinigten Staaten

wollen den Vereinten Nationen nichts diktieren, sie haben jedoch jedes Recht
zu erwarten und darauf zu bestehen, daß die Rechte aller Mitglieder auf das
sorgfältigste beachtet werden ...
Vor acht Jahren haben wir uns verpflichtet, Überschneidungen zu beseitigen
und die Auslandshilfeprogramme der Vereinigten Staaten auf einer mehr geschäftsmäßigen Basis durchzuführen.

Wir haben uns bemüht, diese Verpflichtungen zu

erfüllen.
Unsere Programme der wirtschaftlichen Unterstützung für das Ausland werden
jetzt in wirksamer Weise durchgeführt, wobei der Nachdruck darauf liegt, andern dabei zu helfen, sich selbst zu helfen: bei der Lebensmittel Produktion
und der landwirtschaftlichen Entwicklung, bei Gesundheitsprogrammen, einer gesunden Familienplanung und bei der Entwicklung menschlicher Ressourcen.
Wir
- 16 -

�Wir haben uns bemüht, andere - einschließlich der öl produzierenden Länder zu ermutigen, einen größeren Teil der Unterstützungslasten zu übernehmen.

Wir werden auch weiterhin bemüht sein, adäquate Finanzquellen für

wirtschaftliche Projekte in aufstrebenden Ländern sicherzustellen ...
Mit allem Nachdruck verurteilen wir illegale Zahlungen von Gesellschaften hier in den USA wie auch im Ausland.

Um illegale Zahlungen seitens

amerikanischer Gesellschaften zu Amtspersonen im Ausland auszuschließen,
unterstützen wir die Verabschiedung der von Präsident Ford vorgeschlagenen
Gesetzgebung und die OECD-Deklaration über Investitionen, die vernünftige
Leitlinien über das Verhalten der Wirtschaft beinhalten.
Die Ausweitung der zivilen Nukleartechnologie und die steigende Nachfrage
nach Kernenergie als Alternative zu den zunehmend kostspieliger werdenden
fossilen Brennstoffen machen es beide nötig, daß wir uns über die potentiellen
Gefahren klar werden, die mit solchen Entwicklungen verbunden sind.

Alle Na-

tionen müssen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß Abkommen und Verträge,
die sich mit der nuklearen Technologie und mit nuklearen Exporten befassen,
sorgfältig überwacht werden.

Wir werden neue multilaterale, den Export der

sensitiven Nukleartechnologie betreffende Richtlinien ausarbeiten.
Die sich überstürzenden Ereignisse der letzten Jahre in der Weltwirtschaft stellten enorme Anforderungen an unsere Kreativität und unsere Fähigkeit, der Führungsrolle nachzukommen.

Wir sind aus dieser schwierigen Pe-

riode mit einer neuen Position in der Welt hervorgegangen, und wir haben einen gesunden Wiederaufschwung eingeleitet und zustandegebracht.
Um die Beständigkeit unserer Prosperität sicherzustellen, müssen wir mit
anderen zusammenarbeiten und dabei unsere Führungsrolle sowie die Lebenskraft
unserer Wirtschaft unter Beweis stellen.

Zusammen mit den demokratischen In-

dustrienationen müssen wir ein beständiges, nichtinflationäres Wachstum sichern,
das auf einer sich erweiternden internationalen Zusammenarbeit basiert.

Die
- 17 -

�I

•&gt;

Die republikanische Administration wird in vollem Umfange mitwirken,
um das internationale Handels- und Währungssystem zu stärken, das die Grundlage bildet für unsere Prosperität und die aller Nationen.
Wir werden hart verhandeln, um die Schranken, die ein offenes Wirtschaftssystem behindern, zu beseitigen, und wir werden uns neuen Handeisrestriktionen
widersetzen.

Wir werden auch weiterhin bei den in Genf stattfindenden Handels-

gesprächen mit Nachdruck die wirtschaftlichen Interessen unserer Nation vertreten, vor Protektionismus auf der Hut sein und darauf bestehen, daß die Prinzipien eines fairen Handels sorgfältig beachtet werden.

Wenn Industrien und Ar-

beitsplätze durch ausländische Konkurrenz nachteilig betroffen sind, wird im
Rahmen des Handelsgesetzes von 1974 Anpassungsunterstützung gewährt.

Dieses

Gesetz muß ständig überprüft werden, um sicherzustellen, daß es den sich ändernden Verhältnissen gerecht wird.
Die Republikanische Partei ist der Überzeugung, daß eine Zusammenarbeit
auf dem Gebiete der Energie unerläßlich ist für die internationale Stabilität.
Die meisten demokratischen Industrieländer und Entwicklungsländer sind in zunehmendem Maße von importiertem öl abhängig, was sie politisch, wirtschaftlich
und strategisch verwundbar macht.

Durch die Schaffung der Internationalen

Energieagentur sind Schritte zur Ausweitung der Zusammenarbeit der Verbraucher
ergriffen worden.

Wir werden auch den Dialog mit den ölförderländern fort-

setzen.
Wir werden weiterhin eng mit den Entwicklungsländern zusammenarbeiten,
um ihr wirtschaftliches Wachstum zu fördern. Diese Länder werden ermutigt
werden, in beiderseits nützliche Handelsbeziehungen mit uns einzutreten, die
zum Weltfrieden beitragen. Um dies zu erreichen, müssen wir das Vertrauen der
wichtigen Industrienationen bei Gesprächen mit den Entwicklungsländern stärken.
Es gibt keinen Grund für ein defensives Verhalten unsererseits; unsere gemeinsamen Aktiva können im Rahmen einer koordinierten Strategie eingesetzt werden,
um unseren Einfluß zur Geltung zu machen. Wir werden gegenüber Drohungen
oder einer Konfrontationspolitik nicht nachgeben.
Wenn
- 18 -

�\

Wenn wir auch verstärkte weltweite Investitionen in natürliche Hilfsquellen aller Art unterstützen, so werden wir doch die Ablösung des Mechanismus des freien Marktes durch Kartelle, Preisabsprachen oder Rohstoffabkommen
ablehnen.

Wir werden weiterhin eine Politik verfolgen, die den Verbrauchern

in freien Marktwirtschaften im Ausland garantiert, daß die Vereinigten Staaten
auch in Zukunft ein verläßlicher Lieferant landwirtschaftlicher Produkte bleiben.

Zusammenfassung
Das amerikanische Volk kann stolz sein auf die außenpolitischen Leistungen
unserer Nation während der vergangenen acht Jahre.
sind stark.

Wir leben in Frieden.

Wir

Wir bekräftigen die Bedeutung unserer Bindungen zu den Nationen

des amerikanischen Kontinents.

Unsere Beziehungen zu den Verbündeten in der

Atlantischen Gemeinschaft und zu Japan waren niemals zuvor enger.

Auf dem Wege

zu einer gerechten und dauerhaften Lösung im Nahen Osten sind bedeutsame Fortschritte erzielt worden.

Wir haben Verhandlungen und keine Konfrontation mit

unseren Gegnern angestrebt, während wir gleichzeitig unsere strategische Abschreckungsstärke gewahrt haben.

Der Aufschwung der Weltwirtschaft, angeführt

durch die Vereinigten Staaten, ermöglicht die Rückkehr zu wirtschaftlichem
Wachstum.
In diesem Jahr, da unsere Nation ihr 200jähriges Bestehen feiert, hat
das amerikanische Volk Vertrauen zu sich selbst und ist optimistisch hinsichtlich der Zukunft.

Wir, die Republikanische Partei, legen Ihnen mit Stolz un-

sere Bilanz und unser Wahlprogramm vor.

+ + + + +

-19 -

�amerika dienst
States I n f o r m a t i o n Service
53

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Hintergrundmaterial

300

08-85432

17/1976

KEINE CHANCE FÜR SPLITTERPARTEIEN

- (AD) - Fast bei jeder Wahl in den Vereinigten Staaten haben neben der
Demokratischen Partei und der Republikanischen Partei auch andere, kleinere
Parteien Präsidentschaftskandidaten aufgestellt.

Seit 1860 brachten es diese

Parteien jedoch nur mit vier Ausnahmen auf zusammen mehr als zehn Prozent
der insgesamt abgegebenen Stimmen.

Generell kann man daher von einem Zwei-

parteiensystem sprechen.
Die Minderheitsparteien, oder sogenannten "Dritten Parteien",lassen sich
in zwei Kategorien einteilen.

Einmal gibt es die ideologisch gebundenen Par-

teien, die, offensichtlich mit geringem Erfolg, versuchen,die Öffentlichkeit
für ihre jeweilige Doktrin zu gewinnen.

Zu dieser Gruppe gehören unter an-

derem die Kommunistische Partei, die Sozialistische Partei (Socialist Party
(USA)), die beiden Sozialistischen Arbeiterparteien (Socialist Workers Party
und Socialist Labor Party) und die Liberale Partei (Libertarian Party).
Zur zweiten Kategorie gehören dip Parteien, die aus diesen oder jenen
Gründen von den beiden großen Parteien abgesplittert sind oder sich aus einem
regionalen oder nationalen Protest gegen sie gebildet haben.

Eine solche Partei

ist die Amerikanische Unabhängige Partei (American Independent Party), die
1968 von George Wallace gegründet wurde, der für die Rechte der Einzelstaaten
kämpfte, sowie die Amerikanische Arbeiterpartei (U.S. Labor Party), die mit

�mit großer Heftigkeit gegen sozialistische Gruppen kämpft.

Letztlich wäre

hier auch noch der nicht parteigebundene Wahl kämpf des früheren demokratischen
Senators und erfolglosen Bewerbers um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten im Jahre 1968, Eugene McCarthy»einzuordnen.
Man kann sagen, daß all diese Parteien und Kandidaten an der Peripherie
des politischen Lebens in den Vereinigten Staaten liegen, und die Chancen für
einen solchen "Außenseiter", in das Weiße Haus gewählt zu werden, sind verschwindend gering.
Der Kandidat der Sozialistischen Partei (USA), Norman Thomas, der sich
zwischen 1928 und 1948 sechs Mal zur Wahl stellte, erklärte den Mißerfolg so:
"Die Republikaner und die Demokraten haben mein Wahlprogramm gestohlen".
Dabei muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die Wahlgesetze
von den Einzel Staaten erlassen werden

und die Voraussetzungen für die Zulas-

sung eines Kandidaten oder einer Partei von Staat zu Staat variieren.
Einheitlich geregelt ist dagegen die Sendezeit in Rundfunk und Fernsehen.
Eine Verordnung der Bundesfernmeldekommission bestimmt, daß Rundfunk- und Fernsehsender, die freie Sendezeit für Wahlsendungen zur Verfügung stellen, allen
Kandidaten - ob von einer großen oder einer kleinen Partei - die gleiche Sendezeit gewähren müssen.

Damit ist hier die Gleichheit der Chancen gewährt.

Auch

hinsichtlich der Finanzierung mit öffentlichen Mitteln haben alle Parteien die
gleiche Chance, wenn sie bei der
Gesamtstimmenzahl erreicht haben,

vorangegangenen Wahl mindestens 5 Prozent der
üa allerdings bei der Wahl 1972 keine der

Minderheitsparteien die Fünfprozentklausel erfüllte, erhalten bei den Wahlen
1976 nur die Demokratische Partei und die Republikanische Partei Zuschüsse aus
Bundesmitteln.

Falls jedoch eine der "Dritten Parteien" die Hürde der 5 Pro-

zent nehmen sollte, kann sie einen Antrag auf Rückerstattung von Wahl kampfkosten entsprechend ihres Stimmenanteils stellen.
Am Rande sei vermerkt, daß die älteste und am längsten bestehende "Dritte

�"Dritte Partei" die Prohibition Party ist.

Die Prohibitionisten formierten

sich im September 1869 in Chicago, als 500 Delegierte aus 20 Bundesstaaten
zusammenkamen.

Dabei hatten zum ersten Mal in der amerikanischen Politik

weibliche Delegierte die gleichen Rechte wie die männlichen.

Die Delegierten

beschlossen die Gründung einer Partei, die dann 1872 an den Wahlen teilnahm.
Zu dem Wahlprogramm gehörte schon damals die Forderung nach dem Frauenwahlrecht.

Während es zwar den Alkoholgegnern vor allem über Frauenorganisationen

gelang, ein Verbot der Herstellung und des Verkaufs alkoholischer Getränke in
zahlreichen Einzelstaaten durchzudrücken - und 1919 mit dem 18. Verfassungszusatz für die ganzen USA (was 14 Jahre später mit dem 21. Verfassungszusatz
wieder aufgehoben wurde) - so konnten die Prohibitionisten als Partei doch
nie über 2,2 Prozent der Wählerstimmen erringen.

Seit 1924 liegt der Durch-

schnitt sogar nur bei 0,2 Prozent.
Die "Dritten Parteien" werden im allgemeinen von bestimmten programmatischen Aussagen geprägt, wobei ihre Kandidaten selten über ihre engere
Umgebung hinaus bekannt werden. Aber gerade diese Möglichkeit, bestimmte
Anliegen vorzutragen und öffentlich für sie einzutreten, machen die Minderheitsparteien zu einer Bereicherung des politischen Lebens in den Vereinigten
Staaten, auch wenn sie, was die politische Macht anbetrifft, nur Randerscheinungen sind.

+ + + + +

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17/1976

ABGASE VON OBERSCHALLFLUGZEUGEN
U.S. Behörde setzt Höchstwerte fest -

- (AD) - Für zivile Überschallflugzeuge (SST) hat die amerikanische
Umweltschutzbehörde EPA Abgashöchstwerte festgesetzt. Sie treten für
umgerüstete Triebwerke der CONCORDE und Motoren entsprechender Flugzeugtypen ab 1980 in Kraft. Sie gelten außerdem für Weiterentwicklungen von
Triebwerken für Überschallflugzeuge der "nächsten Generation", die ab
1984 zugelassen werden.
Im erstgenannten Fall müssen die Emissionen an Kohlenmonoxid um 58 Prozent
und an Kohlenwasserstoffen um 77 Prozent verringert werden,
während die Werte für Stickstoffoxide etwa gleich bleiben können. Die
zulässigen Höchstwerte für Rauchgase werden geringfügig reduziert. Bei
Motoren, die ab 1984 entwickelt und zugelassen werden, ist eine Verringerung der Emission an Kohlenmonoxid um mindestens 88 Prozent, an
Kohlenwasserstoffen um 94 Prozent und an Stickstoffoxiden um 44 Prozent
gegenüber den Emissionen erforderlich, die bei den gegenwärtigen C0NC0RDETriebwerken auftreten.
Die neuen Normwerte gelten in erster Linie für den Start- und Landebetrieb.

Sie sollen die Luftqualität im Bereich von Großflughäfen ver-

bessern helfen.

Die Untersuchungen der EPA zur Luftbelastung durch Trieb-

werksemissionen in der höheren Atmosphäre beim Langstreckenflug sind dagegen noch nicht abgeschlossen.

Die Behörde beabsichtigt, notfalls
zusätzliche

�zusätzliche Vorschriften zur Emissionskontrolle sowohl für Oberschallals auch für Unterschallflugzeuge einzuführen, falls sich dies zum
Schutz der Ozonschicht als notwendig erweisen sollte.

Zur Klärung dieser

Fragen führt die EPA gegenwärtig mit dem Bundesluftfahrtamt der USA (FAA)
ein gemeinsames Forschungsprogramm durch.
Nach dem "Gesetz zur Reinhaltung der Luft" sind hinsichtlich der
Inkraftsetzung und des Umfangs von höchstzulässigen Belastungsmengen der
Stand der gegenwärtigen und voraussehbaren künftigen Technik sowie die
Kosten für eine Umstellung innerhalb einer gewissen Entwicklungszeit zu
berücksichtigen.

Den jetzigen Berechnungen zufolge werden umgerüstete

SST-Triebwerke, die ab 1980 eingesetzt werden, noch immer die vierfache
Menge dessen an Abgasen emittieren, was von vergleichbarer. UnterschallTriebwerken zu erwarten ist, die bis zum Ende dieses Jahrzehnts den EPAVorschriften entsprechend modifiziert werden.

Deshalb empfiehlt die EPA,

"so früh wie möglich nach Aufnahme des kommerziellen SST-Liniendienstes
in den USA" die Abfertigung der Flugzeuge auf den Flughäfen zu ändern. •
Dazu gehöre beispielsweise, daß das Flugzeug nicht mit eigener Kraft vom
Flugsteig zur Startbahn rollt, sondern zun, Startplatz jeschleppt wird
und von dort aus ohne weitere Verzögerung starten könne.
Die Entwicklungskosten für die Industrie zum Umrüsten der Triebwerke
bis zum Jahr 1980 schätzt die EPA auf 10 Millionen Dollar. Infolge des
höheren Aufwandes für Wartung dürften auch die Betriebskosten geringfügig
steigen, nämlich um 5 Dollar pro Triebwerk und Stunde. Bis zum Inkrafttreten entsprechender Abgasvorschriften seitens der Internationalen
Organisation für den zivilen Flugverkehr gelten die amerikanischen Vorschriften auch für Flugzeuge, die im Ausland registriert sind und innerhalb der USA operieren.

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17/1976

INTERFERON GEGEN CHRONISCHE HEPATITIS

- (AD) - In den Kliniken der Stanford-Universität (Stanford, Kalifornien)

konnten bei Patienten mit chronischer Hepatitis, welche durch

den Erreger vom Typ B verursacht war, Erfolge durch eine Behandlung mit
Interferon erzielt werden. Interferon ist ein Protein, das vom Abwehrsystem des Organismus produziert wird, um die Ausbreitung von Virusinfektionen einzudämmen.

Die Gewinnung von Interferon ist jedoch noch sehr

schwierig und kostspielig.

Die einzige Quelle, die bisher zur Verfügung

steht, sind weiße menschliche Blutzellen; allerdings beginnt jetzt die
pharmazeutische Industrie damit, die Substanz in menschlichen Zellen zu
produzieren, die im Laboratorium gezüchtet werden.

Die Stanford-Wissenschaftler, deren Versuche mit Zuschüssen des Nationalen Institutes für Allergie- und Infektionskrankheiten (NIAID in
Bethesda, Maryland) durchgeführt wurden, verweisen darauf, daß das erzielte
günstige Ergebnis vorläufigen Charakter habe und die Erprobung von Interferon fortgesetzt werden müsse.

Der Forschergruppe gehören u. a. Prof.

C. Merigan, Prof. William S. Robinson, Dr. Harry Greenberg und Dr. Peter
Gregory an.

Es wurden vier Patienten mit verschiedenen Infektionsgraden

(Hepatitis-Virus Typ B) für die Behandlung ausgewählt.

Vor Beginn war

nachgewiesen, daß das Blut jedes Patienten sog. Dane-Partikel enthielt, die
nach den heutigen Erkenntnissen das komplette Hepatitis-B-Virus enthalten.
Dr. Robinson hatte einen Test entwickelt, mit dem ihre Anwesenheit im Blut
gemessen
- 1 -

�gemessen werden kann.
Es zeigte sich- daß bei kurzzeitiger Interferongabe (über eine Woche)
der Anteil der Dane-Partikel zwar merklich absank, nach Absetzen der
Therapie aber wieder auf den früheren Stand anstieg.

Bei länger-

fristiger Behandlung dagegen (einen Monat oder länger) blieb ihr Spiegel
auch später niedrig oder die Partikel waren überhaupt nicht mehr nachzuweisen.

Nach Meinung der Wissenschaftler scheint Interferon die

Produktion von Dane-Partikeln zu unterdrücken. Jedoch sei der Nachweis
noch nicht erbracht, daß die beobachteten Effekte bedeuteten, die vom
Patienten ausgehende Ansteckungsgefahr wirlich eindämmen oder eine
chronische Infektion endgültig beseitigen zu können.

Zunächst wird

das Serum der Patienten, bei denen keine Dane-Partikel mehr nachzuweisen
sind, immer wieder daraufhin geprüft, ob es dennoch Hepatitis auslösen
kann.
Hepatitis-Viren verursachen Leberentzündung. Während das Virus vom
Typ A mit dem epidemischen Auftreten von Gelbsucht in Zusammenhang gebracht
wird, ist eine Hepatitis nach einer Bluttransfusion oder einer Injektion bei
Verwendung nicht ausreichend sterilisierter Nadeln meist vom Virustyp B
verursacht. In den USA sind gegenwärtig mehr als eine Million Menschen
von dieser Infektion betroffen. Etwa 10 Prozent der Infizierten tragen
ihr Leben lang die Erreger in Leber und Blut. Dennoch fühlen sich viele
keineswegs krank. Sie wissen oft gar nicht, daß sie infiziert sind und
können andere Personen anstecken. Bei diesen brauchen nicht in jedem Fall
Krankheitssymptome aufzutreten - ein Umstand, der die Virus-Hepatitis B so
gefährlich macht und die Medizin veranlaßt, neue Wege für eine wirksame
Behandlung zu suchen.
Das Interferon für die an der Stanford-Universität durchgeführte Studie
wurde von dem oben genannten Institut (NIAID) zur Verfügung gestellt.

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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Beziehungen und Verteidigung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Wahlprogramm der Republikanischen Partei&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Beziehungen und Verteidigung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keine Chance für Splitterparteien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abgase von Überschallflugzeugen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- U.S. Behörde setzt Höchstwerte fest -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interferon gegen chronische Hepatitis&amp;nbsp;</text>
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Nummer 1 8

6. Oktober 1976

Inhalt

DOKUMENTATION:
Rede von Außenminister Kissinger am 30. September 1976 vor der UNVollversammlung
- Wortlaut .)

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Antarktisforschung 1976/77
Schwerpunktprogramme der USA:

Ross-Eisschelf und Trockentäler

"ENTERPRISE" - Debüt des US-Raumtransporters

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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18/1976

REDE VON AUSSENMINISTER KISSINGER AM 30. SEPTEMBER 1976
VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG
- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister
Henry A. Kissinger hat am 30. September in einer richtungweisenden Rede vor
der Vollversammlung der Vereinten Nationen zur weltpolitischen Lage Stellung
genommen und die Weltorganisation aufgefordert, sich von den ideologischen
Taktiken und den Konfrontationen der Vergangenheit freizumachen und auf ein
gemeinsames Aktionsprogramm zu konzentrieren.
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, hochverehrte Außenminister und
Delegierte:
Lassen Sie mich diesem Gremium zunächst zur Wahl von Botschafter Amerainche
aus Sri Lanka zum Präsidenten dieser 31. Sitzungsperiode der Vollversammlung
gratulieren. Er genießt als Diplomat großes internationales Ansehen und hat
neben zahlreichen Erfolgen bei den entscheidend wichtigen Verhandlungen über
das Seerecht eine bedeutende führende Rolle übernommen.
Ich möchte ferner dem Generalsekretär für seine unermüdlichen Bemühungen
um die Völkergemeinschaft der Welt meine Hochachtung aussprechen.

- 1-

Ihm ist es

�»

es gelungen, die in der Charta niedergelegten Prinzipien der Fairness, der
Unparteilichkeit und der Hingabe an die Sache eines weltweiten Friedens und
der Menschenwürde in seiner Person zu verkörpern.
Die Vereinten Nationen wurden aus der Überzeugung geboren, daß der Friede
unteilbar ist und mehr als lediglich Stabilität bedeutet, daß Friede, wenn er
von Dauer sein soll, dem Streben der Menschheit nach Gerechtigkeit, Freiheit,
wirtschaftlichem Wohlstand, Herrschaft des Rechts und Förderung der Menschenrechte Erfüllung bringen muß.

Aber die Geschichte dieser Organisation brachte

immer mehr zu Bewußtsein, daß die Menschheit sich nicht zwangsläufig zu einem
gemeinsamen einheitlichen Vorgehen in Richtung auf diese Ziele bereitfinden
würde.
Die Vereinten Nationen haben 30 Jahre gewaltiger Veränderungen in dem
internationalen System überdauert - und zur Herbeiführung dieser Veränderungen
beigetragen.

Sie haben die schwere Zeit des Kalten Krieges überstanden.

Sie

haben eine entscheidend wichtige Rolle bei der Auflösung der Kolonialreiche gespielt.

Sie haben zur Milderung von Konflikten beigetragen,und ihre Truppen

besetzen Waffensti11 Standslinien in Krisengebieten der Welt.

Sie haben einzig-

artige Anstrengungen auf Gebieten wie dem öffentlichen Gesundheitswesen, der
Entwicklungshilfe und der technischen Zusammenarbeit unternommen.
Aber die wichtigste Aufgabe dieser Organisation liegt noch vor uns: die
positiven und hohen Ziele der Menschheit zu verteidigen und den Völkern bei der
Errichtung einer neuen auf Verständigung beruhenden Gemeinschaft zu helfen.
Durch die modernen Kommunikationsmittel ist das Streben der Menschen zu
einer gemeinsamen Erfahrung für die Völker in allen Teilen dieses Planeten geworden. Wir haben gemeinsam Teil an den Wundern der Wissenschaft und Technologie, den Bemühungen um Industrialisierung und sozialen Wandel und sind uns
ständig des Schicksals und der Hoffnungen unserer Mitmenschen bewußt.
Die Entfernungen auf der Welt sind geschrumpft, aber die Völker der Welt
sind einander nicht näher gekommen.

Es ist paradox, daß der Nationalismus gera-

- 2 -

�gerade in dem Augenblick zugenommen hat, da die meisten schwerwiegenden Fragen, denen wir alle uns gegenübersehen, nur gelöst werden können, wenn wir
uns unserer Interdependenz bewußt sind.

Der moralische und politische Zusam-

menhalt unserer Welt scheint gerade in dem Moment zu schwinden, in dem ein
Gefühl der Gemeinsamkeit unerläßlich geworden ist.
Die Zersplitterung hat selbst vor diesem Gremium nicht haltgemacht. Die
Völker haben Entscheidungen en bloc oder auf regionaler Basis nach starren
ideologischen Gesichtspunkten getroffen, ohne zuvor auch nur den Debatten in
diesen Hallen zuzuhören. Bei zahlreichen Fragen ist bereits vorher eine Entscheidung auf früheren Konferenzen getroffen worden, an denen über die Hälfte
der Mitglieder der Vereinten Nationen teilnahmen. Es besteht eine weitverbreitete Tendenz, hierherzukommen, um zu kämpfen und nicht um zu verhandeln. Wenn
dieser Trend anhält, wird die Hoffnung der Völkergemeinschaft der Welt zerstört
und wird der moralische Einfluß dieser Organisation immer mehr zurückgehen.
Dies wäre eine Tragödie. Die Mitglieder dieser Organisation befassen
sich heute mit einer Vielzahl von Initiativen, gerechte Lösungen für die komplexen und explosiven Probleme zu finden. Noch herrscht eine scheinbare Ruhe,
aber unter ihrer Oberfläche wird sie durch die fundamentalen Kräfte des Wandels
in Frage gestellt - technologische, wirtschaftliche, soziale. Mehr denn je zuvor leben wir in einer Zeit, in der es der Staatskunst und der Zurückhaltung,
der Ausdauer, aber auch des Wagemutes bei dem Streben nach Frieden und Gerechtigkeit bedarf. Die Dogmen vom immerwährenden Streit führen nur zu Blutvergießen und Verbitterung; sie lösen Kräfte der Zerstörung und Unterdrückung aus
und legen die Saat für künftige Konflikte. Appelle des Hasses - sei es auf
der Basis der Rassen, der Klassen, der Hautfarbe, der Nationalität oder der
Ideologie - schlagen letztlich auf die zurück, von denen sie ausgingen und werden die Sache der Freiheit und der Gerechtigkeit auf der Welt keineswegs fördern.
Lassen Sie uns niemals vergessen, daß die Vereinten Nationen den kleineren
und schwächeren Ländern am meisten nützen.

Gerade sie haben am meisten unter

ihrem Versagen zu leiden, denn ohne die Herrschaft des Rechts werden Streitig-

�Streitigkeiten auf eine Weise beigelegt werden, wie sie in der Geschichte nur
allzu oft und schmerzhaft beigelegt worden sind - nämlich durch Machtproben.
Es sind nicht die Schwachen, die in einer Welt des Chaos die Oberhand behalten
würden.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß diese 31. Vollversammlung sich von den ideologischen Taktiken und Konfrontationen freimachen muß,
die kennzeichnend für einige frühere Vollversammlungen waren, und sich zu
einem gemeinsamen Aktionsprogramm bekennen muß.
Die Vereinigten Staaten kommen zu dieser Vollversammlung mit der Bereitschaft, an gemeinsamen Aktionsprogrammen mitzuarbeiten.
Vorschläge vorlegen.

Wir werden konkrete

Wir werden den Ideen anderer Gehör schenken.

Wir werden

uns jedem Druck widersetzen und die Zusammenarbeit anstreben.
Lassen Sie mich jetzt die drei Hauptaufgaben erörtern, vor denen wir
stehen - das Problem des Friedens, die Aufgabe, wirtschaftlichen Wohlstand zu
schaffen und die Agenda für eine globale Interdependenz.
Das Zeitalter der Vereinten Nationen ist auch ein Zeitalter häufiger
Konflikte gewesen. Wir sind von einem dritten Weltkrieg verschont geblieben,
aber wir können nicht von der Annahme ausgehen, daß diese Verhältnisse für
immer und ohne Anstrengungen so bleiben werden.
Ein Zeitalter thermonuklearer Waffen und ständiger nationaler Rivalitäten
erfordert von uns äußerste Anstrengungen, um die Geißel des Krieges unter Kontrolle zu halten. Unsere Generation muß aus der Vielzahl von Ländern ein System
von Beziehungen schaffen, das die Kräfte der Nationen und Völker für die positiven Aufgaben freisetzt, ohne daß man sich vor einem Krieg fürchten muß oder
ein solcher droht.
Im Mittelpunkt der amerikanischen Außenpolitik stehen unsere Schwesterdemokratien, die Industriestaaten Nordamerikas, Westeuropas, des südlichen Pazifik
und Japan sowie unserer traditionellen Freunde in der westlichen Hemisphäre. Wir

�Wir sind mit diesen Nationen durch die Bande der Geschichte, der Zivilisation,
der Kultur, durch gemeinsame Prinzipien und eine Generation gemeinsamer Anstrengungen verbunden.
Unsere Bündnisse, auf dem Fels der gemeinsamen Sicherheit begründet, reichen jetzt über die gemeinsame Verteidigung hinaus und erstrecken sich auf eine
Vielzahl neuer Fragen:

die sozialen Aufgaben, die sich den hochentwickelten

technologischen Gesellschaften gemeinsam stellen; gemeinsame Initiativen zum
Abbau der Spannungen gegenüber unseren Gegnern; die Gestaltung positiver Beziehungen zu den Entwicklungsländern.

Die gemeinsamen Anstrengungen der in-

dustriellen Demokratien sind nicht auf exklusive Ziele gerichtet, sondern sind
eine Brücke zu einem umfassenderen, sichereren und kooperativen internationalen
System sowie zur Ausbreitung der Freiheit und des Wohlstands auf alle Nationen
Die Vereinigten Staaten sind stolz auf ihre historischen Freundschaften
in der westlichen Hemisphäre.

Im modernen Zeitalter müssen sie - und sie sind

es - auf Gleichberechtigung und beiderseitigem Vorteil begründet sein.

Wir

haben eine einzigartige Gelegenheit, daß der große Dialog zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern seine schöpferische Lösung in der Hemisphäre
finden kann, wo die moderne Demokratie geboren wurde und wo die Zusammenarbeit
zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern, zwischen kleinen und großen,
eine seit langem bestehende Tradition ist.
Immer wieder haben in der Geschichte Ideologie und Macht die Länder in die
Versuchung geführt, sich einen einseitigen Vorteil zu verschaffen. Aber die
zwingende Lehre des nuklearen Zeitalters ist, daß die Politik der Machtproben
sich mit dem überleben der Menschheit nicht mehr vereinbaren läßt. Traditionelle Machtpolitik wird irrational, wenn der Krieg das zivilisierte Leben vernichten kann und wenn keine Seite einen entscheidenden strategischen Vorteil
erlangen kann.
Daher fällt den großen nuklearen Mächten eine besondere Verantwortung in
bezug auf Zurückhaltung und Einsicht zu.

Sie sind in der Lage, das volle Aus-

maß der Katastrophe zu ermessen, die die Menschheit vernichten könnte.

Sie

�Sie müssen aufpassen, daß sie, wenn sie ihre Rivalitäten mit den bisher üblichen Methoden austragen, nicht die Dispute weiter schüren.

Wenn sie ört-

liche Konflikte zum Gegenstand globalen Wettstreits machen, dann wird früher
oder später dieser Wettstreit außer Kontrolle geraten.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die Zukunft der Menschheit eine Koexistenz mit der Sowjetunion erfordert.

Alte Schlagworte können

die Notwendigkeit konstruktiverer Beziehungen nicht verschleiern.

Wir werden

darauf bestehen, daß die Zurückhaltung auf Gegenseitigkeit beruht, nicht nur
in bilateralen Beziehungen, sondern überall auf der Welt.
tive Entspannung geben.
beibehalten.

Es kann keine selek-

Wir müssen unsere Verteidigung und unsere Wachsamkeit

Aber wir wissen, daß harte Worte nicht Stärke bedeuten, daß wir

den künftigen Generationen hoffnungsvollere Aussichten schuldig sind, als sie
ein hauchdünnes Gleichgewicht furchtbarer Streitkräfte bietet.
Frieden setzt ein Gleichgewicht strategischer Stärke voraus.
die Vereinigten Staaten aufrechterhalten.

Dies werden*

Aber die Vereinigten Staaten sind

überzeugt, daß das Ziel eines strategischen Gleichgewichts sich weit sicherer
durch Abkommen als durch ein Wettrüsten erreichen läßt.

Die Verhandlungen

über die Begrenzung der Rüstungen stehen daher im Mittelpunkt der amerikanischsowjetischen Beziehungen.
Es sind in der Vergangenheit Abkommen über die Begrenzung und Kontrolle
der nuklearen Waffen erreicht worden, wie sie in der Geschichte ohne Beispiel
sind. Gegenwärtig wird ein historischer Versuch unternommen, eine Höchstgrenze für die strategischen Arsenale beider Seiten festzulegen, die im Einklang
mit dem Abkommen von Wladiwostok steht. Und wenn dies erst einmal erreicht
ist, sind wir bereit, sofort einen Abbau des Standes der strategischen Rüstungen anzustreben.
Die Vereinigten Staaten begrüßen den kürzlichen Fortschritt, der bei der
weiteren Einschränkung der Kernwaffenversuche und bei der erstmaligen Festsetzung eines Verfahrens für friedliche Kernexplosionen erzielt worden ist.
Die beiden Verträge, die jetzt unterzeichnet worden sind und noch der Ratifi-

�Ratifizierung bedürfen, sollten die Grundlage für weiteren Fortschritt auf
diesem Gebiet bilden.
Zusammen mit mehreren unserer europäischen Verbündeten setzen wir die Bemühungen fort, eine ausgewogene Reduzierung der militärischen Streitkräfte zu
erreichen, die sich in Mitteleuropa gegenüberstehen. In gewisser Beziehung
sind dies die schwierigsten Verhandlungen über eine Rüstungsbegrenzung, die
je unternommen worden sind. Wir hoffen, daß durch geduldige Bemühungen, auf
Gegenseitigkeit beruhende Truppenkürzungen bald erreicht werden können, die
die Sicherheit aller beteiligten Länder noch verbessern.
Die Vereinigten Staaten bleiben weiterhin der Arbeit des Genfer Abrüstungsausschusses verpflichtet. Wir begrüßen den dort gemachten Fortschritt, jede
Veränderung der Umwelt für destruktive Zwecke zu ächten. Wir werden alle Ideen
ernsthaft prüfen, gleichgültig von wem sie kommen, die die Rüstungslasten senken könnten. Wir werden unsere eigenen Initiativen vorantreiben, nicht aus
Propagandagründen oder wegen einseitiger Vorteile, sondern um Frieden und Sicherheit für alle zu fördern.
Aber Koexistenz und Verhandlungen über die Kontrolle der Rüstungen finden
nicht in einem Vakuum statt. Wir sind beunruhigt über die weitere Anhäufung
von Waffen und die jüngsten Fälle militärischer Interventionen zur Beeinflussung der Entscheidungen bei lokal begrenzten Konflikten in weit entfernten Erdteilen. Wir haben unverhüllte Versuche erlebt, die diplomatischen Absichten
zu entstellen und den hoffnungsvollen Fortschritt in Richtung auf eine friedliche Lösung schwieriger Fragen zu verhindern. Solche Bemühungen verstärken
nur die Spannungen; sie lassen sich nicht mit einer Politik zur Verbesserung
der Beziehungen vereinbaren. Wenn Koexistenz etwas mehr als ein unsicherer
Waffenstillstand sein soll, müssen beide sich darüber klar sein, daß Ideologie
und Machtpolitik im Gegensatz zu den Realitäten des nuklearen Zeitalters stehen
und daß ein Streben nach einseitigen Vorteilen nicht akzeptiert werden kann.
In
- 7 -

�In den letzten Jahren haben die neuen Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Volksrepublik China große Bedeutung für die weltweite Sicherheit erlangt.
Wir kamen zusammen aus der Notwendigkeit und dem beiderseitigen Glauben
heraus, daß die Welt frei von militärischer Erpressung und dem Streben nach Hegemonie bleiben soll. Wir haben einen neuen Weg beschritten - durch weitreichende Konsultationen, bilateralen Austausch, die Eröffnung von Büros in unseren
beiden Hauptstädten und Beschleunigung der Schritte zur Normalisierung.

Und wir

haben daraus für uns beide Vorteile gezogen - wir haben ein klareres Verständnis
für das Streben unserer Völker gewonnen, bessere Aussichten auf ein internationales Gleichgewicht erreicht, die Spannungen in Asien abgebaut und die Möglichkeiten für gleichlaufende Schritte bei globalen Fragen verbessert.
Diese Elemente bilden die Grundlage für wachsende und dauerhafte Beziehungen, die auf einem objektiven gemeinsamen Interesse fußen. Die Vereinigten
Staaten haben sich verpflichtet, die Bindungen zwischen uns zu stärken und
auf dem Wege zur Normalisierung unserer Beziehungen in strikter Übereinstimmung mit den Prinzipien des Kommuniques von Schanghai fortzufahren. Im Zuge dieses
Prozesses muß jede Seite Zurückhaltung zeigen sowie die Interessen und Überzeugungen des anderen respektieren. Wir werden uns der chinesischen Interessen
bei allen internationalen Fragen bewußt bleiben und werden unser äußerstes tun,
um sie zu berücksichtigen. Wenn jedoch diese Beziehungen sich verstärken sollen, dann muß es ein ähnliches Verständnis für unsere Ansichten und Belange
geben.
Auf dieser Grundlage wird die progressive Entwicklung unserer Beziehungen
zum volkreichsten Land der Welt ein entscheidendes Element der Außenpolitik der
Vereinigten Staaten sein.
Die Welt ist heute Zeuge kontinuierlicher regionaler Krisen.
ihnen könnte in einen größeren Konflikt ausufern.

Jede von

Jede verlangt unsere sorg-

samsten Bemühungen um Aussöhnung und Zusammenarbeit.

Die Vereinigten Staaten

haben eine aktive Rolle bei der Suche nach Frieden in zahlreichen Gebieten cje_i
- 8 -

�gespielt - im südlichen Afrika, im Nahen Osten, in Korea und auf Zypern - und
werden diese Rolle auch weiterhin spielen.
Rassische Ungerechtigkeit sowie die widerwillige Aufgabe kolonialer Macht
haben das südliche Afrika zu einem bitteren Test der Hoffnungen der Welt auf
Frieden und Gerechtigkeit unter der Charta der Vereinten Nationen werden lassen.
Eine große Zahl von Stimmen ist hier in diesem Saal gehört worden, die warnend
darauf hinwiesen, daß - wenn wir nicht schnell Lösungen für die Krisen in
Namibia und Rhodesien fänden - dieser Teil der Welt zu einem unheilvollen Kampffeld mit Konsequenzen für jeden Teil der Welt werden könnte.
Ich war auf Ersuchen von Präsident Ford soeben in Afrika, um festzustellen,
was wir tun können, um den Völkern jenes Kontinentes bei der Verwirklichung ihres Strebens nach Freiheit und Gerechtigkeit zu helfen.
Es besteht gegenwärtig eine Chance, von dem Rand des Abgrundes zurückzuweichen. Ich bin der Ansicht, daß Afrika jetzt vor dem Preis steht, um den es
solange gerungen hat, nämlich vor der Möglichkeit für die Afrikaner, sich eine
Zukunft des Friedens, der Gerechtigkeit, der rassischen Harmonie und des Fortschrittes zu schaffen.
Die Vereinten Nationen haben sich seit ihrer Gründung mit der NamibiaFrage befaßt. 30 Jahre lang war dieses Gebiet ein Prüfstein für die Fähigkeit
dieser Institution, ihre Entscheidung in die Praxis umzusetzen.
In den vergangenen Monaten waren die Vereinigten Staaten mit Nachdruck
bemüht, den betroffenen Parteien dabei zu helfen, den Prozeß in Richtung auf
die Unabhängigkeit Namibias zu beschleunigen.

Die Vereinigten Staaten sprechen

sich für folgendes aus: Die Unabhängigkeit Namibias innerhalb eines festgelegten kurzfristigen Zeitraums; die Einberufung einer verfassungsgebenden Konferenz an einem neutralen Ort unter der Ägide der Vereinten Nationen und die
Beteiligung aller authentischen nationalen Kräfte, einschließlich insbesondere
auch der Swapo, an dieser Konferenz.
Fortschritte erzielt worden.

Bei der Erreichung all dieser Ziele sind

Wir werden unsere Anstrengungen darauf richten,
- 9 -

�richten, die noch vorhandenen Hindernisse zu beseitigen und eine Konferenz
zustandezubringen, die dann mit gutem Willen und Klugheit einen Plan für den
neuen Staat Namibia und seine Beziehungen zu den Nachbarn ausarbeiten kann.
Wir unterstreichen hiermit unsere anhaltende Sorge um die Unabhängigkeit von
Namibia, damit es schließlich zu einem stolzen Erfolg dieser Organisation und
einem Symbol der internationalen Zusammenarbeit werden kann.
Vor noch nicht einer Woche kündigten die rhodesischen Behörden an, daß sie
bereit seien, mit den nationalistischen Führern von Simbabwe zusammenzutreffen,
um eine Übergangsregierung zu bilden, die innerhalb von zwei Jahren eine Mehrheitsregierung zustande bringen soll.

Mit ihrer Forderung nach unmittelbaren

Verhandlungen haben die afrikanischen Präsidenten gezeigt, daß sie bereit sind,
diese Gelegenheit für eine Regelung zu ergreifen, und indem die britische Regierung ihre Bereitschaft zur Einberufung einer Konferenz kund tat, hat sie ihr
großes Verantwortungsbewußtsein und ihre Sorge um eine schnelle und gerechte
Unabhängigkeit Rhodesiens gezeigt.
Es ist unvermeidlich, daß nach 10 Jahren der Auseinandersetzungen der Argwohn tief wurzelt.. Viele Hindernisse müssen noch überwunden werden. Großmut
zu zeigen, ist niemals leicht, und schon gar nicht nach einer Generation der
Bitterkeit und des rassischen Konfliktes. Aber wir dürfen nicht aus den Augen
verlieren, was schon erreicht worden ist: Die Verpflichtung für eine Mehrheitsregierung innerhalb von zwei Jahren, die Verpflichtung, unverzüglich eine Übergangsregierung mit einer afrikanischen Mehrheit im Kabinett und einem afrikanischen Ministerpräsidenten zu bilden, die Bereitschaft, hierauf eine verfassungsgebende Konferenz folgen zu lassen, die den rechtlichen Rahmen eines unabhängigen Simbabwe definiert.
Die Vereinigten Staaten haben in Zusammenarbeit mit anderen Ländern wesentliche Anstrengungen geleistet, und wir werden auch in Zukunft unser äusserstes tun, um den hoffnungsvollen Prozeß, der nun möglich ist, zu unterstützen. Aber es sind die Menschen in Afrika, die ihre Zukunft gestalten müssen.
Die Bevölkerung Rhodesiens und die Nachbarstaaten stehen jetzt vor einer außerordentlich großen Herausforderung. Ihre Fähigkeit, zusammenzuarbeiten, und
- 10 -

�und ihre Fähigkeit, sich zu vereinigen, wird in den kommenden Monaten wie
niemals zuvor auf die Probe gestellt.
Es mag einige Länder geben, die eine Chance darin sehen, aus der Anfachung der Flammen des Krieges und des Rassenhasses Vorteile zu ziehen.

Was

sie dazu veranlaßt, ist jedoch nicht die Sorge um die Völker Afrikas oder um
den Frieden.

Sollten sie Erfolg haben, dann könnten damit Möglichkeiten zu-

nichte gemacht werden, die vielleicht nie wiederkehren.
In Südafrika selbst nimmt das Tempo der Veränderungen zu. Das System der
Apartheid - oder welchen Namen es immer tragen mag - verneint unsere gemeinsame
Humanität und ist ein Stachel für das Gewissen der Menschheit. Veränderungen
sind unvermeidlich. Die führenden Politiker Südafrikas haben eine kluge Haltung bei der Herbeiführung einer friedlichen Lösung in Rhodesien an den Tag
gelegt. Die Weitgemeinschaft nimmt dies zur Kenntnis und fordert, während es
noch Zeit ist, dieselbe Klugheit, um eine Rassengerechtigkeit nach Südafrika
zu bringen.
Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so sind wir davon überzeugt, daß
unseren Werten und Interessen am besten gedient wird durch ein Afrika, das sich
um die Gestaltung seines eigenen Geschickes frei von äußeren Interventionen bemüht. Deshalb werden wir keine Gruppierungen unterstützen, weder in Rhodesien
noch anderswo. Wir werden auch nicht versuchen, irgendwo Lösungen aufzuzwingen
Es liegt bei den Afrikanern, über die Führung und die Zukunft eines unabhängigen Simbabwe wie auch für den Rest von Afrika zu entscheiden. Die Vereinigten
Staaten werden sich an deren Entscheidung halten. Wir fordern alle anderen
nichtafrikanischen Staaten auf, dies ebenfalls zu tun.
Die Vereinigten Staaten wollen keine Sonderposition und auch keine Einflußsphäre.

Wir respektieren die afrikanische Einheit.

Die Rivalität und die

Einmischung nichtafrikanischer Mächte würden dem schwer gewonnenen Kampf um Unabhängigkeit von fremder Herrschaft Hohn sprechen.

Dies würde unvermeidlich

zu Widerstand führen und eine direkte Bedrohung der fundamentalsten Grund- 11-

�Grundsätze, auf denen sich die Vereinten Nationen begründen, darstellen.
Jede Nation, die die Charta unterzeichnet hat, ist verpflichtet, den Nationen Afrikas, deren Völker so viel Leid ertragen mußten, endlich die Erfüllung ihrer Träume von Unabhängigkeit, Frieden, Einheit und Menschenwürde zu
gestatten und zwar auf deren eigene Weise und nach eigenen Entscheidungen.
Seit ihrer Gründung sind die Vereinten Nationen in den chronischen Nahost-Konflikt hineingezogen worden.

Jeder sich daraus ergebende Krieg hat grös-

sere Bedrohungen mit sich gebracht und die vergrößerte Gefahr einer Konfrontation der Großmächte sowie immer ernstere weltweite wirtschaftliche Verzerrungen.
Auf Ersuchen der betroffenen Parteien haben sich die Vereinigten Staaten
aktiv in die Suche nach Frieden im Nahen Osten eingeschaltet.

Seit dem Krieg

des Jahres 1973 hat das staatsmännische Verhalten aller Seiten zu bisher einzigartigen Schritten auf dem Wege zur Lösung dieses bitteren Konfliktes geführt.
Es gibt Abkommen, die die Kriegsgefahr verringern, und es wurden beiderseitige
Verpflichtungen eingegangen, um den Verhandlungsprozeß mit Dringlichkeit
weiterzuführen, bis ein endgültiger Friede erreicht worden ist.

Als Ergebnis

hiervon sind wir dem Ziel des Friedens näher gekommen als zu irgend einem anderen Zeitpunkt seit einer Generation.
Die Rolle der Vereinten Nationen war von entscheidender Bedeutung. Die
Genfer Konferenz trat im Jahre 1973 unter ihrer Ägide zusammen,und die Verwirklichung entsprechender Abkommen ist in den einzelnen Arbeitsgruppen behandelt
worden. Die Resolutionen des Sicherheitsrates bilden den einzigen vereinbarten
Verhandlungsrahmen. Die Friedenstruppen der Vereinten Nationen, die Beobachtergruppen sowie die Waffensti11 Standsüberwachungskommission tragen gegenwärtig
dazu bei, daß der Frieden an den Waffenstillstands!inien bewahrt bleibt. Ich
möchte den Generalsekretär sowie seine Mitarbeiter in New York, Genf und im
Nahen Osten selbst zu ihrer energischen Unterstützung des Friedensprozesses in
kritischen Augenblicken beglückwünschen.
Die
- 12 -

�Die Vereinigten Staaten bleiben ihrer Verpflichtung treu, den betroffenen
Parteien bei der Erreichung einer Lösung zu helfen.

Die schrittweisen Ver-

handlungen der letzten drei Jahre haben uns an einen Punkt gebracht, wo umfassende Lösungen möglich erscheinen.

Wir stehen jetzt vor der Entscheidung,

wie die nächste Phase von Verhandlungen in Gang gebracht werden kann.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich an einer baldigen Wiederaufnahme
der Arbeit der Genfer Konferenz zu beteiligen. Wir sind der Ansicht, daß eine
vorbereitende Konferenz für eine Erörterung der Struktur künftiger Verhandlungen
nützlich sein könnte, aber wir sind anderen Vorschlägen stets offen. Die zu
treffenden Schritte müssen sorgfältig vorbereitet werden, damit - nachdem der
Prozeß einmal in Gang gesetzt worden ist - die betroffenen Länder stetig auf
dem Wege zu einem Abkommen vorankommen.
Die bereits gelegten Grundlagen stellen eine historische Chance dar.

Die

Vereinigten Staaten werden alles in ihren Kräften stehende tun, um sicherzustellen, daß zu dem Zeitpunkt, da diese Vollversammlung im nächsten Jahr wieder
zusammentritt, es möglich sein wird, über weitere bedeutsame Fortschritte in
Richtung auf einen gerechten und dauerhaften Frieden im Nahen Osten zu berichten.
Seit die Vollversammlung zum letzten Mal hier zusammentraf, hat die Bevölkerung im Libanon unsägliches Leid befallen. Die Vereinigten Staaten unterstützen mit Nachdruck die Souveränität, Einheit und territoriale Integrität
dieses geplagten Landes. Wir sind gegen eine Teilung. Wir hoffen, daß die
libanesischen Angelegenheiten schon bald wieder in die Hände des libanesischen
Volkes gelegt werden. Alle Mitglieder der Vereinten Nationen und alle sich im
Konflikt befindlichen Parteien im Libanon haben die Verpflichtung, die Bemühung
des neuen libanesischen Präsidenten um Wiederherstellung des Friedens und den
Einsatz aller Energien für den Wiederaufbau des Landes zu unterstützen. Und die
Sonderorganisationen der Vereinten Nationen können bei diesem Wiederaufbaubemühen eine wichtige Rolle spielen.
Die
- 13 -

�Die Konfrontation zwischen Nord- und Südkorea stellt weiterhin eine Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Stabilität dar.
wichtigen Interessen von Weltmächten berühren sich in Korea.

Die lebens-

Ein Konflikt

dort bedeutet unvermeidlicherweise die Drohung eines größeren Krieges.
Wir und zahlreiche andere UN-Mitglieder begrüßen die Tatsache, daß in
diesem Herbst eine von Streit bestimmte und sterile Debatte über Korea vermieden werden wird.

Lassen Sie uns diese Möglichkeit also dazu benutz n, das

zentrale Problem anzugehen, wie das koreanische Volk selbst über seine Zukunft
bestimmen und sein letztliches Ziel einer friedlichen Wiedervereinigung ohne
eine Erneuerung des bewaffneten Konfliktes erreichen kann.
Unsere eigenen Ansichten über das Koreaproblem sind wohlbekannt.

Wir

haben uns für die Wiederaufnahme eines ernsthaften Dialoges zwischen Nordund Südkorea ausgesprochen.

Wir haben erweiterte Verhandlungen zur Förderung

der Sicherheit und zum Abbau der Spannungen gefordert.

Wir sind bereit, das

Kommando der Vereinten Nationen auflösen zu lassen, solange das Waffenstillstandsabkommen - das die einzige existierende legale Vorkehrung ist, durch
die die betroffenen Parteien zur Wahrung des Friedens verpflichtet werden entweder gewahrt oder durch dauerhaftere Abmachungen ersetzt wird.

Wir sind

bereit, unsere Beziehungen zu Nordkorea zu verbessern, vorausgesetzt, daß
seine Verbündeten ebenfalls bereit sind, ähnliche Schritte gegenüber der Republik Korea zu machen.

Wir sind bereit, mit Nordkorea über die Zukunft der

Halbinsel zu sprechen; wir werden dies jedoch nicht ohne die Beteiligung der
Republik Korea tun. .
Im Herbst letzten Jahres haben die Vereinigten Staaten eine Konferenz vorgeschlagen, die alle am direktesten betroffenen Parteien - Nord- und Südkorea,
die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China - einschließen sollte und
auf der Möglichkeiten einer Anpassung des Waffensti11 Standsabkommens an die
neuen Verhältnisse sowie dessen Ersatz durch permanentere Abmachungen erörtert
werden sollten.

Am 22. Juli habe ich unsere Bereitschaft erklärt, unverzüglich

mit diesen Parteien zusammenzutreffen, um den angemessenen Rahmen für eine solche Konferenz zu erörtern.

Diese Bereitschaft bekräftige ich heute.
Sollte
- 14 -

�Sollte sich eine solche Konferenz zu diesem Augenblick als unpraktikabel
erweisen, so würden die Vereinigten Staaten ein phasenweises Vorgehen unterstützen. Vorbereitende Gespräche zwischen Nord- und Südkorea, einschließlich
einer Diskussion über den Rahmen und Umfang der Konferenz, könnten sofort beginnen. In dieser Phase könnten die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik
China als Beobachter oder in einer beratenden Rolle fungieren. Sollten diese
Erörterungen zu konkreten Ergebnissen führen, dann könnten sich die Vereinigten
Staaten und China den Gesprächen offiziell anschließen. Dies wiederum könnte
den Rahmen für eine weitergefaßte Konferenz bilden, an der sich andere Länder
mit Vorkehrungen beteiligen könnten, die einen dauerhaften Frieden auf der
koreanischen Halbinsel garantieren.
Wir hoffen, daß Nordkorea und andere betroffene Parteien positiv auf dieses vorgeschlagene Verfahren reagieren oder einen konstruktiven Alternativvorschlag unterbreiten werden.
Die Weltgemeinschaft ist tief besorgt darüber, daß sich keinerlei Fortschritt in der Lösung des Zypernproblems zeigt.
Innenpolitischer Druck, nationalistische Zielsetzungen und internationale
Rivalität haben die betroffenen Parteien daran gehindert, auch nur die elementarsten Schritte in Richtung auf eine Lösung zu ergreifen. Bei den wenigen Gelegenheiten, da Vertreter der beiden zypriotischen Gemeinschaften zusammengetroffen sind, verfielen sie in Verfahrensstreitfragen, die zu nichts führten.
Das Verstreichen der Zeit hat nur dazu geführt, die innenpolitischen Schwierigkeiten zu komplizieren und die Möglichkeiten für eine konstruktive Aussöhnung
zu verringern. Die Gefahr eines Konfliktes zwischen Griechenland und der
Türkei hat sich auch auf andere Fragen ausgedehnt, wie wir dies kürzlich in
der Ägäis erlebt haben.
Alle Betroffenen müssen sich auf die Verpflichtung konzentrieren, die
alles überragenden Ziele zu erreichen, nämlich das Wohlergehen des leidenden
zypriotischen Volkes und den Frieden im östlichen Mittelmeer.
Eine
- 15 -

�Eine Lösung muß von den zypriotischen Gemeinschaften selbst kommen.

Sie

müssen entscheiden, wie die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Regierung
ihrer Insel wieder aufgebaut werden.

Sie müssen über das letztliche Verhält-

nis der beiden Gemeinschaften sowie über die territoriale Ausdehnung der beiden Bereiche entscheiden.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, dabei mitzuwirken, daß der Verhandlungsprozeß neue Schwungkraft erhält.

Wir sind der Ansicht, daß die Zustimmung

zu einer Reihe von Grundsätzen den Parteien helfen könnte, die Verhandlung wieder aufzunehmen.

Wir möchten hier einige Konzeptionen vorschlagen:

- eine Regelung sollte die Unabhängigkeit, die Souveränität und die territoriale Integrität Zyperns wahren;
- die gegenwärtigen Trennungslinien auf Zypern müssen neu geregelt werden,
um das zur Zeit von der türkischen Seite kontrollierte Gebiet zu verringern;
- die territoriale Regelung sollte die wirtschaftlichen Erfordernisse und

.

die humanitären Belange der beiden zypriotischen Gemeinschaften berücksichtigen,
einschließlich der Not derjenigen, die Flüchtlinge bleiben;
- eine verfassungsmäßige Regelung sollte Bedingungen schaffen, unter denen
die beiden zypriotischen Gemeinschaften in Freiheit leben können und eine größere
Stimme in ihren eigenen Angelegenheiten haben; und
- es sollten Sicherheitsvorkehrungen vereinbart werden, die den Abzug ausländischer Streitkräfte außer denen, die sich dort im Rahmen internationaler
Abmachungen befinden, gestatten.
Ich habe dieses Vorgehen mit dem Generalsekretär und mit verschiedenen
westlichen Staatsmännern besprochen. In den vor uns liegenden Tagen werden die
Vereinigten Staaten auf dieser Grundlage mit allen interessierten Parteien Konsultationen pflegen. Inzwischen fordern wir den Generalsekretär auf, seine
entschlossenen Bemühungen fortzusetzen.
Wirtschaftliche
_ 16 -

�Wirtschaftliche Entwicklung und Fortschritt
Die wirtschaftliche Teilung unseres Planeten in eine nördliche und eine
südliche Hemisphäre sowie die Teilung in Industrie- und in Entwicklungsländer
ist eine der dominierenden Fragen unserer Zeit.

Unsere gegenseitige Abhängig-

keit um der Prosperität willen ist eine Realität, kein Slogan.

Das sollte uns

veranlassen, unser Bestes zu tun, um gemeinsam Fortschritte zu erzielen.

Wir

müssen uns dem Streben verpflichten, den Traum der Menschheit von einem besseren Leben noch in unseren Lebzeiten der Verwirklichung näher zu bringen.
Es gibt viele Gründe,warum die Zusammenarbeit nicht viel weiter gediehen
ist:
- Die industriellen Demokratien waren manchmal eher dazu bereit, von der
Aufgabe der Entwicklung zu reden, als ihre Reden mit den tatsächlichen Ressourcen in Einklang zu bringen.
Die Erdölförderlander verfügen über große Reichtümer, und manche von ihnen
tragen großzügig zur internationalen Entwicklung bei.

Ihre Gesamtleistung - was

die Aufgabe angeht, jenen Reichtum positiven Verwendungszwecken zuzuführen bleibt gemessen an deren Größe aber unzureichend.
- Die Länder mit nicht-marktorientierten Volkswirtschaften sind stets zu
verbalen Angriffen bereit, ihre Leistungen aber stehen in einem umgekehrten Verhältnis zu ihren Reden.
minimal.

Ihr echter Beitrag zur Entwicklungshilfe war bisher

Im vergangenen Jahr zum Beispiel haben die nicht-marktorientierten

Länder nur etwa 4 Prozent der staatlichen Hilfe aufgebracht, die den Entwicklungsländern zugeflossen sind.
- Die Entwicklungsländer fühlen sich angesichts Armut, Analphabetentums
und Seuchen verständlicherweise frustriert und sind unzufrieden. Sie haben
aber allzu oft Forderungen nach Veränderungen erhoben, die ebenso sehr auf Konfrontation abzielen, wie sie unrealistisch sind. Sie sprechen manchmal von
einer neuen Wirtschaftsordnung, als ob Wachstum ein Schnell- und Allheilmittel
- 17 -

�Allheilmittel wäre und als ob es dazu nur einer richtigen Neuverteilung der
Schätze der Erde bedürfe - in der Form von Kräfteproben statt in der eines
Prozesses der Selbsthilfe über Generationen hinweg.

Im Endeffekt verlieren

sie mit solchen taktischen Manövern mehr als sie gewinnen, weil sie auf diese
Weise die Sympathien der Allgemeinheit in den industriellen Demokratien verlieren, die im Hinblick auf die Bereitstellung der Ressourcen und den Zugang
zu deren Märkten - für die es anderswo keinen Ersatz gibt und die für
ihre Entwicklung dringend benötigt werden - wichtig sind.
Die Zielsetzungen der Entwicklungsländer sind klar:

Ein rascher An-

stieg des Einkommens ihrer Bevölkerung; eine größere Rolle bei internationalen
Entscheidungen, die sie berühren; und fairer Zugang zu den wirtschaftlichen
Chancen der Welt.
Die Zielsetzungen der Industrienationen sind ebenso klar:

Ein leistungs-

fähiges und offenes System des Welthandels und der internationalen Investitionen; eine Ausweitung der wirtschaftlichen Möglichkeiten der Produktion sowohl auf der nördlichen als auch auf der südlichen Halbkugel; die zuverlässige
und gerechte Entwicklung der Ressourcen der Welt an Nahrungsmitteln, Energie
und Rohstoffen; und eine Weltwirtschaft, in der die Prosperität so universell
verbreitet ist, wie Einbildungskraft und Energie uns dies gestatten.
Diese Ziele ergänzen sich gegenseitig, ja sie müssen sich sogar ergänzen,
da keine von beiden Seiten ihre Ziele auf Kosten der Gegenseite zu erreichen
vermag. Sie lassen sich nur in Zusammenarbeit verwirklichen.
Wir haben in diesem Jahr auf der siebten Sondersitzung dieser Vollversammlung gemeinsam einen wichtigen Schritt nach vorne unternommen, und wir
haben seither die Entwicklung in vielen Bereichen weiter vorangetrieben:
- Wir haben Schritte unternommen, die wirtschaftliche Sicherheit der Entwicklungsländer vor den Folgen zyklischer Finanzkatastrophen zu bewahren.

Die

neuerlich erweiterten kompensatorischen Finanzfazilitäten des Internationalen
Währungsfonds haben allein in diesem Jahr den Entwicklungsländern über zwei
- 18 -

�zwei Milliarden Dollar zugewandt.
- Ein Treuhänderfonds des Internationalen Währungsfonds, der aus Goldverkäufen finanziert wird, wurde zugunsten der Länder mit geringem Einkommen
eingerichtet.
- Die erneute Aufstockung der Einlagen der Weltbank, der Interamerikanischen Entwicklungsbank und der Asiatischen Entwicklungsbank wird weitere
Mittel für Entwicklungszwecke bereitstellen helfen.
- Die weltweite Nahrungsmittelhilfe wurde weiter ausgedehnt. Wir haben
uns verpflichtet, die Weltnahrungsmittel Versorgung zu erweitern. Mit einem
Beitrag der Vereinigten Staaten in Höhe von 200 Millionen Dollar haben wir den
Internationalen Fonds für Agrarentwicklung so weit gefördert, daß er bald seine
Tätigkeit aufnehmen kann.
- Die wichtigsten Industriestaaten haben Vorkehrungen getroffen, um die
Handelschancen

der Länder der Dritten Welt zu verbessern.

Wir haben uns

feierlich verpflichtet, die Liberalisierung des Welthandels im Rahmen der
Tokio-Runde gegenseitiger Handelsverhandlungen bis nächstes Jahr zum Abschluß
zu bringen.

Die Vereinigten Staaten haben ein System allgemeiner Präferenzen

eingerichtet, das allein im Jahre 1975 Exporte aus Entwicklungsländern nach
den Vereinigten Staaten im Umfang mehrerer Milliarden Dollar bewirkt hat.
Die Vereinigten Staaten führen diesen Prozeß insofern fort, als sie auf
der vierten Ministerkonferenz der Vereinten Nationen über Fragen des Handels
und der Entwicklung (UNCTAD) im Mai 1976 eine Reihe neuer Vorschläge machten.
Wir schlugen einen umfassenden Plan zur Verbesserung der Kapazität der Entwicklungsländer vor, geeignete technologische Methoden für ihre Entwicklung auszuwählen und diese anzupassen, zu verbessern und anzuwenden.

Wir verpflichteten

uns, unsere Hilfe in qualitativer Hinsicht zu verbessern, und schlugen gleichzeitig vor, daß ein größerer Prozentsatz der Hilfe an die armen Länder in
Form von nicht-rückzahlbaren Zuwendungen und frei von der Einkaufsverpflich- 19 -

�Einkaufsverpflichtung im Geberland gewährt werden solle. Wir erklärten uns
mit ernsthaften Bemühungen einverstanden, die Märkte von 18 grundlegend wichtigen Rohstoffen zu verbessern.
Diese Maßnahmen, die wir in der Zeit seit unserer letzten hiesigen Zusammenkunft vor einem Jahr unternommen haben, werden den Völkern der Erde
helfen, die gegenwärtig größte Anstrengung

machen, die Ketten der Armut ab-

zuschütteln. Wir helfen nicht mit Reden und Versprechungen, sondern auf praktische und konkrete Art und Weise.
Es bleibt noch viel zu tun übrig:
Erstens, die Anwendung der Erkenntnisse der Naturwissenschaften und der
Technologie ist der eigentliche Ausgangspunkt eines jeden Entwicklungsprozesses.
Die Vereinigten Staaten haben deshalb im Bewußtsein ihrer Pionierrolle auf dem
Gebiet der Technologie drei Grundprinzipien aufgestellt, für die wir Geld und
Talente aufzubieter. willens sind:
- um Kräfte auszubilden, die die künftige Technologie der Entwicklungsländer feststellen, auswählen und handhaben können;
- um beim Aufbau nationaler und internationaler Institutionen zu helfen,
die fähig sind, heimische Technologien zu entwickeln und ausländische Konstruktionen und Erfindungen den heimischen Erfordernissen anzupassen; und
- um den privatwirtschaftlichen Sektor anzuspornen, einen größtmöglichen
Beitrag zur Entwicklung und zur Weitergabe des technologischen Fortschritts
zu leisten.
Um diese Zielsetzungen erreichen zu können, laden wir heute zu einer Weltkonferenz über Fragen der Wissenschaft und Technologie für Entwicklungszwecke
(World Conference on Science and Technology for Development) ein, die 1979
hier in meinem Lande zusammentreten soll.

In Vorbereitung auf jene Konferenz

haben wir im Bereich Naturwissenschaften tätige Vertreter der Industrie, der
- 20 -

�der Hochschulen und der Berufsverbände aus allen Teilen der Vereinigten Staaten
für November 1976 nach Washington eingeladen.

Sie werden dort wichtige Initia-

tiven überprüfen, die mein Land ergreifen kann, um die technologische Basis für
die Entwicklung zu erweitern; und sie werden sich ferner bemühen, neue Methoden
zu entwickeln.
Zweitens, die Ministertagung der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (Conference on International Economic Cooperation) in
Paris sollte neue Impulse erhalten.

Wir machen diesbezüglich mehrere neue Vor-

schläge:
- Wir werden bemüht sein, jenen Nationen zu helfen, die sich einem ernsten
Schuldenberg gegenübersehen. Für akute Fälle werden wir Richtlinien für die
Führung von Schuldenverhandlungen vorschlagen. Für Länder, die sich langfristigen Problemen gegenübersehen, werden wir eine systematische Überprüfung
möglicher Abhilfemaßnahmen vorschlagen, zu denen auch eine Verstärkung der Hilfe gehört.
- Wir werden neue Vorstellungen für eine erweiterte Zusammenarbeit auf
dem Energiesektor unterbreiten, darunter Regeln und Verfahren für den Informationsaustausch unter Energieproduzenten und -Verbrauchern sowie den erweiterten Transfer energiebezogener Technologien auf energiearme Entwicklungsländer.
Drittens, die industrialisierten Demokratien waren nur allzu bereit, auf
Forderungen von Entwicklungsländern zu warten, statt eigene Vorschläge zu
machen.

Nunmehr aber sind die OECD-Länder auf Anregung der Vereinigten Staaten

übereingekommen, die langfristige

Entwicklungsplanung zu überprüfen und eine

einheitliche und umfassendere Haltung zur Frage des weltweiten Wachstums und
der universellen wirtschaftlichen Gerechtigkeit zu entwickeln.
Viertens, Naturkatastrophen fordern Jahr für Jahr tausende von Opfern und
verursachen Verluste in Höhe von Milliarden Dollar.

Sie treffen größtenteils

jene, die sich solche Opfer am wenigsten leisten können: die ärmsten Länder der
Erde.

Die hieraus resultierende Belastung wird durch eine große Reihe von
- 21 -

�von weltweiten Problemen zusätzlich erschwert: die Übervölkerung, den Nahrungsmittelmangel, Umweltschäden und die wirtschaftliche Unterentwicklung.
Die Vereinten Nationen haben die einmalige Fähigkeit, sich diesen globalen
Nöten zuzuwenden und auf diese Weise die Position des Menschen im Ringen gegen
die Natur zu verbessern.

Wir fordern diese Körperschaft auf, sich an die

Spitze der Bemühungen um die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit zu
stellen, um Naturkatastrophen zu verhüten und ihre Folgen zu mildern.
Unser Traum geht dahin, daß alle Kinder dieser Erde in Hoffnung und mit
größeren Entwicklungschancen aufwachsen können.

Keine Nation kann dieses Ziel

für sich allein erreichen; und keine Gruppe von Völkern kann es über Konfrontationen erreichen.

Gemeinsam aber haben wir echte Aussichten auf große Fort-

schritte - und das noch im Laufe dieser Generation.
Wechselseitige Abhängigkeit und Gemeinsamkeit
Es ist eine Ironie unserer Zeit, daß ein Zeitalter ideologischer und
nationalistischer Rivalitäten gleichzeitig Raum für eine große Zahl von Herausforderungen bietet, denen kein Volk für sich allein entgegenzutreten vermag:
- Die Weiterverbreitung der Möglichkeit des Kernwaffenbaus fügt der Gefahr
politischer Konflikte regionalen und weltweiten Ausmaßes eine neue Dimension
hinzu;
- während uns die Technologie Zugang zu den Weltmeeren erleichtert, bedrohen uns im Widerstreit befindliche nationale Forderungen oder Interessen
mit Chaos;
- der Erfindungsreichtum des Menschen brachte ein neues entsetzliches
Instrument des Terrors hervor, das unschuldige Opfer auf allen Kontinenten
fordert; und
- die
- 22 -

�- die Menschen-

und die Bürgerrechte werden weitgehend mißbraucht und

bilden deshalb heute eine allenthalben akzeptierte Sorge der Weltgemeinschaft.
Lassen Sie mich die Haltung der Vereinigten Staaten zu diesen Fragen darlegen:
Die wachsende Gefahr der Weiterverbreitung von Kernwaffen gibt Anlaß zu
ernsten Fragen bezüglich der Fähigkeit des Menschen, seinen eigenen Fortbestand zu gewährleisten.
Wir haben drei gefährliche Jahrzehnte durchlebt, in denen die Katastrophe
eines Kernwaffenkrieges trotz strategischer Rivalitäten unter relativ wenigen
Nationen vermieden werden konnte.
Nunmehr aber sehen wir uns vor eine völlig neue Situation gestellt. Viele
Nationen haben das Potential, Kernwaffen zu bauen.

Wenn sie dieses Potential

voll und ganz ausschöpfen sollten, könnten Drohungen mit dem Einsatz von Kernwaffen im Verein mit sich gegenseitig verstärkenden Mißverständnissen zu einem
ständig wiederkehrenden Charakteristikum lokaler Konflikte in allen Teilen der
Erde werden.

Es bestünde dann die steigende Gefahr von Zwischenfällen, Er-

pressungsversuchen, Diebstahl und nuklearem Terrorismus.
Sofern sich die derzeitigen Entwicklungstendenzen nicht rasch ändern,
wird die Wahrscheinlichkeit der Vernichtung durch Kernwaffen in den künftigen
Jahren stetig wachsen.
Wir müssen uns erst einmal um die Wurzeln des Problems kümmern:
- Seit der Energiekrise von 1973 und der drastischen Anhebung der ölpreise
erblicken sowohl die Industrie- als auch die Entwicklungsländer in der Nuklearenergie ein Mittel zur Senkung der Strompreise und zur Verminderung der Abhängigkeit von Einfuhröl.
- In
- 23 -

�- In einem Zeitalter des wachsenden Nationalismus sehen manche den Erwerb und die Nutzung der Kernenergie als Symbol eines gesteigerten nationalen
Prestiges an.

Und es ist klar, daß manche Nationen angesichts der Beherrschung

der friedlichen Technologie auch den Wunsch empfinden können, sich für die Zukunft die Option zum Erwerb von Kernwaffen offen zu halten.
Erwirbt ein Land das Potential zur Schaffung von Kernwaffenkapazitäten,
muß es die Folgen seines Handelns tragen:

Es löst damit zwangsläufig kompen-

satorische Maßnahmen seitens seiner Nachbarn und damit eine weitere Proliferation aus und beschleunigt auf diese Weise einen Prozeß, der letztlich seine
eigene Sicherheit untergräbt.

Es ist wenig einfallsreich, nukleare Anlagen,

die offenkundig massiver militärischer Zerstörungen fähig sind, als "friedlich"
ausgeben zu wollen.

Die Errichtung von Kernreaktoren und von Brennstoffaufbe-

reitungskapazitäten, vor allem bei Fehlen offensichtlicher wirtschaftlicher Notwendigkeiten und in Verbindung mit ehrgeizigen und mehrdeutigen politischen
und militärischen Motiven,droht eine Profileration von Kernwaffen und alle
damit einhergehenden Gefahren heraufzubeschwören.
Die Zeitfrage spielt hier eine wichtige Rolle.

Auf keinem Gebiet von

internationalem Belang hängt die Zukunft dieses Planeten so unmittelbar von
dem ab, was die derzeitige Generation tut - oder zu tun verabsäumt.

Wir

müssen deshalb an drei Fronten zugleich vorangehen:
Erstens müssen wir die internationalen Sicherheitsvorkehrungen verstärken
und für deren strenge Einhaltung sorgen. Die Belieferung mit Kernmaterialien,
die für zivile Kernenergieprogramme benötigt werden, und deren Verwendung müssen sorgfältigen Kontrollen unterstellt werden, damit sie nicht umgangen
werden können.
Die Lieferstaaten von Kernmaterialien müssen sich selbst größte Zurückhaltung auferlegen und dürfen es nicht zulassen, daß die Versuchung in Gestalt
kommerzieller Vorteile gegenüber den Risiken der Proliferation die Oberhand
gewinnt.

Die physische Sicherheit von Kernmaterialien - ob im Gebrauch, auf_
- 24 -

�auf Vorratslager oder im Transfer - muß verbessert werden.

Die Internatio-

nale Atomenergiebehörde (IAEA) muß die volle Unterstützung aller Länder in
dem Bemühen erhalten, diese Sicherheitsvorkehrungen wirksam, verläßlich und
universal anwendbar zu machen.

Jedes Land, das gegen die Sicherheitsvorschrif-

ten der IAEA verstößt, muß unmittelbarer und drastischer Strafen gewärtig sein.
Zweitens, die Befolgung der Sicherheitsvorschriften, wiewohl von größter
Wichtigkeit, bietet keinen sicheren Schutz vor künftigen Proliferationen. Wir
müssen in unseren Bemühungen fortfahren, internationale Vorkehrungen gegen den
Erwerb oder die Weitergabe von Aufbereitungsanlagen zu treffen, die Plutonium
getrennt darzustellen vermögen, und auch von Anreicherungsanlagen, die stark
angereichertes Uran zu erzeugen geeignet sind - weil beide für den Bau von
Kernwaffen verwendet werden können.
Drittens müssen wir anerkennen, daß einer der Hauptanreize für das Streben
nach dem Besitz waffenfähiger Aufbereitungs- und Anreicherungstechnologien die
Angst ist, daß entscheidende nicht-waffenfähige Materialien, insbesondere reaktorverwendungsfähige Uranbrennstoffe, nicht garantiert jederzeit verfügbar
sein werden.

Länder, die ihr internationales Verantwortungsbewußtsein durch

Annahme wirksamer Beschränkungen unter Beweis stellen, haben ein Recht, eine
verläßliche Belieferung mit friedlichen Kernreaktoren und den zugehörigen nichtwaffenfähigen Brennstoffen zu wirtschaftlich vertretbaren Preisen zu erwarten.
Die Vereinigten Staaten sind als einer der Hauptlieferanten dieser Dinge bereit, in dieser Hinsicht verantwortungsbewußt zu verfahren.
In naher Zukunft wird Präsident Ford ein umfassendes Programm für ein
internationales Vorgehen im Hinblick auf die Nicht-Proliferation verkünden,
das die weltweite Forderung nach einer garantierten Versorgung mit Kernmaterialien mit den weltweiten Erfordernissen nuklearer Kontrollen in Einklang
bringen soll.

Wir nehmen zu der Problematik der Proliferation auch weiterhin

eine Haltung ein, die auf der Anerkennung der Verantwortlichkeit basiert, die
wir und die anderen Nuklearmächte tragen - sowohl hinsichtlich der Begrenzung
unserer eigenen Waffenarsenale als auch hinsichtlich der Gewähr, daß die Segnungen der friedlichen Nutzung der Kernenergie allen Ländern innerhalb eines
- 25 -

�eines gemeinsamen Rahmens wirksamer internationaler Sicherheitsvorkehrungen
zugute kommen.

Auf diese Art und Weise kann das Atom einmal mehr als ein Se-

gen und nicht als Bedrohung für die Menschheit angesehen werden.
Eine weitere Frage von umfassenden weltweiten Konsequenzen ist das Seerecht.

Die Verhandlungen,die gerade erst in New York vertagt worden sind,

stellen ein

vielschichtiges und ehrgeiziges diplomatisches Unterfangen dar

- eines der wichtigsten der gesamten Geschichte.

Man braucht nur zu überle-

gen, um was es hier geht:
- Die Menschheit versucht eine internationale Regelung zu treffen, die
nahezu dreiviertel der Erdoberfläche angeht.
- Rund 150 Länder nehmen an diesem Unterfangen teil, die die unterschiedlichsten nationalen Perspektiven, Ideologien und praktischen Sorgen der Länder
dieser Erde vertreten.
von betroffen:

Ein umfassender Bereich von Lebensinteressen ist hier-"

die wirtschaftliche Entwicklung, die militärische Sicherheit,

die Freiheit der Meere, entscheidend wichtige und im Schwinden begriffene Nah-"
rungsmittelquellen, die anfällige Ökologie der Meere, die Meeresforschung und
ein ungeheures Potential

an Mineral schätzen.

- Die Weltgemeinschaft ist bemüht, wichtige neue internationale juristische Prinzipien aufzustellen: die Ausweitung der vor langer Zeit festgesetzten Hoheitsgewässer, die Schaffung völlig neu konzipierter, 200 Meilen
breiter Wirtschaftszonen und die Anerkennung des Tiefseebettes als "gemeinsames
Erbe der Menschheit".
Wir sind in diesen Verhandlungen in den letzten Jahren ein außerordentliches Stück vorangekommen - nicht zuletzt dank des Geschicks und der Hingabebereitschaft des hervorragenden Präsidenten dieser Versammlung.

Es besteht

bereits Übereinstimmung hinsichtlich gewisser Schlüsselkonzeptionen: Ausweitung
der Hoheitsgewässer auf 12 Meilen; ungehinderte Durchfahrt über und unter
Wasser durch die Meerengen; eine 200 Meilen breite Wirtschaftszone und wichtige Kontrollen zur Verhütung von Verschmutzung.
- 26 -

Auf vielen Gebieten haben

�haben wir ideologische Debatten durch ernste Anstrengungen zu ersetzen vermocht, konkrete Lösungen zu treffen.

Und es herrscht wachsende Übereinstim-

mung darüber, daß die anstehenden Probleme auf der nächsten Sitzung gelöst
werden müssen.
Dennoch besteht kein Grund zur Selbstgefälligkeit.

Wichtige Fragen

stehen noch offen, die, sofern sie nicht geregelt werden, Anlaß dazu geben
könnten, den unter großen Mühen erzielten Fortschritt wieder zu verspielen.
Die Seerechtkonferenz muß sich erst noch auf den Ausgleich zwischen den Rechten des Küstenstaates und dem internationalen Recht innerhalb der Wirtschaftszone einigen; auf die Freiheit der wissenschaftlichen Meeresforschung; auf
einen Mechanismus zur Bereinigung von Streitfragen und, was noch entscheidender
ist, auf eine Regelung betreffend der Ausbeutung der Tiefseeböden.
Die Vereinigten Staaten haben wichtige Vorschläge zur Lösung der Frage
der Tiefseeböden gemacht. Wir haben dem Gedanken zugestimmt, die Tiefseeböden
als ein gemeinsames Erbe der gesamten Menschheit anzusehen.

Wir haben ein

duales System für die Ausbeutung der in den Tiefseeböden lagernden Mineralien
vorgeschlagen, demzufolge die Hälfte der Tiefsee-Lagerstätten einer internationalen Behörde zugesprochen werden soll, während die andere Hälfte von einzelnen
Ländern und deren Staatsangehörigen auf der Basis ihrer technischen Fähigkeiten
erschlossen werden könnte.

Wir haben das Angebot gestellt, Finanzierungsmög-

lichkeiten aufzuzeigen und die Technologie bereitzustellen, die notwendig ist,
einen internationalen Abbau in der Praxis zu verwirklichen.

Und im Licht der

vielen Unsicherheiten, die vor uns liegen, schlugen wir ferner vor, daß eine
Revision beispielsweise in 25 Jahren zulässig sein solle, um festzustellen,
ob

.ie Bestimmungen über den Abbau auf den Tiefseeböden in der Praxis gerecht

gehandhabt werden.
In Erwiderung hierauf haben einige Nationen sowohl ihre Forderungen als
auch die Streitbarkeit verstärkt, mit der sie diese vertreten.
Ich muß hier in aller Deutlichkeit erklären, daß es Grenzen gibt, über
die hinauszugehen keine amerikanische Administration je bereit oder fähig sein
- 27 -

�sein wird.

Sollte man Konzessionen erzwingen wollen, die jenseits dieser

Grenzen liegen, wird es zwangsläufig zu einseitigen Maßnahmen kommen.
die in voraussehbarer Zukunft keinerlei technologische

Länder,

Kapazitäten zum Ab-

bau von Mineralien auf dem Tiefseeboden besitzen werden, sollten nicht darauf
aus sein, jenen Nationen, die allein über solche Kapazitäten verfügen und
die aus freien Stücken angeboten haben, sich in diesen mit anderen zu teilen,
die Doktrin einer völligen Internationalisierung aufzuzwingen.

Die Vereinigten

Staaten haben ein Interesse an der progressiven Entwicklung des internationalen
Rechts,an einer stabilen Ordnung und an weltweiter Zusammenarbeit.

Wir sind

bereit, hierfür Opfer zu bringen - sie können aber nicht über die Grenzen dessen
hinausgehen, was recht und billig ist.
Deshalb sollten wir taktische Verzögerungsmaßnahmen und Pressionen aufgeben und stattdessen den Weg der Zusammenarbeit beschreiten.

Wenn wir den

Weitblick aufbringen, einen Vertrag zu schließen, der von der ganzen Menschheit als fair und gerecht empfunden wird, dann kommt unseren Bemühungen tiefe
Bedeutung zu: nicht nur für den Meereshaushalt, sondern auch für die Bemühungen
um den Aufbau einer friedlichen, kooperationsbereiten und prosperierenden
Völkergemeinschaft.

Die Vereinigten Staaten werden die Konferenzpause dazu

nutzen, ihre Position erneut zu überprüfen und rechtzeitig vor der nächsten
Sitzung auf politischer Ebene Fühlung mit anderen Nationen aufnehmen, um die
bestmöglichen Vorbedingungen für einen erfolgreichen Abschluß der Konferenz zu
schaffen.
Eine Generation, die vom Weltfrieden und vom wirtschaftlichen Fortschritt
träumt, wird geplagt durch eine neue brutale, feige und blindwütige Form der
Gewalt - durch den internationalen TerrOrismus. Kleine Gruppe von Menschen
haben die Normen des zivilisierten Verhaltens zurückgewiesen und in brutaler
Weise das Leben von schütz- und wehrlosen Männern, Frauen und Kindern genommen - von unschuldigen Opfern, in deren Macht es nicht stand, den Ablauf der
Ereignisse zu beeinflussen. In dem Jahr, seit ich zuletzt vor diesem Gremium
sprach, hat es elf Flugzeugentführungen, 19 Personenentführungen, 42 bewaffnete
Angriffe und 112 Bombenattentate gegeben, die durch internationale Terroristen
ausgeführt wurden, über 70 Menschen haben ihr Leben verloren und über 200
- 28 -

�200 wurden verletzt.
Es ist an der Zeit, daß diese Organisation der Welt erklärt, daß die
heimtückische Ermordung sowie der Mißbrauch unschuldiger Menschen nicht
durch die Berufung auf hehre Motive gerechtfertigt oder entschuldigt werden
kann.

Verbrecherische Maßnahmen gegen die Menschlichkeit, welches Ziel auch

immer dafür angegeben werden mag, können von keiner zivilisierten Nation entschuldigt werden.
Dieser Bedrohung durch den Terrorismus sollte mit Hilfe der kooperativen
Anstrengung aller Länder begegnet werden. Es müssen jetzt strengere Maßnahmen
ergriffen werden,um den Flugzeugentführern und den Terroristen eine sichere
Zuflucht zu verwehren. Zusätzliche Maßnahmen sind erforderlich, um den Passagieren sowohl in den Durchgangs- wie in den Endflughäfen als auch während des
Fluges Schutz zu gewähren.
Die Vereinigten Staaten werden sich innerhalb der internationalen Zivilluftfahrtsorganisation (ICAO) bemühen, ihre gegenwärtige technische Unterstützung so auszuweiten, daß sie die Sicherheit der Flugzeuge und der Einrichtungen
am Endflughafen einschließen. Wir fordern die weltweite Verwirklichung der
Luftsicherheitsnormen, die die ICAO angenommen hat. Wir sind bereit, die Bemühungen anderer Regierungen um die Verwirklichung dieser Normen zu unterstüzen.
Die Vereinigten Staaten werden neue Initiativen unterstützen, die die
Sicherheit des Unschuldigen garantieren sollen. Der Vorschlag des hochverehrten Außenministers der Bundesrepublik Deutschland, Maßnahmen gegen die
Geiselnahme zu ergreifen, verdient die ernsthafteste und wohlwollendste Beachtung dieser Vollversammlung.
Die Vereinigten Staaten werden alles in ihrer Kraft stehende tun, um
in den Vereinten Nationen und anderen internationalen Gremien in Zusammenarbeit mit anderen darauf hinzuwirken, daß der Geißel des Terrorismus ein Ende
gesetzt wird.

Aber wir haben auch die Verpflichtung, das Leben unserer Bürger
- 29 -

�Bürger zu schützen, wenn sie hier im Inland oder im Ausland reisen, und wir
beabsichtigen voll und ganz dieser Verpflichtung nachzukommen.

Wenn deshalb

multilaterale Anstrengungen durch diejenigen behindert werden, die ihre Zielsetzung ohne Rücksicht auf Leiden oder Tod verfolgen, werden die Vereinigten
Staaten im Rahmen ihrer eigenen legislativen Verfahren und in Obereinstimmung
mit anderen handeln, die willens sind, sich uns anzuschließen.
Der Terrorismus ist ein internationales Problem.

Es ist einfach undenk-

bar, daß eine Organisation der Nationen der Welt keine wirksamen Maßnahmen
dagegen treffen wird.
Der letzte Maßstab für all unser gemeinsames Tun, ist selbstverständlich
der Mensch selbst.

Unsere gemeinsamen Anstrengungen, um die Rechte des Men-

schen zu definieren, zu wahren und ihre Respektierung zu fördern, stellen somit eine letztliche Probe der internationalen Zusammenarbeit dar.
Wir Amerikaner sind uns im Jahr unseres 200jährigen Bestehens unserer
Traditionen bewußt und stolz auf sie. Unsere Gründerväter schrieben vor 200
Jahren von der Gleichheit und den unveräußerlichen Rechten aller Menschen.
Seither sind die Ideale der Freiheit und der Demokratie zu universellen und
unzerstörbaren Zielen der Menschheit geworden.
Aber die einfache Wahrheit - eine Wahrheit von tragischen Proportionen ist, daß die Menschenrechte in weitesten Teilen des Erdballs gefährdet sind.
Willkürliche Verhaftung, Verweigerung der fundamentalen Verfahrensrechte,
Sklavenarbeit, Unterdrückung der Religionsfreiheit, rassische Ungerechtigkeit,
politische Unterdrückung, Anwendung von Folter und Behinderungen der Kommunikation und des Ausdrucks - diese Mißbräuche sind nur allzu vorherrschend.
Die Leistungen des Systems der Vereinten Nationen beim Schutz der Menschenrechte haben bei weitem nicht das erbracht, was man im Blick hatte, als diese
Organisation gegründet wurde.
klar genug.

Die Prinzipien der weltweiten Deklaration sind

Aber ihre Heranziehung und Anwendung in den allgemeinen Debatten

dieses Gremiums sowie in den Foren der Menschenrechtskommission sind durch
- 30 -

�durch Heuchelei, DoppeTdeutigkeit und Diskriminierung beeinträchtigt worden.
Die flagrante und ständige Vorenthaltung der Menschenrechte ist in dem einen
Land oder dem einen sozialen System nicht weniger abscheulich als in einem
anderen.

Auch ist sie nicht akzeptabler, wenn sie unter den Mitgliedern der-

selben Rasse praktiziert wird, als wenn die eine Rasse sie einer anderen zufügt.
Die internationale Völkergemeinschaft hat eine einzigartige Aufgabe.
Die Anwendung der Prinzipien und Normen der weltweiten Menschenrechtserklärung sollte gerechten und fähigen internationalen Gremien übertragen werden.
Aber lassen Sie uns gleichzeitig sicherstellen, daß diese Gremien nicht zu
Plattformen werden, von denen aus Nationen, die die schlimmsten Missetäter
sind, heuchlerische Urteile über die angeblichen Fehler anderer abgeben.
Lassen Sie uns gemeinsam nach praktischen Methoden suchen:
- um auf den in früheren Vollversammlungen und von der Menschenrechtskommission gelegten Grundlagen aufzubauen, damit die verabscheuungswürdige
Praxis offiziell sanktionierter Folterungen eingeschränkt wird;
- um die Annahme von Verfahren zum Schutz der Rechte von Inhaftierten
zu fördern, wie den Zugang zu Gerichtshöfen, Rechtsbeistände und den Besuch
von Familienangehörigen, eine eventuelle sofortige Freilassung oder ein gerechtes öffentliches Verfahren;
- um die Arbeitsverfahren internationaler,mit den Menschenrechten befaßter Gremien zu fördern, damit sie in fairer und wirksamer Weise Anwendung
finden;
- um die Fähigkeit der Vereinten Nationen zu stärken, sich mit den tragischen Problemen der immer größer werdenden Zahl der Flüchtlinge zu befassen,
denen die Menschenrechte durch Kriege und Konflikte in fast jedem Kontinent
genommen worden sind.
Die
- 31 -

�Die Vereinigten Staaten bekräftigen ihre energische Unterstützung dieser
Bemühungen.

Schlußbemerkung:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, hochverehrte Delegierte:
Die Herausforderung an das staatsmännische Verhalten dieser Generation
besteht darin, von der Bewältigung von Krisen zum Aufbau einer stabileren und
gerechteren internationalen Ordnung vorzudringen - einer Ordnung, die sich
nicht auf die Macht, sondern auf die Zurückhaltung von Macht stützt, nicht auf
die Stärke von Waffen, sondern auf die Stärke des menschlichen Geistes.
Globale Kräfte des Wandels formen jetzt unsere Zukunft. Es bieten sich
zwei Wege für das Zustandekommen einer Ordnung: entweder sie wird durch die
Starken und Rücksichtslosen aufgezwungen oder aber durch den klugen und weitblickenden Einsatz internationaler Institutionen herbeigeführt, durch die
die Sphäre der gemeinsamen Interessen vergrößert und der Gemeinschaftssinn gefördert werden.
Es ist einfach und verlockend, rücksichtslos auf nationale Vorteile zu
drängen. Es ist unendlich viel schwieriger, in Anerkennung und Respektierung
der Rechte anderer zu handeln.
Im Laufe der Geschichte ist die Größe von Menschen und Nationen in Zeiten
aktiver Gefahr an deren Taten gemessen worden.
die bewältigt werden müßte.

Heute gibt es keine Einzelkrise,

Stattdessen gibt es eine ständige Herausforderung

von beunruhigender Komplexität: die Notwendigkeit, eine universelle Gemeinschaft
zu schaffen, die sich auf Zusammenarbeit, Frieden und Gerechtigkeit stützt.
Wenn wir schwanken, dann werden zukünftige Generationen für unser Ver-

- 32 -

�Versagen den Preis zahlen müssen.

Wenn wir jedoch Erfolg haben, dann haben

wir uns den Hoffnungen der Menschheit würdig erwiesen.
Ich bin überzeugt, daß wir Erfolg haben können.
Und es ist hier, in der Vollversammlung der Nationen, wo wir beginnen
sollten.

- 33 -

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18/1976

ANTARKTISFORSCHUNG 1976/77
Schwerpunktprogramme der USA: Ross-Eisschelf und Trockentäler

- (AD) - Einen Vorstoß in die ewige Nacht des Ross-Meeres unter der
420 m mächtigen Schelfeisdecke will eine internationale Wissenschaftlergruppe
während der Forschungssaison 1976/77 in der Antarktis unternehmen.

Wie die

amerikanische Nationale Wissenschaftsstiftung (NSF) bekanntgab, sollen unter
der Leitung von Prof. John W. Clough (Geophysiker an der Universität Nebraska)
das Schelfeis durchbohrt, meereskundliche Untersuchungen in verschiedenen
Wasserschichten des darunter liegenden 250 m tiefen Ross-Meeres vorgenommen
sowie Bohrproben aus dem Meeresboden geholt werden.
Aus den Bohrkernen von der Oberfläche bis zum Grund des Eispanzers über
dem Rossmeer, der mit 516 000 qkm Ausdehnung ungefähr der Größe Spaniens entspricht, hoffen die Wissenschaftler das Alter des Eises bestimmen sowie seine
Geschichte rekonstruieren zu können. Man möchte z.B. wissen, welche Gase und
Asche- bzw. Staubteilchen es als Einschlüsse enthält, wie dick die einzelnen
Schichten sind, worin sie sich voneinander unterscheiden. Dies wiederum läßt
zahlreiche Rückschlüsse auf Klimaveränderungen, geophysikalische und geologische
Prozesse in der jüngeren Geschichte, d.h. in den letzten paar Millionen Jahren
nicht nur in der Region der Antarktis, sondern auch auf der ganzen Erde zu.
Parallel

�Parallel zum Projekt RISP (Ross Ice Shelf Project) läuft ein Teil des
1973 begonnenen Projektes RIGGS (Ross Ice Shelf Geological and Glaciological
Survey) weiter, mit dem vor allem die Schelfeisdicke in dem Dreieck zwischen
Marie Byrd-Land, Transantarktik-Gebirge und dem freien Rossmeer, die Tiefe des
Wassers unter dem Schelfeis und die Tonographie des Meeresbeckens bestimmt
wurden.

Ziel der Untersuchungen war u.a., Anhaltspunkte für die Perioden und

Größenordnungen

der Zunahme und Verringerung der gesamten Eismasse der Ant-

arktis zu uekommen.

Die Kenntnis des "Verhaltens" der Antarktis-Eisdecke ist

deshalb wichtig, weil davon das Klima und die Höhe des Meeresspiegels auf der
ganzen Erde beeinflußt werden.

Eine Anzahl von Wissenschaftlern vertritt die

Meinung, daß sich das Antarktiseis in einer Abbauphase befinde.
Einer der wesentlichen Punkte des RISP-Programms sind jedoch biologische
Untersuchungen. Denn es wäre durchaus denkbar, daß selbst in dem kalten Wasser
unter dem Schelfeis, zu dem seit Jahrmillionen kein Lichtstrahl vordringen
konnte, Lebewesen existieren. Sie aufzufinden wäre von besonderem wissenschaftlichen Interesse, da bei ihnen ja biologische Prozesse im Spiel sein müßten,
die in ewiger und völliger Dunkelheit ablaufen. "Vielleicht entdecken wir auch
bisher unbekannte Wechselwirkungen zwischen Organismen", meint Dr. Clough. In
der Isolation könnten sich Lebensformen entwickelt haben, bei denen beispielsweise für den Prozeß der Photosynthese Licht benutzt wird, das Leuchtbakterien
oder andere, mit Leuchtorganen ausgestattete Lebewesen abgeben. "Es gibt kaum
einen Bereich in der irdischen Biosphäre", so Dr. Clough, "der sich in bezug
auf Isolation und Eigenart mit dem Ross-Eisschelf messen kann - nicht einmal
Tiefseegräben oder unterirdische Höhlen."
Man will herausfinden, inwieweit und in welcher Weise Wechselwirkungen
zwischen biologischer Aktivität unter dem Schelfeis mit biologischer Aktivität
in den freien Regionen des angrenzenden Ross-Meeres und Pazifischen Ozeans bestehen.
Die RISP-Forschergruppe wird außerdem zu klären versuchen, ob und inwieweit durch Untersuchungen am Schelfeis selbst, an den darunter liegenden
- 2 -

�liegenden Wassermassen und den pflanzlichen und tierischen Populationen Umfang und Wirkungsweisen der weltweiten Umweltverschmutzung besser zu erkennen
und zu verstehen sind.

Vom Wasser unter dem Ross-Eisschelf werden Temperatur-

und Tiefenprofile sowie die chemischen Merkmale der einzelnen Wasserschichten
bestimmt.

Auch die Strömungsverhältnisse unter dem Eis werden untersucht,

ebenso Dicke und Art der Ablagerungen am Meeresboden.

Letztere können u.a.

Aufschluß über geologische Strukturen in dieser Region der Erde geben.
An der RISP-Station, die jetzt nach dreijähriger Vorbereitung ca. 780 km
südöstlich der großen US-Forschungsbasis McMurdo eingerichtet wird, sollen
drei Bohrungen im Eis niedergebracht werden. Die erste dringt bis in 300 m
Tiefe vor. Das Eis wird schichtweise geschmolzen, das Alter des Schmelzwassers
und der freigesetzten Gase durch Radioisotope bestimmt. Dann wird das Schmelzwasser zur Oberfläche gepumpt, um feste Einschlüsse auszufiltern und zu analysieren.
Durch die zweite Bohrung gewinnt man Bohrkerne von 5 und 7,5 cm Durchmesser von der Oberfläche bis zum Grund des 420 m dicken Eispanzers. Die Eisproben gehen nach einer ersten Untersuchung auf Aussehen und einige physikalische Merkmale in Kühlbehältern an die Staatsuniversität New York, von wo aus
sie an Forschungsinstitute für detaillierte Analysen weiterversandt werden.
Die dritte Bohrung (Durchmesser 30 cm) öffnet den Wissenschaftlern den Zugang
zum Wasser unter dem Ross-Eisschelf und zum Meeresboden, aus dem man Bohrkerne
bis zu 30 m Tiefe zu gewinnen hofft.
Für das Vorhaben wurden Spezialbohrausrüstungen entwickelt.

Die Bohrungen

laufen Tag und Nacht unter einem Schutzbau, damit Stürme, Kälte und Schnee nicht
zu einer Unterbrechung der Arbeit zwingen können.

Für die Wissenschaftler sind

feste Quartiere errichtet. Mit Hilfe eines Wärmeaustausches wird das 30-cmBohrloch offengehalten, um den Zugang zum Wasser unter der 420 m dicken Eisdecke zu sichern.
Wenn alles nach Plan verläuft, wird am 14. Dezember eine UnterwasserFernsehkamera hinabgelassen, um zum ersten Mal die Unterseite des Eises und
- 3 -

�und den Meeresboden zu inspizieren.

Die zwei Objektive der Kamera ermöglichen

Aufnahmen nach unten und nach der Seite.
Wasser ca. 9 m betragen.

Die Sichtweite wird bei klarem

Mit Netzen, Fallen und mit Ködern besetzten Leinen

hofft man, Lebensformen in dieser geheimnisvollen Welt unter dem Eis auf die
Spur zu kommen.

Einige der Wissenschaftler werden vier Monate an der RISP-

Station ausharren.

Nach einer achtmonatigen Winterpause sollen die Unter-

suchungen 1977/78 fortgesetzt werden.
Angesichts der Bedeutung des RISP-Projekts (eines von 85 Projekten im
diesjährigen Antarktis-Forschungsprogramm der Vereinigten Staaten) haben bereits während der Planungsphase Wissenschaftler anderer Länder großes Interesse daran bekundet.

Jetzt nehmen neben Amerikanern Forscher aus Australien,

der Bundesrepublik Deutschland, Dänemark, England, Japan, Neuseeland, Norwegen,
der Sowjetunion und der Schweiz daran teil.

Eis- und schneefreie Trockentäler
Was die sogenannten Trockentäler im südlichen Victoria-Land, einem Teil
des Transantarktik-Gebirges nahe der US-Station an der McMurdo-Bucht, eisund schneefrei hält, ist noch nicht geklärt. Die Analysen der Bohrkerne, die
amerikanische Forscher im Verlauf der letzten vier Jahre gemeinsam mit Kollegen
aus Japan und Neuseeland aus dem Boden geholt haben,sind erst jetzt voll angelaufen. Die Ergebnisse werden Mitte 1978 anläßlich eines Seminars in Japan
bekanntgegeben. In der diesjährigen Forschungssaison werden die Bohrlöcher
benutzt, um den Wärmefluß im Boden und die Ausbreitungsgeschwindigkeit seismischer Wellen zu studieren.
Eine weitere amerikanische Forschergruppe von der Universität Nebraska
hat bereits damit begonnen, vulkanisches Gestein im Gebiet der Trockentäler
kartographisch zu erfassen, seine Herkunft zu bestimmen und die Radioaktivität
der Gesteine im Hinblick auf Uran- und Thoriumvorkommen zu messen. Geologen
des Geologischen Bundesamtes der USA befassen sich damit, die sogenannte Dufek-

�Dufek-Intrusion zu bestimmen.

Dabei handelt es sich um Intrusivgestein

aus dem Schmelzfluß von ausgequollenem und erstarrtem Magma, aus dem die
Nordhälfte des Pensocola-Gebirges (am Südende des Ronne-Eisschelfs am
Weddell-Meer) besteht und das sich unter den Eismassen angrenzender Gebiete
fortsetzt.

Die Geologen sind daran interessiert, Anhaltspunkte für die Vor-

gänge zu bekommen, die zur Einlagerung der Intrusivmassen in das Erdkrustengestein führten.
Auf den Gebieten Meteorologie, Atmosphären- und Weltraumforschung, Biologie und Meeresforschung werden z.T. bereits früher begonnene Projekte weitergeführt. Ein Forschungsinstitut aus Reno (Nevada) entsendet eine Gruppe von
vier Wissenschaftlern zur Palmer-Station auf der den Orkney-Inseln gegenüberliegenden Antarktischen Halbinsel, wo eine Wetter-Radarstation installiert
wird. Sie arbeitet mit 3 cm-Wellen, so daß beispielsweise Schnee- und Eiskristalle in der Luft und See-Eis beobachtet werden können.
Die Halbinsel gilt als eine Region mit starken Wechselwirkungen zwischen
großen Gebieten offenen Wassers und kalten, darüberstreichenden Luftmassen,
die sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen. Das Projekt ist Teil des Versuchs, ein
weltweites meteorologisches Beoabachtungsnetz zu schaffen, bei dem auch Methoden der Fernerkundung eingesetzt werden. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist jedoch die Entwicklung zuverlässiger Verfahren für die Datengewinnung
und die Koordinierung sämtlicher Beobachtungsprogramme. Die Anwendung eines
solchen Programms hätte nicht nur für die Beobachtung der Eisbewegungen in den
Meeren um die Antarktis, sondern auch für kurzfristige Wettervorhersagen und
möglicherweise auch langfristige Klima-Voraussagen Bedeutung. Später wird
die Arbeit dieser Radarstation auf die Beobachtung von Zugvögeln ausgedehnt.

+ + + + +

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18/1976

"ENTERPRISE" - DEBÜT DES US-RAUMTRANSPORTERS

- (AD) - Die amerikanische Öffentlichkeit hatte zum ersten Mal Gelegenheit, das erste Orbiter-Gerä't des Raumtransporters
Werksgelände der "Rockwell International Space

zu besichtigen.

Auf dem

Divison" in Palmdale (Kalifor-

nien) wurde der in schwarz, grau und weiß gehaltene Flugkörper am 17. September
1976 aus der Halle gerollt.

In Anwesenheit von NASA-Chef Dr. James C. Fletcher,

Mitgliedern des US-Kongresses und prominenten Vertretern von Industrie und
Wirtschaft wurde das Raumschiff auf den Namen "ENTERPRISE" getauft.
Es ist das Modell Nr. 101, mit dem die ersten Testserien und Probeflüge
durchgeführt werden.
ten.

Erst das zweite Gerät wird in eine Erdumlaufbahn eintre-

Es soll im Jahr 1980 das bei ERNO in Bremen unter Beteiligung von 10 euro-

päischen Ländern gebaute Raumlabor ("SPACELAB") in einen niedrigen Erdorbit
bringen.

Dieses Unternehmen wird eine Ära einleiten, in der Projekte der be-

mannten Raumfahrt zur Routinesache werden und der Erfüllung zahlreicher wissenschaftlicher und industriell-technischer Aufgaben dienen.
Das Raumschiff ENTERPRISE startet senkrecht mit zwei riesigen Feststoffraketen, die nach dem Brennschluß abgeworfen und zur Wiederverwendung geborgen
werden.

Die drei eigenen, mit flüssigem Treibstoff arbeitenden Haupttriebwerke

des Orbiter beschleunigen das Gerät weiter, bis es Kreisbahngeschwindigkeit er- l -

�erreicht und in den Erdorbit in ca. 185 km Höhe eintreten kann. Auch der 50 m
lange Flüssigtreibstoff-Tank wird abgeworfen.

Der flugzeugähnliche Orbiter

kann mit vier Mann Besatzung und zwei bis vier Wissenschaftler-Passagieren bis
zu 30 Tagen in der Umlaufbahn bleiben.
ENTERPRISE ist mit 37,19 m Länge etwa so groß wie eine DC-9. Sie ist
mit Delta-Tragflächen ausgerüstet, deren Spannweite im Heckbereich 23,8 m beträgt.

Bei der Rückkehr zur Erde vermag sich der Orbiter in der allerletzten

Phase des Durchgangs durch die Atmosphäre wie ein antriebsloses Flugzeug der
Landebahn zu nähern.

Er kann mehrfach wiederverwendet werden, was gegenüber

allen bisherigen bemannten Raumfahrtunternehmen - noch dazu im Hinblick auf die
hohe Nutzlastkapazität von ca. 27 Tonnen - erhebliche Kosteneinsparungen bedeutet.
Die systematische "Vereinfachung" und Arbeitsteilung bei den Flugaufgaben war eine Voraussetzung dafür, daß beispielsweise europäische Wissenschaft-"
ler an solchen Flügen teilnehmen und im SPACELAB, einer 18 m langen, mehrfach
unterteilten Druckzelle, eigene Forschungsprojekte durchführen können.

Die

beiden Hauptsegmente der ENTERPRISE sind der doppelstöckige Kabinenteil und der
sich anschließende 365 cbm große Nutzlastraum, der sowohl für die Aufnahme des
SPACELAB als auch für andere Nutzlasten, z.B. offene Instrumenten-Arrangements,
während der Operationen im Erdorbit, verwendbar ist. Dadurch ist es möglich,
Satelliten zu transportieren, die im Weltraum abgesetzt oder eingeholt werden
sollen, Reparatur- und Montagegerät für die Wartung von Erdsatelliten mitzunehmen und große Forschungsapparaturen außerhalb der Druckzeilen in Betrieb zu
halten.
Im Oberdeck des Cockpits (Rauminhalt: 71,7 cbm) befinden sich die Steuerungs- und Überwachungsinstrumente für die Bordsysteme, im Unterdeck die Aufenthalts-, Schlaf- und Arbeitsräume für Besatzung und Wissenschaftler-Passagiere.

Letztere werden sich vor allem mit Aufgaben aus den Gebieten Astronomie,

Astrophysik, Sonnenforschung, Biologie und Medizin, Werkstofftechnik und Fernerkundung der Erde befassen.
Die

�Die NASA hat inzwischen Wissenschaftler in aller Welt aufgefordert, Vorschläge zu Experimenten für spätere Orbiter-Missionen einzureichen.

Im Ge-

gensatz zum ersten Einsatz wird dann keine Druckkabine benutzt, sondern die
Instrumente sind auf Paletten montiert und dem Weltraumvakuum direkt ausgesetzt.

Sie werden vom Cockpit aus kontrolliert und ferngesteuert.

Die kana-

dische Regierung läßt bereits ein Manipulatorsystem bauen, mit dem Ausrüstungen
und Transportgüter bewegt oder versetzt werden können.
Die Erprobung des jetzt vorgestellten Modells 101 der ENTERPRISE soll im
Januar 1977 beginnen. Im April unternimmt der Orbiter (unbemannt) den ersten
Huckepack-Flug auf einer Boing 747. Nach 15 solcher Testflüge, die bis Ende
Juni 1977 abgeschlossen sein sollen, gehen erstmals Astronauten an Bord, um
weitere Huckepack-Flüge im Cockpit des Orbiters zu absolvieren. Für Juli 1977
ist der erste freie Flug geplant - d.h., die ENTERPRISE wird in 8400 m Höhe nahe
der Landebahn von der Boing 747 gelöst, macht eine U-Kehre und führt das Landemanöver selbständig durch.
Der erste Start in den Weltraum ist mit Modell Nr. 2 für März 1979 vorgesehen.

Nach

sechs weiteren Testflügen des Orbiters wird der Raumtransporter

1980 einsatzbereit sein.

Die ersten Piloten kommen aus dem Team der AP0LL0-

Astronauten (im Johnson-Raumflugzentrum in Houston, Texas, sind derzeit noch 28
Astronauten stationiert); die NASA hat jedoch inzwischen mit der Auswahl von
15 weiteren Piloten sowie von 15 Nutzlast-Spezialisten begonnen.

Interessenten

- auch Frauen sind zugelassen - können ihre Bewerbungen bis zum 30. Juni 1977
einreichen.

+ + + + +

�</text>
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                <text>Amerikadienst 06.10.1976</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede von Außenminister Kissinger am 30. September 1976 vor der UN-Vollversammlung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Antarktisforschung 1976/77&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schwerpunktprogramme der USA: Ross-Eisschelf und Trockentäler&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"ENTERPRISE" - Debüt des US-Raumtransporters</text>
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Dokumentation

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19

20. Oktober 1976

Inhalt
INFORMATION
Walter J. Stoessel, Jr.
Der neue amerikanische Botschafter in Bonn

HINTERGRUNDMATERIAL
Militärische Stärke und Entspannung
Von James H. Schlesinger
US-Wähler stimmen auch über Einwegflasche und Kernenergie ab
- 35 Einzelstaaten verbinden Präsidentschafts- und Kongreßwahlen mit
Volksabstimmungen -

WIRTSCHAFT
Die amerikanische Rohstoffpolitik nach UNCTAD IV
Von J. Robert Vastine
Stellvertretender Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kontrolle für Fluorkohlenwasserstoffe
USA wollen Anwendung begrenzen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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19/1976

WALTER J. STOESSEL, JR.
Der neue amerikanische Botschafter in Bonn

- (AD) - BONN - Der neue Botschafter der Vereinigten Staaten in der
Bundesrepublik Deutschland, Walter J. Stoessel, Jr., ist Berufsdiplomat und
war zuletzt, von Januar 1974 bis September 1976, US-Botschafter in Moskau.
Am 24. Januar 1920 in Manhattan im Staate Kansas geboren, erwarb Stoessel
1941 an der Stanford University in Kalifornien den Grad eines Bachelor of A^ts
und trat im darauffolgenden Jahr in den Auswärtigen Dienst der Vereinigten
Staaten ein. Er erhielt nach kurzer Einweisung seine erste Auslandsberufung
nach Caracas, Venezuela. Der zweite Weltkrieg unterbrach seine Diplomatenlaufbahn vorübergehend: von 1944 bis 1946 leistete er Kriegs- und Wehrdienst
bei der US-Marine.
Nach Kriegsende und dem Ausscneiden aus der Marine kehrte Stoessel in
das Außenministerium zurück, das ihn 1947 für zwei Jahre nach Moskau entsandte,
wo er zunächst das Konsulat leitete und später in der Politischen Abteilung
der Botschaft arbeitete. Im Anschluß an die Moskauer Tätigkeit studierte er
von 1949 auf 1950 am Russischen Institut der New Yorker Columbia-Universität.
Die Jahre 1950 bis 1952 leitete er ein politisches Ressort bei der Amerikanischen
Hochkommission für Deutschland in Bad Nauheim. Im weiteren Verlauf des letzteren
Jahres, übernahm er die Leitung des Rußland-Büros in der Zentrale in Washington
- 1-

�Washington - eine Funktion, die er bis zu seiner Abstellung als Referent
des außenpolitischen Beraters des Präsidenten im Jahre 1956 ausübte.
Noch im gleichen Jahr erfolgte jedoch Stoessels Versetzung an die Botschaft in Paris, an der er bis 1959 in der Politischen Abteilung tätig war.
Anschließend erhielt er Gelegenheit, sein politisches Wissen am Institut für
Außenpolitische Fragen der Harvard-Universität (Harvard Center for International
Affairs) weiter zu vertiefen.

Von Harvard zurück, stand er 1960 bis 1961 an

der Spitze des Exekutivsekretariats des State Department.

Im Jahre 1961 wurde

Stoessel dem Hauptquartier des Alliierten Oberbefehlshabers in Europa (SHAPE)
in Paris als politischer Berater zugeteilt.
Von dort aus ging Stoessel 1963 als Gesandter und stellvertretender
Missionschef an die amerikanische Botschaft in Moskau. Zwei Jahre darauf,
1965, wurde Stoessel zum Stellvertretenden und 1972 - nach fast vierjährigem
Wirken als Botschafter in Polen von 1968 bis 1972 - zum Unterstaatssekretär
für Europäische Angelegenheiten und Leiter der Europa-Abteilung im US-Außenministerium berufen. Im Januar 1974 schließlich kehrte er wiederum nach Moskau
zurück, um das Amt des Botschafters der Vereinigten Staaten in der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken zu übernehmen - den letzten Posten vor seiner
Berufung nach Bonn, wo er am 20. Oktober 1976 die Nachfolge Botschafter Martin J.
Hillenbrands antrat.
Walter John Stoessel, Jr., ist verheiratet mit der ehemaligen Mary
Ferrandou.

Das Ehepaar hat drei Töchter.

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19/1976

MILITÄRISCHE STÄRKE UND ENTSPANNUNG
Von James H. Schlesinger

Dr. Schlesinger, ehemals Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, ist gegenwärtig Mitarbeiter des Center for Foreign
Policy Research (Außenpolitisches Forschungszentrum) der Johns Hopkins University in
Baltimore, Maryland.

Das Ziel der Außenpolitik der Vereinigten Staaten, aus dem sich jeweils
die Verteidigungserfordernisse herleiten, bleibt weiterhin der Schutz und die
Bewahrung unserer sozialen Ordnung in einer feindseligen Umwelt.
Die internationale Verantwortung der Vereinigten Staaten ergibt sich aus
der Notwendigkeit der Erhaltung der eigenen Freiheit wie der unserer Verbündeten.
Sie bestimmt unsere Außenpolitik und damit indirekt auch unsere Verteidigungsstrategie sowie auch den Aufbau unserer Streitkräfte.
Angesichts der Machtverhältnisse sind die Vereinigten Staaten seit 1945
das einzige Gegengewicht zur Sowjetunion.

Diese Erkenntnis bildet seither den

unwandelbaren Kern der amerikanischen Außenpolitik.

Ohne eine Stärkung der

amerikanischen Präsenz und das verbindende Element des amerikanischen Verteidigungsbeitrags würde das Atlantische Bündnis zerfallen.
- 1 -

Amerikas Verbündete, die

�die europäischen Demokratien, sähen sich dann gezwungen, sich mit der Sowjetunion zu arrangieren.

Amerikas europäische Verbündete, kleine und mittelgroße

Staaten, könnten sich ohne Rückendeckung durch eine Supermacht der Sowjetunion
in nichts widersetzen.
Die politische und militärische Stabilität sind in einer Welt fortgesetzter
Feindseligkeiten engstens miteinander verknüpft.

Amerikas militärische Ent-

scheidungen bezüglich Strategie und Truppendislozierungen müssen deshalb stets
in einem vernünftigen Verhältnis zu den Zielsetzungen der amerikanischen Außenpolitik stehen.
Wenngleich das Militär für Amerika unentbehrlich ist, stellt es doch nicht
die einzige Stütze seiner Außenpolitik dar.

Die Vereinigten Staaten suchen

vielmehr das internationale Gleichgewicht auch durch Verhandlungen zu gewährleisten - insbesondere durch Vereinbarungen über die Beschränkungen der Rüstungen.

Diese Bestrebungen und die Hoffnungen, die sie verkörpern, dürfen wir nie

aufgeben.

Trotz der entmutigenden Charakteristika der sowjetischen Doktrin ver-

folgen die Vereinigten Staaten gegenüber der Sowjetunion seit 1933 eine Politik
der Entspannung - worunter sie allerdings in sinnvollen Verhandlungen erzielte
Regelungen verstehen.

Selbst in der Periode, die wir heute als den Höhepunkt

des Kalten Krieges betrachten, wurde die Entspannungspolitik unter Begriffen
wie "Geist von Genf" oder "Geist von Camp David" fortgeführt.

Und in jüngster

Zeit schließlich sprach man von Detente - bis diese Bezeichnung offiziell aufgegeben wurde.
Wenn wir davon ausgehen, daß die Vereinigten Staaten in dem heutigen internationalen ideologischen Konflikt der fortschrittliche Partner sind, dann haben
sie die moralische Verpflichtung, immer verhandlungsbereit zu sein und selbst
die Initiative zu solchen Verhandlungen zu ergreifen.

Es gilt die Hoffnung

aufrechtzuerhalten, daß Spannungen, die aus einer Mischung von Ideologie und
Macht entstehen, allmählich oder letztlich doch abklingen.
darf nicht in Illusionen ausarten.

Die Hoffnung aber

Wenngleich wir immer auf einen vernünftigen

Ausgleich bedacht sein wollen, bedeutet das keineswegs, daß wir uns unrealistischen

�unrealistischen Forderungen beugen sollten.
Die planmäßige Aufrechterhaltung der militärischen Macht seitens der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten seit etwa Ende der vierziger Jahre hat
ein effektives Fundament für die Abschreckung geschaffen, die einen unmittelbaren militärischen Angriff ausschließen dürfte. Militärische Macht kann letztlich nicht mehr ausrichten, als vor einem Angriff abzuschrecken. Sie kann beispielsweise nicht subversiver Bestrebungen Herr werden. Sie kann nicht direkt
mit Problemen des inneren politischen Zerfalls fertig werden, wenngleich die
indirekten Auswirkungen jener Aura der Stärke, die militärische Macht zu verbreiten vermag, geeignet scheinen, das Vertrauen und den Zusammenhalt von Ländern, die sich einem gemeinsamen politischen Druck ausgesetzt sehen, zu verändern. Unter dem Schatten einer feindseligen Militärmacht besteht die Gefahr,
daß die politische Selbständigkeit und das politische Verständnis und Vertrauen
allmählich schwinden. In Westeuropa beispielsweise dürfte die Aufrechterhaltung
des militärischen Gleichgewichts für die Aufrechterhaltung des Vertrauens der
westeuropäischen Länder von ebenso großer Wichtigkeit sein wie die Abschreckung
vor einem direkten militärischen Angriff.
Das wichtigste Charakteristikum militärischer Macht ist, daß ihre Existenz
allein die Notwendigkeit ihrer Anwendung von vornherein ausschließt. Militärische
Macht sollte unter allen Umständen dort für angebracht angesehen werden, wo ihre
alleinige Existenz schon dazu beiträgt, den Frieden zu erhalten. Bedauerlicherweise nimmt man in demokratischen Ländern kaum Kenntnis von der Funktion, die
nicht angewandte militärische Macht vielfach zu haben pflegt. Die sich daraus
ergebende Erosion schwächt die Abschreckungswirkung und zieht im höchsten Maße unerwünschte politisch-militärische Konsequenzen nach sich.
Im Kern bedeutet die Abschreckung die Entwicklung von strategischen Maßnahmen und Streitkräften, die im Falle eines direkten militärischen Angriffs
eine glaubwürdige Vergeltung gestatten.

Die Notwendigkeit einer solchen vor-

bedachten Gegenschlagkapazität, die ebenso glaubwürdig wie wirksam sein muß,
ist ein häufig mißverstandener Aspekt jeder erfolgversprechenden Verteidigungs-

�Verteidigungsposition.

Ohne eine glaubwürdige Gegenschiagkapazitat wird die

Abschreckung zur reinen Fassade.

Sollte die Abschreckung versagen, gäbe es

ohne eine solche vorbedachte Gegenschiagkapazitat keine wirksame Methode der
Erwiderung - damit könnte in Zeiten der Spannung ein Angriff geradezu attraktiv
erscheinen.
In den letzten Jahren herrscht weithin und verständlicherweise die allerdings irrige Auffassung, die Entspannung könnte irgendwie zu einem Ersatz für
die auf ausreichende militärische Kapazität gestützte Abschreckung werden.
Diese Auffassung tritt glücklicherweise mehr und mehr in den Hintergrund.

Es

liegt auf der Hand, daß die Aussichten auf Entspannung vom Gleichgewicht der
Macht abhängen.
täre Begriffe.

Abschreckung und Entspannung sind notwendigerweise komplemenEs ist in der Tat eine Ironie, daß die Aufrechterhaltung der

amerikanischen Verteidigungsstärke zur Abstützung der Entspannung ebenso notwendig ist wie zu unserer Absicherung für den Fall ihres Scheiterns.
Heute beurteilt man die Detente - oder welches Wort man immer dafür setzen mag - in den Vereinigten Staaten mit größerem Realismus (mancherorts auch
mit einem unangemessenen Grad der Desillusionierung). Vor einigen Jahren noch
herrschte eine euphoristische Betrachtungsweise der Detente vor; man glaubte,
sie schließe die Möglichkeit von Konflikten aus, und die Vereinigten Staaten
könnten deshalb einseitig abrüsten. Die amerikanischen Vorstellungen von
einer "Verminderung der Spannungen" waren jedoch nur sehr schwer mit dem
offen verkündeten sowjetischen Dogma in Einklang zu bringen, demzufolge die
Detente "die Intensivierung der ideologischen Auseinandersetzung" erforderlich
mache.
Für die Sowjets ist Detente, und das ist typisch, mit der Leninschen
"friedlichen Koexistenz" gleichzusetzen, die wiederum nichts anderes als eine
- schmackhaftere - Taktik in fortgesetztem Klassenkampf ist. Nach sowjetischer
Auffassung ist der Fortschritt in der Detente durch eine Reihe von Meilensteinen
gekennzeichnet, die die fortgesetzte Veränderung der "Korrelation der Streitkräfte" zugunsten der Sowjetunion und zuungunsten des Westens markieren. Wenn die

�i
die Sowjets mithin von der Intensivierung der ideologischen Auseinandersetzung
sprechen, ist es ihnen bitter ernst.

Der Westen aber war sicherlich schlecht

darauf vorbereitet, diese Realitäten zu begreifen.
Die Erfahrungen der letzten drei Jahre machen deutlich, daß sich die Vorstellungen von Detente an einer realistischen Einschätzung von sowjetischen Auffassungen und taktischen Maßnahmen orientierer, niissen.Das Vorgehen der Sowjetunion
seit 1973, als Mitgarant der Pariser Verträge über die Feuereinstellung in
Vietnam,im Nahost-Krieg von 1973, im Anschluß an die Konferenz von Helsinki
und in Angola - das alles beweist nur die Kluft, die zwischen den besänftigenden Worten der Sowjets (die wir nur allzu gern geglaubt hätten) und ihrer rauhen Handlungsweise (die zur Kenntnis zu nehmen uns so sehr widerstrebt) besteht.
Schließlich aber hat man diese Kluft doch erkannt. Detente wurde
wiederholt neu definiert - und zwar noch vor der Zeit, zu der dieses Wort aus
dem offiziellen Vokabularium gestrichen worden ist. Die allzu ansprechende
Vorstellung vergangener Jahre, die Sowjetunion sei auf die eine oder andere Art
und Weise zu einer Macht des Status quo geworden, hat man inzwischen aufgegeben.
Der Glaube, die Detente werde eine Beendigung des weiteren Ausbaus der sowjetischen Rüstung mit sich bringen, ist dahingeschwunden und machte der Erkenntnis
Platz, daß das Wettrüsten weitergeht. Auch der Glaube, daß Verhandlungen allmählich an die Stelle von Konfrontationen treten werden, gehört der Vergangenheit an. Das Gebiet, das der Detente vorbehalten sein sollte, hat man seither
ständig verengt. Heute geht die offizielle Auffassung von der Politik der Detente,
wiewohl längst nicht mehr mit jenem Wort umschrieben, nur noch dahin, daß sie
die Vermeidung eines Krieges mit Kernwaffen, das Streben nach Vereinbarungen
zur Beschränkung der Kernwaffen und die Einengung der weltweiten sowjetischen
Macht bedeutet.
Ganz offensichtlich liefen die Versuche, das Konzept der Detente zu dehnen
und zu beugen letztlich darauf hinaus, daß die Detente heute, was politische
Maßnahmen angeht, nur noch herzlich wenig bedeutet: eine Reihe veränderlicher
Formeln.

Detente erweist sich damit als ein Begriff allumfassender Art, mit
- 5 -

�mit der man immer gerade das abdeckt, was man gerade als den jeweiligen
Stand in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen empfindet.

Historisch

gesehen hat Detente im Laufe der Jahre von der gegenseitigen Aussöhnung bis
zum Kernwaffenalarm im arabisch-israelischen Krieg von 1973 so gut wie alles
bedeutet.

Wenn aber Detente so gut wie alles bedeuten kann, bedeutet sie

in Wirklichkeit so gut wie gar nichts.
Detente hat mithin ihren

spezifischen Charakter eingebüßt.

Sie bedeutet

nicht mehr länger dauerhafte Entspannung, sondern lediglich den Willen zur
Vermeidung eines Krieges mit Kernwaffen.
auf Detente.

Dieser aber beschränkt sich nicht

Die Vermeidung eines Krieges war vielmehr auch das Ziel, und

zwar das erfolgreich verwirklichte Ziel, in der Zeit des Kalten Krieges.

Sie

hängt im Grunde genommen aber nicht so sehr von Verhandlungen als von der Aufrechterhaltung einer angemessenen Abschreckungsmacht ab.

Was bleibt, ist mit-

hin die Hoffnung auf weitere Verhandlungen und die Bereitschaft, sie zu führen.
Breschnew hat auf dem jüngsten kommunistischen Parteitag einmal mehr betont, daß die Detente keineswegs die Gesetze des Klassenkampfes aufhebt. Mit
anderen Worten legt die sowjetische Doktrin auch weiterhin den Nachdruck auf
die Rivalität zum Westen und die Konfrontation mit ihm - wenngleich sie dieser
Rivalität nicht gestatten wird, in einen direkten militärischen Zusammenprall
der beiden Supermächte auszuarten.
Die Vereinigten Staaten werden sich gezwungen sehen, ihre eigenen Vorschläge und politischen Maßnahmen auf das zu beschränken, was angesichts der
sowjetischen Einstellung und Taktik innerhalb des größeren Rahmens möglicher
Verhandlungsgegenstände zwischen den Sowjets und den Vereinigten Staaten als
wirklich verhandlungswürdig anzusehen ist. Traurig! Wenn aber die Politik die
Kunst des Möglichen ist, so gilt dies für die Außenpolitik, die Rüstungsbeschränkung und die Detente nicht minder.
Die sowjetische Gesellschaft wird auch weiterhin ernstliche Schwächen
zeigen - auf wirtschaftlichem und auch auf politischem Gebiet. Trotz der
Strenge ihrer Lehre, kann die Sowjetunion nicht verbergen, daß der revolutio-

�revolutionäre Eifer erheblich nachläßt.

Das Ende aber der ideologischen Aus-

einandersetzung ist noch nicht abzusehen.

Und so ist demzufolge auch der

Friede in des Wortes eigentlicher Bedeutung noch weit.
Die Vereinigten Staaten haben eben erst eine relativ schwierige Periode
ihrer Geschichte durchgestanden. Noch besteht in weiten Kreisen ein Gefühl
der Verbitterung und des Mißtrauens.
Vietnam hat Amerika in so starkem Maße
angerührt, daß viele Amerikaner darüber zu vergessen scheinen, ein wie totalitäres System in der Sowjetunion herrscht. Seit jedoch die sowjetische Unterdrückung, und seit Solschenizyn und Sacharow in den Mittelpunkt des Interesses gerückt sind, haben sich die Verhältnisse von Grund auf gewandelt: wir
wurden uns des totalitären Charakters des Sowjetstaates erneut bewußt. Wie
groß auch immer die Ungerechtigkeit innerhalb der amerikanischen Gesellschaft
oder die Schwäche der staatlichen Politik in unserem Lande sein mag, ein
Archipel Gulag wird es bei uns nie geben.
Zweifelsohne ist die Zivilisation des Westens einschließlich.der der Vereinigten Staaten in eine Periode politischer und moralischer Krisen eingetreten.
Diese Krisen können aber auch ein Zeichen potentieller Gesundheit sein. Es
gibt bestimmt keine Zwangsläufigkeit des Verfalls*und es gibt auch keine
Spenglersehe Schicksalshaftigkeit.

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19/1976

US-WÄHLER STIMMEN AUCH ÜBER EINWEGFLASCHE UND KERNENERGIE AB
- 35 Einzelstaaten verbinden Prä'sidentschafts- und Kongreßwahlen
mit Volksabstimmungen -

- (AD) - Am 2. November werden alle amerikanischen Wähler über den künftigen Präsidenten und Vizepräsidenten sowie über ihren Kongreßabgeordneten
entscheiden. Viele werden darüber hinaus ihren Senator (der Senat wird zu
einem Drittel neu gewählt) und ihren Gouverneur (die Gouverneurswahl steht in
14 Staaten an) bestimmen müssen. Und schließlich steht eine Vielzahl öffentlicher Ämter - vom Hundefänger über den Sheriff bis zum Bezirksrichter - zur
Wahl. Aber in 35 Staaten der Union kann der Wähler auch direkt zu einzelstaatlichen und kommunalen Gesetzesvorhaben entscheidend Stellung nehmen. In weiteren acht Staaten kann das Referendum auf Kreis-und Kommunalebene benutzt
werden.
Es ist nicht möglich, eine genau Zahl dieser einzelstaatlichen, regionalen
und kommunalen Volksabstimmungen anzugeben, aber man rechnet mit etwa 300 einzel
staatlichen und rund 15 000 kommunalen Themen zur Abstimmung. Diese Themen
reichen vom Verbot der Einwegflasche über die Einführung des Zahlenlottos bis
zum Streit über Kernkraftwerke.
Drei der heißesten Eisen sind Kernkraftwerke, Faustfeuerwaffen und Stromtarife.
Nachdem

�I
Nachdem die Gegner der Kernenergie im Juni bei einem Referendum in
Kalifornien eine Niederlage erlitten, haben sie jetzt das Thema auf die Stimmzettel in sieben Einzelstaaten setzen können:
Missouri, Montana und Washington.

Arizona, Colorado, Ohio, Oregon,

Erste Meinungsumfragen lassen erkennen, daß

die Gegner der Kernkraftwerke in drei Staaten - Washington, Oregon und Colorado in der überhand sind.

Die meisten der Bürgerinitiativen fordern ein Verbot

für die Errichtung weiterer Kernkraftwerke - es sei denn mit Auflagen, die
wiederum von der Atomindustrie als unannehmbar und unerfüllbar bezeichnet werden.
Von großer Bedeutung dürfte auch der Ausgang einer Initiative von rund
150 000 Bürgern und Bürgerinnen in Massachusetts sein, die in ihrem Staat ein
Referendum über den Besitz von Faustfeuerwaffen durchgesetzt haben.

Zum ersten

Mal in der amerikanischen Geschichte ist diese umstrittene Frage damit dem
Wähler zur Entscheidung vorgelegt worden.

Sollte die Initiative in Massachusetts

Erfolg haben, dann ist mindestens in 20 weiteren Staaten der Union mit ähnlichen
Bemühungen zu rechnen.
Der in Massachusetts zur Abstimmung gestellte Antrag sieht vor, daß die
Besitzer von Faustfeuerwaffen, d.h. Schußwaffen mit einer Länge des Laufes von
weniger als 40 cm, sechs Monate Zeit hätten, diese Waffen abzugeben. Ausgenommen bleiben Polizei, Waffenmuseen und lizenzierte Waffenhersteller. Man schätzt
die Zahl der unter ein etwaiges Verbot fallenden Waffen auf rund 400 000. Da
dem Bürger für die abgegebenen Waffen eine Entschädigung gezahlt werden soll,
würde das den Staat 25 bis 40 Millionen Dollar kosten.
Ein weiteres umstrittenes Thema, für das in Massachusetts eine wichtige
Vorentscheidung fallen wird, ist der Stromtarif. Bisher mußten Privathaushalte
und Kleinbetriebe - wegen der geringeren Abnahmemengen - einen höheren Tarif
zahlen als Großbetriebe. Nach dem jetzt zur Abstimmung vorliegenden Antrag
sollen alle Bezieher von Elektrizität mit ganz wenigen Ausnahmen den gleichen
Tarif zahlen. Das würde in der Praxis bedeuten, daß die Stromrechnung für
Privathaushalte und Kleinbetriebe zwischen 15 und 40 Prozent niedriger und für
- 2 -

�für die Industrie um 20 bis 30 Prozent höher würde.
In den Vereinigten Staaten gibt es drei Formen der "direkten Demokratie"
durch das Referendum:
1. Die gesetzgebende Körperschaft eines Einzelstaates kann ein Gesetz freiwillig der Wählerschaft zur Billigung vorlegen;
2. die Verfassung eines Einzelstaates kann die Vorlage bestimmter Gesetze
- meist Gesetze über den Schuldenplafond - zur Billigung durch den Wähler verlangen; und
3. Bürger können auf dem Wege der Petition ein Referendum - meist mit der
Absicht, eine Gesetzesaufhebung oder -änderung herbeizuführen - verlangen. Die
Verfahren für ein solches "Initiativreferendum" variieren von Einzelstaat zu
Einzelstaat.
Das Referendum geht auf die "Bürgerversammlung" in Neuengland zurück.
Nachdem die Zahl der Bürger, sprich Wähler, für solche Versammlungen einfach
zu groß wurde, schlug man den Weg des Referendums mit Hilfe des Stimmzettels
ein, um einen direkten Einfluß auf die Gesetzgebung nehmen zu können.
Es gibt Argumente für und gegen diese Praxis der Demokratie. In den Vereinigten Staaten behielt sie bisher immer die Oberhand, da sich ein gesundes
Mißtrauen gegen staatliche Institutionen und starker Bürgersinn als tragende
Kraft im politischen Leben durchgesetzt haben. In diesem Zusammenhang ist auch
festzustellen, daß der einzelne Abgeordnete im Kongreß viel stärker von seinen
Wählern "kontrolliert" wird als ein Parlamentarier in Europa.
Das Argument, das Referendum zerstöre die republikanische Staats- und Regierungsform, wurde schon 1903 vom Obersten Gerichtshof des Staates Oregon zurückgewiesen, der feststellte, daß der repräsentative Charakter der Regierung
dabei durchaus erhalten bliebe; "das Volk hat sich lediglich einen größeren An-

�Anteil an der gesetzgeberischen Macht vorbehalten."
Das Ergebnis einiger der jetzt anstehenden Referenden wird sicherlich
weit über den kommunalen oder einzelstaatlichen Bereich hinaus Beachtung finden.

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19/1976

DIE AMERIKANISCHE ROHSTOFFPOLITIK NACH UNCTAD IV
Von J. Robert Vastine
Stellvertretender Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium

J. Robert Vastine hat am Haverford College
und an der Johns Hopkins-Universität Volkswirtschaft und Politische Wissenschaften
studiert und vor seiner Berufung in das
Finanzministerium für den Senatsausschuß
für Regierungstätigkeiten gearbeitet. Im
Ministerium ist er für Fragen der Handelsund Rohstoffpolitik zuständig.

Seit etwa zwei Jahren sind in den Vereinigten Staaten intensive interministerielle Bestrebungen im Gange, die wirtschaftlichen Probleme zwischen Nord
und Süd gründlich zu analysieren und eine entsprechende amerikanische Politik
festzulegen. Wir haben uns dabei von einer Reihe fundamentaler Grundsätze und
Überlegungen leiten lassen:
Erstens, wirtschaftliches Wachstum wird letztlich von den Anstrengungen und
dem Können der Entwicklungsländer selbst abhängen, mit denen sie ihre menschlichen
und materiellen Hilfsquellen einsetzen.

Die Industrieländer können den Entwick-

lungsländern dabei durch eine konstruktive Politik des Handels und der technischen
und finanziellen Unterstützung wesentlich helfen.

Aber diese Hilfe wird nur dann

auf die Dauer wirken, wenn sie mit einer gesunden Politik der Entwicklungsländer
selbst einhergeht.
Zweitens,

�Zweitens, die zentrale Antriebskraft der wirtschaftlichen Entwicklung ist
die Investition.

Investitionskapital in internationalem Maßstab ist jedoch nur

begrenzt verfügbar.

Die Entwicklungsländer sollten das benötigte Investitions-

kapital dadurch anziehen, daß sie die Bedingungen für Privatinvestitionen verbessern.
Drittens, das Funktionieren freier und fairer Märkte ist die wirksamste
Methode zur Steigerung der Produktion, zur Verbesserung der Produktivität und
zur Anregung des Wachstums.

Wir sollten die Leistungsfähigkeit

der internatio-

nalen Märkte verbessern, statt sie durch neue Beschränkungen und Kontrollen - sei
es von Regierungsseite oder privater Seite - zu behindern.
Viertens, wir müssen uns bei der Behandlung der Probleme der Entwicklungsländer vor bequemen Verallgemeinerungen hüten.

Jedes Entwicklungsland, jeder

Rohstoff, jeder Industriezweig hat seine eigenen Probleme.

Wir müssen das Pro-

blem der Schulden oder der Zahlungsbilanz eines Entwicklungslandes, die Marktstrukturen eines bestimmten Rohstoffs, den Investitionsbedarf eines speziellen
Industriezweiges jeweils von Fall zu Fall behandeln.
Im Sinne dieser Prinzipien haben wir immer wieder betont, daß wir bereit
sind, uns gemeinsam mit den Entwicklungsländern darum zu bemühen:
- daß genügend Investitionskapital für die Entwicklung von Rohstoffen in
die Entwicklungsländer fließt;
- daß die Gesamtexporterträge der Entwicklungsländer - vor allem jener,
die nur wenige Rohstoffe exportieren - stabilisiert werden;
- daß den im Rahmen multilateraler Handelsgespräche verarbeiteten Erzeugnissen von Entwicklungsländern - unter Gewährleistung einer zuverlässigen Versorgung für den Verbraucher - der Zugang zu den Märkten erleichtert wird; und
- daß die Bedingungen für den Handel und die Investitionen in einzelnen
Rohstoffen verbessert und exzessive Preisschwankungen gedämpft werden - immer

�immer auf der Basis einer Analyse der Investitions-, Produktions- und Marktbedingungen in jedem einzelnen Fall.

Wir haben bereits eine Reihe von Schritten zur Erreichung dieser Ziele
unternommen.
Was die Investitionen angeht, so haben wir einige bedeutsame Vorschläge gemacht.

Der wichtigste davon ist die Schaffung einer Internationalen Rohstoffbank

(International Resource Bank - IRB) zur Förderung und Erleichterung direkter Privatinvestitionen in die Rohstoffentwicklung - vor allem Mineralien und Energie
- in den Entwicklungsländern.

Die Vereinigten Staaten bemühen sich auf interna-

tionaler Ebene nachdrücklich um die Realisierung ihres Vorschlages.

Wir haben

ferner eine Erhöhung des Einlagekapitals der Internationalen Finanzierungsgesellschaft (International Finance Corporation - IFC) der Weltbank um 480 Millionen
Dollar vorgeschlagen.

Damit könnte die IFC ihre Förderungstätigkeit für Privat-

investitionen in Entwicklungsländern vervierfachen.

Und schließlich haben die

USA die Schaffung eines Internationalen Investitionstreuhandfonds zur Förderung
der Privatinvestitionen in den Entwicklungsländern vorgeschlagen.
Was die Stabilisierung der Exporterlöse angeht, so haben die Vereinigten
Staaten und andere Mitglieder des Internationalen Währungsfonds (IWF) den wichtigen Vorschlag zur Liberalisierung der bestehenden IWF-Bestimmungen über den
Finanzausgleich und zur Bereitstellung eines Teils des neuen IWF-Treuhandfonds
für Vorzugsanleihen und Zuwendungen an die ärmsten Entwicklungsländer verwirklicht, die unter Ertragsschwankungen bei Rohstoffen zu leiden haben.

Die revi-

dierte Finanzausgleichsfazilität des IWF hat bereits in diesem Jahr Sonderziehungsrechte (SDR) in Höhe von 1,7 Milliarden bewilligt - verglichen mit dem bisherigen
Jahresmaximum von 300 Millionen Sonderziehungsrechten und der Gesamtsumme von
1,2 Milliarden SDR von 1966 bis 1975.

Allein Entwicklungsländer haben in diesem

Jahr 1,1 Milliarden SDR gezogen.
Was den Zugang zu den Märkten anbetrifft, so haben wir die Ernsthaftigkeit
unserer Bemühungen unter Beweis gestellt.

Bereits am 1. Januar 1976 hat der Prä-

sident neue Zol1 Präferenzen bekanntgegeben, die 2700 Produkte aus 130 Ländern

- 3 -

�Ländern - 1975 im Werte von 2,5 Milliarden Dollar - umfassen.

Wir sind auch

bereit, den Entwicklungsländern bei multilateralen Handelsverhandlungen Sonderkonditionen einzuräumen.
Hinsichtlich der Rohstoffmärkte schließlich haben die USA die Schaffung
von Erzeuger-Verbraucher-Foren vorgeschlagen, wo diese für wichtige Rohstoffe
noch nicht existieren.
zustandezubringen.

So hoffen wir, demnächst ein solches Gremium für Kupfer

Wir sind bereit, mit Erzeugern und Verbrauchern eines jeden

Rohstoffs über eine Ausweitung der Märkte und eine Stabilisierung der Erträge
zu sprechen.
Die Vereinigten Staaten werden sich in den kommenden Monaten aktiv an der
Erörterung der Rohstoffprobleme beteiligen, so unter anderem auf der Konferenz
über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) in Paris und selbstverständlich im Rahmen der UN-Konferenz über Handel und Entwicklung (UNCTAD).
Die im Mai in Nairobi auf der UNCTAD IV verabschiedete Resolution sieht
eine Serie von Konferenzen über 18 einzelne Rohstoffe vor, die - bis Ende 1978 zu formellen Rohstoffabkommen oder anderen Maßnahmen führen sollen. Die USA
haben ihre Absicht kundgetan, sich daran zu beteiligen - allerdings unter bestimmten Bedingungen. Die Vereinigten Staaten betrachten diese Konsultationen
als eine Gelegenheit, die tatsächlichen Probleme jedes einzelnen Rohstoffes
zwischen Erzeugern und Verbrauchern zu erörtern. Wir wollen uns an den Bemühungen
beteiligen, die Märkte zu stärken und zu verbessern. Wenn die Probleme geklärt
sind, dann woller. wir mit anderen Beteiligten entscheiden, welche Maßnahmen zu
ihrer Lösung geeignet sind und getroffen werden sollen. In manchen Fällen mögen
sich formelle Abkommen als richtig erweisen - dann werden sich die USA selbstverständlich beteiligen - in anderen mag sich herausstellen, daß formelle Abkommen nicht geeignet sind.
Auf der UNCTAD kam man ferner überein, daß vorbereitende Gespräche für
eine Konferenz über die Einrichtung eines gemeinsamen Fonds zur Finanzierung
von Stützvorräten abgehalten werden sollen. Diese Konferenz soll bis März 1977

�1977 unter Dach und Fach sein.

Die Vereinigten Staaten haben auch hinsichtlich

dieses Teils der Resolution ernsthafte Einwände geltend gemacht.

Wir stehen

auf dem Standpunkt, daß ein solcher gemeinsamer Fonds nicht notwendig ist und
nicht funktionieren wird.

Nach unserer Auffassung muß zunächst einmal festge-

stellt werden, ob für einen bestimmten Rohstoff überhaupt eine Preisstabilisierung
notwendig ist, und wenn ja, ob Stützvorräte dafür die geeignete Methode wären.
Erst dann können Entscheidungen über die Finanzierung getroffen werden.

Die USA

werden sich zwar an den Vorgesprächen beteiligen - aber ohne Verpflichtung einer
Teilnahme an der Konferenz selbst.
Wir sind der Ansicht, daß eine generelle vorherige Verpflichtung zur Finanzierung die Anlage von unnötigen Stützvorräten begünstigen würde. Die technischen
Probleme und die Kosten von Stützvorräten, die groß genug sind, um einen echten
Markteinfluß auszuüben, wiederum sind nach unserer Auffassung so groß, daß solche Stützvorräte bei den meisten der 18 Rohstoffe eine zweifelhafte Angelegenheit
sind. Es wäre praktisch eine Verschwendung, Milliarden von Dollar des ohnehin
knappen Weltkapitals für eine so fragwürdige Sache stillzulegen. Und das in
einer Zeit, in der dieses Kapital so dringend für wichtige Entwicklungsprojekte
benötigt wird.
Auch die Anlage von wirtschaftlichen - im Gegensatz zu strategischen - Vorräten scheint uns fragwürdig.

Diese Vorräte wären zur Sicherung der Versorgung

im Falle einer Unterbrechung aus nicht strategischen Gründen, d.h. bei einem
Embargo oder einer Naturkatastrophe gedacht.

Hier erhebt sich die Frage, wann

solche Vorräte am günstigsten angelegt werden könnten, wann man sie freigeben
soll und welchen Umfang sie haben sollten.

Die große Gefahr ist, daß die Anlage

solcher Vorräte zu schweren Verzerrungen eines normalen Marktes führen.

Die USA

haben hier während des Korea-Krieges schlechte Erfahrungen gemacht.
Nach unserer Auffassung liegen auch noch keine ausreichenden Analysen hinsichtlich des notwendigen Umfangs solcher Vorräte vor, und man ist sich auch
noch nicht darüber im klaren, welche Rohstoffe in die Vorratsliste aufgenommen
werden sollten.
Wir
- 5 -

�Wir sind also, zusammengefaßt, der Ansicht, daß die Frage der wirtschaftlichen Vorratshaltung noch sehr viel eingehender geprüft werden muß, ehe eine
Entscheidung getroffen werden kann.
Nach unserer Auffassung sollte man sich hier sehr viel stärker auf die Vorratshaltung der Privatindustrie und auf die privaten Märkte verlassen.

Die Pri-

vatindustrie hat ihre Fähigkeit unter Deweis gestellt, ausreichende Vorräte an
wichtigen Rohstoffen zu halten.

Wir wollen dieser Privatinitiative sicherlich

nicht in den Arm fallen, indem wir der Regierung die Last der Lagerhaltung aufbürden.

- 6 -

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19/1976

KONTROLLE FÜR FLUORKOHLENWASSERSTOFFE
USA wollen Anwendung begrenzen

BRÜSSEL - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben erste Schritte unternommen,
um die Anwendung von Fluorkohlenwasserstoffen unter Kontrolle zu stellen.
gab Rüssel

Dies

E. Train, der Leiter der US-Umweltschutzbehörde EPA, auf der Oktober-

tagung 1976 der CCMS-Gruppe in Brüssel bekannt. CCMS, das Komitee der NATOMitgliedstaaten für "Aufgaben der Modernen Gesellschaft", befaßt sich u.a. mit
Problemen der Umweltverschmutzung und der Entwicklung internationaler Programme
für sachgerechte Lösungen.
Fluorkohlenwasserstoffe sind jene geruchlosen, farblosen und unbrennbaren
Verbindungen, die als Kältemittel in Kühl Systemen bei verschiedenen Produktionsverfahren der chemischen Industrie, als Reinigungsmittel und - dies ist heute
das eigentliche Problem - als Treibmittel in Spraydosen überall auf der Welt in
großen Mengen angewandt werden.

Die Weltproduktion für alle Verwendungszwecke

liegt bei etwa 1,3 Millionen Tonnen.

Davon entfallen ca. 44 Prozent auf die USA,

37 Prozent auf Westeuropa, 11 Prozent auf die Sowjetunion und osteuropäische
Länder.
Am Boden und in den unteren Luftschichten sind die nach ihrer Freisetzung
aus Spraydosen gasförmigen Treibmittel (sie machen den größten Teil der Fluorkohlenwasserstoff-Produktion aus) chemisch inaktiv.

-1 -

Das ändert sich jedoch,

�jedoch, wenn sie in die Stratosphäre gelangen.

Dort werden sie unter dem Ein-

fluß des energiereichen Ultraviolettlichts der Sonne in mehr oder weniger stark
reaktionsfähige Einzelkomponenten aufgespalten.

Eine der Komponenten ist Chlor,

das Ozon angreift und überdies in zahlreichen Wechselreaktionen die Neubildung
von Ozon wesentlich verzögert. Ähnliche Wirkungen zeigen bestimmte Bestandteile
von Flugzeugabgasen.

Deshalb stehen zahlreiche Wissenschaftler dem überschall-

Flugverkehr äußerst skeptisch gegenüber, weil sich dieser in viel größeren Flughöhen als bisher, d.h. im unteren Bereich der Ozonschicht, abspielen wird.
Eine "Verdünnung" der natürlichen Ozonschicht durch derartige Chemikalien
könnte aber letztlich Mensch, Tier und Pflanze auf der Erde gefährden.

Denn

Ozon in der Stratosphäre ist in seiner natürlichen Konzentration ein Schutzschirm
gegen zu hohe Einstrahlung des Ultraviolettlichts der Sonne. Zwar braucht der
Organismus sogar eine geringe Dosis ultravioletter Strahlung zur Regelung biologischer Prozesse wie Wachstum, Bildung von Vitamin D oder Aufbau von Hautpigmenten.

Würde jedoch das zwischen 12 000 und 50 000 m Höhe in der Erdatmosphäre

angereicherte Ozon übermäßig stark abgebaut, wäre mit einer Häufung von Verbrennungen, Hautkrebs, Augenerkrankungen und wohl auch genetischen Schäden zu rechnen.
Die Meinungen über das Ausmaß möglicher Schäden gehen auseinander. Jedoch
sollten, so erklärte Rüssel E. Train in Brüssel, vorsorglich Maßnahmen ergriffen
werden, die zumindest zum Verzicht auf die nicht unbedingt notwendige Anwendung
von Fluorkohlenwasserstoffen, z.B. als Treibmittel, führen. Einige amerikanische
Firmen haben bereits freiwillig eine Umstellung bei Spraydosen vorgenommen. Auf
Grund der bisher vorliegenden Ergebnisse einer Reihe von Studien, die in den USA
durchgeführt wurden bzw. weiterhin durchgeführt werden, ist die US-Regierung entschlossen, auf die allmähliche Einschränkung der Anwendung von Fluorkohlenwasserstoffen hinzuwirken.
Wie Berichte z.B. der Amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften
und der britischen Regierung zeigen, sei es, so Train, noch nicht zu spät, um vorsorgliche Maßnahmen auf nationaler und internationaler Basis zu treffen.
es müsse gehandelt werden, ehe sich die Situation zur Krise ausweite.

Aber

Der Schutz

�Schutz der Ozonschicht sei ein weltweites Problem und verlange weltweite Zusammenarbeit.

Als Chef der US-Umweltschutzbehörde beabsichtigt Rüssel E. Train,

Vertreter der Hauptproduzenten von Fluorkohlenwasserstoffen für April 1977 zu
einer Konferenz nach Washington einzuladen,auf der geeignete Kontrollmaßnahmen
besprochen und koordiniert werden sollen.

Als nächster Schritt sei, wie der

norwegische Delegierte Erik Lykke auf der CCMS-Tagung in Brüssel erklärte, ein
internationaler Vertrag über den Schutz der Stratosphäre nicht nur gegen Fluorkohlenwasserstoffe, sondern auch gegen künftige Flotten von Überschallflugzeugen
und ähnliche Entwicklungen erforderlich.
Train meinte, daß angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die ein
sofortiges Verbot der Anwendung von nicht unbedingt notwendigen Aerosolen, insbesondere von Treibmitteln auf der Basis von Fluorkohlenwasserstoffen, bewirken
würde, der Industrie eine mindestens zweijährige Frist für Umstellungsmaßnahmen
einzuräumen sei. Dennoch sei es ratsam, so früh wie irgend möglich aktiv zu
werden. Weitere wichtige Informationen über den Gesamtkomplex seien von der
Tagung des Umweltgremiums der Vereinten Nationen (UNEP) im Februar 1977 in
Washington zu erwarten, auf der die neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse zur
Frage der Gefährdung der Ozonschicht erörtert werden.
Daß z.B. zwischen der Häufigkeit von Hautkrebs (sowohl bei der bösartigen
Form des Melanoms als auch der relativ gut zu beherrschenden Form des Basalioms)
eine direkte Relation zur Einwirkung von ultravioletter Strahlung besteht, hat
kürzlich eine Studiengruppe des Nationalen Krebsforschungsinstituts der USA
(Bethesda, Maryland) nachgewiesen: Von Einfluß sind die Dauer der Exposition
und die - nach Jahreszeit, Breitengrad und Meereshöhe - regional unterschiedliche Intensität der UV-Strahlung.

Jedoch scheinen auch Klima, Beruf, Aufent-

halt im Freien, Häufigkeit des Wechsels zwischen verschiedenen Regionen und
rassische Zugehörigkeit eine Rolle zu spielen.

An den zehn Meßplätzen innerhalb

der USA zwischen Ost und West, Süd und Nord wurde die intensivste UV-Einstrahlung
(mit 60 % der gesamten Tagesmenge) zwischen 10 und 14 Uhr festgestellt.

Die im

Hinblick auf eine mögliche Schwächung der Ozonschicht durchgeführte Studie wird
noch über einige Jahre fortgesetzt.
Luftverschmutzung

�Luftverschmutzung
Wie auf der Brüsseler CCMS-Tagung weiter berichtet wurde, ist inzwischen
in zwei Dritteln der überwachten Ballungszentren mit mehr als 600 000 Einwohnern
die Luftverschmutzung zurückgegangen.

Die Beobachtungsprogramme in den NATO-

Ländern sind aus einer der ersten CCMS-Pilotstudien hervorgegangen, in der es um
die Entwicklung von optimalen Methoden zur Messung der Luftverschmutzung ging.
In drei Großstädten, nämlich St. Louis (Miss., USA), Frankfurt am Main und
Ankara, der Hauptstadt der Türkei, wurden aufeinander abgestimmte Beobachtungen
angestellt.

Heute zeigt sich, daß im Gegensatz zu den anderen Großstädten in

Ankara die Partikelanzahl in der Luft leicht zugenommen hat.

Als Ursachen für

die verbesserte Luftqualität in der Mehrzahl der Beobachtungsgebiete werden
u.a. die Ausrüstung von neuen Fabrikanlagen mit modernen Apparaturen, die
Schliessung veralteter Anlagen, strengere Kontrollbestimmungen, z.T. aber auch
Auswirkungen von Energiekrise und wirtschaftlicher Rezession vermutet.
Der Vertreter Norwegens verwies darauf, daß gewisse Schadstoffe wie
Schwefeldioxid in internationaler Zusammenarbeit bekämpft werden müßten. Schäden durch Schwefeldioxid aus Heizkraftwerken mit Kohle- und ölfeuerung werden,
wie norwegische Wissenschaftler an Wald- und Fischbeständen ermittelten, häufig
Hunderte von Kilometern von Industriebetrieben und Kraftwerken entfernt verursacht. Norwegen hofft, daß man sich auf der Helsinki-Folgekonferenz im Jahr
1977 in Belgrad über die Einberufung einer Sachverständigenkonferenz einigt,
auf der die Harmonisierung der Maßnahmen in Ost- und Westeuropa zur Kontrolle
der Emission bestimmter Schadstoffe behandelt wird.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walter J. Stoessel, Jr.&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der neue amerikanische Botschafter in Bonn&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Militärische Stärke und Entspannung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von James H. Schlesinger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wähler stimmen auch über Einwegflasche und Kernenergie ab&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 35 Einzelstaaten verbinden Präsidentschafts- und Kongresswahlen mit Volksabstimmungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Rohstoffpolitik nach UNCTAD IV&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von J. Robert Vastine&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellvertretender Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kontrolle für Fluorkohlenwasserstoffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USA wollen Anwendung begrenzen&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

27. Oktober 1976

20

Inhalt

DOKUMENTATION

Die moralischen Grundlagen der amerikanischen Außenpolitik
Von Henry Kissinger

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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20/1976

DIE MORALISCHEN GRUNDLAGEN DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
Von Henry Kissinger

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister Henry Kissinger hat am 19. Oktober
1976 in einer vielbeachteten Rede die moralischen Grundlagen der Außenpolitik der USA
umrissen und dabei festgestellt, daß die
Außenpolitik Amerikas der moralischen Verheißung der Nation gerecht werden müsse, während sie gleichzeitig den praktischen Erfordernissen der Weltordnung Rechnung trage.
In seinem Grundsatzreferat anläßlich eines
Essens zum 50jährigen Jubiläum des Rates
der Synagogen Amerikas in New York sagte der
Außenminister, die USA hätten international
immer dann ihre größte Wirksamkeit erzielt,
wenn die idealistischen und die pragmatischen
Traditionen des Landes miteinander zum Tragen
gebracht worden seien.
Die Rede Kissingers hat folgenden Wortlaut:
Die Amerikaner stehen heute inmitten der alle vier Jahre stattfindenden
Debatte über unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und über die Zukunft, die
wir zu schaffen hoffen.

Es ist eine dramatische Demonstration

serer Demokratie und der Größe unserer Nation.

der Stärke un-

Was immer das Ergebnis sein

mag, wir Amerikaner sollten stolz darauf sein, daß wir wieder einmal die Lebenskraft einer freien Gesellschaft unter Beweis gestellt haben, die den zahllosen
Millionen in aller Welt die von Gewaltregimen und intoleranten Ideologien be-

�i

beherrscht werden, Hoffnung gibt.
Es ist auch - wollen wir ehrlich sein - eine Zeit der Verwirrung und
Übertreibung,

Manche Leute sagen uns, wir seien schwach; andere sagen uns,

wir seien starko

Manche Leute sagen, daß unser Prestige schwinde; andere be-

haupten, daß unser weltweiter Einfluß auf Frieden und Fortschritt niemals
größer gewesen sei. Manche Leute sagen uns, daß wir uns überall auf der Welt
auf dem Rückzug befänden, andere wiederum sagen uns, daß wir draußen in der
Welt niemals mehr respektiert worden und erfolgreicher gewesen seien als heute.
Als Außenminister muß ich mich natürlich von parteipolitischen Debatten
fernhalten, obwohl meine Sympathien aus bestimmten Gründen nicht bei den "manchen Leuten", sondern bei den "anderen" liegen.
Aber wie sehr auch immer die Meinungen der Amerikaner in spezifischen Fragen ,
auseinander gehen mögen, die Geschichte der Nachkriegszeit hat keinen Zweifel
über Art und Wesen unserer globalen Verantwortung gelassen. Ohne den Einsatz
*
Amerikas kann es keine wahre Sicherheit in der Welt geben. Ohne unser Eintreten kann es keinen Fortschritt geben. Ohne unsere Stärke werden die Völker auf
der ganzen Welt in Furcht leben. Ohne unseren Glauben und unsere Treue werden
sie in Verzweiflung leben.
Amerikas Beitrag zum weltpolitischen Geschehen entstammt aus unserer Überzeugung, daß»selbst wenn die Geschichte oft grausam ist, das Schicksal durch
menschlichen Glauben und menschlichen Mut gestaltet werden kann. Unser Optimismus ließ uns begreifen, daß die größten Leistungen Träume waren, ehe sie zur
Wirklichkeit wurden. Wir haben - wie nur wenige sonst - aus Erfahrung gelernt,
daß alles, was schöpferisch ist, letztlich eine moralische Gewißheit ist - der
Glaube, der auch dort wagt, wo die Sicherheit fehlt, der Mut, angesichts von
Not und Mißgeschick voranzuschreiten.
Für uns alle hier ist das überleben und die Sicherheit Israels ein tiefes
Anliegen. Aber wir wissen auch, daß selbst das Schicksal unserer engsten Freunde
- 2 -

�Freunde nicht in einem Vakuum gesichert werden kann.

Frieden, Fortschritt und

Gerechtigkeit werden nur dann für Amerika oder Israel zu einem sicheren Besitz
werden, wenn sie in einer friedlichen, fortschrittlichen und gerechten internationalen Ordnung eingebettet sind.

Die Aufgaben, eine solche Ordnung zu ge-

stalten, ist die fundamentale Herausforderung an unsere

Zeit.

Kein Volk hat mehr von des Menschen Erhöhung - und des Menschen Erniedrigung - erfahren als das jüdische Volk.

Das jüdische Volk weiß, daß das über-

leben ein ständiges Kämpfen und Ringen ist.

Aber es weiß genau so gut, daß der

Friede - wenn er mehr als eines Propheten Traum sein soll - auf dem Gewissen der
Menschheit ruhen muß, das durch konkrete Anstrengungen aller Völker und aller Nationen seinen Ausdruck findet.
Amerika ist auf Grund seines eigenen Erbes ständig um eine solche Erforschung seines Gewissens bemüht. Wie dient unsere Außenpolitik moralischen
Zwecken? Wie kann Amerika seine Rolle als Beispiel des Humanen und als Vorkämpfer der Gerechtigkeit in einer Welt spielen, in der die Macht doch oft noch
den letzten Ausschlag gibt? Wie können wir beides - unsere Existenz und unsere
Werte - Sichern? Wie können wir Mittel und Zweck, Prinzip und überleben miteinander in hinklang bringen?
Diese Fragen sind in unserer ganzen Geschichte gestellt worden; sie werden
heute zu Recht erneut gestellt. Aber sie erfordern mehr als simple Antworten
und gängige Schlagworte.
Es besteht kein Zweifel, daß Politik ohne moralische Zielsetzung wie ein
Schiff ohne Steuer ist, das richtungslos von Krise zu Krise treibt.

Eine auf

bloßer Berechnung beruhende Politik ist inhaltsleer, ohne Vision und Humanität.
Ihr fehlt nicht nur die Richtung, sondern auch die Verankerung und das Herz.
Amerikaner haben stets die Ansicht vertreten, daß Amerika für eine moralische
Zielsetzung über und jenseits der materiellen Errungenschaften eintritt.
Aber

�»

Aber wir müssen uns auch daran erinnern, daß die Politik die Kunst des
Möglichen ist; die Wissenschaft vom Relativen.

Wir leben in einer Welt mit

150 souveränen Nationen, tiefgreifenden ideologischen Differenzen und nuklearen
Waffen

Unsere Macht ist gewaltig, aber sie ist dennoch endlich und begrenzt.

Eine wahrhaft moralische Politik muß die Ziele zu den Mitteln und die Verpflichtungen zu den Möglichkeiten ins Verhältnis setzen.

Amerika muß,um sich selbst

treu zu sein, seinen Blick auf entfernte Horizonte gerichtet halten; wir müssen
aber auch mit unseren Beinen fest auf dem Boden der Wirklichkeit stehen,, W
müssen Moral von moralisieren unterscheiden lernen.

Wir müssen uns erinnern,

daß die feierliche Anrufung hochfliegender Prinzipien in unserer Geschichte genau so oft zu Verzicht wie zu Übereinsatz geführt hat«

Beide Tendenzen aber

wären für die internationale Ordnung und unser Wohlergehen katastrophal.
Es ist die große Aufgabe der amerikanischen Außenpolitik, der moralischen
Verheißung Amerikas gerecht zu werden und dabei die praktischen Erfordernisse
der Weltordnung zu erfüllen.

Wie wir damit fertig werden, wird für den Frieden

und den Fortschritt Amerikas und der Welt entscheidend sein.
Das ist das Thema, über das ich heute mit Ihnen sprechen möchte.
Von Anbeginn ihrer Geschichte an haben die Amerikaner geglaubt, daß dieses
Land eine moralische Aufgabe und Bedeutung habe, die seine geographische, militärische und wirtschaftliche Macht transzendiere. Ohne Beispiel unter den anderen Nationen der Welt wurde Amerika als eine bewußte Tat von Männern geschaffen, die mit voller Hingabe für ein System politischer und ethnischer Grundsätze
eintraten, die - wie sie glaubten - weltweit gültig und anwendbar seien. Wen
kann es wundern, daß dann Santayana zu dem Schluß kam: "Ein Amerikaner zu sein,
das ist als solches schon beinahe ein moralischer Zustand."
Aber dieser Idealismus stand auch in ständiger Spannung zu einer anderen
tiefreichenden Strömung in unserer geschichtlichen Erfahrung. Seit de Tocqueviile
ist immer wieder darauf hingewiesen worden, daß wir auch ein pragmatisches Volk
seien - mit common sense, undogmatisch und undoktrinär - eine Nation, deren
- 4 -

�deren Energie, Einfallsreichtum und Geist auf die Praxis ausgerichtet sind.
Wir haben die Toleranz und den Kompromiß zur Grundlage unseres politischen Lebens hier in den USA gemacht.

Wir haben unsere grundsätzlichen Ziele defi-

niert - Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Fortschritt - und zwar in
offener und freiheitlicher Form, wodurch die Chancen und die Freiheit

ver-

größert und keine uniformen Verhaltensnormen aufgezwungen werden.
Amerika hat international immer dann seine größte Wirksamkeit erzielt, wenn
unsere idealistischen und pragmatischen Traditionen miteinander zum Tragen gebracht wurden. Unsere Gründerväter waren Idealisten, die ein neues Experiment
der menschlichen Freiheit begannen. Sie waren aber auch welterfahrene und weltoffene Männer; sie verstanden etwas vom europäischen Gleichgewicht der Kräfte
und wandten dies in brillanter Weise an, um ihre Unabhängigkeit zu sichern.
Danach widmeten wir unsere Energie ein Jahrhundert lang der Entwicklung
unseres Kontinents, bereit, die Welt durch ein moralisches Beispiel zu beeinflussen.

Durch zwei Ozeane und die britische Marine abgeschirmt und mit einer

freigebigen Natur des Landes gesegnet, gelangten wir zu der Überzeugung, daß
unsere spezielle Situation

weltweit Gültigkeit habe - selbst für Länder, deren

engerer Lebensraum bedeutete, daß ihre Auswahlmöglichkeiten weitaus begrenzter
waren als die unsrigen.

Wir schätzten die Macht gering ein, selbst als wir

stärker wurden; wir neigten dazu, unsere Erfolge nicht als Ergebnis günstiger
Umstände zu sehen, sondern als das Resultat von Tugend und der Reinheit unserer Motive.
Als unsere Macht wuchs, wurden uns ihre Anwendung und die damit verbundene Verantwortung unbehaglich; wir wurden ungeduldig bezüglich der Kompromisse
der tagtäglichen Diplomatie.

Unser Aufstieg zur Großmacht wurde von zahlreichen

Amerikanern gefürchtet und abgelehnt, die nur den Prozeß einer immer größeren
Verwicklung in eine moralisch fragwürdige Welt voraussahen.
In den frühen Jahrzehnten dieses Jahrhunderts versuchten wir, die Spannungen
zwischen Idealen und Interessen dadurch auszugleichen, daß wir uns auf humanitäre
- 5 -

�humanitäre Anstrengungen beschränkten und Zuflucht nahmen zu unserem Glauben
an die Vorherrschaft des Rechts. Wir leisteten Pionierarbeit bei den Hilfsprogrammen, wir setzten uns für freien Handel und Auslandsinvestitionen ein.
Wir bemühten uns um juristische Lösungen von internationalen Konflikten - wir
versuchten es mit Schlichtung, Aussöhnung, juristischen Vorkehrungen, Verträgen
zur Beseitigung des Krieges, Neutralitätsgesetzgebung, kollektiven Sicherheitssystemen o Diese Anstrengungen, die Realität der Macht zu verbannen, wurden
durch unser Engagement in zwei Weltkriegen zunichte gemacht.

Während wir ein

klares Sicherheitsinteresse an einem Europa hatten, das frei von Beherrschung
durch irgendeine Macht war, verschleierten wir dieses Interesse mit Behauptungen,
daß wir eigentlich für weltweite moralische Ziele - "einen Krieg zur Beseitigung
des Krieges" - oder für die bedingungslose Kapitulation des Aggressors kämpfen
würden.
Eine Desillusionierung machte sich breit, als das Ergebnis der beiden Weltkriege zwangsläufig nicht den Erwartungen entsprach. Nach dem Ersten Weltkrieg
wuchs die Flut isolationistischer Gefühle, die moralische Proklamationen mit
der Verweigerung konkreter Verpflichtungen verbanden. Wir waren nicht willens,
uns einer Welt mangelhafter Sicherheit, unbequemer Bündnisse, sich ständig
wiederholender Krisen sowie der Notwendigkeit einer politischen Struktur zu
stellen, die den Frieden sichern würde.
Unsere erste längere Periode einer Führungsrolle in der Welt in Friedenszeiten während der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg war getragen von einem
überaus großen Selbstbewußtsein, das glücklicherweise mit einer überwältigenden
materiellen Überlegenheit gepaart war. Und wir standen einem Gegner gegenüber,
dessen politisches System und dessen Handeln auf weltpolitischer Bühne unsere
am höchsten geschätzten Grundsätze ausdrücklich in ihrer Existenz bedrohten.
In einer Zeit, in der offensichtlich eine eindeutige, traditionelle SchwarzWeiß-Betrachtungsweise vorherrschte, sahen wir uns auf der ganzen Welt wirtschaftlichen Problemen gegenüber - die wir im eigenen Lande erfolgreich gelöst hatten
und die wir nun überall zu überwinden suchten, indem wir einfach das Gewicht

�Gewicht unserer materiellen Mittel in die Waagschale warfen - oft mit erstaunlichem Erfolg.

Wir projizierten unsere innenpolitischen Erfahrungen ins Aus-

land und gingen davon aus, daß wirtschaftlicher Fortschritt automatisch zu politischer Stabilität führen müsse.

Und im Verlauf dieses Prozesses - ohne eine

bewußte Entscheidung in diesem Sinne zu treffen - versuchten wir, die Welt nach
unseren Vorstellungen zu gestalten.

Die Welt ist komplexer geworden
Unsere Politik nach dem Kriege war durch große Erfolge gekennzeichnet:
Wiederaufbau Europas und Japans, Widerstand gegen Aggression und Förderung der
Entkolonialisierung.
Unsere heutige Welt ist nicht mehr so einfach.
Wir bleiben weiterhin die stärkste Nation und der größte Einflußfaktor in
der Weltpolitik. Dreißig Jahre lang hat unsere Führung für Weltfrieden, Fortschritt und Gerechtigkeit gesorgt. Unsere Führung wird heute noch genau so gebraucht, aber sie muß im Lichte veränderter Bedingungen neu definiert werden.
Wir leben nicht mehr in einer Welt des amerikanischen Nuklearmonopols,sondern
in einer Welt des praktischen nuklearen Gleichgewichts. Wir leben nicht mehr
in einer Welt solider Blöcke und klarer Trennungslinien, sondern in einer Welt
ständig zunehmender Zentren der Macht und des Einflusses. Wir leben nicht mehr
in einer Welt, die nationalen oder regionalen Lösungen zugänglich wäre, sondern
in einer Welt der wirtschaftlichen Interdependenz und gemeinsamer globaler Aufgaben.
Damit machten wir Amerikaner zum ersten Mal die Erfahrung, daß wir uns
weder der Welt entziehen noch sie beherrschen können.

Wir müssen vielmehr

- wie alle anderen Völker in der Geschichte - heute unsere Diplomatie

mit

Fingerspitzengefühl, Flexibilität, Beharrungsvermögen und Einfallsreichtum füh-

�fuhren, wenn wir unsere nationalen Ziele bewahren und fördern wollen.
Wir können nicht mehr anderen unsere Lösungen aufzwingen; und doch wird
unser Handeln - oder unsere Tatenlosigkeit - den Gang der Ereignisse, oft entscheidend, beeinflussen.

Wir können nicht die Macht aus der Weltpolitik verban-

nen, aber wir können unsere gewaltige Macht klug und fest benutzen, um vor der
Aggression abzuschrecken und die Zurückhaltung zu ermutigen.
legung von Streitigkeiten durch Verhandlungen fördern.

Wir können die Bei-

Wir können zum Aufbau

gerechterer Beziehungen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern und
einer stärkeren Interessengemeinschaft aller Nationen beitragen.

Und wir müs-

sen weiterhin für Freiheit und Menschenwürde in der Welt eintreten.
Das sind Ziele, die es wert sind, verfolgt zu werden.
werden.

Sie können erreicht

Aber sie verlangen eine andere Dimension der moralischen Überzeugung

als jene einer einfacheren Vergangenheit.

Sie verlangen Standfestigkeit, um

inmitten von Zwiespältigkeit und endloser Belastung auszuharren; sie verlangen
den Mut, an dem festzuhalten, an das wir glauben - auch in der Erkenntnis, daß
jedes Mal unsere Hoffnungen wahrscheinlich nur zum Teil erfüllt werden.
Wir dürfen niemals vergessen, daß wir vor anderthalb Jahrzehnten genau
unter den Bannern weltweiter moralistischer Schlagworte zu Abenteuern antraten,
die unser Land spalteten und unsere internationale Position unterhöhlten. Erst
in den letzten Jahren haben wir wieder damit begonnen, unsere Verpflichtungen
entsprechend unseren Fähigkeiten auszurichten.
Wir müssen ohne Frage unsere Werte und unsere Grundsätze aufrechterhalten;
aber wir riskieren eine Katastrophe, wenn wir sie nicht nach nationalen Interessen und einer internationalen Ordnung ausrichten, die nicht auf dem Impuls,
sondern auf einer stetigen Zielsetzung beruhen, die das amerikanische Volk auf
lange Sicht aufrechterhalten kann.
Hier geht es nicht um eine Wahl zwischen Moralität und Pragmatismus. Wir
können der einen wie dem anderen nicht ausweichen,ohne unserem eigenen National- 8 -

�Nationalcharakter oder den Erfordernissen der Weltgemeinschaft untreu zu werden.

Unsere Sache muß eine gerechte Sache sein, aber sie muß in einer Welt

souveräner Nationen und konkurrierender Willen gedeihen können.

Wir können

keine positiven Ziele erreichen, wenn wir nicht überleben; und überleben stellt
ganz praktische Anforderungen.

Weder moralistische Rhetorik noch eine Politik

reiner Machtbesessenheit werden eine Außenpolitik hervorbringen können, die
unserer Chancen wert wäre - oder für unser überleben ausreichen würde.

Die Moralitat von Mittel und Zweck
Amerika - und die Gemeinschaft der Völker - stehen heute vor unausweichlichen Aufgaben:
- Wir müssen einen sicheren und gerechten Frieden aufrechterhalten.
- Wir müssen eine kooperative und allen nützlichen internationale Ordnung
schaffen.
- Wir müssen die Rechte und die Würde des Menschen verteidigen.
Jede dieser Aufgaben hat eine moralische und eine praktische Dimension.
Bei jeder geht es um wichtige Zwecke, aber Zwecke, die manchmal im Gegensatz
zueinander stehen. Wenn das der Fall ist, dann stehen wir wirklich vor dem
moralischen Dilemma der Außenpolitik: der Notwendigkeit, zwischen legitimen
Zielen und Zwecken zu wählen und unsere Zwecke den Mitteln anzupassen.

Frieden
In einem Zeitalter, in dem der Fortbestand der Menschheit überhaupt durch

�durch einen nuklearen Weltbrand bedroht ist, ist der Friede ein fundamentales
moralisches Gebot.

Ohen Frieden kann nichts anderes, was wir tun oder anstre-

ben, letztlich Bedeutung haben.

Niemand soll sich darin täuschen - die Abwen-

dung der Gefahr eines Atomkrieges und die Begrenzung und schließliche Verringerung der zerstörerischen nuklearen Arsenale ist ein moralischer und ein politischer Akt.
Im Nuklearzeitalter müssen traditionelle Machtpolitik, der Kampf um marginale Vorteile, das Streben nach Prestige und einseitigen Gewinnen einem bisher nie dagewesenen Verantwortungsgefühl weichen.

Die Geschichte lehrt uns, daß

Kräfteverhältnisse auf der Grundlage eines ständigen Messens der Kräfte immer
zum Krieg geführt haben.

Aber der gesunde Menschenverstand sagt uns, daß wir

im Nuklearzeitalter nicht zulassen dürfen, daß sich die Geschichte wiederholt.
Jeder Präsident wird früher oder später mit Präsident Eisenhower übereinstimmen
müssen, daß "es keine Alternative zum Frieden gibt".
Aber so entscheidend wichtig der Frieden ist, so kann er doch nicht unser
einziges Ziel sein. Wenn wir ihn um jeden Preis anstreben würden, dann würde
uns das moralisch wehrlos machen und die Welt auf Gnade oder Ungnade dem Unbarmherzigsten überlassen. Die Menschheit muß, wie schon Tacitus sagte, mehr tun,
als nur eine Wüste schaffen und das Frieden nennen.
In einer Welt, deren Besessenheit vom Frieden zur Beschwichtigung führt,
wird es keine Sicherheit geben. Aber ebenso wenig wird es in einer Welt Sicherheit geben, in der das einzige Maß des Wettbewerbs die rhetorische Drohgebärde
und die Anhäufung von Waffen sind. Wir schulden unserem Volk eine überzeugende
Begründung für die Belastung, die es zu tragen hat. Wir müssen alles in unseren
Kräften stehende tun, um den künftigen Generationen einen hoffnungsvolleren Frieden zu hinterlassen als den des Gleichgewichts des Schreckens.
Vor kaum vier Jahren forderten Demonstrationen auf den Straßen "Frieden"
als oberstes Ziel vor allen anderen Überlegungen.

Heute wird eine Politik der

Versöhnung oft als eine Politik einseitiger Zugeständnisse beschimpft.
Extreme gehen an unserer Aufgabe vorbei.

Beide

In der Suche nach Frieden sind wir

�wir ständig aufgerufen, Bilanz zu ziehen - zwischen Stärke und Versöhnung;
zwischen der Notwendigkeit, unsere Werke und Interessen zu verteidigen, und
der Notwendigkeit, die Auffassungen der anderen in Rechnung zu stellen; zwischen Teillösungen und Gesamtlösungen.
Die Aufgabe der Außenpolitik besteht darin, die richtige Bilanz zwischen
konkurrierenden Zielen und Zwecken und zwischen Mitteln und Zwecken zu finden.
Jede gewissenhafte politische Entscheidung wird zwangsläufig von Problemen der
Wahl des Zeitpunktes, der Methode und der Durchführbarkeit bestimmt.

Es gibt

bestimmte Experimente, die man gar nicht erst versuchen kann -, nicht weil die
Ziele nicht wünschenswert wären, sondern weil die Folgen eines Fehlschlags so
groß wären, daß nicht einmal das höchste Ziel das Risiko rechtfertigen kann.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Nahe Osten. Kein Volk sehnt sich mehr
nach einem umfassenden Frieden als das Volk von Israel, dessen Existenz in
seiner ganzen Geschichte von keinem seiner Nachbarn je anerkannt wurde. Es
gibt Leute, die behaupten, daß im Gefolge des Krieges von 1973 der ganze Komplex arabisch-israelischer Fragen - Grenzen, Friedensauflagen, Flüchtlinge
usw. - gleichzeitig auf einer Konferenz hätte angepackt werden sollen. Aber
die Befürworter dieses Kurses lassen die Tatsache außer acht, daß sich dies
damals wahrscheinlich als katastrophal erwiesen hätte: Die Vereinigten Staaten
hatten mit mehreren der wichtigen arabischen Staaten überhaupt keine diplomatischen Beziehungen; praktisch war die Sowjetunion der Anwalt der arabischen
Sache; es herrschte noch immer ein ölembargo; und die Feindseligkeit zwischen
den arabischen Staaten und Israel blieb noch immer am Zündpunkt. Unter solchen
Umständen mußten die Chancen für den Erfolg einer umfassenden Inangriffnahme
gering sein, und die negativen Auswirkungen eines Fehlschlags wären weitreichend
gewesen: Fortsetzung des ölembargos, Verbleiben der amerikanischen Beziehungen
zur arabischen Welt auf dem Nullpunkt, entsprechende Zunahme des sowjetischen
Einflusses, Belastung des Verhältnisses zu unseren Verbündeten in Europa und
Japan, zunehmende Isolierung Israels - und damit die Wahrscheinlichkeit eines
erneuten Aufflackerns des Nahostkrieges unter noch schwierigeren Bedingungen.

Wir
- 11 -

�i

Wir zogen es vor, Schritt für Schritt jene Fragen in Angriff Z J
nehmen, bei denen Raum für ein übereinkommen vorhanden zu sein schien.

Wir

versuchten, ein neues Verhältnis zur arabischen Welt herzustellen, die
Fähigkeit der Sowjets zur Ausnutzung von Spannungen zu verringern

und

unter den direkt Beteiligten ein neues Gefühl des Vertrauens aufzubauen,
das eines Tages Gesamtlösungen möglich machen würde.

Wir nahmen den Frieden

schrittweise in Angriff - aber immer mit der Absicht, am Ende die einzelnen
Schritte zu einer umfassenden Lösung zu vereinen.
In dem kurzen Zeitraum von 18 Monaten wurden drei Abkommen erreicht zwei zwischen Ägypten und Israel und eines zwischen Syrien und Israel. Als
Ergebnis sind heute die Chancen für einen echten Frieden größer als jemals
zuvor.
Es bleibt noch ein tiefer Argwohn, aber die ersten wichtigen Schritte
sind getan. Die Anfänge eines gegenseitigen Vertrauens - vorher niemals zu
sehen - beginnen sich abzuzeichnen. Einige arabische Staaten sprechen zum
ersten Mal öffentlich von Frieden und der Beendigung eines generationsalten
Konflikts. Es ist außenstehenden Ländern nicht mehr so leicht möglich,
einmal verringerte Spannungen zu verschärfen. Die Inangriffnahme Schritt
für Schritt hat uns damit an einen Punkt gebracht, an dem umfassende
Lösungsversuche der nächste logische Schritt sind.
Die Entscheidung, vor der wir heute stehen, ist nicht ob, sondern wie
die nächste Verhandlungsphase einzuleiten ist. Und wir werden uns zusammen mit unseren israelischen Freunden - mit neuer Hoffnung und neuem
Vertrauen an diese Aufgabe machen.
Internationale

- 12 -

�Internationale Zusammenarbeit
Das zweite moralische Gebot für Amerika ist die wachsende Notwendigkeit einer weltweiten Zusammenarbeit.
Wir leben in einer Welt von mehr als 150 Staaten, von denen jeder
Souveränität fordert und das Recht auf Verwirklichung seiner nationalen
Bestrebungen und Hoffnungen beansprucht.

Es liegt auf der Hand, daß keine

Nation alle ihre Ziele verwirklichen kann, ohne daß dadurch die Rechte
anderer beeinträchtigt werden.

Daher sind zumindest bei einigen Streit-

fragen Kompromisse und ein gemeinsames Vorgehen unerläßlich.

Die

wachsende Interdependenz der Staaten macht angesichts polarisierender
Tendenzen des Nationalismus und der Ideologie die Schaffung einer echten
Weltgemeinschaft unbedingt erforderlich.
Wir leben in einem Zeitalter der Teilung - der Teilung zwischen Ost
und West und der Teilung zwischen modernen Industrienationen und den
Entwicklungsländern. Es liegt auf der Hand, daß eine Welt, in der einige
wenige Nationen Inseln des Wohlstands inmitten eines Meeres der Armut,
der Krankheit und der Verzweiflung darstellen, von Grund auf unsicher und
moralisch unerträglich ist. Jene Nationen, die sich vom Besitz ausgeschlossen fühlen, werden zur Brutstätte von Aufruhr. Die Konfrontationstaktiken jedoch, mit denen einige der Entwicklungsländer ihre Ziele verfolgen,sind ebenso unerträglich wie gefährlich.
Die großen Aufgaben der Weltgemeinschaft werden realistische Vorstellungen sowie Maßnahmen von Nord und Süd gleichermaßen erfordern.

Die

Industrienationen sollten nicht von einem Gefühl der Schuld besessen sein
oder auf ewig am Status quo festhalten.

Die Entwicklungsländer anderer-

seits sollten nicht versuchen, ihre Ziele durch Nötigung oder Erpressung
zu erreichen.

Notwendig ist in aller Welt der ernsthafte Einsatz für die

Erfordernisse der Zusammenarbeit, ohne die weder die eine noch die andere
Gruppe ihre Ziele verwirklichen kann.
Die
- 13 -

�Die Ziele der Entwicklungsländer sind klar: sie wollen wirtschaftliche
Entwicklung, sie wollen bei internationalen Entscheidungen, die sie berühren, eine Rolle spielen, und sie wollen einen fairen Anteil an weltweiten wirtschaftlichen Vorteilen.

Die Ziele der Industrieländer sind

gleichermaßen klar: eine wachsende Prosperität, ein offenes weltweites
Handels- und Investitionssystem mit expandierenden Märkten für Nord und
Süd und eine verläßliche und gerechte Entwicklung der Vorräte der Welt an
Nahrungsmitteln, Energie und Rohstoffen.
Die Ziele beider Seiten können nur verwirklicht werden, wenn sie als
komplementär und nicht als antagonistisch gesehen werden.

Der Prozess der

Schaffung einer neuen Ära internationaler Wirtschaftsbeziehungen wird über
die restlichen Jahre dieses Jahrhunderts anhalten.

Wenn diese Beziehungen

gerecht und von Dauer sein sollen, dann werden ohne Fragen Verhandlungen und
Kompromisse hinsichtlich der verschiedenartigen und in Widerstreit miteinander
stehenden Interessen nötig sein.

Vor allem aber wird ein moralischer Akt

notwendig sein: auf Seiten der Industriestaaten bedarf es der Bereitschaft,
die für die Schaffung eines Gemeinschaftsgefühls notwendigen Opfer zu
bringen - solange es noch Zeit für versöhnliche Maßnahmen ist -, und auf
Seiten der Entwicklungsländer bedarf es der Bereitschaft, auf Nötigung und
Erpressung zu verzichten - und zv-r jetzt, bevor die Welt unwiderruflich
in zwei sicii befehdende Lager gespalten ist - und Forschritte durch Zusammenarbeit zu suchen.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits haben sich dem Weg der Zusammenarbeit
verschrieben sowie der Schaffung einer stabilen und kreativen Welt, an deren
Erhaltung alle Nationen - neue und alte, schwache und starke, reiche und
arme - ein Interesse haben, weil sie an ihrer Gestaltung Anteil hatten.
Menschliche

�Menschliche Werte:
Unser drittes moralisches Gebot ist die Pflege der menschlichen Werte.
Es ist die Tragödie unserer Zeit, daß eben die gleichen Werkzeuge der
Technologie, die unser Jahrhundert zu dem produktivsten in der Geschichte
der Menschheit gemacht haben, auch dazu dienten, Millionen von Menschen
einer völlig neuen Dimension der Einschüchterung, des Leidens und der
Furcht zu unterwerfen.
Die Gewissens- und Ausdrucksfreiheit des Einzelnen ist das stolzeste
Erbe unserer Kutlur. All unser Bemühen bei der Suche nach Frieden, im Ringen
um stärkere politische Zusammenarbeit und um eine faire und blühende
internationale Wirtschaft ist in unserer Überzeugung verankert, daß nur
die persönliche Freiheit es ermöglicht, die schöpferische Kraft des
Menschen zu vollstem Ausdruck zu bringen. Wir wissen, daß technischer
Fortschritt ohne Gerechtigkeit der Humanität Hohn spricht; daß nationale
Einheit ohne Freiheit ein hohler Triumph ist und daß Nationalismus ohne
klares Wissen um die menschliche Gemeinschaft - wozu auch das Eintreten
für die Menschenrechte gehört - Gefahr läuft, ein Instrument der Unterdrückung und eine Kraft des Bösen zu werden.
Es ist unsere Pflicht als führende Demokratie der Welt, uns dafür
einzusetzen, daß die Freiheit für den menschlichen Geist gewährleistet
wird. Aber die Verantwortung zwingt uns auch zur Erkenntnis unserer
Grenzen. Unsere Bündnisse, die politischen Beziehungen, die zwischen uns
und anderen Nationen im Verlauf der Jahre aufgebaut wurden, dienen der Sache
des Friedens, indem sie regional und weltweit die Sicherheit stärken. Richtig
verstanden sind sie kein Gunsterweis an andere, sondern Anerkennung gemeinsamer Interessen. Sie sollten aufgelöst werden, wenn diese Interessen
sich wandeln. Sie sollten jedoch in der Regel nicht als Hebel benutzt
werden, um eine Verhaltensnorm zu erzwingen oder Aktionen zu bestrafen, mit
denen wir nicht übereinstimmen. In vielen Ländern - so verschieden ihre
inneren Strukturen auch von den unsrigen sein mögen - ist die Bevölkerung
einmütig in dem Wunsch, unsere Protektion gegen eine
Aggression
- 15 -

�Aggression von außen zu erlangen.

In vielen Ländern haben sich unsere

außenpolitischen Beziehungen nicht als Hindernis für die Kräfte des
Wandels erwiesen.

Und in anderen hat der Prozess der Abkehr Amerikas das

Geühl der Sicherheit untergraben und damit das Gefühl geweckt, daß eine
stärkere innere Disziplin notwendig sei - während sich gleichzeitig unser
Vermögen verringerte, Einfluß auf die innenpolitischen Praktiken, die wir
kritisieren, zu nehmen.
Es gibt keine einfache Antwort auf das Dilemma, dem sich eine große
Demokratie unter solchen Umständen gegenübersieht.

Wir haben sowohl eine

moralische als auch eine praktische Verpflichtung,für unsere Werte einzustehen und Ungerechtigkeit zu bekämpfen. All jene, die sich mit Entschiedenheit für die Freiheit aussprechen und die Übergriffe repressiver Regime
brandmarken, tun dies in der besten amerikanischen Tradition. Sie kennen und haben - damit dramatische und erfreuliche Wirkungen erzielen. Aber es
gibt auch Zeiten, in denen der Versuch, einem anderen Lande eine moralische
Lektion zu erteilen, sich als Rückschlag für die Werte erweisen kann, die
wir zu fördern suchen.
Es ist die Überzeugung dieser Administration, daß jede nur erdenkliche
Anstrengung unternommen werden muß, um die Achtung vor den Menschenrechten
zu fördern und zu vergrößern, daß aber ein öffentlicher Kreuzzug dazu meist
nicht die wirksamste Methode ist.
Unser Ziel waren Resultate, nicht Publizität. Wir waren besorgt - und
das mit gutem Grund - daß die Forderungen des nationalen Prestiges den Sieg
über die ehrenwertesten Ziele erringen würden, wenn solch c'irfizile und
heikle Fragen zur Kraftprobe zwischen Regierungen gemacht würden. Wir waren
generell gegen alle Versuche, solche diffin .en internationalen Menschenrechtsfragen durch gesetzgeberische Maßnahmen zu behandeln • da die Gesetzgebung fast immer zu wenig flexibel, zu sehr an die Öffentlichkeit gewandt
und ein zu schwerfälliges Mittel ist, um das zu erreichen, was man erstrebt.
Durch

�Durch stille Diplomatie hat diese Administration die gänzliche oder
vorläufige Entlassung von vielen Hunderten von Gefangenen in der ganzen
Welt zu erwirken vermocht und in einer Reihe von Ländern repressive Verhältnisse gemildert.

Aber wir haben Erfolge in spezifischen Fällen selten

der Öffentlichkeit bekanntgemacht.
Das eindringlichste Beispiel war der Fall der jüdischen Auswanderung
aus der Sowjetunion. Die Zahl der sowjetischen Juden, denen im Jahre 1968
die Auswanderung gestattet wurde, betrug 400; bis 1973 war diese Zahl auf
35 000 angestiegen. Der Grund für dieses sprunghafte Hochschnellen der
Zahl liegt weitgehend in den beharrlichen,aber vertraulich behandelten
Vorstößen bei der sowjetischen Regierung und der parallel einhergehenden
Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen insgesamt. Hunderte
von Härtefällen wurden von Präsiient Ford und seinen nächsten Mitarbeitern
in vertraulichen persönlichen Diskussionen behandelt. Es gab keine
öffentliche Bekanntgabe oder Konfrontation. Aber die Ergebnisse waren
für alle sichtbar. Als man noch größere Forschritte durch Konfrontation
und Gesetze zu erreichen versuchte, war das Ergebnis tragisch. Heute ist
die ji'-Hsche Emigration aus der Sowjetunion auf die Zahl von annähernd
10 000 im Jahr zurückgefallen. Ich betone dies hier nicht, um Pluspunkte in
der Debatte gegen Männer zu erlangen, deren Ernsthaftigkeit in der Zielsetzung und Hingabe an die Sach&lt;~ der jüdischen Emigration ich zutiefst
respektiere. Vielmehr soll es ein Hinweis darauf sein, daß moralische
Zwecke als solche of nicht ausreichen. Auch die angewandten Mittel haben
eine moralische Qualität und moralische Konsequenzen. Und welche ehrlichen
Meinunsverschiedenheiten auch immer zwischen betroffenen Einzelnen in Bezug
auf das Problem der jüdischen Emigration aus der Sowjetunion bestanden haben
mögen, diese Administration bleibt dem Ziel verschrieben. Sie wird keine
Anstrengung sparen, um den Strom der Emigranten erneut zu verstärken,und
wird mit den zuständigen Organisationen in diesem Bemühen zusammenarbeiten.

Die

- 17 -

�&gt;

Die Frage der Menschenrechte ist - wie ich gesagt habe - keine leichte
Sache,und man sollte sich ihrer Kompliziertheit voll bewußt sein.

Die

Erfahrung des letzten Jahrzehnts dürfte uns gezeigt haben, daß wir unsere
Fähigkeit, soziale und politische Veränderungen in anderen Ländern vorauszusehen, geschweige sie zu gestalten, nicht so überschätzen sollten.
Eingedenk dieser schmerzlichen Lehre, möchte ich jetzt die Grundsätze
darlegen, die die Ford-Administration bei ihrer Arbeit leiten:
- Die Menschenrechte sind ein legitimes internationales Anliegen und
sind in internationalen Abkommen seit über einer Generation so definiert
worden.
- Die Vereinigten Staaten werden die Sache der Menschenrechte in geeigneten internationalen Foren und im Meinungsaustausch mit anderen
Regierungen fördern.

Wir werden all unseren Einfluß nutzen, um ein humanes

Verhalten in und zwischen den Ländern zu unterstützen.
*

- Wir werden der Grenzen unserer Einflußmöglichkeiten eingedenk
bleiben; wir werden uns des Unterschieds zwischen öffentlichem Bekennermut
zur Befriedigung unserer Selbstachtung und einer auf positive Resultate
abzielenden Politik bewußt bleiben.
- Wir werden niemals vergessen, daß die Opfer unserer c ehler - unserer
Handlungen und Unterlassungen - Menschen sind, und daran müssen wir unser
Handeln letztlich messen.
Somit kehren wir also zu dem zentralen Problem von Mittel und Zweck
zurück. Wenn jede Nation auf der Welt auf die unverzügliche Verwirklichung
ihrer Werte, Hoffnungen und Wünsche drängt, dann wird ein ewiger Konflikt
unvermeidlich sein. Sind wir, wenn wir darauf beharren, daß andere alle
unsere moralischen Vorstellungen akzeptieren, dann auch bereit, unsere
militärische Macht zum Schutze derjenigen einzusetzen, die tun, was wir
fordern? Und wenn diejenigen, die unsere Vorstellungen ablehnen, keine
Unterstützung mehr von uns erhalten - was werden wir dann unternehmen, wenn
die Isolation dieser Regierungen Druck von außen oder Angriffe seitens
noch repressiverer Staaten hervorruft?
Dienen
- 18 -

�Dienen wir moralischen Zielen, wenn wir dadurch unsere eigene Sicherheit gefährden?

Wenn wir weltweite moralische Ansprüche mit Macht durch-

setzen, dann laden wir uns die Rolle des Weltpolizisten auf - eine Rolle,
die das amerikanische Volk in einem Jahrzehnt des Aufruhrs abgelehnt hat.
Wenn wir aber diese Ansprüche nicht durchsetzen, dann werden wir an Bedeutung und Glaubwürdigkeit verlieren; wir werden eine Politik um der
eigenen Genugtuung willen ohne jede Wirksamkeit und letztlich ohne jedes
Format betreiben.

Ist es moralischer, das Unerreichbare anzustreben und

es nicht zu erreichen, oder nur die Zusagen zu machen, von denen wir wissen,
daß wir sie auch einhalten können?
Für die Amerikaner von heute gibt es nichts Wesentlicheres als die
Notwendigkeit, sich über die unvermeidlichen und ausweichlichen Spannungen
klar zu werden zwischen unseren moralischen Zielen - die notwendigerweise
in globalen Begriffen dargelegt werden - und dem ständigen Gebot, zwischen
konkurrierenden Zielen zu wählen, das uns durch die Begrenztheit unserer
Mittel auferlegt ist. Die Gestaltung und Durchführung der Außenpolitik ist genau wie im Leben - ein ständiges Bemühen, das richtige Verhältnis zwischen
dem Erstrebenswerten und dem Erreichbaren zu finden -, zwischen dem
erstrebten Zweck und den angewandten Mitteln. Wir brauchen moralische
Stärke, um zwischen den sich anbietenden, oft quälenden Möglichkeiten auszuwählen, und eine ethische Zielsetzung, um zwischen den Untiefen schwieriger
Entscheidungen navigieren zu können. Aber wir benötigen genauso einen ausgereiften Sinn für die anzuwendenden Mittel, damit wir nicht Wunschdenken an
die Stelle des für den Fortbestand Erforderlichen setzen. Der letztliche
Prüfstein für die moralischen Grundlagen der Außenpolitik sind nicht nur
die Werte, die wir proklamieren, sondern auch die Dinge, die zu verwirklichen
wir bereit und fähig sind.
Ich habe das Dilemma einer moralischen Auswahl nicht erörtert, um
Resignation zu predigen, sondern um eine Botschaft der Hoffnung zu verkünden.

So sehr wir Amerikaner auch zur Selbstkasteiung neigen - vor allem

in Jahren, die durch vier teilbar sind (Wahljahren), so können wir doch
stolz

�»
i

stolz sind aufdie außenpolitischen Erfolge der letzten Jahre, Erfolge,die
sowohl auf moralischer als auch auf praktischer

Grundlage fußen:

- Wir haben den vorgefundenen Krieg beendet und den Frieden bewahrt,
- Wir haben unsere Partnerschaft mit den demokratischen Industrieländern und unseren Schwesterrepubliken in dieser Hemisphäre wieder aufgebaut und gestärkt.
-iWir haben neue Beziehungen zu unseren Gegnern angeknüpft.
- Wir haben damit begonnen,dem nuklearen Wettrüsten Einhalt zu gebieten,
- Wir haben dazu beigetragen, daß die Saat des Friedens im Nahen Osten
gelegt wurde, und wir haben den Prozess der Aussöhnung im südlichen Afrika
eingeleitet.
- Wir haben damit begonnen, eine umfassende Agenda für eine Zusammenarbeit zwischen den Industrienationen und den Entwicklungsländern zu verwirklichen, um Armut, Unwissenheit, Krankheit, Not und Hunger zu bekämpfen.
- Wir haben in Zusammenarbeit mit anderen neue weltweite Aufgaben angepackt, die über Grenzen und Ideologien hinausreichen - nämlich die Probleme
der Umweltverschmutzung, der Beteiligung an den Ressourcen der Meere und
des technologischen Transfers.
- Wir haben unsere Werte und Interessen in aller Welt verteidigt.
Aber zwangsläufig ist eine ebenso große Liste unerledigt geblieben. Große
Möglichkeiten liegen noch vor uns:
- Die demokratischen Industrienationen können eine neue und dynamische
Periode der Kreativität in ihren Beziehungen zueinander einleiten und die
Grundlage für eine neue Einstellung gegenüber den Entwicklungsländern der
Welt schaffen.
Wir stehen vor der baldigen Möglichkeit, die strategischen Kernwaffenarsenale zu begrenzen und von dort aus zu einer Reduzierung dieser Waffen
zu gelangen.
- Wir

- 20 -

�- Wir können auf der vielversprechenden Grundlage der neuen Beziehungen zu der Volksrepublik China aufbauen.
- Wir haben die Möglichkeit, wichtige Fortschritte in Richtung auf
den Frieden im Nahen Osten zu erzielen, während wir gleichzeitig unsere
Verpflichtung für die Sicherheit und den Fortbestand Israels bekräftigen.
- Wir können dazu beitragen, daß die Völker Afrikas nach Versöhnung,
menschlicher Gerechtigkeit und Entwicklung streben statt nach Gewalt und Hass.
- Wir können dafür sorgen, daß das Atom zum Segen der Menschheit und
nicht zu deren Vernichtung benutzt wird.
- Die Entwicklungsländer können echte

Partner innerhalb der inter-

nationalen Gemeinschaft werden.
- Alle Länder können zusammenarbeiten, um eine weltweite Gemeinschaft
sowohl auf dem Lande als auch im weiten Bereich der Ozeane zu gestalten.
Bei der Verfolgung dieser Ziele müssen wir den Mut haben, uns der
Kompliziertheit zu stellen, und die innere Festigkeit besitzen, auch mit
nuklearen Situationen fertig zu werden. Wir müssen bereit sein, bequeme
Schlagworte zu durchschauen und zu erkennen,daß große Ziele nur mit Geduld
und oft nur Schritt für Schritt erreicht werden können. Eine Welt der
Unruhe und der Gefahr schreit förmlich nach klarer Gliederung und Führung.
Die heutige Zeit verlangt ein beständiges,entschlossenes, zielstrebiges
und selbstbewußtes Amerika. Das erfordert Vertrauen - das Vertrauen der
Führung in die eigenen Werte, das Vertrauen der Öffentlichkeit in ih^e
Regierung und das kollektive Vertrauen der Nation in den Wert ihrer Z'ele.
Es ist an der Zeit, uns daran zu erinnern, daß - wenn wir auch hinsichtlich
der Mittel nicht einer Meinung sein mögen - wir doch als Amerikaner alle
den gleichen Traum haben: Frieden, Prosperität und Gerechtigkeit in unserem
Lande und überall auf der Welt.
Vor vielen Jahren stellte Abraham Lincoln fest, daß kein Land auf Dauer
"halb als Sklave und halb als freier Mensch" leben könne, und damit rührte
er an das Gewissen der Nation.

Heute rufen die Menschen in aller Welt
laut
- 21 -

�I
laut nach Freiheit, Würde und Respektierung, und sie blicken voller
Hoffnung und Sehnsucht auf Amerika, denn wir haben an das Gewissen der
ganzen Menschheit gerührt.

Wenn wir an unseren Idealen festhalten,

wenn wir unsere Ziele hoch ansetzen, aber ohne Selbstgefaeiligkeit, dann
werden die nach uns kommen den Generationen zumindest einmal sagen können,
daß kein Mensch Sklave und kein Mensch Herr ist.

+ + +

- 22 -

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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

300

Information
und
Dokumentation

0 8 - 8 5 4 32

2.

21

November 1976

Inhalt

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Fords zur N u k l e a r p o l i t i k der V e r e i n i g t e n Staaten

Erklärung Carters zur amerikanischen N u k l e a r p o l i t i k
- Erwiderung auf d i e V e r ö f f e n t l i c h u n g Fords -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

21/1976

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT FORDS ZUR NUKLEARPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ford hat in
einer am 28. Oktober vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung die Völker zur
internationalen Zusammenarbeit bei der Verhinderung der Weiterverbreitung der Kernwaffenkapazitäten durch einen mindestens
dreijährigen Stop in der Aufbereitung des
nuklearen Abfalls von Kernkraftwerken aufgerufen. Durch diese Maßnahme soll die Gefahr verringert werden, daß das bei der
Aufbereitung gewonnene Plutonium zur Waffenherstellung verwendet wird. Der Vorschlag
Fords enthält eine Reihe weiterer wichtige«"
Beschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen
gegen die Weitergabe gefährlicher NuklearTechnologie und -Anlagen bei gleichzeitiger
Garantie der Versorgung mit friedlicher
Technologie.

Wir wissen seit Beginn des Kernzeitalters vor über 30 Jahren, daß diese
Energiequelle sowohl das Potential gewaltiger Vorteile für die Menschheit als
auch das Potential für Zerstörungen ohnegleichen besitzt.

Es besteht einer-

seits kein Zweifel, daß die Kernenergie eine der größten Hoffnungen auf die
Befriedigung des steigenden Weltenergiebedarfs bei einem Mindestmaß an Umweltbelastungen darstellt und das Potential der Verminderung der Abhängigkeit von
ungewissen und im Schwinden begriffenen WeltölVorräten birgt.
Andererseits

�Andererseits erzeugen Kernbrennstoffe im Zuge der Energieabgabe
Plutonium, das chemisch von den ausgebrannten Brennstoffelementen getrennt
werden kann.

Das Plutonium kann wiederaufbereitet und zur Erzeugung zusätz-

licher Kernenergie verwandt werden und damit die Inanspruchnahme zusätzlicher
Energiequellen teilweise überflüssig machen. Unglücklicherweise - und das
ist die Wurzel des Problems - läßt sich das Plutonium, das in Kernkraftwerken
erzeugt wird, nach der chemischen Trennung auch dazu verwenden, nukleare
Sprengstoffe herzustellen.

Die Weltgemeinschaft kann nicht dulden, daß sich

das potentielle Ausgangsmaterial für Kernwaffen oder die Technologie, solches
herzustellen, ungeingeschränkt über den ganzen Erdball verbreitet.

Die Welt-

gemeinschaft muß sicherstellen, daß die Erzeugung und Verwendung dieses Materials
durch jedes Land nur unter den strengsten Sicherheitsbedingungen und -Vorkehrungen erfolgt.
Die Erschließung der gewaltigen Vorteile der Kernenergie bei gleichzeitiger Entwicklung von Methoden zur Unterbindung der Weiterverbreitung von Kernwaffen ist eine der wichtigsten Aufgaben, vor die sich alle Nationen der Erde
heute gestellt sehen.
Die Normen, die wir zur Beurteilung der meisten heimischen und internationalen Aktivitäten anwenden, sind nicht streng genug, um mit diesem außerordentlich vielschichtigen Problem fertig zu werden.
Unsere diesbezüglichen Maßnahmen dürfen nicht nur zum Teil erfolgreich
sein. Entweder sind sie richtig - in welchem Falle wir der Proliferation Einhalt gebieten können - oder sie sind falsch - in welchem Falle sich die nukleare Proliferation in dem Maße beschleunigen wird, in dem Nationen, die ursprünglich nicht die Absicht hatten, nukleare Waffen zu erwerben, zu der Schlußfolgerung gelangen, daß sie durch Maßnahmen anderer hierzu gezwungen seien.
Sollte dies eintreten, stünden wir einer Welt gegenüber, in der die Sicherheit
aller Länder in höchstem Maße gefährdet ist. Die Aufrechterhaltung der internationalen Stabilität wäre in einer solchen Welt unermeßlich schwierig und gefährlich. In Zeiten regionaler oder globaler Krisen würden sich die Risiken

�Risiken einer nuklearen Verwüstung unermeßlich erhöhen - falls nicht auf
Grund eines direkten Angriffs, dann in einen Prozeß immer weitergehender
Eskalation.
Das Problem läßt sich solange meistern, wie wir es klar verstehen und
im Verein mit anderen Ländern klug handeln.

Wir sehen uns jedoch mit einer tra-

gischen Bedrohung konfrontiert, wenn es uns nicht gelingt, dieses Problem in
den Griff zu bekommen oder wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Somit bürdet der Ernst und die Mannigfaltigkeit des Problems allen
jenen, die Mittel und Wege zur Eindämmung der Proliferation vorschlagen, eine
besondere Verantwortung auf. Sie müssen der Versuchung rhetorischer Tiraden,
leerer Drohungen und eines angeberischen Gehabes widerstehen. Sie müssen politische Maßnahmen und Programme anbieten, die einer Welt Rechnung tragen,
wie sie ist, nicht aber, wie wir vielleicht wünschen, daß sie sein soll.
Ziel ist es, die Proliferation zu verhindern, nicht lediglich zu bedauern.
Die erste Aufgabe bei der Behandlung des Problems der Proliferation
ist es, die Weltlage auf dem nuklearen Sektor zu begreifen.
über 30 Länder besitzen Kernkraftwerke oder planen, solche zu errichten, um der Segnungen der Nuklearenergie teilhaftig zu werden.

Die Energie-

krise von 1973 führte allen Völkern auf dramatische Art und Weise nicht nur
die Gefahren eines übermäßigen Angewiesenseins auf öleinfuhren vor Augen,
sondern auch die Realität, daß die Weltvorräte an fossilen Brennstoffen zu
Ende gehen.

Infolgedessen

betrachten viele Länder heute die Kernenergie

als ein unerläßliches Mittel zur Befriedigung des steigenden Energiebedarfs
ohne vorzeitige Erschöpfung der begrenzten Vorräte an fossilen Brennstoffen.
Wir müssen die Motive verstehen, die diese Länder - Entwicklungsländer und
Industriestaaten - dazu veranlassen, eher noch größeren Nachdruck als wir
auf die Entwicklung der Kernenergie zu legen.

Solange wir ihre realen Be-

dürfnisse nicht begreifen, können wir nicht damit rechnen, Mittel und Wege
zur Zusammenarbeit mit ihnen in dem Bemühen zu finden, die Befriedigung sowohl
unserer als auch ihrer legitimen Ansprüche sicherzustellen.
Darüber
- 3 -

�Darüber hinaus verfügen außer den Vereinigten Staaten auch noch andere
Länder über die Technologie, die notwendig ist, um sowohl die Vorteile als
auch das destruktive Potential der Kernenergie zu nutzen.

Die Nationen, die

diese Fähigkeiten und Möglichkeiten besitzen, können ihre Kerntechnologie und
die dazugehörigen Anlagen exportieren.
Somit kann keine Nation allein für sich hoffen - auch nicht die Vereinigten Staaten - die Verbreitung der Aufbereitungstechnik und die hieraus
resultierende Verfügbarkeit von Plutonium wirksam unter Kontrolle zu bringen.
Die Vereinigten Staaten waren einst der maßgebende Weltlieferant von
Kernmaterial und der zu seiner Aufbereitung erforderlichen technischen Anlagen und Kenntnisse.

Wenngleich wir die führende Nation auf diesem Gebiet

geblieben sind, teilen sich heute andere Lieferanten mit uns in den internationalen Markt - wobei die USA heute weniger als die Hälfte des Reaktorexports bestreiten.
In kurzen Worten, die Vereinigten Staaten haben seit nahezu zehn Jahren
in bezug auf die Kerntechnik kein Monopol mehr.

Wir spielen wohl eine wich-

tige Rolle, sind aber nicht in der Lage, die weltweite Entwicklung auf dem
nuklearen Sektor wirklich zu lenken.
Aus diesen Gründen müssen Maßnahmen zur Eindämmung der Proliferation
internationaler kooperativen Bemühungen entspringen, an denen sich viele Nationen unter Einschluß sowohl der Liefer- als auch Abnehmerländer von Kernmaterial beteiligen.

Es ist notwendig, gemeinsame Normen zu entwickeln, die

von allen Beteiligten anerkannt werden.

Wenn dies nicht geschieht, wird sich

ein uneingeschränkter Handel mit modernster Kerntechnologie und aktivierungsfähigen Kernmaterialien entwicklen - und niemand wird fähig sein, ihm Einhalt
zu gebieten.
Wir in den Vereinigten Staaten müssen begreifen, daß das Interesse an
der Kernenergie von Nation zu Nation anders gelagert ist.
- 4 -

Wir müssen ferner

�ferner einsehen, daß einige Länder ihr Augenmerk auf die Kernenergie richten,
weil sie über keine annehmbare Energie-Alternative verfügen.

Wir müssen

sicherstellen, daß unsere Bemühungen um Eindämmung der Proliferation von diesen Völkern nicht als ein Akt gewertet werden, sie daran zu hindern, in den
Genuß der Segnungen der Kernenergie zu gelangen.

Wir müssen ferner sicher-

stellen, daß sich alle Nationen mit den Vereinigten Staaten in die Überzeugung
teilen, daß die Ziele der Nicht-Proliferation Vorrang gegenüber Vorteilen auf
den Gebieten der Wirtschaft und der Energieversorgung haben, wo immer eine
solche Wahl zu treffen ist.

Frühere Maßnahmen
In den letzten 30 Jahren waren die Vereinigten Staaten unangefochten
die führende Nation in dem weltweiten Bemühen, sicherzustellen, daß die Segnungen der Kernenergie allen zugängig gemacht, die destruktiven Anwendungen
aber unterbunden werden.

Ich habe diesen beiden Zielsetzungen in den ver-

gangenen zwei Jahren meine besondere Aufmerksamkeit gewidmet, und wir haben
wichtige neue Fortschritte insbesondere in den Bestrebungen erzielt, die
Weiterverbreitung von Kernwaffenkapazitäten unter den Nationen der Erde einzudämmen.
Im Jahre 1974, kurz nachdem ich das Präsidentenamt übernahm, begann
ich mir Sorgen darüber zu machen, daß einige Liefernationen von Kernmaterial
um irgendwelcher Wettbewerbsvorteile willen bereit waren, Nuklearexporte unter we
niger strengen Bedingungen zu tätigen als denen, die wir aus Sicherheitsgründen für angebracht halten. Im Herbst dieses Jahres haben die Vereinigten
Staaten vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen vorgeschlagen, die
Maßnahmen zur Verhütung der Proliferation künftig erheblich strenger zu handhaben. Ich habe meine diesbezüglichen Besorgnisse auch den Regierungs- und
Staatschefs der wichtisten Liefer- und Empfängernationen direkt bekundet.
Ich habe den Außenminister angewiesen, auf ein multilaterales Vorgehen zu
- 5 -

�zu drängen, um die Gefahren des Wettbewerbs in Grenzen zu halten.
Auf amerikanische Initiative wurde in London im April 1975 eine erste
Zusammenkunft der wichtigsten Lieferstaaten von Kernmaterialien einberufen.
Daran schlössen sich mehrere Tagungen und intensive bilaterale Konsultationen
an.
Als Ergebnis dieser Zusammenkünfte haben wir die internationalen Normen
durch progressive neue Richtlinien für den Export von nuklearen Materialien
beträchtlich verschärft.

Sie betreffen di^ Sicherheitsvorkehrunaen (safe-

guards), die Kontrollen zur Verhütung der Abzweigung von Kernmaterialien und
zum Schutz vor Mißbräuchen der Nukleartechnologie.und die technische Sicherung
vor Entwendung und Sabotage.

Die Vereinigten Staaten haben diese Richtlinien

zu politischen Richtlinien für ihre Nuklear-Exporte erhoben.
Darüber hinaus haben wir Schritte unternommen, um den speziellen Gefahren zu begegnen, die mit dem Umgang mit Plutonium verbunden sind:
- Wir haben die Ausfuhr von Wiederaufbereitungs- und anderen kerntechnischen Verfahren verboten, die zu einer weiteren Proliferation beitragen
könnten.
- Wir haben uns entschieden gegen die Aufbereitung von Kernmaterial in
Korea und Taiwan ausgesprochen. Wir begrüßen die Entscheidung beider
Länder, auf diesbezügliche Maßnahmen zu verzichten. Wir werden auch weiterhin von der Aufbereitung in besonders gefährdeten Gebieten abraten.
- Wir haben Vereinbarungen zur Zusammenarbeit mit Ägypten und Israel
ausgehandelt, die die strengsten Wiederaufbereitungsvorschriften und anderweitigen nuklearen Kontrollen vorsehen, die je in der 25jährigen Geschichte
unseres Programms zur nuklearen Zusammenarbeit vereinbart worden sind.
- Darüber

�- Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten kürzlich Verhandlungen
abgeschlossen, die darauf abzielen, die zivilen Nuklearanlagen in den USA
der Überwachung durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zu unterstellen.
Die IAEA hat ihrerseits dem Abschluß einer diesbezüglichen Vereinbarung
zugestimmt.

Neue Initiativen
Im Sommer dieses Jahres ordnete ich eine eingehende Überprüfung unserer
gesamten Nuklearpolitik sowie deren Optionen an, um herauszufinden, welche
weiteren Schritte erforderlich sind. Ich habe die Ergebnisse dieser Überprüfung sorgfältig studiert, mit führenden Männern im Kongreß durchgesprochen
und aus diesbezüglichen Konsultationen mit Staatsmännern anderer Länder gelernt. Ich gelangte dabei zu dem Schluß, daß neue Maßnahmen erforderlich sind
und daß wir auf den Fortschritten der beiden vorausgegangenen Jahre weiterbauen sollten. Heute gebe ich eine Reihe von Maßnahmen und Vorschlägen bekannt, die sich auf folgende Zielsetzungen richten:
- Die

Bekräftigung de» Verpflichtungen der Nationen der Erde auf das

Ziel der Nicht-Proliferation und den Aufbau eines wirksamen Systems internationaler Kontrollen zur Verhütung der Proliferation;
- die Veränderung und Intensivierung der amerikanischen Nuklearpolitik
im inneren und der Programme zur Förderung unserer Zielsetzungen in bezug auf
die Nicht-Proliferation; und
- die Schaffung gesunder Grundlagen für die fortgesetzte und zunehmende
Nutzung der Kernenergie in den Vereinigten Staaten und in der Welt auf sichere
und wirtschaftliche Weise durch hierzu geeignete Maßnahmen.
Die

�Die Aufgabe, der wir uns gegenübersehen, erfordert ein internationales
und kooperatives Vorgehen in bisher beispiellosen Dimensionen.

Die Vereinigter,

Staaten sind bereit, mit allen Völkern zusammenzuarbeiten.

Grundlegende politische Entscheidungen
Ich bin zu der Schlußfolgerung gelangt, daß die Aufbereitung und Rückgewinnung von Plutonium aufhören müsse, bis hinreichend Grund zu der Schlußfolgerung besteht, daß die Weltgemeinschaft die mit der Proliferation verbundenen
Risiken wirksam ausschließen kann.

Ich bin der Überzeugung, daß die Vermei-

dung der Profileraticn Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben muß. Ich
bin ferner zu dem Schluß gelangt, daß die Vereinigten Staaten und andere Völker die Nutzung der Kernenergie für friedliche Zwecke verstärken können und
sollten, selbst wenn die Aufbereitung und Wiederaufbereitung von Plutonium
für unakzeptabel gehalten werden.
Tatkräftige Maßnahmen im Linern wie auf internationaler Ebene sind erforderlich, um diesem Beurteilung Geltung zu verschaffen:
- Ich habe entschieden, daß die Vereinigten Staaten im Verein mit anderen Liefer- und Verbraucherstaaten nuklearer Brennstoffe ihre diplomatischen
Initiativen verstärken müssen, um die Anhäufung von Plutonium und die Weiterverbreitung der Technologien zur Trennung von Plutonium einzudämmen.
Wirksame Nicht-Proliferationsmaßnahmen machen die Beteiligung und Mitwirkung von Nuklearliefer- wie auch Verbraucherstaaten erforderlich. Wir bedürfen zusätzlicher Koordinierungs- und Einschränkungsmaßnahmen, damit ein
wirksames Nicht-Proliferationssystem zustandekommt.
Wir bedürfen ferner der
Zusammenarbeit und der Gewährleistung einer zuverlässigen Belieferung mit Nuklearbrennstoffen, um den Energiebedarf für friedliche Zwecke decken zu können.
- Ich

�- Ich habe entschieden, daß die Vereinigten Staaten die Aufbereitung
vor, Abbrandelementen für die Erzeugung von Plutonium nicht mehr
länger als einen notwendigen und unvermeidlichen Schritt im nuklearen Brennstoffzyklus betrachten und daß wir die Aufbereitung und Rückgewinnung von
Plutonium in Zukunft nur dann betreiben werden, wenn sie als mit unseren internationalen Zielsetzungen vereinbar zu betrachten ist.
Wir müssen sicherstellen, daß unsere Politik im Inneren und unsere
heimischen Programme mit unserer internationalen Haltung in der Frage der
Plutoniumaufbereitung vereinbar sind

und daß wir mit anderen Nationen in

der Beurteilung der Problematik der Aufbereitung von Abbrandelementen
eng zusammenarbeiten.
- Die Schritte, die ich heute bekanntgebe, werden die Gewähr schaffen,
daß die angezeigte zunehmende Nutzung der Kernenergie unter Wahrung der Sicherheitserfordernisse und ohne Vergrößerung der Gefahr der Proliferation erfolgen kann.
Selbst angesichts energischer Anstrengungen zur Einsparung von Energie
werden wir mit dem wachsenden Energiebedarf einer expandierenden amerikanischen
Wirtschaft rechnen müssen.

Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, müssen wir

uns solange auf die zunehmende Nutzung von Kernenergie und von Kohle stützen,
bis akzeptable Alternativen entwickelt werden.

Wir werden die Arbeit an der

Erschließung verheißungsvoller alternativer Energiequellen wie der Sonnenenergie verstärkt fortführen; für den Augenblick aber müssen wir uns auf Technologien konzentrieren, die in der Praxis bereits einsatzfähig sind.

Einen

größeren Beitrag zu unserer Energieversorgung können wir von diesen alternativen Technologien erst gegen Ende dieses Jahrhunderts erwarten.
Um meine gesamtpolitischen Entscheidungen zu verwirklichen, habe ich eine
Reihe von politischen Maßnahmen beschlossen, die notwendig und angebracht sind,
unsere Ziele im Bereich der Nicht-Proliferation und der Energieversorgung zu
verwirklichen:
- Erstens

�- Erstens muß unsere heimische Politik dahingehend geändert werden,
daß sie meiner Entscheidung über den Aufschub der Kommerzialisierung des
Prozesses der chemischen Aufbereitung von Kernbrennstoffen, der die Trennung
von Plutonium zur Folge hätte, entsprechen.
- Zweitens fordere ich alle Nationen auf, wie wir in der Frage des
Transfers der Aufbereitungs- und Anreicherungstechnologie und der hierzu notwendigen Anlagen größtmögliche Zurückhaltung zu üben - dergestalt, daß sie
derartige risikoreiche Ausfuhren oder Lieferverpflichtungen auf mindestens
drei Jahre unterlassen.
- Drittens bedarf es neuer kooperativer Maßnahmen, um allen Nationen
eine ausreichende und verläßliche Belieferung mit den für den eigenen Bedarf
notwendigen Energiemengen gewährleisten zu können.

Meiner Überzeugung nach

haben die meisten Liefernationen - und das halte ich für äußerst wichtig eine besondere Verpflichtung, ihren Abnehmern die Gewähr einer ausreichenden
Brennstoffversorgung für ihre Kernkraftwerke zu bieten, sofern diese auf den
Erwerb von Aufbereitungs- und Urananreicherungsanlagen verzichten und sich
wirkungsvollen Proliferations-Kontrollen unterwerfen.
- Viertens müssen die Vereinigten Staaten ihre Rolle als einer der
wichtigsten und verläßlichsten Weltlieferanten von Nuklearreaktoren und Kernbrennstoffen für friedliche Zwecke auch weiterhin spielen. Unsere starke Position als Liefernation hat bisher die hauptsächliche Basis für unseren Einfluß auf die weltweiten Nicht-Proliferationsanstrengungen und unsere diesbezügliche Führungsrolle abgegeben. Eine starke Position wird in Zukunft
von nicht geringer Bedeutung sein. Unter Bekräftigung ihrer Absicht»als verläßlicher Lieferant zu fungieren, suchen die Vereinigten Staaten über das
weltweite System wirksamer Nicht-Proliferations-Kontrollen, das ich heute fordere, keineswegs irgendwelche Wettbewerbsvorteile für sich zu erlangen.
- Fünftens müssen wir neue Anstrengungen unternehmen und alle Nationen
dringend auffordern, sich an den großangelegten und umfassenden internatio-

�internationalen kooperativen Anstrengungen zu beteiligen, die ich später
im einzelnen noch erläutern werde, ein System wirksamer Kontrollen zur Verhinderung der Proliferationen zu entwickeln.
- Sechstens müssen die Vereinigten Staaten neue Schritte in bezug auf
ihre eigenen Exporte unternehmen, um die Proliferation zu unterbinden und
die diesbezüglichen multilateralen Richtlinien zu verbessern.
- Siebtens müssen die Vereinigten Staaten in Unterstützung der von mir
eingeleiteten internationalen Politik ein Programm zur Bewertung von Aufbereitungsverfahren in Angriff nehmen.
- Schließlich sind wir zu dem Schluß gelangt, daß es neuer Schritte bedarf, um die Gewähr zu schaffen, daß in den Vereinigten Staaten und überall
auf der Welt in dem Augenblick, in dem sich die Notwendigkeit hierzu ergibt,
Einrichtungen für die langfristige Lagerung oder Beseitigung von nuklearem
Abfall zur Verfügung stehen.

Maßnahmen zur Verwirklichung unserer Nuklearpolitik

Um die von mir umrissene Nuklearpolitik verwirklichen zu können, wird
es erheblicher Anstrengungen innerhalb der Vereinigten Staaten und seitens
vieler Nationen in aller Welt, die an der Kernenergie interessiert sind, bedürfen. Um in diesem Bemühen voranzukommen, leite ich heute eireAnzahl von
Maßnahmen ein und unterbreite anderen Nationen eine Reihe von Vorschlägen.

I. Änderungen
- 11 -

�I. Änderungen der amerikanischen Politik bezüglich der Aufbereitung von Kernbrennstoffen
Im Hinblick auf die Aufbereitung von Kernbrennstoffen weise ich die
zuständigen amerikanischen Exekutivbehörden an, meine Entscheidung in die
Tat umzusetzen, die Kommerzialisierung von Aufbereitungsverfahren in den
Vereinigten Staaten aufzuschieben, bis alle Unsicherheiten beseitigt sind.
- Ich weise den Leiter der Behörde für Energieforschung und -entwicklung (Energy Research and Development Agency - ERDA) an,
die Politik und die Programme der ERDA, die bisher auf der Annahme
basierten, daß Aufbereitungsverfahren keinen Beschränkungen unterliegen,zu
ändern;
zu prompten Maßnahmen zur Erweiterung der Lagerkapazitäten für
Abbrandelemente

7

u ermutigen, um auf diese Weise den Versorgungsbetrieben

die Gewähr zu bieten, daß sie keine Einstellung des Betriebes von Nuklearreaktoren auf Grund eines Mangels solcher Lagermöglichkeiten zu befürchten haben;
und
•

die Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen aufzuzeigen, derer es bedarf, um die Praktikabilität der Rückgewinnung des Energiepotentials
von Abbrandelementen ohne Trennung des darin enthaltenen Plutoniums
zu erforschen.

II. Zurückhaltung in der Weitergabe sensitiver kerntechnologischer
Kenntnisse und Anlagen
Trotz der Fortschritte, die in der Eindämmung der Proliferation gemacht
worden sind, erfordern die Gefahren, die aus der Aufbereitung von Plutonium und
- 12 -

�und der Aussicht auf eine uneingeschränkte Verfügbarkeit dieses Elements
erwachsen, weitere

entschiedene internationale Maßnahmen.

Eine wirksame

Beschränkung des mit einer Weitergabe der Urananreicherungstechnologien verbundenen Risikos ist ebenso notwendig.

Um diesen Gefahren zu begegnen,

- fordere ich alle Nationen auf, wie wir größte Zurückhaltung in der
Weitergabe von Aufbereitungs- und Anreicherungstechnologien und der dazu gehörigen Anlagen zu üben und zu diesem Zweck derartige sensitive Ausfuhren oder Lieferverpflichtung für einen Zeitraum von mindestens drei Jahre
anzusetzen.
Dies wird es Liefer- und Verbraucherländern gestatten, in der Zwischenzeit, in der wir die Frage der Zweckmäßigkeit der Verwendung von Plutonium
sorgfältig überprüfen können, gemeinsam verläßliche Mittel und Wege für die
Deckung ihres nuklearen Bedarfs bei einem Mindestmaß an Risiko in der Zeit
zu erarbeiten. Während wir in diesen Bemühungen voranschreiten, dürfen wir
uns nicht von irgendwelchen Pressionen dazu verleiten lassen, den Export
solcher sensitiver Anlagen zu gestatten.

III. Die Gewährleistung einer ausreichenden Energieversorgung der Abnehmerstaaten
Ich fordere die Nuklearexportstaaten dringend auf, die Verbraucherländer
mit Kernbrennstoffen, statt mit sensitiven Technologien oder Anlagen zu
beliefern.
Nationen, die wirksame Nicht-Proliferationsbeschränkungen auf sich
nehmen, haben ein Recht auf zuverlässige Belieferung mit Kernreaktoren und
den dazugehörigen nicht-sensitiven Brennstoffen zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen.
Alle
- 13 -

�Alle diese Nationen möchten an den Vorteilen einer sicheren Belieferung
mit Kernbrennstoffen teilhaben, auch wenn hinsichtlich Zahl und Standort von
Anlagen zur Brennstoffgewinnung in Rücksicht auf die Zielsetzungen der NichtProliferation gewisse Beschränkungen bestehen.

Die Verfügbarkeit von Service-

Stationen zur zyklischen Wiederaufbereitung von Abbrandelementen in mehreren
Ländern bietet den Verbraucherstaaten reichliche Gewähr für eine fortgesetzte
und stabile Belieferung mit Kernbrennstoffen.
Es ist ferner wünschenswert, dem Gedanken näherzutreten,

7ur Befrie-

digung der regionalen Bedürfnisse einige multinationale Zentren für die zyklische Aufbereitung von Brennstoffen an geeigneten Orten einzurichten, sofern
diese einer wirksamen Überwachung unterstellt werden und wirtschaftlich arbeiten können.

Durch diese und damit zusammenhängende Mittel können wir den

Anreiz zur Weiterverbreitung gefährlicher Anlagen zur zyklischen Aufbereitung
von Brennstoffen auf ein Mindestmaß reduzieren.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, zusammen mit anderen betroffenen
Nationen Vorkehrungen zu treffen, um eine zuverlässige Versorgung mit Kernbrennstoffen zu angemessenen Preisen aller jener Länder sicherzustellen, die
verantwortungsbewußt Beschränkungen ihrer Kernenergieprogramme in bezug auf
die Aufbereitung, die Plutoniumbeseitigung und die Anreicherungstechnik auf
sich nehmen.
- Ich weise den Außenminister an, Konsultationen einzuleiten, um gemeinsam mit anderen Ländern Vorkehrungen zur Koordinierung des BrennstoffService

und andere Methoden zu sondieren, die sicherzustellen vermögen, daß

die Zuliefererstaaten schwach angereicherten Uranbrennstoff und BrennstoffService

jederzeit zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen anbieten und

die Veroraucherlander diese auch abnehmen können.
Die diesbezüglichen Erörterungen werden sich auch auf Mittel und Wege
erstrecken, die zur Mitarbeit bereiten Länder gegen wirtschaftliche Benachteiligungen abzusichern und jeglichen Wettbewerb auszuschließen, der geeignet
- 14 -

�geeignet scheint, unsere gemeinsamen Anstrengungen zur Gewährleistung der
Nicht-Proliferation zu unterminieren.
Um zu dieser Initiative beizutragen, bieten die Vereinigten Staaten
derzeitigen und künftigen Abnehmern von Kernbrennstoffen, die bereit sind,
solche von Verantwortungsbewußtsein getragene Beschränkungen auf sich zu
nehmen, bindende Lieferzusagen an.
Wo dies angebracht ist, werden die Vereinigten Staaten die Verbraucherländer entweder mit frischem schwach angereicherten Uranbrennstoff beliefern
oder, als Gegenleistung für qeaenseitige Vereinbarungen über die Beseitigung
ausgebrannter Brennstoffe,soweit oie Beseitigung nachweislich unserer gemeinsamen und kooperativen Zielsetzungen hinsichtlich der Nicht-Proliferation begünstigt, anderweitige Vorkehrungen treffen.

Die Vereinigten Staaten erstre-

ben in den Sondierungen von Optionen der Brennstoffbeseitigung und der Gewährleistung der Brennstoffversorgung keinerlei kommerziellen Vorteile.
- Schließlich werden die USA im Verein mit anderen Ländern die kooperativen Anstrengungen zur Entwicklung der heimischen nicht-nuklearen Energiequellen derselben ausweiten.
Die Vereinigten Staaten haben die Errichtung eines Internationalen
Energieinstituts vorgeschlagen - und treten auch weiterhin für diesen Vorschlag ein -,das dem erklärten Zweck dienen soll, den Entwicklungsländern
bei der Anpassung ihrer wirtschaftlichen und am ehesten verfügbaren Energiequellen an ihren Energiebedarf zu helfen,

über dieses Institut und andere

geeignete Einrichtungen werden wir technologische Hilfe zur Entwicklung heimischer Energiequellen leisten.

IV. Stärkung
- 15 -

�IV. Stärkung der Rolle der Vereinigten Staaten als verläßlicher Lieferant
Sollen die Vereinigten Staaten ihre führende Rolle in den weltweiten
Bemühungen um die Nicht-Proliferation weiter spielen, müssen sie ein zuverlässiger Lieferant von Kernreaktoren und -brennstoffen für friedliche Zwecke
sein.

Es gibt zwei hauptsächliche Maßnahmen, die wir als Beitrag zu diesem

Ziel leisten können:
- Ich werde dem neuen Kongreß Gesetzgebungsvorschläge unterbreiten,
die die Ausweitung der Kapazität der Vereinigten Staaten zur Herstellung von
angereichertem Uran gestatten und die Vollmacht zur Ausweitung des staatseigenen Werkes in Portsmouth, Ohio, einschließen.

Ich werde ferner mit dem

Kongreß zusammenarbeiten, um einen Rahmen für private wettbewerbsfähige
Unternehmen zur Finanzierung, zum Bau, zum Besitz und zum Betrieb von Anreicherungsanlagen zu schaffen.
Die amerikanische Kapazität ist seit Mitte 1974 voll ausgelastet, so
daß neue Lieferverträge nicht mehr abgeschlossen werden können.

Der Kongreß

hat meine in Einzelheiten gehenden Vorschläge nicht verabschiedet und lediglich eine nach Umfang und Zeit begrenzte Vollmacht bezüglich der Erweiterung
des Werkes Portsmouth erteilt.

Wir brauchen weitergehende Vollmachten, um un-

verzüglich mit der Expansion der Kapazität vorankommen TU können.
- Ich werde eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um die Gewähr zu
schaffen, daß die Gesetzgebung zur Verbesserung unserer Ausfuhrkontrollen
Vorkehrungen einschließt, die die maximale Gewähr bieten, daß die Vereinigten
Staaten ein zuverlässiger Lieferant für andere Nationen während der gesamten
Zeit der Gültigkeit von Liefervereinbarungen sein wird.
Eine

der Hauptsorgen bezüglich der Exportgesetzgebung, die dem letzten

Kongreß vorgeschlagen worden war, stand im Zusammenhang mit der Befürchtung,
ausländische Kunden könnten willkürlich Kontrollen unterworfen werden, die
nach Unterzeichnung langfristiger Vereinbarungen und Lieferverträgen bezüg- 16 -

�geeignet scheint, unsere gemeinsamen Anstrengungen zur Gewährleistung der
Nicht-Proliferation zu unterminieren.
Um zu dieser Initiative beizutragen, bieten die Vereinigten Staaten
derzeitigen und künftigen Abnehmern von Kernbrennstoffen, die bereit sind,
solche von Verantwortungsbewußtsein getragene Beschränkungen auf sich zu
nehmen, bindende Lieferzusagen an.
Wo dies angebracht ist, werden die Vereinigten Staaten die Verbraucherländer entweder mit frischem schwach angereicherten Uranbrennstoff beliefern
oder, als Gegenleistung für qeaenseitige Vereinbarungen über die Beseitigung
ausgebrannter Brennstoffe,soweit oie Beseitigung nachweislich unserer gemeinsamen und kooperativen Zielsetzungen hinsichtlich der Nicht-Proliferation begünstigt, anderweitige Vorkehrungen treffen.

Die Vereinigten Staaten erstre-

ben in den Sondierungen von Optionen der Brennstoffbeseitigung und der Gewähr
leistung der BrennstoffVersorgung keinerlei kommerziellen Vorteile.
- Schließlich werden die USA im Verein mit anderen Ländern die kooperativen Anstrengungen zur Entwicklung der heimischen nicht-nuklearen Energiequellen derselben ausweiten.
Die Vereinigten Staaten haben die Errichtung eines Internationalen
Energieinstituts vorgeschlagen - und treten auch weiterhin für diesen Vorschlag ein -,das dem erklärten Zweck dienen soll, den Entwicklungsländern
bei der Anpassung ihrer wirtschaftlichen und am ehesten verfügbaren Energiequellen an ihren Energiebedarf zu helfen,

über dieses Institut und andere

geeignete Einrichtungen werden wir technologische Hilfe zur Entwicklung heimischer Energiequellen leisten.

IV. Stärkung
- 15 -

�IV. Stärkung der Rolle der Vereinigten Staaten als verläßlicher Lieferant
Sollen die Vereinigten Staaten ihre führende Rolle in den weltweiten
Bemühungen um die Nicht-Proliferation weiter spielen, müssen sie ein zuverlässiger Lieferant von Kernreaktoren und -brennstoffen für friedliche Zwecke
sein.

Es gibt zwei hauptsächliche Maßnahmen, die wir als Beitrag zu diesem

Ziel leisten können:
- Ich werde dem neuen Kongreß Gesetzgebungsvorschläge unterbreiten,
die die Ausweitung der Kapazität der Vereinigten Staaten zur Herstellung von
angereichertem Uran gestatten und die Vollmacht zur Ausweitung des staatseigenen Werkes in Portsmouth, Ohio, einschließen.

Ich werde ferner mit dem

Kongreß zusammenarbeiten, um einen Rahmen für private wettbewerbsfähige
Unternehmen zur Finanzierung, zum Bau, zum Besitz und zum Betrieb von Anreicherungsanlagen zu schaffen.
Die amerikanische Kapazität ist seit Mitte 1974 voll ausgelastet, so
daß neue Lieferverträge nicht mehr abgeschlossen werden können.

Der Kongreß

hat meine in Einzelheiten gehenden Vorschläge nicht verabschiedet und lediglich eine nach Umfang und Zeit begrenzte Vollmacht bezüglich der Erweiterung
des Werkes Portsmouth erteilt.

Wir brauchen weitergehende Vollmachten, um un-

verzüglich mit der Expansion der Kapazität vorankommen TU können.
- Ich werde eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um die Gewähr zu
schaffen, daß die Gesetzgebung zur Verbesserung unserer Ausfuhrkontrollen
Vorkehrungen einschließt, die die maximale Gewähr bieten, daß die Vereinigten
Staaten ein zuverlässiger Lieferant für andere Nationen während der gesamten
Zeit der Gültigkeit von Liefervereinbarungen sein wird.
Eine

der Hauptsorgen bezüglich der Exportgesetzgebung, die dem letzten

Kongreß vorgeschlagen worden war, stand im Zusammenhang mit der Befürchtung,
ausländische Kunden könnten willkürlich Kontrollen unterworfen werden, die
nach Unterzeichnung langfristiger Vereinbarungen und Lieferverträgen bezüg- 16 -

�bezüglich Kernkraftwerken und -brennstoffen verhängt werden.

Im Falle von

Kernanlagen und -brennstoffen sind verläßliche langfristige Vereinbarungen
dringend angezeigt, und wir müssen unsere Exportkontrollen dieser Tatsache
anpassen, damit sie einerseits die Verläßlichkeit garantieren und andererseits unseren Zielsetzungen auf dem Gebiet der Nicht-Proliferation Genüge
leisten.

V., Internationale Kontrollen zur Verhütung der Proliferation

Um die vorerwähnten politischen Maßnahmen zu verstärken, müssen wir
Mittel und Wege finden, internationale Beschränkungen bezüglich der Ansammlung von Plutonium zustandezubringen - ob in der Form von abgetrenntem Plutonium oder in Form von Plutonium in nicht aufbereiteten ausgebrannten Brennstoffen.

Die Anhäufung von Plutonium,insbesondere abgetrennten Plutoniums,

unter nationaler Überwachung, ist eines der wichtigsten Proliferationsris i ken.
- Ich weise den Außenminister an, raschestens Gespräche einzuleiten,
die die Schaffung einer neuen internationalen Regelung für die Lagerung von
Plutonium aus dem zivilen Bereich und von ausgebrannten Reaktorbrennstoffen
zum Ziel haben.
Die Vereinigten Staaten haben diesen Vorschlag der Internationalen
Energiebehörde (IAEA) und anderen interessierten Nationen bereits im Frühjahr dieses Jahres unterbreitet.
Die Schaffung einer solchen Regelung wird das Vertrauen der Welt erheblich stärken, daß die zunehmenden Mengen von überschüssigem Plutonium und
von

Abbrandelementen

bis zur Wiedereinschleusung in den nuklearen

Brennstoffzyklus oder bis zu einer anderweitigen gefahrlosen Beseitigung
sicher gelagert werden können.

Ich fordere die IAEA, die zur Schaffung von
- 17 -

�von Plutonium-Deponien ermächtigt ist, dringend auf, dieses Konzept umgehend
zu verwirklichen.
Wenn eine weithin repräsentative IAEA-Regelung zur Lagerung dieser Stoffe
zustandekommt, sind wir bereit, unsere eigenen überschüssigen zivilen Bestände
an Plutonium und Abbrandelementen ihrer Kontrolle zu unterstellen. ,
Wir sind darüber hinaus bereit, die Bereitstellung geeigneter Lagerplätze für
eine internationale Lagerung unter den Auspizien der IAEA in Erwägung zu ziehen.
Das Inspektonssystem der IAEA bleibt ein Schlüsselelement in unserer
gesamten Nicht-Proliferationsstrategie.

Die Weltgemeinschaft muß sicherstellen,

daß die Internationale Atomenergiebehörde über die technischen und menschlichen
Hilfsquellen verfügt, derer sie bedarf, um ihren zunehmenden Verantwortlichkeiten gerecht zu werden.

Auf meine Anweisung hin haben wir kürzlich erheb-

liche zusätzliche Mittel bereitgestellt, um dem Ausbau des technischen
Sicherungsapparates der IAEA zu fördern, und ich glaube, wir sollten die
Sicherheitsfunktionen der IAEA weiter stärken.
- Ich weise den Außenminister und den Leiter der ERDA an, größtmögliche
internationale Anstrengungen zu unternehmen, um sicherzustellen, daß angemessene
Hilfsquellen für diese Zwecke bereitgestellt werden und daß wir unsere besten
wissenschaftlichen Talente zur Unterstützung jener Behörde mobilisieren.

Unsere

wichtigsten nationalen Laboratorien mit einschlägigen Erfahrungen sind angewiesen, dem IAEA-Sekretariat auf kontinuierlicher Basis Hilfestellung zu
leisten.
Die schreckliche Zunahme von Gewalt und Terror überall auf der Erde hat
unser Bewußtsein der dringend gebotenen Gewährleistung eines umfassenden
Schutzes vor aktivierungsfähigen nuklearen Materialien und den dazugehörigen
Ausrüstungen geschärft. Möglicherweise wird die Notwendigkeit, dieser Probleme
Herr zu werden, nunmehr von weiteren Kreisen anerkannt. Viele Länder sind
auf meine diesbezüglichen Initiativen eingegangen, indem sie ihre technischen
- 18 -

�technischer Sicherungsvorkehrungen erheblich verschärft und an der Entwicklung internationaler Richtlinien für die IAEA mitgearbeitet haben.

Als Er-

gebnis von Konsultationen unter den wichtigsten Lieferstaaten wurden Vorkehrungen zur Gewährleistung der technischen Sicherheit zu einer normalen
Lieferbedingung erhoben.
Wir haben in den Vereinigten Staaten ein wirksames System technischer
Sicherungen.

Dennoch sind Maßnahmen erforderlich, die technischen Sicherungs-

systeme weiterzuentwickeln und eine unverzügliche internationale Zusammenarbeit bei der Wiederbeschaffung verlorener oder entwendeter Materialien zu gewährleisten.
Ich habe den Außenminister angewiesen, sich dem Problem der technischen
Sicherheit sowohl auf bilateraler als auch auf multilateraler Ebene zu widmen
und die Möglichkeit zum Abschluß einer internationalen Konvention energisch
zu sondieren.
Die Vereinigten Staaten haben die Entwicklung des Systems internationaler Kontrollen, das ich hier umrissen habe, zugesichert.

Selbst nach Ab-

schluß des Aufbaus wird ein Kontrollsystem nur wirksam sein, wenn hinsichtlich potentieller Verstöße die Auffassung herrscht, daß der Erwerb von Kernsprengstoffen von der Völkergemeinschaf

nicht mit Gleichgültigkeit hingenommen

werden wird.
Jede ernsthafte Verletzung einer nuklearen Sicherheitsvereir.barung
- insbesondere die Abzweigung von nuklearem Material für die Herstellung
von Sprengstoffen - muß universell als ein äußerst schwerwiegendes Vergehen
gegen die Weltgemeinschaft angesehen werden, das die sofortige Verhängung
drastischer Sanktionen erfordert.
Ich kündige heute an, daß die Vereinigten Staaten auf jeder Verletzung
von Sicherheitsvereinbarungen, die wir mitunterzeichnet haben, durch jedes
beliebige Land, mit der sofortigen Einstellung unserer Lieferungen von_
- 19 -

�von nuklearen Brennstoffen und unserer Zusammenarbeit mit ihm reagieren
werden.
Wir würden darüber hinaus auch noch weitergehende Maßnahmen, die sich
nicht notwendigerweise auf das Gebiet der nuklearen Zusammenarbeit beschränken müssen, gegen die des Vertragsbruchs schuldige Nation in Erwägung ziehen.
Und unsere Aktionen würden sich auch nicht auf die Verletzung von Abkommen
beschränken, an denen wir direkt beteiligt sind.

Im Falle ernsthafter Ver-

letzungen irgendwelcher Sicherheitsvereinbarungen, insbesondere aber von Abkommen mit der IAEA, werden wir umgehend Konsultationen mit allen interessierten Nationen aufnehmen, um eine Entscheidung über angemessene Maßnahmen herbeizuführen.
Die internationale Anerkennung der vollständigen Unannehmbarkeit der
Aufkündigung oder Verletzung von Nicht-Pro!iferationsvereinbarungen ist
einer der wichtigsten Schritte, die wir unternehmen können, um eine weitere
Proliferation zu verhindern. Wir fordern alle interessierten Regierungen
auf, öffentlich zu bekräftigen, daß sie jeder nuklearen Verfehlung als eine
untragbare Verletzung anerkannter Normen des internationalen Verhaltens betrachten werden, die umgehend strenge Gegenmaßnahmen auslösen würde.

VI. Die Nuklear-Exportpolitik der Vereinigten Staaten
Während der letzten beiden Jahre haben die Vereinigten Staaten ihre
eigene Nuklear-Exportpolitik gefestigt.
jedoch nicht nur auf Kontrollen.

Unsere Interessen beschränken sich

Die Vereinigten Staaten tragen eine be-

sondere Verantwortung, sich mit anderen Ländern in die Segnungen der friedlichen Atomenergie zu teilen.

Wir waren stets bemüht, anderen Nationen als

verläßlicher Lieferant von Nuklearbrennstoffen und den dazugehörigen Ausrüstungen zu dienen.

Wo immer wir vor der Wahl zwischen wirtschaftlichen Vorteilen

und Fortschritten in Richtung auf unsere Nicht-Proliferationsziele standen,
- 20 -

�standen, haben wir der Nicht-Proliferation Vorrang eingeräumt und wir werden
dies auch weiterhin tun.

Es sollte jedoch keine Unvereinbarkeit zwischen

Nicht-Proliferation und dem Bemühen bestehen, anderen Nationen dabei zu helfen, ebenfalls der Segnungen der friedlichen Kernkraft teilhaftig zu werden,
sofern alle Lieferstaaten eine gemeinsame Nuklearexportpolitik betreiben. Es
besteht allerdings die Notwendigkeit, noch strengere Kontrollen als die bisher
ausgeübten zu verhängen, und es besteht ferner die Notwendigkeit, politische
Richtlinien zu vereinbaren, die jene Nationen begünstigen,die aus Verantwortungsbewußtsein heraus Nicht-Proliferationsbeschränkungen auf sich nehmen.
- Ich habe beschlossen, daß wir fortan neue Kriterien zur Beurteilung
der Frage anwenden, ob wir einer neuen oder erweiterten Kooperationsvereinbarung beitreten oder nicht. Die Einhaltung des Abkommens über die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen wird ein starker positiver Faktor sein, der
die Zusammenarbeit mit Staaten begünstigt, die nicht im Kernwaffenbesitz sind.
Staaten, die keine Kernwaffen besitzen und das Abkommen über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen nicht befolgt haben, werden positive Berücksichtigung finden, wenn sie bereit sind, bis zur Befolgung des Abkommens
den gesamten Brennstoffzyklus den SicherheitsVorkehrungen zu unterwerfen.
Wir werden Empfängernationen begünstigen, die bereit sind, auf die Errichtung nationaler Aufbereitungs- oder Anreicherungskapazitäten zu verzichten
oder diese langfristig hinauszuschieben, und auch solche, die in besonders gelagerten Fällen bereit sind, ihre Aufbereitungs- und Anreicherungsanlagen und
den Zeitpunkt ihres Baus so auszulegen, daß sie den Bedürfnissen der NichtProliferation Rechnung tragen.
Positive Anerkennung werden wir auch jenen Nationen zollen, die bereit
sind, sich an einer internationalen Lagerregelung zu beteiligen, derzufolge
ausgebrannte Brennstoffe und alles abgetrennte

Plutonium bis zu deren Ver-

wendung unterstellt würde.
Es
- 21 -

�Es mag Sonderfälle geben, in denen der Nicht-Proliferierung am ehesten
durch die Zusammenarbeit mit Ländern gedient wird, die diesen Anforderungen
noch nicht genügen.

Ich versichere jedoch, daß der Kongreß nicht ersucht

werden wird, ein neues oder geändertes Abkommen zu billigen, das nicht diesen
neuen Kriterien entspricht, sofern ich nicht persönlich dahingehend entscheide,
daß eine diesbezügliche Vereinbarung unsere Ziele im Bereich der Nicht-Proliferation voll und ganz unterstützt.

Im Falle einer solchen Entscheidung werde

ich dem Kongreß meine Gründe rückhaltlos darlegen.
- Bezüglich der Länder, die gegenwärtig Empfänger amerikanischer Nuklearlieferungen sind, weise ich den Außenminister an, Verhandlungen mit dem
Ziel aufzunehmen, diese Vereinbarungen auf die international vereinbarten
Richtlinien abzustimmen und durch diplomatische Initiativen und auch mit
Brennstofflieferungen gekoppelte Anreize zu versuchen, deren Zustimmung zu
unseren neuen Kriterien zu erlangen.
Wir müssen die Notwendigkeit effektiver multilateraler Nicht-Proliferationsvorkehrungen anerkennen und sicherstellen, daß Nuklear-Exportkontrollen
nicht zu einem Element des kommerziellen Wettbewerbs werden.
- Ich weise den Außenminister an, die Erörterungen mit anderen Nuklearlieferstaaten zu intensivieren, die darauf abzielen, die gemeinsamen Richtlinien für friedliche kooperative Vereinbarungen dahingehend zu erweitern,
daß sie mit diesen Kriterien übereinstimmen.
In diesem Zusammenhang wären die Vereinigten Staaten bereit, Mittel
und Wege zur Entwicklung von Anreizen in Erwägung zu ziehen, die zur Annahme
dieser Kriterien führen können, darunter die Gewährleistung von Brennstofflieferungen an solche Nationen, die die neuen Beschränkungen akzeptieren.
Die Zuverlässigkeit amerikanischer Zusicherungen an andere Nationen
ist ein Aktivposten* dem wenige Länder der Erde, wenn überhaupt eines,
Gleichwertiges entgegensetzen können. Wir dürfen ihn nicht verspielen. Nichts
- 22 -

�Nichts könnte in der Tat unsere Bemühungen zur Stärkung der bestehenden
Nicht-Proliferationsvereinbarungen mehr gefährden, als die willkürliche Aussetzung oder unbegründete Verzögerung der Einhaltung von Lieferverpflichtungen gegenüber Ländern, die in bezug auf wirksame Sicherheitsmaßnahmen
und -beschränkungen in gutem Glauben mit uns zusammenarbeiten.
Trotz meiner persönlichen Bemühungen, vertagte sich der 94. Kongreß,
ohne das Nuklearexportgesetz zu verabschieden, das unsere Position in Nuklearverhandlungen mit anderen Nationen erheblich gefestigt hätte.
- Angesichts des Fehlens eines solchen Gesetzes weise ich den Außenminister an, eng mit der Nuklearen Aufsichts- und Lizenzbehörde (Nuclear
Regulatory Commission - NRC) zusammenzuarbeiten, um eine angemessene Berücksichtigung der Nicht-Proliferationsbelange beim Lizenzierungsverfahren für
Nuklear-Exporte sicherzustellen.
Ich werde auch weiterhin darauf hinarbeiten, im Kongreß eine von beiden
Parteien getragene Unterstützung der Bemühungen zur Verbesserung unserer
Nuklear-Exportgesetzgebung zu erreichen.

VII. Ein Programm zur Beurteilung der Frage der Wiederaufbereitung
Die Weltgemeinschaft verlangt nach einem aktiven Programm zur Entwicklung der internationalen Kontrollen und kooperativen Regelungen, die ich vorstehend aufgezeigt habe. Ich bin bereit, ein solches Programm in den Vereinigten Staaten zu entwickeln.
- Ich weise den Leiter der ERDA an,
umgehend damit zu beginnen, ein Programm zur Beurteilung der Frage der
Wiederaufbereitung und der Wiederverwendung von Kernmaterial auszuarbeiten, das
- 23 -

�das im Einklang mit den in dieser Erklärung umrissenen internationalen
Zielsetzungen steht.

Dieses Programm soll die laufenden Überlegungen der

Nuklearen Aufsicht- und Lizenzbehörde bezüglich der technischen Sicherheit,
der internationalen Sicherheitsvorkehrungen und der Umweltschutzerfordernisse bei der Aufbereitung und Wiederaufbereitung und insbesondere die Erklärung des NRC bezüglich spezifischer Umweltschäden auf Grund der Verwendung gemischter Oxidbrennstoffe berücksichtigen; und
die Möglichkeit der Rückgewinnung des Energieanteils an Abbrandelementen
ohne Abtrennung des Plutoniums zu untersuchen.
- Ich weise den Außenminister an, andere Länder zur Teilnahme an der
Planung und Durchführung des ERDA-Programms zur Beurteilung von Verfahren
zur Aufbereitung und Wiederverwendung von Brennstoffen aufzufordern, insoweit dies mit unseren Zielsetzungen hinsichtlich der internationalen Zusammenarbeit auf dem Energiesektor und den Zielen der Nicht-Proliferation vereinbar
ist.

Ich werde anordnen, daß alle Maßnahmen, die in den Vereinigten Staaten

im Zusammenhang mit diesem Programm getroffen werden, den IAEA-Sicherheitsvorschriften und -inspektionen voll und ganz unterworfen werden.
•

.

VIII. Die Lagerung von nuklearem Abfall
Der Teil unseres heimischen Nuklearprogramms, der die langfristige
Lagerung von nuklearem Abfall aus unseren kommerziellen Kernkraftwerken betrifft, hat in der Vergangenheit nicht genügend Aufmerksamkeit erfahren. In
meinem Voranschlag für das Haushaltjahr 1977 schlug ich eine Erhöhung der
Haushaltmittel für dieses Programm das in den Tätigkeitsbereich mehrerer Bundesbehörden hineinreicht, um das Vierfache vor. Wir haben kürzlich eine abermalige Überprüfung des Programms vorgenommen, um festzustellen, welche zusätzlichen Maßnahmen erforderlich sind, um sicherzustellen, daß Mitte der achtziger Jahre im Bundesbesitz befindliche und vom Bund betriebene Deponien für
- 24 -

�für die langfristige Lagerung von nuklearem Abfall zur Verfügung stehen,
noch ehe sich beträchtliche Mengen solcher Abfallstoffe ansammeln.
Es wurde mir versichert, daß die Technologie für die langfristige Lagerung oder Beseitigung von muklearem Abfall verfügbar ist, daß aber notwendig sei, Demonstrationsprojekte zu errichten.
- Ich habe den Leiter der ERDA angewiesen, die notwendigen Schritte zu
unternehmen, um dieses Programm zu beschleunigen, damit bis 1978 alle Komponeten der Technologie der Abfall Verwahrung und bis 1985 eine vollständige Deponie für solche Abfälle als Demonstrationsvorhaben in der Praxis zur Verfügung stehen.
- Ich habe ferner angeordnet, daß bei der NRC Antrag auf Lizenzierung
der ersten Demonstrations-Deponien für hochgradigen Abfall, die im Besitz der
Regierung sein wird, gestellt wird, um deren technische Sicherheit und die
Vereinbarkeit mit den Erfordernissen des Schutzes der Bevölkerung zu gewährleisten.
Im Hinblick auf die heute bekanntgegebenen Entscheidungen habe ich den
Leiter der ERDA ferner angewiesen, die Gewähr zu schaffen, daß die Abfalldeponien in der Lage sein werden, auch Abbrandelemente sowie getrennte und verfestigte Abfallstoffe aufzunehmen, die anfallen würden, falls wir die Wiederaufbereitung nuklearer Brennstoffe weiter betreiben.
Die Vereinigten Staaten spielen auch künftig auf dem Gebiet der Beseitigung von nuklearem Abfall die führende Rolle in der Welt.

Ich fordere an-

dere Nationen auf, sich an unseren Programmen zu beteiligen

und daraus zu

lernen.
- Ich weise den Außenminister an, mit anderen Ländern und mit der IAEA
die Möglichkeit der Errichtung zentral gelegener und auf multinationaler Basis
zu betreibender Deponien für nukelaren Abfall zu erörtern, damit die Zahl der
- 25 -

�der hierzu benötigten Lagerplätze begrenzt werden kann.

Die zunehmende Verwendung von Kernenergie in den Vereinigten Staaten
Trotz aller Anstrengungen zur Einsparung von Energie wird die Energienachfrage in den Vereinigten Staaten auch weiterhin auf Grund des zunehmenden
Energiebedarfs einer expandierenden Volkswirtschaft

steigen.

Die ein-

zige Alternative zu einem zunehmenden Einsatz von Kernenergie und Energie aus
Kohle für die nächsten 15 bis 20 Jahre wäre eine Vertiefung unserer Abhängigkeit von öleinfuhren, die die Stärke und das Wohlergehen unseres Landes gefährden würde.
Es werden heute in den Vereinigten Staaten 62 lizenzierte Kernkraftwerke
betrieben, auf die ungefähr neun Prozent an der US-Elektrizitätserzeugung entfallen. Bis 1985 werden wir 145 bis 160 Kernkraftwerke besitzen, die 20 Prozent oder mehr der Elektrizitätserzeugung unseres Landes bestreiten werden.
In vielen Fällen ist Elektrizität aus Kernkraftwerken merklich billiger
als Elektrizität aus öl- oder kohlebeheizten Kraftwerken. Kernenergie ist im
Hinblick auf die Erfordernisse des Umweltschutzes anderen Formen der Stromerzeugung in mehrerer Hinsicht vorzuziehen.
Die kommerziellen Kernkraftwerke genießen, was die Sicherheit angeht,
einen ausgezeichneten Ruf, haben sie doch in nahezu 200 Betriebsjahren (die
Betriebszeit aller Kernkraftwerke in 18 Jahren zusammengerechnet) nicht einen
einzigen Todesfall als Folge eines nuklearen Betriebsunfalls zu verzeichnen.
Ich habe Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen,daß dieser gute Ruf auch in
Zukunft gewahrt werden kann. So habe ich beispielsweise die Haushaltansätze
der selbständigen Nuklearen Aufsichts- und Lizenzbehörde und der Behörde für
Energieforschung und -entwicklung für Zwecke der Sicherheitsforschung aufgestockt.
Die
- 26 -

�Die Entscheidungen und Maßnahmen, die ich heute bekanntgebe, werden
mit dazu beitragen, bestehende Unsicherheiten zu beseitigen, die bisher dazu
geführt haben, eine umfassendere Nutzung der Kernenergie in den Vereinigten
Staaten hinauszuzögern.

Eine wie große Bedeutung der Entscheidung, die Wieder-

aufbereitung aufzuschieben, auch zukommen mag, wird sie uns nicht an der zunehmenden Nutzung der Kernenergie hindern.

Wir sind in Amerika mit unserem

Kernenergieprogramm auf dem richtigen Weg.

Die Änderungen, die ich heute be-

kanntgebe,

schaffen die Gewähr, daß wir auf diesem Wege fortfahren.

Meine heutigen Entscheidungen haben keinerlei Auswirkungen auf das
amerikanische Forschungs- und Entwicklungsprogramm um Brutreaktoren. Dieses
Programm beruht auf der Annahme, daß vor 1986 keine Entscheidung über den
kommerziellen Betrieb von Brutreaktoren, die Plutoniumbrennstoffe erfordern,
getroffen werden wird.

Schlußbemerkung
Ich unterschätze die Herausforderung, vor die uns die Schaffung eines
weltweiten Programms zur Nutzung der Vorteile der Kernenergie bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des erforderlichen Schutzes vor einer nuklearen Proliferation stellt, nicht im geringsten. Es handelt sich hierbei um eine Herausforderung, der wir durch technische Maßnahmen nur teilweise und zeitweise begegnen können.
Sie ist nur dann voll und ganz zu meistern, wenn die Völker bereit sind,
auf offensichtliche kurzfristige Vorteile zugunsten grundlegender langfristiger
Erträgnisse zu verzichten. Wir fordern alle Nationen auf, zu erkennen, daß
ihren individuellen und kollektiven Interessen am ehesten durch international
gewährleistete und gesicherte Lieferungen von Kernbrennstoffen und die dazugehörigen Dienstleistungen und Lagerstätten gedient ist. Wir ersuchen sie,
von dem Bestreben abzulassen, nukleare Kapazitäten zu erwerben, die von zwei fei - 27 -

�I

I
zweifelhaftem wirtschaftlichem Wert sind und ominöse Implikationen bezüglich der nuklearen Proliferation und der Instabilität überall auf der Welt
haben.
Der zunehmende internationale Konsensus bezüglich der Notwendigkeit
der Verhinderung der Proliferation von Kernwaffen ist eine Quelle der Ermutigung, nicht aber ein Grund zur Selbstgefälligkeit.
Ein Erfolg in den Bemühungen, der Herausforderung zu begegnen, vor die
wir uns gestellt sehen, hängt von einer außerordentlichen Koordination der
Politik aller Nationen um des gemeinsamen Wohles willen ab.

Die Vereinigten

Staaten sind bereit, hierbei die Führungsrolle zu übernehmen, können aber für
sich allein nicht obsiegen.

Wenn die Nationen gemeinsam konstruktiv und im

Geist der Zusammenarbeit handeln, um die gemeinsamen Nuklearprobleme in den
Griff zu bekommen, werden wir damit unsere kollektive Sicherheit erhöhen.
Wir werden dann besser in der Lage sein, unsere Energien und unsere Hilfsquellen auf die große Aufgabe des Aufbaus zu verwenden, statt sie in einer
immer gefährlicheren Rivalität zu vergeuden.

�J. amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300
Telex:08-85432

21/1976

ERKLÄRUNG CARTERS ZUR AMERIKANISCHEN NUKLEARPOLITIK
Erwiderung auf die Veröffentlichung Fords -

New York - (AD) - Jimmy Carter, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, hat in einer Erwiderung auf die Erklärung von Präsident Ford zur
amerikanischen Nuklearpolitik am 28. Oktober seinerseits in einer Stellungnahme das Thema als durchaus der Erwägung eines Präsidenten w'ütdig, jedoch
als "zu wenig und zu spät" bezeichnet. Die in New York veröffentlichte
Erklärung Carters hat folgenden Wortlaut:
Wenngleich Präsident Ford schließlich und endlich erkannt hat, daß die
Ausbreitung von Kernwaffen eine Angelegenheit ist, die der Überlegungen eines
Präsidenten würdig ist, so ist doch seine heutige Erklärung zu wenig und
zu spät. Es handelt sich nur um ein schwaches Echo auf die starke und
verantwortungsbewußte Poltiik, die ich immer wieder zur Kontrolle der
nuklearen Proliferation vorgeschlagen habe.
In der Zeit der Präsidentschaft Fords haben drei Ereignisse stattgefunden,
die all denen recht gegeben haben, die eine Ausbreitung der Kernwaffen befürchten.
Indien hat eine Kernwaffe zur Explosio.. gebracht, ohne daß irgend eine
Maßnahme, ja auch nur ein formeller Protest seitens der Vereinigten Staaten
erfolgt wäre.

Unser eigenes

Außenministerium befürwortet noch immer neue

nukleare Verkäufe an Indien, obwohl Indien amerikanisches Material zur
Herstellung
- 1 -

�Herstellung seiner ersten Waffe benutzt hat und wir keine Zusicherungen
haben, daß es in Zukunft davon Abstand nehmen wird.
Die Franzosen haben sich bereit erklärt, Pakistan eine Anlage zu verkaufen, die dieses Land in die Lage versetzen würde, eine Bombe herzustellen.
Die Bundesrepublik Deutschland hat einen ähnlichen Verkauf mit Brasilien
vereinbart.

Aber während der ganzen Verhandlungen über diese Verkäufe

haben es der Präsident und Außenminister Kissinger versäumt, im Namen
unseres Landes ihre Ablehnung zum Ausdruck zu bringen.

Im Gegenteil, der

heutige Vorschlag des Präsidenten enthält keinerlei Hinweise oder Vorschläge wie diese ernsten Proliferationsprobleme behandelt werden sollten.
Es fällt mir schwer zu glauben, daß der Zeitpunkt der Veröffentlichung
dieses Vorschlages nichts mit wähl politischen Erwägungen zu tun hat.

Ich

bedaure es, daß diese Erklärung nicht vor der außenpolitischen Debatte oder
zumindest vor unserer allgemeinen Debatte am Freitag veröffentlicht worden
ist.

Das amerikanische Volk hätte eine Chance verdient, die Unterschiede

zwischen unseren Auffassungen in einer Frage zu prüfen und zu werten, die
von lebenswichtiger Bedeutung für unsere nationale Sicherheit und den
Weltfrieden ist.
Ich möchte hier einige dieser Unterschiede aufzählen:
Als Nukleartechniker erkenne ich sehr wohl den Nutzen,aber auch die
Risiken nuklearer Energie. Während wir uns zwar weiterhin zur Deckung eines
Teils unseres Bedarfs an Strom auf Kernreaktoren werden verlassen müssen,
werde ich versuchen, unsere Abhängigkeit von dieser Energiequelle auf einem
Minimum zu halten. Mr. Ford dageqen befürwortet eine stärkere Nutzung von
Nuklearenergie in unserem eigenen Lande und in allen anderen Ländern der
Welt.
Nach meiner Überzeugung können Energieeinsparung und eine Verlagerung
auf Kohle unserem Lande wesentlich bei der Dekcung unseres Energiebedarfs
helfen

�helfen.

Mit seiner Befürwortung der Nuklearenergie legt Mr. Ford nur ein

Lippenbekenntnis zur Energieeinsparung und zum Ausbau der Kohle ab.
Ich bin nicht der Meinung, daß wir die Wiedergewinnung von Plutonium
für Waffen aus Reaktorbrennstoffabfall betreiben sollten, es sei denn, es
stellt sich eindeutig heraus, daß dies notwendig, sicher und wirtschaftlich
ist. Mr. Fords heutiger Vorschlag verschleiert nur dünn sein Interesse an
einem massiven Ein-Milliarden-Dollar-Regierungsprogramm für die Rückgewinnung von Plutonium durch eine sogenannte Anreicherung. Das "Wall Street
Journal" bezeichnete seinen Vorschlag, der bereits an die Presse durchgesickert war, als "einfach schrecklich". Ein solcher Vorschlag erklärt der
übrigen Welt - und unserem eigenen Volk - "tut das, was wir sagen, und
nicht das, was wir tun."
Ich bin der Auffassung, daß die Vereinigten Staaten eine starke Führung
bieten und ihre eigenen Experten auf dem Gebiet nuklearer Brennstoffe und
der Nukleartechnologie einsetzen müssen, um andere Länder davon zu überzeugen, daß sie nicht nach der Technologie zur Herstellung der Bombe streben
oder daß si&lt;? diese Technologie nicht verkaufen« Mr 0 Ford zählt nur einige
wenige Kriterien auf, von denen er nicht einmal verspricht, sie auf alle
Länder anzuwenden, und er macht damit nicht einmal den Versuch, ernsthaft der
Verhütung der Ausbreitung der Kernwaffen verpflichtet zu erscheinen.
Hätte Mr. Ford seinen heutigen Vorschlag vor zwei Jahren unterbreitet,
dann wäre das ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Heute handelt es
sich um einen kurzsichtigen, von Wahlkamrferwägungen gleiteten Versuch, die
schwachen Leistungen der Vergangenheit zu korrigieren. Ich bin überzeugt,
daß das amerikanische Volk trotz der Kompliziertheit dieser Frage die fundamentalen Gefahren begreift, die in einer weiten Verbreitung der Verfügbarkeit von Kernwaffen liegt. Indien, Pakistan, Brasilien, Ägypten, Taiwan
und Korea haben alle ihr Interesse an der Bombe zum Ausdruck gebracht. Das
amerikanische Volk ist sich bewußt, daß wir mit der Korrektur eines bereits
ernsten Problems eine schwere Aufgabe vor uns haben. Die Entschuldigungen
des
- 3 -

�des Präsidenten, der Kongress habe versagt, wenn in Wirklichkeit das
•Weiße Haus sich gegen die Maßnahmen des Kongresses gestellt hat, werden
nicht ziehen.
Die Vorschläge, die ich im Mai dieses Jahres den Vereinten Nationen
und erneut im September dieses Jahres in San Diego unterbreitet habe, enthalten die festen Zusagen, die unser Land braucht, um die Vereinigten
Staaten - und alle anderen Nationen - von den unannehmbaren Gefahren eines
Atomkrieges und des nuklearen Terrorismus wegzuführen.

+

+

+

�</text>
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        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 02.11.1976</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Fords zur Nuklearpolitik der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters zur amerikanischen Nuklearpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erwiderung auf die Veröffentlichung Fords -&lt;/em&gt;</text>
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