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United
53

States

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Service

Postfach

300

UnÖ
DOKU möntOtlOn

T e I e x : 08 - 8 54 32

13

2. J u l i

1975

Inhalt

DOKUMENTATION:
Kontinuität und Wandel in der Außenpolitik
Von Dr, Henry Kissinger

HINTERGRUNDMATERIAL:
i

NATO und gemeinsame Sicherheit
Von US-Verteidigungsminister James R. Schlesinger

WIRTSCHAFT:
Simon steckt wirtschaftspolitischen Kurs der USA ab
-Rede des US-Finanzministers vor dem Amerikanischen Bankiersverband-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
AP0LL0-S0JUS
-Amen kam" sch-sowjeti sches RaumfahrtunternehmenVon G. Weiss
Zehn Jahre Fernmelde-Satellitennetz
Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

8 9 - 3 2 4 0

Information

G o d e s b e r g l ,

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

13/1975

KONTINUITÄT UND WANDEL IN DER AUSSENPOLITIK
Von Dr. Henry Kissinger

Der amerikanische Außenminister,
Dr. Henry A. Kissinger, hat am 23. Juni
1975 in einer richtungweisenden Rede
vor dem "Southern Council on International and Public Affairs" und der Handelskammer von Atlanta Leitsätze für die
künftige Außenpolitik der Vereinigten
Staaten umrissen.
Die Ausführungen des amerikanischen
Außenministers haben folgenden Wortlaut:

Wir lammen hier in einem Augenblick zusammen, da Amerika, wie so oft
zuvor in seiner Geschichte, sich in einem Übergang von einer Zeit der Prüfungen in eine Zeit der Erneuerung befindet.
Vor noch nicht ganz drei Monaten wurden unter dem Einfluß der Enttäuschungen in Indochina Zweifel an der Art unseres Engagements in internationalen Fragen laut. Exekutive und Kongreß schienen in eine Sackgasse in der
Außenpolitik hineinzusteuern.
Paradoxerweise

�&gt;

*

Paradoxerweise haben jedoch unsere Rückschläge uns hier - wie auch
der übrigen Welt - gezeigt, wie wichtig Amerika für Frieden und Wohlstand auf
der Welt ist. Und in unserem eigenen Land findet der Dialog zwischen unseren
beiden gleichberechtigten Zweigen der Regierung in einer konstruktiveren
Atmosphäre statt.
Wir haben allen Grund, voll Zuversicht in unsere Zukunft zu blicken. Die
Vereinigten Staaten sind immer noch die größte Demokratie, die es je auf der
Welt gegeben hat. Unsere Institutionen haben ganz außergewöhnliche Unruhen
und Uneinigkeit überdauert und sind daraus mit neuer Lebenskraft und Stärke
hervorgegangen. Wie sehr wir auch enttäuscht waren, wir haben allen Grund,
auf unsere Leistungen stolz zu sein. Wenn heute Frieden auf der Welt herrscht,
so haben unsere Opfer entscheidend dazu beigetragen; wenn es künftig Fortschritt geben soll, so ist unser Beitrag unerläßlich.
Wir haben unwiderruflich die zentrale Tatsache der modernen Welt erfahren: Unsere Sicherheit, unser Wohlstand und unsere Existenz stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der internationalen Atmosphäre, die wir schaffen
können.
Wenn die Schwäche der freien Nationen zur Aggression einlädt, dann
wird das Leben von Amerikanern in Gefahr sein. Wenn die Uneinigkeit der freien Völker zum wirtschaftlichen Chaos einlädt, dann wird der Wohlstand der
Amerikaner gefährdet sein. Wie die Energiekrise uns eindeutig gezeigt hat,
leben wir in einer interdependenten Welt - in einer Welt, in der Worte wie
"Isolation" ur.d "Rückzug" immer mehr zu einem Anachronismus werden.
Daher wollen wir nicht den Kurs der letzten 30 Jahre in sein Gegenteil
verkehren und uns von unseren Verpflichtungen zurückziehen und unsere Freunde
und Verbündete sich selbst in dem Vakuum verteidigen lassen, das unser Vorgehen zwangsläufig dann schaffen würde. Wir werden nicht das Chaos einladen.
Im Gegenteil, vor uns liegt eine neue Chance, Frieden und Fortschritt zu erreichen, die größer ist als

je in unserer jüngsten Vergangenheit.
Seit

�.

&lt;

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges haben die Vereinigten Staaten eine führende Rolle in der Welt übernommen, die von den beiden großen politischen Parteien und von allen Administrationen unterstützt worden ist. Diese Politik hat
Frieden und Freiheit bewahrt; sie hat die weltweite Stabilität und die Weltwirtschaft gestärkt. Ja, gerade unsere Taten haben die neuen Bedingungen - und
Probleme - geschaffen, mit denen wir jetzt fertig werden müssen:
-- Amerikas Unterstützung der wirtschaftlichen Wiedererholung Westeuropas
und Japans nach dem Kriege, und unser Verteidigungsschild, haben das Wiedererstarken dieser Verbündeten zu wichtigen und unabhängigen Pfeilern der freien
Welt gefördert.
-- Der unausweichliche Prozeß der Entkolonisierung, den wir gefördert haben,
und unsere bahnbrechenden Anstrengungen auf dem Gebiet der technischen und wirtschaftlichen Entwicklungshilfe haben zahlreichen jungen Nationen dabei geholfen,
ihren eigenen nationalen Fortschritt in Gang zu setzen.
Außenpolitik ist ein fortlaufender Prozeß. Hier gibt es keine Ruhepausen.
Was nicht zum Ausgangspunkt för neuen Fortschritt wird, das wird bald in Stagnation und dann in Rückschritt enden. Somit haben die Leistungen der vorigen Generation die Aufgaben für die nächsten Jahrzehnte gestellt:
—

Die wachsende Stärke und das wachsende Selbstvertrauen unserer Verbünde-

ten erfordern eine Anpassung unserer Bündnisse von amerikanischer Vormundschaft
zu gleichberechtigter Partnerschaft.
—

Die wachsende Vernichtungskraft nuklearer Waffen erfordert eine Alter-

native zur Politik der Konfrontation und einen Abbau der internationalen
Spannungen.
—

Die Interdependenz der Weltwirtschaft muß zu einer verstärkten Zusammen-

arbeit unter den Industriestaaten und einer größeren Anerkennung der Anliegen
der Entwicklungsländer führen.
Dieser

- 3 -

�»

4

Dieser Aufgabenbereich ist groß. Aber es gibt nicht viele Epochen in der
Geschichte, in denen der Mensch die Umrisse seiner eigenen Zukunft so deutlich
vor Augen hat und sie in seinem Sinne gestalten kann. Es steht in unserer Kraft,
den Grundstein

für eine neue internationale Struktur zu legen - in der die

Völker keine Angst mehr vor Fremdherrschaft haben, in der Verhandlungen an
die Stelle der Konfrontation treten, und in der die Erfüllung der grundlegenden menschlichen Ansprüche zu einem zentralen Anliegen der Agenda der internationalen Diplomatie wird.
Eine Welt mit über 140 Ländern ist eine Welt von unvorstellbarer Vielfalt
und Komplexität. Aber sie ist auch eine

Welt mit einem ungeheuren Potential.

Eine Welt des Pluralismus, sich ständig ausbreitender Ideen, unabhängiger Staaten, die frei über ihr eigenes Schicksal bestimmen können, ist eine Welt der
Hoffnung und eine Chance für neue schöpferische Leistung.
Die

Vereinigten Staaten werden sich stets ihrer Verantwortungen bewußt

sein. Wir haben gelernt, wo unsere Grenzen sind, aber wir haben nicht vergessen,welche Möglichkeiten wir haben. Wir sind das größte demokratische Land der Welt;
wir stellen die größte Konzentration wirtschaftlicher und militärischer Macht
dar, wir sind das Land, das über die meisten Erfahrungen bei der Organisation
internationaler Zusammenarbeit verfügt; wir beeinflussen die internationale
Kommunikation am stärksten, übernehmen wir nicht die Führung, kann kein anderes
Land, das für das einsteht, woran wir glauben, unseren Platz einnehmen.
Was wird nun von uns gefordert? Welches sind die Elemente unserer Stärke?

Zunächst einmal müssen wir die Grundlage unserer Sicherheit erhalten. Obwohl Außenpolitik weit über militärische Anliegen hinausreicht, so kann es doch
keinen Ersatz für die Aufrechterhaltung unserer eigenen Verteidigung und die
objektiven Erfordernisse unserer Sicherheit geben. Ein Gleichgewicht der Stärke
ist für jede stabile internationale Ordnung unerläßlich. Eine Welt, in der das
überleben von Nationen der Gnade anderer ausgeliefert ist, ist eine Welt der

- 4 -

�t

&lt;

der Unsicherheit, der Instabilität und der Unterdrückung.
Die militärische Stärke Amerikas ist stets zur Verteidigung, niemals zur
Unterdrückung eingesetzt worden. In unserem Lande haben wir stets unser Verteidigungsbudget nach unseren nationalen Prioritäten ausgerichtet. Gemessen am Bundeshaushalt und am Bruttosozialprodukt weisen unsere Verteidigungsausgaben gegenwärtig den niedrigsten Stand seit 25 Jahren auf. Doch der Trend der militärischen Programme unserer potentiellen Gegner weist in die Richtung der Expansion.
Daher gibt es ein unreduzierbares Minimum, unter das wir nicht gehen können,
ohne wichtige Interessen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu gefährden. Wir werden nach vernünftigen Maßnahmen zur Rüstungskontrolle streben, die
unsere Sicherheit gewährleisten. Aber diese Administration ist entschlossen,
niemals eine Demontage der militärischen Verteidigung der Vereinigten Staaten
zuzulassen.

Wir wollen Bedingungen für die Beilegung und Schlichtung von Meinungsverschiedenheiten zwischen Gegnern schaffen. Aber Aussöhnung darf nicht auf Schwäche
basieren; Flexibilität ist nur für jene eine Tugend, von denen man weiß, daß
sie eine Alternative haben.
Zweitens haben wir gelernt, daß alle unsere Ziele - unsere Sicherheit,
unser Wohlstand, der Bestand unserer Bündnisse und die Gesundheit des internationalen Klimas - zu einem beachtlichen Teil davon abhängen, daß die amerikanische
Wirtschaft gesund ist. Das ist zu Recht ein unmittelbares Anliegen für jeden
Amerikaner; es ist aber ebenso der Motor eines weltweiten Wirtschaftswachstums
und daher eine internationale Aufgabe.
Die Rezession und Inflation der letzten zwei Jahre hatten böse internationale Folgen - die zu überwinden wir jetzt auf dem Wege sind. Rezession und Inflation zehren an dem Wohlergehen und an den Hoffnungen jener Gruppen am Rande
der Prosperität. Sie erzeugen Uneinigkeit im eigenen Lande, ziehen die Energie
der Völker von den internationalen Anliegen ab und erschweren die Harmonie der

- 5 -

�I

\

der internationalen Beziehungen. Im eigenen Lande untergraben sie den sozialen

,

Frieden, das Vertrauen in die Regierung und die Lebenskraft der demokratischen
Prozesse. Draußen verführen die wirtschaftlichen Belastungen die Regierungen
der Industrieländer zum Protektionismus oder zu Rivalitätsmaßnahmen und drohen
eine Ära des Wirtschaftskrieges der Blöcke zwischen reichen und armen Ländern
an.
Aber keine Regierung hat die Möglichkeit, im alleinigen Handeln die
grundsätzlichen wirtschaftlichen Bedingungen zu verbessern, unter denen sie
lebt. In der modernen Welt sind unsere Volkswirtschaften miteinander verbunden.
Entweder wir gedeihen zusammen oder wir verderben zusammen. Die Wiederherstellung
des wirtschaftlichen Wachstums bietet unsere beste Hoffnung, den Erwartungen all
jener gerecht zu werden, die um die Verbesserung ihrer eigenen Zukunft wetteifern. Sie setzt die Mittel frei, um alle nationalen Ansprüche erfüllen zu können.
Sie stellt den Glauben an demokratische Einrichtungen und demokratische Führer
wieder her.
Die Stellung der amerikanischen Wirtschaft ist zentral. Wie der Präsident
in seiner Botschaft über die Lage der Nation im Januar sagte: "Eine wiederauf- ,
strebende amerikanische Wirtschaft würde mehr zur Wiederherstellung des Vertrauens
der Welt in ihre eigene Zukunft beitragen als irgend etwas anderes". Wir werden
das Erforderliche tun.
Und schließlich hängt unsere nationale Stärke von unserer Einigkeit als Volk
ab. Dem,was freie Menschen in gemeinsamem Handeln leisten können, sind keine
Grenzen gesetzt.
Im letzten Quartal dieses Jahrhunderts sind wir nicht mehr vorherrschend.
Wir können unsere Probleme nicht mehr mit unseren eigenen Mitteln überwinden. Die
Vielfalt und Komplexität der heutigen Welt läßt keine moralische Einfalt mehr zu.
Wir sind daher wie nie zuvor aufgerufen, in unserer Außenpolitik Zielbewußtsein,
Zusammenhalt, Flexibilität und Einfallsreichtum zu zeigen.
Wir

�Wir müssen eine Nation, eine Regierung sein. Unsere Institutionen müssen
bei der Definition des nationalen Interesses die Sonderinteressen mäßigen. Wir
müssen Selbstdisziplin haben, unsere Debatten im eigenen Lande zu einem positiven
und nicht zu einem negativen Prozeß zu gestalten. Wir müssen unsere Probleme
- und nicht uns gegenseitig - angreifen. Wir können uns in unserer Außenpolitik
Uneinigkeit, Durcheinander oder Spaltung nicht länger mehr leisten.
Die Übereinstimmung, die unser wohlverstandenes Engagement in außenpolitischen Angelegenheiten seit über einer Generation getragen hat, ist unser kostbarster nationaler Schatz. Wir sind auf dem Wege, unsere Einigkeit, unsere Handlungsfähigkeit als Nation mit Selbstvertrauen wiederherzustellen. Wir werden
alles in unseren Kräften stehende tun, um diesen Prozeß fortzusetzen, damit wir
unserem dritten Jahrhundert als Nation und seinen Aufgaben als einiges Volk
entgegengehen.
Lassen Sie mich jetzt auf unseren Aufgabenkreis eingehen und die Umrisse
unserer Politik aufzeigen.
Bündnisse: Unsere Verbündeten und Freunde bleiben unsere erste internationale Priorität.
Was uns mit unseren Verbündeten verbindet, sind nicht einfach nur die Verträge, die vor einer Generation unterzeichnet wurden, sondern die unausweichlichen Notwendigkeiten der heutigen Welt. In den letzten Wochen haben wir unsere
Zusagen gegenüber unseren Bündnissen bekräftigt. Wir haben klargemacht, daß die
Vereinigten Staaten zu ihren Verpflichtungen in Asien wie in Europa stehen.
Aber was unseren Bündnissen Leben verleiht, sind nicht verbale Bekräftigungen,
sondern ist die Realität des gemeinsamen Handelns gegenüber gemeinsamen Problemen. Wir müssen eine gemeinsame Zielsetzung in Aufgaben finden, die über die
Notwendigkeit der militärischen Verteidigung hinausgehen. Darum habe ich in der
vorigen Woche im Namen des Präsidenten die Agenda unserer engen Beziehungen zu
Japan und Asien aufgezeigt. Darum hat der Präsident auf seiner Reise nach Europa
die Fragen aufgezeigt, vor denen alle Länder des westlichen Bündnisses stehen.

- 7 -

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i

stehen. Die Aufgaben, die der Präsident auf dem NATO-Gipfeltreffen genannt
hat, können als Agenda für all unsere Bündnisse dienen:
-- Wir müssen eine starke, moderne und glaubwürdige Verteidigung aufrechterhalten. Ein Bündnis, das nicht die Kraft und Hingabe hat, sich selbst zu verteidigen, versagt in seiner Hauptzielsetzung.
-- Wir müssen die Qualität und Integrität unserer politischen Beziehungen verbessern. Beteiligung und Verantwortlichkeit müssen uneingeschränkt sein,
wenn sie glaubhaft sein sollen.
-- Wir müssen unsere politische Konsultation verbessern, um eine

gemeinsame

Politik zur Lösung gemeinsamer Probleme zu entwickeln.
-- Wir müssen bei der Festlegung einer produktiven und realistischen Agenda
für den Abbau der Spannungen zusammenarbeiten.
-- Wir müssen auf die Gesundheit unserer demokratischen Institutionen achten.
-- Wir müssen begreifen, daß die Industriegesellschaften den Schlüssel zur
Lösung der neuen Probleme der Bevölkerung, der Ernährung, der Energie und der
Rohstoffe in der Hand halten.
Bei all diesen Problemen bedarf es dringend des kooperativen Handelns.
Bündnisse müssen sich wandelnden Sicherheitserfordernissen angepaßt werden, oder
sie werden zerfallen. Sie müssen Ausdruck gemeinsamer politischer Zielsetzungen
und einer gemeinsamen Strategie zu ihrer Verwirklichung sein, oder ihre Verteidii

gungskapazität wird ziellos sein. Darum messen wir verbesserten politischen Konsultationen so große Bedeutung bei.
Wir dürfen niemals vergessen, daß starke Institutionen im eigenen Lande
letztlich den besten Schutz gegen Subversion wie auch die Hauptstütze für eine
Verteidigung gegen eine Aggression bieten.
Wir
- 8 -

�Wir haben Fortschritte gemacht, aber es bleibt noch viel zu tun. Was das
zentrale Problem des Wirtschaftswachstums angeht, so haben die führenden Männer
im Bündnis damit begonnen, in einem bisher nie dagewesenen Maße die nationale
Wirtschaftspolitik zu koordinieren.
Was das entscheidend wichtige Thema Energie anbetrifft, so haben die Industrieländer eine Internationale Energieagentur gegründet, um die Anstrengungen
der Hauptverbraucherländer zusammenzufassen. Wir haben uns auf Vorkehrungen
gegen eine neue Ölkrise geeinigt. Wir haben einen mit 25 Milliarden Dollar ausgestatteten Solidaritätsfonds geschaffen, um uns vor Währungsverzerrungen aufgrund
der massiven Zahlungsbilanzungleichgewichte zu schützen, die durch Energiekosten
verursacht werden. Wir haben neue Programme zur Sparsamkeit mit den vorhandenen
Vorräten und zur Entwicklung alternativer Energiequellen in Angriff genommen. Wir
schaffen die Grundlagen für einen konstruktiven Dialog mit den Energieproduzenten
und rechnen auf lange Sicht mit fairen und gerechten wirtschaftlichen Beziehungen.
Dies bleibt ein vorrangiges Anliegen. Wir sind entschlossen, unserer Anfälligkeit gegen Entscheidungen von außerhalb oder einen Druck von außerhalb ein Ende
zu bereiten. Wenn die Volkswirtschaften der Industrieländer wieder zu expandieren
beginnen, dann wird die Notwendigkeit zur Energieeinsparung und Entwicklung neuer
Energiequellen noch dringlicher. Wenn wir jetzt keine entschlossenen Anstrengungen machen, dann wird die Zunahme der Nachfrage den Erzeugern freien Raum geben,
die Preise auf dem gegenwärtigen Stand zu halten oder zu erhöhen oder die Energieversorgung für politische Zwecke zu nutzen.
Das nationale Interesse erfordert ein umfassendes und wirksames Energieprogramm. Der Präsident wird mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um es zu erhalten.
Aber wenn diese Bemühungen fehlschlagen sollten, dann wird er die ihm zur Verfügung stehenden Vollmachten benutzen, um unsere Abhängigkeit von ausländischen
Energiequellen zu verringern.

- 9 -

�In unseren politischen Beziehungen haben wir und unsere Verbündeten eine
Verpflichtung an ein gemeinsames Interesse. Wir helfen anderen bei ihrer Verteidigung nicht aus einem Akt der Nächstenliebe heraus, sondern in unserem bei derseitigen Interesse. Wenn wir die Militärhilfe oder sogar Waffer.verkäufe an
einen Verbündeten einstellen, dann schaden wir uns im Grunde selbst. Wir schwächen die politischen Bindungen, gefährden unsere kollektive Verteidigung und es
gelingt uns darüber hinaus nicht einmal, den Zweck zu erreichen,

dem die Ein-

schränkung der Hilfe dienen sollte. Aus diesem Grunde hat sich der Präsident mit
Nachdruck gegen die Einstellung der Militärhilfe an die Türkei durch den Kongreß
gewandt und bemühte er sich intensiv darum, daß der Kongreß diese Hilfe sofort
wieder genehmigt.
Auf der anderen Seite gilt genauso, daß kein Land glauben sollte, es täte
uns einen Gefallen, mit uns in einem Bündnis zu bleiben. Jeder Verbündete, dessen
Vorstellungen von seinem nationalen Interesse sich ändern sollten, findet uns
bereit, unsere vertraglichen Beziehungen anzupassen oder zu beenden. Kein Verbündeter kann uns mit der Drohung eines Austritts unter Druck setzen. Wir werden
nicht akzeptieren, daß seine Sicherheit uns wichtiger sein sollte als ihm
selbst.
Wir gehen davon aus, daß unsere Freunde ihre Bindungen an uns als ihren
eigenen nationalen Zielsetzungen dienend betrachten und nicht als ein Privileg,
das man als Druckmittel gewähren oder zurückziehen kann. Wo es keine gemeinsamen
Vorstellungen gibt, ist ohne Frage die Zeit für eine Änderung gekommen. Wo es
eine gemeinsame Auffassung gibt, werden die Vereinigten Staaten ein fester
Freund sein.
Wir betrachten unsere Bündnisse als Eckpfeiler unserer Außenpolitik und als
die wesentlichen Säulen des Gebäudes der internationalen Stabilität.
•

Abbau

- 10 -

�Abbau der Spannungen: So fundamental unsere Bündnisse sein mögen, so
müssen wir erkennen, daß ein Frieden, der lediglich auf einem Gleichgewicht der
Kräfte und sich aufhebenden Blöcken beruht, brüchig und steril ist. Wir sind
daher verpflichtet, die Anstrengungen zur Verbesserung unserer Beziehungen zu
den kommunistischen Ländern fortzusetzen. Im thermonuklearen Zeitalter gibt es
keine Alternative für eine ernsthafte Anstrengung zur Lockerung der Spannungen
auf einer verläßlichen und wechselseitigen Grundlage.
Daher haben wir in den letzten Jahren eine Reihe zweckmäßiger Schritte zur
Regelung unserer Beziehungen zur Sowjetunion ergriffen. Das Ziel war, die Gefahr
eines Krieges in unserem eigenen Interesse zu verringern und neue Formen der Beziehungen und des internationalen Verhaltens zu fördern.
Dieser Prozeß vollzieht sich auf verschiedenen Ebenen. Wir haben ausgewogene
und wirksame Abkommen zur Begrenzung der strategischen Rüstungen auf beiden Seiten sowie in anderen Bereichen der Rüstungskontrolle ausgehandelt.
In unseren bilateralen Beziehungen haben wir eine Reihe von Abkommen über
eine wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit erreicht - Abkommen, die beiden
Seiten Vorteile bringen und die beiden Seiten ein Interesse an der Fortsetzung
positiver Beziehungen geben.
Bei der Beilegung politischer Konflikte in entscheidend wichtigen Gebieten,
an der wir, wie in Europa, beide direkt beteiligt waren, haben wir 1971 ein Abkommen erreicht, um Berlin noch sicherer zu machen. Wir stehen gegenwärtig in
umfassenden Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen und über die weitergehenden Fragen der Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa.
In anderen Gebieten der Welt, wie im Nahen Osten, in Süd-und in Südostasien entwickelten sich die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ungleichmäßig.
Es gab Fälle, in denen die Spannungen sich unseres Erachtens unnötig verschärft
haben. Wenn wir in den letzten sechs Jahren beträchtlichen Fortschritt in

- 11 -

�in unseren Beziehungen zur Sowjetunion gemacht haben, so haben wir dies ohne
irgendwelche Illusionen getan. Die UdSSR bleibt weiterhin unser ideologischer
und politischer Rivale. Sollte sie danach trachten, die Entspannung als Vorwand für eine selektive Ausnutzung strategischer Möglichkeiten zu benutzen,
dann würde das ganze Gebäude unserer sich entwickelnden Beziehungen in Frage
gestellt werden.
Gleichzeitig ist es entscheidend wichtig, daß wir uns einen ungetrübten
Blick erhalten. Wir dürfen niemals die Tatsache aus dem Auge verlieren, daß
ein Krieg zwischen nuklearen Supermächten das Risiko einer Vernichtung der
Menschheit in sich birgt. Wir sind ideologische Gegner; die Technologie steigert den Wettbewerb zwischen uns; politische Konflikte in allen Teilen der
Welt machen uns zu Rivalen. Wenn die Menschheit nicht ständig am Rande des Abgrunds leben und schließlich von ihrer Technologie vernichtet werden soll,
müssen wir uns bemühen, beiderseits die Zurückhaltung weiter zu pflegen, die
mit so viel Mühe erreicht worden ist, und uns vor der Tendenz hüten, unsere
sich verbessernden

Beziehungen zur Sowjetunion zum Prügelknaben für unsere Ent-

täuschungen zu machen.
Entspannung kann niemals ein Ersatz für unsere eigenen Anstrengungen sein;
wo unsere eigenen Anstrengungen nachlassen, sollten wir die daraus resultierenden Rückschläge nicht unseren Gegnern anlasten. Internationale Ereignisse in
einer turbulenten Welt und innenpolitische Gegebenheiten in zahlreichen Ländern
bilden eine ausreichende Erklärung für zahlreiche Probleme. Wir sollten den
sowjetischen Einfluß nicht zu sehr überbewerten, indem wir ihm alle Schwierigkeiten anlasten.
Die Erfahrungen in Indochina sollten uns gelehrt haben, daß es leichter
ist, Konfrontationen zu beginnen als durchzustehen. Harte Worte sind nicht das
Gleiche wie ständige harte Maßnahmen. Aber wir können das über einen längeren
Zeitraum hinaus mit Erfolg nur dann leisten, wenn unser Volk weiß, daß wir zunächst einmal alle nur denkbaren Alternativen zu einer Konfrontation ausgeschöpft haben.
- 12 -

�Die wichtigste Frage auf der amerikanisch-sowjetischen Agenda heute ist
SALT - die Gespräche über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen. Wir sind
aktiv bemüht, ein neues Abkommen auszuarbeiten, das auf den von dem Präsidenten
und Generalsekretär Breschnew bereits im November vorigen Jahres in Wladiwostok
vereinbarten Prinzipien basiert. Wenn wir die noch zwischen uns bestehenden strittigen Fragen lösen können - und ich glaube, wir können es - dann werden wir
erstmals in der Geschichte dem nuklearen Wettrüsten eine Höchstgrenze gesetzt
haben.
Unsere neuen Beziehungen zur Volksrepublik China sind jetzt ein dauerhafter
Aspekt des Weltbildes. Sie dienen unseren beiderseitigen Interessen und den umfassenderen Interessen des Friedens und der Stabilität in Asien und überall auf
der Welt.
Es ist keine stabile Weltordnung denkbar ohne Teilnahme dieses Viertels
der Menschheit. Wie Sie wissen plant Präsident Ford einen Besuch in China, mit
dem er die Dauerhaftigkeit unserer Beziehungen

und die weitere Stärkung der

Bande zwischen unseren beiden Ländern auf der Basis des Kommuniques von Shanghai
bekräftigen will.

Der Nahe Osten:
Unsere gegenwärtige Agenda schließt zwangsläufig auch solche Gebiete ein,
in denen die Gefahr eines größeren Brandes besteht. Es ist eine amerikanische
Tradition, die zumindest bis auf den Beginn dieses Jahrhunderts zurückgeht,
zum Abbau von Konflikten beizutragen, wenn unsere Vermittlung erwünscht ist.
Die Geschichte hat gezeigt, daß der Zusammenbruch des Friedens überall auf der
Welt sich auch direkt auf das Leben unserer Bürger auswirkt, und es gibt einige
Streitfälle, bei denen uns, wie im Nahen Osten, eine besondere Verantwortung
zufällt.
Dieses

�Dieses Unruhegebiet birgt immer noch die ernste Gefahr eines Krieges
oder weltweiter wirtschaftlicher Störungen in sich. Das Mißtrauen von Jahrhunderten läßt sich nicht so einfach überwinden.
Die internationalen Auswirkungen der chronischen Krise in diesem Gebiet
und die moralischen und strategischen Verpflichtungen ausländischer Mächte
bilden die grundlegenden Schwierigkeiten. Sie erfordern aber auch ständige Fortschritte in Richtung auf eine dauerhafte Lösung. Eine aktive amerikanische Rolle
ist zwingend:
•

.

•

•

'

.

.

.

.

-- weil wir dem überleben und dem Wohlergehen Israels historisch und
moralisch verpflichtet sind;
-- weil wir wichtige Interessen in der arabischen Welt haben - ein Gebiet
mit über 150 Millionen Menschen, und den größten ölreserven der Welt;
— weil ein Ausbruch der Krise im Nahen Osten zu einer ernsten Belastung
unserer Beziehungen zu unseren Verbündeten in Europa und Japan führen würde ;
— weil eine anhaltende Instabilität das Risiko einer neuen internationalen
Ölkrise sowie eines neuen Rückschlages für die Hoffnungen der Welt auf eine wirt
schaftliche Wiedererholung in sich birgt und weil sie den Wohlstand nichtnur der
industrialisierten Welt, sondern auch der meisten Länder auf der Erde gefährdet;
und
-- weil eine Krise im Nahen Osten zwangsläufig das Risiko einer direkten
amerikanisch-sowjetischen Konfrontation mit sich bringt, und das war schon früher so, wobei seit dem Beginn die Gefahr mit jeder Krise immer größer geworden
ist.

�Wir dürfen niemals die Tatsache aus den Augen verlieren, daß die amerikanische Außenpolitik alles in ihren Kräften stehende tun muß, um alle unsere Interessen im Nahen Osten zu schützen. Angesichts unserer unausweichlichen Verwicklung - wirtschaftlich, politisch und militärisch - gibt es keine Alternative zu einem vollen und aktiven Engagement der Vereinigten Staaten in der
Friedensdiplomatie im Nahen Osten.
Seit Oktober 1973 haben wir große Anstrengungen unternommen, um den sich
bekämpfenden Parteien bei der Beilegung ihrer Meinungsverschiedenheiten zu helfen. Zwischen Israel und Ägypten und zwischen Israel und Syrien sind Entspannunnsabkommen ausgehandelt worden, die von allen Beteiligten eingehalten worden
sind. Obwohl zwar weiterhin tiefes Mißtrauen herrscht, dürften diese Abkommen
den Beteiligten gezeigt haben, daß es eine Alternative zum Krieg gibt.
Wir begrüßen die Öffnung des Suez-Kanals; wir glauben, daß die syrische
Entscheidung, das Mandat der Vereinten Nationen um sechs Monate zu verlängern,
nützlich war; und die jüngste Entscheidung der israelischen Regierung über
eine Ausdünnung und einen Abzug eines Teiles ihrer Truppen und Ausrüstungen auf
der Sinai-Halbinsel war ein konstruktiver Schritt. Wir dürfen uns ob der relativen Ruhe in den letzten Monaten nicht zur Untätigkeit einschläfern lassen;
die grundlegenden Fragen bleiben weiterhin ungelöst. Es wärt, unklug, ^ e jüngsten
Schritte - so wertvoll sie auch sind - als ein Zeichen zu wertejp, daß weiterer
Fortschritt nicht länger vordringlich sei. Die Ereignisse haben sich in den
letzten Monaten beruhigt - zu einem beträchtlichen Teil aufgrund der Erwartung
- und unserer feierlichen Zusage - daß die amerikanischen Bemühungen wieder aufgenommen würden. Wir stehen heute an einem Punkt, an dem wir uns entweder dem
Frieden oder neuen Krisen zuwenden müssen.

Wir betrachten eine Stagnation der diplomatischen Tätigkeit als eine Einladung zur Konfrontation. Wir werden weder aufgrund vorübergehender Enttäuschungen
noch großen Zornes von unserem Kurs abgehen. Der Präsident hat wiederholt erklärt, daß die Vereinigten Staaten kein Patt und keine Stagnation akzeptieren

- - 15 -

�akzeptieren werden. Wir fordern alle Parteien nachdrücklich auf, diese Worte
ernst zu nehmen, die mit Bedacht gewählt worden sind.
In den letzten Wochen hat Präsident Ford wichtige Konsultationen mit König
Hussein, Präsident Sadat, Ministerpräsident Rabin und dem stellvertretenden syrischen Ministerpräsidenten Khaddam gepflogen. Wir gehen davon aus, daß wir bald
zu einem Urteil kommen werden, wie wir weiter verfahren sollen.
Die Vereinigten Staaten werden den Kurs einschlagen, der am vielversprechendsten ist. Wir sind für die beste Methode zugänglich, seien es Interimsabkommen oder sei es die baldige Einberufung der Genfer Konferenz. Jeder Kurs hat
anerkannte Vorteile, Nachteile und Risiken. Wir sind nicht auf eine bestimmte
Methode eingeschworen, wir sind auf den Fortschritt eingeschworen.
Unser letztliches Ziel ist klar - Lösungen zu finden, die die territoriale
Integrität und das Recht auf ein Leben in Sicherheit und Frieden für alle Staaten und Völker in dieser Region gewährleistet. Die Erreichung dieses Zieles erfordert Zugeständnisse von allen Beteiligten. Wir sind entschlossen, an der Ver-.
folgung dessen festzuhalten, was wir als das fundamentale nationale Interesse
der Vereinigten Staaten betrachten - die Sicherheit und das wirtschaftliche Wohlergehen unseres Landes, unserer Verbündeten und vor allem der Völker in dem Gebiet, die es verdienen.
•

Entwicklungsländer: In den letzten Jahren sind die Probleme der neuen Nationen in der Entwicklungswelt immer dringlicher geworden.
in

i .1i

Die Stärke des Dollar, die Ausweitung des Handels, der freie Fluß der Investitionen, die Versorgung und der Preis bei Energie, Nahrungsmitteln und anderen
lebenswichtigen Rohstoffen hängen von der Lebenskraft des internationalen Wirtschaftssystems ab. Aber kein Wirtschaftssystem kann stabil sein, wenn reihenweise
Nationen sich als außerhalb stehend betrachten und ihm feindselig gegenüberstehen.

- 16 -

�gegenüberstehen. Das gegenwärtige globale Wirtschaftssystem ist groß genug,
um für das Wohlergehen von Verbrauchern und Erzeugern, Armen und Reichen, zu sorgen. Wenn es nicht alle einschließt, dann stehen wir vor einer Generation des
Wirtschaftskrieges. Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit Verständnis und Einfall sreichtum für diesen Wandel zu arbeiten.

Aber das muß im Rahmen eines Pro-

zesses der gegenseitigen Anpassung geschehen, der die Interessen aller Nationen
garantiert. Wir werden uns nicht der Erpressung, dem Druck von Blöcken oder
ideologischen Bekundungen beugen. Wir werden unsere Interessen verteidigen, aber
wir werden auf vernünftige Argumente hören und produktive Reformvorschläge
sorgfältig überlegen.
Die Vereinigten Staaten haben bereits mit neuen Vorschlägen in einer ganzen
Reihe

lebenswichtiger Fragen für die Entwicklungswelt die Führung übernommen:

-- Um die Geißel des Hungers zu bekämpfen hat unsere Regierung aus der
Erkenntnis heraus, daß die amerikanische Lebensmittelhilfe keine langfristige
Lösung des globalen Ernährungsproblems darstellen kann, eine Welternährungskonferenz gefordert, die im November vorigen Jahres in Rom tagte. Auf dieser Konferenz haben wir andere Länder zu einer multilateralen Verpflichtung gebracht, die
Lebensmittelerzeugung zu steigern, die Finanzierung der Landwirtschaft und die
Verteilung zu verbessern und ein internationales System von Getreidereserven in
nationalem Besitz anzulegen.
-- Gegenwärtig sind 14o Länder in beispiellosen Verhandlungen über ein umfassendes neues Seerecht verwickelt. Es geht um die Ausdehnung der Hoheitsgewässer, die Sicherheit der Schiffahrtsrouten und den Zugang zu gewaltigen natürlichen Hilfsquellen. Ein Erfolg dieser Verhandlungen würde eine beispiellose
Leistung der Zusammenarbeit in einem Gebiet darstellen, das sich über drei Viertel unseres Planeten mit ungeheuren Mineral vorkommen und anderen Reichtümern erstreckt. Die Vereinigten Staaten werden eine wesentliche Anstrengung machen, um
diese Konferenz auf ihrer Schlußsitzung im März nächsten Jahres zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen
-- Was

�• Was die allgemeinere Frage der Rohstoffe angeht, so erstreben die Entwicklungsländer ein stabiles und faires Einkommen aus Waren, die für ihre Entwicklungsprogramme zentral sind. Wir wiederum erstreben eine zuverlässige Versorgung unserer Industrie. Die Vereinigten Staaten haben daher neue internationale Regeln und Verfahren für den Zugang zu Versorgungsquellen und Märkten vorgeschlagen; Erörterungen über neue Vereinbarungen für den Warenhandel jeweils
von Fall zu Fall sowie neue Wege zur Finanzierung der Rohstoffentwicklung in den
Erzeugerländern.
All diese Fragen werden auf einer Sondersitzung der Vollversammlung der
Vereinten Nationen im September behandelt worden. In enger Zusammenarbeit mit
dem Kongreß arbeiten wir gegenwärtig konkrete Details aus, und wir erhoffen uns
schöpferische Vorschläge für diese Sitzung. Wir haben die Absicht, unter vollem
Schutz der Interessen unseres Landes, kontroverse Fragen mit Realismus, Einfallsreichtum und Verständnis einer Lösung zuzuführen. Wir hoffen, daß andere uns
im gleichen Geist begegnen werden.
Die Aufgaben im eigenen Lande: Vor uns liegt eine lange Tagesordnung. Der
Frieden und die Prosperität künftiger Generationen hängt von den Entscheidungen
ab, die wir heute treffen. Die Wahl ist relativ einfach: Entweder wir nutzen unsere Stärke und unsere Möglichkeiten zum Guten, oder andere werden ihre Stärke zur
Erreichung von Zielen benutzen, die mit unseren Wertvorstellungen unvereinbar sind.
Die Probleme, vor denen wir stehen, sind so gewaltig, und die Antworten sind so
komplex.,- und die Möglichkeiten sind so weitreichend - daß man sich an das letzte
Quartal des 20. Jahrhunderts entweder als eine neue Periode der amerikanischen
Führung und schöpferischen Kraft oder als eine Zeit des wachsenden Chaos und der
wachsenden Verzweiflung erinnern wird.
Es ist daher an der Zeit, daß wir dem Selbstzweifel und dem Zynismus, die
das Leben Amerikas einen so großen Teil des letzten Jahrzehnts gekennzeichnet
und verschandelt haben, ein Ende bereiten. Es ist an der Zeit, daß wir uns daran erinnern, daß Amerika in der Vergangenheit Großes geleistet hat, und daß es
noch Größeres zu leisten gilt.
In

�In unserer pluralistischen Gesellschaft hängt das nationale Handeln von der
Unterstützung durch alle Bürger ab - nicht nur in der Regierung, sondern auch in
den freien Berufen, in Wirtschaft und Arbeit, an den Universitäten, in den Städten
und auf dem Lande - in ganz Amerika. Diese Menschen haben zu Millionen seit über
einer Generation ein einsichtiges internationales Engagement unterstützt, denn
sie wußten im Herzen, daß die größte Nation der Welt nicht von ihrer Umwelt
isoliert, bleiben konnte. Und heute,'in einer neuerlichen Zeit der Entscheidung,
wird es wieder das amerikanische Volk sein, das, so wie es richtig ist, entscheiden wird, welchen Kurs sein Land einschlagen soll.
An dem Resultat dieses EntScheidungsprozesses kann es keinen Zweifel geben.
Das amerikanische Volk wird entscheiden, daß sein Land die Säule der Stabilität
und die Vision der Hoffnung bleiben soll, die es zwei Jahrhunderte lang gewesen
ist. Es wird unsere Führung in der Suche nach einer neuen, dauerhaften, gerechten und friedlichen internationalen Ordnung unterstützen.
Amerika hat sich in seiner ganzen Geschichte immer als zur Erneuerung und
zur Größe fähig erwiesen. Die Siedler, die an die Küsten einer Wildnis kamen;
die Gründerväter, die die einzige Revolution in der Welt vollbracht haben, die
niemals in eine Tyrannei ausartete; die Pioniere, deren Augen immer auf den
Horizont gerechtet waren; die Unternehmer, die amerikanische Produktivität und
Leistungsfähigkeit zum Weltstandard gemacht haben; die Soldaten und Staatsmänner
unseres Jahrhunderts, die eine große und konstruktive Weltmacht aufgebaut haben;
und die schöpferischen Köpfe einer demokratischen Gesellschaft, die Männern und
Frauen auf der ganzen Welt den Atem und den Geist der Freiheit geschenkt haben
- sie alle bilden die Grundlage, auf der wir bauen und die Tradition, die wir
fortsetzen wollen.
Gleiche und getreue Gerechtigkeit für alle Menschen - so hat Thomas Jefferson das Ziel unseres nationalen Geschicks im eigenen Lande und draußen definiert.
Und er fügte hinzu: "Sollten wir jemals in Augenblicken des Irrtums oder der

- 19 -

�'

der Angst abweichen, dann wollen wir rasch unsere Schritte zurücklenken und
wieder
führt", auf den Weg zurückkehren, der allein zu Frieden, Freiheit und Sicherheit
•

Wir befinden uns heute in einem solchen Augenblick, und wir werden unseren
Weg nicht verfehlen.

XXX

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13/1975

NATO UND GEMEINSAME SICHERHEIT
Von US-Verteidigungsminister James R. Schlesinger

(Dar amerikanische Verteidigungsminister
hat in der Mai/Juni-Ausgabe des NAT0Briefs die Konzeption der gemeinsamen
Sicherheit in der NATO erläutert.
Wir geben den Artikel mit freundlicher
Genehmigung wieder.)

Was den größten Teil Europas angeht, so endete der Zweite Weltkrieg im
Frühjahr vor 30 Jahren. Und es ist fast 25 Jahre her, daß sich viele der
NATO-Länder zusammenschlössen, um im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen
die Invasion in Südkorea zurückzuwerfen. Das Bündnis besteht nun seit 26
Jahren, und es kann sich rühmen, daß es die gemeinsame Sicherheit seiner Mitglieder gewährleistet hat. Aber für viele unserer Bürger, vor allem in der
jüngeren Generation sind diese Erfahrungen - und die Bedingungen, die zur
Gründung der NATO geführt haben - so weit in die Ferne gerückt, daß sie beinahe bedeutungslos erscheinen. Die Welt, so sagen vor allem die Jungen, hat
sich verändert; es ist eine Entspannung eingetreten; die Denkweise des Kalten
Krieges ist überholt; militärische Macht ist irrelevant geworden.
Es ist nicht schwer, zuzugeben, daß sich die Welt seit 1945, 1949 und
1950 verändert hat. Die Veränderungen sind jedoch nicht trotz der NATO, sondern
eben wegen der NATO eingetreten.

Daß jetzt dreißig Jahre ohne einen direkten

�direkten Konflikt zwischen den Großmächten verstrichen sind, ist nichts anderes als das Ergebnis der Institutionen und der militärischen Fähigkeit
des Bündnisses. Und es besteht guter Grund zu der Annahme, daß es, wenn es
weitere Verbesserungen geben soll, nur dann dazu kommen wird, wenn wir eine
festgefügte Beziehung unter den westlichen Mächten aufrechterhalten und
weiterhin eine starke, einsatzbereite und moderne Verteidigung dislozieren.

Die Mittel der anderen Seite
Die Sowjetunion und die anderen Mitglieder des Warschauer Paktes haben
sich unter ihrer gegenwärtigen Führung als relativ vorsichtige Mächte gezeigt. Trotzdem könnten weiterhin Herausforderungen unserer beiderseitigen
Interessen auftreten, selbst wenn kein Mitglied des Warschauer Paktes den
Wunsch haben mag, solche Herausforderungen herbeizuführen. Die Zukunft ist
von Ungewißheit überschattet, aber es kann kein Zweifel an den großen und
wachsenden Kapazitäten bestehen, die die UdSSR zur Verfügung hat. An amerikanischen Preisen gemessen wenden die Sowjets heute mehr Mittel für die meisten
der wichtigen Gebiete der Verteidigung auf als die Vereinigten Staaten. Auf
dem Gebiet der Forschung und Entwicklung übertreffen sie die USA um 20 Prozent, auf dem Gebiet der Mehrzweckstreitkräfte um 20 Prozent, in der Beschaffung um 25 Prozent und auf dem Gebiet der strategischen Offensivnuklearwaffen sogar um 60 Prozent.
Darüber hinaus haben die Sowjets mit der größten Dislozierung von verbesserten strategischen Kapazitäten in der Geschichte des nuklearen Wettrüstens begonnen. Wie weit diese Entwicklung gehen wird, wissen wir noch
nicht. Aber wir dürfen davon ausgehen, daß neue Interkontinentalraketen
(ICBM) - mit größerer Nutzlast, Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) und größerer
Treffsicherheit - zusammen mit wesentlichen Verbesserungen einer seegestützten Raketenstreitmacht den Sowjets selbst mit den Beschränkungen des
Übereinkommens von Wladiwostok eine zunehmend starke strategische Offensivstreitmacht an die Hand geben wird.
Gleichzeitig

�Gleichzeitig haben die Sowjets den Ausbau ihrer Mehrzweckstreitkräfte
fortgesetzt und stellen weiterhin anderen Staaten in großem Umfang Militärhilfe zur Verfügung.

Eine der eindrucksvollsten Leistungen der Sowjets

während der letzten zehn Jahre ist der Ausbau ihrer Streitkräfte im Fernen
Osten auf über 40 Divisionen ohne eine Verminderung ihrer Kapazität westlich
des Ural.

Ja es ist sogar so, daß im letzten Jahr die auf die NATO hin

orientierten Streitkräfte des Warschauer Paktes qualitativ und quantitativ
weiter verbessert worden sind.

Moderne Abschreckung
Eine relativ geschlossene und undemokratische Gesellschaft wie in der
Sowjetunion hat keine Schwierigkeiten, auf der einen Seite die Entspannung
zu betreiben und gleichzeitig die Verteidigungsanstrengungen weiter zu stärken. Unter solchen Umständen sollte sich das Bündnis keinen Illusionen hinsichtlich der Notwendigkeit hingeben, ein militärisches Gleichgewicht mit
all den dazu gehörenden Fähigkeiten aufrechtzuerhalten.
Seit über einem Jahrzehnt wird allgemein akzeptiert, daß eine glaubwürdige Abschreckung auf drei Säulen - einer Triade - strategische Nuklearwaffen, taktische Nuklearwaffen und herkömmliche Streitkräfte - beruhen muß.
Jede dieser Komponenten bietet jeweils eine Abschreckung vor der Einleitung
eines Konflikts auf strategischer, taktisch nuklearer und konventioneller
Ebene, und zusammen wirken sie ineinander, um die Abschreckung auf dem gesamten Spektrum möglicher Konflikte zu stärken. Wenn wir nicht die gesamte
Triade einsatzbereit zur Verfügung haben, dann könnte sich ein Gegner versucht fühlen, die Lücken in unserer Abschreckung zu nutzen.
Es muß in diesem Zusammenhang unterstrichen werden, daß es nicht möglich
ist, eine Abschreckung getrennt von den Kapazitäten für eine ausreichende und
wirksame Verteidigung anzustreben. Die entscheidende Vorbedingung für die Abschreckung ist eine Verteidigungskapazität, die das Potential für wirksame

- 3 -

�wirksame und glaubwürdige Gegenaktionen bietet.

Diese simple Wahrheit tritt

besonders in Zeiten der Krise zutage, wenn nur für eine

"Abschreckung"

vor-

gesehene Streitkräfte sowohl beim Gegner als auch bei demjenigen, der sie
einsetzen soll, in zunehmendem Maße an Glaubwürdigkeit verlieren würden.

Die strategische Abschreckung
•

Nach dem Urteil der Vereinigten Staaten hängt eine glaubwürdige strategische Nuklearabschreckung von vier wichtigen Bedingungen ab.

Erstens, wir

müssen mit der Sowjetunion eine grundsätzliche Gleichwertigkeit in den Grundfaktoren aufrechterhalten, die die Wirksamkeit von Streitkräften ausmachen.
Wegen der Ungewißheit der Zukunft und der Form, die ein künftiges Wettrüsten
annehmen könnte, dürfen wir es nicht zulassen, daß sich wesentliche Asymetrien
in den kombinierten Eigenschaften von Nutzlast, Treffsicherheit, Verhältnis
von Wirkung und Gewicht, Zuverlässigkeit und anderen Faktoren entwickelt, die
zur Wirksamkeit von strategischen Waffen und zu den Vorstellungen beitragen,
die sich andere Nationen vom strategischen Kräfteverhältnis machen.
Die zweite Voraussetzung ist eine äußerst überlebensfähige Streitmacht,
die jederzeit in Reserve gehalten und gegen die wirtschaftliche Basis des
Gegners gerichtet werden kann. Diese Streitmacht soll dazu dienen, vor einem
zwingenden oder verzweifelten Angriff auf die wirtschaftliche Basis oder die
Bevölkerungszentren des Bündnisses abzuschrecken.
Die dritte Bedingung ist das Vorhandensein einer Streitmacht, die als
Antwort auf feindselige Handlungen eine Vielzahl begrenzter vorgeplanter Optionen ergreifen und rasch auf Befehle für eine neue Zielplanung (Umplanung)
reagieren und damit vor jeder Art von Angriff abschrecken kann, die ein potentieller Gegner planen könnte. Diese Streitmacht sollte in gewissem Umfang
in der Lage sein, feste Ziele - einschließlich Mittelstreckenraketen (MRBM)
und ballistische Flugkörper mittlerer Reichweite (IRBM) - zu vernichten, obwohl wir es vorziehen würden, wenn beide Seiten auf wesentliche Gegenschlagkapazitäten verzichteten und sich auf eine gerechte und billige Verringerung

�I

Verringerung ihrer strategischen Offensivstreitkräfte konzentrierten.

Wir

sind jedoch nicht geneigt, den Sowjets auf diesem Gebiet einen einseitigen
Vorteil zuzugestehen.

Dementsprechend werden unsere Dislozierungsprogramme

davon abhängen, wie weit die Sowjets bei der Entwicklung einer eigenen Gegenschlagkapazität gehen werden.

Unsere Streitmacht muß ferner über treff-

sichere Waffen mit niedriger Sprengwirkung verfügen, mit denen

"weiche"

Ziele angegriffen werden können, ohne daß ein weitreichender Gesamtschaden
entsteht.

Als Ergänzung brauchen wir schließlich ein bescheidenes Programm

für strahlensichere Schutzräume der Zivilbevölkerung, vor allem für den Fall,
daß militärische Ziele angegriffen werden sollten.
Die vierte Voraussetzung ist ein so weiter Bereich und eine solche Vielzahl von Kapazitäten, daß jeder - Freund oder Feind - sich darüber im klaren
ist, daß wir es mit dem stärksten Gegner aufnehmen können. Wir dürfen auf
diesem höchst gefährlichen Gebiet nicht das Risiko eingehen, daß falsche Vorstellungen zu Fehlschlüssen, zur Konfrontation und zur Krise führen.

Die taktische Abschreckung
In einem Zeitalter der nuklearen Parität wäre wohl kaum jemand über eine
Strategie zur Verteidigung Westeuropas glücklich, die stark von einer frühen
Zufluchtnahme zu einem strategischen Nuklearschlagaustausch abhängig wäre.
Fast jeder von uns würde bei nüchterner Betrachtung der Fakten zustimmen, daß
eine nicht-nukleare Verteidigung Westeuropas möglich ist. Es ist ferner vom
Standpunkt der Abschreckung ganz wesentlich, daß zu jeder Zeit hinter einer
solchen Verteidigung zu ihrer Verstärkung taktische Nuklearwaffen stehen.
In Übereinstimmung mit der NATO-Strategie der flexiblen Antwort (flexible
response) schließen wir den taktischen Einsatz von Nuklearwaffen durch das
Bündnis nicht aus, wenn sich als notwendig erweisen sollte, einen konventionellen Großangriff des Warschauer Paktes aufzuhalten und zurückzuschlagen.
Im übrigen verringert die Existenz dislozierter konventioneller Streitkräfte
und taktischer Nuklearstreitkräfte in ausreichender Stärke die Gefahr, daß
sich der Warschauer Pakt versucht fühlen könnte, den Zusammenhalt und die Ent- 5 -

�Entschlossenheit des Bündnisses auf die Probe zu stellen.
In allen NATO-Ländern wird ein starker Druck spürbar, die Streitkräfte
zu verringern, vor allem die konventionellen Streitkräfte mit ihren hohtn
personellen Anforderungen und Kosten.

Diesem Druck dürfen wir nicht nach-

geben, ja wir müssen ihn überwinden, wenn wir für eine ausreichende Verteidigung und für eine angemessene Verhandlungsposition gegenüber den Warschauer
Pakt sorgen wollen.
Die NATO verfügt selbst heute bei all unseren wirtschaftlichen Schwierigkeiten über die Fähigkeit und die Mittel, um ein ausgeglicheneres Kräfteverhältnis mit dem Warschauer Pakt zu erreichen, vor allem in Mitteleuropa.
Es ist weit besser, wenn wir in diesem kritischen Gebiet eine Vorne-Verteidigung aufrechterhalten und vor feindlichen Aktionen abschrecken, als wenn
wir wegen unzureichender Kräfte ein Versagen der Abschreckung riskieren. Darüber hinaus übt die Stärke in der Mitte einen heilsamen Einfluß auf die Flanken der NATO aus. So lange die Länder des Warschauer Pakts wissen, daß die
Kräfte in der Mitte stark und mobil sind, werden sie sich auch an den schwächeren nördlichen und südlichen Flanken einer größeren Zurückhaltung befleißiger..
Ja, sie sollten sich darüber im klaren sein, daß die NATO zwar ein Verteidigungsbündnis ist und der gemeinsamen Sicherheit dient, daß sie jedoch offensive Maßnahmen auf einem Schauplatz nicht unbedingt ausschließt, sollte es.
auf einem anderen zu einer Aggression kommen.
In der NATO (und übrigens auch im Warschauer Pakt) gibt es große Anfälligkeit und Probleme der Streitkräfteplanung. Trotz ernsthafter alliierter Anstrengungen, die militärischen Kapazitäten der NATO zu verbessern und die Anfälligkeiten zu verringern, bleiben die Einheiten der amerikanischen Armee und
Luftwaffe in Europa ein entscheidender numerischer und psychologischer Faktor
in dem gegenwärtigen, etwas unsicheren Gleichgewicht. Wenn sie abgezogen oder
stark verringert würden ohne eine entsprechende Gegenleistung der UdSSR, dann
wäre es um eine gemeinsame Fähigkeit zur Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts
in Mitteleuropa schlecht bestellt. Darüber hinaus würden wir die Grundlage
für eine rasche Verstärkung von den Vereinigten Staaten her verlieren, um ein

�ein Gegengewicht gegen einen starken sowjetischen Aufbau schaffen zu können,
der unter relativ normalen Umständen oder in einer Krise geschehen könnte.
Nach dreißig Jahren könnte der Friede
Nachdem

Europas erneut auf dem Spiele stehen.

wir jetzt die Früchte der Standhaftigkeit einer Generation ernten,

ist es nicht an der Zeit für einen Rückzug.

Verringerungen der Streitkräfte der NATO und des Waraschauer Paktes
wären zu begrüßen - vorausgesetzt, daß es sich um beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerungen handelt.

Ohne eine solche Beiderseitigkeit

spricht vieles, wenn nicht alles, selbst nach 25 Jahren für eine verstärkte
militärische Position der NATO.

Trotz eines bedeutsamen Abbaus des Standes

der amerikanischen Streitkräfte seit 1969, trotz der Entspannung,

trotz eines

starken sowjetischen Aufbaus an der sino-sowjetischen Grenze müssen wir bei
der Planung im Bündnis folgende Tatsachen in Rechnung stellen:

- Die Sowjetunion allein hat in Ostdeutschland, Polen und der Tschechoslowakei noch immer 27 ihrer Elitedivisionen disloziert.

Weitere vier sowjetische

Divisionen stehen in Ungarn.

- Weitere Streitkräfte des Warschauer Paktes bringen die Gesamtzahl in
dem

"Richtlinien-Gebiet" auf rund 58 Divisionen mit über 930 000 Mann und

rund 2900 taktischen Flugzeugen.

- Die Landstreitkräfte des Warschauer Paktes verfügen über mehr als
16 000 Panzer und gehen von einer taktischen Doktrin rascher gepanzerter Vorstöße aus, die stark an das erinnert, was wir einmal Blitzkrieg nannten.

Künftige Schritte

Das öffentliche Gesetz Nr. 93-365 (das sogenannte Nunn-Amendment) bietet
den Vereinigten Staaten die Möglichkeit und den Anreiz, ihren NATO-Beitrag zu
verbessern.

Die geänderte gesetzliche Bestimmung versetzt uns in die Lage,

die amerikanischen Kampftruppen in Mitteleuropa zu verstärken, vorausgesetzt
- 7-

�vorausgesetzt wir halten die Gesamtpersonal stärke in Europa konstant auf
der gleichen Höhe. Wir machen in dieser Hinsicht sogar bereits Fortschritte.
Im Kalenderjahr 1975 sollte es uns möglich sein, zwei zusätzliche Kampfbrigaden und andere Landeinheiten in Mitteleuropa zu dislozieren und die
amerikanische Luftwaffe zu verstärken.

Diese Aufstockungen sollten unser

Vertrauen in unsere Fähigkeit stärken, einem Angriff der dislozierten Streitkräfte des Warschauer Paktes widerstehen zu können.
Eine größere Stärke in dieser Hinsicht erhöht auch die Chance der NATO,
Verstärkungen - zu Lande und zur Luft - in einem Tempo heranführen zu können,
das uns in die Lage versetzt, einen viel größeren Angriff zurückschlagen zu
können, dessen der Warschauer Pakt nach einer Periode der Mobilisierung und
Dislozierung fähig wäre.

In dieser Hinsicht ist es von höchster Bedeutung,

daß das Bündnis vier Programme durchführt: weitere Verbunkerung taktischer
Flugzeuge; Standardisierung von Waffen und Spezialisierung der Aufgaben;
Ausbau der Aufnahmeeinrichtungen für die massiven Verstärkungen, die die
Vereinigten Staaten im Falle einer Krise heranzuführen entschlossen sind;
und Schaffung einer zentralen Reserve für den Obersten Alliierten Befehlshaben Europa.
So wie wir uns daran machen müssen, die NATO zu stärken, um einen sowjetischen Aufbau auszugleichen und die Abschreckung zu festigen, so müssen wir
auch weiterhin auf einen Fortschritt bei den Verhandlungen über einen beiderseitigen und ausgewogenen Truppenabbau in Europa hinarbeiten. Dies sind miteinander vereinbarte und sich ergänzende Ziele, und das amerikanische Verteidigungsministerium wird bei den Bemühungen um eine Erreichung dieser Ziele
mitarbeiten.
Die Vereinbarung von Wladiwostok, eine gemeinsame Höchstgrenze für die
strategischen Systeme der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu setzen,
könnte durchaus als Beispiel und Präzedenzfall für unsere Verhandlungen in Wien
dienen. Und so, wie wir der Überzeugung sind, daß es den Interessen beider
Seiten dienen würde, die vereinbarten Höchstgrenzen für die zentralen strategischen Systeme nach gerechten und billigen Richtlinien zu senken, sc sind
- 8 -

�sind wir überzeugt, daß die NATO und der Warschauer Pakt davon profitieren,
wenn es eine gemeinsame Höchstgrenze auf niedrigerem Stand für ihre konventionellen Streitkräfte in Mitteleuropa gäbe.
Eine solche gemeinsame Höchstgrenze entspräche sicherlich dem Prinzip
der Gleichheit, für das sich die UdSSR so lange erklärt hat. Bis jedoch diese
glückliche Zeit einmal angebrochen ist, muß die NATO weiterhin ihre Streitkräfte verstärken.

In einer turbulenten Welt gibt es keinen Ersatz für die

gemeinsame Sicherheit und die Abschreckung, die diese Streitkräfte bieten.

+ + + + +

- 9 -

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13/1975

SIMON STECKT WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN KURS DER USA AB
-Rede des US-Finanzministers vor dem Amerikanischen BankiersverbandDer amerikanische Finanzminister
William E. Simon hat in einer programmatischen Rede vor dem Amerikanischen
Bankiersverband in Amsterdam am 13.
Juni den wirtschafts-und währungspolitischen Kurs seines Landes aufgezeigt
und die Bereitschaft der USA zur internationalen Zusammenarbeit unterstrichen.
Wir geben die Ausführungen Simons in wesentlichen Auszügen wieder.

Um den Dollar stark zu erhalten

ist die wesentliche Voraussetzung die Gewähr-

leistung einer lebendigen, inflationsfreien Wirtschaft im eigenen Lande. Das ist
die wahre Verteidigung des Dollar und stellt den wichtigsten Einzel bei trag zur Gesundheit der Weltwirtschaft dar, den wir leisten können
Wenn wir jetzt aus dieser derzeitigen Rezession herauskommen, dann müssen
wir nach unserer Auffassung mit einem hohen Maß an Vorsicht vorgehen. Das zentrale
Ziel unserer Binnenwirtschaftspolitik ist, eine Periode eines anhaltenden, dauerhaften wirtschaftlichen Wachstums zu erreichen, ohne daß es zu einem Wiederaufleben
der Inflation kommt. Es gibt heute reichliche Beweise dafür, daß natürliche zyklische Kräfte in der Wirtschaft zusammen mit einer expansionistischen Politik der
Regierung uns aus der Rezession herausführen. Die Regierung überläßt die Dinge
sicherlich nicht dem Zufall. Die größte Steuersenkung in unserer Geschichte übt
gegenwärtig einen positiven Einfluß auf die Wirtschaft aus, was auch für die

�die gegenwärtigen Haushaltsdefizite gilt. Außerdem hat die Bündeszentralbank die
Konditionen auf dem Geldmarkt erheblich erleichtert und der Vorsitzende des Bundeszentral bankrates, Arthur Burns, hat erst kürzlich angedeutet, daß die Bundeszentralbank weiterhin den Prozeß der wirtschaftlichen Gesundung durch eine fünf
bis siebeneinhalb prozentige Ausweitung der Geldmenge unterstützen werde.
Bei der Ankurbelung der Wirtschaft dürfen wir jedoch nicht der Versuchung
erliegen, es zu einer überhitzung kommen zu lassen.
Der Versuch, die Probleme der Arbeitslosigkeit unmittelbar aus der Welt zu
schaffen, ist verführerisch, aber ein solcher Kurs würde auf lange Sicht nur zu
einer Wiederholung des leidigen Zyklus von konjunktureller überhitzung und konjunkturellem Rückgang führen, wie wir ihn aus der Vergangenheit kennen, und würde
Millionen Amerikaner - ganz zu schweigen von den Bürgern anderer Staaten, deren
wirtschaftliches Schicksal eng mit dem unseren verknüpft ist - zu Jahren weiterer Not und weiteren Elends verdammen. Wir sind daher - auch auf die Gefahr großer
politischer Risiken - entschlossen, eine ausgewogene Wirtschaftspolitik zu verfolgen - eine Wirtschaftspolitik , die nicht nur im Hinblick auf das nächste Jahr,
sondern auch im Hinblick auf die darauffolgenden Jahre, vernünftig ist.
So kann ich Ihnen denn heute auch berichten, daß wir die feste Absicht haben,
den Wert des Dollar in Zukunft noch besser zu schützen.
Eine Debatte über den Dollar führt natürlich sofort zu unterschiedlichen Auffassungen in der Frage der Wechsel kurspolitik. Im Gegensatz zu denjenigen, die der
Ansicht sind, daß wir wieder versuchen müßten, zu einem starreren internationalen
Währungssystem oder sogar zu einem auf Gold basierenden zurückzukehren » bin
ich ein starker Befürworter eines mehr flexiblen Systems, das die Vielfalt der
realen Welt widerspiegelt und den Staaten eine größere Entscheidungsfreiheit in
bezug auf spezifische Wechselkursvereinbarungen läßt, sofern sie in Übereinstimmung mit dem vereinbarten Kodex internationalen Verhaltens handeln. Außerdem
setzen sich die Vereinigten Staaten für ein System ein, in dem das Gold eine weniger bedeutsame Rolle spielt, damit wir die destabilisierenden Auswirkungen dieses

�i
Metalls auf das Währungssystem eingrenzen können. Dieses Ziel findet weitgehend Zustimmung und der Interimsausschuß der Minister des Internationalen Währungsfonds
hat formell seine Zustimmung gegeben, sich um Vereinbarungen zu bemühen, "die
sicherstellen, daß die Rolle des Goldes im internationalen Währungssystem allmählich abgebaut wird."
Inzwischen hat die Kombination von flexiblen Kursen und informellen Konsultationen zwischen den Regierungen,die sich in den letzten Jahren entwickelt hat,
bemerkenswert gut funktioniert. Sie brauchen sich nur zu fragen, wie wohl ein
starreres internationales Währungssystem auf die Erschütterungen reagiert haben
würde, die durch das ölembargo und die Einschränkung der ölförderung, durch den
Wirtschaftsboom und die Rezession und durch die weit auseinanderliegenden Inflationsraten der verschiedenen Länder ausgelöst wurden.
Es steht wohl außer Zweifel, daß wir ohne die größere Flexibilität der Wechselkurse gewaltige, destabilisierende Bewegungen von Währungsreserven und Schließungen von Devisenbörsen, wie in der Vergangenheit, erlebt hätten. Außerdem sollten
wir nicht vergessen, daß man das alte System aufgegeben hat, weil es nicht funktionierte: es ermutigte lediglich die Spekulation, führte zu häufigen Abwertungen
und erlaubte es den Ländern, die der Inflation die Zügel schießen ließen, sich
gesundzustoßen, indem sie die eigene Inflation in andere Länder "exportierten".
Wenn ich auch nicht behaupten will, daß ich solche Erfahrungen besitze, um ein
System aufzuzeigen, das für alle Zeiten funktionieren wird, so glaube ich doch,
daß sich eine Rückkehr zu einem starreren internationalen Währungssystem zu dieser
Zeit als zerstörerisch für den Welthandel und die internationalen Investitionen
erweisen und nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern auch für die Wirtschaftssysteme der anderen Länder schädlich sein würde.
Wir

sollten uns auch klar darüber sein, wie stabil der Dollar im Verhältnis

zu anderen Währungen in dieser Zeit des weitverbreiteten Floatens gewesen ist.
In richtiger Relation zu einem entsprechend gewichteten Durchschnitt anderer Währungen gesehen, hat sich sein Wert im Verlauf der vergangenen drei Monate um
drei Prozent erhöht; ja der Dollar ist heute stärker als vor einem Jahr und er
- 3 -

�er ist heute fast genau so viel wert wie Anfang 1973, als das allgemeine Floaten der Währungen begann. In dieser Zeit ist der Dollar in der Tat die stabilste
der fünf Hauptwährungen der Welt gewesen.
Von einigen Seiten ist Besorgnis über das Ansteigen der Währungsreserven
im Jahre 1974 und in

den ersten Monaten des Jahres 1975 geäußert und die Mei-

nung vertreten worden, daß diese exzessive internationale Liquidität - vor allem
in Form von Dollarguthaben - den Anstoß zu einer weltweiten Inflation gegeben
habe. Dabei wird auf ähnliche in früheren Jahren geäußerte Besorgnisse verwiesen,
als sich bei europäischen und japanischen Währungsinstituten die Reserven anhäuften. Blickt man jedoch genau in die Statistiken, so zeigen sich bedeutsame
Unterschiede zwischen der Situation früherer Jahre und der von heute. In jenen
Jahren waren verschiedene Länder, die Reserven anhäuften, der Meinung, daß diese
Reserven eine Kreditrestriktion im Inland erschweren würden, und in einigen Fällen wurde die Kapitaleinfuhr unter Kontrolle gestellt, um eine restriktive Kreditpolitik zu erleichtern. Im Gegensatz dazu waren fast alle der Nettozugänge an
Reserven im vergangenen Jahr, wie der Internationale Währungsfonds berichtet,
bei den größeren öl exportierenden Ländern, nicht aber bei den Industriestaaten,
zu verzeichnen.

Zahlreiche ölverbraucher konnten Verluste an Reserven nur dadurch vermeiden,
daß sie Kredite in anderen Ländern aufnahmen oder Anreize für Kapitalzuflüsse ooten, um die erhöhten Zahlungen an die Erdölexporteure leisten zu können. Einige
der öl importierenden Länder bekamen unseres Erachtens zu spüren, daß die internationalen Ströme liquider Mittel die Währungspolitik im eigenen Lande beeinträchtigten, die auf eine Eindämmung des inflationistischen Drucks abgestellt war.
Wir haben ferner Zweifel an der Nützlichkeit und Gültigkeit der Statistiken über
internationale Reserven. Wir wissen zun Beispiel, daß nicht alle liquiden Investitionen der Ulförderlander von den Statistiken über Reserven erfaßt werden.
Und auf der anderen Seite wissen wir, daß die Auslandsinvestitionen der meisten
öl Produzenten nicht erfolgen, um an den Devisenmärkten zwecks Erhaltung der
Wechselkurse zu intervenieren; sie sind eine temporäre Anlage für den eigenen
Reichtum. Unter diesen Umständen aber beginnt diese Konzeption der Reserven

- 4 -

&lt;

�Reserven nutzlos zu werden. Außerdem s nd die berichteten Zunahmen der Reserven
vorwiegend be&lt; Regierungen angefallen und sie wurden durch eine zielbewußte
Regierungspolitik erzielt - es handelte sich nicht um unerwünschte Zuflüsse
von Geldern, d e durch eine relativ restriktive Kreditpolitik angezogen worden
waren» Die Situation der Reserven ist somit heute wesentlich anders gelagert
als in früheren Jahren.
Meine Ausführungen sollen natürlich nicht besagen, daß die höheren ölpreise
nicht inflationär wirkten, sondern nur, daß ihr Beitrag zur Inflation in erster
Linie auf die Auswirkungen, d^e s^e auf die Produktionskosten in den Verbraucherländern hatten, und nicht auf den in den Statistikenausgewiesenen höheren Gesamtbetrag der liquiden Reserven der Welt zurückzuführen ist,

- Anhebung der ölpreise Ich muß zugeben, daß wir durch ein Versagen in unserer Politik im Inland
die ausländischen öl Produzenten geradezu eingeladen haben, daraus Nutzen zu ziehen, obwohl wir der festen Auffassung sind, daß ihre Politik falsch ist und sich
als ihren eigenen Interessen abträglich erweisen wird*
Durch unsere Saumseligkeit, die Warnungen derer zu beherzigen, die vor über
20 Jahren die Energiekrise kommen sahen, haben wir die Saat für diese Krise gesät. Weil wir unsere Verbrauchsgewohnheiten nicht schneller änderten, um £nergie einzusparen, ließen wir es zu, daß die höheren Importpreise länger auf ihrem
hohen Stand verharrten, als dies sonst der Fall gewesen wäre. Und weil wir zögerten, die Notwendigkeit, neue Energiequellen zu entwickeln, zu akzeptieren,
haben wir dem Kartell Grund zu der Annahme gegeben, es könne seine Preise ungestraft weiter erhöhen.
... Wir sind von den öl Produzenten in den letzten Wochen gewarnt worden,
daß sie für den Herbst eine weitere starke Preisanhebung beabsichtigen, und
einige haben versucht, d*ese Preisanhebung mit einem angeblichen Rückgang
ihrer Kaufkraft im Jahre 1974 um 35 Prozent zu rechtfertigen. So lange wir

- 5-

�wir kein wirksames Energieprogramm haben, könnten solche Preisanhebungen durchsetzbar sein, doch sollte es über die von ihnen zur Rechtfertigung dieser Preisanhebung angewandte nackte Demagogie keinen Zweifel geben. Der IWF-Index, der für
den Verlust an Kaufkraft angeführt wird, ist um 35 Basispunkte gestiegen; wie der
Index jedoch zeigt, ergab sich dieser Anstieg aus der Änderung ihrer Preise um
24 Prozent, und von diesem Betrag läßt sich zumindest ein Drittel in der Tat auf
frühere Anhebungen der öl preise zurückführen. Tatsächlich haben die öl Produzenten
die weltweite Inflation durch ihre Politik noch verschlimmert und jetzt behaupten
sie, daß sie aufgrund dieser Inflation berechtigt sind, weitere Preiserhöhungen
vorzunehmen. Ferner hat sich seit 1955 die Preisspanne zwischen ihren ölexporten
und den von ihnen importierten Gütern um das fünffache erhöht und seit 1960 sind
die Exportpreise für öl gegenüber ihren Importpreisen um das siebenfache gestiegen.
Versuche, eine neue ölpreisanhebung auf der Basis der gesunkenen Kaufkraft
zu rechtfertigen, sind genau so verlogen wie die Versuche, frühere Preisanhebungen .
auf der Basis der Preissteigerungen bei anderen Gütern zu rechtfertigen. Das
OPEC-Kartell hat oftmals einen Anstieg der Weizenpreise auf das Vierfache, eine Er-,
höhung des Preises für pflanzliche öle um 1 200 Prozent und ein Anziehen des Zuckerpreises um 2 700 Prozent als Grund für die Anhebung der ölpreise angeführt. Dieses
Argument ignoriert einfach verschiedene grundlegende Realitäten. Eine ist die Tatsache, daß diese anderen Waren zwangsläufig auf freien Märkten gehandelt werden
und Preisänderungen eine direkte Folge der Veränderungen von Angebot und Nachfrage
sind. Dies wurde auch an der Tatsache deutlich,,daß die Weizenfarmer ihren Anbau
steigerten, als die Preise anzogen; im Gegensatz hierzu hat das ölkartell die Förderung eingeschränkt, als die Preise stiegen. Zweitens muß betont werden, daß es
bei diesen anderen Waren sowohl Preisrückgänge als auch Preissteigerungen gab. Der
Weizenpreis auf dem amerikanischen Markt liegt jetzt fast 50 Prozent niedriger als
Anfang 1974 und Rohzucker ist von einem Spitzenpreis von 65 Cent/lb auf 15 Cent/lb
heute zurückgegangen.

Wenn die OPEC-Länder wirklich den Preistrends bei anderen Waren folgen würden,
dann würden die Verbraucher heute weit weniger für öl zahlen - und den Interessen
der gesamten Welt wäre damit gedient.
Ich

�Ich möchte hoffen, daß unser Kongreß nicht nur durch die wachsende Verwundbcrkeit der Vereinigten Staaten, sondern auch durch die Erkenntnis zum Handeln
aniespornt wird, daß die Politik der OPEC-Länder ebenfalls nicht unverwundbar
ist. Nachdem die Rezession zur Senkung der weltweiten Nachfrage nach öl beigetragen hat, sahen sich die OPEC-Länder gezwungen, ein Drittel ihrer Fö^derkapazitäi stillzuleaen - das macht über 12 Millionen Barrel pro Tag eus - um die
Preis? zu halten. Außerdem sind in den letzten drei Jahren, wie die OPEC-Länder
wissen, bedeutsame ölfunde in 25 bis 30 Gebieten außerhalb des OPEC-Raumes gemacht worden, durch die Reserven in einer Größenordnung von rund 35 Milliarden
Barrel entdeckt wurden. Diese ölfelder könnten Anfang der achtziger Jahre zusätzlich 8 Millionen Barrel öl pro Tag liefern, und diese Zahl schließt noch nicht
die neue Förderung in den USA, in der Sowjetunion und in der Volksrepublik China
ein.
Die

Tatsache, daß die OPEC-Länder angesichts der nachlassenden Nachfrage

die Förderung und nicht die Preise senken, unterstreicht nur die Schlußfolgerung,
daß ihre Preispolitik weit mehr auf politischen als auf wirtschaftlichen Realitäten basiert. Wenn jedoch die Verbraucherländer eine wirksame Einsparungs-und
Entwicklungspolitik aufnehmen, wird ganz zwangsläufig der Tag kommen, da die
Marktkräfte erneut wirksam zum Tragen kommen und die ölpreise gesenkt werden.
Die Bemühungen der Vereinigten Staaten,sich auf dem Energiesektor autarker
zu machen und eine größere Solidarität mit anderen Verbraucher1ändern zu entwickeln, beruht nicht auf dem Wunsch nach einer Konfrontation mit den OPEC-Ländern
oder einer Blockierung ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Im egenteil, wir
unterstützen ihr Streben nach wirtschaftlicher Entwicklung voll und ganz, über
gemeinsame Wirtschaftskommissionen wie auch über weniger formale bilaterale Kontakte arbeiten wir mit diesen Ländern zusammen, um ihre Industrie-und Agrarbasis
auszubauen und den Lebensstandard ihrer Bevölkerung zu verbessern. Wir sind also
bereit, mit ihnen bei der Beschleunigung ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zusammenzuarbeiten.

Ihrerseits

�«

Ihrerseits müssen diese Länder die Verantwortung erkennen, die ihnen aufgrund ihrer neuen internationalen Rolle zufällt. Sie müssen wissen, daß wir weiterhin jede willkürliche, monopolitische Preispolitik ablehnen, die ohne Rücksicht
auf die wirtschaftlichen Realitäten aufgezwungen wird und die den Entwicklungsländern der Welt gewaltige Strafsummen auferlegt. Wir sind überzeugt, daß sie ihre
Entwicklungsziele auf einer weit sichereren Basis bei wesentlich niedrigeren
öl preisen erreichen können. Eine extreme Politik wird sich für sie wie auch für
die übrige Welt nur als schädlich erweisen.

- Ausrichtung auf einen freien Markt ... Ich sage ohne zu zögern, daß nach unserer Auffassung ein freier Markt
ganz generell größere wirtschaftliche und soziale Vorteile bringt als ein von einer
Regierung beherrschter Markt. Wir sind den Prinzipien eines freien Handels und
freier Investitionen zutiefst verpflichtet. Wir glauben, daß der Välkergemeinschaft
der Welt besser gedient wäre, wenn zahlreiche der gegenwärtig bestehenden Handelsschranken beseitigt würden. Wir begrüßen weiterhin Auslandsinvestitionen in den

-

Vereinigten Staaten und glauben, daß ausländische Investitionen einen bedeutenden
Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung anderer Länder leisten können.
Und wir sind sehr bemüht, allen Völkern - und das gilt auch für unser eigenes
Volk - davon abzuraten, sich nach innen zu kehren und auf Kosten anderer Nationen
Zuflucht vor den derzeitigen wirtschaftlichen Stürmen zu suchen. Die tragischen
Folgen jener nur das eigene Interesse verfolgender Politik der dreißiger Jahre
sollten Beweis genug sein, daß eine liberale Wirtschaftsordnung einer von Isolationismus und Handelsrestriktionen gekennzeichneten bei weitem vorzuziehen ist.
Genau so, wie wir dafür sind, jede Einmischung von Seiten der Regierung auf
ein Minimum zu beschränken, so glauben wir auch, daß unsere Regierung dem privaten
Sektor in unserem Land ein Höchstmaß an Freiheit gewähren sollte. Tatsächlich
würden wir gerne auf zahlreichen Gebieten unseres nationalen Lebens, so zum Beispiel bei der öl-und Erdgasförderung, viele der Hindernisse beseitigen, c_i_e

�die unsere Regierung geschaffen hat, und der vollen Kraft unserer Wirtschaft freien Lauf lassen. Wir sind uns der Tatsache bewußt, daß verschiedene Entwicklungsländer, die den freien Unternehmen breiten Raum gelassen haben, bemerkenswerte wirtschaftliche Fortschritte erzielt haben.
Tatsächlich hat die Geschichte bereits seit langem gezeicit, daß ein freies
Unternehmertum produktiver ist als jedes andere dem Menschen

bekannte System,

und wenn es auch nicht automatisch eine Ausweitung der persönlichen und sozialen
Freiheiten garantiert, so bietet es doch mit Sicherheit einen weit stärkeren Schutz
gegen deren Aushöhlung als jedes andere Wirtschaftssystem.
Die Elastizität des auf den internationalen Markt ausgerichteten Systems hat
sich während der für die Geldwirtschaft unruhigen Zeit der letzten eineinhalb
Jahre deutlich gezeigt. Im letzten Jahr ... habe ich meine Zuversicht geäußert,
daß unsere privaten Geldmärkte und unsere Finanzierungsinstitutionen sich sicher
und flexibel auf die Aufgabe einer Umverteilung der OPEC-Gelder einstellen würden.
Die seitdem gemachten Erfahrungen unterstützen diese Auffassung. Letztes Jahr sind
schätzungsweise 60 Milliarden Dollar an OPEC-Geldern durch das internationale Finanzsystem geschleust worden, ohne ernsthafte wirtschaftliche Störungen hervorzurufen, womit bewiesen wurde, daß sich das System weit besser anpassen konnte, als
die meisten Skeptiker geglaubt hatten.
Unser Bekenntnis zu einer liberalen Wirtschaftsordnung bedeutet jedoch nicht,
daß wir starre Ideologen sind, die für die Regierung keine rechte Aufgabe sehen
können.
Ich möchte damit zum Beispiel nicht sagen, daß die privaten Märkte in allen
Eventualfällen unsere einzige Stütze warer oder sein sollten. Es ist richtig, daß
die Vereinigten Staaten nicht für eine Vermehrung oder eine ungezügelte Ausweitung
der offiziellen Finanzierungsmechanismen waren, die uns bedeutende Nachteile zu
bringen schien. Wir haben jedoch die Initiative ergriffen, um innerhalb der OECDLänder eine neue wichtige Fazilität zu schaffen, die einen Sicherungsmechanismus
für unser Finanzsystem bildet.

...

- 9 -

�'

t
Wir haben ferner eine Vereinbarung über eine bedeutende Aufstockung der
Quoten um ein Drittel und damit des Kreditpotentials des Internationalen Währungsfonds (IWF) angestrebt. Wir haben in besonderen und temporären Abkommen innerhalb
des IWF vereinbart, mit zur Deckung des Finanzbedarfs von Mitgliedsstaaten beizutragen, deren Ausgaben für Climporte stark gestiegen sind. Und zu Gunsten der Entwicklungsländer, die von der Anhebung der ül- und anderer Warenpreise am stärksten
betroffen wurden, haben wir Vorschläge für einen besonderen Treuhandfonds zu ihrer
Unterstützung unterbreitet.
Die Frage nach einer Intervention seitens der Regierung in das Wirtschaftssystem hat sich unlängst im Zusammenhang mit der Forderung von Entwicklungsländern
nach einer neuen Wirtschaftsordnung ergeben. Im Rahmen der Bemühungen um eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Bedingungen befürworten diese Länder umfassende
Änderungen in den Bestimmungen für den internationalen Handel. Unseres Erachtens würden viele dieser Änderungen in Wirklichkeit ihre wirtschaftliche Entwicklung er-,
schweren.
Die Vereinigten Staaten haben seit langem, in Worten und in Taten, das legitime Streben der Entwicklungsländer nach einer Verbesserung der Lebensbedingungen
für ihre Bevölkerung unterstützt. Wir unterstützen ferner ihren Wunsch, stärker
an den Segnungen einer expandierenden Weltwirtschaft teilzuhaben. Wir sind bereit,
gemeinsam mit ihnen in ernsten Gesprächen die Politik und die Maßnahmen zu entwickeln, die am besten einen stetigen Fortschritt in Richtung auf ein besseres und
reicheres Leben ermöglichen.

Im Verlaufe der gegenwärtig in Gang befindlichen Bemühungen um eine Neuordnung der Beziehungen zu den Entwicklungsländern müssen schwierige Fragen bewältigt werden. Grundlage für diesen Prozeß bildet eine sorgfältige Überprüfung der
verschiedenen Formen der Einkommensverlagerungen.
Darüber

- 10 -

�Darüber hinaus müssen wir uns bessere Kenntnisse übe»" die segensreiche Rolle
verschaffen, die private Investoren gegenwärtig bei der wirtschaftlichen Entwicklung spielen, und wir müssen Mittel finden, wie eine Politik zwischen den Entwicklungsländern gefördert werden kann, die ihren Wohlstand am besten hebt.
Wir sind zwar bemüht, diese Fragen mit Einfallsreichtum und Mitgefühl anzupacken, doch glaube ich, daß die Antwort auf die Probleme der wirtschaftlichen
Entwicklung in der Starku'-i des nfnenwärtigen Wirtschaftssystems und nicht in
seiner radikalen Umstrukturierung liegt. Statt alle die Vereinbarungen der Nachkriegszeit beiseitezuschieben, sollten wir auf einer Basis von Fall zu Fall, von
Frage zu Frage, von Problem zu Problem vorgehen,. Die Entwicklungsländer wie auch
die Industriestaaten würden unter jedem falschen Versuch, die gegenwärtige Bewegung in Richtung auf eine größere Handelsliberallsierung umzukehren, zu leiden haben.
Zahlreiche Länder teilen natürlich nicht unser Bekenntnis zu einer marktorientierten Wirtschaft. Daß es Unterschiede in den Anschauungen, selbst unter den Ländern der freien Welt, gibt, ist unvermeidbar. Trotz gemeinsamer Bindunnon hat jeder
von uns eine unterschiedliche Weltanschauung, was auf unsere unterschiedlichen
Erfahrungen und nationalen Traditionen zurückzuführen ist.
Trotzdem dürfen wir nicht übersehen, wie gut es den gemeinsamen Vereinbarungen
der Nachkriegszeit gelungen ist, diese Meinungsverschiedenheiten ohne ungebührliche
Belastungen auszugleichen. Dieses System hat den Entwicklungsländern erhebliche
Fortschritte gebracht. Die Industriestaaten haben sich freiwillig zu einem umfassenden finanziellen Hilfsprogramm, sowohl bilateral als auch über internationale
Institutionen, verpflichtet. Die Entwicklungsländer haben nicht nur aus der Liberalisierung des Welthandels, die voran gekommen ist, Nutzen gezogen, sondern es
besteht heute auch Übereinstimmung darüber, ihnen in unseren Handelsbestimmungen
Sonderpräferenzen einzuräumen. Als Folge davon konnten zahlreiche Entwicklungsländer,
vor allem der mittleren Einkommensgruppe, schneller expandieren als die meisten
Industriestaaten.
Meine

�Meine Bitte läuft daher darauf hinaus, daß wir in unseren internationalen
Wirtschaftsbeziehungen wieder realistisch denken. Es gibt so viel, was zur Verbesserung des Lebens aller getan werden kann und was im Interesse aller liegt,
daß es wirklich töricht wäre, das Mögliche zu Gunsten eines künftigen Unreal istischen aufzugeben.

- Internationales wirtschaftspolitisches Vakuum Manchmal lese ich den Vorwurf, daß die amerikanische Regierung keine internationale Wirtschaftspolitik hat. Ich kann kaum glauben, daß sich irgendjemand im
Ernst diese Ansicht zu eigen macht. Die Wahrheit ist, daß sich kein Land stärker
bei der Gestaltung einer gemeinsamen internationalen Wirtschaftsordnung engagiert
hat. Kein Land macht sich größere Sorge um das Wohlergehen der übrigen Länder...
Kernpunkt unserer internationalen Wirtschaftspolitik ist unser Bekenntnis zu
bestimmten Grundprinzipien, die unsere Verpflichtung zu einer liberalen internatio*
nalen Wirtschaftsordnung zum Ausdruck bringen. Unsere internationale Wirtschaftspolitik muß danach beurteilt werden, wie stark unsere Hingabe ist und wie erfolgreich und beharrlich wir bei ihrer Anwendung sind. Die Grundprinzipien, für die
wir eintreten, sind nicht neu oder überraschend, aber sie sind unseres Erachtens
für eine dynamische und gerechte internationale Wirtschaftsordnung notwendig:
— Wir sind fest entschlossen, eine Politik des bloßen Eigeninteresses zu vermeiden, wie dies erst kürzlich von den OECD-Ländern mit der Erneuerung ihrer
Handelszusage auf der im letzten Monat in Paris abgehaltenen Ministertagung be^
kräftigt worden ist.
— Wir unterstützen die Liberalisierung des Welthandels und konzentrieren
unsere Anstrengungen gegenwärtig auf die multilateralen Handelsverhandlungen in
Genf.

Wir

�'

-- Wir haben uns zu einem freien Kapital verkehr für Investitionen bekannt,
der nur modifiziert werden darf, wenn es der Schutz wichtiger nationaler Interessen erfordert.
-- Wir unterstützen eine große Vielzahl von Mechanismen für die Gewähruno
finanzieller und technischer Hilfe sowie für die Transfer1'erunc realer Hilfsquellen
in die Entwicklungsländer.
-- Wir haben uns ausdrücklich verpflichtet, gemeinsam mit anderen Ländern
die Probleme des Handels mit öl und anderen Waren zu prüfen, damit wir eine Politik
einschlagen

könnens von der beide, Erzeuger und Verbraucher, profitieren.

.... !/-jr i--Knn

uns

zu,

Erhaltung eines gesunden Dollar in der einzig möglichen

Weise verbuchtet: durch Gewährleistung der Stärke

und Stabilität der Binnen-

Wirtschaft.
-- Wir haben zugesagt, gemeinsam mit anderen Ländern langfristige Lösungen
für das Energieproblem zu entwickeln, und wir werden einen wichtigen Beitrag zu
diesen Bemühungen leisten, indem wir in unserem Lande ein größeres Maß an Autarkie
auf dem Energiesektor erreichen.
— Wir haben uns verpflichtet,mit anderen zusammenzuarbeiten, um eine ordnungsgemäße und konstruktive Evolution der internationalen Währungsvereinbarungen
zu erreichen.
-- Und bei allen diesen internationalen Initiativen haben wir uns zu einem
Geist der vollen Zusammenarbeit und der Aussöhnung zwischen allen Nationen bekannt, mit denen wir diesen Planeten teilen.
Auf diesen Grundlagen aufbauend haben die Vereinigten Staaten einen aufrichtigen und sorgfältigen Versuch unternommen, mit den anderen Ländern bei der
Entwicklung besserer Lösungen für Probleme wie Energie, Ernährung, internationales
Geldwesen und andere wichtige Fragen zusammenzuarbeiten. Wir glauben, daß rm

- 13 -

�*

I

im letzten Jahr beträchtlicher Fortschritt erzielt worden ist. Jeder einzelne
Schritt vorwärts war bescheiden, aber die kumulative Wirkung war recht beträchtlich. Ohne den Pomp und die Fanfaren einer Bretton Woods Konferenz, ohne den
Anspruch, ein für alle Zeiten gültiges System auf Pergament niedergeschrieben zu
haben, haben wir damit begonnen, einen Kurs abzustecken, der uns durch eine der
turbulentesten Zeiten dieses Jahrhunderts führen kann.
Ich bin heute morgen von den Konferenzen des Interimausschusses und des
Entwicklungsausschusses direkt nach Amsterdam geflogen. Wie Sie wissen, konnten
die Mitglieder des Interimausschusses noch nicht volle Übereinstimmung über ein
Paket wichtiger Maßnahmen zur Modernisierung des internationalen Währungssystems
erzielen. Wenn wir auch enttäuscht waren, daß ein endgültiges Abkommen in Paris
noch außer Reichweite lag, so war ich doch über unseren Fortschritt ermutigt, den
Bereich der strittigen Punkte einzuengen, und ich glaube, daß wir jetzt eine
Grundlaqe für ein künftiges Abkommen besitzen. Die beiden wichtigen noch zu lösenden Fragen betreffen das Gold und das Wechselkurssystem. Wir glauben, daß das
endgültige Paket im Einklang mit dem Ziel stehen muß, die Bedeutung des Goldes
im Währungssystem zu verringern, und daß es jedem Land die Freiheit lassen muß,
sein eigenes Wechselkurssystem zu bestimmen. Aber innerhalb dieses Rahmens besteht unseres Erachtens genügend Raum für eine Übereinkunft.
Die Entwicklungen in Paris bestätigen unsere Auffassung, daß die Industriestaaten ihre Meinungsverschiedenheiten beilegen und den Interessen der gesamten
Völkergemeinschaft der Welt dienen wollen, wenn sie in einem Geist der Aussöhnung
und der Kooperation zusammenarbeiten. Wir wollen in unserem Vorgehen entschlossen,
aber nicht unflexibel sein, von hohen Grundsätzen ausgehen,aber nicht unlenkbar
sein, mit Hingabe arbeiten, aber nicht beherrschen. Und wir wollen Ergebnisse
erzielen.

XXX

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13/1975

APOLLO - SOJUS
Ameri kam' sch-sowjeti sches Raumfahrtunternehmen
Von G. Weiss

--(AD)-- In den Mittagsstunden des 15. Juli 1975 startet vom Kosmodrom Baikonur
in der Sowjetunion eine sowjetische Trägerrakete mit einem SOJUS-Raumschiff.
Siebeneinhalb Stunden später, um 20.50 Uhr MEZ, folgt von der Rampe 39 B des
des amerikanischen Kennedy-Raumflugzentrums in Merritt

Island (Florida) eine

SATURN - I B mit einem APOLLO-Raumschiff. Kommandant Thomas P. Stafford, der
vor mehr als neun Jahren das erste Rendezvousmanöver zwischen zwei amerikanischen GEMINI-Raumschiffen praktizierte, wird zwei Tage später mit APOLLO bezw.
dem speziell für dieses

Unternehmen in den USA entwickelten Docksegment an der

Spitze der APOLLO-Kapsel am SOJUS-Raumschiff ankoppeln. Zwei Tage bleiben die
beiden Raumschiffe in fester Verbindung. Danach führen die Besatzungen ihre Flugprogramme getrennt weiter. Zum US-Team gehören neben Brigadegeneral Stafford
(44) Vance D. Brand (44) als Pilot der APOLLO-Kapsel und Donald K. Slayton (51)
als Pilot der Dock-Einheit. Die UdSSR hat als Hauptmannschaft Alexej A. Leonow
(41) und Dr. Valeri N. Kubassow (40) benannt.
Hauptzweck der ASTP-Mission (ASTP

ist die Abkürzung für APOLLO-SOJUS

TEST PROJECT) wird es sein, zum ersten Mal Raumfahrzeuge verschiedener Bauart
und nationaler Herkunft mit unterschiedlichen Lebenserhaitungs--, Nachrichtenund Docksystemen im Weltraum zum Rendezvous und Ankoppeln zu bringen und die
Übernahme der Besatzung vom einen in das andere Raumschiff zu ermöglichen. Nur

�Nur so sind künftig internationale Rettungsaktionen für die Insassen havarierter
Raumschiffe denkbar. Aber auch für gemeinsame Forschungsunternehmen mit bemannten Raumschiffen ist diese Technik eine wichtige Voraussetzung.
ASTP basiert auf einem Abkommen vom 24. Mai 1972, in dem die Regierungschefs
der USA und der UdSSR vereinbarten, ein einheitliches Such-und Annäherungssystem
mit genormten Kopplungsvorrichtungen zu schaffen. Künftig sollten damit alle bemannten Raumschiffe und Raumstationen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
ausgerüstet werden.
•

Beim ASTP-Flug übernimmt das APOLLO-Raumschiff, zu dessen "Universal"Kopplungsteil die gleichzeitig als Schleusenkammer zwischen den Raumschiffen
dienende Dockeinheit gehört, wegen seines größeren TreibstoffVorrats die aktive
Rolle beim Rendezvous-und Koppelmanöver. Beide Raumschiffe werden in eine 51,8
Grad zur Äquatorebene geneigte Bahn eingeschossen; sie treffen sich in 225 km
Höhe und ziehen in

einer kreisförmigen Bahn um die Erde.

Wenn das Programm eingehalten werden kann, koppelt APOLLO während seines
29. Erdumlaufs an SOJUS an. Aufeinander abgestimmte elektronische und optische
Suchhilfen erleichtern dieses schwierige Manöver. Die Dockeinheit ist an der
Stirnseite mit dem neuen Universal-Koppelsegment, an der Seite zur APOLLO-Kapsel
dagegen mit jenem Koppelmechanismus ausgestattet, das auch bei den Flügen zur
SKYLAB-Station benutzt wurde. Ähnlich wie bei der, Flügen zum Mond, als APOLLO
nach dem Start durch ein Wende-und Koppelmanöver die Mondfähre aus der Trägerrakete heauszog und mit dem Gerät die feste Verbindung herstellte, wird beim
ASTP-Flug nach dem Eintritt in die Erdumlaufbahn die Dockeinheit mit der Schleusenkammer aus der Oberstufe der SATURN IB-Rakete geholt und auf die AP0LL0Spitze gesetzt.
Ohne die Schleusenkammer wäre ein überwechseln von Besatzungsmitgliedern
vom einen ins andere Raumschiff nicht möglich. Denn beide haben unterschiedliche
Atmosphären bei verschiedenem Druck - APOLLO reinen Sauerstoff, Druck 0,35 at,
SOJUS 40 Prozent Sauerstoff und 60 Prozent Stickstoff bei 0,68 at Druck. Die_

- 2

�Die Druckschleuse, ein zylindrischer Körper von 3 m Länge und 1,4 m Innendurchmesser, verfügt über eigene elektrische Versorgung, Lebenserhaitungs- und
Nachrichtensysteme. Sie kann jeweils zwei Mann aufnehmen, die sich solange darin aufhalten, bis die Kabinenatmosphäre derjenigen des Raumschiffs angepaßt
ist, in das sie überwechseln wollen.
Einige der wissenschaftlichen Experimente, mit denen sich die AP0LL0Astronauten zu befassen haben, werden mit den beiden sowjetischen Kosmonauten
gemeinsam durchgeführt. Zwei der 28 Experimente wurden auf Vorschlag deutscher
Wissenschaftler in das Programm aufgenommen: Das eine (Nr. MA-107) dient der
Messung biologischer Auswirkungen kosmischer Strahlung. Es läuft unter der
Bezeichnung BIOSTACK 3 und wurde, wie bereits seine beiden Vorläufer, von
Dr. H. Bücker (Universität Frankfurt/Main) vorbereitet. Mit dem zweiten
(Nr. MA-014) soll ein von Dr. Kurt Hannig, Max-Planck-Institut für Biochemie
in Martinsried b. München, entwickeltes Elektrophorese-Verfahren zur kontinuierlichen Trennung biologischer Substanzen in Analysenpräparaten erprobt werden.
Im Zustand der Schwerelosigkeit dürfte die Trennung der Komponenten auf Grund
ihrer unterschiedlichen Bewegungsgeschwindigkeit im elektrischen Feld besonders
"sauber" vonstatten gehen. Das letztgenannte Verfahren dient bereits der Vorbereitung von Methoden - beispielsweise der Gewinnung hochreiner Impfstoffe -,
die im SPACELAB der achtziger Jahre Anwendung finden sollen.
In den Mittagsstunden des 19. Juli 1975 wirH APOLLO von SOJUS abkoppeln.
Die Wege der Raumschiffe trennen sich, die Besatzungen setzen ihr jeweiliges Arbeitsprogramm fort. Dem Flugplan zufolge soll SOJUS am 21. Juli in der Sowjetunion landen, während APOLLO am 24. Juli um 22.18 Uhr MEZ im Pazifik zurückerwartet wird.

XXX

- 3 -

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13/1975

ZEHN JAHRE FERNMELDE-SATELLITENNETZ

- (AD) - Vor zehn Jahren, am 28. Juni 1965, wurde mit EARLY BIRD der
erste kommerzielle Nachrichtensatellit in Betrieb genommen. Der damalige
US-Präsident Lyndon B. Johnson eröffnete offiziell die neuen Verbindungen
über das "Fernmeldeamt am Himmel" mit Telefongesprächen nach Downing Street
Nr. 10 in London und ins Bundeskanzleramt in Bonn. Seine Partner waren
Harold Wilson und Prof. Ludwig Erhard.
In der Zwischenzeit wurde ein weltweites Netz von Nachrichtenverbindungen via Weltraum aufgebaut.

Heute sind 90 Länder Mitglied der "Inter-

national Telecommunications Satellite Organization" (INTELSAT).

Sie ver-

fügen gerneinsam über sieben INTELSAT IV-Satelliten, die in fast 36 000 km
Höhe über dem Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean stationiert sind.

Dazu

gehören 88 Bodenstationen und 111 Antennen-Anlagen, die um die ganze Erde
verteilt sind und Telefonate und Telegramme, Bild- und Datenübertragung,
Funk- und Fernsehsendungen vermitteln.

Selbst schwer zugängliche Gebiete,

die rr.it Bodenleitungen nicht zu erreichen sind, konnten an das weltweite
Netz angeschlossen werden.

Im Auftrag des INTELSAT-Konsortiums werden die

Satelliten von dem US-Unternehmen C0MSAT (Communications Satellite Corporation)
betrieben.
Die heutigen INTELSAT-Geräte leisten wesentlich mehr als ihr Vorläufer
EARLY BIRD.

Ein einziger von ihnen kann gleichzeitig 3500 Telefongespräche,

- 1-

�Telefongespräche, Fernsehsendungen und Daten weiterleiten.

Und während

über EARLY BIRD nur eine Leitung zwischen den USA und einer von fünf Bodenstationen in Europa hergestellt werden konnte, bestehen über das INTELSATSystem Tag und Nacht 378 Verbindungen zu 88 Bodenstationen in 64 Ländern.
Ein INTELSAT-Satellit ist 5,2 m hoch, hat 2,4 • Durchmesser und wiegt
724 kg.

Im Spätsommer 1975 wird das erste von sechs Geräten einer neuen

Serie gestartet

(INTELSAT IV A ) , die etwa die doppelte Leistungskapazität

von INTELSAT IV aufweisen.
Durch eine Tochtergesellschaft, die

"COMSAT GENERAL CORPORATION", ent-

wickelt und erprobt COMSAT gleichzeitig neuartige Systeme.

Eines davon ist

MARISAT mit Satelliten, die auf die besonderen Anforderungen der Schiffahrt
und von Bohrinseln abgestellt sind.

Am 31. Juli 1975 soll von der NASA

(US-Amt für Luft- und Raumfahrt) der erste, gegen Ende des Jahres der zweite
MARISAT-Satellit gestartet werden.

Einer wird über dem Atlantik, der andere

über dem Pazifik in eine geostationäre Bahn gebracht.

Beide ermöglichen

rund um die Uhr ausgezeichnete Verbindungen für die Datenübertragung und den
Sprechfunkverkehr zwischen Schiffen auf See oder Bohrinseln und Küstenstationen; auch Berichte zur Wetterlage werden übertragen.

Satelliten dieser

Art sollen außerdem bei Such- und Rettungsaktionen eingesetzt werden.
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                    <text>amerika dienst
United
53

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Bonn-Bad

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G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

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300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

17. J u l i 1975

14
Inhalt

DOKUMENTATION
Weltweite Herausforderung und internationale Zusammenarbeit
- Rede des amerikanischen Außenministers in Milwaukee -

WIRTSCHAFT
US-Wirtschaftler:

Rohstoffprobleme unter neuem Gesichtspunkt sehen

- Interwiev mit Dr. Lawrence B. Krause von der Brookings Institution

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

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I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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Telex:

Dokumentation

300

0 8 - 8 54 3 2

14/1975

WELTWEITE HERAUSFORDERUNG UND INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT
-Rede des amerikanischen Außenministers in Milwaukee-

Der Außenminister der Vereinigten Staaten, Dr. Henry A. Kissinger, hat am 14.
Juli in einer Rede vor dem Institut für
Weltoolitik an der Universität von
Milwaukee die Politik der USA gegenüber
den Vereinten Nationen dargelegt und von
"beunruhigenden" Entwicklungen in der Weltorganisation gesprochen. Der geschlossenste Block, so sagte er, sei heute der
"Block der Blockfreien", Die Rede des
ierikam'sehen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Vor zehn Tagen ist unsere Nation in das 200. Jahr ihres Bestehens eingetreten. Wir treten unsere 200-Jahrfeiern mit berechtigtem Stolz auf unsere Vergangenheit, einer Erkenntnis der Aufgaben der Gegenwart und großer
Hoffnung auf die Zukunft an.
Die Welt, in der wir heute leben,

schwankt unsicher zwischen einer

Ära großer Unternehmungen und Schöpfungskraft und einem Zeitalter des Chaos
und der Verzweiflung. Auf der einen Seite haben wir Waffen entwickelt, die
uns und unsere Zivilisation zerstören könnten, und auf der anderen Seite
haben wir eine Weltwirtschaft geschaffen, die - zum ersten Mal in der Geschichte - Armut, Hunger und menschliches Leid auslöschen könnte.
Dieser

�Dieser Komplex beispielloser Möglichkeiten und unvergleichlicher Gefahr steht im Mittelpunkt der großen Herausforderung, vor der die Vereinigten Staaten seit Ende des Zweiten Weltkrieges immer unmittelbarer gestanden
sind. Und es ist unsere Generation, die die Wahl treffen muß, die über Erfolg oder Mißerfolg entscheiden wird. Es ist eine Bürde, die wir mit Kraft
auf unsere Schulter nehmen oder ignorieren können, was gefährlich wäre
- aber es ist eine Last, die wir nicht abwerfen können.
Unser Land ist zum Symbol für die Fähigkeit des Menschen geworden,sein
Schicksal zu meistern. Es ist ein stolzes Erbe, das Millionen von Menschen,
die während der letzter, zwei Jahrhunderte auf uns als einen Leuchtturm der
Freiheit und Gerechtigkeit geblickt haben, Hoffnung und Inspiration gab.
Die heutige Generation vor. Amerikanern muß ihrer Pflicht ebenso treu
bleiben wie frühere Generationen der ihrigen. In einer Zeit, da Waffen in
Minuten von Kontinent zu Kontinent fliegen, ist unsere Sicherheit mit dem
Weltfrieden verflochten. Wenn unsere Fabriken, Farmen und unsere finanzielle Stärke von Entscheidungen tief berührt werden, die von anderen Ländern
getroffen werden, dann ist unsere Prosperität mit der Prosperität der Welt
verknüpft. Der Frieden der Welt und unsere eigene Sicherheit, der Fortschritt der Welt und unsere eigene Prosperität sind unteilbar.

Die Struktur des Friedens
Wir haben eine stolze Grundlage, auf der wir aufbauen können. Wir haben die Stabilität in der Welt aufrechterhalten, die Sicherheit und Unabhängigkeit von Dutzenden von Ländern garantiert und Blut und Gut für die
Verteidigung der Freiheit geopfert. Unsere wirtschaftliche Unterstützung
hat unseren wichtigen Verbündeten geholfen, ihre Stärke wiederzugewinnen.
Wir haben zu einem globalen Handels-und Währungssystem beigetragen, das
die Prosperität in der ganzen Welt gehoben und verbreitet hat. Mit unserer
Ermutigung haben die neuen Staaten ihren Platz in der internationalen

- 2 -

�internationalen Gemeinschaft eingenommen und sich auf den Pfad der wirtschaftlichen Entwicklung begeben. Auf unsere Initiative hin wurden viele alte Streitfälle mit friedlichen Mitteln beigelegt. Konflikte wurden eingedämmt und ein
Weltkrieg wurde verhütet.
Wir haben mehr Wirtschaftshilfe geleistet als irgend ein anderes Land in
der Geschichte. Wir haben mehr Lebensmittel zur Verfügung gestellt, mehr Menschen "|C anderen Länden eine Ausbildung vermittelt und mehr Einwanderer und
Flüchtlinge aufgenommen. Wir haben das getan, weil wir ein großzügiges Volk
sind - wofür wir uns nicht zu entschuldigen brauchen - und weil wir begriffen
haben, daß unser eigenes Interesse mit dem Schicksal der ganzen Menschheit verknüpft ist.
Diese Erfolge haben große Veränderungen herbeigeführt. Die starren Formen
der Zeit des Kalten Krieges sind gesprengt worden. Macht und Wohlstand, Ideologie und Zielsetzung haben sich ausgebreitet und haben die internationale
Szene verändert. Der Wiederaufstieg Europas und Japans, die Rivalität unter
kommunistischen Staa^°n, das Wachsen der militärischen Technologie, der Aufstieg
und die zunehmende Vielfalt der Entwicklungsländer haben eine neue globale
Umwelt geschaffen - eine Welt mit vielen Machtzentren, der anhaltenden ideologischen Differenzen, umwölkt von der nuklearen Gefahr und im Kampf um wirtschaftliche Sicherheit und wirtschaftlichen Fortschritt. Im Brennpunkt der
amerikanischen Außenpolitik steht die Hilfe bei der Gestaltung dieser Umwelt
zu einer neuen internationalen Struktur, die auf Ausgewogenheit statt Konfrontation beruht, die die Länder durch die Praxis der Kooperation verbindet, die
Ausdruck der Realität der weltweiten Interdependenz ist.
Unsere Aufgabe beginnt im eigenen Lande. Wenn wir im Ausland stark und
effektiv sein wollen, dann müssen wir im eigenen Lande stark und zielbewußt
sein.
Um den Frieden erhalten zu können,muß unser

militärische Stärke über jede

Herausforderung erhaben sein.
Um
- 3 -

�Um die weltweite Prosperität fördern zu können, muß unsere Binnenwirtschaft
blühen.
Um unsere internationalen Anstrengungen bewältigen zu können, müssen wir
ein geeintes Volk sein, sicher in unserer Zielsetzung und entschlossen, auf
den großen Leistungen unseres nationalen Erbes weiter aufzubauen. Unsere erste
Verpflichtung im Ausland gilt den großen industriellen Demokratien, mit denen
uns gemeinsame Geschichte, Prosperität und politische Ideale -erbinden. Unsere
Bündnisse über den Atlantik hinweg und mit Japan sind der Eckpfeiler unserer
Außenpolitik. Sie sind he'^e mehr als nur eine Antwort auf militärische Bedrohung, sie sind auch Instrumente der sozialen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit.
Das letztliche Ziel unserer Bündnisse ist gewesen, die Spaltung der Welt
zu erleichtern, nicht festzuschreiben. In den letzten Jahren haben die Vereinigten Staaten eine Reihe von Schritten getan, um konkrete Problem mit der Sowjet-"
union zu lösen und die Grundlage für positivere Bemühungen zu legen. Wir haben
auch ein neues Verhältnis zur Volksrepublik China zustande gebracht.
Es kann kei&gt;° dauerhafte internationale Stabilität ge K en, solange die
Großmächte nich

lernen, "urückhaltung zu üben und sich wirklich um den Welt-

frieden zu bemüf.c.i. All unsere Hoffnungen auf eine bessere Welt erfordern, daß
sie ihre Macht zum Wohle der Menschheit einsetzen.
Die Dutzende neuer Staaten,die seit dem Zweiten Weltkrieg ihre Unabhängigkeit erlangten, sind jetzt zu Hauptakteuren auf der Weltbühne geworden. In ihrem
Streben nach eigenem Fortschritt stellen sie eine Herausforderung an die üh^A ge Welt dar - zu zeigen, daß die internationale Struktur ihnen eine Rolle bieten kann und einen fairen Anteil sowie Würde und Verantwortung.
Wir sind alle - Verbündete und Gegner, neue Staaten und alte, reiche und
arme - Teil einer Weltgemeinschaft. Unsere Interdependenz auf dieser" Planeten
ist das zentrale Faktum unserer Diplomatie geworden. Energie, Bodenschätze,

*

�Bodenschätze, Umwelt, Bevölkerung, die i'lutzunc des Weltraums und der Meere das alles sind Probleme! deren Segnungen und Bürden weit über nationale Grenzen hinausreichen. Sie tragen die Saat des politischen Konflikts für die
künftige Generation in

sich: sie fordern die Fähigkeiten der internationalen

Gemeinde mit neuen Forderungen nach Weitblick und Staatskunst heraus.
vieles unserer heutigen Agenda ist daher globaler Natur und muß global
angepackt erden. Innerhalb der nächsten zwei Kochen werden zwei große Konferenzen der bedei'tsamsten internationalen Organisationen der Vereinten Nationen
stattfinden. Eine Sondersitzung der Vollversammlung wird sich mit wirtschaftlichen Problemen befassen und die 3C.reguläre Sitzungsperiode der Vollversammlung wird sich dem weiten Bereich internationaler Probleme zuwenden.
Ich möchte daher diese Gelegenheit benutzen,um Jhnen und den anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen eine offene Beurteilung zu geben, wie die amerikanische Regieru11 die heutigen Vereinten Nationen betrachtet - ihre Fähigkeiten und ihre Grenzen, ihre Zukunftsaussichten und die Tendenzen, die den
künftigen Fortschritt bedrohen.

Die bisherige Leistung der UN
Dreißig Jahre nach der Gründung der Vereinten Nationen darf man ihre
Leistungen als wesentlich und ihre Zukunftsaussichten als groß betrachten.
Im größten Teil der Welt herrscht Frieden, über das Nichtvorhandensein des
bewaffneten Konflikts hinaus hat sich ein Übergang von einer Hauptbesorgnis
um die Sicherheit zu einer Sorge ur: den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt der ganzen Menschheit vollzogen.
Und doch wird rsrace in einer Zeit,in der Interdependenz zur internationalen Zusammenarbeit zwingt, und da die Mitgliederschaft der Vereinten Nationen höchst universal ist, die internationale Organisation durch einen neuen
Zusammenstoß der Ideologien und Interessen und durch beharrliche Taktiken
- 5 -

�Taktiken der Konfrontation auf die Probe gestellt. Solche Tendenzen verringern
die Aussichten auf künftige Erfolge und bedrohen die Institution selbst.
Lassen Sie mich diese Tendenzen in eine historische Perspektive rücken.
Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte eine Periode des Idealismus und
der Hoffnung. Der Sieg im Kriege gegen tyrannische Regime - durch Länder, die
sich zu diesem Zweck vereint hatten - schien ebenso ein Triumph der Freiheit
als auch des Friedens zu sein. Das Ende des Kolonialzeitalters stand kurz bevor und war klar abzusehen. Die furchtbare Kraft der Nuklearwaffen gab ironischerweise zu der Hoffnung Anlaß, daß sich die zwingende Notwendigkeit der
kollektiven Sicherheit und der friedlichen Beilegung von Streitigkeiten
schließlich der Mr --hheit von selbst aufdrängen w"rde. Der Völkerbund hatte
versagt, aber die Kosten eines neuerlichen Versagens schienen so überwältigend,
daß die Hoffnung entstand, die Völker der Welt würden sich einfach verpflichtet
fühlen, die Vereinten Nationen zu einem Erfolg zu machen.
Kein Land hat diese Hoffnung echter gehegt als die Vereinigten Staaten.
Kein Land hat ernsthafter von den Vereinten Nationen erwartet, daß sie an die
Stelle von Gewalt und Herrschaft die Zusammenarbeit setzen würden. Keine Regie- '
rung hat ernsthafter danach gestrebt, eine Weltorganisation zu schaffen, die in
der Lage wäre, zu handeln. Es ist wert, daran zu erinnern, daß wir ein Je.hr nach
der Konferenz von San Franzisko, als die Vereinigten Staaten im Alleinbesitz
der Nuklearwaffen waren, angeboten haben, diese gesamte Technologie an die
Vereinten Nationen zu übergeben.
Aber selbst damals waren amerikanische Sprecher schon bedacht, darauf hinzuweisen, daß es für das Ausmaß der neuen Organisation realistische Grenzen gebe. Von diesen Grenzen ist die wichtigste und vielleicht die am leichtesten
zu übersehendste, daß die Vereinten Nationen keine Weltregierung sind. Sie
sind eine Organisation souveräner Staaten. Es handelt sich nicht um eine

- 6 -

�eins Körperschaft, die getrennt und für sich von ihren Mitgliedern existiert.
Sie spiegelt den Zusammenhang mit der Welt wieder, in der sie operiert; ihre
Vielfalt,ihre Unzulänglichkeiten, ihre vielen Zentren der Macht und der Initiative , ihre konkurrierenden Werte, ihre weltliche Mischung von Edelmut und
Trarcdie.
Die Hoffnung der Gründer auf Frieden beruhte keineswegs auf dem naiven
Glauben an die Vollkommenheit des Menschen,sondern auf der Hoffnung, daß die
Großnächte, denen eine beherrschende Rolle im Sicherheitsrat eingeräumt w u H e ,
in der Lage wären, sich zur Erhaltur.c des Friedens miteinander abzustimmen.
Diese Hoffnung erwies sich natürlich als ein totgeborenes Kind, als die Vereinten Nationen zur Arena der Konfrontation des Kalten Krieges wurden.
Eine Generation später weisen ihre Annalen in der Erhaltung des Friedens
chl Erfolge als auch Mißerfolge auf. Es gab örtliche Kriege, a^er es gab
keinen Weltkrieg. Mehr als einmal konnten kleine Konflikte, die ii der Vergangenheit zu großen geführt hätten, durch die Bemühungen der Vereinten Matio
nen eingedämmt werden.
Immer wieder - im östlichen Mittelmeer, im Mähen Oster., im Kongo, in
Kaschmir - hat sich die friedenserhaltende Rolle der Vereinten Nationen als unerläßlich für eine Regelung, für Garantien und für die Verhütung einer Intervention der Großmächte erwiesen. Wenn auch nur ein winziger Abglanz der ursprünglich gedachte*1 ^"-"»otion der kollektiven Sicherheit, haben sich diese
Operationen als wer voll

d in zunehmendem Maße als unerläßlich erwiesen.

Sie stellen die fortounnttlichsten Manifestationen der internationalen ZuSETienarbeit auf dem Gebiet der Sicherheit dar, die es bisher gegeben hat.
Die Vereinten Nationen haben den Grundsatz begriffen, daß Frieden nicht
das gleiche ist wie Status quo, sondern auch Verfahren für eine friedliche Veränderung einschließen muß. Ob durch Sonderkontossionen oder Vermittler oder
durch die erweiterte Rolle des Generalsekretärs im Rahmen seiner weitgehenden
Aufgaben nach Artikel 99 der Charta haben sich die Vereinten Nationen seit

" 7"

�seit ihrer Gründung in zahlreichen Fällen als ein flexibles Instrument der
friedlichen Regelur.c anaeboten.
Die Vereinten Nationen haben ein Forum für die Debatte und die Verhandlung
über renicnale oder globale Probleme sowie für multilaterale Bemühungen um die
Rüstungskontrolle und Abrüstung geboten. Das Gespräch stellt ein Sicherheitsventil dar und eine Scndierungsmöglichkeit. Oft wird auf dem Korridor ohne
grofes Aufheben ein Fortschritt erzielt.
kir fanden bald heraus, daß dem Handeln der Vereinten Nationen für Frieden
und Sicherheit Grenzen gesetzt sind. Ihre Zuständigkeit kann nicht weiter gehen
als die Obereinstimmung ihrer Mitglieder,

Und in den umfassenden Fragen von

Krieg und Frieden sind es die Großmächte

die schon allein wegen ihrer terri-

torialen Größe, ihrer militärischen Stärke, ihrer wirtschaftlichen Macht und
wegen ihres politischen Einflusses die Hauptverantwortung für Stabilität und
Sicherheit in der Welt tragen.
•

Neuerdings, da die Großnächte die Praktiken der Koexisten: lernen, besteht die Hoffnung, daß die Vereinten Nationen erneute Möglichkeiten für ein
wirksames Handeln im Einklang mit der Vision ihrer Gründer finden können.
Die Vereinten Nationen, ursprünglich in erster Linie mit Fragen von Frieder, und Sicherheit befaßt, sind zum Brennpunkt einer wachsenden Konzentration
auf wirtschaftliche und soziale Fragen geworden. Die Charta der Vereinten Nationen enthält die Verpflichtung, die "internationale Maschinerie zur Förderung des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts aller Völker einzusetzen.''
Heute werden rund neun Zehntel der Ausgaben innerhalb des Systems der Vereinten Nationen für die wtrtsshaftlicht und soziale Zusammenarbeit aufgewandt. Wir
begrüßen diese Entwicklung und haben großzügig zu ihr beigetragen.
Es sind in der Tat diese Gebiete, auf denen die Arbeit der Vereinten Nationen am erfolgreichsten ist, wenn auch am wenigsten beachtet. Ihr- Srnderorganisationen haben sich auf einer Vielzahl von Gebieten der menschlichen

- 8 "

Jid_

�und internationalen Anliegen wirksam betätigt: Beschleunigung der Entkolonialisierung, Ausbreitung der Bildung, Wissenschaft und Technologie, Organisation der
globalen Zusammenarbeit zir. Bekämpfung von Hunger und Krankheit, zum Schutz der
Umwelt, zur Begrenzung des Bevölkerungswachstums, zur Regulierung des internationalen Verkehrs-und r ^nmeldewesens, zur friedlichen Nutzung der Nuklearenergie, zur Förderung der Menschenrechte und zur Ausbreitung des international
Rechts unter den Ländern, im Weltraum und auf den Meeren, zur Erhaltung des
kostbaren Erbes der Menschheit. Es ist beeindruckend, daß die Vereinten Nationen in der Lage waren, auf so viele Aufgaben der modernen Zeit so schöpferisch
zu reagieren.
So sind also die Vereinten Nationen von beträchtlicher Bedeutung für die
Zukunft der Welt. Sie haben unsere traditionellen sicherheitspolitischen und politischen Anliegen den neuen Bedingungen der internationalen Diplomatie angepaßt.
Sie haben ihren Aufgabenbereich - noch bevor die meiste Nationen dies taten auf die neue Agenda ausgedehnt, vor die die Weltgemeinschaft heute gestellt
ist. Die Vereinten Nationen sind sowohl ein Symbol unserer Interdependenz als
auch unser universales Instrument für den gemeinsamen Fortschritt.
In diesem Zusammenhang möchte ich der hervorragenden Führung der Vereinten
Nationen durch Generalsekretär Waldheim Anerkennung zollen. Er ist unermüdlich
und hat sich völlig dem Frieden» der Fairness und der Zukunft der Vereinten Nationen verschrieben.
Die Schnelligkeit und die Wirksamkeit, mit der er Ende 1973 friedenserhaltende Streitkräfte nach den Mähen Osten entsandte, sind nur ein Beispiel für die
vielen Dienste, die er der Organisation und der internationalen Gemeinschaft geleistet hat.

Die

�Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen
—

—

Trotz all dieser Erfolge ist die Zukunft der Vereinten Nationen umwölkt.
Vieles, was sich in den letzten Jahren in den Vereinten Nationen zugetragen
hat, stimmt uns nachdenklich. Gerade in dem Augenblick, da die Konfrontationen zwischen den Großmächten ein Ende fanden, kam es in den Vereinten Nationen und einigen ihrer Sonderorganisationen zu beunruhigenden Entwicklungen.
Ideologische Konfrontationen, Blockabstimmungen und neue Versuche, durch
Manipulation der Charta einseitige Ziele zu erreichen, drohten die Vereinten Nationen zu einer Waffe der politischen Kriegführung zu machen, statt
zu einer Institution der Heilung politischer Konflikte und der Förderung des
Wohles der Menschheit.
Die Vereinten Nationen sind naturgemäß ein Spiegelbild der Entwicklung
ihrer Mitgliederschaft. In ihrer ersten Phase spiegelten sie den ideologischen Kampf zwischen dem Westen und dem Osten wieder; in dieser Zeit folgten,
die Vereinten Nationen im allgemeinen der amerikanischen Führung. In jenen
Tagen fanden sich immer wieder um die 5o Stimmer, die unseren Standpunkt unterstützten, und nur eine Handvoll Stimmen von Mitgliedern des kommunistischen Blocks war dagegen.
Zehn Jahre später, als sich die Zahl der Mitglieder auf über 80 erhöht
hatte, war unsere dominierende Stellung in der Vollversammlung nicht mehr
gewährleistet. Weder Ost noch West konnten sich durchsetzen. Im Weltsicherheitsrat fand die amerikanische Position immer noch Unterstützung, während
die Sowjetunion ein Veto nach dem anderen einlegen mußte, um das, was sie
als ihre lebenswichtigen Interessen betrachtete, zu schützen.
Aber mit dem plötzlichen Sprung auf die gegenwärtige Mitgliederzahl von
138 wurden die früheren Tendenzen de) Blockpolitik immer ausgepräcter und gefährlicher. Die jungen Nationen wandten sich aus verständlichen Gründen an
die Vereinten Nationen, in denen sie ein Übergewicht haben, in der Suche

�Suche nach einer Macht, die dort einfach nicht zu finden ist. Die Vollversammlung kann keine rechtlich bindenden Entscheidungen treffen. Und doch haben
rein zahlenmäßige Mehrheiten auf ihrem Willen und ihren Zielen bestanden,
obwohl sie

gemessen an Bevölkerungszahl und Finanzbeiträgen - nur einen

kleinen Teil der tfitgliederschaft darstellen. So wurde im Verlaufe dieses Prozesses ein Forum der Schlichtung zu einem Ort der Konfrontation.
noralische Einfluß, den die Vollversammlung ausüben sollte, ist in
Gefahr geraten und könnte zunichtegemacht werden, sollten die Regierungen
- vor allem diejenigen, die finanziell die Hauptlast tragen - das Vertrauen
in die Organisation verlieren, weil ihr mechanisch und immer willkürlicher
ein Wille aufgezwungen wird.
Es ist eine Ironie, daß gerade in dem Augenblick, da die USA die Blockfreiheit akzeptierten, die Länder, die sich ursprünglich für eine solche Haltung zur Wahrung ihrer souveränen Unabhängigkeit von den mächtigen Militärbündnissen ausgesprochen hatten, nunmehr selbst eigene, starre Rlöcke bilden. Der wohl festeste Block in der heutio«&gt;n Welt ist paradoxerweise der
Block der Blockfreien. Er teilt die Welt auf in Kategorien wie Nord und Süd,
entwickelt und unterentwickelt, herrschende und beherrschte, und zw?^ gerade in einem Augenblick der Geschichte, da solche Kategorien irrelevant und
irreführend geworden sind.
Niemals zuvor hat die Welt dringender kooperativer Lösungen bedurft.
Niemals zuvor waren die Industriestaaten eher bereit, sich mit den Problemen der wirtschaftlichen Entwicklung in einem konstruktiven Geist zu befassen. Aber nach einer Seite neigende, emotionelle Stimmabgabe, voreingenommene Ergebnisse und willkürliche Taktiken drohen diese Möglichkeiten zunichte zu machen..Die Nützlichkeit der Vereinten Nationen als Sicherheitsventil und als Instrument der internationalen Zusammenarbeit wird untergraben.
Tragischerweise werden die Hauptopfer die Länder sein, die das zu erzwingen

- 11 -

�erzwingen suchen, was im Grunde ihnen gehören kinnte, wenn sie sich kooperativ verhielten.
•

•

Eine in gleicher Weise bedauerliche Entwicklung ist der Trend in den Sonderorganisationen, das Hauptaugenmerk auf politische Fragen zu richten und damit von der eigentlichen Arbeit dieser Organisationen abzulenken. Die UNESCO,
deren Aufgabengebiet kulturelle Fragen sind, und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) sind in hohem Maße politisiert worden. Ein ungeheuerlicher
Fall ereignete sich kürzlich im Welternährungsrat in Rom. in dem gerade die
Länd^, die am dringendsten Lebensmittelhilfe benötigen und am meisten Nutzen
aus ihr ziehen würden, damit drohten, seine Arbeit durch störende, einer internationalen Organisation unwürdige Taktiken zunichte zu machen. Dieser Rat
war auf amerikanische Initiative hin auf der Welternährungskonferenz im vorigen Jahr ins Leben gerufen worden.
Er bringt unsere tiefsten humanitären Anliegen zum Ausdruck; er stellt
einen ernsthaften Versuch unsererseits dar, Hunger und Unterernährung zu beseitigen. Die Schmähung durch die, denen wir zu helfen suchen, die Angriffe
auf unsere Motive durch die Nutznießer unserer Bemühungen drohen gerade das
Gebäude der Zusammenarbeit auf einem Gebiet zu unterminieren, das langfristig
von entscheidender Bedeutung für die Menschheit ist.
• ' . ' •

Wir sind uns klar darüber, daß jene von uns, die die gegenwärtige Krise
überwinden wollen, ein gewisses Verständnis für ihre Ursprünge aufbringen
müssen. Die Großmächte haben sicherlich nicht immer ein konsequentes Beispiel
einer uneigennützigen oder wohltätigen Haltung gegeben. Die Länder, die die
Industriestaaten in die Kniee zu zwingen suchen, sind selbst in der Vergangenheit in die Kniee gezwungen worden. Die Geschichte zahlt uns allen heim. Aber
gerade um über cie Geschichte hinauszuwachsen, wurden die Vereinten Nationen
gegründet. Und gerade um solchen Tendenzen Einhalt zu gebieten, machen die
V ereinigten Staaten heute auf sie aufmerksam.
•

Dieser
- 12 -

�Dieser Prozeß führt sich eindeutig selbst ad absurdum. Nach den Regeln
in der Vollversammlung sind die unter Zwang Stehenden keineswegs gezwungen,
sich zu unterwerfen. Es werden ihnen im Gegenteil noch zu viele Anreize gegeben, einfach von der Szene abzutreten, sich dem Vorwand zu entziehen. Solche
Anreize werden in unheilvoller Weise gefördert, wenn die Vollversammlung und
die Sonderorganisationen Mitgliedsstaaten ausschließen, weil diese aus dem
einen oder anderen Grund nicht ihre Billigung finden.
Unsere Sorge hat nichts mit unserer Einstellung gegenüber den Praktiken
oder der Po'Mtik der betreffenden Regierungen zu tun, gegen die solche Maßnahmen getroffen werden. Unsere Haltung ist von der Charta bestimmt. Wenn die
Vereinten Nationen von ihrer Charta abzugehen beginnen, nach der Aussetzung
der Mitgliedschaft und Ausschluß eindeutig das Vorrecht des Weltsicherheitsrates sind, fürchten wir um die Integrität und den Fortbestand der Vollversammlung selbst und auch der Sonderorganisationen. Diejenigen, die die UNMitgliedschaft durch Verfahrensmißbrauch zu manipulieren suchen, könnten
eines Tages eine leere Schale erben.
Wir sind entschlossen, allen Bestrebungen entgegenzutreten, die unseres
Erachtens nach die Effektivität der Vereinten Nationen auf nicht wiedergutzumachende Weise untergraben.
Gerade die kleineren Mitglieder der Organisation würden am meisten verlieren. Sie brauchen die Vereinten Nationen mehr als die größeren Mächte, wie
die Vereinigten Staaten, die innerhalb oder außerhalb der Institution gedeihen
können.
Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, damit Macht und Verantwortung
in der Vollversammlung und in den Sonderorganisationen den Realitäten in der
Welt richtiger entsprechen. Die Vereinigten Staaten waren das Land, das den
Vereinten Nationen bei weitem die größte finanzielle Unterstützung gewährt
hat; aber die Unterstützung seitens des amerikanischen Volkes, die das Herz-

�Herzblut der Organisation ist, kommt einer falschen Stelle zugute, wenn nicht
fair play herrscht und die zahlenmäßige Mehrheit nicht die Ansichten der Minderheit respektiert. Das amerikanische Volk ist begreiflicherweise der zündenden Reden gegen uns, des Alles-oder-Nichts-Standpunktes, der von Forderungen nach Opfern unsererseits begleitet wird, müde, die allzu häufig in
den Konferenzsälen der Vereinten Nationen dominieren.
Die Vereinigten Staaten werden trotz dieser Trends alles in ihren Kräften stehende tun, um die Vereinten Nationen bei ihren positiven Vorhaben zu
unterstützen und zu stärken. Trotz aller ihr gesetzten Grenzen und aller ihrer Schwächen ist die Weltorganisation weiterhin eine dringende Notwendigkeit.
Wir sind zur Zusammenarbeit bereit, aber wir sind ebenso entschlossen,
auf ordnungsgemäßen Verfahren und wif Einhaltung der Charta zu bestehen. Die
Vereinten Nationen waren niemals al:

eine Organisation gl eichgesinnter Staa-

ten gedacht, sondern als ein Forum, das eine unterschiedliche Politik und
unterschiedliche Interessen ermöglicht und respektiert. Die Welt braucht kooperatives, nicht willkürliches Handeln;

gemeinsame Anstrengungen, nicht

aufgezwungene Lösungen. In diesem Geiste werden die Verein1'~ten Staaten alles
in ihren Kräften stehende tun, um die Vereinten Nationen zu einer lebendigen
Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu machen.

Die vor uns liegende Tagesordnung
Das ist also die Verheißung und das Problem der Vereinten Nationen. Wir
müssen sicherstellen, daß die Verheißung die Oberhand behält, denn die vor
uns liegende Tagesordnung macht die Institution noch notwendiger als jemals
zuvor.

Di£

- 14 -

�•f

Die Vereinten Nationen stehen erstens vor ständigen und wachsenden Verpflichtungen in ihrer Aufqabe - wie es in den berühmten Worten der Charta
heißt - "die kommenden Generationen vor der Geißel des Krieges zu bewahren".
Eines der zentralen Probleme unserer Zeit ist der Nahostkonflikt, und
der Weltsicherheitsrat spielt bei der Suche nach einer Lösung weiterhin eine
entscheidend wichtige Rolle. Die Resolution 338 aus dem Jahre 1973 hat einen
Verhandlungsprozeß in Gang gesetzt, der Früchte getragen und sich als dauerhaft erwiesen hat. Generalsekretär Waldheim hat die erste Sit" mg der Genfer
Konferenz einberufen und vor ihr gesprochen. Die Resolution 242 des Jahres
1967 zeigte die allgemeinen Prinzipien für einen umfassenden Frieden auf. Die
Stationierung von Truppen der Vereinten Nationen war ein unentbehrliches Element der kürzlichen Entspannungsabkommen zwischen Israel und Ägypten und Israel und Syrien im Jahre 1974.
Aber trotz dieser und anderer echter Erfolge stehen die weltweiten Gefahren lokaler Konflikte weiterhin drohend im Hintergrund. Die Welt hat c ich mit
ihnen in einer Weise befaßt, als wäre es möglich, den Konflikt auf ewig einzudämmen. Aber eine solche Toleranz fordert die Feuersbrunst heraus. Auf solche Weise begannen die ersten beiden Weltkriege. Es darf keinen bitten geben; denn bei den modernen Waffen würde es keinen vierten mehr geben.
Es genügt nicht, die auftretenden Krisen einzudämmen; wir müssen ihre Ursachen beseitigen. Präsident Ford ist daher entschlossen, zur Herbeiführung
einer Verhandlungslösung im Nahen Osten, auf Zypern und in anderen strittigen
Gebieten beizutragen. Frieden erhalten und Frieden stiften müssen auf der Tagesordnung der Vereinten Nationen an oberster Stelle stehen.
Ein weiteres Problem für den Frieden, mit dem sich die Völkergemeinschaft
der Welt vordringlich befassen muß, ist die Ausbreitung der Nuklearwaffen.
Ihre furchtbare Wirkung hat diese Waffen fast drei Jahrzehnte lang an die Kette
gelegt; ihr hoher technischer Stand und ihre Kosten haben lange dazu beigetragen, die Zahl der Besitzerländer zu begrenzen. Aber jetzt schwinden die poli-

- 15 -

�politischen Hemmungen. Eine nukleare Katastrophe - ob geplant oder infolge
eines Fehlers, Zufalls, Diebstahls oder einer Erpressung - erscheint nicht
länger unwahrscheinlich.
Es ist dringend notwendig, dem nuklearen Wettrüsten zwischen den Großmächten Einhalt zu gebieten, und es ins Gegenteil zu verkehren. Wir sind

ge-

genwärtig dabei, die in Wladiwostok zwischen Präsid&lt;~t Ford und Generalsekretär Breschnew vereinbarten Prinzipien in einen neuen Vertrag zwischen den
Vereinigten Staate1 und der Sowjetunion zu übertragen, der zum erst^" Mal auf
lange Sicht eine Höchstgrenze für die strategischen Waffen beider Seiten festlegt.
Während w'r uns um eine Verlangsamung der Spirale der nuklearen Rüstungen bemühen, müssen wir gleichzeitig darauf hinarbeiten, ihrer Ausbreitung
Einhalt zu gebieten. Das erfordert politische und technische Maßnahmen. Auf
diesen Gebieten war die Arbeit der Vereinten Nationen wichtig und sie könnte .
von entscheidender Bedeutung sein.
Der 1970 in Kraft getretene Atomwaffen?- ^rrvertrag war ein wichtiger Anfang. Die kürzlich unter der Ägide der Vereinten Nationen abgehaltene Konferenz zur Revision des Vertrages und die Anerkennung seiner Bestimmungen durch
zusätzliche Länder waren wertvolle weitere Schritte.
Jetzt hat die Verschärfung der F-'rhrrungsbestimmungen für den Export nuklearen Materials für friedliche Zwecke Yiorität. Die Ölkrise verleiht dieser Aufgabe neue Dringlichkeit, denn sie hat für eine wachsende Zahl von Ländern die Entwicklung von Kernenergie notwendig gemacht. Das bedeutet, daß Materialien wie Plutonium und Ausrüstungen, d-*' zur Entwicklung von Kernsprengstoffen benutzt werden könnten, in einem größeren Umfang verfügbar werden.
Künftige Generationen können mit Recht von uns erwarten, daß der kommerzielle Wettbewerb zwischen den Industriegüter exportierenden Ländern nicht ^o_

- 16 -

�so rücksichtslos und verantwortungslos geführt wird, daß er die Ausbreitung
von Nuklearwaffen beschleunigt und damit das Risiko einer nuklearen Katastrophe
vergrößert.
Daher haben die Vereinigten Staaten vertrauliche Gespräche mit anderen
Nuklearexport betreibenden Ländern aufgenommen, ••m schärfere und allgemein akzeptierte Sicherungen auszuarbeiten. Bei dieser Aufgabe kommt der Rolle und der
Arb eit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) der Vereinten Nationen
eine entscheidend

ichtige Bedeutung zu. Wenn die friedlichen Nuklearprogramme

an Umfang und Komplexität ständig zunehmen, ist es entscheidend wichtig, daß
Liefer-und Verbraucherländer sich über feste und eindeutige Exportnormen und
verschärfte IAEA-Sicherungsbestimmungen einigen. Ein wirksames Weltsicherungssystem

wird die nuklearen Risiken auf ein Minimum verringern und gleichzeitig

die Entwicklung der friedlichen Kerne- -gie fördern. Die Kontrolle der Nuklearwaffen ist einer der entscheidendster Bewährungsproben dieser Generation. Die
Vereinten Nationen können ganz wesentlich zu der Entscheidung beitragen, ob
wir diese Bewährungsprobe bestehen werden.

Die neue Agenda - das Problem der Interdependenz
In den letzten Jahren hat die Weltwirtschaft eine Reihe von Erschütterungen und Belastungen erlebt.
-- Die Länder haben in weltweitem Ausmaß sowohl unter einer schweren Inflation als auch unter einer tiefen Rezession zu leiden.
-- P°r Preis des wichtigsten Rohstoffes, des Erdöls, ist jäh und willkürlich heraufgesetzt worden.wodurch den Volkswirtschaften aller Verbraucherländer große Belastungen und den ärmsten Ländern schwerste Härten auferlegt
werden.
— Die Nahrungsmittelreserven der Welt sind in nur wenigen Jahren in einem
alarmierenden Maße zurückgegangen. Wenn nicht umfassende Anstrengungen unternommen werden, könnte die Kluft zwischen Bevölkerungswachstum und Nahrungs-

- 17 -

�v

Nahrungsmittelerzeugung verheerende Ausmaße annehmen.
— Das Streben nach wirtschaftlichem Wachstum wird durch die Tatsache der
Interdependenz kompliziert; es kann nicht länger durch nationale Anstrengungen
allein erreicht werden, sondern erfordert koordinierte weltweite Maßnahmen.
Die Sondersitzung der Vollversammlung im kommenden September wird sich auf
die neuen, weltweiten wirtschaftlichen Anliegen konzentrieren.
Es wird eine baldige und wichtige Bewährungsprobe sein: Werden die reichen
Länder und die armen Länder gemeinsame Ziele feststellen und die Probleme zusammen lösen, oder werden sie ihre Meinungsverschiedenheiten noch schärfer
herausstellen? Können wir unsere Kraft statt für Redeschlachten für ein? -raktische Zusammenarbeit aufwenden? Werden die Länder nach belanglosen Abstimmungssi egen oder nach konkreten Fortschritten streben?
Die Vereinigten Staaten haben ihre Entscheidung getr^-^en. Wir glauben
fest an ein kooperatives Vorgehen. Wir glauben, daß die Zeit gekommen ist, um
die technologischen und wirtschaftlichen Begabungen der Menschen in den Dienst,
des Fortschritts für alle zu stellen. Wir werden mit der Entschlossenheit in
die Sondersitzung gehen, Fortschritte zu erzielen; wir werden konkrete und konstruktive Vorschläge auf einem weiten Feld '/irtschaftlicher Tätigkeiten, '.-.ia
Handel und Rohstoffe, Weltnahrungsmittelerzeugung und internationale Finanzmaßnahmen, unterbreiten.
Die Sondersitzung wird strukturelle Veränderungen erwägen, um das Potential der Vereinten Nationen auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Entwicklung
zu verbessern.
Eine von Generalsekretär Waldheim eingesetzte Expertengruppe hat soeben
eine Studie zu diesem Thema abgeschlossen. Wir werden während der Debatte in
der Vollversammlung spezifisch zu diesen Empfehlungen Stellung nehmen.

in
- 18 -

�In diesem Geiste möchte ich mich direkt an die jungen Nationen wenden,
die ihre Forderungen mit wachsender Leidenschaft vorgebracht haben. Wir haben
ihre Anliegen gehört und beginnen sie zu verstehen. Wir wollen darauf eingehen. Wir sind bereit, gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, um ihre wirtschaftlichen Probleme zu beheben. Es liegt auf der Hand, daß dies eine kooperative Haltung vorai

&gt;tzt. Wenn Nationen einander mit Achtung und Verständ-

nis begegnen, dann können die beiden Tagungen in diesem Herbst den Beginn
einer neuen Ära bedeuten, in der die Realitäten der interdependenten Weltwirtschaft eine weltweite Anstrengung hervorbringen, um einen friedlichen und wesentlichen Wandel herbeizuführen.
Auf der anderen Seite müssen wir ganz offen sagen, was geh. und was
nicht geht. Wir glauben, daß wirtschaftliche Entwicklung in erster Linie ein
interner Prozeß ist.
Entweder schaffen Gesellschaften die Bedingungen für Spartätigkeit und
Investition, für Neuerung und Erfindung, für Unternehmung und Industrie, die
»

schließlich zu einem eigenständigen Wirtschaftswachstum führen, oder sie tun
es nicht. Das läßt sich nicht von heute auf morgen herbeizaubern oder durch
schöne Worte ersetzen. Wer etwas anderes behauptet, verrät eine Notwendigkeit
der ständigen Abhängigkeit von anderen.
In diesem Streben nach wirtschaftlicher Entwicklung zählt die Erfahrung,
und die Ideologie ist ein unzuverlässiger Führer. Wir wissen zumindest, welche Volkswirtschaften funktioniert und welche versagt haben; wir können nachweisen, welche Gesellschaften wirtschaftliche Fortschritte erzielt und welche
stagniert haben.
Wir wissen aus eigener Fahrung, daß Investitionen aus dem Ausland einen
wichtigen Anstoß zur wirtschaftlichen Entwicklung geben können. Wir wissen
ferner, daß sie gegenwärtig knapp sind. In der Zukunft wird es wie in der Vergangenheit einen Konkurrenzkampf geben, um Kapital anzulocken; daher können

- 19 -

�•

können die, die keine Auslandsinvestitionen wünschen, sicher sein, daß sie
auch keine ert lten werden. In gleicher Weise müssen jene Länder, die an einer
Industrialisierung interessiert sind, bereit sein, die Bedingungen zu schaffen, die Investitionen in großem Umfang anlocken.
Wie die Blöcke in der Vollversammlung abstimmen, entspricht einfach nicht
der wirtschaftlichen Realität. Die Familie der weniger entwickelten Länder umfaßt Erzeuger und Verbraucher von Energie, Importeure und Exporteure von Rohstoffen sowie Länder, die ihre Bevölkerung ernähren können,und solche, die
S'"1! dem Gespenst der Hungersnot ^eqenüber^ehen. Diese divergierenden Interessen müssen einander angepaßt werden und ihren Niederschlag in praktischen
Maßnahmen finden; sie können nicht auf der Basis der Irrealität von Blockstandpunkten gelöst werden.
•

Gleichzeitig muß die industrialisierte Welt ihre eigene Haltung der neuen
Realität einer Vielzahl von jungen Nationen anpassen. Im Grunde genommen ist
die Herausforderung politischer und nicht wirtschaftlicher Natur - ob die In-'
teressen und das Gewicht der weniger entwickelten Länder in die internationale Ordnung eingegliedert werden können. Ihre oolitischen Ziele sind oft legi-*
time Forderungen. Doch dürfen die jungen Nationen auf der anderen Seite nicht
von uns erwarten, daß wir politische Entscheidungen treffen, ohne an die wirtschaftlichen Folgen zu denken. Wenn sie wirklich ihrer Bevölkerung einen
Dienst erweisen wollen, dann muß ihr praktisches Anliegen das effektive Resultat sein.
Wenn die industrialisierte Welt die Haltung der Konfrontation zwischen
Ländern überwinden will, dann muß sie gerechte Lösungen für die weniger glücklichen Teile der Welt anbieten. Genauso wie wir über die wirtschaftlichen Auswirkungen der exorbitant hohen ülpreise mit Recht besorgt sind, so sollten wir
auch V erständnis für die Anliegen der Erzeuger anderer Rohstoffe aufbringen,
deren Einkünfte stark schwanken. Was die Tätigkeit unserer Firmen im Ausland
betrifft, so erachten wir es in unserem eigenen als auch im gemeinsamen Interesse, ein Klima des wechselseitigen Vorteils zu schaffen, in dem unsere

- 20 -

�unsere internationalen Unternehmen weiterhin für die Länder, in denen sie tätig sind, gewinnbringend und von Vorteil sein können. Wir werden diese Frage
auf der Sondersitzung eingehender zur Sprache bringen.

&lt;

Vor allem müssen die industrialisierten Länder erkennen, daß zahlreiche
Entwicklungsländer enttäuschend niedrige Wachstumsraten aufweisen. Statt einem
zufriedenstellenden Fortschritt sehen sie sich einer Fülle von Hindernissen
und einem Oberschuß an Verzweiflung gegenüber.
Die Zukunft der internationalen Politik während der nächsten Generation
- die Art von Welt, die unsere Kinder erben werden - wird dadurch bestimmt, welche Maßnahmen die Regierungen jetzt auf diesem Bereich wirtschaftlicher Fragen ergreifen werden.

Zusammenfassung
Dag Hammarskjoeld hat einst vorausgesagt, daß der Tag kommen werde, da
die Völker die Vereinten Nationen als das sehen, was sie in Wirklichkeit sind
- nicht das abstrakte Gemälde einiger Künstler, sondern eine Zeichnurq, deren
Striche die Völker der Welt gezogen haben. Und das sind sie auch- s e sind
nicht die perfekte Institution der Träumer, die in ihnen den einzig wahren
Weg zur Eintracht auf der Welt sahen; und nicht das böse Werkzeug zur Beherrschung der Welt, als das sie Isolationisten einst darstellen wollten.
Sie sind, wie so viele menschliche Institutionen vor ihnen, ein unvollkommenes Werkzeug - aber trotzdem eines, das zu großen Hoffnungen berechtigt.
Die Vereinigten Staaten bleiben weiterhin den Prinzipien verschrieben, auf d^nen die Vereinten Nationen gegründet wurden. Wir glauben weiterhin, daß sie
einemächtige

und wirksame Triebfeder zur Erhaltung des Friedens und zur über-

brückung der Kluft zwischen den Reichen und den Armen auf der Welt sein können. Wir werden alles in unsei en Kräften stehende tun, um sie dazu zu machen.
Das
- 21 -

�Das zurückliegende Jahrzehnt - und besonders die letzten Jahre - waren
für Amerika eine schwere Zeit. Wir haben die Seelenqualen der inneren Zerstrittenheit und der politischen Unruhe erlebt und die bitteren Kosten eines
langen Krieges. Aber unser Land hat all dies überstanden und auch seine
schwierigste Verfassungskrise seit dem Bürgerkrieg, und dabei sind unsere Institutionen intakt und ist unser Volk beweglich geblieben. Und wir haben erlebt, daß die Welt noch immer von uns Führung bei der Erhaltung des Friedens
und Förderung des wirtschaftlichen Fortschritts für die gesamte Menschheit
erwartet.
Aber das letzte Jahrzehnt hat ebenso klar gezeigt, daß wir - so stark
und reich wir auch sind - die Welt nicht allein neu gestalten können. Die
anderen müssen ihr Teil leisten und ihre Verantwortung tragen beim Aufbau der
besseren Welt, die wir alle für die nach uns kommenden Generationen wünschen.
Bei diesem Unterfangen kommt den Vereinten Nationen eine zentrale Rolle
zu. Gerade dort kann jedes Land, ob groß oder klein, reich oder arm - wenn
es will - seinen Beitrag zum Wohle aller leisten. Und dort müssen die Lände;
erkennen, daß Zurückhaltung das einzige Prinzip ist, das die Welt vor dem
Chaos retten kann, und daß unser aller Schicksal auf diesem kleinen Planeten
wirklich miteinander verflochten ist. Dort werden wir erleben, ob Menschen und
Völker die Klugheit und den Mut besitzen, die Ideale der Charta zur Realität
werden zu lassen, i rwJ letztlich das Parlament der Menschheit zu einem wahren
Ausdruck des menschlichen Gewissens zu machen.
•

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14/1975
US-WIRTSCHAFTLER: ROHSTOFFPROBLEME UNTER NEUEM GESICHTSPUNKT SEHEN
-Interview mit Dr. Lawrence B. Krause von der Brookings Institution-

in unserer neuen Reihe "Interviews mit
prominenten amerikanischen Wirtschaftlern"
sollen führende Persönlichkeiten, die
nicht der Regierung angehören, zu Wort kommen, wobei die zu anstehenden internationalen Wirtschaftsfra^en geäußerten Ansichten nicht unbedingt auch den Standpunkt
der US-Regierung wiedergeben.
In dem nachfolgenden Interview mit dem
USIA-Korrespondenten John J. Harter befaßt sich Dr. Lawrence B. Krause von der
Brookings Institution in Washington mit
den Beziehungen zwischen den Industriestaaten und der dritten Welt und der Forderung nach einem freien Zugang zu den
Rohstoffmärkten der Entwicklungsländer
wie auch den Absatzmärkten der Industrieländer.

Frage: überall auf der Welt befassen sich die Regierungen eingehend mit
Möglichkeiten, wie die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern neu gestaltet werden können. Was bedeutet das?
Antwort: Meines Erachtens haben die Überlegungen gerade erst begonnen,wie
unser internationales Wirtschaftssystem neu gestaltet werden kann.Das System,
in dessen Rahmen wir seit Ende des Zweiten Weltkrieges gelebt haben,hat dem
größten Teil der Welt sehr gute Dienste gel ei stet.Aber wir müssen uns auch \lar
- 1 -

�klar sein, daß es zahlreiche Länder gibt, deren Wohlstand in dieser Zeit nicht
wesentlich gestiegen ist.
Wir beginnen jetzt damit, neu zu überdenken, wie die Segnungen der Weltwirtschaft de facto unter den Ländern der Welt aufgeteilt sind. Wir stellen
Fragen - und natürlich stellen auch die Entwicklungsländer Fragen - hinsichtlich der grundlegenden Natur und Struktur des Systems,
In der Vergangenheit haben wir uns die Beurteilung der Interessen der Entwicklungsländer allzu einfach gemacht.
Wenn das Bruttosozialprodukt eines Entwicklungslandes schneller zunahm
als die Bevölkerungszahl und sich somit eine Zunahme des Pro-Kopf-Einkommens
ergab, dann hielten wir das gewöhnlich für ausreichend.. Und wenn die prozentuale Zunahme des Bruttosozialproduktes, auf den Kopf der Bevölkerung umgerechnet, in den Entwicklungsländern höher lag als in den Industriestaaten, dann
meinten wir, würde auf lange Sicht die Hoffnung bestehen, daß die Entwicklungsländer die fortgeschrittenen Länder schließlich einholen würden.
Aber zahlreiche Entwicklungsländer haben erkannt, daß es bei der wirtschaftlichen Entwicklung um weit mehr als nur um eine Steigerung der Einkommen
geht. Sie machen sich ernste Sorgen um die Form der Einkommensverteilung in
ihrem eigenen Lande und um die Struktur ihres Wirtschaftswachstums. Und darüber
hinaus haben sie festgestellt, daß die Abhängigkeit von den reicheren Ländern,
die aie in früheren Zeiten zu spüren bekommen hatten, trotz ihres Wirtschaftswachstums keineswegs abgenommen hat.
Die Entwicklungsländer fordern von dem Wirtschaftssystem mehr als lediglich
Einkommenswachstum. Ihre Ziele sind viel weitgehender und komplexer als wir ursprünglich angenommen hatten.
•

Frage: Können Sie einige der wichtigen spezifischen Probleme aufzeigen, denen
sich Industriestaaten und Entwicklungsländer in diesem internationalen Prozeß
gegenübersehen?
Antwort:

�/

Antwort: Ich glaube, wir sollten mit einem Blick auf die Probleme beginnen, die von den Entwicklungsländern selbst aufgeworfen werden. Im Mittelpunkt
der Weltpolitik dürften auf viele Jahre hinaus wahrscheinlich die Fragen stehen,
die die Entwicklungsländern zu erörtern wünschen und die zu erörtern die Industriestaaten auch bereit sind.
An der Spitze des Aufgabenkatalogs stehen Rohstoffabkommen. Weitere Punkte
auf der Prioritätsliste sind: Handel, Zugang zu den Märkten, Fragen in bezug auf
eine Kontrolle über die Industrie, multinationale Gesellschaften, sowie zahlreiche andere Fragen.

An der Spitze dieser Liste stehen jedoch die Rohstoffe.

Frage: Die Entwicklungsländer sprechen manchmal von einem Trend, wonach
die Preise ihrer Importwaren rascher steigen als die ihrer Exporte. Ist diese
Behauptung berechtigt?
Antwort: Die Rohstoffpreise sind - im Verhältnis zu den Preisen für Fertigerzeugnisse - im allgemeinen

nicht zurückgeblieben. Aber die Preise für jene

Rohstoffe, die die Entwicklungsländer exportieren, sind - mit Ausnahme der ölpreise - zurückgeblieben.
Man sollte jedoch bedenken, daß auch Industriestaaten Rohstoffe exportieren.
Die Vereinigten Staaten zum Beispiel sind ein wichtiger Exporteur für Nahrungsmittel, Kohle und andere Rohstoffe. Ein Index der Agrarprodukte der gemäßigten
Zone - und einiger von Industriestaaten exportierter Metalle, wie zum Beispiel
Aluminium - würde ergeben, daß die Preise dieser Rohstoffe - gemessen an den
Preisen für exportierte Fertigerzeugnisse - nicht zurückgeblieben sind.
Warum nun befinden sich die Industriestaaten in der glücklichen Lage, gerade Rohstoffe dieser Art exportieren zu können, während die Entwicklungsländer
dagegen nur die anderen Rohstoffe exportieren?

Wenn die Erzeuger in einem In-

dustriestaat feststellen, daß die Preise der von ihnen produzierten Rohstoffe
nachgeben, weichen sie auf die Produktion anderer Rohstoffe aus, deren Preise
stabil bleiben oder steigen.. Als zum Beispiel die Baumwollpreise im Süden
der Vereinigten Staaten sanken, stellten die Baumwollfarmer 3o bis 4o Prozent

- 3 -

�Prozent ihrer Anbauflächen auf den Anbau von Sojabohnen um, da die Sojabohnenpreise im Steigen begriffen waren.

Die armen Länder dagegen haben diese Möglichkeit nicht. Sie halten immer
noch an den traditionellen Anbaumethoden fest. Selbst wenn sie auf den Anbau von
Sojabohnen umstellen wollten,so haben sie keine Möglichkeit, das benötigte Saatgut oder die erforderlichen Kredite zu bekommen. Die armen Länder sind deswegen
arm, weil sie ihre Erzeugung nicht den Veränderungen des Marktes anpassen können.
Wären ihre Volkswirtschaften flexibler, so könnten sie auch die sich ihnen auf
dem Markt bietenden Möglichkeiten besser nutzen.
Gibt es nun einen Weg, diesen Zyklus zu durchbrechen?

Ich glaube schon,

aber wir haben die politische Zauberformel noch nicht gefunden. Ein armes Land
kann nur durch Hilfe von außen In die Lage versetzt werden, seine Wirtschaft
umzustellen. Doch das bedingt ein ziemliches Maß an Einmischung in einer Weise,
die sowohl für die Empfänger - als auch für die Geberländer politisch nicht akzeptabel ist. Es ist ein sehr schwieriges Problem.
Frage: Außenminister Kissinger hat in seiner Rede in Kansas City eine Bereitschaft der Vereinigten Staaten angedeutet, auf einer "FaH-zu-Fall-Basis"
bei einzelnen Rohstoffen neue Vereinbarungen zu erörtern, wenn dies die Umstände
rechtfertigen. Ähnliche Worte hatten amerikanische Sprecher bereits seit Jahren
gebraucht, doch herrscht in Washington die Auffassung vor, daß diesen Worten
jetzt mehr Bedeutung zukomme. Ist das richtig?
Antwort: Ja, ich glaube, wir sind uns jetzt im klaren darüber, daß wir die
Rohstoffrage in einem neuen Licht sehen mlissen. Meines Erachtens müssen wir in
der Rohstoffrage den Ansichten der anderen mehr als nur "wohlwollend" gegenüberstehen. Wir müssen hier die Initiative ergreifen. Ich glaube ferner, daß ein
Rohstoff-System nur funktionieren wird, wenn es umfassend ist. In letzter Zeit
herrschten auf den Rohstoffmärkten Bedingungen, die einer Anarchie gleichkamen.
Wir brauchen internationale Obereinkommen und Verfahren, die den Zugang zur

�&gt;

zur Versorgung mit Rohstoffen wie auch zu den Absatzmärkten sicherstellen. Wir
müssen die Notwendigkeit einsehen, daß auf den Rohstoffmärkten Recht und Ordnung wiederhergestellt werden müssen, die in gleicher Weise für Erzeuger und
Verbraucher gelten.
Das gilt nicht nur im Verhältnis zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern, denn auch die Entwicklungsländer importieren - neben ihren Exporten - Rohstoffe.
Die traditionelle Haltung der Vereinigten Staaten in der Rohstofffrage
war, Angebot und Nachfrage auf miteinander konkurrierenden Märkten sich auspendeln zu lassen. In der Praxis war es während der Laufzeit der zwei oder
drei internationalen Rohstoffabkommen sehr schwierig, sie einzuhalten. Es gab
administrative und es gab sachliche Probleme, und viele Beobachter gelangten
zu dem Schluß, daß solche Abkommen nicht durchführbar seien. Meines Erachtens
ist dieser Entschluß falsch. Vielmehr haben wir niemals einen freien Markt für
den internationalen Handel mit Rohstoffen gehabt.
Bei Erzeugnissen jedoch, deren natürliche Vorkommen sich erschöpfen, wäre
selbst in der Theorie die Lehre vom freien Markt kein« richtige Basis für eine
Rohstoffpolitik. Auf einem dem Wettbewerb unterliegenden Markt dürfte man kaum
einen angemessenen Preis für Erzeugnisse erzielen, deren Vorkommen sich erschöpfen, es sei denn, daß ein Vorweg-Zuschlag erhoben wird. Der betreffende
Rohstoff erzielt Preise, die einfach zu niedrig sind, und infolgedessen lebt
die gegenwärtige Verbrauchergeneration auf Kosten künftiger Verbrauchergenerationen.
Der Markt hat sich ferner anfällig für Instabilität, Unterbrechungen und
Störungen erwiesen. Meines Erachtens können wir bei Rohstoffen Vereinbarungen
treffen, die sich besser bewähren als der freie Markt.
Frage:

- 5 -

�Frage: Glauben Sie, daß in der Praxis Rohstoffabkommen erreicht werden
können, die den Exporteuren der Entwicklungsländer helfen und die gleichzeitig
für die Importeure der Industriestaaten akzeptabel sind?

Antwort: Meines Erachtens sollte es unser Ziel sein, ein System zu entwickeln, das für Erzeuger und Verbraucher akzeptabel ist, gleichgültig,ob
es sich dabei um Entwicklungsländer oder Industriestaaten handelt. Ich glaube, wir sollten ein System mit einer Bevorratung unter internationaler Kontrolle haben, so daß für die Erzeuger stets ein Absatz ihrer laufenden Erzeugung zu einem Mindestpreis gesichert ist und die Verbraucher mit stabileren
Preisen rechnen können. Der Verbraucher hätte also die Gewähr, daß seine Versorgung nicht unterbrochen wird, weil die Vorratslager im Falle eines Rückgangs der laufenden Erze"&lt;junrt die Deckung des Bedarfs übernehmen würden.
Die international kontrollierten Lager sollten gro3 genug sein, um diesen
Zweck zu erfüllen. Wenn ein Erzeuger Geld in Produktionseinrichtungen zur Gewinnung eines bestimmten Rohstoffes investiert hat, sollte er auch eine Absatzgarantie für seine gesamte Erzeugung haben, damit eine Unrentabilität des
investierten Kapitals wegen zu geringer Auslastung vermieden wird.
.

Zweitens sollte es vereinbarte Prinzipien für die Festsetzung der Preise
geben, bei denen die Leitung der Bevorratungsstellen eingreifen - einen Mindestpreis, bei dessen Unterschreitung Käufe, und einen Höchstpreis, bei dessen Überschreitung Verkäufe einsetzen würden.
Es sollte ferner vereinbarte Prinzipien für eine Änderung dieser Eingreifpreise geben. Bei Rohstoffen, deren Vorkommen sich erschöpfen - z.B. Erdöl
und Erze - würden diese Eingreifpreise im Laufe der Zeit steigen. Es gibt
theoretische, aber auch praktische Gründe hierfür: Sofern nicht die Preise
für Rohstoffe, deren Vorkommen sich erschöpfen, steigen, würden sich diese
Vorkommen zu schnell erschöpfen und wir würden nicht schnell genug Ersatzstoffe entwickeln. Das bedeutet jedoch nicht, daß für solche Rohstoffe ein

�ein willkürlich hoher Preis festgelegt werden sollte, den ich als Katastrophe
werten würde.
Frage: Warum?
Antwort: Weil er einen starken Anreiz zur Steigerung der Erzeugung bietet, die dann wesentlich über dem Bedarf liegen würde, so daß die Lager immer
größere Mengen aufkaufen müßten, bis schließlich das ganze System zusammenbrechen würde.
Frage: Warum sollte ein solches System, wie Sie sagen, umfassend sein?
Antwort: Es müßte ein Ausgleich zwischen den Interessen von Erzeugern und
Verbrauchern in jedem einzelnen Land geschaffen werden, um Unterstützung für
alle Abkommen zu gewinnen. Solange die Rohstoffabkommen nur fragmentarisch
sind und auf einer "Fall-zu-FaVI-Basis" angewandt werden, wird es bei Belastungen zu einem Zusammenbruch kommen. Was ich vorschlage, ist ein System
von ineinandergreifenden Elementen, die sich gegenseitig stützen und so ein
lebensfähiges Ganzes bilden.
Die Finanzierung all dieser Vorhaben wird eine ganze Menge Geld kosten,
und hier, so möchte ich annehmen, kann es zu einem Transfer von Mitteln kommen. Selbstverständlich sollte das Geld von den reichen Ländern kommen. Die
armen Länder werden aus einem solchen System ebenfalls Nutzen ziehen, aber
sie sollten nicht zur Bestreitung der Kosten aufgerufen werden. Wenn das
System richtig funktioniert, wird es außerdem Gewinn abwerfen, weil die internationalen Bevorratungsstellen die Rohstoffe aufkaufen, wenn sie relativ
billig sind, und sie wieder verkaufen, wenn ihr Preis gestiegen ist. Die G P winne sollten an die armen Länder gehen und so den Transfer der Mittel in
Gang halten.

Wer

�Wer einen Transfer von Mitteln aus reichen in arme Länder erreichen will,
sollte sehr vorsichtig vorgehen und den Transfer nicht auf den Rohstoff selbst
beschränken, denn dies könnte am Endr zu einem Transfer aus den armen Ländern, die Rohstoffe importieren

in solche reichen Länder führen, die Roh-

stoffe exportieren.
Frage: Sie haben ein äußerst hochgestecktes Konzept.
Antwort: Da es so weitreichend ist, sollte es meines Erachtens in zwei
Phasen von Verhandlungen verwirklicht werden. In der ersten Phase sollte lediglich versucht werden, sich über die Prinzipien und den allgemeinen Apparat
einig zu werden, über die einzelnen Rohstoffe sollte nacheinander verhandelt
werden, wobei die Verhandlungspartner jedoch verpflichtet wären, sich an allet
Rohstoffabkommen zu beteiligen. Es muß nicht alles auf einmal getan werden, es
kann ganz allmählich

eschenen.

Praktisch würde die größere Bevorratung den künftigen Preisauftrieb mildern. Daher, so meine ich, sollten wir jetzt die Möglichkeit nutzen, solange
die Preise bei zahlreichen Erzen niedrig sind, um Vorräte anzulegen.
Dies würde zur Stärkung des anti-inflationistischen Drucks beitragen und
z.B. auch den Zinn-und Kupferproduzenten helfen.
Es wären mindestens viererlei Abkommen notwendig:
-- Eines würde sich ausschließlich auf Erdöl erstrecken, da auf diesem Gebiet so viel geschehen Ist, daß es gesondert behandelt werden muß.
— Ein weiteres würde für Rohstoffe erforderlich sein, deren Vorkommen
sich erschöpfen, wie Blei, Zinn oder Bauxit.
— Ein drittes wäre für Agrarprodukte mit langen Produktionszyklen notwendig, wie Naturkautschuk, Kaffee und Kakao.
Und

i

�-- Und schließlich bedürfte es einer vierten Kategorie für Agrarprodukte
mit einem wesentlich kürzeren Produktionszyklus, bei denen es anders oelagerte
Probleme gibt. Es wäre möglich, auf allen diesen Gebieten gleichzeitig Verhandlungen aufzunehmen.
Frage: Die Sprecher einiger Entwicklungsländer haben seit langem ein Embargo oder Sonderabgaben bei allen neuen synthetischen Erzeugnissen oder Ersatzstoffen gefordert, die eine Konkurrenz für die von ihnen exportierten Rohstoffe

darstellen. Könnte es dazu kommen?

Antwort: Ich glaube das nicht, denn es würde dem Trend de- letzten Zeit
widersprechen. Wenn der Markt starke Anreize zur Entwicklung einer möglichen
Alternative für natürliche Hilfsquellen bietet, dann wird es meines Erachtens
dazu kommen. Dann gibt es nichts, was dem Einhalt gebieten könnte. Allerdings
könnte man argumentieren, daß P gierungen keine Ersatzstoffe für importierte
Rohstoffe über Forschung und Entwicklung subventionieren sollten, eben weil
sie solche Rohstoffe importieren.
Ein gut funktionierendes System garantiert die Versorgung mit Rohstoffen
und verringert die Notwendigkeit, daß einzelne Regierungen aus Sicherheitsgründen unter hohen Kosten synthetische Ersatzstoffe für importierte Rohstoffe
entwickeln. Meines Erachtens unterstreicht dieses Argument nur den Wert der
Abkommen, über die wir eben gesprochen haben.

XXX

�</text>
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T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

13.

]6

August 1975

Inhalt

DOKUMENTATION:
Rede des amerikanischen Präsidenten vor der KSZE in Helsinki
-Wortlaut-

INF0RMATI0N:
USA zeigen neue Wege im Seerecht und im Weltraumrecht auf
-Rede Kissingers in Montreal am 11. August -

WIRTSCHAFT:
David Rockefeller: Internationale Regeln für Auslandsinvestitionen
—Interview mit dem Präsidenten der Chase-Manhattan Bank-

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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16/1975
REDE DES AMERIKANISCHEN PRÄSIDENTEN VOR DER KSZE IN HELSINKI
- Wortlaut HELSINKI — ( A D ) - - Präsident Ford hat am 1. August 1975 auf der Abschlußsitzung
der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in der
Finlandia-Halle eine Rede gehalten, in der er die Bedeutung der Konferenz für
die Menschenrechte hervorhob und betonte, daß die Ergebnisse der KSZE für Berlin ebenso gelten wie für ganz Europa.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Herr Vorsitzender, sehr verehre Kollegen!
Darf ich damit beginnen, daß ich den Regierungen Finnlands und der Schweiz
die so ausgezeichnete Gastgeber für die verschiedenen Phasen der Konferenz waren, für ihre Leistung und Gastfreundschaft meine Dankbarkeit und die meiner
Kollegen zum Ausdruck bringe.
Vor allem Ihnen, Herr Präsident Kekkonen, möchte ich im Namen der 214
Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten dem Volke der Republik Finnland
eine. Bekräftigung der Zuneigung und Bewunderung übermitteln, die alle meine
Landsleute für ihr tapferes und schönes Land empfinden.
Wir sind durch das stärkste Band verbunden, das es gibt, unsere glühende
Liebe zur Freiheit und Unabhängigkeit, die keine andere Heimat hat als das
Herz des Menschen. Sie ist ein so dauerhaftes Gefühl wie der Granitfelsen, auf
dem diese Stadt ruht, und so bewegend wie die Musik von Sibelius. Unser, wenn
auch

nur kurzer, Besuch hier hat uns nur eine noch höhere Wertschätzung des

�&gt;

des Stolzes, des Fleißes und der Freundlichkeit vermittelt, die Amerikaner
immer mit dem finnischen Volk verbinden.
Die hier versammelten Nationen haben dreißig Jahre lang in Europa allgemein Frieden gehalten. Aber zu oft sind wir nur mit knapper Not einem Konflikt
entronnen. Und so bleibt bis zum heutigen Tag die dringende Frage, wie wir
einen gerechten und dauerhaften Frieden für alle Völker aufbauen können. Ich
bin nicht über den Atlantik gekommen, um zu sagen, was wir alle schon wissen
- daß Nationen heute über die Fähigkeit verfügen, die Zivilisation zu vernichten, und daß daher das oberste Ziel all unserer Außenpolitik sein muß, einen
thermonuklearen Krieg zu verhindern. Ich bin auch nicht gekommen, um über die
harten Realitäten der anhaltenden ideologischen Differenzen, politischen Rivalitäten und des militärischen Wettstreits zu sprechen, die unter uns herrschen.
Ich bin nach Helsinki gekommen als Sprecher einer Nation, deren Vision
immer in die Zukunft gerichtet war, deren Menschen immer gefordert haben, daß
die Zukunft heller sei als die Vergangenheit, und deren vereinter Wille und
vereinte Zielsetzung in dieser Stunde darauf gerichtet sind, geduldig an der
Förderung von Frieden und Fortschritt nicht nur für uns selbst, sondern für
die ganze Menschheit zu arbeiten.
Ich bin hier, um meinen Kollegen einfach zu sagen:
Wir schulden es unseren Kindern, den Kindern aller Kontinente, daß wir
keine Gelegenheit verpassen, nicht eine Minute vertun, uns nichts ersparen
oder anderen erlauben, sich vor der monumentalen Aufgabe des Aufbaus einer
besseren und sichereren Welt zu drücken.
...

Das amerikanische Volk weiß ebenso wie die Völker Europas, daß bloße Bekundungen des guten Willens, vorübergehende Änderungen der politischen Stimmung von Regierungen und begrüßenswerte Grundsatzerklärungen nicht genug
sind. Wenn wir jedoch mit Sorgfalt und mit dem Willen zu realem Fortschritt
an die Aufgabe n^hon, dann besteht heute die Chance, die Hoffnungen unserer
Völkern zu verwirklichen.
In den letzten Jahren haben hier versammelte Länder versucht, potentielle
Konflikte abzubauen. Es bleibt uns jedoch noch sehr viel mehr zu tun, bevor
wir uns gratulieren dürfen.
Der

&gt;
^

�Der militärische Wettstreit mußt unter Kontrolle gebracht werden.
Der politische Wettstreit muß eingedämmt werden.
Kriser. dürfen nicht um einseitiger Vorteile willen, die uns erneut an
den Rand des Krieges bringen könnten, manipuliert oder ausgenutzt werden.
Der Prozeß der Verhandlung muß weitergeführt werden, nicht im Schneckentempo, sondern mit deutlichem Enthusiasmus und sichtbarem Fortschritt.
Nirgends sind die Aufgaben und die Möglichkeiten größer und deutlicher erkennbar als in Europa. Darum hat uns diese Konferenz hier alle zusammengeführt.
Ein Konflikt in Europa erschüttert die Welt. Zweimal in diesem Jahrhundert
hab°n wir teuer für diese Lehre bezahlt, und wir sind mehrmals dem Unheil
gefährlich nahe gekommen. Wir dürfen die Tragödie und den Terror jener Zeiten
nicht vergessen.
Frieden ist kein Stück Papier.
Dauerhafter Frieden ist heute zumindest möglich, weil wir aus den Erfahrungen der letzten 30 Jahre gelernt haben, daß Frieden ein Prozeß ist, der gegenseitige 7urückhaltr ' und praktische Vereinbarungen erfordert.
Diese Konferenz hier ist Teil dieses Prozesses - eine Aufgabe, kein Abschluß. Wir stehen vor unaelösten Problemen der militärischen Sicherheit in
Europa, und wir stehe

mit echt unterschiedlichen Werten und Zielsetzungen vor

ihnen. Wenn wir jedoch mit sorgfältiger Vorbereitung an diese Probleme herangehen, wenn wir uns auf konkrete Fragen konzentrieren, und wenn wir den Schwung
nach vorne bewahren, dann haben wir das Recht, reale Fortschritte zu erwarten.
Die Ära der Konfrontation, die Europa seit Ende des Zweiten Weltkrieges
gespalten hat, dürfte jetzt zu Ende gehen. Es herrscht eine neue Vorstellung,
eine gemeinsame Vorstellung, von einem Wandel zum besseren, weg von der Konfrontation und hin zu neuen Möglichkeiten einer sicheren und beiderseits vorteilhaften Zusammenarbeit. Das ist das, was wir alle hier sagen. Ich begrüße und
teile diese Hoffnungen für die Zukunft.
Die
- 3 -

�Die Nachkriegspolitik der Vereinigten Staaten ist Immer auf den Wiederaufbau Europas und die Neug burt der historischen Identität Europas ausgerichtet gewesen. Die Völker des Westens haben in ganz Europa für Frieden und
Fortschritt zusammengearbeitet. Von Anfang an haben wir die Initiativ« ergriffen, indem wir klare Ziele und Gebiete der Verhandlung abgesteckt naben.
Wir haben eine truktur der europäischen Beziehungen angestrebt, in der
Rivalität durch Zurückhaltung gedämpft wird, Macht durch Mäßigung, und die
traditionellen Bande gefestigt werden, die uns mit unseren alten Freunden verbinden, und neue Bande mit früheren und potentiellen Gegnern geschmiedet werden.
In den letzten Jahren sind einige wesentliche Erfolge erzielt worden.
Wir haben hier das Viermächte-Abkommen über Berlin von 1971 als Beendigung
einer ewigen Krise,die die Welt mindestens dreimal an den Rand des Abgrunds
gebracht hat.
Die Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Staaten Ost- i
europas und die damit zusammenhängenden innerdeutsche: Abkommen lassen Mitteleuropa und die Welt freier atmen.
't*
Der Beginn der Ost-West-Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene
Verringerungen der Streitkräfte ließ die Entschlossenheit erkennen, die Probleme der militärischen Sicherheit des Kontinents anzupacken.
Der Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von 1972
über die Begrenzung der ABM-Systeme und das Interimsabkommen über die Begrenzung strategischer Offensivwaffen stellten die ersten Durchbrüche in einer
Entwicklunc dar, die sich als anhaltender, langfristiger Prozeß der Begrenzung
der strategischen Nukleararsenale vollziehen muß.
Ich hoffe zutiefst daß diese Konferenz weitere praktische und konkrete Ergebnisse zeitigen helfen wird. Sie bietet eine willkommene Gelegenheit, den
Kreis jener Länder zu erweitern, die in einem Abbau der Spannungen zwischen
Ost und West engagiert sind. Die Beteiligung an der Arbeit der Entspannung und
die Teilhabe an den Segnungen der Entspannung müssen jedermanns Angelegenheit
- 4-

�Angelegenheit sein - in Europa und anderswo. Aber Entspannung kann nur Erfolg
haben, wenn jeder begreift, was Entspannung tatsächlich ist.
Erstens, Entspannung ist ein evolutionärer Prozeß, kein statischer Zustand. Viele große Herausforderungen bleiben noch bestehen.
Zweitens, der Erfolg des Entspannungspiozesses hängt von neuen Verr*!tensweisen ab, die all unseren feierlichen Deklarationen Leben verleihen. Die
Ziele, die wir heute proklamieren,werden der Maßstab sein, an dem unser künftiges Handeln gemessen wird.
Die Völker ganz Europas, und ich darf Ihnen versichern, auch die Völker
Nordamerikas, sind es gründlich leid, daß ihre Hoffnungen durch leere Worte und
unerfüllte Versprechungen immer wieder erst gehoben und dann zunichte r^-~- t.
werden. Wir sollten lieber sagen, was wir denken, und auch wirklich denken, was
wir sagen, sonst wird die Antwort der Zorn unserer Bürger sein.
Wenn wir auch keine Wunder erwarten dürfen

so können und dürfen wir doch

einen stetigen Fortschritt erwarten, der schrittweise kommt - in Schritten,die
miteinander zusammenhängen und die auf den verschiedenen Gebieten unserer Beziehungen unsere Taten mit unseren Worten verbinden.
Und schließlich müssen wir die Tatsache der beiderseitigen Verpflichte g
anerkennen. Ich habe schon oft gesagt, Entspannung muß eine zweigleisige Angelegenheit sein. Spannungen können nicht von einer Seite aus allein abgebaut
werden. Beide Seiten müssen die Entspannung wollen und an ihrer Erreichung arbeiten.
Diese außergewöhnliche Versammlung hier in Helsinki zeigt, daß für all
unsere Völker die Zukunft Europas und eine bessere und friedlichere Welt ein
gemeinsames Anliegen sind. Aber was beweist sie noch? Wie sollen wir die Ergebnisse bewerten?
Unsere Delegationen haben lange und hart gearbeitet, um Dokumente hervorzubringen, die noble und preiswürdige politische Grundsätze neu formulieren.
Sie legen die Richtlinien für nationales Verhalten und internationale Zusammenarbeit dar.
Wenn
- 5

�Wenn diese mehr sein sollen als das jüngste Kapitel in einer langen und
traurigen Geschichte unerfüllter Erklärungen, dann sollte jeder Unterzeichner
wissen, daß jeder Beteiligte mit Hingabe daran arbeiten muß, daß diese Richtlinien verwirklicht werden.
Diese Dokumente, die wir unterzeichnen, stellen einen weiteren Schritt
dar - ob es ein großer oder ein kleiner Schritt ist, wird die Geschichte zeigen - in dem Prozeß der Entspannung und der Versöhnung in Europa. Unsere Völker werden unseren Fortschritt wachsam beobachten und messen. Sie werden fragen, wie diese noblen Gefühle in

Handlungen umgewandelt werden, die eine siche-

rere und gerechtere Ordnung im täglichen Leben eines jeden unserer Völker und
unserer Bürger brinyen.
Die hier zustandegebrachten Dokumente stellen Kompromisse dar - wie bei
allen internationalen Verhandlungen - aber die Grundsätze, auf die wir uns
geeinigt haben, sind mehr als nur der kleinste gemeinsame Nenner der Regierungspositionen.
- Sie bekräftigen die fundamentalsten Menschenrechte: Gedankenfreiheit,
Gewissens-und Glaubensfreiheit, die Ausübung bürgerlicher und politischer Rechte, die Rechte von Minderheiten.
- Sie fordern einen freieren Fluß von Informationen, Ideen und Menschen,
größeren Spielraum für die Presse, Kultur-und Bildungsaustausch, Familienzusammenführung, das Recht zu reisen und das Recht der Heirat zwischen Angehörigen
verschiedener Staaten und den Schutz des kostbaren Erbes unserer verschiedenen
Kulturen.
- Sie bieten weite Gebiete der Zusammenarbeit: in Handel und Industrieproduktion, Wissenschaft und Technologie, Gesundheitswesen, Raumfahrt und
Ozeanen.
- Sie bekräftigen die Grundprinzipien der Beziehungen zwischen Staaten:
Nichteinmischung, souveräne Gleichheit, Selbstbestimmung, territoriale Integrität, Unverletzlichkeit der Grenzen und die Möglichkeit ihrer Änderung auf
friedlichem Wege.
Die
- 6 -

�Die Vereinigten Staaten bekennen sich freudig zu diesem Dokument, weil
wir uns ?. jedem dieser Grundsätze bekennen. Vor fast 2oo Jahren entstanden
die Vereinigten St'"ten von Amerika als eine freie und unabhängige Nation.Die
Nachfahren von Eu'^näern, die in Amerika ihre Unabhängigkeit verkündeten,
brachten in dieser Erklärung einen angemessenen Respekt vor den Meinungen
Menschheit zum Ausdruck und bekräftigten nicht nur, daß alle Menschen gleich
geboren sind, sondern daß ihnen ein unveräußerliches Recht auf Leben, Freiheit
und Glück mitgegeben worden ist.
Die Gründer meines Landes sagten nicht nur, daß alle Amerikaner diese
Rechte haben sollten, sondern daß alle Menschen überall diese &amp;°chte haben
sollten. Und diese Prinzipien haben die Vereinigten Staaten von Amerika in den
zwei Jahrhunderten ihres Bestehens als Nation geleitet. Sie haben Millionen
von Menschen in Europa und auf allen Kontinenten Hoffnung gegeben.
Ich bin gefragt worden, warum ich heute hier bin.
Ich bin hier, weil ich und meine Landsleute an die Interdependenz von
Europa und Nordamerika glauben - ja an die Interdepender.z der ganzen Menschheitsfamilie.
Ich bin hier, weil die Führer vor. 34 anderen Regierungen hier sind - au:,
den Staaten Europas und von unserem guten Nachbarn, Kanada, mit dem wir eine
gemeinsame Grenze von 5 526 Meilen haben, an der nicht ein einziger bewaffneter Soldat steht und über die hinweg sich unsere beiden Völker seit 160 Jahren in Freundschaft und gegenseitiger Achtung bewegt haben. Und ich kann sagen,
ohne Widerspruch befürchten zu müssen, daß hier kein einziges Volk vertreten
ist, dessen Blut nicht in den Adern von Amerikanern flösse, und dessen Kultur
und Traditionen nicht das Erbe bereichert hätten, das wir Amerikaner so hoch
schätzen.
Als die Vereinigten Staaten von Amerika vor zwei Jahrhunderten eine Erklärung hoher Prinzipien abgaben, haben die Zyniker und die Zweifler jener Tage gehöhnt und gespottet. Jedoch elf lange Jahre später war unsere Unabhängigkeit gewonnen und die Stabilität unserer Republik durch die Einverleibung dieser selben Grundsätze in unsere Verfassung wirklich erreicht.
Jene
- 7 -

�Jene Prinzipien, die immer noch weiter vervollkommnet werden, bleiben die
Richtschnur der amerikanischen Politik, und das amerikanische Volk ist heute
wie damals der angemessenen Achtung vor den Meinungen der Menschheit und dem
Recht auf Leben, Freiheit und Glück für alle Menschen überall verschrieben.
Für meine Kollegen auf dieser Konferenz symbolisiert meine Anwesenheit
das vitale Interesse meines Landes an der Zukunft Europas. Unsere Zukunft ist
mit der Ihrigen verknüpft. Unser wirtschaftliches Wohlergehen wie auch unsere
Sicherheit sind in zunehmendem Maße mit dem Ihrigen und der Ihrigen verbunden.
Die geographische Entfernung wird durch unser gemeinsames Erbe und unser gemeinsames Schicksal überbrückt. Die Vereinigten Staaten haben daher die Absicht,sich voll an den Angelegenheiten Europas zu beteiligen und an der Verwandlung der Ergebnisse dieser Konferenz in lebendige Wirklichkeit.
An die Verbündeten Amerikas: Wir im Westen müssen den Kurs weiterverfolgen,
den wir gemeinsam eingeschlagen haben, gefestigt durch die gemeinsame Stärke
und durch gegenseitiges Vertrauen. Stabilität in Europa erfordert Gleichgewicht
in Europa.
Ich versichere Ihnen daher, daß mein Land weiterhin ein interessierter und
zuverlässiger Partner sein wird. Unsere Partnerschaft ist weit mehr als eine
Angelegenheit formeller Abkommen. Sie ist Ausdruck der Überzeugungen, Traditionen und Bindungen,die von tiefer Bedeutung für das amerikanische Volk sind. Wir
sind stolz, daß diese Werte in

diesem Dokument ihren Ausdruck gefunden haben.

An die Länder des Ostens: Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß
die Prinzipien, auf die sich diese Konferenz geeinigt hat, Teil ces großen Erbes der europäischen Kultur sind, die wir für die ganze Menschheit verwalten.
Für mein Land sind sie keine Klischees oder leere Phrasen. Wir nehmen diese Arbeit und diese Worte ernst. Wir werden keine Anstrengungen scheuen, um Spannungen abzubauen, und Probleme zwischen uns zu lösen. Aber es ist wichtig, daß
Sie sich der tiefen Hingabe des amerikanischen Volkes und seiner Regierung an
die Menschenrechte und die Grundfreiheiten und damit die Zusicherungen bewußt
sind, die diese Konferenz hinsichtlich der freieren Bewegung von Menschen,
Ideen und Informationen gemacht hat.
Beim

�Beim Aufbau eines politischen Verhältnisses zwischen Ost und West stehen
wir vor vielen Herausforderungen.
Berlin hat eine besondere Bedeutung. Es ist in der Vergangenheit ein
Flammpunkt der Konfrontation gewesen. Es kann in der Zukunft ein Beispiel
friedlicher Regelung werden. Die Vereinigten Staaten betrachten Berlin als rinen Prüfstein der Entspannung und der Prinzipien dieser Konferenz. Wir begrüssen die Tatsache, daß die Ergebnisse der KSZE, vorbehaltlich der Rechte und
Pflichten der Vier Mächte, für Berlin ebenso gelten wie für ganz Europa.
Die militärische Stabilität in Europa hat den Frieden erhalten. Unter Beibehaltung dieser Stabilität ist es jetzt an der Zeit, den hohen Stand der
Streitkräfte auf beiden Seiten wesentlich zu reduzieren, Die gegenwärtig in
Wien geführten Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Verringerungen
der Streitkräfte haben bisher nicht die Ergebnisse gezeitif,+ auf die ich gehofft hatte. Die Vereinigten Staaten sind bereit, die Flexibilität an den Tag
zu legen, um die Verhandlungen voranzutreiben, wenn andere das gleiche tun werden. Ein Abkommen, das die beiderseitige Sicherheit stärkt, ist möglich - und
entscheidend wichtig.
Die Vereinigten Staaten haben auch die Absicht, das Zustandekommen eines
weiteren Abkommens über die Begrenzung der strategischen Rüstungen mit der
Sowjetunion nachdrücklich voranzutreiben.
Dies bleibt eine Pr-'orität der amerikanischen Politik. Generalsekretär
Breschnew und ich sind im November vorigen Jahres in Wladiwostok über die wesentlichen Züge eines neuen Abkommens über die Begrenzung von strategischen Offensivwaffen für die nächsten zehn Jahre übereingekommen. Wir kommen in unseren bilateralen Gesprächen hier in Helsinki weiter.
Die Welt steht mit der Ausbreitung der nuklearen Waffentechnologie vor
einer beispiellosen Gefahr. Die Länder Europas tragen gemeinsam eine große
Verantwortung für eine internationale Lösung dieses Problems. Die Segnungen der
friedlichen Nuklearenergie werden immer bedeutsamer. Wir müssen Mittel und Wege
• inden, um diese Segnungen immer mehr Menschen zugänglich zu machen, während
wir gleichzeitig die Welt vor der Drohung der Ausbreitung der Waffen bewahren.
An
- 9 -

�An die anderen auf dieser Konferenz vertretenen Nationen Europas:
Wir schätzen die Arbeit, die Sie hier geleistet haben, um ganz Europa zusammenzubringen. Ihr Recht, 1 Frieden und Unabhängigkeit zu leben, ist eines der
Hauptziele unserer Anstrengungen. Ihr weiterer Beitrag wird unverzichtbar
sein.
An jene Nationen,die nicht teilnehmen, und an alle Völker der Welt: Die
in diesen Dokumenten niedergelegte feierliche Verpflichtung, die Grundrechte
und wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt und Wohlergehen zu fördern,
gilt letztlich für alle Völker.
Können wir wirklich von Frieden und Sicherheit sprechen, ohne uns der
Ausbreitung von Nuklearwaffen in der Welt oder der Entwicklung immer ausgeklügelterer Formen der Kriegführung zuzuwenden? Kann der Frieden teilbar sein
zwischen Gebieten der Ruhe und Regionen des Konflikts?
Kann Europa wirklich gedeihen, wenn wir uns nicht alle d

Übel des

Hungers in Ländern zuwenden, die weniger glücklich sind als wir?
- Wenn wir uns nicht den neuen Dimensionen der Wirtschafts-und Energiefragen zuwenden, auf denen unser Fortschritt beruht?
- Wenn wir uns nicht dem Dialog zwischen Erzeugern und Verbrauchern, zwischen Exporteuren und Importeuren, zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern zuwenden?
- Und kann es Stabilität und Fortschritt geben, wenn Gerechtigkeit und
Grundfreiheiten fehlen?
Unsere Völker wollen eine bessere Zukunft. Ihre Erwartungen haben sich
durch die sehr realen Schritte gesteigert,die bereits getan worden sind - in
der Rüstungskontrolle, in politischen Verhandlungen und in der Ausweitung von
Kontakten und wirtschaftlichen Beziehungen. Unsere Anwesenheit hier bietet
ihnen neue Hoffnung. Wir dürfen sie nicht enttäuschen.
Wenn

- 10 -

�Wenn die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten ein Abkommen erreichen
können, durch das unsere Astronauten höchst kompliziertes wissenschaftliches
Gerät zusammenfügen, zusammenarbeiten und sich 137 Meilen draußen im Weltraum
die Hand schütteln können, dann haben wir als Staatsmänner die Verpflichtung,
auch hier auf der Erde das Unsrige zu tun.
Die Geschichte wird diese Konferenz nicht nach dem beurteilen, was wir
heute hier sagen, so:~ '^rn nach dem, was wir morgen tun werden - nicht nach den
Versprechen,

die v .

machen, sondern nach den Versprechen, die wir halten.

XXX

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16/1975

DAVID ROCKEFELLER: INTERNATIONALE REGELN FÜR AUSLANDSINVESTITIONEN
-Interview mit dem Präsidenten der Chase-Manhattan Bank-

David Roc'efeller, Präsident der Chase-Manhattan Bank sowie der Chase International
Investment Corporation und Vorstandsmitglied
des privaten Rates für Auswärtige Beziehungen
in New York, hat in einem Interview mit dem
USIA-""-v"^'"&gt;nndenten John J. Harter seine
Auffassung z r künftigen Gestaltung der
Auslandsinvestitionen dargelegt. Diesen Ansichten eines amerikanischen Fachmannes kor-*
angesichts der Sondersitzung der Vereinte;
Nationen besondere Bedeutung zu.
Frage: Die Entwicklungsländer haben in den Vereinten Nationen und an anderer CJ"elle nachdrücklich neue Vereinbarungen und Institutionen gefordert, die
die Verwirklichung ihrer wirtschaftlichen Entwicklungsziele erleichtern könnten, wie läßt sich das internationale Bankensystem in dieses Bild eingliedern?
Welchen Beitrag können große Privatbanken mit einem internationalen Filialnetz, wie die Ihrige, zur Modernisierung in den Entwicklungsländern leisten?
Antwort: Ich halte das für eine sehr wichtige Frage - für eine Frage,
die vielleicht in diesen Tagen in den Entwicklungsländern noch nicht so ganz
verstanden wird.
Zweife'los vollzieht sich die wirtschaftliche Entwicklung auf der Welt
gegenwärtig in einem sehr raschen Tempo und es wird jetzt immer deutlicher,

�deutlicher, daß die Welt interdependent ist - daß kein einzelnes Land, auch
nicht das größte, isoliert für sich bleiben kann. Bei der Zusammenarbeit, vor
allem auf wirtschaftlichem Gebiet, fällt dem Geld eine wichtige Rolle zu, und
hier kommen die Banken ins Spiel. Das ist die Ware, mit der wir handeln - das
Geld. Wir erleichtern den Fluß von Handel und Investitionen zwischen den Ländern der Welt. In den meisten Entwicklungsländern ist Kapital außerordentlich
knapp. Und hier können die internationalen Banken den Entwicklungsländern durch
Bereitstellung von Kapital und durch Erleichterung des Kapitalflusses am
meisten helfen.
Frage: Die Entwicklungsländer behaupten, daß sie keinen fairen und ausreichenden Zugang zu den Kapitalmärkten der Welt hätten. Wie sehen Sie die
Entwicklung dieser Kapitalmärkte? Erhalten diese Länder jetzt einen besseren
Zugang zu diesen Märkten?
Antwort: Ich meine ja. Kapital - und vor allem privates Kapital - fließt
im allgemeinen dorthin, wo es glaubt, willkommen zu sein. Dah^r haben die
Länder, die ein für ausländisches Kapital interessantes Klimc geschaffen haben,
auch den größten Kapitalzufluß zu verzeichnen.
Frage: Können die Entwicklungsländer Ihrer Meinung nach etwas tun, um
einen besseren Zugang zu den Kapitalmärkten der Industriestaaten zu erreichen?
Antwort: Ja, das glaube ich. Meines Erachtens steht fest, daß sie keinen
Zufluß von Kapita', wünschen, das einen negativen Eimfluß auf oder eine Kontrolle über ihre eigenen Angelegenheiten ausübt. Jeder wird verstehen, daß
diese Länder Bedingungen für den Zufluß von Kapital schaffen möchten, die sie
für akzeptabel erachten, und durch die die Spielregeln, wie Sie es wohl nennen, festgelegt werden. Schwierig für das ausländische Kapital wird es erst
dadurch, daß sich diese Spielregeln ständig ändern, so daß ein Investor nicht
weiß, was schon am nächsten Tag gesehen kann. Weiß er jedoch, daß eine relativ
stabile Politik im Hinblick auf Investitionen betrieben wird, dann wird er
meiner Meinung nach durchaus bereit sein, die jeweils festgelegten Bedingungen
zu akzeptieren.

�Frage: Welche Schritte können die Industriestaaten - unabhängig von den
Maßnahmen der Entwicklungsländer zur Verbesserung des Anlageklimas unternehmen,
um Investitionen größerer Privatorganisationen attraktiver zu machen, oder
welche Politik sollten -ie nach Ihrer Auffassung verfolgen, um die Privatbanken zu solchen Investitionen zu ermutigen?
Antwort: Die Steuergesetze der Industriestaaten können von großer Bedeutung sein. Manchmal erschweren Steuern Auslandsinvestitionen und manchmal ermutigen sie zu solchen Investitionen. Zahlreiche Länder haben zum Beispiel
staatliche Bürgschafts-oder Rückversicherungsprogramme für Auslandsinvestitionen. So gibt es in den Vereinigten Staaten eine Organisation, die sich Gesellschaft für Private Auslandsinvestitionen (OPIC) nennt, und die vor allem zu Investitionen in Entwicklungsländern ermutigen soll.
Frage: Könnten die Industriestaaten Ihres Erachtens neben den staatlichen
Bürgschaftsprogrammen auch irgendwie die Zinsen für Anleihen von Privatbanken
an Entwicklungsländer subventionieren?
Antwort: Ich meine, aaß es für Regierungen schwierig ist. Zinser *ür
Privatinvestitionen zu subventionieren. Es scheint mir, daß Zinssubventionen
eher im Falle von Regierungsdarlehen für die Entwicklung der Infrastruktur und
der Grundstruktur in Frage kommen. Im großen und ganzen, so will es mir scheinen, sollten private Investitionen auf einer anderen, normalen Basis erfolgen,
wobei die dabei erhobenen Kapitalzinsen den marktüblichen Zinsen entsprechen
sollten. Ich glaube, es ist recht schwierig, Zinssubventionen und Privatgeschäfte miteinander zu verquicken.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß die großen multinationalen Gesellschaften
- einschließlich der Privatbanken - neben der Bereitstellung von Geldmitteln
auch mithelfen können, den Transfer von technologischem und unternehmerischem
Know-how von den Industriestaaten in die Entwicklungsländer zu beschleunigen?
Antwort: Allerdings bin ich dieser Ansicht. Ja, ich bin nicht einmal
sicher, ob Geld in jedem Fall der wichtigste Faktor ist. Ic! meine, gerade
diese Kombination von technischem, unternehmerischem Können und von Kapital^

- 3 -

�I

Kapital, wie sie zusammen als ein Paket von den großen privaten Firmen angeboten werden kann, ist für die Entwicklungsländer besonders segensreich.
Frage: Dennoch gibt es viele Kritiker in den Entwicklungsländern gerade
an diesen multinationalen Gesellschaften und den Großbanken. Einige von ihnen
behaupten beispielsweise, daß die multinationalen Gesellschaften die Entwicklungsländer ausbeuten, indem sie für deren Natur-und Bodenschätze einen viel
zu geringen Preis zahlen, indem sie außerordentlich niedrige Löhne festsetzen und i n ^ m sie das knappe Kapital der Entwicklungsländer von Projekten
abziehen, die diese Länder ihrerseits gerne durchführen würden. Sind diese
Behauptungen richtig?
Antwort: Solche Anwürfe sind zweifellos erhoben worden. Es hat in der Vergar^-nheit wohl auch Situationen gegeben, wo große Gesellschaften ihre gewaltige wirtschaftliche Macht dazu benutzten, um

r

.ur-und Bodenschätze zu Preisen

an sich zu bringen, die unter dem Marktniveau lagen, und einige haben vielleicht auch ihre Arbeiter unterbezahlt. Ich bezweifle aber, daß eine derartige Situation heute noch besteht, jedenfall

in einem irgendwie bemerkenswerten

Maß. Ganz gewiß sind die großen multinationalen Gesellschaften, ob sie nun
ihren Sitz in den Vereinigt»" Staaten oder sonstwo in der Welt haben, sich
heute sehr

klar ihrer sozialen Verantwortung bewußt, und zwar nicht nur gegen-

über ihren Aktionären und Angestellten, sondern auch gegenüber den Ländern,
bei denen sie Gast sind.
Die meisten multinationalen Gesellschaften zahlen Löhne, die höher - und
nicht niedriger - als die Durchschnittslöhne des betreffenden Landes sind.
Frage: Aber meinen Sie, daß sie auch neue Arbeitsplätze schaffen?
Antwort: Es steht außer Frage, daß sie mit den Investitionen und der Entwicklung einer Industrie neue Arbeitsmöglichkeiten schaffen und damit den Ländern, in denen sie sich niedergelassen haben, nutzen.
Selbstverständlich sind die Regierungen dieser Entwicklungsländer heute
sehr unabhängig und sehr mächtig und durchaus in dei Lage, Gesetze zu erlassen
und Bedingungen zu schaffen, die die Gesellschaften zwingen, sich so zu verhalten, wie es im besten Interesse dieser Länder liegt.
Frage:

�Frage: Glauben Sie, daß die Multirationalen es verhindern, daß die
knappen Kapitalmittel in andere, wertvollere Projekte investiert werden?
Antwort: Im Gegenteil, Sie bringen ja gerade Kapital in das Land, das
scn?' nicht hereingekommen wäre, und zusammen mit dem Kapital - wie ich
sch&lt;n sagte - das technische und unternehmerische Können, das vorher nicht da
war. Und in den meisten Fällen werden die Einnahmen, die durch diese Investitionen entstehen, wieder zurückgeleitet und stellen damit eine neue Kapitalquelle für das betreffende Land dar.
Cer Prozentsatz an Dividenden, die abgezogen werden, ist in großen und
g?r~en doch recht klein, verglichen mit den Reinvestitionen. Das gilt jedenfalls ;r c|-je große Mehrheit dieser multinationalen Gesellschaften.
Frage* Die vielleicht bedeutsamste - oder zumindest die lauteste - Kritik
an diese. Gesellschaften richtet sich dagegen, daß sie dazu tendieren, in die
Souveränität einzugreifen, und sie vielleicht einengen, weil Entscheidungen,
die Procuktionsniveau, Volkseinkommen und Arbeitsplatz, ir ~inem bestimmten
Entwicklungsland betreffen, praktisch in einem Industriestaat getroffen werden. Ist diese Kritik berechtigt?
Antwort: Nein, meines Erachtens nicht. Ich glaube vielmehr, daß bei den
multinationalen Gesellschaften cer EntScheidungsprozeß, soweit solche Entscheidungen die Gastländer betreffen, von der Betriebsleitung in dem betreffenden
Land vorgenommen wird. Eine wachsende Zahl von multinationalen Gesellschaften
beschäftigt vorwiegend einheimische Arbeitskräfte, auch beim Management, die
mit einer sehr geringen Zahl von Angestellten aus dem jeweiligen Industrieland
zusammenarbeiten. Meines Erachtens sind sich diese Gesellschaften immer mehr
der Tatsache bewußt, daß sie Gäste in diesem Land sind, und daher gehen sie
auch auf die Notwendigkeit ein, eine Politik zu verfolgen, die im Interesse
des Gastlandes liegt.
Ja, ich glaube nicht, dcß man noch länger sagen kann, die Gastländer
seien machtlos. Sie kennen Gesetze erlassen, die die Wahrung ihrer Interessen
gewährleisten. Letztlich haben sie, falls sie überzeugt sind, die multinationale Gesellschaft unternähme etwas gegen ihre Interessen, das Recht der

�der Nationalisierung, und in vielen Fällen haben sie von diesem Recht Gebrauch '
gemacht. Ich bin rr.ir nicht sicher,ob so etwas in ihrem eigenen langfristigen
Interesse liegts aber sie haben das Recht dazu. So kann niemand behaupten, sie
wa'ren gegenüber den großen Gesellschaften machtlos.
Frage: Sie erwähnten zuvor, daß "Spielregeln" ausgearbeitet werden können, um die jeweiligen Rechte und Pflichten der Gesellschaften und der Gastregierungen festzulegen. Sehen Sie eine Möglichkeit, internationale Regeln oder
einen Verhaltenskodex zu entwickeln, die für diese Beziehungen maßgebend sein
kennten?
Antwort: Meines Erachtens wäre dies sehr wünschenswert. Darüber ist mehrere Jahre lang diskutiert worden. Als George Woods Präsident der Weltbank war,
suchte er die Entwicklungsländer zu überreden, gemeinsam und in Zusammenarbeit
mit der Weltbank solche Regeln aufzustellen. Leider sind wir damals nicht
sehr weit gekommen. Aber ich halte das für nützlich. Auf jeden c all, ob es nun
int "-nationale RegefrLtfder nicht, je mehr ein einzelnes Land seine eigenen Regeln weiterentwickelt und sie bekannt gibt - und sich dann an diese Regeln
hält und sie nicht ändert - umso größer ist die Chance, daß es ausländisches
Kapital anzieht. Brasilien ist ein gutes Beispiel; dort wurden die Spielregeln*.
deutlich bekannt gemacht und der Kapitalfluß war enorm. Es gibt weitere Beispiele - &lt;ier Iran, Formosa und Südkorea.
Frage: Könnten Sie Anregungen geben, welche Punkte solche Regeln beinhalten sollten, wenn sie in größerem Umfang entwickelt werden?
&gt;

Antwort: Das erste Ziel der Regeln ist natürlich vom Standpunkt des Gastlandes, sicherzustellen, daß die Maßnahmen dieser Gesellschaften im Einklang
mit den Gesetzen und Bestrebungen der Bevölkerung des Landes stehen. Genauso
sind Regeln zum Schutz der Interessen der Gesellschaft notwendig, damit diese
das Gefühl hat, sie befindet sich in einem Land, in dem sie willkommen is
und in dem es ebenfalls einen gewissen Schutz für ihr Kapital und die eventuell mitgebrachten Angestellten gibt.
Frage:

�Frage: Verschiedentlich wird gesagt, daß es zu Beginn der Investitionen
in der Hand der großen Gesellschaften als der stärkeren Macht liegt, die Regeln und Bedingungen festzusetzen, da das betreffende Land, das die Investitionen wünscht, bereit ist, den Preis zu zahlen, nur um diese Investitionen
zu erhalten. Dagegen liegt die größere Macht, wenn die Investitionen erst
einmal vorgenommen worden sind, in den Händen des jeweiligen Gastlandes.
Antwort: Das ist durchaus richtig. Aber wenn das

Gastland nicht die mit

der investierenden Gesellschaft getroffenen Abkommen erfüllt -• vor allem, wenn
es dies bei zwei oder drei Gesellschaften nicht tut -, dann könnten andere
Gesellschaften davon abgehalten werden, künftig ähnliche Investitionen zu
tätigen. Meines Erachtens muß das Gastland dies beachten.
Frage: Sehen Sie Möglichkeiten für eine Dreiecks-Zusammenarbeit zwischen
den öl exportierenden Ländern, die jetzt über große Mengen liquiden Kapitals
verfügen, und den Gesellschaften der Industrieländer, die das technische und
unternehmerische Know-how besitzen, sowie den Entwicklungsländern, die neue
Industrien aufbauen wollen?
Antwort: Ja, das ist meines Erachtens eine zu sehr großen Hoffnungen berechtigende Ansicht. Beispielsweise haben die arabischen Länder erst kürzlich
eine Arabische Bank für Afrika mit Sitz im Sudan (Khartum) gegründet. Unsere
Bank hat bereits enge, freundschaftliche Beziehungen zu dieser Entwicklungsbank aufgenommen. Ich glaube, es wird viele Fälle geben, wo für die gleichen
Projekte ein Teil der Gelder von der Arabischen Entwicklungsbank und ein Teil
von Privatbanken wie der unsrigen bereitgestellt werden könnten.
Was wir jetzt brauchen, ist nach meiner Auffassung eine engere Zusammenarbeit mit den ölexportierenden Ländern, um ihnen zu zeigen, daß es Wege gibt,
wie sie ihr Geld gewinnbringend und mit angemessener Sicherheit in Gebieten
der Welt investieren können, die gegenwärtig in einem wirtschaftlichen Entwicklungsprozeß stehen.

Bis jetzt ist das meiste Geld in die Industriestaaten

geflossen, wo die Investoren größere Sicherheit und eine höhere Ertragsrate
vorzufinden glaubten. Das ist verständlich. Aber ich halte es, angesichts der
ihnen zugefallenen neuen und wichtigen Rolle in der Welt, für wichtig, daß

- 7 -

�daß sie mehr in den Entwicklungsländern investieren.
Meiner Meinung nach ist es äußerst wichtig, daß wir eine Konfrontation
zwischen den ülerzeugern und den ülVerbrauchern, zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern vermeiden. Ich glaube jedoch, es besteht ein
geringes Risiko, daß das eintrete könnte, und daher wird alles, was diese
Gruppen zur Zusammenarbeit an gemeinsamen Projekten bringen können, die ihrem
beiderseitigen Nutzen dienen, sehr wichtig sein und sollte daher ermutigt
werden.

XXX

�1 amerika dienst
«

United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

I n f o r m a t i o n

Godesbergl,

89-3240

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300

T e I e x : 08 - 8 54 32

16/1975
USA ZEIGEN NEUE WEGE IM SEERECHT UND IM WELTRAUMRECHT AUF
- Rede Kissingers in Montreal am 11. August -

Der Außenminister der Vereinigten Staaten,
Dr. Henry A. Kissinger, hat in einer Rede
vor der Amerikanischen Anwaltskammer in
Montreal am 11. August neue Vorschläge zur
Überwindung des toten Punktes der Weltseerechtskonferenz unterbreitet. So soll eine
neue internationale Organisation den Abbau
von Bodenschätzen auf dem Meeresgrund regeln. Ferner setzte sich Kissinger für eine
weitergehende internationale Nutzung von
Fernmeldesatelliten, für Maßnahmen gegen
den internationalen Terror und für eine
Klärung der Rechtsstellung der multinationalen Gesellschafter ein. Wir geben die
Rede, die die grundsätzliche Haltung der
Vereinigten Staaten in wichtigen völkerrechtlichen Fragen aufzeigt, in wesentlichen
Auszügen wieder.
... Das starre internationale Gefüge des Kalten Krieges hat sich aufgelöst. Wir sind in ein' Ära aufgespaltener wirtschaftlicher Macht, der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen und der vielerlei Ideologien und Zentren der Initiativ, eingetreten. Di'- unseren Vorgängern gestellte Aufgabe bestand darin,
aus dem Chaos Stabilität zu schaffen. Die unserer Generation gestellte Aufgabe
besteht darin, vom Aufbau nationaler und regionaler Institutionen und der
Krisenbeherrschung weiterzugehen zum Aufbau einer neuen internationalen Ordnung, die Hoffnung auf Frieden, Fortschritt, Wohlergehen und Gerechtigkeit für
künftige Generationen bietet

...

3

Wir

-1 -

�Wir befinden uns an einem Angelpunkt der Geschichte. Wenn die Wel &gt;" in
Fluß geraten ist, dann haben wir die Fähigkeit und damit auch die Verpflichtung,
an ihrer Gestaltung mitzuwirken. Wenn unser Ziel eine neue Norm der internationalen Zurückhaltung und Zusammenarbeit ist, dann müssen wir auch die Institutionen und Verfahren schaffen, die dazu führen.
Ich möchte heute die amerikanische Einstellung zu einigen dieser Fragen
des Rechts und der Diplomatie darlegen, deren Lösung uns einer geordneteren
und gesetzlicheren Welt näher bringen kann. Diese Fragen unterstreichen die internationalen Aufgaben der heutigen Zeit: in den Ozeanen, wo die moderne Technologie das traditionelle Recht veralten ließ; im Weltraum, wo heute Unternehmungen, von denen man vor einer Generation noch nicht zu träumen gewagt hätte,
über die traditionellen Anliegen der Sicherheit und der Souveränität hinausgreifen; im Kriegsrecht, wo heute neue Praktiken der Barbarei uns praktisch
zur Entwicklung einer neuen sozialen und internationalen Zurückhaltung zwingen; und in der internationalen Wirtschaft, wo übernationale Übernehmen ihre
Tätigkeit über die Grenzen der traditionellen politischen und rechtlichen
Regelungen hinaus ausüben...
a

Das Seerecht:
Die Vereinigten Staaten befinden sich gegenwärtig mit etwa 140 anderen
Nationen in den wohl umfassendsten und entscheidendsten Verhandlungen der Geschichte - in einer internationalen Anstrengung, um Regeln festzulegen, die
für den Bereich der Ozeane Geltung haben sollen. Keine anderen Verhandlungen
sind auf lange Sicht von so lebenswichtiger Bedeutung für die Stabilität und
die Prosperität unserer Erde...
Vom 17. Jahrhundert bis heute gründete sich das Seerecht auf eine relati* einfache Vorstellung: Freiheit der Meere, begrenzt nur durch einen schmalen Gürtel von Hoheitsgewässern, die im allgemeinen bis zu 3 Meilen vor den
Küsten betrugen. Die explosionsartige Entwicklung der Technologie erfordert
heute neue und ausgeklügeltere Lösungen.
- In
- 2 -

�- In einer Welt, die verzweifelt nach neuen Quellen für Energie und Mineralien sucht, liegen gewaltige und kaum erschlossene Vorkommen in den Ozeanen.
- In einer Welt, in der Hunger und Unterernährung weit verbreitet sind,
ist Fisch ein zunehmend lebenswichtiger Eiweißlieferant.
- In einer Welt, die von Verschmutzung überschattet wird, entwickelt sich
die

Riinerhaltung der Ozeane zu einem entscheidend wichtigen internationalen

Problem.
- In einer Welt, in der 95 Prozent des Welthandels auf dem Seeweg abgewickelt werden, ist die Freiheit der Schiffahrt unerläßlich.
Wenn die konkurrierenden Praktiken und Ansprüche nicht bald harmonisiert
werden, dann steht die Welt vor der Aussicht zunehmender Konflikte. Die
Schiffahrtstonnage dürfte sich in den nächsten 30 Jahren vervierfachen. Bereits heute umfahren ohne Stützpunkt auskommende Fabrikschiffe den Erdball und
beherrschen Fischgründe, die ein r t eine Domäne kleiner Küstenfangboote waren.
Die Fangerträge steigen weltweit in augenfälliger Weise, ohne daß jedoch entsprechende Rücksicht auf ein gesundes Management sowie auf die legitimen Anliegen der Küstenstaaten genommen wird. Sich verändernde Bevölkerungsstrukturen werden der Ökologie der Küsten der ganzen Welt bald neue Belastungen auferlegen.
Daher könnten die gegenwärtigen Verhandlungen die letzte Chance der Welt
sein. Einseitige nationale Ansprüche auf Fischereizonen und Hoheitsgewässer in
einer Ausdehnung von 50 bis 200 Meilen haben bereits zur Beschlagnahme von
Fischereifahrzeugen und zu ständigen Streitigkeiten über Rechte an Meeresraum geführt. Ein Zusammenbruch der gegenwärtigen Verhandlungen, das Nichtzustandekommen einer rechtlichen Vereinbarung wird zu hemmungsloser militärischer und wirtschaftlicher Rivalität und wachsender politischer Unruhe führen.
Die Vereinigten Staaten sind der festen Überzeugung, daß die Ozeane von
Recht und Gesetz regiert werden müssen. In diesem Geiste haben wir 1970 das
Mandat der Vereinten Nationen für eine multilaterale Konferenz begrüßt, lie

- 3 -

�die die Aufgabe erhielt, einen umfassenden Vertrag über die Nutzung der Ozeane
und ihrer natürlichen Hilfsquellen auszuarbeiten. Wir haben wesentlich zu dem
Fortschritt beigetragen, der im Sommer vorigen Jahres in Caracas und im Frühjahr dieses Jahres in Genf erzielt worden ist und der zu einem einzigen Verhandlungstext eines Vertragsentwurfes geführt hat. Darauf wird sich Hie Arbeit
der nächsten Sitzung konzentrieren, die für März 1976 in New York vorgesehen
ist. Die Vereinigten Staaten haben die Absicht, ihre Anstrengungen zu intensivieren.
Die Fragen, mit denen sich die Seerechtsverhandlungen

befassen, er-

strecken sich von der Küste selbst bis zu den größten Tiefen des Ozeans. Es
geht um:
- die Ausdehnung der Hoheitsgewässer und die damit zusammenhängenden Fragen der freien Durchfahrt durch Meerengen;
das Ausmaß an Kontrolle, das ein Küstenstaat in einer seinen Hoheitsgewässern vorgelagerten Wirtschaftszone ausüben darf;
- das internationale System für die Ausbeutung der Naturschätze des Meeresbodens in großen Tiefen.
Wenn wir bei der Küstenlinie anfangen, dann ist die erste Fragp

ie Aus-

dehnung der Hoheitsgewässer - des Meeresgürtels, über den der Küstenstaat
Souveränität ausübt. Historisch ist diese Zone mit drei Meilen anerkannt worden.
Das war auch von eh und je der

Standpunkt der Vereinigten Staaten. Immer mehr

Staaten haben eine Zwölfmeilenzone gefordert und manche sogar 200 Meilen.
Nach Jahren des Streites und widersprüchlicher internationaler Praxis
nähert sich die Seerechtskonferenz einer Obereinstimmung über eine Zwölfmeilenzone. Wir sind bereit, diese Lösung zu akzeptieren, vorausgesetzt, daß die
unbehinderten Transitrechte durch Meerengen, die von der internationalen
Schiffahrt benutzt werden, garantiert s'nd.
Denn ohne solche Garantien würde eine solche Zwölfmeilenzone über 100
Meerengen - darunter die Straßen von Gibraltar, von Malaga und von Bab-ElMandeb -, die gegenwärtig für den internationalen See-und Luftverkehr frei
- 4 -

�frei sind, der rechtlichen Kontrolle von Küstenstaaten unterstellen. Das können
die Vereinigten Staaten nicht akzeptieren. Die Freiheit der internationalen
Durchfahrt durch diese und andere Meerengen dient dem Wohle aller Nationen,
dem Handel und der Sicherheit. Wir werden keinem Abkommen beitreten, das
irgendwelche Zweifel an dem Recht läßt, die Weltschiffahrtswege ohne Störung
zu benutzen.
Innerhalb von 20 Meilen vor der Küste liegen einige der wichtigsten Fischfanggründe der Welt wie auch beträchtliche Vorkommen an Erdöl, Erdgas vnd
Mineralien. Dies hat einige Küstenstaaten veranlaß* die volle Souveränität
über diese Zone anzustreben. Auch diese Ansprüche sind für die Vereinigten
Staaten nicht akzeptabel. Eine Anerkennung dieser Ansprüche würde 30 Prozent
der Weltmeere unter nation^e territoriale Kontrolle bringen - gerade solche
Gebiete, durch die der größte Teil des Schiffsverkehrs der Welt abgewickelt
wird.
Die Vereinigten Staaten sind sich mit vielen anderen Ländern in der Forderung nach einem internationalen Abkommen über eine Wirtschaftszone von 200
Meilen &gt;or der Küste einig. Nach diesem Vorschlag wäre es Küstenstaaten gestattet, die Fischerei und die Mineral vorkommen in der Wirtschaftszone zu kontrollieren. Die Freiheit der Schiffahrt und andere Rechte der internationalen
Völkergemeinschaft würden jedoch erhalten bleiben. Die Fischerei innerhalb
dieser Zone würde von dem Küstenstaat geregelt, der die internationale Verpflichtung hrtte, vereinbarte Normen zur Erhaltung der Fischbestände anzuwenden. Wenn der Küstenstaat nicht die erlaubten jährlichen Fangerträge einbringen
könnte, so würde es anderen Ländern gestattet sein, dies zu tun. Für Thunfisch und Lachs und andere Fischarten, die über weite Entfernungen ziehen, wären besondere Vereinbarungen erforderlich. Wir treten auch für Bestimmungen
ein, die die Fischereiinteressen von Staaten ohne Küste und andere geographisch
benachteiligte Länder schützen würden.
In einigen Gebieten reich-' der'Kontinentalsockel über 200 Meilen hinaus.
Um Streitigkeiten über die Nutzung dieses Gebietes beizulegen, schlagen die
Vereinigten Staaten vor, daß die Küstenstaaten die Jurisdiktion über Natur-

- 5 -

�Naturschätze im Kontinentalsockel über 200 Meilen hinaus bis zu einer genau
definierten Grenze erhalten und daß sie einen Prozentsatz des finanziellen Ertrages aus dem Abbau von Mineralien in diesem Gebiet mit der internationaler.
Völkergemeinschaft teilen.
Jenseits der Hoheitsgewässer, der Wirtschaftszone vor der Küste und dem
Festlandsockel liegt der Meeresboden der Tiefsee. Hier befinden sich die
letzten großen unerforschten Gebiete unseres Planeten. Seit über einem Jahrhundert wissen wir, daß im Meeresboden der Tiefsee gewaltige Vorkommen an
Mangan, Nickel, Kobalt, Kupfer und anderen Mineralien liegen, aber wir wissen
noch nicht, wie wir sie heben können. Neue moderne Technologie bringt rasch den
Zeitpunkt näher, an dem ihre Ausbeutung und wirtschaftliche Nutzung Wirklichkeit werden wird...
Die

Vereinigten Staaten brauchen Konkurrenz nicht zu fürchten. Unsere

Technologie ist am weitesten fortgeschritten und unsere Marine reicht aus, um
unsere Interessen zu schützen« Wenn die Ausbeutung nicht durch Grundregeln
festgelegt wird, dann wird die Rivalität letztlich zu Machtproben führen. Ein
Wettrennen um die Reservierung exklusiver Gebiete zur Ausbeutung auf dem Meeresboden der Tiefsee - selbst ohne So'^eränitätsansprüche - wird die Freiheit
der Schiffahrt bedrohen und zu einem Ko ikurrenzkampf führen, wie ihn die
Kolonialmächte in Afrika und Asien im vorigen Jahrhundert ausgetragen haben...
Wir sind der Überzeugung, daß der Seerechtsvertrag die Zugangsrechte erhaltfn muß, wie sie gegenwärtig nach dem Völkerrecht den einzelnen Staaten und
ihren Bürgern zustehen, Einschränkungen des freien Zugangs werden die Erschließung der Vorkommen auf dem Meeresboden hemmen. Ebensowenig ist es durchführbar, daß alleinige Recht zur Ausbeutung des Meeresbodens einer neuen internationalen Meeresboden- Organisation vorzubehalten, wie dies von einigen Entwicklungsländern vorgeschlagen worden ist...
Die Vereinigten Staaten haben viel über diese Frage nachgedacht. Wir
bieten folgende Vorschläge an:

�- Es sollte eine internationale Organisation gegründet werden, die Regeln
für den Abbau im Meeresboden der Tiefsee aufstellt.
- Diese internationale Organisation muß die Rechte aller Länder und ihrer
Bürger wahren, Naturschätze in der Tiefsee direkt auszubeuten.
- Sie sollte auch einen fairen Ausgleich widersprüchlicher Interessen und
die Sicherheit von Investitionen gewährleisten.
- Länder und ihre Unternehmen, die Vorkommen in der Tiefsee abbauen, sollten einen vereinbarten Teil ihrer Einnahmen an die internationale Organisation
abführen, der zum Wohle der Entwicklungsländer verwandt werden soll.
- Die Leitung der Organisation und ihre Abstimmungsverfahren müssen die
Interessen der beteiligten Staaten widerspiegeln und ausgewogen darstellen.
Die Organisation sollte nicht die Macht haben, Preise oder Produktionsraten zu
kontrollieren.
- Wenn diese wesentlichen Interessen der Vereinigten Staaten garantiert
sind, können wir zustimmen, daß diese Organisation auch das Recht erhält, Abbautätigkeiten im Namen der ^ ~ternationalen Völkergemeinschaft, in erster Linie zum Wohle der Entwicklungsländer, durchzuführen...
- Die neue Organisation sollte als Triebfeder der Zusammenarbeit zwischen
den technologisch fortgeschrittenen und den Entwicklungsländern dienen. Die
Vereinigten Staaten sind bereit, Mittel und Wege zu prüfen, um andere Länder an
den Technologien für die Tiefsee teilhaben zu lassen.
- Eine ausgewogene Kommission von Verbrauchern, Tiefseeproduzenten und
Produzenten auf dem Festland könnte die möglichen negativen Auswirkungen des
Abbaus in der Tiefsee auf die Volkswirtschaften jener Entwicklungsländer beobachten, die im wesentlichen von dem Export von Mineralien abhängig sind, die
auch in der Tiefsee gefördert werden.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin entschlossene Anstrengungen unternehmen, einen endgültigen Fortschritt herbeizuführen, wenn die Seerechtskonferenz im nächsten Jahr in New York wieder zusammentritt. Wir müssen uns

- 7 -

�1

uns jedoch über einen Punkt im klaren sein: Die Vereinigten Staaten können
nicht auf unbegrenzte Zeit hinaus ihre eigenen Interessen an der Entwicklung
einer gewährleisteten Versorgung mit kritischen Rohstoffen Verhandlungen opfern,
die endlos hinausgezogen werden. Wi. sind für ein allgemein akzeptables internationales Abkommen, das stabile Rechtsverhältnisse schafft, bevor mit dem Abbau in der T1 ^see tatsächlich begonnen wird. Die Verantwortung dafür, daß ein
Abkommen erreicht wird, bevor die tatsächliche Ausbeutung beginnt, liegt bei
allen Nationen. Wir können unseren eigenen Abbau in der Tiefsee nicht

mehr

allzu lange hinausschieben. In diesem Geiste können wir und andere potentielle
Tiefseeproduzenten geeignete Schritte zum Schutze laufender Investitionen überlegen und sicherstellen, daß diese Investitionen auch durch den Vertrag geschützt werden.
Der Konferenz liegen noch andere wichtige Fragen vor:
- Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um die wissenschaftliche Erforschuno der Meere zum Wohle der ganzen Menschheit zu fördern, während gleichzeitig die lpiitimen Interessen der Küstenstaaten in ihren Wirtschaftszonen gewährleistet werden.
- Es müssen Schritte unternommen werden, um die Ozeane vor Verschmutzung zu
schützen. Wir müssen einheitliche internationale Kontrollen der Verschmutzung
durch Schiffe einrichten und auf einer weltweiten Beachtung der Umweltnormen
für die Ausbeutung des Festlandsockels und der Tiefste bestehen.
- Der Zugang der Binnenländer zu den Meeren muß gewährleistet sein.
- Es muß Bestimmungen für eine zwingende und unparteiische Beilegung von
Streitigkeiten durch Dritte geben. Die Vereinigten Staaten können keine einseitige Interpretation eines Vertrages von solcher Wichtigkeit durch einzelne Staaten oder durch eine internationale Meeresboden-Organisation akzeptieren.
Das Tempo der technologischen Entwicklung, das Ausmaß des wirtschaftlichen
Bedarfs und die Ansprüche von Ideologien sowie nationale Ambitionen drohen den
schwierigen Verhandlungsprozeß zu überschwemmen. Die Vereinigten Staaten sind
daher der Auffassung, daß eine gerechte und nutzbringende Ordnung für die Ozeane

- 8 -

�r
Ozeane von entscheidender Bedeutung für den Weltfrieden ist...
Die D -inglichkeit des Problems wird durch die beunruhigenden Entwicklungen
illustriert, die weiterhin von allen Seiten auf uns einstürzen. Das vordringlichste Problem ist die Fischerei.
Die Vereinigten Staaten k$ nen nicht auf unbegrenzte Zeit hinaus die ungeregelte und willkürliche ausländische Fischerei vor ihren Küsten akzeptieren.
Viele Fischbestände sind durch ausländisches überfischen fast ausgerottet worden. Wir hah»n kürzlich mit der Sowjetunion, Japan und Polen Abkommen geschlossen, die deren Fänge begrenzen werden,und wir blicken auf eine lange und erfolgreiche Geschichte von Abkommen zur Erhaltung der Fischbestände mit Kanada
zurück. Aber es muß noch sehr viel mehr getan werden...
Wir begrüßen sehr herzlich die kürzliche Erklärung von Ministerpräsident
Trudeau, in der dieser die Notwendigkeit einer Lösung durch die Seerechtskonferenz statt durcheinseitige Maßnahmen bekräftigt. Er sagte, die "Kanadier
sollten allgemein erkennen, daß es bei der Seerechtskonferenz um sehr viel
für uns geht und daß wir Narren wären, wenn wir diese Anliegen durch Aktionen
aufgäben, die ein rein temporärer Erfolg auf dem Papier wären".
Diese Haltung wird auch unser Handeln leiten. Zur Erhaltung der Fischbestände rnd zum Schutze unserer Fischereiindustrie werden die Vereinigten Staaten, während über den Vertrag verhandelt wird, mit anderen Ländern Interimsabkommen aushandeln, die die FiscrKestände schützen, eine wirksame Durchführung gewährleisten und unseren Küstenfischern ein Auskommen geben.
Eine einseitige Gesetzgebung wäre wohl das letzte. Die Welt kann es sich
einfach nicht leisten, daß die lebenswichtigen Fragen, die der Seerechtskonferenz vorliegen, durch Versäumnis beantwortet werden. Wir stehen heute an einem
jener seltenen Augenblicke, an dem die Menschheit zusammengekommen ist, um
Mittel und Wege zur Verhütung künftiger Konflikte zu finden und ihr künftiges
Schicksal zu gestalten, und nicht,um eine bereits eingetretene Krise zu lösen
oder sich mit der Hinterlassenschaft eines Krieges zu beschäftigen. Es handelt
sich um eine Bewährungsprobe der We1*

icht, des Willens und der Staatskunst.

Es muß gelingen.
Die

- 9 -

�Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, mitzuhelfen, die Konferenz im
Jahre 1976 zum Abschluß zu bringen - bevor der Druck der Ereignisse und des
Wortstreits eine internationale Übereinstimmung unwiederbringlich unserer
Reichweite entrückt.

Weltraum und Völkerrecht;
In den fast zwri Jahrzehnten seit dem ersten künstlichen Satelliten ist
bei der Ausweitung des Geltungsbereiches des Rechtes in den Weltraum ein beachtlicher Fortschritt erzielt worden» Der Weltraumvertrag von 1967 entzog den
Weltraum der nationalen Souveränität und verbot die Verbringung von Massenvernichtungswaffen in eine Erdumlaufbahn. Der Vertrag hat auch den Grundsatz aufgestel t, daß der Nutzen der Weltraumforschung allen zukommen soll. Zusätzliche Abkommen sehen die Registrierung von Objekten vor, die in

den Weltraum ge-

bracht werden, den '",satz für Schäden, die ihre Rückkehr zur Erde verursachen,
und die internationale Hilfe für in Not geratene Astronauten. Gegenwärtig sind
Bemühungen im Gange, um das internationale Recht für Tätigkeiten des Menschen
auf dem Mond und anderen Himmelskörpern weiter auszubauen.
Erdbeobachtungs- und Fernmeldesatelliten und die Bedingungen für ihre Verwendung sind eine neue Aufgabe für ein internationales Übereinkommen. Der Ausschuß der Vereinten Nationen für die friedliche Nutzung des Weltraums ist mit
dieser Frage befaßt und die Vereinigten Staaten werden aktiv mit diesem Ausschuß zusammenarbeiten. Wir sind dem stärkeren Austausch von Kommunikationen
und Ideen verpflichtet. Aber wir sind uns auch darüber im klaren, daß es unter
den direkt beteiligten Ländern eine volle Konsultation geben muß. Während wir
der Auffassung sind, daß das Wissen um die Erde und ihre Umgebung, das vom
Weltraum aus gewonnen wird, weitgehend allen zuteil werden soll, so sehen wir
doch ein, daß dies von Bemühungen begleitet sein muß, die sicherstellen, daß
alle Länder die Bedeutung dieser neuen Erkenntnisse voll begreifen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, an einer kooperativen Suche nach vereinbarten internationalen Grundregeln für diese Tätigkeiten mitzuwirken.
Entführung

�Entführung, Terror und Krieg:
...Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß nachhaltigere internationale Schritte

f,

;tan werden müssen - und zwar mit großer Dringlichkeit -,

um Flugzeugentfüi r e m und Terroristen ein Refugium zu verwehren und Sanktionen
geoer '*,r*t°n zu ergreifen, die ihnen helfen, sie aufnehmen, sie nicht straff
rechtlich verfolgen oder sie nicht ausliefern.
Die Vereinigten Staaten haben im Jahre 1972 den Vereinten Nationen eine
neue internationale Konvention vorgeschlagen, um bestimmte Akte des internationalen Terrors, ^runter Entführung, Mord und andere brutale Handlungen zu verhindern und zu bestrafen. Diese Konvention ist bedauerlicherweise nicht angenommen worden - und als Folge hiervon Y ^en zahlreiche Unschuldige ihr Leben
verloren. Wir appellieren erneut an cie Vereinten Nationen, diese Konvention
oder ähnliche Vorschläge mit höchster Dringlichkeit wieder aufzugreifen und zu
verabschieden.
Terror muß wie Piraterie als außerhalb des Gesetzes stehend betrachtet
werden. Er diskreditiert jedes politische Ziel, dem er angeblich dienen soll,
und jede Natior , die ihn ermutigt. Wenn alle Länder den Terroristen ein Refugium verwehrt. , dann werden die terroristischen Praktiken wesentlich eingeengt werden - genauso wie die Zahl der Flugzeugentführungen als Ergebnis multilateraler und bilateraler Abkommen klar zurückgegangen ist. Alle Regierungen
haben die Pflicht, zivilisiertes Leben durch Unterstützung solcher Maßnahmen
zu verteidigen.
Gegenwärtig ist eine internationale Konferenz im Gange, um die Genfer Konventionen über das Kriegsrecht vom Jahre 1949 zu ergänzen. Wir werden weiterhin auf Regeln drängen, die es Ländern verbieten,ein

neutrales Land oder

eine internationale Organisation wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz
daran zu hindern, die Behandlung von Kriegsgefangenen zu inspizieren. Wir unterstützen nachdrücklich Bestimmungen, die eine volle Klärung des Schicksals
von Vermißten fordern. Wir werden für die Immunität von Flugzeugen eintreten,
die Verwundete evakuieren, und wir werden ein Übereinkommen oder ein Protokoll
anstreben, das menschliches Verhalten in einem Bürgerkrieg fordert, das die

- 11 -

�die Folter, Massenerschießungen und die anderen Exzesse verbietet, die nur allzuoft einen Bürgerkrieg charakterisieren...
'las amerikanische Volk und die amerikanische Regierung glauben zutiefst
an die fundamentalen Normen menschlichen Verhaltens. Es ist uns ein Anliegen,
diese Normen zu wahren und zu fördern. Und wir werden kämpfen, um sie in internationalen Gremien durchzusetzen.
•

•

Multinationale Gesellschaften:
... Multinationale Gesellschaften ha^-en wesentlich zum wirtschaftlichen
Wachstum in ihren industrialisierten Mutterländern, wo sie am aktivsten sind,
und in den Entwickle

sländern beigetragen, wo sie einen Teil ihrer Tätigkeit

durchführen. Wenr diese Organisationen weiterhin dem wirtschaftlichen Wachstum
der Welt dienen sollen, dann liegt es im gemeinsamen Interesse, daß ihre Zukunft durch das internationale Recht und nicht durch politische Streitigkeiten bestimmt wird.
Manche 1 ander sind der Auffassung, daß multinationale Gesellschaften ihre
Volkswirtschaften in einer Weise beeinflussen, die nich ihren nationalen
Prioritäten entspricht. Andere sin' besorgt, daß diese Unternehmen sich der nationalen Besteuerung und nationalen Gesetzen durch Anlagen im Ausland entziehen könnten. Kürzliche Enthüllungen unsauberer finanzieller Beziehungen zwischen diesen Gesellschaften und Regierungsvertretern in einigen Ländern haben
Anlaß zu neuer Besorgnis gegeben.
Es bleibt jedoch ebenso richtig, daß multinationale Unternehmen mächtige
Triebfedern des Guten sein können. Sie können Hilfsmittel wie Kapital, Initiativen, Forschung, Technologie und Absatz auf eine Weise lenken und organisieren, die Produktion und Wachstum gewaltig steigern. Wenn eine internationale
Übereinstimmung über die richtige Rolle und die richtigen Aufgaben dieser Unternehmen erreicht werden könnte, dann könnte ihr lebenswichtiger Beitrag zur
Weltwirtschaft weiter ausgedehnt werden. Ein multilateraler Vertrag, der bindende Regeln für multinationale Unternehmen festlegt, scheint in naher Zukunft

�Zukunft nicht möglich zu sein. Die Vereinigten Staaten sind jedoch der Auffassung, daß eine vereinbarte Erklärung von Grundprinzipien erreichbar ist.
Wir sind bereit, große Anstrengungen zu unternehmen und laden alle interessierten Länder ein, sich daran zu beteiligen. Wir erörtern gegenwärtig aktiv solche Richtlinien unr4 wir werden die relevante Arbeit der Kommission der Vereinten Nationen fü

übernationale Unternehmen unterstützen. Wir sind der Oberzeu-

gung, daß solche Richtlinien folgende Punkte berücksichtigen müssen:
- Übereinstimmung mit bestehenden Grundsätzen des internationalen Rechts
über die Behandlung von Ausländern und ihrer Eigentumsrechte;
- die Forderung an multinationale Gese 1 * chaften, nationale Prioritäten
in Rechn ung zu stellen, in Obereinstimmung

mit dem örtlichen Recht zu han-

deln und sich an ein faires Arbeitsrecht zu halten;
- Erfassung aller Multinationalen - der staatlichen wie der privaten Gesellschaften;
- keine Diskriminierung zugunsten von Unternehmen des Gastlandes, außer
unter speziell definierten und begrenzten Umständen;
- Definierung nicht nur der Verpflichtungen der multinationalen Gesellschaften, sondern auch der Pflichten der Gastregierung gegenüber den ausländischen, innerhalb ihrer Grenzen tätigen Unternehmen;
- Anerkennung der Verantwortlichkeit von Regierungen, anerkannte Prinzipien für den Ausgleich widersprüchlicher Gesetze anzuwenden, wenn es gilt, die
von verschiedenen Gastländern angewandten Bestimmungen aufeinander abzustimmen.
Wenn multinationale Einrichtungen das Objekt eines Wirtschaftskrieges
werden, dann wird dies ein schlechtes Omen für das Weltwirtschaftssystem sein.
Wir sind der Überzeugung, daß die weitere Tätigkeit übernationaler Gesellschaften nach akzeptierten Richtlinien mit den Forderungen der nationalen Souveränität in Einklang gebracht werden kann. Die Fähigkeit von Nationen, diese
Frage konstruktiv zu bewältigen, wird eine Bewährungsprobe dafür sein, ob die
Suche nach gemeinsamen Lösungen oder das Aufeinanderprallen von Ideologien
unsere wirtschaftliche Zukunft beherrschen wird.
XXX

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede des amerikanischen Präsidenten vor der KSZE in Helsinki&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA zeigen neue Wege im Seerecht und im Weltraumrecht auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Kissingers in Montreal am 11. August -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;David Rockefeller: Internationale Regeln für Auslandsinvestitionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit dem Präsidenten der Chase-Manhattan Bank -&lt;/em&gt;</text>
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17

27. August 1975

Inhalt

WIRTSCHAFT:
Ford fordert mehr Investitionen und mehr Wettbewerb
-Auszüge aus der Rede des Präsidenten am 25. August in Chicago-

D0KUMENTATI0N:
Die Verpflichtung der Vereinigten Staaten
-Ansprache Kissingers an das amerikanische Volk-

HINTERGRUNDMATERIAL:
USA warnen vor Gefahren eines Umweltkrieges
-Vorbeugende Maßnahmen im Rahmen der Abrüstungsverhandlungen angestrebt-

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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17/1975

FORD FORDERT MEHR INVESTITIONEN UND MEHR WETTBEWERB
- Auszüge aus der Rede des Präsidenten am 25. August in Chicago CHICAGO --(AD)-- Für Anreize zur Belebung der Kapitalinvestitionen und einen
Abbau staatlicher Maßnahmen, die sich Wettbewerbshemmend auswirken können, hat
sich Präsident Ford am 25. August in einer Rede vor amerikanischen Industriellen in Chicago eingesetzt. Nur so ließen sich das wirtschaftliche Wachstum in
den USA beschleunigen und die wirtschaftlichen Idealvorstellungen der Amerikaner verwirklichen. Die wesentlichen Teile der Rede des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
Heute wird Amerika erneut aufgerufen, für den Fortschritt zu investieret ,
Risiken auf sich zu nehmen und Experimente einzugehen. Wir haben jedoch einer,
Wendepunkt erreicht. Entscheidungen müssen getroffen werden. Die Frage lautet
ganz einfach: Wie können wir sowohl die für ein wirtschaftliches Wachstum erforderlichen Investitionen wie auch die wichtigen Programme, die zur Lösung
humanitärer Probleme notwendig sind, finanzieren?
Heute stehen wir vor deir Problem, neue Arbeitsplätze schaffen zu müssen
-- mehr Arbeitsplätze als jemals zuvor. Obwohl die Arbeitslosenquote bei weitem
zu hoch ist, stehen heute 85 Millionen Amerikaner in Arbeit, 1,2 Millionen
mehr als noch im März. Bis 1980 müssen wir weitere 14 Millionen Arbeitsplätze
schaffen, um den Bedarf unserer wachsenden Bevölkerung zu decken. Dies ist
unser Ziel und es setzt einen sehr beträchtlichen wirtschaftlichen Fortschritt
voraus.

.... .r , . ,
Wirtschaft!icher

�Wirtschaftlicher Fortschritt ist stets davon abhängig, daß wir als Nation in der Lage sind, die Kapitalinvestitionen zu fördern und die Produktivität unserer Arbeiter zu steigern.
Der auf private Investitionen entfallende Teil unseres Bruttosozialproduktes muß in den kommenden Jahren wesentlich gesteigert werden, wenn wir unsere maximale wirtschaftliche Leistung erreichen sollen. Unser

Gesamtbedarf

an Investitionen ist verschiedentlich auf bis zu 4 Billionen Dollar

veran-

schlagt worden.
In dem Maße, wie unser Kapitalbedarf zunimmt, ist jedoch das Vermögen unserer Industrie zurückgegangen, die erforderlichen Gelder aufzubringen. Dies ist
einzig und allein darauf zurückzuführen, daß die Inflation die Bilanzen der
Gesellschaften in gefährlichem Maße ausgehöhlt hat und daß die Steuergesetze
keinerlei Anreiz zu solchen Investitionen bieten.
In kurzen Worten unsere finanziellen Möglichkeiten, die Produktion auszuweiten, nehmen ab. Dieser Rückgang beeinträchtigt die erforderliche Ausweitung
von Arbeitsplätzen und Einkommen und untergräbt unsere Möglichkeiten, der
Wettbewerb auf internationaler Ebene zu bestehen.
Ich bin zuversichtlich, wenn das amerikanische Volk dies erst einmal erkannt hat, dann wird es auch verstehen, daß Amerika eine Steuerpolitik braucht,
die dazu beiträgt, genügend Mittel für die Ausweitung unserer Produktionskapazitäten verfügbar zu machen.
Bei dem heutigen Niveau der Wirtschaftstätigkeit gibt es bei den Industrieanlagen keinerlei Engpässe..Aber die Wirtschaft unseres Landes läuft
auch nicht auf vollen Touren. Wir haben jedoch allen Grund zur Annahme, daß
dies künftig der Fall sein wird. Aber wir dürfen nicht zulassen, daß erneut
Engpässe und Verknappungen auftreten, wenn die Wirtschaft wieder in Schwung
kommt. Wir dürfen keine Bürger zur Arbeitslosigkeit verdammen, weil die für

�I
für den Wettbewerb auf den Weltmärkten erforderlichen modernen Hilfsmittel
fehlen.
Kapital ist von entscheidender Wichtigkeit für alle Teile unserer Wirtschaft, für die Ausweitung unserer Agrarerzeugung, für die Erschließung unserer einheimischen Energiequellen und Rohstoffvorkommen und damit die Verringerung unserer Abhängigkeit von Importen sowie für die Erhaltung und Verbesserung unserer Umwelt.
Diese Administration hat dem Kongreß Reformen vorgeschlagen, um die - wie
einige es nennen - "Kapitalbildung" durch steuerliche Anreize zu fördern. Ich
würde jedoch den Terminus "Schaffung von Arbeitsplätzen" vorziehen, denn genau
das sollen diese Vorschläge bewirken. Im Falle ihrer Annahme würden sie die
"ittel bereit stellen, damit die amerikanische Industrie mehr Arbeitsplätze
schaffen kann - einmal zum Beispiel durch Abbau der Doppelbesteuerung von
Dividenden...
»

Wir müssen das Volumen unseres Wirtschaftskuchens vergrößern und nicht
lediglich einzelne Stücke eines weitaus kleineren Kuchens neu verteilen.
Allein jedoch kann zusätzliches Kapital nicht die Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft und unseres freien Marktsystems bewirken. Wir müssen auch
Schritte unternehmen, um zur Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des
Marktes beizutragen - und ein wirksamer Wettbewerb ist der richtige Weg hierzu. Zu oft in der Vergangenheit hat unsere Regierung diesen Wettbewerb durch
Reglementierung der Wirtschaft zum Schaden der Verbraucher erstickt. Aus diesem Grunde strebt meine Administration - mit der starken Unterstützung des
Kongresses - eine grundlegende Reform der wirtschaftlichen Bestimmungen in den
Vereinigten Staaten an.
Das Problem ist: In zahlreichen Industrien - im Transportgewerbe, auf dem
Energiesektor, im Kommunikationswesen sowie auf anderen Gebieten - haben Bundesaufsichtsämter dem Wettbewerb entgegengearbeitet. Diese bürokratischen
Monopole haben die Wirtschaft viel zu lange in eine widersprüchliche Politik
und einen Paragraphendschungel verstrickt. Sie haben dem Verbraucher die
- 3 -

�die Kosten falsch ausgelegter Bestimmungen aufgehalst. ... Wir werden bei
weiterer Unterstützung durch die Öffentlichkeit den Trend der letzten Jahrzehnte umkehren. Wir werden folgende grundlegende Tatsachen des Wirtschaftslebens
zur nationalen Politik machen: daß eine staatliche Reglementierung kein Ersatz für einen dynamischen Wettbewerb ist. Diesen Worten möchte ich jedoch
hinzufügen, de" einige Bestimmungen notwendig und richtig sind - zum Beispiel,
was die Gesundheit, die Sicherheit und die Umwelt betrifft. Die von uns angestrebten Reformen würden jedoch die unangebrachten, die unnötigen und die
überholten Bestimmungen aufheben.
Im Rahmen dieser Bemühungen zur Sicherung eines starken Wirtschaftssystems
müssen wir eine Antitrustpolitik beibehalten, die unser Bekenntnis zu Wettbewerbsmä'rkten bekräftigt. Wenn wir die staatlichen Bestimmungen für die Wirtschaft abbauen, müssen wir eine nachdrückliche Einhaltung unserer Antitrustgesetze sicherstellen.
Der von staatlichen Bestimmungen befreite und durch Antitrustgesetze geschützte Wettbewerb ist die treibende Kraft unserer Wirtschaft. Er wird die
Kosten auf ein Minimum herunterdrücken und sicherstellen, daß die Preise nach
diesen Kosten kalkuliert werden. Doch durch solche Maßnahmen läßt sich das
Problem nur zum Teil lösen. Weit schwieriger ist dies auf Gebieten, die von
den Antitrustgesetzen nicht erfaßt werden. Es handelt sich hier um regulierende, legale Monopole und staatlich sarktionierte Kartelle...
•

&lt;

Wir müssen sicherstellen, daß die Reformen bei den regulierend eingreifenden Bestimmungen und die Antitrustmaßnahmen Hand in Hand mit den Anreizen zur
Wirkung kommen, die als Initial Zündung für Kapitalinvestitionen zur Schaffung
neuer Arbeitsplätze und neuen Wettbewerbs gedacht sind. Dies ist es, was geschehen muß,um die wirtschaftlichen Idealvorstellungen der Amerikaner erneut
zu beleben.

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17/1975

DIE VERPFLICHTUNG DER VEREINIGTEN STAATEN
- Ansprache Kissingers an das amerikanische Volk Der Außenminister der Vereinigten Staaten,
Dr. Henry A. Kissinger, hat vor einer Vereinigung von Geschäftsleuten (Southern
Commodity Producers Conference) in Birmingham im Staate Alabama am 14. August 1975 die
weltpolitischen Verpflichtungen der USA aufgezeigt. Wir geben diese programmatische Rede
im Wortlaut wieder:
Die Einheit Amerikas und das Nationale Interesse
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Ich möchte heute über die Grundelemente unserer Außenpolitik sprechen sowie darüber, warum Amerikaner auf die Rolle ihres Landes in der Welt stolz sein
und auf seine Zukunft vertrauen dürfen.
Seit die ersten Siedler auf diesem ungebä'ndigten Kontinent Zuflucht gesucht haben, ist Amerika immer für die ganze Welt ein Beispiel für die Fähigkeit des Menschen gewesen, sein eigenes Schicksal zu gestalten. Und in den
letzten dreißig Jahren sind der Frieden und das Wohlergehen der Welt in außerordentlich hohem Maße von unseren Anstrengungen abhängig gewesen. Als der
Zweite Weltkrieg zu Ende ging, hat unser Land die Spitze übernommen, um Europa
und Japan beim Wiederaufbau zu helfen. Wir haben in Friedenszeiten Bündnisse
mit den wichtigen industriellen Demokratien geschmiedet. Wir haben das

- 1 -

�das Gleichgewicht der Kräfte erhalten und wir haben im Konflikt vermittelt.
Wir haben die Hungrigen gespeist; wir haben zur wirtschaftlichen Entwicklung
beigetragen; wir haben junge Männer und Frauen aus anderen Ländern ausgebildet,
und wir haben Flüchtlinge vor der Unterdrückung bei uns an den Küsten aufgenommen .
Kein anderes Land hat einen derartigen Beitrag geleistet. Kein anderes
Land kann heute einen solchen Beitrag leisten. Und heute verlangen die alten
Fragen von Krieg und Frieden, der Aufrechterhaltung der Stabilität und der Erfüllung der Hoffnungen der Menschen, der Erhaltung des Friedens und der Förderung des Fortschritts weiterhin ein wachsames und zielbewußtes Amerika.
Aber Amerikaner haben auch ein Recht zu fragen: Die Welt mag uns brauchen, aber brauchen wir die Welt? Dient unsere Politik im Aus 1 am. amerikanischen Interessen und amerikanischen Idealen?
Ein Blick auf den Aufgabenkatalog unserer Zeit läßt keinen Zweifel daran, daß
Frieden für uns untrennbar mit der Ruhe auf der ganzen Welt verbunden ist

und

daß unser Wohlergehen ganz eng mit der Prosperität der übrigen Welt zusammenhängt.
- Niemals zuvor in der Geschichte sind die Waffen des Krieges so gigantisch, so gefährlich - und so ungeeignet für die Fortsetzung der Politik gewesen. Es gibt für uns keine fundamentalere Aufgabe als die Aufrechterhaltung
des strategischen Gleichgewichts, denn sonst riskieren wir unseren Fortbestand.
Es gibt keine dringlichere Verpflichtung für uns,als dem nuklearen Wettrüsten
Einhalt zu gebieten - denn sonst riskieren wir eine v.Jtweite Katastrophe.
- Während militärisch gesehen die Welt noch immer bipolar ist, gibt es
heute viele Zentren der wirtschaftlichen Macht und der politischen Initiative.
Es steht außer Frage, daß politische, militärische und wirtschaftliche Macht
heute nicht mehr synonym sind. Von den demokratischen Ländern sind nur die
Vereinigten Staaten auf jedem Gebiet stark. Wir können daher unseren Verpflich-

- 2 -

�Verpflichtungen nicht ausweichen. Ob unser Land handelt oder versäumt zu handeln hat tiefgreifende Auswirkungen.
- Während die Welt zwar seit über einer Generation keinen Krieg globalen
Ausmasses mehr erlebt hat, gibt es regionale und lokale Konflikte mehr als genug. Wenn diese nicht auf diplomatischem Wege beigelegt werden, dann stellen
sie eine große Gefährung des allgemeinen Friedens dar. Wir haben nur zu deutlich gesehen, daß der Konflikt im Nahen Osten das Risiko einer Konfrontation
der Supermächte birgt und wirtschaftliche Störungen für alle Länder mit sich
bringt.
- Die stets gegenwärtige Gefahr aus örtlichen Konflikten nimmt mit der
möglichen Weiterverbreitung von Kernwaffei. eine n o c n unheimlichere Dimension
an. Wenn wir der Ausbreitung dieser Waffen nicht Einhalt gebieten, dann rückt
die Möglichkeit eines Nuklearkrieges immer näher, und das Risiko des Diebstahls, des Unfalls und der Erpressung wird sich vervielfachen. Sollten sich
die Vereinigten Staaten von ihren Sicherheitsverpflichtungen zurückziehen, dann
würde sich dieser Prozeß beschleunigen, denn Länder, die sich •'"'»tzt auf uns
verlassen, könnten sich gezwungen fühlen, ihre eigenen Kernwaffen zu entwickeln.
- Die Ereignisse haben gezeigt, daß Industrie- und Entwicklungsländer Teil
eines einzigen internationalen Wirtschaftssystems sind, von

dem die Prosperi-

tät aller abhängt. Die Versorgung mit Energie und deren Preis, die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und anderen lebenswichtigen Rohstoffen, die Stärke
der Währungen und der Fluß des Handels sind alle für eine gesunde und produktive amerikanische Wirtschaft lebenswichtig.
Von der heutigen Generation der Amerikaner hängt viel ab. Wegen seiner
geographischen Ausdehnung, seiner Stärke und seiner Tradition ist Amerika ein
führendes Land - ob es uns paßt oder nicht. Wir können nicht immer die Lösungen gewährleisten, die wir gerne hätten, aber ohne unsere Mitarbeit können nur

- 3 -

�r

nur wenige Lösungen gefunden werden. Wenn uns die weltweite Stabilität kein Anliegen ist, wenn wir nicht zum Widerstand gegen die Aggression beitragen, wenn
wir nicht auf eine gerechtere und produktivere Weltwirtschaft hinarbeiten, wenn
wir nicht für Freiheit und Gerechtigkeit eintreten, dann wird es kein anderes
Land tun - zumindest kein Land, das an unsere Werte glaubt. Dann würden Gewalt
und die Androhung von Gewalt zur Regel werden und den materiellen und geistigen Errungenschaften der Menschheit würde ein schwerer Schlag versetzt. Und
letztlich hätten wir den Preis dafür zu bezahlen.
•

Andere Länder müssen künftig mehr tun, aber unser Land muß weiterbin
seinen Anteil beitragen. Wir haben noch immer einen einzigartigen unc4 unersetzlichen Beitrag zu einer Welt des Friedens, der Prosperität und der Gerechtigkeit zu leisten. Es bedarf weiterhin unserer Führung, um Freunde und Verbündete für eine umfassendere internationale Zusammenarbeit zu mobilisieren.
Wir haben den Vorzug der grenzenlosen Aktiva, mit denen unser Land gesegnet ist - unsere industrielle stärke und landwirtschaftliche Produktivität, die Stütze unserer militärischen Macht und die Talente eines freien Volkes.
Aber all das wird uns wenig nützen, wenn wir nicht einig sind und eine
gemeinsame Zielsetzung haben. Wir müssen uns darüber einig sein, was wir für
Amerika wollen, und wir müssen bereit sein, dafür einzutreten und es zu verteidigen. Wir müssen uns vor den Extremen der Kriegslust hüten, auf die dann
das andere Extrem des Verzichts und der Abkehr folgt. Wir brauchen einen stetigen Kurs, den unser Volk verstehen kann - der unseren Verbündeten Mut einflößt und unsere Gegner zum Nachdenken zwingt. In dieser Periode des weltweiten Wandels, in der die einfachen Kategorien der Zeit unmittelbar nach dem
Kriege den komplexen Realitäten einer modernen Welt nicht mehr entsprechen,
sind Dialog, öffentliche Unterstützung und Vertrauen notwendiger denn je.
Die Bürger unseres Landes haben sich dieser Aufgabe gestellt. Ihr Verantwortungsbewußtsein hat eine wohlüberlegte amerikanische Beteiligung am

- 4 -

�am Weltgeschehen ermöglicht und getragen. Sie wußten, daß Amerika nicht in der
Isolation gedeihen könnte; sie begriffen, daß unsere Werte es verdienen, verteidigt und gefördert zu werden; sie waren sich klar darüber, daß die grundsätzliche Anständigkeit und Großzügigkeit des amerikanischen Volkes unsere
Führung nicht zu einer Sache arroganten Stolzes werden ließen, sondern zu einem
Beitrag zum Wohlergehen der Menschheit.
Heute liegen die Probleme, die unsere Einigkeit während des letzten Jahrzehnts erschüttert haben, hinter uns. Es zeigt sich erneut die Widerstandsfähigkeit unseres Nationalbewußtseins. Wir können voll Vertrauen in die Zukunft
gehen und uns den großen Aufgaben unserer Zeit stellen.
Ich möchte mich jetzt diesen Aufgaben zuwenden und darlegen, wie wir sie
lösen wollen.

Nationale Verteidigung
Erstens, wir haben unsere nationale Verteidigung erhalten und verbessert.
Frieden setzt ein Gleichgewicht der Macht voraus - und unsere Regierung wird
dieses Gleichgewicht aufrechterhalten. Keine große Nation wird ihre Sicherheit
der Gnade oder dem guten Willen anderer überlassen. Jede realistische Hoffnung
auf bessere Beziehungen zu den kommunistischen Ländern - und diese Hoffnung besteht - hängt von einem starken Amerika ab, das anderen Ländern keinen anderen
realistischen Kurs läßt als den der Zurückhaltung und der Zusammenarbeit. So
lange potentielle Gegner ihre Streitkräfte weiterhin ausbauen und verbessern,
werden wir eine Verteidigung aufrechterhalten, die nicht in Frage gestellt werden kann.
Freunde

�Freunde und Verbündete
Die zweite Säule unserer Außenpolitik ist die unerschütterliche Unterstützung unserer Verbündeten. Unsere Bündnisse mit den wichtigen industriellen
Demokratien haben sich 30 Jahre lang günstig entwickelt, weil sie der Ausdruck
gemeinsamer Interessen in einer neuen Ära

wie auch eines gemeinsamen Erbes

an Grundsätzen und Werten sind. Sie sind ein unerläßliches Element der globalen
Stabilität. Diese Bande wurden vor einer Generation geknüpft, um schwächere
Verbündete vor einer militärischen Bedrohung zu schützen. Hei te arbeiten wir
als Gleiche in Fragen zusammen, die weit über die Sicherheit
haben unsere Verteidigung in Europa gestärkt

hinaus gehen. Wir

aber nr haben auch unsere jowei -

ligen Ansätze für eine Lockerung der Spannungen mit dem Osten koordiniert, und
wir haben in unserer Wirtschafts-und Energiepolitik eng zusammengearbeitet.
Als Ergebnis sind unsere Bindungen mit Europa und Japan stärker als jemals
zuvor. Diei&gt; wurde durch den Besuch des Präsidenten auf dem NATO-Gipfeltreffen
Ende Mai in Brüssel, durch sein Zusammentreffen mit wichtigen alliierten Führern in Helsinki und durch seine kürzlichen Konsultationen mit dem japanischen
Ministerpräsidenten Miki in Washington bekräftigt. Jenseits der technischen
Probleme des Tagesgeschäftes liegt die tiefere Notwendigkeit, daß die großen
Demokratien in einer Zeit des Umbruchs ihre Fähigkeit zur Gestaltung ihres Geschicks unter Beweis stellen.
Unsere kleineren Verbündete und Freunde in der ganzen Welt sind wichtige
Faktoren der globalen Stabilität. Wir haben ur^ere Lehren aus Vietnam gezogen:
Das militärische Engagement Amerikas kann kein Ersatz für die eigenen Anstrengungen eines Landes sein, seine Bevölkerung zur eigenen Verteidigung zu mobilisieren. Ebenso wenig werden wir uns von Verbündeten mit dem Argument erpressen lassen, ihre Sicherheit bedeute für uns mehr als für sie selbst. Es
bleibt jedoch die Tatsache bestehen, daß Militärhilfe für Verbündete im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung ist. Sie
trägt zu einem regionalen oder lokalen

Kräftegleichgewicht bei; sie trägt

zur Abschreckung vor örtlichen Konflikten bei: sie untermauert wichtige poli-

- 6 -

�politische Beziehungen. Und

sie verringert die Wahrscheinlichkeit 1er Notwen-

digkeit eines direkten amerikanischen Engagements. Wenn wir, aus welchen Gründen auch immer, die Lieferungen an einen Verbündeten unterbinden, dann fügen
wir uns selbst einen Rückschlag zu - wie sich bei dem schweren Schaden für unsere nationale Sicherheit gezeigt hat, den das Embargo für Waffenlieferungen an
die Türkei verursachte. Nichts würde die lokale oder regionale Stabilität mehr
untergraben als die mangelnde Bereitschaft Amerikas, weiterhin jenen kleinen
und tapferen befreundeten Nationen, die unsere Hilfe wollen und brauchen, materielle Unterstützung zu gewähren. Wenn unsere Gegner die Unterstützung ihrer
Verbündeten aufrechterhalten, aus welchem Grunde - und zu welchem Preis könnten wir hier zurückstehen?

Beziehungen zur Sowjetunion
Diese Administration hat sich - gestützt auf unsere Stärke und die Einigkeit der Verbündeten - darum bemüht, unsere Beziehungen zu den kommunistischen
Ländern auf eine stabilere und langfristigere Basis zu stellen. Es darf keinerlei Mißverständnisse über das geben, was wir gegenwärtig tun.
Wir versuchen, unter dem drohenden Schatten einer nuklearen Vernichtung
mit einem fundamentalen Konflikt moralischer Ziele und Interessen fertig zu werden; wir bemühen uns um die Erhaltung des Friedens, während wir gleichzeitig
unsere grundlegenden Werte und Ideale verteidigen.
In Krisensituationen wie beim Mayaguez-Zwischenfall, beim Nahostkrieg im
Oktober 1973, in der Jordanien-Krise 1970 oder bei dem sowjetischen Versuch im
Jahre 1970, auf Kuba eine Marinebasis zu errichten, haben wir fest und entschlossen

reagiert - und wir haben dies trotz der Entrüstungsrufe einiger ge-

tan, die uns heute beschuldigen, nicht wachsam genug zu sein. Diese Administration verfolgt entschlossen eine Politik, allen übergriffen und Versuchen entgegenzutreten, die darauf abzielen, sich einseitige Vorteile zu verschaffen.
Gleichzeitig
- 7 -

�Gleichzeitig hängt die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden aber auch
davon ab, daS Normen der Zurückhaltung und Mäßigung unter den Supermächten geschaffen werden. Die Vereinigten Staaten haben diese Prinzipien bei zahlreichen
Anlässen unterstrichen und sie auch auf unseren Gipfeltreffen mit den sowjetischen Führern in die offiziellen Dokumente aufgenommen. Ähnliche Prinzipien des
internationalen Verhaltens sin''' ferner in der Schlußakte der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) niedergelegt worden, die vor
zwei Wochen von 35 Regierungschefs in Helsinki unterzeichnet worden ist. Sie
geben keine Garantie für Frieden, aber eine Definition des Friedens - sie sind
ein Verhaltenskodex, dessen Einhaltung wir durch unsere Entschlossenheit und
Wachsamkeit sicherstellen müssen. Sie sind ein Rahmen für unsere eigenen Anstrengungen und nicht ein Ersatz für diese.
Wir führen mit der Sowjetunion ferner erfolgreich Verhandlungen zur Lösung
konkreter politischer Probleme. Dies^ Bemühungen haben zu gewissen Irfolgen geführt. Ein Vier-Mächte-Abkommen über Berlin beendete 1971

zwei Jahrzehnte

ständiger Krisen. Und unsere Beziehungen zur Sowjetunion haben bisher dazu beigetragen, daß es im Nahen Osten nicht zu einem Konflikt zwischen den Großmächten kam.
Ein zentraler Punkt unserer Bemühungen war die Begrenzung der nuklearen
strategischen Rüstungen. Im Jahre 1972 haben wir ein Abkommen erreicht, das
die sowjetische Aufrüstung zahlenmäßig fünf Jahre lang einfror und durch das
keine amerikanischen Programme eingeschränkt wurden. Daher betrachten wir das
SALT-Abkommen von 1972 als unbestreitbar im Interesse Amerikas liegend. Es
verhinderte die Ausweitung einer bestehenden Lücke bei Raketen und gestattete
es uns, unseren Vorsprung bei Mehrfachsprengköpfen, Bombenflugzeugen und auf
anderen Gebieten der militärischen Technologie zu halten und sogar noch zu
vergrößern.
Im November letzten Jahres haben Präsident Ford und Generalsekretär
Breschnew in Wladiwostok im Prinzip Obereinstimmung über ein neues Abkommen erreicht, das ebenfalls unverkennbar in unserem Interesse liegt. Wenn dieses Ab^

�Abkommen Wirklichkeit gewcrden ist, dann wird es bei den strategischen Systemen
für ein striktes zahlenmäßiges Gleichgewicht sorgen. Es wird das Wettrüsten b i
strategischen Waffen während eines Zeitraums von 10 Jahren begrenzen. Damü
wird erstmalig die Verteidigungsplanung nicht durch die Angst vor einer unbe^nnten militärischen Expansion auf der anderen Seite angetrieben werden. Und
'

ist erst einmal diese gemeinsame Höchstgrenze festgelegt, dann können wir sofort in Verhandlungen über beiderseitige Reduzierungen eintreten.
Wir haben andere Rüstungskontrollabk^Timen mit der Sowjetunion ausgehandelt, die einen zufallsbedingten Ausbruch eines Krieges verhindern und 'M«
Stationierung von Nuklearwaffen im Meeresboden oder im Weltraum verbieten sollen.
Die Verhandlungen in Wien über Truppenreduzierungen in Mitteleuropa werden die ächste Bewährungsprobe für den Prozeß eines Abbaus der Spannungen sein.
Wenn der Fortschritt in Richtung auf den Frieden sich in Europa als dauerhaft
erweisen soll, so ist es an der Zeit, die großen stehenden Heere, die sich gegenwärtig im Zentrum dieses Kontinents gegenüberstehen, auf einer sicheren und
beiderseitigen Basis zu verringern,,
Die Vereinigten Staaten betreiben den Prozeß eines Abbaus der Spannungen
von einer Position des Selbstvertrauens und der Stärke aus. Nicht wir waren in
Helsinki in der Defensive; nicht wir wurden von allen Delegationen aufgerufen,
zu den dort unterzeichneten Prinzipien zu stehen. In Helsinki waren zum ersten
Male in der Nachkriegszeit die Menschenrechte und die fundamentalen Freiheiten
anerkannte Gegenstande der Ost-West-Gespräche und Verhandlungen. Die Konferenz
hat unsere Normen für menschliches Verhalten zur Geltung gebracht, die für
Millionen ein Hoffnungsstrahl waren und auch weiterhin noch sind.
Der Wind des Wandels weht von Westen; die Ideale der Freiheit und die
Herausforderungen durch technische Innovationen kommen aus dem Westen, Die Bemühungen der kommunistischen Länder,nach Jahrzehnten der

Autarkie an der übri-

gen Welt zu partizipieren, sind ein Beweis dafür, wie stark und attraktiv

- 9 -

�attraktiv unser Wirtschaftssystem ist., Dies sind Trümpfe für unsere Diplomatie.
d&gt;e wir einzusetzen bereit sein sollten.
Im Zeitalter thermonuklearer Waffen und eines strategischen Gleichgewichts
ist der Abbau der Spanrju^apn der einzige verantwortungsbewußte Weg und die
einzige Politik, die von einer Administration verfolgt werden kann, der d e
Verantwortung für das Leben der Amerikaner übertragen werden ist. Das amerikanische Volk wünscht keine Politik der Konfrontation um ihrer selbst willen,
Wenn beide Seiten über die militärische Stärke zur Vernichtung der Menschheit
verfügen, wäre es äußerst unbesonnen, unnötige Spannungen heraufzubeschwören
Die Vereinigten Staaten haben es jedoch niemals akzeptiert, daß es der
Sowjetunion frei steht, Spannungen selektiv abzubauen oder sie als Deckmantel
zu benutzen, um einseitige Vorteile zu erreichen. In Portugal, das gegenwärtig
Im Brennpunkt des Interesses steht, sollte die Sowjetunion sich nicht zu der
Annahme verlebten lassen, daß es ihr freisteht, die Ereignisse direkt oder indirekt m beeinflussen und gegen das Recht des portugiesischen Volkes zu verstoßen, seine eigene Zukunft selbst zu bestimmen. Die Einmischung ausländischer
Mächte zu einem solchen Zweck in einem Land, das ein alter Freund und Verbündeter der Vereinigten Staaten ist, läßt sich mit dem Prinzip der europäischen
Sicherheit in keiner Weise vereinbaren.
Die Ereignisse in Portugal haben ihren Ursprung in aus der portugiesischen
Geschichte her wirkenden Kräften, Aber 80 Prozent des portugiesischen Volkes
haben unmißverständlich ihren Wunsch nach einem demokratischen System und demokratischen Parteien bekundet, Der Versuch einer antidemokratischen und doktrinären Minderheit» diesen Wunsch zu vereiteln, stößt auf den unvermeidlichen
und wachsenden Widerstand der Bevölkerung.
Die Vereinigten Staaten haben die portugiesische Revolution begrüßt.Wir
und unsere Verbündeten haben ihre Ziele diplomatisch und materiell unterstützt.
Wir sympathisieren mit den gemäßigten Bevölkerungsschichten, die Portugal mit
demokratischen Mitteln aufzubauen suchen. Wir werden uns gegen die Versuche

- 10 -

�Versuche einer Minderheit wenden und uns gegen sie aussprechen, die die Revolution für ihre eigenen Zwecke zu unterlaufen scheint. Das portugiesische Volk
sollte wissen, daß wir und alle demokratischen Länder des Westens bezüglich
seiner Zuki'nft zutiefst besorgt sind und bereit stehen, einem demokratischen
Portugal zu helfen. Und an einem bestimmten Punkt müssen wir und unsere
europäischen Verbündeten uns fragen, ob ein starker kommunistischer Einfluß
in einer Regierung sich noch mit der Mitgliedschaft in einem Bündnis vereinbaren
läßt, das sich dem Widerstand gegen die kommunistische Aggression verschrieben
hat.
Diese Administration wird niemals den moralischen Unterschied zwischen
Freiheit und Tyrannei außer acht lassen. Noch werden wir außer acht lassen,
daß Friede ebenfalls ein moralisches Gebot ist. Wir sind fest geblieben angesichts der Herausforderung, selbst als wir die Spannungen abzubauen und die
Welt dem Frieden näher zu bringen suchten. Wir werden es nicht zulassen, daß
das amerikanische Volk in ein falsches Gefühl der Sicherheit eingelullt wird.
Wir werden unseren Kurs weiter verfolgen.
Die Kombination von Stärke und Ausgleich bedingt Selbstbeherrschung in
unseren öffentlichen Debatten. Wir sollten ein Ende machen mit dem Hin-und Herschwanken zwischen Konfrontation und falschen Hoffnungen, zwischen Kriegsstimmung und frohen Erwartungen, das für frühere Epochen so charakteristisch
war. Wir sollten die Stabilität und die relative Ruhe, die wir erreicht haben,
nicht al. gegeben

Einnehmen. Wir sollten aufhören,so zu handeln, als ob

wir von einem Fortschritt in Richtung auf den Frieden etwas zu befürchten
hätten. Mögen diejenigen

die uns mit scharfer Rhetorik kommen, genau sagen,

was sie zu tun vorschlagen. Was ist ihre Alternative? Welche Grenzen wollen
sie ändern und mit welchen Mitteln? Welchen Stand von erhöhten Verteidicungsausgaben sind sie zu tragen bereit, über welchen Zeitraum hinweg und zu welchem Zweck? Fordern sie nicht eine Politik der bewußten Konfrontation? Können
wir Unterstützung von irgendeinem unserer Hauptverbündeten für eine so radikale
Alternative erhalten?
Vor
- 11 -

�Vor allem aber sollten wir uns der Tatsache bewußt werden, daß viele unserer Schwierigkeiten im Ausland von uns selbst herrühren. Wenn wir gegenüber der
kommunistischen Einkreisung auf der Hut sein wollen, so müssen wir mit der Demontage und der Demoralisierung unserer Geheimdienste aufhören. Wenn wir ein
Gleichgewicht der Stärke auf der Welt aufrecht erhalten wollen, so können wir
nicht gegen unser Verteidigungsbudget anstürmen oder Waffenembargos poqen wichtige Verbündete verhängen. Wenn wir unsere Interessen du&lt;xh unsere Diplomatie
fördern wollen, so dürfen wir nicht durch restriktive Blankogesetze uns jede
Flexibilität in unseren wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Ländern verbauen. Kurz gesagt, Amerika

kann nicht im Ausland stark sein, wenn es nicht

auch im Inland stark ist.

Hjp neue Dimension der wirtschaftlichen Herausforderung
Zum Teil aufgrund unseres
c&gt;ichgewichts in der Welt und
tums anderer Länder ist in den
wirtschaftlicher Fragen in den
andere Rohstoffe und Handel.

Erfolges bei der Aufrechterhaltung des Machtbei der Förderung des wirtschaftlichen Wachsinternationalen Beziehungen eine neue Dimension
Vordergrund getreten: Energie, Nahrungsmittel,

In diesem Bereich unserer Diplomatie ist die Stärke der amerikanischen
Wirtschaft einer unserer wichtigsten Trümpfe. Alle Ziele Amerikas - unsere
f"1it^rische Sicherheit, unser wirtschaftlicher Wohlstand, unsere Beziehungen
2i verbündeten und Gegnern, zu Industriestaaten und Entwicklungsländern - sind
vor -»er Dynamik der amerikanischen Wirtschaft abhängig. So sagte Präsident
Ford kürzlich, "eine Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft würde mehr
zur Wiederherstellung des Vertrauens der Welt in unsere eigene Zukunft beitra, n ^1s irgend etwas anderes, was wir tun können".
Die Welt braucht dieses Vertrauen. Die Industriestaaten haben die wohl
schwerste Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren durchgemacht. Wie damals
"leben sie, daß wirtschaftliche Stagnation die Brutstätte politischer Insta-

- 12 -

�Instabilität ist, daß sie die Unterstützung durch die Öffentlichkeit untergräbt, die erst Regierungen zu nachdrücklichem Handeln befähigt und die demokratische Gesellschaftsformen aufblühen läßt. Und wie damals lernen wir, wie
sehr die Lösung vor allem von einem unerschütterlichen Vertrauen und Glauben
an eine bessere Zukunft abhängt.

Die demokratischen Industriestaaten werden jetzt vor eine Bewährungsprobe
gestellt. Sie müssen soziale und wirtschaftliche Belastungen überwinden und
ihre freien Institutionen neu stärken. Präsident Fords Gespräche in Helsinki
mit den führenden Staatsmännern der Verbündeten und seine Zusammenkunft mit dem
japanischen Ministerpräsidenten hier in Washington stellten besonders heraus,
welch entscheidende Bedeutung

einer blühenden amerikanischen

Wirtschaft für

die Wiederbelebung der Weltwirtschaft zukommt; sie zeitigten eine Entschlossenheit, die globale wirtschaftliche Herausforderung gemeinsam zu meistern.
Die Vereinigten Staate sind bereit, ihre Konsultationen zu verstärken und
ein koordiniertes Vorgehen anzustreben. Wir sind uns unserer weltweiten Verantwortung bewußt und werden ihr in den kommenden Monaten entsprechen.

Der Erfolg dieser Bemühungen wird von entscheidender Bedeutung für die
übrige Welt sein. Auf die Industriestaaten entfallen 65 Prozent der Gütererzeugung der Welt und 70 Prozent des Welthandels. Der wirtschaftliche Wohlstand der Entwicklungsländer hängt ebenfalls von einer breiten Zusammenarbeit
mit der industrialisierten Welt ab. Leider versuchen zu viele Länder, durch
ideologische Konfrontation das zu erzwingen, was nur durch einen vernünftigen
kooperativen Dialog erreicht werden kann. Die Vereinigten Staaten sind zu
einem aufrichtigen und konstruktiven kooperativen Dialog bereit. Wir sind bereit, gleiche wirtschaftliche Beziehungen zu allen Ländern zu entwickeln. Aber
wir werden niemals den Druck eines Blockes oder Erpressung akzeptieren.

Anfang kommenden Monats wird in New York eine Sondersitzung der UN-Vrllversammlung zusammentreten und sich mit den Fragen der wirtschaftlichen Interdependenz befassen. Dies wird eine schicksalsschwere Stunde sein, denn sie

- 13 -

�sie kann über die Art der Beziehungen zwischen den Industriestaaten und den
Entwicklungsländern entscheiden. Im Namen des Präsidenten werde ich eine Reihe
amerikanischer Vorschläge unterbreiten, die zu einem neuen Beginn in den Beziehungen zwischen den Industriestaaten und den Ländern führen sollen, die ihre
Hilfe brauchen. Wir tun dies aus der Oberzeugung, daß eine expandierende und
als fair zu bezeichnende Weltwirtschaft auch unsere eigene Wirtschaft gesund
erhält. Und unsere eigene Sicherheit wird gestärkt werden, wenn wir in einer
Welt leben, in der Zusammenarbeit und Verständnis für unsere Interdependenz an
die Stelle von Enttäuschung und Verzweiflung treten.
Wir treten in diesen Dialog mit Zuversicht und gutem Willen ein. Unsere
technologischen Innovationen, die Produktivität unserer Farmen und Industrien,
unsere gut ausgebildete und fleißige Bevölkerung sowie die Natur-und Bodenschätze, mit denen wir aesegnet sind,haben uns die Stärke und dar Verantwortungsbewußtsein für eine führende Rolle gegeben.
Auf keinem Gebiet tritt dies stärker in Erscheinung als auf dem Ernährungssektor. Die Produktivität unserer Landwirtschaft wird überall auf der Welt
bewundert und begehrt. Die amerikanischen Farmer und die, die unsere Nahrungsmittel verarbeiten und verkaufen, können stolz sein auf ihren Beitrag zur
Stärke Amerikas auf einer immer wichtiger werdenden Dimension unserer Außenpolitik und unserer führenden Rolle in der Welt.
Amerika hat großzügig Lebensmittelhilfe an unzählige andere Länder gewährt. Aber die Kluft zwischen Erzeugung und Verbrauch wächst ständig. Wenn
wir auch zu einer Fortsetzung der Lebensmittel hilfe bereit sind, so kann dies
nicht eine langfristige Lösung zur Ernährung der Hungernden auf der Welt sein.
Aus diesem Grunde war im November letzten Jahres auf eine Initiative der Vereinigten Staaten eine Welternährungskonferenz nach Rom einberufen worden. Diese
Konferenz hat zu zahlreichen amerikanischen Vorschlägen Beschlüsse gefaßt und
ein umfassendes internationales Programm zur Steigerung der Nahrungsmittelerzeugung in den Entwicklungsländern sowie zur Steuerung der Hilfsquellen - darunter auch des neu erworbenen Reichtums der öl Produzenten - in Gang gesetzt,

- 14 -

�gesetzt, um die Finanzierung, Erzeugung, Einlagerung und Verteilung von Lebensmitteln zu verbessern.
Wir beabsichtigen ganz generell, unsere Lebensmittel politik zu einem Modell
für '"^oerative Beziehungen zwischen Erzeugern und Verbrauchern lebenswichtiger
uncknapper

.aterialien sowie zwischen Industriestaaten und Entwicklungslän-

dern CJ machen. Auf diese Weise dienen wir unserem eigenen wie auch einem allgemeinen Interesse. Die amerikanischen Farmer werden von einer stetigen weltweiten Nachfrage nach ihren Erzeugnissen profitieren; in dem Maße, wie die
weltweite Erzeugung zunimmt,wird auch die Last der Bevorratung und der höheren
Preise von unseren Verbrauchern genommen; unsere politischen Beziehungen zu
zahlreichen Entwicklungsländern werden gestärkt und die Bedingungen für eine
weltweite Ordnung verbessert werden.
Vor 30 Jahren waren die Vereinigten Staaten die einzige Großmacht auf
der Welt. Seitdem hat die Stärke unserer Verbündeten und unserer Gegner natürlich zugenommen, so wie sie sich von den Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges erholten. Die Welt des kalten Krieges mit zwei starren Machtblöcken gehört
heute der Geschichte an: die kommunistische Welt ist zerfallen; unsere Verbündeten und Freunde sowie die jungen Nationen haben ihre eigene Identität gewjnnen. Die Unterschiedlichkeit selbst zwischen den Entwicklungsländern - zwischen Erzeugern und Verbrauchern lebenswichtiger Materialien wie öl - wird
immer ausgeprägter. Wir leben in einer Welt von rund 150 unabhängigen Länr

;&gt;, einer Welt der aufgeteilten Macht, die von keiner einzigen Nation be-

herrscht wird.
Eine solche Welt ist eine erregende Herausforderung für Amerika. Denn
eine Umwelt dieser Art ist es, die sich am besten mit unseren Werten vereinbar e l'Rt. Nicht wir haben Angst vor einem Abbau der Spannungen oder einer
Ausbreitung der Initiativen und Möglichkeiten. Wir können von Mannigfaltigkeit, Wandel, wirtschaftlichem Wettbewerb, freiem Ideenfluß und Aufteilung der
Verantwortung nur profitieren. Wir verfügen über die Kapazität, diese Komolexität in neue Formen der Ordnung und neue Hoffnungen auf menschlichen

- 15 -

�menschlichen Fortschritt zu bringen.
Aber was die Vereinigten Staaten in der Welt tun können, hängt davon ab,
wie wir uns in unserem eigenen Lande verhalten. Denn unsere Stärke als Nation
hängt in jeder Hinsicht davon ab, wie einig wir als Volk sind.
Es gibt grundlegende Unterschiede zwischen den Erfordernissen einer Aussenpolitik und denen einer Innenpolitik. In unserer Gesellschaft gibt es nur
einige Fragen, die eigentliches Anliegen der Regierung sind; wir können diese
Fragen selektiv angehen, die verschiedenen betroffenen Gruppen einander • äher
bringen und durch Gesetz eine Lösung schaffen, die hoffentlich das Problem ausräumt.
Außenpolitik auf der anderen Seite ist die Gesamtheit unserer Tätigkeiten
im Ausland. Unser Engagement in der Welt um uns ist kontinuierlich. Unser
Handeln kann nicht in eine Reihe individueller Kompromisse zerfallen, os sei
denn auf Kosten ernster Risiken. Jede Entscheidung setzt eine Folge von Ereignissen in Gang und wird wiederum von den anderen Ländern als symbolisch für
unsere Absichten und Fähigkeiten betrachtet. Obwohl wir in Washington ein
System von getrennten Machtbefugnissen haben, sind wir für die Welt eine Regierung und ein Volk.
Unser demokratisches System - und die breite Mitarbeit unserer gesamten
Bevölkerung und der privaten und öffentlichen Institutionen - bedeutet eine
ständige Herausforderung, aus der Vielfalt zur Einigkeit zu gelangen. Wir haben dies in der Vergangenheit in Augenblicken der Krise getan; wir müssen
dies heute tun in einem Augenblick einer historischen Chance.
Und hier geben die kürzlichen Kontroversen zwischen den zwei Zweigen unserer Regierung Anlaß zur Besorgnis. Die Administration wird verantwortlich gemacht für praktisch jede Schwierigkeit überall auf der Welt - gleichgültig,
ob sie nun eine Folge ihrer Politik ist oder nicht - und dann noch in ihrer

- 16 -

�ihrer Handlungsfähigkeit gelähmt, flexibel und zielstrebig vorzugehen. Auf dem
Energiesektor beeinträchtigt das Fehlen entschlossener Einsparungsmaßnahmen und
alternativer Energiequellen ernsthaft unsere Bemühungen, gemeinsam mit den anderen öl Verbraucherländern unsere Verwundbarkeit zu verringern und unsere Verhandlungsposition gegenüber den Erzeugern zu verbessern. In Lateinamerika werden Versuche, einen neuen Dialog in Gang zu bringen, durch Handelsrestriktionen
und automatische gesetzliche Sanktionen beeinträchtigt, die unsere Verhandlungsflexibilität einengen. In den Ost-Westbeziehungen ist die zum Schutze unserer
nationalen Interessen erforderliche Vollmacht durch umfassende gesetzliche Restriktionen eingeengt worden, die dann ihrerseits die humanitären Ziele auch
nicht erreichten, die sie fördern sollten. Im östlichen Mittelmeer droht der
tote Punkt in unseren militärischen Beziehungen zur Türkei die östliche Flanke
der NATO aus den Angeln zu heben. Der Präsident hat einen Kompromiß vorgeschlajen, um diesen toten Punkt im Kongreß zu überwinden; der Senat, fast die Hälfte
der Repräsentantenhausmitglieder und die führenden Senatoren und Abgeordneten
beider politischer Parteien in beiden Häusern haben ihn unterstützt. Als der
Kongreß im September erneut zusammentrat, hofften wir auf eine schnelle kooperative Lösung, bevor unsere nationale Sicherheit einen nicht wieder gutzumachenden
Schaden erlitten hat.
Unser Land kann es sich leisten, daß einer der beiden Regierungszweige den
anderen beherrscht. Es geht hier nicht um einen Verfassungs-oder Gesetzesstreit. Es geht darum, wie eine einheitliche zielstrebige Außenpolitik in unserem demokratischen System verfolgt werden kann. Unsere Verfassung überträgt
dem Kongreß weitgehende Vollmachten auf wichtigen Gebieten unserer Außen-und
Verteidigungspolitik. Aber der Präsident vertritt die Nation gegenüber dem Ausland; er muß die Möglichkeit haben, eine einheitliche Politik zu entwickeln
und zu verfolgen. Der Ausgleich besonderer oder engstirniger Interessen durch
eine Reihe von Kompromissen führt nicht zwangsläufig zu einer Einheitlichkeit;
Streit zwischen der Exekutive und dem Kongreß beinhaltet ein Risiko, sich in
zu vielen ernsten Fragen nur zwischen beide Stühle zu setzen.
Die

�Die beiden Zweige unserer Regierung haben in den letzten Jahren gezeigt,
daß sie zusammenarbeiten können. Bei zahlreichen strittigen Fragen wurden ehrliche Meinungsverschiedenheiten beigelegt und eine gemeinsame Position erreicht - bei dem rumänischen Handelsabkommen, bei der Grundrichtung unserer
Nahostpolitik, bei den Vorbereitungen für die Sondersitzung de»

Vollversamm-

lung sowie bei zahlreichen Fragen der Rüstungskontrolle und Politik . Lassen
Sie uns hierauf aufbauen. Der Präsident ist ein Mann des Kongresses; er betrachtet die Kongreßmitglieder als seine Kollegen und er hat feierlich zugesagt, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Die Administration wird alles tun, um den
Kongreß bei der Entwicklung der Außenpolitik zu konsultieren, ihn zu informieren und mit ihm zusammenzuarbeiten.
Wenn wir gespalten sind, wenn die Parteizugehörigkeit zu scharfen Debatten führt, dann können wir damit Schaden anrichten, der weit länger als unsere
gegenwärtigen Emotionen anhält. Aber wenn wir geeint zusammenstehen, dann
gibt es keine Macht, die stärker ist als die freier Menschen, die geschlossen
handeln.
Meine Damen und Herren, unser Land hat ein Jahrzehnt des Suchens hinter
sich. Meuchelmord, Krieg und innere Unruhen haben alle ihre Zeichen bei uns
hinterlassen. Wir traten in die sechziger Jahre ein, sicher in unserem Glauben an das Gute unserer Zielsetzungen, voll Vertrauen in unsere Stärke, unsere Zukunft zu gestalten,und stolz auf unsere jugendliche Kraft. Jetzt, nach
15 Jahren, durch ungewöhnliche Ereignisse auf die Probe gestellt, gelangten
viele zu der Auffassung, daß wir ohne Kraft sind, um die Welt beeinflussen zu
können, und daß unser Mut der Müdigkeit und der Furchtsamkeit des Alters gewichen ist.
Wir können jedoch bereits erkennen, daß die Pessimisten, wie so oft, zu
früh geschrieen haben. Trotz einer konstitutionellen Krise, wie wir sie seit
den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr erlebt haben, bleibt
unsere Regierung stark und unsere Freiheit ungeschmälert bestehen. Die Völker
der Welt sind durch unser Mißgeschick daran erinnert worden, daß ihre einzige

- 18 -

�einzige wahre Hoffnung auf ein besseres Leben darin besteht, daß

Amerika

weiterhin einer freien und friedlichen Welt verschrieben bleibt. Die Administration hat mit ihrer Antwort klargestellt, daß wir uns nicht von unseren
Verpflichtungen im Ausland zurückziehen und daß wir uns nicht durch unterschiedliche Zielsetzungen im Inland erschüttern lassen werden.
Wieder einmal braucht die von Unruher geplagte Welt ein starkes und zuversichtliches Amerika. Es bietet sich uns keine einfache Wahl, sondern nur das,
was Amerikaner schon immer begrüßt haben: eine Herausforderung an unseren Mut,
eine Gelegenheit zu neuen Taten - ein Aufruf zur Größe.

XXX

- 19 -

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17/1975

USA WARNEN VOR GEFAHREN EINES UMWELTKRIEGES
-" beugende Maßnahmen im Rahmen der Abrüstungsverhandlungen angestrebt-

— ( P )-- Noch sind Verfahren, mit denen zur Erreichung militärischer Ziele
beim Gegner das Wetter, Klima oder andere Umweltbedingungen beeinflußt oder
verändert werden könnten, mehr oder weniger Hypothese. Da sie aber von den
Experten als eine mögliche Gefahr der Zukunft betrachtet werden, schlugen die
USA eine, wenn auch zunächst informelle, Erörterung des Problemkomplexes vor,
damit dieser rechtzeitig in die Abrüstungsgespräche einbezogen wird.
Der amerikanische Chefdelegierte Joseph Martin,Jr., erklärte zu den Ergebnissen einer Serie solcher informellen Konferenzen in Genf am 12. August
1975: "Es liegt auf der Hand, daß die meisten der in der letzten Woche von den
Experten beschriebenen oder hypothetisch angenommenen Methoden zur Veränderung
der Umweltbedingungen erst in Zukunft anwendbar sind. Dennoch wissen wir bereits
genug über die möglichen verheerenden Folgen der militärischen Anwendung von
Techniken zur Umweltveränderung, um sagen zu können, daP es

etzt an der

Zeit ist, der Bedeutung dieser Gefahr im Zusammenhang mvu aen Abrüstungsfragen
volle Beachtung zu schenken".
In

- 1-

�In den informellen Gesprächen vom 4.-6:August 1975

im Rahmen der Genfer

Abrüstungskonferenz wurde zum ersten Mal auf multinationaler Ebene dieser Themenkreis tiefergehend untersucht. Bereits im Juni (16.-20.6.) hatten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in bilateralen Gesprächen, über die jedoch
keine Einzelheiten veröffentlicht wurden, "in beträchtlichem Umfang Übereinstimmung erzielt".
Wie Botschafter Martin jetzt erklärte, können künstlich herbeigeführte
Umweltveränderungen die Atmosphäre, die Meere, die Bodenverhältnisse

und

die Hochatmosphäre betreffen. Schon heute seien, wie die Versuche zur Nebelauflösung und Erzeugung von Regen durch Impfen von Wolken mit Silberjodid zeigten, Verän

*ungen der atmosphärischen Bedingungen innerhalb enger räumlicher

Grenzen möglich. Jedoch seien Niederschläge alles in allem nur "sehr begrenzt"
steuerbar, und das Problem als Ganzes ist noch lange nicht geklärt. Man arbeite gegenwärtig an der Entwicklung von Maßnahmen, um Sturmwinde abzuschwächen
und Hagel schlag zu verhindern. Jedoch seien die Ergebnisse der bisherigen Ver- *
fahren noch

weitgehend ungewiß".
j

Was die Klimabeeinflussung betrifft so gibt es laut Botschafter Martin
noch keine zuverlässigen Methoden, um die Witterung langfristig verändern zu
können. Eine Veränderung ozeanischer Gegebenheiten, etwa in Verbindung mit der
Umleitung wichtiger Meeresströmungen oder der Erzeugung einer Flut, könnte sich
als katastrophal erweisen und irreversible Folgen haben; gegenwärtig könne man
überhaupt nichts darüber aussagen, was aus solchen Aktionen erwachsen würde.
In der Hochatmosphäre sei eine Veränderung der Ozonschicht und damit deren
Schutzwirkung gegen die Ultraviolettstrahlung von der Sonne denkbar. Aber die
grundlegenden Reaktionsabläufe und natürlichen Rhythmen werden noch unzureichend
verstanden. Folglich seien, so Martin, auch die Auswirkungen eines Eingriffs
in sie kaum vorhersehbar.

Wie

�Wie Botschafter Martin betonte, sollten die informellen Gespräche das
Verständnis dafür entwickeln helfen, was Umweltveränderung und militärische
Anwendung einer entsprechenden Technik tatsächlich bedeuten. Die USA sind der
Ansicht, daß derartige Aktionen zumindest wirksam begrenzt werden müssen, solange die Geißel des Krieges nicht endgültig aus der Welt zu schaffen sei.
Als weiteren wich+iqen Aspekt betrachten die USA die Begrenzung nichtmilitärischer Vorhaben zur Beeinflussung von Umweltbedingungen, sofern diese
nicht unter die Zuständigkeit des internationalen Rechts fallen. Jedoch dürfe
die Forschung auf dem Gebiet von Umweltveränderungen, die in friedlicher Absicht erfolgen, nicht beeinträchtiat werden. In diese'" 7usammenhang hob Botschafter Martin vier in Zukunft anzustrebende Ziele hervor:
- Verhinderung w on Gefahren, die sich mit einer Nutzbarmachung von Umweltveränderungen für militärische Zwecke ergeben;
- Erhaltung und Schutz der natürlichen Umwelt zum Wohle der gesamten
Menschheit;
- Beibehaltung und Förderung internationaler Zusammenarbeit, um die Umwelt als funktionierendes System und die Wechselwirkungen ihrer Komponenten
zu verstehen;und
- schließlich Verbesserung der Möglichkeit, Umweltbedingungen im größeren
Stil für friedliche Zwecke zu verändern, sofern sich ein solches Vorgehen als
durchführbar und sinnvoll erweist.

XXX

- 3 -

�</text>
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18

10. September 1975

Inhalt

WIRTSCHAFT:

Simon umreißt Haltung der USA zu Weltwirtschaftsproblemen
-Rede des US-Finanzirnnisters vor der Jahrestagung des IWF und der Weltbank-

HINTERGRUNDMATERIAL:
Die Rolle des amerikanischen Kongresses i n der Außenpolitik
- I n t e r v i e w m i t Senator Humphrey-

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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18/1975

SIMON UMREISST HALTUNG DER USA ZU WELTWIRTSCHAFTSPROBLEMEN
-Rede des US-Finanzministers vor der Jahrestagung des IWF und der Weltbank-

Der amerikanische Finanzminister William
E. Simon hat am 2. September 1975 in einer
Rede auf der Jahrestagung des internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe die Ansichten der Uf" zu wichtigen
internationalen Wirtschaftsproblemen dargelegt und Wege zu ihrer Lösung aufgezeigt.
Die Ausführungen des US-Finanzministers
haben folgenden Wortlaut:
Es ist für mich eine große Ehre, erneut vor diesem hohen Auditorium zu
sprechen und Ihnen die Ansichten der Vereinigten Staaten zu den wichtigen wirtschaftlichen Fragen zu erläutern, denen sich die Welt heute gegenübersieht.
Ganz allgemein sind die Aussichten für die Weltwirtschaft heute hoffnungsvoller, als dies noch Anfanr des Jahres der Fall war. Die meisten großen
Industriestaaten haben

eine stark expansive Politik eingeschlagen. In mehre-

ren Ländern, darunter den Vereinigten Staaten, hat der Wiedererholungsprozeß
eingesetzt. Trotz ernster Belastungen hat sich das Ausmaß der internationalen
Kooperation nicht vermindert. Nur wenige Länder haben zu einer Politik gegriffen, die binnenwirtschaftliche Erfolge auf Kosten ihrer Nachbarn verheißt. Und die wohlhabenderen Länder verstärken ihre Anstrengungen, um denen
zu helfen, die in einer weniger glücklichen Lage sind.

- 1 -

�Doch kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Art, wie sich der
Fortschritt vollzieht, äußerst unglücklich ist. In einer Reihe von Ländern
hält die nach unten gerichtete Wirtschaftsspirale noch an, sie zieht sich
immer m p*»r in die Länge und ist stärker, als ursprünglich erwarte* worden
war. Die durch eine Inflation von bisher noch nicht gekannter S ärke entstandenen Härten, der unerhört steile und nicht voraussehbare Anstieg der
Energiekcsten und eine einschneidende Rezession - dies alles bleibt in allzu
vielen Teilen der Welt eine schmerzliche, lebendige Realität. Daher ist es die
vordringliche Aufgabe

die

w iterhin vor uns liegt, bei der Wiedererlangung

eines von einer breiten Basis getragenen Auftriebs für die Weltwirtschaft zusammenzuarbeiten, der die Grundlagen für ein stetiges, nicht inflationistisches Wirtschaftswachstum in jedem Lande schaffen wird.
Wenn wir jetzt mit Nachdruck voranschreiten, ist es unbedingt erforderlich, daß wir unsere Richtung beibehalten:
- Wir müssen die Kräfte der Wiedererholung vorsichtig unterstützen und
fördern, ohne der Versuchung zu erliegen, zu übermäßig starken belebenden Maßnahmen zu greifen.
- Wir müssen in unseren Bemühungen fortfahren, die Inflation unter Kontrolle zu bringen, ohne dabei den Prozeß der Wiedererholung zu stören. Eine
dauerhafte Wiedererholung wird nur möglich sein, wenn wir die Ursachen der
Inflation beseitigen.
- Wir müssen eine bessere Lösung für die ölprobleme erreichen, während
wir gleichzeitig fortfahren, die ölexportierenden Länder bei ihrem Streben
nach wirtschaftlichem Fortschritt zu unterstützen.
- Wir müssen die wirtschaftliche Entwicklung in den ärmeren Ländern fördern.
- Wir müssen sicherstellen, daß wir ein reibungslos funktionierendes
Währungssystem haben.
Lassen
- 2 -

�Lassen Sie mich jetzt zu einer detaillierteren Erörterung jeder einzelnen
dieser Fragen übergehen.

Die Aussichten für ein Wirtschaftswachstum

Die Vereinigten Staaten sind sich voll darüber irr ^ aren, daß sich ihre
eigene Wirtschaftspolitik nicht nur nachhaltig auf das .eben ihrer eigenen Bürger, sondern auch der Bevölkerung anderer Länder auswirkt. Obwohl unsere Wirtschaft nicht mehr die dominierende Stellung in der Weltwirtschaft wie einst
übernimmt, beläuft sich unser Bruttosozialprodukt immer noch auf über ein Viertel des gesamten Bruttosozialproduktes der Welt und sind wir immer noch der
größte Importmarkt der Welt. Daher besteht der wichtigste Beitrag, den wir zu
einer gesunden Weltwirtschaft leisten können, darin,

daß wir ein dauerhaftes,

nicht-inflationistisches Wirtschaftswachstum in unserem eigenen Lande erreichen.
Glücklicherweise gibt es reichlich Beweis dafür, daß die wirtschaftliche
Wiedererholung in den Vereinigten Staaten bereits im Gange ist. Meine Regierung ist entschlossen, diese Wiedererholung weiter zu unterstützen, während
wir gleichzeitig die Inflation unter Kontrolle bringen und die wirtschaftlichen Maßnahmen ergreifen,die für ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum erforderlich sind. Wir dürfen nicht und sollten nicht zwischen diesen Zielen zu wählen
suchen. Wir haben aus harten Erfahrungen gelernt, daß alle unsere wirtschaftlichen Ziele gleichzeitig verfolgt werden müssen. Wir werden keine zu starken
Auftriebsspritzen geben, die nur den inflationistischen Druck verstärken und
das Kapital aufzehren würden, das zur Erhaltung des Wiederaufschwungs benötigt
wird, sowie das Risiko heraufbeschwören würde, einen erneuten gefährlichen
Zyklus von Inflation und Rezession in Gang zu setzen. Genau so werden wir es
nicht zulassen, daß unsere Sorge ob der Inflation uns davon abhält, die natürlichen Kräfte der Wiedererholung aktiv zu unterstützen oder zusätzliche expansive Maßnahmen zu ergreifen, falls dies erforderlich werden sollte. Wir
sind nicht bereit, uns der Stagnation oder der Inflation als Lebensform zu
beugen.
Einige
- 3 -

�Einige haben vorgeschlagen, daß die Vereinigten Staaten, um anderen aus
der Inflation herauszuhelfen, eine wesentlich stärker stimulierende fiskalische und monetäre Politik aufnehmen sollten. Zu viele unserer gegenwär^i"^binnenwirtschaftlichen Schwierigkeiten rühren aus solchen exzessiver. Maßnahmen
her. Seit 1965 waren das durchschnittliche Haushaltsdefizit der USA und die
durchschnittliche jährliche Zunahme der Geldmenge bei uns dreimal so groß
wie in dem vorangegangenen Jahrzehnt. Es ist kein Zufall, daß unser Land sich
in dem früheren Zeitraum e i ^ r angemessenen Preisstabilität erfreuen konnte,
während wir in den letzten Jahren wachsende Schwierigkeiten hatten, die Inflation einzudämmen. Und die inflationistischen Erwartungen sind in unserer heutigen Gesellschaft so tief verwurzelt, daß sie nicht schnell verschwinden werden. Die finanziellen Unterlassungssünden eines Jahrzehnts können nicht mit
einem Tag der Buße vergeben sein. Unsere Politik in den Vereinigten Staaten
muß darauf ausgerichtet sein, die Ursachen der Inflation und nicht ihre Ergebnisse anzugehen. Auf lange Sicht wird dies uns allen einen sehr dauerhaften
Gewinn bringen.
Während die Wiederbelebung der Wirtschaft in den Vereinigten Staaten dazu beitragen wird, die wirtschaftlichen Aussichten und das Vertrauen anderer
Nationen zu stärken, wäre es unrealistisch, zu erwarten, daß irgend ein einzelnes Land die übrige Welt aus der Rezession herausführen kann. Eine Ausweitung des Welthandels sollte nicht als Quelle, sondern als Produkt der Wiedererholung betrachtet werden. Ja, wir sollten uns darüber klar sein, daß der
Prozeß, unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu lösen, zu Hause beginnen
muß und jedes einzelne Land für sichallein handeln und die Karten Entscheidungen treffen muß, die für ein gesundes, dauerhaftes Wirtschaftswachstum notwendig sind. Wenn dieser Prozeß von einem Land auf das nächst* übergreift,
wird er sich gegenseitig verstärkend auswirken und alle Länder werden größere
Vorteile realisieren. Zusät 7l ich zu den von den Vereinigten Staaten Anfang
dieses Jahres ergriffenen expansiven Anstrengungen haben mehrere andere große
Industriestaaten jetzt eine stärker stimulierende Politik eingeschlagen. Zusammengenommen sollten diese Maßnahmen der Weltwirtschaft einen kräftigen Anstoß geben.Wenn unsere Politik der Expansion allmählich Wirkung zeigt, werden

- 4 -

�werden wir uns fragen: Haben wir genug getan? Sollten wir mehr tun, um die
Wirkung zu beschleunigen?
Insofern einige unserer Bürger glauben, wir würden bei der Schaffung von
Arbeitsplätzen und der Wiederherstellung unseres Lebensstandards nicht rasch
genug vorankommen, könnte dies zu einem entgegenwirkenden sozialen und politischen Druck führen. Doch ist ebenso klar, daß wir bei einer überhitzung unserer Wirtschaft das Feuer der Inflation wieder schüren und eine erneute Rezession herbeiführen würden mit noch ernsteren wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Unsere oberste Aufgabe als Finanzminister, wenn ich dies mit allem Respekt sagen darf, besteht darin, eine gesunde, ausgewogene Politik zu verfolgen, die das Wirtschaftswachstum fördert, ohne zu einer erneuten Inflation zu
ermutigen. Da
erweist sich kurzfristig oft als politisch unpopulär, aber auf
"hnge Sicht wird es weit mehr zur Scha- fung von Arbeitsplätzen beitragen und
den besten Interessen unserer Bevölkerung dienen, als die uns so oft aufgedrängten Linderungsmittel dies vermöchten. Die Geschichte berichtet immer wieder von gescheiterten Regierungen, die sich geweigert haben, den verheerenden
Wirkungen der Inflation entgegenzutreten, und keir r von uns kann es sich
leisten, sei es aus Kurzsichtigkeit oder Entschlußlosigkeit, solchen Versuchungen nachzugeben.
Abgesehen von dem Problem, die fiskalische und monetäre Politik festzulegen, müssen die Länder auch mit den durch die hohen ölpreise entstandenen
Schwierigkeiten fertig werden.
Fast zwei Jahr

nach dem ersten ölpreisschock zeigt sich,daß wir jetzt

erst die vollen Auswirkungen sowie die Gefahr für unsere Zukunft zu begreifen
beginnen, die sich aus der Eskalation der ölpreise ergibt. Es ist jetzt offensichtlich, daß die eigentlich schwerwiegenden Folgen nicht finanzieller,
sondern politischer und wirtschaftlicher Natur sind. Wenn wir auch den Problemen einer Anpassung des Finanzssystems an die neuen Realitäten weiterhin besondere Beachtung schenken müssen und werden, so können wir doch zuversichtlich sein, daß wir in der Lage sind, solche Probleme zu meistern. Aber die

- 5 -

�*

die wirtschaftlichen Auswirkungen der öl poli ti k - die höheren Kosten, die
nicht nur bei Energie, sondern auch bei zahlreichen anderen lebenswichtigen
Rohstoffen wie Nahrungsmitteln zum Tragen komm°n, die notwendig gewordenen
strukturellen Anpassungen, der Verlust an Arbeitsplätzen &lt;^wie die Hindernisse
für ein Wirtschaftswachstum - lassen sich nicht so leicht bewältigen..
Nach unserer Auffassung läßt sich das gegenwärtige Preisniveau für internationales öl weder mit wirtschaftlichen noch mit finanziellen Gründen rechtfertigen. Die derzeitige Preispolitik der OPEC-Länder bed

tet, daß billige

Energie in der Erde bleibt und daß der Wohlstand aller Länder zurückgeht. Ausserdem sind die hohen ölnreise zu einem großen Teil mit Schuld an der jüngsten
Inflation auf der Welt und der auf diese folgende Rezession.
Jetzt aber zeichnet sich die Möglichkeit eim

weiteren Anstiegs der öl-

preise düster am Horizont ab. Es darf kein Mißverständnis über die Folgen ein^s erneuten starken Preisanstiegs geben: Er würde das Gleichgewicht, von Hern
die weltweite wirtschaftliche Wiedererholung jetzt abhängt, ernstlich gefährden.
Wir fordern die OPEC-Länder nachdrücklich auf, anzuerkennen, wie dies
andere in der Vergangenheit bereits getan haben, daß der Wohlstand jeden einzelnen Landes eng mit dem Wohlstand aller Länder verflochten ist.
Eine erneute Preiserhöhung erscheint besonders unangebracht angesichts
unserer Bemühungen, die legitimen Probleme anzupacken, vor denen die ölexpor
tierenden Länder wie auch die anderen Entwicklungsländer stehen. Wir haben bedeutsame Schritte unternommen, um ein Gespräch zwischen Erzeugern und Verbrauchern zustandezubringen. Wir haben die Einsetzung von Kommissionen vorgeschlagen, die sich mit entscheidend wichtigen Problemen auf den Gebieten der Energie, der Rohstoffe, der wirtschaftlichen Entwicklung und den damit zusammenhängenden Fragen be^ssen sollen. Besondere bilaterale Programme sind mit den ölexportierenden Ländern aufgestellt worden und es sind beträchtliche Fortschritte zu verzeichnen gewesen.
Alle

- 6 -

�Alle diese Maßnahmen spiegeln unseren aufrichtigen Wunsch wider, kooperati\ mit den ölexporteuren zu?, mmenzuarbeiten, wenn sie jetzt nach einem
höheren Lebensstandard und vielseitigeren Volkswirtschaften streben. Auf der
anderen Seite fordern wir, daß sie kooperativ mit uns und mit anderen Ländern
zusammenarbeiten, um die Aussichten für eine Wiedererholung der Weltwirtschaft
zu verbessern.
Lassen Sie mich hinzufügen, daß der beträchtliche Finanzierunqsbedarf
der Industriestaaten in dieser Zeit der OPEC-überschüsse es verlangt, daß wir
mit der Überprüfung fortfahren, ob die internationalen Finanzierungsvereinbarungen ausreichen. Ich bin zuversichtlich, daß die privaten Finanzierungsmechanismen auch künftig, so wie in den letzten zwei Jahren, eino dominierende
Rolle bei der Weiterleitung der OPF.C-Gelder an die verschiedenen Kreditnehmer
spielen werden. Gleichzeitig begrüßen wir die bevorstehende Bildung des finanzieller Stiitzungsfonds, die von den Mitgliedsstaaten der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vereinbart worden war. Dieser
Fonds wird die IWF-Mittel ergänzen und in einer Zeit der Ungewißheit die erforderliche Sicherheit geben. Besonders wichtig i.'nter den derzeitigen Umständen ist die damit gegebene Gewiihr, daß, falls notwendig, eine Finanzierung möglich sein wird, um die Verfolgung einer gesunden, expansiven Politik
durch die Industriestaaten zu erleichtern.
Die Probleme der Entwicklungsländer
Die am meisten unter den höheren öl preisen und der Verschlechterung der
Weltwirtschaftslage zu leiden gehabt haben, waren gerade diejenigen, die dies
am wenigstens verdient hatten und die am wenigsten in der Lage sind, sich
selbst zu schützen - die Armen und die Bedürftigen unter den Entwicklungsländern. In den Industriestaaten haben die Probleme der Inflation und der sich
daraus ergebenden Rezession oftmals zu Härten geführt, aber sie haben nicht
eine große Zahl von Menschen an den Rand der Verzweiflung gebracht.Lei der
kann das gleiche nicht von den weniger begünstigten Ländern der Welt gesagt
werden, wo Hunger und Krankheit die unmittelbaren Folgen der zurückgegangenen
- 7 -

�zurückgegangenen Einkommen sind. Unter diesen Umständen sind die Vereinigten
Staaten und andere Industriestaaten entschlossen, besondere Anstrengungen zu
" r ^'-nehmen, um die Entwicklungsländer bei ihren Bemühungen zu unterstützen,
den Schwung ihres wirtschaftlichen und sozialen Fortschrittes beizubehalten.
Wir tun dies aus Mitgefühl und aus der Erkenntnis heraus, daß der Wohlstand der
unterentwickelten Welt der Stützung unseres eigenen weiteren Wohlstands
dient.
Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds haben sich bereits als
äußerst effektive Instrumente bewährt, um in Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern die am meisten versprechenden Pläne für ein wirtschaftliches
Wachstum zu entwickeln. Unseres Erachtens muß jedoch im Rahmen dieser Institutionen jetzt mehr getan werden, als lediglich den Entwicklungsländern zu helfen. Gestern hat Außenminister Kissinger in einer in seinem"Namen vor den Vereinten Nationen verlesenen Rede eine Reihe von Vorschlägen vorgelegt, die er
und ich, nach den Anweisungen von Präsident Ford, gemeinsam ausgearbeitet haben. Drei dieser Vorschläge sind für den IWF und die Weltbank von besonderer Be- •
deutung.
Erstens schlagen die Vereinigten Staaten als eine Angelegenheit von hoher
Priorität die Schaffung einer Entwicklungssicherheitsfazilität im IWF vor, um
den Bedarf jener Entwicklungsländer zu decken, die unter den starken Fluktuationen der Exporterlöse zu leiden haben. Sie würde an die Stelle der bestehenden
kompensierenden Finanzierungsfazilität treten. Wir sind uns voll darüber im
klaren, daß zu starke Fluktuationen bei den Exporterlösen die Entwicklungsanstrengungen untergraben können und daß zahlreiche Erzeugerländer nicht über
genügend finanzielle Reserven verfügen, um starke Rückgänge ihrer Einkünfte
selbst auffangen zu können. Unseres Erachtens wären kompensierende Fazilitäten
zur Finanzierung von Defiziten bei den Exporteinnahmen effektiver und wirksamer, um solche Störungen zu reduzieren, als Abkommen über die Rohstoffpreise.
Umgehend nach Abschluß dieser Tagungen werden wir dem Direktorium des IWF detaillierte Vorschläge für die Schaffung der neuen Fazilitat vorlegen. Diese
Vorschläge werden ferner die Erweiterung der Zielsetzungen des vorgeschlagen
nen Treuhandfonds fordern, damit dieser den ärmsten Ländern, wenn sie Export- 8 -

�Exportdefizite aufweisen, nichtrückzahlbare Zuwendungen gewähren kann und
damit sc die Mittel des Treuhandfonds zur Ergänzung der vorgeschlagenen Fazilität eingesetzt werden können.
Zweitens sichern wir zu, daß wir eine wesentliche Vergrößerung der "
nationalen FinanzierungsgesellSchaft unterstützen werden, so daß dies- Organi
sation als ein wirksamerer Katalysator für das Wachstum der privaten Sektorer
in den Entwicklungsländern wirken kann. Wir stimmen mit Mr. McNamara überein,
dai' die Rolle der Internationaler. Finar.zierungsgesellschaft bei der Mobilisierung zusätzlicher privater Investitionen heute wichtiger denn je zuvor ist.
Es kann kaum Zweifel darüber bestehen, daß die Hebung des Lebensstandards in
den Entwicklungsländern von steigenden Produktionen auf privatem Sektor von
Gütern pnd Dienstleistungen getragen werden muß. In den nächsten Monaten rollten Vorkehrungen getroffen werden, um der Internationalen Finanzierungsgesellscha^t bessere Werkzeuge in die Hand zu geben, um die einheimischer, privaten
Wirtschaftssektoren zu unterstützen und die Internationale Finanzierungsgesell schaft zu einem vollen Fartner der Weltbankgruppe zu machen. Ferner sollte die Internationale Finanzierungsgesellschaft aktiv dabei mitwirken, ausländische und einheimische Investoren zusammenzubringen. Sie sollte energisch
handeln und die Finanzierung der Erzgewinnung in den Entwicklungsländern regeln, in denen sie als unparteiischer internationaler Partner zu reibungslosen
Beziehungen zwischen den internationalen Gesellschaften mit ihrer Technologie
ur.d ihren Märkten und den nationalen Behörden beitragen kann, die -verstand!icherweise das Beste für ihre Länder herausholen wollen. Die Internationale
Finanzierungsgesellschaft sollte ferner großzügige Finanzierungsabkcmrcen entwickeln, unter anderen auch eine neue Investitionstreuhandgesellschaft, so daß
Besitztitel der gemeinsamen Unternehmen schrittweise von Privatpersonen und
Firmen der Entwicklungsländer erworben werden können. Alle diese Tätigkeiten
werden die laufende Arbeit der Weltbank ergänzen, die die Finanzierung verwandter Infrastrukturmaßnahmen wie Häfen und Eisenbahnen fördern muß und die,
wie wir erwarten, dem äußerst wichtigen Aspekt, die Hindernisse für die private Ersparnisbildunc unc' für einheimische Privatinvestitionen in den Entwickiungsländern zu identifizieren, höhere Priorität einräumen wird.
Drittens
- 9 -

�Drittens fordern die Vereinigten Staaten erneut, daß umgehend Übereinstimmung über die Schaffung eines *'om IWF verwalteten Treuhandfonds erzielt wird,
der den ärmsten Entwicklungsländern eine sehr großzügige Zahlungsbilanzfinanzierung gewährt. Es ist fast ein Jahr verstrichen, seit meine Regierung erstmals einen Treuhandfonds vorgeschlagen und gefordert hat, daß ein Teil des
IWF-Goldes verkauft wird, um so diesen bedeutsamen Schritt mit finanzieren zu
helfen. Wir sind erfreut über die wachsende Zustimmung, daß die Konzeption eines
Treuhandfonds das wirksamste Mittel ist, um eine rasch auszahlbare Finanzhilfe
gewähren zu können. Dies ist ein Weg, auf dem wir sofort handeln und dem
ernsten Finanzierungsbedarf der Entwicklungsländer entspreche' können; wir können jetzt vereinbaren, daß ein Teil des IWF-Goldes, ohne auf zeitraubende
Statutenänderungen warten zu müssen, einer solchen Verwendung zugeführt wird.
Der Bedarf hierfür hat mit der von uns hinausgezögerten Schaffung dieses Fonds
zugenommen. Wir sollten uns entschließen, umgehend zu handeln.
Neben diesen wichtigen Initiativen sollten andere Schritte ergriffen werden, damit die Weltbank und der
IWF besser den heutigen Erfordernissen entsprechen können. Da die ülfazilität des IWF dieses Jahr ausläuft, sollten wir
durch Maßnahmen sicherstellen, daß alle vom IWF gehaltenen Währungen sofort
verfügbar sind. Wir müssen ferner das Augenmerk bald auf eine Überprüfung der
Tranchenpolitik des IWF lenken und darüber sprechen, ob Änderungen dieser Politik durchgeführt werden sollten, um vermehrt Zugang zu den regulären Ziehungsfazilitäten des Fonds zu gewähren. Dies würde den IWF in die Lage verse'zen,
die erweiterte und aktivere Rolle zu spielen, die von ihm in der heutigen Welt
gefordert wird.
Die Weltbank ist bei weitem das größte und einflußreichste Institut für
Entwicklungskredite und muß als solches eine wichtige Rolle übernehmen, um die
Entwicklungsländer bei der Erreichung ihrer Entwicklungsziele zu unterstützen.
Es ist von größter Wichtigkeit, daß die Qualität ihrer Arbeit erhalten und ihre
Finanzlage gesund bleibt. Da das gegenwärtig von der Bank durchgeführte Kreditprogramm hohe Anforderungen an ihre langfristigen Ausleihemöglichkeiten stellt,
ist eine Zusammenarbeit von Management und Exekutivdirektoren der Bank wichtig,

- 10 -

�wichtig, um vorsichtig die Rolle der Ban! abzustecken, die sie in dem Entwi

ungsprozeß während des nächsten Jahrzehnts spielen sollte, und zu prüfen,

we^

e Auswirkungen sich hieraus für das Kapital der Bank und die Art ihrer

Pr&lt; i ornme ergeben.
Nachdem das Kapital zu einer immer knapperen Hilfsquelle geworden ist,
das. von entscheidender Wichtigkeit für das Wachstum sowohl der Industriestaaten
wie

er Entwicklungsländer ist, ist es notwendig, daß wir eine klare Vorstel-

lung von den Prioritäten haben, die für die Ausleihungen einer Institution
mit ;inem jährlichen Kreditvolumen von annähernd 5 Milliarden Dollar maßgebend
sein müssen. Die Vereinigten Staaten werden, die Bank weiterhin nachdrücklich
unterstützen, und wir werden ihr dabei helfen, daß sie finanziell gesund
bleibt.
Wie ich im letzten Jahr sagte, unterstützen wir eine wesentliche Ausweitung der Zahl der Anteilseigner der Bank sowie des Stimmrechts auf solche Länder, die jetzt in der Lage sind, einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung über die Weltbankgruppe zu leisten. Eine solche Ausweitung
sollte auf einer Basis von Land zu Land beschlossen werden und die Aufstockung
des Kapitals sollte von entsprechenden Beiträgen an die Internationale Entwicklungsgesellschaft begleitet sein, um den ärmsten wie auch den mäßig begüterten Ländern zu helfen.
Ich unterstreiche die Bedeutung der IDA-Beiträge angesichts der zentralen Rolle, die dieser Gesellschaft bei der "'ckuna des Bedarfs der ärmsten
und am wenigsten entwickelten Ländern zukommt. Sie sind am wenigsten in der
Lage, mit den Auswirkungen der wirtschaftlichen Ereignisse auf ihre Entwicklung fertig zu werden, und nur gemeinsame Anstrengungen der gegenwärtigen Mitglieder sowie der Länder,die jetzt Beiträge leisten können, werden die IDA
in die Lage versetzen, diese Länder künftig ausreichend zu unterstützen.
Mr. McNamara hat bekannt gegeben, daß Verhandlungen über die nächste Auffüllung des IDA-Kapitals im November beginnen werden. Eine befriedigende Übereinkunft über die Aufstockung der IDA-Mittel wird nur bei voller Mitarbeit aller
der Länder möglich sein, die zu Beiträgen in der Lage sind.
Unabhängig
- 11 -

�Unabhängig von diesen Maßnahmen müssen die Industriestaaten auch die seit
langem geführten Entwicklungsanstrengungen der regionalen Entwicklungsbanken
und unsere bilateralen Hilfsprogramme unterstützen. Diese Programme haber. in
all den Jahren ihre Wirksamkeit bewiesen und verdienen eine nachhaltige Unterstützung. Es ist ferner wichtig, daß alle Länder ihre Kapitalmärkte für üeldaufnahmen der Bank und der Entwicklungsländer selbst öffnen.
Wenn ich heute diese Vorschläge vortrage und über die Tätigkeiten der
Weltbank und des Internationalen "'-"hrungsfonds spreche, wäre ich alles andere
als aufrichtig, wenn ich nicht hinzufügen würde, daß die von mir aufgezeigten
Maßnahmen für sich allein nicht ausreichen, um eine wirtschaftliche Entwicklung sicherzustellen.
•

Wir dürfen uns in dieser Angelegenheit nichts vormachen. Weit wichtiger
als die ihnen von den Industriestaaten gewährte Finanzhilfe ist für die Entwicklungsländer die Wiederherstellung eines stabilen, nicht-inflationistischen
Wirtschaftswachstums in der ganzen Welt. Und am entscheidendsten werden auf lange Sicht die von den Entwicklungsländern selbst verfolgte Politik und ihre
eigenen Anstrengungen sein. Die Geschichte hat gezeigt, daß, gleichgültig wie
großzügig andere sein mögen, denjenigen am besten geholfen ist, die sich selbst
geholfen haben.
Zwar müssen die Industriestaaten Finanzhilfe gewähren und ihre Märkte
öffnen. Die Wirksamkeit einer solchen Hilfe hängt jedoch in hohem Maße davon ab, ob die Entwicklungsländer selbst in der Lage sind, all diese Hilfsquellen, die einheimischen wie die ausländischen, bestmöglich zu nutzen. Die
Entwicklungshilfe sollte nicht als ein internationales Wohlfahrtsproqramm zur
Umverteilung der Reichtümer der Welt betrachtet werden, sonder:. 1s ein wichtiges Element eines internationalen Investitionsprogramms, um die wirtschaftliche Wachstumsrate in den Entwicklungsländern zu steigern und der Bevölkerung
jedes einzelnen Landes einen höheren Lebensstandard zu geben. Die Wirksamkeit
internationaler Investitionen, privater und staatlicher, hängt grundlegend von
der Politik und den Anstrengungen jedes Entwicklungslandes ab.
Ich

- 12 -

�Ich bin besonders beeindruckt von den beachtlichen wirtschaftlichen und
sozialen Fortschritten der Länder, die sich voll auf dem Weltmarkt betätigen,
die sich von den Kräften des Marktes erwarten, daß sie einen Anreiz für eine
wirksame Nutzung der Hilfsquellen bieten, und die ein günstiges Klima für
ausländische und einheimische Privatinvestitionen aufrechterhalten.
Kurz gesagt, der Prozeß der wirtschaftlichen Entwicklung erfordert die
Zusammenarbeit und die uneingeschränkten Anstrengungen jedes Einzelnen von uns
bei der Verfolgung einer Wirtschaftspolitik, die auf ein Ma; imum an Produktion, Einkommen und Handel für alle Länder abzielt.

Internationale Währungsabkommen
Ich möchte mich jetzt der Erörterung internationaler Währungsfragen zuwenden. Wir haben auf den Konferenzen dieser Woche einen bedeutsamen Durchbruch
bei der Lösung der meisten uns vorliegenden schwierigen internationalen Währungsfragen sowie bei der Öffnung des Weges zu einem endgültigen Abkommen im
Januar erzielt. Das technisch schwierige - und politisch delikate - Problem,
eine wesentliche Erhöhung der Quoten zu erreichen und die nationalen Anteile
zuzuweisen, ist im wesentlichen gelöst.
Es ist uns ferner gelungen, die schwierigen Fragen im Zusammenhang mit
der Herauslösung des Goldes aus dem internationalen Währungssystem zu regeln.
Bei diesen beiden Vereinbarungen waren Konzessionen von vielen Seiten notwendig, aber das Ergebnis zeigt eindeutig, daß der Geist der Zusammenarbeit und
des guten Willens, in dem diese Institutionen gegründet wurden, weiterlebt.
Erneut haben wir bewiesen, daß es durch geduldiges Verhandeln möglich ist,
zu einem Ausgleich zwischen gegensätzlichen Ansichten zu gelangen, der für jeden von uns akzeptabel und für uns alle von Vorteil ist.
Wir

- 13 -

�.

Wir wollen jetzt zu dem letzten Punkt unserer Verhandlungen kommen - einem
Abkommen über eine Änderung der Wechselkursbestimmungen der Statuten - das es
uns ermöglichen würde, die diese Woche erzielte Übereinstimmung in die Praxis
umzusetzen. Eine Änderung der Bestimmungen ist notwendig, um den Realitäten der
heutigen Welt rechtlich Rechnung zu tragen und der Entwicklung des Systems zu
entsprechen, die sich in den letzten Jahren vollzogen hat. Vor zweieinhalb Jahren machte das Paritätensystem einem freiwilligen System von Wechselkurspraktiken Platz, unter dem einige Länder unabhängig floaten, einige gemeinsam
floaten und einige stufenweise fixierte Kurse anwenden. Wir sind froh, daß
dieses System bereits eingeführt war, bevor die Ölkrise uns traf, und seine
Flexibilität hat uns unter den schwierigen Bedingungen gute Dienste geleistet.
Diejenigen, die Stabilität über Paritäten zu erreichen suchen, sollten
sich an das Chaos und die Unordnung erinnern, die in den letzten Jahren des
Bretton-Wood-Systems herrschten. Denken Sie sich an die Tage zurück, da die
Börsen geschlossen waren, was zu Störungen im Handel und Warenfluß führte. Bedenken Sie, daß die einzigen sicheren Gewinner die Spekulanten waren, die
sicher sein konnten, daß sie im Laufe der Zeit und mit Hartnäckigkeit zwangsläufig den Sieg davon tragen würden. Denken Sie auch an die übereilt einberufenen internationalen Konferenzen, die irgendeine Lösung zusammenzuflicken
suchten, damit die Börsen wieder geöffnet werden konnten. Denken Sie zurück
an die Dauer und die Schwierigkeit der Verhandlungen im Smithsonian Institute
und die im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen aufgetretenen Spannungen. Das
waren die Tage, in denen unser politischer Zusammenhalt durch monetäre Schwierigkeiten bedroht war.
Die dem Paritätensystem zugrundeliegende Logik setzt eine Welt voraus,
die es gegenwärtig nicht gibt - eine Welt, in der die Preise relativ stabil
sind und in der die Bilanzen der laufenden Konten sich den sich verhältnismäßig
langsam verändernden Kapitalflüssen anpassen. Aber die Welt hat sich geändert
und wir brauchen ein System, das anpassungsfähig ist und sich für die Welt,
so wie sie heute ist, eignet - nicht für eine Welt, die einmal war, oder wie
wir sie uns wünschen.
Heute
- 14 -

�Heute haben wir ein System, das flexibel und elas isch ist. Es ermöglichte, daß die Devisenbörsen offen und funktionsfähig blieben trotz des
Druckes, der sie früher erstickt hätte. Selbst massive Kapitalanhäufungen durch
die OPEC-Länder und gelegentliche beträchtliche Schwankungen bei bestimmten Wechselkursen kor te) das System nicht aus den Angeln heben. Es war möglich, zahlreiche der umfassenden Beschränkungen der Kapitalbewegungen zu lockern oaer aufzuheben und funktionsfähige Alternativen zu restriktiven Maßnahmen hei den laufenden Konten zu finden.
Die heute auftretenden großen Zahlungsbilanzdefizite habe

zu weniger Im-

portbeschränkungen der großen Länder geführt als dies bei der verhältnismäßig
geringeren Zahlungsbilanzschwierigkeiten früherer Jahre der Fall war. Obwohl
sich die Inflationsraten sehr unterschiedlich entwickelten, zwischen 6 Prozent
in einigen Ländern und 25 Prozent in anderen, ließ die Flexibilität unseres
Systems eine Entwicklung der Wechselkurse in einer Form zu, die diese Unterschiede in Kosten und Preisen wiederspiegelte. Versuche, unter diesen Umständen feste Wechselkurse beizubehalten, wären unter der Belastung rasch und unvermeidlich zusammengebrochen.
Manche Leute behaupten, die Aufgabe der Paritäten sei einer der Gri'ide für
die Flutwelle der Inflation, die über die Welt hinweggezogen ist, und daß das
freiwillige System nicht die Disziplin erreichen könne, die erforderlich wäre,
um Länder zur Eindämmung ihre- Inflation zu veranlassen. Ich kann dem nicht beipflichten. Es war die Inflation, die das Floaten notwendig machte. Natürlich
verhindert das Floaten nicht eine hausgemachte Inflation und es scMrmt kein
Land gegen drastische reale Veränderungen vcm Ausland her ab wie zum Beispiel
gegen den plötzlichen Anstieg der ölpreise.
Es kann jedoch ein Land gegen eine importierte Inflation abschirmen, die die
Folge einer zu expansiven fiskalischen und monetären Politik im Auslanc ist.
W's das Floaten als Instrument der Disziplin anbetrifft, so glaube ich, wenn
ein abgewerteter Wechselkurs auf einem freien Markt direkt zu einer Steigerung
der Kosten für importierte Güter führt, dann hat dies für die allgemeine Öffentlichkeit und die politischen Führer eine größere Bedeutung als der Stand der Reserven einer Zentralbank oder der öffentlichen Kreditaufnahme.
Die
- 15 -

�Die Politik der USA ist es, unseren eigenen Wechselkurs im wesentlichen
durch die Marktkräfte bestimmen zu lassen, und nicht durch n'lüürliche staatliche Maßnahmen. Wir schlagen

nicht vor, Einwände zu erheben, wenn andere

Länder sich für die Festsetzung starrer Wechselkurse untereinander entscheiden - das Wesen eines freiwilligen System s ist es, daß es die freie Wahl gestattet -, so lange unser eigener Wunsch, dem Wechselkurs des Dollar die erforderliche Freiheit zu belassen, respektiert wird. Wir sind bereit, wann immer notwendig, zu intervenieren, um geordnete Bedingungen auf den Devisenmärkten aufrechtzuerhalten. Größere Bewegungen der Wechselkurse während eines Zeitraumes von mehreren Monaten sind jedoch nicht unbedingt Anzeichen eine c unqereaelten Marktes - und die Tatsache, daß solche Bewegungen sich manchmal in
ihr Gegenteil umkehren, beweist nicht, daß es den Regierungen möglich gewesen
wäre, die anfängliche Bewegung in Raten zu verhindern oder daß ein solcher Versuch wünschenswert gewesen wäre.
Wenn der Druck der Inflation nachläßt und die Volkswirtschaften sich erholen, wenn die Perioden der Ruhe zwischen unerwarteten Erschütterungen länger
werden, dann

werden sich auchdie Wechselkurse stabiler halten. Die größere

Wechselkursstabilität, die wir alle herbeiwünschen, kann nur durch eine gesunde Wirtschaftspolitik erreicht werden, die zu einer größeren binnenwirtschaftlichen Stabilität in allen unseren Volkswirtschaften führt.
Wir sind der festen Auffassung, daß den Ländern die Wahl ihres eigenen
Wechselkurssystems freistehen muß und daß alle Länder, gleichgültig, welche
Wahl sie treffen, den gleichen vereinbarten Prinzipien eines internationalen
Verhaltens unterliegen müssen. Das Recht, zu floaten, muß klar und uneingeschränkt sein. Angesichts der großen Vielfalt der Systeme, der institutionellen
Vereinbarungen, der Größe der nationalen Volkswirtschaften und der Art der Abhängigkeit von Außenhandel und ausländischen Investitionen verlangt unsere
heutige Welt Aufgeschlossenheit hinsichtlich der Zukunft.
Ich behaupte nicht, daß wir die Klugheit und den klaren

Blick besitzen,

um genau die Wechselkursvereinbarungen vorhersagen zu können, die die Welt sich
wünscht oder die in ferner Zukunft erforderlich werden. Die Erfahrungen mit den

�den gegenwärtigen Statuten zeigen eindeutig, wie schwer es ist,ein Wechsel kurssystem in fest fixierten Deta-'ls festzulegen, das für immer Bestand haben
soll. Wir müssen uns mit der Welt befassen, so "ie sie heute ist, und das erfordert jetzt ein Wechselkurssystem, daß dem raschen Wandel leicht angepaßt
werden kann. Ich weiß, dies kann erreicht werden. Unsere Vereinbarungen in
dieser Woche über Gold und Quoten zeigen, daß wir Lösungen für schwierige
Probleme finden können - und daß ein allseits akzeptabler Ausgleich bei den
Wechselkursen erzielt werden kann. Die Vereinigten Staaten werden die Suche
nach einer Lösung für dieses Problem mit schöpferischer Kraft und mit Verständnis für die Ansichten der anderen aufnehmen.

Zusammenfassung
Meine Damen und Herren, es liegt auf der Hand, daß die Aufgaben für die
Zukunft gewaltig sind:
- um ein dauerhaftes, nicht-inflationistisches Wirtschaftswachstum zu erreichen;
- um einen Ausgleich auf dem Energiese;tor zu erzielen;
- um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern; und
- um ein Währungssystem aufrechtzuerhalten, daß den heutigen Erfordernissen entspricht.
Jeder dieser Punkte verlangt unsere volle Aufmerksamkeit. Die diese Woche
erzielten Vereinbarungen zeigen, daß wir durch Zusammenarbeit und Beharrlichkeit Erfolg haben können. In diesem Geiste müssen wir weiter vorangehen. Ich
versichere Ihnen, daß die Vereinigten Staaten auf diesem Weg ein zuverlässiger Partner bleiben werden. Ich danke Ihnen.
XXX

- 17 -

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53

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18/1975

DIE ROLLE DES AMERIKANISCHEN KONGRESSES IN DER AUSSENPOLITIK
Interview mit Senator Humphrey

Der einflußreiche Senator Hubert H. Humphrey - ehemaliger Vizepräsident der USA und führendes Mitglied
der Demokratischen Partei - tritt für eine engere Zusammenarbeit der Legislative und Exekutive ein. In
einem Exklusivinterview mit dem USIA-Korrespondenten
Wendy Ross legt Humphrey seine Auffassungen über die
Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt, die künftige amerikanische Auslandshilfe, das NATO-Bündnis,
die Beziehungen der USA zur Sowjetunion und andere lebenswichtige Fragen dar.
Hubert H. Humphrey wurde am 27. 5. 1911 in Wallace,
South Dakota, geboren und 1948 zum ersten Mal in den
Senat gewählt, dem er bis 1965 angehörte, als er unter
Präsident Lyndon B. Johnson Vizepräsident wurde. Im
Jahre 1968 war er Präsidentschaftskandidat seiner Partei und wurde 1970 wieder in den Senat gewählt, in dem
er den Staat Minnesota vertritt.

Frage: Ein leitender Redakteur der "Sunday Times" in London hat kürzlich geschrieben, daß "für die Europäer und die anderen Verbündeten der
Vereinigten Staaten der größte Anlaß zur Besorgnis für die Zukunft nicht

�nicht in der Furcht vor einem amerikanischen Isolationismus, mangelndem

+

V ertrauen oder übertriebenem Eigennutz liegt, sondern vielmehr vor der völligen Konfusion und dem Element der Unvorhersehbarkeit, die heute in der Formulierung der amerikanischen Außenpolitik vorherrschen". Würden Sie zu dieser
Beurteilung der Dinge etwas sagen?
Antwort: Das ist leider eine sehr faire Beurteilung.
Man muß verstehen, was hier in Amerika vor sich gegangen ist. Wir haben einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten, zwei ausgezeichnete Männer, von den Mitgliedern des Kongresses hoch angesehen. Aber keiner von
ihnen ist vom amerikanischen Volk in sein Amt gewählt worden. Es ist das
erste Mal in unserer Geschichte, daß wir einen Präsidenten haben, der
nicht als Präsidentschaftskandidat zur Wahl stand. Sie besitzen also, wie
wir sagen, kein "Mandat des Wählers". Das ist das erste.
•

Zweitens, sie gehören der Republikanischen Partei an. Im Gegensatz dazu
wird der Kongreß der Vereinigten Staaten von einer überwältigenden demokratischen Mehrheit beherrscht - wobei ich allerdings der Auffassung bin, daß
sich die Demokraten nicht recht als Mehrheit zu geben wissen. Ein Grund dafür ist, daß viele Mitglieder des Kongresses noch neu sind. Sie kommen aus
einem sozialen Klima, in dem als überragende Richtschnur gilt, "nach eigenem
Kopf zu handeln", in dem die Unabhängigkeit glorifiziert wird. Sie kamen
zur Regierung in einem Zeitpunkt, in dem Führung mit einer Art Mißbrauch
öffentlicher Macht gleichgesetzt wurde. Das gute, gesunde Wort "Führung"
hatte seine Achtung verloren. Man mußte davor auf der Hut sein, denn wir hatten in dem Komplex, den wir "Watergate" nennen, und in den Entwicklungen
zuvor einen Mißbrauch oder eine übersteigerte Anwendung der Macht der Exekutive erlebt - geheime Abmachungen, Verwicklung in einen sehr unpopulären

�unpopulären Krieg, den Einsatz einiger unserer Regierungsinstrumente, wie
CIA, FBI und Steuerbehörde, für sehr billige und schändliche politische
Tätigkeiten. All das hat bei den Mitgliedern des Kongresses und einem grossen Teil der Öffentlichkeit das Vertrauen in eine "starke Präsidentschaft",
wie wir es nennen, eine starke Führung der Exekutive, ja selbst eine starke
Führung im Kongreß zerstört.
Was wir heute also erleben ist ein Nachspiel, ein Rückstau all dieser
Erfahrungen, und wir müssen uns erst wieder unseren Weg suchen, um wieder
zu einer gewissen geistigen Obereinkunft zu gelangen - zu einem neuen Verständnis der Rolle des Kongresses in der Außenpolitik auf der einen Seite
und der Verantwortlichkeiten der Exekutive auf der anderen Seite. Oder
um es noch einfacher auszudrücken: Wie können wir besser zusammenarbeiten und
koordinieren; wie können wir dies tun, bevor politische Entscheidungen getroffen werden, statt nachher.
Immer wieder haben wir erfahren müssen, daß durch die Exekutive Entscheidungen getroffen und Verhandlungen abgeschlossen worden sind, von denen
der Kongreß nichts wußte oder über die wir keine ausreichenden Informationen
besaßen. Als Ergebnis begannen die Kräfte der Unabhängigkeit im Kongreß,
die Leute im Kongreß, die etwas gegen exekutive Macht haben, an diesen

Ver-

handlungen und an den erreichten Regelungen oder Abmachungen zu sägen.

Kein

Wander, daß das bei unseren Freunden draußen Verwirrung hervorruft.
Frage: Senator Humphrey, welches ist die dem Kongreß angemessene Rolle
in außenpolitischen Angelegenheiten?
Antwort: Ich glaube,diese Frage muß in eine bessere Relation gebracht
werden, nämlich: Welches ist das angemessene, richtige Verhältnis zwischen

- 3 -

�•

zwischen Exekutive und Kongreß in Sachen Außenpolitik? Die Exekutive muß
nämlich jetzt verstehen - zumindest für die voraussehbare Zukunft - daß,
bevor Initiativen vom Präsidenten und dem Außenminister oder dem Verteidigungsminister ergriffen werden - im wesentlichen sind dies unter unserem
System alles Präsidialinitiativen - daß also, ehe diese Initiativen ergriffen werden, vorbereitende Beratungen mit den entsprechenden Institutionen
des Kongresses stattfinden müssen.
Nun kann man natürlich nicht jedes Mitglied konsultieren. Wenn es sich
aber beispielsweise um eine Sache handelt, die mit der Rüstangskontrolle in
Zusammenhang steht, dann sollten zumindest zwei Gremien des Kongresses konsultiert werden

- der Außenpolitische Ausschuß des Hauses und des Senats

oder die Militärausschüsse. Die Zahl der Mitglieder dieser Ausschüsse ist
wirklich nicht sehr groß, und daher gibt es auch keine ernsthafte Erschwerung für gute Konsultationen. Der Präsident und seine Mitarbeiter brauchen
dabei ja nicht bis in letzte Einzelheiten zu gehen, aber sie müssen den Kongreß darüber informieren, daß bestimmte Dinge im Gang sind.
So ist es nunmehr Aufgabe der Exekutive, einzusehen, daß die Nach-Vietnam-Ära es erfordert, erst Konsultationen abzuhalten und dann zu starten.
So wie der verstorbene Senator Arthur Vandenberg zu sagen pflegte: "Ich
will bei den Starts genau so dabei sein wie bei den Bruchlandungen".
Im allgemeinen kommt der Kongreß erst bei den "Bruchlandungen" ins
Spiel oder aber, wenn wir"mitten im Flug"sind, wo es keine Möglichkeit zur
Umkehr gibt - dem

Punkt, von dem es kein Zurück mehr gibt. Das kann so»

- 4 -

« .

�*

so nicht weitergehen, und ich glaube, unsere Nachbarn in der Welt müssen
einfach begreifen, daß wir für eine bestimmte Zeit dies hier bei uns auszufechten haben.
Das bedeutet aber nicht, daß die von den Vereinigten Staaten gegenüber
der NATO eingegangenen bindenden Verpflichtungen irgendwie geringer würden.
Der Kongreß steht zur NATO. Wir bewilligen für die Verteidigung 100 Milliarden
Dollar. Wir haben nach wie vor ein Auslandshilfeprogramm, Wir verschenken oder
verleihen Milliarden von Dollar. Und so verfügen die Vereinigten Staaten,
trotz all der Zweifel und Kritik in den Leitartikeln, über eine funktionierende Regierung.
Aber wir sind eiBe Demokratie und wir werden niemandem erlauben, uns zu
sagen, was wir zu tun haben. Wir werden damit fertig werden, genau so wie
wir nach dem Zweiten Weltkrieg damit fertig geworden sind. Wir leben jedoch
in einer anderen Zeitepoche. Es ist nicht 1947 - es ist 1975. Es ist nicht
die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, es ist vielmehr die Zeit nach der unglaublichen Erfahrung, die wir in Vietnam machten, nachdem die Sowjets eine Supermacht geworden sind, nach dem arabischen ölembargo und nach drei Kriegen im
Nahen Osten, die alle für uns eine außerordentliche Gefahr bedeuteten. Und
der Kongreß wird zu diesen Dingen einiges zu sagen haben.
Frage: Zu einem anderen Thema: Sie standen vor kurzem an der Spitze
einer Gruppe von 13 Senatoren, die die Sowjetunion besuchten. Eine Zeitung
in Washington schrieb kürzlich in einem Artikel, daß Sie aufgrund Ihrer mit
dem führenden Mann der Sowjetunion, Breschnew, geführten Gespräche, Präsident Ford dringend geraten hätten, vorsichtig zu sein, ehe sie irgendwelche

- 5 -

�irgendwelche Abkommen der SALT II-Verhandlungen unterzeichneten. In dem
Artikel wird berichtet, daß Sie Präsident Ford gegenüber erklärt hätten,
der Kreml brauche nach Ihrem Gefühl sehr viel dringender ein Abkommen mit
den Vereinigten Staaten als die Vereinigten Staaten eines mit der Sowjetunion,
und daß die Vereinigten Staaten
klaren Vorteil

daher in ihrer Verhandlungsposition einen

hätten. Ist das wahr?

Antwort: Nun ja, nach meinem Urteil sollten wir keinerlei Hast noch
Eile bei Fragen aufkommen lassen, die so delikat oder so empfindlich und komplex sind, wie die der SALT II-Verhandlungen - d.h. bei den Gesprächen über
die Begrenzung Strategischer Rüstunqen &gt; c'1'e

mit

Offensivwaffen in Zusammen-

hang stehen. Das Schlimmste was wir tun könnten wäre, die Dinge im Ungewissen
zu lassen. Eine der Schwächen des Interimsabkommens über die ABM-Systeme und
andere Nuklearwaffen bestand ja in den vielen Gebieten, über die Zweideutigkeit und Unklarheit herrscht, Gebiete, bei denen wir einseitige Erklärungen
über das haben, was es nach unserer Auffassung bedeutet.
Nun sind die Sowjets weiter gegangen und haben gemäß diesem Interimsabkommen, nach den Abmachungen von SALT I, einige Veränderungen in Ihrem
Waffensystem vorgenommen. Sie haben ihre Raketensilos geändert, sie haben
ihre Raketen verbessert, sie haben die Einsatzmittel-Last ihrer Raketen gesteigert, sie haben begonnen, ihre Raketen mit MIRVs zu armieren. Viele
Amerikaner sagen nun, "Oho! Die Sowjets verletzen das Abkommen"'- aber sie
verletzen es nicht! Die Sowjets verletzen den Buchstaben des Abkommens
tatsächlich nicht. Wogegen sie verstoßen, das ist das einseitige Verständnis, das wir hatten. Aber die Russen haben ja nicht das unterzeichnet, was

- 6 -

�r

was es nach dem Verständnis der Vereinigten Staaten bedeuten sollte.
Ich meine daher jetzt ganz einfach, daß wir, um in diesen sehr delikaten Beziehungen zwischen zwei Supermächten alles Mißverständliche soweit
wie möglich zu verringern oder zu vermeiden, versuchen sollten, durch eine
ganz spezifische, genaue Sprache ein Maß an Genauigkeit - und nicht Doppeldeutigkeit - festzulegen über das, was wir meinen, wenn wir von bestimmten
Waffensystemen sprechen, und über das, was wir tun können und nicht tun
können. So können wir uns beispielsweise keinerlei Doppeldeutigkeiten darüber
erlauben, ob Flugkörper mit Luftstrahltriebwerk (cruise missiles) unter die
Bestimmungen der Abmachungen von Wladiwostok fallen oder nicht. Wir können
uns auch keine Unklarheiten darüber leisten, ob der russische Bomber des
Typs "Backfire" unter die Bestimmungen des Wladiwostok-Abkommens fallen soll
oder nicht. Alles, was ich sage, ist: Keine Übereilung, nur um einen politischen Vorteil zu erlangen.
Das Problem ist gewesen, daß die früheren Abkommen kurz vor den Wahlen
des Jahres 1972 zustandekamen. Mr. Nixon wollte Übereinkünfte und Abkommen
haben. Das kann ich begreifen. Meine Kritik richtet sich nicht so sehr dagegen, daß der Präsident in der Lage sein wollte, zu zeigen, daß er wesentliche Fortschritte in der Außenpolitik erzielt hatte. Er hat •_ sie ja erzielt. Er hat wesentliche Fortschritte erzielt. Ich glaube, das ist das Verdienst Mr. Nixons, sowohl in Rußland als in China. Jetzt kommt aber ein
neues Wahljahr auf uns zu, und dann entsteht immer ein gewisser Druck in der
Administration

wie auch im Kongreß, Dinge zum Abschluß zu bringen, selbst
- 7 -

�4

selbst wenn sie nicht so gut sind, wie man wünschen möchte.
Ich meine, wir sollten vorsichtig vorgehen, aber wir sollten voranschreiten. Wir sollten, wenn es menschenmöglich ist, einen beständigen Fortschritt erzielen. Aber man darf nicht leichtfertig über etwas hinweggehen,
was einem Schwierigkeiten machen könnte. Und man darf nicht versuchen, es
zu verharmlosen, weil dies nur zu noch größeren Schwierigkeiten zu einem
späteren Zeitpunkt führen würde.
Frage: Aber wenn wir nun eine größere Spezifizierung verlangen, glauben
Sie, daß wir dann nochzu einem Abkommen gelangen können?
Antwort: Oh,ja! Wir sollten nicht vergessen, daß es vieles gibt, was
die Sowjets von uns haben wollen. So glaube ich, daß es für sie

dringend

notwendig ist, die ungeheuren Kosten des Wettrüstens zu verringern, da sie
ja auch noch andere Probleme haben. Sie haben Probleme mit China, und sie
haben Probleme mit ihrer Wirtschaft, einschließlich des gewaltigen Ernährungsproblems. Ich möchte eines klarstellen: Ich schlage nicht vor, daß wir diese
Probleme ausschlachten sollten. Das möchte ich nicht, und das würde auch
nicht funktionieren. Nur solche Abkommen, die für beide Seiten nützlich
sind, können funktionieren. Aber ich möchte auch nicht, daß irgendetwas
überpinselt wird, nur weil es schwierig ist.
Frage: Eine andere Frage im Zusammenhang mit dem amerikanisch-sowjetischen Verhältnis ist das gesamte Problem der Verknüpfung von Handel und
sowjetischer Auswanderungspolitik. Haben Sie aufgrund Ihres Besuches (in
der UdSSR) Ihre positive Haltung zum Jackson-Vanik-Amendment (Gesetzeszusatz, durch den die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel von einer Liberalisierung der Auswanderungspolitik abhängig gemacht wurde) zum Handels-

- 8 -

�*

Handelsgesetz von 1974 irgendwie geändert?
Antwort: Grundsätzlich nicht. Wenn ich sage, grundsätzlich nicht, dann
meine ich, daß wir ein Recht haben,die Sowjets zu drängen, eine größere Freizügigkeit zuzulassen. Die Formulierung dieser Bestimmung im Handelsgesetz,
wie sie gegenwärtig besteht, ist vielleicht etwas zu scharf. Aber die größten Schwierigkeiten mit dem Jackson-Vanik-Zusatz hat es nicht wegen der
tatsächlichen Formulierungen im Gesetz gegeben, sondern wegen der Publizität,
die dieser Zusatz gefunden

hat. Man hat versacht, der amerikanischen Öffent-

lichkeit den Eindruck zu vermitteln, wir hätten "ihnen gesagt: Entweder, oder".
Wir sollten nicht von "Quoten" der jüdischen Auswanderung sprechen, und
wir sollten das nicht anderen Leuten unter die Nase reiben,obwohl wir natürlich, wie ich meine, eine Verpflichtung auf dem Gebiet der

Menschenrechte

haben. Unsere Delegation hat den Sowjets das erklärt.
Wir haben den Sowjets gesagt, daß wir das Gesetz

abändern können, daß

wir auch das Export-Import-Gesetz abändern können, dag wir ihnen größere Kredite geben können, daß wir ihnen die Meistbegünstigungsklausel einräumen
können - aber daß sie eben einfach im Sinne der jüdischen Auswanderung etwas
tun müssen. Wenn sie nicht bereit sind, irgend etwas zu tun, dann sieht es
schlecht aus.
Frage: Senator Humphrey, ganz allgemein von dieser Frage der Menschenrechte gesprochen: In welchem Umfang können die Vereinigten Staaten nach Ihrer
Auffassung das innenpolitische Verhalten anderer Länder beeinflussen?
Antwort: Sie werden verstehen, daß es sehr schwferig ist, anderen
Ländern zu sagen, was sie zu tun haben. Mar, kann ihnen sagen, was sie tun

- 9 -

�sollten, aber eine andere Frage ist, ob man sie veranlassen kann, es zu
tun. Ich bin jedoch der Überzeugung, daß wir niemals einen Zweifel darüber
aufkommen lassen dürfen, wo wir hinsichtlich der Frage der Menschenrechte
stehen. Beispielsweise in Korea. Ich bin der Auffassung, daß wir gegenüber
Südkorea eine starke Verpflichtung haben . Ich halte sehr viel vom koreanischen Volk. Wir hatten in den Jahren nach dem Kriege ein ausgezeichnetes
Verhältnis zu diesem Volk. Und ich meine, die Welt sollte sich darüber im
klaren sein, daß wir einen Vertrag haben und daß wir diesen Vertrag erfüllen werden. Das bedeutet jedoch keinesfalls, daß wir alles gutheißen müssen,
was das Regime von Präsident Park tut. Ich bin der Ansicht, wir sollten ihm
klar machen, daß er durch autoritäre Maßnahmen den Enthusiasmus,

die Ent-

schlossenheit unserer Unterstützung untergräbt.
Wenn Regierungen die Presse unterdrücken, wenn sie religiöse Gruppen
unterdrücken, wie das in einigen Ländern geschieht, dann dürfen die Vereinig
ten Staaten nicht einfach die Augen verschließen und so tun, als sei nichts
passiert. Wir müssen etwas tun. Und unser Außenminister muß klar machen,daß
das amerikanischeVolk sich abgestoßen fühlt; daß dadurch die Fähigkeit unserer Regierung, die benötigte Unterstützung zu gewähren, eingeschränkt wird.
Die Vereinigten Staaten sind ein Land, das an die in seiner Verfassung
niedergelegten Menschenrechte glaubt. Die Sowjetunion sagt, sie glaube an
Marx und Lenin . Ich habe nichts dagegen. Das ist ihre Sache. Ich stehe jedoch für die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung der Vereinigten
Staaten, für die Bill of Rights, ein. Ich glaube an den Grundsatz: 'Was
Du nicht willst, das man Dir tu , das füg auch keinem anderen zu.
Man

�Man kann natürlich aufgrund der harten Tatsachen des Lebens gezwungen
sein, manche Dinge eben zu dulden. Das heißt aber noch lange nicht, daß wir
die Dinge, weil wir sie hinnehmen, auch als Norm akzeptieren. Wir müssen
dann die Leute wissen lassen, daß unser Verhalten durch die Notwendigkeit
bestimmt ist, aber wir lassen sie dann auch wissen, daß wir ihre Maßnahmen
deswegen keineswegs billigen.
Frage: Sie sind Vorsitzender des Unterausschusses für Auslandshilfe
des Außenpolitischen Ausschusses, eines neuen und sehr wichtigen Unterausschusses. Wie sehen Sie die Zukunft der amerikanischen Auslandshilfeprogramme
in der Ära nach Vietnam?
Antwort: Schwierig, sehr schwierig! Aber ich glaube, wir können sie
fortsetzen. Wir werden diese Programme in Zukunft sehr viel sorgfältiger prüfen. Wir werden einen größeren Teil unserer Auslandshilfe über die multinationalen oder multilateralen Organisationen, die Sonderoorganisationen der
Vereinten Nationen und andere, abwickeln. Wir werden den Nachdruck, vor allem
in der Nahrungsmittelerzeugung, im Gesundheitswesen und im Bildungswesen auf
die ärmsten Länder legen. Ich meine, das sind die richtigen Schwerpunkte.
Die Bevölkerung darf erwarten, daß wir mit der Zuteilung unserer Mittel für
die Auslandshilfe sorgsamer umgehen. Das heißt jedoch nicht, daß wir kein
sehr gesundes und beträchtliches Auslandshilfeprogramm haben werden. Es
wird besser verwaltet und vom Kongreß besser überwacht werden, Und ich glaube,
es wird auch wirksamer werden.
Frage:
- 11 -

�Frage: Ihr Unterausschuß hat auch die legislative Aufsicht über Waffenverkäufe und Sie haben Anhörungen über diesen Fragenkomplex abgehalten.
Wie steht der Kongreß zu Waffenverkäufen?
Antwort: Wir sind sicherlich besorgt darüber, aber wir haben noch keine
wirkliche Antwort gefunden. Wie Sie wissen

sind die Vereinigten Staaten zum

größten Waffenhändler der Welt geworden. Ich glaube, unsere Waffenverkäufe
im vorigen Jahr beliefen sich auf rund acht Milliarden Dollar und werden in
diesem Jahr vielleicht noch höher liegen.

Das ist sehr viel. Aber die Fran-

zosen sind auch in diesem Geschäft, ebenso wie die Briten und die Sowjets.
Die Hauptsorge des Kongresses ist das Ausmaß, in dem die Vereinigten
Staaten hochentwickelte Waffen liefern. Wir wollen wissen, an wen sie geliefert werden und unter welchen Bedingungen. Ich meine, wir sollten derartige
Tätigkeiten sehr sorgsam überwachen. Nun ist natürlich in letzter Zeit eine
große Menge Waffen an die Länder des Nahen Ostens und des Persischen Golfs
verkauft worden. Der Schah von Persien hat große Einkäufe getätigt, und wir
im Kongreß haben uns nicht geweigert, diese Verkäufe gutzuheißen. Wir haben
die Vollmacht, uns, wenn es notwendig ist, diesen Verkäufen- zu widersetzen,
aber wir sehen einen Grund für diese Investition. Er muß seine Grenzen verteidigen können. Er lebt in einem sehr gefährlichen Teil der Welt. Aber wir
halten es auf jeden Fall für wichtig, ein Auge auf solche Waffenverkäufe zu
haben, und so überprüfen wir ständig die Abwicklung der militärischen Lieferungen und die Gesetzgebung für

solche Lieferungen im Lichte der neuesten

Ereignisse. Es geht dabei nicht darum, irgendjemandem Ärger zu bereiten,
sondern den Kongreß

auf dem Laufenden zu halten.
Frage:

- 12 -

�Frage: Vielleicht noch eine wesentliche Frage: Welche Rolle sollten
nach Ihrer Auffassung die Vereinigten Staaten in den nächsten Jahren in der
Weltpolitik spielen? Ihr Ausschuß hält ebenso wie der korrespondierende Ausschuß des Repräsentantenhauses Anhörungenüber die künftige Rolle der amerikanischen Außenpolitik ab.
Antwort: Wir wollen zunächst einmal die Gefahren der kommenden Jahre
betrachten. Die erste und größte Gefahr ist das Wettrüsten, denn man ist
fälschlicherweise der Meinung, daß man durch das Aufstocken der Rüstung
mehr Sicherheit bekomme. In Wirklichkeit ist es natürlich so, daß die andere
Seite ebenfalls aufstockt. Damit wird nur die Schwelle der Gefahr angehoben und man verbraucht gewaltige Mittel,die man dringend für einen höheren
Lebensstandard und für viele andere Aufgaben in den jeweiligen Ländern
brauchen würde. Ich meine daher, daß im Vordergrund der Außenpolitik im
nächsten Jahrzehnt eine weltweite, entschlossene Anstrengung, vor allem zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, stehen muß, um dem Wettrüsten eine Grenze zu setzen. Man muß ihm Einhalt gebieten und es dann
hoffentlich zurückschrauben.
Ich möchte auch hoffen, daß uns das in gleicher Weise im Nahen Osten
gelingt. Der Nahe Osten sollte auf jeden Fall eine kernwaffenfreie Zone
sein. Die Vereinigten Staaten sollten sich im Nahen Osten rüstungsmäßig
ebenso zurückhalten wie die Sowjetunion. Das wird eine beiderseitige Angelegenheit sein müssen, und wir werden einen Großteil unserer Aufmerksamkeit
auf dieses Gebiet als einem Gefahrenpunkt konzentrieren müssen.
Unser NATO-Bündnis ist sehr wichtig. Es ist der Eckpfeiler unseres
ganzen Sicherheitssystems. Sie ist das Kernstück, und wir brauchen dort ein
gut funktionierendes Verhältnis und eine starke Verteidigung. Und wir haben
auch unsere Verantwortlichkeiten in Japan.
- 13 -

..

�Unsere neuen außenpolitischen Initiativen werden sich jedoch weitgehend
auf den wirtschaftlichen Bereich erstrecken. Als große Industrienation brauchen wir den Zugang zu den Versorgungsquellen - zu einer möglichst durch langfristige Abkommen über Grundstoffpreise gesicherten Versorgung - nicht mit
fixierten, sondern mit flexiblen Preisen. Wenn die Entwicklungsländer ihre
Güter zu einem fairen Preis an uns verkaufen können, dann brauchen sie weniger Auslandshilfe. Ich meine, es ist besser für sie, wenn sie ihren Unterhalt
mit einem fairen Preis für das, was sie uns verkaufen wollen, selbst verdienen, als daß wir sie mit Niedrigpreisen ausbeuten und dann wieder in einem
großen Geist der Nächstenliebe an sie herantreten und sagen, daß wir
ihnen aus der Klemme helfen müssen.
Die Menschen verdienen ihren Unterhalt lieber selbst.
Aus dem ländlichen Staat Minnesota kommend habe ich durchaus Verständnis für das, was den Rohstofferzeugern passiert ist. Sie bekommen immer weniger für ihre Mühen als die meisten anderen Leute. Sie sind niemals ganz fair
behandelt worden. Ich möchte daher sichergehen, daß wir gelernt haben, daß
von jetzt an unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit entscheidend wichtig
ist - nicht nur unter den Industrieländern, sondern auch zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern.
Ich hoffe, wir werden begreifen, daß es hier einer kontinuierlichen
Auslandshilfe für die wirtschaftliche Entwicklung bedarf. Der Nachdruck muß
auf die Nahrungsmittel Versorgung der Welt gelegt werden, '.und

es muß für

den Notfall vorgesorgt werden - durch Nahrungsmittellager für den Notfall,
um für ernste und nicht vorhersehbare Fälle gerüstet zu sein. Das sind,
neben vielen anderen, die Probleme, auf die wir unser Augenmerk konzentrieren sollten.

Die
14

i

�Die militärischen Aspekte der Außenpolitik werden nicht länger unsere
einzige Sorge und Last sein. Die wirtschaftlichen und menschlichen Aspekte
sind ebenso wichtig. Da ist der Umweltschutz; da ist das Seerecht; da ist
das Wissen um die Interdependenz und die Erkenntnis, daß die Vereinigten
Staaten, die zwar eine große Weltmacht sind, nicht mehr dominieren oder
herrschen. Die Vereinigten Staaten haben einen gewaltigen Einfluß, und wir
sollten das niemals unterschätzen, aber wir müssen ein brauchbarer Partner
im Rahmen unserer Bündnisse auf der einen und Weltgemeinschaft auf der anderen Seite sein. Und wir müssen den Standpunkt des anderen berücksichtigen
und sehen, was er braucht.
Frage: Sie sind optimistisch,

daß diese Interdependenz eintreten

wird?
Antwort: Aber sicher, weil sie notwendig ist. Es wird eine sehr große
Herausforderung an uns sein, und es wird uns manchmal zu Tode erschrecken.
Aber wir werden lernen müssen, mit der Gefahr zu leben. Es gibt heute so
viele Menschen, die alles gerne leicht und bequem hätten. Ich glaube, wir
haben heute eine ganze Generation solcher Leute, die glauben, wenn

etwas

schief geht, dann geht gleichalles in die Brüche. So ist es nicht. Wissen
Sie, es ist dann besser, zu erkennen, daß es schwierig werden wird, und daß
man, wenn man sich den Schwierigkeiten nicht stellen will, ihnen am besten
gleich aus dem Weg geht. Die Welt ist nicht für weiche Menschen .geschaffen.
Die Welt ist geschaffen für Menschen, die sich der Herausforderung stellen,
die Mut und Abenteuergeist haben - die moralische, physische und geistige
Stärke besitzen.
XXX

- 15 -

�</text>
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United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

300

Information
und
Dokumentation

08-85432

24. September 1975

19

Inhalt

DOKUMENTATION:
Neue Friedensinitiative der Vereinigten Staaten
-Rede Kissingers vor der UN-Vollversammlung-

INF0RMATI0N:
SYSTEMS' 75
-US-Gemeinschaftsschau in München-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Dokumentation

Service

Postfach

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

19/1975

NEUE FRIEDENSINITIATIVE DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede Kissingers vor der UN-Vollversammlung

Außenminister Henry A. Kissinger hat in
einer Rede vor der 30. Sitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 22.
September 1975 den weltpolitischen Standort der USA dargelegt und neue Vorschläge
für eine friedliche Beilegung der Probleme
im Nahen Osten und auf der koreanischen
Halbinsel unterbreitet. Die Ausführungen
des amerikanischen Außenministers haben
folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Delegierte, meine Damen
und Herren:
Lassen Sie mich zu Beginn sagen, daß es mir eine besondere Freude ist,
daß unsere Tätigkeit hier in diesem Jahr unter der Präsidentschaft des hochverehrten Ministerpräsidenten von Luxemturg stattfindet. Sein Beitrag zur
europäischen Zusammenarbeit, seine diplomatischen Fähigkeiten, seine Hingabe
an die Demokratie geben uns das Vertrauen, daß diese 30. Sitzungsperiode von
einem konstruktiven und schöpferischen Geist geprägt sein wird.
Ich möchte auch dem hochverehrten Generalsekretär meine Anerkennung
zollen, dessen Fairness, Initiative und unermüdliche Anstrengung dem einen
Ziel dienen, diese Organisation in eine neue Ära der Zusammenarbeit für den
Weltfrieden weiterzuführen.
Dieses

�Dieses Jahrhundert hat in einem beispiellosen Ausmaß Krieg und Umsturz
gebracht. Wir haben den Zusammenbruch überkommener Ordnungssysteme und Praktiken im internationalen Verhalten erlebt. Wir haben weltweite wirtschaftliche
i

Depression und Folgen von Hungersnöten erlebt. Wir haben die Entstehung thermonuklearer Waffen und die Ausbreitung der Rüstung auf der ganzen Welt erlebt. Wir leben in einer Welt der ständigen Unruhe und ideologischen Spaltung.
Aber dieses Jahrhundert hat auch den Grundsatz der Selbstbestimmung und
der nationalen Unabhängigkeit gebracht. Es hat sich eine wahrhaft weltweite
Gemeinschaft zu entwickeln begonnen, was sich in einer Vielzahl von Institutionen der internationalen Zusammenarbeit widerspiegelte. Wir haben neue Methoden entwickelt für die friedliche Beilegung von Streitigkeiten, zur Begrenzung der Rüstungen und neue Institutionen zur Förderung der wirtschaftlichen
Entwicklung und zur weltweiten Bekämpfung des Hungers und der Krankheit. Und
die Tatsache unserer Anwesenheit hier unterstreicht die Hoffnung aller Völker,
daß Streitigkeiten und Konflikte durch kooperative Maßnahmen beigelegt werden *
können.
Wenn wir über die Zukunft sprechen, dann dürfen wir nicht vergessen, daß
in dieser Organisation gerade ein Ereignis von potentiell gewaltiger Bedeutung
für künftige Zeiten Gestalt gewonnen hat: die einstimmige Übereinkunft der
Siebten Sondersitzung der Vollversammlung über Maßnahmen zur Verbesserung der
wirtschaftlichen Verhältnisse der Menschheit.
Trotz Unterschieden in der Ideologie und der Haltung gegenüber wirtschaftlicher Entwicklung haben die hier versammelten Nationen sich der Erkenntnis genähert, daß unsere Interdependenz entweder gemeinsamen Fortschritt oder
gemeinsamen Untergang bedeutet; daß in unserem Zeitalter keine Nation und keine Gruppe von Nationen ihre Ziele durch Druck oder Konfrontation erreichen
kann, und •'aß ein solcher Versuch nur jedem schaden würde. Sie kamen überein, sich

in der Suche nach einer kooperativen Zukunft über die festgefahre-

nen Auffassungen der Vergangenheit zu erheben. Die Sondersitzung hat ein Gefühl gemeinsamer Zielsetzung auf der Basis der Gleichheit und der Zusammen-

- 2 -

�Zusammenarbeit von Staaten hervorgerufen. Jetzt müssen wir uns daran machen,
diese Übereinstimmung in die Tat umzusetzen.
Wir müssen den Geist der Versöhnung jetzt in die Beratungen diese» regulären Sitzungsperiode hineintragen. Wir müssen uns den Fragen des Weltfriedens
- der Grundlage all dessen, was wir auf diesem Planeten tun - mit dem gleichen Bewußtsein dieses unseres gemeinsamen Schicksals zuwenden.
Es ist unsere gemeinsame Pflicht, uns leerer Schlagworte und endloser r
genseitiger Beschuldigungen zu enthalten. Wir müssen stattdessen das internationale Klima erhalten, stärken und erweitern, das wir und unsere Nachkommen für
die Aufrechterhaltung des Friedens und die Förderung des Fortschritts brauchen.
Nur in einen: Gefüge der Zusammenarbeit kennen Streitfälle beigelegt und
Zusammenstöße eingedämmt werden. Nur in einer Atmosphäre der Versöhnung kann
die Unsicherheit von Nationen, aus der so viele Konflikte entstehen, gemildert
werden und körnen die Gepflogenheiten des Kompromisses und der Annäherung gedeihen. Sczialer Fortschritt, Gerechtigkeit und Menschenrechte können nur in
einer Atmosphäre verringerter internationaler Spannungen erblühen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich voll und ganz für die kooperativen Bemühungen um eine Harmonisierung der unterschiedlichen Perspektiven der
Weltgemeinschaft bei der Schaffung eines neuen Gefühls der Sicherheit und des
Wohlergehens einzusetzen. Wir tun dies nicht aus Angst, denn wir sind besser
in der Lage, uns in Situationen der Konfrontation zu behaupten als die meisten
anderen Länder. Noch tun wir dies aus einem Schuldgefühl heraus, denn wir glauben, daß wir im großen und ganzen unsere Macht für konstruktive Ziele eingesetzt haben.
Wir stehen zu dem gemeinsamen Schicksal aus der Erkenntnis der weltweiten
Interdependenz heraus und weil der Weltfrieden es erfordert. Es gibt einfach
keine realistische Alternative zu gemeinsamer Verantwortung, wenn es um die
internationale Tagesordnung von Frieden, Sicherheit, wirtschaftlichem Wohleroeher

und Gerechtigkeit geht.

.

�Lassen Sie mich die Auffassungen der Vereinigten Staaten zu der Arbeit
darlegen, die wir auf jedem dieser Gebiete leisten müssen.

Der Aufbau des Friedens
Unser erstes und alles überragende Anliegen ist der Frieden in der Welt.
Frieden ist niemals etwas Automatisches.
Frieden ist mehr als nur kein Krieg.
Und Frieden ist untrennbar mit Sicherheit verbunden.
Eine Welt, in der das überleben von Völkern von der Gnade einiger weniger
abhängt, würde zwangsläufig Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Angst mit sich
bringen. Ohne ein Gleichgewicht kann es keine Sicherheit geben, und ohne Zurückhaltung keine Gefahrlosigkeit.
Nur wenn die Rechte der Völker respektiert werden und die Anpassung an die
Stell" der Gewalt tritt, können die Kräfte des Menschen für die Verwirklichung
seiner tiefsten Wünsche und Hoffnungen eingesetzt werden.
Die Vereinigten Staaten werden der Sache des Friedens mit Geduld und einer
Haltung der Versöhnung auf vielen Gebieten

dienen.

- Wir werden die Bande der Zusammenarbeit mit unseren Freunden und Verbündeten festigen und vertiefen.
- Wir werden eine Verbesserung der Beziehungen zu Ländern mit unterschiedlicher Ideologie oder politischer Überzeugung anstreben.
- Wir werden immer bereit sein, bei der Beilegung von regionalen Streitigkeiten mitzuhelfen.
- Wir werden unsere Anstrengungen verstärken, um der Spirale der nuklearen
Rüstung Einhalt zu gebieten.
- Wir werden uns um eine Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen
Verhältnisse des Menschen und um eine Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen

�zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern bemühen.
- Wir werden um die Verwirklichung der grundlegenden Menschenrechte
kämpfen.

Die Beziehungen zu Freunden und Verbündeten
Die engen Bindungen Amerikas mit den industriellen Demokratien Nordamerikas, Westeuropas und mit Japan sind drei Jahrzehnte lang der Eckpfeiler der
Stabilität und des Friedens in der Welt gewesen. Heute arbeiten wir über die
unmittelbaren Anliegen von Sicherheit und Verteidigung hinaus in einem weiten
Bereich neuer Fragen zusammen. Durch unsere Konsultationen haben wir gemeinsame
Anstrengungen zum Abbau der internationalen Spannungen eingeleitet. Wir haben
begonnen, unsere nationalen Politiken für den wirtschaftlichen Wiederaufschwung
zu koordinieren, gemeinsame Herausforderungen wie Energie und Umweltschutz
gemeinsam zu meistern und die großen Fragen anzupacken, die die Entwicklungsländer betreffen.
Diese Anstrengungen dienen weltweiten Zielen. Sie richten sich nicht gegen irgendein ' "^d oder eine Gruppe von Ländern. Sie sollen Bausteine einer
weitergefaßter

internationalen Gemeinschaft sein.

Im gleichen Geiste haben die Vereinigten Staaten einen neuen Dialog mit
ihren Nachbarn in Mittel-und Lateinamerika begonnen. Wir haben wichtige Schritte zur Lösung großer politischer Probleme getan. Wir haben enge Konsultationen
für eine Zusammenarbeit in der Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung eingeleitet. Die Bündnisbeziehungen der westlichen Hemisphäre haben
eine lange Geschichte und sind vielversprechend für die Zukunft. Mit Einfallsreichtum und Hingabe können wir die interamerikanische Zusammenarbeit bei den
Aufgaben der Entwicklung zu einem Beispiel für die Weltgemeinschaft und zu
einem ihrer Tragpfeiler machen.
Ost-West-Bezi ehungen

�Ost-West-Beziehunqen
Wenn der Friede sicher sein soll, dann muß eine dauerhaftere und zuver"läsr'gere Basis der Beziehungen zwischen Nationen geschaffen werden, die die
Mittel besitzen, unseren Planeten zu zerstören.
In den letzten Jahren ist die bipolare Konfrontation der vorigen Generation dem Beginn eines Diaions und einer Entspannung des direkten Konfliktes
gewichen. Vor allem in diesen. Gremium nier weiß man sicherlich die globale
Bedeutung verringerter Spannunyen zw1sehen den nuklearen Supermächten zu
schätzen. Der Erfolg dieser Entspannungen geht alle Nationen an. In einer Zeit,
da Massenvernichtungswaffen in Minuten Kontinente überfliegen können, bedroht
ein nuklearer Konflikt den Fortbestand der ganzen Menschheit.
Kir sind uns darüber im klaren, daß der Argwohn und die Rivalität einer
ganzen Generation nicht durch ein Konferenzdokument weggewischt werden kann.
Es existieren echte ideologische und politische Unterschiede. Wir werden unsere Lebensinteressen und die unserer Freunde mit Festigkeit verteidigen. Aber
wir werden niemals die Tatsache aus dem Auge verlieren, daß in unserem Zeitalter Frieden ebenso eine praktische Notwendigkeit wie eine moralische Unabdingbarkeit ist.
Wir werden den Entspannungsprozeß auf der Basis strikter Wechselseitigkeit verfolgen. Wir kennen den Unterschied zwischen bloßer Geste und Politik.
Wir werden die Auffassung nicht ermutigen, daß jeder mal von künstlichen Spannungen profitieren könne. Wir sind uns zutiefst darüber im klaren, daß wir
es künftigen Generationen schuldig sind, uns nicht durch momentane Leidenschaften leiten zu lassen.
.

Der Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen heute und noch vor
einem Jahrzehnt läßt einen dramatischen Unterschied erkennen. Die Welt wird
nicht mehr ständig durch chronische und bittere Konfrontationen erschüttert.
Periodische Konsultationen - einschließlich der Gipfeltreffen - fördern Zurückhaltung und vergrößern die Gebiete gemeinsamen Interesses. Das kommende

�kommende Treffen zwischen Präsident Ford und Parteichef Breschnew dürfte diesen Prozeß stärken.
Auf verschiedenen Gipfeltreffen wurden Grundsätze

der beiderseitiger

Zurückhaltung verkündet. Sie wurden durch die Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa vor zwei Monaten bekräftigt.
Diese Grundsätze schaffen eine Verhaltensnorm, die zum Maßstab unserer
Handlungen werden wird. Wenn diese Normen eingehalten werden - wie wir das
wollen - und wenn keine Seite einseitige Vorteile sucht, dann wird der Alptraum eines allgemeinen Krieges nicht nur von unserem eigenen Volke, sondern
von allen Nationen genommen werden. Es gibt keine wichtigere Aufgabe für uns.
In gleicher Weise haben wir konstruktivere und nützlichere Beziehungen
zu den Ländern Osteuropas angestrebt. Die Vereinigten Staaten verbinden vi&gt;1e
traditionelle und tiefverwurzelte Bande der Freundschaft mit den stolzen Völkern dieser Region. Wir sehen wachsende Möglichkeiten der praktischen Zusammenarbeit in dem Maße, in dem die Barrieren zwischen Ost und West in Europa abgebaut werden.
Es gibt kein Verhältnis, dem die Vereinigten Staaten größere Bedeutung
beimessen, als ihrei neuen Bindungen mit der Volksrepublik China. Wir sind der
Überzeugung, daß das Wohlergehen u«"1 der Fortschritt eines Viertels der Menschheit ein wichtiges Element der globalen Stabilität sind. An die Stelle der
jahrzehntelangen Feindseligkeit zwischen unseren beiden Ländern ist ein Verhältnis der gegenseitigen Achtung getreten, das heute ein dauerhaftes Charakteristikum der internationalen Szene darstellt.
Dieses Verhältnis dient nicht nur den Interessen unserer beiden Länder,
sonder: auch den größeren Interessen von Frieden und Stabilität in Asien und
in der ganzen Welt. Präsident Ford plant,noch in diesem Jahr die Volksrepublik
China

zu

besuchen, um die Lebenskraft unseres Verhältnisses zu stärken und die

./.iiu . gen zwischen uns auf der Grundlage der strikten Verwirklichung des
Kommuniques von Schanghai zu festigen. Wir nehmen den Prozeß der Normalisierung
unseres Verhältnisses ernst. Wir sind entschlossen, ihn weiter zu verfolgen.
Eindämmung
- 7 -

�Eindämmung regionaler Konflikte
Die Weltgemeinschaft muß einen Weg finden, um regionale Konflikte einzudämmen oder beizulegen, bevor sie sich zu einer globalen Konfrontation auswachsen. Nirgends ist diese Gefahr größer als im Nahen Osten. Nirgends ist die
Notwendigkeit beharrlicher und einfallsreicher Verhandlungen zwischen argwöhnischen Rivalen dringender. Nirgends ist die Aussicht, von der ewigen Krise zum
Frieden zu gelangen, größer. Nirgends hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einen klareren Rahmen von Prinzipien geschaffen als in seinen Resolutionen 242 und 338. Der "eg zu einem dauerhaften Frieden, der vor uns liegt, ist
lang und schwierig. Der Nahe Osten hat mehr als genug an gescheiterten Hoffnungen und Enttäuschungen erlebt. Aber der Abschluß des jüngsten Sinai-Abkommens stellt einen großen Schritt nach vorn dar. Es ist das erste Abkommen in
der langen und tragischen Geschichte des arabisch-israelischen Konfliktes, das
nicht die unmittelbare Folge von Feindseligkeiten ist. Es könnte einen Wendepunkt darstellen. Das Abkommen verdient die Unterstützung all der hier versammelten Länder, denn jede Nation muß ein Interesse am Fortschritt zum Frieden
im Nahen Osten haben. Es ist ein weiterer Schritt in dem durch die Sicherheits/
ratsresolution 338 in Gang gesetzten Prozeß. Die Alternative wäre eine anhaltende Pattsituation, die im Laufe der Zeit zu einem neuen Krieg führen könnte
und damit zu einer ernsten Bedrohung des Weltfriedens und der Möglichkeit einer
weitgehenden globalen wirtschaftlichen Störung.
Weder Angst vor der Zukunft noch Stolz sollten die Tatsache verdunkeln,daß
heute eine ungewöhnliche Chance für weiteren Fortschritt in allen Fragen besteht. Aber Chancen müssen genutzt werden, oder sie verschwinden. Ich möchte
unterstreichen, daß die Vereinigten Staaten nicht mitgeholfen haben, dieses
Abkommen auszuhandeln, um dem Prozeß des Friedens ein Ende zu setzen, sondern
um ihm einen neuen Auftrieb zu geben.
Präsident Ford hat erklärt, daß wir eine Pattsituation und Stagnation im
Nahen Osten nicht akzeptieren werden. Das galt, bevor das Sinai-Abkommen unterzeichnet wurde, und das gilt auch heute. Das Ziel unserer Politik besteht
nicht darin, lediglich einen neuen temporären Waffenstillstand herbeizuführen.

�herbeizuführen, sondern den Schwung der Verhandlungen aufrechtzuerhalten. Die
Vereinigten Staaten sind entschlossen, jeden durchführbaren Schritt zu tun, um
zu einem weiteren praktischen Fortschritt in Richtung auf einen endgültigen
Frieden beizutragen.
Als ersten Schritt ist es entscheidend wichtig, daß das Sinai-Abkommen im
Rahmen der Bedingungen und des dafür vorgesehenen zeitlichen Rahmens ganz genau
eingehalten wird.
In der dam't geschaffenen verbesserten Atmosphäre sind die Vereinigten Staaten bereit, sich ar jeder erfolgversprechenden Initiative für den Frieden auf
Ersuchen der unmittelbaren Parteien zu beteiligen.
Wir haben klar gemacht, daß wir zu einer ernsthaften Anstrengung bereit
sind, um Verhandlungen zwischen Syrien und Israel zu fördern.
Wir haben auch die Absicht, uns in den kommenden Wochen mit allen Beteiligten bezüglich der Wiedereröffnung der Genfer Konferenz zu konsultieren, die in
einer ersten entscheidenden Phase zusammentrat. Als Ko-Vorsitzender der Genfer
Konferenz zusammen mit der Sowjetunion tragen unsere beiden Länder in dieser
Hinsicht eine besondere Verantwortung.
Wir sind ferner bereit, die Möglichkeiten für ein vielleicht informelleres
multilaterales Treffen zu sondieren, um über Bedingungen zu sprechen und die
Zukunft zu erörtern.
Die Vereinigten Staaten streben für sich selbst keinen besonderen Vorteil
an. Wir machen nicht den Versuch, irgend ein Land auszuschließen. Wir werden mit
jeder Nation zusammenarbeiten, die bereit ist, einen Beitrag zu leisten. Wir bevorzugen kein bestimmtes Verfahren. Wir werden jeden Prozeß unterstützen, der
besonders vielversprechend erscheint. Unsere Haltung wird weiterhin flexibel und
entschlossen sein.
Die Suche nach einem endgültigen Frieden muß auf einer breiten Basis erfolgen. Wir sind in ständigem Kontakt mit Regierungen im Nahem Osten. Wir haben bereits Gespräche mit der Sowjetunion im Hinblick auf eine Prüfung und Bewertung
der gegenwärtigen Lage im Nahen Osten und eine Abwägung möglicher diplomatischer
- 9 -

�diplomatischer Wege aufgenommen, um in Übereinstimmung mit den Resolutionen
242 und 338 des Sicherheitsrates einen gerechten und dauerhaften Frieden herbeizuführen. Obwohl wir wichtige Meinungsverschiedenheiten mit der Sowjetunion hatten, sind unsere beiden Länder der parallelen Auffassung, daß die Lage
im Nahen Osten schwere Gefahren birgt und daß partielle Schritte Teil einer umfassenden Lösung sein und zum Fortschritt auf eine solche Lösung hin beitragen
müssen.
Die Weltorganisation spielt weiterhin eine wesentliche Rolle. Wenn diese
Organisation auch nichts weiter aufzuweisen hätte als ihre wirksame, friedenserhaltende Rolle in diesem unruhigen Gebiet, dann hätte sie darrit ihre Existenz
gerechtfertigt. Diese Soldaten des Friedens mit dem blauen Helm der Vereinten
Nationen sind als Mitglieder der UNTSO, UNEF, UNDOF für die Aufrechterhaltung
der beiden Stillhalte-Abkommen von 1974 wie auch des Sinai-Abkommens unerläßlich geworden. Ich möchte hier die Gelegenheit benutzen, um Generalsekretär
Waldheim und seinen Stab, und General Siilasvou, den Chefkoordinator der UNFriedensmission im Nahen Osten und all die Männer und Frauen aus vielen Ländern zu beglückwünschen, die in diesen Streitkräften ohne Gegner gedient haben.
I

Die Beratungen in dieser Versammlung bezüglich '*? Nahen Ostens spielen
ebenfalls eine zentrale Rolle. Sie können de,* Fortschritt fördern oder Spannungen verschärfen. Verfahrensmäßige Entscheidungen können auf der Erkenntnis
basieren, daß ein Dialog die Universalität der Mitgliedschaft erfordert oder sie
können einen nutzlosen, selbstzerstörerischen Impuls anheizen - in Verletzung
der Char a - einen Mitgliedsstaat zu diskriminieren, dessen Teilnahme für eine
Lösung von entscheidender Bedeutung ist.
Der Nahe Osten wird weiterhin r in Gebiet der Unsicherheit, der Unruhe und
der Gefahr sein, solange kein gerechter und dauerhafter Friede erreicht ist.
Ein solcher Frieden muß den Grundanliegen und Interessen aller in diesem Gebiet gerecht werden. Dazu gehört die territoriale Integrität, das Recht, in
Frieden und Sicherheit zu leben,und das legitime Interesse der Palästinenser.

�Im Nahen Osten besteht heute ein Verlangen nach Frieden, das alles seit
drei Jahrzehnten bekannte übertrifft. Wir dürfen diese Region nicht zu einer
weiteren Generation nutzlosen Kampfes verurteilen. Stattdessen muß die Weltgemeinschaft ihre historische Chance ergreifen. Die Leiden und die Tapferkeit
all der Völker des Nahen Ostens verlangen dies gebieterisch. Die Hoffnungen
und 'nteressen der Völker aller Welt fordern es. Die Vereinigten Staaten versprechen ihren vollen Einsatz zur Förderung des Fortschritts zum Frieden.
Der Beitrag der Vereinten Nationen zum Fortschritt des Friedens ist auch
in Zypern wesentlich. Dem Generalsekretär obliegt die Verantwortung für die
Organisation der Friedensstreitkrä'fte auf der Insel und die Unterstützung der
Gespräche zwischen den Führern der griechischen und türkischen Gemeinschaft.
Die strikte Einhaltung der Waffenruhe ist dringend notwendig. In dieser
Hinsicht erwarten wir von den Beteiligten Zurückhaltung und von den UN-Friedensstreitkräften wirksamen Einsatz.
Wir wissen, daß die Weltgemeinschaft unser Gefühl der Dringlichkeit teilt,
daß der Verhandlungsprozeß wieder aufgenommen werden muß, und daß die Beteiligten

Flexibilität und staatsmännisches Denken zeigen müssen. Der Status quo

auf der Insel darf nicht verewigt werden. Notwendig ist eine rasche und gerechte Lösung. Der Generalsekretär hat unter schwierigsten Umständen unermüdlich
and einfallsreich daran gearbeitet, die Meinungsverschiedenheiten einzuengen.
Er verdient die volle Unterstützung der Beteiligten und der hier vertretenen
Nationen. Die Entscheidung über die Einzelheiten einer Zypern-Regelung liegt
bei den beiden Gemeinschaften selbst. In Übereinstimmung mit den Resolutionen
der Vereinten Nationen, die die Vereinigten Staaten voll unterstützt haben, sind
jedoch folgende Grundsätze von entscheidender Bedeutung:
toria

Eine jede Regelung muß an der Unabhängigkeit,
1

Souveränität und terri-

i Integrität Zyperns festhalten.
Sie muß gewährleisten, daß sowohl die griechisch-zypriotischen wie

auch L.e türkisch-zypriotischen Gemeinschaften in Freiheit leben können und

- 11 -

�und eine wesentliche Stimme in ihren eigenen Angelegenheiten haben.
- Die gegenwärtigen Trennungslinien können nicht von Dauer sein. Es müssen
vereinbarte territoriale Abmachungen getroffen werden, die den wirtschaftlichen
Erfordernissen der griechisch-zypriotischen Gemeinschaft gerecht werden und
ihre Selbstachtung in Rechnung stellen.
- Es muß -cür den Abzug ausländischer Streitkräfte, außer jenen, die gemäß
international Abkommen dort stationiert sind, gesorgt werden.
- Die Sicherheit aller Zyprioten muß gewährleistet sein; den Bedürfnissen
und Wünschen der Flüchtlinge, die die Hauptopfer sind und deren tragische!
Schicksa'. uns alle rührt, muß rasch und mit Mitgefühl entsprochen werden.
Diese Ziele entsprechen den Hoffnungen und Wünschen der überwältigenden
Mehrheit des zypriotischen Volkes wie auch d( n Interessen aller benachbarter
Staaten.
•

Ein anderes Gebiet, auf dem diese Organisation zu einer verantwortungsbewußten Aktion aufgerufen werden wird, ist die Halbinsel Korea. Dies erfordert
aber - vor allem - die Aufrechterhaltung des Waffenstillstandsabkommens - jedenfalls, bis es zu einer Übereinkunft zwischen allen Parteien, die am direktesten betroffen sind, kommt, um dieses Abkommen durch ein neues zu ersetzen.
Das bestehende Waffenstillstandsabkommen ist das einzige rechtliche Instrument,
das die Parteien zu Aufrechterhaltung des Friedens verpflichtet. Es ist ein
mit aller Sorgfalt abgewogenes Instrument, um die militärische Demarkationslinie zu überwachen und zu schützen.
Der UN-Oberkommandierende is' Mitunterzeichner dieses Abkommens. Die
W?ffensti11 Standsüberwachungsmaschinerie ist täglich in Funktion. Keiner der
Unterzeichner hat sich dageger aufgelehnt

jnd er könnte dies auch nicht tun,

ohne ernsthafte Gefahren für dtii Weltfrieden heraufzubeschwören.
Seit 1972 haben Süd-und Nordkorea sich feierlich verpflichtet, einen
Dialog aufzunehmen und eine Vereinigung zu erstreben, ohne zu den Waffen £u_

- 12 -

�zu greifen. Diese Versammlung hat diesen Prozeß in den Jahren 1973 und 1S74
ermutigt - zuerst in einer übereinstimmenden Resolution, die Gespräche zwischen
den beiden Seitr~ 'mtorstützt, und dann in einer Resolution, die auf eine Beendigung der TätigkeitP" ' s UN-Kommandos abzielt. Auch die Vereinigten Staaten sind der Meinung,daß es zwanzig Jahre nach Beendigung des Koreakrieges
nunmehr an der Zeit wäre, das UN-Kommando abzuberufen. Wir haben daher auch
eine Resolution zu diesem Zweck, die jetzt vor ihnen liegt, mit eingebracht.
Es wäre jedoch sehr unbesonnen, wollte man das UN-Kommando aufheben, ohne neue
Abmachungen zu haben, die die Integrität des Waffenstillstandsabkommens sichern.
Im Interesse des Friedens können

ie Vereinigten Staaten keine Lösung akzep-

tieren, die nicht die Gewähr dafür bietet, daß das Waffenstillstandsabkommen
auch weiterhin seine Gültigkeit behält.
Die Republik Korea und die Vereinigten Staaten haben ihre ae"erelle Bereitschaft erklärt, mit Vertretern der anderen Seite und mit anderen Mitgliedern des Sicherhei'-~ates zusammenzukommen, um über die Aufhebung des UN-Kommandos bei gleichzeitiger Gewährlei'^'ing des Waffenstillstandsabkommens zu
sprechen. Ich kann mich heute dazu spezifischer äußern. Die Vereinigten Staaten
und die Republik Korea - auf den Zeitpunkt wartend, an dem eine dauerhafte
Lösung des Koreaproblems erzielt werden kann - schlagen hiermit den Parteien
des Waffenstillstandsabkommens die Einberufung einer Konferenz vor, um Mittel
und Wege zu erörtern, wie das Waffensti11 Standsabkommen erhalten werden kann.
Auf einer solchen Konferenz wären wir außerdem bereit, andere Maßnahmen für fr!*«
Verminderung der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu sondieren, einschließlich der Möglichkeit einer umfassenderen Konferenz zur Aushandlung eines
grundsätzlicheren Abkommens.
Es wäre im Geiste dieses Dialogs, wenn diese Versammlung den beiden koreanischen Regierungen die Türen zu einer vollen Mitgliedschaft öffnete. Die Vereinigten Staaten unterstützen die Aufnahme sowohl Süd- wie Nordkoreas in die
Vereinten Nationen, ohne damit ihre schließliche Wiedervereinigung irgendwie
zu präjudizieren. Wenn Nordkorea und seine Verbündeten darangehen würden, ihre
Beziehungen zu der Republik Korea zu verbessern, dann wären wir unsererseits
bereit, gleiche Maßnahmen auf der Basis der Gegenseitigkeit zu ergreifen.
Es
- 13 -

�Es versteht sich von selbst, daß die Vereinigten Staaten keinen Vorschlag
über Sicherheitsmaßnahmen auf der koreanischen Halbinsel akzeptieren können,
der versucht, die Republik Korea von den Erörterungen auszuschließen.
Die Vereinten Nationen können ganz wesentlich dazu beitragen, indem sie
ein verantwortungsbewußtes Vorgehen unterstützen.
Die Vereinigten Staaten haben während der letzten Jahre die Bemühungen um
friedliche Regelungen im südlichen Afrika sehr sorgfältig und mit großer Sympathie verfolgt. Wir begrüßen die staatsmännischen Bemühungen, sowohl schwarzer
als auch weißer Führer in Afrika, die Gewalt und Blutvergießen zu vermeiden
suchen und eine Regelung auf dem Verhandlungswege in Rhodesien anstreben. Die
Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Gemeinschaften in diesem Lande
sind zwar beträchtlich, sie sind jedoch im Laufe des letzten Jahrzehnts wesentlich eingeengt worden. Beide Seiten in Rhodesien und die schwarzen und weißen
Nachbarländer Rhodesiens haben ein Interesse an der Vermeidung des Bürgerkrieges. Wir werden alle Anstrengungen zur Herbeiführung einer friedlichen Regelung unterstützen.
Wenn ich unser Ziel einer friedlichen Veränderung für das südliche Afrika
hervorhebe, dann möchte ich die Wichtigkeit einer baldigen Regelung in Namibia
unterstreichen. Die Ablehnung der weiteren Besetzung Namibias durch Südafrika
seitens meiner Regierung und unsere Ablehnung des Apartheid-Systems in Südafrika
sind allgemein bekannt. Die Vereinigten Staaten haben ihren Standpunkt zu diesem
Thema Südafrika gegenüber immer deutlich gemacht, und wir werden dies auch weiterhin tun.
Wi&gt; sind der Überzeugung, daß die Bevölkerung vor Namibia innerhalb kurzer
Zeit die Chance erhalten sollte, ihre Auffassungen über die politische Zukunft
und den verfassungsmäßigen Aufbau ihres Landes frei und unter Überwachung durch
die Vereinten Nationen zum Ausdruck zu bringen.
Aufbau

�Aufbau der internationalen Sicherheit
Der Frieden in der Welt wird zerbrechlich sein und auf schwachen Füssen
stehen, wenn wir dem Wettrüsten nicht Einhalt gebieten und schließlich ein
Ende setzen. Darum haben die Vereinigten Staaten die schwierigen und komplexen Verhandlungen über eine Begrenzung strategischer Waffen mit der Sowjetunion
aufgenommen. Unser Ziel besteht darin, einen unbegrenzten und der Stabilität
entgegenwirkenden Wettstreit in der strategischen Rüstung zu verhindern, die
Wahrscheinlichkeit überstürzter Entscheidungen in Krisenzeiten weiter zu verringern und die wirtschaftliche Last des nuklearen Wettrüstens zu erleichtern.
Die Übereinkunft von Wladiwostok vom Herbst vorigen Jahres bedeutete einen
wichtigen Schritt zur Erreichung dieser Ziele. Wenn diese grundsätzliche Übereinkunft in einen Vertrag umgesetzt ist, dann werden für ?inen Zeitraum von
zehn Jahren vereinbarte Höchstgr°nzen für den Stand strategischer Streitkräfte festgelegt. Dieser beispiellose Schritt wird das Tempo neuer Rüstungsprogramme verlangsamen, vor allem jener, die der Angst vor großen Dislozierungen
der anderen Seite entspringen. Und dieser Schritt wird ferner die Aussichten
auf internationale Stabilität und politische Anpassung auf anderen Gebieten erhöhen.
Die Vereinigten Staaten sind auch aktiv an anderen RüstungskontrollVerhandlungen beteiligt. Zusammen mit der Sowjetunion haben wir einen Fortschritt in
der Schaffung von Richtlinien für friedliche Nuklearexplosionen erzielt. Und
wir sind übereingekommen, eine Schwelle für die unterirdische Erprobung von
Nuklearwaffen zu setzen. Dies sind bedeutsame Schritte zu einem umfassenden,
verifizierbaren Versuchsverbot.
Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten und die UdSSR der Konferenz
des Abrüstungsausschusses Texte für eine Konvention über das Verbot militärischer oder sonstwie feindlicher Nutzung von Techniken zur Veränderung der
Umwelt vorgelegt. Diese Techniken sind zwar noch in einem ersten Entwicklungsstadium, aber die Beherrschung der Kräfte der Umwelt durch den Menschen

�Menschen schreitet fort. Der Mißbrauch dieser Kenntnisse könnte neue Wege des
militärischen Wettstreits öffnen und der gesamten Menschheit unvorstellbare
und nie wieder gutzumachende Schäden zufügen. Wir appellieren an die Konferenz,
die Erörterung dieser Vorschläge rasch abzuschließen.
Eine weitere dringende Aufgabe ist die wesentliche Verringerung des hohen
Standes der Streitkräfte, die sich in verschiedenen Teilen der Welt heute gegenüberstehen. Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die Zeit gekommen ist, um den Verhandelnden über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa einen neuen Anstoß zu geben. Die Bedeutung der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa hängt wesentlich davon
ab, ob wir auf diesem Gebiet Fortschritte erzielen können. Ein Abkommen, das
die beiderseitige Sicherheit in Mitteleuropa stärkt, ist machbar und von wesentlicher Bedeutung. Wir werden auf dieses Ziel hinarbeiten.
Bezüglich der Ausbreitung der Nuklearenergie steht die Welt vor einem
Paradoxon. Der Mensch hat aus dem Atom Kaffen hergestellt, die die Zivilisation von Jahrhunderten in Minuten auslöschen kann. Gleichzeitig wird das Atom
immer rascher zu einer immer wesentlicheren Energiequelle. Es liegt auf der
Hand, daß die Kosten und später einmal die Knappheit von öl und anderen fossilen Brennstoffen die Ausbreitung der Nuklearenergie in den vor uns liegenden
Jahrzehnten in der ganzen Welt beschleunigen werden.
Diese Ausbreitung der Nuklearenergie bringt jedoch auch die große Gefahr
einer weiteren Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung von Kernwaffen mit
sich - sowie die damit zusammenhängenden Risiken des Diebstahls nuklearen Materials, der Erpressung durch Terroristen oder der Fälle des Einsatzes der
nuklearen Drohung in regionalen politischen Konflikten. Jetzt ist die Zeit zu
handeln. Wenn es uns nicht gelingt, die nukleare Proliferation einzudämmen,
dann werden künftige Generationen auf einem Planeten leben müssen, der von der
nuklearen Katastrophe überschattet wird.
Während des letzten Jahres haben die Vereinigten Staaten wiederholt neue
Bemühungen der Lieferstaaten gefordert, um die Sicherungen und Kontrollen beim
Export von nuklearem Material zu verstärken und einheitlich zu gestalten. Wi_r

- 16 -

�Wir dürfen nicht zulassen, daß diese Sicherungen durch kommerziellen Wettbewerb ausgehöhlt werden. Wir müssen die allgemeine Verfügbarkeit von Nuklearenergie für friedliche Zwecke unter sicheren, wirtschaftlichen und zuverlässigen Bedingungen gewährleisten.
Die Vereinigten Staaten haben ihre Anstrengungen innerhalb der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und zusammen mit anderen Nationen verstärkt, um
die internationalen Normen und Sicherungen auszuweiten und zu verstärken, und
sie haben eine internationale Konvention über Normen zum Schutze der physischen Sicherheit von nuklearem Material im Gebrauch, im Lager oder auf dem
Transport, vorgeschlagen.
Die Vereinigten Staaten fordern weiterhin die weitest mögliche Einhaltung
des Atomwaffensperrvertrages und der damit zusammenhängenden Sicherheitsbestimmungen der IAEA.
Der größte Gefahrenpunkt schrankenloser nuklearer Proliferation liegt in
der Ausbreitung von Aufbereitungsanlagen für Atommaterial in Kernkraftwerken
unter nationaler Kontrolle. Die Vereinigten Staaten schlagen daher als einen
wichtigen Schritt zur Verstärkung aller anderen Maßnahmen die Errichtung von
multinationalen, regionalen Kernbrennstoffaufbereitungszentren vor. Diese Zentren würden dem Energiebedarf auf einer kommerziell gesunden Basis dienen und
die regionale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energie fördern. Ihr Bestehen
würde den Anreiz zur Errichtung kleiner und unwirtschaftlich arbeitender Aufbereitungsanlagen verringern, die Möglichkeit der Abzweigung friedlichen Nuklearmaterials für nationale militärische Verwendungszwecke einzuschränken
und einen besseren Rahmen für die Anwendung wirksamer internationaler Sicherungsbestimmungen schaffen.
Wir appellieren an Ländergruppen, diese Konzeption zu prüfen, und an alle
Staaten, die Arbeit der IAEA zu unterstützen.
Aufbau

-17-

�Aufbau des wirtschaftlichen Wohlstandes
1

•

-

•

•

•

In den letzten zwei Jahren ist die Weltgemeinschaft in augenfälliger Weise
daran erinnert worden, in welchem Ausmaß die wirtschaftlichen Beziehungen eine
entscheidend wichtige Grundlage der internationalen Ordnung sind. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind nicht nur die Voraussetzung für die Fähigkeit
jeder Gesellschaft, ihre nationalen Ziele zu erreichen, sondern alle Volkswirtschaften werden auch von dem Weltwirtschaftssystem getragen. Wie wir unsere
wirtschaftlichen Angelegenheiten regeln, wird daher in einem außerordentlichen Ausmaß darüber entscheiden, ob unsere politischen Beziehungen auf Zusammenarbeit oder auf Konflikt basieren werden.
Es wäre eine der tragischsten Ironien der Weltgeschichte,wenn wir in
einer Zeit, in der wir die Spannungen des Kalten Krieges hinter uns lassen,
in eine neue Periode des Konflikts zwischen Nord und Süd, Reich und Arm, eintreten würden.
Auf der gerade abgeschlossenen Sondersitzung der Vereinten Nationen haben
die Vereinigten Staaten die Beendigung der sterilen Konfrontation der Vergargeiiheit gefordert. Wenn der alte Traum der Menschheit - eine Welt ohne Armut in den Bereich des Möglichen gerückt ist , so haben wir erklärt, dann mac.cn
es unsere moralischen Überzeugungen zur Pflicht, dieses Ziel zu erreichen,
und wir haben unterstrichen, daß dieses Ziel nur durch Zusammenarbeit, und
nicht durch Erpressung erreicht werden kann.
•

Die Sondersitzung hat uns Anlaß zu der Hoffnung gegeben, daß - zumindest
für die unmittelbare Zukunft - eine Entscheidung gefallen ist, sich von der
Konfrontation abzuwenden und sich der Zusammenarbeit zuzuwenden. Die Vereinigten Staaten unterstützen mit Stolz das Schlußdokument, welches das Ergebnis
der großen Bemühungen und der Hingabe so vieler hier vertretener Delegierten
i st.
Die Vereinigten Staaten betrachten die Ergebnisse der Sondersitzung als
einen Anfang, nicht als ein Ende. Wie in dem Schlußbericht empföhle: wird,
müssen wir jetzt in den verfügbaren Gremien weiter arbeiten, um den Zielen,

�Zielen, auf die wir uns geeinigt haben, Wirklichkeit und Inhalt zu verleihen.
Meine Regierung wird sich an den vor uns liegenden schwierigen Verhandlungen
mit aller Energie und in einem kooperativen und versöhnlichen Geiste beteiligen.

Aufbau der Gerechtigkeit

Jenseits von Frieden, Sicherheit und Prosperität liegt eine tiefere
weltweite Hoffnung auf Würde und Gleichheit der Chancen. Der Menschheit werden
niemals all die Tragödien erspart bleiben, die in dem Kreislauf von Leben und
Tod begründet liegen. Aber es liegt in unserer Macht, die last der sozialen
Tragödie, der organisierten Ungerechtigkeit, zu beseitigen oder zu erleichtern.
Die Vereinigten Staaten sind daher aus ihrer Tradition heraus ein Verfechter der Ausweitung des Geltungsbereichs des internationalen Rechts in internationalen Angelegenheiten gewesen.Wir haben den Opfern von Krankheit und Naturkatastrophen immer unsere Hilfe angeboten. Wir sind ein Verfechter der Freiheit und ein Hoffnungsstrahl für die Unterdrückten. Heute besteht kein Zweifel
mehr, daß die internationalen Menschenrechte auf der Tagesordnung der internationalen Diplomatie stehen.
Der Geltungsbereich des internationalen Rechts muß bis in die letzten Bereiche unseres Planeten, nämlich die Ozeane, ausgedehnt werden. Diese sind das
gemeinsame Erbe der Menschheit, aber sie können sich in Schauplätze des Konfliktes verwandeln, wenn keine rechtlichen Regelungen erfolgen. Sie enthalten
unberührte Quellen an Energie, Mineralien und Eiweiß. Der Schutz ihrer Umwelt
ist von entscheidender Bedeutung für unser überleben.
Die Vereinigten Staaten begrüßen das Mandat der Vereinten Nationen für
einen umfassenden Vertrag zur Regelung der Nutzung der Weltmeere und ihrer
natürlichen Hilfsquellen. Im vorigen Monat habe ich in Montreal unsere Haltung
zu diesen Verhandlungen dargelegt und darauf gedrängt, daß die Sitzung der
Seerechtskonferenz im nächsten Jahr die Dinge zu einem raschen und erfolgrei-

- 19 -

�erfolgreichen Abs*"' luß bringt. I'eine internationalen Verhandlungen sind von
entscheidenderer Bedeutung für die langfristige politische und wirtschaftliche
Stabilität und die Prosperität unseres Erdballs.
Das Völkerrecht muß auch den internationalen Terrorismus in den Griff bekommen. Als Folge des Fehlens international anerkannter Normen, vor allem zur
Verhinderung ungesetzlicher und gefährlicher Eingriffe in die Zivilluftfahrt,
haben unzählige unschuldige Menschen ihr Leben verloren. Die Entführung von
Flugzeugen, die Entführung und Ermordung unschuldiger ziviler Opfer für angeblich politische Ziele sind und bleiben eine Pest der zivilisierten Menschheit.
Hier liegen noch immer die unterentwickelten Gebiete des internationalen Rechts,
die die besonders dringliche Aufmerksamkeit dieser Organisation hier verdienen.
Mitgefühl mit unseren Mitmenschen erfordert,

iafl wir internationale Hilfs-

mittel mobilisieren, um Jahrhunderte alte Geißeln der Menschheit - Krankheit,
Hunger und Naturkatastrophen - zu bekämpfen. Wir freuen uns, daß die Weltgesundheitsorganisation und interessierte Regierungen auf unsere Initiative
in der letzten Vollversammlung hin eine konzertierte Anstrengung unternommen
haben, um die Bilharziose unter Kontrolle zu bekommen, eine Krankheit, die über
200 Millionen Menschen in 70 Ländern befällt und arbeitsunfähig macht, und uns
große menschliche und wirtschaftliche Kosten auferlegt.
Die großen Menschenrechte müssen anerkannt, respektiert und in den Angelegenheiten der Nationen in die Realität umgesetzt werden. Die ersten Deklarationen der Vereinten Nationen und die jüngste Konferenz in Helsinki lassen keinen Zweifel daran, daß es sich hier um ein internationales Anliegen handelt. Die
Vereinigten Staaten werden diese Prinzipien unterstützen. Verletzung?" der
Menschenrechte muß in der ganzen Welt, auf allen Kontinenten, entgegengetreten
werden, ob sie nun von einer Rasse gegen eine andere oder unter Mitgliedern der
gleichen Rasse begangen werden. Die Menschenrechte müssen ohne Rücksicht auf
Rasse, Geschlecht oder Religion eingehalten werden. Hier darf es keine doppelte
Moral geben.
Die
- 20 -

�Die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen hat die ersten
Schritte gegen grobe Verletzungen der Menschenrechte unternommen, wenn von
Einzelpersonen ernsthafte und belegbare Beschuldigungen erhoben wurden. Wir
unterstützen diese Entwicklung. Wenn sich die Weltgemein^chaft organisiert mit
diesen Dingen befaßt, dann kann dies eine mächtige Waffe in dem Krieg gegen
die Herabsetzung menschlicher Werte sein.
Eines der am häufigsten auftretenden und schwersten Probleme ist die Folter, eine Praxis, die alle Nationen verabscheuen sollten.
Es ist eine absolute Entwürdigung der Funktior P: er Regierung, wenn ihre
überwältigende Macht nicht für das Wohlergehen de. Menschen
nutzt wird, sondern als ein Instrument, um ihnen Leid zuzufügen. -ie Vereinigten Staaten
appellieren an diese v°rsammlung, sich die Erklärung des kürzlich stattgefundenen Weltkongresses über diese Frage in Genf zu eigen zu machen. Darüber
hinaus schlagen wir vor, daß diese Vollversammlung eine vom Generalsekretär zu
ernennende Expertengruppe einsetzt, um Art und Ausmaß der Folter in der heutigen Welt zu untersuchen und der nächsten Vollversammlung darüber zu berichten.
Herr Präsident, diese Organisation wurde in dem Glauben geschaffen, daß die
Universalität der menschlichen Rasse ihren Ausdruck in der Abwicklung internationaler Angelegenheiten finden könne. Diese Versammlung hier symbolisiert die
Hoffnung, die die Menschheit in die Kraft von Nationen setzt, die im gemeinsamen Interesse, mit Vernunft, Verantwortungsgefühl und gegenseitiger Achtung zusammenarbeiten.
Die vor uns liegenden Probleme sind kompliziert und voller Gefahren. Die
sterilen Schlagworte von gestern, die Lösungen der Vergangenheit und die Pflege
alter Ressentiments können die Klüfte zwischen uns nur erweitern und dazu führen, daß die Gefahren

für den Frieden und das Wohlergehen unserer Völker wei-

ter schwelen und wachsen.
Es liegt in unserer Macht, kommenden Generationen zu beweisen, daß das
letzte Quartal des 20. Jahrhunderts keine Ära der Gewalt und des Konfliktes,
sondern eine schöpferische Epoche der Weltgeschichte gewesen ist.
Die
- 21 -

�.

Die Geschichte meines Landes, Herr Präsident, lehrt uns, daß es möglich
ist, Einigkeit in ripr Vielfalt zu erreichen, daß trotz der Vielfalt von Rassen,
Interessen

unri

Überzeugungen, wie wir sie hier in diesem Hause sehen, ge

meinsames Handeln möglich ist. Fortschritt, Frieden und Gerechtigkeit sind erreichbar.
So rufen wir alle Völker und Regierungen auf: Laßt uns gemeinsam eine neue
Weltordnung schaffen. Laßt uns dafür sorgen, daß sie gerecht ist. Laßt uns die
neuen Nationen an ihrer Gestaltung beteiligen und ihnen das Gefühl geben, daß
sie die ihrige ist. Laßt die alten Nationen ihre Stärke und ihre Fähigkeiten
zum Wohle der ganzen Menschheit einsetzen. Laßt uns alle zusammenarbeiten, um
den Geist zu bereichern und die Menschheit zum Höheren zu führen.

XXX

22 -

v

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19/1975

SYSTEMS' 75
US-Gemeinschaftsschau in München

--(AD)-- Die Produktpalette der 80 Hersteller aus den USA, die ihre Erzeugnisse im Rahmen einer Gemeinschaftsschau vom 27.-31. Oktober 1975 vorführen, repräsentiert die traditionelle Stärke der amerikanischen Industrie
auf diesem Marktsektor. Für das mittlerweile harte Computergeschäft bieten
die Amerikaner SpezialSysteme, die hard-und software-mäßig auf die vielfältigen Anwendungen in Industrie, Handel und Banken, in der öffentlichen Verwaltung sowie in der Medizir zugeschritten sind. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die bereits in Europa etablierten amerikanischen Aussteller der
Veranstaltung mit berechtigtem Optimismus entgegensehen. Interessant wird diese
europäische Kongreßmesse auf dem Computersektor für die stattliche Anzahl von
30 Herstellerfirmen, die mit ihren Erzeugnissen dem deutschen Markt neu gegenüberstehen.
Das Produktspektrum umfaßt unter anderem: Minicomputer, Magnetbandeinheiten, Plattenspeicher, Floppy Disks, Kernspeicher, Add-On Memories, Zeilendrucker, Lochstreifen-und Lochkartengeräte, druckende Terminals und Bildschirmgeräte, optische Zeichenerkennungsgeräte, DatensammelSysteme und mobile
Terminals,Kassen- und Bankenterminals, Datenübertragungshardware, umfangreiche
Softwareangebote und Anwendungs-Softwarepakete einschließlich Simulations-

�Simulationssprachen, Leasing-Angebote sowie sämtliche gebräuchlichen Datenträger.
Als Besonderheit - auf dieser Messe erstmals vorgef'üht - gilt ein System
mit einer Durchsatzrate von 26,67 Millionen Byte pro Sekunde. Die gesamte
Peripherie dieses neuen Rechnersystems wird über programmierbaren Ein/Ausgabenrechner gesteuert.

X X X

Weitere Informationen und komplette Programme durch:
US-Handelszentrum, 6 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4,
Telefon: (0611) 72 08 01; Telex: 4-16535

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Friedensinitiative der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Kissingers vor der UN-Vollversammlung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;SYSTEMS' 75&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Gemeinschaftsschau in München -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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2o

8. Oktober 1975

Inhalt

INFORMATION;

Sonderprogramm des Smithsonian I n s t i t u t s zur 200-Jahrfeier
US-Projekt "Unabhängigkeit" wird mit Nachdruck verfolgt
-Präsident Ford fordert Schaffung einer "Energie-Autarkiebehörde"

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Motorlauf - Elektronisch reguliert

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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20/1975

SONDERPROGRAMM DES SMITHSONIAN INSTITUTS ZUR 200-JAHRFEIER

WASHINGTON --(AD)-- Unter der Bezeichnung "The American Experience" wird
das Smithsonian Institut in Washington anläßlich des zwei hundertjährigen Bestehens der Vereinigten Staaten von Amerika eine Reihe von Sonderausstellungen
veranstalten. So wird am 4. Juli 1976 ein neues Nationalmuseum für Luft-und
Raumfahrt eröffnet, das in 26 Hallen die gesamte Entwicklung auf dem genannten
Gebiet darstellt. Ein Nationalmuseum für Geschichte und Technologie soll die
Entstehung der USA aus vielen Nationalitäten aufzeigen, während ein Nationalmuseum für Naturgeschichte einen Oberblick über die Ökologie im Laufe von 200
Jahren geben soll.
Auch auf dem Gebiet der bildenden Kunst sind zahlreiche Sonderausstellungen vorgesehen. Ebenso wird vom 16. Juni 1976 bis 6. September 1976 ein reichhaltiges Programm amerikanischer Folklore geboten.
Besucher erhalten Auskünfte - auch in deutscher Sprache -, wenn sie
ihre Anfrage richten an:
Visitor Information renter
Smithsonian Institution
Washington, D.C. 20560
(Telefon (202) 381-6264)

XXX

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20/197 E;

US-PROJEKT "UNABHÄNGIGKEIT" V.'IRC KIT NACHDRUCK VERFOLGT
Einheimische Energie-Produktion schafft Millionen neuer Arbeitsplätze
Präsident Ford fordert Schaffung einer "Energie-Autarkiebehörde"

WASHINGTON - (AD) - Ir. einer Rede vor der
amerikanischen Gewerkschaft ö.er Baufacharbeiter anr ?.'•'. September 1976 ir. Scn Francisco
forderte US-Präsident Gerald Fcrd die Schaffung einer direkt dem US-Prä'sidenten unterstellten "Energie-Autarkiebehörde". Sie
soll über eir. Kapitalvolumen von insgesamt
ICC Milliarden Dollar verfügen und spezielle
Projekte der Erschließung und Entwicklung
auf den Energie-Sektor finanzieren, die dazu bei träger., die Vereinigten Staaten vom
Ausland unabhängig zu machen. Gleichzeitig
wird erwartet, daß die mit der Tätigkeit
dieser Behörde verbundenen Maßnahmen das
Wirtschaftswacr.stum anregen und Millionen
neuer Arbeitsplätze schaffen helfen. Im
Folgenden wird die Rede Präsident Fords auszugsweise wiedergegeben:

''Während Amerika das zweite Jahrhundert seiner Geschichte vollendet,
sehen wir uns einiger sehr ernsten Problemen gegenüber. Aber neneir.san werden
wir diese Probleme lesen. Wenn irgendeine Mafien oder eine Gruppe von fiaticnen
dieser Welt - jene eingeschlossen, die von der Natur mit reichen Ölvorkommen
gesegnet wurden - der Meinung sind, Amerika sei am Ende, Amerika könne sein Geschick und seine Finanzen nicht mehr selbst steuern, so werden diese umdenken
müssen.

�Sie und ich wissen, daß wir unsere Energie selbst produzieren können.
Sie und ich wissen, daß wir uns gegen willkürliche Preiserhöhungen durch
andere Nationen schützen können.
plätze schaffen können.

Sie und ich wissen, daß wir mehr Arbeits-

Sie und ich wissen, daß wir der unerträglichen Si-

tuation für Amerika ein Ende machen können, mehr als 25 Milliarden Dollar pro
Jahr für Importöl an das Ausland bezahlen zu müssen, während wir zu Hause
über ein eigenes reiches Energiepotential verfügen.

Mit dem Geld, das wir

in diesem Jahr für ausländisches öl ausgeben, könnten die Löhne für 1 Million amerikanischer Arbeiter bezahlt werden.
Wenn ich über Energie spreche, spreche ich von Arbeitsplätzen - Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten.

Im vergangenen Jahr wurden etwa drei

Viertel aller geplanten Kernkraftwerke und mehr als ein Viertel aller Kohlekraftwerke, die in den nächsten zehn Jahren gebaut werden sollten, vorläufig
gestoppt oder überhaupt gestrichen.

Die einheimische öl Produktion hier im

Herzen Amerikas ging seit 1973 um 11 Prozent zurück.

Die Erdgasproduktion

fiel derart krass ab, daß im kommenden Winter Tausende von Arbeitsplätzen gefährdet sind.
Im vergangenen Jahr bezahlte jeder amerikanische Haushalt etwa 360 Dollar
für ausländisches öl, im Jahr 1970 im Vergleich dazu nur 45 Dollar Die erdölproduzierenden Länder wissen, daß wir heute abhängiger und verletzlicher
sind denn je zuvor. Es ist möglich, daß das ausländische ölkartell der OPECLänder erneut die Preise erhöht. Wir brauchen dem nicht tatenlos zuzusehen
- und wir werden das auch nicht tun. Wollen wir, um einen Anfang zu machen,
doch einige der Milliarden Dollar, die wir bisher für ausländisches öl und
ausländische Arbeitskräfte ausgaben, für amerikanische Arbeitsplätze aufwenden.
Wir können Arbeitsplätze für Bauarbeiter schaffen, Kapital für die industrielle
Expansion aufbringen und zusätzliche Energie für alle Amerikaner erzeugen.
Das alles bedeutet Unabhängigkeit.
Als Antwort an die Nationen, die unsere Energieversorgung und Energiepreise und somit unsere Zukunft kontrollieren könnten, sage ich der Industrie,
den Bauarbeitern und allen Amerikanern: Wir wollen uns im eigenen Interesse

�Interesse selbst ans Werk machen.

Lassen Sie uns für Amerika in Amerika

mit amerikanischen Arbeitskräften Energie produzieren.

Im Januar ersuchte ich den Kongreß, aktiv zu werden.

Das umfassende

Programm, des ich damals urriß, war auf meiner; festen Glauben an Amerika gegründet.

Bis zum Jahr 1985 habe ich ins Auge gefaßt:

- 2CC große Kernkraftwerke;
- ?5C neue große Kohlegruben;
- 15C große Kohlekraftwerke;
- 30 neue gro°e Ölraffinerien;
- 2C neue große Betriebe zur Herstellung synthetischer Brennstoffe;
- die Erschließung Tausender neuer Ölquellen;
- die Isolierung von 18 Millionen Wohnhäusern;
- und schließlich Herstellung und Absatz vor, Millionen neuer Personenwagen, Lastwagen und ;mnibusse, die sehr viel weniger Kraftstoff verbrauchen.

Ich jedenfalls glaube, daß wir dies erreichen können.

In einer früheren

Krisenzeit - es war im Jahr 1942 t erklärte Präsident Franklin D. Roosevelt,
daß unser Land jährlich 50 OüC Kriegsflugzeuge bauen werde.
verhöhnten uns.
pro Jahr.

Unsere Feinde

Aber schon 1943 erreichte unsere Produktion 125 000 Flugzeuge

Wir haben es damals geschafft.

Offen gesagt:

Wir können es wieder schaffen.

wir kennen nicht länger au* den Kongreß warten, bis dieser

auf mein umfassendes Energieprogramm hin Maßnahmen ergreift.

Langfristige

Sicherheit, Arbeitsplätze und Energie sir.G nicht voneinander zu trennen.

Es

ist höchste Zeit, zur Erlangung der Unabhängigkeit auf dem Energiesektor aktiv
/L '-erden.
Demgemäß werde ich in Kürze den Kongreß ersuchen, alle Zweifel an der
Fähigkeit Amerikas zur Inangriffnahme entspn

hender Aktionen auszuräumen.

Ich verde vorschlagen, eine völlig neue, mit 1C0 Milliarden Dollar ausgestattete Regierungsirstitution zu gründen, die mit der Privatwirtschaft und
den Gewerkschaften zusammenarbeitet, damit im Verlauf des nächsten Jahrzehnts
Unabhängigkeit in öer Energieversorgung erzielt wird.
Diese
- 3 -

�Diese Behörde für Energie-Autarkie wird zur Ergreifung aller geeigneten
Finanzierungsmaßnahmen - der Aufnahme und Vergabe von Krediten - ermächtigt,
um in Sachen Energie aktiv zu werden.

Sie wird Katalysator und Stimulanz sein

und über die amerikanische Industrie - nicht an Stelle der Industrie - tätig
werden.
- Sie kann das Wirtschaftswachstum anregen.
- Sie kann neue Arbeitsplätze schaffen.
- Wir können durch sie unsere Zukunft steuern.
- Sie kann den davonlaufenden Energiepreisen ein Ende bereiten, die von
fremden Ländern diktiert werden.
- Sie kann anderen Nationen einen neuen Einblick in das vermitteln, was
Amerikaner mit unseren reichen Ressourcen zu tun vermögen, wenn wir
nicht länger reden, sondern anfangen zu handeln.
Das ist meine Antwort an jene, die uns erzählen wollen, Amerikaner
könnten nicht mehr das tun, was sie sich vorgenommen haben. Ich spreche
heute zur großen Mehrheit jener, die an die Fähigkeiten Amerikas - nicht an
*
die Unfähigkeit Amerikas - glauben. Ich spreche zu allen Amerikanern, die
wissen, daß dies noch immer die gleiche Nation ist, die sich während des zwei- „
ten Weltkrieges zur Entwicklung von synthetischem Kautschuk entschloß - und
es geschafft hat; zu allen, die wissen, daß dies noch immer die gleiche Nation
ist, die entschied, mit dem Projekt Manhattan die Atomkraft zu bezwingen - und
dieses Ziel erreichte; zu jenen, die wissen, daß dies noch immer die gleiche
Nation ist, die sich vornahm, als erste einen Menschen zum Mond zu senden
- und es auch tat. Die Leute sagten bei allen diesen Projekten, sie seien
nicht durchführbar. Aber Amerikaner haben das "Unmögliche" möglich gemacht.
Die vorgeschlagene Energie-Autarkiebehörde soll 10 Jahre lang bestehen
und sich dann selbst auflösen. Sie ist aufgebaut, um etwas zu vollbringen,
was viele für unmöglich halten, Unabhängigkeit in der Energieversorgung bis
zum Jahr 1985. Aber dies ist ein Programm zur Sicherung unserer Arbeitsplätze,
unseres Lebensstandards und des nationalen Interessen der Vereinigten Staaten.
Die
- 4 -

�Die neue Regierungsinstitution wäre eine unabhängige Bundesbehörde,
die dem Präsidenten direkt unterstellt ist.
als parteipolitisches Denken.

Diese Konzeption ist umfassender

Ich bin entschlossen, hervorragende Persönlich-

keiten der amerikanischen Nation ohne Rücksicht auf ihre Parteizugehörigkeit
als Direktoren zu berufen.

Die neue Energie-Autarkiebehörde strebt an:
- Neue Technologien zur Unterstützung, direkten Produktion oder für den
Transport einheimischer Energie;
- Technologien zur Unterstützung der nuklearen Entwicklung in Amerika;
- Stromerzeugung aus amerikanischer Kohle und aus nuklearen und geothemischen Quellen.

Die Energie-Autarkiebehörde wird nur solche Projekte in Angriff nehmen,
die die Privatwirtschaft allein nicht bewältigen kann.

Sie wird Hilfestellung

leisten.

Meines Erachtens sind umfassende Aktionen notwendig, um ül und Gas aus
Kohle zu produzieren, auf sichere und saubere Weise Strom aus Kohle und Atomenergie zu gewinnen, die Energie der Sonne und die natürliche Erdwärme zu
nutzen und zahlreiche andere Energie-Anlagen zu bauen.

Die Energie-Autarkiebehörde würde zur Finanzierung solcher Projekte
dienen, die für die Unabhängigkeit der amerikanischen Energieversorgung unbedingt nötig sind und siebst mit den großen privaten Kapitalreserven unseres
Landes nicht finanziert werden.

In den nächsten 10 Jahren brauchen wir über 600 Milliarden Dollar für
Energie-Investitionen, um die Unabhängigkeit Amerikas in der Energieversorgung
zu finanzieren.

Wie stets wird der größte Teil dieser Investitionen aus pri-

vaten Quellen kommen.

Aber ich bin überzeugt, daß wir nicht warten dürfen,

bis aus den sich anbahnenden neuen Technologien herkömmliche Technologien geworden sind.

Wir müssen jetzt handeln, um ihre Entwicklung zu beschleunigen.

Wir müssen auch sicherstellen, daß für konventionelle Projekte mit sehr hohem

- 5-

�I

I
hohem Kapitalbedarf Investitionsmittel .in ausreichedem Umfang zur Verfügung
stehen.
Der Grundfehler des gegenwärtigen Energiesystems in Amerika ist der, daß
es sich am stärksten auf öl und Erdgas, also auf jene einheimischen Energiequellen stützt, die besonders knapp sind, und am wenigsten Kohle und Atomkraft,
d.h. die am reichlichsten vorhandenen Energiequellen, benutzt.

Meines Erach-

tens ist eine - mit aktivem Umweltschutz koordinierte - rapide und umfassende
Erschließung dieser reichen Ressourcen notwendig.

Die ölschiefervorkommen

Amerikas sind weitaus größer, als alle Ölvorkommen der Nahoststaaten zusammen.
ven.

Amerikas Ölvorkommen sind zehnmal größer als unsere Ölschieferreser-

Und die Fähigkeit Amerikas zur Nutzbarmachung der Atomkraft ist legendär

- angesichts des bekannten Potentials zur Produktion unbegrenzter Mengen
sauberer, sicherer Energie.
Ohne die Energie-Autarkiebehörde dürften die riesigen Schätze unseres
Landes wohl niemals oder erst zu spät erschlossen werden, um Amerika die führende Stellung in der Welt zu erhalten. Mit einer Energie-Autarkiebehörde jedoch werden wir die Finanzierungsmöglichkeiten haben, um in dem kommenden kritischen Jahrzehnt alle Energiequellen anzuzapfen. Die Energie-Autarkiebehörde
wird ein wichtiges neues Element, aber eben nur ein Element in unseren gesamten nationalen Anstrengungen sein, in der Energieversorgung unabhängig zu werden.
Wir braucher. dramatische Aktionen, um synthetische Brennstoffe - mindestens
1 Million Barrel (1 Barrel = 159 Liter) pro Tag - zu erzeugen, schwimmende
Kernkraftwerke, neue Fernleitungen für öl und Gas und riesige Energie-Parks
in ganz Amerika zu bauen.
Ich sehe ein Amerika vor mir, daß wiederum ans Werk geht und in dem sich
die Wirtschaftsaktivität wie eine Kettenreaktion in allen 50 Bundesstaaten
ausbreitet.

Den Energiesektor ausbauen bedeutet, Energie - und Arbeitsplätze -

auf allen Gebieten des nationalen Lebens zu schaffen.
Es
- 6 -

%

�Es wurde errechnet, daß sich für jeden in der Industrie direkt geschaffenen Arbeitsplatz zumindest ein zweiter Arbeitsplatz innerhalb der Wirtschaft ergibt.

Die Gesamtzahl der dadurch entstehenden Arbeitsplätze wird

mehr als das Doppelte der energiebezogenen Arbeitsplätze betragen.
Sie mich ein Beispiel anführen:

Lassen

400 000 Mann-Jahre an Arbeit sind erforder-

lich, um Anlagen und Ausrüstungen für 50 Kernkraftwerke zu bauen.

Dies ent-

spricht 650 000 Mann-Jahren an Arbeit innerhalb des erforderlichen zeitlichen
Rahmens.

Ich möchte in den nächsten zehn Jahren Millionen neuer Arbeitsplätze

mit gesunden weiterführenden Wachstumseffekten in der gesamten Wirtschaft sehen.

Meine Berater in Energie- und Wirtschaftsfragen weise ich an, alle er-

forderlichen Schritte in der kürzestmöglichen Zeit zu tun, um diese Vision
Wirklichkeit werden zu lassen."

+ + + + +

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20/1975

MOTORLAUF - ELEKTRONISCH REGULIERT
--(AD)-- Ein "geschlossenes" elektronisches System zur kontinuierlichen Regulierung des Kraftstoff-Luftgemischs und des Zündzeitpunkts im Motor wurde
von einer Wissenschaftlergruppe der Stanford-Universität (Kalifornien) entwickelt. Der Kraftstoff wird auf diese Weise in Benzinmotoren besonders wirtschaftlich genutzt. Elektronische Rückkopplungssignale von Sensoren, die fortlaufend Zylinderdruck sowie Abgassauerstoff und Abgastemperatur messen, regulieren die Verbrennung. Die Zündung erfolgt jeweils zum optimalen Zeitpunkt,
um den Druck in Zylinder gleichmäßig zu halten.
Die Kontrolle des Kraftstoff-Luftgemischs wird über einen ZirkondioxidSensor im Abgasstrom erreicht. Die Versuche wurden mit einem Ein-Zylinder-Experimentiermotor mit Kraftstoff-Einspritzung durchgeführt. Professor J. David
Powell vom Department für Maschinenbau, der die Entwicklungen leitet, ist jedoch überzeugt, daß das System auch bei einem Mehr-Zylinder-Motor und mit
einem gewöhnlichen Vergaser funktioniert und zu erheblichen Einsparungen im
Kraftstoffverbrauch beitragen könnte. Vertreter der amerikanischen Automobilindustrie, die sich für das neue System interessiert, haben inzwischen Verhandlungen mit der Abteilung für Technische Lizenzen der Stanford-Universität
aufgenommen.
XXX

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonderprogramm des Smithsonian Instituts zur 200-Jahrfeier&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Projekt "Unabhängigkeit" wird mit Nachdruck verfolgt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Ford fordert Schaffung einer "Energie-Autarkiebehörde" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Motorlauf - Elektronisch reguliert&amp;nbsp;</text>
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21

22. Oktober 1975

Inhalt
DOKUMENTATION:
Getreideabkommen zwischen den USA und der UdSSR
- Wortlaut Amerikanisch-Sowjetische Absichtserklärung über sowjetische
öllieferungen
- Wortlaut des Schreibens des State Departments -

WIRTSCHAFT:
Dent:

USA bleiben einem freieren Welthandel verschrieben

- Rede des US-Handelssonderbeauftragten in Amsterdam -

HINTERGRUNDMATERIAL:
Brot a l s Politikum
Langfristiges Getreide-Lieferabkommen der USA m i t der UdSSR
I n t e r n a t i o n a l e Vorratshaltung zur Vorbeugung gegen Hungersnot

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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21/1975

GETREIDEABKOMMEN ZWISCHEN DEN USA UND DER UdSSR
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben
ein Abkommen über die Lieferung von jährlich mindestens sechs Millionen
Tonnen Weizen und Mais über eine Zeit von fünf Jahren an die UdSSR geschlossen.

Das Abkommen, das am 20. Oktober 1975 vom Weißen Haus veröffentlicht

wurde und am 1. Oktober 1976 in Kraft tritt, hat folgenden Wortlaut:
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR)
sind
unter Berufung auf die "Grundprinzipien der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken" vom 29. Mai 1972;
aus dem Wunsch heraus, die langfristige Zusammenarbeit zwischen beiden
Ländern auf der Grundlage des beiderseitigen Nutzens und der Gleichberechtigung zu stärken;
im Bewußtsein der Bedeutung, die die Erzeugung von Nahrungsmitteln, vor
allem Getreide, für die Völker beider Länder hat;
aus der Erkenntnis der Notwendigkeit einer Stabilisierung des Getreidehandels zwischen beiden Ländern;
unter Bekräftigung ihrer Überzeugung, daß eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Handels zu einer Gesamtverbesserung der Beziehungen zwischen beiden

�beiden Ländern führen wird;
wie folgt übereingekommen:
Artikel I
Die Regierung der USA und die Regierung der UdSSR treten hiermit in
ein Abkommen über den Kauf und den Verkauf von Weizen und Mais zur Versorgung der UdSSR ein.

Zu diesem Zweck werden während der Zeitspanne, in der

dieses Abkommen in Kraft ist - es sei denn, es wird von den Vertragsparteien
etwas anderes vereinbart - 1) die Außenhandelsorganisationen der UdSSR in jeder Zwölfmonatsperiode beginnend am 1. Oktober 1976 von privaten Handelsquellen
sechs Millionen metrische Tonnen Weizen und Mais zu ungefähr gleichen Anteilen
kaufen, die in den USA angebaut worden sind;

und 2) wird die Regierung der USA

ihre guten Dienste leisten, um solche Verkäufe durch private Handelsquellen
zu erleichtern und zu fördern.
Die Außenhandelsorganisationen der UdSSR können diese Menge ohne Konsultationen in jeder Zwölfmonatsperiode beginnend vom 1. Oktober 1976 um bis zu
zwei metrische Tonnen erhöhen, es sei denn, die Regierung der USA stellt fest,
daß die USA eine Getreideversorgung von weniger als 225 Millionen metrische
Tonnen haben, wie in Artikel V festgelegt.
Die Käufe bzw. Verkäufe von Weizen und Mais im Rahmen dieses Abkommens
werden zu Marktpreisen, wie sie zum Zeitpunkt des Kaufs bzw. Verkaufs für
diese Produkte gelten, und zu normalen Geschäftsbedingungen getätigt werden.

Artikel II
Während der Laufzeit dieses Abkommens wird die Regierung der USA - es
sei denn, es wird von den Vertragspartnern etwas anderes vereinbart - nicht
von einer unumschränkten Ermächtigung Gebrauch machen, wie sie ihr nach amerikanischem Recht zusteht, um Exporte von Weizen und Mais zu kontrollieren, die

�r

die für die Versorgung der UdSSR in Übereinstimmung mit Artikel I gekauft
werden.

Artikel III
In Ausführung ihrer Verpflichtungen im Rahmen dieses Abkommens werden
sich die Außenhandelsorganisationen der UdSSR bemühen, ihre Käufe in den USA
und die Verschiffungen nach der UdSSR so gleichmäßig wie möglich über jede
Zwölfmonatsperiode zu verteilen.

Artikel IV
Die Regierung der UdSSR wird gewährleisten, daß - es sei denn, die Vertragsparteien kommen anderweitig überein - aller in den USA angebauttr und
durch Außenhandelsorganisationen gekaufter Weizen und Mais für den Verbrauch
in der UdSSR verwandt wird.

Artikel V
Die Regierung der USA kann während der Geltungsdauer dieses Abkommens
in jedem Jahr, in dem die Gesamtgetreideversorgung der USA - ausgewiesen durch
die amtlichen Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums über die vorhandenen
Getreidebestände und die amtliche Vorausschätzung des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums über die Ernteerträge des neuen Erntejahres - unter 225
Millionen metrische Tonnen für alles Getreide absinkt, die für Käufe durch
die Außenhandelsorganisationen der UdSSR nach Artikel I zur Verfügung stehenden Mengen an Weizen und Mais reduzieren.

Artikel .VI
- 3 -

�Artikel VI
Wenn immer die Regierung der UdSSR möchte, daß die Außenhandelsorganisationen der UdSSR mehr in den USA angebauten Weizen oder Mais kaufen können
als die Mengen, die in Artikel I vorgesehen sind, wird sie sofort die Regierung der USA davon in Kenntnis setzen.
Wenn immer d.ie Regierung der USA private Handelsquellen in die Lage versetzen'möchte, mehr in den USA angebauten Weizen oder Mais zu verkaufen als
die Mengen, die in Artikel I vorgesehen sind, wird sie sofort die Regierung
der UdSSR davon in Kenntnis setzen.
In beiden Fällen werden sich die Vertragsparteien so bald wie möglich
konsultieren, um eine Übereinkunft über mögliche an die UdSSR zu liefernde
Mengen zu erreichen, und zwar vor dem Kauf bzw. Verkauf oder dem Abschluß
von Kontrakten über den Kauf bzw. Verkauf von Getreide in Mengen, die über
den in Artikel I vorgesehenen liegen. •

Artikel VII
Es wird davon ausgegangen, daß die Verschiffung von Weizen und Mais aus
den USA nach der UdSSR im Rahmen dieses Abkommens in Übereinstimmung mit den
Bestimmungen des amerikanisch-sowjetischen Schiffahrtsabkommens erfolgen wird,
das während der Zeitspanne der genannten Verschiffungen in Kraft ist.
•

Artikel VIII
Die Vertragsparteien werden sich bezüglich der Durchführung dieses Abkommens und damit zusammenhängender Angelegenheiten in Abständen von sechs
Monaten, beginnend sechs Monate nach Inkrafttreten dieses Abkommens, und auf
Antrag -der einen oder der anderen Vertragspartei zu jedem anderen Zeitpunkt
konsultieren.
. 4 _

Artikel IX
r-

�Artikel IX
Dieses Abkommen wird mit seiner Ausfertigung in Kraft treten und, wenn
es nicht um eine beiderseits vereinbarte Zeitspanne verlängert wird, bis zum
30. September 1981 in Kraft bleiben.

+ + + + +

- 5 -

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21/1975

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE ABSICHTSERKLÄRUNG ÜBER SOWJETISCHE ÖLLIEFERUNGEN
- Wortlaut des Schreibens des State Departments -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 20. Oktober 1975 den Wortlaut
eines Schreibens des Staatssekretärs für Wirtschaftsfragen im amerikanischen
Außenministerium, Charles W. Robinson, an den sowjetischen Außenhandelsminister, N.S. Patolichew, veröffentlicht, in dem die zwischen beiden Regierungen
erreichte Absichtserklärung bestätigt wird, umgehend Verhandlungen über ein
Abkommen über die Lieferung sowjetischen Erdöls an die Vereinigten Staaten
aufzunehmen. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
Hiermit wird die bei unseren Gesprächen erreichte Absichtserklärung bestätigt, daß unsere beiden Regierungen umgehend Verhandlungen über den Abschluß eines Abkommens über den Verkauf und die Verschiffung sowjetischen Erdöls aufnehmen wollen.

Dieses Abkommen wird folgende Punkte enthalten:

1) Die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken wird für
einen Zeitraum von 5 Jahren jährlich 10 Millionen metrische Tonnen Rohöl und
Erdölprodukte zum Verkauf anbieten.
2) Die Regierung der Vereinigten Staaten kann Rohöl und Erdölprodukte
für ihren eigenen Verbrauch kaufen oder es können - wenn von den Vertragsparteien vereinbart - die Käufe von Rohöl und Erdölerzeugnissen über amerika-

�amerikanische Firmen abgewickelt werden.
3) Etwa 70 Prozent der gesamten zum Verkauf angebotenen Mengen sollen
Rohöl sein; der Rest kann aus Erdölprodukten, vor allem Dieselöl und Naphta,
bestehen.
4) Ein Teil des Rohöls und der Erdölprodukte wird nach den Vereinigten
Staaten verschifft werden, zum Teil in den für den Getreidetransport von den
Vereinigten Staaten nach der Sowjetunion benutzten Tankern.
5) Ein Teil des Rohöls und der Erdölprodukte kann nach Europa oder anderen vereinbarten Absatzgebieten geliefert werden.
6) Der Preis des Rohöls und der Erdölprodukte wird von beiden Seiten auf
einem Niveau vereinbart werden, daß sowohl die Interessen der Regierung der
Vereinigten Staaten als auch der Regierung der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken gewährleistet sind.
Ferner wird davon ausgegangen, daß beide Regierungen auf eine Verlängerung
und Ausweitung der kooperativen Anstrengungen hinarbeiten werden, die bereits
auf dem Energiesektor unternommen werden. Diese Anstrengungen sollen im besondern auf eine umfassendere Anwendung des technologischen Potentials beider
Länder gerichtet sein, um die Energiegewinnung aus vorhandenen Quellen zu
steigern und neue Energiequellen zu erschließen.

- 2 -

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21/197b

CENT: USA BLEIBEN EINEM FREIEREN WELTHANDEL VERSCHRIEBEN
- Rede des US-Handelsscnderbeauftragten in Amsterdam -

AMSTERDAM - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben ihr Bekenntnis zu einem
"freieren und faireren" Welthandel erneut bekräftigt. Vor holländischen Geschäftsleuten erklärte der Sonderbeauftragte Präsident Fords für Handelsverhandlungen, Frederick Cent, am 16. Oktober 1975 ir. Amsterdam, daß die Vereinigten Staaten eineni "freieren und faireren" Welthandel verschrieben blieben und daß die Fällt von Gegenzöllen und Antidumpingmcßnahmen in den USA während der letzten Monate keineswegs als eine Wendung hin zum Protektionismus
zu werten seier;. Di« wichtigsten Teile der Rede Cents haben folgenden Wortlaut:
"Ich mochte kurz auf die Frage eingehen, die heute in Europa so häufig
gestellt wird:

'Wenden sich die Vereinigter: Staaten dem Protektionismus zu' 7

Unter Bezugnahme auf vier Bestimmungen des Handelsgesetzes vor. 1974, die
in keinem Zusammenhang zu einander stehen und völlig verschieden sind, wurden
von privater. Gesellschaften, Verbänden sowie einer Gewerkschaft 41 Beschwerden,
über die noch nicht entschieden ist, wegen angeblicher illegaler, unfairer
oder schädlicher ausländischer Handelspraktiken eingereicht, die sich - auf
der Basis der Zahlen von 1974 - auf US-Importe im Wert von 11,7 Milliarden
Dollar auswirken.

Diese vier Bestimmungen betreffen angebliche Schädigungen
- 1 -

�Schädigungen der einheimischen Industrie, Dumping zu Preisen, die unter dem
fairen Wert liegen, Exportsubventionierung durch

'Prämien oder Zuwendungen'

und unfaire Handelspraktiken, die nach einem neuen Paragraphen des Gesetzes
von 1974 strafbar sind.
Diese Beschwerden richten sich somit gegen etwa IQ Prozent unserer derzeitigen Importe pro Jahr.

Die Europäische Gemeinschaft behauptet, wir hätten

über 20 Prozent ihres Exports nach den USA im Werte von fast 5 Milliarden
Dollar in Frage gestellt.

Bei mehr als vier Fünftel dieses Handels geht es um

eine Antidumping-Untersuchung, von der importierte Kraftfahrzeuge im Werte von
2,5 Milliarden Dollar betroffen werden, und um eine Überprüfung angeblicher
illegaler Subventionierungen durch Erlaß der Mehrwertsteuer bei importierten
Stahlerzeugnissen im Werte von 2,1 Milliarden Dollar.

Das US-Finanzministerium

ist beim Stahl jetzt zu der Auffassung gelangt, daß der Tatbestand einer illegalen Subventionierung nicht gegeben sei und das vorliegende Beweismaterial die
Aufnahme einer offiziellen Untersuchung nicht rechtfertige. Abgesehen von
diesen beiden Fällen werden noch nicht einmal 5 Prozent des US-Exports der
Europäischen Gemeinschaft gegenwärtig überprüft.
Aber selbst diese statistische Auswertung führt zu falschen Schlüssen.
Von allen noch schwebenden Verfahren, die den Handel mit der Europäischen Gemeinschaft betreffen, haben nur zwei zu wirklich restriktiven Maßnahmen gegen
Importe geführt - Gegenzölle bei europäischem Käse im Werte von 120 Millionen
Dollar und Antidumping-Maßnahmen bei polnischen Golfcarts.
Der Gegenzoll bei Käse wurde auf Grund der Ermächtigungen des Handelsgesetzes ausgesetzt, bis eine international ausgehandelte Lösung im Rahmen der
multilateralen Handelsverhandlungen gefunden ist. Bei Importen im Werte von
11,7 Milliarden Dollar, bei denen Untersuchungen stattfinden, wird uns somit
vorgehalten, daß eine einzige Maßnahme - nachdem festgestellt worden war, daß
polnische Golfcarts im Werte von 3 Millionen Dollar zu Dumpingpreisen auf den
amerikanischen Markt geworfen wurden - bereits ein Signal für die übrige Welt
ist, daß Amerika sich auf seine Küsten zurückzieht.
Und wenn wir uns schon auf dem schlüpfrigen Gelände der Statistik bewegen, sollten wir auch das Ausmaß der Restriktionen bei amerikanischen Ex-

�Exporten von Agrarerzeugnissen im Werte von rund 22 Milliarden nicht übersehen, für die sich die Grenzmaßnahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft negativ auswirken. Wir akzeptieren und begrüßen die
internen binnenwirtschaftlichen und sozialen Zielsetzungen und die Nützlichkeit dieser Politik; unser Ziel bei den multilateralen Handelsverhandlungen
ist es, den Abbau oder die Beseitigung der Handelsrestriktionen oder der verzerrenden Auswirkungen der Agrarpolitik zu erreichen, wo immer solche auftreten, und sie im Einklang mit der Deklaration von Tokio in eine wirksamere
internationale Ordnung einzugliedern.
Wir in den Vereinigten Staaten setzen auf im großen und ganzen freie
Märkte, auf denen das gesunde wirtschaftliche Prinzip des sich gegenseitig
steigernden Wettbewerbs zu einer leistungsfähigen Produktion in der Industrie
wie auch in der Landwirtschaft führt. Unseres Erachtens ist dies nicht nur
für uns, sondern auch weltweit für die Verbraucher das Beste.
Wir haben in unserem eigenen Lande in der Landwirtschaft weitgehende Anpassungen an diese Politik vorgenommen.

Die Kosten unseres Agrarprogramms

sind von 4 Milliarden Dollar im Jahre 1972 auf 500 Millionen Dollar im letzter
Jahr zurückgegangen.

Unsere Farmer erzielen ihre Einkünfte jetzt durch Erlöse

auf dem Markt und nicht mehr durch eine Kombination von Regierungszuwendunger
und Marktverkäufe.
Unsere Flexibilität bei der Bewältigung der Handelsprobleme auf unserem
Binnenmarkt setzt naturgemäß gewisse Anzeichen für eine Flexibilität auf
Seiten der Europäischen Gemeinschaft voraus, sowohl im Interesse des guten
Glaubens wie auch der Gerechtigkeit.
Es sollte besser verstanden werden, daß unser eigenes Handelsgesetz erstmals für unsere binnenwirtschaftlichen Interessen gewisse Zusicherungen gibt,
daß Klagen über Wettbewerb durch Importe nicht nur gehört, sondern daß auch
schnell und fair gehandelt wird und daß gewisse Hoffnung auf Lösung der Probleme besteht.
Alle
- 3 -

�Alle unsere Fälle sind aus einer Reaktion auf etwas entstanden und es
gibt keine aggressive oder willkürliche Verhängung von Restriktionen für einen
freien und fairen Wettbewerb durch Importe.
Ein weiterer Beweis dafür, daß wir einem freieren und faireren Welthandel
verschrieben bleiben, ist die vorübergehende Natur aller unserer Gegenmaßnahmen auf Importe.

Bis Ende des Jahres, in den acht Monaten seit Bestehen der

Ermächtigungen für diese Form der Importanpassung nach dem neuen Handelsgesetz, dürften wir mehr Eingaben für eine Unterstützung zur Anpassung des Handels bearbeitet und ihnen stattgegeben haben als in den ganzen 12 Jahren des
Bestehens dieser Ermächtigung unter dem vorangegangenen Gesetz über die Ausweitung des Handels von 1962. Auch dies wieder ist kaum ein Zeichen für eine
Rückkehr zu dem Protektionismus der dreißiger Jahre.
Wie ich bereits seit geraumer Zeit betont habe, stimme ich mit unseren
Freunden in Brüssel voll und ganz darin überein, daß wir - und damit meine
ich uns beide, ja alle an den multilateralen Handelsverhandlungen Beteiligten jetzt an einer sehr gefährlichen Kreuzung stehen.
Wenn unsere den Handel betreffenden Entscheidungen und Maßnahmen fair
und gerecht sind, wenn sie auf unseren legitimen nationalen Interessen und
in gleicher Weise auf unseren internationalen Verpflichtungen basieren, dann
sollte es keinen Grund zur Beunruhigung geben.
Wir müssen uns ständig konsultieren, um Überreaktionen zu vermeiden und
zu versuchen, flexible und allseits akzeptable Lösungen zu finden, die die
Notwendigkeit überhaupt irgendwelche Gegenmaßnahmen zu ergreifen, beseitigen.
Wenn wir auf der anderen Seite unsere Maßnahmen übereilt, unklug oder kurzsichtig treffen, dann werden wir - wir alle - in der Tat in größte Schwierigkeiten
geraten.
•

Denn jede Nation oder Gruppe von Ländern, die heute ungerechtfertigt
Kräfte der Vergeltung in Gang setzt, würde praktisch damit nur erreichen, daß

�daß wir einer nicht mehr zu bändigenden Reaktion auf einen wachsenden Druck
im Inland ausgeliefert wären, dem schon durch die weltweite wirtschaftliche
Stagnation und die weltweite Arbeitslosigkeit Vorschub geleistet wird, die
wiederum durch die allgemeine Inflation und die steigenden Energiekosten genährt werden.

Ein solcher Kurs würde uns nur in eine zweifelhafte und nicht

akzeptable Periode der Handelskriege, der wirtschaftlichen Isolation und der
Depression zurückwerfen.
Dies würde nicht nur zu einem Abrücken von unseren auf die Zukunft gerichteten Bemühungen in Genf führen, sondern auch gerade das multilaterale
Handelssystem gefährden, das uns seit dem zweiten Weltkrieg so gute Dienste
geleistet hat und das wir jetzt mit so viel Mühe zu modernisieren und zu verbessern suchen, damit es den sich ändernden wirtschaftlichen Gegebenheiten
einer unbeständigen Situation auf der Welt entspricht.
Ich nehme an, daß keiner von uns, ob groß oder klein, sich diese Alternative leisten kann ...
Es ist angedeutet worden, daß dfe amerikanischen Wahlen 1976 für die
Handelsverhandlungen von Bedeutung sein könnten. Diese Ansicht trägt nicht
der Tatsache Rechnung, daß unser Handelsgesetz auf einer überparteilichen Basis verabschiedet wurde, bei nur 10 Gegenstimmen von 535 möglichen Stimmen.
Ferner wirkt der amerikanische Kongreß ständig bei den Verhandlungen mit. Mitglieder des Kongresses, seiner Ausschüsse, stehen unseren Unterhändlern in
Genf an Ort und Stelle beratend zur Seite. Auf der anderen Seite des Atlantik
halten wir ebenfalls engen Kontakt mit dem Kongreß. Somit werden unsere Wahlen
unsere Verhandlungsfähigkeit nicht beeinträchtigen. In gleicher Weise wird
das in Genf Erreichte nicht zur Wahl des nächsten amerikanischen Präsidenten
oder Kongresses beitragen; was wir dort aber nicht tun, das wird sich auf
alle Wahlen in der freien Welt während der nächsten Generation auswirken.
Wollen wir die gegenwärtige Situation realistisch bewerten, ihre ernsten
warnenden Zeichen erkennen und unseren Blick auf die Zukunft richten.
Wollen
- 5 -

�Wollen wir jeden Zank vermeiden, jedes Auftrumpfen und einander Bedrohen,
und stattdessen mit der langen, schwierigen und zwingenden Aufgabe beginnen,
die unserer harrt ...
Wenn jetzt in den multilateralen Handelsverhandlungen neue Regeln für den
Handel erarbeitet werden, sollten wir auch wirksame Verfahren entwickeln, die
eine rasche und faire Beilegung von Handelsstreitigkeiten gewährleisten, wie
sie sich künftig ergeben könnten.
Zum Schluß möchte ich noch darauf hinweisen, daß die Perfektionierung
unseres internationalen Handelssystems einen wesentlichen Beitrag zu verschiedenen großen Problemen der Welt leisten kann, wie z.B. Inflation, Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Fortschritt der Entwicklungsländer.
Die multilateralen Handelsverhandlungen in Genf wurden 1973 aufgenommen,
um eine Ausweitung und Reform des Handels zu erreichen, damit für alle, auf
der Basis der Gegenseitigkeit, gemeinsam Vorteile erzielt werden können.

Die

große Bedeutung dieses Zieles tritt gerade in diesem Jahr um so klarer hervor,
in dem der Welthandel seinen ersten Rückschlag seit dem zweiten Weltkrieg erlitten hat ..."

�' amerika dienst
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21/1975

BROT ALS POLITIKUM
Langfristiges Getreide-Lieferabkommen der USA mit der UdSSR
Internationale Vorratshaltung zur Vorbeugung gegen Hungersnot

- (AD) - Als Großversuchsfeld für die Entwicklung zuverlässiger Methoden
der Ernteschätzung benutzen das US-Landwirtschaftsministerium und das US-Amt
für Luft- und Raumfahrt (NASA) derzeit den "Weizengürtel"

im Herzen der USA.

Dies ist eine weitläufige Region in den Großen Ebenen, die sich fast 3500 km
lang und bis zu 1200 km breit, von Texas bis nach Südkanada erstrecken. Für
die Untersuchungen werden die Multispektralaufnahmen im Infrarotbereich von
den beiden amerikanischen Erdbeobachtungssatell iten LANDSAT sowie eine Serie
von jeweils zur Zeit des Satellitendurchgangs im Getreideanbaugebiet am Boden
ermittelten Meßdaten - u.a. über Bodenfeuchtigkeit, Pflanzenzustand und Sonneneinstrahlung - gesammelt und ausgewertet.

Dieses Verfahren könnte bei ent-

sprechender Weiterentwicklung dazu führen, daß jeden Monat Ernteschätzungen
nicht nur für die "Kornkammer Amerikas", sondern für alle Agrargebiete der
Erde erstellt werden.
Damit würde zumindest einer der Unsicherheitsfaktoren beseitigt, die die
Nahrungsmittel Versorgung zahlreicher Länder zusätzlich gefährden können. Denn
er trägt dazu bei, weltweit das Preisgefüge auf dem Getreide- und Agrarmarkt
erheblich zu stören.

Rechtzeitig vorliegende Informationen über die zu erwar-

tenden Ernten dagegen würden es sowohl den Erzeugerländern als auch den auf

- 1 -

�auf Importe angewiesenen Staaten eher ermöglichen, Vorkehrungen gegen Entwicklungen zu treffen, bei denen Preise außer Kontrolle geraten, die Inflation weiter angeheizt wird und in importabhä'ngigen Regionen akute Versorgungsschwierigkeiten auftreten.
Ein Schulbeispiel aus jüngster Zeit sind die Auswirkungen der schlechten
diesjährigen Getreideernte in der UdSSR auf den internationalen Getreidemarkt.
Mit den massiven Käufen der Sowjetunion im Ausland - von bisher 16 Millionen
Tonnen wurden allein 10 Millionen Tonnen in den USA angekauft - begannen in
den Vereinigten Staaten ungeachtet der ungewöhnlich guten eigenen Ernte die
Preise enorm zu steigen.

Daraufhin versuchte eine große amerikanische Gewerk-

schaft sogar eine Zeitlang, die Verschiffung von Getreide in die Sowjetunion
zu blockieren.

Verständlich, daß die US-Regierung solche Entwicklungen künftig

unterbinden und dem Getreidemarkt eine stabilere Basis geben möchte.

Deshalb

erachtet sie langfristige Liefervereinbarungen mit Importländern und speziell
mit der Sowjetunion als Großabnehmer für unumgänglich.
Dementsprechend haben die USA jetzt mit der UdSSR ein Getreideabkommen
mit fünfjähriger Laufzeit und einer Mindestabnahme von sechs Millionen Tonnen
Weizen und Mais jährlich abgeschlossen, das am 1. Oktober
tritt.

1976 in Kraft

Vertreter des Sowjetregimes machten die Trockenheit für die schlechte

Getreideernte verantwortlich.

Allein in der Ukraine bleibt der Ertrag gut

20 Prozent unter den Ergebnissen eines normalen Erntejahres. Jedoch erörtert
die sowjetische Presse auch Probleme der landwirtschaftlichen Maschinen. Und
Beobachter außerhalb der Sowjetunion weisen auf erhebliche Mängel im gesamten
Agrarsystem des Landes hin, dessen Landwirtschaft riesige Investitionen verschlingt.

Der Bedarf an Getreide steigt aber u.a. schon wegen des zunehmenden

Fleischkonsums in der UdSSR rapide an.
•

'

•

'

• ' ' " • ' " •

Rekordernte

�Rekordernte in den Vereinigten Staaten
Amerika verzeichnet 1975 eine Rekordernte.

Sie dürfte bei Mais mit

144,46 Millionen Tonnen 22 % über der des Vorjahres liegen.

Der Ertrag an

Futtergetreide mit Mais, Sorghum, Hafer und Gerste wird auf 181 Millionen
Tonnen (pl is 22 % ) , mit Weizen, Roggen und Reis auf 64,18 Millionen Tonnen
(plus 18 %) geschätzt.

Für Weizen werden 58,14 Millionen Tonnen (plus 19 %

gegenüber 1974), für Sojabohnen 39,25 Millionen Tonnen (plus 17 %), für Ölsaaten (Soja, Baumwollsamen, Erdnüsse und Leinsamen) 44,13 Millionen Tonnen
(plus 13 7a) tfür

Zuckerrüben 25,57 Millionen Tonnen (plus 27 %) und für Zucker-

rohr 26,19 Millionen Tonnen (plus 16 %) angenommen.
Die z.T. recht düsteren Prognosen im Vorjahr, die in der Trockenheit
1974 in weiten Teilen der USA den Beginn einer neuen Dürreperiode ähnlich
jenen der dreißiger und fünfziger Jahre zu erkennen glaubten, bewahrheiteten
sich nicht. Dennoch zeigen die Erträge der Jahre 1974 und 1975 erneut, wie
sehr die Landwirtschaft eines großen Erzeugerlandes trotz ständiger Verbesserungen auf allen Gebieten - von der Saatzucht über Düngemittel bis zu den Anbau- und Bewirtschaftungsmethoden - nach wie vor vom Wetter abhängig ist.
Eine gewisse Absicherung gegen Ertragseinbußen schuf die US-Regierung
bereits, indem sie im vergangenen Jahr die alten Bestimmungen über die Einschränkung von Anbauflächen aufhob. Die Getreidevorräte sind ohnehin seit
den ausgedehnten sowjetischen AufKäufen vom Jahr 1973 und durch die Lieferpflichtungen an die traditionellen Importländer dezimiert und werden durch Abgaben im Rahmen von Hilfsprogrammen für die dritte Welt laufend zusätzlich in
Anspruch genommen. Die Gefahr einer Überproduktion besteht nicht mehr in
der Welt von heute, die bei rapide wachsenden Bevölkerungszahlen in gewissen
Teilen der Erde von Hunger und Mangelernährung bedroht ist. Das auf der
Welternährungskonferenz in Rom 1974 von US-Außenminister Kissinger proklamierte Ziel, bis zum Jahr 2000 die Nahrungsmittelproduktion der Welt zumindest zu verdoppeln und gleichzeitig die Nahrungsqualität zu verbessern,
ist neben einer Verringerung des Bevölkerungswachstums, der Schaffung eines

�eines besseren internationalen Verteilungs- und Finanzierungssystems und
der Vorratsbildung für Notzeiten eine wesentliche Voraussetzung für die Überwindung des Hungers.
Konkrete Vorschläge über eine künftige internationale Reservehaltung
unterbreiteten die Vereinigten Staaten auf einer Konferenz des Internationalen
Weizenrates Ende September 1975 in London.

Darin fordern sie u.a. die Anle-

gung eines Vorrats von 25 Millionen Tonnen Weizen und von fünf Millionen Tonnen
Reis.

Dies würde ausreichen, um mehr als 90 Prozent der Auswirkungen schlech-

ter Ernteerträge weltweit abzufangen.
E. Bell

Weitere wichtige Punkte des von Richard

(US-Landwirtschaftsministerium) vorgetragenen Planes sehen vor:

- Die Beiträge der Partnerstaaten basieren auf ihrer früheren Getreideproduktion, dem Umfang ihres Handels mit Getreide sowie auf ihrem finanziellen
Leistungsvermögen.
- Bei Anzeichen für eine bevorstehende, jedoch noch nicht erwiesene
Mangel Situation tritt die erste Phase als sog. Warnphase in Kraft.

Die Teil-

nehmerstaaten beraten, welche Schritte erforderlichenfalls zu unternehmen
sind.
•

- Phase zwei tritt bei eindeutig zutage tretenden Mangel Situationen in
Kraft.

Die Partnerländer sind dann verpflichtet, die von ihnen gehaltenen

Vorräte zu Marktpreisen abzugeben.
- Die Reserven werden von den einzelnen Mitgliedstaaten angelegt; jedes
Land entscheidet frei über die Verwaltung der Vorräte.
- Die Beteiligung an dem Abkommen steht allen auf der Welternährungskonferenz vertretenen Nationen und jedem Land offen, das sich am Internationalen
Weizenabkommen beteiligt.
- Entwicklungsländern, die sich der Vereinbarung anschließen, soll be-

�besondere Unterstützung zuteil werden, damit sie ihren Verpflichtungen zur
Vorratshaltung ohne ungebührliche finanzielle Belastungen nachkommen können.
über die Aktionen, die die Regierung Ford seit der Welternä'hrungskonferenz von Rom im November 1974 zur Verbesserung der Nahrungsmittel Versorgung
durch innen- und außenpolitische Maßnahmen unternommen hat, wurde kürzlich
dem US-Kongreß ein ausführlicher Bericht zugeleitet.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Getreideabkommen zwischen den USA und der UdSSR&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-Sowjetische Absichtserklärung über sowjetische Öllieferungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens des State Departments -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dent: USA bleiben einem freieren Welthandel verschrieben&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Handelssonderbeauftragten in Amsterdam -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brot als Politikum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Langfristiges Getreide-Lieferabkommen der USA mit der UdSSR&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Internationale Vorratshaltung zur Vorbeugung gegen Hungersnot&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

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22

5. November 1975

Inhalt

DOKUMENTATION:
Ford gibt Veränderungen seines Kabinetts bekannt
- Erklärung des Präsidenten auf der Pressekonferenz am 3. November 1975
Präsident Ford unterstreicht Bedeutung der Vereinten Nationen
- Auszüge aus der Rede am 30. Oktober 1975 in San Franzisko -

I*

INFORMATION:
Risiken durch Kernreaktoren für die Öffentlichkeit minimal
US-Studie über die Unfallgefahren beim Betrieb von Kernkraftwerken

WIRTSCHAFT:
Pariser Ministerkonferenz über wirtschaftliche Zusammenarbeit soll
Nord-Süd-Dialog vertiefen
Von John J. Harter
Nukleare Exporte der USA wieder auf Vorjahreshöhe
- Auszüge aus der Rede des NRC-Mitgliedes Victor Gilinsky in Stockholm

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Wasserstoff greift Hautkrebs an
Neuartige Therapie im Tierversuch erprobt
Mit der Radarsonde auf Erdgassuche

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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22/1975

FORD GIBT VERÄNDERUNGEN SEINES KABINETTS BEKANNT
- Erklärung des Präsidenten auf der Pressekonferenz am 3. November 1975 -

WASHINGTON - (AD) - President Ford hat auf einer Pressekonferenz am 3. November 1975 wesentliche Veränderungen seines Kabinetts bekannt gegeben. Die
einleitende Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Ich habe heute abend mehrere Ankündigungen zu machen.

Erstens, hinsichtlich der Außenpolitik und der nationalen Sicherheit:
Sie werden sich erinnern, daß ich, als ich im August vor einem Jahr Präsident
wurde, zu erkennen gab, das nach meiner Überzeugung es entscheidend wichtig
war, in der amerikanischen Außenpolitik Stabilität und Kontinuität zu gewährleisten.

Ich habe damals nach meinem Gewissen die Entscheidung getroffen,

auf dem wichtigen Gebiet der nationalen Sicherheit keine personellen Änderungen
vorzunehmen.

Ich habe jedoch auf dem Gebiet der Innenpolitik eine Reihe be-

deutsamer Änderungen im Kabinett vorgenommen.

Wir haben jetzt mit Erfolg unsere Verbündeten davon überzeugt, daß die
Vereinigten Staaten angesichts jeder Bedrohung unseres nationalen Interesses
fest stehen werden, und unsere potentiellen Gegner davon überzeugt, daß Amerika
aktiv nach Wegen suchen wird, um die Kriegsdrohung zu verringern.
Ich
- 1 -

�. Ich gebe daher heute abend eine Reihe personeller Veränderungen bekannt,
die nach meiner Überzeugung die Administration auf dem wichtigen Gebiet der
nationalen Sicherheit stärken werden.
Ich habe die Absicht, Donald Rumsfeld als meinen neuen Verteidigungsminister zu nominieren.

Er hat mit Auszeichnung als Kongreßabgeordneter des

Staates Illinois, als Direktor des Amtes zur Sicherung des wirtschaftlichen
Fortkommens, als Direktor des Lebenshaltungskostenrates und als Botschafter
bei der NATO gedient.

Seit einem Jahr steht er an der Spitze meiner Berater

im Weißen Haus und ist Mitglied meines Kabinetts.

Er verfügt über die Erfah-

rung und die Fähigkeiten, die notwendig sind, damit unser Land eine Verteidigungskapazität aufrechterhalten kann, die hinter der keines anderen Landes
zurücksteht.
Ich möchte noch ein besonderes Wort zu James Schlesinger sagen.

Die

Nation steht bei Verteidigungsminister Schlesinger in einer tiefen Schuld
der Dankbarkeit für seine fähigen Dienste an unserem Lande als Vorsitzender
der Atomenergiekommission, als Direktor des CIA und als Verteidigungsminister.
Henry Kissinger hat mit Auszeichnung als Außenminister und als mein Berater für Fragen der nationalen Sicherheit gedient.
Außenminister Kissinger wird seinen Posten als Berater des Präsidenten
aufgeben, um seine ganze Zeit seinen Aufgaben als Außenminister widmen zu
können.
Brent Scowcroft, der drei Jahre lang in fähiger Weise als stellvertretender Berater des Weißen Hauses tätig gewesen ist, wird auf den Posten des
Beraters des Präsidenten für Fragen der natioanlen Sicherheit aufrücken.
Seit einem Jahr hat George Bush die Vereinigten Staaten in der Volksrepublik China vertreten.

Er hat große Fähigkeiten als Kongreßabgeordneter und

als Botschafter bei den Vereinten Nationen bewiesen.

Ich habe die Absicht, Bot-

�Botschafter Bush als Direktor des Zentralamtes für Aufklärung (CIA) zu nominieren.
Der CIA ist eine der wichtigsten Einrichtungen unseres Landes.

In den

letzten Monaten ist er in den Mittelpunkt einiger Kontroversen gerückt.

In

dieser schwierigen Zeit hat Bill Colby als Direktor des CIA in der Zusammenarbeit mit dem Kongreß hervorragendes geleistet, um etwaige Mißbräuche herauszufinden und abzustellen, die in der Vergangenheit aufgetreten sein könnten,
und gleichzeitig eine wirksame Aufklärungskapazität im Ausland aufrechterhalten.
Richard Cheney, der erfolgreich als stellvertretender Berater tätig gewesen ist, wird an die Stelle von Don Rumsfeld als Berater des Präsidenten
treten und wird die Aufgabe der Koordinierung des Stabes des Weißen Hauses
übernehmen.
Auf einem ganz anderen Gebiet habe ich noch eine weitere Personal Veränderung bekanntzugeben.
Vor einigen Wochen teilte mir Handelsminister Rogers Morton mit, daß er
Anfang des nächsten Jahres den Umfang seiner Tätigkeiten einschränken und
seinen gegenwärtigen Posten zur Verfügung stellen möchte, um in das Privatleben zurückzukehren.
Rogers Morton hat sich im Kongreß und auf zwei Kabinettsposten fast
fünf Jahre lang große Auszeichnung erworben. Er hat die Achtung aller Amerikaner gewonnen. Er ist mir lange Jahre ein enger persönlicher Freund gewesen.
Ich bin für seine wertvollen Dienste zutiefst dankbar und werde ihn auch in
Zukunft um Unterstützung bitten.
Elliot Richardson wird von mir als Handelsminister nominiert werden.

Als

fähiger früherer Verteidigungsminister, Minister für Sozialwesen und Justizminister ist Richardson gegenwärtig als Botschafter unseres Landes in Groß-

�Großbritannien tätig.

Ich weiß, daß er auf seinem neuen Posten hervorra-

gendes leisten wird.
Ich hoffe, daß der Senat meine Nominierungen für die Posten, die einer
Bestätigung bedürfen, rasch bestätigen wird." .

'

•

.

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-

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+ + + + +

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22/1975

PRÄSIDENT FORD UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER VEREINTEN NATIONEN
- Auszüge aus der Rede am 30. Oktober 1975 in San Franzisko -

SAN FRANZISCO - (AD) - Präsident Ford hat am 30. Oktober 1975 in einer
Rede in San Franzisko erneut die große Bedeutung der Vereinten Nationen für
die Erhaltung des Weltfriedens unterstrichen, deren Charta in San Franzisko
ausgearbeitet wurde und vor 30 Jahren in Kraft getreten ist. Nachfolgend
die wichtigsten Teile der Rede des amerikanischen Präsidenten im Wortlaut:
In diesem Monat ist es 30 Jahre her, daß die in San Franzisko ausgearbeitete Charta der Vereinten Nationen in Kraft trat. Diese Charta legte in
feierlicher Form fest, daß die Völker der Vereinten Nationen entschlossen
waren, "den Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der
Menschlichen Persönlichkeit,an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen ..."
Das amerikanische Volk baut fest auf diese Prinzipien, und wir haben
in der seither verstrichenen Generation große Hoffnungen in die Vereinten
Nationen gesetzt.

Die Vereinigten Staaten sind stets in den Vereinten Na-

tionen für die Verteidigung dieser Prinzipien eingetreten.
Anfang September fand die siebte Sondersitzung der Vollversammlung über
das Thema wirtschaftliche Entwicklung und weltweite Zusammenarbeit statt. Die

�4,
Die Vereinigten Staaten haben auf dieser Sitzung entschlossen eine führende
Rolle übernommen.

Wir haben klar gemacht, daß die Ausübung wirtschaftlichen

Druckes und Versuche der wirtschaftlichen Erpressung niemals Erfolg haben
würden.

Vielmehr sind, wenn irgend ein Land, ob reich oder arm, seine auf

Fortschritt und Wohlstand gerichteten Ziele erreichen will, Realismus und
eine kooperative Einstellung der einzig mögliche Weg hierzu.
In diesem Geiste haben die Vereinigten Staaten eine Reihe konstruktiver
und realistischer Vorschläge unterbreitet, an deren Verwirklichung andere
Nationen verantwortlich mitwirken würden.

Und unsere Vorschläge bildeten

die Basis für die Empfehlungen, die schließlich am Ende dieser Sondersitzung
von der Völkergemeinschaft der Welt angenommen wurden.

Dies war ein außer-

gewöhnliches Beispiel für vernünftige Verhandlungen, erzielte Übereinstimmung
und praktisches Handeln.
Es hat andere, ermutigende Entwicklungen gegeben. Der Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen hat kürzlich das Mandat der UN-Sicherheitstruppe auf
Sinai bei einem Minimum an Debatten und Schärfen erneuert.
Dieser Truppe kommt für die Erhaltung des Friedens und für unsere Bemühungen um weiteren Fortschritt auf diplomatischem Wege eine entscheidende
Bedeutung zu.
Die ursprüngliche Rolle der Vereinten Nationen bei der Wahrung des Friedens hat heute eine noch größere Bedeutung als jemals zuvor. Daher sind wir
beunruhigt über konkrete Bestrebungen und Aktionen in diesem Weltgremium.
Wir haben Stimmabgaben nach Blöcken, einseitige Resolutionen und Verletzungen
der fairen Verfahren und Prinzipien der UN-Charta erlebt. Wir haben Versuche
erlebt, sich in die Angelegenheiten von Puerto Rico einzumischen, den klar
zum Ausdruck gebrachten Willen der Bevölkerung von Puerto Rico zu mißachten.
Und wir haben es erlebt, daß ein Ausschuß der Vereinten Nationen in einer Abstimmung den Zionismus als eine Form des Rassismus bezeichnet.
Die

�Die Vereinigten Staaten haben durch Außenminister Kissinger und Botschafter Moynihan klar gestellt, daß diese Resolution die notwendige Kampagne
der Vereinten Nationen gegen die Rassendiskriminierung untergräbt und die
entscheidend wichtige Rolle der Weltorganisation als Schlichter im Nahen Osten
gefährdet.

Ich erhebe ernste Einwendungen gegen jede Maßnahme, die die Ver-

einten Nationen als wirksames Forum zur friedlichen Beilegung von Streitigkeiten schwächt.
Die Vereinigten Staaten verurteilen diese Resolution schärfstens und
werden sich dafür einsetzen, daß sie abgelehnt wird, sobald sie vor die Vollversammlung kommt.
Die Charta der Vereinten Nationen bietet eine Norm für die fundamentale
Überzeugung, daß die Vielfalt der Prinzipien und Anschauungen respektiert
werden muß. Wir glauben hieran und werden unsere Werte und Prinzipien in
den Vereinten Nationen ohne jede Apologie verteidigen. Wir werden uns konstruktiv an den Beratungen und Maßnahmen der Vereinten Nationen beteiligen
- und wir wünschen, daß man uns in diesem gleichen Geiste begegnet. Dies
ist mein Standpunkt und ich glaube, daß das amerikanische Volk dem zustimmt.
Anfang dieser Woche hatte ich mehrere wichtige Zusammenkünfte mit dem
ägyptischen Präsidenten Sadat.

Sein Besuch - das erste Mal, daß ein

ägyptischer Präsident in die Vereinigten Staaten gekommen ist - stellt eine
äußerst bedeutsame neue Entwicklung auf außenpolitischem Gebiet dar.
Wenn die Vereinigten Staaten sich Sorge um den Nahen Osten machen, so
geschieht dies weil es sich hier um eine Sache von lebenswichtiger Notwendigkeit handelt und uns keine andere Wahl bleibt.

Der Nahe Osten ist ein

strategisch wichtiger Teil der Welt und die Quelle eines bedeutenden - und
ständig wachsenden - Teiles unserer Energieversorgung sowie der Energieversorgung Westeuropas und Japans. Wir wollen unsere freundschaftlichen Beziehungen zu den rund 150 Millionen Menschen der arabischen Welt aufrecht erhalten und verbessern und wir haben, was den Fortbestand und die Sicherheit
- 3 -

�Sicherheit Israels anbetrifft, eine fundamentale moralische Verpflichtung.
Der Krieg vom Oktober 1973 und das ölembargo haben uns gezeigt, daß ein
Konflikt im Nahen Osten sich rasch ausbreiten und internationale Auswirkungen
zeitigen kann.

Wenn wir daher Erfolg bei unseren Bemühungen um einen Beginn

des Prozesses von Friedensverhandlungen haben, so wird damit den lebenswichtigen Interessen unseres Landes gedient und gleichzeitig ein Beitrag zum
Wohlstand der Völker des Nahen Ostens sowie zum Weltfrieden geleistet.
Das jüngste Sinai-Abkommen zwischen Ägypten und Israel wird die Dynamik
dieses auf den Frieden gerichteten Prozesses erhalten.

Es liegt ein langer,

harter Weg vor uns, der zahlreiche Gefahren birgt, aber ich werde mit dem
fortfahren, was sich vielleicht einmal als eine der bedeutsamsten Leistungen
der amerikanischen Außenpolitik im Verlauf einer Generation erweisen wird.
Wir Amerikaner schreiben gegenwärtig ein Kapitel der Weltgeschichte,
auf das wir stolz sein können.
Wenn ich mich so in der Welt umsehe, dann stelle ich fest, daß unsere
Bündnisse mit der atlantischen Gemeinschaft und mit Japan sich in einem besseren Zustand befinden als zu irgend einer Zeit in den letzten 10 Jahren.
Unsere Zusammenarbeit in Verteidigungsfragen ist vernünftig, wirksam und wird
ständig verbessert. Aber die Zusammenarbeit der Verbündeten geht heute weit
über die Verteidigung hinaus - sie geht so weit, die neuen Gebiete der Zusammenarbeit auf dem Energiesektor einzuschließen - und jetzt finden intensive
Konsultationen statt, um unsere wirtschaftliche Wiedergesundung zu beschleunigen.
In zwei Wochen werde ich in Paris die führenden Staatsmänner der großen
Industriestaaten der freien Welt auf einem wirtschaftlichen Gipfeltreffen
sehen.

Wenn wir alle unsere Politik für eine wirtschaftliche Wiedergesundung

aufeinander abstimmen, so werden unsere Anstrengungen eine sich verstärkende
Wirkung haben und uns allen nützen.
Die

�Die Stärke und die Solidarität der freien Welt ist meines Er^chtens
die einzige Basis, um einen Abbau der Spannungen mit unseren kommunistischen
Widersachern zu erreichen.

Nicht wir wollen die Konfrontation.

Aber ich

habe klar gestellt, daß wir unter meiner Administration eine nationale Verteidigung aufrecht erhalten werden, die hinter keiner anderen zurücksteht
- und ich werde den Verteidigungshaushalt gegen alle gefährlichen und schlecht
beratenen Kürzungen verteidigen.

Ich habe ferner klar gestellt, daß wir auf

eine Herausforderung entschlossen antworten werden.

Wenn wir unsere wirtschaftliche und militärische Stärke beibehalten,
dann werden wir auch über eine zuverlässige Grundlage für praktisch durchführbare Maßnahmen verfügen, um bei den Verhandlungen mit den kommunistischen
Ländern unsere Interessen wahrzunehmen.
Wir unterhalten bei gegenseitiger Achtung stabile Beziehungen zur Volksrepublik China.

Mein Besuch in diesem Jahr wird eine unmißverständliche De-

monstration der Kontinuität unserer Bezeihungen auf der Grundlage der Prinzipien des Kommuniques von Shanghai sein.

Mit der Sowjetunion werden wir weiter auf praktisch durchführbare Abkommen hinarbeiten, wo sie unseren beiderseitiger, Interessen dienen - als
eine Straße in beiden Richtungen,

über SALT werden wir ein ausgewogenes und

zuverlässiges Abkommen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen auf
beiden Seiten aushandeln.

Es wird sich an das Prinzip der Gleichheit halten.

Ich will ein gutes Abkommen; wenn es etwas länger dauert, um ein gutes Abkommen auszuhandeln, dann werde ich diese Zeit darauf verwenden.

Ich möchte

mich nicht in künstlich geschaffene Terminschwierigkeiten hineindrängen lassen ...

- 5 -

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RISIKEN DURCH KERNREAKTOREN FÜR DIE ÖFFENTLICHKEIT MINIMAL
US-Studie über die Unfall gefahren beim Betrieb von Kernkraftwerken

WASHINGTON - (AD) - Die Gefahr, infolge eines Reaktorunfalls ums Leben
zu kommen, ist für eine Person, die selbst in unmittelbarer Umgebung eines
Kernkraftwerks lebt, weitaus geringer als die Wahrscheinlichkeit, bei einem
Flugzeugabsturz oder durch einen Blitzschlag getötet zu werden.
Dies ist eines der Ergebnisse einer neuen Untersuchung, die von der
amerikanischen Regierung über die mit dem Betrieb von Atomkraftwerken verbundenen Risiken durchgeführt wurde. Die Studie kommt ganz allgemein zu
dem Schluß, daß diese Risiken weitaus geringer sind als die, denen sich der
Mensch sonst durch Naturereignisse oder die konventionelle Technik ausgesetzt sieht.
Die Studie wurde von der Nuklearen Aufsichts- und Kontrollbehörde der
USA (Nuclear Regulatory Commission - NRC) nach dreijährigen Vorarbeiter und
Analysen am 30. Oktober veröffentlicht. An ihr hat ein Team von 60 amerikanischen Wissenschaftlern und Ingenieuren aus staatlichen und privater Instituten unter der Leitung von Professor Norman C. Rasmussen von der Abteilung
für Kernreaktortechnik des Massachusetts Institute of Technology (MIT) mitgewirkt.
Aufgrund
- 1 -

�Aufgrund ihrer Untersuchungen kommen die Wissenschaftler zu folgenden
Ergebnissen:
- Daß Unfälle im Zusammenhang mit einem Kernkraftwerk zum Tode führen,
ist zehntausendmal weniger wahrscheinlich als bei sonstigen Unfällen in unserer modernen Welt.
- Unfälle im nichtnuklearen Bereich der technischen Welt, bei denen ein
vergleichbarer bedeutender materieller Schaden entsteht, sind rund 1000 mal
wahrscheinlicher als Atomkraftwerksunfälle.
Die Ergebnisse der Studie stützten sich auf Vergleiche zwischen den in
Betrieb befindlichen Atomkraftwerken und der Häufigkeit von Unfällen im nichtnuklearen Bereich, wie beispielsweise:

Autozusammenstöße, Schäden durch

Feuer und Hitzeeinwirkung, Unfälle durch Ertrinken, durch Schußwaffen, Flugzeugabstürze, Stromstöße, Blitzschlag und Wirbel stürme.
In der Untersuchung wird darauf hingewiesen, daß die nuklearen Risiken
nur geschätzt werden können, da es bisher noch keinen Reaktorunfall gegeben
habe, bei dem bedeutendere Mengen radioaktiver Substanzen freigesetzt wurden.
Nach den Schätzungen des Berichts ist die Wahrscheinlichkeit, daß ein
Amerikaner durch einen Kernreaktorunfall getötet wird, 1 zu 5 Milliarden.
Im Vergleich dazu beträgt die Wahrscheinlichkeit durch einen Wirbelsturm ums
Leben zu kommen 1 zu 2,5 Millionen; durch Blitzschlag getötet zu werden
1 zu 2 Millionen; bei einem Flugzeugunglück zu sterben 1 zu 100 000; bei
einem Sturz sein Leben zu verlieren 1 zu 10 000 und in einem Autounfall umzukommen 1 zu 4000.
.

Bei seinen Berechnungen geht die Studie von einem Personenkreis aus, der
innerhalb von rund 40 km Entfernung von einem Kernreaktor lebt, sowie von der
Annahme, daß 100 Reaktoren in Betrieb sind. Zur Zeit gibt es in den Vereinigten Staaten 56 Reaktoren zur Kraftstromerzeugung.
Die

�Die Möglichkeit, daß jemand durch einen nuklearen Unfall gesundheitliche Schäden davonträgt, ist nach Angaben der Studie nicht größer als
1 zu 75 Millionen pro Jahr.

Bei einer gesundheitlichen Schädigung dieser

Art würde es sich im schlimmsten Falle um einen Langzeiteffekt einer Schildrüsenerkrankung handeln, die aber rechtzeitig diagnostiziert und erfolgreich
behandelt werden kann.
Entgegen der weitverbreiteten Meinung können Atomkraftwerke nicht "explodieren".

Die einzige Möglichkeit, wie größere Mengen radioaktiver Sub-

stanz aus dem Reaktor entweichen könnten, wäre bei überhitzung des Reaktorkerns und Schmelzen der Brennstäbe.
Um diese Gefahr auszuschließen, sind die Reaktoren durch eine Reihe von
Sicherungs- und Kontrol1 Systemen geschützt, die die Anlage vor überhitzung bewahren.
Nach Angaben der Studie, wäre es äußerst unwahrscheinlich, daß alle
diese Präventivsysteme zusammen und zu gleicher Zeit ausfallen sollten.
Ein großer Teil der in dieser Studie angewandten Methoden zur
einschätzung"

"Risiko-

sind in jahrzehntelanger Arbeit durch entsprechende Abteilungen

des amerikanischen Verteidigungsministeriums und des amerikanischen Bundesamtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) entwickelt worden.
In einer Stellungnahme zu der Studie sagte der Vorsitzende der NRC,
William A. Anders: "Sie bestärkt die NRC in ihrer Überzeugung, daß ein Kernkraftwerk, wenn es entsprechend den umfassenden Ausführungsverordnungen der
NRC entworfen, konstruiert und betrieben wird, einen angemessenen Schutz für
die öffentliche Gesundheit und Sicherheit sowie die Umwelt gewährt." Der
Bericht stelle nach Anders Worten ein "wohlfundiertes und beeindruckendes
Werk dar."
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22/1975

PARISER MINISTERKONFERENZ ÜBER WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
SOLL NORD-SÜD-DIALOG VERTIEFEN
Von John J. Harter

WASHINGTON - (AD) - Die für den 16. Dezember 1975 in Paris geplante
zwei- bis dreitägige Ministerkonferenz über internationale wirtschaftliche
Zusammenarbeit wird Gelegenheit bieten, den auf der 7. Sondersitzung der
Vollversammlung der Vereinten Nationen im September dieses Jahres eingeleiteten Dialog weiterzuentwickeln und zu vertiefen.
Außenminister Kissinger, der selbst die Leitung der amerikanischen Delegation auf dieser Konferenz übernehmen will, wird die inzwischen in der
amerikanischen Wirtschaftspolitik gegenüber den Entwicklungsländern eingetretenen Entwicklungen erläutern. Und seine Ministerkollegen aus den 26
anderen Ländern werden ihre Ansichten zu den Maßnahmen darlegen, die in den
kommenden Monaten und Jahren zur Verbesserung der kooperativen Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Industriestaaten, den erdölexportierenden Ländern
und den Entwicklungsländern ergriffen werden könnten.
Die Konferenz wird voraussichtlich vier neue internationale Ausschüsse
einsetzen, denen jeweils hohe Ministerialbeamte aus 15 Ländern angehören
sollen:

Energieausschuß, Rohstoffausschuß, Entwicklungsausschuß und Aus- 1 -

�Ausschuß für Finanzfragen.

Die allgemeinen Richtlinien für diese vier Aus-

schüsse sind bereits von Vertretern der Industriestaaten, der Entwicklungsländer und der erdölexportierenden Länder auf einer Vorkonferenz vereinbart
worden, die vom 13. bis 16. Oktober in Paris stattgefunden hat. Auf dieser
Vorkonferenz wurde jedoch ebenfalls vereinbart, daß jeder Ausschuß jede von
einem seiner Mitglieder vorgeschlagene spezifische Frage erörtern kann. Jeder Ausschuß wird selbst seine Tagesordnung, sein Arbeitsprogramm sowie den
Zeitplan hierfür festlegen:

aber alle vier Ausschüsse werden parallel zu-

einander vorgehen und bei ihren Beratungen der von den anderen drei Ausschüssen geleisteten Arbeit Rechnung tragen.
Die vier Ausschüsse werden, nachdem die Minister die auf der Oktobersitzung des Vorbereitungsausschusses erarbeiteten Vorschläge gebilligt haben,
einer zweiten Ministerkonferenz, die in etwa einem Jahr zusammentreten soll,
über ihre Arbeit berichten.

Von amerikanischer Regierungsseite werden die

Ziele, die in dem jetzt beginnenden neuen Dialog angestrebt werden, wie folgt
umrissen:
- Suche nach allseits akzeptable Mittel zur Lösung weltweiter wirtschaftlicher Probleme, wie zum Beispiel die hohen, das Wirtschaftsgefüge
zerrüttenden öl preise;
- Erreichung einer stärkeren Integration aller nationalen Volkswirtschaften, auch der Volkswirtschaften der erdölerzeugenden Länder, in internationale Finanz- und Handelssysteme;
- Ermutigung der Länder mit wachsendem Wohlstand und wachsendem wirtschaftlichem Einfluß, auch einen entsprechenden Teil der Verantwortung für
ein internationales Wirtschaftswachstum und wirtschaftliche Stabilität zu
übernehmen;
- Einleitung gemeinsamer Anstrengungen der erdölerzeugenden Länder und
der Industriestaaten zur Unterstützung der Entwicklungsländer, damit diese
- 2 -

�diese ihre ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwinden können;

- Beschleunigung der bereits laufenden Bemühungen um eine Lösung der
Rohstoffprcbleme.

Gegen Ende der Sitzung des Vorbereitungsausschusses hatten die Vereinigten Staaten eine Liste von Fragen zirkulieren lassen, von denen sie
glauben, daß sie von den vier Ausschüssen erörtert werden sollten.

Für eine

Erörterung im Energieausschuß waren unter anderem folgende Punkte vorgeschlagen worden:

- Energiebedarf und Angebot unter Berücksichtigung des Fortschrittes
der Weltwirtschaft;
- Sicherste!lunc der Versorgung und des Absatzes bei Erdöl und Erdölprodukten;

- Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern
zwecks Steigerung der Energieversorgung.

Von amerikanischen Regierungsstellen wird darauf hingewiesen, daß es
kein anderes internationales Forum gibt, in dem Industriestaaten, Entwicklungsländer und erdölerzeugende Länder zusammenkommen können, um die technischen Aspekte solcher Fragen gemeinsam objektiv zu erörtern.

Und Außen-

minister Kissinger hat in seiner Rede auf der 7. Sondersitzung der UN-Vollversammlung betont, daß

"die Frage der Zusammenarbeit auf dem Energiesektor

nach Ansicht der Vereinigten Staaten bei den bevorstehenden Gesprächen zwischen Verbrauchern und Erzeugern ganz an der Spitze der Tagesordnung stehen
muß".

Die Vereinigten Staaten, so führte er weiter aus, würden zum Beispiel

die Gründung eines Internationalen Energieinstituts vorschlagen,

"das In-

dustriestaaten und Entwicklungsländer, Verbraucher und Erzeuger gerade bei
dem Problem der Energiegewinnung zusammenbringt".

Die
- 3 -

�Die anderen drei Ausschüsse werden sich mit Fragen befassen, die auch
in anderen internationalen Gremien erörtert werden.
- Der Rohstoffausschuß wird beispielsweise Fragen der Rohstoffversorgung, einschließlich der Lebensmittelversorgung, sowie des internationalen
Handels mit solchen Rohstoffen, die für die Entwicklungsländer von besonderem
Interesse sind, und etwaige internationale Abkommen hierüber erörtern.
- Der Entwicklungsausschuß wird unter anderem eine Stärkung der internationalen Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten, Entwicklungsländern und
erdölerzeugenden Ländern anstreben mit dem Ziel, das Wirtschaftswachstum in
den Niedrigeinkommenländern zu beschleunigen.
- Der Ausschuß für Finanzfragen wird alle Finanzprobleme prüfen, die
sich aus der Arbeit der drei anderen Ausschüsse ergeben; dabei wird er auch
die anderen internationalen Finanzgremien, wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, gestellten Aufgaben einkalkulieren.
Der Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, Charles W. Robinson, der die US-Delegation auf der Sitzung des
Vorbereitungsausschusses leitete, sieht in diesen vier Ausschüssen "in
erster Linie Ausstrahlungszentren", die für die Arbeit anderer, bereits bestehender Institutionen richtungsweisend sein und ihnen neuen Auftrieb geben können, bestimmte Aufgaben weit wirksamer zu lösen.
Der Erfolg der Gespräche, die erst auf der Ministerkonferenz und dann
in den vier neuen Ausschüssen fortgeführt werden, hängt nach Auffassung
amerikanischer Regierungskreise davon ab, daß alle Teilnehmer eine konstruktive und kooperative Haltung einnehmen. "Wir stehen unter dem Zwang, diesen
Prozeß erfolgreich zum Abschluß zu bringen", so erklärte ein hoher amerikanischer Beamter, "und wir glauben, daß die anderen Teilnehmer von der gleichen Auffassung ausgehen werden".
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22/1975

NUKLEARE EXPORTE DER USA WIEDER AUF VORJAHRESHÖHE
- Auszüge aus der Rede des NRC-Mitgliedes Victor Gilinsky in Stockholm -

WASHINGTON - (AD) - Nach verschieden^ ichen Verzögerungen Anfang dieses
Jahres verläuft das Lizenzierungsverfahren für nukleare Exporte der USA jetzt
wieder normal, so daß die Gesamtausfuhr nuklearer Brennstoffe aus den Vereinigten Staaten 1975 den Stand des Vorjahres erreichen dürfte. Dies stellte
das Mitglied der Nuklearen Aufsichts- und Kontrollbehörde der USA (NRC)
Victor Gilinsky am 29. Oktober auf einer internationalen Konferenz über Reaktorbrennstoffe in Stockholm fest, deren wichtigste Teile wir im folgenden
wiedergeben:
Als die Nukleare Aufsichts- und Kontrollbehörde der USA (NRC) erstmalig
die ihr vom Gesetzgeber übertragene Verantwortung für Entscheidungen über
nukleare Exporte übernahm, führte die Notwendigkeit, ein amtliches Verfahren
für die Analyse und Fixierung der komplizierten, die Exportpolitik beeinflussenden Faktoren zu entwickeln, zu vorübergehenden Verzögerungen bei der
Ausstellung von Lizenzen.

Dies löste, da solche Verzögerungen bei einem

so wichtigen Lieferanten von nuklearem Material und nuklearen Ausrüstungen
auftraten, eine Welle von Besorgnis im Ausland aus.

Ich möchter hier unter-

streichen, daß diese Verzögerungen die Folge einer Anpassung der Verfahren
und nicht einer Unsicherheit in der Politik der amerikanischen Regierung
waren.

Die normalen Verfahren, die ich kurz umreißen möchte, sind jetzt

festgelegt worden, und die Gewährung von Exportlizenzen verläuft normal.
Trotz

�I
Trotz der langsameren Lizenzierung zu Anfang dieses Jahres kommen wir
mit der Bearbeitung der eingereichten Anträge rasch nach. Seit die NRC
vor neun Monaten ins Leben gerufen wurde, sind 23 große Lizenzen für die
Lieferung von Brennstoff für Kraftstromreaktoren genehmigt worden - in
erster Linie für Leichtwasser-Reaktoren in Westeuropa und in Japan.

Ich

rechne damit, daß die Brennstoffexporte zahlen- und tonnagemä'ßig etwa den
Gesamtausfuhren des letzten Jahres entsprechen werden.
Dennoch war diese Besorgnis im Ausland symptomatisch und unterstreicht,
wie wichtig es ist, sicherzustellen, daß unsere Handelspartner die Absichten
der USA verstehen, warum sie den US-Handel mit diesem immer lebenswichtigeren
Brennstoff kontrollieren.
Bei der Ausstellung von Exportlizenzen für solches Material und solche
Ausrüstungen läßt sich die NRC von einer seit langem bestehenden Politik der
USA leiten. Dieser Politik lag von Anbeginn an eine Entschlossenheit zu
Grunde, die Weiterverbreitung nuklearer Waffen zu verhindern, und gleichlaufend hiermit eine Verpflichtung, die Segnungen der friedlichen Atomtechnik mit anderen zu teilen ...
Die Besorgnis der USA bezüglich einer Weiterverbreitung nuklearer Waffen
führte bereits 1964 zur Vorlage amerikanischer Vorschläge für eine Kontrolle
der Atomenergie in den Vereinten Nationen.

Dagegen ist die Angst vor Dieb-

stahl oder Sabotage durch Terroristengruppen erst jüngeren Datums. Hier handelt es sich um ein Problem, dem gegenwärtig in den Vereinigten Staaten von
der Öffentlichkeit wie auch der Regierung große Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Man ist sich im klaren darüber, daß diese Gefahr nicht auf unsere eigenen
Grenzen beschränkt bleibt. Die große Bedeutung, die diesem Problem zukommt,
wird noch durch die wachsende Häufigkeit internationaler Terroristenakte
unterstrichen.
.

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Die Vereinigten Staaten arbeiten gegenwärtig zusammen mit anderen Ländern und dar Internationalen Atomenergiebehörde daran, eine strengere Politik
- 2 -

�Politik für den Schutz kritischer nuklearer Materialien und Einrichtungen
auszuarbeiten.

Die Möglichkeit nuklearer Verbrechen hat in der Tat zu

strengeren Bedingungen für die Ausfuhr aus den USA von Plutonium und hochgradig angereichertem Uran geführt ...
Die Gewährleistung eines ausreichenden physischen Schutzsystems ist
meines Erachtens ein Gebiet für eine allseitige Zusammenarbeit und Unterrichtung zwischen den verschiedenen Ländern. Ich kann keinen Grund dafür
sehen, warum die internationalen Bemühungen um eine wirksamere Politik
und wirksamere Programme zum Schutz der entscheidend wichtigen nuklearen
Materialien nicht auch von allen Ländern unterstützt werden sollten ...
Bei der Erzeugung von Kraftstrom aus Kernenergie handelt es sich nicht
länger mehr um eine neue und interessante Technologie, auf die wir die Aufmerksamkeit auf weltweiter Ebene hinzulenken suchen. Sie ist zu einem wirtschaftlichen und strategischen Machtfaktor geworden ...
Wir sollten uns klar darüber sein, daß wir bei der Erörterung von
Kontroll maßnahmen lediglich über einen Teil der Gleichung sprechen.

Letzt-

lich werden die souveränen Länder natürlich das tun, was sie als in ihrem
besten Interesse erachten.

Daher muß diese Gleichung auch die nationale Si-

cherheit und die lebenswichtigen wirtschaftlichen Interessen einschließen.
Es würde hier über den Rahmen hinausgehen, militärische Fragen als solche
zu erörtern.
Es sollte jedoch darauf hingewiesen werden, daß ein wichtiger Faktor,
der mit dazu beiträgt, ein Land in die Versuchung zu führen, sich nukleare
Waffen zu beschaffen, der ist, daß seine Nachbarn dies zu tun scheinen.
Wenn ein Land versucht, bei der Kernenergie autark und bei Brennstoff unabhängig zu werden, so kann dies leider bei seinen Nachbarn ernste Befürchtungen auslösen, daß seine Motive auch in die Richtung nuklearer Waffen
hinzielen.
Eine
- 3 -

�Eine solche Situation kann nur vermieden werden, wenn die am Handel
mit nuklearen Materialien beteiligten Länder, die Lieferanten wie die Empfänger, vereinbaren, bei ihren souveränen Rechten, vor allem auf dem recht
sensitiven Gebiet des nuklearen Brennstoffzyklus, Zurückhaltung zu üben.
Ich glaube, es könnte viel erreicht werden, wenn man sich nur auf den
dringenden Wunsch aller Länder konzentriert, die Versorgung mit Kernbrennstoff sicherzustellen.

Könnte nicht zum Beispiel eine gesicherte Versorgung

mit Kernbrennstoff, vielleicht durch eine gemeinsame Beteiligung am Brennstoffzyklus oder durch andere Garantien attraktiv genug sein, um vom Handel
mit eigenen und unabhängigen - aber gleichfalls auch gefährlichen - Einrichtungen für den Brennstoffzyklus Abstand zu nehmen?
.

Wie die Antwort auch ausfallen mag, die Aufgabe jetzt ist, unsere gemeinsamen Energieprobleme zu lösen und gleichzeitig dem Prozeß der Weiterverbreitung Einhalt zu gebieten. Vor allem müssen wir jene unverantwortliche Selbstgefälligkeit bei der Verbreitung von Kernwaffen vermeiden, die
sich so oft im Gewand einer fatalistischen Einstellung gegenüber dem Gang
des Weltgeschehens präsentiert.

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22/1975

WASSERSTOFF GREIFT HAUTKREBS AN
Neuartige Therapie im Tierversuch erprobt

- (AD) - Im Tierversuch ist es Wissenschaftlern der Baylor-Universität
in Waco, (Texas) gelungen, Hautkrebs durch Behandlung mit Wasserstoffgas
unter hohem Druck zum Verschwinden zu bringen. Die Gasmischung bestand aus
97,5 Prozent Wasserstoff und 2,5 Prozent Sauerstoff. 10 Tage nach der Behandlung in der Oberdruckkammer hatten sich die rötlich-braunen Geschwülste
auf der Haut nackter, haarloser Mäuse schwarz verfärbt und begannen abzufallen. Es kam weder zu Neubildungen noch zu unerwünschten Nebenwirkungen
der Therapie. Dr. Malcolm Dole, der die Experimente leitete, vermutet, daß
die Hochdruckbehandlung mit Wasserstoff den Stoffwechsel und die Atmung der
Krebszellen beeinträchtigt. In Krebszellen laufen diese Prozesse anders ab
als in normalen Zellen. Die Wissenschaftler sind sich aber noch nicht darüber
im klaren, auf welche Weise der Wasserstoff die Hautkrebsgeschwülste zerstört.
Dies soll jetzt im Detail durch weitere Experimente und Untersuchungen geklärt werden. Nach Meinung Dr. Doles dürfte eine Wasserstofftherapie nicht
nur zur Behandlung von Hautkrebs, sondern auch von Lungenkrebs beim Menschen
Bedeutung gewinnen.

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22/1975

MIT DER RADARSONDE AUF ERDGASSUCHE

- (AD) - Seit Anfang September 1975 kreuzt ein Radarflugzeug in ca.
11 000 m Höhe über den Appalachen. In den amerikanischen Bundesstaaten
Westvirginia, Kentucky, Ohio und Virginia sucht es Anzeichen dafür aufzuspüren, daß sich unter der Oberfläche vielleicht bisher unbekannte Erdgasblasen befinden.
Die Sondierung erfolgt mit Seitensichtradar, wobei die hochfrequenten
Radiowellen des Abtaststrahls im schrägen Winkel auf das Terrain auftreffen.
Die Echosignale erzeugen Bilder, die bestimmte Merkmale der Erdrinde an und
unmittelbar unter der Oberfläche besser erkennen lassen als reguläre Fotografien.

Sie können z.B. den Geologen Hinweise auf verborgene Risse und

Versetzungen oder andere, für Prospektionszwecke aufschlußreiche Informationen geben.

Sobald solche

''Indikatoren"

entdeckt werden, folgen einge-

hende Untersuchungen an Ort und Stelle.
Radarsondierungen vom Flugzeug aus wurden in Südamerika bei der kartographischen Aufnahme großer Regionen bereits mit Erfolg angewandt.

Dabei

wurden z.B. in Venezuela ausgedehnte Eisenerzlager und in Brasilien ein bis
dahin unbekannter, 370 km langer Flußlauf entdeckt, in dessen Uferwald Hölzer
im Wert von Millionen Dollar zu finden sind.

-l -

Amerikanische Wissenschaftler

�Wissenschaftler sind jetzt dabei, die ursprünglich von brasilianischen
Kollegen gemachte Zufallsentdeckung, daß Radaraufnahmen Rückschlüsse auf
Rohstoffvorkommen zulassen, zu einer Methode weiterzuentwickeln, die sich
speziell für die Erdgasexploration eignet.

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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ford gibt Veränderungen seines Kabinetts bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten auf der Pressekonferenz am 3. November 1975 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Ford unterstreicht Bedeutung der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede am 30. Oktober 1975 in San Francisco -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Risiken durch Kernreaktoren für die Öffentlichkeit minimal&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Studie über die Unfallgefahren beim Betrieb von Kernkraftwerken&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pariser Ministerkonferenz über wirtschaftliche Zusammenarbeit soll Nord-Süd-Dialog vertiefen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John J. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nukleare Exporte der USA wieder auf Vorjahreshöhe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede des NCR-Mitgliedes Victor Gilinsky in Stockholm -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wasserstoff greift Hautkrebs an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neuartige Therapie im Tierversuch erprobt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit der Radarsonde auf Erdgassuche&lt;br /&gt;</text>
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Dokumentation

08-85432

Nummer

18. November 1975

Inhalt
DOKUMENTATION:
Moynihan-Erklärung zur Anti-Zionismusresolution der UN
-Wortlaut-

WIRTSCHAFT:
Ford-Administration will gemäßigtes und kontinuierliches Wirtschaftswachstum
Von Thomas Eichler
Kissinger fordert Verhaltenskodex für übernationale Unternehmen
Von Robert R. Cohoes
US-Landwirtschaftsminister Butz fordert Ausweitung der Nahrungsmittelerzeugung
-Auszüqe aus einem Interview mit den USIA-Korrespondenten Eichler und
Harter -

HINTERGRUNDMATERIAL:
Donald H. Rumsfeld - der neue amerikanische Verteidigungsminister
Elliot L. Richardson - der neue Handelsminister der USA
George Bush - der neue Direktor der CIA

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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23/1975

MOYNIHAN-ERKLÄRUNG ZUR ANTI-ZIONISMUSRESOLUTION DER UN
-WortlautVEREINTE NATIONEN, NEW YORK — ( A D ) — Der amerikanische Chefdelegierte bei
den Vereinten Nationen, Botschafter Daniel P. Moynihan, gab in der Nacht
zum 11. November vor der Vollversammlung folgende Erklärung zu der den
Zionismus mit Rassismus gleichsetzenden Resolution ab:
Die Vereinigten Staaten erklären hiermit vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen und vor der Welt, daß SI'P diesen infamen Akt nicht anerkennen, sich nicht an ihn halten und ihn niemals hinnehmen werden.
Es ist kaum drei Wochen her, da appellierte der US-Vertreter im Sozialausschuß in mcßvoilen und wohlüberlegten Worten an die Vereinten Nationen, diesen Schritt nicht zu tun, und bezeichnete ihn als "obszön". Jetzt
ist er schon mehr als das, denn die Verstohlenheit, die dem ersten Auftauchen
dieser Obszönität das Gepräge gab, ist durch schamlose Offenheit ersetzt
worden.
Man wird reichlich Zeit haben, den Schaden in Augenschein zu nehmen,
den diese Aktion den Vereinten Nationen zugefügt hat und noch zufügen wird.
Historiker werden dies für uns tun, und es genügt im Augenblick, eine unheilverkündende Tatsache festzuhalten. Ein großes Übel ist auf die Welt
losgelassen worden. Dem Scheusal Antisemitismus - wie es der diesjährige
Empfänger des Friedensnobelpreises, Andrej Sacharow, dieser Tage in Moskau

�Moskau bezeichnete,

ist der Ans+rich internationaler Anerkennung verliehen

worden. Am heutigen Tag hat die

Vollversammlung den Mördern von sechs

Millionen europäischen Juden eine symbolische Amnestie - und mehr als das gewährt. Das ist an sich schon schlimm genug, aber noch viel verhängnisvoller ist die sich uns aufdrängende Erkenntnis - die Erkenntnis, daß dies
nie hätte geschehen können, wenn es keine Vollversammlung gäbe.
Dieser Tag wird wegen seiner Schändlichkeit in Erinnerung bleiben. Denjenigen aber, die das verhindern wollten, obliegt es nun, ihre Gedanken auszudrücken, so daß Historiker wissen werden, daß wir hier kämpften, daß unsere
Zahl - diesmal - nicht klein war und daß wir zwar verloren, aber uns in unserem Kampf voll bewußt waren, was eigentlich verloren gehen würde.
Kein sich mit diesem Geschehen befassender Historiker und auch niemand,
der daran direkt beteiligt war, soll annehmen, daß wir nur als Regierungen,
als Staatskanzleien, diesen Kampf austrugen und noch dazu bloß über eine
Frage, an der unseren Nationen nicht besonders gelegen wäre. Andere werden
für ihre Nationen sprechen; ich spreche für meine.
In unserer ganzen Nachkriegsgeschichte hat es keine andere Frage gegeben, die eine derartige Obereinstimmung der Meinungen in Amerika auslöste
wie diese. Der Präsident der Vereinigten Staaten führte von Anfang an eine
deutliche Sprache: Dazu darf es nicht kommen! Der Kongreß der Vereinigten
Staaten hat in einer im Senat einstimmig angenommenen und im Repräsentantenhaus von 436 der 437 Abgeordneten eingebrachten Resolution seine totale
Opposition zum Ausdruck gebracht. Sofort nach den amerikaniscnen Juden
selbst verurteilte die amerikanische Gewerkschaftsbewegung dieses infame
Unterfangen. Danach haben die großen privaten Institutionen des amerikanischen Lebens eine um die andere ihren Bannstrahl gegen dieses Übel gerichtet; insbesondere haben dies die christlichen Kirchen getan. Eingedenk der
Tatsache, daß die Vereinten Nationen im Kampf gegen Scheußlichkeiten gegründet wurden, wie sie nun wieder begangen werden - die Kriegsallianz der Vereinten Nationen geht auf das Jahr 1942 zurück - hat die Amerikanische Liga

- 2 -

�Liga für die Vereinten Nationen zum erstenmal in ihrer Geschichte direkt

an

die 141 anderen Delegationen in New York appelliert, sich dieser entsetzlichen Aktion zu enthalten.
Die Behauptung, die nun von der Vollversammlung der Vereinten Nationen
sanktioniert werden soll, lautet: "Der Zionismus ist eine Form des Rassismus
und der rassischen Diskriminierung". Das ist eine Lüge. Da es sich aber um
eine von den Vereinten Nationen jetzt zur Wahrheit hochstilisierten Lüge handelt, müssen die Tatsachen noch einmal dargelegt werden.
Erstens einmal muß darauf verwiesen werden, daß die Vereinten Nationen
den Zionismus zum Rassismus erklärt haben, ohne je den Begriff Rasissmus definiert zu haben. "Zuerst das Urteil, dann der Spruch der Geschworenen", wie
die Herzkönigin sagte. Dis ist aber nicht "Alice im Wunderland", sondern eine
reale Welt, auf der Torheit und Käuflichkeit reale Folgen nach sich ziehen.
Noch am Freitag hatte der Präsident der Vollversammlung nicht nur vor den
Schwierigkeiten gewarnt, die es nach der Annahme dieser Resolution geben würde, sondern auch vor ihrer fundamentalen Verantwortungslosigkeit, denn, so
betonte er, die Mitglieder hätten ganz verschiedene Vorstellungen von dem,
was sie zu verurteilen im Begriff seien. "Es will mir scheinen", so sagte er,
und es gereicht ihm zu ewigem Ruhm, daß er dies bereits zu einer Zeit sagte,
als noch nichts geschehen war, "es will mir scheinen, daß, ehe ein Forum wie
dieses einen Beschluß annimmt, man sich ganz im klaren sein sollte, was man
eigentlich billigt oder verurteilt, und dazu braucht man mehr Zeit".
Ich möchte nicht mißverstanden werden: die Vereinten Nationen haben tatsächlich bei mehreren Gelegenheiten den Begriff der rassischen Diskriminierung
definiert. Diese Definitionen sind zwar unpräzise, aber in ihrem Sinne immerhin erkennbar gewesen. Es ist der Begriff "Rassismus" - die unvergleichlich
schwerere Anschuldigung - der noch nie näher erläutert worden ist. Der Begriff ist erst vor kurzem in Dokumenten der UN-Vollversammlung aufgetaucht.
Die einzige Gelegenheit, bei der nach unserem Wissen die Bedeutung dieses Begriffes erörtert wurde, war die 1 644. Sitzung des Dritten Ausschusses am

- 3 -

�am 16. Dezember 1968, und zwar im Zusammenhang mit dem Bericht des Generalsekretärs zum Thema der Internationalen Konvention über die Ausmerzung aller
Formen rassischer Diskriminierung. Bei dieser Gelegenheit - ich möchte ei"&gt;en
Eindruck der intellektuellen Akkuratesse vermitteln, mit der man an diese Materie heranging - bei dieser Gelegenheit also wurde die Frage angeschnitten,
ob der Begriff "Rassismus" oder der Begriff "Nazismus" in einer Reihe von
Präambelartikein zuerst erwähnt werden sollte. Der ehrenwerte Delegierte Tunesiens argumentierte, daß "Rassismus" an p~ster Stelle stehen sollte, denn
"der Nazismus war ja nur eine Form des Rassismus". Dem widersprach der nicht
weniger ehrenwerte Delegierte der Sowjetunion, denn "der Nazismus enthielt
die wesentlichen Elemente des Rassismus und sollte daher zuerst erwähnt werden". Das hieße, daß der Rassismus lediglich eine Form des Nazismus sei.
Die Diskussion schleppte sich müde zu einem ergebnislosen Ende. Und
wir haben jetzt nichts, an das wir uns halten könnten, denn sogar diese einzige Erörterung des Begriffs "Rassismus" beschränkte sich auf Wortstellungen
in einleitenden Absätzen, wogegen die eigentliche Be^ utung d i e n r Wörter
überhaupt nicht zur Sprache kam. Nichtsdestoweniger kann ich

nicht umhin,

die durch uns geschaffene Lage im Lichte der sowjetischen Erklärung bei jener
noch nicht allzulang zurückliegenden Gelegenheit zu betrachten. Wenn, wie
der ehrenwerte Delegierte sagte, Rassismus eine Form des Nazismus sei, und
wenn, wie es nun in dieser Diskussion heißt, der Zionismus eine Form des
Rassismus sei, dann sind wir Schritt für Schritt bei jenem Punkt angelangt,
an dem wir und die Vereinten Nationen feierlich erklären, daß der Zionismus
eine Form des Nazismus sei.
Was kann man da noch über eine Institution sagen, in der so etwas möglich ist?
Womit wir es hier zu tun haben, ist eine Lüge - eine politische Lüge von
einer Art, die dem 20. Jahrhundert wohl bekannt ist und die in all den Annalen der Unwahrheit und des Exzesses kaum je übertroffen wurde. Es ist eine
Lüge, daß der Zionismus eine Form des Rassismus ist. Die überwältigend deutliche Wahrheit ist vielmehr, daß er es nicht ist.
Das
- 4 -

�Das Wort "Racism" (Rassismus) ist eine Schöpfung der englischen Sprache
und dazu noch relativ junr. Beispielsweise findet man es nicht einmal noch
im Oxford English Dictionary. Der Ausdruck leitet sich her von verhältnismäßig jungen Lehren - die alle mitsammen diskreditiert sind - über die
menschliche Bevölkerung der Welt, und zwar mit der Aussage, daß es unter
klar unterscheidbaren Gruppen signifikante biologische Unterschiede gibt
und daß diese Unterschiede unterschiedliche Stufen des Menschseins bewirken,
Der Rassismus ist nach der Definition in Webster's Third New International
Dictionary "die Annahme, daß ... Anlagen und Fähigkeiten durch die biologische Rasse bestimmt werden und daß sich Rassen entschieden voneinander unterscheiden". Dazu kommt noch der "Glaube an die naturgegebene Überlegenheit
einer bestimmten Rasse und an ihr Recht zur Herrschaft über andere".
Die Bedeutung ist also klar. Es ist ebenso klar, daß diese Annahme und
dieser Glaube der politischen und religiösen Bewegung, die unter dem Namen
Zionismus bekannt ist, seit eh und je völlig fremd waren. Als eine in engerem
Sinne politische Bewegung geht der Zionismus nur auf das Jahr 1897 zurück,
obwohl in einem völlig legitimen Sinne seine Ursprünge uralt sind. Beispielsweise haben viele Zweige des Christentums seit jeher daran geglaubt,
daß Israel vom Standpunkt der biblischen Propheten aus eines Tages wiedergeboren würde. Die moderne zionistische Bewegung entstand jedoch in Europa
vor dem Hintergrund eines allgemeinen Erwachens nationalen Bewußtseins und
nationaler Aspirationen, das nach 1848 die meisten Völker Mittel-und Osteuropas ergriff und sich mit der Zeit über ganz Afrika und Asien ausbreitete.
Sie war für die Angehörigen der jüdischen Religionsgemeinschaft eine jüdische
Ausprägung dessen, was man heute als eine nationale Pefreiungsbewegung bezeichnet. Wahrscheinlich war eine Mehrheit jener Personen, die aktive Zionisten wurden und nach Palästina auswandern wollten, innerhalb der Grenzen
des zaristischen Rußland geboren; und es war nur natürlich für Sowjetaußenminister Andrej Gromyko, 1948 in der 299. Sitzung des Sicherheitsrates das
Vorgehen von Israels Nachbarn zu beklagen, nämlich "Truppen in Palästina
einmarschieren und militärische Operationen durchführen zr lasser " - in
Gromykos eigenen Worten - "mit dem Ziel, die nationale Befreiungsbewegung

- 5 -

�Befreiungsbewegung

in Palästina zu unterdrücken".

Es war das außergewöhnliche Charakteristikum - und wenn ich nicht irre,
sogar das einzige Charakteristikum - dieser nationalen Befreiungsbewegung,
daß sie im Gegensatz zu den vorangegangenen, gleichzeitigen und späteren
Bewegungen die Zugehörigkeit zu ihr nicht nach den Kriterien der Geburt,
sondern nach den Kriterien des Glaubens definierte. Das heißt, sie war
nicht eine Bewegung der Iren zur Befreiung Irlands oder der Polen zur Befreiung Polens, nicht eine Bewegung der Algerier zur Befreiung Algeriens oder der
Inder zur Befreiung Indiens. Sie war nicht eine Bewegung von Menschen, die
durch die historische Zugehörigkeit zu einer genetischen Gruppe jener Art miteinander verbunden sind, die es uns beispielsweise gestattet, vielleicht unpräzise aber nicht unsinnig von einem chinesischen Volk zu sprechen, noch war
sie von unterschiedlichen Gruppen getragen, die auf dem gleichen Territorium
zusammen wohnen, was es uns ohne größere Vergewaltigung der Wahrheit gestattet, von einem amerikanischen Volk zu sprechen. Ganz im Gegenteil, die
Zionisten definierten sich selbst nur als Juden und betrachteter jedermann
als einen Juden, der "on einer jüdischen Mutter geboren wurde oder der - und
das ist der absolut entscheidende Punkt - zum Judentum konvertierte. Das
heißt, nach der Formulierung der internationalen Konvention über die Ausmerzung aller Arten von rassischer Diskriminierung, die von der 20. Vollversammlung angenommen wurde, jedermann - ohne Rücksicht auf "Rasse, Farbe, Abstammung, nationale oder völkische Herkunft".
Der Staat Israel, letztlich eine Schöpfung der zionistischen Bewegung,
fällt nicht zuletzt deshalb so sehr aus dem Rahmen des üblichen als durch
die breite Auffächerung der "rassischen Gruppen", aus denen sichseine Bürgerschaft zusammensetzt. Es gibt schwarze Juden, braune Juden, weiße Juden,
Juden aus dem Orient und Juden aus dem Westen. Von den meisten könnte man
sagen, daß sie "geborene" Juden sind, ebenso wie die meisten Presbyterianer
und die meisten Hindus in ihren Glauben "hineingeboren" sind; aber es gibt
auch viele Juden, die Konvertiten sind. Mit einer Folgerichtigkeit in der
Substanz, die unzweideutig die Wichtigkeit dieser Frage für jene religiöse
und politische Kultur bezeugt, haben die israelischen Gerichte den Standpunkt

�Standpunkt vertreten, daß ein Jude, der zu einer anderen Religionsgemeinschaft übertritt, aufhört, JuHe zu sein. Mittlerweile gibt es in der Bevölkerung Israels auch eine große Anzahl von NichtJuden, darunter Araber islamischen und christlichen Bekenntnisses, sowie Christen anderer nationaler
Herkunft. Viele davon sind Staatsbürger Israels; und jene, die es noch
nicht sind, können durch Rechtsverfahren sehr ähnlich jenen, wie sie in
einem typischen Land Westeuropas angewandt werden, die Staatsbürgerschaft erwerben.
Ich möchte recht verstanden werden, daß ich hier ein Argument vorbringe, und nur dieses eine Argument, nämlich, ddß der Zionismus, wass immer
er auch sonst sein möge, keine "Form von Rassismus" ist und sein kann. Nach
den Gesetzen der Logik könnte der Staat Israel vielerlei sein oder auch zu
vielerlei werden - theoretisch sogar zu manch Unerfreulichem —aber er könnte weder rassisch sein noch rassistisch werden, wenn er nicht gleichzeitig
aufhörte, zionistisch zu sein.
Der Gedanke, daß die Juden eine "Rasse" sind, wurde ja auch nicht von
den Juden erfunden, sondern von jenen, die die Juden haßten; die Vorstellung
von den Juden als einer Rasse wurde von Antisemiten des 19. Jahrhunderts wie
Houston Stewart Chamberlain und

Edouard Drumont erfunden, die erkannten,

daß in einem immer weltlicher werdenden Zeitalter, das heißt, in einem Zeitalter, in dem immer weniger Unterschiede zwischen den Menschen gemacht wurden, die alten religiösen Begründungen für den Antisemitismus an Kraft verloren. Neue Rechtfertigungen waren notwendig, um die Juden auszuschließen
und zu verfolgen, und so wurde das neue Denkmodell von den Juden als einer
Rasse - und weniger als einer Religionsgemeinschaft - geboren. Es war von
Anbeginn an eine verabscheuungswürdige Vorstellung, und kein zivilisierter
Mensch wollte sich damit anfreunden. Sich vorzustellen, daß dieser Gedanke
nun von den Vereinten Nationen befürwortet wird, gibt gleichzeitig eine Vorstellung davon, wohin die Zivilisation heute gekommen ist.
Echte

- 7 -

�Echte Sorge um die Zivilisation und die Werte der Zivilisation, die für
die gesamte Menschheit ein kostbares Gut sind oder jedenfalls sein sollten,
rüttelt uns in diesem Augenblick zu solcher Leidenschaftlichkeit auf. Nicht
nur die Ehre und die Legitimität des Staates Israel stehen hier auf dem
Spiel - obwohl ein Infragestellen

der Legitimität eines Mitgliedsstaates

stets alle Mitglieder der Vereinten Nationen auf den Plan rufen sollte. Es
geht um eine noch wichtigere Frage, nämlich um die Integrität jener Gesamtheit moralischer und rechtlicher Normen, die wir als Menschenrechte kennen.
Die schreckliche Lüge, die hier heute erzählt wurde, wird schreckliche
Folgen haben. Nicht nur wird man bald sagen - ja, man sagt es bereits - daß
die Vereinten Nationen ein Ort sind, wo Lügen erzählt werden. Ein weitaus
ernsterer und vielleicht nicht wiedergutzumachender Schaden wird der Sache der
Menschenrechte zugefügt werden. Der Schaden wird zunächst dadurch entstehen,
daß derBegriff des Rassismus seiner eigentlichen abscheulichen Bedeutung entkleidet wird, die er heute doch noch hat. Wie sollen die Menschen in der Welt
über Rassismus und die Notwendigkeit seiner Bekämpfung denken, wenn ihnen erzählt wird, es sei dies ein so weitgespannter Begriff, daß er auch die jüdische nationale Befreiungsbewegung beinhaltet?
In dem Maße, in dem diese Lüge weitere Verbreitung findet,wird sie auf
eine zweite Weise Schaden verursachen. Viele Mitglieder der Vereinten Nationen verdanken ihre Unabhängigkeit zu keinem geringen Teil dem Vordringen der
Idee der Menschenrechte über Landesgrenzen hinweg und ihrem Einfluß auf die
alten Kolonialmächte. Wir nähern uns jetzt einer Zeit, da diese Unabhängigkeit
neuerlich in Gefahr zu kommen droht. Neue Kräfte werden auftauchen - einige
zeigen sich bereits jetzt - neue Propheten und Despoten, die ihre Taten mit
genau solchen Wortverdrehungen rechtfertigen werden, wie wir sie hier heute
sanktioniert haben. Heute haben wir den Begriff "Rassismus" seines Inhaltes
entblößt. Morgen werden Ausdrücke wie "national' Selbstbestimmung" und
"nationale Ehre" ebenso verdreht werden, um dem Zweck der Eroberung und Ausbeutung zu dienen. Und wenn diese Ansprüche einmal rhoben werden - und dazu ist es bereits gekommen - dann sind es die kleinen Staaten, deren

- 8 -

�deren Unantastbarkeit darunter leiden wird. Und wie werden die kleinen Staaten
der Welt sich verteidigen, welche Motive werden andere dazu bewegen, sie zu
verteidigen und zu schützen, wenn die Sprache der Menschenrechte, die einzige,
durch die die Kleinen verteidigt werden können, unglaubwürdig und kraftlos
geworden ist?
Es gibt diese Gefahr, und dann noch eine letzte, die ernsteste Gefahr.
Sie liegt darin, daß der Schaden, den wir der Idee der Menschenrechte und der
Sprache der Menschenrechte zufügen, sehr wohl nicht wieder gutzumachen sein
könnte. Die Idee der Menschenrechte, wie wir sie heute kennen, hat nicht seit
jeher in den menschlichen Beziehungen bestanden, sondern ist zu einer ganz bestimmten Zeit und unter ganz bestimmten Umständen in der Welt aufgetaucht.
Sie kam auf, als europäische Philosophen des 17. Jahrhunderts die These aufstellten, daß der Mensch ein Wesen sei, dessen Existenz nicht von der des
Staates abhänge, daß er sich einer politischen Gemeinschaft nur dann anzuschließen brauche, wenn er durch diese Bindung nicht mehr verliere als gewinne. Von dieser sehr spezifischen politischen Philosophie leitete sich die
Idee der politischen Rechte ab, von Ansprüchen, die der Einzelne zu Recht an
den Staat stellen konnte; weil der Einzelne so vom Staat getrennt gesehen wurde, konnte er legitime Forderungen an ihn richten.
Dies war die Philosophie, der die Idee nationaler und internationaler
Rechte entsprang. Aber der Großteil der Welt bekennt sich hejte nicht zu dieser
Philosophie. Der Großteil der Welt glaubt an neuere Formen politischen Denkens,
an Philosophien, die den Einzelnen nicht als vom Staat losgelöst betrachten und
nicht diesem übergeordnet anerkennen, an Philosophien also, die der Idee der
Menschenrechte keine Berechtigung geben, und Philosophien, die keine Worte
kennen, um deren Wert zu erläutern. Wenn wir die Worte zerstören, die uns in
vergangenen Jahrhunderten gegeben wurden, dann werden uns die Worte fehlen, um
sie zu ersetzen, denn die heutige Philosophie hat keine solchen Worte.
Aber

- 9 -

�Aber unter uns sind auch jene, die diesen älteren Worten - die für einen
großen Teil der Welt noch so neu sind - nicht abgeschworen haben, nicht jetzt
nicht hier, nirgends, niemals.
Die Vereinigten Staaten erklären, daß sie diesen infamen Akt nicht anerkennen, sich nicht an ihn halten und ihn niemals hinnehmen werden.

X X X

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23/1975

FORD-ADMINISTRATION WTLL GEMÄSSIGTE:- UND KONTINUIERLICHES WIRTSCHAFTSWACHSTUM
Von Thomas Eichler

WASHINGTON --(AD)-- Es dürfte wohl kaum noch zu bestreiten sein, daß die
wirtschaftliche Rezession in den Vereinigten Staaten im zweiten Quartal
dieses Jahres die Talsohle durchschnritten hat und die amerikanische Wirtschaft sich nunmehr wieder in einer Aufschwungsphase befindet. Die entscheidende Frage, die heute gestellt werden muß, lautet jedoch, handelt es sich
hier um einen langfristigen Aufwärtstrend, der zumindest einige Jahre anhalten wird, oder wird die Kurve bereits bald wieder nach unten gerichtet sein.
Daß der vor einem Jahr einsetzende scharfe Rückgang der Wirtschaftstätigkeit zum Stillstand gekommen war, haben die jetzt veröffentlichten stastistischen Zahlen für das dritte Quartal 1975 bewiesen. Danach ist das
Bruttosozialprodukt in den Monaten Juli bis September mit einer Jahresrate
von 11 ,&lt;_ Prozent gestiegen, nachdem die Jahresrate in dem vorangegangenen
Quartal lediglich um 1,9 Prozent zugenommen hatte und in den davor liegenden
fünf Quartalen jeweils rückläufig gewesen war. Bei der Bekanntgabe der neuen
Zahlen hatte der Unterstaatssekretär im US-landelsministerium, James Pate,
allerdings angedeutet, daß für dar. letzte Quartal 1975 mit einer etwas geringeren Zuwachsrate zu rechnen sei, so daß sich die Zunahme der Jahres-

- 1 -

�1
Jahresrate des Bruttosozialproduktes im zweiten Halbjahr 1975 auf etwa
8 Prozent stellen werde. Nach den Worten Pate's würde dies bedeuten, daß
sich die Wiedererholung nach der jüngsten Rezession - verglichen mit früheren Wiedererholungsperioden - in einem normalen Tempo vollzieht.
Die Inflationsrate in den USA stellte sich nach den Angaben des US-Handelsministeriums im 3. Quartal 1975 auf 7,2 Prozent gegenüber 5,4 Prozent
im vorangegangenen Quartal und 12,7 Prozent im 3. ^uartal 1974 (alle Zahlen auf Jahresbasis) und wird sich nach Ansicht

von Pate bis Ende 1976

bei 5,6 Prozent eingependelt haben, wobei auch in der Zwischenzeit nur mit
einem mäßigen Preisauftrieb zu rechnen sei.
Aber auch von Seiten der amerikanischen Bundesbank (Federal Reserve
Board) ist bestätigt worden, daß der Wiedererholungsprozeß in der Wirtschaft
eingesetzt hat. Nach dem neuesten Bericht der Bank ist die industrielle Produktion in den USA im September um 1,9 Prozent gestiegen. Dies war die
höchste monatliche Zunahme seit elf Jahren und damit hat die industrielle
Produktion in den USA im fünften aufeinander folgenden Monat eine Zunahme
zu verzeichnen gehabt.
Die Arbeitslosenrate lag nach den Angaben des US-Handelsministeriums
im September mit 8,3 Prozent um sechs Zehntel Punkte unter ihrem im 2. Quartal - in der Talsohle der Rezession - erreichten Höchststand. Und obwohl
die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten immer noch viel zu hoch ist,
hat die Beschäftigtenzahl in diesem Jahr bisher zugenommen.
Die Vertreter der Ansicht, daß die Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft
über die ^hreswende hinaus andauern wird, verweisen auf die Tatsache, daß
die Layerbestände der Unternehmen in diesem Jahr stark abgebaut worden sind
und ihre Aufstockung auf eine normale Höhe eine Steigerung der Produktion
voraussetzt. Aber auch die Investitionen der Wirtschaft bleiben, trotz der
überall noch vorhandenen unausgelasteten Kapaziäten, konstant.
Dagegen besteht in der Frage, wie die Wirtschaftsentwicklung in den
nächsten zwei oder drei Jahren verlaufen wird, weit weniger Übereinstimmung.
- 2 -

�Übereinstimmung. Genaue wirtschaftliche Voraussagen über einen Zeitraum von
mehr als sechs Monaten zu geben, ist schon immer schwer gewesen, da derartige Prognosen zwangsläufig eine Vielzahl von Unsicherheitsfaktoren einschließen müssen. Zum Beispiel miß jede Voraussage über die wirtschaftliche
Entwicklung im zweiten Halbjahr 1976 auch die Währungs-und Haushaltspolitik
der Regierung in Rechnung stellen, und diese könnte sich ändern.
Trotz all dieser Schwierigkeiten gibt es aber genügend Aussagen zur
künftiger, wirtschaftlichen Entwicklung. Das Budgetamt des Kongresses erklärt
in einem im September veröffentlichten Bericht, daß die Wirtschaftsindikatoren auf eine rasche Ausweitung der Produktion im Herbst und Winter hindeuten. Dies könnte jedoch leicht zu einem erneuten Inflationsstoß - genährt
von höheren Lebensmittel- und Energiekosten - führen und dieso Preiserhöhungen könnten zusammen mit einer härteren Währungspolitik das.Tempo der
Wiedererholung nach ihrer ersten Aufschwungphase verlangsamen oder ersticken.
Zudem sei die letzte Rezession so stark gewesen, daß die Arbeitslosigkeit
noch auf Jahre hinaus relativ hoch bleiben werde.
Die denkratische Mehrheit in dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des
Kongresses betont in einer kürzlichen Stellungnahme zur wirtschaftlichen
Lage, wenn die Wirtschaftspolitik der gegenwärtigen Administration fortgesetzt werde, dann bestehe wenig Aussicht, daß sich die nachhaltige Wiedererholung der letzter Monate auch 1976 fortsetzen wird. Vielmehr deuteten
Anzeichen darauf hin, daß eine neue Rezession Ende 1976 oder Anfang 1977
einsetzen könnte.
Und einer der führenden Wirtschaftsexperten der Chase Manhattan
Bank erklärte vor kurzem, daß die Vereinigten Staaten nach einer nachhaltigen wirtschaftlichen Wiedererholung im kommenden Jahr 1977 in eine neue
Rezession hineinschlittern würden, die noch ernster als die letzte sein
werde. Als Begründung hierfür führte er an, daß sich der Wirtschaftsaufschwung jetzt seiner Ansicht nach in erster Linie auf erhöhte Verbraucherausgaben und nicht auf verstärkte Investitionen in neue Produktionskapazitäten stützen werde und daß die Währungs-und Haushaltspolitik kurzfristig

- 3 -

�kurzfristig stimulierend, aber dann im Jahre 1977 wachstumshemmend wirken
werde.
Trotzdem scheint unter den führenden Wirtschaftlern in den USA die
Auffassung vorzuherrschen, daß die wirtschaftliche Wiedererholung bei einer
richtigen Mischung der Wirtschaftspolitik auch über das nächste Jahr hinaus
anhalten werde. Viele von ihnen sind ferner der Ansicht, daß sich der Wirtschaftsaufschwung ganz allmählich und stetig vollziehen und es wenigstens
zwei oder drei Jahre dauern wird, bis die amerikanische Wirtschaft sich ihre
starke Position wieder zurückerobert haben wird.
Die Debatten über die Wirtschaftspolitik konzentrieren sich natürlich
auf solche Fragen wie die angemessene Höhe der Regierungsausgaben, die
Steuerpolitik und die richtige Wachstumsrate der Geldmenge. Zahlreiche demokratische Kongreßmitglieder fordern eine schnellstmögliche Belebung der
Wirtschaftstätigkeit und einen schnellstmöglichen Abbau der Arbeitslosigkeit. Sie möchten eine raschere Ausweitung der Geldversorgung und zeigen
sich hinsichtlich der hohen Haushaltsdefizite der öffentlichen Hano weitaus
toleranter, sofern solche Defizite zur Beschleunigung der wirtschaftlichen
Wiedererholung notwendig sind..
Die verantwortlichen Männer der Ford-Administration hingegen warnen,
daß in der gegenwärtigen Situation sehr vorsichtig vorgegangen werden muß,
um eine neue Inflationsrunde zu vermeiden. Sie argumentieren, daß Maßnahmen
zur Beschleunigung des Wirtschaftsaufschwungs letztlich die Arbeitnehmer auf
lange Sicht benachteiligen würden, da solche Maßnahmen leicht in eine neue
Inflation führen könnten, die sich wiederum zu einer erneuten Rezession ausweiten könnte.
Anfang Oktober hat Präsident Ford vorgeschlagen, daß die temporäre
Senkung der Einkommenssteuer in diesem Jahr weiter beibehalten werden soll
und daß im nächsten Jahr darüber hinaus noch weitergehende, erhebliche
Steuersenkungen vorgenommen werden sollen. Allerdings hat der Präsident seinen Vorschlag mit der Forderung verknüpft, d*P der Kongreß für das am
1. Oktober 1976 beginnende Haushaltsjahr 197//Höchstgrenze der Regierungs-

- 4 -

�(

Regierungsausgaben von 395 Milliarden Dollar beschließen soll. Auf diese Weise ließ sich eine Kürzung bei einigen geplanten Ausgabenprogrammen erzwingen,
wodurch ein Gegengewicht gegen die inflationäre Wirkung der Steuersenkungen
geschaffen würde. Und der Präsident hat bereits angekündigt, daß er gegen
jede Steuersenkung ein Veto einlegen wird, sofern der Kongreß nicht
gleichzeitig auch die von ihm geforderte Höchstgrenze für die Regierungsausgaben beschließt.
Was die Währungspolitik anbetrifft, so hat Notenbankpräsident Arthur
Burns wiederholt erklärt, er beabsichtige, die Ausweitung der Geldversorgung
in einem gemäßigten Rahmen von etwa 5 bis 7 1/2 Prozent zu halten. Kritiker
an dieser politik von Burns argumentieren, daß die amerikanische Wirtschaft
immer noch zu viele ungenutzte Kapazitäten aufweise und noch weit stärkere
Auftriebshilfen absorbieren könne, bevor mit einem wesentlichen Anziehen der
Preise gerechnet werden muß. Auch wenn Bruttosozialprodukt und industrielle
Produktion jetzt wieder stiegen, so lägen beide doch immer noch beträchtlich
unter dem vor zwei Jahren erreichten Höchststand.
Unterstützung erhalten diese Kritiker von einer Studie, die Michael Levy
im Auftrage des Conference Board, einem der großen amerikanischen Wirtschaftsverbände, ausgearbeitet hat. Levy gelangt darin zu dem Schluß, daß eine
Korrelation nicht zwischen Inflationsrate und Geldmengenwachstum, sondern
vielmehr zwischen Inflationsrate und verschiedenen anderen Faktoren besteht.
Wenn die Geldmenge bis Mitte 1976 um 10 Prozent ausgeweitet wird, dann werde
die Inflationsrate niedriger sein, als bei einer Ausweitung der Geldmenge um
lediglich 5 Prozent. Als Grund führt Levy an, daß bei relativ konstanten
Löhnen in so einer kurzen Zeitspanne ein schnelleres Wirtschaftswachstum zu
einem größeren Produktivitätszuwachs führen werde.
Hier handelt es sich allerdings nui um eine Studie und eine große Zahl
von Wirtschaftsexperten in den USA ist der Auffassung, daß angesichts der
akuten Gefahr eines Wiederauflebens der Inflation besonderes Augenmerk darauf
gerichtet werden müsse, ein solches Wiederaufleben zu verhindern, selbst
wenn die Wiedererholung der Wirtschaft sich dann langsamer vollziehen und die
Arbeitslosenrate noch auf geraume Zeit hinaus hoch bleiben sollte.

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23/1975

KISSINGER FORDERT VERHALTENSKODEX FÜR ÜBERNATIONALE UNTERNEHMEN
Von Robert R. Cohoes

WASHINGTON --(AD) -- Nach Ansicht der amerikanischen Regierung ist jetzt
die Zeit reif, daß die Vereinten Nationen bei ihrer Suche nach gerechten Lösungen für die komplexen Fragen, denen sich die reichen wie auch die armen
Länder gegenübersehen, einen gerechten Verhaltenskodex für übernationale Unternehmen schaffen.
Bereits in seiner Rede vor der 7. Sondersitzung der UN-Vollversammlung
der Vereinten Nationen, die von dem amerikanischen UN-Chefdelegierten,
Botschafter Daniel P. ** rn'han, verlesen worden war, hatte Außenminister
Kissinger betont:"Wenn die Völkergemeinschaft der Welt sich zur wirtschaftlichen Entwicklung bekennt, dann kann sie es sich nicht leisten, übernationale Unternehmen zu Objekten der wirtschaftlichen Kriegführung zu machen.
Die Fähigkeit der internationalen Völkergemeinschaft, diese Frage konstruktiv zu lösen, wird ein wichtiger Test sein, ob die Suche nach Lösungen oder
ein Zusammenprallen der Ideologien für unsere wirtschaftliche Zukunft maßgebend sein werden".
Gleichzeitig hatte Kissinger betont, daß private wie auch in staatlichem Besitz befindliche übernationale Unternehmen verpflichtet sind, sich
dem örtlichen Recht zu beugen und sich ungesetzlicher Einmischungen in
innenpolitische Angelegenheiten der Gastländer zu enthalten. Nach Ansicht
der Vereinigten Staaten sind gerechte Lösungen für alle diese Fragen sowohl

- 1 -

�sowohl erreichbar als auch notwendig.
Bereits während des vergangenen Jahres hatte der amerikanische Außenministe; immer n'eder darauf hingewiesen, daß es in einer Zeit der Entspannung und der Verhandlungen sinnlos ist, wenn Länder sich an überholte Rhetoriken und veraltete Ideologien des 19. Jahrhunderts klammern. Die übernationalen Unternehmen waren oftmals Zielscheibe

ideologischer Verteufelungen

oder Opfer des Mißbrauchs ihrer eigenen Macnt, was in manchen Fällen dem
ideologischen Zerrbild zu entsprechen schien. Die Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung erfordern jedoch Lösungen und nicht Schlagworte. Nach den
Worten von Außenminister Kissinger ist "wirtschaftliche Entwicklung ein Prozeß des Wachstums, der Beschleunigung, der größeren Produktivität, des
höheren Lebensstandards und der sozialen Veränderungen, der den Einsatz von
Kapital, Technologie und unternehmerischem Können in großem Umfang erfordert".
•

Die unausweichliche Folgerung hieraus ist, daß ein bedeutender Teil der
für das wirtschaftliche Wachstum benötigten Technologie und des erforderlichen Kapitals aus dem riesigen Reservoir privater Resourcen kommen muß. Ein
wesentlicher Teil dieser Lücke kann durch multinationale oder übernationale
Unternehmen ausgefüllt werden. Daher ist es jetzt auch an der Zeit, daß ein
internationaler Konsens über die Prinzipien erreicht wird, die die nützliche Tätigkeit der übernationalen Unternehmen leiten sollen.
Wie Außenminister Kissinger hervorgehoben hat, wird eine wirtschaftliche Entwicklung über private Stellen nur erfolgen, wenn Bedingungen bestehen,
die attrakti sind oder solche Vorhaben zulassen. So sind die Vereinigten
Staaten bereit, den berechtigten Anliegen von Regierungen zu entsprechen,
in deren Territorien übernationale Unternehmen tätig sind. Wörtlich sagte
der Außenminister: "Wir bekräftigen, daß die Unternehmen in voller Übereinstimmung mit der Souveränität der Gastregierung handeln und ihre öffentliche
Politik voll berücksichtigen müssen. Die Länder sind berechtigt, die Tätigkeiten übernationaler Unternehmen innerhalb ihrer Grenzen zu regeln. Aber
Länder, die die Vorteile dieser Unternehmen für sich wollen, sollten auch Bedingungen schaffen, die attraktiv sind und zur Fortsetzung ihrer produktiven

�produktiven Tatigkei: beitragen".
Nach Ansicht Kissingers sollten die international anerkannten Prinzipien, die eine nutzbringende Tätigkeit der übernationalen Unternehmen leiten
müssen, folgende Punkte beinhalten:
-- Regierungen und Unternehmen müssen beide die vertraglichen Verpflichtungen, die sie freiwillig eingegangen sind, respektieren.
-- Kontrakte sollten offen, fair und mit voller Kenntnis ihrer Auswirkungen ausgehandelt werden.
-- Die von den übernationaler. Unternehmen aufgestellten Prinzipien sollten, soweit relevant, in gleicher Weise für die einheimischen Unternehmen
gelten.
-- Die Normen sollten nicht nur für die in Privatbesitz befindlichen
Gesellschaften gelten, sondern genau sc für staatliche und gemischte übernationale Unternehmen, die für die Weltwirtschaft immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Ein Abkommen über solche Prinzipien würde zu einer Verbesserung des internationalen Handelsklimas, einer Steigerung des Investitionsflusses sowie
einer Ausweitung der wirtschaftlichen Transaktionen führen, Destruktive und
politisch explosive Streitigkeiten über Investitionen, die das Klima für
große Aufträge und Investitionen vergiften, werden weniger häufig auftreten,
wenn eine bessere Gewähr gegeben ist, daß frei ausgehandelte Kontrakte eingehalten werden.
Eine Darlegung der Prinzipien ist aber nicht das einzige oder unbedingt
zureichende Mittel, um einen großen Teil der Probleme zc lösen, vor denen die
nationalen Unternehmen stehen; vielmehr müssen noch andere Wege entwickelt
werden. Außenminister Kissinger hat hier eine Harmonisierung der Steuerabkommen als besonders nützlich empfohlen, soweit hiervon übernationale Unternehmen betroffen werden. Dadurch sollen Doppelbesteuerung vermieden und die
steuerlichen Aspekte von Auslandsinvestitionen durchsichtiger gemacht werden
Steuerliche Erwägungen sind wichtige Faktoren bei Investitionsentsche'dungen
und die Schaffung eines stabileren steuerlichen Klimas durch ein erweitertes

�erweitertes Netz von Steuerabkommen könnte eine wesentliche, positive Wirkung auf den Investitionsfluß haben.
Daneben sollte aber auch das Internationale Center der Weltbank zur
Beilegung von Investitionsstreitigkeiten und die Möglichkeit einer Schlichtung durch Drittländer vermehrt in Anspruch genommen werden, wenn sich, wozu es oft ganz zwangsläufig kommt, wichtige Streitfragen zwischen transnationalen Gesellschaften und Gastländern ergeben. Dieses Center ist in seine..
Möglichkeiten flexibel und kann sowohl den Weg der Schlichtung ?1s auch der
Aussöhnung beschreiten. Über 70 Länder - über zwei Drittel von ihnen zählen
zur Dritten Welt - sind offiziell mit diesem Center assoziiert, aber nur wenige haben bisher von seinen Möglichkeiten Gebrauch gemacht.
Andere Vorschläge zur Förderung eines verstärkten Flusses von privatem
Investitionskapital in die Entwicklungsländer, für die sich der amerikanische Außenminister eingesetzt hat, sind:
— Gesetze gegen restriktive Geschäftspraktiken bei der Festsetzung von
Preisen oder der Zurückhaltung von Versorgungsgütern sollten ausgearbeitet,
zwischen den einzelnen Ländern abgestimmt und dann in Kraft gesetzt werden.
-- Die Versicherung für ausländische private Investoren sollte erweitert werden und künftig eine finanzielle Beteiligung der Entwicklungsländer
einschließen.
-- Bilaterale Konsultationen zwischen den Regierungen, um Investitionsstreitigkeiten zu lokalisieren und beizulegen, noch bevor sie zu störenden
Faktoren in den politischen Beziehungen werden, sollten vermehrt und eingehender erfolgen.

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23/1975

US-LANDWIRTSCHAFTSMINISTER BUTZ FORDERT AUSWEITUNG DER NAHRUNGSMITTELERZEUGUNG
-Auszüge aus einem Interview mit den USIA-Korrespondenten Eichler
und HarterWASHINGTOf; --(AD)-- Das Problem Nummer eins für die Welt in den nächsten
25 Jahren ist die Frage, wie kann die Nahrungsmittelerzeugung so gesteigert
werden, daß angesichts der gegenwärtigen Bevölkerungsexplosion eine ausreichende Ernährung für alle Menschen sichergestellt ist. In einem Interview
mit den USIA-Korrespondenten Thomas Eichler und John J. Harter, das wir
auszugsweise wiedergeben, hat der amerikanische Landwirtschaftsminister
Earl Butz zu diesem Problem Stellung genommen:
Frage: Die Vereinigten Staaten haben kürzlich mit der Sowjetunion ein langfristiges Abkommen über den Verkauf von Getreide abgeschlossen. Es geht dabei um beträchtliche Getreidemengen. Wie wird sich dieses Abkommen auf die
Belieferung anderer Kunden der Vereinigten Staaten mit Getreide sowie auf
den Getreidepreis auswirken?
Antwort: Unseres Erachtens wird das langfristige Getreideabkommen mit den
Sowjets eine stabilisierende

Wirkung auf die Preise haben. Einer der Haupt-

gründe, warum die Getreidepreise in den letzten Jahren nicht stabil blieben, waren die unterschiedlichen Mengen, die von den Sowjets angekauft wurden und die von Jahr zu Jahr starken Schwankungen unterlagen. In einem Jahr
sind sie starke Abnehmer und im nächsten Jahr haben sie eine gute Ernte und
kaufen nur wenig zu. Der Nettoeffekt des langfristigen Getreideabkommens mrt

- 1 -

�.

mit den Sowjets ist ein Ausgleich dieser Schwankungen, denn sie verpflichten
sich, jährlich wenigstens 6 Millionen metrische Tonnen Mais und Weizen abzunehmen, auch in Jahren mit einer guten Ernte in ier Sowjetunion. Darüber
hinaus können sie ohne vorheriqe Konsultationen weitere ? Mi'11;',"Qn Tonnen
Mais und Weizen kaufer.. Erst bei weiterem Bedarf sollten Konsultationen stattfinden. Ich meine, dies wird eine stabilisierende Wirkung auf die Preise
haben.
1

Weitere Käufe der Sowjets noch in diesem Jahr sind meines Erachtens
bereits vom Markt vorweggenommen worden und werden somit keinerlei Auswirkungen mehr auf die Rohstoffpreise in den Vereinigten Staaten oder auf dem
Weltmarkt haben.
Frage: Die Vereinigten Staaten haben über eine Reihe von Jahre ihre Absatzmärkte für Agrarprodukte im Ausland aufgebaut und zahlreiche Länder in allen
Teilen der Welt sind jetzt in ihrer Nahrungsmittel Versorgung in

eine Teil -

abhängigkeit von den Vereinigten Staaten geraten. Die Vereinigten Staaten
haben jedoch dreimal in den letzten drei Jahren aus Sorge über eventuelle
Verknappungen bei der Versorgung des eigenen Marktes einen Teil ihrer Agrarexporte vorübergehend eingeschränkt. Werden die Vereinigten Staaten künftig
ein zuverlässiger Lieferant auf den Agrarmärkten sein?
Antwort: Meines Erachtens sind die Vereinigten Staaten immer ein zuverlässiger Lieferant auf den Agrarmärkten gewesen. Es ist richtig, daß wir vor
drei Jahren ein temporäres Embargo für die Ausfuhr von Sojabohnen hatten und
einige Exporte zeitweise eingeschränkt haben. Trotzdem haben wir jedoch in
dem Jahr - also vor drei Jahren - mehr Sojabohnen exportiert als irgend ein
anderes Land auf der Welt und mehr als je zuvor in unserer Geschichte. Wir
erhielten zum Beispiel zahlreiche Klagen aus Japan, weil wir die Ausfuhr proteinhaltiger Nahrungsmittel gekürzt hatten. Trotzdem waren unsere Sojabohnenexporte nac Japan in diesem Jahre höher als in jedem der vorangegangenen
Jahre. Wir haben mit dazu beigetragen, das durch Verknappungen bei anderen
proteinhaltigen Nahrungsmitteln entstandene Defizit abzudecken. Ich erwähne

- 2 -

.

�erwähne hier zum Beispiel den Rückgang der Fischfänge vor der Küste von
Peru.
Vor einem Jahr haben wir die Lieferungen an die Sowjets abgebrochen, als
sie plötzlich auf dem Markt erschienen und mehr kauften, als unseres Erachtens bei unserer geringeren Maisernte tragbar war. Wir haben dies damals vor
allem getan, um auch eine ausreichende Belieferung unserer anderen Stammkunden sicherzustellen. Das gleiche trifft für dieses Jahr zu. Die einzigen Beschränkungen unseres Exportes in diesem Jahr betrafen Ausfuhrungen nach der
Sowjetunion und nach Polen. Diese Beschränkungen wurden aufgehoben, nachdem
wir festgestellt hatten, daß wir über genügend hohe Vorräte verfügten. Ich
möchte in diesem Zusammenhang betonen, daß beide Länder vor der Einführung
der Beschränkungen bereits wesentlich mehr gekauft hatten als in normalen
Jahren und wir die Auslieferung nicht einfach unterbunden haben. Wir haben
nur vorübergehend eine Pause eingelegt, um für 1975 eine ausreichende Versorgung des amerikanischen Marktes sicherzustellen. Die Vorräte haben sich als
ausreichend erwiesen und jetzt verkaufen wir wieder ganz normal an jeden. Die
Sowjetunion hat zum Beispiel erst in den letzten Tagen wieder ganz erhebliche Maiskäufe getätigt.
Frage: Wie werden sich Ihres Erachtens die amerikanischen Farmer künftig
verhalten, um den langfristigen Nahrungsmittel bedarf der Welt zu decken?
Glauben Sie, daß ihnen eine ständige Rolle dabei zufallen wird, anderen Ländern über ihre Verknappungen hinwegzuhelfen?
Antwort: Der amerikanische Farmer stand bei der Weltnahrungsmittelerzeugung
stets mit an vorderster Stelle. Wir sind bei weitem der größte Lieferant
der Welt bei kommerziellen Nahrungsmittelexporten. Aber bei Getreide

sind

wir keineswegs der größte Erzeuger, denn hier werden wir zum Beispiel von
China übertroffen.
China hat eine Bevölkerung von 800 Millionen Menschen, wir nur 213
Millionen, und seine Getreideernte liegt noch über der unsrigen. Aber China
hat keine Möglichkeit, sein Getreide auszuführen. Wir kennen mit einem Ex-

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�1
f

I

Export von rund zwei Dritteln unserer Weizenernte, der Hälfte unserer Sojabohnenernte, einem Viertel unserer Futtergetreideernte und einem beträchtlichen Anteil bei anderen Nahrungsmitteln und Fasern rechnen. Ich glaube,
dies liegt daran, daß uns der Herrgott riesige Landflächen im Mittelwesten
Amerikas gab. Mit dem Gebiet, das zwischen den Allegheny-Bergen im Osten,
den Rocky Mountains im Westen, der kanadischen Grenze im Norden und den
Hochflächen von Texas im Süden liegt, besitzen wir die größte geschlossene
Anbaufläche der Welt mit fruchtbarem Boden, einem guten Wachstumsklima, ausreichenden Niederschlägen, die für eine maschinelle Bestellung geeignet ist,
weitgehend technisierte

Farmen und eine gute Infrastruktur aufweist. Es

gibt kein gleichwertige, Gebiet auf der Erde mit einer so hohen Produktivität. Somit werden die Vereinigten Staaten stets ein Haupterzeuger von Nahrungsmitteln und Fasern, insbesondere aber von Getreide sein mit bedeutenden, den
Bedarf des Landes übersteigenden Überschüssen, die für die Versorgung der
übrigen Welt zur Verfügung stehen.
FRAGE: Gibt es einen Interessenkonflikt zwischen der Notwendigkeit, Absatzmärkte für die amerikanische Agrarerzeugung zu finden, und den Plänen, den
Entwicklungsländern bei der Ernährung ihrer Bevölkerung zu helfen?
Antwort: Kurzfristig vielleicht, denn die Welt braucht mehr Getreide. Das
Problem ist, wer dafür zahlt. Langfristig ist das nicht der Fall. Das Problem
Nummer eins, dem sich die Welt in den nächsten 25 Jahren

gegenübersieht, ist,

wie kann die Nahrungsmittelerzeugung so gesteigert werden, daß angesichts
der explodierenden Weltbevölkerung der Nahrungsmittel bedarf gedeckt werden
kann? Im Augenblick zählt die Weltbevölkerung rund 3,8 Milliarden Menschen.
Im Jahre 2 000 - und das ist bereits in einer Generation - werden wir etwa
7 Milliarden Menschen auf der Erde haben, 80 Prozent mehr als heute. Daher ist
das wirkliche Problem, vor dem wir stehen - ich halte dies in jeder Beziehung
für das Problem Nummer eins -, wie innerhalb dieser Zeitspanne von knapp
einer Generation die Nahrungsmittelerzeugung verdoppelt werden kann. Wie werden wir es schaffen, in der nächsten Generation doppelt so viel Menschen zu
ernähren wie heute. Dies ist eine Herausforderung für uns, überall auf der

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�der Welt die Nahrungsmittelerzeugung zu steigern. Die Welt muß sich selbst
ernähren. Und das bedeutet, daß wir Maßnahmen zur Steigerung der Agrarerzeugung gerade in den Teilen der Welt ergreifen müssen, wo eine solche
Steigerung notwendig ist.
Frage: Wie stellen Sie sich die künftige Rolle der Nahrungsmittelhilfe vor?
Antwort: Die Vereinigten Staaten haben eine feste Zusaqe gegeben, daß sie
es nicht zulassen werden, daß es in irgend einem Teil der Welt zu einer Hungersnot kommt. Ich betrachte dies als eine moralische und politische Zusage, die die Vereinigten Staaten gegeben haben. Sie geht bis auf die Zeit
kurz nach dem zweiten Weltkrieg zurück. In den letzten 20 Jahren haben die
Vereinigten Staaten für Lebensmittelhilfe in allen Teilen der Welt über
25 Milliarden Dollar ausgegeben. Wir sind in dieser Beziehung in der Tat die
großzügigste Nation der Welt, aber manchmal sind wir doch kritisiert worden,
weil wir nicht noch großzügiger waren. Meines Erachtens wird es weiterhin
unsere Aufgabe sein, solche Hilfe zu gewähren, doch glaube ich, sollten die
Lasten vermehrt von den übrigen Überschußländern mitgetragen werden. Einige schalten sich jetzt ein, aber ir'^ht in dem Maße, wie sie es sollten. Auf
der anderen Seite helfen natürlid die kommerziellen Agrarexporte der USA
ebenfalls mit,den Nahrungsmittel bedarf der Welt zu decken. Ich meine, wir
sollten es stets als unser Ziel betrachten, den Handel und nicht die Hilfe
auszuweiten.
Wir sollten uns darüber klar sein, daß ein Bedarf an Hilfe immer nur
kurzfristig sein sollte - bei Überschwemmungen, Dürre oder anderen Katastrophen. Das langfristige Ziel muß Handel, nicht Hilfe sein. Das ist der
beste Weg, um die Welt zum Wohlstand und damit auch zum Frieden zu führen.

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23/1975

DONALD H. RUMSFELD - DER NEUE AMERIKANISCHE VERTEIDIGUNGSMINISTER

WASHINGTON --(AD)-- Der dreiundvierzigjährige Donald Henry Rumsfeld - von
Präsident Ford zum neuen amerikanischen Verteidigungsminister nominiert hat bei der reibungslosen Übernahme der Regierungsgeschäfte durch Präsident
Ford - nach dem Rücktritt Präsident Nixons - eine führende Rolle gespielt.
Rumsfeld wurde im Sommer 1974, als sich im Verlauf der Prozesse im
7

usammenhang mit der Watergate-Affäre eine Regierungskrise abzuzeichnen

begann, von seinem Posten als Ständiger Vertreter der USA im Nordatlantikrat in Brüssel nach Washington berufen. Er spielte eine maßgebliche Rolle
innerhalb der Beratergruppe, die Präsident Ford bei der Übernahme des Pr^'sidentenamtes unterstützte. Nach der Vereidigung Fords am 9, August 1974 kehrte Rumsfeld wieder auf seinen Posten bei der NATO in Brüssel zurück.
Einen Monat später wurde er dann wieder nach Washington berufen - diesmal endgültig. Präsident Ford ernannte ihn zu seinem Stabschef, eine Position, die ihn in engste Beziehung zu dem Präsidenten brachte. Er wurde damit
der verantwortliche Mann für die tägliche Weitergabe und Ausführung der Anweisungen des Präsidenten und der Chef des rund 500 Personen zählenden
Stabes des Weißen Hauses.
Damit hat Präsident Ford nunmehr einen engvertrauten und bewährten
Kampfgefährten als neuen Verteidigungsminister, der ihm gegenüber seine
Loyalität bereits mehrfach unter Beweis gestellt hat.
Die
- 1 -

�t
Die Verbindung zwischen den beiden Männern reicht bis Anfang der sechziger Jahre zurück, als sie beide Mitglieder des amerikanischen Repräsentantenhauses waren. Rumsfeid war 1962 von einem Distrikt in Illinois nahe bei
Chicago ins Repräsentantenhaus gewählt worden. Zu jener Zeit war Ford im Repräsentantenhaus als Vertreter eines Distriktes von Michigan.
Im Jahre 1965 unternahm Rumsfeld zusammen mit einer Reihe anderer jüngerer Kongreßmitglieder den erfolgreichen Versuch, Gerald Ford in die durch
den Tod von Charles Hai leck frei gewordene Führungsposition der Republikaner
im Repräsentantenhaus zu bringen. Seither bestand zwischen beiden Männern
ein

nges Vertrauensverhältnis.
Rumsfeld, der am 9. Juli 1932 in Chicago geboren wurde, war in seiner

Studentenzeit ein begeisterter Ringer, der es in diesem Sport zu Meisterschaften brachte. Im Jahre 1954 beendete er seine Studien an der PrincetonUniversität in New Jersey und diente anschließend drei Jahre bei der amerikanischen Marine als Pilot von Düsenflugzeugen.
Im Jahre 1958 kam er als Sekretär und Berater des Abgeordneten David
Dennison ms Ohio nach Washington. Im folgenden Jahr arbeitete er in einer
ähnlichen Stellung bei dem Abgeordneten Robert P. Griffin aus Michigan.
Im Jahre 1960 kehrte er als Mitarbeiter einer Investment-Bank zurück
nach Illinois. Zwei Jahre später wurde er als Vertreter eines Distriktes im
Norden von Chicago in den Kongreß gewählt.
Auf Drängen Präsident Nixons gab Rumsfeld 1969, zu Beginn der ersten
Amtszeit Nixons, seinen Sitz im Kongreß auf und wurde vom Präsidenten zum
Leiter des Amtes zur Sicherung des wirtschaftlichen Fortkommens (OED) ernannt.
Diese"Behörde, der die Aufgabe gestellt war, die Armut in Amerika zu
bekämpfen, mangelte es nach Nixons Ansicht wegen allzu bürokratischer Einstellung an Erfolgen, und Rumsfeld sollte eine gründliche Reorganisation
vornehmen.
NacWdem
- 2 -

�Nachdem er diese Aufgabe zur Zufriedenheit des Präsidenten erledigt
hatte, ernannte ihn Nixon im Dezember 1970 zu seinem persönlichen Berater,
eine Position, die ihm Kabinettsrang gab. Er war damit einer der ranghöchsten
Mitglieder des Stabes des Weißen Hauses.
Im Jahre darauf wurde Rumsfeld mit der Einführung der Preiskontrollen
zur Stabilisierung der Wirtschaft zum Direktor des Rates für Lebenshaltungskosten ernannt, einer Organisation, die auf Kabinettsebene stand und für die
antiinflationären Wirtschaftsprogramme verantwortlich war. Diese Stellung
behielt Rumsfeld bis zum Dezember 1972, als er zum amerikanischen Vertreter
bei der NATO ernannt wurde.
Von seiner Studentenzeit an steht Rumsfeld in dem Ruf, ein Mann von
hoher Intelligenz und Bestimmtheit zu sein. Seine langjährigen Erfahrungen
im öffentlichen Dienst und in der Administration haben ihn zu einem hervorragenden Verwaltungsfachmann gemacht. Er war einer der hochgestellten Mitarbeiter Nixons, die aus dem Watergate-Skandal ohne jeden Makel hervorgingen.
Während seiner Tätigkeit als Chef des Stabes des Weißen Hauses hat sich
Rumsfeld den Ruf erworben, ein kühler Pragmatiker zu sein.
Rumsfeld ist verheiratet und hat drei Kinder.

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ELLIOT L. RICHARDSON - DER NEUE HANDELSMINISTER DER USA

WASHINGTON --(AD)-- Die Nominierung von Elliot Lee Richardson zum neuen
Handelsminister der Vereinigten Staaten rückt einen Mann in den Vordergrund,
der bereits drei Kabinettsposten innehatte und bereits unter Präsident
Eisenhower hohe Funktionen ausübte. Im Jahre 1969 berief ihn Präsident Nixon
zum Minister für das Gesundheits-, Erziehungs-und Sozialwesen, 1973 übernahm
er den Posten des Verteidigungsministers und dann des Justizministers.
In seiner letzteren Funktion wurde er am 20. Oktober 1973 zum Helden
der Liberalen in den Vereinigten Staaten, als er eher sein Amt zur Verfügung
stellte, als den Anweisungen seines Präsidenten zu folgen und den WatergateSonderstaatsanwalt Archibald Cox zu entlassen.
Bis zu einer Berufung zum Handelsminister vertrat Richardson sein Land
als Botschafter in London.
Richardson, geboren am 20. Juli 1920 in Boston, Massachusetts, hat an
der Harvard-Universität studiert und dort 1941 den Grad eines Bachelor of
Arts und 1947 den eines Bachelor of Laws erworben. Im Kriege diente er als
Oberleutnant bei der US-Armee und nahm u.a. an der Landung der alliierten
Truppen in der Normandie teil. Nach einer dreijährigen Assistententätigkeit
an einem Bundesberufungsgericht bei Richter Learned Hand und am Obersten

- 1 -

�Obersten Bundesgericht bei Oberrichter Felix Frankfurter praktizierte er,
seit 1949 Mitarbeiter einer angesehenen Anwaltskanzlei in Boston und seit
1950 zu den Gerichten von Massachusetts zugelassen, bis 1956 als Anwalt. Zwischendurch war Richardson 1952 an der Harvard-Universität als Lektor und Chefredakteur der juristischen Fachzeitschrift "Harvard Law Review" und 1953 bis
1954 als Referent des republikanischen Senators Leverett Saltonstall tätig.
Im Jahre 1957 berief ihn Präsident Eisenhower als Unterstaatssekretär
für Gesetzgebungsfragen in das Gesundheits-, Erziehungs-und Sozialministerium.
Zwei Jahre später übernahm Richardson das Amt des Anklagevertreters der Bundesgerichtsbarkeit in seinem Heimatstaat. 1961 fungierte er kurze Zeit als
Sonderreferent im Justizministerium und wurde noch im gleichen Jahr Teilhaber
seiner alten Bostoner Anwaltskanzlei. Von 1965 bis 1969 war er erst stellvertretender Gouverneur und später Justizminister von Massachusetts, bis ihn
Präsident Nixon kurz nach seinem Amtsantritt als Staatssekretär und Ministerstell Vertreter ins Außenministerium berief.
Elliot Lee Richardson ist verheiratet und hat zwei Söhne und eine
Tochter.

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23/1975

GEORGE BUSH - DER NEUE DIREKTOR DES CIA

WASHINGTON - - ( A D ) — George W. Bush, 51 Jahre alt, ein die Gesellschaft liebender amerikanischer ölmillionär von athletischer Konstitution, ist von
Präsident Ford zum neuen Leiter der Central Intelligence Agency (Zentralamt
für Nachrichten und Abwehr) -CIA - ausersehen worden.
Bush begann seine politische Karriere vor neun Jahren, als er als Abgeordneter von Texas in den amerikanischen Kongreß gewählt wurde. Er wurde
später Botschafter der USA bei den Vereinten Nationen, Vorsitzender der Republikanischen Partei unr' leitete seit September 1974 das Verbindungsbüro
der USA in Peking.
Bush selbst bezeichnet sich als "Politiker und Pragmatiker". Ich habe
gelernt, wie wenig sinnvoll es ist, jemanden von vorneherein abzustempeln",
erklärte Bush einmal in einem Gespräch. "Im Grunde habe ich nichts dagegen,
aber eine solche Klassifizierung bedeutet doch für jeden etwas ganz anderes
und kann niemals objektiv sein". Das gilt auch für den ihm aufgeprägten
Stempel des erfolgreichen Managers und Unternehmers aus dem amerikanischen
Süden. Man darf dabei nicht übersehen, daß er aus Neu-England stammt und in
dessen konservativem Klima aufgewachsen ist.
George

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�George W. Bush wurde am 12. Juni 1924 in Massachusetts als Sohn von
Prescott Bush geboren, der nach erfolgreicher Karriere als Bankier in den
amerikanischen Senat gewählt wurde.
Unmittelbar nachdem er die Phillips Academy - ein Privatcollecp in
Massachusetts - absolviert hatte, meldete sich Bush während des Zweiten 'teltkrieges zur amerikanischen Marine. Ein Jahr später, im Alter von 19 Jahren,
wurde er zum Offizier befördert und nahm als Pilot auf einem amerikanischen
Flugzeugträger an den Kriegseinsätzen im Pazifik teil. Er wurde abgeschossen,
konnte sich aber mit dem Fallschirm aus der Maschine retter und wurde von
einem amerikanischen U-Boot aus dem Pazifik geborgen. Für seinen Einsatz wurde
er mit dem "Distinguished Flying Cross" ausgezeichnet.
Mit Kriegsende schied Bush aus der Marine aus und ging an die Yale-Universität, an der er ein wirtschaftswissenschaftliches Studium im Jahre 1948
mit dem Grad eines Bachelor of Arts beendete.
Statt nun aber in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und an die Wallstreet zu gehen, zog Bush mit seiner Frau nach Odessa in Texas und arbeitete
hier als Vertreter einer Gesellschaft für ölbohrgeräte. Nach fünf Jahren harter Arbeit, in denen er "das Geschäft von Grund auf lernte", konnte er die
ersten größeren finanziellen Erfolge verbuchen. Im Jahre 1953 gründete er die
ZAPATA-Erdölgesellschaft, eine Kontraktfirma für Ölbohrungen, und ein Jahr
spät r die ZAPATA-off shore Company, die sich auf Ölbohrungen im Golf von
Mexiko spezialisierte. Unter seiner Leitung wuchs das Unternehmen zu einem
Multihiillionen-Dollar-Konzern, der Zweigunternehmen in Lateinamerika, der
Karibik, dem Nahen Osten, Australien und Westeuropa unterhielt.
Im Jahre 1959 verlagerte Bush den Sitz seiner Firma nach Houston in
Texas und hier entschloß er sich zu aktiver Beteiligung an der Politik. Er
trat dem Kreisverband der Republikanischen Partei bei und wurde 1963 zu
seinem Vorsitzenden gewählt. Sein im folgenden Jahr unternommener erster
Versuch, einen Sitz im US-Senat zu gewinnen, scheiterte.
Im

�Im Jahre 1966 bewarb sich Bush dann aber um einen Sitz im Repräsentantenhaus, wurde gewählt und zwei Jahre darauf wiedergewählt. Ehe er sein Amt
als Kongreßabgeordneter antrat, verkaufte Bush seine Anteile an dem ölkonzern,
blieb aber stets ein leidenschaftlicher Verteidiger der Ölindustrie. Obwohl
selbst Millionär, befürwortete er nachdrücklich ein Gesetz, das von den Abgeordneten die Offenlegung ihrer persönlichen Finanzverhältnisse forderte..
Er, der "konservative Republikaner aus dem Süden" stimmte für die Bürgerrechtsgesetze und suchte bei den farbigen Wählern Unterstützung dafür zu gewinnen.
Auf Wunsch Präsident Nixons gab Bush im Jahre 1970 seinen Sitz im Repräsentantenhaus auf und bewarb sich erneut um einen Senatssitz. Auch diese
Wahl verlor er und wurde darauf von Nixon zum Ständigen Vertreter der USA
bei den Vereinten Nationen ernannt, ein Posten, der ihm Kabinettsrang gab.
Bush bezeichnete sich auf seinem neuen Posten als "konstruktiven Kritiker" der Vereinten Nationen, der bestrebt sei, mit aller Energie darauf
hinzuwirken, daß die Weltorganisation ihre Aufgabenbereiche auf sozialem
und wirtschaftlichem Gebiet weiter ausdehne und aktiviere, den weltwei^n
Kampf gegen die Umweltverschmutzung koordiniere und die ihr zufallende
entscheidende Rolle im Zeitalter der Weltraumerkundung bewußt übernehme.
Im Dezember 1972 wurde Bush dann plötzlich durch Präsident Nixon von
seinem UN-Posten abberufen und mit einer völlig anderen Rolle betraut. Er
übernahm den Posten des Nationalen Vorsitzenden der Republikanischen Partei.
Es war die Zeit, als der Watergate-Skandal immer mehr an die Öffentlichkeit
drang.
Wie Bush später erklärte, habe er seinen neuen Posten als "außerordentlich schwierig und hart" empfunden. Seine Aufgabe war es nun, das Vertrauen der amerikanischen Öffentlichkeit in die Republikanische Partei nach
all dem Wirbel von Watergate wieder herzustellen. In dieser Zeit begannen
sich enge Beziehungen zwischen ihm und dem damaligen Vizepräsidenten
Gerald Ford zu entwickeln.
Als
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�Als Ford Präsident der Vereinigten Staaten wurde, war Bush unter denen,
die für das frei gewordene Amt des Vizepräsidenten in Erwägung gezogen wurden.
Die Wahl fiel jedoch dann auf einen anderen.
Stattdessen ernannte ihn Präsident Ford am 4. September 1974 zum Leiter
des amerikanischen Verbindungsbüros in Peking.

Bush nahm seine Frau, seine

vier Söhne (damals im Alter von 17 bis 27 Jahren) und seine 14jährige Tochter mit nach China. Sein Ziel war es, das Bild von Amerika als einem Land mit
einer elitären Gesellschaft zu korrigieren. Typisch für den unkonventionellen, zwanglosen Stil, mit dem er sein neues Amt wahrnahm, war sein Erscheinen
auf einem offiziellen Emfpang, zu dem er mit dem Fahrrad ankam, statt in
der Diplomatenlimousine vorzufahren. An Stelle von formellen Dinnerparties
und Empängen unterhielt er seine Gäste mit Filmen aus alter Zeit be', Fruchtsäften und Popcorn.
Nun hat ihn Präsident Ford wieder nach Washington zurückberufen, um die
Leitung des CIA zu übernehmen, zu einer Zeit, da diese Einrichtung im eigenen
Lande heftiger Kritik wegen der Praktiken im Ausland

und wegen der Bespitze-

lungen von Bürgern im eigenen Lande ausgesetzt worden ist. Man erwartet, daß
sich Bush mit seiner Energie und seinem bei allen bisherigen schwierigen Fällen bewährten Enthusiasmus diesem schweren Amt als gewachsen erweisen wird.

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