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Dokumentation

Telex:08-85432

Nummer

24

3. Dezember 1975

Inhalt

WIRTSCHAFT:

Enders ruft zur Zusammenarbeit der Erdöl Verbraucherländer auf
-Auszüge aus der Rede des US-Unterstaatssekretärs am 21. November
in London-

HINTERGRUNDMATERIAL:

Wieviel Sorgen muß man sich Uni New York machen?
(Aus dem monatlichen Wirtschaftsbrief der First National City Bank
November 75)

INFORMATION:

Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studienjahr 1976/77

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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24/1975

ENDERS RUFT ZUR ZUSAMMENARBEIT DER ERDÖLVERBRAUCHERLÄNDER AUF
-Auszüge aus der Rede des US-Unterstaatssekretärs am 21. November in London-

LONDON --(AD)-- Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hat nach
Ansicht des Unterstaatssekretä'rs für Wirtschaftsfragen im amerikanischen
Außenministerium, Thomas 0. Enders, bereits Kräfte in Gang gesetzt, die sie
der Möglichkeit berauben werden, die Erdölpreise einseitig festzusetzen.
Historisch gesehen, so meinte Enders, habe die OPEC bereits den Höhepunkt
ihrer Macht überschritten. Trotzdem werde die OPEC wahrscheinlich noch bis
Ende dieses Jahrzehnts maßgeblichen Einfluß auf die Festsetzung der Erdölpreise ausüben können, und dies mache eine Zusammenarbeit der Verbraucherländer unumgänglich.
Die wichtigsten Teile der Ansprache, die Enders am 21. November auf
einem Erdölseminar in London gehalten hat, haben folgenden Wortlaut:
Drei Phänomene bestimmen maßgeblich den Ausblick für die Erdöl politik:
Erstens, die Erdöl Produzenten werden wahrscheinlich auch während der
restlichen Jahre dieses Jahrzehnts über die Macht verfügen, die Erdölpreise
einseitig festzusetzen, obwohl ihre Position in den achtziger Jahren dann
weit weniger gefestigt sein wird.
Zweitens,

�Zweitens, der Prozeß der Zusammenarbeit der Verbraucher auf dem Energiesektor ist bei den endgültigen Verhandlungen über das langfristige Programm
der Internationalen Energieagentur unumgänglich geworden.
Drittens, angesichts des bevorstehenden Beginns des Nord-S'üd-Dialogs
müssen Verbraucher und Erzeuger jetzt weit gründlicher prüfen, wie sie ihre
beiderseitigen Interessen im Laufe der Zeit miteinander in Einklang bringen
können...
Die Rezession hat sich auf den Energiebedarf ausgewirkt und ihn weit
unter den Stand gesenkt, der dem historischen Wachstumstrend entsprechen würde... In den letzten zwei Jahren ist er zurückgegangen. Das Wiederaufleben
des Wirtschaftswachstums im OECD-Raum wird eine Steigerung der Wachstumsrate
des Energieverbrauchs bewirken... Nach unseren

Schätzungen wird die jährliche

Wachstumsrate des Energieverbrauchs in den Jahren von 1973 bis 1980 jeweils
zwischen 2,3 bis 2,5 Prozent liegen... Ich muß jedoch hinzufügen, daß diese
geringere Zunahme des Energiebedarfs zum Teil auf die niedrigere Rate des
Wirtschaftswachstums, die auch ohne das ölproblem zu erwarten gewesen wäre,
zurückzuführen ist.
In den Jahren von 1975 bis 1980 dürfte die eigene
OECD-Länder um jährlich rund 5 Prozent zunehmen... Der
gewachstums und die Zunahme der Eigenversorgung werden
den Bedarf der OECD-Länder an Importöl auswirken. Nach

Energieerzeugung der
Rückgang des Nachfrasich natürlich auf
unseren Vorausschätzun-

gen wird der Bedarf der OECD-Länder in den Jahren 1975 bis 1980 mit rund
27 Millionen Barrel pro Tag nahezu unverändert bleiben, d.h. um noch nicht
eine Million Barrel pro Tag oder jährlich etwa 1 Prozent zunehmen. Fast alle
unabhängigen Schätzungen des gesamten Weltbedarfs an OPEC-Öl sprechen von
einem etwas geringeren Wachstum in der Zeit von 1975 bis 1980. Die von mir erwähnte Schätzung ist vielleicht optimistischer als die meisten anderen, aber
die Ergebnisse lauten alle ähnlich.

�&gt;-

Aber dies löst weder die langfristigen noch die kurzfristigen Probleme.
Es verhindert lediglich, daß sie noch kritischer werden. Wir werden auch weiterhin noch große Mengen an OPEC-Öl importieren müssen. Aber unsere Anfälligkeit gegenüber Manipulationen des ölpreises und der ölbelieferung seitens
der OPEC wird abnehmen, doch wird sie für den größten Teil dieses Zeitraumes
oder sogar die gesamte Zeit noch über unserer Toleranzgrenze bleiben...

Aber selbst wenn die OPEC-Importe schnell wachsen würden, so wird der
gemeinsame Nettoüberschuß in den laufenden Konten im nächsten Jahr noch zunehmen, bevor er dann allmählich zurückgeht.
Im Jahre 1980 wird die OPEC als ganzes einen großen Überschuß in den
laufenden Konten haben, auch wenn er dann niedriger als 1974 und 1975 sein
dürfte, und er wird weitgehend auf die arabischsprechenden Erzeugerländer
am Golf beschränkt bleiben. Die meisten OPEC-Länder werden im Defizit sein,
das durch dei Abzug
on Geld aus den angehäuften Guthaben und den Krediten
finanziert wird. Etwa von 1980 an wird sich das Bild dann ändern, was entscheidend von den Erträgen aus den Grenzgebieten der Vereinigten Staaten, dem
neuen Gebiet im Nordteil Alaskas und dem Äußeren Kontinentalsockel wie auch
den kumulativen Auswirkungen der Sparprogramme der Verbraucherländer abhängen wird. Das Ausmaß der erfolgreichen Ausweitung der Atomenergiegewinnung
wird ebenfalls von Bedeutung, aber nicht so fühlbar sein. Sollten die Erträge
aus dem neuen Gebiet im Norden Alaskas und aus dem Äußeren Kontinentalsockel
die erwarteten 3 bis 4 Millionen Barrel pro Tag erbringen, dann bestehen gute
Aussichten, daß die Nachfrage nach OPEC-Öl soweit gesenkt werden kann, daß
das Kartell nicht mehr lebensfähig ist, es sei denn, die Kernenergiegewinnung
bleibt noch weit hinter den pessimistischsten Voraussagen zurück.
Sollten die neuen amerikanischen Grenzgebiete sich nicht auszahlen - und
wir werden das erst in einigen Jahren wissen -, dann würde der OPEC-Markt abhängig sein von dem Erfolg oder dem Fehl schlag der Einsparungsbemühungen innerhalb der Verbraucherländer. Sind diese Bemühungen nicht nachdrücklich genug,
dann ist damit zu rechnen, daß der Markt sich weiterhin auf dem derzeitigen
- 3 -

�derzeitigen Stand hält, wobei allerdings die meisten der Erdölförderlander
dann Zahlungsbilanzdefizite aufweisen und sich einem wachsenden, aber viel leicht doch nicht entscheidenden Druck von innen ausgesetzt sehen werden.

Sind die Einsparungsbemühungen jedoch stark genug, dann können sie das
Kartell in den achtziger Jahren aushöhlen. Wenn wir sowohl hohe Erträge aus
den amerikanischen Grenzgebieten und nachdrückliche Einsparungsbemühungen
haben, dann wird es unmöglich sein, das Kartell weiter aufrechtzuerhalten.
Diese Aussicht, daß die Erdöl Produzenten wenigstens noch weitere fünf
Jahre, möglicherweise aber auch noch viel länger, eine beherrschende Rolle
auf dem Erdölmarkt spielen werden, macht eine Zusammenarbeit der Verbraucherländer unumgänglich. Die wohl nachhaltigste Reaktion der Verbraucherländer
auf ihre Abhängigkeit wird durch die hohen Energiepreise und deren Einfluß
auf Verbrauch und Investitionen ausgelöst. In jedem der Verbraucherländer
haben der hohe Preis für Elektrizität und Gas den Energieverbrauch in den
Haushaltungen zurückgehen lassen.
-

Einsparungen von 10 Prozent und sogar noch mehr sind in der Industrie
ohne neue Investitionen normal. Obwohl der Benzinverbrauch, trotz starker
Preiserhöhungen, so hoch ist wie zuvor, hat sich bei der Nachfrage nach
neuen Kraftfahrzeugen - in den Vereinigten Staaten und in geringerem Maße
auch in anderen Ländern - eine Wende hin zu sparsameren Wagen bemerkbar gemacht. Oberall dort, wo der Marktpreis dies zuläßt, werden erhebliche neue
Investitionen auf dem Energiesektor vorgenommen.
Aber eine notwendige und wichtige Voraussetzung für eine geringere Abhängigkeit ist auch eine Binnenwirtschaftspolitik zur Stützung des Marktes
oder seiner Funktionsfähigkeit. Das vom Vermittlungsausschuß des Repräsentantenhauses und des Senats verabschiedete Energiegesetz enthält Bestimmungen
bezüglich des Erdölpreises in den nächsten 40 Monaten, die für die Regierung enttäuschend sind. Obwohl jedoch die in dem Gesetz gegebenen Anreize

- 4 -

�Anreize zur Förderung sowie zur Senkung des Verbrauchs in dieser Zeit wenig
wirksam sind, so würden sie sich künftig nachhaltig auf die Energieposition
der USA in den achtziger Jahrer auswirken. Aufgrund seiner Pestimmungen würde
sich seine Wirkung auf die Abhängigkeit als Folge der vollen Herausnahme des
Erdöls aus den Kontrollen und der Einführung von Wirtschaftlichkeitsnormen
für Kraftfahrzeuge und Geräte auf über 4 Millionen Barrel pro Tag bis 1985
erhöhen. Vergleichbare aber nachhaltigere Programme sind bereits in Großbritannien, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und einigen anderen
Industriestaaten in Kraft.
Schließlich fällt

er Zusammenarbeit zwischen den Verbrauchern noch eine

wichtige Rolle zu.
Erstens, jedes der Verbraucherländer steht vor der schwierigen Aufgabe,
das zur Verringerung seiner Abhängigkeit von importierter Energie erforderliche Kapital so gering wie möglich zu halten. Die neue Energieinvestitionsbehörde mit ihren vorgeschlagenen 100 Milliarden Dollar Kapital soll die Vereinigten Staaten bei dieser Aufgabe unterstüt7en. Aber die Verbraucherländer
können sich gegenseitig helfen, indem sie es Ländern mit viel Kapital, aber
geringen Energiequellen ermöglichen, Investitionen in Großproiekten anderer
Verbraucherländer vorzunehmen. Um attraktiv zu sein, müssen solche Projekte
ausländischen Investoren Zugang zu einem Teil des Gewinns bieten. Das langfristige Programm der Internationalen Energieagentur (IEA) setzt einen Rahmen,
in dem Abzugsgarantien ausgehandelt werden können. Die Vereinigten Staaten
werden, wo immer möglich, solche Garantien für gemeinsame Großprojekte geben,
die die Energieversorgung über das sonst verfügbare Maß hinaus steigern.

Auf manchen Gebieten setzen Umweltschutzerwägungen und andere Einwände
derartigen Projekten gewisse Grenzen, aber auf anderen, wie beispielsweise
der Kohleförderung, bieten sich gute Aussichten.
Zweitens, die Verbraucherländer können gemeinsam handeln, um dafür
sorgen, daß verfügbare Chancen der Energieerschließung auch tatsächlich

- 5 -

zu

�tatsächlich genutzt werden. Dabei müssen derartige Projekte gegen das Risiko einer Preismanipulation durch die OPEC-Länder oder einer Rückkehr zur
freien Konkurrenz auf dem internationalen ölmarkt abgesichert werden. Das
Langzeitprogramm der IEA sieht vor, daß jedes Mitgliedsland dafür sorgt, daß
Importöl innerhalb der eigenen Volkswirtschaft nicht unter einem bestimmten
Mindestpreis verkauft wird. Die IEA-Mitglieder werden diesen Mindestpreis
wahrscheinlich einige Dollar unter dem derzeitigen Marktpreis, jedoch wesentlich über dem "historischen" Preisniveau festlegen.
Drittens, die Verbraucherländer können ihre Energieentwicklung beschleunigen, indem sie sicherstellen, daß jede neue Technologie auf diesem Gebiet
sofort in der ganzen industrialisierten Welt eingeführt wird. Das ist der
Zweck der beispielhaften Richtlinien, die die IEA für geistigen Besitz auf
dem Gebiet der Energie vorgeschlagen hat. Nach diesen Richtlinien hätte jedes
IEA-Mitgliedsland das Recht, nach vereinbarten, fairen Bedingungen neue Energietechnologie, die aus kooperativen Projekten oder Programmen von IEA-Mitgliedern entstanden ist, unter Lizenz zu verwerten, selbst wenn das Land
nicht an dem Projekt oder Programm beteiligt war. Dieses Konzept muß jetzt
auf alle neuei Energietechnologien ausgedehnt werden, die im IEA-Gebiet entwickelt werden.

Viertens, die Verbraucherländer können ihre Bestrebungen nach Unverwundbarkeit auf dem Energiesektor durch Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung verstärken. Das Langzeitprogramm der IEA sieht dabei vier Ebenen der Zusammenarbeit vor:
-- Informationsaustausch auf allen wichtigen Gebieten der Forschung und
Entwicklung (10 Sektoren sind bereits vorgesehen und gegenwärtig werden sechs
weitere hinzugefügt), um sicherzustellen, daß allen IEA-Ländern die technologischen Grundkonzeptionen zur Verfügung stehen;
— gegen- 6 -

�-- gegenseitige Unterstützung in der Entwicklung'nationaler Forschungsund Entwicklungsstrategien, um jedem Land die optimale Nutzung seiner natürlichen Hilfsquellen zu ermöglichen;
-- schrittweise Entwicklung einer gemeinsamen IEA-Forschungs-und Entwicklungsstrategie, um Überschneidungen zu vermeiden und alle Möglichkeiten
auszuschöpfen;
&gt; ••
• '
-- Entwicklung großangelegter kooperativer Projekte, vor allem bei
Technologien mit langer Entwicklungszeit, die sich kein IEA-Mitglied allein
leisten könnte.
Zusammengenommen stellen diese Elemente des IEA-Langzeitprogramms den
ersten Schritt zu einem einheitlichen Energiemarkt dar. Sie sind keineswegs
mit der gemeinsamen Politik unvereinbar, die die Europäische Gemeinschaft
entwickelt hat, sondern würden diese sogar unterstützen. Die gegenwärtige
Frist für die Annahme des Langzeitprogrammes ist der 1. Dezember . Ich bin
sicher, daß die IEA-Mitglieder das ganze Programm annehmen,werden, wenn
vielleicht auch nicht zu dem gesetzten Datum, so doch bis Ende des Jahres.
Mit der Einführung des Langzeitprogrammes wird die Zusammenarbeit der
Verbraucher unwiderruflich. Es wird nicht nur der gegenseitige Austausch
von Investitionen, Handel und Technologien auf dem Energiesektor unter den
IEA-Mitgliedern wesentlich zunehmen, sondern sie werden auch herausfinden,
daß die objektiven Verhältnisse ihrer gemeinsamen Verwundbarkeit durch die
ölexportierenden Länder sie zu engerer politischer Zusammenarbeit bewegen.
Wenn die Verbraucherländer jedes Jahr vor eirveitigen Erhöhungen der Ölpresse stehen - ob mit der Begründung der Konsolidierung früherer OPEC-Gewinne
gegen Inflation oder als Mittel zur Erreichung neuer Gewinne -, dann werden
sie einfach gezwungen sein, eine gemeinsame politische Haltung gegenüber den
Erzeugerländern zu entwickeln. In dieser Hinsicht ist die von den sechs
Staats-und Regierungschefs in Rambouillet an den Tag gelegte Haltung von
Bedeutung. Sie bekräftigten alle, daß es in ihrem gemeinsamen Interesse

- 7-

�Interesse liege, zur Verringerung der Abhängigkeit von importiertem öl und
zur Schaffung ausgewogenerer Bedingungen auf dem Weltenergiemarkt zusammenzuarbeiten.
1

Wie auf allen Märkten so laufen sich bei den ölpreisen die Interessen von
Erzeugern und Verbrauchern zuwider; sie ergänzen sich jedoch in fast allen anderen Phasen des Erdölaustausches.
Um ihren neuerworbenen Reichtum realisieren zu können, müssen die ölerzeuger ihre Wirtschaftssysteme so schnell wie möglich mit denen der Verbraucher
integrieren:
-- Um ihre Bargeldmittel in Waren und Gütern anlegen zu können, sind die
OPEC-Länder auf die OECD angewiesen; heute schon stellen die OPEC-Länder den
am raschesten wachsenden Markt für die OECD-Exporte dar.
— Um hiermit eine neue, nicht auf der Basis des Öls arbeitende Industrie
aufzubauen, brauchen die OPEC-Länder das technische und unternehmerische Können der Verbraucherländer; dieses besondere technische Können wird von den ölexporteuren in weitestem Umfange erworben und dies kommt wiederum den Verbraucherländern zugute.
— Um den Bestand und die Zukunft ihrer neuen, nicht auf der ölbasis arbeitenden Industrien zu sichern, werden die OPEC-Länder neue Märkte brauchen;
dies aber wird neue stabile Handelssysteme und den Abschluß kommerzieller Vereinbarungen erfordern, wie sie bisher noch nicht bestehen.
-- Um einen kontinuierlichen Absatz in einem statischen globalen ölmarkt
zu gewährleisten, wird jeder öl Produzent an bilateralen Lieferabkommen mit
seinen Hauptabnehmern interessiert sein; auch die Verbraucherländer werden daran interessiert sein, um auf diese Weise die Anfälligkeit ihrer Bedarfsdeckung zu verringern.
— Um

- 8 -

�-- Um günstige Investitionsmöglichkeiten für ihre Überschußmittel zu
haben, werden die ölexporteure einen Zugang zu den Kapitalmärkten der Verbraucherländer benötigen; dies wird ebenfalls den Interessen der OECD entgegenkommen.

Das Hauptanliegen des Energie-Dialogs muß es sein, herauszufinden, wie
sich diese gemeinsamen Interessen im einzelnen realisieren lassen. Aber der
Dialog wird ohne Erfolg bleiben, wenn er nicht zugleich das Preisproblem anpackt.
Die Produzenten werden ihrerseits bestrebt sein, mit den Verbrauchern
zu einem übereinkommen zu gelangen, das ihner zumindest

;ewähr gibt, daß

ihr derzeitiges Realeinkommen nicht ausgehöhlt wird. Die Idee einer ölpreisindexierung ist als eine mögliche Basis für Verbraucher-Erzeugerverhandlungen bereits in diesem Zusammenhang zur Sprache gebracht worden.

Viele Verbraucher sehen in diesem Indexierungs-Vorschlag eine an sie
gerichtete Aufforderung, das derzeitige Preisniveau legitim zu machen und
dem Kartell zu helfen, es durchzusetzen. Viele fürchten auch, daß sich diese Konzeption der Indexierung - sobald sie einmal auf dem Markt für ein
Grunderzeugnis eingeführt ist - weiter ausbreiten werde.
Die Verbraucher ihrerseits sind an einer Senkung und einem Einfrieren
der Preise sowie an einer Wiederherstellung des Marktes interessiert oder
aber an anderen Mitteln und Wegen, wie sie an der Preisfestsetzung mitwirken
können. Dies - so glauben jedoch die Erzeuger - würde sie ihrer historisch
rechtmäßigen Gewinne berauben.

Es ist oft gesagt worden, daß Verhandlungen

zwischen Erzeugern und Verbrauchern über den Preis eine Unmöglichkeit sind,
denn:
-- in den ersten Jahren verfügen die Erzeuger über die gesamte Macht
auf den Märkten und wünschen diese einseitig auszuüben, während die Verbraucher befürchten, langfristige Abkommen einzugehen zu einer Zeit, da sie

- 9 -

�sie sich in einer schwachen Verhandlungsposition befinden;
-- in späteren Jahren aber nimmt die Stärke der Verhandlungsposition
bei den Erzeugern in dem Maße ab, wie ihre Importe steigen und ihre ölexporte stagnieren oder zurückgehen; hierauf warten die Verbraucher

um ihre

wieder wachsende Stärke auf den Märkten ins Spiel zu bringen;
-- es wird immer ungewiß bleiben, wann die Marktkräfte sich verschieben
und inwieweit sie beide Seiten abhalten werden, sich festzulegen.

Das könnte durchaus zutreffen. Aber wenn es so ist, dann besteht eindeutig die Gefahr, daß beide Seiten am Ende verlieren:
-- Die Erzeuger könnten den Preis für Rohöl so hoch treiben, daß dadurch der Wille geweckt wird, Investitionen zur Erschließung anderer Energiequellen in einem Ausmaß vorzunehmen, das weit über das für eine Wiederherstellung der ölmarktkonditionen Erforderliche hinausgeht - meiner Ansicht
nach hat der derzeitige öl preis eine solche Höhe bereits erreicht.
-- Massive Investitionen in den Verbraucherländern werden, sobald sie
sich in den kommenden Jahren auszuwirken heqinnen, zu einer erheblichen Verengung des Marktes für die OPEC-Länd- führen unc| höchstwahrscheinlich
auch zu einem niedrigeren Preis - und sie werden die Industrieländer an eine
teure Energie binden. Erfolg oder Mißerfolg des Energiedialogs sind nicht
nur für die Interessen der Industrie-oder ölerzeugerlander so außerordentlich bedeutsam, sondern auch für den Dialog als Ganzes. Die Wachstumsaussichten der nicht-ölerzeugenden Entwicklungsländer im Verlauf der nächsten fünf
Jahre hängen ganz entscheidend von der Entwicklung der ölpreise ab. Und bei
einem Prozeß, bei dem jeder Sektor mit jedem anderen in Verbindung steht,
muß die Energie nahezu zwangsläufig zu der treibenden Kraft in dem Gesamtdialog werden.
Die

�Die OPEC-Länder haben im letzten Jahr eine beachtliche Stärke gezeigt,
indem sie die Rivalitäten unter ihrer Führungsspitze zum Schweigen brachten,
die Talsohle der Rezession ohne nennenswerte Preiseinbrüche durchschritten
und eine beachtliche Preiserhöhung durch Angleichung der unterschiedlichen Interessen ihrer Mitglieder aushandelten.
Historisch gesehen hat die OPEC wahrscheinlich den Höhepunkt ihrer Macht
überschritten. Ein weiter Rahmen für die Anwendung der ölwaffe bleibt. Aber
der unerbittliche Anstieg der Importe der OPEC-Länder schränkt ihn ein; die
politischen Verhandlungen im Nahen Osten nehmen ihm Schritt um Schritt seine
logische Grundlage; das IEA-Abkommen über einen ülausgleich und die öleinlagerung seitens der Verbraucher schafft einen Schutzwall gegen diese Waffe.
Die OPEC wird sich wahrscheinlich für den Rest dieses Jahrzehnts und
vielleicht noch darüber hinaus ihre dominierende Stellung bei der Gestaltung
der ölpreise erhalten können. Aber sie hat bereits Kettenreaktionen in Gang
gesetzt, die ihr im Laufe der Zeit dieses Monopol zwangsläufig nehmen werden.
Die meisten Einsparungsprogramme, und bestimmt die vom amerikanischen Kongreß
beschlossenen, sind schwanzlastig, d.h., sie werden ihre stärkste Wirkung
ziemlich spät und nicht zu Beginn haben, aber diese Wirkung wird in den
achtziger Jahren recht nachhaltig sein.
Die Wirkung alternativer Energiequellen setzt ebenfalls nur langsam ein,
aber sie wird gewaltig sein. Und schließlich war die politische Zusammenarbeit
der Verbraucher anfangs nur zögernd; aber sie hat mit jeder erneuten Zurschaustellung der Macht der Erzeuger zugenommen. Das IEA-Programm gibt uns
bereits eine Basis für einen einheitlichen Energiemarkt der Verbraucher. Wenn
wir jetzt in eine Zeit potentieller Verhandlungen eintreten, dürfte der Verhandlungsprozeß diese

Basis weiter stärken. Die Stärke oder die Schwäche

unseres Willens, Geschick oder Ungeschicklichkeit unserer politischen Führung
können diese Entwicklung beschleunigen oder verzögern; sie können ihre Richtung wahrscheinlich kaum wesentlich ändern.
Zu

- 11 -

�Zu irgendeinem Zeitpunkt werden die beiden Kurven sich wahrscheinlich
treffen, nämlich dort, wo beide Parteien wichtige Fortschritte erzielen müssen. Es ist nicht klar, ob wir bereits an diesem Punkt angelangt sind. Aber
Zweck und erste Aufgabe des Dialogs sollte es sein, eingehend zu untersuchen,
wo sich für die Verhandlungen günstige Bedingungen feststellen lassen. Auf
diese Weise können Erzeuger und Verbraucher mit der Festsetzung von Zielen
beginnen, entsprechend der Beurteilung ihrer jeweiligen Stärke.

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24/1975
WIEVIEL SORGEN MUSS MAN SICH UM NEW YORK MACHEN?
(Aus dem monatlichen Wirtschaftsbrief der First National City Bank November 75)
(c) Copyright 1975 by First National City Bank

Die Möglichkeit eines Konkurses der Stadt New York hat Warnungen vor einer
wirtschaftlichen und finanziellen Katastrophe ausgelöst, die ohne Zweifel übertrieben sind.

Wenn auch niemand mit Sicherheit voraussagen kann, was tatsäch-

lich geschehen wird, so lehrt doch die Geschichte, daß schwere wirtschaftliche
und finanzielle Katastrophen selten - wenn überhaupt je - durch umsichgreifende Gerüchte und Diskussionen in der Öffentlichkeit angekündigt werden. Im Gegenteil, solche unbestimmten, allgemeinen Voraussagen unmittelbar bevorstehender Katastrophen haben sich in der Vergangenheit selten bewahrheitet...
Die Erfahrung spricht gegen diese Domino-Theorie:
-- So wuchs durch den Zusammenbruch der Herstatt-Bank in der Bundesrepublik Deutschland und der Franklin National Bank in den Vereinigten Staaten im
Jahre 1974 die Furcht vor massiven Konkursen der Banken. Doch es gelang, die
Probleme in den Griff zu bekommen...
-- Beim Bankrott der Penn Central im Jahre 1970 - mitten in einer wirtschaftlichen Rezession - ertönte lautes Angstgeschrei, daß der Wertpapiermarkt unmittelbar vor seinem Zusammenbruch stehe. Diese Gefahr wurde durch
Zusicherungen der amerikanischen Bundesbank ausgeschaltet, daß die Banken

- 1 -

�Banken und das Finanzsystem unterstützt werden würden...
Für gewöhnlich arbeitet jede Volkswirtschaft mit einem umfassenden System
von Stabilisierungselementen und "Stoßdämpfern", das die meisten Erschütterungen und Belastungen abfängt. Doch kann ein Wirtschaftssystem gelegentlich auch
so entnervt werden - und zwar vor allem durch eine perverse und die Stabilität schwer erschütternde Geld-und Finanzpolitik - daß seine normale Immunität
weitgehend verloren geht. In einem solchen Falle wird die Wirtschaft anfällig
für einen progressiven, von sich aus sich selbst fortzeugenden Zusammenbruch.
Solche Verhältnisse gab es in den dreißiger Jahren. Jedoch kann man die heutige wirtschaftliche und finanzielle Situation wohl kaum mit der vor vierzig
Jahren vergleichen.
Während der vergangenen zwei Jahrhunderte haben die freien Märkte in
Europa und Nordamerika durch Anpassung von Angebot und Nachfrage als Hauptstoßdämpfer gedient. In den letzten Jahrzehnten jedoch - vor allem seit der
großen Depression - sind die das Gleichgewicht herstellenden Kräfte auf dem
Markt durch staatliche Stabilisierungselemente verstärkt worden. Dazu zählen
die sogenannten automatischen fiskalischen Stabilisierungskräfte - beispielsweise der steile Abfall bei den Einkommenssteuereinnahmen während einer Rezession und dem damit zusammenhängenden Anstieg der Zahlungen für Arbeitslosenunterstützung.
Seit dem Zweiten Weltkrieg sind die Regierungen und Zentralbanken weitaus
klüger und umsichtiger in bezug auf die Geldpolitik geworden als in den dreißiger Jahren. Niemand kann garantieren, daß eine Insolvenz nicht große, kumulative Störungen hervorrufen könnte. Aber die Wahrscheinlichkeit einer Kettenreaktion, die zu einem Zusammenbruch führt, erscheint doch gering und bestimmt
weitaus geringer als im Sommer 1974, als die Finanzmärkte übermäßig angespannt waren und die Rezession um sich zu greifen begann.
Niemand bestreitet, daß es eine Vielzahl örtlich begrenzter Störungen gab.
Die meisten dürften jedoch vorübergehender Natur gewesen sein. Und die meisten

�'

meisten der schmerzlichen, örtlich begrenzten Folgen sind unvermeidlich
- sei es bei einer Zahlungseinstellung oder auch bei den sehr harten Bedingungen bei einem Kredit oder einer Bürgschaft des Staates.
Viele Leute sind beunruhigt, daß ein Konkurs der Stadt New York ein
Austrocknen der Mittel für andere Städte zur Folge haben könnte. Da der Markt
gegenwärtig eine Reihe von Bundesstaaten und Kommunal Verwaltungen einer
skeptischen Oberprüfung unterzieht und einige von ihnen im Augenblick praktisch vom Handel ausgeschlossen bleiben, erbringen Kommunal Schuldverschreibungen im Schnitt nicht so hohe Erträge wie andere Schuldscheine...
Im allgemeinen wird heute vergessen, daß es über eineinviertel Jahrhundert lang immer wieder Wellen von Insolvenzen bei Einzel Staaten und KommunalVerwaltungen gegeben hat - grob gesehen eine in jeder Generation. Die letzte
derartige Welle war in den dreißiger Jahren zu verzeichnen. Auf die zahlungsunfähig gewordenen Kommunal Verwaltungen entfielen damals sogar 10 bis 20 Prozent der insgesamt im ganzen Land anstehenden kommunalen Verschuldung. Der
Schaden blieb weitgehend auf die Städte beschränkt, die sich bereits in finanziellen Schwierigkeiten befanden. Gesunde Verwaltungen waren im allgemeinen
weiter solvent.
Es steht außer Zweifel, daß ein Konkurs der Stadt New York für die Inhaber von Schuldverschreibungen zu einem Ausfall ihrer Zinseinnahmen und zu
einer Besitzminderung führen würde. Für zahlreiche städtische Bedienstete würde ein solcher Konkurs schwere wirtschaftliche Härten zur Folge haben und die
Vertragsfirmen der Stadt müßten auf ihr Geld warten.
Einige Volkswirtschaftler haben verallgemeinert, daß die örtlichen Auswirkungen einen Ausgaben-und Beschäftigtenrückgang im gesamten Land zur Folge
haben würden. Aber derartige Voraussagen, selbst wenn sie das Ergebnis sorgfältiger Computer-Berechnungen sind, bleiben nichts weiter als Vermutungen.
Da man von den Erfahrungen der letzten 30 Jahre ausgehen mußte - einer Zeit,
in der es keine Insolvenzen großer Kommunen gab - mußten die Modelle manipu-

- 3 -

�manipuliert werden, um zu der Annahme einer Lähmung des Marktes für Schuldverschreibungen und eines scharfen Rückgangs der kommunalen und staatlichen Ausgaben zu gelangen - ein Verfahren also, das die Voraussage gleich von vorneherein festlegt.
Der These, daß ein Konkurs eine Kettenreaktion auf den Finanzmärkten
auslösen würde, liegt die Befürchtung zugrunde, daß es zu einem allgemeinen
Abzug von Geldern von solchen Banken kommen würde, die hohe Beträge an
Schuldverschreibungen des Staates New York, der Stadt New York sowie anderer
großer Städte und Verwaltungen in diesem Staate halten.

Diese Möglichkeit

dürfte jedoch äußerst abwegig sein, zumal die Bundesbank erst kürzlich Zusicherungen angeboten hat, de" sie die Einleger schützen und die Bankenliquidität aufrechterhalten würde.
Darüber hinaus haben drei

Bundesaufsichtsbehörden für Banken die An-

fälligkeit des Bankensystems einer genauen Prüfung unterzogen. Der Comptroller of the Currency and Supervisor of Federally Chartered Banks (entspricht
etwa dem Präsidenten des Bundesaufsichtsamtes für Banken), James E. Smith,
erklärte am 18. Oktober

bei einer Anhörung vor dem Senatsausschuß für das

Bankwesen: "Es liegt auf der Hand, daß niemand etwas endgültiges über die
Auswir! ungen eines Bankrotts der Stadt New York sagen kann. Wenn die Wertminderung über kurze Fristen hinaus im wesentlichen auf die Obligationen der
Stadt New York begrenzt werden kann, dann dürfte die Auswirkung auf das nationale Bankensystem zwar lästig und unangenehm, aber ohne ernste Erschütterungen des Bankensystems zu bewältigen sein".
Der Vizepräsident der amerikanischen Bundesbank, George W. Mitchell,
berichtete, daß eine Untersuchung der Bundesbank ergab, daß nur wenige Banken
im Falle eines Konkurses der Stadt New York mit größeren Kapitalverlusten
zu rechnen hätten, und daß es sich bei den meisten von ihnen nur um kleinere
Finanzinstitute handele. "Es scheint daher nicht so, daß sehr viel Kapital
in Gefahr ist", so erklärte er, "zumindest nicht bei den Landesbanken".
Mitchell

�Mitchell wies noch auf einen weiteren wesentlichen Punkt hin, der meist
übersehen worden ist: Die Einzelstaaten und die Gemeinden, die vor allem
während der großen Depression zum Bankrott gezwungen wurden, haben niemals
die Anerkennung ihrer Schulden verweigert.
"Diese Tatsache läßt sich einwandfrei durch die Erfahrung während der
Depression der dreißiger Jahre belegen, als annähernd 4 800 einzelstaatliche
und kommunale Stellen - von über 150 000 insgesamt - ihre Zahlungsunfähigkeit
erklären mußten, darunter 48 Städte mit einer Bevölkerung von 25 000 und darüber... Und doch konnten bis 1938 alle 48 Städte aus dem Konkurs herauskommen
und bis 1945 hatten praktisch alle der genannten Stellen, soweit sie von
einiger Bedeutung waren, eine Regelung ihrer Schuldenprobleme gefunden. Der
Verlust an Kapital und Zinsen aus angemeldeten Konkursen während der großen
Depression wird in einer Studie des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung
auf insgesamt nur 100 Millionen Dollar geschätzt, d.h. auf ein halbes Prozent
der durchschnittlichen Verschuldung von Einzelstaaten und Kommunen in diesem
Zeitraum".
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Bundesversicherungsanstalt für Depositen (Federal Deposit Insurance Corporation), Frank Wille, faßte das Ergebnis der Erhebungen seiner Behörde über die potentiellen Auswirkungen eines
Bankrotts der Stadt New York auf die 8 889 amerikanischen Banken, die nicht
Mitglieder des Bundesbankensystems sind, wie folgt zusammen:
"... Nach Ansicht der FDIC würden, falls es zu einem Bankrott der Stadt
New York kommt und falls der Kursverlust bei den ausstehenden Schuldverschreibungen nicht übet 50 Prozent des Nennwertes hinausgeht, wesentlich weniger
als 30 Nichtmitgliedsbanken Anlaß zu ernster Besorgnis für die Überwachung
geben. Die Zahl dieser Banken, die in ernste Schwierigkeiten geraten könnten,
falls der Bankrott auch den Staat New York und die von ihm ausgegebenen Schuldverschreibungen in Mitleidenschaft ziehen würde und falls der Kursverlust ihrer ausgegebenen Schuldverschreibungen 75 Prozent des Nennwertes erreichen
sollte, würde jedoch die Zahl 30 wahrscheinlich nicht übersteigen".
Für
- 5 -

�Für die Erörterung der Frage eines Konkurses oder einer Stützaktion
wirkt das Argument einer wirtschaftlichen und finanziellen Dominowirkung nur
verwirrend. Es ist falsch, sich deshalb Sorge zu machen.
Die Stadt New York hat einen riesigen Schuldenberg angehäuft und ihre
Ausgaben, einschließlich des Schuldendienstes, scheinen ihre Einnahmen jetzt
bei weitem zu übersteigen.

Dieses Problem muß aus der Welt geschafft werden,

bevor die Stadt erneut den Kapitalmarkt in Anspruch nehmen kann. Die Frage,
die gegenwärtig erörtert wird, lautet: wie kann dies am besten geschehen,
wenn die Stadt bei ihren Schulden in Verzug geraten ist oder wenn ein Konkurs
durch irgendeine Stützaktion abgewendet wird?...
Die Argumente gegen eine Bundeshilfe begrünHen sich auf der Auffassung,
daß durch eine solche Aktion ein Präzedenzfall geschaffen würde, der in der
Zukunft zu einer finanziellen Laschheit der Einzelstaaten und der Kommunalverwaltungen geradezu einladen könnte. Beispielsweise haben die vielfachen
Konkurse bei Einzel Staaten und Kommunal Verwaltungen in den vierziger, fünfziger, siebziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts und in den dreissiger Jahren dieses Jahrhunderts zahlreiche andere Einzelstaaten und Städte
veranlaßt,

strenge fiskalische Zurückhaltung zu üben. Das ist weitgehend der

Grund, warum die Probleme der Stadt Nev York heute nicht stärker überzeugen
können.
Manche Leute sind besorgt, daß die dem bundesstaatlichen Regierungssystem zugrundeliegende Gewaltentrennung möglicherweise zusammenbrechen könnte. Nach allem, was geschehen ist, dürfte jedoch klar sein, daß die Stadt
und der Einzel Staat, falls sie eine Bundeshilfe in Anspruch nehmen, auch eine
Kontrolle und Überwachung durch den Bund hinnehmen müßten.

Das

�Das stärkste Argument für eine Bundeshilfe ist nicht die illusorische
Angst vor einer nationalen und internationalen Kettenreaktion, sondern die
Tatsache, daß ernste örtliche probleme vermieden werden, die sich im Falle
eines Konkurses ergeben könnten, ohne daß aber für den Rest des Landes
gleichzeitig irgendwelche Vorteile entstehen. Es bleibt ferner die Frage,
ob ein Konkurs nicht zu einem schnelleren fiskalischen Säuberungsprozeß
in der Stadt New York führen würde...

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- 7 -

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24/1975

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA IM STUDIENJAHR
1976/77
--(AD)-- Für das Studienjahr 1976/77 schreibt die Fulbright-Kommission eine
beschränkte Anzahl von Reisestipendien aus; Anträge werden in der Zeit vom
1. Dezember 1975 bis 15. Januar 1976 angenommen. Voraussetzungen sind u.a.,
daß die Bewerber einen Studienaufenthalt von einem akademischen Jahr als
ordentliche Studierende planen, daß die Aufenthaltsfinanzierung anderweitig
geplant ist und daß die Bewerber zum Zeitpunkt der Abreise (September 1976)
mindestens 4 Hochschul Semester, davon mindestens 2 an einer deutschen Hochschule studiert haben. Bewerbungsformulare für Fulbright-Reisestipendien
werden direkt bei der Fulbright-Kommission, 53 Bonn-Bad Godesberg, Theaterplatz la, angefordert. vorläufige Anträge sollten innerhalb der Bewerbungsfrist auch dann eingereicht werden, wenn Einzelheiten über das AmerikaStudium noch nicht bekannt sind. Vollstipendien zum Studium in den USA können für 1976/77 nicht mehr beantragt werden.
Weitere Auskünfte erteilen die Akademischen Auslandsämter der deutschen Hochschulen sowie die Fulbright-Kommission selbst.

XXX

�</text>
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                <text>Amerikadienst 03.12.1975</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Enders ruft zur Zusammenarbeit der Erdölverbraucherländer auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede des US-Unterstaatssekretärs am 21. November in London -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wieviel Sorgen muss man sich um New York machen?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Aus dem monatlichen Wirtschaftsbrief der First National City Bank November 75)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studeinjahr 1976/77</text>
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Dezember 1975

Inhalt
INFORMATION:
Labor- und Analysengeräte
-Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum Frankfurt am Main-

WIRTSCHAFT:
US-Unterstaatssekretär erläutert Bestimmungen über Gegenzölle
-Interview mit dem USIA-Korrespondenten John J. HarterWorum es bei den multilateralen HandelsVerhandlungen in Genf geht
Von Frederick B. Dent - Sonderbeauftragter Präsident Fords für
hundelsverhandlungen

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Probleme der Luftreinhaltung
-Auch die Natur trägt zur Verschmutzung bei
Vorsorgeuntersuchung an der Stratosphäre
-Explorer 55 soll Veränderungen der Ozonschicht erfassen-

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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25/1975

LABOR - UND ANALYSENGERÄTE
- Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum Frankfurt am Main Vom 27.-30. Januar 1976 stellen amerikanische Firmen im Rahmen einer Ausstellung "Labor- und Analysengeräte" ihre neuesten Entwicklungen auf diesem
Sektor dem deutschen Fachpublikum vor.
Fortschrittliche Technologien in allen Industriezweigen Deutschlands,
verstärkte Investitionen für Projekte, die von der öffentlichten Hand getragen oder unterstützt werden und nicht zuletzt der günstige Dollarkurs tragen
dazu bei, daS die amerikanischen Hersteller eine faire Chance haben, einen
erhöhten Anteil am expandierenden deutschen Markt für nicht-automatische,
automatische sowie computergesteuerte Laborinstrumente zu erringen.
Von dem deutschen Markt für Laborinstrumente, der im Jahre 1974 rund
217 Millionen Dollar ausmachte, wurden 48 Prozent durch Importe gedeckt. Der
amerikanische Importanteil beträgt bisher 35 % oder 15 % des Gesamtmarktes
(rund 33 Millionen Dollar).
Die jährliche Zuwachsrate auf dem Laborinstrumenten-Sektor betrug zwischen 1972 und 1974, lach Markterhebungen des US Department of Commerce,
15 %. Für die Jahre i975 bis 1979 wird sie voraussichtlich bei 5 tfespektive

- 1 -

�respektive 6 % liegen.
Das Produktspektrum, welches auf dieser Ausstellung vorgestellt wird,
umfaßt: Gaschromatographen, Flüssigkeitschromatographen, Massenspektrometer,
NMR-Spektrometer, pH-Meßgeräte, Thermoanalysatoren, automatische Analysatoren,
Röntgenanalysatoren, Sauerstoffanalysatoren, Spektrophotometer, Spektrumanalysatoren, Laborzentrifugen sowie Minicomputer.
Angeschlossen an die Ausstellung ist ein Seminar, dessen genauer Zeitpunkt noch bekanntgegeben wird.

Weitere Informationen und komplette Programme durch:
US-Handelszentrum, 6 Frankfurt/Main, Bockenheimer Landstraße 2/4, Tel
0611 72 08 Ol, Telex: 416535

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25/1975

US-UNTERSTAATSSEKRETÄR ERLÄUTERT BESTIMMUNGEN OBER GEGENZÖLLE
- Interview mit dem USIA-Korrespondenten John J. Harter -

WASHINGTON --(AD)-- Der Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium, David
R.Macdonald hat in einem kürzlich veröffentlichten Interview mit dem USIAKorrespondenten John J. Hartler die Bestimmungen des neuen amerikanischen
Handelsgesetzes von 1974 über Gegenzölle sowie Anti-Dumpingverfahren erläutert.
Gleichzeitig betonte Macdjnald, daß alle beim Finanzministerium gestellten
Anträge auf Einleitung entsprechender Verfahren, soweit sie - gemessen am
Handelswert - von größerer Bedeutung sind, erledigt oder niedergeschlagen
sind. So sei in der Frage der subventionierten Käseimporte aus der Europäischen Gemeinschaft eine für alle Betroffenen befriedigende Regelung gefunden
worden. Und hinsichtlich der angeblich subventionierten Stahlexporte von
sieben europäischen Ländern habe das Finanzministerium am 20. Oktober bekanntgegeben.daß eine Untersuchung nicht eingeleitet wird. Die nunmehr noch schwebenden Verfahren beträfen ein sehr geringes Handelsvolumen.

Die wesentlichen Teile des Interviews haben folgenden Wortlaut:
Frage:

�Frage: Als das Handelsgesetz von 1974 rechtskräftig wurde, ist es als
wichtiger Schritt in Richtung auf eine weltweite Handelsliberalisierung begrüßt worden. Einige Kritiker im Ausland haben sich jedoch beklagt, daß dieses
Gesetz zahlreiche restriktive Handelsbestimmungen enthalte. Können Sie dieses
Paradoxon erläutern?
Antwort: Es besteht keinerlei Zweifel, daß das Handelsgesetz die Vereinigten Staaten in die Lage versetzen sollte, sich an der Tokio-Runde von Handelsverhandlungen zu beteiligen, die gegenwärtig in Genf stattfindet. Von diesen
Verhandlungen wird erwartet, daß sie zu einem wesentlichen Abbau der Zollund der nicht-tarifären Schranken führen werden.
Gleichzeitig hat das Handelsgesetz eine Reihe von Bestimmungen in amerikanischen Gesetzen klar gestellt, die unfaire Handelspraktiken anderer Länder
betreffen - vor allem unser Gesetz über Gegenzölle und unser Anti-Dumpinggesetz. Ganz allgemein hat das neue Gesetz Fristen für administrative Verfahren
aufgrund dieser Gesetzesbestimmungen gesetzt, und in einigen Fällen hat es unsere Auffassung darüber konkretisiert, was wir meinen, wenn wir von unfairen
Handelspraktiken anderer Länder sprechen.
,

j

•

...

,•

Frage: Könnten Sie die wichtigsten Bestimmungen des Gesetzes erläutern,
soweit sie die Gegenzölle betreffen?
Antwort: Das neue Handelsgesetz fordert, daß das Finanzministerium eine
"vorläufige Entscheidung" trifft, ob bei einem bestimmten importierten Erzeugnis eine "Prämie" oder eine anderweitige "nicht rückzahlbare Zuwendung" gewährt wurde, und zwar innerhalb von sechs Monaten, gerechnet vom Zeitpunkt des
Eingangs und Annahme einer Beschwerde nach diesem Gesetz. Innerhalb von zwölf
Monaten müssen wir eine endgültige Entscheidung fällen, ob eine solche Prämie
oder Zuwendung gewährt worden ist, und falls dies zutrifft, müssen wir sagen,
was das ausmacht und ob wir von der neuen, in unser Ermessen gestellten Sondervollmacht in diesem Fall Gebrauch machen werden.
Das
- 2 -

�Das neue Handelsgesetz gibt uns ferner die Möglichkeit, Gegenzölle bei
Waren zu erheben, die zuvor zollfrei in die Vereinigten Staaten eingeführt
worden sind - eine Ermächtigung, die wir bisher nicht hatten. Wir dürfen von
dieser neuen Ermächtigung jedoch nur Gebrauch machen, wenn die amerikanische
Industrie aufgrund der zollfreien Warer,eincuhr einen Schaden erleidet. Und
außerdem enthält das Gesetz über Gegenzölle eine neue Bestimmung über ein
Beschwerdeverfahren für amerikanische Produzenten, deren Erzeugnisse im Wettbewerb mit subventionierten Importen stehen.
Das neue Gesetz enthält ferner wichtige neue Ermessensbestimmungen, die es
dem Finanzminister ermöglichen, die Einführung von Gegenzöllen auszusetzen,
falls drei bestimmten Erfordernissen entsprochen wird. Zwei dieser Bedingungen
stehen in einem Zusammenhang mit den Verhandlungen im Rahmen der Tokio-Runde
und der Wahrscheinlichkeit, daß diese Verhandlungen zu neuen internationalen
Praktiken und Verfahren für die Lösung derartiger Streitfragen führen werden.
Diese beiden Erfordernisse sind:
Erstens muß berechtigte Aussicht bestehen, daß mit den anderen Ländern
erfolgreich Abkommen über einen Abbau oder eine Beseitigung der Handelsschranken abgeschlossen werden, und
zweitens müsste eine Verhängung von Gegenzöllen zu einer ernsten Gefährdung dieser Verhandlungen führen.
Das dritte Erfordernis, dem in einem solchen Fall entsprochen sein muß,
bevor eine Verhängung von Gegenzöllen unterbleiben kann, ist, daß die nachteiligen Auswirkungen der betreffenden Subvention beseitigt oder wesentlich
verringert worden sind.
Frage: Wenn Sie von Subventionen sprechen, meinen Sie dann Exportsubventionen? Kann man immer zwischen Exportsubventionen und einer Subventionierung der Produktion unterscheiden?
Antwort:

�•»

Antwort: Nein, meines Erachtens ist eine solche Entscheidung nicht immer
möglich. Unser neues Handelsgesetz - und die betreffenden Bestimmungen des
Allgemeinen Zoll-and Handelsabkommens (GATT) - besagen beide ganz eindeutig,
daß Gegenzölle angewandt werden sollten, wenn immer die betreffenden Erzeugnisse subventioniert sind,sei es auf der Produktionsebene oder beim Export.
Frage: Halten Sie einige Arten von Subventionen für angebracht oder wären
Ihrer Meinung nach alle Subventionen ungesetzlich?
Antwort: Das derzeitige amerikanische Handelsgesetz verlangt, daß eine
Entscheidung getroffen wird - erstens hinsichtlich Art und Umfang der etwaigen Subvention in dem betreffenden Fall und zweitens, ob Gegenzölle verhängt
werden sollen oder ob darauf verzichtet werden soll. Die Kriterien des neuen
Gesetzes sind sehr genau und so haben wir keinen Ermessensspielraum in der
Handhabung dieser Fragen. Die von Ihnen angeschnittene Frage wird jedoch in
der Tokio-Runde aufgeworfen werden. Meines Erachtens könnten die Verhandlungen
mit einem internationalen Abkommen abschließen, demzufolge einige Subventionen
dann zulässig wären.
Frage: Welche Subventionen zum Beispiel könnten von der internationalen
Völkergemeinschaft Ihres Erachtens akzeptiert werden?
•

Antwort: Jedes Land führt bestimmte Arten von Programmen zur Förderung
des Handels durch - zum Beispiel Handelsmessen. Rein technisch gesehen stellen solche Messen bereits eine Subvention des Produzenten dar, der aus ihnen
Nutzen zieht. Ich möchte jedoch meinen, daß die Regierungen bestimmte Grenzen
für Exportförderungsmaßnahmen dieser Art setzen könnten.

Frage: Könnte ein solcher Kodex Ihrer Meinung nach auch Exportkredite
einschließen?
Antwort:

- 4 -

�Antwort: Unser Gesetz über Gegenzölle schließt heute ganz eindeutig
solche Güter ein, die in die Vereinigten Staaten unter Exportfinanzierungspraktikeneingeführt werden, bei denen der Exporteur Zinsen zahlt, die noch unter
den kommerziellen Sätzen liegen. Die sich hieraus für den Exp rteur ergebenden Vergünstigungen stellen Subventionen dar, auf die Gegenzölle erhoben werden können. Möglicherweise können sich die Regierungen auf Bestimmungen einigen, die einen bestimmten Zinssatz zulassen. Bei jedem darunter lieaenden
Zins könnten dann Gegenzölle erhoben werden. Ein internationaler Kodex darüber, inwieweit die einzelnen Regierungen ihren Export finanzieren dürfen, ohne
die akzeptierbaren internationalen Wettbewerbsnormen zu untergraben, wäre im
höchsten Maße wünschenswert. Damit würden eine Menge internationaler Reibungsflächen beseitigt werden.
Frage: Wäre es denkbar, daß ein im Rahmen der Tokio-Runde ausgehandelter
internationaler Kodex auch Bestimmungen über staatliche Programme einschliessen könnte, die das Einkommensgefälle zwischen den ärmeren und den reicheren
Gebieten der jeweiligen Länder einengen sollen?

Antwort: Das ist möglich. Oder dieses Problem könnte auch unter einer
allgemeiner gehaltenen Bestimmung zusammengefaßt werden, um so einen Unterschied zwischen solchen Praktiken und einer direkten Exportsubventionierung
zu machen.
Frage: Die von Botschafter Moynihan im Namen von Außenminister Kissinger
auf der 7. Sondersitzung der UN-Vollversammlung abgegebene Erklärung beweist, daß die Vereinigten Staaten sich an Verhandlungen über einen Kodex beteiligen werden und zwar auf der Basis, daß den Entwicklungsländern unter genau umrissenen Bedingungen bestimmte Subventionen für einen Zeitraum zugestanden werden, der zur Erreichung bestimmter Entwicklungsziele notwendig ist,
ohne daß hierdurch Gegenzölle ausgelöst werden. Können Sie sich hierzu
äußern?
Antwort:

- 5 -

�Antwort: Diese Erklärung besagt eindeutig, daß der Situation der Entwicklungsländer bei jedem Kodex über

Subventionen und Gegenzölle, der während

der Tokio-Runde vereinbart wird, besondere Beachtung geschenkt wird. Es ist
sehr schwer zu sagen, was fair sein würde und was unser Kongreß akzeptieren
würde. Ich bin mir noch nicht klar darüber, was dabei herauskommen wird. Das
Ergebnis wird von den Verhandlungen abhängen. Wir werden natürlich prüfen,
wie sich die jeweiligen Sondervereinbarungen auf unsere Binnenwirtschaft auswirken würden.
Frage: Wird den Entwicklungsländern - unabhängig vom Ausgang der TokioRunde und vom Abschluß irgendwelcher Sondervereinbarungen, die im Rahmen dieser Verhandlungen getroffen werden könnten - bei der Handhabung der Bestimmungen über Gegenzölle eine besondere Behandlung zuteil?

Antwort: Nein, es gibt keine rechtliche Basis dafür, die Entwicklungsländer hier bevorzugt zu berücksichtigen. Im Augenblick macht das Gesetz keinen
Unterschied, und die Importe aus diesen Ländern werden genauso wie die Einfuhren aus den Industriestaaten behandelt.
Frage: Könnten Sie uns etwas zu einigen der noch schwebenden großen Verfahren über Gegenzölle sagen?
Antwort: Es ist uns gelungen, die Frage der subventionierten Käseexporte
aus der Europäischen Gemeinschaft zur Zufriedenheit aller Betroffenen zu regeln. Wir haben am 20. Oktober unseren Beschluß bekanntgegeben, daß wir keine
Untersuchung bezüglich der angeblichen Subventionierung von Stahlexporten aus
sieben europäischen Ländern einleiten werden. Im November haben wir erklärt,
daß wir auf Gegenzölle bei importiertem Büchsenschinken verzichten werden
- eine delikate Frage, bei der es um ein beträchtliches Handelsvolumen ging.
Mir ist kein weiteres schwebendes Verfahren bekannt, bei dem es um ein sehr
beträchtliches Handelsvolumen geht. Natürlich ist jeder derartige Fall für
die Länder "wichtig", deren Export betroffen wird, sowie für die einheimischen

- 6 -

�t

einheimischen Erzeuger, die unter einem subventionierten Wettbewerb zu leiden
glauben.
Frage: Wer stellt nach dem neuen Handelsgesetz Antrag auf Verhängung von Gegenzöllen und wie geht das vor sich?
Antwort: Jeder kann an das Finanzministerium Antrag stellen, aufgrund des
Gesetzes eine Untersuchung einzuleiten. Das Finanzministerium wird einen solchen Antrag von jeder Stelle annehmen, wenn er vernünftig begründet zu sein
scheint, und dann eine Untersuchung zur Feststellung der relevanten Fakten
durchführen. Das Gesetz verlangt nicht, daß eine Schädigung der binnenwirtschaftlichen Interessen vorliegen muß, außer im Falle einer Einfuhr zollfreier
Waren.
Frage: Leitet die Regierung eine solche Untersuchung von sich aus nicht
ein, falls kein Antrag von privater Seite gestellt worden ist?
Antwort: Nein, die Regierung leitet keinerlei Maßnahmen in solchen Fällen
ein. Wir könnten dies tun, aber wir haben es bisher nur in einem Fall vor Jahren getan. Anträge, auf die hin wir etwas unternehmen, werden gewöhnlich von
amerikanischen Produzenten solcher Erzeugnisse eingereicht, die im Wettbewerb
mit den Importgütern stehen.
Frage: Das neue Handelsgesetz enthält ferner neue Anti-Dumpingbestimmungen.
Wie unterscheiden sich diese von den zuvor gültigen Gesetzen?
Antwort: Es gibt eine neue Bestimmung, die die Weiterleitung von Beschwerden an die Internationale Handelskommission - die frühere Zollkommission vorsieht, in deren Kompetenzbereich eine erste Entscheidung darüber fällt, ob
die binnenwirtschaftlichen Interessen aufgrund des angeblichen Dumpings geschädigt worden sind. Diese Bestimmung soll eine frühere Rechtsunsicherheit beseitigen, ob nämlich Informationen über eine solche Schädigung geprüft weifden

- 7 -

�werden sollen, sobald eine Dumpingbeschwerde erhoben wird. Die neue Bestimmung steht eindeutig mit dem Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommen in Einklang.
Darüber hinaus sind dem Finanzministerium Fristen gesetzt worden, bis zu
denen es zu einem Entscheid darüber gekommen sein muß, ob die Anti-Dumpinggesetze verletzt worden sind. Doch kommt dem nicht so große Bedeutung wie im
Falle der Gegenzölle zu, da die neue Bestimmung lediglich die Fristen gesetzlich festlegt, die dem Finanzministerium bereits durch Verordnung gesetzt worden sind. Das neue Handelsgesetz hat auf dem Anti-Dumpingbereich zu keinen
wesentlichen Änderungen geführt und die Handhabung des Gesetzes hat sich auf
diesem Bereich nicht wesentlich geändert.
•

Frage: Können Sie uns erläutern, was der Begriff "Dumping" besagt?
Antwort: Ein Dumping liegt vor, wenn ein Erzeugnis im Ausland zu einem
niedrigeren Preis als im Inland verkauft wird. Es handelt sich also um eine
Art von internationaler Preisdiskriminierung. In unserem Anti-Dumpinggesetz
reicht jedoch der Nachweis diskriminierender Preispraktiken nicht aus, um ein
Dumping festzustellen. Eine Schädigung der in den Vereinigten Staaten mit
diesen Importen konkurrierenden einheimischen Industrie muß ebenfalls eindeutig nachgewiesen werden. Sind diese beiden Tatbestände gegeben, so wird das
importierte Erzeugnis mit einem Zoll belegt, der der Preisdifferenz zwischen
Binnen-und Exportmarkt entspricht.
In der Praxis sind diesbezügliche Untersuchungen viel komplizierter, als
aus dieser vereinfachten Darlegung hervorgeht, denn die Kosten für Fracht
und sonstige Steuern müssen herausgenommen, Anpassungen für Unterschiede
in den Verkaufsmethoden oder für Sonderrabatte bei Abnahme großer Mengen
müssen vorgenommen und anderweitige Erwägungen müssen angestellt werden. Grundsätzlich geht dieses Verfahren jedoch von dem Vergleich zwischen Binnenmarktund Exportpreis aus.
Fra e:

9

�Frage: Die Internationale Handelskommission stellt fest, ob eine Schädigung der binnenwirtschaftlichen Interessen vorliegt?
Antwort: Das ist richtig. Das Finanzministerium stellt lediglich fest,
ob Verkäufe zu einem Preis stattfinden, der unter dem fairen Wert liegt.
Frage: Bei dem schwebenden großen Anti-Dumpingfall geht es offensichtlich
um Kraftfahrzeuge. Könnten Sie uns etwas über den Stand dieses Verfahrens
sagen?
Antwort: Das Finanzministerium steht im Augenblick mitten in einer Untersuchung darüber, ob der Verkauf von Kraftfahrzeugen, die aus acht anderen Ländern in die Vereinigten Staaten importiert worden sind, in den Vereinigten
Staaten zu einem Preis erfolgte, der unter dem fairen Wert liegt. Wir rechnen
damit, daß dieses Verfahren etwa in der Zeit zwischen Februar und Mai nächsten Jahres abgeschlossen sein wird. Sollten wir feststellen, daß bei einigen
oder allen diesen Kraftfahrzeugen solche Verkäufe stattgefunden haben, so werden wir die Internationale Handelskommission ersuchen, eine Entscheidung zu
treffen, ob die amerikanische Autoindustrie hierdurch Schaden erlitten hat.
Frage: Hat sich die Internationale Handelskommission nicht bereits mit
diesem Fall befaßt?
Antwort: Als das Finanzministerium die erste Beschwerde erhielt, haben
wir die Handelskommission ersucht, sich mit diesem Fall zu befassen. Mit vier
gegen zwei Stimmen ist diese zu dem Beschluß gekommen, sie könne nicht sagen,
daß in diesem Fall keine Möglichkeit eines Schadens bestanden habe. Sie wird
diese Frage noch gründlicher untersuchen, sobald sie aufgefordert worden ist,
ein endgültiges Urteil über den Fall abzugeben.
Frage:

- 9 -

�Frage: Werden gegenwärtig noch andere Anti-Dumpingfälle

geprüft?

Antwort: Es werden immer einige Fälle geprüft, aber gegenwärtig steht
kein Verfahren an, daß auch nur annähernd die Bedeutung des Kfz-Falles hat.

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25/1975

WORUM ES BEI DEN MULTILATERALEN HANDELSVERHANDLUNGEN IN GENF GEHT
Von Frederick B. Dent
Sonderbeauftragter Präsident Fords für Handelsverhandlungen

--(AD)-- Die ehrliche Serge einzelner Länder über die steigende Arbeitslosigkeit, die Wirtschaftsflaute und die bedeutend höheren Energiekosten hat zeitweise die arbeitsplatzschaffende und wachstumsfördernde Wirkung eines freieren
Welthandels in den Hintergrund treten lassen. Immerhin haben sich neunzig
nationale Regierungen dennoch zu den Verhandlungen bekannt, die gegenwärtig
in Genf über die Schaffung eines freieren und faireren internationalen Handelssystems geführt werden.
Abgesehen von einer überraschend kleinen Zahl geringfügiger und in den
meisten Fällen nur temporärer Ausnahmen haben die großen Handelsnationen der
Welt in einer Zeit weltweiter wirtschaftlicher Rezession ihr Versprechen gehalten, restriktive Handelspraktiken und Maßnahmen zu vermeiden. Und trotz aller
Befürchtungen, es könnte zu einer Rückkehr zum Protektionismus kommen, hat
bisher kein Land die Segel gestrichen oder seinen Kurs geändert. Die Arbeiten
in Genf, für die bevorstehenden harten Verhandlungen einen Rahmen zu setzen,
sind vielmehr laufend vorangeschritten.
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Die Tokio-Runde ist die wohl weitestgehende der sieben Verhandlungsrunden
seit der Schaffung des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) im Jahre
1947. Ihr Ziel, die in jüngster Zeit einsetzende Vermehrung der nicht-tarifären
Handelshemmnisse abzustoppen, diese Maßnahmen abzubauen oder zu beseitigen,
ist sehr hoch gesteckt. Diese Multinationalen Handelsverhandlungen (MTN) sind
äußerst komplex und werden viel Zeit benötigen, so daß mit einem umfassenden
Paket von endgültigen Abkommen und Vereinbarungen nicht vor Mitte 1977 zu rechnen sein dürfte.
Es gibt einige ermutigende Zeichen. So hat der Wirtschaftsaufschwung in
den USA bereits die meisten Voraussagen überholt und zu zahlreichen neuen,
vielversprechenden Prognosen geführt. In Japan ist ebenfalls die Wende eingetreten, doch Europa, Kanada und zahlreiche Entwicklungsländer sind diesem Trend
bisher noch nicht gefolgt. Und der Welthandel hatte in den ersten neun Monaten
dieses Jahres ein nicht dkzeptierbares Minus von 10 Prozent aufzuweisen. Aber
die Erfahrung bei ähnlichen Entwicklungen in der Vergangenheit muß zu der logischen Folgerung führen, daß für 1976 sichtbare Verbesserungen zu erwarten
sind.
Die Deklaration von Tokio, mit der diese Verhandlungsrunde vor zwei Jahren
offiziell eröffnet wurde, umreißt vielleicht am besten, worum es in diesen Verhandlungen geht. In

Paragraph 4 dieser Deklaration heißt es: "Die Verhandlun-

gen sollen Zölle, nicht-tarifäre Handelsschranken und sonstige Maßnahmen einschließen, die den internationalen Handel sowohl mit Industrie- als auch mit
Agrarprodukten behindern oder verzerren". Und in Paragraph 8 heißt es weiter:
"Die Verhandlungen werden als ein Ganzes betrachtet, dessen verschiedene Elemente gemeinsam voranschreiten müssen".

Diese Koppelung von industriellen und landwirtschaftlichen Abkommen, die
später auch im neuen Landwirtschaftsgesetz der USA gefordert worden war, gab
es in der Kennedy-Runde noch nicht, in der die Landwirtschaft erst an die
Reihe kam, nachdem die industriellen Verhandlungen praktisch abgeschlossen
- 2 -

J

�abgeschlossen waren. Dies hatte damals dazu geführt, daß die Liberalisierung
des Agrarhandels minimal und - gelinde gesagt - enttäuschend war. Heute kommt
dieser Frage eine entscheidende Bedeutung zu vor allem deshalb, weil sie zahlreichen anderen Fragen zugrunde liegt, die in Genf auf dem Verhandlungstisch
sind.
Die nicht-tarifären Maßnahmen, die ganz allgemein zu Behinderungen oder
Verzerrungen des Handels führen, machen keinen Unterschied zwisch *i landwirtschaftlichen und industriellen Exporten oder Importen. Subventionspraktiken
beim Export, die dem Binnenmarkt sowie Märkten in Drittländern einen unfairen
und unökonomischen Vorteil verschaffen, sind in gleicher Weise beim Handel mit
industriellen Erzeugnissen und mit Agrarprodukten zu finden.
Gegenzölle bei Importen, die als Vergeltung verhängt werden können und
aufgrund der einheimischen Gesetzgebung zulässig sind, treffen in gleicher Weise industrielle Erzeugnisse und Agrarprodukte. Für dieses Problem kann es nur
eine gemeinsame Lösung geben; getrennte Lösungen sind nicht möglich.
Eine neue, international vereinbarte Regelung für alle diese Praktiken
hat bei zahlreichen der an den Verhandlungen in Genf beteiligten Länder hohe
Priorität - zugegebenermaßen nicht aus dem gleichen Grunde, aber das gleiche
Endergebnis wird von vielen Ländern mit ganz verschiedenen Interessen und Auffassungen angestrebt.
Die Suche nach einem neuen Weg für die

Annahme eines multilateralen

Mechanismus zur Festsetzung von Normen für Erzeugnisse, Verpackungen und Auszeichnung ist ein weiterer Punkt, der in Genf ansteht. Gesundheitsbestimmungen,
Sicherheitserfordernisse, Mengen- und QuaMtätsbezeichnungen machen keinen Unterschied, ob es sich nun um Lebensmittel oder Maschinen, um Fasern oder elektrische Ausrüstungen handelt.
Eine

- 3 -

�Eine weitere Frage ist der angemessene und gerechte Zugang zu Rohstoffvorkommen und zu Absatzmärkten. Können die internationalen Richtlinien über
eine faire Aufteilung bei Getreide anders sein als bei Erzen?

Kann daher der

Zugang für Agrarprodukte zu den Absatzmärkten unter anderen Zoll- und nichttarifären Bestimmungen ausgehandelt werden als für industrielle Erzeugnisse?
Hieraus wiederum ergibt sich die verständliche Forderung der Entwicklungsländer nach einer Sonderbehandlung, wenn sie an den Vorteilen und Pflichten eines modernisierten Welthandelssystems teilhaben sollen, das den Erfordernissen einer im Wandel begriffenen Weltwirtschaft entspricht. Sollten die
Industriestaaten einen Unterschied machen zwischen tropischen Erzeugnissen wie
Bananen und petrochemischem Dünger, wenn es um eine Sonderbehandlung für die
Entwicklungsländer beim Zugang zu den Märkten geht? Wenn es das Ziel ist, die
Diversifikation der Produktion in den Entwicklungsländern und den Export von
Halbfertigwaren zu fördern, dann ist die Antwort klar.
Ein gemeinsames Vorgehen bei den Verhandlungen über einen freieren und
faireren Handel mit industriellen Erzeugnissen und Agrarprodukten bringt für
alle wirtschaftliche Vorteile.
Die amerikanische Agrarpolitik hat bereits ihre "Revolution" oder vielleicht sollte ich sagen Evolution in Richtung auf einen im Grunde freien Markt
und eine volle Ausnutzung der Produktionskapazitäten hinter sich. Die Fortführung einer solchen Politik setzt einen Zugang auf reiner Wettbewerbsbasis
zu den Exportmärkten und das Angebot einer maximalen Belieferung zu nicht-inflationären Preisen im In-und Ausland voraus.
Dies ist in anderen Ländern noch nicht der Fall, in denen die Produktion
durch Stützpreise gefördert wird, die Binnenmärkte durch willkürlich schwankende Importschranken abgeschirmt werden und der Export subventioniert wird. Eine
solche Politik kann vertretbar sein, wenn sie mit legitimen sozialen und wirtschaftlichen Zielen begründet wird. Wir erkennen solche Ziele an und respek-

�respektieren sie, aber nur solange, wie der Absatz auf unserem Markt oder
unser Export nicht auf unfaire Weise benachteiligt werden. Und auch dies gilt
wieder in gleicher Weise für den Handel mit Agrar- und mit Industrieerzeugnissen.
Wir haben keinerlei ExportförHeruno^maßnahmen oder Importrestriktionen
- sei es auf dem Industriesektor oder auf dem Agrarsektor - vom Verhandlungstisch zurückgewiesen und nichis als nicht-verhandelbar "'de* sakrosankt bezeichnet. Wir haben vorgeschlagen, die in der Tokio-Deklaration geforderte Gegenseitigkeit durch gleichzeitige Verhandlungen über die industriellen und die
landwirtschaftlichen Handelsschranken anzustreben, um so ein ausgewogenes und
allseits befriedigendes Schlußabkommen zu erreichen. Wir bestreiten keineswegs
die Notwendigkeit stabilerer und freierer Märkte und sind bereit, über jeden
vernünftigen Vorschlag zu verhandeln, der diesem Ziel dient. Für uns konzentriert sich diese Frage auf die Notwendigkeit, zu einem vereinbarten internationalen Instrumentarium zu gelangen, um die Auswirkungen von Exportsubventionen auf den

innenmarkt sowie auf Drittmärkte unter Kontrolle zu bringen, sowie

vernünftige Maßnahmen für die Handhabung solcher Importkontrollen zu erreichen.
Wenn unser Ziel ein Abkommen über die Anwendung von Exportsubventionen
ist, so wird jeder in der Welt von uns verlangen, daß wir unser 80 Jahre altes
Gesetz über Gegenzöile in Einklang mit den GATT-Bestimmungen bringen, indem ..ir
es durch eine Bestimmungen über Schadensnachweis ergänzen. Unseres Erachtens
sind diese beiden Ziele keineswegs miteinander unvereinbar. Wir sind uns klar
darüber, wie schwierig es ist, sogenannte "Exportprämien oder Zuschüsse"
festzustellen. Aber wir halten auch die GATT-Verbote illegaler Exportsubventionen für so vage und undurchsetzbar, daß sie praktisch wertlos sind. Was wir
anstreben, ist ein international vereinbarter Kodex, der nicht - wie in der
Vergangenheit - bedeutungslose Definitionen des Begriffs Subventionen enthält,
andern der folgende Kategorien von Exportsubventionen und Praktiken aufführt:

n
- 5 -

�1) akzeptable, weil sie entweder - wie zum Beispiel Handelsmessen kaum ins Gewicht fallen oder weil sie keinen Unterschied zwischen Erzeugnissen
für den Export und Erzeugnissen für den einheimischen Verbrauch machen;
2) nicht-akzeptable, weil sie den Export gegenüber der einheimischen
Produktion begünstigen; oder
3) solche, für die aufgrund dessen, was sie bezwecken oder wie sie angewandt werden, beides zutrifft, beispielsweise regionale Entwicklungshilfen.
Auch hier sind wir der Meinung, daß ein solches Abkommen in gleicher
Weise für den Handel mit Agrar- und mit Industrierzeugnissen gelten sollte.
Wir brauchen ein faireres und ein freieres Welthandelssystem; Exportsubventionen oder Importrestriktionen, die einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil geben, müssen unter internationale Kontrolle gebracht werden.
Wir sind uns darüber klar, daß wir tief verwurzelte und grundlegende
Binnenwirtschaftspolitiken nicht in einem Kodex oder in Abkommen von allgemeiner Gültigkeit zusammenfassen können. Wir sind bereit, solche besonders
schwierigen Fragen in besonderen Vereinbarungen zu prüfen.
Auch hier geben wir nicht vor, ohne jeden Fehl zu sein. Und. wir sind bereit, über alle unsere Handelspraktiken zu sprechen. Aber wir werden weiterhin
auf vereinbarte multilaterale Grundregeln drängen.
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Lassen Sie mich einen Punkt unterstreichen; der jetzt offenkundig sein
dürfte. Es ist kein Zufall, daß wir bei den meines Erachtens wichtigen Franen für die Multilateralen Handelsverhandlungen eine gewisse Übereinstimmung
mit den Sorgen finden, die jetzt aus der Privatwirtschaft und aus dem Kongreß
zu vernehmen sind.

Der Grund hierfür ist ein Netz von Beratern und Warnern,

das im Handelsgesetz vorgesehen ist - Industrie, Landwirtschaft, Gewerkschaften und Verbraucher; kurzum: die Öffentlichkeit insgesamt und der Kongreß

- 6 -

�Kongreß beteiligen sich stärker und wirksamer an dieser Runde von Handelsie
sprächen, als dies je zuvor der Fall war. Auf diese Weise wird der traditionelle Prozeß der Formulierung der Handelspolitik in unserer Regierung und
in unserem Lande revolutioniert. Das Ergebnis, das bereits immer stärker sichtbar wird, ist, daß unsere Ziele in den Handelsverhandlungen genauer und treffender den Willen des Landes wiedergeben, das auf der anderen Seite besser informiert wird und sich so besser ein wirkliches und nützliches Urteil bilden
kann.
Die Fragen, um die es in diesen Multilateralen Handelsverhandlungen geht,
sind nicht leicht zu verwirklichen. Aber es sind Ziele, die ein hartes und
geduldiges Verhandeln wert sind.
Wir verfügen über nützliche und wirksame binnenwirtschaftliche Abhilfen
für. die meisten, wenn auch nicht alle Auswüchse bei den Handelspraktiken, die
ich h"i°r angeführt habe. Die meisten von ihnen wurden durch das Handelsgesetz
von 1974 gestrafft. Sie sind für dringende Fälle gedacht, bei denen es sich
um unfairen, illegalen und schädlichen Wettbewerb handelt, der sich auf unsere
Märkte und unsere Arbeitsplätze auswirkt und sofortiges Handeln - statt einer
mehr Zeit verschlingenden Verhandlungslösung - fordert. Aber sie sollten klug,
mit Vorsicht und Zurückhaltung, für den beabsichtigten Zweck angewandt werden
und nicht in einer Weise, daß die im vernünftigen Eigeninteresse liegende aufgeschlossene Handelspolitik, die unserem Lande über vier Jahrzehnte lang so
gute Dienste geleistet hat, in ihr Gegenteil umschlägt.
Wenn wir klug und vorsichtig vorgehen und Zurückhaltung üben, so werden
wir zu einem wesentlich verbesserten, modernisierten, faireren und freieren
Welthandelssystem gelangen, das eine adäquate Lösung für die von mir hier angescnnittenen Fragen bringt. In dieser Zeit einer wachsenden wirtschaftlichen
Interdependenz und angesichts der Vorteile, die ein expandierender Welthandel
bringt, ist dies nicht nur wünschenswert, sondern einfach notwendig.
Wenn
- 7 -

�Wenn dies erfolgreich verwirklicht ist, werden die Vereinigten Staaten
und die gesamte Welt an den gemeinsam erzielten Erfolger, teil haben. Handel
ist kein Glücksspiel, bei dem sich die Zahl der Verlierer und Gewinner letztlich die Waage hält, Es wird keine Gewinner geben, wenn wir Handelspraktiken
aufgreifen, die nur dem kurzfristigen Vorteil auf Kosten unserer Nachbarn dienen. Wenn wir aber den Handel weiterhin dazu benutzen, um uns gegenseitig
unser Wirtschaftswachstum, unsere Arbeitsplätze und den höchstmöglichen Lebensstandard für unsere Völker zu den niedrigstmöglichen Kosten zu erhalten,
dann wird es keine Verlierer geben.
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25/1975

PROBLEME DER LUFTREINHALTUNG
-Auch die Natur trägt zur Verschmutzung bei-

--(AD)-- Ein "realistisches Engagement der Kohlewirtschaft für den Umweltschutz" muß nach Meinung von Russell E. Train, Chef der US-Umweltschutzbehörde
(EPA), Teil jedes nationalen Programms für die erweiterte Inanspruchnahme der
amerikanischen Kohlevorkommen sein. Kosten, Umwelt- und Gesundheitsrisiken
haben dabei als gleichwertige Faktoren beim Abbau und der Verwertung der Kohle
zu gelten.
Die Nutzbarmachung von mehr Kohle soll die Energielücke schließen helfen.
Dies schafft aber auch zwangsläufig neue Aufgaben fuer den Umwelt-und Gesundheitsschutz und bringt Probleme im sozialen und kulturellen Bereich mit sich.
"Wir können diese Probleme nicht einfach wegdiskutieren und so tun, als gäbe
es sie nicht. Auch durch Gesetze und Verordnungen lassen sie sich nicht vom
Tisch wischen", erklärte Train kürzlich vor Vertretern der "National Coal
Association" (Verband der amerikanischen Kohlewirtschaft) in Louisville
(Kentucky).
Die Rekultivierung von Tagebau-Feldern, wie sie z.B. in der Bundesrepublik seit Jahrzehnten erfolgreich betrieben wird, ist laut Train eine der
notwendigen Voraussetzungen für den verstärkten Einsatz von Kohle. Die zweite
Bedingung ist eine ausreichende Entschwefelung der Rauchgase. Denn nach den

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den gegenwärtigen Regierungsplä'nen soll im Jahre 1985 ca. 77 Prozent mehr
Kohle als 1973, dem Beginn der Ölkrise, in Kraftwerken verwendet werden, die
mit fossilen Brennstoffen arbeiten. Das würde bedeuten, daß 1985 in den Vereinigten Staaten nicht weniger als 72 Prozent dieser Heizkraftwerke ihren
Strom aus Kohle produzieren.
Im Rahmen ihrer Aufgaben und Befugnisse werde die EPA, so Train, künftig
alle Möglichkeiten ausschöpfen, um zur verstärkten Verwendung von Kohle zu
ermutigen und solche Bestrebungen in jeder Weise zu unterstützen. Gerade diesem
Punkt komme "angesichts der gegenwärtigen Atmosphäre von Unsicherheit und
Mißtrauen bei der Privatwirtschaft" gegenüber den staatlichen Energieplänen
besondere Bedeutung zu. Manche Hindernisse wurden in letzter Zeit aus dem Wege
geräumt. So genehmigte im Verlauf dieses Jahres die EPA in sieben von zwölf
amerikanischen Bundesstaaten, wo wegen einer ohnehin hohen Zahl von Kohlekraftwerken besonder^ strenge Auflagen zur Luftreinhaltung (mit Höchstwerten unter
dem nationalen Standard) erfüllt werden müssen, eine Modifizierung der
Durchführungsbestimmungen. Dadurch wird es in dieser Region bis Ende 1975
möglich, ca. 110 Millionen Tonnen Kohle in Kraftwerken zu verfeuern.
In Zusammenarbeit mit der Bundesenergiebehörde FEA (Federal Energy
Agency) benannte die EPA inzwischen 32 Heizkraftwerke, die aufgrund ihrer
Ausrüstung und der für den Betrieb verfügbaren Kohle ohne Schwierigkeiten von
öl- oder Gasbefeuerung auf Kohlebefeuerung umstellen können. Ein vordringliches Begleitprojekt ist dabei die Rauchgasüberwachung, insbesondere die
Überwachung auf Schwefeldioxid (S02)-Emissionen. Vor allem im Nordosten der
USA, in einer 24 Bundesstaaten umfassenden Region, soll ein weiteres Ansteigen der SO«- Konzentration in der Luft verhindert werden.
Die Entwicklung sogenannter Scrubber zur Entschwefelung der Rauchgase
ist soweit fortgeschritten, daß in den letzten zwei Jahren ca. 50 Elektrizitätsgesellschaften weit über 100 solcher Ausrüstungen in Auftrag gegeben
oder bereits eingebaut haben. Damit wird die Schwefeloxidemission von Heiz-

�Heizkraftwerken mit einer Gesamtleistung von rund 47 500 Megawatt kontrolliert. Bis Ende 1980 sollen Kraftwerke von insgesamt 90 000 Megawatt Kapazität
mit Scrubber-Anlagen arbeiten.
Die Emission von Schwefeldioxid (S02) war in den Vereinigten Staaten
voi 23,2 Millionen Tonnen im Jahre 1960 auf 33,4 Millionen Tonnen im Jahre
1970 gestiegen. In den siebziger Jahren ging die Konzentration von SOp in
der Luft im Landesdurchschnitt von 40 auf ca. 25 Mikrogramm pro Kubikmeter zurück, am Ort der EPA-Meßstationen seit Mitte der sechziger Jahre sogar um 50
Prozent der zuvor ermittelten Werte. Letzteres ist zum Teil auf Betriebsumstellungen (z.B. auf schwefelarme Kohle, öl oder Gas), aber auch auf die Wahl des
Standorts für neue Heizkraftwerke abseits der industriellen Ballungszentren
zurückzuführen.
-Gefährliche SulfateInzwischen deutet vieles darauf hin, daß den Sulfaten wahrscheinlich noch
stärkere Aufmerksamkeit gewidmet werden muß als dem korrosionsfördernden
Schwefeldioxid. Sulfate (Schwefelsäure oder Metallsalzverbindungen) entstehen
bei der Oxidation von Schwefel in Brennstoffen und bei der Umbildung von
Schwefeldioxid oder Schwefeltrioxid (SO,) durch Reaktionen in der Atmosphäre.
Studien des Umwelthygiene-Dienstes der EPA, der sich auf die Überwachung von
Wohngebieten konzentriert, lassen vermuten, daß Erkrankungen der menschlichen
Atmungsorgane eher mit Sulfaten als mit Schwefeldioxid zu tun haben. In vieler
Hinsicht scheinen Sulfate giftiger zu sein, sobald die Konzentration acht
Mikrogramm im Kubikmeter Luft über den Zeitraum von 2^ Stunden übersteigt.
Sie treten häufig zusammen mit Feinstaub auf, sind aber offenbar nicht zwangsläufig an sie gebunden und bilden eine Gefahrenquelle für sich.
-Natürlicher SmogDie Überwachung der Emission smogbildender Verbindungen, in erster Linie
von unverbrannten Kohlenwasserstoffen und Stickstoffoxiden, soll einer EPA-

- 3 -

�EPA-Verlautbarung zufolge nach Möglichkeit auf natürliche Quellen ausgedehnt
werden. Unter der Einwirkung des Sonnenlichts werden z.B. Reaktionen in Gang
gesetzt, bei denen Kohlenwasserstoffe aus Autoabgasen mit Stickstoffoxiden
reagieren

und dabei Ozon und andere sogenannte Oxidantien im Städte- und

Industriedunst ("smog") bilden.
In den USA beträgt z.Zt. die zulässige Höchstkonzentration 0,08 ppm
(0,08 Teile pro 1 Million Teile Luft). Enthält 1 Kubikmeter Luft mehr als
160 Mikrogramm, so können innerhalb einer Stunde Augenentzündungen auftreten;
die Atmung bei Menschen mit Bronchitis oder Lungenemphysem wird beeinträchtigt.
Bei Versuchstieren beobachtet man eine erhöhte Anfälligkeit für Erkrankungen
der Atmungsorgane.
Aber nicht nur der Mensch mit seiner Zivilisation und Technik, sondern
auch die Natur trägt zur "Verschmutzung" mit Oxidantien bei. In der freien Natur macht der Anteil weniger als ein Drittel, in Ballungszentren etwa ein Zehnteil der Ärosole aus. Die Ergebnisse von umfangreichen Studien, die in den USA
über einen Zeitraum von mehreren Jahren durchgeführt wurden, legte die EPA in
einem Bericht mit dem Titel vor: "Control of Photochemical Oxidants -Technical Basis and Implications of Recent Findings".
Ozon aus der Stratosphäre, der bei turbulenten Vorgängen

nach unten ge-

langt, die Abgase smogbildender Verbindungen durch Pflanzen und das Aussickern
aus ölführenden Bodenschichten sind solche Verschmutzungsquellen der Natur.
Sie besser zu erforschen und quantitativ zu erfassen gilt als eine wichtige
Aufgabe im Rahmen der allgemeinen Maßnahmen für den Umweltschutz und der Festsetzung von Höchstwerten für Schmutz-und Schadstoffe aus Quellen menschlicher
Aktivität.
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25/1975

VORSORGEUNTERSUCHUNG AN DER STRATOSPHÄRE
-Explorer 55 soll Veränderungen der Ozonschicht erfassen-

— ( A D ) - - Stört der Mensch durch die Produktion von Abgasen, die Verwendung
chlorhaltiger Verbindungen wie der Fluorkohlenwasserstoffe (Sprühdosentreibmittel) und andere Aktivitäten die natürliche Regeneration der Ozonschicht?
EXPLORER 55, ein neuer amerikanischer Satellit für Meßprogramme in der Atmosphäre, soll bis in die unteren Luftschichten "tauchen", um durch direkte
Messungen in der Stratosphäre diese wichtige Frage beantworten zu helfen.
Der Schutzschirm aus Ozonmolekülen, der zwischen etwa 12 und 50 km Höhe
die Erde umgibt und den gefährlichen Anteil der Ultraviolettstrahlung von der
Sonne absorbiert, ist ohnehin nicht stabil. Meßdaten der letzten 15 Jahre von
mehr als 60 rund um den Erdball verteilten Stationen zeigen, daß sich die Ozonkonzentration z. B. mit der Tages- und Jahreszeit ändert, über der nördlichen
Halbkugel nahm sie von 1962 bis 1970 um etwa 1 bis 8 Prozent zu, ging aber in
den siebziger Jahren im Durchschnitt wieder um 0,5 bis 2 Prozent zurück. Regional, z.B. über den USA, entsprachen die Werte von 1974 sogar jenen von 1963.
über südlichen Breiten wird allgemein weniger Ozon als im hohen Norden gemessen.
Auch von der Sonnenfleckenhäufigkeit scheint die Ozonkonzentration abhängig zu sein und im 11-Jahreszyklus mit der Sonnenaktivität zu- und abzunehmen.
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�(D?s letzte Sonnenfleckenmaximum war 1969). Andererseits gibt es Anzeichen
dafür, daß besonders heftige Eruptionen auf der Sonne am Ozon in der Erdatmosphäre zehren. Dafür sprechen Beobachtungen aus den Jahren i960.. 1966 und
IJ/2. Möglicherweise werden durch die in die irdische Lufthülle einströmenden
energiereichen Protonen Reaktionen ausgelöst, die dort vermehrt zur Bildung
von Stickstoffoxid führen. Und diese Verbindung greift unter der Mitwirkung
energiereicher ultravioletter Strahlung Ozonmoleküle an.
Die Erzeugung von Stickstoffoxid durch Atomexplosionen in der Atmosphäre
führte bereits Anfang der sechziger Jahr'-' bei einer Reihe von Wissenschaftlern
zu der Vermutung, daß solche Tests die Ozonkonzentration verändern. Denn die
natürliche Neubildung von Ozon als Folge der Reaktionen von Luftsauerstoff
unter Ultraviolettbestrahlung von der Sonne müsste bei massiver Zufuhr von
Stickstoffoxid aus dem Gleichrewicht kommen. Katastrophale langfristige Auswirkungen wären nach einem großen Atomkrieg zu erwarten - und zwar weltweit, auch
außerhalb der Kampfgebiete. Dies ist eine der Schlußfolgerungen einer Studie
der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften, die im Auftrag des
US-Amtes für Rüstungskontrolle durchgeführt und im Oktober 1975 veröffentlicht
wurde. Für die Ozonschicht wäre nach drei bis zehn Jahren ein Abbau um 30 bis
70 Prozent über der N^rdhalbkugel, um 20 bis 40 Prozent über der Südhalbkugel
zu erwarten. Was diej für die gesundheitliche Gefährdung der Davongekommenen,
für die Zerstörung ganzer Ökosysteme, aber auch die Veränderung von Klima und
Wettergeschehen bedeutet, ist leicht abzuschätzen.

-Gegenwärtige Belastung wird gründlich erforscht Ob und inwieweit gegenwärtig der Mensch durch seine Aktivitäten die Bilanz der komplizierten natürlichen Reaktionsmechanismen verändert, vermag noch
niemand mit Sicherheit zu sagen. Vieles spricht dafür, daß Flugzeugabgase,
vor allem die Abgase hoch fliegender überscha'lflugzeuge und in absehbarer

�absehbarer Zeit auch die des Raumtransporters, die Stratosphäre verstärkt mit
Stickstoffoxid belasten.
Eine ähnliche Wirkung haben die am Boden und in Bodennähe inaktiven und
stabilen Gase aus Spraydosentreibmitteln, Sie steigen im Verlauf von fünf bis
zehn Jahren in immer größere Höhen auf, wo sie beginnen, unter der Einwirkung
ultravioletter Strahlung Chloratome abzuspalten. Diese brechen Ozonmoleküle
auf und verzögern außerdem durch Zwischenreaktionen die Neubildung von Ozon erheblich.
Auf die Stickstoffoxid- und Chlorkomponenten, aber auch auf die Erfassung
zusätzlicher Belastungsfaktoren konzentrieren sich zahlreiche atmosphärische
Meßprogramme, die in jüngster Zeit von Wissenschaftlern amerikanischer Universitäten und staatlicher Institute in Angriff genommen wurden. Sie sollen die
Frage klären helfen, ob und in welcher Weise besondere Maßnahmen für einen
weltweiten Umweltschutz notwendig sind, damit das natürliche Gleichgewicht der
Stoffe und der Energiehaushalt der Atmosphäre erhalten bleiben. Andernfalls bestünde nach Meinung vieler Experten die Gefahr, daß beim Menschen bestimmte
Krankheiten, z.B. Neuerkrankungen an Hautkrebs und Netzhautablösung, zunehmen.
In der Tier- und Pflanzenwelt wäre mit einer höheren Mutationsrate und mit Entwicklungsschäden zu rechnen, das Auftreten gefährlicher neuartiger Krankheitserreger wäre nicht auszuschließen. Und auf weite Sicht könnte es auch ohne Atomkrieg zu ungewollten, einschneidenden Klimaveränderungen kommen.
Einen Teil der Meßaufgaben übernimmt bezw. ergänzt EXPLORER 55, der am
19. November 1975 in Kap Canaveral gestartet wurde. Der 740 kg schwere Satellit
umkreist die Erde im Äquatorbereich zwischen dem 20. Grad nördlicher und südlicher Breite in Höher zwischen 130 km und 3 220 km. Später soll er sogar zeitweilig in Luftschichten unterhalb 50 km eintauchen, um "vor Ort", inmitten der
Ozonschicht, mit einem Spezialspektrometer Messungen vorzunehmen. Kleine Bordtriebwerke sorgen für die notwendige Bahnhöhenänderung.
EXPLORER 55
- 3 -

�EXPLORER 55 baut unter anderem auf Beobachtungen von NIMBUS'4 auf. Dieses
1970 gestartete Gerä't umkreist in ca. 1 100 km Höhe die Erdei und wurde # vor
EXPLORER 55 als bisher einziger Satellit - mit einem "backscatter ultraviolett
spectrometer" (BUV - Instrument zur Erfassung ultravioletter Streustrahlung)
• ausgerüstet. Der neue EXPLORER, vervollständigt außerdem Meßdaten, die mit
EXPLORER 51 (gestartet 1973) und EXPLORER 54 (gestartet im Oktober-1-975, jedoch nur kurze Zeit funktionsfähig) gesammelt wurden. Die beiden Vorläufer
sondierten in Luftschichten oberhalb 130 km^über Bereichen zwischen dem 68.
Grad Nord und Süd sowie aus einer über beide Pole führenden Bahn.
&gt;
i3 Durch EXPLORER 51 wurde bekannt, daß in der Atmosphäre die:Konzentration
von Stickstoffoxid mit der geographischen Breite erheblich zunimmt und mit der
erdmagnetischen Aktivität (einer Funktion der Sonnenaktivität) stark schwankt.
Dabei nimmt die Erdatmosphäre aus Partikel strömen in der Region der Polarlichter häufig mehr Energie auf als von der Ultraviolettstrahlung von der Sonne.
Für die Reaktionsmechanismen innerhalb der Ätmoshäre, insbesondere aber" den
Ozonhaushalt der Stratosphäre, dürfte dies von großer Bedeutung sein. '••"• :•:.
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Labor- und Analysegeräte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum Frankfurt am Main -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Unterstaatssekretär erläutert Bestimmungen über Gegenzölle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit dem USIA-Korrespondenten John J. Harter -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Worum es bei den multilateralen Handelsverhandlungen in Genf geht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Frederick B. Dent - Sonderbeauftragter Präsident Fords für handelsverhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Probleme der Luftreinhaltung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auch die Natur trägt zur Verschmutzung bei -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorsorgeuntersuchung an der Stratosphäre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Explorer 55 soll Veränderungen der Ozonschicht erfassen -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

Nummer

21. Januar 1976

Inhalt

DOKUMENTATION
Präsident Ford:

Botschaft über die Lage der Nation

- Wortlaut -

WIRTSCHAFT
Präsident Ford legt amerikanischen Haushalt 1976/77 vor
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -

INFORMATION
US-Gemeinschaftsschau auf der PRO-IN' 76

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

1/1976

PRÄSIDENT FORD: BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Gerald R. Ford hat am 19., Januar 1976
dem amerikanischen Kongreß und dem amerikanischen Volk seine Botschaft über
die Lage der Nation - State of the Union Message - unterbreitet. Die vor
beiden Häusern des Kongresses verlesene und von allen Fernsehstationen übertragene Botschaft hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Wenn wir jetzt in das 200,. Jahr unseres Bestehens eintreten, dann ist
Amerika doch eine der jüngsten Nationen in der aufgezeichneten Geschichte.
Lange bevor unsere Vorväter an diese Küsten kamen, haben Münner und Frauen
auf diesem Planeten darum gekämpft, für sich und für ihre Familien ein besseres
Leben zu gestalten.
In dem langen Marsch des Menschen aus Wildnis und Sklaverei - durch die
fast 2000 Jahre des christlichen Kalenders und die fast 6000 Jahre der jüdischen
Zeitrechnung - hat er viele tiefe und schreckliche Täler durchwandert aber auch
schöne und hohe Gipfel erreicht,
Ein Gipfel ragt am höchsten aus den Bereichen der menschlichen Geschichte
heraus.

Ein Beispiel eines Volkes leuchtet auf, das sich vereint hat, um
- 1 -

�um Fülle zu schaffen und das gute Leben so gut wie möglich gemeinsam und in
Freiheit zu leben*

Eine Union bietet das Versprechen der Gerechtigkeit und

der Chancen für jeden Bürger.
Diese Union heißt Vereinigte Staaten von Amerika.
Wir haben nicht das Paradies auf Erden neu geschaffen. Wir wissen, daß
es auch bei uns keine Vollkommenheit gibt. Aber denken Sie einen Augenblick
nach, wie weit wir es in 200 Jahren gebracht haben.
Wir stammen aus vielen Wurzeln und haben viele Zweige. Und doch erklären
alle Amerikaner über die acht Generationen hinweg, die uns von den aufrüttelnden Taten von 1776 trennen, jene, die kein anderes Mutterland kennen.und jene,
die eben erst an unsere Küsten gekommen sind, einstimmig:
Ich bin stolz auf Amerika und ich bin stolz, Amerikaner zu sein. Das
Leben wird hier für meine Kinder besser sein als für mich.
Ich glaube das nicht, weil man es mir gesagt hat, sondern weil mein Leben
besser ist als das meines Vaters und meiner Mutter.,
Ich weiß, daß es für meine Kinder besser sein wird, weil meine Hände,
mein Geist, meine Stimme und meine Wahlstimme dazu beitragen können.
Und es ist hier in Amerika geschehen.
Es ist Ihnen und mir geschehen.
Die Regierung ist da, um Bedingungen zu schaffen und zu erhalten, unter
denen Menschen ihre Ideale in die praktische Wirklichkeit umsetzen können.
Selbst in besten Zeiten geht bei diesem Umsetzungsprozeß viel verloren«

Aber

wir lassen nicht locker«
Manchmal

�Manchmal haben wir uns angestrengt, und wir haben es nicht geschafft.

Wir haben auf jeden Fall immer die besten Absichten gehabt.

Aber in der

jüngsten Vergangenheit haben wir manchmal die gesunden Grundsätze vergessen,
die uns in unserer Geschichte fast immer geleitet haben.
erreichen und jahrhundertealte Probleme lösen.
Fähigkeiten überschätzt.

Wir wollten Großes

Und wir haben unsere eigene

Wir versuchten draußen in der Welt ein Polizist und

zuhause nachsichtige Eltern zu sein.

Wir dachten, wir könnten das Land durch

massive nationale Programme verändern.

- Oft jedoch funktionierten die Programme nicht;

allzu oft machten sie

die Dinge nur noch schlimmer-

- In unserem Drang, große Aufgaben rasch zu bewältigen, zertrampelten
wir gesunde Grundsätze der Zurückhaltung und gefährdeten die Rechte des Einzelnen.

- Wir brachten unser Wirtschaftssystem durch das gewaltige und beispiellose Anwachsen der Ausgaben und Anleihen des Bundes aus dem Gleichgewicht.
Und wir waren uns selbst gegenüber nicht völlig aufrichtig in bezug auf die
Frage, wieviel diese Programme kosten würden und wie wir sie bezahlen sollten.

- Schließlich verlagerten wir den Schwerpunkt von der Verteidigung auf
Probleme der Innenpolitik, während unsere Gegner weiterhin einen massiven
Rüstungsaufbau betrieben.

Jetzt ist die Zeit für ein von Grund auf anderes Vorgehen gekommen - für
einen neuen Realismus, der den großen Prinzipien entspricht, auf denen diese
Nation aufgebaut wurde.

Wir müssen unsere Wirtschaft in ein neues Gleichgewicht bringen - ein
Gleichgewicht, das nicht nur eine gesunde und aktive Regierung, sondern auch
eine dynamischere und gesündere Wirtschaft begünstigt, die neue Arbeitsplätze

- 3 -

�Arbeitsplätze schaffen und die Preise niedrig halten kann.
Wir müssen die Beziehungen zwischen dem Einzelnen und der Regierung
in ein neues ausgewogenes Verhältnis bringen - in ein Verhältnis, das

größere

individuelle Freiheit und größere Eigenständigkeit begünstigt.
Wir müssen unser föderalistisches System in ein neues Gleichgewicht
bringen - ein Gleichgwicht, das für die führenden Vertreter unserer einzelstaatlichen und kommunalen Behörden größere Verantwortlichkeit und Freiheit
bringt.
Wir müssen ein neues ausgewogenes Verhältnis zwischen den Ausgaben für
innenpolitische Programme und den Verteidigungsausgaben schaffen - ein Verhältnis, das die Gewähr bietet, daß wir unseren Verpflichtungen gegenüber den
Bedürftigen voll und ganz nachkommen, während wir andererseits unsere Sicherheit in einer Welt schützen, die der Freiheit gegenüber immer noch feindselig
ist.
Und in allem was wir tun, müssen wir ehrlicher gegenüber dem amerikanischen
Volk sein, ihm nicht mehr versprechen, als wir halten können, und das, was wir
versprochen haben, auch halten.
Es ist der Genius des amerikanischen Volkes, daß es eine unglaubliche
Fähinkeit besitzt, das Leben seiner Bürger durch eine einzigartige Kombination
der Tätigkeit der Regierung und der Tätigkeit der freien Bürger zu verbessern.
Geschichte und Erfahrung lehren uns, daß moralischer Fortschritt nicht
aus Zeiten der Bequemlichkeit und Selbstgefälligkeit erwächst, sondern aus
Prüfungen und Verwirrungen. Tom Paine rüttelte die verunsicherten Amerikaner
des Jahres 1776 auf, sich den Zeiten, die des Menschen Seele auf die Probe
stellen, gewachsen zu zeigen, weil je härter der Konflikt umso glorreicher der
Triumph.
Vor

�Vor genau einem Jahr erklärte ich hier vor Ihnen, daß die Lage der Nation
nicht gut sei.
Heute kann ich berichten, daß die Lage unserer Nation besser ist - in
mancher Hinsicht sogar um vieles besser - aber immer noch nicht gut genug.
Um in Anlehnung an Tom Paine zu sprechen, 1975 war kein Jahr für Salonsoldaten und Schönwetterpatrioten. Es war ein Jahr des Niedagewesenen und
Nichtfürmöglichgehaltenen.
Wie Sie sich erinnern, begann das Jahr mit Haß und Bitterkeit.
Missetaten der Vergangenheit waren weder vergessen noch vergeben.

Politische

Der längste und zerrüttendste Krieg in unserer Geschichte kam zu einem unglücklichen Abschluß. Viele fürchteten, daß das Ende dieses ausländischen
Krieges von Menschen und Material den Beginn eines Krieges der gegenseitigen
Beschuldigungen und Repressalien im eigenen Lande bedeuten würde.
Im Ausland stellten sich Freunde wie Gegner die Frage, ob Amerika seinen
Mut verloren habe.
Schließlich wurde unsere Wirtschaft von einer Inflation schwer heimgesucht
- einer Inflation, die uns in die schwerste Rezession seit vier Jahrzehnten
trieb.
Zur gleichen Zeit fand in immer stärkerem Maße eine Entfremdung der
Amerikaner von allen großen Institutionen statt. Die Amerikaner verloren
nicht nur immer mehr das Vertrauen in die Größe der Regierung, sondern auch
in die Größe der Wirtschaft, in die großen Gewerkschaften und in die großen
Bildungsprogramme und anderes.
Wir lebten in einem von Unruhe

heimgesuchten Land.
Und

- 5 -

�Und so war das Jahr 1975 ein Jahr harter Entscheidungen, schwieriger
Kompromisse und eines neuen Realismus, der uns etwas sehr wichtiges über
Amerika gelehrt hat.
Dieser neue Realismus brachte uns wieder ein notwendiges Maß an Vernunft,
Standhaftigkeit und Selbstdisziplin.

Die Amerikaner gerieten nicht in Panik

und forderten keine sofortigen aber nutzlosen Heilmittel.

In allen Bereichen

packten die Menschen ihre schwierigen Probleme mit Zurückhaltung und Verantwortungsbewußtsein an und erwiesen sich ihres großen Erbes würdig.
Rechnet man die einzelnen Fortschritte des Jahres 1975 zusammen, und
zieht man die Rückschläge ab, so zeigt das Gesamtergebnis, daß wir nicht nur
in der neuen Richtung voranschreiten, die ich vor zwölf Monaten vorgeschlagen
hatte, sondern daß sich diese auch als die richtige erwiesen hat.
Es ist die richtige Richtung, denn sie folgt der wahrhaft revolutionären
Konzeption des Jahres 1776, die besagt, daß in einer freien Gesellschaft zur
Gestaltung der staatlichen Politik und einer erfolgreichen Lösung von Problemen
weit mehr gehört als nur Regierung.

Es erfordert eine uneingeschränkte Partner-

schaft aller Regierungszweige und -ebenen, aller privaten Institutionen und
aller Bürger.
Der gesunde Menschenverstand sagt mir, an diesem stetigen Kurs festzuhalten.
Nehmen wir die Lage unserer Wirtschaft:
- Im Januar vorigen Jahres hat sich fast alles sehr rasch verschlechtert.
- Im Januar diesen Jahres zeigt sich fast überall eine langsame aber stetige Besserung.
Die schlimmste Rezession seit dem 2. Weltkrieg hatte ihren Wendepunkt _irn
- 6 -

�im April.

Auf dem Gebiet der Lebenshaltungskosten ist die beste Nachricht

des letzten Jahres, daß die zweistellige Inflationsrate von 12 Prozent oder
mehr auf fast die Hälfte gesenkt worden ist. Die schlimmste Nachricht ist
- die Arbeitslosigkeit ist immer noch viel zu hoch.
Heute stehen fast 1,7 Millionen Amerikaner mehr in Arbeit als in der Talsohle der Rezession.

Zur Jahreswende war die Zahl der Einstellungen von Ar-

beitnehmern weit größer als die der Entlassungen.
Doch wollen wir ehrlich sein:

Für viele Amerikaner sind diese Veränderungen

in ihrem täglichen Leben noch nicht spürbar geworden.

Sie sehen, daß die Preise

immer noch viel zu rasch steigen, und sie haben immer noch Angst vor der Arbeitslosigkeit.
Wir sind ein wachsendes Volk.
beitsplätze.

Wir brauchen jedes Jahr mehr und mehr Ar-

Unsere Wirtschaft stellt heute über 85 Millionen Arbeitsplätze

für Amerikaner bereit, aber wir brauchen noch viel mehr, vor allem für die
jungen Menschen.
Mein erstes Ziel ist es, ein gesundes Wirtschaftswachstum ohne Inflation
zu erreichen.
Wir alle wissen aus den iüngsten Erfahrungen, daß eine ungezügelte Inflation alle anderen wertvollen Ziele zunichte machen kann. Wir verlangsamen
gegenwärtig das Tempo der Inflation; wir müssen der Inflation jedoch völlig
Einhalt gebieten.
Für viele Amerikaner ist der Weg immer klarer geworden, der zu einer gesunden nicht-inflationistischen Wirtschaft führt; die Regierung muß aufhören,
so viel von unserem Geld auszugeben, und so viel von unserem Geld aufzunehmen;
es muß mehr Geld in privaten Händen bleiben, wo es den besten Nutzen bringt.
Um
- 7 -

�Um die Lebenshaltungskosten niedrig zu halten, müssen wir die Regierungskosten niedrig halten.
•

Während des letzten Jahrzehntes ist der Bundeshaushalt jedes Jahr mit
einer durchschnittlichen Rate von über 10 Prozent gestiegen.

Der Haushalt,

den ich am Mittwoch vorlegen werde, reduziert diese Wachstumsrate auf die
Hälfte.

Ich habe mein Versprechen gehalten, für das nächste Finanzjahr einen

Haushalt von 395 Milliarden Dollar vorzulegen.

Ganz genau sind es sogar nur

394,2 Milliarden Dollar.
Dadurch, daß wir die Ausweitung der Bundesausgaben gering halten, können
wir uns zusätzliche Steuersenkungen leisten und den Menschen, die die Steuern
entrichten, größere Entscheidungsmöglichkeiten in bezug auf ihr eigenes Leben
zurückgeben.
Im vorigen Monat habe ich ein Gesetz unterzeichnet, durch das die Steuersenkungen des Jahres 1975 für die ersten sechs Monate dieses Jahres verlängert
werden. Ich schlage jetzt vor, daß wir mit Wirkung vom 1. Juli 1976 unseren
Steuerzahlern eine Steuersenkung von etwa 10 Milliarden Dollar über das hinaus
gewähren, was der Kongreß im Dezember verabschiedet hat.
•

Meine umfassendere Steuersenkung würde für eine Familie von vier Personen
mit einem Jahreseinkommen von 15 000 Dollar bedeuten, daß sie im Jahr 227
Dollar mehr zur Verfügung hat. Die hart arbeitenden Amerikaner der mittleren
Schichten können dieses zusätzliche Geld wirklich gebrauchen.
Meine Empfehlungen, bei der Ausweitung der Bundesausgaben standhaft Zurückhaltung zu üben, und die Steuern stärker zu senken, sind einfach und einleuchtend.

Denn für jeden Dollar, den wir dadurch sparen, daß wir die Aus-

weitung des Bundeshaushaltes einschränken, können wir einen weiteren Dollar
für die Senkung der Bundessteuern freimachen.
Eine Wirtschaft ist wirklich gesund, wenn sie für jeden Amerikaner, der
arbeiten will, einen Arbeitsplatz bereitstellt.
Die
- 8 -

�Die Regierung - eine Regierung wie wir sie haben - kann nicht so viele
Arbeitsplätze schaffen.

Aber die Bundesregierung kann die Bedingungen schaffen

und die Anreize für die Privatwirtschaft und die Privatindustrie geben, immer
mehr Arbeitsplätze bereitzustellen.
Fünf von sechs Arbeitsplätzen in unserem Lande sind in der Privatwirtschaft und der Privatindustrie.

Der gesunde Menschenverstand sagt uns, daß dort

der richtige Platz ist, um mehr Arbeitsplätze zu suchen und sie rascher zu
finden.

Ich meine echte, befriedigende, dauerhafte Arbeitsplätze.

Um das zu erreichen, müssen wir dem amerikanischen Volk größere Anreize
bieten, in die Zukunft zu investieren.

Meine Steuervorschläge stellen einen

wichtigen Schritt in dieser Richtung dar.
Als Ergänzung zu diesen Vorschlägen ersuche ich den Kongreß, Änderungen
der Bundessteuergesetze zu beschließen, um die Ausweitung von Produktionsanlagen und den Kauf neuer Ausrüstungen zu beschleunigen.

Meine Empfehlung wird

sich auf einen solchen arbeitsplatzschaffenden Steueranreiz in Gebieten konzentrieren, wo die Arbeitslosenrate gegenwärtig über 7 Prozent liegt.

Ein Ge-

setz, um dies in Gang zu bringen, muß zum frühestmöglichen Zeitpunkt verabschiedet werden.
In dem strikten Rahmen des Gesamthaushaltes, den ich für das kommende
Jahr empfehlen werde, beabsichtige ich, zusätzliche Hilfe für den Wohnungsbau
für 500 000 Familien zu beantragen.

Diese Programme werden das Wohnungsange-

bot verbessern, die Bautätigkeit beleben und dazu beitragen, Wohnraum für Familien der mittleren und niedrigen Einkommensgruppe zu schaffen.
Für den Wohnungsbau war 1975 ein enttäuschendes Jahr, doch verbessert
sich die Situation. Bei niedrigeren Zinssätzen und verfügbaren Hypothekengeldern können wir 1976 einen gesunden Wiederaufschwung erreichen.
Eine notwendige Voraussetzung für eine gesunde Wirtschaft ist, daß jede
- 9 -

�jede kleinliche Tyrannei durch massive staatliche Reglementierung unterbleibt.
Wir vergeuden durch überbürokratisierung praktisch Millionen von Arbeitsstunden,
die uns Milliarden von Dollar unserer Verbraucher kosten.

Die amerikanischen

Farmer, die nicht nur 215 Millionen Amerikaner ernähren, sondern darüber hinaus
noch viele Millionen Menschen in aller Welt, haben gezeigt, wieviel mehr sie
ohne Behinderung durch Regierungskontrollen produzieren können.
Wir brauchen aber auch Reformen in anderen entscheidend wichtigen Gebieten
in unserer Wirtschaft - Luftfahrt, Fernlastverkehr, Eisenbahn und Finanzierungsinstitute.

Ich habe für jedes dieser Gebiete konkrete Pläne, nicht um dieser

oder jener Industrie zu helfen, sondern um den Wettbewerb zu steigern und die
Preise für die Verbraucher zu senken.
Diese Administration wird eben aus diesem Grunde die Kartellgesetze des
Bundes strikt durchsetzen.
Wenn wir weiter in die Zukunft Amerikas blicken, dann kann es weder ein
stetiges Wachstum noch mehr Arbeitsplätze geben, wenn wir nicht weiterhin eine
gesicherte Energieversorgung für unsere Wirtschaft haben.
Erdöl- und Erdgasförderung geht immer noch zurück.

Die einheimische

Unsere Abhängigkeit von

teurem ausländischem Erdöl ist immer noch zu groß und entzieht unserer eigenen
Wirtschaft Arbeitsplätze und Geld - auf den einzelnen Amerikaner umgerechnet
in einer Rate von 125 Dollar pro Jahr.
Im vorigen Monat habe ich eine Kompromißfassung des Nationalen Energiegesetzes unterzeichnet, das einen Teil meines umfassenden Programms für Unabhängigkeit auf dem Energiesektor verwirklicht.

Dieses Gesetz kam spät und ist

nicht die umfassende Lösung für eine Unabhängigkeit auf dem Energiesektor, aber
doch ein Anfang in der richtigen Richtung.
Ich ersuche den Kongreß erneut dringend darum, umgehend meine restlichen
Energievorschläge zu verabschieden, um Amerika gegenüber dem ausländischen
ölkartell unverwundbar zu machen.

Meine Vorschläge würden:
- die
- 10 -

�- die Verknappungen bei einheimischem Erdgas verringern;
- eine Förderung aus nationalen Erdölreserven ermöglichen;
- eine wirksame Einsparung anregen - unter anderem auch die Wiederbelebung des Eisenbahnverkehrs und den Ausbau unserer öffentlichen Verkehrssysteme in den Städten;
- zur Erzeugung von mehr und sauberer Energie aus unseren riesigen Kohlevorkonimen führen;
- die saubere und sichere Gewinnung von Kernkraft beschleunigen;
- eine neue Nationale Behörde für Energieunabhängigkeit schaffen, um
die lebenswichtigen Investitionen auf dem Energiesektor zu fördern; und
- die Entwicklung einer Technologie beschleunigen, um die Energie von
Sonne und Erde für diese und künftige Generationen nutzbar zu machen.
Ebenfalls um des Wohls der künftigen Generationen willen müssen wir für
die Erhaltung des Familienbetriebs in der Landwirtschaft und im Geschäftsleben
sorgen. Beide stärken Amerika und geben unserer Wirtschaft Stabilität.
Ich werde eine Änderung der Grundsteuer vorschlagen, damit Kleinbetriebe
und Farmen in Familienbesitz von Generationen zu Generationen weitervererbt
werden können, ohne daß man sie verkaufen muß, um die Steuern bezahlen zu
können.
Ich schlage Steueränderungen vor, die die Bürger ermutigen sollen, durch
einen neuen Plan in Amerikas und in ihre eigene Zukunft zu investieren, der
Familien mit mittlerem Einkommen Einkommenssteuervergünstigungen zukommen
läßt, wenn sie langfristige Investitionen in Aktien amerikanischer Unternehmen
tätigen.
Die Bundesregierung muß und wird auf eindeutige nationale Notwendigkeiten
mit entsprechenden Maßnahmen reagieren - zum Wohle dieser und künftiger Generationen.
Die Krankenhäuser und die medizinische Versorgung in Amerika zählen zu
den besten der Welt, aber die Kosten bei einer schweren und langwierigen Er- 11 -

�Erkrankung können rasch die Ersparnisse aufzehren, die eine Familien im Verlauf eines ganzen Lebens gemacht hat.

Die wachsenden Kosten des Gesundheits-

wesens sind für alle Anlaß zu tiefer Besorgnis und eine gewaltige Kraft, die
die Lebenshaltungskosten hochtreibt.
Die Kosten für eine Erkrankung schwerster Art können in unserer Gesellschaft nur von wenigen Menschen selbst getragen werden.

Wir müssen diese

Furcht, die jede Familie belastet, beseitigen.
Ich schlage eine Versicherung für schwerste Krankheitsfälle für jeden
vor, der von der Medicare-Krankenversicherung erfaßt ist. Um diesen zusätzlichen Schutz zu finanzieren, werden die Beiträge für kurzfristige Krankenhauspflege etwas heraufgesetzt werden müssen, aber niemand wird nach Erreichung
des 65. Lebensjahres mehr als 500 Dollar im Jahr für Krankenhaus - oder Pflegeheimkosten zu zahlen haben oder mehr als 250 Dollar im Laufe eines Jahres für
Arztrechnungen.
Wir können uns realistischerweise keine vom Bund vorgeschriebene nationale
Krankenversicherung leisten, die die volle Deckung aller Kosten für alle 215
Millionen Amerikaner gewährleistet. Die Erfahrungen anderer Länder lassen
Zweifel sowohl bezüglich der Kosten als auch des Wertes solcher Pläne aufkommen .
Aber ich sehe den Tag kommen, an dem wir das private Krankenversicherungssystem dazu nutzen werden, um mehr Familien mit mittleren Einkommen einen Gesundheitsdienst höchster Qualität zu Preisen zu bieten, die sie bezahlen können,
und sie damit auch vor den Folgen schwerster Krankheitsfälle zu schützen.
Unter Ausschöpfung der jetzt verfügbaren Mittel schlage ich eine Verbesserung des Medicare- und anderer Gesundheitsprogramme des Bundes vor, um
vor allem denen zu helfen, die größeren Schutz brauchen: den Alten und den
Armen.

Um den

jinzelstaatlichen und kommunalen Behörden dabei zu helfen, den

Armen eine bessere Gesundheitsfürsorge zuteil werden zu lassen, schlage ich
vor, daß wir die 16 bestehenden Bundesprogramme - einschließlich Medicaid - z_u
- 12 -

�zu einer einzigen lO-Milliarden'-Dollar-Bundesbeihilfe vereinigen.

Die Mittel würden nach einer neuen Formel unter den Einzel Staaten aufgeteilt werden, die jene.^ Staaten einen größeren Anteil von Bundesmitteln
zuweist, die eine größere Zahl von Familien mit niedrigem Einkommen haben.

Ich werde ferner Maßnahmen treffen, um die Qualität der medizinischen
Versorgung und der Krankenhauspflege für diejenigen zu verbessern, die in den
Streitkräften gedient haben.

Lassen Sie mich jetzt über soziale Sicherheit sprechen.

Unser Bundessozialversicherungssystem für die Menschen, die hart gearbeitet
und ihr Leben lang Beiträge dazu geleistet haben, ist ein lebenswichtiger
Teil unseres Wirtschaftssystems.

Sein Wert ist mittlerweile unumstritten.

In meinem Haushaltsplan für das Finanzjahr 1976 empfehle ich, daß der Anstieg
der Lebenshaltungskosten in den Sozialversicherungsleistungen im kommenden
Jahr voll berücksichtigt wird.

Was mir jedoch Sorge macht, ist der Bestand und die Integrität unseres
Sozialversicherungs-Treuhandfonds, der es den Menschen - jenen, die schon Rente
beziehen, und jenen, die noch arbeiten, aber Rente erhalten werden - ermöglicht, fest auf diese Anteile ihres Renteneinkommens zu rechnen.

Jüngere Ar-

beiter sehen, wir ihre Abzüge immer höher werden, und sie fragen sich, ob sie
in der Zukunft auch angemessen geschützt sein werden.

Wir müssen diese Aufgabe unverzüglich anpacken.

Die einfache rechnerische Überlegung warnt uns alle, daß der Sozialversicherungs-Treuhandfonds ernsten Schwierigkeiten entgegengeht.

Sofern wir

nicht rasch handeln, um sicherzustellen, daß der Fonds auch so viel einnimmt,
wie er ausgibt, wird es keine Sicherheit für Alte oder Junge geben.
Ich
- 13 -

�I

Ich muß daher eine Erhöhung sowohl des Arbeitgeber- als auch des Arbeitnehmeranteils zu den Sozialversicherungsabgaben um je 3/10 Prozent mit Wirkung vom 1. Januar 1977 empfehlen.

Dies wird jeden von der Sozialversicherung

erfaßten Arbeitnehmer weniger als einen Dollar pro Woche zusätzlich kosten
und die Integrität des Treuhandfonds gewährleisten.
Beim Wiederaufbau unserer Wirtschaft haben wir eine ständige Verantwortung, den Arbeitslosen temporäre Hilfe zu gewähren.

Auf mein Ersuchen hat

der Kongreß zwei Gesetze über die Verlängerung und Ausweitung der Arbeitslosenversicherung verabschiedet, die den im Laufe des Jahres 1975 arbeitslos
gewordenen geholfen haben.

Diese Programme werden 1976 fortgesetzt werden.

In meinem Haushalt für das Finanzjahr 1976/77 ersuche ich ferner um Mittel,
um die bewährte Ausbildung am Arbeitsplatz und die Arbeitsbeschaffungsprogramme
für Millionen anderer Amerikaner fortsetzen zu können.
Mitgefühl und Gemeinschaftssinn - zwei der stärksten Eigenschaften
Amerikas in unserer ganzen Geschichte - sagen uns, daß wir uns auch um unsere
Nachbarn kümmern müssen, die nicht für sich selbst sorgen können.

Die Viel-

zahl unserer Bundesprogramme auf diesem Gebiet zeigt unserer Großzügigkeit
als Volk.
Aber jeder weiß, daß, was die Wohlfahrt angeht, diese Aufgabe von der
Regierung - auf allen Ebenen - nicht sehr gut verrichtet wird. Zu viele unserer Wohlfahrtsprogramme sind ungerecht und laden zum Mißbrauch ein. Noch
schlimmer, wir vergeuden dringend benötigte Mittel, ohne viele der wirklich
Bedürftigen überhaupt zu erreichen.
Komplexe Wohlfahrtsprogramme lassen sich nicht über Nacht reformieren.
Natürlich können wir die Wohlfahrt nicht einfach den 50 Bundesstaaten überlassen, ihren jeweiligen Steuerzahlern oder den privaten Wohlfahrtseinrichtungen, und uns einfach davon zurückziehen.

Genausowenig ist jetzt der rich-

tige Zeitpunkt für umfassende und durchgreifende Änderungen, solange wir ums
- 14 -

�uns noch im Stadium der Wiedererholung nach einer Rezession befinden.
Trotzdem gibt es mehr als genug Verbesserungen, die wir durchführen
können.

Ich werde den Kongreß um Vollmachten für den Präsidenten ersuchen,

um die Bestimmungen für Auswahl und Vergünstigungen zu verschärfen.
Im vorigen Jahr habe ich zweimal eine längst überfällige Reform des von
Skandalen umwobenen Lebensmittel markenprogramms versucht. Dieses Jahr sage
ich erneut: Laßt uns nur denen, die am bedürftigsten sind, Lebensmittelmarken
geben. Wir wollen sie keinem geben, der ihrer nicht bedarf.
Der Schutz des Lebens und des Eigentums der Bürger in unserem Lande ist
die Aufgabe aller öffentlichen Stellen, aber es ist vor allem Aufgabe der
kommunalen und der bundesstaatlichen Vollzugsorgane.
Die Amerikaner haben stets dem Gedanken einer Bundespolizeitruppe ablehnend gegenüber gestanden, und ich lehne ihn auch ab.

Doch gibt es genügend

Wege,wie wir dazu beitragen können, die Ruhe im Lande gemäß dem Auftrag, den
uns die Verfassung gibt, zu gewährleisten.
Meine Empfehlungen, wie Gewaltverbrechen unter Kontrolle gebracht werden
können, sind dem Kongreß im Juni vorigen Jahres unterbreitet worden, wobei
starker Nachdruck auf den Schutz unschuldiger Opfer von Verbrechen gelegt
wurde.
Um zu verhindern, daß ein verurteilter Verbrecher noch weitere Verbrechen begeht, müssen wir ihn in Haft nehmen, damit er nicht noch mehr gesetzestreue Bürger schädigt. Wenn diese Strafe wirksam sein soll, muß sie
rasch und sicher vollstreckt werden.
Zu oft werden Verbrecher nach ihrer Verurteilung nicht ins Gefängnis
geschickt, sondern dürfen auf die Straße zurückkehren.
Manche
- 15 -

�Manche Richter zögern, verurteile Verbrecher ins Gefängnis zu schicken,
wei] die Gefängniseinrichtungen unzulänglich sind.

Um für dieses Problem

auf Bundesebene Abhilfe zu schaffen, schlägt mein neuer Haushalt den Bau von
vier neuen Bundeshaftanstalten vor.
Zur Beschleunigung der Bundesjustiz schlage ich vor, daß die Zahl der
Bundesstaatsanwälte zur Verfolgung von Verstößen gegen Bundesgesetze sowie
der Bundesvollzugsbeamten (U.S. Marshalls) erhöht wird.
Es werden ferner zusätzliche Bundesrichter benötigt, wie dies von mir ,
und der Richterkonferenz empfohlen worden ist.
Eine weitere große Gefahr für Leben und Eigentum jedes Amerikaners ist
der Verbrecher, der eine Handfeuerwaffe mit sich führt.

Die Benutzung von

Handfeuerwaffen für Verbrechen läßt sich nicht dadurch eindämmen, daß man
gesetzestreuen Bürgern die Waffen wegnimmt, sondern dadurch, daß man Höchststrafen für Verbrechen festsetzt, bei denen eine Waffe benutzt wurde, daß
man den Erwerb billiger Waffen für verbrecherische Zwecke erschwert und daß
man sich auf die Durchsetzung der Waffenkontrolle in Gebieten mit einer hohen
Kriminalität konzentriert.
.

•

Mein Haushalt empfiehlt, 500 zusätzliche Bundesbeamte für die 11 GroßStadtgebiete mit der höchsten Kriminalität einzustellen, die den kommunalen
Behörden helfen sollen, dem Verkauf von Handfeuerwaffen an Verbrecher und
ihre Benutzung durch sie Einhalt zu gebieten.
Der Verkauf harter Drogen nimmt wieder zu.

Ich habe alle Stellen der

Bundesregierung angewiesen, die Strafverfolgung gegen die Rauschgifthändler
zu verstärken.

Im Jahre 1975 haben Bundesbeamte wesentlich mehr Heroin be*

schlagnahmt, das in unser Land eingeführt wurde, als 1974.
Ich habe als Präsident persönlich mit den führenden Staatsmännern
Mexikos, Kolumbiens und der Türkei gesprochen und vermehrte Anstrengungen
ihrer JVgierungen gefordert, damit die Gewinnung und die Ausfuhr harter Drogen
- 16 -

�Drogen wirksamer kontrolliert wird.
Ich habe vor Monaten empfehlen, daß der Kongreß gesetzliche Höchststrafen für Personen festsetzt, die der Vergehen gegen Bundesgesetze über
den Verkauf harter Drogen überführt worden sind.

Harte Drogen führen bei

den Verbrauchern zu geistigen und körperlichen Schäden.
Es wäre unrealistisch und irreführend, wollte man die Hoffnung erwecken,
die Bundesregierung könne überall eingreifen und die Kriminalität beseitigen.
Nach der Verfassung liegt die Verantwortung für die Eindämmung der Kriminalität in erster Linie bei den Einzelstaaten und den Kommunalbehörden. Sie
stehen an der Front im Krieg gegen das Verbrechertum.
Es gibt natürlich Wege, wie die Bundesregierung ihnen helfen kann. Ich
werde in dem neuen Haushalt vorschlagen, daß der Kongreß für die nächsten
fünf Jahre fast 7 Milliarden Dollar bewilligt, um den Einzel Staaten und den
Kommunalbehörden zu helfen, Leben und Eigentum aller Bürger zu schützen .
Als Präsident verspreche ich feierlich, daß die Bundesgesetze strikt
durchgesetzt werden und daß den Einzel Staaten und Kommunalbehörden - durch
Beispiel, Unterstützung und Führunq - geholfen wird, ihre Gesetze durchzusetzen.

Gemeinsam müssen wir die Opfer von Verbrechen schützen und die Ruhe

im Lande gewährleisten.
Im letzten Jahr habe ich nachdrücklich eine Verlängerung der derzeitigen
Gesetze über den Finanzausgleich empfohlen, über den bisher 23,5 Milliarden
Dollar bereitgestellt worden sind, um Einzel Staaten und Kommunalbehörden bei
der Lösung von Problemen in ihrem Bereich zu unterstützen. Dieses Programm
hat sich als wirksam erwiesen und die Entscheidungsbefugnis von der Bundesregierung auf die örtlich gewählten Beamten übertragen. Der Kongreß muß dieses
Jahr handeln, oder die Einzelstaaten und die Kommunal Verwaltungen müssen Programme aufgeben oder die örtlichen Steuern erhöhen.
Unter
- 17 -

�Unter Einschluß meiner Reformen der Gesundheitsfürsorge schlage ich
die Konsolidierung von 59 getrennten Bundesprogrammen vor, sowie die Gewährung
flexibler Dollarzuwendungen, um Einzel Staaten, Städte und Kommunal Verwaltungen
auf so wichtigen Gebieten wie Erziehungswesen und Schulspeisung sowie bei sozialen Dienstleistungen zu unterstützen.

Dieses flexible System wird die Auf-

gabe besser und ortsgebundener lösen.
Der Schutz des Lebens und Eigentums der Amerikaner vor Feinden von

außen

ist eine meiner Hauptaufgaben als Präsident.
In einer Welt der unmittelbaren Kommunikation und der Interkontinentalraketen, in einer Weltwirtschaft, die global und interdependent ist, sind unsere Beziehungen zu anderen Ländern für das Leben der Amerikaner mehr - nicht
weniger - wichtig geworden.
Amerika hat seit dem Tage unserer Unabhängigkeit vor 200 Jahren in der
Welt eine einzigartige Rolle gespielt, und seit Ende des 2. Weltkrieges haben
wir ständig - und mit Erfolg - eine große Verantwortung für die Gewährleistung
einer stabilen Weltordnung und für die Hoffnung auf Fortschritt der Menschheit getragen.
Heute befindet sich unsere Außenpolitik in einer gesunden und starken
Position.
- Wir leben in Frieden - und ich werde alles in meinen Kräften stehende
tun, daß es so bleibt.
- Unsere Streitkräfte sind gerüstet und einsatzbereit; unsere militärische
Stärke ist ohnegleichen - und ich will, daß es so bleibt.
Unsere wichtigsten Bündnisse mit den demokratischen Industriestaaten der
Atlantischen Gemeinschaft und mit Japan sind niemals fester gewesen.

Ein
- 18 -

�- Ein weiteres Abkommen zur Begrenzung des strategischen Wettrüstens
wird möglicherweise erreicht werden.
- Wir haben unsere Beziehungen zu China, dem bevölkerungsreichsten Land
der Welt, verbessert.
- Die entscheidend wichtigen Elemente für den Frieden zwischen den
Ländern des Nahen Ostens sind jetzt gegeben.
- Unsere traditionelle Freundschaft zu Lateinamerika, Afrika und Asien
dauert an.
- Wir haben die führende Rolle bei der Aufnahme eines ernsthaften und zu
Hoffnungen berechtigenden Dialogs zwischen der industriellen Welt und der Welt
der Entwicklungsländer übernommen.
- Wir haben eine bedeutsame Reform des internationalen Währungssystems
erreicht.
Wir dürfen stolz auf das sein, was die Vereinigten Staaten erreicht haben.
Das amerikanische Volk hat zu viel darüber gehört, wie schrecklich unsere
Fehler, wie schlimm unsere Taten und wie fehlgeleitet unsere Zielsetzungen
seien.

Das amerikanische Volk weiß es besser.

Wahrheit ist, daß wir die größte Demokratie der Welt sind.
das Symbol des Strebens der Menschen nach Freiheit und Wohlstand.

Wir bleiben
Wir sind

die Verkörperung der Hoffnung auf den Fortschritt.
Ich halte es für an der Zeit, mit der Herabwürdigung unserer selbst als
Nation Schluß zu machen.

Natürlich sind wir verpflichtet, die richtigen Lehren

aus den Fehlern der Vergangenheit zu ziehen.
pflichtet, uns um die Zukunft zu kümmern.

Noch mehr aber sind wir ver-

Die Schwierigkeiten der Welt werden

sich nicht von selbst verflüchtigen.
Das
- 19 -

�Das amerikanische Volk wünscht eine starke und wirkungsvolle Außen- und
Verteidigungspolitik.

t

In unserem verfassungsmäßigen System sollten diese Politiken Konsultation und Abstimmung zwischen Präsident und Kongreß widerspiegeln.

Letzten

Endes aber kann, wie die Väter unserer Verfassung aus harten Erfahrungen
wußten, die Außenpolitik der Vereinigten Staaten nur dann wirksam gestaltet
werden, wenn eine starke zentrale Führung gegeben ist, die ausreichende Flexibilität im Handeln gewährleistet.

Diese Verantwortung liegt eindeutig beim

Präsidenten.
Ich gelobe dem amerikanischen Volk, eine Politik zu verfolgen, die eine
sichere, gerechte und friedliche Welt zum Ziel hat.

Ich gelobe dem Kongreß,

gemeinsam mit ihm auf dieses Ziel hinzuarbeiten.
Wir dürfen nicht einer Zukunft entgegengehen, in der wir Freunden, wie
in Angola, nicht mehr helfen können - nicht einmal auf begrenzte und sorgfältig kontrollierte Weise.

Wir dürfen nicht unsere ganze Fähigkeit verlieren,

mit allen Mitteln außer der militärischen Intervention zu reagieren.

Einige

überstürzte Maßnahmen des Kongresses im letzten Jahr - und jüngst erst in bezug auf Angola - waren meiner Ansicht nach sehr kurzsichtig.

Leider beschäf-

tigen sie noch immer das Denken unserer Verbündeten wie das unserer Gegner.
Eine starke Verteidigungsposition verleiht unseren Wertvorstellungen
und Auffassungen in internationalen Verhandlungen Gewicht;

sie gewährleistet

die Stärke 'inserer Bündnisse; und sie fördert unsere Bemühungen, Regelungen für
internationale Konflikte herbeizuführen.

Nur aus einer Position der Stärke

heraus können wir ein ausgewogenes Abkommen zur Begrenzung der Ausweitung der
nuklearen Rüstungen aushandeln.

Nur ein wohl ausgewogenes Abkommen wird un-

serem Interesse dienen und die Drohung einer nuklearen Konfrontation verringern.
•

Das Verteidigungsbudget, das ich dem Kongreß für das Haushaltjahr 1977
unterbreiten werde, wird eine erhebliche Steigerung gegenüber dem vorjährigen
•

- 20 -

�vorjährigen Voranschlag aufweisen.

Es sieht eine echte Zunahme der Kauf-

kraft gegenüber dem vorjährigen Verteidigungshaushalt vor, die die Kosten
für unsere Freiwilligen-Streitkräfte abdeckt.
Wir werden weiterhin Einsparungen vornehmen, um die Leistungsfähigkeit
unserer Streitkräfte zu steigern.

Das Budget jedoch, das ich vorlegen werde,

dokumentiert die Notwendigkeit amerikanischer Stärke in der realen Welt, in
der wir leben.
Da es weiterhin in der Welt Konflikte und Rivalitäten gibt, müssen unsere Möglichkeiten auf dem Gebiet der Nachrichtenbeschaffung die besten der
Welt sein.
Die Verkrüppelung unserer Auslandsnachrichtendienste erhöht die Gefahr,
daß Amerika direkt in bewaffnete Konflikte verwickelt wird. Unsere Gegner
werden dadurch ermutigt, neue Abenteuer zu wagen, während unsere eigene Fähigkeit untergraben wird, die Ereignisse zu registrieren und mit allen Mitteln
außer militärischem Eingreifen zu beeinflussen.
Ohne einen leistungsfähigen Apparat zur Nachrichtenbeschaffung stünden
die Vereinigten Staaten blind und gefesselt da.
Ich werde in naher Zukunft Maßnahmen ergreifen, um unseren Nachrichtenbeschaffungsapparat zu reformieren und zu stärken.
Mitarbeit.

Ich bitte um Ihre positive

Es ist an der Zeit, über die Sensationsmache hinwegzukommen und

die Gewähr für leistungsfähige, verantwortungsbewußte und reaktionsfähige Nachrichtenbeschaffungsorgane zu schaffen.
Ich habe heute abend von unseren Problemen im In- und Ausland gesprochen.
Ich habe Maßnahmen empfohlen, die den Herausforderungen, vor die sich unser
Land im dritten Jahrhundert seines Bestehens gestellt sehen wird, angemessen
sind.
Ich
- 21 -

�Ich hege keinen Zweifel, daß unsere Union fortbestehen wird - besser,
stärker und mit größerer individueller Freiheit ausgestattet.
Wir können nur begrenzt in die Zukunft sehen - auf ein Jahr, auf fünf
Jahre, vielleicht sogar auf eine Generation.

Wir wissen, daß wir, wenn wir

der Herausforderung unserer Zeit gemeinsam im Geist der Zielstrebigkeit und
Zuversicht begegnen - wenn wir unserer Verfassung und unseren Idealen treu
bleiben -, gewiß sein dürfen, daß die Zukunft besser sein wird, als die Vergangenheit war.
Ich sehe Amerika heute eine Schwelle überschreiten - nicht nur insofern,
als wir unser zwei hundertjähriges Bestehen feiern, sondern deshalb, weil wir
uns in der Not bewährt haben. Wir haben uns ein neues Bild von dem gemacht,
was wir sein möchten und was wir als Nation werden möchten.
Ich sehe Amerika wieder einen neuen Anfang nehmen - wieder dessen gewiß,
daß das Leben für unsere Kinder besser sein wird, als es für uns ist, und daß
wir wieder Stärke gewinnen, die nicht von der Inflation aufgezehrt werden
kann.
Ich sehe die Vereinigten Staaten wieder im Vormarsch in Richtung auf eine
vollkommenere Union, in der die Regierung dient und das Volk herrscht.
Das werden wir nicht dadurch erreichen, daß wir Reden halten - gute oder
schlechte, Sie oder ich -, sondern nur durch harte Arbeit und harte Entscheidungen, die wir mit Mut und Verstand treffen.
Ich habe viele ermutigende Präsidentenreden gehört; die Worte aber,
an die ich mich am besten erinnere, sprach Dwight D. Eisenhower:
ist nicht gut, weil es groß ist," so sagte der Präsident,

"Amerika

"Amerika ist groß,

weil es gut ist."

Präsident

- 22 -

�Präsident Eisenhower ist in einer armen, aber religiösen Familie im
Herzen Amerikas aufgewachsen.

Seine einfachen Worte waren das Echo von Prä-

sident Lincolns beredtem Testament:

"Recht gibt Macht". Und Lincoln wieder-

um hatte das Bild George Washingtons im stummen Gebet bei Valley Forge vor
Augen,
All diese Erinnerungen von magischer Kraft, die acht Generationen von
Amerikanern miteinander verbinden, sind in der Inschrift zusammengefaßt, die
Sie über mir lesen können. Wie oft haben wir sie eigentlich bewußt gesehen?
"In God we trust" - Unser Vertrauen ruht in Gott -.
Lassen Sie uns diese Worte in das Herz eines jeden von uns eingraben
- heute, da wir mit den Feiern zum 200jährigen Bestehen unserer Nation beginnen.

- 23 -

�amerika dienst
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1/1976

PRÄSIDENT FORD LEGT AMERIKANISCHEN HAUSHALT 1976/77 VOR
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -

Präsident Ford hat dem amerikanischen Kongreß am 21. Januar 1976 seinen neuen Haushalt für das Finanzjahr 1977 (vom 1. Oktober 1976 bis
30. September 1977) vorgelegt. Der Voranschlag weist bei Ausgaben von
394,2 Milliarden Dollar und Einnahmen von 351,3 Milliarden Dollar ein
Defizit von fast 43 Milliarden Dollar aus. Das Haushaltdefizit hält
sich damit etwa auf der Höhe des Finanzjahres 1975 von 43,6 Milliarden
Dollar, bleibt jedoch wesentlich hinter dem für das laufende Finanzjahr 1976 veranschlagten Defizit von 76 Milliarden Dollar zurück. Die
Zunahme der Ausgaben ist im neuen Finanzjahr mit 5 1/2 Prozent nur halb
so hoch wie die im Finanzjahr 1976 und bleibt noch um 1/2 Prozent hinter
der erwarteten Inflationsrate von 6 Prozent zurück.
Von den Gesamtausgaben sind 101,1 Milliarden Dollar für die Verteidigung
bestimmt - im Finanzjahr 1976 waren für Verteidigungsausgaben 92,8 Milliarden Dollar veranschlagt. Verglichen mit dem Finanzjahr 1969 ergibt
sich bei den Verteidigungsausgaben eine Zunahme von 20,9 Milliarden Dollar oder 26 Prozent, während die Ausgaben für Soziales im gleichen Zeitraum um 141,7 Milliarden Dollar oder 223 Prozent zunahmen. Für alle
übrigen Programme betrug die Zunahme 46,9 Milliarden Dollar oder 115
Prozent. In realen Dollar bleiben die Verteidigungsausgaben gegenüber
denen des Finanzjahres 1969 jedoch um 33 Prozent zurück, während die
Aufwendungen auf allen übrigen Gebieten real um 55 Prozent gestiegen
sind.
In den folgenden Auszügen aus der Botschaftsrede des Präsidenten bedeuten die Jahreszahlen jeweils Finanzjahr, wobei z.B. 1977 die Zeit
vom 1. Oktober 1976 bis 30. September 1977 bezeichnet. Erstmalig beginnt mit 1977 das Finanzjahr in den USA am 1. Oktober statt wie bisher am 1. Juli.
Der Haushalt der Vereinigten Staaten gibt einen guten Überblick darüber,
wo wir standen, wo wir jetzt stehen, und in welcher Richtung wir uns als Nation
bewegen sollten. Der Haushalt gibt die Auffassung des Präsidenten wieder, wie

�wie die Prioritäten zu setzten sind.

Er zeigt, wie wir uns seiner Ansicht

nach zwischen den miteinander konkurrierenden Interessen entscheiden müssen.
Und er spiegelt seine Auffassung wider, wie die öffentlichen und die privaten
Bereiche sich zueinander verhalten sollten ...
Der von mir für das Finanzjahr 1977 vorgeschlagene Haushalt und die von
mir für die Zukunft angestrebte Richtung entsprechen den Forderungen einer verantwortungsbewußten Haushaltspolitik.

Die Kombination der von mir vorgeschlagenen

Änderungen bei Steuern und Ausgaben wird uns auf einen Weg bringen, der nicht
nur innerhalb von drei Jahren zu einem ausgeglichenen Haushalt führt, sondern
der auch die Aussichten für die Wirtschaft verbessert, einen Expansionskurs
einzuschlagen, den wir aufrechterhalten können.

Das ist keine Politik, die uns

schnell aus der Klemme helfen soll; sie enthält kein feierliches Versprechen,
daß wir Inflation und Arbeitslosigkeit über Nacht beseitigen können.

Es handelt

sich vielmehr um eine ehrliche, realistische Politik - eine Politik, die besagt,
daß wir Inflation und Arbeitslosigkeit stetig abbauen können, wenn wir einen
klugen, ausgewogenen Kurs steuern.

Diese Politik hat sich in den letzten Mo-

naten als richtig erwiesen, in denen wir beträchtliche Fortschritte bei der Oberwindung der Rezession und der Verringerung der Inflationsrate erzielt haben.
Sie wird sich bewähren, wenn wir an ihre festhalten.
Eine zweite wichtige Dimension des Haushalts ist, daß er zur Definition
der Grenzen zwischen den Aufgaben beiträgt, die wir dem Staat zuweisen, und
denen, die privaten Institutionen und dem Bürger überlassen bleiben.
Im Laufe der Jahre hat eine stetig allerdings z.T. sehr unterschiedliche
Ausweitung des Regierungsapparates stattgefunden, doch der Trend ist unverkennbar.

Wenn eine solche Aufblähung auch in erster Linie auf der Ebene der Einzel-

staaten und der Kommunal Verwaltungen festzustellen war, so hat doch die Bundesregierung ebenfalls zu diesem Trend beigetragen.

Wir dürfen uns nicht weiter

in Richtung auf einen immer größeren Regierungsapparat treiben lassen.

In un-

serer 200jährigen Geschichte war unser privater Sektor die treibende Kraft.
Wenn wir uns auf ihn verlassen und ihn erhalten, dann wird die Wirtschaft weiter
expandieren, unserem Volke neue und bessere Chancen bieten und die Mittel zur

�zur Verfügung stellen, die wir zur Deckung unseres gemeinsamen Bedarfs benötigen.

Wenn wir stattdessen fortfahren, den Anteil des Staates an unserer

Volkswirtschaft zu vergrößern, dann werden wir keine andere Wahl haben, als
die Steuern zu erhöhen, und wir werden diesem Wege die Kräfte des Wettbewerbs,
die Risiken und die Gewinnmöglichkeiten einengen, die uns in der Vergangenheit
so gute Dienste geleistet haben.
künftig die Frage lauten:

Bei einer Stagnation dieser Kräfte wird

Wer erhält welchen Anteil an einer Volkswirtschaft

mit geringem oder überhaupt keinem Wachstum - und nicht, wie es eigentlich
sein sollte: Wie können die expandierenden Einkommen und Mittel eingesetzt
werden.
Als einen wichtigen Schritt zur Änderung des langfristigen Trends schlägt
mein Haushalt für 1977 eine Senkung der jährlichen Wachstumsraten der Bundesausgaben auf 5,5 Prozent vor - das ist noch nicht die Hälfte der durchschnittlichen Wachstumsrate, die wir in den letzten zehn Jahren hatten. Gleichzeitig
schlage ich weiter permanente Einkommenssteuersenkungen vor, so daß die einzelnen Bürger und Unternehmen diese Dollar ausgeben und investieren können,
die sonst die Bundesregierung an Steuern einziehen und ausgeben würde ...

Verteidigungsausgaben
Natürlich ist die Gewährleistung der Verteidigung unseres Landes stets
eine der obersten Prioritäten unserer Regierung.
native.

Hier gibt es keine Alter-

Wenn wir in der Bundesregierung dieser Verantwortung nicht nachkommen,

dann sind unsere anderen Ziele bedeutungslos.
Daher empfehle ich für 1977 eine beträchtliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben.

Wenn ich guten Gewissens weniger vorschlagen könnte, dann würde

ich das tun.

Viel Gutes könnte getan werden, wenn diese Mittel einer anderen

Verwendung zugeführt werden könnten.

Meine Anforderung begründet sich auf

einer sorgfältigen Bewertung der internationalen Lage und der möglichen Ent-

�Entwicklungen, auf die wir vorbereitet sein müssen.

Die von mir beantragten

Beträge werden die nationale Verteidigung sicherstellen, die wir, wie es
jetzt aussieht, brauchen.
Wir können nicht mit weniger auskommen.

Und wenn unsere Bemühungen, eine

Begrenzung der internationalen Rüstungen zu erreichen, scheitern, dann werden
wir auch mehr Geld benötigen.

Energie
Die Sicherstellung des Energiebedarfs unseres Landes muß ebenfalls zu unseren obersten Prioritäten zählen.

Mein Haushalt räumt dem Vorrang ein...

•

Soziales
Bei unseren innenpolitischen Programmen war es mein Ziel, einen Ausgleich
zwischen all dem zu erreichen, was wir gerne tun möchten, und dem, was wir uns
realistischerweise leisten können ...
Ich schlage ferner Maßnahmen vor, um die wachsende Furcht unserer älteren
Bürger zu beseitigen, daß eine lange schwere Krankheit sie und ihre Kinder um
ihren gesamten Besitz bringen könnte.

Meine Medicare-Reformvorschläge würden

Sicherheit gegen solche katastrophalen Krankheitskosten schaffen ...
Mein Haushalt sieht einen vollen Lebenshaltungskostenausgleich für die
Empfänger von Renten aus der Sozialversicherung oder aus anderen Bundesprogrammen vor.

Wir müssen uns jedoch klar darüber sein, daß der Sozialver-

sicherungstreuhandfonds langsam aufgezehrt wird.

Um seine Integrität wieder

herzustellen, ersuche ich den Kongreß um eine Erhöhung der Sozialversicherungsabgaben mit Wirkung vom 1. Januar 1977 sowie um Verabschiedung verschiedener

�verschiedener anderer Reformen des Systems ...

Finanzausgleich
Mein Haushalt schlägt ferner vor, daß wir die 59 Programme mit Zuwendungen
an die Einzel Staaten durch große Blockzuwendungen auf vier wichtigen Gebieten
ersetzen ...

Die Bedingung, daß die Einzel Staaten die von der Bundesregierung

zur Verfügung gestellten Gelder durch entsprechende Mittel aufstocken müssen,
wird aufgehoben ...
Dieser Haushalt schreckt nicht vor harten Entscheidungen zurück, wo dies
notwendig ist.

Trotz solcher harten Entscheidungen glaube ich, ist dieser

Haushalt jetzt am Beginn des dritten Jahrhunderts unserer nationalen Existenz
auf die Zukunft ausgerichtet, so wie dies unserer ganzen Geschichte entspricht

Verteidigung
Das grundlegende Ziel der Verteidigungseinrichtungen ist es, die Freiheit
und Sicherheit der Vereinigten Staaten zu gewährleisten, und die lebenswichtigen Interessen der USA überall in der Welt zu schützen.
Um sicherzustellen, daß die amerikanischen Verteidigungsstreitkräfte weiterhin in der Lage sind, diese Aufgaben zu erfüllen, ist eine Erhöhung der Mittel
- über das hinaus, was zum Ausgleich der Inflation erforderlich ist - notwendig.
Eine solche Aufstockung wird die Entwicklung und Beschaffung moderner militärischer Ausrüstungen gestatten, die wir zur Erhöhung der Schlagkraft unserer
Kampftruppen brauchen.

Die vorgeschlagenen Ausgaben für die nationalen Ver-

teidigungsprogramme erhöhen sich von 92,8 Milliarden Dollar im Haushalt 1976
- 5 -

�1976 auf 101,1 Milliarden Dollar im Haushalt 1977 und auf 112,9 Milliarden
Dollar im Haushalt 1978.
Die Durchführung der erforderlichen Verbesserungen in dem durch den Haushaltsvoranschlag gesetzten Rahmen verlangt, daß die Leistungsfähigkeit der
Verteidigungseinrichtungen weiter gesteigert wird.

Zu diesem Zweck werden

objektive Kürzungen bei Personal stärken, Vergünstigungen und Logistik vorgeschlagen, die sich nur geringfügig auf die Kampfkraft auswirken.
ser Kürzungen erfordern die Verabschiedung von Gesetzen.

Viele die-

Ohne solche Gesetze

würden zusätzliche Mittel erforderlich werden ...
Trotz einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben der Truppenstärke und der
Modernisierung der Ausrüstungen in der Sowjetunion besteht in der Welt heute
ein akzeptables militärisches Gleichgewicht, was in erster Linie auf vier
Faktoren zurückzuführen ist:
*

- Eine wirksame strategische Abschreckung konnte durch selektive Verbesserungen bei der Streitkräften aufrechterhalten werden.
- Die amerikanischen und verbündeten Streitkräfte konnten durch Einführung
moderner taktischer Kampfflugzeuge, weitere Modernisierung der Seestreitkräfte
sowie verstärkte Beschaffung von Panzern, Panzerabwehrwaffen und anderen Ausrüstungen sowie Munition für die Landstreitkräfte schlagkräftiger gemacht werden.
- Der Kampfwert der Verteidigungseinrichtungen konnte - ohne Erhöhung der
Gesamttruppenstärken, - durch Umwandlung von Nachschubeinheiten in Kampfeinheiten gesteigert werden.

Die Zahl der Heeresdivisionen ist von 13 im Jahre

1974 auf 16 im Jahre 1976 vermehrt worden, während die Gesamttruppenstärke bei
2,1 Millionen Mann geblieben ist.

Die Kampfstärke der taktischen Luftstreit-

kräfte und der Marinestreitkräfte ist ebenfalls verbessert worden.
- Ein großer Teil der Verstärkung des sowjetischen Militärpotentials war
gegen die chinesische Grenze gerichtet.
Die

�Die Vereinigten Staaten bemühen sich um eine Verringerung der militärischen
Ausgaben und einen Abbau der internationalen Spannungen durch Verhandlungen.
Hierunter fallen die Gespräche mit der Sowjetunion über eine Begrenzung der
Strategischen Rüstungen (SALT)

sowie die Erörterung beiderseitiger und aus-

gewogener Truppenreduzierungen in Mitteleuropa
den Mitgliedern des Warschauer Paktes.

(MBFR) zwischen der NATO und

Wirksame Abkommen können jedoch nur

erreicht werden, wenn die amerikanischen und die verbündeten Streitkräfte
weiterhin mindestens genauso stark sind wie die des potentiellen Gegners.
Damit das militärische Gleichgewicht in der Zwischenzeit aufrechterhalten
bleibt, enthält der Haushalt 1977 Vorschläge zur weiteren Vermehrung der Heeresdivisionen, zur Fortsetzung der Modernisierung der Ausrüstungen für die Land-,
See- und die taktischen Luftstreitkräfte und zur weiteren Erhöhung der Schlagkraft der Kampftruppen. Diese Maßnahmen werden laufende Haushaltserhöhungen erfordern, die über den für einen Ausgleich der Inflation benötigten Beträgen
liegen.

Internationale Angelegenheiten
Oberstes internationales Ziel unseres Landes ist es, überall auf der Welt
Frieden zu schaffen. Die unmittelbarste Gefahr für diesen Frieden besteht im
Nahen Osten - ein Gebiet von großer Bedeutung für die Vereinigten Staaten.
Unser Land hat wesentliche Anstrengungen unternommen, um diesem Gebiet Frieden
zu bringen, und das jüngste Abkommen zwischen Israel und Ägypten ist ein ermutigendes Zeichen des Fortschritts. Die Vereinigten Staaten werden, gemeinsam
mit den Ländern dieses Gebietes, in ihren Bemühungen fortfahren, eine dauerhafte Regelung zu fördern.
Der Wohlstand Amerikas und die Gesundheit der Weltwirtschaft sind eng miteinander verbunden.

Die Vereinigten Staaten müssen daher ein Weltwirtschafts-

system fördern, das Stabilität und Fortschritt in gleicher Weise sowohl für
- 7 -

�für die Industriestaaten als auch für die Entwicklungsländer gewährleistet.
Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet, mit den übrigen Industriestaaten darauf hinzuarbeiten, eine rasche Wieder erholung ihrer Volkswirtschaften
sicherzustellen, den Abschluß der Handelsverhandlungen zu beschleunigen, eine
Währungsreform zu erreichen und das wirtschaftliche Wachstum in den Entwicklungsländern zu fördern. Die Ausgaben für internationale Angelegenheiten
werden für 1977 auf insgesamt 6,8 Milliarden Dollar und für 1978 auf 7,8 Milliarden Dollar veranschlagt ...
J
~&lt;
Im Haushalt wird eine Rahmenermächtigung in Höhe von 840 Millionen Dollar
für das auf 2,1 Milliarden Dollar veranschlagte Programm für militärische
Kreditkäufe beantragt, von dem ein beträchtlicher Teil auf Israel entfällt.
Etwa 704 Millionen Dollar sind für direkte Kredite bestimmt, für die eine
Rahmenermächtigung in gleicher Höhe erforderlich ist. Der Rest entfällt auf
das Programm für die Vergabe garantierter Anleihen, das über die Bundesfinanzierungsbank abgewickelt wird. Für diese Anleihen ist eine Garantierücklage
von 10 Prozent und damit eine Rahmenermächtigung von 136 Millionen Dollar erforderlich.
Die Haushaltsvorschläge der Regierung gehen davon aus, daß das Schwerge^' -.-.
wicht weiterhin immer stärker von nicht-rückzahlbaren militärischen Zuwendungen auf militärische Kreditverkäufe verlagert wird. Im Haushalt 1977 wird
die Rahmenermächtigung ftii nicht-rückzahlbare Militärhilfe auf 279 Millionen*
Dollar zurückgehen, gegenüber 394 Millionen Dollar 1976, und die Zahl der Empfängerländer wird sich ebenfalls verringern. Die Gesamtausgaben für mili-,
tärische Hilfe werden für 1977 auf 739 Millionen Dollar veranschlagt ...
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Wirtschaftliche und finanzielle Auslandshilfe
... Die zur Stärkung der Sicherheit gewährte Hilfe sieht wirtschaftliche
Unterstützung für ausgewählte Länder vor und soll den Fortschritt in Richtung
auf eine dauerhafte Verhandlungsregelung im Nahen Osten fördern. Es wird eine

�&gt;

eine Rahmenermächtigung in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar für den Haushalt
1977 beantragt, vor allem für Hilfe an den Nahen Osten ...

Multilaterale Entwicklungshilfe
Diese Hilfe wird in Form von Beiträgen an die internationalen Finanzierungsinstitute (die Weltbankgruppe und die regionalen Entwicklungsbanken) sowie
für Entwicklungsprogramme internationaler Organisationen (vor allem im Rahmen
des Systems der Vereinten Nationen) gewährt. Sie ist zu einer immer wichtigeren
Komponente der wirtschaftlichen Auslands- und Entwicklungshilfe geworden. Die
multilaterale Hilfe spornt andere Geber zu erhöhten Beiträgen an und mobilisiert private Hilfsquellen für die Entwicklungsanstrengungen. Für 1977 wird
für solche Hilfe im Haushalt eine Rahmenermächtigung von 1,2 Milliarden Dollar
beantragt, wobei sich die voraussichtlichen Ausgaben auf 1,1 Milliarden Dollar
stellen werden ...

Bilaterale Entwicklungshilfe
Diese wird in erster Linie über das Amt für Internationale Entwicklung
(AID) abgewickelt, wobei sich die Hilfe auf die Ärmsten in den armen Ländern
konzentriert.- 1 127 Millionen Dollar. Schwerpunkte des Programms sind
Förderung der Entwicklung der Landwirtschaft, Kontrolle des raschen Bevölkerungswachstums sowie Verbesserung der grundlegenden Gesundheits- und Bildungseinrichtungen ...
Das Lebensmittel-für-den-Frieden-Programm soll Hunger und Unterernährung
in den Entwicklungsländern mildern und gewährt günstige Kredite sowie nichtrückzahlbare Zuwendungen für die Finanzierung von Agrarimporten aus den Vereinigten Staaten - 1 169 Millionen Dollar ...
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1/1976

US-GEMEINSCHAFTSSCHAU AUF DER PRO-IN' 76
Internationaler Kongreß und Ausstellung für Produkt-Innovation - neue Bauelemente, Werkstoffe und Technologien für Produktentwicklung und Fertigung

— ( A D ) — Vom 21. bis 25. Februar 1976 beteiligen sich 30 amerikanische Firmen
im Rahmen einer Gemeinschaftsschau an der erstmals in Deutschland stattfindenden PR0-IN' 76 in Halle 2 auf dem Düsseldorfer Messegelände.
Technisches "Know-how", das ständig mit der raschen Entwicklung in allen
Industrienationen Schritt hält, gehört zu den Grundlagen unseres modernen
technischen Zeitalters. Voraussetzung für Produkt-Innovation ist ein ständiges "up-to-date-sein" mit den Ergebnissen unabhängiger Forschung sowie den
neuesten Entwicklungen der Industrieunternehmen.
Kenntnis des letzten Standes technischer Entwicklung gibt so die Impulse
für die Technologie der Zukunft, die allein in der Lage ist, die vielfältigen
ökologischen, sozialen und technischen Probleme einer komplexen Zivilisationsgesellschaft zu lösen.
In den USA, einem der klassischen Länder der modernen Technik, gehört
die bereits seit 20 Jahren regelmäßig stattfindende "Design Engineering
Show" zu den Informationsquellen für den Konstruktions-und Betriebsingenieur.
So dürfte die Beteiligung der amerikanischen Gruppe und unter ihnen die vom
amerikanischen Department of Commerce unterstützte US-Gemeinschaftsschau

1-

�US-Gemeinschaftsschau in Halle 2 auf der PRO-IN' 76 vor hesonderer Bedeutung
sein und den internationalen Charakter dieser Veranstaltung unterstreichen.
Folgende Gruppen sind Schwerpunkte der US-Gemeinschaftsschau:
Moderne Werkstoffe als Bauelemente, Antriebstechnik, Füge-und Verbindungstechnik sowie Formgebung technischer Teile.
Einige charakteristische Bestandteile der amerikanischen Produktpalette
sind:
1) Pulvermetallurgisehe und gegossene Halbfertigprodukte aus Molybdän;
2) geflochtene Glasfib^rrohre und -Stäbe mit extrem hohem Zugfestigkei ts-Gewi chtsverhältni s;
3) Befestigungssyteme mit Innen-und Außen-6-Kantschrauben und mit
neuartig geformtem Werkzeug zur sicheren Übertragung des Anzugsdrehmomentes ;
4) Antriebsmechanismen für Computer-Peripheriegeräte;
5) Verschiedene Typen von Spindel einheiten;
6) Chemisch bearbeitete Strukturteile für die Luft-und Raumfahrtindustrie
aus Aluminium und Titan;
7) Metall-Faltenbalgpumpen;
8) Einrichtung zum omnidirektionalen staubfreien Schneiden zahlreicher
Materialien.

Weitere Informationen und komplette Programme über die US-Gemeinschaftsschau
durch:
US-Handelszentrum Frankfurt
Bockenheimer Landstraße 2-4
6000 Frankfurt am Main
Tel.: (0611) 72 08 01
XXX

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Ford: Botschaft über die Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Ford legt amerikanischen Haushalt 1976/77 vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Gemeinschaftsschau auf der PRO-IN' 76</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

Nummer

4. Februar 1976

Inhalt

DOKUMENTATION
Auszüge aus do.i J&lt; hresbericht des US-Verteidigungsmilisten ums
- Rumsfeld f o r d e r t

löhere Verttidigungsausgaben -

WIRTSCHAFT
Der W i r t s c h a f t s j e r i c h t Präsident Fords
- Wortlaut Die Weltwirtschaft 1976
- Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Wirtschaftsbeirates

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

�amerika dienst
United
53

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Bonn-Bad

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Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 32

2/1976

AUSZÜGE AUS DEM JAHRESBERICHT DES US-VERTEIDIGUNGSMINISTERIUMS
- Rumsfeld fordert höhere Verteidigungsausgaben -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Donald H.
Rumsfeld hat dem Kongreß der Vereinigten Staaten am 27. Januar den Jahresbericht seines Ministeriums für das Haushaltsjahr 1976/77 vorgelegt. Auf Grund
eines im vorigen Jahr verabschiedeten Gesetzes muß der Verteidigungsminister
in Konsultation mit dem Außenminister einen schriftlichen Bericht "über die
Außenpolitik und die Struktur der Streitkräfte der Vereinigten Staaten für
das kommende Haushaltsjahr" unterbreiten, in dem der Zusammenhang zwischen
beiden dargelegt und ihre jeweilige Notwendigkeit begründet wird.
Bei der Vorlage seines - allgemein unter der Bezeichnung
Posture Statement"

"Military

bekannten - Berichtes im Militärausschuß des Repräsen-

tantenhauses bezeichnete Rumsfeld den gegenwärtigen Stand der amerikanischen
Streitkräfte als ausreichend, forderte jedoch in den nächsten Jahren Verbesserungen, um die jüngsten Rüstungsanstrengungen der Sowjets auszugleichen.
Mit der Forderung von 100,1 Milliarden Dollar für die Verteidigung im Haushaltsvoranschlag 1976/77 müsse der fallenden Tendenz der Verteidigungsausgaben während der letzten 15 Jahre Einhalt geboten werden.

Rumsfeld bezeich-

nete Westeuropa als die "entscheidend wichtige zentrale Region"

für die

Sicherheit der USA und des Westens.
Während

�Während bei früheren Berichten mehr die allgemeine Weltlage in Zusammenhang mit der Verteidigungsposition der Vereinigten Staaten gebracht wurde,
wird in diesem Jahr die Beziehung zwischen Verteidigungsstärke und Außenpolitik stärker herausgestellt.
internationale Lage"

Aus dem Kapitel

"Nationale Verteidigung und

geben wir hier wesentliche Auszüge wieder.

Außenpolitik und Verteidigung
Es muß von vornherein unterstrichen werden, daß die physische Macht der
Vereinigten Staaten einer der grundlegenden bestimmenden Faktoren der amerikanischen Außenpolitik ist ...
Man sollte auch nicht vergessen, daß das Machtpotential der Vereinigten
Staaten gewaltig und beispiellos ist. Wenn wir heute denselben Prozentsatz
des Bruttosozialprodukts für die Verteidigung aufwenden würden, wie wir das
noch 1964 getan haben, dann würden wir über 130 Milliarden Dollar oder etwa
ein Drittel mehr ausgeben, als wir für das Haushaltsjahr 1977 angesetzt haben.
Wenn wir gar mit dem gleichziehen wollten, was nach unserer Vermutung der gegenwärtige Prozentsatz der sowjetischen Verteidigungsausgaben am Bruttosozialprodukt ist, dann würde sich unser Antrag auf beinahe 200 Milliarden Dollar
belaufen. An dem einen wie dem anderen dieser willkürlichen Maßstäbe gemessen,
schlagen wir keineswegs einen übertriebenen Betrag für die Verteidigung vor.
Und ebensowenig treten wir in einen allgemeinen Wettstreit mit jenen Nationen
ein, die sich selbst zu unseren Rivalen erklärt haben. Stattdessen versuchen
wir eine klug angelegte Basis für eine Politik zu schaffen, die der Regierung
ebenso wie die wirtschaftlichen und diplomatischen Mittel immer zur Verfügung
stehen muß ...

Die

�Die amerikanische Rolle in der Welt

Die Vereinigten Staaten könnten zugegebenermaßen versuchen, sich von
der Weltpolitik zu isolieren und hätten dabei eine bessere Überlebenschance
als die meisten anderen Länder.
standard würden darunter leiden.

Aber unsere Wirtschaft und unser LebensWir würden uns auch dann fragen müssen, wo

die Linie gegen einen Eingriff von außen zu ziehen wäre.

Wir müßten einen

Verteidigungswall bauen - ohne Freunde, aber nicht notwendigerweise ohne Gegner - und wir würden uns ohne Frage in einer Situation befinden, in der wir
mehr für die Verteidigung ausgeben müßten als heute.

Ob unsere traditionellen

Freiheiten in einem solchen Garnisonsstaat überleben könnten ist fraglich ...

Eine aktive Rolle ist an und für sich noch nicht gleichbedeutend mit
der Notwendigkeit militärischer Macht oder einer bestimmten Größe und Zusammensetzung der Streitkräfte.

Noch im 19. Jahrhundert führten die Vereinigten

Staaten Verhandlungen, traten für fernab liegende Dinge ein und stritten sich
verbal mit anderen Nationen, obwohl sie nur über ein minimales militärisches
Potential verfügten.

Aber sie konnten sich diesen Luxus nur leisten, weil die

Großmächte Europas über große eigene Militärpotentiale verfügten und sich
gegenseitig derart in Schach hielten, daß sich die Vereinigten Staaten relativ
ohne große Gefahr auf verbale Kraftakte und gute Werke einlassen konnten.

Wenn ein großer Konflikt auftrat, dann konnten darüber hinaus unsere
Freunde die Fronten lange genug halten, bis die Vereinigten Staaten ihre
Stärke mobilisieren und in Obersee zum Tragen bringen konnten.

Die Vereinig-

ten Staaten profitierten also praktisch von der militärischen Macht anderer.
Diese Zeiten sind vorbei ...

Regionale Herausforderungen und Ziele

Sowjetunion:
Wohlstand und Machtpotential haben sich um die Schwerpunkte der zwei
großen kontinentalen Mächte kristallisiert:
- 3 -

USA und UdSSR.

Bei nur zwei

�zwei Mächten allererster Ordnung und solange Gewalt und Gewaltandrohung
weiterhin als Grundinstrument der Weltpolitik gelten, haben die Vereinigten
Staaten für die absehbare Zukunft keine andere Wahl, denn als Hauptgegengewicht gegen die UdSSR zu dienen,

über diese Tatsache darf es keinen Zweifel

geben.
Inwieweit das Gegengewicht militärischer Natur sein muß, hängt nicht
einfach von der Existenz einer zweiten Supermacht ab.

Worauf es hier an-

kommt, ist die Frage, ob die andere Supermacht Ambitionen hegt, die den
unsrigen zuwiderlaufen, und ob sie Gewalt und Gewaltandrohung als wesentliches
Mittel zur Lösung von Streitfragen ansieht.

Es wäre beruhigend, wenn man im

Falle der Vereinigten Staaten und der UdSSR berichten könnte, daß es keine
zuwiderlaufenden Ambitionen gäbe, und daß Gewalt in ihren Ambitionen keine
Rolle spielen würde.

Die Tatsachen sprechen deutlich für das Gegenteil.

Seit dem Zweiten Weltkrieg standen die sowjetischen Ambitionen größten Teils
im Gegensatz zu unseren eigenen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Sowjets

eine militärische Macht aufrechterhalten, um ihre eigenen Interessen zu
schützen und die unsrigen zu bedrohen...
Von der Sowjetunion geht weiterhin die hauptsächliche politische und militärische Herausforderung der amerikanischen Interessen in der ganzen Welt aus.
Es liegt in unserem eigenen Interesse, nach Mitteln und Wegen zu suchen, um
Konfrontationen zu vermeiden. Es besteht jedoch kein Zweifel, daß zumindestens
für die absehbare Zukunft der Konvergenz unserer Politiken Grenzen gesetzt
sein werden ...
Auf amerikanischer Seite ist die Politik auf einen Abbau der militärischen
Spannungen und des Konfliktrisikos mit der UdSSR ausgerichtet, um eine allgemeine internationale Stabilität zu schaffen und unsere Sicherheit und die
unserer Verbündeten zu stärken. Wir können bereits mehrere Schritte auf
dieses Ziel hin verzeichnen, und die Vereinigten Staaten hoffen weiterhin, daß
das Übereinkommen von Wladiwostok von 1974 in einen annehmbaren Vertrag umgewandelt wird, und daß die Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierung (MBFR) in Mitteleuropa zu Fortschritten führen werden ...

�Die Entspannung muß als das begriffen werden, was sie ist: Eine Bezeichnung für die Einstellung, mit der wir in unseren Beziehungen an andere
Nationen herangehen, die nicht unsere Freunde sind;

deren Grundsätze nicht

die unsrigen sind; bei denen wir nicht sicher sind, ob wir ihnen vertrauen
können; und die über große militärische Macht verfügen und eine Neigung gezeigt haben, sich ihrer zu bedienen.

Wir wollen Konfrontationen abbauen, Gefahren verringern, die Beziehungen
auf eine etwas solidere Basis stellen und herausfinden, ob sich nicht doch
manche gemeinsamen Interessen ergeben.

Wo

es jedoch um Ost und West geht, dürfen wir nicht vergessen, daß in

vielen der grundsätzlichsten Dinge, einschließlich des Rechts auf individuelle
Freiheit, wir uns diametral gegenüberstehen.

Entspannung beginnt, kurz ge-

sagt, mit der Erkenntnis grundsätzlicher politischer Unterschiede, Gefahren
und Spannungen ...
In einer Zeit, in der sich erst herausstellen muß, ob ein Nachlassen der
Spannung durchgehalten werden kann, entwickelt sich das gegenseitige Vertrauen
zwangsläufig langsam.
den.

Vertrauen muß sich auf Handeln, nicht auf Hoffen grün-

Wenn wir beim Abbau der Spannungen echte Fortschritte erzielen wollen,

dann müssen wir weiterhin sicherstellen, daß es den Sowjets verwehrt bleibt,
ihr militärisches Gewicht zur Erreichung politischer Gewinne, ideologischer
Durchdringung oder von Vorteilen im Falle einer Krise in die Waagschale zu
werfen.

In dieser Frage darf es keine Mißverständnisse geben.

Die US-Ver-

teidigungsstrategie und - position muß auf die großen Veränderungen in der
internationalen Umwelt reagieren können und muß vor allem fundamentale Veränderungen in unseren Beziehungen zu anderen Großmächten sehr genau beachten.
Wir dürfen uns jedoch nicht zu der Überzeugung verführen lassen, daß diese
Änderungen leicht oder rasch einträten.

Selbst in unserer heutigen schnell-

lebigen Zeit wäre es falsch zu glauben, daß nach unseren Erfahrungen der
letzten dreißig Jahre die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen plötzlich
entspannt und freundschaftlich werden könnten.

Wir hoffen, daß wir die

schlimmsten Krisen des Kalten Krieges hinter uns gelassen

- 5 -

�gelassen haben und in eine Periode relativ ziviler Umgangsformen, vorsichtiger Verhandlungen und bewaffneter Stabilität eingetreten sind.

Unsere Be-

ziehungen zur UdSSR sind jedoch nicht so herzlich und vertrauensvoll geworden,
daß wir der Zukunft mit Gleichmut entgegensehen oder uns auf gesteigerte einseitige Rüstungsbeschränkungen einlassen könnten ...

Westeuropa:
Obwohl die sowjetische Herausforderung globale Ausmaße angenommen hat,
dürfen wir die Tatsache nicht außer acht lassen, daß ihre stärksten Elemente
auf Westeuropa konzentriert sind, die Region mit der die Vereinigten Staaten
die engsten Beziehungen haben ... Die Aufrechterhaltung eines stabilen, sicheren
und zuversichtlichen Westeuropa ist für die amerikanische Sicherheit lebenswichtig ...
Nicht weniger als in der Vergangenheit muß unsere militärische Strategie
und damit die Struktur unserer Streitkräfte heute weiterhin auf die Unterstützung des NATO-Bündnisses ausgerichtet sein. Alles andere würde von Freund und
Feind als ein Schritt zum Rückzug in jene veraltete Konzeption der Isolation
betrachtet werden. Es würde gerade die Stärke und das Vertrauen untergraben,
die wir in Westeuropa besitzen, und gleichzeitig die Sowjetunion und ihre Verbündeten im Warschauer Pakt ermutigen, jede Schwäche der Spaltung unter unseren
europäischen Verbündeten auszunutzen.
Unsere unerschütterliche Unterstützung Westeuropas ist im Hinblick auf die
politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa in diesem Jahr um so
lebenswichtiger. Es ist entscheidend wichtig, daß wir unsere gegenwärtigen
Anstrengungen zur Verbesserung der Verteidigungsstärke fortsetzen, die Westeuropa schützt. Durch Programme zur stärkeren Standardisierung und Rationalisierung der Verteidigungsanstrengungen im Rahmen der NATO und durch die Steigerung der Kampfkraft unserer Streitkräfte in der NATO (ohne eine Erhöhung der
Gesamtzahl) können die Vereinigten Staaten eindeutig ihre andauernde Verpflich- 6 -

�Verpflichtung demonstrieren.

Das NATO-Bündnis ist eine Manifestation der

Interdependenz der amerikanischen und der westeuropäischen Sicherheit.

Wir

dürfen die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, daß die NATO die Vereinigten Staaten ebenso schlitzt wie Westeuropa.

Asien:
Manche Leute vertreten die Auffassung, daß die wachsende militärische
Macht der Sowjetunion durch die anhaltenden Differenzen zwischen Moskau und
Peking beeinflußt werde. Das mag bis zu einem gewissen Grad der Fall sein,
wenngleich die Vereinigten Staaten diese Differenzen nicht vertiefen oder ausnutzen wollen ...
Wie erinnerlich, führte unsere Anpassung der amerikanischen strategischen
Konzeption für die allgemeinen Streitkräfte im Jahre 1970 zu einer Aufteilung
der Kriegsstrategie von 2,5 zu 1,5 - und stellte damit die Spaltung zwischen
der UdSSR und der Volksrepublik China in Rechnung.

In den folgenden Jahren

verringerten wir unsere aktiven Land-, See- und taktischen Luftstreitkräfte
der ersten Linie entsprechend der Veränderung des strategischen Konzepts.
Was auch immer die ursprüngliche Basis für die Änderung der Strategie
gewesen sein mag, so haben wir auf jeden Fall bereits den Maximal betrag an
vertretbaren Einsparungen aus der sino-sowjetischen Zwietracht herausgeholt,
und wir sollten jetzt sicherstellen, daß unsere Streitkräfte ausreichend sind,
um unsere Ziele in Asien zu verfolgen.

Es wäre ein Fehler, anzunehmen, daß

wir in bezug auf die Größe unseres Verteidigungspotentials auf diese gefährliche Rivalität noch mehr reagieren sollte, als dies bisher der Fall war ...
Japan, unser Hauptverbündeter in Asien spielt eine lebenswichtige Rolle
bei der Aufrechterhaltung der regionalen Stabilität. Die Fähigkeit Japans,
ohne große Streitkräfte als eine politische Führungsmacht zu agieren, ergibt
sich direkt aus dem Schutzschirm, der Japan durch seinen Sicherheitsvertrag

�Sicherheitsvertrag mit den Vereinigten Staaten geboten wird.

Sein Sicher-

heitsgefühl steht in einem direkten Verhältnis zu seinem Vertrauen in die
Stärke und Zuverlässigkeit der amerikanischen Sicherheitsgarantie.
Alle großen Mächte Asiens haben Interessen an der koreanischen Halbinsel,
wo die Vereinigten Staaten seit über 20 Jahren ihre Verpflichtung gegenüber
Südkorea eingehalten und zur Erhaltung des Friedens auf der Halbinsel beigetragen haben.

Die Präsenz unserer Landstreitkräfte ist ein greifbarer Beweis

für unsere Unterstützung der Republik Korea sowie eine beachtliche Abschreckung vor einem nordkoreanischen Angriff und ein Faktor, der dazu beiträgt, sowohl die Volksrepublik China oder auch die UdSSR davon abzuhalten,
einen solchen Angriff zu dulden oder zu unterstützen.

Da die Japaner die

Sicherheit Südkoreas in einem engen Zusammenhang mit ihrer eigenen Sicherheit
sehen, ist die amerikanische Unterstützung Südkoreas von entscheidender Bedeutung für die Stabilität in Nordostasien ...

Naher Osten:
Der Nahe Osten ist ein Gebiet von überragender Bedeutung für die Vereinigten Staaten. Ein Wiederaufleben der arabisch-israelischen Feindseligkeiten könnte eine direkte Bedrohung der amerikanischen Sicherheit darstellen,
vor allem, wenn es zu einer militärischen Konfrontation der Großmächte oder
einem neuerlichen ölembargo für den Westen kommen sollte. Politische und
militärische Instabilität im Golfgebiet selbst wäre, wenn sie zu einer Unterbrechung der Ölversorgung führen würde, den Interessen der Vereinigten
Staaten und deren Verbündeten schädlich.
Unser Ziel besteht deshalb darin, eine gerechte politische Lösung des
arabisch-israelischen Konflikts zu fördern, die Ölversorgung aus diesem Gebiet zu gewährleisten, die amerikanischen Beziehungen zu den wichtigen
Nationen dieses Gebietes zu verbessern und den sowjetischen Einfluß in
diesem Gebiet zu begrenzen. Die gegenwärtige Programme der Sicherheitshilfe
sind darauf
- 8 -

�darauf angelegt, die wichtigen Staaten in dem Gebiet mit der militärischen
Stärke auszustatten, um vor einer Aggression abschrecken zu können.
Unsere bescheidenen Seestreitkräfte im Persischen Golf reichen zusammen
mit der Sechsten Flotte im Mittelmeer aus, um unsere derzeitigen Ziele zu
unterstützen.
Wir stützen uns auf Diplomatie und Hilfsprogramme, um die Nationen des
Gebietes zu ermutigen, für eine Politik einzutreten, die in unserem beiderseitigen Interesse liegt. Wir sind jedoch auf unvorhergesehene Entwicklungen
vorbereitet. Die gegenwärtige militärische Planung für das Gebiet legt Wert
auf Flexibilität und die Aufrechterhaitur.g einer militärischen Kapazität, die
ausreicht, um mit einem weiten Bereich von Ernstfällen fertig zu werden, und
reicht von symbolischer Unterstützung der diplomatischen Bemühungen der Vereinigten Staaten bis zum großen Konflikt.

Lateinamerika:
In der Westlichen Hemisphäre streben wir eine reife Partnerschaft in
gemeinsamen diplomatischen und militärischen Anstrengungen mit unseren Nachbarn an. Der Verteidigungsaspekt dieser Partnerschaft liegt in der Verhinderung der Errichtung von Militärstützpunkten in der Hemisphäre, die unseren
gemeinsamen Interessen feindlich wären, und in der Verhinderung der Bedrohung
der regionalen Kommunikationswege. Das weiter gesteckte Ziel ist die Ausweitung der multilateralen politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit
unter allen Ländern der Hemisphäre.
Die Bereitstellung amerikanischer Mittel für die Sicherheitshilfe hat
materiell geholfen unsere bilateralen und multilateralen Ziele in der Westlichen Hemisphäre zu erreichen und wird das auch in Zukunft tun.
Afrika:

�Da einander zuwiderlaufende Großmachtinteressen im Spiele sind, da
die Möglichkeit der Instabilität besteht, und wegen der Naturschätze sowie
der Verbindungslinien, die das Gebiet durchqueren, ist Afrika zu einem Gebiet amerikanischen Interesses geworden.

Aus der Sicht der nationalen Sicher-

heit sind wir in erster Linie über den wachsenden sowjetischen Einfluß dort
besorgt, der die Sicherheit der NATO, vor allem im Mittelmeer berühren oder
sich auf die amerikanischen Interessen im Nahen Osten auswirken könnte. Gegenwärtig stellt das sowjetische Engagement nur in zwei Gebieten über den
Küstenbereich des Mittelmeers hinaus eine wesentliche Herausforderung der
amerikanischen Interessen dar:
- Die verstärkte militärische Tätigkeit der Sowjets in Somalia, vor
allem der Ausbau ihres Stützpunktes in Berbera, wird die Flexibilität der
militärischen Operationen der Sowjets im Indischen Ozean und im Persischen
Golf erhöhen.
- Das wachsende politische und militärische Engagement der Sowjets in
Angola hat zur anhaltenden Instabilität dieser neuen Nation beigetragen.
Trotz unseres Interesses an dieser Region planen wir keinen Einsatz
militärischer Macht zur Unterstützung unserer Politik. Wie in Lateinamerika
kann eine minimale und selektive amerikanische Sicherheitshilfe zur Stabilität in dem Gebiet beitragen ...

Das amerikanische Verteidigungsprogramm
Strategisehe Nuklearstreitkräfte:
Die strategischen Nuklearstreitkräfte nehmen einen einzigartigen Platz
im Planungsprozeß ein. Auf Grund des Wirkungsgrades von Kernwaffen, des hohen
technologischen Standes der modernen Trägersysteme und der Notwendigkeit, die
Möglichkeit eines verheerenden Überraschungsangriffs über interkontinentale
- 10 -

�interkontinentale Entfernungen hinweg auszuschließen, müssen die strategischen Nuklearstreitkräfte sehr viel mehr nach den spezifischen Kapazitäten
anderer Nationen und nach unseren Abschreckungszielen ausgerichtet sein, als
nach den wechselnden Strömungen der internationalen Politik und den Taktiken
der amerikanischen Außenpolitik.
Die Tatsachen hinsichtlich der Entwicklung der sowjetischen strategischen
Streitkräfte dürften weitgehend bekannt sein. Die wachsende technische Verfeinerung der sowjetischen Waffen - mit hochwirksamen Mehrfachgefechtsköpfen
(MIRV) und rasch zunehmender Treffsicherheit - läßt ein beträchtliches
Interesse an einer ständigen Verbesserung der Streitkräfte und ihrer Flexibilität erkennen. Es ist darüber hinaus wahrscheinlich, daß die Sowjets
selbst innerhalb der Grenzen, wie sie sich durch das Übereinkommen von
Wladiwostok abzeichnen, die Modernisierung ihrer strategischen Streitkräfte
in dem gegenwärtigen raschen Tempo fortsetzen und damit die Kapazität ihrer
Streitkräfte gegenüber einem weiten Bereich von Zielen verbessern werden ...
Unter den gegenwärtigen Umständen ... sind wir der Überzeugung, daß wir
über eine ausreichende strategische Offensivstreitmacht verfügen. Selbst
nach einem gut koordinierten Überraschungsangriff könnten die Vereinigten
Staaten (wenn notwendig) mit ausreichender Macht zurückschlagen, um ihren
Gegner als moderne, funktionsfähige Gesellschaft zu vernichten. ...
Gleichzeitig erhalten ausgewählte Teile unserer Offensivstreitkräfte
die notwendige Flexibilität, um auf unterschiedlichere Angriffe reagieren
zu können. Es wächst nicht nur unser Inventar an vorgeplanten Optionen,
sondern wir sorgen auch für die Fähigkeiten der Zielumdisponierung und der
Befehlseinrichtungen, um rasch auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu
können. Keine feindliche und verantwortungslose Macht kann davon ausgehen,
daß unsere Hände gebunden wären, weil wir etwa nur die Wahl hätten, auf
einen begrenzten Nuklearangriff mit Tatenlosigkeit oder dem Inferno zu
reagieren
Dieses
- 11 -

�Dieses Maß an Flexibilität, das die Abschreckung stärkt und ausweitet,
schließt notwendigerweise die Option und die Fähigkeit ein, einen genauen
Schlag gegen militärische Ziele, einschließlich einiger befestigter Anlagen,
zu führen.

Es erlaubt jedoch keine entwaffnende Erstschlagkapazität gegen

die UdSSR.

Ein solches Ziel wäre gegenwärtig ohnehin nicht zu erreichen, da

die Sowjets selbst eine Triade von Offensivstreitkräften aufrechterhalten -*
zusammen mit massiven aktiven strategischen Verteidigungsstreitkräften die die Möglichkeit eines erfolgreichen gleichzeitigen Angriffs auf alle
drei Streitkräfte ausschließt.
Wir können eine solche Politik nicht nur deshalb verfolgen, weil
jederman in der Welt weiß, daß wir keine agressiven Absichten hegen,
sondern auch weil unsere Primärkapazität für einen Zweitschlag gegen
wirtschaftliche und andere Ziele gegenwärtig garantiert ist.

Genau aus

diesen Gründen sind unsere strategischen Nuklearstreitkräfte in etwa
gleichwertig mit denen der UdSSR
Ob diese grundlegende Gleichwertigkeit während des nächsten Jahrzehnts
anhalten wird, ist eine der schwerwiegendsten Fragen, vor der wir in unseren
Entscheidungen über unsere strategischen Nukleärprogramme stehen. Wir
müssen jetzt die Modernisierungsprogramme der Streitkräfte vorantreiben, die
die Aufrechterhaltung eines strategischen Gleichgewichts für die Zukunft
gewährleisten und damit unsere Ziele bei den SALT-Verhandlungen unterstützen. Die Schwierigkeiten, die wir in diesem Zusammenhang erwarten, sind
von besonderer Bedeutung.
Die erste Schwierigkeit besteht darin, daß unsere Streitmacht an
schweren Bombern und nukleargetriebenen Raketen-Unterseebooten veraltet.
Die Programme für die B-l und die Trident bieten uns eine gesunde Grundlage
für die Modernisierung dieser beiden wesentlichen Bestandteile unserer
strategischen Triade.
Die zweite Schwierigkeit ist schwerwiegender.

- 12 -

Die gegenwärtig im Gang

�Gang befindliche Modernisierung der sowjetischen InterkontinentalraketenStreitmacht erhöht die Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen vom
Typ Minuteman.

Wir würden es vorziehen, jede Gefährdung beider Interkon-

tinentalraketen-Streitkräfte durch gegenseitiges Übereinkommen auszuschalten.

Wenn uns das jedoch nicht gelingt, dann müssen wir uns ent-

scheiden, was wir hinsichtlich der Minuteman-Raketen tun werden.

Eine

der auf den ersten Blick verlockendsten Optionen wäre, festeingebaute, harte
Interkontinentalraketen ohne Ersatz außer Dienst zu stellen.

Das würde

jedoch die Verwundbarkeit unserer anderen Streitkräfte erhöhen und uns der
exakten Leitfunktionen, Zielumdisponierung und Treffsicherheit berauben, die
so wichtige Eigenschaften der Minuteman sind.

Wir würden damit die Mittel

und Möglichkeiten der Reaktion auf begrenztere Nuklearangriffe, die wir
einkalkulieren müssen, verringern, und unser Abschreckungsschirm wäre
weniger vollständig

Allgemeine Streitkräfte:
Unsere allgemeinen Mehrzweckstreitkräfte brauchen nicht so eng nach
ihrem Gegenstück in der UdSSR ausgerichtet zu sein, wie unsere strategischen
Nuklearstreitkräfte. Das liegt zum Teil daran, daß unsere Verbündeten
große nichtnukleare Beiträge leisten. Es liegt aber auch daran, daß die
Sowjets gegenwärtig einen beträchtlichen Teil ihrer Mehrzweckstreitkräfte
auf die Volksrepublik China hin orientieren, Wir konzentrieren uns daher
auf die Aufrechterhaltung zweier starker Hauntdislozierungspunkte außerhalb
der westlichen Hemisphäre - in Mitteleuropa und in Nordostasien - und auf
unsere Fähigkeit, im Zusammenwirken mit Verbündeten eine vorgeschobene
Verteidigungslinie gegen einen großen Angriff auf dem einen oder anderen
Kriegsschauplatz zu halten
Wir sind der Auffassung, daß einem konventionellen Angriff mit
konventionellen Mitteln entgegengetreten werden sollte, daß wir jedoch auch
eine nukleare Gefechtsfeldkapazität zur Unterstützung aufrechterhalten
sollten - nicht als Ersatz für nichtnukleare Streitkräfte

sondern als

Abschreckung vor dem Einsatz von Kernwaffen und als ein Schutzwall gegen
- 13 -

�gegen ein Versagen unserer konventionellen Verteidigung ...
Es ist wesentlich, daß wir sowohl in Europa als auch in Nordostasien
Positionen der Stärke aufrechterhalten»

Da die beiden großen Schauplätze

von fundamentaler Bedeutung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten sind,
müssen wir starke Mehrzweckstreitkräfte zur Verfügung haben, um einen
größerei Ernstfall zusammen mit anderen auf zumindest einem dieser Schauplätze begegnen zu können, während wir zur Aufrechterhaltung einer VorneVerteidigung auf dem anderen beitragen.

Da wir jedoch den Einsatz von

Mehrzweckstreitkräften auf anderen Schauplätzen und für andere Zwecke nicht
ausschließen können, muß das Grundziel unserer Planung darin bestehen, die
Streitmacht zur Abschreckung vor einem großen nichtnuklearen Konflikt zu
stellen, und im Rahmen dieses Prozesses die Flexibilität zu gewinnen, mit
Ernstfällen geringeren Ausmaßes fertig werden zu können....
Obwohl unsere See- und Landungsstreitkräfte uns mit einer gewaltigen
Reichweite und Flexibilität ausstatten, müssen wir in erster Linie im
Zusammenhang mit einem Ernstfall in Europa bemessen, inwieweit sie ausreichen,, Es muß auch unterstrichen werden, daß ein Krieg in Europa sich
auf andere Gebiete ausdehnen könnte, und daß wir, selbst wenn die tatsächlichen Kampfhandlungen enger begrenzt wären, uns auch um den Schutz
der Seewege nach Nordostasien kümmern und gegen die sowjetische Pazifikflotte
Wache halten und den Zugang zum Persischen Golf gewährleisten müßten.
Diese Aufgaben verlangen viel von uns, wir sind jedoch der Überzeugung,
daß die kombinierten amerikanischen jnd alliierten Seestreitkräfte sie
gegenwärtig erfüllen könnten. Nach unserer Beurteilung dürften unsere
Streitkräfte ihren Gegenspielern in der Sowjetunion und im gesamten
Warschauer Pakt zumindest gleichwertig bleiben. Die sowjetische Marine
unterhält mit Überwasserschiffen, Unterseebooten und Langstreckenflugzeugen
weiterhin eine starke Verteidigung des russischen Territoriums und der
anlegenden Gewässer gegen seegestützte taktische Luft- und Landungsstreitkräfte, Sie baut weiterhin ihr Potential aus, die amerikanische und

- 14 -

�und alliierte Schiffahrt zu unterbinden.
Auch wenn die NATO wahrscheinlich bei einem Seekrieg qroße Verluste
hinnehmen müßte, so wären diese Verluste - soweit wir das sagen können doch nicht prohibitiv, und die Auswirkung auf unsere eigene Kampfkraft wäre
zwar ernst, jedoch nicht lähmend. Die vorhandenen amerikanischen und
alliierten Seestreitkräfte dürften in der Lage sein, den Unterseebooten und
Überwasserschiffen des Gegners schwere Verluste zuzufügen und innerhalb
eines annehmbaren Zeitraums die volle Kontrolle der Seewege im Atlantik
und im Pazifik wiederzugewinnen.

- 15 -

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2/1976

DER WIRTSCHAFTSBERICHT PRÄSIDENT FORDS
- Wortlaut -

Präsident Ford hat dem amerikanischen Kongreß
am 26. Januar seinen Wirtschaftsbericht vorgelegt, der einen Rückblick auf die wirtschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahres und
einen Ausblick auf die Wirtschaftspolitik der
USA im neuen Jahr gibt. Den Ausführungen des
Präsidenten ist der Bericht des Wirtschaftsbeirates beigefügt, der an Hand von zahlreichen Tabellen und Statistiken ein umfassendes Bild von der gegenwärtigen Lage der amerikanischen Wirtschaft gibt. Der Bericht des
Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Zu Beginn des Jahres 1976 sieht sich die amerikanische Bevölkerung
immer noch mit ihren beiden größten persönlichen Sorgen konfrontiert: Inflation und Arbeitslosigkeit. So berechtigt diese Besorgnis auch ist, so dürfen
wir es doch nicht zulassen, daß sie den im letzten Jahr erzielten echten Fortschritt überschattet. Die grundlegende Tatsache in unserer Wirtschaft ist, daß
sie ganz stetig immer mehr gesundet. Meine Politik für 1976 ist darauf abgestellt, daß wir uns auf diesem Weg nach oben weiter voranbewegen.
Vor einem Jahr stand die Wirtschaft mitten in einer ernsten Rezession,
und es war kein baldiges Ende in Sicht.

Ganz ungewöhnlich starke inflatio-

�inflationistische Kräfte begannen gerade erst nachzulassen und die Aussichten,
der Arbeitslosigkeit Einhalt zu gebieten, waren nicht gerade gut.
Es ist heute klar, daß wir einen beachtlichen Fortschritt erzielt haben.
Die schwerste Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges hat die Talsohle im
Frühjahr des letzten Jahres durchschritten und eine wesentliche Wiedererholung
ist jetzt im Gange.

Im Dezember standen 85,4 Millionen Amerikaner in Arbeit,

1,3 Millionen mehr als im März 1975.

Obwohl die Arbeitslosenrate noch immer

viel zu hoch ist, beginnt sie sich langsam in der richtigen Richtung zu bewegen.

Wir haben ebenfalls bedeutende Fortschritte bei der Verringerung der In-

flationsrate gemacht.

Die Zunahme des Indexes der Verbraucherpreise von De-

zember 1974 bis Dezember 1975 betrug 7 Prozent - ein Rückgang gegenüber einer
Rate von über 12 Prozent in den vorangegangenen 12 Monaten.
Bei einem Blick zurück auf 1975 sollte man auch an die große Zahl potentiell ernster Wirtschaftsprobleme denken, die sich nicht materialisiert
haben. Die von einigen vorausgesagte Finanzkrise trat nicht ein. Die Rezession wettete sich nicht zu einer kumulierenden Depression aus. Es gab keinen
Zusammenbruch des internationalen Handels und der internationalen Investitionen. Der Brotpreis ist niemals auf einen Dollar angestiegen, genausowenig
wie der Benzinpreis. Wir haben keinerlei störende soziale Unruhen als Folge
unserer wirtschaftlichen Schwierigkeiten erlebt. Wenn wir auch die Entwicklungen des Jahres 1975, gleichgültig nach welchem Maßstab wir sie messen,
nicht als voll befriedigend betrachten, so sollten wir es doch beruhigend finden, daß unser Wirtschaftssystem ernsten Belastungen standgehalten und in
diesem Jahr eine innere Stärke gezeigt hat. Ich bin zuversichtlich, daß wir
für die Zukunft mit einer verantwortungsbewußten und richtigen Politik einen
stetigen wirtschaftlichen Fortschritt erreichen können.
Leider gibt es keine einfache Formel - und auch keine Einzelmaßnahme -,
die schnell eine volle wirtschaftliche Gesundung herbeiführen kann. Es dauerte
mehrere Jahre, um durch starke überhitzung zusammen mit Schocks von außen,
wie die Verfünffachung des internationalen ölpreises, die wirtschaftlichen

�wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Jahre 1974 und 1975 heraufzubeschwören,
und es wird mehrere Jahre dauern, bis eine gesunde Politik ein stetiges
nicht-inflationistisches Wachstum wieder erreichen kann. Wir müssen die
Stärke der amerikanischen Wirtschaft so rasch, wie wir dies können, wieder
herstellen; aber dabei dürfen wir nicht die Gefahren einer Wiederbelebung
der inflationistischen Kräfte ignorieren, denn eine ungezügelte Inflation
schließt stetiges Wachstum und Vollbeschäftigung aus. Die Ereignisse der
letzten Jahre haben erneut überzeugend demonstriert, daß eine galoppierende
Inflation zu Instabilität und Zerrüttung führt, Arbeitslosigkeit mit sich
bringt und schließlich jeden echten Wohlstand unmöglich macht.
Es ist oftmals gesagt worden, daß wir uns zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit entscheiden müßten, und daß der einzige Weg zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit darin besteht, eine chronische Inflation oder starre Kontrollen
zu akzeptieren. Ich weise diese Ansichten zurück. Inflation und Arbeitslosigkeit sind keine Gegensätze, sondern verwandte Symptome einer ungesunden
Volkswirtschaft. Die letzten Monate des Jahres 1974 zeigen, welche Beziehungen zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit bestehen. Scharf anziehende
Preise schufen eine Atmosphäre der Unsicherheit und waren zum Teil die Ursache dafür, daß die Kaufkraft der auf Sparkonten oder in Investmentanteilen
angelegten Gelder der Verbraucher so stark zurückging. Dies wiederum führte
dazu, daß die Verbraucher ihre Ausgaben einschränkten. Und die Folge davon
war, daß die durch spekulative Kaufe aufgeblähten Lagerbestände den Markt
blockierten. In den ersten Monaten des Jahres 197E führte dies zu scharfen
Einschränkungen bei Produktion und Beschäftigtenstand. So hat die Inflation
wesentlich zu einem Rückgang der Beschäftigung beigetragen, und sollte es
zu einer neuen Inflationsrunde kommen, so dürfte diese noch mehr Arbeitslosigkeit bringen. Eine chronisch hohe Arbeitslosigkeit ist eine Vergeudung menschlicher Hilfsquellen, die nicht hingenommen werden darf, und führt zu einem
Rückgang der Gütererzeugung, der nicht mehr tragbar ist. Es ist ganz klar,
wir müssen gegen Inflation und Arbeitslosigkeit gleichzeitig vorgehen; unsere
Politik muß ausgewogen sein. Mein Wirtschaftsprocramm für 1976 hat drei
Teile: 1.) Fortsetzung der langfristigen Bemühungen um eine Wiederbelebung

- 3 -

�Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft;

2.) Durchführung der zahl-

reichen Programme, die notwendig sind, um für die Arbeitslosen während des
Übergangs zu einer gesunden Wirtschaft Erleichterung zu schaffen; und 3.)
Ausschaltung aller Regierungsmaßnahmen und -institutionen, die einer Flexibilität der Preise und einem dynamischen Wettbewerb im Wege stehen.
I. Mein wirtschaftliches Hauptziel ist die Schaffung einer Atmosphäre
für die Wirtschaft, in der ein stetiges nicht-inflationäres Wachstum erreicht
werden kann.
Solange die privaten Ausgaben niedrig sind, kann die Regierung durchaus
die privaten Spargelder absorbieren, und der Wirtschaft einen fiskalischen
Anreiz geben. Auf lange Sicht jedoch ist eine kräftige und stetige Steigerung
des Wohlstandes nur möglich, wenn wir einen dynamischen privaten Sektor haben.
Meine Politik soll das langfristige Wachstum der Wirtschaft dadurch stärken,
daß sie eine Atmosphäre schafft, in der der private Sektor aufblühen kann.
Um unsere langfristigen Ziele - Vollbeschäftigung und nicht-inflationistisches
Wachstum - zu erreichen, ist eine verstärkte Kapitalbildung notwendig. Obwohl
es bei den industriellen Kapazitäten im Augenblick keinerlei Engpaß gibt, erfordern zahlreiche unserer derzeitigen Prioritäten - um auf dem Energiesektor
unabhängig zu werden, um die Umwelt zu verbessern, um mehr Arbeitsplätze zu
schaffen und um unseren Lebensstandard zu erhöhen - vermehrte Investitionen.
Dies bedeutet, daß der Anteil der Wirtschaftsinvestitionen in Anlagen und
Ausrüstungen am Bruttosozialprodukt steigen muß. Wir müssen ferner das Anwachsen der Bundesausgaben in den unmittelbar vor uns liegenden Jahren verlangsamen, damit nicht die zunehmende Beanspruchung unserer wirtschaftlichen
Hilfsquellen durch die Bundesregierung einen ausreichenden Fluß von Spargeldern
in die Kapitalinvestitionen verhindert.

Daher empfehle ich, daß die Einsparungen im Haushalt über Steuersenkungen
an die amerikanischen Steuerzahler weitergegeben werden.

Ich habe eine jähr-

liche Steuersenkung von 28 Milliarden Dollar gemessen am Stand von 1974 mit
Wirkung vom 1. Juli 1976 vorgeschlagen.

Wenn wir uns in den kommenden Jahren

�Jahren weiterhin der Zurückhaltung bei den Haushaltsausgaben befleißigen,
wie ich sie vorschlage, wird eine erneute große Steuersenkung 1979 möglich
sein.

Ich bin der Überzeugung, daß der einzelne Arbeitnehmer ein Recht hat,

sein Geld für die Güter und Dienstleistungen auszugeben, die er haben möchte,
und nicht dafür, daß die Regierung über die Verfügung seines Einkommens noch
stärkere Kontrolle gewinnt.
II. Leider braucht e^ne vclle Wiedererholung der Wirtschaft Zeit. Ein
zu rasches Wachstum könnte zu einen; erneuten Aufleben der Inflation führen,
sodaß es schließlich in sich selbst zusammenbrechen würde. In der Zwischenzeit müssen wir an die denken, die ihre Arbeitsplätze verloren haben oder
die einer. Verlust ihrer gegenwärtigen Arbeitsplätze befürchten. Zwar kann
das Problem der Arbeitslosigkeit nur durch Wiederherstellung der grundlegenden
Stärke der Volkswirtschaft gelöst werden, die Härten einer Arbeitslosigkeit
uro eines unsicheren Arbeitsplatzes erfordern jedoch sofortiges Handeln. Im
Dezember 1974 und in ;iärz 1975 habe ich zwei wichtige Gesetze unterzeichnet,
durch die die Dauer der Arbeitslosenversicherung und der Kreis der Begünstigten erweitert werden. Diese Änderungen haben die finanzielle Eelastung für
die 3,6 Millionen Amerikaner gemildert, die einen Teil des letzten Jahres arbeitslos waren. Die Programne in meinem Haushalt für das Finanzjahr 1977
werden 3,6 Millionen Amerikanern Möglichkeiten für eine Ausbildung und eine
Beschäftigung bieten.
Diese Hilfen für die Arbeitslosen sollten nur als vorübergehende Lösung
betrachtet werden.

Sie sind kein Ersatz für einen produktiven Arbeitsplatz

in der Privatwirtschaft.

Der einzige Weg zur Schaffung solcher Arbeitsplätze

ist die Wiederherstellung der Lebensfähigkeit der privaten Industrie, die heute
fünf von sechs amerikanischen Arbeitnehmern beschäftigt.
III. Ein Erfolg bei der Förderung eines gesunden Wirtschaftswachstums und
einer dynamischen Privatwirtschaft hängt weitgehend davon ab, daß Regierung
und staatliche Institutionen alles unterlassen, was den Wettbewerb beeinträchtigt.

Das amerikanische System hat sich bei der Organisation der Produktion
- 5 -

�Produktion sowie der Förderung des wirtschaftlichen Fortschritts schon immer
des Wettbewerbs bedient. Die Regierung hat jedoch durch Kontrolle von Preisen
und Qualität der Dienstleistungen Unzulänglichkeiten beim Wettbewerb zu korrigieren versucht.

Dieser Versuch war alles andere als ein voller Erfolg.

Sol-

che Kontrollen waren nützlich, um dem Preisgebaren bestimmter Monopole Grenzen
zu setzen und das Wachstum neuer Industrien zu fördern, wie die Flugzeugindustrie in den vierziger und fünfziger Jahren. Sie haben ebenfalls dazu beigetragen, sicherzustellen, daß solchen öffentlich verkündeten sozialen Zielen
wie reine Luft und sichere Arbeitsbedingungen entsprochen wird.

Aber in ver-

schiedenen Industrien wurden solche Kontrollen auch dazu benutzt, das Wachstum
etablierter Firmen zu schützen und zu unterstützen, statt den Wettbewerb zu
fördern.
Im Laufe der Jahre hatten die von der Regierung erlassenen Kontrollen
zahlreiche weitere unerwünschte Nebenwirkungen. Es wurde nicht nur in vielen
Fällen der Wettbewerb eingeschränkt, sondern den betroffenen Firmen wurden
auch große Belastungen auferlegt, die zu einem Anstieg der Produktionskosten
und der Verbraucherpreise führten.
Der immer schärfere Wettbewerb auf den Weltmärkten und die Notwendigkeit
einer Aufrechterhaltung und Anhebung des Lebensstandards einer wachsenden Bevölkerung erfordern eine ständige Verbesserung des amerikanischen Vermarktungssystems. Aus diesem Grunde habe ich den Kongreß um Verabschiedung grundlegender Änderungen in unseren Gesetzen für die Eisenbahnen, die Luftfahrtgesellschaften und das Transportgewerbe ersucht. Auf Grund dieser Änderungen werden
diese Gesellschaften künftig flexibler den Gegebenheiten des Marktes entsprechen können. Ich habe ferner die Freigabe der Preise für Erdgas gefordert
und für die Erdölindustrie und die Energieversorgungsunternehmen die erforderliche größere Flexibilität bei der Preisgestaltung angestrebt. Wir werden
die erforderlichen Schutzmaßnahmen auf dem Gebiet des öffentlichen Gesundheitswesens und der Sicherheit weiter verbessern, gleichzeitig aber jede unnötige
Kostenerhöhung für die Öffentlichkeit zu vermeiden suchen. Mein Ziel ist es,
eine bessere Kombination von Wettbewerb auf dem Markt und verantwortungsbewußter Kontrolle seitens der Regierung zu erreichen. Das von mir in der. letzten
- 6 -

�letzten Monaten vorgelegte Programm hat ein solches Gleichgewicht zum Ziel
und ich werde 1976 auf diesem Weg weiter fortfahren.
Die Verwirklichung eines solchen neuen regulierenden Gleichgewichts
wird voraussichtlich während einer Übergangszeit gewisse wirtschaftliche
und soziale Kosten mit sich bringen, und die Änderungen müssen daher sorgfältig abgestuft werden.

Auf lange Sicht jedoch wird ein dynamisches Ver-

marktungssystem für die Bevölkerung wesentliche Vorteile, unter anderem auch
niedrigere Preise, bringen.
Obwohl unsere Politik sich in erster Linie auf die amerikanische Wirtschaft konzentriert, sind wir uns jedoch auch klar darüber, daß unsere Interessenbereiche nicht an unseren Küsten ender,. Die anderen großen Länder der
Welt erleben gegenwärtig ebenfalls eine Wiedererholung von der schwersten Rezession, die sie seit den dreißiger Jahren erlitter; haben. Für sie - wie
für uns - ist auf wirtschaftlichem Gebiet oberste Priorität, ihre Wirtschaft
wieder auf einen sich selbst tragenden, nicht-inflationistischer VJachstumskurs
zurückzuführen. Ein Erfolg bei diesen Bemühungen wird mehr als alles andere
den Industriestaaten wie auch den Entwicklungsländern helfen, einer, höheren
Lebensstandard zu erreichen.
In den letzten Jahren hatten die Volkswirtschaften der meisten Länder
unter ungewöhnlich hohen Inflationsraten zu leiden, die zu einem großen Teil
auf die Verfünffachung des internationalen Erdölpreises zurückzuführen waren;
und dann glitten sie in eine schwere Rezession. Die Gleichzeitigkeit dieses
Vorganges zeigt erneut die starke Interdenenc'enz der Volkswirtschaften der
Welt. Die einzelnen Länder sind immer stärker voneinander abhängig geworden,
je v.ehr ein freierer Fluß von Güterr,s Dienstleistungen und Kapital zu größerem
Wohlstand überall auf der Welt geführt hat. Auf Grund dieser wachsenden Interdependenz lassen sich jedoch die innenpolitischen Ziele nicht wirksam erreichen 3 es sei denn, wir tragen auch den wirtschaftlichen Veränderungen und
cien politischen Zielsetzungen in anderen Ländern Rechnung.
Ancesichts
- 7 -

�Angesichts unserer wachsenden Interdependenz habe ich mich eingehend
mit den Chefs der anderen Regierungen, einzeln und mit allen zusammen, beraten.

Auf dem Wirtschaftsgipfel in Rambouillet im November letzten Jahres

bin ich mit den Regierungschefs von fünf anderen großen Industriestaaten zusammengetroffen.

Dort haben wir die Grundlagen für eine engere Abstimmung

und engere Konsultationen auf wirtschaftspolitischem Gebiet gelegt.

Im

Jahre 1975 haben wir ferner Gespräche über eine internationale Zusammenarbeit
sowohl mit den Industriestaaten als auch mit den Entwicklungsländern aufgenommen.

Dieser Dialog wird zu einem besseren gegenseitigen Verständnis un-

serer Probleme und unserer Bestrebungen führen.

Schließlich habe ich mit

meinen ausländischen Kollegen vereinbart, daß wir zur Schaffung der richtigen
Voraussetzungen für ein dauerhaftes und stabiles Wachstum wichtige kooperative
Schritte auf den Gebieten der Währungen, des Handels und der Energie unternehmen müssen.

Wir haben unsere maßgebenden, für Handelsfragen zuständigen

Beamten angewiesen, auf einen baldigen Abschluß der gegenwärtig andauernden
Verhandlungen über eine Liberalisierung des Handels hinzuarbeiten.

In diesem

Monat haben wir auf Jamaica bedeutsame Abkommen über eine Stärkung des internationalen Währungssystems sowie über die Gewährung vermehrter Hilfe an die
Entwicklungsländer erreicht.

Wir haben ferner eine engere Zusammenarbeit

mit den erdölverbrauchenden Ländern aufgenommen, um weniger abhängig von importierter Energie zu werden.

Ich beabsichtige, diesen Prozeß 1976 zu kon-

solidieren und auf ihm aufzubauen.
Von zentralem Interesse hier und im Ausland ist die amerikanische Energiepolitik. Ohne eine dynamische und wachsende Industrie zur Bereitstellung von
Energie im Inland wird ein großer Teil unserer industriellen Entwicklung in
den nächsten zehn Jahren nicht gesichert sein. Und sofern wir unsere Abhängigkeit vom Nahostöl nicht verringern können, werden wir über keine gesunde Basis für eine internationale Zusammenarbeit bei der Erschließung neuer
fossiler Brennstoffe und anderer Energiequellen verfügen.
Als einen ersten Schritt in Richtung auf eine stärkere Selbstversorgung
habe ich im Dezember 1975 das Gesetz über Energiepolitik und Energieeinsparung
unterzeichnet.

Ich sagte, daß dieses Gesetz, obwohl auf einigen Gebieten un_2
- 8 -

�unzulänglich, uns ein Werkzeug in die Hand gab, um uns unseren energiepolitischen Zielen näher zu bringen.

Nach diesem Schema darf der Erdölpreis

steigen, wenn dadurch die Versorgung aus inneramerikam'sehen Queller, gefördert und der Verbrauch eingeschränkt wird.

In vierzig Monaten kann ich dann

auf Grund des Gesetzes die Preiskontrollen alle aufheben, und ich werde die
Bestimmungen des Gesetzes so rasch wie möglich und im Einklang mit unseren
umfassenderen wirtschaftlichen Zielen nutzen, um zu einem freien Erdölmarkt
zurückzukehren.

Das Gesetz gibt eine gewisse Flexibilität, von der ich be-

reits Gebrauch gemacht habe, um Preiskontrollen und Zuteilungsvereinbarungen
auf solchen Brennstoffmärkten abzubauen, auf denen keinerlei Verknappungen
bestehen.

Das Gesetz schafft ferner eine nationale strategische Erdölreserve,

die unsere Energieversorgung sicherer machen und den Anreiz für andere Länder
verringern wird, ein Erdölembargo gegen uns zu verhängen.
Für unsere künftige Energieversorgung sind jedoch noch entscheidend
wichtige Maßnahmen zu verabschieden. Die Beseitigung der Kontrollen bei
Erdgas ist gegenwärtig die dringendste Energievorlage im Kongreß. Die Verknappungen nehmen von Jahr zu Jahr zu, während das Land auf weitere Anhörungen über Versorgung und Bedarf oder auf äußerst kostspielige, neue synthetische Gaswerke wartet, die die durch Preiskontrollen abgewürgte Erdgasgewinr.ung ersetzen sollen. Ich fordere den Kongreß dringend auf, die Beseitigung
der Kontrollen bei neuem Erdgas zu einer seiner ersten Aufgaben im Jahre 1976
zu machen. Das von mir vorgeschlagene Gesetz, das eine ausreichende Brennstoffversorgung für Kernkraftwerke sicherstellen soll, ist ebenfalls von entscheidender Wichtigkeit. Wenn wir unsere Energiesituation verbessern wollen,
sind diese Maßnahmen notwendig. Sie werden ebenfalls unsere Bemühungen verstärken, jede unnötige und schädliche staatliche Einmischung in die Wirtschaft
dort zu beseitigen, wo der Verbraucher durch die Marktkräfte ausreichend geschützt ist.

Vor einem Jahr habe ich erklärt: "1975 muß das Jahr werden, in dem wir
unseren wirtschaftlichen Problemen ins Auge sehen und den Weg zu echten Lö-

- 9 -

�Lösungen beginnen".

Ich bin mit dem von uns gemachten Anfang zufrieden.

Der

Weg ist lang, aber die Vorteile, die er für alle Amerikaner verheißt, sind
es wert, ihn zu beschreiten.

1976 muß ein Jahr werden, in dem wir unseren

Fortschritt in Richtung auf ein besseres Leben für alle Amerikaner fortsetzen.
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2/1976

DIE WELTWIRTSCHAFT 1976
- Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Wirtschaftsbeirates -

Der Jahresbericht des Wirtschaftsbeirates
Präsident Fords befaßt sich in dem Kapitel
"Die Weltwirtschaft 1975" eingehend mit
den außenwirtschaftlichen Entwicklungen
des letzten Jahres. Wir bringen Ihnen im
folgenden aus diesem Kapitel die wesentlichen Teile zum Thema internationale
Währungsfragen:

Internationale Währungsfragen
Im Rahmen der umfassenderen internationalen Währungsverhandlungen haben
die Vereinigten Staaten und Frankreich während des Wirtschaftsgipfels Einvernehmen über einen gemeinsamen Standpunkt bezüglich einer Änderung der das
Wechselkurssystem betreffenden Statuten des Internationalen Währungsfonds
(IWF) erzielt. Dies hat im Januar 1976 eine Übereinstimmung im IWF-Interimsausschuß über das gesamte Änderungspaket für die IWF-Statuten erleichtert ...
Die Hauptpunkte dieses Paketes sind - neben der Änderung des die Wechselkurse
betreffenden IWF-Artikels - eine Erhöhung der Bestände des IWF an Sonderziehungsrechten um 33,6 Prozent auf 39 Milliarden, wie sie bei der sechsten
Quotenüberprüfung beschlossen worden war; die zurückgehende Bedeutung des
Goldes bei IWF-Transaktionen und bei sonstigen, auf Gold lautenden Absprachen

�Absprachen sowie die Errichtung eines Treuhandfonds zugunsten der ärmeren
IWF-Mi tgliedstaaten.
Die Übereinstimmung bei den wichtigen, im IWF bisher strittigen Fragen
trägt wesentlich dazu bei, sicherzustellen, daß die internationalen Finanzierungsvereinbarungen angesichts der anhaltenden großen Zahlungsbilanzüberschüsse der erdölexportierenden Länder ausreichen.

Wenn jetzt die wirt-

schaftliche Wiedererholung an Boden gewinnt, werden die laufenden Konten der
erdölimportierenden Länder als Gruppe stärker ins Defizit geraten.
Diese Entwicklung wird für einige Länder immer stärkere finanzielle Belastungen bringen und könnte zu einer Politik führen, die eventuell die Wieder
erholung zum Stillstand bringt oder in anderer Weise allen zum Schaden gereicht.

Es ist daher wichtig, für Sicherheiten zu sorgen, um zu verhindern,

daß unabwendbare finanzielle Schwierigkeiten durch eine international unangebrachte Politik noch vergrößert werden.

Daher kommt der kooperativen inter-

nationalen Haltung, die den im Januar 1976 erreichten Vereinbarungen zugrundeliegt, ganz besondere Bedeutung zu.
Die Übereinkunft über die Änderung der Weltwechselkursbestimmungen der
IWF-Statuten, die zuerst von den Vereinigten Staaten und Frankreich ausgearbeitet und später vom IWF-Interimausschuß angenommen worden war, erkennt an,
daß die jeweils bestehende wirtschaftliche und finanzielle Situation das Ausmaß der Wechsel kursstabilitat bestimmt, das möglich ist. Die teilnehmenden
Mitgliedstaaten erklären sich darin zu Bemühungen bereit, ihre Wirtschaftsund Finanzpolitik auf die Erreichung eines stetigen Wirtschaftswachstums bei
angemessener Preisstabilität abzustellen; sie erkennen an, daß normale wirtschaftliche und finanzielle Verhältnisse Voraussetzung für die Stabilität
sind; sie sind bereit, keine Manipulationen der Wechselkurse oder des internationalen Währungssystems vorzunehmen, um dadurch wirksame Zahlungsbilanzanpassungen zu verhindern oder sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, und sie sind gewillt, eine Wechsel kurspolitik zu verfolgen, die mit
diesen Forderungen in Einklang steht ...
Die
- 2 -

�Die Revision der Statuten würde den IWF ermächtigen, bei Billigung durch
eine Mehrheit von 85 Prozent ein System von Wechselkursvereinbarungen zu
schaffen, das auf stabilen, aber anpaßbaren Paritäten basiert, sobald die
internationalen wirtschaftlichen Bedingungen dies zulassen.

Praktisch könnte

ein solches System ohne die Zustimmung der Vereinigten Staaten nicht errichtet
werden, auf die nach den vorgeschlagenen neuen Quoten rund 20 Prozent der
Stimmen entfallen.

Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so wird es in

überschaubarer Zukunft für unwahrscheinlich gehalten, daß geeignete Bedingungen
für die Schaffung eines Paritätensystems oder die Festsetzung von Paritäten
und Bandbreiten gegeben sind, in denen sich der Dollarkurs bewegen müßte.

Die

Politik zielt darauf ab, stabile wirtschaftliche Bedingungen zu erreichen. Der
Fortschritt bei der Annäherung der unterschiedlichen Inflationsraten in den
verschiedenen Ländern ist langsam, und es läßt sich auch nicht sicherstellen,
daß der einmal erzielte Fortschritt von Dauer sein wird.

Schockwirkungen von

außen, denen die einzelnen Volkswirtschaften weiterhin ausgesetzt sind, fordern
ebenfalls ein beträchtliches Maß an Flexibilität des Währungssystems.

Die Interventionen der Zentralbanken werden sich auf das beschränken,
was notwendig ist, um unmäßigen Bedingungen oder ungewöhnlichen Fluktuationen
zu begegnen.

Jedes Land wird selbst darüber befinden, was eine ungewöhnliche

Fluktuation seines Wechselkurses ist.
Um das Erreichen eines international kooperativen Verhaltens auf dem Devisenmärkten zu erleichtern, n'st von französischer und von amerikanischer
Seite eine Verstärkung der Konsultationsvereinbarungen zwischen den Regierungen
und den Zentralbanken der großen Länder vorgeschlagen worden.

Mitglieder der

Zentralbanken werden täglich Informationen über die Devisenmärkte und über ihre
Interventionstätigkeit austauschen.

Vertreter der Finanzminister und der

Zentralbanken werden in kürzeren Zeitabständen die Wechselkursveränderungen
und die Interventionstätigkeiten überprüfen, und sowohl die zugrundeliegenden
wirtschaftlichen und finanztechnischen Bedingungen als auch die Auswirkungen
der Politik auf diese Bedingungen erörtern.

Auf Grund ihrer Vereinbarungen

wird es vielleicht zu häufigeren Interventionen als in der Vergangenheit kommen.
- 3 -

Wichtig
*

�Wichtig ist jedoch vor allem, daß Entscheidungen über Interventionen
auf den Devisenmärkten künftig auf besseren Informationen beruhen werden,
und daß sich auch ein wachsendes Verständnis dafür entwickeln wird, daß
ein Beeinflussen der Wechselkurse, nicht aber der Wirtschaft, zur Entwicklung eines Ungleichgewichts und damit zur Fehlleitung der Hilfsquellen führen
könnte ...
Die Goldvereinbarungen zeigen, daß das vereinbarte Ziel, die Rolle des
Goldes im internationalen Währungssystem abzubauen, allgemein akzeptiert
worden ist.

Darüber hinaus dürfte das Gold - im Zusammenhang mit dem vorge-

sehenen Verkauf eines Teils der IWF-Goldbestände zur Finanzierung des Treuhandfonds - ganz allmählich aus dem Währungssystem in private Hände übergehen.
Einige Beobachter haben behauptet, daß diese neuen Vereinbarungen zu
einer Neubewertung der offiziellen Goldbestände, etwa auf einen marktgerechten Preis, führen oder eine häufigere Verwendung von Gold für einen Ausgleich
zwischen den Zentralbanken fördern würde.
Es ist weiter gesagt worden, daß dies - zusammen mit dem Transfer von
IWF-Gold an die Mitgliedstaaten - dazu führen wird, daß die großen Länder
über höhere Goldbestände verfügen und damit auch über eine höhere Liquidität,
und daß dies möglicherweise dann den weltweiten inflationistischen Druck erhöhen und so die Möglichkeit verringern würde, daß weitere Zuteilungen von
IWF-Sonderziehungsrechten gebilligt werden.
Die Zentralbanken haben jedoch seit einiger Zeit die Möglichkeit gehabt,
ihre Goldbestände auf dem freien Markt zu verkaufen, oder diese Bestände zu
marktgerechten Preisen zu bewerten. Nur eine ausländische Zentralbank hat
tatsächlich ihre Goldbestände aufgewertet, und es liegt kein Hinweis dafür
vor, daß andere Zentralbanken dies ebenfalls zu tun beabsichtigen. Darüber
hinaus besteht auch kein Grund zu der Annahme, daß die Vereinbarungen zu beträchtlichen Goldtransaktionen zwischen den Währungsbehörden führen werden.
Tatsächlich sollten diese Vereinbarungen durch Aufhebung des offiziellen Gold-

�Goldpreises für den IWF, durch Verstärkung der Aussicht auf künftige Verkäufe
staatlicher Goldbestände auf dem freien Markt und durch die Festlegung vorübergehender Bestimmungen gegen eine Preisstützung vor einer weit verbreiteten
Neubewertung der offiziellen Goldbestände entmutigen und die mit Transaktionen
zwischen den Währungsbehörden verbundenen Risiken erhöhen.
Wenn die Bedeutung des Goldes für die internationalen staatlichen Transaktionen jetzt zurückgeht, so verringert sich auch die Gefahr, daß einige
Währungsbehörden den Goldpreis zu stabilisieren versuchen könnten. Außerdem
würden Währungsbehörden, die den Goldpreis - trotz der entgegengesetzten Vereinbarung zwischen den großen Ländern - zu stützen versuchen, feststellen, daß
sich ein solcher Versuch als außerordentlich kostspielig erweisen könnte, was
die für derartige Operationen erforderlichen Devisenguthaben anbetrifft. Die
Kosten würden umso höher sein, je kleiner die Zahl der Beteiligten ist.
Schließlich hat die Kreditausweitung auf der Welt während der letzten
Jahre es unwahrscheinlich werden lassen, daß neue IWF-Sonderziehungsrechte in
naher Zukunft ausgegeben werden.

Daher ist auch die Restitutionsbestimmung

von einigen Entwicklungsländern begrüßt worden, die 28 Prozent (ihr Quotenanteil) des zur Verteilung gelangenden Betrages erhalten werden.

Weiter ermög-

lichen die Goldvereinbarungen die Errichtung eines Treuhandfonds, der von entscheidender Bedeutung für die ärmsten Entwicklungsländer ist - vor allem
jetzt, wo die ölfazilität des IWF ausläuft.
Ferner wird eine große Zahl von Entwicklungsländern keinen nominellen
Beitrag zu dem Treuhandfonds leisten, dagegen jedoch den Gewinnanteil an den
IWF-Goldverkäufen direkt erhalten, der ihrem Quotenanteil im Treuhandfonds entspricht. Somit werden von den 25 Millionen Unzen IWF-Gold, die zum Verkauf
gelangen, die Gewinne, die auf etwa sechs bis sieben Millionen Unzen entfallen,
direkt an die Entwicklungsländer gehen und die Gewinne bei den restlichen 18
bis 19 Millionen Unzen werden dem Treuhandfonds zukommen ...
r

&gt;ie

- 5 -

�Die gegenwärtige finanzielle Lage der Entwicklungsländer, die über kein
Erdöl verfügen
Die Schwierigkeiten, die sich für die Entwicklungsländer bei der Anpassung an die höheren ölpreise ergeben, sind noch durch das Ausmaß der Rezession
vergrößert worden, zu der die Erhöhung der ülpreise selbst beigetragen hat.
Bisher konnte die Finanzierung der großen Zahlungsbilanzdefizite seit 1973
in den Entwicklungsländern, die über kein Erdöl verfügen, mit wesentlich geringeren Anspannungen bewerkstelligt werden, als ursprünglich befürchtet worden war ...

Das Gesamtdefizit bei Gütern und Dienstleistungen wird für diese

Entwicklungsländer für 1975 auf etwa 35 Milliarden Dollar veranschlagt.

Der

Gesamtfinanzierungsbedarf würde sich jedoch in einer Größenordnung zwischen 40
und 45 Milliarden Dollar bewegen, da noch die planmäßige Schuldentilgung hinzukommt.
Dieser Finanzierungsbedarf wurde zum Teil über staatliche Hilfe wie auch
über Finanzierungsmöglichkeiten gedeckt, die die IWF-Ölfazilitat bot. Bis
Mitte 1975 konnten die meisten Entwicklungsländer den Restbedarf ohne größere
Rückgriffe auf ihre Haupthilfsquellen abdecken. Die Reserven, die in den
Jahren 1972 bis 1973 durch die Rohstoffinflation wesentlich gestiegen waren,
und die normalen IWF-Ressourcen wurden nicht in erheblichem Maße angegriffen.
Neben der staatlichen Hilfe waren Bank- und Handelskredite die Hauptfinanzierungsquellen - ein Zeichen dafür, daß ein großer Teil dieser Länder nach
Ansicht privater Geldgeber weiter kreditwürdig war. Zahlreiche Entwicklungslänger bevorzugten Bankkredite, weil ein Rückgang ihrer eigenen Reserven oder
ihrer Reserven beim IWF ihre Kreditwürdigkeit hätte beeinträchtigen können.
1976 könnte sich die Gesamtposition der Entwicklungsländer, die über
kein eigenes Erdöl verfügen, erstmals verbessern.

Die Rezession hat dazu ge-

führt, daß die Außenbilanzen der Industriestaaten 1975 nach hohen Defiziten
wieder Überschüsse aufwiesen.

Und entsprechend diesen Veränderungen ver-

schlechterten sich die ZahlungsbilanzDositionen der Entwicklungsländer.

1976

sollte sich diese Entwicklung, wenn die Wiedererholung weiter voranschreitet,
zu einem Teil wieder ändern ...
Die

�Die Importe

(der nicht ölexportierenden Entwicklungsländer)

1976 wenig, wenn überhaupt irgendein, Wachstum zeigen.

dürften

Daher dürfte der Fi-

nanzierungsbedarf für dieses Jahr bei Güter- und Dienstleistungen eine Größenordnung von 30 bis 33 Milliarden Dollar, und bei Berücksichtigung der Schuldentilgung eine Größenordnung von 35 bis 40 Milliarden Dollar erreichen.

Private Stellen scheinen bereit zu sein, ihre Kredite an eine Reihe dieser Länder auszuweiten.

Obwohl ihre Schuldenlast seit 1973 nominell beträcht-

lich gestiegen ist, hat die Inflation eine Reduzierung ihrer realen Schuldenposition bewirkt.

Daher dürfte die Schuldenlast real nicht mehr zu weit ent-

fernt von dem Stand des Jahres 1972 liegen

Die Tatsache, daß Finanz-Katastrophen oder drastische Reduzierungen der
Entwicklungspläne und des Wirtschaftswachstums bei dem größeren Teil der Entwicklungsländer, die über kein Erdöl verfügen, bisher vermieden werden konnten,
bedeutet nicht, daß ihre Situation mit Gleichmut betrachtet werden kann.
finanzielle Position einiger Länder ist tatsächlich prekär.

Die

Es werden beträcht-

liche Mengen an staatlicher Hilfe benötigt, vor allem, weil ihre Probleme im
Laufe der Zeit noch schwieriger werden dürften.

Aber eine solche Hilfe sollte von der Annahme einer geeigneten Politik
abhängig gemacht werden, die es ermöglicht, das vorhandene Wachstumspotential
voll zum Tragen kommen zu lassen.

Für die anderen Länder sind die Aussichten

ermutigender, zum Teil auf Grund ihrer Natur- und Bodenschätze, zum Teil auf
Grund eines wirksameren Managements in der Binnenwirtschaft, oder auch aus anderen Gründen.

Für diese Länder dürfte die bereits eingeleitete Erhöhung der

staatlichen Finanzierungsmittel neben ihrem Zugang zu privaten Finanzierungsquellen ausreichen.

Es ist jedoch klar, daß gewährleistet sein muß, daß diese

Finanzierungsmöglichkeiten auch umgehend verfügbar sind.

Die erweiterte Fazilität des IWF besteht bereits.

Diese Fazilität bietet

im Zusammenhang mit Programmen, die auf größere strukturelle Änderungen abzielen, wesentlich liberalere Finanzierungsmöglichkeiten, als dies bei den regu- 7 -

�regulären IWF-Ressourcen der Fall ist - sowohl in bezug auf die verfügbaren
Kreditbeträge wie auch auf deren Fälligkeit.

Außerdem wird der Treuhandfonds

bereits Anfang dieses Jahres seine Tätigkeit aufnehmen;

das gleiche gilt

auch für die Liberalisierung der ausgleichenden Finanzierungs- und Lagerhaitungsfazilitäten des IWF ...
Diese Fazilitäten und der erweiterte Zugang zu den regulären Ressourcen
des IWF stellen eine wichtige Sicherheit in bezug auf Finanzierungsprobleme
dar, die sich 1976 ergeben könnten.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Verteidigungsministeriums&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rumsfeld fordert höhere Verteidigungsausgaben -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Wirtschaftsbericht Präsident Fords&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Weltwirtschaft 1976&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Wirtschaftsbeirates -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

TeIex:

300

Information
und
Dokumentation

08-85432

Numn

3. März 1976

Inhalt
DOKUMENTATION
Kissinger-Rede in San Francisco am 3. Februar 1976
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
Sonderbotschaft Präsident Fords zum US-Energieprogramm

WIRTSCHAFT
US-Wirtschaftsbeirat rechnet mit wachsendem Investitionsbedarf
Von Thomas Eichler

INFORMATION
Fachausstellung "Sicherheit flir Banken, Handel und Industrie"
im US-Handelszentrum Frankfurt

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Spalt-Uran von der Industrie
US-Regierung will Uran-Anreicherung privatisieren
Breite Entwicklungsbasis für den schnellen Brüter
USA wollen 1986 über kommerzielle Anwendung entscheiden

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

8 9 - 3 2 4 0

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

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Te Ie x :

Dokumentation

300

08-85432

4/1976

KISSINGER-REDE IN SAN FRANCISCO AM 3. FEBRUAR 1976
- Wortlaut -

SAN FRANCISCO - (AD) - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A.
Kissinger hat in einer vielbeachteten Rede vor dem Commonwealth Club in
San Francisco am 3. Februar 1976 zu aktuellen weltpolitischen Fragen, vor
allem zu dem Verhältnis zwischen den USA und der Sowjetunion Stellung genommen. Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Amerika tritt in sein drittes Jahrhundert und in seine 48. Präsidentenwahlen ein mit unvergleichlicher physischer Stärke, einem gesunden außenpolitischen Konzept und doch von Selbstzweifeln gezeichnet. In den letzten
anderthalb Jahrzehnten haben wir erlebt, daß ein Präsident ermordet, ein
weiterer aus dem Amte getrieben und ein dritter zurückgetreten ist. Wir
haben die Agonie von Vietnam und Watergate durchlebt. Wir kämpfen immer
noch darum, die Bitterkeit und Spaltung in ihrem Gefolge zu überwinden. Es
gibt keine dringlichere Aufgabe für uns, als unsere nationale Einheit und
unsere nationale Entschlossenheit wiederherzustellen.
Wir können uns als die stärkste freie Nation den Luxus einfach nicht
leisten, uns zurückzuziehen und unsere Wunden zu lecken. Es hängt zu viel
von uns ab - Frieden oder Krieg, Prosperität oder Depression, Freiheit oder
Tyrannei. Für Amerika steht zu viel auf dem Spiel, als daß es sich selbst

�selbst lähmen und die Vergangenheit zerreißen, sensationelle Schlagzeilen
in der Gegenwart suchen oder Wunderheilmittel für die Zukunft anbieten
könnte. Denn schließlich wird unser eigenes Wohlergehen - werden amerikanisches Leben und amerikanische Arbeitsplätze - davon berührt, wenn wir es
zulassen, daß Uneinigkeit und Durcheinander im eigenen Lande uns gegenüber
unserem internationalen Verpflichtungen in die Knie zwingen.
Und daher ist es ein dringendes Gebot, daß die nationale Debatte in
diesem Wahljahr - der größten Demonstration, wie frei ein Volk sich selbst
regieren kann - unser Selbstvertrauen und unsere Fähigkeit zur Durchführung
einer wirkungsvollen nationalen Politik stärkt und nicht untergräbt. Es ist
von wesentlicher Bedeutung, daß wir unsere nationale Einheit und unser Gefühl dafür, daß wir an einer gemeinsamen Sache beteiligt sind, rasch wieder
herstellen.
In diesem Geiste möchte ich heute die Beziehungen Amerikas zur Sowjetunion, jener anderen Supermacht auf der Welt, erörtern. Diese Beziehung hat
- durchaus zu Recht - in den vergangenen Monaten einen wichtigen Platz in unserer nationalen Debatte eingenommen. Ich möchte hier die Ansichten dieser
Administration über die Bedingungen darlegen, die zu jener als "Entspannung"
bezeichneten Politik führten, über die Ziele, die wir verfolgen, und über
das Verhältnis, in dem unsere Politik gegenüber der Sowjetunion zu dem Gesamtkonzept unserer amerikanischen Diplomatie steht.
Die Vereinigten Staaten sehen sich heute einer Herausforderung gegenüber, wie es sie in ihrer Geschichte noch nie gegeben hat, und einer weiteren
Herausforderung, wie man sie in der Weltgeschichte bisher nicht gekannt hat.
Amerika findet sich jetzt zum ersten Mal dauernd und unwiderruflich in das
weltpolitische Geschehen verstrickt. Zur gleichen Zeit aber stehen wir auf
Grund der katastrophalen Natur eines Nuklearkriegs unter dem unausweichlichen
Zwang - der alle traditionellen Vorstellungen und Begriffe der Diplomatie und
des Kräftegleichgewichts übersteigt - eine Weltordnung zu schaffen, die ihre
Stabilität aus der Zurückhaltung und Selbstbeschränkung und schließlich der
Zusammenarbeit gewinnt.
o
Währeng1

�Während der ersten 150 Jahre unserer Geschichte sorgten die beiden
Ozeane, der Schutzschild der britischen Flotte und das Gleichgewicht unter
den europäischen Mächten für unseren Frieden und unsere Sicherheit.

Der Er-

folg unserer Demokratie im eigenen Lande und das Fehlen jeder direkten Bedrohung von außen erweckten in uns das Gefühl der Einmaligkeit und Besonderheit und nährten die Illusion, daß es Sache Amerikas sei, zu entscneiden, ob
und wann wir uns an weltpolitischen Angelegenheiten beteiligen wollten.
Seit Tocqueville ist es zu einem Klischee geworden, daß die Amerikaner
- als Volk - nur langsam in Erregung zu bringen seien, daß sie aber - sobald
einmal aufgerüttelt - eine ungeheure und nicht zu bezwingende Macht darstellten. Als wir uns dann schließlich auf außenpolitischem Gebiet weiter hervorwagten, identifizierten wir dieses unser Vorgehen immer noch als eine vorübergehende Störung und Unterbrechung unserer Ruhe.
Unsere Geschichte blieb mit Ausnahme des Bürgerkriegs frei von jenen
Tragödien und dem Gefühl für die praktisch gesetzten äußeren Grenzen, die die
Erfahrungen beinahe aller anderen Völker bestimmt haben.
Unsere Erfahrungen schienen uns zu lehren, daß sich jedes Problem durch
entschlossene Willensanstrengung lösen lasse - und zwar ein für allemal.
Wir sahen den Frieden als etwas natürliches, Stabilität als normal und ein
Engagement im Ausland nur solange als angemessen an, als es notwendig war,
um eine temporäre Bedrohung oder Unordnung zu beseitigen.
Wir traten in den Ersten Weltkrieg ein, als "den Krieg um allen Kriegen
ein Ende zu setzen" und "die Welt für die Demokratie sicherer zu machen".
Wir kämpften im Zweiten Weltkrieg bis zur "bedingungslosen Kapitulation" der
anderen Seite.
Selbst noch in den ersten 25 Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges
- einer Ära großer schöpferischer Leistung und eines noch nie dagewesenen
außenpolitischen Engagements Amerikas - agierten wir, als ob die Sicherheit
und die wirtschaftliche Entwicklung der Welt ein für allemal durch den Einsatz
- 3 -

�t

Einsatz amerikanischer Hilfsquellen sowie unseres Know-hows und unserer
Willensanstrengung gewährleistet werden könnte. Zu einem solchen Handeln
wurden wir ermutigt - ja fast gezwungen - durch unsere einmalige Vorrangstellung in einer durch den Krieg und den Zusammenbruch der großen Kolonialreiche zerrütteten Welt. Wir glaubten, daß die Stationierung unserer Truppen
in Europa und anderen Teilen der Welt nur vorübergehender Natur sein würde.
Wir meinten, daß die Politik der Eindämmung die Sowjetunion umformen würde
und daß aus einer gewandelten sowjetischen Gesellschaftsform zwangsläufig
ein verträgliches und brauchbares Mitglied einer harmonischen internationalen
Völkergemeinschaft hervorgehen würde.
Auf der anderen Seite hat die zentrale Bedeutung moralischer Werte im
Leben Amerikas uns immer eine akute Empfindsamkeit für die Reinheit der
Mittel gegeben - und als wir über eine überwältigende Macht verfügten, besassen wir auch den Luxus einer großen Auswahlmöglichkeit.

Unsere moralische

Strenge machte uns den Kompromiß schwer und unser Übergewicht ließ einen solchen oft unnötig erscheinen.
Heute verfügen wir zwar noch immer über massive Stärke, aber wir erfreuen uns keiner echten nuklearen Vorherrschaft mehr. Wir bleiben weiterhin
das Land mit der produktivsten und erfinderischsten Wirtschaft, aber wir müssen heute diese Führung mit Westeuropa, Kanada und Japan teilen. Wir haben
es heute mit den neuen reichen und sich entwickelnden Ländern zu tun, und
wir müssen hinsichtlich unserer wirtschaftlichen Beziehungen zu den kommunistischen Ländern neue Wege suchen. Unsere demokratischen Prinzipien werden von den Millionen Menschen der Welt immer noch weit höher geschätzt als
wir glauben. Aber wir müssen auch mit neuen Ideologien konkurrieren, die
progressive Ziele proklamieren, aber sie mit Methoden der Unterdrückung verfolgen.
Heute stehen wir zum ersten Mal in unserer Geschichte vor der nackten
Tatsache, daß die Herausforderung zeitlich unbegrenzt ist; daß es keine
leichte und sicherlich keine endgültige Antwort gibt; daß es keine automa- 4 -

�automatischen Lösungen gibt. Wir müssen lernen, Außenpolitik zu betreiben,
wie andere Länder dies schon seit Jahrhunderten tun mußten - ohne Ausflucht
und ohne Atempause, in dem Wissen, daß das Erreichbare immer hinter dem Ideal
zurückbleibt, in dem Bewußtsein der Notwendigkeiten der Selbsterhaltung,1h
der Erkenntnis, daß die Reichweite unserer nationalen Zielsetzung ihre Grenzen
hat.

Das ist für Amerikaner eine neue Erfahrung.

Sie löst Heimweh nach einer

einfacheren Vergangenheit aus. Wie schon früher in unserer Geschichte führte
diese Erfahrung zu der Suche nach Prügelknaben, wobei man glaubt, eine bestimmte Politik für objektive Verhältnisse verantwortlich machen zu können.

Aber gerade weil wir nicht mehr über eine Vorherrschaft verfügen, sondern
einen Kurs auf lange Sicht einschlagen müssen, ist das heute ein Vorteil für
unsere Beständigkeit und Zielstrebigkeit.

Wir können es uns nicht leisten,

bedenkenlos zwischen Konfrontation und Verzicht hin und her zu schwanken.
Und ebensowenig können wir mit nostalgischen Hoffnungen harte Realitäten wegwünschen.

Wir können nicht länger so handeln, als ob wir uns in außenpoli-

tischen Angelegenheiten nur nach eigener Wahl einmischen könnten, oder nur um
irgendwelche spezifischen Probleme zu lösen, um dann unsere Prioritäten wieder
zurück auf unsere natürliche Beschäftigung mit uns selbst zu verlegen.

Die

Wirklichkeit ist, daß es ohne unsere Wachsamkeit keine Sicherheit geben kann
und ohne unseren Einsatz keinen Fortschritt.

Das ist der Zusammenhang, in dem die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen gesehen werden müssen.

Die derzeitige Herausforderung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen:
Die Frage, wie man sich zur Sowjetunion stellen sollte, ist drei Jahrzehnte lang ein zentrales Anliegen der amerikanischen Politik gewesen. Was
heute neu ist, ist die Kulmination von dreißig Jahren Nachkriegswachstums
der industriellen, technologischen und militärischen Macht der Sowjets. Das
ist keine Folge einer amerikanischen Politik und das hätte auch durch keine
amerikanische Politik verhindert werden können.

Aber amerikanische Politik

kann dafür sorgen, daß diese Macht nicht eingesetzt wird, um den sowjetischen
Einfluß zu unserem Nachteil auszuweiten.
- 5-

Wir besitzen die Fähigkeit, Verbün-

�Verbündete und Freunde in die Lage zu versetzen, in einem Gefühl der Sicherheit zu leben; wir besitzen die Mittel, um den Prozeß des Aufbaus einer internationalen Ordnung der Zusammenarbeit und des Fortschritts voranzutreiben.
Wir müssen dies jedoch unter bisher nie dagewesenen Bedingungen schaffen.
In früheren Zeiten hat die Rivalität zwischen Großmächten fast immer zum
Krieg geführt.

In unserer Zeit, in der thermonukleare Waffen Verluste von

Hunderten von Millionen von Menschen androhen, ist eine solche Folge undenkbar.

Wir müssen ein fundamentales Aufeinanderprallen von Ideologien im Griff

behalten und die Rivalität der nuklearen Supermächte zunächst in die Koexistenz
zwingen und dann die Koexistenz in eine positivere und kooperative Zukunft
umformen.

Denn, wie Präsident Kennedy einmal gesagt hat,

"in der letzten

Erkenntnis ist unsere grundlegendste gemeinsame Bindung, daß wir alle diesen
kleinen Planeten bewohnen, daß wir alle die gleiche Luft atmen, daß wir uns
alle um die Zukunft unserer Kinder sorgen, und daß wir alle sterblich sind."
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war das Schreckgespenst für uns,
daß die Sowjetunion nach der Konsolidierung ihrer Besetzung Osteuropas versuchen könnte, ihre Kontrolle über anliegende Gebiete in Europa und Asien auszudehnen. Unsere Politik war daher darauf ausgerichtet, Bündnisse und Positionen der militärischen Stärke aufzubauen, von denen aus wir die Sowjetunion
eindämmen una isolieren konnten. Auf diese Weise glaubte man, die Sowjetunion
schließlich zum Frieden zwingen zu können. Innerhalb der sowjetischen Gesellschaft könnten dann Veränderungen eintreten, die expansionistischen Tendenzen Einhalt gebieten würden und die UdSSR im Laufe der Zeit zu einem kooperativeren Mitglied des internationalen Systems machen könnten.
Diese Politik tat uns und unseren Verbündeten wohl.
Expansion wurde Einhalt geboten.

Der sowjetischen

Hinter unserem Sicherheitsschild und mit

unserer Unterstützung richteten unsere Freunde und Verbündeten in Westeuropa
ihre Volkswirtschaften wieder auf und schufen ihre demokratischen Institutionen
neu.
Die
- 6 -

�Die Hoffnung jedoch, daß diese Politik eine permanente Stabilität,
eine positive Entwicklung des sowjetischen Systems und eine stärkere Normalität herbeiführen würde, erfüllte sich nur teilweise.

In der unmittelbaren

Nachkriegsperiode verhüllte die Aggressivität der sowjetischen Ideologie der
Stalin-Ära einige der tatsächlichen Schwächen des sowjetischen Staates.

Da-

gegen erfreuten sich die Vereinigten Staaten noch im Jahre 1962 während der
Kuba-Krise einer Überlegenheit in strategischen Raketen von 5:1, in strategischen Bombern von 3:1, einer totalen Überlegenheit an Kriegsschiffen und
einer in etwa gleichen Stärke an Landstreitkräften in Europa.
Mit dem Erwerb nuklearer Technologie und den Veränderungen des interna
tionalen Systems durch die Entkolonialisierung begann die Sowjetunion Schritt
für Schritt als eine erstklassige Militärmacht hervorzutreten.
Was die strategische militärische Stärke anlangt, so hat die UdSSR eine
generelle Gleichwertigkeit mit den Vereinigten Staaten erreicht. Das mußte
bei einem großen Land, dessen Herrscher bereit waren, ihrer Bevölkerung große Opfer abzuverlangen und der militärischen Stärke die absolute Priorität bei der
Zuteiluny der Mittel zu geben, praktisch unausweichlich so kommen. Obwohl das
Bruttosozialprodukt der Sowjetunion nur halb so groß ist, wie das unsrige,
sind die militärischen Ausgaben der Sowjets höher als die der Vereinigten
Staaten.
Zum ersten Mal in der Geschichte kann die Sowjetunion fernliegende Orte
jenseits der eurasischen Landmasse bedrohen - einschließlich der Vereinigten
Staaten. Nachdem kein Teil der Welt mehr außerhalb der Reichweite ihrer Streitkräfte liegt, hat die UdSSR begonnen, ihre Interessen und Ziele in globalen
Begriffen zu definieren. Die sowjetische Diplomatie ist im Nahen Osten, in
Afrika und in Asien vorgedrungen. Diese Entwicklung ist heute in echter
Macht verwurzelt und keineswegs nur in der rhetorischen Manifestation einer
Universaldoktrin, die nebenbei bemerkt nur sehr wenig Gewicht oder Anziehungskraft hat.
Unser

- 7 -

�Unser zentrales Sicherheitsproblem in den letzten Jahren hat darin bestanden, mit den Auswirkungen dieser aufstrebenden Supermacht fertigzuwerden.
Diese Aufgabe wird nie verschwinden und sie wird wahrscheinlich niemals
löst"

werden.

"ge-

Jede Administration in absehbarer Zukunft wird sich dieser

Aufgabe stellen müssen.

Unsere Politik muß sich mit den Folgen befassen.

Der Aufstieg ehrgeiziger neuer Mächte in ein bestehendes internationales
System ist ein immer wiederkehrendes Phänomen.

In der Geschichte war die An-

passung einer bestehenden Ordnung an das Auftreten eines oder mehrerer neuer
Akteure fast immer von Krieg begleitet - um den Aufstieg zu verhindern, um
einige der bisher etablierten Akteure zu beseitigen oder ihre Zahl zu verringern, um das Gleichgewicht der Kräfte in einem revidierten System auf die Probe zu stellen.

Im Nuklearzeitalter jedoch, in dem die Verluste in einem all-

gemeinen Nuklearkrieg in wenigen Tagen in die Hunderte von Millionen gehen
würden, bedeutet die Anwendung von Gewalt nur die Katastrophe.

Es ist unsere

Aufgabe, die Sowjetmacht ohne globalen Krieg einzudämmen - sowohl den Verzicht,
als auch die unnötige Konfrontation zu vermeiden.
Das ist zu schaffen, aber es erfordert eine delikate und komplexe Politik.
Wir müssen nach einem Gleichgewicht der Macht streben, aber wir müssen darüber
hinausgehen, um gegenseitige Zurückhaltung, Koexistenz und letztlich Zusammenarbeit zur guten Gewohnheit zu machen.

Wir müssen eine neue internationale

Ordnung in einer außerordentlich gefährlichen Umwelt stabilisieren, aber unser
Endziel muß es sein, den ideologischen Konflikt in eine konstruktive Beteiligung am Aufbau einer besseren Welt zu verwandeln.
Das ist das, was wir unter dem Prozeß verstehen, der

"Detente"

genannt

wird - nicht der Hunger nach einem Abbau der Spannungen, nicht das Streben nach
Übereinkommen um jeden Preis, nicht das gedankenlose Suchen nach einer freundlichen Atmosphäre, wie es von einigen Kritikern als naive und gefährliche
Karikatur gezeigt wird.
Die von dieser Administration verfolgte Politik ist immer darauf ausgerichtet gewesen, eine sowjetische Expansion zu verhindern, aber auch ein System
- 8 -

�System von Beziehungen aufzubauen, in dem die Sowjetunion bei Aggression
immer mit Strafen rechnen muß und das ebenso zunehmende Anreize für eine
Zurückhaltung bietet.

Diese Ziele liegen durchaus innerhalb unserer Reich-

weite.
Die sowjetische Macht entwickelt sich ziemlich uneinheitlich. Die sowjetische Gesellschaft ist heute nicht mehr gänzlich von den Kontakten mit oder
den Einflüssen der Welt um sie herum abgeschlossen, noch hat sie nicht auch
ihren eigenen Bedarf an Beziehungen nach außen. Schließlich sind es die grossen demokratischen Industrienationen, nicht die Sowjetunion, die der Motor
der Weltwirtschaft und die vielversprechendsten Partner für die ärmeren Länder
sind.
Die demokratischen Industrienationen besitzen, wenn sie ihren Herausforderungen mit Zuversicht begegnen - wenn sie sich nicht selbst in die Illusion
einfacher Lösungen hypnotisieren - gewaltige Stärke, um die Sowjetmacht einzudämmen und diese Macht in konstruktive Richtungen zu lenken.
Unsere wesentliche Aufgabe besteht in der Erkenntnis der Notwendigkeit
einer zweigleisigen Politik, die gleichzeitig und mit gleichem Nachdruck expansionistischen Vorstößen widersteht und eine konstruktivere Beziehung zu
gestalten sucht. Wir müssen verhindern, daß sie Sowjetunion ihre wachsende
Stärke in globale oder regionale Vorherrschaft verwandelt. Aber wir müssen
das tun, ohne jede Krise in eine massive Konfrontation zu eskalieren. In den
letzten Jahren haben die Vereinigten Staaten nachdrücklich den Versuchen der
Sowjetunion widerstanden, einen Flottenstützpunkt in Kuba zu errichten, die Zugangswege nach Berlin zu behindern, die explosive Situation im Nahen Osten
auszuschlachten. Jüngst haben wir versucht, einer offenen Intervention in
Angola Einhalt zu gebieten - bis wir durch den Kongreß daran gehindert wurden.
Zur gleichen Zeit aber besteht für uns der Menschheit gegenüber die historische Pflicht, uns mit der Sowjetunion um Vereinbarungen zur Lösung konkreter Probleme zu bemühen und die düsteren Wolken einer nuklearen Katastrophe
zu vertreiben.

Zumindest aber müssen wir unserer Bevölkerung gegenüber zeigen,
- 9 -

�zeigen, daß ihre Regierung keine Chance ungenutzt ließ, um zu konstruktiven
Lösungen zu gelangen und daß die auftretenden Krisen unvermeidbar waren.
Denn wie immer man es auch wenden mag, die Amerikaner werden keine Konfrontation unterstützen, die sie als absichtlich herbeigeführt ansehen.

Das ist

der Grund, warum die Vereinigten Staaten Grundsätze für verantwortungsbewußte
Beziehungen im Nuklearzeitalter aufgestellt haben: Achtung der Interessen
aller, Zurückhaltung bei der Anwendung und dem Einsatz von Macht und Verzicht
auf alle Versuche, eine instabile Lage oder lokale Konflikte zum einseitigen
Vorteil auszubeuten.

Die Vereinigten Staaten haben versucht, diese Prinzi-

pien bei wichtigen Verhandlungen über Rüstungskontrolle, der Verhinderung eines
ungewollten Krieges und bei der Lösung politischer Streitfragen - wie Berlin mit Leben zu erfüllen.
Und wir haben damit begonnen, ein System kooperativer Abkommen in mehreren wichtigen Bereichen zu schaffen - in den Bereichen der Wirtschaft, der
Wissenschaft, der Medizin, des Umweltschutzes und vieler anderer - die einen
konkreten Nutzen verheißen, sofern die politischen Bedingungen ihre volle Verwirklichung und weitere Entwicklung gestatten.

Wir waren der Überzeugung, daß

sich - mit Geduld - ein gewisses Grundschema der Zurückhaltung und ein System
wohl fundierter Interessen entwickeln lasse, das der Koexistenz eine hoffnungsvollere Dimension geben wird und beiden Seiten zum Bewußtsein bringt, was sie
zu verlieren hätten, wenn sie wieder auf die Politik des Drucks, der Konfrontation und der Krise zurückgriffen.
Diese Politik spiegelt die tiefsten Hoffnungen und Wünsche des amerikanischen Volkes wider.
Anfang der siebziger Jahre, als die derzeitigen amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen gestaltet wurden, hatte unsere Nation bereits eine Reihe traumatischer Ereignisse hinter sich und befand sich in einem quälenden und bedrükkenden Krieg.

Es kam zu wilden Demonstrationen und Protestaktionen auf den

Straßen und an den Universitäten, bei denen man einen raschen Fortschritt hin
zum Frieden forderte.
Jedes
- 10 -

�Jedes neue Verteidigungsprogramm wurde kritisiert und in Frage gestellt
- darunter auch das ABM-Raketenabwehrsystem, das nur mit einer Stimme Mehrheit gebilligt wurde, die Entwicklung von Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV), das
Trident-Unterseeboot und der B-1-Bomber.

Ein Kongreß nach dem anderen ver-

abschiedete Resolutionen, in denen die Regierung dringend ersucht wurde, in
einer Neufestsetzung unserer nationalen Prioritäten von dem Komplex der Verteidigung abzurücken.

Wir wurden ständig angegriffen, weil wir bei den SALT-

Verhandlungen keine Konzessionen machten.

Der Kongreß und viele Interessen-

gruppen drängten unausgesetzt auf eine Öffnung des Ost-West-Handels und agitierten gegen den von der Administration eingeschlagenen Weg, den Fortschritt
in den wirtschaftlichen Beziehungen mit einem zuvor erzielten Fortschritt in
den politischen Beziehungen zu koppeln.

Im Verlauf des Jahres 1970 und des

Jahres 1971 wurden wir in eine Reihe von Krisen mit der Sowjetunion verwickelt
und dabei oft einer provozierenden oder militanten Haltung beschuldigt.
So wirkte noch vor wenigen Jahren der ganze Druck in diesem Lande und
von Seiten unserer Verbündeten in überwältigender Weise darauf hin, rasch zu
besseren Beziehungen zu Moskau zu gelangen.

Wir widerstanden diesem Drängen

damals genauso, wie wir uns heute weigern, uns in die entgegengesetzte Richtung hineintreiben zu lassen.
Nach Ansicht der Administration braucht unser Land eine ausgewogene Politik, in der sich Festigkeit mit Entgegenkommen, starke Verteidigung mit
Rüstungskontrolle, politische Grundsätze und wirtschaftliche Anreize vereinen.
Und es muß eine Politik auf lange Sicht sein, die das amerikanische Volk tragen und unterstützen kann und die Aussicht auf eine konstruktive Zukunft bietet.
Es ist daher schon etwas wie Ironie, daß sich unsere nationale Debatte
in vieler Hinsicht heute einmal um sich selbst gedreht zu haben scheint.

Die

Umstände, aus denen die Idee der Entspannung entsprang, sind weitgehend vergessen.

Diejenigen, die einst auf Konzessionen und einseitige Zurückhaltung

in den Forderungen gegenüber Moskau drängten, beschuldigen heute die Regierung,
sie sei zu konziliant.

Jene aber, die darüber klagen, daß wir auf die Schritte
- 11 -

�Schritte der Sowjets nicht mit genügend Kraft und Energie reagieren, sind
oft genau dieselben, die unablässig bemüht sind, die Ansatzmöglichkeiten,
die unser Land hat, um Einfluß auszuüben und Aktionen zu treffen, zu beseitigen - sei es durch Restriktionen bei Handel und Kredit, sei es durch Schwächung unserer Nachrichtendienste oder dadurch, daß sie die Hilfe gegenüber
unseren Freunden verhindern, die der sowjetischen Aggression zu widerstehen
versuchen.
Die Handels- und Kreditrestriktionen sind dafür ein typisches Beispiel.
Die Frage der Menschenrechte ist ein tiefgreifendes und legitimes Anliegen
für alle Amerikaner.

Aber der Versuch des Kongresses, dieses ganz offen mit

Wirtschaftsbeziehungen zu koppeln - ohne Feingefühl oder Verständnis für die
sowjetische Politik - haben uns der wirtschaftlichen Hebel beraubt und zugleich
die Zahl der Emigranten aus der Sowjetunion einschneidend reduziert.

Andere

Industrieländer sind erschienen, um Kredite und Technologie zur Verfügung zu
stellen - weniger besorgt um die Ziele der Schaffung eines Klimas politischer
Zurückhaltung, die wir angestrebt hatten.
Wir müssen daher Verständnis gewinnen für Umfang und Grenzen einer realistischen Politik:
- Wir können das Anwachsen der sowjetischen Macht nicht verhindern, aber
wir können verhindern, daß sie zu einseitigem Vorteil und politischer Expansion verwandt wird.
- Wir können den Aufbau sowjetischer Streitkräfte nicht verhindern, aber
- zusammen mit unseren Verbündeten - besitzen wir die Fähigkeit, ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten., Wir können diese Aufgabe nicht vernachlässigen und
dann der Sowjetunion die Schuld geben, wenn sich das militärische Gleichgewicht
zu unseren Ungunsten verschiebt.
Wir besitzen die diplomatische, wirtschaftliche und militärische Fähigkeit, dem Expansionismus Widerstand zu leisten, aber wir dürfen uns nicht in
eine Rhetorik der Konfrontation hineinsteigern, während wir uns gleichzeitig
- 12 -

�gleichzeitig der Mittel zu einer Konfrontierung berauben.
- Wir müssen akzeptieren, daß souveräne Staaten - vor allem solche von
ungefähr gleicher Stärke - einander keine unannehmbaren Bedingungen auferlegen dürfen und müssen durch Kompromisse zu Fortschritten kommen.
- Wir müssen mit der Realität der nuklearen Bedrohung leben, aber es
steht in unserer Macht, eine neue Beziehung herzustellen, die die nukleare
Gefahr überwindet.
Wollen wir daher dem defaitistisehen Gerede ein Ende machen, wonach die
sowjetische Politik meisterhaft, zielstrebig und überwältigend sei, während
die amerikanische Politik taumelnd, unsicher und schwach sei. Wollen wir damit aufhören, so zu tun, als zeigten harte Reden und bewußte Konfrontationen
irgendwie ein Vertrauen in Amerika. Das Gegenteil ist wahr. Diejenigen die
erklären, daß das amerikanische Volk eine komplexe Politik der Stärke und des
Entgegenkommens unterstützen wird und daß diese Politik erfolgreich sein wird,
zeigen den wahren Glauben an unsere Fähigkeiten und unsere Zukunft. Wir verfügen über eine Konzeption und die materiellen Voraussetzungen, um gegen die
Sowjetunion bestehen zu können. Wir werden erfolgreich sein, wenn wir als geeintes Volk voranschreiten.
Vor diesem Hintergrund möchte ich zwei aktuelle Fragen erörtern, die zwei
Richtungen unserer Politik aufzeigen, die wir gleichzeitig verfolgen:
- Die Gespräche über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT),
durch die wir eine positivere Zukunft anstreben.
- Die Situation in Angola, wo wir den sowjetischen Expansionismus einzudämmen suchen.

Die
- 13 -

�Die Begrenzung der Strategischen Rüstungen:
Eine zentrale Tatsache, die unsere Epoche von allen früheren geschichtlichen Zeiträumen unterscheidet, ist die Existenz gigantischer Massenvernichtungswaffen, die in kürzester Zeit fast unbegrenzte Entfernungen überwinden können.

Kein Teil des Erdballs liegt außerhalb ihrer Reichweite.

Kein Teil des Erdballs würde von den Auswirkungen eines allgemeinen nuklearen
Schlagabtausches verschont bleiben.
Jahrhundertelang war es eine unumstößliche Tatsache, daß sich ein Zuwachs an militärischer Stärke praktisch sofort in einen politischen Vorteil
umsetzen ließ.

Heute steht jedoch fest, daß ein neuer Zuwachs des strate-

gischen Waffenarsenals nicht auch automaitsch zu politischen oder militärischen
Vorteilen führt.
Allerdings liegt es in der Natur der Sache, daß die andere Seite zwangsläufig nachzieht, wenn eine Seite ihr strategisches Waffenarsenal ausweitet.
Der Rüstungswettlauf wird zum Teil deswegen fortgesetzt, weil ein festgestelltes Ungleichgewicht von jeder Seite als politisch nicht akzeptabel betrachtet
wird, obwohl es heute schwierig geworden ist, genau zu definieren, welchen
rein militärischen Zwecken gedient wird.
Wir stehen damit vor einer paradoxen Situation: Bei dem derzeitigen
Stand und der vorhersehbaren Entwicklung der Nuklearwaffen wird es immer gefährlicher, sie einzusetzen. Seit 1962 waren in keiner Krise die strategischen
Waffen der beiden Seiten entscheidend für ihren Ausgang. Heute besteht der
Hauptzweck dieser Waffenarsenale immer mehr darin, mit den Streitkräften des
Gegners gleichzuziehen und auf sie abschreckend zu wirken. Denn unter praktisch keinen Umständen könnten die Vereinigten Staaten - oder die Sowjetunion es vermeiden, daß bei einem nuklearen Schlagabtausch 100 Millionen Menschen
sterben müßten. Trotzdem geht das Wettrüsten weiter, einfach weil es so schwer
ist, einen Weg zu finden, um aus der Tretmühle herauszukommen.
Natürlich
——————

- 14 -

�Natürlich gibt es in den Planungen theoretische Abläufe, wie eine
Seite ihre strategischen Streitkräfte einsetzen und unter gewissen angenommenen Umständen überleben könnte. Aber hier werden die Berechnungen des
Technikers mit dem verwechselt, was ein verantwortungsbewußter Staatsmann
entscheiden kann.

Hier wird immer wieder mit theoretischen Annahmen operiert,

wie etwa eine Seite würde die Zerstörung ihrer Raketensilos zulassen»ohne
vor dem Auftreffen der anderen Raketen die eigenen abzufeuern.

Auf diese An-

nahme würde sich kein Aggressor stützen, vor allem wenn Streitkräfte involviert sind-, w&gt;e sie die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion heute und in
den kommenden Jahren besitzen.
Diese Situation legt den Führern der beiden nuklearen Supermächte eine
einzigartige und schwere Verantwortung auf» Das anhaltende nukleare Wettrüsten erfordert die endlose Aufstellung theoretischer Abläufe unmittelbar
bevorstehender oder potentieller nuklearer Angriffe. Der Versuch, sich gegen
alle denkbaren Eventualfälle abzusichern, gleichgültig wie phantastisch sie
sein mögen, nährt die politischen Spannungen und könnte leicht zu einer sich
selbst erfüllenden Prophezeihung führen. Die Fixierung auf ein potentielles
strategisches Rüstungsg'.e-'chgew.cht, wie sie bei einem unbegrenzten Wettrüsten gegeben ist, nimmt Mittel für strategisch unproduktive Gebiete weg
- vor allem von den Streitkräften für die Örtliche Verteidigung, wo Unterlegenheit oder Ungleichgewichte sich rasch zu unserem Nachteil auswirken könnten.
Wenn es zu keiner Zurückhaltung kommt, dann könnte das Wettrüsten bei strategischen Waffen ernste Folgen für die Zukunft der internationalen Beziehungen
und in der Tat für die Zukunft der Zivilisation haben.
Die vereinigten Staaten haben daher seit 1963 eine Reihe von Rüstungskcntrcllabkommen angestrebt und erreicht, die zu einer gewissen Zurückhaltung
bei der nuklearen Rivalität geführt haben.

Im Jahre 1972 kam ein bedeutsamer

Durchbruch in der Begrenzung strategischer Waffen zustande.

Wenn das Überein-

kommen vor Wladiwostok zu einem neuen Abkommen führt, dann wird das einen noch
wesentlicheren Fortschritt bedeuten.
An
- 15 -

�An diesem kritischen Scheideweg ist das amerikanische Volk einer
Lawine von Behauptungen ausgesetzt, SALT bedeute eine Kapitulation amerikanischer Interessen.

Es wird behauptet, daß die Vereinigten Staaten bei dem

strategischen Wettrüsten zurückgefallen seien und daß SALT dazu beigetragen
habe.

Es gibt unbestätigte Behauptungen, die Sowjets hätten systematisch

die SALT-Abkommen verletzt.

Wie sieht es wirklich aus?
Zunächst einmal haben die politischen Entscheidungen Amerikas in den
sechziger Jahren die Stärke unserer strategischen Streitkräfte für die siebziger Jahre

festgelegt.

Wir hatten damals die Wahl zwischen einer weiteren

Dislozierung großer, schubkraftstarker Raketen wie die TITAN oder die ATLAS,
oder der Entwicklung und Dislozierung einer großen Zahl kleinerer, flexiblerer
Interkontinentalraketen oder einer Kombination beider Alternativen.
Die damals im Amt befindliche Amdinistration beschloß, sich zusammen
mit schweren Bombern auf ein Arsenal von 1000 kleinen, hochentwickelten und
äußerst treffsicheren Interkontinentalraketen und 656 unterseebootgestützten
Raketen auf 41 Booten zu verlassen. Wir haben sie rasch disloziert und dann
in den sechziger Jahren den Bau der Abschußeinrichtungen einseitig gestoppt,
als die Programme abgeschlossen waren. Nur 54 der schweren TITAN-Raketen
wurden beibehalten und sind immer noch operativ. Die Sowjets trafen die entgegengesetzte Entscheidung. Sie entschieden sich für schwerere Raketen; sie
setzten die Aufstellung ihrer Verbände in den sechziger und siebziger Jahren
fort; sie übertrafen unsere zahlenmäßige Stärke 1969/70 und erhöhten die Zahl
ihrer Raketen um 200 pro Jahr, bis dem durch das erste SALT-Abkommen Einhalt
geboten wurde.
Als Folge dieser Entscheidungen beider Seiten vor einem Jahrzehnt sind
die sowjetischen Raketen überlegen an Tragkraft, während die unsrigen an
Zuverlässigkeit, Treffsicherheit, Vielfalt und technischer Entwicklung über- 16 -

�überlegen sind, und im übrigen verfügen wir über mehr Gefechtsköpfe.

Im

Jahre 1972, als das SALT-Abkommen unterzeichnet wurde, setzte die Sowjetunion
ihren Aufbau noch mit einer Rate von 90 landgestützten und 120 seegestützten
Abschußeinrichtungen pro Jahr fort, während wir auf Grund unserer eigenen,
wiederholt bekräftigten einseitigen Entscheidungen vor einem Jahrzehnt keine
weiteren Abschußeinrichtungen bauten.

Da neue amerikanische Programme zur

Wiederherstellung des Gleichgewichts erst kürzlich angeordnet wurden, besteht
keine Möglichkeit zur Verringerung des zahlenmäßigen Unterschieds vor Ende der
siebziger Jahre, wenn nach den Plänen mehr seegestützte Raketen und neue Bomber einsatzbereit sein werden.
Das Interimsabkommen über die Begrenzung von Offensivwaffen im Jahre 1972
hat die Gesamtzahl der Abschußeinrichtungen auf fünf Jahre eingefroren - und
damit den Auftrieb der sowjetischen Programme gedämpft, ohne unsere eigenen
Programme zu beeinflussen. Es hat der Zunahme der sowjetischen Abschußrampen für schwere Raketen Einhalt geboten. Es zwang die Sowjets, dem Abbau von
210 älteren landgestützten Raketen zuzustimmen, um die erlaubte Höchstzahl von
raketentragenden Unterseebooten erreichen zu können. Die vereinbarte Begrenzung der Zahl der Silos erlaubte uns, die Tragkraft unserer eigenen Raketen
zu erhöhen, wenn wir uns zu diesem Weg der Verbesserung unserer strategischen
Streitkräfte entschlossen. Wir haben bisher diesen Weg nicht eingeschlagen,
obwohl wir durch Forschung und Entwicklung diese Option offen halten. Auf
jeden Fall verhinderten die SALT-Abkommen, daß sich die zahlenmäßige Kluft
weiter ausdehnte, während sie uns unseren Vorteil in anderen Kategorien nicht
nahmen und das Problem der Wiederherstellung des Gleichgewichts mit einem Inkrafttreten neuer Programme erleichterten. Durch keinerlei Verhandlungen aber
ließen sich auf diplomatischem Wege Ergebnisse unserer eigenen vor langer Zeit
getroffenen Entscheidungen hinsichtlich der Art und der Dislozierung unserer
Waffen ins Gegenteil zu verkehren.

Darüber hinaus haben die SALT-Abkommen auf unbegrenzte Zeit einen gefährlichen und unsicheren Wettlauf in der Raketen-Abwehr-Verteidigung beendet
- einen Wettlauf, der keinen strategischen Vorteil versprach, sondern höchstens
- 17 -

�höchstens gefährliche Instabilität und die Ausgabe gewaltiger Summen Geldes.
Die ersten SALT-Abkommen lagen daher ohne Frage im nationalen Interesse
Amerikas.

Es war unsere Absaht, in der durch das Interimsabkommen von 1972

gewonnenen Atempause über einen langfristigen Vertrag über Offensivwaffen zu
verhandeln, der beide Seiten auf einen gleichen Stand festlegen würde, nachdem unsere neuen Programme einsatzbereit geworden sind.

Das ist genau das,

was Präsident Ford im November 1974 in Wladiwostok erreicht hat.
In dieser Grundsatzvereinbarung einigten sich beide Seiten auf eine
Höchstgrenze von 2400 strategischen Waffen - strategische Systeme und Bomber
einschließend - nicht gerechnet jedoch unsere vorgeschobenen Flugzeuge in Europa und die strategischen Waffen unserer Verbündeten, von denen viele sowjetischen Boden erreichen können.,
Die Höchstgrenze von 2400 liegt niedriger als der von der Sowjetunion;
bereits erreichte Stand; sie würde die Demontage vieler sowjetischer Waffen
erfordern, während der geplante Stand und die geplante Zusammensetzung unserer Streitkräfte nicht verringert oder verändert zu werden brauchten. Eine
ebensolche Höchstgrenze von 1320 wurde für die Zahl der strategischen Waffen
mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) festgelegt. Die Zahl der sowjetischen Abschußeinrichtungen für schwere Raketen wird eingefroren bleiben. Diese Begrenzungen würden dem zahlenmäßigen strategischen Wettlauf für einen Zeitraum
von zehn Jahren Einhalt gebieten, uns jedoch all jene Programme belassen, die
wir zur Gewährleistung der Abschreckung und des strategischen Sättigungsgrades
brauchen.
Es liegt auf der Hand, daß sich nicht alle Probleme mit einem einzigen
Abkommen regeln lassen. Das ist keine Frage von Schlupflöchern, sondern der
technologischen Entwicklung, und in dieser Hinsicht werden wir auf jeden Fall
wachsam bleiben. Wir werden sorgfältig verhandeln, um sicherzustellen, daß
unser nationales Interesse und unsere nationale Sicherheit geschützt bleiben.
Wenn es uns jedoch gelingt, das Übereinkommen von Wladiwostok in ein Zehn- 18 -

�Zehnjahresabkommen zu verwandeln, dann werden wir die Schwelle zwischen einem
totalen, ungehemmten Wettrüsten und dem schwierigen, jedoch vielversprechenden
Beginn eines langfristigen strategischen Gleichgewichts auf einem niedrigeren
Stand der Streitkräfte überschritten haben.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben bereits vereinbart,
sich bei der nächsten Phase der im Jahre 1977 beginnenden Verhandlungen mit
der Reduzierung der strategischen Streitkräfte zu befassen.
Man hätte meinen sollen, daß all dies bisher Erreichte für sich selbst
sprechen würde. Aber stattdessen hat es eine Flut von Anschuldigungen und
Vorwürfen ausgelöst, die das amerikanische Volk und unsere Freunde in die Irre
geführt hat, die bei unseren Gegnern einen falschen Eindruck der Unentschlossenheit bewirkte und die Aussichten für ein neues Abkommen, das von überragendem
Interesse für unsere Nation ist, kompliziert hat.
Keiner der Vorwürfe ist unverantwortlicher und potentiell gefährlicher
als die Behauptung, daß die Vereinigten Staaten wissentlich Verstöße gegen
die Abkommen von SALT-I tolerierten.
Wie sieht es wirklich aus? Mit dem Abkommen von 1972 wurde ein Ständiger
Beratender Ausschuß geschaffen, der ausdrücklich die Aufgabe erhielt, strittige
Fragen oder Unklarheiten und Zweifel bei der Durchführung der Abkommen zu erörtern. Es war nahezu sicher, daß sich solche Fälle bei einem ersten, noch
recht begrenzten Abkommen ergeben würden, das zwischen Mächten getroffen wurde,
die seit langer Zeit Gegner waren und die über Waffensysteme von größter Komplexität verfügten, deren Ausmaß sich nicht durch irgendeinen neutralen Überwachungsmechanismus, sondern nur durch die eigenen Nachrichtendienste beide*"
Seiten verifizieren lassen würde.
Jede zweifelhafte oder fragwürdige Aktivität, die sich ergab, ist von der
amerikanischen Regierung systematisch analysiert und vom Präsidenten und seinen
Beratern erwogen worden.

Sofern irgendeine Frage offen blieb, ist sie unver- 19 -

�unverzüglich mit der Sowjetunion zur Sprache gebracht worden.

Alle Instruk-

tionen an den amerikanischen Vertreter bei der Beratenden Kommission brachten
die einmütige Absicht sämtlicher zuständiger amerikanischer Behörden sowie
die Daten und von ihnen gemeinsam getroffenen Bewertungen zum Ausdruck.

Nie-

mand spürte dabei irgendeine Neigung, sich bei der Bewertung zugunsten der
Sowjets auszusprechen - ein an sich schon böswilliger Vorwurf.

Niemand hat

verhindert, daß alle fragwürdigen oder verdächtigen Aktivitäten bei den Sowjets
vorgebracht wurden.

Und durchaus nicht alle zu Fragen Anlaß gebenden Aktivi-

täten fanden auf der Seite der Sowjets statt.
Alle diese Fragen und Probleme sind und werden auch weiterhin durch ein
Verfahren,das sich als wirksam erwiesen hat, ernsthaft behandelt und geprüft
werden.

Doch auch weiterhin werden durch unverantwortliche Beschuldigungen

solche Vorfälle,die bereits ihre Erklärung gefunden haben oder zur Erörterung
stehen,mit wilden Anschuldigungen, die keinerlei Begründung haben, in einen
Topf geworfen.

Da werden dann manchmal unrichtige Zahlen und Daten vorgebracht,

die sich nur entkräften lassen, wenn man die heikelsten Geheimdienstinformationen preisgeben würde.
Doch in all diesem Wust von Anschuldigungen findet sich keine Empfehlung,
welche Gegenmaßnahmen wir dann treffen sollten oder welche Bedeutung wir einem
bestimmten vorgeblichen Verstoß gegen die Abmachungen zuerkennen sollten. Inwieweit betreffen die angeblichen Verstöße das strategische Gleichgewichtssystem? Inwieweit - wenn überhaupt - sind wir denn von vornherein gehindert,
uns selbst zu schützen? Würden all jene, die unrichtigerweise solche angeblichen Verstöße anführen, nun einfach alle Abkommen über Bord werfen, ohne
Rücksicht auf den Nutzen, den sie den Vereinigten Staaten bringen? Würden sie
die Verhandlungen über weitere Abkommen einstellen? Welchem Zweck dient es,
wenn man unser Volk und die Sowjetunion glauben macht - und zwar völlig zu Unrecht -,daß die Vereinigten Staaten gegen Verstöße blind seien oder daß die
amerikanische Regierung ihr Volk bewußt täuscht? Kann irgend jemand ernsthaft
glauben, daß diese Administration, die unbeirrt den kommunistischen Vorstößen
in allen Teilen der Welt Widerstand entgegengesetzt hat - und dafür oft scharf
- 20 -

�scharf kritisiert wurde - sowjetische Verstöße gegen ein formelles Abkommen
unbeachtet ließ?
Ich kann Ihnen versichern, daß diese Regierung keine solche Verstöße
dulden wird.

Sie wird auch weiterhin mit äußerster Sorgfalt die sowjetische

Vertragstreue überwachen.

Sie wird allen Zwei feisfallen oder Anzeichen von

Nichteinhaltung der Bestimmungen energisch nachgehen.

Aber sie wird sich

nicht durch Demagogie zu falschen oder übereilten Urteilen treiben lassen.
Kein Ministerium und keine Behörde, die Verantwortung für dieses Problem tragen, sind der Ansicht, daß es derartige Verstöße gegeben hat.
Wenn wir über SALT ein Urteil abgeben wollen, müssen wir uns schlicht
und einfach der einen Frage stellen: Welche Alternative gibt es zu dem Abkommen, das wir haben und um das wir uns bemühen? Wenn die SALT-Verhandlungen
fehlschlagen, dann müssen wir erwägen, welche neuen oder zusätzlichen strategischen Programme wir dann unternehmen sollten, was sie kosten würden und vor
allem welchem strategischen Zweck sie dienen würden. Ein beschleunigter strategischer Ausbau innerhalb der nächsten fünf Jahre könnte uns bis zu 20 Milliarden Dollar zusätzlich kosten. Kommt es zu keinem befriedigenden Abkommen,
dann wird dies sicher der Weg sein, den wir beschreiten müßten. Es wäre eine
in tragischer Weise verfehlte Chance. Denn im Verlauf eines solchen Aufbaus
und in dem Klima, das dadurch erzeugt würde, wäre es wohl für eine ganze Zeit
lang schwierig, wieder zu ernsthaften Verhandlungen zu gelangen. Aller Wahrscheinlichkeit würden die Spannungen zunehmen und eine neue höhere Ausgangsbasis würde sich ergeben, von der aus künftige Verhandlungen schließlich ihren
Ausgang zu nehmen hätten. Am Ende aber wird keine Seite einen strategischen
Vorteil erlangt haben. Zumindest aber werden sie ihre Mittel vergeuden - was
aber das Schlimmste ist, sie werden die Risiken eines Nuklearkrieges vergrößern.
Natürlich muß auch die Sowjetunion diese Alternativen gründlich erwägen.
Ihr Verantwortungsgefühl darf nicht hinter dem unsrigen zurückbleiben, wenn
es zu einem fairen, gerechten und dauerhaften Abkommen, das auf strikter Gegenseitigkeit beruht, kommen soll.

Wir halten ein SALT-Abkommen für wichtig,

aber wir werden unsere nationale Sicherheit keiner Gefahr aussetzen.
Lassen
- 21 -

�Lassen Sie mich zusammenfassen:
- Wir werden uns niemals mit einem Verstoß gegen einen feierlichen
Vertrag oder ein Abkommen abfinden und wir werden wachsam bleiben.
- Wir werden niemals eine Verlagerung im strategischen Gleichgewicht
zu unseren Ungunsten dulden - sei es daß diese durch Verletzungen von Abkommen durch unbefriedigende Übereinkommen oder durch Vernachlässigung unserer
eigenen Programme bewirkt wird - wir werden das, was an Mitteln notwendig ist,
ausgeben, um eine strategische Suffizienz aufrechtzuerhalten.
- Der Präsident ist entschlossen, die Bemühungen um die Aushandlung
eines gesünderen strategischen Gleichgewichts zu fairen und gerechten Bindungen fortzusetzen, weil dies in unserem Interesse liegt und weil wir eine Verpflichtung gegenüber unserem eigenen Volk und dem Weltfrieden haben.

Die Sowjetunion und Angola
Die Vereinigten Staaten können in ihrem Streben nach einer hoffnungsvolleren Welt niemals außer Acht lassen, daß globale Stabilität und Sicherheit auf einem Gleichgewicht zwischen den Großmächten beruhen. Wenn es der
Sowjetunion gestattet wird, mit militärischen Mitteln Chancen auszubeuten,
die sich aus örtlichen Konflikten ergeben, dann werden unsere Hoffnungen auf
eine friedlichere internationale Lösung letztlich unterminiert werden.
Aus diesem Grunde muß die massive und beispiellose Intervention der
Sowjetunion in die inneren Angelegenheiten Afrikas mit fast 200 Millionen
Dollar an militärischer Ausrüstung, ihren Beratern und ihrer Luftbrücke für
die große Expeditionsstreitmacht von 11 000 kubanischen Soldaten tiefe Besorgnis erwecken.
Angola ist der erste Fall, in dem die Sowjets militärisch über eine weite
Entfernung vorgestoßen sind, um einem Land ein Regime ihrer Wahl aufzuzwingen.
- 22 -

�aufzuzwingen.

Es ist das erste Mal, daß die Vereinigten Staaten militärischen

Bewegungen der Sowjets außerhalb des unmittelbaren sowjetischen Machtbereichs
nicht entgegengetreten sind.

Und es ist das erste Mal, daß der Kongreß ein

rationales Handeln inmitten einer Krise unterbunden hat.

Wenn eine Großmacht in einem örtlichen Konflikt das Kräfteverhältnis
durch ihre militärische Intervention entscheidend verändert - ohne dabei auf
Widerstand zu stoßen - dann ist ein gefährlicher Präzedenzfall gesetzt, der
ernste Folgen haben muß, selbst wenn die Intervention in einem scheinbar fernabl iegenden Gebiet erfolgt.

Ein solcher Präzedenzfall kann nicht geduldet wer-

den, wenn ein dauerhafter Abbau der Spannungen erreicht werden soll.

Und

wenn wir jetzt nicht den Anfängen wehren, dann wird es in Zukunft für uns nur
noch schwerer und kostspieliger werden.

Die Vereinigten Staaten streben in Angola keine einseitigen Ziele an:
Wir haben einen Waffenstillstand vorgeschlagen, den Abzug aller fremden
Truppen - der sowjetischen, kubanischen und südafrikanischen;

die Einstellung

jedes militärischen Engagements von außen, einschließlich der Lieferung von
Ausrüstung;

sowie Verhandlungen zwischen allen drei angolanischen Gruppen.

Dieser Weg wird von der Hälfte der afrikanischen Nationen unterstützt.

Im Sommer und Herbst vorigen Jahres haben die Vereinigten Staaten, um
eine sich gefährlich eskalierende Situation zu bremsen, durch afrikanische
Freunde jene in Angola finanziell unterstützt - die große Mehrheit -, die
einer sowjetischen und kubanischen Herrschaft Widerstand entgegensetzten.
Dies als Hebel benutzend, leiteten wir eine aktive Diplomatie ein, um eine
afrikanische Lösung für ein afrikanisches Problem zu fördern.

Wir taten dies

in aller Stille, um keine große Krise zu provozieren und keine Prestigegesichts
punkte ins Spiel zu bringen.

Zunächst wurde befürchtet, daß die sowjetisch unterstützte Gruppe auf
Grund der massiven sowjetischen Hilfe und der kubanischen Söldner am Unabhängigkeitstag, am 11. November, das Land total beherrschen würde.
Unterstützung hat das verhindert.

Unsere

Die afrikanische Entschlossenheit, sich
- 23 -

�sich der sowjetischen und kubanischen Intervention zu widersetzen, trat
immer deutlicher zutage.

Am 9. Dezember warnte der Präsident Moskau vor

den Folgen einer weiteren Einmischung und bot die Zusammenarbeit zur Herbeiführung einer friedlichen Lösung an, die ausländischen Einfluß beseitigen
würde.

Die Sowjetunion schien sich die Sache noch einmal zu überlegen.

Sie

stellte ihre Luftbrücke vom 9. Dezember bis zum 24. Dezember ein.
An diesem Punkt verschüttete die Auswirkung unserer Debatte im eigenen
Lande die Möglichkeiten der Diplomatie.

Es wurde die Forderung aufgestellt,

daß wir in aller Öffentlichkeit erklärten, warum unsere Anstrengung so wichtig sei - und dann wurde unsere Anstrengung abgeschnitten.

Nach dem die Ab-

stimmung im Senat weitere Hilfe für Angola blockierte, verdoppelte Kuba seine
Expeditionsstreitkräfte und die sowjetische Militärhilfe wurde in großem Umfange wieder aufgenommen.
Kooperation ließ nach.

Die Bereitschaft der sowjetischen Diplomatie zur

Und seither hat sich die Situation immer weiter ver-

schlechtert.
Wenn heute die Diskussionen in der Öffentlichkeit weitergehen, dann muß
man sich über bestimmte Fakten im klaren sein. Die Analogie mit Vietnam ist
absolut falsch. Die amerikanische Nation muß so reif sein, elementare Unterschiede zu erkennen.Der Präsident hat sich verpflichtet, daß keine amerikanischen
Soldaten oder Berater nach Angola entsandt würden, und wir waren bereit, legislative Beschränkungen in dieser Hinsicht über das bereits bestehende Kriegsvollmachtengesetz hinaus zu akzeptieren. Um was es ging, war eine bescheidene
Hilfe zur Stabilisierung des örtlichen Kräfteverhältnisses und zur Erleichterung einer raschen politischen Lösung in Zusammenarbeit mit anderen afrikanischen Ländern.
Es wurde die Beschuldigung erhoben, die Administration handele insgeheim ohne öffentlichen Auftrag. Das ist richtig, denn unser Ziel war die
Vermeidung einer verschärften Konfrontation, die es den Sowjets schwerer gemacht hätte, nachzugeben, und einer afrikanischen Lösung die größtmögliche
Chance einzuräumen. Angola war ein Fall, bei dem Diplomatie ohne einen He- 24 -

�Hebel wohl kaum viel zustande bringen konnte, und eine direkte militärische
Konfrontation unnötige Risiken mit sich gebracht hätte.

Das ist genau eine

jener grauen Zonen, wo Methoden,über die nicht gesprochen wird, uns in die
Lage versetzen, den Gang der Dinge zu beeinflussen,ohne einen direkten Konflikt herbeizuführen.
Und wir haben uns dabei absolut an die neuen Normen des Kongresses für
die Konsultation zwischen Exekutive und Legislative über geheime Tätigkeiten
gehalten. Von Juli vorigen Jahres an bis Dezember haben wir die Situation
in Angola,und was wir dort taten,mit über zwei Dutzend Senatoren, 150 Kongreßabgeordneten und über 100 Mitarbeitern beider Häuser erörtert. An 24 verschiedenen Gelegenheiten wurden acht Kongreßausschüsse unterrichtet. Wir
suchten bei diesen Unterrichtungen die Wünsche des Kongresses herauszufinden,
und es gab damals nur ganz geringe Anzeichen einer aktiven Opposition gegenüber
unseren sorgfältig begrenzten Operationen.
Es gibt Leute, die sagen, daß die Russen im Laufe der Zeit ganz sicher
von den Afrikanern selbst herausgedrängt würden. Das mag sein, das mag aber
auch nicht sein. Aber ein solches Argument besagt, wenn man es bis zum Ende
durchdenkt, nichts anderes, als daß wir die Welt den Interventionsstreitkräften
überlassen und nur das beste hoffen könnten. Im übrigen ist der Verweis auf
die spätere Geschichte für diejenigen, die angegriffen werden und deren Zukunft jetzt entschieden wird, nur ein geringer Trost. Das Ausmaß der sowjetischen und kubanischen Intervention ist ohne Beispiel. Sie hat das Ergebnis
entscheidend beeinflußt. Und es gibt keine Beweise, die dafür sprechen, daß
Sowjets und Kubaner rasch herausgedrängt oder daß nicht andere Nationen
Schlüsse ziehen könnten, die für unsere langfristigen Interessen gefährlich
sind.
Es wird gefordert, daß wir der sowjetischen Bedrohung in Angola durch
verschärfte Methoden des Drucks begegnen sollten, wie etwa durch eine Änderung
unserer Position bei SALT oder den Getreidelieferungen. Aber diese Abmachungen
wiederum nützen uns ebenso wie der Sowjetunion und sind Teil einer langfristigen
Strategie in unserem Verhältnis zur Sowjetunion.
Die
- 2E -

�Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, daß der Expansion nur Einhalt
geboten werden kann, wenn am Ort selbst ein Gleichgewicht der Kräfte besteht.
Indirekte Mittel können nur Erfolg haben, wenn ein rascher Sieg am Ort ausgeschlossen werden kann.

Wie der Präsident dargelegt hat, die Sowjetunion hat

fast 60 Jahre lang ohne amerikanisches Getreide überlebt, und sie könnte
auch jetzt überleben.

Wenn wir die Getreidelieferungen einstellten, wäre

Angola trotzdem verloren.

Wir würden noch einmal die gleiche Erfahrung machen,

wie mit dem Handelsgesetz, das die Handelsbeziehungen zur UdSSR unterbrach,
um die Emigration

(von Juden aus der Sowjetunion)

sicherzustellen - wir ha-

ben keines der beiden Ziele erreicht.
Wollen wir uns doch selbst nicht mit billigen Schlagworten, wir dürften
nicht zum Polizisten der Welt werden, etwas vormachen.

Wir haben nicht den

Wunsch, eine solche Rolle zu spielen, aber es kann niemals in unserem Interesse liegen, wenn wir die Sowjetunion den Polizisten der Welt spielen lassen.
Es gibt viele Krisen auf der Welt, bei denen die Vereinigten Staaten nicht
intervenieren können und sollen.

Aber hier stehen wir vor einer eklatanten

sowjetischen und kubanischen Herausforderung, mit der wir hätten fertig
werden können, wenn es uns erlaubt worden wäre, in einem frühen Stadium klug
und mit begrenzten Mitteln zu handeln.

Indem man uns auf die offene Szene

gezwungen hat, haben unsere Meinungsverschiedenheiten gleichzeitig die Bedeutung der Krise erhöht und unsere Ohnmacht besiegelt.
Die Behauptung, Angola sei kein wichtiges Land, oder die Vereinigten
Staaten hätten dort keine wesentlichen Interessen, geht an dem eigentlichen
Problem vorbei. Wenn man erlebt, daß die Vereinigten Staaten angesichts
einer massiven sowjetischen und kubanischen Intervention nachgeben, welche
Vorstellungen werden sich dann die führenden Persönlichkeiten auf der ganzen
Welt machen, wenn sie ihre Entscheidungen bezüglich ihrer eigenen künftigen
Sicherheit treffen? Und zu welchen Schlüssen wird eine auf keinen Widerstand stoßende Supermacht gelangen, wenn sich die nächste Chance für eine
Intervention bietet?

Wo
- 26 -

�Wo stehen wir heute?

Die Regierung hat die Pflicht, der Sowjetunion

und Kuba klar zu machen, daß Angola kein Präzedenzfall ist und daß ein solches
Handeln nicht wieder geduldet werden wird.

Sie muß den anliegenden Ländern

erneut versichern, daß sie keinem Angriff oder keinem Druck von dem neuen
sowjetisch-kubanischen Stützpunkt aus überlassen werden.

Der Kongreß und

die Exekutive müssen sich auf diese Auffassung einigen - im nationalen Interesse und im Interesse des Weltfriedens.
Die Administration wird weiterhin zu ihrer Sache stehen, so unpopulär
das zeitweilig auch sein mag. Keine Nation soll glauben, daß Amerikaner gegenüber der Entsendung von Expeditionsstreitkräften und gewaltigen Waffenlieferungen zur Aufzwingung einer Minderheitsregierung lange indifferent bleiben werden - vor allem, wenn diese Expeditionsstreitmacht aus einem Land der
Westlichen Hemisphäre kommt.

Nationale Stärke und die Debatte im eigenen Lande
Wir leben in einer Welt, in der es keine einfachen Lösungen gibt. Wir
schätzen unsere Werte zu hoch ein, als daß wir darauf verzichten könnten, sie
zu verteidigen. Wir schätzen das menschliche Leben zu hoch ein, um die Suche
nach einem sicheren Frieden aufgeben zu können. Die erste Voraussetzung für
die Stabilität ist die Aufrechterhaltung unserer Verteidigung und des Gleichgewichts der Kräfte. Aber das höchste Ziel der Politik im Nuklearzeitalter
muß es sein, aus dem sterilen Gleichgewicht der Kräfte eine positivere Beziehung des Friedens zu entwickeln.
Amerika verfügt über die materiellen Mittel zur Lösung dieser Aufgabe.
Unsere militärische Macht sucht ihresgleichen. Unsere wirtschaftliche und
technologische Stärke läßt alles andere weit hinter sich. Um unser demokratisches Erbe beneiden uns viele Hundert Millionen Menschen auf der ganzen
Welt.
Unsere
- 27 -

�Unsere Probleme haben wir uns also selbst geschaffen - Selbstzweifel,
Spaltung, Unentschlossenheit. Wir müssen wieder ein vertrauensvolles, geeintes und entschlossenes Volk werden.
Andere Länder müssen in der Lage sein, mit Amerika als einer geschlossenen
Einheit in Verbindung zu treten, nicht als einem Komplex zerstrittener Institutionen.

Wenn unsere Spaltungen unsere internationalen Anstrengungen lähmen,

dann wird Amerika als Ganzes darunter leiden.

Es gibt für uns keine dring-

lichere Aufgabe, als die Wiederherstellung der Partnerschaft zwischen dem
amerikanischen Volk, dem Kongreß und der Exekutive.

Eine neue Partnerschaft

kann den Präsidenten der Vereinigten Staaten in seiner verfassungsmäßig festgelegten Rolle in die Lage versetzen, sich mit der zentralen Autorität des
Sprechers eines geeinten und zielbewußten Amerika in die Welt zu wenden.
Debatte ist das Wesen der Demokratie. Aber Zurückhaltung ist das Bindemittel des nationalen Zusammenhalts. Es ist an der Zeit, mit der Selbstzerfleischung und unserer Schuldbesessenheit aufzuhören, die uns schon zu viele
Jahre lang zu lähmen drohte. Es ist an der Zeit mit der Demontage unserer nationalen Institutionen und der Untergrabung unseres nationalen Selbstvertrauens
aufzuhören.
Wir müssen - selbst in einem Wahljahr - die Selbstdisziplin lernen,
unsere innenpolitischen Debatten zu einem positiven»nicht zu einem zerstörerischen Prozeß zu gestalten.
Eine der vergessenen Wahrheiten unserer Geschichte ist die, daß unsere
Gründerväter Männer großer geistiger Geschliffenheit in auswärtigen Angelegenheiten waren. Sie wußten ,was das Gleichgewicht der Kräfte bedeutete. Sie
nutzten die Spaltungen Europas zum Vorteil unserer eigenen Revolution. Sie begriffen die Notwendigkeit einer starken Exekutive zur Durchführung der Diplomatie des Landes. Sie begriffen, daß Amerika wirtschaftliche, politische und
moralische Bindungen mit anderen Nationen brauchte. Sie erkannten, daß unsere
Ideale weltweit waren, und sie begriffen und begrüßten die Auswirkung des
- 28 -

�des amerikanischen Experiments auf das Schicksal der ganzen Menschheit.
In unserer Zeit, deren Herausforderungen ohne Beispiel sind, brauchen
wir erneut die Weisheit unserer Gründerväter.

Unsere Ideen müssen uns Stärke

verleihen - und dürfen nicht als eine Entschuldigung für den Verzicht dienen.
Das amerikanische Volk verlangt eine wirksame Außenpolitik.

Es will, daß

Amerika weiterhin an der Gestaltung der internationalen Ordnung der kommenden Generation nach unseren Idealen mitwirkt.
Großes geleistet.

Wir haben als geeintes Volk

Es liegt in unserer Macht, daß dritte Jahrhundert unseres

Bestehens zu einer Zeit der lebendigen Stärke und Hoffnung und Größe zu machen.

- 29 -

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4/1976

SONDERBOTSCHAFT PRÄSIDENT FORDS ZUM US-ENERGIEPROGRAMM

--(AD)-- Mit einer dem US-iCcn reß am 26. Februar 1976 zugeleiteten Sonderbotschaft über Energiefragen bcriüht sich Präsident Ford um die Unterstützung des
Parlaments für eine Reihe neuer Vorschläge zur amerikanischen Energiepolitik.
Sie sollen, im Verein mit bereits gebilligten Initiativen, dazu beitragen, die
Abhängigkeit der USA von Importcl zu verringern. So könnten durch sie, wie
Experten schätzen, bis 1985 die andernfalls erforderlichen Importe zu zwei
Dritteln abgebaut werden.
Als ganz wesentlichen Punkt bewertet der Präsident die Aufhebung der
Preiskontrolle für Erdgas aus neu erschlossenen Feldern. Würde sie beibehalten,
sei bis 1985 mit einem Rückgang der Gasförderung um insgesamt mehr als 500
Milliarden cbm zu rechnen. Dagegen ließe sich durch die vom Kongreß zu beschließende Abschaffung der Preiskontrolle im gleichen Zeitraum die Produktion
um 25 Prozent steigern.
Als nicht minder wichtig erachtet Präsident Ford die Entscheidung über
Trassenführung und Bau eies Transportsystems für Erdgas aus Alaska zu den USBundesstaaten auf dem Kontinent. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag, der dem
Kongreß in Kürze zugeht, soll den Weg dafür ebnen, daß schon Anfang der achtziger Jahre 28,3 Milliarden cbm Erdgas pro Jahr mehr gefördert werden könnten.
Für

- 1 -

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A

Für verflüssigtes Import-Erdgas ist bis 1985 eine Quote von ca. 28,3
Milliarden cbm vorgesehen. Die Beschränkung des Kontingents auf diese Menge dürfte sicherstellen, daß einerseits der amerikanische Bedarf gedeckt und andererseits eine zu starke Abhängigkeit bei bestimmten Primärenergieträgern von ausländischen Quellen vermieden wird.
Im Rahmen des im Dezember 1975 verabschiedeten Gesetzes über Energiepolitik und Energieeinsparung sind bereits wichtige Abschnitte aus Präsident
Fords Energieprogramm realisierbar geworden: Bevorratung von öl, Normen für den
Kraftstoffverbrauch der Kraftfahrzeuge, Angabe des Stromverbrauchs bei elektrischen Geräten, verbesserte Wärmedämmung bei Wohnungs-und Bürobauten, Ermächtigung des Präsidenten, in Krisensituationen Sparmaßnahmen einschließlich der
Rationierung vo i Benzin zu verfügen, und Vollmachten für die Beteiligung der
Vereinigten Staaten an internationalen Programmen zur Zusammenarbeit auf dem
Energie-Sektor.
Aus weiteren Vorschlägen Präsident Fords, über die der Kongreß so rasch
wie möglich befinden soll, seien hier erwähnt:
- Kurzfristige Erteilung von Vollmachten für die Regierung, den in den
nächsten paar Jahren erwarteten Mangel Situationen in der Erdgasversorgung mit
geeigneten Maßnahmen zu begegnen.
- Ergänzung bezw. Änderung des Genehmigungsverfahrens für den Bau von Kernkraftwerken, um frühzeitig Standortfragen zu klären und Baugenehmigungen rascher
zu erteilen. (Gegenwärtig liefern 57 amerikanische Kernkraftwerke mehr als
9 Prozent des in den USA erzeugten elektrischen Stromes, 179 weitere sind geplant oder im Bau. Durch Atomkraftwerke werden bereits mehr als 140 000 Tonnen
Heizöl pro Tag eingespart).
- Förderung von Urananreicherung durch die Privatwirtschaft, um die ausreichende Versorgung mit Kernbrennstoff sicherzustellen.
- Genehmigung zur Öffnung der Erdölfelder der US-Marine für die kommerzielle Ausbeutung. In zwei bis drei Jahren könnten aus diesen Vorkommen täg-

- 2-

�täglich fast 43 000 Tonnen Erdöl gewonnen werden.
- Modifizierung der bestehenden Abgasbestimmungen für Kraftfahrzeuge und
Industrie, um ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen He&gt;n Erfordernissen zur
Luftreinhaltung und Erfordernissen der Energiepolitik herzustellen.
- Billigung von Kreditgarantien für die kommerzielle Produktion synthetischer Brennstoffe, damit bis 1985 zusätzlich ca. 50 000 Tonnen öl pro Tag
erzeugt werden können.
- Festsetzung von Mindestwerten für die Wärmedämmung bei allen Neubauten.
- Schaffung einer Finanzierungsbehörde für Energieprojekte, die die Privatwirtschaft unterstützt, neue Anlagen zur Erschließung von Substitutionsenergie zu schaffen, für die eine Finanzierung über den Kapitalmarkt nicht zu
erwarten ist.
- Steueranreize für Investitionen in neuen amerikanischen Kraftwerksanlagen, insbesondere in Kohle- und Kernkraftwerken.
- Förderung der Energieforschung und Entwicklung, vor allem auf den Gebiet;.. Nuklearenergie, synthetische Brennstoffe, Sonnen- und geothermische
Energie, welche weit über das Jahr 1985 hinaus die Basis für die Energieversorgung darstellen werden. Im US-Haushalt für 1977 wurden für den Bereich Energieforschung und Entwicklung 2,9 Milliarden Dollar angesetzt, d.h. 700 Millionen
mehr als 1976.
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4/1976

US-WIRTSCHAFTSBEIRAT RECHNET MIT WACHSENDEM INVESTITIONSBEDARF
Von Thomas Eichler
WASHINGTON --(AD)-- Nach Ansicht des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords
wird sich die für die zweite Hälfte 1976 erwartete Zunahme der Wirtschaftsinvestitionen als ein wichtiger Faktor für den weiteren Konjunkturaufschwung
in den USA erweisen.
Burton Malkiel, einer der drei Wirtschaftsberater des Präsidenten, hat
dieser Tage zwei wichtige Gründe für eine solche Belebung der Investitionstätigkeit genannt. Einmal, so sagte er, hat der Preisauftrieb der letzten
Jahre zu starken Veränderungen der relativen Preise geführt, so daß ein
großer Teil der industriellen Ausrüstungen aufgrund neuer Entwicklungen ausgemustert und durch moderne Anlagen ersetzt werden muß. Beispielsweise hat der
unerhört stärkt Anstieg der relativen Preise auf dem Energiesektor zur Ausmusterung von Anlagen geführt, die aufgrund der Annahme angeschafft worden
waren, daß die Vereinigten Staaten stets über reichliche und billige Energiequellen verfügen würden. Hier besteht also ein starker Modernisierungsbedarf.
Der zweite Grund, warum der Wirtschaftsbeirat für 1976 mit einem Ansteigen der Investitionstätigkeit rechnet, ist die für dieses Jahr vorausgesagte beträchtliche Zunahme der Gesellschaftsgewinne, die nach den Voraussagen des Beirats um 23 Prozent höher als 1975 liegen werden. Lies wird das
Vertrauen in die Wirtschaft stärken und bei den Firmen zu einer Verbesserung
des Cash-Flow führen, so daß ihnen die Finanzierung höherer Investitionen
leichte^ fallen dürfte.
Der

- 1 -

�r
Der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten hatte sich gerade in seinem diesjährigen Jahresbericht eingehend mit der Frage der Bildung von langfristigem
Kapital in den Vereinigten Staaten befaßt. Nach Ansicht von Malkiel sehen
sich die USA hier angesichts ihrer nationalen Ziele und der zu ihrer Verwirklichung benötigten hohen Kapital betrage einem ernsten Problem gegenüber. Der
Jahresbericht hatte die Notwendigkeit unterstrichen, daß die Investitionsrate
in den USA in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre 12 Prozent des Bruttosozi aöproduktes erreichen muß, gegenüber 10,4 Prozent im Durchschnitt der
letzten zehn Jahre.
Was sind nun die Ziele, die eine solche Zunahme der Investitionen notwendig machen? Malkiel hat drei genannts die Vorrang haben: Vollbeschäftigung,
die bis zum Jahre ^980, wenn nicht schon früher, erreicht werden soll; die
in den neuen Bundesgesetzen für den Schutz der Umwelt gesetzten Normen und
eine gesicherte Energieversorgung.
Auf dem Energiesektor darf nach Ansicht von Mal kiel der Anteil des Importöls am Gesamtölverbrauch der USA nicht über den der Jahre 1973 und 1974
ansteigen, in denen 36 Prozent des öl bedarf's eingeführt worden waren. Gleichzeitig wandte sich Malkiel gegen die Auffassung, daß die USA sich von allen
ausländischen Energiequellen unabhängig machen wollten und könnten. Dies sei
nicht das Zie! der Regierung. Vielmehr halte man innerhalb der Administration
heute einen Import von 36 Prozent der benötigten Energie für realistisch.
Sollten die Vereinigten Staaten ihre Investitionsrate nicht auf den
vom Wirtschaftsbeirat für notwendig erachteten Stand erhöhen, dann werden die
USA nach Ansicht von Malkiel die Ziele, die sie sich gesetzt haben, nicht erreichen. Bei einer ungenügenden Kapitalbildung werde es schwer sein, zu einer
Vollbeschäftigung zu gelangen und auch die auf den Gebieten der Umwelt und der
Energie gesetzten Ziele würden sich nicht verwirklichen lassen.
Der
- 2 -

�7

Der Jahresbericht des Wirtschaftsbeirates schlägt zur Lösung dieses
Problems vor, daß die Regierung durch Gewährung von Anreizen die Investitionsund Spartätigkeit fördert. Auf keinen Fall dürften jedoch bei den drei großen
Zielen Abstriche hingenommen werden. Neben diesen spezifischen Anreizen müsse
sich die Regierung in ihrer Haushalts- und Währungspolitik größter Zurückhaltung befleißigen, damit eine gemäßigte und stetige Wiedererholung der Wirtschaft nach der schweren Rezession gewährleistet bleibt. Eine solche Politik
wird nach Ansicht des Wirtschaftsbeirates ein weitaus besseres wirtschaftliches Klima für Investitionen schaffen als der Weg einer zu schnellen Expansion, auf den nur ein erneuter Zyklus von Inflation und Rezession folgen wür^
de. Daher rät der Wirtschaftsbeirat auch zu einer Politik, die den Nachdruck
nicht auf eine konsumorientierte Haushaltspolitik, sondern auf monetäre Anreize legt, die weit eher zu einer Belebung der privaten Investitionstätigkeit
führen werden. Gleichzeitig wiederholt der Wirtschaftsbeirat die Warnung
der Regierung, daß zu hohe Haushaltsdefizite bei fortschreitender Wiedererholunc der Wirtschaft die privaten Kreditnehmer vom Kapitalmarkt verdrängen und
somit di' künftige Investitionstätigkeit einengen würden.

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4/1976

FACHAUSSTELLUNG "SICHERHEIT FÜR BANKEN, HANDEL UND INDUSTRIE"
im US-Handelszentrum Frankfurt
--(AD)-- Vom 6. bis 9. Apr^'l 1976 veranstaltet das US-Handelszentrum in
Frankfurt am Main eine Ausstellung, auf der über 50 amerikanische Hersteller
von Sicherheits- und Alarmanlagen ihre Produkte dem deutschen Fachpublikum
vorstellen.
über 80 Prozent der Aussteller sind neu auf dem deutschen Markt und
suchen in erster Linie Kontakte zu Vertriebsfirmen, Lizenznehmern oder Partnern
für gemeinsame Projekte.
Der erschreckende Zuwachs an Eigentumsdelikten stellt erhöhte Anforderungen an Quantität und Qualität von Eigentums-Schutzeinrichtungen und Alarmsystemen aller Art. Das außerordentlich vielseitige Angebot der Amerikaner mit
dem Schwerpunkt auf elektronischen Alarmsystemen und Sicherungseinrichtungen
basiert auf der großen Erfahrung der Hersteller aus USA in bezug auf Konstruktion und Betrieb der hier zu sehenden defensiven Geräte. Die Palette der Exponate reicht von Einbruchsschutzeinrichtungen für Private über Diebstahlsicherungsanlagen für Handel und Industrie bis zu umfangreichen Sicherungssystemen mit modernsten elektronischen Finessen für Banken, Polizei und
Sicherheitsorgane.
Folgende

�Folgende Hauplgruppen werden während der Ausstellung in Funktion demonstriert:
Einbruchmelder mit verschiedenartigen Sensoren, darunter Ultraschall-,
fotoelektrische-, Infrarot-, Mikrowellen-, seismische- und kapazitive,
sowohl drahtgebunden als auch drahtlos; Zaunsicherungen, Multiplex-Alarmmelder für Zentralen und Polizeidienststellen, tragbare Notrufgerate, RaubÜberfall beobarh*''nciskameras, Automobildiebstahlsicherungen, Zeitraffer-Videogeräte f;

Kaufhäuser

ind dergleichen; Ionisations-und Rauchfeuermelder;

Türsicherungssysteme mit elektronischer Kodierung und Spezialschlösser für
Notausgänge, Hotelzimmer und dergleichen; elektronische Abwehrgeräte u.a.
zum Auffinden von Abhörmikrophonen; Metallspürgeräte, Briefbombendetektoren;
Mikrowellensensoren zur Entlarvung von Ladendieben, mobile Personenrufanlagen; Spezialnachrichtengeräte einschließlich Datenterminels für Polizei und
Feuerwehr, Nachtsichtgeräte; Infra^tmikroskope zur Echtheitsprüfung von
Dokumenten; kugelsichere Westen, Lichtbildausweissysteme, Kreditkarten mit
Magnetkodierung und vieles mehr.
Weitere Informationen und komplette Programme durch:
US-Handelszentrum
Bockenheimer Landstraße 2-4
6000 Frankfurt am Main
Tel.: (0611) 72 08 01, Telex: 4-16536

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4/1976

SPALT-URAN VON DER INDUSTRIE
US-Regierung will Uran-Anreicherung privatisieren

j

- (AD) - Eine Anzahl amerikanischer Firmen verhandelt gegenwärtig mit
der Energie-Forschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA über die Planung, den
Bau und den Betrieb kommerzieller Anlagen zur Uran-Anreicherung. Es sind
dies das Konsortium "Uranium Enrichment Associates" (UEA) und die Firmengruppen CENTAR Associates, TRENCOR sowie EXXON Nuclear Company, Inc.
UEA plant den Bau einer großen Gasdiffusionsanlage, die 1981/82 die Produktion aufnehmen und 1983/84 die volle Jahresleistung von 9 Millionen SWU
(SWU ist die Abkürzung für "Separative Work Unit", Meßeinheit für die sog.
Uran-Trennarbeit - UTA) erbringen soll. Das Anreicherungswerk, das Investitionen in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar erfordert, könnte in den achtziger
Jahren 90 Reaktorstationen mit Kernbrennstoff versorgen.
Das Verfahren ist das gleiche, das in den drei bundeseigenen Anreicherungsanlagen der Vereinigten Staaten seit rund 30 Jahren angewandt wird. Die
USA sind gegenwärtig dabei, die Betriebe von Oak Ridge (Tennessee), Portsmouth
(Ohio) und Paducha (Kentucky) mit einem Kostenaufwand von ca. 1 Milliarde
Dollar zu erweitern und ihre Leistungskapazität um 60 Prozent zu erhöhen. Das
reicht aber nicht annähernd aus, um dem tatsächlichen Bedarf in den nächsten
25 Jahren gerecht zu werden.
Zur
-1 -

�Zur Anreicherung von Reaktor-Kernbrennstoff mit Uran 235, schlagen die
anderen Firmengruppen das neuere Gaszentrifugenverfahren vor.

Das Material

muß mindestens drei Prozent dieses spaltbaren Uranisotops enthalten, wenn ein
Reaktor für die Kraftstromerzeugung wirtschaftlich arbeiten soll.

Da Natur-

uran aber zu 99,3 Prozent aus Uran-238 und nur zu 0,7 Prozent aus Uran-235 besteht, muß das spaltbare, geringfügig leichtere Isotop der ursprünglichen Mischung entzogen und dem Brennstoffmaterial zugefügt werden.
nennt man

Diesen Prozeß

"Anreichern".

Das Gaszentrifugenverfahren befindet sich im letzten Stadium der Entwicklung.

In Europa haben sich die Bundesrepublik, wo schon seit 1960 daran gear-

beitet wird, die Niederlande und Großbritannien zusammengetan, um die Entwicklung gemeinsam weiterzuführen.

Die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens ist zwar

kommerziell noch nicht erprobt.

Aber vieles spricht dafür, daß es mit dem Gas

diffusionsverfahren konkurrieren kann, sich möglicherweise sogar als vorteilhaft erweist.

Beispielsweise liegt der Stromverbrauch, der bei der Gasdif-

fusion einen enormen Kostenfaktor darstellt, beim Zentrifugenverfahren um fast
90 Prozent niedriger.

Fachleute der amerikanischen Regierungsbehörde ERDA

sind der Ansicht, daß unter den acht bis zehn neuen Großanlagen zur Uran-Anreicherung nur noch eine einzige mit Gasdiffusion arbeiten wird.
Bis 1983 wollen die Firmengruppen TRENCOR und CENTAR zunächst kleine Demonstrationsanlagen von 300 000 SWU Jahreskapazität, ECCON eine Zentrifugenanlage mit 1 Million SWU Jahresleistung erstellen. Mit standardisierten Baueinheiten sollen diese Betriebe anschließend stufenweise erweitert werden und
1986/87 die volle Kapazität von je 3 Millionen SWU erreichen.

Ende eines Staatsmonopols
Die rechtliche Voraussetzung zur Durchbrechung des bisherigen Staatsmonopols und für die Einschaltung der amerikanischen Privatwirtschaft in das
Anreicherungsgeschäft böte das

"Gesetz zur Sicherung der Kernbrennstoff-Ver-

�Kernbrennstoff-Versorgung"

("Nuclear Fuel Assurance Act").

unterbreitete die Vorlage Mitte 1975 dem US-Kongreß.

Präsident Ford

Die Anhörungen, die der

Kongreßausschuß für Atomenergie im Zusammenhang damit zur Klärung sicherheitspolitischer, technischer, wirtschafts- und finanzpolitischer Fragen durchführt,
sind noch nicht abgeschlossen.
ERDA-Chef Dr. Robert Seamans befürwortet ebenso wie Außenminister Henry
A. Kissinger dringend die Beteiligung der Industrie.

Denn in den nächsten

Jahrzehnten wird der Bedarf an Kernbrennstoff stark ansteigen.

Die drei staat-

lichen Anreicherungswerke sind jedoch wegen langfristiger Lieferverträge mit
In- und ausländischen Abnehmern bei ständiger voller Auslastung schon seit
Mitte 1974 nicht mehr in der Lage, neue Verpflichtungen zu übernehmen.
Die Werke, die zwischen 1943 und 1958 entstanden sind, arbeiten heute
in erster Linie für den Bedarf ziviler Atomkraftwerke. Bis Mitte des nächsten
Jahrzehnts müssen jedoch zusätzliche Anreicherungskapazitäten verfügbar sein,
wenn die Kernkraft entsprechend den mittel- und langfristigen Energieprogrammen
genutzt werden soll. Allein zur Deckung des Inlandsbedarfs der USA seien, so
Dr. Seamans, Ende der achtziger und in den neunziger Jahren drei bis fünf neue
Großbetriebe zur Urananreicherung erforderlich. Weitere fünf bis sieben Anlagen werden in der gleichen Zeitspanne für die Erfüllung ausländischer Anforderungen gebraucht.

Zuverlässige Quelle für Reaktorbrennstoff
Aus wirtschaftspolitischen wie außenpolitischen Gründen treten Seamans
und Kissinger dafür ein, daß die Vereinigten Staaten
für Reaktorbrennstoff

bleiben".

"eine zuverlässige Quelle

Denn nur dann sei es auch möglich, Einfluß

auf die Sicherung und ordnungsgemäße Verwendung nuklearer Materialien zu nehmen.
Die Vergangenheit habe gezeigt, wie das amerikanische Beispiel andere Nationen,
die heute zu den führenden Lieferländern für nukleare Ausrüstungen und Materialien zählen, veranlaßte, ihre Exporte auf dem Gebiet der Atomtechnik eben-

�ebenso wie die USA durch entsprechende Auflagen für die ausschließlich friedliche Nutzung abzusichern.

Außerdem verringere, wie Außenminister Kissinger

am 6. Februar 1976 vor dem Atomenergie-Kongreßausschuß betonte, die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kernenergie den Druck einer wachsenden Abhängigkeit der Vereinigten Staaten und ihrer Partnerländer von Importöl.
Wegen der sieben- bis achtjährigen Anlaufzeit bis zur Inbetriebnahme eines
neuen Anreicherungswerkes und der hohen Investitionskosten dringt Dr. Seamans
auf eine baldige Entscheidung im Sinne der Vorschläge des Präsidenten.

Würde

dagegen in den USA am Staatsmonopol festgehalten, seien bis zum Jahr 2000 für
die Errichtung neuer Anreicherungswerke etwa 30 bis 50 Milliarden Dollar an
Steuergeldern erforderlich.

Dies bedeutete selbst dann eine ganz enorme Budget-

belastung, wenn ca. 20 Jahre nach Baubeginn die Investitionskosten für eine Anreicherungsanlage wieder hereinkämen.
Die von der Industrie unterbreiteten Vorschläge zeigen, so Dr. Seamans,
daß die Wirtschaft ernsthaft daran interessiert sei, Anreicherungswerke zu
bauen, zu finanzieren, zu besitzen und zu betreiben. Ihre Pläne seien, da das
Kernbrennstoff-Sicherungsgesetz auch eine enge Zusammenarbeit von Industrie
und ERDA vorsehe, realisierbar, wenn die Regierung während einer Übergangszeit,
d.h. bis zur Sicherstellung des Betriebs der Anlage, technische Unterstützung
und gewisse Absicherungen gewähre. Letztere seien erforderlich, weil die Privatwirtschaft mit dem Einstieg in die Urananreicherung zweifellos ein enormes
Geschäftsrisiko eingehe.

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4/1976

BREITE ENTWICKLUNGSBASIS FÜR DEN SCHNELLEN BRÜTER
-USA wollen 1986 über kommerzielle Anwendung entscheiden-

— ( A D ) - - Die in jüngster Zeit vorgenommene Reorganisation der nuklearen Programme der amerikanischen Regierung, die zur Unabhängigkeit in der Energieversorgung beitragen soll, machte die Entwicklung des "schnellen Brüters"
zu einem eigenen Schwerpunktprogramm. Die neugeschaffene Abteilung "Division
of Reactor Development and Demonstration" innerhalb der Energieforschungsund Entwicklungsbehördt ERDA (Energy Research and Development Agency) wird
sich ausschließlich mit dem LMFBR-System befassen (LMFBR ist die Abkürzung
für "liquid metal fast breeder reactor" - schneller Brüter mit Flüssigmetallkühlung, d.h. Natriumkühlung). Auch die Erprobung von Werkstoffen und Komponenten für den nicht-nuklearen Bereich fällt unter ihre Zuständigkeit.
Forschung und Entwicklung bei allen übrigen fortgeschrittenen Reaktorsystemen,
u.a. beim gasgekühlten Hochtemperaturreaktor und bei nuklearen Raumfahrtgeneratoren, werden der ebenfalls neugeschaffenen Abteilung "Division of Nuclear
Research and Application" übertragen. Zur Erzielung einer besseren Effektivität sind außerdem noch Veränderungen in der Abteilung "Kernbrennstoffzyklen und Produktion" zu erwarten.
Die

- 1 -

�I
1

Die Umorganisation läßt erkennen, welche Bedeutung ERDA dem SchneiIbrutreaktor als möglicher "erneuerungsfähiger" Energiequelle beimißt. Sie zeigt
ferner die Entschlossenheit der amerikanischen Regierung, das LMFBR-Programm
mit den gebotenen Vorkehrungen für Sicherheit und Umweltschutz durchzuführen.
Die siebenbändige Dokumentation der früheren AEC (US-Atomenergie-Kommission), die im Januar 1975 erschien, ergänzte ERDA-Chef Dr. Robert Seamans
im Verlauf des letzten Jahres durch drei weitere Bände zu einem "Final Environmental Statement". Dieses gilt als offizielle abschließende Stellungnahme zu den Umweltproblemen im Zusammenhang mit der LMFBR-Entwicklung aufgrund
der heute vorliegenden Erkenntnisse. Wie Dr. Seamans anläßlich der Veröffentlichung der nokumentation am 31. Dezember 1975 erklärte, zeige diese die wesentlichen Geriete auf, wo noch Unklarheiten bestehen. Durch aggressive Forschungs-, Entwicklungs-und Demonstrationsprogramme müsse dafür gesorgt werden,
für die noch bestehenden Probleme vor einer kommerziellen Anwendung der neuen
Technologie Lösungen zu finden.

Letzte Entscheidung bei der Industrie
Dr. Seamans rechnet damit, daß die ERDA erst 1986 sagen kann, ob der
natriumgekühlte schnelle Brüter für eine kommerzielle Anwendung akzeptabel
ist oder nicht. Aber auch bei einem positiven Ergebnis der nunmehr auf breitester Basis durchgeführten Entwicklungs- und Demonstrationsprogramme sei es
dann Sache der Industrie und der Öffentlichkeit, endgültig zu entscheiden,
ob und in welchem Umfang schnelle Brüter in kommerziellen Atomkraftwerken eingesetzt werden sollen.
Der Natriumbrüter ist das am weitesten gediehene Projekt unter einer ganzen Anzahl von Konzeptionen für fortgeschrittene Reaktorsysteme. Seit acht
Jahren wird es von Regierungsseite intensiv gefördert. Allerdings begann

�begann EBR-1, die erste Experimentieranlage, bereits Anfang der fünfziger
Jahre zu arbeiten, Sie wurde 1963 stillgelegt.
Auf seiner gegenwärtigen Entwicklungsstufe ist ein LMFBR-Reaktor nur
in der ersten Betriebsphase auf das teure Uran-235 als Kernbrennstoff angewiesen. Dann begnügt er sich mit Uran-238, jenem Isotop, aus dem Natururan zu
99,3 Prozent besteht. Uran-238 wird in der Spaltzone durch Neutroneneinfang
in das Element Plutonium umgewandelt. Somit "erbrütet" der natriumgekühlte
Reaktor neuen Kernbrennstoff. Denn wie Uran-235 ist auch Plutonium spaltbar.
Es kann nach entsprechender Aufbereitung Brennstoff für andere Reaktoren abgeben. Und im Laufe der Zeit produzieren schnelle Brüter mehr spaltbares Material, als sie selbst verbrauchen.
Bei den heute üblichen Reaktoren kommerzieller Atomkraftwerke, in denen
Wasser als Kühlmedium und Wärmeüberträger dient, werden nur 1-2 Prozent des
Uran-Energiegehalts für r'-'e Stromgewinnung genutzt,, obgleich ihr Kernbrennstoff in einem sehr kostspieligen Verfahren mit Uran-235 von ursprünglich
0,7 auf mehr als 3 Prozent angereichert wurde. Die Vereinigten Staaten haben
z.Zt. 55 solcher Atomkraftwerke (Gesamtkapazität: 36 672 400 KW) in Betrieb,
63 weitere sind im Bau. Immerhin liefert ein modernes Kernkraftwerk soviel
Strom wie mit über 1,4 Millionen Tonnen öl in Heizkraftwerken erzeugt würde.
Für die USA bedeutet dies die Einsparung von 12o Millionen Dollar für öl Importe (zum gegenwärtigen Preis).

Wesentlich höherer Nutzeffekt
Der Nutzeffekt bei der Produktion von Strom aus Uran oder aus einer
Uran-Plutonium-Mischung wäre schon beim gasgekühlten Hochtemperaturreaktor
achtmal, beim schnellen Brüter dagegen 30-60mal größer. Würden Atomkraftwerke
- und allein die Vereinigten Staaten wollen bis zum Jahre 2000 das Netz auf
830 kommerzielle Stationen ausbauen - nur mit den sogenannten Leichtwasserreaktoren betrieben, so wäre schon in den neunziger Jahren mit einer starken

- 3 -

�starken Verknappung des Kernbrennstoffs Uran zu rech nen. Bei Anwendung des
SchneiIbrütersystems dagegen könnte die Energiewirtschaft die Vorräte über
lange Zeit strecken und sich auch nach und nach von den Kosten für die
Erschließung und Verwertung natürlicher Uranvorkommen frei machen.
Die heute bekannten Uranvorräte der Welt in hochwertigen Erzen liegen
bei ca. 3,5 Millionen Tonnen. Die bisher bekannten Vorkommen der Vereinigten
Staaten enthalten ca. 600 000 Tonnen Uranoxid (UoOg). Gegenwärtig sind ERDAWissenschaftler in einem intensiven Explorationsprogramm dabei, eine Bestandsaufnahme des tatsächlichen Uranreichtums vorzunehmen.
Als besonderer Vorteil des LMFBR-Systems ist die Tatsache zu werten,
daß es im Prinzip den gleichen Uran-Plutonium-Brennstoffzyklus hat wie die
modernen Leichtwasserreaktoren. Allerdings produzieren schnelle Brüter
Plutonium in unvergleichlich größerer Menge und können es außerdem als Brennstoff verwerten. Die Ähnlichkeit der Brennstoffzyklen vereinfacht die Entwicklungsaufgaben - beispielsweise bei Projekten, die sich mit der Aufarbeitung der Spaltprodukte sowie mit der Beseitigung und Endlagerung radioaktiver
Abfälle befassen.

Starkes Engagement der Industrie
Unter Beteiligung von mehr als 700 amerikanischen Industrieunternehmen,
die ca. 254 Millionen Dollar beisteuern, wird mit 1,736 Milliarden Dollar
Gesamtaufwand der Prototyp eines schnellen Brüters für die kommerzielle Anwendung in der Nähe von Oak Ridge (Tennessee) erstellt. Anfang der achtziger
Jahre soll diese CRBR-Station (CRBR - Clinch River Breeder Reactor) den Betrieb aufnehmen. Mindestens fünf Jahre lang werden dort Wissenschaftler und
Ingenieure der ERDA und der Privatwirtschaft Erfahrungen sammeln.

Im

�1
Im Gesamtprogramm wird man sich besonders gründlich mit den Spezialgebieten Reaktorbetrieb, Brennstoffzyklus, Reaktorsicherung, Sicherungsmaßnahmen, gesundheitliche Auswirkungen, radioaktive Abfallstoffe und Verfügbarkeit
von Uran befassen. Die vorliegende Dokumentation, die detaillierte Stellungnahmen zu wirtschaftlichen, technologischen und sozialen Aspekten enthält
und den riesigen Komplex "Umwelt" behandelt, analysiert außerdem acht Verfahrenswege, die zur Lösung der noch offenen Probleme beschritten werden
könnten.
Kein Monopol der Atomkraft

&gt;

Es wäre verfehlt, anzunehmen, die Vereinigten Staaten konzentrierten
sich anqesichts der Engpässe in der Energieversorgung auf die Atomkraft. Sie
gilt, ebenso wie Kohle, als einer der Faktoren. &lt;jer um Aufbau einer ausgewogenen Energiewirtschaft beitragen kann. Neben dem schnellen Brüter haben auch
Sonnenenergie und Kernfusion Priorität; Wind, Erdwärme, Meeresströmungen sind
als mögliche neue Energiequellen in die Forschung und Entwicklung einbezogen.
Abhängigkeiten von primären Energiequellen wie Erdöl und Erdgas, auf
welche die USA heute zu 75 Prozent angewiesen sind, sollen und müssen abgebaut
werden. Die riesigen amerikanischen Kohlevorkommen, die gegenwärtig nur 20 Prozent zur Deckung des Energiebedarfs im Lande beitragen, will man künftig in
unvergleichlich größerem Umfang nutzen. Die amerikanische Regierung erwartet
ab Mitte der achtziger Jahre die großtechnische Erzeugung von synthetischem
Gas und flüssigen Brennstoffen aus Kohle, und von synthetischem öl aus Ölschiefer. Schon 1985 wird mit einer Tagesproduktion von 48 000 Tonnen synthetischer Brennstoffe gerechnet.
In

- 5 -

�In seiner Haushaltsbotschaft vom 21. Januar 197f schlug Präsident
Ford u.a. vor, im nächsten Etatjahr 2 Milliarden Dollar Kreditgarantien für
die Fabrikation solcher Produkte zu gewähren - 2 von insgesamt 10,4 Milliarden Dollar, mit denen 1976/77 amerikanische Energieprogramme finanziert werden sollen. Für die Behörde ERDA sind 2,6 Milliarden Dollar vorgesehen. Das
entspricht knapp einem Zehntel der insgesamt 24,7 Milliarden Dollar, die die
US-Regierung im neuen Haushaltsjahr für Wissenschaft und Technik aufzuwenden
gedenkt.

\

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger-Rede in San Francisco am 3. Februar 1976&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonderbotschaft Präsident Fords zum US-Energieprogramm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftsbeirat rechnet mit wachsendem Investitionsbedarf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Thomas Eichler&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fachausstellung "Sicherheit für Banken, Handel und Industrie" im US-Handelszentrum Frankfurt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Spalt-Uran von der Industrie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Regierung will Uran-Anreicherung privatisieren&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Breite Entwicklungsbasis für den schnellen Brüter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USA wollen 1986 über kommerzielle Anwendung entscheiden&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

08-85432

5

17. März 1976

Inhalt

DOKUMENTATION:

Präsident Ford zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten
- Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Chicago am
12. März 1976 Kissinger zieht außenpolitische Bilanz
- Rede des amerikanischen Außenministers in Boston am 11. März 1976

HINTERGRUNDMATERIAL:

Atomwaffensperre bleibt Ziel der US-Politik
Außenminister Dr. Henry A. Kissinger vor dem Senatsausschuß für
Regierungstätigkeit

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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5/1976

PRÄSIDENT FORD ZUR AUSSENPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
- Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Chicago am 12. März 1976 -

CHICAGO - (AD) - Präsident Ford hat in einer vielbeachteten Rede vor dem
Chicago Council of Foreign Relations am 12. März 1976 die großen Linien der
amerikanischen Außenpolitik aufgezeigt. Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
Ich begrüße diese Gelegenheit, Ihre Fragen zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten zu beantworten.

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg gegründet, hat

Ihre Organisation sehr viel früher als jeder andere Amerikaner die Bedeutung
der internationalen Rolle erkannt, die der Verlauf der Geschichte unserem Lande aufgebürdet hat.
Seit über einem halben Jahrhundert haben Sie wesentlich dazu beigetragen,
daß unsere Bürger die außenpolitischen Probleme der Vereinigten Staaten besser
verstanden haben. In den entscheidend wichtigen dreißiger Jahren kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Europa hat einer ihrer früheren Ratsvorsitzenden, der verstorbene Gouverneur Stevenson, Ihre Ziele klar dargelegt.
"Nur wenn wir uns die Probleme bewußt machen, vor denen unsere geplagte
Welt steht, können die Freiheit und die Privilegien, die wir heute schon als
selbstverständlich voraussetzen, für die künftigen Generationen der noch Unge- 1 -

�Ungeborenen gesichert werden".

Jahre später, als ich für General Eisenhower

einen heftigen Wahl kämpf gegen Gouverneur

Stevenson führte, hätte ich mir

nicht träumen lassen, daß ich sie beide heute hier in Chicago zitieren würde.
Aber ich kann das tun, weil die Annalen des öffentlichen Dienstes für
Amerika eindeutig ausweisen, daß sowohl Präsident Eisenhower als auch Gouverneur
Stevenson,

obwohl sie politische Rivalen waren, als es darauf ankam und die

nationalen Interessen der Vereinigten Staaten auf dem Spiele standen, nachhaltige und überzeugte Verfechter unserer überparteilichen Nachkriegspolitik des
Friedens durch Stärke waren.
Präsident Eisenhower hat unsere nationale Zielsetzung in klaren Worten
ausgesprochen:
"Wir streben nach dem Frieden, weil wir wissen, daß Frieden das Klima der
Freiheit ist.

Und wir streben heute, wie zu keiner anderen Zeit, nach ihm,

weil wir durch die Gewalt moderner Waffen gewarnt sind, daß Frieden das einzige
Klima überhaupt sein könnte, in dem menschliches Leben möglich ist ...
Wir sind aufgerufen, den Preis für diesen Frieden zu zahlen. Um der Drohung jener zu begegnen, die die Herrschaft durch Gewalt suchen, müssen wir die
Kosten für unsere eigene notwendige militärische Stärke aufbringen und anderen
beim Aufbau ihrer Sicherheit helfen." Unsere Politik des Friedens durch Stärke
ist nicht erst jetzt von mir erfunden worden. Sie ist bereits in unseren Geschichtsbüchern vorzufinden, wenn wir den weisen Ratschlag George Washingtons
lesen:
"Auf den Krieg vorbereitet zu sein, ist eines der wirksamsten Mittel
um den Frieden zu erhalten." Frieden durch Stärke war ein Thema in meinem
ersten politischen Wahl kämpf, als ich dem verstorbenen Senator Arthur Vandenberg,
meinem großen Freund und Mentor aus Grand Rapids, in der Unterstützung der
NATO, des Marshall-Plans und der Hilfe für Griechenland und die Türkei folgte.
Frieden durch Stärke war meine ständige Richtschnur in den 553 Abstimmungen über Fragen der Verteidigung und der Außenpolitik als Mitglied des Kongresses

�Kongresses der Vereinigten Staaten, als führendes republikanisches Mitglied
des Bewilligungsunterausschusses des Verteidigungsausschusses und als Fraktionsführer der Minderheit im Repräsentantenhaus.
mein ständiges Ziel als Präsident gewesen.

Frieden durch Stärke ist

Lassen Sie mich erklären, was

ich unter Frieden durch Stärke verstehe - nicht mit der Rhetorik eines Wahljahres, sondern anhand von Fakten.

Lassen Sie mich unsere nationale Sicher-

heitspolitik darlegen - nicht mit Worten, sondern mit dem, was wir tatsächlich für den Frieden in der Welt und die Aufrechterhaltung der Stärke im eigenen Land getan haben.
In meinen ersten Worten nach Ablegung des feierlichen Eides als Präsident habe ich mich zu einer ununterbrochenen und ernsthaften Suche nach Frieden verpflichtet. Ich sagte damals: "Amerika wird stark und einig bleiben,
aber seine Stärke wird der Sicherheit und der Würde der gesamten Menschheit,
wie auch unserer eigenen kostbaren Freiheit gewidmet bleiben."
Man braucht sich nur an Pearl Harbor zu erinnern um zu wissen, daß
Schwäche zum Krieg einlädt.
gend einer Front.

Aber heute kämpfen keine Amerikaner mehr an ir-

Es gibt viele ernsthafte - meiner Meinung nach jedoch kurz-

sichtige - Menschen, die glauben, daß die Milliarden für die Verteidigung für
andere Programme besser ausgegeben werden könnten.
Ich bin überzeugt, daß ausreichende Ausgaben für die nationale Verteidigung eine Versicherungspolitik sind - eine Versicherungspolitik für den
Frieden, auf die zu verzichten wir uns in der heutigen Welt nicht leisten können.

Wir brauchen diese Lebensversicherung, da wir einem mächtigen Gegner ge-

genüberstehen, der mit tödlichen Waffen gerüstet ist, und dessen Grundsätze
und Zielsetzungen sich von den unsrigen fundamental unterscheiden.

Wir werden

daran arbeiten, die Konfrontation abzubauen und eine nukleare Katastrophe zu
vermeiden.

Aber wir müssen auch bereit sein, Herausforderungen entgegenzu-

treten, wo immer und wann immer sie auftreten.
Es ist kein Geheimnis, daß die Vereinigten Staaten und die UdSSR in der
politischen und wirtschaftlichen Ideologie fundamental verschieden sind.

Wir

�Wir werden niemals aufhören, die Grundsätze zu verteidigen, für die wir eintreten - Freiheit, Rechte des Einzelnen, und unsere tiefe Überzeugung, daß
eine Regierung da ist, um ihren Bürgern zu dienen.
doppelte:

Unsere Aufgabe ist eine

die Ideale des amerikanischen Volkes zu verteidigen und zu fördern

und, wo immer möglich, die Spannungen und Konfrontationen abzubauen, die zur
nuklearen Katastrophe führen könnten.

Um das zu tun, müssen wir eine Position

der unbezweifelbaren Stärke aufrechterhalten.
Aus diesem Grunde habe ich einige Monate nachdem ich Präsident wurde,
dem Kongreß den höchsten Friedensverteidigungshaushalt in der Geschichte unseres Landes mit über 104 Milliarden Dollar vorgelegt.

Bedauerlicherweise

kürzte der Kongreß meinen Voranschlag um über 6 Milliarden Dollar.
In diesem Jahr habe ich dem Kongreß erneut einen Rekordverteidigungshaushalt von 112,7 Milliarden Dollar unterbreitet.
Der jetzt dem Kongreß vorliegende Haushaltsvoranschlag für die Verteidigung ist der Ausdruck meiner Entschlossenheit, die Verteidigung Amerikas - sowohl strategisch als auch konventionell - auf dem Stande aufrechtzuerhalten,
den unsere nationale Sicherheit erfordert. Dazu gehört eine Zunahme von 7,4
Milliarden Dollar in realer Kaufkraft zum Kauf neuer Waffensysteme, zur weiteren Verbesserung der Einsatzbereitschaft der vorhandenen Streitkräfte und zur
Verstärkung bestimmter Teile der Streitkräfte, während wir überall unnötiges
Fett abschneiden.
Der Voranschlag enthält Mittel für 16 neue Schiffe für unsere Marine und
die weitere Modernisierung der Flotte, einschließlich nukleargetriebener Unterseeboote und Lenkwaffenfregatten.

Ich werde mehr Mittel anfordern, wenn eine

derzeitige Studie zeigen sollte, daß die Marine noch rascher verstärkt werden
muß.
Die Arbeit am Trident-Unterseeboot, dem B-l Bomber, den Flugkörpern mit
Luftstrahltriebwerk

(Cruise Missiles) und ballistischen Raketen, einem neuen

Jagdbomber für die Marine und die Luftwaffe, modernen Panzern, Amphibien- 4 -

�Amphibienfahrzeugen und Infanteriefahrzeugen wird weitergeführt werden.
So wie wir unermüdlich an der Aufrechterhaltung der Elemente der Stärke
Amerikas gearbeitet haben, so habe ich geduldig nach dem Frieden durch diese
Stärke gestrebt.

Ich bin dreimal als Präsident nach Europa gereist, um un-

sere NATO-Verpflichtung mit unseren westlichen Verbündeten zu bekräftigen, unsere Wirtschafts- und Energiepolitiken mit den demokratischen Industrienationen
zu koordinieren, und unseren Handel und unsere Kontakte mit den Völkern Osteuropas zu verbessern und sie unserer Freundschaft zu versichern.
Ich ging nach Europa, um den Führern der Länder des Warschauer Pakts
- ja den Führern von 33 europäischen Nationen aus Ost und West - zu erklären,
daß die Nachkommen der Europäer in Amerika noch heute nach den Grundsätzen
leben, die hier vor 200 Jahren verkündet worden sind, daß alle Menschen - nicht
nur Amerikaner, sondern alle Männer und Frauen überall - von ihrem Schöpfer
mit unveräußerlichen Rechten auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück ausgestattet worden sind.
Ich habe ihnen unumwunden erklärt, - und ich bin stolz, das heute erneut
zu erklären - daß wir Amerikaner noch immer an diese Grundsätze glauben - daß
sie die Richtschnur unserer nationalen Politik bleiben - und daß sie weiterhin
Millionen von Menschen, die sich in Europa und sonstwo in der Welt nach Freiheit sehnen, Hoffnung geben.
Ich bin zweimal als Präsident nach Asien gereist, um unsere lebenswichtige Partnerschaft mit dem Nachkriegsjapan und unseren anderen freien Verbündeten zu stärken und unsere Beziehungen zu China weiter zu verbessern.

All

dies ist entscheidend wichtig für den friedlichen Fortschritt im Rahmen meiner pazifischen Doktrin.

Ich traf ferner in Wladiwostok mit Generalsekretär

Breschnew zusammen, und wir haben dort ein vorläufiges Übereinkommen über die
Begrenzung des unkontrollierten strategischen Nuklearwettrüstens zwischen der
Sowjetunion und den Vereinigten Staaten erreicht.

Wie Sie wissen,

verhandeln

wir noch immer über die Details eines solchen Abkommens, und ich kann noch
nicht sagen, wann oder sogar ob diese Verhandlungen abgeschlossen werden.

Aber

�V

Aber ich kann sagen, daß seitdem die Russen im Jahre 1949 ihre erste Kernexplosion ausgelöst haben, jeder Präsident der Vereinigten Staaten versucht
hat, dieses tödliche Duell zu bremsen oder zu beenden, und wir sind dem heute
seither am nächsten gekommen.

Und ich will heute auch ohne Zögern sagen, daß

ich niemals irgend einem solchen Vertrag zustimmen oder ihn dem Senat der Vereinigten Staaten zur Ratifizierung vorlegen werde, wenn ich nicht absolut überzeugt bin, daß er im besten Interesse der Vereinigten Staaten und des Friedens
in der Welt liegt.
Wenn wir ein gutes SALT II-Abkommen erlangen, dann wird es für die
nächsten sieben bis zehn Jahre den strategischen Waffen eine Grenze nach oben
setzen.
stecken.

Es wird die Russen zwingen, in ihren gegenwärtigen Plänen zurückzuUm ein solches Abkommen wirklich verifizieren zu können, werden wir

die Nachrichtendienst-Kapazität der Vereinigten Staaten als die beste in der
Welt aufrechterhalten müssen.
Aus diesem Grunde habe ich eine grundlegende Reform zur Stärkung und
Verbesserung unserer nachrichtendienstlichen Tätigkeit im Ausland angeordnet
und gleichzeitig weiteren Mißbräuchen der Rechte von Amerikanern Einhalt geboten. Dies fällt beides in den Aufgabenbereich und die Verantwortung des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Aber ich werde nicht zulassen, daß irgendjemand unsere Kapazität der weltweiten nachrichtendienstlichen Tätigkeit zerstört.
Ich bin im übrigen der Meinung, daß es an der Zeit ist, damit aufzuhören,
Amerika und die Institutionen Amerikas herabzusetzen. Ich glaube an dieses
Land, an die Güte seiner Menschen und die Rechtschaffenheit seiner Zielsetzung.
Weil wir unsere große Stärke und unseren großen Einfluß benutzt haben, um anderen zu helfen, sind die Vereinigten Staaten in der Lage, eine positive Rolle
als Friedensstifter in der Welt zu spielen.
Das Sinai-Abkommen zwischen Israel und Ägypten vom September vorigen
Jahres funktioniert gut und ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer dauerhaften Lösung im Nahen Osten. Wir stärken unsere alten und neuen Freund- 6 -

�Freundschaften mit den Nationen Lateinamerikas und Afrikas, und ich habe das
Kuba Castros und seine sowjetischen Schirmherren vor jedem weiteren bewaffneten Abenteurertum auf einem Kontinent dieser Erde gewarnt. Wir stehen in den
Vereinten Nationen für unsere Grundsätze ein, und wir werden das auch weiterhin
tun.

Wir fördern unseren Außenhandel und haben wieder eine positive Zahlungs-

bilanz hergestellt - zu einem guten Teil durch die Anstrengungen amerikanischer
Farmer, deren Produktivität eine unserer größten Faktoren unserer Stärke für
den Frieden ist.
Frieden und Stärke sind Teil einer einzigen Politik, die zwei Seiten
derselben Medaille. Außenminister Kissinger und unser Mitbürger aus Illinois,
Verteidigungsminister Rumsfeld, führen eine einzige amerikanische Politik aus.
Ein gutes Beispiel dafür erscheint diese Woche in der Ausgabe der Zeitschrift
"U.S. News and World Report", die ausführliche Interviews mit meinen beiden
Kabinettsmitgliedern enthält. Sie wurden getrennt gefragt, und keiner kannte
die Antworten des anderen. Aber die Politik,die sie darlegen, ist klar und
eindeutig übereinstimmend. Sie haben verschiedene Aufgaben, aber ein einziges
Ziel. Dieses Ziel - Frieden durch Stärke - ist in diesen schwierigen und gefährlichen Zeiten die richtige Politik für unser Land.
Lincoln rief die beunruhigten Amerikaner seinerzeit auf, daran zu glauben,
daß Recht Macht schafft.

Er hat die Stärke nicht vernachlässigt, die aus

materieller Macht entsteht. Auch wir können das nicht. Aber ebensowenig
dürfen wir die Rechtschaffenheit dessen vergessen, für das wir in der Welt eintreten.

Wir treten für die Freiheit ein - weil Freiheit Recht ist. Wir tre-

ten für den Frieden ein - weil Frieden Recht ist.
Wir treten für die Stärke ein - unsere nationale Stärke, die sowohl den
Frieden als auch die Freiheit sichert - für uns selbst und für andere - weil
diese Art der Stärke Recht ist und sicherlich die Oberhand behalten wird.

+ + + + +

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5/1976

KISSINGER ZIEHT AUSSENPOLITISCHE BILANZ
- Rede des amerikanischen Aussenministers in Boston am 11.März BOSTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kissinger hat am
11. März in einer Rede vor dem World Affairs Council in Boston in einer aussenpolitischen Bilanz seine Politik gegenüber den Kritikern im eigenen Lande
verteidigt und gleichzeitig die Sowjetunion gewarnt, daß verbesserte Beziehungen zwischen beiden Ländern "kein zweites Angola" vertrügen. Neben den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen behandelte Kissinger unter anderem die NATO
und die Dritte Welt. Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Botschafter Lodge, verehrte Gäste und Freunde!
Ich weiß die Ehre, die Sie mir heute zuteil werden lassen, besonders zu
schätzen, nicht nur, weil sie mir von alten Freunden in Massachusetts zugedacht
wird, sondern auch wegen des Namens, der damit verbunden ist. In seiner langen
Laufbahn als Parlamentarier, Gouverneur und Außenminister verkörperte
Christian Herter die Ideale des selbstlosen öffentlichen Dienstes und verantwortungsbewußten Patriotismus, die die großen Führer unserer Nation immer gekennzeichnet haben. Vor allem war Christian Herter ein Mann, der an sein Land
und an das Gute seines Landes glaubte. Er begriff die entscheidende Rolle, die
dieses Land um der Sicherheit, des Fortschritts und der Gerechtigkeit willen
in der Welt spielen muß.
In

- 1 -

�In diesem Wahljahr, zehn Jahre nach Christian Herters Tod, täten wir
alle gut daran, uns seiner Weisheit zu erinnern. Amerika ist auch heute noch
das große und gute Land, an das er geglaubt hat, und unsere Beteiligung an
der internationalen Szene ist noch genau so entscheidend, wenn wir in unserer
Zeit den Frieden und ein besseres Leben für die Menschheit erleben wollen.
Wir dürfen niemals vergessen. c M '•r'-^re
liegen hat, die über dieses Wahljahr

Nation bleibende Interessen und An-

.inaus bewahrt werden müssen.

Wir können eine Zeit der nationalen Erneuerung erleben - in der Amerikaner frei ihren Gesellschaftsvertrag neu aushandeln. Wenn aber das Streben nach
kurzfristigen Vorteilen die Oberhand ü h T alle anderen Überlegungen behält,
dann kann ^s eine Periode irreführender Vereinfachungen, weiterer Spaltungen
und steriler gegenseitiger Beschuldigungen werden.
Diese Administration ist seit vielen Monaten bereit, ihre Politik, ihre
Prämissen und ihre Vorstellungen von der Zukunft dem amerikanischen Volk vorzulegen. Der Präsident hat oft über unsere Anliegen und Hoffnungen in der Welt
gesproch»
Ich habe allein während der letzten 14 Monate 17 große Reden gehalten, 20 große Pressekonferenzen abgehalten und zahllose Interviews gegeben,
und ich habe 39 mal vor Kongreßausschüssen Rede und Antwort gestanden.
"

•

Natürlich kann es unterschiedliche Meinungen hinsichtlich der Politik geben, die in einer komplexen und gefährlichen Welt zu verfolgen sei. Wer aber
die heutige Politik in Frage stellt, der hat die Verpflichtung, über Kritik,
Schlagworte und Beschimpfungen hinauszugehen und im Detail darzulegen, welche
Vorstellungen und Alternativen er hat, was das wohl kosten würde und wie die
Chancen und Risiken aussehen.
Amerika hat eine schwierige Zeit durchgemacht - da unsere Institutionen
angegriffen, unsere Zielsetzungen angezweifelt, und unser Wille in Frage gestellt wurde. Es ist jetzt an der Zeit, wie Adlai Stevenson sagte, "mit dem
amerikanischen Volk ein ernstes Wort zu reden".
Als

�Als Nation stehen wir vor neuen Gefahren und Chancen. Aber weder die Gefahren noch die Chancen werden auf unsere Entscheidungen im kommenden November
warten, und sie kennen beide zutiefst von dem beeinflußt werden, was wir in
der Zwischenzeit sagen und tun. Komplexe Realitäten können nicht durch nostalgische Vereinfachungen aus der Welt geschafft werden.
Durch die ganzen Wirren dieses Jahrzehnts hat unsere Außenpolitik unsere
fundamentalen Ziele mit Energie und Ausdauer verfolgt:
- Seit über einem Jahrzehnt leben wir zum ersten Mal in Frieden. Kein
Amerikaner braucht irgendwo auf der Welt zu kämpfen.
- Unsere Beziehungen zu unseren Freunden und Verbündeten in der atlantischen Gemeinschaft und mit Japan sind niemals stärker gewesen.
- Mit der Volksrepublik China ist eine neue und dauerhafte Beziehung angebahnt und gefördert worden.
- Die Konfrontation im Herzen Europas hat nachgelassen. Ein ViermächteAbkommen über Berlin hat anderthalb Jahrzehnte der Krise und Konfrontation
abgelöst.
- Wir haben ein Interims-Abkommen zur Begrenzung strategischer Rüstungen
mit der Sowjetunion ausgehandelt, das der zahlenmäßigen Ausweitung sowjetischer
strategischer Programme Einhalt geboten und gleichzeitig die Durchführung eigener notwendiger Programme erlaubt hat.
- Wir verhandeln gegenwärtig über ein langfristiges Abkommen, das, wenn
erfolgreich abgeschlossen, zum ersten Mal in der Geschichte der Gesamtzahl
strategischer Waffen eine obere Grenze setzen und de Sowjetunion zwingen wird,
einige ihrer bestehenden Systeme abzubauen.
- Hinsichtlich einer dauerhaften Lösung im Nahen Osten ist ein bedeutsamer
Fortschritt erreicht worden. Es bleibt noch viel zu tun und es gibt noch viele
Gefahren, aber zum ersten Mal seit der Gründung des Staates Israel ist der
Friedensprozeß in Gang gekommen.
- In

- 3 -

�- In unseren Beziehungen zu Lateinamerika zeichnet sich eine neue Reife
und ein neuer Auftrieb ab, der die sich wandelnden Realitäten in der westlichen Hemisphäre und die wachsende Bedeutung dieser Länder auf der internationalen Bühne widerspiegelt.
- Die Vereinigten Staaten haben die globale Führungsrolle bei der Ausarbeitung einer umfassenden Agenda für eine neue und beiderseits nützliche Beziehung

zwischen den Entwicklungsländern und den Industriestaaten übernom-

men.
- Wir haben in allen internationalen Gremien wie auch in unseren bilateraler Beziehungen die Rechte und Würde des Menschen verteidigt.
Das ist eine ansehnliche Liste amerikanischer Leistungen, die über Parteigrenzen hinausgeht, denn das meiste ist unter Zusammenarbeit beider Parteien erreicht worden. Es entspricht den Idealen des amerikanischen Volkes,
es kündet für unsere Nation eine anhaltende Rolle moralischer und politischer
Führung an - wenn wir die Einsicht, den Willen und die Einheit an den Tag
legen, um die uns von der Geschichte gebotene Chance zu ergreifen.
Vor 30 Jahren begann dieses Land sich zum ersten Mal in Friedenszeiten
dauerhaft in außenpolitischen Angelegenheiten zu engagieren. Wir haben Großes
erreicht und wir können dies auch weiterhin tun, solange wir bereit sind, uns
der Tatsache zu stellen, daß wir in einer komplexeren Zeit leben:
- Die Sowjetunion ist heute eine Supermacht. Wir hätten nichts tun können, was diese Entwicklung verhindert hätte, nach dem Anstoß, den zwei Generationen industriellen und techpologisehen Fortschritts dem militärischen und
wirtschaftlichen Wachstum der Sowjetunion gegeben haben. Aber zusammen mit
anderen müssen wir sicherstellen, daß russische Macht und russischer Einfluß
nicht in eine Expansion sowjetischer Kontrolle und Herrschaft über die Grenzen
der UdSSR hinaus umgesetzt werden. Das ist eine Vorbedingung für eine konstruktivere Beziehung.
- Heute

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�- Heute sind Dutzende neuer Nationen entstanden und haben neue Einflußzentren geschaffen. Diese Nationen stellen beharrliche Ansprüche an das globale System, sie bringen ihre neue wirtschaftliche Macht ins Spiel und sie
streben nach einer größeren Rolle und einem größeren Anteil an der Prosperität der Welt.
- Heute sind die Kräfte der Demokratie zu neuerlicher schöpferischer
Kraft und zu neuerlichem Weitblick aufgerufen. In einer Welt der Vielfältigkeit - in einer Welt des Gleichgewichts und der Koexistenz, des Wettbewerbs
und der Interdependenz - sind es unsere demokratischen Werte, die unserem
Opfer wahre Bedeutung und unseren Anstrengungen die Zielsetzung geben. So
hat der Zusammenhalt der demokratischen Industrienationen eine moralische
ebenso wie eine politische und wirtschaftliche Bedeutung.
Die Amerikaner sind ein realistisches Volk, das die Definition einer
Herausforderung niemals als eine Prophezeiung des Untergangs oder als ein
Zeichen des Pessimismus angesehen hat. Statt dessen haben wir es immer als
einen Aufruf zum Kampf betrachtet. Die Tapfersten, so sagt Thukydides, sind
sicherlich jene, die den klarsten Blick für das vor ihnen liegende haben, ob
Sieg oder Gefahr, und doch nicht zögern, den Dingen zu begegnen. Das ist seit
je die Bewährungsprobe der Demokratie gewesen - und es ist seit je die Stärke
des amerikanischen Volkes gewesen.
Lassen Sie mich jetzt auf die bleibenden Interessen Amerikas eingehen:
Frieden, Fortschritt und Gerechtigkeit.

Gleichgewicht und Frieden
Seit Anbruch des Atomzeitalters bildeten die Beziehungen zwischen -den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gleichsam den Dreh- und Angelpunkt
für die Furcht der Welt vor einer Katastrophe oder für ihre Hoffnungen auf
Frieden.
In einer Zeit, in der zwei Länder über die Macht verfügen, die Welt innerhalb weniger Stunden in eine Trümmerwüste zu verwandeln, gibt es kein

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�kein dringlicheres und höheres Gebot, als sicherzustellen, daß die Beziehungen
zwischen den Supermächten wirksam und vernünftig gestaltet werden. Dies ist
eine Aufgabe, wie es sie noch nie bisher gegeben hat. In der Geschichte haben
ideologischer Konflikt und geopolitische Interessen, wie sie für die gegenwärtige internationale Situation charakteristisch sind, nahezu unabänderlich
in einem Konflikt geendet. Aber in dem Zeitalter der thermonuklearen Waffen
und des strategischen Gleichgewichtes würde die Menschheit eine solche Wiederholung der Geschichte nicht überleben. Keine noch so harte Rhetorik kann an
diesen Realitäten etwas ändern. Die Zukunft unseres Landes und der Menschheit
hängt davon ab, wie gut es uns gelingt, eine Konfrontation ohne Preisgabe
unserer lebenswichtigen Interessen zu vermeiden, und wie gut es uns gelingt,
stabile, zu mehr Hoffnungen berechtigende Beziehungen ohne Preisgabe von Prinzipien zu errichten.
Wir stehen daher vor der Notwendigkeit, eine zweigleisige Politik zu verfolgen: Auf der einen Seite sind wir entschlossen, zu verhindern, daß die
sowjetische Militärmacht für eine politische Expansion eingesetzt wird; wir
werden eine solche abenteuerliche Politik entschlossen einzuschränken suchen
und ihr mit Entschiedenheit entgegentreten. Zugleich aber können wir nicht
jeden politischen Disput zu einer zentralen Krise aufbauschen, noch können wir
uns damit zufrieden geben, Außenpolitik mit Krisenmanagement gleichzusetzen.
Es ist unsere Pflicht, auf eine positivere Zukunft hinzuarbeiten. Wir müssen
Widerstand gegen Druck und unverantwortliches Verhalten mit echten Bemühungen
um den Aufbau einer kooperativen Welt verbinden.
Die Geschichte kann uns bei diesen Bemühungen leiten - oder auch fehlleiten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg standen Staatsmänner und Völker eine Generation lang unter dem Trauma der Erfahrungen von München; sie glaubten, daß die
Geschichte bewiesen habe, wie töricht es ist, einem Gegner zu gestatten, ein
Übergewicht an Macht zu erlangen. Dies war und bleibt eine entscheidend wichtige Lehre.
Eine

�Eine spätere Generation wurde durch die Vietnamerfahrungen geläutert;
es steht fest, daß Amerika sich niemals wieder zu stark expon^ren oder sich
übernehmen wird, indem es sich in weit entfernte Kriege ohne klaren strategischen Sinn einläßt. Auch dies ist eine Lehre von entscheidender Bedeutung.
Gleich wichtig jedoch und zu oft unbeherzigt ist die Lehre, die eine frühere Generation erfahren mußte. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab es ein
tatsächliches Mächtegleichgewicht. Krise nach Krise führte die Länder zur Konfrontation und dann zum Rückzug auf den Kompromiß. Stabilität wurde als
Selbstverständlichkeit betrachtet, bis - ohne irgend einen erkennbaren Entschluß zum Sturz des internationalen Systems - eine Krise, die wie jede andere
begann, außer Kontrolle geriet. Ein Land nach dem anderen schlitterte in einen
Krieg hinein, dessen Ursachen sie nicht verstanden,aber aus dem sie sich auch
nicht heraushalten konnten. Die Folgen waren der Tod von vielen Millionen Menschen, die Zerstörung der weltweiten Ordnung und innenpolitische Umstürze, unter deren Auswirkungen die Menschheit immer noch zu leiden hat.
Wenn wir aus der Geschichte lernen wollen, so dürfen wir nicht nur die
Lehren herausgreifen und annehmen, die uns zur Inspiration dienen. Die Geschichte dieses Jahrhunderts zeigt uns:
- daß ein Ungleichgewicht der Macht zur Aggression ermutigt;
- daß die Übernahme zu großer Verpflichtungen innenpolitisch nicht tragbar ist;
- und daß ein Gleichgewicht, das auf einer ständigen Konfrontation basiert, letztlich in einer Katastrophe enden wird.
Aber in den Lehren der Geschichte liegt keine Automatik; jede Generation
muß sie auf ganz konkrete Fälle anwenden.
Es steht außer Zweifel, daß Frieden in erster Linie auf der Erhaltung
eines Gleichgewichts globaler Stabilität beruht. Wenn man sich letztlich nicht
auf Stärke stützen kann, wird aus Ausgleich bald Kapitulation. Mäßigung ist
nur bei denen eine Tugend, von denen man glaubt, daß sie auch anders könnten.

- 7 -

�könnten.
Diejenigen, die ein übertriebenes Bild von der sowjetischen Stärke und
der amerikanischen Schwäche malen, leisten unserem Land damit keinen Dienst,
genausowenig wie die, die zögern, Widerstand zu leisten, wenn wir herausgefordert werden, oder die, die nicht die Chancen sehen, die sich uns bieten, um
die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen durch eigenes selbstsicheres Handeln
zu gestalten. Die sowjetische Stärke ist ungleich; die Schwächen und Enttäuschungen im sowjetischen System sind offenkundig und eindeutig dokumentiert
worden. Trotz des zwangsläufigen Zuwachses an Stärke bleibt die Sowjetunion
bei einer Gesamtbewertung der militärischen, wirtschaftlichen und technologischen Stärke weit hinter uns und unseren Verbündeten zurück; es wäre äußerst
unbesonnen, wollte die Sowjetunion die großen demokratischen Industriestaaten
herausfordern. Und auch die sowjetische Gesellschaft ist nicht länger mehr abgeschirmt gegen die Einflüsse und die Anziehungskraft der Welt außerhalb ihrer
Grenzen oder unberührt von der Notwendigkeit, Kontakte zu der übrigen Welt zu
unterhalten.
Die großen demokratischen Industrienationen verfügen über die Mittel, um
der sowjetischen Expansion Einhalt zu gebieten und das sowjetische Verhalten
zu mäßigen. Wir dürfen auf diese Verantwortung nicht verzichten, indem wir
uns selbst entweder dadurch schwächen, daß wir unsere Verteidigung nicht genügend unterstützen oder uns weigern, unsere Macht zur Verteidigung unserer
Interessen einzusetzen. Wir müssen zusammen mit unseren Verbündeten immer das
tun, was zur Aufrechterhaltung unserer Sicherheit notwendig ist.
Es ist richtig, daß wir nicht der Polizist der Welt sein können. Nicht
alle lokalen Kriege und regionalen Konflikte wirken sich auf die globale Stabilität oder das nationale Interesse Amerikas aus. Aber wenn eine der Supermächte diese Konflikte systematisch zu ihrem eigenen Vorteil ausnützt, und
durch ihre Intervention die Waagschalen entscheidend nach der einen oder anderen Seite beeinflußt, dann wird mit der Zeit das Gesamtgleichgewicht berührt
werden. Wenn man zuläßt, daß in lokalen Krisen das Abenteurertum Erfolg hat,

�hat, dann ist ein gefährlicher Präzedenzfall mit größeren Konsequenzen geschaffen. Andere Nationen werden ihre Politik nach ihrer Vorstellung des
herrschenden Trends einrichten. Unsere Fähigkeit, künftige Krisen zu kontrollieren, wird geringer werden. Und wenn dieser Entwicklung nicht Einhalt geboten wird, dann wird Amerika letztlich vor schwereren Entscheidungen, höheren
Kosten und ernsteren Krisen stehen.
Unsere Verpflichtung geht jedoch über die Erhaltung des Gleichgewichts
der Kräfte hinaus. Ein bloßes Gleichgewicht ist eine zu brüchige Grundlage
für unsere Zukunft auf lange Sicht. Ein Gleichgewicht des Terrors, das ständig
auf die Probe gestellt wird, bringt keine Ruhe. Wir müssen der doppelten Versuchung der Provokation und des die Hände in den Schoß-legens widerstehen.
Unser Kurs muß gerade sein und darf nicht dem folgen, was gerade in Mode ist.
Wir müssen eine Politik verfolgen, die unsere Gegner respektieren, die unsere
Verbündeten unterstützen und an die unser Volk glaubt und die es trägt.
Darum haben wir versucht, mit der Sowjetunion die Schatten einer nuklearen Katastrophe zu vertreiben - indem wir konkrete Probleme wie Berlin zu
lösen - und die Konfrontation abzubauen suchten, und indem wir über die Begrenzung strategischer Rüstungen verhandelten, um das Wettrüsten zu verlangsamen. Und wir haben die Aussicht auf kooperative Beziehungen auf wirtschaftlichem und anderen Gebieten angeboten, wenn die politischen Verhältnisse ihre
Verwirklichung und Weiterentwicklung erlauben.
Es steht außer Frage, daß dieser Prozeß nur auf der Basis der Gegenseitigkeit vor sich gehen kann. Er kann nicht den ständigen Versuch überleben,
einseitige Vorteile anzustreben. Er kann vor allen Dingen kein weiteres Angola überleben. Wenn die Sowjetunion bereit ist, sich einer echten Koexistenz
zu stellen, dann sind wir bereit, jede nur mögliche Anstrengung zu unternehmen, um ein System der Zurückhaltung und des beiderseitigen Interesses zu
gestalten, das der Koexistenz einen zuverlässigeren und positiveren Charakter
geben und beiden Seiten bewul. machen wird, was durch eine Konfrontation verloren ginge und was durch Kooperation gewonnen werden kann. Wenn eine nachhaltige Reaktion auf einen sowjetischen Übergriff erforderlich werden sollte,
- 9 -

�sollte, dann, dessen sind wir gewiß, wird der Präsident die Unterstützung des
amerikanischen Volkes - und unserer Verbündeten - in dem Maße besitzen, in
dem er demonstrieren kann, daß uns die Krise aufgezwunger, wurde und daß sie
nicht daraus resultierte, daß wir Chancen für eine Verbesserung der Aussichten für den Frieden verpaßt haben.
Es gibt keine Politik, die in Bälde, wenn überhaupt, den Wettstreit und
die nicht zu vereinbarenden ideologischen Unterschiede zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion aus der Welt schaffen wird. Ebensowenig
werden alle Interessen miteinander vereinbar sein. Wir befinden uns in einem
sich hinausziehenden Prozeß eines unvermeidbaren Auf und Ab. Aber es gibt
keine Alternative für die Politik der Bestrafung des Abenteurertums und der
Anreize für die Zurückhaltung. Was schlagen jene, die so leichtfertig von
Einbahnstraßen oder Konzessionen ohne Gegenleistungen sprechen, konkret vor,
was dieses Land tun sollte? Was ist denn eigentlich genau aufgegeben worden?
Welche Risiken würden sie eingehen? Welche Veränderungen unserer Verteidigungsposition, welchen Stand an Ausgaben über welchen Zeitraum würden sie genau vorschlagen? Wie würden ihre Vorschläge für die Handhabung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in einer Ära strategischer Gleichwertigkeit
konkret aussehen?
Es wäre an der Zeit, daß wir eine Antwort auf alle diese Fragen bekämen.
Wir müssen - und wir werden - kurz gesagt, die beiden großen Linien
unserer Politik gegenüber der Sowjetunion weiter verfolgen: Festigkeit angesichts von Druck und Weitblick in der Arbeit für eine bessere Zukunft. Dazu
sind wir durchaus fähig. Das schulden wir unserem Volk, unserer Zukunft, unse
ren Verbündeten und der übrigen Menschheit.
Die

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�Die Weltgemeinschaft
Die politischen Umwälzungen dieses Jahrhunderts haben eine weitere Aufgabe hervorgebracht - die fundamentale Notwendigkeit der Neugestaltung der
Struktur internationaler Beziehungen. Zum ersten Mal in der Geschichte ist
das internationale System im echten Sinne global. Die Entkolonialisierung und
die Ausweitung der Weltwirtschaft haben zur Geburt von Dutzenden neuer Nationen und neuer Zentren der Macht und Initiative geführt. Unsere heutige Welt,
in der es beinahe 150 Nationen gibt, kann zur Brutstätte zunehmender Wirtschaftskriege, politischer Instabilität und ideologischer Konfrontation werden
oder sie kann zu einer Gemeinschaft werden, die von einer beispiellosen
internationalen Zusammenarbeit gekennzeichnet ist. Die Interdependenz der
Nationen - die Unteilbarkeit unserer Sicherheit und unserer Prosperität kann unseren gemeinsamen Fortschritt beschleunigen oder unseren gemeinsamen
Niedergang..
Daher müssen wir über ein Gleichgewicht der Macht in den Ost-West-Beziehungen hinausstreben, daher müssen wir über das Messen der Kräfte in den
Nord-Süd-Beziehungen hinauskommen und eine echte Weltgemeinschaft aufbauen.
Wir müssen das in unserem eigenen Interesse tun, denn das heutige Geflecht wirtschaftlicher Beziehungen verknüpft das Schicksal der ganzen Menschheit. Der Preis und das Angebot von Energie, die Handelsbedingungen, die Ausweitung der Lebensmittelproduktion der Welt, die technologischen Grundlagen
der wirtschaftlichen Entwicklung, der Schutz der Umwelt, die Rechtsnormen, die
für die Ozeane der Welt und den Weltraum gelten - all dies sind Anliegen, die
alle Nationen angehen und die nur im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit befriedigend bewältigt werden können.
Auch hier müssen wir den langen Atem einer vielfältigen Politik haben.
Wir müssen Taktiken der Konfrontation widerstehen, aber unser größeres Ziel
muß es sein, neue internationale Beziehungen zu gestalten, die kommende Jahrzehnte überdauern werden. Wir werden uns durch Druck oder Drohungen nicht in
Panik bringen lassen. Aber es liegt in unserem eigenen Interesse, ein inter-

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�internationales Wirtschaftssystem zu schaffen, das alle Nationen als legitim
ansehen werden, weil sie selbst ein Interesse daran haben, und weil sie selbst
es als gerecht betrachten.
Als stärkste Macht der Welt könnten die Vereinigten Staaten eine Ära des
Wirtschaftskrieges überleben. Aber selbst wir würden davon getroffen werden,
und kein Amerikaner, der an das humane Erbe seines Landes glaubt, könnte eine
Befriedigung in der Welt finden, die im Gefolge der Konfrontation entstünde.
Die Vorteile einer gemeinsamen Anstrengung liegen so sehr auf der Hand, und die
Aussichten eines Wirtschaftskrieges wären so schädlich, daß es keine moralische oder praktische Alternative zu einer Welt der erweiterten Zusammenarbeit
gibt.
Daher haben die Vereinigten Staaten auf der Welternährungskonferenz im
Jahre 1974, in der Sondersitzung der UN-Vollversammlung im September vorigen
Jahres und auf der gegenwärtigen Konferenz über internationale wirtschaftliche
Zusammenarbeit in Paris im Angebot von Programmen der praktischen Zusammenarbeit die Führung übernommen. Wir haben eine Vielzahl von Vorschlägen vorgelegt, um die Exporterlöse zu sichern, um das Wachstum von Industrie und Landwirtschaft zu beschleunigen, um bessere Bedingungen für den Handel mit und
für Investitionen bei den wichtigsten Rohstoffen zu schaffen und um das Los
der ärmsten Länder zu erleichtern - und sind energisch bestrebt, sie durchzusetzen. Auf jedem wichtigen Gebiet haben wir Formen der Zusammenarbeit zwischen
allen Ländern vorgeschlagen - dies schließt die anderen Industriestaaten, die
jetzt reich gewordenen ölproduzenten und auch die Entwicklungsländer selbst
ein.
Der Westen - und in einem sehr großen Maße unser Land - verfügt über die
Hilfsquellen, die Technologien, das Wissen, die Organisationsfähigkeit und den
guten Willen, die Anreiz und Einladung für eine Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern sind. In dem weltweiten Dialog zwischen den Industriestaaten
und den Entwicklungsländern fallen die kommunistischen Länder durch ihr Fehlen
und in der Tat durch ihre Interesselosigkeit auf.
Doci

- 12 -

�Doch gerade in dem Augenblick, in dem die großen demokratischen Industriestaaten den Bestrebungen der Entwicklungsländer zu entsprechen beginnen, suchen viele von ihnen durch Gewalt das zu erpressen, was ihnen in Wirklichkeit bereits freiwillig angeboten worden ist.
Die Vereinten Nationen und andere internationale Gremien werden nur zu
oft durch unsachliche Abstimmungen, undurchführbare Resolutionen und willkürliche Verfahren beherrscht. Länder, die ursprünglich die Blockfreiheit gewählt
haben, um sich gegen den Druck globaler Koalitionen zu wehren, haben jetzt
selbst einen starren ideologischen, in Konfrontation stehenden eigenen Block
gebildet. Einer der herausragendsten Blöcke in der Welt ist heute ironischerweise der fast automatische Zusammenschluß der Blockfreien.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin bereit, verantwortungsbewußt und
positiv auf die Ansprüche von Ländern zu reagieren, die ernsthaft nach Gerechtigkeit und einem ausgewogenen Weltwirtschaftssystem streben. Der Fortschritt hängt jedoch von einem Geist der gegenseitigen Achtung, des Realismus
und der praktischen Zusammenarbeit ab. Es soll sich niemand täuschen: Erpressung wird nicht funktionieren und wird sicherlich nicht akzeptiert werden. Es
geht um zu viel, als daß man mit selbstgerechten großen Worten oder einem Imponiergehabe weiterkommen würde.
Es geht nicht einfach nur um die wirtschaftlichen Vereinbarungen für das
nächste Vierteljahrhundert, sondern um die Legitimität der internationalen
Ordnung.
Die Technologie und die Realitäten der Interdependenz bieten unserer Generation die Chance, die Beziehungen zwischen den Industrienationen und den
Entwicklungsländern für das nächste Vierteljahrhundert zu bestimmen. Es wird
an der Qualität des staatsmännischen Denkens liegen, um zu erkennen, daß unsere Notwendigkeiten, unsere praktischen Hoffnungen und unsere moralischen Zielsetzungen miteinander verknüpft sind. Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich
dieser Aufgabe zu stellen.
Die

- 13 -

�Die moralische Einheit der großen Demokratien
Wenn wir uns anstrengen, Frieden und Fortschritt aufzubauen, so spiegelt
dies unseren tiefverwurzelten Glauben an die Freiheit und an die Hoffnung auf
eine bessere Zuku.ift für die ganze Menschheit wider. Das sind Werte, die wir
mit unseren engsten Verbündeten, den großen demokratischen Industrienationen,
gemeinsam haben. Die Widerstandsfähigkeit unserer Länder, sich aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten wieder zu erholen und ihre Zusammenarbeit zu festigen,
hat eine Bedeutung, die weit über unser unmittelbares Wohlergehen hinausgeht. Denn so wie Außenpolitik ohne ein Element des Pragmatismus undenkbar ist,
so ist der Pragmatismus ohne zugrundeliegende moralische Zielsetzung wie ein
steuerloses Schiff.
Zusammen mit ihren Verbündeten haben die Vereinigten Staaten über 30 Jahre
lang den Frieden auf der Erde gewährleistet und die Weltwirtschaft getragen.
Der Geist der Erneuerung und des Fortschritts unserer Gesellschaften sucht
seinesgleichen und findet sicherlich nichts Ebenbürtiges in jenen Gesellschaften, die sich als "revolutionär" bezeichnen. Selten in der Geschichte haben
Bündnisse wie das unsrige unter sich so stark verändernden globalen und geopolitischen Verhältnissen überlebt oder gar sich positiv entwickelt. Die
Ideale der demokratischen Industrienationen bieten die Motivation für unsere
Anstrengungen zur Verbesserung der Beziehungen zum Osten, zum Dialog mit der
Dritten Welt und zu vielen anderen Sphären gemeinsamer Anstrengungen.
Unsere Bindungen mit den großen demokratischen Industrienationen sind daher keine Bündnisse in dem üblichen Sinne, sondern eine Union im Grundsatz
der Verteidigung von Werten und einer Lebensform.
Genau in diesem Zusammenhang müssen wir über die Möglichkeit besorgt sein,
daß kommunistische Parteien in Regierungen von NATO-Ländern an die Macht kommen, oder mit an die Macht kommen. Letztlich muß diese Entscheidung natürlich
von den Wählern der jeweiligen Länder selbst getroffen werden. Aber niemand
sollte glauben, daß diese Fragen unserer Regierung keine Sorge bereiten.
Ob

�Ob einige der kommunistischen Parteien in Westeuropa tatsächlich von
Moskau unabhängig sind, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, solange ihre
Wahlinteressen so weitgehend mit ihren Ansprüchen zusammenfallen. Ihre innerparteilichen Verfahren - ihre leninistischen Grundsätze und Dogmen - sind und
bleiben die Antithese der demokratischen Parteien. Und sollten sie an die
Macht kommen, dann träte dies ein, nachdem sie Jahrzehnte lang Programme und
Werte vertreten haben, die unseren traditionellen Bindungen zuwiderlaufen.
Schon aus dieser Vergangenheit heraus würden sie ohne Frage der Sicherheit und
den westlichen Verteidigungsanstrengungen, die nicht nur für die Freiheit Europas, sondern auch für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Macht in der
Welt so entscheidend wichtig sind, nur eine niedrige Priorität einräumen. Sie
wären versucht, ihre Wirtschaft sehr viel stärker nach dem Osten auszurichten.
Wir müßten damit rechnen, daß westeuropäische Regierungen, in denen die Kommunisten eine beherrschende Rolle spielen, günstigstenfalls die Politik ihrer
Länder auf eine Position der Blockfreien hinsteuern würden. Die politische
Solidarität und die kollektive Verteidigung des Westens,und damit die NATO,
würden unvermeidlich geschwächt, wenn nicht untergraben.
Und in unrerem Lande würde die Verpflichtung des amerikanischen Volkes,
das Gleichgewicht der Kräfte in Europa aufrechtzuerhalten, so gerechtfertigt
es auch aus pragmatischen, geopolitischen Gründet wäre,

4

er moralischen

Grundlage entbehren, auf der sie 30 Jahre lang beruhte.
Wir betrachten die Einheit der großen demokratischen Industrienationen
als von entscheidender Bedeutung für alles, was wir in der Welt tun. Aus diesem Grunde waren wir bestrebt, unsere Zusammenarbeit auf Gebiete über unsere
gemeinsame Verteidigung hinaus auszuweiten - auf eine verbesserte politische
Konsultation, auf die Koordinierung unserer Haltung bei Verhandlungen mit dem
Osten, auf die Unterstützung unserer jeweiligen Wirtschaftspolitiken, auf die
Entwicklung einer gemeinsamen Energitpolitik und auf die Erarbeitung gemeinsamer Standpunkte bei dem immer wichtiger werdenden Dialog mit den Entwicklungsländern. Wir haben auf all diesen Gebieten bemerkenswerte Fortschritte
erzielt. Und wir sind entschlossen, hier weiterzumachen. Es gibt keine höhere
Priorität für unsere Außenpolitik.
Die

�Die Debatte im eigenen Lande
So sieht also unsere Außenpolitik in großen Zügen aus:
- Wir besitzen mit unseren Verbündeten zusammen die militärische und
wirtschaftliche Macht, um eine Aggression zu verhüten.
- Wir besitzen das Selbstvertrauen und den Weitblick, über die Konfrontation hinaus zu einem Abbau der Spannungen und letztlich einer kooperativen
Welt zu gelangen.
- Wir verfügen über die Mittel, die Technologie und das organisatorische
Genie, um ein neues Verhältnis mit den Entwicklungsländern aufzubauen.
- Wir haben den moralischen Mut, zusammen mit unseren Verbündeten in
einer turbulenten und sich rasch verändernden Welt das Banner der Freiheit
hochzuhalten.
Die vor uns liegenden Aufgaben sind gewaltig. Aber nicht jede Generation
erhält die Chance,eine neue internationale Ordnung zu gestalten. Wenn wir die
Chance verpassen, dann werden wir in einer Welt des Chaos und der Gefahr leben.
Wenn sie verwirklicht wird, dann werden wir in eine Ära des Friedens und des
Fortschritts und der Gerechtigkeit eintreten.
Aber wir können unsere Hoffnungen nur als geeintes Volk verwirklichen.
Unsere Aufgabe - und ihre Lösung - liegen in uns selbst. Das größte Problem
unserer Außtenpolitik ist unsere Spaltung im Innern. Das dringendste Erfordernis unserer Außenpolitik ist nationaler Zusammenhalt und eine Rückkehr zu dem
Bewußtsein, daß wir in der Außenpolitik alle in einem gemeinsamen nationalen
Unterfangen engagiert sind.
Die Welt beobachtet mit Verwunderung - unsere Gegner mit hämischer Freude
und unsere Freunde mit wachsender Sorge -,wie Amerika in einer Orgie der
Selbstzerfleischung es darauf anzulegen scheint, seinen Einfluß zu untergraben
und seine Leistungen in der Weltpolitik zu zerstören.
Sie

�Sie erlebte, wie unsere Politik in Afrika, im östlichen Mittelmeer, in
Lateinamerika, in den Ost-West-Beziehungen durch willkürliche Maßnahmen des
Kongresses unterminiert wird, deren Wirkung rückgängig zu machen Jahrzehnte
dauern kann.
Sie erlebte, wie unsere Nachrichtendienste durch fortwährende wahllose
Angriffe schwer geschädigt werden.
Sie erlebte, daß ein Land praktisch nicht mehr in der Lage ist, sich
mit der Diskretion zu verhalten, die in der Diplomatie unerläßlich ist.
Sie erlebte, wie Enthüllungen von unrechtmäßigen Handlungen im Ausland
seitens amerikanischer Firmen den politischen Strukturen befreundeter Nationen
schweren Schaden zufügen. Was auch immer an unrechten Dingen geschehen sein
mag - und so verdammenswert sie auch sein mögen - so sollte man sie doch in
einer Art und Weise behandeln, die im Einklang mit unseren eigenen juristischen Verfahren und mit der Würde verbündeter Nationen steht.
Sie erlebte, wie manche Kritiker plötzlich so tun , als ob die Sowjets
alle Riesen seien, und als ob Amerika, trotz aller Beweise des Gegenteils,
eine zweitklassige Nation würde. Diese Kritiker wissen, daß diese falschen
und verantwortungslosen Behauptungen gefährlich sind, da sie, wenn sie weitergehen, unsere Verbündeten und unsere Gegner überzeugen könnten, daß wir
schwach seien, was die einen zur Anpassung, die anderen zum Abenteurertum
veranlassen könnte.
Sie erlebt, daß diese Administration - die von den einen Kritikern für
nachhaltige Reaktionen auf den Ex^nsionismus in Südost-Asien, im Nahen Osten
und in Afrika gescholten worder ist

gleichzeitig

von einer anderen

Gruppe von Gegnern beschuldigt wird, sie ließe einseitige Gewinne der
Sowjets zu.
Sie erlebt, daß diese Administration, deren Verteidigungshaushalte in
den letzten sieben Jahren vom Kongreß um rund 39 Milliarden Dollar gekürzt
worden sind, gleichzeitig beschuldigt wird, die Verteidigung Amerikas zu

- 17 -

�zu vernachlässigen.
Auch das amerikanische Volk erlebt das alles mit und es fragt sich, wie
das enden soll. Es weiß, daß wir weder unseren Verantwortungen noch den geopolitischen Realitäten der Welt um uns herum entkommen können.

Ein großes

Volk, das die Ereignisse nicht bewältigt, wird bald von ihnen überwältigt
werden.
Wenn eine Gruppe von Kritikern die RüstungskontrollVerhandlungen untergräbt und die Aussicht auf konstruktivere Bindungen mit der Sowjetunion ausschließt, während eine andere Gruppe an unseren Verteidigungshaushalten und
Nachrichtendiensten nagt und den amerikanischen Widerstand gegen sowjetisches
Abenteurertum schwächt, dann werden beide zusammen, ob sie es wollen oder
nicht, damit enden, daß sie die Fähigkeit des Landes zerstören, eine starke,
schöpferische, gemäßigte und kluge Außenpolitik zu führen. Das Ergebnis wird
die Lähmung sein, wer auch immer im November gewinnen mag. Und wenn Amerika
nicht fähig ist, zu handeln, dann werden es andere tun, und wir und alle anderen freien Völker der Erde werden den Preis dafür zu zahlen haben.
Unser Problem ist also gleichzeitig komplex und auch einfacher als in
früheren Zeiten. Die Herausforderungen sind beispiellos, aber die Lösungen
liegen in unserer Hand. Diese Administration hat Vertrauen in die Stärke, die
Widerstandskraft und die Lebensfähigkeit Amerikas. Wenn wir den Geist Amerikas
zusammennehmen und unsere Einheit wiederherstellen, werden wir eine entscheidende und positive Wirkung auf eine Welt ausüben, die mehr denn je sich auf unser
Leben auswirkt und nach unserer Führung schreit.
Jene, die an Amerika glauben.werden dem amerikanischen Volk die Wahrheit
sagen:
- Daß wir stark sind und in Frieden leben,
- daß es keine leichten oder endgültigen Antworten auf unsere Probleme
gibt,
- daß wir eine langfristige und verantwortungsbewußte Außenpolitik ohne

�ohne Ausweichen und ohne Pausen führen müssen,
- daß das im Augenblick Erreichbare unweigerlich hinter dem Idealen
zurückbleiben wird,
- daß unserer Macht und unseren Zielen Grenzen gesetzt sind,
- daß wir trotzdem über die Stärke und Entschlossenheit verfügen, unsere
Interessen und die Überzeugung zur Bewahrung unserer Werte zu verteidigen,
- und daß wir schließlich die Chance haben, unseren Kindern eine kooperativere; gerechtere und friedlichere Welt zu hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben.
Wenn wir das 200. Jahr unseres Bestehens begehen, dann feiern wir Ideale,
die vor bald 350 Jahren an den Küsten von Massachusetts Form und Gestalt angenommen haben. Wir haben als geeintes Volk Großes erreicht. Es bleibt noch
viel zu tun. Das Werk dieses Landes in der Welt ist keine Last, sondern ein
Triumph - und der Maßstab kommender Größe.
Amerikaner haben immer Geschichte gemacht und sich nie von der Geschichte
treiben lassen. Wir, die gegenwärtige Generation von Amerikanern, werden
nicht dahinter zurückstehen. So möge dieses Jahr das Ende unserer Spaltung
bringen. Möge es der Beginn einer Ära nationaler Versöhnung und der neuen
Hingabe aller Amerikaner an ihr gemeinsames Schicksal sein. Wollen wir doch
klar erkennen, was vor uns liegt - Sieg und Gefahr - und gemeinsam vorwärts
schreiten, um die Zukunft zu meistern.

XXX

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�• amerika dienst
^ U n i t e d
53

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G o d e s b e r g l ,

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5/1976

ATOMWAFFENSPERRE BLEIBT ZIEL DER US-POLITIK
Außenminister Dr. Henry A. Kissinger vor dem Senatsausschuß für
Regierungstätigkeit

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kissinger
nahm am 9. März 1976 vor dem Sehatsausschuß für Regierungstätigkeit zur Politik der Vereinigten Staaten in der Frage der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen Stellung.

Wir geben im folgenden die Äußerungen Außenminister Kissingers

in wesentlichen Auszügen im Wortlaut wieder:
"Die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen ist bereits in der sechsten
Administration ein primäres außenpolitisches Ziel der Regierung der Vereinigten
Staaten, wobei auf Grund amerikanischer Initiativen, die die Ernsthaftigkeit
dieser Politik demonstrierten, wesentliches erreicht worden ist.
Ich erwähne hier z.B. die Annahme bilateraler Sicherungsmaßnahmen und
Kontrollen in unseren mit anderen Regierungen einzeln abgeschlossenen Verträgen
über Zusammenarbeit, die Schaffung der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien und das Inkrafttreten des Atomwaffensperrvertrages. Als
ein Ergebnis dieser Schritte ist die Zahl der Staaten mit Kernwaffen stark begrenzt ...
Lassen

�Lassen Sie mich betonen, daß die Verfolgung einer energisch betriebenen
Sperrpolitik für Nuklearwaffen ein elementares Prinzip der Außenpolitik dieser
Regierung darstellt.
- Wir sehen in der Notwendigkeit, die Gefahr eines Nuklearkrieges zu verringern, das Kernstück unserer Politik.

Wenn weitere Staaten in den Besitz von

Kernwaffen gelangten, würde die Stabilität weltweit gefährdet, und regionale
Konflikte liefen Gefahr, zum Nuklearkrieg zu führen mit möglichen katastrophalen
Folgen nicht nur für die unmittelbar beteiligten Länder, sondern auch für alle
Großmächte.
- Wir sehen in der friedlichen Beilegung regionaler Konflikte und in
einer stabileren Weltordnung fundamentale Ziele der Vereinigten Staaten.

Aber

in einer Welt mit vielen Atommächten würden sich erhöhte politische Spannungen
und verstärkte Instabilität auf Grund der Befürchtungen ergeben, daß - ob von
vornherein gewollt oder infolge Fehleinschätzung einer Situation - Atomwaffen
eingesetzt werden könnten.
- Wir unterstützen das weltweite Ziel, Quellen für Substitutionsenergie
zu finden, um die Abhängigkeit vom öl zu verringern.
•

Dennoch könnte eine weitere Proliferation dem beständigen Wachstum friedlicher Nuklearenergie im Dienste des Bedarfs der Menschheit entgegenstehen oder
sie gar völlig abwürgen, wenn sowohl Exporteure als auch Importeure das Vertrauen in die Fähigkeit des internationalen Systems verlieren, wirksame Verfahren
für die Realisierung der Vorzüge friedlicher nuklearer Energie und gleichzeitig
zur Ausschaltung des ihr nun einmal innewohnenden Sicherheitsrisikos zu finden .. .
Ich brauche diesem Ausschuß nicht zu sagen, wie schwierig es ist, eine
Strategie zu entwickeln, die erfolgreich garantieren kann, daß das Anwachsen
der Anzahl von Ländern mit Atomwaffen in den nächsten Jahrzehnten verhindert
wird. Aber ich kann gar nicht stark genug unsere Überzeugung betonen, daß die
Anstrengung zur Eindämmung der nuklearen Proliferation unternommen werden kann

�kann und muß, selbst wenn wir nicht sicher sein können, daß eine weitere
nukleare Proliferation völlig und wirksam blockiert wird.
In dem hier beschriebenen Rahmen haben wir in den letzten zwei Jahren
erhebliche Anstrengungen unternommen, um das weltweite Schema der Proliferationssperre zu stärken.

Diese Strategie enthielt zwei verstärkende Elemente:

- Multilaterale Aktionen, um gemeinsam mit anderen Staaten der Aufgabe
der weltweiten Proliferationssperre gerecht zu werden; und
- eine nationale Exportpolitik auf nuklearem Gebiet, die sicherstellt,
daß die Vereinigten Staaten weiterhin eine führende Rolle bei der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen spielen ...

Multilaterale Strategie
Beschränkungen auf amerikanischer Seite allein werden wenig bewirken,
wenn sich andere nukleare Lieferländer weigern, die gleichen Beschränkungen
zu praktizieren.

In Erkenntnis dieses Sachverhalts verfolgen wir eine Politik

der Konsultation mit anderen nuklearen Exportländern in dem Bemühen, gemeinsame Normen für Sicherheitsmaßnahmen und andere einschlägige Kontrollen im
Zusammenhang mit Nuklearexporten für friedliche Zwecke zu formulieren.

Ich bin

überzeugt, daß diese Anstrengungen in beachtlichem Umfang erfolgreich waren.
Auf Grund dieser Konsultationen haben sich die Vereinigten Staaten entschlossen, als Teil der nationalen Politik ihre künftigen Nuklearexporte gewissen Grundsätzen unterzuordnen. Wir wurden davon unterrichtet, daß eine Anzahl anderer Länder dies ebenfalls zu tun beabsichtigt.
Wie bereits von anderen Regierungsvertretern in den letzten Wochen in
ihren Aussagen vor einem anderen Senatsausschuß erwähnt wurde, zählen zu diesen Grundsätzen:
- Vorkehrungen

�- Vorkehrungen für die Anwendung von IAEO-Sicherheitsbestimmungen bei
Exporten von Material, Ausrüstungen und Technologien;
- Verbote der Inanspruchnahme von Unterstützung zur Zündung nuklearer
Sprengsätze jeglicher Art, einschließlich jener für

"friedliche Zwecke";

- Erfordernisse für sicherheitstechnische Maßnahmen bei nuklearen Ausrüstungen und Materialien;
- Anwendung einschränkender Maßnahmen in bezug auf den Transfer sensitiver Technologien (z.B. Anreicherung und Wiederaufarbeitung);
- Befürwortung multinationaler regionaler Anlagen für Wiederaufarbeitung
und Anreicherung; und
- Sonderbedingungen zur Regelung des Gebrauchs oder Rücktransfers von
sensitiven Materialien, Ausrüstungen und Technologien.
Dies sind signifikante Grundsätze, die das Niveau und den Umfang internationaler Kontrollen für die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen erheblich
über den Stand von vor wenigen Jahren weiterentwickelt haben.
Aber es ist wichtig, zu erkennen, daß künftige Anstrengungen zur Verbesserung und Ausweitung dieser Prinzipien notwendig und daß unsere eigenen Anstrengungen Teil eines progressiven und sich noch entwickelnden Prozesses sind;
wir werden sie in enger Konsultation mit anderen üeferländern fortsetzen.
Ein zweites wichtiges Element unserer internationalen Proliferationssperrstrategie sind unsere Anstrengungen, die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags auf breitestmöglicher Basis sicherzustellen. Die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags ist ein Schlüsselelement dafür, die nukleare Proliferation
zu verhindern, denn damit ist eine umfassende Verpflichtung von Staaten ohne
eigene Atomwaffen verbunden, keine nuklearen Sprengsätze zu entwickeln - eine
Verpflichtung, die durch IAEO-Sicherheitsmaßnahmen in allen, friedlichen

�friedlichen Zwecken dienenden Nuklearanlagen des betreffenden Landes überprüft wird.

Ein Schlüsselelement auch deshalb, weil sie Sicherungsmaßnahmen

bei nuklearen Exporten erfordert ...
Ein weiteres wesentliches Merkmal unserer internationalen Strategie
- und in der Tat ein Merkmal, das den von uns erzielten Fortschritt in Konsultationen mit anderen Lieferländern noch unterstreicht und ein Grundelement
des Atomwaffensperrvertrags selbst darstellt - ist das umfassende Sicherheitssystem der Internationalen Atomenergie-Organisation

(IAEO).

Selbst wenn Empfängerländer nicht Partner des Atomwaffensperrvertrags
sind, sieht das IAEO-System international anerkannte Sicherungsmaßnahmen vor,
um zu gewährleisten, das nukleare Exporte für friedliche Zwecke verwendet
werden ...
Zwar kann ein Sicherungssystem keine absolute Garantie verschaffen, daß
alle nur erdenklichen Arten von Abzweigungen, und seien sie noch so geringfügig, erfaßt werden;

das braucht es auch nicht.

Was es aber bewirken muß

- und was die IAEO zuverlässig erreicht - ist ein außerordentlich großes Risiko, entdeckt zu werden, für denjenigen, der eine mißbräuchliche Verwendung
beabsichtigt.
Wir wissen, daß manche die Eignung und Qualität der im Laufe der Jahre
entwickelten internationalen Kontrollen für nukleare Materialien und Anlagen
in Frage stellen. Jedoch existierten in dem einen Fall, in dem ein nuklearer
Sprengsatz unter Verwendung vom Ausland bezogener Ausrüstungen gezündet wurde,
weder Sicherungsvorkehrungen an der betreffenden Anlage noch hinsichtlich der
damit hergestellten Produkte. Folglich war in diesem Fall auch die Frage angemessener Sicherungsvorkehrungen einfach nicht gegeben. Tatsächlich wurde uns
seit der Einführung von Sicherungsmaßnahmen kein einziges Lande bekannt, das
durch irgendwelche Abzweigung von nuklearem Material, welches entweder bilateralen oder IAEO-Sicherheitsmaßnahmen unterliegt, zu Atomwaffen gekommen
wäre ...

Ein

�Ein weiteres Element in unserer internationalen Strategie ist dazu bestimmt, dem wohl

heikelsten Problem der Atomwaffensperre, dem wir uns gegen-

übersehen - zu begegnen - nämlich dem Problem der sogenannten sensitiven Technologien wie Wiederaufbereitung, Anreicherung und Produktion von Schwerem
Wasser.
cher

Das Problem wurde immer stärker akut, je mehr Länder am Erwerb sol-

"sensitiven"

Anlagen Interesse zeigten.

Im Sinne der Risiken für die

Ausweitung des Kreises von Atommächten ergibt sich durch Plutonium-Aufarbeitungsanlagen im Ausland das größte unmittelbare Problem.

Dies ist ein un-

glücklicher Umstand, da für die meisten Länder - für jene ohne besonders umfangreiche Atomkraftwerksprogramme - die wirtschaftlichen Vorteile der Aufarbeitung verbrauchter Kernbrennstoffe auch künftig zweifelhaft sind.
Als ein Ergebnis wachsenden Erkennens der direkten Gefahr einer Proliferation wenden offenbar Liefer- als auch Empfängerländer für sogenannte
sensitive Technologien Beschränkungen an und treffen rigorose Sicherheitsvereinbarungen.

Was dies betrifft, so begrüßen wir außerordentlich den Ent-

schluß (Süd)-Koreas, keine eigene nationale Aufbereitungsanlage zu errichten;
wir hoffen, daß auf diese Weise multilaterale Bemühungen um die Entwicklung
von Alternativen zu nationalen Kapazitäten gefördert werden.
Ein Vorgehen, durch das eventuell die künftigen Erfordernisse gewisser
Länder hinsichtlich Wiederaufarbeitung auf möglichst wirtschaftliche Weise
erfüllt und gleichzeitig einige unserer Besorgnisse wegen der durch solche
Anlagen gegebenen Proliferationsgefahr entfallen, wäre die Schaffung eines
multinationalen Regional Zentrums für den Brennstoffzyklus. Vor der UN-Vollversammlung habe ich mich im vergangenen Jahr persönlich für diese Konzeption
eingesetzt.
Solche Anlagen - für Management, Betrieb und wohl auch Eigentumsrechte
wäre mehr als nur ein Land zuständig - würden den Anreiz zur Errichtung
kleiner und unwirtschaftlicher nationaler Anlagen verringern und zusätzlich
nützliche Sicherheiten gegen eine einseitige Abschaffung von Proliferationssperrmaßnahmen gewährleisten, insbesondere dort, wo gleichzeitig andere Einrichtungen für den Brennstoffzyklus wie z.B. zur Fabrikation und Lagerung nuk-

�nuklearer Materialien vorhanden sind.

Sie würden auch die Anwendung inter-

nationaler Sicherheitsmaßnahmen erleichtern.

Die IAEO untersucht gegenwärtig

das multinationale Konzept in einer Studie.

Das letzte Schlüsselelement unserer internationalen Strategie der Proliferationssperre betrifft die Frage der technischen Sicherungsmaßnahmen für
nukleare Anlagen und Materialien, im besonderen aber die Sorge, daß eine
Minderheiten-

oder Terroristengruppe sich nuklearer Materialien bemächtigen

könnte.

In unseren Konsultationen mit anderen Ländern, bei denen es darum ging,
die Anwendung angemessener technischer Sicherheitsmaßnahmen zu gewährleisten,
haben wir ausgezeichnete Mitarbeit gefunden.

Hauptlieferländer bauen heute

in ihre Abkommen über nukleare Zusammenarbeit Bestimmungen ein, die von den
Empfängerländern spezielle technische Sicherungsmaßnahmen zum Schutz nuklearer
Materialien und Ausrüstungen in angemessenem Umfang verlangen ...

Wir verfolgen auch unseren Vorschlag für eine internationale Konvention
weiter, die Normen für den technischen Schutz nuklearer Materialien setzt,
damit die internationale Zusammenarbeit erleichtert wird und Verfahrensweisen
auf diesem Gebiet vereinheitlicht werden ...

US-Politik auf nationaler Ebene

Auf nationaler Ebene lassen Politik und Praktiken der US-Regierung gerade auf diesem Gebiet unsere besonders intensive Beschäftigung mit dem Problem der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen erkennen.

Unsere Politik ist

in mancher Hinsicht strenger als die anderer Lieferländer.

Die grundlegende Prämisse der Beteiligung der USA an nuklearen Programmen
seit mehr als 20 Jahren war und ist die weltweite Zusammenarbeit in der friedlichen Nutzung der Atomenergie unter wirksamen Kontrollen.
Wir
- 7 -

�Wir gingen davon aus, langfristige Garantien für die Versorgung mit
angereichertem Uran in Verbindung mit der besonders wirtschaftlichen amerikanischen Reaktortechnologie anzubieten und als Gegenleistung die Zustimmung
zu wirksamen Sicherungsvereinbarungen zu erhalten ...
Wie ich bereits früher ausführte, steht unsere nukleare Exportpolitik
voll im Einklang mit den Grundsätzen, die auf Grund von Konsultationen unter
der Lieferländer akzeptiert wurden, und geht auf einigen Gebieten sogar noch
ein Stück weiter.

So zielte unsere Grundhaltung z.B. bei Aufarbeitung, An-

reicherung und Schwerwasserproduktion darauf ab, den Export solcher sensitiven
Technologien zu vermeiden.

Zur Gewährleistung angemessener Kontrollen erließ

die Exekutive im Jahr 1972 Sonderregelungen für alle auf diesen Gebieten vorgeschlagenen Transaktionen ...
Was das allgemeine Problem der Aufarbeitung betrifft, so geben die Vereinigten Staaten der IAEO technische und finanzielle Unterstützung bei deren
Studie über nukleare Regional Zentren für den Brennstoffzyklus. Wir dringen
außerdem darauf, daß mit dem Problem befaßte Staatengruppen untereinander die
Möglichkeiten dieser Konzeption erörtern ...
In Verfolg der technischen Sicherheitsmaßnahmen haben wir es als Ergebnis von Konsultationen unter Lieferländern so gehalten, daß die Exportgenehmigung für größere Mengen sensitiven nuklearen Materials nur dann erteilt
wird, wenn gev/ährleistet ist, daß im Empfängerland angemessene technische
Schutzmaßnahmen angewandt werden; amerikanische Expertengruppen für Sicherheitstechnik haben im Zusammenhang damit zahlreiche Länder besucht, um sich
über deren Schutzsysteme zu informieren und ihre Wirksamkeit zu beobachten.
Vor dem Hintergrund der von uns auf internationaler Ebene verfolgten
Strategie und im Interesse der nationalen Politik halte ich es für angemessen,
hier einigen Kritikern unserer nuklearen Exportpolitik zu antworten - Kritikern, die meines Erachtens zu strikte Einschränkungen fordern, welche für unsere Bemühungen um eine Proliferationssperre einen ernsten Rückschlag, nicht

�nicht aber einen Fortschritt bedeuten.

Diese Vorschläge reichen von einem

totalen Moratorium für unsere nuklearen Exporte und einem Embargo für nukleare Transferaktionen in Länder, die keine Partner des Atomwaffensperrvertrages sind, bis zu Vorschlägen, nuklearen Exporten in Nicht-Mitgliedstaaten
nur dann zuzustimmen, wenn diese genehmigte IAEO-Sicherungsmaßnahmen für alle
ihre friedlichen Atomprogramme akzeptiert haben.
Alles in allem sind wir der Meinung, daß durch die Annahme auch nur
eines dieser Vorschläge z.B.:
- eine Anzahl internationaler Vereinbarungen über Zusammenarbeit bei
friedlichen Atomprogrammen dem Geiste, ja womöglich auch dem Buchstaben nach
verletzt würden; auch Artikel Vier des Atomwaffensperrvertrags zählt dazu;
- unseren politischen Beziehungen zu einer großen Zahl von Ländern, die
mit uns langfristige Abkommen geschlossen haben, weit über den nuklearen Bereich hinaus Schaden erwachsen würde;
- weitere Zweifel an der Zuverlässigkeit amerikanischer Lieferverpflichtungen und an der Beständigkeit unserer Politik ausgerechnet in einem Augenblick auftauchen würden, in dem wir uns solche Zweifel am wenigsten leisten
können;
- der Einfluß geschmälert würde, der jetzt im Sinne unserer Ziele in
bezug auf die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen zum Tragen käme, da es
unwahrscheinlich ist, daß derartige Vorschläge von allen wichtigen Lieferländern befürwortet werden; und
- als Folge davon die Zusammenarbeit der Lieferländer leicht auseinanderbrechen und es erneut zu einem relativ unkontrollierten Wettbewerb unter anderen Lieferländern kommen könnte ...
Die Probleme der Proliferation sind kompliziert und ebensowenig raschen
- 9 -

�raschen wie einfachen Lösungen zugänglich.

Will man die künftige Ausweitung

von Möglichkeiten zum Bau von Kernwaffen blockieren, ist es erforderlich,
komplexe politische und technische Maßnahmen beharrlich zu verfolgen, welche
die Bestrebungen zur Proliferation abschwächen und gleichzeitig wirksame
Kontrollen dagegen errichten.

Diese Regierung ist diesem Ziel strikt verpflich-

tet, und ich weiß, daß wir auf den US-Kongreß zählen können, mit uns zusammenzuarbeiten, damit die Erreichung dieses lebenswichtigen Zieles gewährleistet
wi rd ...
Um in unseren Bemühungen um den Proliferationsstop erfolgreich zu sein,
müssen wir die inzwischen geschaffenen multilateralen und nationalen politischen Grundlagen bewahren und auf ihnen weiterbauen.

Wie ich bereits sagte,

erfordert dies die ständige Bereitschaft zur Konsultation mit den Empfängerländern und die konstruktive Unterstützung internationaler Mechanismen, die unserer Proliferations-Sperrpolitik Beständigkeit geben können."

+ + + + +

- 10 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Ford zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Chicago am 12. März 1976 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kissinger zieht außenpolitische Bilanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des amerikanischen Außenministers in Boston am 11. März 1976 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomwaffensperre bleibt Ziel der US-Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Dr. Henry A. Kissinger vor dem Senatsausschuss für Regierungstätigkeit&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

28. A p r i l 1976

7

Inhalt

DOKUMENTATION
Kissinger umreißt US-Politik gegenüber dem südlichen Afrika
- Rede des Außenministers in Lusaka am 27. April 1976 Seerecht:

Prüfstein für internationale Zusammenarbeit

- Außenminister Henry Kissinger legt US-Standpunkt auf der 3. Internationalen Seerechtskonferenz dar -

WIRTSCHAFT
Schlechte Weizenernte im Südwesten der USA erwartet
- Seit Monaten ungewöhnlich hohes Regendefizit -

INFORMATION
"Lärmschutz"
Fachausstellung im US-Handelszentrum, Frankfurt/Main

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Serv

Postfach

ice

Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

7/1976

KISSINGER UMREISST US-POLITIK GEGENÜBER DEM SODLICHEN AFRIKA
-Rede des Außenministers in Lusaka am 27. April 1976-

LUSAKA — ( A D ) - - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kissinger hat
am 27. April in einer Rede in Lusaka die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber dem südlichen Afrika dargelegt, die für alle Völker in diesem Raum
auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit abzielt. Die Rede des amerikanischen
Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Präsident Ford hat mich mit einer Botschaft der Verpflichtungen und der
Zusammenarbeit hierher gesandt.
Ich bin nach Afrika gekommen, weil die Herausforderungen Afrikas auf so
vielerlei Weise die Herausforderungen unseres gesamten Zeitalters darstellen.
Das Drama der nationalen Unabhängigkeit in Afrika hat im Verlaufe der letzten
Generation die internationale Politik moralisch und politisch verändert. Mehr
als jede andere Region der Erde symbolisiert Afrika die Tatsache, daß die
vorausgegangene Ära der Weltpolitik - die Kolonialzeit - eine Sache der Vergangenheit ist. Die großen Aufgaben, vor die Sie sich gestellt sehen - was
den Aufbau der Nationen, die Erhaltung des Friedens und der Integrität dieses Kontinents, die wirtschaftliche Entwicklung, die Erlangung einer angemessenen Rolle in den RatsVersammlungen der Welt und die Verwirklichung der
Rassengerechtigkeit angeht - reflektieren die Herausforderung, die der Auf-

- 1 -

�Aufbau einer humanen und progressiven Weltordnung darstellt.
Ich bin offenen Sinnes und offenen Herzens nach Afrika gekommen, um den
Wunsch meines Landes darzutun, gemeinsam mit Ihnen an diesen großen Aufgaben
zu arbeiten. Meine Reise dient der Absicht, unserer Zusammenarbeit einen
neuen Anstoß zu geben und ein neues Zeitalter in der amerikanischen Politik
einzuleiten.
Die Vereinigten Staaten waren eine der treibenden Kräfte des Prozesses
der Entkolonialisierung. Das amerikanische Volk hat die jungen Nationen in
der Weltgemeinschaft willkommen geheißen und zwei Jahrzehnte hindurch dem
wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt in Afrika Hilfe und Ermutigung zuteil werden lassen. Amerikas Verantwortung als Weltmacht erfüllt uns heute
mit einem starken Interesse an der Unabhängigkeit, am Frieden und an der Wohlfahrt dieses weiten Kontinents, der ein Fünftel der Landmasse der Erde umfaßt.
Denn ohne Friede, rassische

Gerechtigkeit und wachsende

Prosperität in

Afrika können wir nicht von einer gerechten internationalen Ordnung sprechen.
Eine Debatte über die Frage, ob Amerika in der Vergangenheit Afrika vernachlässigt oder sich afrikanischen Zielsetzungen in unzureichendem Maße verpflichtet gefühlt habe, bringt nichts ein. Die Vereinigten Staaten tragen vielfältige Verantwortungen in der Welt. Angesichts der Bürde, die mein Land in
der Nachkriegszeit auf sich genommen hat, konnte es einfach nicht alle Dinge
gleichzeitig tun. Die afrikanischen Länder selbst haben ihre eigenen Prioritäten und Sorgen, die nicht immer mit den unseren übereinstimmen. Es kann aus
gegenseitigen Beschuldigungen nichts Gutes kommen. Unsere unterschiedlichen
Perspektiven konvergieren in der gemeinsamen Absicht, eine sichere und gerechte Zukunft für Afrika aufzubauen. In aktiver Zusammenarbeit können wir
viel bewerkstelligen - im Widerstreit miteinander oder jeder allein auf sich
gestellt, werden wir große Chancen verpassen. Präsident Ford, die amerikanische Regierung und das amerikanische Volk sind bereit, mit Tatkraft und
gutem Willen mit Ihnen zusammenzuarbeiten, wenn Sie uns im gleichen Geist
entgegenkommen.
Es
- 2 -I

�Es ist somit an der Zeit, von Schlagworten abzulassen und nach praktischen Lösungen zu suchen. Es ist an der Zeit, gemeinsamen Grund und Boden zu
finden und kühn auf gemeinsame Zielsetzungen hinzuarbeiten,
Afrika ist ein Kontinent der Hoffnung - ein modernes Zukunftsland. Die
Vereinigten Staaten waren von den ersten Anfängen an ein Land der Zukunft, aufgebaut von Männern und Frauen voller Hoffnung. Das amerikanische Volk kennt
aus seiner eigenen Geschichte die Bedeutung des Ringens um Unabhängigkeit,
Rassengleichheit, wirtschaftlichen Fortschritt und Menschenwürde.
Ich bin nicht hier, um amerikanische Rezepte für afrikanische Probleme
anzubieten. Ihr Programm muß ein afrikanisches Programm sein. Die grundlegenden Entscheidungen und Zielsetzungen müssen afrikanische Entscheidungen und
Zielsetzungen sein. Wir aber sind bereit, zu helfen.
Ich bin auch nicht hier, um Afrikaner gegen Afrikaner aufzubringen, weder
Regierung gegen Regierung noch einen Flügel einer Befreiungsbewegung gegen den
anderen. Afrikanische Probleme lassen sich ohne Schaffung eines Vereinten
Afrika nicht lösen» und auch Ihre Geschicke können sich ohne ein solches Afrika nicht erfüllen„Amerika unterstützt die Einheit Afrikas. Wir fordern alle
anderen Länder auf, ein Gleiches zu tun.
Hier in Afrika ist der Bereich sowohl der Herausforderung als auch der
Chancen der Menschheit in seiner ganzen Komplexität und in seiner gewaltigen
Verheißung deutlich absehbar. Die gewaltige Macht und die Größe der Natur
liegt hier in allen ihren Aspekten vor uns - als strenger Meister und williger Diener der Menschheit. Hier können wir die reichen und lebendigen Kulturen
erfüllen, die die Kunst, die Musik und das Denken überall auf der Welt verändert
und mit neuer Kraft erfüllt haben. Und hier auf diesem Kontinent werden wir
uns bewähren müssen, wir alle, um zu sehen, ob unsere Zukunft für uns oder
durch uns bestimmt wird, ob die Menschheit Opfer oder Architekt ihres
Schicksals ist.
Das

- 3 -

�»

Das Problem des südlichen Afrika
Unter allen Her 'jsforderungen, vor die wir uns gestellt sehen, von
allen Zielsetzungen, die wir gemeinsam haben, ist die Rassengerechtigkeit die
grundlegendste. Das ist eine dominierende Frage unseres Zeitalters, innerhalb
der Völker ebenso wie unter den Völkern, Wir wissen aus eigener Erfahrung,
daß das Ziel der Rassengerechtigkeit ebenso gebieterisch wie erreichbar ist.
Unser Eintreten für dieses Prinzip im südlichen Afrika ist nicht nur eine
Frage der Außenpolitik, sondern ein zwingendes Gebot unseres eigenen moralischen Erbes.
Das Volk von Sambia braucht man nicht erst an die Wichtigkeit dieses
Zieles zu erinnern. Aufgrund seiner geographischen Lage und der gegebenen wirtschaftlichen Notwendigkeiten wird Sambia durch die Auseinandersetzungen im
südlichen Afrika direkt und schmerzlich berührt. Politische Stabilität in diesem Gebiet bedeutet für Sambia mehr als für viele andere Länder. Sambia aber
hat sich entschlossen,zu seinen Prinzipien zu stehen, seine Grenze zu Rhodesien zu schließen und die wirtschaftlichen Folgen auf sich zu nehmen. Das legt
Zeugnis für die Entschlossenheit des Volkes von Sambia und auch für das
staatsmännische Können seines großen Führers, des Präsidenten Kaunda, ab.
Es war vor sieben Jahren in dieser Stadt, daß Führer ost- und zentralafrikanischer Staaten ihr Manifest über das südliche Afrika proklamierten. Die
Ähnlichkeit hinsichtlich der Geisteshaltung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und der des Manifestes von Lusaka ist verblüffend. Vor 200 Jahren
schrieb Thomas Jefferson: "Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: Daß alle Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer
mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören; daß zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingesetzt sind, die ihre rechtmäßige Macht aus
der Zustimmung der Regierten herleiten."
Und

- 4 -

�Und vor sieben Jahren haben führende Politiker aus Ost-und Zentralafrika
hier in Lusaka erklärt: "Wir möchten durch dieses Manifest über den Schatten
jeden Zweifels hinaus unsere Anerkennung der Auffassung deutlich machen, daß
alle Menschen gleich sind

und das gleiche Recht auf menschliche Würde und

Respekt haben - ohne Ansehen der Hautfarbe, der Rasse, der Religion oder des
Geschlechtes. Wir glauben, daß alle Menschen das Recht und die Pflicht haben,
als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft an ihrem eigenen Staat zu
partizipieren."
Es kann kein Zweifel bestehen, daß die Vereinigten Staaten den Grundsätzen ihrer eigenen Unabhängigkeitserklärung weiterhin verpflichtet bleiben.
Daraus folgt, daß wir auch zu den Überzeugungen stehen, die im Manifest von
Lusaka zum Ausdruck gebracht wurden.
Deshalb möchte ich hier in Lusaka die unwiderrufliche Verpflichtung der
Vereinigten Staaten auf die Menschenrechte bekräftigen, so wie sie in den
Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen und der universellen Erklärung
der Menschenrechte zum Ausdruck kommt. Wir treten für die Selbstbestimmung

|

die 'errschaft der Mehrheit, gleiche Rechte und menschliche Würde für alle
Völker des südlichen Afrika ein - im Namen der Moralgrundsätze, des internationalen Rechts und des Weltfriedens.

Die Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber Rhodesien

Die Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber Rhodesien ist klar und unmißverständlich. Wie Präsident Ford erklärte, "haben sich die Vereinigten
Staaten voll der Aufgabe geweiht, dafür Sorge zu tragen, daß die Mehrheit des
Volkes zur herrschenden Macht in Rhodesien wird." Wir erkennen das rhodesische Minderheitsregime nicht an. Die Vereinigten Staaten haben für die Resolutionen des Sicherheitsrates von 1966 und 1968 gestimmt - und sie fühlen

-5 -

�fühlen sich an sie gebunden -, die wirtschaftliche Zwangssanktionen gegen das
illegale rhodesische Regime verhängen. Anfang dieses Jahres haben wir im
Sicherheitsrat gemeinsam mit anderen eine Resolution eingebracht, die einstimmig angenommen wurde und eine Verlängerung dieser Zwangssanktionen vorsah.
Und im März dieses Jahres haben wir gemeinsam mit anderen Mozambique zu seiner
Entscheidung beglückwünscht, diese Sanktionen selbst um den Preis hoher wirtschaftlicher Kosten durchzusetzen.
Es ist unser aller Verantwortung, die wir eine Lösung auf dem Verhandlungswege anstreben, der rhodesischen Minderheit klarzumachen, daß die Weltgemeinschaft in ihrem Interesse an einem raschen Wandel einig dasteht. Es ist
die Verantwortung jener Kreise in Rhodesien, die an den Frieden glauben, die
notwendigen Schritte einzuleiten, um eine große Tragödie abzuwenden.
Die Politik der Vereinigten Staaten, die auf eine gerechte und dauerhafte Lösung für Rhodesien abzielt, beruht deshalb auf zehn Elementen:
Erstens erklären die Vereinigten Staaten mit allem erdenklichen Nachdruck „
ihre Unterstützung der Vorschläge des britischen Premierministers Callaghan
vom 22. März dieses Jahres, denen zufolge der Unabhängigkeit

die Mehrheits-

herrschaft vorausgehen müsse, die spätestens zwei Jahre nach einem alsbaldigen
Abschluß der Verhandlungen erreicht werden muß. Wir erachten diese Vorschläge als Basis für eine Lösung, die allen Einwohnern Rhodesiens gegenüber fair
ist. Wir fordern, daß man sie annimmt.
Zweitens muß das Regime in Salisbury begreifen,daß es von den Vereinigten Staaten in keiner Phase eines Konfliktes mit afrikanischen Ländern oder
Befreiungsbewegungen diplomatische oder materielle Hilfe erwarten kann. Ganz
im Gegenteil, sie wird sich unserer ungebrochenen Opposition bis zu jenem Tage
gegenüberseher, an dem eine Regelung auf dem Verhandlungswege erzielt worden
ist.
Drittens

�Drittens werden die Vereinigten Staaten Maßnahmen ergreifen,um ihrer Verpflichtung nach dem internationalen Recht zu

zwangsweisen wirtschaftlichen

Sanktionen gegen Rhodesien nachzukommen. Wir werden den Kongreß noch in diesem Jahr dringend ersuchen, den Byrd-Zusatz zu widerrufen, der die Einfuhr von
Chrom aus Rhodesien nach den Vereinigten Staaten gestattet - ein Vorgehen,
das mit den Sanktionen der Vereinten Nationen unvereinbar ist. Parallel zu
diesen Anstrengungen werden wir uns auch an andere Industriestaaten wenden, um
die strikteste und weitestmögliche internationale Durchführung der Sanktionen
sicherzustellen.
Viertens, um sicherzustellen, daß keine Mißverständnisse über die Rolle
der Führer der Minderheit in Rhodesien aufkommen, werden die Vereinigten Staaten nach Abschluß meiner Konsultationen in Schwarzafrika gegenüber dem Regime
in Salisbury klar und direkt unsere Auffassung von der Dringlichkeit einer
raschen Verhandlungsregelung erklären, die zu einer Herrschaft der Mehrheit
führt.
Fünftens wird die Regierung der Vereinigten Staaten ihrer Verantwortung
nachkommen, unsere Bürger darüber zu informieren, daß wir keine offizielle
Vertretung in Rhodesien unterhalten und deshalb auch dort nicht über die Mittel verfügen, ihnen Hilfe und Schutz zu gewähren. Amerikanischen Touristen
wird von der Einreise nach Rhodesien abgeraten und unseren Bürgern mit Wohnsitz in Rhodesien nahegelegt werden, das Land umgehend zu verlassen.
Sechstens,wie vor Jahren im Falle Sambias sollten Maßnahmen ergriffen
werden, um im Einklang mit der jüngsten Resolution des UN-Sicherheitsrates
Mozambique zu helfen, das seine Grenzen zu Rhodesien in Ausführung der Sanktionen geschlossen hat, was für dieses Land eine große zusätzliche wirtschaftliche Härte bedeutet. Die Vereinigten Staaten sind im Einklang mit dieser Resolution bereit, 12,5 Millionen Dollar an Hilfe zu gewähren.
Siebtens

�Siebtens sind die Vereinigten Staaten oemeinsam mit anderen Mitgliedern
der Vereinten Nationen willens, wirtschaftliche Härten in Anrainerstaaten
Rhodesiens lindern zu helfen, die sich durch Schließung ihrer Grenzen für die
Verwirklichung der Sanktionen entscheiden.
Achtens gilt es, humanitäre Vorkehrungen für Tausende von Flüchtlingen
zu treffen, die aus Not aus Rhodesien in benachbarte Länder flüchten. Die
Vereinigten Staaten werden Hilfeersuchen für diese Flüchtlinge seitens des
UN-Hochkommissars für Flüchtlinge oder anderer zuständiger internationaler
Organisationen wohlwollend prüfen.
Neuntens sollte die Weltgemeinschaft dem Volk von Rhodesien ihre

Unter-

stützung gewähren, sobald es den friedlichen Obergang zu einer Herrschaft der
Mehrheit und zur Selbständigkeit vollzieht, und sie sollte Hilfe

ferner

einem neu etablierten unabhängigen Simbabwe gewähren. Zu diesem Zweck sind
wir bereit, uns gemeinsam mit anderen interessierten Ländern an einem Programm
zur wirtschaftlichen, technischen und Ausbildungshilfe zu beteiligen, das
ein unabhängiges Simbabwe in die Lage versetzen soll, den Fortschritt und den
Platz in der Gemeinschaft der Völker zu erringen, zu dem es seine natürlichen
Hilfsquellen und das Können seiner gesamten Bevölkerung berechtigen.
Zehntens bringen wir unsere Überzeugung zum Ausdruck, daß Weiße ebenso
wie Schwarze eine sichere Zukunft und einen Anspruch auf Bürgerrechte in
einem Staat Simbabwe haben, der die Rassengerechtigkeit verwirklicht. Eine
verfassungsgemäße Staatsform sollte die Rechte der Minderheit schützen und
eine Herrschaft der Mehrheit errichten. Wir sind bereit, einen Teil unserer
Hilfsprogramme auf diese Zielsetzung zu verwenden.
Zwecks Verwirklichung dieses Programms werden wir enge Konsultationen
mit den Präsidenten von Botswana, Mozambique, Tansania und Sambia führen.
Nach

�Ni.ch unserer Ansicht handelt es sich hier um wichtige Maßnahmen. Wir stehen zusätzlichen Schritten, die zur Beschleunigung einer Lösung beitragen
können, aufgeschlossen gegenüber. Die Vereinigten Staaten werden eingehende
Konsultationen mit den afrikanischen Staatsmännern, vor allem mit diesen vier
Präsidenten und mit den anderen Freunden über das rhodesische Problem führen.
Denn der Hauptgrund, warum ich hierher gekommen bin, ist, zu unterstreichen,
daß sich die Vereinigten Staaten der Aufgabe voll und ganz verschrieben haben,
zur Herbeiführung einer raschen, gerechten und afrikanischen Lösung der Rhodesienfrage beizutragen.

Namibia
Rhodesien ist das vordringlichste, aber keinesweas das einzige kritische
Problem im südlichen Afrika. Der Status von Namibia war mehr als drei Jahrzehnte lang Gegenstand eines Streites zwischen der Völkergemeinschaft der Welt und
Südafrika.
Das Gebiet von Südwestafrika wurde nach dem Z/eiten Weltkrieg Gegenstand
ernster internationaler Meinungsverschiedenheiten. Als sich die
Nationen weigerten, den südafrikanischen Vorschlägen für

Vereinten

eine Annexion dieses

Gebietes zuzustimmen, lehnte es Südafrika ab, ein Treuhandabkommen abzuschliessen, und seitdem hat es sich geweigert, die Vereinten Nationen als rechtmäßigen Souverän anzuerkennen. Im Jahre 1966 hat die UN-Vollversammlung das
Mandat Südafrikas über dieses Gebiet aufgehoben. 1971 hat der Internationale
Gerichtshof entschieden, daß die Besetzung Namibias durch Südafrika illegal
ist und daß Südafrika sich zurückziehen solle.
Die Vereinigten Staaten haben 1966 für die Resolution der Vollversammlung
gestimmt. Wir waren die einzige Großmacht, die vor dem Internationalen Gerichtshof erklärte, daß die südafrikanische Besetzung illegal sei. Und

- 9 -

JJTI

�im Januar 1976 stimmten die Vereinigten Staaten für die UN-Resolution, in der
die Besetzung Namibias verurteilt und Südafrika aufgefordert wurde, spezifische Schritte in Richtung auf die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit Namibias
zu ergreifen.
Wir sind durch den offensichtlichen Beschluß der südafrikanischen Regierung, Namibia auf den Weg zu Unabhängigkeit zu bringen, ermutigt. Wir sind
überzeugt, daß eine Lösung gefunden werden kann, die für die gesamte Bevölkerung gleiche Rechte bringt und die gleichzeitig die Interessen aller schützt,
die dort leben und arbeiten. Aber wir sind besorgt, weil Südafrika es unterlassen hat, einen festen Zeitplan für die Verwirklichung der Selbstbestimmung
bekanntzugeben, weil nicht alle Menschen und politischen Gruppen in Namibia
an der Entscheidung über die Regierungsform, die sie eines Tages haben werden,
teilhaben dürfen, und weil Südafrika es weiterhin verhindert, daß die Vereinten Nationen die ihnen zukommende Rolle bei der Schaffung eines freien und unabhängigen Namibias übernehmen.
Die Vereinigten Staaten haben daher folgende Haltung bezogen:
- Wir appellieren erneut an die südafrikanische Regierung, es allen Menschen und Gruppen in Namibia zu gestatten, frei und unter Überwachung durch die
Vereinten Nationen ihre Ansicht über die politische Zukunft und die verfassungsmäßige Struktur ihres Landes zu äußern.
- Wir fordern die südafrikanische Regierung auf, einen festen Zeitplan
für die Verwirklichung der Selbstbestimmung bekanntzugeben, der für die Völkergemeinschaft der Welt akzeptabel ist.
- Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit der internationalen Völkergemeinschaft und vor allem mit den afrikanischen Staatsmännern zusammenzuarbeiten und gemeinsam festzulegen, welche weiteren Schritte die Aussichten auf
einen raschen und akzeptablen Obergang zur Unabhängigkeit Namibias verbessern
würden. Wir sind davon überzeugt, daß dringend ein Fortschritt erzielt werden
muß.
- Sobald

�- Sobald konkrete Fortschritte in Richtung auf die Selbstbestimmung im
Gange sind, werden die Vereinigten Staaten ihre Restriktionen für den Handel
mit Namibia und für Investitionen dort lockern. Wir sind bereit, wirtschaftliche und technische Hilfe zu gewähren, um Namibia zu helfen, seinen ihm rechtmäßig zustehenden Platz unter den unabhängigen Nationen der Welt einzunehmen.

Südafrika
Die Apartheid-Frage in Südafrika muß diejenigen weiterhin mit großer Sorge
erfüllen, die sich der Gerechtigkeit für alle Rassen und der Menschenwürde
verschrieben haben.
Kein Land, kein Volk kann für sich in Anspruch nehmen, daß es auf dem Gebiet der Menschenrechte perfekt ist. Wir in Amerika sind uns unserer eigenen
Unvollkommenheiten bewußt. Aber weil wir eine freie Gesellschaft sind, erörtern wir unsere Probleme und unsere Fehler in aller Öffentlichkeit und zeigen
sie vor der Welt. Und wir haben allen Grund, stolz auf unseren Fortschritt
zu sein, den wir in der Frage der Gerechtigkeit für alle in unserem Lande erzielt haben.
Die Völkergemeinschaft der Welt ist nicht nur deshalb über Südafrika
besorgt, weil dort Rassendiskriminierung besteht. Einmalig ist, wie stark diese Rassendiskriminierung institutionalisiert, im Gesetz verankert und alle
Bereiche durchdringend ist.
Niemand - und dies gilt auch für die Führer Schwarzafrikas - bestreitet
das Recht der weißen Südafrikaner, in ihrem Lande zu leben. Sie sind keine
Kolonialisten; historisch gesehen sind sie ein afrikanisches Volk. Aber die
weißen Südafrikaner müssen sich auch darüber klar sein, daß die Welt weiter
darauf bestehen wird, daß die institutionalisierte Rassentrennung ein Ende
haben muß. Die Vereinigten Staaten appellieren an Südafrika, die Warnzeichen
der letzten beiden Jahre zu beherzigen: noch ist Zeit, eine Wiederaussöhnung

- 11 -

�Wiederaussöhnung der südafrikanischen Völker zum Wohle aller herbeizuführen.
Aber diese Zeit ist begrenzt - die Grenze ist weit enger gezogen als man noch
vor wenigen Jahren allgemein geglaubt hat.
Eine friedliche Beendigung der institutionalisierten, ungleichen Behandlung liegt im Interesse aller Südafrikaner. Die Vereinigten Staaten werden
weiterhin zu einer friedlichen Veränderung ermutigen und darauf hinarbeiten.
Unsere Politik gegenüber

Südafrika basiert auf der Prämisse, daß es inner-

halb einer angemessenen Zeit zu einer eindeutigen Entwicklung in Richtung auf
gleiche Chancen und die grundlegenden Menschenrechte für alle Südafrikaner
kommen wird. Die Vereinigten Staaten werden alle ihre Anstrengungen darauf konzentrieren, daß die Entwicklung diese Richtung nimmt. Wir fordern die südafrikanische Regierung dringend auf, diese Prämisse zu einer Realität werden
zu lassen.
In der unmittelbar vor uns liegenden Zeit kann die Republik Südafrika
ihre Hinwendung zu Afrika - und ihren potentiellen Beitrag zu Afrika - dadurch beweisen, daß sie ihren Einfluß in Salisbury für die Förderung einer
raschen Verhandlungslösung zugunsten einer Mehrheitsregierung in Rhodesien
geltend macht. Dies würde von der Völkergemeinschaft wie auch von dem übrigen
Afrika, dessen sind wir sicher, positiv bewertet werden.

Eine Zukunftsvision
Südafrika besitzt alle die Voraussetzungen für eine atemberaubende Zukunft. Es verfügt über reiche Mineral vorkommen, ein großes landwirtschaftliches Potential, große Wasserkraftreserven, ein günstiges Klima und, was am
wichtigsten ist, große menschliche Ressourcen. Es muß lediglich noch das
menschliche Versagen im Rassenstreit überwinden, um allen seinen Menschen
bessere Zukunftsaussichten zu geben.
Wir

- 12 -

�Wir wollen uns alle darum bemühen, den Anbruch des Tages zu beschleunigen, an dem diese Vision Wirklichkeit wird.
Die Vereinigten Staaten sind zur Zusammenarbeit mit den Ländern des südlichen Afrika bereit, um ihnen zu helfen, den wirtschaftlichen Fortschritt zu
erreichen, der ihrer politischen Unabhängigkeit Bedeutung und ihrem Kampf um
Gleichberechtigung Sieg verleiht.
Wie Sie wissen, begleitet mich der stellvertretende Außenminister Robinson,
ein Experte für wirtschaftliche Entwicklung, bei diesem Resuch. Das ist das
erste Mal, daß ein amerikanischer Außenminister und ein stellvertretender
Außenminister gemeinsam eine solche Mission unternommen haben, und zeigt, welche Bedeutung wir der wirtschaftlichen Entwicklunci des südlichen Afrika beimessen. Mr. Robinson und ich sprechen mit der afrikanischen Führern in den
verschiedenen Hauptstädten über den Bedarf an wirtschaftlicher Entwicklung,
und wir werden diese Konsultationen auf der UNCTAD-Tagung in Nairobi nächste
Woche fortsetzen. Nach meiner Rückkehr nach Washington werder wir auf der
Basis dessen, was wir gesehen haben, vordringlich ein neues Hilfsprogramm für
diesen Kontinent prüfen.
Afrika und seine Freunde stehen vor einer zweifachen Aufgabe: sofortiges
und langfristiges Wachstum. Kurzfristig kann es durch Naturkatastrophen oder
starke Schwankungen der weltweiten Wirtschaftslage, auf die die Entwicklungsländer wenig Einfluß nehmen können, zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten kommen. Solche wirtschaftlichen Rückschläge müssen überwunden werden, wenn die
Völker dieses Raumes sich ihren hart erarbeiteten Fortschritt auf dem Gebiet
der wirtschaftlichen Entwicklung erhalten wollen. Beispielsweise hat der
scharfe Rückgang der Weltkupferpreise verheerende Auswirkungen auf die Volkswirtschaften von Sambia und Zaire gehabt. Die Vereinigten Staaten werden diesem Problem in ihren bilateralen Hilfsprogrammen für diese Länder Rechnung
tragen, wie auch in unseren Programmen für multilateral Maßnahmen zur Erschließung von Ressourcen, zur Anlage von Ausgleichslagerbeständen sowie zur
Stabilisierung der Erlöse, die nächste Woche auf der UNCTAD-Tagung vorgeschlagen werden sollen.
Unsere

�Unsere grundlegende Sorge muß jedoch der Bewältigung von Krisen gelten.
Wir müssen vordringlich Probleme entwickeln, um die Grundlagen für ein stetiges Wirtschaftswachstum zu legen, das die Entwicklungsländer im südlichen Afrika in die Lage versetzt, weltweiten wirtschaftlichen Rückschlägen und Trends
wirksam zu begegnen.
Ich möchte vier Punkte erwähnen, die für das südliche Afrika besonders
relevant sind: ausgebildete einheimische Arbeitskräfte, wirtschaftliche Erschließung der ländlichen Gebiete, fortschrittliche Technologie und ein modernes Transportwesen.
- Für Namibia und Simb abwe sollten die Ausbildungsprogramme jetzt verstärkt werden, damit die benötigten Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, sobald
eine Mehrheitsregierung erreicht ist. Die bestehenden Programme, Flüchtlinge
aus Namibia und Simbabwe für die Verwaltung und als Techniker auszubilden, sollten schnellstmöglich ausgeweitet werden. Wir haben für diesen Zweck im Kongreß
zusätzliche Mittel angefordert. Wir ersuchen andere Geldgeber und die internationalen Organisationen dringend, mehr zu tun.
- Die wirtschaftliche Entwicklung des gesamten südlichen Afrikas bedingt
einen Prozeß, um das Leben auf dem Lande zu ändern. Wir sind bereit, bei der
Entwicklung der Landwirtschaft, bei den Gesundheitsprogrammen, bei der Ausbildung von Arbeitskräften und bei der Verbesserung des Transportwesens auf dem
Lande durch bilaterale wie auch durch multilaterale Programme zu helfen.
- Eine Revolutionierung der Entwicklungsplanung könnte durch den Einsatz
von Satelliten für das Sammeln wichtiger Informationen über

Ernten, Wetter,

Wasservorräte, Landbestellung und Erschließung von Mineral vorkommen erreicht
werden. Die Vereinigten Staaten haben-bereits Informationen an die Entwicklungsländer weitergegeben, die wir über unsere ersten Satelliten'zur Erkundung der
Ressourcen der Erde erhalten haben. Wir sind jetzt bereit, weit umfassendere
Programme zur Anwendung dieser Technologie auf Afrika in Angriff zu nehmen
- dies schließt auch Ausbildungsprogramme und die Erstellung von Ausbildungs-

- 14 -

�Ausbildungseinrichtungen und Satellitenbodenstationen in Afrika selbst ein.

- Langfristig benötigt die Wirtschaft des südlichen Afrikas vielleicht am
dringendsten ein regionales Transportsystem. Das Ausmaß der erforderlichen Anstrengungen übersteigt das Vermögen jedes einzelnen Landes und jeder Gruppe
von Ländern. Aus diesem Grunde schlagen die Vereinigten Staaten vor, daß die
Weltbank vorrangig die Aufstellung einer multilateralen Beratungsgruppe von
Geldgebern betreibt, um ein modernes regionales Transportsystem für das südliche Afrika zu entwickeln. Wir unsererseits sagen unsere volle Mitarbeit bei der
Ausarbeitung eines langfristigen Programms und für die Finanzierung eines angemessenen Teiles dieses Programmes zu.
- Und schließlich kann ich heute bekanntgeben, daß wir mit einer Verdreifachung unserer Förderung für die Entwicklungsprogramme im südlichen Afrika
sowie in Zentralafrika in den nächsten drei Jahren rechnen.

Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten die Übernahme einer führenden
Rolle in zahlreichen internationalen Gremien angeboten, um die wirtschaftliche
Entwicklung durch multilaterale Zusammenarbeit zu fördern. Die Industriestaaten,
die zu neuem Wohlstand gelangten öl Produzenten und die Entwicklungsländer
selbst müssen zusammenarbeiten, um das Ziel der wirtschaftlichen Entwicklung
zu erreichen. Afrika ist ein Hauptnutznießer der zahlreichen Initiativen der
Vereinigten Staaten in den multilateralen Institutionen und Programmen- um die
wirtschaftliche Sicherheit durch Stützung der Exporterlöse angesichts starker
wirtschaftlicher Fluktuationen zu stärken, um die Agrarerzeugung zu beschleunigen, um die Bedingungen für Handel und Investitionen bei den wichtigsten Rohstoffen zu verbessern und um den speziellen Bedarf der ärmsten Nationen zu
decken.
Schlußbemerkungen

- 15 -

�Schlußbemerkungen

Meine Damen und Herren, heute habe ich die Prinzipien der amerikanischen
Politik in bezug auf die zwingenden Aufgaben im südlichen Afrika dargelegt.
Unsere Vorschläge sind kein Programm, das in Amerika gemacht worden ist und
von den Afrikanern passiv akzeptiert werden soll. Sie sind Ausdruck eines gemeinsamen Strebens und ein Zeitplan der Zusammenarbeit. Ihnen liegt unsere
feste Überzeugung zugrunde, daß das Schicksal der Afrikaner weiterhin in den
Händen der Afrikaner liegen muß.
Keiner, der diesem Kontinent wohl will, kann wünschen, daß die Afrikaner
in Nationen oder in Befreiungsbewegungen gespalten sind. Die Afrikaner können
nicht wünschen, daß Außenstehende ihnen Lösungen aufzuzwingen suchen oder
sich zwischen Ländernoder Bewegungen entscheiden. Die Vereinigten Staaten ihrerseits streben keinen proamerikanischen afrikanischen Block an, der einem
Block gegenüberstehen würde, den irgendeine andere Macht unterstützt. Noch
wollen wir einen Flügel einer Befreiungsbewegung gegen einen anderen ausspielen. Aber genauso wenig sollte irgendein anderes Land Hegemonialbestrebungen
verfolgen oder eine Blockpolitik betreiben. Jedem solchen Versuch eines Landes wird zwangsläufig von einem anderen Land entgegengetreten werden. Die
Vereinigten Staaten unterstützen daher kategorisch die Einheit und Integrität
Afrikas als das Grundprinzip unserer Politik.
Es gibt keine bessere Garantie gegen ausländischen Druck von irgendeiner
Seite, als die Entschlossenheit der afrikanischen Nationen, ihre eigene Unabhängigkeit und Einheit zu verteidigen. Sie haben nicht afrikanische Institutionen geschaffen, um zu erleben, wie ausländische Mächte sie in miteinander
konkurrierende Blöcke aufspalten. Die Vereinigten Staaten unterstützen eine
echte Blockfreiheit und Einheit Afrikas. Wir sind zur Zusammenarbeit auf der
Basis der gegenseitigen Achtung bereit. Wir tun dies

geleitet von unseren

Überzeugungen und unseren Werten. Ihre Sache läßt sich ebenfalls mit unseren

�unseren Prinzipien vereinbaren, denn Sie müssen ihre Sache nicht durch Taktiken der Konfrontation mit den Vereinigten Staaten verfolgen. Unsere Selbstachtung ist zu groS, als daß wir uns, sei es direkt oder durch dritte Mächte,
zu etwas drängen ließen.
Was Afrika jetzt von den Vereinigten Staaten braucht, sind keine überschwenglichen Versprechungen oder der emotionelle Ausdruck guten Willens.
Was Afrika braucht, ist ein konkretes Programm, das ich heute anzubieten versucht habe. So lassen Sie uns jetzt an die Arbeit gehen. Wollen wir unsere
Augen direkt auf unsere großen Ziele richten - nationale Unabhängigkeit,
wirtschaftliche Entwicklung, Rassengerechtigkeit - Ziele, die durch gemeinsames Handel erreicht werden können.
Afrika ist in diesem Jahrzehnt ein Prüfstein für die Wissenschaft und
die Visionen der Welt. Daß Schwarze und Weiße zusammen in Eintracht und
Gleichberechtigung leben, ist ein moralisches Gebot unserer Zeit. Wollen wir
beweisen, daß diese Ziele durch Entscheidungen der Menschen verwirklicht
werden können, daß der Gerechtigkeit kraft ihrer Richtigkeit und nicht durch
Waffengewalt Geltung verschafft werden kann.
Das sind Ideale,die alle menschlichen Rassen aneinanderketten. Sie sind
das Gebot von Anstand, Fortschritt und Frieden.
Dieses dramatische Geschehen wird sich noch zu unseren eigenen Lebzeiten
vollenden. Unseren Kindern bleibt als Erbe unser Erfolg oder unser Versagen.
Die Welt blickt voll Hoffnung auf uns und wir beginnen voll Zuversicht.
So soll einmal von uns gesagt werden, daß schwarze Menschen und weiße
Menschen, durch Zusammenarbeit auf diesem Kontinent - der so viel Leid getragen und so viel Ungerechtigkeiten erlebt hat - eine neue Ära des Friedens,
des Wohlstands und der Menschenwürde geschaffen haben.
XXX
- 17 -

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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300

08-85432

7/1976

SEERECHT: PRÜFSTEIN FÜR INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT
-Außenminister Henry Kissinger legt US-Standpunkt auf der 3. Internationalen
Seerechtskonferenz dar--(AD)-- In einer Rede auf der bis zum 7. Mai 1976 in New York tagenden Internationalen Seerechtskonferenz unterbreitete US-Außenminister Henry A. Kissinger
am 8. April 1976 neue Vorschläge der Vereinigten Staaten. Sie sollen einen
wichtigen Beitrag dazu leisten, die noch bestehenden Streitfragen im Verlaufe
dieses Jahres zu lösen. Eindringlich legte der Außenminister dar, wie notwendig im Interesse der ganzen Menschheit angesichts der weltweiten Probleme und
der immer rascher und umfassender wirksamen technologischen, wirtschaftlichen,
sozialen und politischen Kräfte die Arbeit dieser Konferenz ist, um zu einem
für die Völker der Welt akzeptablen Ergebnis zu kommen.
Die jetzt behandelten Fragen berühren praktisch alle Gebiete und Aspekte
der Nutzung der Meere - von den Küsten bis zu den fernsten Tiefenregionen der
Ozeane. Aber, so erklärte Kissinger, "wie die Meere selber eine Einheit bilden, so stehen auch die vielen und so verschiedenartigen Probleme miteinander
in engem Zusammenhang. Ohne Vereinbarungen über alle Fragen sind Einzel abkommen ohne Inhalt. Denn die Völker werden eine Teillösung nicht akzeptieren
- und dies umso weniger, als einige der bisher gemachten Zugeständnisse auf
der Erwartung basieren, daß auch in den noch offenen Fragen Fortschritte erzielt werden."
Der
- 1 -

�Der amerikanische Außenminister begrüßte die bemerkenswerten Ergebnisse,
die auf dem Wege zu einer Lösung der zahlreichen Schlüssel Probleme bereits erzielt wurden - insbesondere hinsichtlich der Ausweitung der Hoheitsgewä'sser auf
12 Seemeilen und der ungehinderten Durchfahrt durch Meerengen. Ähnliches gelte
auch für die vorgesehenen Kontrollbefugnisse von Küstenstaaten in Gebieten
jenseits ihrer Hoheitsgrenzen, nämlich in der 200 Seemeilen breiten sogenannten Wirtschaftszone, auf die sich die Konferenz nun voraussichtlich einigen
werde.
Nach wie vor sei aber die Frage offen, wer das Recht auf Ausbeutung von
Rohstoffquellen jenseits der 200-Meilen-Zone in Regionen habe, in denen das
kontinentale Schelfgebiet über die 200-Meilen-Grenze hinausreiche, und wer
von den Vorteilen profitieren solle, die sich aus der Nutzung jener Gebiete ergeben. Die USA streben eine Lösung an, die den Interessen der internationalen
Gemeinschaft gerecht wird, gleichzeitig aber den Wunsch der Küstenstaaten mit
breiter Schelfzone berücksichtigt, diese über die vorgesehene Wirtschaftszone
hinaus in Anspruch zu nehmen.
Das gegenwärtig erörterte System würde vorsehen, daß die Küstenstaaten
der Völkergemeinschaft einen bestimmten Anteil am Wert der in diesem Gebiet geförderten mineralischen Rohstoffe zugunsten der Entwicklungsländer und jener
Länder überlassen, die keinen Zugang zum Meer haben. Schließlich müßten aber
auch zur Lösung der lebenswichtigen Frage des Umweltschutzes im ozeanischen
Raum alle Anstrengungen unternommen werden, um befriedigende Vereinbarungen
über Schutzbestimmungen zu erzielen.
Der "Fortschritt bei diesen Schlüsselfragen ist ermutigend" betonte Kissinger. "Aber wir nti ;sen uns auch über die verbliebenen Streitfragen einig
werden, wenn das b.iher Erreichte nicht wieder verloren gehen und die Gefahr
einer weltweiten Anarchie heraufbeschworen werden soll". Auf diese strittigen
Punkte und die zu ihrer Lösung unterbreiteten Vorschläge der Vereinigten Staaten eingehend, führte Kissinger weiter aus:

�Drei Hauptfragen sind noch ungelöst:
- Erstens müssen Wege gefunden werden, um zur Meeresforschung zugunsten
der ganzen Menschheit zu ermutigen und gleichzeitig die berechtigten Interessen der Küstenländer innerhalb ihrer 200-Meilen-Wirtschaftszone zu schützen,
d.h. in jenem Gebiet, wo heute 80 Prozent der ozeanischen Forschungsvorhaben
durchgeführt werden.
- Zweitens muß der Vertrar Bestimmungen über eine zwangsweise und unparteiische Beilegung von Streitfällen enthalten, damit Meinungsverschiedenheiten über seine Auslegung und Praktiken, die mit dem Vertragswerk unvereinbar
sind, auf friedlichem Wege beigelegt werden können.

- Und drittens müssen wir die Rohstoffgewinnung aus der Tiefsee, d.h.
aus den bisher unzugänglichen Meeresregionen jenseits der Wirtschaftszonen und
der Schelfränder, in internationale Regie nehmen.

Die Vereinigten Staaten unterbreiten heute folgendes Vorschlagspaket als
einen Beitrag, der der Konferenz zu einer raschen und umfassenden Lösung der
noch offenen Probleme verhelfen soll:

Meeresforschung
Gesundheit, Sicherheit und Fortschritt der Völker der Erde könnten in hohem Maße vom Ausmaß der Meeresforschung abhängen. Diese muß gefördert und darf
nicht behindert werden. Um die Meeresforschung voranzubringen, sind die Vereinigten Staaten bereit, einem vernünftigen Ausgleich zwischen internationalen
Interessen und den Interessen der Küstenländer hinsichtlich der Meeresforschung
in der Wirtschaftszone zuzustimmen. Wir werden uns mit einer Kontrolle von
Projekten, die unmittelbar mit der Erforschung und Ausbeutung von Rohstoff-

�Rohstoffquellen in der Wirtschaftszone zusammenhängen, durch die Küstenstaaten einverstanden erklären. Aber wir werden auch darauf bestehen, daß andere
Projekte der Meeresforschung nicht behindert werden.
Wir sind uns bewußt, daß sich durch diese Unterscheidung in der Praxis
schwierige Fragen ergeben können. Deshalb glauben wir, daß die Entscheidung
darüber weder den Küstenländern noch ienen Ländern überlassen werden darf, die
Forschung betreiben wollen. Sie muß letztlich von einer unparteiischen Körperschaft getroffen werden

Beilegung von Streitigkeiten
Keine Nation könnte die einseitige Interprr+ation eines derart umfassenden Vertragswerkes durch einzelne Staaten oder eine Internationale Organisation für die Nutzung der Ozeane oder irgendeine andere interessierte Partei
akzeptieren. Um eine faire Beilegung von Streitfällen im Zusammenhang mit der
Interpretation des Vertrages zu fördern, schlagen die USA die Schaffung eines
unparteiischen Schlichtungssystems vor, dessen Entscheidungen für alle Signatarstaaten bindend w'*"ren. Dadurch würde sichergestellt, daß alle Staaten
einen Rechtsweg in Anspruch nehmen könnten, der unpolitisch und unparteiisch
ist und schnell zum Ziel führt. Er würde im besonderen die Rechte aller Staaten in der Wirtschaftszone schützen, indem er Meinungsverschiedenheiten zur
Interpretation des Vertrages beilegt, die zu ernsten Konflikten zwischen den
Parteien führen könnten. Er muß verantwortlich für das angemessene Gleichgewicht zwischen den Rechten der Küstenländer und den Rechten anderer Staaten
sorgen, die ebenfalls die Wirtschaftszone der Küstenländer nutzen - ja häufig
sogar darauf angewiesen sind. Und seine Entscheidungen müssen absolut bindend
sein
Die

- 4 -

�Die Tiefsee

Der dritte, äußerst komplexe und wichtige Punkt ist das Problem der
Tiefsee. Seit Jahrzehnten wissen wir, daß die Tiefsee ein großes potentielles
Reservoir für Nickel, Mangan, Kobalt und Kupfer darstellt - Rohstoffe, deren
Gewinnung beträchtlich zum künftigen Wirtschaftswachstum beitragen könnte.
Erst in jüngster Zeit wurden Technologien entwickelt, die es uns ermöglichen,
zu diesen Rohstoff-Feldern vorzudringen und sie abzubauen...
Die Vereinigten Staaten sind in der Technologie des Meeresbergbaus den
anderen Ländern um Jahre voraus, und wir werden unsere Interessen in jeder
Hinsicht zu schützen wissen. Auch wenn keine internationale Vereinbarung über
die Ti&lt;?fsee zustande kommt, könnten und würden die USA weiterhin Forschung
und Abbau betreiben.

Aber ein solche? Vorgehen brächte nur kurzfristig Vorteile ein. Auf weite Sicht ist es gefährlich. Schließlich wird jeder technologische Vorsprung
eines Landes von anderen einmal eingeholt. Dann würde ein Wettlauf um die Ausbeutung der Tiefsee beginnen. Dies kann nur zum Wirtschaftskrieg eskalieren,
die Freiheit der Schiffahrt gefährden und letztlich zu Kraftproben und militärischen Konflikten führen. Amerika würde sich selbst und seinem moralischen
Erbe untreu, wenn es eine Welt akzeptierte, in der Macht vor Recht geht

Lassen Sie mich kurz auf die speziellen Probleme zu sprechen kommen, denen wir uns gegenübersehen,und Ihnen die Vorschläge unterbreiten, die unseres
Erachtens die Basis für eine Übereinstimmung hinsichtlich der Tiefseegebiete
abgeben könnten - nämlich
- erstens Entscheidungsapparat für die Bewirtschaftung der Tiefseeregionen...
- zweitens Zugang zu den Tiefseeregionen...
- drittens Auswirkungen von Meeresbergbau auf Produzenten, die an Fest-

- 5 -

�Festlandvorkommen gebunden sind...
Die Vereinigten Staaten sind bereit, für eine gerechte Lösung dieser Fragen große Anstrengungen zu unternehmen und die Seerechtskonferenz zu einem
rasrhen und erfolgreichen Abschluß zu bringen. In diesem Sinne machen die
USA folgende Vorschläge:
1. Um ein gerechtes Entscheidungssystem zu gewährleisten, sollte nach
amerikanischer Ansicht nach wie vor der Vertrag zur Errichtung einer Internationalen Meeresboden-Rohstoffbehörde ermächtigen, die die Prospektion und Erschließung der Tiefseeregionen überwacht. Die Behörde würde aus vier Hauptorganen bestehen:
- einer Versammlung mit den Delegierten aller Mitgliedsstaaten zur Erteilung allgemeiner politischer Richtlinien;
- einem Exekutivrat, der als politisches Entscheidungsgremium fungiert,
Betriebs- und Umweltschutzvorschriften für den unterseeischen Bergbau erläßt und die Abbauverträge für die Tiefseeregionen überwacht;
- einem Schiedsgericht, um Streitfälle auf dem Rechtswege beizulegen, und
- einem Sekretariat für die Durchführung der täglichen Verwaltungsaufgaben der Behörde.
Die USA schlagen vor
- daß der Vertrag die Befugnisse der Behörde sorgfältig detailliert, damit alle jene Rechte hinsichtlich der Nutzung der Meere erhalten werden, die
nicht unter die Zuständigkeit der Behörde fallen, und damit jegliche Oberschneidung in Rechtsfragen mit anderen internationalen Organisationen vermieden wird;
- daß Zusammensetzung und Aufbau des Exekutivrates die Interessen von
Produzenten und Verbrauchern jener Staaten reflektieren, die sich am meisten

- 6 -

i.

�*

meisten mit dem Meeresbergbau befassen. Alle Nationen, deren lebenswichtige
nationale Wirtschaftsinteressen von Beschlüssen der Behörde betroffen werden,
müssen ihren Interessen gemäß Stimme und Einfluß im Rat haben;
- daß die vorgeschlagene ständige Meeresboden-Schlichtungsstelle Fragen
der Interpretation des Vertrages und der Befugnisse der Internationalen Behörde, die von Vertragspartnern oder von im Meeresbergbau tätigen Privatfirmen
vorgebracht werden, verbindlich klärt. Ohne ein solches Schiedsgericht kommt
es mit Sicherheit zu Streitereien ohne Ende. Eine derartige Körperschaft ist
notwendig, wenn ein Vorschlag zur Meeresbodennutzung auf breiter Basis akzeptiert werden soll.

2. Angemessener Zugang zu dpn Abbaufeldern im Meer muß für alle Nationen,
Industrieländer wie Entwicklungsländer, gewährleistet sein. Die USA schlagen
vor, daß der Vertrag in nichtdiskriminierender Weise für die Staaten und ihre
Bürger den Zugang zu den Tiefsee-Rohstoffen unter spezifizierten und vernünftige'" Bed-ngungen garantiert.
- Die Forderung nach garantiertem Zugang wird nicht erfüllt, wenn der Vertrag willkürliche oder restriktive Höchstgrenzen für die Zahl der von den Nationen auszubeutenden Abbaufelder festsetzt. Solche Begrenzungen sind außerdem unnötig, weil der Meeresbergbau gar nicht monopolisiert werden kann. Es
gibt weitaus mehr produktive Abbaufelder im Meer als vermutlich in Jahrhunderten abgebaut werden können.
- Die Vereinigten Staaten sind einverstanden, wenn als Teil der internationalen ozeanischen Rohstoffbehörde ein "Unternehmen" geschaffen wird, das
berechtigt ist, die Tiefseefelder unter denselben Bedingungen zu nutzen,die
ellgemein für den Bergbau gelten.
- Die

- 7 -

�- Die USA könnten als Teil einer allgemeinen Regelung ein System akzeptieren, in dem Primärabbaufelder ausschließlich der Ausbeutung durch besagtes
Unternehmen oder direkt durch Entwicklungsländer vorbehalten bleiben - falls
dieser Modus breite Unterstützung findet. Unter diesem System würde jeder
einzelne Vertragnehmer zwei Abbaufelder vorschlagen. Die Behörde würde dann
eines der Felder auswählen, das direkt durch die Behörde ausgebeutet würde,
oder zu dem Entwicklungsländer nach eigenem Gutdünken Zugang hätten. Das zweite Feld würde vom Vertragsnehmer in eigener Regie abgebaut.
Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß die internationale Behörde ein
Verteilersystem für Einkünfte aus Bergbauaktivitäten zugunsten aller Staaten,
in erster Linie aber für den Bedarf der ärmsten Länder überwacht. Diese Einkünfte werden nicht nur Fortschritt und Wachstum der Entwicklungsländer fördern. Sie liefern auch den konkreten Beweis, daß politische Zusammenarbeit
einen fairen Anteil weltweiter Wirtschaftsaktivität einbringt. Die Beteiligung an den Einkünfte könnte entweder auf einem Abgabesystem oder auf der
Beteiligung an Bergbaugewinnen der Vertragsnehmer basieren. Durch ein solches
System würde der erklärte Vorsatz verwirklicht, die Tiefseeregionen als gemeinsames Gut der Menschheit zu betrachten.
- Schließlich sind die Vereinigten Staaten auch bereit, sich intensiv um
die Förderung des technischen Know-how und des Zugangs von Entwicklungsländern
zu modernen unterseeischen Bergbauverfahren zu kümmern, um ihnen auf diesem
Gebiet Hilfestellung zu leisten. So sollten beispielsweise Privatfirmen Anreize gegeben werden, sich an Vereinbarungen über den Technologietransfer und
die Ausbildung von Fachleuten aus Entwicklungsländern zu beteiligen.

3) Angesichts der berechtigten Besorgnisse der auf Festlandsvorkommen
angewiesenen Produzenten von Mineralien, welche auch in Tiefseefeidern gefunden
werden, bieten wir als zusätzlichen wichtigen Beitrag zu den Verhandlungen
folgende Schritte an:
- Die

- 8 -

�)

- Die Vereinigten Staaten sind in Bezug auf die Produktion von Meeresmineralien für die Dauer einer im Vertrag festgelegten Zeitspanne bereit, eine
temporäre Begrenzung zu akzeptieren, di'p an Prognosen für das - gegenwärtig
auf ca. 6 Prozent pro Jahr geschätzte - Wachstum dp«; Weltnickelmarktes gebunden ist. Dies würde im Endeffekt auch die Produktion anderer, in unterseeischen Erzknollen enthaltenen Mineralien, einschließlich Kupfer, begrenzen.
Nach Ablauf dieser Periode sollte sich die unterseeische Produktion an den
allgemeinen Marktverhältnissen orientieren können.
- Die USA schlagen vor, daß die Internationale Meeresboden-Behörde das
Recht zur Beteiligung an allen internationalen Abkommen über handelsfähige Güter aus der ihrer direkten Verantwortung unterstehenden unterseeischen Produktion gemäß deren Umfang erhält. Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit Flexibilität die Einzelheiten von Abkommen zu prüfen, die die Beziehungen zwischen
der Behörde und den Partnern jeglicher künftiger Abkommen über handelbare
Güter betreffen.
- Die vereinigten Staaten schlagen vor, daß ein Teil der Einkünfte der
Internationalen Meeresrohstoff-Behörde für Anpassungs-Hilfeleistungen verwendet wird, und daß Weltbank, regionale Entwicklungsbanken und andere internationale Institutionen Länder bei der Verbesserung ihrer Wettbewerbschancen
oder anderen Wegen zur Diversifikation ihrer Produktion unterstützen, falls
sie durch die Gewinnung unterseeischer Mineralien ernstlich geschädigt sind.
Eine vordringliche Aufgabe der Internationalen Behörde, existiert diese einmal,
wird es sein, gemeinsam mit anderen internationalen Institutionen ein Anpassungs-Hilfeprogramm für Länder auszuarbeiten, deren Wirtschaft infolge des
unterseeischen Bergbaues aus dem Gleichgewicht gerät.
Diese Vorschläge zur Frage der Tiefsee-Rohstoffe werden im Geiste der
Zusammenarbeit und der Kompromißbereitschaft unterbreitet, der auch unsere
wirtschaftlichen Vorschläge auf der 7. Sondersitzung kennzeichnete und der
unsere Politik gegenüber den Entwicklungsländern leitet. Die Vereinigten

- 9 -

�V

Vereinigten Staaten prüfen ein breites Spektrum von Warenhandelsproblemen und
von Mitteln und Wegen, wie sie auf annehmbare Weise zu lösen sind. Wir beabsichtigen, auf der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung im kommenden Monat
in Nairobi eine aktive Rolle zu spielen und legen spezielle Vorschläge vor.
Wir hoffen in der Rohstoffkommission der Konferenz über internationale
wirtschaftliche Zusammenarbeit in Paris au* einen konstruktiven Dialog, und
wir sind an den Gesprächsrunden zwischen Produzenten und Verbrauchern, in denen - wie kürzlich auf der Kupferkonferenz - über einzelne Güter verhandelt
wird, aktiv beteiligt.
Die USA sind der Ansicht, daß sich die Weltgemeinschaft einer ernsten Verantwortung gegenübersieht. Unser Land darf

seine Bemühungen nicht aufschieben,

durch Tiefsee-Bergbauprojekte eine gesicherte Versorgung mit wichtigen Rohstoffen aufzubauen. Wir befüworten dringend ein

internationales Abkommen, das

bereits vor der Erschließung dieser Rohstoffe einen stabilen rechtlichen Rahmen
schafft, einen Rahmen, der gewährleistet, daß alle Rohstoffe zum Besten der
Weltgemeinschaft verwertet werden und daß sich alle daran beteiligen können.
Kommt jedoch in diesem Jahr ein solches Abkommen nicht zustande, so wird es
zunehmend schwieriger werden,

sich dem Druck zu einseitigem Vorgehen zu wider-

setzen. Durch ein Abkommen über die Tiefseerohstoffe würde es jedoch möglich,
die weltweite Interdependenz von einem Schlagwort in Realität zu verwandeln

XXX

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7/1976

SCHLECHTE WEIZENERNTE IM SÜDWESTEN DER USA ERWARTET
- Seit Monaten ungewöhnlich hohes Regendefizit -

--(AD)-- In den Bundesstaaten Colorado, Kansas, Neu Mexiko, Oklahoma und
Texas rechnet das amerikanische Landwirtschaftsministerium 1976 mit einem Minderertrag an Winterweizen gegenüber der Ernte im Jahre 1975 um ca. 26 Prozent. Infolge der Trockenheit dürfte in dieser Region die diesjährige Ernte
nur ca. 14,2 Millionen Tonnen (19,2 Millionen Tonnen im Vorjahr) erbringen.
Normalerweise liefern die genannten fünf Bundesstaaten ein Drittel der gesamten Weizenernte der Vereinigten Staaten, die 1975 insgesamt 58,1 Millionen
Tonnen betrug.
Schon während der Aussaat im Herbst war es ungewöhnlich trocken; die
Niederschläge erreichten nur ein Viertel der sonst üblichen Menge. Und während
der sowieso niederschlagsarmen Monate Dezember und Januar lag das Defizit
wiederum bei mehr als 5o Prozent. In einigen Landstrichen hat es seit Monaten
nicht mehr geregnet. Durch Winderosion wurden zusätzliche Schäden verursacht.
Trotz

- 1 -

�Trotz der düsteren Prognosen für den amerikanischen Südwesten haben bisher jedoch die Weizenpreise kaum angezogen. Die Gründe dafür sind in den noch
immer beträchtlichen Vorräten aus der Vorjahresernte und den bisher relativ
günstigen Wetterbedingungen in den übrigen Weizenanbaugebieten zu suchen.
Das amerikanische Landwirtschaftsministerium kündigte für den 10. Mai
1976 die Veröffentlichung eines Berichtes über die Gesamtsituation in den
Weizenanbaugebieten an.

X X X

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7/1976

"LÄRMSCHUTZ"
Fachausstellung im US-Handelszentrum, Frankfurt/Main

Vom 22. bis 25. Juni 1976 veranstaltet das US-Handelszentrum in
Frankfurt am Main eine Ausstellung, an der etwa 25 amerikanische Hersteller
von Geräten und Vorrichtungen für Lärm/Vibrationsanalyse und -Schutz teilnehmen. Auch für diese Ausstellung ist, wie üblich, eine Fachtagung mit
Interessantem Vortragsprogramm geplant. Auf ihr werden die neuesten Entwicklungen der amerikanischen Aussteller vorgestellt, unter anderem:
Schallmeßgeräte:

Automatische und manuelle Schallmeß- und -Über-

wachungsgeräte, Eichnormale, Digitalrechner für Fourier- und Spektralanalyse, Filter, Lärmbelastungsmesser, stationär und tragbar, Geräuschgeneratoren, Oszillografen.
Schall Schutzeinrichtungen und -materialien:

Schallschutzkabinen,

-Vorhang sowie -trennwandsysteme, Maschinenprüfzellen, Echolose Räume,
Geräuschdämpfer, Dämmplatten, -matten und andere Materialien.
Gehörschutzeinrichtungen:

Überwachungsgeräte,

"Elektrische Ohren",

Ohrensch'ützer mit und ohne Kopfhörer und Mikrofon.
Geräte

�Geräte mit Vibrationsmeßtechnik: Vibrationsdämpfer, Monitoren und
Analysatoren, Prüfgeräte und -Systeme.
Der Lärmbekämpfung wird in Deutschland immer mehr Bedeutung zugeordnet.
Das Marktvolumen auf diesem Gebiet wird derzeit auf etwa 30 Millionen DM
geschätzt, bei einer jährlichen Zuwachsrate von mindestens 20 Prozent bis
zum Jahre 1979. Im kommenden Jahr werden sich etwa 11 500 Ingenieure und
Techniker in Industrie, Behörden und Organisationen speziell mit der Lärmbekämpfung befassen, gegenüber ca. 5700 im Jahre 1971. Infolge der bereits
existierenden oder noch zu erlassenden Arbeitnehmerschutzvorschriften ist
ein Marktpotential von ca. 55 000 Industriebetrieben vorhanden. Dieses
wird ergänzt durch Aufwendungen im Rahmen des allgemeinen Umweltschutzes.
Weitere Informationen und komplette Programme durch:
US-Handelszentrum
Bockenheimer Landstraße 2/4
5000 Frankfurt/Main
Tel.: (0611) 72 08 Ol, Telex: 4-16535

+ + + + +

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger umreißt US-Politik gegenüber dem südlichen Afrika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Außenministers in Lusaka am 27. April 1976 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seerecht: Prüfstein für internationale Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Außenminister Henry Kissinger legt US-Standpunkt auf der 3. Internationalen Seerechtskonferenz dar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schlechte Weizenernte im Südwesten der USA erwartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Seit Monaten ungewöhnlich hohes Regendefizit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Lärmschutz"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fachausstellung im US-Handelszentrum, Frankfurt/Main&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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Nummer 8

1 2 . Mai 1976

Inhalt

DOKUMENTATION:

Kissinger umreißt Programm zur Lösung der Nord-Südprobleme
-Rede des US-Außenministers auf der Welthandelskonferenz am 6.Mai 1976-

INF0RMATI0N:
Mit Energie sparsamer wirtschaften
-US-Energiebehörde ERDA fordert Maßnahmen für rationelleren VerbrauchInternationale Verpackungs-Fachmesse in USA

HINTERGRUNDMATERIAL:
UN-Konferenz "Habitat"

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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8/1976

KISSINGER UMREISST PROGRAMM ZUR LÖSUNG DER NORD-SÜDPROBLEME
- Rede des US-Außenministers auf der Welthandelskonferenz am 6. Mai 1976 -

NAIROBI --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Henry A. Kissinger hat am
6. Mai vor der Welthandelskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) in einer
wirtschaftspolitischen Grundsatzerklärung ein umfassendes Programm zur Lösung
der Nord-Südprobleme entwickelt. Der wohl wichtigste der amerikanischen Vorschläge sieht die Errichtung einer Internationalen Ressourcenbank (IRB) vor,
die mit einem Stammkapital von einer Milliarde Dollar ausgestattet und die
Förderung gesunder Ressourcenprojekte in den Entwicklungsländern zu für diese
tragbaren Bedingungen übernehmen soll. Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, hochverehrte Delegierte, meine
Damen und Herren:
Wir sind hier zusammengekommen, um eines der wichtigsten Unterfangen in
der Geschichte voranzutreiben - es handelt sich um die Anstrengungen unabhängiger Länder zur Förderung der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung und
zur Verbesserung der Lebensqualität für die Menschen auf der Erde. Unser Ziel
ist kein Geringeres, als ein System internationaler Zusammenarbeit zu gestalten, das von Bestand ist und allen Völkern Frieden und Wohlstand, gleiche
Möglichkeiten und Würde verheißt.
Die
- 1 -

�Die Menschen haben sich ^

nach Frieden und e i n e r g e r e c h t e n Weltord.

nung gesehnt. In unserer Zeit sind diese beiden miteinander verflochtenen
Ziele zu einer realistischen Möglichkeit geworden. Ihre Verwirklichung fordert
von uns, daß wir Aufgaben bewältigen, deren Umfang das Vermögen einzelner
Länder übersteigt, deren Komplexität die Schlagworte und Lösungen der Vergangenheit Lügen straft und deren Tempo das der traditionellen Diplomatie
in den Schatten stellt.
Wir alle müssen uns mit dem zwingenden Gebot einer weltweiten Stabilität
befassen wie auch mit der Aufgabe, Konflikte beizulegen, Spannungen abzubauen
und dem Aufflackern eines neuen Imperialismus, neuer Unterdrückungen und
neuer Gefahren entgegenzutreten. Hier haben die Vereinigten Staaten gemeinsam
mit den übrigen Ländern eine schwere Verantwortung auf sich genommen.
Unsere positiven Bestrebungen gehen aber noch über das hinaus. Das amerikanische Volk ist ein humanes Volk. Wir wissen, daß Stabilität nicht genug
ist; der Friede muß die Menschen einem besseren Leben näher bringen. In der
Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, dem Dokument, das unsere
nationale Existenz begründete, heißt es, daß "alle Menschen gleich geschaffen sind" und daß sie ein Recht auf "Leben, Freiheit und das Streben nach
Glück" haben. Diese Bestrebungen haben mich nach Nairobi geführt - um im Namen
von Präsident Ford und der amerikanischen Regierung diese große Sache, die wir
alle

gemeinsam verfolgen, zu fördern.
Im großen geschichtlichen Rahmen gesehen wird die Zukunft von Frieden und

Fortschritt möglicherweise ganz eindeutig dadurch bestimmt werden, wie wir
auf die Erfordernisse reagieren, die sich für uns durch unsere wirtschaftliche
Interdependenz zwingend ergeben. Dies ist die Aufgabe, deretwegen wir hier
zusammengekommen sind - die dringende Notwendigkeit, kooperative Lösungen für
die neuen globalen Probleme der Weltwirtschaft zu finden. Diese Fragen bestimmen die Thematik der sich entwickelnden Beziehungen zwischen Nord und
Süd, zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern.
- Es

�- Es handelt sich um Fragen wirtschaftlicher Natur - die Schaffung eines
wirksamen Systems für Handel, Währungsbeziehungen und Entwicklungshilfe und
um Maßnahmen, die sicherstellen, daß die Prosperität einiger Länder nicht auf
Kosten der übrigen geht.
- Es handelt sich um Fragen politischer Natur - wie die Länder sich zueinander verhalten und wie wir eine Weltordnung schaffen können, die dem Frieden dient.
- Es handelt sich um Fragen der Moral - die Erkenntnis, daß wirtschaftliche Macht nicht Recht schafft.
- Und es handelt sich um Fragen der Gerechtigkeit - die Einsicht, daß der
Wohlstand unserer Väter von einem internationalen System abhängig ist, das
für alle fair und offen ist.
Das moderne Zeitalter, unsere gemeinsame Moral und unsere ständigen Beteuerungen setzen die Achtung vor der Menschenwürde und die Entfaltung der
menschlichen Persönlichkeit voraus. Aber eine Welt, in der ungezählte Millionen weiter in Armut und Elend leben, würde diesen Forderungen Hohn sprechen.
Die Männer und Frauen wären tagtäglich vor die harte Notwendigkeit des bloßen
Überlebens gestellt; die ganze Kraft der Völker würde in Haß und Rivalität verbraucht werden. Wir müssen stattdessen eine Welt der Zusammenarbeit und immer
größerer Möglichkeiten für die Menschen errichten, die der grundlegenden Interdependenz unseres Schicksals Rechnung trägt.
Heute binden die immer schneller wirkenden Kräfte der Modernisierung
- technologische, wirtschaftliche, soziale und politische - die Völker der
Welt enger aneinander als jemals zuvor. Diese Kräfte können die Konflikte
verschärfen oder sie können uns noch nie dagewesene Möglichkeiten in die
Hand geben, um unsere gemeinsamen Ziele zu fördern. Alle Nationen sind Teil
eines weltweiten Wirtschaftssystems. Wenn dieses System blühen soll, dann
muß es auf der festen Grundlage von Sicherheit, Fairneß und gleichen Mög-

- 3 -

�Möglichkeiten für alle, die sich an ihm beteiligen wollen - für Reiche und
Arme, für Nord und Süd, für Verbraucher und Erzeuger - basieren. Es muß die
Interessen aller wahrnehmen, wenn es von allen unterstützt werden soll. Präsident Ford hat mich mit dem Auftrag hierher gesandt, konstruktive und kooperative Beziehungen zwischen den Industriestaaten und Entwicklungsländern für
den Rest dieses Jahrhunderts zu schaffen.
Die UNCTAD- Ministertagung ist die erste ihrer Art, die in Afrika abgehalten wird. Dies ist besonders deshalb angebracht, weil die Bedeutung Afrikas
in der Weltpolitik ständig zunimmt. Und die afrikanischen Länder haben ein
besonders großes Interesse an einer erfolgreichen Konferenz, die zu konkreten
Fortschritten führt. Kein Kontinent war anfälliger für die weltweite wirtschaftliche Instabilität. Kein Kontinent hat so schwer darunter zu leiden,
wenn es aufgrund mangelnder Niederschläge zu Mißernten kommt. Kein Kontinent
hat größere Belastungen zu ertragen, wenn die Rohstoffpreise starken Schwankungen unterliegen. Und kein Kontinent hat mehr zu gewinnen von der organisierten Zusammenarbeit aller Länder, die den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt fördern und sicherstellen soll, daß die Entwicklungsländer bei den
wirtschaftlichen Planungen der Welt eine größere Rolle spielen.
i

Afrika ist ein Kontinent stolzer Traditionen und junger Nationen, wachsender Erwartungen und steigender Entschlossenheit angesichts einer wahrhaft
monumentalen Herausforderung. Hier kann - und in der Tat muß - gezeigt werden, daß Menschen aller Rassen und Hautfarben in Frieden mit gleichen Rechten
und unter gegenseitiger Achtung zusammen leben und zu Wohlstand gelangen können.
......

,

In den letzten beiden Wochen hatte ich die Ehre, Gast Afrikas sein und
mich der ungewöhnlich großzügigen Gastfreundschaft seiner Völker und seiner
Staatsmänner erfreuen zu dürfen. Ich habe aus meinen Gesprächen mit den
afrikanischen Staatsmännern großen Nutzen gezogen und ich habe vieles über die
Sorgen und Hoffnungen der Völker Afrikas gelernt. Die Nationen dieses Kontinents können zuversichtlich sein, daß die Vereinigten Staaten bereit sind,mit

�mit ihnen in ihrem großen Kampf um Gerechtigkeit, wirtschaftlichen Fortschritt und Freiheit von ausländischer Intervention zusammenzuarbeiten.

Heute stehen wir alle in einem ganz besonderen Maße in der Schuld der
Republik Kenia und ihres in der ganzen Welt hochgeschätzten Führers, des Präsidenten Kenyatta, der diese herrliche Stadt als Konferenzort zur Verfügung gestellt hat. Die amerikanische Delegation ist nach Nairobi gekommen, um gemeinsam mit den Vertretern der anderen Nationen einen wichtigen Schritt vorwärts
in Richtung auf eine internationale Zusammenarbeit zu tun.

Wir treten in diese Konferenz in einem Augenblick großer Möglichkeiten
ein. Die Welt erholt sich gegenwärtig von einer schweren Rezession, mein eigenes Land vielleicht am raschesten. Die wachsende amerikanische Nachfrage nach
Erzeugnissen anderer Länder wird einen wesentlichen Beitrag zur Wiedererholung
überall auf der Welt leisten. Zahlreiche Hindernisse für ein stetiges Wirtschaftswachstum bestehen weiter; aber es gibt überzeugende Anzeichen dafür,
daß wir den schlimmsten Teil der Wirtschaftskrise Verstanden haben und daß
vor uns, wenn wir klug und energisch handeln, die Möglichkeit für eine neue
und lange Zeit des Wohlstandes liegt.

Daher ist dies vielleicht ein entscheidender Augenblick, der uns eine
kurze, aber ganz besondere Gelegenheit bietet, das internationale Wirtschaftssystem der Welt zu festigen und zu verbessern. Jetzt ist der Augenblick gekommen, um die Welt von den zersetzenden Zyklen von Hochkonjunktur und wirtschaftlichem Niedergang zu befreien und die Möglichkeiten für die Entwicklungsländer zu stärken.
Die Vereinigten Staaten könnten - besser fast als jedes andere Land eine Periode der Wirtschaftskriege überstehen. Wir können Konfrontationen und
rhetorischen Angriffen begegnen, falls andere Staaten sich, für diesen Weg entscheider, sollten.'Ind wir können unrealistische Vorschläge und ungerechtfertig-

- 5 -

�ungerechtfertigte Forderungen ignorieren. Aber die sich jetzt bietende histori-*sche Gelegenheit würde uns entgleiten. Es liegt bei uns als den Sprechern der
Länder, die auf diesem Forum der Welt zusammengekommen sind, unbeeinflußt von
den Zweifeln und Versuchungen des Augenblicks die ständigen internationalen
Interessen von uns allen anzusprechen, Wenn wir dies tun, können wir Mut aus
der Erkenntnis schöpfen, daß die Mittel zur Verwirklichung einer schöneren Zukunft vorhanden sind. Es liegt im Bereich unserer Macht, eine Welt zu gestalten, in der alle Menschen in Würde leben und nach Fortschritt trachten können.
So wollen wir uns als Ziel dieser Konferenz und dieses Dialogs zwischen
Industriestaaten und Entwicklungsländern das Motto der Republik Kenia vor
Augen halten: "Harambee - arbeitet zusammen zum Wohle aller".
. . . .

t

.

.

So wollen wir auf den positiven Ergebnissen der 7." Sondersitzung der UNVollversammlung im letzten September aufbauen. Auf dieser Tagung haben Industriestaaten und Entwicklungsländer in einer ermutigenden Demonstration der Übereinstimmung die ideologische Konfrontation beiseite geschoben, es als ihr gemeinsames Ziel erklärt, Fortschritte durch Kooperation zu erreichen, und
einen gemeinsam vereinbarten Aktionsplan verabschiedet.
Im Namen von Präsident Ford appelliere ich an diese Konferenz, die Anstrengungen zu beschleunigen und i'n dem kooperativen Geist von damals weiterzuarbeiten. Ich werde neue Vorschläge zu all den vorrangigen Anliegen dieser Konferenz unterbreiten, die dem Rechnung tragen, was wir von Ihren Vorstellungen
und Bestrebungen in der Mänila-Deklration und in anderen Foren - dies schließt
auch die Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Paris
ein - vernommen haben.
Diese Vorschläge sind ein Beitrag aller zuständigen Ämter und Behörden der
amerikanischen Regierung, die der Weisung des Präsidenten unterstehen. Ich habe
bei der Formulierung dieses-von uns vorgelegten Programms besonders eng mit
meinem Kollegen, Finanzminister Simon, zusammengearbeitet.
Die

�Die nachhaltige Unterstützung unseres Programms durch beide politische
Parteien ist darauf zurückzuführen, daß wochenlang enge Konsultationen zwischen der Exekutive und den beiden Häusern unseres Kongresses stattgefunden
haben. Dies wird auch dadurch demonstriert, daß zwei geschätzte Senatoren
an dieser Konferenz hier teilnehmen, die unsere beiden politischen Parteien
vertreten. Weitere Senatoren und Mitglieder des Repräsentantenhauses werden
hierherkommen, sobald unsere Arbeit voranschreitet.
Die Vereinigten Staaten versichern feierlich, daß sie sich voll und ganz
für eine Zusammenarbeit in den kommenden Jahrzehnten einsetzen werdpn und hierzu bereit sind. Wir tun dies in aller Aufgeschlossenheit. Wir wollen Ihre
Vorstellungen und Vorschläge hören. Wir sind hier, um Gedanken auszutauschen
und eine erneute Obereinstimmung zu erreichen.

Wo stehen wir mit unseren Anstrengungen?

Zunächst möchte ich einen Überblick über das geben, was unsere Länder gemeinsam seit dem September letzten Jahres erreicht haben:
- Wir haben auf der 7. Sondersitzung Maßnahmen vereinbart, die dazu beitragen sollen, eine grundlegende wirtschaftliche Sicherheit gegen Zyklen zu
gewährleisten, durch die unsere Exporterlöse ausgehöhlt und die wirtschaftliche Entwicklung untergraben werden könnten. Im Januar hat der Internationale
Währungsfonds (IWF) die von uns vorgeschlagene kompensierende Finanzierungsfazilitat aufgestockt, um mehrere Milliarden Dollar zur Stabilisierung der
Exporterlöse verfügbar zu machen.
- Im September hatten wir zugesagt, das Wirtschaftswachstum durch verbesserten Zugang für die Entwicklungsländer zu den Kapitalmärkten und zu neuen
Technologien zu beschleunigen. Zu diesem Zweck haben die Vereinigten Staaten

- 7 -

�Staaten, andere Industriestaaten und mehrere Erdölförderländer, damit begonnen, vermehrt Kapital, technologisches Wissen und Arbeitskräfte zur Förderung
der wirtschaftlichen Entwicklung bereit zu stellen,, Wir stehen gegenwärtig in
Verhandlungen über eine Erhöhung des Kapitals der Weltbank um 8 Milliarden
Dollar; wir werden unseren fairen Beitrag zu einer Aufstockung der Mittel der
Interamerikanischen Entwicklungsbank um 6 Milliarden Dollar leisten; wir werden einen Beitrag zur Aufstockung des Afrikanischen Entwicklungsfonds leisten;
wir beteiligen uns aktiv an den Gesprächen über eine Wiederauffüllung der Mittel des Asiatischen Entwicklungsfonds und der Asiatischen Entwicklungsbank.
•

•

- Auf der Sondersitzung ist die Völkergemeinschaft der Welt dafür eingetreten, Handel und Investitionen bei den wichtigsten Rohstoffen zu verbessern.
Bei verschiedenen wichtigen RohstoffProblemen sind bereits internationale Lösungen erreicht worden; so waren die Verhandlungen über Kaffee- und Zinnabkommen erfolgreich. Fortschritte sind ferner bei einer besseren Versorgung der
Welt mit ihrem wichtigsten Rohstoff - mit Nahrungsmitteln - erzielt worden.
- Und schließlich hat die Völkergemeinschaft der Welt auf der Sondersitzung
die Verpflichtung übernommen, den besonderen Erfordernissen der ärmsten Länder
zu entsprechen, die am stärksten unter der jüngsten Wirtschaftskrise zu leiden
hatten. Wir haben wesentliche Fortschritte bei der Bereitstellung finanzieller
und technischer Hilfe zur Steigerung der Lebensmittelerzeugung sowie bei der
Einführung neuer Verfahren erzielt, die zu einer Milderung der erdrückenden Zahlungsbilanzprobleme der ärmsten Staaten beitragen sollen»
Diese Erfolge sind lediglich der Anfang dieses Prozesses, Wir stehen dieses
Jahr in der Mitte der wohl umfassendsten Serie internationaler Verhandlungen
auf den Gebieten des Handels, der Finanzierung, der Rohstoffe und der Wirtschaftsentwicklung der Geschichte - bei diesen Verhandlungen sind mehr Länder
beteiligt, werden mehr Fragen angesprochen und von ihnen werden mehr Völker betroffen denn jemals zuvor in der Geschichte- Diese Konferenz hat eine wichtige
Rolle zu spielen. Im besonderer, können wir unsere Arbeit auf vier Schlüssel -

- 8 -

�Schlüssel gebieten vorantreiben:
Erstens müssen wir erneute Anstrengungen bei den Rohstoffprob lernen unternehmen; dies schließt auch die Probleme der Investitionen bei und des Handels
mit Rohstoffen ein. Rohstoffe - Energie, Nahrungsmittel und andere Primärerzeugnisse - sind die Bausteine, auf denen Wachstum und Prosperität sich begründen. Für zahlreiche Länder bildet die Erschließung der Ressourcen den
Schlüssel zur Industrialisierung, zu höherer Beschäftigung, angemessenen Einkommen und gesunder Ernährung. Alle Länder brauchen eine ausreichende Versorgung mit Primärerzeugnissen und eine faire Kompensierung für ihre Erzeugung.
Die Lösung des Komplexes all dieser Fragen ist ein entscheidender Test dafür,
ob wir in der Lage sind, gemeinsam systematisch auf eine Steigerung des Wohlstandes der Welt zum Wohle aller hinzuarbeiten*
Zweitens müssen wir ein weitreichendes, langfristiges Programm zur Beschleunigung des technologischen Transfers entwickeln. Der Umfang der Kapitalinvestitionen an sich gewährleistet noch keine stetige wirtschaftliche Entwicklung. Es müssen genauso stetige Steigerungen der Produktivität erzielt
werden, die nur neue Technologien und ausgebildete einheimische Arbeitskräfte
bringen können. Umfassende Anstrengungen sind entscheidend wichtig: diese Frage verdient hohe Priorität und wird umfassende Anstrengungen erfordern.
Drittens müssen wir uns mit schwerwiegenden Zahlungsbilanz- und Schuldenproblemen befassen, denen sich eine Reihe von Entwicklungsländern gegenübersieht. Wachsende Importkosten, zum gr0-3ten Teil durch höhere ölpreise verursacht, und geringere Exporterlöse, die auf die Rezession in den Industriestaaten zurückzuführen sind, haben noch nie dagewesene Zahlungsbilanzprobleme geschaffen. Eine Besserung der Weltwirtschaftslage wird das Problem automatisch
für zahlreiche Länder mildern. Trotzdem müssen wir weiter nach Wegen suchen, wie
angesichts der besonderen Probleme bestimmter Entwicklungsländer geholfen werden kann.
Viertens

�Viertens müssen

w&gt; weiterhin den besonderen und dnnnenden Erfordernis-

sen der ärmsten Länder Rechnung tragen. Die Unterstützung dieser Länder wird
nicht nur zeigen, daß die Weltwirtschaft in der Lage ist, allen Ländern gleich
zu dienen; sie wird auch Ausdruck unseres kollektiven Verantwortungsbewußtseins sein.
Lassen Sie mich jetzt spezifische neue Wege vorschlagen, wie jedem dieser
vier Probleme begegnet werden kann:
Die Rohstoffexporte sind für die wirtschaftliche Entwicklung von entscheidender Wichtigkeit. Die Entwicklungsländer ohne eigene Ölvorkommen sind bei
ihren Exporterlösen fast zu zwei Dritteln auf Primärerzeugnisse angewiesen.
Produktion und Export dieser Rohstoffe werden jedoch durch die Launen des Wetters, die Fluktuationen der weltweiten Nachfrage sowie die neuen Technologien
beeinflußt. Die Zyklen von Verknappung und Überfluß, von zu geringer Investitionstätigkeit und Überkapazitäten wirken sich nachteilig auf die wirtschaftlichen Bedingungen in den Entwicklungsländern wie auch in den Industriestaaten
aus.
Es ist in den letzten Jahren klar geworden, daß ein schrittweises Anpacken
dieser Probleme nicht ausreicht. Das UNCTAD-Sekretariat hat mit seinem integrierten Rohstoffprogramm einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieser Probleme
geleistet. Die Vereinigten Staaten können zwar nicht alle seine Elemente akzeptieren, doch sind sie zu einer Erörterung zahlreicher Aspekte bereit.

Auf dieser Konferenz unterbreiten die Vereinigten Staaten einen eigenen
umfassenden Plan zur Lösung der Rohstoffprobleme. Er trägt zahlreichen Zielen
des integrierten Programms wie auch unserem Wunsch nach konstruktiven Maßnahmen
auf allen Bereichen dieser Herausforderung Rechnung. Der Plan enthält folgende
Punkte:

�- Er soll eine ausreichende Finanzierung der Erschließung von Ressourcen
und eine gerechte Beteiligung des Gastlandes an den Erträgen sicherstellen;
- er soll die Bedingungen für den Handel mit und Investitionen bei den
einzelnen Rohstoffen verbessern und bei zu starken Preisschwankungen mildernd
wirken;
- er soll die Gesamtexporterlöse der Entwicklungsländer stabilisieren;
- er soll den Entwicklungsländern einen verbesserten Zugang zu den Absatzmärkten für verarbeitete Erzeugnisse geben und gleichzeitig den Verbrauchern eine zuverlässige Belieferung gewährleisten.
Lassen Sie mich jetzt zu jedem dieser Punkte Stellung nehmen:

Ausreichende Investitionen
Der größte Teil der Gewinnung von Rohstoffen auf der Welt findet in der
Tat in den Industriestaaten statt. Wenn jedoch die wirtschaftliche Entwicklung voranschreiten soll, müssen besondere Anstrengungen zur Steigerung der
Gewinnung und des Exports von Primärerzeugnissen in den Entwicklungsländern gemacht werden. Ein solches Programm muß die folgenden Probleme lösen:
Erstens: wir müssen die politischen und wirtschaftlichen Probleme realistisch angehen,durch die Investitionen aus Entwicklungsländern in Industriestaaten abgeleitet werden. Paradoxerweise suchen gerade die Länder von einer
Erschließung von Ressourcen abzuraten, die ihrer am meisten bedürfen. Nationalisierung und erzwungene Veränderung der Konzessionsbedingungen in einigen
Entwicklungsländern haben das allgemeine Klima für Ressourceninvestitionen in
der unterentwickelten Welt verschlechtert. Soziale und politische Unsicherheit
haben die Aussichten für Investitionen weiter kompliziert. Infolgedessen sind
wirtschaftlich lebensfähige Projekte hinausgeschoben, aufgegeben oder andernorts durchgeführt worden. Kapital Überschüsse, Management und Technologie sind
für eine teurere Erschließung von Rohstoffen in der industrialisierten Welt
verwandt worden.

Zweitens:

�Zweitens: Schon im nächsten Jahrzehnt wird der weltweite Gesamtbedarf
an Investitionen zur Erschließung von Ressourcen gewaltig sein. Einzelne Projekte werden Kapital summen in bisher unbekannter Größenordnung und komplizierte.finanzielle Arrangements erfordern. Auch wird die Zeitspanne zwischen
dem Beginn eines Projekts und seiner Vollendung zwangsläufig immer größer.
Alle diese Faktoren vermehren die politischen Unsicherheiten und wirken sich
als weiteres Hemmnis für rationelle Investitionen aus.
Drittens: Es gibt keine Institution, die sich in umfassender Weise dafür
einsetzen kann, daß die Erschließung von Ressourcen - vor allem auf dem Gebiet der Energie und der Mineralien - erleichtert oder eine faire Beteiligung
an ihrer Nutznießung gefördert wird.
Wenn die derzeitigen Trends weiter anhalten, dann sind schwerwiegende
Fehlleitungen von Kapital, Management und Technologie unvermeidbar» Die Kosten
für Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte werden explodieren. Viele potentielle Produzenten werden nicht in der Lage sein, das erforderliche Kapital
zu erhalten. Alle Länder werden den Preis dafür in Form beschleunigter Inflation und verlangsamten Wachstum zahlen - wobei die ärmsten Länder am meisten
darunter zu leiden haben.
Um diese Probleme zu überwinden

schlagen die Vereinigten Staaten die Ein-

richtung einer Internationalen Ressourcenbank (IRB) vor. Diese neue Institution würde der Förderung einer rationelleren, systematischeren und faireren
Erschließung von Ressourcen in den Entwicklungsländern dienen. Sie würde die
technologische Entwicklung und die unternehmerische Ausbildung in den Entwicklungsländern erleichtern. Sie würde mithelfen, den Rohstoffbedarf sicherzustellen, damit die Expansion der Weltwirtschaft aufrechterhalten werden kann, und
sie würde zu einer Abschwächung der Fluktuationen bei den Grundstoffpreisen
beitragen.

�Die Internationale Ressourcenbank würde Kapital für gesunde Projekte zur
Erschließung von Ressourcen durch Unterstützung einzelner Ressourcenprojekte
mobilisieren, um eine Direktfinanzierung sicherzustellen, und sie würde Bonds
herausgeben, für die der betreffende Rohstoff als Sicherheit dienen könnte.
Eine Alternative wäre, daß die Bonds mit Lieferung eines bestimmten Rohstoffes
eingelöst würden. Rohstoff-Bonds dieser Art könnten die Bedingungen für Lieferung und Marktzugang wesentlich verbessern und den Entwicklungsländern bei
der Stabilisierung ihrer Exporterlöse helfen.
Um das Vertrauen sowohl der Gastregierungen als auch der Investoren zu
stärken, würde die Internationale Ressourcenbank ihre Tätigkeit mit einem Kapitalfonds von einer Milliarde Dollar beginnen. Sie würde zusammen mit den
ausländischen Investoren und den Gastregierungen an den Abkommen für die Projekte beteiligt sein, in denen die Bedingungen für die Investition auf einer
für alle Parteien akzeptablen Basis genau festgelegt werden. Ein solches Abkommen könnte eine Formel für die Aufteilung der Produktion sowie Zusagen des
Investors einschließen, bei der Entwicklung des Manager-, Technologie- und
Vertriebspotentials des Gastlandes zu helfen. Die Bank würde hinter der Garantie stehen, daß sowohl der Investor als auch das Gastland sich gemäß den Bedingungen verhalten, die in dem Projektabkommen festgelegt worden sind.
Um eine wirksame Koordinierung mit anderen öffentlichen Institutionen zu
gewährleisten, könnte die Internationale Ressourcenbank mit der Weltbankgruppe
assoziiert werden, und zwar in einer Form, die von den Mitgliedsstaaten festzulegen wäre. Sie könnte in enger Zusammenarbeit - und zwar weit wirksamer mit anderen Institutionen wie der Weltbank und der mit dieser assoziierten Internationalen Finanzierungsgesellschaft, der Interamerikanischen Entwicklungsbank wie auch mit dem Revolvingfonds der Vereinten Nationen für die Mineralexploration ihre Tätigkeit durchführen.
Der IRB-Vorschlag bietet zahlreiche Vorteile und neue Konzeptionen:
- Ihre

- 13 -

�- Ihre Förderrolle als dritte Partei neben dem Gastland und dem ausländischen Investor würde Bedingungen für die Projektentwicklung schaffen,
die den international anerkannten Normen der Gleichberechtigung entsprechen.
- Das IRB-System gibt eine multilaterale Garantie dafür, daß sich sowohl das Gastland als auch der ausländische Investor so verhalten, wie dies
in dem Projektabkommen festgelegt worden ist - dadurch werden die nichtkommerziellen Risiken verringert. Dies muß praktisch zu einem verstärkten
Fluß von Investitionskapital für Ressourcenprojekte zu tragbaren Bedingungen
führen.
- Der Vorschlag sieht Vereinbarungen über die Aufteilung der Produktion
vor, die dem ausländischen Investor einen festen Prozentsatz der Gesamtproduktion zusichern,während

das Gastland die freie Verfügung über den Rest

hat. Das Gastland wird so von Anfang an an der Produktion beteiligt und verfügt
damit über eine Basis für die Weiterverarbeitung des Rohstoffes, sofern sich
dies als wirtschaftlich möglich erweisen sollte.
- Rohstoff-Bonds wären ein nützliches neues internationales Instrument,
um Vorauskäufe von Rohstoffen zu ermöglichen. Sie könnten zu einer Stabilisierung der Erlöse beitragen, und - unter bestimmten Bedingungen - zur Finanzierung von Ausgleichsbeständen. Sie würden dem Gastland zusätzlich Gewähr für
den Zugang zu den Märkten und dem Verbraucher für den Zugang zu den Rohstoffen geben.
- Schließlich würden über
lungsländer kommen. Die beiden
liche Entwicklung - Management
Investor direkt in einer neuen

die IRB moderne Technologien in die Entwickwichtigsten Voraussetzungen für eine wirtschaftund Technologie - werden von dem ausländischen
Form der Kapitalinvestition eingebracht. Das

tri-laterale Abkommen könnte Bestimmungen für einen schrittweisen Erwerb von
Technologien durch das Gastland einschließen und so wesentlich zu dem Prozeß
des technologischen Transfers beitragen.
Wir

�Wir betrachten die Internationale Ressourcenbank als eine grundsätzliche,
neuartige und bedeutsame Antwort auf die grundlegenden Erfordernisse der Entwicklungsländer und der internationalen Völkergemeinschaft. Sie stellt einen
bedeutenden Fortschritt dar bei der Aufteilung der Gewinne und der Verantwortungen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern. Sie wird dazu beitragen, den erforderlichen Fluß von Kapital, Management und Technologien in
die Erschließung von Ressourcen unter Bedingungen sicherzustellen, die für
die Gastländer akzeptabel sind. Und sie wird die Möglichkeiten genauer Voraussagen stärken, die notwendig sind, um Investitionskapital anzuziehen. Wir
hoffen, daß andere Länder sich uns in den nächsten Monaten anschließen werden, um dieser weltweiten Institution Form zu geben und sie aufzubauen.

Bessere Bedingungen für Handel und Investitionen bei den einzelnen Rohstoffen

Wir sind alle mit den Problemen vertraut, denen die Weltwirtschaft auf
diesem Gebiet sich in den letzten Monaten gegenübersah. Innerhalb von nur
zwei Jahren folgte auf die angespannte Versorgungslage und die astronomischen
Preise bei zahlreichen wichtigen Rohstoffen eine Zeit nachgebender Preise. Zahlreiche Volkswirtschaften wurden schwer erschüttert und verschiedene Länder
mußten Zahlungsbilanzkrisen durchstehen. Drastische Preisänderungen treffen
die Entwicklungsländer besonders hart und führen zu einem Chaos bei ihren Devisenerlösen und Entwicklungsplänen. Und weil Projekte für die Gewinnung von
Rohstoffen Jahre für ihre Entwicklung brauchen und hohe Risiken einschließen,
führen schwankende Preise zu ungleichmäßigem Investitionsverhalten.
Es gibt verschiedene Wege zur Stärkung der Rohstoffmärkte - langfristige
Kontrakte, besserer Austausch von Marktinformationen, bessere Verteilung, wirksamere Produktionsverfahren sowie bessere Bevorratung und Transporteinrichtungen.
Wir

�Wir pflichten dem UNCTAD-Sekretariat bei, daß Ausgleichsvorräten besondere Beachtung geschenkt werden sollte. Bei den Rohstoffen, bei denen Ausgleichsvorräte möglich sind, lassen sich starke Preisschwankungen durch Anlegen von Vorräten in einer Zeit mildern, in der die Märkte schwach sind. Und
eine ausreichende Versorgung kann durch Freigabe von Vorräten sichergestellt
werden, wenn die Marktlage angespannt ist.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß Ausgleichsvorräte durch eine
Kombination von Mitteln finanziert werden können - direkte Beiträge der Teilnehmerländer; Exportsteuern;kommerzielle Anleihen, die durch die an den Ausgleichsvorräten beteiligten Länder garantiert werden,ode

über die bestehenden

Einrichtungen der internationalen Institutionen. Sollten sich die vorhandenen
Mittel als unzureichend erweisen, wären wir auch bereit, die IRB als zusätzliche Quelle für die Finanzierung eines bestimmten Ausgleichsvorratslagers in
Erwägung zu ziehen. Wir sind überzeugt, daß auf diese Weise eine ausreichende
internationale Finanzierung der Ausgleichsvorräte im Rahmen des jeweiligen
Rohstoffabkommens sichergestellt werden kann, unter dem die Vorräte angelegt
worden sind. Natürlich wollen die Vereinigten Staaten nicht, daß eine Ausgleichsbevorratung, für die wir eine Beteiligung zugesagt haben, mangels einer
ausreichenden Finanzierung nicht zustandekommt.

Die Vereinigten Staaten haben eine konstruktive Haltung zu anderen Aspekten des Rohstoffproblems eingenommen:
- Wir haben gemeinsam mit den Erzeugern und Verbrauchern der wichtigsten
Rohstoffe einer Vereinbarung über Maßnahmen zugestimmt, um die Märkte zu verbessern und zu stabilisieren.
- Wir haben bei Kaffee und bei Zinn Rohstoffabkommen unterzeichnet

und

wir werden uns an den Verhandlungen über Zucker beteiligen,, Wir meinen, daß sich
Kakao für ein Abkommen über Ausgleichsvorräte gut eignet. Wir sind jedoch über
das vor einigen Monaten ausgehandelte Abkommen enttäuscht, das unseres Erach-

�Erachtens kaum zu einem besseren Funktionieren der Kakao-Märkte beitragen
wird. Falls andere Parteien interessiert sind, so stehen wir für neue Verhandlungen über dieses Abkommen bereit.
- Die Vereinigten Staaten haben kürzlich an der ersten Zusammenkunft der
Erzeuger und Verbraucher von Kupfer teilgenommen. Wir hoffen auf die Einsetzung einer ständigen Erzeuger-Verbrauchergruppe.
- Die landwirtschaftlichen Rohstoffe bedürfen ebenfalls eingehender Beachtung. Denen, die von einem Rückgang an Absatzmärkten aufgrund wachsenden
Wettbewerbs durch Erzeuger, die zu niedrigeren Kosten produzieren, und durch
synthetische Produkte bedroht werden, kann durch Marktförderung, Forschung,
Steigerung der Produktivität und bessere Vermarktung oder Ausweichen auf andere Erzeugnisse geholfen werden. Wir empfehlen, daß die Erzeuger-Verbrauchergremien, die sich mit den einzelnen Rohstoffen befassen, ihr Augenmerk auf
solche Möglichkeiten richten. Wir fordern, daß die Weltbank und die regionalen
Entwicklungsbanken der Finanzierung von Projekten für solche Zwecke hohe Priorität einräumen.
Heute schlagen die Vereinigten Staaten folgende zusätzliche Maßnahmen
vor:
- Erstens: Wir wollen ein Abkommen über einen festen Zeitplan zur Untersuchung der spezifischen Rohstoffprobleme, die für die Entwicklungsländer von
Interesse sind, erreichen. Wir sind bereit, gemeinsame Beratungen in diesem
Jahr mit den Erzeuger-Verbrauchergremien über Maßnahmen aufzunehmen, um Stabilität, Wachstum und Funktionsfähigkeit der Absatzmärkte für alle wichtigen
Rohstoffexporte aus den Entwicklungsländern zu verbessern. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Einsetzung solcher Gruppen für Bauxit und für Eisenerz gegeben werden.
- Zweitens:

- 17 -

�Zweitens: Da viele der ärmsten Länder bei ihren Exporterlösen von diesen Erzeugnissen abhängig sind, fordern wir, daß Weltbank und regionale Institutionen Projekte zur Verbesserung der Produktionseinrichtungen und der
Absatzmärkte für Jute, Sisal und andere Hartfasern fördern - oder daß sie ein
Ausweichen auf andere Erzeugnisse erleichtern, so daß diese Länder nicht
mehr in so hohem Maße von diesen Produkten abhängig sind.
- Schließlich sollte jedes Programm zur Erschließung von Ressourcen die
beiden wichtigsten internationalen Ressourcen - Nahrungsmittel und Energie herausstellen.
Voraussagen über gute Ernten dürfen uns nicht dazu verführen, daß wir
den auf der Welternährungskonferenz begonnenen Fortschritt uns wieder entgleiten lassen. Auf dieser Konferenz haben die Länder beschlossen, auf ein
System internationaler Getreidereserven hinzuarbeiten, um die Sicherstenung
der Ernährung besser gewährleisten zu können. Sie haben ferner vereinbart,
die landwirtschaftliche Forschung stärker zu unterstützen, Programme zur Verbesserung der Ernährung zu entwickeln und die Entwicklung der Landwirtschaft
in Ländern mit Niedrigeinkommen zu verstärken.
Wir rufen die anderen Länder auf, gemeinsam mit uns darauf hinzuarbeiten,
damit die Konzeption internationaler Lebensmittelreserven verwirklicht wird,
die Unterstützung der Entwicklung der Landwirtschaft in

den ärmeren Ländern

zu verstärken und die erforderliche Nahrungsmittelhilfe zu gewähren.
Auf dem Energiesektor unterstützen wir nachdrücklich die Bemühungen der
Erdölerzeuger und -Verbraucher sowohl aus den Industriestaaten als auch aus
den Entwicklungsländern,auf der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche
Zusammenarbeit gemeinsame Lösungen zu erreichen. Wir fordern, uaß unser Vorschlag für ein Internationales Energieinstitut - das den Entwicklungsländern
helfen würde, ihre einheimischen Energiequellen vermehrt zu nutzen - in den
kommenden Monaten mit Vorrang behandelt wird.
Stabilisierung

�Stabilisierung der Exporterlöse der Entwicklungsländer

Auf der 7. Sondersitzung haben die Vereinigten Staaten betont, daß die
Notwendigkeit, den Entwicklungsländern wirtschaftliche Sicherheit zu geben,
für sie oberste Priorität hat. Wir sind weiterhin der Auffassung, daß das
Wirtschaftssystem der Welt den Entwicklungsländern größere Sicherheit vor
den schlimmen Auswirkungen schwankender Preise, einer Rezession, Inflation
oder anderer Wirtschaftskrisen geben muß, die sie nicht verhindern oder denen
sie nicht ausweichen können.
Wir begrüßen die schnelle Verwirklichung unserer Vorschläge auf der
Sondersitzung für eine weitgehende Erweiterung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Diese Neufestsetzungen machen Milliarden Dollar für neue Finanzierungen frei, um starke Rückgänge bei den Exporterlösen auszugleichen. Der
wohl wichtigste Schritt voran war die Zusage des IWF, seine kompensierende
Finanzierungsfazilität zu liberalisieren. Bis jetzt sind aus dieser verbesserten Fazilität rund 800 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt worden. Wenn
diese Rate anhält, wird von dieser Fazilität in diesem Jahr mehr Geld ausgeliehen worden sein als in den letzten 12 Jahren insgesamt zur Verfügung gestellt wurde.
Ein weiterer wichtiger Fortschritt war die Errichtung eines IWF-Treuhandfonds, um den ärmsten Ländern zu helfen, den Zahlungsbilanzerfordernissen zu entsprechen. Obwohl zahlreiche Entwicklungsländer beträchtliche
Zuwendungen von der kompensierenden Finanzierungsfazilität erhalten haben,
benötigen die Länder mit Niedrigeinkommen, deren Exporteinnahmen von einem
oder zwei Rohstoffen abhängig sind, oftmals zusätzliche finanzielle Hilfe, um
ihre Zahlungsbilanzprobleme lösen zu können. Um diesen ärmsten Ländern zu
helfen, haben die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß der Treuhandfonds
den ärmeren Ländern eine konzessionelle Finanzierung gewährt, um Erlösrückgänge bei einer vereinbarten Liste besonders wichtiger Rohstoffe auszugleichen.
Weiter

- 19 -

�Weiter wären die Vereinigten Staaten bereit, gemeinsam mit anderen nach
Wegen zu suchen, um die Mittel des Treuhandfonds aufzufüllen, falls sie sich
für die Stabilisierung der Erlöse der Entwicklungsländer mit Niedrigeinkommen
als unzureichend erweisen sollten. Wir fordern besonders die ölerzeugerlander
mit starken Reserven auf, zu dem Kreditpotential des Treuhandfonds beizutragen.

Ausweitung des Handels mit Ressourcen und weiterverarbeiteten Erzeugnissen
Handel ist für alle Länder ein Motor des Wachstums gewesen; für zahlreiche Entwicklungsländer ist er das wohl wichtigste Mittel zu ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Die Vereinigten Staaten haben eine Reihe von Initiativen zur Deckung des besonderen Kapitalbedarfs der Entwicklungsländer ergriffen. Wir haben die weltweiten Handelsschranken abgebaut, vor allem die
für weiterverarbeitete Erzeugnisse; wir haben zahlreichen Exporten aus den
Entwicklungsländern bevorzugt Zugang zu unserem Markt gewährt; wir haben bei
den multilateralen Handelsverhandlungen in Genf auf einen Abbau der Handelsschranken für tropische Erzeugnisse hingearbeitet und wir haben in unserer Handelspolitik generell den besonderen Handelsbedürfnissen der Entwicklungsländer Rechnung getragen.
Wir stehen jetzt vor folgenden Aufgaben:
- Wir müssen das Tempo beim Abbau der internationalen Handelsschranken
beibehalten.
- Wir müssen unser Augenmerk ganz besonders auf den Abbau der Handelsschranken für weiterverarbeitete Erzeugnisse konzentrieren, die die Industrialisierungsbemühungen der Entwicklungsländer verzögern.
- Wir brauchen zusätzliche internationale Vereinbarungen, um die Zuverlässigkeit der Versorgung zu gewährleisten, denn ein stetiger Fluß von neuen
Rohstoffen ist für jedes Land entscheidend wichtig.

.._

�Um das Tempo beim Abbau der Handelsschranken beizubehalten, haben die
Industriestaaten der OECD, trotz der Belastungen ihrer Volkswirtschaften
durch die gestiegenen Energiekosten und die Rezession, feierlich zugesagt,
restriktive Handelsmaßnahmen zu unterlassen. Die Vereinigten Staaten werden
gemeinsam mit den anderen Industriestaaten auf der nächsten OECD-Ministertagung im Juni diese feierliche Zusage erneuern.
Darüber hinaus werden wir bei den gegenwärtig in Genf stattfindenden multilateralen Handelsverhandlungen den Interessen der Entwicklungsländer besondere Aufmerksamkeit widmen, vor allem auf Gebieten wie dem Export von weiterverarbeiteten Erzeugnissen, tropischen Erzeugnissen und nicht-tarifären Handelsschranken.
Die Einführung eines allgemeinen Präferenzsystems (GSP) durch die Vereinigten Staaten hat im Verein mit den Präferenzsystemen der anderen Industriestaaten den Entwicklungsländern bedeutsame Handelschancen eröffnet. Unser
eigenes Präferenzsystem erstreckt sich bereits auf über 2 700 Handelsartikel
aus fast hundert Ländern. Der jährliche Handelswert dieser Produkte liegt bei
ungefähr 2,5 Milliarden Dollar. Wir prüfen die Möglichkeit einer Aufnahme weiterer Produkte in dieses System.

Die Vereinigten Staaten gewähren dem UN-Entwicklungsprogramm zur Finanzierung eines gemeinsamen GATT/UNCTAD-Programms für technische Hilfe an die
Entwicklungsländer vorrangige Unterstützung. Das Programm wird diesen Ländern
helfen, die sich ihnen mit den Präferenzssystemen der Industriestaaten bietenden Vorteile dadurch voll auszuschöpfen, daß sie die produktivsten Gebiete
für neue und vermehrte Exporte herausfinden sowie die besten Techniken für den
Verkauf ihrer Produkte in Anwendung bringen können.
Außerdem werden zur Zeit im MTN intensive Verhandlungen über die Frage
der Zölle bei solchen tropischen Produkten, einschließlich der weiterverarbeiteten Produkte und Fertigerzeugnisse, geführt, die für die Entwicklungsländer
von besonderem Interesse sind. Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, auf

- 21 -

�auf diesem Gebiet so bald wie möglich zu vereinbarten Zollsenkungen zu gelangen, nachdem über den Gesamtkomplex der tropischen Produkte Einigung erzielt worden ist.
Die Vereinigten Staaten sind im Einklang mit der Deklaration von Tokio
der Überzeugung, daß die MTN-Verhandlungen über Bestimmungen für die nichttarifären Zoll-und Handelsschranken den Erfordernissen

der Entw4ck1«ngslander

größere Beachtung schenken müssen. So glauben die Vereinigter Staaten beispielsweise, daß ein Kodex über die Anwendung von Ausgleichszöllen bei Exportsubventionen die besonderen Bedingungen berücksichtigen sollte, denen
sich die Entwicklungsländer gegenübersehen. Wir werden darauf dringen, daß
die besonderen Erfordernisse der Entwicklungsländer in Rechnung gestellt werden, wenn neue internationale Regeln über Ausgleichsmaßnahmen aufgestellt werden.
Was die neuen Bestimmungen über Sicherheitsmaßnahmen bei Importschäden
anbetrifft, so werden wir für die Entwicklungsländer, die nur geringe Mengen
exportieren oder als neue Partner zum amerikanischen Markt finden, eine Sonbehandlung in Erwägung ziehen.

Wir sind uns auch darüber im klaren, daß Entwicklungsländer noch an anderen Reformen des Handelssystems interessiert sind, die derzeit nicht zur Verhandlung stehen. Wir werden auf die von ihnen vertretenen Ansichten mit aller
Aufgeschlossenheit eingehen. Wir sind zuversichtlich, daß bei gutem Willen auf
allen Seiten ein konstruktives Abkommen über spezielle Reformprobleme innerhalb des zeitlichen Rahmens der multilateralen Handelsverhandlungen erreicht
werden kann.

Die Senkung der Zölle für den Export von weiterverarbeiteten Rohstoffen
aus den Entwicklungsländern ist besonders wichtig. Ein Abbau dieser Zollschranken würde neue Möglichkeiten für eine Ausweitung und Diversifizierung
des Exports schaffen, vor allem dort, wo die derzeitigen Zölle entsprechend

�entsprechend dem Grad der Weiterverarbeitung sprungartig in die Höhe schnellen. Dementsprechend wird der Vorschlag zu einer Zoll Senkung, den die Vereinigten Staaten bei den MTN gemacht haben, nicht nur zu einer erheblichen Reduzierung der Zölle führen, sondern auch eine Eskalation des Zolls abbremsen.
Wir glauben, daß die Entwicklungsländer hierin einen Anreiz zu einer positiven Zusammenarbeit bei den derzeitigen Verhandlungen sehen werden.

Wenn ein offenerer Zugang zu den Märkten die eine Säule eines expandierenden internationalen Handelssystems ist, so ist die größere Sicherheit und
Zuverlässigkeit bei der Rohstoffversorgung die andere. Ohne angemessene Zusicherungen seitens der Erzeugerländer, nicht willkürlich störend in die Exporte einzugreifen, müßten sich die Importländer nach anderen Lieferquellen
umsehen. Die Verbraucher würden dann die Kosten einer weniger effizienten
Produktion, die unzuverlässigen Produzenten aber die Kosten für verlorene
Märkte und verringerte ausländische Investitionen zu tragen haben.
Es besteht ein dringendes Bedürfnis für eine Analyse der Methoden zur
Verbesserung der Sicherheit und Zuverlässigkeit der Rohstofflieferungen. Wir
fordern nachdrücklich, daß im GATT unverzüglich mit Untersuchungen begonnen
wird, die feststellen sollen, ob ein internationaler Kodex über Exportkontrollen durchführbar ist. Ein solcher Kodex sollte in klarerer Form die Umstände
definieren, unter denen Länder legitimerweise Exportkontrollen zur Anwendung
bringen können. Dies würde die Unsicherheiten für die Verbraacher und für die
Exporteure reduzieren und es würde den politischen Schaden in den Beziehungen
zwischen den Ländern etwas verringern, wenn den Exporten Restriktionen auferlegt werden.
Die Vereinigten Staaten werden sich weiterhin um bindende Zusagen für
eine zuverlässige Belieferung mit Rohstoffen im Rahmen der spezifischen Abkommen bemühen, die für einzelne Rohstoffe ausgehandelt sind.
Herr

- 23 -

�Herr Präsident, hochverehrte Delegierte, dieses Vier-Punkte-Programm
- eine neue Internationale Ressourcenbank; Bemühungen,

'VÖli Fall zu Fall die

Bedingungen für Handel und Investitionen bei Primärerzeugnissen zu verbessern;
Stabilisierung der Exporterlöse und verbesserte Markt-und Lieferungsbedingungen - dieses Programm erkennt an, daß diese Fragen mvceinander zusammenhängen;
es erlaubt jedoch eine pragmatische und flexible Behandlung spezifischer Probleme. Der von mir beschriebene Weg ist ein von den Vereinigten Staaten unternommener großangelegter Versuch, mit den RohstoffProblemen auf umfassender
Basis fertig zu werden. Er ist praktisch durchführbar und realisierbar; es ist
ein Programm, das den Erfordernissen von Entwicklungsländern und Industriestaaten in gleichem Maße gerecht wird. Wir bitten um günstige Aufnahme unserer Vorschläge und rasche gemeinsame Maßnahmen.

Technologie für die Entwicklung
i

•

i*"

Lassen Sie mich auf ein anderes Gebiet von großer Bedeutung zu sprechen
kommen: die Anwendung der Technologie für die wirtschaftliche Entwicklung.
Die Technologie ist der wesentliche Kern des Entwicklungsprozesses; sie
ermöglicht es dem Menschen, seine Horizonte über den bloßen Kampf um die Erhaltung der Existenz auszuweiten. Die Technologie holt aus den begrenzten
Ressourcen unseres Erdballs das Äußerste heraus, Sie spannt die Intelligenz
des Menschen und die Kräfte der Natur ein, um die menschlichen Bedürfnisse
zu befriedigen.'
Seit zwei Jahrhunderten hat der technische Fortschritt das Fundament für
rasches industrielles Wachstum abgegeben. Eine zentrale Aufgabe unserer Zeit
ist es, die Segnungen der Technologie aller Ländern zugänglich zu machen
Es gibt eine Reihe von Hindernissen, die einem raschen und wirksamen
Transfer von Technologie aus den Industriestaaten in die Entwicklungsländer
im Wege stehen.
Erstens,

- 24 -

�Erstens, in vielen Fällen dürfte die Technologie aus den Industriestaaten nicht den wirklichen Erfordernissen der Entwicklungsländer entsprechen.
Ganz allgemein besteht die Aufgabe nicht in der Übertragung einer getreuen
Kopie der bestehenden Technologie, sondern in der Entwicklung einer neuen Technologie und neuer technologischer Institutionen, die den Bedingungen der einzelnen Entwicklungsländer besser entsprechen.
Zweitens, den Entwicklungsländern fehlt es oft an entsprechenden Informationen und der Sachkunde, um die Technologie zu bestimmen, die ihren Erfordernissen am besten gerecht wird.
Drittens, oft besteht ein Mangel an ausgebildetem Personal, das gebraucht
wird, um die Technologie auszuwählen, anzupassen und wirksam in Betrieb zu
halten.
Viertens, Technologie läßt sich oft nicht von Kapital und Management
trennen. Daher ist sie eines der Elemente des gesamten Investitionsprozesses.
Um erfolgreich zu sein, muß die Technologie innerhalb reines Rahmens der Regierungspolitik angewandt werden, der den Prozeß des technologischen Transfers erleichtert und fördert.
Die Aufgabe besteht daher nicht einfach darin, Formeln oder Konstruktionspläne zu übergeben. Wir müssen nach einer umfassenderen Methode vorgehen, die
uns einen weiten Bereich von Programmen und Anreizen an die Hand gibt, um
beides, Technologie und das fundamentale Wissen und Können, zu übertragen, damit es Wurzel schlagen und sich wirksam entfalten kann.
Um dies zu unterstützen und zu fördern schlagen die Vereinigten Staaten
vor, nach einem Fünf-Punkte-Konzept vorzugehen:
Erstens, um die Technologie den Erfordernissen der Entwicklungsländer anzupassen, treten die Vereinigten Staaten dafür ein, ein Netz von Forschungsund Entwicklungsinstitutionen auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene
- 25 -

�Ebene einzurichten. Wir müssen die globalen Forschungskapazitäten für die Entwicklung und zur Erweiterung der Zusammenarbeit zwischen den Regierungen
stärken.
Daher unterbreiten wir folgende Vorschläge:
- Es sollte ein internationales Industrialisierungsinstitut zur Förderung
von Forschung und Entwicklung industrieller Technologien, die sich für Entwicklungsländer eignen, geschaffen werden. Eine Konferenz der Gründer, die
alle interessierten Länder einschließt, sollte spätestens im Herbst dieses
Jahres abgehalten werden.
- Die Energiekommission der Konferenz für Internationale Wirtschaftliche
Zusammenarbeit sollte ein internationales Energieinstitut errichten, das die
Energieforschung und die Anwendung energiebezogener Technologien entsprechend
den besonderen Erfordernissen der Entwicklungsländer fördern sollte.
Wir sollten das bestehende Netz für angewandte Forschung auf den Gebieten
der Landwirtschaft, des Gesundheitswesens und der Ausbildung ausweiten. Die
Schaffung neuer Institutionen muß von Maßnahmen begleitet sein, die den Prozeß des technologischen Transfers unterstützen. Zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern schlagen die Vereinigten Staaten neue Programme auf drei Gebieten der fortgeschrittenen Wissenschaften vor, auf denen wir wesentliche Beiträge an Wissen und Erfahrungen leisten
können;
bei der Satellitentechnologie
bei der Erschließung der Wasserressourcen und
bei der Meerestechnologie.
- Die Satellitentechnologie ist als Instrument der wirtschaftlichen Entwicklung ganz besonders vielversprechend. Hochempfindliche Satellitensonden
können zur Ortung von Ressourcen, zur Erntevoraussage und zur verbesserten
Landnutzung in den Entwicklungsländern eingesetzt werden. Sie können dazu bei•

- 26 -

�beitragen, Naturkatastrophen vorherzusagen und zu analysieren. Moderne Kommunikationstechnologien, unter Einschluß von Satelliten, bieten ein großes,
noch nicht ausgeschöpftes Potential zur Verbesserung des Schulwesens, der
Ausbildung, des Gesundheitswesens, der Nahrungsmittelerzeugung sowie anderer
für die wirtschaftliche Entwicklung notwendiger Projekte.
Daher werden die Vereinigten Staaten von Juli bis Oktober dieses Jahres
für interessierte Entwicklungsländer Vorführungen über die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten veranstalten, die der experimentelle ATS-6 Kommunikationssatellit,

die Landsat-Satellitensonde und Satellitenkameras mit Hoch-

leistungsoptik für die wirtschaftliche Entwicklung bieten. Wir sind bereit,
mit den Entwicklungsländern bei der Einrichtung von Zentren, der Ausbildung
von Personal und, wo möglich, der Ausrichtung unserer zivilen Satellitenprogramme auf ihre Erfordernisse zusammenzuarbeiten.
- Die Vereinigten Staaten werden eine führende Rolle bei der Anwendung
der technologischen ERkenntnisse auf dem Gebiet der Wasserressourcen für
Aufgaben wie die Verbesserung von Qualität und Produktivität der Landwirtschaft
sowie die Entwicklung neuer Industrien übernehmen. Wir werden uns aktiv an
der Wasserkonferenz der Vereinten Nationen, die im März kommenden Jahres
stattfinden soll, beteiligen und Programme zur Weitergabe unseres Wissens
und unserer Erfahrungen vorlegen.
- Die erforderlichen Technologien für die Erschließung der Ressourcen
im Meeresboden, für das Fischereiwesen sowie die Nutzbarmachung des riesigen
Potentials der Ozeane werden gegenwärtig rasch entwickelt. Die Vereinigten
Staaten haben wesentliche Fortschritte auf diesem Gebiet erzielt.
Wir beabsichtigen, Wissenschaftler, Manager und Techniker aus den verschiedenen Ländern zur Teilnahme an unseren wissenschaftlichen Projekten einzuladen. Und wir unterstützen nachdrücklich die Bestimmungen des Seerechtsabkommens, die Anreize für die Weitergabe der Tiefseetechnologie bieten, soweit diese den Erfordernissen eines Entwicklungslandes entsprechen.
- Schließlich
- 27 -

�- Schließlich besteht ein dringender Bedarf für die Entwicklung von
Verfahren, um die Technologie zur Verbesserung der fundamentalen Existenz der
A^men anzuwenden. Die Vereinigten Staaten verstärken gegenwärtig die technische Komponente ihrer Entwicklungsprogramme, um die Grundnahrungsmittel, Gesundheitsdienst und Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.
Das zweite Element unseres Programmes ist die Verbesserung von Umfang
und Qualität der technologischen Informationen, die den Entwicklungsländern
zugänglich gemacht werden, sowie die bessere Auswahl der Technologien entsprechend ihrem Bedarf. Wir unterstützen die Bemühungen des internationalen Zentrums für den Austausch technologischer Informationen der Vereinten Nationen,
umfassende Informationen über Potential und Einrichtungen der nationalen und
regionalen Informationsdienste zu sammeln. Die Vereinigten Staaten ihrerseits
werden ihre nationalen technologischen Informationsquellen inventarisieren
und den Entwicklungsländern sowie der UN-Zentrale Berater und andere Dienstleistungen zur Verfugung stellen, um ihnen einen besseren Zugang zu unseren nationalen Informationseinrichtungen zu gewähren. Dies schließt die Nationale
Medizinische Bibliothek, die Abteilung Wissenschaftliche Informationen der
Amerikanischen Stiftung der Wissenschaften, die Nationale Landwirtschaftsbibliothek sowie den Smithsonian Informationsdienst ein„
Die Vereinigten Staaten unterstützen ferner den vorgeschlagenen UNCTADBeratungsdienst, der die Entwicklungsländer besser in die Lage versetzen soll,
die für ihren Bedarf am besten geeigneten Technologien festzustellen, auszuwählen und zu erwerben. Wir unterstützen die Konzeption eines unter de»"
UNCTAD arbeitenden regionalen Beratungsdienstes. Der für den technologischen
Bedarf bestimmter Gebiete und Länder Unternehmen und Ressourcen bereit stellen soll. Diese regionalen Zentren könnten als Leitstelle für die Aktivitäten
anderer Programme und Institutionen zur Nutzbarmachung von Technologie für
die Entwicklungsländer dienen.
Drittens

�Drittens schlagen die Vereinigten Staaten zur Heranbildung neuer Generationen von Technologen und technologischen Managern vorrangige Anstrengungen
für die Ausbildung von Personen vor, die für den Bedarf der Entwicklungsländer
geeignete Technologien entwickeln, abgrenzen und anwenden können. Hierzu
Folgendes:
- Die Ausbildung kompetenter Manager künftiger Technologien sollte Hauptziel des vorgeschlagenen internationalen Industrialisierungsinstituts und
des Internationalen Energieinstituts sein.
- Die Vereinigten Staaten ihrerseits werden Universitäten, Forschungsinstitute und Ausbildungsschulen der Industrie in den Vereinigten Staaten ermutigen, besondere Institute und Studienpläne für die technologische Ausbildung
in den Entwicklungsländern einzurichten; wir werden ihre Schwesterinstitutionen in den Entwicklungsländern unterstützen. Wir laden andere Industriestaaten ein, sich uns bei diesen Bemühungen anzuschließen.
- Schließlich schlagen die Vereinigten Staaten die Entwicklung geeigneter Anreize und Maßnahmen vor, um die Abwanderung hochspezialisierter Arbeitskräfte aus den Entwicklungsländern zu unterbinden. Denn wenn die ausgebildeten
Technologiemanager ihre Heimatländer verlassen, so haben die Entwicklungsländer
keinen Nutzen mehr von ihnen„
In diesem Zusammenhang wird die amerikanische Regierung die Bildung eines
technologischen Korps fördern, das, was Organisation und Tätigkeit anbetrifft,
unserem Verwaltungskorps entsprechen wird. Es wird sich hier um eine private,
gemeinnützige Organisation handeln, zu der Wirtschaftsunternehmen und Universitäten hochspezialisierte Fachkräfte abstellen würden, die über besondere Erfahrungen in der Leitung wissenschaftlicher und technischer Programme verfügen. Sie werden mit den einheimischen Arbeitskräften bei bestimmten Entwicklungsprojekten zusammenarbeiten und an ihrer Ausbildung mitwirken.
Das

- 29-

�Das vierte Element unserer Initiative betrifft den Prozeß des Transfers
vorhandener Technologien, der wirksamer und gerechter werden soll.
In den Industriestaaten sind neue Technologien in erster Linie im privaten Wirtschaftssektor anzutreffen. Private Unternehmen sind am ehesten in der
Lage, Management, Technologie und Kapital als zusammengehöriges Ganzes zur
Verfügung zu stellen. Um diesen Beitrag zu ermöglichen, müssen Industriestaaten wie auch Entwicklungsländer ein für einen technologischen Transfer förderliches Klima schaffen,, Die Vereinigten Staaten empfehlen die Entwicklung
freiwilliger Richtlinien, die die Bedingungen und Normen des technologischen
Transfers festlegen und die einen ordnungsgemäßen Transfer von Technologien
ermutigen, erleichtern und optimal gestalten sollen.
Die vorgeschlagene Internationale Ressourcenbank bietet ebenfalls Möglichkeiten, die Fähigkeit der Entwicklungsländer auf dem Gebiet des technologischen Managements zu stärken und dadurch den technologischen Transfer zu
fördern. In dem tri-lateralen Abkommen zwischen dem Gastland und der Internationalen Ressourcenbank würde der ausländische Investor in der Regel Management und Technologie zur Verfügung stellen. Das Investmentprojekt könnte im
beiderseitigen Einvernehmen die Verpflichtung für einen schrittweisen Transfer eines Teiles der Technologie an das Gastland nach Auslaufen des Abkommens
einschließen und das Entwicklungsland so schneller in die Lage setzen, solche
Technologien selbst zu verwalten.
Der Fluß von Technologien in die Kanäle des Welthandels kann durch restriktive Praktiken umgeleitet werden. Einige Praktiken könnten den technologischen Transfer direkt einengen; darüber hinaus könnten dort, wo ein technologischer Transfer erfolgte, restriktive Bestimmungen für den Handel mit
technologischen SpezialProdukten die Vorteile dieses Transfers für andere begrenzen. Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß die internationale Aufmerksamkeit auf den gesamten Bereich dieser Praktiken gelenkt wird

mit dem

Ziel ihres Abbaus oder ihrer Beseitigung.
Das

�Das fünfte Element des amerikanischen Programms ist die Festsetzung von
Zielen, die vor und während der jetzt für das Jahr 1979 vorgeschlagenen Konferenz der Vereinten Nationen über Wissenschaft und Technologie für die wirtschaftliche Entwicklung erreicht werden sollen. Die Vereinigten Staaten unterstützen nachdrücklich diese Konferenz und ihre Ziele. Die Vorbereitungen
für diese Konferenz bieten den Industriestaaten wie auch den Entwicklungsländern eine große Chance, ihre Verantwortung für die Weitergabe und Anwendung
von Technologien zu überprüfen.
Zur Beschleunigung unserer Vorbereitungen werden die Vereinigten Staaten
im kommenden Jahr auf einer nationalen Konferenz unsere besten Wissenschaftler
aus Universitäten, Stiftungen und Privatunternehmen zusammenbringen. Ihre
Aufgabe wird es sein, den weiten Rahmen der technologischen Fragen zu erörtern,
die für die Entwicklungsländer von Interesse sind. Man wird sie bitten, zur
Mobilisierung der amerikanischen Ressourcen beizutragen, um den Entwicklungsländern bei der Deckung ihres Forschungsbedarfs zu helfen. Man wird sie ermutigen, detaillierte amerikanische Vorschläge für die von mir erwähnten Konferenzen und Institute auszuarbeiten.
Wir empfehlen ferner, daß die OECD-Länder vordringlich die Möglichkeiten
eines größeren Beitrages aller Industriestaaten prüfen, um die Probleme des
technologischen Transfers zu lösen.

Dieses fünf Punkte-Programm verkörpert die umfassendsten Anstrengungen,
die von den Vereinigten Staaten jemals unternommen wurden, um die Aufgabe zu
meistern, die Technologie für die wirtschaftliche Entwicklung nutzbar zu
machen. Wir hoffen, daß die UNCTAD-Konferenz diese Initiativen ernsthaft
prüft. Wir bitten um Ihre Ideen und Vorschläge. Durch gemeinsames Vorgehen
können wir dafür sorgen, daß unser technologisches Zeitalter die Lebensqualität aller Völker in einer Weise verbessern wird, wie sie frühere Generationen
sich niemals erträumt haben.
Zahlungsbilanzen
- 31 -

�Zahlungsbilanzen und Schuldenproblemr

Die weitgehend durch die höheren ölpreise verursachten steigenden Importkosten und die aufgrund der Rezession in den Industriestaaten zurückgegangenen
Exporterlöse haben noch nie dagewesene internationale Zahlungsbilanzschwierigkeiten ausgelöst. Obwohl eine weltweite wirtschaftliche Wiedererholung eingesetzt hat, werden sich zahlreiche Länder in diesem Jahr hartnäckigen Defiziten
gegenübersehen.
Es müssen große institutionelle Anstrengungen unternommen werden, wenn
diese Länder ernste Rückschläge bei ihren Importen und daraus resultierende
Rückgänge ihres Wirtschaftswachstums vermeiden sollen. Folgende drei Gebiete
sind hier vorrangig:
- Wir müssen sicherstellen, daß der Fluß von Geldern für Entwicklungsprojekte weder verringert noch aufgrund kurzfristiger wirtschaftlicher Probleme
abgeleitet wird. Darüber hinaus muß die langfristige Finanzierung erhöht und
ihre Qualität verbessert werden.
- Wir müssen die privaten Märkte in die Lage versetzen, weiterhin eine
wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Entwicklungskapital zu spielen. Denn
für zahlreiche Länder ist der Fluß privaten Kapitals die Hauptquelle für die
Entwicklungsfinanzierung und wird es auch weiterhin sein.
- Wir müssen darauf achten, daß die Binnenwirtschaftspolitik aller Länder
gesund ist. Sie darf nicht einen ungebührlichen Druck auf die Zahlungsbilanzpositionen ausüben, indem unnötig Schulden angehäuft werden. Wir müssen den
Ländern besondere Aufmerksamkeit schenken, die nicht in der Lage sind, kritische Schuldenprobleme zu vermeiden.
Erstens: Der Fluß von Ressourcen. Die ungeheuren Anstrengungen, die seit
der 7. Sondersitzung gemacht worden sind, um eine ausreichende Zahlungsbilanz-

�Zahlungsbilanzfinanzierung für die Entwicklungsländer sicherzustellen, haben
uns sehr ermutigt. Besonders wichtig war die Ausweitung der Kreditfazilitäten
des Internationalen Währungsfonds. Diese Anstrengungen sollten mit sicherstellen, daß eine ausreichende Zahlungsbilanzfinanzierung auf einer kumulierenden Basis für die Entwicklungsländer zur Verfügung steht.
Krisenkredite können jedoch kein Ersatz für eine wirksame und qualitativ
hochwertige Auslandshilfe sein. Obwohl der größte Teil der Auslandshilfe der
Vereinigten Staaten und der anderen Geberländer zu äußerst entgegenkommenden
Bedingungen gewährt wird, kann noch viel zur Verbesserung der Qualität des
Flusses an Ressourcen getan werden. In vielen Fällen wird die Wirkung der
Hilfe in bezug auf Finanzierung und Entwicklung durch ihre Bedingungen eingeschränkt: ein Beispiel ist die Bindung der Hilfe «n nn schaffungskäufe im Geberland, die ihren Wert herabsetzen kann. Die Vereinigten Staaten werden daher den OECD-Entwicklungshilfeausschuß auffordern, Vereinbarungen für die
gegenseitige Aufhebung von Bindungen der Entwicklungshilfeauszuarbeiten.
Zweitens: Privatkapital. Bei zahlreichen Entwicklungsländern, vor allem
solchen, die sich mitten in ihrem Industrialisierungsprozeß befinden, wird der
Hauptteil des Entwicklungskapitals von privaten Stellen zur Verfügung gestellt.
Von den 35 Milliarden Dollar an Zahlungsbilanzdefiziten der nichl CT produzierenden Entwicklungsländer war fast die Hälfte über private Kapitalflüsse
finanziert worden. Ohne diesen Beitrag wären die Folgen dieses Mammutdefizits
nicht mehr zu bewältigen gewesen. Der IWF/IBRD Entwicklungsausschuß prüft geT
genwärtig ein weites
eld von Maßnahmen, um sicherzustellen, daß die internationalen Kapitalmärkte weiterhin großzügig dem Bedarf der Entwicklungsländer
entsprechen.
Weiter sind die Verhandlungen über die Wiederauffüllung der Mittel der
Internationalen Finanzierungsgesellschaft (IFC), die wir auf der 7. Sondersitzung vorgeschlagen hatten, wesentlich vorangekommen. Die IFC prüft derzeit
aktiv den amerikanischen Vorschlag für einen internationalen Investmenttrust,
der Portfolio-Kapital für Investitionen in einheimischen Unternehmen mobili-

- 33 "

�mobilisieren soll. Die Vereinigten Staaten unterstützen diese Bemühungen
nachdrücklich.
Drittens: Schuldenprobleme. Zahlreiche Länder müssen bei der Finanzierung ihrer Defizite zu kurzfristigen Kapital aufnahmen im Ausland schreiten.
Die Belastung durch die Schuldenbedienung wächst; verschiedene Länder haben
ernste Schwierigkeiten, ihren Schuldenverpflichtungen nachzukommen.
Eine allgemeine Umschul düng ist nicht die Lösung. Dadurch würde die Kreditwürdigkeit der Kreditnehmerländer auf den privaten Kapitalmärkten untergraben. Durch Bindung der Schuldenfinanzierung werden die wesentlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern verwischt und wird verhindert, daß die
am meisten bedürftigen Länder entsprechend berücksichtigt werden. Das wäre
auch nicht fair gegenüber den Ländern, die einschneidende politische Maßnahmen zum Abbau ihrer Verpflichtungen ergriffen haben.
Das Schuldenproblem muß in Relation zu der spezifischen Position und
dem spezifischen Bedarf jeden einzelnen Landes gesehen werden. Die Vereinigten Staaten sind bereit, den Ländern, die am meisten unter

Schuldenbedie-

nungsproblemen zu leiden haben, durch dem jeweiligen Fall angemessene Maßnahmen zu helfen. Die Verfahren müssen für den Geldgeber und für den Schuldner
in gleicher Weise annehmbar sein. Ein Kreditorenklub könnte ein flexibles Instrument für Verhandlungen sein.
Zur Stärkung des Rahmens für die Verhandlungen zwischen Debitoren und
Kreditoren haben die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß die Schaffung
eines geeigneten Gremiums vereinbart wird, das die Probleme bei akuten Finanzierungs-und Schuldenbedienungsschwierigkeiten auf Seiten der Entwicklungsländer prüfen soll. Es sollte seine Empfehlungen noch in diesem Jahr vorlegen.
Die

34 -

�Die ärmsten Länder
Die Bedürfnisse vieler Entwicklungsländer sind groß; die besonderen Bedürfnisse der ärmsten Länder aber sind gewaltig. Diese Konferenz hat eine
kollektive moralische Verantwortung, auf diese Herausforderung zu reagieren.
Wir müssen erhebliche Anstrengungen auf die Verbesserung der Programme für
die ärmsten Länder verwenden und dort, wo dies notwendig ist, neue Programme
aufstellen, weil die ärmsten Länder ohne ausreichende Hilfe zu fortgesetzter
Armut und Hilflosigkeit verurteilt wären. Wir müssen den Zustrom von Ressourcen verstärken, die Bedingungen hierfür verbessern und qualitativ mehr bieten.
Die Hilfe muß zu günstigeren Bedingungen gewährt werden, weil die ärmsten
Länder per definitionem nicht in der Lage sind, den Schuldendienst zu
leisten, es sei denn, man räumt ihnen äußerst günstige Sonderbedingungen
ein.
Der Zustrom von Ressourcen nach den ärmsten Ländern muß von den Restriktionen bezüglich der Lieferquelle und der Finanzierung örtlicher Kosten befreit werden, die die Planung von Projekten verzerren, Ressourcen vergeuden
und eine übermäßige Verwendung importierter Ausrüstungen verursachen.
Der IWF-Treuhandfonds, der nunmehr errichtet wird, dürfte die unmittelbaren Zahlungsbilanzprobleme der ärmsten Länder erheblich lindern.
Bei längerfristiger Betrachtung ist eine beträchtliche Aufstockung der
Mittel der Internationalen Entwicklungsgesellschaft eine dringende Notwendigkeit. Die Vereinigten Staaten werden ihrer Verpflichtung gegenüber dieser
wichtigen Quelle zur Vergabe von Hilfe wie immer nachkommen. Wir erwarten
großzügige Unterstützung dieser wichtigen Institution auch von Seiten der
OPEC-Länder.
Somit haben die Vereinigten Staaten bereits eine Reihe von Schritten
unternommen, die Hilfsbedürftigsten unter den Ländern zu unterstützen. Wir
werden noch mehr tun:
- Um
- 35-

�- Um den dringendsten Bedürfnissen der Sahel-Region Genüge zu tun, beteiligen wir uns aktiv an den

Beratungen des Club des

Amis du Sahel. Darüber

hinaus haben wir vorgeschlagen, umgehend eine Studie über die Methoden anzustrengen, nicht nur der Dürre entgegenzuwirken, sondern die Wasserknappheit
durch Mobilisierung der Wasser der großen afrikanischen Ströme zu beseitigen,
um die Hilfe nicht zu verewigen, sondern grundlegende Reformen einzuleiten.
- Der amerikanische Kongreß hat bereits einen Beitrag von bis zu 200
Millionen Dollar für den Internationalen Fond zur Entwicklung der Landwirtschaft bereitgestellt; wir warten nunmehr auf die Bevollmächtigtenkonferenz,
die für Juni zur Unterzeichnung dieser Vereinbarung einberufen wurde; und
wir fordern andere Länder dringend auf, ihrerseits einen großzügigen Beitrag
zu leisten, damit das Ziel, die Aufbietung von 1 Milliarde Dollar, erreicht
wird.
- Wir haben im Rahmen unseres Auslandshilfegesetzes die Befugnis erhalten, alle örtlichen Kosten für Hilfsprojekte in den am wenigsten weit entwickelten Ländern zu finanzieren, sofern dies für ihren Erfolg notwendig ist.
- 70 Prozent unserer bilateralen Entwicklungshilfe sind nunmehr für Länder mit einem Bruttosozialprodukt von 300 Dollar pro Kopf oder weniger "3serviert. Was die Länder angeht, deren Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt unter 500
Dollar liegt, setzen wir uns nachdrücklich für den Vorschlag ein, ihren Anteil an den nichtrückzahlbaren Zuschüssen aus dem Entwicklungsprogramm der
Vereinten Nationen auf über 80 Prozent zu erhöhen. Ein Drittel hiervon wiederum
sollte den am geringsten entwickelten Länder innerhalb dieser Kategorie zugutekommen.
- Wir verpflichten uns, unsere Anstrengungen zur Entwicklung integrierter Systeme für die wichtigsten kommunalen Gesundheitsdienste zu verstärken.
Hierzu gehören ärztliche Betreuung, Familienplanung, Informationen über richtige Ernährung sowie der Einsatz örtlich ausgebildeter medizinischer Hilfskräfte.
- Auf

�-

Auf der Seerechtskonferenz, die gegenwärtig in New York stattfindet,

haben die Vereinigten Staaten einen detaillierten Vorschlag unterbreitet, demzufolge Einkünfte aus dem Abbau von Lagerstätten der Tiefsee und aus der Ausbeutung anderer Meeresressourcen unter der Völkergemeinschaft - unter der besonderen Berücksichtigung der ärmsten Länder - aufgeteilt werden sollen.
Das sind erhebliche Anstrengungen. Sie müssen jedoch auch von einer Verbesserung der Bedingungen der bilateralen Hilfe für die ärmsten Länder begleitet sein. Zu diesem Zweck schlagen die Vereinigten Staaten vor, daß sich
alle Geberländer darauf einigen, die gesamte Entwicklungshilfe an die relativ
am wenigsten fortgeschrittenen Länder auf der UNCTAD-Liste in der Form von Zur
Schüssen zu gewähren.
Die amerikanische Regierung wird den Kongreß um die Vollmacht ersuchen,
die gesamte Entwicklungshilfe an die ärmsten Länder auf dieser Basis gewähren
zu dürfen. Sie besitzt bereits die Vollmacht, einen Teil der Rückzahlungsverbindlichkeiten aus unseren Krediten gemäß Public Law 480 unter gewissen Bedingungen in nichtrückzahlbare Zuschüsse umzuwandeln. Zusammen werden diese
beiden Schritte den Anteil solcher Zuschüsse an unseren bilateralen Hilfsprogrammen

merklich steigern.

Menschliches Leid und menschliche Not sind keine Fragen der Ideologie
oder der Blockpolitik. Sie berühren die elementaren Bedürfnisse des Menschen
und die grundlegenden Gebote universeller moralischer Werte. Wir dürfen hier
nicht versäumen, unsere Pflicht zu tun.

Schlußfolgerungen:

- 37-

�Schlußfolgerungen

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, hochverehrte Delegierte: Wirtschaftliche Entwicklung ist eine Aufgabe mit vielen Dimensionen. Wie unterschiedliche Standpunkte wir untereinander auch immer einnehmen mögen, die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß eine Reihe von Schlußfolgerungen
klar hervorgetreten sind:
- Entwicklung ist ein Unterfangen, dessen Anstrengungen zu gegenseitiger
Stärkung führen. Die Unterscheidung zwischen entwickelten und in Entwicklung
begriffenen Ländern ist nicht permanent.
Entwickelte Länder gedeihen dann am sichersten und machen dann die größten Fortschritte, wenn die internationale Wirtschaft kräftig und stetig
wächst. Wenn die Vereinigten Staaten sehen, wie sich andere Länder entwickeln
und industrialisieren, fühlen sie sich in ihrem Vertrauen in das Weltwirtschaftssystem und in die eigene wirtschaftliche Zukunft bestärkt. Anhaltendes
Wachstum und anhaltende Entwicklung machen es notwendig, daß wir kooperativ
zusammenarbeiten.
Entwicklung erfordert gemeinsame Verantwortung. Die internationale Zusammenarbeit kann nicht einseitig sein. Die Stärke der Industriestaaten muß als
ein Treuhandgut zum Fortschritt aller angesehen werden; die Entwicklungsländer
schaden sich selbst, wenn sie diese Stärke durch künstliche Verknappungen,
Kartelle, Embargos oder willkürliche Enteignungen schwächen. Gleichzeitig
haben die Industriestaaten eine Verpflichtung, alles zu tun, was in ihren
Kräften steht, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Unsere
diesbezüglichen Anstrengungen müssen die Sorgen und die Beiträge aller Länder
berücksichtigen: der Industriestaaten wie auch der Entwicklungsländer, der
Erzeuger- wie der Verbraucherländer, der Länder in Ost und West, der Länder
in Nord und Süd.
Entwicklung

- 38 -

�Entwicklung ist ein Prozeß des ''andels und der Neuerung. Er muß nicht
nur einer sich rasch verändernden Technologie Rechnung tragen, sondern auch
der Evolution politischer Auffassungen. Die alten Beziehungen von Geber- und
Empfängerländer werden von den Empfängern in zunehmendem Maße als paterna1 istisch und anachronistisch empfunden;

sie können auch einigen Ländern,die

seit langer Zeit als Geber fungieren, als eine einseitige Last erscheinen.
Wir müssen einen neuen Geist der Zusammenarbeit erwecken, der sich auf
der Selbstachtung und der souveränen Gleichheit aller Nationen gründet. Jedes
Land muß seinen Weg zur wirtschaftlichen Entwicklung finden, der es ihm gestattet, seine Selbstachtuno und seine Identität, seine Kultur und seine
ideologischen Neigungen beizubehalten. Wirtschaftliche Entwicklung als solche aber ist keine Funktion der Ideologie - sie muß vielmehr praktische Lösungen und den Geist der internationalen Zusammenarbeit in sich vereinen. Sie
erwächst nicht aus Doktrinen der Konfrontation und nicht aus der Ausbeutung
der Verzweiflung.
Entwicklung ist ein menschliches Unterfangen. Es sind die Tüchtigkeit
und die Anstrengungen von Individuen, die die Entwicklung zu einer Realität
machen, und sie sind es auch, die ihre eigentlichen Nutznießer sind. Unser
erstes Ziel ist die Gewährleistung eines Minimums an den Lebensnotwendigkeiten - Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf - und die Beseitigung
von menschlichem Leid und von Monotonie, von Krankheiten mit bleibenden Schäden, von Unwissenheit und von erzwungener Knechtschaft durch Dritte. Somit
muß die Entwicklung über das reine überleben hinausgreifen und Chancen für
Bildung, größere persönliche Freiheit und die Würde und Selbstachtung des
Individuums schaffen. Schließlich muß die Entwicklung auch die Qualität des
Lebens erfassen: die Würde des Individuums, seine persönliche Freiheit und
die Gleichheit der Chancen aller ohne Ansehen von Rasse, Religion, Geschlecht
oder politischer Überzeugung.
Herr

- 39 -

�Herr Präsident, die Größe der vor uns liegenden Aufgaben wird ein bisher
unbekanntes Maß an internationaler Zusammenarbeit erforderlich machen. Keine
Nation kann für sich allein mit den gegebenen Schwierigkeiten fertig werden
- und nur gemeinsam können alle Nationen meistern, was als eine unausweichliche weltweite Herausforderung historischen Ausmaßes zu betrachten ist.
Wir sehen uns jedoch nicht mit einem Übermaß an negativen Vorzeichen und
auch nicht mit unüberwindlichen Hindernissen konfrontiert. Es steht in unserer
Macht, in unserer Generation ein Maß an wirtschaftlichem Fortschritt zu erreichen, das ohnegleichen in der gesamten Erfahrung der Menschheit da steht.
Noch in jedem Zeitalter haben Männer und Frauen größere Prosperität und
mehr Gerechtigkeit und Würde angestrebt. Dennoch gab es in der Vergangenheit
immer wieder Rückschläge: die Geschichte verzeichnet ein Übermaß an Not und
Verzweiflung.

Unser Zeitalter ist das erste, in dem wir die Wahl haben, es

anders zu machen. Und wir müssen diese Wahl treffen.

Sofern wir Erfolg haben, wird man sich dieses Jahrzehnts als eines Wendepunktes in der wirtschaftlichen und politischen Evolution des Menschen erinnern.
Die neuen Institutionen und Mechanismen, die wir schaffen, könnten als die Bausteine der internationalen Zusammenarbeit angesehen werden, die das Gemeinschaftsgefühl der Welt gestärkt haben. Die sich hieraus für den Weltfrieden
und für die wirtschaftliche Zusammenarbeit ergebenden Implikationen sind gewaltig.
Die Vereinigten Staaten gehen von der Überzeugung aus, daß Moral und praktische Interessen in dieselbe Richtung weisen, nämlich in die Richtung auf
ein von Hingabebereitschaft diktiertes gemeinschaftliches Unterfangen.
Wenn man uns in kooperativem und realistischem Geiste entgegenkommt, sind
wir bereit, unsere nationalen Kapazitäten zur Unterstützung einer historischen
Ausweitung der Wirtschaft und Entwicklung auf der gesamten Welt anzubieten.
Somi t
•

- 40 -

i

—

—

�Somit wollen wir mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Laßt uns dieser
Aufgabe die Priorität eines mit allen Mitteln der Außenpolitik anzustrebendes
Zieles einräumen. Laßt uns über der Sache stehen, aber gleichzeitig wollen wir
uns davor hüten, daß unser Streben nach dem Ideal die Verwirklichung des
tatsächlich Erreichbaren blockiert. Laßt uns zu einer Einigung über praktische Schritte kommen, die das Los unserer Mitmenschen verbessern. Wir schulden
unserem Volk Taten, nicht Schlagworte; Ergebnisse, nicht schöne Reden.
Die Vereinigten Staaten strecken jenen die Hand entgegen, die mit uns den
Weg in eine menschlichere und reichere Zukunft einschlagen wollen. Wir müssen
diesen Weg gemeinsam gehen, und wir müssen auf dieser Konferenz einen weiteren
Schritt auf ihm gehen.
Ich danke Ihnen.

XXX

- 41 -

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8/1976

MIT ENERGIE SPARSAMER WIRTSCHAFTEN
US-Energiebehörde ERDA fordert Maßnahmen für rationelleren Verbrauch

- (AD) - Wichtiger als alle kurzfristigen Programme, die die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von Importöl verringern sollen, ist nach Ansicht von ERDA-Chef Dr. Robert Seamans die rationellere und sparsame Verwendung von Energie. Unter diesem Gesichtspunkt wurde der Nationale Energieplan, den die amerikanische Energie-Forschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA
Ende Juni 1975 veröffentlichte, noch einmal überarbeitet und teilweise revidiert. Die neue Fassung liegt nunmehr dem US-Kongreß zur Stellungnahme vor.
Industrie, Bauwesen, Verkehrswesen sowie Produktion und Verbrauch von
elektrischem Strom seien, wie Dr. Seamans auf einer Pressekonferenz in
Washington erklärte, die wichtigsten Sektoren für ein wirksames Sparprogramm,
das schon in den nächsten fünf Jahren den öl bedarf um ca. 140 000 Tonnen pro
Tag, bis zum Jahr 2000 sogar um 1,4 Millionen Tonnen täglich, reduzieren
könnte.

Bei der Neuorientierung der kurzfristigen Programme ergäben sich wei-

tere Vorteile dadurch, daß die Umweltbelastung und der Kapitalbedarf geringer
wären und die Technologien, die schon in kurzer Zeit Energie einsparen helfen
könnten, nicht erst neu entwickelt werden müssen.

Somit würden für das kurz-

fristige Programm auch weniger Staatsgelder benötigt.

Der ERDA-Plan hebt im

einzelnen hervor:
Industrie

-1 -

�Industrie - Diese verbraucht gegenwärtig 40 Prozent der gesamten amerikanischen Energieproduktion.

Der Nutzeffekt des Energieverbrauchs könnte aber

um mehr als 30 Prozent erhöht werden, wenn der Anwendungsbereich bestimmter
Technologien erweitert würde.

Darunter fällt in erster Linie die Anwendung

von Wärmepumpen zur Reduzierung des Verbrauchs an Primärenergie, von Turbogeneratoren zur Stromerzeugung aus der Abwärme von Aluminium- und Glasschmelzöfen,
Methoden der Übertragung und der Speicherung von Wärmeenergie für Versorgungssysteme innerhalb der Industrie, Hochtemperatur-Isolierung sowie der Einsatz
von Rekuperatoren und Regeneratoren zur Speicherung von Abwärme.
Der Energieverbrauch der Industrie könnte auf diese Weise so rationell
gestaltet werden, daß bis 1985 Einsparungen möglich würden, die 250 000 bis
400 000 Tonnen öl pro Tag entsprächen.
Bauwesen - Energie im Äquivalent von weiteren 400 000 Tonnen öl pro Tag
könnten durch Schalenbauweise und verbesserte Isolierung, Ventilation, Heizund Klimatechnik sowie eine effektivere Müll Verwertung bis zum Jahr 1985 eingespart werden.

Gegenwärtig beanspruchen in den USA kommerzielle Bauten und

Wohnbauten allein schon 28 Prozent der Energieproduktion.
Verkehrswesen - 31 Prozent der gesamten amerikanischen Energieproduktion
werden 1m Transport- und Verkehrswesen verbraucht.

Auch auf diesem Sektor

wären bis 1985 Einsparungen in der Größenordnung von 72 000 - 100 000 Tonnen
öl/Tag möglich, wenn z.B. durch spezielle Blechverkleidungen an schweren Lastkraftwagen und zwischen den Güterwagen der Eisenbahn der Luftwiderstand beim
Fahren verringert würde.

Die PS-Leistung von Personenwagen ließe sich erhöhen,

wenn bei der Formgebung und Ausstattung die Strömungsverhältnisse stärker als
bisher berücksichtigt würden und man auf Verzierungen, die Fahrenergie kosten,
verzichtete.

Außerdem sollte sich die Autoindustrie um eine Gewichtsreduzierung

bei Motoren bemühen .
Kraftwerke und Stromverbrauch

- Hier sind sowohl in bezug auf die Bean-

spruchung von Landflächen und Kapital als auch den Bedarf an Betriebsenergie
- 2 -

�Betriebsenergie Einsparungen möglich.

Sie könnten im letztgenannten Fall

das Äquivalent von 215 000 Tonnen öl pro Tag erreichen, wenn verbesserte Ausrüstungen für Kraftwerke und für den Stromtransport verwendet würden, Elektrogeräte effektiver arbeiteten und der Verbraucher sparsamer mit Strom umginge.
Die Bemühungen um eine intensivere Nutzbarmachung der reichen amerikanischen Kohlevorkommen, den Ausbau der Atomkraft, den Einsatz von Sonnenenergie
und Erdwärme und die Erschließung der ölschiefervorkommen gehen weiter. Jedoch
sei, so Dr. Seamans, erst nach 1985 mit der großtechnischen Produktion von
synthetischen Brennstoffen aus Kohle und Ölschiefer und mit der verstärkten
Nutzung von Sonnenkraft zum Heizen und Kühlen, von Erdwärme sowie von Abwärme
zu rechnen. Auf weite Sicht jedoch, d.h. gegen Ende dieses Jahrhunderts und
später, müßten immer stärker erneuerungsfähige Energiequellen herangezogen
werden - Brutreaktoren, Fusionsreaktoren sowie Sonnenenergie, die über Wind-,
Heiz- und Lichtkraftwerke zur Stromerzeugung genutzt wird. Dann dürfte man
auch soweit sein, die thermische Energie der Meere und Wasserstoff für die
Energieerzeugung einzusetzen.
Die Atomkraftwerke, die in den USA heute in Betrieb sind, haben eine
Gesamtkapazität von 39,6 Millionen eKW. Der ERDA-Plan sieht vor, bis zum
Jahr 2000 die nukleare Kapazität auf 450 Millionen bis 800 Millionen eKW auszuweiten. Die Verwirklichung dieses Programms hängt jedoch von der Lösung einer
Reihe von Problemen ab - u.a. einer genaueren Erfassung der amerikanischen Uranvorkommen, der Ausweitung der Kapazität zur Urananreicherung und der Entwicklung verbesserter Verfahren zur Fabrikation und Aufarbeitung von Kernbrennstoff
sowie zur Endlagerung der radioaktiven Abfallprodukte.

+ + + + +

- 3 -

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8/1976

INTERNATIONALE VERPACKUNGS-FACHMESSE IN USA

— ( A D ) - - Vom 25. bis 29. Oktober 1976 findet in Chicago, Illinois, die "USA
National Packaging Week International Exposition And Assembly" statt. Die
Veranstaltung gehört zu den führenden Fachmessen auf dem Gebiet der Verpakkungstechnologie und umfaßt nahezu alle wichtigen amerikanischen Hersteller
von Verpackungsmaschinen und Packmitteln- Sie ist entstanden aus dem Zusammenschluß der "PMMI-Pack Expo" und der "Ama National Packaging Exposition",
die früher von den einschlägigen Fachverbänden getrennt durchgeführt wurden.
Ungefähr 450 Aussteller werden auf der neuen vergrößerten Messe auf
einer Fläche von mehr als 100 000 Quadratmetern über 2 000 Verpackungs- und
verpackungsverwandte Maschinen zeigen. Hinzu kommt ein vollständiges Sortiment von Verpackungsmaterialien. Während der Ausstellung werden führende Vertreter der amerikanischen Verpackungsindustrie und deren Organisationen Fachvorträge halten, die sich mit den Problemen, Möglichkeiten und dem neuesten
Stand der Verpackungstechnologie in den USA befassen. Die Veranstaltung konzentriert sich in der Hauptsache auf die Interessen und Bedürfnisse aller Verpacker von Lebensmitteln, Getränken, Konsumgütern, Pharmazeutika und industriel
len Erzeugnissen.
Vertreter

�Vertreter des amerikanischen Handelsministeriums stehen auf der Messe
ausländischen Besuchern zur individuellen Beratung zur Verfügung. Auf Wunsch
können Werksbesichtigungen in Chicago und der näheren Umgebung arrangiert
werden. Im Auftrage des amerikanischen Handelsministeriums bereiten die Botschaft der Vereinigten Staaten in Bonn und die U.S. Generalkonsulate in der
Bundesrepublik in Zusammenarbeit mit dem "American Express"-Reisebüro in
Bremen eine Gruppenreise zum Besuch dieser Fachmesse vor. Interessenten werden gebeten, sich wegen weiterer Einzelheiten an ihren Fachverband, ihre zuständige Industrie-und Handelskammer oder direkt an das American ExpressReisebüro, Am Wall 128-134, 2800 Bremen 1, zu wenden.

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8/1976
UN-KONFERENZ "HABITAT"
Fernziel: Menschenwürdiger Lebensraum für die Erdbevölkerung

VANCOUVER — ( A D ) — Unter Beteiligung von 2 000 Delegierten der Regierungen von
135 Ländern tagt vom 31. Mai bis 11. Juni 1976 in Vancouver (Kanada) die UNKonferenz "Habitat". Die Veranstaltung ging aus der ersten Umweltkonferenz
der Vereinten Nationen vom Jahre 1972 in Stockholm hervor. Programm und Aufgabenstellung für "Habitat" ("Menschliches Siedeln", wie der Titel der Tagung
in der deutschen Fassung lautet) kristallisierte sich jedoch erst nach den UNKonferenzen über Bevölkerungs- und Nahrungsprobleme im Jahre 1974 sowie der
Konferenz über Frauenrecht und Probleme der Frau im Jahre 1975 heraus. Es
war nicht einfach, die vielschichtigen und regional so unterschiedlichen Nöte
und Themenstellungen unter dem Generalnenner "Habitat" zu vereinigen. Dem
kleinen Organisationsstab unter der Leitung von Generalsekretär Enrique
Panalosa (Kolumbien) ist es jedoch gelungen, ein Programm auszuarbeiten, das
zur Ausgangsbasis für die "Verbesserung der Lebensqualität im Dasein des einzelnen und der Gemeinde, in Dorf und Stadt, in jeder Nation und geographischen Region" werden könnte.
Der Beitrag der Vereinigten Staaten basiert auf dem Bericht Präsident
Fords von 1976 über "Wachstum und menschliche Entwicklung". Ein wesentlicher
Teil befaßt sich mit Wohnen und Wohnungsbeschaffung, mit dem Einsatz von
Satelliten für Aufgaben des täglichen Lebens, mit Geburtenkontrolle und der
Erschließung ländlicher Regionen. Niemand erwarte, wie ein Sprecher der US-

- 1 -

�US- Delegation betonte, daß "Habitat" schwerwiegende Probleme über Nacht zu
lösen vermöchte. Die USA vertrauen jedoch darauf, daß die Konferenz den Menschen in aller Welt die jeweiligen Situationen der anderen klar und eindringlich vor Augen führt und wichtige Anregungen gibt.
Das Dasein in einem menschenwürdigen Lebensraum zu verbringen,wird künftig ein Problem von immer größerer Bedeutung sein. Denn überall in der Welt
strömen die Menschen vom Lande in die Städte - mit seinen riesigen Landmassen
steht selbst Afrika jetzt vor dieser Situation. Elendsviertel, Jugendkriminalität, Verbrechen, Armut und Entwurzelung der Menschen sind zwangsläufig die
Folge, wenn eine Integration nicht möglich ist. Deshalb ist es so wichtig, die
daraus resultierenden Aufgaben in der Gesamtschau zu analysieren und anzugehen
und,wie die bekannte amerikanische Anthropologin Margaret Mead fordert, "die
bisher praktizierte Aufsplitterung zu beenden... Umwelt, Hunger, Übervölkerung,
unwürdiges Wohnen, Benachteiligung der Frauen, Kinderelend - alle diese Probleme dürfen nicht einzeln betrachtet werden".

In einem von Generalsekretär Penalosa ausgearbeiteten Deklarationsentwurf
sind die Arbeitsgrundsätze für "Habitat"

und die geplante künftige Zusammen-

arbeit internationaler Institutionen nach den Vorschlägen einer Expertengruppe
zusammengefaßt. Ein Hauptziel der Konferenz ist es, Vorschläge für wirksame
nationale Maßnahmen zu finden, die die spezielle Situation in den einzelnen
Ländern und Regionen berücksichtigen. Zur Dokumentation "Habitat" werden 121
Länder u. a. mit eigener Präsentation von Kurzfilmen und Diapositiv-Serien
aus ihrer Sicht beitragen.

XXX

- 2 -

�</text>
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9

26. Mai 1976

Inhalt

INFORMATION:
Kein Pardon für Rauschgifthä'ndler
-Neue Botschaft Präsident Fords zum Problem "Drogenmißbrauch und
seine Bekämpfung"

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Internationales Abkommen zur Beobachtung der Ozonschicht
-USA, England und Frankreich beginnen Fünf-Jahres-Studie-

Keimfreie Blutkonserven

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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9/1976

KEIN PARDON FÜR RAUSCHGIFTHÄNDLER
-Neue Botschaft Präsident Fords zum Problem "Drogenmißbrauch und seine
Bekämpfung"-

--(AD)-- Mehr als 5 000 Menschenleben, Hunderttausende zerstörter Existenzen,
Überfälle, Diebstahl, Erpressung und Betrug - das ist derzeit der traurige
Jahrestribut für die neue Rauschgiftwelle in den Vereinigten Staaten. Der Verlust für die Volkswirtschaft wird auf 17 Milliarden Dollar im Jahr geschätzt.
Als sich Ende der sechziger Jahre erstmals die Öffentlichkeit des Problems bewußt wurde, handelte die amerikanische Bundesregierung rasch und energisch. Es wurden Sonderorganisationen wie das US-Bundesamt für Drogenüberwachung (Drug Enforcement Administration - DEA) und das Nationale Institut zur
Bekämpfung von Drogenmißbrauch (National Institute on Drug Abuse) geschaffen,
über die diplomatischen Kanäle wurde versucht, weltweit den Rauschgifthandel
wirksam zu bekämpfen und zu unterbinden. Angesichts der Erfolge hatte es
Mitte 1973 den Anschein, als wäre der Wendepunkt erreicht. In heutiger Sicht
aber waren nur einzelne Schlachten gewonnen - der Krieg ging weiter. Anfang
1975 zeigte sich erneut ein Anstieg des Drogenkonsums. Bereits gewonnenes
Territorium ging wieder verloren.
In

- 1 -

�In der Botschaft zum Problem "Drogenmißbrauch und seine Bekämpfung", die
Präsident Ford Ende April 1976 dem US-Kongreß unterbreitete, kündigt der Präsident neue und aggressive Maßnahmen an, um den gegenwärtigen Trend wachsenden
Drogenkonsums in den Vereinigten Staaten zu brechen und ins Gegenteil zu
verkehren.
Die im "Weißbuch über Drogenmißbrauch" vom Jahre 1975 von der Drogenkommission gegebenen Empfehlungen bilden die Grundlage für eine weitere Intensivierung und Ausweitung der von der US-Regierung vorgesehenen Maßnahmen. Vor
allem den Rauschgifthändlern und Schmuggel ringen soll das verbrecherische
Handwerk gelegt werden. Es genüge nicht, wie Präsident Ford erklärte, diese
Leute dingfest zu machen, wenn sie anschließend von den Justizbehörden mit
Glacehandschuhen angefaßt würden.

Selbst notorische Händler würden nach der

Verhaftung gegen Kaution, deren Beschaffung ihnen nicht schwer falle, wieder
auf freien Fuß gesetzt. Eine Erhebung des US-Justizministeriums zeige, daß
jeder vierte des Heroinhandels überführte Verbrecher überhaupt keine Haftstrafe erhalte. Und wenn eine Verurteilung erfolge, betrage die Haftstrafe
bei jedem dritten weniger als drei Jahre. Selbst zu längerer Haft Verurteilte
könnten, wenn sie ein Drittel der Zeit abgesessen hätten, auf Bewährung entlassen werden.
Dieses Vorgehen, so erklärte Präsident Ford, sei gegenüber Kriminellen
nicht angebracht, die aus der Not der Menschen ihre Profite ziehen. Es sei
auch falsch gegenüber den Opfern des Rauschgifts, und es sei falsch vom
Standpunkt des amerikanischen Rechtswesens aus gesehen. Deshalb habe die Regierung dem US-Kongreß Gesetzesvorlagen unterbreitet, denen zufolge Personen,
die des Handels mit Heroin und ähnlichen Suchtstoffen überführt sind, zu
Haftstrafen verurteilt werden müssen. Für Ersttäter soll die Haftdauer mindestens drei Jahre, für Wiederholungstäter oder solche, die Rauschgift an
Jugendliche verkaufen, mindestens sechs Jahre betragen.
Präsident

�Präsident Ford hebt hervor, daß die neuen Vorschläge nicht au

Rachege-

lüsten geboren seien. Ihnen liege vielmehr das Bestreben und die Pflicht der
Regierung zugrunde, die Allgemeinheit vor solchen Schmarotzern zu schützen
und abschreckende Maßnahmen zu ergreifen. Diese sehen unter anderem vor,
keine Freilassung von Rauschgifthändlern mehr zu gewähren, wenn der Festgenommene bereits einschlägig vorbestraft ist, wenn eine Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde, wenn er Ausländer ist, wenn bei ihm bei der Festnahme
ein falscher Paß gefunden wurde, wenn er aus Poliezigewahrsam oder dem Gefängnis flüchtet oder bereits früher wegen Flucht verurteilt wurde.
Die Bestimmungen über Leibesvisitationen und die Beschlagnahme von
Kraftfahrzeugen, Booten und Flugzeuoen, die zum Schmuggein von Suchtstoften
und Geldgewinnen von Rauschgifthändlern benutzt werden, durch den amerikanischen Zoll werden erheblich verschärft. Außerdem werden Meldefristen beim
Zoll für private Eigner kleiner Küstenboote drastisch verkürzt und Geldbußen
erhöht.

Synthetische Suchtstoffe
Als vordringlich bezeichnet Präsident Ford die Ratifizierung der Internationalen Konvention über nsychotrope Substanzen durch den US-Kongreß. Sie
wurde bereits 1971 zur Überwachung des internationalen Handels mit synthetischen,suchtgefährdenden Substanzen geschlossen - vor allem zur Überwachung von
Barbituraten, Amphetaminen und Tranquillantien. Durch den Mißbrauch von Präparaten auf der Basis dieser Substanzen entstand in den Vereinigten Staaten
bereits ein ähnlich schwerwiegendes Problem wie durch Heroin.

Straffung

- 3 -

�Straffung des Regierungsprogramms

Die Tätigkeit der zuständigen Abteilungen in sieben Bundesministerien
und 17 anderen Behörden, die in das Regierungsprogramm zur Bekämpfung des
Drogenmißbrauchs eingeschaltet sind, soll besser koordiniert werden. Präsident
Ford setzte zu diesem Zweck zwei neue Kabinettsausschüsse ein: Der eine befaßt sich mit den Fragen des Rechtsvollzugs im Zusammenhang mit der Rauschgiftbekämpfung, der andere mit vorbeugenden Maßnahmen sowie der Therapie und
Rehabilitation bei Opfern des Drogenmißbrauchs.
Der letztgenannte Ausschuß, der unter dem Vorsitz des Bundesministers
für das r esundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen steht, wird sich besonders
darauf konzentrieren, mehr Möglichkeiten zur Wiedereingliederung Süchtiger
in das Berufs- und Arbeitsleben zu schaffen. Denn Behandlung allein ist erfahrungsgemäß nicht genug.

Vielmehr müssen die Lebensbedingungen, die das

Drogenopfer zur Flucht ins Rauschgift veranlaßten, grundlegend geändert werden. Andernfalls ist immer wieder mit einem Rückfall zu rechnen. Um den Bemühungen zum Erfolg zu verhelfen, ist nach Ansicht des Präsidenten auch eine
bessere Koordinierung der Maßnahmen solcher Stellen, die sich mit Vorbeugung
und Rehabilitation befassen, und jenen der Justiz erforderlich.
Auf internationaler Ebene werden die Anstrengungen zur Zusammenarbeit mit
anderen Regierungen auf der Basis der bisherigen Erfahrungen weiter verstärkt.
Die USA geben Beistand über die in einer Anzahl von Ländern stationierten
amerikanischen Fahndungsbeamten, die gemeinsam mit den einheimischen Behörden
gegen Händler-und Schmugglerringe vorgehen. Jedoch müsse der Auf - und Ausbau
von Institutionen und eines wirksamen Systems internationaler Verträge, die
den juristischen Rahmen für internationale Gegenschläge gegen die Rauschgiftkriminalität abgeben, beharrlich vorangetrieben und verbessert werden.

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INTERNATIONALES ABKOMMEN ZUR BEOBACHTUNG DER OZONSCHICHT
- USA, England und Frankreich beginnen Fünf-Jahres-Studie-

— ( A D ) — Die Sorge wegen möglicher schädlicher Auswirkungen von Flugzeugabgasen und anderen chemischen Stoffen auf die Stratosphäre veranlaßte die
Vereinigten Staaten, England und Frankreich, ein Fünf-Jahres-Abkommen zur
Beobachtung dieses Bereiches der irdischen Lufthülle, insbesondere der stratosphärischen Ozonschicht, abzuschließen. Es wurde Anfang Mai 1976 von Regierungsvertretern der drei Länder in Paris unterzeichnet.
Amerika, England und Frankreich wollen künftig alle einschlägigen Forschungsprojekte koordinieren und mit den für dieses Spezialgebiet zuständigen
internationalen Organisationen abstimmen. Denn der Verdacht ist begründet, daß
bestimmte chemische Verbindungen, die mit Verbrennungsprodukten und durch
andere Prozesse in die Atmosphäre gelangen, diese so stark zusätzlich belasten, daß die wegen ihrer Schutzwirkung unbedingt lebenswichtige Ozonschicht massiv angegriffen und "verdünnt" wird. Gegenüber aggressiven natürlichen Verbindungen hat sich im Laufe von Jahrmilliarden unter Mitwirkung
der Sonnenenergie eine Art Gleichgewicht für die atmosphärische Ozonkonzentration eingestellt. Die Ozonschicht wurde bisher ausreichend regeneriert.
Durch Abgase aller Art, durch die in aller Welt in großen Mengen verwendeten

-l -

�verwendeten Fluorkohlenwasserstoffe und den immer dichter werdenden Flugverkehr in immer größeren Höhen erwächst jedoch die Gefahr einer zu geringen Neubildung von Ozon. Häufung von Hautkrebs und Augenkrankheiten beim Menschen,
schwere Beeinträchtigung biologischer Prozesse bis hin zur Plantonproduktion
sowie Klimaveränderungen zählten aller Wahrscheinlichkeit nach zu den Folgen.
•

Um Art und Größenordnung künstlich ausgelöster Veränderungen in der Lufthülle der Erde und die daraus erwachsenden Gefahren erkennen zu können, haben
bereits verschiedene Länder Forschungsprojekte in Angriff genommen. Das Dreierabkommen soll helfen, bereits laufende Untersuchungen, auch solche unter der
Regie der Vereinten Nationen sowie nationaler und internationaler regionaler
Wissenschaftsorganisationen, zu beschleunigen und zu unterstützen. Es fordert
vor allem die enge Zusammenarbeit mit der UN-Organisation für Meteorologie
(WMO)» dem UN-Umweltgremieum (UNEP) und der.Internationalen Organisation
für die Zivile.Luftfahrt. Man will mehr Möglichkeiten für die kontinuierliche
Beobachtung der Ozonschicht schaffen, die.Forschung in bezug auf biologische
und klimatische Auswirkungen einer Veränderung der Verhältnisse in der Stratosphäre intensivieren und die Frage klären, ob und in welcher Form internationale Richtlinien hinsichtlich höchstzulässiger Mengen und Bestandteile von
Flugzeugabgasen für die Zivilluftfahrt eingeführt werden müssen.
Die Regierungen der USA, Englands und Frankreichs werden darauf hinarbeiten, daß bessere Mittel und Wege gefunden werden, um mehr Meßdaten über die
stratosphärische Ozonschicht zu sammeln, die Auswertung von Meßprogrammen zu
beschleunigen und Analysenergebnisse so rasch wie möglich auszutauschen. Die
Vertragsparteien unterrichten einander über bereits laufende oder geplante
Forschungs- und Analysenprogramme und nutzen alle Chancen zur Durchführung
neuer, qemeinsamer Forschungsprojekte. Aufgrund von Erkenntnissen zu möglichen
Veränderungen der Ozonkonzentration in der Stratosphäre will man gemeinsam
Empfehlungen über die künftige Verbesserung des Meßstellennetzes ausarbeiten.
•

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�In den Vereinigten Staaten sind die Bundesluftfahrtbehörde (FAA - Federsl
Aviation Administration), die US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung
(NOAA - National Oceanic and Atmospheric Administration), die Weltraunbehörde
(NASA - National Aeronautic and Space Administration), das Verteidigungsministerium und die Umweltschutzbehörde EPA in die Fünf-Jahres-Studie eingeschaltet. Sie wurde auf Anregung des amerikanischen Verkehrsministers William
Coleman in Angriff genommen, als dieser im Februar 1976 entschied, das britisch-französische Überschau-Passagierflugzeug CONCORDE versuchsweise für
die Dauer von 16 Monaten zur Aufnahme eines begrenzten Liniendienstes nach
New York und Washington zuzulassen.

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KEIMFREIE BLUTKONSERVEN

--(AD)-- Raumflugkörper wie die amerikanischen VIKING-Sonden, die im Verlauf dieses Sommers auf dem Mars landen sollen, müssen zuvor aufs sorgfältigste keimfrei gemacht worden sein. Andernfalls besteht die Gefahr, daß sie
die Umgebung des Landeplatzes mit irdischen Organismen verseuchen. Mitarbeiter der US-Weltraumbehörde NASA entwickelten besondere Sterilisierverfahren,
die die Gewähr geben, daß einerseits vorhandene Keime abgetötet werden,
andererseits aber durch die dabei angewandten hohen Temperaturen keinerlei
Schäden an den empfindlichen Instrumenten entstehen können.
Auf dem im Jet Propulsion Laboratory (JPL-Institut für Strahlantriebe)
der Universität Kalifornien in Pasadena ständig weiter verbesserten Verfahren
beruht eine neue Methode, um Behälter und Verbindungsschläuche für das Aufbewahren und Umfüllen von Blutkonserven, die dazu wieder aufgetaut werden
müssen, absolut keimfrei zu machen. Die Schläuche bildeten bisher das
schwächste Glied in der Sterilisierkette. Das neue Verfahren erlaubt es jedoch, auch die Schläuche so stark zu erhitzen, daß eventuell bei der Montage
eingesickerte Keime mit Sicherheit abgetötet werden.
Die doppelwandigen Schläuche werden unter Hitzeeinwirkung verschweißt
und gleichzeitig sterilisiert. Ihr äußerer Teil und die flachen Anschlußstücke
bestehen aus einem gewöhnlichen Kunststoff, nämlich Plyvinylchlorid. Die

- l -

�Die Innenwandung, die direkt mit dem Blut in Berührung kommt, ist mit einer
speziellen, hitzebeständigen Auflage beschichtet., Sobald die Schläuche zusammengefügt sind, wird bei den Anschlußstücken mit der Wärmebehandlung (200
Grad C) begonnen. Durch das sofort einsetzende Verschweißen wird die Ausbreitung von Keimen verhindert. In den Schläuchen vorhandene Keime werden abgetötet, Das ganze Verfahren nimmt weniger als eine Minute in Anspruch.

X X X

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7. Juni 1976

12

Inhalt

DOKUMENTATION

Kissinger: Solidarität der demokratischen Industriestaaten notwendig
- Rede des amerikanischen Außenministers am 25. Juni 1976 vor dem
Internationalen Institut für Strategische Studien in London -

Die außenpolitische Konzeption Carters
Wortlaut der Rede am 23. Juni 1976 vor der Außenpolitischen Gesellschaft
in New York

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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T e I e x : 08 - 8 54 3 2

12/1976

KISSINGER: SOLIDARITÄT DER DEMOKRATISCHEN INDUSTRIESTAATEN NOTWENDIG
- Rede des amerikanischen Außenministers am 25. Juni 1976 vor dem
Internationalen Institut für Strategische Studien in London -

Meine Damen und Herren, Freunde!
Als ich vor sieben Jahren nach Washington kam, war eine meiner ersten
Handlungens eine Gruppe erfahrener Wissenschaftler auf dem Gebiet der europäischen Angelegenheiten zusammenzurufen, damit sie einen neuen Präsidenten
bezüglich unserer Beziehungen zu unseren Verbündeten beraten sollten. Der
Vorsitzende dieser Gruppe war Alastair Buchan.
Man darf ihn für die Ergebnisse nicht verantwortlich machen, aber es
war natürlich, seinen Rat zu suchen. Alastair Buchan war mehr als nur ein
hervorragender Fachmann. Er war ein Mann des Westens in Vollkommenheit.
Schotte von Geburt, betrachtete er sich als Europäer. Er lebte viele Jahre
in den Vereinigten Staaten und besuchte uns oft und beschäftigte sich mit
seinem durchdringenden Verstand mit Amerika und seiner Rolle in der Welt. Er
war ein Verfechter der Wichtigkeit ja der Unausweichlichkeit der transatlantischen Bindung zwischen Nordamerika und Europa.
Hinter einem skeptischen Äußeren stand ein leidenschaftliches Engagement
für die Werte und Traditionen, die wir als westliche Kultur schätzen. Sir
Peter Ramsbotham betonte in seinem Nachruf für Alastair Buchan in Washington,

�Washington, daß keiner seiner Landsleute mehr zum Verständnis der internationalen Angelegenheiten und der strategischen Auswirkungen der Kernkraft in der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beigetragen habe.

Aber Alastair Buchan

konzentrierte sich nicht nur auf die Struktur der globalen Politik und die Wurzeln des Krieges, sondern er wandte sich auch besonders der zentralen Rolle
des Westens bei der Erhaltung des Friedens und der moralischen Zielsetzung zu.
Ihr Institut hier ist ein Denkmal seines Strebens.
Alastair Buchan besaß jene Verbindung von Geist und Gefühl, die man als
Weisheit bezeichnet.

Sie war das Motiv für seinen großen Beitrag, den er zur

Wissenschaft und zum Verständnis der Transformationen internationaler Beziehungen
für eine ganze Generation leistete.
Jeder von uns hier ist in gewisser Weise durch ihn geprägt worden. Während der letzten sieben Jahre hat er nie gezögert» mich in aller Freundschaft
zu schelten, wenn die amerikanische Politik nach seiner Ansicht nicht der grossen Sache der europäisch-amerikanischen Zusammenarbeit gerecht wurde. Ich
möchte meinen 9 daß er, lebte er noch, zu der Auffassung käme9 daß wir nach vielen
Anfängen große Fortschritte in der Stärkung der Einheit des Westens gemacht haben.
Und wenn er zu dieser Überzeugung gelangen würde 9 dann wäre ich stolz darauf.
"In der relativen Macht und dem relativen Einfluß der wichtigen Staaten",
so schrieb Alastair Buchan, "sind strukturelle Veränderungen eingetreten. In
der gegenseitigen Abhängigkeit - Interdependenz - der westlichen Gesellschaften
und in den Anforderungen, die wir an die natürlichen Hilfsquellen stellen, haben
sich quantitative Veränderungen kolossalen Ausmaßes vollzogen. Und in dem» womit sich unsere Gesellschaften beschäftigen, ist ein qualitativer Wandel zu verzeichnen." Er stellte dann die Frage" "Können die hochindustrialisierten
Staaten eine Qualität ihres nationalen Lebens erhalten oder wiedergewinnen, die
nicht nur die neue Generation befriedigt, sondern auch als Beispiel oder attraktive Kraft für andere Gesellschaften dienen kann?"

Wir

�Wir alle hier9 die wir das Andenken von Alastair Buchan ehren wollens
müssen das auf die Weise tuns wie er es am liebsten gehabt hätte, nämlich
indem wir beweisen» daß die Antwort Ja ist.
Eine Welt, die nach wirtschaftlichen Fortschritten.» sozialer Gerechtigkeit»
politischer Freiheit und einem stabilen Frieden schreit, braucht unsere kollektive Verpflichtung und unseren kollektiven Beitrag. Ich bin der festen Überzeugung, daß die demokratischen Industriestaaten» wenn sie zusammenarbeiten»
über die Mittel verfügens eine neue Ära der internationalen Angelegenheiten zu
gestalten» wenn sie den Willen dazu haben. Wir sind ja heute bereits auf vielen
Gebieten dabei, das zu tun - nicht zuletzt dank der Klarheit» die Alastair Buchan
in unsere Zielsetzung und Richtung gebracht hat.
Vor einer Generation schufen westliche Staatsmänner neue Institutionen
der Zusammenarbeit» um eine gemeinsame Bedrohung abzuwehren. Unser Fortschritt
in 30 Jahren war eindrucksvoll. Die Abschreckung verhinderte einen Weltkrieg,
und alle demokratischen Industriestaaten leben mit einem erhöhten Gefühl der
Sicherheit. Unsere Volkswirtschaften sind die blühendsten auf Erden. Unsere
Technologie und unser schöpferischer Geist haben sich als unverzichtbar für alle
Länder erwiesen, die das Wohlergehen ihrer Völker verbessern wollen - seien es
sozialistische Länder oder Entwicklungsländer. Unsere Gesellschaften stellen
mehr denn je ein Leuchtfeuer der Hoffnung für all jene dar» die sich nach Freiheit, Gerechtigkeit und Fortschritt sehnen.
In keinem anderen Teil der Welt und unter keinem anderen System leben Men
sehen so gut und in so viel Freiheit. Wenn Leistung überhaupt ein Maßstab
ist, dann haben die demokratischen Industriestaaten den Wettkampf zwischen Freiheit und Kommunismus, von dem man vor drei Jahrzehnten noch so viel hielt» gewonnen.
Und doch vernehmen wir in unseren Ländern gerade zum gegenwärtigen Zeitpunkt Warnungen des Niedergangs» Besorgnis über die Mühen und Plagen des Westens
und über das Vorrücken des Autoritären.
•

3

Könnte es sein» daß unsere eigentlichen

�eigentlichen Probleme nicht die der Ressourcen, sondern die des Willens,
nicht die der Macht» sondern die der Konzeption sind?
Wir, die wir vor 30 Jahren große Gefahren überwunden haben» dürfen uns
jetzt nicht durch Illusionen der Bedeutung lähmen lassen.

Wir haben bereits

die Schaffung eines neuen Systems der internationalen Beziehungen eingeleitet,
dieses Mal in globalen Ausmaßen.

Wir müssen die Entschlossenheit aufbringen,

in Einigkeit und gegenseitiges Vertrauen auf dieses Ziel hinzuarbeiten.
Für Amerika ist die Zusammenarbeit mit freien Nationen nicht nur eine
praktische, sondern auch eine moralische Notwendigkeit.

Amerikaner haben

sich nie mit reinen Berechnungen der Interessen und der Macht zufriedengegeben.
Amerika braucht um seiner selbst willen ein Gefühl der Identität und der Zusammenarbeit mit anderen Nationen gleicher Wertauffassung.
Unsere Verbindung mit Westeuropa, Kanada und Japan berührt daher den Kern
unserer nationalen Zielsetzung. Gemeinsame Anstrengungen mit unseren Schwesterdemokratien erheben die Ziele unserer Außenpolitik über das physische Oberleben
hinaus zu einem Frieden in menschlichem Fortschritt und Menschenwürde. Die i
Bindungen der geistigen Kultur, der demokratischen Tradition, der geschichtlichen
Verbindung und mehr als eine Generation gemeinsamer Bemühungen knüpfen uns
fester zusammen, als dies jede pragmatische Konzeption des nationalen Interesses alleine konnte. Die Einigkeit der demokratischen Industriestaaten ist
30 Jahre lang der Eckpfeiler der amerikanischen Außenpolitik gewesen - und das
wird, so weit wir das absehen können, auch so bleiben.
Und so möchte ich heute abend Alastair Buchans gedenken, indem ich mich
den Themen zuwende, die er angesprochen hat;

Können Amerika» Europa und die

demokratischen Industrieländer die Herausforderungen der Zukunft der Welt bewältigen?

Wie steht es toit unseren frsziehuttgBn?

Die

�Die Vereinigten Staaten und ein Vereintes Europa
Im Jahre 19739 als Vietnam endlich hinter uns lag und wir gerade einen
neuen Anfang mit China und der Sowjetunion gemacht hatten, schlugen die Vereinigten Staaten vor, der Zusammenarbeit mit den demokratischen Industriestaaten einen neuen Auftrieb zu geben.

Die militärische Sicherheit, zwar

immer noch von entscheidender Bedeutung, genügte nicht mehr,um unseren weiter
gefaßten Beziehungen Inhalt oder politischen Zusammenhalt zu geben oder die
Unterstützung einer neuen Generation zu finden.

Wir standen vor wichtigen

Ost-West-Verhandlungen über europäische Sicherheit und Truppenreduzierungen,
einer neuen Agenda internationaler Wirtschaftsprobleme, der Herausforderung
der Neugestaltung unseres Verhältnisses zur Entwicklungswelt und der Notwendigkeit, die Beziehungen zwischen Amerika und einer gestärkten und erweiterten
Europäischen Gemeinschaft neu zu definieren.
Es ist akademisch, heute darüber zu streiten, ob die Vereinigten Staaten
zu theoretisch gehandelt haben, als sie vorschlugen, diese Herausforderungen
durch die Ausarbeitung einer neuen Atlantischen Deklaration anzugehen, oder
ob unsere europäischen Freunde klug gehandelt haben, als sie diesen Vorschlag
als einen Testfall für die europäische Identität ansahen. Die dogmatischen
Argumente des Jahres 1973 bezüglich des Verfahrens für atlantische Konsultationen oder darüber, ob Europa seine ihm zukommende globale Rolle gespielt
habe, oder ob Wirtschafts- und Sicherheitsfragen miteinander verknüpft werden
sollten, sind durch die Praxis der Konsultationen und Zusammenarbeit in einem
einzigartigen Ausmaß und einer einzigartigen Intensität überwunden worden. Die
Realität und der Erfolg unserer gemeinsamen Bemühungen haben die beste Definition und Neubelebung unseres Verhältnisses gebracht.
Es ist heute keine Frage mehr, daß Europa und die Vereinigten Staaten
eng zusammenarbeiten müssen - unter welchem Namen auch immer - und daß die
Einheit Europas in diesem Prozeß von entscheidender Bedeutung ist.
In ihren Anfängen war die Europäische Gemeinschaft der Konzentrations-

�Konzentrationspunkt eines großen amerikanischen Idealismus und vielleicht
auch eines gewissen Paternalismus, als wir unsere europäischen Freunde zu
Modellen der föderalen Einheit und der transatlantischen Lastenteilung drängten.

Inzwischen begreifen beide Seiten des Atlantik, daß die europäische

Einheit nicht durch Amerikaner oder durch ein amerikanisches Rezept herbeigeführt werden kann, sie muß aus europäischen Initiativen entstehen.
Die Evolution der europäischen Initiativen - sowohl Erfolg wie Rückschlag - führt unvermeidlicherweise zu neuen Fragen, ob die Vereinigten Staaten
immer noch die europäische Einheit begrüßen.

Lassen Sie mich bei dieser Ge-

legenheit unsere Überzeugung unterstreichen, daß die europäische Einheit von
entscheidender Bedeutung für Europa, für den Westen und für die Welt ist.

Wir

unterstützen und ermutigen sie mit allem Nachdruck.
Wir sehen - was unseren Beitrag zu diesem Prozeß anbetrifft - die Dinge
heute etwas differenzierter. Wir rechnen nicht mehr damit, daß sie aus dem
Wunsche erwächst, die Bürden Amerikas zu erleichtern. Wenn Europa einen Teil
der Verantwortung des Westens in der Welt tragen soll, dann muß es dies auf
Grund eigener Konzeptionen und in seinem eigenen Interesse tun. Alastair
Buchan schrieb dazu: "Es ist unmöglich, Westeuropa zur politischen Einheit
zu inspirieren oder das Selbstgefühl Japans zu fördern, es sei denn, sie haben
die Freiheit und das Vertrauen, ihre Interessen auf allen Bereichen zu definieren - Interessen, die im Einklang mit denen der Vereinigten Staaten stehen,
aber nicht ihnen untergeordnet sein müssen."
Die Vereinigten Staaten unterstützen diesen Grundsatz aus ganzem Herzen.
Es ist den Vereinigten Staaten nicht zuträglich, das einzige Zentrum der Initiative und der Führung in der demokratischen Welt zu sein. Und es ist Europa
nicht zuträglich, nur ein passiver Teilnehmer zu sein, wie eng die Freundschaft
und wie vertraut die Konsultationen auch sein mögen.
Wir begrüßen daher die Tatsache, daß die Rolle Europas in weltpolitischen
Fragen an Kraft und Wirksamkeit zunimmt.

Ein vitales und zusammenstehendes

Westeuropa ist ein unersetzliches Gewicht in der Waagschale der globalen JJi- 6 -

�Diplomatie; die amerikanische Politik kann nur gewinnen» wenn sie einen
starken Partner mit parallelen moralischen Zielsetzungen hat.
Selbstverständlich wünschen wir nicht, daß Europa seine Identität in Gegnerschaft zu den Vereinigten Staaten findet,,
nünftiger Europäer»

Aber das wünscht auch kein ver-

Natürlich wird es Meinungsverschiedenheiten im Hinblick

auf die Taktik, manchmal auch die Perspektiven wenn nicht sogar die Ziele zwischen uns geben.

Aber ich glaube nicht, daß die Amerikaner so viel an Selbst-

vertrauen verloren haben, daß sie anderen, mit denen wir vielleicht gelegentliche Differenzen haben, die jedoch unsere höchsten Werte teilen, ihre Rolle
verbieten wollen.

Die klügsten Staatsmänner auf beiden Seiten des Ozeans haben

immer gewußt, daß die europäische Einheit und die atlantische Partnerschaft beide entscheidend wichtig sind und sich gegenseitig stärken.
So wollen wir denn endlich die Debatte darüber, ob die Einheit Europas die
Unterstützung Amerikas hat, hinter uns lassen. Wir betrachten die Frage als erledigt. Wir sollten uns lieber den dringenden Fragen beiderseitigen Interesses
zuwenden, denen sich ein sich einigendes Europa, die Vereinigten Staaten und
alle demokratischen Industriestaaten gemeinsam stellen müssen
gemeinsame Verteidigung, Ost-West-Beziehungen und internationale Wirtschaft.

Die Sicherheit und die Demokratien
Die Sicherheit ist die Grundlage für alles, was wir tun.

Vor einem Vier-

tel Jahrhundert bot die amerikanische Verteidigungsverpflichtung für Europa den
Schutzschild, hinter dem Westeuropa seine wirtschaftliche Gesundheit und seine
politische Lebenskraft wiedergewann.

Auch heute ist unser kollektives Bündnis

- sowie das amerikanisch-japanische Verhältnis - weiterhin von entscheidender Bedeutung für die Stabilität auf der Welt.

Aber die Art der Sicherheit und Stra-

tegie hat sich seit der Zeit, da unsere Bündnisse geschaffen wurden, fundamental geändert:
- Die
- 7 -

�- Die Sowjetunion hat sich von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges
erholt und schreitet auf dem Weg des industriellen Wachstums kräftig voran.
über Ressourcen kontinentalen Ausmaßes verfügend und vom sowjetischen
Volk im Namen ihrer Ideologie gewaltige Opfer verlangend, hat die UdSSR ihre
gewaltige wirtschaftliche Stärke und Technologie bis zu einem Punkt entwickelt,
an dem sie dem Westen auf zahlreichen Sektoren der industriellen und militärischen Macht ebenbürtig ist.

Sie zeigt keine Zeichen, die auf eine Änderung

der Prioritäten hindeuten.
- Jahrhundertelang galt der Satz, daß eine Zunahme an militärischer Macht
praktisch unmittelbar in einen politischen Vorteil umgewandelt werden konnte.
Heute liegt auf der Hand, daß in der strategischen Rüstung das Hinzukommen
neuer Waffen oder Zerstörungskraft nicht automatisch zu militärischen oder politischen Vorteilen führt. Die Zerstörungskraft strategischer Waffen hat zu
der Entstehung eines nuklearen Patt geführt. Keine Seite wird, wenn sie auch
nur mit einem Funken Klugheit handelt, zulassen, daß sich das Kräfteverhältnis
entweder im Wettrüsten oder in einem Abkommen zur Begrenzung der Rüstungen zu
ihren Ungunsten verschiebt.
- Unter dem Schutz des Nuklearschirms nimmt die Versuchung zu, es mit
regionalen Kräften oder durch einen Krieg durch Dritte zu versuchen. Das
ständige Wachstum der konventionellen Militärmacht und der Seemacht der Sowjetunion und ihre sich ausweitende globale Reichweite können nicht übersehen werden.
Konventionelle Streitkräfte und Militärhilfe für Verbündete gewinnen
entscheidende Bedeutung. Wir müssen sicherstellen, daß die Stärke und die
Flexibilität aller für die örtliche Verteidigung zur Verfügung stehenden Streitkräfte zunehmen. Und wir müssen eine kluge und starke Außenpolitik führen, die
bereit ist, unsere Stärke einzusetzen, um der Expansion Einhalt zu gebieten.
Diese neuen Realitäten verlangen von uns vor allem Standhaftigkeit.

De-

mokratische Gesellschaften haben in ihrer Einstellung zur Verteidigung immer
geschwankt - zwischen Selbstgefälligkeit und übertriebener Sorge.

Die lange

�lange Anlaufzeit neuer Waffen und ihre Kompliziertheit machen beide d eser
Irrwege gefährlich»

Wenn wir ein zusammenhängendes Verteidigungsprogramm

und die Unterstützung der Öffentlichkeit für die notwendigen Anstrengungen
haben wollen, dann können wir uns solche Schwankungen zwischen Nachlässigkeit
und Tobsuchtsausbrüchen nicht leisten.

Wir brauchen eine alliierte Verte'd

gungsposition, die unseren Gefahren entspricht,, für Freunde und Gegner gleicher
maßen glaubhaft und unserem Volke gegenüber vertretbar ist„

Und wir müssen

bereit sein, diese Position auf lange Zeit zu halten.
Es ist ein Gebot, daß wir die Programme fortsetzen» die gewährleisten
daß das Gleichgewicht aufrechterhalten bleibt. Aber wir sind es uns schuldig9
das militärische Kräfteverhältnis in der richtigen Perspektive zu sehen.
Selbstgefälligkeit kann zu Schwäche führen, aber Übertreibung der Gefahr
kann zum Verlust des Willens führen. Es hat ohne Frage einen stetigen Aufbau
der sowjetischen Militärmacht gegeben. Aber wir haben im gleichen Zeitraum auch
das stetige Wachstum und die stetige Verbesserung unserer eigenen Streitkräfte
erlebt.
- Wir standen immer sowjetischen Landstreitkräften gegenüber, die stärker
waren als unsere eigenen - zum Teil weil die Sowjetunion als eine Macht im Her
zen der eurasischen Landmasse mit einer eingebildeten Bedrohung an beiden Flanken ihre Erfordernisse so definiert. Ihre Seemacht stellt zwar ein zunehmendes
und ernstes Problem dar 9 aber sie ist weit schwächer als die alliierte See
macht zusammen - an Tonnage» Feuerkraft» Reichweite, Zugang zu den Meeren, E'
fahrung und seemännischem Können.
- Die Vereinigten Staaten ihrerseits erhöhen ihre Armee durch neue Straf
fungsmaßnahmen von 13 auf 16 Devisionen. Wir erhöhen unsere Kampftruppen in
Europa. W V planen die Stationierung einer neuen Armeebrigade in dem kritischen
Sektor der norddeutschen Tiefebene. Wir verstärken unsere Seestreitkräfte. Unsere europäischen Verbündeten haben umfangreiche Programme für den Aufbau einer
gemeinsamen Infrastruktur abgeschlossen. Wir haben neue gemeinsame Anstrengungen
zur Standardisierung und Austauschbarkeit der alliierten Streitkräfte unter
nommen.
_.

�t

- Die strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten sind an Treffsicherheit, Vielfalt, Zuverlässigkeit, Überlebensfähigkeit und nuklearen Mehrfachgefechtsköpfen überlegen0

Wir haben auf dem Gebiet der strategischen Bom-

ber eine beachtliche Führung.

Hinzu kommen die amerikanischen Dislozierungen

in Obersee und die Nuklearstreitkräfte von zwei atlantischen Verbündeten«
- Selbst bei unseren unterschiedlichen Prioritäten ist die wirtschaftliche
und technologische Basis, die der militärischen Stärke des Westens als Grundlage dient, an Größe und Innovationsfähigkeit weit überlegen.

Die Sowjetunion

leidet an einer endemischen Schwäche ihrer Industrie und ihrer Landwirtschaft.
Jüngste Studien lassen erkennen, daß diese chronische Unzulänglichkeit in einem
weit größeren Maße, als man bisher glaubte, sogar in den militärischen Sektor
hineinreicht.
Diese unsere Stärken demonstrieren, daß unsere gegenwärtige Sicherheitsposition zureichend ist und daß es durchaus in unserer Macht liegt, auch weiterhin die verschiedenen Elemente der sowjetischen Macht entsprechend aufzuwiegen.
Die notwendige Verteidigung aufrechtzuerhalten, ist mehr eine Frage der
Führung als der Macht. Unsere Verantwortung für die Sicherheit ist zu bewältigen, und sie hört nie auf. Wir müssen auf unbestimmte Zukunft hinaus bedeutsame zusätzliche Anstrengungen unternehmen. So weit wir in die Zukunft blicken
können, werden wir in einem Zwielicht zwischen Ruhe und offener Konfrontation
leben.
Das ist eine Aufgabe für beide Seiten des Atlantik.

Unsere Verteidigungs-

anstrengung im Bündnis wird wesentlich von dem Ausmaß abhängen, in dem das
amerikanische Volk überzeugt ist, daß unsere Verbündeten ähnliche Vorstellungen
von der militärischen Herausforderung haben wie wir und eine vergleichbare Entschlossenheit, ihr zu begegnen.

Die größte Bedrohung des Bündnisses würde ein-

treten, wenn - aus was für Gründen auch immer - durch falsche Beurteilung der
Bedrohung oder zu geringes Augenmerk auf die konventionellen Streitkräfte oder
ein Nachlassen der Verteidigungsanstrengungen der Verbündeten oder durch innenpolitische Entwicklungen in NATO-Ländern die Unterstützung der amerikanischen
- 10 -

�amerikanischen Öffentlichkeit für die NATO geschwächt würde.
Die Aufgabe der Beschaffung ausreichender Waffen selbst ist leichter als
jene der geopolitischen Einsicht, der politischen Koordination und vor allem
der Entschlossenheit.
Im Nuklearzeitalter ist es, wenn erst eine Veränderung im geopolitischen
Gleichgewicht eindeutig zutage getreten ist, zu spät, um noch etwas zu ändern.
So groß unsere Stärke auch sein mag, sie wird sich als leer erweisen, wenn wir
nicht augenscheinlich marginalen Veränderungen widerstehen, deren kumulative
Wirkung unsere Sicherheit unterminieren kann. Macht nützt nicht viel ohne die
Doktrinen und Konzeptionen, die definieren, wo unsere Interessen ihre Anwendung
erfordern.
Wollen wir uns also nicht durch ein Geschwätz der Schwäche lähmen lassen.
Wollen wir uns auf den Aufbau des Verständnisses unserer strategischen Interessen konzentrieren, das jeder Politik zugrunde liegen muß. Tatsache ist, daß
der Westen nirgendwo aus einem Mangel an Stärke besiegt worden ist. Unsere
Rückschläge haben wir uns selbst zugefügt - entweder weil führende Männer sich
Ziele ausgesucht haben, die wir psychologisch nicht verkraften konnten, oder
weil unsere Gesetzgeber sich weigerten, das zu unterstützen, was unsere Exekutive
als wesentlich ansah. Das - und nicht die verschiedenen "Lücken", von denen in
Amerika in allen Jahren gesprochen wird, die durch vier teilbar sind»- ist das
schwerste Sicherheitsproblem, vor dem wir stehen.
Bereits seit dem Harmel-Bericht vom Dezember 1967 hat das Atlantische
Bündnis die Gewährleistung der militärischen Sicherheit und realistische Maßnahmen zum Abbau der Spannungen zwischen Ost und West als ihre "zwei Hauptfunktionen" angesehen.

Niemals haben wir die Konfrontation oder die Eindämmung als

Selbstzweck gesehen, selbst wenn sie uns durch die andere Seite aufgezwungen
wurde.

Wir waren auch niemals der Ansicht, daß Meinungsverschiedenheiten mit

der Sowjetunion automatisch verschwinden würden.

Im Gegenteil: die eigentliche

Konzeption der "Detente" war immer nur auf ein Verhältnis der Gegnerschaft anwendbar.

Sie war dazu bestimmt, ein Abgleiten in militärische Feindseiigkeiten
- 11 -

�Feindseligkeiten zu verhindern und Bedingungen für ein Verhältnis zu schaffen,
das allmählich und vorsichtig verbessert werden sollte.
Somit hat die Politik des Bündnisses gegenüber dem Osten zwei notwendige
Dimensionen.

Wir suchen zu verhindern, daß die Sowjetunion ihre militärische

Macht in politische Expansion umsetzt. Gleichzeitig suchen wir eine Lösung
von Konflikten und Streitfragen durch Verhandlungen und eine Stärkung der Impulse für eine Mäßigung, indem der Bereich konstruktiver Beziehungen erweitert
wi rd.
Diese beiden Dimensionen stärken sich gegenseitig.

Eine starke Verteidi-

gung sowie der Widerstand gegenüber Abenteuern sind die Voraussetzungen für das
Bemühen um Ausgleich.

Gleichzeitig kann nur der demonstrierte Einsatz für den

Frieden die innenpolitische Unterstützung einer angemessenen Verteidigung und
einer umsichtigen Außenpolitik erlangen.

Unsere öffentlichkeit und der Kongreß

werden keine Politik unterstützen, die Krisen heraufzubeschwören scheint, noch
würden sie Festigkeit in einer Krise unterstützen, wären sie nicht überzeugt,
daß alle friedlichen und ehrenhaften Alternativen ausgeschöpft sind.

Und vor

allem sind wir es uns selbst sowie künftigen Generationen schuldig, nach einer
Welt zu streben, die auf etwas Stabilerem und Hoffnungsvollerem basiert

als

auf einem Gleichgewicht des Schreckens, um das auch noch ständig gestritten
wi rd.
Mit welchem Namen auch immer wir eine solche Politik versehen, sie wird
uns durch die noch nie dagewesenen Bedingungen des nuklearen Zeitalters auferlegt.
Kein Staatsmann kann leichten Herzens das Leben von vielen Millionen aufs
Spiel setzen. Jeder amerikanische Präsident ist - nachdem er sein Amt angetreten "und sich mit den Fakten vertraut gemacht hatte'-zu der Ansicht Präsident Eisenhowers gelangt, daß "es keine Alternative zum Frieden gibt". Unsere
Generation steht unter dem Trauma des Zweiten Weltkrieges, weil wir daran denken müssen, daß der Krieg infolge eines Ungleichgewichts der Macht ausbrach.
Diese Lektionen dürfen wir nie vergessen.

Genauso wenig dürfen wir die

Lektion des Ersten Weltkrieges vergessen, als der Krieg trotz eines Gleichge- 12 -

�Gleichgewichts der Macht ausbrach.

Eine internationale Ordnung, die nur durch

ein Gleichgewicht der Kräfte zusammengehalten wird, wird früher oder später
in einer Katastrophe enden.

In unserer Zeit könnte dies das Ende des zivili-

sierten Lebens bedeuten. Wir müssen daher eine Politik treiben* die wenn möglich große Gefahren abwendet und sie in erträglichen Grenzen hält, wenn sie
sich als unvermeidbar erweisen - eine Diplomatie, die Streitfragen löst, Zurückhaltung fördert und auf beiderseitigem Vertrauen beruhende Zusammenarbeit
schafft.
In allen unseren Ländern findet eine solche Politik ihre Kritiker. Manche nehmen das relative Nichtvorhandensein ernsthafter Krisen als selbstverständlich, wozu diese Politik beigetragen hat9 kreiden ihr dann jedoch an, daß
sie nicht das goldene Zeitalter zustande bringt, worauf sie niemals einen Ansspruch erhoben hat. Manche ziehen ihre Ziele ins Lächerliche und stellen sie
in exaltierterer Form dar als irgendeiner ihrer Befürworter, und das ist eine
unmögliche Einstellung. Sie sprechen von der Entspannung, als ob sie das Ende aller Rivalitäten bedeutes und wenn die Rivalitäten anhalten» dann kommen
sie zu dem Schluß, daß die Detente versagt habe, und beschuldigen deren Befürworter der Täuschung oder der Naivität.
Sie messen den Erfolg der Politik gegenüber den Gegnern an Kriterien,
die traditionellen Freundschaften vorbehalten sein sollten. Sie nutzen die
Realität des Wettbewerbs zu einem Angriff auf das Ziel der Koexistenz, statt
dessen Notwendigkeit zu erläutern.
In Wirklichkeit hat diese Politik niemals auf einer solchen Hoffnung oder
Möglichkeit basiert. Sie war stets auf die Schaffung von Bedingungen abgestellt bei denen ein kühles Abwägen der Interessen Zurückhaltung und nicht
Opportinusmus9 Beilegung von Konflikten und nicht deren Verschärfung fördern
würde. Die Politik des Westens kann bestenfalls den Ost-West-Wettstreit lenken und formen, aber nicht abtun.
Ein entscheidender Punkt in den Ost-West-Beziehungen sind die amerikanischsowjetischen Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen.
- 13 -

�Rüstungen.

In immer stärkerem Maße sehen die strategischen Streitkräfte ihre

Aufgabe darin, abzuschrecken und miteinander gleichzuziehen.

Ein fortdauern-

der Aufbau der strategischen Rüstungen führt daher lediglich zu immer neuen
Gleichgewichten - aber bei höherem Ausgabenniveau und größeren Unsicherheiten.
In einer Zeit wachsender technologischer Möglichkeiten ist es unmöglich, vernünftige Entscheidungen über Stärkeplanungen zu treffen, ohne einen gewissen
Anhalt über die weitere strategische Entwicklung zu haben.

Ein fortdauerndes

Wettrüsten würde ferner Hilfsquellen von anderen wichtigen Gebieten abziehen,
zum Beispiel von den Streitkräften für eine regionale Verteidigung, wo Ungleichgewichte ernste geopolitische Folgen haben könnten.

Alle diese Punkte haben

dazu geführt, daß eine Begrenzung der Rüstungen im wirklichen Interesse beider
Seiten liegt und daß sie auch ein Faktor für die Stabilität auf der Welt ist.
Wir haben in den letzten Jahren beträchtliche Fortschritte in Richtung
auf eine Eindämmung des strategischen Wettrüstens gemacht.

Wir werden dieses

Ziel weiterhin nachdrücklich auf eine Weise verfolgen, die die westlichen Interessen schützt und den Rat unserer Verbündeten berücksichtigt.
Für die Definition und Verfolgung einer Politik des Abbaus der Spannungen
mit dem Osten ist die Einigkeit der demokratischen Industriestaaten unerläßlich.
Unsere Konsultationen waren intensiv und häufig,und der Zusammenhalt der westlichen Länder in den letzten Jahren war ermutigend - bei den Verhandlungen, die
zu dem Viermächte-Abkommen über Berlin führten; bei den SALT-Verhandlungen und
bei der Vorbereitung der Konferenz über europäische Sicherheit.
Die Zusammenarbeit der
Konsultation uqd Abstimmung
wenn die Politik des Abbaus
Fragen befassen müssen, die

Verbündeten und die von uns entwickelte Form der
wird für die Zukunft noch weit wichtiger sein. Denn
der Spannungen vorankommt, werden wir uns auch mit
den Kern aller unserer Interessen berühren.

Niemand sollte an der Stärke unseres Engagements bei diesem Prozeß Zweifel haben. Aber wir müssen uns auch klar über seine Grenzen und über unsere Konzeption der Gegenseitigkeit sein:
- Wir
- 14 -

�- Wir sollten miteinander übereinstimmende Verhaltensnormen für die
verschiedenen Teile der Welt fordern.
•

Der Westen muß klarstellen, daß Koexistenz beiderseitige Zurückhaltung
bedingt, nicht nur in Europa und in den zentralen strategischen Beziehungen,
sondern auch im Nahen Osten, in Afrika, in Asien - praktisch weltweit. Die
NATO-Außenminister haben auf ihrer Oslo-Tagung im vorigen Monat den engen
Zusammenhang zwischen Stabilität und Sicherheit in Europa und in der Welt ins
gesamt unterstrichen. Wir müssen das bekräftigen, nicht nur durch unsere Worte,
sondern vor allem durch unsere Taten.
- Wir sollten klarstellen, was eine tragbare Definition für die weltweite ideologische Rivalität ist. Wir schrecken nicht vor einem ideologischen
Wettstreit zurück. Wir haben allen Grund,auf die nicht zu unterdrückende
Stärke des Strebens der Menschen nach Freiheit zu bauen. Aber wir können dem
nicht beipflichten, daß es allein um Ideologie geht, wenn die sowjetische
Macht im Namen der nationalen Befreiung auf Gebiet wie Südafrika ausgedehnt
wird oder wenn unter dem Namen des proletarischen Internationalismus regionale
oder örtliche Instabilität geschürt und ausgenutzt wird.
- Wir dürfen es nicht zulassen, daß die Sowjetunion die Entspannung innerhalb des Bündnisses selektiv anwendet. Wettstreit zwischen uns in unserer
Diplomatie oder unserer Wirtschaftspolitik gegenüber dem Osten birgt das Risiko in sich, daß westliche Vorteile verschleudert werden oder daß den Sowjets
Möglichkeiten aufgetan werden. Wir müssen einer Spaltung widerstehen und eine
äußerst enge Koordinierung aufrechterhalten.
Der Prozeß der Verbesserung der Ost-West-Beziehungen in Europa darf nicht
auf die Beziehungen zur Sowjetunion beschränkt bleiben. Die Vorteile eines Abbaus der Spannungen müssen Osteuropa wie auch Westeuropa zugute kommen.
Es darf kein Raum für Fehleinschätzung der amerikanischen Politik sein:,
- Wir
- 15 -

�- Wir sind entschlossen, Osteuropa auf der Basis der Souveränität
und der Unabhängigkeit jedes einzelnen seiner Länder zu begegnen„

Wir erkennen

. keine Einflußsphären oder Hegemonievorstellungen an. Zwei amerikanische Pra
sidenten und verschiedene Kabinettsmitglieder haben Rumänien und Polen wie
auch das blockfreie Jugoslawien besuchts um unser

Interesse an dem Aufblühen

und der Unabhängigkeit dieser Länder zu demonstrieren.
- Aus dem gleichen Grund werden wir unsere Bemühungen um eine Verbesserung
der Kontakte und die Weiterentwicklung unserer konkreten bilateralen Beziehungen
auf wirtschaftlichem Gebiet wie auch auf anderen Gebieten zu den Ländern Osteuropas fortsetzen.
- Die Vereinigten Staaten unterstützen die Bemühungen der westeuropäischen
Länder um eine Stärkung ihrer bilateralen und regionalen Beziehungen zu den
Ländern Osteuropas,, Wir hoffen, daß dieser Prozeß dazu beitragen wird» die
Spaltung Europas zu heilens die seit dem Zweiten Weltkrieg andauert.
- Und wir werden weiterhin Maßnahmen zur Verbesserung des Lebens der Menschen in Osteuropa durchführen, die die grundlegenden menschlichen Lebensbedingungen betreffen wie Erleichterung der Auswanderung, Familienzusammenführung,,
verstärkter Informationsfluß» vermehrter Güteraustausch und mehr Reisemöglichkeiten.
Die Vereinigten Staaten werden, gleichlaufend mit ihren Verbündeten« fort=
fahrens die Beziehungen zu Osteuropa weitmöglichst auszubauen.

Das ist ein lang-

fristiger Prozeß; es ist absurd, zu glauben9 daß eine Konferenz allein schon
die innere Struktur der Kommunistischen Regierungen ändern kann. Worte sind
kein Ersatz für geduldige und realistische Taten.
Wir werden keine Erwartungen wecken, die wir nicht erfüllen können. Aber
wir werden niemals aufhören» unsere traditionellen Prinzipien der menschlichen
Freiheit und der nationalen Selbstbestimmung zu verteidigen. Im Verlauf der
Ost-West-Beziehungen wird es zwangsläufig Hindernisse und Rückschläge geben. Wir
16 ™

*

�Wir werden vor einer Aushöhlung der Erfolge auf der Hut sein, die wir in
einer Reihe schwieriger Verhandlungen erzielt haben; wir werden sicherstellen,
daß bereits ausgehandelte Abkommen auch richtig verwirklicht werden. Wir müssen sowohl Sentimentalität, die Stärke durch guten Willen ersetzen würde, wie
auch scheinbare Härte anstelle einer klaren Konzeption unserer Zielsetzungen
vermeiden.
Wir im Westen verfügen über die Mittel, um eine solche Politik erfolgreich
zu verfolgen. Ja, wir haben keine realistische Alternative. Wir haben von dem
Wettstreit nichts zu befürchten. Sollte es einen militärischen Wettstreit geben,
so verfügen wir über die Stärke zur Verteidigung unserer Interessen. Sollte es
ein wirtschaftlicher Wettstreit sein, so haben wir diesen schon vor langer Zeit
gewonnen. Sollte es ein ideologischer Wettstreit sein, so hängt die Kraft unserer Ideen lediglich von unserem Willen ab, sie hoch zu halten.
Wir müssen nur zusammenstehen und an dem Kurs festhalten. Wenn wir das
tun, so kann der Prozeß der Ost-West-Beziehungen im Laufe der Zeit des Gebäude
des Friedens stärken und das Leben aller Menschen auf der Welt wahrhaft verbessern.

Unsere wirtschaftliche Stärke
Eine der größten Stützen der industriellen Demokratien ist ihre unbestrittene wirtschaftliche Überlegenheit. Wir haben, zum Teil weil wir uns der freien
Marktwirtschaft verpflichtet fühlen, die uns diese Überlegenheit gebracht hat,
die Möglichkeiten - ja die Notwendigkeit - noch nicht voll erkannt, wie unsere
wirtschaftliche Stärke konstruktiv zur Gestaltung eines besseren internationalen
Klimas eingesetzt werden kann.
Auf die demokratischen Industriestaaten zusammen entfallen 65 Prozent der
Gütererzeugung der Welt und 70 Prozent des Welthandels. Unser wirtschaftliches
Verhalten ist der Motor für den internationalen Handel und das internationale
- 17 -

�internationale Finanzwesen.

Unsere Investitionen, unsere Technologie, unsere

unternehmerische Erfahrung und die Produktivität unserer Landwirtschaft bilden
die Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung und des Wohlstandes überall auf
der Welt.

Unsere riesigen Kapazitäten werden um ein Vielfaches vermehrt, wenn

wir unsere Politik und unsere Anstrengungen koordinieren.
Den Kern unserer Stärke bilden die Lebenskraft und das Wachstum unserer
eigenen Volkswirtschaften.

Auf dem Wirtschaftsgipfel vom November vorigen

Jahres in Rambouillet, auf der Gipfelkonferenz in Puerto Rico, in der OECD und
in zahlreichen anderen Gremien haben die großen demokratischen Nationen ihre
Fähigkeit zur Zusammenarbeit unter Beweis gestellt.

Aber ein umfangreiches

Programm liegt noch vor uns. Wir werden weitere Anstrengungen unternehmen müssen, um unsere Wiedererholung fortzusetzen und das nichtinflationäre Wachstum
zu fördern.

Wir werden Erleichterungen für ausreichende Investitionen und Roh-

stoffvorräte gewähren müssen.

Wir müssen weiterhin alle protektionistischen

Maßnahmen vermeiden, und wir müssen die Möglichkeit multilateraler Handelsverhandlungen zur Stärkung und Ausweitung des internationalen Handelssystems nutzen.
Wir müssen unsere Anfälligkeit und Abhängigkeit vom Importöl durch Einsparungen,
neue Energiequellen und gemeinsame Vorbereitungen für etwaige Krisen verringern.
Und wir müssen auf den in Rambouillet und auf Jamaika im Januar dieses Jahres
gemachten Fortschritten bei der Verbesserung des internationalen Währungssystems
aufbauen.
Unsere zentrale Aufgabe ist die Zusammenfassung unserer Stärke, die Verbesserung der Koordinierung und die Abstimmung unserer Politik auf die Zukunft.
Auf der Basis einer soliden Zusammenarbeit zwischen uns müssen wir noch wirksamer die Aufgaben der Weltwirtschaft anpacken - zum Beispiel unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu den zentral gelenkten kommunistischen Volkswirtschaften
und zu den zahllosen jungen Nationen, deren Anliegen die wirtschaftliche Entwicklung ist.
Der wirtschaftliche Austausch zwischen Ost und West, obwohl an Umfang noch
relativ klein, wird zu einem wichtigen wirtschaftlichen und politischen Faktor.
Seine Zunahme spiegelt unsere fundamentale Stärke wider.
- 18 -

Er birgt Risiken und

�und Komplikationen in sich, sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Natur.
Aber er bietet auch Möglichkeiten für eine Stabilisierung der Beziehungen und
die Einbeziehung der kommunistischen Länder in ein verantwortungsbewußtes internationales Verhalten. Wenn die Demokratien eine gleichlaufende Politik verfolgen - wenn sie nicht zulassen, daß die kommunistischen Länder den schwächenden
Wettstreit zwischen uns fördern oder diesen zu ihrem eigenen einseitigen Vorteil manipulieren - können die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West eine
Stütze für Frieden und Wohlstand sein.
Wir müssen eine Wechselseitigkeit der Vorteile gewährleisten» Wir müssen
große Handelsungleichgewichte vermeiden, die Möglichkeiten für einen politischen
Druck eröffnen könnten. Wir sollten die wirtschaftlichen Beziehungen so gestalten, daß die kommunistischen Länder in das internationale Wirtschaftssystem einbezogen werden und seine Ordnung akzeptieren. Wenn wir es mit Volkswirtschaften
der Staatshandelsländer zu tun haben, müssen wir uns klar darüber sein, daß den
Wirtschaftsbeziehungen ein hohes Maß an politischer Bedeutung zukommt und daß
sie nicht ausschließlich auf einer normalen kommerziellen Basis abgewickelt werden können. Ganz offensichtlich ist die Einträglichkeit ein Gesichtspunkt. Wir
brauchen jedoch eine umfassendere Strategie, die im Einklang mit unserem freien
Unternehmersystem steht, damit diese wirtschaftlichen Beziehungen zu den politischen Zielsetzungen beitragen. Die demokratischen Industriestaaten sollten
ihre Politik untereinander koordinieren, um eine stetige und nützliche Weiterentwicklung der Ost-West-Bezeihungen sicherzustellen. Hierzu haben die Vereinigten Staaten der OECD vorgeschlagen, daß wir unsere Analysen über Probleme und
Möglichkeiten, die dem Ost-West-Handel innewohnen, unter dem Gesichtspunkt verstärken, gemeinsame Zielsetzungen und Wege abzustecken.

Wenn die wirtschaftliche Stärke der demokratischen Industriestaaten für
die sozialistischen Länder wichtig ist, so ist sie für die Entwicklungsländer
von entscheidender Bedeutung.

Diese wollen die alles durchdringende Armut

überwinden und den Gesichtskreis ihrer Länder erweitern. Sie fordern gleichen
Anteil an den weltweiten wirtschaftlichen Segnungen und eine stärkere Mitsprache
bei sie betreffenden internationalen Entscheidungen.
Der
- 19 -

�Der Entwicklungsprozeß ist nicht nur für die ärmeren Länder, sondern
auch für die Industriestaaten von entscheidender Wichtigkeit. Unser eigener
Wohlstand ist in hohem Maße von den Rohstoffen, den Absatzmärkten und den Bestrebungen der Entwicklungsländer abhängig.

Eine internationale Ordnung kann

nur dann stabil sein, wenn alle Länder sie als von Grund auf gerecht betrachten und überzeugt sind, daß sie aus ihr Nutzen ziehen. Auf lange Sicht sind
daher kooperative Nord-Süd-Beziehungen ganz eindeutig im Interesse aller, und
die Ziele der Industriestaaten und der Entwicklungsländer sollten sich ergänzen.
Der Nord-Süd-Dialog lief jedoch alles andere als glatt. Zu oft wurde
durch eine Taktik des Druckes oder durch eine zu starke Hervorhebung von rhetorischen Siegen auf Konferenzen eine Atmosphäre der Konfrontation geschaffen.
Eine solche Haltung verdeckt die fundamentale Realitäts daß Entwicklung ein
mühsamer langfristiger Prozeß ist. Sie wird nur vorankommen, wenn beide Seiten
sich den Fakten ohne Illusion stellen und dabei sowohl eine Konfrontation als
auch Sentimentalität vermeiden.
Es geht hierbei um weitaus mehr, als nur um die rein mechanische Anwendung von Technologie und Kapital gegen die Armut. Es muß innerhalb des Entwicklungslandes ein Gefühl bestehen für Zielsetzung und Richtung, für eine entschlossene Führerschaft, und - was vielleicht am wichtigsten ist - es muß im
Volk ein Impuls für Veränderungen vorhanden sein. Entwicklung bedingt eine
nationale Verwaltung, eine komplexe Infrastruktur, ein erneuertes Erziehungssystem sowie zahlreiche andere soziale Reformen. Sie ist ein tiefgehender,
verwirrender Prozeß, der Jahrzehnte andauert. Für viele neue Länder ist sie
in der Tat noch schwieriger als ähnliche Anstrengungen seitens der westlichen
Länder vor einem Jahrhundert, denn ihre sozialen und geographischen Bedingungen
spiegeln die oft willkürlichen Unterteilungen der Kolonialherrschaft wider.
Einige dieser Länder sehen sich Hindernissen gegenüber, die selbst durch
die größten eigenen Anstrengungen nicht überwunden werden können.

Ihr Fort-

schritt hängt davon ab, wie gut die internationale Gemeinschaft auf das Gebot
der wirtschaftlichen Interdependenz reagiert.
Es
- 20 -

�Es ist daher sinnlos, so zu tun, als ob die Entwicklung durch schnelle
Festlegungen oder einseitige Lösungen vorankommen könne. Künstlische Majoritäten auf internationalen Konferenzen verwirren die Sachlage nur.

Eine

Taktik der Konfrontation wird beizeiten in den Industrieländern die innenpolitische Unterstützung für eine vorausschauende Politik zunichte machen, die
die Entwicklungsländer so dringend benötigen.
Die demokratischen Industriestaaten tragen jedoch genauso besondere Verantwortungen.
beit.

Entwicklung erfordert ihre anhaltende und kollektive Zusammenar-

Sie stellen die größten Märkte sowie den größten Teil der Technologie

und des Kapitals der Welt. Sie haben die Verpflichtung, Verständnis zu zeigen
für das Elend der Ärmsten und das Streben nach Fortschritt aller Entwicklungsländer. Aber sie erweisen den Entwicklungsländern keinen Gefallen, wenn sie
zu einem Leben in einer Phantasiewelt beitragen.
Wenn sie darin wetteifern, bei wesentlichen propagandistischen Dingen
um Gunst zu buhlen, dann werden die Beiträge verwässert, Ressourcen nicht richtig genutzt und undurchführbare Projekte gefördert werden.
Was die Entwicklungsländer von uns benötigen, ist nicht ein Gefühl der
Schuld, sondern vernünftige und realistische Vorschläge, die die Interessen
beider Seiten in einer expandierenden Weltwirtschaft vereinen.
- Erstens müssen wir den Mechanismus unserer eigenen Zusammenarbeit weiterentwickeln. Zu diesem Zweck haben die Vereinigten Staaten auf der kürzlich beendeten OECD-Tagung eine Reihe von konkreten Vorschlägen unterbreitet.
- Zweitens sollten die demokratischen Industriestaaten ihre nationalen
Hilfsprogramme besser koordinieren, damit unsere jeweiligen Erfahrungsgebiete
und unser technisches Können zum größtmöglichen Vorteil genutzt werden. Der
Vorschlag von Staatspräsident Giscsxd für einen integrierten Afrika-Fonds des
Westens ist eine sehr einfallsreiche Methode für die regionale Entwicklung.
- Drittens
- 21 -

�- Drittens sollten wir im Rahmen wichtiger internationaler Verhandlungen
und Konferenzen regelmäßig Konsultationen führen und eng zusammenarbeiten.
Die Konferenz über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit, die Multinationalen Handelsverhandlungen, Sondersitzungen der UN-Vollversammlungen,
Weltkonferenzen über Nahrungsmittel, Bevölkerungsfragen, Umwelt und Wohnung,
die UNCTAD-Konferenzen - sie alle werden weit erfolgreicher sein, wenn die
demokratischen Industriestaaten mit einer klaren und kohärenten Zielsetzung
an sie herangehen.
- Viertens sollten wir damit aufhören, Verhandlungen im Rahmen einer
Tagesordnung zu führen, die nicht unsere eigene ist. Wir sollten nicht zögern,
unsere eigenen Lösungen für gemeinsame Probleme zu unterbreiten.
- Und schließlich benötigen wir eine klare langfristige Strategie für die
Entwicklung. Die diversen Elemente des Prozesses, einschließlich der verschiedenen Formen der Hilfe, des technologischen Transfers, des Handels und der Finanzpolitik, müssen besser integriert werden.
Eine Zusammenarbeit zwischen den Industrieländern heißt nicht Konfrontation zwischen Nord und Süd, wie dies oft behauptet worden ist. Tatsache ist,
daß eine verantwortungsvolle Entwicklungspolitik nur möglich ist, wenn die demokratischen Industriestaaten realistische Ziele mit Überzeugung, Leidenschaft
und Zusammenarbeit verfolgen. Sie dürfen weder sich selbst noch ihre Gesprächspartner mit leichten Universalheilmitteln täuschen oder Schlagworte für Fortschritt ansehen. Wir leisten den größten Beitrag zur Entwicklung, wenn wir darauf bestehen, daß der Nord-Süd-Dialog Substanz statt Ideologie unterstreicht
und sich auf praktische Programme statt auf inhaltslose Debatten konzentriert.

Die Zukunft der demokratischen Gesellschaften
In jedem Bereich unserer Aktivitäten treten die demokratischen Industriestaaten mit beträchtlichen Kapazitäten und Möglichkeiten in die neue Ära ein.
- 22 -

�ein.

Gleichzeitig wäre es müßig abzustreiten, daß die moralische Kreft des

Westens in den letzten Jahren ernstlich herausgefordert worden ist.
Seit ihren ersten Anfängen hat die westliche Kultur die Beziehungen des
Einzelnen zu seiner Gesellschaft und dem Staat ganz eindeutig definiert. In
Südeuropa hat die Renaissance den Menschen zum Maßstab aller Dinge gemacht.
In Nordeuropa hat die Reformation, mit der Verkündung des Priesteramtes aller
Gläubigen und dem Angebot der Belohnung für individuelle Anstrengungen, das
Schwergewicht auf den Einzelnen gelegt. In England haben sich das Gefühl für
Gerechtigkeit und Menschenrechte sowie das Verantwortungsbewußtsein aus der
Weiterentwicklung des Common Law erqeben. Vor 200 Jahren haben die Verfasser
unserer Unabhängigkeitserklärung auf dieses Erbe zurückgegriffen; für sie hatte
jedes menschliche Wesen ein unveräußerliches Recht auf Leben, Freiheit und
Wohlstand. Der Staat war dazu da, den Einzelnen zu schützen und ihm den Gebrauch
dieser Rechte in vollem Umfang zu ermöglichen.
Heute besteht im Westen, 30 Jahre nach dem Marshall-Plan, unsere größte
Aufgabe darin, daß eine neue Generation die Fragen von Freiheit und sozialer
Verantwortung in einer Zeit neu erforschen muß, in der neue Gemeinwesen enorm
an Umfang, Komplexität und Dynamik gewachsen sind.

Die moderne Industriege-

sellschaft, obwohl in Freiheit begründet und mit dem Angebot der Prosperität,
geht das Risiko ein, den Einzelnen in der Masse zu verlieren und seine Entfremdung zu fördern.

Die technische Komplexität der öffentlichen Aufgaben stellt

das Funktionieren der Demokratie in Frage. Massenmedien und die Schwächung
der Strukturen von Parteien und Gruppierungen fördern die Isolierung des Einzelnen; sie verändern die demokratische Politik und fügen ihr neue Elemente der
Unbeständigkeit und Unvorhersagbarkeit hinzu.

Der bürokratische Staat bildet

eine grundlegende Aufgabe für die politischen Führer und ihre Verantwortung gegenüber den Willen der Allgemeinheit.
Es werden grundlegende moralische Fragen aufgeworfen:

Wie können wir eine

fragende neue Generation in einem relativistischen Zeitalter und in einer Gesellschaft unpersönlicher Institutionen begeistern?

Werden nicht Skeptizismus

und Zynismus die geistigen Kräfte unserer Zivilisation gerade in dem Augenblick
- 23 -

�Augenblick ihres größten technischen und materiellen Erfolges untergraben?
Werden unsere Gemeinwesen mit ihrer versachlichten Autorität jetzt Zuflucht
nehmen zu falschen Vereinfachungen, demagogischen Überzeugungen oder extremistischen Allheilmitteln?
Diese Fragen sind keine Voraussagen, sondern ein Test - ein Test der Kreativität und der moralischen Stärke unserer Völker und Staatsmänner,
Die westliche Kultur hat derartige Prüfungen bereits bestanden. Im
späten fünfzehnten Jahrhundert befand sich Europa in einer Periode der schwermütigen Schau nach innen, völlig in Anspruch genommen durch ein Gefühl der
Verzweiflung und des Dahinsterbens. Die Städte, die nach den islamischen Eroberungen Ausdruck des Wiederauflebens gewesen waren, verfielen. Europa wurde
durch die Plünderungen eines machtvollen Invasoren aus dem Osten in Mitleidenschaft gezogen. Sein geistiges, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum
- Italien - war der Anarchie und Zersplitterung verfallen.
Und dennoch stand Europa bereits zu diesem Zeitpunkt an der Schwelle zu
einer Periode des größten politischen und geistigen Fortschritts der Welt. Die
Renaissance und die Reformation, die großen Entdeckungen, die Erneuerung der
humanistischen Werte, die industriellen und demokratischen Revolutionen - all
dies schuf den Charakter und die Dynamik der westlichen Kultur und Zivilisation,
deren Erben wir zu beiden Seiten des Atlantik geworden sind.
Und ähnlich verfügt der Westen heute über Aktiva, um den Herausforderungen
begegnen und damit die Grundlagen für neue schöpferische Maßnahmen schaffen zu
können. Es waren unsere Länder, die das moderne Zeitalter eingeleitet haben.
Es sind unsere Gesellschaften, die sich geistig und moralisch als das größte
Laboratorium des Modernisierungsexperimentes erwiesen haben. Und was über allem
steht: Es sind die westlichen Demokratien, von denen die Vision der politischen
Freiheit, der sozialen Gerechtigkeit und des wirtschaftlichen Wohlstandes für
alle Völker ausging und die diese Vision heute am Leben erhalten. Keiner von
uns wird dieser Vision in idealer Weise und ständig gerecht. Aber die strengen
Maßstäbe, die wir bei unserer eigenen Beurteilung anlegen, unterscheiden uns von
den totalitären Gesellschaften der linken wie der rechten Seite. .,
OA
Unsere

�Unsere moralische Aufgabe muß also sein:
Erstens:

Als demokratische Regierungen müssen wir immer und immer wieder

das Vertrauen unserer Völker gewinnen.

Als eine Nation, die die Last der Füh-

rung auf sich genommen hat, tragen die Vereinigten Staaten eine besondere Verantwortung:

Wir müssen die Traumata der letzten Zeit überwinden, ihre Ursachen

beseitigen und die Fähigkeiten bewahren, die die Führungsrolle in der Welt verlangt.

In Europa sollte es, wo immer ein Nachlassen der Aufgeschlossenheit der

Regierungen gegenüber den Ansprüchen der Bürger zu verzeichnen ist, Reformen
und eine Wiederbelebung geben.
Zweitens: Wir müssen uns den komplexen Tatsachen einer pluralistischen
Welt stellen. Das erfordert mehr als spezifisch technische Lösungen. Es erfordert von den führenden Staatsmännern die Bereitschaft, die wahren Alternativen darzulegen, wie kompliziert oder schwierig dies auch sein mag. Und es
erfordert von den Wählern das Verständnis, daß wir inmitten einer unsicheren
Situation Entscheidungen treffen müssen, wo es vielleicht kein unmittelbares
Resultat gibt oder dieses auch nicht auf einfache Schlagworte reduzierbar ist.
Drittens:

Wir müssen unsere Einstellung gegenüber jenen politischen Kräf-

ten innerhalb der westlichen Gesellschaften klarstellen, die sich an die Wähler
mit der Behauptung wenden, daß sie in einer Regierung größere Wirksamkeit an
den Tan legen würden.

Aber wir kommen nicht um die Frage der Verpflichtung

dieser Kräfte für die demokratischen Werte herum, noch um die Besorgnis über
die Tendenzen, die eine auf temporäre Annehmlichkeiten basierende Entscheidung
in Bewegung setzen würde.

Gleichzeitig ist eine Opposition gegenüber diesen

Kräften einfach nicht genug.

Es muß eine Antwort auf legitime soziale und wirt-

schaftliche Bestrebungen sowie auf die Notwendigkeit von Reformen von Mißständen geben, aus denen diese Kräfte einen großen Teil ihrer Anziehungskraft beziehen.
Schließlich ist die Solidarität der demokratischen Nationen in der Welt
dringend erforderlich sowohl als materielle Unterstützung als auch als moralisches Symbol.

Für unsere Völker kann es keine größere Inspiration geben,
- 25 -

�geben9 als die Bekräftigung ihrer gemeinsamen Zielsetzungen und die überzeugung9 daß sie ihr Geschick in Freiheit gestalten können.

Wir können uns weder

eine gefährliche Beschaulichkeit noch einen lähmenden Pessimismus leisten.
Alastair Buchan hat seine Fragen gestellt, nicht um Lähmung herbei zuführen,
sondern um zu klügeren Schritten und neuer Leistung anzuspornen.
Wir wissens was wir tun müssen.
Wir wissen auch9 was wir tun können.
Es bleibt uns nurs es zu tun.

- 26 -

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

DIE AUSSENPOLITISCHE KONZEPTION CARTERS
Wortlaut der Rede am 23. Juni 1976 vor der Außenpolitischen Gesellschaft in
New York

Der Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei,
Jimmy Carter, hat große Aussicht, auf dem
bevorstehenden Parteikonvent der Demokraten
im Juli in New York bereits im ersten Wahlgang die für eine Nominierung erforderliche Stimmenzahl von 1 505 Delegierten
auf sich zu vereinen. In einer richtungweisenden Rede vor der Außenpolitischen Gesellschaft im New Yorker Waldorf Astoria
Hotel hat Carter jetzt erstmalig seine
außenpolitische Konzeption umrissen, die
von beiden großen politischen Parteien
in den Vereinigten Staaten getragen werden
soll. Die Rede Carters hat folgenden Wortlaut:
In den letzten 17 Monaten habe ich, als einer der Kandidaten für das
Präsidentenamt, zum amerikanischen Volk gesprochen und es angehört.
Das war für mich eine unvergeßliche Erfahrung und brachte mir unabschätzbare Erkenntnisse. Wenn mein Wahlfeldzug erfolgreich war, so ist dies darauf
zurückzuführen, daß ich von unserem Volk gelernt habe und daß ich genau seine
Sorgen, seine Enttäuschungen und seine Wünsche und Hoffnungen angesprochen
habe.
Was

�Was das Gebiet der Außenpolitik anbetraf, so war unser Volk beunruhigt,
verwirrt und manchmal ärgerlich. Es wurde zu viel Gewicht auf vergängliche
Schaueffekte und zu wenig Gewicht auf Substanz gelegt. Wir waren zutiefst besorgt, nicht nur über so offensichtliche Tragödien wie den Vietnam-Krieg,
sondern auch über die schleichende Aushöhlung von Zielrichtung und Moral
unserer Außenpolitik.
Unter der Nixon-Ford-Administration hat sich eine Art von geheimer Einzelgänger-Außenpolitik entwickelt - eine Ein-Mann-Politik der internationalen
Abenteuer. Das ist nicht die richtige Politik für Amerika.
Wir haben manchmal versucht, andere Nationen gegeneinander auszuspielen,
statt die freien Nationen zu organisieren, damit sie die weltweite Verantwortung durch gemeinsames Handeln miteinander teilen. Wir haben publizistisch
äußerst stark herausgestellte Versuche unternommen, um den großen kommunistischen Mächten zu schmeicheln, während wir unsere natürlichen Freunde und Verbündete vernachlässigten.
Eine auf Geheimhaltung basierende Außenpolitik mußte zwangsläufig sorgfältig abgeschirmt werden und amoralisch sein,und wir mußten auf Offenheit,
Konsultationen und ein stetiges Festhalten an den fundamentalen Prinzipien und
hohen moralischen Normen verzichten.
Wir haben oftmals dramatische und überraschende Sofortergebnisse - statt
langfristige Lösungen - für die großen Probleme angestrp^t. die ein sorgfältiges Planen in Konsultation mit anderen Nationen erfordert hätten.
Wir müssen in unserer inneren Entschlossenheit stark sein, um im Ausland ein starker Führer sein zu können. Das ist nicht möglich, wenn der Kongreß und das amerikanische Volk im Ungewissen gelassen werden. Wir müssen einfach eine internationale Politik demokratischer Führerschaft haben,und wir
müssen mit dem Versuch aufhören, ein einsames Spiel der Machtpolitik spielen

�spielen zu wollen. Wir müssen unsere Außenpolitik offen und frei entwickeln
und führen. Es muß übprparteiliehe Eintracht und Zusammenarbeit zwischen
Präsident und Kongreß bestehen,und wir müssen einen Geist gemeinsamer Zielsetzungen unter den demokratischen Nationen wiederherstellen.
Was wir anstreben.ist, daß unser Land eine Außenpolitik hat, in der die
Anständigkeit, die Großzügigkeit und der gesunde Menschenverstand unseres
Volkes zum Ausdruck kommen.
Wir hatten eine solche Politik vor über hundert Jahren und - zu unseren
Lebzeiten - in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Vereinten Nationen, der Marshall-Plan, das Abkommen von Bretton
Woods, die NATO, das Punkt-4-Programm, die OECD, der japanische Friedensvertrag - all das waren historische Taten einer Außenpolitik, die von beherzten
Präsidenten geleitet, von überparteilichen Mehrheiten im Kongreß getragen und
vom amerikanischen Volke unterstützt wurden.
Die Welt hat sich seitdem grundlegend gewandelt,und das Tempo des Wandels
wird immer schneller.

Es gibt einhundert neue Nationen und zwei Milliarden

mehr Menschen,,
Die Ost-West-Spannungen mögen weniger akut sein, aber die Ost-West-Rivalität ist in ihren Ausmaßen weltweit geworden.
Die Probleme zwischen den Industrieländern und den Entwicklungsländern
sind ernster geworden und haben sich in manchen Regionen in gefährlicher Weise
mit der Ost-West-Rivalität vermengt.
Wirtschaftlicher Nationalismus kompliziert die internationalen Beziehungen,
und unkontrollierte Inflation kann vielleicht erneut unseren gemeinsamen
Wohlstand bedrohen.
Und

�Und schließlich rufen weltweite Krisen wie Lebensmittel Verknappungen,
Übervölkerung und Armut nach einer gemeinsamen Lösung trotz aller nationalen
und weltanschaulichen Unterschiede.
Es ist daher unbedingt erforderlich, daß die Vereinigten Staaten die Führung übernehmen, damit die demokratischen Gemeinschaften der Welt erneut in
die Lage versetzt werden, auf dem Wege zur Schaffung einer gerechteren und
stabileren Weltordnung voranzuschreiten.
In den letzten Wochen habe ich zu dem Thema der Ausbreitung der Kernwaffen und ebenso über den Nahen Osten gesprochen. In den kommenden Monaten werde ich auch zu anderen Themen von internationalem Interesse das Wort ergreifen.
Heute möchte ich über unsere Bündnisse reden und über Möglichkeiten, wie
sie verbessert werden können, um unseren nationalen Interessen und den Interessen anderer Länder zu dienen, die nach Frieden und Stabilität auf der Welt
streben.
Wir müssen prüfen, wie wir - zusätzlich zu den Bündnissen, die in den vergangenen Jahren zu ausschließlich militärischen Zwecken geschlossen wurden umfassendere Vereinbarungen treffen können, um Probleme wie das Wettrüsten,
die Armut auf der Welt und die Aufteilung von Hilfsquellen in den Griff zu bekommen.
Es ist jetzt an der Zeit, daß wir eine Partnerschaft zwischen Nordamerika,
Westeuropa und Japan suchen. Unsere drei Gebiete haben gemeinsame wirtschaftliche, politische und Sicherheitsinteressen, die es logisch erscheinen lassen,
daß wir eine ständig zunehmende Einigkeit und Verständigung anstreben.

Ich

�Ich habe Japan und Westeuropa in den letzten Jahren bereist und mit den
führenden Politikern dort gesprochen. Ihre Länder haben

bereits bedeutenden

Einfluß in der Welt; und sie sind bereit, eine noch größere weltweite Rolle
bei der Gestaltung einer neuen internationalen Ordnung zu übernehmen.
Da sind die, die sagen, daß die Demokratie im Sterben liege, daß wir in
der Endphase einer Epoche lebten, und daß es das Schicksal des mordernen Menschen sei, Zeuge des Dahinschwindens der Freiheit zu sein.
In Japan, in Westeuropa, in Kanada, in einigen lateinamerikanischen Ländern, in Israel und in zahlreichen anderen Ländern habe ich keinen Niedergang
der Demokratie, sondern eine dynamische Verpflichtung zu ihren Prinzipien
festgestellt.

Ich möchte hinzufügen, daß ich persönlich die Stärke des demokratischen
Prozesses in unserem eigenen Lande bezeugen kann.
Zusätzlich zu der Zusammenarbeit zwischen Nordamerika, Japan und Westeuropa besteht ebenso eine Notwendigkeit für vermehrte Einigkeit und Konsultationen zwischen uns und solchen demo'-^tisehen Gemeinwesen wie Israel, Austra
lien, Neuseeland und anderen Ländern,wie etwa die in unserer Hemisphäre, die
unsere demokratischen Werte teilen und auch zahlreiche unserer politischen und
wirtschaftlichen Interessen.
Es müssen häufigere Konsultationen auf vielerlei Ebenen abgehalten werden.
Wir sollten periodische Gipfelkonferenzen und gelegentliche Treffen der Führer
aller industriellen Demokratien abhalten sowie häufige Zusammenkünfte auf Kabinettsebene. Darüber hinaus müssen wir mit der Abschaffung der Ein-Mann-Diplomatie erneut unseren gesamten außenpolitischen Apparat für die Wiederherstellung kontinuierlicher Kontakte auf allen Ebenen einsetzen. Gipfelkonferenzen
sind kein Ersatz für eine laufende enge Zusammenarbeit auf Arbeitsebene«

Bei

�Bei Konsultationen sind sowohl Form als auch Inhalt wichtig. Es ist ein
grundlegender Unterschied, ob eine Regierung, nachdem etwas geschehen ist,
informiert wird, oder ob sie in den Prozeß einer gemeinsamen Entwicklung der
Politik einbezogen wird. Die für die Entwicklung unserer Politik Verantwortlichen haben in

den letzten Jahren zu oft diesen grundlegenden Unterschied

ignoriert.

Ich brauche nur die "Nixon-Schocks" und die abrupten Maßnahmen anzuführen,
die von dem früheren Finanzminister Connally ergriffen wurden.
Wir müssen ferner erkennen, daß unsere westeuropäischen Verbündeten in
den letzten Jahren tief besorgt waren - und mit Recht - über unseren einseitigen Umgang mit der Sowjetunion. Soweit irgend möglich sollten unsere Verhandlungen mit der Sowjetunion den gemeinsamen Ansichten der Demokratien Rechnung
tragen und dadurch das Mißtrauen unserer Verbündeten vermeiden, daß wir ihre
Interessen vernachlässigen könnten.
Wir wollen kein Kondominium der Mächtigen, sondern eine Gemeinschaft der
Freien.
Es gibt zumindest drei Gebiete, auf denen die demokratischen Nationen aus
engeren, schöpferischen Beziehungen Nutzen ziehen können.
I.
Einmal sind das unsere wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten.
Im wirtschaftlichen Bereich muß es unser grundlegendes Ziel sein, das
internationale System offen zu halten, in dem der Austausch von Gütern, Kapital
und Ideen andauern und sich ausweiten kann.
Eine

- 6 -

�Eine stärkere Abstimmung unter den industriellen Demokratien kann
dazu beitragen, die Wiederholung von Ereignissen wie der Inflation der Jahre
1972/73 und der Rezessionen noch jüngeren Datums zu vermeider.. Beide wurden
durch einen expansionistische

Übereifer und dann durch die deflatorischen

Reaktionen in Nordamerika, Japan und Europa noch verschärft
Auch wenn jedes Land seine eigenen wirtschaftlichen Entscheidungen treffen muß,so müssen wir doch mehr über die Interessen und die Absichten des anderen wissen,, Wii müssen einseitige Maßnahmen vermeiden, und wir müssen versuchen, bei der Verfolgung der gleichen Ziele nicht unbewußt einander entgegenzuhandeln. Wir müssen nicht in allen Fragen einer Meinung sein, aber wir
sollten darin übereinstimmen, alle Fragen zu erörtern.
Wir sollten unsere Bemühungen um einen Abbau der Handelsschranken zwischen den Industriestaaten als einen Weg zur Bekämpfung der Inflation fortsetzen. Die gegenwärtige Tokio-Runde multilateraler Handelsverhandlungen sollte zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht werden.
Aber wir müssen noch mehr tun. Das internationale Währungssystem sollte
so erneuert werden, daß es uns für das nächste Viertel Jahrhundert gute Dienste
leisten kann.
Im Januar vorigen Jahres wurde auf einem Treffen der führenden Finanzpolitiker eine Übereinkunft über ein neues System erreicht, das auf einer grösseren Flexibilität der Wechselkurse beruht Es besteht keine Aussicht, bald
zu festen Wechselkursen zurückzukehren - die unterschiedlichen wirtschaftlichen
Erfahrungen der einzelnen Länder sind dazu zu groß Aber wir müssen für die
wirksame Handhabung eines Systems schwankender Wechselkurse noch viel lernen.
Wir müssen Maßnahmen ergreifen, um große und unberechenbare Fluktuationen zu
vermeiden, ohne dadurch die grundlegenden monetären Anpassungen zu verhindern,
die in den kommenden Jahren zwischen den Ländern notwendig werden. Es wird
nützlich sein, die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) als Zentral -

- 7 -

�Zentralstelle zur Beobachtung und Lenkung der Weltwirtschaft zu stärken, die
das Zusammenwirken der einzelner, Volkswirtschaften verfolgt und den Regierungen Empfehlungen gibt, wie die Weltwirtschaft am besten reibungslos funktionieren kann.
Neben der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit haben wir noch
viel voneinander zu lernen. Ich war immer wieder beeindruckt, welche Leistungen die Japaner und die Europäer auf innenpolitischem Gebiet aufzuweisen haben.

Die Japaner zum Beispiel haben eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten

und die niedrigste Verbrechensrate aller Industriestaaten,und ihre Stadtbevölkerung scheint auch weniger unter dem modernen Problem der Wurzellosigkeit
und der Entfremdung zu leiden.
Ebenso können wir von den Europäern auf den Gebieten wie Gesundheitsvorsorge, Städteplanung und Massentransportmittel lernen,
Es gibt viele Wege, wie kreative Bündnisse sich für eine bessere Welt
einsetzen können. Lassen Sie mich nur ein Gebiet erwähnen, die Menschenrechte.
Viele von uns haben gegen die Verletzung der Menschenrechte in Rußland protestiert und mit Recht, Aber solche Verletzungen sind nicht auf ein Land oder
eine Weltanschauung beschränkt. Es gibt andere Länder, die die Menschenrechte
auf die eine oder andere Weise verletzen - durch Foltern, durch politische Verfolgungen oder durch rassische oder religiöse Diskriminierung»
Wir und unsere Verbündeten können in einer schöpferischen Partnerschaft
die Führung bei der Erstellung und Förderung grundlegender weltweiter Normen
für die Menschenrechte übernehmen»
Wir respektieren die Unabhängigkeit aller Länder, aber durch unser Beispiel, durch unsere Äußerungen und durch die uns zur Verfügung stehenden verschiedenen Formen wirtschaftlicher und politischer Einflußnahme können wir
ganz bestimmt die Ungerechtigkeiten auf der Welt verringern.
Wir

�Wir müssen das unbedingt versuchen.
Lassen Sie mich noch auf einen weiteren Punkt im politischen Bereich verweisen- Demokratische Prozesse könnten vielleicht in einigen Ländern Parteien
oder Politiker an die Macht bringen, deren Weltanschauung von den meisten
Amerikanern nicht geteilt wird. Wir mögen derartige Änderungen vielleicht
nicht begrüßen,und wir werden sie bestimmt nicht unterstützen, Wir müssen jedoch die Ergebnisse demokratischer Wahlen und das Recht der Länder, selbst
frei über sich zu entscheiden, respektieren, wenn wir unseren eigenen grundlegenden Idealen treu bleiben wollen. Wir müssen lernen, mit einer Vielfalt
der Anschauungen zu leben, und wir können weiter zusammenarbeiten,

solange

solche politischen Parteien den demokratischen Prozeß respektieren, die bestehenden internationalen Verpflichtungen einhalten und nicht politischen
Anweisungen von außen gehorchen. Das demokratische Zusammenwirken der Länder
sollte nur die ausschließen, die sich selbst durch Ablehnung der Demokratie
ausschließen.
Unser Volk hat heute gelernt, wie töricht unser Versuch war, unsere
Machtposition bei inneren Angelegenheiten anderer Länder zum Tragen bringen
zu wollen. Es ist an der Zeit, daß unsere Regierung diese Lehre ebenfalls
beherzigt.
Obwohl es noch zu früh ist, das Endergebnis der italienischen Wahlen
von diesem Wochenende zu bewerten, und obwohl das Ergebnis Anlaß zu einer gewissen Erleichterung ist, da es der kommunistischen Partei nicht gelungen ist,
die Mehrheit zu erreichen, so ist doch klar, daß die politischen Probleme
Italiens aufgrund der schlechten sozialen Situation des Landes entstanden
sind. Diese andauernde schlechte Situation zu meistern wird nicht nur einen
Willensakt seitens der politischen Führer Italiens, sondern auch geduldige
und bedeutsame Hilfe von Seiten Italiens westeuropäischer Nachbarn und auch
von Seiten der Vereinigten Staaten erfordern, Wir müssen solche notwendige
Hilfe schnellstens und wohlwollend prüfen.
II.

- 9 -

�-.

II.
Das zweite Gebiet einer vermehrten Zusammenarbeit ist der Bereich der
gegenseitigen Sicherheit. Hier müssen wir uns jedoch darüber im klaren sein,
daß die atlantischen und pazifischen Regionen ganz verschiedene Erfordernisse
und unterschiedliche politische Empfindlichkeiten aufweisen.
Da die Vereinigten Staaten sowohl eine atlantische als auch eine pazifische Macht sind, bedeutet das, daß unsere Verpflichtungen gegenüber der
Sicherheit Westeuropas und Japans untrennbar mit unserer eigenen Sicherheit
verbunden

sind. Ohne diese Verpflichtungen und unser entschlossenes Eintre-

ten für sie würden das System der atlantischen und pazifischen Zusammenarbeit
ernsthaft geschwächt und der Frieden in der Welt gefährdet werden.
Wenn wir das pazifische Gebiet betrachten, sehen wir eine Anzahl von Veränderungen und großen Chancen. Aufgrund des potentiellen sowjetischen Konfliktes sind die russischen und chinesischen Streitkräfte nicht gemeinsam als
mögliche Gegner disloziert, sondern stehen einander entlang ihrer gemeinsamen
Gren7e in einer Konfrontation gegenüber. Darüber hinaus hat unser Rückzug vom
südasiatischen Festland eine Verbesserung der Beziehungen zwischen uns und der
Volksrepublik China ermöglicht.
Was unseren hauptsächlichen Verbündeten im Pazifik, Japan, angeht, so
werden wir unsere bestehenden Sicherheitsvorkehrungen aufrechterhalten, solange das japanische Volk und seine Regierung dies wünschen.
Ich bin der Ansicht, daß es möglich sein wird, unsere Landstreitkräfte
aus Südkorea phasenweise über eine Zeitspanne hinweg abzuziehen, die nach
Konsultationen sowohl mit Südkorea als auch mit Japan festgelegt werden muß.
Gleichzeitig sollte es der südkoreanischen Regierung klar gemacht werden,
daß unser Volk dem im Lande ausgeübten Druck ablehnend gegenübersteht und
daß dieser der Unterstützung unserer dortigen Verpflichtungen abträglich ist.
Auf
- 10 -

�Auf dem atlantischen Sektor unserer Verteidigung stehen wir einem unmittelbareren Problem gegenüber.
Die Sowjetunion hat in den letzten Jahren ihre Streitkräfte in Mitteleuropa verstärkt. Die Streitkräfte des Warschauer Paktes, denen sich die NATO
heute gegenübersieht, setzen sich im wesentlichen aus sowjetischen Kampftruppen zusammen, und diese Truppen sind modernisiert und verstärkt worden. Im
Falle eines Krieges sind sie auf einen umfassenden Konflikt von kurzer Dauer
und großer Intensität ausgerichtet.
Die Landstreitkräfte der NATO sind weitgehend europäische Verbände. Die
Vereinigten Staaten stellen etwa ein Fünftel der Kampftruppen sowie den strategischen Schutzschirm, und ohne diese amerikanische Verpflichtung könnte sich
Westeuropa nicht erfolgreich verteidigen.
Während der letzten Jahre ist auf beiden Seiten eine neue Militärtechnologie entwickelt worden, einschließlich zielgenauer Lenkwaffen, die den Charakter einer Landkriegsführung verändern.
Unglücklicherweise leidet das NATO-Arsenal an einem Mangel an Standardisierung, der unnötigerweise die NATO-Kosten vermehrt, und die NATO-Strategie
scheint allzu häufig an Pläne und Konzeptionen der Vergangenheit gebunden zu
sein. Wir dürfen es nicht zulassen, daß unser Bündnis zu einem Anachronismus
wird. Kurz gesagt: Es ist für uns und unsere Verbündeten notwendig, eine Überprüfung der Streitkräfte der NATO und ihrer Strategie angesichts sich ändernder militärischer Gegebenheiten vorzunehmen.
Um die Verteidigungskraft der NATO zu stärken, ist ein umfassendes Programm erforderlich, um die genaueren Luftverteidigungs- und Panzerabwehrwaffen zu entwickeln, zu beschaffen und die NATO damit auszurüsten, die durch
neue technologische Erkenntnisse möglich geworden sind. Man muß sich über Waffenarsenale und die voraussichtliche Dauer eines potentiellen Konfliktes einig

- 11 -

�einig werden. Wir sollten ferner die Struktur der NATO-Reserven überprüfen,
damit sie rascher für Kampfeinsätze verfügbar werden.
Alle diese Dinge erfordern wesentliche europäische und gemeinsame Anstrengungen. Bei einem Unterfangen, das ein wirklich beiderseitiges Verteidigungsbemühen sein muß, wird unser Volk keine einseitigen amerikanischen Beiträge unterstützen.
Selbst wenn wir jetzt unsere militärische Situation überprüfen, dürfen
wir doch keine Anstrengungen scheuen, um einen Abbau der Kräfte herbeizuführen,
die sich einander in Mitteleuropa gegenüberstehen.
Man kann nur hoffen, daß die festgefahrenen Gespräche über eine beiderseitige Truppenreduzierung in Wien bald Ergebnisse zeitigen werden, damit die
Streitkräfte beider Seiten in einer Weise reduziert werden können, die die
Sicherheit keiner Seite beeinträchtigt. Das Erfordernis ausgewogener Reduzierungen kompliziert die Verhandlungen, aber es ist ein wichtiges Erfordernis für
die Aufrechterhaltung der Sicherheit in Europa.
Ähnlich müssen wir bei den SALT-Gesprächen eine bedeutsame nukleare Abrüstung anstreben, die die Grundinteressen beider Seiten gewährleistet.
Lassen Sie mich jetzt etwas sagen, was ich in den letzten Monaten schon
häufiger erklärt habe: die Ost-West-Beziehungen werden auf lange Zeit hinaus
kooperativ und auf Wettbewerb angelegt sein. Wir wollen, daß dieser Wettbewerb
friedlich verläuft, und wir wollen, daß die Kooperation zunimmt. Wir werden
jedoch niemals eine Anpassung auf Kosten unserer eigenen nationalen Interessen
oder der Interessen unserer Verbündeten anstreben.
Unsere potentiellen Gegner sind intelligente Leute. Sie respektieren
Stärke, sie respektieren Beständigkeit und sie respektieren Offenheit. Sie
werden unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten verstehen. Sie

- 12 -

�Sie werden uns sogar noch sorgfältiger zuhören, wenn wir und unsere Verbündeten mit gemeinsamer Entschlossenheit sprechen. Wir sollten uns auch vor Augen
halten, daß ein echter Geist der Kooperation zwischen den Demokratien und
der Sowjetunion über die reine Beendigung der Feindseligkeiten hinausgehen
sollte und sich auf gemeinsame Bemühungen bei der Bewältigung solcher inter nationaler Probleme wie der landwirtschaftlichen Entwicklung und der Bevölkerungskrise erstrecken sollten.
Die große Herausforderung, der wir Amerikaner uns gegenübersehen, ist,
der Sowjetunion zu beweisen, daß unser guter Wille genau so groß ist wie unsere Stärke, bis unsere beiden Nationen trotz aller Hindernisse neue Positionen
erreichen und neues Vertrauen schaffen können

und bis einmal die schreckliche

Last des Wettrüstens von unsern Völkern genommen werden kann.

Ein realistischer Schritt wäre es, sich darüber klar zu werden, daß trotz
gewisser Fortschritte auf bilateraler Basis wir in den verschiedenen Krisenherden der Erde sozusagen stellvertretend in Konfrontation stehen.

Diese indirekten Herausforderungen sind vielleicht potentiell gefährlicher
als direkte Meinungsverschiedenheiten, und bestenfalls sind sie ein Hohn auf
die Konzeption der Entspannung. Wenn wir echten Fortschritt wollen, dann muß
er auf allen Ebenen eintreten.

III.
Unsere Demokratien müssen ferner enger in dem gemeinsamen Bemühen zusammenarbeiten, den Hunderten von Millionen Menschen auf diesem Planeten zu helfen, die in Armut und Verzweiflung leben.
Wir
- 13 -

�Wir alle haben das Anwachsen der Nord-Süd-Spannungen in weltpolitischen
Angelegenheiten erlebt - Spannungen, die oft auf legitimen wirtschaftlichen
Beschwerden basieren. Wir haben im Nahen Osten das Zusammentreffen des OstWest- und des Nord-Süd-Konfliktes erlebt und die sich daraus ergebende Bedrohung des Weltfriedens.
Die demokratischen Länder müssen auf die Herausforderung menschlicher
Ansprüche auf drei Ebenen reagieren:
- Erstens, indem die Chancen für echte Nord-Süd-Konsultationen ausgebaut
werden. Die Entwicklungsländer dürfen nicht nur ein Objekt der Politik sein,
sondern sie müssen an der Gestaltung dieser Politik teilhaben. Ein guter Beginn ist hier mit der Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit gemacht worden, der vertieft und verstärkt werden sollte.
- Zweitens, indem jene Nationen unterstützt werden, die diese Unterstützung direkt benötigen. Es gibt viele Möglichkeiten, mit denen die Demokratien gemeinsam dazu beitragen können, eine stabilere und gerechtere Weltordnung zu schaffen. Wir können zusammenarbeiten, um die Handelsschranken abzubauen,und können wesentlich dazu beitragen, um jene internationalen Institutionen vermehrt zu unterstützen, die gegenwärtig der Dritten Welt Kapital zur
Verfügung stellen.
Dies wird Hilfe von Europa, Japan und Nordamerika und den wohlhabenderen
Mitgliedern der OPEC für die Tochtergesellschaft der Weltbank, die Internationale Entwicklungsgesellschaft, die zinsgünstige Anleihen vergibt, erforderlich
machen. Die wohlhabenderen Länder sollten ebenfalls solche Spezialfonds unterstützen, wie den neuen Weltfonds für Landwirtschaftliche Entwicklung, der
Ressourcen der öl exportierenden Länder sowie der Industrienationen für eine
Stärkung der Nahrungsmittelerzeugung in armen Ländern zur Verfügung stellt.
Wir könnten uns vielleicht auch darum bemühen, unter den Auspizien der Weltbark ein "Weltentwicklungsbudget" zu institutionalisieren, um diese und ähnliche Anstrengungen zu rationalisieren und zu koordinieren.
Für

- 14 -

�Für die Sowjetunion, die nur etwa ein Prozent ihres Bruttosozialproduktes
für Auslandsh-&gt;lfe aufwendet, ist es ebenfalls an der Zeit, großzügiger auf
eine globale Wirtschaftsentwicklung hinzuarbeiten.

Zum Thema Auslandshilfe darf ich anmerken, daß wir zwar eine großzügige
Nation, jedoch keine dumme Nation sind, und unser "olk wird von den Empfängerländern erwarten, daß sie die benötigten Reformen zur Förderung ihrer eigenen
Entwicklung unternehmen. Darüber hinaus müssen alle Nationen sich darüber im
klaren sein, daß die Nord-Süd-Beziehungen nicht durch einseitige Selbstgerechtigkeit, nicht durch die Durchsetzung automatischer Prioritäten in internationalen Gremien und nicht durch Intoleranz gegenüber den Ansichten oder der
Existenz anderer Länder erleichtert werden.

- Wir und unsere Verbündeten müssen zusammenarbeiten, um den Fluß von
Waffen in die Entwicklungsländer einzudämmen.
Der Nord-Süd-Konflikt ist zum Teil ein Sicherheitsproblem. Solange die
mächtigeren Nationen die weniger mächtigen Länder ausbeuten, werden sie dafür
Terrorismus, Haß und potentielle Gewalt ernten. Wenn unsere Politik selbstsüchtig oder zynisch oder kurzsichtig ist, dann wird es unvermeidl icherweise
einen Tag der Abrechnung geben.
Ich bin insbesondere besorgt über die Rolle, die unser Land als führender
Waffenverkäufer der Welt spielt. Wir haben im vorigen Jahr für Milliarden
Dollar Waffen verkauft oder weggegeben, in erster Linie an die Entwicklungsländer.

Beispielsweise beginnen wir jetzt damit, moderne Waffen nach Kenia

und Zaire auszuführen, wodurch der Rüstungswettlauf zwischen Ost und West in
Afrika angeheizt wird, während wir sogar unsere eigenen Verbündeten - Großbritannien und Frankreich - in ihren Beziehungen zu diesen afrikanischen Ländern verdrängen. Manchmal versuchen wir, dieses anstößige Geschäft zynisch
damit zu begründen, daß wir durch eine Rationierung der Mittel der Gewalt
irgendwie die Gewalt auf der Welt kontrollieren könnten.
Tatsache
- 15 -

�Tatsache ist, daß wir nicht beides haben können. Können wir gleichzeitig
der Vorkämpfer für den Frieden in der Welt und der Welt führender Lieferant
von Waffen des Krieges sein? Wenn ich Präsident werde, dann werde ich zusammen mit unseren Verbündeten, von denen einige ebenfalls Waffenlieferanten
sind, darauf hinarbeiten - und ich werde dies auch mit den Sowjets versuchen verstärkten Nachdruck auf Frieden zu legen und den Handel mit den Kriegswaffen zu reduzieren.
Die Herausforderung, der wir und unsere Verbündeten hinsichtlich der Entwicklungsländer gegenüberstehen, ist groß, anhaltend und erregend. Sie ist
erregend, weil sie auf so zahlreichen Ebenen von so vielen Ländern und Einzelpersonen so viel schöpferische Kraft verlangt»
Ich habe Schritte vorgeschlagen, die wir und unsere Verbündeten ergreifen
könnten, um zu einer stabileren und gerechteren Weltordnung zu gelangen. Ich
behaupte nicht, alle Antworten zu wissen. Ich hoffe, daß Sie mich unterstützen
werden, sie zu finden.

Was ich jedoch habe, ist das starke Gefühl, daß unser Land dahintreibt
und daß es eine neue Führung und eine neue Leitung braucht. Die Zeit ist reif
f'ü. neue schöpferische Impulse auf dem Gebiet der Außenpolitik, ähnlich wie
es in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg der Fall war„ Die alten internationalen Institutionen reichen nicht mehr aus Die Zeit ist gekommen für
ein neues Bemühen um den Aufbau, mit schöpferischer Initiative seitens unserer
Nation, wobei der Grundpfeiler eine wachsende Zusammenarbeit zwischen den demokratischen Industriestaaten und das ständige Ziel Friede und Gerechtigkeit ist.

Wir leben in einer Zeit der Herausforderungen und der großen Chancen.
Wenn die Werte, die wir hochhalten, bewahrt werden sollen - die Ideale der
Freiheit, der Würde und der Chancen für alle - dann müssen wir in engster Zusammenarbeit mit gl eichgesinnten Nationen wirken und uns darum bemühen, durch
die Stärke, die aus kollektiven Maßnahmen erwächst, ein internationales

- 16 -

�internationales System zu schaffen, das die Grundsätze und Werte unseres
nationalen Erbes widerspiegelt.
Das Hauptziel unserer Außenpolitik ist es, Verhältnisse auf der Welt zu
schaffen und aufrechtzuerhalten, unter denen unser großes Experiment der Freiheit Liberleben und gedeihen kann.
Unsere Welt wäre kalt und einsam ohne die anderen Demokratien Europas,
ohne Japan, Australien, Neuseeland, Israel und die westliche Hemisphäre - Länder, mit denen wir große gemeinsame Zielsetzungen teilen. Zwischen uns besteht
ein besonderes Verhältnis, das nicht notwendigerweise auf einem gemeinsamen
Erbe basiert, sondern auf unserer Partnerschaft bei großen Vorhaben. Unsere
gegenwärtigen Grenzen sind nicht Grenzen der natürlichen Ressourcen, sondern
der Ideen und Eingebungen,
Das erste große Erfordernis ist die Wiederherstellung der Moral und des
Geistes des amerikanischen Volkes.
Es ist wieder an der Zeit, daß die Welt den Vorwärtsdrang und die pulsierende Antriebskraft eines dynamischen und zuversichtlichen Amerikas spürt.

- 17 -

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