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29. Januar 1975

Nummer

Inhalt
DOKUMENTATION:
US-Außenministerium veröffentlicht Bericht über Lage in Vietnam
-WortlautKommunique der Zehnergruppe vom 16. Januar 1975
-WortlautKommunique des IWF-Interimsausschusses vom 16. Januar 1975
-Wortlaut»

WIRTSCHAFT:

Erfolgreicher Abschluß der Washingtoner Währungsgespräche
Von Eugene Brake

HINTERGRUNDMATERIAL:
John J. Sparkman
-Der neue Vorsitzende des Außenpolitisches Ausschusses des US-Senats-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Satelliten wachen über die Umwelt
-ERTS-System wird ausgebaut-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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2/1975

US-AUSSENMINISTERIUM VERÖFFENTLICHT BERICHT ÜBER LAGE I N VIETNAM
-

Wortlaut

-

WASHINGTON --(AD)— Das amerikanische Außenministerium hat am 24. Januar
1975 einen Sonderbericht veröffentlicht, in der die Lage in Vietnam dargestellt wird, wie sie sich in den zwei Jahren seit Unterzeichnung des Pariser
Abkommens vom 27. Januar 1973 entwickelt hat. Der dokumentarische Bericht hat
folgenden Wortlaut:
Am 27. Januar 1973 wurde in Paris das Abkommen zur Beendigung des Krieges
und der Wiederherstellung des Friedens in Vietnam unterzeichnet. Wir erzielten
eine Regelung, die die Herauslösung der amerikanischen Streitkräfte erlaubte,
die Regelung der politischen Zukunft Vietnams Verhandlungen zwischen den vietnamesischen Beteiligten überließ und die die amerikanischen Kriegsgefangenen
heimführte. Wir machten unsere Absicht deutlich, unser noch bestehendes Engagement in Vietnam so rasch zu beenden, wie es die Umstände erlaubten.
Die Nordvietnamesen haben jetzt einen stark intensivierten militärischen
Feldzug begonnen. Zum ersten Mal seit 1972 ist eine Provinzhauptstadt (Song
Be in der Provinz Phuoc Long) überrannt worden. Der umfang der Verluste und
der Zerstörung hat den höchsten Punkt seit Unterzeichnung des Abkommens er-

-1-

�erreicht. Die jüngsten Angriffe scheinen die erneute Entschlossenheit Hanois
widerzuspiegeln, Südvietnam mit Gewalt zu erobern.
Diese Entwicklungen lassen es jetzt, da wir uns dem zweiten Jahrestag
der Unterzeichnung des Pariser Abkommens nähern, besonders wichtig erscheinen,
daß wir die Lage in Vietnam, wie sie sich in den letzten zwei Jahren entwickelt
hat, und ihre Auswirkungen für die Zukunft eingehend untersuchen.
Es kann heute kein wirkliches Argument mehr geben, ob wir unser langes
und kostspieliges Engagement in Vietnam beenden werden. Die einzige Frage ist,
wann und wie wir es beenden.
Unser Ziel ist der Abschluß des Prozesses der Beendigung unseres Engagements so rasch wie möglich, und zwar auf eine Weise, die:
- einen politischen, wirtschaftlichen oder militärischen Zusammenbruch
in Südvietnam verhindert, der zur neuen Instabilität und Unruhe in dem Gebiet
•führen und neue Herausforderungen an einander zuwiderlaufende Großmachtinteressen stellen würde;
- ein vernünftiges Maß an politischer Stabilität und geordneter Entwicklung in Südostasien unterstützt und die friedliche Lösung des Konflikts in dem
Gebiet und sonstwo in der Welt fördert;
- die Opfer respektiert, die das amerikanische Volk in Vietnam gebracht
hat; und
- unserer Verantwortung als Signatarmacht gerecht wird, das Pariser Abkommen zu erfüllen.
Durch Unterzeichnung des Abkommens (und durch unsere Politik der Vietnamisierung des Krieges) haben wir den Südvietnamesen praktisch erklärt, daß wir
sie nicht mehr mit unseren Streitkräften verteidigen, aber sie - wie in dem Ab-

�Abkommen erlaubt - mit den Mitteln ausstatten würden, um sich selbst verteidigen zu können. Sie haben nach Übernahme dieser Aufgabe diese sehr wirksam erfüllt. Nun sollten wir das, was wir zugesagt haben, auch halten.

Die Einhaltung des Pariser Abkommens
Die Nordvietnamesen unterzeichneten das Pariser Abkommen zu einem Zeitpunkt, da sie gleichzeitig eine Offensive in letzter Minute durchführten, um
so viel südvietnamesisches Territorium wie möglich in ihre Hand zu bekommen,
bevor der Waffenstillstand eintrat. Nach Unterzeichnung des Abkommens und der
Abwehr dieser Offensive gingen die Feindseligkeiten eine Zeit lang zurück. Wir
hegten die Hoffnung, daß das Abkommen nun einen Rahmen bieten würde, innerhalb
dessen die Vietnamesen ihre eigene politische Wahl treffen und ihre eigenen
Probleme in einer Atmosphäre des Friedens lösen könnten. Leider wurde diese
Hoffnung - eine Hoffnung, die die Republik Vietnam und das südvietnamesische
Volk teilten - durch die Handlungen Nordvietnams und der Provisorischen Revolutionsregierung zunichtegemacht. In klarer Verletzung des Abkommens haben
sie:
- über 170 000 nordvietnamesische Soldaten nach Südvietnam eingeschleust
und ihre Hauptstreitmacht im Süden von 220 000 Mann zur Zeit des Abkommens auf
jetzt 300 000 Mann verstärkt (von denen 225 000 Nordvietnamesen sind);
.

- ihr militärisches Nachschubsystem durch Laos, Kambodscha und die ent-

militarisierte Zone, sowie auch innerhalb Südvietnams ausgebaut und ihre Waffenlager verstärkt;
- sich

�- sich geweigert, den Teams Zugang zu gewähren, die nach dem Abkommen
den Waffenstillstand überwachen sollen;
- sich geweigert, ihren vereinbarten Teil an den Ausgaben für die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission (ICSS) zu leisten;
- ihre Verpflichtungen zur Zusammenarbeit bei der Aufklärung des Schicksals amerikanischer und anderer Militärpersonen,die als vermißt gelten, nicht
erfüllt,ja, sie haben alle Gespräche über diese Angelegenheit abgebrochen und
sich seit sieben Monaten geweigert, mit Vertretern der Vereinigten Staaten und
der Republik Vietnam in dem Gemeinsamen Viermächte-Militärausschuß zusammenzutreffen;
- alle Verhandlungen mit der Republik Vietnam abgebrochen, einschließlich der politischen Verhandlungen in Paris und der Verhandlungen der Gemeinsamen Zweimächte-Militärkommission in Saigon und auf die wiederholten Forderungen nach bedingungsloser Wiederaufnahme der Verhandlungen mit unsinnigen
Forderungen nach dem Sturz der Regierung als Vorbedingung für eine Wiederaufnahme der Gespräche reagiert; und
- ihren militärischen Druck ständig erhöht, mehrere Gebiete überrannt,
darunter elf Distriktstädte, die zum Zeitpunkt des Waffenstillstandes eindeutig und unbestritten in der Hand der Republik Vietnam waren. Ihre jüngste und
gefährlichste Eskalation der Kämpfe begann Anfang Dezember 1974 mit Offene-i^ron

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*

�Alle amerikanischen Streitkräfte und Berater wurden innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens abgezogen. Es besteht keine faktische
Grundlage für die Behauptung Hanois, daß sich Tausende amerikanischer Militärberater als Zivilisten getarnt in Vietnam befänden.
Die amerikanische Militärhilfe an die Republik Vietnam hat sich dem Zugum-Zug-Ersatz, dem Stück-für-Stück-Ersatz, nicht einmal angenähert, der durch
das Abkommen genehmigt ist, während die russische und chinesische Militärhilfe
an Nordvietnam während der letzten fünf Jahre praktisch auf dem gleichen Stand
geblieben ist (mit Ausnahme sehr großer Lieferungen im Jahre 1972, dem Hauptinvasionsjahr) und eine wesentliche Verstärkung der nordvietnamesischen Arsenale im Süden seit Unterzeichnung des Abkommens erlaubt hat.
Da das Abkommen der südvietnamesischen Regierung keine einseitige Waffenruhe auferlegt, hat die Republik Vietnam militärische Maßnahmen ergriffen,um
ihre Bevölkerung und ihr Territorium zu verteidigen. Dazu ist allerdings zu
sagen:
- Die südvietnamesischen Streitkräfte stehen in der Defensive. Sie
kämpfen nicht in Nordvietnam und sie versuchen nicht, dessen Regierung oder
politisches System zu stürzen.
- Die Regierung hat die Stärke ihrer Streitkräfte nicht erhöht.
- Sie hat mit der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission voll
zusammengearbeitet und ihren Anteil an den Kosten für die Kommission bezahlt.
- Sie hat die bedingungslose Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der Demokratischen Republik (Nord) Vietnam und mit der Provisorischen Revolutionsregierung gefordert.
- Sie

-5-

�- Sie hat Pläne für eine politische Regelung, einschließlich international
überwachter Wahlen zu einem bestimmten Zeitpunkt,unterbreitet.

Die Lage in Südvietnam
Das Pariser Abkommen sollte dem südvietnamesischen Volk die Gelegenheit
bieten, seine eigene Wahl zu treffen und seine eigenen Probleme auf friedliche
Weise zu lösen. Es war und ist nicht die Politik der Vereinigten Staaten, Südvietnam eine Regierung oder ein Gesellschaftssystem aufzuzwingen, das den Wünschen der Mehrheit der Bevölkerung zuwiderliefe. Nach Auffassung der amerikanischen Regierung stellt die Auferlegung politischer Lösungen durch militärische
Gewalt nicht nur eine Verletzung unserer Prinzipien von Recht und Gerechtigkeit
dar, sondern führt auch nicht zu einem echten Frieden.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die südvietnamesische Regierung in •&gt;'
fairen und freien Wahlen wie in jedem anderen sinnvollen Test der öffentlichen
Meinung in Südvietnam einen überwältigenden Sieg über die kommunistische Seite
davontragen würde. Das ist selbst den Kommunisten klar, weshalb sie alle Bemühungen zur Verwirklichung der Bestimmungen des Pariser Abkommens, die Wahlen
unter internationaler Überwachung vorsehen, bisher so beharrlich vereitelt haben.
Da sind zunächst einmal die Aussagen der Flüchtlinge. Sie sind bisher fast
ausnahmslos nach von der Regierung kontrollierten Gebieten geflohen, selbst
wenn es für sie leichter und sicherer gewesen wäre, dort zu bleiben, wo sie
waren und die kommunistische Herrschaft auf sich zu nehmen, oder nach Gebieten
abzuwandern, die unter der Kontrolle der Kommunisten stehen. Das ist auch heute

-6-

�heute noch der Fall, wo immer die Kampfhandlungen neue Flüchtlinge schaffen.
Hinzu kommt, daß es für alle, die dies wünschen, sehr leicht ist, nach Gebieten unter kommunistischer Kontrolle abzuwandern (und die Kommunisten ermutigen sogar hierzu) - sehr wenige aber haben bisher von dieser Möglichkeit
Gebrauch gemacht.
An den Kriegsanstrengungen der Regierung sind rund zwei Millionen Südvietnamesen aktiv und unmittelbar beteiligt. Wenn sich die Regierung nicht der
Unterstützung durch die Allgemeinheit erfreute, würden diese Menschen sicherlich ihre Gewehre gegen die Regierung richten, statt für sie zu kämpfen, oder
zumindest desertieren, statt Tag für Tag ihr Leben oder die Ermordung von Familienangehörigen durch kommunistische Terroristen zu riskieren..
Manche Kritiker der amerikanischen Vietnam-Politik behaupten, die beste
Methode zur Herstellung des Friedens wäre es, die amerikanische Hilfe für Südvietnam zu verringern oder gänzlich einzustellen und damit die südvietnamesische Regierung zu zwingen, eine politische Lösung auszuhandeln. Dieser Vorschlag beruht auf der irrigen Annahme, es sei die südvietnamesische Regierung,
die die Verhandlungen zur Herbeiführung einer Regelung blockiere.
In Wahrheit sind es die Nordvietnamesen, denen der Abbruch der Verhandlungen und die Fortsetzung des Krieges zuzuschreiben ist. Die einzige Art von
Frieden, die Nordvietnam anstrebt, ist ein mit Waffengewalt aufgezwungener
Friede.
Das ist nicht die Art von Frieden, die das Pariser Abkommen vorsieht.
Das ist nicht die Art von Frieden, um dessentwillen wir und das südvietnamesische Volk so lange gekämpft haben.
Das

-7-

�Das ist nicht die Art von Frieden, die sich mit den Grundsätzen vereinbaren läßt, für die die Vereinigten Staaten eintreten.
Südvietnam hat ausgezeichnete langfristige Möglichkeiten. Seine Streitkräfte haben die Fähigkeit unter Beweis gestellt, ihr Land gegen den militärischen
Druck aus Nordvietnam zu verteidigen, und sie werden bei angemessener logistischer Unterstützung auch weiterhin dazu in der Lage sein. Die natürlichen
Hilfsquellen des Landes, darunter auch eine tüchtige Bevölkerung, sein reicher
Boden und seine Fischgründe, und insbesondere die kürzlich entdeckten Ölvorkommen, bieten eine feste Basis für eine rasche wirtschaftliche Entwicklung,
die der anderer Länder in diesem Gebiet gleichkommen könnte.
Unserer Auffassung nach ist Südvietnam fähig, wirtschaftlich und militärisch stark genug zu werden, sich selbst zu verteidigen. Unserer Auffassung
nach sollte es - wie im Pariser Abkommen vorgesehen - in die Lage versetzt
werden, sein politisches System und dessen Führer selbst zu bestimmen und ein
langfristiges Arrangement mit dem Norden auszuhandeln. Unserer Auffassung nach
wären dann unsere Ziele in Südvietnam erreicht.

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2/1975

KOMMUNIQUE DER ZEHNERGRUPPE VOM 16. JANUAR 1975
- Wortlaut WASHINGTON — ( A D ) — Die Minister und Zentralbank-Gouverneure der in der
Zehnergruppe vertretenen Länder haben zum Abschluß ihrer Washingtoner Beratungen am 16. Januar folgendes Kommunique herausgegeben:

1.

Die Minister und Zentralbank-Gouverneure der zehn Teilnehmerländer an

den Allgemeinen Kreditvereinbarungen traten am 14. und 16. Januar 1975 unter
dem Vorsitz des japanischen Finanzministers Masayoshi Chira in Washington
zusammen.
Der Geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds, H.J.
Witteveen, nahm an der Sitzung teil, bei der auch der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, F. Leutwiler, der Generalsekretär der OECD, E. van
Lennep, der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich,
R. Larre, und der Vizepräsident der EG-Kommission, W. Haferkamp, zugegen
waren.
2.

-1-

�2.

Nachdem sie einen Bericht des Vorsitzenden ihrer Stellvertreter, Rinaldo

Ossola, gehört hatten, einigten sich die Minister und Gouverneure darauf, daß
ein Solidaritäts-Fonds als neue, allen OECD-Mitgliedern zugängliche finanzielle Unterstützungs-Vereinbarung zum frühestmöglichen Zeitpunkt geschaffen werden
sollte. Jeder Teilnehmer erhält eine Quote, mit der seine Verpflichtungen und
seine Kreditansprüche sowie sein relatives Stimmgewicht festgelegt werden. Die
Aufteilung der Quoten erfolgt hauptsächlich auf der Basis von Bruttosozialprodukt und Außenhandel. Die Summe aller Teilnehmerquoten wird etwa 25 Milliarden
US-Dollar betragen.

3.

Das Ziel dieser Vereinbarung ist es, die Entschlossenheit der teilnehmen-

den Länder zur Verfolgung einer angemessenen Binnen-und Außenwirtschaftspolitik zu unterstützen, einschließlich

gemeinschaftlicher Maßnahmen zur Ermuti-

gung von Produktionserhöhungen und Energieeinsparungen. Es wurde vereinbart,
daß diese Vereinbarung ein Sicherheitsnetz sein soll, das nur als letzte Möglichkeit in Anspruch genommen werden soll. Teilnehmer, die unter der neuen Vereinbarung Kredite beantragen, müssen nachweisen, daß sie in ernsthaften Zahlungsbilanz-Schwierigkeiten sind und ihre eigenen Reserven sowie die ihnen auf
anderen Wegen zugänglichen Hilfsquellen voll und in angemessenem umfang nutzen.
Alle unter dieser Vereinbarung gewährten Kredite werden unter angemessenen
wirtschaftspolitischen Bedingungen eingeräumt. Es wurde darüber hinaus vereinbart, daß alle Teilnehmer das Risiko der Nicht-Rückzahlung von Krediten unter
dieser Vereinbarung gemeinsam im Verhältnis und bis zur Grenze ihrer Quoten
tragen.

�4.

Stellt ein Teilnehmer einen Kreditantrag, so beschließen die anderen

Teilnehmer bei Krediten bis zur Höhe der Quote mit Zweidrittel-Mehrheit über
die Einräumung des Kredits, seine Bedingungen und darüber, ob irgendein Land
aus Zahlungsbilanzgründen nicht dazu verpflichtet sein sollte, einen direkten
Beitrag zu leisten.
Die Einräumung eines Kredits über die Cuote hinaus und bis zu 200 %
der Quote erfordert eine sehr hohe Mehrheit und darüber hinaus einen einstimmigen Beschluß. Falls ein oder mehrere Teilnehmer nicht zur Leistung eines
Beitrags zur Finanzierung eines Kredits verpflichtet sind, so müssen die
Voraussetzungen für die Genehmigung des Kredits auch

hinsichtlich der Bei-

träge leistenden Teilnehmer erfüllt sein.
5.

Weitere Untersuchungen sind noch erforderlich, um die Art der Finanzie-

rung festzulegen. Diese könnte durch direkte Beiträge und/oder durch gemeinsame Kreditaufnahme auf den Kapitalmärkten erfolgen. Bis zur vollen Funktionsfähigkeit der neuen Vereinbarung könnte die Finanzierung vorübergehend durch
Kreditvereinbarungen der Zentralbanken vorgenommen werden.

6.

Die Minister und Gouverneure vereinbarten, die sofortige Einsetzung einer

ad-hoc-Arbeitsgruppe der OECD unter Beteiligung von Vertretern aller interessierten OECD-Länder zu empfehlen, um entsprechend den obigen Grundsätzen
den Entwurf eines Abkommens vorzubereiten. Nach ihrer Ansicht sollte diese Arbeit so rechtzeitig abgeschlossen werden, daß es vom Rat der OECD Ende Februar
1975 gebilligt werden kann.
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2/1975

KOMMUNIQUE DES IWF-INTERIMSAUSSCHUSSES VOM 16.JANUAR 1975
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Das vom Interimsausschuß des Internationalen Währungsfonds
(IWF) zum Abschluß seiner Washingtoner Beratungen am 16. Januar herausgegebene Kommunique hat folgenden Wortlaut:
1.

Der Interimsausschuß des Internationalen Währungsfonds trat am 15. und

16. Januar 1975 in Washington D.C. zu seiner zweiten Sitzung zusammen. Den
Vorsitz führte John N. Turner, Finanzminister von Kanada. Der Geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds, H. Johannes Witteveen, nahm
an der Sitzung teil. Die folgenden Beobachter waren bei der Erörterung der
in den folgenden Absätzen 2,3 und 4 behandelten Themen durch den Ausschuß anwesend: Henri Konan Bedie,Vorsitzender des Gemeinsamen Entwicklungsausschusses von Weltbank und Währungsfonds

Gamani Corea, Generalsekretär der UNCTAD;

Wilhelm Haferkamp, Vizepräsident der EG-Kommission

Mahjoob A. Hassanain,

Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der OPEC- RenS Larre, Generaldirektor der BIZ' Emile van Lennep, Generalsekretär der OECD

Olivier Long, Ge-

neraldirektor des GATT; Robert S. Mcnamara, Präsident der Weltbank.
2.

-1-

�2.

Der Ausschuß erörterte die weltwirtschaftlichen Aussichten und vor diesem

Hintergrund den internationalen Anpassungsprozeß. Dabei wurde über Ausmaß und
Dauer der gegenwärtigen rezessiven Tendenzen große Besorgnis geäußert. Mit
Nachdruck wurde auf die Verfolgung einer gegen die Rezession gerichteten Politik gedrängt, bei gleichzeitiger Fortsetzung des Kampfes gegen die Inflation,
insbesondere seitens der Länder in relativ starker Zahlungsbilanzposition. Es
wurde darauf hingewiesen, daß sehr hohe Ungleichgewichte nicht nur zwischen
den großen ölexportierenden Ländern als Gruppe und allen anderen Ländern bestehen, sondern auch unter den Ländern der zuletztgenannten Gruppe, vor allem
zwischen Industriestaaten und rohstoffproduzierenden Ländern. Auch wurde die
Befürchtung geäußert, daß nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen könnten,
um das gegenwärtige, sehr hohe, etwa 30 Milliarden US-Dollar betragende
Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren, das für die Entwicklungsländer (ohne
die großen ölexportierenden Länder) für 1975 erwartet wird.

3. Der Ausschuß kam überein, daß 1975 die Olfazilität auf breiterer Grundlage
bestehen bleiben sollte. Er forderte den Geschäftsführenden Direktor auf, so
bald wie möglich mit wichtigen ölexportierenden Mitgliedern des Fonds und mit
anderen Mitgliedern in starker Reserve-und Zahlungsbilanzposition Gespräche
über Darlehen dieser Länder zur Finanzierung der Fazilität zu führen. Der Ausschuß einigte sich auf eine Summe von 5 Milliarden SZR als Gesamtbetrag der
für diesen Zweck aufzunehmenden Darlehen. Ferner wurde vereinbart, etwa ungenutzte Teile der 1974 aufgenommenen Darlehen im Jahre 1975 verfügbar zu machen
Der Ausschuß war der Ansicht, daß es wegen der derzeitigen Unsicherheiten der
Weltwirtschaftslage erforderlich ist, das Funktionieren der Olfazilität fort-

�fortlaufend zu überprüfen,um zu weiteren Maßnahmen bereit zu sein, die im Interesse der internationalen Völkergemeinschaft notwendig werden könnten.
Außerdem hielt man es für nützlich, im Verlauf der nächsten Monate die Politik, die Geschäftspraktiken und die Mittel des Fonds zu überprüfen, da es angebracht sei, zwecks Deckung des Bedarfs der in Schwierigkeiten geratenen
Mitglieder von den regulären Währungsbeständen des Fonds stärkeren Gebrauch
zu machen.

4.

Der Ausschuß unterstrich die Notwendigkeit durchschlagender Hilfsmaßnah-

men zu Gunsten der besonders hart betroffenen Entwicklungsländer. Im Zusammenhang mit der Ölfazilität unterstützte der Ausschuß voll die Empfehlung des
Geschäftsführenden Direktors, daß angemessene Beiträge der ölexportierenden
Staaten, der Industrieländer und vielleicht auch anderer beitragsfähiger Mitglieder auf ein neu einzurichtendes Sonderkonto gezahlt werden sollten und daß
der Fonds dieses Sonderkonto verwalten sollte, um den besonders hart betroffenen Mitgliedern die ihnen im Rahmen der Ölfazilität entstehenden Zinslasten
zu erleichtern.

5.

Der Ausschuß befaßte sich mit Fragen, die mit der im Gang befindlichen

sechsten allgemeinen Überprüfung der Mitgliedsquoten zusammenhängen und vereinbarte, daß vorbehaltlich einer zufriedenstellenden Änderung der IWF- Statuten der Gesamtbetrag der derzeitigen Quoten um 32,5 %, aufgerundet auf
39 Milliarden SZR, heraufgesetzt werden sollte. Man verständigte sich darauf,
daß der Zeitraum bis zur nächsten allgemeinen Quotenüberprüfung von fünf auf
drei Jahre verkürzt werden sollte.
Außerdem

�Außerdem vereinbarte der Ausschuß, daß die Quoten der wichtigen Ölexporteure durch Verdoppelung des Anteils dieser Gruppe beträchtlich heraufgesetzt werden sollten und daß der gemeinsame Anteil aller anderen Entwicklungsländer nicht unter seinen derzeitigen Stand fallen sollte. Da ein wichtiges
Ziel der Heraufsetzung der Quoten die Stärkung der Fondsliquidität ist, bestand Übereinstimmung darüber, daß Vorkehrungen getroffen werden sollten, um
alle Landeswährungsbestände des Fonds im Einklang mit seiner Geschäftspolitik
verwendbar zu machen. Der Ausschuß forderte die Exekutivdirektoren auf, die
Quoten auf der Grundlage der vorstehenden Absprachen zu überprüfen und so
schnell wie möglich detaillierte Empfehlungen für die Heraufsetzung der Quoten der einzelnen Mitgliedsländer vorzulegen.
I

6.

I.

Der Ausschuß behandelte die Frage der Änderung der IWF-Statuten.
4

Es wurde vereinbart, daß die Exekutivdirektoren gebeten werden sollten, mit
ihren Arbeiten in dieser Angelegenheit fortzufahren und dem Ausschuß so bald
wie möglich Änderungsentwürfe zu den folgenden Themen zur Prüfung vorzulegen:
(A) Umwandlung des Interimsausschusses in einen ständigen Ministerausschuß ("Council") zu gegebener Zeit, in dem jedes Mitglied die Stimmen der
von ihm vertretenen Länder gesondert abgeben darf. Der Ministerausschuß soll
gemäß den ihm vom Gouverneursrat übertragenen Vollmachten zu Beschlüssen legitimiert sein.
(B) Verbesserungen im Generalkonto,die Folgendes einschließen würden:
(1) Abschaffung der Verpflichtung von Mitgliedsländern, bei Zahlungen
an den Fonds für Subskriptionen und Rückkäufe Gold zu verwenden sowie - nach
Prüfung durch die Exekutivdirektoren - die Festlegung der Zahlungsmedien;und

�•

und
2.

Vorkehrungen, die sicherstellen, daß unter zufriedenstellenden Absiche-

rungen die Fondsbestände an allen Währungen bei seinen Operationen für alle
Mitglieder verwendbar sind.
(C) Verbesserungen der Wesensmerkmale der SZR, die geeignet sind, sie zum
Hauptreserve-Aktivum des internationalen Währungssystems zu machen.
(D) Vorkehrungen für stabile, aber anpassungsfähige Paritäten und für
die Freigabe von Wechselkursen in besonderen Situationen und unter geeigneten
Regeln sowie Überwachung durch den Fonds, wie in den Richtlinien für die Reform vorgesehen.

II. Der Ausschuß diskutierte auch die Möglichkeit einer Statutenänderung zwecks
Herstellung einer Verbindung zwischen der Zuteilung von SZR und der Entwicklungsfinanzierung, doch bestehen in dieser Angelegenheit auch weiterhin unterschiedliche Meinungen. Es wurde vereinbart, die Angelegenheit weiter aktiv zu
untersuchen, zugleich aber andere Wege zur vermehrten Übertragung realer Hilfsquellen an die Entwicklungsländer zu prüfen.

7.

Der Ausschuß kam weiter überein, die Exekutivdirektoren zu beauftragen,

mögliche Verbesserungen der Fonds-Fazilitäten für die kompensierende Finanzierung von Ausfuhrfluktuationen und die Stabilisierung von Rohstoffpreisen zu
untersuchen und dabei die Möglichkeit einer Statutenänderung zu prüfen, die dem
Fonds die unmittelbare Unterstützung internationaler Ausgleichslager von Rohstoffen erlauben würden.

-5-

�i
8.

Eingehend wurde über künftige Vereinbarungen über das Gold diskutiert.

Der Ausschuß bekräftigte, daß so bald wie möglich Schritte unternommen werden sollten, um dem Sonderziehungsrecht die zentrale Stellung im internationalen Währungssystem zu geben. Es bestand allgemeines Einverständnis, daß
der offizielle Goldpreis abgeschafft und die Verpflichtung der Mitgliedsländer zu Goldzahlungen an den Fonds beseitigt werden sollte. Bei der Vorbereitung eines vollständigen Pakets vereinbarter Statutenänderungen zum Gold ist
beträchtlicher Fortschritt erzielt worden, unter anderem über die Abschaffung
des offiziellen Goldpreises und die Freiheit der nationalen Währungsbehörden
zum Abschluß von Goldgeschäften unter bestimmten Einzelregelungen, die unabhängig von den IWF-Statuten zwischen den nationalen Währungsbehörden getroffen werden, um sicherzustellen, daß die Rolle des Goldes im internationalen
Währungssystem allmählich vermindert wird. Es wird erwartet, daß nach weiteren
Untersuchungen durch die Exekutivdirektoren, bei denen die Interessen aller
Mitgliedsländer berücksichtigt werden, in nächster Zeit volles Einverständnis
erzielt werden kann, so daß es möglich wäre, diese Statutenänderungen mit
dem in den obigen Abschnitten 6 und 7 beschriebenen Anderungspaket zusammenzufassen.

9.

Der Ausschuß vereinbarte, Anfang Juni 1975 in Paris erneut zusammenzu-

treten.

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ERFOLGREICHER ABSCHLUSS DER WASHINGTONER WÄHRUNGSGESPRÄCHE
Von Eugene Brake

WASHINGTON —(AD)-- Die in der ersten Januarhälfte in Washington auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Gremien geführten mehrtägigen Währungsgespräche haben zu einer Reihe von Abkommen geführt, die den Industriestaaten wie den
Entwicklungsländern ohne eigene Ölvorkommen die Finanzierung der - aufgrund der
starken Ölpreiserhöhungen durch die OPEC-Länder - jetzt erheblich teureren 01importe wesentlich erleichtern werden. Allerdings müssen die meisten dieser Abkommen noch von den Parlamenten der einzelnen Länder ratifiziert werden.
Die im Zehnerklub sowie im IWF-Interimsausschuß beschlossenen Abkommen
sehen unter anderem vor:
-- Die Schaffung eines Solidaritätsfonds der Industriestaaten, auf den solche Industrieländer zurückgreifen können, die sich nach Ausschöpfung aller eigenen Finanzierungsquellen noch immer hohen Zahlungsbilanzdefiziten gegenübersehen,
sofern diese durch die derzeitige Ölpreissituation entstanden sind.
-- Die Verlängerung der Laufzeit der IWF-Ölfazilität (Sonderfonds für ölbedingte Zahlungsbilanzdefizite) um ein Jahr und ihre Aufstockung auf über

-1-

�über 6 Milliarden Dollar ( 5 Milliarden IWF-Sonderziehungsrechte).
—

Einrichtung eines neuen IWF-Sonderfonds zur Zinssubventionierung von

Krediten der Entwicklungsländer, die durch die weltwirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Zeit am härtesten betroffen wurden. Dieser Fonds soll mit
Finanzbeiträgen der übrigen IWF-Mitgliedsstaaten in Höhe von 65 Millionen Dollar ausgestattet werden.
-- Eine Erhöhung der IWF-Quoten um 32,5 Prozent, die 1976 in Kraft treten und dem Internationalen Währungsfonds neue Mittel zuführen soll.
-- Die Durchführung einer Studie über Statutenänderungen, so daß der
IWF künftig mehr Kredite in mehr Währungen zur Verfügung stellen kann. Damit
wäre es dann auch möglich, Ziehungen in Währungen der erdölexportierenden
Länder vorzunehmen.
Ferner wurden auf den Konferenzen Fortschritte in Richtung auf eine internationale Währungsreform erzielt. So sollen den Mitgliedsstaaten noch in
diesem Jahr verschiedene Änderungsvorschläge zu den IWF-Statuten vorgelegt
werden.
Der Vorsitzende des IWF-Interimsausschusses, der kanadische Finanzminister John M. Turner,

bezeichnete die neuen Abkommen vor der Presse als

einen Beweis für die Zusammenarbeit zwischen den Ländern der Welt und betonte, daß nunmehr die einzelnen Länder nicht mehr in Versuchung geraten würden,
Zu einseitigen Maßnahmen wie Handels-oder Devisenbeschränkungen zu greifen.
Der Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium, Jack Bennett,
äußerte sich äußerst zufrieden über das Ausmaß der erzielten Vereinbarungen.

Der

-2-

�Der Solidaritätsfonds wird allen Mitgliedsstaaten der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

OECD; offen stehen. Die Mit-

gliedsstaaten werden einen Gesamtbetrag von rund 25 Milliarden Dollar bereitstellen, die in den nächsten zwei Jahren auf Abruf für Finanzierungsaufgaben
verfügbar gemacht werden können, falls dies notwendig werden sollte. Die Quoten
der einzelnen Länder sollen in Kürze nach der. Bruttosozialprodukt und dem
Außenhandel fixiert werden. Eine Anleihe aus diesem Fonds kann mit zwei Drittel Mehrheit gewährt werden, soweit sie die Einlagequote des Anleihenehmers
nicht übersteigt. Das gleiche gilt, falls ein Land aus Zahlungsbilanzgründen
um eine temporäre Befreiung von der Einlagepflicht ersucht. Bei Anleihen bis
zu 200 Prozent der Quote ist eine erheblich größere Stimmenmehrheit erforderlich und bei noch höheren Beträgen muß die Anleihe einstimmig gebilligt werden.
Die auf über 6 Milliarden Dollar aufgestockte Ölfazilität des IWF soll
aus Krediten der großen Erdölexportstaaten sowie solcher Mitglieder gespeist
werden, die starke Reserve-und Zahlungsbilanzpositionen aufweisen. Gespräche
zwischen dem IWF und den betreffenden Ländern sollen in Kürze aufgenommen werden. Unabhängig hiervon soll ein IWF-Sonderfonds zur Zinssubventionierung von
Krediten der Entwicklungsländer eingerichtet werden. Die Mittel in Höhe von
65 Millionen Dollar sollen durch Beiträge der reichen Länder aufgebracht werden. Bei einer Zinsverbilligung um 5 Prozent könnte so eine Kreditaufnahme
der ärmsten Entwicklungsländer in Höhe von bis zu 1,3 Milliarden subventioniert werden.
Beide

�Beide, Finanzminister Turner wie auch Staatssekretär Bennett, unterstrichen vor der Presse, daß die Finanzierung des hohen "Öldefizits" der Länder ohne eigene Ölvorkommen keineswegs auf die 6 Milliarden Dollar der IWFÖlfazilität und die 25 Milliarden Dollar des Solidaritätsfonds beschränkt
sei. Der Solidaritätsfonds stelle praktisch nur ein letztes "Sicherheitsnetz"
dar, wenn alle anderen Finanzierungsmöglichkeiten der betreffenden Länder voll
ausgeschöpft worden seien, zum Beispiel die Möglichkeiten des internationalen
Geschäftsbankensystems, zwischenstaatliche Abmachungen, Vereinbarungen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft, Geldanlagen oder andere Maßnahmen der
erdölexportierenden Länder oder Unterstützung durch internationale Hilfsorganisationen wie die Weltbank und deren Tochtergesellschaften.
Die Änderungsvorschläge zu den IWF-Statuten sollen von den Experten bis
zur Junisitzung des Interimsausschusses entscheidungsreif ausgearbeitet werden. So sollen zum Beispiel der Interimsausschuß zu einem ständigen Gremium
mit Entscheidungsbefugnissen ausgebaut und die Vorschrift aufgehoben werden,
daß die IWF-Mitgliedsstaaten einen Teil ihrer Quoten beim Währungsfonds in
Gold hinterlegen müssen. Hinsichtlich des Goldpreises waren sich die Finanzminister einig darüber, daß der offizielle Goldpreis aufgehoben werden soll.
Staatssekretär Bennett bezeichnete es als möglich, daß die Vorschläge des Interimsausschusses dem amerikanischen Kongreß bereits nach der Junisitzung des
Ausschusses zugeleitet werden können. Das Abkommen über den Solidaritätsfonds
dagegen werde schon früher dem Kongreß vorgelegt werden und er rechne mit
seiner Verabschiedung in diesem Jahr.

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2/1975
JOHN J. SPARKMAN
Der neue Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des US-Senats

WASHINGTON --(AD)-- Der Name John J. Sparkman mag vielleicht noch nicht den
Klang haben wie J. William Fulbright, und der demokratische Senator aus Alabama mag vielleicht nicht so in den Ruf eines "spiritus rector" der amerikanii

sehen Außenpolitik kommen wie sein demokratischer Vorgänger aus Arkansas.
Fest steht, daß auch Senator Sparkman als Vorsitzender des Außenpolitischen

*
Ausschusses des Senats wesentlich mit an den Weichen stellen wird.
Der Lebensweg des am 20. Dezember 1899 als Sohn armer Farmpächter auf
dem Lande in Alabama geborenen John J. Sparkman kann als Modellfall für die
Aufstiegschancen des Tüchtigen in den USA gelten. Mit den 75 Dollar aus einer
Baumwollernte schrieb er sich im Jahre 1917 an der Universität des Staates
Alabama ein, arbeitete hart, legte ein Examen nach dem anderen mit Auszeichnung
ab und ließ sich dann als erfolgreicher Anwalt nieder.
Nichts wäre törichter, als die Auffassung Sparkmans, die Außenpolitik sei
die Domäne des Präsidenten, als "hinterwäldlerisch" zu bezeichnen. Sparkman
kennt das politische Geschäft in Washington seit fast 40 Jahren aus eigener

-1-

�eigener Anschauung, und er beeilt sich, zu betonen, daß der Außenpolitische
Ausschuß an der "Gestaltung" der Außenpolitik beteiligt sein und klar zum
Ausdruck bringen müsse und werde, wenn er nicht einer Meinung mit dem Präsidenten sei. Man braucht jedoch kein Konservativer wie Sparkman zu sein, um
zu wissen, daß die Verfassung der Vereinigten Staaten den Senat zu einem Gremium des "Anratens und der Zustimmung" macht, dem Präsidenten aber die "vollziehende" Gewalt überträgt. Sparkman dürfte also - bei entsprechender Haltung des Präsidenten - wenig Neigung verspüren, in die Außenpolitik "hineinzuregieren".
In einem Rundfunkinterview kurz vor der Übernahme des Vorsitzes im Ausschuß legte Senator Sparkman seine Auffassung selbst dar: "Unsere Augabe (im
Ausschuß; ist es, uns mit Rat und Zustimmung -

oder auch NichtZustimmung -

zu den Fragen zu äußern, die an uns herangetragen werden. Das ist die Position,
die uns gegenüber dem Präsidenten zugeschrieben ist. Das heißt keineswegs,daß
wir alles tun müssen, was er von uns verlangt - und das werden wir auch nicht..
...
Aber wir müssen in einer Position bleiben, ihm das zu gewähren, was die
Verfassung verlangt: "Anraten und Zustimmung". Wir machen keine Außenpolitik;
nach der Verfassung ist der Präsident mit der Aufgabe der Gestaltung der Aussenpolitik beauftragt, und der Außenminister ist sein ausführendes Organ ...
Wir können zur Gestaltung der Außenpolitik beitragen, aber dies geschieht
durch den Verfassungsauftrag des "Anratens und der Zustimmung".
Die "New York Times" schrieb, Senator Sparkman habe weder im Kongreß
noch in der Administration Feinde. Er sei wegen seines brillanten Geistes
hoch angesehen, wenn auch als Liberaler

etwas zu "pro-Administration"

�.
1

»
"pro-Administration" eingestellt. Sicher ist, daß der Senator aus Alabama ebenso "ablehnen" wie "zustimmen" kann.
Die öffentliche Karriere Sparkmans begann im Jahre 1936, als Freunde in
Huntsville, Alabama, wo er als Anwalt praktizierte, ihn zu einer Kandidatur als
Kongreßabgeordneter überredeten..Daß diese Freunde wußten, was sie taten, ergibt sich aus der Tatsache, daß er fünfmal hintereinander wiedergewählt wurde.
Sparkman ist auch der einzige Amerikaner, der je in das Repräsentantenhaus und in den Senat zugleich gewählt wurde. Im Jahre 1936 stand er auf der
Liste für das Repräsentantenhaus, wurde gewählt, und dann mußte eine Nachwahl
für die noch nicht abgelaufene Legislaturperiode eines verstorbenen demokratischen Senators stattfinden. Auch hier erreichte Sparkman mühelos die Mehrheit
und gab dann seinen Sitz im Repräsentantenhaus ab. Seither ist er wiederum
fünfmal - zuletzt 1972 - in den Senat wiedergewählt worden.
Im Ausschußwesen ist Senator Sparkman ebenfalls ein alter Hase. Ob im
Militärausschuß des Repräsentantenhauses, als Vorsitzender des Gemeinsamen Ausschusses für Verteidigungsproduktion oder als Vorsitzender des Banken-und Währungsausschusses des Senats hat sein Wort stets Gewicht gehabt.
Sparkman ist sicherlich alles andere als ein Isolationist. Er tritt für
die Auslandshilfe und für die Vereinten Nationen ein, und er hält an den Verpflichtungen der USA in der Welt, vor allem am NATO-Bündnis, fest. Daß ihm die
Anliegen der Landwirte, vor allem der armen, in den USA und in aller Welt am
Herzen liegen, erklärt sich aus seiner Herkunft.
Sein

-3-

�*

Sein Interesse an und seine Erfahrung in der Außenpolitik stammen aus
seinem weitgefächertem Studium der Geschichte und der Politischen Wissenschaften neben Jura und nicht zuletzt aus seiner engen Freundschaft mit dem verstorbenen Präsidenten Harry S. Truman. Dieser entsandte ihn als Mitglied der
amerikanischen Delegation zu den Vereinten Nationen, und Sparkman reiste auch
dreimal nach der Sowjetunion und kennt praktisch alle wichtigen Länder der Erde aus eigener Anschauung.
Sein Wort wird in der künftigen Außenpolitik der Vereinigten Staaten
sicherlich Gewicht haben.

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2/1975

SATELLITEN WACHEN ÜBER DIE UMWELT
-ERTS-System wird ausgebaut-

--(AD)=.~ "Wenn ich eine Entwicklung der Raumfahrttechnik nennen sollte, mit
der der Welt am meisten gedient sei, dann wäre es das System ERTS und die
daraus entwickelten Satelliten, die in den nächsten Jahren folgen."
Dr. James C. Fletcher, der Leiter des US-Amtes für Luft-und Raumfahrt (NASA),
geht in seiner Begeisterung für die ERTS-Geräte zur Erforschung von Bodenschätzen, Beobachtung von Vegetation oder Erfassung von Umweltschäden sicherlich nicht zu weit. Denn in 29 Monaten hat der im Juli 1972 gestartete
Satellit ERTS-1 mit mehr als 100 000 Aufnahmen

und vielen anderen Messungen

demonstriert, wie wichtig dieses Projekt für eine wissenschaftliche und
wirtschaftliche Bestandsaufnahme unserer Erde und für künftige Planungsaufgaben tatsächlich ist.
Inzwischen hat der Satellit, der noch immer fotografiert, mißt und sendet, Gesellschaft bekommen. ERTS-2, am 22. Januar 1975 von der Abschußbasis
in Kalifornien ebenfalls auf eine polare Umlaufbahn gebracht, wird mit gleichen Instrumenten die Untersuchungen ergänzen und fortführen, wenn ERTS-1,
der in bezug auf Qualität und Betriebsdauer alle Erwartungen übertraf, einmal
seine Sendungen einstellt.

Diese
-1-

�Diese Geräte machen es möglich, Boden, Wasser und Luft unter ganz bestimmten Gesichtspunkten zu sondieren und Entwicklungen aufzudecken, die das
menschliche Auge kaum wahrzunehmen vermag, oder die bei Untersuchungen, welche unmittelbar an der Erdoberfläche mit Instrumenten vorgenommen werden, nur
schwer erfaßt werden können. So lieferte ERTS-1 Meßdaten, die genaue
Schätzungen der Wachstumsgeschwindigkeit von Getreide wie Weizen, Gerste,
Mais und Reis sowie der zu erwartenden Erntemengen zuließen. Aufnahmen von
den von verheerender Dürre heimgesuchten Gebieten der Sahel-Zone in Afrika
zeigten eindrucksvoll, welche Schutzwirkung die Einzäunung von Weideflächen
besitzt und daß auf diese Weise Wüstenboden einer produktiven Nutzung zugeführt werden kann.
Für die Forstwirtschaft ließen sich genaue Schätzwerte für den Nutzholzbestand und die Holzmengen erarbeiten, die geschlagen werden können. Zur Vorbereitung von Karten waren nur noch Tage statt wie früher Monate und Jahre
erforderlich - Karten, die Stadtverwaltungen und Behörden von Bundesstaaten
der USA für Zwecke der Raumordnung und Bodennutzung verwendeten . Bisher nicht
bekannte geographische Merkmale wie Berge in unzugänglichen Regionen und Land
in der Antarktis wurden entdeckt. ERTS-Bilder von Gebieten, vor und nach
einer Überschwemmung, gaben wichtige Hinweise, welche Maßnahmen zum Schutz
gegen Hochwasser am wirksamsten sind.
Geologen können Verwerfungszonen und Risse im Oberflächenbereich der
Erdkruste identifizieren, die häufig mit Erdbeben und mit bestimmten Mineralvorkommen in Zusammenhang stehen. Die Belastung von Flüssen mit Sedimenten
und die Auswirkung der Beseitigung von Industrieabfällen und Abwasser in
Küstengewässern läßt sich mit Hilfe der ERTS-Daten vorhersagen und über-

�überwachen. Diese Daten spielen z.B. auch für Planungen zum Ausbaggern von
Häfen und für die Bekämpfung von Wasserverschmutzung eine wichtige Rolle.
Alle 18 Tage überfliegen die ERTS-Satelliten die gleichen Gebiete und
sondieren die gleichen Geländeausschnitte von 180 mal 180 km/Fläche. Fernsehkameras machen Aufnahmen in verschiedenen Spektralbereichen. Die separate
Auswertung dieser "Falschfarbenbilder", die übereinanderkopiert ein originalgetreues Farbbild ergeben, lassen Rückschlüsse auf veränderliche Prozesse
wie abnehmende und zunehmende Bodenfeuchtigkeit oder das Auftreten und die
Verbreitung von Pflanzenkrankheiten bereits in einem Stadium zu, in dem der
Befall normalerweise noch gar nicht erkannt wird.
Gleichzeitig mit den Kameras tasten Sensoren den überflogenen Raum ab
und registrieren elektromagnetische Strahlungen, die unter der Einwirkung von
Sonnenergie alle tote und lebende Materie abgibt. Da die verschiedenen Materialien Sonnenenergie unterschiedlich und jeweils auf eine für sie typische
Weise reflektieren, wird es mit Hilfe solcher Sensoren möglich, auch unbekanntes Material zu identifizieren. Eine an Hand der Erfahrungswerte ständig verfeinerte Auswertung der Daten führte z.B. dazu, große Fischschwärme und ihre
Wanderwege im Meer, die Konzentration von Nährstoffen im Oberflächenwasser,
die Wassertrübung in Küstengewässern, die Verdünnung von Industrieabgasen in
der Luft oder sogar die Quelle besonders schädlicher Luftverschmutzung ausfindig zu machen.
Die ERTS-Satelliten sind außerdem Vorreiter für die Schaffung eines weltweiten Netzes von automatischen Meßstationen für Umweltdaten. Sie sammeln die
über Funk abgestrahlten Meßwerte über Temperaturen am Boden, Luftfeuchtigkeit,

�Luftfeuchtigkeit, Windstärke und Windrichtung von bis zu 1 ooo Plattformen
in den USA - alles Daten, die die Meßwerte der Bordinstrumente ergänzen. Diese
werden von drei amerikanischen Empfangsstationen aufgefangen und an das
Goddard Space Flight Center in Greenbelt (Maryland)

zur Auswertung weiterge-

geben. Kopien aller Meßdaten und Fotos gehen anschließend an die Zentrale für
die "Earth Resources Observation Systems" (EROS) in Sioux Falls (Süddakota),
die sie gegen geringe Gebühr jedem Interessenten im In-und Ausland zur Verfügung stellt.
Mehr als 40 Länder sind mit eigenen Forschungsprojekten am ERTS-Programm
beteiligt. Kanada und Brasilien haben bereits eigens Bodenstationen eingerichtet, wo sie die über ihren Ländern aufgenommenen Daten direkt von den Satelliten empfangen können.
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Außenministerium veröffentlicht Bericht über Lage in Vietnam&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kommuniqué der Zehnergruppe vom 16. Januar 1975&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kommuniqué des IWF-Interimsausschusses vom 16. Januar 1975&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreicher Abschluss der Washingtoner Währungsgespräche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John J. Sparkman&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Der neue Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des US-Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Satelliten wachen über die Umwelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- ERTS-System wird ausgebaut -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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12. Februar 1975

Inhalt

WIRTSCHAFT
Präsident Ford legt neuen amerikanischen Haushalt vor
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft Der Wirtschaftsbericht des amerikanischen Präsidenten
- Wortlaut -

INFORMATION
Das Wirtschaftsprogramm der amerikanischen Regierung
Ausführliche Unterrichtung ausländischer Korrespondenten

DOKUMENTATION
Die Rolle d e r US-Armee i n d e r NATO
Von Howard Callaway

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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3/1975

PRÄSIDENT FORD LEGT NEUEN AMERIKANISCHEN HAUSHALT VOR
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -

Präsident Ford hat dem amerikanischen Kongreß am 3. Februar 1975
seinen neuen Haushalt für das Finanzjahr 1976 (vom 1. Juli 1975
bis 30. Juni 1976) vorgelegt. Der Voranschlag weist bei Ausgaben
von 349,4 Milliarden Dollar und Einnahmen von 297,5 Milliarden
Dollar ein voraussichtliches Defizit von 51,9 Milliarden Dollar
aus.
Von den Gesamtausgaben sind 134,3 Milliarden Dollar für Soziales,
94 Milliarden Dollar für die nationale Verteidigung, 28 Milliarden
Dollar für Gesundheitsprogramme, 34,4 Milliarden Dollar für den
Schuldendienst und rund 59 Milliarden Dollar für sonstige Programme
vorgesehen. Die Aufwendungen für die Verteidigung sind von 8,9 Prozent des Bruttosozialproduktes im Finanzjahr 1969 auf 5,9 Prozent
im Finanzjahr 19 76 zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum erhöhten
sich die Aufwendungen für alle sonstigen Programme von 11,6 Prozent auf 16 Prozent des Bruttosozialproduktes. Die Gesamtausgaben
des neuen US-Haushaltes liegen um 11 Prozent höher als die des
laufenden Finanzjahres.
In den folgenden Auszügen aus der Haushaltbotschaft des Präsidenten
bedeuten Jahreszahlen jeweils Haushaltjahr, wobei z.B. 19 76 die
Zeit vom 1. Juli 1975 bis 30. Juni 1976 bezeichnet.

Die in diesem Haushalt unterbreiteten Empfehlungen bilden einen integralen
Bestandteil des umfassenderen Paketes von Vorschlägen, die ich in meiner Botschaft über die Lage der Nation umrissen habe.

Diese Vorschläge sehen unter

anderem vor:
• Finanzpolitische

- 1 -

�- Finanzpolitische Maßnahmen zur Steigerung der Kaufkraft und Stimulierung der wirtschaftlichen Wiederbelebung, darunter Steuersenkungen und
eine wesentlich erhöhte Unterstützung für die Arbeitslosen;

ein großes neues Energieprogramm, das den Energieverbrauch niedrig
halten, die Entwicklung einheimischer Energiequellen beschleunigen und die
Energieforschung und -entwicklung fördern soll;

ein einjähriges Moratorium für neue Ausgabenprogramme der Bundesregierung, die Energieprogramme ausgenommen; und

- eine temporäre Höchstgrenze von 5 Prozent bei Gehaltserhöhungen für
Bundesbedienstete sowie für solche Zuwendungen an Einzelpersonen, die an die
Entwicklung der Verbraucherpreise gekoppelt sind.

Diese Politik erfordert entschlossenes Handeln, um das Wirtschaftswachstum und die Selbstversorgung auf dem Energiesektor wiederherzustellen.

Meine Vorschläge sehen eine einmalige Steuersenkung von 16 Milliarden
Dollar vor - 12 Milliarden Dollar für die einzelnen Steuerzahler und 4 Milliarden Dollar für Unternehmen -, um die wirtschaftliche Wiedererholung anzuregen.

Die gesamten Bundesausgaben werden 1976 gegenüber 1975 um schätzungsweise 11 Prozent steigen.

Es ist unerläßlich, daß wir die Ausgaben unter

strenger Kontrolle halten, damit verhindert wird, daß sie noch weiter ansteigen und eine Steuersenkung unklug erscheinen lassen.

Ich bin der Auffassung,

daß eine steuerliche Entlastung - und nicht höhere Regierungsausgaben - der
Schlüssel ist für eine Wende der wirtschaftlichen Entwicklung in Richtung auf
erneutes Wachstum ...

Mein Energieprogramm fordert höhere Abgaben auf Importöl und eine Verbrauchssteuer auf im Inland gewonnenes Erdöl und Erdgas. Diese Vorschläge
sehen ferner eine Herausnahme der ölpreise aus den Kontrollen bei gleich-

�gleichzeitiger Besteuerung von Spekulationsgewinnen und Aufhebung der Preisbestimmungen für neu gewonnenes Erdgas vor.

Diese Maßnahmen werden vor einem

zu hohen Energieverbrauch abschrecken und unsere Abhängigkeit vom Importöl
verringern.

Die 30 Milliarden Dollar an Einnahmen, die diese Maßnahmen er-

bringen werden, sollen an die amerikanische Bevölkerung weitergegeben werden ... Alle diese ausgleichenden Maßnahmen werden zusätzlich zu der von mir
vorgeschlagenen steuerlichen Entlastung in Höhe von 16 Milliarden Dollar erfolgen.
Meine Haushaltsempfehlungen für 1976 sehen Ausgaben von insgesamt 349,4
Milliarden Dollar vor - eine Zunahme gegenüber 1975 um 35,9 Milliarden Dollar und gehen von Einnahmen in Höhe von 297,5 Milliarden Dollar aus - eine Zunahme
gegenüber 1975 um 18,8 Milliarden Dollar.
Das Kontrollgesetz des Kongresses für Haushalt und Einnahmen von 1974
(Congressional Budget and Impoundment Control Act of 1974) bringt für das
Haushaitsrecht wichtige Reformen.

Im Rahmen dieser Reformen wird - beginnend

1977 - das Haushaltjähr für den Bundeshaushalt von der gegenwärtigen Basis
Juli bis Juni auf die Basis Oktober bis September umgestellt.

Dies bedingt

- zwischen dem Ende des HaushaltJahres 1975/76 und dem Beginn des Haushaltjahres 1976/77 - ein gesondertes Übergangsvierteljahr, das von 1. Juli bis
30. September 1976 dauert.

Die Vorschläge für dieses Übergangsvierteljahr

sind in diesem Haushalt enthalten.

Im allgemeinen gehen sie davon aus, daß

die Programme des Haushaltjahres 1975/76 in ihrem Umfang in diesen zusätzlichen
drei Monaten unverändert fortgeführt werden.

Der Haushalt und die Wirtschaft

Wenn der Kongreß, was die von mir in meiner Botschaft über die Lage der
Nation verkündete neue Politik anbetrifft, entschlossen handelt und wenn wir
in einem vernünftigen Maß Geduld und Zurückhaltung üben, dann können wir bei
der Lösung der vielen wirtschaftlichen Probleme, denen sich unser Land gegenwärtig gegenübersieht, weit vorankommen.
Es

�Es muß klar verstanden werden, daß diese Probleme ernster Natur und daß
starke Kuren voll gerechtfertigt sind.
wärtig in einer Rezession.

Die Wirtschaft befindet sich gegen-

Die Arbeitslosigkeit ist viel zu hoch und die

Produktivität ist zurückgegangen.

Gleichzeitig trägt die Inflation - seit

fast einem Jahrzehnt ein ernstes und ständig wachsendes Problem - weiter zur
Zerrüttung unserer Wirtschaft auf wichtigen Gebieten bei. Die diesen Problemen
zu Grunde liegende Tatsache ist, daß wir bei unserer Energieerzeugung weit von
einer Selbstversorgung entfernt sind und daß die Wiedergewinnung der Kapazität
zu einer solchen Autarkie, selbst mit den von mir vorgeschlagenen Maßnahmen,
Jahre dauern wird. Die Versorgung mit importierten Brennstoffen ist einmal
unterbrochen worden und bleibt verwundbar und die Ölpreise sind um das Vierfache erhöht worden.

Bei der steigenden Arbeitslosigkeit und den anhaltenden Preiserhöhungen,
unter denen wir jetzt zu leiden haben, handelt es sich um Probleme, die wir
mit der übrigen Welt teilen.

Die Ursachen dieser Probleme sind komplex.

Der

starke Preisanstieg bei Importöl zum Beispiel hat direkt zu Preiserhöhungen
geführt, aber gleichzeitig auch - durch Senkung des Realeinkommens der amerikanischen Verbraucher und Transferierung dieses Einkommens in die erdölexportierenden Länder - wie eine Steuererhöhung gewirkt.

Niedrigere Realeinkommen

haben zusammen mit dem Widerstand der Verbraucher gegen die steigenden Preise
zu einem Rückgang der Güternachfrage auf dem amerikanischen Markt geführt.
Solche Faktoren, die zu dem unvermeidlichen Rückgang der Wirtschaftstätigkeit
nach der Hochkonjunktur der Jahre 1972/73 noch hinzukamen, bilden die Ursache
der Rezession, in der wir uns gegenwärtig befinden.

Der Rückgang der Verbrauchernachfrage und der Investitionen wiederum beginnt einen dämpfenden Einfluß auf Preis- und Lohnerhöhungen auszuüben.
zeichnet sich ein Nachlassen des inflationären Druck
dürfte andauern.

Somit

bereits ab und dies

Die einmalige Erhöhung der Brennstoffkosten, die zur Ein-

dämmung des zu hohen Energieverbrauchs notwendig ist, wird keine Umkehr dieses
grundlegenden Trends bewirken.

Förderung

�Förderung der wirtschaftlichen Wiedererhoiung: ... Die für 1975 und 1976
veranschlagtet Haushaltsdefizite sind, abgesehen von den Auswirkungen der vorgeschlagenen Steuersenkung, weitgehend die Felge von Aspekten des Haushalts
und des Steuersystems, die automatisch auf Veränderungen
reagieren.

in der Wirtschaft

Bei einem Rückgang der Wirtschaftstätigkeit gehen die Steuerein-

nahmen des Bundes stärker zurück als die Einkommen und Gewinne, und die Zahlungen von Arbeitslosenunterstützung steigen rasch an.

Diese Faktoren führen

zu einer Dämpfung des Wirtschaftsrückganges und tragen zur Erhaltung von Personaleinkommen und Gesellschaftsgewinnen bei.

Diese stabilisierenden Einflüsse sind beträchtlich.

Wenn die Wirtschaft

19 76 eine so gute Beschäftigungslage wie 1974 aufzuweisen hätte, dann würden
wir 40 Milliarden Dollar mehr an Steuern einnehmen, vorausgesetzt, daß sich
die Steuersätze nicht geändert hätten.

Die Unterstützungszahlungen an die Ar-

beitslosen werden - einschließlich der von mir vorgeschlagenen und vom Kongreß
im Dezember letzten Jahres verabschiedeten Maßnahmen - 1976 um i2,7 Milliarden
Dollar höher liegen als 1974 und 14,7 Millionen Empfängern und deren Familien
(ine Einkommensunterstützung geben.

1975 waren die Steuereinnahmen um 30 Mil-

liarden Dollar und die Arbeitslosenunterstützung um 9 Milliarden Dollar höher
als 1974 gewesen.

Diese Faktoren alleine machen schon einen höheren Betrag

aus als die für 1975 und 1976 zu erwartenden Haushaltsdefizite,

Die Regierung muß entschlossen handein, um zur Wiederherstellung einer
gesunden Wirtschaft beizutragen, und sie muß aus Mitgefühl handeln, um den am
härtesten von der Arbeitslosigkeit betroffenen zu helfen . .

Haushaltstrends und P loritäten

Der Bundeshaushalt spiegelt unsere nationalen Prioritäten wieder und trägt
gleichzeitig dazu bei, daß unser Land ihrer Verwirklichung näher kommt.

Die

letzten Jahre haben einen beachtlichen Wandel in der Zusammensetzung des Bundes
haushalts gebracht:

Der auf die Verteidigung entfallende Teil des Haushalts

ist seit 1964 beträchtlich zurückgegangen, während gleichzeitig der nicht auf
- 5 -

�'

auf die Verteidigung entfallende Teil entsprechend zugenommen hat. Diese
Veränderung hat sich seit 1969 besonders rasch vollzogen, was zum Teil auf
die Beendigung des amerikanischen Kampfengagements in Vietnam zurückzuführen
ist.

Die Verteidigungsausgaben in Dollar blieben von 1969 bis 19 74 praktisch
gleich, wobei beträchtliche Kostensteigerungen aufgefangen wurden - darunter
auch die erforderlichen Gehaltserhöhungen, um den in unseren Streitkräften
dienenden Männern und Frauen eine gerechte Besoldung zu bieten und den Übergang zu einem Freiwilligenheer

vollziehen zu können.

Die Verteidigungsaus-

gaben sind - real gesehen - erheblichen Kürzungen unterzogen worder - Kürzungen von rund 40 Prozent bei Personal und Material.

Die Folge war, daß die

Verteidigungsausgaben einen immer geringeren Teil unseres Bruttosozialproduktes
ausmachten - sie gingen von 8,9 Prozent 1969 auf 5,9 Prozent des Bruttosozialprodukts 1976 zurück.

Gleichzeitig haben die Ausgaben der Bundesregierung

für nicht mit der Verteidigung zusammenhängende Programme sowohl in laufenden „
wie in konstanten Dollar beträchtlich zugenommen, und zwar von 11,6 Prozent
des Bruttosozialproduktes 1969 auf schätzungsweise 16 Prozent in diesem
halt.

Haus-

Im Verlaufe dieses Prozesses hat sich auch die Form der Ausgaben der

Bundesregierung entscheidend geändert - statt Unterstützung direkter Bundesprogramme mehr direkte Zuwendungen an Einzelpersonen sowie nicht-rückzahlbare
Zuwendungen an die Einzelstaaten und die Kommunalbehörden...

Es ist nicht mehr realistisch, die steigenden Kosten von Verteidigungsprogrammen durch eine weitere Kürzung militärischer Progjamme und militärischer
Stärke auszugleichen.

Daher schlägt dieser Haushalt eine Erhöhung der Vertei-

digungsausgaben in laufenden Dollar vor, sodaß diese Verteidigungsbereitschaft
sowie die zahlenmäßige Stärke an Reservisten trotz der steigenden Kosten aufrechterhalten werden kann.
an

Diese Vorschläge stellen ein vernünftiges Minimum

Verteidigungsausgaben dar, um die Streitkräfte zu unterhalten, die zusammen

mit denen unserer Verbündeten zur Erhaltung des militärischen Gleichgewichts
ausreichen werden.

Die Erhaltung dieses Gleichgewichts ist für unsere nationale

Sicherheit und die Wahrung des Friedens unbedingt erforderlich.
1969

�1969 lagen die Verteidigungsausgaben um fast 20 Prozent über den Gesamtausgaben für die Unterstützung von Einzelpersonen im Rahmen von Sozialprogrammen und für die Hilfe an Einzelstaaten und Kommunen.

Trotz der Erhöhung

der Verteidigungsausgaben in laufenden Dollar sieht dieser Haushalt - nur
sieben Jahre später - doppelt so viel Geld für Zuwendungen an Einzelpersonen
sowie an Einzelstaaten und Kommunen vor als für die Verteidigung...

Energie

Der von den ölexportierenden Ländern diktierte Anstieg der Ölpreise auf
das Vierfache war ein Hauptgrund für das starke Anwachsen der Inflation in den
letzten eineinhalb Jahren.

Er gefährdet den gesunden Welthandel und führt zu

beträchtlichen finanziellen und wirtschaftlichen Störungen überall in der Welt.
Unter anderem beeinträchtigt der hieraus resultierende starke Preisanstieg
für Düngemittel die Bemühungen um eine Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung der Welt und erschwert dadurch das weltweite Ernährungsproblem.

Btennstoffeinsparung:

Ich bin weiterhin der Ansicht, daß Brennstoffein-

sparung und Senkung der Welterdölpreise im langfristigen Interesse sowohl
der Verbraucher- wie auch der Erzeugerländer liegen.

Daher habe ich eine Reihe

von einschneidenden Maßnahmen zur Brennstoffeinsparung vorgeschlagen, darunter
Steuern auf Erdöl und Erdgas, deren Wirkung durch Einkommenssteuersenkung,
Zuwendungen an Personen mit niedrigem Einkommen und verstärkte Unterstützung
der Einzelstaaten und Kommunen ausgeglichen wird.

Insgesamt wird dieses Pro-

gramm die Kaufkraft von Verbrauchern und Unternehmen erhalten, gleichzeitig
aber nachhaltig den Verbrauch von Erdöl bremsen.

Änderungen des Gesetzes über

die Reinerhaltung der Luft und andere von mir vorgeschlagenen Maßnahmen werden
zu einer wesentlichen Senkung des Benzinverbrauches der Kraftfahrzeuge beitragen und eine vermehrte Verwendung einheimischer Kohle für die Kraftstromerzeugung ermöglichen, so daß damit unser Bedarf an Importöl weiter gesenkt
wird.
Gleichzeitig

- 7-

�Gleichzeitig unternimmt meine Regierung diplomatische Anstrengungen, um
die Finanz- und Versorgungsprobleme der Industriestaaten zu erleichtern.

Die Entwicklung von einheimischen Energiequellen:

Maßnahmen zur Brenn-

stoffeinsparung und vermehrte diplomatische Anstrengungen sind nur ein Teil
der Lösung des Energieproblems.

Nachhaltige Anstrengungen zur beschleunigten

Erschließung unserer riesigen einheimischen Energiequellen - vor allem Öl,
Erdgas, Kohle und Kernenergie - sind ebenfalls notwendig.

Im Rahmen dieser Be-

mühungen hat meine Regierung einen umfassenden Plan zur Vergabe von Schürfrechten für die auf unserem äußeren Festlandsockel vor den Küsten liegenden
öl- und Erdgasvorkommen ausgearbeitet.

Im Augenblick werden Studien durchge-

führt, um sicherzustellen, daß Erschließung und Förderung sicher und in einer,
was die Umwelt anbetrifft, akzeptablen Form durchgeführt werden. Wir streben
ferner eine verantwortungsbewußte Verwendung der großen Erdölreserven unserer
Marine in Kalifornien und Alaska an und ergreifen Maßnahmen zur verstärkten
Nutzung unserer riesigen einheimischen Kohlevorkommen.
unter

Diese Maßnahmen, dar-

auch durchführbare und präzise Gesetze zur Regulierung des Tagebaus

sollen einen vernünftigen Ausgleich zwischen Energiebedarf und Umwelterwägungen schaffen.

Ich werde ein Gesetz zur Unterstützung bestimmter Versor-

gungsunternehmen vorschlagen, die sich ernsten finanziellen Schwierigkeiten
gegenübersehen, durch das diese Versorgungsunternehmen ermutigt werden sollen,
andere Brennstoffe als Öl und Erdgas zu verwenden.

Eine verstärkte einhei-

mische Versorgung, - dazu gehört auch die Schaffung eines strategischen Bevorratungssystems von Erdöl, - werden zusammen mit der Brennstoffeinsparung
dazu beitragen, unsere Abhängigkeit von Erdölimporten und unsere Anfälligkeit
gegenüber einer Unterbrechung der Auslandsversorgung zu verringern.

Darüber hinaus hat die Bundesregierung ihr Forschungs- und Entwicklungsprogramm weiter ausgebaut, um die für eine vermehrte Nutzung unserer einheimischen Energiequellen erforderlichen neuen und verbesserten Technologien zu
schaffen.

Die Ausgaben für Energieforschung und -entwicklung werden sich 1976

auf 1,7 Milliarden Dollar stellen und damit um 36 Prozent über denen von 1974
liegen.

Meine Haushaltsempfehlungen sehen eine Fortsetzung unseres großen

nuklearen Forschungs- und Entwicklungsprogramms und die weitere Bes chleunigung
- 8-

�Beschleunigung der nicht-nuklearen Energieforschung und -entwicklung vor
- vor allem bei Kohle und Sonnenenergie.

Um hierfür einen besseren organi-

satorischen Rahmen zu schaffen, habe ich im Oktober vorigen Jahres ein Gesetz
über die Schaffung eines Amtes für Energieforschung und -entwicklung unterzeichnet, das die verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsprogramme für
fossile Brennstoffe, Kernenergie sowie sonstige Energietechnologien, wie
z.B. geothermale und Sonnenenergie, in einer einzigen Regierungsbehörde zusammenfaßt.

Es ist ferner eine unabhängige Nuklearüberwachungskommission ge-

schaffen worden, um die Kontrollverfahren

im Zusammenhang mit der Lizenzierung

von Kernkraftwerken, der Sicherheit und den Schutzbestimmungen bei nuklearen
Materialien zu verbessern und diese Aufgaben von den Programmen zur Entwicklung von Kernenergie abzutrennen.

Landwirtschaft:

Neben den Brennstoffkosten bildeten die Kosten der Nah-

rungsmittel das andere Hauptproblem bei dem raschen Anstieg der Inflation während der letzten beiden Jahre.

Ein weltweiter Rückgang der Agrarerzeugung,

z.T. auf Grund schlechter Wetterbedingungen, hat zu Verknappungen geführt,
die in einigen Gebieten kritische Ausmaße annahmen und ein starkes Ansteigen
der Lebensmittelpreise auf der Welt bewirkten.

Auf Grund dieser Verknappungen

haben wir die von der Regierung verfügten Anbaubeschränkungen, die ursprünglich
Überschüsse verhindern sollten, aufgehoben und so die amerikanische Erzeugung
angekurbelt.

Unsere Steigerung der Agrarerzeugung wird zur Eindämmung der In-

flation beitragen und mithelfen, ernste Lebensmittelverknappungen in anderen
Ländern zu mildern.

In dem Maße, wie wir über unseren einheimischen Bedarf

hinaus produzieren können, werden wir auch unsere Agrarexporte steigern und
so unsere größeren Vorräte mit den hungernden Völkern in anderen Ländern
teilen können.

Nationale Sicherheit und Auswärtige Beziehungen

Das letzte Ziel der amerikanischen Außenpolitik ist es, Freiheit, Sicherheit und Wohlstand der Vereinigten Staaten als Teil einer friedlichen und
prosperierenden internationalen Völkergemeinschaft zu gewährleisten.

- 9 -

Unsere

�Unsere Diplomatie, hinter der eine starke nationale Verteidigung steht, bemüht
sich um eine Stärkung dieser internationalen Völkergemeinschaft durch die
friedliche Beilegung internationaler Streitigkeiten, durch eine Kontrolle der
Rüstungen sowie durch Stärkung der Zusammenarbeit und wechselseitige

Zurück-

haltung. Wir wollen eine gesunde Weltwirtschaft erreichen - durch expandierenden Handel, durch gemeinsame Lösungen für die Energieprobleme und durch
eine Steigerung der Agrarerzeugung der Welt, um den Bedarf der Menschheit an
Nahrungsmitteln decken zu können.

In der heutigen interdependenten Welt dient

jedes dieser Ziele unserem eigenen nationalen Interesse genau so wie es anderen
dient-..

Nationale Sicherheit:

Die von mir mit dem sowjetischen Generalsekretär

Breschnew in Wladiwostok erzielte Übereinstimmung bedeutet einen wichtigen
Schritt auf dem langen und steilen Weg zur Kontrolle und schließlich zur Reduzierung der nuklearen Rüstungen.

Zum ersten Mal

haben wir eine Überein-

stimmung über spezifische und gleiche Begrenzungen für strategische Nuklearwaffen erreicht.

Sobald wir ein Abkommen auf der Basis dieser Übereinstimmung

abgeschlossen haben, werden wir bereit sein, den nächsten Schritt zu tun weitere Reduzierungen zu erreichen, wie wirdies bereits im Falle der Abschußbasen für antiballistische Raketen (ABM) getan haben.

Der von uns auf dem Wege zu einer friedlichen Reduzierung der strategischen
Waffen erzielte Fortschritt war nur möglich, weil wir stark geblieben sind.
Wenn wir weitere Fortschritte machen wollen, dann müssen wir handeln und unsere
strategische Stärke erhalten.

Meine Verteidigungsvorschläge enthalten die

notwendigen Verbesserungen für die Streitkräfte und sehen die Entwicklung strategischer Alternativen vor, die notwendig sind, um in den Grenzen der Vereinbarung von Wladiwostok eine glaubwürdige strategische Abschreckung aufrechtzuerhalten.

Mehr Aufmerksamkeit muß jetzt der Erhaltung eines ausreichenden Gleichgewichts bei den Mehrzweckstreitkräften geschenkt werden.

Auf diesem Gebiet

teilen wir die Verteidigungslasten mit unseren Verbündeten.
Staaten haben Verhandlungen zwischen den NATO-Mitgliedstaaten
- 10 -

Die Vereinigten
und dem Warschauer

�Warschauer Pakt über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR)
aufgenommen. Wenn diese Verhandlungen erfolgreich sind, könnten einige der
in Europa stationierten amerikanischen Truppen ohne Beeinträchtigung der Sicherheit

abgezogen werden.

Im Augenblick jedoch müssen die Vereinigten

Staaten und ihre Verbündeten die gegenwärtigen Truppenstärken aufrechterhalten,
und mit der Stärkung des konventionellen Kampfpotentials fortfahren.

In dem Bemühen, mit der vorhandenen Mannschaftsstärke eine Steigerung der
Schlagkraft und ein größeres Kampfpotential zu erreichen, hat die Armee damit
begonnen, bis zum Juli 1976

16 aktive Kampfdivisionen mit etwa der gleichen

Mannschaftsstärke, wie sie im Juni 1974 für 13 Divisionen bewilligt war, bereitzustellen.

Diese Kampftruppe von 16 Divisionen wird zusätzliche Ausrüstung

benötigen, die in meinen Haushaltsempfehlungen vorgesehen ist.
Da der Wohlstand und der Fortbestand der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten von dem Fluß des Handels und der Versorgungsgüter über die Ozeane
abhängig ist, sind starke Seestreitkräfte notwendig.

In den letzten Jahren

ist die Zahl der Schiffe der Kriegsmarine zurückgegangen, vor allem, weil
zahlreiche alte, während des zweiten Weltkrieges gebaute Schiffe, aus dem
Dienst gezogen worden sind.

Die mit dieser Maßnahme erzielten Einsparungen

wurden zur Stärkung des Kampfpotentials der übrigen Streitkräfte benutzt.
Dieser Haushalt sieht ein umfangreiches Programm für den Bau neuer Schiffe und
für Modernisierungsmaßnahmen vor, das zur Erhaltung des künftigen Gleichgewichts der Seestreitkräfte notwendig ist.

Auswärtige Beziehungen:

Neben der Erhaltung eines starken Verteidigungs-

potentials bemühen sich die Vereinigten Staaten, durch ihre Diplomatie friedliche Beziehungen zwischen den Völkern zu entwickeln und zu erhalten. Die
Auslandshilfe ist sowohl ein Ausdruck unserer humanitären Sorge als auch ein
flexibles Instrument der Diplomatie.

Unsere Hilfe für Indochina ist ein wich-

tiger Beitrag für die Sicherheit und den Wiederaufbau der Länder in diesem
Raum.

Weitere Militärhilfe ist jetzt notwendig, um die südvietnamesische und

die kambodschanische Regierung in die Lage zu versetzen, sich gegen den wachsenden militärischen Druck verteidigen zu können.

Unsere Hilfe für den Nahen

�*

Nahen Osten ist ein integraler Bestandteil unserer diplomatischen Bemühungen,
den Fortschritt in Richtung auf eine friedliche Lösung der Probleme dieses
Raumes fortzusetzen.

Ein wachsender Teil unseres wirtschaftlichen Hilfspro-

gramms ist dazu bestimmt, den Entwicklungsländern bei der Steigerung der Produktivität ihrer Landwirtschaft zu helfen.

Höhere ölpreise, weitverbreitete Nahrungsmittelknappheit, Inflation und
sich ausbreitende Rezession haben das Gefüge der internationalen Zusammenarbeit
einer schweren Belastungsprobe unterworfen.

Die Vereinigten Staaten haben

mehrere große diplomatische Initiativen mit dem Ziel ergriffen, zur Wiederherstellung der Stabilität der Weltwirtschaft beizutragen.

Unsere diploma-

tischen Bemühungen trugen mit zum Aufbau der Internationalen Energiebehörde
und ihres Programmes bei, das eine Aufteilung der ölvorräte in Krisenfällen,
Bemühungen um eine Einsparung sowie die Entwicklung alternativer Energiequellen
vorsieht.

Erst vor kurzem haben die Vereinigten Staaten einen besonderen,

mit 25 Milliarden Dollar dotierten Finanzierungsfonds vorgeschlagen, der den
Industriestaaten bei der Überwindung von Zahlungsbilanzschwierigkeiten helfen
soll.

Diese neue Fazilität wird die erweiterte Tätigkeit des Internationalen

Währungsfonds ergänzen. Auf der Welternährungskonferenz in Rom haben die Vereinigten Staaten eine Reihe Maßnahmen zur Lösung des Ernährungsproblems der
Welt vorgeschlagen, darunter auch die Schaffung eines internationalen Systems
von Getreidereserven.
•

Darüber hinaus wird das vom Kongreß im Dezember vorigen Jahres verabschiedete Handelsgesetz eine Stärkung der internationalen Handelsbeziehungen
ermöglichen, indem es die Vereinigten Staaten in d^e Lage versetzt, mit anderen
Ländern auf einen Abbau der Zölle und der nicht-tarifären Handelsschranken
sowie auf eine Verbesserung des Zuganges zu den Rohstoffen hinzuarbeiten.

Die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit auf den Gebieten des
Handels und des Finanzwesens ist notwendig, wenn wir und die übrigen Länder
erfolgreich die gegenwärtigen wirtschaftlichen Belastungen überwinden wollen.
Sie ist eine Voraussetzung für einen erneuten wirtschaftlichen Fortschritt im
Inland wie im Ausland ...
Zus ammen fass ung

�Zusammenfassung

Gerade jetzt, da wir uns dem zweihundertjährigen Bestehen als Nation
nähern, liegen schwere Aufgaben vor uns.

Die Empfehlungen dieses Haushalts

sprechen die Probleme des Landes in einer direkten, konstruktiven und verantwortungsbewußten Form an. Sie sollen das Land in Richtung auf eine gesunde
und stabile Wirtschaft voranbringen.
recht werden.

Sie sollen dem Bedarf der Menschen ge-

Sie sollen eine starke Verteidigung schaffen, die für unsere

nationale Sicherheit und unsere ständigen Bemühungen um eine Erhaltung des
Weltfriedens notwendig ist.
Wenn wir über die 200-Jahr-Feier hinaus auf das Jahr 2000 blicken, werden
die praktischen Grenzen für das Anwachsen der Rolle der Bundesregierung in
unserer Gesellschaft immer deutlicher.

Die sehr starke Ausweitung der Hilfs-

programme in unserem Lande in den letzten Jahren war insgesamt zu begrüßen.
Ein großer Teil der Last für die Unterstützung der Alten und der Bedürftigen
ist vom Einzelnen und von Institutionen genommen und der Gesellschaft als
Ganzes aufgebürdet worden, und zwar in dem Maße, wie die Programme der Bundesregierung zur Umverteilung der Einkommen ausgedehnt worden sind.

Diese Programme können jedoch nicht ständig in dem Maße weiter ausgedehnt
werden, wie wir dies in den letzten zwei Jahrzehnten erlebt haben. Die Ausgaben auf allen Regierungsebenen belaufen sich auf ein Drittel unseres Sozialproduktes.

Wenn die Ausweitung der Hilfsprogramme in unserem Lande in den

nächsten zwei Jahrzehnten in dem gleichen Tempo wie in den letzten 20 Jahren
weitergehen würde, dann würden die gesamten Regierungsausgaben auf über die
Hälfte unseres Sozialprodukts anwachsen.

Die Besteuerung der Einzelpersonen

und der Unternehmen, die notwendig wäre, um eine solche Ausweitung bezahlen
zu können, würde untragbar hoch werden.
oder liberaler Denkweise.

Das ist keine Frage konservativer

Das ist eine harte Tatsache, die sich leicht durch

Hochrechnung beweisen läßt. Wir müssen damit beginnen, die Wachstumsrate unserer Haushaltsverpflichtungen für Hilfeleistungen im eigenen Land auf ein
tragbares Maß zu beschränken.
Die

�Die Ausweitung dieser Hilfsprogramme im eigenen Lande ist weitgehend planlos und zerstückelt erfolgt. Das Ergebnis waren zu viele sich überlappende
Programme, mangelnde Koordination und Ungerechtigkeit.

Einige der weniger

Bedürftigen erhalten heute einen unangemessen großen Teil der Zuwendungen der
Bundesregierung, während einige der weit Bedürftigeren viel weniger erhalten.
Wir müssen die Anstrengungen der letzten fünf Jahre verdoppeln, um diese
Programme zu rationalisieren und zu straffen.

Das bedeutet, daß wir auf ein

stabiles und integriertes System von Programmen hinarbeiten müssen, das die
Verantwortung der öffentlichen Hand für den privaten Sektor widerspiegelt.
Das bedeutet ferner eine Dezentralisierung der Regierungstätigkeit und die Entwicklung einer engeren Partnerschaft zwischen Bundesregierung, Einzelstaaten
und Kommunen und den einzelnen Staatsbürgern ...

Verteidigung

Die Gesamtaufwendungen für die nationale Verteidigung werden sich von
85,3 Milliarden Dollar 1975 auf 94,0 Milliarden Dollar 1976 erhöhen ...

Um ein militärisches Gleichgewicht zu erreichen und zu erhalten, müssen
die amerikanischen Streitkräfte verstärkt werden.

Um eindeutige strategische

Abschreckungsmittel gegen das ganze Spektrum möglicher Bedrohungen zur Verfügung zu haben, sind verbesserte strategische Nuklearstreitkräfte und die Entwicklung möglicher strategischer Systeme für künftige Dislozierungen geplant.

Die Kampfkraft der Mehrzweckstreitkräfte wird ebenfalls verstärkt werden,
jedoch ohne einen oder nur einen geringen Zuwachs des gegenwärtigen Personalstandes.

Dies wird durch eine Versetzung von Personal von Versorgungsfunk-

tionen zu Kampfaufgaben und durch die Modernisierung von Waffensystemen und
Ausrüstung erreicht werden.

Die Hauptveränderung, die&gt; geplant ist, besteht

in einer Erhöhung der Zahl der aktiven Heeresdivisionen von 13 im Juni 1974
auf 16 bis September 1976. Die Reserve und die Nationalgarde, die die aktiven
Streitkräfte verstärken, werden eine bessere Ausbildung, verbesserte Ausrüstung
und einen größeren Anteil an den Kampfaufgaben erhalten.
- 14 -

Die taktischen Luft-

�Luftstreitkräfte werden durch den Ersatz älterer Flugzeuge durch neuere und
bessere Maschinen modernisiert werden.

Zur Verbesserung und Vergrößerung der

Flotte ist ein nachhaltiges Schiffbauprogramm geplant.

Verteidigungsministerium

Die Aufwendungen für militärische Funktionen das Verteidigungsministeriums
und für die Militärhilfe werden 1976 um 8 Milliarden Dollar erhöht werden.

Diese

Steigerung ist notwendig, um Erhöhungen der Personalkosten und Preise abzudecken
und die Verteidigungsbereitschaft aufrechtzuerhalten ...

Um die Planung der Erfordernisse der nationalen Sicherheit zu erleichtern,
sind die Streitkräfte, ohne Rücksicht auf Teilstreitkräfte, nach ihren Hauptaufgaben gegliedert ...

Die Gesamtausgabenvollmacht schließt die Haushaltsvollmacht ein, die in
jedem Jahr vom Kongreß verabschiedet wird, plus die Vollmacht aus früheren
Jahren, die auf folgende Jahre übertragen wird.

Strategische Streitkräfte:

Die Verhandlungen in Wladiwostok mit der

Sowjetunion stellen einen bedeutsamen Erfolg dar.

Zum ersten Mal in unseren

Verhandlungen mit der Sowjetunion haben wir ein Übereinkommen über spezifische
und gleiche Begrenzungen der Gesamtzahl der strategischen Trägerwaffen und Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfei (MIRV) erreicht.

Durch die Festsetzung quan-

titativer Gesamtbegrenzungen kann eine wesentliche Erweiterung strategischer
Streitkräfte vermieden werden.

Im Rahmen der durch das Abkommen gesetzten Grenzen werden die Vereinigten
Staaten weiterhin eine wirksame Kombination von strategischen Bombern, landgestützten Raketen und unterseebootgestützten Raketen dislozieren und Optionen
für die Dislozierung verbesserter Systeme in Zukunft entwickeln.

Das strate-

gische Programm für 1976 einschließlich der im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprogramms finanzierten Systeme wird es uns ermöglichen:
- Die
- 15 -

�»

- Die technische Entwicklung des strategischen Bombers vom Typ B-l fortzusetzen und die Produktion 1976 voll anlaufen zu lassen, wenn die angestrebten
Einsatzeigenschaften im Verhältnis zu den Kosten erreicht worden sind;
- mit dem Unterseebootsystem TRIDENT weiterzumachen, daß 1979 disloziert
werden soll, und eine billigere Alternative zum TRIDENT-System zu entwerfen;

- Optionen für die künftige Dislozierung verbesserter Interkontinentalraketen zu entwickeln, die von festen Silos oder mobilen Abschußrampen abgefeuert werden können;

- die Entwicklung einer verbesserten Treffgenauigkeit von Raketengefechtsköpfen und Flugkörpern mit Luftstrahlantrieb fortzusetzen;

- die Technologie für Abwehrsysteme gegen ballistische Raketen aufrechtzuerhalten und die Fähigkeit zur Überwachung und Frühwarnung vor Nuklearangriffen zu verbessern;

- die Befehls-, Kontroll- und Fernmeldeeinrichtungen der strategischen
Streitkräfte zu verbessern.

Mehrzweckstreitkräfte:

Die meisten Land-, See- und Luftstreitkräfte

dienen der Erfüllung der allgemeinen Aufgabe, vor Angriffen abzuschrecken oder
Angriffe abzuwehren, die nicht durch die Androhung strategischer Nuklearvergeltung abgeschreckt worden sind.

Diese Bedrohungen reichen von isolierten

Zwischenfällen bis zum Großangriff durch eine Kombination von Gegnern ...

Die Vereinigten Staaten haben Verhandlungen zwischen dem NATO-Bündnis
und dem Warschauer Pakt über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen
eingeleitet.

Wenn diese Verhandlungen Erfolg haben, könnten einige der in

Europa stationierten amerikanischen Truppen abgezogen werden.

Zum gegenwärtigen

Zeitpunkt jedoch müssen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten den gegenwärtigen Personalstand aufrechterhalten und die konventionelle Kampfkraft stärken.

Dies wird durch eine Verlegung von Personal aus Versorgungstätigkeiten _in

�in Kmapffunktionen und durch eine Modernisierung der Waffensysteme und der
Ausrüstung erreicht werden.. Ferner wird der Nachdruck auf einer verstärkten
Standardisierung der Waffen liegen ...

Die Produktion moderner Geräte für die Landstreitkräfte wird 19 76 steigen,
wobei der Nachdruck auf Panzern und Panzerabwehrwaffen liegt. Weitere Prioritäten in der Beschaffung sind bewaffnete Hubschrauber, gepanzerte Mannschaftsfahrzeuge und Luftabwehrwaffen.

Diese ProduktionsSteigerungen sind zum Teil

notwendig, um Gerät und Waffen zu ersetzen, die nach Ländern des Nahen Ostens
geliefert wurden, um die dortigen Streitkräfte nach dem Jom Kippur-Krieg wieder
aufzufüllen.

Dabei handelt es sich vor allem um die Lüef©£Ung von Panzern, ge-

panzerten Mannschaftsfahrzeugen, Artillerie auf Selbstfahrlafetten und Panzerabwehrwaffen . ..

Das Ausscheiden vieler veralterter Schiffe, die während des zweiten Weltkrieges gebaut wurden, und das rasche Anwachsen der sowjetischen Flotte zwingen
die Vereinigten Staaten zur Aufrechterhaltung eines nachhaltigen Programms des
Schiffsneubaus und der Modernisierung der Seestreitkräfte.

Die Beschaffung

von 10 Lenkwaffenfregatten wird zur Aufrechterhaltung eines angemessenen
Flottengleichgewichts beitragen.

Zu dem Schiffbauprogramm für 1976 gehören

auch zwei weitere nukleargetriebene Angriffsunterseeboote, ein ... nukleargetriebener Lenkwaffenkreuzer, und zwei Tragflächenschiffe mit Raketen.

Ferner

werden eine Reihe von Tendern, Tankern und Hochseeschlepptern beschafft werden,
um die ausreichende Wartung und Versorgung der Flotte zu gewährleisten ...

Die Beschaffung von Flugzeugen als Ersatz für ältere Systeme wird 1977
planmäßig weitergehen.

Um die Luftüberlegenheit aufrechtzuerhalten, ist die

zusätzliche Produktion von Jagdflugzeugen des Typs F-15 für die Luftwaffe geplant.

Die Dislozierung des Kampf- und Jagdflugzeuges F-16 wird weitergehen.

Für die enge Luftunterstützung von Bodentruppen ist die volle Aufnahme der
Produktion der neuen A-10 vorgesehen.

Um den Luftarm der Marine und des Marine-

korps zu stärken, werden trägergestützte F-14 S mit Phönix-Raketen, A-7- und
A-6-Bomber, EA-6 B-Maschinen für die elektronische Kriegführung und E-2 C-Frühwarn- und Aufklärungsmaschinen beschafft werden ...
Luft-

�Luft- und Seebrückenstreitkräfte:

Der Transport großer Nachschubmengen

während des Nahostkrieges vom Oktober 1973 auf kurze Frist demonstrierte die
Wirksamkeit von Luftbrücken für strategische Zwecke ...

Mehrere 1974 eingeleitete Anstrengungen zur Verbesserung der strategischen
Luftbrückenkapazität werden 1976 fortgesetzt werden.

Nationalgarde und Reserve:

Die Nationalgarde und die Reserve sind die

ursprünglichen und hauptsächlichen Personalquellen, um die aktiven Streitkräfte
im Notfall zu verstärken.

Nationalgarden- und Reserveeinheiten des Heeres

zur Verstärkung der aktiven Divisionen werden in der Auswahlreserve auf einem
hohen Stand der Einsatzbereitschaft aufrechterhalten und mit den aktiven Einheiten, denen sie zugeteilt sind, zusammen ausgebildet werden. Nationalgardenund Reserveeinheiten der Luftwaffe werden zum ersten Mal an der strategischen
Aufgabe des Auftankens beteiligt werden ...

Forschung und Entwicklung:

Um die Forschungs- und Entwicklungsprogramme

aufrechterhalten zu können, die die amerikanischen Streitkräfte auf einem modernen Stand halten und die technologische Überlegenheit aufrechterhalten, ist
eine Erhöhung der Gesamtausgabenvollmacht notwendig.

Über die bereits angeschnittenen strategischen Entwicklungsprogramme hinaus sind wesentliche Erhöhungen der taktischen Programme geplant.

Zu diesen

gehört die Entwicklung eines modernen Kampfflugzeuges für die Marine und die

Luftwaffe.

Dieses System sollte 1978 als billiges Kampfflugzeug zur Ergänzung

der hochentwickelten Flugzeuge vom Typ F-14 und F-15 beschaffungsreif sein,
die jetzt bei der Marine und bei der Luftwaffe disloziert sind.

Die Entwick-

lung eines neuen Kampfpanzers, gepanzerter Infanteriekampffahrzeuge und eines
Angriffshubschraubersystems werden fortgesetzt werden, um den Vorteil des
Warschauer Paktes an gepanzerter Stärke zu überwinden.

Die Entwicklungspro-

gramme der Marine werden Nachdruck auf die Unterseebootabwehr und Luftverteidigungssysteme legen.

Die Luftwaffe wird erhöhte Anstrengungen unternehmen,

um ihre Kapazität zur Durchdringung und Ausschaltung gegnerischer Luftverteidigungssysteme und für den Angriff auf gegnerische Landstreitkräfte außerhalb

�f

außerhalb der Reichweite eigener Landstreitkräfte zu verbessern ...

Ausbildung, Sanitätswesen und andere allgemeine Versorgungstätigkeiten:
Die Vereinigten Staaten haben durch angemessene Besoldung und eine wirksame
Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt eine Streitmacht erreicht, die nur aus Freiwilligen besteht. Wenn die gegenwärtigen Trends bei der Rekrutierung und
Weiterverpflichtung anhalten, dann wird der bewilligte Personalstand 1975
und 1976 erreicht werden.

Die dritte Überprüfung der militärischen Besoldungsordnung, die alle
vier Jahre stattfindet und Anfang Januar 1975 begonnen wurde, soll gewährleisten, daß alle Aspekte der militärischen Besoldung mit den Verteidigungserfordernissen in Einklang stehen.

Dabei wird jeder Bereich der Militärbe-

soldung überprüft werden, um sicherzustellen, daß eine gerechte Entlohnung
erfolgt und unnötige Kosten beseitigt werden.

Verwaltung und damit zusammenhängende Tätigkeiten:

Es ist eine wirksame

Nutzung der Erdölreserven der Marine geplant, um die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von der Einfuhr von Erdölerzeugnissen zu verringern und mit dazu
beizutragen, politische und wirtschaftliche Störungen der Versorgung auszuschließen.

Es sind gesetzliche Maßnahmen gefordert worden, um die Produktion

der Naval Petroleum Reserve Nr. 1 in Elk Hills, Kalifornien,, zu steigern.

Die

Einkünfte aus dem Verkauf dieses Öls werden zur Finanzierung einer weiteren
Suche nach Reserven in Alaska und für die Anlaufkosten der Schaffung einer nationalen strategischen Erdölreserve verwendet werden.

Diese strategische Re-

serve wird bis zu 1 Milliarde Barrel Erdöl oder Erdölprodukte für den einheimischen und industriellen Bedarf und 0,3 Milliarden Barrel für den militärischen
Bedarf in Zeiten des nationale:, Notstandes oder der ernsthaften Störung der Versorgung enthalten.

Unterstützung anderer Länder:

Zu diesem Programm gehört die Militärhilfe

für die Streitkräfte Südvietnams und anderer Länder.

Für 1976 wird eine Summe

von 1,3 Milliarden Dollar als Gesamtausgabevollmacht für die Militärhilfe in
Vietnam empfohlen.

Beginnend mit dem Übergangsquartal (1. Juli 1976) wird die
- 19 -

�die Militärhilfe für Südvietnam im Rahmen des Auslandshilfegesetzes bewilligt
werden, das im Kapitel Internationale Angelegenheiten behandelt wird ...

Verteidigungsaktivitäten auf dem Gebiet der Atomenergie:

Die Forschung

und Entwicklung für die unterirdische Erprobung von Kernwaffen wird 1976 gesteigert werden, vor allem um den detaillierten Entwurf und die Erprobung bestimmter Waffen abzuschließen, deren Entwicklung bereits vor dem Inkrafttreten
des Vertrages über das Verbot von Versuchen oberhalb einer bestimmten Schwelle
gebilligt worden sind.

Auf Grund gesteigerter Arbeits- und Brennstoffkosten

werden die Ausgaben für die Produktion von Plutonium und Tritium im Zusammenhang mit der künftigen Produktion von Kernwaffen steigen.

Für die Entwicklung

verbesserter Nuklearantriebsanlagen für Kriegschiffe werden mehr Mittel notwendig sein, vor allem wegen der Erfordernisse für die TRIDENT-Unterseeboote .

Internationale Angelegenheiten und Finanzen

In der interdependenten Welt von heute verlangt das Wohl der Nation eine
zweckgemäße und verantwortliche Beteiligung an der Suche nach dem Weltfrieden
und dem Streben nach internationalen wirtschaftlichen Fortschritten ...

Die Suche nach dem Frieden umfaßt die Verhandlungen über Rüstungsbegrenzungen, die Diplomatie im Nahen Osten und die fortgesetzten Bemühungen um die
Lösung der Probleme in Indochina. Auslandshilfeprogramme sind eine unerläßliche Ergänzung der amerikanischen Diplomatie und dienen als ein flexibles
Mittel, den Sicherheitserfordernissen, den humanitären Aufgaben und den Entwicklungsnotwendigkeiten in einer Welt nachzukommen, die noch immer von Feindseligkeit, Unruhe und wirtschaftlichen Verzerrungen heimgesucht wird...

Um ein ausreichendes Energieangebot zu gewährleisten, hat unser Land im
November vorigen Jahres in Zusammenarbeit mit 15 Industrienationen ein internationales Energieprogramm aufgestellt, das im Falle eines Notstandes die
gemeinsame Nutzung der vorhandenen Energiequellen, Maßnahmen zur Einsparung
von Energie und die Entwicklung alternativer Energiequellen vorsieht.
- 20 -

Um

�Um sicherzustellen, daß die industrialisierten Länder in der Lage sein werden,
die als Ergebnis hoher Ölpreise zu erwartenden Zahlungsbilanzdefizite und die
damit einhergehenden Verzerrungen im Finanzgefüge zu finanzieren, haben die
Vereinigten Staaten eine Sonderfazilität in der Größenordnung von 25 Milliarden Dollar vorgeschlagen;

sie soll diese Defizite finanzieren helfen,

wenn sich andere Kreditquellen als unzureichend erweisen.

Diese Fazilität

wird die erweiterte Tätigkeit des internationalen Währungsfonds ergänzen ...

Die Vereinigten Staaten unterstützen ferner mehrere Initiativen, die auf
der Welternährungskonferenz angeregt wurden, darunter Schritte wie die Gewährung
von Nahrungsmittelhilfe an iotleidende Länder in größerem Ausmaß als bisher,
die Vergabe von zusätzliche!: Hilfe zur Steigerung der Nahrungsmittelproduktion
in den ärmeren Ländern und die Schaffung eines internationalen Systems der
Getreidevorratshaltung ...

Militärhilfe:

Die Militärhilfe schließt sowohl nichtrückzahlbare Zuwen-

dungen als auch Verkäufe von Ausrüstungen auf Kredit, Ausbildungshilfe und
andere Dienstleistungen ein, um die Verteidigungsanstrengungen befreundeter
Länder zu unterstützen; sie wird vom Verteidigungsministerium verwaltet ...

Zusätzlich zu den 7'0 Millionen Dollar an Haushaltermächtigungen zur Gewährung nichtrückzahlbarer Militärhilfe in 1976 wird eine Ausgabeermächtigung
in Höhe von 250 Millionen Dollar für 1976 beantragt, um die Teilstreitkräfte
für Vorräte zu entschädigen, die diese gemäß der Notstandsklausel des Auslandshilfegesetzes 1974 nach Kambodscha geliefert haben.

Die Verteidigungsanstrengungen Südvietnams hängen von der Fortsetzung der
amerikanischen Militärhilfe ab. Weil die 1975 erteilte Ermächtigung von 700
Millionen Dollar für diesen Zweck nicht ausreicht, den kritischen Bedart Südvietnams zu decken, wird eine Zusatzermächtigung von 300 Millionen Dollar beantragt.

Die Militärhilfe an Südvietnam ist in einem besonderen Posten der

Ermächtigungen für das Verteidigungsministerium zusammengefaßt.

Hinzu kommt,

daß die Höhe der Hilfe für Kambodscha, wie sie durch das Auslandshilfegesetz
von 1974 autorisiert wurde, zur Deckung der Mindestbedarfs nicht ausreicht. Des-

- 21 -

�Deshalb wird e i n e Gesetzesbestimmung zur B e s e i t i g u n g b e s t e h e n d e r E i n s c h r ä n kungen d i e s e r Ermächtigung und e i n e Haushaltabänderung i n G e s t a l t e i n e s Ant r a g s z u r Ermächtigung w e i t e r e r 222 Millionen D o l l a r für Kambodscha v o r g e schlagen.
Um d i e a n h a l t e n d e Bedeutung d e r A u s b i l d u n g s h i l f e für a u s l ä n d i s c h e s Mil i L Ä r p e r s o n a l zu u n t e r s t r e i c h e n , i s t d i e m i l i t ä r i s c h e A u s b i l d u n g s h i l f e f ü r das
Ausland für 1976 i n einem Sonderposten g e t r e n n t von d e r allgemeinen M a t e r i a l h i l f e i n Form n i c h t r ü c k z a h l b a r e r Zuwendungen ausgewiesen.
für a l l e Arten d e r M i l i t ä r h i l f e

Die Aufwendungen

( u n t e r Ausschluß e i n e s aus Treuhandfonds

ent-

nommenen B e t r a g s i n Höhe von 0 , 2 M i l l i a r d e n Dollar)werden auf O,8 M i l l i a r d e n
D o l l a r i n 1976 g e s c h ä t z t .

Wirtschaftshilfe:

Die W i r t s c h a f t s h i l f e

s c h l i e ß t M i t t e l für d i e S i c h e r -

h e i t s h i l f e für den Nahen Osten, Wiederaufbauhilfe

für I n d o c h i n a ,

Entwicklungs-

h i l f e für ärmere Länder, N a h r u n g s m i t t e l h i l f e , F l ü c h t l i n g s h i l f e und Aufwendungen
für i n t e r n a t i o n a l e Rauschgiftüberwachungsprogramme
Sicherheitshilfe i s t erforderlich,

ein.

um den F o r t s c h r i t t i n Richtung auf d i e

a n g e s t r e b t e Verhandlungsregelung im Nahen Osten zu g e w ä h r l e i s t e n .

Wirtschaft-

l i c h e H i l f e und H i l f e für Zwecke des Wiederaufbaus und d e r Entwicklung i s t
für I s r a e l , Ä g y p t e n , J o r d a n i e n und S y r i e n v o r g e s e h e n .

Der Fonds für b e s o n d e r e

E r f o r d e r n i s s e im Nahen Osten b e s i t z t genügende F l e x i b i l i t ä t ,
sehene E r f o r d e r n i s s e

g e r e c h t werden zu können.

um u n v o r h e r g e -

Die Aufwendungen 19 76 für

d i e s e Programme werden auf 410 M i l l i o n e n D o l l a r g e s c h ä t z t .
Die N a c h k r i e g s - W i e d e r a u f b a u h i l f e
i s t erforderlich,

für Südvietnam, Kambodscha und Laos

um d i e w i r t s c h a f t l i c h e S t a b i l i t ä t a u f r e c h t z u e r h a l t e n ,

Wiederhaufbau und d i e Entwicklung zu b e t r e i b e n und d i e F l ü c h t l i n g s h i l f e
finanzieren.

den
zu

Die Aufwendungen werden s i c h 1976 auf 762 M i l l i o n e n D o l l a r b e -

ziffern.
Die m u l t i l a t e r a l e E n t w i c k l u n g s h i l f e i n Form von B e i t r ä g e n für i n t e r n a t i o n a l e Entwicklungsbanken und O r g a n i s a t i o n e n b l e i b e n auch w e i t e r h i n eirie wich- 22 -

�wichtige Komponente der Auslandshilfe.

Die Aufwendungen 19 76 werden auf 990

Millionen Dollar veranschlagt.

Die internationalen Entwicklungsbanken schließen ein:

die Weltbankgruppe

und die Interamerikanische, die Asiatische und die Afrikanische Entwicklungsbank.

Während der letzten Jahre wurden die Programme dieser Institutionen fort-

gesetzt ausgeweitet, während die Vereinigten Staaten ihren Anteil an den Gesamtmitteln verringert haben.

Diese Institutionen erhalten nunmehr den größten

Teil der für die private Kapitalgüterfinanzierung erforderlichen Mittel im Ausland - seit allerjüngster Zeit von ölausfuhrländern, die erhebliche Summen zur
Weiterverleihung an Entwicklungsländer zur Verfügung gestellt haben. Aufwendungen in Höhe von 818 Millionen Dollar für 1976 sind erforderlich, um die
amerikanischen Verpflichtungen gegenüber internationalen Entwicklungsbanken zu
erfüllen.

Darüber hinaus werden, nach Konsultation mit dem Kongreß, die Ver-

handlungen über die vierte Aufstockung der Mittel der Interamerikanischen Entwicklungsbank fortgeführt, und es kann sich zu einem späteren Zeitpunkt 1976
als notwendig erweisen, um eine Bewilligung für diese Aufstockung einzukommen.

Freiwillige Beiträge in Höhe von 173 Millionen Dollar an Ausgaben werden
für internationale Organisationen vorgeschlagen.

Die größten Beträge sind für

das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen bestimmt, das Entwicklungsländern
technische Hilfe und Hilfe bei der Analyse von Investitionsmöglichkeiten gewährt,
sowie für die Hilfs- und Arbeitsbeschaffungsbehörde der vereinten Nationen, die
die Palästina-Flüchtlinge unterstützt.

Die bilaterale Entwicklungshilfe, die in der Hauptsache vom US-Amt für
Internationale Entwicklung (AID) verwaltet wird, trägt der Notwendigkeit einer
Steigerung der Nahrungsmittelproduktion in den ärmeren Ländern Rechnung.

Bei-

hilfen und langfristige Kredite zu niedrigen Zinssätzen, werden für die Entwicklung der Landwirtschaft, die Verbesserung der Anbaumethoden und die Züchtung neuer und besserer Sorten bereitgestellt.

Die Haushaltermächtigung für

Nahrungsmittel- und Ernährungshilfe soll von 282 Millionen in 1974 auf 629
Millionen Dollar in 1976 erhöht werden.

Die sonstigen Entwicklungsprogramme

konzentrieren sich auf die niedrigsten Einkommensgruppen in den ärmsten Ländern und hier insbesondere auf die Verbesserung der Gesundheitsbetreuung, der
- 23 -

�d e r Familienplanung und d e r Erziehung.

Die Gesamtauslagen für H i l f s - und

Entwicklungsprogramme für 1976 werden auf 1,129 M i l l i a r d e n D o l l a r g e s c h ä t z t .
Die G e s e l l s c h a f t für P r i v a t i n v e s t i t i o n e n i n Übersee (Overseas P r i v a t e
Investment C o r p o r a t i o n - OPIC) b i e t e t amerikanischen Firmen, d i e i n E n t w i c k l u n g s l ä n d e r n i n v e s t i e r e n , e i n e Versicherung gegen p o l i t i s c h e R i s i k e n an
und gewährt auch Garantien für K r e d i t e , d i e Firmen i n solchen Ländern e i n g e räumt werden.

Die OPIC a r b e i t e t mit e i n e r Gruppe von p r i v a t e n V e r s i c h e r u n g s -

g e s e l l s c h a f t e n zusammen, um e i n e gemeinsame R ü c k v e r s i c h e r u n g s g e s e l l s c h a f t
d i e p o l i t i s c h e R i s i k o v e r s i c h e r u n g zu s c h a f f e n .

für

Die OPIC a r b e i t e t auf d e r B a s i s

umlaufender M i t t e l und b e d a r f d e s h a l b 1976 k e i n e r H a u s h a l t e r m ä c h t i g u n g .
Die I n t e r a m e r i k a n i s c h e S t i f t u n g

(Inter-American Foundation)

unterstützt

e x p e r i m e n t e l l e Entwicklungsvorhaben i n L a t e i n a m e r i k a , d i e i n e r s t e r L i n i e von
p r i v a t e n gemeinnützigen O r g a n i s a t i o n e n unternommen werden.

Die Aufwendungen

h i e r f ü r werden 19 76 auf 10 M i l l i o n e n D o l l a r g e s c h ä t z t .
N i c h t r ü c k z a h l b a r e N a h r u n g s m i t t e l h i l f e und K r e d i t e zu v e r g ü n s t i g t e n Bedingungen im Rhamen des Programms ' N a h r u n g s m i t t e l - f ü r - d e n - F r i e d e n '

(Public

'

Law 480) dienen e i n e r Reihe von a u ß e n p o l i t i s c h e n Z i e l e n , zu denen auch d e r
Kampf gegen Hunger und Unterernährung g e h ö r t .

Diese Programme werden für d i e

Völker i n den Entwicklungsländern von k r i t i s c h e r Bedeutung s e i n , b i s i h r e
l a n g f r i s t i g e n Bemühungen zur S t e i g e r u n g d e r N a h r u n g s m i t t e l p r o d u k t i o n d i e g e wünschten E r f o l g e

zeitigen.

Die Auswanderungs- und F l ü c h t l i n g s h i l f e b e s t e h t aus B e i t r ä g e n zu amerikanischen f r e i w i l l i g e n Hilfsorganisationen,

den V e r e i n t e n Nationen und dem

Z w i s c h e n s t a a t l i c h e n Ausschuß für d i e Auswanderung aus Europa.
Ein Zuschuß zur i n t e r n a t i o n a l e n Rauschgiftbekämpfung i n Höhe von 38 M i l l i o n e n D o l l a r kommt a u s l ä n d i s c h e n Regierungen und i n t e r n a t i o n a l e n
zugute.

Organisationen

Er t r ä g t zur Unterbindung des g e s e t z w i d r i g e n Anbaus und d e r i l l e g a l e n

P r o d u k t i o n von g e f ä h r l i c h e n N a r k o t i k a und damit zur Behinderung des Handels
m i t d i e s e n Stoffen und zur Eindämmung i h r e r Einfuhr nach den V e r e i n i g t e n
Staaten b e i .
Der
- 24 -

�»

Der Fonds des Präsidenten für Auslands-Notstandshilfe:

Dieser Fonds ge-

stattet es den Vereinigten Staaten, auf unvorhersehbare Erfordernisse zu reagieren, vor allem dann, wenn humanitäre Hilfsaktionen notwendig werden.

Es

wird um eine Haushaltermächtigung in Höhe von 30 Millionen Dollar für 1976
nachgesucht.

Sonderfinanzierungsfazilität:

Um den hohen Ölpreisen und den sich daraus

ergebenden Verzerrungen im internationalen Finanzgefüge Rechnung zu tragen,
haben die Vereinigten Staaten die Errichtung einer internationalen Kreditfazilität in Höhe von 25 Milliarden Dollar vorgeschlagen.

Diese Fazilität soll

Kredite vergeben, um andere, den Industriestaaten mit hohen Zahlungsbilanzdefiziten zur Verfügung stehende Kreditquellen zu ergänzen.

Die Vereinigten

Staaten sind bereit, dieser Fazilität bis zu 7 Milliarden Dollar zu leihen.
Die Aufwendungen hierfür in 1976 werden auf eine Milliarde Dollar veranschlagt.

Friedenskorps:

In 1976 werden schätzungsweise 6000 Freiwillige des

Friedenskorps 68 Gastländer in ihren Anstrengungen zur Lösung von Entwicklungsprobleme unterstützen und humanitäre Hilfe leisten.

In 1976 werden

sich die Bemühungen des Friedenskorps auf die Gebiete der Landwirtschaft,
der Gesundheit und Ernährung und der Erziehung sowie auf Konservierungsmaßnahmen konzentrieren

- 25 -

�amerika dienst
United
53

Status

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Wirtschaft

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

3/1975

DER WIRTSCHAFTSBERICHT DES AMERIKANISCHEN PRÄSIDENTEN
- Wortlaut -

Präsident Ford hat dem amerikanischen Kongreß
am 4. Februar seinen Wirtschaftsbericht vorgelegt, der einen Ausblick auf die künftige
Wirtschaftspolitik der USA gibt. Den Ausführungen des Präsidenten ist der Bericht des
Wirtschaftsbeirats beigefügt, der an Hand
von zahlreichen Statistiken und Tabellen ein
umfassendes Bild von der gegenwärtigen Lage
der amerikanischen Wirtschaft aufzeichnet.
Der Bericht des Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:

Die Wirtschaft befindet sich in einer ernsten Rezession.
keit ist zu hoch und wird noch weiter steigen.

Die Arbeitslosig-

Die Inflationsrate ist ebenfalls

zu hoch, obwohl einiger Fortschritt bei ihrer Senkung erzielt worden ist. Die
Zinsen sind von ihrem außergewöhnlich hohen Stand, der im Sommer 1974 erreicht
worden war, zurückgegangen, aber sie spiegeln die Inflationsrate wider und bleiben immer noch viel zu hoch.

Darüber hinaus müssen wir, während wir jetzt Lösungen für diese Probleme
anstreben, auch nach Lösungen für das Energieproblem suchen. Wir müssen wirksame Programme zur Einsparung von Energie und zur Erschließung neuer Energie-

�1
Energiequellen in Angriff nehmen, wenn wir den Anteil des vdn unsicheren
Quellen importierten Öles verringern wollen.

Ein Fehlschlag oder eine Ver-

zögerung hierbei würde eine weiterhin wachsende Abhängigkeit der Vereinigten
Staaten von ausländischen Ölquellen bedeuten.
Wir stehen daher drei Problemen gegenüber:

dem unmittelbaren Problem

der Rezession und Arbeitslosigkeit, dem weiterhin bestehenden Problem der Inflation und dem neueren Problem, die Verwundbarkeit Amerikas durch Ölembargos
zu verringern.

Diese Probleme sind genauso dringlich wie wichtig.

Die von uns vorge-

schlagenen Lösungen sind das Ergebnis einer sorgfältigen Studie, aber sie werden keine raschen und unmittelbaren Ergebnisse bringen.
se Programme und Vorschläge wirksam sind.

Ich glaube, daß die-

Ich ersuche den Kongreß dringend

darum, sie zu verabschieden und mir dabei zu helfen, mit weiteren Maßnahmen
nachzukommen, wie sie die sich ändernden Umstände wünschenswert erscheinen
lassen.

Bei unseren Bemühungen müssen wir uns darüber klar sein, daß die von

uns erarbeiteten Maßnahmen sowohl wirksam sein wie auch mit unseren langfristigen
Zielen im Einklang stehen müssen, die für die künftige Prosperität unserer Wirtschaft wichtig sind.

Um einen Schritt voran zu tun, dürfen wir nicht eine Po-

litik einschlagen, die uns schließlich um zwei Schritte zurückwerfen würde.

Wie ich Ihnen bereits in meiner Botschaft über die Lage der Nation dargelegt habe, braucht die Wirtschaft sofort für ein Jahr eine Steuersenkung um
16 Milliarden Dollar.

Das ist ein notwendiger erster Schritt für jedes Pro-

gramm zur Wiederherstellung der Kaufkraft, zur Rückgewinnung des Vertrauens
der Verbraucher und zur Steigerung der Investitionsanreize für die Wirtschaft.

Bei der Suche nach dem besten Wege, der Wirtschaft zu helfen, sind verschiedene Vorschläge zur Senkung der-Einkommensteuer erwogen worden.

Wir ha-

ben das Verfahren gewählt, das der Wirtschaft am ehesten einen sofortigen Anreiz zu bieten vermag, ohne damit unser Haushaltsproblem permanent zu verschlimmern.
Daher

�•
Daher habe ich eine zwölfprozentige Rückvergütung auf die Steuern des
Jahres 19 74 bis zu einem Höchstbetrag von lOOO Dollar empfohlen.

Die Rückver-

gütung, die insgesamt 12 Milliarden Dollar ausmacht, soll in zwei großen Schüben erfolgen, wobei die erste Rückzahlung im Mai und die zweite im September
vorgesehen ist.

Ich habe ferner einen Investitionssteuerkredit in Höhe von 4 Milliarden
Dollar vorgeschlagen, der die Wirtschaft anspornen würde, jetzt neue Verpflichtungen und Ausgaben für Projekte einzugehen, die dieses Jahr oder bis Ende
nächsten Jahres erstellt werden können.

Die sofortige Verabschiedung der Steuersenkung um 16 Milliarden Dollar
ist eine Angelegenheit von äußerster Dringlichkeit, wenn wir die natürlichen
Kräfte des wirtschaftlichen WiederaufSchwungs stärken wollen.

Wenn ich mir

auch der Notwendigkeit einer temporären Steuersenkung bewußt bin, so bin ich
mir doch ebenso über die Tatsache im klaren, daß sich damit das Ausmaß unseres
Haushaltsdefizits erhöht.

Das alles ist umso mehr ein Grund dafür, unsere

Bemühungen um eine Eindämmung des Wachstums der Bundesausgaben zu verstärken.
Ich habe den Kongreß ersucht, Maßnahmen zu ergreifen, die im Haushalt für das
Finanzjahr 1976 rund 17 Milliarden Dollar einsparen werden.

Trotzdem rechnen

wir für das am 1. Juli beginnende Finanzjahr mit einem Defizit von über 50
Milliarden Dollar. Außerdem wird das Haushaltsdefizit, selbst ohne Initiativen
für neue Ausgaben, auch im Finanzjahr 1977 sehr groß bleiben.

Daher werde ich

keine neuen Ausgabenprogramme vorschlagen, ausgenommen solche, die für das
Energieprogramm notwendig sind.

Ich ersuche den Kongreß ferner, gemeinsam mit mir weitere Wege zu finden,
um die Zuwachsrate der Bundesausgaben zu verlangsamen.

Haushaltsausgaben für

neue Programme oder für die Ausweitung bestimmter Programme würden sich auf
die Wirtschaft erst auswirken, nachdem die wirtschaftliche Erholung bereits
lange im Gange ist.

Es ist wichtig, daß das Defizit deutlich verringert wird,

sobald die Wirtschaft wieder zur Vollbeschäftigung zurückzukehren beginnt.

Die

Kontrolle der Ausgaben bildet den einzigen Weg, wie wir einer zu großen Steigerung des Teiles unserer Einkommen Einhalt gebieten können, den die Regierung
- 3-

�:

Regierung dann später für sich nimmt.

Eine einfache Rechnung zeigt bereits das Ausmaß des Problems, dem wir uns
gegenübersehen.

Die Geldüberweisungen an Einzelpersonen durch die Bundesre-

gierung haben - nach inflationsbedingter Anpassung - in den letzten zwei Jahrzehnten um fast 9 Prozent jährlich zugenommen.

Eine Fortsetzung dieser Ent-

wicklung in den kommenden zwei Jahrzehnten würde zusammen mit nur bescheidenen
Steigerungen bei den übrigen Bundesausgaben sowie bei den Ausgaben der Einzelstaaten und der Kommunen die Ausgaben auf allen Regierungsebenen von einem Drittel des Bruttosozialproduktes auf über die Hälfte des Bruttosozialproduktes ansteigen lassen.

Ausgaben in einer solchen Größenordnung würden eine wesent-

liche Erhöhung der Steuerlast für die durchschnittliche amerikanische Familie
bedingen.

Dies könnte leicht jeden Anreiz und jede Initiative ersticken, die

für weitere Steigerungen der Produktivität wie auch unseres Lebensstandards
notwendig sind.

Wir können unsere Unabhängigkeit auf dem Energiesektor weder rasch noch
leicht erreichen.

Gleichgültig welche Programme auch immer verabschiedet wer-

den, es werden Beharrlichkeit auf Seiten des amerikanischen Volkes und eine
Bereitschaft notwendig sein, auch Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen, um
dieses wichtige Ziel zu erreichen.

Die amerikanische Wirtschaft wurde seiner-

zeit auf der Basis niedriger Energiekosten aufgebaut.

Unsere Industrieanlagen

und unsere Produktionsverfahren waren auf dieses zentrale Element der amerikanischen Erfahrungen ausgerichtet.

Billige Energie entband die Architekten un-

serer Bürogebäude von der Notwendigkeit, für einen rationellen Energieverbrauch
zu planen.

Private Wohngebäude wurden billiger, weil die kostspielige Iso-

lierung entfiel, solange Energie reichlich vorhanden war.

Billige Energie

ermöglichte es auch mehr Bürgern, in den Vororten zu leben, und gab den Bewohnern auf dem Lande und in den Städten mit ihren Kraftfahrzeugen größere Beweglichkeit.

Die niedrigen Energiekosten während des größten Teils des 20. Jahrhunderts
waren auf Grund reicher amerikanischer Vorkommen an Öl, Erdgas und Kohle möglich.
Diese Zeit ist nun zu Ende. Wir haben den Preis für Erdgas unter dem Stand ge_ 4_

�•

gehalten, der notwendig ist, um einen Anreiz für Investitionen zur Erforschung
und Erschließung neuer Vorkommen zu bieten, und unter dem Stand, der zu einem
sparsameren Verbrauch geführt hätte.

Indem wir die relativ b.lligen ausländischen

Ollieferungen nutzten, haben wir den Lebensstandard für die Amerikaner verbessert
und unser eigenes Öl für den künftigen Verbrauch gespart.

Da wir jedoch die

Vorbereitungen für den möglichen Fall von Importunterbrechungen vernachlässigten,
blieben wir in zu hohem Maße von unzuverlässigen ausländischen Lieferunten abhängig.

Dia gegenwärtige Situation und die künftige Sicherheit der amerikanischen
Wirtschaft lassen uns keine andere Wahl, als uns auf einen höheren relativen
Preis für Energieerzeugnisse einzustellen.

Wir haben in der Tat

bereits da-

mit begonnen, doch möchte ich betonen, daß noch ein langer Weg vor uns liegt.
Die Verbraucher sind schon bei ihren Käufen energiebewußter geworden.

Die hohen

Energiekosten haben die Industrie bereits veranlaßt, Energie durch Einführung
neuerProduktionsverfahren und durch Investitionen für energiesparende Kapitalgüter einzusparen.

Diese Anstrengungen müssen gefördert und aufrechterhalten

werden, bis sich unsere Verbrauchsgewohnheiten und unsere Industriestruktur auf
die neue Relation zwischen Energie-, Arbeits- und Kapitalkosten eingestellt
haben.

Dieser Anpassungsprozeß hat sich verlangsamt, weil nicht zugelassen wurde,
daß die amerikanischen Energiekosten in einem angebrachten Maße stiegen.

Die

Preise für etwa zwei Drittel unseres einheimischen Rohöls werden immer noch
so niedrig gehalten, daß sie unter der Hälfte der Kosten des Importöls liegen.
Und die Erdgaspreise werden auf einem noch niedrigeren Stand gehalten.

Der-

artige künstlich niedrig gehaltene Preise ermuntern zu einem verschwenderischen
Verbrauch von Energie und erschweren die künftige Förderung.

Wenn keine Än-

derung unserer Preispolitik für einheimische Energie sowie in unseren Verbrauchsgewohnheiten eintritt, dann werden wir 1985 die Hälfte unseres Öles importieren müssen, und einen großen Teil davon aus unzuverlässigen Quellen.

Da

unsere Wirtschaft in so hohem Maße von der Energie abhängt, ist es unbedingt
notwendig, daß wir unsere Anfälligkeit gegenüber Unterbrechungen der Lieferungen
und gegenüber der monopolistischen Preisgestaltung einiger ausländischer Öl- 5 -

�ölerzeuger verringern.

Die Notwendigkeit, für eine zuverlässige Energieversorgung unserer Wirtschaft zu sorgen, bildet die Grundlage des von mir vorgeschlagenen Energieprogramms.

Der Hauptzweck ist, es unserer Wirtschaft zu ermöglichen - und sie

dazu anzuspornen - ihren Energieverbrauch im letzten Teil des 20. Jahrhunderts
den neuen Realitäten des Marktes anzupassen.

Die Verringerung unserer Abhän-

gigkeit von unzuverlässigen Öllieferungen wird Maßnahmen der Regierung bedingen, aber selbst auf diesem entscheidend wichtigen Gebiet sollte die Rolle der
Regierung im Wirtschaftsleben nur auf solche Funktionen beschränkt bleiben,
die sie besser verrichten kann als die Privatwirtschaft.

Uns stehen zwei Wege zur Lösung unseres Energieproblems offen:

der erste

ist eine staatliche Rationierung und Zuteilung; der zweite ist die Anwendung
des Preismechanismus.

Ein Programm zur Energierationierung könnte für einen

kurzen Zeitraum tragbar sein, aber ein wirksames Programm würde bedingen, daß
wir den Verbrauch für einen längeren Zeitraum niedrig halten.

Ein Rationierungs-

programm für einen Zeitraum von fünf Jahren oder noch länger wäre sowohl untragbar als auch unwirksam.

Die Kosten, die sich allein durch die Verlangsamung

von Entscheidungen ergäben, wären riesig.

Die Rationierung würde bedeuten, daß

jedes neue Unternehmen die Regierung um eine Lizenz
kauf von Brennstoff ersuchen müßte.

zum Ankauf oder zum Ver-

Sie würde bedeuten, daß jede neue Er-

weiterung von Fabrikanlagen oder jedes neue Fertigungsverfahren in der Industrie
einer Genehmigung bedürfte.

Sie würde ähnliche Beschränkungen für den Wohnungs-

bau bedeuten, wo es bereits in weiten Teilen des Landes unmöglich ist, einen
Anschluß für Erdgas zu erhalten.

Nach fünf oder zehn Jahren würde ein solches starres Programm mit Sicherheit
die Dynamik der amerikanischen Wirtschaft beeinträchtigen, weil es bürokratische
Entscheidungen an die Stelle solcher des Marktes setzen würde.
ein faires, langfristiges Rationierungssystem auszuarbeiten.

Es wäre unmöglich

Der einzige prak-

tisch durchführbare und wirksame Weg zur Erreichung der Unabhängigkeit auf dem
Energiesektor ist daher, daß man ein Ansteigen der Preise für Öl und Gas zuläßt
- so hoch, daß dies vor einem Verbrauch abschreckt und zur Erforschung und Er-

�*

Erschließung neuer Energiequellen ermutigt.

Ich habe daher eine Verbrauchssteuer für einheimisches Rohöl und Erdgas
sowie eine Importabgabe auf Importöl und eine Herausnahme des Rohölpreises aus
der Kontrolle empfohlen.

Diese Maßnahmen werden den Preis aller energieinten-

siven Erzeugnisse steigen lassen sowie den Ölverbrauch und die Ölimporte senken.
Ich habe den Kongreß ersucht, eine Steuer für die Erzeuger von einheimischem
Rohöl zu verabschieden, um Spekulationsgewinne zu verhindern, die als Folge
der Herausnahme des Ölpreises aus der Kontrolle entstehen könnten.

Andere Teile meines Programms werden gewährleisten, daß die Importe nicht
zu Störungen auf dem einheimischen Energiemarkt führen können.

Änderungen zu

dem Gesetz über die Reinerhaltung der Luft werden einen vermehrten Verbrauch
von Kohle gestatten, ohne daß hierdurch eine wesentliche Beeinträchtigung der
Umwelt entsteht, und Anreize zur rascheren Entwicklung der Kernenergie und
synthetischer Brennstoffe werden gleichzeitig zu einer Steigerung der einheimischen Energieerzeugung führen.

Insgesamt wird das Energiepaket die Schädigung durch irgendwelche künftigen
Importunterbrechungen auf ein Maß reduzieren, das sich bewältigen läßt.
Energieprogramm wird uns jedoch auch Kosten auferlegen.

Das

Auf Grund der Import-

abgabe und der Kombination von Steuern werden von den Energieverbrauchern etwa
30 Milliarden Dollar abgeführt werden müssen.

Ich habe jedoch ebenfalls ein

faires und gerechtes Programm für ständige Steuersenkungen vorgeschlagen, das
den Verbrauchern einen Ausgleich für diese höheren Kosten bringen soll.

Die-

ses Programm wird Einkommenssteuersenkungen in Höhe von 16 Milliarden Dollar
für Einzelpersonen, direkte Zahlungen in Höhe von insgesamt 2 Milliarden Dollar
für Bürger mit niedrigen Einkommen, die wenig oder keine Steuern zahlen, Körperschaftsstcuers-enkungen in Höhe von 6 Milliarden Dollar, eine Erhöhung dev
Finanzausgleichs für die Einzelstaaten und Kommunen und eine Erhöhung der Bundesausgaben um 3 Milliarden Dollar umfassen.

Eine geeignete Steuer- und Energiepolitik bildet zwar den Kernpunkt für
die Wiederherstellung des Gleichgewichtes in unserer Wirtschaft, sie wird je- 7-

�!

jedoch durch I n i t i a t i v e n auf e i n e r Reihe a n d e r e r Gebiete e r g ä n z t werden müssen.
Ich habe im Dezember das Gesetz über d i e A r b e i t s l o s e n u n t e r s t ü t z u n g

unterzeichnet,

das Zahlungen für einen l ä n g e r e n Zeitraum und e i n e Erweiterung des K r e i s e s der
erfaßten Arbeitslosen vorsieht.

Der Haushalt b r i n g t w e i t e r e i n e b e t r ä c h t l i c h e

Ausweitung der B e s c h ä f t i g t e n z a h l im Ö f f e n t l i c h e n D i e n s t .

Ich e r s u c h e den Kongreß

f e r n e r , d i e noch bestehenden Beschränkungen für d i e Agrarerzeugung

aufzuheben,

ein Gesetz zur Stärkung der F i n a n z i e r u n g s i n a u i t u t e zu v e r a b s c h i e d e n und d i e
f i n a n z i e l l e Lage der G e s e l l s c h a f t s u n t e r n e h m e n zu v e r b e s s e r n .
Haftnahmen g e f o r d e r t ,

Ich habe außerdem

um d i e Befugnisse d e r Regierung z u r Durchführung von A n t i -

Trust-Untersuchungen zu s t ä r k e n und um e i n e n g e s t e i g e r t e n Wettbewerb im T r a n s portgewerbe zu ermöglichen.
Wenn wir v e r s c h i e d e n e Z i e l e g l e i c h z e i t i g zu e r r e i c h e n suchen, werden w i r
manchmal f e s t s t e l l e n ,
stehen.

daß d i e Z i e l e n i c h t immer v ö l l i g m i t e i n a n d e r im Einklang

Maßnahmen z u r Verwirklichung e i n e s Z i e l e s wirken sitäx zuweilen n a c h -

t e i l i g für e i n anderes a u s .

Ich weiß, daß d i e A n t i - ' ^ - s e ü s i o n s - S t e u e r s e n k u n g

um 16 M i l l i a r d e n D o l l a r , d i e s i n b e r e i t s großes D e f i z i t im Bundeshaushalt noch
e r h ö h t , d i e Erreichung der P r e i s s t a b i l i t ä t v i e l l e i c h t h i n a u s z ö g e r n kann.
e i n e s o f o r t i g e Steuersenkung i s t unbedingt e r f o r d e r l i c h .

Aber

Mein Programm wird

zu e i n e r Erhöhung des E n e r g i e p r e i s e s für d i e Verbraucher führen;

a b e r wenn

d i e s e notwendige Anpassung a b g e s c h l o s s e n i s t , s o l l t e es u n s e r e n F o r t s c h r i t t

in

Richtung auf das Z i e l n i c h t b e e i n t r ä c h t i g e n , i n den kommenden J a h r e n e i n e w e i t
g e r i n g e r e Zuwachsrate des allgemeinen P r e i s n i v e a u s zu e r r e i c h e n .

Wenn wir uns j e t z t mit unseren v o r d r i n g l i c h e n Problemen b e f a s s e n ,

können

w i r es uns n i c h t l e i s t e n , d i e k ü n f t i g e n Auswirkungen auf u n s e r e p o l i t i s c h e n
I n i t i a t i v e n zu i g n o r i e r e n .
schaft unterstützen.

Die S t e u e r - und W ä h r u n g s p o l i t i k muß 1975 d i e W i r t -

Während w i r d i e W i r t s c h a f t u n t e r s t ü t z e n , dürfen w i r es

jedoch n i c h t z u l a s s e n , daß uns d e r Sieg im Kampf gegen d i e I n f l a t i o n aus den
Händen g l e i t e t .

Es i s t e n t s c h e i d e n d w i c h t i g , daß w i r ü b e r dem A r b e i t s l o s e n -

problem n i c h t d i e Notwendigkeit aus dem Auge v e r l i e r e n , e i n e Senkung d e r I n f l a t i o n s r a t e n i c h t nur 1975, sondern auch 1976 und d a r ü b e r h i n a u s zu e r reichen.
Die

- 8 -

�Die künftige wirtschaftliche Prosperität unseres Landes erfordert die
Wiederherstellung eines größeren Maßes an Preisstabilität.

Dies wird eine

verantwortungsbewußtere Politik seitens der Regierung erfordern.
hier viel auf dem Spiele.

Es steht

Die Inflation verringert die Kaufkraft unserer

Einkommen, drückt auf die Gewinne und führt zu Verzerrungen auf unseren Kapitalmärkten.

Die Fähigkeit unserer freien Wirtschaft, einen immer höheren

Lebensstandard zu schaffen, würde beeinträchtigt werden. Wir dürfen uns nicht
in die Vorstellung einlullen lassen, daß die Inflation jetzt kein Hauptanliegen
unserer Wirtschaftspolitik mehr sei, da die Preissteigerungsrate sich zu verlangsamen scheint.

Die von mir unterbreiteten Vorschläge zu den Problemen der Rezession,
der Inflation und der Energie tragen der Tatsache Rechnung, daß die amerikanische Wirtschaft mehr und mehr ein Teil der Weltwirtschaft ist. Was wir tun,
berührt die Volkswirtschaften der anderen Länder, und was im Ausland geschieht,
wirkt sich auf unsere Volkswirtschaft aus. Enge Kommunikation, eine Koordinierung der Politik und Konsultationen mit den führenden Männern der anderen
Länder werden notwendig sein, wenn wir unsere wirtschaftlichen und finanziellen
Schwierigkeiten angehen, die mehr oder weniger die gleichen sind, wie in anderen
Industriestaaten der westlichen Welt.

Wir arbeiten bereits mit den anderen zusammen, um sicherzustellen, daß
das internationale Währungssystem dem Druck standhält, der durch die höheren
Ölpreise entstanden ist.

Die Verabschiedung des Handelsgesetzes von 1974 wird

es uns ermöglichen, in diesem Jahr entscheidend wichtige Verhandlungen über
eine weitere Liberalisierung des internatioanlen Handelssystems aufzunehmen,
und wir werden weiterhin mit den übrigen Ländern bei der Lösung der spezifischen Ernährungs- und Energieprobleme zusammenarbeiten.

Die wirtschaftlichen Probleme, die sich in den siebziger Jahren ergeben
haben, sind schwierig.
planung.

Einige von ihnen sind die Folge von Jahren der Fehl-

Unsere Anstrengungen zur Überwindung der wirtschaftlichen Schwierig-

keiten unseres Landes müssen sich auf Lösungen richten, die später nicht zu

- 9 -

�zu noch größeren Problemen führen.

1975 muß zu einem Jahr werden, in dem

wir uns unseren wirtschaftlichen Problemen stellen und den Weg zu echten
Lösungen einschlagen.

+ + + + +

- 10 -

�• amerika dienst
j}-

United
53

States

Bonn-Bad

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3/1975

DAS WIRTSCHAFTSPROGRAMM DER AMERIKANISCHEN REGIERUNG
Ausführliche Unterrichtung ausländischer

Korrespondenten

WASHINGTON - (AD) - F ü h r e n d e V e r t r e t e r d e r F o r d - A d m i n i s t r a t i o n h a b e n am
2 7 . J a n u a r i n W a s h i n g t o n a u s l ä n d i s c h e K o r r e s p o n d e n t e n im D e t a i l ü b e r d a s n e u e
Wirtschaftsprogramm

unterrichtet.

Das m e h r s t ü n d i g e s e h r s a c h k u n d i g e I n f o r m a t i o n s g e s p r ä c h w u r d e vom USInformationsamt

(USIA) v e r a n s t a l t e t ,

d e s s e n Aufgabe d i e D a r s t e l l u n g d e r Ver-

e i n i g t e n S t a a t e n g e g e n ü b e r dem A u s l a n d i s t .

D i e e i n f ü h r e n d e n Worte

U S I A - D i r e k t o r JAMES KEOGH; d i e T e i l n e h m e r a u f R e g i e r u n g s s e i t e
WILLIAM E . SIMON,

sprach

waren:

Finanzminister

JACK F . BENNETT, S t a a t s s e k r e t ä r

für Währungsangelegenheiten

CHARLES W. ROBINSON, S t a a t s s e k r e t ä r
ministerium
ERIC ZAUSNER, S t e l l v e r t r e t e n d e r
schaft

fürwirtschaftliche

im F i n a n z m i n i s t e r i u m

A n g e i g e n h e i t e n im A u ß e n -

L e i t e r d e s neuen Bundesamtes f ü r E n e r g i e w i r t -

GERALD L . PARSKY, U n t e r s t a a t s s e k r e t ä r
Finanzministerium.

f ü r H a n d e l , E n e r g i e u n d F i n a n z e n im

STEVEN w. BOSWORTH, L e i t e r d e s R e f e r a t - s
nisterium.

Brennstoff

u n d E n e r g i e im A u ß e n m i -

SIMON v e r w i e s e i n g a n g s a u f s e i n e d o p p e l t e F u n k t L o n a l s e r s t e r Mann d e r
internationalen Wirtschaftspolitik

und C h e f b e r a t e r

Vorsitzender des (Regierungs)-Ausschusses
-

1-

i n Energiefragen

fürWirtschaftspolitik

sowie a l s

und d a m i t a l s

�•4
a l s Hauptsprecher für b i n n e n w i r t s c h a f t l i c h e

*

i

Angelegenheiten.

Der F i n a n z m i n i s t e r k o n z e n t r i e r t e s i c h zunächst auf das - im w e s e n t l i c h e n b i n n e n w i r t s c h a f t l i c h e Programm des P r ä s i d e n t e n - S t i c h w o r t e :

Rezession,

f l a t i o n und Energie - und v e r t e i d i g t e d i e s e s Programm n a c h d r ü c k l i c h .

In-

Aller-

dings warnte auch e r vor e i n e r w e i t e r e n S t e i g e r u n g der Regierungsausgaben und
d e r Gefahr wachsender H a u s h a l t s d e f i z i t e .

"Es d a u e r t e 186 J a h r e , ehe w i r den

e r s t e n 100 M i l l i a r d e n D o l l a r - H a u s h a l t h a t t e n , das war 1962.

Wir b r a u c h t e n dann

nur noch neun J a h r e , um den e r s t e n 200 M i l l i a r d e n D o l l a r - H a u s h a l t zu haben, und
nur noch v i e r w e i t e r e J a h r e b i s zum 300 M i l l i a r d e n D o l l a r - H a u s h a l t " , so s a g t e
SIMON.

SIMON sah keine S c h w i e r i g k e i t e n für das Antirezessionsprogramm Fords im
Kongreß.

Bezüglich des Energieprogramms wandte e r s i c h n a c h h a l t i g gegen j e d e

Form der R a t i o n i e r u n g oder d e r Einfuhrquoten für Erdöl und E r d ö l p r o d u k t e , da
j e d e s s o l c h e System r i e s i g e Verwaltungskosten und v i e l e U n g e r e c h t i g k e i t e n b r i n g e .
Eine Senkung des Verbrauchs, d . h . E n e r g i e e i n s p a r u n g , könne und müsse über den
P r e i s e r r e i c h t werden.

Auf d i e s e Weise werde auch d i e Entwicklung

alternativer

E n e r g i e q u e l l e n und d i e w i r t s c h a f t l i c h e r e Nutzung der Energie v o r a n g e t r i e b e n .
S t a a t s s e k r e t ä r BENNETT k ü n d i g t e u . a . d i e b a l d i g e Abschaffung des amtlichen
G o l d p r e i s e s beim IWF an,

warnte davor, d i e Schwäche des D o l l a r zu ü b e r t r e i b e n ,

da man s e i n e n Wert n i c h t nur a l l e i n im V e r h ä l t n i s zur DM und zum Schweizer
Franken sehen d ü r f e .

Eine w e i t e r e Ausgabe von S o n d e r z i e h u n g s r e c h t e n - vor

allem zur E n t w i c k l u n g s f i n a n z i e r u n g - durch den IWF h i e l t BENNETT i n absehbar e r Zukunft füir a u s g e s c h l o s s e n .
ohne F l e x i b i l i t ä t n i c h t

Im ü b r i g e n könne d i e i n t e r n a t i o n a l e

Wirtschaft

funktionieren.

Die Abwertung d e s . D o l l a r , so b e t o n t e BENNETT, s e i n i c h t d i e Ursache,
sondern d i e Auswirkung t i e f e r e r w i r t s c h a f t l i c h e r

Ursachen..

S t a a t s s e k r e t ä r ROBINSON vom US-Außenministerium hob d i e w e c h s e l s e i t i g e
Verbundenheit und Abhängigkeit d e r Länder h e r v o r und e r k l ä r t e , d i e USA h ä t t e n
e i n Stadium d e r w i r t s c h a f t l i c h e n I n t e r d e p e n d e n z gegenüber der ü b r i g e n Welt e r - 2 -

�erreicht und die Wirtschaftspolitik müsse "in Harmonie mit dieser Realität"
gebracht werden.

Unterstaatssekretär PARSKY vom Finanzministerium ging auf die Energiepolitik ein, die aus drei Teilen bestehen müsse:

Zusammenarbeit der Verbraucher-

länder, starke Binnenpolitik, Zusammenarbeit mit den ölerzeugern.

Die Ölkrise

lasse sich weder bilateral lösen, noch dürfe sich der Verbraucher-ErzeugerDialog nur auf den Ölpreis erstrecken.

Letztlich gehe es um die wirtschaft-

liche Entwicklung.

PARSKY verteidigte ebenso wie ZAUSNER und BOSWORTH die vom Präsidenten
eingeschlagene Energiepolitik.

Sie vertraten übereinstimmend die Auffassung,

daß die Vereinigten Staaten - in Konsultationen mit Freunden und Verbündeten ihre Anstrengungen zur Energieunabhängigkeit vorantreiben müßten.

(Interessenten können den vollen 85seitigen Wortlaut des Informationsgespräches
bei USIS Bonn anfordern).

+ + + + +

�* amerika dienst
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3/1975

DIE ROLLE DER US-ARMEE IN DER NATO
Von Howard Callaway

Der amerikanische Staatssekretär für die
Armee (Armeeminister) Howard H. Callaway
hat auf der XII. Internationalen WehrkundeBegegnung in München am 1. und 2. Februar
1975 über die Rolle der Armee der Vereinigten Staaten im Atlantischen Bündnis
gesprochen. Nach kurzen persönlichen Begrüßungsworten machte Callaway - am 2. Februar - folgende Ausführungen:

Meine Ausführungen werden zunächst.die Rolle der Landstreitkräfte der Vereinigten Staaten in der NATO behandeln. Anschließend werde ich eingehend darüber berichten, was die Armee der Vereinigten Staaten tut, um dieser Rolle gerecht zu werden.

Das ist ein Gebiet, mit dem ich mich selbst am meisten be-

fasse.

Zunächst möchte ich einiges über den Aufgaben- und Operationsbereich der
NATO sagen.

Die Welt wird heute von vielen Gefahren bedroht, insbesondere be-

droht sind die Sicherheit und der Frieden. Zum Beispiel scheint die Entspannung
die Erkenntnis mancher Menschen gegenüber dem Vorhandensein offensichtlicher
Gefahr zu schwächen.

Entspannung wird von manchen als Tatsache hingenommen,

bei anderen erhält sie als Politik Beifall und wiederum bei anderen wird sie

�I

sie als neues Zeitalter begrüßt, und sie schafft die Grundlage zu Überlegungen für jene, die die westlichen Streitkräfte auf eine Stufe vermindern
möchten, die meiner Ansicht nach gefährlich wäre.

Entspannung wird von

einigen Leuten in den Vereinigten Staaten, die den Abzug einer großen Anzahl
von Truppen aus Europa wünschen, durchaus als Realität betrachtet, trotz der
bedrohlichen Tatsache des Vorhandenseins einer großen und schlagkräftigen
gegnerischen Streitmacht.

Ich glaube, daß es fair ist zu sagen, daß wir, wenn es uns auch gelungen
ist, in der Entspannung kleine Fortschritte zu erzielen, noch keinesfalls
einen richtigen Frieden haben.

Manchen mag die Tatsache, daß wir keinen Krieg

führen, schon als Frieden genügen, aber wenn es uns nicht gelingt, die Kriegsgefahr in der ganzen Welt zu verringern, kann es keinen sicheren und dauerhaften Frieden geben, auf den wir uns verlassen können.

Entspannung bedeutet

lediglich, daß die Spannungen unter den Ländern der Welt etwas nachgelassen
haben.

Es ist eine Ermessensfrage wieviel und was erreicht worden ist.

Ent-

spannung ist auch eine Idee, eine Auffassung 'von Absichten unter den Ländern
und als solches ist sie keine objektive Tatsache.

Sie kann sich ebenso schnell wie die Auffassungen ändern. Die Sicherheits- und Verteidigungspolitik muß sich aber mit Tatsachen befassen - mit der
wirklichen Macht, der Wirksamkeit und der Stärke - besonders wenn wir so
wichtige Probleme wie die Sicherheit Europas behandeln. Wir sollten den Traum
vom Frieden nicht verwerfen - helfe uns Gott, wenn wir diese Vision verlieren noch sollten wir die Hoffnung aufgeben, daß Entspannung uns die Mittel dazu
gibt, den wahren Frieden zu erreichen, den wir uns alle wünschen. Wir dürfen
aber auch den Blick für die wirklichen Bedrohungen und Gefahren, wo immer sie
bestehen, nicht verlieren, ebenso wie unsere Bereitschaft, ihnen begegnen zu
können.

Die hier vertretenen Länder haben große Fortschritte erzielt in ihren Bemühungen ihrer diplomatischen Beziehungen zu anderen Ländern, die als mögliche
Gegner angesehen werden.

Es ist aber interessant festzustellen, daß, obwohl

die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahrzehnt ihre Streitkräfte wesentlich
- 2 -

�•

wesentlich verringert haben, weder die Sowjetunion, noch irgendein anderer
Staat des Warschauer Pakts diesem Beispiel gefolgt ist - im Gegenteil - sie
haben ihre Streitkräfte ständig und überaus eindrucksvoll vergrößert.

Wir müssen uns deshalb sorgfältig vor der Illusion hüten, daß Entspannung
irgendwie die Notwendigkeit für Abschreckung und Verteidigung überflüssig werden
läßt.

Die NATO selbst erkannte im HARMEL-Bericht vom Jahre 1967, daß "militärische Sicherheit und Entspannungspolitik sich nicht widersprechen, sondern
sich ergänzen.
Weltpolitik.

Die kollektive Verteidigung ist ein Stabilitätsfaktor in der

Sie ist eine notwendige Voraussetzung für eine wirksame Politik,

die darauf ausgerichtet ist, eine Verminderung der Spannungen zu erreichen".
Nur wenn wir unsere Stärke erhalten und vergrößern, dienen wir der Entspannung.
Wir stellen fest, daß die Sowjetunion darin scheinbar keinen Widerspruch sieht,
zu erklären, daß sie die Entspannung sucht, während sie dabei die Kampfbereitschaft ihrer Streitkräfte vergrößert.

Die1intensiven sowjetischen Initiativen

auf dem Gebiet der strategischen Waffen sind gekoppelt mit ihren offensichtlichen Bemühungen, ihre konventionellen Streitkräfte zu verstärken.

Ihr Mo-

dernisierungsprogramm hat einen bemerkenswerten und außerordentlich großen
Fortschritt gemacht - besonders bei ihren höchst beweglichen und hochentwickelten
Landstreitkräften.

Sie haben mit ihren Bemühungen auf diesem Gebiet in zuneh-

mendem Maße Erfolge erzielt. Aus diesem Grunde und wegen der offensichtlichen
Bedrohung ist die NATO da. Unsere kombinierten Streitkräfte müssen in der Lage
sein, jede unbesonnene oder provozierte Aktion durch den Warschauer Pakt abzuschrecken.

Ein wirksames Gegengewicht ist ein wesentlicher Bestandteil der

Abschreckung.

Sollten aber alle unsere Bemühungen zur Verhinderung eines An-

griffs versagen, müssen wir in der Lage sein, einem Angriff erfolgreich entgegenzutreten.

Unsere Länder können einen Krieg nur dadurch verhindern, indem sie deutlich
zeigen, daß,während sie bemüht sind, ihn zu vermeiden, jeder von uns bereit und
in der Lage ist, zu kämpfen, wenn es nötig werden sollte. Während wir uns in
jeder Weise um einen echten Frieden bemühen, müssen wir aber auch zeigen, daß
- 3-

�daß wir bereit sind, uns und unsere gemeinsamen Interessen zu verteidigen.
Ich glaube, wenn die anderen deutlich erkennen, daß wir bereit sind der Bedrohung eines Krieges entgegenzutreten, werden wir die Schrecken eines Krieges
nicht erleben müssen.

Es ist dieses grundlegende Abschreckungskonzept das

das Band unseres Bündnisses bildet. Vor diesem Hintergrund hat die NATO im
Sommer des vorigen Jahres erneut bestätigt, daß sie sich zur kollektiven
Sicherheit bekennt - durch Anerkennung der neuen Atlantischen Charta, durch
öffentliche Verkündigung unserer Verpflichtungen zum Frieden, und das feierliche Versprechen, zusammenzustehen zur Erhaltung unserer Freiheit, unserer
Unabhängigkeit und unserer vertrauten Lebensart.

Es ist höchst ermutigend, daß diese nochmalige Bestätigung unserer gemeinsamen Verpflichtung zum richtigen Zeitpunkt erfolgte, und daß diese erneuerte Verpflichtung in einer Zeit übernommen wurde, in der es in zunehmendem
Maße schwieriger wurde, für diese Verpflichtung einzustehen.

Es gab und wird

auch weiterhin wirtschaftliche Spannungen in den Industrieländern geben, weitgehenden Mangel an Rohstoffen, sowie steigende soziale Forderungen in unseren
nationalen Haushalten.

Es ist ein dramatisches Zeugnis für die Stärke unseres

gemeinsamen Entschlusses, daß jeder NATO-Partner sich weiterhin bemüht, angemessenes Menschenpotential, Industrieerzeugnisse und finanzielle Mittel zur
gemeinsamen Verteidigung beizutragen.

Nachdem wir die Hintergründe für die Bedrohung der Verteidigung in Europa
betrachtet haben, bin ich überzeugt, daß Sie mein Gefühl der Zufriedenheit

über das kürzlich erzielte grundsätzliche Übereinkommen in Wladiwostok über
die Beschränkung der strategischen Waffen teilen werden.

Ich glaube, daß

dieses Übereinkommen, trotz der Forderung nach weiteren, in Einzelheiten gehende Verhandlungen, einen großen Schritt vorwärts bedeutet.

Ich glaube, daß

dieses Übereinkommen zur Stabilisierung und zu den Bemühungen um einen echten
Frieden wesentlich beitragen wird.

Ich begrüße auch die Verhandlungen über eine beiderseitige und ausgewogene
Truppenverringerung, die zur Zeit in Wien geführt werden.

Unser Hauptziel bei

diesen Gesprächen ist es, eine ungefähre Gleichheit im Sinne einer gemeinsamen
- 4 -

�gemeinsamen Abgrenzung nach oben zwischen den Landstreitkräften der NATO
und des Warschauer Pakts in Mitteleuropa zu erreichen, den Rüstungswettlauf
zu verlangsamen und, hoffentlich, die Verteidigungskosten zu verringern.
Gleichzeitig soll die militärische Stärke, die genügt, um die Kräfte des
Warschauer Pakts abzuschrecken, erhalten und, ein freies und sicheres Westeuropa bewahrt werden.

Diese Gespräche beweisen die Lebensfähigkeit und den

Zusammenhalt des Bündnisses. Der am meisten ermutigende Aspekt der Gespräche
in Wien war für mich die Solidarität der NATO.

Die NATO-Länder haben bei

diesen Gesprächen ihre gemeinsame Haltung beibehalten und standen während
des ganzen Verhandlungsverlaufs miteinander in enger Verbindung.

Bei den in

Wien geführten Gespräche zeigte sich derselbe Geist der Zusammenarbeit für
ein gemeinsames Ziel, wie er auch bei der Konferenz über die Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa zu spüren ist.

Zusammen mit den Besprechungen über

die Beschränkung strategischer Waffen, bei denen wir ebenfalls ständig Gespräche mit unseren Verbündeten führten, könnten diese wichtigen Entwicklungen zu Eckpfeilern eines neuen Bollwerks des Vertrauens für diesen Teil
der Welt werden.

Diese Ereignisse liefern den Beweis für eine Verschiebung

von der Konfrontation zur Verhandlung.

Es sind wichtige Bestandteile einer

guten Friedensstruktur.

Lassen Sie mich nun dazu übergehen, darzulegen, wie ich mir den Beitrag
der Armee der Vereinigten Staaten zu den Zielen der NATO und zu anderen wichtigen Aufgaben, die ich erwähnt habe, vorstelle.

Ein großer Teil unserer

Landstreitkräfte ist für die Verteidigung Europas vorgesehen.

Ungefähr ein

Drittel unserer aktiven Kampfverbände ist hier in Deutschland stationiert
und ist zum sofortigen Einsatz bereit, und wir sind dabei, sie noch in diesem
Jahr zu verstärken.

Weiterhin sind wir bereit, unsere Streitkräfte auf dem

Kontinent im Notfall kurzfristig zu verstärken - eine Fähigkeit, die wir
schon wiederholt und nachdrücklich bewiesen haben.

Wir waren ständig be-

strebt, die Qualität und Kampfkraft unserer Landstreitkräfte zu erhöhen durch
Einführung von verbessertem Gerät und durch solche Verstärkungsmaßnahmen wie
z.B. die Erhöhung der Zahl von Panzerabwehrwaffen bei Kampfeinheiten.

Dabei

haben wir unsere taktische Nukleareinsatzbereitschaft nicht vernachlässigt,
da wir meinen, daß diese Verteidigungsart ebenso wichtig ist wie eine starke
- 5-

�starke konventionelle Kampfkraft.

Ich möchte bemerken, daß die Einführung

des LANCE-Boden-Boden-Raketensystems bei unserer Armee in Europa diesen Teil
unserer Einsatzbereitschaft bestimmt erhöht hat.

Ich glaube, daß die Bemühungen der Armee der Vereinigten Staaten zur
Aufrechterhaltung und Erhöhung ihres Beitrages an Landstreitkräften für die
NATO am besten erläutert werden kann, wenn wir eine Beschreibung davon geben,
was wir gegenwärtig innerhalb der Armee tun. Wir legen größten Nachdruck
darauf, sicherzustellen, daß die Armee vor allem bereit und sofort einsatzfähig ist und zweitens, daß sie jederzeit für einen beschränkten und flexiblen
Einsatz bereitsteht.

Zu dieser Schwerpunktbildung möchte ich Ihnen nun ein

paar Gedanken mitteilen.

Erstens, unsere Armee ist eine Streitmacht, die jederzeit bereit und
sofort einsatzfähig ist.
Kampfwert.
bildet.

Es ist keine Streitkraft von lediglich symbolischem

Sie ist keine Kaderarmee, sondern diszipliniert und gut ausge-

Sie ist in der Lage jeden Kampfauftrag sofort und wirksam durchzu-

führen.

Zweitens, unsere Armee kann jederzeit einen beschränkten und flexiblen
Einsatz durchführen.

Wir haben unsere Streitkräfte und ihre Einsatzfähigkeit darauf eingestellt, daß jede gegebene Situation durch den am besten geeigneten Einsatz
gemeistert werden kann.

Wir möchten sicherstellen, daß unser Präsident im

Notfall eine Reihe von Möglichkeiten für die Auswahl von bestimmten und geeigneten Streitkräften hat, um die Gefahr einer Überreaktion oder Eskalation zu
vermeiden.

Nachdem ufiser Einsatz in Vietnam beendet war, verringerten sich

die Größe und Kampfbereitschaft unserer Armee sehr rasch.

Durch diese raschen

Änderungen entstand ein Zustand voller Unruhe und Ungewißheit.

Nachdem dieser

Rückgang zum Stillstand gekommen war, sahen wir unsere Hauptaufgabe darin, die
Einsatzbereitschaft unserer Armee wieder zu erhöhen, und ihr zu helfen, ihre
Stabilität zurückzuerlangen, um die Unruhe unter den Menschen und in den Ein
heiten zu beenden, und um ihre Bereitschaft zur Unterstützung unserer großen
- 6 -

�großen Aufgabe in Europa zu verbessern.

Eine der entscheidensten Maßnahmen

zur Förderung der Entwicklung der Armee war der Übergang zu einem vollkommenen
Berufsheer.

Ich freue mich, berichten zu können, daß das Berufsheer nun Wirk-

lichkeit geworden ist und daß diese Maßnahme offensichtlich erfolgreich War.
Unser Ziel hinsichtlich der Rekrutierung wurde im letzten Jahr voll erreicht
und es besteht kein Zweifel, daß wir unser Ziel auch in diesem Jahr wieder erreichen werden.
Als Folge davon waren wir in der Lage, die Anforderungen für die Auslese
der Soldaten bei der Rekrutierung wesentlich heraufzusetzen.

Durch die Erlangung der Personalstabilität wurde die Entwicklung eines
hohen Grades an fachlichem Leistungsniveau innerhalb unseres Berufsheeres
möglich.

Ich glaube getrost sagen zu können, daß unsere heutige Armee eine

stärkere Armee ist, als sie jemals zu Friedenszeiten war.

Um ihre Schlagkraft

weiter zu erhöhen, bemühen wir uns um die Zustimmung und Unterstützung des
Kongresses der Vereinigten Staaten um eine Gliederung zu erreichen, die als
16 zu 8 Divisionsverhältnis bezeichnet wird, d.h. 16 aktive ArmeediVisionen
und ein Kontingent von 8 Reservedivisionen.

Das bedeutet wiederum 3 zusätz-

liche aktive Divisionen im Vergleich zur gegenwärtigen Stärke, sodaß

durch

diesen Zuwachs die Glaubwürdigkeit unserer Armee als wirksame Streitmacht zur
Erhaltung des Friedens wesentlich erhöht wird.

Zusätzlich zu diesen Divisionen

verfügen wir über die effektive Kampfstärke einer Anzahl von selbständigen
Brigaden und Regimentern, die, obwohl sie kleiner sind, über einen längeren
Zeitraum als unabhängige Einheiten eingesetzt werden können.
sionen, Brigaden und Regimenter

Über die Divi-

hinaus kommen noch Ranger-Bataillone und

verschiedene andere kleinere Kampfverbände hinzu, um unsere Fähigkeit zu erhöhen, einer Vielzahl von Herausforderungen entgegenzutreten.

Wie ich bereits

gesagt habe, ist es unser Ziel, unserem Präsidenten die größtmögliche Auswahl
an Alternativen, sowie maximalen Spielraum und große Flexibilität zu geben,
für den Fall, daß ein militärischer Einsatz notwendig werden sollte.

Seit einigen Jahren bemühen wir uns besonders, die Kampfkraft unserer
Armee in Europa im Rahmen unserer festgesetzten Personalhöchststärke zu er-

- 7-

�erhöhen.

Wir erreichen es durch die Erhöhung des Verhältnisses zwischen den

Kampf- und Versorgungsverbänden unserer konventionellen Armee in Europa. Beträchtliche Kürzungen an Versorgungspersonal werden durch Maßnahmen wie die
Auflösung von Stäben, die Inaktivierung bestimmter Einheiten, und die Personalreduzierung bei einigen Verbänden erreicht.

Diese von Militärpersonal be-

setzten Stellen können rasch in Planstellen für Kampftruppen umgewandelt werden.

Daraus ergibt sich, daß etwa 6000 Planstellen für Kampftruppen für un-

sere Armee in Europa während der nächsten Monate bereitgestellt werden können.
Die kürzlich von Senator Nunn vorgelegte Gesetzesvorlage hat diesem Trend nach
größerer Kampfstärke neuen Nachdruck verliehen.

Ein Rückblick zeigt, daß der Anteil an Kampftruppen unserer in Europa
stationierten Landstreitkräfte im Jahre 1972 etwa 59 Prozent betrug.
Rest bestand aus Versorgungsverbänden.
vorigen Jahr auf 61 Prozent.

Der

Der Anteil der Kampftruppen stieg im

Er beträgt zur Zeit 62 Prozent, und wird sich

vor Ende des Jahres 1975 auf etwa 64 Prozent erhöhen.

Verständlicherweise

sind wir über diese bedeutende Verbesserung der Kampfstärke auf dem Kontinent
erfreut;

sie wird sich bald in der Struktur unserer Landstreitkräfte, die

der NATO zugeteilt sind, zeigen.

Im Jahresausblick wird das Verhältnis der

Kampftruppen zu Versorgungseinheiten im Jahre 1976 sogar noch günstiger sein.
Bis zu diesem Zeitpunkt wird der Anteil der Kampftruppen auf etwa 68 Prozent
gestiegen sein.
werden.

Im Jahre 1977 wird mit 71 Prozent der Höhepunkt erreicht

Es ist klar, daß wir die Versorgungsverbände nicht verringern können,

ohne einige Ausgleichsmaßnahmen zu treffen.

Einer der Schlüssel zu diesem

Problem ist ein größeres Vertrauen auf eine internationale Unterstützung bei
der Logistik und Versorgung, worauf ich noch näher eingehen werde.

Diese dramatische Erhöhung der Kampfstärke wird zur Folge haben, daß
möglicherweise

etwa 12 OOO Mann an Kampftruppen zusätzlich für den Einsatz

in Europa zugeteilt werden.

Eine Brigade der 2. Panzerdivision in Fort Hood,

Texas, wird ab März dieses Jahres nach Deutschland verlegt.
werden weitere Kampfverbände in Deutschland stationiert.

Im nächsten Jahr

Ich möchte betonen,

daß diese Verlegung keine allgemeine Zunahme der Zahl amerikanischer Soldaten
bedeutet, denn die neuen Kampfeinheiten werden Versorgungsverbände, die auf-

�aufgelöst werden, ersetzen.

Nebenbei bemerkt ist es vorgesehen, jeden dieser

neuen Kampfverbände für eine Zeit von sechs Monaten in Deutschland zu stationieren und dann nach Ablauf dieser sechs Monate durch einen ähnlichen Verband
abzulösen.

Die Angehörigen der Soldaten werden in den Heimatstandorten in

den Vereinigten Staaten verbleiben.

Im vorigen Jahr haben wir uns eine engere Verbindung zwischen unserer
aktiven Armee und unseren Reservekontingenten zum Ziel gesetzt.

Heute können

wir über große Fortschritte in der Erreichung dieses Zieles berichten.

Früher

wurden unsere Reservekontingente als getrennt von den aktiven Streitkräften
betrachtet.

Das Konzept ihrer Verwendung verlangte einen beträchtlichen Zeit-

aufwand für die Aufstellung und Vorbereitung.

Die Folge davon war, daß sie

nicht die Beachtung und Unterstützung erhielten, die notwendig war, um ihr
ganzes Potential auszuschöpfen.

Heute sind unsere Reservekontingente direkt

mit der aktiven Armee verbunden, um unsere Gesamttruppen zu vervollständigen.
Unter Umständen würden Reserveeinheiten zusammen mit aktiven Einheiten sofort
eingesetzt werden.

In anderen Fällen würden sie dem Einsatz von aktiven Ein-

heiten unmittelbar folgen.

Auf diese Weise kommen die Reserveeinheiten der

Erreichung ihres vollen Potentials viel näher.

Ich glaube, daß dadurch die

allgemeine Einsatzbereitschaft unserer Armee in einem gewaltigen Ausmaß erhöht worden ist.

Damit eine Armee kampfkräftig wird, braucht sie nicht nur gute Soldaten,
eine vernünftige Organisation und eine wirksame Doktrin, sondern sie muß auch
gut ausgerüstet sein.

Die Armee der Vereinigten Staaten hat die Entwicklung

verschiedener neuer Waffen und Ausrüstungsgegenstände, die ihre Kampfkraft
auf einem modernen Schlachtfeld erhöhen, mit Nachdruck betrieben.

Aus ver-

waltungstechnischen Gründen mögen hier nur die wichtigsten Waffen und Ausrüstungsgegenstände genannt sein, die entwickelt werden, nämlich die "Großen
Fünf".

Diese Ausrüstungsgegenstände stellen ein geschlossenes "Paket" neuer

Systeme dar, die geplant worden sind, um den Gefahren auf dem Schlachtfeld
der achtziger Jahre zu begegnen.

Erlauben Sie mir, diese Systeme kurz zu

beschreiben.
Eines
- 9 -

�\
*

Eines unserer Vorhaben, das in der Entwicklung den größten Vorrang hat,
ist ein neuer Hauptkampfpanzer unter der Bezeichnung "XM1".

Dieser Panzer

ist gekennzeichnet durch Feuerkontrollsysteme, größere Feuerkraft, bessere
Geländegängigkeit und verbesserte Panzerung.
Ein weiterer bedeutender Zuwachs in unserem Arsenal ist ein Fahrzeug,
das den derzeitigen Schützenpanzer ersetzen soll.

Dieses neue Fahrzeug, das

wir "Mechanized Infantry Combat Vehicle" (etwa Schützenkampfpanzer) nennen,
ist ein leichtes gepanzertes Kettenfahrzeug mit Geländegängigkeit, aufgesetzten Waffen, Fernmeldeanlage und Panzerschutz für den Einsatz von motorisierten Infanteriegruppen zu Fuß oder aufgesessen.
fähig.

Er ist ferner schwimm-

Mit der Produktion dieses Fahrzeuges wird voraussichtlich im August

1976 begonnen.

Ein weiterer anspruchsvoller Ausrüstungsgegenstand steht ebenfalls in
der Entwicklung - der moderne Angriffskampfhubschrauber (advanced attack
helicopter).

Es handelt sich dabei um ein zweimotoriges Fluggerät, das

8 - 1 2 Panzerabwehrraketen tragen kann - die sogenannte
800 - lOOO Schuß Munition für seine 30 mm-Kanone.

"TOW"-Rakete, sowie

Durch die verbesserten

Merkmale dieses Fluggeräts erhöht sich seine Überlebensfähigkeit und wird
ein außerordentlich wirkungsvoller Kampfeinsatz sogar bei Nacht und bei
schlechtem Wetter möglich.

Unser Programm für die Entwicklung dieses an-

spruchsvollen Hubschraubers ist deshalb sehr vielversprechend.
Die letzten zwei Ausrüstungsgegenstände sind ein verbesserter Mehrzweckhubschrauber, um die Beweglichkeit im Kampfeinsatz zu erhöhen, sowie ein
Raketensystem, das wir als

"SAM D"

Truppen im Kampfeinsatz dienen soll.

bezeichnen, das der Luftabwehr für unsere
Zusammengefaßt, bilden diese fünf Ent-

wicklungsprogramme das Rückgrat unserer Waffensysteme für die nahe Zukunft.

Es liegt auf der Hand, daß die Bewaffnung, wenn sie anspruchsvoller wird,
auch mehr kostet.

Dadurch entsteht für diejenigen, die Entscheidungen treffen

müssen, ein schwieriges Problem.

Wenn immer wir uns entschließen, eine neue

Waffe unserem Arsenal hinzuzufügen, müssen wir uns fragen:
- 10 -

Sollen wir we-

�weniger der teuren Typen bestellen und dafür eine größere Anzahl der vorhandenen Modelle zum selben Preis?

So müssen wir beispielsweise bei unserem

Panzerprogramm in Erwägung ziehen, wieviel

"XM1" wir uns leisten können in

Vergleich zu der Zahl von Panzern, die gegenwärtig disloziert sind, zum selben Preis. Nebenbei bemerkt, wir haben unsere vorhandenen Bestände an Panzern verbessert und zwar die M-60 Serie, wie auch einige unserer älteren
Modelle der M-48 Serie.

Dieser Verbesserungsprozeß ermöglicht es uns, unsere

Streitkräfte allmählich zu modernisieren anstatt zu warten, bis wir nach Vollendung der Entwicklung eines völlig neuen Projektes dieses benutzen können.

Unsere Politik zielt darauf ab, bestimmte Kampfeinheiten mit der Anzahl
von hochmodernem Gerät auszustatten,das. sie bei der Durchführung ihrer Aufgabe benötigen, und den verbleibenden Bedarf mit vorhandenen Modellen zu
decken.

Dieses Verfahren wird als

"High-low-Mix"

bezeichnet.

Durch eine der-

art abgestimmte Verteilung sind wir in der Lage, eine vernünftige Preisgrenze
einzuhalten und trotzdem die allgemeine Kampfkraft dieser Einheiten zu verbessern, um den Erfolg im Kampfeinsatz sicherzustellen.

Im Rahmen dieses

neuen Konzepts werden amerikanische Kampfeinheiten, die für die Verteidigung
an vorderster Front bestimmt sind, mit einem verhältnismäßig großen Anteil
an hochmoderner Bewaffnung ausgerüstet, um ihnen Erfolg in der wichtigen
ersten Kampfphase zu gewährleisten.

Wenn wir über Ausrüstung sprechen, kommen wir auf ein Thema, das für
alle Landstreitkräfte ebenso wie für Luft- und Seestreitkräfte der NATO von
größter Bedeutung ist, nämlich die Notwendigkeit der Standardisierung.

In-

flation und schlechte wirtschaftliche Verhältnisse treffen uns alle. Auf
diesem Gebiet ist es für jeden von uns dringend notwendig, äußerste Sparsamkeit walten zu lassen. Wir können es uns aber kaum leisten, unsere gemeinsamen Anstrengungen zur Verbesserung unserer militärischen Schlagkraft zu
vermindern oder einzuschränken.

Wir müssen zusammenarbeiten, um das gemein-

same Ziel zu erreichen, die bestmögliche Verteidigungsstärke mit den uns zur
Verfügung stehenden Mitteln zu entwickeln.
- 11 -

Ein wichtiges Verfahren, um we-

�wesentliche Einsparungen erzielen zu können und dabei dennoch die Wirksamkeit zu verbessern, ist die Standardisierung.

Die Standardisierung wird es

uns ermöglichen, eine allgemein größere Wirksamkeit bei geringeren Kosten
zu erreichen.

Wir haben uns deshalb voll zur Unterstützung eines gemeinsamen Forschungs-,
Entwicklungs- und Beschaffungsprogramms verpflichtet.

Das vergangene Viertel-

jahrhundert brachte eine kaum abzuschätzende Verschwendung sowohl amerikanischer als auch europäischer Mittel an Arbeitskräften, Geld, Energie und
Material - einfach deswegen, weil wir es oft versäumt haben, unsere Bemühungen
zu vereinen und kostspielige Überschneidungen zu vermeiden.

Zum Beispiel gibt

es vier verschiedene Hauptkampfpanzer in den Armeen von acht Verbündeten,
13 verschiedenen Typen von Nahkampf-Panzerabwehrwaffen bei 22 Armeen, und vier
verschiedene Boden-Luft-Raketensysteme, die gegenwärtig entwickelt werden.
Wir müssen die natürliche Tendenz

"Kaufe im eigenen Land"

wir müssen lernen, unsere Protektionstendenzen abzubauen.

überwinden und
Wir sind bereit,

•

mit den anderen Armeen der NATO voll zusammenzuarbeiten, um eine kostspielige
•,

Doppelentwicklung von Geräten zu vermindern.

Unsere Verpflichtung zur Standardisierung darf nicht nur leeres Gerede
sein, sondern muß sich in unserem Handeln

widerspiegeln.

Ich glaube, daß

verschiedene Maßnahmen, die die Verteidigungsbehörden der Vereinigten Staaten
kürzlich durchgeführt haben, unsere echte Absicht beweisen, daß wir für die
Standardisierung sind.

Die Bundesrepublik Deutschland verändert gegenwärtig eines ihrer in
der Entwicklung befindlichen LEOPARD II-Panzermodelle, um die

"XMl" Bedin-

gungen zu erfüllen hinsichtlich Panzerschutz, Systemausführung, Verläßlichkeit, Unterhalt und Herstellungskosten.

Wir planen, diesen deutschen Proto-

typ auszuwerten als Konkurrenten von jeglichem Panzer, der an der Spitze des
Wettbewerbs in den Vereinigten Staaten erscheinen sollte. Wir hoffen, daß
das Endergebnis ein Modell sein wird, das sowohl den Bedürfnissen der Vereinigten Staaten, der Bundesrepublik Deutschland, als auch den anderen ver-

�verbündeten Ländern entspricht.

Damit wäre ein einheitliches Panzermodell

vorhanden, das letztlich zu einer Kosteneinsparung und Verbesserung der Kampfkraft führen würde.

Ungeachtet dessen, ob nun die endgültige Wahl auf den LEOPARD II als
neuen Hauptkampfpanzer fällt oder nicht, so sind sich die Vereinigten Staaten,
Großbritannien und die Bundesrepublik Deutschland über die Entwicklung eines
einheitlichen Panzergeschützsystems einig, um eine Standardisierung dieser
wichtigen Waffe zu erreichen.

Eine Standardisierung des Geschützes würde die Probleme wesentlich verringern, die durch die Verwendung von verschiedenen Munitionsarten entstehen
und den multinationalen Streitkräften hinderlich sind.

Gegenwärtig vergleichen

wir in England die verschiedenen Geschütztypen bei einem Wettbewerb im Übungsschießen.

Danach können die nationalen Entscheidungen darüber getroffen werden,

mit welchem Geschütz der beteiligten drei Nationen die Hauptkampfpanzer ausgerüstet werden sollen.

Erst kürzlich haben sich die Vereinigten Staaten entschlossen, das
ROLAND-Allwetter-Nahbereichs-Luftverteidigungssystem zu erwerben, welches
von einem deutsch-französischem Konsortium entwickelt worden ist und zur Zeit
in der Bundesrepublik Deutschland abschließenden Prüfungen unterzogen wird.
Wir konnten uns überzeugen, daß infolge der ausgezeichneten Eigenschaften
des ROLAND-Systems hinsichtlich seiner Treffsicherheit, der Beibehaltung der
Schlagkraft und der Beweglichkeit im Einsatz, dieses System für uns günstig
wäre und zur weiteren Standardisierung innerhalb der NATO beitragen würde.

Die Standardisierung sollte natürlich nicht nur bei der Kampfausrüstung
Anwendung finden, sondern auch bei anderen wichtigen Versorgungsfaktoren,
wie z.B. bei logistischen Systemen.

Jetzt kann die Zeit zur Überprüfung der

Politik der NATO gekommen sein - ob nämlich Logistik eine Angelegenheit der
nationalen Verantwortung sei.

Es könnte durchaus in Betracht gezogen werden,

daß bestimmtes Gerät aus der zivilen Wirtschaft des Gastlandes (z.B. Lastkraftwagen und schwere Baumaschinen) zur Verfügung gestellt wird, um den Bedarf
- 13 -

�&lt;
Bedarf der Gaststreitkräfte, dort große Vorräte zu lagern, zu vermindern.
Solche Maßnahmen würden eine Standardisierung erleichtern und würden auch
einen großen Schritt vorwärts hinsichtlich einer rationelleren und wirkungsvolleren Ausnutzung des Potentials bedeuten.
Weitere Einsparungen und eine erhöhte Wirksamkeit beim Einsatz könnten
auch durch die Zusammenlegung und Standardisierung des Fernmeldewesens der
NATO erzielt werden.

Die zunehmende gegenseitige Abhängigkeit (Interdependenz)

zwischen unseren Ländern weist auf die Notwendigkeit hin, daß der internationalen Zusammenarbeit und der multinationalen Unterstützung auf diesem Gebiet
mehr Nachdruck verliehen werden muß, insbesondere in bezug auf die Führung
und Überwachung, die Feuerkraft und die strategische

Beweglichkeit.

Ich habe großes Vertrauen zur NATO und zu allen Völkern, die im Bündnis
vertreten sind.

Ich bin sicher, daß wir getrost jeder Gefahr begegnen können,

wenn wir den Willen haben, diesen Gefahren zu trotzen, ehe sie uns überwältigen.

Wenn wir uns das zur Aufgabe machen, sind wir bereits weit vorange-

kommen auf dem Wege zum wahren Frieden, den sich die Menschen auf der ganzen
Welt ersehnen.

+ + + + +

�</text>
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                <text>Amerikadienst 12.02.1975</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Ford legt neuen amerikanischen Haushalt vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Wirtschaftsbericht des amerikanischen Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Wirtschaftsprogramm der amerikanischen Regierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausführliche Unterrichtung ausländischer Korrsepondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle der US-Armee in der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Howard Callaway&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
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Information
und
Dokumentation

08-85432

Nummer 4

26. F e b r u a r 1975

Inhalt

INFORMATION
Klarstellung der Bestimmungen für USA-Besucher
Ausstellung und Fachtagung "Umweltschutz" im US-Handelszentrum
in Frankfurt am Main

DOKUMENTATION
Devisenausgleich - Bericht Präsident Fords an den US-Kongreß
- Wortlaut Kissinger-Gromyko-Erklärung vom 17. Februar 19 75
- Wortlaut -

WIRTSCHAFT
Kissinger: Energieproblem über den Preis lösen
- Rede des US-Außenminister vor dem National Press Club -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erdöl aus Pioniergebieten
US-Regierung dringt auf beschleunigte Erschließung neuer Vorkommen

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

�1

amerika dienst

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Telex:08-85432

4/1975

KLARSTELLUNG DER BESTIMMUNGEN FÜR USA-BESUCHER

BONN - (AD) - Eine kürzlich von der amerikanischen Einwanderungsbehörde
(US-Immigration and Naturalization Service) verfügte Änderung der Bestimmungen
über die Aufenthaltsdauer ausländischer Besucher in den Vereinigten Staaten
hat nach Ansicht amerikanischer Botschaftskreise in Bonn verschiedentlich zu
Mißverständnissen geführt.

Um die künftig für die Einreise in die Vereinigten

Staaten gültigen Bestimmungen klarzustellen, wird von diesen Stellen zu den Anordnungen der amerikanischen Einwanderungsbehörde folgendes festgestellt:

Bis vor kurzem konnten Besucher der Vereinigten Staaten die Erlaubnis
erhalten, bis zu sechs Monaten in den USA zu bleiben, und dann konnte eine Verlängerung des Aufenthalts um weitere
wanderungsbehörde beantragt werden.

sechs Monate bei der amerikanischen EinDie neuen Bestimmungen besagen, daß vom

16. Februar an ein in die Vereinigten Staaten einreisender Besucher eine Aufenthaltenserlaubnis entsprechend dem Zweck seines Besuches erhalten kann. Der
Zeitraum beläuft sich höchstens auf sechs Monate - es sei denn, daß zwingende
Gründe vorliegen, und auch dann beträgt die Höchstgrenze 12 Monate.

Verlängerungen

werden nicht gewährt.

Die neuen Bestimmungen haben nach Ansicht der Botschaft möglicherweise
deshalb Verwirrung ausgelöst, weil allgemein der Unterschied zwischen Visum
und der Bewilligung der Aufenthaltsdauer nicht bekannt ist.

Ein
- 1 -

�Ein Besuchervisum für die Vereinigten Staaten wird von einem Konsularbeamten ausgestellt.
USA es gilt.

Es gibt an, für wie lange und für wie viele Reisen in die

Das Visum ist jedoch keine Genehmigung für eine Einreise in die

USA und auch keine Genehmigung, sich eine bestimmte Zeit in den Vereinigten
Staaten aufzuhalten.

Es besagt lediglich, daß der Inhaber des Visums sich an

den Ort der vorgesehenen Einreise begeben und dort bei der amerikanischen Einwanderungsbehörde einen Antrag auf Einreise stellen darf.

Wenn diese Erlaubnis

am Ort der Einreise erteilt ist, dann wird damit auch eine Genehmigung für eine
bestimmte Aufenthaltsdauer gegeben.

Nach den neuen Bestimmungen ist die Auf-

enthaltsdauer für jeden Einreisenden normalerweise auf sechs Monate begrenzt
und dieser Zeitraum kann nicht verlängert werden.

Die meisten deutschen Besucher erhalten ein Visum, das unbegrenzt und für
eine mehrmalige Einreise gültig ist.

Das bedeutet, daß der Inhaber des Visums

so oft in die Vereinigten Staaten reisen kann, wie er dies will und so lange
sein Paß gültig ist.

Bei jeder Einreise in die Vereinigten Staaten muß ihm

jedoch am Ort der Einreise die Aufenthaltsdauer für diesen neuen Besuch genehmigt
werden.
m

Die Konsularbeamten weisen noch besonders darauf hin, daß die neuen Bestimmungen nur für Touristen und nicht für Geschäftsreisende gelten.

+ + + + +

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4/1975

AUSSTELLUNG UND FACHTAGUNG "UMWELTSCHUTZ" IM
US-HANDELSZENTRUM IN FRANKFURT AM MAIN

Im amerikanischen Handelszentrum in Frankfurt am Main, Bockenheimer
Landstraße 2 - 4 , findet vom 22. bis 25. April 1975 eine Ausstellung zum
Thema Umweltschutz - Luft, Wasser, feste Abfallstoffe und Lärm statt. Auf
der angeschlossenen Fachtagung im großen Hörsaal des Amerika Hauses Frankfurt
berichten Fachleute über den neuesten Stand des Wissens auf den Gebieten der
Bekämpfungsmaßnahmen und der Meßtechnik im Dienste der Umweltüberwachung.

Die Ausstellung vermittelt einen weitgespannten Überblick über das Angebot amerikanischer Hersteller, insbesondere auf den Sektoren Emissions- und
Imissions-Meßgeräte und Anlagen zur Beseitigung von Schadstoffen aus gasförmigen und flüssigen Medien sowie der Abfallbeseitigung und Lärmbekämpfung.

Folgende Exponate werden u.a. zu sehen sein:

Gasanalysatoren einschließ-

lich GasChromatographen, Aerosolteilchenzähler, Spektralphotometer und andere
optische Meßgeräte, Wasser- und Abwasserüberwachungseinrichtungen, Filtersysteme,
Einrichtungen zur Beiiandlung von festen Abfallstoffen, Geräuschpegelmeßgeräte
und Gehörschützer.
Weitere Informationen und komplettes Programm durch:
US-Handelszentrum, 6COO Frankfurt/Main, Bockenheimer Landstraße 2 - 4
Tel.: (0611) 72 08 Ol, Telex: 41 65 35.
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4/1975

DEVISENAUSGLEICH - BERICHT PRÄSIDENT FORDS AN DEN US-KONGRESS

- Wortlaut -

WASHINGTON -

(AD) - P r ä s i d e n t Gerald R. Ford h a t am 20. F e b r u a r 19 75 gemäß

dem sogenannten Jackson-Nunn-Amendment

f

812, des Gesetzes ü b e r d i e B e w i l l i g u n g

des V e r t e i d i g u n g s h a u s h a l t e s d e r USA dem Kongreß e i n e n B e r i c h t über den F o r t s c h r i t t beim Ausgleich des Z a h l u n g s b i l a n z d e f i z i t s v o r g e l e g t , s o w e i t d i e s e s
aus d e r S t a t i o n i e r u n g a m e r i k a n i s c h e r S t r e i t k r ä f t e i n e u r o p ä i s c h e n M i t g l i e d s t a a t e n
d e r NATO h e r r ü h r t .

Diese B e r i c h t e müssen v i e r t e l j ä h r l i c h e r s t e l l t werden, und

d e r Kongreß h a t von ihnen d i e A u f r e c h t e r h a l t u n g d e r Zahl d e r amerikanischen S o l d a t e n i n Europa abhängig gemacht.

Der j ü n g s t e B e r i c h t h a t folgenden W o r t l a u t :

"An den Kongreß d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n :
Gemäß A b s c h n i t t 812 (D) des Defense A p p r o p r i a t i o n A u t h o r i z a t i o n Act 1974
(Bewilligung des V e r t e i d i g u n g s h a u s h a l t e s )

( P u b l i c Law 93-155) habe i c h d i e

Ehre, dem Kongreß e i n e n B e r i c h t ü b e r den F o r t s c h r i t t beim A u s g l e i c h des Zahlungsb i l a n z d e f i z i t s zu u n t e r b r e i t e n , s o w e i t es aus d e r D i s l o z i e r u n g

amerikanischer

S t r e i t k r ä f t e i n NATO-Europa h e r r ü h r t .
Wie i n A b s c h n i t t 812 v o r g e s e h e n , h a t das H a n d e l s m i n i s t e r i u m i n K o n s u l t a t i o n e n
mit dem V e r t e i d i g u n g s m i n i s t e r i u m und d e r Bundeskasse daran g e a r b e i t e t ,

das

amerikanische Z a h l u n g s b i l a n z d e f i z i t b e i m i l i t ä r i s c h e n T r a n s a k t i o n e n für das

�das H a u s h a l t s j a h r 1974 zu d e f i n i e r e n ,
tungen a u f g e t r e t e n i s t .

das auf Grund u n s e r e r NATO-Verpflich-

Ich habe dem Kongreß b e r e i t s i n meinem November-Bericht

vom Handelsministerium zusammengestellte v o r l ä u f i g e Zahlen zukommen l a s s e n ,

die

unsere Ausgaben für das H a u s h a l t s j a h r 1974 auf 1,983 M i l l i a r d e n D o l l a r s c h ä t z t e n .
Diese Zahl i s t j e t z t a l s e n d g ü l t i g e Höhe der Ausgaben für das H a u s h a l t s j a h r

1974

b e s t ä t i g t worden.

Das Handelsministerium i s t gegenwärtig damit, b e f a ß t , d i e Z a h l u n g s b i l a n z einnahmen im H a u s h a l t s j a h r 1974 aus m i l i t ä r i s c h e n Verkäufen und Exporten an
unsere e u r o p ä i s c h e n NATO-Verbündeten f e s t z u s t e l l e n ,

und zwar sowohl d e r s t a a t -

l i c h e n m i l i t ä r i s c h e n Verkäufe d e r USA an das Ausland (FMS) wie auch der Verkäufe
auf kommerzieller B a s i s .

Sobald d i e Gesamteinnahmen f e s t g e s t e l l t s i n d , werden

s i e von den 1,983 M i l l i a r d e n D o l l a r an Ausgaben a b g e s e t z t , um so das
für das H a u s h a l t s j a h r 1974 zu e r r e c h n e n .

Defizit

Das H a n d e l s m i n i s t e r i u m k o n n t e zwar

d i e Käufe d e r Verbündeten auf FMS-Basis b e s t ä t i g e n , es war jedoch n i c h t i n d e r
Lage, e i n e Zahl für d i e kommerziellen Einnahmen zu nennen.

Die vom Handelsmi-

n i s t e r i u m angewandten Verfahren zur A u f s t e l l u n g d e r Z a h l u n g s b i l a n z s i n d n i c h t
d e t a i l l i e r t genug, um a l l e d i e s e Käufe aussondern zu können.

Unter Verwendung

der uns von unseren Verbündeten über das W i r t s c h a f t s d i r e k t o r a t d e r NATO z u r
Verfügung g e s t e l l t e n Informationen s u c h t das H a n d e l s m i n i s t e r i u m g e g e n w ä r t i g
m ö g l i c h s t v i e l e d i e s e r T r a n s a k t i o n e n zu i d e n t i f i z i e r e n und s i e i n i h r e Aufs t e l l u n g des Z a h l u n g s b i l a n z d e f i z i t s

einzubeziehen.

Ein I n t e r m i n i s t e r i e l l e r Ausschuß d e r Regierung s u c h t gegenwärtig andere
T r a n s a k t i o n e n zu i d e n t i f i z i e r e n ,
b i l a n z d e f i z i t auszugleichen.

d i e dazu b e i t r a g e n k ö n n t e n , d i e s e s Z a h l u n g s -

Von g r o ß e r Bedeutung i s t das Offset-Abkommen

zwischen den USA und d e r Bundesrepublik Deutschland für d i e H a u s h a l t s j a h r e
und 1975, das im Mai-Bericht 1974 im D e t a i l d a r g e l e g t worden i s t .

Wir a r b e i t e n

s e i t d e m gemeinsam mit unseren Verbündeten d a r a n , w e i t e r e O f f s e t - K a t e g o r i e n
zulegen.

1974
fest-

Diese werden Käufe d e r Verbündeten von m i l i t ä r b e z o g e n e n Ausrüstungen

e i n s c h l i e ß e n , d i e b e i dem Berechnungssystem für d i e a m e r i k a n i s c h e

Zahlungsbilanz

n i c h t g e s o n d e r t ausgewieser. werden können. Ich werde E i n z e l h e i t e n ü b e r d i e s e
K a t e g o r i e i n meinem M a i - B e r i c h t 1975 an den Kongreß d a r l e g e n .
Wenn

�Wenn unsere Analyse abgeschlossen und das m i l i t ä r i s c h e

Zahlungsbilanz-

d e f i z i t f e s t g e l e g t i s t , rechne i c h f e s t damit, daß d i e s e s D e f i z i t dann durch
d i e von uns f e s t g e l e g t e n P o s i t i o n e n a u s g e g l i c h e n wird und daß d i e E r f o r d e r n i s s e des A b s c h n i t t s 812 e r f ü l l t w e r d e n . "

+ + + + +

�' amerika dienst
JL

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KISSINGER-GROMYKO-ERKLARUNt; VOM 1 7 . FEBRUAR l « " ^

- Wortlaut -

GENF - (AD) - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kiwetngei
und sein sowjetischer Kollege A.A. Gromyko haben rxm Abschluß ihr-er tfeeprAehe
in Genf am 17. Februar folgende gemeinsame Erklärung her«nsgeaeb»m

Wie zuvor vereinbart, hat am 16. und 17. Februar In Genf »in» Suaemmenkunft zwischen dem Außenminister der USA und Berater des Präsidenten frti
Fragen der Nationalen Sicherheit, Henry A. Kissinger, und dorn Mitglied d»«
Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU und Außenminister de* UdSSR, A.A.
Gromyko, stattgefunden.

Sie haben einen Gedankenaustausch über eine Reihe von Fragen der hila
teralen amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, sowie über verschiedene gegen
wärtig zwischen ihnen geführte Verhandlungen und über bestimmte international«
Fragen von beiderseitigem Interesse gepflogen.

Beide Seiten haben ilno Rn1

schlossenheit betont, an dem Kurs einer weiteren Verbesserung der sowletisrh
amerikanischen Beziehungen im Einklang mit den bestehenden Vereinbarungen und
Grundsatzabkommen festzuhalten, die ihrer festen Auffassung nach dem inter-esoe
der Völker der USA und der UdSSR sowie des Weltfriedens dienen.

Beide Seiten haben die große Bedeutung der (Ibereinknnft übel die weitere
Begrenzung der strategischen Offensivwaffen unterstrichen, die auf dem Treffen
im November 1974 in Wladiwostok zwischen dem Präsidenten der USA, Gerald
1-

�Gerald R. Ford, und dem Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen
Partei der Sowjetunion, L.I. Breschnew erreicht worden war.

Beide Seiten be-

absichtigen, weitere energische Anstrengungen zu unternehmen, um auf der Basis
dieser Übereinkunft ein zweckmäßiges langfristiges Abkommen in diesem Jahr
auszuarbeiten.

Es wurde festgestellt, daß auf der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ein beträchtlicher Fortschritt erzielt worden ist. Beide
Seiten erklärten, daß sie weiterhin gemeinsam mit den übrigen Teilnehmern aktive Anstrengungen unternehmen werden, um die Konferenz zu einem baldigen Zeitpunkt zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.

Sie erwarten, daß die er-

zielten Ergebnisse einen Abschluß dieser Konferenz auf höchster Ebene gestatten
werden.

Sie haben ferner vereinbart, daß aktive Anstrengungen unternommen werden
sollten, um positive Ergebnisse bei der beiderseitigen Reduzierung der Streitkräfte und Rüstungen in Mitteleuropa auf der Basis der Prinzipien zu erreichen,
die in dem amerikanisch-sowjetischen Kommunique vom 24. November 1974 ange*

führt werden.

Im Verlauf der Gespräche wurde dem Nahen Osten besondere Aufmerksamkeit
geschenkt.

Beide Seiten sind weiterhin besorgt über die der dortigen Situation

innewohnenden Gefahren.

Sie haben ihre Absicht bekräftigt, alle Anstrengungen

zu unternehmen, um eine Lösung der wichtigen Fragen eines gerechten und dauerhaften Friedens in diesem Raum auf der Basis der UN-Resolution 338 zu fördern,
wobei die legitimen Interessen aller Völker dieses Gebietes, einschließlich des
palästinensischen Volkes, und des Gebietes selbst berücksichtigt werden sollen.

Beide Seiten glauben, daß die Genfer Konferenz eine wichtige Rolle bei
der Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten spielen
und daß sie ihre Arbeit zu einem baldigen Zeitpunkt wieder aufnehmen sollte.

Sie haben einen Gedankenaustausch über Zypern geführt.

Beide Seiten haben

erneut ihre feste Unterstützung der Unabhängigkeit, Souveränität und terri-

�territorialen Integrität Zyperns bekräftigt.

Beide Seiten sind weiterhin

der Ansicht, daß eine gerechte Regelung der Zypern-Frage auf der strikten
Durchführung der vom Sicherheitsrat und von der Vollversammlung der Vereinten
Nationen verabschiedeten Resolutionen zu Zypern basieren muß.

Die Gespräche haben in einer sachlichen und konstruktiven Atmosphäre
stattgefunden und beide Seiten haben ihrer Befriedigung über die Ergebnisse
Ausdruck verliehen.

+ + + + +

�amerika dienst
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4/1975

KISSINGER: ENERGIEPROBLEM ÜBER DEN PREIS LÖSEN
Rede des US-Außenminister vor dem National Press Club

Der amerikanische Außenminister, Dr. Henry
A. Kissinger, hat in einer vielbeachteten
Rede vor dem National Press Club in Washington
am 3. Februar 1975 die Frage eines für Erzeuger und Verbraucher fairen Preises als
das zentrale Problem bei der Lösung der
Energiekrise bezeichnet. Die USA, so betonte Kissinger, müßten die Initiative ergreifen, um gemeinsam mit anderen das weltweite Energieproblem zu lösen. Die Ausführungen des Außenministers haben folgenden
Wortlaut:

Gerne nehme ich die Gelegenheit wahr, vor diesem Kreis über unsere Energieprobleme zu sprechen.

Dieses Thema ist höchst aktuell, fällt doch gerade in

diese Woche ein wichtiger Moment unserer nationalen wie auch unserer internationalen Reaktion auf die Energiekrise.

Am Mittwoch tritt der Lenkungsausschuß der Internationalen Energiebehörde
(IEA) in Paris zu seiner monatlichen Tagung zusammen.

Diese Organisation, die

aus der Washingtoner Energiekonferenz hervorgegangen ist, stellt eine der bedeutsamsten Erfolgsgeschichten der Zusammenarbeit der industrialisierten Demokratien im letzten Jahrzehnt dar. Diese Behörde hat in den letzten Monaten damit

�damit begonnen, die Anstrengungen der industrialisierten Demokratien zur Einsparung von Energie und zur Erforschung und Entwicklung neuer Energiequellen
zu mobilisieren und zu koordinieren.

Die IEA hat bereits eine ganze Reihe von

Bausteinen einer koordinierten Energiepolitik aufeinandergeschichtet.

Auf

der genannten Tagung werden die Vereinigten Staaten umfassende Vorschläge für
gemeinsame Aktionen unterbreiten, deren Schwerpunkt auf der Entwicklung neuer
Energiequellen und der Vorbereitung einer gemeinsamen Haltung der Ölverbraucherstaaten im bevorstehenden Dialog mit den Förderländern liegen wird.

Von gleicher Bedeutung ist die Tatsache, daß die entscheidend wichtige
nationale Debatte über die Zielsetzungen iund Erfordernisse unseres nationalen
Energieprogramms nunmehr in Gang gekommen ist.

Der Kongreß wird in Kürze

kritische Entscheidungen treffen - Entscheidungen, die andere Länder ebenso
wie uns selbst tief berühren werden.

Die Art der Herausforderung

Die internationalen und nationalen Dimensionen der Energiekrise sind
untrennbar miteinander verwoben.

Was in bezug auf die internationale

*

Energie-

politik geschieht, wird grundlegende Auswirkungen auch auf die Gesundheit der
amerikanischen Wirtschaft zeitigen.

Und die internationale Wirtschafts- und

Energiekrise läßt sich ohne zielstrebiges Handeln und ohne führende Beteiligung
der Vereinigten Staaten nicht lösen. Die nationalen und internationalen Programme sind unlöslich miteinander verbunden.

Die Energiekrise brach in Gestalt plötzlicher und unerwarteter Ereignisse
über unser Bewußtsein herein. Angebahnt hatte sie sich aber Schritt für Schritt
über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten hinweg.

Im Jahre 1950 waren die Vereinigten Staaten hinsichtlich ihrer Ölversorgung praktisch autark; bis 1960 hatte sich unsere Abhängigkeit von ausländischem
öl auf 16 Prozent des Bedarfs erhöht und im Jahre 1973 35 Prozent erreicht.
Wenn wir es zulassen, daß sich dieser Trend fortsetzt, werden wir dahingelangen,
- 2-

�dahingelangen, daß wir in den achtziger Jahren hinsichtlich mindestens der
Hälfte unseres Bedarfs von importiertem Öl abhängen.

Dieser langsame, aber unaufhaltsame Marsch in die Abhängigkeit wurde 1973
durch ein ölembargo und die Erhöhung der Rohölpreise um 400 Prozent in weniger
als einem einzigen Jahr rasant beschleunigt.

Diese Aktionen - größtenteils

Ergebnisse politischer Entscheidungen - riefen sowohl in diesem Land als auch
rund um die Welt eine unmittelbare Wirtschaftskrise hervor.

Eine Kürzung der

Öleinfuhr um 10 Prozent, die nur ein knappes halbes Jahr andauerte, kostete
Amerika eine halbe Million Arbeitsplätze und über ein Prozent des Bruttosozialproduktes; sie ließ den Preisindex um mindestens fünf Prozentpunkte ansteigen
und trug zur Entwicklung der schlimmsten Inflation seit dem zweiten Weltkrieg
bei; sie bereitete den Boden für eine ernste Rezession; und sie ließ die öleinkünfte der OPEC-Staaten von 23 Milliarden Dollar im Jahr 1973 auf eine derzeitige Jahresrate von 110 Milliarden Dollar steigen und löste damit eine der
größten und plötzlichsten Vermögensumverteilungen in der Geschichte aus.

Die Auswirkungen auf andere Länder, die noch viel stärker von Öleinfuhren
abhängig sind, waren dementsprechend größer.

In allen Industriestaaten drohen

sich die wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten, die die Fähigkeit
der Regierungen, sie unter Kontrolle zu halten, ohnehin schon fast überstrapaziert hatten, nunmehr jeglicher Beeinflussung zu entziehen.

Haben wir nichts aus dem vergangenen Jahr gelernt?

Wenn wir es zulassen,

daß unser Ölverbrauch uneingeschränkt steigt, wird die Verwundbarkeit unserer
Wirtschaft durch Lieferunterbrechungen von außen noch ganz erheblich zunehmen
und von Jahr zu Jahr größer.
wird ein

Sofern wir nicht energische Abhilfe schaffen,

künftiges Lieferembargo verheerende Auswirkungen auf die Beschäftigung

und Produktion in Amerika haben:

über zehn Prozent der Beschäftigung und des

Ausstoßes sowie ein zentraler Faktor der Preisstruktur der amerikanischen Wirtschaft würden damit Entscheidungen Dritter unterworfen werden, auf die unsere
nationale Politik nur geringen Einfluß ausüben könnte.

Wie

�Wie wir in den zwanziger und dreißiger Jahren bitter erfahren mußten,
ergeben sich aus massiven wirtschaftlichen Verzerrungen zwangsläufig tiefgreifende politische Konsequenzen. Wirtschaftliche Not heizt soziale und
politische Unruhen an und untergräbt das Vertrauen des Volkes in den demokratischen Staat und das Vertrauen der Völker in die internationale Harmonie.
Not ist fruchtbarer Boden für Konflikte im nationalen wie im internationalen
Bereich.

Noch ist die Lage nicht so ernst, droht aber so ernst zu werden.

Die

gesamte industrialisierte Welt sieht sich gleichzeitig einer großen Krise der
Wirtschaft, des Staates und des Moralgefüges gegenüber. Wir und unsere Partner
stehen gegenwärtig in einer Bewährungsprobe - wir müssen nicht nur die technische Fähigkeit beweisen, die Energieprobleme zu meistern, sondern auch zeigen,
und das ist noch wichtiger, daß wir mit Voraussicht zu handeln verstehen, wenn
es darum geht, die Kontrolle über unsere Zukunft zurückzugewinnen.

Allen diesen

Schwierigkeiten liegt eine Krise des Geistes zugrunde, die ihrerseits direkt
zu ihnen beiträgt:

die Verzweiflung von Menschen und Völkern angesichts der Tat-

sache, daß sie die Kontrolle über ihr eigenes Geschick verloren haben.

Es

scheinen Kräfte freigesetzt worden zu sein, deren Macht die Fähigkeit des
Staates und der Gesellschaft, ihrer Herr zu werden, übersteigt.

In einem gewissen Sinne haben wir in Amerika noch insofern Glück, als
politische Entscheidungen das Energieproblem in den Vordergrund rückten, noch
ehe wirtschaftliche Entwicklungen unserer Verletzlichkeit zu einem irreversiblen
Zustand gemacht hatten. Wären wir immer tiefer in diese Situation hineingeschlittert, hätten uns Kräfte mit sich gerissen, die weit fürchterlicher sind,
als diejenigen, derer wir uns heute erwehren müssen.

So wie die Dinge heute liegen, ist die Ölkrise noch immer lösbar. Die
Vereinigten Staaten wurden von dem plötzlichen Übergang von der fast vollständigen Autarkie zu einer starken Abhängigkeit von Importieröl stärker betroffen
als andere Länder.

Sie sind aber auch in der besten Position, dieser Heraus-

forderung entgegenzutreten.

Wenn wir uns jetzt zu größeren Anstrengungen - z/u

'

�zu größerer Sparsamkeit, zu technischen Neuerungen und zur internationalen
Zusammenarbeit - aufraffen, werden wir uns und den anderen Ländern der Erde
eine bessere Zukunft sicher können.

Eine Demonstration der Entschlossenheit

Amerikas im gegenwärtigen Augenblick wird entscheidend dazu beitragen, die
anderen Industriestaaten zur Mitarbeit zu veranlassen, um die derzeitige Tendenz zu

größerer Abhängigkeit in ihr Gegenteil zu verkehren.

Die alles über-

schattende Ölkrise könnte sich später in der Rückschau als der Anfang einer
neuen Periode der Kreativität und der Zusammenarbeit erweisen.
Eine unserer wichtigsten internationalen Prioritäten muß es sein, unsere
Verwundbarkeit durch Lieferunterbrechungen und Preismanipulationen zu vermindern.
Kein Land kann dieses Problem für sich allein lösen. Wenn wir nicht alle Risiken gemeinsam tragen, und das internationale Finanzsystem kräftigen, werden
immer neue Zahlungsbilanzkrisen alle Volkswirtschaften den Gefahren finanzieller
Zusammenbrüche aussetzen.

Wenn nicht alle Verbrauchernationen parallel zuein-

ander handeln, um den Energieverbrauch durch Einsparungen zu senken und neue
Energiequellen zu entwickeln, werden sich die Anstrengungen jedes einzelnen
Landes als vergeblich herausstellen;

die Ölpreise unverändert bleiben; und

die kollektiven wirtschaftlichen Lasten weiterwachsen.

Sofern die Verbraucher

ihre Auffassungen nicht aufeinander abstimmen, wird der Dialog mit den Ölförderländern ergebnislos sein.

Die Maßnahmen, die die Vereinigten Staaten gegenwärtig treffen, stehen im
Mittelpunkt aller Hoffnungen auf eine weltweite Lösung.

Unser Verbrauch und

seine potentielle Zunahme sind so groß, daß ein nationales Sparprogramm erforderlich ist. Ohne amerikanische Technologie und Unternehmerinitiative wird die
rasche Erschließung größerer neuer Liefermöglichkeiten und die Entwicklung
alternativer Energiequellen nicht möglich sein.

Es gibt keinen anderen Ausweg.

Die Erdölproduzenten mögen es gelegent-

lich als in ihrem Interesse liegend ansehen, uns unsere Bürde vorübergehend zu
erleichtern.

Aber der Preis wird ein höheres Maß an Abhängigkeit und eine umso

größere Agonie in wenigen Jahren sein.

Entweder befassen wir uns sogleich mit

der sich uns stellenden Aufgabe oder wir werden mit ihr in den vor uns liegenden
- 5-

�liegenden Jahren immer wieder aufs neue, aber unter zunehmend ungünstigeren
Umständen konfrontiert werden. Wenn diese Administration sich ihr nicht zuwendet, wird sich die nächste Administration einer viel schlimmeren Krise gegenübersehen - und noch schmerzlicherere Entscheidungen treffen müssen.
Die Geschichte hat uns eine große Chance beschert, die sich als Kriser
verkleidet darbietet.

Eine entschlossene Energiepolitik wird nicht nur aktuelle

Schwierigkeiten verringern, sondern auch mithelfen, die Weltwirtschaft, die Lebenskraft aller wichtigen industriellen Demokratien und die Hoffnungen der Menschheit auf eine gerechte und prosperierende Welt wieder aufleben lassen.

Die Strategie der Zusammenarbeit auf dem Energiesektor

Wir verfolgen seit nunmehr einem Jahr gemeinsam mit unseren Partnern in
der Internationalen Energiebehörde eine in drei Phasen gegliederte Strategie:

- Die erste Phase dient dem Zweck, Vorkehrungen gegen eventuelle Notstände
zu treffen. Wir müssen uns darauf vorbereiten, von der Verwendung von Öl oder
Öldollars als politische Waffe abzuschrecken und uns für den Fall, daß uns
dies nicht gelingt, in die bestmögliche Verteidigungsposition versetzen.

Das

zu tun, haben wir uns auf das Programm zur gemeinsamen Nutzung der EnergieVorräte geeinigt, um eventuelle neue Liefersperren überbrücken zu können; wir
haben ferner neue Mechanismen geschaffen, unsere finanziellen Institutionen gegen einen Zusammenbruch abzusichern.

Diese Phase unserer gemeinsamen Strategie

steht vor ihrem Abschluß.

- Die zweite Phase läuft darauf hinaus, die Marktbedingungen für OPECÖl zu verändern»

Wenn wir unseren Verbrauch von Importöl entschlossen senken

und alternative Energiequellen entwickeln, wird dies einen zunehmenden Druck
auf den ölpreis ausüben.

Die zur Erreichung dieses Ziels erforderlichen Maß-

nahmen liegen gegenwärtig der Internationalen Energiebehörde oder den Parlamenten
ihrer Mitgliedstaaten zur Billigung vor; wir hoffen, noch vor Ende März wichtige Übereinkünfte bezüglich dieser Maßnahmen treffen zu können.
- Sobald

�- Sobald die Verbrauchernationen diese wichtigen Schritte zur Verminderung
ihrer Verwundbarkeit ergriffen haben, werden wir in die dritte Phase unserer
Strategie eintreten:

Wir werden mit den Förderländern über angemessene Preise,

eine vernünftige Marktstruktur und die langfristigen Wirtschaftsbeziehungen verhandeln.

Von der Annahme ausgehend, daß die Bausteine der Verbrauchersolidarität

aufgeschichtet sind, sehen wir der Einberufung einer vorbereitenden Tagung für
eine Konferenz der ölproduzierenden und der ölverbrauchenden Ländern noch vor
Ende März entgegen.

Unsere Maßnahmen auf allen diesen Bereichen sind eng miteinander verknüpft.
Es besteht keine Möglichkeit, auf die eine oder andere zu verzichten, da sie
sich gegenseitig stärken und jede von Wichtigkeit für alle anderen ist.

Kein

Nostandsprogramm kann seinen Zweck erfüllen, wenn die kollektive Abhängigkeit
vof1 OPEC-Öl Jahr für Jahr zunimmt.

Neue Energiequellen werden sich - unab-

hängig vom Ausmaß des diesbezüglichen Investitionsprogramms - als unwirksam
erweisen, wenn nicht strenge Maßnahmen ergriffen werden, der ungehinderten und
verschwenderischen Zunahme des Verbrauchs Einhalt zu gebieten.

Sofern die In-

dustriestaaten nicht den politischen Willen demonstrieren, auf allen diesen Gebieten wirksam zu handeln, werden sich die ölförderstaaten auch weiterhin versucht fühlen, unsere Verwundbarkeit auszunutzen.

In den letzten Monaten haben wir und unsere Partner wichtige Maßnahmen
ergriffen, unsere Gesamtstrategie zu verwirklichen.

Zwei Sicherheitsvorkehrungen

für den Fall eines Notstands wurden inzwischen getroffen:

Im November ver-

gangenen Jahres nahm die IEA einen Plan für die gegenseitige Hilfe bei Verhängung eines neuen Embargos an, der ohne Vorbild ist. Alle beteiligten Nationen
verpflichteten sich darin, eine Notstandsölreserve zu unterhalten.

Im Falle

einer Liefersperre werden alle Länder ihren Verbrauch um den gleichen Prozentsatz kürzen und das verfügbare öl gemeinsam nutzen.

Ein Embargo gegen ein Land

wird damit zu einem Embargo gegen alle.

Und im Januar dieses Jahres - knapp zwei Monate nachdem die Vereinigten
Staaten erstmals einen diesbezüglichen Vorschlag gemacht hatten - beschlossen
die großen Industriestaaten einen mit 25 Milliarden Dollar ausgestatteten Soli- 7-

�Solidaritätsfond für die gegenseitige Unterstützung in Finanzkrisen zu errichten.
Dieser Versicherungsfond auf Gegenseitigkeit wird den Ländern, die am stärksten
unter Zahlungsbilanzdefiziten zu leiden haben, Kredite und Garantien gewähren,
und auf diese Weise die Weltwirtschaft von den Folgen von Verlagerungen, Kün^
digungen oder Sperren von Krediten durch die Ölförderstaaten zu bewahren.

Die

nächsten Schritte sollten darin bestehen, unsere Bemühungen um die Einsparung
von Energie und die Entwicklung neuer Energiequellen zu beschleunigen.

Die

diesbezüglichen gemeinsamen Maßnahmen werden sich als ein mächtiger Druck auf
die inflationierten Preise erweisen.

Kein Kartell ist so unabhängig von allen

sonstigen wirtschaftlichen Bedingungen, daß sein Preisgebahren nicht durch Veränderungen des Marktgeschehens beeinflußt wird.

Wegen des Rückgangs des Ölverbrauchs im abgelaufenen Jahr haben die OPECLänder bereits ein Viertel ihrer Kapazität - dies entspricht einer Tagesförderung
von neun Millionen Barrel - stillgelegt, um auf diese Weise den Preis konstant
zu halten.

Die Ölsuche, die als Folge fünfmal so hoher Preise beschleunigt

vorangetrieben wird, bringt die Entdeckung immer neuer gewaltiger Reserven
außerhalb des Bereichs der OPEC mit sich.

i

Der Aufwand von lO Milliarden Dollar

für die Energieforschung innerhalb der USA - Forschungsarbeiten im Ausmaß des

t

Manhattan-Projekts und des Mondlandeprogramms - wird sicherlich früher oder
später neue Durchbrüche zeitigen.

Je stärker die industrialisierten Länder den Verbrauch einschränken, und
das heimische Energieangebot, ausweiten, um so schwieriger wird es für die OPEC,

den einzelnen Ländern die weiteren Produktionsbeschränkungen aufzuerlegen, die
sie für erforderlich halten mag.

Heute schon gewähren einzelne OPEC-Länder

Preisnachlässe, um ihre Einnahmen nicht zu verlieren und ihren Marktanteil zu
wahren.

Es ist in der Tat nicht zu früh, in die Planung für dieses Jahrzehnt

der Energieverknappung auch die Möglichkeit eines Energieüberangebots

in den

achtziger Jahren einzubeziehen.

Die Strategie, die wir gemeinsam mit unseren Partnern seit der Washingtoner
Energiekonferenz verfolgen, hat unsere nationale und internationale Energiepolitik zu einem kohärenten Ganzen verschmelzen lassen. Wir haben bemerkens-

�bemerkenswerte Fortschritte erzielt;

dennoch bleibt noch viel zu tun.

Die

Frage lautet nun, ob die Industriestaaten den Willen aufbringen, diese vielversprechenden Initiativen fortzuführen und zu verstärken.

Die Einsparung von

Energie und die Entwicklung neuer Energiequellen stehen auf unserer gemeinsamen
Tagesordnung und an vorderster Stelle.

Einsparung von Energie

Der uneingeschränkte Verbrauch billigen Öls ist die Hauptursache der derzeitigen Verwundbarkeit der Industrieländer.

Weder die Vereinigten Staaten

noch andere Verbraucherländer können ihre Abhängigkeit von Öleinfuhren wirksam
vermindern, solange sie nicht das normale - das heißt verschwenderische - Wachstum
des Verbrauchs in das Gegenteil verkehren.
Es gibt einfach keinen Ersatz für Sparsamkeit.
stehen auf fünf bis zehn Jahre nicht zur Verfügung.

Alternative Energiequellen
In den nächsten Jahren

werden uns deshalb Einsparungen, und nur Einsparungen, in die Lage versetzen,
sowohl die derzeitige Belastung durch hohe Energiekosten zu tragen als auch
Anstrengungen zu unternehmen, das Gleichgewicht in den Beziehungen zwischen ölverbrauchemund Ölförderländer

wiederherzustellen.

Nur ein entschlossen realisiertes Sparprogramm kann zeigen, daß wir und
unsere Partner den Willen besitzen, uns jedem Druck zu widersetzen.

Sollten die

Industriestaaten nicht willens sein, die mit Einsparungen verbundenen relativ
kleinen Opfer zu bringen, wird damit die Glaubwürdigkeit aller unserer anderen
Anstrengungen und Abwehrmaßnahmen in Frage gestellt.

Manche Kreise behaupten, wir stünden vor der Wahl zwischen der Einsparung
von Energie und der Rückkehr zum wirtschaftlichen Wachstum.
trifft zu.

Das Gegenteil

Nur wenn wir der exorbitant gestiegenen internationalen Energie-

kosten Herr werden, können wir zu einem verläßlichen langfristigen Wachstum gelangen. Wenn wir uns selbst zu einer 50prozentigen Abhängigkeit von importierter
Energie verdammen und damit die Versorgung und den Preis eines zentralen Faktors
- 9 -

�Faktors unserer Volkswirtschaft der Manipulation durch äußere Kräfte unterwerfen, besteht nicht die geringste Gewähr, daß sich uns die Möglichkeit bieten
wird, zu Vollbeschäftigung und Wachstum zurückzukehren und diese langfristig
zu gewährleisten.

Die notwendigen Entscheidungen würden dann von fremden Ländern

getroffen, für die unsere Prosperität nicht notwendigerweise eine zwingende
Zielsetzung darstellt.

Sicherlich hat die Einsparung von Energie - auf welche Weise auch immer einen wirtschaftlichen Preis. Die mit ihr verbundene Umstrukturierung und
die Einstellung der Produktion und des Verbrauchs energieintensiver Waren wird
kurzfristige

Verzerrungen des Wirtschaftsgefüges hervorrufen.

Rezession bereitet uns dies zwangsläufig gewisse Sorgen.
Kosten solcher Umstellungen

In Zeiten der

Dennoch sind diese

klein im Vergleich zu denen, die uns auferlegt

werden würden, wenn wir nicht handeln.

Ohne Sparmaßnahmen werden wir die Ver-

wundbarkeit unserer Wirtschaft und nationalen Politik ebenso wie die überhöhten
internationalen Energiepreise verewigen, die dem ganzen Problem zugrunde liegen.

Gegenwärtig, mitten in einer Rezession, importieren die Vereinigten Staaten
6,7 Millionen Barrel Rohöl im Tag. Wenn unsere Wirtschaft wieder auf vollen
Touren zu laufen beginnt, wird diese Ziffer steigen und bis 1977 voraussichtlich
acht oder neun Millionen Barrel täglich erreichen, sofern wir keine Sparmaßnahmen ergreifen.
zunehmen.

In der Zeit danach werden die Einfuhren noch

weiter

Trotz des bis dahin zu erwartenden Produktionsbeginns in Alaska

und im Bereich des äußeren Kontinentalschelfs wird deshalb eine Einfuhrlücke
verbleiben, wenn wir den Verbrauch nicht beträchtlich und noch dazu rasch senken,

Angesichts dieser Aussichten hat Präsident Ford das Ziel gesetzt, bis Ende
dieses Jahres den Verbrauch um eine Million und bis 19 77 um zwei Millionen
Barrel Importöl pro Tag zu kürzen.

Das entspricht der Zunahme des Verbrauchs

für den Fall, daß Einsparungen unterbleiben und die Wirtschaft wieder zu expandieren beginnt.

Unsere Bemühungen um Einsparungen werden durch parallel gerichtete Maßnahmen unserer Partner in der IEA und anderer interessierter Länder wie

�wie Frankreich

erheblich verstärkt.

dem unsrigen gleich.

Ihr Ölverbrauch insgesamt kommt in etwa

Sie sind willens, gemeinsam mit uns ein konzertiertes

Sparprogramm durchzuführen; manche unter ihnen haben sogar bereits eigene Sparprogramme eingeleitet.

Die Bemühung jeden einzelnen Landes werden jedoch

vergeblich sein, wenn wir nicht durch ein entsprechendes Verhalten anderer
Konsumenten ergänzt werden.

Deshalb haben die Vereinigten Staaten ihren IEA-

Partnern den Vorschlag gemacht, ihre Sparziele den unsrigen anzugleichen. Gemeinsam können wir in diesem Jahr zwei Millionen und 1977 mindestens vier Millionen Barrel Öl pro Tag sparen.

Wenn wir diese Ziele erreichen, werden die OPEC-Länder unter den derzeitigen
wirtschaftlichen Verhältnissen gezwungen sein, die Förderung weiter einzuschränken;

die OPEC wird selbst im Falle der Rückkehr zur Vollbeschäftigung

Überschußkapazitäten besitzen.

Zusätzlich verfügte Förderbeschränkungen würden

sich angesichts des ohnehin gegebenen Produktionsrückgangs um täglich neun Millionen Barrel nicht so leicht durchsetzen lassen.

Es wird sich vielmehr ein

Druck in Richtung auf eine Steigerung der Förderung oder eine Senkung der
Preise herausbilden - und das zu einer Zeit, zu der in den ölproduzierenden
Staaten ehrgeizige Verteidigungs- und Entwicklungsprogramme anlaufen.

Bis

1977 werden manche Ölförderländer Zahlungsbilanzdefizite aufzuweisen haben;
der Wettbewerb um verfügbare Märkte wird sich deshalb verstärken.

Die Macht

des Kartells, ein Embargo zu verhängen und den Preis als Waffe zu benutzen,
wird damit wesentlich geringer.

Wenn Amerika - das am wenigsten anfällige und reichste Verbraucherland aber nicht handelt, wird auch kein anderes Land handeln.

So wie unser Handeln

einen multiplen Effekt hat, würde unsere Untätigkeit die Anstrengungen anderer
hemmen.

Statt abzunehmen würde unsere Gesamteinfuhr an Rohöl um zwei bis vier

Millionen Barrel täglich steigen.

Die gegenwärtig umstrittene Fähigkeit der

OPEC, die Preise zu erhöhen, würde dann wieder hergestellt.

Als Gegenleistung

für eine kurze Atempause von einem oder zwei Jahren würden wir die Verwundbarkeit der industrialisierten Welt durch einen neuen verheerenden Schlag der
Erdölförderländer erheblich vergrößern.

Und wenn jene Verwundbarkeit durch ein

neues Embargo oder weitere Preiserhöhungen in das Bewußtsein der Öffentlich- 11 -

�Öffentlichkeit gerückt wird, könnte sich das amerikanische Volk mit Recht
fragen, warum seine Führer es versäumt haben, entsprechende Maßnahmen zu
einer Zeit zu treffen, zu der sie diese an sich hätten treffen sollen.

Ein Embargo - und eine Wirtschaftskrise - sollten ausreichen, die Implikationen einer Abhängigkeit der geschilderten Art zu unterstreichen.

Die Bedeutung neuer Energiequellen

Sparmaßnahmen allein, so wichtig sie auch sein mögen, können unsere Abhängigkeit von Importöl nicht auf die Dauer vermindern.

Um diese Abhängigkeit

langfristig abzubauen, müssen wir die Entwicklung alternativer Energiequellen
beschleunigen.

Das stellt uns vor eine schwere und vielschichtige Aufgabe.

Aber ein

Land, das in fünf Jahren die Geheimnisse der Kernspaltung entschleierte und
in acht Jahren einen Menschen auf dem Mond landete, sollte in dieser Herausforderung eine reizvolle Aufgabe erblicken.

Die amerikanische Regierung ist

•

willens, in dieses Unterfangen ebenso hohe Beträge zu investieren, wie in die
vorgenannten Pionierleistungen, und die Ergebnisse mit unseren IEA-Partnern
auf der Basis der Gleichheit zu teilen.
Viele Industriestaaten sind mit beträchtlichen und noch unerschlossenen
Energiereserven gesegnet:

Nordseeöl, deutsche Kohle, Ölvorkommen in den Ver-

einigten Staaten und Kernkraft in allen Ländern.

Wir verfügen über die tech-

nischen Fähigkeiten und die Hilfsquellen, synthetische Treibstoffe aus Ölschiefern und Ölsänden und durch Kohlevergasung und -Verflüssigung zu gewinnen.
Es wurde auch bereits viel getan, die Nutzung neuer Energiequellen und -formen
wie Brutreaktoren, die Kernfusion und die Sonnenenergie möglich zu machen.

Die Gesamtanstrengungen werden zwangsläufig gigantische Ausmaße erreichen.
Die Vereinigten Staaten beabsichtigen im Verlauf der nächsten zehn Jahre zu
Investitionen in den Energiesektor in Höhe von 5GO Milliarden Dollar anzu-

�anzuregen.

Die Bundesregierung allein wird innerhalb der nächsten fünf Jahre

zehn Milliarden Dollar für Zwecke der Energieforschung und der Erschließung
alternativer Energiequellen aufwenden - eine Summe, die sich bei Hinzurechnung
der einschlägigen privaten Investitionen aller Voraussicht nach verdoppeln
wird.

Sollen diese Bemühungen jedoch Erfolg haben, müssen wir jetzt handeln,
um zwei wichtigen Problemen Rechnung tragen zu können:

den Kosten für Energie

•aus neuen Energiequellen und den unterschiedlichen Fähigkeiten der einzelnen
Industriestaaten,einen Beitrag zu leisten.

Energie aus neuen Quellen wird wesentlich mehr kosten, als das, was wir
1973 für Energie aufgewendet haben,und sie wird nie mit den Kosten von Nahostöl konkurrieren können.

Diese Diskrepanz zwischen den Gestehungskosten stellt uns vor ein Dilemma.
Gelingt es den Industrieländern, ergiebige alternative Energiequellen zu entwickeln, wird die Nachfrage nach OPEC-Öl zurückgehen und damit der internationale
Energiepreis stark gedrückt.

Billige Ölimporte könnten dann die Rentabilität

der Investitionen gefährden, die bis dato zur Entwicklung alternativer Energiequellen getätigt wurden:

der niedrigere ölpreis könnte ferner die ölnachfrage

wieder beleben und den Zyklus zunehmender Importe bei wachsender Abhängigkeit
und Verwundbarkeit erneut in Gang bringen.

Deshalb müssen wir paradoxerweise zum Schutz der hohen Investitionen der
Industriestaaten, die zur Erreichung einer Senkung der internationalen ölpreise erforderlich sind, die Gewähr schaffen, daß der Ölpreis auf dem heimischen Markt nicht unter ein gewisses Niveau fällt.

Die Vereinigten Staaten werden deshalb der Internationalen Energiebehörde
am kommenden Mittwoch folgenden Vorschlag unterbreiten:

Um zu ausreichenden Investitionen in die Entwicklung konventioneller,
nuklearer und fossiler Energiequellen anzuregen, sollen die öleinfuhrländer über- 13 -

�übereinkommen, den Verkauf von Importöl zu Preisen, die die neuen Energiequellen wettbewerbsunfähig machen würden, zu unterbinden.

Dieses Ziel läßt sich auf zwei Wegen erreichen:

Die Verbraucherländer

könnten sich darauf einigen, einen gemeinsamen Grundpreis für Importöl festzusetzen, dessen Einhaltung jedes Land durch ihm geeignet erscheinende Methoden
wie Einfuhrzölle, variable Abgaben oder Importquoten garantieren müßte.

Jedes

Land könnte in diesem Falle, ohne den Verbrauch neu zu beleben, alle sich hieraus ergebenden Zahlungsbilanz- und Steuervorteile wahrnehmen, sobald der Weltpreis unter den vereinbarten Grundpreis fällt.

Umgekehrt könnten die IEA-

Mitgliedstaaten einen gemeinsamen Zoll auf Öleinfuhren festsetzen.

Ein solcher

Zoll könnte sich in bescheidenen Grenzen halten und stufenweise eingeführt
werden, sobald sich die Notwendigkeit hierzu ergibt.

Präsident Ford ist im Kongreß um gesetzgeberische Maßnahmen eingekommen,
die der Regierung die Festsetzung eines Grundpreises und die Anwendung anderer
angemessener Maßnahmen gestatten, um die zur Gewährleistung der Ölautarkie
erforderlichen Preise durchzusetzen.
Eingehende technische Studien wären nötig, das angemessene Niveau zu
bestimmen, von dem an die Preise geschützt werden sollen. Wir glauben, daß
der Grundpreis wesentlich niedriger als der derzeitige Weltölpreis und dennoch
hoch genug sein sollte, die langfristige Entwicklung von alternativen Energiequellen zu begünstigen.

Diese geschützten Preise könnten ihrerseits als Bezugsgrößen

für ein

eventuelles Übereinkommen zwischen den Ölverbraucher- und Förderländern dienen.
Insoweit die derzeitigen hohen OPEC-Preise durch die Furcht vor späteren Preisrückschlägen hervorgerufen werden, sollten die Verbraucherstaaten als Gegenleistung für Liefergarantien bereit sein, den Förderländern einen garantierten
Preis für einen festen Zeitraum zu bieten, der allerdings erheblich unter dem
derzeitigen Preis liegen müßte.
Mit
- 14 -

�Mit kurzen Worten, die tatkräftige Entwicklung alternativer Energiequellen
durch die Industrieländer wird die OPEC vor die Wahl stellen, umgehend beträchtliche Preissenkungen als Gegenleistung für Stabilität über einen längeren Zeitraum hinweg zuzugestehen, oder das Risiko eines dramatischen Preisverfalls in
Kauf zu nehmen, mit dem zu rechnen ist, wenn das Programm zur Erschließung
alternativer Energiequellen Früchte zu tragen beginnt. Je länger die OPEC-Länder
warten, umso stärker wird unsere Verhandlungsposition.

Das zweite Problem besteht darin, daß die Möglichkeiten der Industriestaaten, neue Energiequellen zu entwickeln, stark voneinander abweichen.

Einige

unter ihnen besitzen reiche und bisher unangetastete Vorkommen an fossilen Brennstoffen;

einige verfügen über die erforderlichen industriellen Fertigkeiten

und über fortschrittliche Technologien; und andere haben ausreichend Kapital.
Einige wenige besitzen sogar alle drei.

Jedes dieser drei Elemente ist notwendig.
finden,

sie wirkungsvoll zusammenzufassen.

Es gilt, Mittel und Wege zu

Jeder Verbraucherstaat hat deshalb

ein Interesse daran, an den Energieentwicklungsprogrammen aller anderen mitzuarbeiten.

Die Vereinigten Staaten werden deshalb der IEA am Mittwoch dieser Woche
die Schaffung eines Konsortiums für synthetische Treibstoffe innerhalb dieser
Behörde vorschlagen.

Ein solches Gremium würde Länder, die zur Bereitstellung

von Technologie und Kapital bereit sind, zur Teilnahme an den Projekten zur Gewinnung synthetischer Energie anderer Länder ermutigen.

Die Vereinigten Staaten

haben sich bis 1985 zur Erstellung von Kapazitäten zur Herstellung von synthetischen
Treibstoffen in der Größenordnung von einer Million Barrel täglich verpflichtet;
andere Länder werden eigene Programme einrichten.

Diese Programme sollten

koordiniert werden, damit die Mitglieder der IEA Gelegenheit erhalten, über
die Beteiligung an den Investitionen in den Genuß der Ergebnisse zu gelangen.
Die fraglichen Teilnehmerstaaten hätten dann in dem Maße Zugang zur Produktion
synthetischer Brennstoffe, das ihren Investitionen entspricht.

Die
- 15 -

�Die Vereinigten Staaten werden ferner die Errichtung eines Energieforschungs- und Entwicklungskonsortiums innerhalb der IEA vorschlagen.

Seine

Hauptaufgabe soll es sein, die umfassenden Forschungsanstrengungen auf Gebieten wie der Kernfusion und der Sonnenenergie - wo der Kapitalaufwand und
der Bedarf an Fachkraft' n extrem hoch, die Anlaufzeiten sehr lang und der
Nutzen in Gestalt kostengünstiger Energie potentiell enorm sein werden - zu
fördern, zu koordinieren und zusammenzufassen.

Das Konsortium soll auch den umfassenden Informationsaustausch intensivieren, der in bezug auf die Kohle, die Kerntechnik, die Sonnenenergie und
die Kernfusion innerhalb der IEA bereits in Gang gekommen ist.

Wir sind

willens, einen beträchtlichen Teil unserer eigenen Forschungs- und Entwicklungsaufwands auf kooperative Anstrengungen zusammen mit solchen IEA-Ländern
zu verwenden, die an einer solchen Zusammenarbeit interessiert sind.

Eine

derartige Zusammenfassung der geistigen Anstrengungen der großen industriellen
Demokratien wird zwangsläufig dramatische Ergebnisse zeitigen.

Wenn diese Maßnahmen voll und ganz in die Praxis umgesetzt sind, wird
sich das, was als Krise begann, in echte Chancen verwandeln.

Der fast panik-

artige Schreck aus der Zeit vor einem Jahr wird der Hoffnung weichen und die
Verletzlichkeit wird sich in Stärke verkehren.

Die gemeinsamen Interessen von Ölverbraucher- und öiförderlandern
Verbrauchersolidarität ist kein Selbstzweck.

In einer interdependenten

Welt beruhen unsere Hoffnungen auf Prosperität und Stabilität letzten Endes
auf der Herstellung kooperativer langfristiger Beziehungen zwischen Ölverbraucher- und Förderländern.

Sie ist seit langem schon unser Ziel.

Eben weil uns so sehr daran liegt,

daß der Dialog zwischen beiden Wesentliches bringt und konstruktive Ergebnisse
zeitigt, besteh n wir darauf, daß die Verbraucherstaaten zunächst Ordnung in
ihrem eigenen Haus schaffen.
Kollektive

�Kollektive Maßnahmen zu dem Zweck, das Gleichgewicht innerhalb des internationalen Weltwirtschaftsgefüges wiederherzustellen und die gleichfalls auf
der Tagesordnung stehende Entwicklung einer gemeinsamen Haltung der Verbraucherstaaten noch vor Beginn des Dialogs zwischen den Ölverbraucher- und den Förderländern werden die Wahrscheinlichkeit seines erfolgreichen Verlaufs erhöhen.
Ohne diese Maßnahmen wird es lediglich zu einer abermaligen Bekräftigung unserer
Meinungsverschiedenheiten kommen, was manche in Versuchung führen könnnte, einseitige Vorteile auf Kosten ihrer Partner anzustreben.

Das Ergebnis wäre Ver-

wirrung, Demoralisierung und Ungerechtigkeit, nicht aber ein gerechter und versöhnlicher Ausgleich zwischen beiden Seiten.

Eine versöhnliche Haltung unter Mitarbeit der Förderstaaten ist dringend
notwendig, weil es keine vernünftige Alternative gibt.

Das Schicksal aller

Länder hängt von der Gesundheit der Weltwirtschaft ab.

Die Ölförderländer er-

streben ein besseres Leben für ihre Völker und eine Zukunft frei von Abhängigkei
von einem einzigen und noch dazu erschöpfenden Rohstoff; die Industriestaaten
sind bestrebt, den schwerverdienten wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt
von Jahrhunderten zu bewahren; die ärmeren Völker ringen verzweifelt um den
Wiederbeginn ihres Fortschritts in Richtung auf ein hoffnungsvolleres Dasein.
Die legitimen Forderungen der ölproduzenten und der Ölverbraucher wie auch der
Industrie- und der Entwicklungsländer können und müssen in einem neuen Gleichgewicht der Interessen und des gemeinsamen Nutzens miteinander in Einklang gebracht werden.

Wir müssen von der Annahme ausgehen, daß wir weder zu den Zuständen der
Vergangenheit zurückkehren, noch die derzeitigen Verhältnisse ad infinitum akzeptieren können.

Vor 1973 waren die Marktbedingungen für die Förderländer

oftmals unfair; heute sind sie für die Verbraucherstaaten untragbar.

Sie be-

drohen das Gesamtgefüge des internationalen Wirtschaftssystems, auf dem die
Produzenten hinsichtlich ihres Wohlstands letzten Endes ebenso angewiesen sind,
wie die Verbraucher.

Die Ölverbraucherstaaten sehen der Begegnung mit den Förderstaaten entgegen.

Welches sind die Grundprinzipien von denen sie sich leiten lassen

sollen?

Die

- 17 -

�Die Vereinigten Staaten werden ihren Partnern in der IEA folgende Vorschläge unterbreiten:

Erstens sollten wir kooperative Maßnahmen der ölverbraucher- und Förderländer bezüglich der Wiedereinschleusung der von letzteren angesammelten gewaltigen Finanzüberschüsse sondieren.

Die Ölproduzenten sind sich darüber im

klaren, daß ihre neuen Aktiva - es handelt sich um weit größere Summen, als
sie zu absorbieren vermögen - neue Managementmechanismen erforderlich machen.
Umgekehrt wissen die Industriestaaten, daß die Stabilität des weltweiten Wirtschaf tsgeiüges die konstruktive Mitarbeit der Förderländer voraussetzt.

Zweitens, und engstens damit verwandt, besteht die Notwendigkeit, unsere
internationale Investitionspolitik zu überprüfen.

Die ölförderländer brauchen

Möglichkeiten für die produktive Anlage ihrer Einkünfte;

die industrialisierten

Demokratien, wiewohl sie neue Investitionen grundsätzlich begrüßen, möchten
die Kontrolle über entscheidend wichtige Sektoren ihrer Volkswirtschaften in
eigenen Händen behalten.

Diese Erfordernisse lassen sich durch Erörterungen

&gt;

und Regelungen zwischen den Verbraucher- und Förderländern miteinander in
Einklang bringen.

,

Drittens müssen wir die Ölförderländer in ihren Bemühungen unterstützen,
produktive Möglichkeiten zur Nutzung ihres Reichtums, zur Entwicklung ihrer
Wirtschaft und zur Verminderung ihrer Abhängigkeit von erschöpflichen Rohstoffen zu finden. Neue Industrien sollten errichtet werden, wobei sich die
Technologie der industrialisierten Welt mit den Energie- und Kapitalressourcen
der Förderländer zusammenfinden müßten - zum Nutzen beider und auch der ärmeren
Staaten.

Die Schaffung von Kunstdüngerfabriken und petrochemischen Werken

gehört sicherlich zu den Möglichkeiten, die den größten Erfolg versprechen.

Viertens, teilen sich die ölförderstaaten und die industriellen Verbraucherländer in die Verantwortung, die Not der ärmsten Nationen zu lindern, deren
Volkswirtschaften durch die Preissteigerungen der OPEC verheerend geschädigt
worden sind.

Technologie und Kapital müssen in internationalen Anstrengungen

zusammengefaßt werden, den von der derzeitigen Wirtschaftskrise an schlimmsten

�schlimmsten betroffenen Ländern zu helfen.

Fünftens, besteht die Notwendigkeit, den Ölverbraucherstaaten die Verfügbarkeit der benötigten Liefermengen zu gewährleisten.

Ein weiterer Versuch,

Öl als Waffe zu benutzen, würde die Volkswirtschaften der Industriestaaten
schwer bedrohen und die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zwischen Verbraucherund Förderländern zunichte machen.

Spezifische Vereinbarungen über die Nutzung

der ölbestände durch die Verbraucherstaaten könnten wohl die Wirkung der Ölwaffe vorübergehend erheblich abschwächen; dennoch würde sich über einen längeren
Zeitraum hinweg natürlich zwangsläufig eine Atmosphäre der Konfrontation herausbilden.

Wenn der Dialog zwischen den Förder- und den Verbraucherländern einen

Sinn haben soll, kommt somit Vereinbarungen bezüglich der langfristigen Belieferung mit öl eine entscheidende Bedeutung zu.

Ein zentrales Problem ist selbstverständlich der Preis.

Es ist ent-

scheidend wichtig, daß wir uns langfristig auf Preise einigen, die den Erfordernissen der ölverbraucher- ebenso wie der Förderländer genügen.

Die Zahlungs-

bilanzkrise der Verbraucherstaaten muß abgeschwächt werden, und die Erzeugerländer haben ein Recht darauf, zu wissen, daß sie über einen längeren Zeitraum
hinweg mit einem vernünftigen Einkommensniveau rechnen können.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, in Konsultationen mit anderen größeren
Verbraucherstaaten über diese Punkte der Tagesordnung einzutreten.

Wir sind

willens, über unsere Vorschläge hinauszugehen und werden jede Anregung unserer
Freunde begrüßen, die uns in die Lage versetzt, ein gemeinsames und positives
Programm auszuarbeiten.

Alles in allem stehen heute die Verbraucher- wie auch die Förderländer an
einer Wegscheide.

Wir können gemeinsam neue politische und institutionelle

Beziehungen schmieden oder jeder für sich seinen eigenen Weg gehen, wobei dann
aber auch jeder den Preis für unsere Unfähigkeit wird bezahlen müssen, die Dinge
langfristig zu sehen.

Gemeinsame Interessen sollten uns enger zusammenführen;

nur Selbstsucht kann uns trennen.

Die amerikanische Haltung ist versöhnlich.
Die

- 19 -

�Die Implikationen für das gesamte Gefüge der Weltpolitik sind weitgreifend. '
Handeln wir mit staatsmännischer Klugheit, können wir ein neues Verhältnis
zwischen Ölverbraucher- und Förderländern wie auch zwischen Industrie- und den
Entwicklungsländern zustandebringen, das das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts
zum Anfang einer ersten wahrhaft globalen und kooperativen Weltgemeinschaft darstellen könnte.

Die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns

Die Vereinigten Staaten werden in Kürze den 200. Jahrestag der Erlangung
ihrer Unabhängigkeit feiern.

In jenen 200 Jahren haben die Amerikaner mit

Stolz auf ihre Freiheit gepocht, sich den Reichtum der Natur in produktiver
Weise zu Nutze gemacht und ihr Recht zur Bestimmung ihres eigenen Geschicks
eifersüchtig gehütet.

Weil wir dies getan haben, sind wir zur mächtigsten Nation der Erde und
zu einem Symbol der Hoffnung für alle jene geworden, die sich nach Fortschritt
sehnen und für Gerechtigkeit eintreten.

Heute aber scheinen wir manchmal hin-

sichtlich unserer Zukunft unsicher geworden zu sein, von unserer eigenen jüngsten*
Vergangenheit beunruhigt und hinsichtlich unserer Zielsetzungen verwirrt.

Wir müssen aber auf unserem Weg weiter voranschreiten, weil uns keine
andere Wahl bleibt.

Entweder wir führen oder niemand führt, entweder haben wir

Erfolg oder die Welt wird für unser Versagen zahlen müssen.

Die sich aus den Energieproblemen ergebende Herausforderung hat internationale Ausmaße angenommen.
aller

Wir können ihr nur durch kooperative Maßnahmen

industrialisierter Demokratien gerecht werden. Wir sind in unserem ge-

meinsamen Bemühen mit unseren Partnern weit fortgeschritten, eine große Herausforderung in eine kühne schöpferische Leistung und eine entschlossene Alternative zu verwandeln.

Unsere
- 20 -

�Unsere eigenen Hoffnungen bezüglich der Zukunft, beruhen weitgehend auf
den Entscheidungen, die wir in den vor uns liegenden Tager. und Wochen in bezug
auf unser eigenes Energieprogramm treffen werden.

Unser Vorstoß wird im Guten

wie im Bösen den Weg für uns selbst wie für viele andere abstecken.

Wenn wir

zaudern, oder die Dinge vor uns herschieben, werden dies auch unsere Partner
tun.

Wollten wir bereits getroffane Maßnahmen rückgängig machen, ohne gleich-

zeitig alternative Programme an ihre Stelle zu setzen, würde dies Auswirkungen
zeitigen, die weit über die bevorstehende Debatte hinausgreifen.
Die Vereinigten Staaten würden die Verantwortung nicht einfach aus einem
Gefühl des Altruismus oder einer abstrakten Hingabe an eine gemeinsame gute
Sache tragen - obwohl diese Atribute

kaum einer Apologie bedürfen.

Wir tragen

sie, weil wir begriffen haben, daß die Arbeitsplätze und die Prosperität in
Amerika - und unsere Hoffnungen auf eine bessere Zukunft - in entscheidendem
Maße von einer nationalen Anstrengung abhängen, gemeinsame Bemühungen mit
unseren ausländischen Partnern zustandezubringen.

Gemeinsam können wir die

Kontrolle über unsere eigenen Angelegenheiten zurückgewinnen und ein neues internationales Gefüge in Zusammenarbeit mit den ölförderstaaten aufbauen.

Getrennt

werden wir zur Beute des Schicksals.

Ein heimisches Programm zur Gewährleistung unserer Unabhängigkeit, ein
kooperatives Programm zusammen mit anderen Verbraucherstaaten und eine Übereinkunft mit den Förderländern - dies sind die unerläßlichen und nicht voneinander
zu trennenden Schritte in Richtung auf ein neues Gleichgewicht der Interessen
und auf Gerechtigkeit.

Kein Schritt wird für sich allein bei Unterlassung der

beiden anderen erfolgreich sein.

Unser Land ist dafür bekannt, daß es immer dann, wenn es herausgefordert
wird, im Geist und in der Entschlossenheit auf seinem Weg voranschreitet, große
Dinge zu wagen.

Es ist heute an der Zeit, einmal mehr so zu verfahren.

Wenn

wir dies tun, werden damit vor uns selbst und vor der Welt erneut bekräftigen,
daß diese Generation von Amerikaner die charakterliche Integrität besitzt, das
noble Experiment fortzuführen, das vor 200 Jahren begonnen hat.
+ + + + +
- 21 -

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Wissenschaft
und
Technik

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T e I e x : 0 8 • 8 54 3 2

4/1975

ERDÖL AUS PIONIERGEBIETEN
US-Regierung dringt auf beschleunigte Erschließung neuer Vorkommen

- (AD) - Die Zeit dringt, neue Erdöl- und Erdgasvorkommen zu erschließen,
wenn Amerika von Importen weitgehend unabhängig ./erden will.

In seiner "Bot-

schaft über die Lage der Nation" vom Januar 1975 richtete Präsident Ford einen
dringenden Appell an den US-Kongreß.

Durch rasche gesetzgeberische Maßnahmen

die kommerzielle Erdölproduktion der "Elk Hills Naval Petroleum Reserve" in
Kalifornien zu ermöglichen.

Dieses Gebiet, meist kurz als "NPR-1" bezeichnet,

könnte schon innerhalb weniger Monate 160 000 Barrel Öl pro Tag (1 Barrel =
159 Liter), ab 1977 täglich ca. 300 OOO Barrel liefern.

Ein Teil des dort ge-

förderten Erdöls würde für die Vorratshaltung der Streitkräfte verwendet.
Die übrigen Menden nollen auf dem freien Markt verkauft oder gegen Raffin^rieprodukte zur Verwendung durch die Streitkräfte getauscht werden.

Dagegen ist bei der "Naval Petroleum Reserve Nr. 4" (NPR-4) in Alaska,
die nach den Plänen der US-Regierung im Interesse der Wirtschaft ebenfalls möglichst bald erschlossen werden soll, kaum vor 1982 mit der Aufnahme der Produktion zu rechnen.

Für die noch erforderlichen Explorationen müßte die Regierung,

wenn sie diese in eigener Regie durchführen wollte, in nächster Zeit mehr als
400 Millionen Dollar aufwenden.

Es wird jedoch erwogen, Teile der Region an

Unternehmen der Privatwirtschaft zu verpachten, so daß die daraus erwachsenden
Einkünfte die Kosten mehr als aufwiegen würden.

Man schätzt, daß die tägliche

�%
tägliche Ausbeute des Feldes NPR-4 nach Aufnahme der vollen Produktion bei
2 Millionen Barrel liegen wird.

Allerdings wäre für den Abtransport des Öls eine zusätzliche Pipeline erforderlich.

Denn die mehr als 1200 km lange Rohrleitung, die gegenwärtig zwi-

schen der Prudhoe-Bucht am Eismeer in Nordalaska und dem eisfreien Hafen Valdez
am Golf von Alaska gebaut wird, würde durch die Produktion vom sog. North
Slope mit 2 Millionen Barrel Tagesmenge Ende dieses Jahrzehnts völlig ausgelastet sein.

Bauherr ist die Alyeska Pipelxne Company, ein Konsortium von Firmen der
amerikanischen Mineralölindustrie.

In einem Gemeinschaftsprojekt mit der "Na-

tional Oceanographic and Atmospheric Administration" (NOAA - Bundesamt für
Meeres- und Atmosphärenforschung), deren "National Geodetic Survey" auch für
alle Landvermessungsaufgaben zuständig ist, werden von April bis August 1975
entlang eines fast 700 km langen Teilstücks der Pipeline-Trasse Meßpfosten in
den Boden, gerammt.

Sie dienen als Markierungshilfen zur Ermittlung und Über-

wachung eventuell auftretender seismischer Aktivität in diesem Gebiet.

Die

Pfosten werden bis zu zweieinhalb Meter tief in den Dauerfrostbeden getrieben,
damit eine Fehlinterpretation von Meßdaten infolge Aufwölbung des auftauenden
Bodens vermieden wird.

Wissenschaftler der Stanford-Universität schlugen nach Abschluß zweijähriger Experimente vor, das "North Slope"-Öl für den Transport durch die Rohrleitung nach Valdez nicht zu erwärmen, sondern es durch Vermengen mit Methanol
fließfähig zu machen.

Dies sei die billigste und nach ökologischen Gesichts-

punkten günstigste Methode.

Das Methanol, das mit dem Rohöl eine Suspension

bilden soll, ließe sich leicht aus dem Erdgas gewinnen, das sowieso zusammen
mit dem öl an die Oberfläche kommt.

Und da die Suspension bis auf Temperaturen

um den Gefrierpunkt abgekühlt und somit auch durch eine unterirdische Leitung
gepumpt werden könnte, brauchte die Pipeline nicht oberirdisch verlegt zu werden.
Davon befürchten die Umweltschützer nicht nur Schäden für die Tier- und Pflanzenwelt sowie eine Verschandelung der Landschaft, sondern auch das für Flora und
Fauna und nicht zuletzt für die Verkehrswege so gefährliche Auftauen des Perma-

�Permafrostbodens durch das a u f g e h e i z t e

Pipeline-Öl.

Die Mischmethode würde außerdem e i n z w e i t e s Problem l ö s e n - nämlich den
Bau e i n e r zweiten P i p e l i n e für den T r a n s p o r t von Erdgas aus dem Prudhoe-Geb i e t ü b e r f l ü s s i g machen.

Nach den Berechnungen von Prof. S u l l i v a n S. Marden

und P h i l i p R. Hooker von der S t a n f o r d - U n i v e r s i t ä t könnte d i e Suspension zu
7 0 - 8 0 P r o z e n t aus Rohöl und zu 20 - 30 P r o z e n t aus Methanol b e s t e h e n ;
der R a f f i n e r i e l i e ß e n s i c h d i e Komponenten l e i c h t wieder t r e n n e n .

in

Dabei s e i

e s g l e i c h g ü l t i g , wo d i e R a f f i n e r i e s t e h e , da das Gemisch k e i n e Sonderbehandlung e r f o r d e r e und s e i n T r a n s p o r t i n Tankern k e i n e S c h w i e r i g k e i t e n b e r e i t e .
Eine " a g g r e s s i v e " E x p l o r a t i o n und P r o s p e k t i o n in den äußeren Gebieten
des K o n t i n e n t a l s o c k e l s rund um d i e USA s o l l außerdem h e l f e n , m i t einem Minimum
an Zeitaufwand d i e Meereszonen auszumachen, wo s i c h d i e E r s c h l i e ß u n g neuer Erdö l - und E r d g a s q u e l l e n am e h e s t e n l o h n t .

Mit einem neuen Programm d e r NOAA

für Meeres-Geodäsie, das b i s Ende März 1975 l ä u f t , wird z u n ä c h s t d i e P o s i t i o n
dafür w i c h t i g e r Bohrplattformen 65 b i s 160 km vor der amerikanischen Küste
im Golf von Mexiko genau bestimmt.

In d e r n ä c h s t e n Phase s o l l e n F o r s c h u n g s -

s c h i f f e und andere Ausrüstungen zur Durchführung m e e r e s t e c h n i s c h e r Aufgaben
auf S c h l ü s s e l p o s i t i o n e n in einem Bereich d i r i g i e r t werden, der etwa 250 km
i n s Meer h i n a u s r e i c h t .

Als H i l f s m i t t e l für d i e Positionsbestimmung werden u . a .

d i e F u n k s i g n a l e von E r d s a t e l l i t e n der US-Marine b e n u t z t .

+ + + + +

�</text>
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Dokumentation

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Nummer 5

12. März 1975

Inhalt

WIRTSCHAFT
Neue Möglichkeiten für das Internationale Währungssystem
Von Henry C. Wallich
Mitglied des Gouverneurrates des US-Federal Reserve System

HINTERGRUNDMATERIAL
Der Erfolg von Wladiwostok
Von Gerard C. Smith

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ultraschallsonde für Herzdiagnostik

Neuartige Mikroskope

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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5/1975

NEUE MÖGLICHKEITEN FÜR DAS INTERNATIONALE WÄHRUNGSSYSTEM
Von Henry C. Wallich
Mitglied des Gouverneurrates des US-Federal Reserve System

FRANKFURT - (AD) - Der bekannte amerikanische Finanzfachmann und Mitglied
des Gouverneurrates des amerikanischen Federal Reserve Systems (US-Bundesbank),
Henry C. Wallich, hat am 6. März 1975 im Amerika Haus Frankfurt einen Vortrag
über "neue Möglichkeiten für das Internationale Währungssystem" gehalten. Die
Ausführungen von Wallich haben folgenden Wortlaut:

Ich freue mich über diese Gelegenheit, im Amerika Haus Frankfurt über das
Internationale Währungssystem sprechen zu dürfen.

Durch die Nachrichten von

den Devisenmärkten wird uns fast täglich die Arbeitsweise dieses Systems vor
Augen geführt. Flexible Wechselkurse (floating rates) haben gute und weniger
gute Resultate gezeitigt.

Ein kurzer Rückblick erscheint angebracht, bevor wir

die Entwicklung des Weltwährungssystems in einem umfassenderen Rahmen untersuchen.

Flexible Wechselkurse

In einer Zeit ernster Zahlungsbilanzstörungen - durch die weltweite Inflation, die Öl-Situation, eigene spezifische Probleme der einzelnen Länder sowie
andere Faktoren hervorgerufen - waren flexible Wechselkurse wahrscheinlich der

�}

der einzige Weg, wie immer wieder auftretende Währungskrisen vermieden werden
konnten.

In dieser äußerst schwierigen Zeit haben der internationale Handel

und die internationalen Investitionen trotzdem prosperiert und vor allem der
Euro-Dollar-Markt hat beim Recycling der OPEC-Gelder Großes geleistet.

Flexible

Wechselkurse ließen ferner der Binnenwirtschaftspolitik einen weiteren Spielraum.

Aber es hat auch eine Anzahl schmerzlicher Nebenwirkungen, vor allem

einige sehr starke Schwankungen der Wechselkurse, gegeben.

Heute muß sich das System der flexiblen Wechselkurse einer neuen Bewährungsprobe unterziehen - es muß sich in einer weltweiten Hochkonjunktur und Inflation
bewähren.

Eine der bedeutsamen Erfahrungen aus der früheren Zeit war, daß

selbst Länder mit hohen Defiziten in ihren laufenden Konten die Flexibilität
der Wechselkurse nicht zu einer Senkung ihres eigenen Wechselkurses nutzten.
Die Besorgnis wegen der Inflation, die Erleichterung des Exports und ferner die
relative Leichtigkeit, mit der Zahlungsbilanzdefizite finanziert werden konnten,
ließen es ratsam erscheinen, den Wechselkurs hoch zu halten.

Erst die weiteren

Entwicklungen werden uns zeigen, wie die flexiblen Wechselkurse in einem neuen
i

Wirtschaftsklima funktionieren,

Wje werden sich die Defizite entwickeln?
I

Ein weiterer wichtiger Aspekt des internationalen Währungsbildes war das
Verhalten der Zahlungsbilanzen, vor allem ihrer laufenden Konten.

Für die Erd-

öl importierende Welt als Ganzes bildet der Überschuß der öl exportierenden
Länder einen Maßstab für das unabwendbare Gesamtdefizit in den laufenden Konten.
Es ist nicht länger angebracht, dies unter dem Gesichtspunkt eines Öl-Defizits
zu betrachten.

Das aus dem Ansteigen der Ölpreis,e resultierende ursprüngliche

Öl-Defizit ist modifiziert worden, und zwar nach unten durch eine Zunahme der
OPEC-Importe, durch die Einsparung von Erdöl sowie durch die Aussicht auf Produktionsstätten außerhalb des OPEC-Gebietes, und nach oben durch die wachsenden
Einkünfte aus den OPEC-Investitonen.

Aber es trifft immer noch zu, daß der

Überschuß der OPEC in den laufenden Konten das Defizit der öl importierenden
Länder in den laufenden Konten bestimmt.
Einzelne

�Einzelne Importländer können natürlich ihr Defizit in den laufenden Konten
verringern oder sogar einen Ausgleich oder einen Überschuß erzielen.

Von den

größeren Ländern haben Deutschland und Japan und in geringerem Maße auch die
Vereinigten Staaten es vermieden, in das Gesamtdefizit - im Falle der Vereinigten
Staaten sehr beträchtlich in das Gesamtdefizit - einbezogen zu werden, das 1974
wahrscheinlich eine Größenordnung von 60 Milliarden Dollar erreicht haben dürfte.
Dementsprechend hatten andere Länder einen sehr hohen Anteil.

Man kann unterschiedliche Kriterien dafür

festsetzen, was als optimale

Verteilung des unabwendbaren Gesamtdefizits gelten könnte. Die Wirtschaft lehrt
uns, daß das Kapital dahin geht, wo es am produktivsten arbeitet.

Daher sollten

solche Länder Defizite haben und diese durch Kapitalimporte finanzieren, die das
Geld am produktivsten einsetzen können.

Hiermit sagt uns die Wirtschaft nicht

viel.

Man kann dies einmal unter dem Gesichtspunkt betrachten, welche Länder
es sich - gemessen an ihrem Lebensstandard und anderen Bedingungen - am wenigsten leisten können, ihr öl mit Exporten zu bezahlen.

Daraus würde sich er-

geben, daß diesen Ländern eine Möglichkeit eingeräumt werden sollte, den tatsächlichen Transfer der Hilfsquellen durch Kreditaufnahmen hinauszuschieben.
Gemäß diesen Kriterien helfen die Länder, die Überschüsse oder nur geringe Defizite ausweisen, den anderen Ländern indem sie einen größeren Teil der Kosten
für die Beschaffung von OPEC-Öl auf sich nehmen.

Dies setzt natürlich voraus,

daß die Länder mit großen Defiziten eine Finanzierung - durch Recycling oder
durch die OPEC-Länder - finden können.

Aber die Finanzierung kann, zumindest für einige Länder, leicht zum Hauptproblem werden.

In diesem Falle wäre der bessere Weg für die Aufteilung des Ge-

samtdefizits, wenn die Länder, die nur schwer eine Finanzierung finden können,
Maßnahmen zur Verringerung des Defizits treffen würden.

Eine Anpassung in der

entgegengesetzten Richtung wäre für solche Länder angebracht, die eine Finanzierung übernehmen können oder über Reserven verfügen.

Sollte sich gar heraus-

stellen, daß in diese letzteren Länder ebenfalls in bedeutendem Ausmaß OPECInvestitionsgelder einfließen, so würde ihnen die möglicherweise schwierige Wahl
- 3-

�1

I
Wahl zwischen einem Recycling dieser Gelder und einem Ansteigen ihrer Wechselkurse leichter fallen.

Management der Zahlungsbilanzen

Das Management der Zahlungsbilanzen kann sich auf zahlreiche Techniken
stützen, mit denen die Industriestaaten einige der wenige? wünschenswerten Techniken, wie Handelskontrollen, verhältnismäßig erfolgreich vermieden haben.

In zahlreichen Ländern bestehen weiterhin Kapitalkontrollen und sie sind
hier und da noch verstärkt worden, manchmal mit dem Ziel, Geldzuflüsse zu begrenzen.

Die Vereinigten Staaten haben im letzten Jahr die Kapitalabflußkontrollen

aufgehoben, die Anfang der sechziger Jahre zum Schutz des Dollar eingeführt worden
waren.

•

Ein Management der Zahlungsbilanzen durch Wechselkursanpassungen, die markt-,
orientierte Alternative zu direkten Kontrollen, ist seltsamerweise ebenfalls
weitgehend ausgeblieben.

Aus Gründen, die ich bereits untersucht habe, haben

es Länder mit schwerwiegenden Ungleichgewichten in ihren laufenden Konten vorgezogen, ihre Wechselkurse nicht frei auspendeln zu lassen.

In einigen Fällen

hat dies massive staatliche Interventionen oder entsprechende Maßnahmen auf den
Devisenmärkten notwendig gemacht.

Die Richtlinien für eine Intervention bilden einen wichtigen Bestandteil
der "Interimsmaßnahmen" für eine Reform des internationalen Währungssystems, die
vom Zwanzigerausschuß ausgearbeitet und von den Exekutivdirektoren des internationalen Währungsfonds (IWF) empfohlen worden sind.

Die Beziehungen zwischen

den "IWF-Richtlinien für ein Floaten" und der gegenwärtigen Interventionstätigkeit auf den Devisenmärkten verdienen es daher, untersucht zu werden.

Die "Richtlinien für ein Floaten" fordern, daß die Mitgliedstaaten durch
tägliche und wöchentliche Interventionen einen geordneten Markt aufrechterhalten.
Sie gestatten den Ländern ferner Zielzonen für die Wechselkurse und die Reserven
- 4 -

�Reserven festzulegen.

Die einzelnen Länder haben ein beträchtliches Maß an

Aktivität, was die erste Art anbetrifft, entwickelt, um geordnete Märkte aufrechtzuerhalten.

Die Regeln haben sich in dieser Beziehung seit den Tagen

starrer Wechselkurse etwas geändert und tägliche Wechselkursveränderungen von
einem Prozent sind keine große Seltenheit mehr.

Die Märkte haben jedoch weiter-

hin Transaktionen durchgeführt und unter diesem System im allgemeinen gut
funktioniert.

Zonen für Wechselkurse oder für Reserven, die in Konsultationen mit dem
IWF festgelegt werden müßten, sind bisher noch von keinem Land vorgeschlagen
worden.

Einige Länder haben jedoch auf dem Devisenmarkt in einer Weise

operiert, die sich nicht mehr allzu sehr von dem unterscheidet, was als Operieren unter einem Zonenverfahren gelten könnte.
Staatliche Kreditaufnahmen, auf dem Euro-Dollar-Markt, beim IWF, bei der
OPEC und bei anderen Stellen, bildeten eines der Mittel, um eine solche Interventionspolitik zu ermöglichen.

Angesichts der Größenordnung der heutigen

internationalen Kapitalflüsse müßten Interventionen, so lange keine Beschränkungen für die internationalen Kapitalflüsse bestanden, in einem sehr großen
Umfang erfolgen.

Die für wirksame Interventionen erforderlichen Beträge dürften

ferner je nach dem Zustand des Marktes ebenfalls sehr unterschiedlich sein.
Wenn an der Auffassung über Wechselkurse festgehalten wird, dann können die
auf Grund solcher Ansichten in Bewegung gesetzten Geldmengen sehr groß sein
und kleine Interventionen werden wahrscheinlich einfach untergehen. Wenn der
Markt in seinen Ansichten unsicher ist, kann ein Zeichen der intervenierenden
Stelle bereits genügen, um eine sich selbst tragende Bewegung in der von der
betreffenden Behörde gewünschten Richtung in Gang zu setzen.

Es ist ganz klar,

daß Interventionen, sollen sie Aussicht auf Erfolg bieten, nicht gegen allgemein
bekannte Trends erfolgen sollten und können. Langfristig sind es gerade diese
grundlegenden Aspekte, heute vor allem die Inflationsrate, die die Oberhand
behalten dürfte.

Die "Richtlinien für ein Floaten" müssen unter diesen Ge-

sichtspunkten gelesen werden.

Irgendwo
- 5-

�»

Irgendwo zwischen den täglichen Schwankungen und den fundamentalen Trends
gibt es bei den Wechselkursen Bewegungen, die temporäre Faktoren reflektieren.
Es könnte dies ein Unterschied in der Intensität oder, wie dies häufig schon
der Fall war, ein Unterschied in der Phase des internationalen Wirtschaftszyklus sein.

Nach der Auffassung des alten Bretton Woods Systems hätten sol-

che zyklischen Ungleichgewichte eine Änderung des Wechselkurses nicht gerechtfertigt, solange mit einer Umkehr dieser Bewegung gerechnet werden konnte. Von
den Ländern wurde erwartet, daß sie ihre Währungsreserven einschließlich der
IWF-Ziehungsrechte einsetzen und notfalls binnenwirtschaftliche Instrumente der
Wahrungs- und Haushaltspolitik mobilisieren, um eine solche Zeit zu überbrücken.

Unter einem System flexibler Wechselkurse ist dieses Problem keineswegs
entfallen, wie wir dies heute sehen können. Wir sind jedoch unter anderem gerade deshalb zu flexiblen Wechselkursen übergegangen, weil man erkannt hat, daß
die binnenwirtschaftliche Wahrungs- und Haushaltspolitik einen größeren Spiel- ,
räum braucht, als dies beim Bretton Woods System unter den Bedingungen möglich
war, wie sie Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre bestanden. Somit wäre der Einsatz von Währungsreserven für Interventionen das Hauptmittel,
um zyklische Wechselkursschwankungen zu vermeiden, es sei denn, daß die betroffenen Länder es als in ihrem Interesse erachten, starke Wechselkursbewegungen durch eine entsprechende Währungspolitik zu verhindern.

Unter dem alten System der starren Wechselkurse, als noch Vertrauen in
diese Wechselkurse bestand, würden die privaten Marktteilnehmer den Behörden
bei den Bemühungen geholfen haben, die Spekulation zu stabilisieren.

Heute be-

steht die gleiche Möglichkeit, aus der Stärke oder Schwäche einer Währung, die
für temporär erachtet wird, Nutzen zu ziehen. Aber Ansichten dieser Art sind
heute weniger fest und die Unsicherheiten sind größer, als dies früher der Fall
war.

Eine Stabilisierung der Spekulation dürfte daher nicht mehr so wirksam

durchzuführen sein, wie früher.
lichen Reserven.

Damit erhöht sich die Bedeutung der staat-

Aber dies gibt uns keinen Hinweis dafür, inwieweit diese

Reserven eingesetzt werden, um Wechselkursschwankungen auszugleichen, die ihrer
Art nach für zyklisch gehalten werden.

Das Dollar-Problem heute ist meines Er-

�Erachtens in erster Linie von solcher zyklischer Natur.

Die Position des Dollar

Bisher ist der Dollar weiterhin die Hauptreserve- und Interventionswährung.
Der Dollar wird von ausländischen Zentralbanken entsprechend ihrer eigenen
Wechselkursziele gekauft, verkauft und gehalten.

Für die Vereinigten Staaten ruft

dies eine Situation hervor, die nicht gänzlich verschieden ist von der, wie sie
vor Beginn des Floating existierte.

Andere Länder bestimmen weitgehend den Wechsel

kurs des Dollar in dem Maße, in dem dieser Kurs durch Intervention beeinflußt
wird.

Eines der amerikanischen Ziele in der internationalen Währungsreform
besteht darin, ein größeres Maß an Einfluß auf den Wechselkurs des Dollar zu
gewinnen.

Ein Weg, um einen solchen Einfluß auszuüben, ist die Intervention

in einem System der flexiblen Wechselkurse.

Die weltweite Verwendung des Dollar

zur Intervention durch andere Währungsbehörden, um den Wert ihrer eigenen Währungen zu beeinflussen, tendiert jedoch dahin, die Wirkung der Intervention im
Sinne der Beeinflussung des Dollarwertes weitgehend aufzuheben.

Darüber hinaus

kann die Intervention heute ganz neue Formen annehmen, Regierungen oder politische Untergruppierungen oder amtliche Einheiten können auf dem Euro-DollarMarkt Geld aufnehmen, mit dem letztlichen Ziel, die Wechselkurse zu beeinflussen.
Es ist nicht notwendig, daß die so aufgebrachten Mittel an die Zentralbank gehen.
Wenn die aufnehmende Institution sie direkt auf dem Markt verkauft, so ist die
Wirkung mehr oder weniger die gleiche wie die eines Verkaufes durch die Zentralbank.

Damit wird die Geldaufnahme zu einem der Hauptaspekte der Währungspolitik.

Als mittelfristige oder langfristige Kapitalimporte betrachtet, werden diese
Geldaufnahmen ein Teil der Gesamtzahlungsbilanz-Eingänge und gleichen damit
laufende Kontodefizite aus.
importen.

Ihr Hauptzweck ist heute die Finanzierung von öl-

Aber diese Bewegungen stellen gleichzeitig eindeutig eine Komponente

der Währungs- und Interventionspolitik dar und sind damit zu einem wichtigen
neuen Charakteristikum des neuen Währungssystems geworden.
Das
- 7-

�i

Das Ziel derartiger Dollarinterventionen durch Drittländer braucht nicht
darin zu bestehen, den Kurs zwischen dem Dollar und der fraglichen Währung zu
beeinflussen.

Die Intervention kann in erster Linie darauf abzielen, den Kurs

zwischen dieser Währung und dritten Währungen zu beeinflussen, wie beispielsweise
jener der Schlange oder anderer Währungen der Europäischen Gemeinschaft. Wenn
man jedoch

Dollar auf den Markt bringt - oder sie aus dem Markt zieht - dann

muß dies den Kurs des Dollar im Verhältnis zu allen Währungen verändern. Wenn
Dollar verkauft werden, dann wird das Angebot an Dollar-Aktiva in der Welt erhöht und, wenn Dollar gekauft werden, dann wird es verringert.

Das hat die

üblichen Folgen, die sich aus jeder Veränderung im Verhältnis von Angebot und
Nachfrage ergeben.

Der Umfang der Aktiva auf den Geldmärkten der Welt ist sehr groß und man
müßte daher eigentlich annehmen können, daß die Verwendung von Dollar zu Interventionszwecken das weltweite Verhältnis von Angebot und Nachfrage an Dollar
nicht sehr stark verändern würde.

Das ist in der Tat so, wie sich aus den

relativ mäßigen Schwankungen des Dollar an seinem handelsgewichteten Effektivkurs gegenüber den Währungen der großen Industrieländer ablesen läßt.

Im Jahre 1974 schwankte der handelsgewichtete Wechselkurs des Dollar - an
einem gewichteten Durchschnitt des Dollarpreises im Verhältnis zu zehn großen
Ländern gemessen - von einem Hoch von 11,5 Prozent Abwertung im Januar gegenüber Wechselkursen im Mai 1970 und einem Tief im Mai von 18,3 Prozent Abwertung,
was eine Schwankung von etwa 8 Prozent im handelsgewichteten Wechselkurs des
Dollar gemessen an diesem besonders gewichteten Durchschnittsmaßstab ausmacht.
Im Jahre 1975 ist der handelsgewichtete Wechselkurs des Dollar bisher um etwa
3,5 Prozent zurückgegangen.

Die Veränderungen des Dollarwertes gegenüber be-

stimmten europäischen Währungen sind jedoch in der letzten Zeit sehr viel größer
gewesen.

Im Jahre 1974 lag der Höchstkurs des Schweizer Franken gegenüber dem

Dollar etwa 29 Prozent über seinem Tiefstkurs und der höchste Dollarpreis für
die Deutsche Mark lag in jenem Jahr fast 15 Prozent über dem Tiefstkurs.

Dieses

Jahr haben die Schweizer Franken und die Deutsche Mark bisher gegen den Dollar
um etwa jeweils 5 Prozent und 4 Prozent gewonnen.
Das

�Das Auftreten von sehr viel größeren Schwankungen als jenen des handelsgewichteten Kurses oder jener des Dollar gemessen an den Sonderziehungsrechten
wird durch die Tatsache verstärkt, daß einer der Hauptdevisenmärkte für die
Dollarintervention der Markt für Deutsche Mark ist.

Es wird ferner durch die

Art und Weise intensiviert, in der Wechselkurse in der öffentlichen Diskussion
und vor allem in der Presse behandelt werden.

Es liegt vielleicht in der Natur

der Sache, daß jedes Land eine Einstellung einnimmt, die man vielleicht als
ptolemäische Schau seiner Währung im Verhältnis zu den übrigen Währungen bezeichnen kann.

Die eigene Währung wird als feststehend betrachtet und die

anderen Währungen einschließlich des Dollar werden in Auf- und Abbewegungen gesehen.

So kommen die bekannten Schlagzeilen zustande, daß der Dollar heute

um x-Prozent gefallen - oder gestiegen - sei. Eine kopernikanische Schau der
Devisenmärkte würde davon ausgehen, daß die eigene Währung als sich auf- und
abbewegend angesehen wird - nicht so sehr gegenüber dem Dollar allein, sondern
gegenüber der Gesamtheit der anderen Währungen, das heißt, gemessen an ihrem
handelsgewichteten Kurs oder gegenüber den Sonderziehungsrechten.

Die koperni-

kanische Schau scheint jedoch hauptsächlich nur in der amerikanischen Presse
vertreten zu sein, wenn die Korrespondenten ihre Berichte über die Devisenmärkte
im Ausland mit solchen Schlagzeilen versehen wie:

Dollar fällt - oder steigt -

in Zürich.

Während also die übliche Form der Registrierung von Kursbewegungen auf
den Devisenmärkten das Auftreten von Schwankungen in einem stärkeren Licht erscheinen läßt, so ist es doch ohne Frage richtig, daß die Schwankungen des
Dollar ein ernstes Problem darstellen.

Es ist einfach nicht möglich, wie dies

manche wissenschaftliche Verfechter der flexiblen Kurse fordern, die Kursbewegung zu ignorieren und die amerikanische Regierung hat dies auch niemals getan.
Unter den gegenwärtigen Umständen wird die Notwendigkeit einer bewußteren Politik seitens der Vereinigten Staaten hinsichtlich des Dollar immer deutlicher.
Eine solche Politik müßte natürlich auf ein Gleichgewicht ausgerichtet sein und
nicht auf zwecklose Versuche, die fundamentalen Trends zu bekämpfen.
sich um eine Politik der Kooperation handeln.

Es müßte

Vor allem in einer Zeit, in der

die umfangreiche Verwendung des Dollar zu Interventionszwecken den Dollarkurs
in einer Weise verzerren könnte, die niemand wünscht, müßte eine solche Politik
- 9 -

�Politik zur Erreichung eines besseren Gleichgewichts für alle Länder beitragen.

Die Dollarpolitik

Eine solche Politik muß mit grundsätzlichen Dingen anfangen.

Die Ver-

einigten Staaten unternehmen gegenwärtig eine gleichlaufende Anstrengung, um
eine Rezession zu überwinden, die im vorigen Jahr begann, und einer Inflation
ein Ende zu setzen, deren Ursprung schon ein Jahrzehnt zurückliegt.

Die Welt

kann schwerlich gedeihen, wenn nicht die Vereinigten Staaten ihre Prosperität
zurückgewinnen.

Auf den Devisenmärkten der Welt kann schwerlich wieder Ver-

trauen und Stabilität einziehen, solange die Aussichten für die Vereinigten
Staaten als ungewiß angesehen werden.

Aber ebensowenig werden diese Märkte

zu solide begründeten Wechselkursen zurückkehren können, solange die Inflation
nicht besiegt ist.

Die Vereinigten Staaten haben eine große Anstrengung unter- .

nommen, um ihre Inflation zu überwinden, und große Opfer an Produktion und Beschäftigung gebracht.

Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß diese

Opfer durch einen höheren Stand der Wirtschaftstätigkeit und des Wachstums in
einer inflationsfreien Wirtschaft wiedergutgemacht werden.

Gegenwärtig wird

die Hauptanstrengung zur Überwindung der Rezession an der Fiskalfront gemacht,
wo die geringste Gefahr besteht, einen negativen Druck auf die Zahlungsbilanz
zu erzeugen.

Die Schwere der Rezession hat die amerikanische Zahlungsbilanz in eine
negative Richtung gelenkt, wie dies bei den meisten anderen Rezessionen der
Fall war.

Während in der bisherigen Geschichte die laufenden Konten in einer

Rezession einen besseren Stand erreichten, haben die Kapitalabflüsse wegen der
niedrigen Zinssätze diese Wirkung oft aufgewogen und die Gesamtzahlungsbilanz
in das Defizit gedrängt. Bei der gegenwärtigen Rezession haben die steigenden
Kosten der Ölimporte und die scharf rückläufigen Auslandsprofite der ölgesellschaften trotz der bremsenden Wirkung auf Importe durch die Rezession ein steigendes Defizit der laufenden Konten hervorgerufen.

Die auf ein gemäßigtes

Wachstum der Geldaggregate ausgerichtete Politik der amerikanischen Bundesbank
hat in der Zwischenzeit zu einer Abwärtsbewegung der Zinssätze geführt, da das
- 10 -

�das Geldangebot in dem Maße stagnierte, wie die Wirtschaft ihre Nachfrage nach
Transaktionen verringerte.

Diese im wesentlichen zyklischen Entwicklungen haben

zur Schwäche des Dollar beigetragen.

Während der letzten Monate verlangsamte sich die Inflation deutlich.

Der

Verbraucherpeis bewegte sich in den letzten Monaten mit einer nachlassenden
Jahresrate, die im Januar 8 Prozent erreichte.

Der Großhandelspreisindex ist

seit zwei Monaten praktisch stabil. Dies sind wichtige Meilensteine auf dem
Wege zu einem besseren Preisverhalten.

In den Vereinigten Staaten und im Ausland sind Besorgnisse laut geworden,
daß die fiskalische Expansion exzessiv werden und daß dies zu erneuter Inflation und Schwächung des Dollar führen werde. All jene, die an diesem pessimistischen Bild festhalten, sollten jedoch nicht vergessen, daß die unmittelbare Auswirkung exzessiver Regierungsdefizite darin bestehen würde, die Zinssätze hoch zu treiben, was wiederum die Gefahr brächte, den Wiederaufschwung
abzuwürgen. Während neuerliche Inflation dazu führen könnte, den Dollar zu
drücken, wäre dies bei höheren Zinssätzen und einem gedämpften Wiederaufschwung
nicht der Fall.

Ich halte jedoch einen Verlauf der Dinge für sehr viel wahr-

scheinlicher, der die Vereinigten Staaten mit einer ständig sinkenden Inflationsrate zur Prosperität zurückführt.

In dieser Situation wäre der Dollar in

einer Position, seine fundamentale Stärke zu demonstrieren.

In der Zwischenzeit schreitet die Entwicklung des internationalen Währungssystems zu neuen Strukturen und Institutionen fort.

Es ist ein Fonds zur finan-

ziellen Unterstützung geschaffen worden, um den dringenden Bedarf von Ländern
zu decken, die keinen Zugang zu Krediten haben oder diese nur zu unannehmbaren
Bedingungen bekommen könnten.

Es ist Übereinstimmung darüber erzielt worden,

den Umfang des Internationalen Währungsfonds zu vergrößern.

Es ist einiger Fort-

schritt in Richtung auf eine bessere Definition der Verpflichtungen jener Länder
erzielt worden, deren Währungen floaten, sowie ihrer Rechte, eine solche Regelung

zu wählen - eine Definition gemäß den IWF-Richtlinien für ein Floaten -

die die Vereinigten Staaten angesichts der weltweiten Benutzung des Dollar,
über die der IWF keine Kontrolle ausüben kann, als entscheidend wichtig be- 11 -

�betrachten. Eine bessere Einigung über die Mittel und Wege zur Verringerung
der Rolle des Goldes, wie im Zwanziger-Ausschuß vereinbart, ist ebenfalls im
Gange.

All dies zusammengenommen läuft nach meiner Überzeugung auf einen Be-

richt des Fortschritts hinaus.

+ + + + +

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5/1975

DER ERFOLG VON WLADIWOSTOK
Von Gerard C. Smith

Gerard C. Smith, der heute als Anwalt in
Washington tätig ist, war von Anfang 1969
bis Anfang 1973 Direktor des amerikanischen
Amtes für Abrüstung und Rüstungskontrolle
(ACDA) und leitete in dieser Zeit auch die
Delegation der Vereinigten Staaten bei den
Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT) mit der Sowjetunion.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des
"Wall Street Journal"
Copyright 1975 Dow Jones and Company, Inc.

Es gibt Leute, die das Übereinkommen von Waldiwostok über strategische
Rüstungen kritisiert haben, weil es in seinen Begrenzungen der Zahl der Abschußeinrichtungen für ICBM (Interkontinentalraketen zu Lande), SLBM (unterseebootgestützte Raketen) und schwere Bomber nicht weitgehend genug sei, weil
es nur teilweise verifizierbar sei und weil es solche qualitativen Begrenzungen
wie die Nutzlast (throw-weight) nicht einschließe.

Worauf es in Wladiwostok vor allem ankam, war, die Sowjets dazu zu bringen,
daß sie auf die von ihnen gestellte Bedingung verzichteten, - nämlich daß ihnen
- 1 -

�«

^

ihnen mehr strategische Abschußeinrichtungen zugestanden werden müßten als den
Vereinigten Staaten, weil die USA in Europa und im Fernen Osten bestimmte Nuklearsysteme in vorgeschobener Position disloziert hätten ("forward based
Systems") - und einer gleichen Zahl von strategischen Abschußeinrichtungen für
beide Seiten zuzustimmen.

Die Sowjets gingen dabei wahrscheinlich von der

Überlegung aus, daß bei der relativ hohen Gesamtzahl (2400) der zugestandenen
Abschußeinrichtungen die große Anzahl der in Europa und im Fernen Osten dislozierten taktischen Nuklearwaffen der USA keine besondere strategische Bedeutung
hätte.

Vielleicht haben sie sich aber auch überlegt, daß es für sie in psy-

chologischer Hinsicht weniger schmerzhaft wäre, bei der auf 2400 Abschußeinrichtungen festgesetzten Höchstzahl zu verbleiben, indem sie veraltete Abschußeinrichtungen nach und nach durch moderne ersetzten, sobald diese einsatzbereit wären, als für die Vereinigten Staaten, die diese Höchstgrenze durch neue
Konstruktionen erreichen müssen.

Die Sowjets beurteilen allem Anschein nach die Aussichten günstig, daß
die Vereinigten Staaten während der verhältnismäßig kurzen achtjährigen Dauer
des Vertrages den Ausbau der Abschußeinrichtungen nicht bis zu der festgesetzten Höchstgrenze bringen würden und damit der zahlenmäßige Vorteil der
Sowjets erhalten bleibt. Diese Vermutungen würden sich bestätigen, wenn die
Sowjets künftig jegliche weiteren Reduzierungen mit erneuten Ausgleichsforderungen
an die vorgeschobenen amerikanischen Nuklearsysteme koppeln würden.

Welche Mo-

tive die Sowjets auch immer bewogen haben mögen, so ist doch die Tatsache, daß
sie das Prinzip der Gleichwertigkeit für die strategischen Abschußeinrichtungen
akzeptiert haben, sehr bemerkenswert.

Was die festgesetzte Höchstgrenze für die Abschußeinrichtungen anbetrifft,
so ist vielleicht bemerkenswert, daß die Zahl 2400 etwa der Größenordnung der
amerikanischen strategischen Streitkräfte vor rund zehn Jahren entspricht.
Diese Zahl kommt der von den Vereinigten Staaten bei den SALT I-Verhandlungen
vorgeschlagenen ziemlich nahe, so daß man vermuten darf, sie wäre, wenn die
Sowjets sie bei jenen Verhandlungen zum Vorschlag gebracht hätten, akzeptabel
gewesen.

Sie würde Reduzierungen von seiten der Sowjetunion von den im SALT

I-Interimsabkommen vereinbarten Höchstwerten erfordern - und dies wären damit

�*

damit die ersten Reduzierungen, die man mit der Sowjetunion jemals ausgehandelt
hat.

Schließlich liegt diese Zahl, wie berichtet wird, wesentlich unter den

nach Angaben des amerikanischen Nachrichtendienstes für die Streitkräfte der
UdSSR für das Jahr 1985 in Aussicht genommenen Werten, wobei sich diese Angaben noch nicht einmal auf den "ungünstigsten Fall" beziehen.

Der Hauptvorteil dieses Abkommens besteht nach meiner Überzeugung darin,
daß es den Vereinigten Staaten eine ziemlich sichere Gewähr für die Höchstzahl
sowjetischer Abschußeinrichtungen für die nächsten zehn Jahre gibt.

Damit wird

es möglich sein,bei der Verteidigungsprogrammierung der Vereinigten Staaten
nicht ganz und gar von den Fällen ausgehen zu müssen, in denen "die Gefahren
größer wären als erwartet".

Und dies dürfte einen stabilisierenden Faktor in

das amerikanisch-sowjetische strategische Verhältnis einbringen.
Was die festgesetzte Höchstzahl (1320) für Abschußeinrichtungen für Raketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVs) angeht, so sollte man sich erinnern, daß
die Vereinigten Staaten bei den SALT I-Verhandlungen ein umfassendes und zeitlich unbegrenztes Abkommen über Offensivsysteme vorgeschlagen hatten, in dem es
hinsichtlich der MIRVs gar keine Begrenzung gab.

Wenn auch der zahlenmäßige Stand der MIRV-Abschußeinrichtungen das Problem
der ICBM-Anfälligkeit seiner Lösung nicht näher bringt, so ist man doch heute
in amtlichen Kreisen Amerikas der Auffassung, daß dieses Problem nicht ganz so
dringend sei, als man geglaubt hatte. Natürlich werden die Besorgnisse in
dieser Richtung nicht verschwinden, und die Lösung des Problems der ICBM-Anfalligkeit sollte ein vordringliches Anliegen von SALT-III sein.

Bis dahin

scheint die amerikanische Politik, wie sie Verteidigungsminister Schlesinger
in seinem kürzlichen Lagebericht dargelegt hat, darauf hinauszulaufen, den
Sowjets eine stillschweigende Vereinbarung anzubieten:

Wenn die Sowjets Zurück-

haltung üben, indpm sie nicht so viele große, mit MIRV bestückte ICBMs dislozieren, wie ihnen nach der Formel von Wladiwostok zustünden, dann werden die
Vereinigten Staaten davon Abstand nehmen, eine neue Generation von ICBMs zu
dislozieren.
Eine
- 3-

�Eine Frage, die sich ganz allgemein im Zusammenhang mit der SALT-Abkommen
stellt, ist di- :
halten?"

"Darf man darauf vertrauen, daß die Sowjets ihre Zusagen

Diese Abkommen sollten nicht einfach nur auf Vertrauen beruhen, son-

dern ständig verifiziert werden können, um zu beweisen, daß Zusagen eingehalten
werden.

Nachdem die Verpflichtungen im Rahmen von SALT immer weitreichender

werden, wird diese Frage der Verifizierung große Beachtung verdienen.

Das erforderliche Maß an Genauigkeit bei der Verifizierung variiert je
nach den vereinbarten Begrenzungen.

Ein Ungenauigkeitsgrad von lOO Einheiten

mag bei einer Höchstgrenze von 2400 Einheiten durchaus tragbar sein, bei einer
Höchstgrenze von 5Ö0 Einheiten sicherlich nicht.

Natürlich gibt es auch Fälle,

in denen eine nicht verifizierbare Zusage besser ist als überhaupt kein Abkommen.

Das gilt beispielsweise für das kürzlich ausgehandelte Abkommen über

das Verbot biologischer Kriegführung.

Obwohl hier einige der Zusagen nicht

genau nachprüfbar sind, wurde argumentiert, daß einer Aggression mit biologischen
Kampfmitteln ohnehin r.ü t Abschreckung oder Abwehr durch Kernwaffen begegnet
würde, sodaß ein kleines Risiko der nur einseitigen Einhaltung der Verpflichtungen tragbar wäre.

Um das Rahmenabkommen von Wladiwostok mit Materie auszufüllen, wird es
vielleicht neuer Verifizierungsüberlegungen bedürfen.

Wenn beispielsweise unter-

seebootgestützte Abschußeinrichtungen für Flugkörper mit Luftstrahlantrieb,
wie sie die Vereinigten Staaten zur Zeit entwickeln, einer Begrenzung unterliegen
sollen, wie stellt man dann die Zahl der tatsächlich dislozierten Einrichtungen
fest?

Wenn Abschußeinrichtungen für ballistische Raketen auf Überwasserschiffen

verboten werden, wie läßt sich dann dies Verbot erzwingen?

Wenn landgestützte,

mobile ICBMs erlaubt, aber in ihrer Zahl begrenzt werden sollen, wie kann man
diese Zahl verifizieren?

Letztlich dürfte dieses ganze Problem wohl doch auf

die Frage hinauslaufen, ob der Sicherheit der Vereinigten Staaten besser mit
einer Begrenzung irgendeiner Art, auch wenn diese keine sehr genaue Verifizierung erlaubt, gedient ist als mit einem Verzicht auf jede Begrenzung.

Was die Frage der Verifizierung anbetrifft, so besteht hier eine beträchtliche Asymmetrie zugunsten der UdSSR.

Da die Vereinigten Staaten eine offene

�offene Gesellschaft sind, in der die Waffensysteme in der Phase ihrer Erforschung und technischen Entwicklung bis zu ihrer schließlichen tatsächlichen
Dislozierung einer ständigen genauen Beobachtung durch die Öffentlichkeit
unterliegen, kann die Sowjetunion in hohem Maße darauf vertrauen, daß die USA
den Begrenzungsbestimmungen der Abkommen nachkommen werden.

Infolgedessen

tragen die Vereinigten Staaten bei Verhandlungen die ganze Last, immer wieder
auf ein Abkommen über Verifizierungsmaßnahmen drängen zu müssen.

Das aber gibt den Sowjets wiederum mehr Spielraum bei anderen Aspekten
des Abkommens, die für sie von besonderem Interesse sind.

Wegen dieses Unter-

schieds zwischen dem amerikanischen und dem sowjetischen Gesellschaftssystem
sollten die Vereinigten Staaten künftig doch wohl besser von der in Wladiwostok
befolgten Technik Abstand nehmen, daß man - wie es die Briten nennen würden zuerst einmal einen allgemeinen

"Vorvertrag"

schließt, der die führenden

Männer der USA dann weitgehend verpflichtet, auch zu dem sich daraus ergebenden
Abschlußabkommen zu gelangen.

Bei solcherart geführten Verhandlungen könnte

auf amerikanischer Seite die Tendenz vorhanden sein, weniger fest auf jenen
Punkten der Verifizierung zu beharren, die nicht von so zentraler Bedeutung zu
sein scheinen.

Anders gesagt, könnten sich die Sowjets vielleicht eher geneigt

zeigen, gemeinsame Techniken der Verifizierung auszuarbeiten, wenn diese nötig
wären, um zu einem abschließenden Abkommen, was seine Begrenzung betrifft, zu
gelangen als in dem Falle, in dem dieses Abkommen in bezug auf seine Grenzen,
bereits im Grundsatz erreicht worden ist.

Von Zeit zu Zeit haben

sich die Vereinigten Staaten in diesem Zeitalter

der Nuklearwaffen besorgt gezeigt, sie könnten im strategischen Rüstungswettlauf zurückfallen - man denke an die Bomber- und Raketenlücken.

Eine solche

Besorgnis ist verständlich, da es schließlich um nichts geringeres als die
Sicherheit der Nation geht.

Aber eine öffentliche Debatte über solche angeb-

lichen Lücken und Mängel im strategischen Arsenal der USA, weckt bei unseren
Freunden wie bei unseren Rivalen im Ausland Vorstellungen und Ideen, die sich
auf die Glaubwürdigkeit der nuklearen Abschreckung auswirken.

Und so kommt es

zu dem seltsamen Resultat, daß der Redeschwall der Amerikaner manchmal dahin
tendiert, den Wert der eigenen strategischen Streitkräfte herabzusetzen.

- 5-

Ganz

�Ganz allgemein gesprochen könnte sich dieses Verhalten nachteilig auf unser
Vertrauen auswirken, daß die Vereinigten Staaten nicht in eine Krise hineingezwungen werden können und daß wir nicht vorzeitig und übereilt zu Nuklearwaffen
greifen müssen.

Manche Leute haben sich wegen der "Nutzlast-Lücke" besorgt geäußert und
das Abkommen von Wladiwostok kritisiert, weil es diese Lücke weder verkleinert
noch beseitigt hat. Wenn auch die Gesamtnutzlast, die von den drei Komponenten
der amerikanischen strategischen Streitkräfte - ICBMs, SLBMs und schweren
Bombern - bewältigt werden kann, der der sowjetischen Streitkräfte zumindest
gleichkommt, so besitzt die sowjetische Raketenstreitmacht doch eine weitaus
größere Nutzlast als die Raketenstreitkräfte der USA.

Diese Tatsache resultiert

nicht aus einem Fehler in der amerikanischen Programmierung, sondern aus einer
vor 15 Jahren bewußt getroffenen Entscheidung, keine weiteren großkalibrigen
Raketen, wie die Atlas und Titan, die zur ersten Generation unserer ICBMs gehören, zu dislozieren.

Stattdessen

entschied man sich, Raketen zu dislozieren,

die» Weil sie aus verkleinerten Komponenten bestanden,

ein weniger massiges

Volumen zu haben brauchten.

Besorgnisse hinsichtlich der Nutzlast drehen sich weniger um Überlegungen,
daß aus militärischen Gründen eine größere Nutzlast der Raketen gebraucht werde,
sondern vielmehr darum, daß sich im Ausland falsche Vorstellungen dahingehend
entwickeln könnten, daß die Vereinigten Staaten hier der UdSSR etwas unterlegen
seien.

Und was vielleicht noch wichtiger ist, es besteht die Befürchtung, daß

im Falle einer Krise eine künftige amerikanische Regierung

"kneifen" könnte,

weil sie wegen eines Rückstandes in der Nutzlast das Vertrauen verloren hätte.
Solche Besorgnisse sollten nicht leichtfertig abgetan werden, schon weil sie
sich erfüllen könnten.

Die unmittelbare Lösung sollte auf eine große Anstrengung auf dem Gebiet
der Information hinauslaufen, um allen Interessierten zu demonstrieren, daß die
militärische und psychologische Macht der strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten mehr als ausreichend ist und entsprechend aufrechterhalten wird.
Wenn in den kommenden Jahren ein Nutzlast-Minderwertigkeitskomplex auftreten
- 6 -

�auftreten und gefährlich werden sollte, dann kann die Nutzlast der amerikanischen Raketen innerhalb der Grenzen des Übereinkommens von Wladiwostok stark
erhöht werden.

Abschließend zu sagen stellt das Übereinkommen von Wladiwostok offensichtlich einen Fortschritt in dem langen Prozeß der Kontrolle der strategischen
Rüstungen dar. Es kommt, was seine "Griffigkeit" der Begrenzungen und seine
Geltungsdauer anbetrifft, dem ABN-Vertrag nicht gleich.

Es sieht mehr wie ein

neues "Interims"-Abkommen aus, das das "Einfrieren" von 1972 verlängert.
Aber es mag sich sehr wohl als Grundlage für weitere Verhandlungen über qualitative Begrenzungen und Verringerungen erweisen.
Erfolg.

- 7-

Und das ist kein kleiner

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ULTRASCHALLSONDE FÜR HERZDIAGNOSTIK

- (AD) - Die Methoden, mit denen heute Ausmaß und Schwere eines Herzinfarkts oder mögliche Ursachen einer erheblichen Dekompensation des Herzens
bestimmt werden können, sind noch wenig präzise.
sprechend unzureichenden

Um das Risiko einer dement-

Behandlung oder auch einer unnötigen Operation zu

verringern, entwickelte Dr. Padmakar P. Lele, Professor für experimentelle
Medizin am MIT-Department für Apparatebau (Technische Universität Massachusetts
in Boston, USA) eine Sonde, die es erlaubt, funktionsfähiges Gewebe von absterbenden bzw. infolge der Unterbrechung der Blut- und Sauerstoffzufuhr abgestorbenem Gewebe zu unterscheiden.

Die Sonde arbeitet mit Ultraschall.

Dem System liegt die schon fast vier

Jahre zurückliegende Entdeckung von Prof. Lele und dem jungen Elektronikingenieur
Jerry Namery zugrunde, daß lebendes und abgestorbenes Gewebe am Herzen unterschiedliche Mengen von Ultraschallenergie bei verschiedenen Frequenzen absorbieren.

Diesen Effekt glaubt Prof. Lele so erklären zu können, daß die Eiweiß-

moleküle im Gewebe bei Unterversorgung oder der Unterbrechung der Versorgung mit
Sauerstoff ihre Gestalt verändern.

Gegenwärtig wird die Erprobung der Apparatur in Experimenten an Hunden vorbereitet.

Gleichzeitig wollen Prof. Lele und seine Mitarbeiter die Computer-

programme verbessern, mit denen die Meßdaten analysiert werden.

- I -

Ziel des Pro-

�Projekts, das das "Nationale Institut für Herz- und Lungenforschung" der amerikanischen "National Institutes of Health" in Bethesda (Maryland) finanziert, ist
die Entwicklung einer Ultraschall-Sonde, die innerhalb von 15 Minuten eine komplette Übersicht über die Schädigung der Vorderwand und Hinterwand des Herzens
gibt und einfach zu bedienen ist.

Für eine Reihe technischer Probleme, u.a. Meßstörungen wegen der ständigen
Veränderung des Auftreffwinkels für die Ultraschallimpulse durch die Bewegung
des schlagenden Herzens, wurden inzwischen zufriedenstellende Lösungen gefunden.
Aber nach Meinung der Beteiligten dürften die Entwicklungen erst in ca. 1 Jahr
abgeschlossen sein.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Lele würde es begrüßen, wenn

sich qualifizierte graduierte Studenten beteiligten, die - in einer seltenen
Kombination - sowohl an speziellen biomedizinischen Problemen als auch an
Computertechnik und Instrumentenbau interessiert sind.

+ + + + +

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NEUARTIGE MIKROSKOPE

- (AD) - Ein Ultraschallmikroskop, mit dem buchstäblich in lebende Zellen
hineingesehen werden kann, wird jetzt auf Grund einer von der Stanford-Universität an die Firma American Opticas, Co., in Buffalo (New York) vergebenen Lizenz für kommerzielle Zwecke gebaut.

Das "akustische Rastermikroskop", wie

seine beiden Erfinder, Prof. Calvin F. Quate und Dr. Ross Lemons (Department
für Physik und elektronische Apparate der Stanford-Universität) dieses Instrument nennen, erzeugt Ultraschallwellen mit Frequenzen zwischen 500 und 100 Megahertz (500 Millionen - 1 Milliarde Schwingungen pro Sekunde).

Das Auflösungs-

vermögen liegt bei ca. 1 Mikron, d.h. im Bild sind noch Objekte von 1/1000 mm
Durchmesser auszumachen.
Die zu untersuchende Probe wird auf einen dünnen Plastikfilm aufgebracht
und in Wasser zwischen zwei Saphirkristallstäben placiert.
schickt die Schallwellen aus, der andere nimmt sie auf.
sind konkav geschliffen.

Einer der Stäbe

Die Enden der Stäbe

In Verbindung mit dem in der Vertiefung gehaltenen

Wassertropfen wird es auf diese Weise möglich, den Schallwellenstrahl an der
Eintrittsstelle in die Probe auf einen winzigen Punkt zu zentrieren. Der
Kristallstabempfänger, der die Impulse nach deren Durchgang durch das zu untersuchende Objekt aufnimmt, leitet sie zu einem Transducer, wo die je nach der
Absorptionsfähigkeit der geprüften Materie veränderten Uberschallwellen in
elektrische Signale zur Sichtbarmachung auf einem Bildschirm umgesetzt werden.
Die Probe wird horizontal und vertikal abgetastet.
Das
- 1 -

�Das Auflösungsvermögen bei diesem Verfahren reicht aus, um z.B. menschliche Zellen im Detail zu studieren.

Da auf dem Schallbild Merkmale in Er-

scheinung treten, die bei einer Untersuchung mit dem optischen Mikroskop niemals sichtbar werden, können Vergleiche zwischen Aufnahmen nach beiden Verfahren dem Diagnostiker helfen, sich mehr Einsichten in Zellfunktionen und
deren Störungen zu verschaffen.

An der Stanford-Universität bemüht sich jetzt ein Wissenschaftlergruppe
darum, dem akustischen Rastermikroskop ein noch größeres Auflösungsvermögen
zu geben und einen Weg zu finden, es mit einem Lichtmikroskop zu kombinieren.
Das neue Verfahren hat sich übrigens auch für die Materialprüfung bei mikrominiaturisierten Schaltkreisen außerordentlich bewährt.

Diese winzigen elek-

tronischen Bauelemente werden vor allem für Herzschrittmacher, Hörgeräte und
Minicomputer verwendet.

Ein Zwei-Stufen-Mikroskop für 500millionenfache Vergrößerungen haben
Dr. Lawrence S. Bartell, Prof. der Chemie an der Universität von Michigan,
und Charles L. Ritz, einer seiner Doktoranden, konstruiert.

Die Mittel für

diese neuartige Entwicklung stellte die "National Science Foundation" (NSF Amerikanische Nationale Wissenschaftsstiftung) zur Verfügung.

Das Gerät ist eine Kombination von Elektronen- und Lichtmikroskop, wobei jedoch nicht gewöhnliches "Mischlicht" verschiedenster Frequenzen, sondern
einfarbiges und in einem Wellenzug schwingendes Laserlicht verwendet wird. In
der ersten Stufe wird durch einen extrem kurzwelligen Elektronenstrahl ein
Hologramm erzeugt.

In der zweiten Stufe kann eine stark vergrößerte Abbildung

des Objekts rekonstruiert werden, indem man einen Laserstrahl durch das Hologramm schickt.

Die beiden Chemiker weisen jedoch darauf hin, daß ihr In-

strument in seiner gegenwärtigen Ausführung nur bestimmte Arten von Atomen und
Molekülen sichtbar machen könne.

Dabei sei aber das Auflösungsvermögen zehn-

mal größer als jenes von Spezialmikroskopen, die noch Objekte bis zu 1 Angström
(l/lO 000 000 mm) Durchmesser erfassen.

+ + + + +
- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Möglichkeiten für das Internationale Währungssystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Henry C. Wallich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mitglied des Gouverneurrates des US-Federal Reserve System&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Erfolg von Wladiwostok&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Gerard C. Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ultraschallsonde für Herzdiagnostik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuartige Mikroskope</text>
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Nummer

25. März 1975

Inhalt

INFORMATION:

Frederick B. Dent
Sonderbeauftragter Präsident Fords für Zoll-und Handelsverhandlungen

WIRTSCHAFT:
US-Finanzminister gegen massive Interventionen auf den Devisenmärkten
-Auszüge aus der Rede Simons vor dem World Affairs Council-

Erzeugerpreise - Faktor in der Strategie gegen den Hunger
- Studie des US-Landwirtschaftsministeriums -

HINTERGRUNDMATERIAL

Verstärkte Fürsorge für Arbeitslose in den USA
Von Sam Burks

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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6/1974
FREDERICK B. DENT
Sonderbeauftragter Präsident Fords für Zoll-und Handelsverhandlungen

--(AD)-- Das Primat der internationalen Wirtschaft und des Welthandels in den
Beziehungen der Völker kann kaum deutlicher zum Ausdruck kommen als durch die
Ernennung des bisherigen Handelsministers der Vereinigten Staaten, Frederick B.
Dent, zum Sonderbeauftragten des Präsidenten für Zoll-und Handelsverhandlungen.

Als Nachfolger von Botschafter William D. Eberle wird Dent als Leiter
der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen in Genf und Tokio eine bedeutsame Rolle bei der künftigen Gestaltung des Weltwirtschafts-und Weltwährungssystems spielen. Dent, seit Februar 1973 Handelsminister der Vereinigten Staaten und am 19 .3. 1975 in seinem neuen Amt bestätigt, sieht die Verlagerung der
Prioritäten wie folgt: "Bis Anfang der siebziger Jahre wurden unsere Interessen
in Übersee von militärischen und politischen Fragen beherrscht. In neuerer Zeit
sind Handelsinteressen in den Vordergrund getreten. Die Vereinigten Staaten
mögen das als Nation vielleicht noch nicht voll erkannt haben, aber diese Verlagerung zwingt uns zu einer Änderung vieler unserer fundamentalen Auffassungen
und Vorstellungen von Weltpolitik."
Als

�Als einer der führenden Vertreter der amerikanischen Textilindustrie und
als Handelsminister der Vereinigten Staaten ist Dent viel gereist und kennt
die Probleme anderer Länder aus eigener Anschauung. Aber er ist, wie einer
seiner engen Mitarbeiter betont, auch der Meinung, daß die Vereinigten Staaten härter verhandeln müssen. Grundsätzlich tritt er für eine Erweiterung und
Liberalisierung des Welthandels ein, ohne den die Vereinigten Staaten und andere Länder nach seiner Auffassung nicht existieren können.

Frederick Baily Dent wurde am 17. August 1922 in Cape May im Staate
New Jersey geboren und schloß 1943 seine Studien an der Yale-Universität ab.
Von 1943 bis 1946 diente er in der Reserve der US-Marine. Anschließend ging
er in die Wirtschaft und spielte eine bedeutende Rolle in der Textilindustrie.»
Er war Direktor der Firma Joshua L. Baily &amp; Co. in New York und übernahm 1947
die Textilfirma Mayfair Mills in Arcadia im Staate South Carolina als Präsident.
Daneben hatte er Direktoren-und Aufsichtsratsposten in mehreren anderen großen
Unternehmen, darunter der National Bank von South Carolina, inne.

Dent gehört mehreren bedeutenden Textilindustrieverbänden in den USA an
und ist Treuhänder des Amerikanischen Instituts für Textiltechnik.

Er ist verheiratet und hat zwei Söhne und drei Töchter.

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6/1975

US-FINANZMINISTER GEGEN MASSIVE INTERVENTIONEN AUF DEN DEVISENMÄRKTEN
- Auszüge aus der Rede Simons vor dem World Affairs Council -

CLEVELAND -- AD -- Massive Interventionen auf den Devisenmärkten würden im
Augenblick eher zu Störungen als zu einer größeren Stabilität der Wechselkurse führen.
Diese Auffassung hat der amerikanische Finanzminister William Simon in
einer Rede vor dem World Affairs Council von Cleveland am 21. März vertreten.
Simon

wandte sich ferner gegen gewisse. Auslegungen der soeben veröffentlich-

ten Zahlen über die amerikanische Zahlungsbilanz für 1974 und betonte, daß
bei diesen Zahlen der größte Teil der Investitionen nicht berücksichtigt worden sei, die von den arabischen Ölländern in den Vereinigten Staaten vorgenommen wurden. Wären diese Investitionen, so sagte Simon, gegen die amerikanischen Zahlungen an andere Länder aufgerechnet worden, so würde die amerikanische Zahlungsbilanz 1974 weder einen größeren Überschuß noch ein größeres Defizit ausgewiesen haben.
Wörtlich führte der amerikanische Finanzminister hierzu aus:
"Eine weitere Aufgabe

ist es, bei unserer Suche nach gemeinsamen Lösun-

gen realistisch zu bleiben. Ich erwähne dies, weil die Besorgnis hinsichtlich

-1-

�hinsichtlich des Kurswertes des Dollar auf den Devisenmärkten in jüngster Zeit zu
Vermutungen geführt hat, die großen Länder suchten die Wechselkurse ihrer Währungen durch massive Interventionen auf den Devisenmärkten zu stabilisieren.

Ich gebe zu, daß es sehr schwierig ist, sich mit diesem Thema zu befassen,
ohne den Anschein zu erwecken, als wolle man das Ganze verharmlosen. Trotzdem,
so glaube ich, sollten verschiedene Punkte erwähnt werden, die uns ein besseres
Verständnis für die richtige Perspektive vermitteln:

-- Insgesamt waren die Kursschwankungen des Dollar gegenüber den übrigen Währungen weit geringer,als viele meinen. Der Grund dafür ist, daß sich die Aufmerksamkeit gewöhnlich nur auf den Dollar-Kurs zum Schweizer Franken und zur DM konzentriert. Nimmt man jedoch den gewogenen Handelskurs des Dollar zu allen wichtigen
Währungen der freien Welt, dann liegt der Dollar sehr dicht an seinem Kurswert von
1973, als die gegenwärtige Periode des weitverbreiteten Floatens einsetzte. In
dieser ganzen Zeit zählte der Dollar zu den stabilsten großen Währungen.

-- Zweitens stimmen die Finanzexperten fast aller Länder darin überein, daß
es unter den gegenwärtigen Umständen weder praktisch durchführbar noch wünschenswert ist, den Versuch zu unternehmen, mehr zu tun, als lediglich geordnete Bedingungen auf den Devisenmärkten zu erhalten. Die Vereinigten Staaten haben diese
letztere Verpflichtung akzeptiert und hierzu interveniert. Einige wenige Wechselkurse haben vielleicht größere Schwankungen aufgewiesen, als es manchem erwünscht
war, doch behielten wir offene Märkte und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, daß
der Handel irgendwie wesentlich behindert wurde. Massive Interventionen zur
Stützung der Wechselkurse würden an diesem entscheidenden Punkt eher zu Störungen
auf den Devisenmärkten als zu einer größeren Stabilität der Wechselkurse geführt
haben.
—
-2-

Drittens

�-- Drittens waren die Senkung der amerikanischen Zinssätze und die Tatsache, daß wir die Zinssenkungsbewegung anführten, die Hauptgründe für den
Rückgang des Dollarkurses in der letzten Zeit. Würden wir unsere Zinssätze
künstlich in die Höhe treiben, nur um den Dollarkurs zu stützen, so würde dies
unserem Ziel zuwiderlaufen, die Wiedererholung der amerikanischen Wirtschaft
zu fördern.

Diese Administration ist keineswegs dafür, etwas einfach zu beschönigen.
Wir sollten uns jedoch darüber klar sein, daß die beste Verteidigung des Dollar
eine starke, gegen die Inflation abgeschirmte Wirtschaft ist. Statt uns ausschließlich auf den Kurs des Dollar gegenüber den anderen Währungen zu konzentrieren, sollten wir seine Kaufkraft - seinen Kurswert ganz allgemein an Gütern
und Dienstleistungen - in den Vordergrund stellen. Wir müssen unsere Inflation
unter Kontrolle bringen und die Aushöhlung der Kaufkraft des Dollar beseitigen,
die die Inflation zwangsläufig mit sich bringt. Die Aussicht auf eine Stärkung
des Dollarkurses hängt letztlich davon ab, ob es uns gelingt, die Inflation unter
Kontrolle zu bringen und die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse auf
den Weltmärkten zu verbessern, und nicht von Interventionen auf den Devisenmärkten.
Daher bezweifele ich es,ob eine Politik klug und erfolgreich ist, die Leitpunkte oder Bandbreiten für den Wechselkurs des Dollar festzulegen sucht. Eine
solche Politik richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Symptome der Stärke oder
Schwäche einer Volkswirtschaft, statt die Ursachen dafür an der Wurzel anzupacken. Wir sollten bedenken, daß die Welt zu frei schwankenden Wechselkursen
überging, weil sie in einer Zeit der Unsicherheit größere Flexibilität brauchte
und die Marktkräfte zum Tragen kommen mußten. Diese Notwendigkeit besteht weiter-

�weiterhin, und wir sollten nicht danach streben, jetzt zu dem krisenanfälligen
System der Vergangenheit zurückzukehren.

Diesem Aufruf zu mehr Realismus in internationalen Währungsfragen möchte ich
ferner die dringende Bitte hinzufügen, bei der Interpretation von Zahlungsbilanz zahlen vorsichtiger zu sein. Gerade in dieser Woche erregte eine Presseverlautbarung der Regierung großes Aufsehen, wonach das Defizit in unserer Bilanz der laufenden und der langfristigen Kapitaltransaktionen 1974 auf 10,6 Milliarden Dollar
gestiegen sei gegenüber einem Defizit von 1 Milliarde Dollar 1973.

Dies war eine sehr irreführende Interpretation unserer Zahlungsbilanzsituation.
Gerade diese Bilanz (der laufenden und der langfristigen-Kapitaltransaktionen)
wird so errechnet, daß der größte Teil der feststellbaren Investitionen von erdölexportierenden Ländern in den USA - Investitionen, die sich 1974 auf insgesamt
rund 11 Milliarden Dollar stellten - unberücksichtigt bleibt. Hätte man eine Bilanz gewählt, die diese Investitionen einschloß,so hätte diese weder einen größeren Überschuß noch ein größeres Defizit ausgewiesen. Ein Interpretieren wirtschaftlicher Statistiken ist auf alle Fälle schwierig, aber in der heutigen Welt, die so
komplex ist und so feinfühlig reagiert, ist es besonders wichtig, daß wir Ansichten über Trends in außenpolitischen Dingen nur gut informiert äußern."

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6/1975

ERZEUGERPREISE - FAKTOR IN DER STRATEGIE GEGEN DEN HUNGER
Studie des US-Landwirtschaftsministeriums

- (AD) - Zwischen den Preisen und der Produktion von Nahrungsmitteln besteht offenbar ein enger Zusammenhang.

Die Verfasser einer Ende 1974 vom US-

Landwirtschaftsministerium nach zweijährigen Untersuchungen veröffentlichte
Studie versuchten den Ursachen nachzugehen:

In Ländern wie den USA, West-

europas oder Japan, wo die Agrarpreise hoch sind, werden Überschüsse produziert bzw. ist die Versorgung aus eigener Kraft gewährleistet.

Wo aber, wie

in der Sowjetunion oder in den meisten Entwicklungsländern, die Erzeugerpreise
niedrig liegen, kann die Produktion mit dem Bedarf immer weniger Schritt halten.
In steigendem Maße werden dort Importe erforderlich.

Die Stabilität und das Niveau

"internationaler"

Getreidepreise haben

keinerlei Einfluß auf die Preise, denen sich Verbraucher und Erzeuger in einzelnen Ländern gegenübersehen.

Vielfach seien dort, wie der Bericht ausführt,

die Inlandspreise durch Subventionen, Steuern, agrar- und handelspolitische
Maßnahmen von den Welthandelspreisen weitgehend isoliert.

Preisunterschiede

zwischen den einzelnen Ländern erklären zum großen Teil einen schleppenden
Produktionsanstieg seit 1968, den Anteil des für Futterzwecke genutzten Getreides und den Umfang der Getreideimporte.
Wenn

�Wenn man den Hunger in der Welt wirksam bekämpfen wolle, müsse das permanente und sich immer mehr verstärkende Ungleichgewicht in der Nahrungsmittelproduktion zwischen und innerhalb der drei Gruppen - Industrieländer, Entwicklungsländer und Länder mit Planwirtschaft - abgebaut werden, Auch eine welt*weite Neuordnung der Preise sei erforderlich.

Der damit verbundenen großen

Schwierigkeiten sei man sich durchaus bewußt.

In den Entwicklungsländern werde

es ohne einen leichten Anstieg der Preise für Grundnahrungsmittel, die in den
meisten Fällen künstlich niedrig gehalten werden, nicht abgehen. Aber die
Preise würden doch wesentlich unter jenen von heute liegen. Da in diesen Ländern
mehr als die Hälfte der Bevölkerung Bauern sind, würden von den durch Preisneuordnungen erzielten Einkommensverbesserungen weite Teile der Bevölkerung profitieren.

Die Situation in einzelnen Ländern bzw. Regionen wird wie folgt charakterisiert:
USA

Mitte der sechziger Jahre waren die Vereinigten Staaten dazu übergegangen,
Farmpreise nicht mehr zu subventionieren, sondern direkte Zahlungen an die
Farmer zu leisten.

Deshalb wurde 1964 der Subventionspreis bei Weizen von

2 Dollar auf 1,25 Dollar/bushel reduziert, was dem Weltmarktpreis näher kam.
Den Farmern wurde die Differenz zwischen diesem Preis und dem bis dahin erzielten Preis vergütet, so daß sie mit einem ziemlich konstanten Erlös von
2 Dollar/bushel rechnen konnten.

Die Konsumenten dagegen, Viehzüchter einge-

schlossen, orientieren sich ebenso wie die Importeure amerikanischen Getreides
an wesentlich niedrigeren Preisen.
•

Japan und Europa

In Japan lagen ähnlich wie in den EG-Ländern die Agrarpreise weit über
den Weltmarktpreisen.

Selbst nach dem enormen Preisanstieg für Reis Ende 1973/

Anfang 1974 auf dem Weltmarkt war der Inlandspreis noch immer merklich höher

- 2 -

�höher - er stieg ir. zwei Jahren, von 1971 bis Ende 1973, von 390 auf 636 Dollar/
Tonne.

In den Ländern der Europäischen Gemeinschaft hatte die Verdoppelung der
amerikanischen Exportweizenpreise von 1971 auf 1972 keinen Einfluß auf die
Agrar- oder Verbraucherpreise.

Dabei spielten allerdings die Dollarabwertungen

von 1971 und 1973 sowie das innerhalb der EG wirksame Importabgabesystem eine
wichtige Rolle. Als dann Ende 1973 und Anfang 1974 die internationalen Weizenpreise weiter stiegen, wurden Weizenausfuhren aus dem EG-Raum durch Exportsteuern und Genehmigungsverfahren begrenzt.

Die Getreidepreise in den EG-Ländern

(Italien allerdings ausgenommen) erhöhten sich zwischen 1971 und 1974 nur um
ca. 10 Prozent, während sich der Weltmarktpreis verdreifachte.

Sowjetunion
Seit 1970 wurden in der UdSSR die an die staatlichen und kommunalen Kolchosen gezahlten Preise nicht erhöht.

Die Abgabepreise für Fleisch und Brot

in den staatlichen Geschäften waren sogar seit 1962 stabil geblieben. Rindfleisch und Brot sind billiger, viele andere Lebensmittel dagegen teurer als
in Europa oder Nordamerika.

Brot soll für alle Verbraucher billig sein.

Bei

Fleisch und Molkereiprodukten fing der Staat bisher ein hohes Defizit auf, um
die Verbraucherpreise stabil zu halten.
duktion zu steigern.

Gleichzeitig wird versucht, die Pro-

Von 1969 bis 1974 stiegen die Subventionen von 6,5 auf

12,6 Milliarden Rubel.

Entwicklungsländer

Das Niveau von Lebensmittel- und Agrarpreisen ist in vielen Entwicklungsländern nur schwer zu ermitteln;

Statistiken sind rar.

In manchen Ländern wird

ein großer Teil der Nahrungsmittel von der bäuerlichen Bevölkerung produziert
und auch konsumiert.

Einen direkten Kontakt anderer Märkte mit diesen meist

weit abgelegenen Gebieten gibt es praktisch nicht.

Die Preise in den Städten

werden von der Regierung meist künstlich niedrig gehalten.

Sie hat außerdem

mehr oder weniger großen Einfluß darauf, welche Mengen von Nahrungsmitteln in
- 3-

�in diesen Ländern überhaupt produziert werden, wieviel im Lande verbraucht
und was bzw. wieviel exportiert wird,

Wo Agrarprodukte oder Nahrungsmittel wichtige Exportgüter sind oder zu
den Hauptquellen der Regierungseinkünfte zählen, werden zum Teil die Exporte
besteuert oder die Inlandspreise so manipuliert, daß die Bauern weniger erlösen, als es ohne Besteuerung der Fall wäre. An diese Praxis hält sich z.B.
Thailand bei Reis, Ägypten bei Reis und Baumwolle, Argentinien bei Getreide
und Fleisch, und afrikanische Länder tun dies bei Erdnüssen und gewissen anderen Erntefruchten.

Auch handelspolitische und monetäre Maßnahmen drücken in einer Reihe von
Entwicklungsländern die Erlöse der Bauern.

So werden in Brasilien mit einem

überhöhten Wechselkurs die Preise für Agrarexporte und Lebensmittelimporte
künstlich niedrig gehalten.

Aufuhrverbote und Kontingentierung

sollen helfen,

Agrarerzeugnisse auf die Inlandsmärkte zu schleusen und so die Inlandspreise
zu drücken.

Dies sind einige der Maßnahmen, mit denen Brasilien die Industria-

lisierung zu forcieren sucht.

Außerdem erachten viele Entwicklungsländer wie Thailand, Ägypten,
Indonesien und Sri Lanka einen niedrigen und stabilen Einzelhandelspreis für
Grundnahrungsmittel (meist Getreideprodukte) als wichtiges Ziel der Regierungspolitik - schon allein deshalb, weil Nahrungsmittelpreise Bestandteil der Löhne
sind.

Man fürchtet, durch einen Preisanstieg oder starke Preisfluktuation

Lohnbewegungen auszulösen, die der Wirtschaftsentwicklung im Ganzen schaden.

Solche Überlegungen und politischen Ziele sind verständlich.

Dennoch

sollte man die Auswirkungen der Maßnahmen auf die Kapazität der Nahrungsmittelproduktion im Lande und auf die Einfuhren sorgfältig analysieren.

In asiatischen

Entwicklungsländern besteht z.B. ein enger Zusammenhang zwischen geringen
Reisernten, niedrigen Reispreisen und, in Relation dazu, hohen Preisen für
Düngemittel.

Während

�Während der letzten zehn Jahre hat der Reisexport Thailands und Burmas
stagniert. Die Preise, die dort den Reisbauern gezahlt werden, zählen zu den
niedrigsten der Welt.
Indonesien.

Ähnlich niedrige Erlöse haben die Reisbauern in

Jedes dieser Länder reguliert, wenn auch auf verschiedenen Wegen,

den Erzeugerpreis - Thailand und Burma durch Exportkontrolle und -steuern,
Indonesien durch zusätzliche Importe. Alle drei verfügen über ein beträchtliches Potential zur Steigerung der eigenen Reisproduktion.

Dafür aber sind

die niedrigen Erzeugerpreise ein großes Hindernis.

Die reisexportierenden Entwicklungsländer wiederum haben unter normalen
Verhältnissen nur einen begrenzten Markt, z.T. deshalb, weil Japan durch hohe
Erzeugerpreise die Autarkie aufrechterhält, die EG-Länder die eigene Reisproduktion durch hohe Inlandspreise, Einfuhrbarrieren und Exportsubventionen
schützen,und die USA Reis unter Anwendung einer Kombination von Preisstützung
und Ausfuhrsubventionen exportieren.

Ägypten nimmt mit dem von der Regierung kontrollierten Erzeugerpreis eine
Mittelstellung ein.

Einer der Gründe, weshalb bisher der relativ niedrige

Preis (der aber höher als in Burma, Thailand und Indonesien liegt) gehalten
werden konnte, sind die wachsenden Importe an Weizen - 1960 ca. 1 Million,
1973 bereits mehr als 3 Millionen Tonnen.

Sie nehmen weiter zu.

Preisangleichung

Das Phänomen, daß in den Industrieländern die Erzeugerpreise für Lebensmittel weit über den Weltmarktpreisen, in vielen Entwicklungsländern aber darunter
liegen,kann nicht getrennt von den Problemen der Überschußprodukticn bei den
erstgenannten und Hunger oder wachsendem Lebensmittelmangel bei der zweiten
Gruppe und teilweise auch in den Ländern mit Planwirtschaft gesehen werden.

Dies

ist ein Schlüsselproblem, für das eine Lösung gefunden werden muß, wenn sich
die Welternährungssituation verbessern soll.

Während in den Industrieländern

die Preisstützungspolitik sich aus langen Anpassungsprozessen zwischen den
Interessen der Landwirtschaft und der Verbraucher entwickelt hat, ist die Preis-

- 5-

�Preispolitik der sozialistischen Länder ein zentraler Teil ihrer Entwicklungsprogramme.
pliziert.

Bei den Entwicklungsländern aber ist dieses Problem besonders komDenn ohne gewisse Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel wären

Lösungen kaum denkbar.

Einkommensverbesserungen bei den Bauern kämen aber,

da diese meist mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmachen, einem
großen Kreis von Menschen zugute.

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6/1975

VERSTÄRKTE FÜRSORGE FÜR ARBEITSLOSE IN DEN USA
Von Sam Burks

WASHINGTON --AD— Die wachsende Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten ist ein vordringliches Anliegen sowohl der Ford-Administration als auch
des amerikanischen Kongresses. Dabei wird von den Wirtschaftspolitikern die
Bekämpfung der Inflation keineswegs hintan gestellt, obwohl die jüngsten Indexzahlen der Großhandelspreise ein Nachlassen des inflationistischen Drucks
erkennen lassen. Aus diesem Grunde ist man in Washington sich weitgehend darüber einig, daß bei der Behebung der Arbeitslosigkeit durch eine Anregung der
Wirtschaft mit einer gewissen Vorsicht vorgegangen werden muß.

Der Nachdruck wird daher auf Programme gelegt, die jenen helfen sollen,
die durch die Wirkung von Inflation und Rezession in den Vereinigten Staaten
- und in der ganzen Welt - in den letzten Jahren ihren Arbeitsplatz verloren
haben.
Seit August 1974, als die rapide Zunahme der Arbeitslosigkeit in den USA
einsetzte, ist die Zahl der beschäftigungslosen Amerikaner um 2,6 Millionen
auf 7,5 Millionen Ende Februar 1975 angestiegen. Diese Gesamtzahl stellt

-1-

�l
stellt - nach amerikanischen statistischen Methoden gerechnet - 8,2 Prozent
der zivilen Arbeitskräfte dar. Der höchste Anstieg der Arbeitslosigkeit war
- wie auch in anderen Ländern - bei Frauen und Jugendlichen zu verzeichnen
- zwei Bevölkerungsgruppen, bei denen die Fluktuation schon immer am stärksten
gewesen ist. Die Arbeitslosigkeit unter männlichen Erwachsenen und Haushaltsvorständen stieg ebenfalls, blieb jedoch unter den Spitzenwerten, die während
vergleichbarer Rezessionen in den Jahren 1949 und 1958 zu verzeichnen waren.
Wie in den früheren Monaten war der stärkste Verlust von Arbeitsplätzen
in Herstellungsbetrieben - vor allem in der Autoindustrie und den Zubringerindustrien - und im Baugewerbe festzustellen. Allein auf diesen beiden Sektoren verloren zusammen über 625 000 Beschäftigte im Februar ihren Arbeitsplatz.

Um die Auswirkungen der großen Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten zu mildern werden im wesentlichen zwei Methoden angewandt: Programme zur
Erhaltung des Einkommens - wie Arbeitslosenunterstützung, Umschulungshilfe und
Sozialunterstützung - und Bereitstellung neuer Arbeitsplätze in Form öffentlicher Arbeitsbeschaffung.

Die Arbeitslosenversicherung (Unemployment Insurance), die im Jahre 1935
im Rahmen der amerikanischen Sozialgesetzgebung eingeführt wurde, wird allgemein als die erste Verteidigungslinie für den typischen amerikanischen Arbeiter angesehen, der vorübergehend seinen Arbeitsplatz verliert. Sie wird nach
Bundesrichtlinien durch einzelstaatliche und kommunale Behörden verwaltet. Im
Rahmen dieses Programmes sind fast 80 Millionen zivile Arbeitnehmer in den
Vereinigten Staaten - d.h. sieben von acht gegen Lohn oder Gehalt Beschäftigtigte - im Falle der Arbeitslosigkeit zum Bezug einer temporären Unter-2-

�Unterstützung berechtigt, die im Durchschnitt 36 Prozent ihres normalen Einkommens ausmacht. Wenn zusätzliche Unterstützungen hinzukommen, wie sie bei
Mitgliedern mancher Gewerkschaften - wie etwa bei der Gewerkschaft der Automobilarbeiter - auf privater Basis zur Verfügung stehen, dann kann sich das
Einkommen des vorübergehend Arbeitslosen auf bis zu 95 Prozent des normalen
Einkommens erhöhen.
Normalerweise erhalten Arbeitslose, die im Rahmen des oben genannten Programmes versichert sind, ihre Unterstützung bis zu 26 Wochen. Sie wird um zusätzliche 13 Wochen verlängert, wenn einzelstaatliche oder nationale Arbeitslosenziffern bei versicherten Arbeitern über einen längeren Zeitraum hinweg
außergewöhnlich hoch bleiben. Im Rahmen eines Sondergesetzes (Emergency Job
and Unemployment Assistance Act of 1974), das Präsident Ford am 31. Dezember
1974 unterzeichnet hat, kann die Unterstützung im Jahre 1975 auf weitere 13
Wochen ausgedehnt werden, so daß sie insgesamt bis zu einem vollen Jahr bezahlt werden kann.

Die Zahlung wird während der ersten 26 Wochen der regulären Unterstützung aus dem Lohnsteueraufkommen finanziert. Die Unterstützung während
der ersten zusätzlichen 13 Wochen wird zur Hälfte vom Arbeitgeber und zur
Hälfte von der Bundesregierung getragen, während die Zuwendungen für die zweite Verlängerungsperiode von 13 Wochen voll aus Bundesmitteln aufgebracht werden.
Eine weitere von Präsident Ford im Dezember vorigen Jahres unterzeichnete Sondermaßnahme (Emergency Unemployment Compensation Act of 1974) ermöglicht für das Jahr 1975 die Unterstützung von etwa 12 Millionen Arbeitnehmern,

�Arbeitnehmern, die bisher nicht unter die regulären Programme fielen - vor
allem Bedienstete einzelstaatlicher und kommunaler Behörden, Hausangestellte
und landwirtschaftliche Arbeiter - für einen Zeitraum bis zu 26 Wochen aus Bundesmitteln, wenn die Arbeitslosenrate in Amerika drei aufeinanderfolgende Monate lang über der sechs-Prozent-Marke bleibt.

Im Rahmen all dieser Programme erhielten beispielsweise in der zweiten
Februarwoche 1975 über 6 Millionen Arbeitslose eine reguläre oder zusätzliche Unterstützung.
Das erste umfassende Programm zur Schaffung von Arbeitsplätzen in den
Vereinigten Staaten seit der großen Depression der Dreißiger Jahre wurde im
Jahre 1971 mit der Verabschiedung des Emergency Employment Act ins Leben gerufen. Im Rahmen des Programms soll

in erster Linie für neue oder Dauerar-

beitslose eine vorübergehende Beschäftigung im Öffentlichen Dienst gefunden wer--,
den, um diese Arbeitskräfte dann in den regulären öffentlichen oder privaten
Arbeitsprozeß überzuführen. Das Programm wird im Rahmen des Finanzausgleichs
des Bundes von den einzelstaatlichen und kommunalen Behörden verwaltet. Eine
vorübergehende Beschäftigung im öffentlichen Dienst wurde auch durch das umfassende Arbeits-und Ausbildungsgesetz des Jahres 1973 ermöglicht, wobei hier
mit den im Dezember 1974 von Präsident Ford unterzeichneten Änderungsbestimmungen der Nachdruck auf die Schaffung zeitweiliger Arbeitsplätze für Fachkräfte gelegt wird, die in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ihren Arbeitsplatz
verloren haben.
•

Die Sondergesetzgebung aus dem Jahre 1974 erlaubt die Bereitstellung von
2,5 Milliarden Dollar bis zum 31. Dezember 1975 für die Schaffung von rund

�rund 310 000 Arbeitsplätzen im Öffentlichen Dienst, die je nach Bedarf auf die
verschiedenen Regionen der Vereinigten Staaten verteilt werden. Den Vorzug haben Fachkräfte, die ihre gesamte Arbeitslosenunterstützung ausgeschöpft haben
oder denen keine solche zusteht, und Fachkräfte, die 15 Wochen oder länger
ohne Arbeit sind. Das Gesetz bewilligt ferner 500 Millionen Dollar für das
Jahr 1975 für öffentliche Arbeitsprojekte, die auf die Senkung der Arbeitslosigkeit in besonders hart betroffenen ländlichen und städtischen Gebieten
abzielen. Im Rahmen dieses Sektors der Sondergesetzgebung erhalten arbeitsintensive Projekte, die innerhalb von 12 Monaten abgeschlossen werden können,
den Vorzug.

Für das Kalenderjahr 1975 sind insgesamt fast 17 Milliarden Dollar bereitgestellt worden, um eine Vielfalt von Programmen der Arbeitsplatzbeschaffung
und der Einkommenserhaltung - ausschließlich der öffentlichen Wohlfahrt - zu
finanzieren.

Präsident Ford hat den Kongreß um weitere 2 Milliarden Dollar - einschließlich von 1,6 Milliarden Dollar, die bereits bewilligt, aber noch nicht
angewiesen worden sind - ersucht, um das Sonderarbeitsbeschaffungsprogramm im
Öffentlichen Dienst um weitere 6 Monate zu verlängern und 760 000 Sommerarbeitsplätze für Jugendliche zu schaffen. In beiden Häusern des Kongresses werden gegenwärtig weitere Maßnahmen zur Eindämmung der steigenden Arbeitslosigkeit geprüft, darunter ein Vorschlag der Demokratischen Fraktionsführung im
Repräsentantenhaus,der 5,9 Milliarden Dollar für die Schaffung zusätzlicher

-5-

�zusätzlicher Arbeitsplätze im Öffentlichen Dienst während des kommenden Jahres, weitere Sommerbeschäftigungen für Jugendliche und den Ankauf von etwa
121 000 Fahrzeugen für die Regierung vorsieht, um der amerikanischen Autoindustrie zu helfen.

XXX

�</text>
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Dokumentation

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9 . A p r i l 1975

Inhalt
INFORMATION:
Staatliche amerikanische Investitionsförderung auf der Hannover-Messe

DOKUMENTATION:
Ford: USA halten an ihren Verpflichtungen fest
-Auszüge aus der Rede des Präsidenten in San Diego-

HINTERGRUNDMATERIAL:
Die öffentliche Meinung und die amerikanische Außenpolitik
Von Harry Brown

WIRTSCHAFT:
Enders unterstreicht Notwendigkeit niedrigerer Olpreise für alle Länder
Tokio-Runde nahm Agrarverhandlungen auf
-Keine unüberbrückbaren Gegensätze-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Laser, Radar und Schallwellen sondieren die Luft
Hohe Kunst der Werkstofftechnik
-Warmbehandlung und "Mikrolegieren" sparen teure Rohstoffe
KENAF - Rohstoff für Papierproduktion

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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STAATLICHE AMERIKANISCHE INVESTITIONSFÖRDERUNG AUF DER HANNOVER-MESSE

HANNOVER - Deutschen Firmen und Kapitalgebern die Möglichkeiten und Erfolgsaussichten von Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten aufzuzeigen,
ist Hauptanliegen von offiziellen Vertreter
vom 16. bis 24. April 1975.

der USA auf der Hannover-Messe

Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Bonn,

des Generalkonsulats in Hamburg und der Investitionsförderungsbehörden von
acht Bundesstaaten halten sich auf dem Informationsstand der USA im Internationalen Treffpunkt auf dem Messegelände bereit, um interessierten Messebesuchern Auskünfte über alle erdenklichen Aspekte von Direktinvestitionen in
Amerika zu erteilen.

Ausländisches Kapital wird in den Vereinigten Staaten nicht als unerwünschte
Konkurrenz, sondern, wie Alexander Hamilton, Amerikas erster Finanzminister,
im Jahre 1791 erklärt hat,

"als äußerst wertvolle Hilfe angesehen, die geeignet

ist, mehr produktive Arbeitskräfte und einen größeren Anteil an nützlichen Unternehmen zu mobilisieren als andernfalls möglich."

An dieser Einstellung zu aus-

ländischem Kapital hat sich bis heute nichts geändert.

Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung und Strukturverbesserung - und die Investitionsförderung gehört zweifellos zu diesen - sind in USA Sache der Einzelstaaten und Gemeinden.

Sämtliche 50 Bundesstaaten haben Investitionsförderungs-

behörden eingerichtet, 16 sogar Beratungsstellen in Europa. Jeder Einzelstaat
hat einen ganzen Katalog von Förderungsmaßnahmen finanzieller und administrativer
Art anzubieten, der sich allerdings von Staat zu Staat stark unterscheidet.
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�I
Finanzanreize

Im Vordergrund der einzelstaatlichen Förderung der Wirtschaft, die ausländischen Kapitalgebern im gleichen Umfang wie heimischen Investitionswilligen
zugute kommt, steht die Gewährung von Steueranreizen in Form von Nachlässen,
Stundungen und erhöhten Abschreibungen. An zweite Stelle rangiert die Bereitstellung zinsgünstiger Investitionskredite für die Errichtung neuer Produktionsstätten.

Eine mehr indirekte Form der finanziellen Förderung ist die Einschal-

tung staatlicher oder örtlicher Entwicklungsgesellschaften, die Werksanlagen
nach den Erfordernissen und Wünschen der Investoren planen und erstellen.
Erheblich zu Buche schlagen kann auch die kostenlose oder begünstigte Überlassung von Bauland.

Administrative Investitionsförderung

Von kaum geringerer Bedeutung ist die administrative Investitionsförderung.
Sie erstreckt sich auf die Beratung bei der Standortwahl, die Mithilfe bei der
Erstellung von Markt- und sonstigen Analysen, den Arbeitskräftenachweis und
die kostenlose Schulung von Arbeitskräften.

In einigen Staaten wird investieren-

den Firmen auch das Recht zur kostenlosen oder verbilligten Benutzung der Forschungsstätten und Entwicklungseinrichtungen der staatlichen Universitäten und
Hochschulen zugestanden.

Ausländische Gesellschaften kommen zudem genau wie

heimische Firmen in den Genuß der bestehenden Exportförderungsprogramme, so
daß sich eine Zweigniederlassung in den USA von der europäischen Muttergesellschaft gut als Stützpunkt für ihren Export nach Drittländern verwenden läßt.

Gründe für Direktinvestitionen in USA

Wirtschaftswissenschaftler und Exportkaufleute wissen, daß die Aufnahme
der Produktion in einem Abnehmerland letztlich die beste Methode zur Sicherung
des betreffenden Exportmarktes darstellt.

Das gilt natürlich für den amerika-

nischen Markt - den größten aller Exportmärkte aus über 210 Millionen Verbrauchern
i^ehr noch als für andere.

�Ein ebenso stichhaltiges Argument, das für Direktinvestitionen in den
Vereinigten Staaten spricht, sind die zu erwartenden hohen Ertragsraten.
Sie ergeben sich aus der Tatsache, daß die Kosten für Energie, Rohstoffe und
Wasser in den USA generell niedriger liegen als in den westeuropäischen Industriestaaten.

Die hohe Arbeitsproduktivität ist ein weiterer Grund.

Daß

sich das Einsteigen in den amerikanischen Markt lohnt, läßt sich an den Investitionsstatistiken ablesen:

Von 1965 auf 1973 haben sich die westeuro-

päischen Direktinvestitionen von 6,1 auf 12,1 Milliarden Dollar nahezu verdoppelt.

Messebesucher, die mehr über Direktinvestitionen in den USA erfahren
möchten, sollten es nicht versäumen, im amerikanischen Informationsstand in
Raum 2 des Internationalen Treffpunktes vorzusprechen.

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7/1975
FORD: USA HALTEN AN IHREN VERPFLICHTUNGEN FEST
-Auszüge aus der Rede des Präsidenten in San Diego-

SAN DIEGO — ( A D ) — Präsident Ford hat am 3. April in einer Rede vor der
Konferenz über innenpolitische und wirtschaftliche Angelegenheiten in Kalifornien betont, daß die Vereinigten Staaten an ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Verbündeten und Freunden "festhalten werden. Die wesentlichen
außenpolitischen Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
"Ich wäre nicht offen und ehrlich, wenn ich die schweren Rückschläge
ignorieren würde, die wir in den letzten Wochen in unserem Streben nach
Frieden im Nahen Osten und in noch jüngerer Zeit und auf noch dramatischere
Weise in Südostasien erlitten haben.
Zu dem Zeitpunkt, da ich hier spreche, werden die Dimensionen der
menschlichen Katastrophe in Südostasien immer größer. Ob Sie die Abendnachrichten im Fernsehen sehen oder die Schlagzeilen der Morgenzeitungen lesen
oder ob ich meine Geheimberichte studiere - es ist unmöglich, von den plötzlichen und tragischen Entwicklungen in Südvietnam nicht bewegt und erschüttert zu sein. Alle Amerikaner sind schockiert und betrübt und fragen sich,
was wir tun können.
Erstens,

�I

&gt;
Erstens: Wir unternehmen alle nur möglichen humanitären Maßnahmen, um den
unschuldigen zivilen Flüchtlingen in Südvietnam Hilfe zu bringen, deren Elend
an das Herz Amerikas rührt. Gleichzeitig sorgen wir für die Sicherheit all
der Amerikaner, die aus einem tiefen Pflichtgefühl heraus durch die raschen
Veränderungen der Kampfzone in Gefahr geraten könnten.
Zweitens: Sobald der Kongreß aus seiner Osterpause zurückgekehrt ist und
ich die Gelegenheit habe,vor ihm zu sprechen, werde ich die Mitglieder des
Kongresses um eine feste amerikanische Zusage für humanitäre Unterstützung
der hilflosen Opfer der nordvietnamesischen Aggression ersuchen, einer Aggression unter flagranter Verletzung der Pariser Abkommen, die dem Leiden
und dem Blutbad auf einer zivilisierten Basis ein Ende setzen sollten.
Und schließlich muß ich mit aller mir zur Verfügung stehenden Bestimmtheit sagen: Kein Gegner oder potentieller Feind der Vereinigten Staaten sollte sich einbilden, daß Amerika ohne Gefahr herausgefordert werden könnte, und
kein Verbündeter oder leidgeprüfter Freund der Vereinigten Staaten sollte
sich Sorgen machen oder Befürchtungen hegen, daß unsere Zusagen ihnen gegenüber wegen der gegenwärtigen Konfusion und der Veränderungen in Südostasien
nicht eingehalten würden. Wir sind bereit, uns selbst zu verteidigen und unsere Verbündeten zu unterstützen, so sicher wie wir dies immer getan haben.
Wie dies immer der Fall war, so schafft ein Mißgeschick ein neues Gefühl
der nationalen Einheit unter Amerikanern in diesen trüben und unruhigen Tagen.
Ich will mich nicht in Vorwürfen ergehen oder irgendjemandem die Schuld zuschieben, und das sollte niemand von uns. Noch sind nicht alle Tatsachen bekannt. Entscheidend ist jetzt, daß wir unsere Neren und unsere grundlegende

�grundlegende Einigkeit als mächtige, aber friedliebende Nation bewahren.
Als Präsident und Oberbefehlshaber ist es meine beschworene Pflicht, die
Friedensmacht, die die Vereinigten Staaten im eigenen Lande und im Ausland besitzen, aufrechtzuerhalten und zu stärken. Die militärische Stärke dieses
Landes hängt - wie dies immer der Fall gewesen ist - von seiner wirtschaftlichen Stärke und der Willenskraft und der Selbstdisziplin seiner Bevölkerung ab.
Die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten in der Welt, ob unter unseren Verbündeten oder unter unseren Gegnern, hängt davon ab, wie sie unsere
moralische, wirtschaftliche und militärische Stärke und unsere Ausdauer einschätzen. Alle drei dieser Elemente sind von entscheidender Bedeutung...
Das ist nicht der Augenblick für Verzweiflung oder für Fatalismus. Und
es ist auch ganz offensichtlich nicht der Zeitpunkt, unsere Verteidigungskapazitäten - einschließlich unserer Aufklärungskapazitäten - abzubauen.
Wir werden weiterhin den Menschen helfen,sich selbst zu helfen. Das steht
im Einklang nrit unserem religiösen Erbe, unserer Würde und unserem Eigeninteresse. Wir werden die Partnerschaft mit Völkern aufrechterhalten,die nach
Freiheit streben.
Ich lehne die Propheten des Untergangs ab, die nichts sehen als Depression im eigenen Lande und Verzweiflung draußen. Ich werde jeden Rat zurückweisen, unsere Flagge einzuholen und aus den Meeren der Welt zum sicheren
Ankerplatz der Bucht von San Diego zu segeln. Wenn wir dies täten, dann wäre
dieser Ankerplatz nicht länger sicher. Das wissen Sie, und das weiß ich.
Unter meiner Präsidentschaft werden wir niemals die Flagge streichen oder
die Hoffnung aufgeben. Wir werden Kontinuität und Glaubwürdigkeit in der

�I

der amerikanischen Politik, daheim und draußen, aufrechterhalten. Wir leben
in schwierigen und unruhigen Zeiten. Die Dinge entwickeln sich sehr rasch,
aber wir werden uns nicht in uns selbst zurückziehen oder uns durch den
Schock lähmen lassen.
Amerika ist auf die Probe gestellt. Es ist nicht nur eine Bewährungsprobe unserer moralischen Autorität in der Welt. Es ist eine Bewährungsprobe
unseres Willens, unseren Dollar zu erhalten, indem wir uns vor unwichtigen
Ausgaben mit derselben Vorsicht hüten, wie wir die Wachsamkeit und Stärke
unserer Streitkräfte aufrechterhalten.
Es ist eine Bewährungsprobe unseres Willens, für die wirtschaftliche
Sicherheit unserer Familien zu sorgen, während wir gleichzeitig die militärische Sicherheit unserer Nation gewährleisten. Wir können diese Bewährungsprobe nur besteben, wenn wir die Anfälligkeit für Schwächen in unserer Wirtschaft und Energieversorgung verringern. Das ist der Grund, warum ein ausreichendes Sicherheitsprogramm Hand in Hand mit einer gesunden Wirtschaftspolitik und einer raschen und wirksamen Energie-Gesetzgebung geht.
Amerika hat diesen Willen, Amerika hat die Mittel, Amerika hat das
Know-how, und Amerika hat den Glauben.

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7/1975

DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG UND DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK
Von Barry Brown

--(AD)-- Die Erfahrung in Vietnam hat den Vereinigten Staaten Schaden zugefügt, und einer der nicht ungefährlichsten Schäden ist vielleicht die Verwirrung, die hinsichtlich der Rolle Amerikas in der Weltpolitik entstanden
ist. In den USA selbst kam diese Verwirrung durch eine Meinungsbefragung zum
Ausdruck, die im Ausland große Bestürzung hervorgerufen hat.
Im Dezember vorigen Jahres hat der "Chicago Council of Foreign Relations",
eine private Organisation, die sich mit Fragen der Außenpolitik befaßt, durch
das "Harris"-Institut eine Umfrage durchführen lassen, um festzustellen, wie
weit isolationistische Tendenzen in den USA gediehen seien. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse haben, z.T. sensationell aufgemacht, ein starkes
Echo in der Presse gefunden und den Eindruck erweckt, für die Amerikaner sei
die Welt in Kanada zu Ende. Eine nähere Analyse zeigt jedoch, daß die Situation in der amerikanischen Außenpolitik, so wie sie sich in der Öffentlichkeit
darstellt, vielleicht etwas konfus und gar zwiespältig ist, aber keineswegs
eire entschiedene Wendung zum Isolationismus hin signalisiert.
Zunächst

�Zunächst einmal ist festzustellen, daß die Antworten (etwa: 41 Prozent
gegen eine Truppenentsendung nach Westeuropa im Falle einer Invasion und 39
Prozent dafür und der Rest unentschlossen), die die größte Unruhe im Ausland,
vor allem in Berlin und in der Bundesrepublik,ausgelöst haben, im Zusammenhang
mit anderen Feststellungen gesehen werden müssen: Dieselben Befragten sprachen
sich mit 2 gegen 1 für eine Fortsetzung der aktiven Rolle der Vereinigten
Staaten in der Weltpolitik aus. An dieser Haltung des amerikanischen Volkes
hat sich in den letzten 2o Jahren praktisch kaum etwas geändert.
Zum zweiten bleibt zu bedenken, wie hoch Antworten auf rein abstrakte
und hypothetische Fragen wirklich zu bewerten sind und inwieweit sie das
praktische Handeln der Vereinigten Staaten bestimmen könnten.
Der ehemalige amerikanische Vizepräsident, Senator Hubert H. Humphrey,
hat auf einer Pressekonferenz in Berlin am 1. April betont, daß die Politik
der amerikanischen Regierung nicht von Meinungsumfragen beherrscht werde. Auf
die Meinungsumfrage angesprochen bekräftigte er die NATO-und Berlin-Verpflichtung der Vereinigten Staaten. Es wäre ein sehr schwerer Fehler, so fügte er
hinzu, wenn sich jemand hier falsche Vorstellungen hinsichtlich der amerikanischen Position machen würde.
Auch der ihn begleitende einflußreiche Senator Hugh Scott (Fraktionsführer der republikanischen Minderheit) wies darauf hin, daß Meinungsumfragen
meist in einem Vakuum vorgenommen werden. Wenn beispielsweise die Schlagzeilen
in den Zeitungen von einer Gefährdung Berlins sprächen,

dann würden sich

wahrscheinlich 70 bis 80 Prozent der Amerikaner für eine Unterstützung der
Stadt aussprechen.
Natürlich

�Natürlich kann eine Demokratie auf die Dauer keine Außenpolitik gegen
die öffentliche Meinung machen. Und es ist wirklich fraglich, ob die Öffentlichkeit je wieder ein Abenteuer wie in Vietnam unterstützen würde. Das bedeutet aber keineswegs, daß die amerikanische Regierung nicht in anderen Situationen, in denen das nationale Interesse berührt wird, reagieren, ja selbst
mit militärischer Intervention reagieren könnte.
So mag zwar eine - nebenbei geringe - Mehrheit in einer Meinungsumfrage
erklären, daß sie bei einer Invasion Westeuropas nicht für die Entsendung
amerikanischer Truppen sei. Welches Gewicht eine solche amorphe Meinungsäußerung jedoch auf die Entscheidungen der Verantwortlichen haben würde, wenn
die Garnison von Berlin oder die amerikanischen NATO-Streitkräfte tatsächlich
angegriffen würden, ist eine ganz andere Sache.
Diese Streitkräfte sind gerade deswegen dort stationiert worden, wo sie
sind, um zu demonstrieren, daß die Vereinigten Staaten ein strategisches Interesse an der Verteidigung Westeuropas und an der Erhaltung des Kräftegleichgewichts in der Welt haben.
Man muß hier zwischen zwei Begriffen unterscheiden, die für die Außenpolitik von Gewicht sind: Zustimmung im politischen Sinne (consent) und Übereinstimmung im Prinzipiellen (consensus). Hans Morgenthau hat in der Zeitschrift
"Foreign Policy" diesen Gedanken wie folgt dargelegt:
"Die Konzeption der Regierung mit Zustimmung der Regierten ist - oft
bewußt - mit dem Begriff der Übereinstimmung im Prinzipiellen, der fundamentalen Übereinstimmung, verwechselt worden, wobei die letztere eine Art "contract sociale" zwischen der Regierung und dem Volke ist über die Art, die
Grundsätze und die Zielsetzungen des Staates. Während die Abweichung von der

-3-

�der Zustimmung der Regierten - also der Dissent - nicht nur legitim ist,
sondern das eigentliche Wesen einer dynamischen Demokratie ausmacht, ist die
Abweichung von der nationalen Übereinstimmung im Prinzipiellen ... bestenfalls eine Verirrung, schlimmstenfalls Subversion oder Verrat. Während die
Zustimmung (consent) der Regierten den gleichen Männern und der gleichen Politik in bestimmten Zeitabständen gewährt oder entzogen wird, bleibt die
Übereinstimmung im Prinzipiellen (consensus) über relativ lange Abschnitte
der Geschichte konstant....
Die Regierung kann versuchen, sowohl den Erfordernissen einer gesunden
Außenpolitik als auch den Wünschen der öffentlichen Meinung gerecht zu werden,
indem sie den existentiellen Charakter des dazwischen bestehenden Konflikts
erkennt und anerkennt. Dieser Konflikt kann bestensfalls gemildert werden,
aber er wird niemals völlig zugunsten einer gesunden Außenpolitik beigelegt
werden können. Die Regierung kann den Konflikt mildern ...,indem sie die öffentliche Meinung zur Unterstützung ihrer Außenpolitik bewegt...".
Das ist die Aufgabe einer politischen Führung, und die Warnungen Präsident Fords an die Isolationisten lassen erkennen, daß er diese Aufgabe anpacken will. Er muß dem amerikanischen Volk klarmachen, daß die Welt nicht
länger ein Tummelplatz der USA ist, daß es aber ebenso begreifen muß, daß die
Welt noch immer eine interdependente Welt ist, in der Amerika weiterhin eine
verantwortungsvolle Rolle zu spielen hat.
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7/1975

ENDERS UNTERSTREICHT NOTWENDIGKEIT NIEDRIGERER ÖLPREISE FÜR ALLE LÄNDER

WASHINGTON —(AD)-- Nach Auffassung des Unterstaatssekretärs für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, Thomas 0. Enders, haben ölexportierende wie ölverbrauchende Länder "ein Interesse an niedrigeren Ölpreisen".
Enders leitet die Delegation der Vereinigten Staaten auf der am 7. April in
Paris eröffneten Vorbereitungskonferenz von Vertretern aus zehn Ölerzeuger-,
Ölverbraucher- und Entwicklungsländern.
Vor seinem Abflug nach Paris betonte der Unterstaatssekretär in einem
Interview mit einem Korrespondenten des US-Informationsamtes (USIA), daß die
OPEC-Staaten deshalb ein Interesse an einem Rückgang der Erdölpreise hätten,
weil die Importländer sonst hohe Investitionen in alternative Energiequellen
vornehmen würden, um deren Kapazität stark auszubauen und auf diese Weise
die Erdölländer schließlich von einem Markt zu verdrängen, der ihnen gegenwärtig für den Absatz ihres Erdöls offen stehe. Die Erdölimportländer auf
der anderen Seite seien keineswegs daran interessiert, die wirtschaftlichen
Belastungen so riesiger Investitionen auf sich zu nehmen, die zwangsläufig
nur das künftige Tempo ihres Wirtschaftswachstums verlangsamen würden.
Bei

-1-

�Bei den Gesprächen in Paris sollen die Voraussetzungen für eine später
in diesem Jahr stattfindende gemeinsame Konferenz der Ölerzeuger- und der
Ölverbraucherländer geschaffen werden.
Die Erdölimportländer, so erklärte Enders, möchten die jetzt aufgenommenen Gespräche dazu benutzen, den Erzeugerländern deutlich zu machen, "daß
wir ein gemeinsames Interesse an nicht so niedrigen Erdölpreisen wie in der
Vergangenheit - die weder in ihrem noch in unserem Interesse lagen -, sondern
an einem in der Mitte liegenden Preisniveau haben."
Zum anderen, so führte Enders aus, hätten die Importländer ein Interesse "an neuen ausgewogenen Beziehungen zu den Erzeugerländern, bei denen
diese zwar nicht über die gleiche starke Machtposition wie jetzt verfügten,
die die Erzeugerländer aber auch nicht der Gnade der Verbraucherländer auslieferten, wie dies in der Vergangenheit der Fall war."
Die Industriestaaten unternähmen gegenwärtig über die Internationale
Energiebehörde gemeinsame Anstrengungen, um den Erdölverbrauch zu senken, und
die Vereinigten Staaten hätten sich verpflichtet, im Rahmen dieser Bemühungen
ihre Erdölimporte bis Ende 1975 um eine Million Barrel pro Tag zu reduzieren.
In gewisser Weise, so sagte Enders, sei dieses Ziel sogar bereits erreicht
worden, "allerdings auf einem Weg, den keiner von uns gewollt hat, nämlich
durch die Rezession."
Auf die Frage, ob der amerikanische Kongreß das von der Regierung gesetzte Ziel für eine Senkung der Ölimporte unterstützen werde, meinte Enders,
Exekutive und Legislative verträten in dieser Frage gleichlaufende Ansichten. Präsident Fords Plan sehe bis Ende 1975 die Einsparung von einer Million
Barrel Erdöl pro Tag und bis Ende 1977 von zwei Millionen Barrel pro Tag vor,

�vor, und zwar unabhängig von Einsparungen, die durch die Rezession oder den
Widerstand der Verbraucher gegen die hohen Preise erzielt werden. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses, AI Ullraan, der
für Energiefragen maßgebend ist, habe einen Plan vorgeschlagen, der zwar bis
Ende 1975 etwas weniger als eine Million Barrel Erdöl pro Tag einsparen, aber
bis Ende 1977 ebenfalls Einsparungen von zwei Millionen Barrel Erdöl pro Tag
bewirken solle. Er persönlich, so sagte Enders, rechne mit einem Kompromißplan, der bis 1977 vielleicht geringfügige Zeitverschiebungen bringen, aber
praktisch die gleichen Einsparungen erreichen werde, wie sie Präsident Ford
vorschwebten.
Enders unterstrich, daß die Einsparungsanstrengungen der Erdölverbraucherländer bereits erste Erfolge zu zeitigen begännen. Zu Beginn des Ölembargos im Oktober 1973 hätten die OPEC-Länder 32,5 Millionen Barrel Erdöl pro
Tag gefördert, heute seien es nur noch 26 Millionen Barrel pro Tag. Damit sei
bereits ein beträchtlicher Rückgang der Förderung eingetreten, der zwar zu
einem Teil auf die raltiv milden Winter der letzten beiden Jahre, zu einem
großen Teil aber auch auf den Widerstand der Verbraucher gegen die sehr hohen
Erdölpreise zurückzuführen sei. Und schließlich sei dieser Förderrückgang
durch die stetig wachsenden Einsparungsanstrengungen der Verbraucherländer
bewirkt worden - Anstrengungen, die sich in Zukunft noch verstärken würden.
Als langfristige Lösung für die Energiekrise nannte Enders die Entwicklung alternativer Energiequellen in den Verbraucherländern selbst, die allen
von ihnen zur Verfügung stehen müßten. Enders betonte in diesem Zusammenhang,
daß die Förderung von Erdöl im äußeren Festlandsockel der USA sich auf

-3-

�auf 5 bis 7 Dollar pro Barrel, in Alaska auf 7 Dollar pro Barrel und mehr,
in der Nordsee auf 5 Dollar pro Barrel und mehr stellen und somit über den
ursprünglichen Kostenschätzungen liegen werde. Aber auch die Kostenschätzungen
für die Erzeugung von Kernenergie hätten nach oben hin revidiert werden müssen und entsprächen jetzt einem Equivalent von 6 bis 7 Dollar pro Barrel Erdöl.

Das bedeute, daß die einzelnen Länder ihren alternativen Energiequellen

ausreichenden Schutz gewähren müßten, damit die Investoren ihr Geld auch wirklieh in solchen Projekten anlegten.
Die Erdölimportländer, so erklärte Enders, würden jedoch aus eigenem Interesse Geld in die teuren alternativen Energiequellen investieren, da die
hohen Preise des Erdölkartells nur dann gebrochen werden könnten, wenn die
Energiegewinnung in den Verbraucherländern selbst gesteigert und so der wachsenden Nachfrage nach importierter Energie entgegengewirkt werden könne.

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7/1975

TOKIO-RUNDE NAHM AGRARVERHANDLUNGEN AUF
-Keine unüberbrückbaren GegensätzeExklusivinterview mit dem Landwirtschaftsattache der US-Mission in Genf und Agrarberater der amerikanischen GATT-Delegation,
Ernest Koenig.

GENF --(AD)-- Die Arbeitsgruppe Landwirtschaft - eine der sechs Arbeitsgruppen, die im Rahmen der Tokio-Runde zur weiteren Liberalisierung des
Welthandels eingesetzt worden sind - hat Ende vorigen Monats in Genf ihre
Beratungen aufgenommen. Die vom 24.bis 27. März geführten Verhandlungen hatten in erster Linie Verfahrensfragen zum Gegenstand. Eine Einigung darüber,
wie weiter vorgegangen werden soll, konnte jedoch noch nicht erzielt werden. Die Arbeitsgruppe wird erneut am 15. April in Genf zusammentreten.
Teilnehmer an den Beratungen der Arbeitsgruppe erklärten, die größten
noch nicht beigelegten Meinungsverschiedenheiten seien zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft aufgetreten,doch seien diese keineswegs "unüberbrückbar". Gäbe es keinerlei Meinungsverschiedenheiten, so betonten diese Kreise, dann bestehe keine Notwendigkeit für Verhandlungen.
In

-l-

�In einem Interview mit dem USIS-Korrespondenten Michael O'Mara hat der
Landwirtschaftsattache der US-Mission in Genf und Agrarberater der amerikanischen GATT-Delegation, Ernest Koenig,zu diesen Fragen Stellung genommen:

Frage: Wie wir wissen, bestehen seit langem Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft darüber, wie
die Landwirtschaft in der Tokio-Runde behandelt werden soll. Dauerten diese
Meinungsverschiedenheiten auf der Sitzung der Arbeitsgruppe an?

Antwort: Ja, es wäre eine Überraschung gewesen, wenn diese Meinungsverschiedenheiten noch vor Beginn der Verhandlungen hätten beigelegt werden können.
Gäbe es keinerlei Meinungsverschiedenheiten, dann brauchte nicht verhandelt
zu werden - man könnte einfach einen Computer nehmen.
So traten also diese Meinungsverschiedenheiten erneut auf. Es war nicht
der einzige Streitpunkt innerhalb der Arbeitsgruppe, aber der bedeutsamste
angesichts der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten der größte Exporteur von
Agrarerzeugnissen sind und die Europäische Gemeinschaft der größte Importeur.

Frage: Wenn Sie im April erneut zusammentreten, sehen Sie dann eine Möglichkeit für einen Kompromiß zwischen den Auffassungen der USA und denen der EG?

Antwort: Bestimmt gibt es solche Möglichkeiten. Es liegt gerade in der Natur
von Verhandlungen, daß unterschiedliche Auffassungen bestehen und wir befinden uns erst am Beginn dieser Verhandlungen. Wir haben auf unserer Seite eine
sehr große Flexibilität gezeigt und werden dies auch weiterhin tun, in der
Hoffnung, daß die Basis für einen Kompromiß gefunden werden kann.

Frage:

�Frage: Manche Leute behaupten, daß die Vereinigten Staaten nicht ernsthaft an
den Verhandlungen über die Liberalisierung des Handels mit Agrarerzeugnissen
interessiert sind. Wie stellen Sie sich dazu?

Antwort: Jeder, der einen Blick auf unsere Handelsstatistiken wirft, sieht,
daß der Agrarhandel für uns von entscheidender Bedeutung ist. Ein Viertel des
in den Vereinigten Staaten bestellten Ackerlandes dient dem Export. Bei Weizen
entfallen über die Hafte unserer gesamten Verkäufe auf den Export. Im Kalenderjahr 1974 zum Beispiel stellten sich unsere gesamten Agrarexporte auf rund
22 Milliarden Dollar. Die Agrarimporte beliefen sich auf insgesamt 10 Milliarden Dollar.
Wenn die Agrarexporte fast ein Viertel der Gesamtausfuhr ausmachen,dann
ist man natürlich an ihnen interessiert - entscheidend interessiert.

Frage: Wie stehen die USA zu der gemeinsamen Agrarpolitik der EG, soweit diese die multilateralen Verhandlungen hier betrifft?

Antwort: Das ist eine in hohem Grade protektionistische Politik. Jeder weiß
das, und wir sind nicht die Einzigen,die das sagen. Viele in der Gemeinschaft
sagen das ebenfalls und haben sie stark kritisiert.
Was jedoch den multilateralen Handel betrifft, so ist dies eine interne
Angelegenheit der Gemeinschaft. Worüber wir in Genf sprechen, sind Maßnahmen
an den Grenzen. Wir suchen die Grenzabfertigung zu verbessern und wenden uns
nicht gegen interne Abmachungen irgendeiner Seite. Wenn es zu einer Verbesserung der Maßnahmen an den Grenzen kommt, dann kann man auch mit entsprechenden
internen Anpassungen rechnen. Aber solche Anpassungen sind, genau genommen,
nicht Gegenstand der Verhandlungen.
Frage:
-3-

�Frage: Einige Entwicklungsländer sprechen häufig von der Notwendigkeit
einer größeren Stabilität der Rohstoffmärkte. Sehen Sie auf der Welt eine
wachsende Tendenz in Richtung auf Rohstoffabkommen?

Antwort: Manche wünschen Rohstoffabkommen. Die Frage ist nur, was für Rohstof fabkommen. Was die Stabilität anbetrifft, so möchten manche Leute Rohstof fabkommen mit eingebauten Preisklauseln. Würden sich solche Abkommen aber
bewähren?
Es gibt jedoch auch eine andere Art von Rohstoffabkommen.
Wir sind bereit, uns alle Vorschläge anzuhören. Die Verhandlungen sollten zu einer ständig wachsenden Ausweitung des Handels führen. Um den Handel
ausweiten zu können muß man die Handelshindernisse beseitigen. Das ist unser
Ziel. Die Mittel und Wege hierzu müssen ausgehandelt werden.

Frage: Es gibt Amerikaner,die erklärt haben, bei einer Liberalisierung des
Agrarhandels verfüge ihr Land selbst nicht mehr über die benötigten Agrarerzeugnisse und die Agrarpreise würden zwangsläufig steigen. Andere Länder bezweifeln gelegentlich die Zuverlässigkeit der Vereinigten Staaten als Lieferant von Agrarerzeugnissen, weil sie verschiedentlich Exporte zurückgehalten
haben. Wie stellen Sie sich dazu?

Antwort: In den letzten Jahren hat sich die Nachfrage der Welt nach Agrarerzeugnissen auf die Vereinigten Staaten konzentriert und es kam fast schon
zu einer Überbeanspruchung unserer Hilfsquellen. Tatsächlich aber sind die
Vereinigten Staaten ein zuverlässiger Lieferant. Wenn Sie auf die Vergangenheit zurückblicken, werden Sie feststellen, daß die so oft angeführten

-4-

�angeführten Exportbeschränkungen für Sojabohnen lediglich fünf Tage dauerten.
Dann wurden sie bereits gemildert und nach zwei Monaten wurden sie gänzlich
aufgehoben.
Trotz dieser Restriktionen haben wir tatsächlich schon vorher exportiert.

Frage: Wie verhält es sich mit der Zuverlässigkeit der USA als Abnehmer?
Könnten die Vereinigten Staaten ganz plötzlich ihren Markt für Agrarimporte
schließen?

Antwort: Sie müssen hier wieder bedenken,daß wir einer der größten Importeure von Agrarerzeugnissen sind. Außerdem steht ein großer Teil unserer Importe in direktem Wettbewerb mit einheimischen Erzeugnissen.
Wir haben bestimmte Beschränkungen, das ist richtig, aber ganz allgemein ist unsere Importpolitik für Agrarerzeugnisse die liberalste von allen
großen Industriestaaten.

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LASER, RADAR UND SCHALLWELLEN SONDIEREN DIE LUFT

- (AD) - Wetterbeobachtung mit Radar, insbesondere zum Orten von Wolken
und Regenfronten oder auch von unvermutet auftretenden Turbulenzen ist seit
Jahren üblich und wird ständig weiter verbessert.

Nach fast 10 Jahren des Ex-

perimentierens stehen nunmehr zum Sondieren der Atmosphäre auch LASER-Ausrüstungen zur Verfügung.

Diese arbeiten mit sehr viel kürzeren elektromagnetischen

Wellen (im Spektralbereich des Lichtes) und sind dadurch z.B. in der Lage, Staub
und andere in der Luft schwebende Moleküle, sog. Aerosole, aufzuspüren, die
sehr viel kleiner sind als Wassertröpfchen.

Mit einem solchen "Lichtradarsystem" kurz LIDAR genannt, ist es auch möglich, jene besonderen meteorologischen Bedingungen schon in der Vorstufe zu erfassen, die die Entstehung von Smog begünstigen.

Es sind Schichtbildungen

meist in der unteren Atmosphäre, bei denen eine kältere Luftzone von einer
warmen Schicht überlagert und der vertikale Luftaustausch verhindert wird. In
Industriezentren und besonders verkehrsreichen Gebieten sind die Menschen gezwungen, unter einer die Gesundheit gefährdenden Dunstglocke zu leben. Verschiedene Regionen Kaliforniens, vor allem der Raum Los Angeles, sind berüchtigt
dafür.

Am "National Environmental Research Center" der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA in Las Vegas (Nevada) wurde eine LIDAR-Apparatur entwickelt,
mit der rasch und exakt die Intensität von Smog, aber auch die Grenzschichten

�Grenzschichten von Inversionen bereits im Frühstadium gemessen werden können.
Dies gibt den zuständigen amtlichen Stellen die Möglichkeit, rechtzeitig Warnungen z.B. an Krankenhäuser auszugeben oder Industriebetrieben und Autofahrern
gewisse Auflagen zu machen, damit während solcher Perioden die Ansammlung von
bestimmten Aerosolen verringert wird.

Die außerordentlich komplizierten und mannigfaltigen Prozesse, die im Smog
unter der Einwirkung des Sonnenlichts vor sich gehen, sind erst teilweise geklärt.

Zahlreiche Wissenschaftlergruppen in den Vereinigten Staaten arbeiten

daran, den verschiedenartigen Reaktionen, die von so vielen Faktoren - u.a.
Sonnenstand, Wind, Feuchtigkeitsgehalt, Temperatur, Art, Größe und sogar Herkunft der Aerosole - beeinflußt werden, durch Modellstudien auf die Spur zu
kommen.

Bei einem der wichtigen photochemischen Smog-Prozesse spalten z.B. die

Moleküle von Stickstoffdioxid unter Sonnenlichteinwirkung Sauerstoffatome ab.
Diese reagieren ihrerseits mit Sauerstoffmolekülen der Luft und bilden Ozon,
der in höherer Konzentration der menschlichen Gesundheit abträglich ist.

Städte und Industrielandschaften, über denen Dunstglocken aus Staub und
Abgasen liegen, erhalten viel weniger Sonnenschein als das freie Land.

Dabei

ist auch der an sich schon sehr geringe ultraviolette Bestandteil des Sonnenlichts (der auch bei den photochemischen Reaktionen in der Atmosphäre eine
Rolle spielt) um weitere 25 bis 35 % reduziert.

Dieser Anteil fehlt dann je-

doch bei bestimmten, biologisch wichtigen Prozessen wie der Bildung von Vitamin D
im menschlichen Körper.

Mit dem LIDAR-System wird nicht nur die Existenz und Konzentration von
Aerosolen, sondern auf Grund der Laufzeit und der Lichtmenge des an den Schwebeteilchen reflektierten LASER-Strahls auch die Entfernung von der Meßquelle bestimmt.

Da sich Aerosole mit Vorliebe an der Grenzzone zwischen warmer und

kalter Luft ansammeln, markieren sie, für das Auge oft unsichtbar, die Höhe
bzw. die Höhen von Inversionen.

Denn wie Untersuchungen mit dem LIDAR-Gerät

im Raum St. Louis (Missouri) zeigten, können auch mehrere solcher Luftschichten
unterschiedlicher Temperatur übereinanderliegen.
Schichten von

Dabei können sogar mehrere

Wolken vorhanden sein, obgleich der Himmel völlig klar erscheint.

�erscheint.

W i s s e n s c h a f t l e r e i n e s NOAA-Instituts (NOAA - Bundesamt für Meeres-

und Atmosphärenforschung)

i n Boulder i s t es ü b e r d i e s mit e i n e r n e u a r t i g e n

Schallsonde gelungen, I n v e r s i o n e n und i h r e Veränderungen k o n t i n u i e r l i c h b i s
i n 1000 m Höhe über d i e Meßquelle zu beobachten.
Auf e i n e r NASA-Entwicklung b a s i e r t e i n Verfahren, um die genaue Konzent r a t i o n von Schwefeldioxid in Kraftwerksabgasen m i t t e l s LIDAR zu messen.

Es

n u t z t den Umstand, daß d i e Moleküle des Schwefeldioxids mit LASER-Licht e i n e r
bestimmten Wellenlänge r e a g i e r e n und es i n l e i c h t v e r ä n d e r t e r Frequenz

reflek-

t i e r e n - e i n p h y s i k a l i s c h e s Phänomen, das a l s "Raman-Streuung" b e z e i c h n e t w i r d .
Ein v ö l l i g anderes C h a r a k t e r i s t i k u m , nämlich die Absorption von L i c h t b e s t i m m t e r
Wellenlänge, i s t d i e Grundlage e i n e s LIDAR-Verfahrens, mit dem s i c h Schwefeld i o x i d und e i n i g e andere S c h a d s t o f f - A e r o s o l e i d e n t i f i z i e r e n und q u a n t i t a t i v
bestimmen l a s s e n .

Es wurde am M a s s a c h u s e t t s I n s t i t u t e of Technology (MIT) e n t -

wickelt.

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HOHE KUNST DER WERKSTOFFTECHNIK
Warmbehandlung und "Mikrolegieren" sparen teure Rohstoffe

- (AD) - Kohlenstoffstähle großer Härte und Festigkeit, gleichzeitig aber
auch hoher Elastizität entwickelte eine Wissenschaftlergruppe der StanfordUniversität in Kalifornien unter der Leitung von Prof. Oleg D. Sherby vom
Department für Materialforschung und '-Technik.

Fünf "Rezepte", die in spe-

zieller Wärmebehandlung mit. Walz- und Schmiedeverfahren bei Temperaturen
zwischen 540 und 815 Grad Celsius sowie genau kontrollierter Abkühlung bestehen, hat die Gruppe inzwischen zum Patent angemeldet.

Bei einem Kohlenstoffgehalt von 1,3 Prozent und mehr, wo normaler Kohlenstoff-Stahl ohne Legierungszusätze wie Chrom, Nickel oder Molybdän außerordentlich spröde ist, erreichen die neuentwickelten Sorten sogar die Qualität des
berühmten Damaszenerstahls.

Während dieses Werkstoffwunder aus dem Orient,

das durch die Kreuzzüge in Europa bekannt, aber erst im 19. Jahrhundert teilweise enträtselt wurde, 1,5 bis 2 Prozent Kohlenstoff enthält, will die Gruppe
Sherby sogar bis auf 2,3 Prozent Kohlenstoff gehen.

Der "superplastische Kohlenstoffstahl", wie ihn die Erfinder in Stanford
bezeichnen, ist außerordentlich feinkörnig, was ihn besonders zäh macht. Stahlstäbe mit 1,3 Prozent Kohlenstoff wiesen, obgleich sie bei Rotglut auf mehr als
das Vierfache ihrer ursprünglichen Länge gezogen wurden, bei Raumtemperatur
ungewöhnlich günstige Werte für Elastizität und Zugfestigkeit auf.
Das

�Das Verfahren eröffnet der Verwendung unlegierter Kohlenstoffstähle,
die ja unvergleichlich billiger als legierte Stähle sind, einen großen Anwendungsbereich - u.a. auf dem Sektor "Werkzeugstahl" - der ihnen wegen ihrer
Sprödigkeit bisher verschlossen war.

Es könnten leichtere und festere Auto-

bauteile, kompliziert geformte Gegenstände, die normalerweise viel Bearbeitung
erfordern, und sogar komplette Karosserien in einem einzigen Arbeitsgang daraus
gefertigt werden.

Getrieberäder und Teile ließen sich in gewöhnlichen Matritzen

formen, die ihrerseits länger hielten, weil für die Formgebung weniger Kraft
aufgewendet werden müßte.

Durch "Mikrolegieren", d.h. die Zugabe winziger Mengen bestimmter Elemente
zu hochwertigen Werkstoffen wie Nickel für Teile, die sehr hohen Arbeitstemperaturen ausgesetzt sind, erreichte eine Wissenschaftlergruppe der Universität
Connecticut eine erhebliche Steigerung der Lebensdauer solcher Maschinenteile.
Die sog. Kriechfestigkeit wird um das Dreifache und mehr erhöht.

Das bedeutet,

daß die unter dem Einfluß hoher Arbeitstemperaturen einsetzende und sich dann
immer weiter verstärkende Formänderung von Maschinenbauteilen (z.B. in Düsentriebwerken oder Kraftwerksturbinen) erst nach sehr viel längerer Betriebsdauer
beginnt, das Teil also erst wesentlich später als bisher ausgewechselt werden
muß.

Wie Dr. Peter R. Strutt vom Department für Metallurgie der Universität
Connecticut berichtet, kann bereits der Zusatz von 20 Teilen eines bestimmten
Elements zu 1 Million Teile reinen Nickels die Kriechfestigkeit dieses Metalls
steigern.

Sie wird sogar um das Dreieinhalbfache größer, wenn nicht nur ein

Spurenelement, sondern wenn Spuren von Bor und von Zirkon in einem bestimmten
Verhältnis zugesetzt werden.
Bei Werkstoffen auf Nickelbasis ist die Technik des Mikrolegierens besonders wichtig.

Sie bildet die Grundlage für die Entwicklung einer ganz

neuen Generation hochwertiger Materialien, die bei noch höheren Arbeitstemperaturen, als die heute üblichen Speziallegierungen dies zulassen, beansprucht
werden.

Bei Stahltriebwerken bedeutete beispielsweise eine höhere Betriebs-

temperatur die Möglichkeit, beträchtliche Mengen von Treibstoff einzusparen.
Elektronenmikro skopi s che

�Elektronenmikroskopische Untersuchungen an mikrolegierten Werkstoffen
bei starker Vergrößerung deuten darauf hin, daß die Spurenelemente offenbar
in sehr kleinen Atombündeln bevorzugt Positionen besetzen, wo Atome des Grundmaterials bei Wärmebeanspruchung leicht in Bewegung geraten oder abwandern
und so die Deformierung herbeiführen.

Die Spurenelemente stabilisieren so-

mit die Struktur.

- 3-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Staatliche amerikanische Investitionsförderung auf der Hannover-Messe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ford: USA halten an ihren Verpflichtungen fest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede des Präsidenten in San Diego -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die öffentliche Meinung und die amerikanische Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Harry Brown&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Enders unterstreicht Notwendigkeit niedrigerer Ölpreise für alle Länder&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tokio-Runde nahm Agrarverhandlungen auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Keine unüberbrückbaren Gegensätze -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Laser, Radar und Schallwellen sondieren die Luft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hohe Kunst der Werkstofftechnik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Warmbehandlung und "Mikrolegieren" sparen teure Rohstoffe&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;KENAF - Rohstoff für Papierproduktion&amp;nbsp;</text>
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Dokumentation

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Nummer

24. April 1975

Inhalt

INFORMATION:

"The Philadelphia Orchestra" unter Eugene Ormandy kommt im Mai nach
Deutschland
Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studienjahr 1976/77

US-Beteiligung auf Pariser Luftfahrtsalon aus der Sicht des "Blauen
Planeten"

DOKUMENTATION:

Kissinger unterstreicht weltpolitische Rolle der USA
-Rede des amerikanischen Außenministers vom 17. April 1975-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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9/1975

"The Philadelphia Orchestra" unter Eugene Ormandy kommt im Mai nach
Deutschland
-»(AD)-- Das weltberühmte Philadelphia Orchestra unter seinem Chefdirigenten
Eugene Ormandy wird in der Zeit vom 9. bis 2o. Mai eine Tournee durch die Bundesrepublik Deutschland veranstalten, in deren Verlauf das Orchester in 12 Tagen neun Konzerte in neun Städten geben wird. Der Besuch Ormandys und seiner
Musiker bildet den Auftakt der in Deutschland geplanten Veranstaltungen anläßlich der 200-Jahrfeier der Vereinigten Staaten von Amerika.
Das Orchester hat sich durch Konzertreisen in alle Welt, Rundfunk-und Fernsehauftritte und nahezu 4oo Langspielplatten einen internationalen Ruf erworben.
Sein musikalischer Leiter, Eugene Ormandy, hat es vermocht, diesem diszipliniertem Klangkörper einen eigenen "Sound" zu geben, der von Kritikern und Bewunderern
als "Millionen-Sound" bezeichnet wird.
Das Philadelphia Orchestra kann im November auf 75 Jahre seines Bestehens
zurückblicken. Gegründet wurde es 1900 von dem deutschen Dirigenten Fritz Scheel,
der 1892 zur Leitung mehrerer Konzerte auf der Weltausstellung in Chicago nach
den Vereinigten Staaten gekommen war und sich dann in Philadelphia niederließ.

Nach

�Nach seinem Tode berief man 1907 mit Carl Pohl ig wiederum einen deutschen
Dirigenten zu seinem Nachfolger. Von 1913 bis 1936 stand dem Orchester kein
Geringerer als Leopold Stokowski vor, nach dessen Abgang vor fast 40 Jahren
Eugene Ormandy die Stabführung übernahm.
Das über 100 Mann starke Philadelphia Orchestra wird auf seiner Frühjahrstournee 1975 durch die Bundesrepublik in folgenden Städten gastieren:
Düsseldorf (9. Mai), Essen (10.Mai), Wuppertal (11.Mai), Bonn (13.Mai),
Frankfurt (14.Mai), Hamburg (15.Mai), Stuttgart (16.Mai), Ulm (17.Mai) und
München (20.Mai).

XXX

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8/1975

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA IM STUDIENJAHR
1976/77

--(AD)-- Auch für das Studienjahr 1976/77 kann die deutsche Fulbright-Kommission wieder kombinierte Reise- und Aufenthaltsstipendien zum Studium an amerikanischen Hochschulen an deutsche Studenten vergeben. Bewerbungen müssen
bis zum 15. Juni 1975 eingereicht werden, und zwar von immatrikulierten Studenten bei den Akademischen Auslandsämtern der Hochschulen.

In Abänderung der Richtlinien werden Jungakademiker mit abgeschlossenem
Hochschulstudium nunmehr an den Deutschen Akademischen Austauschdienst verwiesen.
Weitere Auskünfte erteilen die Akademischen Auslandsämter der deutschen
Hochschulen sowie die Fulbright-Kommission selbst.

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8/1975

US-BETEILIGUNG AUF PARISER LUFTFAHRTSALON AUS DER SICHT DES "BLAUEN PLANETEN"

--(AD)-- Der amerikanische Pavillon auf der Internationalen Fachausstellung
für Luft-und Raumfahrt in Paris, die dieses Jahr in der Zeit vom 30. Mai
bis 8. Juni stattfindet, ist in hohem Maße auf Erkenntnisse, Erfindungen
und Neuentwicklungen aus dem Bereich der Raumfahrt ausgerichtet,die geeignet
sind, das Leben des Menschen zu bereichern - das Leben auf dem "Blauen Planeten", als der sich die Erde aus der Sicht des Raumfahrers darstellt.
Kernstück der amerikanischen Schau, die vom Handelsministerium der USA
organisiert wird, bildet eine audio-visuelle Präsentation der wichtigsten
technischen Neuheiten, die ursprünglich für die Raumfahrt entwickelt, inzwischen jedoch als Gebrauchs-und Luxusgegenstände Eingang in den Alltag
oder als Rohstoffe oder Bauelemente in die Gebrauchstechnik gefunden haben.
Im Zuge der Vorbereitung und Durchführung von Weltraumflügen gewonnene Erkenntnisse und die für Zwecke der Raumfahrt neu entwickelten Materialien gestatten der Industrie heute die Herstellung zahlreicher bisher völlig unbekannter Produkte und lassen ahnen, welche Veränderungen uns die Zukunft noch
bringen wird.
Die

-1-

�Die 68 amerikanischen Firmen, die auf dem Pariser Luft-und Raumfahrtsalon
vertreten sind, stellen einen Querschnitt durch die Luft-und Raumfahrtindustrie
der Vereinigten Staaten dar. Sie zeigen in Paris ihre jüngsten Erzeugnisse
aus zahlreichen Teilbereichen der einschlägigen Industrien: Luftfahrzeuge und
Motoren, Wartungs-und Versorgungsgeräte, Flugelektronik-Ausrüstungen und Konstruktionselemente, Bauteile, Baustoffe und Zubehör für Flugzeuge und Raumflugkörper.

Der amerikanische Pavillon, repräsentative Schau und Verkaufsausstellung
zugleich, gibt der europäischen Fachwelt Gelegenheit, sich nicht nur über den
Stand und die letzten Neuheiten der amerikanischen Luft-und Raumfahrttechnik
zu informieren, sondern bietet auch zahlreiche Anknüpfungspunkte zu Fach-und
Verkaufsgesprächen mit den anwesenden Spitzenvertretern und -technikern der
Ausstellerfirmen. Im übrigen sind viele ausstellende

Firmen auf der Suche nach

europäischen Partnern in der Produktion, im Vertrieb und in der Versorgung
mit Dienstleistungen sowie bei der Errichtung von Gemeinschaftsfirmen in Europa.

Weitere Auskünfte erteilt die Sonderabteilung Luftfahrtausstellung bei
der amerikanischen Botschaft in Paris, die unter 1975 Paris Air Show, American
Embassy Paris, Tel. 265-6440, X-3493 zu erreichen ist.
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KISSINGER UNTERSTREICHT WELTPOLITISCHE ROLLE DER USA
Rede des amerikanischen Außenministers vom 17. April 1975

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Dr. Henry A. Kissinger hat am 17. April
1975 in einer Rede vor der "American Society of Newspaper Editors" - einem Verband, dem die meisten einflußreichen Zeitungs- und Zeitschriftenredakteure angehören - mit allem Nachdruck die außenpolitische Rolle und Bedeutung der Vereinigten Staaten unterstrichen.

Die USA seien noch immer der größte Faktor

in der Weltpolitik, aber gleichzeitig, so warnte er, dürfe das amerikanische
Volk nicht in seiner Zielbewußtheit und Ausdauer nachlassen.

Die programmatische Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden
Wortlaut:

Herr Präsident Hayes, verehrte Gäste, meine Damen und Herren,

Ich stehe heute hier vor Ihnen, um einen Ton der Hoffnung und der Zuversicht über unsere Außenpolitik zum Erklingen zu bringen, trotz der Tatsache,
daß wir jetzt durch eine Periode der Not und des Mißgeschicks hindurchgehen.

Angesichts von

Rückschlägen kann eine Nation sich in Schärfe und Bitter-

keit verlieren und nach Sündenböcken Ausschau halten statt aus dem-Geschehenen
Lehren zu ziehen.
Sie

�Sie kann aber auch leidenschaftslos ihre Lage überprüfen, die geeigneten
Schlüsse ziehen und mit Realismus und Zuversicht ihren künftigen Kurs abstecken.

Präsident Ford hat diesen letzteren Kurs gewählt. Vor einer Woche forderte
er den Kongreß und das amerikanische Volk auf, diese Zeit der Schwierigkeiten
und Hindernisse zu einer Demonstration unseres hochgemuten Willens werden zu
lassen, erneut unsere Hingabefähigkeit und unseren Mut unter Beweis zu stellen
und diese für den Aufbau einer besseren Welt dienstbar zu machen.

Während der gesamten Nachkriegszeit waren unsere Stärke und unser Wille,
die Führung zu übernehmen, von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung des
Friedens und die Stärkung des Fortschritts.

Sollten sie versagen, so würden

starke Veränderungen in der politischen Grundstruktur überall auf der Welt eintreten.

Das würde zu neuen Gefahren für die Sicherheit und das wirtschaftliche

Wohlergehen Amerikas führen. Der Nahostkrieg und das Ölembargo von 1973 haben
gezeigt, wie selbst weit entfernte Ereignisse den Frieden der Welt und die Prosperität des ganzen Planeten zugleich in Gefahr bringen können.

Eine Verringerung

der amerikanischen Einflüsse in entscheidend wichtigen Gebieten kann verheerende
Folgen haben.

Die Vorstellung, die wir bei anderen Nationen erwecken, ist damit eine
Angelegenheit von großer Tragweite. Täglich erhalte ich Berichte von unseren
Botschaften, in denen mir die von unseren Freunden geäußerten Besorgnisse und
Fragen übermittelt werden. Was bedeuten die Ereignisse in Indochina, an der
Südflanke der NATO und im Nahen Osten für die Kompetenz - die Beständigkeit die Glaubwürdigkeit - den Zusammenhalt Amerikas?
reagieren?

Wie werden die Amerikaner

Welche Folgen ergeben sich daraus für die künftige amerikanische

Politik?

Wir können gewiß sein, daß potentielle Gegner sich die gleichen Fragen
stellen - allerdings nicht aus Sympathie heraus, sondern um ihre eigenen Chancen
abzuwägen.

Es
- 2 -

�Es ist heute beinahe modisch zu behaupten, daß der Hinweis auf Gefahren
zu einer sich selbst bestätigenden Prophetie führe;
Folgen, diese zustande bringe.
so einfach.

daß die Voraussage von

Unglücklicherweise ist das Leben jedoch nicht

Wir können nicht durch bloße Rhetorik Glaubwürdigkeit erlangen;

wir können die Konsequenz des Handelns nicht durch Proklamation erzeugen und
wir können Fakten nicht verändern, indem wir einfach nicht über sie sprechen.

Wir können in bezug auf das Urteil, das die Welt über unsere früheren
Taten fällt, wenig tun - es steht aber in unserer Macht, für unsere Zukunft
zu sorgen;

Wenn die Vereinigten Staaten Mißgeschick mit Würde tragen, wenn wir der
Welt klar machen, daß wir weiterhin eine einheitliche und konsequente Vorstellung von einer konstruktiven internationalen Rolle haben und gewillt sind, sie
zu erfüllen, dann können wir die Tore zu einer neuen Ära schöpferischer Gestaltung und Leistung öffnen.

Genau das liegt in unserer Absicht.

Ich weiß, daß es für ein Volk, das sich großen Schwierigkeiten im eigenen
Lande gegenübersieht, nicht leicht ist, sich auf neue internationale Anstrengungen einzustellen.

Aber unsere wirtschaftliche Zukunft ist mit der der üb-

rigen Welt aufs engste verknüpft - und mit den internationalen Entwicklungen
auf den Gebieten der Energie, des Handels und der Wirtschaftspolitik.

Die Ge-

sundheit unserer Wirtschaft hängt davon ab, daß wir die amerikanische Führungsrolle im Ausland aufrechterhalten.

Unserem Land bleibt keine andere Wahl.

Wir müssen um unseres eigenen

Heils willen eine bedeutende Rolle in der Weltpolitik spielen.. Wir haben starke
Trümpfe in der Hand - eine gesunde außenpolitische Konzeption, wesentliche
internationale Leistungen in den letzten Jahren und die gewaltigen Fähigkeiten
eines fleißigen und begabten Volkes. Wir haben die Hilfsmittel - und den Willen um aus Mißgeschick wieder einen positiven Ausblick zu machen.
Indochina
- 3-

�Indochina

Lassen Sie mich mit unserem tragischsten und unmittelbarsten Problem beginnen.

Ich habe dem Ersuchen des Präsidenten um militärischen und humani-

tären Beistand für das gepeinigte Volk von Südvietnam nichts hinzuzufügen.
Ich unterstütze diesen Appell und habe in den letzten Tagen dazu vor den Kongreßausschüssen ausführlich Stellung genommen.

Die Zeit wird kommen, da es klar sein wird, daß ein jeder Präsident zumindest Hilfe für diejenigen fordern mußte, die wir zur Verteidigung ihrer
Unabhängigkeit ermutigt und an deren Seite wir über ein Jahrzehnt lang gekämpft
haben.

Dann werden die Bürger Amerikas froh sein, daß sie einen Präsidenten

hatten, der sich weigerte, jene preiszugeben, die in der Stunde der Not verzweifelt um Hilfe baten.

Unser Land hat in Indochina fast 15 Jahre lang versucht, Großes zu verwirklichen.

Wir haben ein gewaltiges Prestige eingesetzt;

Zehntausende star-

ben, weitaus mehr wurden verwundet, gerieten in Gefangenschaft oder wurden vermißt;

unsere Ausgaben überstiegen 150 Milliarden Dollar und das innere Gefüge

unserer Nation wurde schwerer Belastung ausgesetzt.

Ob dieses Unternehmen gut geplant und durchdacht war oder nicht, das ändert jetzt nichts am Wesen unseres Problems. Wenn eine derartige Anstrengung
scheitert, dann ist das ein Ereignis von tiefer Bedeutung - für uns wie auch
für andere.
Ich jedenfalls halte es nicht für unedel, daß man versucht hat, die Unabhängigkeit eines kleinen und tapferen Volkes zu erhalten.

Nur eine sehr ide-

alistische Nation hätte angesichts so vieler Entmutigung durchgehalten.

Aber wo so viele glauben, daß der Krieg ein schrecklicher Irrtum war,
wo Tausende trauern, um die die sie liebten, und andere sich über die Schlappe
ihres Landes grämen - da ist des Kummers und Leids wahrlich für alle genug.
Die

�Die Vietnamdebatte hat nun ihren Verlauf genommen. Jetzt ist die Zeit
für Zurückhaltung und Mitgefühl gekommen.
punkt dargelegt.

Die Administration hat ihren Stand-

Jetzt wollen wir uns alle an das Verdikt des Kongresses

halten - ohne Groll und Ressentiment.

Die Konzeption

Lassen Sie uns daher den Blick auf die Zukunft richten. Als Ausgangspunkt
steht uns eine gesunde außenpolitische Struktur zur Verfügung.
Die Ära der Nachkriegsordnung der internationalen Beziehungen ging mit dem
vorigen Jahrzehnt zu Ende.

Zwar war der Ablauf dieser Periode nicht durch einen

plötzlichen Umbruch gekennzeichnet, aber die kumulative Veränderung zu Ende der
sechziger Jahre war doch sehr tiefgreifend.

Die starre bipolare Konfrontation

des Kalten Krieges war vorbei. An ihre Stelle war eine komplexere, fließendere
Welt getreten - mit vielen Zentren der Macht, mit subtileren Gefahren und neuen
verheißungsvollen Chancen.

Westeuropa und Japan waren stärker und selbstbewußter

geworden, unsere Bündnisse mußten daher einer gleichberechtigten Partnerschaft
angepaßt werden.

Die kommunistische Welt war aus Gründen der Doktrin und der

nationalen Interessen geborsten.

Es boten sich günstige Aussichten auf stabilere

Beziehungen auf der Grundlage von Zurückhaltung und Verhandlung.

Und viele unserer Freunde in anderen Teilen der Welt waren jetzt besser
gerüstet, die Verantwortung für die eigene Sicherheit und das eigene Wohlergehen
selbst zu übernehmen, aber sie brauchten während der Übergangsperiode unsere
Unterstützung.

Im eigenen Land waren das amerikanische Volk und der Kongreß nach zwei
Jahrzehnten globaler Kraftanstrengungen und Jahren innenpolitischer Wirren müde
geworden.

Sie waren zur Konfrontation nicht bereit, solange nicht alle möglichen

Wege zum Frieden erkundet und sondiert waren.

Für unsere Außenpolitik stellte

sich die Aufgabe, den Vereinigten Staaten eine effektive aber ausgewogenere Rolle
in der Welt zuzuweisen und dabei übertriebene Verpflichtungen und Bindungen ab"
- 5-

�abzubauen, ohne in einem überstürzten und gefährlichen Rückzug zu verfallen. '•'
Wir haben einen weiten Weg zurückgelegt.

Unsere Hauptverbündeten in der atlantischen Welt und Japan sind in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht erstarkt.

Unsere Bündnisse bilden feste

Anker für die Sicherheit und Prosperität der Welt.

Sie sind die Basis für

enge Zusammenarbeit in einem ganzen Bereich neuer, bisher unbekannter Probleme
- von der Entspannung bis zur Energie.

Wir haben einen hoffnungsträchtigen neuen Dialog mit Lateinamerika eingeleitet.

Wir rechnen in unseren Beziehungen zu Afrika mit einer neuen Ära.

Wir haben historische Schritte unternommen, um unseren Beziehungen zu unseren Hauptgegnern zu stabilisieren und zu verbessern.

Wir haben Spannungen

abgebaut, den Dialog vertieft und eine Reihe wichtiger Abkommen geschlossen.

Wir haben mit dem Prozeß begonnen, die rivalisierenden strategischen
Rüstungsprogramme zu kontrollieren, die, wenn sie uneingeschränkt weitergehen,
die Sicherheit der ganzen Welt bedrohen. Wenn das Abkommen von Wladiwostok
zum Abschluß gekommen ist, dann wird zum ersten Mal eine Höchstgrenze für den
Stand der strategischen Arsenale der Supermächte festgelegt.

Wir haben dazu beigetragen, alte politische Konflikte in so empfindlichen
Gebieten wie Berlin und dem Nahen Osten zu mildern.

Und wir haben die großen Initiativen unternommen, um die internationale
Reaktion auf neue globale Herausforderungen, wie Energie, Ernährung, Umweltschutz und Seerecht zu mobilisieren.

Auf all diesen Gebieten ist die Rolle Amerikas immer wieder entscheidend
gewesen.

Die Konzeption ist weiterhin gültig, unsere Verantwortlichkeiten bleiben
- 6 -

�bleiben bestehen.

Die Aussicht auf große Fortschritte ist sehr gut.

Es be-

steht aller Grund zur Zuversicht.

Die innenpolitische Dimension

Wenn das stimmt, wo liegt dann die Ursache für unser
diese Rückschläge?

Problem?

Warum

Warum diese Zeichen eines völligen Stillstands zwischen der

Exekutive und dem Kongreß?

Was müssen wir tun, um uns wirklich aufzuraffen?

In einer Welt, die keine Nation allein dominieren oder kontrollieren kann,
muß es zwangsläufig zu Rückschlägen kommen.

Der besondere Aspekt vieler un-

serer Probleme besteht darin, daß wir sie uns selbst geschaffen haben.

Die

Spaltung im eigenen Lande hat die Schwierigkeiten entweder erhöht oder verursacht, angefangen von der Südflanke der NATO bis zum Pazifik, vom östlichen
Mittelmeer bis zu den Beziehungen zwischen den Supermächten.

Paradoxerweise ist das ein Anlaß zum Optimismus, denn in dem Maße, in dem
der Grund für unsere Schwierigkeiten in uns selbst liegt, so sind auch die Mittel
zu ihrer Behebung in uns selbst zu finden.

Das amerikanische Volk erwartet eine effektive Außenpolitik, die den Frieden erhält und unsere nationalen Interessen fördert.

Es verlangt von seinen

Führern, daß sie die Zukunft gestalten und nicht einfach die Gegenwart verwalten.

Das erfordert Kühnheit, Zielstrebigkeit, Feinfühligkeit und vor allem Ver-

trauen zwischen Öffentlichkeit und Regierung und zwischen Exekutive und Legislative.

Aber gerade dieses gegenseitige Vertrauen ist im Laufe des letzten

Jahrzehnts ausgehöhlt worden.

Es gibt viele Ursachen für diesen Zustand.

Manche sind allen Demokratien

gemein, manche liegen aber auch in einzigartiger Weise in der Tradition und
der jüngsten Geschichte Amerikas begründet.

Moderne

�Moderne Demokratien werden heute von sozialen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen bedrängt, die nicht vor Landesgrenzen haltmachen und
die am äußersten Bereich der Fähigkeit der Regierung liegen, sie unter Kontrolle
zu bekommen.

Die Energie der führenden Männer wird zu oft durch das Management

der Bürokratie aufgebraucht, die die Fragen der öffentlichen Zielsetzung in
Probleme des institutionellen Kuhhandels verwandelt.

Das Tempo der Ereignisse

und die Höhe der Erwartungen werden von der unmittelbaren Kommunikation bestimmt.
Die Überzeugung anderer - die wesentliche Methode der Demokratie - wird außerordentlich schwierig in einer Zeit, da die Fragenkomplex und die Ergebnisse ungewiß sind. Am besten lohnt sich die Vereinfachung - und das ist eine Einladung an die Demagogen.

All dies hat das komplexe Problem der Beziehungen zwischen Exekutive und
Legislative noch mehr kompliziert.

In jedem Land scheint die Autorität des mo-

dernen Staates beängstigend unpersönlich oder weit weg von jenen zu sein, deren
Leben in zunehmendem Maße von ihm abhängen, und in fast allen Demokratien wird
die Autorität der Exekutive von den Mitglie dern der Legislative in Frage gestellt, die es selbst schwierig finden, die Politik zu beeinflussen, es sei denn
fragmentarisch

oder negativ.

Die Fragen werden so technisch, daß es den Ge-

setzgebern immer schwerer fällt, die Übersicht zu behalten - und dabei werden
die Fragen in immer stärkerem Maße lebenswichtig.

Das eigentliche Wesen der

Problemlösung bei innenpolitischen Fragen - Anpassung und Angleichung von Sonderinteressen - beraubt die Außenpolitik der Folgerichtigkeit und des Brennpunktes, wenn man die genannte Methode auf unseren Umgang mit anderen Nationen
anwendet.

Staatsmänner müssen handeln, selbst wenn nicht alle Prämissen gegeben sind.
Sie müssen entscheiden, selbst wenn unfaßbare Dinge das Ergebnis bestimmen
werden.

Es ist eben unmöglich, Voraussagen zu beweisen.

zen werden niemals evident.

Vermiedene Konsequen-

Damit machen Skepsis und Argwohn sich' überall

breit und vergiften die Atmosphäre der Debatte zwischen Exekutive und Legislative.

Vernünftige Argumente werden durch eine Serie von Konfrontationen über

marginale Fragen überdeckt.
Amerika
- 8-

�Amerika steht ferner vor dem Problem einer neuen Generation.

Die Kluft

zwischen deren historischer Erfahrung und der unsrigen ist gewaltig.
war für sie ein Trauma wie für uns München.

Vietnam

Ihr Alptraum ist die außenpolitische

Verpflichtung, wie der unsrige die Abkehr von internationaler Verantwortung gewesen ist.

Es ist

lernt haben.

möglich,, daß beide Generationen ihre Lektion zu gut ge-

Die Jungen nehmen die großen Nachkriegsleistungen des Wiederauf-

baus Europas, des Aufbaus von Bündnissen in Friedenszeiten und die Aufrechterhaltung der weltweiten Prosperität als selbstverständlich.

Eine unpersönliche

technologische und bürokratisierte Welt bietet ihnen zu wenig Anreize für Hingabe und Idealismus.

Wollen wir nicht vergessen, daß Amerikas Zusage zum internationalen Engagement immer ambivalent gewesen ist - selbst wenn unsere Zweifel zeitweilig
durch die Anstrengungen des zweiten Weltkrieges und der Nachkriegsära unterdrückt wurden.

Die Wurzeln des Isolationismus, die sich aus Geographie und Ge-

schichte nähren, reichen tief in die amerikanische Tradition hinein.

Die Scheu,

in fremde Konflikte verwickelt zu werden; die Überzeugung, daß wir uns irgendwie selbst besudeln, wenn wir
die Waagschale legen;

"Machtpolitik"

betreiben und unsere Macht in

das Gefühl, daß Außenpolitik eine Form des alten Welt-

imperialismus sei; die Vorstellung, daß Waffen die Ursache des Konfliktes
seien;

der Glaube, daß humanitäre Hilfe und die Mitwirkung an der wirtschaft-

lichen Ordnung ein ausreichender Ersatz für politisches Engagement seien - all
das waren vertraute Kennzeichen des amerikanischen Isolationismus der zwanziger
und dreißiger Jahre.

Nach dem zweiten Weltkrieg führte ein breites Spektrum führender Persönlich
keiten des öffentlichen Lebens, ständischer Gruppen, des Erziehungswesens, der
Geschäftswelt, des Klerus, der Medien sowie führende Vertreter beider Parteien
im Kongreß und im Lande die öffentliche Meinung in Amerika zu einer neuen internationalistischen Übereinstimmung.

Aus den Lehren dieser Persönlichkeiten und aus den Erfahrungen des Krieges
heraus begriff die Nation, daß der beste Weg zur Sicherung der Ruhe im Innern
und unserer Prosperität in einer einsichtigen Beteiligung und Führungsrolle in
- 9 -

�in der Weltpolitik bestand.

Unterstützung von Freunden und Verbündeten war

kein zu entrichtender Preis, sondern ein zu leistender Dienst an der internationalen Stabilität und damit am Eigeninteresse.

Im letzten Jahrzehnt sind jedoch als Folge von Indochina und anderer
Frustrationen des globalen Engagements wieder einige unserer früheren Impulse
in den Vordergrund getreten.

Die führende Meinung hat sich in einem alarmie-

renden Ausmaß scharf gegen viele der internationalistischen Prämissen der Nachkriegsperiode gewandt.

Wir hören heute, wie schon seit einigen Jahren, daß das Leiden durch das
amerikanische Engagement verlängert würde, daß die Ungerechtigkeit durch
amerikanische Tatenlosigkeit verewigt würde, daß Verteidigungsausgaben bestenfalls Verschwendung und schlimmstenfalls Ursache des Konflikts seien, daß
nachrichtendienstliche Tätigkeiten Amerikas unmoralisch seien, daß die notwendige Vertraulichkeit in der Diplomatie eine Verschwörung zur Täuschung
der Öffentlichkeit sei, daß Flexibilität zynisch und amoralisch sei - und daß
Ruhe oder Beruhigung irgendwie durch eine abstrakte Reinheit der Motive herbeigeführt werden müsse, für die es kein geschichtliches Beispiel gibt.

Das alles hat eine tiefgreifende

- und unausweichliche - Auswirkung

auf die nationale Stimmung und auf die nationale Übereinstimmung hinsichtlich
der Außenpolitik.

In dem Lande mit dem höchsten Lebensstandard und einer der

reichsten Kulturen der Welt, in einem Lande, das den Idealen der bürgerlichen
Freiheit und der pluralistischen Demokratie am nächsten gekommen ist, finden
wir einen tiefen und chronischen Selbstzweifel - vor allem in den großen städtischen

Ballungsgebieten und unter den mutmaßlich führenden Persönlichkeiten.

Wird das amerikanische Volk unter diesen Bedingungen eine verantwortungsbewußte und aktive amerikanische Außenpolitik unterstützen?

Ich bin zutiefst

überzeugt, daß es das tun wird - wenn seine Führer, in der Regierung und außer-

halb, ihm das Gefühl geben, daß es etwas gibt, worauf es stolz sein kann, und daß es
etwas Wichtiges zu vollbringen hat.
Wenn
- 10 -

�Wenn man sich von Washington in das Herz Amerikas aufmacht, dann ist man
erstaunt über das Vertrauen, die Lebenskraft und das Nichtvorhandensein eines
zersetzenden Zynismus. Wir, die wir an einem Ort sitzen, den mein Freund Stuart
Alsop - ein großer Journalist - einmal

"die Zentrale"

genannt hat, neigen

dazu, uns zu sehr mit unseren Problemen zu beschäftigen.

Wir sezieren unsere

Schwierigkeiten und unsere Auseinandersetzungen bis Tina übertrieben feinste Detail.

Ich finde es bemerkenswert, daß zwei Drittel der im Dezember vorigen Jahres
in einer landesweiten Umfrage interviewten Amerikaner in einer Zeit schwerer
Rezession noch immer der Auffassung waren, daß eine aktive Rolle in der Welt
den Interessen ihres Landes besser diene als eine Abkehr.

Auch wenn andere Nationen die Art und Weise, wie wir in Washington agieren,
scharf beobachten, so glaube ich doch, daß sie im Grunde die Widerstandsfähigkeit
unseres Volkes und unserer Institutionen bewundern.

In Amerika besteht noch immer ein großes Reservoir an Vertrauen.

Wir be-

sitzen die Werte, die Mittel und Wege, und wir tragen die Verantwortung, um
nach einer sichereren und besseren Welt zu streben.

Und auf unserem ganzen

Erdball ist ein großes Reservoir an Vertrauen in die Werte und die Stärke dieses
Landes vorhanden.

Was werden wir jetzt tun?

Wollen wir zunächst einmal aus den heutigen Prüfungen die richtigen Lehren
ziehen. Wir werden den Preis für unsere Rückschläge in Indochina zahlen müssen,
indem wir mehr von uns fordern. In der Ära der amerikanischen Vorherrschaft,
der Vorzugsstellung Amerikas, hatten wir den großen Schwung. Wir konnten unsere
Probleme mit unseren Mitteln überwinden.

Wir brauchten kaum auf den Stil von

Nationen zurückzugreifen, die ihre Außenpolitik mit begrenzten Mitteln führen
müssen - Geduld, Fingerspitzengefühl und Flexibilität.

Heute fordern Verwir-

rung, Abkehr von der Verantwortung oder Kurzsichtigkeit einen Preis, der sich
als unsere Mittel übersteigend erweisen könnte.
Wir
- 11 -

�Wir sind noch immer der größte Einzelfaktor in der Weltpolitik - aber wir
sind eine Nation unter vielen.

Das Gewicht unseres Einflusses hängt heute ent-

scheidend von unserem Zielbewußtsein, unserer Ausdauer, unserer schöpferischen
Kraft, unserer Macht und von unserer erkennbaren Zuverlässigkeit ab. Wir werden
schwerer arbeiten müssen, um den inneren Zusammenhang und die Kontinuität unserer Politik zu verwirklichen - und wir werden es.

Wir müssen die Illusion aufgeben, daß Außenpolitik zwischen Moral und Pragmatismus wählen könnte. Amerika kann sich nicht selbst treu bleiben, wenn es
nicht menschliche Werte und die Würde des Einzelnen hochhält. Aber ebensowenig
kann es seine Werte verwirklichen, -wenn es nicht sicher ist. Keine Nation hat
ein Monopol auf Gerechtigkeit oder Tugend, und keine Nation hat das Vermögen,
ihre eigenen Konzeptionen weltweit durchzusetzen.

Im Nuklearzeitalter ganz be-

sonders ist es so, daß zur Diplomatie - wie zur Demokratie - oft der Kompromiß
zwischen widerstrebenden Prinzipien gehört.

Ich brauche Sie nicht daran zu erinnern, daß es heute auf der Welt rund
140 Nationen gibt, von denen sich kaum eine Handvoll unseren Werten verschrieben hat.

Wir müssen auch die Art unserer Verpflichtungen begreifen.

Wir haben eine

Verpflichtung zur Standhaftigkeit einfach aus unserer Position als eine Großmacht heraus, von der viele andere abhängen.

Damit schließen unser Handeln und

unsere Politik im Zuge der Zeit deren eigene Verpflichtung ein - ob dies in
juristischen Dokumenten festgelegt sein mag oder nicht. Ja, unser Handeln und
dessen Sicht aus der Perspektive anderer Länder mag unsere wichtigste Verpflichtung darstellen.

Auf der anderen Seite muß unsererDiplomatie ein Maß an Vertraulichkeit
zugestanden werden, oder ein wirklich ernsthafter Austausch mit anderen Regierungen wird zerstört.

Die nationale Debatte zwei Jahre lang auf sogenannte

Geheimabkommen zu konzentrieren, die kein Beteiligter jemals zu verwirklichen
gesucht hat, und deren angeblicher Inhalt durch Gesetze verboten ist, heißt
nichts anderes als sich auf etwas einzulassen, was Menschen als
- 12 -

"nationalen

�"nationalen Appetit auf schwindelhafte Enthüllungen"

bezeichnet hat.

Es be-

darf keines Wortes, daß eine Verpflichtung, bei der es um nationales Handeln
geht, dem Kongreß bekannt sein muß,oder sie wäre bedeutungslos.

Eine Lehre, die wir sicherlich aus Vietnam ziehen müssen, ist die, daß
neue Verpflichtungen der Ehre und des Prestiges unserer Nation sorgfältig
abgewogen werden müssen.

Wie Walter Lippman bemerkte,

"in auswärtigen Be-

ziehungen, wie in allen anderen Beziehungen, hat sich erst dann eine Politik
gebildet, wenn Verpflichtung und Macht in ein Gleichgewicht gebracht worden
sind."

Aber nach unseren jüngsten Erfahrungen haben wir eine besondere Ver-

pflichtung, sicherzustellen, daß eingegangene Zusagen rigoros gehalten werden
- und daß sich alle Beteiligten dessen bewußt sind.
unserer Standhaftigkeit zweifeln.

Möge kein Verbündeter an

Möge keine Nation je wieder glauben, daß

sie ungestraft ein mit den Vereinigten Staaten abgeschlossenes feierliches Abkommen zerreißen könnte.

Wir müssen unsere Politik des Abbaus der Spannungen fortsetzen, aber wir
werden darauf bestehen, daß der Abbau der Spannungen nicht nur hier und dort
vollzogen werden kann. Wir werden nicht vergessen, wer die Waffen geliefert
hat, die Nordvietnam benutzt, um eine Farce aus seiner Unterzeichnung der
Pariser Abkommen zu machen.

Ebensowenig können wir die traurige Tatsache übersehen, daß keiner der
anderen Signatarstaaten der Pariser Abkommen auf unser wiederholtes Ersuchen
reagiert hat, daß sie die flagranten Verletzungen dieser Abkommen durch Nordvietnam zumindest zur Sprache bringen sollten.

Ein solches Schweigen kann

nur jede bedeutungsvolle Norm der internationalen Verantwortlichkeit unterminieren.

Hier im eigenen Lande liegt auf uns allen in Washington eine große Verantwortung .

Ein gutes Einvernehmen zwischen der Exekutive und der Legislative ist die
einzig mögliche Basis für nationales Handeln.
- 13 -

Der jahrzehntelange Streit in

�in diesem Lande um das Übergewicht der Exekutive in der Außenpolitik ist vorbei.

Die beherrschende Tatsache der nationalen Politik ist heute die Erkennt-

nis, daß der Kongreß ein gleichwertiger Zweig der Regierung ist.

Die Exekutive sieht ein, daß der Kongreß sowohl das Gefühl als auch die
Realität seiner Beteiligung haben muß. Die Außenpolitik muß ein gemeinsames
Unterfangen sein.

Die Frage ist, ob der Kongreß über die Festlegung von Richt-

linienfür das taktische Vorgehen hinausgehen wird;

ob er die Exekutive der

Entscheidungsfreiheit und der Autorität im diplomatischen Vorgehen berauben
wird, während er auf der anderen Seite weiterhin institutionell unfähig bleibt/
eine eigene klare nationale Politik zu formulieren oder durchzuführen.

Das wirksame Funktionieren unseres verfassungsmäßigen Systems hat immer
auf der Zurückhaltenden Ausübung der Macht und der Rechte beruht, die durch
es übertragen werden.

In diesem Augenblick unserer Geschichte besteht ein

ernstes nationales Gebot zu einem Geist der Zusammenarbeit und der Demut zwischen den beiden Zweigen unserer Regierung zu gelangen.

Wenn andere Länder auf die Vereinigten Staaten blicken, dann sehen sie
eine Nation.

Wenn sie auf Washington blicken, dann sehen sie eine Regierung.

Sie betrachten uns als eine Einheit - nicht als eine Reihe in sich nicht zusammenhängender oder unkoordinierter Institutionen.

Wenn wir uns unter uns

selbst nicht einig werden können, dann besteht wenig Hoffnung, daß wir mit jenen draußen sinnvoll verhandeln können.

Eine der wichtigsten Lehren, die wir also aus den jüngsten Ereignissen
ziehen müssen, ist die Notwendigkeit, die zivilen Umgangsformen unserer Auseinandersetzung im eigenen Lande wiederherzustellen.

Im Laufe der Jahre der

Vietnam-Debatte ist der vernünftige Dialog der Emotion gewichen, die weit über
die eigentlichen Fragen hinausgeht.

Es sind nicht nur die Entscheidungen, son-

dern auch die Motive in Frage gestellt worden.
sondern auch den Charakter angegriffen.

Man hat nicht nur die Politik,

Was als Übereinstimmung begann, ist

immer mehr zu einem giftigen Streit entartet.
Die

�Die Verantwortlichen in der Regierung müssen das ihrige dazu tun.

Die Ad-

ministration wird,dem Beispiel des Präsidenten folgend, im nationalen Dialog
nach Mäßigung und gegenseitiger Achtung streben.

Wir wissen, daß wir, wenn

wir um das Vertrauen der Öffentlichkeit bitten, das Vertrauen des Volkes rechtfertigen müssen.

Das amerikanische Volk sehnt sich nach einem Ende all der Bitterkeit und
des Zwiespalts des letzten Jahrzehnts.
erfordert das;

Die Stabilität in unserem eigenen Lande

unsere internationalen Verantwortlichkeiten gebieten es. Sie,

meine Zuhörer, sind heute in einer einzigartigen Lage, zu dem Heilungsprozeß
der Nation beizutragen.

Die künftigen Aufgaben
Ralph Waldo Emerson hat einmal gesagt:
über einen Mangel an Gelegenheit beklagt".

"Kein großer Mann hat sich jemals
Das gilt ebenso für eine große

Nation.

Unsere Hilfsmittel sind gewaltig, unsere Führung ist unerläßlich, unsere
Chancen sind beispiellos und drängen sich geradezu auf.
- Wir müssen die Lebenskraft der großen demokratischen Bündnisse aufrechterhalten.

Sie können den Anker für gemeinsame Werte und Zielsetzungen bieten,

wenn wir einen radikal neuen Aufgabenbereich in Angriff nehmen.
- Wir müssen die gegenwärtige Wirtschafts- und Energiekrise überwinden.
Ein amerikanisches Energieprogramm hat daher eine hohe nationale Priorität.
Für die Zukunft stellen wir uns ein fundamental reformiertes internationales
Wirtschaftssystem vor - ein Bretton Woods für die achtziger Jahre und darüber
hinaus.

- Wir müssen in internationalen Foren, einschließlich der Vereinten Nationen,
für das einstehen, an das wir glauben, und der Politik des Ressentiments, der

- 15 -

�I

der Konfrontation und der schalen Ideologie widerstehen.

Die internationale

'

Zusammenarbeit spielt heute eine lebenswichtigere Rolle als je zuvor, aber
das gilt ebenso für die gegenseitige Achtung unter Nationen.

- Wir müssen unserer weiteren ständigen Verantwortung für den Frieden
in vielen Regionen der Welt gerecht werden, vor allem, wo wir in einzigartiger
Weise das Vertrauen beider Seiten besitzen und wo ein Fehlschlag die Katastrophe
über die Grenzen der Region hinaus ausbreiten würde, wie im Nahen Osten. Wir
werden uns nicht durch Kriegsdrohungen oder wirtschaftlichen Druck dazu drängen
lassen, Lebensinteressen aufzugeben.
der Präsident gesagt hat,

Aber in gleicher Weise werden wir, wie

"eine Stagnation oder ein Patt mit all den damit

verbundenen Gefahren für Frieden und Wohlergehen nicht akzeptieren".

- Wir müssen der Spirale- und der Ausbreitung - von Kernwaffen Einhalt
gebieten.

Dann können wir zu einer anspruchsvolleren Tagesordnung übergehen

- zu beiderseitigen Verringerungen der strategischen Rüstungen, der Kontrolle
anderer Waffen und zur militärischen Zurückhaltung in anderen Zusammenhängen.

- Wir müssen zwei Geißeln der Menschheit überwinden:

Hunger und die Launei?

der Natur. Wir stehen zu dem Nahrungsmittelprogramm, das im November vorigen
Jahres auf der Welternährungskonferenz verkündet wurde.

Unsere fundamentale

Aufgabe besteht darin, anderen zu helfen, sich selbst zu ernähren, damit im
Jahre 2000 kein Kind mehr hungrig zu Bett zu gehen braucht.
- Wir müssen weiterhin den Konflikt und die Spannungen mit unseren Gegnern
abbauen. Wir hoffen, daß im Laufe der Zeit Wachsamkeit und Versöhnlichkeit
zu positiveren Beziehungen und letztlich zu einer echten Weltgemeinschaft
führen werden.
- Wir müssen sicherstellen, daß die Ozeane und der Weltraum Gebiete der
Zusammenarbeit statt des Konfliktes werden.

Dann können wir künftigen Genera-

tionen gewaltige wirtschaftliche und technologische Hilfsquellen zur Bereicherung
des Lebens auf dieser Erde überlassen.
Unsere
- 16 -

�Unsere Nation ist in einzigartiger Weise dazu ausgestattet, in der neuen
Ordnung, die um uns herum Form annimmt, eine schöpferische und entscheidende
Rolle zu spielen.

In einer Zeit der Unruhe, der Unsicherheit und des Konflikts

erwartet die Welt noch immer von uns eine schützende Hand, einen vermittelnden
Einfluß, einen Weg in die Zukunft.

So wie Amerika für Generationen die Er-

oberung der Natur durch den Menschen symbolisiert hat, so hat Amerika die Beherrschung seiner eigenen Zukunft durch den Menschen symbolisiert.

Zwei Jahrhunderte lang sind unsere Vorväter, Bürger eines kleinen und
relativ schwachen Landes, dem Mißgeschick mit Mut und Einfallsreichtum entgegengetreten.

Im Laufe ihres Kampfes haben sie die freieste, reichste und mäch-

tigste Nation aufgebaut, die die Welt je gesehen hat. Wenn jetzt wir, ihre
Erben, Amerika in sein drittes Jahrhundert führen, wenn wir jetzt die beispiellosen Aufgaben der modernen Welt anpacken, dann sind wir entschlossen, Perioden
unserer Geschichte wiederzuentdecken.

Wir sind erwachsen geworden, und wir werden unsere Pflicht tun.

- 17 -

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53

States

Bonn-Bad

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7 . Mai 1975

9

Inhalt

INFORMATION:

Genfer Konferenz ü b e r p r ü f t

Grundziele des Atomsperrvertrages

WIRTSCHAFT:

Seidman r e c h n e t m i t W i r t s c h a f t s a u f s c h w u n g

f ü r Ende d e s J a h r e s

T o k i o - R u n d e nimmt V e r h a n d l u n g e n ü b e r q u a n t i t a t i v e
Von M i c h a e l O'Mara
USA w e i t e r h i n z u r T e i l n a h m e a n E n e r g i e k o n f e r e n z

Beschränkungen auf

bereit

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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9/1975

USA WEITERHIN ZUR TEILNAHME AN ENERGJEKONFERENZ BEREIT

WASHINGTON —(AD)-- Die Vereinigten Staaten sind weiterhin zur Teilnahme an
einer multilateralen Konferenz der Ölerzeuger- und Öl Importländer bereits
sofern eine solche Konferenz arrangiert werden kann, die sich ausschließlich mit dem Energieproblem befaßt.
Dies hat der Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium
Charles W. Robinsondieser Tage vor einem Kongreßausschuß erneut bekräftigt.
Robinson wandte sich im besonderen gegen die verschiedentlich geäußerte Auffassung, die vom 7. bis 15. April in Paris veranstaltete Vorbereitungskonferenz sei ein Fehlschlag gewesen, und betonte, das sei nicht richtig, auch
wenn auf dieser Zusammenkunft keine Übereinstimmung über Verfahrensfragen
und Teilnehmerkreis einer später in diesem Jahr zu veranstaltenden Energiekonferenz erzielt worden sei,
Die Vereinigten Staaten und andere Industrieländer hatten sich auf der
Washingtoner Energiekonferenz vom Februar 1974 darauf geeinigt, daß sie zu
gegebener Zeit mit den Entwicklungsländern und den Erzeugerländern zu einer
Konferenz zusammenkommen werden, um Möglichkeiten für allseits akzeptable

�akzeptable Lösungen des Energieprobleras zu erörtern. Die Pariser Vorbereitungskonferenz ging auf eine Initiative der französischen Regierung zurück; auf
ihr sollten Vertreter der Erzeuger-, der Entwicklungs- und der Industrieländer die Voraussetzungen für eine große Energiekonferenz schaffen.
Robinson führte vor dem Ausschuß unter anderem aus:
"Es ist meines Erachtens nicht richtig, die Vorbereitungskonferenz einfach als einen Fehlschlag zu bezeichnen. Richtig ist, daß der Hauptzweck der
Konferenz nicht erreicht wurde. Auf der anderen Seite haben alle Teilnehmer
ein weit größeres Verständnis für die Ansichten der anderen gewonnen;, was eine
heilsame Wirkung für künftige bilaterale und multilaterale Beziehungen haben
wird.
Was sind nun die wichtigen Schlußfolgerungen, die wir aus der Vorbereitungskonferenz zu ziehen haben?

'

Erstens ist es den OPEC-Staaten gelungen, ihre Interessen mit denen der
Entwicklungsländer zu vereinen, obwohl die hohen Ölpreise die Volkswirtschaften zahlreicher Entwicklungsländer ernstlich gefährden. Einige Entwicklungsländer finden leider den Gedanken attraktiv, daß sie dadurch zur Lösung ihrer
Wirtschaftsprobleme beitragen können, daß sie dem Beispiel der OPEC-Länder
folgen, das heißt, Kartelle bilden und höhere Preise für alle Rohstoffe fordern. Wir rechnen damit, daß der Block der OPEC- und der Entwicklungsländer,
unter Führung der OPEC-Staaten, auf den internationalen Foren in Zukunft eine
starke Gruppe bilden und sich zu Gehör bringen wird - zumindest solange, bis
die Entwicklungsländer zu erkennen beginnen, daß eine weitverbreitete Kartellisierung weder praktisch durchführbar noch produktiv ist.
Zweitens
-2-

�Zweitens haben die Industriestaaten eine starke Solidarität der Verbraucher bewiesen und gezeigt, welch riesiger Fortschritt in den letzten 14
Monaten in der Internationalen Energiebehörde (IEA) erzielt worden ist.
Auf der Vorbereitungskonferenz haben wir unsere Positionen eng mit denen
der übrigen IEA-Mitglieder abgestimmt. Der Beschluß, fest auf einer Energiekonferenz und einer Teilnahme der IEA zu bestehen, ist von dem Aufsichtsrat
der IEA einstimmig bekräftigt worden, der sich aus Vertretern der 18 Mitgliedsländer zusammensetzt.
Schließlich scheint noch nicht der richtige Zeitpunkt für eine multilaterale Erörterung der entscheidenden Energiefragen gekommen zu sein. Die Erzeugerländer haben auf der Vorbereitungskonferenz wenig Neigung gezeigt, in
ernsthafte Gespräche über Energiefragen einzutreten, sofern nicht die Industriestaaten gleichzeitig die umfassenderen Fragen der Beziehungen zu den
Entwicklungsländern erörtern.

Die Auswirkungen der Vorbereitungskonferenz auf die US-Energiepolitik
Wir bedauern, daß der Vorbereitungskonferenz kein Erfolg beschieden war.
Wir sind weiterhin bereit, an einer multilateralen Konferenz teilzunehmen,
wenn eine solche arrangiert werden kann, die sich auf die Energie konzentriert. Wir sind jedoch nicht der Ansicht, daß unsere eigene Energiepolitik
durch die Aussetzung der Gespräche auf der Vorkonferenz wesentlich beeinflußt wird.
Unsere

�Unsere gesamte Energiepolitik, wie sie in den USA sowie in Zusammenarbeit
mit den übrigen IEA-Ländern verfolgt wird, bleibt darauf ausgerichtet, eine
grundlegende Veränderung des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage
auf den Weltmärkten herbeizuführen. Dadurch werden wir für Störungen der Versorgung aus dem Ausland nicht mehr so verwundbar sein. Eine kleine Gruppe von
Ländern wird nicht mehr in dem Maße in der Lage sein, den internationalen Ölpreis willkürlich zu manipulieren. Und es wird möglich sein, daß sich die
Preise langfristig ausbalanzieren.
Im Mittelpunkt unserer internationalen Anstrengungen wird weiterhin die
IEA stehen. Wir wollen sicherstellen, daß der Schwung beibehalten wird, wenn
wir auf die Durchführung der Spar- und der beschleunigten Entwicklungsprogramme drängen.
Die Vorbereitungskonferenz hat bewiesen, daß die übrigen IEA-Mitglieder
mit uns an die Notwendigkeit einer Solidarität der Verbraucher glauben. Sie
sind ebenfalls der Ansicht, daß der IEA bei der Behandlung des Energieproblems
eine entscheidende Rolle zukommt. Sie werden unseres Erachtens mit uns zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß Bedeutung und Einfluß der IEA künftig
noch wachsen..,".

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TOKIO-RUNDE NIMMT VERHANDLUNGEN ÜBER QUANTITATIVE BESCHRÄNKUNGEN AUF
Von Michael O'Mara

GENF --(AD)— Die Arbeitsgruppe "Quantitative Beschränkungen" der Tokio-Runde
hat ihre Vorarbeiten abgeschlossen und ist nunmehr in die Phase aktiver
Verhandlungen eingetreten.
Dies ist das Ergebnis der Beschlüsse, die die Arbeitsgruppe - einer der
vier von der Gruppe "Nicht-tarifäre Maßnahmen"Anfang März eingesetzten Fachausschüsse - in ihren, vergangene Woche beendeten Beratungen gefaßt hat und
die nach Ansicht der amerikanischen Delegation als "ein sehr positiver
Schritt" zu werten sind.
Die Arbeitsgruppe "Quantitative Beschränkungen" war am 22. April in
Genf zusammengetreten, um die letzten Vorarbeiten für die Aufnahme von Verhandlungen abzuschließen;

sie wird ihre Beratungen Mitte September fort-

setzen. In der Zwischenzeit soll zwischen Ländern mit einem Handelsinteresse
an bestimmten mengenmäßigen Beschränkungen und den Staaten, die solche Beschränkungen aufrechterhalten, ein Gedankenaustausch geführt werden, in dem
die letzteren diese Maßnahmen rechtfertigen müssen. Dieser Prozeß der Information, der Überprüfung und des Dialogs kann in Form detaillierter bilatera-

�f
detaillierter bilateraler Konsultationen, aber auch in Form gemeinsamer Konsultationen mehrerer Länder erfolgen.
Die Ergebnisse dieser Konsultationen sollen der Arbeitsgruppe bis September zugeleitet werden, so daß diese auf ihrer nächsten Sitzungsperiode entscheiden kann, wie ein Abbau oder eine Beseitigung dieser mengenmäßigen Handelsbeschränkungen am besten in den Verhandlungen erreicht werden kann.
In den GATT-Statuten heißt es in Artikel XI: "Außer Zöllen, Abgaben und
sonstigen Belastungen darf eine Vertragspartei bei der Einfuhr einer Ware aus
dem Gebiet einer anderen Vertragspartei oder bei der Ausfuhr einer Ware oder
ihrem Verkauf zwecks Ausfuhr in das Gebiet einer anderen Vertragspartei Verbote oder Beschränkungen, sei es in Form von Kontingenten, Einfuhr-und Ausfuhrbewilligungen oder in Form von anderen Maßnahmen, weder erlassen noch
beibehalten." Aber das GATT-Abkommen sieht auch unter bestimmten Umständen

*

•Ausnahmen vor, so zum Schutze der Zahlungsbilanz, bei ernsthafter Gefährdung
der Existenz einheimischer Unternehmen durch Importe, zum Schutze einheimischer Hilfsquellen sowie aus Gesundheits-oder nationalen Sicherheitsgründen.
Während des zweiten Weltkrieges hatten zahlreiche Länder Importkontrollen
eingeführt. Solange der Internationale Währungsfonds (IWF) diesen Ländern bestätigte, daß sie sich in Zahlungsbilanzschwierigkeiten befänden, waren solche
Kontrollen nach den GATT-Statuten zulässig. Die Vereinigten Staaten haben nach
dem Kriege ständig darauf gedrängt, daß diese Kontrolle in dem Maße abgebaut
werden, wie sich die Reserveposition der einzelnen Länder verbesserte. Anfang
der sechziger Jahre gab es nur noch wenige Länder, die solche mengenmäßigen
Beschränkungen mit Zahlungsbilanzgründen rechtfertigen konnten.
Die
-2-

�'

s
Die Mehrzahl dieser Länder zögerten jedoch aus zwei Gründen, diese Beschränkungen aufzuheben:
- die meisten quantitativen Beschränkungen dienten dem Schutz landwirtschaftlicher Erzeugnisse, und ihre Aufhebung würde innenpolitisch Nachteile
mit sich bringen;
- in der Industrie hatten die langjährigen Importbeschränkungen Fortbestehen und sogar Wachstum unwirtschaftlich arbeitender Betriebe gefördert,
und auf die Regierungen dieser Länder wurde jetzt ein Druck ausgeübt, solche
Industrien zu schützen.
Bis 1968 waren diese Beschränkungen in den Industriestaaten bis auf
eine verhältnismäßig kleine Zahl, meistens zum Schutz von Agrarprodukten,
abgebaut worden. Die Vereinigten Staaten vertraten die Auffassung, daß illegale mengenmäßige Beschränkungen ohne irgendwelche Kompensation noch vor Beginn der Tokio-Runde aufgehoben werden sollten und daß über eine Beseitigung
der dann noch verbleibenden mengenmäßigen Beschränkungen, die 3war mit dem
GATT-Abkommen nicht zu vereinbaren, aber aufgrund von Ausnahmen oder Zusatzprotokollen legal sind, in der Tokio-Runde verhandelt werden sollte. Die
Europäische Gemeinschaft lehnte es ab, einen solchen Unterschied zu machen
und sprach sich für eine allgemeine graduelle Liberalisierung und Beseitigung der quantitativen Beschränkungen im Rahmen der Tokio-Runde aus, ohne
Rücksicht darauf, ob diese Beschränkungen legal oder mit dem GATT zu vereinbaren waren, und zwar nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit, das, wo immer
möglich, angewandt werden sollte.
Eine unterschiedliche Beurteilung ergab sich auch bei den sogenannten
freiwilligen Exporteinschränkungen. Die USA erklärten, daß es sich hierbei

-3-

�hierbei in erster Linie um Schutzmaßnahmen handele, die als solche zu sehen
seien. Die anderen Länder, an ihrer Spitze Japan, betonten, daß sie in ihrer
Wirkung den quantitativen Beschränkungen gleichkämen.
Von 1969 bis 1972 hatte sich bereits der GATT-Ausschuß für Industrieerzeugnisse mit den handelshemmenden Auswirkungen dieser Beschränkungen befaßt,
doch konnten die unterschiedlichen Auffassungen der USA und der Europäischen
Gemeinschaft nicht überbrückt werden. Der GATT-Agrarausschuß hatte ebenfalls
1969 eine Überprüfung der quantitativen Beschränkungen vorgenommen und die USA
hatten dabei auf eine Beseitigung aller dieser Beschränkungen gedrängt und gefordert, daß Preisabsprachen sowie variable Abschöpfungen an den Grenzen durch
feste Zölle ersetzt werden. Auch hier war jedoch keine Übereinstimmung erzielt
worden.
Somit wiesen zu Beginn der Tokio-Runde alle großen Handelsländer in irgendeiner Form mengenmäßige Beschränkungen auf - in erster Linie zum Schutz
der einheimischen Landwirtschaft, in einigen Fällen aber auch zur Kontrolle
des Handels in Fertigwaren. Die USA haben eine Reihe quantitativer Beschränkungen bei bestimmten Agrarerzeugnissen, um zum Beispiel eine Beeinträchtigung
des Preisstützungsprogramms des Landwirtschaftsministeriums bei Baumwolle und
Baumwollerzeugnissen, bei Erdnüssen oder bei Molkereierzeugnissen zu verhindern.
Andere Beschränkungen gelten für Handfeuerwaffen, Opium oder Kernmaterialien
sowie den Handel mit Kuba oder - bei bestimmten Waren - mit Rhodesien.
Mengenbeschränkungen können die Form von Quoten oder aber auch von Lizensierungsverfahren annehmen, wobei gerade automatische Lizensierungsverfahren
weitverbreitet sind. Die Vereinigten Staaten haben mit Nachdruck ihre Beseitigung gefordert, da sie unnötig sind, ihr Ziel sich auch auf andere Weise er-

�•

erreichen läßt und sie leicht zu Mißbrauch führen können. Die GATT-Bestimmungen fordern, daß Lizensierungsgebühren den Kosten der Dienstleistung entsprechen müssen und nicht dem Schutz einheimischer Erzeugnisse dienen oder
eine Besteuerung des Außenhandels aus rein fiskalischen Erwägungen zum Ziel
haben dürfen. Lizensierungsverfahren im Zusammenhang mit Quoten, die mit den
GATT-Bestimmungen zu vereinbaren sind, dürfen nicht zu Diskriminierungen führen. Die bisherigen Überprüfungen der Importlizensierungsverfahren im Rahmen
des GATT sowie im Rahmen der Organisation für Europäische Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) hatte in erster Linie die Ausarbeitung von Richtlinien
für eine Harmonisierung und Vereinfachung der Verfahren zum Ziele.
Von Seiten zahlreicher Entwicklungsländer war die Lizensierung aber auch
als eine nicht-tarifäre Maßnahme betrachtet worden, die sich in den meisten
Fällen gegen solche Importe richtete, die gerade für sie von besonderem
Interesse waren.
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SEIDMAN RECHNET MIT WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG FÜR ENDE DES JAHRES

WASHINGTON — ( A D ) — Mit einer allgemeinen wirtschaftlichen Wiedererholung
in den USA rechnet der Berater für Wirtschaftsfragen Präsident Fords, William
Seidman, für Ende des Jahres. Die Wirtschaftslage, so sagte Seidman in einer
Rede vor dem Nationalen Wirtschaftsklub, sei für die Ford-Administration
auch künftig ein besonderes Anliegen und enthalte weiterhin gewisse Unsicherheitsfaktoren. Das Risiko, daß sich die derzeitige Rezession noch verstärke, sei jedoch gering, und es gebe in zunehmendem Maße Anzeichen, daß
es im Sommer bereits wieder aufwärts gehen werde. Unter anderem führte Seidman aus:
"... Die Wirtschaftslage wird zwar weiterhin für uns ein besonderes
Anliegen sein und enthält auch gewisse Unsicherheiten, aber eine Stabilisierung zeichnet sich ab. Wir scheinen das Risiko, daß die Rezession weiteren
Auftrieb erhalten und sich noch verstärken könnte,eingekreist zu haben. Den
Wendepunkt exakt zu nennen, ist bei den vielschichtigen Entwicklungen in unserer Wirtschaft unmöglich, aber die Anzeichen mehren sich, daß die gegenwärtige Rezession im späten Frühjahr oder im Sommer überwunden sein wird. Für den
weiteren Verlauf des Jahres sollte mit echten Produktionszunahmen zu rechnen sein. Der Gang der Wiedererholung wird in den verschiedenen Industrie-

-1-

�Industriezweigen und geographischen Gebieten sehr unterschiedlich sein, aber
ein allgemeiner Wirtschaftsaufschwung sollte noch vor Ende des Jahres einsetzen.
Wenn die Wirtschaft nun in die Übergangsphase eintritt, werden die Wirtschaftsstatistiken eine Mischung von guten und schlechten Nachrichten bringen. In den nächsten Wochen dürften die meisten Berichte negativ sein. Wir
müssen jedoch bedenken, daß diese enttäuschenden Zahlen sich auf Ereignisse
der Vergangenheit beziehen und nicht auf derzeitige Entwicklungen. Wir werden
den wirklichen Wendepunkt erst hinterher erkennen - und dann auch erst mehrere Monate, nachdem die Wende eingetreten ist. Die Politik der Regierung konzentriert sich auf die Förderung einer stetigen wirtschaftlichen Wiedererholung, die heute weitaus sicherer erscheint, als dies noch vor einigen Monaten
der Fall war. In kurzen Worten, wir sind vorsichtig optimistisch.

Die ent-

scheidenden Faktoren, die uns Zuversicht geben, daß die Talsohle bald durchschritten ist, sind:
1. Die Endverbrauchernachfrage

in der Wirtschaft hat sich nach dem Rückgang

Ende letzten Jahres im ersten Quartal stabilisiert. Und die ersten Schätzungen der Einzelhandelsumsätze im April deuten auf einen weiteren leichten Zuwachs hin. Sie sind in der am 12. April zu Ende gegangenen Woche real um
1,8 Prozent gestiegen. Bedenkt man, wie der Verbraucher in einer inflationären Wirtschaft behandelt worden ist, so hat er sich auf seiner Ebene sehr gut
verhalten.
2. Die Aufstockung der Lagerbestände,die im letzten Quartal 1974 Rekordausmaße erreichten, hat sich in ihr Gegenteil verkehrt, und wir haben im ersten
Quartal 1975 eine Liquidation von Lagerbeständen in einem noch nie dagewese-

�dagewesenen MaQe erlebt. Dies hat mir gezeigt, wie richtig der erste wirtschaftliche Lehrsatz war, den mich mein Vater gelehrt hat: 'Man kann niemals
voraussagen, was Geschäftsleute tun werden, aber man kann sicher sein, daß
alle das gleiche zum gleichen Zeitpunkt tun werden*.
3. Die Inflationsrate ist zurückgegangen und die Inflationserwartungen sind
nicht nur gedämpft, sondern gründlich vereitelt worden.
4. Die Voraussagen über Ausrüstungsinvestitionen sind zwar immer noch niedrig, doch dürften diese Investitionen in laufenden Dollar höher als im Vorjahr liegen.
5. Die Zinsen sind zurückgegangen und den Sparkassen und Kreditinstituten
fließen Mittel zu. Nachdem Geld für den Wohnungsbau zur Verfügung steht,
testen wir jetzt das Vertrauen der potentiellen Käufer von Häusern.
Eine Wiederherstellung des Vertrauens der Verbraucher ist für die Wiedererholung der Bauwirtschaft und unserer Wirtschaft ganz allgemein unerläßlich. Unseres Erachtens ist der Vertrauensschwund zum Stillstand gekommen,
aber die Stabilisierung ist auf einem niedrigen Niveau erfolgt. Bestätigt
wird unsere Auffassung von der gegenwärtigen Lage der Wirtschaft und vor allem
unsere Ansicht, daß der Vertrauensschwund der Verbraucher zum Stillstand gekommen ist, durch einen Blick auf die Börse, wo es wieder aufwärts geht und
der Dow Jones Index über 800 steht, und auch der Dollar ist im Ausland wieder
stärker geworden. Nachdem die Steuersenkung sich im Mai auszuwirken beginnt,
können wir damit rechnen, daß die erhöhte Kaufkraft im richtigen Augenblick
einen raschen Anstoß geben wird, um die Wiedererholung zu beschleunigen.

Unser

�Unser größtes Problem wird die Arbeitslosigkeit sein. Hier werden die
Zahlen noch einen weiteren Monat oder länger ansteigen. Die langsame Wiedererholung auf

diesem äußerst wichtigen menschlichen Bereich ist eine Strafe

dieser Rezession. Wir wissen, daß die Wiedererholung sich auf den Beschäftigungssektor zu allerletzt auswirken wird, wie dies immer der Fall war. Es ist
unsere Pflicht, alles in unseren Kräften stehende zu tun, um die durch den
Rückgang unserer Wirtschaftstätigkeit hervorgerufenen menschlichen Probleme
zu mildern...".

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9/1975

GENFER KONFERENZ ÜBERPRÜFT GRUNDZIELE DES ATOMSPERRVERTRAGES

WASHINGTON --(AD)— In amerikanischen Regierungskreisen ist man zuversichtlich, daß die Genfer Konferenz der Partner des 1970 in Kraft getretenen Vertrages über die Nichtverbreitung von Kernwaffen der weiteren Stärkung des
weltweiten Friedensinteresses dienen wird.
Die am 5. Mai zusammengetretene Konferenz wurde gemäß einer Bestimmung
des Nichtverbreitungsvertrages einberufen, wonach fünf Jahre nach seinem Inkrafttreten in Genf eine "Konferenz der Vertragsparteien" abgehalten werden
soll, um"die Wirksamkeit dieses Vertrages zu überprüfen und sicherzustellen,
daß die Ziele der Präambel und die Bestimmungen des Vertrages verwirklicht
werden".
Die amerikanische Delegation leitet der Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung, Dr. Fred C. Ikle. Außer Mitgliedern dieser Behörde
gehören zur amerikanischen Delegation Vertreter des Außen- und des Verteidigungsministeriums, der US-Energiebehörde sowie der amerikanischen Vertretung
bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) an.
Dr. Ikle betonte erst kürzlich in einem Interview, daß seiner Auffassung
nach diese Konferenz angesichts der immer stärkeren Verwendung von Kernenergie für friedliche Zwecke und den jüngsten Bemühungen um eine Kontrolle der

-1-

�der strategischen Rüstungen zu einem "sehr kritischen Zeitpunkt" zusammentrete.
Wenn es einen weiteren Fortschritt zwischen den Supermächten bei der Kontrolle der Rüstungen geben solle, so erklärte Ikle, dann sei es wesentlich,
daß die derzeitige Einstellung in bezug auf eine unbegrenzte "nukleare Verbreitung" beibehalten werde. Man müsse jede weitere Verbreitung der Bombe zu
verhindern suchen, wolle man in der friedlichen Anwendung der Atomenergie
weiter vorankommen.
Im Prinzip werden die Delegierten auf der Genfer Konferenz sich vor allem
darum bemühen, festzustellen, inwieweit es gelungen ist, die folgenden Grundziele des Nichtverbreitungsvertrages zu erreichen:
-- Verhinderung einer Ausbreitung von Kernwaffen auf weitere Länder;
— Absicherung durch internationale Überprüfungsmaßnahmen, daß die
"friedlichen nuklearen Tätigkeiten" jener Staaten, die selbst keine
Kernwaffen entwickelt haben, nicht zur Herstellung solcher Waffen
mißbraucht werden;
—

Förderung der friedlichen Nutzung der Kernenergie, wobei den nicht
über Nuklearwaffen verfügenden Vertragsparteien die Errungenschaften
der Kernsprengstoff-Technologie für friedliche Projekte durch internationale Verfahren zugänglich gemacht werden sollen;

-- Verpflichtung, sich für weitere Fortschritte bei der Rüstungskontrolle
und Maßnahmen zur nuklearen Abrüstung einzusetzen.
Wie Dr. Ikle in diesem Zusammenhang erklärte, ist der Vertrag nach amerikanischer Auffassung wohlfundiert und sollte daher keine Änderung erfahren.
Die Vereinigten Staaten hofften vielmehr, daß die Genfer Konferenz zu einer

�einer noch umfassenderen Beteiligung an dem Vertrag und zu einem erneuten
nachdrücklichen Bekenntnis sowohl der Kernwaffen- wie der Nicht-Kernwaffenstaaten zum Prinzip der Nichtverbreitung von Kernwaffen führen werde.
Die Bedeutung einer solchen bindenden Verpflichtung und die Tatsache, daß
der Vertrag wirksam ist, wird nach Ansicht Dr. Ikles durch die zahlreichen
Ratifizierungen erwiesen, die gerade auch von den hochindustrialisierten Ländern bereits erfolgt sind oder vor dem Abschluß stehen.
"Diese Länder", so erklärte Ikle wörtlich, "könnten sich Kernwaffen verschaffen und nukleare Waffenarsenale in einem viel schnelleren Tempo anlegen
als viele der anderen Nicht-Kernwaffenstaaten, die Vertragsparteien sind.
Das heißt also, daß der Vertrag - so wie er jetzt besteht und in sich einen
breiten internationalen Konsensus gegen jede Verbreitung von Kernwaffen darstellt - einen Schutz bietet, der vielleicht doch noch nicht überall in der
Welt in seiner ganzen Bedeutung erkannt und anerkannt wird."
Hierin zeige sich, so erklärte Dr. Ikle, daß der Vertrag nicht - wie
manche seiner Kritiker befürchteten - das Machtmonopol der Supermächte bestärkt, sondern die internationale Ordnung und das System eines weltweiten
Friedens gefördert habe.
Zu der immer wieder laut werdenden Kritik, die Supermächte hätten nicht
genug getan, um die Ausweitung ihrer eigenen Kernwaffensysteme zu begrenzen,
erklärte Dr. Ikle, daß im Gegenteil wesentliche Maßnahmen in dieser Richtung
erfolgt seien. Er verwies dabei auf das ABM-Abkommen vom Jahre 1972 und das
Protokoll zum Interimsabkommen von 1974 zur Beschränkung der antiballistischen Raketenverteidigung, in denen die beiden Supermächte Rußland und Amerika
auf den unbeschränkten Ausbau eines nuklearen Waffensystems verzichtet haben,

-3-

�haben, wie nur sie es hätten errichten können.
Das Abkommen von Wladiwostok und die auf seiner Grundlage geführten weiteren Verhandlungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten, so
sagte Ikle, seien weitere Zeugnisse für die erfolgreichen Bemühungen der
Supermächte,auch auf dem Gebiet der Offensivwaffen zu Begrenzungen und Kontrollen zu gelangen.
Die Verfahren und die Tagesordnung für diese erste "Überprüfungskonferenz", die bis zum 30. Mai dauern wird, wurden von einem Vorbereitungsausschuß ausgearbeitet, der im April 1974, im September 1974 und im Februar 1975
zusammengetreten war. Er setzte sich aus Vertretern der Vertragsparteien zusammen, die entweder Mitglieder der Konferenz des Abrüstungsausschusses oder
des Gouverneursrates der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sind.

XXX

•

••

•

-4-

�</text>
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Dokumentation

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11

4. Juni 1975

Inhalt

DOKUMENTATION
Präsident Ford bekräftigt Btindnistreue der USA
Rede vor dem Nordatlantikrat

,

WIRTSCHAFT
Erklärung Kissingers vor der IEA in Paris am 27. Mai
Rede Kissingers vor dem Ministerrat der OECD am 28. Mai

INFORMATION
Sport, Freizeit und Erholung
US-Ausstellung in Frankfurt

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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11/1975

PRÄSIDENT FORD BEKRÄFTIGT BÜNDNISTREUE DER USA
Rede vor dem Nordatlantikrat

Präsident Gerald Ford hat auf der Frühjahrstagung des Nordatlantikrates in Brüssel, an
der zahlreiche Regierungschefs teilnahmen,
am 29. Mai 1975 die Bündnistreue der Vereinigten Staaten bekräftigt und gleichzeitig
die europäischen Partner aufgerufen, verstärkte Anstrengungen im Rahmen der NATO
zu unternehmen.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat
folgenden Wortlaut:

Präsident Truman übermittelte dem Kongreß der Vereinigten Staaten im
Jahre 1949 den Text des Nordatlantikvertrages mit seiner Beurteilung der Wichtigkeit desselben:

"Die Ereignisse dieses Jahrhunderts haben uns gelehrt, daß

wir den Frieden nicht ohne die anderen erreichen können.
zu klein geworden.

Dafür ist die Welt

Die Sicherheit und das Wohlergehen jedes einzelnen Mit-

glieds dieser Gemeinschaft hängen von der Sicherheit und dem Wohlergehen aller
ab.

Keiner von uns kann für sich allein zu wirtschaftlicher Prosperität und

militärischer Sicherheit gelangen.

Keiner von uns kann für sich allein den

Fortbestand der Freiheit gewährleisten."

Soweit Präsident Truman.

Seine Worte,

die die Interdependenz der nordatlantischen Nationen beschreiben, sind heute
so zutreffend wie sie es vor einem Viertel Jahrhundert waren.
Am
- 1-

�Am 25. Jahrestag der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags kamen die

V

führenden Staatsmänner der NATO-Mitgliedstaaten hier in Brüssel zusammen, um
die Erklärung über die Atlantischen Beziehungen zu billigen - die grundlegenden Zielsetzungen eines Bündnisses, das die Verheißung erfüllt hat, die Sicherheit seiner Mitglieder zu gewährleisten, ihren Wohlstand zu mehren und ihre
Freiheit zu wahren.
Wir sind heute hier zusammengekommen, um unsere Verpflichtung gegenüber
dem Bündnis zu bekräftigen.

Wir sind hierhergekommen, um unsere Bürger in

den 15 Mitgliedstaaten durch unsere Anwesenheit an die Stärke und Stabilität
der transatlantischen Bande zu erinnern, die uns einen, und um unser Bekenntnis zur kollektiven Selbstverteidigung zu erneuern.

Wir sind hier versammelt,

um uns den ersten Problemen zu widmen, mit denen wir konfrontiert sind, und
die Schritte zu prüfen, die wir zu ihrer Lösung unternehmen müssen.
Die erneute Bekräftigung unserer Verpflichtung gegenüber dem Bündnis ist •
dabei das Wichtigste.
Die Vereinigten Staaten stehen bedingungslos und unwiderruflich treu zu
den Verpflichtungen, die sie mit der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages
eingegangen sind - einschließlich der Verpflichtung gemäß Artikel 5, jedem
NATO-Staat, der einem bewaffneten Angriff ausgesetzt ist, zur Hilfe zu kommen.
Da Verträge oberstes Gesetz meines Landes sind, sind diese Verpflichtungen für
die Vereinigten Staaten bindend.

Sie bleiben, wie die letzten 26 Jahre hin-

durch,die feste Grundlage, auf der unsere Beziehungen beruhen.

Dieses Fundament

hat den Zwecken gut gedient, für die es geschaffen worden war.

Es wird diesen

Zwecken auch angesichts neuer Schwierigkeiten dienen, solange wir an unserer
gemeinsamen Entschlossenheit festhalten.
In dem Vertrag, den wir vor 26 Jahren unterzeichneten und aus dem wir
Vertrauen und Mut gezogen haben, verpflichten wir uns:
- Mit allen Völkern und Staaten in Frieden zu leben;
- die
- 2 -

�- die Freiheit, das gemeinsame Erbe und die Zivilisation unserer Völker
zu gewährleisten, die auf den Grundsätzen der Demokratie, der Freiheit der
Person und der Herrschaft des Rechts beruhen;
- die innere Festigkeit und das Wohlergehen in nordatlantischen Gebiet
zu fördern:,
- jeden internationalen Streitfall, an den unsere Länder beteiligt sind,
auf friedlichem Wege zu regeln;
- Gegensätze in ihrer internationalen Wirtschaftspolitik zu beseitigen
und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu fördern;,
- einzeln und gemeinsam, durch ständige und wirksame Selbsthilfe und
gegenseitige Unterstützung die eigene und die gemeinsame Widerstandskraft
gegen bewaffnete Angriffe zu erhalten und fortzuentwickeln;.
- einander zu konsultieren, wenn einer der Partner bedroht ist; und
- einen bewaffneten Angriff gegen einer, der Partner als einen bewaffneten
Angriff gegen alle anzusehen.
Es besteht keine Notwendigkeit, diese Grundsätze und Zielsetzungen heute
zu modifizieren. Sie sind heute noch so klar, so eindeutig und so gültig wie
zu der Zeit, als sie das erste Mal verabschiedet wurden. Dennoch ist es gut,
sich dieser Zusicherungen zu erinnern, wenn wir unsere Aufmerksamkeit und Kraft
den Problemen zuwenden, denen wir uns außerhalb und innerhalb des Bündnisses
cegenlibersehen - Problemen, die sich sehr von aenen unterscheiden, mit denen
wir vor 26 Jahren konfrontiert waren. Als NATO-Staatschefs wie als Freunde
haben wir die Pflicht, in unserem Umgang miteinander offen und realistisch
zu sein. Deshalb muß ich die folgenden Punkte hier anführen, die die Vereinigten Staaten mit Sorge erfüllen und von Bedeutung für das Bündnis sind:
- In
- 3-

�- In Indochina haben die Ereignisse der letzten Monate beträchtliches
menschliches Leid über die Bevölkerung von Kambodscha und Vietnam gebracht
- Leid, das die Herzen aller Menschen anrührt.

Im Hinblick auf das lang-

jährige Engagement der Vereinigten Staaten in Indochina haben die dortigen Ereignisse manche Kreise veranlaßt, unsere Stärke und unsere Zuverlässigkeit in
Zweifel zu ziehen.
Nach meinem Dafürhalten spricht unsere Stärke für sich selbst:

Unsere

militärische Macht bleibt jetzt und in Zukunft bestehen und sie wird von
keiner anderen übertroffen werden - daran sollte niemand zweifeln; unsere
Wirtschaft ist gesund in ihren Grundlagen und bleibt produktiv, und unser
politisches System ist dank der Art, wie es einer ernsten Bewährungsprobe im Inneren standhielt, aus den Erschütterungen des vergangenen Jahres
nur umso stärker hervorgegangen.

Unsere Handlungsweise wird die Dauerhaftig-

keit unserer Verpflichtungen auch weiterhin bestätigen.
- Im vergangenen Jahr hat es innerhalb des Bündnisses Belastungen und
Schwierigkeiten gegeben. Ernste Differenzen haben die Beziehungen zwischen
einigen Mitgliedstaaten gestört. Die Einigkeit des Bündnisses und unsere gemeinsame Entschlossenheit wurden in Frage gestellt.
- Es haben sich einige Probleme auch im direkten Zusammenhang mit unserer
Verteidigungsfähigkeit ergeben.

Ich meine den wachsenden Druck, das Maß der

militärischen Verpflichtungen gegenüber der NATO trotz der Tatsache abzubauen,
daß die Streitkräfte unserer potentiellen Gegner immer stärker werden.

Wir

sehen uns somit auch grundlegenden Problemen der militärischen Effektivität
gegenüber.
-

Ein Menschenalter nach seiner Schaffung verschwendet das Bündnis auf
Kosten seiner militärischen Schlagkraft jährlich große Summen.
fach nicht genug getan, unsere Waffen zu standardisieren.
für Abhilfe sorgen.

Wir haben ein-

Wir müssen hier

Wir müssen uns ferner auf eine vernünftige Arbeitsteilung

in den Waffenentwicklungsprogrammen und in den Produktionsverantwortlichkeiten
einigen.

Und wir müssen schließlich mehr tun, um unsere gemeinsame Fähigkeit

�Fähigkeit zu erweitern, uns im Kampf und rein versorgungsgemäß gegenseitig
besser helfen zu können.

Die Pressionen innerhalb des Bündnisses, die auf

eine Kürzung unserer Verteidigungshaushalte hinwirken, dürften inzwischen jeden
unter uns davon überzeugt haben, daß wir unsere kollektive Verteidigung einfach
rationalisieren müssen.
- Auf dem Energiesektor sind wir noch immer nicht immun gegen politische
Pressionen, die aus der großen Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen
herrühren; wir werden vielmehr von Monat zu Monat immer anfälliger gegen sie.
Wir haben gemeinsame Fortschritte in bezug auf die Kompensierung der Auswirkungen der im vergangenen Jahr von den Erdölförderländern ergriffenen Maßnahmen
erzielt.

Weit mehr bleibt noch zu tun übrig.

- Im Nahen Osten ist die Möglichkeit eines neuen Krieges weiter gegeben,
der nicht nur die Länder in jener Region erfassen, sondern - über den Nahen
Osten hinausgreifend - Zwietracht, vielleicht sogar innerhalb unseres Bündnisses
säen könnte.
Das ist ein schrecklicher Berg von Problemen.

Wir sind aber auch schon

in der Vergangenheit vor schrecklichen Problemen gestanden.

Wir wollen ver-

suchen, diese neuen Herausforderungen mit dem ganzen Mut, der Überzeugung und
dem Zusammenhalt dieses großen Bündnisses zu meistern.
gehen.

Laßt uns an die Arbeit

Die Zeit für konzertierte Aktionen ist gekommen.

In dieser wichtigen Phase der Geschichte des Bündnisses müssen wir uns
sechs vordringlichen Aufgaben widmen:
- Erstens, wir müssen eine starke und glaubwürdige Verteidigung aufrechterhalten.

Das muß der oberste Zweck unseres Bündnisses bleiben. Wenn wir an

dieser Aufgabe scheitern, werden alle anderen Aufgaben irrelevant.

Eine Ge-

sellschaft, die nicht die Kraft und Hingabebereitschaft aufbringt, sich selbst
zu verteidigen, kann nicht überleben - und ein Bündnis genau so wenig.

Was

uns angeht, so bleibt unsere Verpflichtung,keine einseitigen Verminderungen der
der NATO zugesagten US-Streitkräfte vorzunehmen, weiterhin gültig.
- 5 -

Das allein

�allein aber reicht nicht aus. Wir müssen vielmehr wirksameren Gebrauch von
unseren Verteidigungsmitteln machen.

Wir müssen das langfristige Ziel gemein-

samen Vorgehens und gemeinsamer Ausrüstungen erreichen.

Unsere Forschungs-

und Entwicklungsanstrengungen müssen mehr sein als nur die Summe aus den Teilanstrengungen.

Wir sollten uns bemühen, hinsichtlich der Aufteilung der Ver-

teidigungsaufgaben, des Nachschubs und der Produktion eine echte Einheit zu
bilden.
- Zweitens, wir müssen die Qualität und Integrität dieses Bündnisses auf
der Basis der uneingeschränkten Mitwirkung und nicht auf der einer Teilmitgliedschaft oder auf Grund irgendwelcher Sonderarrangements wahren.

Die Verpflichtung

zur kollektiven Verteidigung muß vollständig sein, um glaubwürdig zu sein;
und sie muß uneingeschränkt sein, um verläßlich zu sein.
- Drittens, wir sollten den Prozeß der politischen Konsultation verbessern.
Wir haben diesbezüglich in den letzten Monaten beträchtliche Fortschritte erzielt; es ist aber, wie jeder von uns weiß, seitens aller Beteiligten noch
Raum für Verbesserung, wollen wir unsere Solidarität bewahren. Das ist von be- •
sonderer Wichtigkeit, wenn wir gemeinsam in unseren Bemühungen voranschreiten
wollen, die Spannungen abzubauen, die über ein Viertel Jahrhundert lang im Verhältnis zu den Staaten des Warschauer Paktes bestanden haben. Wir sollten ferner
die Gepflogenheit weiterentwickeln, unsere Haltung in Angelegenheiten, die die
Interessen aller berühren, aufeinander abzustimmen, um eine gemeinsame Politik
zur Behandlung gemeinsamer Probleme zu entwickeln.
- Viertens, wir sollten bei der Entwicklung einer produktiven und realistischen Tagesordnung für die Entspannung zusammenarbeiten - einer Themenstellung,
die unseren und nicht den Interessen anderer dient, die nicht dieselben Wertvorstellungen haben wir wir. Mir schwebt eine Agenda vor, die die Ausnutzung
jeder erkenntlichen Schwäche durch die Gegenseite einkalkuliert und verhindert.
Ein Punkt dieser Agenda müßte es sein, die Gewähr zu schaffen, daß die auf der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) gegebenen Zusagen
in Taten umgesetzt werden, die die Freiheit und Menschenwürde aller Europäer
zu mehren geeignet sind. Nur durch solche realistischen Schritte versetzen wir

�wir uns in die Lage, diese Konferenz in der richtigen Perspektive zu sehen,
einen wie euphorischen oder inflatorischen Akzent die Sowjetunion oder andere
Teilnehmerstaaten ihr auch immer zu geben trachten.
Ein weiterer Punkt auf dieser Agenda müßten die Verhandlungen über einen
beiderseitigen und ausgewogenen Truppenabbau in Europa sein. Die NATO-Mitgliedstaaten sollten bereit sein, in diesen Verhandlungen angemessene Initiativen
zu ergreifen, die zur Erreichung unserer Ziele beizutragen vermögen. Die Sowjetunion und ihre Verbündeten ihrerseits sollten jedoch bereit sein, in gutem
Glauben auf die gemeinsamen Zielsetzungen einzugehen, auf die beide Seiten hinarbeiten sollten: unverminderte Sicherheit für alle bei verminderten Truppenstärken.
- Fünftens, wir sollten uns um die Zukunft des Westens kümmern. Wir müssen
unsere eigenen demokratischen Institutionen stärken und die Einführung demokratischer Prozesse überall auf der Welt fördern. Wir müssen ferner über unser
Bündnis, wie es sich heute darbietet, hinausblicken. Spanien leistet seit langem
schon als Ergebnis seiner zweiseitigen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
einen wichtigen Beitrag zur militärischen Sicherheit des Westens - und wird ihn
auch weiterhin leisten.
Sechstens, wir sollten uns erneut zu unserem Bündnis als einem großen gemeinsamen Unterfangen bekennen - als einer Verpflichtung, eine gemeinsame Haltung bezüglich gemeinsamer Aspirationen einzunehmen.

Wir müssen auf dem Beitrag

aufbauen, den das Bündnis heute schon über den Umweltausschuß (Ausschuß für
Aufgaben der Modernen Gesellschaft - CCMS) zu den Bemühungen leistet, mit
den Umweltproblemen von IndustriegesellSchäften fertig zu werden.

Wir müssen

uns den Problemen der Bevölkerung, der Ernährung und der Rohstoffversorgung
zuwenden.

Wir müssen Mittel und Wege finden, das Welthandels- und Währungs-

system zu stärken und den gebieterischen Forderungen nachzukommen, neue Energiequellen zu entwickeln und Energie zu sparen.
Mit unserem Reichtum und technischen Wissen - beides Produkte unseres
freien Systems - können wir Fortschritte in Richtung auf einen besseren Lebens- 7 -

�»

Lebensstandard in allen unseren Ländern machen, sofern wir zusammenarbeiten.
Diese sechs Hauptaufgaben des Bündnisses illustrieren die Breite und
Tiefe unserer Verantwortlichkeiten und Chancen.

Sie spiegeln wider, wie

mannigfaltig die Welt geworden ist, und wieviel schwieriger es heute als vor
einer Generation ist, das Bündnis zu lenken.

Damals waren unsere Probleme

noch relativ einfach zu definieren, und es war auch leichter, sich auf gemeinsame Lösungen zu einigen.
zierter.

Heute ist schon das Problem der Definition kompli-

In vielen unserer Länder kam es zu einem Auseinanderfallen der öffent-

lichen Meinung wie der Haltung des Parlaments, was es für die Regierungen um
vieles schwieriger macht, Unterstützung für politische Maßnahmen zu finden,
die für das Bündnis von Bedeutung sind.
Es gibtaber auch Konstanten, und sie sind letztlich wichtiger als jene
Mannigfaltigkeiten.

Gemeinsam stellen wir nach wie vor das größte Reservoir

an wirtschaftlicher, militärischer und moralischer Stärke in der Welt dar. Wir .'"
müssen diese Stärke nutzen, um unsere Freiheit zu bewahren und die ernsten
Probleme zu lösen, vor die wir uns gestellt sehen.
Ich bin stolz auf Amerikas Rolle in der NATO und ich bin zuversichtlich
bezüglich der Zukunft unseres Bündnisses.
Als Präsident der Vereinigten Staaten - aber auch als ein Mensch, der seit
fast 30 Jahren selbst Mitwirkender und guter Kenner der politischen Szene in
Amerika ist - versichere ich Ihnen, daß mein Land auch weiterhin ein starker
Partner sein wird.

Amerika mag gelegentlich in der öffentlichen Debatte seiner

freien Gesellschaft den Eindruck erwecken, es wäre irgendwie vom Kurs abgekommen.

Tatsache ist aber, daß wir über die Willenskraft, die technischen

Fähigkeiten, den geistigen Schwung und die Standhaftigkeit in den Zielsetzungen
verfügen, die nötig sein werden. Wir in den Vereinigten Staaten betrachten
heute unsere NATO-Verpflichtungen unter einem neuen Gesichtswinkel, mit neuer
Kraft, mit neuem Mut und mit neuer Hingabe.
rur

�Für Amerika liegt der Nachdruck auf der Zusammenarbeit - der Zusammenarbeit innerhalb der NATO und überall auf der Welt.
falt eine neue Einheit schmieden.

Wir können aus der Viel-

Laßt uns gemeinsam weiterbauen, damit wir

den Herausforderungen der Zukunft begegnen können.

- 9 -

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11/1975

ERKLÄRUNG KISSINGERS VOR DER IEA IN PARIS AM 27. MAI

Der amerikanische Außenminister Dr. Henry
A. Kissinger hat in einer Erklärung vor
der ersten Ministertagung der Internationalen Energieagentur (IEA) am 27. Mai 1975
in Paris auf die Notwendigkeit eines konstruktiven Verhältnisses zwischen ölerzeugenden, ölverbrauchenden und Entwicklungsländern hingewiesen und die Grundlinien der Politik der USA dargelegt. Die
Ausführungen Kissingers haben folgenden
Wortlaut:

Wir treten heute in eine Woche der Erörterung zentraler Probleme der demokratischen Industriestaaten ein:

Energie, wirtschaftliche Prosperität, Ge-

staltung eines konstruktiven Verhältnisses zu den Entwicklungsländern und Gewährleistung der Sicherheit unserer Länder.

Von diesen Problemen ist keines

von grundlegenderer Bedeutung für:die Zukunft!alsidie Herausforderung der Energie.
Die von der Energie getragenen fundamentalen Errungenschaften unserer Volkwirtschaften und die moderne Zivilisation sind auf der ausreichenden Verfügbarkeit
von Energie zu vernünftigen Preisen aufgebaut.
Die Energiekrise des Jahres 1973 ließ uns zum ersten Mal die vollen Auswirkungen der neuen Realität einer weltweiten Interdependenz erkennen. Als

�*

Als erstes und fundamentalstes dieser neuen Probleme ragt das Energieproblem
heraus, allein schon seine gewaltige Größe zwingt uns zur Zusammenarbeit.
diese Zusammenarbeit riskieren wir, in nationalistische

Ohne

Rivalität und wirt-

schaftlichen Niedergang zurückzufallen, vergleichbar mit den bitteren Erfahrungen
der dreißiger Jahre. Alle Nationen - reich und arm, industrialisiert oder in
der Entwicklung - müssen jetzt entscheiden, ob die wachsende gegenseitige Abhängigkeit - Interdependenz - zu gemeinsamem Fortschritt oder zur gemeinsamen
Katastrophe führen wird.
Unser Ziel muß es sein, ein Weltenergiesystem aufzubauen, das in der Lage
ist, zu für alle fairen Bedingungen die Brennstoffe zu liefern, die wir zur
Fortführung und Ausweitung des Fortschritts unserer Wirtschaft und Gesellschaft
brauchen.

Der Weg, den die Mitglieder dieser Agentur gewählt haben, beginnt

mit der Solidarität der Verbraucher.

Aber ein dauerhaftes internationales

System muß schließlich sowohl die Verbraucher als auch die Erzeuger der Energie
der Welt einschließen und von ihnen beiden aufgebaut werden.
Unsere Agentur hat seit der Energiekonferenz in Washington vor fünfzehn
Monaten bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Wir wurden uns in Washington
darüber klar, daß die Energiekrise die schwerste Herausforderung der industriellen
Zivilisation seit dem zweiten Weltkrieg war.

Eine Generation lang ließen Nord-

amerika, Europa und Japan zu, daß die ülimporte in immer stärkerem Maße an die
Stelle der eigenen Energieerzeugung traten.

In den fünfziger Jahren importierte

die industrialisierte Welt fünf Prozent ihres Bedarfs. Bis 1960 waren es bereits 17 Prozent, und 1972 waren 39 Prozent erreicht.
Das Embargo und der Preisanstieg des Jahres 1973 zeigten uns, wie anfällig
wir geworden waren.

Wir sahen, daß weder das Angebot noch der Preis eines

zentralen Faktors unserer Wirtschaft länger unserer Kontrolle unterstanden.
Unser Wohlergehen und unser Fortschritt waren zum Faustpfand von Entscheidungen
. geworden, an denen wir nicht teilhaben konnten. Auf der Energiekonferenz in
Washington kamen wir zu der Einsicht, daß nur kollektives Handeln unsere exzessive Abhängigkeit von importiertem öl verringern und unseren Regierungen
die Herrschaft über unsere eigenen Volkswirtschaften und Außenpolitiken wiederv. .

- 2 -

�wiedergeben konnte.

Jeder auf sich allein gestellt, konnten wir niemals Be-

dingen für niedrige ülpreise schaffen.

Ebensowenig könnte sich irgend einer

von uns - es sei denn zu exorbitanten Kosten - gegen ein neues Embargo verteidigen.

Unsere Sicherheit, unser wirtschaftliches Wachstum und unsere Rolle

in der Welt standen auf dem Spiel.

Nichts demonstrierte die kooperative Lebenskraft der industriellen Demokratien eindringlicher als das Tempo und der Einfallsreichtum mit dem diese
Agentur auf diese Schlußfolgerungen hin handelte.

Sie artikulierte eine re-

alistische Strategie, um die Probleme des Preises und des Angebots anzupacken
und leitete eine Reihe wichtiger Schritte ein, die zusammengenommen die Elemente eines umfassenderen Programms ausmachen:

- Um uns gegen einen künftigen Notstand in der Energieversorgung zu schützen,
verpflichteten wir uns, ülvorräte anzulegen und im Falle eines Embargos unseren
Verbrauch im gleichen Prozentsatz zu senken und das verfügbare öl zu teilen.

- Um uns vor den finanziellen Verzerrungen durch öldefizite oder durch
willkürliche Geldbewegungen der Erzeuger zu schützen, kamen die Länder der OECD
überein, zur finanziellen Solidarität einen Fonds von 25 Milliarden Dollar einzurichten.

- Um ein Anwachsen unserer Anfälligkeit während der nächsten Jahre zu verhüten, setzten wir Ziele für den sparsamen Umgang mit Energie und vereinbarten
Verfahren, um die Verwirklichung dieser Ziele zu verifizieren.

- Um unsere Anfälligkeit auf lange Sicht zu verringern, vereinbarten wir
eine kühne Politik zur Entwicklung neuer Energiequellen durch Zusammenarbeit
bei einzelnen Entwicklungsprojekten bei einer Garantie eines Mechanismus für
einen Mindestpreis.

- Und schließlich kamen wir zur Einsicht der Realität der neuen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen unter denen wir arbeiten.

Auf lange

Sicht muß eine stabile Weltenergiewirtschaft die Unterstützung sowohl der

- 3 -

�der Verbraucher als auch der Erzeuger finden und beider Interessen dienen.
Wir haben uns daher in dieser Agentur verpflichtet, eine langfristige kooperative wirtschaftliche Beziehung zu den energieerzeugenden Ländern anzustreben.
Diese Agentur ist das Hauptforum für die Vorbereitung unseres Dialogs mit den
Erzeugern.
Kurzfristig gesehen ist unser Ziel in dieser Internationalen Energieagentur die Wiederherstellung des Gleichgewichts auf dem internationalen Energiemarkt.

Durch rigorose Einsparung, durch die Entwicklung alternativer Energie-

quellen haben wir versucht, einen solchen Überschuß an Kapazität zu schaffen,
daß der Spielraum für die Preisentscheidung der Erzeuger eingeengt werden wird.
In dem Maße, in dem unsere Politik der Sparsamkeit an Auftrieb gewinnt, kann
unsere Abhängigkeit von importiertem öl zumindest konstant gehalten werden,
während unsere Volkswirtschaften sich von der derzeitigen Rezession erholen.

{
In dem Maße, in dem wir unseren Energiebedarf stärker aus eigener Produk-

v

tion decken können, wird der Erzeugermarkt zu schrumpfen beginnen, zunächst
relativ und dann absolut. Die Erzeuger werden immer größere Produktionseinschränkungen unter sich aufteilen müssen, um die hohen Preise aufrechterhalten»
und noch größere Einschränkungen, um einen Preisanstieg durchhalten zu können.
Einzelne Enerzeuger - vor allem jene mit ehrgeizigen Entwicklungs-, Verteidigungs- und anderen Ausgabenprogrammen - werden gezwungen sein, die Verkäufe
zu steigern oder zumindest weitere Produktionseinschränkungen abzulehnen. Wenn
dieser Prozeß gelingt, wird das Kartell also an einem bestimmten Punkt die ausschließliche und willkürliche Kontrolle über die Preise verloren haben.
Wir waren uns von Anfang an darüber einig, daß der Energiebedarf und das
Potential unserer Länder stark variieren. Einige von uns verfügen über große
und noch unerschlossene öl-, Erdgas- und Kohlereserven. Andere müssen sich fast
völlig auf Kernenergie und neue Technologien verlassen, um ihre nationale Abhängigkeit von importiertem öl zu verringern.
Gerade diese Unterschiedlichkeit gibt uns einen starken Anreiz zur Zusammenarbeit.

Wegen unserer Interdependenz haben wir alle ein Interesse am Erfolg des
- 4 -

�des anderen.

Die Maßnahmen, die jedes Land ergreift, um seine Anfälligkeit zu

verringern, verringern die Anfälligkeit aller.

Und die Entscheidung, koopera-

tiv vorzugehen, sichert eine gerechte Aufteilung von Kosten und Vorteilen.
Den Opfern eines Landes wird nicht einfach das Versagen anderer Länder entgegen stehen.
Alle Elemente unserer Strategie sind miteinander verbunden. Pläne zur
Überwindung eines Notstandes werden sich als nichtig erweisen, wenn wir zulassen, daß unsere Abhängiekti von importiertem öl von Jahr zu Jahr steigt.
Anstrengungen zur Entwicklung eines neuen Verhältnisses zu den Erzeugern werden
umsonst sein, wenn es uns nicht gelingt, die objektiven Bedingungen für ein
neues Gleichgewicht durch Sparprogramme und die Entwicklung alternativer Quellen
zu schaffen. Viele der Grundbausteine unserer Strategie sind bereits an der
richtigen Stelle, aber es bleibt noch viel zu tun. Diese erste Ministertagung
der IEA steht vor folgenden dringenden Aufgaben:
- Entschlossene Sparprogramme einzuführen, bevor unsere Volkswirtschaften
wieder zu expandieren beginnen;
- starke neue Anreize für die Entwicklung alternativer Energiequellen zum
Tragen zu bringen;
- die Forschung auf dem Gebiet der langfristigen Entwicklung nichtkonventioneller Energiequellen zu beschleunigen und;
- uns sorgfältig auf einen Dialog mit den Erzeugern vorzubereiten.
Lassen Sie mich auf jedes dieser Themen für sich eingehen.

Sparmaßnahmen
Das kardinale Ziel eines jeden Energieprogramms muß darin bestehen, den
Anstieg des Verbrauchs zu begrenzen.

Wie sehr wir auch unsere eigene Energie-

- 5 -

�Energieerzeugung steigern, so wird man dadurch mittelfristig doch nicht mit
dem übermäßigen alljährlichen Anstieg des Energieverbrauchs wie während der
sechziger Jahre Schritt halten können.
Vor allem in den kommenden Jahren werden Einsparungsmaßnahmen außerordentlich wichtig sein.

Bis das öl aus der Nordsee und Alaska sowie zusätzliche

Kohle- und Kernkraftenergie in ausreichender Menge zur Verfügung stehen werden,
sind solche Einsparungen das einzige Mittel, das wir besitzen, um unsere Anfälligkeit zu verringern.
Wir einigten uns im Februar darüber, daß die Mitgliedstaaten der IEA bis
zum Ende dieses Jahres täglich 2 Millionen Barrel Rohöl einsparen sollten.
Die Rezession hat dazu gefährt, daß wir dieses gesetzte Ziel sogar übertroffen
haben.

Aber die durch die Rezession bewirkte Einschränkung des Verbrauchs hat

auch zu einer gewissen Selbstzufriedenheit in bezug auf die Notwendigkeit einer
energischen Einsparungspolitik geführt.

Das hat - in Amerika und auch andern-

orts - den Erlaß von Sparmaßnahmen hinausgezögert, die uns die Gewähr für Ein-,
sparungen in der Zukunft bieten sollen.
Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß der größte Teil unserer derzeitigen Einsparungen nicht das Resultat politischer Maßnahmen ist, sondern
sich aus der Verringerung der gesamtwirtschaftlichen Tätigkeit ergeben hat,
die durch die Rezession bewirkt wurde. Die öl Produzenten haben den Rückgang
in der Nachfrage nach öl während dieses Frühjahrs durch die notwendigen Produktionsdrosselungen aufgefangen, um das Angebot auf der gleichen Hohe mit der
Nachfrage zu halten und damit die preisliche Grundstruktur intakt zu halten.
Preiserhöhungen haben sich als schwierig erwiesen. Aber mit dem Wiederbeginn
des Wachstums in den Volkswirtschaften der Industriestaaten und mit einem
normalen oder gar kalten Winter wird unser Bedarf an öl zwangsläufig steigen.
Wenn es uns nicht gelingt, anstatt der durch die Rezession bedingten Einsparungen zu Energieeinsparungen zu gelangen, die durch politische Maßnahmen
erzielt werden, dann werden die Produzenten aus einem stärker werdenden Markt
ihren Profit ziehen.

Wir werden in stärkerem Maße gegenüber Preisanstiegen und

�und den politischen Manipulationen der Energielieferungen anfällig werden. Man
hat uns ja auch in der Tat schon vor neuen Preiserhöhungen gewarnt.

Diese aber

wären wirtschaftlich ungerechtfertigt, denn es besteht eine erhebliche Überschußproduktionskapazität, die Inflation verlangsamt sich und die Preise für
Rohöl haben bereits eine in der Geschichte einmalige Höhe erreicht.

Der Markt

jedoch verbleibt weiter fest unter der Kontrolle der Erzeuger und dies wird umso mehr der Fall sein, sofern wir uns nicht einem rigorosen Energieprogramm
unterwerfen und unseren Einsparungsmaßnahmen unmittelbar Nachdruck verleihen.
Im Januar hat Präsident Ford für die Vereinigten Staaten als Ziel gesetzt,
bis Ende des Jahres 1977 zwei Millionen Barrel Rohöl täglich einzusparen. Der
Präsident wird im Verlauf des heutigen Tages noch zusätzliche Maßnahmen bekanntgeben, um den Verbrauch von Importöl zu beschränken. Zusammen mit den bereits
getroffenen Maßnahmen werden sich die Gesamteinsparungen in den USA damit auf
1,2 Millionen Barrel bis Ende 1977 belaufen. Der Präsident hofft, daß der
Kongreß sich ihm zu gemeinsamem Handeln anschließen wird, um die übrigen Einsparungen zu ermöglichen, die erforderlich sind, damit wir unser Ziel von zwei
Millionen Barrel erreichen. Sollte sich dies jedoch als unmöglich erweisen,
so ist er gewillt, die ihm zur Verfügung stehende Macht zu benutzen, um zu gewährleisten, daß die Vereinigten Staaten ihren Teil zu den gemeinsamen Einsparungsbemühungen beitragen.
Es ist nach unserer Auffassung von wesentlicher Bedeutung, daß die Internationale Energieagentur (IEA) Zielvorstellungen für Einsparungsmaßnahmen entwickelt, die es verhindern, daß unsere Anfälligkeit während der Jahre 1976
und 1977 größer wird.

Da auf die Vereinigten Staaten die Hälfte des gesamten

Ölverbrauchs der IEA-Mitglieder entfällt, verpflichten sie sich auch, die Hälfte
der Einsparungen zu tragen.

Wenn es uns gelingt, zusammen vier Millionen Barrel

pro Tag bis Ende 1977 einzusparen, dann können wir verhindern, daß unsere ölimporte zusammen über die derzeitige Höhe ansteigen, selbst nach einer Periode
wirtschaftlichen Wachstums.

Damit wird die Fähigkeit der Organisation ölex-

portierender Länder (OPEC), die Preise willkürlich heraufzusetzen, verringert
worden sein.

Und wir werden unser ölzahlungsbilanzdefizit um viele Milliarden

Dollar reduziert haben.

Sollte uns dies aber nicht gelingen, dann werden wir
- 7 -

�n
wir nicht nur höhere Kosten zu tragen haben, sondern auch in wirtschaftlicher
und politischer Hinsicht anfälliger werden.

Alternative Energiequellen
Auf lange Sicht wird unsere Abhängigkeit von Importöl irreversibel werden,
sofern es uns nicht gelingt, rasch neue Energiequellen zu erschließen - öl,
Gas, Kohle, Kernenergie.
Dies alles ist umso dringlicher, als sich die wirtschaftlichen Kosten des
derzeitigen hohen Preisniveaus im Verlauf der Zeit vervielfachen.

Zur Zeit

wird noch ein großer Teil der überschußeinnahmen der Produzenten über Investitionen in die Industrieländer zurückgeschleust.

Das ist als eine kurzfristige

Erleichterung hinsichtlich der Zahlungsbilanzbelastungen sehr willkommen.

Wenn

sich aber die derzeitigen Preise auf ihrem Niveau halten, dann werden die Importe
der Erzeugerländer früher oder später in dramatischer Weise ansteigen.

Es wird

zu einem immer stärkeren Abfluß von Gütern und Dienstleistungen aus unseren
Volkswirtschaften kommen.
Wenn wir unsere Anfälligkeit und Verwundbarkeit verringern wollen, dann
muß die Energiegewinnung aus anderen Quellen, im Minimum die derzeitigen Importe
der IEA-Mitglieder von 25 Millionen Barrel pro Tag ganz wesentlich reduzieren.
Drei Maßnahmen sind dazu erforderlich:
- Wir müssen viele von Regierungsseite erlassene einschränkende Bestimmungen
in bezug auf die Energieerzeugung aufheben oder modifizieren.

Die Entwicklung

von Energiequellen wird überall durch Ausführungsbestimmungen sowie durch Beschränkungen aus rechtlichen oder Gründen des Umweltschutzes erschwert.

Viele

dieser Bestimmungen geben gültigen und triftigen sozialen Zielen Ausdruck, andere aber könnten zweckmäßigerweise überprüft oder modifiziert und andersartige
Sicherheitsvorkehrungen könnten getroffen werden.

Wir sollten diese Organisa-

tion als eine Art Prüfzentrale für Ideen nutzen, um unnötige Hindernisse
Weg zur Erschließung alternativer Energiequellen zu beseitigen.
- Wir

dem

�- Wir müssen uns vergewissern, daß ausreichende Finanzierungsmittel zur
Verfügung stehen, um die Energieentwicklung zu sichern.

Gewaltige Kapital-

mengen - vielleicht eine Billion (tausend Milliarden) Dollar in den nächsten
zehn Jahren - werden dazu notwendig sein.

Jedes Land sollte entscheiden, wel-

ches Arrangement ihm am besten geeignet scheint, diesen Erfordernissen zu entsprechen, aber wir sollten jetzt uns daranmachen, innerhalb der IEA einen Rahmen
für eine Zusammenarbeit von Projekt zu Projekt zu setzen, einschließlich gemeinsamer Garantien oder anderer finanzieller Hilfen für große gemeinschaftliche Projekte.
- Wir müssen sicherstellen, daß unsere Energieinvestitionen gegen zerstörerische Konkurrenz geschützt sind.
Für einen großen Teil des Persischen Golfes betragen die Produktionskosten
für ein Barrel Rohöl nur 25 Cent.

Bei der Mehrzahl der größeren kontinentalen

Energiequellen - den neuen Ölvorkommen im Norden Alaskas, dem äußeren Kontinentalschelf der USA, dem Nordseeöl, und bei der Kernenergie ganz allgemein - werden
die Produktionskosten um ein Vielfaches höher liegen.

Wenn das ölkartell sich

entschließt, die Entwicklung alternativer Energiequellen durch temporäre DumpingPreissenkungen zu unterlaufen, dann könnte dies eine Investierung in alternative Energiequellen aufhalten oder gar verhindern.
Die Preispolitik der ölproduzenten könnte uns auf diese Weise in einem
ständigen Zustand der Abhängigkeit halten und wir würden kaum die Gewähr haben,
daß der Preis nicht erneut erhöht würde, sobald sich diese unsere Abhängigkeit
einmal verfestigt hätte.
Aus diesem Grunde sind wir in der IEA grundsätzlich über den Mechanismus
zur Preissicherung übereingekommen.

Nur wenn die Verbraucher massiv neue

Energiequellen entwickeln, werden die ölerzeuger ihre Fähigkeit verlieren,
die Preise auf einem hohen künstlichen Stand festzusetzen.

Diese neuen Quellen

werden jedoch nicht entwickelt, wenn die Erzeuger die Fähigkeit behalten, unsere Energieprogramme durch temporäre räuberische Preissenkungen zu verhindern.
Ein garantierter Mindestpreis - ein gutes Stück unter dem jetzigen Weltpreis- 9 -

�Weltpreisniveau liegend - kann dazu beitragen, daß diese alternativen Energiequellen entwickelt werden.

Es liegt auf der Hand, daß wir einen solchen ga-

rantierten Preis nicht der OPEC vorschlagen.

Im Gegenteil, wenn unsere Politik

Erfolg hat, und wenn große Mengen neuer Energie verfügbar

werden, dann könnten

der Verkaufspreis der OPEC unter das gesicherte Preisniveau fallen.

Der ga-

rantierte Mindestpreis kann auf verschiedene Weise aufrechterhalten werden durch Zölle, Quoten oder variable Abgaben.
Die Differenz zwischen dem Weltpreis und dem höheren Binnenpreis würde
dadurch unseren Regierungen in Form von Einfuhrzöllen und Abgaben zugutekommen.
Diese Mittel könnten für Sozialprogramme oder Preisnachlässe oder andere nationale Programme eigener Wahl verwandt werden.

Kurz gesagt, der garantierte

Mindestpreis ist kein Mittel um künstlich hohe Weltölpreise aufrechtzuerhalten.
Er ist im Gegenteil ein Mittel, um sicherzustellen, daß die Preise heruntergehen,
Und er kann so eingesetzt werden, daß der Nutzen aus einer Preissenkung den
Industrieländern zugute kommt.

Die vereinbarte Frist für die Ausarbeitung des-

Gesamtprogramms der IEA für alternative Energiequellen ist der 1. Juli.
müssen diese Frist einhalten.

Wir

Präsident Ford hat mich gebeten, die Dringlich-'

keit dieser Aufgabe zu unterstreichen.

Ohne deutliche Anreize für große Neu-

investitionen auf dem Gebiet der Energie, die rasch getätigt werden, können
die Länder der IEA niemals hoffen, ihre gegenwärtige übermäßige Anfälligkeit
zu verringern,

Kernenergie
Bei dem Streben nach größerer Selbstversorgung auf dem Energiesektor wird
die Kernenergie von entscheidender Bedeutung sein. Die Europäische Gemeinschaft
hofft, daß bis 1985 etwa ein Viertel ihrer Elektrizität mit Kernenergie erzeugt wird, Japan hofft auf ein Drittel und die USA ebenfalls. Mit der ordnungsgemäßen sicheren und vorsichtigen Einführung dieser wichtigen neuen Technologie sind jedoch große Probleme verbunden.

In
10

�In all unseren Ländern verursacht die Zunahme der Kernenergie sowohl
Hoffnung als auch Angst.

Auf der einen Seite sind wir uns darüber im klaren,

daß diese Energiequelle der einzige potentielle Energieersatz in großem Umfang
für die unausweichliche Erschöpfung unserer öl- und Erdgasquellen ist, die bis
Ende dieses Jahrhunderts eintreten dürfte.

Auf der anderen Seite regen sich

zunehmend Zweifel, daß genügend Kernbrennstoff zur Verfügung stehen wird.

Es

wird gewaltiger Kapital betrage bedürfen, um Reaktoren zu bauen, was die bestehenden Kapitalmärkte schwer belasten wird und wir kennen alle die Fragen, die
die Öffentlichkeit und manche Gesetzgeber hinsichtlich eines sich ausbreitenden
Baus von Nukleareinrichtungen in bezug auf die Umwelt bewegen.
Wir müssen daher innerhalb der IEA mit Dringlichkeit und Entschlossenheit
folgende Programme in Angriff nehmen:
- Wir müssen sicherstellen, daß die benötigten Urananreicherungseinrichtungen planmäßig gebaut werden.

In dieser Hinsicht sind sich die Vereinigten

Staaten ihrer Verantwortung bewußt, weiterhin Kernbrennstoff im Rahmen langfristiger Kontrakte zu liefern.

Unsere Politik läuft darauf hinaus - vorzugs-

weise durch die Privatindustrie, aber wenn notwendig auch durch die Bundesregierung - zusätzliche Anreicherungskapazität zu schaffen, die eine ausreichende
Versorgung für die Zukunft garantieren wird.

Gegenwärtig sind bereits Verhand-

lungen mit potentiellen privaten Quellen im Gange.

Diese Erörterungen werden

rasch voranschreiten und der Präsident wird bis zum 30. Juni entscheiden,welchen Weg des Handelns, privat oder amtlich, im besten Interesse unseres eigenen
Landes und jener im Ausland, die von uns abhängig sind, liegen wird.

Wir werden

dann in der Lage sein, langfristige Aufträge zu akzeptieren.
- Wir müssen unsere gemeinsamen Anstrengungen zur Bestimmung und zur
Analyse der künftigen Nachfrage von Brennstoff, einschließlich der Beurteilung
der Verfügbarkeit von Uranvorkommen, intensivieren.
- Wir sollten gemeinsam die Kapitalerfordernisse auf dem Nuklearsektor
für die nächsten zehn Jahre planen und uns überlegen, wie unsere Regierungen,
einzeln und gemeinsam diesen Erfordernissen gerecht werden können.
- Wir
- 11 -

�- Wir sollten uns über die wirtschaftliche Notwendigkeit, die betrieblichen Erfordernisse und die Sicherheitsprobleme der Wiederaufbereitung, Wiederverwendung und Lagerung von Plutonium klar werden.
- Wir müssen intensive Anstrengungen unternehmen, um die Sicherheit und
die Sicherung von Kernmaterialien, Gerät und Betrieb zu verbessern.
- Und schließlich sollten wir ausgewogene Informationsprogramme entwickeln, um die Vorstellungen von den Risiken und den Vorzügen der Nuklearenergie mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen.
Einige der damit zusammenhängenden technischen Probleme werden bereits
von der Kernenergiebehörde der OECD behandelt.

Diese Arbeit sollte selbstver-

ständlich weitergehen.
*
&gt;

Forschung und Entwicklung
*

über das nächste Jahrzehnt hinaus wird ein zentrales Problem darin bestehen, wie man neue nichtkonventionelle Energiequellen entwickeln kann. Gerade bei der Entwicklung dieser neuen Quellen dürfte das Programm der Zusammenarbeit der IEA den bedeutsamsten und dauerhaftesten Beitrag leisten.
Die Energieversorgung der Zukunft auf lange Sicht hängt nicht vom persischen Golf, der Nordsee oder Alaska ab. Sie hängt aber von dem ab, was wir
in unseren Laboratorien tun werden, um neuere konventionelle Quellen besser zu
nutzen und bisher fremdartige Quellen zu entwickeln.

Die hochentwickelten Na-

tionen verfügen über gewaltige wissenschaftliche und technische Kapazitäten.
Während der letzten anderthalb Jahre haben Mitgliedsländer der IEA ihre nationale Forschungs- und Entwicklungsprogramme auf dem Gebiet der Energie ausgeweitet.

In den Vereinigten Staaten wird unsere neue Verwaltung für Energie-

forschung und Entwicklung in dem im kommenden Monat beginnenden Haushaltsjahr
über drei Milliarden Dollar aufwenden.
weit mehr investieren.

Die amerikanische Industrie wird noch

Das amerikanische Programm legt den Nachdruck auf d_ie_

�die Verbesserung der Leistung bei der Energieerzeugung, Weiterleitung und
Verwendung, auf die Verbesserung der Wiedergewinnung von öl und neuen Verwendungsmöglichkeiten der Kohle sowie die Umwandlung von Kohle in synthetisches
öl und Gas. Diese Projekte sollen dazu dienen, große Fortschritte in der Energieerzeugung und Nutzung noch in diesem Jahrhundert herbeizuführen.

Was den

Zeitraum über das Jahr 2000 hinaus angeht, so haben nur drei bekannte mögliche
Energiequellen praktisch ein unbegrenztes Potential für die Ausweitung: der
Brutreaktor, die Kernverschmelzung und Sonnenenergie.

All diese drei Gebiete

haben eine hohe Priorität im Programm der Vereinigten Staaten.
Das IEA-Programm auf diesen Gebieten spiegelt die Überzeugung wider, daß
der technische Fortschritt durch kooperative Anstrengungen beschleunigt werden
wird und es erleichtert den Austausch von Informationen und Kenntnissen.
Wir haben beschlossen, unsere nationalen Programme durch koordinierte
Planung, intensivierten Informationsaustausch und durch gemeinsame Projekte,
in denen unser Kapital, unsere industriellen Fähigkeiten und unsere Technologie
gemeinsam genutzt werden, miteinander zu verbinden.
Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Wir haben bei neun gemeinsamen Projekten, die von Energieeinsparung bis zur Kernenergie reichen,
rasche Fortschritte gemacht. Wichtige Programme auf dem Gebiet der Kohleverarbeitung, die beträchtliche gemeinsame Investitionen von Geld und Arbeit erfordern, laufen an.
Aber ein anhaltendes Programm der Zusammenarbeit erfordert weit mehr.
Wir haben die bestehenden und potentiellen Technologien genannt, die eine entscheidende Auswirkung für die Zukunft haben werden.

Wir müssen jetzt sicher-

stellen, daß diese Technologien verwirklicht werden können, wir müssen feststellen, welches Produktionspotential sie haben und welches die geeignetsten
gemeinsamen Projekte im großen Rahmen sind.
In dem Maße, in dem sich unsere Zusammenarbeit ausweitet, werden die Projekte immer näher an die Grenzbereiche des technologischen Fortschritts heran- 13 -

�k

herankommen.

Wir werden alle zu der Erkenntnis kommen müssen, daß wir die

vielversprechendsten Projekte nicht nur für unsere eigenen nationalen Zwecke
zurückhalten können.

Wir müssen Richtlinien schaffen, die bei aller begreif-

licher Besorgnis über die Weitergabe von Informationen und den möglichen Verlust von Handelsvorteilen der multilateralen Zusammenarbeit Auftrieb geben.
Ich schlage daher vor, daß unsere amtlichen Vertreter auf dem Gebiet der
Forschung und Entwicklung Anfang Herbst auf der Sondersitzung des Präsidiums
zusammenkommen.

Ihr Ziel wäre es, den Plan für ein gemeinsames Energiefor-

schungs- und Entwicklungsprogramm zu vollenden, das in unserer gesamten nationalen Planung hohe Priorität erhalten wird.

Beziehungen zu den Erzeugern
Das letzte Element unserer Energiestrategie ist die Entwicklung einer
kooperativen Beziehung zu den Erzeugern.

Wir müssen der Tatsache ins Auge

sehen, daß die Erzeuger heute und auch noch auf einige Zeit die Fähigkeit
haben, über die Versorgung und den Preis unseres Öls zu bestimmen.

Die Ent-

scheidung jedoch, die wir heute über Einsparung und alternative Energiequellen
treffen, werden bestimmend dafür sein, ob in Zukunft die Preise durch politische Entscheidung oder wirtschaftliche Konkurrenz festgelegt werden.
Es besteht jedoch keine Institution und kein vereinbarter Rahmen, in denen
die Ausübung der unbestrittenen Macht beider.Gruppen der Diskussion und der gegenseitigen Anpassung unterworfen werden könnte.
Seit ihrem Beginn hat sich die IEA der Suche nach einem neuen Verhältnis
zu den Erzeugern verschrieben, das die Bedürfnisse und die Hoffnungen beider
Seiten in Rechnung stellen würde.

Die Solidarität, die wir in der IEA er-

reicht haben, ist eine notwendige Vorbedingung für den Aufbau dieser umfassenderen Struktur.
Vor
- 14 -

�Vor der jüngsten vorbereitenden Konferenz zwischen Erzeugern und Verbrauchern einigte sich die IEA auf mehrere mögliche Gebiete des gemeinsamen
Handelns von Erzeugern und Verbrauchern.

Diese sind weiterhin nützliche

Themen für den Dialog.

Erstens, wir sollten über das Management des finanziellen Recycling
sprechen.

Sowohl Erzeuger als Verbraucher haben ein Interesse an der effek-

tiven Neuinvestierung überschüssiger Mittel.
Zweitens, wir sollten gemeinsam die Politik der Industrieländer bezüglich
hereinkommender Investitionen prüfen.

Die öl Produzenten brauchen attraktive

Anlagemöglichkeiten für ihre Einkünfte.

Die Industrieländer begrüßen zwar

neue Investitionen, sie möchten jedoch die Kontrolle jener Sektoren ihrer
Volkswirtschaften in der Hand behalten, die sie als besonders wichtig ansehen.

Drittens, wir können kooperative Anstrengungen zur Beschleunigung der
Entwicklungsprogramme in Erzeugerländer untersuchen.

Es können neue Industrien

geschaffen werden, die die Technologie der industrialisierten Welt mit der
Energie und dem Kapital der Erzeuger kombinieren.

Ein vielversprechendes

Beispiel ist die Düngemittelindustrie.

Viertens, die ölerzeugenden Länder und die industrialisierten Verbraucherländer haben eine gemeinsame Verantwortung zur Linderung der Not der ärmsten
Länder.

Die internationalen Entwicklungsanstrengungen sind durch die gegen-

wärtige Wirtschaftskrise unterminiert worden und hohe Preise für Energie haben
die Hoffnungen von Entwicklungsländern auf Industrialisierung zerschlagen.
Hohe petrochemische Kosten haben die benötigten Düngemittel unerschwinglich
verteuert und die Schwierigkeiten zur Erzeugung ausreichender Lebensmittel
zur Ernährung der Hungrigen noch verschärft.

Es müssen besondere Anstren-

gungen unternommen werden, um jenen zu helfen, die am schwersten betroffen
sind.

Die neureichen Erzeugerländer haben eine Verpflichtung, sich uns in

diesen Anstrengungen anzuschließen.

Und

- 15 -

�»

Und schließlich besteht eine offenkundige Notwendigkeit für ein Forum
in dem Erzeuger und Verbraucher die schwierigen Fragen der öl preise und der
garantierten Versorgung erörtern können.

Dieser Dialog ist selbstverständ-

lich kein Ersatz für unsere eigenen Anstrengungen zur Einsparung und zur Entwicklung neuer Versorgungsquellen.

Aber obwohl wir diese Lebensinteressen

nicht nur durch Gespräche mit den Erzeugern schützen können, so können doch
Verbraucher und Erzeuger von einem ernsthaften Dialog bezüglich ihrer jeweiligen Interessen und Ziele profitieren.
Es ist als Ergebnis der vorbereitenden Tagung im April klargeworden,
daß der Dialog zwischen Erzeugern und Verbrauchern nicht fortschreiten kann,
wenn er nicht dahingehend ausgeweitet wird, daß er das allgemeine Problem

der Beziehung zwischen Entwicklungsländern und entwickelten Ländern einschließt.
Wir in der IEA haben keinen Grund vor einer Erörterung all der Fragen, die für
die Entwicklungsländer von Bedeutung sind, zurückzuschrecken.

Ich habe kürz-

lich die Gedanken meines Landes zu Problemen der Rohstoffe und Waren darge- '..
legt.

Ich habe vorgeschlagen, daß diese Fragen jetzt im Rahmen der multila-

teralen Handelsverhandluncen, im Rahmen einzelner Warengruppen und in der
Weltbank behandelt werden.
unterbreiten.

\

Ich werde vor der OECD morgen weitere Vorschläge

Ich hoffe, daß diese Gedanken wie auch die von anderen unterbrei-

teten Vorschläge dazu' beitragen werden, den toten Punkt im Dialog zwischen Erzeugern und Verbrauchern zu überwinden.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, einer Wiedereinberufung der vorbereitenden Konferenz in Paris im gleichen Format wie bisher zuzustimmen.

Um

die Arbeit voranzutreiben, sollten Kommissionen eingesetzt werden, die sich
mit den technischen Gebieten wie Energie, Probleme der am schwersten betroffenen Nationen und Rohstoffe befassen.
von

Jede Kommission würde den Bereich

Fragen behandeln, die unter ihren jeweiligen Titel fallen: Finanz,

Investition, Handel, Produktion.

Die Kommissionen könnten nacheinander oder

gleichzeitig tagen, jedoch ohne eine willkürliche Frist für den Abschluß
ihrer Arbeit.

Die Kommission für Rohstoffe und die Probleme der am schwersten

betroffenen Länder würden nicht die bereits anderswo geleistete wesentliche
Arbeit ersetzen.

Sie würden vielmehr diese Arbeit aufzeichnen, ergänzen und
- 16 -

�und ausrichten und ihr den nötigen Aufschwung geben.
Wenn diese Kommissionen effektiv arbeiten sollen, dann muß die Zahl
ihrer Mitglieder begrenzt werden.
terien entschieden werden soll.

Wir schlagen vor, daß dies nach SachkriDer Energiekommission beispielsweise sollten

Länder angehören, die mehr als eine bestimmte Menge von Energie auf dem Weltmarkt exportieren oder importieren.

In der Kommission für die am schwersten

betroffenen Länder sollten zusammen mit den traditionellen und den neuen
Geberländern jene mit den niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen mitarbeiten.

Der

Warenkommission könnten die Hauptexporteure und Importeure von Nahrungsmitteln und Rohstoffen außer öl angehören. ..
Wir schlagen vor, daß die IEA diese Konzeption erörtert und unsere Kontakte mit den Ländern koordiniert, die an der Tagung im April teilgenommen
haben, und vor allem mit Frankreich als das einberufende Land, um festzustellen, wann und wie die vorbereitende Konferenz wieder einberufen werden
könnte.

Zusammenfassung
Diese Agentur hat bereits gezeigt, was erreicht werden kann, wenn Nationen den Weitblick haben, ihre Interessen abzustecken und den Willen entsprechend zu handeln. Wir haben uns wichtige Ziele gesetzt, einschließlich
der Ausweitung des Rahmens der Zusammenarbeit, wie er hier geschaffen wurde.
Wir sind aufgerufen, konkrete Fortschritte zu machen und dies wird die Bereitschaft erfordern, über unsere eigenen Anliegen als Industrieländer hinweg
auf die allgemeineren Bedürfnisse der ganzen Menschheit zu blicken.
Der Fortschritt, den wir in kurzen 15 Monaten erzielt haben, sollte uns
große Hoffnung für die Zukunft geben.

Goethe hat einmal gesagt, daß Netz

dieser Welt ist aus Notwendigkeit und Veränderung gewoben.
einem Punkt, wo diese Fäden zusammenlaufen.

Wir stehen an

Wir dürfen Notwendigkeit nicht

als Laune betrachten, noch die Veränderungen dem Zufall überlassen. Not- 17 -

�Notwendigkeit zwingt uns, da zu sein, wo wir sind.
zu wählen, wohin wir gehen wollen.

Unsere Interdependenz wird uns entweder zu-

sammen untergehen oder zusammen gedeihen lassen.
oder wir können einen Entschluß fassen.
sagen.

Aber sie ruft uns auch auf,
Wir können uns treiben lassen

Wir haben keine Ausrede für ein Ver-

Es liegt in unserer Macht, eine bessere Zukunft aufzubauen.

+ + + + +

18

�»amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

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G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Wirtschaft

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11/1975

REDE KISSINGERS VOR DEM MINISTERRAT DER OECD AM 28. MAI

Der amerikanische Außenminister Dr. Henry
A. Kissinger hat am 28. Mai 1975 in einer
Rede vor dem Ministerrat der Organisation
für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Oecd) in Paris gemeinsame weltweite Anstrengungen zur Lösung der großen
Wirtschaftsprobleme gefordert und auf die
Verantwortung hingewiesen, die mit wirtschaftlicher Macht verbunden ist. Die
programmatischen Darlegungen des amerikanischen Außenministers haben folgenden
Wortlaut:

Das Gebot des Wachstums und der Zusammenarbeit
Wenn freie Nationen ihre Kräfte zum gemeinsamen Wohl vereinen, dann können
sie Großes vollbringen.
Diese Organisation verkörpert das Erbe und die Hoffnung des Marshall-Plans,
eine der schöpferischsten Leistungen der internationalen Zusammenarbeit. Die hier
vertretenen Länder haben allen Grund, auf die Fortschritte stolz zu sein, die
sie für ihre Völker während der letzten 30 Jahre erreichen konnten.
schritt hat den weltweiten Fortschritt beflügelt.

Unser Fort-

Unser Erfolg hat gezeigt, daß

Hoffnung, Prosperität und Menschenwürde keine utopischen Träume sind, sondern

�sondern praktische Möglichkeit für alle Nationen werden können.
Das Wirtschaftssystem, an dessen Errichtung wir so hart gearbeitet haben,
steht jedoch heute unter Druck.
Die Energiekrise des Jahres 1973 ließ zum ersten Mal dramatisch die Kräfte
des Wandels erkennen, die unsere Fähigkeit zum gemeinsamen Handeln zu überflügeln
drohen.

Eine Ernährungskrise, eine weltweite Rezession und eine in der Nach-

kriegsperiode bisher nie dagewesene Inflationsrate haben das Gefüge der internationalen Zusammenarbeit noch weiter belastet.

Gleichzeitig haben die ärmeren

Nationen ihre Forderungen nach größeren Vorteilen und einer stärkeren Beteiligung an dem internationalen System immer nachdrücklicher zum Ausdruck gebracht.
Die wirtschaftliche Expansion in der industrialisierten Welt und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den weniger entwickelten Ländern gehen Hand in ;Hand.

Nur wirtschaftliches Wachstum kann konkurrierende Forderungen innerhalb

der Länder und unter den Ländern nach höherem Einkommen und größeren Chancen
befriedigen.

«*

Eine expandierende Weltwirtschaft ist Voraussetzung für die wirt-

schaftliche Entwicklung.

Sie regt Handel, Investitionen und Technologie an;

sie trägt notwendige bilaterale und multilaterale Hilfsprogramme; sie garantiert wachsende Absatzmärkte für die Rohstoffe, Fertigwaren und landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Entwicklungsländer;

sie bietet den besten Rahmen für

die Bereinigung der schwierigen, potentiell spaltenden Probleme der Ernährung,
der Energie, der Rohstoffe, der Handelsbeziehungen und der Investitionen.
Diese Probleme gehen in ihrer Tragweite weit über wirtschaftliche Überlegungen
hinaus.
Wirtschaftliche Stagnation brütet politische Instabilität aus. Für die
Nationen der industrialisierten Welt stellt die Wirtschaftskrise weit mehr
dar, als nur eine Bedrohung unseres nationalen Einkommens. Sie bedroht die
Stabilität unserer Institutionen und das Gefüge unserer Zusammenarbeit im Bereich der politischen und der sicherheitspolitischen Probleme.

Regierungen

können nicht mit Selbstvertrauen handeln, wenn ihre Volkswirtschaften stagnieren und sie vor einem wachsenden innenpolitischen und internationalen Druck
- 2 -

�Druck wegen der Verteilung des wirtschaftlichen Wohlstandes stehen.

Unter

solchen Umständen wird die Fähigkeit, zielbewußt zu handeln, - unsere nationalen
und internationalen Probleme wirklich anzupacken - ins Wanken geraten.

Wenn

die Industrieländer zur Sicherheit und Prosperität der Welt beitragen sollen,
dann müssen sie wirtschaftlich stark und politisch verbunden sein.
Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
erinnert uns an unsere Stärke.

Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf die Weisheit

unserer Vorgänger, die erkannten, daß wir unsere Leistungsfähigkeit durch unsere
Zusammenarbeit vervielfachen.

Diese Organisation wurde ursprünglich gegründet,

um die Zusammenarbeit unter jenen wenigen Nationen zu fördern, die bereits die
größten Fortschritte gemacht hatten.
Das ist noch immer ein verfolgenswertes Ziel, aber die Realitäten von
heute fordern von uns, daß wir unsere Politik in zunehmendem Maße auf die Erkenntnis stützen, daß das Wachstum der industriellen Welt unauflöslich mit
unserem Verhältnis zur übrigen Welt verbunden ist. Wir stehen daher vor zwei
großen Herausforderungen:
- Erstens, der Aufgabe der Länder der industriellen Welt, wieder ein anhaltendes und stabiles wirtschaftliches Wachstum herzustellen, das für die Erhaltung des Vertrauens in ihre Institutionen so wichtig ist;
- zweitens, einer Herausforderung an alle Nationen, das System der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu verbessern und damit für die weniger entwickelten Länder eine größere Chance zu bieten, sowohl an den Segnungen als auch an den Verpflichtungen einer wachsenden Weltwirtschaft teilzuhaben.

Wachstum der Industrieländer
Die Industrieländer erleben heute die schwerste Wirtschaftskrise seit
der großen Depression der dreißiger Jahre.
- 3 -

Wir sehen das heute an der weit-

�J
m

weitverbreiteten Rezession.

Wir begegnen ihr in einer Inflation, die zum

Ruin unserer Gesellschaft geworden ist. Wir erkennen sie in den zunehmenden
Schwierigkeiten

der Regierungen, mit ihren Volkswirtschaften zu Rande zu

kommen, ja selbst ihre Haushalte in den Griff zu bekommen.
Wir beobachten es in dem nachlassenden Anreiz zu Investitionen, den viele
der industriellen Demokratien zu bieten bereit sind.
Wir sehen heute, wie sehr all unsere sozialen und wirtschaftlichen Ziele
vom allgemeinen Trend der Prosperität abhängen.

Eine demokratische Gesellschaft

lebt von der politischen und sozialen Übereinstimmung.

Die Verteilung des wirt-

schaftlichen Wohlstandes muß weitgehend, als gerecht oder als chancengerecht akzeptiert werden, sonst werden Lohn-Preis-Spirale, nachlassende Arbeitsleistung
und Arbeitsunfrieden die Produktivität untergraben, und die Inflation, die das
Wachstum zerstört und die Hoffnung zunichte macht, wird zum Schiedsrichter der
sozialen Prioritäten. Stagnation vergrößert all unsere Schwierigkeiten, ein stabiles Wachstum dagegen fördert unsere Chancen.
*

Die Finanzminister werden (morgen) spezifische Maßnahmen zur Erreichung
unseres Zieles erörtern.

Finanzminister Simon wird den Trend des wirtschaft-

lichen Wiederaufschwungs in den USA im einzelnen erläutern.

Lassen Sie mich

heute einige allgemeine Darlegungen über unsere Zukunft auf lange Sicht machen.
Unsere erste Aufgabe ist es, durch entschlossenes, koordiniertes und gegenseitig
unterstützendes Handeln zur Förderung einer anhaltenden Expansion das Vertrauen
wiederherzustellen.
Wir müssen vor allem in der kurz- und mittelfristigen Handhabung unserer
Volkswirtschaften erkennen, daß die Wirtschaftspolitik eines Landes eine tiefe
Auswirkung auf andere Länder haben kann.

Und die Vereinigten Staaten haben we-

gen der Größe und Einwirkung ihrer Wirtschaft eine besondere Verpflichtung,
die Größenordnung ihrer Verantwortung zu erkennen.
In der Vergangenheit haben wir einander über kurzfristige politische Maßnahmen informiert.

Präsident Ford hat im vergangenen Winter einen neuen An-

�Anfang gemacht und sich mit Bundeskanzler Schmidt, Premierminister Wilson,
Präsident Giscard d'Estaing und dem früheren japanischen Ministerpräsidenten
Tanaka über unsere Anstrengungen zur Bekämpfung der Rezession konsultiert.

Die

wichtigen Industriestaaten müssen weiterhin ihre Wirtschaftspolitiken auf allen
Ebenen koordinieren.

Wenn sie das tun, dann wird das die Chancen erheblich ver-

bessern, daß wir den Wechsel von Auf- und Abschwung, wie wir ihn während der
letzten drei Jahre erlebt haben, vermeiden können.

Die Vereinigten Staaten

sind bereit, an solchen Bemühungen rückhaltlos mitzuwirken.
Zweitens, wir müssen zusammenarbeiten, um das Wachstum des internationalen
Handels und der internationalen Investitionstätigkeit

aufrechtzuerhalten.

Die

große Anstrengung nach dem Kriege, den Handel zu 1iberalisieren, die Hindernisse für Investitionen abzubauen und einen freien Währungsaustausch aufrechtzuerhalten, haben unsere Prosperität über eine Generation lang genährt.
Der Handel hat sich dementsprechend doppelt so schnell ausgeweitet wie
unsere Binnenwirtschaft.

Wir müssen diese Aufwärtsbewegung in der OECD weiter-

führen, indem wir unsere Verpflichtung erneuern, nicht auf restriktive Handelsmaßnahmen zurückzugreifen, um Defizite abzudecken, die durch die gegenwärtigen
weltwirtschaftlichen Schwierigkeiten entstanden sind.

Und wir müssen die mul-

tilateralen Handelsverhandlungen über einen Abbau der Zölle und der nichttarifären Handelsschranken nutzen und das Welthandelssystem verbessern.
Drittens, wir müssen,wie ich schon gestern vor der Internationalen Energieagentur (IEA) ausgeführt habe, kollektiv nachhaltige nationale und internationale
Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur Entwicklung alternativer Energiequellen
ergreifen.

Das ist unerläßlich, wenn wir die Preise senken und verhindern wol-

len, daß ein knappes Angebot für politische Zwecke ausgeschlachtet wird.

Wir

müssen die Anfälligkeit unserer Volkswirtschaften gegenüber wirtschaftlichen
oder politischen Manipulationen von außen beenden oder wenigstens verringern.
Und schließlich müssen wir längerfristige Wachstumsstrategien entwickeln,
indem wir uns systematisch einigen fundamentalen Fragen

zuwenden:
- Wie

- 5 -

�- Wie können die Industriestaaten die massive Bildung von Kapital bewirken, die im Laufe des nächsten Jahrzehnts für eine ausreichende Wachstumsrate und für eine neue Lebensqualität notwendig sein wird?
- Welche politischen Schritte sind notwendig, um eine nicht-inflationäre
Umwelt zu schaffen, ohne die ein langfristiges Wachstum nicht möglich ist?
-• Wie können wir die Forschung und Entwicklung fördern, die notwendig
ist, um die für unser Wachstum lebenswichtige Technologie voranzutreiben und
v/ie können wir andere daran teilhaben lassen?
Wenn wir Antworten auf solche Fragen finden wollen, dann schlage ich
vor&gt; daß wir eine Sondergruppe von hervorragenden Wirtschaftlern innerhalb
und außerhalb des Regierungsdienstes einsetzen.

Ihre Aufgabe sollte es sein,

Maßnahmen aufzuzeigen, die die OECD-Länder ergreifen können, um ein langfristiges Wachstum zu gewährleisten. Diese Gruppe sollte auf die Projektionen
zurückgreifen, die gegenwärtig im k'irtschaftspolitischen Ausschuß entwickelt
v/erden, und sie in politische Empfehlungen für die nächste Ministertagung
umsetzen.
Die Bedeutung unserer wirtschaftlichen Zusammenarbeit reicht über den unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen hinaus.

Sie fördert auch unser Gemeinschafts

gefü'hl und die Gemeinsamkeit der Interessen.

Wenn wir in Zeiten der politischen

und wirtschaftlichen Krise zusammenarbeiten wollen, dann können wir es uns
nicht leisten, in ruhigeren Zeiten wirtschaftlich schwach oder uneinig oder von
einander zuwiderlaufenden wirtschaftlichen Interessen in Anspruch genommen zu
sein.
•

Der innere Zusammenhang unserer politischen, wirtschaftlichen und
sicherheitspolitischen Interessen, auf den die Vereinigten Staaten schon vor
zwei Jahren hingewiesen haben, ist eine Tatsache, keine Theorie.
Darüber hinaus setzen entspanntere Beziehungen zur kommunistischen Welt
die politische Einigkeit und die wirtschaftliche Lebenskraft der Industrieländer voraus.

Der Anreiz für den Osten, eine verantwortungsbewußte Rolle in

�in der Weltwirtschaft zu spielen und die politischen Beziehungen zu den Industriestaaten zu verbessern, wird in dem Maße größer werden, als sein Interesse an unserem wirtschaftlichen Erfolg zunimmt.

Das war einer der hoffnungs-

volleren Trends in den letzten Jahren, und es liegt an uns, ob dieser Trend
anhalten wird.

Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern
Ich möchte mich jetzt einer anderen entscheidenden Frage zuwenden - dem
Verhältnis zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern.
Die Prosperität der Welt wird in erster Linie von den Industriestaaten
abhängen, denn auf sie entfallen 65 Prozent der Produktion und 70 Prozent des
Handels der Welt.

Aber unser wirtschaftliches Wohlergehen hängt von einer

Struktur der internationalen Zusammenarbeit ab, an der die Entwicklungsländer
Beteiligte sind und sich auch als solche fühlen.
Die neuen Probleme unserer Zeit - Gewährleistung einer ausreichenden Versorgung mit Lebensmitteln, Energie und Rohstoffen - erfordern eine Weltwirtschaft, die den Interessen der Entwicklungsländern ebenso Raum läßt wie denen
der Industrieländer.
Wir in dieser Organisation stehen alle vor derselben Aufgabe, und wir
müssen sie gemeinsam meistern. Die politische Entwicklung und das wirtschaftliche Wachstum der letzten 30 Jahre haben zu einer neuen Verteilung der Macht
geführt. Keine Nation und kein Block kann länger eine Vorherrschaft ausüben.
Wirtschaftliche Fragen verwandeln sich in zentrale politische Fragen.
Es ist damit eine zentrale Bewährungsprobe der Staatskunst geworden, die
geordnete Aussöhnung einander zuwiderlaufender Interessen zu gewährleisten
und ein Abgleiten in politischen und wirtschaftlichen Krieg zu verhindern.
Ein Mißbrauch wirtschaftlicher Macht kann - wie die letzten zwei Jahre nur zu
deutlich gezeigt haben - den Trend des weltweiten Wachstums umkehren und den
- 7 -

�i
den Fortschritt für jeden aufhalten.

Ein internationales System wird nur so

lange stabil sein, wie seine wirtschaftlichen Vorteile breit gestreut sind
und seine Durchführung als gerecht empfunden wird.
Die Vereinigten Staaten sind ebenso wie alle hier vertretenen Staaten,
dessen bin ich sicher, bereit, mit Einfallsreichtum und Mitgefühl Lösungen
dieser Probleme anzustreben.
Es liegt jedoch auf der Hand, daß andere bereit sein müssen, einen ähnlichen Kurs einzuschlagen. Man kann nicht gleichzeitig Konfrontation und Kooperation haben.

Internationale Konferenzen, auf denen man sich von seinen

eigenen Worten davontragen läßt oder die sich in selbstgerechter Propaganda
erschöpfen, dienen niemandem und keiner Sache. Wir halten es nicht für konstruktiv, an solchen Übungen teilzunehmen. Wir haben ein eindeutiges Interesse, Taktiken des Drucks von Blöcken oder Versuchen zu widerstehen, Lösungen
durch Feindseligkeit aufzuzwingen.

Solche Methoden sind zwecklos und erreichen,

eher das Gegenteil.
k

Wenn die vor uns liegenden schrecklich komplexen Fragen durch Beweise
der Stärke gelöst werden sollen, dann sind es nicht die fortschrttlichen
Industriemächte, die den höchsten Preis zu zahlen haben werden.

Es werden

im Gegenteil die Ärmsten und Benachteiligsten sein - jene in deren Namen und
zu deren Nutzen diese Taktiken angeblich angewandt werden.
Es ist an der Zeit, die theoretische Debatte zu beenden, ob wir eine
neue Ordnung anstreben oder eine bestehende Ordnung verbessern wollen.
Wollen wir uns doch mit der Realität befassen und nicht mit Rhetorik.
Wollen wir uns doch mit Realismus, Reife, gegenseitigem Verständnis und gesundem Menschenverstand den praktischen gemeinsamen Anliegen aller Völker
der Welt zuwenden.
Geiste begrüßen.

Die Vereinigten Staaten werden einen Dialog in diesem

Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, daß er zum

Erfolg führt.
Einfache
- 8 -

�Einfache Etikettierungen bringen die vielen echten Interessengemeinschaften nicht richtig zum Ausdruck, die heute existieren - einige die sich
überschneiden, einige die miteinander konkurrieren, einige die sich gegenseitig ergänzen.

Eines der auffallendsten Merkmale der modernen Weltwirtschaft

ist die Vielfältigkeit ihrer Beteiligten.

Unter den Ländern, die früher als Ent-

wicklungsländern klassifiziert worden sind, haben sich im letzten Jahrzehnt
neue Wirtschaftsmächte mit einer wachsenden Exportkapazität für Fertigwaren
und Rohstoffe entwickelt.

Die erfolgreichsten unter ihnen haben Investition und Wachstum im eigenen
Land gefördert.

Zu diesen aufstrebenden Mächten sind jetzt die durch das öl

reich gewordenen Länder gekommen.

Alle Nationen, die einen moralischen Anspruch

auf Führung in der Welt erheben, müssen - ebenso wie die Neureichen - zur Erleichterung der Not der ärmsten Länder beitragen.

Denn wer könnte bestreiten,

daß jedes wirtschaftliche Problem - Stagnation, Inflation, hohe Energiepreise,
Lebensmittelknappheit - sie am härtesten trifft.

Die Vereinigten Staaten sind sich der Verantwortung bewußt, die mit ihrer
wirtschaftlichen Macht verbunden ist.

Wir sind bereit, dm Geiste der Gleichheit,

der gegenseitigen Achtung und der Zusammenarbeit das unsrige zu tun.

Gestern

habe ich über unsere Vorschläge gesprochen, zu einem erfolgreichen multilateralen
Energiedialog zu gelangen.

Heute möchte ich mich Lebensmitteln, Rohstoffen,

dem Handel und Finanzwesen zuwenden.

Ein Zusammenbruch des Systems auf diesen

Gebieten würde wirtschaftliches Chaos und Instabilität fördern.

Erfolgreiche

Zusammenarbeit hingegen könnte eine neue Ära des wirtschaftlichen und menschlichen Fortschritts herbeiführen.

Lebensmittel

Die weltweiten Problemeder Ernährung, sind eine zentrale, moralische und
politische Herausforderung.

Eine Weltordnung, in der zig Millionen Menschen

Hungers sterben und weitere Millionen unterernährt sind, wird niemals als
gerecht angesehen werden.

Die für dieses Jahr zu erwartenden guten Ernten

- 9 -

�•
1

*

Ernten sollten uns nicht selbstgefällig machen, denn die Gesamtnachfrage der
Welt nach Lebensmitteln steigt weiter dramatisch an.

Die Kluft zwischen dem,

was Entwicklungsländer produzieren können und was sie brauchen, liegt gegenwärtig etwa bei 25 Millionen Tonnen.

Bei den gegenwärtigen Wachstumsraten der

Produktion und der Bevölkerung dürfte sich diese Kluft in zehn Jahren verdoppeln
oder verdreifachen.
Wenn wir jetzt nicht handeln, könnte die Welt im nächsten Viertel Jahrhundert
vor einer Reihe von Ernährungskrisen stehen, die immer weniger zu bewältigen
wäre.
Kurzfristig gesehen wird die Lebensmittelhilfe weiterhin lebenswichtig
sein, um die Opfer von Armut und Naturkatastrophen zu ernähren.

Es handelt

sich hier um eine internationale Verantwortung - die für alle Länder gilt, die
finanziell in der Lage sind, Hilfe zu leisten.

Die Vereinigten Staaten haben

.

sich verpflichtet, daß sie jede nur mögliche Anstrengung unternehmen werden, unr
mindestens vier Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich als Hilfe zur Verfügung -#
stellen.

Aber das alles wird nicht genug sein.

Eine langfristige Lösung des

Ernährungsproblems erfordert daß;
- die Produktionskapazität der Welt für Nahrungsmittel stark erhöht wird,
vor allem in den Entwicklungsländern; und
- ein internationales System von Getreidereserven geschaffen wird.
Ich möchte mich jetzt den amerikanischen Vorschlägen auf diesen Gebieten
zuwenden.
Glücklicherweise haben die weniger entwickelten Länder, die in größter
Not sind, auch das größte Potential zur Steigerung der Produktion.

Sie besitzen

große Flächen bebaubaren Landes und ungenutzte Wasservorkommen und sie bieten
die größte Möglichkeit zu einer Verbesserung der Ernteerträge.
Ihr
- 10 -

�Ihr Erfolg setzt jedoch große Kapitalmengen, neue Methoden der Planung
und Finanzierung und eine effektivere Agrarpolitik und Praxis voraus.
Um hier Abhilfe zu schaffen, unterstützen die Vereinigten Staaten zwei neue
internationale Einrichtungen:
schaftliche Entwicklung.

Erstens den internationalen Fonds für landwirt-

Dieser von den öl produzierenden Ländern vorgeschlagene

Fonds soll alle Nationen vereinen, die bereit sind, über ein vereinbartes Basisjahr hinaus weitere zusätzliche Mittel für die landwirtschaftliche Entwicklung
zur Verfügung zu stellen.

Präsident Ford hat mich gebeten, bekanntzugeben, daß

die Vereinigten Staaten sich an der Schaffung eines solchen Fonds beteiligen
werden.

Nach unserer Auffassung sollte er über Gesamtmittel von wenigstens

1 Milliarde Dollar pro Jahr verfügen.
Die Verbindung zwischen Finanzierung und effektiven Strategien der landwirtschaftlichen Entwicklung soll durch eine zweite Organisation hergestellt
werden, die Konsultativgruppe für Lebensmittelproduktion und Investition, die
bereits als Ergebnis der Welternährungskonferenz ins Leben gerufen wird.
Diese von der Weltbank, dem Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen getragenen
Gruppe plant ihr erstes Treffen im Juli. Sie sollte den zentralen Mechanismus
für die Zusammenarbeit unter traditionellen Geberländern, neuen Geberländern
und den Entwicklungsländern bilden.
Ein entscheidendes Element einer langfristigen Ernährungsstrategie ist
die Anlage von Getreidereserven.

Kurzfristige Fluktuationen in der Lebensmittel-

erzeugung, die auf das Wetter, Natur- oder sonstige

Katastrophen zurückzuführen

sind, verursachen scharfe Schwankungen im Preis und in der Verfügbarkeit wertvollen Getreides und lösen Hungersnöte aus. Ein

System von Getreidereserven

würde es ermöglichen, den Hunger in schlechten Jahren zu lindern und den Druck
auf Angebot und Märkte zu verringern.
Auf der Ernährungskonferenz in Rom kamen wir überein, ein neues internationales System von nationalen Getreidereserven auszuhandeln.
- 11 -

Ich habe kürzlich

�•

kürzlich die denkbaren Grundsätze für ein solches System umrissen, über die die
Vereinigten Staaten sofort zu handeln bereit wären:
- Erstens, die Weltreserven müssen insgesamt groß genug sein, um mögliche
Mängel in der Erzeugung von Nahrungsgetreide auszugleichen.
- Zweitens, Getreideexporteure und -importeure sollten über eine faire
Zuteilung von Reservebeständen übereinkommen - unter Berücksichtigung des Wohlstandes, der Produktionskapazität und des Handelsvolumens.
- Drittens, es müßte vereinbarte internationale Regeln oder Richtlinien
geben, um die Mitglieder in Zeiten guter Ernten zum Aufbau von Reserven zu veranlassen.
- Viertens, jedem Teilnehmerland sollte es freistehen, darüber zu entt,

scheiden, wie seine Reserven aufrechterhalten und welche Anreize für ihre Anläge und Aufrechterhaltung geboten werden.

I
t

- Fünftens, es sollten Regeln oder Richtlinien für den Rückgriff auf Reserven vereinbart werden, wenn die Weltproduktion zu niedrig ist.

Es muß von

vornherein feststehen, daß alle Mitglieder im Notfall Reserven verfügbar machen
und umgekehrt, daß die Reserven nicht vorzeitig oder im übertriebenen Maße angegriffen werden, um dadurch die Marktpreise zu drücken.
- Sechstens, in Zeiten der Knappheit muß das System den beteiligten Ländern
den Zugang zu den Vorräten garantieren.
- Siebtens, es müssen besondere Bedingungen vorgesehen werden, um den Bedarf der ärmeren Länder zu decken.
- Und schließlich muß das System die Erweiterung und Liberalisierung des
Getreidehandels fördern.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, einen bedeutsamen Teil eines verein- 12 -

�vereinbarten Standes der Weltreserven aufrechtzuerhalten.

Wenn andere sich uns

anschließen, dann kann noch vor Ende dieses Jahres ein übereinkommen über die
Grundzüge eines Reservesystems erzielt werden.

Handelsguter
Ein zweitens Gebiet wachsender Besorgnis sind die Handelsgüter.

Die Zeit

ist reif für eine eingehende Untersuchung der Probleme des Warenhandels - für
Lösungen die sowohl Erzeugern als auch Verbrauchern zugute kommen.

Das gegen-

wärtige System ist von schwankenden Preisen, Versorgungsstörungen, Investitionsstreit und Feindseligkeit gegenüber der Investition von Privatkapital gekennzeichnet, das unerläßlich ist für die Weitergabe von Mitteln und betrieblichen
Fähigkeiten.
So haben also Verbraucher wie auch Erzeuger ein Interesse an wirksamen
Vereinbarungen.
Preise.

Die Verbraucherländer erstreben zuverlässige Versorgung und

Die Erzeugerländer erstreben zuverlässige und wachsende Exportein-

nahmen, um ihre Entwicklung zu finanzieren

und einen angemessenen Ertrag der

Investitionen zu erzielen.
Alle Nationen haben ein Interesse, die Reibungen zu beenden, die für das
Problem der Rohstoffe so charakteristisch sind.

Die Debatte hat sich immer mehr

polarisiert und bereits andere Bemühungen um internationale Zusammenarbeit geschädigt.

Der Fehl schlag der vorbereitenden Energiekonferenz im vorigen Monat

ist nur ein Symptom des größten Problems, vor dem wir heute stehen.

Je länger

wir die Dinge hinauszögern, umso schwieriger und schmerzlicher wird es sein,
Lösungen zu finden.
Die Vereinigten Staaten bieten folgende Vorschläge an:
Erstens, wir schlagen vor, daß neue Regeln und Verfahren für den Zugang
zu Märkten und Vorräten in den multilateralen Handelsverhandlungen ausgehandelt
werden, die gegenwärtig in Genf stattfinden.
Zweitens,
- 13 -

�Zweitens, wir sind nicht der Überzeugung, daß ausschließlich Erzeugern
vorbehaltene Organisationen der beste Weg zur Lösung des Problems der Handelsgüter sind.

Nach unserer Auffassung sollten Verbraucher und Erzeuger gemeinsam

ihre Probleme und möglichen Maßnahmen zur Behebung von Mißständen erörtern.
Wir sind dazu bereit. Vor allem sind wir bereit, über neue Vereinbarungen
für einzelne Waren auf einer Fall zu Fall Basis zu sprechen. Wir haben bereits
Vorschläge für ein neues internationales Kaffeeabkommen vorgelegt. Wir sind bereit, je nach den Umständen über andere Waren zu sprechen.
Drittens, ich habe kürzlich vorgeschlagen, daß die Weltbank ihre Finanzierung von Ressourceninvestitionen erhöht und neue Mittel und Wege prüft, um
ihre Finanzierung mit privatem Management, privaten Fähigkeiten, privater Technologie und privatem Kapital zu kombinieren.
Und letztlich, für die am wenigsten entwickelten Länder ist die entschei- ,*
dende Frage, daß sie eine zuverlässige langfristige Stabilität und ein zuverlässiges langfristiges Wachstum der Exporterträge brauchen.

Es sind Vorschläge'

unterbreitet worden, um die Mechanismen für die Stabilisierung der Erträge zu
überprüfen, vor allem die Verfahren des Internationalen Währungsfonds (IWF)
zum Schutze der Entwicklungsländer gegen exzessive Fluktuationen ihres Exporteinkommens.

Wir sind bereit, uns anderen" bei diesen Anstrengungen anzuschließen.

Es mag andere hier geben, die ihre eigenen Auffassungen darüber haben, wie
man vorgehen sollte und welche neuen Wege man einschlagen sollte, um sich den
Anliegen der Entwicklungsländer zuzuwenden.
Kooperatives Handeln der Industrieländer wird die Wirksamkeit unserer individuellen Anstrengungen vervielfachen und gewährleisten, daß wir einen klaren
Begriff der gemeinsamen Erfordernisse haben.

Die Vereinigten Staaten unter-

stützen daher nachdrücklich die Empfehlung der OECD für die Einsetzung einer
Gruppe auf hoher Ebene zur Prüfung von Vorschlägen für Handelsgüter.
Handel
- 14 -

�Handel und Finanzwesen
Die traditionellen Gebiete der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit, Handel und Finanzwesen, bleiben weiterhin die zentralen Elemente der
Wirtschaftsstruktur.

Wir können nicht auf angemessene Weise für neue Gebiete

der Zusammenarbeit sorgen, wenn wir nicht zunächst einmal ein wirksames Funktionieren des Handels- und Währungssystems sicherstellen.

Obwohl das gegen-

wärtige System sich in den letzten Jahren recht gut bewährt hat, zeichnen sich
zwei Probleme ab:
- Erstens, die Entwicklungsländer mit großen und expandierenden Industriezweigen, vor allem in Ostasien und Lateinamerika, brauchen für ihre Fertigerzeugnisse expandierende Absatzmärkte. Die feierliche Zusage der Deklaration
von Tokio, den Entwicklungsländern einen verbesserten Zugang zu den Absatzmärkten
der industriellen Welt zu schaffen, muß für diese Länder vordringlich verwirklicht werden. Und sie sollten Gelegenheit zur Teilnahme an den Verhandlungen
erhalten.
- Zweitens, die ärmsten Länder brauchen dringend zusätzliche Finanzhilfe.
Sie tragen jetzt eine zweifache Last - höhere Preise für importierte Energie,
Düngemittel und Industrieerzeugnisse und geringere Exporterlöse auf Grund der
weltweiten Rezession.
Wir unterstützen daher die Einrichtung eines besonderen Treuhandfonds im
Rahmen des IWF in Höhe von bis zu 2 Milliarden Dollar im Jahre 1976. Wir haben
vorgeschlagen, daß Goldbestände des IWF durch andere Beiträge, vor allem von
Seiten der öl Produzenten, aufgestockt und zur Bereitstellung der Hälfte der Mittel
dieser Gesamtsumme verwandt werden.

Ich hoffe, daß die OECD-Länder diesen Vor-

schlag auf der Sitzung des IWF-Interimsausschusses und des Entwicklungsausschusses
der Weltbank in zwei Wochen zur Beschlußfassung vorlegen können.
Kurz gesagt, wir schlagen vor, daß sich die Beziehungen zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern auf einem Geist der Zusammenarbeit
und des guten Willens begründen sollen.
- 15 -

Wir fordern die Entwicklungsländer auf,

�-

auf, an diese Frage mit der gleichen Einstellung heranzugehen.

Wir müssen uns

alle klar darüber sein, daß die tatsächliche Verschiedenheit der Parteien und
Interessen eine Vielzahl von Antworten bedingt; daß es keine einzelne Lösung
gibt, die ausreichte; und daß eine Zusammenarbeit der am stärksten betroffenen
Parteien das wirksamste Mittel zur Bewältigung der gemeinsamen Probleme darstellt.
Die Vereinigten Staaten begrüßen den Vorschlag des Generalsekretärs für
eine umfassende Überprüfung unserer wirtschaftlichen Beziehungen zu den Entwicklungsländern.

Wir unterstützen ferner den Vorschlag der Regierung Japans

für eine umfassende Studie innerhalb der OECD über die längerfristige Entwicklung der hochindustrialisierten Gesellschaften im Einklang mit der der Entwicklungsländer.
Es geschieht nicht oft in der Geschichte, daß eine fundamentale Aufgabe
so klar erkennbar ist und sich so die Gelegenheit zur Gestaltung unserer Zukunft bietet.

/.

Wir sind aufgerufen, die Möglichkeiten zu ergreifen, die sich

in der neuen Epoche ergeben, in die die ganze Welt jetzt eintritt.

Wir sollten;»

zuversichtlich und nicht ängstlich sein; andere wollen sich an dem beteiligen,
was wir geschaffen haben.

Unsere Aufgabe ist, den Fortschritt und nicht eine

abstrakte ideologische Konfrontation zu ermutigen.

Mit dieser Einstellung

können wir mit Optimismus den vor uns liegenden wichtigen internationalen Beratungen entgegenblicken, wie etwa der Sondersitzung der Vollversammlung der
Vereinten Nationen in diesem Herbst.

Zusammenfassung
Unsere Zeitepoche ist politisch wie auch wirtschaftlich durch die industrielle Revolution und das fortschreitende Wirtschaftswachstum geformt
worden, das diese mit sich gebracht hat. Ihre Auswirkungen kamen rasch, ihre
Ergebnisse waren gewaltig und ihre Erfolge sind beachtlich. Sie hat ein neues
Zeitalter des Wohlstands geschaffen und dazu beigetragen, daß das vor einem
Jahrhundert auf Westeuropa und die Vereinigten Staaten beschränkte rasche Wirt- 16 -

�Wirtschaftswachstum sich auf zahlreiche Gebiete der Welt ausdehnte.
Im Inland bildete dieser wirtschaftliche Fortschritt eine unerläßliche
Stütze unserer Demokratien.

Er ist die Grundlage eines stabilen, progressiven

und gerechten politischen und sozialen Klimas.
Die jetzt nach Industrialisierung strebenden jungen Nationen haben mit
unserer Hilfe eine ähnliche Chance. Wir haben allen Grund, erwarten zu können,
daß die Zusammenarbeit mit ihnen bei den neuen Aufgaben wie Ernährung, Rohstoffe
und Energie ähnlichen Erfolg haben wird.
matisch eintreten.

Aber der Fortschritt wird nicht auto-

So hängt viel von unserer Entschlossenheit und unserem Weitblick ab.

In

den Geschicken der Menschheit gibt es keinen Stillstand.
Was kein Schritt vorwärts ist, bedeutet bestenfalls Stagnation; häufiger
aber ist es eine Pause vor einem Schritt zurück. Niemand braucht Angst vor den
Problemen zu haben, vor denen wir stehen, denn Fortschritt bringt Probleme
mit sich. Die Ereignisse haben den Ländern der Welt bereits eine einzigartige
Vorstellung von ihrer Interdependenz vermittelt. Die Möglichkeit, ein neues,
bleibendes Kapitel in der Geschichte der internationalen Zusammenarbeit zu
schreiben, liegt jetzt bei uns. Wir sind bereit, den zwingenden Notwendigkeiten,
vor denen wir stehen, zu entsprechen. Wir besitzen die Kenntnisse, die Werkzeuge und die Entschlossenheit. So wollen wir jetzt beschließen, die neue Ära
zu schaffen, wie dies unsere Zeit verlangt.

+ + + + +

- 17 -

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11/1975

SPORT, FREIZEIT UND ERHOLUNG

... ist das Thema einer Show im US-Handelszentrum vom 10. - 13. Juni
1975, Etwa 20 amerikanische Hersteller bieten eine breite Palette an Artikeln für Camping und Wandern, Sport und Wassersport, Turn- und Trimmausrüstungen einschließlich Trainingsgeräten, aber auch Sportplatzausrüstungen,
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+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Ford bekräftigt Bündnistreue der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem Nordatlantikrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Kissingers vor der IEA in Paris am 27. Mai&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede Kissingers vor dem Ministerrat der OECD am 28. Mai&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sport, Freizeit und Erholung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Ausstellung in Frankfurt&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
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Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 5 4 3 2

18. Juni 1975

12
Inhalt

DOKUMENTATION:
Senator Muskie sieht neue weltpolitische Rolle für die USA
- Rede vor dem Chicago Council on Foreign Relations -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Kraft-und Wasserwerk im Hause
-Kompakt-Versorgungssystem in Neubaugebieten - Beitrag zur Energieeinsparung-

Kohlenstaub als Einsatzmaterial für MHD-Generator
-Forschungsprojekt der Stanford-Universität - Auch schwefelhaltige Kohle
geeignet-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Dokumentation

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12/1975

SENATOR MUSKIE SIEHT NEUE WELTPOLITISCHE ROLLE FÜR DIE USA
Rede vor dem Chicago Council on Foreign Relations

Der einflußreiche demokratische Senator
Edmund S. Muskie aus dem Staate Maine, hat
am 2. Juni in einer Rede vor dem Rat für
Auswärtige Beziehungen in Chicago seine
Auffassungen über die künftige weltpolitische
Rolle der Vereinigten Staaten vorgetragen.
Der Chicago Council on Foreign Relations
ist erst kürzlich durch die von ihm in Auftrag gegebene Harris-Umfrage bekannt geworden.
Wir geben hier die Rede Senator Muskies in
wesentlichen Auszügen wieder.

Sowohl hier in den Vereinigten Staaten als auch im Ausland ist man sich
weitgehend darüber einig, daß die amerikanische Außenpolitik an einem Scheidewege steht. Werden die Vereinigten Staaten weiterhin eine aktive Führungsrolle
in der Weltpolitik spielen? Werden der Kongreß und das Volk den Willen haben,
fundamentale amerikanische Verpflichtungen in Übersee zu tragen? Tritt Amerika
in den Hintergrund?
Es kann kein Zweifel bestehen, daß die Vereinigten Staaten eine schwierige
Periode in der Weltpolitik durchgemacht haben.
schwere Rückschläge erlitten.

Unsere Außenpolitik hat einige

Es ist zwischen der Exekutive und der Legislative
- 1 -

�Legislative zu Unstimmigkeiten über einige Grundfragen gekommen.
nationalen politischen Skandal beispiellosen Ausmaßes gegeben.

Es hat einen
Wir erleben un-

sere größten wirtschaftlichen Schwierigkeiten seit den dreißiger Jahren.
All das war Anlaß zu einer Menge apokalyptischer Schilderungen eines absteigenden Amerika und eines Verlustes der nationalen Kraft.

Ich meine, es

ist an der Zeit, damit aufzuhören, und stattdessen eine vernünftige, leidenschaftslose Debatte über die Welt zu beginnen, in der wir leben, und über unsere Zielsetzungen in dieser Welt.
Eine solche Debatte würde meiner Meinung nach zwei konstruktiven Zwecken
dienen:

Erstens, sie würde ein tieferes Gefühl der Einigkeit über fundamentale

Fragen der Außenpolitik erkennen lassen, als viele Leute glauben ... Der zweite
konstruktive Zweck würde darin liegen, daß sie uns zeigen würde, daß wir heute
in einer ganz anderen Welt leben als die, auf die unsere Außenpolitik nach dem
zweiten Weltkrieg eingerichtet war ...

"

Das internationale System, das sich 1945 herausbildete und das bis in die

*-

sechziger Jahre andauerte, wurde im wesentlichen durch ein bipolares Kräfteverhältnis zwischen zwei großen Vereinigungen von Staaten charakterisiert - gefangen
in einem feindseligen gegnerischen Verhältnis, das man so gerne als

"Kalten Krieg"

bezeichnete.
Die Stabilität dieses Systems beruhte weitgehend auf der Existenz von zwei
Supermächten, deren überragende Bedeutung in ihren jeweiligen Sphären von ihren
eigenen Verbündeten niemals ernsthaft in Frage gestellt wurde.

Diese Stabilität

gründete sich im Laufe der Zeit in zunehmendem Maße auch auf das nukleare Gleichgewicht des Schreckens, das von jeder Seite erforderte, daß sie im Umgang mit
der anderen Vorsicht und Zurückhaltung walten ließ, wenn nicht die Ereignisse
außer Kontrolle geraten und zu einer nuklearen Feuersbrunst führen sollten.

Das

war kein sehr angenehmes System - ja es war sogar recht gefährlich - aber es
schuf durch die gegenseitige Lähmung in den Hauptkonfliktgebieten ein dürftiges
Gleichgewicht.

Wie jemand einmal schrieb, die beiden Supermächte glichen zwei

Skorpionen in einer Flasche, die sich gegenseitig in Schach hielten und die ein-

�'

einander nicht aus dem Auge lassen durften.
Wie wir alle wissen, ist dieser Kalte Krieg einer anderen Art von internationalem System gewichen ... China sagte sich offen von der Sowjetunion los
und trat in ein gegnerisches Verhältnis ein. Frankreich unter de Gaulle wurde
zum lautstarken Widersacher einer amerikanischen Hegemonie in Europa.
Die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen beiden Blöcken
wurden intensiver und das Gefühl der Belagerung begann auf beiden Seiten zu
schwinden. Obwohl das militärische Kräfteverhältnis im wesentlichen bipolar
blieb, verwandelte sich in anderer Hinsicht die bipolare Welt des kalten Krieges
in eine multipolare Welt mit mehreren bedeutsamen Machtzentren ...
Diese natürliche Entwicklung weg vom System des Kalten Krieges wurde ferner
durch die konzertierte Anstrengung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
r

beschleunigt, von einer Konfrontation zu Verhandlungen über Grundfragen zu gelangen, die uns getrennt haben.

^

grenzt gewesen.

Die Zielsetzung der Entspannung ist immer be-

Es handelt sich dabei nicht um ein Bemühen, ein Verhältnis

großer Wärme und gegenseitiger Freundschaft zu entwickeln, sondern einfach um
eine Anstrengung, die gefährlichsten Gebiete des Konflikts zu dämpfen und so
eng wie möglich bei der Erreichung des einen gemeinsamen und über allem stehenden
Zieles zusammenzuarbeiten:

der Vermeidung eines Nuklearkrieges.

Ich bin überzeugt, daß die Entspannung eine kluge und weise Reaktion auf
die Konfrontationspolitik des Kalten Krieges war.

Sie geht von der Erkenntnis

aus, daß sich die beiden Skorpione zwar bisher nicht gegenseitig umgebracht,
daß sie jedoch bisher ihr Glück strapaziert haben. Wie es Stanley Hoffmann von
der Harvard-Universität ausdrückte, hat Außenminister Kissinger

"in sehr kluger

Weise und zurecht versucht, unsere Politik (gegenüber der Sowjetunion) aus
einer Beziehung der Gegnerschaft in eine Beziehung der halben Gegnerschaft und
der halben Zusammenarbeit zu verwandeln." ...
Aber, wie Hoffmann weiter sagte,

"hat Kissinger die Entspannung mit der

Vorstellung in Angriff genommen, daß alles andere sich regeln werde, wenn er
- 3 -

�II

er nur diese Schlüsselbeziehung in der Hand habe.

Das Problem dabei ist je-

doch, daß die beiden Supermächte immer weniger von der Weltpolitik kontrollieren.
Was wir heute erleben, ist die Rache aller anderen Beteiligten, die jetzt ihre
eigenen Interessen verfolgen.

In der ganzen Welt erleben wir eine Selbstbehaup-

tung der kleineren Nationen."
Die Welt, in der wir heute leben, hat sich bereits über das multipolare
Stadium hinaus entwickelt.
werden.

Sie steht im Begriff, völlig dezentralisiert zu

Die Historiker werden sich vielleicht später auf die gegenwärtige Ära

als die Ära der Balkanisierung der Weltpolitik beziehen.

In einer solchen Welt

werden Frieden und Fortschritt der Geduld, der flexiblen Diplomatie und einer
wahrhaft brillanten Staatskunst bedürfen.
in einer solchen Welt tun?

Was können die Vereinigten Staaten

Welche Rolle können sie spielen?

Das Wichtigste, was wir erkennen müssen, wenn wir die heutige Welt betrachten, ist einfach das: Wir sind nicht mehr die Hüter der Welt. Aus dem zweiten*
Weltkrieg sind wir als die vorherrschende Macht hervorgegangen. Unsere Vorherrschaft wurde nach dem Kriege durch kommunistische Erfolge und die Entwick- 9
lung einer Nuklearkapazität in der Sowjetunion untergraben. Und sie ist weiter
dahingeschwunden in dem Maße, in dem unsere eigenen Verbündeten eine unabhängigere Politik einzuschlagen begannen. Und in jüngster Zeit hat unsere Vorstellung von uns selbst als Supermacht einen neuen Tiefschlag erlitten durch
die offensichtliche Fähigkeit kleinerer Staaten - einzeln oder kollektiv, wie
in den Vereinten Nationen - ungestraft auf unseren Interessen herumzutrampeln ...
Es ist jedoch nützlich, sich daran zu erinnern, daß die Erosion unseres
Einflusses in der Welt weitgehend aus dem Entstehen stärkerer und lebensfähigerer
Nationalstaaten unter unseren Verbündeten und in der Dritten Welt herrührt.

Und

gerade eine solche Entwicklung ist ein Grundziel unserer amerikanischen Außenpolitik seit dem zweiten Weltkrieg gewesen.
Harlan Cleveland hat kürzlich darauf hingewiesen, daß unsere gegenwärtigen
Verhältnisse aus unseren eigenen Anstrengungen resultieren, und er hat uns
daran erinnert, daß wir schon vor langer Zeit beschlossen haben, daß wir nicht
- 4 -

�nicht mehr der Hüter der Welt sein wollen.

Und wir wollten auch nicht, daß es

jemand anders sein sollte. Wir haben mit dem Baruch-Plan den Vereinten Nationen
unser Atommonopol angeboten. Wir haben Westeuropa geholfen, Gesundheit und
Selbstvertrauen wiederzugewinnen.

Wir haben den Grundsatz der Entwicklungshilfe

für die unterentwickelten Länder aufgestellt. Wir haben Tausenden junger Menschen in der ganzen Welt eine Ausbildung gegeben.

Wir haben nachgeholfen, daß

viele Kolonien selbständig wurden und haben damit eine neue Mehrheit in den Vereinten Nationen geschaffen.

Unsere Ziele waren richtig und unsere

Erfolge ein-

drucksvoll ...
Die Entstehung dieser neuen Welt schafft jedoch für die amerikanische Außenpolitik echte Probleme. Obwohl wir nicht mehr der Hüter der Welt sind, bleiben
wir doch die stärkste Macht. Wir haben weltweite Interessen und es liegt uns
wirklich etwas daran - ja, es ist vielleicht unsere Hauptverantwortung - den
Frieden zu wahren.

Wir müssen weiterhin Ziele verfolgen, die wir in der Ver-

gangenheit verfolgt haben, aber mit weniger Hebelkraft.

Die Spielregeln haben

sich geändert.
Die traditionellen Werkzeuge der Diplomatie sind in vielen Situationen
nutzlos geworden.

So ist beispielsweise die Aufrechterhaltung eines mili-

tärischen Kräftegleichgewichts noch immer eine notwendige Vorbedingung für unsere Sicherheit - aber sie reicht bei weitem nicht aus ...,

denn die Bedro-

hungen des amerikanischen Einflusses in der Welt konzentrieren sich heute nicht
mehr auf die kommunistische Welt, noch sind sie militärischer Natur.

Die

neuen Bedrohungen sind jene, über die wir wenig Kontrolle haben, die durch die
innere Entwicklung in vielen Ländern beeinflußt werden und die von Persönlichkeiten und Regimen ausgehen, die an die Macht kamen und uns feindlich gesinnt
sind ...
Kurz gesagt, die Vereinigten Staaten können nicht mehr damit rechnen, die
Weltpolitik mit Hilfe der traditionellen Techniken der Macht, der Auslandshilfe,
der geheimen Verschwörung oder der großen Bündnisse zu

"managen". Wir werden

stattdessen eine geschicktere und flexiblere Diplomatie brauchen.

Wir werden

uns mehr auf unsere Köpfe als auf unsere militärischen oder wirtschaftlichen

�wirtschaftlichen Muskeln verlassen müssen.

Und wir müssen einfach lernen,

mit Ereignissen zu leben, die unkontrollierbar sind, so geschickt unsere Diplomatie auch sein mag ...
-

Nehmen wir beispielsweise die Sowjetunion.

Es gelang ihr nicht, nach dem

zweiten Weltkrieg ihre politischen Ziele in Europa zu erreichen, trotz der Tatsache, daß Europa gelähmt zu ihren Füßen lag.

Die Sowjets schmiedeten ein auf-

sehenerregendes Bündnis mit China, nur um es in Stücke fallen zu sehen.

Sie

gewannen einen Zugang zu Kuba, nur um von Präsident Kennedy in der Raketenkrise gedemütigt zu werden.

Sie lieferten den arabischen Staaten Waffen, nur

um zu erleben, daß ihre Militärberater aus Ägypten ausgewiesen wurden.
wo spricht jemand davon, daß die Sowjetunion

Aber

"dahinschwinde"? ...

Wollen wir doch die Dinge weiterhin in der richtigen Perspektive sehen.
Wir stehen nicht am Ende des amerikanischen Einflusses.

Wollen wir uns also

vernünftig darüber unterhalten, wie dieser Einfluß am besten genutzt werden
kann.

Jetzt, da der Krieg in Indochina hinter uns liegt, existiert meiner

Meinung nach eine feste Grundlage für nationale Einigkeit über die Hauptaufgaben, vor denen wir stehen.

Ich möchte diese Aufgaben mit den Worten Harlan

Clevelands zusammenfassen als die Notwendigkeit, in einer führerlosen Welt Institutionen der kollektiven Führung aufzubauen und

"unsere amerikanische Er-

findungskraft auf die humane Bewältigung der Interdependenz anzusetzen."
Außenminister Kissinger hat kürzlich die Hauptaufgaben unserer Außenpolitik aufgezählt, und im Geiste der Überparteilichkeit möchte ich meine eigene
nachdrückliche Unterstützung zum Ausdruck bringen. Zu diesen Aufgaben gehört
die Notwendigkeit, die großen demokratischen Bündnisse aufrechtzuerhalten und
zu stärken, die einen "Anker gemeinsamer Werte und Zielsetzungen" darstellen,
wenn wir darum ringen, mit der Welt von heute fertig zu werden. Wir müssen
auch ein fundamental reformiertes internationales Wirtschaftssystem anstreben,
das den legitimen Ansprüchen der Entwicklungsländer Rechnung trägt ...
Wir können unsere Ziele in der Welt nicht durch militärische Macht allein
erreichen, und selbst mit unserer gewaltigen wirtschaftlichen Macht können
- 6 -

�können wir sie nicht erreichen.

Wir müssen stattdessen unsere Ziele mit

Hilfe einer Kombination von diplomatischem Geschick und internationaler politischer Führung verfolgen - einer Führungsposition, die nicht in erster Linie
durch die Glaubwürdigkeit unserer militärischen Verpflichtungen, sondern durch
die Glaubwürdigkeit der politischen Werte getragen wird, für die wir einstehen.

+ + + + +

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12/1975

KRAFT- UND WASSERWERK IM HAUSE
Kompakt-Versorgungssysteme in Neubaugebieten - Beitrag zur
Energieeinsparung

- (AD) - Eine Entlastung der Großkraftwerke und anderer großer Versorgungsbetriebe bei einer gleichzeitigen Minderung der Schwierigkeiten von Kommunen,
ihre Stadtentwicklungsphase fristgemäß zu verwirklichen, könnte durch die Verwendung von "Modular Integrated Utiliy Systems" (MIUS) erreicht werden. Mit
Hilfe von MlU-Systemen, die als "Kompakt-Versorgungssysteme in variabler Kombination"

gebaut werden sollen, wären auch

Energieeinsparungen zwischen 14 und

42 Prozent gegenüber dem Energieverbrauch bei Inanspruchnahme herkömmlicher Versorgungsanlagen denkbar.
Vor allem das US-Wohnungsbauministerium ist an der Entwicklung und Erprobung kombinierter Kompakt-Versorgungssysteme interessiert, die für Einzelaufgaben wie Müllverbrennung, Stromerzeugung, Raum- und Wasserheizung, vielleicht
auch Abwasserbehandlung und Wasseraufbereitung im "Kleinverbund"
werden könnten.

eingesetzt

Sie dürften sich, sofern bestimmte Kriterien (z.B. Schwierig-

keiten bei der Ausweitung der öffentlichen Versorgungsnetze in dicht besiedelten
Gebieten) gegeben sind, für Wohnviertel- und Bürohaus-Neubauprojekte besonders
gut eignen.
Ein
- 1-

�Ein Expertenausschuß der

"National Academy of Engineering"

(NAE) hat

bereits einen Bericht verfaßt, der das Für und Wider von Kompakt-Versorgungssystemen behandelt.
Service"

Er soll in Kürze über den

"National Technical Information

(dem US-Handelsministerium angeschlossen) veröffentlicht werden.

Nach Ansicht dieses Gremiums
Direktor in der

(Vorsitz: G.O. Wessenauer, früher Technischer

"Tennessee Valley Authority") ist das MlU-System allerdings

nur sinnvoll, wenn die Untersysteme in befriedigender Weise zu integrieren sind.
Deshalb wird empfohlen, Forschungs- und Entwicklungsprojekte für Aggregate und
Anlagen, die als Untersysteme - etwa für Raum- und Wasserheizung, Kühlung, Stromerzeugung etc. - in Frage kämen, aufmerksam zu verfolgen und sich nicht mit
der Verwendung dessen zufriedenzugeben, was bereits auf dem Markt ist. Neuentwicklungen könnten durchaus leistungsfähiger sein und wirtschaftlicher arbeiten als die herkömmlichen Aggregate.
Um der totalen Energienutzung mit kombinierter Versorgung und Entsorgung
näher zu kommen, seien Konzeptionen interessant, die die Nutzbarmachung der

,

Abwärme berücksichtigen - z.B. für die Abwasserbehandlung bis zur Neuaufbereitung des Wassers, für

die Abtrennung und Rückgewinnung brauchbaren Altmaterials f

aus festen Abfällen und die Brennstoffgewinnung aus Müll.

Bei sorgfältiger

Abwägung der lokalen und regionalen Umstände und entsprechender Wahl der Untersysteme seien MIUS durchaus geeignet, zur Einsparung von Rohstoffen, Verringerung
des Energieverbrauchs und der Umweltbelastung (einschließlich der "thermischen
Verschmutzung") beizutragen.

Außerdem könnten sie, da die Installierung mit

neuen Projekten der Stadtentwicklung zeitlich abzustimmen sei, die Bemühungen
der Regierung unterstützen, minderbemittelten Familien schneller zu einer Wohnung zu verhelfen.

Die Nutzung und Erschließung von Land würde verbessert, die

Gesamtkosten für die Einrichtung und Unterhaltung von Versorgungssystemen würden
aller Voraussicht nach verringert.
Erstrebenswert sei, wie Fachleute des US-Wohnungsbauministeriums betonen,
die Entwicklung von MIUS, die mit Kohle anstatt mit öl, Gas oder Strom aus Atomkraftwerken betrieben werden können.

Wo bereits konventionelle Versorgungs-

systeme vorhanden seien, werde die Entscheidung für oder gegen MIUS davon bestimmt, welcher Art das konventionelle System ist und inwieweit die Kompakt-

�Kompakt-Systeme zur Einsparung von Energie beitragen können.

Höchste Priorität ist nach Ansicht des Expertengremiums der national Akademie der Entwicklung von kombinierten Demonstrationssystemen einzuräumen,
die Wasserbehandlung bis zur Trinkwassergewinnung, die Verarbeitung von flüssigen
und festen Abfällen und die Nutzbarmachung aller Quellen von Energie innerhalb
des Systems berücksichtigen.

Als neuartige Einzelentwicklungen seien u.a. Ver-

brennungsanlagen mit sinnvoller Wärmenutzung, Speicherung von Wärmeenergie,
Brennstoffzellen, verbesserte Abfallbehandlung, Kühlen und Heizen mit Sonnenenergie empfehlenswert.

In weiteren Studien seien die Wirtschaftlichkeit ver-

schiedener MlU-Systeme nach Größe und Kombination, Kosten-Nutzen-Vergleiche,
wirtschaftliche Risiken, Finanzierung- und Fabrikationsfragen zu untersuchen.

Ungeachtet des großen Interesses der Öffentlichkeit für Sonnenenergie und
mancher spektakulären Versuchsprojekte, bei denen ein Großteil oder angeblich
sogar 100 Prozent des Energiebedarfs durch das Einfangen und die Umwandlung von
Sonnenenergie gedeckt wird, stößt dies in der Praxis auf große Schwierigkeiten.
Dr. Erich Farber, Direktor des Instituts für Sonnenenergie und Energieumwandlung der Universität Florida in Gainesville (Florida), befaßt sich seit mehr
als 20 Jahren mit diesem Problem.

Angesichts der überaus hohen Investitions-

kosten - bei allerdings geringen Betriebskosten - sei vorläufig nicht damit
zu rechnen, daß Sonnenenergie über den Status einer
für Heiz- und Kühlzwecke hinausgelange.
Farber

"Hilfsenergiequelle"

z.B.

"Für die Stromerzeugung", so Prof.

"ist Sonnenenergie einfach zu teuer.

Von den Kosten bei den herkömm-

lichen kommerziellen Systemen sind wir noch um zwei oder gar drei Größenordnungen entfernt.

Das würde sich natürlich sofort ändern, wenn jemandem etwas

einfiele, wie man Sonnenzellen, die sich ja in der Raumfahrt so gut bewährt haben,
für ein Tausendstel der heutigen Kosten produzieren könnte."

+ + + + +

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12/1975

KOHLENSTAUB ALS EINSATZMATERIAL FÜR MHD-GENERATOR
Forschungsprojekt der Stanford-Universität - Auch schwefelhaltige
Kohle geeignet

- (AD) - Eine wesentliche Verbesserung des Wirkungsgrades bei der Stromerzeugung aus Kohle ist das Ziel einer zunächst auf drei Jahre befristeten
Studie, die mit einem MHD-Generator im Institut für Hochtemperatur-Gasdynamik
der Stanford-Universität (Kalifornien) durchgeführt wird.

Unter der Leitung

von Prof. Robert H. Eustis (Department für Maschinenbau, Stanford) werden im
Rahmen eines 770 O00-Dollar-Vertrags mit dem "Institut für Elektroenergie-Forschung"

(Electric Power Research Institute - EPRI) in Palo Alto spezielle Ver-

suche zur direkten Umwandlung von Wärme in elektrische Energie durch Verbrennen
von Kohlen-Feinstaub unternommen.

Mit den heißen Abgasen des MHD-Generators

will man zusätzlich konventionelle Dampfturbinen betreiben.

EPRI, eine Grün-

dung der amerikanischen Privatwirtschaft aus dem Jahre 1973, wird zu mehr als
80 Prozent von Kraftwerksunternehmen finanziert.
Die meisten MHD-Generatoren arbeiten mit "sauberen"

Brennstoffen, z.ß.

mit heißem Erdgas oder mit bestimmten Anteilen der Verbrennungsgase von Kohle
und Erdöl.

Die Stanford-Studie soll demonstrieren, daß auch fein pulverisierte

und sogar stark schwefelhaltige Kohle direkt eingesetzt werden kann. Dem
magneto-hiydrodynamisehen (MHD) Generator liegt das Prinzip zugrunde, den Energie*
träger - Gase oder auch Metalldampf - stark zu erhitzen und zu beschleunigen, wo-

�i
wobei viele der Moleküle und Atome ionisiert werden.

Ein intensives, quer

zur Strömungsrichtung verlaufendes Magnetfeld trennt die elektrisch positiv
und negativ geladenen Teilchen.

Sie sammeln sich an Anoden und Kathoden und

bauen ein starkes elektrisches Feld auf, das sich für die Stromgewinnung nutzen
läßt.
Der besondere Vorteil von MHD-Generatoren, bei deren Entwicklung noch
verschiedene Linien verfolgt werden, läge darin, daß sie, wenn die noch bestehenden Probleme gelöst sind, den Wirkungsgrad für die Energie-Umsetzung auf
50 - 60 Prozent erhöhen könnten.

Bei den modernen Kohlekraftwerken, die eben-

falls Kohlenstaub verbrennen, werden über die Dampfturbinen'nur etwa 40 Prozent
der Wärmeenergie als elektrische Energie zurückgewonnen.
In der Stanford-Studie können experimentelle Erfahrungen mit MHD-Generatoren
als Vorschaltaggregat für Dampfturbinen bereits berücksichtigt werden.
beitsprinzip für die Versuchsserien wird folgendermaßen beschrieben:
Brennkammer erzeugte heiße Gas wird mit einer Kaliumverbindung

Das ArDas in der

"geimpft",

die durch die Abgase von Elektronen an das Gas die Ionisation fördert.

Das

»

schnell strömende, ionisierte Gas wird zum MHD-Kanal mit positiven Elektroden
(Anoden) auf der einen und negativen Elektroden (Kathoden) auf der anderen
Seite geleitet.

Das dort wirksame starke Magnetfeld lenkt die elektrisch ne-

gativen Elektronen zu den Anoden, die positiv geladenen Gasmoleküle zu den
Kathoden.

Die Elektroden sind so geschaltet, daß elektrischer Strom zu fließen

beginnt.
Die Kalium-Verbindung hat noch eine zweite Funktion - sie reinigt die
"schmutzige" Kohle und bindet den darin enthaltenen Schwefel durch Bildung
von unschädlichem Kaliumsulfat.

Dieses kann gesammelt und abgetrennt, das

Kalium für den Prozeß wiederverwendet werden.

Eine der Fragen, die das For-

schungsprojekt lösen helfen soll, ist die Wirkung der entstehenden Kohleschlacke
auf den Betriebsablauf.

Prof. Eustis ist der Ansicht, daß die Schlacke sogar

die Leistung des MHD-Generators steigern könnte, weil sie die Elektroden isoliert, den MHD-Kanal vor den korrodierenden Gasen schützt und eine Art ReparaturMechanismus für Schäden in Gang setzt, die durch elektrischen Funkenüberschlag
entstehen.

Etwa

�Etwa 10 Prozent des Kohlenstaubs dürfte Schlacke bilden, die sich als
ca. drei bis sechs Millimeter dicke Schicht an der Innenwand des Kanals ansetzt.

Was darüber hinausgeht, wird ständig abgeschmolzen und von der Strö-

mung mitgerissen.

Die Untersuchungen werden sich zunächst auf sorgfältige Mes-

sungen der Schlackepartikel, auf das Verhalten der Schlackenschicht und ihre
Auswirkungen auf die elektrische Leistung konzentrieren.

Auch werden die ver-

schiedensten Kohlearten, fein pulverisiert, als Brennstoff für das Laboraggregat
erprobt.

Die Ergebnisse der Studie liefern wichtige Beiträge zu einer optimalen

Konstruktion von MHD-Großgeneratoren.

+ + + + +

�</text>
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