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amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

10. März 1999

04

AUSSENPOLITIK

DIE GESTALTUNG EINER FRIEDLICHEREN
WELT FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT
Rede von Präsident Clinton

HAUSHALT

STÄRKUNG DER FUHRUNGSROLLE DER
VEREINIGTEN STAATEN AUF DER WELT
Auszug aus der Haushaltsvorlage des Präsidenten

USA-EUROPA

USA MÜSSEN IHREN MILITÄRISCHEN
AUFTRAG IN DER ZEIT NACH DEM KALTEN
KRIEG ÜBERDENKEN
Rede von Staatssekretär Pickering

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�AUSSENPOLITIK

10. März 1999

Die Gestaltung einer friedlicheren Welt für
das 21. Jahrhundert
Rede von Präsident Clinton

SAN FRANCISCO - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Rede von Präsident Clinton über die Außenpolitik
der Vereinigten Staaten vom 26. Februar 1999.

Vielen Dank und Guten Morgen. Herr Bürgermeister,
wir freuen uns sehr, hier in San Francisco zu sein.
Vielen Dank, daß Sie zu unserer Begrüßung hierher
gekommen sind. Sehr geehrter Senator Boxer,
Abgeordneter Pelosi, Abgeordneter Lofgren, anwesende Mitglieder der kalifornischen Legislative. Ich
möchte besonders zwei Menschen danken, die viel mit
den guten Dingen der letzten sechs Jahre unserer
Administration zu tun hatten - unserem ehemaligen
Verteidigungsminister Bill Perry mit Frau, die beide hier
sind, und General John Shalikashvili, ich danke Ihnen
für Ihr Kommen. Wir freuen uns, Sie hierzu sehen.
Ich freue mich über diese Gelegenheit, mit Ihnen allen
sprechen zu können und daß auch Außenministerin
Albright und Herr Berger hier sein können, um über die
Rolle der Vereinigten Staaten im kommenden Jahrhundert zu sprechen; um darüber zu sprechen, was
wir tun müssen, um das Versprechen dieses außerordentlichen Augenblicks der Weltgeschichte einzulösen. Zum ersten Mal seit dem Aufstieg des
Faschismus Anfang dieses Jahrhunderts gibt es keine
direkte Bedrohung unseres Lebens oder unserer
Freiheit. Vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte
kämpfen die führenden Nationen der Welt nicht
miteinander um Sicherheit oder Hoheitsgebiete. Die
Welt wächst ganz offensichtlich enger zusammen.
Seit 1945 ist das Welthandelsvolumen um das 15fache gestiegen, was den Lebensstandard auf allen
Kontinenten erhöht hat. Freiheit breitet sich aus; zum
ersten Mal in der Geschichte wählt mehr als die Hälfte
der Weltbevölkerung ihre eigene Regierung. Der
Zugang zu Informationen für ganz normale Menschen
auf der Welt explodiert buchstäblich.

AMERIKA DIENST 04

Aufgrund dieser Entwicklungen und der dramatischen
Steigerung unseres eigenen Wohlstands und Selbstbewußtseins in dieser längsten wirtschaftlichen
Expansion in Friedenszeiten haben die Vereinigten
Staaten die Chance, und ich würde sogar sagen die
feierliche Pflicht, im 21. Jahrhundert eine friedlichere,
wohlhabendere und demokratischere Welt zu schaffen.
Wir müssen diese Diskussion allerdings mit ein
bißchen Geschichte und ein bißchen Demut beginnen.
Hören Sie sich dieses Zitat eines anderen führenden
amerikanischen Politikers zu Beginn eines neuen
Jahrhunderts an: "Die Güter der Welt werden ausgetauscht wie nie zuvor, und mit zunehmendem Verkehr
nimmt auch das Wissen und der Handel zu. Wir
überbrücken größere Distanzen in kürzeren Zeitspannen und leichter als man je zu träumen wagte.
Die gleichen wichtigen Nachrichten werden - zwar in
verschiedenen Sprachen - am gleichen Tag auf der
ganzen Welt gelesen. Isolation ist nicht mehr möglich.
Keine Nation kann mehr einer anderen gegenüber
gleichgültig sein."
Dieses Zitat stammt von Präsident William McKinley
von vor hundert Jahren. Was wir heute Globalisierung
nennen, war schon damals auf den Weg gebracht
worden. Wir hatten damals mehr diplomatische
Vertretungen auf der Welt als heute, und Auslandsinvestitionen spielten tatsächlich eine größere Rolle für
unsere eigene Wirtschaft als sie es heute tun.
Der von Präsident McKinley und anderen damals über
das 20. Jahrhundert zum Ausdruck gebrachte Optimismus unterschied sich nicht allzu sehr von den Hoffnungen, die heute im Allgemeinen über das 21.
Jahrhundert geäußert werden. Wachsender Welt-

Seite 1

�handel und Kommunikation verbesserten damals
zahllose Leben, genau wie heute auch. Aber dies hielt
die reichsten Nationen der Welt nicht davon ab, den
Ersten und Zweiten Weltkrieg auszufechten. Es
verhinderte nicht die Weltwirtschaftskrise oder den
Holocaust oder den Kommunismus.
Hätten die
führenden Nationen damals entschieden gehandelt,
hätten diese Katastrophen vielleicht verhindert werden
können. Aber der Völkerbund versagte und die
Vereinigten Staaten - nun, unser Hauptengagement
auf der Welt war kommerzieller und kultureller Art,
außer und bis wir angegriffen wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schlugen die führenden
Politiker einen anderen Weg ein. Harry Truman kam in
diese Stadt und sagte, für eine Veränderung der Welt,
weg von einer Welt, wo Macht Recht haben bedeutet,
"reichen Worte nicht aus. Wir müssen ein für allemal
durch unsere Taten endgültig beweisen, daß das
Recht Macht hat." Er, seine Verbündeten und ihre
Nachfolger bauten ein Netz von Sicherheitsbündnissen
zur Friedenserhaltung und ein weltweites Finanzsystem zum Erhalt des Wohlstands auf.
In den letzten sechs Jahren haben wir eine Erneuerung dieser und die Schaffung neuer Ordnungen für
die Herausforderungen der nächsten 50 Jahre angestrebt. Wir haben Fortschritte erzielt, aber es bleibt
noch so viel mehr zu tun. Wir können heute nicht
davon ausgehen, daß allein die Globalisierung die
zerstörerischen Kräfte an der Schwelle des 21.
Jahrhunderts hinwegfegt, wie sie es auch an der
Schwelle des 20. Jahrhunderts nicht vermochte. Wir
können nicht davon ausgehen, daß sie den sich
danach sehnenden Bürgern auf der ganzen Welt
Freiheit und Wohlstand bringen wird. Wir können nicht
davon ausgehen, daß sie Umwelt- und die Volksgesundheit betreffende Katastrophen verhindern wird.
Wir können nicht davon ausgehen, daß wir Amerikaner
keine militärische Macht oder Bündnisse brauchen weil
wir jetzt sicher sind oder daß wir nicht von finanziellen
Turbulenzen auf der anderen Seite der Erde erschüttert werden können, weil wir wohlhabend sind.
Die Welt, die wir unseren Kindern und Enkelkindern
hinterlassen möchten, fordert von uns die richtigen
Entscheidungen, von denen einige schwierig sein
werden. Die Vereinigten Staaten haben sich großen
Herausforderungen immer gestellt, aber wir neigen
immer noch dazu zu glauben, daß wir uns wieder um
unsere eigenen Angelegenheiten kümmern können,
wenn wir damit fertig sind. Heute müssen wir die
unerbittliche Logik der Globalisierung akzeptieren daß alles, von der Stärke unserer Wirtschaft über die
Sicherheit unserer Städte bis zur Gesundheit unseres
Volkes nicht nur von Ereignissen innerhalb unserer
Grenzen, sondern auch von Ereignissen auf der
anderen Seite der Erde abhängt. Wir müssen die
Chancen und Gefahren der interdependenten Welt
erkennen, in der wir wohl oder übel leben müssen.

Seite 2

Es besteht immer noch ein Potential für große regionale Kriege, die unsere Sicherheit bedrohen könnten.
Das Wettrüsten zwischen Indien und Pakistan ist eine
Erinnerung daran, daß der nächste große Krieg immer
noch ein Atomkrieg sein könnte. Es besteht die
Gefahr, daß unsere ehemaligen Gegner den Übergang
zu Freiheft und freier Marktwirtschaft nicht erfolgreich
meistern. Es besteht die Gefahr, daß tödliche Waffen
in die Hände von terroristischen Gruppen oder eines
geächteten Staates fallen und daß es sich dabei um
chemische oder biologische Waffen handelt.
Es besteht die Gefahr totbringender Bündnisse
zwischen Terroristen, Drogenhändlern und organisiertem Verbrechen. Es besteht die Gefahr weltweiter
Umweltkrisen und der Ausbreitung tödlicher Krankheiten. Es besteht die Gefahr der Unterminierung offener
Märkte, der Überwältigung offener Gesellschaften und
der Aushöhlung unseres eigenen Wohlstands durch
finanzielle Turbulenzen.
Wir müssen der Versuchung widerstehen, diese
Gefahren herunterzuspielen und der Illusion, die
richtige Reaktion hierauf sei, die Schotten dicht zu
machen und Amerika vor der Welt zu schützen. Die
Welt verspricht uns unsere Zukunft. Deshalb müssen
wir hart mit der Welt arbeiten - für den Sieg über die
Gefahren, die sich uns gemeinsam stellen und zum
Ausbau dieser hoffnungsvollen Zeit in eine Generation
des Friedens, des Wohlstands und der Freiheit.
Aufgrund unserer einzigartigen Position muß Amerika
mit Vertrauen in seine Stärken und mit klarer Sicht
dessen führen, was wir vermeiden und was wir
voranbringen wollen.
Unsere wichtigste Herausforderung besteht in der
Gestaltung einer friedlicheren Welt für das 2 1 . Jahrhundert. Zu diesem Zweck erneuern wir Bündnisse,
die das kriegsfreie Gebiet erweitem und arbeiten
daran, Konflikte zu beenden, die Leben fordern und
unsere Interessen momentan bedrohen.
Die blutigsten Kriege dieses Jahrhunderts begannen in
Europa. Deshalb habe ich hart am Aufbau eines
endlich ungeteilten, demokratischen und friedlichen
Europas gearbeitet. Wir möchten ganz Europa daran
teilhaben lassen, was die Vereinigten Staaten in
Westeuropa mit aufgebaut haben - eine Gemeinschaft,
die die allgemeinen Menschenrechtsstandards achtet,
wo die Menschen das Vertrauen und die Sicherheit
haben, in die Zukunft zu investieren, wo Staaten
zusammenarbeiten, um Kriege undenkbar zu machen.
Deshalb habe ich mich nachhaltig für die NATOErweiterung eingesetzt und deshalb müssen wir die
Türen der NATO für neue demokratische Mitglieder
offen halten, so daß andere Nationen einen Anreiz
haben, die Demokratie in ihrem Land zu vertiefen.
Deshalb müssen wir eine Partnerschaft zwischen der
NATO und Rußland, zwischen der NATO und der

AMERIKA DIENST 04

�Ukraine aufbauen; deshalb schaffen wir eine NATO,
die nicht nur in der Lage ist, einen Angriff auf das
eigene Gebiet abzuwehren, sondern sich auch
Herausforderungen unserer eigenen Sicherheit außerhalb ihres Gebiets stellt - die Art NATO, die wir anläßlich des Washingtoner Gipfels zum 50. Jahrestag im
April fördern müssen.

kamen, um das Friedensabkommen zu unterzeichnen.
In diesem Moment kam die Frage auf - und wenn man
sich die Bilder im Nachhinein ansieht, scheint es in der
Tat die Hauptfrage gewesen zu sein - ob sich Premierminister Rabin und der PLO-Vorsitzende Arafat zum
ersten Mal vor der gesamten Welt die Hand reichen
würden.

Wir bauen ein stärkeres Bündnis mit Japan und
erneuern unsere Verpflichtung, Aggression in Korea
abzuschrecken und unsere Bemühungen für einen
echten Frieden dort zu intensivieren. Ich danke
Minister Perry für seine diesbezüglichen Anstrengungen. Wir schaffen eine friedlichere Welt auch durch
den Aufbau neuer Partnerschaften in Asien, Afrika und
Lateinamerika.

Es war eine interessante und gelegentlich humorvolle
Diskussion. Aber sie endete als Yitzhak Rabin,
lebenslang ein Soldat, zu mir sagte: "Herr Präsident,
ich habe ein Leben lang gegen diesen Mann gekämpft,
30 Jahre lang. Ich mußte in dieser Zeit viele meiner
eigenen Leute beerdigen. Aber man schließt nicht
Frieden mit seinen Freunden."

Vor zehn Jahren schrieen wir uns über einen durch die
Differenzen zwischen Nord und Süd definierten
Abgrund hinweg an. Heute führen wir einen neuen
Dialog in der Sprache der gemeinsamen Interessen des Handels und der Investitionen; der Bildung und der
Gesundheit, der Demokratien, die nicht Korruption und
Verzweiflung hervorrufen, sondern Fortschritt und
Hoffnung; des gemeinsamen Wunsches, daß die
Kinder in allen unseren Länder frei von der Geißel der
Drogen sein werden. Mit diesen Bestrebungen zur
Stärkung alter Bündnisse und zum Aufbau neuer
Partnerschaften fördern wir die Aussichten auf Frieden. Den Frieden dann auch wirklich zu schaffen, ist
allerdings härter und oft sehr viel umstrittener.
Es ist leicht beispielsweise zu sagen, wir hätten
wirklich kein Interesse daran, wer in diesem oder
jenem Tal in Bosnien lebt oder wer Eigentümer eines
Streifens Buschland im Hörn von Afrika oder eines
Stücks verbrannter Erde am Jordan ist. Aber der
wahre Maßstab für unser Interesse ist nicht wie klein
oder weit entfernt diese Orte sind oder ob wir Schwierigkeiten haben, ihre Namen auszusprechen. Wir
müssen uns die Frage nach den Konsequenzen für
unsere Sicherheit stellen, sollte Konflikten erlaubt
werden zu schwelen und sich auszubreiten. Wir
können und sollten nicht alles tun und überall sein.
Aber wo es um unsere Werte und Interessen geht und
wo wir etwas bewirken können, müssen wir bereit sein,
etwas zu tun. Und wir müssen uns daran erinnern,
daß die wirkliche Herausforderung für Außenpolitik in
der Bewältigung von Problemen besteht, bevor sie
unseren nationalen Interessen schaden.
Es ist ebenfalls leicht zu sagen, friedenserhaltende
Maßnahmen seien in Gegenden zum Scheitern
verurteilt, wo die Menschen seit Generationen durch
Haß verbittert sind, wo die alten, auf unterschiedlicher
Rasse, Religion oder Abstammung gründenden
Feindseligkeiten ihr ergrautes Haupt erheben. Aber
nie werde ich den Tag vergessen, als die führenden
Politiker Israels und der palästinensischen Autonomiebehörde im September 1993 in das Weiße Haus

AMERIKA DIENST 04

Es ist in unserem Interesse, Frieden zu stiften, nicht
weil wir meinen, wir könnten alle diese Unterschiede
verschwinden lassen, sondern weil wir in 200 Jahren
angestrengter Bemühungen hier in unserer Heimat
und mit bitteren und guten Erfahrungen auf der Welt
gelernt haben, daß die Welt besser funktioniert, wenn
Meinungsverschiedenheiten durch die Kraft der
Argumente und nicht durch die Kraft der Waffen gelöst
werden.
Aus diesem Grund bin ich stolz auf unsere Arbeit zur
Unterstützung des Friedens in Nordirland, und deshalb
werden wir die Politiker dort weiterhin dazu auffordern,
nicht nur den Buchstaben, sondern auch den Geist des
Karfreitagsabkommens zu achten.
Dies ist auch der Grund, warum ich die mir in meinem
Amt verbleibende Zeit dazu nutzen werde, auf einen
umfassenden Frieden im Nahen Osten zu drängen, die
Israelis und Palästinenser zu ermutigen, eine gerechte
und endgültige Lösung zu finden und unseren Freunden für Frieden beizustehen, wie beispielsweise
Jordanien. Die Menschen im Nahen Osten können es
schaffen, aber Zeit ist wertvoll und sie können sich
nicht erlauben, sie weiterhin zu verschwenden. Im
Grunde wissen sie, es kann keine Sicherheit und
Gerechtigkeit für irgend jemand in diesem kleinen und
heiligen Land geben bis es Sicherheit und Gerechtigkeit für alle dort Lebenden gibt. Wenn sie ihren Teil
leisten, müssen wir das Unsere tun.
Wir werden außerdem weiterhin mit unseren Bündnispartnern für Frieden auf dem Balkan arbeiten. Vor
drei Jahren trugen wir zur Beendigung des Kriegs in
Bosnien bei. Viele Zweifler dachten damals, er würde
bald wieder ausbrechen. Aber Bosnien befindet sich
auf dem steten Weg der Erneuerung und Demokratisierung. Wir konnten die Anzahl unserer Truppen dort
mit der Verfestigung des Friedens um 75 Prozent
reduzieren, und wir werden sie weiterhin zurück nach
Hause holen.
Die größte verbleibende Gefahr für diesen Fortschritt
ist der Kampf und die Unterdrückung im Kosovo. Im

Seite 3

�Kosovo hat schließlich die Gewalt im ehemaligen
Jugoslawien vor mehr als einem Jahrzehnt begonnen,
als die Provinz die durch das jugoslawische Recht
garantierte Autonomie verlor. Wir haben ein klares
nationales Interesse daran sicherzustellen, daß die
Schwierigkeiten auch im Kosovo ihr Ende finden.
Wenn sie andauern, werden mit ziemlicher Sicherheit
auch Albanien und Mazedonien mit hineingezogen, die
an das Kosovo grenzen und wo es bereits Unruhen
gab.
Sie könnten auch Auswirkungen auf unsere Verbündeten Griechenland und die Türkei haben. Sie könnten
Spannungen in Bosnien selbst auslösen und so die
dort erzielten Erfolge gefährden. Dauert der Konflikt
an, wird es sicherlich mehr Greueltaten geben, mehr
Flüchtlinge, mehr nach Gerechtigkeit und Rache
rufende Opfer.
Vorigen Herbst waren eine Viertelmillionen Vertriebene
im Kosovo Hunger und Kälte in den Hügeln ausgesetzt. Mit von Gewaltandrohung unterstützter Diplomatie haben wir sie nach Hause gebracht und den Kampf
verlangsamt.
17 Tage lang haben wir diesen Monat vor den Toren
von Paris mit unseren europäischen Partnern eine
Vereinbarung angestrebt, die den Kampf endgültig
beenden würde. Es wurden Fortschritte hinsichtlich
des generellen Verständnisses einer Autonomie des
Kosovo erzielt - Fortschritte, die, wie ich meine, ohne
die Einigkeit unserer Verbündeten und die unermüdliche Führungsstärke unserer Außenministerin, Madeleine Albright, nicht gemacht worden wären.
Soweit sind wir gekommen. Die Führung der KosovoAlbaner hat sich im Prinzip mit einem Plan einverstanden erklärt, der die Rechte ihres Volkes schützt
und ihnen erhebliche Selbstverwaltung zugesteht.
Serbien hat vielen, aber nicht allen Bedingungen der
Autonomie zugestimmt und bisher die Notwendigkeit
einer unter NATO-Führung stehenden internationalen
Truppe zur Friedenssicherung dort nicht anerkannt.
Die Führung Serbiens muß nun akzeptieren, daß sie
ihr Land nur unversehrt erhalten kann, wenn sie den
Menschen im Kosovo Kontrolle über ihr tägliches
Leben gibt, wie es ihnen schließlich unter jugoslawischem Recht versprochen wurde. Beide Seiten
müssen am 15. März mit einem klaren Mandat für den
Frieden an den Verhandlungstisch zurückkehren. In
der Zwischenzeit sollte Präsident Milosevic einsehen,
daß dies eine Zeit für Zurückhaltung, nicht Unterdrückung, ist. Tut er dies nicht, ist die NATO bereit zu
handeln.
Sollte es eine wirkungsvolle Friedensvereinbarung
geben, muß die NATO auch zur Entsendung von
Truppen in das Kosovo bereit sein, um beiden Seiten
das für eine Niederlegung der Waffen notwendige

Seite 4

Vertrauen zu geben. Die Europäer würden den
Großteil einer solchen Truppe stellen, etwa 85 Prozent.
Aber wenn es wirklichen Frieden gibt, müssen die
Vereinigten Staaten ebenfalls ihren Teil dazu beitragen.
Das Kosovo ist kein einfaches Problem. Aber wenn
wir den Konflikt nicht jetzt beenden, wird er sich
sicherlich ausbreiten. Und dann werden wir nicht mehr
in der Lage sein, ihn aufzuhalten oder nur mit viel
größeren Kosten und Risiken.
Eine zweite sich uns stellende Herausforderung ist die
Eingliederung unserer ehemaligen Gegner, Rußland
und China, in das internationale System als offene,
wohlhabende und stabile Staaten. Wie sich diese
beiden Länder im kommenden Jahrhundert entwickeln,
wird viel mit der Zukunft unseres Planeten zu tun
haben.
50 Jahre lang stellten wir uns der Herausforderung der
russischen Stärke. Heute müssen wir uns der Gefahr
eines durch das Vermächtnis des Kommunismus
geschwächten Rußlands stellen, geschwächt auch
durch seine Unfähigkeit, zur Zeit den Wohlstand im
Land zu wahren oder den Fluß seines Kapitals, seiner
Waffen und Technologie über die Grenzen zu kontrollieren.
Die Dimensionen dieses Problems sind wahrlich
enorm. Acht Jahre nach dem sowjetischen Zusammenbruch leidet das russische Volk noch immer. Die
Wirtschaft schrumpft, was die Zukunft unsicher macht.
Wir haben heute ein ebenso großes Interesse an der
Überwindung der russischen Probleme wie wir an der
Kontrolle der Expansion Rußlands während des Kalten
Krieges hatten. Dies ist keine Zeit der Selbstgefälligkeit oder des herbeigeredeten Pessimismus. Lassen
Sie uns nicht vergessen, daß das russische Volk
schon früher enorme Hindemisse überwunden hat.
Und erst in diesem Jahrhundert, ohne eine lebendige
Erinnerung an Demokratie oder Freiheit als Leitfaden
hat es einen Staat aufgebaut, der offener für die Welt
ist als je zuvor, einen Staat mit Pressefreiheit und
lebhafter, sogar rauher Debatte, einen Staat, der in der
ersten Hälfte des neuen Jahrtausends die erste
friedliche demokratische Machtübergabe in seiner
tausendjährigen Geschichte erleben sollte.
Das russische Volk wird über seine eigene Zukunft
entscheiden. Aber wir müssen mit ihm am bestmöglichen Ausgang arbeiten, mit Wirklichkeitssinn und
Geduld. Wenn Rußland tut, was es tun muß, um seine
Wirtschaft funktionsfähig zu machen, bin ich bereit
alles zu tun, um angemessene internationale Unterstützung für das Land zu mobilisieren. Mit dem
richtigen Rahmen werden wir auch Auslandsinvestitionen in seine Fabriken, seine Energiefelder, sein Volk
ermutigen. Wir werden unsere Unterstützung für
kleine Unternehmen und die unabhängigen Medien

AMERIKA DIENST04

�erhöhen. Wir werden weiterhin am Abbau der Nukleararsenale unserer beiden Nationen arbeiten und
Rußland dabei behilflich sein zu vermeiden, daß seine
Waffen und sein Fachwissen in die falschen Hände
geraten.
Der von mir dem Kongreß vorgelegte Haushaltsentwurf sieht über die nächsten fünf Jahre eine 70prozentige Mittelerhöhung für diese entscheidende
Bedrohungsminderung vor.
Die Frage für China lautet, wie es am besten Stabilität
und Fortschritt sichert. Wird es sich für Offenheit und
Engagement entscheiden? Oder wird es sich für eine
Einschränkung der Hoffnungen seines Volkes entscheiden, ohne die globalen Regeln voll und ganz
anzuerkennen? Meines Erachtens kann nur der erste
Weg eine Antwort auf die sich China stellenden
Herausforderungen sein.
Wir können sie nicht herunterspielen. China hat bei
der Armutsbekämpfung und dem Aufbau einer neuen
Wirtschaft unglaubliche Fortschritte gemacht. Aber
nun verlangsamt sich das Wachstum - gerade als es
für die Schaffung von Arbeitsplätzen für eine wachsende und zunehmend mobile Bevölkerung gebraucht
wird. Der Großteil der chinesischen Wirtschaft wird
noch durch staatliche Kontrollen unterdrückt. In China
können wir die Probleme einer Gesellschaft erkennen,
die sich von der Herrschaft der Angst wegbewegt, aber
noch nicht in der Herrschaft des Rechts verwurzelt ist.
Die Führung Chinas weiß, daß mehr wirtschaftliche
Reformen notwendig sind; sie weiß, Reformen werden
zu mehr Arbeitslosigkeit führen, und sie weiß, dies
kann zu Unruhen führen. Gleichzeitig und vielleicht
aus eben diesen Gründen ist sie nicht bereit, ihr
politisches System zu öffnen, um den Menschen ein
friedliches Ventil für Protest zu geben.
Wir Amerikaner wissen, daß Protest nicht immer
angenehm, nicht immer einfach ist und oft lautstark
sein kann. Aber ich bin der Ansicht, daß die friedlichen, ordentlichen Ventile für Protest einer der Hauptgründe dafür sind, daß es uns immer noch gibt, als
eine der langlebigsten, frei gewählten Regierungen der
Welt. Und ich glaube, daß China früher oder später
einsehen müssen wird, daß eine Gesellschaft in der
Welt, in der wir leben - besonders ein so großes, altes
und reiches Land so voller Potential wie China - sich
einfach keine Stabilität auf Kosten der Freiheit kaufen
kann.
Andererseits müssen wir uns fragen, was die beste
Methode zur Maximierung der Chance ist, daß China
den richtigen Weg einschlägt und deshalb die Welt im
21. Jahrhundert freier, friedlicher und wohlhabender
sein wird. Ich glaube nicht, daß wir auf eine Veränderung in China hoffen können, wenn wir China von
den Kräften der Veränderung isolieren. Natürlich

AMERIKA DIENST 04

haben wir Meinungsverschiedenheiten und wir müssen
sie auch austragen. Aber wir können das tun und
gleichzeitig unsere Zusammenarbeit durch von
Grundsätzen geleitetes und zweckgerichtetes Engagement mit China, seiner Regierung und seinem Volk
ausbauen.
Unsere dritte große Herausforderung ist die Gestaltung
einer Zukunft, in der unser Volk sicher ist vor den
Gefahren, die vielleicht auf der anderen Seite der Welt
entstehen - Gefahren durch die Verbreitung von
Waffen, durch Terrorismus, Drogen und die vielzähligen aufgrund des Klimawandels möglichen Katastrophen.
Jede Generation sieht sich der Herausforderung
gegenüber, nicht den letzten Krieg austragen zu
wollen. In unserem Fall bedeutet das zu erkennen,
daß die wahrscheinlichere Bedrohung unserer Existenz in Zukunft kein strategischer Nuklearangriff von
Rußland oder China sein wird, sondern der Gebrauch
von Massenvernichtungswaffen durch eine geächtete
Nation oder eine terroristische Gruppe.
In den vergangenen sechs Jahren ist die Bekämpfung
dieser Bedrohung zu einer zentralen Priorität der
amerikanischen Außenpolitik geworden. Auch hier
muß noch sehr viel mehr getan werden. Wir arbeiten
darauf hin, die Verbreitung von Waffen an der Quelle
zu stoppen, wie wir es mit Rußland getan haben. Wir
arbeiten darauf hin, den Irak unter Kontrolle zu halten,
so daß er nicht die übrige Welt oder seine Region mit
Massenvernichtungswaffen bedroht. Wir nutzen alle
uns zur Verfügung stehenden Mittel, um Terroristen
Unterschlupf, Waffen und Geldmittel zu verweigern.
Selbst wenn es Jahre dauert, müssen die Terroristen
wissen, daß es kein Versteck für sie gibt.
Vor kurzem spürten wir den Schützen auf, der vor
sechs Jahren zwei unserer Leute vor dem CIA-Gebäude erschossen hat. Wir stellen Ausbildung und Gerät
für unsere örtliche Feuerwehr, Polizei und das medizinische Personal bereit, damit sie chemische, biologische und nukleare Notfälle handhaben können und
verbessern unsere Überwachungssysteme für die
öffentliche Gesundheit, damit wir im Falle der Freisetzung von biologischen Waffen diese ausmachen und
Leben retten können. Wir arbeiten darauf hin, unsere
entscheidenden Computersysteme vor Sabotage zu
schützen.
Viele dieser Themen sind neu und unbekannt, und
viele können erschreckend sein. Wie ich bereits in
einer Rede in Washington vor nicht allzu langer Zeit
über das sagte, was wir im Zusammenhang mit
biologischer und Computersicherheit sowie Bedrohungen durch Kriminelle unternehmen, ist es
wichtig, daß wir dazu die richtige Einstellung haben.
Wir müssen uns bewußt machen, daß die Risiken real
sind und wir uns ihnen daher weder verweigern noch

Seite 5

�in Panik geraten dürfen. Solange sich Menschen in
Gesellschaften organisieren, wird es organisierte
Kräfte der Zerstörung geben, die versuchen, einen
Vorteil aus den neuen Mitteln zur Zerstörung anderer
Menschen zu ziehen.
Die gesamte Geschichte der Konflikte kann zum Teil
als Wettrennen zwischen defensiven Maßnahmen und
offensiven Fähigkeiten gesehen werden. Das tun wir,
wenn wir uns mit den Herausforderungen durch
Computer von heute befassen; das tun wir, wenn wir
uns mit den Herausforderungen durch biologische
Waffen von heute befassen. Es ist sehr wichtig, daß
sich das amerikanische Volk ohne Panik ernsthaft und
sorgfältig damit befaßt, weil es die Art von Herausforderung ist, mit der wir uns wiederholt konfrontiert
sahen. Und solange es unser Land und die Welt gibt,
werden unsere Nachfolger dasselbe tun müssen, es
sei denn, es findet eine völlig unvorhergesehene
Veränderung der menschlichen Natur statt.
Wir arbeiten an der Entwicklung eines nationalen
Systems zur Raketenabwehr, das - wenn wir uns zu
seiner Stationierung entschließen - gegen sich abzeichnende Bedrohungen durch ballistische Raketen
verbrecherischer Staaten eingesetzt wird. Wir untermauern die globalen Abkommen, die die Weiterverbreitung eindämmen. Das ist das Wichtigste, was wir
jetzt tun können. In diesem Jahr hoffen wir ein Abkommen zur Verbesserung der Einhaltung der Konvention über biologische Waffen abzuschließen. Es ist
eine wirklich gute Konvention, aber offen gesagt, fehlt
ihr der Biß. Den müssen wir ihr geben. Und wir
werden den Senat um die Ratifizierung des Vertrags
über ein vollständiges Verbot von Nuklearversuchen
bitten, damit die Nationen von Nuklearwaffentests und
von der Entwicklung neuer Nuklearwaffen abgehalten
werden.
Ich sage nochmals: Ich bitte den Senat der Vereinigten Staaten eindringlich, den Vertrag über ein
umfassendes Verbot von Nuklearversuchen in diesem
Jahr zu ratifizieren. Das ist für die Vereinigten Staaten
und die Welt von großer Bedeutung.
Unsere Sicherheit hängt auch davon ab, mehr für den
Schutz unserer Bürger vor der Geißel der Drogen zu
unternehmen.
Um diesen Kampf zu gewinnen,
müssen wir mit anderen zusammenarbeiten, einschließlich und vor allem mit Mexiko. Mexiko hat ein
ernsthaftes Drogenproblem, das zunehmend die
jungen Menschen des Landes betrifft. Keiner versteht
das besser als Präsident Zedillo. Er bezeichnet es als
die Bedrohung Nummer Eins für die Sicherheit seines
Landes, seines Volkes und seiner Demokratie. Er
arbeitet hart an der Einrichtung einer Regierung, die
"clean" ist, wirklicher Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Er arbeit hart an der Bewältigung der Korruption,
die durch die Drogenhändler entstanden ist.

Seite 6

Weder er noch wir können diesen Kampf alleine
gewinnen. In jedem beliebigen Jahr können die
Drogenhändler Hunderte Millionen von Dollar ausgeben, um die mexikanischen Strafverfolgungsbeamten
zum Meineid anzustiften, von denen die meisten für
weniger als 10.000 Dollar pro Jahr arbeiten.
Wie ich heute in der Anhörung vor dem Kongreß
erklärte, arbeitet Mexiko mit uns im Kampf um unserer
Leben zusammen. Und meiner Ansicht nach wird das
amerikanische Volk sicherer sein, wenn wir zusammen
mit Mexiko Drogen bekämpfen, statt dem Problem den
Rücken zu kehren.
Eine weitere uns konfrontierende globale Gefahr ist der
Klimawandel. Soweit wir anhand aller zur Verfügung
stehenden wissenschaftlichen Beweise sagen können,
waren die heißesten Jahre, die unser Planet je erlebt
hat, 1997 und 1998. Neun von zehn der heißesten in
den letzten Jahrhunderten aufgezeichneten Jahre
fielen in das letzte Jahrzehnt.
Wir können warten, hoffen, nichts tun und versuchen
zu ignorieren, was die große Mehrheit der Wissenschaftler uns als ein festes und dauerhaftes Muster
erklärt. Wir können die Rekorde brechenden Temperaturen, Überschwemmungen, Stürme und Dürrekatastrophen ignorieren, die solches Elend hervorgerufen
haben. Oder wir können akzeptieren, daß die Verhinderung der durch den Klimawandel verursachten
Krankheiten und Zerstörung unendlich viel billiger sein
wird, als künftige Generationen versuchen zu lassen,
den Dreck wegzuräumen, insbesondere wenn man
bedenkt, daß einmal in die Atmosphäre freigesetzte
Treibhausgase dort fortbestehen und mindestens
hundert Jahre lang destruktive Auswirkungen auf die
Umwelt haben.
1997 haben wir einen riesigen Schritt nach vome
gemacht, als wir uns an der Formulierung des Abkommens von Kyoto beteiligten. Jetzt arbeiten wir
darauf hin, die Entwicklungsländer davon zu überzeugen, daß auch sie sich in sinnvoller Weise an diesen
Bestrebungen beteiligen können und müssen, ohne
auf Wachstum zu verzichten. Wir versuchen auch,
eine Mehrheit im Kongreß der Vereinigten Staaten
davon zu überzeugen, daß wir dasselbe tun können.
Der von mir in Amerika verfolgte Ansatz besteht nicht
darin, auf eine Unmenge neuer Vorschriften zurückzugreifen und hohe Energiesteuem vorzuschlagen,
sondern vielmehr, Steueranreize und eine dramatische
Zunahme an Investitionen in neue Technologien
anzubieten, weil wir wissen - weil wir jetzt wissen - daß
wir die technologischen Fähigkeiten haben, um das
eiserne Bindeglied zwischen den Energieverbrauchsmustem des Industriezeitalters und Wirtschaftswachstum zu brechen. Sie beweisen es jeden Tag in
Kalifornien mit strengeren UmweKnormen als jeder
andere Bundesstaat.

AMERIKA DIENST 04

�Wir wissen, daß die Technologie gerade erst entsteht,
die uns saubere Autos und andere saubere Transportmöglichkeiten sowie eine drastische Steigerung der
Kapazitäten aller unserer Gebäude erlaubt, Hitze und
Kälte herauszuhalten und mehr Licht hereinzulassen.
Wir wissen, daß das Konservierungspotential dessen,
was uns jetzt zur Verfügung steht, bisher nur oberflächlich genutzt wurde. Und wir müssen die Welt und
die wichtigen Entscheidungsträger in den Vereinigten
Staaten überzeugen, ihre Meinung über eine großartige Idee zu ändern - nämlich, daß der einzige Weg
zu Wachstum für ein Land darin besteht, mehr Energieressourcen in einer Weise zu verbrauchen, die die
Erderwärmung erhöht.
Eines der interessantesten Gespräche bei meinem
Besuch in China habe ich mit dem dortigen Umweltminister geführt, der mir für meine Teilnahme an einer
Umweltveranstaltung dankte, weil er Schwierigkeiten
habe, die Regierung davon zu überzeugen, daß sie
weiterhin die Armut unter der chinesischen Bevölkerung mildem und dennoch den Umweltschutz verbessern könne. Das ist eine zentrale, großartige Idee,
über die die Menschen auf der ganzen Welt ihre
Meinung ändern müssen, bevor wir offen und frei für
die technologischen Fortschritte sind, die wir um uns
herum ausmachen. Und ich bitte Sie alle, die Einfluß
darauf nehmen können, inständig, das zu tun.
Unsere vierte Herausforderung besteht in der Schaffung eines Welthandels- und Finanzsystems, mit dem
das Leben aller Menschen auf jedem Kontinent der
Welt verbessert wird. Oder darin - wie bei anderen
Gelegenheiten gesagt wurde - der globalen Wirtschaft
ein menschliches Gesicht zu verleihen. In den vergangenen sechs Jahren haben wir riesige Schritte zur
Öffnung des globalen Handelssystems unternommen.
Die Vereinigten Staaten allein haben über 270 verschiedene Handelsabkommen abgeschlossen. Erneut
sind wir die größte Exportnation der Welt. Es gibt noch
sehr viel mehr zu tun.
In den ersten fünf Jahren meiner Präsidentschaft
waren rund 30 Prozent unseres Wachstums auf
erweiterten Handel zurückzuführen. Das letzte war ein
gutes Jahr, aber wir hatten nicht sehr viel Wachstum
aus erweitertem Handel wegen der schrecklichen
Schwierigkeiten der Menschen in Asien und Rußland,
wegen der Verlangsamung des Wachstums in Lateinamerika und weil wir neue Chancen in Afrika nicht
ergriffen haben. Diese Menschen leiden mehr, und
unsere Zukunftsaussichten werden eingeschränkt.
Die Frage ist, was dagegen unternommen werden
sollte. Einige der Demonstranten, die bei meiner
Vorfahrt protestierten, hatten auf ihre Schilder geschrieben, ihrer Ansicht nach sei Globalisierung an
sich schon schlecht und es gebe keine Möglichkeit in
der weiten Welt, der globalen Wirtschaft ein menschliches Gesicht zu verleihen. Aber wenn Sie die Fakten

AMERIKA DIENST 04

der letzten 30 Jahre betrachten, wurden die wirtschaftlichen Aussichten von Millionen Menschen auf
jedem Kontinent verbessert, weil sie endlich in der
Lage waren, einen Weg zu finden, ihrer Kreativität in
positiver Weise Ausdruck zu verleihen und Waren und
Dienstleistungen hervorzubringen, die an den Grenzen
ihrer Nation gekauft werden konnten.
Die Frage ist jetzt, wie wir die offensichtlichen Herausforderungen und Probleme meistern, mit denen wir
heute konfrontiert sind und die Vorteile nutzen, die sich
- wie wir wissen - aus der Erweiterung des Handels
ergeben. Ich habe um eine neue Runde globaler
Handelsgespräche gebeten, um den Export von
Dienstleistungen, ausländischen Produkten und
Fertigwaren zu erweitern. Ich bin immer noch entschlossen, ein Abkommen über eine gesamtamerikanische Freihandelszone abzuschließen. Wenn wir die
Expansion in Lateinamerika von Mexiko bis ganz zur
Südspitze von Südamerika nicht durchgeführt hätten,
wäre es uns vergangenes Jahr entschieden schlechter
gegangen.
Ich habe den Kongreß aufgefordert, mir die Handelsbefugnis zu verleihen, die der Präsident traditionell hat,
um unseren Wohlstand zu mehren, und ich habe den
Kongreß gebeten, die Initiative Karibisches Becken
und das Gesetz über Wachstum und Chancen in Afrika
zu verabschieden, weil wir eine besondere Verantwortung und besondere Chancen in der Karibik und in
Afrika haben, die zu lange nicht genutzt wurden.
Aber Handel ist kein Selbstzweck. Er muß für den
Durchschnittsbürger funktionieren; er muß zum
Wohlstand und der Fairneß von Gesellschaften
beitragen. Er muß die Werte verstärken, die dem
Leben Bedeutung verleihen, nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in den ärmsten
Ländern, die darum kämpfen, die Träume ihrer Bürger
zu erfüllen. Aus diesem Grund arbeiten wir auf ein
Handelssystem hin, daß die Rechte der Arbeitnehmer
und Verbraucher wahrt und uns und ihnen in anderen
Ländern beim Umweltschutz behilflich ist, so daß der
Wettbewerb unter den Nationen eine Spirale nach
oben - nicht nach unten - ist. In diesem Jahr werden
wir eine Führungsrolle in der internationalen Gemeinschaft zum Abschluß eines Vertrags übernehmen, der
Kinderarbeit auf der ganzen Welt verbietet.
Die Vorteile des globalen wirtschaftlichen Austauschs
sind sehr real und dramatisch. Aber wenn die Kapitalströme erstmals in die Wachstumsmärkte fließen und
dann abrupt abbrechen, wenn Bankenpleiten und
Konkurse ganze Volkswirtschaften erfassen, wenn
Millionen, die sich in die Mittelschicht hinaufgearbeitet
haben, plötzlich in Armut versinken - dann ist die
Notwendigkeit einer Reform des internationalen
Finanzsystems klar.

Seite 7

�Ich möchte die Komplexität dieser Herausforderung
nicht herunterspielen. Als die Nationen anfingen, mehr
Handel zu treiben und als die Investitionsvorschriften
anfingen, den Menschen Investitionen in anderen
Ländern als ihrem eigenen zu gestatten, wurde es
immer notwendiger, die Umrechnung von Währungen
zu erleichtem. Immer wenn Sie das tun, werden Sie
nur durch den Transfer von Währungen einen Markt
gegen das Risiko schaffen. Immer wenn Sie das tun,
werden Sie Menschen haben, die Geld bewegen, weil
sie denken, der Wert des Geldes selbst werde sich
verändern und auf einem unabhängigen Devisenumtauschmarkt könnten Gewinne gemacht werden.
Es stimmt, daß an jedem beliebigen Tag 1,5 Billionen
Dollar auf der Welt an Devisen umgetauscht werden.
Das ist sehr viel mehr als der aktuelle Wert des
Austauschs von Waren und Dienstleistungen. Und wir
müssen einen Weg zur Erleichterung der Bewegung
von Geld finden - ohne die Handel und Investitionen
nicht stattfinden können - in einer Art und Weise, die
diese dramatischen Zyklen des Auf- und dann Abschwungs vermeiden, die zum Zusammenbruch der
Wirtschaftsaktivitäten in so vielen Ländern der Welt
geführt haben.
Wir haben nach der Weltwirtschaftskrise einen Weg
gefunden, es in den Vereinigten Staaten zu tun. Und
Gott sei Dank haben wir nie wieder eine Weltwirtschaftskrise gehabt, obwohl wir gute und schlechte
Zeiten hatten. Das ist die Herausforderung, der sich
die Finanzsysteme der Welt heute gegenübersehen.
Den führenden Volkswirtschaften steht viel Arbeit
bevor. Wir müssen alles in unserer Macht Stehende
tun - nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch
Europa und Japan - um das Wirtschaftswachstum
anzukurbeln. Wenn es keine Wiederherstellung von
Wirtschaftswachstum gibt, werden alle von uns
vorgenommenen Veränderungen der finanziellen
Regeln Asien, die lateinamerikanischen Länder oder
Rußland nicht von ihren Schwierigkeiten befreien.
Wir müssen bereit sein, schnell und entschieden Hilfe
für Nationen bereitzustellen, die sich zu soliden
Maßnahmen verpflichten. Wir müssen den Nationen
behilflich sein, soziale Sicherheitsnetze aufzubauen,
so daß die Menschen zumindest die erforderliche
grundlegende Sicherheit haben, weiterhin den Wandel
anzunehmen und das allgemeine Wohlergehen der
Gesellschaft zu verbessern, wenn es unvermeidliche
Veränderungen ihrer wirtschaftlichen Bedingungen
gibt.
Wir müssen die Nationen ermutigen, offene, ordnungsgemäß geregelte Finanzsysteme aufrechtzuerhalten,
so daß Entscheidungen informierte Marktentscheidungen sind und nicht durch Korruption verzerrt werden.
Wir müssen auch verantwortungsvolle Schritte zur
Reform der globalen Finanzarchitektur für das 21.

Seite 8

Jahrhundert unternehmen. Und wir werden beim G 7Gipfel in Deutschland im Juni mehr dazu tun.
In der Zwischenzeit müssen wir uns bewußt machen,
daß die Vereinigten Staaten einen großen Beitrag zur
Verhinderung einer weiteren Verschärfung der Krise
geleistet haben, indem wir Brasilien, Rußland und
anderen Ländern Geld verschafft und unsere eigenen
Märkte offen gehalten haben. Wenn Sie beispielsweise unsere Importpraktiken mit denen von Europa
oder Japan vergleichen, werden Sie sehen, daß wir
viel offenere Märkte haben. Das hat dazu beigetragen,
uns wettbewerbsfähiger und produktiver zu machen.
Darüber hinaus haben wir jetzt auch die niedrigste
Arbeitslosenrate auf der ganzen Welt unter allen
fortschrittlichen Ländern - etwas, von dem viele
Menschen annahmen, daß es nie wieder geschehen
würde.
Andererseits können wir nicht zulassen, daß andere
Länder ihre Schwierigkeiten auf unseren offenen
Märkte als Entschuldigung nehmen, um internationale
Handelsregelen zu verletzen und unsere Märkte illegal
mit Produkten zu überschwemmen. Wir hatten in
Amerika in diesem und im letzten Jahr genügend
Probleme - insbesondere in der Landwirtschaft und der
Luft- und Raumfahrt - durch Länder, die keine Produkte mehr kaufen konnten, obwohl sie bereits für viele
Angebote gemacht hatten. In den vergangenen
Monaten haben wir dann in diesem Land enorme
Probleme in unserer Stahlindustrie gehabt aufgrund
der offensichtlichen Überschwemmung des amerikanischen Markts mit Produkten, die die Gesetze
verletzte.
Sie sollen wissen, daß ich alles in meiner Macht
Stehende unternehmen werde, um unsere Märkte
offen zu halten, aber gleichzeitig beabsichtige, alles in
meiner Macht Stehende zur Durchsetzung unserer
Handelsgesetze zu unternehmen, solange diese Krise
andauert.
Gestern erhielten wir einige Beweise, daß unsere
aggressive Politik Ergebnisse zeitigt, und ich denke, es
sind Beweise, daß nicht die Marktkräfte zu dem
führten, was wir in der Stahlindustrie im letzten Jahr
beobachtet haben. Die neuen Zahlen des Wirtschaftsministeriums belegen Folgendes: Die Importe von
warmgewalztem Stahl aus Ländern, die vor allem für
diese Überflutung verantwortlich sind - Japan, Rußland
und Brasilien - sind von der Rekordhöhe im November
vergangenen Jahres um 96 Prozent gefallen.
Das sind keine schlechten Nachrichten für diese
Länder- es sind gute Nachrichten. Wenn die amerikanischen Märkte offen bleiben sollen, müssen wir die
Regeln einhalten.
Wir müssen gesetzmäßigen
Wirtschaftstrends folgen, nicht politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen, durch die die amerikanischen Märkte mit Produkten in einer Weise über-

AMERIKA DIENST 04

�schwemmt werden, die unserer Wirtschaft schadet und
unsere Fähigkeit zum Kauf von Exporten anderer
Länder unterminiert.
Unsere fünfte Herausforderung besteht darin, die
Freiheit weiterhin zum obersten Ziel der Welt für das
21. Jahrhundert zu machen. Länder wie Südkorea und
Thailand haben in dieser Finanzkrise oft bewiesen,
daß offene Gesellschaften widerstandsfähiger sind und
gewählte Regierungen die Legitimität zu harten
Entscheidungen in harten Zeiten haben. Aber wenn
Demokratien auf lange Sicht nicht die Erwartungen
ihres Volkes erfüllen können, sie aus den wirtschaftlichen Turbulenzen herauszuführen, dann könnte das
Pendel, das in den vergangenen Jahren so entschieden in Richtung Freiheit ausschlug, zurückschwingen, und das nächste Jahrhundert könnte so
schlecht beginnen wie dieses in dieser Hinsicht
begonnen hat.
Aus diesem Grund müssen wir uns auch bewußt
machen, daß wir über Wirtschaftswissenschaften
hinaus, über die Umgestaltung der großen Länder Rußland und China - zu wirtschaftlicher Sicherheit
hinaus, über viele unserer Sicherheitsanliegen hinaus,
kein größeres Ziel als die Unterstützung des Rechts
anderer Menschen haben, in Freiheit zu leben und ihr
Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Wenn dieses
Recht universell ausgeübt werden könnte, würde
praktisch jedes von mir heute umrissene Ziel vorangebracht.
Wir müssen weiterhin an der Seite derjenigen stehen,
die ihre Freiheit aufs Spiel setzen, um sie für andere zu
erlangen. Heute veröffentlichen wir unseren jährlichen
Menschenrechtsbericht: Die Botschaft des Menschenrechtsberichts wird häufig übelgenommen, aber immer
für ihre Offenheit und Konsequenz dabei respektiert,
was sie über unser Land und unsere Werte aussagt.
Wir müssen die Demokratie stärken, wo sie bereits
Fuß faßt, indem wir unseren Partnern helfen, ihre
Einkommensgefälle zu verringern, ihre Rechtsinstitutionen zu stärken und gut ausgebildete, gesunde
Gesellschaften aufzubauen.
Das wird ein wichtiger Teil meiner Reise nach Mittelamerika nächste Woche sein, das Jahrzehnte des
Bürgerkriegs überdauert hat, nur um in den letzten
Monaten durch verheerende Naturgewalten zerstört zu
werden.
In diesem Jahr werden wir äußerst bedeutende
Entwicklungen bei dem möglichen Übergang zu
Demokratie in zwei entscheidenden Ländern sehen Indonesien und Nigeria. Beide Länder haben die
Fähigkeit, ihre gesamte Region voranzubringen, wenn
sie Erfolg haben, oder in einem Meer der Unordnung
zu versinken, wenn sie scheitern. Im kommenden Jahr
und darüber hinaus müssen wir konzertierte Anstrengungen unternehmen, um ihnen bei der Er-

AMERIKA DIENST 04

langung dessen behilflich zu sein, was der größte Sieg
der Freiheit der Welt seit 1989 sein wird.
Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land in Afrika.
Morgen werden dort die ersten freien Präsidentschaftswahlen abgehalten nach einer Diktatur, die es zum
ärmsten Land der Welt mit reichen Ölvorkommen
gemacht hat. Wir unterstützen den Übergang, und
wenn er Erfolg hat, müssen wir bereit sein, mehr zu
tun. Weil wir mit weiteren Fortschritten rechnen, heben
wir heute auch die Sanktionen auf, die wir verhängt
haben, als die Regierung nicht bei der Drogenbekämpfung kooperierte.
Indonesien ist die viertgrößte Nation und das größte
islamische Land der ganzen Welt. Im Juni wird das
Land die - wie wir hoffen - ersten wirklich demokratischen Wahlen seit über 40 Jahren abhalten. Indonesien benötigt dringend eine Regierung, die dem Land
bei der Überwindung der Wirtschaftskrise behilflich ist
und gleichzeitig die Unterstützung seines Volkes
bewahrt. Wir sind bei der Stärkung des sozialen
Sicherheitsnetzes für seine Bürger behilflich, indem wir
den größten Beitrag aller Länder zur Unterstützung der
bevorstehenden Wahlen leisten.
Ob diese Kämpfe weit entfernt oder in der Nähe
stattfinden - ihr Ergebnis wird uns zutiefst betreffen.
Ob ein Kind in Afrika, Südostasien, Rußland oder
China gebildet, gesund, sicher, frei von Gewalt, frei
von Haß, voller Hoffnung und frei in der Entscheidung
über sein eigenes Schicksal aufwachsen kann, wird
sehr viel mit dem Leben zu tun haben, das unsere
Kinder haben, während sie aufwachsen. Es wird zu
der Entscheidung beitragen, ob unsere Kinder in den
Krieg ziehen, einen Arbeitsplatz, saubere Luft und
sichere Straßen haben.
Damit unsere Nation stark ist, müssen wir einen
Konsens bewahren, daß anscheinend weit entfernte
Probleme auch uns betreffen können, wenn sie nicht
unverzüglich angesprochen werden. Wir müssen uns
bewußt sein, daß wir uns nicht in die von uns angestrebten Höhen erheben können, wenn die Welt sich
nicht mit uns erhebt. Ich sagen nochmals, die unerbittliche Logik der Globalisierung ist die wahre Anerkennung der Interdependenz. Wir können uns nicht die
Welt herbeiwünschen, die wir anstreben. Reden ist
billig, Entscheidungen sind es nicht.
Aus diesem Grund habe ich den Kongreß gebeten, die
Kürzung der Verteidigungsausgaben aufzuheben, die
1985 begann, und ich bin hoffnungsvoll und zuversichtlich, daß wir die überparteiliche Mehrheit in
beiden Häusern für die Zustimmung dazu erhalten
werden. Ich hoffe, der Kongreß wird auch zustimmen,
unseren Diplomaten und den Programmen mehr
Unterstützung zu gewähren, die unsere Soldaten aus
einem Krieg heraushalten; Hilfsprogramme zu finanzieren, die Nationen auf einem stabilen Weg zu

Seite 9

�Demokratie und Wachstum halten und schließlich
sowohl unsere Beiträge als auch unsere Schulden bei
den Vereinten Nationen zu bezahlen.
In einer interdependenten Welt können wir keine
Führungsrolle übernehmen, wenn wir davon ausgehen, die Führungsrolle nur unter unseren eigenen
Bedingungen anzunehmen und nie auf unsere eigenen
Kosten. Wir können keine Macht erster Klasse sein,
wenn wir nur bereit sind, für die zweite Klasse zu
bezahlen.
Ich hoffe, Sie alle als Bürger glauben daran, daß wir
die Verantwortung, die wir heute haben, mit Selbstbewußtsein übernehmen müssen weiterhin Risiken für
den Frieden einzugehen; weiterhin Chancen für unse-

re Bürger zu schaffen und sie auch für andere anzustreben; der globalen Wirtschaft ein wirklich
menschliches Gesicht zu verleihen zu versuchen;
weiterhin an diejenigen auf der Welt zu glauben, die für
Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und ein besseres
Leben kämpfen; unsere Führungsrolle nicht als eine
Last, sondern als eine willkommene Gelegenheit zu
sehen und die Zukunft aufzubauen, die wir für unsere
Kinder in diesen letzten Tagen des 20. Jahrhunderts
und dem anbrechenden neuen erträumen.
Die Geschichte des 21. Jahrhunderts kann eine
wunderschöne Geschichte sein. Aber wir müssen das
erste Kapitel schreiben.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 10

AMERIKA DIENST 04

�HAUSHALT
10. März 1999

Stärkung der Führungsrolle der Vereinigten Staaten
auf der Welt
Auszug aus der Haushaltsvorlage des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Abschnitt der Haushaltsvorlage mit dem Titel
"Stärkung der Führungsrolle der Vereinigten Staaten auf der Welt" von Präsident Bill Clinton vom 1. Februar
1999.

"Wenn uns die Geschichte dieses Jahrhunderts etwas
gelehrt hat, dann, daß wir entweder das Geschehen
mitgestalten oder von ihm gestaltet werden. Wir
können nicht teilweise auf der Welt sein. Wir können
nicht sporadisch oder immer dann, wenn es unseren
kurzfristigen Interessen dient, eine Führungsrolle
übernehmen. Wir müssen mutig, kontinuierlich und
ohne Vorbehalte führen... Unsere Sicherheit und
unser Wohlstand hängen von unserer Bereitschaft ab,
uns auf der Welt zu engagieren."
Präsident Clinton
August 1998
Während sich die als das Amerikanische Jahrhundert
bezeichnete Ära dem Ende zuneigt, bleibt die Rolle der
Vereinigten Staaten in einer bedeutenden Hinsicht
unverändert. Heute sind die Vereinigten Staaten die
letzte verbliebene Weltmacht und haben daher eine
Reihe einzigartiger Pflichten und Verantwortungen.
Die Welt ist durch die zunehmende Verbreitung von
Demokratie und freien Märkten in vielerlei Hinsicht
sicherer als in der Vergangenheit, aber wir können uns
keine Selbstzufriedenheit erlauben.
Bedrohungen
unserer Sicherheit erfordern noch immer unsere
Wachsamkeit, und Chancen zur Förderung von
Frieden und wirtschaftlichem Wohlergehen erfordern
unsere Führung.
Die Vereinigten Staaten müssen weiterhin eine
Führungsrolle für Frieden, Freiheit und Sicherheit
übernehmen und ein Bollwerk gegen die Kräfte
bleiben, die diese Werte untergraben wollen. Amerikanische Diplomatie hat dem Friedensprozeß im Nahen
Osten durch das Treffen am Wye River neue Impulse
verliehen und zur Ratifizierung der Karfreitagsabkom-

AMERIKA DIENST 04

men beigetragen, die für die Menschen in Nordirland
das Ende von 30 Jahren Unruhen bedeuteten.
Während Fortschritte bei der Friedensschaffung Grund
für Optimismus bergen, gibt es wirkliche und wachsende Bedrohungen unserer nationalen Sicherheit.
Die terroristischen Anschläge auf zwei amerikanische
Botschaften in Ostafrika voriges Jahr - bei denen
Hunderte Menschen, einschließlich zwölf Amerikanern
getötet wurden - sind eine bestürzende Erinnerung an
die Notwendigkeit, unsere Bürger zu schützen und
unsere Feinde zu bekämpfen. Unsere Sicherheit und
die Stabilität der internationalen Ordnung werden
außerdem durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihren Trägersystemen, internationalem Terrorismus und Verbrechen, Drogen und
Umweltverschmutzung bedroht.
Staaten und ihre Volkswirtschaften sind zunehmend
voneinander abhängig, was zum Großteil auf die
Explosion der Kommunikationstechnologie zurückzuführen ist. Während diese Interdependenz den
Welthandel und die Völkerverständigung begünstigen
und zu einem Unterbau für den Frieden beitragen
können, gibt es jedoch auch grundlegende Gefahren.
Voriges Jahr zeigten Störungen der russischen und
einiger asiatischer Volkswirtschaften und die Bedrohung der brasilianischen Wirtschaft deutlich die
weltweiten Auswirkungen von Krisen in großen
Volkswirtschaften.
Um die Führungsrolle der Vereinigten Staaten auf der
Welt zu garantieren und auf die Bedürfnisse in einer
komplexen und wichtigen Zeit einzugehen, sieht der
Haushaltsentwurf Mittel vor für Friedensförderung in
Krisengebieten, verbesserte Sicherheit für unsere

Seite 1

�Diplomaten im Ausland, die Finanzierung von Aktivitäten zur Bekämpfung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, die Stabilisierung der internationalen
Wirtschaft, die Handelsförderung und die Befriedigung
der Bedürfnisse unserer Nachbarn und anderer, die
vor einer Katastrophe stehen.
Die amerikanische Diplomatie ist das Werkzeug der
amerikanischen internationalen Führungsrolle in
diesen vielen wichtigen Bereichen, und sie hängt von
einem starken Programm für internationale Angelegenheiten ab. 1999 haben die Regierung und der Kongreß erfolgreich daran gearbeitet, die Unterstützung
beider Parteien für eine Steigerung der Ausgaben für
internationale Angelegenheiten zu erwirken.
Der Kongreß hat 14,5 Milliarden Dollar für den Anteil
der Vereinigten Staaten an der erhöhten Quote des
Internationalen Währungsfonds (IWF) und 3,5 Milliarden Dollar für den Anteil der Vereinigten Staaten an
den Neuen Kreditvereinbarungen bewilligt. Diese
Erhöhung gibt dem IWF die nötigen Mittel für die
Unterstützung von Wirtschaftsreformen und Umstrukturierung auf der Welt und schützt damit den
Wohlstand in den Vereinigten Staaten. Der Kongreß
stellte außerdem 1,8 Milliarden Dollar als Nothilfe zur
Verfügung, hauptsächlich für den dringenden Bedarf
zum Schutz amerikanischer Mitarbeiter und Einrichtungen im Ausland vor terroristischen Angriffen.
Trotz wesentlicher Fortschritte bei internationalen
Problemen im letzten Jahr bleibt eine Reihe unabgeschlossener und zunehmender, für die amerikanischen
Interessen entscheidender Angelegenheiten bestehen.
Die Regierung wie auch der Kongreß müssen ihre
Bestrebungen zur Friedensförderung Seite an Seite mit
den daran Arbeitenden weiterführen und für Freiheit
und Sicherheit arbeiten. Wir müssen unsere Bündnisse und Partnerschaften in Europa und Asien - das
Fundament der amerikanischen Sicherheit - weiter
stärken. Und schließlich müssen wir uns um die
Vertiefung der Demokratie auf der ganzen Welt
bemühen - die bestmögliche langfristige Investition in
Frieden und Stabilität.
Obwohl die amerikanische Diplomatie große Fortschritte bei der Förderung des Friedensprozesses im
Nahen Osten und auf dem Balkan gemacht hat, liegt
noch enorm viel harte Arbeit vor uns. Die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Kongreß ist entscheidend, um dem Frieden in diesen Regionen die
verdiente Chance zu geben. Handel war für die
momentane wirtschaftliche Expansion unerläßlich, und
der Kongreß sollte den Handel mit Afrika und dem
Karibischen Becken fördernde Gesetzesvorschläge
einbringen. Solche Handelsinitiativen können das
Wachstum von Ländern unterstützen, die wünschenswerte Reformen für freie Märkte unternehmen und der
amerikanischen Wirtschaft so durch Vergrößerung der
Märkte für unsere eigenen Exporte behilflich sind.

Seite 2

Aufgrund der vorgesehenen 21,3 Milliarden Dollar für
Programme für internationale Angelegenheiten ist die
Haushaltsvorlage ein Vorschlag für die Beibehaltung
der aktiven Rolle und der Verantwortung der Vereinigten Staaten als führende Weltmacht. Der Haushaltsentwurf trägt zur Aufarbeitung nicht abgeschlossener Arbeiten der Vorjahre bei, spricht die vielen neuen
Krisen auf der Welt an und leitet Mittelerhöhungen an
die für die Erreichung von außenpolitischen Zielen
wirkungsvollsten Programme, wobei überholte Aktivitäten und schlecht abschneidende Projekte abgelehnt
werden. Dies trägt zur Stärkung der Führungsrolle der
Vereinigten Staaten bei, ist für das amerikanische Volk
von Vorteil und beläuft sich auf weniger als ein Prozent
des Bundeshaushalts.
Schutz der amerikanischen Sicherheit
Angreifbarkeit von Einrichtungen: Die Bombenanschläge auf die amerikanischen Botschaften in
Kenia und Tansania waren bösartige terroristische
Angriffe, die Hunderte von unschuldigen Menschen,
darunter zwölf Amerikaner, töteten. Diese Bombenattentate heben deutlich hervor, welchen Gefahren
Amerikaner und an amerikanischen Regierungsbehörden im Ausland tätige Staatsangehörige anderer
Länder täglich ausgesetzt sind. Ein entscheidender
Schritt zur Verringerung der Angreifbarkeit unserer
Einrichtungen war der Erlaß des Gesetzes zur Notfallfinanzierung 1999. Die Haushaltsvorlage sieht zur
Garantie des weiteren Schutzes der amerikanischen
Botschaften, Konsulate und anderer Einrichtungen und
der dort tätigen, hochangesehenen Mitarbeiter eine
Erhöhung der Betriebsausgaben des Außenministeriums im Jahr 2000 vor. Die Regierung wird auch in
Zukunft Angriffsstellen und Bedarf für die amerikanischen Mitarbeiter im Ausland durch Überprüfung der
Zahl, Größe und Zusammensetzung der amerikanischen Auslandsvertretungen und die zukünftigen
Sicherheitsanforderungen ausmachen. Für weitere
Sicherheftserfordernisse enthält der Haushaltsentwurf
drei Milliarden Dollar als Vorschußhaushalt für ein
neues mehrjähriges Sicherheftsbauprogramm für den
Ersatz von nicht ausreichend gesicherten Einrichtungen im Ausland. Die Regierung wird sich weiterhin
parteiübergreifend mit dem Kongreß der Herausforderung der Sicherung unserer Auslandsvertretungen stellen.
Die neuen transnationalen Bedrohungen: Ein
weiteres grundlegendes Ziel und zunehmend ein
Brennpunkt unserer Diplomatie ist die Abwehr der
neuen transatlantischen Bedrohungen der amerikanischen und weltweiten Sicherheit - Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen, Drogenhandel und die
Ausbreitung von Verbrechen und Terrorismus auf
internationaler Ebene. 1997 forderte und erreichte die
Regierung die Ratifizierung des Chemiewaffenübereinkommens durch den Senat, das einer bisher nicht
ausreichend kontrollierten Kategorie zerstörerischer

AMERIKA DIENST 04

�Waffen Kontrollen auferlegt. Der Senat hat allerdings
den ihm seit September 1997 vorliegenden, für
nationale Sicherheitsinteressen wesentlichen Vertrag
über das totale Verbot von Kernwaffenversuchen
(CTBT) bisher nicht ratifiziert. Die Diplomatie und die
Strafverfolgungsbehörden der Vereinigten Staaten
spielen eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung der
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen durch
Ächtung von Ländern wie Libyen, Irak, Iran, Syrien und
Nordkorea.
Die amerikanische Unterstützung von
Organisationen wie der Internationalen AtomenergieOrganisation, der CTBT-Vorbereitungskommission und
der Energieentwicklungsorganisation der koreanischen
Halbinsel ist entscheidend für einen Beitrag zur
Eindämmung der Verbreitung gefährlicher Kernwaffen.
Bilaterale Hilfsprogramme der Vereinigten Staaten sind
unabdingbar für Bestrebungen zur Bekämpfung
anderer transnationaler Probleme. Die internationalen
Bemühungen der Vereinigten Staaten bei der Drogenbekämpfung verzeichnen in drogenproduzierenden
Ländern kontinuierliche Fortschritte. Gemeinsam mit
den zusätzlichen Mitteln in Höhe von 233 Milliarden
Dollar für die 1999 erlassene Notfallfinanzierung sieht
der Haushaltsentwurf 295 Millionen Dollar für die
Befähigung der Vereinigten Staaten vor, die Bemühungen zur Eindämmung der Drogenproduktion in den
Andenstaaten zu intensivieren und das internationale
Verbrechen zu bekämpfen.
Die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS):
Der Übergang zu Demokratie und Marktwirtschaft in
den GUS bleibt für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten von entscheidendem Interesse.
Rußland ist weiterhin der Schlüssel zu allgemeinem
Fortschritt in der Region. Im Haushaltsentwurf sind
1,03 Milliarden Dollar für die Unterstützung der GUS
vorgesehen. Die Geschwindigkeit des Übergangs
bleibt ungleichmäßig, und voriges Jahr erlitt Rußland
ernsthafte wirtschaftliche Rückschläge. Obwohl diese
Staaten sich für freie Wahlen entschieden haben,
besteht ein Mangel an politischem Konsens für
Wirtschaftsreformen, was Aussichten auf anhaltendes
Wirtschaftswachstum zweifelhaft erscheinen läßt.
Die Vereinigten Staaten und Rußland haben das
gemeinsame Ziel, die Verbreitung von Fachwissen und
Technologie im Zusammenhang mit Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Die aktuelle Wirtschaftssituation vergrößert die Verbreitungsgefahr, da
Wissenschaftler und Techniker auf dem Gebiet der
Waffentechnologie arbeitslos oder unbezahlt, Wächter
nicht ausgebildet und Einrichtungen und Grenzen
schlecht ausgestattet sind. Der Haushaltsentwurf
unterstützt als Entgegnung auf dieses Problem eine
bedeutende Mittelerhöhung für Programme des
Außenministeriums von 41 Millionen Dollar im Vorjahr
auf 251 Millionen Dollar. Außerdem werden das
Kooperative Programm für Bedrohungsabbau des
Verteidigungsministeriums
und das
Massenver-

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nichtungswaffen-Programm des Energieministeriums
in den GUS mit je 476 Millionen und 276 Millionen
Dollar finanziert.
Zusätzlich zu dieser verstärkten Konzentration auf
Massenvernichtungswaffen betont der Haushaltsentwurf erneut die Programme der Partnerschaft für
den Frieden, die in direkter Verbindung zum Privatsektor und den Nichtregierungsorganisationen
stehen, Partnerschaften zwischen US- und GUSInstitutionen entwickeln, Veränderungen bewirken und
den lokalen Regierungen bei der Intensivierung von
Handel und Investitionen behilflich sind.
Friedensförderung im Ausland
Frieden im Nahen Osten: Die Vereinigten Staaten
fühlen sich weiter einem umfassenden Frieden im
Nahen Osten verpflichtet. Die Vereinigten Staaten
übernehmen bei diesen Bemühungen weiterhin eine
Führungsrolle. Das im Oktober 1998 unterzeichnete
Wye River-Memorandum ist ein wichtiger Meilenstein
in diesem Prozeß. Die effektive Umsetzung dieses
Memorandums sollte dem Friedensprozeß neue
positive Impulse verleihen. Das Wye-Memorandum
sieht unter anderem verstärkte Sicherheitsvorkehrungen der Palestinänser, verbesserte Zusammenarbeit
auf dem Gebiet Sicherheit zwischen Israelis und
Palestinänsern, weiteren Truppenrückzug der Israelis
aus dem Westjordanland, die Öffnung des Flughafens
im Gazastreifen und die Schaffung eines sicheren
Durchgangs zwischen dem Gazastreifen und dem
Westjordanland vor. Die Haushaltsvorlage enthält 5,2
Milliarden Dollar an Unterstützung für die Aufrechtechterhaltung des Friedensprozesses im Nahen
Osten.
Zusätzlich schlägt die Regierung ein wirtschaftliches
und militärisches Hilfspaket in Höhe von 1,9 Milliarden
Dollar für sich aus dem Wye River-Memorandum
ergebende drängende Erfordernisse vor.
Dieser
Betrag setzt sich zusammen aus 900 Millionen Dollar
an zusätzlicher Haushaltsvollmacht 1999 (voll durch
eine gleichwertige Reduzierung von Haushaltsvollmachten auszugleichen) und 500 Millionen Dollar an
jährlichen Vorschußmitteln in den Jahren 2000 und
2001. Zusätzliche Mittel aus dem Wirtschaftsunterstützungsfonds (ESF) werden zur Befriedigung der
Bedürfnisse der Palestinänser bei der wirtschaftlichen
Entwicklung im Westjordan land und im Gazastreifen
beitragen und demokratische Institutionen stärken.
Zusätzliche Mittel aus dem Fonds für die Finanzierung
fremder Streitkräfte (FMF) werden Israel dabei behilflich sein, einige der durch den Rückzug seiner
Truppen entstandenen Kosten auszugleichen und
strategische Verteidigungserfordernisse zu erfüllen.
Zusätzliche FMF-Mittel für Jordanien werden es dem
Land ermöglichen, die Einsatzfähigkeit seiner Truppen
zu erhalten, und weitere ESF-Mittel für Jordanien
werden die wirtschaftliche Weiterentwicklung fördern.

Seite 3

�Mittel- und Osteuropa: Der Übergang zu Demokratie
und freien Märkten in Mittel- und Osteuropa geht zügig
vonstatten. Die Länder bereiten sich auf den Bertritt
zur Europäischen Union und der Welthandelsorganisation vor. Polen, Ungarn und die Tschechische Republik treten der NATO bei. Wirtschaftswachstum ist
weit verbreitet, und die Achtung der Menschenrechte
nimmt zu. Amerikanische und andere internationale
Unterstützung war ein entscheidender Faktor bei der
Geschwindigkeit dieses Übergangs.
In einigen
Staaten ist der Erfolg offensichtlich: Die Demokratie
hat fest Fuß gefaßt, und freie Märkte haben Bestand.
Heute gehören Litauen und Polen wie die Tschechische Republik, Slowenien, Lettland und Ungarn zu den
Ländern, die keine direkte Hilfe aus den Vereinigten
Staaten mehr benötigen.
Der Erfolg dieser Länder der Nordregion wird zur
Förderung ähnlicher Resultate in der Südregion
genutzt werden, wo der Übergang nicht so zügig
vonstatten ging. Reformorientierte Regierungen in
Bulgarien, Mazedonien und Rumänien arbeiten
weiterhin am Aufbau freier Märkte und einer demokratischen Regierungsführung. Es verbleiben jedoch
Herausforderungen im übrigen Balkan. Erhebliche
Unterstützung wird es den Ländern weiterhin ermöglichen, an den Programmen der Partnerschaft für
den Frieden teilzunehmen und so die Völkerverständigung zu verbessern und die Interoperabilität der
regionalen Streitkräfte mit der NATO auszubauen. Der
Haushaltsentwurf sieht 393 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe für Osteuropa und die Baltischen Staaten
vor, konzentriert hauptsächlich auf die Südregion.
Bosnien: 175 Millionen Dollar des WirtschaftshilfeProgramms würde der Unterstützung der amerikanischen Verpflichtung dienen, die volle Umsetzung der
Abkommen von Dayton in Bosnien sicherzustellen.
Die Unterstützung der Vereinigten Staaten wird den
Vertriebenen und Flüchtlingen bei der Heimkehr,
ethnisch gemischten Gemeinden beim Wiederaufbau,
vielen führenden Politikern bei der Annahme der für
erhöhte Chancen und dauerhaftes Wirtschaftswachstum notwendigen Wirtschaftsreformen und Regierungen bei der weiteren Umstrukturierung ihrer Polizei für
ein sicheres Umfeld für alle Bürger behilflich sein.
Amerikanische Truppen verbleiben in der Region, und
unsere Hilfsprogramme sind darauf ausgerichtet, ihre
Arbeit zu ergänzen und auf der durch ihre Anwesenheit geschaffenen Stabilität aufzubauen.
Kosovo: Im Kosovo haben von den Vereinigten
Staaten unterstützte internationale diplomatische
Bestrebungen und militärische Fähigkeiten der Bündnispartner zur Stärkung der Stabilität in dieser Krisenregion beigetragen. Die Aussicht auf Förderung eines
friedlichen, die Rechte aller Bürger in diesem Teil
Jugoslawiens schützenden Übergangs steht allerdings
immer noch auf Messers Schneide. Die humanitäre
Hilfe der Vereinigten Staaten hat zur Milderung des

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Leids beigetragen, aber zur Schaffung eines dauerhaften Friedens müssen wir mit unseren Bündnispartnern
zusammenarbeiten. Die Haushaltsvorlage beinhaltet
46 Millionen Dollar für eine Beobachtertruppe zur
Überwachung der Einhaltung der Vereinbarungen
durch alle Parteien und zur Unterstützung der Ausbildung einer professionellen, ethnisch repräsentativen, die Rechte aller Bürger schützenden lokalen
Polizeitruppe. Zusätzlich sind im Haushaltsentwurf 50
Millionen Dollar für den Beitrag der Vereinigten Staaten
zu internationalen Bestrebungen für zivilen Wiederaufbau vorgesehen.
Hurrikan Mitch: 1998 hat Hurrikan Mitch, der zerstörerischste Hurrikan der jüngsten Geschichte, in
Mittelamerika Schäden in Höhe von 10 Milliarden
Dollar verursacht. Durch Zusage von über 500
Millionen Dollar nahmen sich die Vereinigten Staaten
sofort der durch diese beispiellose Katastrophe
entstandenen enormen Hilfs- und Wiederaufbaubedürfnisse an. Es muß jedoch noch viel mehr getan
werden, um den Nachbarländern zu helfen, sich von
dieser Zerstörung zu erholen, und es werden dringend
weitere Mittel benötigt. Deshalb wird der Präsident in
parteiübergreifenden Bemühungen mit dem Kongreß
daran arbeiten, 1999 die zusätzlichen Mittel zur
Beseitigung der von Mitch sowie der in der Karibik von
Hurrikan Georges verursachten Schäden zu erhalten.
Die Führungsrolle in der internationalen Gemeinschaft
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die Vereinigten Staaten eine einzigartige Führungsrolle beim
Aufbau internationaler Institutionen und bei der
Zusammenführung der Nationen der Welt zur Bewältigung gemeinsamer sicherheitspolitischer, wirtschaftlicher und humanitärer Herausforderungen.
Die
Vereinigten Staaten stellten beträchtliche finanzielle
Mittel zur Unterstützug der UNO, der NATO, des IWF
und der Weltbank sowie anderer spezialisierter
regionaler Sicherheits- und Finanzinstitutionen bereit,
die während des Kalten Krieges und der Zeit danach
die Grundlage der internationalen Zusammenarbeit
bildeten.
Um Finanzstabilität für diese internationale Gemeinschaft sicherzustellen, traten Mitglieder der internationalen Organisationen Verträgen bei, die sie zu
bestimmten Beitragszahlungen an die Budgets der
internationalen Organisationen verpflichteten. Der
Kongreß ratifizierte diese Abkommen und verlieh ihnen
bindenden Charakter für die Vereinigten Staaten. Die
Vereinigten Staaten und andere Industrienationen
haben feste Zusagen zur regelmäßigen Aufstockung
der Ressourcen der Multilateralen Entwicklungsbanken (MDBs), zu denen die Weltbank, ihre regionalen Entwicklungsbankpartner und die Globale Umweltfazilität (GEF) gehören, gemacht. Die Aufstockun-

AMERIKA DIENST 04

�gen erfolgen vorbehaltlich der Genehmigung durch
den Kongreß und der Bewilligungsverfahren.
Bis zum Jahr 1997 war die amerikanische Führungsrolle in diesem internationalen Netz aufgrund vorheriger Gesetzesinitiativen, mit denen die Mittel für unsere
Beiträge und Verpflichtungen gekürzt worden waren,
ernsthaft unterhöhlt worden. Die daraus resultierenden Rückstände gegenüber den internationalen
Organisationen beliefen sich auf nahezu 1,5 Milliarden
Dollar. Obwohl die Regierung und der Kongreß 1997
und erneut 1998 überparteiliche Unterstützung für die
Bewilligung der Gesetzesvorlage erlangten, um viele
der festgesetzten Beitragsrückstände im Verlauf von
drei Jahren im Gegenzug zu spezifischen Reformen
der internationalen Organisationen zu bezahlen, wurde
das Gesetz nie verabschiedet.
1998 verabschiedete der Kongreß vorbehaltlich der
Annahme der Autorisierungsgesetze und bestimmter
anderer Bedingungen Bewilligungen in Höhe von 100
Millionen Dollar und im Jahr 1999 von 475 Millionen
Dollar. Der Haushalt sieht vor, daß die Administration
und der Kongreß erneut zusammenarbeiten, um
Einigung über die Bezahlung der Außenstände an die
Vereinten Nationen und ähnliche internationale
Organisationen zu erzielen. Der Haushalt beinhaltet
die Ratenrückstandszahlungen in Höhe von 446
Millionen Dollar für das dritte Jahr und sieht 1,198
Milliarden Dollar für die Zahlung regelmäßiger Beiträge
an die internationalen Organisationen und die Vereinten Nationen für Friedensmissionen vor.
Stabilisierung der internationalen Wirtschaft
Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Integration der
Welt wird das reibungslose Funktionieren ihrer Währungssysteme immer wichtiger für die Volkswirtschaften aller Nationen. Die gravierenden Störungen
der russischen und mehrerer asiatischer Volkswirtschaften sowie die Bedrohung der brasilianischen
Volkswirtschaft im Jahr 1998 demonstrierten die
weltweiten Auswirkungen von Krisen in führenden
Volkswirtschaften. Trotz ihrer Größe und Stärke ist
selbst die amerikanische Volkswirtschaft nicht immun
und könnte Schaden erleiden, wenn keine Maßnahmen zur Kontrolle der globalen Wirtschaftskrisen
ergriffen würden. Es sind genau diese Art Störungen,
zu deren Behebung die internationalen Finanzinstitutionen (IWF, Weltbank und die anderen MDBs)
gegründet wurden, und zum Teil dank der überparteilichen Bestrebungen zur Erhöhung der für den IWF
im vergangenen Jahr zur Verfügung stehenden
Ressourcen haben diese Institutionen bereits begonnen, die für Indonesien, Brasilien und die anderen am
stärksten betroffenen Länder erforderlichen Kredite
bereitzustellen, so daß sie den langen und schwierigen
Erholungsprozeß beginnen können.

AMERIKA DIENST 04

Multilaterale Entwicklungsbanken (MDBs): In den
letzten beiden Haushaltsvorlagen wurden mit der
Finanzierung des Großteils der amerikanischen
Rückstände bei den MDBs durch den Kongreß
Fortschritte erzielt, wobei zur Zeit noch 310 Millionen
Dollar nicht finanziert sind. Dank dieser erheblichen
Verbesserung seit 1997, als sich die Rückstände auf
nahezu 862 Millionen Dollar beliefen, konnte die
Regierung während der Aufstockungsverhandlungen
für die Internationale Entwicklungsorganisation, den
Afrikanischen Entwicklungsfonds und die Interamerikanische Entwicklungsbank im vergangenen Jahr andere
Geber für sich gewinnen und Zustimmung zu wichtigen
neuen Maßnahmen erhalten. Der Haushalt sieht
ferner 168 Millionen Dollar für die Fortsetzung der
geplanten Zahlungen der MDB- und neuen GEFRückstände und 1,2 Milliarden zur Zahlung aktueller
Verpflichtungen gegenüber diesen Institutionen vor,
von denen die meiste Hilfe für arme Länder auf der
Welt geleistet wird, die vielversprechende Wirtschaftsreformen durchführen. Unter der Clinton-Administration wurden die amerikanischen Verpflichtungen
gegenüber allen MDBs um 40 Prozent des Niveaus
von Mitte der neunziger Jahre gekürzt.
Die internationale Schuldenpolitik: Mit der Bereitstellung von 120 Millionen Dollar werden die Vereinigten Staaten Wirtschafts- und Umweltreformen in
Ländern fördern, die das Gesetz über den Erhalt der
tropischen Regenwälder von 1998 unterstützen und
die Kosten der Entschuldung durch Beiträge an den
Treuhandfonds für die hoch verschuldeten armen
Länder bestreiten.
Darüber hinaus werden die
Vereinigten Staaten ihre Bestrebungen zur Ankurbelung von Wirtschaftswachstum für die ärmeren Länder
der Welt durch die Beteiligung am Schuldenabbau im
multilateralen Pariser Club und die Bereitstellung
bilateraler Entschuldung als Teil der Afrika-Initiative
des Präsidenten fortsetzen.
Unterstützung der internationalen Entwicklung und
Bewältigung internationaler Katastrophen
Entwicklungshilfe über die MDBs und bilateral über das
US-Amt für internationale Entwicklung (U.S. Agency for
International Development - USAID) finanziert Projekte
zur Schaffung der Bedingungen für Wirtschaftswachstum, stabile Demokratien, verbesserte Gesundheitsfürsorge und grundlegende Bildung. Unsere kontinuierliche Verpflichtung, Hilfe für die ärmsten Länder bereitzustellen, dient den langfristigen amerikanischen
Interessen und verringert die Notwendigkeit für
kurzfristige Krisenintervention.
Hilfe für Afrika: Der Haushalt sieht 828 Millionen
Dollar für Afrika vor - eine Erhöhung von nahezu 10
Prozent - zur Erfüllung des Ziels des Präsidenten, die
Unterstützung für Afrika auf ein historisch hohes
Niveau aufzustocken. Diese Hilfsleistungen tragen
den auf Reformen und Wirtschaftswachstum ge-

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�richteten Fortschritten Rechnung, die von einer Reihe
afrikanischer Nationen durchgeführt werden. Die auf
dem derzeitigen oder erhöhten Stand finanzierten
Hilfsprogramme beinhalten die Initiative des Präsidenten zu Nahrungsmittelsicherheit, Bildung, Handel
und Investitionen. Die Haushaltsvorlage enthält auch
vermehrte Unterstützung für Programme, die auf die
Entschärfung von Konflikten, Förderung regionaler
Friedenssicherung und Unterstützung von Demokratie
sowie die Umsetzung des Handelspakets des Präsidenten für Afrika abzielen.
Die Entwicklungshilfeprogramme von USAID: Der
Haushaltsentwurf sieht 1,8 Milliarden Dollar für
Entwicklungshilfeprogramme von USAID vor, das die
Finanzierung für 51 Länderund 12 regionale Programme in Afrika, Asien und Lateinamerika bereitstellt. In
Asien stellen die USAID-Programme ein wichtiges
Element der Reaktion der US-Regierung auf die
Herausforderungen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs und eines unzureichenden sozialen Sicherheitsnetzes sowie die Chance zur Unterstützung
echter Demokratisierung dar. In Lateinamerika sind
die im Haushalt vorgesehenen andauernden Hilfsleistungen entscheidend für die Erfüllung der langfristigen Bedürfnisse, die durch die von Hurrikan Mitch
angerichtete Zerstörung entstanden sind.
Humanitäre Hilfsleistungen:
Bedauerlicherweise
sehen sich viele Länder mit ihre Entwicklung behindernden Krisen sowohl durch Naturkatastrophen - wie
durch die Auswirkungen von Hurrikan Mitch so deutlich
demonstriert - als auch durch andauernde Bürgerkriege konfrontiert. Der Haushaltsentwurf sieht 1,7
Milliarden Dollar für die humanitären Hilfsprogramme
des Außenministeriums und von USAID vor. Das
Flüchtlingsprogramm des Außenministeriums beinhaltet die Betreuung von Flüchtlingen im Ausland und
Hilfe für die Flüchtlinge, die in den Vereinigten Staaten
aufgenommen werden. Über sein Büro für Katastrophenhilfe im Ausland kümmert sich USAID um die
unmittelbaren Bedürfnisse der Opfer von Natur- und
vom Menschen herbeigeführten Katastrophen, darunter in ihrem Land Vertriebene. Zusätzlich zu direkter
Hilfe arbeitet USAID auch an der Verbesserung der
Fähigkeit armer Länder zur Katastrophenbewältigung
durch seine Präventions- und Milderungsprogramme
sowie Programme, die den Ländern beim Übergang
von Konflikt zu Frieden behilflich sein sollen. USAID
stellt über das "Programm Nahrungsmittel für Frieden"
auch Nahrungsmittelhilfe für besonders anfällige
Völker bereit.
Umwelt und Bevölkerungswachstum: Die Entwicklungshilfe von USAID und die amerikanischen Beiträge
zu internationalen Bestrebungen wie der GEF sowie
dem Montrealer Protokoll unterstützen umfassende
und erfolgreiche Programme zum Schutz der Umwelt
und der Verringerung des Bevölkerungswachstums.
Der Haushalt finanziert auch weiterhin die auf viele

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Jahre ausgelegte Initiative zum globalen Klimawandel.
Die Vereinigten Staaten haben anerkanntermaßen bei
der Förderung von sicheren, effektiven Projekten zur
Familienplanung die Führung auf der Welt inne, und
der Haushaltsantrag finanziert weiterhin ein beträchtliches Ausmaß amerikanischer Hilfe für diese Programme.
Das Peace Corps: Das Peace Corps fördert die
Völkerverständigung durch seine Freiwilligen, die als
inoffizielle Botschafter in den Entwicklungsländern tätig
sind. Das amerikanische Volk unterstützt das Programm uneingeschränkt. Der Haushalt sieht 270
Millionen Dollar für die Behörde vor, damit sie die
Anzahl der Freiwilligen im Ausland weiter erhöhen
kann - mit dem Ziel, bis Anfang des nächsten Jahrhunderts an die 10.000 Freiwillige zur Verfügung zu
haben.
Steigerung des amerikanischen Wohlstands durch
Handel
Die Regierung engagiert sich weiterhin für die Öffnung
globaler Märkte und die Integration des Weltwirtschaftssystems, die zu einem Schlüsselement für
anhaltenden wirtschaftlichen Wohlstand in unserem
Land geworden ist. Dieses Ziel ist in zunehmendem
Maße ein zentraler Punkt der diplomatischen Aktivitäten der Vereinigten Staaten. Die Regierung trägt zu
dem Fundament für anhaltendes, nicht- inflationäres
Wachstum für das nächste Jahrhundert bei, indem sie
das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North
American Free Trade Agreement - NAFTA) und die
bei der Uruguay-Runde abgeschlossenen multilateralen Handelsabkommen umsetzt.
Exportförderungsinitiative: Nach Jahren zweistelliger Wachstumszahlen verlangsamten sich die
Exporte des produzierenden Gewerbes der Vereinigten Staaten 1998 als Folge der weltweiten
Wirtschaftsprobleme, was zu Tausenden von Entlassungen führte. Weil Millionen von Arbeitsplätzen in
den Vereinigten Staaten exportabhängig sind, müssen
wir den amerikanischen Produzenten dabei behilflich
sein, im Ausland neue Märkte und neue Kunden für
ihre Produkte zu finden. Zu diesem Zweck enthält der
Haushaltsentwurf eine behördenübergreifende Initiative in Höhe von 108 Millionen Dollar als Ansporn für
zusätzliche amerikanische Exporte.
Erstens erhöht die Initiative die Mittelausstattung um
zehn Prozent - oder 81 Millionen Dollar - für die ExportImport Bank, welche Exporteure in den Vereinigten
Staaten durch umsichtige Finanzierungen für Kunden
in Entwicklungsländern, wenn private Mittel nicht zur
Verfügung stehen, und durch einen strategischen
Ausgleich der Ausgangsbedingungen gegenüber
aggressiven, ausländischen Exportkredit-Subventionen unterstützt. Mit den zusätzlichen Mitteln kann die
Bank Produkte aus den Vereinigten Staaten - von

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�Flugzeugteilen über Betriebskapital bis zu Umwelttechnologie - in die Wachstumsmärkte leiten, aus
denen sich die kommerziellen Banken zurückgezogen
haben. Zweitens erhält die Handels- und Entwicklungsagentur (Trade and Development Agency)
zusätzlich vier Millionen Dollar zur Finanzierung von
Durchführbarkeitsstudien zur Befähigung amerikanischer Unternehmen, an großen exportfördernden
Infrastrukturprojekten im Ausland teilzunehmen.
Drittens sieht die Initiative 14 Millionen Dollar für das
internationale Handelsbüro (International Trade
Administration - ITA) im Wirtschaftsministerium vor, zur
Aufstockung der Ressourcen zur Exportförderung in
Schlüsselmärkten und für Exporthilfsdienste für die
350.000 kleinen Herstellerbetriebe. Schließlich stellt
die Initiative neun Millionen Dollar für das ITA und das
Nationale Institut für Normung und Technologie
(National Institute of Standards and Technology NIST) beim Wirtschaftsministerium bereit, zur Ausweitung der amerikanischen Bemühungen, den
Entwicklungsländern bei der Schaffung eines für eine
kommerzielle Infrastruktur, die Exporte für amerikanische Unternehmen einfacher und billiger macht,
notwendigen institutionellen Rahmens behilflich zu
sein.
Freier und fairer Handel: Die Regierung sieht sich
weiterhin als Verfechter offener Handelspraktiken. In
einer Zeit der wirtschaftlichen Fragilität in vielen
Regionen ist das weitere Engagement für offene
Märkte wichtig. Die Haushaltsvorlage schlägt bedeutende Mittelerhöhungen für Handelsbevollmächtigte
zur Verfolgung eines offenen, fairen, auf Regeln
basierenden Handelssystems vor, das sicherstellt, daß
lebhafter zwischenstaatlicher wirtschaftlicher Wettbewerb nicht zur Mißachtung von Umwelt- und Verbraucherschutz oder Arbeitsnormen führt.
Die Regierung wird außerdem vorschlagen, laut der
Initiative für das Karibische Becken in Frage kommenden Ländern erweiterte Handelsprivilegien zuzugestehen und als Teil einer größeren Handels- und Investitionsinitiative für Afrika ihre Wirtschaft reformierenden Ländern in Afrika dauerhaft besondere Handelsprivilegien einzuräumen. Zusätzlich wird die Regierung eine einjährige Verlängerung des Systems der
Allgemeinen Präferenzen über das aktuelle Ablaufdatum am 30. Juni 1999 hinaus vorschlagen, um die in
diesem System vorgesehenen niedrigeren Zölle auf
viele Importartikel aus Entwicklungsländern beibehalten zu können.
Weitere Handelsaktivitäten: Der Koordinierungsausschuß zur Handelsförderung (Trade Promotion
Coordinating Committee - TPCC) konzentriert sich
momentan auf einige strategische Schlüsselziele zur
effektiveren und besser koordinierten Gestaltung
unserer Handelsförderungsprogramme. Der TPCC
setzt sich für ein stärkeres Bewußtsein für die Vorteile
des Handels und für eine wirkungsvolle Reaktion auf

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die Asienkrise ein. Außerdem engagiert sich der
TPCC für die Verbesserung des Handels auf bedeutenden Wirtschaftsmärkten der Welt.
Weiterhin unterstützt die Regierung voll und ganz die
Reautorisierung der Entwicklungsgesellschaft (Overseas Private Investment Corporation - OPIC), die
aufgrund ihrer Investitionsversicherungen und Finanzprogramme ein wichtiger Teil der Handels- und
Investitionsinitiativen ist.
Zusätzlich enthält der
Haushaltsentwurf eine 18-prozentige Mittelerhöhung auf 20 Millionen Dollar - für die Marktzugangs- und
Befolgungsabteilung (Market Access and Compliance
Unit) des Wirtschaftsministeriums, deren Mitglieder
Handelsübereinkommen überwachen und Probleme
bei der Einhaltung aufzeigen.
Anwendung effektiver Diplomatie
Effektive Diplomatie ist die Grundlage unserer Fähigkeit, außenpolitische Ziele zu erreichen. Die Haushaltsvorlage unterstützt eine starke Präsenz der
Vereinigten Staaten in über 250 Botschaften und
anderen Auslandsvertretungen, die amerikanische
Interessen im Ausland vertreten und Konsulardienste
für Amerikaner anbieten. Die Arbeit des Außenministeriums und der amerikanischen Auslandsvertretungen unterstützt die Ziele und Initiativen der
amerikanischen Außenpolitik, erahnt nationale Sicherheitsbedrohungen und hilft, sie zu verhindern. In
den letzten Jahren hat diese Arbeit enorm zugenommen und schließt die Bekämpfung von Bedrohung
durch Terrorismus, Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Atomschmuggel, internationales
Verbrechen und Drogenhandel ein. Die Auslandsvertretungen dienen außerdem als Verwaltungsplattform
für die vielen anderen amerikanischen Behörden mit
Mitarbeitern im Ausland - vom Amt der Vereinigten
Staaten für Internationale Entwicklung (USAID) bis
zum Verteidigungs-, Justiz- und Finanzministerium.
Reorganisation der auswärtigen Angelegenheiten:
Der Erlaß des Reform- und Umstrukturierungsgesetzes für auswärtige Angelegenheiten von 1998 erteilte
dem Präsidenten die Vollmacht, die Behörden für
auswärtige Angelegenheiten grundlegend umzustrukturieren. Die Reorganisation wird Angelegenheiten der
internationalen Rüstungskontrolle, der Politik der
nachhaltigen Entwicklung, und der Öffentlichkeitsarbeit
in das Zentrum unserer Außenpolitik rücken - mit
einem neu strukturierten Außenministerium.
Durch die Reorganisation werden das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung (Arms Control and
Disarmament Agency - ACDA), die Teile des USInformationsamts (U.S. Information Agency - USIA), die
keine Sendeanstalten einschließen, sowie einige
begrenzte Funktionen von USAID in das Außenministerium integriert. Der Aufsichtsrat der Sendeanstalten, der alle nichtmilitärischen Sendungen der

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�Regierung im Ausland überwacht, ist momentan Teil
des US-Informationsamts und wird eine unabhängige
Bundeseinrichtung.
Botschafts- und Konsularbetrieb: Der Haushaltsentwurf sieht im Jahr 2000 3,6 Milliarden Dollar für das
Außenministerium vor, einschließlich Öffentlichkeitsarbeit und Rüstungskontroll-Aktivitäten. Von dieser
Gesamtsumme sind 0,7 Milliarden Dollar für weiterzuführende Öffentlichkeitsarbeit (ehemals USIA) und
48 Millionen Dollar für Rüstungskontrolle und Aktivitäten der Nichtverbreitung (ehemals ACDA) vorgesehen.
Diese Höhe der Mittel garantiert die Aufrechterhaltung
des weltweiten Betriebs, die Weiterführung der
Bemühungen zur Verbesserung der Informationstechnologie und Kommunikationssysteme und bezieht
wachsende Anforderungen an Sicherheit und Einrichtungen der Auslandsvertretungen mit ein. Die
wichtigsten im Haushaltsentwurf vorgeschlagenen
Mittelerhöhungen sind für Verbesserungen der
Sicherheit und der Einrichtungen gedacht, die es den
beruflich außenpolitisch im Ausland Tätigen ermöglichen wird, ihre Arbeit in einem sichereren Umfeld
auszuüben. Die Haushaltsvorlage fordert drei Milliarden Dollar als Vorschußhaushalt für die Finanzierung

des Baus von sicheren Botschaften und Auslandsvertretungen auf der Welt. Die Regierung wird diesen
Ausbau durch eine Kapitalstruktur-Strategie verfolgen,
die effektiv und effizient die Sicherheitsbedürfnisse
Amerikas erfüllen wird.
Betriebsausgaben für USAID: Die Haushaltsvorlage
schlägt 508 Millionen Dollar für die Betriebsausgaben
von USAID vor. Der Großteil dieser Mittelerhöhung im
Laufe des Jahres 1999 (12 Millionen Dollar) wird
USAID die notwendigen Ressourcen für die weitere
Verbesserung der Informationstechnologie und der
Finanzmanagement-Fähigkeiten an die Hand geben.
Die Ressourcen werden es USAID außerdem ermöglichen, seine Präsenz in einigen wichtigen Entwicklungsländern zu wahren, obwohl dies erfordern
wird, daß USAID seine erfolgreichen Umstrukturierungsbemühungen weiterverfolgt, um den wachsenden
Programmanforderungen ohne Aufstockung der
Mitarbeiterzahlen oder der Kosten im Ausland zu
genügen.
Der Haushaltsentwurf berücksichtigt
ebenfalls die Verlagerung von Sicherheitsfunktionen
vom USAID-Generalinspekteur zu den USAID-Betriebsausgaben, wie in dem Gesetz über Mittel für
Auslandseinsätze von 1999 gefordert.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 04

�USA-EUROPA

10. März 1999

USA müssen ihren militärischen Auftrag in der Zeit
nach dem Kalten Krieg überdenken
Rede von Staatssekretär Pickering

WEST POINT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Staatssekretärs für politische
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Thomas Pickering, vor der amerikanischen Militärakademie West
Point vom 10. Februar 1999 im Wortlaut.

Vielen Dank für die freundlichen Einführungsworte.
Es ist mir eine große Ehre, heute Abend in West Point
sein zu dürfen. Generationen großartiger Amerikaner
haben diese Hallen durchschritten, auf diesem
Gelände Übungen abgehalten und vielleicht hier am
Ufer des Hudson über die Zukunft nachgedacht. Seit
nahezu zwei Jahrhunderten steht das Kadettenkorps
beim Weckruf um 6.00 Uhr morgens auf und entwikkelt jeden Tag aufs Neue die für eine Führungsrolle
erforderliche intellektuelle, physische und moralische
Stärke. Die bloße Verpflichtung des Kadettenkorps zu
"Pflicht, Ehre, Vaterland" prägt den Charakter und
erhebt gleichzeitig unsere großartige Nation.
Ich freue mich, heute Abend hier zu sein, und es ist
mir ein noch größeres Vergnügen, über eine wchsende Partnerschaft mit Ihnen zu sprechen. Als
Soldaten und Diplomaten arbeiten wir bei der Verteidigung der Interessen der Vereinigten Staaten in vieler
Hinsicht und mit sehr viel größeren Auswirkungen auf
den jeweils anderen zusammen, als unsere Öffentlichkeit sich bewußt ist.
Ich hege keinen Zweifel, daß in diesem Saal heute
Männer und Frauen versammelt sind, die sich in die
Reihen der herausragendsten Absolventen der
amerikanischen Militärakademie eingliedern werden.
Jeder von Ihnen wird zur Gestaltung der Geschichte
beitragen. Werden Sie es in derselben Weise tun wie
Ihre Vorgänger? Wahrscheinlich nicht, weil jede
Generation sich mit unterschiedlichen Herausforderungen, Chancen und Opfern konfrontiert sieht - von
der Schlacht bei Bunker Hill bis zu den belgischen
Schlachtfeldern in Flandern, von Bagdad bis Bosnien.

AMERIKA DIENST 04

Führungs- und Charakterstärke werden Ihre Aktionen
prägen. Aber die Umstände, unter denen Sie handeln,
werden sich auf unvorhergesehene Weise ändern.
Dasselbe gilt für Diplomaten. Vor 46 Jahren nahm ich
hier an einer Konferenz teil, die zu meiner Entscheidung beitrug, in den auswärtigen Dienst einzutreten.
Ich begann meine Laufbahn während des Kalten
Kriegs, als die Rolle der Vereinigten Staaten in der
Welt im Großen und Ganzen durch zwei eng miteinander verbundenen Schlachten bestimmt wurde: Den
Kampf um die Erweiterung und Verteidigung der
Freiheit und den Kampf um die Eindämmung des
Kommunismus. Die Vereinigten Staaten gewannen
an beiden Fronten, großenteils aufgrund der ausgezeichneten Partnerschaft zwischen Soldaten und
Diplomaten.
Es gibt jedoch keine Garantie, daß die Partnerschaft
immer reibungslos verläuft. Wir sind vielleicht in
mancher Hinsicht wie Geschwister. Aber gemeinsam
haben wir uns der Aufgabe gewidmet, die Welt zu
einem besseren Ort zu machen und den Amerikanern
eine Zukunft mit mehr Sicherheit und Wohlstand zu
bieten.
In vieler Hinsicht unterscheiden sich unsere Aufgaben
erheblich. Ein Soldat bereitet sich darauf vor zu
kämpfen, um einen Krieg zu gewinnen und dieser
Zustand der Einsatzbereitschaft verringert an sich
schon die Aussicht auf einen militärischen Einsatz.
Ein Diplomat ist immer mit Einsätzen, mit Problemen
jenseits unserer Grenzen befaßt, ist in einem Zustand
konstanter Aktivität, arbeitet an der Lösung der

Seite 1

�Konflikte von heute und dem Ausgleich der vielzähligen, manchmal widersprüchlichen wirtschaftlichen,
politischen und sicherheitspolitischen Interessen der
Vereinigten Staaten. Mit anderen Worten: Wenn wir
scheitern, müssen Sie manchmal sehr harte Arbeit
leisten. Wenn wir Erfolg haben, werden Menschenleben und Gerät erhalten. Wir können jedoch nicht
ohne Ihre Stärke Erfolg haben, die unsere Diplomatie
unterstützt. Das ist das Wesen unserer Partnerschaft
im Interesse des Landes.
Was werden unsere gemeinsamen Aufgaben in den
kommenden Jahren und Jahrzehnten sein? Wir
führen unseren Auftrag in einem geopolitischen
Umfeld durch, das sich auf dramatische Weise von
dem unterscheidet, in dem ich und die meisten Ihrer
Dozenten aufgewachsen sind. Diese veränderten
Umstände werfen zwei von uns zu beantwortende
Fragen auf: 1. Wann und wo sollten sich die Vereinigten Staaten engagieren und 2. Wenn das
amerikanische Engagement bis zu dem Punkt gelangt,
an dem wir für den Einsatz militärischer Gewalt bereit
sein müssen, wie ist diese Gewalt dann gerechtfertigt?
Das veränderte Sicherheitsumfeld
Während des Kalten Kriegs zögerten die Länder oft,
politische Ziele zu verfolgen, die nicht Ziele einer der
Supermächte waren. Konflikte wurden häufig hinter
dem Eisernen Vorhang erstickt oder durften an Orten
ausgetragen werden, die nicht direkt die vitalen
Interessen der anderen Seite betrafen.
Einige
ethnische Konflikte wurden während des Kalten
Krieges unterdrückt, andere ausgenutzt.
In der dem Fall der Berliner Mauer und der annähernden internationalen Einstimmigkeit folgenden Euphorie
während des Golfkriegs hofften viele, daß die Konflikte
abnehmen würden. Die Begründung lautete, da die
Rivalität zwischen den Supermächten Konflikte
geschürt hatte, wären die Länder jetzt eher zu Zusammenarbeit bereit und die Konflikte nähmen ab und
würden schneller gelöst, wenn nicht sogar ganz
verschwinden.

Die Abscheu vor Bürger- oder grenzüberschreitenden
Kriegen nährte Hoffnungen, daß sie in einer "neuen
Weltordnung" irgendwie verschwänden. Der Theologe
Reinhold Neibuhr war Pazifist bis zum Aufstieg des
Nationalsozialismus, als er die Notwendigkeit für den
Einsatz von Gewalt erkannte. "Pazifisten...", erklärte
er, "behaupten nur, wenn alle Menschen einander
liebten, könnte man sich all der komplexen und
manchmal schrecklichen Realitäten der politischen
Ordnung entledigen. Sie sehen nicht, daß das 'Wenn'
die grundlegendsten Probleme der Menschheitsgeschichte birgt... Gerechtigkeit kann nur durch ein
gewisses Maß an Zwang einerseits und durch Widerstand gegen Zwang andererseits erlangt werden."
Der Kalte Krieg erlegte einigen Aktionen und Akteuren
gewisse Zwänge auf. Ohne diese Zwänge fühlten
sich viele Länder freier bei der Verfolgung ihrer
Interessen. Einige fühlten sich frei, dafür Gewalt
einzusetzen. Konflikte sind auf dem Balkan, am Golf,
in Afrika und andernorts ausgebrochen. In vielen
Fällen wurden die Konflikte durch schlechte Akteure
ausgelöst. Saddam Hussein und Slobodan Milosevic
wurden zweifelsohne mit ihrer Verhöhnung des
internationalen Systems ihrer Bezeichnung als
"Verbrecher" gerecht. Trotz des klaren Trends der
Zeit nach dem Kalten Krieg zu größerer internationaler
Zusammenarbeit brechen solche Menschen die
Regeln des rechtmäßigen und moralischen Verhaltens
und fordern die Welt heraus, es mit ihnen aufzunehmen. In diesen Fällen, wo beträchtliche amerikanische Interessen auf dem Spiel stehen, mußten die
Vereinigten Staaten schnell von dem ausschließlichen
Zurückgreifen auf die traditionelle Diplomatie zu einer
Diplomatie der glaubwürdigen Androhung des Einsatzes von Gewalt und schließlich zum tatsächlichen
Einsatz von Gewalt übergehen.
Die Globalisierung ist ein zweiter Faktor, der sich im
letzten halben Jahrhundert dramatisch entwickelt hat.
Die Informations- und technologischen Revolutionen
haben Länder enger zusammengebracht als zu jeder
anderen Zeit in der Geschichte. Das hat den Amerikanern und den Völkern in den meisten Regionen der
Welt enormes Wirtschaftswachstum beschert.

Dies erwies sich als falsch. Erstens strafte die
Prämisse, daß die Supermächte die ausschlaggebenden Faktoren in regionalen und Bürgerkriegen
waren, die Geschichte Lügen. Im Verlauf des Kalten
Kriegs gab es in ungefähr 19 Staaten Bürgerkriege.
Anfang der neunziger Jahre, nach dem Fall der
Berliner Mauer, gab es nahezu dieselbe Anzahl von
nationalen Konflikten. Aus unserer eigenen leidvollen
Geschichte wissen wir, wie blutig Bürgerkriege sind,
und die der Zeit nach dem Kalten Krieg waren ebenso
destruktiv und destabilisierend wie jeder andere in der
Geschichte.

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Es

bedeutet aber auch, daß die amerikanischen Interessen unterschiedlicher und verstreuter sind. Es
bedeutet, daß wir stärker engagiert sind und, ja, von
der internationalen Gemeinschaft abhängen.
Wo und wie sich die Vereinigten Staaten engagieren sollten
Die Frage, wann man sich politisch oder militärisch
engagiert, ist ein absolutes Schlüsselthema. Ob das
Problem ein militärischer Konflikt oder eine größere
wirtschaftliche und soziale Störung ist - wir als
Führungmacht der Welt müssen der Verantwortung
unserer nationalen und internationalen Interessen

AMERIKA DIENST 04

�gerecht werden. Weder wir, unsere Verbündeten
noch irgendeine regionale oder internationale Organisation hat die Fähigkeit, bei jeder Gelegenheit einzugreifen. Dennoch gibt es klare moralische Dilemmas bei der Entscheidung, in einigen Situationen zu
helfen und in anderen das Leid andauern zu lassen.
Die Ermittlung, wo unsere nationalen Interessen
liegen, könnte ein Anhaltspunkt für diese Entscheidungen sein. Die Verteidigung der Vereinigten Staaten ist
schließlich eine ehrenwerte Aufgabe, für deren
Ausführung Sie und ich von den Steuerzahlern so
großzügig bezahlt werden. Aber in einer politisch,
wirtschaftlich und (dank des Zeitalters der Düsenjäger
und der Telekommunikationsrevolution) geographisch
so eng verknüpften Welt ist es schwieriger, eine Linie
zu ziehen und auszumachen, wo die Interessen der
Vereinigten Staaten beginnen und enden.
Ein
Konflikt, der in einem Teil der Welt außer Kontrolle
gerät, kann unserer Wirtschaft schaden oder unseren
Zugang zu Rohstoffen beschränken. Krankheiten,
Drogen und Terroristen, die sich in Unruhegebieten
ausbreiten, überqueren nur allzu leicht Grenzen. Von
ihrem Ursprung in den Krisengebieten eines weit
entfernten Landes können sie schnell direkte, tödliche
Auswirkungen auf Amerikaner haben. Befassen wir
uns mit ihnen, wenn sie noch weit von unseren
Grenzen entfernt sind und verhindern ihre Ausbreitung? Warten wir, bis Freunde, Verbündete und
Märkte infiziert sind? Oder kämpfen wir nur in unserem eigenen Land?
Selbst wenn wir um unsere Pflicht zum Engagement
wissen, müssen wir sorgfältig abwägen, wann und wie
wir uns engagieren.
Amerikanische Diplomaten
engagieren sich schon per defmitionem ihrer Tätigkeit
in diesem oder jenem Maße in fast jedem Land der
Welt. Wir arbeiten an einem breiten Spektrum von
Problemen, von der Erarbeitung eines internationalen
Konsenses über eine Handels- oder Vertragsfrage;
der Bekämpfung von Verbrechen, Drogen und
Umweltverschmutzung; Hilfe für Amerikaner im
Ausland, Unterstützung bei der Einstellung von
Feindseligkeiten bis zur Förderung von Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit oder Hilfe für ein von
einer Naturkatastrophe betroffenes Land. In dieser
Weise sind die Vereinigten Staaten bereits überall
einbezogen, wenn nicht sogar engagiert. Wie Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen befassen
sich Diplomaten täglich mit diesen Belangen. Die
schwierige Frage ist die Entscheidung über das
Ausmaß der von uns bei der Lösung des Problems zu
übernehmenden Führungsrolle.
Mit der Verlagerung zu pluralistischeren Belangen
findet in den Vereinigten Staaten eine echte Gewissensprüfung darüber statt, wo man sich maßgeblich
engagieren sollte. Die Entscheidung liegt nicht nur bei
der Exekutive, sondern auch beim Kongreß und

AMERIKA DIENST 04

letztlich dem amerikanischen Volk. In seiner speziellen Rolle wird Amerika oft gebeten, alle Probleme
anzusprechen. Es ist eine Tatsache, daß unsere
Interessen enorm sind. Darüber hinaus gibt es
Gründe und eine Tradition für ein amerikanisches
Engagement über unsere spezifischen nationalen
Interessen hinaus. Die Vereinigten Staaten sind ein
Land, das sowohl aus Prinzipien als auch aus Pragmatismus handelt. Die Fernsehkamera erfaßt unseren Idealismus und unser Mitgefühl. Die mitten in
unserem Wohnzimmer ausgestrahlten Abendnachrichten haben das geschaffen, was man als "Globalisierung der Anteilnahme" bezeichnen könnte.
Die Amerikaner sind ein von Natur aus großzügiges
Volk, das lebt, um Probleme zu lösen. Sie können die
Konflikte und das Leid nicht ignorieren, das sie im
Fernsehen sehen, aber sie sind auch unsicher, wann
sie ein Engagement ihrer Regierung wünschen und zu
welchem Preis. Oder, um es anders zu sagen, sie
sehen die Notwendigkeit unseres Engagements,
möchten es jedoch zu einem niedrigen Preis an
Menschenleben sowie Hab und Gut. Die Erfahrung
lehrt, daß es keine absolut bindenden Doktrinen gibt,
die uns eine einfache Antwort bezüglich des Engagements geben. Häufig sind wir endlich geeint, wenn
der Präsident die Führungsrolle übernimmt und den
Kongreß und das Volk um die Aufgaben unseres
Engagements herum zusammenbringt.
Am schwierigsten ist für uns vielleicht, mit Situationen
fertigzuwerden, in denen militärische Gewalt unerläßlich für die Wiederherstellung der Ordnung
wurde. Glücklicherweise sind sie nicht die Norm.
Bedauerlicherweise scheinen sie zuzunehmen und
nehmen mehr Zeit und Aufmerksamkeit unserer
Politiker in Anspruch.
Einsatz militärischer Gewalt
Entscheidungen über wann und wie militärische
Gewalt einzusetzen oder anzudrohen ist, sind in der
Zeit nach dem Kalten Krieg komplizierter geworden.
Nationale Interessen sind der natürliche Ausgangspunkt für jede Entscheidung dieser Art. Aber in der
Vergangenheit haben wir der Gefahr widerstanden,
unsere nationalen Interessen zu eng zu definieren,
und in der heutigen Welt, wo alle miteinander verbunden sind, können wir uns das sicherlich nicht leisten.
Statt der klaren Gefahr von durch die Fuldaer Sende
nach Deutschland einmarschierenden Warschauer
Pakt-Divisionen stehen wir weniger faßbaren vielschichtigen Problemen wie Bosnien und Kosovo auf
dem Balkan gegenüber. Die Gefahr entsteht durch
über die Grenzen ausufernde Konflikte und über die
Grenzen strömende Vertriebene, die dadurch Nachbarstaaten unterminieren und die regionale Stabilität
zerstören. Probleme wie die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen komplizieren die Problematik des

Seite 3

�Einsatzes von militärischer Gewalt noch zusätzlich.
Diese Probleme erfordern eine breitergefächerte Sicht
unserer nationalen Interessen und konfrontieren uns
öfter mit schwerwiegenden Entscheidungen über
Interventionen.
Ein uns beschäftigendes Schlüsselthema ist, wann wir
militärische Gewalt zur Untermauerung unserer
Diplomatie anwenden und wie wir militärische Gewalt
und Diplomatie miteinander verbinden. Die meisten
zwischenstaatlichen Probleme können durch geradlinige Diplomatie gelöst werden. In manchen Fällen
geht dies Hand in Hand mit "wohlwollender Kraft", das
heißt, friedenserhaltenden Missionen oder der Möglichkeit des Einsatzes von unserer nationalen Stärke
und Bereitschaft innewohnender Gewalt. Sprich leise
und trage einen schweren Stock, wie Teddy Roosevelt
sagte. In diesen Situationen ergänzen sich Soldaten
und Diplomaten auf natürliche Weise - der Soldat
bereitet sich auf den Krieg vor, seine Einsatzbereitschaft schreckt Aggressoren ab, und beides wiederum
stärkt dem Diplomaten den Rücken bei der Gestaltung
einer dauerhaften und effektiven politischen Lösung.
Am schwierigsten sind Situationen, die den Einsatz
militärischer Gewalt erfordern. Bei ihrer Bewältigung
müssen militärische und zivile Führungskräfte einander ihr Fachwissen und ihren Rat zur Verfügung
stellen, um über die bestmögliche Vorgehensweise zu
entscheiden.
Uns stehen im Wesentlichen vier
Instrumente zur Verfügung. Erstens, die Androhung
des Einsatzes von Gewalt. Damit dies nicht die
Wirkung verliert, sollte der Einsatzes von Gewalt
allerdings nur angedroht werden, wenn es um wichtige
amerikanische Interessen geht und auch der politische
Wille zur Ausführung der Drohung besteht. Auf diese
Weise angewandt, kann die Androhung von Gewalt
sehr wirkungsvoll sein. Im Kosovo beispielsweise
haben die "activation Orders" der NATO die Parteien
vom Rande des Kriegs zurückgeholt und Druck auf sie
ausgeübt, eine friedliche Lösung zu finden. Erst
letztes Wochenende überzeugte ihre Präsenz in der
Gleichung die Serben von der Notwendigkeit, die
Kosovo-Albaner an den Gesprächen in Paris teilnehmen zu lassen.
Reicht die Androhung von Gewalt nicht aus, können
die Vereinigten Staaten unilateral, mit ihren Partnern
in regionalen Organisationen - vor allem der NATO oder in einer Koalition der Bereitwilligen - wie während
des Golfkriegs - unter der Schirmherrschaft der
Vereinten Nationen handeln. Jede dieser Vorgehensweisen hat Vorteile, und jede ist unter anderen
Umständen angemessen.
Im Allgemeinen ist es einfacher, gemeinsame Einsätze zu legitimieren. Die Vereinigten Staaten werden
unter keinen Umständen jemals auf ihr Recht verzichten, allein zu handeln; wir sehen uns allerdings

Seite 4

deutlich weniger Kritik ausgesetzt, wenn wir mit
anderen handeln und größere praktische und politische Unterstützung gewinnen.
Gemeinsames
Vorgehen isoliert den Aggressor üblicherweise,
während mit unilateralem Handeln die Gefahr einhergeht, daß das angegriffene Land oder die Gruppe die
Sympathie anderer der internationalen Gemeinschaft
gewinnt. Andererseits erfordert multilaterales Engagement eine längere Vorbereitungsphase und ist
komplizierter durchzuführen. In Ihrem Beruf werden
Sie sicherlich zunehmend an Koalitionsbemühungen
teilhaben, und ich begrüße die von der Armee in ihrem
Lehrplan auf internationale Beziehungen und Völkerverständigung gerichtete Aufmerksamkeit, die Sie
darauf vorbereiten soll. Gleichzeitig muß die Last der
Wahrung von Frieden und Stabilität auf internationaler
Ebene geteilt werden, und wir appellieren weiterhin an
unsere Freunde, ihre Kapazitäten aufzubauen.

Wir haben begutachtet, wie Diplomatie und militärische Gewalt sich von beiden Enden des Spektrums aus harmonisch ergänzen. Das heißt, von
grundlegenden diplomatischen, wirtschaftlichen und
Hilfsaktionen am einen Ende bis hin zum entgegengesetzten Ende des Spektrums, wo der Einsatz von
militärischer Gewalt für das Erreichen amerikanischer
Ziele erforderlich ist. Es stellt sich eine zweite Frage:
Was ist das Mandat oder die Grundlage für den
Einsatz von Gewalt.
Mandat und Grundlage für den Einsatz von Gewalt
Eine große Kultur zeichnet sich dadurch aus, daß
militärische Gewalt nicht leichtfertig eingesetzt wird.
Wir achten Leben. Mit Herausbildung des internationalen Systems haben sich auch die Normen und
Gesetze für den Einsatz von Gewalt entwickelt. Die
Charta der Vereinten Nationen sieht verschiedene
Möglichkeiten für die Anwendung militärischer Gewalt
vor, einschließlich Artikel 51, der die individuelle und
kollektive Selbstverteidigung regelt. Zwei weitere
Rechtfertigungsmöglichkeiten erfordern die Zustimmung des Sicherheitsrats und können deshalb
von jedem der fünf Ständigen Mitglieder abgelehnt
werden. Gemäß Kapitel VII der Charta ist der Einsatz
von Gewalt für die Erhaltung und Wiederherstellung
von internationalem Frieden und Sicherheit gerechtfertigt, wenn der Sicherheitsrat zustimmt und gemäß
Artikel 53, wenn der Sicherheitsrat Maßnahmen
regionaler Organisationen zur Durchsetzung genehmigt. Truppen können außerdem in Fällen entsandt
werden, in denen die betroffenen Parteien ihre
Zustimmung erteilt haben, wie es oft bei Friedensmissionen der Fall ist.
Während des Kalten Kriegs wurde die Frage nach der
rechtlichen Grundlage von unseren Gegnern nicht oft
gestellt, oder vielleicht ist es korrekter zu sagen, ob
AMERIKA DIENST 04

�die Frage gestellt wurde oder nicht, hätten nicht alle
Länder auf den Einsatz militärischer Gewalt aufgrund
von Unsicherheiten über die Rechtmäßigkeit ihrer
Handlungen verzichtet. Abschreckung als Doktrin trug
dazu bei, den Einsatz von Gewalt durch unsere
Gegner in einigen Fällen auszuschließen. In anderen
Fällen verstand der Westen den Einsatz von Gewalt
als einen Akt der Selbstverteidigung. Es besteht
allerdings heute besonders im Westen zunehmend
das Verlangen, sich vor dem Handeln einer eindeutigen rechtlichen Grundlage zu versichern. Am
deutlichsten wird dies innerhalb der NATO, wo einige
unserer Bündnispartner argumentieren, ein UNMandat sei für einen Einsatz der NATO außerhalb des
Bündnisgebiets immer notwendig. Die Vereinigten
Staaten und andere Bündnispartner stimmen hiermit
nicht überein. Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, das Recht, Truppen in Gebiete wie den
Balkan zu entsenden, hänge von einer Bewertung
aller Umstände ab, einschließlich der Erwägung, ob
ein direktes Risiko für die Bündnispartner besteht.
Individuelle oder kollektive Selbstverteidigung ist
gegenüber einem Aggressor angemessen, der Gewalt
gegenüber anderen angewandt hat und wenn wichtige
nationale Interessen auf dem Spiel stehen. NATOMitglieder haben das Recht, gemäß ihrer Pflichten aus
dem Vertrag von Washington zu handeln. Würden wir
uns darauf beschränken, nur nach ausdrücklicher
Zustimmung des Sicherheitsrats zu handeln, räumten
wir Rußland und China praktisch ein Vetorecht gegen
alle NATO-Aktionen dieser Art ein. Das ist inakzeptabel. Unseres Erachtens müssen die Vereinigten
Staaten und ihre NATO-Verbündeten entscheiden,
wann es angebracht ist, zur Verteidigung des Bündnisses Gewalt einzusetzen.
In diesem neuen Sicherheitsumfeld sehen wir uns
schwerwiegenden Fragen gegenüber, besonders
wenn militärische Gewalt zur Intervention in einem
internen Konflikt eingesetzt wird. Zu diesen Fragen
gehört, ob ein Bündnis warten muß, bis das Gebiet
eines Mitgliedstaats direkt angegriffen wird oder ob
Gewalt als Teil präventiver Diplomatie eingesetzt
werden kann. Das Interesse unserer Bündnispartner
an Interventionen in humanitären Krisen wird ebenfalls
überprüft. Einige sind auf der Suche nach neuen
Standards für den Einsatz von Gewalt zu diesem
Zweck. Ein weiterer potentieller Rechtfertigungsgrund
für die Anwendung von Gewalt wäre der Einsatz
gegen verbrecherische oder fast verbrecherische
Staaten, die zuerst - entgegen den internationalen
Rechtsstandards - Gewalt einsetzen, wie Irak gegen
Kuwait oder Milosevic in Serbien gegen KosovoAlbaner. In diesen Fällen hat der UN-Sicherheitsrat obwohl es schwierig war - oft Schritte unternommen
und zum Handeln aufgerufen. Die NATO tat dies
ebenfalls auf Grundlage ihrer eigenen Verpflichtungen
gemäß des Washingtoner Vertrags.

AMERIKA DIENST 04

Der Weg nach vorne
In diesen Debatten scheint das internationale Engagement hoffnungslos komplex. Aber die Debatte ist
heilsam und notwendig. Wir sind in eine neue Phase
unserer Geschichte eingetreten, und es ist angemessen, nationale Interessen, Ressourcen und den
politischen Willen sorgfältig zu überprüfen sowie auch
die ethischen und rechtlichen Grundlagen für unsere
Handlungen zu überdenken.
Wie Studenten dieser Militärakademie sehr gut
wissen, ist West Points Ruf, herausragende Leistungen zu erbringen, zum Großteil auf seine Flexibilität
bei der Anpassung seines Programms an sich verändernde Sicherheitsinteressen zurückzuführen.
Obwohl West Point als Vorreiter im Hoch-/Tiefbau und
Pionierwesen begann, erweiterte es bald seinen
Blickwinkel unter Beibehaltung seiner herausragenden
Leistungen und war so bereit für die Herausforderungen zweier Jahrhunderte.
Ein Blick etwas weiter zurück in die Geschichte zeigt,
daß westliche Denker dem Einsatz militärischer
Gewalt schon immer starke Aufmerksamkeit gewidmet
haben. Die frühen Christen aus West und Ost waren
üblicherweise Pazifisten, waren aber in der Minderheit; die Mehrheit waren keine Christen und trugen
die Kriege aus. Im vierten Jahrhundert, als die
Christen die Mehrheit stellten, sorgte sich St. Augustinus wegen der Angriffe auf das Römische Reich. Er
hielt den Einsatz von Gewalt zur Bekämpfung eines
größeren Übels für gerechtfertigt. Seine Theorie des
gerechten Kriegs fand in den folgenden Jahrhunderten
Widerhall und beeinflußt auch heute noch die Denkweise der Gesellschaften über wann und auf welche
Art der Einsatz von Gewalt gerechtfertigt ist. Die
historische Situation hatte sich verändert, und Ausgustinus trug zur Entwicklung der Reaktion auf diesen
Wandel bei.
Im 20. Jahrhundert haben wir unsere Ansichten über
den Einsatz von Gewalt wieder geändert, besonders
als Reaktion auf den technologischen Wandel. Durch
Flugzeuge waren auch Zivilisten auf nie dagewesene
Weise vom Krieg betroffen. In ähnlicher Weise hat
das Atomzeitalter, das auf Abschreckung durch die
garantierte Zerstörung beider Seiten baut, Diskussionen ausgelöst. Gegner dieser Doktrin argumentieren, daß keine Waffe mit so zerstörerischen
Auswirkungen moralisch sein könne, und seine
Befürworter weisen darauf hin, daß die nukleare
Abschreckung uns das Übel nur dadurch vermeiden
ließe, daß wir die Androhung seiner Anwendung sehr
deutlich machen.
Am Ende dieses Jahrhunderts hat sich die Sicherheitssituation erneut verändert, diesmal als Folge von
politischem und wirtschaftlichem Wandel. Mit dem

Seite 5

�Ende des Kalten Kriegs hat die Bedrohung durch
einen massiven Atomkrieg abgenommen. Gleichzeitig
ist die Welt immer enger miteinander verbunden, so
daß die Interessen der Vereinigten Staaten umfassend sind und Unruhen in fast jedem Winkel der Welt ob wirtschaftlicher, politischer oder militärischer Art bedeutenden Einfluß auf uns haben. Ironischerweise
haben wir noch immer enorme Macht, und mit Macht
meine ich unsere militärische, politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Stärke, die nicht alle
Aggressoren abschreckt oder zur Lösung aller
Probleme ausreicht. In diesem Umfeld diskutieren wir
natürlich darüber, wie wir unsere Macht einsetzen und
unsere nationalen Interessen verteidigen können.
Diese große nationale Frage wirkt sich auch auf die
Institutionen aus, da Soldaten und Diplomaten Rollen
annehmen, die sich sogar von denen unserer jüngsten
Vorgänger unterscheiden. Das ist - wie ich weiß - ein
Grund für Faszination aber auch Frustration für
Diplomaten und, ich glaube, das Gleiche gilt für
Soldaten. Ich möchte Sie in ihrer weiteren Berufslaufbahn um die Fortführung des Dialogs bitten.
Verteidigung und Diplomatie sind eng miteinander
verbunden, und die besten Augenblicke in der Geschichte der Vereinigten Staaten sind die unserer
Zusammenarbeit. Obwohl wir unterschiedlich ausgebildet werden, unterschiedliche Aufgaben haben und

in unterschiedlichen institutionellen Strukturen arbeiten, haben wir die gleichen Ziele. Wir haben immer
enger miteinander zu tun und müssen einander
verstehen. Einige Reibereien und Wettbewerb ist so
natürlich wie zwischen den Streitkräften. Gab es eine
größere Freude als den Sieg unserer Männer- und
Frauenmannschaften über die Marine beim Football
dieses Jahr?
Was Soldaten und Diplomaten teilen, ist Patriotismus.
Wir haben eine große Liebe für dieses Land gemeinsam, den Wunsch, ihm zu dienen und das Streben
nach herausragenden Leistungen.
Das ist eine
gemeinsame Basis, um unsere unterschiedlichen
Fähigkeiten in den Dienst der Nation zu stellen,
während wir gemeinsam arbeiten und über die Rolle
der Vereinigten Staaten auf der Welt, die Anwendung
diplomatischer Fähigkeiten und den Einsatz militärischer Gewalt diskutieren. Die Welt verläßt sich
ganz offensichtlich auf die Führungskraft der Vereinigten Staaten. Diese Verantwortung stellt zwar
eine Last dar, ist aber gleichzeitig auch eine große
Chance, die Welt zur Verteidigung unserer Sicherheit,
unserer Werte und Interessen zu gestalten. Ich freue
mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen!

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 04

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                    <text>amcrika&#13;
dienet&#13;
&#13;
Herausgeben U. S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
Liebe Leser,&#13;
vor genau 50 Jahren ist der Amerika Dienst zum ersten Mal erschienen. Im Zeitalter&#13;
der Datenautobahn möchten auch wir der Papierflut Einhalt gebieten und werden den&#13;
Amerika Dienst ab dem 24. März 1999 nur noch in elektronischer Form herausgeben.&#13;
Anhand der Besucherzahlen unserer Webseite sehen wir, daß der elektronische&#13;
Amerika Dienst bereits regen Anklang findet. Ihren häufigen Besuchen sehen wir&#13;
erwartungvoll entgegen. Wir hoffen, Sie freuen sich über das beigefügte Mousepad&#13;
und wünschen Ihnen viel Spaß beim Surfen!&#13;
Als zusätzlichen Service bieten wir die Zustellung des Amerika Dienst per E-Mail an!&#13;
Sobald die Artikel übersetzt sind, werden sie Ihnen im txt- oder html-Format kostenlos&#13;
zugeschickt. Anmeldungen bitte unter dem Stichwort "subscribe amerikadienst" und&#13;
der Angabe von "txt" oder "html" an "webmaster@usembassy.de". Oder besuchen Sie&#13;
unsere Homepage und melden Sie sich online an.&#13;
&#13;
http://www.us-botschaft.de/amerikadienst&#13;
http://www.usembassy.de/amerikadienst&#13;
&#13;
Mit freundlichen Grüßen&#13;
&#13;
&lt;§**&#13;
Anne M. Chermak&#13;
Presseattache&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
&#13;
Tel.: 0228-3392956&#13;
Fax: 0228-333138&#13;
Internet: http://www.usembassy.de&#13;
&#13;
�amcrikci&#13;
dienet&#13;
&#13;
Herausgeben U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462C&#13;
&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
05&#13;
&#13;
NATO&#13;
&#13;
DIE NATO UND KONFLIKTLÖSUNG&#13;
Rede von Botschafter John C. Kornblum&#13;
EINE NEUE NATO FÜR EIN NEUES ZEITALTER&#13;
Rede des Stellvertretenden Außenministers&#13;
&#13;
CAVALESE&#13;
&#13;
DIE USA ÜBERNEHMEN VERANTWORTUNG&#13;
Erklärung des Verteidigungsministers&#13;
&#13;
USA-EUROPA&#13;
&#13;
TRANSATLANTISCHE ZUSAMMENARBEIT&#13;
BEI DER KONFLIKTLÖSUNG&#13;
Rede von Botschafter John C. Kornblum&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
LASSEN SIE UNS ZUSAMMENARBEITEN,&#13;
DAMIT DIE WTO FUNKTIONIERT&#13;
von Botschafter John C. Kornblum&#13;
SUMMERS SIEHT NOTWENDIGKEIT FÜR&#13;
MARKTWACHSTUM UND REFORM DER&#13;
WACHSTUMSMÄRKTE&#13;
Rede des Stellvertretenden Finanzministers&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
&#13;
Tel.: 0228-3392956&#13;
Fax: 0228-333138&#13;
Internet: http://www.usembassy.de&#13;
&#13;
�NATO&#13;
&#13;
24.März 1999&#13;
&#13;
Die NATO und Konfliktlösung&#13;
Rede von Botschafter John C. Kornblum&#13;
&#13;
HAMBURG (AD) Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika&#13;
in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, vorder Bundeswehr Führungsakademie in Hamburg vom&#13;
16. März 1999.&#13;
&#13;
Dies ist ein wichtiger Anlaß für mich. Er hat auch&#13;
große persönliche Bedeutung. Joe Kruzel und ich&#13;
haben eng zusammengearbeitet und sind Freunde&#13;
geworden. Zusammen mit zwei anderen Freunden&#13;
und Kollegen starb er im Dienst für den Frieden. Am&#13;
Morgen des 9. August 1995 machten sich Joe Kruzel,&#13;
Oberst Nelson Drew und Botschafter Robert Frasure&#13;
als Teil einer amerikanischen Delegation auf den Weg&#13;
nach Sarajevo, um den Plan zu verwirklichen, den&#13;
Krieg in Bosnien zu beenden.&#13;
&#13;
Die Erwähnung dieser anderen Beispiele von&#13;
Konflikten bedeutet nicht, daß ich dort eine aktive Rolle&#13;
der NATO erwarte.&#13;
Aber die Liste möglicher&#13;
Krisenherde ist unglücklicherweise lang. Wir müssen&#13;
uns an die Ursprünge der NATO erinnern.&#13;
Außenministerin Albright erklärte beim NATOMinistertreffen am 8. Dezember in Brüssel: "Vor&#13;
nahezu 50 Jahren ging eine Generation aus dem Krieg&#13;
mit dem festen Willen zu Frieden hervor. Diese&#13;
Generation schuf ein Bündnis zur Verteidigung der&#13;
&#13;
Ich habe Gerd Wegner noch länger gekannt und noch&#13;
länger mit ihm zusammengearbeitet als mit Joe Kruzel.&#13;
Er ging nach Bosnien, um den Frieden zu bewahren,&#13;
den die Reise hervorgebracht hatte, auf der Joe Kruzel&#13;
und seine Kollegen starben. Noch weitere Amerikaner&#13;
kamen bei dem Hubschrauberabsturz ums Leben. Sie&#13;
starben gemeinsam bei ihrem Bemühen, das Leben&#13;
anderer zu retten. Gerd kam zu mir mit der Nachricht,&#13;
daß ihm eine Stelle beim Hohen Repräsentanten&#13;
angeboten worden sei. Ich empfahl ihm wärmstens,&#13;
das Angebot anzunehmen. Ich warnte ihn, daß das&#13;
Leben hart, aber es wert sein würde. Ich werde ihn&#13;
immer hochachten.&#13;
&#13;
denjenigen, denen die Freiheit verweigert wurde,&#13;
ebenso viel bedeuten würde wie denjenigen, die seine&#13;
Segnungen bereits erfuhren."&#13;
&#13;
Freiheit, das im gesamten Verlauf des Kalten Krieges&#13;
&#13;
Die Bedeutung dieses Opfer wird auf traurigerweise&#13;
unterstrichen durch die Schlagzeilen der heutigen&#13;
Zeitungen.Botschafter Holbrooke reißt wieder nach&#13;
Belgrad, um sich mit einem weiteren Konflikt auf dem&#13;
Balkan zu befassen. Die Kontaktgruppe trifft sich&#13;
wieder mit Kriegsparteien zusammen - dieses Mal&#13;
handelt es sich um Kosovo.&#13;
Das Thema, das ich heute ansprechen möchte - die&#13;
NATO und Konfliktlösung - hat bedauerlicherweise&#13;
mehr als historische Bedeutung. In Bosnien herrscht&#13;
wieder Frieden. Die Rolle der NATO besteht weiterhin&#13;
in der Sicherung des Friedens. In Kosovo, auf Zypern&#13;
oder im Kaukasus wurde noch kein Frieden erzielt.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Dieser Vortrag ist Joe Kruzel und Gerd Wagner sowie&#13;
Nelson Drew und Robert Frasure und all den anderen&#13;
gewidmet, die bei der Bewahrung des Friedens ihr&#13;
Leben ließen. Aber wenn wir ihrer gedenken, blicken&#13;
wir auch in die Zukunft. Ich denke, man kann mit&#13;
ziemlicher Sicherheit sagen, daß kein anderes Thema&#13;
des Kalten Krieges mehr Probleme aufgeworfen hat&#13;
als die Verbreitung lokaler Konflikte. Und keine andere&#13;
Aufgabe hat den Kurs und Inhalt unseres Bündnisses&#13;
stärker beeinflußt als die Rolle der NATO bei der&#13;
Bewältigung der Herausforderung durch lokale&#13;
Konfrontationen.&#13;
In fünf Wochen werden die Staats- und&#13;
Regierungschefs&#13;
der&#13;
NATO&#13;
in Washington&#13;
zusammenkommen, um das 50-jährige Bestehen des&#13;
Bündnisse zu feiern. Es wird viel zu feiern geben. Vor&#13;
allem werden wir das Ende des Kalten Krieges&#13;
besiegeln, indem wir drei neue Mitglieder aufnehmen.&#13;
Polen, Ungarn und die Tschechische Republik&#13;
gehörten einst zu einem feindlichen Bündnis. Ihre&#13;
Mitgliedschaft in der NATO wird den Kampf um Einfluß&#13;
in Zentraleuropa ein für alle Mal beenden. Zum ersten&#13;
Mal in seiner Geschichte wird Deutschland von&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Verbündeten und Partnern umgeben sein. Der&#13;
Circulus vitiosus von Krieg und Konfrontation in dieser&#13;
Region wird für immer durchbrochen sein.&#13;
Aber der Sieg über eine Herausforderung hat die Tür&#13;
zu einer anderen geöffnet. Am Vorabend des 10.&#13;
Jahrestages des Falls der Berliner Mauer sieht sich&#13;
der Westen mit einer Herausforderung konfrontiert, mit&#13;
der man in jenen euphorischen Tagen des Jahres&#13;
1989 nie gerechnet hätte. Das Verschwinden der OstWest-Konfrontation hat viele Vorteile gebracht. Europa&#13;
ist wirklich ungeteilt und im Großen und Ganzen frei.&#13;
Aber als die Zwänge der nuklearen Konfrontation&#13;
wegfielen, taten das auch die Beschränkungen von&#13;
Konflikten. Ironischerweise scheint der Kalte Krieg die&#13;
gesamte Welt in eine Art Nichtverbreitungsvertrag für&#13;
lokale&#13;
Konflikte&#13;
eingezwängt&#13;
zu&#13;
haben.&#13;
Meinungsverschiedenheiten, von denen man einst&#13;
dachte, sie seien in die Geschichte verbannt worden,&#13;
sind wieder gewaltsam ausgebrochen.&#13;
Offensichtlich erduldete die Welt zwischen 1945 und&#13;
1989 viele Kriege und Konfrontationen. Aber es waren&#13;
für gewöhnlich politische oder militärische Konflikte,&#13;
die sich aus einer geopolitischen Dysfunktion wie im&#13;
Nahen Osten oder in Vietnam ergaben. Manchmal&#13;
wurzelten sie im Zusammenbruch des Kolonialismus.&#13;
Oder sie waren bloß Stellvertreteraggressionen, die&#13;
sich aus der umfassenderen Ost-West-Konfrontation&#13;
ergaben.&#13;
Auf rein lokalen oder kulturellen&#13;
Meinungsverschiedenheiten gründende Kämpfe waren&#13;
sehr viel weniger verbreitet.&#13;
Seit&#13;
1989&#13;
ist&#13;
das&#13;
Gegenteil&#13;
der&#13;
Fall.&#13;
Stellvertreterkriege sind buchstäblich verschwunden.&#13;
An ihre Stelle ist eine Vielzahl von begrenzteren&#13;
Disputen getreten, die häufig so lokal sind und so&#13;
obskure Ursachen haben, daß eine Definition&#13;
unmöglich ist. Die Themen, um die es geht, lassen&#13;
manchmal eine Lösung mit normalen Methoden der&#13;
Diplomatie oder sogar dem Einsatz von militärischer&#13;
Gewalt nicht zu. Lösungen sind gewöhnlich kurzlebig&#13;
oder kompliziert anzuwenden.&#13;
Diese neue Herausforderung ist so groß, daß sie sich&#13;
wie ein roter Faden durch die Gespräche in&#13;
Washington ziehen wird.&#13;
Unsere Freude, neue&#13;
Mitglieder willkommen zu heißen, wird durch die&#13;
nüchternen Tatsachen getrübt, mit denen wir uns&#13;
konfrontiert sehen. Das strategische Konzept des&#13;
Bündnisses wird der veränderten Situation ebenso&#13;
Rechnung tragen wie die sich daraus ergebenden&#13;
Verteidigungsarrangements. Und in guter NATOTradition kann man ziemlich sicher sagen, daß es&#13;
Meinungsverschiedenheiten geben wird. Das Ausmaß&#13;
und die Aufgabe der Reaktionen der NATO werden&#13;
noch vehement diskutiert.&#13;
Die Methoden zur&#13;
Bewältigung von Konflikten sind neu und unerprobt.&#13;
Neue Strategien müssen entwickelt werden.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Regionale Konflikte stellen die Demokratien der&#13;
euroatlantischen Welt vor besondere politische und&#13;
philosophische Herausforderungen. Das anbrechende&#13;
neue Jahrhundert beendet eine der dramatischsten&#13;
Perioden der Menschheitsgeschichte.&#13;
Große&#13;
Errungenschaften in Wissenschaft und Wirtschaft&#13;
während der letzten 100 Jahre wurden begleitet von&#13;
den&#13;
schrecklichsten&#13;
Beispielen&#13;
menschlicher&#13;
Grausamkeit. Der Sieg im Kalten Krieg beendete über&#13;
70 Jahre europäischen Bürgerkrieg. Die nach 1945&#13;
entstände&#13;
atlantische&#13;
Gemeinschaft&#13;
war&#13;
gleichermaßen die Grundlage und das Symbol für die&#13;
Botschaft der Demokratie, die diese großartige&#13;
Leistung ermöglichte.&#13;
Die Ereignisse im Zusammenhang mit dem&#13;
andauernden Konflikt auf dem Balkan unterstreichen&#13;
die Gefahr der Lage. Die atlantischen Nationen sind&#13;
die Hüter des demokratischen Ideals. Aber wir&#13;
besitzen auch das einzige integrierte militärische&#13;
Instrument, das dieses Ideal mit Taten untermauern&#13;
kann. Das ist immer mehr zur Aufgabe der NATO&#13;
geworden.&#13;
Aber indem wir dieses Instrument&#13;
weiterentwickeln, setzen wir es auch Kritik aus und&#13;
riskieren vielleicht sogar ein Scheitern. Wenn es uns&#13;
nicht gelingt, die Grundlagen für Freiheit im übrigen&#13;
Europa und in anderen Teilen der Welt zu schaffen,&#13;
könnte auch die Vision für unser Bündnis geschwächt&#13;
werden. Wenn sich unsere Interessen in einem Nebel&#13;
interner Debatten verlieren, könnte unsere Einheit auf&#13;
die Probe gestellt werden.&#13;
Der Konflikt in Bosnien hat uns gelehrt, daß kein Land,&#13;
einschließlich der Vereinigten Staaten, gegen diese&#13;
Herausforderungen immun ist. Die Frustrationen in&#13;
Bosnien lehrten die Europäer, daß ihre Einheit der&#13;
Probe externer Konflikte noch nicht standhalten&#13;
konnte. Wir alle haben gelernt, daß unsere Sicherheit&#13;
unteilbar ist. Wir haben auch gelernt, daß unsere&#13;
Methoden und Ressourcen unseren Anforderungen&#13;
nicht gerecht werden.&#13;
Unsere Konzepte zu Menschenrechten und der Rolle&#13;
demokratischer Werte in den Beziehungen zwischen&#13;
Nationen und Völkern stehen vor einer der größten&#13;
Herausforderungen.&#13;
Unsere&#13;
gemeinsamen&#13;
Bemühungen um Menschenrechte in Europa haben&#13;
direkt zum Zusammenbruch des Kommunismus&#13;
beigetragen. Aber wir hatten Schwierigkeiten, die&#13;
gleichen Maßstäbe auf so unterschiedliche Situationen&#13;
wie die auf dem Balkan, in Tschetschenien oder&#13;
Ruanda anzuwenden.&#13;
Wie bringen wir unsere Ideale mit komplexen lokalen&#13;
Konflikten oder den humanitären Konsequenzen von&#13;
Krieg und Konfrontation in Einklang? Welche Rolle&#13;
kommt nationaler Souveränität oder militärischer&#13;
Sicherheit zu, wenn nationale Grenzen nicht länger der&#13;
definierende Rahmen für Meinungsverschiedenheiten&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�sind? Wie legitim ist die Verteidigung nationaler Kultur&#13;
oder Religion als Grund für Militäraktionen? Wie&#13;
gehen wir mit diplomatischen Strukturen und&#13;
Rechtsprinzipien&#13;
angesichts&#13;
bevorstehender&#13;
humanitärer Katastrophen um? Und vielleicht am&#13;
wichtigsten ist, was kann man mit Staatschefs wie&#13;
Saddam Hussein oder Slobodan Milosevic tun, die&#13;
einfach nicht die Regeln des internationalen&#13;
humanitären Rechts befolgen wollen?&#13;
Diese Fragen stellen sich uns allen. Aber sie haben&#13;
andere Implikationen für die Vereinigten Staaten als für&#13;
unsere europäischen Verbündeten. Wir werden&#13;
regelmäßig mit der Behauptung konfrontiert, Amerika&#13;
sei die letzte verbliebene Supermacht. Das ist&#13;
teilweise richtig. Nur wir haben die einheitliche&#13;
Zielrichtung, die militärische Stärke und die&#13;
Führungserfahrung, die für die Bewältigung der&#13;
Sicherheitsherausforderungen auf der Welt erforderlich&#13;
sind.&#13;
Aber auch dieses Konzept ist irreführend. Die&#13;
Vereinigten Staaten möchten nicht zum Branddirektor&#13;
und Polizeichef der Welt ernannt werden. Unser Volk&#13;
war bereit, massive Maßnahmen gegen eine klare&#13;
sowjetische Bedrohung zu unterstützen. Aber wir sind&#13;
keine Nation mit imperialer Vergangenheit.&#13;
Die&#13;
Bewahrung des komplexen Mächtegleichgewichts&#13;
zwischen kriegführenden Gruppen ist nicht unsere&#13;
Stärke. Um unsere Macht erfolgreich zu nutzen,&#13;
benötigen wir Ziele und Partner. Macht allein ist nicht&#13;
die Antwort.&#13;
Dahinter muß ein Gefühl für die&#13;
Zielrichtung und eine Gemeinschaft stehen.&#13;
Ich möchte argumentieren, daß die Probleme für&#13;
Europa noch drängender sind. Das Ende des Kalten&#13;
Krieges hat Europa vor die Herausforderung gestellt zu&#13;
handeln. Solange Europa geteilt war, funktionierte der&#13;
Westen auf der Basis eines impliziten Handels.&#13;
Amerika bot die Grundlage für eine atlantische&#13;
Gemeinschaft, indem es Ressourcen und generelle&#13;
Sicherheit&#13;
beitrug.&#13;
Europa verlieh dieser&#13;
Gemeinschaft&#13;
durch&#13;
den&#13;
Wiederaufbau&#13;
demokratischer Gesellschaften und die Vertiefung der&#13;
internen Integration Substanz.&#13;
Jetzt herrscht ein neues Paradigma vor. Die von den&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten&#13;
unterstützte&#13;
externe&#13;
Sicherheitsglocke ist für die Herausforderungen nicht&#13;
mehr relevant, die wir heute erörtern. Und interne&#13;
Stabilität und Integration innerhalb Europas reichen als&#13;
europäischer Beitrag zu unseren gemeinsamen&#13;
Bestrebungen nicht länger aus.&#13;
Mit anderen Worten: Europa muß nach außen blicken.&#13;
Die hart erkämpfte Einheit wird vor allem durch&#13;
Europas Erfolg bei der Bewältigung der von mir&#13;
beschriebenen Herausforderungen auf die Probe&#13;
gestellt. Und wenn Europa den Test nicht besteht,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
wird auch das Atlantische Bündnis Schaden nehmen.&#13;
&#13;
Das ist nicht noch ein Aufruf an Europa, mit sich selbst&#13;
ins Reine zu kommen. Ich habe selbst mit zu vielen&#13;
dieser Probleme gekämpft, um davon auszugehen,&#13;
daß es eine leichte Antwort gibt. Noch so viele&#13;
Ausschüsse oder Verträge werden es nicht schaffen.&#13;
Und genausowenig wäre ein neuer "Hoher&#13;
Repräsentant für die GASP" eine einfache Lösung.&#13;
Ich gehe davon aus, daß unsere Fähigkeit zu Vision&#13;
und zur Vorgabe einer Zielrichtung gemeinsam die&#13;
Feuerprobe für unseren künftigen Erfolg sein werden.&#13;
Ein Europa das seine Ziele und Werte - und seine&#13;
Einheit - nicht auf diese Herausforderung anwenden&#13;
kann, wird es schwer haben, die vielen anderen&#13;
Herausforderungen zu meistern.&#13;
Ein Amerika, das vor seiner Führungsrolle bei der&#13;
Schaffung&#13;
von&#13;
Einheit&#13;
unter&#13;
Demokratien&#13;
zurückschreckt, wird seine Macht geschmälert finden.&#13;
Das Ergebnis wird Frustration und Ungeduld&#13;
angesichts immer geringerer Ordnung auf der Welt&#13;
sein.&#13;
Wenn die aufstrebenden Demokratien in Zentral- und&#13;
Osteuropa nicht so schnell und reibungslos wie&#13;
möglich in dieses Wertesystem integriert werden,&#13;
werden die Gefahren solcher Konflikte in Europa&#13;
wahrscheinlich zunehmen. Damit meine ich nicht die&#13;
unverzügliche Mitgliedschaft in der NATO oder der EU.&#13;
Aber eine Strategie der Ziele und Werte ist unerläßlich.&#13;
Während wir reden, werden diese Themen offen in&#13;
Brüssel diskutiert. Die Staats- und Regierungschefs&#13;
des Bündnisses bemühen sich bei einer Konferenz, die&#13;
diese Woche in Paris begonnen hat, erneut um die&#13;
Schaffung von Frieden im Kosovo. Ich möchte diese&#13;
Gelegenheit nicht nutzen, um die Einzelheiten des&#13;
Kosovo-Problems oder des NATO-Gipfeltreffens zu&#13;
erörtern. Andere Anlässe werden diesem Zweck&#13;
dienen. Ich möchte vielmehr unsere gemeinsame&#13;
Verpflichtung zum Gedenken an unsere verstorbenen&#13;
Kollegen nutzen, um einige Grundsätze für die Zukunft&#13;
darzulegen.&#13;
Als jemand, der in den siebziger Jahren in Berlin mit&#13;
der Arbeit an Konfliktverhütung begonnen hat und seit&#13;
damals an nahezu jedem wichtigen Schritt auf dem&#13;
Weg beteiligt war, bin ich mir der Schwierigkeiten bei&#13;
der Unterbreitung von Lösungsvorschlägen bewußt.&#13;
Statt dessen habe ich einige Lehren und einige Fragen&#13;
zusammengetragen, die - wie ich hoffe - Ihre&#13;
Diskussion anregen werden.&#13;
Erstens: Wir müssen uns über Ursprung und Natur der&#13;
Herausforderungen im Klaren sein, denen wir&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�gegenüberstehen. Sind die Kriege im ehemaligen&#13;
Jugoslawien Teil eines innenpolitischen serbischen&#13;
Machtkampfs oder werden sie von aufgestautem&#13;
gegenseitigem ethnischem Haß geschürt? Was ist&#13;
Ursache und was ist Wirkung? Was ist das Wesen der&#13;
Herausforderung, die Saddam Hussein darstellt? Ist er&#13;
ein regionaler Tyrann in einer Region, die sowieso&#13;
keine starken demokratischen Tendenzen hat, oder&#13;
bedroht er ernsthaft Gebiete über diese Region&#13;
hinaus?&#13;
Zweitens: Wir müssen wissen, wohin wir gehen. Das&#13;
mag offenkundig klingen, aber Richtungslosigkeit war&#13;
eine der entscheidendsten Schwächen unserer&#13;
bisherigen Bestrebungen. Wir haben Jahre mit der&#13;
Verfeinerung unserer Vision von internationalem&#13;
humanitären Recht und Menschenrechten verbracht.&#13;
Unsere Suche nach der richtigen militärischen Antwort&#13;
auf Konflikte war ebenso schwierig. Verhaltensnormen&#13;
wurden mehrfach kodifiziert. Unsere Verpflichtung zur&#13;
Achtung von Menschenrechten war ein wichtiges&#13;
Instrument beim Kampf gegen den Kommunismus.&#13;
Aber sobald der Hauptkonflikt einmal beigelegt war,&#13;
schien eine funktionale Definition der Menschenrechte&#13;
zweitrangig zu werden. Sowohl die OSZE als auch die&#13;
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte bieten&#13;
Richtlinien für die Beurteilung des Verhaltens anderer.&#13;
Sie sind nicht unfehlbar. Aber richtig von falsch&#13;
unterscheiden zu können, ist immer noch der&#13;
wichtigste erste Schritt zu Frieden.&#13;
Das heißt, mit klaren Worten zu sprechen. Die&#13;
Unterdrückung von Rechten, der Einsatz von Gewalt&#13;
und die Verzerrung der Wahrheit sind falsch - aus&#13;
welchem Grund auch immer sie angewendet werden.&#13;
Es heißt auch, klar zu denken. Wir sollten unsere&#13;
Institutionen nicht aus der Furcht heraus lähmen, daß&#13;
andere unsere eigenen entschlossenen Aktionen zur&#13;
Rechtfertigung anderer, unrechtmäßiger Aktivitäten&#13;
benutzen. Aktionen einer demokratischen NATO oder&#13;
Europäischen Union haben eine ganz andere Qualität&#13;
als die eines Diktators, der andere zu unterdrücken&#13;
versucht.&#13;
Drittens:&#13;
Wir müssen handeln können.&#13;
Die&#13;
Institutionen für die friedliche Lösung von Konflikten&#13;
sollten so weit wie möglich gestärkt werden. Wir&#13;
sollten jedoch sorgfältig überdenken, was eine solche&#13;
Stärkung bedeutet. Es bedeutet vor allem Klarheit&#13;
über unsere eigenen Ziele. Geld in Ausschüsse zu&#13;
stecken, die Erklärungen herausgeben, reicht nicht&#13;
aus. Diese Ziele sollten aktiv in unseren eigenen&#13;
Institutionen und in umfassenderen Foren verfolgt&#13;
werden.&#13;
Wir sollten den Dialog innerhalb der&#13;
assoziierten Institutionen der NATO, EU und WEU&#13;
vertiefen. Wir sollten die Zielsetzung der OSZE klären.&#13;
Und die UNO sollte noch mehr nach dem Wert von&#13;
Methoden statt auf ihre Fähigkeit zur Erlangung eines&#13;
Konsenses ausgerichtet werden.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Mündige Staatsbürger sind unerläßlich. Wenn wir&#13;
überzeugt sind, daß die Welt auf der Grundlage&#13;
demokratischer Prinzipien funktionieren sollte, sollten&#13;
wir versuchen, das Wissen über Konfliktverhütung so&#13;
weit wie möglich zu verbreiten. Das Verständnis der&#13;
Implikationen aktueller Herausforderungen ist eine&#13;
große Aufgabe. Wenn mündige Staatsbürger für die&#13;
Demokratie in den Ländern unerläßlich sind, so sind&#13;
sie doppelt wichtig für die Schaffung einer weltweiten&#13;
Grundlage für Demokratie. Die Arbeit an dieser&#13;
Aufgabe hat gerade erst begonnen.&#13;
Viertens: Wir müssen unsere Methoden besser&#13;
verstehen. Wenn uns dieses neue Zeitalter eines lehrt,&#13;
dann, daß wir uns - wie Präsident Clinton es formuliert&#13;
hat - rasch von einer Ära des enforcement zu einer&#13;
Vision des empowerment als Grundlage unserer&#13;
demokratischen Weltordnung bewegen. Mündige&#13;
Staatsbürger können sich nicht auf Verträge und&#13;
Resolutionen oder Friedenstruppen verlassen, um die&#13;
Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts zu&#13;
bewältigen. Es ist ein Gefühl geteilter Verantwortung&#13;
für die Aufgaben des neuen Zeitalters, das die&#13;
Unterstützung für unsere Werte hervorbringt. Völker,&#13;
die Unterdrückung erduldet haben, können nicht durch&#13;
rechtliche Argumente gezwungen werden, ihre Träume&#13;
aufzugeben. Aber ein Gefühl von persönlichem&#13;
empowerment&#13;
und&#13;
geteilter&#13;
Verantwortung&#13;
hervorzubringen, kann die von den Völkern selbst&#13;
definierten Bedürfnisse erfüllen, ohne die Rechte&#13;
anderer zu beeinträchtigen.&#13;
Mit anderen Worten, wir sind gerade dabei, eine neue&#13;
Friedensdisziplin zu definieren. Um in Zukunft die&#13;
demokratische Stabilität zu bewahren, müssen wir die&#13;
Instrumente der traditionellen Diplomatie und&#13;
militärischer Aktionen mit den Standards von&#13;
Demokratie und freien Marktwirtschaften kombinieren.&#13;
Die Geschichte hat verdeutlicht, daß Offenheit und&#13;
Toleranz die einzig sicheren Methoden für Frieden und&#13;
Wohlstand sind.&#13;
In den vergangenen zehn Jahren haben wir unsere&#13;
Institutionen in bewundernswerter Weise an diese&#13;
Aufgabe angepaßt. Der Washingtoner Gipfel wird die&#13;
Fähigkeit der NATO noch weiter stärken, Sicherheit&#13;
über die Grenzen ihrer Mitgliedstaaten hinaus zu&#13;
projizieren. Im November werden die Staatschefs der&#13;
OSZE der rasch wachsende Rolle dieser Organisation&#13;
beim Aufbau eines Rahmens für demokratischen&#13;
Frieden mehr Substanz verleihen. Die Europäische&#13;
Union setzt ebenfalls einen klaren Kurs für die&#13;
Integration von ganz Europa fest.&#13;
Zusammengenommen werden diese Schritte eine&#13;
Grundlage schaffen, um lokale und regionale Konflikte&#13;
zu verhindern und zu kontrollieren. Aber dann wird die&#13;
harte Arbeit erst beginnen.&#13;
Diese neue&#13;
Friedensdisziplin muß ihren Weg in unsere Politik,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�unsere Strategien und unsere Philosophien finden.&#13;
Die künstliche Teilung zwischen politischen und&#13;
militärischen&#13;
Aufgaben&#13;
oder&#13;
zwischen&#13;
Menschenrechten und Sicherheitsarrangements muß&#13;
enden. Eine Institution wie die Führungsakademie&#13;
begann mit einem neuen Konzept der militärischen&#13;
Führung für Deutschland. Über die Jahre hinweg&#13;
haben Sie zum Aufbau einer neuen deutschen&#13;
militärischen Tradition beigetragen, die Ihre Nation und&#13;
Ihre Uniformen ehrt.&#13;
Das Opfer unserer Freunde und Kollegen, die wir&#13;
heute ehren, ist die beste Inspiration, die ich mir für&#13;
den langen vor uns liegenden Weg denken kann. Wir&#13;
sollten nie vergessen, daß die Zukunft während der&#13;
nahezu 50 Jahre des Kalten Kriegs oft düster erschien.&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Selbst noch Mitte der achtziger Jahre glaubten wenige&#13;
Menschen daran, daß unser Ziel eines vereinten&#13;
Europas je erreicht würde.&#13;
So muß es auch mit dieser neuen Friedensdisziplin&#13;
sein. Unsere Interessen und Methoden müssen&#13;
überarbeitet werden.&#13;
Unser Verständnis des&#13;
Sicherheitskonzepts an sich wird sich durch die&#13;
Konfrontation mit neuen Herausforderungen erweitern.&#13;
Aber eines sollte unverändert bleiben. Die durch&#13;
unsere verstorbenen Kollegen verkörperte deutschamerikanische Einheit wird weiterhin die Grundlage&#13;
unserer Bestrebungen bilden. Ich weiß, daß sie mir&#13;
voll und ganz zustimmen würden.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�NATO&#13;
&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
Eine neue NATO für ein neues Zeitalter&#13;
Rede des Stellvertretenden Außenministers&#13;
&#13;
LONDON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Strobe Talbott, Stellvertretende r Außenminister,&#13;
vor dem Royal United Services Institute in London vom 10. März 1999 im Wortlaut.&#13;
&#13;
Danke, Dr. Szlajfer. Ich danke auch dem Royal&#13;
United Services Institute für die Rolle, die es 168&#13;
Jahre lang bei der Förderung der Diskussion und&#13;
Analyse von internationalen Sicherheitsbelangen&#13;
innehatte. Diese Konferenz findet ganz offensichtlich&#13;
in dieser Tradition statt.&#13;
Konteradmiral Cobbold bat mich um eine&#13;
amerikanische Perspektive - aus ziviler und&#13;
diplomatischer Sicht - dessen, was Sie am Montag&#13;
von den Generälen Shelton und Clark gehört haben.&#13;
Ich gehe, wie auch die Generäle, von einer&#13;
grundsätzlichen und dauerhaften Wahrheit aus: Das&#13;
Wohlergehen der Vereinigten Staaten hängt in hohen&#13;
Maße von den Ereignissen in Europa ab; die&#13;
Vereinigten Staaten werden ohne eine florierende&#13;
Wirtschaft in Europa nicht im Wohlstand leben; die&#13;
Vereinigten Staaten werden ohne Sicherheit und&#13;
Frieden in Europa nicht sicher sein.&#13;
Die meisten Amerikaner sind sich bewußt, daß&#13;
"Europa" kein statisches Phänomen ist. Es ist&#13;
vielmehr organisch.&#13;
Im Wesen und der&#13;
Zusammensetzung seiner Institutionen, ja sogar in&#13;
seinem geographischen Ausmaß, erfindet Europa sich&#13;
ständig neu. Es findet - im Eurojargon - eine ständige&#13;
Vertiefung und Erweiterung statt. Wenn Amerikaner&#13;
die Entwicklungen in Europa betrachten, haben wir&#13;
unsere eigenen Hoffnungen und manchmal Ängste,&#13;
wohin dieser Prozeß wohl führen mag. Wir wünschen&#13;
uns eine Definition der europäischen Identität und eine&#13;
Verfolgung der Interessen Europas auf eine Art und&#13;
Weise, die die Bande, die Ihre Sicherheit mit der&#13;
unseren verknüpfen und natürlich unsere mit der&#13;
Ihren, nicht nur bewahren,-sondern stärken.&#13;
&#13;
das Nordatlantische Bündnis nicht still stehen - wie&#13;
General Shelton am Montag sagte - oder sich auf&#13;
seinen Lorbeeren ausruhen. Tatsächlich hat die&#13;
NATO sogar noch mehr Gründe zur Veränderung als&#13;
Europa. Anders als Europa, das ein Kontinent und&#13;
eine Kultur ist, ist das Bündnis eine Organisation, die&#13;
zudem erst vor relativ kurzer Zeit geschaffen wurde.&#13;
Eine ganze Reihe von uns in diesem Saal gibt es&#13;
schon länger als die NATO.&#13;
Anders als Europa (und, wie ich hoffe, anders als wir&#13;
selbst) entstand die NATO ursprünglich aus Gründen,&#13;
die es nicht mehr gibt. Deshalb hält sich in unseren&#13;
Leitartikeln und Parlamenten die unhöfliche aber&#13;
hartnäckige Frage: Jetzt, da die Sowjetunion und der&#13;
Warschauer Pakt sicher auf den Schrotthaufen der&#13;
Geschichte verbannt sind, warum sollte die NATO&#13;
sich da nicht einfach als Sieger erklären, sich einen&#13;
Orden verleihen und in den Ruhestand gehen? Was&#13;
ist der Sinn eines Bündnisses oder sogar seiner&#13;
Erweiterung, wenn der Hauptgegner der NATO nicht&#13;
mehr existiert?&#13;
Bei dieser Frage geht man natürlich davon aus, daß&#13;
ein Bündnis zur Rechtfertigung seiner Existenz eine&#13;
einzige Nemesis benötigt - einen Moriarty für unseren&#13;
Sherlock Holmes. Das stimmt so nicht unbedingt. Die&#13;
Archive des Royal United Services Institute,&#13;
besonders aus dem 19. Jahrhundert, beinhalten&#13;
zahlreiche Kommentare über europäische Bündnisse,&#13;
die nicht nur der Kriegsführung oder der&#13;
Abschreckung von Krieg dienten, sondern Instrumente&#13;
für die Unterhaltung konstruktiver, nicht auf&#13;
Wettbewerb beruhender Beziehungen zwischen&#13;
Staaten waren. Nennen wir es die politische - im&#13;
Gegensatz zur rein militärischen - Funktion eines&#13;
Bündnisses.&#13;
&#13;
Das bringt mich zum Thema NATO. Wie Europa kann&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Die NATO ist ein Beispiel aus dem 20. Jahrhundert&#13;
hierfür. Unser Bündnis hatte immer umfassendere&#13;
politische Funktionen. In den 50er Jahren war es der&#13;
Schutzschild, hinter dem die Aussöhnung zwischen&#13;
Frankreich und Deutschland - und somit die&#13;
Grundsteinlegung für die Europäische Union - möglich&#13;
wurde. Anfang der achtziger förderte die NATO die&#13;
Konsolidierung der von Zivilisten angeführten&#13;
Demokratiebestrebungen in Spanien und somit die&#13;
vollständige Rückkehr Spaniens in die europäische&#13;
Familie. Bei mehreren Gelegenheiten war die NATO&#13;
bei der Erhaltung des Friedens zwischen&#13;
Griechenland und der Türkei behilflich.&#13;
Allgemeiner gesprochen hat die gemeinsame&#13;
Vereinigte Befehlsstruktur der NATO und die&#13;
kollektive Vorgehensweise bei der Verteidigung den&#13;
Wettbewerb zwischen den westeuropäischen Mächten&#13;
weitgehend eliminiert.&#13;
Ich hebe diesen Punkt&#13;
besonders hervor, weil man in der Welt von heute, in&#13;
der die Einheit Westeuropas so natürlich erscheint,&#13;
daß man sie als selbstverständlich betrachtet, sehr&#13;
leicht vergißt, daß es nicht immer so war.&#13;
Jahrhundertelang führten die westeuropäischen&#13;
Mächte - alles andere als vereinigt - fast ständig Krieg.&#13;
Die&#13;
NATO&#13;
hat&#13;
zur&#13;
Beendigung&#13;
dieses&#13;
Verhaltensmusters beigetragen.&#13;
Nun erstrecken sich die Vorteile der auf gemeinsamen&#13;
politischen&#13;
Werten&#13;
beruhenden&#13;
kollektiven&#13;
Verteidigung auch auf den Osten. Übermorgen (am&#13;
12. März) werden die Tschechische Republik, Ungarn&#13;
und Polen dem Bündnis offiziell beitreten. Anläßlich&#13;
des Washingtoner Gipfels in sechs Wochen werden&#13;
die Mitgliedstaaten des Bündnisses - es werden dann&#13;
19 sein - erneut bestätigen, daß die Tür für neue&#13;
Mitglieder offen bleibt.&#13;
Die Offene Tür ist der&#13;
Schlüssel, wenn die NATO weiterhin die Integration&#13;
zwischen Staaten fördern will, die zu sehr unter&#13;
Teilung und Isolation gelitten haben.&#13;
&#13;
Als Präsident Clinton vor fünf Jahren die Idee der&#13;
Öffnung der NATO für neue Mitglieder zum ersten Mal&#13;
vorstellte, machte er kein Hehl aus seiner Hoffnung,&#13;
die EU möge dasselbe tun.&#13;
Viele der neuen&#13;
Demokratien Europas sind auf gutem Weg, die&#13;
wirtschaftlichen Bedingungen für eine Mitgliedschaft in&#13;
der EU zu erfüllen. Aber damit die EU-Erweiterung&#13;
nach Osten stattfinden kann, müssen die Regierungen&#13;
und Investoren auf die langfristige Sicherheit dieser&#13;
Region vertrauen können.&#13;
Da Sicherheit die Hauptaufgabe der NATO ist - ihr&#13;
wichtigstes Exportgut, wie Premierminister Blair am&#13;
Montag sagte - ist ihre Erweiterung von Vorteil für die&#13;
Vertiefung und Erweiterung der EU. Durch die&#13;
Unterstützung dieses großen in Angriff genommenen&#13;
Unterfangens verfolgen die Vereinigten Staaten ihre&#13;
eigenen Interessen. Ich sage das, weil es eine&#13;
weitere grundlegende Prämisse amerikanischer Politik&#13;
ist, ein vereintes Europa sei ein noch stärkerer Partner&#13;
für die Förderung unserer gemeinsamen Interessen&#13;
auf der ganzen Welt.&#13;
Nun meine Damen und Herren, ich habe gerade zwei&#13;
Ausdrücke benutzt, die nichtssagend erscheinen&#13;
mögen, aber tatsächlich mittlerweile leicht umstritten&#13;
sind: "gemeinsame Interessen" und "auf der ganzen&#13;
Welt". Diese Worte haben bei den Vorbereitungen&#13;
des neuen Strategischen Konzepts, welches die&#13;
führenden Mitglieder der NATO während des&#13;
Washingtoner Gipfels vorstellen werden, Anlaß zu&#13;
einiger Diskussion gegeben. Erlauben Sie mir daher,&#13;
diese Begriffe in den richtigen Zusammenhang zu&#13;
stellen.&#13;
&#13;
Jahrzehntelang hat sich die NATO auf die Aufgabe&#13;
konzentriert, was sie für Europa tun könnte, und das&#13;
bedeutete hauptsächlich, was sie für Europa in&#13;
Europa tun könnte. Darum ging es beim Marshallplan,&#13;
und es war die tägliche Sorge einer bei der&#13;
Abschreckung der sowjetischen Bedrohung ständig&#13;
Was man die Anziehungskraft der NATO nennen wachsamen NATO. Heute denken die Vereinigten&#13;
Staaten viel eher darüber nach, was sie mit Europa&#13;
könnte, hat schon einige vormals kommunistische&#13;
Staaten dazu veranlaßt, interne Reformen zu tun können - und es handelt sich dabei um ein Europa,&#13;
daß wie die Vereinigten Staaten globale Interessen&#13;
beschleunigen und ihre Beziehungen untereinander&#13;
hat, von denen viele am besten gemeinsam mit den&#13;
zu verbessern. Um einige Beispiele zu nennen:&#13;
Polen und Lithauen, Ungarn und Rumänien, die Vereinigten Staaten verfolgt werden können.&#13;
Slowakei und die Tschechische Republik und vor&#13;
kurzem Bulgarien und Mazedonien. Die NATO hat&#13;
Nur einige Beispiele:&#13;
Gemeinsam lindern die&#13;
also anders ausgedrückt dazu beigetragen, das Vereinigten Staaten und die Europäische Union die&#13;
Konzept&#13;
Zentraleuropa&#13;
wieder&#13;
in&#13;
unseren Armut und versuchen den Gedanken der&#13;
Nichtverbreitung in Südasien zu fördern, gemeinsam&#13;
Sprachgebrauch einzuführen - und sie war dabei&#13;
entwickeln wir ein weltweites Frühwarnsystem gegen&#13;
behilflich, diese Region in das Zentrum Europas&#13;
ansteckende Krankheiten, bekämpfen den Hunger auf&#13;
zurückzubringen, was für viele hier Lebende die&#13;
der Welt und gehen gegen Verbrecher, Terroristen&#13;
Einbeziehung in den Einflußbereich der EU bedeutet.&#13;
und Drogenhändler vor, wo auch immer sie sein&#13;
mögen.&#13;
Ich würde sogar behaupten, daß es eine direkte,&#13;
zufällige und gewollte Verbindung zwischen der&#13;
NATO-Erweiterung und der Erweiterung der EU gibt.&#13;
Was bedeutet das alles für die NATO? Lassen Sie&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�mich zunächst einmal feststellen, was es nicht&#13;
bedeutet. Es bedeutet nicht, daß es im Keller des&#13;
Weißen Hauses, des Außenministeriums oder des&#13;
Pentagon irgendwo einen Entwurf für eine "globale&#13;
NATO" gibt. Ich verbringe viel Zeit dort, und ich&#13;
versichere Ihnen, einen solchen Plan gibt es nicht.&#13;
[Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs] Hugh&#13;
Shelton äußerte sich zu diesem Punkt ebenso&#13;
kategorisch.&#13;
Was jedoch bleibt, ist die&#13;
unausweichliche&#13;
Realität&#13;
unserer zunehmend&#13;
interdependenten Welt, in der wir einem vielfältigeren&#13;
und umfassenderen Spektrum von Bedrohungen&#13;
unserer Sicherheit gegenüberstehen als vor 50&#13;
Jahren. Um nur zwei zu nennen: Die Verbreitung von&#13;
Massenvernichtungswaffen und die Geißel des&#13;
Terrorismus. Sie lassen sich nicht einfach in die&#13;
Sichtweise der Bedrohungen einfügen, die durch alte&#13;
Schlagworte wie "Die freie Welt" und "Der Eiserne&#13;
Vorhang"&#13;
hervorgerufen&#13;
wird oder durch alte&#13;
geographische Vereinfachungen, die überkommene&#13;
geopolitische andeuteten, wie "Osten gegen Westen".&#13;
Was bedeutet es also, von der "Verteidigung&#13;
gemeinsamer&#13;
Werte&#13;
und&#13;
Interessen"&#13;
als&#13;
grundlegender Aufgabe der NATO zu sprechen? Es&#13;
bedeutet, wir müssen sicherstellen, daß wir die Kräfte,&#13;
Doktrinen und Kommunikationsmöglichkeiten haben,&#13;
um falls erforderlich die Herausforderungen durch&#13;
ethnische und regionale Konflikte bewältigen zu&#13;
können, die unsere Sicherheit direkt betreffen, aber&#13;
außerhalb des NATO-Gebiets entstehen. Das taten&#13;
und tun wir auf dem Balkan, wo unser bisheriges&#13;
Versagen nicht durch übermäßigen Ehrgeiz begründet&#13;
ist, sondern, wenn überhaupt, durch das Gegenteil.&#13;
Ebenso handelt es sich um reine Vorsicht und&#13;
gesunden Menschenverstand - nicht eine Art globaler&#13;
Hybris&#13;
- vorzuschlagen, daß ein wirklich&#13;
modernisiertes Bündnis in der Lage sein sollte, die&#13;
durch die Verbreitung von ballistischen Raketen und&#13;
Massenvernichtungswaffen&#13;
entstehenden&#13;
allzu&#13;
modernen Herausforderungen zu meistern. Wir&#13;
müssen bessere, wirkungsvollere und zeitgemäßere&#13;
Wege des&#13;
Informationsaustauschs&#13;
und der&#13;
Bewertungen finden, so daß unsere Truppen vor&#13;
einem Feind mit atomaren, chemischen und&#13;
biologischen Waffen ausreichend geschützt sind, und&#13;
wir müssen unsere Fähigkeit verbessern, mit den&#13;
Folgen eines Angriffs auf unsere Zivilbevölkerung mit&#13;
Massenvernichtungswaffen umzugehen.&#13;
Ich möchte es ganz deutlich machen: Ich sage nicht,&#13;
daß es keine Grenzen gibt für das, was die NATO tun&#13;
kann und sollte. Natürlich gibt es die. Bei der NATO&#13;
handelt es sich um eine auf Konsens basierende&#13;
Organisation, die ihre gemeinsamen Interessen&#13;
dementsprechend&#13;
definiert&#13;
durch&#13;
die&#13;
Übereinstimmung ihrer Mitglieder. Wir würden als&#13;
Bündnis nirgendwohin gehen, wenn dies nicht im&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Interesse aller unserer Mitglieder wäre.&#13;
Kein&#13;
Bündnispartner kann einen anderen dazu zwingen,&#13;
einer NATO-Aktion zuzustimmen. Gemäß Artikel IV&#13;
des Washingtoner Vertrags beraten sich die NATO Mitglieder im Fall einer Sicherheitsbedrohung und&#13;
entscheiden gemeinsam über die angemessene&#13;
Reaktion.&#13;
Wir schlagen auch nicht vor, daß die NATO im&#13;
Alleingang handelt, ohne die Vereinten Nationen oder&#13;
die OSZE [Organisation für Sicherheit und&#13;
Zusammenarbeit in Europa] - oder anmaßend der UN&#13;
oder der OSZE die Stirn bietend. Alle NATOBündnispartner sind Mitglieder dieser beiden&#13;
Organisationen. Wir sind der Ansicht, daß die&#13;
Einsätze und Aufgaben der NATO immer mit der&#13;
Charta der Vereinten Nationen und der Schlußakte&#13;
von Helsinki übereinstimmen müssen. Gleichzeitig&#13;
müssen wir darauf achten, die NATO keinem anderen&#13;
internationalen Gremium unterzuordnen oder die&#13;
Integrität ihrer Befehlsstruktur aufs Spiel zu setzen.&#13;
&#13;
Wir werden uns bemühen, Hand in Hand mit anderen&#13;
Organisationen und unter Respektierung ihrer&#13;
Prinzipien und Zielsetzungen zu arbeiten. Aber das&#13;
Bündnis muß sich das Recht und die Freiheit&#13;
bewahren zu handeln, wenn es seine 19 Mitglieder im&#13;
Konsens für erforderlich erachten. Das heißt zunächst&#13;
einmal, unsere Fähigkeit zu erhalten, mit der&#13;
grundlegendsten in Artikel V des Washingtoner&#13;
Vertrags vorhergesehenen Eventualität fertig zu&#13;
werden: Dem Angriff auf einen Mitgliedstaat. Die&#13;
NATO muß ihre Fähigkeit zur Abschreckung und falls&#13;
erforderlich zum Sieg über das bewahren, was man&#13;
klassische Aggression nennen könnte. Auch wenn&#13;
eine solche Bedrohung heute nicht existiert, bleiben&#13;
doch zwei Tatsachen bestehen: Erstens könnte sie in&#13;
der Zukunft entstehen, aber zweitens ist dies&#13;
unwahrscheinlicher, wenn die NATO gerüstet und&#13;
einsatzbereit bleibt. Gleichzeitig müssen wir als&#13;
Bündnis besser in der Lage sein, Herausforderungen&#13;
zu bewältigen, die nicht unter Artikel V fallen und die&#13;
sehr viel wahrscheinlicher auf uns zukommen werden&#13;
- die von mir vorhin erwähnten: Ethnische und&#13;
regionale Konflikte, Massenvernichtungswaffen und&#13;
die Verbreitung von Raketen.&#13;
Um die Flexibilität und damit den Nutzen des&#13;
Bündnisses zu steigern, haben Großbritannien,&#13;
Frankreich und andere das Konzept einer&#13;
Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität&#13;
(ESVI) weiterentwickelt. Ich möchte mich hier so&#13;
deutlich wie möglich für meine Regierung äußern und&#13;
spreche erneut mit General Shelton: Wir sind für die&#13;
ESVI. Wir wünschen uns innerhalb des Bündnisses&#13;
die Fähigkeit der europäischen Bündnispartner,&#13;
Probleme anzusprechen und zu lösen, ohne immer&#13;
auf die Kampfbeteiligung der Vereinigten Staaten&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�zurückgreifen zu müssen.&#13;
Interesse.&#13;
&#13;
Das liegt in unser aller&#13;
&#13;
Wir gratulieren Premierminister Blair für seinen&#13;
Weitblick und seine Führungsrolle bei diesem Thema,&#13;
wie bei so vielen anderen auch. Er hielt in seiner&#13;
Rede am Montag vor dieser Konferenz ein&#13;
hervorragendes Plädoyer für die für eine erfolgreiche&#13;
ESVI erforderlichen Fähigkeiten und anderen&#13;
Arrangements. Aber wie bei jedem Gesichtspunkt der&#13;
Modernisierung und Anpassung der NATO bringt auch&#13;
diese spezielle Innovation, die ESVI, Risiken und&#13;
Kosten mit sich; und sie birgt die Verpflichtung für das&#13;
höchstmögliche&#13;
Maß&#13;
an&#13;
Transparenz&#13;
und&#13;
Konsultationen.&#13;
&#13;
Wenn die ESVI falsch aufgefaßt, falsch verstanden&#13;
oder falsch gehandhabt wird, könnte der Eindruck&#13;
entstehen - der schließlich Wrklichkeit werden könnte&#13;
- daß ein neues Bündnis nur für Europa aus dem&#13;
alten, transatlantischen geboren wird. Wenn das&#13;
geschähe, würde es die von mir zu Beginn erwähnten&#13;
Bande, die unsere Sicherheit mit der Ihren&#13;
verknüpfen, schwächen, vielleicht sogar lösen.&#13;
Auf unserer Seite des Atlantiks haben wir eine&#13;
weiteres Anliegen: Es ist entscheidend, daß die ESVI&#13;
keine Form annimmt, die Bündnispartner, die nicht&#13;
Mitglied der EU sind, benachteiligen würde. Zu dieser&#13;
Kategorie gehören heute fünf Mitgliedstaaten und&#13;
übermorgen wird es drei weitere geben. Von diesen&#13;
acht nicht zur EU gehörenden Bündnispartnern sind&#13;
sechs europäische, die daher per definitionem vom&#13;
"E" in ESVI abgedeckt werden und deshalb einen&#13;
direkten, eigenen Einsatz in diesem Unterfangen als&#13;
Ganzes haben, an dem sie teilnehmen. Indem ich&#13;
diese beiden potentiellen Fallstricke der ESVI&#13;
aufzeige, möchte ich nicht behaupten, sie seien&#13;
unvermeidbar oder die Idee der ESVI selbst sei&#13;
fehlerhaft und zum Scheitern verurteilt. Ganz und gar&#13;
nicht.&#13;
Die Außenminister des Bündnisses einigten sich&#13;
während der Sitzung des Nordatlantischen Rats im&#13;
Juni 1996 in Berlin auf einige Grundlagen und&#13;
Mindestbedingungen, die, sofern wir sie einhalten, die&#13;
ESVI auf dem richtigen Weg halten werden. Wir&#13;
haben bereits einen Großteil der Arbeit, zur&#13;
Umsetzung der Berliner Prinzipien in konkrete&#13;
organisatorische und operationelle Formen, geleistet.&#13;
Aber der Teufel steckt im Detail - bei den&#13;
Entscheid ungsfindungsverfahren,&#13;
den&#13;
Befehlsstrukturen, den Arrangements für das Teilen&#13;
der Aktiva und der Planungsfähigkeiten. Diese Arbeit&#13;
wird&#13;
bis&#13;
zum&#13;
Washingtoner&#13;
Gipfel&#13;
nicht&#13;
abgeschlossen sein. Allerdings kann das Treffen im&#13;
April durch seinen Umgang mit der ESVI einen&#13;
zusätzlichen Anstoß für die Weiterentwicklung einer&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
gemeinsamen&#13;
europäischen&#13;
Außenund&#13;
Sicherheitspolitik bei den beiden kommenden&#13;
wichtigen Veranstaltungen geben - die WEU- und EUGipfel im Mai und im Juni. Mit anderen Worten, wir&#13;
hoffen beim Rückblick auf die Kalender der Jahre&#13;
1996 bis 1999 auch eine Karte mit einem klar&#13;
eingezeichneten, hell erleuchteten Weg geradewegs&#13;
von Berlin über St. Malo, Washington und Bremen&#13;
nach Köln erkennen zu können.&#13;
Ich möchte auf eine weitere Herausforderung zu&#13;
sprechen kommen:&#13;
Die Entschlossenheit des&#13;
Bündnisses, starke Partnerschaften mit allen Staaten&#13;
der&#13;
euroatlantischen&#13;
Region&#13;
aufzubauen,&#13;
insbesondere auch mit den Staaten, die bis zu Beginn&#13;
dieses Jahrzehnts noch unsere Gegner waren. Ich&#13;
beginne mit der Russischen Föderation. Für die&#13;
Russen - einschließlich vieler, die die Entwicklung&#13;
ihres Landes in die, wie wir alle meinen, richtige&#13;
Richtung unterstützen - ist die NATO von&#13;
entscheidender Bedeutung.&#13;
Das breite Spektrum intensiver Ablehnung der NATOErweiterung ist nicht verschwunden, besonders&#13;
angesichts der Entschlossenheit des Bündnisses,&#13;
seinen Wllen zu kontinuierlicher Erweiterung beim&#13;
Washingtoner Gipfel erneut zu bekräftigen. Wir - das&#13;
Bündnis und Rußland - werden weiterhin tiefgreifende&#13;
Meinungsverschiedenheiten bewältigen müssen.&#13;
Bisher ist uns das gelungen.&#13;
Rußland seinerseits - und das ist ein großer Verdienst&#13;
- kooperiert weiterhin mit der NATO im Namen der&#13;
Prinzipien und Ziele, bei denen wir uns einig sind,&#13;
während wir uns unsererseits verpflichten, dem neuen&#13;
Rußland dabei behilflich zu sein, sich vollständiger in&#13;
das neue Europa zu integrieren, insbesondere in den&#13;
Sicherheitsbereich, in dem die neue NATO eine&#13;
Schlüsselrolle spielt. Das ist keine Theorie, es&#13;
geschieht bereits.&#13;
Rußland ist eine von 19 ehemaligen sowjetischen&#13;
Republiken und eines der Mitglieder des ehemaligen&#13;
Warschauer Pakts, die jetzt zum Euroatlantischen&#13;
Partnerschaftsrat gehören.&#13;
General Zlinko, der&#13;
Stellvertretende Vorsitzende der Hauptabteilung für&#13;
Internationale Militärische Zusammenarbeit der&#13;
Russischen Föderation, wird einer der Teilnehmer der&#13;
SHAPE-Konferenz über die NATO im 21. Jahrhundert&#13;
sein, an der viele von uns in den nächsten beiden&#13;
Tagen in Mons teilnehmen werden.&#13;
Noch&#13;
aussagekräftiger:&#13;
Einige Hundert seinem Befehl&#13;
unterstehende Soldaten dienen Seite an Seite mit&#13;
Bündnispartnern im ehemaligen Jugoslawien.&#13;
Diese Zusammenarbeit geschieht nicht lediglich ad&#13;
hoc: Rußland hat seine Zusammenarbeit mit der&#13;
NATO institutionalisiert - durch den Ständigen&#13;
Gemeinsamen NATO-Rußland-Rat.&#13;
Gleichzeitig&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�arbeitet Rußland intensiv mit 29 anderen Ländern an&#13;
der Reduzierung des Ausmaßes militärischer&#13;
Ausrüstung in Europa als Teil eines angepaßten KSEVertrags.&#13;
&#13;
einen Schatten auf den Washingtoner Gipfel, sondern&#13;
- was viel wichtiger ist - auch auf die Fähigkeit der&#13;
Bündnispartner, die Ziele zu erreichen, die sie sich&#13;
selbst während des Gipfels stecken werden.&#13;
&#13;
Die Ukraine ist ein weiteres wichtiges Mitglied des&#13;
Euroatlantischen Partnerschaftsrats und hat durch die&#13;
NATO-Ukraine-Kommission ihre eigene, spezifische&#13;
Partnerschaft mit der NATO entwickelt. Die Ukraine&#13;
war kürzlich Gastgeberland für zwei erfolgreiche&#13;
gemeinsame internationale Militärübungen.&#13;
Im&#13;
Frühjahr dieses Jahres wird in Kiew ein NATOVerbindungsbüro eröffnet; der erste NATO-Ukraine&#13;
Gipfel wird im April in Washington stattfinden, und die&#13;
Ukraine hat die ehemalige sowjetische Basis Yavoriv,&#13;
ein modernes militärisches Ausbildungs- und&#13;
Übungszentrum, zur Nutzung im Rahmen der&#13;
Partnerschaft für den Frieden angeboten.&#13;
&#13;
Ende April könnten wir über die Feinheiten eines&#13;
neuen Strategischen Konzepts diskutieren, während&#13;
Europa sich vor eine neue humanitäre Katastrophe&#13;
gestellt sieht, eine neue Flüchtlingswelle und den&#13;
vierten Balkankrieg in diesem Jahrhundert. Aber auch&#13;
das Gegenteil stimmt:&#13;
Wenn die nächste&#13;
diplomatische Runde erfolgreich endet, könnte das&#13;
Kosovo die ehrgeizigsten Aspekte der Gipfelagenda&#13;
rechtfertigen, einschließlich der Behauptung, die&#13;
NATO sei eine der Institutionen, die fähig sind, die&#13;
Herausforderung&#13;
des&#13;
konzertierten&#13;
Handelns&#13;
anzunehmen und ihre Energien und Ressourcen auf&#13;
eine klar vorhandene Gefahr für den Frieden auf dem&#13;
europäischen Kontinent und der euroatlantischen&#13;
Gemeinschaft zu konzentrieren.&#13;
&#13;
Die Partnerschaft für den Frieden ist eine einzigartige&#13;
und vielversprechende Einrichtung und sicherlich&#13;
eines der erfolgreicheren Programme in der&#13;
Geschichte des Bündnisses.&#13;
Sie hat eine&#13;
wirkungsvolle Rolle beim Abbau der durch den Kalten&#13;
Krieg entstandenen Barrieren gespielt - einschließlich&#13;
dieser verräterischen Überreste des Eisernen&#13;
Vorhangs und der Berliner Mauer, die noch in den&#13;
Köpfen der Menschen auf beiden Seiten dieser alten&#13;
Trennlinien existieren. Deshalb, meine Damen und&#13;
Herren, gibt es Grund, stolz auf das Vermächtnis der&#13;
NATO zu sein und Grund zu Optimismus bezüglich&#13;
ihre Zukunft.&#13;
Aber ich muß meine Rede mit einer Mahnung zur&#13;
Vorsicht beenden.&#13;
Strukturen und Institutionen,&#13;
Innovationen&#13;
und Anpassungen,&#13;
strategische&#13;
Konzepte und Visionen - das alles ist wichtig für den&#13;
Beweis, daß die NATO in einer neuen Zeit noch&#13;
relevant ist und deshalb auch die Unterstützung&#13;
unserer Bürger und Parlamente verdient.&#13;
Aber&#13;
obwohl das notwendig ist, reicht es nicht aus.&#13;
Zusätzlich zur theoretischen Rechtfertigung ihrer&#13;
Existenz, muß sich die NATO ihre Sporen in der&#13;
Praxis verdienen. Sie muß die existentielle Frage die Frage, warum sie weiterbesteht - dadurch&#13;
beantworten, wie sie mit den harten, häßlichen,&#13;
gefährlichen und verblüffenden Realitäten des Hier&#13;
und Jetzt umgeht.&#13;
An diesem Maßstab gemessen, kann die NATO auf&#13;
ihre Arbeit in Bosnien stolz sein. Aber obwohl ihre&#13;
Arbeit dort noch lange nicht abgeschlossen ist - wie&#13;
uns diese Woche in Erinnerung gerufen wurde - sieht&#13;
sich die NATO nun einer weiteren hinterhältigen und&#13;
dringlichen Bedrohung des Friedens in Europa im&#13;
Kosovo gegenüber. In fünf Tagen, am 15. März,&#13;
treffen sich die Kontaktgruppe und die Konfliktparteien&#13;
erneut in Frankreich. Wenn die Gespräche und das&#13;
darauf Folgende schlecht verlaufen, wirft das nicht nur&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Wir haben diesen Prozeß gemeinsamer institutioneller&#13;
Aktionen in Bosnien begonnen und im Kosovo darauf&#13;
aufgebaut.&#13;
Bisher haben wir trotz aller&#13;
Schwierigkeiten&#13;
eine&#13;
beispiellose&#13;
und&#13;
vielversprechende&#13;
Entwicklung&#13;
von&#13;
Synergie&#13;
zwischen sechs Institutionen - der NATO, der EU, der&#13;
OSZE, den Vereinten Nationen, der Kontaktgruppe&#13;
und&#13;
dem&#13;
Ständigen&#13;
Gemeinsamen&#13;
NATO-Rußland-Rat&#13;
beobachtet.&#13;
Diese&#13;
unterschiedlichen, sich jedoch überschneidenden&#13;
Organisationen haben ihre Kräfte im Namen einer&#13;
drängenden gemeinsamen Sache vereint angewandt:&#13;
•&#13;
&#13;
Die Vereinten Nationen haben der Sache&#13;
durch Resolutionen des Sicherheitsrats&#13;
gemeinsam&#13;
mit&#13;
dem&#13;
Hohen&#13;
Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen&#13;
und dem Internationalen Tribunal für&#13;
Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien&#13;
ihre politische und moralische Autorität&#13;
verliehen;&#13;
&#13;
•&#13;
&#13;
die&#13;
OSZE&#13;
ist&#13;
durch&#13;
ihre&#13;
Verifikationsmissionen vor Ort im Kosovo&#13;
präsent, um die Parteien davon abzuhalten,&#13;
sich gegenseitig anzugreifen;&#13;
&#13;
•&#13;
&#13;
die EU war ständig und tiefgreifend involviert,&#13;
besonders durch die guten Dienste und die&#13;
staatsmännische Führung ihres Gesandten,&#13;
Botschafter Petritsch, der eng mit Boris&#13;
Majorskiy der Russischen Föderation und&#13;
Chris Hill aus den Vereinigten Staaten&#13;
zusammenarbeitet;&#13;
&#13;
•&#13;
&#13;
der&#13;
Ständige&#13;
Gemeinsame&#13;
NATO-Rußland-Rat hat seit Frühjahr 1998&#13;
mindestens einmal im Monat über das&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�•&#13;
&#13;
Kosovo diskutiert und wird dies am&#13;
17. März erneut tun - im Übrigen das&#13;
erste Treffen im Rahmen 19+1 (daß&#13;
heißt unter Teilnahme der neuen&#13;
Bündnispartner);&#13;
&#13;
spielen, was so oft den Ausschlag gibt zwischen&#13;
einem diplomatischen Durchbruch und einem&#13;
diplomatischen Zusammenbruch. Im Übrigen ist es an&#13;
der NATO, das nötige Vertrauen und die Sicherheit für&#13;
die Verankerung einer politischen Lösung zu finden.&#13;
&#13;
und nicht zuletzt - tatsächlich entscheidend&#13;
und unerläßlich - war die NATO im Luftgebiet&#13;
über dem Kosovo, am Boden nicht weit&#13;
entfernt in Mazedonien und zur See in der&#13;
Adria.&#13;
&#13;
Kosovo ist in anderen Worten eine Bewährungsprobe&#13;
für die Alliierten und die Partner - eine Chance für&#13;
Nordamerikaner, Westeuropäer, Mitteleuropäer und&#13;
Osteuropäer, in der Praxis und in Echtzeit zu&#13;
beweisen, daß wir wirklich gemeinsame Interessen&#13;
haben und fähig sind, sie zu verteidigen.&#13;
&#13;
Mit anderen Worten, die NATO ließ die Muskeln&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�CAVALESE&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
USA übernehmen Verantwortung&#13;
Erklärung des Verteidigungsministers&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Verteidigungsminister William Cohen&#13;
vom 10. März 1999 zum Seilbahnunglück in Cavalese im Jahr 1998.&#13;
&#13;
Über die jüngste Aussage von Hauptmann Richard&#13;
Ashby bezüglich der Ursache oder Ursachen der&#13;
Tragödie von Cavalese in Italien, bei der 20 Menschen&#13;
ums Leben kamen, wird in den Medien ausführlich&#13;
berichtet. Hauptmann Ashby hat nur für sich selbst&#13;
gesprochen. Er spricht nicht im Namen des Verteidigungsministeriums oder der US-Marinekorps.&#13;
Präsident Clinton hat am Freitag vergangener Woche&#13;
eindeutig erklärt, "die Vereinigten Staaten sind verantwortlich für diese schreckliche Tragödie".&#13;
Die Vereinigten Staaten arbeiten gewissenhaft und eng&#13;
mit der italienischen Regierung zusammen, um die&#13;
unverzügliche und gerechte Entschädigung der&#13;
Hinterbliebenen der Opfer sicherzustellen. Darüber&#13;
hinaus habe ich heute Admiral Joseph W. Prueher,&#13;
den ehemaligen Oberbefehlshaber des U.S. Pacific&#13;
&#13;
Command, mit der Leitung der von Präsident Clinton&#13;
und Ministerpräsident D'Alema angeordneten Überprüfung der Betriebs- und Sicherheitsmaßnahmen&#13;
beauftragt, die nach dem Zwischenfall getroffen&#13;
wurden. Admiral Prueher wird mit den zuständigen&#13;
italienischen Militärs zusammenarbeiten.&#13;
Präsident Clinton und ich haben dem italienischen Volk&#13;
gegenüber viele Male unser großes Bedauern und&#13;
unsere tief empfundene Trauer zum Ausdruck gebracht. Alle Amerikaner teilen das Leid der Familien,&#13;
die bei dieser Tragödie geliebte Menschen verloren&#13;
haben. Das Verteidigungsministerium wird bei der&#13;
Bewältigung der durch dieses schreckliche Ereignis&#13;
hervorgerufenen Probleme weiterhin mit seinen&#13;
starken Partnern und guten Freunden in Italien&#13;
zusammenarbeiten.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�USA-EUROPA&#13;
&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
Transatlantische Zusammenarbeit&#13;
bei der Konfliktlösung&#13;
Rede von Botschafter Kornblum&#13;
&#13;
KOPENHAGEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Botschafters der Vereinigten Staaten von&#13;
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, bei der Konferenz über "Menschenrechte und&#13;
Konfliktlösung - Eine Agenda für das 21. Jahrhundert" in Kopenhagen vom 1. März 1999.&#13;
&#13;
Am Vorabend des 10. Jahrestages des Falls der&#13;
Berliner Mauer sieht sich der Westen mit einer&#13;
Herausforderung konfrontiert, mit der man in jenen&#13;
euphorischen Tagen des Jahres 1989 nie gerechnet&#13;
hätte. Das Verschwinden der Ost-West-Konfrontation&#13;
hat viele Vorteile gebracht.&#13;
Europa ist wirklich&#13;
ungeteilt und im Großen und Ganzen frei. Aber als&#13;
die Zwänge der nuklearen Konfrontation wegfielen,&#13;
taten das auch die Beschränkungen von Konflikten.&#13;
Ironischerweise scheint der Kalte Krieg die gesamte&#13;
Welt in eine Art Nichtverbreitungsvertrag für lokale&#13;
Konflikte eingezwängt zu haben.&#13;
Meinungsverschiedenheiten, von denen man einst dachte, sie&#13;
seien in die Geschichte verbannt worden, sind wieder&#13;
gewaltsam ausgebrochen.&#13;
Offensichtlich erduldete die Welt zwischen 1945 und&#13;
1989 viele Kriege und Konfrontationen. Aber es&#13;
waren für gewöhnlich politische oder militärische&#13;
Konflikte, die sich aus einer geopolitischen Dysfunktion wie im Nahen Osten oder in Vietnam ergaben. Manchmal wurzelten sie im Zusammenbruch&#13;
des Kolonialismus. Oder sie waren bloß Stellvertreteraggressionen, die sich aus der umfassenderen&#13;
Ost-West-Konfrontation ergaben. Auf rein lokalen&#13;
oder kulturellen Meinungsverschiedenheiten gründende Kämpfe waren sehr viel weniger verbreitet.&#13;
Seit 1989 ist das Gegenteil der Fall. Stellvertreterkriege sind buchstäblich verschwunden. An ihre&#13;
Stelle ist eine Vielzahl von begrenzteren Disputen&#13;
getreten, die häufig so lokal sind und so obskure&#13;
Ursachen haben, daß eine Definition unmöglich ist.&#13;
Die Themen, um die es geht, lassen manchmal eine&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Lösung mit normalen Methoden der Diplomatie oder&#13;
sogar dem Einsatz von militärischer Gewalt nicht zu.&#13;
Lösungen sind gewöhnlich kurzlebig oder kompliziert&#13;
anzuwenden.&#13;
Ich denke, man kann mit ziemlicher Sicherheit sagen,&#13;
daß kein anderes Thema in der Welt nach dem Kalten&#13;
Krieg mehr Probleme aufgeworfen hat als diese&#13;
Verbreitung lokaler Konflikte. Ressourcen und die&#13;
Glaubwürdigkeit von Regierungen und internationalen&#13;
Organisationen wurden oft vor die Zerreißprobe&#13;
gestellt. In mehreren Teilen der Welt gab es unzählige Tote und Leid. Die Weltöffentlichkeit ist zunehmend verwirrt über die Friedens- und Entwicklungsstrategien. Wir riskieren ein Ermüdungsgefühl in den&#13;
Parlamenten und der Öffentlichkeit. Es herrschen&#13;
sogar ernsthafte Zweifel an den Chancen für demokratische Entwicklung in einer Reihe von Regionen,&#13;
darunter Teilen Europas.&#13;
Regionale Konflikte stellen die Demokratien der&#13;
euroatlantischen Welt vor besondere politische und&#13;
philosophische Herausforderungen. Das anbrechende neue Jahrhundert beendet eine der verwirrendsten&#13;
Perioden der Menschheitsgeschichte. Im 20. Jahrhundert wurden große Errungenschaften in Wssenschaft und Wirtschaft begleitet von den schrecklichsten Beispielen menschlicher Grausamkeit. Der Sieg&#13;
im Kalten Krieg beendete über 70 Jahre europäischen&#13;
Bürgerkrieg. Die nach 1945 entstände atlantische&#13;
Gemeinschaft war gleichermaßen die Grundlage und&#13;
das Symbol für die Botschaft der Demokratie, die&#13;
diese großartige Leistung ermöglichte.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Die Ereignisse im Zusammenhang mit dem andauernden Konflikt auf dem Balkan unterstreichen die&#13;
Gefahr der Lage. Die atlantischen Nationen sind die&#13;
Hüter des demokratischen Ideals. Aber wir sind auch&#13;
die einzige Macht der Welt, die dieses Ideal mit Taten&#13;
untermauern kann. Unsere Regierungen, unsere&#13;
Gesellschaften und unsere Volkswirtschaften leben&#13;
die Demokratie täglich. Wir sind der Überzeugung,&#13;
daß unsere Lösungen auch für andere am besten&#13;
sind. Wenn es uns jedoch nicht gelingt, die Grundlagen für Freiheit im übrigen Europa und in anderen&#13;
Teilen der Welt zu schaffen, werden unsere Vorgaben&#13;
bald inhaltsleer sein. Wenn sich unsere Interessen in&#13;
einem Nebel interner Debatten verlieren, könnte&#13;
unsere Einheit auf die Probe gestellt werden.&#13;
Der Konflikt in Bosnien hat uns gelehrt, daß kein Land,&#13;
einschließlich der Vereinigten Staaten, gegen diese&#13;
Herausforderungen immun ist. Die Frustrationen in&#13;
Bosnien lehrten die Europäer, daß ihre Einheit der&#13;
Probe externer Konflikte noch nicht standhalten&#13;
konnte. Wr alle haben gelernt, daß unsere Sicherheit&#13;
unteilbar ist. Wir haben auch gelernt, daß unsere&#13;
Methoden und Ressourcen unseren Anforderungen&#13;
nicht gerecht werden.&#13;
Eine der größten Herausforderungen stellen sich&#13;
unsere Konzepte zu Menschenrechten und der Rolle&#13;
demokratischer Werte in den Beziehungen zwischen&#13;
Nationen und Völkern. Unsere gemeinsamen Bemühungen um Menschenrechte in Europa haben direkt&#13;
zum Zusammenbruch des Kommunismus beigetragen. Aber wir hatten Schwierigkeiten, die gleichen&#13;
Maßstäbe auf so unterschiedliche Situationen wie die&#13;
auf dem Balkan, in Tschetschenien oder Ruanda&#13;
anzuwenden.&#13;
&#13;
Zielrichtung, die militärische Stärke und die Führungserfahrung, die für die Bewältigung der Sicherheitsherausforderungen auf der Welt erforderlich sind.&#13;
Aber auch dieses Konzept ist irreführend. Die Vereinigten Staaten möchten nicht zum Branddirektor und&#13;
Polizeichef der Welt ernannt werden. Unser Volk war&#13;
bereit, massive Maßnahmen gegen eine klare sowjetische Bedrohung zu unterstützen. Aber wir sind keine&#13;
Nation mit imperialer Vergangenheit. Die Bewahrung&#13;
des komplexen Mächtegleichgewichts zwischen&#13;
kriegführenden Gruppen ist nicht unsere Stärke. Um&#13;
unsere Macht erfolgreich zu nutzen, benötigen wir&#13;
Ziele und Partner. Macht allein ist nicht die Antwort.&#13;
Dahinter muß ein Gefühl für die Zielrichtung und eine&#13;
Gemeinschaft stehen.&#13;
Ich möchte argumentieren, daß die Probleme für&#13;
Europa noch drängender sind. Das Ende des Kalten&#13;
Krieges hat Europa vor die Herausforderung gestellt&#13;
zu handeln. Solange Europa geteilt war, funktionierte&#13;
der Westen auf der Basis eines impliziten Handels.&#13;
Amerika bot die Grundlage für eine atlantische&#13;
Gemeinschaft, indem es Ressourcen und generelle&#13;
Sicherheit beitrug. Europa verlieh dieser Gemeinschaft durch den Wederaufbau demokratischer&#13;
Gesellschaften und die Vertiefung der internen&#13;
Integration Substanz.&#13;
Jetzt herrscht ein neues Paradigma vor. Die von den&#13;
Vereinigten Staaten unterstützte externe Sicherheitsglocke ist für die Herausforderungen nicht mehr&#13;
relevant, die wir heute erörtern. Und interne Stabilität&#13;
und Integration innerhalb Europas reichen als europäischer Beitrag zu unseren gemeinsamen Bestrebungen&#13;
nicht länger aus.&#13;
&#13;
Wie bringen wir unsere Ideale mit komplexen lokalen&#13;
Konflikten oder den humanitären Konsequenzen von&#13;
Krieg und Konfrontation in Einklang? Welche Rolle&#13;
kommt nationaler Souveränität oder militärischer&#13;
Sicherheit zu, wenn nationale Grenzen nicht länger&#13;
der definierende Rahmen für Meinungsverschiedenheiten sind? Wie legitim ist die Verteidigung nationaler Kultur oder Religion als Grund für Militäraktionen? Wie gehen wir mit diplomatischen Strukturen und Rechtsprinzipien angesichts bevorstehender&#13;
humanitärer Katastrophen um? Und vielleicht am&#13;
wichtigsten ist, was kann man mit Staatschefs wie&#13;
Saddam Hussein oder Slobodan Milosevic tun, die&#13;
einfach nicht die Regeln des internationalen humanitären Rechts befolgen wollen?&#13;
&#13;
Mit anderen Worten: Europa muß nach außen&#13;
blicken. Die hart erkämpfte Einheit wird vor allem&#13;
durch Europas Erfolg bei der Bewältigung der von mir&#13;
beschriebenen Herausforderungen auf die Probe&#13;
gestellt. Und wenn Europa den Test nicht besteht,&#13;
wird auch die atlantische Gemeinschaft Schaden&#13;
nehmen.&#13;
&#13;
Diese Fragen stellen sich uns allen. Aber sie haben&#13;
andere Implikationen für die Vereinigten Staaten als&#13;
für unsere europäischen Verbündeten. W r werden&#13;
regelmäßig mit der Behauptung konfrontiert, Amerika&#13;
sei die letzte verbliebene Supermacht.&#13;
Das ist&#13;
teilweise richtig. Nur wir haben die einheitliche&#13;
&#13;
Ich gehe davon aus, daß unsere Fähigkeit zu Vision&#13;
und zur Vorgabe einer Zielrichtung gemeinsam die&#13;
Feuerprobe für unseren künftigen Erfolg sein werden.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Das ist nicht noch ein Aufruf an Europa, mit sich selbst&#13;
ins Reine zu kommen. Ich habe selbst mit zu vielen&#13;
dieser Probleme gekämpft, um davon auszugehen,&#13;
daß es eine leichte Antwort gibt. Noch so viele&#13;
Ausschüsse oder Verträge werden es nicht schaffen.&#13;
Und genausowenig wäre ein neuer "Hoher Repräsentant für die GASP" eine einfache Lösung.&#13;
&#13;
Ein Europa, das seine Ziele und Werte - und&#13;
seine Einheit - nicht auf diese Herausforde-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�rung anwenden kann, wird es schwer haben,&#13;
die vielen anderen Herausforderungen zu&#13;
meistern.&#13;
Ein Amerika, das vor seiner Führungsrolle bei&#13;
der Schaffung von Einheit unter Demokratien&#13;
zurückschreckt, wird seine Macht geschmälert&#13;
finden. Das Ergebnis wird Frustration und&#13;
Ungeduld angesichts immer geringerer Ordnung auf der Welt sein.&#13;
Wenn die aufstrebenden Demokratien in&#13;
Zentral- und Osteuropa nicht so schnell und&#13;
reibungslos wie möglich in dieses Wertesystem integriert werden, werden die Gefahren solcher Konflikte in Europa wahrscheinlich zunehmen. Damit meine ich nicht die&#13;
unverzügliche Mitgliedschaft in der NATO&#13;
oder der EU. Aber eine Strategie der Ziele&#13;
und Werte ist unerläßlich.&#13;
Das ist meine Version des Hintergrunds der wichtigen&#13;
Diskussionen, die Sie heute hier führen werden. Ich&#13;
beglückwünsche das Zentrum für Menschenrechte&#13;
und das US-Informationsamt Kopenhagen zu ihrer&#13;
Initiative bei der Veranstaltung dieser Tagung.&#13;
Gerade jetzt, wo wir erneut Militäraktionen in Betracht&#13;
ziehen, ist es unabdingbar, daß wir unsere Fähigkeit&#13;
zur Bewältigung solcher Konflikte stärken, ohne den&#13;
Einsatz militärischer Gewalt androhen zu müssen.&#13;
Als jemand, der in den siebziger Jahren in Berlin mit&#13;
der Arbeit an Konfliktverhütung begonnen hat und seit&#13;
damals an nahezu jedem wichtigen Schritt auf dem&#13;
Weg beteiligt war, bin ich mir der Schwierigkeiten bei&#13;
der Unterbreitung von Lösungsvorschlägen bewußt.&#13;
Stattdessen habe ich einige Lehren und einige Fragen&#13;
zusammengetragen, die - wie ich hoffe - Ihre Diskussion anregen werden.&#13;
Erstens: Wir müssen uns über Ursprung und Natur&#13;
der Herausforderungen im Klaren sein, denen wir&#13;
gegenüberstehen. Sind die Kriege im ehemaligen&#13;
Jugoslawien Teil eines innenpolitischen serbischen&#13;
Machtkampfs oder werden sie von aufgestautem&#13;
gegenseitigem ethnischem Haß geschürt? Was ist&#13;
Ursache und was ist Wirkung? Was ist das Wesen&#13;
der Herausforderung, die Saddam Hussein darstellt?&#13;
Ist er ein regionaler Tyrann in einer Region, die&#13;
sowieso keine starken demokratischen Tendenzen&#13;
hat, oder bedroht er ernsthaft Gebiete über diese&#13;
Region hinaus?&#13;
Zweitens: Wir müssen wissen, wohin wir gehen. Das&#13;
mag offenkundig klingen, aber Richtungslosigkeit war&#13;
eine der entscheidendsten Schwächen unserer&#13;
bisherigen Bestrebungen. Wir haben Jahre mit der&#13;
Verfeinerung unserer Vision von internationalem&#13;
humanitären Recht und Menschenrechten verbracht.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Das Dokument von Kopenhagen hat Symbolcharakter&#13;
bei dieser Suche. Aber sobald der Hauptkonflikt&#13;
einmal beigelegt war, schien eine funktionale Definition der Menschenrechte zweitrangig zu werden.&#13;
Sowohl die OSZE als auch die Allgemeine Erklärung&#13;
der Menschenrechte bieten Richtlinien für die Beurteilung des Verhaltens anderer. Sie sind nicht unfehlbar. Aber richtig von falsch unterscheiden zu können,&#13;
ist immer noch der wichtigste erste Schritt zu Frieden.&#13;
Das heißt, mit klaren Worten zu sprechen. Die&#13;
Unterdrückung von Rechten, der Einsatz von Gewalt&#13;
und die Verzerrung der Wahrheit sind falsch - aus&#13;
welchem Grund auch immer sie angewendet werden.&#13;
Es heißt auch, klar zu denken. Wir sollten unsere&#13;
Institutionen nicht aus der Furcht heraus lähmen, daß&#13;
andere unsere eigenen entschlossenen Aktionen zur&#13;
Rechtfertigung anderer, unrechtmäßiger Aktivitäten&#13;
benutzen. Aktionen einer demokratischen NATO oder&#13;
Europäischen Union haben eine ganz andere Qualität&#13;
als die eines Diktators, der andere zu unterdrücken&#13;
versucht.&#13;
Drittens: Wir müssen handeln können. Die Institutionen für die friedliche Lösung von Konflikten&#13;
sollten so weit wie möglich gestärkt werden. Wir&#13;
sollten jedoch sorgfältig überdenken, was eine solche&#13;
Stärkung bedeutet. Es bedeutet vor allem Klarheit&#13;
über unsere eigenen Ziele. Geld in Ausschüsse zu&#13;
stecken, die Erklärungen herausgeben, reicht nicht&#13;
aus. Diese Ziele sollten aktiv in unseren eigenen&#13;
Institutionen und in umfassenderen Foren verfolgt&#13;
werden. Wir sollten den Dialog innerhalb der assoziierten Institutionen der NATO, EU und WEU vertiefen.&#13;
Wr sollten die Zielsetzung der OSZE klären. Und die&#13;
UNO sollte noch mehr nach dem Wert von Methoden&#13;
statt auf ihre Fähigkeit zur Erlangung eines Konsenses ausgerichtet werden.&#13;
Mündige Staatsbürger sind unerläßlich. Wenn wir&#13;
überzeugt sind, daß die Welt auf der Grundlage&#13;
demokratischer Prinzipien funktionieren sollte, sollten&#13;
wir versuchen, das Wissen über Konfliktverhütung so&#13;
weit wie möglich zu verbreiten. Das Verständnis der&#13;
Implikationen aktueller Herausforderungen ist eine&#13;
große Aufgabe. Wenn mündige Staatsbürger für die&#13;
Demokratie in den Ländern unerläßlich sind, so sind&#13;
sie doppelt wichtig für die Schaffung einer weltweiten&#13;
Grundlage für Demokratie. Die Arbeit an dieser&#13;
Aufgabe hat gerade erst begonnen.&#13;
Viertens: Wir müssen unsere Methoden besser&#13;
verstehen. Wenn uns dieses neue Zeitalter eines&#13;
lehrt, dann, daß wir uns - wie Präsident Clinton es&#13;
formuliert hat - rasch von einer Ära der Umsetzung zu&#13;
einer Vision des empowerment als Grundlage unserer&#13;
demokratischen Weltordnung bewegen. Mündige&#13;
Staatsbürger können sich nicht auf Verträge und&#13;
Resolutionen oder Friedenstruppen verlassen, um die&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts zu&#13;
bewältigen. Es ist ein Gefühl geteilter Verantwortung&#13;
für die Aufgaben des neuen Zeitalters, das die&#13;
Unterstützung für unsere Werte hervorbringt. Völker,&#13;
die Unterdrückung erduldet haben, können nicht durch&#13;
rechtliche Argumente gezwungen werden, ihre&#13;
Träume aufzugeben. Aber ein Gefühl von persönlichem empowerment und geteilter Verantwortung&#13;
hervorzubringen, kann die von den Völkern selbst&#13;
definierten Bedürfnisse erfüllen, ohne die Rechte&#13;
anderer zu beeinträchtigen.&#13;
&#13;
Aufgabe angepaßt. Das Gipfeltreffen zum 50-jährigen&#13;
Bestehen der NATO in diesem Jahr wird die Fähigkeit&#13;
der NATO noch weiter stärken, Sicherheit über die&#13;
Grenzen ihrer Mitgliedstaaten hinaus zu projizieren.&#13;
Im November werden die Staatschefs der OSZE der&#13;
rasch wachsende Rolle dieser Organisation beim&#13;
Aufbau eines Rahmens für demokratischen Frieden&#13;
mehr Substanz verleihen. Die Europäische Union&#13;
setzt ebenfalls einen klaren Kurs für die Integration&#13;
von ganz Europa fest.&#13;
&#13;
Mit anderen Worten, wir sind gerade dabei, eine neue&#13;
Friedensdisziplin zu definieren. Um in Zukunft die&#13;
demokratische Stabilität zu bewahren, müssen wir die&#13;
Instrumente der traditionellen Diplomatie mit den&#13;
Standards von Demokratie und freien Marktwirtschaften kombinieren. Die Geschichte hat verdeutlicht, daß Offenheit und Toleranz die einzig sicheren&#13;
Methoden für Frieden und Wohlstand sind.&#13;
&#13;
Um die Sprache der neuen Generation zu verwenden:&#13;
Wir haben die Hardware zur Erfüllung unserer Aufgabe geschaffen. Was fehlt, ist die Software - das&#13;
heißt, die Ideen und Konzepte, die dieser Arbeit&#13;
Substanz verleihen können. Sie sind die Designer&#13;
dieser Software. Ich bin dankbar für Ihre Initiative und&#13;
freue mich über die Gelegenheit, Ihnen bei Ihrer Arbeit&#13;
behilflich sein zu können.&#13;
&#13;
In den vergangenen zehn Jahren haben wir unsere&#13;
Institutionen in bewundernswerter Weise an diese&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
Lassen Sie uns zusammenarbeiten,&#13;
damit die WTO funktioniert&#13;
von John C. Kornblum&#13;
BONN - (AD ) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Botschafters der Vereinigten Staaten von&#13;
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, der auf Deutsch zuerst im Handelsblatt vom 10.&#13;
März 1999 erschienen ist.&#13;
&#13;
Ende dieses Jahres werden sich die Wirtschaftsminister in Seattle zu ihrer dritten Ministerkonferenz&#13;
seit Gründung der WTO im Jahre 1995 treffen. Die&#13;
Vereinigten Staaten bereiten eine ehrgeizige und&#13;
zukunftsweisende Tagesordnung für dieses Treffen&#13;
vor - ein Treffen mit dem Potential, die weltweite&#13;
Handelsagenda für das erste Jahrzehnt des neuen&#13;
Jahrtausends aufzustellen. Wie Präsident Clinton&#13;
letztes Jahr bei der WTO sagte, suchen wir nach&#13;
nichts Geringerem als "einer neuen Vision des Handels für den Aufbau einer für das 21. Jahrhundert&#13;
bereiten WTO".&#13;
Wir sollten uns jedoch auch daran erinnern, daß die&#13;
Gründung der WTO eine bedeutende Abkehr von&#13;
früheren Handelspraktiken war. Durch die Unterzeichnung des WTO-Abkommens einigten sich die Mitgliedsländer auf eine Reihe durchsetzbarer Regeln,&#13;
Verfahren und Standards. In den Vereinigten Staaten&#13;
beobachten viele kritischen Auges, wie die Organisation die globalen Handelshemmnisse weiter abbaut.&#13;
Die Vereinigten Staaten arbeiten sorgfältig auf die&#13;
Umsetzung der WTO-Entscheidungen - auch der&#13;
gegen uns gerichteten - hin, aber andere Parteien&#13;
haben dies nicht getan. Zusätzlich zu den konkret&#13;
betroffenen Handelsbereichen steht die zukünftige&#13;
Glaubwürdigkeit der WTO im Mittelpunkt dieser&#13;
Auseinandersetzungen zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten und der EU über Bananen und hormonbehandeltes Rindfleisch. Wird die EU ihren Verpflichtungen nachkommen oder nicht? Damit die WTO Erfolg&#13;
hat, müssen die jetzt vorhandenen Regeln auch jetzt&#13;
vollständig beachtet werden. Alle 132 Vertragsparteien der WTO müssen sich an das von uns so&#13;
gewissenhaft ausgearbeitete System halten.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Es gibt zahlreiche Irrtümer beim Thema Bananen, die&#13;
ich ansprechen möchte.&#13;
Irrtum Nr. 1 : Das Thema Bananen ist eine banale&#13;
Angelegenheit, das die Erregung transatlantischer&#13;
Gemüter nicht lohnt. Diese Charakterisierung lenkt die&#13;
Aufmerksamkeit von den grundlegenden auf dem Spiel&#13;
stehenden Prinzipien ab.&#13;
Einer der wichtigsten Mechanismen der WTO ist ihr&#13;
Streitschlichtungsverfahren. Es soll gewährleisten,&#13;
daß Handelsstreitigkeiten so schnell und sachlich wie&#13;
möglich beigelegt werden. Aber dieses Verfahren&#13;
kann nur dann gut funktionieren, wenn alle Mitglieder&#13;
sich an die Entscheidungen der Streitschlichtungsausschüsse halten.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben vier WTO-Prozesse&#13;
verloren: In jedem Fall haben wir die WTO-Entscheidung befolgt. Dies ist das erste Mal, daß die&#13;
Europäische Union einen Fall verliert und das erste&#13;
Mal, daß ein Mitgliedstaat der WTO seiner WTOgemäßen Verpflichtung, den Streitschlichtungsvereinbarungen Folge zu leisten, nicht nachgekommen ist.&#13;
Problematischer allerdings ist die Tatsache, daß das&#13;
Verhalten der EU im Bananenstreit einen negativen&#13;
Präzedenzfall für zukünftige Streitigkeiten geschaffen&#13;
hat.&#13;
Die Marktordnung der EU bezüglich des Bananenimports wurde dreimal als nicht im Einklang mit den&#13;
Regeln der WTO (und davor des GATT) stehend&#13;
befunden. Im letzten Fall versuchten die Vereinigten&#13;
Staaten monatelang erfolglos, eine substantielle&#13;
Lösung mit der EU auszuhandeln. Jedes Mal wurde&#13;
uns eine schroffe Abweisung erteilt. In der Tat führte&#13;
die EU im Januar dieses Jahres einseitig eine sogar&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�noch restriktivere Importpolitik ein. Das Versäumnis&#13;
der EU, dieser oder jeder anderen Entscheidung eines&#13;
Streitschlichtungsgremiums der WTO nachzukommen,&#13;
kann kaum als banal bezeichnet werden. Es schürt&#13;
protektionistische Getühle in den Vereinigten Staaten,&#13;
besonders in einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten&#13;
den Druck eines unverhältnismäßig hohen Anteils von&#13;
Importen aus krisengeschüttelten Volkswirtschaften zu&#13;
spüren bekommen.&#13;
Ein weiteres wichtiges Prinzip steht auf dem Spiel: Der&#13;
Handel mit Dienstleistungen (wie die Verteilerdienste&#13;
für Bananen) ist nicht weniger relevant für die Arbeit&#13;
der WTO als der Handel mit Waren. Die Vereinigten&#13;
Staaten und ihre EU-Partner haben im vergangenen&#13;
Jahrzehnt hart darauf hingearbeitet, die Bedeutung&#13;
des Handels mit Dienstleistungen hervorzuheben und&#13;
ihn zu einem Teil der internationalen Handelsmarktordnung zu machen. Das war eines der in der WTO&#13;
verankerten Prinzipien.&#13;
Irrtum Nr. 2: Die Vereinigten Staaten verfolgen&#13;
dieses Thema aus "internen politischen Gründen",&#13;
obwohl es "nicht im Interesse der amerikanischen&#13;
Wirtschaft" liegt, wie Sir Leon Brittan Anfang letzter&#13;
Woche argumentierte [2. März). Dieses Argument&#13;
widerspricht jeder Logik. Als führende Exportnation&#13;
der Welt haben die Vereinigten Staaten ein überaus&#13;
großes Interesse an der Gewährleistung der vollständigen Durchsetzung der WTO-Regeln. Sicher, wir&#13;
bauen keine Bananen an, aber hier stehen amerikanische Arbeitsplätze auf dem Spiel. Und generell&#13;
benötigen die Vereinigten Staaten ein funktionierendes&#13;
WTO-Streitschlichtungssystem und die Einhaltung der&#13;
WTO-Entscheidungen durch unsere Handelspartner.&#13;
Dieses Argument sollte besonders in Deutschland, der&#13;
drittgrößten Exportnation, auf Widerhall stoßen. Und&#13;
was noch wichtiger ist, das Thema sollte Deutschland&#13;
besonders interessieren, da Deutschland als Folge der&#13;
EU-Marktordnung für die Bananeneinfuhr einen&#13;
bedeutenden Anstieg der Bananenpreise sowie einen&#13;
bedeutenden Rückgang des Bananenkonsums&#13;
erfahren hat.&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Irrtum Nr. 3: Die Vereinigten Staaten suchen Streit&#13;
und handeln unilateral. Dieses Argument ignoriert die&#13;
Ursprünge des Problems. Damals führte die EU eine&#13;
Marktordnung für den Bananenimport in die EU ein, die&#13;
Unternehmen der Europäischen Union begünstigte&#13;
und ausländische Firmen auf dem Bananenmarkt der&#13;
EU benachteiligte. In der Tat haben wir diesen Fall&#13;
drei Mal bei der WTO vorgebracht. Im vergangenen&#13;
Jahr haben wir der EU jede Möglichkeit eingeräumt,&#13;
über dieses Thema zu diskutieren, aber erst vorigen&#13;
Monat, nach sechsjähriger Verschleppungstaktik, war&#13;
die EU zu einer ernsthaften Diskussion über dieses&#13;
Thema bereit.&#13;
Die im Januar von den Vereinigten Staaten getroffene&#13;
Entscheidung zur Auferlegung 100-prozentiger Zölle&#13;
wurde weder leichtfertig noch einseitig getroffen. Wir&#13;
hielten uns genau an das WTO-Verfahren, indem wir&#13;
für diese Maßnahme eine Genehmigung einholten.&#13;
Wir befolgten ebenfalls die Bestimmungen der WTO,&#13;
als wir die Maßnahme 30 Tage aufschoben, um der&#13;
EU Gelegenheit zu geben, die vorgeschlagene Höhe&#13;
der ausgesetzten Zoll-Zugeständnisse zu überprüfen.&#13;
Nun folgen wir dem WTO-Verfahren, indem wir mit der&#13;
WTO bei der Beantwortung ihrer Fragen zu wirtschaftlichen Schäden zusammenarbeiten. Gleichzeitig&#13;
sind die Vereinigten Staaten vollkommen im Recht,&#13;
wenn sie Schritte zum Schutz ihrer Interessen unternehmen, während die Schlichter der WTO ihre Beratungen abschließen. Botschafter Peter Scher verdeutlichte unsere Position: Wir werden uns an die Entscheidung der Schlichter halten, wie sie auch ausfallen&#13;
mag.&#13;
Der Bananenstreit ist schon viel zu lange auf unseren&#13;
Tagesordnungen und in den Schlagzeilen. Er lenkt die&#13;
Aufmerksamkeit von weit produktiveren Aktivitäten ab,&#13;
die die Vereinigten Staaten und Europa gemeinsam&#13;
durchführen könnten. Deshalb ist es entscheidend für&#13;
die transatlantische Gemeinschaft, diese und andere&#13;
Handelsstreitigkeiten zügig und unpolitisch beizulegen&#13;
und dann weiterzuarbeiten.&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
Summers sieht Notwendigkeit für Marktwachstum&#13;
und Reform der Wachstumsmärkte&#13;
Rede des Stellvertretenden Finanzministers&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden Finanzministers&#13;
Lawrence H. Summers vor der National Association for Business Economics vom 2. März 1999.&#13;
&#13;
Dies ist für uns alle eine völlig neue Zeit. Mit dem&#13;
Aufkommen der Informationstechnologie, der allgemeinen Verbreitung der Marktkräfte, dem Aufstreben&#13;
der Wachstumsmärkte und zunehmender weltweiter&#13;
Integration ändert sich die Welt auf grundlegende&#13;
Weise. Aber ironischerweise sind trotz alles Neuen die&#13;
vorherrschenden Probleme Ende der neunziger Jahre&#13;
traditioneller Art:&#13;
Die effektive Bewältigung von&#13;
Finanzkrisen und die Gewährleistung einer angemessenen weltweiten Nachfrage.&#13;
Vor diesem Hintergrund würde ich heute gerne zuerst&#13;
über die Wirtschaftslage in jeder der wichtigsten&#13;
Regionen der Welt nachdenken, dies zusammenfassen und dann über die Bedeutung für das globale&#13;
Wirtschaftswachstum sprechen.&#13;
I. Die treibende Kraft auf der Welt&#13;
Die Vereinigten Staaten sind noch immer ein leuchtendes Symbol der Stärke. Die Erholung der Wirtschaft ist mittlerweile zur längsten Expansion der&#13;
Geschichte in Friedenszeiten geworden. Zahlen, die&#13;
hoch sein sollten, sind hoch, Zahlen, die niedrig sein&#13;
sollten, sind niedrig:&#13;
&#13;
Fast 18 Millionen neue Arbeitsplätze wurden&#13;
seit dem Amtsantritt von Präsident Clinton&#13;
geschaffen, und in realen Zahlen steigen die&#13;
Löhne und Gehälter schneller als in den&#13;
letzten 20 Jahren.&#13;
Inflation, Arbeitslosigkeit, Gewaltverbrechen,&#13;
Sozialhilfeempfänger alle Zahlen sind&#13;
niedriger, als sie es seit einer Generation&#13;
waren.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Die Last des Haushaltsdefizits wurde endlich&#13;
reduziert. Zu Beginn der ersten Amtszeit der&#13;
Clinton-Regierung wurde das Defizit für 1998&#13;
auf 357 Milliarden Dollar geschätzt. Stattdessen erwirtschafteten wir einen Überschuß&#13;
von 70 Milliarden Dollar. Und die Haushaltsbehörde des Kongresses sowie das Büro für&#13;
Haushaltsführung sagen für die kommenden&#13;
Jahre Überschüsse voraus.&#13;
Als Folge des reduzierten Haushaltsdefizits dieses&#13;
Jahrzehnts wurde über eine Billion Dollar, die ansonsten in fruchtlose Regierunganleihen investiert worden&#13;
wäre, in Amerikas Zukunft investiert:&#13;
In unsere&#13;
produktiven Unternehmen, unsere Arbeitnehmer,&#13;
unsere Städte und unser Zuhause.&#13;
Diese Umsichtigkeit wird uns an der Schwelle zum 2 1 .&#13;
Jahrhundert noch zugute kommen. Aber wie Goethe&#13;
einst sagte, wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.&#13;
Neben unseren Erfolgen gibt es natürlich auch&#13;
Schwachpunkte:&#13;
Die Reduzierung des Defizits hat zur Erhöhung unserer nationalen Sparquote - von 3,4&#13;
Prozent des Nationaleinkommens 1992 auf&#13;
7,5 Prozent in den ersten drei Quartalen des&#13;
letzten Jahres - beigetragen. Aber dies bleibt&#13;
noch erheblich hinter der Quote der fünfziger&#13;
und sechziger Jahre zurück. Und im gleichen&#13;
Zeitraum ist die persönliche Sparquote auf&#13;
den niedrigsten Stand seit 55 Jahren gesunken.&#13;
Wir wachsen schneller als jedes andere Land&#13;
der Welt - mehr als zwei Drittel des Wachstums in den Industrieländer im vorigen Jahr ist&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�auf unseren Beitrag zurückzuführen. Nächstes Jahr wird es wahrscheinlich ein ähnlich&#13;
hoher Anteil sein. Aber genau dieser Erfolg&#13;
fordert seinen Tribut bei unserer Außenhandelsposition. Prognosen des Privatsektors&#13;
verzeichnen 1998 einen Anstieg des Leistungsbilanzdefizits der Vereinigten Staaten&#13;
um mehr als 80 Milliarden Dollar - auf 235&#13;
Milliarden Dollar - und gehen davon aus, daß&#13;
es im nächsten Jahr noch weiter steigen wird.&#13;
Selbstgefälligkeit ist eine weitere Quelle für&#13;
Schwäche. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die&#13;
großen Fehler des Optimismus - sei es bei der&#13;
Bewertung von Vermögenswerten, der Schaffung neuer Kapazitäten oder der Hinnahme&#13;
von Disproportionalität - in guten Zeiten gemacht werden.&#13;
Alle diese Belange lassen zwei Punkte besonders&#13;
hervorstechen.&#13;
Erstens bestätigen sie, wie wichtig es ist, die gute&#13;
wirtschaftliche Lage zu Investitionen in die Zukunft zu&#13;
nutzen. Alle Zeichen sprechen dafür, daß die Erholungsphase anhalten kann und wird, sei es auch in&#13;
einer langsameren Gangart als wir es in den letzten&#13;
Monaten gesehen haben. Aber die Erfahrung lehrt&#13;
uns, die beste Versicherung ist Spielraum. Indem wir&#13;
uns der langfristigen Probleme der sozialen Sicherung&#13;
und der nationalen Schuldenreduzierung annehmen,&#13;
bleibt der Haushalt für die Zukunft gerüstet. Mit dieser&#13;
haushaltspolitischen Umsichtigkeit und den heutigen&#13;
niedrigen Inflationserwartungen sind die Vereinigten&#13;
Staaten in einer guten Ausgangsposition für die&#13;
Abwehr eventuell auftretender Schwierigkeiten an allen&#13;
Fronten.&#13;
Zweitens heben sie das verstärkte Interesse der&#13;
Vereinigten Staaten an nachhaltig starkem Wachstum&#13;
im Ausland hervor. Und hier gibt es mit Sicherheit&#13;
wichtige neue Gründe für Bedenken.&#13;
II. Die Risiken außerhalb unserer Grenzen&#13;
1. Die Entwicklung Asiens&#13;
Ich bin gerade von einer Reise durch fünf asiatische&#13;
Staaten zurückgekehrt und muß sagen, die Erfahrung&#13;
war ernüchternd.&#13;
Natürlich gibt es signifikante Lichtblicke. Einige der am&#13;
stärksten von der Krise betroffenen Länder der Region&#13;
-vor allem die Philippinen, Thailand und Korea - haben&#13;
wichtige Fortschritte bei der Stabilisierung ihrer&#13;
Volkswirtschaften und den für neues Vertrauen und&#13;
langfristiges Wachstum notwendigen Veränderungen&#13;
gemacht. Bei meinem Koreabesuch - ein Land, das&#13;
noch vor knapp einem Jahr am Rande des allgemeinen Zusammenbruchs stand und auch in der Zukunft&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
mit Sicherheit eine Reihe von Herausforderungen&#13;
bewältigen müssen wird - war ich besonders von den&#13;
Fortschritten beeindruckt, die ein Jahr entschiedene&#13;
Führungsstärke und eine rigorose Politik erzielt hatten.&#13;
Die andauernden Probleme seiner Nachbarn werfen&#13;
allerdings einen Schatten auf die Perspektiven dieses&#13;
Landes. Während der jüngste Erfolg Indonesiens bei&#13;
der Umsetzung eines Teils seines makroökonomischen Anpassungsprogramms viel zur Stabilisierung&#13;
der Wirtschaft beigetragen hat, sind politische Unsicherheiten ein Haupthindernis für eine langfristige&#13;
Erneuerung des Vertrauens und des Wachstums.&#13;
Auch Malaysia befindet sich in einem Schwebezustand.&#13;
China war in den letzten 18 Monaten eine Hauptquelle&#13;
regionaler Stabilität. Um erneut mit Zhu Rhongji, dem&#13;
chinesischen Ministerpräsidenten, zu sprechen - ich&#13;
war erfreut ihn in Peking nochmals seinen Wunsch&#13;
bestätigen zu hören, China auch in Zukunft diese Rolle&#13;
zukommen zu lassen. Aber wie die führenden Politiker&#13;
erkennen, verstärken die jüngsten Ereignisse die&#13;
Notwendigkeit, die langfristigen Probleme Chinas in&#13;
Angriff zu nehmen - besonders die Probleme des&#13;
staatlichen Energiesektors und die steigenden Schulden des Finanzsektors. Diese Reformen wiederum&#13;
stellen für Politiker in einem Umfeld des rückläufigen&#13;
regionalen und globalen Wachstums eine noch&#13;
größere Herausforderung dar.&#13;
2. Japan&#13;
&#13;
Die Ereignisse in Japan werden in den nächsten&#13;
Monaten der wichtigste Faktor hinsichtlich der Entwicklungen in Asien sein. Es ist nun allgemein bekannt,&#13;
daß es vor kurzem eine bedeutende Entwicklung im&#13;
Verhalten der japanischen Behörden bezüglich der&#13;
Krise gegeben hat. Bestrebungen, zwei Nachtragshaushalte in beträchtlicher Höhe zur Ankurbelung der&#13;
Wirtschaft durchzusetzen und ehrgeizige Pläne zur&#13;
Stärkung des Finanzsektors waren besonders willkommen. Trotz allem hat die wirtschaftliche Unsicherheit seit vorigem Herbst mit großer Wahrscheinlichkeit noch zugenommen und die Wachstumsprognosen sind noch weiter nach unten korrigiert&#13;
worden.&#13;
Wir sind uns alle über die Bedeutung der Preisstabilität&#13;
einig - aber es ist wichtig zu erkennen, daß das Ziel&#13;
der Preisstabiiität die Vermeidung von Deflation wie&#13;
auch Inflation beinhaltet. In Anbetracht der für Japan&#13;
bestehenden Risiken muß die versprochene Ankurbelung der Wirtschaft in den nächsten Jahren vollständig&#13;
durchgesetzt und aufrechterhalten werden.&#13;
Die&#13;
anregende Wirkung auf die Wirtschaft sollte auch&#13;
durch die Geldpolitik unterstützt werden.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�In Zukunft wird es für Stabilität und Wachstum der&#13;
gesamten Region entscheidend sein, daß der Wechselkurs nicht zum Ersatz für Politik wird. Japan wird&#13;
sich über die kreative Nutzung aller Instrumente der&#13;
Haushalts- und Geldpolitik zur Schaffung von Vertrauen und erneutem Wachstum Gedanken machen&#13;
müssen.&#13;
3. Westeuropa&#13;
Auch in Europa werden Inflations- und Wachstumsprognosen nach unten korrigiert. Wie die G 7 letzte&#13;
Woche bestätigte, werden eine angemessene makroökonomische Politik und strukturelle Maßnahmen&#13;
Europas für die Beschäftigungs- und Investitionsförderung sowie die Unterstützung des weltweiten&#13;
Wachstums von Bedeutung sein. Es ist ein auffallendes Zeichen der Schwäche der Binnennachfrage,&#13;
daß sich Europas Leistungsbilanzüberschuß - fast&#13;
zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts - trotz der&#13;
Asienkrise 1998 nur wenig verändern und bei etwa&#13;
110 Milliarden Dollar verbleiben wird.&#13;
Mit der Einführung der einheitlichen Währung haben&#13;
die Mitglieder der Eurozone nicht mehr die gleiche&#13;
Möglichkeit, mit den traditionellen Mitteln der nationalen Geld- und Wechselkurspolitik auf Schocks zu&#13;
reagieren. Auch für haushaltspolitische Maßnahmen&#13;
bleibt wenig Spielraum. Als wichtige Ergänzung einer&#13;
stützenden makroökonomischen Politik werden also&#13;
erfolgreiche Strukturreformen entscheidend sein für die&#13;
für ein schnelles Wachstum und eine verbesserte&#13;
Anpassungsfähigkeit an Schocks nötige Flexibilität und&#13;
Dynamik der europäischen Güter- und Arbeitsmärkte.&#13;
Die Notwendigkeit zur Investitions- und Beschäftigungsförderung hier in den europäischen Ländern&#13;
deckt sich mit dem weltweiten Bedarf an stärkerem&#13;
Wachstum. Es ist vielleicht kein Zufall, daß die Länder&#13;
in der Eurozone mit den tiefgreifendsten Strukturreformen - wie beispielsweise die Niederlande und Portugal&#13;
- in jüngster Zeit auch die stärkste Erholung zu verzeichnen hatten.&#13;
4. Lateinamerika&#13;
Eine Zeitlang schien es, als würden die Krisenstürme&#13;
größtenteils an Lateinamerika vorübergehen. Besonders in Argentinien und Mexiko wurden wichtige&#13;
Schritte als Reaktion auf die Marktturbulenzen und zur&#13;
Ausmerzung alter Schwächen unternommen. Aber in&#13;
letzter Zeit bekam Brasilien erhöhten Marktdruck zu&#13;
spüren, den die Regierung - mit Unterstützung des&#13;
Internationalen Währungsfonds und der internationalen&#13;
Gemeinschaft - noch nicht vollständig eindämmen&#13;
konnte. Diese Schwierigkeiten wiederum bedeuten&#13;
eine Gefahr für die Nachbarn Brasiliens.&#13;
Argentinien, Mexiko und andere Staaten werden ihre&#13;
Verteidigungsmaßnahmen in den kommenden Mona-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
ten verstärken müssen. Aber am wichtigsten werden&#13;
die von Brasilien eingeleiteten Maßnahmen sein. Die&#13;
brasilianischen Behörden haben bedeutende Schritte&#13;
zur Reduzierung ihres Haushaltsdefizits unternommen.&#13;
Im Zusammenhang mit einem überarbeiteten, vom IWF&#13;
unterstützten Wirtschaftsprogramm&#13;
müssen&#13;
die&#13;
Behörden diese haushaltspolitischen Bestrebungen&#13;
fortführen, wenn sie Vertrauen schaffen sollen.&#13;
Ebenso entscheidend ist die Schaffung einer neuen,&#13;
glaubwürdigen und transparenten Geldpolitik zur&#13;
Gewährleistung der finanziellen Stabilität. Präsident&#13;
Cardoso bleibt diesen Zielen verpflichtet. Aber in&#13;
Anbetracht der jüngsten Ereignisse könnte es Zeit und&#13;
Ausdauer erfordern, Investoren davon zu überzeugen,&#13;
daß Brasilien das Schlimmste überstanden hat.&#13;
5. Rußland und Osteuropa&#13;
Wenn es unter den jüngsten Ereignissen eine erfreuliche Überraschung gab, waren es die Volkswirtschaften Zentral- und Osteuropas. Bisher sind sie im&#13;
Großen und Ganzen unbeschadet aus der Krise in&#13;
Rußland und dem allgemein nachlaßenden Vertrauen&#13;
hervorgegangen, obwohl größere Schwankungen als&#13;
erwartet im Außenhandel die Wechselkurse in den&#13;
letzten Wochen stark gedrückt haben. Polen und&#13;
Ungarn brillieren mit den besten Leistungen. Aber fast&#13;
alle Länder der Region haben in den letzten 18&#13;
Monaten Fortschritte gemacht. Dies könnte wertvollen&#13;
Schutz vor zukünftigen Schocks bieten.&#13;
Die Sturmwolken in ihrem Osten sind allerdings noch&#13;
zu deutlich zu erkennen. Rußland kämpft weiter mit&#13;
den Folgen der Aufgabe seiner makroökonomischen&#13;
und Wechselkurspolitik im August. Die Regierung ist&#13;
noch nicht in der Lage, die Einkünfte zu steigern und&#13;
die Rechnungen - oder den Schuldendienst - zu&#13;
bezahlen, und bei zunehmender Inflation und politischer Unsicherheit scheint die Gefahr in Rußland noch&#13;
nicht gebannt. Wie wir immer wieder gesagt haben,&#13;
sind die Vereinigten Staaten und die internationale&#13;
Gemeinschaft bereit, Rußland bei der Umsetzung einer&#13;
glaubwürdigen Strategie zur Lösung dieser Probleme&#13;
zu unterstützen. Aber die Entscheidung liegt einzig&#13;
und allein bei Rußland.&#13;
6. Die ärmsten Länder&#13;
In dieser schnellebigen Zeit können wir es uns nicht&#13;
leisten, die Teile der Welt zu vergessen, in denen sich&#13;
die Geschichte nicht schnell genug wandeln kann. Die&#13;
neunziger Jahre haben gezeigt, daß die Marktwirtschaft in den Ländern südlich der Sahara ebenso&#13;
funktioniert wie andernorts auch. In einigen Ländern&#13;
haben wir nach Jahren der Stagnation und des&#13;
Abschwungs eine Wachstumsrate von sieben Prozent&#13;
und gesteigerten Kapitalfluß in das Land, ausgehend&#13;
vom niedrigsten denkbaren Stand, registriert. Aber es&#13;
steht noch ein langer Weg bevor.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Sogar engagierte Reformer stellen manchmal fest, daß&#13;
ein Vermächtnis schlechter Politik und Abhängigkeit&#13;
von Hilfsleistungen eine nur schwer abzuschüttelnde&#13;
Last ist. Deshalb sieht der vorigen Monat dem Kongreß vorgestellte Haushaltsentwurf erhebliche zusätzliche Mittel vor für die Schuldenentlastung armer,&#13;
hochverschuldeter Länder, die sich auf dem Weg der&#13;
Reform befinden. Wir hoffen, daß die internationalen&#13;
Finanzinstitutionen ebenfalls ihren Teil beitragen&#13;
werden. Aber der mit Abstand wichtigste Beitrag der&#13;
Weltgemeinschaft zu den Perspektiven dieser Länder&#13;
wird die Schaffung der Voraussetzungen für starkes&#13;
nachhaltiges globales Wachstum sein.&#13;
&#13;
übermäßiger Kapitalfluß in diese Länder erheblich zu&#13;
den Krisen beigetragen hat; das Problem der nächsten&#13;
Jahre scheint jedoch eindeutig die Stärkung des&#13;
Vertrauens und die Gewährleistung weiterer Kapitalflüsse in diese Länder zu sein. Die Ironie der Finanzkrisen ist, daß sie meist durch zu großzügige Kreditvergabe verursacht, dann aber durch zu geringe&#13;
Kreditvergabe verlängert werden.&#13;
&#13;
Bei diesem besorgniserregenden Weltbild stechen&#13;
zwei große Herausforderungen hervor.&#13;
&#13;
Solange es an Vertrauen und der damit einhergehenden Kreditvergabe mangelt, wird das gleiche für die&#13;
Aussichten auf eine zügige Erholung in den Entwicklungsländern und die Vermeidung weiterer kostenträchtiger Anpassungen gelten. Volkswirtschaften mit&#13;
größerer Bedeutung - zu nennen wären Brasilien und&#13;
Rußland - tragen hier eine besondere Verantwortung&#13;
für die Einführung einer dauerhaften Politik und&#13;
dauerhafter Reformen.&#13;
&#13;
Erstens gibt es zu wenig Wachstum in der Weltwirtschaft. Die Gefahren der Welt gehen noch immer&#13;
hauptsächlich von mangelndem Wachstum, geringen&#13;
freien Kapazitäten und von einer Abschwächung nicht einer Überhitzung - der Wirtschaft aus. Besorgt&#13;
ist man bei einem Angebotsüberhang, nicht einem&#13;
Nachfrageüberhang. Und vielerorts sind Sorgen über&#13;
steigende Preise Sorgen über fallende Preise gewichen.&#13;
&#13;
Drittens, eine konzertierte Aktion für langfristige&#13;
Vertrauensbildung in das internationale Finanzsystem&#13;
als Ganzes. Die Geschichte vergangener Finanzkrisen - beispielsweise auch die Krisen der Spar- und&#13;
Darlehenskassen in den Vereinigten Staaten - sind&#13;
starke Anzeichen für die Fähigkeit des globalen&#13;
Marktsystems, aus den Ereignissen der letzten&#13;
achtzehn Monate gestärkt hervorzugehen. Aber nur,&#13;
wenn man aus der Erfahrung auch wirklich lernt.&#13;
&#13;
Zweitens ist das Weltwachstum zu unausgeglichen.&#13;
Wie ich bereits sagte, macht das Wachstum in den&#13;
Vereinigten Staaten den Hauptanteil des Wachstums&#13;
in den Industrieländern aus - aber bei einer Höhe von&#13;
vier Prozent liegt es sehr wahrscheinlich über dem,&#13;
was man als eine langfristig haltbare Tendenz bezeichnen würde und ist Ursache für erhebliche Ungleichgewichte.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten und der Rest der G 7, die&#13;
Hauptwachstumsmärkte, die internationalen Finanzinstrtutionen und die internationale Gemeinschaft sind&#13;
alle Teil großer Bemühungen, Finanzkrisen wie wir sie&#13;
in Asien und andernorts erlebt haben, zu beschränken&#13;
und besser einzudämmen.&#13;
&#13;
III. Das Gesamtbild - Schlüsselherausforderungen&#13;
&#13;
Eine wirkungsvolle Strategie zur Bewältigung dieser&#13;
Herausforderungen besteht aus drei Teilen.&#13;
Erstens, eine stärkere Politik in den Industrieländern,&#13;
die der Notwendigkeit für schnelleres weltweites&#13;
Wachstum gerecht wird. Wir in den Vereinigten&#13;
Staaten werden alles in unserer Macht Stehende für&#13;
eine weiterhin stark wachsende Volkswirtschaft tun.&#13;
Aber wir können nicht davon ausgehen, daß die&#13;
Weltwirtschaft auf Dauer mit nur einem Motor funktionieren kann. Wie während des G 7-Treffens in Bonn&#13;
bestätigt wurde, legte die Verlagerung des weltweiten&#13;
Risikogleichgewichts die Last der Verantwortung auf&#13;
alle Industrieländer, eine auf starkes Binnenwachstum&#13;
gerichtete Politik zu verfolgen.&#13;
Die unsichere&#13;
Vertrauens- und Erholungslage auf den asiatischen&#13;
Märkten macht dies besonders für Japan zu einer&#13;
hohen Priorität.&#13;
Zweitens, eine effektive, auf Wachstum und Vertrauensbildung gerichtete Politik in den Wachstumsmärkten. Zwar gibt es starke Argumente dafür, daß&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Wir müssen Mittel und Wege finden, den&#13;
Ländern beim Aufbau der Infrastruktur eines&#13;
modernen Finanzsystems behilflich zu sein eines auf einem hohen Niveau der Transparenz und Offenlegung, einer wirklichen&#13;
Kultur der Privatkredite und effektiver Überwachung und Regulierung aufgebauten Systems.&#13;
Und wir müssen eine Methode zur Überwachung und Anregung dieses Fortschritts&#13;
finden.&#13;
Wir müssen die aufstrebenden Marktwirtschatten bei der Abstimmung der Geschwindigkeit ihres Eintritts in den globalen Kapitalmarkt mit der Entwicklung ihrer nationalen&#13;
Finanzsysteme unterstützen - und wir müssen&#13;
in diesem Zusammenhang effektivere internationale Überwachungsmethoden etablieren,&#13;
um sie davon abzuhalten, unnötige Risiken&#13;
einzugehen.&#13;
Außerdem benötigen wir wirkungsvollere&#13;
Mittel zur Reaktion auf moderne Krisen:&#13;
Erstens durch verbesserte Fähigkeiten zur&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�schnellen Reaktion, mit hohen Beträgen für&#13;
sehr kurzfristige Finanzierungen und zweitens&#13;
durch die Schaffung besserer Mechanismen&#13;
zur Sicherstellung, daß Gläubiger des Privatsektors ihren Anteil tragen.&#13;
Für keine dieser "architektonischen" Herausforderungen gibt es einfache Antworten. Und bei einigen&#13;
bieten sich Lösungen an, deren sofortige Umsetzung&#13;
weder klug noch angemessen wäre. Aber durch die&#13;
vor kurzem erfolgte erhebliche Stärkung der IWFStandards für Datenoffenlegung für die Länder, durch&#13;
die Bonner Vereinbarung über die Gründung eines&#13;
neuen Finanzstabilität-Forums für die weltweite Koordi-&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
nierung nationaler und internationaler Finanzregulierungsgremien und durch die Etablierung der neuen,&#13;
schnell auszahlbaren, hochzinsabhängigen Kreditlinie&#13;
des IWF für ansteckungsgefährdete Länder - durch&#13;
diese und andere Veränderungen wurden entscheidende Fortschritte erzielt.&#13;
Es wurde viel getan. Viel bleibt noch zu tun. Während&#13;
wir voranschreiten, müssen wir diese Arbeit fortsetzen.&#13;
Vor allem aber müssen wir sicherstellen, daß dies in&#13;
einer Atmosphäre des gestärkten, wirklich weltweiten&#13;
Wachstums geschieht.&#13;
Vielen Dank.&#13;
&#13;
* * * *&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>Ausstellung im Amerika Haus vom 14. September bis 31. Oktober 1974</text>
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