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                <text>&lt;strong&gt;1. Artikel&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist Amerika (IV)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zwanzig amerikanische Dichter und Schriftsteller schreiben über "ihre Stadt" - Heimkommen nach Connecticut von Wallace Stevens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;New York baut Weltaustellungspalast&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Internationales Messegelände auf 641 000 Quadratmeter großem Gelände&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausländische Ärzte studieren "Atommedizin" in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Eisenhower-Programm in der Praxis&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerika-Festtage in Wesel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausstellung der amerikanischen Schwesterstadt Hagerstown vom 28. August bis 11. September 1955&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kurznachrichten&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der erste Sprachkurs in Interlingua&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA veröffentlichen AEC-Forschungsberichte&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower über die amerikanische Konzeption vom Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Ausführungen Präsident Eisenhowers vor der amerikanischen Anwaltskammer in Philadelphia am 24. August 1955&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
PTOÜ'JIIWIUIV

United States Information Service

24. August 1977

23

INHALT

DOKUMENTATION
Carter: Verbesserte Beziehungen durch Panamakanal-Vertrag
- Erklärung des US-Präsidenten und des Weißen Hauses vom 12. August 1977
Christopher: Gute Aussichten für die Sache der Menschenrechte
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers vor der amerikanischen
Anwaltskammer am 9. August 1977 INFORMATION
Frank M. Johnson soll neuer FBI-Direktor werden
WIRTSCHAFT
Bergsten: Fortschritt im Nord-Süd-Dialog
- Exklusivinterview mit dem Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
USA: 40,8 Milliarden Dollar für die Forschung im Jahr 1977
Neues Uran-Werk für Anreicherung nach dem Zentrifugenverfahren
Organ wird in Funktion "gefilmt"
- Neuartige Strahlenkamera ermöglicht dreidimensionale Aufnahmen

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation
United States Information Service

24. August 1977

23

CARTER: VERBESSERTE BEZIEHUNGEN DURCH PANAMAKANAL-VERTRAG
- Erklärung des US-Präsidenten und des Weißen Hauses
vom 12. August 1977 -

Washington - (AD) - Die Übereinkunft mit Panama über den Betrieb und
die Verteidigung des Panamakanals wird nach Ansicht Präsident Carters dazu
beitragen, daß ein "neuer Tag in den Beziehungen der westlichen Hemisphäre
anbricht". Er sei sehr froh, so betonte der amerikanische Präsident am
12. August in einer Erklärung, daß der langjährige Verhandlungsprozeß mit
Panama während seiner Amtszeit abgeschlossen werden konnte.
Der neue Vertrag mit Panama - ein Paket von Abkommen - bedarf noch der
endgültigen textlichen Formulierung sowie der Verabschiedung von Durchführungsgesetzen durch beide Häuser des amerikanischen Kongresses. Der
amerikanische Senat muß die Ratifizierung der neuen Verträge mit einer
Zweidrittelmehrheit billigen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Dreizehn

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�V

Dreizehn Jahre lang haben wir Verhandlungen über einen neuen Panamakanal-Vertrag geführt, der unsere Sicherheitsinteressen stärken, fair und
gerecht gegenüber uns und dem Volk von Panama sein

sowie eine freie

internationale Benutzung des Kanals in einem Geiste der Zusammenarbeit
und der Freundschaft zwischen allen Ländern in dieser Hemisphäre garantieren
würde.

Trotz Schwierigkeiten und sogar trotz Blutvergießens hat jeder

meiner Amtsvorgänger seit Präsident Johnson entschieden, daß diese Bemühungen fortgesetzt werden müßten, und ich bin sehr froh, daß sie während
meiner Amtszeit abgeschlossen werden.
Die Chefs des Gemeinsamen Stabes sowie meine anderen Hauptberater waren
zu jedem Zeitpunkt über diese Gespräche unterrichtet.

Alle von uns sind

der Überzeugung, daß diese Abkommen gut sind und daß die Verwirklichung der
diese Abkommen umfassenden Verträge wichtig für unsere langfristigen
nationalen Interessen ist.
Im Fahmen des Kanal-Vertrages, der jetzt vorbereitet wird, werden wir
die betriebliche Kontrolle sowie das Recht haben, den Panamakanal mit unseren
Streitkräften bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu schützen und zu verteidigen. Unter einem davon getrennten NeutralitätsVertrags werden wir das Recht
haben, die
Aufrechterhaltung der ständigen Neutralität des Kanals - so wie
das uns notwendig erscheinen mag - zu gewährleisten. Unseren Kriegsschiffen
ist ungeachtet des Antriebs oder der Beladung das ständige Recht auf eine
rasche Passage garantiert. Und die Verträge werden die Grundlage für eine
neue Ära der Zusammenarbeit in unseren Beziehungen mit ganz Lateinamerika
bilden.
Wie durch unsere Verfassung vorgeschrieben, werde ich den Senat um Rat
und Zustimmung hinsichtlich der Ratifizierung dieser Verträge ersuchen.

Ich

weiß, daß jeder Senator nicht nur die Verträge selbst sorgfältig beurteilen
wird, sondern auch die positive Auswirkung, die ihre Billigung in unserem
eigenen Lande sowie für unsere Stellung in der Welt als starke und großmütige

Nation haben wird.
Wir werden
- 2 -

.1

�Wir werden mit Panama zusammenarbeiten, um einen Überblick über die
Notwendigkeit eines Kanals auf Meereshöhe zu gewinnen, und wir werden ebenfalls mit Panama hinsichtlich möglicher Verbesserungen des bestehenden
Kanals zusammenarbeiten.
Ich bin der Überzeugung, daß diese Verträge dazu beitragen werden, daß
ein neuer Tag in den Beziehungen der westlichen Hemisphäre anbricht.
Alle Länder Lateinamerikas sind mit uns in der Überzeugung einig, daß
ein neuer Vertrag, der den Hoffnungen und Bestrebungen der Bevölkerung
Panamas echt entspricht und unsere Interessen voll wahrt, uns die Gelegenheit bieten wird, effektiver auf unsere gemeinsamen Ziele hin zusammenzuarbeiten.
Das Weiße Haus veröffentlichte am gleichen Tag eine Erklärung, die einen
überblick über die wesentlichen Punkte des "grundsätzlichen PanamakanalAbkommens" gibt:
Verteidigung und nationale Sicherheit
Aufgrund der neuen Verträge werden die Vereinigten Staaten in der Lage
sein, die Sicherheit und Verteidigung des Panamakanals zu garantieren:
- Die USA werden das ständige Recht haben, die Neutralität des Kanals
gegenüber jeder Drohung auf unbegrenzte Zeit zu verteidigen;
- amerikanische Kriegsschiffe werden das ständige Recht haben, den Kanal
rasch und ohne Auflagen für unbegrenzte Zeit zu durchfahren;
- für den Rest des Jahrhunderts werden amerikanische Streitkräfte die
Hauptverantwortung für den Schutz und die Verteidigung des Kanals tragen;
- die Regierung
- 3 -

�die Regierung Panamas garantiert den USA das Recht, Truppen in Panama
zu stationieren und alles Gelände sowie alle Gewässer, die für die Verteidigung des Kanals erforderlich sind, zu benutzen.
Der Betrieb des Kanals
Die Vereinigten Staaten werden die Kontrolle über alles Gelände, alle
Gewässer sowie alle Einrichtungen, einschließlich militärischer Stützpunkte,
aufrechterhalten, die notwendig sind, um den Kanal in Betrieb zu halten und
zu verteidigen.

Eine neue Behörde der amerikanischen Regierung wird den

Kanal betrieblich leiten.

Diese Behörde, die an die Stelle der Panama

Canal Company tritt, wird für den Rest des Jahrhunderts die Kontrolle des
Kanalbetriebs durch die Vereinigten Staaten sicherstellen.

Der Kanal wird

der gesamten Schiffahrt auf einer nicht-diskriminierenden Basis offenstehen.
Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Vertrages wird Panama die generelle
territoriale Jurisdiktion über die gegenwärtige Kanalzone übernehmen und
darf Teile des Gebietes benutzen, die nicht für den Betrieb und die Verteidigung des Kanals benötigt werden.

Ende 1999 wird Panama die Kontrolle

über den Betrieb des Kanals übernehmen.
Wirtschaftliche Faktoren
Schwierige finanzielle Verhandlungen haben zu einem fairen und gerechten
Paket geführt, das keine Bewilligung von Seiten des Kongresses beinhaltet.
Panama wird aus den Kanal-Einnahmen exklusiv erhalten:
- einen Anteil an den Gebühren: 30 Cents pro Panamakanal-Tonne;
- 10 Millionen Dollar pro Jahr aus den Kanal einkünften;
- bis zu weiteren 10 Millionen Dollar pro Jahr, allerdings nur, wenn
Verkehr und Einkünfte dies zulassen.
Darüber
- 4 -

�Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten sich verpflichtet, außerhalb des Vertrages alles in ihren Kräften stehende zu tun, um Vorsorge
für ein wirtschaftliches Programm von Anleihen, Anleihegarantien und
Krediten zu treffen:
- bis zu 200 Millionen Dollar an Krediten der Export-Import-Bank;
- bis zu 75 Millionen Dollar an Wohnungsbaugarantien des Amtes für
Internationale Entwicklung (AID);
- eine 20 Millionen Dollar betragende Anleihegarantie der Privaten
Investmentgesellschaft in Obersee (OPIC).
Dieses FünfJahresprogramm wird sich auf die normalen "Buy American"Bestimmungen stützen, woraus die amerikanische Wirtschaft, die in Panama
investiert sowie Waren-und Dienstleistungen dorthin liefert, großen Nutzen
ziehen wird.
Die Rechte der amerikanischen Angestellten
Alle amerikanischen Zivilisten, die gegenwärtig in der Kanalzone beschäftigt sind, können bis zu ihrer Pensionierung in Diensten der amerikanischen Regierung bleiben.

Sie bleiben im Genuß der Rechte und Garantien,

die allen amerikanischen Regierungsangestellten im Ausland gewährt werden.
Ein neuer Kanal auf Meereshöhe
Das Abkommen sieht die Möglichkeit des Baus eines neuen Kanals auf Meereshöhe vor.

Die Vereinigten Staaten und Panama werden gemeinsam seine Durch-

führbarkeit prüfen.

Sollten sie zu der Übereinkunft gelangen, daß ein

solcher Kanal wünschenswert sei, dann werden sie die Bedingungen für seinen
Bau aushandeln.
Verträge

- 5 -

�Verträge
Es wird zwei Verträge geben: Erstens einen Vertrag, der die ständige
Neutralität des Kanals garantiert, und zweitens einen grundsätzlichen
Vertrag, der sich mit dem Betrieb und der Verteidigung des Kanals bis
zum 31. Dezember 1999 befaßt.
+ + +

�23

24. August 1977

CHRISTOPHER: GUTE AUSSICHTEN FÜR DIE SACHE DER MENSCHENRECHTE
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers vor
der amerikanischen Anwaltskammer am 9. August -

Chicago - (AD) - Der Stellvertretende Außenminister der Vereinigten
Staaten, Warren Christopher, hat in einer Rede vor der amerikanischen
Anwaltskammer in Chicago am 9. August 1977 ein positives Bild der Entwicklung hinsichtlich der Menschenrechte gezeichnet. Christopher, der
kurz zuvor aus Belgrad zurückgekehrt war, wo die Vertreter von 35 Nationen
die Vorbereitung für die Nachfolgekonferenz der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) abgeschlossen haben, sprach von einem
"guten Omen für die Sache der Menschenrechte". Die Welt, so erklärte er
weiter, beginne die Menschenrechtspolitik der Carter-Administration mehr
und mehr zu begreifen, und es gebe viele positive Reaktionen.
Der Stellvertretende Außenminister führte wörtlich aus:
"überall in den Vereinigten Staaten ist ein neues Bewußtsein der
Lebenskraft und des Wertes unserer Grundprinzipien entstanden.

Auch heute

noch, nach 200 Jahren, binden sie uns weiterhin zusammen und definieren
unsere nationale Identität.

Wir haben eine schwere Zeit des Selbstzweifels

und der Selbstkritik durchgemacht, aber heute sind wir uns wieder weniger der

�der Dinge bewußt, die uns trennen, und haben uns wieder stärker den Grundsätzen und Werten verschrieben, die wir gemeinsam haben.
Wir sind der Überzeugung, daß unsere Grundprinzipien und Grundwerte
in der amerikanischen Außenpolitik zum Ausdruck kommen müssen, wenn diese
Politik die Unterstützung unseres Volkes finden und wenn sie wirksam sein
soll.

Als Ausdruck dieser Überzeugung ist die Förderung der Menschenrechte

zu einem fundamentalen Grundsatz der Außenpolitik der Carter-Administration
geworden.
.

Bei unserem Bemühen um die Förderung der Menschenrechte müssen wir
sorgfältig die Prinzipien definieren, die wir anwenden wollen, denn
gleißende Verallgemeinerungen können zu unausführbaren Politiken führen.
Bei der Anwendung unserer Prinzipien müssen wir beständig Realismus bewahren, denn eine starre Verfolgung von Prinzipien, vor allem in der
Außenpolitik, kann uns in die Irre führen.
Wir glauben, daß wir bei der Definition dessen, was wir unter Menschenrechten verstehen, unsere Anstrengungen auf die fundamentalsten und
wichtigsten Menschenrechte lenken sollten, die alle in der Allgemeinen
Menschenrechtserklärung, die die Vereinten Nationen im Jahre 1948 billigten,
international anerkannt worden sind. Wir heben daher drei Kategorien der
Menschenrechte heraus:
- Erstens, das Recht der Freiheit vor Verstößen gegen die Unantastbarkeit der Person durch Regierungsgewalt. Zu solchen Verstößen zählen:
Folter, grausame, unmenschliche oder entwürdigende Behandlung oder Bestrafung; willkürliche Verhaftung oder Gefangensetzung; Verweigerung
eines fairen, öffentlichen Gerichtsverfahrens und Verletzung der Unantastbarkeit der Wohnung. Wenn Menschen gewaltsam aus ihren Wohnungen geholt
werden, nach Lust und Laune ihrer Häscher unablässig verhört, mit Elektroden gequält und unter Wasser getaucht werden, bis sie nahezu ertrinken wenn solche Dinge in der Welt, in der wir leben, geschehen - und sie ge- 2 -

�geschehen - dann müssen alle, die die Menschenrechte wahrhaft achten, ihre
Stimme erheben.
- Zweitens, das Recht auf Erfüllung solcher lebenswichtiger Ansprüche
wie Nahrung, Wohnung, Gesundheit und Bildung.

Die Erfüllung dieser Rechte

wird natürlich vom Stand der wirtschaftlichen Entwicklung eines Staates
beeinflußt.

Aber wir müssen daran denken, daß auch dieses Recht durch

Tätigkeit oder Untätigkeit seitens der Regierung verletzt werden kann - so
zum Beispiel wenn eine Regierung große Teile der begrenzten Mittel ihres
Landes abzweigt, um Beamte zu korrumpieren oder eine elitäre Schicht im
Luxus leben zu lassen, während Millionen Hunger und Not leiden.
- Drittens, das Re:ht, sich der bürgerlichen und politischen Freiheiten zu erfreuen - der Gedankenfreiheit, der Freiheit der Religion, der
Versammlung, der Rede, der Freiheit der Presse, der Freizügigkeit sowohl
innerhalb als außerhalb des eigenen Landes und der Freiheit, sich an der
Regierung zu beteiligen. Diese Freiheiten, die wir Amerikaner so voll
genießen und allzu oft für selbstverständlich halten, sind an vielen Orten
der Erde in Gefahr. Daß autoritäre Regime auf einer Verweigerung dieser
Rechte basieren, ist wohlbekannt. Umso bestürzender aber ist es, wenn
Regime in Ländern mit demokratischen Traditionen diese kostbaren Rechte
verletzen, wenn sie beispielsweise Zeitungen verbieten und Journalisten,
die nichts anderes getan haben, als Ideen zum Ausdruck zu bringen, die
nicht mit der offiziellen Politik in Einklang stehen, ins Gefängnis werfen.
Unser Ziel ist es, darauf hinzuwirken, daß all diesen drei Kategorien
von Menschenrechten, die ich beschrieben habe, größere Beachtung geschenkt
wird.

Schließlich sind es diese Rechte, die das Leben lebenswert machen.
Nachdem ich die drei Kategorien von Rechten, die Gegenstand unserer

Politik sind, kurz umrissen habe, ist es nur fair, wenn ich einräume, daß
es manche gibt, die der Meinung sind, es wäre unklug von uns, im Ausland
die Menschenrechtsprinzipien zu fördern, die bei der Geburt unserer Nation
- 3 -

�• •

Nation Pate standen.

Diese Kritiker argumentieren, daß wir nicht erwarten

können, bei nicht-westlichen Gesellschaftssystemen allzuviel Interesse an
den, wie sie manchmal leicht verächtlich genannt werden, westlichen Ideen
des achtzehnten Jahrhunderts zu finden.
Aber die Prinzipien, die wir zu fördern suchen, haben nichts Engstirniges und Verstaubtes an sich.
sucht des Menschengeschlechts.

Sie entsprechen der universalen Sehn-

Sie sind formell von faktisch allen

Regierungen angenommen worden, sowohl in ihrer eigenen Verfassung als auch
in internationalen Verträgen.

Worauf wir dringen, ist, daß diesen Prinzipien

mehr als bloßer Lippendienst geleistet wird.
Jene, die sagen, wir sollten nicht versuchen, der Welt unsere spezielle
Form der Demokratie aufzuzwingen, haben einen Strohmann aufgebaut.

Wir

reden nicht von formalen Dingen, wir reden von der Substanz menschlicher
Freiheit.
Selbst wenn Menschen sehr arm sind, haben sie doch ein tiefes Interesse
daran, die Freiheit zu haben, hinzugehen,wo sie wollen, zu sagen,was sie
wollen, die Religion ihrer eigenen Wahl zu praktizieren und eine Stimme
bei der Bestimmung der Regeln zu haben, unter denen sie leben. Glauben
die Kritiker wirklich, daß jene, die darum kämpfen, die Bande der Massenarmut zu zerreißen, auf die Dauer damit zufrieden wären, ihre Freiheit um
des materiellen Fortschritts willen einzutauschen? Nach meiner Auffassung
haben all jene, die solche Vorstellungen hegen, die tiefsten Hoffnungen und
Wünsche der Menschen nicht erkannt.
Ich sehe keinen zwangsläufigen Widerspruch zwischen wirtschaftlicher
Entwicklung auf der einen und politischen und bürgerlichen Rechten auf der
anderen Seite. Und ich bin überzeugt, daß die Menschen eines Tages Führer
ablehnen werden, die sie unnötigerweise zu einer solchen Wahl zwingen wollen.
Kurzfristig gesehen mögen manche Völker ihren Wunsch nach Freiheit zurückgestellt haben, aber auf lange Sicht wird dieser Wunsch nach meiner Meinung

�Meinung nicht unterdrückt werden können.
Wir machen uns keine Illusionen, daß der Prozeß der Ermutigung einer
größeren Achtung der Menschenrechte in der ganzen Welt zu raschen oder
leichten Ergebnissen führen wird.

Wir sind uns darüber im klaren, daß

es zwingende Gründe gibt, warum wir unseren Idealismus mit Realismus
würzen müssen.
Wir können unsere Augen nicht vor der Tatsache verschließen, daß
unsere Fähigkeit, die Menschenrechtspraktiken in anderen Gesellschaften zu
verändern, begrenzt ist, selbst wenn wir alle die uns zur Verfügung
stehenden Mittel und Wege benutzen.

Wir dürfen nicht so vorgehen, als

hätten wir unbegrenzte Macht.
So wie unsere Macht begrenzt ist, so hat auch unser Wissen seine
Grenzen. Wir müssen eine allzu überzeugte Gewißheit mit ihrer unangenehmen Begleiterscheinung der Selbstgerechtigkeit vermeiden. Wir wissen
um die Vielfalt menschlicher Erfahrungen. Aus den unterschiedlichen Abläufen der Geschichte und der Lebensumstände wird sich notwendigerweise
eine große Mannigfaltigkeit der politischen Systeme und der wirtschaftlichen Verhältnisse auf der Welt ergeben.
Außerdem müssen wir uns darüber klar sein, daß unsere Handlungen
Gegenmaßnahmen hervorrufen können, die sich gegen unsere kurzfristigen
Interessen richten oder die manchmal sogar die Opfer der Repression treffen
können, denen wir zu helfen versuchen. Wir werden uns daher lieber um
positive und kreative Mittel und Wege bemühen, um die Regierungen zu
ermutigen, die Menschenrechte zu achten, als um eine Bestrafung für
schlechtes Verhalten. Wo aber solche positiven Maßnahmen nicht möglich
sind, muß das Risiko der Verhängung von Sanktionen ins Auge gefaßt und
sorgfältig erwogen werden.
Es ist

- 5 -

�Es ist gleichfalls realistisch, sich bewußt zu sein, daß die Botschaft,
die wir anderen senden, hohl klingen muß, wenn unsere Maßnahmen im eigenen
Lande nicht die unbedingte Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten
widerspiegeln.

Wir haben bereits wichtige Schritte getan, um unser

eigenes Verhalten in der Frage der Menschenrechte weiter zu verbessern.
Wir haben alle Einschränkungen in Bezug auf das Recht unserer Bürger, in
fremde Länder zu reisen, aufgehoben.

Mit unserer Unterstützung hat der

Kongreß soeben Erleichterungen hinsichtlich der Visa-Bestimmungen verabschiedet, so daß Ausländer, die unser Land besuchen wollen, nicht wegen
politischer Verbindungen daran gehindert werden - von einigen seltenen
Fällen abgesehen.

Außerdem bemühen wir uns um eine Erweiterung unserer

Politik gegenüber Flüchtlingen und Asyl suchenden; dafür als Beispiel aus
der jüngsten Vergangenheit die Pläne, weitere 15 000 Indochinaflüchtlinge
aufzunehmen.

Die von uns gemachten Anstrengungen, jede Wiederholung von

Mißbräuchen seitens der Abwehr- und Geheimdienstbehörden zu verhindern
und unser veraltetes und unfaires Wohlfahrtssystem zu überholen, sind
weitere wichtige Beiträge zur Sache der Menschenrechte.

Wenn wir es für notwendig erachten, uns selbst mit den Menschenrechtsbedingungen in anderen Ländern zu befassen, so ist es unser erster Schritt,
unsere Ansichten der betreffenden Regierung in vertraulicher Form darzulegen.
Es gibt eine Reihe von verschiedenen Möglichkeiten, wie das geschehen kann.
Wir können daher auch unter einer ziemlich großen Vielfalt von Hinweisen
und Zeichen die Wahl treffen. Es kann beispielsweise dadurch geschehen, daß
ein Vertreter des State Department mit dem Gesandten einer ausländischen Botschaft spricht. Oder der Außenminister kann einen ausländischen Botschafter
zu sich bitten. Oder es kann dadurch geschehen,daß unser Botschafter in einem
fremden Land den Außenminister dieses Landes aufsucht. Oder aber unser
Präsident kann an den Chef einer ausländischen Regierung einen Brief
schreiben und so weiter. Worum es geht, ist, daß die Diplomatie hier über
reiche Möglichkeiten verfügt, die nur durch eine sachgemäße und Zug um Zug
vorgehende Methode voll ausgeschöpft werden kann.
Wir haben

�Wir haben eine Vielzahl diplomatischer Schritte in Bezug auf die
Menschenrechte unternommen, und im großen und ganzen haben wir gute Resultate
erzielt: überall auf der Welt beginnen die Regierungen - auch wenn sie nicht
unserer Meinung sind - unsere Politik besser zu verstehen und die Tiefe
unserer Verpflichtung richtig zu ermessen.
Ein diplomatisches Vorgehen ermöglicht es anderen Regierungen, auf
unsere Besorgnisse in vertraulicher Form zu antworten. Das ist zweckmäßig,
weil es unser Ziel ist, die Menschenrechtsbedingungen zu verbessern, nicht
aber anderen Schwierigkeiten zu bereiten oder unsere Erfolge der Öffentlichkeit kundzutun.
Andere Regierungen müssen sich natürlich bewußt sein, daß - falls es
nicht gelingt, auf vertraulichem Wege unsere Botschaft zu übermitteln eine öffentliche Stellungnahme sich zu Zeiten als notwendig erweisen mag.
Und wir werden niemals dafür um Entschuldigung bitten, daß wir unserem
Eintreten für unsere Prinzipien Ausdruck geben.
Auch unsere bilateralen Wirtschaftshilfeprogramme müssen unsere Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten widerspiegeln.

Was uns anbetrifft,

so fühlen wir uns verpflichtet, der Dritten Welt substantielle Wirtschaftshilfe in wachsendem Maße zukommen zu lassen.
Es gibt verschiedene Wege, wie eine Regierung einem anderen Land
wirtschaftliche Hilfe gewähren kann, und wir sind der Meinung, daß wir bei
jedem dieser Wege Menschenrechtsüberlegungen mit einbeziehen sollten.
Dieser Prozeß wird ganz wesentlich durch die Tatsache kompliziert, daß
der größte Teil unserer bilateralen Wirtschaftshilfe heute dazu dient,
die menschlichen Nöte der ärmsten Gruppen der Bevölkerung zu lindern.

Wenn

solche Hilfe wegen Verletzungen der Menschenrechte eingeschränkt würde,
dann könnten wir damit Menschen bestrafen, die für die Menschenrechtsverletzungen gar nicht verantwortlich sinH 'md diese auch nicht verhindern
•*•. 7

-

�verhindern können.

Auf der anderen Seite sind wir für unser Handeln

verantwortlich und müssen weiterhin versuchen sicherzustellen, daß unsere
Programme der wirtschaftlichen Unterstützung nicht unseren Anstrengungen
im Sinne der Menschenrechte zuwiderlaufen.
Selbstverständlich sind wir bestrebt, unsere Wirtschaftshilfe positiv
zur Förderung der Sache der Menschenrechte einzusetzen.

So haben wir

beispielsweise mitgeholfen, eine internationale Anleihe an Portugal zustandezubringen, um dieses Land bei seinem schwierigen Übergang zu einer
demokratischen Gesellschaft zu unterstützen.
Was unsere Militärhilfe angeht, so werden unsere Unterstützungsprogramme auf militärischem Gebiet im Lichte der Menschenrechtspraktiken der
jeweiligen Empfängerregierung überprüft.

In einigen Fällen könnten wir zu

der Entscheidung gelangen, unsere Sicherheitsunterstützung zu verringern
oder einzustellen.

In anderen Fällen, wo das Verhalten des Empfängers

auf dem Gebiet der Menschenrechte nicht zufriedenstellend ist, könnten wir

uns entschließen, die Hilfe wegen vorrangiger nationaler Sicherheitsinteressen
der USA fortzusetzen - nicht aber ohne unsere Besorgnis zum Ausdruck zu
bringen.
Auch in multilateralen Gremien und Körperschaften haben wir wichtige
Initiativen ergriffen. So benutzen wir beispielsweise Sitz und unsere
Stimme in der Weltbank und anderen internationalen Finanzinstituten, um die
Sache der Menschenrechte zu fördern. Wir tun das, indem wir Kredite an
Regierungen ablehnen, die die Menschenrechte in flagranter Weise verletzen,
oder indem wir eine Überprüfung solcher Kredite fordern - immer natürlich
mit der besonderen Überlegung, ob solche Anleihen eindeutig den Bedürfnissen
der Armen nützen würden.
In den Vereinten Nationen arbeiten wir eng mit anderen Regierungen
zusammen, um den Bemühungen dieser Organisation um die Menschenrechte neue
Kraft und neuen Wert zu geben. Es ist besonders wichtig, daß die Vereinten

�Vereinten Nationen die schwierige aber entscheidend wichtige Aufgabe wahrnehmen, Ihre Untersuchungen von Menschenrechtsverletzungen unparteiisch
und umfassend durchzuführen.
eine Initiative

Wir unterstützen daher mit allem Nachdruck

Kostarikas, die Einsetzung eines Hochkommissars der

Vereinten Nationen für die Menschenrechte zu erreichen.

Und wir haben

die Vollversammlung ersucht, eine Sonderarbeitsgruppe einzusetzen, um dem
Kampf gegen die Folter neuen Auftrieb zu geben.
In der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) haben wir die
erfolgreiche Initiative Venezuelas unterstützt, die Mittel und die Leistungsfähigkeit der Interamerikanischen Menschenrechtskommission zu erhöhen. Wir sind der Überzeugung, daß diese Kommission bei der Untersuchung von Beschuldigungen der Menschenrechtsverletzung in der westlichen
Hemisphäre und bei der Einführung von Verbesserungen eine entscheidend
wichtige Rolle spielen kann.
In einem weiteren wichtigen internationalen Zusammenhang steht die
Konferenz, die im Herbst dieses Jahres in Belgrad abgehalten wird, wo die
35 Unterzeichnerstaaten der Schlußakte von Helsinki zusammenkommen, um
zu prüfen, was zur Verwirklichung der Menschenrechte und anderer wichtiger
Bestimmungen dieses historischen Dokuments getan - beziehungsweise nicht
getan - worden ist.

Ich bin erst dieser Tage aus Belgrad zurückgekehrt,

wo die Signatarstaaten die Vorbereitungen für die Konferenz im Herbst getroffen haben, und ich kann Ihnen berichten, daß dieses Bemühen ein gutes
Omen für die Sache der Menschenrechte ist.
Das Bevorstehen der Belgrader Konferenz selbst hat zu vielen konstruktiven Maßnahmen beteiligter Regierungen geführt, vor allem was die
Auswanderung und die Familienzusammenführung anbetrifft.

Einer der großen

Erfolge der Vorbereitungskonferenz ist die Tatsache, daß es weitere Konferenzen der Art wie in Belgrad geben wird, um den weiteren Fortschritt zu beflügeln und erneut einen Ansporn zu konstruktivem Handeln zu bieten.

Was

die Konferenz im Herbst selbst anbetrifft, so sind wir entschlossen, sie
- 9 -

�sie in einer ehrlichen, offenen und unpolemischen Atmosphäre abzuhalten,
Wir wollen sicherstellen, daß die Nutznießer letztlich die Sache der
Menschenrechte und die Sache des Friedens zwischen Ost und West sind.
Das sind einige der uns zur Verfügung stehenden Werkzeuge.

Ich

möchte unterstreichen, daß wir uns in unserer Entscheidung, ob und wie wir
sie im Einzelfall benutzen, nicht von symbolischen Verbesserungen ablenken
lassen werden, die andere Regierungen etwa machen könnten.

Wir werden uns

vielmehr von dem Trend auf lange Sicht leiten lassen.
Ich möchte ferner betonen, daß wir bei der Anwendung dieser Mittel
und Wege immer von dem Wunsch getragen sein werden, unsere Zusammenarbeit
mit anderen Regierungen und Völkern auszudehnen.

Wir sind uns darüber im

klaren, daß wir auf lange Sicht nichts erreichen werden, wenn wir nicht die
Förderung der Menschenrechte zu einer internationalen Bewegung machen.
Funktioniert unsere Politik? Es ist noch zu früh für ein abschließendes
Urteil. In gewisser Weise wird es wahrscheinlich immer noch zu früh sein.
Der Kimpf um die Sicherung der Menschenrechte wird niemals zu Ende sein,
ebenso wenig wie das Streben nach Frieden. Wir können hoffen und beten,
daß der Tag kommen möge, an dem die Welt zivilisierter aussehen wird, an
dem Regierungen in gleicher Weise ihre Bürger mit Anstand und Menschlichkeit
behandeln werden, aber wir werden uns durch die Mängel, die wir noch sehen,
nicht entmutigen lassen. Ja, die Mängel, die wir beobachten, werden uns
nur veranlassen, unsere Bemühungen zu verdoppeln.
Wir sind ermutigt ~ ohne daß wir es uns zugute halten - über die
günstigen Zeichen, die wir an der Menschenrechtsfront überall auf der Welt
beobachten - Anzeichen, die erkennen lassen, daß das Problem der
Menschenrechte in einer wachsenden Zahl von Staaten eine klingende Saite
angeschlagen hat.
- Hinsichtlich

�- Hinsichtlich der Verletzungen der Unantastbarkeit der Person haben
einige Regierungen - wie wir hoffen mit der echten Absicht, der Unterdrückung Einhalt zu gebieten - damit begonnen, eine große Zahl politischer
Gefangener freizulassen und die wahllose Verhaftung angeblicher Umstürzler
einzuschränken.

Und einige Regierungen haben jene bestraft, die für die

Folter verantwortlich waren, und haben die Einstellung solcher Praktiken
befohlen.
- Hinsichtlich der wirtschaftlichen Rechte zeigen viele Regierungen
eine erneute Entschlossenheit, diese Rechte ihrer Bürger zu fördern. Sie
wenden sich von großartigen Zukunftsplänen und nach außen sichtbaren
spektakulären Einzelverbesserungen ab, um ihre Energie wirtschaftlichen
Projekten zuzuwenden, die Breitenwirkung haben. Die Regierungen mehrerer
afrikanischer Länder beginnen aus der Erkenntnis der gewaltigen Unterschiede
zwischen arm und reich heraus mit langfristigen und schwierigen Entwicklungsprogrammen, um einen besseren Lebensstandard für die ganze Bevölkerung
zu erreichen. Ferner wird in einigen lateinamerikanischen Ländern die
Bodenreform erneut als ein Weg benutzt, um den Menschen ein echtes Interesse
am eigenen Land zu geben und ihnen eine Möglichkeit dts wirtschaftlichen
Fortkommens zu bieten. Ich möchte ebenfalls feststellen, daß die neue
demokratische Regierung in Portugal auf den Gebieten der Wohnung und des
Gesundheitsdienstes, der Sozialversicherung und der Sozialfürsorge und
neuer Schulen Fortschritte macht. Die internationalen Finanzinstitute lenken
in immer stärkerem Maße den Großteil ihrer Mittel in die ländliche Entwicklung und in landwirtschaftliche Projekte, die der größten Anzahl von
Menschen helfen.
Hinsichtlich der politischen und bürgerlichen Rechte kann man ein
Wiedererstehen der Demokratie erkennen.

Jüngste Entwicklungen in Indien und

Spanien, aber auch in Portugal, liefern den Beweis dafür, daß für die
Demokratie ein Neubeginn möglich ist.

Bei einigen Militärregimen in

Lateinamerika gibt es erste, hoffnungsvolle Anzeichen für ein "retorno" für eine Rückkehr zu zivilen durch freie Wahlen konstituierten Regierungen.

- 11 -

�Regierungen.

Darüber hinaus haben einige osteuropäische Länder die

Zusammenflihrung getrennter Familien zugelassen und auch sonst ihre
Auswanderungsbestimmungen erleichtert.
Ich halte diese positiven Entwicklungen für einen klaren und überzeugenden Erweis für die Kraft einer Idee.
-

Alles in allem hat die Idee der Menschenrechte ihr Eigenleben und
ihre eigene Dynamik, die die Regierungen fördern oder der sie entgegenwirken, die sie aber niemals auslöschen können.

Für mich zeigt sich das

besonders eindringlich, wenn ich die aus aller Welt eingehenden Telegramme
durchsehe.

Die Menschenrechtsinititative findet ihren Widerhall in offiziel-

len Kreisen, ja mehr noch findet sie Resonanz in den Heimen und den
Herzen der Menschen überall auf der Welt.
Wenn wir die Menschenrechte in die Schlagzeilen gebracht haben, so
nicht unseretwegen, sondern wegen der Kraft der Ideen, für die wir
eintreten. Ich erkenne heute deutlicher als je zuvor, warum man die
Sache der menschlichen Freiheit als das einzige große revolutionäre Anliegen der Welt bezeichnet hat. Oder wie Walter Lippmann einst sagte:
'Die tiefste Frage unserer Zeit ist, ob die zivilisierte Menschheit
eine freie Gesellschaftsform erhalten und entwickeln kann oder ob sie wieder
in die alte Ordnung der Dinge zurückfällt, wo die gesamte Existenz der
Menschen, ihr Gewissen, ihre Wissenschaft, ihre Künste, ihre Leistung und
ihre Unantastbarkeit als Einzelperson dem Staate gehören.'
Lassen Sie mich zum Abschluß noch sagen, daß - wie bei allen neuen
Unternehmungen - unsere Menschenrechtspolitik nicht frei von Mißgriffen
und Fehleinschätzungen sein wird.

Aber mit dem Verständnis und der

Unterstützung unserer Bürger - und auch unserer führenden privaten
Organisationen wie der amerikanischen Anwaltskammer hier - und mit
praktischen und beharrlichen Bemühungen wird nach meiner Oberzeugung diese

�diese Politik mit der Zeit zur historischen Resultaten führen. Die Zeit
ist günstig- Die Herausforderung ist gewaltig. Aber unsere Prinzipien
sind gesund und vital und - sofern sie mit Realismus angewandt werden können und werden sie für uns und für alle anderen Menschen eine reiche
Ernte der Freiheit bringen."
+ + +

- 13 -

�Information
United States Information Service

24. August 1977

23

FRANK M. JOHNSON SOLL NEUER FBI-DIREKTOR WERDEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 17. August den Richter
an einem US-Bundesgericht, Frank M. Johnson, Jr., zum neuen Direktor des Bundeskriminalamtes (FBI) ernannt. Er soll Nachfolger von Clarence Kelly werden,
der am 1. Januar 1978 in den Ruhestand tritt. Die Nominierung muß noch vom
amerikanischen Senat bestätigt werden.
Wie es heißt, hatte Präsident Carter von Anfang an daran gedacht,Johnson
für den Posten des FBI-Direktors zu nominieren.

Dieser lehnte das Angebot je-

doch vor sieben Monaten ab, weil seine Mutter damals schwer erkrankt war. Ihr
Gesundheitszustand hat sich inzwischen wesentlich gebessert.
Johnson, ein Republikaner, gilt als unnachgiebiger Verfolger des Verbrechertums und als starker Verfechter der Bürgerrechte. Präsident Carter
nannte ihn in einer Erklärung einen "harten, fairen Protektor von Recht und
Gesetz, der dem FBI, der Regierung und dem Lande zur Ehre gereichen" werde.
Frank Minis Johnson, Jr. wurde am 30. Oktober 1918 in einem kleinen Ort
im Staate Alabama geboren. Er war das älteste Kind einer neunköpfigen Familie.
Sein Vater gehörte lange Zeit dem Kreistag seines Distrikts an und war jahrelang der einzige Republikaner im Staatsparlament von Alabama. Johnson wird

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D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�wird nachgesagt, daß er - was seine unabhängige geistige Haltung angeht eine Menge von seinem Vater geerbt habe.
Während des Krieges, im Jahre 1943, absolvierte Johnson die Universität
von Alabama, an der er Rechtswissenschaft studiert hatte, und wurde als Anwalt
zugelassen, bevor er zur US-Armee eingezogen wurde.

Er nahm als Hauptmann an

der Landung in der Normandie teil und wurde mit hohen militärischen Ehren ausgezeichnet.

Nach Beendigung des Krieges kehrte er in seinen Heimatstaat

Alabama zurück und wurde in der Politik der Republikanischen Partei tätig, wobei er 1952 den Präsidentschaftswahl kämpf General Eisenhowers aktiv unterstützte.

Im Jahre 1953 wurde Johnson zum Bundesanwalt in Birmingham, Alabama,

berufen,und Ende 1955 ernannte ihn Präsident Eisenhower mit 37 Jahren zum damals jüngsten US-Bundesrichter an einem Distriktgericht der Vereinigten Staaten.
Die "New York Times" hat darauf hingewiesen, daß Johnson auf juristischem
Gebiet Zeichen gesetzt hat. Er trug dazu bei, daß in Alabama die Wahlsteuer
abgeschafft wurde, daß die Wahlbezirke neu festgesetzt und die Rechte der
Frauen gefördert wurden und daß es zu einem Verbot der Rassendiskriminierung in
über 100 Schulbezirken seines Heimatstaates kam. Mit seinen Entscheidungen auf
dem Gebiete der Bürgerrechte setzte sich Johnson häufig in Gegensatz zum Staatsparlament von Alabama und zu den Gouverneuren dieses Staates, insbesondere zu
George C. Wallace, der ihm jedoch anläßlich der jetzigen Nominierung volle Integrität und harten Arbeitseinsatz bescheinigte und seine Meinungsverschiedenheiten mit Johnson immer als sachlicher und nie persönlicher Natur bezeichnete.
Ahnlich äußerte sich auch Senator Edward M. Kennedy, der dem für die Bestätigung wichtigen Rechtsausschuß des Senats angehört.

Er nannte Johnson einen

"äußerst integren, kompetenten und mutigen Mann", dessen Wirken durch eine unerschütterliche Hingabe an die Gerechtigkeit unter dem Gesetz und das ständige
Eintreten für die Bürgerrechte aller Amerikaner gekennzeichnet sei.

+ + + + +

- 2 -

�Wift/choft
United States Information Service

23

24. August 1977

BER6STEN: FORTSCHRITT IM NORD-SÜD-DIALOG
Exklusivinterview mit dem Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium

WASHINGTON - (AD) - Einen "gewaltigen Fortschritt" im Nord-Süd-Dialog
hat es in den letzten zwei Jahren nach Auffassung des Unterstaatssekretärs für
Internationale Angelegenheiten im amerikanischen Finanzministerium, C. Fred
Bergsten, gegeben.

Bergsten führt dies in einem Exklusivinterview mit dem

Wirtschaftskorrespondenten des US-Informationsdienstes (USIS), John J. Harter,
darauf zurück, daß heute Entwicklungsländer und Industriestaaten als gleichberechtigte Partner auftreten.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Herr Unterstaatssekretär, in welchem Umfang hat sich in den letzten
zwei Jahren ein Fortschritt in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Nord
und Süd abgezeichnet?
ANTWORT: Nach meiner Meinung ist in den letzten zwei Jahren ein gewaltiger
Fortschritt zu erkennen. Noch vor etwas über zwei Jahren waren die Nord-Süd-Beziehungen durch eine sehr scharfe Konfrontation gekennzeichnet.

Der Hauptgrund

dafür lag darin, daß die Industriestaaten nicht in der Lage waren, konstruktiv

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�konstruktiv auf die legitimen wirtschaftlichen Ansprüche und Hoffnungen der
armen Länder zu reagieren.
Im Laufe der letzten zwei Jahre hat sich das ganz augenfällig geändert.
Die Vereinigten Staaten sind dabei, den Stand ihrer Auslandshilfe sehr stark
anzuheben.

Wir verhandeln heute an vielen Fronten, um den Rahmen des inter-

nationalen Rohstoffhandeis zu verbessern.

Wir haben das allgemeine System

von Handelspräferenzen eingeführt, das den Zugang der Entwicklungsländer zu
unserem Markt für ihre Fertigerzeugnisse erleichtert.

Und was vielleicht am

wichtigsten ist, wir haben die Entwicklungsländer in einer weitreichenden Serie
von internationalen Verhandlungen in vielen Gremien als Gleichberechtigte aufgenommen in dem Bemühen, Mittel und Wege zu finden, ihre Ansprüche und unsere
Interessen gleichzeitig und konstruktiv zu fördern.
Nach meiner Überzeugung wird diese Ära noch eine ganze Weile andauern
- ja ich glaube sogar, daß dies bereits zu einer Routineangelegenheit wird,
so daß es keine besondere Sache mehr für den Norden und den Süden sein wird,
einen Dialog zu führen. „Mit anderen Worten, der Dialog selbst wird zu einem
integralen Bestandteil unserer internationalen wirtschaftlichen Vereinbarungen.
FRAGE: Versuchen die Industrieländer und vor allem die Vereinigten Staaten
wirklich, den Entwicklungsländern bei der Beschleunigung der Rate ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zu helfen?
ANTWORT: Das steht außer jeder Frage. Vor allem die jetzige Administration
glaubt zutiefst, daß die wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten
sehr, sehr eng mit dem wirtschaftlichen Fortschritt in der Entwicklungswelt verknüpft sind. Fast die Hälfte der amerikanischen Exporte an Fertigwaren geht in
die Entwicklungsländer. Unsere Einfuhren an entscheidend wichtigen Rohstoffen
kommen zum großen Teil aus Entwicklungsländern, und wir sind bei 13 der 15
Schlüsselrohstoffe für die Industrie von Importen abhängig. Unsere Investitionen in Entwicklungsländern belaufen sich auf viele Milliarden Dollar, und
die Erträge dieser Investitionen sind eine wichtige Quelle der Stärke für die
- 2 -

�die amerikanische Zahlungsbilanz und den Wert des Dollar.

Wir haben ein grund-

legendes Interesse am wirtschaftlichen Fortschritt und der wirtschaftlichen
Stabilität in den Entwicklungsländern.

All das läßt nach meiner Auffassung eine

2:unehmende Interdependenz erkennen.
Nach meiner Ansicht ist die Entwicklungswelt der dynamischste Teil der
Weltwirtschaft. Die Wachstumsraten in den Entwicklungsländern - als Gruppe genommen - waren in den letzten zehn bis 15 Jahren sehr eindrucksvoll, obwohl die
Ölkrise und die Weltrezession diese Raten in den letzten drei bis vier Jahren
verlangsamt haben - wie das auch für das wirtschaftliche Wachstum der Industrieländer zutrifft. Wenn wir zehn bis 20 Jahre in die Zukunft vorausschauen, dann
wird die Entwicklungswelt nach meiner Meinung die eindrucksvollsten wirtschaftlichen Wachstumsraten Liberhaupt haben. Und deshalb gehe ich davon aus, daß
unsere wechselseitigen Wirtschaftsbeziehungen mit diesen Ländern stark zunehmen
v/erden.
FRAGE: Können Sie uns sagen, welchen Stellenwert die amtliche Entwicklungshilfe in den Wirtschaftsbeziehungen der Vereinigten Staaten zu den Entwicklungsländern hat?
ANTWORT: Man muß die Entwicklungswelt in mindestens zwei Kategorien einteilen. Die eine besteht aus den fortgeschrittensten Entwicklungsländern Eirasilien, Mexiko, Südkorea, Formosa, dem größten Teil Lateinamerikas, dem
Nahen Osten und einem Großteil des Fernen Ostens - die bereits ein relativ
hohes Prokopfeinkommen erreicht und die Fähigkeit zu einem anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum gezeigt haben. Diese Länder haben ihre Exporte diversifiziert, und diese dringen immer stärker auf den Weltmärkten vor. Sie brauchen
für ihre Fertigerzeugnisse einen besseren Zugang zu den Märkten der Industrieländer. Sie brauchen Zugang zu den privaten Kapitalmärkten der Welt. Und sie
brauchen weiterhin Anleihen der Weltbank und der regionalen Entwicklungsbanken
2:u Marktbedingungen. Aber sie brauchen keine Vorzugsauslandshilfe mehr.
Die zweite Gruppe - etwa 40 der ärmsten Entwicklungsländer, die, wie man
- 3 -

�man sagen könnte, Die "Südwelt" darstellen - brauchen große Mengen an Vorzugshilfe über bilaterale und multilaterale Kanäle.
befinden sich im Subsahara-Afrika und in Südasien.

Die meisten dieser Länder
Einige von ihnen haben

eine sehr große Bevölkerung, und alle haben sie ein niedriges Prokopfeinkommen.

Ihr wirtschaftliches Wachstum pro Kopf der Bevölkerung hat in den letzten

Jahren stagniert.

Sie sind nicht in der Lage, private Kapitalmärkte anzuzapfen

oder ihre Fertigwaren in großem Umfang auf den Märkten der Industriestaaten abzusetzen.

In unseren Beziehungen zu dieser Gruppe wird die Vorzugshilfe ganz

sicher weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Wie Außenminister Vance auf der

Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) angedeutet
hat, planen die Vereinigten Staaten eine wesentliche Erhöhung ihrer Auslandshilfe, um den Ansprüchen dieser Länder in den nächsten Jahren gerecht zu werden.
FRAGE: Bedeutet diese Einteilung der Entwicklungsländer in Kategorien,
daß im Auslandshilfeprogramm grundsätzlich neue Richtungen eingeschlagen werden?
ANTWORT: Ja, bis zu einem gewissen Grad bedeutet es das. Die Vereinigten
Staaten haben diese Richtungen schon in den letzten drei oder vier Jahren eingeschlagen. Das zentrale Ziel besteht darin, die menschlichen Grundansprüche
der ärmsten Völker der Welt zu erfüllen. Das steht im Gegensatz zu dem traditionellen Schwergewicht der Hilfe auf dem Bau von Dämmen, Wasserkraftwerken
und großen Stahlwerken - alles Dinge, die ein Einkommen schaffen können, das
dann langsam mit der Zeit bis zu den ärmsten Menschen durchsickert, die aber
nicht die Fähigkeiten des einzelnen entwickeln, welche für das menschliche
Glück und den langfristigen wirtschaftlichen Fortschritt wesentlich sind.
FRAGE: Was tun die Vereinigten Staaten ganz spezifisch, um die amtliche
Entwicklungshilfe auf die Ansprüche der ärmsten Menschen zu konzentrieren?
ANTWORT: Wir arbeiten sowohl auf bilateralen wie auf multilateralen Gebieten, um dieses Ziel zu erreichen.

Seit der Kongreß im Jahre 1973 damit begann,

der amerikanischen Hilfe die Auflage der sogenannten "neuen Richtungen" zu_
- 4 -

�;:u machen, hat sich der Schwerpunkt der bilateralen Hilfe stark auf die Förderung einer höheren landwirtschaftlichen Erzeugung, eines verbesserten Ernährungsstandes, einer besseren Bildung - nicht so sehr höherer Bildung übrigens,
sondern der breiten Grundausbildung möglichst vieler Menschen - und auf Gesundheitsprogramme, vor allem durch paramedizinische Techniken, verlagert.
Auf multilateralem Gebiet haben wir die Gründung eines internationalen
Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung unterstützt, um vor allem für eine
gesteigerte Nahrungs- und Lebensmittelerzeugung in den Entwicklungsländern zu
sorgen. In ähnlicher Weise haben wir im Hinblick auf längerfristige Probleme
die bestehenden internationalen Finanzinstitute wie die Weltbank und die regionalen Entwicklungsbanken gedrängt, verstärkten Nachdruck auf Projekte zu legen,
die den grundlegenden menschlichen Ansprüchen der ärmeren Menschen in diesen
Ländern entgegenkommen. Rund ein Viertel bis ein Drittel der von den internationalen Finanzinstituten zur Verfügung gestellten Mittel gehen heute in Projekte, die sich mit genau diesem Problemkreis befassen.
FRAGE: Leistet der Gemeinsame Entwicklungsausschuß der Weltbank und des
Internationalen Währungsfonds nützliche Arbeit?
ANTWORT: Ja, der Entwicklungsausschuß hat in seinen Bemühungen zur Förderung der Entwicklung eine sehr große Tagesordnung zu bewältigen. Ich glaube,
daß jetzt zu dieser Tagesordnung noch einige Probleme hinzukommen, die auf der
Kürzlich beendeten Konferenz über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit
(CIEC) behandelt worden sind.
FRAGE: Glauben Sie, daß sich die Arbeit dieses Ausschusses zur Verbesserung
des Zugangs der Entwicklungsländer zu den Kapitalmärkten als nützlich erweisen
wird?
ANTWORT:

Der Entwicklungsausschuß hat auf diesem Gebiet sehr viel getan

- m i t zwei großen Ergebnissen: Das eine ist ein emotionales Ergebnis.

Er hat

den Krediteinrichtungen der Industrieländer die recht vielseitigen Möglichkeiten
nahegebracht, die für die Vergabe von Anleihen an Entwicklungsländer durch pri- 5 -

�private Kapitalmärkte existieren.

Ich glaube, daß hier die Arbeit des Aus-

schusses tatsächlich zu einer massiven Expansion privater Anleihen an die
armen Länder beigetragen hat.

Das hat zu einem der bemerkenswertesten Phä-

nomene in der Weltwirtschaft in den letzten Jahren geführt.
Zum zweiten ist der Ausschuß auch für die Abschaffung vieler Hindernisse
für Anleihen an Entwicklungsländer verantwortlich.

Für die Vereinigten Staaten

hat es eigentlich keine solchen Hindernisse gegeben, aber die europäischen
Länder und Japan hatten eine Reihe künstlicher Erschwernisse für Anleihen an
Entwicklungsländer beibehalten.

Hier hat die Arbeit des Ausschusses ernst-

hafte Anstrengungen ausgelöst, diese Hindernisse zu beseitigen.
FRAGE:

Welche Vorteile werden sich für die Entwicklungsländer aus dem

Abbau der Handelsschranken im Rahmen der Tokio-Runde ergeben?
ANTWORT: Ich bin der Ansicht, daß die Entwicklungsländer von dem allgemeinen Anreiz für den Welthandel sehr stark profitieren würden, den man als
Folge einer allgemeinen Liberalisierung des Handels erwarten darf. Das Wachstum
des Exports an Fertigwaren dieser Länder in den letzten zehn bis 15 Jahren ist
recht eindrucksvoll gewesen, und mindestens 25 oder 30 dieser Länder haben deutlich die Fähigkeit bewiesen, die Weltmärkte mit diesen Waren zu durchdringen.
Wenn es ihnen gelingt, sich durch den Abbau der Handelsschranken auf nichtdiskriminierender Basis einen verstärkten Zugang zu den Märkten zu verschaffen,
dann rechne ich mit einem Anhalten oder einer Beschleunigung dieses Wachstums.
Es könnte sogar durchaus sein, daß die Entwicklungsländer die Hauptnutznießer
der Tokio-Runde sein werden.
FRAGE: Sind Sie der Ansicht, daß den Entwicklungsländern auf einigen allgemeinen Gebieten dieser Verhandlungen eine "besondere und differenziertere
Behandlung" eingeräumt werden sollte?
ANTWORT: Es gibt verschiedene Gebiete, auf denen eine besondere und differenzierte Behandlung der Exporte von Entwicklungsländern nützlich sein könnte.
- 6 -

�könnte. Aber ich glaube, offen gesagt, daß die Entwicklungsländer alles in
allem weniger Vorteile aus dieser Methode ziehen werden, als sie von einem
höchstmöglichen Maß des allgemeinen Abbaus der Handelsschranken profitieren
werden.
FRAGE: Einige Vertreter der Carter-Administration haben in öffentlichen
Erklärungen die Rolle unterstrichen, die private Auslandsinvestitionen bei
ter Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung der Entwicklungsländer spielen können. Glauben Sie, daß die Entwicklungsländer heute eine aufgeschlossenere Haltung gegenüber privaten Investitionen einnehmen als früher?
ANTWORT: Unbedingt! Und zwar aus zwei Gründen. Einmal haben sie einen
erhöhten Bedarf für ausländische Mittel wegen der Weltrezession, der höheren
Qlpreise und der allgemeinen Klemme, was ihren Zugang zu Kapital, Technologie
und sonstigen importierten Ressourcen aus dem Ausland angeht.
Zweitens, und das ist vielleicht noch wichtiger, haben sie ein erhöhtes
Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten gewonnen, mit den Problemen fertig zu
werden, die sich aus der Tätigkeit multilateraler Gesellschaften auf ihrem
Territorium ergeben. Noch vor einigen Jahren herrschte in diesen Ländern das
Bild vor, daß sie von den multinationalen Firmen ausgebeutet würden, die damals in der Lage zu sein schienen, die Bedingungen für Produktion und Verkauf
zu diktieren. Dieses Bild entspricht heute nicht mehr der Wirklichkeit, wenn
es ihr überhaupt je entsprachen hat. Heute liegt es auf der Hand, daß selbst
die ärmsten Entwicklungsländer ohne weiteres mit den mächtigsten multinationalen
Gesellschaften fertig werden können, wenn es darum geht, was diese Firmen tun
dürfen. Alle Entwicklungsländer haben hier viel Erfahrung gewonnen, und sie
wissen heute, wie sie Bedingungen aushandeln können, die der Förderung ihrer
eigenen wirtschaftlichen und sozialen Ziele dienen. Wenn sie Probleme haben,
d.inn stehen ihnen viele ausländische Experten und Berater zur Verfügung, um
i inen bei den Verhandlungen zu helfen.
Ich
- 7 -

�Ich glaube, die Welt hat in der Tat einen fundamentalen Wandel im Verhältnis der Verhandlungsstärke zwischen den Gesellschaften und den Regierungen
der Entwicklungsländer erlebt.

Und, was ebenso wichtig ist, wir haben erlebt,

daß heute eine ganz andere Auffassung über dieses Verhältnis herrscht.

Die

Entwicklungsländer besitzen heute ein bemerkenswertes Maß an Selbstvertrauen,
was ihre Fähigkeit angeht, hereinkommende ausländische Investitionen in den
Griff zu bekommen.
FRAGE: Es hat in letzter Zeit lebhafte Diskussionen über die Notwendigkeit einer Ausweitung der Rohstoffproduktion in den Entwicklungsländern gegeben.

Können Sie dieses Problem näher erläutern und uns sagen, was zu seiner

Lösung getan worden ist?
ANTWORT: Die produktiven Investitionen in Rohstoffe in den Entwicklungsländern sind in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Etwa 80 Prozent
aller Investitionen in industrielle Rohstoffe werden heute in den Industrieländern getätigt, obwohl in vielen Entwicklungsländern sehr große Rohstoffpotentiale liegen. Was die großen Gesellschaften von größeren Investitionen
in die Entwicklung dieser Rohstoffe abhält, ist die Befürchtung, daß solche
Investitionen enteignet werden könnten, wenn sie erst produktiv werden, oder
vielleicht so stark ausgepreßt, daß die Erträge dieser Investitionen das Risiko nicht mehr lohnen. Daher haben wir nach einem Mechanismus gesucht, der
solche Risiken für den Investor so klein wie möglich hält. Die Kapitalmengen,
die gebraucht werden, sind viel zu hoch, als daß sie von Regierungen aufgebracht
werden könnten.
. .

Es gibt eine Vielzahl von Mitteln und Wegen, um dieses Problem zu lösen.
Die Ford-Administration hat die Schaffung einer neuen internationalen Einrichtung unter der Bezeichnung "Internationale Rohstoffbank" vorgeschlagen. Die
Carter-Administration hat diesen Weg abgelehnt und sich zugunsten der Benutzung bestehender Institutionen ausgesprochen. Beispielsweise könnte die Weltbank bei der Bereitstellung von Mitteln für solche Investitionen eine wichtige
Rolle spielen, vor allem bei der Unterstützung von Privatinvestitionen in die

�d - e Entwicklung von Rohstoffen.
Und ich glaube, es wäre nützlich, den Investitionsprozeß multilateral
zu gestalten, so daß in manchen Fällen amerikanische, japanische, deutsche,
französische und britische Mittel in internationalen Konsortien zusammengefaßt
werden könnten.

Die Weltbank, die Internationale Finanzierungsgesellschaft

(IFC) und die regionalen Entwicklungsbanken - die per Definition die Weltgemeinschaft vertreten - würden den ganzen Prozeß so stark in multilaterale
Bahnen lenken, daß sie selbst engagiert wären.
Auf jeden Fall könnte ich mir eine ganze Reihe von Bemühungen denken,
die Mittel mehrerer Länder in neue Wege der Investition zu lenken, die sich
von der alten Methode der Billigkeit wesentlich unterscheiden. Und ich glaube,
das wird die unterschwelligen Reibungen und die Instabilität weitgehend beseitigen, die Privatinvestitionen in der Vergangenheit umgeben und die eine
Erhöhung der Rohstofferzeugung verhindert haben. Die Aussichten für eine
verstärkte Nutzung der Rohstoffe und für erhöhte Einnahmen der Entwicklungsländer würden sich verbessern.

+ + + + +

- 9 -

�Uli//cri/ch&lt;ifl
und Technik
United States Information Service

24. August 1977

23

USA: 40,8 MILLIARDEN DOLLAR FÜR DIE FORSCHUNG IM JAHR 1977

- (AD) - Wie die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (NSF) mitteilt,
dürften sich in den Vereinigten Staaten im Jahr 1977 die Gesamtaufwendungen
für Forschung und Entwicklung auf 40,8 Milliarden Dollar belaufen. Sie
liegen damit um 9 Prozent über der im Jahr 1976 aufgebrachten Summe
(37,3 Milliarden Dollar), was allerdings angesichts der inflationären
Entwicklung einer "Nettosteigerung" von nur 3 Prozent entspricht.
Forschung und Entwicklung machen z. Zt. 2,2 Prozent des Bruttosozialprodukts (1964: 3 Prozent) aus. Jüngsten Schätzungen zufolge verteilen sich
die Mittel wie folgt:
Grundlagenforschung

5,2 Mia Dollar (2% mehr als 1976 unter
Berücksichtigung der Inflation; 54% an
Colleges und Universitäten)

Angewandte Forschung

9 Mia Dollar (82% in der Industrie)

Entwicklung

26,6 Mia Dollar (56% in der Industrie)
Die von

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Die von der Bundesregierung für Forschung und Entwicklung bereitgestellten Mittel stiegen von 19,8 Milliarden Dollar (1976) auf 21,8
Milliarden Dollar (1977) an, wovon in erster Linie Projekte auf den
Sektoren Verteidigung, Raumfahrt und Energie profitieren. Die Zahl
der vollberuflich tätigen Wissenschaftler und Ingenieure in den Vereinigten
Staaten wird für 1976 auf 542 000 geschätzt - das sind zwei Prozent mehr
als 1975, wobei sich der Personal anstieg auf alle Fachbereiche verteilt.
Erfahrungsgemäß sind in den USA ca. ein Drittel aller Wissenschaftler und
Ingenieure in Forschung und Entwicklung tätig.
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und Technik
United States Information Service

24. August 1977

23

NEUES URAN-WERK FÜR ANREICHERUNG NACH DEM ZENTRIFUGENVERFAHREN

- (AD) - Präsident Carter genehmigte jetzt Piketon bei Portsmouth
(US-Bundesstaat Ohio) als Standort für das erste große Uran-Anreicherungswerk der Vereinigten Staaten, das nach dem Zentrifugenverfahren arbeitet.
Bei dieser Technik der Anreicherung von spaltbarem Uran-235 werden nur
4 Prozent der Strommenge verbraucht, die bei der bisher üblichen Technik
der Gasdiffusion erforderlich ist.
Das neue Werk soll aus vier Produktionseinheiten bestehen und eine
Anreicherungsleistuni von insgesamt 8,8 Millionen Trenneinheiten (SWU Separative Work Units) pro Jahr haben.

Eine Trenneinheit ist die Meß-

größe für den physikalischen Aufwand zur Trennung des Isotops Uran-235
von Uran-238.

Bei Kernbrennstoffen für Leistungsreaktoren ist eine

Anreicherung des natürlichen Urans, das nur 0,7 Prozent Uran-235 enthält,
auf 2 bis 4 Prozent U-235 erforderlich.
Die Gesamtkosten für das Projekt werden auf 4,2 bis 4,5 Milliarden
Dollar (im Dollarwert des Haushaltjahres 1978) geschätzt. Etwa 4000
Menschen werden mit dem Bau der Zentrifugenanlage beschäftigt sein. Er
soll Ende 1978 gebinnen. Im Jahr 1986 kann die Uranproduktion nach dem
neuen Verfahren anlaufen; zwei Jahre später könnte die Produktion auf volle

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D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�volle Touren gebracht werden.
Nach 15jährigen Entwicklungsarbeiten ist das Zentrifugenverfahren
jetzt so weit gediehen, daß es kommerziell angewendet werden kann. Uran
wird dabei in Gasform unter sehr hoher Geschwindigkeit zentrifugiert,
wodurch sich die beiden Isotope U-235 und U-238 infolge ihrer unterschiedlichen Masse voneinander trennen.
Das Gesamtkapazität der Urananreicherung in den Vereinigten Staaten,
die z. Zt. 17 Millionen SWU pro Jahr beträgt, wird durch die neue Anlage
im Verein mit Verbesserungen und Kapazitätsausweitungen bei den drei Gasdiffusionsanlagen auf ca. 36 Millionen SWU pro Jahr erhöht.

�Wi//en/chaft
und'
United States Information Service

24. August 1977

23

ORGAN WIRD IN FUNKTION "GEFILMT"
Neuartige Strahlenkamera ermöglicht dreidimensionale Aufnahmen

- (AD) - Eine neuartige Strahlenkamera, die beispielsweise dreidimensionale Aufnahmen vom schlagenden Herzen macht, wird am amerikanischen
"Donner-Institut für Medizin" des Lawrence-Laboratoriums der Universität
Kalifornien in Berkeley entwickelt. Unter Einschaltung modernster
Computertechniken wird das neue Instrument in der Lage sein, verschiedene
Schichten des Herzmuskels und das Blut, von dem er durchströmt wird,
in Aktion "sichtbar" zu machen. Das Verfahren, das für den Patienten mit
nur geringfügigen oder gar keinen Unbequemlichkeiten verbunden ist, vermittelt dem Arzt unmittelbare Informationen über die "Arbeitsbedingungen"
des Herzens. Es soll vor allem bessere Methoden der Frühdiagnose, der
Therapiekontrolle und der vorbeugenden Behandlung entwickeln helfen. Die
beteiligte Forschergruppe am Donner-Institut ist zuversichtlich, daß nach
und nach auch die übrigen lebenswichtigen Organe in derartige Untersuchungen einbezogen werden können.
Bei dem von dem Physiker Stephen E. Derenzo, dem Ingenieur Haim Zakland
und dem Forschungsmediziner Thomas Budinger entwickelten Gerät handelt es
sich um eine Strahlenkamera, die auf Positronen aus dem radioaktiven Zer-

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Zerfall eines in den Blutstrom injizierten Präparats reagiert.

Es ist

also keine Kamera in dem Sinne, wie sie bei Foto- oder Röntgenaufnahmen
benutzt wird.

Die Erfinder nennen sie "Positronen-Ringkamera".

Sie

zeichnet die Zerfallsimpulse des Radioisotops Rubidium-82 auf, das an
ein speziell herzwirksames Medikament gebunden ist und sich mit dem
Präparat im Herzmuskel konzentriert.

Im Gegensatz zu den "herkömmlichen"

Szintillations- oder Strahlenkameras - die wichtigste von ihnen dürfte die
über die ganze Welt verbreitete Anger-Kamera sein, die vor 20 Jahren von
H.O. Anger am Donner-Laboratorium entwickelt wurde - arbeitet das neue
Gerät nicht mit den Impulsen von Röntgen- oder Gammastrahlen, sondern mit
den beim radioaktiven Zerfall von Rubidium-82 entstehenden Positronen.

Sie

erzeugen Lichtblitze (Szintillationen) in 280 Natriumjodid-Kristallen,
die ringförmig um das besonders konstruierte Bett angeordnet sind, auf dem
der Patient liegt. Das Licht wird in elektrische Impulse umgewandelt, die
wiederum über ein Computersystem zur Betrachtung auf einem Bildschirm
aufbereitet werden.

Die Kamera sammelt jeweils 9000 Meßdaten für einen

transversalen Schnitt, dem Gewebepartien von 30 cm Durchmesser entsprechen,
und stellt diesen räumlich dar.

Durch Zusammenfügen der einzelnen Schnitte

erhält man ein dreidimensionales Bild des gesamten Organs.
Wie Thomas Budinger dazu erklärt, besitzt die Positronen-Ringkamera
das größte Auflösungsvermögen aller derartigen Instrumente. Sie vermag
Informationen über die Dynamik der Biochemie des menschlichen Körpers sogar
in quantitativer Hinsicht zu geben, was bisher einfach nicht zu erreichen
war. Während z. B. Röntgengeräte auf die Darstellung anatomischer Gegebenheiten begrenzt sind, liefert die Ringkamera sogar Informationen zum
Stoffwechsel. Das von Yokio Yano vom Lawrence-Institut eigens entwickelte
Radioisotop Rubidium-82, das sich im Herzen konzentriert, hat eine Halbwertszeit von nur 5 Minuten und erzeugt eine sehr geringe Strahlendosis.
Eine Injektion mit dem Präparat entspricht der Strahlenbelastung, wie sie
bei einer Röntgenaufnahme vom Brustkorb auftritt.
Die

- 2 -

�Die Forscher des Instituts arbeiten inzwischen auch an der Vervollkommnung von Verfahren, mit denen Aminosäuren radioaktiv markiert werden,
um die Stoffwechsel Situation bei normalen Hirnfunktionen und im kranken
Gehirn zu untersuchen.

Außerdem ist die Positronen-Ringkamera ein hilf-

reiches Instrument, um Tumoren in der Bauchhöhle und Erkrankungen der BauchSDeicheldrüse zu untersuchen.
Noch handelt es sich bei dem Gerät um ein reines Forschungsinstrument
des Dcnner-Instituts. Es könnte jedoch, wie es in einer Presseverlautbarung
des Lawrence-Laboratoriums heißt, für andere Institute für ca. 400 000 Dollar
nachgebaut werden. Rubidium-82 könnte in einem tragbaren Generator, einer
Spezialkonstruktion für ca. 2 000 Dollar, dem Benutzer zur Verfügung gestellt
werden. Im Oktober dieses Jahres werden die gesamte Elektronik und die
Detektorkomponenten in das System integriert sein. Nach der gründlichen
Erprobung bis Ende Dezember kann die medizinische Forschung mit der
Positronen-Ringkamera Anfang 1978 voll anlaufen.
Das Projekt wird mit Geldern des amerikanischen Gesundheitsministeriums,
der Energieforschungsbehörde ERDA und der Stiftung für Krebs- und
medizinische Forschung in San Francisco finanziert.
+ + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: Verbesserte Beziehungen durch Panamakanal-Vertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Präsidenten und des Weißen Hauses vom 12. August 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Christopher: Gute Aussichten für die Sache der Menschenrechte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers vor der amerikanischen Anwaltskammer am 9. August 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frank M. Johnson soll neuer FBI-Direktor werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bergsten: Fortschritt im Nord-Süd-Dialog&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Exklusivinterview mit dem Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA: 40,8 Milliarden Dollar für die Forschung im Jahr 1977&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Uran-Werk für Anreicherung nach dem Zentrifugenverfahren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Organ wird in Funktion "gefilmt"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuartige Strahlenkamera ermöglicht dreidimensionale Aufnahmen -&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>nroimotion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
24. August 1983

34
INHALT

DOKUMENTATION
Weinberger:

USA müssen Verteidigungsverpflichtungen einhalten

- Pressekonferenz vom 18. August 1983 Erklärung des Weißen Hauses zum Truppenabzug aus dem Libanon

WIRTSCHAFT
Die Aussichten für den amerikanischen Handel

HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungskontrolle hat höchste Priorität
- Von David F. Emory, Stellvertretender Direktor des US-Amtes
für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) Der deutsche Beitrag zur Freiheit in Amerika
- Ein deutschstämmiger Amerikaner wurde zum Vater der
Pressefreiheit -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Nachtlandetests serienweise
- Langwierige Vorbereitungen für den nächsten
CHALLENGER-Flug -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebelen

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�mIER

J 1 4 kl

1Dl EM

Dokumentation
United States Information Sen/ice
Embassy of the United States of America

24. August 1983

34

WEINBERGER: USA MÜSSEN VERTEIDIGUNGSVERPFLICHTUNGEN EINHALTEN
- Pressekonferenz vom 18. August 1983 -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat am 18. August 1983 auf einer Pressekonferenz in Washington
betont, daß die Vereinigten Staaten ihre Verteidigungsverpflichtungen in
aller Welt einhalten müßten.

Dazu sei es notwendig, auf die entsprechenden

Ressourcen zurückgreifen zu können.
Der amerikanische Verteidigungsminister teilte ferner mit, daß er
vom 6. bis 8. September Panama, El Salvador und Honduras einen Besuch abstatten werde.

Ein weiteres Thema der Pressekonferenz war die Frage der

Dislozierung der PERSHING II-Raketen.
Die wesentlichen Fragen und Antworten der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Drei der vier letzten Tests der PERSHING-Rakete sind fehlgeschlagen. Kann man denn die Dislozierung eines offenbar unzuverlässigen
Waffensystems noch vor Ende dieses Jahres verantworten, wenn man die Bedeutung des Stationierungsortes in Mitteleuropa in Betracht zieht, oder würden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�oder würden Sie jegliche Verzögerung der Dislozierung ausschließen?
ANTWORT:

Es gibt keine Verzögerungen, und die Erprobung der PERSHING

verläuft nach Plan.

Dieser Plan stellt fast schon automatisch in Rechnung -

wie dies bei jeder neuen Waffe und jeder neuen Rakete der Fall ist -, daß
es einige Fehlschläge gibt. Deshalb gibt es Erprobungsmuster von 23 bis 24
Abschüssen, und viele davon waren ein voller Erfolg - hinsichtlich des begrenzten oder des weitergesteckten Ziels, dessentwegen sie in dieser besonderen Serie erprobt wurden.
gesehen.

Der nächste Test ist für Anfang September vor-

Mit der Rakete verläuft alles planmäßig, soweit es ihre Entwick-

lung anbetrifft; sie ist zur Dislozierung bereit.
FRAGE:

Herr Andropow hat heute vor einer Gruppe amerikanischer Sena-

toren erklärt, daß die Sowjetunion nicht als erste AntiSatellitenwaffen einsetzen werden.

Kommt diese Erklärung nicht überraschend für Sie, nachdem

die Sowjets ja schon Antisatellitenwaffen in den Weltraum gebracht haben?
ANTWORT:

Ja, das haben sie, und sie sind diejenigen, die über diese

Waffen im Augenblick verfügen.

Es ist also keine große Überraschung, aber

es wäre eine, wenn dies durchgeführt würde.
FRAGE: Können Sie noch zu Ihrer Ankündigung, daß Sie für einige Tage
nach Mittelamerika reisen werden, etwas sagen?
Was hoffen Sie, damit zu
erreichen.
ANTWORT: Zunächst einmal bin ich Ende letzten oder Anfang dieses
Jahres von dem Präsidenten Panamas eingeladen worden. Normalerweise reise
ich dorthin, wo unsere Truppen sind, und in Honduras findet ein wichtiges
Manöver statt. Ich war im vorigen Jahr in Korea, wo ein sehr großes Manöver
stattfand, und ich möchte (auf meiner Reise) ferner mit denjenigen Regierungsvertretern zusammentreffen, mit denen wir im Zusammenhang mit der Ausbildung
und den Manövern zusammenarbeiten, ferner mit den Verteidigungsministern von
El Salvador und Honduras; ich möchte das Ausbildungszentrum selbst besich-

- 2 -

�selbst besichtigen und vor allem mit den Soldaten selbst sprechen und ihre
Ansichten erfahren.
tun.

Ich erachte dies als sehr nützlich und möchte das auch

Dies habe ich in Deutschland so gehalten, und ich möchte es tun, wo

immer dies möglich ist. Darum geht es im wesentlichen.
FRAGE:

Ich möchte noch einmal auf die PERSHING II zurückkommen.

Gibt es irgendwelche Umstände, unter denen die Vereinigten Staaten auf die
Dislozierung der PERSHING II verzichten würden?

Und zweitens:

Was ist der

militärische Grundgedanke für die PERSHING II?
ANTWORT: Ich glaube, auf die Dislozierung der PERSHING II könnte verzichtet werden, wenn wir die Null-Option erreichen, denn gerade dafür ist
die PERSHING II entscheidend. Sie soll als ein Gegengewicht dienen und das
sowjetische Monopol auf dem Gebiete der nuklearen Mittel Streckenwaffen brechen, die Moskau disloziert hat. Sie wird seit 1979 geplant, und sie ist
heute wichtiger als damals, weil die Sowjets ihrem Arsenal eine gewaltige
Anzahl von SS-20-Raketen hinzugefügt haben. Die PERSHING II ist das beste
Mittel, um dem entgegenzutreten. Der landgestützte Marschflugkörper Cruise
Missile ist ebenfalls ein Gegenmittel. Wenn also die Sowjetunion dem ursprünglichen Vorschlag unseres Präsidenten zustimmen und ihre SS-20, SS-4
und SS-5 herausnehmen würde, nun, dann könnte auf die PERSHING II verzichtet werden.
FRAGE: Und zweitens der militärische Grundgedanke,der hinter der
PERSHING II steht?
ANTWORT: Sie ist ein Gegenmittel; sie bricht das sowjetische Monopol
auf dem Gebiet der nuklearen Mittel Streckenwaffen; sie gibt uns die Kapazität, daß sie Ziele schnell und genau auf eine mobile Weise treffen müssen.
Sie hat zwar nicht die Kapazität der SS-20, und hier steht ein Gefechtskopf
gegen drei, aber sie gibt uns auf diesem Gebiet zum erstenmal eine Kapazität, über die die Sowjets schon seit 1979 verfügen. Deshalb erscheinen mir
die sogenannten Vergeltungsargumente so hohl, weil nämlich Moskau im Jahr

- 3-

�im Jahr 1979 sozusagen Vergeltung geübt hat, bevor wir überhaupt irgend
etwas hatten; und wir haben immer noch nichts.

Das Monopol haben die

Sowjets.
FRAGE:

Wie beurteilen Sie die gegenwärtigen Kampfhandlungen in El

Salvador und in Nicaragua?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach geht es in El Salvador vom Standpunkt

der Regierung aus gesehen, die wir unterstützen, wesentlich besser.

Es hat

wesentliche Verbesserungen in einer Anzahl von Kategorien gegeben, und es
sieht so aus, als ob die Ausbildung Früchte trägt und als ob die Moral und
die Führung sich verbessern.

Was Nicaragua angeht, so bin ich mit den dor-

tigen Aktionen auf dem Lande nicht besonders vertraut.

Es gibt eine Reihe

von Aktivitäten seitens der Miskito-Indianer und anderer im Norden des Landes und einige regierungsfeindliche Aktivitäten im Süden.

Aber ich glaube,

dies hält sich auf dem Stand wie schon vor Monaten.
FRAGE: In New Orleans schienen Sie die Carter-Doktrin in bezug auf
den Persischen Golf zu bekräftigen. Was haben Sie dort gesagt, und warum
haben Sie es gesagt?
ANTWORT: Was ich dort gesagt habe, ist ja festgehalten, und meine
Worte waren nicht so sehr die Bekräftigung einer Doktrin, meine Ausführungen waren vielmehr eine grundsätzliche Erklärung hinsichtlich unserer Sicherheit. Ich habe zu der Tatsache Stellung genommen, daß eine Menge Leute sagen, wir hätten zu viele Verpflichtungen, und ich habe rein rhetorisch gefragt - denn ich konnte dort ja keine Antwort erwarten - was wir denn nun
aufgeben sollten. Sollten wir die Verteidigung Japans, Koreas oder Europas
- der NATO - oder der kontinentalen Vereinigten Staaten oder des Mittleren
Ostens und seiner ölfelder aufgeben? Und ich habe erklärt, daß wir meiner
Meinung nach keine dieser Verpflichtungen aufgeben könnten, daß dies absolut nichts Neues sei, sondern daß die Forderung nach verringerten Ressourcen manchmal mit der Vorstellung verknüpft werde, wir seien zu viele Ver-

- 4 -

�viele Verpflichtungen eingegangen.

Und dann habe ich gefragt, was wir denn

eigentlich aufgeben sollten.
Ich kann nicht sehen, daß wir in Übereinstimmung mit unserer Sicherheit und unseren nationalen Interessen irgend etwas hiervon aufgeben können.
Ich habe weder eine Doktrin bekräftigt, noch irgendeine Doktrin zurückgewiesen.

Meine Ausführungen waren einfach eine erneute Erklärung, daß wir

meiner Ansicht nach nicht in einer Welt leben können, in der Europa überrannt ist, und ich weiß nicht, wie lange Europa überleben kann, wenn die ölfelder überrannt sind.

Es war also eine Bekräftigung der Verpflichtungen,

die wir - wie ich meine - einhalten müssen, und daß wir daher per definitionem
über die entsprechenden Ressourcen verfügen müssen, um diese Verpflichtungen
einhalten zu können.
FRAGE: Es gibt eine Menge Leute, die sagen, daß nicht die Verpflichtungen beschnitten werden sollten, sondern daß die Lasten für die Erfüllung
dieser Verpflichtungen von den Schultern der Vereinigten Staaten auf die
der Japaner, der Europäer und anderer besonders im Persischen Golf verlagert werden sollten.
ANTWORT:

Das geschieht bereits - und in sehr beträchtlichem Ausmaß.

Der Eindruck, daß wir ohne jeden Verbündeten dastünden und die ganze Sache
alleine machten, ist absolut falsch.

Wir alle, einschließlich der Vereinig-

ten Staaten, möchten, daß mehr getan wird.

Ich sage "wir alle", ich meine

die Leute, die über diese Dinge reden, die Verteidigungsminister und andere.
Wir haben diesanicht reduzierbaren Verpflichtungen und Erfordernisse, was
unsere zukünftige Sicherheit und die unserer Verbündeten in der freien Welt
anbetrifft.

Wir tun schon eine Menge, aber wir sollten meiner Meinung nach

noch mehr tun. Auch unsere Verbündeten tun eine ganze Menge, und ihnen ist
völlig bewußt, daß sie noch mehr tun sollten.
des Alleintragens unsererseits.

Dies ist also keine Frage

Es geht darum, daß wir deutlich machen,

welche Verpflichtungen wir haben, wie entscheidend wichtig es ist, sie zu
erfüllen, und daß es der Mittel bedarf, um dies zu tun, und mehr noch, daß
- 5 -

�noch, daß dies Zeit erfordert.

Und noch einmal: Angesichts der Stärke,

über die die andere Seite verfügt - und davon werden wir ja täglich Zeuge -,
ist es wichtig, daß wir nicht nur das tun, was nach unserer Überzeugung getan werden muß, sondern daß wir dies so schnell tun, wie es in Übereinstimmung steht mit wirtschaftlichen Erwägungen und der Stärkung, die wir anstreben.

+ + + + +

- 6 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

24. August 1983

34

ERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZUM TRUPPENABZUG AUS DEM LIBANON

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Die Reagan-Administration ist
der Oberzeugung, daß der Teilabzug israelischer Truppen aus dem Libanon
zum Abzug aller israelischen Streitkräfte und zum gleichzeitigen Abzug der
PLO und der syrischen Truppen führen wird. Dies geht aus einer Erklärung
hervor, die das Weiße Haus am 19. August 1983 veröffentlichte.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Vor vier Wochen bekräftigte Präsident Reagan seine Verpflichtung
auf drei grundlegende Ziele im Libanon:

baldmöglichster Abzug aller aus-

ländischen Streitkräfte; Ausdehnung der libanesischen Souveränität auf das
gesamte Territorium; Sicherstellung, daß der Libanon nicht erneut Ausgangspunkt feindlicher Handlungen gegen Israel wird.
Das am 17.Mai zwischen Israel und dem Libanon geschlossene Abkommen
ist ein wichtiger Schritt zur Erreichung dieser Ziele.. Der Präsident hat
angeordnet, daß die amerikanischen Bemühungen im Rahmen einer Mission nach
dem Nahen Osten unter Leitung der Botschafter Robert McFarlane und Richard
Fairbanks erneuert werden.
Seither haben

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�Seither haben die Botschafter McFarlane und Fairbanks die Region eingehend bereist und intensive Gespräche mit arabischen und israelischen Führern abgehalten.

Aus diesen Gesprächen sind mehrere Schlußfolgerungen ge-

zogen worden.
Die erste und wichtigste Folgerung ist die solide Grundlage der Unterstützung der Prinzipien des vollen Abzuges und der vollen Autorität der libanesischen Regierung in der arabischen Welt und in Israel.
Ebenso klar ist das gewaltige Ausmaß der Aufgabe, vor der die libanesische Regierung steht, wenn sie danach strebt, die Übereinstimmung unter
den verschiedenartigen konfessionellen Gruppen im Libanon zu festigen, die
für den Wiederaufbau und die Neubelebung der libanesischen Wirtschaft und
die Herbeiführung der politischen Stabilität so wesentlich ist.

Es ist offen-

kundig, daß sich Präsident Gemayel diesen Zielen verschrieben hat.
Die Regierung des Libanon wird bald die Gelegenheit haben, Stabilität
wiederherzustelen und den Prozeß des Wiederaufbaus und der Herbeiführung
eines Konsens auf die Distrikte Alayh und Shuf auszudehnen, wenn Israel
seine Streitkräfte aus diesen Gebieten zurückzieht. Dieser Schritt Israels
ist der erste in einem Prozeß des Abzuges, wie er in dem Abkommen vom 17. Mai
vorgesehen ist.
In den letzten Wochen gab es Leute, die die Motive in Frage stellten,
die dem Abzug Israels zugrundeliegen, und die erklärten, dies sei die Vorstufe für eine ständige Teilung des Libanon. Wir sind überzeugt, daß sich
die israelische Regierung zum Abzug all ihrer Truppen aus dem Libanon verpflichtet fühlt. In dieser Hinsicht ist es instruktiv, sich an amtliche
israelische Erklärungen zu halten, wie etwa die folgende:
"Es ist die Politik und die Absicht der Regierung Israels, sich aus
dem ganzen Libanon zurückzuziehen, und die Neudislozierung unserer Streitkräfte an der Awwali-Linie ist nur Teil des totalen Abzuges.
Es ist

�Es ist unser fester Wunsch, daß es soweit kommt, daß eine starke
Zentralregierung ihre Autorität über den ganzen Libanon ausdehnt und überall in den 10 452 Quadratkilometern des Landes die Sicherheit garantiert.
Alle Beschuldigungen bezüglich israelischer Absichten, eine Teilung oder
Trennung des Libanon herbeizuführen, entbehren jeder Grundlage."
Wir sind zuversichtlich, daß der israelische Abzug weitergeht, während die Bemühungen andauern, den gleichzeitigen Abzug der PLO und der
syrischen Streitkräfte herbeizuführen.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um zur Schaffung von Verhältnissen beizutragen, die es zulassen, daß diese Abzüge zum baldmöglichsten Zeitpunkt stattfinden.
In diesem Zusammenhang werden die Regierungen Israels und des Libanon
die reibungslose und geordnete Rückgabe der Verantwortung in den Gebieten
Alayh und Shuf koordinieren.

Gleichzeitig werden die Bemühungen der Re-

gierung des Libanon weitergehen, den Konsens zu stärken, damit Stabilität
und Wiederaufbau vorangehen können.
Wir appellieren an Syrien und die PLO, einen entsprechenden Fortschritt
beim Abzug zu ermöglichen, damit der Libanon als geeintes, souveränes und
unabhängiges Land wieder},

; Mt

werden kann.

- 3 -

�24. August 1983

34

DIE AUSSICHTEN FÜR DEN AMERIKANISCHEN HANDEL

Dieser Artikel ist ein Nachdruck aus
"Business America", einer Publikation
des amerikanischen Handelsministeriums.
Er wurde verfaßt vom Amt für Handelsund Investitionsanalysen dieses Ministeriums.

- (AD) - Die Aussicht auf einen beträchtlichen Anstieg der amerikanischen Einfuhren dominiert die Voraussagen für den Handel der Vereinigten
Staaten zu Jahresmitte - und ist zugleich Anzeichen dafür, daß die Ausweitung des Handelsdefizits, die während der ersten sechs Monate zu verzeichnen war, auch in der zweiten Jahreshälfte 1983 anhalten wird.

Es wird

also sicherlich ein Rekordhandelsdefizit zu verzeichnen sein - möglicherweise doppelt so hoch wie die 31,8 Milliarden Dollar, die das Defizit von
1982 auswies.

Letztlich wird der genaue Umfang des Defizits von 1983 von

einer Vielzahl von Faktoren abhängen, die hinsichtlich Größe und zeitlichem
Erscheinen schwierig vorherzusagen sind.

Dennoch:

Wie die bereits vorhan-

denen Trendbewegungen zeigen, befinden sich die Importe in einer deutlichen
Aufwärtsbewegung, während die Exporte

noch aus einem Rückgang herauskommen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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�Rückgang herauskommen müssen, der nach dem ersten Quartal 1981 einsetzte.
Im ersten Halbjahr 1983 belief sich das Handelsdefizit auf Jahresbasis
umgerechnet auf 43,5 Milliarden Dollar und lag damit bereits beträchtlich
über dem Rekordumfang des vorigen Jahres.

Die Verschlechterung resultierte

aus dem weiteren starken Rückgang der Exporte in diesem Jahr, während die
Importe nur einen leichten Rückgang gegenüber 1982 auswiesen.

Angesichts

der relativ ungünstigen Aussichten für ein stärkeres Anwachsen der Exporte
für den Rest des Jahres und angesichts der Wahrscheinlichkeit einer noch
stärkeren Zunahme der Einfuhren im Zuge der starken Ausweitung der amerikanischen Wirtschaft, dürfte sich das Handelsdefizit auch in den kommenden Monaten erhöhen.
Die Importe dieses Jahres waren bislang charakterisiert durch eine
neuerliche Zunahme der Nichtölimporte, ausgeglichen durch einen weiterhin
anhaltenden und recht scharfen Rückgang der importierten ölmengen.

Die Nicht-

ölimporte verzeichneten - nach einem beträchtlichen Rückgang in der zweiten
Hälfte des vorigen Jahres - einen Anstieg von fünf Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Die Erwartungen auf einen weiterhin anhal-

tenden Anstieg stehen in Einklang mit dem starken Wachstum, das für die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr vorhergesagt wurde, sowie mit der Stärke
des Dollar, der die Wettbewerbsfähigkeit ausländischer Güter erhöht.

Die

öl einfuhren sind dieses Jahr bislang um 19 Prozent gefallen - annähernd die
gleiche Rückgangsrate wie 1982, was jedoch von der Tatsache ablenkt, daß
andere Importe in Reaktion auf die Erholung der amerikanischen Wirtschaft
schlagartig nach oben gingen.
Für die verbleibenden Monate des Jahres 1983 werden drei Faktoren den
Verlauf des Exportgeschehens wesentlich beeinflussen: Erstens, die Erholung
in den anderen Industriestaaten hat begonnen und das Maß der Beschleunigung
der Wirtschaftstätigkeit im Ausland wird eine wichtige Determinante des Ausfuhrumfangs sein. Allerdings würde sogar ein größerer Anstieg der Wachstumsraten der ausländischen Volkswirtschaften für dieses Jahr nur eine begrenzte

�eine begrenzte Wirkung haben, da sich eine stärkere Auslandsnachfrage nur
mit Verzögerungen in tatsächliche Ausfuhren übersetzen ließe.

Derzeit

sieht es so aus, als würde es in der zweiten Jahreshälfte zu einem bescheidenen Anstieg der Exporte kommen, gestützt hauptsächlich auf die verbesserten Verkaufsaussichten in Industrieländern, OPEC-Ländern und in jener Ländern,
die landwirtschaftliche Exporte in größerem Umfang aufnehmen.

Während je-

doch der Aufschwung bei der Wirtschaftstätigkeit im Ausland ein günstiges
Omen für Exporte darstellt, so signalisieren die derzeitigen Beurteilungen
der Lage einen verhältnismäßig langsamen Gang der Wirtschaftsbelebung bei
unseren wichtigsten Handelspartnern, da man in einem Klima der wirtschaftlichen und politischen Ungewißheit allgemein Vorsicht walten läßt.
Zweitens, ein weiterer Aspekt, der hinsichtlich der Exporte zu berücksichtigen ist, ist die anhaltende Stärke des Dollar gegenüber den Währungen
der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten, die den amerikanischen Handel für den Rest des Jahres 1983 und ins Jahr 1984 hinein beeinflussen wird. Der Dollar verzeichnete gegenüber den Währungen der wichtigsten Industriestaaten seit nahezu drei Jahren einen steigenden Trend und
war fast das ganze Jahr 1983 und in diesem Jahr auf einem ungewöhnlich hohen
Niveau. Erst kürzlich noch erreichte der Dollar gegenüber mehreren wichtigen europäischen Währungen seinen höchsten Stand in zehn Jahren. Der Anstieg
des Dollar wird kurzfristigen Determinanten des Wechselkurses zugeschrieben
- wie etwa den höheren Zinsen in den Vereinigten Staaten und politischer Unsicherheit im Ausland., Weil diese kurzfristigen Determinanten während der
verganenen Jahre dominierten, hatten relative Veränderungen des nationalen
Preisniveaus - die langfristige Determinante der Wechselkurse - weniger
Einfluß auf den Preis der amerikanischen Exporte und Importe. Als Ergebnis dessen wurde der Dollar stärker aufgewertet als eigentlich wegen der
relativ geringeren Inflationsrate in den Vereinigten Staaten erforderlich
gewesen wäre

Die erste unmittelbare Auswirkung dieser Aufwertung des Dollar war
natürlich eine geringere preisliche Wettbewerbsfäng&lt;eit der amerikanischen
- 3 -

�der amerikanischen Exporte, was zu einem Rückgang der Exporte führte.
Man weiß, daß diese Effekte eine Zeitlang anhalten, wobei die Nachfrage
nach bestimmten Produkten fast sofort reagiert, die nach anderen wiederum
etwa drei bis sechs Quartale später.

Daher wird der derzeitige hohe Stand

des Dollar auch weiterhin - und weit ins Jahr 1984 hinein - die Wettbewerbsfähigkeit unserer Ausfuhren beeinflussen*
Es gibt jedoch neben diesen direkten Auswirkungen noch eine weitere
Konsequenz der Aufwertung einer Währung.

Wenn - wie dies beim Dollar wäh-

rend der vergangenen zwei Jahre der Fall gewesen ist - die Wechselkurse
sich so deutlich verschieben und eine solche Höherbewertung einer Währung
andauert, werden neben dem kurzfristigen Kauf und Verkauf auch andere Überlegungen beeinflußt.

Besondere Besorgnis bereitet etwa die Möglichkeit,

daß manche Exporteure ihre Wettbewerbsposition auf den ausländischen Märkten
überprüfen werden und ihre Verkaufsanstrengungen in Bereichen einschränken,
wo die Wechselkursauswirkungen negativ gewesen sind.

Wenn erst einmal län-

gerfristige Entscheidungen wie diese getroffen worden sind, wird auch die
Schwierigkeit der Neuanpassung beträchtlich größer, wenn die Wechselkurse
wieder günstiger werden und die Wettbewerbsposition der Vereinigten Staaten
insgesamt sich wieder ändert.
Schließlich haben auch die Probleme, die durch die schweren Schuldenlasten der Entwicklungsländer verursacht werden, die amerikanischen Exporte
bereits beträchtlich berührt und werden auch in naher Zukunft den Exporten
massive Schwierigkeiten bereiten. Im Jahr 1981 hatte der Anteil der kein
Erdöl besitzenden Entwicklungsländer an den amerikanischen Exporten auf 29
Prozent zugenommen; eine Krise des Ausmaßes, wie sie viele dieser Länder erlebten, mußte daher auch ernste negative Auswirkungen auf unsere Handelsströme mit sich bringen. Im Jahr 1982 war daher auch ein Rückgang von 8
Milliarden Dollar für die amerikanischen Exporte in insgesamt 13 der stärker
von Schulden belasteten Entwicklungsländern zu verzeichnen, wobei sich der
Hauptteil dieses Rückgangs auf die zweite Jahreshälfte konzentrierte. Ein
weiterer Rückgang um 5 Milliarden Dollar war für die erste Hälfte dieses
Jahres zu verzeichnen. Obgleich ein großer Teil des unvermeidlichen Rück- 4 -

�unvermeidlichen Rückgangs an Lieferungen in diese Länder jetzt abgeschlossen sein dürfte, so werden doch die weiteren finanziellen und wirtschaftlichen Anpassungen, die diese Länder auch weiterhin wegen ihrer prekären
Schuldensituation vornehmen müssen, einen jeglichen weiteren umfangreicheren Anstieg der Exporte für einige Zeit wahrscheinlich ausschließen.
Die Handelsbilanz bei Fertigwaren wird 1983 für das dritte Jahr in
Folge eine weitere beträchtliche Verschlechterung aufweisen. Bis Juni wies
die Bilanz bei Fertigwaren auf Jahresbasis ein Defizit von 22,3 Milliarden
Dollar auf, im Vergleich zu einem Defizit von 4,3 Milliarden Dollar im ganzen Jahr 1982. Noch dramatischer ist der Gegensatz zu der Bilanz von 1980,
als ein Überschuß von 18,8 Millionen Dollar zu verzeichnen war. Mit der
für den Rest dieses Jahres abzusehenden weiteren Verschlechterung dürfte
die Verschiebung der Bilanz bei Fertigwaren seit 1980 bei weit über 40 Milliarden Dollar liegen.
Mehr als die Hälfte des Rückgangs der Exporte bei Fertigwaren war
bislang im Jahr 1983 bei Kapitalgütern zu verzeichnen - zweifelsohne der
Sektor, der sowohl durch den hohen Wechselkurs des Dollars als auch durch
die Schuldenprobleme der weniger entwickelten Staaten am meisten in Mitleidenschaft gezogen wird.

Da die negative Auswirkung dieser Faktoren

auch weiter anhalten wird, sind die Aussichten für den Export von Kapitalgütern nicht eben rosig. Andererseits könnte der Rückgang beim Export von
Industrieerzeugnissen, wie Halbfertigmetallen, Papier und Textilien in der
zweiten Hälfte als Reaktion auf den allmählichen Anstieg der industriellen
Produktion in den wichtigsten Industrieländern umgekehrt werden.
Was den Import angeht, so dürfte es einen Anstieg bei Fertigwaren
geben; Autos und kurzfristige Verbrauchsgüter verzeichnen bereits Zunahmen,
die durch wachsende Importe von langfristigen Verbrauchsgütern und Industriestoffe ergänzt werden, für die es während der hiesigen Rezession nur einen
flauen Absatz gegeben hatte.
Der Abwärtstrend
- 5 -

�Der Abwärtstrend bei den ölimporten, der 1981 begann, setzte sich
auch in diesem Jahr fort und führte in der ersten Jahreshälte zu einem unerwartet niedrigem Volumen - und Preisniveau.

Der Rückgang der ölimporte

war hautpsächlich auf den anhaltenden Rückgang des amerikanischen Energieverbrauchs zurückzuführen.
gienachfrage aus.

Erdöl macht etwa 43 Prozent der gesamten Ener-

Der fallende Preis für importiertes Erdöl läßt sich auf

das weltweite Überangebot zurückführen.

Das OPEC-Abkommen vom März über

einen Mindestpreis von 29 Dollar pro Barrel sowie Fördereinschränkungen halfen, die Preise etwas zu stabilisieren, obgleich die OPEC seit 1982 weniger
als die Hälfte der amerikanischen öleinfuhren stellte.
die Vorräte in den USA etwas verringert.

Außerdem haben sich

Die amerikanischen Vorräte an

Erdöl und Erdölprodukten lagen seit März erheblich unter dem Durchschnitt.
Die öleinfuhren könnten in der zweiten Jahreshälfte zunehmen, da die amerikanische Industrie wieder in Schwung gerät und die ölvorräte wieder in gewissem Umfang ergänzt werden.
ben.

Es wird erwartet, daß die Preise stabil blei-

Der Wert der öleinfuhren wird beträchtlich unter dem Umfang des Jah-

res 1982 mit seinen 60,5 Milliarden Dollar liegen; auch die Mengen werden
etwas zurückgehen - wahrscheinlich auf 5,2 Millionen Barrel pro Tag, verglichen mit den 5,3 im Jahr 1982.

1984 dürfte die Nachfrage weiter anstei-

gen, wobei zumindest während der ersten Jahreshälfte die Preise stabil bleiben dürften.
Was die Aussichten für landwirtschaftliche Ausfuhren angeht, so
dürfte sich auch hier in diesem Jahr ein Wertrückgang ankündigen. Nach dem
Höhepunkt des Jahres 1981 gingen die landwirtschaftlichen Exporte sowohl
hinsichtlich Umfang als auch Preis zurück. Hinter diesem Rückgang stehen
mehrere Faktoren. Eine verstärkte landwirtschaftliche Produktion im Ausland führte zu erhöhter Wettbewerbsfähigkeit anderer Exportländer auf den
Märkten. Die Produktion hat auch in mehreren Einfuhrländern zugenommen, was
es einigen Ländern ermöglicht hat, ihre Einfuhren einzuschränken. Außerdem
haben einige Staaten, die erhebliche Schulden oder geringere Exporteinnahmen haben - wie etwa Polen, Venezuela und Nigeria -, Schritte unternommen,

�Schritte unternommen, um ihre landwirtschaftlichen Importe zu beschneiden.
Schließlich hat der amerikanische Anteil an den sowjetischen Weizenimporten
deutlich abgenommen - von 70 Prozent vor dem Embargo auf etwa 20 Prozent
in diesem Jahr.
Viele der Bedingungen, die die Exporte landwirtschaftlicher Erzeugnisse beschränken, werden auch 1984 vorhanden sein.

Mit vermehrter Wirt-

schaftstätigkeit im Ausland dürfte jedoch im nächsten Jahr ein gewisser Anstieg zu verzeichnen sein.

Außerdem dürfte ein kürzlich abgeschlossenes,

neues, langfristiges Handelsabkommen mit der UdSSR es den Vereinigten Staaten ermöglichen, einen größeren Anteil des sowjetischen Marktes zurückzugewinnen.

- 7 -

�24. August 1983

34

RÜSTUNGSKONTROLLE HAT HÖCHSTE PRIORITÄT
- Von David F. Emory Stellvertretender Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle
und Abrüstung (ACDA)

- (AD) - Es gibt kein Ziel der Reagan-Administration, das eine höhere
Priorität verdient und erhalten hat, als die Förderung von Rüstungskontroi 1abkommen, die das Kriegsrisiko verringern und die Sicherheit der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten stärken.

Die Einstellung der Administration

zur Rüstungskontrolle beruht auf vier Grundprinzipien, die Präsident Reagan
1981 artikuliert hat.
Erstens, wir erstreben wesentliche Verringerungen.

Wir haben uns

der Verringerung der Zahl und der Zerstörungskraft von Waffen verschrieben,
nicht einfach einem Einfrieren auf dem gegenwärtigen hohen Stand.
Zweitens, wir erstreben Gleichheit.

Wir sind der Überzeugung, daß

eine Verringerung auf einen Gleichstand notwendig ist, um das entscheidend
wichtige Gleichgewicht wiederherzustellen, das unserem Lande und seinen
Verbündeten ausreichende Sicherheit bietet.
Drittens, wir

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Telex: 8-85432

�Drittens, wir erstreben ausreichende Verifizierung.
abkommen können nicht nur auf Vertrauen basieren.

Rüstungskontroi 1-

Die Vereinigten Staaten

werden sich daher um Rüstungskontroi labkommen bemühen, die auch wirksame Maßnahmen zur Sicherstellung der Einhaltung enthalten.
Viertens, wir erstreben Rüstungskontroi labkommen, die die Sicherheit
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten wirklich fördern.

Wir dürfen

keine Abkommen akzeptieren, die nur kosmetische Wirkung haben und ein falsches Gefühl der Sicherheit hervorrufen, aber keinen realen Nutzen und keine
reale Auswirkung haben.
Diese Prinzipien haben zwei große Rüstungskontrollanstrengungen der
Administration geleitet:
Bei den Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen
Rüstungen (START) strebt die Administration nach einem Abkommen, das weit
über die früheren amerikanisch-sowjetischen Bemühungen hinausgeht, Waffen
mit interkontinentaler Reichweite unter Kontrolle zu bringen. Das Kernstück unseres START-Vorschlages ist eine Höchstgrenze von 500 Gefechtsköpfen
für Raketen, was für beide Seiten eine Verringerung um ein Drittel bei dieser am meisten destabilisierenden Kategorie strategischer Waffen bedeuten
würde. Am 8. Juni dieses Jahres gab Präsident Reagan Modifizierungen der
ursprünglichen amerikanischen Position bekannt, die dazu dienen sollen, den
von der UdSSR zum Ausdruck gebrachten Befürchtungen entgegenzukommen und unseren Verhandlungsführern zusätzlichen Spielraum zu geben, um einen Fortschritt in Genf zu erreichen.
Bei den Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) haben
die Vereinigten Staaten ihr Ziel nicht kürzer gesteckt - und ihre Einstellung
ist nicht weniger vernünftig oder flexibel. Im November 1981 bot Präsident
Reagan den Verzicht auf die Dislozierung von PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern in Westeuropa an, wenn die Sowjetunion vergleichbare eigene Raketen, vor allem die SS-20, beseitigen würde. Dieses Angebot,

�Dieses Angebot, eine ganze Klasse von Kernwaffen zu eliminieren - bekannt
als Null-Null-Vorschlag - wurde von der sowjetischen Seite abgelehnt.

Da-

her haben die Vereinigten Staaten nach Absprache mit ihren Verbündeten und unter Beibehaltung der Null-Null-Lösung als letztliches Ziel - im März
dieses Jahres einen Interimsvorschlag unterbreitet, der gleiche, globale
Begrenzungen für Gefechtsköpfe auf weiterreichenden nuklearen Mittel Streckensystemen (LRINF) fordert.
Bisher ist die amerikanische Flexibilität in Genf nicht mit einer entsprechenden Haltung der Sowjets erwidert worden.

Was sie vorschlagen, ist

in der Praxis ein Null-Vorschlag für die eine Seite - d.h. keine amerikanischen Dislozierungen und ein völliges sowjetisches Monopol bei diesen
Waffen in Europa.
Während wir solche Verhandlungen mit der Sowjetunion führen, müssen
wir gleichzeitig an die Notwendigkeit denken, eine weitere Ausbreitung von
Nuklearwaffen auf der Erde zu verhüten.

Es liegt auf der Hand, daß eine

weitere Ausbreitung solcher Waffen höchst destabilisierend wirken würde.

Es

dient sicherlich nicht der internationalen Ordnung unter Nationen, wenn sich
ein Land entschließen sollte, Kernwaffen

anzuschaffen.

Die Anschaffung von Kernwaffen gereicht einer Nation keineswegs zur
Ehre, noch hebt es das nationale Prestige.. Die Verletzung der internationalen Normen der Nonproliferation sollte der Gemeinschaft der Völker Anlaß
sein, das verletzende

Land in Acht und Bann zu schlagen,.

Das muß so sein,

denn wir müssen alle erkennen, daß die Proliferation von Kernwaffen niemanden Interessen dienen kann und wird.
Wenn es darum geht, die Proliferation von Kernwaffen in der Welt zu
verhindern, dann hat die Reagan-Administration eine wirksame und feste Politik eingeschlagen.

Wir betrachten dies als ein grundlegendes Ziel der na-

tionalen Sicherheit und der Außenpolitik der Vereinigten Staaten, und Präsident Reagan hat sich persönlich engagiert, um dieses Ziel zu erreichen.
Nachfolgend eine
- 3 -

�Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung einer Reihe entscheidender Maßnahmen, die die Reagan-Administration ergriffen hat und die ausdrücklich
dazu dienen soll, diesem Ziel rasch näherzukommen.
Erstens, wir müssen die Exportkontrollen, die Regeln für den Handel
mit Nuklearmaterial, verschärfen und umfassende Sicherheitsmaßnahmen einführen.
Zweitens, wir müssen die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA)
stärken.
Drittens, wir müssen die Motivation zum Erwerb von Kernwaffen abbauen.
Viertens, wir müssen die Bedeutung des Atomwaffensperrvertrages
(Nonproliferationsvertrages) stärken.
Warum sollten wir, d.h. alle Lieferanten von Nuklearmaterial, die
Exportkontrollen verschärfen? Viele Leute behaupten, daß die Vorenthaltung von Technik einfach nicht funktionieren wird, weil Wissen und Technologie im Zusammenhang mit Kernwaffen sich in zunehmendem Maße verbreiten.
Es besteht kein Zweifel, daß nicht die ganze Menschheit kollektiv vergessen wird, was sie über Nukleartechnologie, und vor allem über Nuklearwaffen,
erfahren hat.
Aber das ist meiner Meinung nach genau der Grund, warum die Exportkontrollen verschärft werden müssen. Wir müssen einfach Zeit gewinnen.
Wir brauchen Zeit, um einen Konsens über Kontrollen herbeizuführen. Wir
brauchen Zeit, um die Anreize zu verringern und hoffentlich die angenommene Notwendigkeit für die Anschaffung einer Kernwaffen in weiteren Ländern
- aus welchen Gründen auch immer - zu beseitigen. Wir brauchen Zeit, um
andere Länder überzeugen zu können, daß die Anschaffung von Kernwaffen
nicht der Weg zu größerer Sicherheit ist.
Präsident Reagan
- 4 -

�Präsident Reagan hat alle Nuklearlieferstaaten aufgefordert, zu
einem Abkommen zu gelangen, das für alle weiteren Lieferverpflichtungen
größeren Umfangs umfassende Sicherheitsbestimmungen erfordert.

Diese

Initiative zielt nicht auf eine Politik der Verweigerung der Nuklearunterst'ützung ab, sondern hat vielmehr zum Ziel, für eine solche Unterstützung
Bedingungen zu stellen, durch die glaubwürdig nachgewiesen wird, daß das
gesamte Programm eines Staates, der über keine Kernwaffen verfügt, der friedlichen Verwendung der Kernenergie gewidmet ist, Hierzu haben sich bereits
jene 116 Nichtkernwaffenstaaten verpflichtet, die den Nonproliferationsvertrag unterzeichnet haben. Zusätzliche Vereinbarungen über umfassende
Sicherheitsvorkehrungen würden nur der Stärkung des internationalen Nonproüferationssystems dienen, indem die Möglichkeit jener Staaten, die
Nuklearunterstützung suchen, beseitigt würde,einen Lieferstaat gegen den
anderen auszuspielen,,
Ich möchte mich nunmehr der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
zuwenden, Die Vereinigten Staaten haben zusammen mit vielen anderen Staaten hart daran gearbeitet, 1957 die Internationale Atomenergiebehörde zu
schaffen, und wir unterstützen auch weiterhin deren Aktivitäten, Wir müssen zudem wachsam bleiben, damit die Wirksamkeit der Behörde nicht durch
die Beschäftigung mit solchen politischen Themen untergraben wird, die nicht
in ihren Bereich gehören. Wie Ihnen bekannt ist, führten die Ereignisse
im Rahmen der Hauptversammlung de&gt;* Internationalen Atomenergiebehörde im
Jahr 1982 dazu, daß die Vereinigten Staaten ihre Beteiligung an dieser Organisation einstellten. In der Zeit, da wir die Situation einer Neubewertung unterzogen, konsultierten wir uns intensiv mit anderen Mitgliedern,
und ich habe nunmehr den Eindruck, daß sich eine neue Verpflichtung gegenüber den Prinzipien, auf denen sich die IAEA gründet, entwickelt hat. Wir
haben nunmehr im Februar unsere Arbeit in der Behörde wieder mit neuer Tatkraft aufgenommen und freuen uns darauf, wieder Teil dieser so bedeutsamen
Organisation zu sem„

All diese

�All diese Maßnahmen - Exportkontrollen, umfassende Sicherheitsvorkehrungen und Stärkung der Internationalen Atomenergiebehörde - sind auf
meinen dritten Punkt ausgerichtet:
sich Kernwaffen zu beschaffen.

Auf eine Verringerung der Motivation,

Eine Sichtweise, die nur das eigene Land

einbezieht, würde nicht ausreichen, unsere Ziele der Nichtweiterverbreitung
zu erreichen;

und sie würde auch die Motivationen zur Erlangung von Kern-

waffen nicht herabsetzen.

Die Vorstellung, daß die Entwicklung von Kern-

waffen dadurch verhindert werden könnte, daß lediglich die entsprechende
Technologie verwehrt wird, vernachlässigt sowohl die Struktur als auch die
Inhalte der Sicherheitsbeziehungen, vor denen die anderen Staaten stehen.
Es müssen Wege gefunden werden, um die Spannungen zwischen den Ländern zu
vermindern, aufgrund derer es zu gegenseitigem Mißtrauen kommt und durch
die der Wunsch nach dem Besitz von Kernwaffen genährt wird.

Das endgültige

Inkrafttreten des Vertrages über das Verbot von Kernwaffen in Lateinamerika
würde zu diesem Ziel beitragen.
Wie Sie wissen, sind dieser Vertrag sowie der Antarktis-Vertrag die
ersten Verträge, durch die überhaupt irgendwo in der Welt atomwaffenfreie
Zonen geschaffen werden. Die Vertragsparteien des Lateinamerika-Vertrages
verpflichten sich, die Kernenergie ausschließlich zu friedlichen Zwecken
zu verwenden. Seit der Vertrag 1967 zur Unterzeichnung ansteht, haben
22 Staaten Lateinamerikas und der Karibik ihn unterzeichnet, ratifiziert
und den Vertrag in Kraft gesetzt.
Wenn ich mich schließlich dem Nonproliferationsvertrag zuwende, so
möchte ich zunächst feststellen, daß er in den 15 Jahren seit seiner Erstunterzeichnung in der Geschichte zu dem Rüstungskontroll vertrag wurde, der
von der größten Anzahl von Staaten eingehalten wird. Die Reagan-Administration setzte und setzt sich auf diplomatischem Weg dafür ein, daß jene Länder,
die noch nicht Vertragspartei sind, dieses zentrale Instrument des internationalen Nonproliferationssystems ratifizieren. Im Jahr 1981 wurde
Ägypten Vertragspartei. Im Verlauf des Jahres 1982 wurden weitere vier
Staaten Vertragsparteien - Papua-Neuguinea, Nauru, die Sozialistische Re- 6 -

�Sozialistische Republik Vietnam und Uganda.

Derzeit sind 119 Staaten

Vertragsparteien,und andere, wie etwa Frankreich, halten sich in ihrer
praktischen Politik an den Vertragstext.
Die Vereinigten Staaten haben diesen Vertrag und sein Sicherungssystem immer wieder als eines der wichtigsten Elemente zur Verhinderung
der weiteren Proliferation von Kernwaffen betrachtet.

Der Vertrag sieht

angemessene Sicherheitsvorkehrungen vor und fördert diese, wobei er auf
diese Weise sicherstellt, daß eine derartige Zusammenarbeit nicht für
kriegerische Zwecke genützt werden kann.
Der Vertrag baut Mißverständnisse ab und verringert den Verdacht
hinsichtlich der friedlichen Nuklearabsichten von Staaten in der ganzen
Welt. Dies wiederum fördert die regionale Stabilität und verringert
Spannungen - Ziele, für die wir uns alle einsetzen.
Zum Abschluß möchte ich aus einer Erklärung Präsident Reagans zitieren, die er zum 15. Jahrestag der Unterzeichnung des Nonproliferationsvertrags abgegeben hatte. In jener Erklärung unterstrich der Präsident
erneut die Anstrengungen der Vereinigten Staaten, sich dafür einzusetzen,
daß eine Weiterverbreitung der Kernwaffen verhindert wird. Er sagte zum
Schluß: Alle Staaten sollten sich erneut dazu verpflichten, daß die Ziele
dieses wichtigen Vertrags erreicht werden und seine bleibende Wirkungskraft
gesichert wird. Das ist sowohl unser aller Verantwortung als auch ein Beitrag zum Frieden für die kommenden Generationen.

- 7 -

�34

24. August 1983

DER DEUTSCHE BEITRAG ZUR FREIHEIT IN AMERIKA
Ein deutschstämmiger Amerikaner wurde zum Vater
der Pressefreiheit -

Dies ist der erste von sechs Artikeln
über Deutsche in Amerika, den wir im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten anläßlich des 300. Jahrestages deutscher Einwanderung in Amerika veröffentlichen. Die
Beiträge zu diesem Thema werden in der
Zeit vom 20. August (dem 300. Jahrestag
der Ankunft von Franz Daniel Pastorius,
dem Führer der ersten deutschen Siedlergruppe, in Amerika) bis zum 6. Oktober
(dem 300. Jahrestag der Ankunft der 13
Auswandererfamilien aus Krefeld, die
Germantown gründeten) erscheinen.
- (AD) - Am 20. August 1683 traf der 1651 in Sommerhausen geborene
Franz Daniel Pastorius in Philadelphia ein,um die letzten Vorbereitungen für
die Besiedlung von Germantown durch die erste Gruppe deutscher Einwanderer
in der Neuen Welt zu treffen. Die 13 Familien aus Krefeld leiteten die Einwanderung von über sieben Millionen Deutschen während der nächsten drei Jahrhunderte ein, die somit zur größten Einwanderergruppe wurden, die in die
Neue Welt kam. Der 300. Jahrestag deutscher Einwanderung in Amerika ist auf

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ist auf beiden Seiten des Atlantik Anlaß, dieses Jahr festlich zu begehen.
Dazu gehörte auch der Besuch des amerikanischen Vizepräsidenten George R. Bush,
der am 25. Juni nach Krefeld, dem Herkunftsort der ersten deutschen Auswanderer^am, um ihrer Abfahrt vor 300 Jahren zu gedenken, sowie der zur Erinnerung an die Ankunft jener Krefelder Gruppe in Amerika geplante Besuch von
Bundespräsident Karl Carstens in Germantown am 6. Oktober dieses Jahres.
Die 13 Familien, die im Jahre 1683 vom Rheinland nach Amerika zogen,
taten dies in der Hoffnung, Freiheit und Toleranz in Glaubensfragen zu finden.

Viele der über sieben Millionen Deutschen, die ihnen folgten, bewegte

das gleiche Motiv; Freiheit - sei sie religiöser, wirtschaftlicher, politischer oder sozialer Art.

Doch suchten die Deutschen in Amerika dort nicht

nur die Freiheit; ihre Anwesenheit trug, gerade auch aufgrund ihrer Weltanschauung, ihrer Erfahrungen in der Alten Welt und der Verpflichtung zu einem
neuen Lebensstil in

großem

Maße zur Förderung der Freiheit in der amerika-

nischen Gesellschaft bei, deren Teil sie wurden.

Der Anführer der Krefelder

Auswanderer, Franz Daniel Pastorius selbst, ist ein bemerkenswertes Beispiel
für das Wirken deutscher Einwanderer in Amerika.

1688 verfaßte Pastorius

zusammen mit einer Reihe anderer Siedler aus Germantown die erste Protesterklärung, die in den englischen Kolonien gegen die Sklaverei abgegeben
wurde.
Die Initiative dieser Gruppe Deutsch-Amerikaner aus Germantown gegen
das System der Sklaverei hatte zwar keine unmittelbare Wirkung, leitete jedoch eine Tradition ein, die ihren Höhepunkt fast 200 Jahre später erreichte,
als sich auch eine Vielzahl von Deutsch-Amerikanern erfolgreich dafür einsetzte, diesen Menschen die Gleichberechtigung zu bringen.
Zu den Deutsch-Amerikanern, die bei dieser Entwicklung eine entscheidende Rolle spielten, gehörte auch Francis Lieber, Staatswissenschaftler und
Erzieher, in Berlin geboren, der 1829 die Encyclopaedia Americana begründete (ein Werk, das sich auf das Brockhaus Conversations Lexikon stutzte).
Liebers energische Haltung zur Unterstützung des Gedankens der Sklavenbefrei- 2 -

�der Sklavenbefreiung, die er Anfang des 19. Jahrhunderts einnahm und die
er aufgrund seiner Stellung auf einen großen Teil der geistigen Elite Amerikas ausübte, mit der er durch seine Arbeit an der Enzyclopaedia in Berührung gekommen war, gab der Bewegung neuen Anstoß, die Sklaverei in Amerika zu verbieten.

Die wichtigste Gruppe von Deutsch-Amerikanern dieser

Bewegung waren jedoch die sogenannten "48er", jene Deutschen, die Mitte des
19. Jahrhunderts auswanderten, um die politische Freiheit zu finden, die
ihnen nach der Unterdrückung der Revolution von 1848 in den deutschen Fürstentümern in ihrer Heimat verweigert worden war.

Einer dieser "48er" war Carl

Schurz, der einer der berühmtesten Deutsch-Amerikaner überhaupt und ein
geistiger Führer des Gedankens der Sklavenbefreiung werden sollte.
Geboren in der Nähe von Köln im Jahre 1829, war Schurz einer der Helden der fehlgeschlagenen Revolution in Deutschland.

1852 verließ er Europa,

um nach Amerika zu gehen, wo er in der neugegründeten Republikanischen Partei aktiv wurde und mit dem Politiker Abraham Lincoln aus Illinois Freundschaft schloß. Als glühender Gegner der Sklaverei (es war die Einstellung
dieser Partei gegen die Sklaverei, die Schurz anzog) kehrte Schurz im Jahre
1862 von seinem Posten als amerikanischer Gesandter in Spanien zurück, um
seinen Standpunkt Präsident Lincoln zu unterbreiten.

Da es ihm nicht ge-

lang, die sofortige Gleichberechtigung aller Sklaven durchzusetzen, versuchte Schurz,die öffentliche Meinung zu einer positiven Haltung gegenüber
der Sklavenbefreiung zu bewegen,und hielt (mit Zustimmung Präsident Lincolns)
im März 1862 eine bahnbrechende Rede, in der er die Sklaverei verurteilte.
Die Bemühungen von Schurz beeinflußten schließlich Präsident Lincolns Entscheidung, am 1. Januar 1863 die Aufhebung der Sklaverei auszurufen.
Der Beitrag der Deutsch-Amerikaner zur Stärkung und Sicherung der Freiheiten, derer die Amerikaner sich heute erfreuen, war jedoch nicht auf die
Sklavenfrage beschränkt.

Denn noch während der Kolonialzeit wurde ein wei-

terer Amerikaner deutscher Herkunft der erste und bis zu diesem Tage bemerkenswerteste Verfechter einer der am höchsten geachteten Freiheiten der Amerikaner - der Pressefreiheit:

der 1697 in Rheinland-Pfalz geborene John

- 3 -

�geborene John Peter Zenger.

Zenger war Herausgeber des New York Weekly

Journal, einer Tageszeitung, die 1733 als Gegenstimme zur regierungsabhängigen ]JavJfojrk_Ga^e_tte, gegründet wurde.

Nach Veröffentlichung einer Reihe

von Artikeln, die den Gouverneur der Kolonie kritisierten, wurde Zenger
1734 verhaftet und wegen Verleumdung angeklagt.

Bei seiner Verhandlung er-

öffnete Zengers Verteidiger, Andrew Hamilton aus Philadelphia, seine Verteidigung auf eine Weise, die bis dahin unbekannt war:

Er gab zu, daß die

Zeitung die angeblich verleumderischen Artikel veröffentlicht hatte, bestand aber darauf, daß die Anklagen, die in den Artikeln erhoben worden waren,
"von der Wahrheit unterstützt seien".

Hamiltons neuartige Form der Verteidi-

gung und Zengers Freispruch setzten einen Präzedenzfall für die Pressefreiheit
in Amerika, die bis zum heutigen Tage besteht.
Das Engagement der Deutsch-Amerikaner für die Erhaltung und Erweiterung der Freiheit in Amerika setzte sich bis ins 20. Jahrhundert fort.
seinem kürzlich erschienenen Buch

Ethnic America

In

schreibt der amerikanische

Historiker Thomas Sowell über die deutschen Auswanderer in den dreißiger
Jahren:

"Genau wie die deutschen Flüchtlinge nach der fehlgeschlagenen Re-

volution von 1848 waren auch die Flüchtlinge der dreißiger Jahre von einer
freiheitlichen und demokratischen Oberzeugung, die ihren Einfluß auf die
deutsch-amerikanische wie auf die amerikanische Gesellschaft im allgemeinen
ausübte."
Dieser Einfluß der Deutsch-Amerikaner auf die Freiheit in Amerika wird
durch einen Vorgang im Jahre 1791 besonders deutlich: Als Sprecher des
Repräsentantenhauses des ersten Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika
war der Deutsch-Amerikaner Friedrich Augustus Conrad Mulenberg aus Pennsylvanien einer der beiden Unterzeichner der "Bill of Rights", der ersten
zehn Zusatzartikel zur neuangenommenen Verfassung der USA. Dieses Schriftstück, das bis zum heutigen Tag unveränderte Gültigkeit besitzt, garantiert
allen Amerikanern Grundfreiheiten wie Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit. Diese Bürgerrechte, die zur
damaligen Zeit als revolutionär angesehen wurden, sind heute fundamentale

�heute fundamentale Freiheiten, die den Grundstein der demokratischen Ordnung in den Vereinigten Staaten von Amerika wie auch der Bundesrepublik
Deutschland bilden.

- 5 -

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Wi//en/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

34

24. August 1983

NACHTLANDETESTS SERIENWEISE
Langwierige Vorbereitungen für den nächsten CHALLENGER-Flug -

- (AD) - Noch vor zwei oder drei Jahren habe er sich eine Nachtlandung
des "Weltraumgleiters" nicht gut vorstellen können, gestand Richard H. Truly
kürzlich auf einer von der NASA (US-Amt für Luft- und Raumfahrt) veranstalteten Pressekonferenz.

Die Flugleitung hat inzwischen entschieden, daß nicht

nur der Start der CHALLENGER zum Flug STS-8 am 30. August in Kap Canaveral,
sondern auch die Landung am 5. September 1983 in der Mojave-Wüste in Kalifornien in den Nachtstunden erfolgen soll.

Truly, Kommandant der Raumfähre, und sein Kopilot Daniel C. Brandenstein
haben in den vergangenen Wochen serienweise Nachtlandetests in Kalifornien
durchgeführt.

Verwendet wurden dazu Shuttle-Trainingsflugzeuge der NASA.

Es ging vor allem darum, herauszufinden, ob die Nachtlandung auf der Hartpiste des Edwards-Flugplatzes der amerikanischen Luftstreitkräfte möglich
ist

oder ob aus Sicherheitsgründen für die erste Nachtlandung einer Raum-

fähre die wesentlich breitere und längere Piste auf einem ausgetrockneten
Salzsee im Gelände vorzuziehen sei.

Die Staubmassen, die von der Salzpiste

beim Anflug aufgewirbelt wurden, bereiteten Kopfzerbrechen, denn durch sie
wurde die Ausleuchtung der Piste beeinträchtigt.

Außerdem erschwerten sie

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�erschwerten sie die Beobachtung des Fluggeräts in der letzten Phase seines
Landemanövers.

Durch Veränderung des Beleuchtungssystems und des Arrange-

ments der Lampen ließen sich wesentliche Verbesserungen erzielen. Auch die
Befeuerung der Hartpiste wurde von den beiden Astronauten im Nachttraining
gründlich getestet, Orientierungs- und Sichtmä'ngel durch Installierung zusätzlicher Signallampen beseitigt.
Truly ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

"Ich hielt es einmal für

sehr schwierig, eine Möglichkeit zu finden, nachts nicht nur zu landen, sondern auch nachts zu trainieren.

Heute kann ich nur sagen:

Großer Irrtum.

Nach unserem Training meine ich, daß wir ein gutes, sicheres System entwikkelt haben und dies jetzt auch demonstrieren werden."
Richard Truly ist mit der Raumfähre als Fluggerät längst vertraut.
Er war Kopilot Joe Engles beim zweiten Einsatz des Raumtransporters COLUMBIA
im November 1981 und hatte zuvor schon eine ganze Anzahl von Flügen mit der
ENTERPRISE, dem Testfluggerät im amerikanischen "Space Shuttle"-Programm,
absolviert. Seit 1969 gehört Truly dem Astronautenteam der NASA an, nachdem das Projekt MOL (Bemanntes Orbital-Labor) der US-Flugstreitkräfte eingestellt worden war. Der heute 45jährige studierte Flugzeugbau am Georgia
Institute of Technology. Beim SKYLAB-Projekt der NASA (1973/74) und während
des APOLLO-SOJUS-Fluges (1975) war er u.a. zuständig für den Funkkontakt mit
den Astronauten im Orbit. Vom Johnson-Raumflugzentrum und wissenschaftlichtechnischen Gesellschaften der USA erhielt er hohe Auszeichnungen. Truly
stammt aus Fayette im US-Bundesstaat Mississippi.
*

Kopilot Daniel C. Brandenstein (40) gehört seit 1978 zum Astronautenteam der NASA.

Bei den ersten beiden COLUMBIA-Einsätzen war er mitverant-

wortlich für die Funkverbindung mit den Astronauten an Bord des °iumtransporters.

Er kommt aus Watertown (US-Bundesstaat Wisconsin), studierte an der

Universität von Wisconsin Mathematik und Physik und ging dann zur Testpilotenschule der US-Marine.

Er hat Flugzeuge 19 verschiedener Typen geflogen und

Erfahrungen in mehr als 3600 Flugstunden nesammelt.
Auch zwei
- 2 -

�Auch zwei der drei Missionsspezialisten für STS-8 - Guion ("Guy")
S. Bluford (40) und Dale A. Gardner (34) - sind erst 1978 zur NASA gekommen.
Der Umstand, der erste Schwarze unter den NASA-Astronauten zu sein, hat
Bluford viel - unerwünschte - Publicity gebracht. Aber inzwischen sei, so
sagte er, durch den Flug von Dr. Sally Ride als der ersten amerikanischen
Astronautin der "Druck" aus der Öffentlichkeit, der sich nun einmal aus dem
Neuen ergebe, wesentlich geringer geworden.

Drei weitere schwarze Astro-

nauten hoffen, ebenfalls bald an Bord des Raumtransporters arbeiten zu können.

Es sind Fred Gregory, Ronald McNair und Charles Bolden.
Bluford wurde in Philadelphia (Pennsalvanien) geboren

und studierte

Flugzeugbau zunächst an der Staatsuniversitä't von Pennsylvanien, dann am
"Institut of Technology" der US-Luftstreitkräfte, wo er auch promovierte.
Er steht im Rang eines Oberstleutnants. Als Pilot von Düsenmaschinen verfügt er mit mehr als 3000 Flugstunden über viel Erfahrung.

Sein Training

bei der NASA konzentrierte sich in letzter Zeit immer mehr auf den "Robotarm", jenes mehrgliedrige, 15 m lange Greif- und Hebegerät, mit dem Nutzlasten im Orbiter-Laderaum bewegt, in den Weltraum expediert oder Objekte
von draußen an Bord geholt werden.
Dale Gardner aus Fairmont in Minnesota, mit seinen 34 Jahren der
Benjamin des Teams, wird Bluford bei den zahlreichen Experimenten mit dem
Robotarm unterstützen.

Er studierte technische Physik an der Universität

von Illinois und gehörte von 1976 bis 1978 einer Fliegereinheit der amerikanischen Marine an, die Jagdflugzeuge erprobte. Während des vierten
COLUMBIA-Fluges im Juni 1982 hatte er wichtige Funktionen im Kontakt mit
den Astronauten.

Jetzt werden er und Bluford aufeinander angewiesen sein,

wenn der indische Nachrichtensatellit am zweiten Flugtag abgesetzt wird.
"Dabei kann uns die Bodenstation nicht helfen - wir müssen vom Cockpit aus
die Geräte in Funktion setzen, durchprüfen und sicherstellen, daß alles
klappt", meint Gardner.
Dr. William Thornton

�Dr. William Thornton ist mit 54 Jahren der Senior unter den von der
NASA bisher zu einem Weltraumflug bestimmten Astronauten.

Seine Hauptauf-

gabe beim bevorstehenden Unternehmen wird es sein, sich mit den Auswirkungen
von Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper samt den Anpassungsprozessen und Adaptionsschwierigkeiten (z.B. Raumkrankheit) zu befassen.

Er werde,

wie er erklärte, vor allem an sich selbst beobachten und mit sich experimentieren.

Aber die anderen vier seien bis zu einem gewissen Grade bereit,

dabei mitzumachen.
Thornton war Physiker, ehe er sich mit 30 Jahren zum Medizinstudium
entschloß.
zum Dr. med.

Im Jahr 1963 promovierte er an der Universität von North Carolina
Er bewarb sich bei der NASA als Wissenschaftsastronaut und wur-

de 1967 angenommen.
Er war der Arzt in einer Gruppe, die im Rahmen der Studien für das
SKYLAB-Programm 56 Tage in einer Simulatorkammer zubrachte. Während der
drei bemannten SKYLAB-Flüge (der letzte dauerte 84 Tage) gehörte er dem
Experten- und Beraterteam der Flugleitzentrale an. Thornton entwickelte
die "Tretmühle",die die Astronauten an Bord des Raumtransporters zum Körpertraining benutzen, und befaßte sich seit Beginn der Shuttle-Flüge mit Analysen von Gehirn-, Herz- und Muskeltätigkeit während des Raumflugs.
Der Nachtstart der CHALLENGER am 30. August ist für den Zeitpunkt
zum Absetzen von INSAT-IB von großer Bedeutung. Denn dieser Satellit muß
24 Stunden nach Eintritt der Raumfähre in die Umlaufbahn den Laderaum verlassen, um in die vorgesehene Umlaufbahn in 36 000 km Höhe aufzusteigen und
dort den Standort zu erreichen, der für sein Arbeitsprogramm am günstigsten
ist. Dieses umfaßt u.a. Telefon- und Fernsehübertragungen in Indien sowie
Beobachtungen für den indischen Wetterdienst. Rundfunksendungen über den
Satelliten können außerdem mit kleinen Bodenantennen direkt empfangen werden,
die in abgelegenen oder isolierten Teieln des weiten Landes installiert
wurden.
Der dritte

�Der dritte und vierte Flugtag wird ausgefüllt sein mit der Erprobung
des Robotarms zum Um- und Absetzen sowie Einholen eines "Testobjekts" mit
einer Masse von 3855 kg.

Es ist ca. zweieinhalb Mal schwerer als SPAS-Ol,

der beim letzten CHALLENGER-Flug erprobte deutsche wiederverwendbare Satellit.
Der geübte Umgang mit dem Weltraumkran, der über Fernsteuerungsmechanismen
auch diffizile Feinarbeit leisten kann, wird besonders wichtig sein, wenn
Satelliten zur Reparatur an Bord geholt werden sollen.
Eine Anzahl von Experimenten, u.a. das von Wissenschaftlern in St. Louis
entwickelte Elektrophorese-Experiment zur Gewinnung hochreiner biologischer
Präparate, laufen weiter. Auch befinden sich kleine Experimentierausrüstungen
in Kanistern an Bord, die im Auftrag verschiedener Institute aus dem In- und
Ausland mitgenommen werden. Es sind 12 an der Zahl - eines davon gilt der
Untersuchung der Auswirkungen von Weltraumstrahlung auf die Speicherkapazität
des Materials, das für integrierte Schaltkreise verwendet wird. Für künftige Tierexperimente zu Studien aus dem Gebiet der Biologie wird ein Spezialkäfig getestet; sechs Ratten werden darin mit auf die Reise gehen.
Die Voraussetzungen zur Erprobung von TDRS-1, dem größten bisher gestarteten Nachrichtensatelliten, sind jetzt gegeben. Am 7. August empfing
er an seinem Standort 36 000 km über der Nordostspitze Brasiliens zum ersten
Mal Signale von einem anderen Satelliten, gab sie zur Bodenstation weiter
und übermittelte deren Funkbotschaften an Satelliten auf Erdumlaufbahnen.
Er hat beim Unternehmen STS-9 im Oktober wichtige Funktionen zu übernehmen.
Denn TDRS dient als Relaisstation für die Flut wissenschaftlicher Daten aus
dem europäischen Weltraumlabor SPACELAB, das im Frachtraum der Fähre COLUMBIA
installiert sein wird. Die CHALLENGER-Astronauten werden von der TDRSStation ausgiebig Gebrauch machen. Für spezielle Tests wurde sogar die
Mission STS-8 um einen Tag verlängert.

+ + + + +

- 5 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: USA müssen Verteidigungsverpflichtungen einhalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz vom 18. August 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Weißen Hauses zum Truppenabzug aus dem Libanon&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Aussichten für den amerikanischen Handel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle hat höchste Priorität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von David F. Emory, Stellvertretender Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der deutsche Beitrag zur Freiheit in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein deutschstämmiger Amerikaner wurde zum Vater der Pressefreiheit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nachtlandetests serienweise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Langwierige Vorbereitungen für den nächsten CHALLENGER-Flug -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
1?

"""

c$-

30

24. August 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Berliner flauer Beweis des gescheiterten Traums vom Kommunismus
- Präsident Reagans Erklärung zum Jahrestag des Mauerbaus -

HINTERGRUNDMATERIAL
Neuer Bericht fordert bessere Lastenverteilung
- Auszüge aus der Kongreßstudie -

DIE MAHLEN IN AMERIKA 1988
Die Außenpolitik der Republikaner: Stärke, Realismus, Dialog"
- Auszüge aus der außenpolitischen Wahlplattform der Republikaner Wahlplattform der Republikaner wertvolle Aussage für Bush-Kampagne
- Artikel über die Positionen beim Parteikonvent Quayle Vertreter einer neuen Generation in politischer Verantwortung
- Porträt des republikanischen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gesundheitsvorsorge durch vernünftige Ernährung
- Umfassender Bericht der amerikanischen Regierung mit Studien aus
allen einschlägigen Forschungsgebieten -

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

24. August 1988

30

BERLINER MAUER BEWEIS DES GESCHEITERTEN TRAUMS VOM KOMMUNISMUS
- Präsident Reagans Erklärung zum Jahrestag des Mauerbaus -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung zum 27. Jahrestag des Baus der
Berliner Mauer bestätigte Präsident Reagan am 12. August 1988 das Engagement
der Vereinigten Staaten für Berlin. "Die Amerikaner glauben, daß Ost und West
die Stadt Berlin mit Phantasie und Willenskraft noch vor dem nächsten Gedenktag zum Symbol eines neuen Zeitalters machen können, das die wahren Hoffnungen
des menschliches Geistes widerspiegelt".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:

Der 13. August ist als Jahrestag
des Mauerbaus in Berlin ein trauriger
Gedenktag.
Diese Mauer zieht sich
nicht
nur
wie
eine
Narbe
durch
Berlin, sondern ist auch ein Symbol
der Teilung der deutschen Nation und
Europas.
Angesichts der verhaltenen
Anzeichen von Offenheit, von denen
jetzt die Gesellschaftssysteme
des
Ostblocks aufgerüttelt werden, steht
die Mauer heute in krassem Gegensatz
zu dem Kampf der Menschen um Freiheit, der jetzt in ihrem Schatten
stattfindet.
Es gibt keinen drastischeren Beweis für den gescheiterten
Traum des Kommunismus als die Mauer.
überall lassen sich freie Menschen von dem Mut der Menschen in
Berlin inspirieren.
Ihre Entschlossenheit zum Schutz ihres Bollwerks

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der Freiheit ist nach wie vor unerschütterlich trotz wiederholter Herausforderungen durch diejenigen, die
ihnen die Freiheit versagen wollen
und
ihr
Beispiel
fürchten.
Die
Berliner
engagieren
sich
weiterhin
für
die
Erhaltung
ihrer
demokratischen Lebensform und den Abbau der
Schranken, die Deutschland teilen.
Die Vereinigten Staaten haben die
Ehre, gemeinsam mit den Briten und
Franzosen fest zusammenzustehen, um
die Freiheit Berlins zu verteidigen
und das Wohlergehen Berlins zu fördern.
Dieses standhafte Engagement
bleibt der Eckpfeiler amerikanischer
Politik in Europa.

ich

Im Juni vergangenen Jahres stand
vor dem Brandenburger Tor und

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�schlug eine Inititive vor, die das
Leben der Berliner im positiven Sinne
verändern sollte:
verbesserten Zugang aus der Luft; mehr Konferenzen
in der gesamten Stadt, die Veranstaltung internationaler sportlicher Ereignisse, einschließlich der Olympiade und die Förderung des Jugendaustauschs
zwischen
beiden
Teilen
Berlins.
Im vergangenen Dezember haben wir
den Sowjets gemeinsam mit den Briten
und Franzosen diesbezügliche detaillierte Konzepte unterbreitet.
Wir
warten immer noch auf eine Antwort.
Beim Gedenken an die Errichtung
der Mauer im Jahr 1961 bekräftigen
die Vereinigten Staaten ihr Engagement für Berlin und entbieten den
tapferen Menschen ihren Gruß.
Die
Amerikaner glauben, daß Ost und West
die Stadt Berlin mit Phantasie und
Willenskraft noch vor dem nächsten
Gedenktag
zum
Symbol
eines
neuen
Zeitalters machen
können, das die
wahren
Hoffnungen
des menschliches
Geistes widerspiegelt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VoN^

24. August 1988

30

NEUER BERICHT FORDERT BESSERE LASTENVERTEILUNG
- Auszüge aus der Kongreßstudie -

WASHINGTON - (AD) - Einem kürzlich veröffentlichten Kongreßbericht zur
Frage der Lastenverteilung zufolge sollten die europäischen Verbündeten der
Vereinigten Staaten "sich sehr wohl auf die Verteidigung ihres eigenen Territoriums ohne ein Engagement umfangreicher amerikanischer Landstreitkräfte vorbereiten müssen, weil dieses Engagement nicht für immer garantiert werden
kann". In dem Bericht, der von der Kommission für militärische Lastenverteilung des Streitkräfteausschusses erstellt wurde und der das Ergebnis einer
Reihe von Anhörungen über die bessere Verteilung der Kosten zur Sicherstellung
der Verteidigung des Westens darstellt, wird jedoch ebenfalls erklärt, daß die
"Vornestationierung amerikanischer Truppen kurzfristig weiterhin den Eckpfeiler der Militärstrategie der Vereinigten Staaten bilden sollte".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht in Auszügen:

Das Problem der Lastenverteilung
ist so alt wie die NATO und unser
Bündnis mit Japan selbst, und Veränderungen in den internationalen militärischen,
politischen
und
wirtschaftlichen Entwicklungen haben dazu
geführt, daß das Thema Lastenverteilung in den vergangenen 40 Jahren mit
unterschiedlicher
Intensität
zutage
getreten ist.
Da die Vereinigten Staaten nach
dem Zweiten Weltkrieg das einzige
Land
waren, dessen
wirtschaftliche
Stärke ausreichte, um auf die enormen
Bedürfnisse der vom Krieg verwüsteten
Länder zu reagieren, gaben sie in der
Nachkriegszeit über 33,9 Milliarden
Dollar für den Marshall-Plan und andere Hilfsleistungen zum Wiederaufbau
der verbündeten wie auch der feind-

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lichen Nationen
des Zweiten Weltkriegs aus. (Entsprechend dem heutigen Stand des Dollars hätten die Vereinigten Staaten 184,8 Miliarden Dollar für Hilfsmaßnahmen nach dem Kriege ausgegeben.)
Diese beispiellose
Aktion ging von der Voraussetzung
aus, daß wirtschaftliche Stärke und
die Wiederbelebung der Demokratie allen freien Nationen zugute kommen und
einen Beitrag zu dauerhaftem Frieden
leisten würden.
Ferner engagierten
sich die Vereinigten Staaten nach dem
Kriege mit umfangreichen Truppenverbänden auf dem europäischen Kontinent
und in Japan.
Insbesondere die Geschichte des Ratifizierungsverfahrens
für den Nordatlantikvertrag verdeutlicht jedoch, daß die starke militärische
Präsenz
der
Vereinigten
Staaten in Europa nicht als ein dau-

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�erndes Engagement gedacht war - vielmehr war sie als Interimslösung zur
Verteidigung Westeuropas vorgesehen,
während Westeuropa sich vom Krieg erholte.
Bis heute ist die Welt über 40
Jahre lang von einem Weltkrieg verschont geblieben (obwohl seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 158 regionale Kriege stattgefunden haben). In
Westeuropa und Japan ist die Demokratie fest verwurzelt und die einst
verwüsteten
Volkswirtschaften
sind
gesundet.
Im selben Zeitraum haben
sich die weltweiten Verpflichtungen
der Vereinigten Staaten wie auch deren wirtschaftliche Stärke erheblich
vergrößert. Die relative wirtschaftliche Stärke der Vereinigten Staaten
gegenüber dem Rest der Welt hat jedoch merklich abgenommen.
Im Jahr
1988 hat sich aufgrund der Besorgnis
über das Bundeshaushaltsdefizit, das
Ungleichgewicht im Handel, hohe Bundesausgaben im allgemeinen und die
hohen Verteidigungsausgaben im besonderen eine nationale Debatte über unsere
künftigen
Verteidigungsbedürfnisse und eine Neueinschätzung der
weltweiten
militärischen
Verpflichtungen der Vereinigten Staaten entzündet.
Viele Amerikaner sind der
Ansicht, daß wir mit unseren militärischen Bündnispartnern wirtschaftlich zu 100 Prozent im Wettbewerb
stehen.
Einige haben erklärt, daß
die Vereinigten Staaten alle Lasten
eines Weltreichs trügen und nur wenig
von dieser Rolle profitieren, wenn
überhaupt.
Die wichtigsten Fragen, die von
der Kommission als Ergebnis dieser
veränderten Bedingungen an die Regierungen der europäischen Staaten und
Japans gestellt werden, lauten: Warum erwartet ein demokratisches und
zunehmend
geeintes
Europa,
dessen
Bruttosozialprodukt
und
Bevölkerung
zusammengenommen größer sind als die
der Vereinigten Staaten, immer noch
einen solch umfangreichen Beitrag zu
seiner territorialen Verteidigung von
den Vereinigten Staaten?
(Schätzungen des Verteidigungsministeriums zu-

folge werden ca. 60 Prozent des amerikanischen
Verteidigungshaushalts
für Verpflichtungen
im Rahmen der
NATO aufgewendet. Das bedeutet, daß
die Vereinigten Staaten 160 bis 170
Milliarden Dollar für die NATO ausgeben - erheblich mehr als die Beiträge
der anderen 15 NATO-Länder zusammengenommen) .
Warum scheinen ferner die Japaner
- deren Elan und Genialität sie in
nur 40 Jahren von totaler Zerstörung
zum Status einer wirtschaftlichen Supermacht geführt hat - nicht bereit
zu sein, Lasten der freien Welt in
einem Ausmaß zu tragen, das ihrer
heutigen
Zahlungsfähigkeit
entspricht?
Welche neuen Rollen und
Verantwortlichkeiten
sollte
Japan
übernehmen?
Bei
der
Beantwortung
dieser Frage sollten seinem Status
als wirtschaftliche Supermacht, seiner Verfassung sowie seiner besonderen Geschichte, die für die Nachbarstaaten in Asien immer noch von erheblicher Bedeutung ist, Rechnung getragen werden.
Wie sind die Aussichten für die
Verteilung und eventuell die Senkung
der
Verteidigungslasten
für
alle
freien Staaten in den kommenden Jahrzehnten und welches sind die Hindernisse?
Sind die angeblich von der sowjetischen Führung erwogenen Veränderungen in bezug auf Wirtschaft, politische Rechte und militärische Strategie politisch lebensfähig und werden sie zur Reife gelangen? Was bedeutet all dies für die Verteidigung
des Westens?
Wie kann der Staatshaushalt der Vereinigten Staaten
der heute schon, unter anderem aufgrund der Besorgnis über die Konfrontation zwischen Ost und West sowie
der langfristigen militärischen Verpflichtungen in Europa und dem Fernen
Osten, bis zur Grenze des Erträglichen angespannt ist - in Zukunft
die Probleme der Dritten Welt besser
angehen, insbesondere die Bedürfnisse
der
Nachbarstaaten
in
Mittel- und
Südamerika und des Mittleren Ostens?

�Im Grundsatz geht es bei der Debatte über die Lastenverteilung im
Jahr 1988 darum, wie die wirtschaftliche und militärische Sicherheit der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten im 21. Jahrhundert gewährleistet und sichergestellt werden kann,
daß die entwickelten Länder mit gemeinsamen Verteidigungsinteressen die
Kosten dieser Verteidigung gerechter
unter sich aufteilen und gleichmäßiger zur Sicherheit und zum wirtschaftlichen und politischen Wohlergehen der weniger entwickelten Länder
beitragen.
Diese
Aufgabe
wird
sicherlich
nicht leicht zu bewältigen sein, aber
die Kommission hofft, daß die Daten,
Erkenntnisse
und
Empfehlungen
des
vorliegenden
Berichts der
nächsten
Administration
bei
der
Behandlung
dieses Problems helfen wird.
Die Kommission legt die folgenden
vorläufigen Schlußfolgerungen und Empfehlungen vor:

nischer
Politik
und
nischen Interessen.

amerika-

2.
In den vergangenen Jahrzehnten befanden sich die Verteidigungsausgaben
der
Vereinigten
Staaten in einem Zyklus dessen
Motto lauten könnte:
"Entweder
Expandieren
oder
Kaputtgehen."
Stabilität
und
Berechenbarkeit
sollten die Eckpfeiler künftiger
Verteidigungsbudgets
sein,
und
die nächste Administration sollte
energische Schritte unternehmen,
um einen Teil der gegenwärtig von
den Vereinigten Staaten getragenen Verteidigungslasten auf andere entwickelte Bündnispartner zu
verlagern, damit die Vereinigten
Staaten in Zukunft besser in der
Lage sind, ihre Verpflichtungen
mit dem gleichen oder möglicherweise
einem
niedrigeren
Niveau
der Verteidigungsausgaben zu erfüllen.

Die Bedrohung und mögliche Veränderungen in der sowjetischen Haltung
Herausforderungen für die politisch
Verantwortlichen in den Vereinigten
Staaten
1.
In den neunziger Jahren und
danach stellen sich für die Vereinigten Staaten die Herausforderungen, 1. wirtschaftliche Stabilität und Wachstum
im eigenen
Land zu ermöglichen, 2. die Sicherheit amerikanischer Interessen in der ganzen Welt zu definieren und zu gewährleisten und
3. zur internationalen Ordnung,
insbesondere in der Dritten Welt,
beizutragen. Da all diese Anforderungen unauflöslich miteinander
verbunden sind, könnte das Versäumnis, sie alle in ausgewogener
Art und Weise zu behandeln, die
Vereinigten
Staaten
ernsthaften
inneren und internationalen Gefahren aussetzen, einschließlich
des
möglichen
wirtschaftlichen
Abstiegs der Vereinigten Staaten
und einer zunehmenden Entfremdung
der Dritten Welt von amerika- 3

1.
Eines der
Haupthindernisse
bei der Erlangung einer gleichmäßigen Lastenverteilung besteht
darin, daß die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten bei der
Bewertung der Dringlichkeit oder
des Ausmaßes der Bedrohung nicht
übereinstimmen, obwohl beide in
Europa und im Fernen Osten demselben
Gegner
gegenüberstehen.
Die
Vertreter
der
Vereinigten
Staaten und der Verbündeten müssen
sobald
wie
möglich
eine
ernsthafte Bedrohungsdebatte aufnehmen, um Übereinstimmung über
das Ausmaß der Bedrohung und über
die Aufteilung
der Verantwortlichkeiten zu erzielen, um dieser
Bedrohung
gerecht
zu
werden.
Wenn wir uns nach diesen Diskussionen letztlich darauf einigen
sollten, daß die
amerikanische
Einschätzung der Bedrohung "realitätsbezogener" ist, sollten die
Verbündeten
ihre Verteidigungsausgaben
entsprechend
erhöhen.

�Wenn wir uns andererseits darauf
einigen, daß die Einschätzung der
Verbündeten
"realitätsbezogener"
ist, würde dies darauf hinweisen,
daß die Vereinigten Staaten ihre
Ausgaben
reduzieren
sollten
einschließlich ihrer Truppen in
Übersee - wenn sie dann der Bedrohung
immer
noch
angemessen
entgegentreten können.
Die Kommission ist der Auffassung, daß
die gegenwärtige Situation - ein
hohes Niveau der amerikanischen
Verteidigungsausgaben und wesentlich niedrigere Niveaus bei den
Verteidigungsausgaben der Verbündeten - für die Vereinigten Staaten nicht fair ist. Obwohl die
Kommission
prognostiziert,
daß
die
Verbündeten
wahrscheinlich
der Beibehaltung des Status quo
den Vorzug geben werden (da hohe
amerikanische Verteidigungsausgaben ihnen eine kostenlose Versicherungspolice
gewähren,
falls
sich unsere Bedrohungsanalyse als
richtig und ihre als falsch erweisen sollte) , ist sie der Überzeugung,
daß
die
Verbündeten
nicht erwarten sollten, "beides
haben zu können".
2.
Der Kommission ist zu Ohren
gekommen, daß einige hohe Vertreter der Verbündeten mit Verantwortung im Bereich der Verteidigung über die Bedrohung und andere wichtige
Verteidigungsfragen
nicht
informiert sein
könnten.
Als
Minimum
sollten Premierminister
(oder Präsidenten) , Finanz- und
Außenminister
regelmäßig über die Bedrohung informiert
werden.
Die
Kommission
empfiehlt, daß die Vereinigten
Staaten - über die NATO und die
japanische Regierung - vorschlagen sollen, daß Regierungsvertreter in Schlüsselstellungen, deren
Positionen Auswirkungen auf die
Verteidigungsbudgets haben, obligatorisch an - zumindest einmal
jährlich abgehaltenen - Informationsgesprächen über die Bedrohung teilnehmen, bevor wichtige
Entscheidungen
über
Verteidi-

gungsausgaben gefällt werden.
3.
Da die öffentliche Meinung
ein wichtiger Faktor mit Auswirkungen auf die Verteidigungsausgaben aller verbündeter Regierungen ist, empfiehlt die Kommission, daß die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten einen koordinierten Plan zur besseren Information der Öffentlichkeit über
den Charakter der einvernehmlich
festgestellten Bedrohung, das Niveau der zur Abwehr dieser Bedrohung
erforderlichen
Verteidigungsausgaben sowie die möglichen
Konsequenzen
der
Verweigerung
ausreichender Mittel zur nationalen Verteidigung entwickeln.

ie Messung der Verteidigungslasten
1.
Berücksichtigt man sämtliche
Maßstäbe der Lastenverteilung einschließlich der aufgewendeten
Finanzmittel und der erbrachten
Verteidigungsleistungen
-,
so
tragen
die Vereinigten
Staaten
eine erheblich größere Verteidigungslast
als
ihre
sämtlichen
Verbündeten, und dies seit vielen
Jahren. Das bedeutet nicht, daß
einzelne Verbündete nicht erhebliche Verteidigungslasten trügen;
es besagt vielmehr, daß Europa
und Japan nicht zu Sicherheitsressourcen und Fähigkeiten beitragen oder in dem Maße produzieren, wie sie mit ihrer wirtschaftlichen
Zahlungsfähigkeit
oder ihrem vitalen Interesse an
der Sicherung der Freiheit ihrer
Heimat im Einklang stehen.
2.
Politische, gesellschaftliche
und andere, von den Verbündeten
häufig angeführte, nicht quantifizierbare Faktoren spielen zusammen mit der öffentlichen Meinung
bei
der
Lastenverteilung
eine Rolle, ändern jedoch nichts
an der Schlußfolgerung, daß die
Vereinigten Staaten einen unverhältnismäßig großen Teil der Verteidigungslast tragen.
Auch die

�Vereinigten Staaten haben politische und gesellschaftliche Probleme sowie Schwierigkeiten mit
der öffentlichen Meinung.
Unter
diesem Druck stehen alle Länder
der freien Welt, und er ist kein
auf Japan oder Europa begrenztes
Einzelphänomen.
3.
Den Welthandelsmächten steht
es nicht zu, ihren Verteidigungsbeitrag und ihre Verteidigungsfähigkeiten
auf
regionaler
Ebene
aufzurechnen. Solange 20 Prozent
des europäischen und 44 Prozent
des
japanischen
Handelsvolumens
in
den
nichtindustrialisierten
Ländern erzielt wird, sollten die
Verbündeten
nicht das Argument
vorbringen, sie seien nur regionale Mächte.
4. Die Vereinigten Staaten tragen zur Verteidigung Europas und
des Fernen Ostens bei, weil sie
wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen in diesen
Gebieten
haben.
Die
amerikanischen Interessen in Europa und
im Fernen Osten sind jedoch nicht
so groß oder so vordringlich wie
das Interesse der Europäer und
Japaner am Schutz ihrer Lebensweise.
Sollten die Verbündeten
der Ansicht sein, daß ihre Verteidigungshaltung angemessen und
ihre Lebensweise
nicht bedroht
ist, so könnte der amerikanische
Steuerzahler nach Auffassung der
Kommission vielleicht nicht bereit sein, in Zukunft weiterhin
soviel für die Verteidigung dieser Gebiete aufzuwenden wie bisher.
5. Obwohl die Vereinigten Staaten den Vorteil genießen, mehr
Verteidigungsprodukte an die Europäer
zu verkaufen als umgekehrt, wurde das Ungleichgewicht
in den vergangenen Jahren deutlich abgebaut. Insgesamt belegen
die
Handelsstatistiken
ferner,
daß die Verbündeten der Vereinigten Staaten die Hauptnutznießer
des
amerikanischen
Handelsdefi- 5 -

zits sind.
Damit kann man sich
nicht mehr auf das Argument der
Gegenseitigkeit berufen.
6. Dem ehemaligen Abteilungsleiter
im
Verteidigungsministerium
für internationale Sicherheitspolitik, Richard Perle zufolge ist
einer der Bereiche, der in der
Diskussion über die Lastenverteilung im Bündnis mehr Aufmerksamkeit verdient, die Vergabe von
nicht
zweckgebundenen
Krediten
westlicher Banken an Länder des
Warschauer
Pakts.
Wenn
diese
nicht überprüft werden, könnten
die Kredite an unsere Hauptgegner
eine
zusätzliche Belastung
des
amerikanischen Verteidigungshaushalts darstellen und damit die
ungerechten
Lastenverteilung
im
Bündnis noch verschärfen.
Seit
jeher haben
amerikanische
Banken
weniger
als
5 Prozent
nicht zweckgebundener KrediLe an
den Ostblock vergeben, wohingegen
westeuropäische Banken mehr als
die Hälfte dieser Kredite zur
Verfügung stellen und die Japaner
- Schätzungen des CIA - zufolge
den Rest. Die durch die Vergabe
nicht zweckgebundener Kredite unserer Verbündeten herbeigeführte
Stärkung des sowjetischen Militärs hatte einen nicht genau kalkulierbaren,
aber
zweifelsohne
beträchtlichen Zuwachs der amerikanischen
Verteidigungsausgaben
zur Folge.
Die Kommission hat die Absicht,
in der bevorstehenden sechsmonatigen Anhörung dieses Problem genau zu überprüfen.
Ferner ist
die Kommission der Auffassung,
daß die Vereinigten Staaten in
der
NATO, im Koordinationsausschuß für Ost-West-Handel (COCOM)
oder anderen zuständigen multilateralen
Foren angemessene Kontrollen über die Vergabe nicht
zweckgebundener
Kredite an die
Sowjetunion erarbeiten sollten.

�7. Die Vereinigten Staaten sind
und sollten nicht der "Boss" im
Bündnis sein, und die Verbündeten
können von den Vereinigten Staaten nicht die Übernahme höherer
Verteidigungsausgaben
erwarten,
um der "Boss" zu sein. Die Verbündeten der Vereinigten Staaten
sind souveräne Staaten und zu
Recht in einigen politischen Fragen anderer Meinung. Die Kommission vertritt die Ansicht, daß
Lastenverteilung auch eine Umverteilung der Macht bedeutet und
daß die Vereinigten Staaten bereit sein sollten, etwas von ihrer Macht und Kontrolle über den
Entscheidungsprozeß abzugeben und
die Verbündeten mehr Verantwortung bei ihrer eigenen Verteidigung übernehmen.
8. Die Präferenzen und Defizite
in den Budgets der
jeweiligen
Länder sind ein wichtiger Indikator
für die Ausgabeprioritäten
der Vereinigten Staaten und der
Verbündeten.
Die
Vereinigten
Staaten wenden einen deutlich geringeren Teil ihres Bundeshaushalts in allen Ausgabebereichen
auf als die Mehrzahl der Industrienationen
im
Bündnis, mit
Ausnahme von Verteidigung, Wohnungsbau und Gemeindeeinrichtungen. Wenn die Vereinigten Staaten
denselben
Prozentsatz
des
Volksvermögens
für
Verteidigung
ausgeben würden wie die Bundesrepublik Deutschland und Japan,
könnten sie das Haushaltsdefizit
abbauen
und sogar einen Haushaltsüberschuß erwirtschaften.

Strategien für die Bedrohungen und
Herausforderungen der Zukunft
1. Die Vornestationierung amerikanischer Truppen sollte kurzfristig weiterhin den Eckpfeiler der
Militärstrategie der Vereinigten
Staaten bilden, jedoch nicht notwendigerweise auf dem Niveau, das
sie heute in allen Gebieten der
Welt aufrechterhalten.
(Mit an- 6 -

deren Worten, das amerikanische
Streitkräfteniveau
im
Ausland
sollte
kontinuierlich
überprüft
werden).
Die Kommission ist gegen einen kurzfristigen, umfangreichen
Abzug
amerikanischer
Truppen solange die Möglichkeit
zu Verhandlungen über einen asymmetrischen Abbau konventioneller
Streitkräfte mit der Sowjetunion
besteht.
Langfristig
vertritt
die Kommission die Ansicht, daß
eine auf der "Null-Lösung basierende" Studie des militärischen
Engagements und der Stützpunkte
der vereinigten Staaten im Ausland
in
folgender
Reihenfolge
vorgenommen
werden sollte:
1.
Bewertung und Schwerpunktsetzung
amerikanischer Interessen in den
jeweiligen Ländern und Regionen
der Welt und 2.
Anpassung und
möglicher
Abbau
amerikanischer
Streitkräfteniveaus
in
einigen
Regionen in Übersee im Einklang
mit den sich wandelnden amerikanischen Interessen und der Fähigkeit unserer Verbündeten zur eigenen Verteidigung
mit weniger
direkter militärischer Unterstützung der Vereinigten Staaten und
angesichts einschneidender Verlagerungen der Bedrohung.
Obwohl das amerikanische Verteidigungsministerium
jährlich
Material
über die
amerikanischen
Interessen sowie die zur Wahrung
dieser Interessen erforderlichen
Streitkräfte
veröffentlicht,
stellt die Kommission fest, daß
die vom Verteidigungsministerium
vorgenommene Analyse anscheinend
die Prioritäten und Streitkräfteniveaus im Ausland vom Vorjahr
zum Ausgangspunkt für die Prioritäten und Streitkräfteniveaus der
nachfolgenden Jahre macht. Diese
Praxis tendiert zu einer Fortschreibung
des Status quo und
trägt dem sich verändernden internationalen Umfeld nicht in gegebenem Maße Rechnung.
Ein auf
der "Null-Lösung basierender" Ansatz beim militärischen Engagement und den Stützpunkten der

�Vereinigten Staaten im Ausland der Null zum Ausgangspunkt macht,
radikales
politisches
Umdenken
und eine Rechtfertigung von Bedarf, Kosten und Alternativen erzwingt - ist seit langem überfällig.
2. Die Kommission ist der Überzeugung, daß amerikanische Stützpunkte in einem bestimmten überseeischen
Gebiet
entweder
für
Verteidigungszwecke
notwendig
sind oder nicht. Ob und in welchem Umfang ein Land Militärhilfe
von den Vereinigten Staaten erhält, hat keinen Einfluß auf die
militärische Notwendigkeit eines
Stützpunkts. Daher empfiehlt die
Kommission, das Junktim zwischen
Auslandshilfe und dem Recht der
Vereinigten Staaten auf Errichtung von Stützpunkten bei der zukünftigen
Neuverhandlung
von
Stützpunkt-Vereinbarungen
strenger zu handhaben.
3.
Entgegen früherer Empfehlungen vertritt die Kommission die
Auffassung, daß Auslandshilfe von
entscheidender
Bedeutung
ist.
Einige Bündnispartner
der Vereinigten
Staaten
haben
einen
enormen
Bedarf
an
wirtschaftlicher und militärischer Modernisierung, und die Kommission ist
der Ansicht, daß es in der Verantwortung aller Industrienationen im Bündnis liegt, den weniger
wohlhabenden Verbündeten bei der
Befriedigung
ihrer
wirtschaftlichen und militärischen Bedürfnisse zur Seite zu stehen. Entsprechend empfiehlt die Kommission, daß ein oder mehrere neue
Fonds geschaffen werden
(vielleicht ähnlich dem Infrastrukturfonds der NATO), so daß die Industrienationen
ihre
Ressourcen
bündeln und sie strategisch wichtigen Ländern von gemeinsamem Interesse
zufließen
lassen.
Die
Kommission ist überzeugt, daß ein
solcher Fonds von der NATO zugunsten
der
weniger
entwickelten
Länder der NATO in Europa einge- 7 -

richtet werden
könnte und die
Vereinigten
Staaten, Japan und
Korea einen weiteren Fonds schaffen könnten, um einigen der größten Mangel im Fernen Osten abzuhelfen
(insbesondere
auf
den
Philippinen).
Die
Europäische
Gemeinschaft
(EG) unterhält ein
ähnliches Hilfsprogramm für ihre
weniger
weit entwickelten
Mitgliedsstaaten und die Kommission
ist der Ansicht, daß das EG-Modell eingehender geprüft werden
sollte.
4.
Insgesamt sollten die Bündnisspartner
eine größere Rolle
bei der Entscheidung spielen, ob
sie
amerikanische
Truppen
und
Stützpunkte auf ihrem Gebiet als
zur Verteidigung notwendig erachten und wenn ja, die den Vereinigten Staaten durch die Stationierung ihrer Streitkräfte in
Übersee entstehenden zusätzlichen
Kosten ganz oder teilweise übernehmen, einschließlich:
1. Bautätigkeit
auf
amerikanischen
Stützpunkten in Übersee; 2. Gehälter und Vergütungen für vor
Ort zur Arbeit auf diesen Stützpunkten eingestelltem Zivilpersonal; 3.
Ausgleichszahlungen für
die Lebenshaltenskosten des amerikanischen Personals in Übersee;
4. Betriebs- und Unterstützungskosten
für
die
amerikanischen
Stützpunkte
in Übersee und 5.
Reisekosten
für
amerikanische
Truppen, die permament ins Ausland oder zurück in die Vereinigten Staaten verlegt werden.
in
vollem Umfang durchgeführt, würden diese Optionen zur Verringerung der amerikanischen Verteidigungslast um mehr als 7,7 Milliarden Dollar pro Jahr beitragen.
Obwohl sich die Kommission der
Tatsache bewußt ist, daß Kritiker
dieser
Empfehlung
das Argument
vorbringen könnten, die Finanzierung dieser Bereiche durch die
Bündnispartner mache die amerikanischen Truppen in Übersee zu
"Söldnern", stellt die Kommission

�fest, daß einige Länder bereits
durch
Unterstützungsleistungen
des Aufnahmestaats
ein Drittel
der fünf oben genannten Ausgabenbereiche bezahlen. Diese Empfehlung zielt daher nach Ansicht der
Kommission darauf ab, die Leistungen
des Aufnahmestaats zur
Unterstützung
amerikanischer
Streitkräfte
in Übersee aufzustocken.

Lastenverteilung in der NATO
Die Kommission betont, daß die
nationalen
Interessen
der
europäischen Länder in Zukunft verstärkte
militärische Zusammenarbeit und Einheit
zwingend
erforderlich machen.
Die Tatsache, daß Europa aus vielen
Nationen besteht und kein einheitliches Ganzes darstellt, sollte nicht
als Vorwand für einen unangemessenen
Beitrag zur Verteidigung durch die
Europäer angeführt werden. Verstärkte militärische
Zusammenarbeit
und
Einheit sollten vielmehr in Zukunft
als vorrangige Priorität der verbündeten Regierungen angesehen werden.
2. Die einzelnen NATO-Mitgliedsstaaten
leisten
einen
unterschiedlichen Beitrag zur Verteidigung. Daten des amerikanischen
Verteidigungsministeriums
über
die nichtamerikanischen NATO-Länder (Luxemburg, Kanada, Dänemark,
Portugal, Norwegen, Bundesrepublik Deutschland, die Niederlande, Belgien, Spanien und Italien)
zufolge
scheinen
diese
Länder
entschieden weniger als ihren angemessenen Anteil zu entrichten,
oder die fraglichen Indikatoren
für die Verteidigungslast geben
ein
uneinheitliches Bild.
Die
größeren Beitragszahler unter den
nichtamerikanischen
NATO-Länder
sollten die anderen Länder, die
ihr Verhalten im Verteidigungsbereich
nicht ändern, konsequent
und nachhaltig dazu drängen.
3.
Die
jüngsten

Kommission
Bemühungen

begrüßt die
zu Stärkung
- 8

des
sogenannten
europäischen
Pfeilers der NATO und ist der Ansicht, die Europäer sollten bei
der Entscheidung über die zukünftige Verteidigung des europäische
Kontinents
die
Führungsrolle
übernehmen.
Diese
Empfehlung
signalisiert keinen Rückzug aus
der NATO, sondern die längst fällige Neuanpassung bei der militärischen Verantwortung.
In den
kommenden sechs Monaten wird die
Kommission Mittel und Wege zu einer Verbesserung der eigenen Verteidigung durch die Europäer ausloten, einschließlich verbessertem und zunehmendem Einsatz von
Reservisten und defensiven Strategien.
Die Kommission hat ferner die Absicht, eine Reihe von
Ideen und alternativen Verteidigungsstrategien
weiterzuverfolgen, die ihr von Regierungsvertretern und Privatpersonen (etwa
von Leonard Sullivan, dem ehemaligen Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium für Programmanalysen und Auswertung) vorgetragen wurden.
Die Kommission kennt die innenpolitischen Einflüsse in Japan und
Europa, vertritt aber dennoch die
Auffassung, daß unsere Verbündeten sich über den starken politischen Druck nicht hinreichend
im klaren sind, der sich in den
Vereinigten Staaten im Hinblick
auf den Abbau unserer militärischen Verpflichtungen gegenüber
unseren Verbündeten aufbaut, wenn
sie nicht
zur Übernahme eines
größeren Teils der Lasten bereit
sind.
Der Kongreß teilt diese
Ansicht.
Aus diesem Grund verweist die
Kommission
ausdrücklich
darauf,
daß die Europäer sich sehr wohl
auf die Verteidigung ihres eigenen Territoriums ohne ein Engagement umfangreicher amerikanischer
Landstreitkräfte vorbereiten müssen, weil dieses Engagement nicht
für immer garantiert werden kann.
Wenn die Europäer zu der Ansicht

�gelangen, daß eine Luftbrücke zum
Transport
amerikanischer
Landstreitkräfte in Zukunft noch erforderlich sei, um einen Krieg in
Europa
zu führen, sollten die
nichtamerikanischen NATO-Mitglieder gemeinsam 60 Prozent der Anschaffungs- und
Betriebskosten
der Luftflotte (Flugzeuge vom Typ
C-17) zahlen.
(Die C-17 ist das
größte
und modernste Flugzeug,
mit dem amerikanische
Soldaten
und Kriegsgerät im Falle eines
Krieges nach Europa transportiert
würden.)
Zum
Beispiel
würden
sich bei einem Einsatz der gesamten Flotte von 210 Flugzeugen des
Typs C-17 nach Schätzungen des
Haushaltsausschusses
im
Kongreß
die von den Vereinigten Staaten
erbrachten
Anschaffungskosten
zwischen 1988 und dem Jahr 2000
um 19,4 Milliarden Dollar und die
von den Vereinigten Staaten übernommenen
Betriebskosten
um 950
Millionen Dollar pro Jahr verringern. Obwohl dieses Konzept noch
weitreichender
ist,
entspräche
dieser Ansatz dem gegenwärtigen
Plan der NATO, einsatzfähige Aufklärungsflugzeuge (AWACS) zu erwerben, die in Europa stationiert
würden.

Der Beitrag Japans
1.
Japan steht mit seinen Verteidigungsausgaben
weltweit
an
fünfter stelle, aber dennoch sind
die von Japan zu seiner Verteidigung geleisteten Beiträge und Fähigkeiten angesichts seiner wirtschaftlichen stärke unzureichend.
2.
Die japanische Verfassung,
die
Kabinettsentscheidung
zur
Aufwendung
von
"1 Prozent des
Bruttosozialprodukts" und die in
Ostasien verbreitete Furcht vor
einer erneuten japanischen Militarisierung
sind Faktoren, die
japanische
Verteidigungsausgaben
beschränken.
Dennoch
können,
sollten und müssen die Japaner
bei der Verteidigung und in an- 9 -

deren Bereichen der Sicherheitspolitik mehr leisten.
3. Die Vereinigten Staaten sollten Japan bei der Förderung grösserer politischer Einheit und Zusammenarbeit unter seinen Nachbarn
unterstützen.
Ebenso wie
die Bundesrepublik als ehemaliger
Feind
des
Zweiten
Weltkriegs
jetzt integraler Bestandteil Europas ist, kann Japan das Vertrauen seiner Nachbarn erlangen.
Minister treffen
und
parlamentarische Strukturen wie die Westeuropäische Union (WEU) und die
Eurogroup sollten ermutigt werden.
4.
Die japanische Unterstützung
für die Stationierung
amerikanischer Soldaten wird übertrieben
dargestellt.
Die vielfach genannte Zahl von 45 000 Dollar pro
amerikanischem
Soldat
umfaßt
"Nicht-Ausgaben" wie etwa den geschätzten Wert des den amerikanischen
Streitkräften
kostenlos
zur
Verfügung
gestellten
Terrains, Einnahmeverluste aufgrund
der Befreiung von Steuern, Anlege- und Hafengeführen sowie Zölle. Andererseits war die Errichtung amerikanischer Einrichtungen
durch die Japaner sehr hilfreich,
aber dennoch auf das begrenzt,
was die Japaner als "nichtoffensive" Einrichtungen betrachten.
5. Angesichts der erheblich eingeschränkten japanischen Bereitschaft
zu
Verteidigungsausgaben
vertritt die Kommission die Auffassung, es sei zwingend erforderlich, daß die japanische Regierung zumindest ihre Fähigkeit
zur
Selbstverteidigung
ausbaut
und bei Bedarf ihre Missionen der
"1000 Meilen"-Grenze und "Sperrung der Seewege" auch ohne direkte amerikanische Hilfe duchführen kann. Darüber hinaus ist
die Kommission der Ansicht, andere Länder in der Region sollten
Gespräche
über
ihre gemeinsame
Sicherheit aufnehmen.

�6. Japan sollte sein offizielles
Entwicklungshilfebudget erheblich
ausbauen und den Ländern mehr
nichtzweckgebundene Hilfe gewähren, die für Japan und die Vereinigten Staaten wirtschaftliche
und strategische Bedeutung haben
(zum Beispiel die Türkei und die
Philippinen).

Lastenverteilung in bündnisfremden
Gebieten
1. Mit wenigen Ausnahmen sollten
die Vereinigten Staaten nicht erwarten, daß die Verbündeten notwendigerweise einer Politik oder
einem Einsatz in bündnisfremden
Gebieten zustimmen. Die wichtigste Ausnahme betrifft den Fall,
wenn die Verbündeten in einer Region starke wirtschaftliche, politische und militärische Interessen haben. In diesem Fall müssen sich die Verbündeten der Kommission zufolge unbedingt beteiligen.
Eine Region, in der die
Verbündeten eine gemeinsame Verpflichtung
mit den Vereinigten
Staaten haben, ist der Persische
Golf.
2. In vieler Hinsicht bietet die
Umflaggung
kuwaitischer
Tanker
ein gutes Beispiel für die gerechte
Lastenverteilung:
ohne
Kommentar über die Zweckmäßigkeit
der Politik an sich haben die
Vereinigten Staaten umfangreiche
Streitkräfte
zur Verfügung gestellt, ohne zunächst mit den
Verbündeten
über eine mögliche
Beteiligung ihrerseits und deren
Form Übereinkunft
zu erzielen.
Einigen Beobachtern - einschließlich der früheren Botschafterin
Jeane Kirkpatrick - zufolge war
das Ergebnis dieses "großen Einsatzes" in mancher Hinsicht von
Nachteil.
Die Vereinigten Staaten hätten eine ausgewogenenere
Lastenverteilung mit den Verbündeten erzielt, wenn wir sie vor
Ankündigung unseres eigenen Engagements konsultiert hätten.
Die
- 10 -

Kommission ist der Ansicht, daß
ein
geringeres
Engagement
der
Vereinigten Staten bei künftigen
Einsätzen im Golf vorzuziehen ist.
3. Die Vereinigten Staaten sollten mit der NATO und Japan Gespräche
darüber
aufnehmen, wie
man in Zukunft Probleme in bündnisfremden
Gebieten
behandeln
soll.
Der Persische Golf zählt
sicher zu den Gebieten von gemeinsamem Interesse für die Vereinigten Staaten, Europa und Japan und sollte daher den Kernpunkt dieser
Gespräche bilden.
Das Ziel dieser Gespräche sollte
die Erarbeitung eines Mechanismus
sein, mit dessen Hilfe die Verbündeten Konsultationen durchführen und Abkommen erzielen können,
wie man Bedrohungen ihrer Interessen
in der Region bekämpfen
kann.
Es besteht Grund zu der
Annahme, daß die Verbündeten in
bestimmten Regionen delikate diplomatische
Missionen
besser
durchführen könnten als die Vereinigten Staaten, und dazu sollten sie ermutigt werden.
4.
Alle
NATO-Verbündeten
betrachten den Terror ismus als Bedrohung unserer gemeinsamen Sicherheitsinteressen.
Dieser Konsens hat Zusammenarbeit bei der
nachrichtendienstlichen Tätigkeit
und der gemeinsamen militärischen
Planung
herbeigeführt, die für
die bessere Koordinierung innerhalb der NATO bei Sicherheitsproblemen in Gebieten außerhalb des
eigentlichen Bündnisbereichs Modellcharakter
annehmen
könnte.
Die Kommission vertritt die Auffassung,
daß
gegenwärtige
Anstrengungen
zur
Terrorismusbekämpfung durch die Bildung eines
gemeinsamen
NATO-Koordinierungsausschusses
zur Bekämpfung
des
Terrorismus (ein Mechanismus, der
als Modell für erweiterte Zusammenarbeit von Institutionen dienen könnte) noch erhöht werden
könnten.

�Die amerikanische Haltung zur
Lastenverteilung
1. Trotz der Versicherungen von
Vertretern der amerikanischen Regierung,
daß
die
Verbündeten
ständig
zur
Übernahme
eines
größeren Anteils der Verteidigung
aufgefordert würden, liefern Statistiken Grund zu der Annahme,
daß die diplomatischen Bemühungen
der Vereinigten Staaten keine gerechtere Lastenverteilung hervorgebracht haben.
2. Dem US-Rechnungshof (GAO) zufolge hat Japan eher auf die Initiativen zur Lastenverteilung reagiert als die europäischen Verbündeten (obwohl die europäischen
Verbündeten für ihre Verteidigung
größere Opfer bringen als die Japaner) .
3. Die Verbündeten haben im Laufe der Jahre zur Lastenverteilung
unterschiedliche Signale aus den
Vereinigten Staaten aufgefangen der Kongreß hat seine große Unzufriedenheit bekundet und dennoch
hat die Administration die Botschaft verbreitet, die Beiträge
der Verbündeten würden oftmals
unterschätzt
und
amerikanische
Präsenz
in Übersee liege sehr
wohl im Interesse der Vereinigten
Staaten.
4. Insgesamt scheint es, daß die
Vereinigten Staaten die Lastenverteilung
mit den Verbündeten
nicht
angemessen
betont haben.
Wenn Japan dem Schluß des GAO zufolge auf amerikanische Initiativen positiv reagiert hat, liegt
es auf der Hand, daß die Vereinigten Staate nicht genug gefordert haben.
5.
Programme der Zusammenarbeit
waren erfolgreich, um eine Duplizierung
von
Waffensystemen
zu
vermeiden, Ressourcen der Vereinigten Staaten und ihrer verbündeten für wichtige Projekte zu
bündeln und größere Leistungsfä- 1

higkeit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten zu erlangen.
Die Programme sollten so
weit wie möglich erweitert werden, insbesondere im Hinblick auf
Japan. Dennoch verweist die Kommission darauf, daß zusätzliche
Sicherheitsmaßnahmen erforderlich
sein könnten, um den Schutz sicherheitsempfindlicher
amerikanischer
Technologie
zu gewährleisten.
6. Schließlich vertritt die Kommission die Auffassung, daß die
Verbündeten uns solange eine unverhältnismäßig große Last übernehmen lassen, wie wir die Bereitschaft dazu zeigen. Dazu erklärte die frühere Botschafterin
Jeane Kirkpatrick vor der Kommission:
"Wenn die Verbündeten erkennen,
daß wir nicht vortreten und unverhältnismäßig große Verantwortung übernehmen, dann - und nur
dann - werden sie vortreten und
ihren Anteil an der Verantwortung
tragen."
Verschiedenen
Quellen
zufolge
scheinen manche Bereiche der amerikanischen
Regierung
(zum
Beispiel
Handels- und
Verteidigungsministerium) aneinander vorbei zu arbeiten
und deshalb nutzen die Vereinigten
Staaten nicht ihre Macht in einem Bereich, um bei der Verteidigung eine
bessere Lastenverteilung zu erzielen.
Dem früheren Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium für Internationale
Sicherheitspolitik,
Richard
Perle, zufolge
"... vergeht kaum ein Tag, an dem
nicht ein Verbündeter der Vereinigten
Staaten eine Entscheidung in Washington verlangt, die in seinem Interesse
- und oftmals in seinem innenpolitischen Interesse - liegt, die als
Grundlage eines vernünftigen und unsererseits
wünschenswerten
Handels
dienen könnte. Wenn man dies auf der
Basis entschlossener
Gegenseitigkeit
angeht... kann man Ergebnisse erzielen.

�Es sind Verträge zu vergeben. Es
gibt Handelsbeziehungen, die vielfach
der Intervention von Regierungsbehörden bedürfen. Es gibt zahlreiche andere wirtschaftliche Probleme und Finanzfragen - im Flugverkehr, Handelsbeziehungen im allgemeinen, Fischerei. Die Liste der in Washington getroffenen Entscheidungen, die Interessen unserer Verbündeten betreffen,
ist lang. Diese Entscheidungen sollten in einigem Umfang unsere Erfolge
im Hinblick auf eine ausgewogene Lastenverteilung widerspiegeln."
Die
Kommission
stimmt
diesem
Prinzip eines "Junktims" zu und vertritt die Auffassung, daß ein Mechanismus geschaffen werden muß, um zu
gewährleisten, daß
Lastenverteilung
auf allen Ebenen der amerikanischen
Beziehungen zu verbündeten Regierungen Beachtung findet.

* * * * * *

- 12

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

30

24. August 1988
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE AUSSENPOLITIK DER REPUBLIKANER:

"STARKE, REALISMUS, DIALOG"

- Auszüge aus der außenpolitischen Wahlplattform der Republikaner NEW ORLEANS - (AD) - Der Wahlplattform der republikanischen Partei zufolge
bilden "Stärke, Realismus und Dialog" drei "Eckpfeiler", die einer republikanischen Administration als Leitlinie für ihre Außenpolitik dienen werden.
Diese Eckpfeiler waren bereits in der Reagan-Administration die Grundprinzipien der Außenpolitik und "die Welt von 1988 ist ein Beweis für Frieden
durch Stärke".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem vom nationalen Parteikonvent in New Orleans verabschiedeten außenpolitischen Teil der Wahlplattform:

Amerika und seine Führungsrolle in
der Welt
In der republikanischen Partei
verfolgen wir traditionell außenpolitische Zielsetzungen, die von Weitblick und Führungskraft zeugen. Darüber hinaus wenden wir zur Verwirklichung dieser Ziele eine realistische
Langzeitstrategie an. Die vordringlichen außenpolitischen Ziele sollten
darin bestehen, die Nation und ihre
Menschen zu schützen und zu verteidigen, entscheidende nationale Interessen der Vereinigten Staaten im Ausland zu wahren, sowie Frieden, Stabilität und Sicherheit auf der ganzen
Welt durch demokratische Selbstbestimmung und wirtschaftlichen Wohlstand zu fördern.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wir vertreten die Auffassung, daß
sich unsere Politik auf die drei Eckpfeiler Stärke, Realismus und Dialog
gründen muß, wenn wir diese Ziele
verwirklichen wollen.
Die Außenpolitik der Republikaner
basiert auf einem Frieden, der durch
stetige Vorkehrungen für unsere nationale Sicherheit bewahrt wurde und
hat den INF-Vertrag hervorgebracht,
mit dem eine gesamte Kategorie von
Nuklearwaffen abgeschafft wurde. Die
Entschlossenheit
und
Willenskraft
Amerikas brachten zusammen mit der
zuverlässigen Unterstützung unserer
europäischen Verbündeten die Sowjets
zurück an den Verhandlungstisch und
ermöglichten eine einschneidende Reduzierung
der Nuklearwaffen.
Der
INF-Vertrag wurde nicht einseitig

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�durch Konzessionen oder die Aufhebung
von Waffenprogrammen erzielt.
Die heutige Außenpolitik der Republikaner wurde auf die Probe gestellt und hat sich bewiesen. Unsere
Formel für den Erfolg basiert auf einer realistischen Einschätzung der
Welt von heute, und nicht auf einer
Wunschvorstellung.
Der sowjetische
Rückzug aus Afghanistan ist nicht das
Ergebnis glücklicher Umstände oder
der für den Kreml notwendigen Einsparung einiger Rubel. Er ist ein direktes Resultat republikanischer Aussenpolitik, der sogenannten ReaganDoktrin:
unserer Entschlossenheit,
denjenigen Menschen die entscheidende
Hilfe zu leisten, die lieber aufrecht
sterben als sich dem Joch einer von
sowjetischer Seite aufgezwungenen Unterdrückung beugen wollen.
Unterstützung für die Freiheitskämpfer und
damit einhergehende Verhandlungsbereitschaft können als Modell für unseren Widerstand gegen die Verbreitung des Marxismus in der übrigen
Welt dienen.

len wir die massiven Interventionen
der
gegenwärtigen
demokratischen
Mehrheit im Kongreß in diesem Bereich, die versucht, den Anschein von
Schwäche und Verwirrung zu erwecken
und die erfolgreiche Durchführung der
amerikanischen Außenpolitik zu gefährden.
Die Welt von 1988 beweist den Erfolg des Konzepts von Frieden durch
Stärke und der Reagan-Doktrin zur
Förderung der nationalen Interessen
Amerikas. Unsere Beziehungen zur Sowjetunion gründen sich nunmehr auf
diese entschlossene und realistische
Politik. Ergebnisse wie der INF-Vertrag liefern ein konkretes Beispiel
für die Folgerichtigkeit dieses Konzepts:
- Das afghanische Volk steht kurz
vor der Befreiung seines Landes
von sowjetischer Besatzung und
kann mit unserer anhaltenden Unterstützung seine wirkliche Freiheit sichern.
- In Südostasien haben unsere Politik der Isolation gegenüber Vietnam und unsere Unterstützung des
Widerstands
in Kambodscha zur
Entscheidung Vietnams über den
Rückzug aus Kambodscha beigetragen.

Die Welt erwartet, daß die Vereinigten Staaten die Führungsrolle
übernehmen.
Die Republikaner sind
der Ansicht, daß dies sehr wohl im
Interesse unseres Landes liegt. Aus
diesem Grund werden wir sowohl unsere
Freunde als auch unsere Feinde in die
Pflicht nehmen. Überleben und friedlicher Wettbewerb liegen in unserem
gemeinsamen Interesse.
Dennoch hat
die Reagan-Bush-Administration bewiesen, daß Dialog und Engagement nur
aus einer Position der Stärke heraus
Erfolg zeitigen können. Uns ist bewußt, was die Demokraten anscheinend
vergessen haben: wenn sich Außenpolitik auf Schwäche oder eine unrealistische
Einschätzung
der
Welt
stützt, ist sie zum Scheitern verurteilt.
Wenn sie auf Naivität basiert, wird sie in eine Katastrophe
münden.

Mittel- und Lateinamerika

Unserem Verfassungssystem zufolge
zählt die Durchführung der Außenpolitik zu den ersten Pflichten der Exekutive. Aus diesem Grunde verurtei-

Mittelamerika war für die Vereinigten Staaten immer eine Region
von strategischer Bedeutung.
Dort
ist jetzt Nicaragua - ebenso wie Kuba

- Im südlichen Afrika könnten die
kubanischen Truppen bald aus Angola abziehen und Namibia möglicherweise unabhängig werden.
- Der Krieg zwischen Iran und Irak
steht aufgrund der starken Führungsrolle der Reagan-Bush-Administration bei den Vereinten Nationen und der amerikanischen
Präsenz im Persischen Golf kurz
vor seiner Beendigung.

- 2 -

�- zu einem sowjetischen Vasallenstaat
geworden.
Der Demokratisierungsprozeß in der Region ist nunmehr durch
die sandinistische Militärmasch^nerie
und den aus Nicaragua, Kuba und der
Sowjetunion exportierten bewaffneten
Untergrundkampf direkt bedroht. Die
Sandinisten sind jetzt mit sowjetischen Waffen ausgerüstet, die qualitativ und quantitativ ihren eigenen
Verteidigungsbedarf weit überschreiten.
Dem Volk von Nicaragua werden von
der sandinistischen Junta grundlegenden Menschenrechte, das Recht auf Religionsfreiheit und politische Rechte
verweigert.
Heute schließen sich
Tausende von Nicaraguanern im Kampf
zur Befreiung ihres Heimatlandes von
einem totalitären Regime zusammen.
Die republikanische Partei steht ihnen in diesem Kampf zur Seite und
verpflichtet sich, sie sowohl mit humanitären als auch mit militärischen
Hilfsleistungen
zu
unterstützen.
Frieden ohne Freiheit für das nicaraguanische Volk reicht nicht aus.
Wenn sich die Demokratie nicht
durchsetzt, wenn Nicaragua eine kommunistische Diktatur bleibt, die weiterhin ihre Revolution exportiert,
sind die zerbrechlichen Demokratien
Mittelamerikas in Gefahr. Die republikanische Partei hält in ihrem
Kampf um Frieden, Freiheit und Wirtschaftswachstum zu ihnen. Wir erklären den Menschen und der Regierung in
El Salvador, einem Ziel der aus dem
Ausland gesteuerten Rebellionen, unsere einhellige Unterstützung. Unter
republikanischer Führung sollten die
Vereinigten Staaten auf die Bitte unserer Nachbarn in Mittelamerika um
Militärhilfe eingehen, um die aufstrebenden Demokratien vor den Sowjets, Kuba oder von anderer Seite
unterstützten Revolten zu schützen.
Wir vertreten die Auffassung, daß
die Regierungen
Lateinamerikas im
Kampf gegen den blühenden Drogenhandel in der Region zusammenhalten müssen.
Wir müssen die Anstrengungen
voll und ganz unterstützen, mit denen

Hersteller illegaler Drogen zu anderen Einnahmequellen bewegt werden.
Die Republikaner "erden sich so
lange jeder Normalisierung der Beziehungen mit der kubanischen Regierung
widersetzen, wie Fidel Castro das kubanische Volk unterdrückt und internationalen Terrorismus und Drogenhandel unterstützt. Wir werden die Einführung direkt vom kubanischen Volk
gewählten repräsentativen Regierungsform weiterhin vehement unterstützen.
Wir bekräftigen unsere Hilfe für Radio Marti und fordern die Gründung
von TV Marti, um das unterdrückte kubanische Volk besser erreichen zu
können.
Panama stellt die in den vergangenen acht Jahren erzielten Fortschritte in der Region vor eine andere Herausforderung.
Unsere Politik
muß dem autoritären Militärregime und
dem Drogen-Terrorismus ebenso entschieden entgegentreten wie der kommunistischen Tyrannei und der Subversion durch die Guerilla. Diese Politik muß entschieden dafür eintreten,
alle
bekannten
Drogen-Terroristen
oder Drogenhändler in ihren Heimatländern oder vor den Gerichten der
Vereinigten Staaten ihrer gerechten
Bestrafung zuzuführen. Die Republikaner betrachten den Panamakanal als
entscheidende strategische Verbindung
zwischen Atlantik und Pazifik. Wir
vertreten die Auffassung, daß der
freie und ungehinderte Zugang zum Panamakanal gewährleistet sein muß, wie
er im Panamakanal-Vertrag als Grundprinzip niedergelegt ist. Wir bekennen uns zur der historischen Partnerschaft und Freundschaft zwischen den
Menschen in Amerika und Panama.

Die Sowjetunion; Neue Herausforderungen und bleibende Realitäten
Die Republikaner sind stolz darauf, daß es ein republikanischer Präsident war, der die Botschaft der
Freiheit in die Sowjetunion trug.
Ein neuer republikanischer Präsident
wird auf diesen Erfolgen am besten

- 3-

�aufbauen können und aufgrund der langen Geschichte des sowjetischen Expansionismus und der falschen Versprechungen stets auf der Hut sein.
Wir sind bereit, echte Reformen anzuerkennen, aber Amerika darf nicht unvorbereitet sein, sollte sich diese
Reform als illusorisch erweisen.
Die sowjetischen Forderungen nach
Frieden und Harmonie auf der Welt haben einen hohlen Klang, wenn man sie
mit der anhaltenden sowjetischen Unterstützung kommunistischer Guerillas
und Regierungen in der Dritten Welt
vergleicht.
Sogar in Afghanistan
treten die Sowjets den Rückzug an nicht als Ergebnis einer wohlwollenderen Sichtweise der Welt, sondern
wegen des Mutes der entschlossenen
Mujahedin-Freiheitskämpfer, die von
den Vereinigten Staaten voll unterstützt werden.
Die
sowjetische
Militärmacht
nimmt zu.
Immer mehr Panzer und
Flugzeuge verlassen sowjetische Produktionsstätten, zwei- bis dreimal so
viele wie in den Vereinigten Staaten.

stungskontrolle um ihrer selbst willen oder um jeden Preis ist naiv und
gefährlich.
Die Republikaner werden weiterhin
mit der neuen sowjetischen Führung
zusammenarbeiten. Aber die Bedingungen des Verhältnisses werden sich
nach der konsequenten Einhaltung bestimmter Grundsätze richten:
- Menschenrechte und das Recht auf
Religionsfreiheit in der Sowjetunion,
- Reform der
schaft,

sowjetischen

Wirt-

- Aufgabe der sowjetischen Unterstützung für kommunistische Regime, radikale Gruppen und Terroristen,
- Verifizierbare vollständige Einhaltung aller RUstungskontrollabkommen,
- das Recht auf freie Ausreise für
alle Bürger der Sowjetunion,

Die
sowjetische
Militärdoktrin
hat weiterhin offensiven Charakter,
wie es die einschüchternde Präsenz
großer sowjetischer Panzerdivisionen
in Osteuropa demonstriert. Das ist
die Realität des militärischen Einsatzkonzepts.

- Abbau der massiven offensiven Fähigkeiten
der
Sowjetunion
im
strategischen und konventionellen
Bereich.
Mit anderen Worten die
sowjetische
Militärdoktrin
muß im Einklang mit ihrem Text
stehen,

Mit einer realistischen Betrachtungsweise der Sowjetunion und einem
angemessenen
Stellenwert
der Rüstungskontrolle in den amerikanischsowjetischen
Beziehungen
hat
die
Reagan-Bush-Administration das historische INF-Abkommen mit der Sowjetunion geschlossen. Gegenwärtig sind
Verhandlungen mit der Sowjetunion
über einen Abbau strategischer Nuklearwaffen um die Hälfte möglich, weil
das amerikanische Volk Vertrauen in
die Führungsrolle der Republikaner
bekundet.
Das amerikanische Volk
weiß, daß für die Republikaner kein
Abkommen besser ist als ein Vertrag,
der die Sicherheit der freien Welt
gefährdet. Die Durchführung von Rü-

- keine Gewährung von nicht-zweckgebundenen Krediten mehr, insbesondere keine Kredite mehr für
allgemeine Zwecke, mit denen die
Sowjets die dringend benötigte
harte Währung erhalten, um ihre
schwache Wirtschaft zu stärken
und den illegalen Erwerb amerikanischer Technologie zu erleichtern.
Die Republikaner bekennen sich
stolz zur Reagan-Doktrin:
Amerikas
Engagement
zur
Unterstützung
der
Freiheitskämpfer gegen kommunistische
Unterdrückung, die Freiheit und den
menschlichen Geist zerstört. Wir begrüßen die Befreiung Grenadas. Wir

�bekräftigen unsere Unterstützung für
die heldenhaften Kämpfer des afghanischen Widerstandes und verpflichten
uns, ihnen bis zum Ende ihres Kampfes
beizustehen. Wir geloben den demokratischen Befreiungsbewegungen auf
der ganzen Welt unsere politishe und
materielle Unterstützung.
Die Republikaner vertreten die
Auffassung, daß Menschenrechte dort
am ehesten verwirklicht werden, wo
die Freiheit auf dem Vormarsch ist.
Wir fordern die sowjetische Regierung
auf,
ihre
politischen
Gefangenen
freizulassen, den Dissidenten und anderen Regimekritikern die freie Ausreise zu gestatten und die Religionsfreiheit
einzuführen.
Sowjetische
Juden, Christen und andere ethnische
und religiöse Gruppen werden systematisch verfolgt, das Recht auf Ausreise wird ihnen verweigert, und sie
dürfen ihren Glauben nicht praktizieren. Diese Situation ist unerträglich, und die Republikaner fordern
ein Ende all dieser diskriminierenden
Praktiken.
Wir unterstützen den Wunsch nach
Freiheit und Selbstbestimmung all jener, die in totalitär beherrschten
Staaten leben.
Die republikanische
Partei verurteilt die Unterdrückung
der freien Willens der Polen, Ungarn,
Tschechoslowaken, Bürger der DDR,
Bulgaren, Rumänen und Albanier. Wir
unterstützen den Wunsch nach Freiheit
der Esten, Letten, Litauer, Ukrainer,
der Menschen im Kaukasus und anderer
Völker, die in der Sowjetunion gefangengehalten sind.
Wir unterstützen
die Gewerkschaftsbewegung Solidarität
in Polen.
Wir halten die Verletzung der
Menschenrechte aus religiösen oder
kulturellen Gründen für unvereinbar
mit unseren Werten. Tragödien in der
Geschichte - wie etwa der Holocaust
oder die schrecklichen Verfolgungen,
die das armenische Volk erdulden mußte - sind lebhafter Beweis für die
notwendige Wachsamkeit beim Schutz
und der Förderung der Menschenrechte.
Wir müssen zusammen mit anderen si-

cherstellen, daß sich solche Tragödien niemals wiederholen.
Die Republikanische Partei begrüßt die weitsichtigen Bemühungen
der Reagan-Bush-Administration um den
Ausbau der für unsere Öffentlichkeitsarbeit
eingesetzten
elektronischen Kommunikationsmittel, mit denen wir die totalitär beherrschten
Länder erreichen. Der Stimme Amerikas, Worldnet, Radio Free Europe und
Radio Liberty kommt bei unserer Öffentlichkeitsarbeit
eine
führende
Rolle zu. Diese elektronischen Kommunikationsmittel sind die treibende
Kraft und Multiplikatoren der Wahrheit. Sie bekämpfen eines der dunkelsten Kapitel des Totalitarismus:
die Unterdrückung des Volkes durch
Kontrolle von Informationen.
Wir
drängen auf den verstärkten Einsatz
moderner Technologien wie etwa Direktübertragungssatelliten und Videobändern sowie von Fernseh- und Rundfunkübertragungen, um den Wert der
Freiheit des Einzelnen auf der ganzen
Welt zu verbreiten.

Europa und die Verteidigung des
Westens
Die Republikaner sind der Überzeugung, daß der weitere Ausbau des
Handels zwischen Europa und den Vereinigten Staaten zum Nutzen des amerikanischen Volkes und seiner europäischen Freunde ist.
Diese Wirtschaftsbeziehung muß sich jedoch auf
das Prinzip des freien und fairen
Handels gründen. Protektionismus und
andere gegen amerikanische Produkte
gerichtete
Handelshemmnisse
werden
nicht geduldet.
Das amerikanische
Volk fordert wirtschaftliche Fairneß
im amerikanisch-europäischen Handel.
Der vor kurzem unterzeichnete
INF-Vertrag hat bewiesen, daß der
NATO-Doppelbeschluß
zum Aubau der
NATO-Nuklearstreitkräfte
in
Europa
und gleichzeitige Verhandlungen über
Rüstungsbegrenzungen mit der Sowjetunion der einzige Weg waren, um die
sowjetische Führung zur Annahme be-

- 5 -

�deutender Reduzierungen bei den Nuklearwaffen zu bewegen.
Angesichts
der sowjetischen Propagandaangriffe
in den achtziger Jahren hat die NATO
als geschlossenes Bündnis ihre Flexibilität unter Beweis gestellt. Ermutigt durch die starke Führungsposition der Vereinigten Staaten nahm Europa eine unerschütterliche Haltung
gegenüber den sowjetischen Forderungen nach einem Atomstopp und einseitiger Abrüstung ein.
Amerikanische Hilfsleistungen und
der Fleiß der Europäer haben Westeuropa erneut zu einer Position weltweiter Stärke verholfen. In diesem
Zusammenhang ist die Republikanische
Partei der Auffassung, daß alle Mitgliedsstaaten der NATO ihren Teil der
Verteidigungslast tragen sollten.
Die Republikaner erachten Konsultationen und Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten und Freunden als vorrangiges Ziel des Bündnisses, um der
Verbreitung von Technologie für ballistische Raketen Einhalt zu gebieten. Wir sind der Überzeugung, daß
die
andauernde
Unterstützung
der
Strategischen Verteidigungsinitiative
zu der Versicherungspolice im Bereich
der Verteidigung führen wird, die das
amerikanische Volk für sich und seine
Verbündeten wünscht.

Der Nahe Osten

Wir werden unsere strategische
Beziehung zu Israel weiter festigen,
indem wir zusätzlich konkrete Schritte zur weiteren Institutionalisierung
unserer
Partnerschaft
unternehmen.
Dies beinhaltet die Aufrechterhaltung
eines angemessenen Umfangs an Militär- und Wirtschaftshilfe; die Fortsetzung unserer Treffen zu militärischer, politischer und wirtschaftlicher Kooperation und Koordination;
die Bereitstellung militärischen Geräts; die Entwicklung gemeinsamer
Pläne für jedwede Eventualität und
vermehrte gemeinsame See- und Luftübungen.
Die Zunahme der sowjetischen Militärpräsenz im östlichen
Mittelmeer und entlang der Südflanke
der NATO ist Beweis für die vordringliche Entwicklung und Erweiterung der
strategischen Beziehung zwischen den
Vereinigten Staaten und Israel.
Wir lehnen die Schaffung eines
unabhängigen Palästinenserstaates ab;
seine Gründung steht den Sicherheitsinteressen Israels, Jordaniens und
der Vereinigten
Staaten entgegen.
Wir werden die Schaffung irgendeiner
palästinensischen Gruppe, die Israels
Sicherheit aufs Spiel setzen könnte,
in keiner Weise unterstützen.
Die Republikaner werden auf die
Bestrebungen der Reagan-Bush-Administration aufbauen und anhand der folgenden Prinzipien auf Frieden zwischen Israel und seinen arabischen
Nachbarn hinarbeiten:

Die Grundlage unserer Politik im
Nahen Osten war und ist die Förderung
eines stabilen und andauernden Friedens in Anerkennung unserer moralischen und strategischen Beziehungen
zu Israel. Mehr als jede vorherige
Regierung hat die Reagan-Bush-Administration diese Partnerschaft gefestigt. Als Ergebnis dessen sind die
Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Israel enger als je zuvor.
Wir werden Israels qualitativen
Vorteil gegenüber jedem Gegner oder
jeder Gruppe von Gegnern weiterhin
aufrechterhalten.

- 6 -

- Ein gerechter und andauernder
Frieden ist unabdingbar und vordringlich und kann nur durch direkte Verhandlungen zwischen Israel und den arabischen Nationen
verwirklicht werden.
- Friedensverträge müssen durch direkte
Verhandlungen
erarbeitet
werden und dürfen niemals einem
Partner aufgezwungen werden, der
dazu nicht bereit ist.
- Die PLO sollte keine Rolle im
Friedensprozeß spielen, es sei
denn, sie erkennt Israels Exi-

�stenzrecht an, akzeptiert Resolution 242 und 338 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, sagt
sich vom Terrorismus los und entfernt die Sprachregelung aus ihrer Charta, mit der die Vernichtung Israels gefordert wird.

menarbeit mit den pro-westlichen arabischen Staaten aufbauen. Wir sind
uns bewußt, daß diese arabischen Länder trotz möglicher VTgeltungsschläge durch radikale Elemente im Nahen
Osten freundliche Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten unterhalten.

Wir sind der Überzeugung, daß Jerusalem eine ungeteilte Stadt sein
soll, mit freiem und ungehindertem
Zugang zu allen heiligen Stätten für
Menschen aller Konfessionen.

Die ständigen Auseinandersetzungen im Libanon liegen nicht im Interesse der Vereinigten Staaten.
Bis
wieder Ordnung herrscht, wird der Libanon eine Quelle
internationaler
Terrorakte und regionaler Instabilität sein. Um den Normalzustand im
Libanon
wiederherzustellen,
müssen
die Vereinigten Staaten der überwiegenden Mehrheit der Libanesen hilfreich zur Seite stehen, die sich einem unabhängigem, friedlichen und demokratischen
Libanon
verpflichtet
fühlen.

Die Republikaner erachtten Ägypten als Mittler in der arabischen
Welt für die Sache des regionalen
Friedens und der Sicherheit.
Aus
diesem Grund sind die Vereinigten
Staaten unserer Ansicht nach an der
anhaltenden wirtschaftlichen Entwicklung Ägyptens äußerst interessiert.
Als einzige arabische Nation, die
formell Frieden mit Israel geschlossen hat, profitiert Ägypten jetzt davon.
Ägyptens
Unterstützung
des
Camp-David-Abkommens beweist, daß ein
arabisches Land mit Israel Frieden
schließen, ein Verbündeter der Vereinigten Staaten sein und gleichzeitig eine gute Position in der arabischen Welt beibehalten kann. Die
Republikaner unterstützen die formelle Anerkennung Ägyptens als wichtigstem Verbündeten außerhalb der NATO
durch die Reagan-Bush-Administration.
Unsere anhaltende Unterstützung
Ägyptens und anderer pro-westlicher
arabischer Staaten ist elementarer
Bestandteil der Politik der Republikanischen Partei. Zur Unterstützung
dieser Politik haben wir Seestreitkräfte in die Region entsandt, damit
sie gemeinsam mit den Verbündeten die
Schiffahrtsrouten während des iranisch-irakischen Krieges offenhalten.
Wir erkennen auch die besondere Rolle
der gemäßigten arabischen Staaten bei
der Unterstützung der amerikanischen
Sicherheitsinteressen an.
Die Republikaner werden auf die
Errungenschaften der Reagan-Bush-Administration und somit auf eine verbesserte sicherheitspolitische Zusam-

Um dieses Ziel zu verwirklichen,
werden wir die Politik der Vereinigten Staaten auf folgende Prinzipien
gründen: Einheit des Libanon; Abzug
aller
ausländischen
Streitkräfte;
territoriale Integrität des Libanon;
Wiederherstellung der Regierungsgewalt und die erneute Bestätigung der
libanesischen Souveränität im ganzen
Land in Anerkennung der Tatsache, daß
die Gewährleistung dieser Souveränität in der Verantwortung der libanesischen Regierung liegen muß. Wir
werden dem Libanon beim Wiederaufbau
seiner Gesellschaft behilflich sein,
damit religiöse Gruppierungen ebenso
wie in der Vergangenheit auch in Zukunft nebeneinander bestehen können,
der internationale Handel blühen kann
und internationaler Terrorismus der
Vergangenheit angehört.
Seit nahezu vier Jahrzehnten haben die strategischen, wirtschaftlichen und politischen Interessen der
Vereinigten Staaten in der Region ihren Niederschlag in der amerikanische
Politik am Persischen Golf gefunden.
Die republikanische Politik verfolgt
drei Hauptziele:

- 7 -

- Gewährleistung
transports.

des

freien

Öl-

�- Die Ausdehnung des sowjetischen
Einflusses zu verhindern.
- Unterstützung der Unabhängigkeit
und Stabilität der Staaten in der
Region.

Bekämpfung des internationalen
Terrorismus und Bewältigung unterschwelliger Konflikte
Die Art der Kriegsführung an sich
hat sich gewandelt. Terrorismus ist
eine einzigartige Form der Kriegsführung, mit der die Sicherheit und Stabilität weltweit angegriffen und bedroht wird. Angefangen von dem mißglückten Attentat auf den Papst über
Anschläge auf Clubs der amerikanischen Streitkräfte in Europa mit
Autobomben bis hin zur Einschleusung
von Drogen in den Westen versucht der
Terrorismus, die Freiheit als unveräußerliches Recht des Menschen niederzukämpfen.
In dieser Kampagne des Terrors
haben sich das totalitäre Lager und
anti-westliche Fanatiker zusammengetan.
Die Ziele ihres subversiven
Krieges gegen die Demokratien sind
der Abzug unserer Truppen im Ausland
und der Widerruf unserer Freiheiten
im Inland.
Die Republikanische Partei ist
der Überzeugung, daß die Vereinigten
Staaten zur Vereitelung von Terroranschlägen nachrichtendienstliche Fähigkeiten unvergleichlichen Ausmaßes
aufrechterhalten müssen. Falls Terroranschläge weder verhindert noch
abgewehrt werden können, müssen die
Vereinigten

Staaten

unserer

Ansicht

nach bereit sein, eine angemessene
Mischung von diplomatischem, politischem und militärischem Druck sowie
Mittel zur Bekämpfung des Terrorangriffs einzusetzen. Die Vereinigten
Staaten müssen weiterhin auf die Verpflichtung des Westens drängen, im
Bereich des Terrorismus eine Politik
"ohne Konzessionen" zu verfolgen.

Bush-Administration zu ihrer Bereitschaft, gegen Terroristen wie Libyens
Oberst Ghaddafi gemäßigt vorzugehen.
Wir bekräftigen unsere Entschlossenheit, sein gesetzeswidriges Regime
weiterhin zu isolieren. Wir begrüßen
die unverzügliche Verabschiedung des
Gesetzes über diplomatische Sicherheit und Terrorismusbekämpfung durch
die
Reagan-Bush-Administration
im
Jahr 1986. Wir stehen unerschütterlich zu unserer Verpflichtung, alle
von terroristischen Elementen im Nahen Osten als Geiseln gefangengehaltenen Amerikaner zu befreien. Wo immer möglich, werden wir diejenigen
zur Rechenschaft ziehen, die für solche abstoßenden Taten verantwortlich
sind. Wir unterstützen ferner ausländische Militärhilfe, dank derer
befreundete Nationen für ihre eigene
Verteidigung
sorgen
können, einschließlich der Verteidigung gegen
Terroranschläge.
Wir sind uns der wachsenden Bedrohung unserer nationalen Sicherheit
durch den Terrorismus bewußt. Wir
werden den Terrorismus aktiv bekämpfen und sind bereit, gemeinsam
mit anderen Nationen oder - falls erforderlich - auch im Alleingang, Terroranschläge zu vereiteln oder darauf
zu reagieren. Unsere Politik konzentriert sich auf präventive Maßnahmen
zur Terrorismusbekämpfung; Zusammenarbeit mit den Verbündeten und auf
internationaler Ebene; Verhandlungen
über ein internationales Abkommen,
das präventive und aktive Maßnahmen
gegen Terroristen und Drogenterrorismus erleichtert, sowie die Schaffung
einer multinationalen Einsatztruppe,
die im Einklang mit dem multinationalen Abkommen operiert und auf Terrorismusbekämpfung,
nachrichtendienstliche Ermittlungen und Zerschlagung
des Drogenhandels spezialisiert ist.

Wir beglückwünschen die Reagan-

- 8-

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'1*

Hintergrundmaterial

""**" ck

24. August 1988

30

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

WAHLPLATTFORM DER REPUBLIKANER WERTVOLLE AUSSAGE FÜR BUSH-KAMPAGNE
- Artikel über die Positionen beim Parteikonvent -

NEW ORLEANS - (AD) - Die Wahlplattform der republikanischen Partei, mit
der die Leitlinien der bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampagne von Vizepräsident Bush festgelegt werden, spiegelt in hohem Maße die konservativen Ansichten wider, die in den acht Jahren der Reagan-Administration vorgeherrscht
haben.

In der beim nationalen Parteikonvent am 16. August verabschiedeten,
104 Seiten starken Grundsatzerklärung
wird insbesondere die Führungsrolle
der Vereinigten Staaten in der Welt
hervorgehoben.
Im Bereich der Außenpolitik muß
der Plattform zufolge die vordringliche Zielsetzung darin bestehen, die
Nation und ihre Menschen zu schützen
und zu verteidigen, entscheidende nationale
Interessen der Vereinigten
Staaten im Ausland zu schützen, mit
Hilfe der durch Demokratie hervorgebrachten Selbstbestimmung und wirtschaftlichen
Wohlstandes
Frieden,
Stabilität
und Sicherheit auf der
ganzen Welt zu fördern.
In

anderen

wichtigen

Abschnitten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

der Plattform wird die verbesserte
internationale Zusammenarbeit bei der
Bekämpfung des Drogenhandels gefordert wie auch strukturelle Veränderungen, mit deren Hilfe Verschwendung
in der Regierung unter Kontrolle gebracht werden kann, verbesserte Fähigkeiten in Wissenschaft und Technologie und die Wiederherstellung der
amerikanischen
Vormachtstellung
im
Weltall.
Der Vorsitzende des Wahlplattform-Ausschusses, Gouverneur Kay Orr
aus Nebraska, bezeichnete das Dokument
als "wertvolle
Aussage, die
George
Bush
in seiner
Präsidentschaftswahlkampagne
dem
amerikanischen Volk übermitteln kann".
Die

Plattform,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

die

George

Bush

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�vom 106 Mitglieder umfassenden Ausschuß erbat, ist lang und ausführlich
und unterscheidet sich erheblich von
der acht Seiten umfassenden Plattform, die die Demokraten vor einem
Monat vorgestellt haben.

- Die
Regierungen
Lateinamerikas
"müssen zusammenhalten, um den in
dieser Region blühenden Drogenhandel zu besiegen".
- "Wir sind gegen die Bildung eines
unabhängigen
Palästinenserstaates" im Nahen Osten.

Der Vizepräsident erklärte vergangene Woche in einer Rede am ersten
Arbeitstag des Ausschusses, es sei
eine Aussage erforderlich, die auf
einzelne Bereiche eingeht, um dem
"auf Täuschung angelegten Text" der
Demokraten entgegenzutreten.
Die Republikaner erklärten, die
Plattform der Demokraten ziele darauf
ab, "die linke Einstellung" und ebensolche
Ansichten
eines
Präsidentschaftskandidaten
- des Gouverneur
von Massachusetts, Michael Dukakis zu verbergen, der seine Kampagne offensichtlich eher auf Fragen der Kompetenz als auf Konzepte ausrichte.
Bush erklärte, eine sehr detaillierte Plattform anzustreben, damit
die am 8. November zu den Urnen gehenden Amerikaner sich "ein möglichst
klares Bild des Kandidaten, der Parteien und der von ihnen verkörperten
Philosophien machen zu können".
Die Plattform
der
Republikaner
umfaßt einen großen Teil der konservativen Philosophie Reagans, betont
aber auch schwerpunktartig Themen wie
Umweltschutz und berührt neue Themen
wie etwa Kinderbetreuung.
Sie beinhaltet die Forderung nach
einer baldigen Stationierung der von
den
Demokraten
abgelehnten Strategischen Verteidigungsinitiative.
Die
Demokraten
fordern
ein Verbot von
Weltraumwaffen.
Einige der
im außenpolitischen
Teil der Plattform dargelegten Punkte:
- Die republikanische Partei verpflichtet
sich
zu
"humanitären
und militärischen" Hilfsleistungen für die antisandinistischen
Kräfte in Nicaragua.

- "Die Republikaner mißbilligen das
System der Apartheid in Südafrika
und betrachten es als moralisch
verwerflich."
Im Rahmen der Weltwirtschaftspolitik geht die Plattform auf die Bereitschaft der Republikaner ein, mit
den ASEAN-Ländern und anderen Handelspartnern wie etwa Taiwan Freihandelsabkommen zu schließen.
Sie heißt Menschen anderer Länder
in den Vereinigten Staaten willkommen, fordert aber eine Erweiterung
des Rechts der Regierung auf Kontrolle der amerikanischen Grenzen. Darüber hinaus fordert sie die Verbündeten der Vereinigten Staaten auf, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten
Verantwortung für die Wiederansiedlung von Flüchtlingen zu übernehmen.
Die Plattform beschreibt Maßnahmen zur Behandlung des Drogenproblems, fordert härtere Urteile - einschließlich
der Todesstrafe - für
führende Drogenhändler und engere Zusammenarbeit mit anderen Regierungen
bei der Vernichtung des internationale Drogenimperiums.
In der Wissenschaft befürworten
die Republikaner eine "kreative Partnerschaft zwischen Regierung und Privatsektor, damit die Dynamik und Kreativität von Forschung und Technologie in der Wissenschaft weiterhin gewährleistet ist." Die Plattform fordert ferner die Wiederherstellung der
amerikanischen Vorherrschaft auf dem
Gebiet der Erforschung des Weltraums.
Andere Abschnitte der Plattform
empfehlen strukturelle Veränderungen
im Haushaltsprozeß der Regierung, mit
denen Verschwendung unter Kontrolle

- 2 -

�gebracht werden kann sowie multilaterale Aktionen
zur Öffnung ausländischer Märkte für amerikanische Produkte etwa durch das Allgemeine Zollund Handelsabkommen (GATT).
Die Plattform der
Republikaner
enthält ferner die einhellige Absage
an Steuererhöhungen und die Unterstützung
für Mehrausgaben
im Bildungswesen. Und sie spricht sich gegen den Urlaub von Häftlingen aus,
die wegen Mordes und anderer Verbrechen verurteilt sind - eine kontroverse Frage, die Dukakis befürwortet.
Zwei Punkte, in denen beide Parteien in ihren Plattformen übereinstimmen,
betreffen
die
ablehnende
Haltung gegenüber der Legalisierung
von Betäubungsmitteln und die Unterstützung eines funktionsfähigen Sozialhilfesystems für ältere Menschen
in Amerika.
Nur
zwei Mitglieder des Wahlplattform-Ausschusses der Republikaner hielten ihr Dokument für "nicht
liberal genug", dennoch gab es keine
Forderungen
nach einem Zusatz der
Minderheit im Protokoll des Konvents,
so daß es beim Parteikonvent nicht zu
Diskussionen kam.
Der Stellvertretende Vorsitzende
des
Ausschusses,
Senator
Robert
Kasten aus Wisconsin, erklärte, die
Plattform seiner Partei konzentriere
sich auf Probleme, wohingegen die der
Demokraten eher vage sei. "Der Kampf
der Plattformen und Problembereiche
ist die wichtigste Schlacht, die in
der
Präsidentschaftswahlkampagne
zu
schlagen sein wird", erklärte Kasten.

* * * * * *

- 3

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

24. August 1988

30

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
QUAYLE VERTRETER EINER NEUEN GENERATION IN POLITISCHER VERANTWORTUNG
Porträt des republikanischen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft

WASHINGTON - (AD) - Der von George Bush als Vizepräsidentschaftskandidat
der Republikaner ausgewählte Senator aus Indiana, James Danforth (Dan) Quayle,
erscheint vielen als Vorbote für die Zukunft der Partei, da er als erster Politiker der Nachkriegsgeneration in dieser Partei landesweiten Einfluß gewinnt.

Bei der Vorstellung des 41jährigen Senators bezeichnete Bush ihn auf
einer Pressekonferenz am 16. August
als "einen Mann der Zukunft", und
Wahlkampfleiter James Baker begrüßte
die Wahl des Vizepräsidenten als
"kühnen Brückenschlag zwischen den
Generationen".
Viele Delegierte auf dem republikanischen Konvent brachten sogleich
ihre Hoffnung
zum Ausdruck, daß
Quayle als erster Kandidat seiner Generation für ein solch hohes Amt in
der Lage sein werde, viele junge Wähler für die Republikaner zu gewinnen.
Der
Kongreßabgeordnete
Dick
Cheney, Mitglied der republikanischen
Führung im Repräsentantenhaus, sagte
über Quayle: "Er Ist eine exzellente

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wahl...
Es gibt viele unter uns
Vierzigern, die glücklich sind, daß
ein Kollege, einer von uns, in die
FUhrungsmannschaft aufgenommen wurde."
Der zweimalige Senator und Favorit der Konservativen in der Republikanischen Partei wurde im Jahr 1980,
dem Jahr nach Reagans erstem Erdrutschsieg, erstmalig zum Senator gewählt.
Dem Congressional Quarterly
Magazine zufolge unterstützte Quayle
in 80 bis 90 Prozent der Abstimmungen
die Politik von Präsident Reagan.
Der außerhalb seines Heimatstaates Indiana fast unbekannte Quayle
hatte durch seine Arbeit in den Senatsausschüssen für Haushalt, Arbeit
und Arbeitsmarktpolitik
sowie für
Streitkräfte Gelegenheit, solide po-

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�litische Leistungen zu erbringen.
Als Mitglied des Streitkräfteausschusses war Quayle ein energischer
Gegner des kürzlich von beiden Kammern verabschiedeten Verteidigungsbewilligungsgesetzes, gegen das Präsident Reagan sein Veto eingelegt hat.
Quayles Einschätzung des Gesetzes und insbesondere seine scharfe Kritik
an der Kürzung der Gelder für die
Strategische
Verteidigungsinitiative
sowie an der Einbeziehung restriktiver
RUstungskontrollvorschriften
spiegelte sich später in der Begründung Präsident Reagans für sein Veto
wider.
Quayle spielte auch bei der Reform des militärischen Beschaffungswesens zur Mitte der achtziger Jahre
eine wichtige Rolle, indem er das
Verfahren verstärkt dem Wettbewerb
unterwarf.

blembereiche in enger Übereinstimmung
mit dem Vizepräsidenten. Beide Kandidaten befürworten die Unterstützung
des
nicaraguanisehen
Widerstands,
sind gegen schärfere Kontrollen für
den Waffenbesitz und die Liberalisierung der Abtreibungsgesetze, und beide unterstützen die Todesstrafe für
führende Drogenhändler.
Trotz der ihm nachgesagten konservativen Haltung in Steuerfragen
stimmte Quayle im Jahr 1982 mit der
Mehrheit der Republikaner im Senat
für Steuererhöhungen.
In anderen Fällen vertrat er andere Meinungen als seine konservativen Mitstreiter, insbesondere in Fragen der Umwelt, der Stadtentwicklung
und der Bürgerrechte, zum Beispiel:
- Im Jahr 1983 unterstützte Quayle
eine Gesetzesinitiative der Demokraten, die den Kohleabbau auf
von der Regierung gepachtetem
Land untersagte, während eine
Überprüfung durch den damaligen
Innenminister James Watt noch
ausstand.

Obwohl er für die Ratifizierung
des INF-Vertrags stimmte, gehörte er
zu dessen aktivsten Kritikern im Senat. Seinen Anhängern zufolge trug
seine Rolle in der langen Senatsdebatte dazu bei, die Parameter für die
Gespräche
zur Reduzierung strategischer Waffen (START) zu definieren.

- Im Jahr 1987 war er unter denjenigen, die das Veto Präsident
Reagans gegen das Gesetz zur Wasserreinhaltung überstimmten.

In einem Interview am 17. August
wies Außenminister Shultz Vermutungen
zurück,
daß
Quayles
anfängliche
Opposition gegen den INF-Vertrag Uneinigkeit mit Vizepräsident Bush bedeutet, der den Vertrag von Anbeginn
unterstützte.
"Was Senator Quayle getan hat,"
erklärte Shultz, "war, ihn (den INFVertrag) in allen Einzelheiten zu untersuchen.
Er hat wirklich seine
Hausaufgaben gemacht, er hat sich
sehr sorgfältig damit beschäftigt.
Er hat sich einfach nicht auf die
Aussagen anderer verlassen, daß der
Vertrag gut sei. Und nachdem er zufriedengestellt war, hat er ihn unterstützt."

sich

Im allgemeinen befindet Quayle
bei vielen der wichtigen Pro-

- Im Jahr 1986 gehörte er zu denjenigen, die Reagans Veto gegen
Südafrikasanktionen überstimmten.
- 1982 stimmte er entgegen den Wünschen der Administration für die
Vergabe von Krediten zu niedrigen
Zinsen an Ersterwerber einer Immobilie.
Quayle ist außerdem als treibende
Kraft hinter dem Partnerschaftsgesetz
zur beruflichen Ausbildung des Jahres
1982 bekannt, einem Programm, das der
Ausbildung von Arbeitskräften für Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft
dient. Er arbeitete eng mit dem demokratischen Senator Edward Kennedy
zusammen, und das Gesetz erhielt von
führenden Vertretern beider Parteien

- 2 -

�viel Lob.
Einer von denen, die Quayles Rolle rühmten, war der Vorsitzende des
Republikanischen
Nationalkomitees,
Frank Fahrenkopf, der seine Bemühungen als Beweis dafür zitierte, daß er
ein "mitfühlender Staatsmann ist...
(der) davon überzeugt ist, daß die
Rolle der Bundesregierung darin besteht, sicherzustellen, daß jeder
Amerikaner die gleiche Chance für einen guten Arbeitsplatz und eine schöne Zukunft hat".

Bei der Wahl zum Senat im Jahr
1980 besiegte Quayle den demokratischen Veteranen Birch Bayh.
Im
Jahr 1986 wurde er mit 61 Prozent der
Stimmen wiedergewählt - dem höchsten
jemals in Indiana erzielten Stimmenanteil.
Quayle und seine Frau Marilyn,
geb. Tucker, haben drei Kinder.

Fahrenkopf bezeichnete Quayle als
"einen der besten Experten des Senats
zur Verteidigungspolitik" und fügte
hinzu, daß der junge Senator "sich
einen Namen für konstruktive Ideen
und innovative Lösungen gemacht hat.
Er fürchtet sich nicht davor, sich
den Problemen der nächsten Generation
zu stellen - er ist die nächste Generation".
Quayle wurde am 4. Februar 1947
in Indianapolis als Sohn einer prominenten
Verlegerfamilie
geboren.
Sein Großvater war Eugene Pulliam,
der Besitzer des Indianapolis Star
und der Arizona Republic. Im Jahr
1969 machte er an der Depauw University Examen, und im Jahr 1974 verließ
er die Indiana University Law School
mit einem Abschluß In Rechtswissenschaft.
Während seines Dienstes in der
Nationalgarde von 1969 bis 1975 war
Quayle im Büro des Justizministers,
im Büro des Gouverneurs und in der
Finanzbehörde des Staates Indiana tätig.
Nach seinem Ausscheiden aus dem
Staatsdienst praktizierte er in Indianapolis als Rechtsanwalt und war
Mitherausgeber der Zeitung im Besitz
seiner Familie, der Huntington Herald
Press.
Vor seiner Wahl zum Senator war
er zwei Amtsperioden lang Abgeordneter
des
amerikanischen
Repräsentantenhauses.

- 3-

�v&lt;fc° S *&lt;

r

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

%ro^

24. August 1988

30

GESUNDHEITSVORSORGE DURCH VERNÜNFTIGE ERNÄHRUNG
Umfassender Bericht der amerikanischen Regierung mit Studien aus allen
einschlägigen Forschungsgebieten -

WASHINGTON - (AD) - Eine drastische Reduzierung des Fettkonsums fordert
Dr. C. Everett Koop, als "Surgeon General" der ranghöchste Gesundheitsbeamte
der Vereinigten Staaten, von der amerikanischen Bevölkerung.

Begründung:
Über die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit bzw. über langfristige Auswirkungen falscher Ernährung auf das
Auftreten
von
Herzerkrankungen,
Schlaganfall, Diabetes, einige Formen
von Krebs und bestimmte andere Krankheiten könne kein Zweifel mehr bestehen. Dies zeige der Ende Juli 1988
vom amerikanischen Gesundheitsministerium veröffentlichte neue Bericht,
der die umfassendste Sammlung von
Studien auf diesem Gebiet überhaupt
darstellt.
Ernährungswissenschaftler, Ärzte und Fachkräfte der verschiedensten Fachrichtungen im Gesundheitswesen werden ihn als ungemein reichhaltige Informationsquelle
zu schätzen wissen.
Die

Todesursache

bei

etwa

zwei

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Dritteln der im Jahr 1987 verstorbenen 2,1 Millionen Amerikaner hat dem Bericht zufolge - mit der Ernährungsweise im Zusammenhang gestanden.
Der Fettgehalt der täglichen Nahrung
liege bei 37 Prozent, also weit höher
als die von der "American Heart Association" seit langem als Maximalwert vorgeschlagenen 30 Prozent. Die
notwendige Menge an Faserstoffen
ca. 30 Gramm pro Tag - werde bestenfalls zur Hälfte erreicht.
Seine wichtigsten Empfehlungen,
nämlich Verringerung der Fett- und
Cholesterinaufnahme sowie des Kochsalz- und Alkoholkonsums, der Gewichtskontrolle, einer abwechslungsreichen Ernährung unter Einbeziehung
von Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sind nicht neu. Aber sie stützen

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Telex: 8-85432

�sich nunmehr auf sehr viel Beweismaterial, das aus den verschiedensten
Gebieten der Forschung zusammengetragen wurde. Otis R. Bown, amerikanischer Minister für das Gesundheitsund Sozialwesen, bezeichnete es als
noch umfassender als das Material,
auf dessen Grundlage in den sechziger
Jahren der bahnbrechende Bericht über
"Rauchen und Gesundheit" erstellt
wurde.
Die Schwierigkeiten bei der Bestimmung kausaler Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit werden
keineswegs verkannt. "Eine Kombination (und Wechselwirkungen) zahlreicher umweit- und verhaltensbedingter
sowie sozialer und genetischer Faktoren" trügen zu den auf die Ernährung
zurückzuführenden
Krankheiten
bei,
heißt es in dem Bericht. Welchen Anteil allein die Ernährung habe, sei
nicht genau auszumachen.
Zwar ist
eine Reihe von Experten überzeugt,
daß Ernährungsgewohnheiten ganz allgemein z.B. für etwa ein Drittel oder
mehr Fälle von Krebs verantwortlich
zu machen sind und ähnliches in etwa
für koronare Herzerkrankungen gilt.
Jedoch stützen sich diese Ansichten
auf die Interpretation von Studien,
bei denen Ernährung nicht getrennt
von genetischen Gegebenheiten, persönlichem Verhalten und der Umweltsituation betrachtet werden könnte.

Beispiel werden die Zusammenhänge
zwischen fetter Ernährung und hohem
Cholesterinspiegel mit Herzerkrankungen herausgestellt, für die eine Fülle von Beweismaterial vorliege: "Die
Ähnlichkeit in Ergebnissen der Laborforschung, der klinischen und epidemiologischen Forschung, die offensichtlichen
Zusammenhänge
zwischen
Dosis und Wirkung in diesen Studien,
die Beobachtung, daß höhere Werte des
Blutcholesterinspiegels mit gesättigten Fettsäuren, jedoch nicht mit anderen Fettsäuren etwas zu tun haben,
und die plausiblen biologischen Erklärungen für diese Beobachtungen erhärten alles in allem die Schlußfolgerung in bezug auf Kausalität - zumindesten bei bestimmten Personentypen bzw. Gruppen.
Als wichtigste allgemeine Empfehlung nennt der Bericht:

Manche Menschen seien nun einmal
aufgrund ihrer Erbanlagen für koronare Herzerkrankungen, Schlaganfall und
Diabetes disponiert.
Das Zusammenwirken solcher Anlagen mit Ernährungsgewohnheiten sei dann mitbestimmend für das individuelle Risiko.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt machten
es derartige Zusammenhänge noch unmöglich, den Anteil chronischer Erkrankungen, der durch Ernährungsänderungen verringert werden könnte, sicher zu ermitteln. Fest stehe nur,
daß die Ernährung wesentlich zur Entwicklung dieser Krankheiten beitrage
und ihnen durch eine Ernährungsumstellung vorgebeugt werden könne.
Als

besonders

eindrucksvolles
- 2 -

- Verminderung des Konsums von Fetten, insbesondere von gesättigten
Fettsäuren, die den Blutcholesterinspiegel ansteigen lassen, sowie von cholesterinhaltigen Nahrungsmitteln.
Vorzuziehen seien
kohlenhydrat- und
faserstoffhaltige Nahrungsmittel wie Gemüse
(einschließlich getrockneter Bohnen und Erbsen), Obst und Vollkornprodukte, außerdem Fleisch,
Geflügelfleisch ohne Haut, mageres anderes Fleisch und Molkereiprodukte mit niedrigem Fettgehalt.
Zur
Speisenzubereitung
sollte wenig oder überhaupt kein
Fett verwendet werden.
- Man sollte ein wünschenswertes
Körpergewicht anstreben und aufrechterhalten.
Dazu ist einen
Ernährungsweise angebracht, bei
der
die
Kalorienaufnahme
dem
Energieverbrauch entspricht.
An
Kalorien
relativ
reichhaltige
Nahrungsmittel, Fette und Zucker
sollten begrenzt, der Alkoholkonsum auf ein Minimum reduziert
werden. Regelmäßige und mit bestimmtem
Kraftaufwand
durchgeführte körperliche Aktivität ist
wichtig.

�- Die Kochsalzaufnahme sollte durch
die Wahl salzarmer Speisen, den
Verzicht auf zu viel Salz bei der
Speisenzubereitung und Nachsalzen
bei Tisch verringert werden.
- Zurückhaltung bei Alkohol: Man
sollte sich pro Tag keinesfalls
mehr als zwei Drinks genehmigen,
besser auf sie ganz verzichten.
Während der Schwangerschaft sollten Frauen überhaupt keinen Alkohol trinken.

Im Interesse bestimmter Personengruppen wird empfohlen:
- Trinkwasserfluoridierung in allen
gemeindeeigenen
Leitungen
zur
Verhinderung von Karies. Dieses
Verfahren hat sich in den Vereinigten Staaten als eine der erfolgreichsten Maßnahmen erwiesen.
- Begrenzter Zuckerkonsum bei Personen, speziell bei Kindern, die
für Zahnfäule besonders anfällig
sind.
- Junge
Mädchen
und
erwachsene
Frauen sollten mehr kalziumreiche
Nahrungsmittel,
einschließlich
fettarmer
Molkereiprodukte,
zu
sich nehmen, um das Risiko einer
späteren Osteoporose (Entkalkung
der Knochen) zu verringern.
- Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter sollten stets nur Speisen zu sich nehmen, die genügend
Eisen enthalten - beispielsweise
mageres rotes Fleisch, Fisch, bestimmte Bohnenarten, mit Eisen
angereicherte
Nährmittel
und
Vollkornprodukte. Der Konsum Vitamin-C-haltiger Nahrung erhöht
die Wahrscheinlichkeit, daß der
Körper Eisen ausreichend absorbiert und verwertet.

* * * * * *

- 3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Berliner flauer Beweis des gescheiterten Traums vom Kommunismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagans Erklärung zum Jahrestag des Mauerbaus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Bericht fordert bessere Lastenverteilung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus der Kongreßstudie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Die Außenpolitik der Republikaner: Stärke, Realismus, Dialog&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus der außenpolitischen Wahlplattform der Republikaner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wahlplattform der Republikaner wertvolle Aussage für Bush-Kampagne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über die Positionen beim Parteikonvent&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Quayle Vertreter einer neuen Generation in politischer Verantwortung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des republikanischen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gesundheitsvorsorge durch vernünftige Ernährung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umfassender Bericht der amerikanischen Regierung mit Studien aus allen einschlägigen Forschungsgebieten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

24. August 1994

33

USA-KUBA

CLINTON KUNDIGT ÄNDERUNG DER FLUCHTLINGSPOLITIK GEGENÜBER KUBA AN
Unterbringung auf Guantanamo Bay

MANFRED WORNER

CHRISTOPHER WÜRDIGT DEN
VERSTORBENEN NATO-GENERALSEKRETÄR
Ansprache bei Trauerfeierlichkeiten

BEVÖLKERUNG

MEHR ENTSCHEIDUNGSFREIHEIT DER FRAU
BEI FAMILIENPLANUNG GEFORDERT
Einleitung des
Weltbevölkerungsberichts 1994

USA UND DRITTE WELT ERZIELEN EINIGUNG
ZU BEVÖLKERUNGSFRAGEN
Hoffnung auf Vereinbarungen
mit dem Vatikan

UMWELT

STRATEGIEN FÜR UMWELTVERTRAGLICHE
ENTWICKLUNG
von Barbara J. Bramble

MILITÄR

NATIONALE SICHERHEIT UND DEMOKRATIE
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
von David R. Segal

- * •

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�USA-KUBA
24. August 1994

CLINTON KÜNDIGT ÄNDERUNG DER
FLÜCHTLINGSPOLITIK GEGENÜBER KUBA AN
Unterbringung auf Guantanamo Bay
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton warf dem
kubanischen Staatschef Fidel Castro vor, die durch
das Scheitern des Kommunismus verursachten
"politischen und wirtschaftlichen Krisen" in die
Vereinigten Staaten zu exportieren und schloß am
19. August 1994 die amerikanischen Häfen für
Bootsflüchtlinge aus Kuba.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus gab der
Präsident bekannt, die auf See aufgegriffenen
Flüchtlinge aus Kuba würden künftig zum amerikanischen Marinestützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba
gebracht und diejenigen, die die Vereinigten Staaten
erreichten, in Untersuchungshaft genommen.

Er

betonte, das Einwanderungsbüro der Vereinigten
Staaten auf Kuba werde weiterhin betrieben und die
Anträge von bona fide-Auswanderern bearbeiten.
Durch diese Maßnahmen will der Präsident eine
Wiederholung der Ereignisse von Mariel im Jahr
1980 in kleinerem Umfang verhindern, als Castro die
kubanischen Gefängnisse und psychiatrischen
Anstalten für diejenigen öffnete, die in die Vereinigten Staaten auswandern wollten. Zwischen April und
September jenes Jahres verließen mehr als 125.000
Kubaner die Insel. Zwischen dem 11. und 18.
August dieses Jahres flohen über 2.000 Kubaner
aus ihrer Heimat.
Clinton erklärte, er habe die amerikanische Küstenwache angewiesen, jedes Boot anzuhalten, das
Kubaner illegal in die Vereinigten Staaten bringen
will und die Passagiere nach Guantanamo Bay zu
transportieren. Die Regierung werde Amerikaner
"festnehmen, gegen sie ermitteln und sie gegebenenfalls strafrechtlich verfolgen", wenn sie auf See
kubanische Flüchtlinge aufnehmen, wie es viele
Amerikaner 1980 taten.
Während die Kubaner auf dem Militärstützpunkt
Guantanamo festgehalten werden, so der Präsident,
würden die Vereinigten Staaten "andere Aufnahme-

AMERIKA DIENST 33

möglichkeiten in der Region prüfen". Der Präsident
verneinte die Frage, ob Flüchtlinge aus Kuba Asyl
erhalten würden. "Diejenigen, die Kuba verlassen,
dürfen nicht in die Vereinigten Staaten einreisen. Sie
werden in Auffanglager geschickt. Die Ankömmlinge
werden festgenommen und wie andere auch behandelt. Ihr Fall wird geprüft. Wer den Anforderungen
entspricht, darf bleiben, den anderen wird das nicht
gestattet. Die Kubaner werden jetzt wie andere
behandelt, die hierherkommen."
Der Präsident werde das Cuban Adjustment Act
durchsetzen, das 30 Jahre lang die Grundlage für
eine Vorzugsbehandlung kubanischer Flüchtlinge war,
und innerhalb dieses Rahmens "werden wir unser
Bestes tun... Wir werden die Kubaner jetzt hier
festnehmen, sie dürfen sich nicht unter die Bevölkerung mischen, und wir werden vor dem Hintergrund
der anzuwendenden Gesetze jeden Fall prüfen."
Clinton schloß jegliche Änderung des amerikanischen
Embargos gegen Kuba sowie der diplomatischen
Beziehungen aus. "Ich befürworte das Embargo und
das Cuban Democracy Act", so der Präsident, "und
bin nicht der Ansicht, daß wir unsere diesbezügliche
Politik ändern sollten."
Das grundlegende Problem sei Castros weiteres
Festhalten am Kommunismus, obwohl die Demokratiebewegung die Region erfasse. Der Präsident
stellte fest, Haiti und Kuba seien die einzigen Nationen in der westlichen Hemisphäre ohne eine demokratische Regierung und äußerte, "das wirkliche
Problem ist die halsstarrige Weigerung des CastroRegimes, eine offene Demokratie und offene Wirtschaft einzuführen, und meines Erachtens wird die
von uns verfolgte Politik dies beschleunigen".
Clinton fügte hinzu, die derzeitige Politik sei am
stärksten auf die Förderung von Demokratie und
letztlich Wohlstand für das kubanische Volk ausgerichtet.

Seite 1

�Der Präsident wies aus den Reihen der Republikaner geäußerte Kritik zurück, die neue Politik sei
unmoralisch. Die mit den Ereignissen von Mariel
einhergehende Unruhe und das Chaos bezeichnete
er als nicht akzeptabel und erklärte, die Amerikaner einschließlich der Amerikaner kubanischer Herkunftwünschten keine Wiederholung dieser Ereignisse.
"Sie wollen nicht, daß Kuba uns unsere Einwanderungspolitik vorschreibt. Sie wollen nicht, daß Castro
seine politischen und wirtschaftlichen Probleme in
die Vereinigten Staaten exportieren kann. Und

genau darauf läuft es ja einfach gesagt hinaus. Wir
haben das schon einmal durchgemacht... Wir haben
es einmal auf diese Weise versucht. Es war falsch
und ist heute falsch, und ich werde nicht zulassen,
daß das noch einmal passiert."
Auf die Frage, ob Castro bei einer demokratisch
gewählten Regierung in Havanna an der Macht
bleiben würde, stellte der Präsident fest, in einer
Demokratie würden die Menschen selbst entscheiden, wen sie wählen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 33

�MANFRED

W O R N ER
24. August 1994

CHRISTOPHER WÜRDIGT DEN VERSTORBENEN
NATO-GENERALSEKRETÄR
Ansprache bei Trauerfeierlichkeiten
BRÜSSEL - (AD) - Am 19. August 1994 würdigte US-Außenminister Warren Christopher die Verdienste des
verstorbenen NATO-Generalsekretärs Manfred Wörner. "Wir werden ihn sehr vermissen und ihn dadurch
ehren, daß wir sein Werk fortsetzen", erklärte der Außenminister.
Nachfolgend veröffentlichen wir die aus Anlaß der Trauerfeierlichkeiten für Manfred Wörner von Außenminister
Christopher gehaltene Ansprache.

Wir sind hierhergekommen, um Manfred Wörner zu
ehren - seinen Beitrag zu unserem Bündnis zu
würdigen und uns von seinem mutigen Beispiel
inspirieren zu lassen.

Ära anpaßte und ihnen gerecht wurde. Diese Aufgabe erforderte eine starke und kreative Führung, die
Manfred in jeder Hinsicht in vollem Umfang bot.

Ich möchte Elfie Wörner aufrichtige Anteilnahme
aussprechen und im Namen des Präsidenten, der
Manfred zu den treuesten Freunden der Vereinigten
Staaten zählte, einige Worte über den Verstorbenen
sagen.

Manfred erkannte, daß unser Bündnis eine lebende
Institution mit dem Willen und der Fähigkeit zur
Wiederbelebung aus eigener Kraft ist. Er wußte, daß
die NATO mehr war und ist als eine vorübergehende
Reaktion auf eine vorübergehende Bedrohung. Sie
ist der Garant europäischer Demokratie und Stabilität.
Ihre Mission ist nicht beendet.

Vor sechs Jahren übernahm Manfred Wörner das
höchste Amt des erfolgreichsten Bündnisses in der
Geschichte. Vier Jahrzehnte lang verteidigte die
NATO die freien Nationen Europas und Nordamerika
gegen die sowjetische Bedrohung. Sie stellte einen
Schutz für unsere demokratischen Institutionen dar.
Sie gestattete unseren Menschen, gemeinsam nie
dagewesenen Wohlstand zu schaffen - für jeden von
uns und für unsere Kinder.

Wir werden Manfred als einen Mann mit Visionen und
Prinzipien in Erinnerung behalten. Er war fest davon
überzeugt, daß das Schicksal Europas von einer
starken transatlantischen Beziehung abhängt. Er war
ein leidenschaftlicher Europäer und ein leidenschaftlicher Atlantiker. Er verstand, daß diese starken
Überzeugungen sich gegenseitig ergänzen.

Als die Berliner Mauer fiel, erkannte Manfred schnell,
daß sich das Bündnis an eine neue Welt anpassen
mußte. Er wußte, daß Stillstand nicht möglich war.
Im vergangenen September äußerte er: "Die NATO
wird nicht nur durch nostalgische Erinnerungen
vergangener geschichtlicher Ereignisse am Leben
bleiben, und auch nicht durch bloße philosophische
Überlegungen zu gemeinsamen Werten und Bestimmungen. Entweder entspricht die NATO den konkreten Erfordernissen ihrer Mitglieder oder sie wird
allmählich zerfallen." Manfred Wörner arbeitete bis
zum Schluß selbstlos daran sicherzustellen, daß die
NATO sich an die Herausforderungen dieser neuen

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Manfred war sich im klaren, daß das Ende des Kalten
Krieges uns die Chance zum Aufbau eines demokratischen und ungeteilten Europas gab. Er war der
Ansicht, daß das Bündnis die neuen osteuropäischen
Demokratien einbeziehen mußte, wenn es von
Bedeutung bleiben wollte.
Als Präsident Clinton im Januar hier den Vorschlag
einer Partnerschaft für den Frieden unterbreitete, fand
er im Generalsekretär einen starken Fürsprecher. In
den letzten Monaten seines Lebens half Manfred
Wörner, die Partnerschaft von einer Idee zu einer
funktionierenden Realität zu führen - einer Reihe
neuer, konkreter Beziehungen zu 22 Nationen. Sein

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�Vermächtnis ist bereits sichtbar. Ich wünschte, er
könnte in den kommenden Monaten und Jahren bei
uns sein um zu sehen, wie Truppen, die einst für
den Kampf gegeneinander ausgebildet wurden, jetzt
gemeinsame Übungen beginnen - und um uns beim
Aufbau einer Sicherheitspartnerschaft beizustehen,
die alle Nationen dieses Kontinents umfaßt.
Keiner von uns wird so schnell den von ihm gezeigten Mut und sein Engagement vergessen, als sich
die NATO mit der Tragödie im ehemaligen Jugoslawien auseinandersetzte. Ich sehe ihn noch vor
mir, wie er im vergangenen August an der Dringlichkeitssitzung zu Bosnien teilnahm. Er war bereits
schwer krank; ich fürchtete sogar, er wäre zu krank,
um der schwierigen Aufgabe gewachsen zu sein.
Aber ich täuschte mich. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst, aber seine Stimme und seine
Präsenz erfüllten den ganzen Raum.
Im Februar sammelte er alle Kräfte, verließ das
Krankenhaus und leitete das NATO-Treffen, auf dem
die Entscheidung über die Belagerung Sarajevos
gefällt wurde. Dasselbe tat er im April, um einen
Beitrag zur Beendigung des Mordens in Gorazde zu
leisten. Er war entschlossen, daß die NATO alles in

*

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ihrer Macht Stehende unternehmen sollte, um eine
Lösung dieses schrecklichen Konflikts zu finden,
indem sie ihre militärische Macht in den Dienst der
Diplomatie stellte.
Manfred blieb bei allem, was er für die NATO tat,
immer zielstrebig. Wenn dringend Entscheidungen
getroffen werden mußten, führte Manfred uns dorthin.
Wenn Kompromisse erforderlich waren, erzielte
Manfred sie. Wenn wir eine klare Vision dessen
suchten, wofür das Bündnis stand, half er uns, sie zu
finden. Er arbeitete daran sicherzustellen, daß das
Bündnis, wie Präsident Clinton es formulierte, "im
Zeitalter nach dem Kalten Krieg eine glaubwürdige
Kraft für den Frieden" bleiben kann.
Manfred war ein Mann von großer Wärme, Energie
und Begeisterungsfähigkeit. Er war bestrebt, alles,
was er unternahm, gut zu machen - als Jurist, Pilot
von Kampfflugzeugen, Gesetzgeber und Staatsmann.
Ich lernte ihn als einen Mann mit außerordentlichem
moralischem Empfinden kennen, mit politischem und besonders gegen Ende - physischem Mut.
Wir werden ihn sehr vermissen und ihn dadurch
ehren, daß wir sein Werk fortsetzen.

* * * *

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�BEVÖLKERUNG
24. August 1994

MEHR ENTSCHEIDUNGSFREIHEIT DER FRAU
BEI FAMILIENPLANUNG GEFORDERT
Einleitung des Weltbevölkerungsberichts 1994
WASHINGTON - (AD) - Einem neuen Bericht der Vereinten Nationen über die Weltbevölkerung zufolge sollten
die Frauen weltweit mehr Kontrolle über ihr eigenes Leben erhalten, insbesondere die Entscheidungsgewalt
über die Größe der eigenen Familie.
Eine solche "Ausstattung der Frauen und Männer mit mehr Entscheidungsfreiheit und Macht" ist dem
Weltbevölkerungsbericht 1994 zufolge der "Schlüssel für soziale Entwicklung ... am Ende des 20. Jahrhunderts
und in den Jahren danach".
Der am 17. August 1994 von den Vereinten Nationen veröffentlichte Bericht weist auf "die zunehmende
Selbstbestimmung der Frauen über die Regulierung ihrer Fruchtbarkeit" hin.
"Die persönliche Entscheidung über die Größe der eigenen Familie und die Abstände zwischen den Geburten
der Kinder ist ein Menschenrecht", wird in dem Bericht festgestellt. "Die Erweiterung der Entscheidungsfreiheit
ist in allen gesellschaftlichen Bereichen die Basis für Entwicklung. Entscheidungsfreiheit ist Voraussetzung für
einen Ausgleich zwischen der Bevölkerungsentwicklung und den nur begrenzt verfügbaren natürlichen
Ressourcen, von denen die Menschen leben. Werden Hindernisse für eine freie Entscheidung aus dem Weg
geräumt, so werden die Familien kleiner und das Bevölkerungswachstum langsamer sein."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Einleitung zum Weltbevölkerungsbericht 1994 der Vereinten Nationen.
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e. V.

Eine Frage der Entscheidungsfreiheit
Der Schlüssel für soziale Entwicklung einschließlich
der Lösung des Bevölkerungsproblems liegt am
Ende des 20. Jahrhunderts und in den Jahren
danach in einer Ausstattung der Frauen und Männer
mit mehr Entscheidungsfreiheit und Macht sowie in
einer Befähigung der Familien und lokalen Gemeinwesen zu eigenem Handeln. In immer stärkerem
Maße zeigt sich heute, daß ein freier und gleichberechtigter Zugang zu Gesundheitsversorgung,
Familienplanung und Bildung nicht allein als solcher
wünschenswert ist. Er ist auch ein praktischer
Beitrag zur Verwirklichung weiterer Ziele, zu denen
auch der Umweltschutz und die wirtschaftliche
Entwicklung gehören.

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In diesem Zusammenhang kommt den Frauen eine
besondere Rolle zu, indem sowohl ihr gegenwärtiger
als auch ihr potentieller zukünftiger Beitrag zur
menschlichen Entwicklung Anerkennung findet. Die
Unsichtbarkeit der Individualität der Frau - im Gegensatz zu ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter - wird
vielleicht schon bald beendet sein.
Von grundlegender Bedeutung für die hier angesprochene veränderte Problemwahrnehmung ist die
zunehmende Selbstbestimmung der Frauen über die
Regulierung ihrer Fruchtbarkeit. Handlungsfreiheit in
diesem Bereich verbessert den Gesundheitszustand
der Frauen und eröffnet ihnen Alternativen in bezug
auf ihre Bildung, ihren Familienstand, ihre Beschäftigung, ihre Wohnverhältnisse und eine mögliche
Entscheidung zur Migration. Diese Handlungsfreiheit
in bezug auf die persönliche Entwicklung birgt Ent-

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�Wicklungsmöglichkeiten auch für die Gemeinwesen,
in denen die Frauen leben.
Persönliche Entscheidungsfreiheit und gemeinsame Verantwortung
Die persönliche Entscheidung über die Größe der
eigenen Familie und die Abstände zwischen den
Geburten der Kinder ist ein Menschenrecht. Die
Erweiterung der Entscheidungsfreiheit ist in allen
gesellschaftlichen Bereichen die Basis für Entwicklung. Entscheidungsfreiheit ist Voraussetzung für
einen Ausgleich zwischen der Bevölkerungsentwicklung und den nur begrenzt verfügbaren natürlichen
Ressourcen, von denen die Menschen leben.
Werden Hindernisse für eine freie Entscheidung aus
dem Weg geräumt, so werden die Familien kleiner
und das Bevölkerungswachstum langsamer sein.
Der Verhütung kann, so wird geschätzt, die Hälfte
des Rückgangs der Fertilität zugeschrieben werden.
Die freie Entscheidung des einzelnen in der Frage
der Größe seiner Familie könnte das Bevölkerungswachstum so weit verlangsamen, daß ein anhaltendes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum wahrscheinlicher würde. Ein solcher Prozeß kann heute
überall in der Dritten Welt - am besten jedoch in den
sich rasch entwickelnden Volkswirtschaften Asiens beobachtet werden.
Für die komplexe Problematik von Armut, Arbeitslosigkeit, Nahrungsmittelknappheit, Wasser und
Energie, übersteigertem Konsum, von Umweltschäden und sozialer Desintegration gibt es keine einfache Lösung. Sowohl die nationalen Regierungen
als auch die internationale Gemeinschaft müssen die
Probleme der Regierungskontrolle und der nationalen Institutionen ebenso angehen wie die externen
Faktoren Verschuldung, Handel, Technologieproblematik und internationale Finanzmittel, die für Entwicklung zur Verfügung stehen.
Ein langsameres Bevölkerungswachstum zu Beginn
des nächsten Jahrhunderts wird jedoch zur Entlastung in all diesen Bereichen führen. Es wird dann
Zeit gewonnen, und es können Lösungen gefunden
werden. In der Übergangsphase zu einer niedrigeren Fertilität kann schon ein Zeitgewinn von zehn
Jahren bemerkenswerte Auswirkungen auf die
Lebensqualität in den betreffenden Ländern haben,
wenn dort zum Beispiel Bildungsangebote gemacht,
qualifizierte Gesundheitsversorgung bereitgestellt
und Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden.
Wachstum und Verteilung der Bevölkerung
Zur Mitte des Jahres 1994 zählt die Weltbevölkerung
5,66 Milliarden Menschen. Im Jahr 1998 werden es

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sechs Milliarden sein. Obwohl die Fertilitätsziffern
generell rückläufig sind, wächst die Weltbevölkerung
jährlich weiterhin um 94 Millionen. Dies ist der
höchste Zuwachs, den es jemals gegeben hat. Nach
dem Jahr 1997 werden die jährlichen Zuwächse
zurückgehen, um dann im Jahr 2020 85 Millionen zu
erreichen. Das Wachstum wird nahezu vollständig
auf Asien, Afrika und Lateinamerika und zu mehr als
der Hälfte davon wiederum auf Südasien und Afrika
entfallen, wo sich viele der ärmsten Länder der Welt
befinden.
Die neuesten Prognosen der Vereinten Nationen
sagen für das Jahr 2025 eine Weltbevölkerung von
8,5 Milliarden und für das Jahr 2050 von 10 Milliarden voraus. Diese langfristigen Prognosen gehen
von der Annahme einer weiterhin zurückgehenden
Fertilität aus. Trifft diese Annahme nicht zu, wird sich
das Bevölkerungswachstum in der ersten Hälfte des
kommenden Jahrhunderts vermutlich erheblich
rascher vollziehen. Im Jahr 2025 wird dann eine Zahl
von 12,5 Milliarden erreicht sein. Der Unterschied
zwischen der hohen und der mittleren Prognosevariante beträgt 2,5 Milliarden, was der gesamten
Weltbevölkerung des Jahres 1950 entspricht.
Das Bevölkerungswachstum könnte jedoch auch
langsamer sein. Die niedrige Prognosevariante setzt
einen rascheren Rückgang der Fertilität voraus und
berechnet eine Bevölkerung von 7,8 Milliarden für
das Jahr 2050. Der Unterschied zwischen dem
mittleren und dem niedrigen Prognoseszenario liegt,
bezogen auf das Jahr 2050, bei 2,2 Milliarden.
Mit einer Rate von 2,9 Prozent pro Jahr hat Afrika die
am schnellsten wachsende Bevölkerung der Welt.
Die Bevölkerungen Asiens und Lateinamerikas sind
jeweils um 1,8 Prozent, diejenige Nordamerikas um
rund 1,1 Prozent und die der früheren UdSSR um 0,5
pro Jahr gewachsen. Mit 0,3 Prozent lag die Wachstumsrate in Europa am niedrigsten. Die genannten
Wachstumsraten erklären die Verschiebungen in der
regionalen Verteilung der Weltbevölkerung seit den
fünfziger Jahren, als 55 Prozent in Asien, 16 Prozent
in Europa und 9 Prozent in Afrika lebten. Im Jahr
1993 lag der Anteil Asiens bei 60 Prozent, während
Afrika Europa vom zweiten Platz der Liste verdrängt
hatte. Die genannten Trends werden vermutlich bis
zum Jahr 2015 anhalten, wenn für Afrika 19 Prozent
und für Europa 6 Prozent der Weltbevölkerung
erwartet werden.
Diese Verschiebungen werden in allen Ländern
bedeutsame Auswirkungen auf die Politik nach sich
ziehen. Sie verändern die gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisse sowie den Bedarf an Wohnungsbau,
Bildung, Gesundheitsversorgung und anderen Dienstleistungen. Besonders aber werden sie Auswirkun-

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�gen auf die Arbeitsmärkte und die Arbeitskräfte
haben. Schätzungsweise 1,3 Milliarden Menschen
werden zwischen den Jahren 1995 und 2020 zusätzlich auf die Arbeitsmärkte Asiens, Afrikas und Lateinamerikas drängen. Danach wird der Bedarf an
Arbeitsplätzen zurückgehen. In den heutigen Industrieländern dagegen wird der Anteil der Menschen,
die älter als 65 Jahre sind, stetig von 12,7 Prozent
auf 18,4 Prozent im Jahr 2025 ansteigen.
Migration
Innerhalb der einzelnen Länder erhöht die Abwanderung in die städtischen Zentren dort den Bedarf an
Wohnraum, Wasser, sanitärer Infrastruktur, Energie,
Gesundheitsversorgung, sozialen Dienstleistungen
und Nahrungsmitteln. Die städtische Bevölkerung
wird zum Ende des Jahrhunderts die Hälfte der
Weltbevölkerung stellen. Zu diesem Zeitpunkt wird
die Zahl der Städte in den Entwicklungsländern mit
mehr als einer Million Einwohner von heute 125 auf
300 gestiegen sein.
Im Jahr 1994 leben mehr als 125 Millionen Menschen - zum Teil freiwillig, zum Teil als Flüchtlinge außerhalb ihres Heimatlandes. Der demographische
Druck, der zur grenzüberschreitenden Migration
beiträgt, - so wurde im letzten Jahr an dieser Stelle
berichtet - verstärkt sich weiterhin. Rund eine Million
Menschen verlassen jährlich ihre Heimat, um in ein
anderes Land zu gehen. Die grenzüberschreitende
Migration ist damit statistisch weit weniger gewichtig
als die Migration in die Städte innerhalb der einzelnen Länder. Dennoch zieht die grenzüberschreitende Migration soziale und wirtschaftliche Folgen nach
sich, die in einem deutlichen Mißverhältnis zu der
relativ geringen Zahl der Migranten stehen.
AIDS
Obwohl genaue Angaben nur schwierig zu erhalten
sind, wurde die Zahl aller Fälle von AIDS auf der
Welt für den Beginn des Jahres 1992 auf 2,7 Millionen geschätzt. 90 Prozent der Betroffenen waren
bereits gestorben. Die weltweite Verbreitung von
HIV-Infektionen - die von AIDS-Fällen zu unterscheiden sind - ist noch weitaus dramatischer. Es
wird geschätzt, daß heute zwischen 14 Millionen und
18 Millionen Erwachsene mit HIV infiziert sind. Dies
sind annähernd doppelt so viele wie im Jahr 1990,
als 9 Millionen HIV-Infektionen geschätzt wurden,
und die Verbreitung der HIV- bzw. AIDS-Seuche
verlangsamt sich keineswegs. Trotz erheblicher
Anstrengungen der AIDS-Vorbeugung weltweit gibt
es bislang nur wenige Anzeichen, daß die Politiken
und Programme zur Eindämmung der HIV-Infektionen einen spürbaren Einfluß gehabt hätten. Im Jahr
2000 werden wahrscheinlich 3,3 Prozent der auf der

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Welt verzeichneten Krankheitsfälle auf AIDS entfallen.
Mit 1,8 Millionen werden dann fast genauso viele
Menschen jährlich an AIDS sterben wie während der
ersten zehn Jahre seit Ausbruch der Epidemie
insgesamt.
Fälle von AIDS sind bisher aus 164 Ländern und
HIV-Infektionen aus praktisch allen Staaten und
Regionen der Welt mitgeteilt worden. Die Verbreitung von HIV ist eine alarmierende und sehr komplexe Erscheinung. Die weltweite Epidemie ist als
Summe tausender einzelner Epidemien, die auf der
ganzen Welt vorkommen, beschrieben worden.
Keine Region der Welt ist davon verschont geblieben,
wobei annähernd 15 Prozent aller HlV-Infizierten in
Nordamerika und im westlichen Teil Europas leben.
Zu Beginn des Jahres 1992 lag der Anteil der Lateinamerikaner unter den HlV-Infizierten bei mehr als 8
Prozent und derjenige der Südostasiaten bei 5
Prozent. Mehr als 68 Prozent aller kumulierten Fälle
von HIV bei Erwachsenen und Kindern entfallen - so
wird angenommen - auf Afrika südlich der Sahara.
Die sozio-ökonomischen Folgen von HIV in Afrika
werden sehr deutlich, wenn allein die Fälle der
erwachsenen HlV-Infizierten dort betrachtet werden.
In Afrika südlich der Sahara leben weniger als 9
Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung, jedoch
66 Prozent der weltweit mit HIV infizierten Erwachsenen. Viele von diesen Menschen befinden sich in
ihrer produktivsten Lebensphase.
Vorhersagen über den Einfluß von HIV bzw. AIDS auf
das Bevölkerungswachstum werden durch die Unsicherheiten erschwert, die den Daten über die HIVSeroprävalenz (Zahl der HIV-Positiven in einer Population oder Stichprobe, Red.) anhaften. Die meisten
Untersuchungen der Seroprävalenz basieren auf
kleinen, nicht-repräsentativen Stichproben, die in gut
erreichbaren Gebieten genommen werden. Derzeit
wird angenommen, daß AIDS keinen signifikanten
Einfluß auf die Bevölkerungswachstumsraten der
einzelnen Länder haben wird. Dies gilt selbst für
solche Länder, in denen die HlV-Infektionsraten hoch
sind. Zumindest jedoch in bestimmten Regionen und
in großen Städten einiger Länder - insbesondere
Afrikas - wird sich als Folge der Krankheit vermutlich
ein negatives Bevölkerungswachstum einstellen.
Wenn AIDS auch möglicherweise nur geringe Auswirkungen auf die Größe der Weltbevölkerung hat, so
gibt es doch keine Zweifel, daß die Epidemie in den
am härtesten betroffenen Gemeinwesen, Regionen
und Ländern auf Jahre hinaus ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen wird. Diese werden sich in der
Gesundheitsversorgung, im sozialen Bereich und in
der Wirtschaft manifestieren. AIDS wird in diesen
Gebieten tiefgreifende Veränderungen der Sozialstruktur hervorrufen. Die betroffenen Gesellschaften

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�werden Erwachsene im jungen und mittleren Alter
verlieren, und eine wachsende Zahl von Kindern
wird zu Waisen werden. Die erhöhte Mortalität in
den jüngeren Altersgruppen deutet auch auf eine
Senkung der Lebenserwartung hin und gefährdet die
wirtschaftliche Entwicklung.
Wirtschaftswachstum und Armut
In den Entwicklungsländern hat die Rate des Wirtschaftswachstums zu Beginn der neunziger Jahre
über dem Niveau der achtziger Jahre gelegen.
Besondere Fortschritte in dieser Hinsicht machten
jeweils Teile Asiens und Lateinamerikas. Als Folge
der Bemühungen um Entwicklung ist in den Entwicklungsländern der Anteil der in absoluter Armut
lebenden Menschen zurückgegangen. In den 55
ärmsten Ländern sind in den vergangenen 25
Jahren bemerkenswerte Fortschritte erzielt worden.
Die Lebenserwartung erhöhte sich hier von 53 auf
62 Jahre, und die Säuglingssterblichkeit ging von
110 auf 73 je 1000 Geburten zurück. Der Anteil der
an eine gesundheitlich unbedenkliche Wasserversorgung angeschlossenen Bevölkerung konnte von
33 auf 68 Prozent gesteigert werden.
Als Folge des Bevölkerungswachstums steigt die
Zahl der Armen jedoch weiter an. Rund 1,1 Milliarden Menschen - dies sind 30 Prozent der Bevölkerung der Entwicklungsländer - leben von rund einem
US-Dollar pro Tag. Obwohl die größte Zunahme an
Armut in Afrika zu verzeichnen war, leben mit einem
Anteil von 62 Prozent die meisten Armen der Welt in
Südasien. In der Vergangenheit lebten 75 Prozent
der Armen in den ländlichen Gebieten. Dieser Trend
kehrt sich jedoch mit der zunehmenden Slumbildung
und immer neuen wilden Ansiedlungen in den Städten um. Bemerkenswerte 54 Prozent des weltweiten
Bevölkerungswachstums entfallen auf Afrika und
Südasien.
Jene Länder, deren Versuche zur Verminderung der
Zahl der Armen und ihres Anteils an der jeweiligen
Bevölkerung erfolgreich waren, haben nicht nur ein
anhaltendes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum
mit Investitionen in die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelversorgung sichergestellt. Sie haben
auch Wert auf die menschliche Entwicklung gelegt,
indem sie sich insbesondere in den Bereichen der
Bildung und der reproduktiven Gesundheitsversorgung engagierten und die Stellung der Frau
stärkten.
Bevölkerung und Umwelt
Das Wachstum und die räumliche Konzentration der
Weltbevölkerung stehen in engem Zusammenhang
mit dem lokalen und globalen Zustand der Umwelt.

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So interagiert das Bevölkerungswachstum mit dem
Verbrauch und der Bereitstellung der natürlichen einschlie ßlich der erneuerbaren - Ressourcen, mit der
Bevölkerungsverteilung sowie dem Druck, den die
Bevölkerungen auf ihre jeweilige Umwelt ausüben.
Der auf der Konferenz der Vereinten Nationen über
Umwelt und Entwicklung im Jahr 1992 verabschiedete Aktionsplan, die Agenda 21, sowie vorläufige Einschätzungen, die der Internationalen Konferenz über
Bevölkerung und Entwicklung 1994 vorliegen werden,
reflektieren die Komplexität dieser Zusammenhänge.
Eine direkte Verbindung besteht jeweils zwischen
wachsenden Bevölkerungen und dem Städtewachstum, zwischen der steigenden Nachfrage nach
Wasser und der Abwasserhygiene, zwischen Energie
und Landreserven sowie zwischen der zunehmenden
Luftverschmutzung und der ebenso zunehmenden
Bedrohung der natürlichen Ökosysteme bzw. der
Lebensräume wildlebender Tiere. Dem auf diese
Weise entstehenden Druck sind sowohl die Industrieais auch die Entwicklungsländer ausgesetzt. In den
Entwicklungsländern sind es das rasche Bevölkerungswachstum und die Armut, in den Industrieländern der massive Ressourcenverbrauch und die
Müllberge, die die Lage zusätzlich zuspitzen.
Veränderungen der Umwelt werden von den drei Einflußgrößen Bevölkerung, Konsumniveau und technologischer Entwicklungsstand bestimmt. Im Faktor
Konsumniveau kommt der Ressourcenverbrauch zum
Ausdruck. Der technologische Entwicklungsstand bestimmt die Menge der Ressourcen, die zur Herstellung einer Produkteinheit notwendig ist, sowie die
Abfallmenge, die nach dem Konsum in die Umwelt
gelangt. Bei einem gegebenen technologischen
Entwicklungsstand und einem ebenfalls gegebenen
Konsumniveau ist der Faktor Bevölkerung der Multiplikator, der das Ausmaß der Umweltveränderungen
bestimmt. Sowohl ein rasches Bevölkerungswachstum als auch ein Verbrauch an Ressourcen, der das
Maß der Nachhaltigkeit überschreitet, sowie unangepaßte Technologien haben einen negativen Einfluß
auf die Umwelt.
Umweltprobleme machen nicht an nationalen Grenzen halt.
Gelangt beispielsweise Methan oder
Kohlendioxid in die Luft, so trägt dies zur Erwärmung
der gesamten Erdatmosphäre bei. Obwohl die
Industrieländer nach wie vor den größten Anteil
dieser Emissionen verursachen, wird sich der Anteil
der Entwicklungsländer an dieser Art der Umweltverschmutzung bei steigenden Bevölkerungszahlen und
steigendem Konsum erhöhen. Der Energieverbrauch
in den Entwicklungsländern wird wahrscheinlich
zwischen 5 und 7 Prozent, der in den Industrieländern zwischen 2 und 3 Prozent jährlich ansteigen.

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�Die Zerstörung der tropischen Wälder - beim kommerziellen Holzeinschlag, bei Rodungen für die
landwirtschaftliche Nutzung der Flächen oder zur
Gewinnung von Brennholz - schreitet unvermindert
rasch voran. In neun tropischen Ländern, u.a. in
Brasilien, Myanmar (früher: Birma, Red.) und Indien,
nahm die Abholzung während der achtziger Jahre
um 50 Prozent zu und erreichte einen Jahresdurchschnitt von annähernd 17 Millionen Hektar.
Die Ausbreitung der Wüsten und die Bodenzerstörung werden in allen Gebieten beobachtet. Es ist
ein Teufelskreis entstanden, in dem Bevölkerungswachstum, Armut und die Beibehaltung herkömmlicher Technologien zur Verkleinerung der Wirtschaftsflächen und zu weiterem Bevölkerungswachstum führen. Das primäre Agens der Zerstörung ist
in der Nutzung von Grenzertragsflächen und im
Kahlschlag der Wälder zur Urbarmachung der
gerodeten Flächen zu sehen. Diese Nutzungen
resultierten in einer Zurückdrängung des tropischen
Waldes von 16 Millionen qkm zu Beginn dieses
Jahrhunderts auf rund 8 Millionen qkm im Jahr 1990.
In der Folge der Waldzerstörung kommt es zur
Bodendegradation sowie zu einer Verschlechterung
der Wasserversorgung und der Ernten. Dies wiederum stellt eine unheilvolle Entwicklung für die auf dem
Lande lebenden Familien dar.
Die Grundbedürfnisse: Wasser, Nahrung und
Wohnen
Wasser
Die Versorgung mit hygienisch unbedenklichem
Trinkwasser steht in direktem Zusammenhang mit
einer geringeren Wahrscheinlichkeit des Auftretens
von Epidemien wie der Cholera sowie mit der
Kindersterblichkeit. Bis zum Jahr 1990 ist es gelungen, 75 Prozent der Weltbevölkerung mit hygienisch
unbedenklichem Trinkwasser zu versorgen und 71
Prozent an die Abwasserbehandlung anzuschließen.
Unterschiede bestehen jedoch weiterhin zwischen
den städtischen Zentren und den ländlichen Gebieten.
Während des letzten Jahrzehnts lag der
Schwerpunkt bei Neuanschlüssen an eine Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser eher auf
den ländlichen Gebieten denn auf den Städten.
Auch wurde mehr Augenmerk auf die Verbesserung
der Wasserversorgung als auf den Neubau von
Anlagen der Abwasserbehandlung gelegt. Dies gilt
sowohl für die Städte als auch für die ländlichen
Gebiete. Die Entwicklung der städtischen Infrastruktur hinkt in den meisten Entwicklungsländern weit
hinter dem Städtewachstum her. Zwischen 1990
und dem Jahr 2000 - so die Prognosen - wird die
Zahl der Menschen, die kein gesundheitlich unbedenkliches Wasser bekommen, erneut ansteigen.

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69 Prozent des Weltverbrauchs an Wasser geht auf
das Konto der Landwirtschaft. In einigen Ländern,
wie beispielsweise Afghanistan oder Sudan mit ihren
überwiegend ländlichen Bevölkerungen, kann dieser
Anteil jedoch bis zu 99 Prozent ausmachen. Im Jahr
1990 wurden 250 Millionen Hektar (620 Millionen
Morgen) Land im Bewässerungsfeldbau bewirtschaftet. Sie lieferten ein Drittel des Ernteertrags der Welt.
Zwischen 1950 und 1990 wuchs die bewässerte
landwirtschaftliche Nutzfläche auf der Welt bei
wachsenden Bevölkerungszahlen und steigendem
Konsum pro Kopf um mehr als 100 Prozent. Die
Industrieländer benutzen den Großteil ihres Wassers
für industrielle und kommerzielle Zwecke. In einigen
Ländern, die sich auf der Schwelle zum Industrieland
befinden, steigt die Nachfrage nach Wasser mit
dieser Zweckbestimmung, obwohl ihre im ländlichen
Raum lebenden sowie ihre im landwirtschaftlichen
Sektor tätigen Bevölkerungen zur gleichen Zeit
wachsen.
Eine zunehmende Zahl von sowohl Industrie- als
auch Entwicklungsländern haben die Grenzen einer
nachhaltigen Nutzung ihrer eigenen erneuerbaren
Wasserreserven erreicht oder nähern sich diesen an.
Konkurrenz um die Wasservorräte wird zunehmend
als Ursache interner und internationaler Spannungen
wahrgenommen.
Nahrungsmittelversorgung
Während der vergangenen zehn Jahre ist die Lebensmittelproduktion weltweit um 24 Prozent, und
damit schneller als das Bevölkerungswachstum,
gestiegen. Diese Steigerung war jedoch räumlich
nicht gleichmäßig über die Welt verteilt: In Afrika
sank die Lebensmittelproduktion sogar um 5 Prozent,
während dort die Bevölkerung um 34 Prozent wuchs.
Die Weltproduktion an Getreide sank - nach Angaben
der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der
Vereinten Nationen, (FAO) - im Jahr 1993 um 4
Prozent. Für das Jahr 1994 hat die FAO für 20
Länder die Möglichkeit ernster Lebensmittelknappheit
vorhergesagt. Bis zu 780 Millionen Menschen sind in
den Entwicklungsländern unterernährt.
Die meisten Experten sind sich darin einig, daß es
keine allgemeine und weltweite Lebensmittelknappheit gibt und daß es bei einer gerechten Verteilung
möglich sein müßte, auf absehbare Zeit die gesamte
Nachfrage zu decken. Nicht so sehr ein Mangel an
Lebensmitteln als vielmehr einer an Kaufkraft wird
denn auch allgemein als Grund für Unter- bzw.
Fehlernährung angesehen. Es ist also die Armut, die
trotz einer Sättigung des globalen Bedarfs national
und lokal zu Mangel führt. Innerhalb des häuslichen
Bereichs haben Männer und ältere Söhne ein Erstrecht auf jegliche Art von Lebensmitteln. Frauen und

Seite 5

�Kinder, insbesondere kleine Mädchen, sind als erste
von Unter- bzw. Fehlernährung betroffen.
Als Gegenmaßnahme schlägt die FAO hier eine umfassende Stärkung des landwirtschaftlichen Sektors
vor. Nach wie vor sind in vielen Entwicklungsländern die meisten Arbeitskräfte in diesem Sektor
beschäftigt.
Weiterhin fordert die Organisation eine Vermehrung
der Ressourcen, die den Frauen zur Verfügung
stehen. Oft ist nämlich in der Vergangenheit vernachlässigt worden, daß die Versorgung mit Nahrungsmitteln in der Verantwortung der Frauen liegt.
Auch die Entwicklung des Humankapitals, unter
Einschluß von Bildung und Gesundheitsversorgung,
stellt einen wichtigen Schritt dar.
Wohnen
Die Notwendigkeit zur Bereitstellung ausreichenden
Wohnraums wächst mit steigenden Bevölkerungszahlen. Dies gilt insbesondere angesichts der
zunehmenden Urbanisierung sowie abnehmender
Landreserven, knapperer Baugelder und einer
geringeren Zahl neu fertiggestellter Wohnungen.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung derEntwick-

*

Seite 6

lungsländer wird zum Ende des Jahrhunderts in den
Städten leben. Ein derartiges Wachstum überfordert
deren Möglichkeiten, Wohnraum und Dienstleistungen für alle Neuankömmlinge bereitzustellen. Besonders schwierig ist die Wohnungssuche in einigen
Ländern für weibliche Haushaltsvorstände. Dort
verbieten mitunter Gesetze den Frauen den Besitz
von Grundeigentum oder auch nur die Anmietung
einer Wohnung. Frauen dürfen in manchen Ländern
die notwendigen Kredite nicht aufnehmen, oder sie
werden nicht auf Wartelisten für Wohnungen aufgenommen. Diese Frauen und ihre Kinder sind gezwungen zu leben, wo immer es ihnen möglich ist.
Sie belegen den armseligsten Wohnraum und werden
leicht Opfer von Ausbeutung und Mißhandlung.
Die Mittel, die zur Linderung der Armut beitragen können, die die Lebensmittelversorgung verbessern, die
Unter- bzw. Fehlernährung beenden und zu einer
ausreichenden Wohnraumversorgung führen können,
sind die gleichen, die ein ausgeglicheneres Bevölkerungswachstum ermöglichen können. Mehr Beachtung ist in diesem Zusammenhang der Bevölkerungsproblematik zu schenken. Die Entscheidungsfreiheit des einzelnen - insbesondere der Frau - muß
erweitert und die Chancengleichheit der Geschlechter
von Geburt an gewährleistet werden.

* * * *

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�BEVÖLKERUNG
24. August 1994

USA UND DRITTE WELT ERZIELEN EINIGUNG
ZU BEVÖLKERUNGSFRAGEN
Hoffnung auf Vereinbarungen mit dem Vatikan
WASHINGTON - (AD) - Amerikanischen Regierungsvertretern zufolge gibt es zum ersten Mal seit 20
Jahren umfassende Einigung über eine Verlangsamung der Bevölkerungsexplosion.
"Ich sehe kein Nord-Süd-Gefälle in den neunziger
Jahren", erklärte Sally Shelton, Stellvertretende
Leiterin für globale Programme beim Amt für internationale Entwicklung (Agency for International
Development - AID), bei einer Pressekonferenz am
19. August 1994.
Shelton räumte jedoch ein, bei der im September in
Kairo anberaumten Konferenz über Bevölkerung und
Entwicklung werde es sicherlich einige Meinungsverschiedenheiten geben. Sie verwies insbesondere
auf Differenzen mit der römisch-katholischen Kirche
und vielleicht einigen muslimischen Kirchenvertretem
über Fragen wie die Rechte und Pflichten von
Familien und Einzelpersonen bei Geburtenkontrolle
und Schwangerschaftsabbruch.
Selbst katholische Länder wie Mexiko, Brasilien und
Kolumbien hätten effektive Programme zur Bevölkerungskontrolle verabschiedet, so Shelton. Auch
muslimische Länder wie Indonesien, Bangladesch
und Tunesien hätten Schritte unternommen.
Vor einer Generation hätten nur eine Handvoll
Länder Familienplanungsprogramme eingeführt und
jetzt seien es über 100, erläuterte Shelton. Studien
belegten, daß ungefähr 120 Millionen Männer und
Frauen auf der ganzen Welt lieber die Größe ihrer
Familie planen würden, aber keine Beratung erhalten.
In etwa 170 Ländern sei Schwangerschaftsabbruch
gestattet, manchmal nur in bestimmten Fällen,
manchmal großzügig gehandhabt, äußerte Shelton.
"Die Nachfrage nach Zugang zu Familienplanung
durch Männer und Frauen auf der ganzen Welt und

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die Nachfrage nach einer besseren Lebensqualität...
ist überwältigend. Sie reicht von der Basis bis zu
allen Schichten der Gesellschaft."
Shelton stellte fest, sie sei daher optimistisch, daß die
Kairoer Konferenz einen Konsens über konkrete
Programme erzielen wird, die jedes Land zur Verlangsamung der Bevölkerungsexplosion einführen
könnte.
Nils Daulaire, politischer Berater für Bevölkerung und
Gesundheit beim AID, erklärte, die Vereinigten Staaten unterstützten den von der 12 Nationen umfassenden Europäischen Union - zu deren Mitgliedern die
katholische, eher traditionelle Gesellschaft Irlands und
auch die liberalen Niederlande zählen - unterbreiteten
Kompromißvorschlag zur Sprachregelung, um die
Schwierigkeiten zwischen dem Vatikan und dem
Großteil der Industrie- und Entwicklungsländer zu
überwinden.
Die Sprachregelung stellt in dem Kapitel über reproduktive Gesundheit eindeutig klar, daß jede bei
der Kairoer Konferenz veröffentlichte Erklärung keine
neuen Rechte für Familien oder Einzelpersonen
festsetzen wird, äußerte Daulaire in einem Interview
nach der Pressekonferenz.
Darüber hinaus würden alle in einer Erklärung
empfohlenen Programme den Gesetzen und Bestimmungen des Landes unterstehen, das die Vereinbarung unterzeichnet.
"Wir finden diese Sprachregelung sehr gut", bekräftigte Daulaire.
Während der Pressekonferenz verwies er darauf, daß
die Entwicklungsländer nicht die Haltung der Industrieländer geteilt hatten, die bei der ersten internationalen Bevölkerungskonferenz im Jahr 1974 die
Betonung auf eine Verlangsamung des Bevölkerungswachstums gelegt hatten.

Seite 1

�Zum Zeitpunkt der zweiten Konferenz 10 Jahre
später hatten die Entwicklungsländer das Gefühl,
nicht genug Fortschritte bei der Erweiterung ihrer
Volkswirtschaften zur Ernährung ihrer zunehmenden
Bevölkerung zu erzielen. Sie wollten die Familienplanungsprogramme verstärken, aber die 1984 in
den Vereinigten Staaten amtierende konservative
Administration lehnte diese Position ab.

"Die Differenzen sind ausgeräumt", so Daulaire. "Es
gibt keine grundlegenden Meinungsverschiedenheiten" zwischen den Entwicklungsländern und den
Vereinigten Staaten zum Thema Bevölkerung.

* * * *

Seite 2

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�UMWELT
24. August 1994

STRATEGIEN FÜR UMWELTVERTRÄGLICHE
ENTWICKLUNG
von Barbara J. Bramble
Die Verfasserin beschreibt einige der beim Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro gelernten Lektionen und wie
umweltverträgliche Entwicklung auf lokaler Ebene angewandt werden kann. Sie betont die Bedeutung des
Engagements der Gemeinde.
Barbara J. Bramble ist Direktorin des internationalen Programms der National Wildlife Federation.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Vital Speeches of the Day.

Ich möchte Ihnen einen historischen Kontext für
unsere Aufgabe in dieser Woche geben und die
abstrakten Ideen des Erdgipfels für unsere Arbeit in
unseren jeweiligen Bundesstaaten umsetzen. Ich
möchte über das sprechen, was ich als die Evolution
des Erdgipfels bezeichne - ein wirklich erstaunliches
Phänomen, bei dem jeder, der in irgendeiner Weise
mit den Vorbereitungen befaßt war und unabhängig
davon, ob er an einer der Vorkonferenzen des
Gipfels in Rio de Janeiro teilnahm oder nicht, durch
diese Erfahrung in gewisser Weise verändert wurde.

Das gleiche geschah in Brasilien, Mexiko, Europa,
Japan, auf den Philippinen und andernorts. In
Brasilien traten dem NGO-Forum für die UNCED mit
der Zeit 1.300 große und kleine Gruppen bei.

Als im Jahr 1989 zum ersten Mal der Vorschlag
eines Erdgipfels unterbreitet wurde, fingen alle an zu
gähnen. Dann erkannten einige kluge Leute, daß er
zum größten und vielleicht wichtigsten Treffen
überhaupt werden könnte (und am Ende nahm die
höchste Zahl von Staatsoberhäuptern teil, die je
einer solchen Veranstaltung beigewohnt hatte).
Viele von uns in der Regierung und bei nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) begannen sich zu
fragen, "Was können wir machen um sicherzustellen,
daß bei dem Gipfeltreffen das Richtige getan wird?"

Wir brachten Mittel auf, damit die Vertreter der Basis
aus diesem und vielen anderen Ländern zu den vier
vorbereitenden Ausschußsitzungen kommen konnten,
die im Verlauf von zwei Jahren abgehalten wurden.
Diese sogenannten "PREP-COMMS" setzten die
Tagesordnung fest und handelten die Zustimmung
zum offiziellen Erdgipfel im Juni 1992 in Rio de
Janeiro aus.

In den nichtstaatlichen Gruppen lautete die Antwort:
Organisieren.
Hunderte Gruppen und Einzelpersonen aus den
gesamten Vereinigten Staaten bildeten das amerikanische Bürgernetz für die Konferenz der Vereinten
Nationen über Umwelt und Entwicklung (United
Nations Conference on Environment and Development - UNCED). Dieses Bürgernetz besteht ebenso
wie das Bürgernetz für umweltverträgliche Entwicklung noch immer.

AMERIKA DIENST 33

Einige von uns begannen, sich mit dem UN-System
vertraut zu machen um herauszufinden, wie die
Konferenz zusammengesetzt sein wird, wer über die
Tagesordnung entscheiden sollte und wie wir die
Regierungen dazu bringen könnten, den Bürgern
zuzuhören.

Wir bildeten Lobbying-Koalitionen jeglicher Art unter
den NGOs, darunter nicht nur (erwartungsgemäß) an
der Umwelt interessierte, sondern auch an der Basis
arbeitende Gruppen wie Bauerngenossenschaften,
Verbraucherschutzgruppen, Frauengruppen, die
Suppenküchen in ärmlichen Gegenden in Peru
betreiben, oder Verantwortliche für Baumschulen und
Aufforstungsprogramme in Kenia, Befürworter von
Landreform, Rassengleichheit und für die Straßenkinder in Brasilien Zuständige, Wohltätigkeits- und
Hilfsorganisationen mit Sitz in Kanada, England und
den Niederlanden, Berater aus Pakistan zur Energieeinsparung und Gruppen, die repressive Regime der
extremen Linken in Ungarn, Polen und Rußland

Seite 1

�sowie der extremen Rechten in Chile, Argentinien
und Brasilien gestürzt hatten.

keiten und Einkommen berücksichtigten nicht das
Humankapital, Rohstoffe oder die Umweltzerstörung).

Wie Sie sich vorstellen können, kamen die NGOs zu
diesem zweijährigen Prozeß mit diametral entgegengesetzten Ansichten über die Bedeutung von Umwelt
und Entwicklung. Wir diskutierten die Rolle des
Welthandels und der Weltbank, wessen Fehler die
enorme Verschuldung der Dritten Welt ist, wer für
die Übernahme der Kosten für den Erhalt der
tropischen Regenwälder verantwortlich ist, wieviel
Schuld für die derzeitige Zerstörung vieler Ökosysteme dem Bevölkerungswachstum und wieviel dem
industriellen Wachstum sowie dem verschwenderischen Verbraucherverhalten zugeschrieben werden
sollte.

Forstwirtschaftler mußten lernen, daß die Hauptursachen für die Brandrodung in den Tropen überhaupt nicht in Zusammenhang mit ihrem Beruf
stehen, sondern auf Armut, Landkonzentration in den
Händen einiger weniger Reicher, gedankenlose
Agrarentwicklung für vornehmlich exportiertes Getreide, unkluge Subventionen für Viehzucht, illegales
Abholzen und Korruption zurückzuführen sind.

Nach einer langen und manchmal emotionalen
Debatte - ähnlich dem, was die Regierungen durchmachen mußten - erzielten wir Einigung zu praktisch
allen diesen Themen. Wir bildeten das "Internationale NGO-Forum", um ein besonderes NGO-Treffen
unter den Hunderten anderer in Rio organisierter
Veranstaltungen anzuberaumen. Ich war in dem
Ausschuß, der die Hauptveranstaltung der NGOs
organisierte und vertrat das Bürgernetz der Vereinigten Staaten. Wir stellten eine 10tägige Konferenz für 3.200 Teilnehmer auf die Beine.
Unser Ausschuß hatte die Idee, seine eigenen
Verhandlungen in Rio zu führen und seine eigenen
NGO-Vereinbarungen vorzubereiten, die wir als die
alternativen NGO-"Verträge" bezeichneten - natürlich
sind es keine richtigen Verträge, sie haben keine
rechtliche Wirkung. Aber sie waren ein wunderbares
Instrument für die NGOs, um Konsens zu unserem
Vorgehen zu erzielen, unabhängig von den Entscheidungen der Regierungen. Sie setzten gemeinsame Ziele fest und legten die Grundlage für Maßnahmen der NGO-Koalition auf Jahre hinaus.
Mehrere dieser "Verträge" haben ein aktives NGONetz, das an ihrer Umsetzung arbeitet.
Ebenso erstaunlich wie die NGO-Verhandlungen war
der Prozeß des Lernens und Verhandeins der
Regierungen für diese Konferenz. Ich war beeindruckt, wie hart die meisten Delegierten der UNCED
arbeiteten, insbesondere die aus den Entwicklungsländern, wo nur einige wenige Delegierte alle Themen abdecken mußten. Sowohl Diplomaten als
auch Spezialisten mußten einen sehr harten CrashKurs zu mehr als 40 schwierigen Fragen über sich
ergehen lassen - und das alles gleichzeitig.
Wirtschaftswissenschaftler mußten lernen, daß sie
nur die Hälfte der Spielkarten zur Verfügung hatten
(ihre Maßeinheiten für Vermögenswerte, Verbindlich-

Seite 2

Wasserwirtschaftler mußten sich anhören, daß ein
Bewässerungssystem - so gut es auch gebaut sein
mag - nicht funktionieren kann, solange es keinen
Verband der Wassernutzer gibt, der die gerechte
Verteilung des Wassers an die flußabwärts Wohnenden und kontinuierliche Wartung gewährleistet. Der
Aufbau eines solchen Verbandes erfordert Jahre
geduldiger Organisationsarbeit unter der lokalen
Bevölkerung - er kann nicht aufoktroyiert werden.
Agrarexperten mußten lernen, daß die grüne Revolution die Kluft zwischen Reichen und Armen in vielen
Ländern verbreitert und das Proteinvorkommen für
zahlreiche Menschen verringert hat (als die in den
Reisfeldern schwimmenden Katzenfische durch
Pestizide vergiftet wurden).
Die Klimaveränderung hat Auswirkungen auf den
Wasservorrat, die Landwirtschaft hat Auswirkungen
auf die Wasserqualität, die Verringerung der Wasservorräte kann Kriege verursachen.
Wir alle mußten lernen, daß es nicht möglich ist,
auch nur passable Wirtschaft oder Technik zu haben,
ohne die Ökologie, Soziologie und Anthropologie zu
verstehen.
Meines Erachtens wurden alle UNCED-Teilnehmer offizielle Delegierte und NGOs- durch diese Erfahrung
tiefgreifend verändert und unser beruflicher Horizont
hat sich enorm erweitert.
Der in Agenda 21 (einer Reihe von 1992 in Rio
unterzeichneten Empfehlungen zur Bewältigung der
Umweltprobleme weltweit) festgelegte Arbeitsplan ist
auf Jahre hinaus Herausforderung genug. Die etwas
mehr als 40 Kapitel der Agenda 21 legen die meisten
gravierenden Probleme dar, die gelöst werden
müssen, um zu einer umweltfreundlichen Gesellschaft
zu gelangen, und sie skizzieren die den Hauptakteuren zukommenden Rollen, von nationalen Regierungen bis zu kommunalen Behörden und Bürgergruppen. Obwohl kein visionäres Dokument für das 21.
Jahrhundert, ist es ein ernsthafter Arbeitsplan für
zumindest das nächste Jahrhundert.

AMERIKA DIENST 33

�Wichtiger als das durch die Vorbereitungen auf den
Erdgipfel verursachte berufliche Umdenken war
vielleicht die Erkenntnis, daß dem inzwischen
populären und überstrapazierten Begriff "umweltverträgliche Entwicklung" etwas Tiefgreifendes zugrundeliegt - nicht nur Wirtschaftswissenschaften oder
Kontrolle der Umweltverschmutzung, sondern
Gleichheit und Gerechtigkeit.
Diejenigen unter uns, die dachten, Rio sei die Folge
der Stockholmer Konferenz über die humane Umwelt
von 1972, sahen sich mit der Tatsache konfrontiert,
daß es eine Konferenz über Umwelt und Entwicklung war. Die scharfen Debatten lehrten uns, daß
die Umwelt einfach nicht gerettet werden kann,
solange nicht alle Menschen auf der Welt eine
Chance zur Verbesserung ihres Lebens haben.
Meiner Ansicht nach kann man guten Gewissens
sagen, daß jeder, der die langwierigen Verhandlungen des UNCED-Prozesses durchgemacht hat seien es die offiziellen Delegierten oder die NGOs
mit ihren eigenen Vereinbarungen - dies jetzt gründlich versteht.
Es gibt beispielsweise keine Lösung für die Brandrodung in den Tropen, solange nicht die Masse der
armen Menschen, die keinen Zugang zu ordentlichem Ackerland haben, weil einige wenige Grundbesitzer es für die Viehzucht oder automatisierten
Getreideanbau für den Export nutzen, eine Chance
bekommen - entweder durch Landreform oder
alternative Beschäftigung in städtischen Zentren,
oder durch einen kleinen Kredit zur Gründung ihres
eigenen Unternehmens. Millionen von Menschen
ohne jegliche Alternative versuchen überall in den
Entwicklungsländern kleine Landstriche zu bewirtschaften, verursachen einen Verlust an Wäldern und
eine Bodenerosion, verstopfen Flüsse und Wasserwege, verunreinigen Anlagen für die Fischzucht und
so weiter.
Entsprechend wird sich das Bevölkerungswachstum
nicht verlangsamen, bis Frauen ein Mitspracherecht
an ihrem eigenen Leben haben - das heißt nicht nur
die Bereitstellung von Kondomen oder Antibabypillen, sondern auch Bildung, ordentliche Gesundheitsfürsorge und wirtschaftliche Chancen, so daß sie das
Recht zur Verwendung dieser Kondome und der
Pille erwerben können.
Und hier bei uns ist die Lage nicht viel anders.
Umweltverträgliche Entwicklung bedeutet eine
Chance für ein ordentliches Leben für alle Amerikaner in Städten und ländlichen Gebieten, nicht nur
den Vororten.
Meines Erachtens ist "umweltverträgliche Entwicklung" der falsche Begriff. Erstens ist dies ein Kürzel

AMERIKA DIENST 33

für seine wirkliche Bedeutung - "Wirtschaftlich tragfähige, ökologisch verträgliche und sozial gerechte"
Entwicklung. Aber diese Erklärung ist zu lang und
mühselig. Wir benötigen ein neues Schlagwort, das
alle drei Elemente beinhaltet - Wirtschaft, Ökologie
und Gerechtigkeit - dies ist ein untrennbares Dreieck.
Jeder, der den UNCED-Prozeß durchlaufen hat, hörte
Beunruhigendes von den Vertretern anderer Länder Menschen, die die Ideale und Versprechungen der
Vereinigten Staaten verehren, aber nicht verstehen
können, was wir hier eigentlich tun.
Einige sagten: "Wenn Ihr uns sagt, wir müssen
unsere Regenwälder erhalten, wie kommt es
dann, daß Ihr Eure eigenen Regenwälder im
Nordwesten nicht erhaltet?"
Andere ereiferten sich über eines der schwierigsten Probleme - das Bevölkerungswachstum:
"Bevölkerungswachstum im 'Süden' könnte einige
lokale Umweltprobleme zur Folge haben. Nicht
die Armen haben das Ozonloch, die Klimaveränderung, eine Ölpest in den Ozeanen, Toxine im
arktischen Schnee oder sauren Regen verursacht,
sondern der Abfall und der exzessive Konsum in
Euren reichen Industrieländern setzt den gesamten Planeten einem Risiko aus. Ein in den Vereinigten Staaten geborener Mensch wird 30- bis
50mal soviel Energie verbrauchen wie ein in
Indien geborener - also schiebt nicht die Schuld
für die Umweltzerstörung den Armen in die Schuhe."
Und am provokativsten: "Wir im Süden tragen die
Verantwortung für viele unserer Probleme, weil
unsere reichen Eliten in ihrem eigenen Interesse
operieren, während die Armen leiden - es gibt
einen 'Norden' in unserem 'Süden'. Aber es gibt
auch einen 'Süden' in Eurem 'Norden' - was tut
Ihr mit Euren Armen, mit Euren Städten?"
All das hörte man nicht gerne. Und zuerst führte es
zu einer ziemlich scharfen Auseinandersetzung. Aber
allmählich gelangten wir zu einer Einigung, und die
Antwort wurde deutlich: Beide Seiten hatten recht,
aber beiden Seiten tragen auch einen Teil der
Verantwortung für den Zustand des Planeten. Die
Zukunft hängt von Vereinbarungen über gemeinsames Vorgehen zur Verringerung des kollektiven
Drucks auf unsere Rohstoffe ab und damit der
Verbesserung der Lebensqualität für alle.
Die unmittelbaren praktischen Ergebnisse dieser
grundlegenden Einigung auf die geteilte Verantwortung sind bisher mager - nur die verwässerten
Verträge über Klimaveränderungen und Artenvielfalt

Seite 3

�sind in der Tat bindend. Und Agenda 21, das von
den Regierungen vereinbarte Arbeitsprogramm über
Toxine, Wasser- und Luftverschmutzung, Verringerung des Abfalls und all die anderen Themen, wird
nur auf freiwilliger Basis befolgt.
Aber dies ist erst der Anfang. Ich bin jetzt zuversichtlich, daß die internationale Zusammenarbeit
verstärkt wird, wenn die globalen Probleme sich
verschärfen, was wahrscheinlich ist. Die sich mit
dem Abbau der Ozonschicht befassende Wiener
Konvention war in ihrer ersten Fassung enttäuschend unzulänglich. Sie wurde j^ooch in Form des
Montrealer Protokolls dreimal verbessert, als die
Ozongefahr deutlicher wurde.
Ich möchte Ihnen sagen, was sie für mich bewirkt
hat. Erstens arbeite ich an internationalen Themen.
Aber ich gelange jetzt zu der Erkenntnis, daß das
Beste, was wir für den Aufbau der internationalen
Zusammenarbeit zur Verringerung der Zerstörung
des Ökosystems tun können, darin liegt, zu zeigen,
daß diese Prinzipien hier bei uns im Inland funktionieren. Die übrige Welt blickt immer noch auf die
Vereinigten Staaten bei der Festsetzung der beispielgebenden Normen. Da unser Land und Kanada
den höchsten Energieverbrauch pro Kopf haben,
wird niemand die Energieeinsparung ernst nehmen,
wenn wir es nicht tun. Und dasselbe gilt für die
Erhaltung der Wälder und Feuchtgebiete.
Zweitens führt mich das zu der Schlußfolgerung, daß
wir nicht länger außenpolitische Angelegenheiten
von innenpolitischen trennen können. Ich arbeite
also an der Überbrückung der Kluft zwischen den
inländischen und internationalen Abteilungen der
National Wildlife Federation.
Mehrere unserer
Zweigstellen erarbeiten bereits Pläne für umweltverträgliche Entwicklung in ihren jeweiligen Bundesstaaten, und der Dachverband arbeitet auf die Verabschiedung von "umweltverträglicher Entwicklung"
als einheitlichem Ziel all unserer Programme hin.
Drittens habe ich gelernt, daß die zu umweltverträglicher Entwicklung führenden Prinzipien in den
Vereinigten Staaten die gleichen sind, die im Ausland verwendet werden sollten (beispielsweise bei
Auslandshilfeprogrammen): Beteiligung der öffentlichkeit, Zugang zu Informationen, Gewährleistung,
daß die Menschen das Recht zu friedlichen Beschwerden haben, Chancen für die Menschen, wie
die Vergabe von Kleinkrediten und eine ordentliche
Ausbildung. Dies sind grundlegende amerikanische
Prinzipien der Fairness, Gerechtigkeit und Respektierung der Menschenrechte.
Das Kernstück umweltverträglicher Entwicklung ist
vielleicht nicht eine Technologie per se, sondern das

Seite 4

Mitspracherecht der Gemeinde bei dieser Entwicklung. Obwohl die Menschen es in der Tat nicht
immer in Anspruch nehmen, wollen sie das Recht, zu
erörtern, was zu tun ist, von wem, wann und so
weiter - und nicht nur von den Plänen hören, wenn
die Entscheidungen getroffen sind. Die Bedürfnisse
der Bürger auf der ganzen Welt decken sich in
erstaunlichem Maße - Zugang zu Informationen,
Beteiligung der Öffentlichkeit an Plänen, Entwürfen,
Umsetzung und Auswertung sowie das Recht zur
Beschwerde.
Und schließlich gelangte ich aufgrund der angesprochenen Evolution der UNCED von der Konzentration
auf reine Umweltprobleme zu der Erkenntnis, daß
das Ziel ein viel umfassenderes ist - der Aufbau einer
umweltfreundlichen Gesellschaft. Wie ich bereits
ausgeführt habe, beinhaltet dies nicht nur die Umwelt
und Wirtschaft, sondern auch Gerechtigkeit, so daß
wir alle eine Chance für ein ordentliches Leben
haben können.
Dies führt uns zu der derzeitigen Konferenz der
National Wildlife Federation. Was können wir hier
bewirken?
Ich denke, wir sind auf der Suche. Niemand ist sich
ganz sicher, was genau unter "umweltverträglicher
Entwicklung" zu verstehen ist. Zweifelsohne sieht
sie in Alaska anders aus als in Kalifornien, Ohio oder
Kentucky.
Bei dieser Suche werden wir einige leichte Lösungen
finden wie die Tatsache, daß zunehmend verbesserte
Energiewirtschaft nicht nur die Treibhausgasemissionen reduziert, sondern auch durch kurze Rückzahlungsfristen Geld spart. Gemäßigte Landwirtschaft
schont nicht nur den Boden und trägt zur Säuberung
der Flüsse bei, sondern verringert auch Kosten, ganz
abgesehen von den Vorteilen für die Gesundheit.
Einiges ist jedoch schwieriger. Wiederaufbereitungsprogramme sind beispielsweise ein wunderbares
Instrument, um das Engagement der Menschen zu
gewinnen und sie über Energieerhaltung zu informieren. Aber nachdem sie sich mit der Tragweite
des Problems befaßt haben, gelangen viele Gemeinden zu der Schlußfolgerung, daC eis den Abfall an
der Quelle verringern müssen, sowohl bei den
Produktionsmethoden als auch in einigen Fällen mit
der Abschaffung bestimmter Produkte.
Die neue Methode des "grünen Punkts" sowie die
Einbeziehung der gesamten Berechnungs-, Produktions-, Nutzungs- und Entsorgungskoc*en in den Preis
des Verbrauchsgutes ist ein Indikator, welche Produkte für die Gemeinde sehr teuer im Hinblick auf die
realen Kosten sind, die jetzt als "Externa" angesehen

AMERIKA DIENST 33

�werden. Dies bietet dem Verbraucher Anreize zu
einem veränderten Konsumverhalten.
Aber dies impliziert Veränderung.
Bestimmte
Produkte werden nicht mehr hergestellt und andere
werden entwickelt. Veränderungen machen angst.
Und es gibt sehr viel ernsthaftere Probleme, wie
veraltete Industrieanlagen, die gefährlich sind, deren
Modernisierung aber teuer ist und deren Schließung
einen enormen Verlust an Arbeitsplätzen bedeuten
würde.
Aus diesem Grund ist die Entwicklung eines Gemeinsinns so eindeutig Teil umweltverträglicher
Entwicklung. Wandel ist unvermeidbar, er kann nicht
für immer zurückgehalten werden. Aber diejenigen,
die aufgrund der Notwendigkeit einer Gesellschaft
zur Veränderung ihrer Produktionsmethoden und
Beseitigung des Abfalls in der Luft hängen, sollten
nicht leiden müssen. Wir müssen lernen, als Gemeinde an einem Strang zu ziehen und denen zu

helfen, die von den Veränderungen betroffen sind. In
Deutschland und Japan werden die Arbeitnehmer
geschützt, behalten, umgeschult und als echte
Ressource des Landes angesehen und nicht ihrem
Schicksal überlassen.
Wir sollten den Wandel
begrüßen, weil dies der einzige Weg zur Rettung des
Planeten ist.
Meine vorletzte Botschaft soll Ihnen ins Gedächtnis
rufen, daß es kein Patentrezept für umweltverträgliche Entwicklung gibt, das uns jemand an die Hand
gibt. Wir müssen es erfinden, Schritt für Schritt, in
jeder einzelnen Gemeinde.
Mein letzter Punkt ist, daß es bei dieser Suche kein
Ende gibt. Es gibt keinen perfekten Zustand "umweltverträglicher Entwicklung". Wir sollten uns in der
Erkenntnis auf den Weg machen, daß jeder Schritt
nur ein Teil der Reise ist und jeder kleine Erfolg
allmählich in die richtige Richtung führt. Wir werden
uns unserem Ziel nur annähern, aber jedes Jahr
kommen wir ihm ein Stückchen näher.

*

AMERIKA DIENST 33

*

Seite 5

�MILITÄR
24. August 1994

NATIONALE SICHERHEIT UND DEMOKRATIE
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
von David R. Segal
Die Geschichte nationaler Sicherheitsbelange in den Vereinigten Staaten besteht aus dem pragmatischen
Versuch, grundlegende demokratische Werte und Ideale gegen Elemente ihrer Verteidigung auszubalancieren,
die bisweilen die Rechtsstaatlichkeit und die Freiheit des einzelnen beeinträchtigten. Der nachfolgende Artikel
befaßt sich mit der Gegenüberstellung dieser beiden Prinzipien, die das Kernstück der Nation darstellen.
David R. Segal ist Professor für Soziologie und Politologie an der University of Maryland, deren Zentrum für
internationale und Sicherheitsstudien (Center for International and Security Studies at Maryland - CISSM) er
angehört und leitet das akademische Programm für militärische Soziologie.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus einem Artikel, der ursprünglich als Vortrag vor der Konferenz über
nationale Sicherheit und Demokratie konzipiert war, die vom Israel Diaspora Institute, Tel Aviv University, vom
11.-14. März 1990 abgehalten wurde. Der Verfasser dankt für die freundliche Unterstützung der Mitarbeiter
von Armed Forces and Society.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Transaction Publishers in Armed Forces
&amp; Society. Copyright (c) 1994 Transaction Publishers.

Einer der kulturellen Widersprüche des modernen
demokratischen Staates ist die Tatsache, daß seine
Verteidigung fast unweigerlich entweder eine Gefährdung der Werte mit sich bringt, die er verkörpert
(beispielsweise Pressefreiheit) oder seine Mittel zur
Verteidigung dieser Werte einschränkt, die somit
weniger effektiv wird. Eine Demokratie muß sich
entweder mit einer auf den Rücken gebundenen
Hand auf einen Krieg vorbereiten und diesen führen,
oder im Interesse einer wirksamen Verteidigung
dessen, was Demokratie nach einer Kompromißlösung bedeutet, etwas weniger demokratisch
werden.
Obwohl es nicht gerechtfertigt wäre, von einem
dialektischen historischen Prozeß auszugehen, in
dem demokratische Staaten die Saat ihrer eigenen
Zerstörung legen, kann die Geschichte nationaler
Sicherheitsbelange in den Vereinigten Staaten als
fortgesetzter pragmatischer Versuch betrachtet
werden, grundlegende demokratische Werte und
Ideale gegen Elemente ihrer Verteidigung auszubalancieren, die bisweilen in die Rechtsstaatlichkeit,
Freiheit des einzelnen und die Beteiligung der

AMERIKA DIENST 33

Öffentlichkeit an politischen Debatten und Entscheidungsprozessen informierter Bürger eingegriffen
haben.
Einige Facetten der Rechtsstaatlichkeit und der
Freiheiten des einzelnen sind mit der Zeit, durch die
Dynamik einer andauernden bürgerlichen Revolution
stabiler geworden, die durch eine Ausweitung der
Bürgerrechte selbst in Zeiten internationaler Konflikte
charakterisiert war. Gleichzeitig wurden die Informationsverbreitung sowie eine informierte Teilnahme an
der Politik von dem Bedürfnis nach Geheimhaltung
eingeschränkt, das mit der Entwicklung, der Aufstellung und dem möglichen Einsatz von Hochtechnologie, todbringenden Waffensystemen und ihren
Trägersystemen unter den Doktrinen der Kriegsmanöver einhergeht.
Nationale Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit
Die Vereinigten Staaten sind eine konstitutionelle
Demokratie, und die rechtlichen Grundlagen des
Systems der nationalen Sicherheit wurden im grundlegenden Rechtsdokument der Nation gelegt, der

Seite 1

�Verfassung, welche die Rechte des einzelnen sowie
die Pflichten der Bundesstaaten und Bundesregierung so genau definiert, wie die Gründerväter der
Nation sie vorausahnen konnten. Die ersten beiden
Verfassungsartikel sehen eine zivile Kontrolle des
Militärs durch ein System gegenseitiger Kontrolle
und gemeinsamer Verantwortung vor, das den
höchsten gewählten Zivilbeamten der Nation - den
Präsidenten - zum Oberbefehlshaber des Heeres,
der Marine und der Truppen der Bundesstaaten
macht, wenn sie in den Dienst der Bundesregierung
gerufen werden. (Die Wahl von Bill Clinton im Jahr
1992, dem während des Wahlkampfes vorgeworfen
wurde, er habe sich im Vietnamkrieg dem Wehrdienst entzogen, stellte die Loyalität der Streitkräfte
gegenüber ihrem Oberbefehlshaber stärker in Frage
als jedes andere Ereignis in der jüngsten amerikanischen Geschichte). Die gewählten Volksvertreter im
Kongreß erhielten die Befugnis, ein Heer aufzustellen und zu unterstützen und eine Marine zu unterhalten. Und nur der Kongreß kann einen Krieg erklären.
Es existieren gesetzliche und juristische Systeme,
weil kein Konsens über allgemein akzeptierte soziale
Normen oder deren Einhaltung besteht. Die Rechtsdoktrin wird am ehesten auf vorhersehbare und sich
wiederholende Ereignisse angewandt.
Da die
Militärtechnolgie immer tödlicher wird und sich
infolgedessen die mit dem Krieg einhergehende
soziale Organisation ändert, wurden die Vereinigten
Staaten mit Situationen konfrontiert, die die Verfassungsväter nicht vorhersehen konnten und die
häufig die tatsächliche militärische Notwendigkeit
den verfassungsmäßigen Definitionen der Rechte
des einzelnen oder der Befugnis der Regierung
gegenüberstellen.
In Kriegszeiten hat das die
Präsidenten dazu veranlaßt, ihre verfassungsmäßigen Rechte zu überschreiten oder zumindest den
Versuch dazu zu unternehmen. Ferner beschränkte
sich die Rolle der Legislative und der Judikative in
Fragen nationaler Sicherheit großenteils auf eine
Reaktion.
Es gibt keine doktrinäre Aussöhnung zwischen der
Rechtsstaatlichkeit und den von der Exekutive
geforderten Vollmachten auf Grund eines Notstandsgesetzes. Das Ergebnis ist pragmatisch und äußerst
politisch. Der Präsident, der sich auf diese Vollmacht im Falle eines Notstands beruft, muß damit
rechnen, daß seine Aktionen überprüft und eventuell
von der Legislative oder Judikative in Frage gestellt
werden. Die Vollmacht des Präsidenten zum Erlaß
von Notstandsgesetzen wurde mit der Zeit zunehmend einer Überprüfung durch die Legislative und
Judikative unterstellt. Das Ergebnis dieses Prozesses war gewöhnlich (aber nicht immer), daß die vom
Präsidenten ergriffenen Maßnahmen vom Kongreß

Seite 2

unterstützt wurden und der Oberste Gerichtshof der
Vereinigten Staaten solche Aktionen rechtfertigte,
insbesondere wenn Übereinstimmung zwischen
Präsident und Kongreß bestand. Der militärischen
Notwendigkeit wird generell eine höhere Priorität
zugebilligt als den Rechten der Bundesstaaten oder
des einzelnen, was sich auch in den 1993 geführten
Debatten über Homosexuelle im Militär zeigte.
Dennoch scheint im Laufe unserer Geschichte die
Wahrscheinlichkeit abzunehmen, daß im Falle eines
nationalen Notstands die Forderung nach Handlungsfreiheit für die Exekutive unterstützt wird. Die vom
Präsidenten in Kriegszeiten ergriffenen Maßnahmen
wurden nach der Wiederherstellung des Friedens
rückgängig gemacht. Nach dem Kalten Krieg könnte
eine noch stärkere Abkehr von der Rechtfertigung der
Einschränkung individueller Rechte und Freiheiten auf
der Grundlage nationaler Sicherheitserfordernisse
erfolgen.
Während des amerikanischen Bürgerkrieges (18611865) verband Präsident Lincoln zum Zweck des
Erhalts der Union seine zivilen Befugnisse mit seiner
Rolle als Oberbefehlshaber der Streitkräfte, um eine
Position zu schaffen, die "einer konstitutionellen
Diktatur nahekam". Ohne gesetzliche Bevollmächtigung rekrutierte er 40.000 Freiwillige, gab ohne
entsprechende Befugnis über 2 Millionen Dollar aus
der Staatskasse aus und setzte den Habeaskorpusbefehl - den verfassungsmäßigen Schutz vor willkürlicher Verhaftung und Festnahme - für unloyaler
Handlungen verdächtigte Zivilisten aus. Die Verfassung gestattet die Aussetzung des Habeas corpus
aufgrund einer Invasion oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, legt jedoch nicht fest, wer zu der
Aussetzung berechtigt ist. Als der Bundesgerichtshof
in Baltimore (Maryland) entschied, Lincolns Aussetzung des Habeas corpus sei verfassungswidrig,
focht Lincoln dieses Urteil in einer Botschaft an den
Kongreß an. Der Oberste Gerichtshof hat immer
noch nicht entschieden, wer das Habeas corpus
aussetzen darf.
Ferner ordnete Lincoln an, daß zivile Unloyalität von
Kriegsgerichten oder Militärkommissionen behandelt
werden sollte anstatt durch Zivilgerichte, in deren
Zuständigkeitsbereich sie der Verfassung nach fällt.
Der Oberste Gerichtshof hob diese Verfügung erst
nach dem Krieg im Fall ex parte Milligan auf. Lambdin P. Milligan wurde 1864 wegen Verschwörung
verhaftet, vor ein Militärtribunal gestellt und verurteilt.
Nach Kriegsende beantragte Milligan ein Habeas
corpus vom Landgericht. Dieses erließ keine entsprechende Verfügung, verwies diese juristische
Frage jedoch an den Obersten Gerichtshof, der
entschied, Milligan solle freigelassen werden, da der
Präsident nicht über die verfassungsmäßige Macht
verfüge, Zivilisten vor ein Militärgericht zu stellen,

AMERIKA DIENST 33

�wenn Zivilgerichte funktionierten, wie im Fall Milligan.
Milligan wurde in nachfolgenden juristischen Erörterungen häufig als Präzedenzfall für Maßnahmen im
Zusammenhang mit Notstandsverordnungen der
Exekutive angeführt.
Im Ersten Weltkrieg übernahm Präsident Wilson, wie
Lincoln, außerordentliche Befugnisse. Im Gegensatz
zu Lincoln verließ sich Wilson jedoch nicht ausschließlich auf seine Amtsgewalt als Oberbefehlshaber der Streitkräfte, sondern ihm wurde ein Großteil seines gesetzgeberischen Prärogativs vom
Kongreß übertragen. In diesem Krieg wurde das
Rechtssystem mit der Notwendigkeit konfrontiert, die
Rechte des einzelnen gegen militärische Erfordernisse abzuwägen, wie unter dem Gesetz über Spionage von 1917 und dem Gesetz über Volksverhetzung von 1918 entschieden. Diese Gesetzesbestimmungen aus Kriegszeiten schränkten die Rede- und
die Pressefreiheit ein und stuften bestimmte Behauptungen und Handlungen als aufwieglerisch und
rechtswidrig ein. In einer Reihe von Fällen, die der
Oberste Gerichtshof bei Kriegsende behandelte,
entschied er durchweg, daß militärische Erfordernisse den Verlust der Freiheit des einzelnen rechtfertigten.
In ähnlicher Weise wies der Oberste Gerichtshof
Proteste gegen den Wehrdienst im Ersten Weltkrieg
ab, die auf der Annahme basierten, der Kongreß
habe die Macht der Bundesstaaten über deren

Truppen geschmälert oder die Wehrpflichtigen einer
"unfreiwilligen Zwangsarbeit" unterworfen, was eine
Verletzung des 13. Zusatzartikels zur Verfassung
darstellt. Der Bundesgerichtshof sah die Einberufung im verfassungsmäßigen Mandat des Kongresses unterstützt, eine Armee aufzustellen und
Krieg zu erklären.
Im Zweiten Weltkrieg drohte Präsident Roosevelt,
seine verfassungsmäßigen Befugnisse zu erweitern,
als er verkündete, er würde auf eigene Faust vorgehen, wenn der Kongreß nicht so handele, wie er es
für die nationale Sicherheit als erforderlich erachte.
Bei den Gesetzen zur Preiskontrolle befolgte der
Kongreß seine Anweisungen, wodurch das Verfahren innerhalb der verfassungsmäßigen Grenzen
blieb und Maßnahmen des Präsidenten überflüssig
wurden. Dramatischer war jedoch, daß Roosevelt in
seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber der Streitkräfte am 2. Februar 1942 den Präsidialerlaß 9066
verfügte, der den Kriegsminister und von ihm dazu
ernannte Personen bevollmächtigte, militärische
Sperrzonen zu errichten, aus denen "jede Person"
ausgeschlossen werden durfte, um Sabotage oder
Spionage zu vermeiden. Unter dieser Vollmacht
wurden alle Personen japanischer Herkunft - 70.000
davon amerikanische Staatsbürger - aus den Bun-

AMERIKA DIENST 33

desstaaten an der Pazifikküste und Teilen von
Arizona evakuiert und in "Umsiedlungszentren"
festgehalten.
Der Oberste Gerichtshof vermied, über die Verfassungsmäßigkeit des Festnahmeprogramms als
Ganzes zu entscheiden. 1947 kam die Bürgerrechtskommission zu dem Schluß, die Evakuierung und
Festnahme sei die "bemerkenswerteste massive
Beeinträchtigung des Rechts auf physische Freiheit
seit der Sklaverei" und empfahl, die Evakuierten für
den Verlust von Haus und Besitz zu entschädigen.
Erst im Oktober 1989 stimmte das Repräsentantenhaus der Entschädigung von 62.000 ehemals internierten Amerikanern japanischer Abstammung in
Höhe von 1,25 Milliarden Dollar zu.
Nationale Sicherheit und die Medien
Die Geheimhaltung - ein universeller Bestandteil der
nationalen Sicherheit - steht offensichtlich im Widerspruch zu dem demokratischen Prinzip informierter
Bürger und der verfassungsmäßigen Garantie einer
freien Presse in Amerika. Im Verlauf der letzten
Jahrzehnte wurden wiederholt Anpassungen vorgenommen, als die Presse und das Militär versuchten, miteinander und mit sich wandelnden Technologien in beiden Domänen umzugehen.
Bei der Entscheidung zwischen der Pflicht zur Informierung der Öffentlichkeit und der Pflicht zum Schutz
lebenswichtiger Informationen, einschließlich der
Hinnahme eines gewissen Maßes an Zensur, scheinen sich die Medien - vor allem die Presse - während
des Koreakrieges mehr der letzteren Position zugewandt zu haben, als das heute der Fall ist. Der
Wendepunkt könnte die vom CIA unterstützte Invasion Kubas in der Schweinebucht 1961 gewesen
sein, als die amerikanische Presse über die bevorstehende Invasion unterrichtet war, die Geschichte
aber großenteils zurückhielt. Ein Großteil der nachträglichen Diskussion über diese Katastrophe in den
internationalen Beziehungen konzentrierte sich auf
die Frage, ob die Administration diese Operation
abgesagt oder zumindest überprüft hätte, wenn die
Presse die ihr bekannten Informationen veröffentlicht
hätte, anstatt dem CIA (der den Präsidenten irreführte) zu helfen und ihn zu ermutigen. Eine Enthüllung
hätte - vielleicht oder auch nicht - informierte Bürger
hervorbringen können, die ihrer Meinung Ausdruck
verleihen.
Vielleicht als Reaktion auf die Ereignisse im Zusammenhang mit der Invasion in der Schweinebucht
waren die Medien - die sich zunehmend visuell und
elektronisch orientierten - im Vietnamkrieg weniger
kooperativ, und die Spannungen zwischen Militär und
Medien verschärften sich. Die Kennedy-Administra-

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�tion schränkte den Zugang der Presse zu Informationen zunehmend ein, und das Militärhilfekommando
Vietnam nahm eine strenge Zensur von Fotos und
Nachrichten vor, nachdem Associated Press das
Foto eines buddhistischen Mönchs bei der Selbstverbrennung auf einer Straße in Saigon veröffentlicht
hatte.

große Geheimhaltung erforderte, waren die großen
Medienanstalten mit ihrem Zugang zum Krieg unzufrieden. Interessanterweise befürwortete die Öffentlichkeit während des Krieges die Einschränkungen
des Verteidigungsministeriums hinsichtlich des
Zugangs der Medien - hier standen sich zwei Bestandteile der Demokratie gegenüber.

Dennoch gelangten Neuigkeiten und Bilder an die
Öffentlichkeit und boten eine Sicht der Ereignisse,
die sich stark von den offiziellen Regierungsberichten unterschied. Die Regierung wurde zunehmend
wegen ihrer Kriegsberichterstattung kritisiert, beispielsweise in Senator J. William Fulbrights Buch
The Pentagon Propaganda Machine und der
Dokumentationssendung des Fernsehsenders CBS
im Februar 1971 "The Selling of the Pentagon".
Vietnam war der erste Krieg, der im Fernsehen
übertragen wurde, und die Tatsache, daß die Amerikaner in den Abendnachrichten die Operationen des
Tages sehen konnten, führte ihnen die Schrecken
des Krieges eindrucksvoll vor Augen.

Die Träger nationaler Sicherheit

Die Medien widersetzten sich der Zensur und
Unterdrückung, und die Veröffentlichung der Pentagon-Papiere, die letztlich vom Obersten Gerichtshof
befürwortet wurde, wies auf eine neue, gegnerische
Rolle der Medien im Bereich der nationalen Sicherheit hin. Den Medien wurde wiederholt das
Verdienst für den Fall von Diem zugeschrieben oder sie wurden deswegen kritisiert - sowie für die
Entscheidung Johnsons gegen eine erneute Kandidatur und letztlich für die Niederlage im Krieg. Diese
Behauptungen waren umstritten, nicht bewiesen.
Die Spannungen zwischen Militär und Medien
führten zum Ausschluß der Presse von der Operation Urgent Fury, der Invasion Grenadas im Jahr
1983. Der durch diese Politik verursachte Ärger
wiederum bewirkte, daß das Verteidigungsministerium eine Gruppe von Journalisten zusammenstellte, die zu zukünftigen Militäroperationen entsandt
würden. Die Erfahrung der Operation Just Cause der Invasion in Panama im Dezember 1989 - legt
den Schluß nahe, es sei einfacher, die Journalisten
aus den Vereinigten Staaten hinaus als in ein
Kampfgebiet hinein zu bringen.
Das Prinzip, eine Gruppe von Journalisten zusammenzustellen, wurde auch während des Golfkriegs
befolgt. Die Kommunikationstechnologie hatte sich
so weit entwickelt, daß Kriege nicht nur im Fernsehen, sondern live übertragen werden konnten. Da
sich der Krieg hauptsächlich in der Luft abspielte,
man auf kein Schlachtfeld und an keine Front gehen
konnte, keine Einheiten zu begleiten waren und der
100stündige Bodenkrieg eine Manöverkampagne
war, die im Hinblick auf Standort und Bewegungen

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Analytische Ansätze gegenüber dem Gleichgewicht
der Werte nationale Sicherheit und Demokratie
spiegeln sich in den soziologischen Debatten über
das Wesen militärischer Professionalität und in den
Beziehungen zwischen Zivilisten und Militärs in den
Vereinigten Staaten wider. Ausgehend von der
Annahme, für die Lösung militärischer und politischer
Probleme seien unterschiedliche Modelle erforderlich
und das Militär müsse politisch neutral und ziviler
Kontrolle durch offizielle Regulierungsmechanismen
unterworfen sein, stellte Samuel Huntington fest, "die
Spannungen zwischen der Forderung nach militärischer Sicherheit und den Werten des amerikanischen
Liberalismus können langfristig nur durch die Minderung der Sicherheitsbedrohung oder des Liberalismus
behoben werden". In den letzten Zeilen von The
Soldier and the State schlug er vor, die Rettung
ziviler Institutionen könnte durch die Anerkennung
konservativer militärischer Normen erreicht werden.
Lange vor der Auflösung des Warschauer Pakts, die
für die Vereinigten Staaten die Bedrohung ihrer
Sicherheit verringerte, schlug Morris Janowitz ein
alternatives Modell vor, das die Verbindung des
Militärs zu anderen sozialen Institutionen anerkannte
sowie die fließende Grenze zwischen Militär und
Politik in der modernen Welt. Nach diesem Modell
müssen der Oberbefehlshaber der Streitkräfte und
das Militär auf Bedrohungen der nationalen Sicherheit
anhand der militärischen Erfordernisse reagieren.
Über den Moment des Einsatzes hinaus kommen
jedoch zunehmend die Verfahren der Demokratie ins
Spiel. Der Präsident muß unter dem Kriegsvollmachtengesetz den Kongreß über seine Maßnahmen
informieren und sie rechtfertigen. In einem Amerika,
in dem immer mehr Rechtsstreitigkeiten stattfinden,
werden die nationale Sicherheit betreffende politische
Entscheidungen weiterhin von den Gerichten überprüft. Und obwohl die Gerichte im allgemeinen
militärischen Erfordernissen eine höhere Priorität
eingeräumt haben als den Rechten des einzelnen,
wurden vor kurzem Schritte zu einer umfassenderen
juristischen Überprüfung unternommen, einschließlich
der Verweisung der Entscheidungen des militärischen
Berufungsgerichts an den Obersten Gerichtshof der
Vereinigten Staaten.

AMERIKA DIENST 33

�Die Medien werden versuchen, die Bürger ungehindert von der Zensur zu informieren und erheben ihre
Stimme, wenn ihnen das nicht gestattet wird - wie in
den letzten Jahren des Vietnamkriegs, in Grenada,
Panama und kürzlich im Golfkrieg demonstriert. Die
öffentliche Meinung könnte zur Aufgabe selbst der
Kampagnen zwingen, die in militärischer Hinsicht

erfolgreich waren, wie sich in Vietnam zeigte, könnte
jedoch auch der Pressefreiheit Beschränkungen
auferlegen, wie im Golfkrieg. Die Schaffung eines
Gleichgewichts zwischen nationaler Sicherheit und
Demokratie ist ein fortdauernder Prozeß, die Waagschale scheint sich zur Zeit jedoch eher dem demokratischen Prozeß zuzuneigen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 33

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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Kuba&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton kündigt Änderung der Flüchtlingspolitik gegenüber Kuba an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unterbringung auf Guantanamo Bay&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Manfred Wörner&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher würdigt den verstorbenen NATO-Generalsekretär&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache bei Trauerfeierlichkeiten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Bevölkerung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehr Entscheidungsfreiheit der Frau bei Familienplanung gefordert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Einleitung des Weltbevölkerungsberichts 1994&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA und Dritte Welt erzielen Einigung zu Bevölkerungsfragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hoffnung auf Vereinbarungen mit dem Vatikan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategien für umweltverträgliche Entwicklung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Barbara J. Bramble&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Militär&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nationale Sicherheit und Demokratie in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von David R. Segal&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

300

Information
und
Dokumentation

08-85432

24. September 1975

19

Inhalt

DOKUMENTATION:
Neue Friedensinitiative der Vereinigten Staaten
-Rede Kissingers vor der UN-Vollversammlung-

INF0RMATI0N:
SYSTEMS' 75
-US-Gemeinschaftsschau in München-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Dokumentation

Service

Postfach

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

19/1975

NEUE FRIEDENSINITIATIVE DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede Kissingers vor der UN-Vollversammlung

Außenminister Henry A. Kissinger hat in
einer Rede vor der 30. Sitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 22.
September 1975 den weltpolitischen Standort der USA dargelegt und neue Vorschläge
für eine friedliche Beilegung der Probleme
im Nahen Osten und auf der koreanischen
Halbinsel unterbreitet. Die Ausführungen
des amerikanischen Außenministers haben
folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Delegierte, meine Damen
und Herren:
Lassen Sie mich zu Beginn sagen, daß es mir eine besondere Freude ist,
daß unsere Tätigkeit hier in diesem Jahr unter der Präsidentschaft des hochverehrten Ministerpräsidenten von Luxemturg stattfindet. Sein Beitrag zur
europäischen Zusammenarbeit, seine diplomatischen Fähigkeiten, seine Hingabe
an die Demokratie geben uns das Vertrauen, daß diese 30. Sitzungsperiode von
einem konstruktiven und schöpferischen Geist geprägt sein wird.
Ich möchte auch dem hochverehrten Generalsekretär meine Anerkennung
zollen, dessen Fairness, Initiative und unermüdliche Anstrengung dem einen
Ziel dienen, diese Organisation in eine neue Ära der Zusammenarbeit für den
Weltfrieden weiterzuführen.
Dieses

�Dieses Jahrhundert hat in einem beispiellosen Ausmaß Krieg und Umsturz
gebracht. Wir haben den Zusammenbruch überkommener Ordnungssysteme und Praktiken im internationalen Verhalten erlebt. Wir haben weltweite wirtschaftliche
i

Depression und Folgen von Hungersnöten erlebt. Wir haben die Entstehung thermonuklearer Waffen und die Ausbreitung der Rüstung auf der ganzen Welt erlebt. Wir leben in einer Welt der ständigen Unruhe und ideologischen Spaltung.
Aber dieses Jahrhundert hat auch den Grundsatz der Selbstbestimmung und
der nationalen Unabhängigkeit gebracht. Es hat sich eine wahrhaft weltweite
Gemeinschaft zu entwickeln begonnen, was sich in einer Vielzahl von Institutionen der internationalen Zusammenarbeit widerspiegelte. Wir haben neue Methoden entwickelt für die friedliche Beilegung von Streitigkeiten, zur Begrenzung der Rüstungen und neue Institutionen zur Förderung der wirtschaftlichen
Entwicklung und zur weltweiten Bekämpfung des Hungers und der Krankheit. Und
die Tatsache unserer Anwesenheit hier unterstreicht die Hoffnung aller Völker,
daß Streitigkeiten und Konflikte durch kooperative Maßnahmen beigelegt werden *
können.
Wenn wir über die Zukunft sprechen, dann dürfen wir nicht vergessen, daß
in dieser Organisation gerade ein Ereignis von potentiell gewaltiger Bedeutung
für künftige Zeiten Gestalt gewonnen hat: die einstimmige Übereinkunft der
Siebten Sondersitzung der Vollversammlung über Maßnahmen zur Verbesserung der
wirtschaftlichen Verhältnisse der Menschheit.
Trotz Unterschieden in der Ideologie und der Haltung gegenüber wirtschaftlicher Entwicklung haben die hier versammelten Nationen sich der Erkenntnis genähert, daß unsere Interdependenz entweder gemeinsamen Fortschritt oder
gemeinsamen Untergang bedeutet; daß in unserem Zeitalter keine Nation und keine Gruppe von Nationen ihre Ziele durch Druck oder Konfrontation erreichen
kann, und •'aß ein solcher Versuch nur jedem schaden würde. Sie kamen überein, sich

in der Suche nach einer kooperativen Zukunft über die festgefahre-

nen Auffassungen der Vergangenheit zu erheben. Die Sondersitzung hat ein Gefühl gemeinsamer Zielsetzung auf der Basis der Gleichheit und der Zusammen-

- 2 -

�Zusammenarbeit von Staaten hervorgerufen. Jetzt müssen wir uns daran machen,
diese Übereinstimmung in die Tat umzusetzen.
Wir müssen den Geist der Versöhnung jetzt in die Beratungen diese» regulären Sitzungsperiode hineintragen. Wir müssen uns den Fragen des Weltfriedens
- der Grundlage all dessen, was wir auf diesem Planeten tun - mit dem gleichen Bewußtsein dieses unseres gemeinsamen Schicksals zuwenden.
Es ist unsere gemeinsame Pflicht, uns leerer Schlagworte und endloser r
genseitiger Beschuldigungen zu enthalten. Wir müssen stattdessen das internationale Klima erhalten, stärken und erweitern, das wir und unsere Nachkommen für
die Aufrechterhaltung des Friedens und die Förderung des Fortschritts brauchen.
Nur in einen: Gefüge der Zusammenarbeit kennen Streitfälle beigelegt und
Zusammenstöße eingedämmt werden. Nur in einer Atmosphäre der Versöhnung kann
die Unsicherheit von Nationen, aus der so viele Konflikte entstehen, gemildert
werden und körnen die Gepflogenheiten des Kompromisses und der Annäherung gedeihen. Sczialer Fortschritt, Gerechtigkeit und Menschenrechte können nur in
einer Atmosphäre verringerter internationaler Spannungen erblühen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich voll und ganz für die kooperativen Bemühungen um eine Harmonisierung der unterschiedlichen Perspektiven der
Weltgemeinschaft bei der Schaffung eines neuen Gefühls der Sicherheit und des
Wohlergehens einzusetzen. Wir tun dies nicht aus Angst, denn wir sind besser
in der Lage, uns in Situationen der Konfrontation zu behaupten als die meisten
anderen Länder. Noch tun wir dies aus einem Schuldgefühl heraus, denn wir glauben, daß wir im großen und ganzen unsere Macht für konstruktive Ziele eingesetzt haben.
Wir stehen zu dem gemeinsamen Schicksal aus der Erkenntnis der weltweiten
Interdependenz heraus und weil der Weltfrieden es erfordert. Es gibt einfach
keine realistische Alternative zu gemeinsamer Verantwortung, wenn es um die
internationale Tagesordnung von Frieden, Sicherheit, wirtschaftlichem Wohleroeher

und Gerechtigkeit geht.

.

�Lassen Sie mich die Auffassungen der Vereinigten Staaten zu der Arbeit
darlegen, die wir auf jedem dieser Gebiete leisten müssen.

Der Aufbau des Friedens
Unser erstes und alles überragende Anliegen ist der Frieden in der Welt.
Frieden ist niemals etwas Automatisches.
Frieden ist mehr als nur kein Krieg.
Und Frieden ist untrennbar mit Sicherheit verbunden.
Eine Welt, in der das überleben von Völkern von der Gnade einiger weniger
abhängt, würde zwangsläufig Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Angst mit sich
bringen. Ohne ein Gleichgewicht kann es keine Sicherheit geben, und ohne Zurückhaltung keine Gefahrlosigkeit.
Nur wenn die Rechte der Völker respektiert werden und die Anpassung an die
Stell" der Gewalt tritt, können die Kräfte des Menschen für die Verwirklichung
seiner tiefsten Wünsche und Hoffnungen eingesetzt werden.
Die Vereinigten Staaten werden der Sache des Friedens mit Geduld und einer
Haltung der Versöhnung auf vielen Gebieten

dienen.

- Wir werden die Bande der Zusammenarbeit mit unseren Freunden und Verbündeten festigen und vertiefen.
- Wir werden eine Verbesserung der Beziehungen zu Ländern mit unterschiedlicher Ideologie oder politischer Überzeugung anstreben.
- Wir werden immer bereit sein, bei der Beilegung von regionalen Streitigkeiten mitzuhelfen.
- Wir werden unsere Anstrengungen verstärken, um der Spirale der nuklearen
Rüstung Einhalt zu gebieten.
- Wir werden uns um eine Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen
Verhältnisse des Menschen und um eine Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen

�zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern bemühen.
- Wir werden um die Verwirklichung der grundlegenden Menschenrechte
kämpfen.

Die Beziehungen zu Freunden und Verbündeten
Die engen Bindungen Amerikas mit den industriellen Demokratien Nordamerikas, Westeuropas und mit Japan sind drei Jahrzehnte lang der Eckpfeiler der
Stabilität und des Friedens in der Welt gewesen. Heute arbeiten wir über die
unmittelbaren Anliegen von Sicherheit und Verteidigung hinaus in einem weiten
Bereich neuer Fragen zusammen. Durch unsere Konsultationen haben wir gemeinsame
Anstrengungen zum Abbau der internationalen Spannungen eingeleitet. Wir haben
begonnen, unsere nationalen Politiken für den wirtschaftlichen Wiederaufschwung
zu koordinieren, gemeinsame Herausforderungen wie Energie und Umweltschutz
gemeinsam zu meistern und die großen Fragen anzupacken, die die Entwicklungsländer betreffen.
Diese Anstrengungen dienen weltweiten Zielen. Sie richten sich nicht gegen irgendein ' "^d oder eine Gruppe von Ländern. Sie sollen Bausteine einer
weitergefaßter

internationalen Gemeinschaft sein.

Im gleichen Geiste haben die Vereinigten Staaten einen neuen Dialog mit
ihren Nachbarn in Mittel-und Lateinamerika begonnen. Wir haben wichtige Schritte zur Lösung großer politischer Probleme getan. Wir haben enge Konsultationen
für eine Zusammenarbeit in der Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung eingeleitet. Die Bündnisbeziehungen der westlichen Hemisphäre haben
eine lange Geschichte und sind vielversprechend für die Zukunft. Mit Einfallsreichtum und Hingabe können wir die interamerikanische Zusammenarbeit bei den
Aufgaben der Entwicklung zu einem Beispiel für die Weltgemeinschaft und zu
einem ihrer Tragpfeiler machen.
Ost-West-Bezi ehungen

�Ost-West-Beziehunqen
Wenn der Friede sicher sein soll, dann muß eine dauerhaftere und zuver"läsr'gere Basis der Beziehungen zwischen Nationen geschaffen werden, die die
Mittel besitzen, unseren Planeten zu zerstören.
In den letzten Jahren ist die bipolare Konfrontation der vorigen Generation dem Beginn eines Diaions und einer Entspannung des direkten Konfliktes
gewichen. Vor allem in diesen. Gremium nier weiß man sicherlich die globale
Bedeutung verringerter Spannunyen zw1sehen den nuklearen Supermächten zu
schätzen. Der Erfolg dieser Entspannungen geht alle Nationen an. In einer Zeit,
da Massenvernichtungswaffen in Minuten Kontinente überfliegen können, bedroht
ein nuklearer Konflikt den Fortbestand der ganzen Menschheit.
Kir sind uns darüber im klaren, daß der Argwohn und die Rivalität einer
ganzen Generation nicht durch ein Konferenzdokument weggewischt werden kann.
Es existieren echte ideologische und politische Unterschiede. Wir werden unsere Lebensinteressen und die unserer Freunde mit Festigkeit verteidigen. Aber
wir werden niemals die Tatsache aus dem Auge verlieren, daß in unserem Zeitalter Frieden ebenso eine praktische Notwendigkeit wie eine moralische Unabdingbarkeit ist.
Wir werden den Entspannungsprozeß auf der Basis strikter Wechselseitigkeit verfolgen. Wir kennen den Unterschied zwischen bloßer Geste und Politik.
Wir werden die Auffassung nicht ermutigen, daß jeder mal von künstlichen Spannungen profitieren könne. Wir sind uns zutiefst darüber im klaren, daß wir
es künftigen Generationen schuldig sind, uns nicht durch momentane Leidenschaften leiten zu lassen.
.

Der Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen heute und noch vor
einem Jahrzehnt läßt einen dramatischen Unterschied erkennen. Die Welt wird
nicht mehr ständig durch chronische und bittere Konfrontationen erschüttert.
Periodische Konsultationen - einschließlich der Gipfeltreffen - fördern Zurückhaltung und vergrößern die Gebiete gemeinsamen Interesses. Das kommende

�kommende Treffen zwischen Präsident Ford und Parteichef Breschnew dürfte diesen Prozeß stärken.
Auf verschiedenen Gipfeltreffen wurden Grundsätze

der beiderseitiger

Zurückhaltung verkündet. Sie wurden durch die Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa vor zwei Monaten bekräftigt.
Diese Grundsätze schaffen eine Verhaltensnorm, die zum Maßstab unserer
Handlungen werden wird. Wenn diese Normen eingehalten werden - wie wir das
wollen - und wenn keine Seite einseitige Vorteile sucht, dann wird der Alptraum eines allgemeinen Krieges nicht nur von unserem eigenen Volke, sondern
von allen Nationen genommen werden. Es gibt keine wichtigere Aufgabe für uns.
In gleicher Weise haben wir konstruktivere und nützlichere Beziehungen
zu den Ländern Osteuropas angestrebt. Die Vereinigten Staaten verbinden vi&gt;1e
traditionelle und tiefverwurzelte Bande der Freundschaft mit den stolzen Völkern dieser Region. Wir sehen wachsende Möglichkeiten der praktischen Zusammenarbeit in dem Maße, in dem die Barrieren zwischen Ost und West in Europa abgebaut werden.
Es gibt kein Verhältnis, dem die Vereinigten Staaten größere Bedeutung
beimessen, als ihrei neuen Bindungen mit der Volksrepublik China. Wir sind der
Überzeugung, daß das Wohlergehen u«"1 der Fortschritt eines Viertels der Menschheit ein wichtiges Element der globalen Stabilität sind. An die Stelle der
jahrzehntelangen Feindseligkeit zwischen unseren beiden Ländern ist ein Verhältnis der gegenseitigen Achtung getreten, das heute ein dauerhaftes Charakteristikum der internationalen Szene darstellt.
Dieses Verhältnis dient nicht nur den Interessen unserer beiden Länder,
sonder: auch den größeren Interessen von Frieden und Stabilität in Asien und
in der ganzen Welt. Präsident Ford plant,noch in diesem Jahr die Volksrepublik
China

zu

besuchen, um die Lebenskraft unseres Verhältnisses zu stärken und die

./.iiu . gen zwischen uns auf der Grundlage der strikten Verwirklichung des
Kommuniques von Schanghai zu festigen. Wir nehmen den Prozeß der Normalisierung
unseres Verhältnisses ernst. Wir sind entschlossen, ihn weiter zu verfolgen.
Eindämmung
- 7 -

�Eindämmung regionaler Konflikte
Die Weltgemeinschaft muß einen Weg finden, um regionale Konflikte einzudämmen oder beizulegen, bevor sie sich zu einer globalen Konfrontation auswachsen. Nirgends ist diese Gefahr größer als im Nahen Osten. Nirgends ist die
Notwendigkeit beharrlicher und einfallsreicher Verhandlungen zwischen argwöhnischen Rivalen dringender. Nirgends ist die Aussicht, von der ewigen Krise zum
Frieden zu gelangen, größer. Nirgends hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einen klareren Rahmen von Prinzipien geschaffen als in seinen Resolutionen 242 und 338. Der "eg zu einem dauerhaften Frieden, der vor uns liegt, ist
lang und schwierig. Der Nahe Osten hat mehr als genug an gescheiterten Hoffnungen und Enttäuschungen erlebt. Aber der Abschluß des jüngsten Sinai-Abkommens stellt einen großen Schritt nach vorn dar. Es ist das erste Abkommen in
der langen und tragischen Geschichte des arabisch-israelischen Konfliktes, das
nicht die unmittelbare Folge von Feindseligkeiten ist. Es könnte einen Wendepunkt darstellen. Das Abkommen verdient die Unterstützung all der hier versammelten Länder, denn jede Nation muß ein Interesse am Fortschritt zum Frieden
im Nahen Osten haben. Es ist ein weiterer Schritt in dem durch die Sicherheits/
ratsresolution 338 in Gang gesetzten Prozeß. Die Alternative wäre eine anhaltende Pattsituation, die im Laufe der Zeit zu einem neuen Krieg führen könnte
und damit zu einer ernsten Bedrohung des Weltfriedens und der Möglichkeit einer
weitgehenden globalen wirtschaftlichen Störung.
Weder Angst vor der Zukunft noch Stolz sollten die Tatsache verdunkeln,daß
heute eine ungewöhnliche Chance für weiteren Fortschritt in allen Fragen besteht. Aber Chancen müssen genutzt werden, oder sie verschwinden. Ich möchte
unterstreichen, daß die Vereinigten Staaten nicht mitgeholfen haben, dieses
Abkommen auszuhandeln, um dem Prozeß des Friedens ein Ende zu setzen, sondern
um ihm einen neuen Auftrieb zu geben.
Präsident Ford hat erklärt, daß wir eine Pattsituation und Stagnation im
Nahen Osten nicht akzeptieren werden. Das galt, bevor das Sinai-Abkommen unterzeichnet wurde, und das gilt auch heute. Das Ziel unserer Politik besteht
nicht darin, lediglich einen neuen temporären Waffenstillstand herbeizuführen.

�herbeizuführen, sondern den Schwung der Verhandlungen aufrechtzuerhalten. Die
Vereinigten Staaten sind entschlossen, jeden durchführbaren Schritt zu tun, um
zu einem weiteren praktischen Fortschritt in Richtung auf einen endgültigen
Frieden beizutragen.
Als ersten Schritt ist es entscheidend wichtig, daß das Sinai-Abkommen im
Rahmen der Bedingungen und des dafür vorgesehenen zeitlichen Rahmens ganz genau
eingehalten wird.
In der dam't geschaffenen verbesserten Atmosphäre sind die Vereinigten Staaten bereit, sich ar jeder erfolgversprechenden Initiative für den Frieden auf
Ersuchen der unmittelbaren Parteien zu beteiligen.
Wir haben klar gemacht, daß wir zu einer ernsthaften Anstrengung bereit
sind, um Verhandlungen zwischen Syrien und Israel zu fördern.
Wir haben auch die Absicht, uns in den kommenden Wochen mit allen Beteiligten bezüglich der Wiedereröffnung der Genfer Konferenz zu konsultieren, die in
einer ersten entscheidenden Phase zusammentrat. Als Ko-Vorsitzender der Genfer
Konferenz zusammen mit der Sowjetunion tragen unsere beiden Länder in dieser
Hinsicht eine besondere Verantwortung.
Wir sind ferner bereit, die Möglichkeiten für ein vielleicht informelleres
multilaterales Treffen zu sondieren, um über Bedingungen zu sprechen und die
Zukunft zu erörtern.
Die Vereinigten Staaten streben für sich selbst keinen besonderen Vorteil
an. Wir machen nicht den Versuch, irgend ein Land auszuschließen. Wir werden mit
jeder Nation zusammenarbeiten, die bereit ist, einen Beitrag zu leisten. Wir bevorzugen kein bestimmtes Verfahren. Wir werden jeden Prozeß unterstützen, der
besonders vielversprechend erscheint. Unsere Haltung wird weiterhin flexibel und
entschlossen sein.
Die Suche nach einem endgültigen Frieden muß auf einer breiten Basis erfolgen. Wir sind in ständigem Kontakt mit Regierungen im Nahem Osten. Wir haben bereits Gespräche mit der Sowjetunion im Hinblick auf eine Prüfung und Bewertung
der gegenwärtigen Lage im Nahen Osten und eine Abwägung möglicher diplomatischer
- 9 -

�diplomatischer Wege aufgenommen, um in Übereinstimmung mit den Resolutionen
242 und 338 des Sicherheitsrates einen gerechten und dauerhaften Frieden herbeizuführen. Obwohl wir wichtige Meinungsverschiedenheiten mit der Sowjetunion hatten, sind unsere beiden Länder der parallelen Auffassung, daß die Lage
im Nahen Osten schwere Gefahren birgt und daß partielle Schritte Teil einer umfassenden Lösung sein und zum Fortschritt auf eine solche Lösung hin beitragen
müssen.
Die Weltorganisation spielt weiterhin eine wesentliche Rolle. Wenn diese
Organisation auch nichts weiter aufzuweisen hätte als ihre wirksame, friedenserhaltende Rolle in diesem unruhigen Gebiet, dann hätte sie darrit ihre Existenz
gerechtfertigt. Diese Soldaten des Friedens mit dem blauen Helm der Vereinten
Nationen sind als Mitglieder der UNTSO, UNEF, UNDOF für die Aufrechterhaltung
der beiden Stillhalte-Abkommen von 1974 wie auch des Sinai-Abkommens unerläßlich geworden. Ich möchte hier die Gelegenheit benutzen, um Generalsekretär
Waldheim und seinen Stab, und General Siilasvou, den Chefkoordinator der UNFriedensmission im Nahen Osten und all die Männer und Frauen aus vielen Ländern zu beglückwünschen, die in diesen Streitkräften ohne Gegner gedient haben.
I

Die Beratungen in dieser Versammlung bezüglich '*? Nahen Ostens spielen
ebenfalls eine zentrale Rolle. Sie können de,* Fortschritt fördern oder Spannungen verschärfen. Verfahrensmäßige Entscheidungen können auf der Erkenntnis
basieren, daß ein Dialog die Universalität der Mitgliedschaft erfordert oder sie
können einen nutzlosen, selbstzerstörerischen Impuls anheizen - in Verletzung
der Char a - einen Mitgliedsstaat zu diskriminieren, dessen Teilnahme für eine
Lösung von entscheidender Bedeutung ist.
Der Nahe Osten wird weiterhin r in Gebiet der Unsicherheit, der Unruhe und
der Gefahr sein, solange kein gerechter und dauerhafter Friede erreicht ist.
Ein solcher Frieden muß den Grundanliegen und Interessen aller in diesem Gebiet gerecht werden. Dazu gehört die territoriale Integrität, das Recht, in
Frieden und Sicherheit zu leben,und das legitime Interesse der Palästinenser.

�Im Nahen Osten besteht heute ein Verlangen nach Frieden, das alles seit
drei Jahrzehnten bekannte übertrifft. Wir dürfen diese Region nicht zu einer
weiteren Generation nutzlosen Kampfes verurteilen. Stattdessen muß die Weltgemeinschaft ihre historische Chance ergreifen. Die Leiden und die Tapferkeit
all der Völker des Nahen Ostens verlangen dies gebieterisch. Die Hoffnungen
und 'nteressen der Völker aller Welt fordern es. Die Vereinigten Staaten versprechen ihren vollen Einsatz zur Förderung des Fortschritts zum Frieden.
Der Beitrag der Vereinten Nationen zum Fortschritt des Friedens ist auch
in Zypern wesentlich. Dem Generalsekretär obliegt die Verantwortung für die
Organisation der Friedensstreitkrä'fte auf der Insel und die Unterstützung der
Gespräche zwischen den Führern der griechischen und türkischen Gemeinschaft.
Die strikte Einhaltung der Waffenruhe ist dringend notwendig. In dieser
Hinsicht erwarten wir von den Beteiligten Zurückhaltung und von den UN-Friedensstreitkräften wirksamen Einsatz.
Wir wissen, daß die Weltgemeinschaft unser Gefühl der Dringlichkeit teilt,
daß der Verhandlungsprozeß wieder aufgenommen werden muß, und daß die Beteiligten

Flexibilität und staatsmännisches Denken zeigen müssen. Der Status quo

auf der Insel darf nicht verewigt werden. Notwendig ist eine rasche und gerechte Lösung. Der Generalsekretär hat unter schwierigsten Umständen unermüdlich
and einfallsreich daran gearbeitet, die Meinungsverschiedenheiten einzuengen.
Er verdient die volle Unterstützung der Beteiligten und der hier vertretenen
Nationen. Die Entscheidung über die Einzelheiten einer Zypern-Regelung liegt
bei den beiden Gemeinschaften selbst. In Übereinstimmung mit den Resolutionen
der Vereinten Nationen, die die Vereinigten Staaten voll unterstützt haben, sind
jedoch folgende Grundsätze von entscheidender Bedeutung:
toria

Eine jede Regelung muß an der Unabhängigkeit,
1

Souveränität und terri-

i Integrität Zyperns festhalten.
Sie muß gewährleisten, daß sowohl die griechisch-zypriotischen wie

auch L.e türkisch-zypriotischen Gemeinschaften in Freiheit leben können und

- 11 -

�und eine wesentliche Stimme in ihren eigenen Angelegenheiten haben.
- Die gegenwärtigen Trennungslinien können nicht von Dauer sein. Es müssen
vereinbarte territoriale Abmachungen getroffen werden, die den wirtschaftlichen
Erfordernissen der griechisch-zypriotischen Gemeinschaft gerecht werden und
ihre Selbstachtung in Rechnung stellen.
- Es muß -cür den Abzug ausländischer Streitkräfte, außer jenen, die gemäß
international Abkommen dort stationiert sind, gesorgt werden.
- Die Sicherheit aller Zyprioten muß gewährleistet sein; den Bedürfnissen
und Wünschen der Flüchtlinge, die die Hauptopfer sind und deren tragische!
Schicksa'. uns alle rührt, muß rasch und mit Mitgefühl entsprochen werden.
Diese Ziele entsprechen den Hoffnungen und Wünschen der überwältigenden
Mehrheit des zypriotischen Volkes wie auch d( n Interessen aller benachbarter
Staaten.
•

Ein anderes Gebiet, auf dem diese Organisation zu einer verantwortungsbewußten Aktion aufgerufen werden wird, ist die Halbinsel Korea. Dies erfordert
aber - vor allem - die Aufrechterhaltung des Waffenstillstandsabkommens - jedenfalls, bis es zu einer Übereinkunft zwischen allen Parteien, die am direktesten betroffen sind, kommt, um dieses Abkommen durch ein neues zu ersetzen.
Das bestehende Waffenstillstandsabkommen ist das einzige rechtliche Instrument,
das die Parteien zu Aufrechterhaltung des Friedens verpflichtet. Es ist ein
mit aller Sorgfalt abgewogenes Instrument, um die militärische Demarkationslinie zu überwachen und zu schützen.
Der UN-Oberkommandierende is' Mitunterzeichner dieses Abkommens. Die
W?ffensti11 Standsüberwachungsmaschinerie ist täglich in Funktion. Keiner der
Unterzeichner hat sich dageger aufgelehnt

jnd er könnte dies auch nicht tun,

ohne ernsthafte Gefahren für dtii Weltfrieden heraufzubeschwören.
Seit 1972 haben Süd-und Nordkorea sich feierlich verpflichtet, einen
Dialog aufzunehmen und eine Vereinigung zu erstreben, ohne zu den Waffen £u_

- 12 -

�zu greifen. Diese Versammlung hat diesen Prozeß in den Jahren 1973 und 1S74
ermutigt - zuerst in einer übereinstimmenden Resolution, die Gespräche zwischen
den beiden Seitr~ 'mtorstützt, und dann in einer Resolution, die auf eine Beendigung der TätigkeitP" ' s UN-Kommandos abzielt. Auch die Vereinigten Staaten sind der Meinung,daß es zwanzig Jahre nach Beendigung des Koreakrieges
nunmehr an der Zeit wäre, das UN-Kommando abzuberufen. Wir haben daher auch
eine Resolution zu diesem Zweck, die jetzt vor ihnen liegt, mit eingebracht.
Es wäre jedoch sehr unbesonnen, wollte man das UN-Kommando aufheben, ohne neue
Abmachungen zu haben, die die Integrität des Waffenstillstandsabkommens sichern.
Im Interesse des Friedens können

ie Vereinigten Staaten keine Lösung akzep-

tieren, die nicht die Gewähr dafür bietet, daß das Waffenstillstandsabkommen
auch weiterhin seine Gültigkeit behält.
Die Republik Korea und die Vereinigten Staaten haben ihre ae"erelle Bereitschaft erklärt, mit Vertretern der anderen Seite und mit anderen Mitgliedern des Sicherhei'-~ates zusammenzukommen, um über die Aufhebung des UN-Kommandos bei gleichzeitiger Gewährlei'^'ing des Waffenstillstandsabkommens zu
sprechen. Ich kann mich heute dazu spezifischer äußern. Die Vereinigten Staaten
und die Republik Korea - auf den Zeitpunkt wartend, an dem eine dauerhafte
Lösung des Koreaproblems erzielt werden kann - schlagen hiermit den Parteien
des Waffenstillstandsabkommens die Einberufung einer Konferenz vor, um Mittel
und Wege zu erörtern, wie das Waffensti11 Standsabkommen erhalten werden kann.
Auf einer solchen Konferenz wären wir außerdem bereit, andere Maßnahmen für fr!*«
Verminderung der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu sondieren, einschließlich der Möglichkeit einer umfassenderen Konferenz zur Aushandlung eines
grundsätzlicheren Abkommens.
Es wäre im Geiste dieses Dialogs, wenn diese Versammlung den beiden koreanischen Regierungen die Türen zu einer vollen Mitgliedschaft öffnete. Die Vereinigten Staaten unterstützen die Aufnahme sowohl Süd- wie Nordkoreas in die
Vereinten Nationen, ohne damit ihre schließliche Wiedervereinigung irgendwie
zu präjudizieren. Wenn Nordkorea und seine Verbündeten darangehen würden, ihre
Beziehungen zu der Republik Korea zu verbessern, dann wären wir unsererseits
bereit, gleiche Maßnahmen auf der Basis der Gegenseitigkeit zu ergreifen.
Es
- 13 -

�Es versteht sich von selbst, daß die Vereinigten Staaten keinen Vorschlag
über Sicherheitsmaßnahmen auf der koreanischen Halbinsel akzeptieren können,
der versucht, die Republik Korea von den Erörterungen auszuschließen.
Die Vereinten Nationen können ganz wesentlich dazu beitragen, indem sie
ein verantwortungsbewußtes Vorgehen unterstützen.
Die Vereinigten Staaten haben während der letzten Jahre die Bemühungen um
friedliche Regelungen im südlichen Afrika sehr sorgfältig und mit großer Sympathie verfolgt. Wir begrüßen die staatsmännischen Bemühungen, sowohl schwarzer
als auch weißer Führer in Afrika, die Gewalt und Blutvergießen zu vermeiden
suchen und eine Regelung auf dem Verhandlungswege in Rhodesien anstreben. Die
Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Gemeinschaften in diesem Lande
sind zwar beträchtlich, sie sind jedoch im Laufe des letzten Jahrzehnts wesentlich eingeengt worden. Beide Seiten in Rhodesien und die schwarzen und weißen
Nachbarländer Rhodesiens haben ein Interesse an der Vermeidung des Bürgerkrieges. Wir werden alle Anstrengungen zur Herbeiführung einer friedlichen Regelung unterstützen.
Wenn ich unser Ziel einer friedlichen Veränderung für das südliche Afrika
hervorhebe, dann möchte ich die Wichtigkeit einer baldigen Regelung in Namibia
unterstreichen. Die Ablehnung der weiteren Besetzung Namibias durch Südafrika
seitens meiner Regierung und unsere Ablehnung des Apartheid-Systems in Südafrika
sind allgemein bekannt. Die Vereinigten Staaten haben ihren Standpunkt zu diesem
Thema Südafrika gegenüber immer deutlich gemacht, und wir werden dies auch weiterhin tun.
Wi&gt; sind der Überzeugung, daß die Bevölkerung vor Namibia innerhalb kurzer
Zeit die Chance erhalten sollte, ihre Auffassungen über die politische Zukunft
und den verfassungsmäßigen Aufbau ihres Landes frei und unter Überwachung durch
die Vereinten Nationen zum Ausdruck zu bringen.
Aufbau

�Aufbau der internationalen Sicherheit
Der Frieden in der Welt wird zerbrechlich sein und auf schwachen Füssen
stehen, wenn wir dem Wettrüsten nicht Einhalt gebieten und schließlich ein
Ende setzen. Darum haben die Vereinigten Staaten die schwierigen und komplexen Verhandlungen über eine Begrenzung strategischer Waffen mit der Sowjetunion
aufgenommen. Unser Ziel besteht darin, einen unbegrenzten und der Stabilität
entgegenwirkenden Wettstreit in der strategischen Rüstung zu verhindern, die
Wahrscheinlichkeit überstürzter Entscheidungen in Krisenzeiten weiter zu verringern und die wirtschaftliche Last des nuklearen Wettrüstens zu erleichtern.
Die Übereinkunft von Wladiwostok vom Herbst vorigen Jahres bedeutete einen
wichtigen Schritt zur Erreichung dieser Ziele. Wenn diese grundsätzliche Übereinkunft in einen Vertrag umgesetzt ist, dann werden für ?inen Zeitraum von
zehn Jahren vereinbarte Höchstgr°nzen für den Stand strategischer Streitkräfte festgelegt. Dieser beispiellose Schritt wird das Tempo neuer Rüstungsprogramme verlangsamen, vor allem jener, die der Angst vor großen Dislozierungen
der anderen Seite entspringen. Und dieser Schritt wird ferner die Aussichten
auf internationale Stabilität und politische Anpassung auf anderen Gebieten erhöhen.
Die Vereinigten Staaten sind auch aktiv an anderen RüstungskontrollVerhandlungen beteiligt. Zusammen mit der Sowjetunion haben wir einen Fortschritt in
der Schaffung von Richtlinien für friedliche Nuklearexplosionen erzielt. Und
wir sind übereingekommen, eine Schwelle für die unterirdische Erprobung von
Nuklearwaffen zu setzen. Dies sind bedeutsame Schritte zu einem umfassenden,
verifizierbaren Versuchsverbot.
Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten und die UdSSR der Konferenz
des Abrüstungsausschusses Texte für eine Konvention über das Verbot militärischer oder sonstwie feindlicher Nutzung von Techniken zur Veränderung der
Umwelt vorgelegt. Diese Techniken sind zwar noch in einem ersten Entwicklungsstadium, aber die Beherrschung der Kräfte der Umwelt durch den Menschen

�Menschen schreitet fort. Der Mißbrauch dieser Kenntnisse könnte neue Wege des
militärischen Wettstreits öffnen und der gesamten Menschheit unvorstellbare
und nie wieder gutzumachende Schäden zufügen. Wir appellieren an die Konferenz,
die Erörterung dieser Vorschläge rasch abzuschließen.
Eine weitere dringende Aufgabe ist die wesentliche Verringerung des hohen
Standes der Streitkräfte, die sich in verschiedenen Teilen der Welt heute gegenüberstehen. Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die Zeit gekommen ist, um den Verhandelnden über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa einen neuen Anstoß zu geben. Die Bedeutung der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa hängt wesentlich davon
ab, ob wir auf diesem Gebiet Fortschritte erzielen können. Ein Abkommen, das
die beiderseitige Sicherheit in Mitteleuropa stärkt, ist machbar und von wesentlicher Bedeutung. Wir werden auf dieses Ziel hinarbeiten.
Bezüglich der Ausbreitung der Nuklearenergie steht die Welt vor einem
Paradoxon. Der Mensch hat aus dem Atom Kaffen hergestellt, die die Zivilisation von Jahrhunderten in Minuten auslöschen kann. Gleichzeitig wird das Atom
immer rascher zu einer immer wesentlicheren Energiequelle. Es liegt auf der
Hand, daß die Kosten und später einmal die Knappheit von öl und anderen fossilen Brennstoffen die Ausbreitung der Nuklearenergie in den vor uns liegenden
Jahrzehnten in der ganzen Welt beschleunigen werden.
Diese Ausbreitung der Nuklearenergie bringt jedoch auch die große Gefahr
einer weiteren Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung von Kernwaffen mit
sich - sowie die damit zusammenhängenden Risiken des Diebstahls nuklearen Materials, der Erpressung durch Terroristen oder der Fälle des Einsatzes der
nuklearen Drohung in regionalen politischen Konflikten. Jetzt ist die Zeit zu
handeln. Wenn es uns nicht gelingt, die nukleare Proliferation einzudämmen,
dann werden künftige Generationen auf einem Planeten leben müssen, der von der
nuklearen Katastrophe überschattet wird.
Während des letzten Jahres haben die Vereinigten Staaten wiederholt neue
Bemühungen der Lieferstaaten gefordert, um die Sicherungen und Kontrollen beim
Export von nuklearem Material zu verstärken und einheitlich zu gestalten. Wi_r

- 16 -

�Wir dürfen nicht zulassen, daß diese Sicherungen durch kommerziellen Wettbewerb ausgehöhlt werden. Wir müssen die allgemeine Verfügbarkeit von Nuklearenergie für friedliche Zwecke unter sicheren, wirtschaftlichen und zuverlässigen Bedingungen gewährleisten.
Die Vereinigten Staaten haben ihre Anstrengungen innerhalb der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und zusammen mit anderen Nationen verstärkt, um
die internationalen Normen und Sicherungen auszuweiten und zu verstärken, und
sie haben eine internationale Konvention über Normen zum Schutze der physischen Sicherheit von nuklearem Material im Gebrauch, im Lager oder auf dem
Transport, vorgeschlagen.
Die Vereinigten Staaten fordern weiterhin die weitest mögliche Einhaltung
des Atomwaffensperrvertrages und der damit zusammenhängenden Sicherheitsbestimmungen der IAEA.
Der größte Gefahrenpunkt schrankenloser nuklearer Proliferation liegt in
der Ausbreitung von Aufbereitungsanlagen für Atommaterial in Kernkraftwerken
unter nationaler Kontrolle. Die Vereinigten Staaten schlagen daher als einen
wichtigen Schritt zur Verstärkung aller anderen Maßnahmen die Errichtung von
multinationalen, regionalen Kernbrennstoffaufbereitungszentren vor. Diese Zentren würden dem Energiebedarf auf einer kommerziell gesunden Basis dienen und
die regionale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energie fördern. Ihr Bestehen
würde den Anreiz zur Errichtung kleiner und unwirtschaftlich arbeitender Aufbereitungsanlagen verringern, die Möglichkeit der Abzweigung friedlichen Nuklearmaterials für nationale militärische Verwendungszwecke einzuschränken
und einen besseren Rahmen für die Anwendung wirksamer internationaler Sicherungsbestimmungen schaffen.
Wir appellieren an Ländergruppen, diese Konzeption zu prüfen, und an alle
Staaten, die Arbeit der IAEA zu unterstützen.
Aufbau

-17-

�Aufbau des wirtschaftlichen Wohlstandes
1

•

-

•

•

•

In den letzten zwei Jahren ist die Weltgemeinschaft in augenfälliger Weise
daran erinnert worden, in welchem Ausmaß die wirtschaftlichen Beziehungen eine
entscheidend wichtige Grundlage der internationalen Ordnung sind. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind nicht nur die Voraussetzung für die Fähigkeit
jeder Gesellschaft, ihre nationalen Ziele zu erreichen, sondern alle Volkswirtschaften werden auch von dem Weltwirtschaftssystem getragen. Wie wir unsere
wirtschaftlichen Angelegenheiten regeln, wird daher in einem außerordentlichen Ausmaß darüber entscheiden, ob unsere politischen Beziehungen auf Zusammenarbeit oder auf Konflikt basieren werden.
Es wäre eine der tragischsten Ironien der Weltgeschichte,wenn wir in
einer Zeit, in der wir die Spannungen des Kalten Krieges hinter uns lassen,
in eine neue Periode des Konflikts zwischen Nord und Süd, Reich und Arm, eintreten würden.
Auf der gerade abgeschlossenen Sondersitzung der Vereinten Nationen haben
die Vereinigten Staaten die Beendigung der sterilen Konfrontation der Vergargeiiheit gefordert. Wenn der alte Traum der Menschheit - eine Welt ohne Armut in den Bereich des Möglichen gerückt ist , so haben wir erklärt, dann mac.cn
es unsere moralischen Überzeugungen zur Pflicht, dieses Ziel zu erreichen,
und wir haben unterstrichen, daß dieses Ziel nur durch Zusammenarbeit, und
nicht durch Erpressung erreicht werden kann.
•

Die Sondersitzung hat uns Anlaß zu der Hoffnung gegeben, daß - zumindest
für die unmittelbare Zukunft - eine Entscheidung gefallen ist, sich von der
Konfrontation abzuwenden und sich der Zusammenarbeit zuzuwenden. Die Vereinigten Staaten unterstützen mit Stolz das Schlußdokument, welches das Ergebnis
der großen Bemühungen und der Hingabe so vieler hier vertretener Delegierten
i st.
Die Vereinigten Staaten betrachten die Ergebnisse der Sondersitzung als
einen Anfang, nicht als ein Ende. Wie in dem Schlußbericht empföhle: wird,
müssen wir jetzt in den verfügbaren Gremien weiter arbeiten, um den Zielen,

�Zielen, auf die wir uns geeinigt haben, Wirklichkeit und Inhalt zu verleihen.
Meine Regierung wird sich an den vor uns liegenden schwierigen Verhandlungen
mit aller Energie und in einem kooperativen und versöhnlichen Geiste beteiligen.

Aufbau der Gerechtigkeit

Jenseits von Frieden, Sicherheit und Prosperität liegt eine tiefere
weltweite Hoffnung auf Würde und Gleichheit der Chancen. Der Menschheit werden
niemals all die Tragödien erspart bleiben, die in dem Kreislauf von Leben und
Tod begründet liegen. Aber es liegt in unserer Macht, die last der sozialen
Tragödie, der organisierten Ungerechtigkeit, zu beseitigen oder zu erleichtern.
Die Vereinigten Staaten sind daher aus ihrer Tradition heraus ein Verfechter der Ausweitung des Geltungsbereichs des internationalen Rechts in internationalen Angelegenheiten gewesen.Wir haben den Opfern von Krankheit und Naturkatastrophen immer unsere Hilfe angeboten. Wir sind ein Verfechter der Freiheit und ein Hoffnungsstrahl für die Unterdrückten. Heute besteht kein Zweifel
mehr, daß die internationalen Menschenrechte auf der Tagesordnung der internationalen Diplomatie stehen.
Der Geltungsbereich des internationalen Rechts muß bis in die letzten Bereiche unseres Planeten, nämlich die Ozeane, ausgedehnt werden. Diese sind das
gemeinsame Erbe der Menschheit, aber sie können sich in Schauplätze des Konfliktes verwandeln, wenn keine rechtlichen Regelungen erfolgen. Sie enthalten
unberührte Quellen an Energie, Mineralien und Eiweiß. Der Schutz ihrer Umwelt
ist von entscheidender Bedeutung für unser überleben.
Die Vereinigten Staaten begrüßen das Mandat der Vereinten Nationen für
einen umfassenden Vertrag zur Regelung der Nutzung der Weltmeere und ihrer
natürlichen Hilfsquellen. Im vorigen Monat habe ich in Montreal unsere Haltung
zu diesen Verhandlungen dargelegt und darauf gedrängt, daß die Sitzung der
Seerechtskonferenz im nächsten Jahr die Dinge zu einem raschen und erfolgrei-

- 19 -

�erfolgreichen Abs*"' luß bringt. I'eine internationalen Verhandlungen sind von
entscheidenderer Bedeutung für die langfristige politische und wirtschaftliche
Stabilität und die Prosperität unseres Erdballs.
Das Völkerrecht muß auch den internationalen Terrorismus in den Griff bekommen. Als Folge des Fehlens international anerkannter Normen, vor allem zur
Verhinderung ungesetzlicher und gefährlicher Eingriffe in die Zivilluftfahrt,
haben unzählige unschuldige Menschen ihr Leben verloren. Die Entführung von
Flugzeugen, die Entführung und Ermordung unschuldiger ziviler Opfer für angeblich politische Ziele sind und bleiben eine Pest der zivilisierten Menschheit.
Hier liegen noch immer die unterentwickelten Gebiete des internationalen Rechts,
die die besonders dringliche Aufmerksamkeit dieser Organisation hier verdienen.
Mitgefühl mit unseren Mitmenschen erfordert,

iafl wir internationale Hilfs-

mittel mobilisieren, um Jahrhunderte alte Geißeln der Menschheit - Krankheit,
Hunger und Naturkatastrophen - zu bekämpfen. Wir freuen uns, daß die Weltgesundheitsorganisation und interessierte Regierungen auf unsere Initiative
in der letzten Vollversammlung hin eine konzertierte Anstrengung unternommen
haben, um die Bilharziose unter Kontrolle zu bekommen, eine Krankheit, die über
200 Millionen Menschen in 70 Ländern befällt und arbeitsunfähig macht, und uns
große menschliche und wirtschaftliche Kosten auferlegt.
Die großen Menschenrechte müssen anerkannt, respektiert und in den Angelegenheiten der Nationen in die Realität umgesetzt werden. Die ersten Deklarationen der Vereinten Nationen und die jüngste Konferenz in Helsinki lassen keinen Zweifel daran, daß es sich hier um ein internationales Anliegen handelt. Die
Vereinigten Staaten werden diese Prinzipien unterstützen. Verletzung?" der
Menschenrechte muß in der ganzen Welt, auf allen Kontinenten, entgegengetreten
werden, ob sie nun von einer Rasse gegen eine andere oder unter Mitgliedern der
gleichen Rasse begangen werden. Die Menschenrechte müssen ohne Rücksicht auf
Rasse, Geschlecht oder Religion eingehalten werden. Hier darf es keine doppelte
Moral geben.
Die
- 20 -

�Die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen hat die ersten
Schritte gegen grobe Verletzungen der Menschenrechte unternommen, wenn von
Einzelpersonen ernsthafte und belegbare Beschuldigungen erhoben wurden. Wir
unterstützen diese Entwicklung. Wenn sich die Weltgemein^chaft organisiert mit
diesen Dingen befaßt, dann kann dies eine mächtige Waffe in dem Krieg gegen
die Herabsetzung menschlicher Werte sein.
Eines der am häufigsten auftretenden und schwersten Probleme ist die Folter, eine Praxis, die alle Nationen verabscheuen sollten.
Es ist eine absolute Entwürdigung der Funktior P: er Regierung, wenn ihre
überwältigende Macht nicht für das Wohlergehen de. Menschen
nutzt wird, sondern als ein Instrument, um ihnen Leid zuzufügen. -ie Vereinigten Staaten
appellieren an diese v°rsammlung, sich die Erklärung des kürzlich stattgefundenen Weltkongresses über diese Frage in Genf zu eigen zu machen. Darüber
hinaus schlagen wir vor, daß diese Vollversammlung eine vom Generalsekretär zu
ernennende Expertengruppe einsetzt, um Art und Ausmaß der Folter in der heutigen Welt zu untersuchen und der nächsten Vollversammlung darüber zu berichten.
Herr Präsident, diese Organisation wurde in dem Glauben geschaffen, daß die
Universalität der menschlichen Rasse ihren Ausdruck in der Abwicklung internationaler Angelegenheiten finden könne. Diese Versammlung hier symbolisiert die
Hoffnung, die die Menschheit in die Kraft von Nationen setzt, die im gemeinsamen Interesse, mit Vernunft, Verantwortungsgefühl und gegenseitiger Achtung zusammenarbeiten.
Die vor uns liegenden Probleme sind kompliziert und voller Gefahren. Die
sterilen Schlagworte von gestern, die Lösungen der Vergangenheit und die Pflege
alter Ressentiments können die Klüfte zwischen uns nur erweitern und dazu führen, daß die Gefahren

für den Frieden und das Wohlergehen unserer Völker wei-

ter schwelen und wachsen.
Es liegt in unserer Macht, kommenden Generationen zu beweisen, daß das
letzte Quartal des 20. Jahrhunderts keine Ära der Gewalt und des Konfliktes,
sondern eine schöpferische Epoche der Weltgeschichte gewesen ist.
Die
- 21 -

�.

Die Geschichte meines Landes, Herr Präsident, lehrt uns, daß es möglich
ist, Einigkeit in ripr Vielfalt zu erreichen, daß trotz der Vielfalt von Rassen,
Interessen

unri

Überzeugungen, wie wir sie hier in diesem Hause sehen, ge

meinsames Handeln möglich ist. Fortschritt, Frieden und Gerechtigkeit sind erreichbar.
So rufen wir alle Völker und Regierungen auf: Laßt uns gemeinsam eine neue
Weltordnung schaffen. Laßt uns dafür sorgen, daß sie gerecht ist. Laßt uns die
neuen Nationen an ihrer Gestaltung beteiligen und ihnen das Gefühl geben, daß
sie die ihrige ist. Laßt die alten Nationen ihre Stärke und ihre Fähigkeiten
zum Wohle der ganzen Menschheit einsetzen. Laßt uns alle zusammenarbeiten, um
den Geist zu bereichern und die Menschheit zum Höheren zu führen.

XXX

22 -

v

�amerika dienst
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53

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- 2 -

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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. September 1980

42

INHALT

DOKUMENTATION
Außenminister Muskie hebt starke Verteidigungsposition der USA hervor
- Wortlaut der Ansprache in Pittsburgh Muskie:

Ein Nuklearkonflikt ist kein Instrument der Politik

- Erklärung vor dem außenpolitischen Senatsausschuß Botschafter Kampelman:

KSZE-Prozeß muß fortgesetzt werden

- Erklärung auf dem Vorbereitungstreffen in Madrid -

HINTERGRUNDMATERIAL
Bericht "Welt im Jahr 2000" vor Kongreßausschuß
- Empfehlungen an US-Präsidenten werden vorbereitet

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Teersandaufbereitung - wirtschaftlicher und umweltschonend

Um Übcf/cndung von
ßcIcgcHcmplarcn wird
gebeten

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Ijüiai ßtr
iii

a

Dokumentation

(*i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

42

24. September 1980

AUSSENMINISTER MUSKIE HEBT STARKE VERTEIDIGUNGSPOSITION DER USA HERVOR
- Wortlaut der Ansprache in Pittsburgh -

PITTSBURGH - (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie hat am
18. September 1980 vor dem Rat für weltpolitische Fragen in Pittsburgh erklärt,
daß die Verteidigungsposition der Vereinigten Staaten aufgrund der ständigen
Verbesserung ihrer Streitkräfte stark sei und immer stärker werde.

Die Ansprache des Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Während dieser Zeit der Behauptungen und Gegenbehauptungen ist es nützlich }sich eine Geschichte ins Gedächtnis zurückzurufen, die Abraham Lincoln
zu erzählen pflegte.

Wenn die Diskussionen in seinem Büro den Siedepunkt erreicht hatten,
unterbrach er die Erörterungen, um die Geschichte von dem Jäger zu erzählen,
der sich im Walde verirrt hatte, als ein schwerer Sturm losbrach.

Der hef-

tige Sturm machte es dem Jäger nahezu unmöglich, zu sehen, wohin er ging.
Dann brach die Nacht herein,so daß der Jäger sowohl mit der Finsternis als
auch mit dem heftigen Regen zu kämpfen hatte.

Der Donner war ohrenbetäubend.

Nur gelegentliche Blitze wiesen ihm den Weg.
Schließlich

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Telex: 08-85432

�Schließlich fiel der Jäger, durchnäßt und ermüdet, auf die Knie, um zu
beten. "Wenn es Dir nichts ausmacht, Herr," so sagte er, "dann wäre ich dankbar für etwas weniger Lärm und etwas mehr Licht."
In diesem Geiste möchte ich heute hier zu Ihnen sprechen.
In den vergangenen Monaten war die Atmosphäre ungewöhnlich dick von Erklärungen über eine Abnahme der militärischen Stärke der USA.
solche Grabgesänge nicht einstimmen.
nicht den Tatsachen.

Wir können in

Denn sie sind falsch und entsprechen

Und sie können, was ihre Auswirkung anbetrifft, gefähr-

lich sein.
Ich bin heute hier, um mich nachdrücklich mit diesen Predigern der amerikanischen Schwäche auseinanderzusetzen und um zu bekräftigen, daß Amerika heute
stark ist und immer stärker wird.
Wenn unser Land wirklich seine Verteidigung vernachlässigen würde, dann
wäre es die Pflicht aller informierten Leute, Alarm zu schlagen.

Aber falsche

Erklärungen, in denen von Schwäche die Rede ist, intensivieren nur die Gefahren, vor denen wir stehen.

Sie können dazu führen, daß unsere Freunde an

uns zweifeln und unsere Feinde uns falsch einschätzen.

Sie können von ande-

ren Anstrengungen ablenken, die notwendig sind, um unsere Gesellschaft stärker
und unsere Welt sicherer zu machen.
Wollen wir also unsere Verteidigungsposition bewerten, aber in fairer
Weise.

Wollen wir das Gleichgewicht zwischen Ost und West realistisch ab-

wägen.

Und wollen wir unsere eigene Stärke wie die unseres Gegners in ange-

messener Weise betrachten.
Unsere Verbündeten sind stärker, unsere Bündnisse fester als die der
Sowjetunion.

An wirtschaftlicher Kraft übertreffen die Vereinigten Staaten

und unsere NATO-Verbündeten den Warschauer Pakt im Verhältnis zwei zu eins.
Insgesamt verwenden wir mehr auf die Verteidigung als der Warschauer Pakt,
die Sowjetunion eingeschlossen.

Hin7u

�Hinzu kommt für unsere Bündnisse die Verläßlichkeit, die entsteht, wer»
Wertvorstellungen und Zielsetzungen gemeinsam getragen werden

anders als

beim Warschauer Pakt sind die NATO-Mitglieder sowie J a p ^ Verbündete
gener Wahl.

aus ei-

Der Zweck unserer Bündnisse ist nicht d^e Verschleierung der Am-

bitionen eines einzelnen Mitglieds, sondern die Verteidigung der

aiheit

aller.
Mindestens ein Viertel der Landstreitkräfte der Sowjetunion sind an der
langen gemeinsamen Grenze mit China gebunden.

Die Nationen an unseren Gren-

zen sind Freunde.
Technologie ist ein weiterer amerikanischer Vorteil. "Schneller" / G e nauer", "Moderner" - dies sind allgemein Begriffe, die auf amerikanische
Waffen und Systeme zutreffen. Die sowjetische Technologie ist hinter uns
zurückgeblieben.
Und unsere Sicherheit wird ferner gefördert durch den Inhalt unserer
Außenpolitik - durch die internationalen Prinzipien, die wir unterstützen.
Auf globaler Basis stehen wir ein für die Grundgebote der nationalen Souveränität und der Menschenrechte. Gewiß leben wir in einer tumultuarisehen
Welt, die durch einen ungestümen Nationalismus und durch hochfliegende menschliche Erwartungen in über hundert neuentstandenen Nationen gekennzeichnet
ist. Aber wenn eine solche uns umgebende Welt für uns verwirrend und beunruhigend ist, so wird sie sich noch als weitaus gefährliche^ für die Nationen erweisen, die versuchen, andere zu beherrschen und ihnen ihr System aufzuzwingen. Solche Ideen des Imperialismus gehören der Vergangenheit an,
Sie kollidieren frontal mit den historischen Trends, die heute faktisch überall auf der Welt wirksam sind - von den Patrioten in Afghanistan bis zu den
Nationalisten in jeder Nation der Dritten Welt, von den demokratischen Kräften in Zimbabwe bis zu den tapferen Arbeitern in Polen, die uns alle angespornt haben.
Kurzum:

unsere Technologie, unsere soliden Sicherheitspartnerschaften,

unsere Identifizierung mit nationaler Unabhängigkeit und menschlicher Frei- 3 -

�Freiheit - alle diese Aktivposten sollten unser Vertrauen stärken, wenn wir
uns fragen, ob unsere Verteidigung ausreichend ist.
Sie geben uns jedoch keinen Grund zur Selbstzufriedenheit.
Unsere militärische Position erfordert weiterhin unsere größte Aufmerksamkeit.
Mit der Sowjetunion steht uns ein Rivale gegenüber, der seit über einer
Generation dabei ist, seine militärischen Streitkräfte - sowohl die konventionellen als auch die strategischen - ständig weiter auszubauen.
Bei den strategischen nuklearen Streitkräften haben die Sowjets etwa
die Gleichwertigkeit erreicht. Auf konventionellem Gebiet haben sie die Gefahr für unsere asiatischen und europäischen Verbündeten vermehrt.

Sie haben

den Status einer globalen Macht angestrebt - die Kapazität zur direkten Einmischung selbst in entfernten Regionen.

Und wie in Afghanistan haben sie

auch nicht gezögert, ihre Macht anzuwenden, in einem brutalen Versuch, einen
souveränen Nachbarstaat zu unterdrücken.
Die Frage, vor der wir Amerikaner stehen, ist nicht, ob wir auf diese
Entwicklungen reagieren sollten. Alle sind sich einig, daß wir das müssen.
Die eigentliche Frage ist, ob wir weitermachen wollen mit einer wohldurchdachten und abgewogenen Reaktion, angepaßt den wirklichen Bedrohungen,
denen wir uns gegenübersehen - oder ob wir wild in alle Richtungen zugleich
losstürmen werden und dabei weitaus größere Summen für einen geringen - wenn
überhaupt einen - Effekt ausgeben wollen.
Lassen Sie mich einen kurzen Überblick darüber geben, wie die Reaktion
bisher gewesen ist.
Insgesamt gesehen sind die Ausgaben für unsere Rüstung nicht länger rück
läufig.

Unsere
- 4 -

�Unsere Verteidigungsausgaben sanken in den sieben oder acht Jahren,unmittel bar

bevor Präsident Carter sein Amt übernahm, und zwar insgesamt um

mehr als 37 Prozent.

Seit der Amtseinführung Präsident Carters jedoch sind die Verteidigungsausgaben vier Jahre nacheinander gestiegen - ein Gesamtanstieg von zehn Prozent, nach Abzug der Inflationsrate.

Und wenn der Fünf-Jahresplan des Prä-

sidenten durchgeführt sein wird, wird der Zuwachs bis 1985 über 27 Prozent
hinausgehen.

Aber selbst hierbei gibt es manche, die erklären, daß diese Anstrengung
nicht ausreiche.

Sie bestehen auf einem noch größeren Rüstungsbudget.

Sie wollen uns jedoch nicht sagen, was in ihm enthalten sein soll.
se Entscheidungen lassen sie für später.

Die-

Sie wollen einfach "mehr" - was

auch immer, ganz als ob das Einsacken des Geldes der Steuerzahler ein erstrebenswerter Endzweck sei.

Das aber ist nicht die Formel für größere Sicherheit, sondern für garantierte Verschwendung - ein Fehler, wie er bei der Verteidigung genauso vermieden werden sollte wie in allen anderen Sparten des Haushaltsplanes.

Was wir brauchen, ist dagegen ein sorgfältig strukturiertes Verteidigungsprogramm, das in wirkungsvoller Weise den spezifischen Gefahren entspricht.
Und das haben wir.

Bei den konventionellen Streitkräften begann die Carter-Administration
sich 1977 unverzüglich mit den militärischen Schwächen der NATO zu befassen
- Fragen, denen man vorher zwar überreichlich Erörterungen, aber nur herzlich
wenig konkrete Beachtung gewidmet hatte.

Heute steht das Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO - eine Initiative Amerikas - in seinem dritten Jahr.

Probleme, die von der Einsatzbe-

reitschaft und raschen Verstärkung bis zur integrierten Luftverteidigung rei- 5-

�reichen, werden nicht länger mehr nur einfach geprüft, sondern sie wurden
gelöst.
Diese Verbesserungen in der NATO werden getragen von einem übereinkommen
des Bündnisses, die Verteidigungsausgaben in jedem Jahr um mindestens drei
Prozent zu erhöhen - eine weitere Initiative der Vereinigten Staaten.
Wir sind dabei, die Waffen und die Ausrüstung des Heeres auf breiter
Basis zu modernisieren.

Wir haben mit der ersten großangelegten Modernisie-

rung der taktischen Luftstreitkräfte seit den Tagen des Vietnamkrieges begonnen.

Unser Schiffbauprogramm wird im Verlauf der nächsten fünf Jahre 97

neue Schiffe erstellen zum Aufbau einer neueren und leistungsfähigeren Flotte
von 550 Schiffen, im Gegensatz zu den 476 Schiffen im Jahre 1977.
Zusammen mit der Fortentwicklung dieser Programme haben wir auch damit
begonnen, unsere Fähigkeit zu verbessern, auf Krisensituationen außerhalb
der wichtigsten Bündnisregionen zu reagieren, dazu gehört auch das lebenswichtige Gebiet Nahost-Persischer Golf.

Unsere Flottenpräsenz dort ist die

stärkste seit je. Wir haben neue Abkommen über den Zugang zu Häfen und
Flugplätzen ausgehandelt.

Im Gebiet des Indischen Ozeans schaffen wir Ar-

senale für vorausgelagertes Gerät und Nachschubmaterial.
flugzeug wird entwickelt.

Ein neues Transport-

Die Einheiten für eine schnelle Eingreifgruppe

sind aufgestellt, und Einsatzübungen sind im Gange.
In unseren Programmen auf dem Gebiet der Kernwaffen spiegelt sich dieses
gleiche Eintreten für die Abschreckung vor einem Krieg durch die Gewißheit
der Stärke wider.
Im vergangenen Jahr hat die NATO unsere Empfehlungen zur Modernisierung
der nuklearen Mittel Streckenwaffen (TNF) angenommen.
Bei den Interkontinentalraketen oder strategischen nuklearen Streitkräften sind die harten Entscheidungen gefallen. Eine durchgreifende Modernisierung aller drei Elemente unserer nuklearen Triade - zu Land, zur See und in
der Luft - geht voran.
_ ,,
- 6 -

�- Was die strategischen Bomberverbände anbetrifft, so hat Präsident
Carter hier den vernünftigsten Weg eingeschlagen, auch wenn damit harte politische Debatten verbunden waren.

Statt Milliarden Dollar in den B-1-Bomber

mit einer zweifelhaften Zukunft zu stecken, beschloß er, unsere vorhandenen
Bomber mit luftgestützten Marschflugkörpern (ALCM) auszurüsten.

An Steile

der alten Konzeption, die im hohen Maße verwundbar gegenüber sowjetischen
Abwehrmaßnahmen war, wählte er einen Komplex fortschrittlichster Technologien, die alle vorhersehbaren sowjetischen Verteidigungsmaßnahmen überwinden
können.

- Zur See wurde das Trident-Unterseebootprogramm wieder aufgenommen.
Das erste dieser modernen U-Boote wird sich im kommenden Jahr in die Flotte
eingliedern.

Teile der bestehenden Flotte verfügen bereits über die Trident-

I-Rakete mit wesentlichen Verbesserungen hinsichtlich Reichweite und Stärke,
- Und zu Lande wird die neue MX-Rakete - auf mobiler Basis - die Hauptquelle einer potentiellen nuklearen Instabilität beseitigen:
Verwundbarkeit unserer verbunkerten Raketen.

die zunehmende

Wie bei unser Bomberflotte

verwarf Präsident Carter auch hier alle zweitbesten Vorschläge und vergewisserte sich, daß wir über den besten Plan verfügten, ehe mit der Konstruktion begonnen wurde - so daß wir weder Zeit noch Geld für die spätere Beseitigung von Fehlern zu vergeuden haben.

Zusammen mit diesen Programmen - Marschflugkörper, Trident, MX - gibt er
ein viertes Programm, das ich erwähnen möchte - eine "Geheimwaffe", wenn S'e
so wollen.

Lassen Sie mich einiges davon ausführen, was diese vermag.

Diese Geheimwaffe ganz allein schon würde etwa ein Viertel aller sowjetischen Langstreckenraketen und -bomber ausschalten, mit denen wir bis 1985
rechnen.

Sie würde das tun, ohne einen Nuklearkrieg zu entfesseln, ja, ohne

auch nur einen Schuß abzufeuern.

Im weiteren Verlauf würde sie tausende einzelner Raketensprengköpfe und

- 7 -

�und Bomben eliminieren, die das sowjetische Arsenal sonst für unser Land hätte
bereithalten können.
Die Geheimwaffe verfügt außerdem über Überwachungskapazitäten.

Mit ihrer

Hilfe wäre sie in der Lage, sich einen genaueren überblick über den Stand der
sowjetischen Streitkräfte und Programme zu verschaffen.
Und bei all ihrer militärischen Effektivität gibt es keinerlei Unvereinbarkeit zwischen dieser Geheimwaffe und unseren anderen strategischen Programmen.

Die Produktion der MX-Rakete, der Trident und der luftgestützter Marschflug-

körper kann weiterlaufen wie geplant.
Auch wird die Einbeziehung dieser neuen Waffe in unser System keine massiven neuen Budgetbewilligungen erfordern.

Vielmehr wird auf längere Sicht so-

gar noch Geld gespart werden.
Unsere Verbündeten werden sich ihretwegen keine Sorgen zu machen brauchen.
Im Gegenteil, sie ist ihnen bekannt, und sie treten mit Nachdruck für sie ein.
Ihre einzige Sorge ist, daß wir sie nicht akzeptieren könnten.
Natürlich ist die Waffe, von der ich spreche, überhaupt keine Waffe.

Es

ist ein Abkommen - der SALT II-Vertrag.
Aber dennoch leistet er all die Beiträge zu unserer Sicherheit, die ich
soeben beschrieben habe. Man kann die Bedeutung des Vertrages nicht unterschätzen.

Er ist ein integraler Teil einer harten Strategie der amerikanischen

Verteidigung.

Und er sollte als solcher auch anerkannt werden.

Ja, es kann durchaus sein, daß einige, die SALT II jetzt ablehnen, diesen
Vertrag unterstützen - sogar auf ihm bestehen würden, wenn es sich dabei um
eine Verteidigungsausgabe handeln würde, durch die man die gleichen Resultate
kaufen könnte.
Der
- 8 -

�Der Beitrag von SALT zu unserer Verteidigung unterstreicht die zweite der
beiden Botschaften, die ich hier heute verkünden möchte.
Die erste, wie ich bereits angeführt habe, ist, daß unsere Verteidigungsposition allein gesehen wie in Verbindung mit unseren Verbündeten keiner anderen unterlegen ist. Wir sind entschlossen, dafür zu sorgen, daß dies so
bleibt.

Diese Entschlossenheit schlägt sich nicht nur in Worten nieder; sie

wird durch unser Budget gestützt.
Die zweite Botschaft ist, daß nur weitere Ausgaben sowie die Produktion
weiterer Waffen, selbst wenn dadurch eine große militärische Macht entsteht,
nicht genug sind, um unsere Sicherheit in der Welt von heute zu garantieren.
Unsere Verteidigungsposition selbst hängt von anderen internationalen
Aktivposten und Qualifikationen ab.

Denken Sie an das Langfristige Verteidi-

gungsprogramm der NATO, an das Abkommen über größere Verteidigungsanstrengungen,
an die TNF-Entscheidung, an unseren Zugang zu Einrichtungen im Indischen Ozean.
Solche Maßnahmen kommen nicht durch einseitige Ankündigungen oder unspezifizierte neue Ausgaben zustande.

Sie sind vielmehr das Ergebnis sorgfältiger

Verhandlungen und anhaltender Führerschaft - Anstrengungen, die bis ins
kleinste genauso entscheidend für unsere Verteidigung sind wie Waffen.
Und diese Anstrengungen haben auch noch andere Ausweitungen, die für unsere Sicherheit unerläßlich sind.
Wahre Sicherheit im Atomzeitalter verlangt Maßnahmen, die das Risiko
eines Kriegsausbruches vermindern.

Es ist das Mandat der Rüstungskontrolle

- im Zusammenwirken mit einer starken Verteidigung -, zu einem stabilen Gleichgewicht beizutragen und Fehleinschätzungen durch die andere Seite zu vermeiden.

Denn wir wissen, daß ein Nuklearkrieg die Katastrophe für beide Seiten

bedeuten würde.

Es würde in unserer Zeit nur unsere Sicherheit gefährden,

würden wir die Rüstungskontrolle ablehnen und uns auf Doktrinen versteifen,
einschließlich des Hirngespinstes der nuklearen Überlegenheit, die nur zu
einem nuklearen Wettrüsten einladen.

,,
Unsere

�Unsere Sicherheit wird ferner gefördert durch eine energisc ie Diplom ti
die eine ausgereifte, stabile Basis der Zusammenarbeit schafft, selbst mit solchen Ländern wie beispielsweise China, die anderscrtige
ben.

Systeme als wir ha-

Wir dürfen nicht von solchen Anstrengungen zurücktreten, wir dürfen sie

nicht durcheinanderbringen, und wir dürfen uns nicht durch sie verwirren lassen.
Unsere Sicherheit wurde durch den Erfolg der Friedensstiftung in Zimbabwe
gefördert.

Diese Anstrengung verhinderte einen Konflikt, den unsere Gegner

hätten ausbeuten können.

Einige Amerikaner wünschten die Unterbrechung des

Friedensprozesses durch eine vorzeitige Beendigung unserer Beteiligung an internationalen Sanktionen.

Wir können alle nur dankbar sein, daß sie mit ih-

rer Meinung nicht die Oberhand behielten.
Unsere Sicherheit ist noch tiefer betroffen im Nahen Osten, wo

der Pro-

zeß von Camp David zum ersten wahren Friedensabkommen seit der Entstehung
Israels geführt hat. Nur durch eine geduldige, nachhaltige und einfallsreiche
Diplomatie können die noch bestehenden Streitfragen gelöst werden - dieselbe
Art von Diplomatie, durch die die Abkommen von Camp David zustandegebracht
wurden.

Kriegerische Äußerungen oder Angriffe auf den Verhandlungsprozeß,

die keine konkreten Alternativen anbieten, fördern weder dieses Unterfangen,
noch dienen sie der Sache des Friedens.
Und unsere Sicherheit wird auch berührt durch einen weiten Bereich wirtschaftlicher Fragen, an die man mit Waffen nicht heran kann. Niemals hätten
wir beispielsweise ein neues Handelsabkommen durch Sprengstoffe zustandebringen können.

Wir können an stagnierende Volkswirtschaften auch nicht mit

Drohungen herangehen, um sie gedeihlicher zu machen, noch können wir hungrige

Menschen durch Einschüchterung gesund machen.

Und doch hängt unser Schicksal letztlich von solchen Fragen ab, auch
wenn es auf dem Gleichgewicht der Macht beruht. Wenn wir solche Herausforderungen einfach vernachlässigen, dann wäre unser Schicksal vielleicht, langsam in die Vergessenheit abzurutschen, statt in sie katapultiert zu werden.
- 10 -

�werden.

Aber der Endpunkt wäre derselbe.

Kurz gesagt, unsere Sicherheit in der Zukunft erfordert die gleichen Prioritäten, die unsere Außenpolitik in der jüngsten Vergangenheit charakterisiert
haben.

Auf dem Felde der Verteidigung müssen wir die stetige und umsichtige Verbesserung unserer Streitkräfte fortsetzen.

Wir müssen insbesondere die fal-

sche Botschaft zurückweisen, daß unser Land schwach sei.

Und unsere Sicherheit verlangt noch mehr.

Sie erfordert ein realistisches

Verständnis der Art der Welt, in der wir gemeinsam leben, eine Verpflichtung
für den Frieden wie für die Macht, die Fähigkeit, konstruktiv mit anderen zusammenzuarbeiten, um die gemeinsamen Zielsetzungen zu fördern und der ganzen
Bandbreite der vor uns liegenden Herausforderungen zu genügen.

Ich bin überzeugt, daß das amerikanische Volk die Notwendigkeit für eine
ausgewogene amerikanische Einstellung gegenüber der Welt versteht.

Ich bin überzeugt, daß das amerikanische Volk eine Verteidigungsposition
der Stärke und des Vertrauens sowie eine Außenpolitik des Aufbaus und der Hoffnung unterstützt.

- 11 -

�1 ^^^1

vO

3

III

f •!

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
24. September 1980

42

MUSKIE:

EIN NUKLEARKONFLIKT IST KEIN INSTRUMENT DER POLITIK

- Erklärung vor dem außenpolitischen Senatsausschuß -

WASHINGTON

- (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie

hat erneut unterstrichen, daß ein nuklearer Konflikt weder für die
Vereinigten Staaten noch für die Sowjetunion ein Instrument zur Erreichung
nationaler politischer Ziele sein kann. Vor dem außenpolitischen Ausschuß
des US-Senats sagte Muskie am 16. September 1980, in einem Nuklearkrieg
würde es keinen Sieger geben.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses,
ich bin erfreut, diese Gelegenheit zu haben, anschließend an Harold
Brown (US-Verteidigungsminister) mit Ihnen über die Zielsetzung unserer
nuklearen Strategie zu sprechen. Als ich Mitglied dieses Ausschusses war,
war ich zutiefst überzeugt, daß es zu unserer Verantwortung gehört, uns

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T e | e x : 08-85432

�uns eindringlich mit den Problemen der strategischen Nuklearpolitik zu
befassen.

Im Verlauf der Jahre befragte ich eine Reihe von Vertretern

der Administration, aber auch andere Experten, wie Veränderungen in unserer
nuklearen Doktrin, den nuklearen Streitkräften und der Strategie sich auf
unsere Sicherheit und die internationale Stabilität auswirken würden.
Ich habe dieses Interesse nicht aufgegeben, als ich Außenminister
wurde.

Ja, es ist ein zentraler Teil meiner Verantwortlichkeiten, sicher-

zustellen, daß außenpolitische Erwägungen - im weitesten Sinne - bei
Entscheidungen über Verteidigungsprogramme und Verteidigungsdoktrin in
Rechnung gestellt werden.
Als Außenminister bin ich besonders daran interessiert, wie sich
unsere strategische Doktrin auf unsere Außenpolitik insgesamt gegenüber
unseren Verbündeten und Gegnern auswirkt.

Um unsere grundlegenden Ziele

in der Außenpolitik und der nationalen Sicherheit zu unterstützen, sollte
unsere nukleare Strategie folgenden Bedingungen genügen:
-

Sie sollte gewährleisten, daß potentielle Gegner völlig von
unserer Entschlossenheit überzeugt sind, daß wir einer nuklearen
Aggression jeden Ausmaßes, zu jeder Zeit und unter allen Umständen
Widerstand leisten werden.

-

Sie sollte vermeiden, einen Zirkel von falschen Vorstellungen
und Fehleinschätzungen in Gang zu bringen, der die strategische
Stabilität untergraben könnte.

-

Sie sollte voll in Einklang stehen mit unseren Rüstungskontroi 1zielen, damit wir die Chancen bewahren, Sicherheit und Stabilität
mittels gerechter und verifizierbarer Rüstungskontroi labkommen
zu stärken.
- Sie

- 2 -

�-

Sie sollte die Bereitwilligkeit unserer Freunde und Verbündeten,
ihre Sicherheit mit der unseren zu verbinden, unterstützen und
rechtfertigen,

Ich glaube, die Strategie des Gegenzugs besteht diese Prüfungen.
Die Strategie des Gegenzugs hebt zwei fundamentale Wahrheiten heraus und
macht sie den Sowjets unmißverständlich klar.

Erstens, sie könnten daraus,

daß sie den Anfang mit dem Einsatz von nuklearen Waffen machen, keinen auch
nur irgendwie denkbaren Gewinn ziehen, gleichgültig, wie begrenzt oder
umfassend der Angriff auch sei, und gleichgültig, in welchem Stadium eines
Konflikts sie eingesetzt würden.

Zweitens, ein nuklearer Konflikt kann

niemals ein Instrument zur Erreichung nationaler politischer Ziele sein;
denn gewiß wird es keinen Sieger in einem Atomkrieg geben,
Unsere Strategie und unsere Kapazität, als Vergeltung massive Zerstörung zuzufügen, liefern die Grundlagen, um die Sowjets von beiden Thesen
zu überzeugen.

Die Gegenzug-Strategie baut auf dieser traditionellen

Doktrin auf und vervollständigt sie, Sie erhöht unsere Fähigkeit, sowohl
selektive als auch massive Vergeltungsangriffe durchzuführen und den vollen
Bereich der Ziele zu erfassen, die für die Sowjets von Wert sind.

Sie

macht klar, daß wir die Kapazität haben, auf jeden nuklearen Angriff der
Sowjets - in welcher Größe und Form er auch erfolge - in der angemessenen
Größenordnung, Intensität und Zielgerichtetheit zu antworten.

Wir haben

den Schritt in diese Richtung getan, um sicherzustellen, daß die Sowjets welche Begriffe immer sie auch vom nuklearen Krieg oder der Nützlichkeit
von Kernwaffen haben mögen - nicht irrtümlich zu dem Schluß kommen, sie
könnten einen gewissen Vorteil erzielen, indem sie mit dem Einsatz von
Kernwaffen den Anfang machen oder begrenzte Schläge durchführen.
Die Strategie des Gegenzugs als solche ist kein radikales Abrücken
von der bisherigen Politik, Sie ist vie'mehr das Ergebnis einer schrittweisen Entwicklung unserer Dcktrin über eine ganze Reihe von Jahren als

- 3 -

�als Reaktion auf sich verändernde Verhältnisse und neue Erkenntnisse.
Die glaubwürdige Fähigkeit zur Vernichtung der Sowjetunion unter allen
Umständen bleibt ihr Grundpfeiler.
Spektrum der politischen

So werden wir auch weiterhin das volle

und militärischen wie auch der städtisch-industriellen

Ziele in unsere Planung miteinbeziehen»

Die Präsidialdirektive 59 (PD-59)

bedeutet nicht eine Verlagerung des Schwergewichts auf eine Kriegsführungsstrategie noch auf eine Erstschlag-Doktrin.

Sie hebt jedoch heraus - und

ich glaube, sie stärkt auch - die Glaubwürdigkeit unserer Kapazität, für
jeden nuklearen Angriff und unter allen Umständen Vergeltung zu üben gleichgültig, ob es sich dabei um einen massiven Schlag gegen die USA
oder einen mehr begrenzten gegen unsere Streitkräfte oder unsere Verbündeten
handeln sollte.
Die öffentliche Reaktion der Sowjets hat man erwarten können. Sie
behaupten, die Strategie des Gegenzugs stelle eine Kriegsführungsstrategie
und das Bemühen der USA dar, eine Erstschlagkapazität zu erlangen, die
die strategische Stabilität unterminieren würde. Sie behaupten ferner,
daß die PD-59 die wahre Erklärung für die Entscheidung der NATO über
TNF-Modernisierung sei und die Absicht der Vereinigten Staaten reflektiere,
jeden Nuklearkrieg auf Europa zu beschränken, während die USA gegenüber
jedem Angriff immun bleiben. Diese Behauptungen kommen weder überraschend,
noch sind sie wahr. Wir konnten vielmehr erwarten, daß die Sowjets
versuchen würden, die PD-59 zu benutzen, um einen Keil zwischen uns und
unsere Verbündeten zu treiben und uns der europäischen Unterstützung
für unsere Anstrengungen nach Afghanistan zu berauben. Wir können damit
rechnen, daß die Sowjets ihre Kräfte darauf konzentrieren werden, den
NATO-Konsensus zugunsten der TNF-Modernisierung zu unterminieren.
Diese sowjetischen Beschuldigungen klingen in der Tat hohl angesichts
ihrer eigenen Doktrin, der Aufmerksamkeit, die sie der nuklearen Kriegsführung widmen, sowie der Größe und des Charakters ihrer strategischen
nuklearen Streitkräfte. Darüberhinaus haben sie sich niemals besonders

- 4 -

�besonders behaglich gefühlt im Hinblick auf das, was sie als unsere
Philosophie der "Städte-Vernichtung" im Rahmen der nuklearen Abschreckung
ansehen.

Ich glaube nicht, daß sie diese Evolution in unserer Nuklear-'

Strategie wirklich als eine Hinwendung zu einer Erstschlag- und Kriegsführungskoktrin ansehen.

Der zentrale Zweck unserer Abschreckungspolitik

ist es, nachdrücklich die Konsequenzen für die Sowjets zu unterstreichen,
sollten sie jemals mit dem Einsatz nuklearer Waffen beginnen.
Wir wollen sichergehen, daß die Sowjets diese Botschaft erhalten.
Aber wir wollen auch sicherstellen, daß sie sie richtig verstehen. Wir
müssen auch weiterhin auf der Hut sein vor den Risiken falscher Vorstellungen
und falscher Einschätzungen, vor der Gefahr, daß die Sowjets vielleicht
eine Provokation sehen, wo von uns keine beabsichtigt ist. Ich möchte
nicht, daß irgend jemand zu der falschen Schlußfolgerung gelangt, daß
wir plötzlich zuversichtlich bezüglich unserer Fähigkeit geworden seien,
nukleare Schlagabtausche zu instrumentieren und eine Eskalation zu
kontrollieren, oder daß wir selbstgefällig hinsichtlich des Einsatzes
von Nuklearwaffen geworden seien.
Wir werden den Sowjets auch weiterhin vor Augen führen, daß unsere
Absichten friedlicher Natur sind und daß wir keine Gefahr für ihre
legitimen Sicherheitsinteressen darstellen.

Gleichzeitig werden wir auch

weiterhin darauf bestehen, daß sie die Interessen und Rechte anderer
respektieren, und wir werden sie auf die Konsequenzen hinweisen, sollten
sie zu Nuklearwaffen Zuflucht nehmen.
In diesem Zusammenhang brauche ich wohl kaum hinzuzufügen, daß wir
die Strategie des Gegenzugs in keiner Weise als einen Ersatz für die
Rüstungskontrolle oder als Symptom für eine Enttäuschung hinsichtlich des
Rüstungskontrollprozesses ansehen. Im Gegenteil, die Strategie des Gegenzugs steht in voller Übereinstimmung mit dem SALT II-Vertrag und unseren
längerfristigen Rüstungskontrollzielen. Nichts in der Strategie des

- 5 -

�des Gegenzuges ändert oder stellt unsere Überzeugung in Frage, daß die
nukleare Rüstungskontrolle einen wesentlichen Beitrag zu unserer Sicherheit
und zur internationalen Stabilität leisten kann.

Nichts in der Evolution

unserer nuklearen Doktrin hat uns dazu veranlaßt, den Nutzen gerechter und
verifizierbarer Rüstungskontroi labkommen mit unserem Hauptgegner neu zu
bewerten.

Insbesondere bin ich auch weiterhin der festen Überzeugung, daß

SALT II einen entscheidend wichtigen Beitrag zu unserer nationalen Sicherheit
darstellen würde.

Wir werden den Senat ersuchen, zum frühest möglichen

Zeitpunkt über die Ratifizierung abzustimmen.
Unsere Verbündeten teilen unsere Besorgnisse hinsichtlich der Abschreckung der ganzen Bandbreite sowjetischer nuklearer Drohungen wie auch
unseren anhaltenden Einsatz für die Rüstungskontrolle und die Aufrechterhaltung der strategischen Stabilität. Indem wir das Vertrauen unserer
Verbündeten in die Glaubwürdigkeit unserer nuklearen Garantie stärken,
wird die Strategie des Gegenzugs den Zusammenhalt und die Solidarität des
Bündnisses festigen und auch direkt die Wahrscheinlichkeit eines Konflikts
vermindern. Die Strategie des Gegenzuges reflektiert und unterstützt
die NATO-Strategie einer flexiblen Antwort, indem sie die Verfügbarkeit
eines vollen Spektrums nuklearer Reaktionen unterstreicht.
Wir haben die Evolution unserer nuklearen Strategie und ihres Verhältnisses zur flexiblen Antwort im Zuge normaler Konsultationen mit unseren
Verbündeten erörtert. Die detaillierte Darlegung der Strategie des Gegenzuges im Jahresbericht von Verteidigungsminister Brown an den Kongreß im
Januar bot eine ausgezeichnete Grundlage für unseren Dialog in diesem
Jahr. Verteidigungsminister Brown hat die Nukleare Planungsgruppe der
NATO im Juni ebenfalls umfassend unterrichtet.
Im Zuge dieser Konsultationen und nach den Presseberichten über die
PD-59 haben unsere Verbündeten zu erkennen gegeben, daß sie die Strategie
des Gegenzuges verstehen und die Mittel und Wege begrüßen, durch die sjhs

- 6 -

�sie die strategische Verzahnung der USA mit ihrer Sicherheit stärkt.
Ich möchte hier nicht den Eindruck hinterlassen, ciaß wir ihre Unterstützung
für selbstverständlich halten: sie muß verdient und dann geschützt werden
angesichts der sowjetischein Bemühungen, die Solidarität des Bündnisses zu
unterminieren.

Ich möchte jedoch nachdrücklich untersträchen, daß die

führenden Politiker in unserem Bündnis die Grundprinzipien, die hinter
der Strategie des Gegenzugs stehen, zu würdigen wissen
Ich bin zuversichtlich,
daß ihre Unterstützung im Verlaufe unserer kontinuierlichen Konsultationen
aufrechterhalten bleibt.
Nukleare Strategie und Doktrin sind wirklich nüchterne Themen,

Dies

sollte jedoch nicht den wichtigen positiven Beitrag verschleiern, den die
Strategie des Gegenzuges für unsere grundlegendsten außenpolitischen Ziele
leistet.
Ich bin überzeugt, daß die Strategie des Gegenzuges nicht nur die
Abschreckung stärkt, sondern auch eine festere Grundlage für unsere
Diplomatie mit den Sowjets schafft,

Sie unterstreicht unsere Entschlossenheit,

auf jede Herausforderung für unsere lebenswichtigen Interessen zu reagieren;
gleichzeitig bestätigt sie, daß wir für die legitimen Interessen anderer
Staaten keine Gefahr bilden.

Als solche läßt sie den Sowjets keinen Raum

für Zweifel hinsichtlich unseres Willens oder unserer friedlichen Absichten.
Selbstverständlich wird die Strategie des Gegenzugs das im Grunde
gegnerische Verhältnis zwischen uns und der Sowjetunion nicht umwandeln.
Aber sie verringert die Chancen der Fehleinschätzung durch eine Supermacht,
vermehrt den Anreiz für die Sowjets zur Zusammenarbeit bei Durchführung
und Eingrenzung des Wettstreits zwischen uns„

Sie verbessert daher die

Aussichten auf das Zustandekommen von Rüstungskontroi labkommen, durch die
die Gefahr eines Krieges begrenzt wird.
Aus

- 7 -

�aus den gleichen Gründen bestärkt die Gegenzug-Strategie bei unseren
Verbündeten und Freunden die Gewißheit, daß die Vereinigten Staaten sich
verpflichtet fühlen, in gleichem Maße unsere gemeinsamen Sicherheitsinteressen
und die internationale Stabilität zu schützen.

Ich rechne damit, daß sie

dazu dienen wird, unser Verhältnis zu ihnen und unsere Rolle als Führungsmacht
des westlichen Bündnisses zu festigen.
Erlauben Sie mir, daß ich mich zum Abschluß meiner Eröffnungserklärung
kurz mit der Frage befasse, inwieweit das amerikanische Außenministerium
und der Außenminister bei der Formulierung der Strategie des Gegenzuges
mit engagiert waren.

Ich habe die Unterlagen gründlich studiert.

Ich bin

zum Schluß gekommen, daß Außenminister Vance und das Außenministerium mit
im Spiel waren, als die wichtigsten Konzeptionen der Politik entwickelt
wurden und daß sie in einer Position waren, um ihre Ansichten zur Kenntnis
zu bringen.
Die Entwicklung der Hauptzüge der Strategie war im wesentlichen bereits
geraume Zeit, bevor ich das Amt übernahm, abgeschlossen und in öffentlichen
Erklärungen bereits dargelegt worden, so vor allem in dem Bericht von
Verteidigungsminister Brown vom Januar 1980 an den Kongreß. Auf Grund
meiner Verantwortlichkeiten im Senat kannte ich natürlich die Richtung der
strategischen Überlegungen der Administration. Ja, ich hatte mich mit
einigen dieser Überlegungen und Konzeptionen in einer Rede befaßt, die ich
im vergangenen Jahr gehalten habe.
Danach ist die Vorbereitung und Herausgabe einer Präsidialdirektive,
durch die unsere Nuklearstrategie kodifiziert wird, als solche eine bedeutsame
Aktion, die eine wichtige außenpolitische Dimension hat. Es ist daher
selbstverständlich, daß ich als Außenminister und das Außenministerium
in angemessener Weise an dieser Aktion hätten beteiligt sein sollen.
Ich betrachte die Situation, die sich hier entwickelt hat, als eine
unbeabsichtigte Ausnahme der von dieser Administration geübten Praxis einer

�einer wesentlich stärkeren Hinzuziehung des Außenministeriums bei Fragen
der nationalen Sicherheit.

Ich habe dies Geschehnis mit dem Präsidenten

und auch mit Verteidigungsminister Brown und Dr. Brzezinski erörtert.

Der

Präsident hat mir versichert, daß ich und - soweit notwendig - andere Beamten
des Außenministeriums voll über die außenpolitischen Implikationen derartig
bedeutsamer Entscheidungen in der nationalen Sicherheitspolitik konsultiert
werden.

+ + + + +

- 9 -

�24. September 1980

42

BERICHT "WELT IM JAHR 2000" VOR KONGRESSAUSSCHUSS
Empfehlungen an US-Präsidenten werden vorbereitet

WASHINGTON - (AD) - Mit ihrem Bericht "Die Welt im Jahr 2000" hat die gemeinsame Studienkommission des US-Außenministeriums und des amerikanischen Präsidialbeirats für Umweltqualität die Welt alarmiert.

Er ruft die Nationen

auf, aktiv zu werden, um den Umweltschäden, dem Raubbau an Rohstoffen und
einer Übervölkerung zu steuern und eine ausreichende Nahrungsmittel Produktion
zu sichern.

Andernfalls seien, so besagt der Bericht, schon zum Ende dieses

Jahrhunderts chaotische Verhältnisse vor allem in den armen Ländern und daraus
resultierende schwerwiegende Gefahren für die ganze Welt zu befürchten.
Solchen Entwicklungen gilt es nach bestem Vermögen vorzubeugen.

Vor dem

Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses sind gegenwärtig Anhörungen
zu dem Bericht "Global 2000", wie der englische Titel der Studie lautet, im
Gange.

Sie sollen die Grundlage abgeben für spezielle Empfehlungen der Ex-

pertengruppe, die unter Einschaltung zahlreicher amerikanischer Regierungsbehörden den Bericht anhand ihrer dreijährigen Untersuchungen ausgearbeitet
hat.

Die Empfehlungen sollen dem Präsidenten spätestens im Dezember 1980 vor-

gelegt werden und der US-Regierung als Richtschnur für geeignete Maßnahmen
dienen.

Von

Postfach 20 03 00
Bonn 2

0 5 3 0 0

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Von grundsätzlicher Bedeutung sei, wie der Unterstaatssekretär im USAußenministerium, Thomas R. Pickering, vor dem Kongreßausschuß erklärte, die
Berücksichtigung der Tatsache, daß wirtschaftliche Entwicklung und natürliche
Ressourcen - darunter Nahrung(, Bevölkerung, Energie, Luft, Wasser - "in einer
symbiotischen Beziehung stehen".
das Wort.

Damit rede er keineswegs einem Nullwachstum

Denn die Untersuchungen hätten ja u.a. ergeben, daß "die Umwelt-

und Ressourcenfragen nicht ohne starke Wirtschaftsentwicklungen zu lösen sind".
Wenn aber Wirtschaftsentwicklung ohne Berücksichtigung der Ressourcenprobleme
betrieben werde, "kommen diese Probleme mit Sicherheit auf uns zurück", erklärte Pickering.
Neben Gesprächen auf diplomatischer Ebene bemüht sich die Arbeitsgruppe
"Global 2000" zur Zeit um Empfehlungen von internationalen Organisationen,
privaten Stiftungen, der amerikanischen Wirtschaft, vom US-Kongreß und von
den Regierungen anderer Länder. Außenminister Edmund Muskie hatte den Bericht
zum Kernstück seiner Rede vom 29. August 1980 vor den Delegierten der Sonderkonferenz der Vereinten Nationen über wirtschaftliche Entwicklung in New York
gemacht. Am 14. Oktober werden in Washington Delegierte der Teilnehmerstaaten
der Wirtschaftsgipfelkonferenz von Venedig im Juni 1980 und der EG-Kommission
die Ergebnisse des amerikanischen Berichts sowie die eigener Studien zu Umwelt- und Ressourcenfragen erörtern. Daß diese nicht nur für die betreffenden
Länder, sondern für die ganze Welt von Bedeutung sind, steht nach Ansicht
Pickerings außer Frage. "Sie zeigen globale Probleme auf, die einer globalen
Antwort bedürfen." Pickering äußerte sich besorgt über die Ausbeutung nicht
erneuerungsfähiger Rohstoffe wie Erdöl, aber auch über "die bemerkenswerte Bedrohung der nicht erneuerungsfähigen Ressourcen" - z.B. Wald, Fischbestände,
Landwirtschaft, Boden, Agrarland.

Wenn es nicht zu einer Umkehr der gegenwärtigen Trends komme, werde die
Erde,so errechneten die Verfasser des Berichts, in zwei Jahrzehnten von 6,4 Milliarden Menschen, 30 Jahre später gar von schätzungsweise 10 Milliarden bevölkert. Schon im Jahr 2000 würden 77 Prozent der Menschenmassen in Entwicklungsländern leben. Bereits überfüllte Städte werden noch mehr übervölkert:
- 2 -

�übervölkert:

Mexiko City werde dann etwa 30 Millionen, Kalkutta fast 20 Mil-

lionen Menschen beherbergen.
Solche Entwicklungen stellen praktisch unerfüllbare Anforderungen an Verwaltungen, Regierungen und die Welt als Ganzes,daß sie in ausreichendem Maße
Wohnung, Nahrung, Wasser, Gesundheitsdienste, Energie und Textilien verfügbar
machen, von Arbeitsmöglichkeiten ganz abgesehen.

Deshalb hoffe man, wie

Pickering betonte, daß die Probleme auf internationaler Ebene eingehend erörtert und koordinierte internationale Maßnahmen in die Wege geleitet werden.
Jedenfalls habe der inzwischen in dritter Auflage erscheinende Bericht "Global
2000" eine erfreulich starke Resonanz im Ausland gefunden.
Einige Zukunftsprognosen seien im folgenden angeführt:
- Die Waldbestände in Lateinamerika, Afrika, Asien und Ozeanien werden
in den nächsten 20 Jahren um 40 Prozent, in Europa, der UdSSR, Nordamerika,
Japan, Australien und Neuseeland um 0,5 Prozent zurückgehen. Bis zum Jahr 2020
dürften nahezu alle zugänglichen Wälder in den Entwicklungsländern geschlagen
sein.
- Der Wasserverbrauch nimmt in der Zeit zwischen 1975 und 2000 um
das Zwei- bis Dreifache zu - hauptsächlich für Zwecke künstlicher Bewässerung.
Wassermangel und schlechte Wasserqualität werden immer stärker in Erscheinung
treten.

Das Bevölkerungswachstum allein verdoppelt in fast 50 P^ozen^ der Län-

der dieser Erde den Wasserbedarf im Vergleich zu dem des Jahres 1971. Der
Verlust an Wald, die Bodenerosion und das Vordringen der Wüstengebiete bringen
den Wasserhaushalt zusätzlich aus dem Gleichgewicht.
- Für die Weltenergieprobleme ist keine Milderung in Sicht.
energiebedarf dürfte um 58 Prozent steigen.

Der Welt-

Der Pro-Kopf-Energieverbrauch wird

weltweit anwachsen - am stärksten zwischen 1975 und 1990 in Industrieländern
(ausgenommen USA). Der Anstieg für die Vereinigten Staaten wie für Entwicklungsländer

dürfte mit ca. 27 Prozent gleich groß sein, während für osteuro-

päische Länder etwa 12 Prozent anzunehmen sind.
- Schon

�- Schon 1994 werden in Entwicklungsländern 650 Millionen Kubikmeter Brennholz fehlen, d.h. 25 Prozent des errechneten Bedarfs. Stärker als bisher werden Dung und landwirtschaftliche Abfälle zu Brennzwecken benutzt.
- Der explosionsartige, in seinen Ausmaßen nicht vorhersehbare Anstieg
der öl preise in jüngster Zeit wird noch ungünstigere Auswirkungen auf andere
Sektoren haben, als die Prognosen des "Berichts 2000" besagen.
- Zur Zeit verliert die Erde jährlich etwa sechs Millionen Hektar nutzungsfähiges Land an die sich ausbreitenden Wüstengebiete, darunter 125 000 Hektar
künstlich bewässertes Agrarland.

Die Wüsten der Welt, z.Zt. ungefähr 800 Mil-

lionen Hektar, werden bis zur Jahrhundertwende um 20 Prozent anwachsen.

Böden

werden durch falsche Bewässerung, reduzierte Brachliegeperioden, Kultivierung
zu steilen oder schlecht geeigneten Landes und die Verringerung der Vegetationsdecke verdorben.

In Entwicklungsländern gehen dem Boden durch das Verheizen

von Dung, Torf und pflanzlichen Rückständen wichtige Nährstoffe verloren.

Und

die starke Abhängigkeit von chemischen Düngemitteln in anderen Ländern führt
zu Verlusten an organischen Düngestoffen, "was die Fähigkeit des Bodens zur
Bindung von Feuchtigkeit verringert."
- Der Verlust von Ackerland an die städtischen Bereiche setzt sich in
alarmierendem Ausmaß fort. In einigen Industrieländern nehmen die für Bauland
und andere Stadtentwicklungszwecke genutzten Flächen doppelt so schnell zu
wie die Bevölkerungszahl, und die aus anderen Ländern verfügbaren Daten zeigen
ähnliche Tendenzen.
- Dank der Verwendung ertragreicher Getreidesorten sind bemerkenswerte
Steigerungen der Ernteerträge zu erwarten. Aber mit dem ausgedehnten Anbau
"genetisch gleichartiger Feldfrüchte wächst die Gefahr katastrophaler Verluste
durch Insektenbefall oder Pflanzenkrankheiten".
- Wasserverseuchung durch massive Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln wird "wachsende Schwierigkeiten" verursachen.

In der Zeit zwischen

1975 bis zum Jahr 2000 dürften sich die in Entwicklungsländern eingesetzten

�eingesetzten Mengen zum mindesten vervierfachen.

Viele Bauern in Asien

zeigen nur noch wenig Eifer, Reisfelder zu bepflanzen und Fischteiche zu unterhalten, weil Schädlingsbekämpfungsmittel den Fischbestand dezimieren.

In-

folge der rapiden Bevölkerungszunahme in den Städten wird das Grundwasser in
deren Bereich durch Abwässer und Abfall noch stärker verschmutzt, als es heute
der Fall ist.

Die Verschmutzung von Küstengewässern wird fortdauern.

- Weltweit gesehen dürfte der Fischfang bis zum Jahr 2000 wenig, wenn
überhaupt noch ansteigen.

Die Weltfangquote hat sich in den siebziger Jahren

auf jährlich etwa 70 Millionen Tonnen eingependelt.

Im Jahr 1975 entsprach

die Menge 27 Prozent des Mindestbedarfs an Eiweiß von vier Milliarden Menschen«

- Der durch atmosphärisches Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Kohlendioxid verursachte saure Regen schädigt "Seen, Wälder, Böden, Feldfrüchte und
Baumaterialien", besagt der Bericht.

"Von 1500 Seen im südlichen Norwegen

mit einem pH-Wert von weniger als 4,3 (d.h. mit stark saurem Wasser) hatten
70 Prozent keine Fischbestände mehr."

- Eine halbe bis zwei Millionen Pflanzen- und Tierarten könnten, so schätzt
der Bericht, bis zur Jahrhundertwende ausgestorben sein - das wären 15 bis 20
Prozent aller auf der Erde lebenden Spezies.

Der Verlust an Wäldern, aber

auch Land- und Wasserbau (z.B. Flußregulierungen) und Umweltverschmutzung wären dafür in erster Linie verantwortlich zu machen.

Viele der bedrohten Arten

sind heute eine Quelle für Nahrungs- und Arzneimittel.

- Die Ozonschicht in der Stratosphäre, welche das Leben auf der Erdoberfläche gegen gefährliche Ultraviolettstrahlung von der Sonne abschirmt, ist
bedroht - insbesondere durch Stickstoffdioxid aus Stickstoffdüngemittel , durch
Fluorchlor-Kohlenwasserstoffe aus Sprühdosen und Kälteanlagen
Abgase hochfliegender Flugzeuge.

und durch die

Eine weitere Erhöhung des Kohlendioxidge-

haltes der Atmosphäre könnte zu einer Veränderung der Temperaturen an der Erdoberfläche und damit von Wetter und Klima führen.
Mineralstoffversorqung

- 5-

�Mineral StoffVersorgung vorläufig gesichert
Die künftige Versorgung mit Erzen und Mineralien wi^d alles in allem
optimistischer beurteilt - mehr Altmaterial Verwertung und die Nutzung weniger
ergiebiger Rohstoffquellen als bisher vorausgesetzt.

Dem Bericht zufolge soll-

te generell zur Erschließung von Mineral vorkommen in Entwicklungsländern mehr
investiert werden.

für "eine Erschöpfung der Ressourcen in nächster Zeit gibt

es keine Anzeichen", jedoch seien mehr Reserven erforderlich, um den steigenden
Bedarf der Industrieländer am Ende des Jahrhunderts zu decken.

Ein erhöhter

Bedarf der Dritten Welt, der sich zwangsläufig aus der Industrialisierung ergäbe, würde sich auf die Preise für Eisen, Kupfer, Aluminium und andere Metalle
an den Weltmärkten auswirken.
Prognosen über die Produktion und den Verbrauch von Mineralien seien allerdings wegen der Einflüsse nicht vorausberechenbarer anderer Faktoren schwierig.
So körnten beispielsweise schon in den nächsten Jahren die Preise für Mineralien
im Vergleich zu jenen anderer Güter stark anziehen, wenn nicht genügend neue
Vorkommen erschlossen würden. In diesem Fall dürfte die AltstoffVerwertung,
das sog. Recycling, in Industrieländern für die Wirtschaft allgemein attraktiv
und Abraum-, Schrott- und Müllhalden als reguläre Rohstoffquellen erschlossen
werden. Außerdem erlaubten technologische Entwicklungen der letzten Jahre nunmehr die Verwertung von Erzen, die bisher als minderwertig galten und angesichts niedriger Mineralstoffpreise nicht beachtet wurden.
Allerdings könnte selbst die moderne Technik, so der Bericht, für eine
Reihe von Metallen sicherlich keine oder nur wenig befriedigende Ersatzstoffe
schaffen,, Das gelte im besonderen für Blei und Antimon (in Batterien), Nickel
und Chrom (rostfreier Stahl), Zinn (Lötmittel), Helium (Kältetechnik), Uran
und Beryllium (Kernreaktoren), Wolfram (Hochgeschwindigkeitswerkzeuge) und
Silber (Fotografie). Die Studie macht darauf aufmerksam, daß Aluminium, Kupfer,
Eisen, Phosphate, Kali und Schwefel "wesentlicher Bestandteil des modernen
internationalen Handels" seien und für 13 weitere Stoffe (u.a. Chrom, Helium,
Industriediamanten, Blei, Mangan, Quecksilber, Metalle der Platin-Gruppe, Silber, Zinn, Wolfram und Zink) vermutlich starker Bedarf in der Weltwirtschaft
- 6 -

�Weltwirtschaft am Ende des Jahrhunderts vorhanden sein werde.

Der weltbe-

darf an diesen Produkten dürfte jährlich um drei bis fünf Prozent zunehmen
- das bedeute etwas mehr als eine Verdoppelung des heutigen Bedarfs bis zum
Jahr 2000.

Für die meisten Mineralien gebe es noch immer große, erschließ-

bare Vorkommen, insbesondere an geringwertigen Erzlagerstätten, jedoch seien
dafür ausreichend hohe Investitionen erforderlich.
Neuerdings müsse aber zwei Faktoren, die Investitionen für den Abbau
beeinflussen, besondere Beachtung geschenkt werden - nämlich "der Verlagerung von Investitionen für Extraktion und Verarbeitung im letzten Jahrzehnt
von den Entwicklungsländern in die Industrieländer" und dem rapiden Anstieg
der Energiepreise. "Die Gewinnung vieler Mineralstoffe ist stark energieintensiv", betont der Bericht, "und es steht zu erwarten, daß die anzunehmenden weiteren öl Preissteigerungen die Ausweitung des Angebots in diesen Bereichen bremsen". Das elementare langfristige Problem der Mineralstoffwirtschaft dller Nationen sei jedenfalls nicht die Erschöpfung der Rohstoffquellen, sondern die Erhaltung eines ausreichenden Vorrats an Mineralien für die
Weltwirtschaft zu wirtschafts- und umweltpolitisch tragbaren Kosten.

- 7 -

�Anwesenheit heute in Madrid ist ein Zeugnis für dieses Faktum.
Unsere Institution ist in ihrer Art einmalig.
Sie hat keine ständige formale Struktur.

Sie nat keinen Stab.

Doch hat sich zum erstenmal in

der Geschichte ein Prozeß entwickelt, nach dem die 35 hier an diesem
Tisch vertretenen Nationen regelmäßig zusammenkommen, um den ganzen Umfang
ihrer Beziehungen miteinander zu erörtern.
Unser Forum ist nicht nur deshalb einmalig, weil es die Gelegenheit
bietet zusammenzukommen, unser Verhalten zu überprüfen und unsere Verpflichtungen erneut zu bekräftigen. Es ist auch deshalb einmalig, weil
wir geeint sind in der Einschätzung, daß all unseren Bürgern das Verlangen
nach Menschenwürde und nach den grundsätzlichen menschlichen Freiheiten
gemeinsam ist.
Es gibt zwischen uns Differenzen. Wir werden auch weiterhin Differenzen
haben. Diese Differenzen werden - hoffentlich mit Klarheit und Würde auf unserer Hauptkonferenz im November zum Ausdruck kommen. Es wäre irreführend - ja, es wäre verhängnisvoll -.wollten wir das Bestehen solcher
Differenzen und die damit für uns bestehende Notwendigkeit leugnen, sie zu
einem Mechanismus und zu einer Verfahrensweise führen zu helfen, durch die
unsere Differenzen in Frieden gelöst und unsere gemeinsamen Werte geschützt
werden können.
Unsere Aufgabe ist es, ein Mittel zu finden, um das Bestehen unserer
Differenzen,ja, bis zu einem gewissen Maß sogar die große Tiefe dieser
Differenzen, anzuerkennen und doch zu gleicher Zeit unsere Verpflichtung
dem Prozeß des Friedens gegenüber, wie er in den Abkommen von Helsinki
symbolischen Ausdruck findet, zu erneuern.
Ich bekräftige daher ohne Zögern unsere eigene Entschlossenheit und
Überzeugung, daß als Endresultat unseres Vorgehens die Entscheidung stehen

- 3 -

�stehen muß, erneut gemäß den Bestimmungen der Schlußakte zusammenzukommen.
Es mag dies im diplomatischen Sinne nicht der recHe Zeitpunkt und der
rechte Ort für eine solche Erklärung sein, wie ich mi.' lehr

wohi bewußt

bin, aber dies ist 4er eine unumgängliche Weg, um unsere tiefe Verpflichtung
gegenüber diesem Prozeß und unsere Entschlossenheit zu bekunden, daß er
weiterleben und unseren Bedürfnissen gerecht werden soll.

Weniger zu tun,

hieße, unseren Bürgern, unseren Werten und den künftigen Generationen
einen schlechten Dienst erweisen. Aber nun ist es an der Zeit, sich
spezifischen Fragen zuzuwenden,
Wir alle haben mit Vergnügen und Befriedigung die von unseren Kollegen
hier rund um den Tisch abgegebenen Erklärungen gehört. Mit Vergnügen wegen
ihrer großen Beredtheit und mit Befriedigung wegen der offensichtlich
weitreichenden Übereinstimmung, die hier zum Ausdruck kam über die Art,
wie wir vorgehen, und die Ziele, die wir ansteuern sollten.

Gestatten

Sie mir, Herr Vorsitzender, daß ich kurz die Punkte dieses Konsensus,
wie sie sich mir darstellen, zusammenfasse.
Zunächst einmal scheint es unter uns weitgehende Übereinstimmung
hinsichtlich der Vorteile des "Gelben Buches" zu geben, das unser Treffen
in Belgrad bestimmte. Einige meiner Kollegen haben Bereiche genannt, in
denen jene Verfahrenweisen verbessert werden könnten; andere haben darauf
gedrängt, die Belgrader Verfahrensweisen genau einzuhalten. Aber Übereinstimmung scheint darüber zu herrschen, daß sie der geeignete Ausgangspunkt
für unsere Beratungen darstellen. Lassen Sie mich sagen, daß meine Regierung
mit dieser Verfahrensweise völlig übereinstimmt. Wie einige meiner
Kollegen bereits ausgeführt haben, waren diese Belgrader Verfahrensweisen
nicht perfekt. In der Tat gerieten wir stark in die Versuchung, Änderungen
vorzuschlagen, die unseren Bedürfnissen und unserer Bewertung entsprachen. Aber
jene Verfahrensweisen haben funktioniert. Ich brauche Sie nicht noch einmal
an die Meinungsverschiedenheiten zu erinnern, die zu überwinden waren,
um eine solche Liste von Verfahrensregeln aufzustellen; und sicher sollte

- 4 -

�2

^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. September 1980

42

BOTSCHAFTER KAMPELMAN: KSZE-PROZESS MUSS FORTGESETZT WERDEN
- Erklärung auf dem Vorbereitungstreffen in Madrid -

MADRID

- (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation beim

Vorbereitungstreffen für die Folgekonferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), Botschafter Max Kampelman, hat am 11. September 1980
in Madrid in einer Erklärung die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß
der KSZE-Prozeß sich "bester Gesundheit" erfreue, und unterstrichen, daß
die USA diesem Prozeß und seiner Fortsetzung verbunden sind.
Die Erklärung Kampelmans hat folgenden Wortlaut:
Verehrte Mitdelegierte,
ich erhebe mich hier heute nachmittag als Vertreter der Regierung
der Vereinigten Staaten. Es ist dies der dritte Tag unserer Beratungen,
und ich bemerke an mir selbst einen höheren Grad der Oberzeugung davon,
daß der KSZE-Prozeß sich bester Gesundheit erfreut.
Ich

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�Ich bin hierher im Namen meiner Regierung gekommen - entschlossen,
unsere Ansicht darüber zu vertreten, daß wir diesem Prozeß und seiner
Fortsetzung als einem integralen und unabdingbaren Teil unserer internationalen Verpflichtungen verbunden sind.

Es ist für mich eindeutig,

daß diese Überzeugung meiner Regierung auch von den anderen Staaten geteilt
wird, die Mitunterzeichner der Schlußakte von Helsinki im Jahre 1975
waren.

Dies gibt mir eine große persönliche Befriedigung und ermöglicht

meiner Regierung eine noch höhere Wertschätzung der Tatsache, daß wir alle
gemeinsam einem edlen Werk im Namen des Friedens verpflichtet sind.
Wir haben dies bei der Vorbereitung für unsere Zusammenkünfte in
Madrid in diesem Monat mit allem Bedacht im Auge gehabt, weil wir alle
wünschen, daß die eigentliche Konferenz, die im November beginnt, ein
Erfolg sein möge.

Ein jeder von uns mag unterschiedliche Auffassungen

darüber haben, wie wir einen solchen Erfolg messen sollten, aber ich
glaube, daß ein Element einer jeden solchen Definition gemeinsam ist - das
unbedingte Eintreten für den Frieden, für die Sicherheit und für die
ewigen Grundsätze der menschlichen Würde, die ein unabdingbarer Teil der
Schlußakte von Helsinki sind.
Mit allergrößter Dankbarkeit ziehe ich als Bürger der Vereinigten
Staaten und als Vertreter meines Landes den Hut vor jenen unter den heute
Anwesenden, die mitgeholfen haben am Aufbau des KSZE-Systems, das sich
heute in der internationalen Gemeinschaft seinen Weg bahnt. Es hilft
uns bei unserem Streben nach Frieden. Jene unter Ihnen, die den Vorzug
hatten, an den Beratungen von Genf, Helsinki und Belgrad teilzunehmen,
haben die Dankbarkeit und Anerkennung von uns allen verdient.
Was als eine Art von Experiment in den internationalen Beziehungen
begann, ist zu einer lebendigen Institution geworden - einer Institution,
die sich entwickelt und wächst in dem Maße, wie sich unsere Probleme
verschärfen und aber auch unsere Chancen sich darbieten.

- 2 -

Unsere Anwesenheit

�sollte die Tatsache, daß wir uns jener Schwierigkeiten bewußt sind, uns
äußerste Zurückhaltung bei erneuter Änderung diese-- Verfahrenweisen auferlegen - ausgenommen solcher Änderungen, die sich aus dem Offenkundigen
ergeben, wie etwa Änderungen bei Zeit und Ort.
Meine Delegation hegt Zuversicht, daß sich das Gesetz der Vernunft
in unseren Verhandlungen durchsetzen wird,

Es gibt nützliche Änderunger;

um unseren Bedürfnissen und Bewertungen zu entsprechen, die im Rahmen der
mutatis mutandi-Formel aufgenommen werden sollten.

Wir hoffen, daß diese

Änderungen nicht Gegenstand einer Kontroverse zwischen uns werden.

Sollten

andere jedoch der Meinung sein, sie seien strittig, so werden wir sicherlicn
nicht insistieren, sondern diese Tatsache anerkennen.
Ich möchte Ihnen folgenden Vorschlag zur sorgfältigen Überlegung
unterbreiten: daß es unserer Ansicht nach weit besser ist, die Verfahrensweisen unverändert und wie im "Gelben Buch" dargelegt zu übernehmen, über
die wir bereits vorher Übereinstimmung erzielt haben, anstatt dieses Treffen
hier noch einmal für Empfehlungen zu öffnen, die getane Arbeit ungeschehen
machen und uns in eine lange - und womöglich fruchtlose - Debatte stürzen
würden.

Was uns angeht, so werden wir nichts unternehmen, um die Über-

einkunft hinsichtlich der Verfahrensweisen zu gefährden, die sich in
Belgrad durchsetzten und die unserer Meinung nach die einzig vernünftige
Grundlage für Madrid abgeben.
Ebenso scheint unter uns in zunehmendem Maß das Gefühl zu herrschen,
daß wir unsere Beratungen in einem Geist der Vernunft und des Pragmatismus
abhalten und unsere Pflichten rasch erfüllen und sodann zwecks Vorbereitung
der umfangreichen Diskussionen nach Hause zurückkehren sollten, die im
November beginnen werden.
Madrid ist schön.

Lassen Sie mich eine Tatsache feststellen:

Wir sind bereit, sc viel Zeit hier zu verbringen, wie

für unsere Aufgabe erforderlich ist - wenn auch nicht gerade die 49 Wochen,
die unser britischer Kollege als Grenze seines Ausharrungsvermögens andeutete.

- 5 -

�andeutete. Aber ich bin nicht sicher, ob zu viel Zeit unserem Prozeß
dienlich wäre.
Außerdem möchte ich, Herr Vorsitzender, noch etwas zu dem sagen,
was sich - wie ich meine - als allgemeine Übereinstimmung aus vielen
der Erklärungen herausbildet, die wir gehört haben, und aus vielen der
informellen Unterhaltungen, die wir hatten.

Diese Übereinstimmung betrifft

die Notwendigkeit, sich dessen zu erinnern, daß es sich hier um ein
Vorbereitungstreffer handelt,das - in Einklang mit Mandat und Präzedenz der Festlegung von Zeitpunkt, Dauer, Tagesordnung und anderen Modalitäten
des Haupttreffens gewidmet ist, welches nachfolgen wird.
hier, um selbständige Themen zu behandeln.

Wir sind nicht

Ja, es ist entscheidend für

den Erfolg unserer Anstrengungen - und ich glaube, hierin herrscht ebenfalls
weitverbreitetes

Einverständnis unter uns -, daß wir die Unterscheidung

zwischen der Aufgabe respektieren, für die wir uns hier im September
eingefunden haben, und den weitergehenden Aufgaben, die unsere Regierungen
vom 11. November an in Angriff nehmen werden.
Spricht man aber davon, daß die Aufgabe dieses vorbereitenden Treffens
eine begrenzte Aufgabe zu sein hat, so sagt man damit nicht, daß es eine
unwichtige Aufgabe ist. Ja, allein die Tatsache, daß wir unsere Arbeit
auf diesem Treffen gut machen, wird unsere kollektive Verpflichtung
gegenüber dem KSZE-Prozeß unterstreichen.

Es handelt sich dabei um eine

Verpflichtung, die in Madrid und bei den Folgetreffen, die nach Madrid
kommen werden, nur bekräftigt wird.
Herr Vorsitzender, ich hoffe, daß ich mit diesen kurzen Bemerkungen
nicht etwas fehlgedeutet habe, was mir die vorherrschende Stimmung hier
zu sein scheint.

Sollte dem so sein, so habe ich keine Zweifel darüber,

daß meine Kollegen mich berichtigen werden.
Herr

�Herr Vorsitzender, herausgefordert durch das gute Beispiel mehrerer
Delegationen, habe ich nach einem klassischen Zitat gesucht, das mir als
Abschluß meiner Anmerkungen dienen köntte.
angemessene spanische Quelle zu zitieren.

Es wäre gut gewesen, eine
Wäre ich mit dem Spanischen etwas

mehr vertraut, hätte ich sicherlich in dieser Sprache etwas Passendes
gefunden.

Lassen Sie mich als Ersatz ein Zitat aus einem anderen reichen

Kulturkreis anbieten, der im Rahmen der KSZE vertreten ist.

Hippokrates

legte für die Medizin eine Maxime fest, die auch für unser Streben in
diesem vorbereitenden Treffen gelten sollte:
Schaden an!

+ + + + +

- 7 -

Vor allem, richtet keinen

�42

24. September 1980

TEERSANDAUFBEREITUNG - WIRTSCHAFTLICHER UND UMWELTSCHONEND

- (AD) - Ein neues Verfahren, das von dem kanadisch-amerikanischen Unternehmen "Kruyer Tar Sands Development, Inc.," entwickelt wurde, macht die Extraktion von öl aus Teersanden wirtschaftlicher und umweltschonender.

Mit

Hilfe eines "oleophilen" Materials, das aus Forschungsarbeiten von Jan A.
Kruyer (Alberta) hervorgegangen ist, lassen sich die bitumenhaltigen Bestandteile der Teersande leichter als bei Anwendung der üblichen Verfahren herauslösen.

Bisher gewann man das im Sand gebundene öl durch Behandlung des Sandes
mit heißem Wasser und Natronlauge.

Anschließend muß das mit Schadstoffen

stark angereicherte Wasser zu Spezialklärbecken transportiert werden und dort
so lange verbleiben, bis sich die Natronlauge abgesetzt hat. Beim Kruyer-Verfahren dagegen läuft der mit Wasser versetzte Sand über ein als Förderband
konstruiertes Sieb, das mit einer oleophilen Substanz beschichtet ist. Das
öl bleibt am Sieb haften, während Sand und Wasser abgeschieden werden. Auf
diese Weise lassen sich 98 bis 99 Prozent des Öls extrahieren.
wird dem Aufbereitungsprozeß wieder zugeführt.

Das Wasser

Das dickflüssige "Rohöl"

wird vom Sieb gelöst und zu Düsentreibstoff, Benzin und anderen Produkten
weiterverarbeitet.
Jan

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Telex: 08-85432

�Jan Kruyer schätzt, daß der Verkaufspreis für das nach seinem Verfahren
gewonnene öl bei ca. 25 Dollar pro Barrel (Faß mit 159 Litern) liegt.

Damit

läge der Preis um fünf Dollar unter dem für Synthese-Rohöl, das man nach den
bisher üblichen Verfahren aus Teersand gewinnt.

Das Unternehmen hat inzwischen

Verhandlungen mit Landeigentümern im amerikanischen Bundesstaat Utah aufgenommen, um das neue Verfahren an sechs verschiedenen Teersanden, die in Utah
abgebaut werden, erproben zu können.

Bisher wurden dazu nur kanadische Teer-

sande als Ausgangsmaterial verwendet.

- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Muskie hebt starke Verteidigungsposition der USA hervor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ansprache in Pittsburgh -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Muskie: Ein Nuklearkonflikt ist kein Instrument der Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung vor dem außenpolitischen Senatsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Kampelman: KSZE-Prozess muss fortgesetzt werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung auf dem Vorbereitungstreffen in Madrid -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht "Welt im Jahr 2000" vor Kongressausschuss&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Empfehlungen an US-Präsidenten werden vorbereitet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Teersandaufbereitung - wirtschaftlicher und umweltschonend&amp;nbsp;</text>
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AMERIKA DIENST

31

24. September

1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten bereit zur Unterzeichnung von Abkommen mit DdSSR
- Präsident Reagans Ansprache vor den Vereinten Nationen -

Reagan sieht "echte Chance* für Reduzierung von Atomwaffen
- Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche -

Reagans Proklamation zur Bekämpfung des Hungers in der Welt
- Präsident Reagan verkündet "Welt-Ernährungstag" -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika
- Die demokratischen Widerstandskämpfer: Wer sie sind, warum sie
kämpfen Dokumentation in vier Teilen - Teil III -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

24. September 1986

31

VEREINIGTE STAATEN BEREIT ZOR UNTERZEICHNUNG VON ABKOMMEN MIT UdSSR
- Präsident Reagans Ansprache vor den Vereinten Nationen -

VEREINTE NATIONAN, NEW YORK - (AD) - Präsident Reagan hat in seiner
Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 22. September 1986
verkündet, daß "die Vereinigten Staaten bereit sind, mit der Sowjetunion
- jetzt gleich - ein Abkommen über Forschung, Entwicklung, Tests und Stationierung der strategischen Verteidigungsysteme zu unterzeichnen".
Regan sprach ferner davon, daß es sich bei dem in der Sowjetunion der
Spionage angeklagten amerikanischen Journalisten Nicholas Daniloff um
eine "unschuldige Geisel handelt, die freigelassen werden sollte".
Nachfolgend drucken wir den Text der Rede im Wortlaut ab:
Sehr geehrter Herr Präsident, Herr Generalsekretär, sehr geehrte
Gäste und Delegierte: unweit von diesem Raum befindet sich der Ruheraum
der Delegierten, ein Zufluchtsort vor einer Welt, die durch den Lärm des
Kampfes und der Gewalt taub geworden ist. Dag Hammarskjöld sagte einmal
über diesen Raum: "Wir wollen die Idee der Andacht wieder aufgreifen, die
Hingabe an etwas, das erhabener und größer ist als wir selbst".
Es ist genau diese Hingabe, die die Vereinten Nationen ins Leben
rief, die Hingabe an den Weltfrieden und die Freiheit, an Menschenrechte

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�an Menschenrechte und demokratische Selbstbestimmung, an eine Zeit, wenn,
um ein altes Gleichnis zu verwenden, "Schwerter zu Pflugscharen werden,
und ein Land nicht sein Schwert gegen ein anderes Land erhebt und keinen
Krieg mehr führt".
Die Vereinigten Staaten bleiben auch weiterhin den Vereinten Nationen
verpflichtet. Seit über vierzig Jahren stellt diese Organisation ein
internationales Forum für den Ausgleich miteinander im Widerstreit stehender Interessen dar, und sie hat einen bedeutenden Beitrag in solchen
Bereichen wie der Erhaltung des Friedens, humanitärer Hilfe und der Ausrottung von Krankheiten geleistet. Und doch weiß niemand besser als die
Anwesenden, wie wenig die in der Charta niedergelegten edlen Ideale sich
oft erfüllt haben. Diese Organisation selbst befindet sich in einer kritischen Phase, die in der Regel als • Finanzkrise' bezeichnet wird. Aber
wir können diese * Krise* zu einer Gelegenheit machen. Die von einer Expertengruppe vorgeschlagenen wichtigen Reformen können ein erster Schritt
sein, wenn es darum geht, Stellung undSchlagkraft dieser Organisation
wiederherzustellen. Das Problem ist nicht das Geld, sondern die Glaubwürdigkeit. Wenn alle Mitglieder dieser Weltorganisation sich dafür entscheiden, den Zeitpunkt zu nutzen und die Worte der Reform in die Tat umzusetzen, wird die Zukunft der Vereinten Nationen gesichert sein. Und
ich gebe Ihnen mein Wort: Mein Land, das die U.N. immer großzügig unterstützt hat, wird auch weiterhin eine Führungsrolle bei den Bemühungen zur
Verwirklichung dieser edlen Ziele spielen.
Als ich im vergangenen Jahr vor Ihnen stand, hatte ein wichtiges Ereignis, das der Verfolgung dieser ziele dient, noch nicht stattgefunden.
Die Staatschefs der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten sollten sich
noch in Genf treffen. Diese Gespräche haben inzwischen stattgefunden.
Die sowjetischen und amerikanischen Delegationen haben etwa fünfzehn
Stunden lang verhandelt; Generalsekretär Gorbatschow und ich haben etwa
fünf stunden lang miteinander gesprochen.
Unsere Gespräche waren offen und auch produktiv - in größerem Ausmaß
als das die vereinbarten Dokumente waren. Herr Gorbatschow drückte sich
sehr deutlich aus und das gleiche gilt auch für mich. Wir haben erneut
die Wahrheit des Satzes festgestellt, daß Länder sich nicht mißtrauen,
weil sie bewaffnet sind, sondern daß sie bewaffnet sind, weil sie sich
mißtrauen. Und ich habe nicht gezögert, Herrn Gorbatschow unsere Ansicht
über die Quelle dieses Mißtrauens darzulegen: die Versuche der Sowjetunion, anderen ihre Ideologie und ihre Regeln aufzuzwingen. Wir haben
die bestehenden einschneidenden Unteschiede zwischen unseren Regierungsformen anerkannt, wie auch unsere Sichtweisen über die Geschichte und die
Zukunft der Menschheit. Aber trotz dieser Unterschiede sind wir übereingekommen, für eine echte Verringerung bei Nuklearwaffen genauso zu arbeiten wie für den Fortschritt in anderen Bereichen.
Ich möchte heute Ihnen, den Delegierten der 41. Generalversammlung
der Vereinten Nationen berichten, was seit dem Gipfeltreffen geschehen
ist, und dabei auch auf den wichtigen Brief eingehen, den ich am 25. Juli
an Generalsekretär Gorbatschow geschrieben habe. In diesem Brief habe
ich die wichtige Frage der Atomtests angesprochen. Zusätzlich zu den

- 2 -

�Zusätzlich zu den Fragen, die militärische Aspekte der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen betreffen, möchte ich auch andere wichtige Schritte für den Frieden behandeln; die Lösung politischer Konflikte, die Stärkung der internationalen Wirtschaft und den Schutz der Menschenrechte.
Bevor ich jedoch darauf näher eingehe, lassen Sie mich Ihnen in der
Tradition der Offenheit von Genf berichten, daß eine Wolke unsere Beziehungen zur Sowjetunion überschattet. Ich beziehe mich hier auf ein besonders beunruhigendes Beispiel sowjetischer Verstöße gegen die Menschenrechte.
Kürzlich - nach der Verhaftung eines sowjetischen Staatsbürgers und
Angestellten der Vereinten Nationen, der in den Vereinigten Staaten der
Spionage angeklagt ist - wurde ein amerikanischer Korrespondent in Moskau
zum Objekt erfundener Beschuldigungen und falscher Anklagen. Er wurde
verhaftet und ins Gefängnis gesperrt, unter völliger Mißachtung geregelter Abläufe und zahlreicher Menschenrechtskonventionen. Er wurde
vielmehr als Geisel genommen und sogar mit der Todesstrafe bedroht.
3eide Personen sind inzwischen ihren jeweiligen Botschaftern übergeben worden. Aber dies ist nur eine Ubergangslösung, der die Vereinigten Staaten aus humanitären Gründen zustimmten. Es ändert nichts an der
Tatsache des Falles: Gennadij Sacharow ist ein angeklagter Spion, dem der
Prozeß gemacht werden wird; Nicholas Daniloff ist eine unschuldige Geisel, die freigelassen werden sollte. Die Sowjetunion trägt die Verantwortung für die Konsequenzen ihrer Handlungsweise. Der Mißbrauch der
Vereinten Nationen zu Spionagezwecken erweist dieser Organisation einen
schlechten Dienst. Und die Welt erwartet Besseres. Sie erwartet Beiträge zur Sache des Friedens, wie sie nur die führenden Politiker der
Vereinigten Staten und der Sowjetunion leisten können.
Aus diesem Grunde haben ich im vergangenen Sommer an Herrn
Gorbatschow geschrieben und ihm neue Vorschläge zur Rüstungskontrolle
unterbreitet. Bevor diese Vorschläge besprochen werden, müssen wir uns
klarmachen, welche Waffen am gefährlichsten sind und welche den Frieden
am stärksten bedrohen. Die Bedrohung geht nicht von den Defensivsystemen
aus, die als Schutzschild gegen Angriffe dienen, sondern von offensiven
Waffen, wie etwa ballistischen Raketen, die durch den Weltraum rasen und
auf der Erdoberfläche eine Massenvernichtung hervorrufen könnten. Diese
Fähigkeit haben die schweren, treffsicheren Interkontinentalraketen
(ICBMs) der Sowjets mit ihren zahlreichen Gefechtsköpfen, zu denen es
kein Gegenstück in bezug auf Größe und Anzahl in irgendeinem anderen Land
gibt.
Deshalb haben die Vereinigten Staaten seit langem einen radikalen,
einschneidenden und verifizierbaren Abbau dieser Offensivsysteme vorangetrieben. Bitte achten Sie darauf, daß ich 'Abbau'i gesagt habe, denn
das ist das wahre Ziel der Rüstungskontrolle; nicht nur das Niveau bestehender Arsenale zu kodifizieren oder ihren weiteren Ausbau zu kanalisieren, sondern sie derart abzubauen, daß die Gefahr eines Krieges vermindert wird. Die Vereinigten Staten glauben fest daran, daß die Aussicht
einer Zukunft ohne solche Massenvernichtungswaffen das letzte Ziel der
Rüstungskontrolle sein muß.
Ich freue mich,

- 3 -

�Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, daß die Sowjetunion jetzt auf
unsere Idee des radikalen Abbaus von Offensivwaffen eingeht. Beim Genfer
Gipfeltreffen im vergangenen November sind wir übereingekommen, daß wir
die Arbeit auf diesem Gebiet intensivieren wollen. Seitdem haben die
Sowjets detaillierte Vorschläge unterbreitet, die, obwohl sie für uns
nicht akzeptabel sind, doch ernsthafte Bemühungen ihrerseits darzustellen
scheinen. Deshalb verfolgen wir auch weiterhin das Ziel eines 50prozentigen Abbaus amerikanischer und sowjetischer Waffenarsenale - mit dem
Schwerpunkt eines Abbaus der Gefechtsköpfe ballistischer Raketen. Wenn
die Sowjetunion lediglich einen geringeren Abbau wünscht, sind wir jedoch
bereit, diesen in Betracht zu ziehen - als vorläufige Maßnahme. Wir
haben auch in anderen Bereichen versucht, sowjetische Belange miteinzubeziehen. Es hat also eine Bewegung stattgefunden.
Gleichermaßen verfolgen die Vereinigten Staaten im Bereich der Nuklearwaffen mittlerer Reichweite das Ziel der totalen Abschaffung solcher
Raketen weltweit. Wenn die Sowjetunion jedoch darauf besteht, solch ein
Ziel graduell zu verfolgen, sind wir bereit, sofort ein Interimsabkommen
abzuschließen.
All dies gibt mir Hoffnung. Ich kann Ihnen sagen, daß der Austausch
zwischen unseren beiden Seiten in diesem Sommer sehr wohl den Anfang
ernsthafter, produktiver Verhandlungen über Rüstungskontrolle eingeleitet
haben könnte. Das Eis dieser verfahrenen Situation könnte gebrochen
werden, wenn beide Seiten ihre Bemühungen in der neuen Runde der Genfer
Gespräche intensivieren und wenn wir die Versprechen einhalten, die wir
uns gegenseitig im vergangenen November gegeben haben.
Für eine zu lange Zeit bestand jedoch die sowjetische Reaktion darin,
den Bedarf eines Abbaus bei Offensivwaffen herunterzuspielen. Wenn die
Vereinigten Staaten anfingen, an Technologien zu arbeiten, die nukleare
Offensivwaffen eines Tages überflüssig machen werden, versuchten die
Sowjets, das zum größten Problem zu stilisieren - als ob die größte Gefahr für die strategische Stabilität eine Verteidigung gegen Raketen
wäre, die sich noch in der Planung befindet und nicht die Tatsache, daß
diese wahnsinnigen Raketen bereits in großer zahl existieren.
Trotzdem erkennen die Vereinigten Staaten an, daß sowohl die offensive als auch die defensive Seite der strategischen Gleichung angesprochen werden muß. Und wir sind einen weiten Weg gegangen, um die von
sowjetischer Seite ausgedrückte Besorgnis über den möglichen offensiven
Gebrauch strategischer Defensivsysteme in Betracht zu ziehen. Ich habe
feste und konkrete Zusicherungen angeboten, daß unsere Strategische Verteidigungsinitiative niemals zur Stationierung von Massenvernichtungswaffen im Weltraum benutzt werden könnte. Ich habe darauf hingewiesen,
daß der von uns verfolgte radikale Abbau von Offensivwaffen-Arsenalen
eine zusätzliche Sicherheit dafür bietet, daß SDI nicht benutzt werden
kann, um eine Erstschlagsstrategie zu unterstützen. Und wir gaben von
Anfang an der Möglichkeit den Vorzug, gemeinsam mit den Sowjets an einer
strategischen Verteidigung zu arbeiten, so daß keine Seite sich bedroht
fühlt und beide Seiten von der strategischen Revolution profitieren können, die SDI verkörpert.
Die Vereinigten

- 4 -

�Die Vereinigten Staaten respektieren auch weiterhin den ABM-Vertrag trotz der klaren Beweise für sowjetische Vertragsverletzungen. Wir haben
den Sowjets mitgeteilt: wenn wir uns beide auf eine radikale Reduzierung
strategischer Offensivwaffen verständigen können, sind wir noch heute
dazu bereit, mit ihnen eine Vereinbarung über die Forschung, Entwicklung,
Erprobung und Stationierung strategischer Verteidigungssysteme auf folgender Grundlage zu unterzeichnen:
Erstens: Beide Seiten würden ihre Bereitschaft erklären, sich bis
1991 auf die laut ABM-Vertrag zulässige Forschung, Entwicklung und Erprobung zu beschränken, um zu entscheiden, ob moderne Systeme für eine strategische Verteidigung technisch machbar sind.
Zweitens: Ein neuer, heute unterzeichneter Vertrag würde Folgendes
feststellen: falls nach 1991 eine der beiden Seiten sich zur Stationierung eines solchen Systems entschließen sollte, wäre diese Seite dazu
verpflichtet, einen Plan zur beiderseitigen Nutzung der Vorteile der
strategischen Verteidigung und zur Abschaffung offensiver ballistischer
Raketen zu unterbreiten. Dieser Plan würde dann in einem Zweijahreszeitraum ausgehandelt werden.
Drittens: Wenn beide Seiten sich nach zweijährigen Verhandlungen
nicht einigen können, würde es jeder Seite nach sechsmonatiger Vorankündigung freistehen, ein modernes strategisches Verteidigungssystem zu stationieren.
Wie die Vereinigten Staaten wiederholt klargestellt haben, gehen wir
einer Zukunft erhöhten Vertrauens auf strategische Verteidigungssysteme
entgegen. Die Vereinigten Staaten sind weiterhin bereit, darüber zu reden, wie - nach welchen grundsätzlichen Regeln und Verfahren - wir und
die Sowjetunion dies in kooperativer Weise tun können. Solche strategischen Verteidigungssysteme, gekoppelt mit radikalem Abbau von offensiven Streitkräften, würden ein sichereres Gleichgewicht darstellen und
zukünftigen Staatsmännern die Gelegenheit geben, darüber hinaus zu gehen
- bis zur letztendlichen Abschaffung aller Atomwaffen.
Zusätzlich zu unseren Vorschlägen zum Abbau der Offensivwaffen und
zur strategischen Verteidigung haben wir neue Schritte in einem weiteren
Bereich angeregt - den Atomwaffentests. Ebenso wie die Abschaffung aller
Atomwaffen, ist auch ein totales Verbot von Atomversuchen unser langfristiges ziel. Beide müssen jedoch mit praktischen Schritten angegangen
werden. Die Realität besteht ja darin, daß wir uns immer noch auf diese
Waffen zur Abschreckung eines Krieges verlassen müssen. Deshalb sind die
Sicherheit und Verläßlichkeit unserer Abschreckung selbst lebenswichtig
für den Frieden.
Die Vereinigten Staaten sind stolz auf ihren Ruf in bezug auf nukleare Sicherheit und gedenken, diesen auch weiterhin aufrechtzuerhalten.
Trotzdem sind wir, wie ich eben schon sagte, jetzt dazu bereit, zwei
wichtige Schritte auf dem Weg zur Begrenzung von Atomwaffenversuchen zu
unternehmen. Erstens sind wir bereit, die Ratifizierung des Schwellenvertrages und des Vertrages über Atomexplosionen zu friedlichen zwecken
voranzutreiben, wenn einige Einigung über verbesserte Verifikationsvqr-

- 5 -

�verbesserte Verifikationsverfahren erreicht ist.
vorgelegt, um dies zu ermöglichen.

Wir haben neue Ideen

Zweitens sind wir nach der Ratifizierung dieser Verträge und in Zusammenhang mit einem Programm zur Reduzierung und letztendlichen Abschaffung aller Atomwaffen dazu bereit, über Wege zu diskutieren, um ein
schrittweises, paralleles Programm zur Begrenzung und schließlichen Abschaffung von Atomwaffenversuchen durchzuführen.
Dies sind Schritte, die wir in der nächsten Zukunft unternehmen könnten, um der Welt zu zeigen, daß wir uns vorwärts bewegen. Und ich appelliere deshalb an die Sowjetunion, sich mit uns für praktische, erreichbare Portschritte bei der Begrenzung von Atomwaffentests zusammenzuschließen.
Vor wenigen Tagen erhielt ich eine Antwort von Generalsekretär
Gorbatschow auf meinen Brief vom 25. Juli. Lassen Sie mich in diesem Moment dazu lediglich sagen, daß wir ihr ernsthafte und sorgfältige Beachtung schenken.
Während wir uns auf unser ziel der Abschaffung von Atomwaffen zubewegen, ist es jedoch auch enorm wichtig, daß wir uns mit bedeutenden Ungleichgewichten bei anderen Waffenarten beschäftigen. Deshalb haben die
Vereinigten Staaten ein umfassendes, weltweites Verbot aller chemischen
Waffen vorgeschlagen und aus demselben Grund haben wir und unsere Verbündeten uns energisch bemüht, den toten Punkt bei den Wiener Verhandlungen
über konventionelle Streitkräfte zu überwinden. Ein wichtiger Fortschritt ist auch auf der Stockholmer Konferenz erzielt worden - ein neues, konkretes Paket militärischer, vertrauensbildender Maßnahmen, einschließlich Inspektionen.
Aus der Erfahrung der siebziger Jahre heraus müssen wir uns aber auch
daran erinnern, daß Fortschritte bei der Rüstungskontrolle nicht von regionalen politischen Entwicklungen getrennt werden können, wie ich bereits zu Anfang sagte, wird der militärische Wettstreit durch politische
Spannungen verursacht und nicht umgekehrt.
Während sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion über die
Wurzeln der politischen Spannungen uneins sind, stimmen wir jedoch darin
überein, daß regionale Konflikte zu einer weltweiten Konfrontation eskalieren könnten. Voriges Jahr habe ich von diesem Podium aus eine Friedensformel vorgelegt, die auf fünf kritische regionale Konflikte anwendbar sein würde, die potentielle Brennpunkte für ausgedehntere Konflikte
sind. Ich erläuterte, wie schwierig es für die Vereinigten Staaten ist,
sowjetischen Versicherungen friedlicher Absichten Glauben zu schenken,
während gleichzeitig 126 000 sowjetische Soldaten einen furchtbaren Krieg
gegen das afghanische Volk führen, während 140 000 von den Sowjets unterstützte vietnamesische Soldaten Krieg gegen das Volk von Kambodscha führen, während 1 700 sowjetische Berater und 2 500 Mann kubanische Kampftruppen an militärischen Planungen und Operationen in Äthiopien beteiligt
sind; während 1 300 sowjetische Militärberater und 36 000 kubanische
Soldaten militärische Operationen leiten und daran teilnehmen, die der
Erhaltung eines unpopulären, repressiven Regimes in Angola dienen; wäh-

- 6 -

�dienen; während Hunderte von Millionen Dollar an sowjetischen Waffen und
Ostblockberater einem diktatorischen Regime in Nicaragua bei dem Versuch
helfen, eine Volksrevolution abzuwürgen und zu verraten.
Die Gefahr, die diesen Konflikten innewohnt, muß erkannt werden.
Marxistisch-leninistische Regime tendieren dazu, Kriege genauso bereitwillig gegen ihre Nachbarn zu führen, wie sie es gewöhnlich gegen ihr
eigenes Volk tun. In der Tat wird es oft unmöglich, interne und externe
Kriege von einander zu unterscheiden.
In Afghanistan hat beispielsweiser das Marionettenregime seine Absicht verkündet, Zehntausende von Menschen aus Grenzgebieten umzusiedeln.
Kann irgendjemand daran zweifeln, daß dies im klassischen kommunistischen
Stil - mit Gewalt - durchgeführt wird? Viele werden dabei sterben und es
damit den Sowjets und ihren Satellitentruppen leichter machen, Pakistan
einzuschüchtern.
Es sind gerade solche Vergehen, die das Risiko einer Konfrontation
mit den demokratischen Staaten so akut hervortreten lassen.
Ich möchte also noch einmal einen aus drei Punkten bestehenden Friedensprozeß zur Lösung regionaler Konflikte vorschlagen: Erstens Gespräche zwischen den kriegführenden Parteien selbst, ohne die ein Ende
der Gewalt und nationale Aussöhnung unmöglich sind; zweitens Gespräche
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion - nicht, um Lösungen
aufzuzwingen, sondern um Friedensgespräche zu unterstützen und schließlich den Waffennachschub und die Zuführung ausländischer Stellvertretertruppen zu unterbinden. Und drittens, wenn die Gespräche erfolgreich
sind, gemeinsame Bemühungen, um jedes Land wieder in die Weltwirtschaft
und die Gemeinschaft der Nationen, die die Menschenrechte respektieren,
zurückzuführen.
Zusätzlich zu regionalen Konflikten gefährdet die schwere Bedrohung
durch den Terrorismus die Friedenshoffnungen. Kein Ziel, kein Mißstand
kann ihn rechtfertigen. Der Terrorismus ist schändlich und unerträglich.
Er ist das Verbrechen von Feiglingen - Feiglingen, die den Unschuldigen,
den Wehrlosen und den Hilflosen nachstellen.
Mit ihren Verbündeten und anderen Nationen haben die Vereinigten
Staaten Schritte unternommen, um den Terrorismus direkt zu bekämpfen,
insbesondere den staatlich geförderten. Im vorigen April haben die Vereinigten Staaten demonstriert, daß sie ihre Interessen verteidigen und
gegen terroristische Aggressionen vorgehen werden. Und lassen Sie mich
Ihnen allen heute versichern, lassen Sie mich insbesondere allen potentiellen Förderern des Terrorismus versichern, daß das amerikanische Volk
in dieser Frage einer Meinung ist. Wie für andere zivilisierte Völker
der Erde, ist für uns das Maß jetzt voll. Anschläge gegen unsere Bürger
oder Interessen werden nicht unbeantwortet bleiben. Wir werden ebenso
alles in unserer Macht stehende tun, um anderen gesetzestreuen Staaten
beizustehen, die von terroristischen Anschlägen bedroht werden. In dieser Hinsicht glauben die Vereinigten Staaten, daß die im letzten Mai von
den sieben demokratischen Industriestaaten während des Tokioter Gipfels
erreichten Vereinbarungen einen guten Ausgangspunkt für ein internationa-

- 7-

�ein internationales Einveständnis im Krieg gegen den Terrorismus bedeuteten. Wir empfehlen der Generalversammlung, die Tokioter Resolutionen
zu berücksichtigen.
Um nun zur wirtschaftlichen Seite zu kommen: Klingt es nicht
ironisch, wenn einige weiterhin Ideen wie der "neuen Weltwirtschaftsordnung" nachhängen, die auf staatlicher Lenkung basiert, während sich
gleichzeitig die Welt, wie niemals zuvor, der Tatsache bewußt wird, daß
die Freiheit des Einzelnen, nicht die Macht des Staates, den Schlüssel zu
wirtschaftlicher Dynamik und Wachstum darstellt. Länder haben sich von
zentralisiertem Management und Regierungssteuerung ab - und den Anreizen
und Vorteilen des freien Marktes zugewandt. Sie haben ihre Bürger dazu
ermutigt, ihre Talente und Fähigkeiten so weit wie möglich zu entwickeln
und in Zusammenhang damit Arbeitsplätze bereitzustellen, Wohlstand zu
schaffen, soziale Stabilität aufzubauen und das Vertrauen in die Zukunft
aller zu fördern.
Die Wirtschaftsgipfel der Industriedemokratien haben diesen Grundsätzen - ebenso wie die historische Afrika-Sondersitzung der Vereinten
Nationen im Mai - Tribut gezollt. Wir begrüßen die Forderung der afrikanischen Staaten nach Reformen, die zu einer stärkeren Akzentuierung
ihres Privatsektors beim Wirtschaftswachstum führt. Wir sind davon überzeugt, daß die Überwindung von Hunger und wirtschaftlicher Stagnation
eine Politik erforderlich macht, durch die Produktivität und Initiative
der Bewohner Afrikas ermutigt werden. Durch eine solche Politik wird
auch der übrigen Welt, einschließlich den Vereinigten Staaten, die Hilfe
leichter fallen. Die Gesetze wirtschaftlichen Anreizes unterscheiden
nicht zwischen entwickelten Staaten und Entwicklungsländern. Sie gelten
für alle in gleicher Weise.
Ein Großteil der jüngsten Wiederbelebung der Weltwirtschaft läßt sich
unmittelbar auf diese Zunahme wirtschaftlicher Freiheit zurückführen.
Und gerade diese Tendenz bietet große Hoffnungen für die Zukunft. Aber
diese neue Hoffnungen stehen einer ernsten Bedrohung gegenüber: der Bedrohung durch Handelsschranken.
Die geschichtliche Erfahrung zeigt, daß die Errichtung solcher Handelsschranken zu Vergeltung herausfordert, die wiederum genau die Art von
Handelskriegen anzettelt, die die Welt in den dreißiger Jahren nur noch
tiefer in Depression und wirtschaftliche Not versinken ließ. Es ist
wahr: Protektionismus bedeutet Zerstörung.
Aus diesem Grund bemühen sich die Vereinigten Staaten um die Hilfe
aller hier in der Vollversammlung vertretenen Staaten, um die geltenden
Praktiken des freien und fairen Handels zu schützen, wir freuen uns über
den Erfolg des Treffens der GATT-Handelsminister vergangene Woche in
Uruguay, wo ein Übereinkommen darüber erzielt wurde, eine neue Runde multilateraler Handelsverhandlungen zu beginnen, die eine ganze Bandbreite
von Themen zum Inhalt haben werden, die für das Wirtschaftswachstum von
Bedeutung sind. Zusammen mit über 90 anderen GATT-Mitgliedstaaten bemühen sich die Vereinigten Staaten darum, den freien Strom des Welthandels
aufrechtzuerhalten.
Neben ihrem

�Neben ihrem Widerstand gegenüber dem Protektionismus versuchen die
Vereinigten Staaten auch, das Wachstum der Weltwirtschaft auf andere
Weise anzuregen. Unser Satz für Schatzwechsel liegt jetzt bei gerade
über fünf Prozent, so niedrig wie er seit neun Jahren nicht mehr war und bedeutet somit für die Schuldnerstaaten eine gewaltige Erleichterung.
Die neue Steuerstruktur Amerikas wird auch im Inland Wege für mehr Wohlstand ebnen und dadurch zu größerem Wohlstand im Ausland beitragen.
Schließlich bemühen sich die Vereinigten Staaten in Zusammenarbeit mit
anderen Ländern darum, die Währungsausschläge so gering wie möglich zu
halten, die Stabilität auf den Devisenmärkten zu fördern und mit Vorhersagbarkeit eine Grundlage für Prosperität zu schaffen.
Aber die Vereinigten Staaten sind auch davon überzeugt, daß der größte Beitrag, den wir zum Wohlergehen der Welt beitragen können, darin besteht, sich auch weiterhin für das eigentliche Geheimnis des Marktes
starkzumachen - die Wahrheit nämlich, die schlichte und erwiesene Wahrheit, daß wirtschaftliche Entwicklung Folge wirtschaftlicher Freiheit
ist, genau wie wirtschaftliche Freiheit untrennbar mit politischer Freiheit und demokratischer Regierungsform verbunden ist.
Und genau hier kommen wir zu unserer letzten Kategorie - den Menschenrechten -, dem unabdingbaren Bestandteil von Frieden, Freiheit und
Wohlstand. Ich stelle fest, daß Herr Gorbatschow in seinen jüngsten Reden die gleichen Kategorien benutzt hat wie ich hier heute: die militärische, die politische und die wirtschaftliche; nur nannte er seine
vierte Kategorie die humanitäre.
Nun, der Unterschied spricht Bände. Die Vereinigten Staaten sind davon überzeugt, daß die Achtung für den Einzelmenschen, die Würde der Person - jene Rechte, wie sie in der Universellen Menschenrechtserklärung
der Vereinten Nationen dargelegt werden - nicht ins Reich der Barmherzigkeit oder der "humanitären" Themen gehört. Die Achtung der Menschenrechte ist keine Sozialarbeit; und auch nicht lediglich ein Akt des Mitleids. Sie ist die oberste Verpflichtung einer Regierung und die Quelle
ihrer Legitimität.
Sie ist zugleich der Grundstein jeder Konstruktion für den Weltfrieden. In der Geschichte waren es die Diktaturen und Tyranneien, die als
erstes dem Kult des Militarismus und der Kriegführung nachgaben. Länder,
deren Regierung von der Zustimmung der Regierten getragen ist, Länder,
die die unveräußerlichen Rechte des Einzelmenschen anerkennen, führen
nicht gegeneinander Krieg. Frieden ist mehr als nur die Abwesenheit von
Krieg. Echter Frieden ist Gerechtigkeit, echter Frieden ist Freiheit.
Und echter Frieden fordert zwingend die Anerkennung der Menschenrechte.
Vor über zehn Jahren wurden in Helsinki Verpflichtungen bezüglich
dieser Rechte und ihrer Anerkennung eingegangen. Wir brauchen heute nur
auf den Osten zu schauen, um zu sehen, auf welch traurige Weise diese
Verpflichtungen unerfüllt blieben. Die Verfolgung von Wissenschaftlern,
religiösen Führern, Friedensaktivisten, politisch Andersdenkenden und
anderen wegen ihrer Überzeugung Verhafteten geht jenseits des Eisernen
Vorhangs unvermindert weiter, sie wissen, daß ein Abschnitt des

- 9 -

�Abschnitt des Helsinki-Abkommens sogar von einer "Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Journalisten" spricht.
Es ist daher deutlich, daß Fortschritt im Bereich der Menschenrechte
mit Fortschritt in anderen Bereichen Schritt halten muß. Versagen in
diesem Bereich wird weitere Bewegung bei den Ost-West-Beziehungen behindern.
Dies sind denn die Bereiche der Sorge und der Chance, die die Vereinigten Staaten im Bemühen um Frieden und Freiheit erkennen - der doppelten Zielsetzung der Charta der Vereinten Nationen.
Im vergangenen Jahr hob ich in meiner Rede vor der Vollversammlung
hervor, wie tief und dauerhaft die Unterschiede zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion sind. Ich rief aber auch nach einem Neubeginn bei den Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten, einem Neubeginn, der unseren eigenen Völkern und den Völkern aller anderen Länder
von Nutzen sein könnte. Seither haben die Vereinigten Staaten Schritte
unternommen und neue Vorschläge vorgelegt, die unsere beiden Länder wie
auch die Welt insgesamt in eine Richtung bringen könnten, in die wir alle
schon seit langem gehen wollten. Mehr denn je liegt es jetzt in der Verantwortung der Sowjetunion, etwas zu tun und zu zeigen, daß auch sie den
Dialog um den Frieden fortsetzt.
Wie ich schon gesagt habe, bin ich davon überzeugt, daß wir hinsichtlich der Welt und der Chancen für die Freiheit voller Hoffnung sein
können. Wir brauchen uns nur umzuschauen, um die neuen Technologien zu
sehen, die vielleicht eines Tages kommende Generationen von dem Alptraum
des nuklearen Schreckens befreien werden, oder die immer größere zahl von
Aktivisten der Demokratie, von Freiheitskämpfern, die wachsende Bewegung
in Richtung auf freie Marktwirtschaften oder die immer größere und weltweite Sorge um die Rechte des Einzelmenschen angesichts brutaler Staatsgewalt.
Wenn ich früher auf solche Trends hingewiesen habe, wenn ich zu einer
•Vorwärtsstrategie für die Freiheit" aufrief und den letztendlichen Sieg
demokratischer Herrschaft über den Totalitarismus voraussagte, beschuldigten mich manche, den Leuten nur das zu sagen, was sie hören wollten,
sie zu drängen, sich nicht am Tagesgeschehen zu beteiligen, sondern davor
zu flüchten.
Aber Hoffen bedeutet Glauben an die Menschheit und an ihre Zukunft.
Hoffen bleibt die höchste Realität, die uralte Macht; Hoffnung ist die
Wurzel aller großen Ideen und Anliegen, die über die Jahrhunderte hinweg
das Los der Menschheit verbesserten.
Die Geschichte lehrt uns, zu hoffen - denn sie unterweist uns über
den Menschen und den ununterdrückbaren menschlichen Geist. Der Literaturnobelpreisträger und große Mann des amerikanischen Südens, William
Faulkner, sagte einst, der letzte auf Erden zu vernehmende Ton werde einmal jener der zwei verbliebenen Menschen sein, die darüber diskutieren,
wohin die Reise mit dem von ihnen gebauten Raumschiff gehen solle. In
seiner Rede vor dem Nobelpreisausschuß im Jahr 1950 sprach Faulkner vom

- 10 -

�Paulkner vom Atomzeitalter, von der allgemeinen und
kalischen Furcht, die es hervorgebracht habe, einer
störung, die fast unerträglich geworden sei. Aber,
weigere mich, das Ende des Menschen zu akzeptieren.
lich... denn er hat eine Seele, einen Geist, der zu
Ausharren fähig ist."

universellen physiFurcht vor der Zerso sagte er, "ich
Er ist unsterbMitleid, Opfer und

Faulkner sprach von "den alten Wahrheiten und Tatsachen des Herzens,"
von Mut, Ehre, Stolz, Mitleid, Erbarmen, Opfer und, ja, von jener Hoffnung, die die Glorie unserer Vergangenheit ist. Und all dies finden wir
heute in unserer Gegenwart; wir müssen es nützen, um unsere Zukunft zu
gestalten. Und deshalb können wir heute Geist und Herz erheben, deshalb
sind wir davon überzeugt, daß mit Gottes Hilfe die Sache der Menschheit
nicht nur "überdauern, sondern obsiegen" wird und eines Tages die ganze
Welt, jede Nation, jedes Volk, jeder Mensch, der Segnungen des Friedens
teilhaftig und das Licht der Freiheit sehen wird.

* * * * *

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Dokumentation

24. September 1986

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REAGAN SIEHT "ECHTE CHANCE* FÜR REDUZIERUNG VON ATOMWAPPEN
- Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 17. September 1986 veröffentlichten
Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Nuklear- und Weltraumgespräche
(NST) hat Präsident Reagan betont, daß eine "echte Chance" für tiefgreifende Reduzierungen bei Atomwaffen bestünde, "falls die Sowjets genauso
entschlossen sind wie wir". Weiter erklärte er, daß die Vereinigten
Staaten "der Erzielung echter - und baldiger - Rüstungsverminderungen
voll verpflichtet" sind.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die Nuklear- und Weltraumgespräche (NST) werden morgen mit der Eröffnung von Runde Sechs in Genf wiederaufgenommen. Dies könnte sich als
eine sehr wichtige Phase in den hartnäckigen Bemühungen der Vereinigten
Staaten erweisen, die Zustimmung der Sowjets zu tiefgreifenden Einschnitten bei Atomwaffen zu erreichen. Falls die Sowjets genauso entschlossen
sind wie wir, dann besteht eine echte Chance für solche Reduzierungen.
Die Vereinigten Staaten sind der Erzielung echter - und baldiger Rüstungsverminderungen voll verpflichtet. In diesem Geist habe ich Generalsekretär Gorbatschow im Juli einen Brief geschrieben, in dem ich
unsere Positionen zur gesamten Bandbreite der Rüstungskontrollfragen nä-

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�Rüstungskontrollfragen näher erläuterte. In diesem Schreiben habe ich
mich besonders bemüht, Bereiche für "Gemeinsamkeiten" aufzuzeigen, in
denen wir und die Sowjetunion unsere Bemühungen am produktivsten konzentrieren könnten, um zu einer Übereinkunft zu gelangen. Mein Schreiben
befaßte sich mit den Besorgnissen der Sowjets und nannte sofortige praktische Schritte, die uns unserem Endziel - der vollständigen Abschaffung
von Atomwaffen - näherbringen können.
Wir warten jetzt auf eine konstruktive sowjetische Antwort. Unsere
Gedanken bieten eine solide Grundlage für Verhandlungen in Richtung auf
für beide Seiten vorteilhafte Abkommen. Wenn die Sowjets eine ernsthafte
Antwort anbieten, können wir einer produktiven Runde entgegensehen.
In den Wochen, die dem für Freitag anberaumten Treffen zwischen Außenminister Shultz und Außenminister Schewardnadse vorausgingen, haben
die Vereinigten Staaten Treffen auf Expertenebene mit den Sowjets durchgeführt, die vier Schlüsselbereiche auf der amerikanisch-sowjetischen
Tagesordnung betrafen, darunter die Menschenrechte, regionale, bilaterale
und Rüstungskontrollfragen. Wir hoffen, daß diese Gespräche Portschritte
in einigen Bereichen erleichtert haben, einschließlich der Nuklear- und
Welt raumgespr äche.
Unsere Ziele bei den Nuklear- und Weltraumgesprächen - wie bei der
Rüstungskontrolle allgemein - bleiben die selben. Wir bemühen uns um die
Stärkung der strategischen Stabilität und die echte Verringerung des
Risikos eines Atomkrieges. Dies bedeutet, der Sowjetunion die Fähigkeit
und den Anreiz zu nehmen, einen entwaffnenden Erstschlag zu führen. Es
bedeutet, die Fähigkeit zur Abschreckung eines Krieges beizubehalten,
dies jedoch bei geringstmöglichem Streitkräfteumfang. Deshalb besteht
unsere wichtigste Priorität in diesen Gesprächen in der Erzielung von
Vereinbarungen, die zu tiefen, gleichgewichtigen und überprüfbaren Einschnitten in den nuklearen Arsenalen der Vereinigten Staaten wie auch der
Sowjetunion führen werden.
Natürlich müssen diese Vereinbarungen von beiden Seiten vollständig
eingehalten werden, wenn ihre Vorteile verwirklicht werden sollen. Die
Sowjetunion hat weiterhin Schlüsselelemente bestehender Rüstungskontrollvereinbarungen verletzt, und dieses Verhaltensmuster droht den gesamten
Rüstungskontrollprozeß zu untergraben. Wir werden deshalb die Sowjets
weiter darauf drängen, ihre Nichteinhaltung aufzugeben und dadurch die
Aussichten auf echte Abrüstungsschritte zu stärken. Wir werden ebenfalls
darauf bestehen, daß die Verifikation ein Hauptbestandteil jedes neuen
Abkommens sein muß.
Im Genfer Verhandlungsforum haben die Vereinigten Staaten in allen
drei Bereichen der Nuklear- und Weltraumgespräche konkrete Vorschläge unterbreitet:
- Unsere Vorschläge in bezug auf strategische Waffen (START) basieren
auf dem Konzept einer 50-prozentigen Reduzierung der strategischen
atomaren Offensivarsenale auf beiden Seiten, auf das Herr Gorbatschow
und ich uns auf dem Genfer Gipfel vom vorigen November verständigt

- 2-

�November verständigt haben. Weiterhin bemühen wir uns um die Stärkung der Stabilität, indem wir uns auf Reduzierungen bei den ballistischen Flugkörpern konzentrieren, da diese im Falle einer Krise am
meisten destabilisierend wirken.
- Bei den Gesprächen über Mittelstreckenwaffen (INF) haben wir einen
phasenweisen Ansatz vorgeschlagen, der die weltweite Abschaffung
einer ganzen Gruppe von amerikanischen und sowjetischen Mittelstrekkenraketen größerer Reichweite zum Ziel hat.
- Bei den Verteidigungs- und Weltraumgesprächen haben wir neue Ideen
dazu präsentiert, wie ein geordneter Übergang zu strategischen Verteidigungssystemen gesichert werden kann, falls diese sich als machbar erweisen sollten. Zusätzlich haben wir eine Öffnung der Forschungsstätten vorgeschlagen, damit jede Seite sich über die Forschungsarbeiten für strategische Verteidigungssysteme, die auf der
anderen Seite stattfinden, informieren kann.
Im meinem Brief an Herrn Gorbatschow vom Juli habe ich diese amerikanischen Vorschläge weiter erläutert und einige neue Ideen unterbreitet.
In Genf werden unsere Verhandlungsführer in der Lage sein, konkrete neue
Details zu allen drei Bereichen anzubieten. Zusätzlich ist Außenminister
Shultz bereit, diese Fragen, zusammen mit regionalen, bilateralen und
Menschenrechtsproblemen, mit Außenminister Schewardnadse zu besprechen.
Diese Gespräche können dazu beitragen, die Grundlagen für ein zweites
Gipfeltreffen zwischen Herrn Gorbatschow und mir in den Vereinigten Staaten gegen Ende diese Jahres zu schaffen, das während unseres ersten Gipfels in Genf verabredet wurde.
Ich möchte jedoch betonen, daß die sowjetische Behandlung des amerikanischen Journalisten Nicholas Daniloff weiterhin erzielbare Fortschritte in unseren bilateralen Beziehungen ernstlich begrenzt. Ich appelliere
deshalb an die Sowjetunion, diesen Fall schleunigst zu lösen, bevor er
dem Verhältnis zwischen unseren beiden Ländern noch mehr Schaden zufügt.
Die Zeit ist reif für praktische Leistungen in allen Bereichen unserer Beziehungen. Was die Genfer Verhandlungen angeht, so haben die Vereinigten Staaten gezeigt, daß wir unser Teil dazu beitragen, um bedeutende Abrüstungsschritte zu erreichen. Diese Runde sollte uns zeigen, ob
die Sowjetunion ebenso dazu entschlossen ist. Wenn die Sowjets unseren
Willen teilen, können echte Fortschritte bei der Reduzierung atomarer
Waffen erzielt werden - und dies schon sehr bald.

* * * * *

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24. September 1986

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REAGANS PROKLAMATION ZUR

BEKXMPFÖNG

DES HUNGERS IN DER WELT

Präsident Reagan verkündet "Welt-Ernährungstag"

WASHINGTON - (AD) - In einer am 19. September veröffentlichten Proklamation hat Präsident Regan den 16. Oktober zum Welt-Ernährungstag erklärt. Er forderte die Amerikaner auf, sich auch weiterhin für die Beendigung des Hungers in der Welt einzusetzen und appellierte an die betroffenen Länder, eine Landwirtschaftspolitik, in der die Regeln der freien
Marktwirtschaft gelten, zu verfolgen, um sich selbst mit Nahrungsmitteln
versorgen zu können.
Nachfolgend drucken wir die Proklamation im Wortlaut:
Wir Amerikaner sind mit großzügigen Gaben der Natur gesegnet. Als
Kinder lernen wir in unseren ersten Gebeten, für diese Fülle zu danken.
Wir betrachten unsere reich gedeckten Tische und den Frieden und die
Sicherheit, womit wir sie genießen können, als selbstverständlich.
Aber leider kommen viele Menschen nicht in den Genuß dieser Fülle.
Der auf Armut und Dürre zurückgehende Hunger hält viele Teile der Welt,
besonders in Afrika, in seiner Gewalt. In diesem Jahr ist der Hunger
nicht mehr so weit verbreitet wie 1985, teilweise wegen des humanitären
Geistes der Amerikaner und anderer Spender. Keine Nation hat sich gegenüber den weniger Begünstigten großzügiger gezeigt. Wir haben Milliarden
Dollar aufgewendet, um anderen Ländern nach Kriegen oder Naturkatastro-

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�oder Naturkatastrophen beim Wiederaufbau zu helfen. Wir haben Milliarden
Tonnen Nahrungsmittel zur Speisung der Hungernden gespendet. Und wir haben unsere Söhne und Töchter geschickt, damit sie ihnen, zusammen mit unseren Nachbarn, Hilfe zur Selbsthilfe leisten.
Unsere edlen Absichten zeigten sich in den enormen Hilfsleistungen,
die Amerikaner spontan den Opfern der afrikanischen Hungersnot spendeten.
Unsere sowohl von öffentlicher wie auch von privater Seite erfolgten
Hilfsmaßnahmen retteten Hundertausende von Menschenleben. Im vergangenen
Jahr regnete es wieder in Afrika und die Hungersnöte ließen nach. Aber
der Hunger ist noch nicht besiegt und eine neue, durch Heuschrecken hervorgerufene, Naturkatastrophe bringt die Bedrohung nicht enden wollenden
Leidens mit sich.
Die Welt macht bei der Beendigung des Hungers Fortschritte, wenn auch
langsam. In einigen Ländern leisten Unruhen und eine sozialistische Politik auch weiterhin dem Hunger Vorschub, wir müssen weiterhin für den
Frieden arbeiten und mit unserer Politik Anreize schaffen, wenn wir den
durch Armut, Dürre, Schädigung der Natur und eine unangemessene Wirtschaftspolitik hervorgerufenen Hunger ausmerzen wollen. Viele Regierungen auf der ganzen Welt haben erkannt, daß das Wohlergehen ihrer Nation
und ihrer Bevölkerung von einer starken Landwirtschaft abhängt, die sich
auf freies Unternehmertum und wettbewerbsfähige Märkte gründet. Meine
Administration hat diesbezügliche Reformbemühungen auf der ganzen Welt
unterstützt, sowohl durch unsere Wirtschaftshilfe-Programme als auch
durch ein neues Programm 'Nahrungsmittel für den Fortschritt' , bei dem
wir mit amerikanischen Lebensmitteln denjenigen Ländern Subventionen bewilligen, die eine stabile Landwirtschaftspolitik betreiben.
Seit ihrer Geburt als Nation haben die Vereinigten Staaten sich auf
die zwei Säulen der Freiheit des Einzelnen und des freien Unternehmertums
als Grundlagen ihrer nationalen Wirtschaft verlassen. Politische und
wirtschaftliche Freiheit kann nicht getrennt werden; zusammen leisten sie
einem Sinn für soziale, wirtschaftliche und politische Verantwortung Vorschub, der das individuelle Wachstum unterstützt und die wirtschaftliche
Entwicklung anheizt. Ohne selbstbewußte und kreative Bürger kann eine
Nation weder politisch oder wirtschaftlich eigenständig sein, noch kann
sie genügend Lebensmittel zur Verfügung stellen und die elementaren Bedürfnisse ihrer Bevölkerung erfüllen. Eine Politik des freien Marktes
hingegen kann das auf sozialer Gerechtigkeit, Eigenständigkeit und den
Fähigkeiten der Bevölkerung gegründete Wirtschaftswachstum fördern.
Heute werden Millionen von Amerikanern in mehr als 3 000 Gemeinden an
zahlreichen Aktivitäten zum Welternährungstag teilnehmen. Der Geist der
freiwilligen Hilfe hat niemals stärker durch unsere Nation geleuchtet.
Ich bitte Sie darum, daß das amerikanische Volk diesen Tag dazu
nutzt, um sich auch weiterhin für die Beendigung des Hungers in der Welt
einzusetzen. Das Ende des Hungers in der Welt wird vom öffentlichen wie
auch vom Privatsektor, von der Bevölkerung und ihren Vertretungen, von
Entwicklungs- und von Geberländern einen langfristigen Einsatz verlangen.
Die technologischen Lösungen zur Beendigung des Hungers auf der Welt ste-

- 2 -

�der Welt stehen uns zu Verfügung; jetzt müssen wir zeigen, daß wir den
Willen haben, den Hunger auszumerzen und seine primäre Quelle, die Armut,
abzuschaffen.
In Anerkennung des Wunsches und des Einsatzes des amerikanischen Volkes zur Beendigung des Hungers auf der Welt hat der Kongreß mit Gesetz
99i-288 den 16. Oktober 1986 zum Welt-Ernährungstag erklärt und den Präsidenten ermächtigt, zu diesem Anlaß eine Proklamation zu veröffentlichen.
Deshalb erkläre ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit den 16. Oktober 1986 zum Welt-Ernährungstag, und ich
fordere die Bevölkerung der Vereinigten Staaten auf, diesen Tag mit entsprechenden Veranstaltungen zu begehen, um Wege zu finden, wie unsere Nation weiterhin zur Abschaffung des Hungers in der Welt beitragen kann.

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�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

24. September 1986

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Nachfolgend finden Sie den dritten Teil der vierteiligen Serie "Die
Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika", von denen die
ersten beiden Teile bereits in den Amerika-Dienst Ausgaben Nr. 29 und 30
erschienen sind.
Die vollständige Serie kommt Ende des Jahres als illustrierte Broschüre heraus.

DIE HERAUSFORDERUNG AN DIE DEMOKRATIE IN MITTELAMERIKA
Die demokratischen Widerstandskämpfer:
Wer sie sind, warum sie kämpfen

Die Ursprünge der Bewegung
Die sowjetisch-kubanische Verbindung ermöglichte es den Sandinisten,
dem nicaraguanischen Volk ihren Willen aufzuzwingen und unter Verletzung
des Völkerrechts auch Nachbarstaaten anzugreifen. Enttäuscht darüber,
wie die Sandinisten die demokratische Revolution des Jahres 1979 betrogen
hatten, formierten sich 20 000 Nicaraguaner zu einer wachsenden bewaffneten Widerstandsbewegung. Diese nicaraguanischen Freiheitskämpfer werden
von den Sandinisten Konterrevolutionäre oder "Contras" genannt. Die Bezeichnung soll den Widerstand so darstellen, als wende er sich gegen den
sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wandel, der für eine echte Revolution so notwendig ist. In Wirklichkeit kämpft die Führung des Widerstands um eine Rückkehr zu jenen Prinzipien der Demokratie, die ihrer
Meinung nach mit dem Sieg über Somoza errungen worden waren.
Der Widerstand

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�Der Widerstand gegen die Sandinisten war in der Zeit unmittelbar nach
der Revolution minimal. Somozas Nationalgarde hatte sich aufgelöst und
Tausende ihrer Mitglieder waren inhaftiert. Eine Handvoll Nationalgardisten begann fast unmittelbar nach dem Sturz Somozas mit der Konspiration gegen die Sandinisten. Ihr Einfluß war jedoch bedeutungslos, denn
die Sandinisten schwammen auf einer Woge der Popularität, und jene kleinen Gruppen ehemaliger Gardisten wurden isoliert.
Es wurde jedoch bald deutlich, daß die Sandinisten eine politische
Elite marxistisch-leninistischer Prägung waren, der es nur um die Konsolidierung ihrer Macht ging, nicht aber um deren Teilung mittels der repräsentativen Demokratie, die sie versprochen hatte. Gegen eben diese
neue kollektive Diktatur begann sich die - bewaffnete wie unbewaffnete Opposition zu formieren - genau wie sich die Rebellion gegen die alte
Elite der Dynastie Somozas entwickelt hatte.
Anfang der achtziger Jahre machte sich unter einigen Soldaten der
Sandinisten Enttäuschung über die von der Regierung eingeschlagene politische Richtung breit. Ihnen schlössen sich Bauern an, deren Land
durch das neue Regime beschlagnahmt worden war, obwohl sie die Sandinisten gegen Somoza unterstützt hatten. Wegen der Leiden, die sie einzeln oder kollektiv durch die Nationalgarde zu erdulden hatten, waren
diese Bauern und ehemaligen Sandinisten argwöhnisch hinsichtlich einer
Allianz mit den wenigen hundert ehemaligen Gardisten, die an der nördlichen Grenze Nicaraguas operierten. Schließlich kamen sie jedoch zu dem
Schluß, daß die neue sandinistische Regierung weit schlimmer war, als es
die Gardisten je gewesen waren und daß die ehemaligen Gardisten Zugang zu
Waffen hatten. Ein formloses Bündnis entwickelte sich und nahm schließlich als Nicaraguanische Demokratische Kraft (FDN) Gestalt an. Ziel des
Widerstands war es, sich den Usurpatoren der Revolution von 1979 in den
Weg zu stellen, wobei man zu der Überzeugung gelangte, daß die einzige
Möglichkeit, die Sandinisten daran zu hindern, eine vom Ausland her dominierte kommunistische Diktatur zu errichten, in militärischem Druck bestand. Die Aufgabe war für den nicaraguanischen Widerstand nur noch
schwieriger, weil die Armee, der er jetzt gegenüberstand - die sandinistische Armee - weitaus stärker und viel besser bewaffnet war, als dies
bei der Nationalgarde Somozas der Fall gewesen war. Bis zum Dezember
1980 hatten die Sandinisten dank der Hilfe durch den Ostblock schon die
größte Militärorganisation in der Geschichte Mittelamerikas aufgebaut von rund 5 000 auf mindestens 24 000 Mann, was einen Anstieg von fast 400
Prozent in nur 18 Monaten bedeutete(67).
Wie im vorigen Kapitel erwähnt wurde, gestand der Botschafter
Nicaraguas in den Vereinigten Staaten, daß die Sandinisten 1981 wußten,
daß sie keinen großen militärischen Widerstand zu befürchten hatten(68).
Dennoch wird eine solche Bedrohung häufig von Befürwortern der Sandinisten als Grund dafür genannt, daß Managua "gezwungen" gewesen sei, so
viel von seinen begrenzten Mitteln für den Aufbau einer umfangreichen
Streitmacht zu verwenden. Die Sandinisten und ihre Befürworter behaupten
auch, daß die massive Aufrüstung notwendig gewesen sei, um eine Invasion
seitens der feindseligen Vereinigten Staaten abzuwehren. Die Sandinisten
hatten sich jedoch wegen Waffen an die Sowjets und die Kubaner gewandt,
um ihre Streitkräfte zu einem Zeitpunkt aufzubauen, als die Vereinigten

- 2 -

�als die Vereinigten Staaten Nicaragua noch den größten Teil seiner Wirtschaftshilfe gewährten(69).

Die Widerstandsbewegung heute
Die Widerstandsbewegung umfaßt einen repräsentativen Querschnitt der
nicaraguanischen Bevölkerung. Zu ihr gehören hauptsächlich junge Bauern,
aber auch Vertreter der Geschäftswelt, Studenten, ehemalige Soldaten der
Sandinisten sowie ehemalige Angehörige der Nationalgarde. Die Obergriffe
der Sandinisten formten diese Koalition ungleicher Kameraden; dazu gehören sogar ehemalige Geistliche, die zu der Einsicht gelangt sind, daß die
atheistische und barbarische Natur der Sandinisten ihnen die moralische
Rechtfertigung gibt, zu den Waffen zu greifen - genau wie die katholischen Bischöfe dem nicaraguanischen Volk gesagt hatten, daß ein Aufstand gegen Somoza moralisch gerechtfertigt sei(70).
Das obige Foto zeigt drei solche ehemalige Geistliche, die sich jetzt
der Widerstandsbewegung angeschlossen haben: einen ehemaligen katholischen Seminaristen, einen ehemaligen evangelischen Pfarrer und einen
ehemaligen evangelischen Diakon. Der Seminarist floh, nachdem er und 17
seiner Klassenkameraden im Juni 1980 gefangengenommen und von den Sicherheitskräften der Sandinisten geschlagen worden waren. Er erklärte, daß
zwei seiner Kameraden gefoltert und ermordet worden seien. Er dient der
PDN nun als Sanitäter und hofft darauf, einmal seine Religionsstudien
fortsetzen zu können. Der evangelische Pfarrer wurde desillusioniert,
als der Mob der Straße unter der Kontrolle von Innenminister Tomas Borge
damit drohte, seine Kirche anzuzünden und ihn umzubringen. Obgleich er
keinerlei militärische Erfahrung hatte, ist er jetzt Befehlshaber der
Jorge Salazar-Einsatzgruppe. Der evangelische Diakon entschloß sich im
Oktober 1982, zu den Waffen zu greifen, als ein anderer Diakon von den
Sandinisten umgebracht wurde. Er ist mittlerweile stellvertretender Befehlshaber des Jorge Salazar-Regionalkommandos(71). (Salazar, ein populärer nicaraguanischer Geschäftsmann, wurde 1981 von den Sandinisten umgebracht, weil sie befürchteten, er könnte zu einem Kristallisationspunkt
der antisandinistischen Gesinnung werden, die sich damals bereits entwickelte) (72 ) . Der schnelle Zuwachs der bewaffneten demokratischen Widerstandsbewegung belegt die Hartnäckigkeit und den Mut des nicaraguanischen Volkes, aber auch die Unterdrückung durch das sandinistische Regime. Ein Guerillero zu werden und sich den Härten, der Unsicherheit und
den Gefahren zu stellen, ist der letzte Schritt der Abkehr von einem politischen System. Dieses Anwachsen des antisandinistischen Widerstandes
in vier Jahren von ein paar hundert Mann auf etwa 20 000 in einem Land
mit weniger als 3 Millionen Einwohnern ist sogar noch bemerkenswerter,
wenn man es mit El Salvador vergleicht. Dort konnte eine Guerilla, deren
Anfänge in den frühen siebziger Jahren liegen, nur weniger als 7 000 Mitglieder anziehen, und dies bei einer Bevölkerung von fast fünf Millionen.
Zudem verdoppelte sich der nicaraguanische Widerstand zwischen Mai 1984
und Juni 1985 - genau in dem Zeitraum, in dem die amerikanische Regierung
überhaupt keine Militärhilfe mehr leistete.

Die meisten

�Die meisten Mitglieder der Widerstandsbewegung gehören der Dachorganisation der Vereinten Nicaraguanischen Opposition (UNO) an, die im Juni
1985 gebildet wurde. UNO wird von drei Zivilisten geführt, die dem Widerstand gegen Somoza angehörten und unter dieser mutigen Haltung gegen
Somoza entsprechend zu leiden hatten. Arturo Cruz ist ehemaliges Mitglied der sandinistischen Regierung und war Botschafter der Sandinisten
in den Vereinigten Staaten. Adolfo Calero ist ein ehemaliger Geschäftsmann und Politiker, der ebenfalls in Opposition zu Somoza stand. Alfonso
Robelo, ein Sozialdemokrat und führende Gestalt der Antisomoza-Bewegung,
war eines der fünf Mitglieder in der ursprünglichen sandinistischen
Junta. Zu UNO gehört auch KISAN, eine Gruppierung von Indianern der Atlantikküste des Landes. Zu UNO gehört nicht die Sandino Revolutionäre
Front/Demokratische Revolutionäre Allianz (FRS/ARDE), die von Eden
Pastora, dem legendären Comandante Zero, angeführt wird. Diese Führungspersönlichkeit des Widerstandes, der berühmteste Sandinist im Kampf gegen
Somoza, wehrt sich nachdrücklich gegen seine ehemaligen Kampfgenossen,
lehnt jedoch auch ein Bündnis mit der UNO ab, angeblich wegen der Anwesenheit ehemaliger Offiziere der Nationalgarde in der FDN. Das Hauptziel
der Kritik Pastoras ist Oberst Enrique Bermudez, militärischer Befehlshaber der FDN und ehemaliger Nationalgardist. Bermudez diente jedoch von
1975-1979 Somoza als Vertreter des Interamerikanischen Verteidigungsausschusses in Washington, D.C., weitab vom Revolutionskrieg, der in seiner
Heimat stattfand. In den letzten Monaten des Kampfes schlug die CarterAdministration im Bestreben, das Verhalten und den Professionalismus der
Nationalgarde zu verbessern, Somoza vor, Bermudez zu deren Oberbefehlshaber zu ernennen.
Das Gerücht, wonach die Widerstandsbewegung aus Somozas Nationalgarde
bestünde, die den Versuch unternimmt, wieder an die Macht zu gelangen,
wird von den Sandinisten und deren Weggenossen verbreitet. Aber die Tatsachen sprechen eine andere Sprache(73). Während die FDN 1982 noch einen
relativ hohen Prozentsatz an ehemaligen Nationalgardisten unter ihren wenigen Hundert Mitgliedern hatte, so ist dies heute sicherlich nicht mehr
der Fall. Von den rund 17 000 FDN-Mitgliedern waren weniger als 200 früher einmal in der Nationalgarde. Von den 14 Regionalkommandos der FDN
werden drei von ehemaligen Mitgliedern der Nationalgarde angeführt, während sechs Führer ehemalige Sandinisten sind. Die übrigen fünf Befehlshaber hatten keine vorherige militärische Erfahrung. Von den rund 50 Befehlshabern der Einsatzgruppen - den wesentlichen Kampfelementen - sind
13 ehemalige Gardisten, 12 ehemalige Sandinisten. Der Rest hat keinen
militärischen Hintergrund. Von den 21 wichtigsten Stabsoffizieren im
Hauptquartier der FDN sind nur 12 ehemalige Nationalgardisten - alle,
außer Oberst 8ermudez, Mannschaftsdienstgrade(74).
Von den jungen Männern und Frauen der Truppe sind über 90 Prozent
noch nicht einmal 20 Jahre alt bzw. nur knapp älter - zu jung also, um in
der Nationalgarde gedient zu haben, die sich 1979 aufgelöst hatte. Sie
kommen meist aus ländlichen Gegenden, der klassische Bauer, von dem manche im Westen mit ihrer romantisierenden Vorstellung von Revolutionsbewegungen glauben, er müßte sich von der Sache des Marxismus-Leninismus angezogen fühlen. In Nicaragua ist die Unterdrückung durch die Sandinisten
zum entscheidenden Rekrutierungsinstrument der Widerstandsbewegung gewor-

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�Widerstandsbewegung geworden. Junge Männer und Frauen haben sich der Widerstandsbewegung angeschlossen, nachdem sie aus nächster Nähe Zeuge der
Brutalität der sandinisten geworden sind, und viele von ihnen haben sich
dem Widerstand angeschlossen, um der Zwangsrekrutierung der sandinistischen Armee zu entgehen(75).
Die Sandinisten versuchen, die Widerstandsbewegung durch eine intensive Propagandakampagne in Verruf zu bringen. Das Generaldirektorium des
Innenministeriums für Staatssicherheit, dessen Mitglieder von Ostdeutschen und Kubanern ausgebildet werden, produziert regelmäßig Geschichten
über angebliche Menschenrechtsverletzungen. Alvaro Baldizon, bis Juli
1985 einer der wichtigsten Mitarbeiter von Innenminister Borge, berichtete, daß Borge Einheiten aufgestellt hat, die FDN-Uniformen tragen und
Greueltaten verüben, um die Widerstandsbewegung unglaubwürdig zu
machen(76).
In der Art von Krieg, wie er heute in Nicaragua ausgetragen wird,
finden unseligerweise - wie in allen Kriegen - Menschenrechtsverletzungen
statt. Es gab in der Tat Übergriffe einzelner Soldaten des Widerstandes.
Derlei ist unannehmbar; die Disziplin muß aufrechterhalten werden. Die
Führung des Widerstandes ist sich der Tatsache bewußt, daß ihre Streitkräfte einem hohen Ehrenkodex entsprechen müssen. Sie erkennt, daß sie
als eine positive, nicht als negative Alternative zu den Sandinisten aufgefaßt werden muß, wenn sie das Vertrauen der Bevölkerung bekommen und
behalten will. Deshalb wurde Ismael Reyes, der ehemalige Präsident des
nicaraguanischen Roten Kreuzes, der eine so heldenhafte Rolle spielte,
als er in den Jahren 1978 und 1979 die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf
die Brutalität Somozas lenkte, zum Vorsitzenden der Menschenrechtskommission der UNO gewählt. Die Soldaten der UNO erhalten bei ihrer Ausbildung
täglich Unterweisung zum Thema Menschenrechte. Sie erhalten außerdem ein
Handbuch, das einen Verhaltenskodex enthält, der davor warnt, daß Gewaltakte gegen Zivilisten und Gefangene bestraft werden. Wo es Menschenrechtsverletzungen gegeben hat, hat die Führung der UNO/FDN Gerichtsverfahren abgehalten und die eines Übergriffs überführten sind bestraft
worden.
Die Sandinisten und ihre Helfer in den Vereinigten Staaten behaupten,
daß die Widerstandsbewegung nur wenig Unterstützung in der Bevölkerung
habe und die "Greueltaten der Contras" das letzte bißchen Unterstützung
beseitigt habe, derer sie sich erfreut hätten. Was die Sandinisten und
ihre Helfer nicht leugnen können, ist die Tatsache, daß die Widerstandsbewegung sich so vergrößert hat, daß sie jetzt viermal mehr Angehörige
hat als die Sandinisten bei ihrer Machtergreifung. Eine Guerillabewegung, die sich wirklich eine Vielzahl von Übergriffen hätte zuschulden
kommen lassen, hätte nicht Tausende junger Männer und Frauen angezogen,
um sich ihrer Sache anzuschließen.

Die Frage der Legalität
Das Völkerrecht gründet sich teilweise auf das Prinzip, daß unprovozierte Gewalt unrechtmäßig sei, eine verhältnismäßige und defensive Reaktion auf eine solche Aggression jedoch erlaubt ist. Artikel 51 der Char-

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�Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen spricht vom "natürlichen
Recht des einzelnen und/oder der Gemeinschaft zur Selbstverteidigung(77)." Nicaragua hat sich in der Tat der unprovozierten Aggression
gegen seine Nachbarn schuldig gemacht, wie dies der Kongreß der Vereinigten Staaten wiederholt verdeutlicht hat - insbesondere im Rahmen zweier
Gesetze. Trotz der Beweise ihrer Schuld leugnen die Sandinisten, der
Guerilla von El Salvador jemals militärische Unterstützung gewährt zu
haben und behaupten daher, keinerlei militärische Reaktion provoziert zu
haben. Im Gegenteil: sie drehen den Spieß um, indem sie den Vereinigten
Staaten unterstellen, seit 1982 einen unprovozierten Krieg gegen sie zu
führen.
Auf der Grundlage solcher Verzerrungen streben die Sandinisten nach
Schutz gemäß desselben Völkerrechts, das sie seit 1979 so eklatant brechen. Die Haltung Nicaraguas ähnelt jener eines Kontrahenten, der zu
seinem Widersacher sagt: "Der streit fing an, als du zurückschlugst".
Die Geschichte der Aggression in Mittelamerika begann sicherlich nicht
mit den ersten Angriffen der Widerstandsbewegung Ende 1981/Anfang 1982.
Sie begann, als die ersten Waffen und die erste Munition von Kuba nach
Managua und von dort zur Guerilla in El Salvador kamen - also über zwei
Jahre früher. Ein geachteter internationaler Jurist, Professor John
Norton Moore von der juristischen Fakultät der University of Virginia,
hat sich mit der grundsätzlichen Frage der Rechtmäßigkeit amerikanischer
Hilfe an die Widerstandsbewegung beschäftigt und kam zu dem Schluß, daß
derlei Hilfe legal und obligatorisch sei. Er erklärte im Oktober 1984:
Das Wesentliche der Grundlage für die Rechtmäßigkeit amerikanischer
Hilfe an die "Contras" ist die Tatsache, daß Kuba mit Hilfe des Sowjetblocks und in Zusammenarbeit mit der Regierung Nicaraguas militärische Unterstützung, Waffen, Ausbildung sowie Unterstützung bei
Führungs- und Kommunikationsanlagen solchen Gruppen gewährt, die versuchen, die Regierung El Salvadors wie auch anderer mittelamerikanischer Staaten zu stürzen.
Derlei Aktionen Kubas und Nicaraguas verletzen eindeutig Artikel 18
der Charta der OAS, die erklärt, daß kein Staat das Recht hat, sich
direkt oder indirekt in die inneren oder äußeren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen.
Gemäß der Bestimmungen von Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen, Artikel 3 des Vertrags von Rio und der Artikel 22, 27 und 28
hinsichtlich der Selbstverteidigung und der gegenseitigen Hilfe haben
die Vereinigten Staaten sowohl das Recht als auch die Pflicht, der
Regierung El Salvadors zu helfen, indem sie sie gegen die von
Nicaragua ausgehende Aggression verteidigen.
Die Juristen haben Artikel 51 eindeutig so interpretiert, daß ein bewaffneter Angriff nicht nur die Gestalt von marschierenden Armeen zu
haben braucht, sondern auch im Sinn von Organisierung, Institutionalisierung und Unterstützung eines andauernden Aufruhrs stattfinden
kann(78).
In der Januar-Ausgabe

�In der Januar-Ausgabe des American Journal of International Law des
Jahres 1986 schrieb Professor Moore:
Nur wenige von denen, die sich wirklich ernsthaft mit der Beweislage
auseinandergesetzt haben - von den angegriffenen Regierungen Mittelamerikas bis hin zu den Kongreßausschüssen zur Prüfung der Geheimdienstermittlungen und der überparteilichen Kissinger-Kommission -,
zweifeln daran, daß die Wurzel dieses Problems der Weltordnung in
Mittelamerika in einem ernsten, geheimen Krieg liegt, der von Kuba
und Nicaragua aus auf die Nachbarstaaten, insbesondere auf El
Salvador, gerichtet ist. Die Reaktion der Contras: das Bemühen seitens der Demokratien, einen sinnvollen Anreiz für die Täter zu schaffen, nunmehr einzuhalte(79).
Die Sandinisten wissen: ihr Eingeständnis, daß sie der Guerilla von
El Salvador bei ihrem Kampf gegen eine souveräne Regierung Unterstützung
leisten, würde Nicaraguas Argument untergraben, daß es selbst Opfer unprovozierter Aggression sei. Infolgedessen beharren die Sandinisten
darauf, daß sie "nichts mit der Bereitstellung von Waffen (für die salvadorianische Guerilla) zu tun" haben(80).
Die Sandinisten haben eine intensive Werbekampagne mit dem ziel in
die Wege geleitet, ihre Aggression gegen die Nachbarn und die Unterdrükkung ihrer eigenen Bürger zu verschleiern und den demokratischen Widerstand als Somozas Nationalgarde in neuem Gewand zu diskreditieren. Die
Kritiker der amerikanischen Politik behaupten, die Vereinigten Staaten
würden mit zweierlei Maß messen, indem sie die Guerilla in Nicaragua unterstützen, aber Nicaragua dafür kritisieren, Gleiches in El Salvador zu
tun. Hierin liegt jedoch kein Widerspruch, wie Charles Krauthammer in
einem Essay im Magazin "Time" im April 1985 darlegte:
Der Unterschied zwischen El Salvador und Nicaragua besteht darin, daß
in El Salvador eine gerade flügge gewordene Demokratie einem Angriff
durch überzeugte Marxisten-Leninisten gegenübersteht. In Nicaragua
steht ein eben flügge gewordener Totalitarismus einer gemischten
Streitmacht gegenüber, die sich zum größten Teil nicht nur für Demokratie und Pluralismus einsetzt, sondern für diese Ziele auch schon
im Verlauf der ursprünglichen Revolution gegen Somoza gekämpft
hat(81).

Die Frage der Hilfe für die Widerstandsbewegung
Die Widerstandsbewegung hat immer wieder eine friedliche Lösung der
Probleme Nicaraguas gefordert. Im März 1985 schloß sich der bewaffnete
Widerstand dem internen unbewaffneten Widerstand in der Forderung nach
nationalem Dialog, einem Waffenstillstand und einem Abkommen an, wonach
die Sandinisten an der Macht bleiben sollten, bis offene Wahlen unter internationaler Kontrolle durchgeführt werden könnten. Die Sandinisten,
die sich für die Beteiligung der kommunistischen Guerilla an der Macht in
El Salvador einsetzen, widersetzen sich diesem Angebot nachdrücklich.
Ein solches Angebot der UNO besteht noch immer, aber die Sandinisten verweigern kategorisch diese Möglichkeit eines Dialogs(82).
Die UNO und

�Die UNO und andere Gruppen, die gegen die Sandinisten kämpfen, bieten
kein Allheilmittel für die Nicaragua bedrückenden Probleme. Sie bieten
jedoch eine Alternative zu einem undemokratischen politischen System, das
entschlossen ist, alle Aspekte des Lebens in Nicaragua zu kontrollieren
und die Würde des Einzelmenschen der Macht des Staates zu unterstellen.
Dieser Staat wiederum unterwirft sich ziemlich willig dem Diktat der Sowjetunion und Kubas. Shirley Christian sagt dazu:
Die Führung der sandinistischen Front beabsichtigte die Errichtung
eines leninistischen Systems vom Tag ihres Marsches nach Nicaragua an
- gleich, ob sie es so nannten oder nicht... Jeder Hinweis der sandinistischen Führung darauf, in Nicaragua etwas anderes als ein leninistisches System zu wollen, geschah, wie sie mehrmals zugestand, aus
taktischen oder strategischen Gründen, nicht aber aus überzeugung(83).
Sie fährt fort, daß die Sandinisten sich den Sowjets gegenüber im
Austausch für immer mehr Waffen unterwürfig zeigten. In einem gewissen
Sinn verkauften sie sich für die Mittel, die sie trotz einer verfehlten
Politik und Verbreitung des Unglücks an der Macht hielten(84).
Der Gedanke, kämpfende Guerillas gegen eine Regierung im Amt zu unterstützen, will vielen Bürgern in demokratischen Staaten nur schwer eingehen. Die politische Realität der achtziger Jahre zwingt jedoch oft zu
schwierigen moralischen Entscheidungen. Es ist keine Frage, daß die
marxistisch-leninistische Regierung in Nicaragua durch bewaffnete Revolution und falsche Versprechungen an die Macht gekommen ist. Die Vereinigten Staaten sind gegen die Sandinisten, weil das sandinistische Nicaragua
von heute den Interessen der Sowjetunion und Kubas dient, und daher den
Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und der Länder der westlichen Hemisphäre schadet.
Dr. John Silber, Präsident der Boston University und Mitglied der Nationalen überparteilichen Mittelamerikakommission des Präsidenten, hat
den scheinbaren Widerspruch zusammengefaßt, dem sich die Vereinigten
Staaten bei der Ausübung ihrer Außenpolitik in einer unvollkommenen Welt
gegenubersehen:
Wir stehen vor der tragischen Eingrenzung unserer moralischen Entscheidungsfähigkeit, weil wir nicht immer die Möglichkeit haben, zwischen Gut und Böse zu wählen. Es ist absolut moralisch, das weniger
Böse von zwei Übeln zu unterstützen. Es ist absolut unmoralisch,
eine unzulängliche Demokratie im Stich zu lassen, die sich abmüht,
eine wirksame Demokratie zu werden, und sie so zu einer leichten Beute der Kräfte werden zu lassen, die absolut totalitaristisch sind(85).
Der demokratische Widerstand in Nicaragua kämpft tatsächlich um die
Demokratie - genau wie sich viele seiner Führungsmitglieder im Kampf gegen Somoza mit den Sandinisten zusammentaten. Und doch ist die Unterstützung in den Vereinigten Staaten und in Europa für diese Bewegung 1986
weit weniger nachdrücklich, als dies bei der Unterstützung der Sandinisten 1979 der Fall war - obwohl man heute viel mehr über den demokratischen Leumund der Führung der UNO weiß, als man 1979 von den sandinistischen Comandantes wußte.
Alfonso Robelo

�Alfonso Robelo setzte sich im Juni 1985 mit Nachdruck bei seinen sozialdemokratischen Freunden der demokratischen Linken in den Vereinigten
Staaten für Unterstützung ein. Er forderte die Liberalen in den Vereinigten Staaten auf, anzuerkennen, daß ihre politischen Träume für Nicaragua viel eher durch die UNO als durch die Sandinisten repräsentiert seien
und beschrieb sich und seine UNO-Kollegen folgendermaßen:
- Wir sind es, die sich für eine freie Gewerkschaftsbewegung einsetzen.
- Wir sind es, die sich für die Rechte der Miskito-Indianer und der
Kreolen an der Atlantikküste einsetzen.
- Wir sind es, die sich für eine freie Pesse, für bürgerliche und politische Rechte, für Schulen einsetzen, wo man lernt, aber nicht indoktriniert wird - und für Religionsfreiheit.
- Und wir sind es, die die ganze Unterstützung der Liberalen der Vereinigten Staaten brauchen und verdienen.
- Nur mit der überparteilichen, liberalen und konservativen Unterstützung der Vereinigten Staaten können wir unseren Freunden und Helfern
versprechen, daß wir in der Lage sein werden, einen stetigen und wirkungsvollen Kurs zu verfolgen.
- Nur wenn wir die breite Unterstützung des Volkes in diesem Land (den
Vereinigten Staaten) und auch andernorts haben, können wir unsere
Einheit als Nicaraguaner konsolidieren. Dann können wir weit mehr
Koordination und Disziplin unter all den aufständischen Kräften im
nicaraguanischen Bürgerkrieg erzielen. Dies wird uns dabei helfen,
Übergriffe Einzelner bei den Menschenrechten in unserem Land zu verhindern, die möglicherweise auf die Provokationen der Sandinisten
überzogen reagieren. Dies wird uns helfen, den Zusammenhalt zu
schaffen, den wir benötigen, wenn wir eine politische Lösung des Konflikts aktiv verfolgen und die Tore für die nationale Wiederversöhnung öffnen wollen(86).
Der Hintergrund der UNO-Führung, ihre Absichtserklärungen, ihre bisherigen Handlungen und die wachsende Popularität der Widerstandsbewegung
stehen in starkem Kontrast zu der immer totalitaristischeren Natur des
sandinistischen Regimes. Diese UNO-Führer haben genug Vertrauen in ihre
Popularität, daß sie auch ihre Waffen niederlegen und mit den Sandinisten
bei international überwachten Wahlen in Wettstreit treten würden. Sie
streben eine politische Lösung an. Die Sandinisten hingegen wollen eine
militärische Lösung, um das Haupthindernis gegen ihre totale Beherrschung
Nicaraguas zu beseitigen.

EL SALVADOR:

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EINE

�EL SALVADOR:

EINE BELAGERTE DEMOKRATIE

Die Anfange
El Salvador ist das Hauptopfer der sowjetisch-kubanisch-nicaraguanischen Bemühungen in Mittelamerika. Ein großer Teil der Geschichte von
El Salvador ist durch Unterdrückung, soziale Ungerechtigkeit und staatliche Korruption gekennzeichnet. Ein Bauernaufstand in den dreißiger
Jahren wurde gewaltsam unterdrückt. Die hohe Wachstumsrate der Bevölkerung und eine Bevölkerungsdichte, größer als die von Indien, verschlimmerten noch die sozialen Reibungen in El Salvador. In den sechziger Jahren gewann die auf Kaffee gegründete Volkswirtschaft an Schwung, unterstützt von der Allianz für den Portschritt und dem in bescheidenem Maß
erfolgreichen Gemeinsamen Markt Mittelamerikas. Dieser wirtschaftliche
Aufschwung der sechziger Jahre trug jedoch zur Schaffung der sozialen
Kräfte bei, die das El Salvador von heute kennzeichnen.
Eine Elite aus Militär und Grundbesitzern kontrollierte das karge
Land von El Salvador und zwang die meisten der Armen zu niedrigster Arbeit, zu Wanderarbeit im Agrarbereich oder zu städtischem Elend. In den
siebziger Jahren zersplitterte die Kommunistische Partei El Salvadors.
Splittergruppen - denen sich später die Kommunistische Partei selbst wieder anschloß - wandten sich von der friedlichen politischen Opposition
ab, um gewaltsame Revolution als den Weg zu sozialem Wandel zu propagieren. Andere politische Strömungen waren jedoch auch weiterhin davon
überzeugt, daß sozialer Wandel innerhalb des normalen politischen Prozesses zu erreichen sei. Jose Napoleon Duarte und seine Christliche Demokratische Partei standen an der Spitze dieser reformistischen Bewegung.
Bei der Präsidialwahl von 1972 befand sich Duarte auf dem Weg des Sieges,
bis das Militär die Stimmauszählung stoppte, "ihren" Kandidat zum Sieger
ausrief, Duarte folterte, inhaftierte und schließlich ins Exil trieb.
Diese Maßnahmen des Militärs radikalisierten viele, obgleich Duarte
selbst seinen Glauben an die Demokratie beibehielt.
1979 hatte sich der Terrorismus schon weit verbreitet, fünf marxistisch-leninistische Gruppierungen standen miteinander im Wettbewerb, töteten, bombten und entführten willkürlich, während "Privatarmeen" der Rechten ebenfalls gewaltsam reagierten. Im Juli 1979 stürzte die breite
sandinistische Koalition in Nicaragua Somoza. Trotz wachsender Gewalt in
El Salvador verstärkte das Militär des Landes die Unterdrückung nicht.
Stattdessen stürzte im Oktober 1979 eine Gruppe junger Offiziere den
starken Mann des Militärs, der das Land beherrschte und forderte eine
Reihe von Reformen in dem Bestreben, die Ungleichheiten anzugehen, die
aus El Salvador ein ebenso geeignetes Ziel für die kommunistische Guerilla machten, wie dies in Nicaragua der Fall gewesen war.
Nachdem eine ganze Reihe kurzlebiger Junta-Regierungen fehlgeschlagen
war, die sich aus dem ganzen politischen Spektrum von El Salvador zusammengesetzt hatten, forderte das Militär schließlich seine ehemaligen Widersacher - die Christdemokraten - auf, mit ihm an der Bildung einer Regierung zusammenzuarbeiten. Im Dezember 1980 wurde Jose Napoleon Duarte
gebeten, sich an die Spitze der Junta zu stellen - derselbe Duarte, dem
das Militär 1972 die Präsidentschaft verweigert hatte.
Soziale, wirtschaftliche

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�Soziale, wirtschaftliche und politische Reformen, die die Junta angekündigt hatte, wurden von der extremen Rechten wie der extremen Linken
angegriffen. Ehrgeizige Anstrengungen galten einem Bodenreformprogramm,
um die Kontrolle der alten Elite aufzubrechen und die Agrarproduktion zu
demokratisieren. Die extreme Rechte sah in den Reformen eine Bedrohung
ihrer Interessen; die extreme Linke wußte, daß die Agrar- wie auch andere
Reformen viel dazu beitragen würden, Leid und Haß zu beseitigen, von denen ihr "Klassenkampf" abhing.
Seit Beginn der ersten reformistischen Bewegung ist die politische
Basis der Rechten geschrumpft und die traditionelle Allianz zwischen Militär und Grundbesitzern ist aufgebrochen. Die "Todesschwadronen" wurden
scharf beschnitten. Viele, die sich den Änderungen nach 1979 widersetzt
hatten, haben sie jetzt akzeptiert. Die extreme Linke setzt jedoch ihre
Bemühungen fort, den erbarmungslosen Kampf gegen die Regierung zu eskalieren. Die einheimischen Terroristengruppen, die einstmals im Wettstreit miteinander standen, sind eine gutausgerüstete, gutkoordinierte
Guerillastreitmacht geworden, die in beträchtlichem Maß von Kuba und
Nicaragua ausgerüstet und beeinflußt wird.

Die Guerilla von El Salvador und ihre Verbündeten
Nur einige Tage nach der Machtergreifung trafen sich die Vertreter
der Sandinisten mit der Guerillaführung von El Salvador in Managua, um
Pläne für die Fortsetzung des Kampfes in Mittelamerika zu schmieden. Ein
beträchtlicher Teil der Millionen von Dollar, die die salvadorianischen
Terroristen in den späten siebziger jähren durch Erpressungen und Überfälle zusammengebracht hatten, waren den Sandinisten in deren Kampf zugutegekommen. Jetzt war es an den Sandinisten, ihren Waffenbrüdern behilflich zu sein. Im Zentrum der mittelamerikanischen Kampagne stand
Fidel Castro, dessen Unterstützung für die Sandinisten unersetzlich war.
Im Dezember 1979 lud er zu einem Treffen nach Havanna ein, auf dem die
drei der miteinander im Wettstreit stehenden linken Gruppierungen El
Salvadors schworen, ihre Differenzen zu begraben. Danach verbanden sich
zwei der Gruppierungen: die Farabundo Marti Nationale Befreiungsfront
(FMLN), benannt nach einem kommunistischen Führer der zwanziger und dreißiger Jahre in El Salvador, war ins Leben gerufen. Die Namen von Marti
und vom Schutzpatron der Sandinisten, Cesar Agusto Sandino, in einem
marxistisch-leninistischen Kampf miteinander in Verbindung zu bringen,
war ironisch. Sandino, ein glühender Nationalist, hatte alle Bindungen
zur "Komintern" (der moskauhörigen Kommunistischen Internationale) aufgegeben und Marti um etwa 1930 aus Nicaragua hinausgeworfen, weil dieser
dem internationalen Kommunismus weiter anhing(87). Heute betrügen Sandinos Anhänger die nationalistischen Ideale ihres Patrons und haben sich in
einem Kampf zur Unterstützung der marxistisch-leninistischen Revolution
zusammengetan. Mit den Worten des ehemaligen Patriarchen der salvadorianischen Kommunisten, des verstorbenen Cayetano Carpio, verbinden die
Sandinisten "den internen Kampf mit der internationalen Solidarität"(88),
genau das also, was Sandino zu vermeiden gehofft hatte.

Die ersten Waffen,

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�Die ersten Waffen, die zur salvadorianischen Guerilla gelangten, kamen aus sandinistischen Arsenalen in Costa Rica. Mitte der achtziger
Jahre jedoch war Nicaragua das logistische Zentrum der salvadorianischen
Guerilla. Im Mai jenen Jahres forderte Castro auf einem weiteren Treffen
in Havanna die völlige Vereinigung der immer noch rivalisierenden Fraktionen der salvadorianischen Guerilla als Preis für Kubas Unterstützung.
Nach dem Treffen verließ Jorge Shafik Handal, Führer der Salvadorianischen Kommunistischen Partei, die nun völlig in die gewaltsame Revolution integriert war, Havanna mit dem Zweck einer Zusammenkunft mit sowjetischen Regierungsvertretern in Moskau. Von dort fuhr er auf seiner
Suche nach Unterstützung mit Moskaus Segen in verschiedene kommunistische
Staaten(89).
In Vietnam versprach Le Duan, Leitender Sekretär der Kommunistischen
Partei Vietnams, Handal große Mengen eroberter amerikanischer Waffen von
den über 700 000 M-16 Gewehren(90) und anderem Material, das der nordvietnamesischen Armee 1975 in die Hände gefallen war. Die ersten dieser
versprochenen Waffen kamen im September auf Kuba an, um von dort nach
Nicaragua und dann nach El Salvador transportiert zu werden. Auch andere
kommunistische Staaten begannen mit Waffenlieferungen, und im November
drängte man die Guerilla in El Salvador, diese Massen an militärischem
Material zu übernehmet91).
Trotz der Bemühungen, die Unterstützung durch den Ostblock zu verheimlichen, zwang allein schon das Ausmaß der Lieferungen die Kubaner und
die Sandinisten, bei ihren Waffenlieferungen an die FMLN-Guerilla für
deren Vorbereitung einer "Schlußoffensive" zur Einsetzung einer marxistisch-leninistischen Regierung in El Salvador offener zu sein. Der Sandino-Flugplatz in Managua wurde Ende 1980 mehrere Wochen lang von 10 Uhr
bis 16 Uhr für den Normalverkehr gesperrt, um kubanische Transportflugzeuge landen zu lassen, die Waffen, Munition und andere Versorgungsgüter
nach Nicaragua brachten. Von Nicaragua gingen die Waffen per Luft, Land
und See nach El Salvador. Die "Schlußoffensive" der Guerilla begann am
10. Januar 1981. Trotz großer Mengen Waffen, die nach El Salvador geflossen waren, gelang es der Guerilla mangels Unterstützung durch die Bevölkerung nicht, die Regierung zu stürzen.
Die politische Ausrichtung des Regimes, das entstanden wäre, wenn die
FMLN bei ihrer Januar-"Schlußoffensive" gesiegt hätte, wurde vom damaligen amerikanischen Botschafter in El Salvador, Robert White, auf einer
Pressekonferenz am 15. Januar 1981 beschrieben, als er von der Guerilla,
die damals kämpfte, um die Kontrolle über das Land an sich zu reißen,
sagte: "Ihr ziel ist es, eine marxistisch-leninistische Diktatur in diesem Land zu errichten... Die Art von Regierung, die sie in diesem Land
errichten würde, wäre meiner Meinung nach völlig in kubanischem Stil der
Sowjetunion unterworfen(92)."

Die Herausforderung der Guerilla:

1981-1983

Die Carter-Administration reagierte am 16. Januar 1981 auf die von
der Sowjetunion, Nicaragua und Kuba unterstützte Offensive in El Salvador

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�in El Salvador durch Übersendung von Militärhilfe für Notfälle an die Regierung von El Salvador. Nach Amtsübernahme der Reagan-Administration
vier Tage später ging diese daran, die Wirtschafts- und Militärhilfe zu
gewähren, die notwendig war, um die Reformen der aus Zivilisten und Militärs bestehenden Junta aus dem Jahr 1979 zu verwirklichen. In Reaktion
auf diese amerikanische Hilfe und in dem Versuch, ihre Bewegung auch noch
nach dem Scheitern der "Schlußoffensive" am Leben zu erhalten, entschlossen sich die Guerilla und ihre kubanisch-nicaraguanischen Helfer, ihre
Angriffe auf "sanfte" wirtschaftliche Ziele zu konzentrieren, um die Bevölkerung zu verunsichern und ihr Vertrauen in die Regierung zu untergraben. Gleichzeitig formte die Guerilla ihre Streitkräfte in mobile,
schwerbewaffnete Einheiten um, die in der Lage waren, Operationen in
großem Umfang durchzuführen.
Anfang 1982 nahmen die Waffensendungen aus Nicaragua erneut gewaltig
zu, als sich die FMLN gerade darauf vorbereitete, die Wahlen vom 28. März
für eine Verfassungsgebende Versammlung zu stören. Die Anstrengungen der
Guerilla schlugen jedoch fehl, über 80 Prozent der Wahlberechtigten gingen trotz der Einschüchterungstaktik der Guerilla und ihrer Angriffe auf
die Wahllokale zu den Urnen. Die Washington Post schrieb hierzu am 30.
März 1982:
Man begreift jetzt, warum die Guerilla so sehr darauf bedacht war,
die Wahlen in El Salvador unmöglich zu machen und die politische Opposition, sie zu denunzieren. Beide scheinen gespürt zu haben, daß
das Volk sich für den Weg entscheiden würde, den die Regierung anbot,
um seiner aufgestauten Sehnsucht nach Wiederaufbau des Landes und
seinem Überdruß am Krieg Ausdruck zu verleihen... Der Prozeß schien
gerecht. Die Wähler kamen trotz der Todesdrohungen, der logistischen
und verfahrensmäßigen Hindernisse und einer Geschichte, die nicht
viel von dem Gedanken hielt, es könne auf Wahlen ankommen... Die Aufständischen wurden durch die Wahlen schwer getroffen: es gelang ihnen
nicht, die Massen einzuschüchtern oder sie abzuhalten; sie wurden von
ihnen verächtlich zurückgewiesene93).
Aber diese politische Zurückweisung brachte die FMLN nicht von ihrer
Strategie eines "verlängerten Krieges" ab. Mitte 1982 begann sie, in
größeren Einheiten zu operieren, wobei sie noch modernere Kommunikationsausrüstung und Waffen verwandte und ihre Operationen eher einem konventionellen Krieg als einem Guerilla-Konflikt glichen. 1983 befanden sich
die Regierungstruppen eindeutig in der Defensive und das Schicksal schien
sich zugunsten der Guerilla zu wenden. Im Dezember 1983 - nach spezieller Ausbildung für diese Mission auf Kuba - griffen Einheiten der FMLN
mit Erfolg das Hauptquartier der vierten Brigade der salvadorianischen
Armee in El Paraiso an und töteten die Verteidiger. Im Januar 1984 zerstörten Guerilla-Saboteure die Cuscatlan-Brücke der panamerikanischen
Schnellstraße, was einen schweren Schlag für die Wirtschaft des Landes
bedeutete.

Die Reaktion der

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�Die Reaktion der Regierung - 1984-86
Das Ganze begann sich Anfang 1984 zu ändern, als die salvadorianische
Regierung aggressiver wurde. Im November 1983 hatte das Oberkommando der
Armee eine Reorganisation durchgeführt, was zu einer leistungsfähigeren
Befehls- und Kontrollstruktur und zur Abkommandierung effizienterer Kommandeure in die entscheidenden Gebiete geführt hatte. Der dieser Veränderung zugrunde liegende Gedanke war, den Kampf zur Guerilla zu tragen
und auf deren Versorgungslinien permanenten Druck auszuüben.
Fortschritte gab es auch bei den grundlegenden, in den Jahren 1979-80
durchgeführten Reformen. Mitte 1984 waren fast 25 Prozent der Landbewohner von El Salvador auch Eigentümer ihrer Parzellen oder bearbeiteten
ihren Boden als Miteigentümer von Kooperativen. In politischer Hinsicht
baute die Regierung weiter auf dem Erfolg auf, der durch die Wahlen 1982
und die daraus erstandene Verfassungsgebende Versammlung zustande gekommen war. Duarte, der reformistische christdemokratische Kandidat, erhielt erheblich mehr stimmen als sein Hauptopponent, der Konservative
Roberto D'Aubuisson, ein ehemaliger Major. Da jedoch keiner die Mehrheit
erhielt, sah die Verfassung einen neuen Wahlgang im Mai vor. Die FMLN
versuchte sowohl im März als auch im Mai die Wahlen durch Einschüchterung
der Wähler zu verhindern. Aber wie 1982 gelang ihr das nicht. Duarte
besiegte D'Aubuisson. (Bei den Wahlen im März 1985 rangen die Christdemokraten Duartes überraschend der konservativen Koalition die Kontrolle
der Gesetzgebenden Versammlung ab, die diese seit 1982 innegehabt hatte.) Duartes eindeutiges Mandat ermöglichte es ihm, im Oktober 1984
einen Dialog mit der FMLN-Führung zu beginnen, worauf sich ein zweites
Treffen im darauffolgenden Monat mit der Guerilla und ihrer politischen
Führung, der Demokratisch-Revolutionären Front (FDR) anschloß. Bei dieser Zusammenkunft brachte die Guerilla ihr Recht zum Ausdruck, in ihrem
"Volkskrieg" Sabotageakte zu verüben, sie erneuerte auch ihre Forderung
nach Abschaffung der Verfassung, Nichtanerkennung der Wahlen, einer
gleichberechtigten Rolle in der Regierung und einer Reorganisation der
Streitkräfte(94).

Die logistische Lebensader
Jene Waffen, Munition und Sprengstoffe, die die FMLN in die Lage versetzen, Krieg in El Salvador zu führen, kommen auch weiterhin mittels
eines weitverzweigten Netzes zu Wasser, zu Lande und in der Luft aus
Nicaragua. Der Landweg beginnt in Nicaragua und verläuft durch Honduras
bis nach El Salvador. Die auf Seite 00 gezeigte Abbildung eines Notizbuchs und einer Landkarte verdeutlichen eine der von den Guerillas und
ihren sandinistischen Lieferanten benutzte Methoden zur Nachschubbeschaffung. Im März 1983 wurde eine salvadorianische Guerilla-Einheit von
honduranischen Behörden abgefangen und die Guerillas im darauffolgenden
Feuergefecht getötet. Bei der Leiche des Anführers der Einheit fand man
ein Notizbuch mit 125 Ortsnamen, denen kodierte Bezeichnungen zugeordnet
waren, die eine Geheimhaltung der an der nicaraguanischen Grenze beginnenden Marschroute der Guerillas erleichtern sollten. So wie sie auf der

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�sie auf der Karte eingezeichnet waren, schlugen diese Orte eine Schneise
von Nicaragua durch Honduras hindurch in den Norden von El Salvador.
Obwohl der Landweg aus Nicaragua auch weiterhin einen wichtigen Kanal
für den Nachschub darstellt, weisen die von übergelaufenen Guerillas gelieferten Informationen darauf hin, daß ein Großteil des Nachschubs jetzt
direkt auf dem Seeweg durch den Golf von Fonseca bis zur Küste von
Usulutan in El Salvador aus Nicaragua herausgelangt. Diese Lieferungen
auf dem Seeweg erfolgen bei Nacht, wobei verschlüsselte Radioansagen die
Ladungen koordinieren, die in Kisten unweit vom Strand abgeladen werden.
Einheiten der Guerilla werden von der Ankunft der Lieferungen verständigt.
Einer der ehemaligen Guerillaführer, der wertvolle Informationen über
den nicaraguanischen Lieferweg bekanntgab, ist Napoleon Roraero, der am
11. April 1985 zur Regierungsseite überwechselte. Er galt als bekannter
FMLN-Führer, der unter dem Namen Miguel Castellanos gekämpft hatte. Er
befehligte alle Einheiten der Volksbefreiungsfront (FPL) in El Salvador,
die die größte Untergruppe der FMLN bildet. Romero berichtete, daß der
Großteil der Lieferungen für seine Gruppe aus Nicaragua kam. Er fügte
hinzu, daß ein großer Teil der Ausbildung der salvadorianischen Guerillas
in Kuba stattfindet (wo auch er selbst ausgebildet wurde) und daß
"Sandinisten und Kubaner in Managua spezielle Organe für politische und
logistische Angelegenheiten ins Leben gerufen haben"(95). Ein Faktor,
der zu Romeros Entscheidung beitrug, überzulaufen, war, was er als "die
Unterwerfung der FMLN unter die taktische und strategische Kontrolle der
Kubaner und Sandinisten" beschriebt 96).
Am 18. April 1985 wurde eine andere wichtige Guerillaführerin, Nidia
Diaz, gefangengenommen, die Akten ihrer Organisation, der Mittelamerikanischen Revolutionären Arbeiterpartei (PRTC), bei sich trug, einer der
Untergruppen der FMLN. Obwohl sie nie mit der Regierung zusammengearbeitet hat (sie konnte im Rahmen des Austauschs für die entführte Tochter
Präsident Duartes schließlich wieder zu den Guerillas zurückkehren), so
bestätigte sie doch die Echtheit der Dokumente, die sie bei sich führte,
gegenüber dem Fernsehpublikum in El Salvador:
Ich hatte die wichtigsten Akten mit Plänen, Projekten und Berichten
aus allen Landesteilen bei mir ... all diese enthüllten die Arbeit
der Organisation, die Ideen der FMLN. Es gab grundlegende Dokumente,
Kriegspläne, Gesamtpläne ... Unser Aufbau und alles andere ist gefährdet, aber da ich nichts verraten habe, lag das an den (beschlagnahmten) Dokumenten"(97).
Unter den von ihr als echt bezeichneten Dokumenten befand sich ein
Brief vom 24. November 1983 an die "Genossen des Nationalrates der FSLN"
in Managua, der vom Oberkommando des FMLN-Hauptquartier, von Shafik
Handal, Joaquin Villalobos, Roberto Roca und Leonel Gonzalez unterzeichnet war. Der Brief berichtete, die Führer der FMLN
sind sich darin einig, daß der Zeitraum der Wahlen in den Vereinigten
Staaten der richtige Moment ist, um das amerikanische Wahlverhalten
zu beeinflussen ... Wir unterstützen die augenblicklichen diplomat-

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�augenblicklichen diplomatischen Initiativen der FSLN, Zeit zu gewinnen, Reagans Opposition in den Vereinigten Staaten zu helfen und auf
internationaler Ebene seinen aggressiven Plan für Nicaragua und El
Salvador auszuschalten(98).
Hinsichtlich der Bereitstellung von Waffen aus Nicaragua wiesen die
Führer der FMLN die Sandinisten in diesem 3rief zurecht, weil sie sich
nicht großzügiger gezeigt hätten:
Wir sind der Ansicht, daß unser Prozeß einen viel höheren Grad der
logistischen Unterstützung braucht, wenn man das Ausmaß unserer Konfrontation mit dem Imperialismus und den Marionettenregierungen bedenkt. Wir glauben, daß die augenblicklichen Umstände günstig sind,
um weitere mutige Schritte in dieser Richtung zu unternehmen//tl(99).

»

Ein weiterer Beweis für die logistische Unterstützung der salvadorianischen Guerilla seitens Nicaragua wurde zufällig im Dezember 1985 enthüllt, als ein Auto mit einem Nummernschild aus Costa Rica in Honduras in
einen Unfall verwickelt wurde. Im Auto wurden Geheimfächer gefunden, die
7 000 Patronen enthielten, ferner 21 Handgranaten, 86 Sprengköpfe, weiteren militärischen Nachschub und 39 zur Verschlüsselung mit dem Computer
erstellte Hefter, die sich an die Salvadorianische Guerilla richteten.
Ein Großteil dieses Materials war in neuere Ausgaben von "Barricada", der
Zeitung der sandinistischen kommunistischen Partei, gewickelt. Die Kodierungsbücher waren zum Gebrauch für den Nachrichtenaustausch zwischen
dem Kommando der Guerilla in Managua und den im Feld operierenden Einheiten in El Salvador bestimmt. Der Fahrer, ein Mitglied der pro-sandinistischen kommunistischen Partei Costa Ricas, bestätigte, daß das Auto auf
dem Weg nach El Salvador war und daß er im Juli 1985 eine ähnliche Fahrt
mit demselben Wagen gemacht hatte(lOO). Geheimfächer in Autos wurden bereits seit 1980 von Nicaragua aus benutzt, um Waffen und Munition an die
salvadorianische Guerilla zu transportierend 101)
Das in den Vereinigten Staaten hergestellte Gewehr vom Typ M-16 war
die wichtigste Waffe der salvadorianischen Guerilla, seit die ersten Waffen 1980 aus Vietnam über Kuba und Nicaragua eintrafen. Das war noch bevor die Vereinigten Staaten das Modell M-16 an das Militär in El Salvador
lieferten. Von den 1793 M-16 Gewehren, die beschlagnahmt wurden oder
sich nach dem Stand der Akten über beschlagnahmte Güter in den Händen der
Guerillas befanden, konnten zwei Drittel nach ihrer Seriennummer als ursprünglich für Vietnam bestimmte Waffen identifiziert werden(102). Diese
im November 1980 in El Salvador beschlagnahmten Dokumente enthüllten, daß
die Regierung Vietnams Lieferungen größerer Stückzahlen von erbeuteten
und in den Vereinigten Staaten hergestellten Waffen versprochen hatte.
Ehemalige Guerilla-Führer, zu denen auch Romero zählt, haben bestätigt,
daß diese Waffen aus Nicaragua nach El Salvador kamen.
Trotz aller Beweise ihrer Komplizenschaft streiten es die Sandinisten
weiterhin ab, der salvadorianischen Guerilla jemals Waffen versprochen zu
haben. Außenminister D*Escoto ging so weit, daß er im April 1984 beim
Internationalen Gerichtshof eine eidesstattliche Erklärung abgab, in der
er die offizielle Haltung Managuas bekanntgab: "In Wirklichkeit ist meine
Regierung in der Gegenwart und war auch in der Vergangenheit nicht in

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*

�nicht in Waffen- oder andere Lieferungen an irgendeine der Gruppen verwickelt, die in El Salvador Bürgerkrieg führen"(103). D* Escotos Behauptungen liefen jedoch sogar solchen Erklärungen zuwider, die von Kritikern
an der Politik der Vereinigten Staaten abgegeben wurden. Zum Beispiel
berichtete ein Zeuge für Nicaragua beim Internationalen Gerichtshof, daß
es "Ende des Jahres 1980 und Anfang 1981"(104) solche Lieferungen gab,
und ein weiterer Gegner der amerikanischen Politik behauptete, daß es "zu
Beginn des Jahres 1982 eine drastische Verringerung der Waffenlieferungen
gab"(105) und gab damit indirekt zu, daß es bis 1982 einen Waffenaustausch gegeben hatte, was die Sandinisten hartnäckig abstreiten.
Die logistische Unterstützung der Sandinisten war wahrhaftig das Lebensblut der PMLN. Bereits im März 1982, zu der zeit, als die Verbindung
zwischen Sandinisten und FMLN die salvadorianischen Wahlen zunichte zu
machen suchte, beobachtete der Kongreßabgeordnete Edward P. Boland, Vorsitzender des ständigen Auswahlausschusses für nachrichtendienstliche Informationen im Repräsentantenhaus, daß die salvadorianischen Rebellen
gut ausgebildet und mit modernen Waffen und Nachschub wohl versorgt
sind. Sie verlassen sich darauf, für Stabsführung, Überwachung und
logistische Unterstützung nicaraguanisches Gelände zu benutzen. Das
diese Beurteilung unterstützende und dem Ausschuß vorgelegte Nachrichtenmaterial ist in dieser Hinsicht überzeugend ... Im Gegensatz
zu dem wiederholten Leugnen der nicaraguanischen Regierungsvertreter,
ist dieses Land in die Unterstützung des salvadorianischen Aufstandes
tief verwickelt(106).

FUSSNOTEN
67. Christian gibt auf Seite 196 die stärke der Armee zu Beginn des Jahres 1981 mit 30 000 bis 40 000 an. Die Zahl von 24 000 ist eine Schätzung der amerikanischen Regierung. Funktionäre der Sandinisten geben
kaum Informationen über die Stärke ihrer Streitkräfte preis.
68. Tunnermann, Washington Post, 30. März 1985.
69. Als prägnanten Bericht über die Hilfsbemühungen der amerikanischen
Regierung für die Sandinistas siehe Lawrence E. Harrison: "We Tried to
Live with the Nicaraguan Revolution", Washington Post, 30. Juni 1983. Als
Leiter der Entwicklungshilfeabteilung (AID) in der amerikanischen Botschaft während der ersten zwei Jahre der Sandinistenherrschaft war
Harrison direkt für die Verwaltung von über 118 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe für Nicaragua verantwortlich.
70. Belli, S. 253.
71. interview mit Peter Bertie, einem freiberuflichen kanadischen
Schriftsteller,der im Jahr 1985 fünf Monate bei der FDN verbrachte. Das
Interview wurde von Oberst Lawrence L. Tracy, Außenministerium und Frau
Kay Stephenson, Verteidigungsministerium, am 15. Februar 1986 durchgeführt.
72. Christian,

- 17 -

�72. Christian, S. 1700-185.
73. Anastasio Somoza: "Nicaragua Betrayed", (Boston: Western Islands
Publishers, 1980), S. 383.
74. Siehe Schreiben des Stellvertretenden Außenministers Elliott Abrams
vom 24. Februar 1986 an Senator Richard Lugar, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Senats. Dieses Schreiben wurde veröffentlicht in
der Publikation des amerikanischen Außenministeriums mit dem Titel
"Documents on The Nicaraguan Resistance: Leaders, Military Personnel and
Programs", Special Report No. 142, März 1986.

75. Bertie-Interview.
76. Alvaro Baldizon: Pressekonferenz. Heritage Foundation, Washington,
D.C., 14. März 1986.
77. Moore, S. 82 f.
78. Referat von Professor John Norton Moore im Rahmen des
White House Outreach Program am 17. Oktober 1984.
79. Moore: "The Secret War in Central America", S. 61.
80. Eidesstattliche Erklärung, abgegeben vor dem Internationalen Gerichtshof von Nicaraguas Außenminister Miguel D* Escoto am 21. April 1984.
81. Charles Krauthammer: "The Reagan Doctrine", Time, 1. April 1985, S.
54.
82. Beispiele für die Unnachgiebigkeit der Sandinisten sind die Zurückweisung von Präsident Duartes Forderung vom März 1986 nach einem Dialog
zwischen Regierung und Aufständischen in Nicaragua und El Salvador und
die Zurückweisung des Contadora-Friedensvertrages vom April 1986. Siehe
Stephen S. Rosenfeld: "Contadora Comes Up Short", Washington Post, 8.
April 1986.
83. Christian, S. 306.
84. Ibid.
85. John R. Silber: "The Kennedy Doctrine: Principles for a Settlement in
Central America", Strategie Review, Herbst 1984, S. 20.
86. Alfonso Robelo: "The Nicaraguan Democratic Struggle: Our ünfinished
Revolution", SD Papers: 8. Papier wurde den Social Democrats, USA, in New
York am 15. Juni 1985 vorgelegt.
87. Als eine Darstellung der Spannungen, die sich zwischen dem nationalistischen Nichtkommunisten Sandino und dem internationalistischen
Kommunisten Marti entwickelten, siehe Carlos Ripoll: "Sandinismo y
Communismo", Ideal, 1. September 1974, S. 17.
88. Carpo erklärte

- 18 -

»

�88. Carpo e r k l ä r t e d i e s während des B e g r ä b n i s s e s s e i n e r S t e l l v e r t r e t e r i n
b e i der V o l k s b e f r e i u n g s f r o n t (FPL) in Managua, Comandante Ana Maria, d i e
in Managua von anderen M i t g l i e d e r n der FPL ermordet worden war. Carpio
s e l b s t beging wenige Tage s p ä t e r Selbstmord. Als e i n e D a r s t e l l u n g d i e s e r
b i z a r r e n Episode s i e h e v e r s c h i e d e n e Ausgaben von " B a r r i c a d a " (der FSLNZeitung) vom A p r i l 1983. S i e h e außerdem "Foreign Broadcast Information
S e r v i c e (FBIS)", L a t e i n a m e r i k a , vom
11. A p r i l 1983.
89. Dokumente in bezug auf Handais Reise und die Nachschubwege nach El
Salvador wurden von salvadoranischem Militär zwischen November 1980 und
Januar 1981 erbeutet. Faksimiles wurden vom amerikanischen Außenministerium am 23. Februar 1981 veröffentlicht: "Communist Interference in
El Salvador: Documents Demonstrating Communist Support of the Salvadoran
Insurgency" (nachfolgend zitiert als "Documents"). Dokument El, S. 1 war
Handais Bericht von seiner Reise nach Vietnam vom 9.-15. Juni 1980.
Handal wurden 60 Tonnen an Waffen versprochen, die "bis zum 5. September
versandbereit" sein würden.
90. Edward Clinton Ezell: "Small Arms Today" (Harrisburg, PA: Stackpole
Books, 1984), S. 229.
91. "Informe #4" (Report #4), "Documents", K, S. 2. Dies war ein handschriftliches schreiben aus den Akten der Kommunistischen Partei von El
Salvador (PCES), das sich unter den im November 1980 erbeuteten Dokumenten befand.
92. Fernsehstation WGBH in Boston (PBS), "Frontline", vierteilige Serie
mit dem Titel "Crisis in Central America." Die Folge "Battle for El
Salvador" mit Botschafter Whites Erklärung wurde am 12. April 1985 gesendet.
93. "Salvador Votes", Washington Post, 30. März 1982.
94. "Foreign Broadcast Information Service" (FBIS), Lateinamerika, 3. Dezember 1984.
95. "Cuatro Comandantes", Cadena Nacional, 11. Juni 1985.
96. Ibid.
97. Ibid.
98. Pressemappe des amerikanischen Außenministeriums zu den bei
Comandante Nidia Diaz erbeuteten Dokumenten vom 23. April 1985.
99. Ibid.
100. Pressekonferenz des amerikanischen Außenministeriums mit dem stv.
Außenminister Elliott Abrams vom 13. Dezember 1985.
101. Im Jahr 1980 wurde ein Kühllastwagen von honduranischen Behörden auf
dem Weg nach El Salvador abgefangen. In ihm wurden 100 M-16 Gewehre und

- 19 -

�100 M 16-Gewehre und Tausende Schuß Munition entdeckt. Siehe U.S.
Department of State: "Communist Interference in El Salvador", 23. Februar
1981.
102. 28 Prozent der erbeuteten Waffen wurden nach El Salvador geliefert,
von den Guerillas erbeutet (hauptsächlich im Jahr 1983) und danach wiederum von den Streitkräften El Salvadors zurückerbeutet. Fünf Prozent
wurden zu verschiedenen Orten außer Vietnam und El Salvador zurückverfolgt, und ein Prozent war ursprünglich an Somozas Nationalgarde geliefert worden.
103. Eidesstattliche Erklärung des nicaraguanischen Außenministers Miguel
D* Escoto vor dem Internationalen Gerichtshof vom 21. April 1984.
104. Wörtliches Transkript der Aussage von David MacMichael vor dem Internationalen Gerichtshof vom 18. September 1984, S. 20.
105. wayne Smith: "Nicaraguan Arms", Washington Post, 18. Januar 1986.
106. Pressemitteilung vom 4. März 1982 durch den Kongreßabgeordneten
Edward P. Boland (D-MA), S. 1.

* * * * * *

- 20 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten bereit zur Unterzeichnung von Abkommen mit UdSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Ansprache vor den Vereinigten Nationen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan sieht "echte Chance" für Reduzierung von Atomwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die demokratischen Widerstandskämpfer: Wer sie sind, warum sie kämpfen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dokumentation in vier Teilen - Teil III -&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

24. September 1998

19

VEREINTE NATIONEN

CLINTON: BEKÄMPFUNG DES TERRORISMUS
MUSS PRIORITÄT HABEN
Rede des Präsidenten
vor der UN-Generalversammlung

G7

DIE GLOBALE FINANZKRISE
Rede von Präsident Clinton

USA-DEUTSCHLAND

ÖFFENTLICH-PRIVATE PARTNERSCHAFTEN
UND DIE ZUKUNFT DER TRANSATLANTISCHEN
PARTNERSCHAFT
Rede von Botschafter John C. Kornblum

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�VEREINTE

NATIONEN
23. September 1998

Clinton: Bekämpfung des Terrorismus
muß Priorität haben
Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Clinton bei der 53.
Sitzung der UN-Generalversammlung am 21. September 1998.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte
Mitglieder dieser 53. Sitzung der Generalversammlung,
zuerst möchte ich Ihnen für das herzliche Willkommen
danken, das Sie mir bereitet haben und darauf hinweisen, daß die Welt bei der Eröffnung dieser Sitzung
der Generalversammlung viel zu feiern hat.
Nach 29 langen Jahren ist in Nordirland Frieden
eingekehrt. Bosnien hat gerade die freiesten Wahlen
veranstaltet, die es in diesem Land je gab. Die
Vereinten Nationen sind bei Krisen als aktiver Vermittler tätig, bevor diese sich weltweit zu Kriegen ausweiten. Und heute bestimmen mehr Menschen ihre
eigene Zukunft als zu jedem anderen Zeitpunkt in der
Geschichte.
Wir feiern den 50. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, und diese Rechte finden
breitere Unterstützung als je zuvor. Auf jedem Kontinent führen die Menschen ein Leben in Rechtschaffenheit und Selbstachtung, und ein großer Teil des
Verdienstes hierfür gebührt den Vereinten Nationen.
Aber jeder hier Anwesende weiß, daß das Versprechen unserer Zeit auch von Gefahren begleitet ist.
Globale wirtschaftliche Unruhen drohen heute, das
Vertrauen in freie Märkte und Demokratie zu unterminieren. Diejenigen unter uns, die besonders von
dieser Wirtschaft profitieren, tragen eine spezielle
Verantwortung, mehr zu unternehmen, um die Unruhen einzuschränken und die Vorteile der globalen
Märkte allen Bürgern zukommen zu lassen. Und die
Vereinigten Staaten sind hierzu entschlossen.

AMERIKA DIENST 19

Wir werden immer noch von ethnischem, rassischem,
religiösem oder stammesbedingtem Haß bedroht, von
der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, von
dem nahezu verzweifelten Bemühen allzu vieler
Staaten, in den Besitz solcher Waffen zu gelangen,
und trotz aller Bestrebungen zu seiner Eindämmung
wird der Terrorismus am Ende des 20. Jahrhunderts
nicht schwächer. Er stellt eine andauernde Verletzung
von Artikel 3 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte dar, der besagt, daß jeder Mensch das
Recht auf Leben, Freiheit und die Sicherheit seiner
Person hat.
Ich hatte hier bei den Vereinten Nationen, bei internationalen Gipfeln weltweit und bei vielen Gelegenheiten
in den Vereinigten Staaten die Möglichkeit, mich
eingehend mit diesem Thema zu befassen und
darzulegen, was wir getan haben, was wir tun, und
was wir noch tun müssen, um den Terror zu bekämpfen. Heute möchte ich darüber sprechen, warum alle
Nationen den Kampf gegen den Terrorismus ganz
oben auf unsere Tagesordnung setzen müssen.
Wir machen uns über dieses Thema große Sorgen. In
den letzten 15 Jahren waren unsere Bürger immer
wieder Zielscheibe von Terroranschlägen - in Beirut,
über Lockerbie, in Saudi-Arabien, zu Hause in Oklahoma City durch die Tat eines unserer eigenen Bürger,
hier in New York in einem öffentlichen Gebäude und
vor kurzem am 7. August in Nairobi und Daressalam,
wo Amerikaner, die sich dafür einsetzten, Brücken
zwischen Nationen zu bauen - Menschen wie Sie - in
der Haßkampagne gegen die Vereinigten Staaten
starben.

Seite 1

�Weil wir das Glück haben, eine wohlhabende Nation
mit starken Streitkräften und einer aktiven weltweiten
Präsenz bei der Förderung von Frieden und Sicherheit
zu sein, werden wir oft zur Zielscheibe. Wir lieben
unser Land wegen seines Einsatzes für politische und
religiöse Freiheit, wirtschaftliche Chancen und die
Achtung der Rechte des Einzelnen. Aber wir wissen,
daß uns viele Menschen als Symbol für ein System
und Werte sehen, die sie ablehnen. Und oft machen
sie uns für Probleme verantwortlich, die ihre Wurzeln
andernorts haben.
Wir sind jedoch für keine friedliche Nation eine Bedrohung, und unseres Erachtens ist der beste Weg zur
Widerlegung dieser Behauptungen, unsere Arbeit für
Frieden und Wohlstand auf der ganzen Welt fortzusetzen. Würden wir uns von den Unruheherden der
Welt zurückziehen, denjenigen den Rücken kehren,
die um des Friedens willen Risiken auf sich nehmen
und in unserem Widerstand gegen den Terrorismus
nachlassen, würden wir den Feinden des Friedens
einen Sieg bescheren, den sie nie erleben dürfen.
Es ist jedoch falsch, den Terrorismus lediglich oder
überwiegend als amerikanisches Problem zu sehen.
Tatsächlich stellt er für tolerante und offene Gesellschaften und unschuldige Menschen überall eine klare
und präsente Gefahr dar. Keiner der hier Anwesenden, keiner der Menschen, die Sie vertreten, ist
dagegen immun.
Zweifelsohne nicht die Menschen in Nairobi und
Daressalam. Auf jeden Amerikaner, der dort getötet
wurde, kamen ungefähr 20 ermordete und 500 verletzte Afrikaner - unschuldige Menschen, die an einem
geschäftigen Morgen ihre Arbeit erledigten. Und auch
die Menschen in Omagh in Nordirland waren nicht
immun - Katholiken und Protestanten gleichermaßen
wurden verletzt und getötet, vorwiegend Frauen und
Kinder, zwei schwangere Frauen, Menschen, die
Einkaufen gingen, als ihre Zukunft durch eine Randgruppe ausgelöscht wurde, die sich an die Vergangenheit klammert.
Auch die Menschen in Japan, die in einer Tokioter
U-Bahn mit Saringas vergiftet wurden, waren nicht
immun. Noch die Menschen in Argentinien, die bei
einem Autobombenanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in der Innenstadt von Buenos Aires
starben. Noch die Menschen in Kaschmir und Sri
Lanka, die wegen veralteter Animositäten sterben, die
unbedingt beigelegt werden müssen.
Noch die
Palästinenser und Israelis, die trotz aller Fortschritte
beim Friedensprozeß Jahr für Jahr sterben müssen.
Noch die Menschen in Algerien, die einen Alptraum
unvorstellbaren Terrors durchleben, für den noch kein
Ende in Sicht ist. Noch die Menschen in Ägypten, die
beinahe zum zweiten Mal einen Präsidenten durch ein
Attentat verloren hätten. Noch die Menschen in der
Türkei, in Kolumbien, Albanien, Rußland, dem Iran,

Seite 2

Indonesien und zahllosen anderen Nationen, in denen
unschuldige Menschen Opfer des Terrors werden.
Keines dieser Opfer ist Amerikaner, aber jedes ist
Sohn oder Tochter, Ehemann oder Ehefrau, Vater oder
Mutter, ein durch Haß ausgelöschtes Menschenleben,
und jedes hinterläßt einen Kreis von Menschen, deren
Leben nie wieder dasselbe sein wird. Terrorismus ist
zu einem weltweiten Problem geworden. Manche
argumentieren natürlich, das Problem werde übertrieben, die Zahl der Opfer des Terrorismus sei
vergleichsweise klein und liege etwas unter der Zahl
von Menschen, die jedes Jahr vom Blitz getroffen
werden. Meines Erachtens begreifen sie jedoch in
vielerlei Hinsicht nicht, worum es geht.
Erstens hat der Terrorismus in den neunziger Jahren
ein neues Gesicht bekommen. Terroristen machen
sich heute die größere Offenheit und die explosionsartige Verbreitung von Informations- und Waffentechnologie zunutze. Die neuen Technologien des
Terrors und ihre zunehmende Verfügbarkeit sowie die
wachsende Mobilität der Terroristen eröffnen die
erschreckende Aussicht, chemischen, biologischen
und anderen Angriffen ausgesetzt zu werden, was
jeden von uns zu einem möglichen Opfer macht. Dies
ist eine Bedrohung der gesamten Menschheit.
Neben dem durch jeden Anschlag verursachten
physischen Schaden besteht die noch größere Gefahr
psychologischer Schäden - die schwer auszumachen
sind und lange Zeit zur Heilung brauchen. Jede
Bombe, jede Bombendrohung hat schleichende
Auswirkungen auf freie und offene Institutionen, die Art
von Institutionen, für deren Aufbau Sie alle hier so hart
arbeiten.
Jedes Mal, wenn ein Unschuldiger - ob Mann, Frau
oder Kind - getötet wird, wird die Zukunft für uns alle
gefährlicher. Jeder Gewaltakt unterminiert das für
Frieden und Wohlstand unerläßliche Vertrauen.
Überall auf der Welt kämpfen Menschen mit aktiver
Unterstützung der UN-Organisationen für die Gestaltung einer besseren Zukunft auf der Grundlage des
Vertrauens, das sie mit ihren Mitbürgern und mit
Partnern und Investoren auf der ganzen Welt verbin-

Die Aussicht auf wachsenden Wohlstand in Nordirland
war der entscheidende Faktor für das Abkommen vom
Karfreitag. Aber es setzte Vertrauen voraus - Vertrauen, das in Zeiten der Gewalt nicht gewonnen
werden kann. Wir können das Ausmaß jedes Angriffs
bestimmen und schauerliche Statistiken über die Toten
und Verwundeten aufstellen. Aber welches sind die
Wunden, deren Ausmaß wir nicht einschätzen können?
Wie viele Abkommen wurden im Nahen Osten, in
Asien und Südafrika durch Bombenanschläge ver-

AMERIKA DIENST 19

»

*

�eitelt? Wie viele Unternehmen wurden an Orten, die
förmlich nach Investitionen in Form von Zeit und Geld
schreien, niemals gegründet? Wie viele begabte junge
Menschen in hier vertretenen Ländern haben dem
Dienst an der Öffentlichkeit den Rücken gekehrt?
Die Frage lautet nicht nur, wie viele Menschenleben
bei jedem Angriff ausgelöscht werden. Die Frage
lautet auch, wie viele Menschen anschließend keine
Zukunft mehr haben. Es gibt keine Rechtfertigung
dafür, Unschuldige umzubringen. Ideologie, Religion,
Politik, selbst Entbehrung und echte Mißstände
rechtfertigen das nicht. Wir müssen auf jeden Fall
versuchen zu verstehen, unter welchen Bedingungen
Terroranschläge verübt werden.
Ich habe oft selbst erlebt, daß dort, wo der Frieden
Fortschritte macht, Terror ein verzweifelter Versuch ist,
das Rad der Geschichte zurückzudrehen.
Der
Bombenanschlag von Omagh fand statt, als der
Frieden in Nordirland Erfolg hatte. Wann immer wir
uns im Nahen Osten einem weiteren Schritt zum
Frieden nähern, reagieren seine Feinde mit Terror.
Wir dürfen nicht zulassen, daß dies unsere Fortschritte
behindert.
Die Überbrückung alten Hasses ist schließlich ein Akt
des Vertrauens, ein Bruch mit der Vergangenheit und
somit eine beängstigende Bedrohung für diejenigen,
die ihren Haß nicht überwinden können. Weil sie die
Zukunft fürchten, versuchen die Terroristen, die
Friedensstifter durch Bomben in die Vergangenheit
zurückzubefördern.
Wir müssen erkennen, daß es für dieses Wüten auch
wirtschaftliche Gründe gibt. Armut, Ungleichheit und
Massen entrechteter junger Menschen bilden den
Nährboden für den Sirenengesang der Terroristen und
ihre Behauptung, soziale Gerechtigkeit zu fördern.
Aber Entbehrung kann keine Zerstörung rechtfertigen,
und Ungerechtigkeit kann niemals eine Entschuldigung
für Mord sein. Der Mord an Unschuldigen ist kein
Sozialprogramm.
Trotzdem bedeutet unser entschlossener Widerstand
gegen den Terrorismus nicht, daß wir je den ihm
Vorschub leisteten Bedingungen gegenüber gleichgültig sein dürfen. Der jüngste Bericht der Vereinten
Nationen über menschliche Entwicklung weist darauf
hin, daß die weltweite Kluft zwischen Arm und Reich
immer größer wird. Wir müssen uns stärker dafür
einsetzen, die Quellen der Verzweiflung zu bekämpfen, bevor sie zu giftigem Haß werden. Dr. Martin
Luther King schrieb einmal, der einzige Revolutionär
sei jemand, der nichts zu verlieren habe. Wir müssen
den Menschen zeigen, daß sie nur gewinnen können,
wenn sie Zusammenarbeit fördern und auf Gewalt
verzichten. Dies ist nicht nur die Pflicht der Vereinigten
Staaten oder des Westens, es ist die Pflicht der
ganzen Welt.

AMERIKA DIENST 19

Die Entwicklungsländer haben die Pflicht, den neugewonnenen Wohlstand fair zu verteilen, neue Chancen
zu schaffen, neue offene Volkswirtschaften aufzubauen. Die Industriestaaten haben die Pflicht, die
Entwicklungsländer dabei zu unterstützen, auf dem
Weg des Wohlstands zu bleiben und das globale
Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Vor einer Woche
habe ich dargelegt, wie wir eine stärkere Weltwirtschaft
gestalten können, von der nicht nur alle Nationen,
sondern alle Bürger profitieren.
Manche sind der Ansicht, der Terrorismus rühre von
dem ihres Erachtens unvermeidlichen Kampf der
Zivilisationen her. Dieses Thema sollte hier umfassend erörtert werden. Insbesondere sind viele der
Ansicht, es gebe einen unvermeidlichen Kampf
zwischen der westlichen Zivilisation und ihren Werten
und den islamischen Zivilisationen und Werten.
Meines Erachtens ist diese Ansicht völlig falsch.
Falsche Propheten mögen jede Religion benutzen
oder mißbrauchen, um ihre politischen Ziele zu
rechtfertigen - selbst kaltblütigen Mord. Einige wollen
die Welt davon überzeugen, daß der allmächtige und
barmherzige Gott selbst die Erlaubnis zum Töten gibt.
Aber das ist nicht unser Verständnis des Islam.
Ein Viertel der Weltbevölkerung sind Muslime - von
Afrika über den Nahen Osten und Asien bis zu den
Vereinigten Staaten, wo der Islam eine unserer am
schnellsten wachsenden Glaubensrichtungen darstellt.
In den Vereinigten Staaten gibt es mehr als 1.200

Moscheen und islamische Zentren, und die Zahl nimmt
schnell zu. Die sechs Millionen Amerikaner, die dort
beten, werden Ihnen sagen, daß es nicht von Natur
aus einen Kampf zwischen dem Islam und Amerika
gibt. Die Amerikaner respektieren und ehren den
Islam.
Wenn ich in meinem Land und weltweit mit Vertretern
der Muslime sprach, habe ich immer wieder gesehen,
daß wir dieselben Hoffnungen und dasselbe Streben
haben: In Frieden und Sicherheit zu leben, für unsere
Kinder zu sorgen, den Glauben unserer Wahl zu leben,
ein besseres Leben als das aufzubauen, das unsere
Eltern kannten und unseren Kindern mehr Möglichkeiten zu geben. Natürlich sind wir nicht identisch. Es
gibt wesentliche Unterschiede, die sich über Rasse,
Kultur und Religion erstrecken und Verständnis und
Respekt verlangen.
Aber jeder Fluß kann überquert werden. Selbst wenn
wir hier in den Vereinigten Staaten ebenso wie die
Vereinten Nationen darum kämpfen, alle Amerikaner
miteinander zu versöhnen und in unserer zunehmenden Vielfalt größere Einheit zu finden, bleiben wir auf
unserem Weg der Freundschaft und der Achtung der
muslimischen Welt. Wir werden weiterhin nach
gemeinsamen Werten, gemeinsamen Interessen und
gemeinsamen Bestrebungen suchen. Ich stimme voll
und ganz mit der Geisteshaltung überein, die sich in

Seite 3

�den folgenden Worten Mohammeds ausdrückt: Wenn
Menschen gemeinsam beten, sind die Früchte des
Gebets doppelt so groß, als wenn sie alleine zu Hause
beten.
Im Hinblick auf den Terrorismus sollte es keine
Trennlinie zwischen Muslimen und Juden, Protestanten und Katholiken, Serben und Albanern, industrialisierten und aufstrebenden Ländern geben. Die einzige
Trennlinie verläuft zwischen denen, die Terror praktizieren, unterstützen oder tolerieren und denjenigen,
die verstehen, daß er schlicht und einfach Mord ist.
Wenn der Terrorismus ganz oben auf der amerikanischen Tagesordnung steht - und er sollte ganz oben
auf der weltweiten Tagesordnung stehen - welches
sind dann die konkreten Schritte, die wir gemeinsam
unternehmen können, um unsere gemeinsame Zukunft
zu schützen? Was sind unsere gemeinsamen Verpflichtungen? Meines Erachtens sind es zumindestens
die folgenden: Terroristen keine Unterstützung, keinen
Unterschlupf, keine Finanzhilfe zu gewähren; Druck
auf Staaten auszuüben, die das tun; gemeinsam zur
Förderung von Auslieferung und strafrechtlicher
Verfolgung tätig zu werden; die weltweiten Konventionen zur Terrorismusbekämpfung zu unterzeichnen; die
Konvention über biologische Waffen zu stärken; die
Chemiewaffenkonvention umzusetzen; strengere
nationale Gesetze zu fördern und die Herstellung und
den Export von Explosivstoffen zu kontrollieren;
internationale Standards für die Sicherheit an Flughäfen zu erhöhen; gegen Zustände anzugehen, die zur
Ausbreitung von Gewalt und Verzweiflung führen.
Wir werden das Unsrige tun. Unsere Nachrichtendienste und Strafverfolgungsbehörden spüren in Zusammenarbeit mit anderen Regierungen terroristische
Netzwerke auf. Einige von denen, die wahrscheinlich
für die jüngsten Bombenanschläge auf unsere Botschaften verantwortlich sind, werden vor Gericht
gestellt. Anfang dieser Woche werde ich den Kongreß
um die Bewilligung von Nothilfegeldern bitten, um
unsere Botschaften zu reparieren, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken, den weltweiten Kampf gegen
den Terrorismus auszuweiten und unseren Freunden
in Kenia und Tansania bei der Heilung der erlittenen
Wunden beizustehen.
Aber ungeachtet dessen, wieviel jeder Einzelne von
uns tut, können wir ohne gemeinsame Bestrebungen
nur begrenzte Fortschritte erzielen. Wir werden
ebenfalls das Unsrige tun, um die Wurzeln der Verzweiflung und Entfremdung durch das Amt für internationale Entwicklung in Afrika, Asien, Lateinamerika,
Osteuropa, Haiti und andernorts auszurotten. Wir

*

Seite 4

*

werden unsere starke Unterstützung für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, die UNHochkommissare für Menschenrechte und Flüchtlinge,
UNICEF, die Weltbank und das Welternährungsprogramm fortsetzen.
Wir sind uns auch bewußt, daß diese Behörden eine
entscheidende Rolle spielen und wie wichtig es ist, daß
alle Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten,
ihre Beiträge zahlen.
Abschließend möchte ich uns alle auffordern, den
Terrorismus in anderen Kategorien zu sehen, ihn nicht
als einen Kampf von Kulturen oder politischen Aktionen mit anderen Mitteln zu begreifen, oder als Ruf
Gottes, sondern als Kampf zwischen den Kräften der
Vergangenheit und den Kräften der Zukunft, zwischen
denen, die niederreißen und denen, die aufbauen,
zwischen Hoffnung und Angst, Chaos und Gemeinschaft.
Es wird kein einfacher Kampf sein. Aber jede Nation
wird gestärkt, wenn sie sich daran beteiligt und den
Worten der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die wir vor 50 Jahren unterzeichneten, wirkliche
Bedeutung gibt. Es ist äußerst wichtig, daß wir das
gemeinsam tun.
Eleanor Roosevelt zählte zu den Verfassern der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Sie
erklärte in einer ihrer zahlreichen Reden zur Unterstützung der Vereinten Nationen, als diese noch in ihren
Kinderschuhen steckten: "Alle Abkommen und aller
Friede basiert auf Vertrauen. Man kann keinen
Frieden haben und man kann sich nicht mit anderen
Menschen auf der Welt verstehen, wenn man ihnen
nicht vertraut."
Um einander vertrauen zu können, müssen wir nicht
alle Probleme der Welt lösen. Um einander vertrauen
zu können, müssen wir nicht in allen weltweiten Fragen
einer Meinung sein. Um einander vertrauen zu
können, ist es noch nicht einmal erforderlich, daß wir
jeden kleinen Unterscheid zwischen uns verstehen.
Aber wir müssen unseren Glauben an das Primat der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bekräftigen und daher gemeinsam erklären, daß Terrorismus
kein Weg in die Zukunft ist, sondern nur ein Rückfall in
die Vergangenheit. Und gemeinsam - gemeinsam können wir ihm die Stirn bieten und seine Bedrohungen, Ungerechtigkeiten und Ängste mit Vertrauen
überwinden.
Vielen Dank.

*

*

AMERIKA DIENST 19

�G7
23. September 1998

Die globale Finanzkrise
Rede von Präsident Clinton

NEW YORK - (AD ) - Nachfolgend veröffentlichen wir unwesentlich gekürzt die Rede von Präsident Clinton vor
dem Council on Foreign Relations vom 14. September 1998, in der er eine Zusammenkunft der Finanzminister
und Zentralbankvorsitzenden der G 7 in den nächsten 30 Tagen fordert, um Empfehlungen für die Anpassung der
internationalen Finanzstruktur an das 21. Jahrhundert auszuarbeiten.

Seit drei Jahren - seit dem G 7-Treffen in Neapel und
der mexikanischen Finanzkrise - arbeiten wir mehr
oder weniger intensiv an dem Thema, das ich heute
erörtern möchte. Ich habe persönlich alles in meiner
Macht Stehende getan, um aus dem ganzen Land und
in der Tat aus der ganzen Welt neue Ideen zu bekommen.
Ich möchte Sie ermutigen, uns zu unterstützen. Wenn
Sie Ideen haben, teilen Sie uns diese mit, denn dies ist
die größte Finanzkrise, mit der sich die Welt seit einem
halben Jahrhundert konfrontiert sieht. Die Vereinigten
Staaten haben eine absolut zwingende Verpflichtung
zur Übernahme einer Führungsrolle, und das auf eine
Weise, die im Einklang mit unseren Werten und
unserer Verpflichtung steht, darauf zu achten, daß das,
was wir tun, den Menschen hier zu Hause und auf der
ganzen Welt hilft.
Der Council on Foreign Relations steht seit dem Ende
des Ersten Weltkriegs für politische und wirtschaftliche
Freiheit. Und seit dem letzten Jahrzehnt zunehmender
Freiheit auf der Welt leben mehr als die Hälfte der
Weltbevölkerung unter Regierungen ihrer Wahl, mehr
als die Hälfte der eine Million Dörfer in China wählen
jetzt ihre eigenen Regierungen und ersetzen die
Kommando- und zentral gelenkten Wirtschaften durch
Marktwirtschaften. Das scheint so leicht, so mühelos,
so zwangsläufig geschehen zu sein, daß wir meiner
Ansicht nach davon ausgehen können, der Trend ist
unvermeidlich und unumkehrbar.
Aber wenn Sie sich heute die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Störungen und die einfachen, tiefen, persönlichen Enttäuschungen von Millionen von Menschen

AMERIKA DIENST 19

auf der Welt betrachten, ist für mich klar, daß es jetzt
eine große Herausforderung gibt, die nicht nur die
wirtschaftliche Freiheit, sondern - wenn sie nicht
bewältigt wird - auch die zunehmende politische
Freiheit behindern könnte.
Offensichtlich haben wir hier ein profundes Interesse.
Es ist eine Ironie des Schicksals, daß wir uns in einem
Augenblick beispielloser wirtschaftlicher Stärke in einer
Zeit solcher Turbulenzen in der Weltwirtschaft befinden. Ich denke, wir alle in diesem Saal wissen, daß
unser zukünftiger Wohlstand davon abhängt, ob wir mit
anderen an der Wiederherstellung des Vertrauens, der
Bewältigung des Wandels, der Stabilisierung des
Finanzsystems und der Ankurbelung soliden globalen
Wachstums zusammenarbeiten können.
Einen Großteil der vergangenen 30 Jahre waren die
Vereinigten Staaten und die übrige Welt vornehmlich
mit Inflationsraten befaßt aus Gründen, die Ihnen allen
hier nur zu gut bekannt sind - und es war gut, daß man
sich damit befaßt hat. Heute ist die niedrige und
stabile Inflationsrate entscheidend für unsere gesunde
Wirtschaft, und die niedrige Inflationsrate hat auch zu
den niedrigen Inflationsraten vieler anderer Nationen
beigetragen. Aber offensichtlich hat sich das Gleichgewicht der Risiken jetzt verlagert, und ein Viertel der
Weltbevölkerung lebt in Ländern mit abnehmendem
oder negativem Wirtschaftswachstum.
Aus diesem Grund ist meiner Ansicht nach die Ankurbelung des Wachstums die oberste Priorität der
industriellen Welt. Wir sollten sechs vordringliche
Schritte unternehmen, um zur Eindämmung der
derzeitigen finanziellen Turbulenzen auf der Welt

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�beizutragen. Diese Schritte beinhalten zwei längerfristige Projekte, die uns einbeziehen müssen.
Um den vordringlichsten ersten Schritt zu unternehmen, müssen wir mit Japan, Europa und anderen
Nationen bei der Ankurbelung von Wachstum zusammenarbeiten.
Zweitens werden wir größere
Anstrengungen machen, damit lebensfähige Unternehmen in Asien der lähmenden Schuldenlast entrinnen
können, um wieder zu Wachstum und der Schaffung
von Arbeitsplätzen beizutragen. Drittens haben wir die
Weltbank gebeten, ihre Unterstützung für das soziale
Sicherheitsnetz in Asien zu verdoppeln, um den
Menschen zu helfen, die unschuldige Opfer der
finanziellen Turbulenzen sind. Viertens werden wir die
führenden Industrieländer auffordern, den Nothilfefonds des IWF in Höhe von 15 Milliarden Dollar zu
nutzen, damit die Finanzkrise sich nicht auf Lateinamerika oder andere Länder ausweitet. Fünftens wird
unsere Export-Import Bank unter der Leitung von Jim
Harmon ihre Bemühungen zur Herbeiführung von
Wirtschaftsaktivitäten in den Entwicklungsländern in
den nächsten drei Monaten unverzüglich intensivieren.
Und sechstens muß der Kongreß seiner Verantwortung zu dauerhaftem Wohlstand gerecht werden,
indem er unsere Verpflichtungen gegenüber dem
Internationalen Währungsfonds erfüllt.
Finanzminister Rubin arbeitet mit seinen Amtskollegen
in der G 7 zusammen, um die kooperative Unterstützung für mehrere dieser Maßnahmen zu erhalten.
Meines Wissens führt auch der Zentralbankratsvorsitzende Greenspan mit seinen Amtskollegen
Konsultationen zu diesem Thema.
Während wir diese vordringlichen Schritte unternehmen, müssen wir auch unsere Bemühungen zur
Reform unserer Handels- und Finanzinstitutionen
intensivieren, so daß sie besser auf die Herausforderungen reagieren können, denen wir uns jetzt und
wahrscheinlich in Zukunft gegenübersehen. Wir
müssen ein stärkeres und rechenschaftspflichtigeres
globales Handelssystem aufbauen, Fortschritte bei den
Initiativen zur Marktöffnung erzielen, aber auch den
Schutz von Arbeitnehmerinteressen und der Umwelt
fördern und mehr tun um sicherzustellen, daß der
Handel das Leben aller Bürger auf der ganzen Welt
verbessert.
Vor allem müssen wir unsere Bestrebungen zur
Reform des internationalen Finanzsystems beschleunigen. Heute habe ich Finanzminister Rubin und den
Vorsitzenden des Zentralbankrats Greenspan um die
Einberufung eines Treffens ihrer Amtskollegen in den
nächsten 30 Tagen gebeten, um Wege zur Anpassung
der internationalen Finanzarchitektur an das 21.
Jahrhundert zu empfehlen.
In den vergangenen sechs Jahren haben unsere
nationale Strategie der Haushaltsdisziplin, der In-

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vestitionen in die Qualifikationen unserer Bürger und
des offenen Handels für alle Amerikaner funktioniert.
Die Arbeitslosigkeit ist auf dem tiefsten Stand seit 28
Jahren, die Inflationsrate so niedrig wie seit 32 Jahren
nicht mehr, Löhne und Gehälter steigen nach Jahrzehnten der Stagnation doppelt so schnell wie die
Inflationsrate. Und am 1. Oktober werden wir zum
ersten Mal seit 29 Jahren einen ausgeglichenen
Haushalt haben.
Die globale Wirtschaft hat uns zwar sehr viel von
diesem Wohlstand gebracht, aber jetzt verursachen
oder verschärfen schnelle Strömungen die Probleme in
Rußland und Asien. Sie bedrohen aufstrebende
Volkwirtschaften von Lateinamerika bis Südafrika.
Angesichts des abnehmenden Wachstums für ein
Viertel der Weltbevölkerung müssen wir uns bewußt
machen, was der Vorsitzende Greenspan neulich
sagte: Wir können nicht für immer eine Oase des
Wohlstands sein. Wachstum im Inland hängt von
Wachstum im Ausland ab. Ganze 30 Prozent unseres
Wachstums sind allein seit meiner Amtsübernahme auf
unser erweitertes positives Engagement in der globalen Wirtschaft zurückzuführen.
Deswegen sollte jeder Amerikaner sich damit befassen, ob Asien, Rußland oder Südamerika wirtschaftlich
auf soliden Füßen stehen. Diese Menschen sind
unsere Kunden. Da ein Drittel des Wachstums
unserer Volkswirtschaft durch Exporte erfolgt und ein
Großteil davon aus aufstrebenden Märkten, wissen
wir, daß diese Märkte zusammenbrechen können,
wenn ihre Volkswirtschaften vor dem Bankrott stehen.
Wenn das Problem weitverbreitet ist und anscheinend
in die falsche Richtung geht, beobachten wir, daß
unsere Aktienmärkte reagieren können und direkte und
unmittelbare Auswirkungen auf den Wohlstand des
amerikanischen Volkes haben.
Diese Nationen sind auch unsere Konkurrenten. Und
unter den Gegebenheiten der Ausgewogenheit ist das
in der Tat sehr gut. Aber wenn ihre Währungen und
die Preise ihrer Waren gefährlich fallen, könnten sie
den Verkauf ihrer eigenen Waren hier im Inland
unterbieten, der ansonsten profitabel ist, und unser
Handelsdefizit unter Umständen dramatisch erhöhen,
was die Amerikaner dazu veranlassen könnte, sich
von. offenem Handel ab- und in einer Weise dem
Protektionismus zuzuwenden, die langfristig enorme
negative Konsequenzen für unsere globalen Wachstumsziele hat.
Und schließlich sind diese Nationen unsere Freunde,
unsere Verbündeten und unsere Sicherheitspartner.
Wenn wirtschaftliche Turbulenzen Millionen Menschen
in plötzliche Armut stürzen, das Leben der Menschen
stören und aus der Bahn bringen, steigt zweifelsohne
das Risiko politischer und sozialer Instabilität und einer
Abwendung von der Demokratie. Betrachten Sie sich
Rußland. Rußland sieht sich mit einer Wirtschaftskrise

AMERIKA DIENST 19

�konfrontiert, die die außerordentlichen Fortschritte
bedroht, die das russische Volk in nur sieben Jahren
beim Aufbau einer neuen Gesellschaft von Grund auf
gemacht hat. Der Rubel und die Aktienmärkte sind
drastisch gefallen, die Banken sind schwach, die
Steuereinnahmen haben sich verlangsamt, die Regierung hat Schwierigkeiten, ihre Schulden und die
Gehälter zu bezahlen.
Einige Russen sind reich geworden, aber sehr viele
haben Mühe, ihre Familien zu ernähren. Als ich vor
kurzem in Rußland war, habe ich mit einigen gesprochen.
Inmitten dieser politischen Unsicherheit und wirtschaftlichen Schwierigkeiten sprechen manche jetzt
von einer Abkehr vom Weg der Reform und einer
Rückkehr zu den Maßnahmen der Vergangenheit sogar Maßnahmen, die bereits gescheitert sind.
Schlimmstenfalls könnte die Not in Rußland nicht nur
Auswirkungen auf die russische Wirtschaft und die
Aussichten für unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit
haben - schlimmstenfalls könnte sie Auswirkungen auf
unsere Zusammenarbeit mit Rußland bei der nuklearen Abrüstung, der Bekämpfung von Terrorismus und
der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und
unserem gemeinsamen Eintreten für Frieden vom
Balkan bis zum Nahen Osten haben.
Rußland hat jetzt einen neuen Ministerpräsidenten Herrn Primakow - der seit vier Tagen im Amt ist. Er

und Präsident Jelzin sehen sich einer der großen
Herausforderungen ihrer Zeit gegenüber. Es hat nie
einen wichtigeren Augenblick gegeben, um eine klare
Richtung für die Zukunft vorzugeben, die Verpflichtung
Rußlands zu Demokratie und freien Märkten zu
bekräftigen und entschiedene Schritte zur Stabilisierung der Wirtschaft und der Wiederherstellung des
Vertrauens der Investoren zu unternehmen.
Aber wenn Rußland bereit ist, diese Schritte zu
unternehmen, müssen wir alles in unserer Macht
Stehende tun, um dem Land Unterstützung zu gewähren. Ich möchte nochmals wiederholen - solange der
Bürger keine Vorteile dadurch sieht, wird es am Ende
schwierig sein, die Richtung beizubehalten, die die
Welt unserer Ansicht nach einschlagen sollte.
Andererseits müssen wir aufrichtig mit Rußland und
allen anderen sein. Keine Nation, ob reich oder arm,
demokratisch oder autoritär, kann den grundlegenden
wirtschaftlichen Geboten des globalen Marktes
entrinnen. Keine Nation kann sich seiner Disziplin
entziehen. Keine Nation kann sich der Verantwortung
entziehen, das Ihre zu tun.
Aber da alle Volkswirtschaften zunehmend interdependent sind, können Angst und Unsicherheit wegen der
Wirtschaftslage eines Landes die Investoren dazu
veranlassen, ihr Geld aus Tausende von Meilen

AMERIKA DIENST 19

entfernten Ländern abzuziehen. Die Märkte funktionieren am besten, wenn sie weder von übermäßigem
Kapitalzufluß noch -abfluß aufgrund von willkürlichem
Optimismus oder Pessimismus gelenkt werden.
Unabhängig davon, welche Veränderungen bei den
Maßnahmen oder Institutionen gerechtfertigt sein
mögen, müssen wir feststellen, daß wir nur den
Ländern helfen können, die bereit sind, sich selbst zu
helfen. Wenn eine Nation sich entschließt, willkürlich
Geld zu drucken, um Vetternwirtschaft oder Korruption
zu begünstigen, schlechte Darlehensvergabe zu
vertuschen und korrupte oder ineffiziente Banken zu
schützen, dann werden aus- und inländische Investoren früher oder später ihre Investitionen mit
unverzüglichen und gravierenden Konsequenzen
abziehen.
Aus diesem Grund unterstützen wir den grundlegenden Ansatz des Internationalen Währungsfonds, Hilfe
nur dann auszuweiten, wenn die Länder Verantwortung übernommen, ihr Bankensystem gestärkt,
ehrliche Rechnungsprüfung und offene Märkte eingeführt und Kredite aufgrund von Verdiensten statt
Verbindungen vergeben haben.
Was getan wurde, ist jedoch eindeutig nicht genug, um
den Niedergang einiger Länder aufzuhalten, die
Flammen der internationalen Finanzkrise zu ersticken
und stetiges, nachhaltiges Wachstum in der Zukunft zu
unterstützen.
Angesichts dieser neuen Herausforderung können und müssen die Vereinigten Staaten
weiterhin handeln und eine Führungsrolle übernehmen, die heute erforderlichen dringenden Schritte zur
Eindämmung der Finanzkrise, der Wiederankurbelung
des Wachstumsmotors in Asien, der Minimierung der
Auswirkungen der finanziellen Turbulenzen auf andere
Länder und der Gewährleistung zu unternehmen, daß
für morgen die Institutionen und Regeln der internationalen Finanzen und des internationalen Handels
langfristig zur Unterstützung von stetigem und nachhaltigem Wachstum bereit sind.
Als erstes müssen die führenden Wirtschaftsnationen
gemeinsam handeln, um globales Wachstum anzukurbeln. Unsere starke und wachsende Volkswirtschaft hier im Inland hat einen wichtigen Beitrag zum
globalen Wachstum geleistet, ebenso wie unsere
schwache Volkswirtschaft die Welt vor sechs Jahren,
als ich zum ersten Mal an einem G 7-Treffen in Tokio
teilnahm, lähmte und jedes andere Land erklärte, als
Erstes müßten die Vereinigten Staaten ihr wirtschaftliches Haus in Ordnung bringen. Das haben wir getan.
Ich bin der festen Überzeugung, daß wir unsere
Haushaltsdisziplin beibehalten müssen. Sie hat zu
niedrigeren Zinssätzen, enormen Investitionen und der
Schaffung von Arbeitsplätzen geführt. Die Bewahrung
des Wirtschaftswachstums ist das Beste, was wir zur

Seite 3

�Zeit tun können - nicht nur für die Vereinigten Staaten,
sondern auch für die globale Wirtschaft.
Ich möchte auch daran erinnern, daß wir uns 1993
generell über die Notwendigkeit einig waren, daß
Amerika das Defizit abbauen, Europa seine Zinssätze
senken und Japan seine Märkte öffnen sollte. Es
bestand generelle Übereinstimmung, daß wir eine
bemerkenswerte Wiederbelebung des Wachstums
haben würden.
Europa senkte seine Zinssätze, und der damalige
Ministerpräsident - jetzt Finanzminister - Miyazawa
leitete ein bedeutendes Handelsabkommen zur
Marktöffnung zwischen den Vereinigten Staaten und
Japan in die Wege, das auch für andere von Nutzen
war, nicht nur für uns. Und wir haben natürlich unser
Defizit abgebaut. Die Ergebnisse waren für uns
mehrere Jahre lang ziemlich befriedigend.
Heute muß Europa weiterhin Maßnahmen verfolgen,
die Wachstum ankurbeln und die Märkte des Landes
offen halten, denn auch sie müssen in der Lage sein,
Märkte für asiatische Waren bereitzustellen, während
diese Nationen versuchen, Fuß zu fassen. Der
Schlüssel hier ist jedoch Japan, denn die zweitgrößte
Volkswirtschaft der Welt - und bei weitem die größte
Volkswirtschaft in Asien - hatte jetzt mehrere Jahre
kein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. Erfreulicherweise konnten viele Japaner aufgrund des
Wohlstands des Landes und wahrscheinlich wegen
der enormen persönlichen Ersparnisse, über die sie
seit vielen Jahren verfügen, weiterhin ein einigermaßen gutes Leben führen.
Es ist jedoch schwierig herauszufinden, wie Aktionen
der internationalen Gemeinschaft in Asien erfolgreich
Wachstum wiederherstellen können in Abwesenheit
von erneutem Wachstum in Japan, das Japan ermöglichen würde, die Region aus ihrer jetzigen Lage
herauszuführen. Aus diesem Grund müssen wir
Japan unterstützen und alles tun, um zur Schaffung
von Bedingungen beizutragen, unter denen wir alle
wieder eine Führungsrolle übernehmen können, wie
wir es 1993 getan haben.
Die Herausforderungen für Japan sind ziemlich
erschreckend. Die Binnennachfrage muß angekurbelt,
das Bankensystem wiederbelebt, Vertrauen wiederhergestellt, die Wirtschaft dereguliert und die Märkte
müssen geöffnet werden. Wir alle kennen die Kräfte,
die gegen diese Entwicklungen in Japan zu arbeiten
scheinen. Ich möchte Sie jedoch daran erinnern, daß
Japan eine sehr starke, hoch entwickelte Nation voller
Menschen mit Wissen und enormen Leistungen ist.
Das Land ist voll und ganz in der Lage, seine Führungsrolle in der Welt zu übernehmen. Meines
Erachtens wissen seine Unternehmer sehr wohl, was
jetzt getan werden muß und würden es unterstützen.

Seite 4

In der nächsten Woche werde ich hier in New York mit
Ministerpräsident Obuchi zusammentreffen um zu
erörtern, wie die Vereinigten Staaten Japans Bestrebungen zur Wiederherstellung von Wirtschaftswachstum und des Vertrauens der Investoren unterstützen
können. Und ich werde alles mir Mögliche tun um
sicherzustellen, daß bei unseren Fortschritten Amerika, Europa und Japan ihren Beitrag leisten, um über
diesen Augenblick hinwegzukommen, wie wir es 1993
getan haben.
Der zweite Schritt, den wir unternehmen sollten, ist die
Intensivierung unserer Bestrebungen, die wirtschaftliche Erholung in Asien zu beschleunigen. Wenn
Länder wie Südkorea und Thailand entschiedene und
verantwortungsvolle Schritte unternehmen, endet der
freie Fall, und es werden Fortschritte erzielt. Aber die
Konsequenzen des Zusammenbruchs in Asien sind für
die Menschen jetzt deutlich spürbar. Jüngste Presseberichte beschrieben eine ganze Generation, die seit
25 Jahren auf dem Weg in die Mittelschicht ist und
dann binnen Monaten in Armut versinkt. Die Geschichten sind herzzerreißend - Ärzte und Krankenschwestern, die in der Eingangshalle eines geschlossenen Krankenhauses leben müssen; Mittelklassefamilien, die ein Eigenheim besitzen, ihre Kinder aufs
College schickten und Reisen ins Ausland machten
und jetzt vom Verkauf ihres Besitzes leben.
Es liegt in unserem Interesse, diesen Nationen und
diesen Menschen bei ihrer Erholung zu helfen. Sie
werden wieder unsere großen Märkte und unsere
großen Partner werden. Es ist richtig, daß wir das tun.
Wir haben mit internationalen Kreditgebern wie dem
IWF zusammengearbeitet, um diesen Nationen bei der
Verabschiedung eines Haushalts, Steuern und einer
Geldpolitik behilflich zu sein, die Wachstum fördern,
aber zweifelsohne müssen wir mehr tun, um das
Wachstum in Asien wiederherzustellen. Wir müssen
darauf hinarbeiten, die Schuldenlast des Privatsektors
zu erleichtern, die die asiatischen Volkswirtschaften
lähmt.
Heute bitte ich Finanzminister Rubin, mit anderen
Finanzbehörden und internationalen Wirtschaftsinstitutionen zusammenzuarbeiten, um die Bestrebungen zur Prüfung umfassender Pläne zu fördern,
asiatische Unternehmen von enormer Schuldenlast zu
befreien, wo einzelne Firmen durch systemimmanente,
nationale Wirtschaftsprobleme anstatt durch eigenes
Verschulden in Schwierigkeiten gerieten. Wir müssen
den Kreditfluß wieder in Gang bringen. Wir müssen
Unternehmen wieder in die Lage versetzen, Produkte
und Dienstleistungen anzubieten und Arbeitsplätze zu
schaffen.
Drittens. Asiatische Unternehmen brauchen Unterstützung, aber dasselbe gilt für Millionen asiatischer
Familien. Wir müssen mehr tun, um in den sich
erholenden Ländern ein adäquates Netz sozialer

AMERIKA DIENST 19

�Sicherheit zu schaffen. Ein mit Gewalt herbeigeführter
wirtschaftlicher Übergang ohne ein angemessenes
Sicherheitsnetz kann im Namen der Wirtschaftstheorie
Menschenleben kosten, und dadurch - wenn ich das
hinzufügen darf - so viel Widerstand hervorrufen, daß
der Reformprozeß zum Erliegen kommt. Wenn wir von
diesen Ländern harte Reformen erwarten, müssen wir
die schutzlosesten Mitglieder der Gesellschaft verteidigen, und wir müssen die Menschen schützen, die
Schaden nehmen, obwohl sie nichts falsch gemacht
haben. Meiner Meinung nach ist das von größter
Bedeutung.
Die Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank
haben mit unserer Hilfe begonnen, diese Herausforderungen zu bewältigen, aber sie müssen ihre
Bestrebungen noch verstärken. Es wird einfach noch
nicht genug getan. Ich habe sie gebeten, ihre Hilfe im
Rahmen einer gemeinsamen erweiterten Sozialinitiative zu verdoppeln, die sich auf Unterstützung bei
der Suche nach einem Arbeitsplatz, Grundbedürfnisse
und wirtschaftlichen Übergang, auf Kinder und ältere
Bürger sowie auf Gruppen konzentriert, die dem
wirtschaftlichen Wandel besonders schutzlos gegenüberstehen. Ich gratuliere Jim Wolfensohn zu seinen
Bestrebungen und seiner Bereitschaft, bei dieser
erweiterten Initiative die Führungsrolle zu übernehmen.
Wir müssen bereit sein, notfalls sofort mit Finanzkraft
auf die Währungskrise zu reagieren, falls sie sich
ausweitet, insbesondere wenn sie die Volkswirtschaften Lateinamerikas bedroht, wo die Nationen
darum kämpfen, Fortschritte zu machen und das
Richtige zu tun, nur um gegen wirtschaftliche Stürme
ankämpfen zu müssen, die außerhalb ihrer Kontrolle
liegen.
Aus diesem Grund sollten die großen Volkswirtschaften bereit sein, den Nothilfefonds des IWF, das
Allgemeine Darlehensabkommen in Höhe von derzeit
15 Milliarden Dollar zu aktivieren, damit gewährleistet
ist, daß der IWF weiterhin Reformen unterstützt und
gegen ausufernde Wirtschaftskrisen vorgeht.
Fünftens. Unsere Export-Import Bank wird während
der nächsten drei Monate ihr Engagement für spezifische Wirtschaftsentwicklungsprojekte verstärken Projekte, die konkrete Vorteile für die Bürger anderer
Länder bringen, unsere Exporte erhöhen und dadurch
unsere Wirtschaft ankurbeln, und die das Vertrauen
unter den Bürgern anderer Länder wiederherstellen,
daß sie nicht allein sind und daß spezifische, positive
Entwicklungen tatsächlich stattfinden können.
Sechstens. Damit die Bestrebungen der internationalen Staatengemeinschaft von Erfolg gekrönt sind,
müssen die Vereinigten Staaten ihren gegenüber dem
IWF eingegangenen Verpflichtungen nachkommen.
Nach einem Jahr finanzieller Schadensbegrenzung
sind die Mittel des IWF stark strapaziert. Mit jedem
Tag, an dem wir nicht handeln, unterminieren wir das

AMERIKA DIENST 19

weltweit dringend benötigte Vertrauen, das wir wiederherzustellen versuchen. Der Kongreß muß einfach
seiner Verantwortung für unsere Führungsrolle in der
Wirtschaft nachkommen.
In meinem Bericht zur Lage der Nation habe ich
erklärt, daß es besser ist, sich auf einen Sturm vorzubereiten, wenn der Himmel klar ist, als wenn er
bereits bewölkt ist. Jetzt, acht Monate später, sind
Wolken aufgezogen, und wir können den Donner fast
schon hören. Der Senat hat dankenswerterweise mit
überwältigender überparteilicher Mehrheit unsere
Verpflichtung angenommen, unseren Anteil zur
Finanzierung des IWF beizutragen. Obwohl diese
Sitzungsperiode des Kongresses bereits in fünf
Wochen zu Ende geht, hat das Repräsentantenhaus
noch nichts unternommen.
Ich möchte es so einfach wie möglich ausdrücken:
Wenn dieser Kongreß unsere Schulden beim IWF nicht
begleicht, setzen wir unseren Wohlstand aufs Spiel.
Untätigkeit wird ein deutliches Signal senden, daß
unsere Gesetzgeber in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen nicht bereit waren, unsere Arbeitnehmer,
unsere Unternehmen und unsere Landwirte vor den
Risiken des globalen wirtschaftlichen Wandels zu
schützen, und nicht bereit waren, unsere Führungsrolle
beim Aufbau eines globalen Wirtschaftssystems
aufrechtzuerhalten, das uns mehr als jeder anderen
Nation zugute gekommen ist.
Konzertiertes Handeln zur Förderung des Wachstums,
Unterstützung Asiens durch Umschuldung im Privatsektor, Stärkung des Sozialversicherungsnetzes,
Schutz der übrigen Länder durch Aktivierung des IWFNothilfefonds, Verstärkung der Aktivitäten der Ex-Im
Bank, Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber
dem IWF - dies sind die sechs unmittelbaren Schritte,
die wir unternehmen wollen.
Wir müssen aber auch bereit sein, langfristige Maßnahmen zu ergreifen - die Finanz- und Handelsinstitutionen der Welt zu verändern, um sie an die
Gegebenheiten der neuen Weltwirtschaft anzupassen.
Mit der Gründung der Welthandelsorganisation (WTO)
im Jahr 1994 leiteten wir den Aufbau eines modernen
Handelssystems ein. Wir müssen unsere Bestrebungen verdoppeln, weltweit Handelshemmnisse zu
beseitigen. Aber wie ich bereits im Mai in Genf sagte,
müssen wir mehr tun um sicherzustellen, daß lebhafter
wirtschaftlicher Wettbewerb unter den Nationen nie auf
Kosten von Umweltschutz, Verbraucherschutz oder
Arbeitsnormen erfolgt.
Wir setzen uns dafür ein, die WTO-Verfahren für die
Beteiligung der Öffentlichkeit oder interessierter
Lobbyisten zu öffnen, damit die Menschen Dinge
kennenlernen, sehen und selbst tun können, die
gewährleisten, daß das Handelssystem die Welt für
alle Menschen aller Länder verbessert.

Seite 5

�Wir haben bereits 260 Handelsabkommen geschlossen und die Märkte auf Gebieten von Autos bis
Telekommunikation geöffnet. Im kommenden Jahr
werden wir in den Vereinigten Staaten ein Treffen der
Handelsminister aus der ganzen Welt veranstalten, um
die Agenda für erweiterten Handel im ersten Jahrzehnt
des neuen Jahrhunderts aufzustellen.
Die Geschichte lehrt uns, daß es in Zeiten weltweiter
Schwierigkeiten töricht wäre, sich in den Protektionismus zurückzuziehen. Wir müssen den Handelsfluß
unter den Nationen aufrechterhalten, aber ich wiederhole nochmals: Wenn wir das wollen, müssen wir
den Bürgern und den sie vertretenden Gruppen in
Ländern auf der ganzen Welt das Gefühl geben, daß
das auf faire Art und Weise sowie im Einklang mit den
Verpflichtungen der Nationen geschieht, die Interessen
der Arbeitnehmer zu fördern und nicht nur ihre nationale, sondern die globale Umwelt zu schützen.
Im November, wenn ich beim APEC-Gipfel mit den
führenden Vertretern der asiatischen Volkswirtschaften
zusammentreffe, werden wir Schritte zur weiteren
Öffnung der Märkte in Asien unternehmen. Und wenn
der Kongreß im kommenden Jahr wieder zusammentritt, werde ich mich für Gesetze zur weiteren Öffnung
der Märkte einsetzen - von Handelsgesprächen bis zur
afrikanischen Handelsinitiative. Ich werde das auf eine
Art und Weise tun, die meines Erachtens auf breite
Unterstützung der Mehrheit beider Parteien stoßen
wird.
Vom G 7-Treffen in Halifax 1995 nach der mexikanischen Finanzkrise bis zum Gipfel von Birmingham
dieses Jahr haben wir gemeinsam mit unseren
wichtigen Wirtschaftspartnern Pläne für die neue
Finanzarchitektur des 21. Jahrhunderts ausgearbeitet.
Erstmals schlössen wir wichtige aufstrebende Märkte
im Rahmen der neuen Gruppe der 22 in diesen Prozeß
ein, weil wir ihre große Bedeutung in der neuen
Weltwirtschaft erkannten. Diese Gruppe arbeitet jetzt
seit fast einem Jahr an der Verbesserung der globalen
Finanzhilfe unter besonderer Betonung der Verbesserung der Finanzsektoren, der Transparenz und
der Lastenteilung im Privatsektor.
Ich möchte noch einmal betonen, daß wir das Tempo
dieser Arbeit am Finanzsystem erhöhen müssen,
selbst während wir auf dringende momentane Alarmzeichen reagieren. Aus diesem Grund habe ich
Finanzminster Rubin und Notenbankchef Greenspan
gebeten, die Finanzminister und Zentralbankvorsitzenden der G 7 und bedeutender aufstrebender Wirtschaften binnen eines Monats zu einem Treffen nach
Washington einzuladen, um einen vorläufigen Bericht
über die Stärkung des internationalen Finanzsystems
auszuarbeiten, der den Staats- und Regierungschefs
Anfang kommenden Jahres vorgelegt werden kann.

Seite 6

Wir müssen Maßnahmen erarbeiten, damit die Länder
die Vorteile des freien Kapitalflusses auf faire und
dauerhafte Weise genießen können. Wir müssen den
IWF anpassen, damit er den neuen Finanzkrisen
effektiver begegnen und ihre Häufigkeit, Schwere und
Konsequenzen für die Menschen begrenzen kann. Wir
müssen Wege sondieren, Nothilfefinanzierung auszuweiten, wenn Staaten aufgrund weltweiter finanzieller
Turbulenzen, nicht durch eigenes politisches Verschulden, mit Vertrauenskrisen konfrontiert sind. Wir
müssen Wege finden, die Kräfte der Weltmärke zu
nutzen, ohne die Welt zu einem Teufelskreis ständiger
extremer Krisen zu verurteilen.
Seit einem halben Jahrhundert lernen wir in unserer
Volkwirtschaft, Konjunkturschwankungen zwar nicht
abzuschaffen, aber unter Kontrolle zu halten und zu
begrenzen. Im 21. Jahrhundert müssen wir einen Weg
finden, das auch in der Weltwirtschaft zu tun.
Ich habe dieses Thema vor einigen Tagen mit dem
britischen Premierminister Blair erörtert, der jetzt den
Vorsitz der G 7 innehat. Er teilt meine Ansicht, daß
dies eine dringliche Aufgabe ist. Sie ist entscheidend
für die Mission, die er, der italienische Ministerpräsident Prodi und ich kommende Woche an der juristischen Fakultät der Universität von New York bei einem
hochinteressanten Treffen erörtern werden, das von
der First Lady und verschiedenen Mitgliedern unserer
Administration veranstaltet wird und sich mit der Frage
befaßt, wie alle in den Genuß der Vorteile der Weltwirtschaft kommen können und wie die Demokratie in
einer solchen Zeit tiefgreifenden Wirtschaftswandels
gestärkt werden kann.
Um das alles noch einmal kurz zusammenzufassen:
Wir müssen unsere Fähigkeit zur Bewältigung der
derzeitigen Finanzkrise verbessern und wo immer
möglich ein System zur zukünftigen Verhinderung
solcher Katastrophen aufbauen und ihre Auswirkungen
mildern, wenn sie sich ereignen. Keine Aufgabe ist
entscheidender für unsere Stärke und Sicherheit.
Ich möchte es noch einmal wiederholen: Es geht hier
um mehr als die Ausweitung freier Märkte und ihre
Integration in die Weltwirtschaft. Die treibenden Kräfte
der Weltwirtschaft vertiefen auch die demokratischen
Freiheiten: Den freien Fluß von Ideen und Informationen, offene Grenzen und Reisefreiheit, Rechtsstaatlichkeit, faire und gerechte Durchsetzung, Verbraucherschutz und eine fähige und gut ausgebildete
Arbeitnehmerschaft.
Das alles ist nicht nur für den Wohlstand der Nationen,
sondern auch für die Freiheit von Bedeutung. Wenn
die Bürger müde werden, darauf zu warten, daß
Demokratie und freie Märkte ihnen ein besseres Leben
ermöglichen, besteht ein wirkliches Risiko, daß
Demokratie und freie Märkte nicht zusammen prosperieren, sondern gemeinsam verkümmern. Das würde

AMERIKA DIENST 19

�große Gefahren implizieren - nicht nur für unsere
Wirtschaftsinteressen, sondern auch für unsere
Sicherheit.
Es gibt auf der ganzen Welt Aggressoren, Drogenbarone und Länder, die Terroristen Unterschlupf
gewähren. Was sind das für Staaten? Es sind
autoritäre Nationen ohne Demokratie und ohne offene
Märkte. Nationen, die ihren Bürgern Freiheit gewähren, sind gute Nachbarn; wenn Nationen der Freiheit
den Rücken kehren, wenden sie sich nach innen und
entwickeln Spannungen, Haß und Feindschaft.
Jetzt haben wir die Gelegenheit, weltweite Chancen zu
schaffen. Die derzeitigen Schwierigkeiten sollten nicht
dazu führen, daß wir die in den letzten Jahren erzielten
Fortschritte vergessen. Wenn wir das Richtige tun,
steht es in unserer Macht, Milliarden Menschen auf der
Welt in die Lage zu versetzen, in die Mittelschicht
aufzusteigen, an der globalen Demokratie teilzuhaben
und wirkliche Bestrebungen zur Erlangung von Frieden
und Versöhnung zu unternehmen. Das ist eine

*

AMERIKA DIENST 19

Chance, aber die jüngsten Ereignisse zeigen, daß sie
nicht mit Sicherheit kommt.
Aus diesem Grund sind die Vereinigten Staaten von
Amerika zum gegenwärtigen Zeitpunkt erneut aufgerufen, die Führungsrolle zu übernehmen - die Kräfte
einer engagierten Welt zu bündeln, die ungebärdigen
Kräfte der Weltwirtschaft in positive Bahnen zu lenken,
unsere Interessen zu fördern, unsere Werte zu
stärken, unsere Sicherheit zu erhöhen.
Meines Erachtens ist es an dieser Stelle keine Vereinfachung zu behaupten, daß wir wissen, was getan
werden muß. Die Generation des Zweiten Weltkriegs
tat das vor 50 Jahren für uns. Jetzt ist es an uns,
unserer Verantwortung nachzukommen, wie es
Amerika in der Vergangenheit so oft tun mußte. Wenn
uns das gelingt, können wir das Versprechen der
Weltwirtschaft erfüllen und unsere Nation für ein neues
Jahrhundert stärken.
Vielen Dank.

* * *

*

Seite 7

�USA-DEUTSCHLAND
23. September 1998

Öffentlich-private Partnerschaften und die
Zukunft der transatlantischen Partnerschaft
Rede von Botschafter John C. Kornblum

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Komblum, am 2. September 1998 im Aspen Institut Berlin
gehalten hat.

Unser Thema heute lautet: "Öffentlich-private Partnerschaften und die atlantischen Beziehungen". Was sind
eigentlich öffentlich-private Partnerschaften, was
haben sie überhaupt mit der Außenpolitik oder gerade
den atlantischen Beziehungen zu tun? Wir brauchen
jetzt nur die Zeitungen zu lesen um zu sehen, wie sehr
die internationale Politik - aber auch die Interessen
unserer Völker und unsere gemeinsamen Ziele - von
der komplizierten Verbindung zwischen Regierungspolitik und dem privaten Sektor beeinflußt, gefördert,
aber auch beeinträchtigt werden.
Vor dem Ende des Kalten Krieges wurde das Umfeld
der Außenpolitik von den traditionellen militärischen
und sicherheitspolitischen Fragen dominiert. Man
befaßte sich stark mit der Konfrontation zwischen Ost
und West. Seit 1989 leben wir in einer ganz anderen
Welt. Allmählich wird klar, daß die Probleme, aber
auch die Chancen und Möglichkeiten, die uns bevorstehen, immer stärker von einer breiten Mischung aus
Regierungspolitik und verschiedenen privaten Einflüssen in Angriff genommen werden müssen. Diese
Probleme liegen in immer geringerem Maße im
alleinigen Zuständigkeitsbereich der Regierungen.
Die Bedeutung von empowerment
Diese Betrachtungsweise ist vielleicht eine besonders
amerikanische. Es gibt viele Menschen in Europa,
auch in Deutschland, die einige dieser Thesen vielleicht nicht so teilen würden. Wir führen eine interessante Debatte über den Atlantik hinweg, wie man
gerade die Sicherheit und den Wohlstand unserer
Gesellschaften unter diesen neuen Bedingungen

AMERIKA DIENST 19

gewährleistet, und werden diese auch in Zukunft
fortsetzen.
Ich kenne das aus meiner eigenen Erfahrung. Beispielsweise war ich viele Jahre mit dem sogenannten
Helsinki-Prozeß, jetzt OSZE genannt, befaßt. Für die
Vereinigten Staaten ist die OSZE das perfekte Instrument einer Verbindung aus politischen und sicherheitspolitischen Wertvorstellungen sowie Moral
und Werten.
Aber es gibt Stimmen in Europa, die genau das
Gegenteil fordern. Sie wollen aus der OSZE einen
Staatenbund mit vertraglichem Charakter machen, weil
sie meinen, nur so könne man Frieden sichern. Diese
Spannung zwischen formellem enforcement von
Sicherheit und Stabilität und einer etwas offeneren
Sicherheitspolitik ist eine der Hauptfragen der Zeit
nach dem Kalten Krieg. Die Vereinigten Staaten sind
überzeugt, daß in dieser neuen Situation anstelle des
enforcement von Verträgen und Verpflichtungen das
Leitprinzip unserer Bestrebungen zunehmend das
empowerment von Völkern und Einzelnen sein muß.
Deshalb möchte ich heute Abend unterstreichen, wie
wichtig Privatinitiativen sind, wie wichtig Nichtregierungsorganisationen - NGOs - sind, wie wichtig nicht
nur solche Organisationen, sondern auch solche
Konzepte für die zukünftige Sicherheit und den
Wohlstand unserer Völker sind. Das heißt, die freie
Bahn der Kräfte, die Mischung aus regierungsähnlichen und Privatinitiativen. Diese neue Synthese bietet
die einzige Möglichkeit, den Entwicklungen der letzten
20 Jahre gerecht zu werden.

Seite 1

�Das gilt nicht nur für das Ende des Kalten Krieges,
sondern auch für die geradezu revolutionären Entwicklungen in Wirtschaft und Technologie, die weltweiten
Kapitaltransfers, vielerlei moderne Einflüsse, die
explosionsartige Entwicklung der Kommunikation und
natürlich die rasche Unabhängigkeit so vieler neuer
Staaten und den Beitritt von zahlreichen Staaten,
Regionen und Völkern mit unterschiedlichen Interessen und Zielen zur internationalen Staatengemeinschaft. Wir erleben die weltweite Öffnung.
Regierungen spielen natürlich eine wichtige Rolle.
Aber es wird immer deutlicher, wie schwierig es für die
Regierungen ist, die Entwicklungen zu kontrollieren
oder allem gerecht zu werden. Und noch schwieriger
ist: Eine Vision einer erfolgreichen Zukunft muß
zunehmend eine integrierte Vision sein. Die Zeiten
sind vorbei, in denen Politiker oder Diplomaten große
Konzepte von sicherheitspolitischen Systemen
entwickeln konnten. Jetzt muß das auf der Basis einer
Vielfalt von Einflüssen passieren.
Dieses Thema ist nirgendwo auf der Welt wichtiger ist
als in Berlin. Berlin und natürlich auch Deutschland
waren über Jahrzehnte hinweg das wichtigste Beispiel
für die alte Sicherheitspolitik. Aber auch in jener Zeit
war das Fundament der Demokratie, der Freiheit und
der freien Marktwirtschaft der Unterbau unserer
militärischen Sicherheitspolitik. Und letztlich war auch
das demokratische Wunder, das im westlichen Teil
Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden hat, im Endeffekt der Grund, warum der
Kalte Krieg ein Ende nahm.
Berlin war immer ein Umschlagplatz für Ideen. In
einem wiedervereinigten Europa wird das immer mehr
der Fall sein. Für die Vereinigten Staaten - gerade weil
wir ein so tiefes Fundament an gemeinsamer Erfahrung und gemeinsamen Erfolgen in Berlin haben - wird
es wichtig sein, in Berlin eine neue Tradition zu
gründen. Eine Tradition, die auf Menschen, der
Gesellschaft und privater Initiative basiert.
Private Kontakte waren hier in Berlin immer wichtig.
Sie sind nichts Neues, aber sie sind auch ein Fundament für die neue Art von Sicherheitspolitik, die ich
beschrieben habe. Privatinitiativen bleiben wichtig.
Aber wenn private Initiativen und Nichtregierungsstellen zusammenarbeiten, tun sie zweierlei: Sie
engagieren sich persönlich für eine bestimmte Art von
Gesellschaft, sei es innerhalb ihrer Länder oder auf
bilateraler Ebene. Und zweitens rufen öffentlichprivate Partnerschaften ein Gefühl von empowerment
hervor, ein Gefühl, daß man nicht nur Objekt der
Sicherheitspolitik, der internationalen Politik, ist,
sondern Teil dieser Politik. Und für die Zukunft
Europas kann ich nicht oft genug und stark genug
unterstreichen, wie wichtig dieses Gefühl von empowerment sein wird.

Seite 2

Die jüngere Geschichte unterstreicht das. Wenn man
wie ich einige Jahre in Bosnien war, sieht man leider,
wie stark und wie zerstörend das Gefühl sein kann, ein
Opfer zu sein. Victimization nennen wir das auf
Englisch. Dieses Gefühl, daß man machtlos ist, daß
man seine eigene Zukunft nicht bestimmen kann, ist
leider im Moment eines der stärksten Gefühle in
gewissen Teilen der Welt.
Wenn wir in Zukunft eine stabile Gemeinschaft über
den Atlantik und auch über Europa hinweg aufbauen
wollen, dann müssen wir auch sicher sein, daß nicht
nur Amerika oder Deutschland oder England oder
Frankreich das Gefühl der Verantwortung haben,
sondern daß Menschen, private, einzelne Menschen in
unseren Gesellschaften, aber vor allem Menschen in
Teilen der Welt wie dem Balkan oder dem Kaukasus
oder Mittelasien ein ähnliches Gefühl entwickeln. Und
ich kann wirklich aus eigener Erfahrung sagen, es sind
die NGOs, die Nichtregierungsorganisationen, die eine
viel größere Rolle spielen, dieses Gefühl des empowerment zu vermitteln, als Regierungen. Einige
Jahre lang wurden in Bosnien zum Beispiel westliche
Ideale eigentlich nur von den NGOs hochgehalten. Wo
unsere offizielle Politik Schwierigkeiten hatte, sich auf
die neue Lage auf dem Balkan einzustellen, waren es
NGOs, die ein westliches Engagement vertreten
haben.
Auch hier in Deutschland versuchen die Vereinigten
Staaten, diesem neuen Engagement gerecht zu
werden. Unsere Botschaft wird neu strukturiert,
unsere Methoden werden modernisiert. Eine Institution, die in den letzten 50 Jahren eine sehr wichtige, nicht zu unterschätzende Rolle gespielt hat, sind
die Amerika Häuser. Amerikanische Kulturzentren
haben für die Entwicklung im Nachkriegsdeutschland
eine maßgebliche Rolle gespielt. Aber in der modernen Zeit ist es nicht mehr sinnvoll, daß Amerika
Häuser über die amerikanische Kultur informieren. Es
ist nicht mehr notwendig, einem vom Krieg zerrütteten
Deutschland modernes Leben und Demokratie
beizubringen.
Was wir brauchen, sind Kommunikationszentren, in
denen Deutschland und Amerika Begegnungen
organisieren können. Kommunikationszentren, in
denen neue Ideen ausprobiert werden und Deutsche
und Amerikaner das Gefühl haben, daß sie etwas
Gemeinsames aufbauen. Amerika Häuser werden in
deutsch-amerikanische Zentren umorganisiert und das brauche ich nicht zu verhehlen - das bedeutet
natürlich, daß es nicht mehr so viele direkte amerikanische Regierungsgelder geben wird. Wir werden
sehen, ob diese Institutionen auf der Basis von
Privatinitiativen eine neue Rolle finden oder nicht. Bis
jetzt haben wir klare Erfolge in München und in
Hamburg.

AMERIKA DIENST 19

�Eine weitere Chance besteht darin, durch solche
privaten Initiativen und Kommunikationszentren
Regierungen dazu zu bringen, die Arbeit an bestimmten Themen zu beschleunigen oder ihnen jetzt Aufmerksamkeit zu widmen. Genau das passiert derzeit
in unserer Innenpolitik, und genau das soll in der
Zusammenarbeit über den Atlantik passieren. Das gilt
insbesondere für wirtschaftliche und soziale Fragen.
Zum Beispiel haben wir innerhalb der WTO, der
Welthandelsorganisation, in den letzten Jahren zwei
sogenannte Abkommen über gegenseitige Anerkennung ausgehandelt, die auf die Erleichterung des
Handels durch die gegenseitige Anerkennung von
Qualitäts- und Sicherheitsnormen abzielen.
Die
Initiative für diese Abkommen kam aus dem sogenannten "transatlantic business dialogue", einem bedeutenden Ort der Begegnung für führende Vertreter der
Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks. Dies ist ein
Beispiel dafür, daß führende Kräfte der Wirtschaft, die
bestimmt auch miteinander konkurrieren, ein Forum
gegründet haben, wo sie gemeinsame Ziele und auch
gemeinsame Politik formulieren.
Ein weiteres Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen
der Amerikanischen Botschaft, der deutschen Wirtschaft und der amerikanischen Handelskammer in
Deutschland. Die Handelskammer ist eine Vereinigung, die die direkten geschäftlichen Interessen
ihrer Mitglieder vertritt. Aber seit vielen Jahren basiert
die Arbeit der amerikanischen Handelskammer in

unserer Gesellschaften feiern? Alle drei Themenbereiche sind in Deutschland sehr wichtig, aber sie
sind in Amerika genauso wichtig. Komplexe Fragen
wie diese werden zunehmend von privaten Einrichtungen angesprochen.
Ein wichtiges Beispiel ist die Rentenreform. Ich bin im
letzten Jahr drei Mal zu Gesprächen über die Rentenreform eingeladen worden. Ich glaube nicht, daß je ein
amerikanischer Botschafter diese Themen so oft
besprochen hat. Hier in Berlin hat es im Frühling eine
von der Draeger-Stiftung veranstaltete faszinierende
Tagung gegeben, bei der Experten aus den Vereinigten Staaten, Japan und Europa zusammenkamen.
Interessant war, daß die Experten natürlich alle
dieselbe Sprache sprachen. Ich meine nicht Englisch
oder Deutsch oder Japanisch, sondern daß sie
dieselben Fachkonzepte teilten. Und sie haben sich
sofort verstanden. Sie wußten genau - viel besser als
die Politiker - wo die Probleme lagen. Zwei Tage auf
einer solchen Konferenz unterstreichen nicht nur, wie
kompliziert ein solches Thema ist, sondern auch, wie
wichtig dabei internationale Zusammenarbeit ist, weil
man auf diesem Gebiet wirklich voneinander lernen
kann.
Ein Thema wie die Rentenreform führt zu einem
anderen Themenbereich, der meines Erachtens
grundsätzlich von Bedeutung sein wird für die Gestaltung einer friedlichen und demokratischen Welt. Das

Deutschland auch auf konkreter Zusammenarbeit.

ist die Erweiterung der Wertegemeinschaft, die die

Durch zahlreiche Arbeitsgruppen, Gremien und
gemeinsame Initiativen trägt die Kammer stark zur
Verständigung bei. Unser gemeinsames Engagement
für die wirtschaftliche Entwicklung der neuen Länder ist
ein besonders erfolgreiches Beispiel.

atlantische Welt das letzte halbe Jahrhundert zusammengehalten hat.
Diese Wertegemeinschaft
garantiert für unsere Bevölkerung Frieden, Freiheit und
Wohlstand. Wir sind alle überzeugt, daß das auch ein
Fundament für Frieden auf der Welt sein kann. Aber
diese Werte werden nicht überall akzeptiert. Sie
werden sehr oft unterdrückt. Sie werden aus verschiedenen Gründen in Frage gestellt, und man muß
ständig daran arbeiten, die gemeinsame Verteidigung
dieser Werte sicherzustellen.

Dieselben Methoden werden zunehmend in einem
ganz anderen, sehr wichtigen Themenbereich angewandt: Bei der Erörterung unserer gesellschaftlichen
Ziele und Probleme. Diese sogenannten innenpolitischen Fragen entwickeln sich schnell zu den
interessantesten Bereichen der atlantischen Beziehungen, weil die Entwicklungen, Ziele, aber auch die
Probleme auf beiden Seiten des Atlantiks fast gleich
gelagert sind. Es gibt verschiedene Traditionen,
Sprachen und Erwartungen, aber wenn man anfängt,
über die Grundherausforderungen der Innenpolitik
nachzudenken, dann sieht man, daß diese Herausforderungen auf beiden Seiten des Atlantiks verblüffend ähnlich sind. Tatsächlich haben die Begriffe
Innenpolitik und Außenpolitik eine ganz verschiedene
Bedeutung bekommen. Es ist schwer zu sagen, wo
das eine anfängt und das andere aufhört.
Wie sollten wir neue Technologien, wie Biotechnologie
im Nahrungsbereich, einschätzen? Wie können wir
den sozialen Zusammenhalt in einer Zeit raschen
wirtschaftlichen und sozialen Wandels bewahren?
Wie können wir mehr Toleranz schaffen und die Vielfalt

AMERIKA DIENST 19

Den Medien kommt hier eine sehr wichtige Rolle zu.
Die Beschreibung der Probleme und die Definition der
Ziele ist sehr kompliziert, kann aber auch eine große
Bedeutung für die Wahrnehmung der Probleme haben.
Ich gebe hier ein konkretes Beispiel aus der jüngsten
Vergangenheit: Irak. Anfang dieses Jahres entwickelte
sich eine Krise, die eine echte war. Der Irak besaß,
wie inzwischen bewiesen worden ist, die Möglichkeit,
Teile des Nahen Ostens bis hin zur Türkei oder
vielleicht sogar Griechenland mit chemischen und
biologischen Waffen zu bedrohen. Es gab eine
Konfrontation, und es gab in der westlichen Welt auch
eine sehr heftige Diskussion, ob sogenannte diplomatische Mittel die einzig möglichen waren, oder ob eine
Mischung aus diplomatischen und militärischen Mitteln
eingesetzt werden sollte.

Seite 3

�Aber selbst in so komplexen Krisen wie diesen tatsächlich insbesondere in so komplexen Krisen wie
diesen - müssen normale Bürger in der Lage sein,
schwierige Vorgänge zu verstehen und sich eine
Meinung zu bilden. Auf lange Sicht wird die Entwicklung eines solchen empowerment die einzige Möglichkeit sein, eine gesunde demokratische Verfassung ich sage das jetzt im symbolischen Sinne - für die
moderne Welt zu schaffen. Genau wie wir meinen,
daß eine starke Demokratie zu Hause mündige Bürger
voraussetzt, so muß eine ähnliche Entwicklung in der
Weltgemeinschaft zunehmend unser Ziel sein.

Hier am Aspen Institut brauche ich das nicht zu sagen.
Seit 22 Jahren ist Aspen ein sehr wichtiges Element
dieser Tradition. Es gibt bereits viele andere Organisationen und Initiativen: Die Checkpoint Charlie-Stiftung
und die Initiative Berlin-USA, und - wenn ich das
hinzufügen darf - ich bin sehr stolz auf meinen Beitrag
zu ihrer Gründung vor 12 Jahren. Sie war eine der
ersten Privatinitiativen, die gerade dieses Gefühl von
empowerment in Berlin hergestellt hat. Es gibt viele
andere Beispiele, und ich kann sie bestimmt nicht alle
nennen, aber es ist wohl klar, worum es geht.
Berlin steht vor vielen Veränderungen. Es wird
deutscher Regierungssitz sein. Es entwickelt sich zu
einem Mittelpunkt zwischen Ost und West. Es ist
schon eine der aufregendsten Städte in Europa. Aber
es muß durch diese Tradition und durch die Wurzeln,
die hier entstanden sind, das wichtigste Beispiel für
diese persönlichen, privaten, nichtöffentlichen Kontakte
zwischen den Vereinigten Staaten und Europa und
Deutschland bleiben. Und wenn Sie die Entwicklungen
der letzten Jahre betrachten und sehen, wie dynamisch diese Partnerschaft geworden ist und wie
wichtig gerade Deutschland und Amerika für die
Entwicklung dieser neuen Art von transatlantischer
Synthese sind, dann werden Sie hoffentlich auch
meiner Meinung sein.

Um eine starke demokratische Verfassung für das
neue Jahrtausend zu schaffen, brauchen wir mündige
Bürger. Und wir müssen hier bei uns anfangen, weil
auch in den hochentwickelten westlichen Ländern die
Wahrnehmung solcher Probleme und das Verständnis
für die Details sehr begrenzt ist. Je mehr internen
Herausforderungen wir uns gegenübersehen, desto
schwieriger wird es, Interesse an der sogenannten
Außenpolitik zu wecken. Man kann das beklagen.
Aber ebenso wie in unseren Gesellschaften durch
politische Parteien und politisch relevante Gruppen
Kommunikation hergestellt wird, die auch dabei hilft,
mündige Bürger hervorzubringen, sehen wir zunehmend, daß in der Außenpolitik und sogar in der
Sicherheitspolitik ähnliche Vernetzungen notwendig
sind, um unsere Ziele zu erreichen.

Diese Tradition ist von besonderer Bedeutung. Und
deshalb möchte ich vielleicht am Ende alle ein bißchen
ermutigen, diese Vision mit uns zu teilen. Zuerst
vielleicht darüber nachzudenken, was wir hier in Berlin
haben, aber auch über die Herausforderungen, die ich
heute Abend angesprochen habe. Als Journalist zu
versuchen, diese neue Welt zu definieren, herkömmliche Konzepte vielleicht neu zu überdenken, aber
auch dazu beizutragen, daß wir mündige Bürger
haben. Als Privatbürger oder als Leiter von Firmen
oder Institutionen zu überlegen, wie man direkt
teilnehmen kann und wie man dieses Gerüst von
mündigen Bürgern mit aufbauen kann. Und letztlich
natürlich auch die Initiativen, die Begegnungsstätten
und auch die Ziele, die vor allem in Berlin schon
bestehen, zu unterstützen, so daß wir sicher sein
können, daß die nächsten 50 Jahre noch viel besser
sein werden als die letzten.

Und hier muß ich die deutschen Medien, vor allem
Fernsehen und Radio, sehr loben. Viel mehr als bei
uns in Amerika sieht man Dokumentarfilme über
solche Initiativen, hört man im Radio und im Fernsehen
einzelne deutsche Bürger, die überall auf der Welt tätig
sind. Dies ist ein ganz besonderes Beispiel dafür, daß
mündige Bürger zu einer mündigen Außenpolitik
beitragen können.
Die Bedeutung Berlins
Abschließend noch ein paar Worte zu Berlin. Wir
haben ein hervorragendes Fundament. Wir haben die
Chance, neue Traditionen hervorzubringen, die genau
den von mir beschriebenen Zielen dienen. Aber auf
Grund der vielen Kontakte, auf Grund der großen
Herausforderungen haben wir schon mehr als ein
Fundament. Wir haben ein bestehendes System von
Nichtregierungsorganisationen und privaten und
öffentlichen Partnerschaften.

* *

Seite 4

Herzlichen Dank.

*

AMERIKA DIENST 19

�</text>
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                <text>Amerikadienst 24.10.1956</text>
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            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
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                <text>24.10.1956</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Amerikas goldener Überfluss: Mais&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Konzentrat biologischer Energiestoffe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Die Ballade von Baby Doe&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine neue amerikanische Oper&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Atom und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomkraftwerke nach Maß&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Gedenktage im November 1956&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Filmnotizen aus USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;William Faulkners "Schall und Wahn" wird verfilmt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maxwell Anderson schreibt Drehbuch zu "Les Veuves"&lt;/p&gt;</text>
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