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Dokumentation

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Nummer

24. A p r i l 1974

Inhalt
INFORMATION
Maschinen und Zubehör für Druck und Graphik
Neuheiten aus USA in Frankfurt
Sonderausstellungen in Wien und Mailand werben für den US-Export
Fulbright-Stipendien zum Studi um in den USA im Studienjahr 1975/76

DOKUMENTATION
Erklärung des US-Atlantikrates zur Solidarität im Bündnis
- Wortlaut E r k l ä r u n g d e s NATO-Sprechers z u d e n MBFR-Verhandlungen i n Wien
vom 1 0 . A p r i l 1974

WIRTSCHAFT

William E. Simon zum neuen Finanzminister der USA nominiert

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

WESTAR - erster kommerzieller Nachrichtensatellit in USA
Fernmeldegesellschaft "Western Union" dehnt ihr Leitungsnetz auf den
Weltraum aus

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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MASCHINEN UND ZUBEHÖR FÜR DRUCK UND GRAPHIK
Neuheiten aus USA in Frankfurt

Mehr als zwanzig amerikanische Hersteller zeigen ihre neuesten Produkte
und Entwicklungen in der Ausstellung "Maschinen und Zubehör für Druck und
Graphik", die vom 14. bis 17. Mai im Frankfurter US-Handelszentrum stattfindet.
Ein Teil der Firmen ist neu auf dem deutschen bzw. europäischen Markt und
sucht hier in erster Linie Vertretungen, Lizenznehmer und Partner für gemeinsame Projekte.
Das Ausstellungsprogramm umfaßt u.a. eine große Auswahl an Fotosatzsystemen
und Zubehör, darunter eine Videosetter-Kathodenstrahlfotosetzmaschine für
800 000 Zeichen pro Stunde und optische Belegleser zur direkten Ansteuerung
von Fotosetzmaschinen oder Erstellung von Lochbändern direkt vom Manuskript;
Reprokameras, Kopierbelichtungsmesser, Offsetkopiergeräte, elektronische Belichtungsrechner, Densitometer und Belichtungsmesser an Filmen während des
Entwicklungsprozesses in der Dunkelkammer; ein Datensystem für die Farbformulierung durch Ferndatenverarbeitung über normale Fernsprechleitungen zu
einem Datencenter; flexographische Etikettendruckmaschinen, Vorlagen und
Farbauszüge für den Druck von Kalendern, Gruß- und Glückwunschkarten, Raster,
Muster und Schriften auf Folien, Blattschneide-, Stanz-, Binde-, Laminierund Folienkaschiermaschinen, Zähl- und Stapeleinrichtungen für Zeitungen,
Walzen- und Gummituchwaschmittel, Regenerierungsmittel, Zusammentrag-, Adressier- und Postbearbeitungsmaschinen, neuartige mikroverkapselte Druckbe-

�Druckbestäubungsspender und Papierbahnbefeuchter für Rollenoffset.

Weitere Informationen durch US-HandelsZentrum, 6000 Frankfurt,
Bockenheimer Landstraße 2 - 4 , Tel.: 720801, Telex: 416535.

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SONDERAUSSTELLUNGEN IN WIEN UND MAILAND WERBEN FÜR DEN US-EXPORT

Zwei Sonderausstellungen der amerikanischen Handelszentren in Wien und
in Mailand werden im Mai für den amerikanischen Export werben und den beteiligten
Firmen bei der Erschließung neuer Märkte helfen.

In Wien werden vom 15. bis 17. Mai in einer Gemeinschaftsausstellung
des amerikanischen Ost-West-HandelsZentrums sieben Firmen Geräte und Ausrüstungen für die Erdöl- und Erdgasgewinnung zeigen, wie sie während der gesamten Betriebsdauer einer Quelle benötigt werden. Die Ausstellung ist speziell auf den Bedarf und die Gegebenheiten des osteuropäischen Marktes ausgerichtet. Bei den ausstellenden Firmen, für die der osteuropäische Markt
Neuland ist, handelt es sich um die "Core Laboratories Inc." aus Dallas, die
Houston Engineers Inc.", die "Halliburton Company" aus Dallas, die "Geolograph
Company" aus Oklahoma City, die "Perry Equipment Corp." aus Mineral Wells,
Texas, die "Byron Jackson Inc." aus Houston sowie die "Max Daggett Export
Management Company" aus North Ridge, Kalifornien.

Die Ausstellung gibt einen Überblick über den neuesten Stand der Bohrtechniken wie auch auf dem Gebiet der Sicherheits- und Überwachungseinrichtungen.
Neben neuem Gerät für Bohrkernanalysen und Flüssigr.aterial-Analysen werden unter
anderem auch für tiefste Bohrlöcher geeignete Prüf- und Meßgeräte, neuartige
Kontroll- und Warneinrichtungen, wie sie bei Bohrungen benutzt werden, Zweistufenfilter für Verdichter, ein neuartiger Rohrschutz für Tiefbohrungen so-

- 1 -

�sowie Druck-Transducer mit austauschbaren Membranen gezeigt. Vertreter der
ausstellenden Firmen werden auf der Ausstellung zur Beantwortung von Fragen
zur Verfügung stehen.

In Mailand zeigen rund 50 Firmen vom 14. bis 18. Mai ihre neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Datenverarbeitung und Übermittlung. So werden
Computer - vom Groß- bis zum Mini-Computer - samt allen Komponenten, Computer
CRT-Terminale und Display-Systeme, Datenübertragungs- und Dateneingabesysteme,
Datenkonvertiergeräte, programmierbare und nicht-programmierbare Terminals,
Video-Terminals, Dateneingabeterminals, Schnelldrucker, Teledrucker, Miltiplexer, Optical Scanner, Klarschriftleser, Computerfilmausgabegeräte, Microfiche Vervielfältiger und Betrachter, Plotter, Magnetbandsysteme, Digitalkassetten, Fernschreibtest- und Prüfgeräte, Modems, Interface Adaptorgeräte,
Breitbandleitungen, Tonsignalgeräte, Schnelldatengeräte, Dekodiergeräte, Seitendrucker, programmierbare Tischrechner sowie Software-Produkte zu sehen sein.
Die Ausstellung bietet den europäischen Besuchern eine einmalige Gelegenheit,
sich über die fortgeschrittenen Technologien dieser "Industrie von morgen"
zu unterrichten.

Unter den ausstellenden Firmen sind so bekannte Namen zu finden wie
"Eastman Kodak", "Singer Business Machines", "Codex Inc." und "Tektronix",
aber auch Neulinge auf dem europäischen Markt wie "International Data Systems",
"National Computer Rentals" und "Prime Computer", die besonders an einer Anbahnung von Geschäftsverbindungen in der Bundesrepublik interessiert sind. Viele
dieser Firmen suchen Vertreter, Lizenznehmer sowie Partner für gemeinsame Projekte. Während der Ausstellung werden in Vorträgen und Diskussionen von den
beteiligten Firmen die wichtigsten Aspekte ihrer neuen Entwicklungen erläutert
sowie Einzelheiten dieser alle

Bereiche unseres Lebens revolutionierenden

Technologie aufgezeigt.

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FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA IM STUDIENJAHR 1975/76

Auch für das Studienjahr 1975/76 kann die deutsche Fulbright-Kommission
wieder kombinierte Reise- und Aufenthaltsstipendien zum Studium an amerikanischen Hochschulen an deutsche Studenten vergeben. Bewerbungen müssen bis
zum 15. Juni 1974 eingereicht werden, und zwar von immatrikulierten Studenten
bei den Akademischen Auslandsämtern der Hochschulen.

In Abänderung der Richtlinien werden Jungakademiker mit abgeschlossenem
Hochschulstudium nunmehr an den Deutschen Akademischen Austauschdienst verwiesen.

Weitere Auskünfte erteilen die Akademischen Auslandsämter der deutschen
Hochschulen sowie die Fulbright-Kommission selbst: 5 300 Bonn-Bad Godesberg 1
Theaterplatz 1 A, Postfach 208

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ERKLÄRUNG DES US-ATLANTIKRATES ZUR SOLIDARITÄT IM BÜNDNIS
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der Atlantikrat der Vereinigten Staaten hat am
15. April in einer Erklärung nachdrückliche Anstrengungen von amtlicher und
privater Seite gefordert, um die Meinungsverschiedenheiten im Nordatlantischen
Bündnis beizulegen und die Solidarität zu stärken. Der Vorstand der privaten
Gesellschaft, die der Vereinigung der Atlantischen Gesellschaften (ATA) angehört, hat in seiner Erklärung vor der Gefahr isolationistischer Impulse gewarnt. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"1. Der kürzliche Ausbruch der öffentlichen Kontroverse unter den nordatlantischen Verbündeten manifestiert seit langem bestehende Meinungsverschiedenheiten, die in den letzten Jahren und vor allem in den letzten Monaten akut geworden sind. Die durch diese Episode zutage getretenen Schwierigkeiten müssen
durch nachdrückliche amtliche und private Anstrengungen überwunden werden, um
die Solidarität des Bündnisses wiederherzustellen, das die Grundlage für die
Sicherheit und die Prosperität eines jeden verbündeten Landes bildet. Wenn es
nicht gelingt, diese Meinungsverschiedenheiten jetzt beizulegen, dann könnte
dies in gefährlicher Weise separatistische und isolationistische Impulse in
Europa, den Vereinigten Staaten und Kanada stärken.

2. Die

�2. Die jüngsten Meinungsverschiedenheiten unter den Verbündeten, so ernst
sie auch sein mögen, geben ein irreführendes Bild von dem Zustand des Bündnisses. Über Sicherheitsprobleme und auch über einige politische und wirtschaftliche Fragen haben die atlantischen Verbündeten auf einer Reihe wichtiger Gebiete Übereinstimmung erzielt. Die Verbündeten waren sich, das ist richtig,
hinsichtlich der Politik während des Oktober-Krieges im Nahen Osten und danach
nicht einig. Es wäre sehr viel besser gewesen, wenn sie in Nahost-Fragen eine
konzertierte Politik verfolgt hätten, wie das im Jahre 1967 praktisch der Fall
war. Wir hoffen jedoch, daß sich jetzt eine konzertierte Nahost-Politik des
Bündnisses herausbildet, um die entscheidenden Friedensverhandlungen zu unterstützen, die 1974 stattfinden dürften.

Wir begrüßen den Erfolg der jüngsten Washingtoner Energiekonferenz als
einen sehr wichtigen Sieg des Prinzips der Solidarität der Verbündeten. Und
wir begrüßen das Ergebnis der deutsch-amerikanischen Offset-Verhandlungen.
Beide Regierungen haben weitblickende und konstruktive Standpunkte eingenommen,
die die Zahlungsbilanzkosten der Vereinigten Staaten für die Aufrechterhaltung
ihrer Streitkräfte in Deutschland aufheben dürften. Wir hoffen und wünschen,
daß der Erfolg dieser schwierigen deutsch-amerikanischen Verhandlungen wiederum zu einer Lösung des Problemes des Ausgleichs der Zahlungsbilanzfolgen der
Sicherheitsdispositionen des Bündnisses im größeren Bündnisrahmen führen wird,
zu einer Lösung also, durch die eine gerechte Verteilung dieser Kosten erreicht würde.

Vor allem möchten wir die Aufmerksamkeit auf den außerordentlichen Erfolg
des Europäischen Verteidigungsverbesserungsprogramms (EDIP) wenden, das zu
wesentlichen Steigerungen der Verteidigungsausgaben der europäischen Verbündeten seit 1970 geführt hat. Der Stellvertretende Außenminister Rush hat dazu
am 10. Juli 1973 erklärt: 'Der amerikanische Beitrag ist zwar höchst bedeutsam - vor allem wegen der Qualität unserer Streitkräfte - aber unsere Verbündeten tragen in der NATO fast 90 Prozent der Landstreitkräfte bei, 80 Prozent
der Seestreitkräfte und 75 Prozent der Luftwaffe. In Mitteleuropa stellen die
Verbündeten - einschließlich Frankreichs - 25 der 29

1/3 einsatzbereiten Di-

visionen'. Minister Rush wies darauf hin, daß die gegenwärtigen Ausgaben der

�der europäischen Verbündeten für die Verteidigung Europas fast doppelt so
hoch sind wie im Jahre 1965. Ihre Ausgaben für die Verteidigung von NATOEuropa sind im Verhältnis zum Nationaleinkommen höher als die unsrigen.

3. Es läßt sich jedoch nicht bestreiten, daß die atlantischen Verbündeten
in einer Reihe entscheidender politischer und wirtschaftlicher Fragen noch
immer gefährlich zerstritten sind. Angesichts der Probleme der nuklearen Abschreckung und der sowjetischen Außenpolitik stimmen alle Verbündeten überein,
daß ihre Sicherheitsinteressen unteilbar sind und bleiben. Nationen mit einem
gemeinsamen Schicksal, wie die atlantischen Verbündeten, können sich nicht
über wichtige politische und wirtschaftliche Fragen in den Haaren liegen, ohne
den Zusammenhalt in

Sicherheitsfragen und anderen Fragen gemeinsamen Interesses

zu opfern. Ihre gemeinsamen Interessen überwiegen bei weitem die einzelnen nationalen Interessen eines jeden von ihnen. In solchen Fragen sollten sie sich
zumindest regelmäßig konsultieren, um ihre Differenzen so klein wie möglich
zu halten. Günstigstenfalls sollte ihre Politik harmonisiert und konzertiert
sein. Das ist die Empfehlung der 'Drei Weisen' im Jahre 1956, des Harmel-Berichtes, der im Jahre 1967 vom Nordatlantikrat gebilligt worden ist, und des
Neuner-Ausschusses im Jahre 1973.

Der Apparat für die Harmonisierung und Konzertierung alliierter Politik
in politischen und Sicherheitsfragen existiert im Nordatlantikrat und in wirtschaftlichen Fragen in der OECD und anderen Gremien. An was es bisher gefehlt
hat, war der politische Wille, diese Verfahren auf regelmäßiger und anhaltender
Basis zu benutzen. Es ist jetzt an der Zeit, daß die Verbündeten die Suche
nach einer gemeinsamen oder harmonisierten Politik intensivieren. Die Welt
hat sich seit der Zeit Präsident Trumans, als die NATO geschaffen wurde, unwiderruflich geändert. Europa, die Vereinigten Staaten und Kanada sind heute
mehr voneinander abhängig (interdependent) als damals. Das ist eine Tatsache,
an der keine Nation rütteln kann. Und es ist eine Tatsache mit weitreichenden
politischen Folgen.

4. Die öffentliche Meinung in Amerika muß die Tatsache akzeptieren, daß
in einer nuklearen Welt die Dislozierung starker amerikanischer konventioneller

�-*

konventioneller Streitkräfte in der Vorne-Verteidigung in Europa auf unbestimmte Dauer beibehalten werden muß, um sicher zu gehen, daß man in Krisenfällen mit konventionellen Kräften auskommen kann. Niemand möchte sich erneut der Illusion zuwenden, daß 'massive Vergeltung' eine Politik darstellt,
die man nur im äußersten Notfall anwenden kann. Wir begrüßen daher die Zusicherungen, die. Präsident Nixon jüngst in Houston gab, daß er sich auch
weiterhin einem einseitigen Abzug amerikanischer Truppen aus Europa widersetzen werde.

5. Auf der anderen Seite muß man aber auch in Europa genau so die Tatsache akzeptieren, daß politische und wirtschaftliche Fragen nicht hermetisch
von Sicherheitsfragen getrennt werden können. Die eigentlichen wichtigen politischen und wirtschaftlichen Fragen umfassen auch Elemente, die von hoher Bedeutung für die Sicherheit sind. Man muß an alles im vollen Bewußtsein um die
Beziehungen herangehen.
*

6. Zwischen dem Festhalten am Prinzip der atlantischen Solidarität und
dem Eintreten für die volle Entwicklung der Europäischen Gemeinschaft besteht
kein Widerspruch. Wir sollten die Entwicklung der Europäischen Gemeinschaft
als eines konstruktiven und verantwortungsbewußten Partners der Vereinigten
Staaten bei allen Werken des Friedens begrüßen.

7. Es ist verständlich, daß man sich in Europa wegen der relativen Größe
der Vereinigten Staaten Sorgen über die Möglichkeit macht, daß Amerika eine
'dominierende' Rolle spielen könnte. Wie falsch diese Befürchtung ist, wird
durch die seit Jahren von Amerika unternommenen Anstrengungen deutlich, Europas
Stärke und Einheit sowie Verfahren für eine atlantische politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zu entwickeln. Die Gefahr liegt nicht in der Vorherrschaft,
sondern in der Isolation.

8. Es gibt in Europa Stimmen, die behaupten, daß Europa zwischen der Konzeption eines 'europäischen Europa' und eines 'amerikanischen Europa' wählen
müsse. Europa aber steht gar nicht vor einer solchen Entscheidung. Der einzig

- 4 -

�einzig mögliche Kurs für Europa ist der eines atlantischen Europa, so wie
der einzig mögliche Kurs für die Vereinigten Staaten der eines atlantischen
Amerika ist. Ein amerikanischer Isolationismus und die Idee einer europäischen
dritten Kraft würden für beide Seiten des Atlantik katastrophal sein."

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ERKLÄRUNG DES NATO-SPRECHERS ZU DEN MBFR-VERHANDLUNGEN IN WIEN
VOM 10. APRIL 1974

Der niederländische Botschafter Quarles
van Ufford hat im Namen der westlichen
Teilnehmer an den Verhandlungen über eine
beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR) in Wien am 10. April
anläßlich der einmonatigen Vertagung der
Konferenz folgende gemeinsame Erklärung
(in englischer Sprache) abgegeben:

Wie Sie wissen, werden wir in den MBFR-Verhandlungen nun erneut eine kurze
Pause einlegen, um Zeit für Konsultationen mit unseren Regierungen zu haben.
Die Verhandlungen werden in der am 6. Mai beginnenden Woche wieder aufgenommen.
Dies scheint ein geeigneter Zeitpunkt zu sein, um mit Ihnen den derzeitigen
Stand der Verhandlungen zu erörtern. Auf meiner letzten Pressekonferenz am
14. Januar sprach ich mit Ihnen über die allgemeine Betrachtungsweise, die sich
jede Seite bezüglich der Substanz der Verhandlungen zu eigen gemacht hat. Um
meine heutigen Ausführungen in die richtige Perspektive zu rücken, darf ich
diese grundlegenden Positionen noch einmal kurz ins Gedächtnis zurückrufen.

Das Gesamtziel der westlichen Bündnispartner besteht darin, durch Truppenverminderungen in Mitteleuropa zu einem stabileren Gleichgewicht zwischen den
Landstreitkräften der beiden Seiten zu kommen. Das bedeutet die Beseitigung des

�m
des derzeitigen Ungleichgewichts in den Landstreitkräften, bei denen die östliche Seite 150 000 mehr Soldaten in dem genannten Gebiet stationiert hat als
der Westen.

Die westlichen Bündnispartner haben dementsprechend vorgeschlagen, daß
das endgültige Ziel der Verhandlungen in einer gemeinsamen Höchststärke für
den gesamten Mannschaftsbestand der Landstreitkräfte auf beiden Seiten besteht.
Wir haben vorgeschlagen, daß dieses Ziel in zwei Verhandlungsphasen erreicht
werden soll. In der ersten Phase würde die Einigung dahingehen, die amerikanischen
und sowjetischen Landstreitkräfte zu reduzieren und gleichzeitig die Disparität in Höhe von 9500 Panzern, die in dem Gebiet besteht, zu vermindern. Die Beteiligten würden sich in einem Abkommen der ersten Phase ferner über das Konzept
einer gemeinsamen Höchststärke für den Mannschaftsstand der Landstreitkräfte
als Verhandlungsziel einigen.

In der zweiten Phase würde Einigung über weitere Verringerungen erzielt
werden, unter Einschluß von Reduktionen bei anderen direkt Beteiligten, bis
eine gemeinsame Höchststärke erreicht ist.

Dies ist allgemein gesprochen die westliche Position zur Frage der Truppenverminderungen. Wir glauben, daß das Ergebnis in erhöhter Sicherheit für beide
Seiten bestehen würde. Wir stimmen der Behauptung, daß unser Vorschlag zu
einer erhöhten Sicherheit für uns und zu geringerer Sicherheit für den Osten
führen würde, nicht zu. Wir halten es für unrealistisch, die Sicherheit als
eine vorgegebene, feste Größe zu betrachten, bei der die andere Seite automatisch
über weniger Sicherheit verfügt, wenn eine Seite in den Verhandlungen mehr Sicherheit gewinnt. Im Gegenteil, in einer Situation der nuklearen Gesamtparität wird
die Sicherheit von beiden Seiten in gleichem Maße geteilt, oder sie fehlt in
gleicher Weise- Wenn es zu einer Einigung kommt, werden beide Seiten an Sicherheit gewinnen, denn ein Krieg in Mitteleuropa wird weniger wahrscheinlich werden.

Nun zur östlichen Haltung: Die östlichen Teilnehmer wollen das derzeitige
zahlenmäßige Verhältnis zwischen den Streitkräften des Ostens und des Westens
und zwischen den verschiedenen Teilstreitkräften aufrechterhalten, und zwar ein-

�einfach mit der Begründung, daß dieses Verhältnis jetzt so existiert, und
sie wollen dieses Verhältnis als Grundlage für Verminderungen benutzen. Sie
haben dementsprechend drei Stadien für die Verminderung vorgeschlagen. Alle
direkt Beteiligten würden in jedem Stadium ihre Streitkräfte um die gleiche
Zahl oder den gleichen Prozentsatz vermindern. Außerdem sollen alle Arten
von Streitkräften, einschließlich der Luftstreitkräfte und der nuklearen
Streitkräfte darin eingeschlossen sein.

Wie ich bereits in meiner letzten Pressekonferenz ausführte, sind wir
der Auffassung, daß diese Betrachtungsweise - abgesehen von ihrer Komplexität nicht zu einer Verbesserung der Stabilität und Sicherheit in Mitteleuropa
beitragen würde; sie würde die derzeitige unbefriedigende Situation vielmehr
verewigen, ja sogar noch verschlechtern.
Ich möchte Ihnen jetzt einen Überblick über den Verlauf der Verhandlungen
sowie darüber geben, welches der derzeitige Sachstand unserer Auffassung nach
ist. Allgemein gesprochen sind wir der Auffassung, daß der Verlauf der Verhandlungen den Erwartungen entspricht, die im gegenwärtigen StacU.um vertretbar erscheinen. Bei Verhandlungen dieser Art, für die kein Präzedenzfall vorliegt,
an denen 19 Staaten teilnehmen und die sich mit höchst vielschichtigen und
kritischen Fragen befassen, sind rasche Fortschritte nicht zu erwarten.

Geduld und Ausdauer sind erforderlich. Die Verhandlungen brauchen Zeit.
Es liegt auf der Hand, daß wir noch einen weiten Weg zurückzulegen haben.
Nichtsdestoweniaer

glauben wir, daß die Verhandlungen in stetigem Tempo vor-

angehen.

Der Zusammenhalt der westlichen Bündnispartner ist auch weiterhin hervorragend, der Gesprächston zwischen den Teilnehmern aus Ost und West ist nach wie
vor sachlich. Die Diskussionen haben die Auffassungen der beiden Seiten in
wesentlichen Punkten geklärt. Beide Seiten haben umfangreiche und wertvolle
Hintergrundinformationen erhalten, die für die künftigen Verhandlungen von
Nutzen sein werden. Noch bedeutsamer ist jedoch, daß beide Seiten unserer Auffassung nach ein ernsthaftes Interesse an einer Einigung zeigen, wenn möglich
- 3 -

�möglich noch in diesem Jahr.

Sicherlich befinden wir uns noch in der erläuternden und sondierenden
Phase der Verhandlungen. Dies bedeutet, daß jede Seite damit beschäftigt ist,
ihre Auffassung vorzutragen, bestimmte Einzelheiten und Klarstellungen hinzuzufügen, ihre Haltung zu rechtfertigen, die Probleme herauszuarbeiten und die
Auffassungen der anderen Seite festzustellen in dem Bemühen, Gebiete, hinsichtlich deren Gemeinsamkeit besteht, zur späteren Weiterentwicklung festzustellen
und zu erweitern. Wir hoffen, daß wir bei Wiederaufnahme der Verhandlungen im
Mai die nächste Phase der Weiterentwicklung einiger dieser Gemeinsamkeiten in
Angriff nehmen können.

Wie bei allen Verhandlungen, so ist auch der von mir erläuterte Prozeß
notwendig und nützlich. So sind insbesondere in den letzten drei Monaten die
wesentlichen zu verhandelnden Sachfragen klarer

definiert worden. Lassen Sie

mich Ihnen sagen, was wir als die beiden Hauptfragen betrachten, die derzeit
Ost und West trennen:

Die erste Frage lautet: Wie sollte die Reihenfolge der Verringerungen
sein?

Die westliche Auffassung geht dahin, daß die Teilnehmer ein erstes Abkommen über die Verminderung amerikanischer und sowjetischer Streitkräfte anstreben und die Verminderung anderer Streitkräfte auf eine zweite Phase verschieben sollten. Der Osten fordert, daß die Streitkräfte aller direkt Beteiligten von Anfang an gemeinsam reduziert werden sollten.

Die zweite Frage lautet: Welche Art von Reduzierungen würde am meisten
zur Verminderung des Risikos des Ausbruchs eines Konflikts mit den damit verbundenen Gefahren der Eskalation zu einem nuklearen Krieg beitragen?

Die westliche Auffassung ist, daß die Teilnehmer ein Gleichgewicht durch
eine gemeinsame Höchststärke bei den Landstreitkräften anstreben sollten. Der
Osten vertritt die Auffassung, daß alle Arten von Streitkräften - einschließ- 4-

�einschließlich der Luftstreitkräfte und der nuklearen

Streitkräfte - allgemein

anteilig reduziert werden sollten.

Ich möchte mich mit diesen beiden Fragen nacheinander befassen. Wie ich
bereits erwähnte, schlagen die westlichen Bündnispartner ein erstes Abkommen
zur Verminderung der amerikanischen und sowjetischen Landstreitkräfte vor.
Dieses Abkommen würde die Verpflichtung enthalten, in eine zweite Verhandlungsphase einzutreten, als deren Ergebnis die Teilnehmer die Mannschaftsstärke ihrer
Landstreitkräfte auf eine gemeinsame Höchststärke reduzieren würden. Diese Verminderungen der zweiten Phase würden auch Verringerungen bei anderen direkt
Beteiligten umfassen.

Wir glauben, daß diese Betrachtungsweise mancherlei Vorteile bietet. Wir
halten es für sinnvoll, die amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte zuerst zu reduzieren. Angesichts ihrer militärischen Stärke und ihres Status als
große nukleare Mächte tragen die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten besondere Verantwortung für die Wahrung des Friedens in Europa und die Förderung
der Entspannung. Eine Verminderung der Streitkräfte dieser beiden Großmächte
wäre von beträchtlicher militärischer und politischer Bedeutung. Darüber hinaus
ist die Verminderung amerikanischer und sowjetischer Landstreitkräfte der einfachste und praktischste Weg. Sie würde ein Höchstmaß an Aussichten auf Einigung
innerhalb einer angemessenen Zeit bieten.

Wir halten es ferner für sinnvoll, Verminderungen bei anderen direkt Beteiligten auf eine zweite Phase zu verschieben, d.h. auf die Zeit nach einer
amerikanisch-sowjetischen Verminderung und einer Einigung über das Konzept
der gemeinsamen Höchststärke.

Da dies für uns ein wichtiges Anliegen ist, möchte ich mich einen Augenblick lang mit den Gründen beschäftigen.

Obgleich es in Europa in den letzten 29 Jahren keinen Krieg gegeben hat,
kann die Geschichte dieses Zeitraums nicht als glücklich bezeichnet werden. Es
war eine Zeit der Furcht und Sorge, die gekennzeichnet war von den möglichen

- 5-

�möglichen Konsequenzen der in

Europa stattfindenden militärischen Konfron-

tation der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten und ihrer jeweiligen Bündnispartner. Wir unternehmen nun zum ersten Mal Bemühungen, um diese Konfrontation
zu vermindern. Es ist jedoch durchaus verständlich, daß die Besorgnisse und
Zweifel, die während dieses Zeitraums entstanden sind, nicht leicht zu zerstreuen, und daß sie noch in starkem Maße vorhanden sind. Deshalb sind sich
die westlichen Teilnehmer einig in dem Wunsch, ehe sie einen Weg beschreiten,
der zu nachhaltigen Auswirkungen auf ihre

Sicherheit in einem Maße führt, wie

es für die Sowjetunion nicht zutrifft, daß die Sowjetunion und mit ihr die
Vereinigten Staaten den ersten substantiellen Schritt tun sollten, um sowohl
die Echtheit ihres guten Willens als auch die Durchführbarkeit des ganzen
Projektes zu demonstrieren.

Die westlichen Bündnispartner unternehmen selbstverständlich nicht den
Versuch, den Beginn einer zweiten Verhandlungsphase auf unbestimmte Zeit zu
verzögern. Erweist sich die erste Verhandlungsphase als befriedigend, so sind
die Bündnispartner bereit, sich auf die Fortsetzung der Verhandlungen in einer
zweiten Phase festzulegen. Es sollte jedoch nicht übersehen werden, daß mögliche Abkommen nur einen bestimmten Teil der amerikanischen und sowjetischen
Streitkräfte betreffen würden.

Die Situation der meisten anderen direkt Beteiligten im Westen ist anders.
Ihr gesamtes Hoheitsgebiet liegt innerhalb des Reduktionsgebietes. Es besteht,
kurz gesagt, ein deutlicher qualitativer Unterschied zwischen der Situation
der Vereinigten Staaten und Sowjetunion und derjenigen der arideren direkten
westlichen Teilnehmer, und dieser Unterschied stellt unserer Auffassung nach
für die letzteren einen völlig ausreichenden Grund dafür dar, sich an Truppenverminderungen erst dann zu beteiligen, wenn die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion den

Weg gezeigt und dadurch die erforderliche Bedingung des Ver-

trauens geschaffen haben, ehe wir zu einer zweiten Phase übergehen können.
Ich möchte hinzufügen, daß selbst kleine Verminderungen seitens dieser direkten
westlichen Teilnehmer, wenn sie gleich zu Beginn durchgeführt werden, auf die
gleichen Bedenken stoßen würden.

Ich

�Ich komme damit zu der zweiten der beiden wesentlichen Fragen, die Ost
und West

trennen: Die Frage, wie das Risiko eines nuklearen Krieges in Mittel-

europa am besten vermindert werden kann und ob eine Verminderung von Luftstreitkräften und nuklearen Streitkräften zu einer Reduzierung dieser Gefahr beitragen würde.
So wie wir es sehen, ist es die Aufgabe dieser Verhandlungen, die wesentlichen Schritte zur Verminderung - und, wenn möglich, zur Beseitigung - der
Gefahren des Ausbruchs eines Konflikts in Mitteleuropa zu tun. Es besteht nämlich die weitere Gefahr, daß ein derartiger Konflikt, wenn er einmal ausgebrochen ist, zum Einsatz nuklearer Waffen eskaliert. Die Gefahr, daß es zu
einem Konflikt kommt, ergibt sich aus dem Ungleichgewicht zwischen den Landstreitkräften der beiden Seiten. Aus diesem Grunde ist es notwendig, die Landstreitkräfte zu vermindern, und zwar so, daß dieses destabilisierende Ungleichgewicht beseitigt wird. Sollte es zum Ausbruch von

Feindseligkeiten kommen,

würden beide Seiten alles in ihrer Macht stehende tun, um den Einsatz nuklearer
Waffen zu vermeiden. Eine Eskalation zum Einsatz nuklearer Waffen würde die
ernstesten Folgen haben. Beide Seiten wissen dies. Nun sind die nuklearen Waffen
in Mitteleuropa eng verbunden mit den taktischen und strategischen Kernwaffen,
die außerhalb der Reduktionsgebiete stationiert sind. Die innerhalb des Gebiets
stationierten Kernwaffen können nicht getrennt behandelt werden. Die Reduzierung
dieser Waffen würde die Gefahr der Eskalation nicht vermindern. Was vermieden
werden muß, ist der Ausbruch jedes Konflikts, denn er könnte zu einem nuklearen
Krieg eskalieren. Dies läßt sich dadurch erreichen, daß man unmittelbar an die
potentielle Quelle eines Konflikts in diesem Gebiet herangeht, nämlich das derzeitige Ungleichgewicht zwischen den Landstreitkräften.

Hinsichtlich der Frage der Luftstreitkräfte ist unsere Auffassung die,
daß die Beweglichkeit von

Flugzeugen, die es ihnen ermöglicht, schnell und

ohne Schwierigkeiten in das Reduktionsgebiet einzufliegen und dieses wieder
zu verlassen, zur Folge hat, daß ihr Abzug militärisch gesehen kein bedeutsamer
stabilisierender Faktor wäre.

Es

- 7-

�Es gibt darüber hinaus die Probleme der Vergleichbarkeit und der Einigung
auf Waffenzahlen. Dies wäre kein leichtes Problem. Man braucht sich nur die
vielfältigen Flugzeugtypen anzusehen, die in den Streitkräften der beiden
Seiten eingesetzt sind, und die Beschreibungen ihrer Einsatzaufgaben zu lesen,
die in öffentlich zugänglichen Schriften enthalten sind, um diese Schwierigkeit zu erkennen. Aus den von mir genannten Gründen neinen wir, daß große oder
kleine Verminderungen von Luftstreitkräften und nuklearen Streitkräften für
die Erreichung des Ziels der Verhandlungen keinen Wert haben würden.

Im derzeitigen Stadium der Verhandlungen sind wir immer noch dabei, zu
versuchen, die östlichen Teilnehmer von den Vorteilen unserer Position zu
überzeugen. Über die beiden Fragen, die ich soeben dargelegt habe, haben ausführliche Diskussionen stattgefunden. Obgleich keine der beiden Seiten ihre
Auffassungen substantiell geändert hat, sind die gegenseitigen Auffassungen
geklärt worden. Trotz der bedeutsamen Meinungsverschiedenheiten, die ich erläutert habe, glauben wir, daß wir nun bestimmte Punkte ausmachen können, von
denen aus beide Seiten in der Zukunft weitergehen können.

Ich möchte diese Punkte kurz erwähnen:

Zunächst scheint es, daß sich beide Seiten einig sind hinsichtlich der
zentralen Bedeutung von Maßnahmen, die einen Konflikt - einschließlich eines
nuklearen Konflikts - weniger wal rscheinlich machen. Beide Seiten erkennen an,
daß die Materie vielschichtig ist und daß der Schlüssel zur Lösung der verschiedenen Verhandlungsphasen in einem schrittweisen Vorgehen besteht. Außerdem
haben beide Seiten offensichtlich den Wunsch, daß Sie möglichst rasch zu praktischen Ergebnissen kommen möchten.

Angesichts dieses Wunsches nach Fortschritten, scheinen beide Seiten erkannt zu haben, daß das vordringlichste Problem darin besteht, welche spezifischen, begrenzten Schritte unternommen werden sollten, um den Verhandlungen
in praktischem Sinne weiterzuhelfen.

Bei

�Bei diesem Versuch muß berücksichtigt werden, daß nach den Auffassungen,
die beide Seiten in diesen Verhandlungen vorgetragen haben, amerikanische und
sowjetische Landstreitkräfte in dieser oder jener Weise vermindert werden
würden. Außerdem scheinen wir uns einig zu sein, wie wichtig es ist, daß durch
künftige Abkommen die Sicherheit aller Teilnehmer erhöht wird. In diesem Zusammenhang scheinen wir die Auffassung zu teilen, daß Truppenverminderungen
in Mitteleuropa nicht zur Folge haben dürfen, daß die Spannungen in die Länder
an den Flanken verlagert werden.

Dies bringt mich zu meiner letzten Bemerkung, die ich machen möchte:
Unserer Beurteilung dessen, was vor uns liegt.

In der nächsten Sitzungsperiode der Verhandlungen, die Anfang Mai beginnt, werden die Teilnehmer in eine Phase eintreten, in der sie logischerweise damit anfangen sollten, einige vereinbarte Definitionen und Konzepte zu
skizzieren. Dies bedeutet die Nutzung der Gemeinsamkeiten in der Haltung der
beiden Seiten und den Versuch, darauf aufzubauen. Wir wissen nicht, welches
Ergebnis dieser Prozeß haben wird, aber wir sind hinsichtlich der Aussichten
nicht pessimistisch. Wir glauben, daß die Aufgabe bewältigt werden kann.

_ 9_

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8/1974

WILLIAM E. SIMON ZUM NEUEN FINANZMINISTER DER USA NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat am 17. April die Nominierung
von William E. Simon zum neuen Finanzminister der Vereinigten Staaten bekanntgegeben. Simon, dessen Ernennung durch den Senat bestätigt werden muß,
tritt die Nachfolge von George P. Shultz an, der dieses Amt seit dem 12.
Juni 1972 innehatte.
Als Stellvertretender Finanzminister (seit 22. Januar 1973) und als
Leiter des Bundesamtes für Energie (seit 4. Dezember 1973) hat sich Simon
weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus einen Namen als Finanzund Wirtschaftsexperte gemacht. Er berät den Präsidenten auch in Personalfragen und ist Vorsitzender des Ausschusses für ölpolitik.

William Edward Simon wurde am 27. November 1927 in Patterson im Staate
New Jersey geboren, erwarb 1951 am Lafayette College in Easton, Pennsylvanien,
den akademischen Grad eines Bachelor of Arts, um dann eine steile Karriere
in der New Yorker Finanz- und Börsenwelt zu machen. Nachdem er Vizepräsident
der "Union Securities" geworden war, ging er 1957 als Vizepräsident zu "Weeden
and Company", um dann 1964 als Seniorpartner in die New Yorker Investmentbank "Salomon Brothers" einzutreten.

Schon sehr bald auch im Verbandswesen tätig, gehörte Simon dem Vorstand
der "Investment Bankers Association of America" und nach deren Zusammenschluß
mit der "Association of Stock Exchange Firms" zur "Securities Industry Associa-

�»

Association" auch der Leitung dieser Vereinigung amerikanischer Börsenmakler
an. Ferner ist er Vorsitzender des Rates für Öffentliche Finanzen und Treuhänder des Lafayette College und anderer Bildungsstätten. Er gründete auch
die Vereinigung der Makler für Regierungsschuldverschreibungen.

Simon ist verheiratet und hat fünf Töchter und zwei Söhne. Er lebt in
McLean, Virginia, einem Vorort von Washington.

- 2-

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8/1974

WESTAR - ERSTER KOMMERZIELLER NACHRICHTENSATELLIT IN USA
Fernmeldegesellschaft "Western Union" dehnt ihr Leitungsnetz
auf den Weltraum aus

- (AD) - Der jüngste amerikanische Fernmeldesatellit WESTAR ist zwar
keine technische Neuheit, aber das erste rein kommerzielle Gerät dieser Art
in den Vereinigten Staaten. Besitzer ist die Telefongesellschaft Western
Union, die es am 13. April 1974 von Kap Kennedy aus in eine erdsynchrone Bahn
in fast 36 OOO km Höhe einschießen ließ, damit es an einem für die USA
günstigen Punkt am Himmel "stationiert" werden kann. Das private Dienstleistungsunternehmen, vor allem auf den Telefon- und Telegrammdienst spezialisiert, beabsichtigt, WESTAR für die Übermittlung von Telegrammen, Ferngesprächen, Faksimile-, Fernseh- und Datensendungen innerhalb der Vereinigten Staaten zu benutzen.

Das Unternehmen hofft, mit den Gebührenreinnahmen das neue Projekt nicht
nur finanzieren, sondern auch einen Gewinn daraus erwirtschaften zu können.
Gelingt dies nicht, hat es den Verlust selbst zu tragen. Der einzige Beitrag
seitens des Staates war eine Dienstleistung der Weltraumbehörde NASA - nämlich der Abschuß der THOR-DELTA-Trägerrakete. Außerdem hatte die US-Regierung
die Benutzung von

Funkfrequenzen zu genehmigen, die für Satelliten erforder-

lich sind, und sie ist außerdem verpflichtet, die Funktion des WESTAR als
Instrument für Dienstleistungen im Interesse der Öffentlichkeit zu überwachen.

Erst

�i
Erst nach vollständiger Überprüfung der Instrumente an Bord des Satelliten
und seiner exakten Einsteuerung auf den Stationierungspunkt über der Erdoeberfläche wird WESTAR einsatzbereit sein und in ständiger Verbindung mit den Bodenstationen nahe New York, Atlanta (Georgia), Chicago, Dallas (Texas) und Los
Angeles stehen. Man hofft, daß dies im August 1974 soweit

sein wird. Das

trommeiförmige Gerät, das 1,80 m Durchmesser hat und 572 kg wiegt, kann 7200
Telefongespräche oder 12 Farbfernsehprogramme zur gleichen Zeit übertragen,
oder - in unterschiedlicher Kombination - eine entsprechend geringere Anzahl
von Gesprächen, Daten- und Fernsehsendungen bewältigen. Diese Kapazität wird
sich nach dem für Juni 1974 vorgesehenen Start eines zweiten, identischen Geräts
(WESTAR II) verdoppeln. Ein dritter Satellit wird in Reserve gehalten, um notfalls einen der beiden ersten zu ersetzen oder in ihrer Funktion zu ergänzen.
Jeder Satellit erhält seinen Betriebsstrom von 20 500 Sonnenzellen; die aktive
Betriebsdauer ist auf sieben Jahre veranschlagt.

Inzwischen haben fünf weitere amerikanische Fernmeldeunternehmen (in den
USA ist das Fernmeldewesen nicht Staatsmonopol, sondern befindet sich in Privathand) Pläne bekanntgegeben, von Ende 1975 an ebenfalls Satelliten für den Inlandsverkehr benutzen zu wollen. Obgleich darin in der Mehrzahl andere Bodenstationen vorgesehen sind, wird sich aus den Projekten doch eine gewisse
Konkurrenz für "Western Union" ergeben. Die "Radio Corporation of America"
(RCA) bietet ihren amerikanischen Kunden bereits seit Januar 1974 Dienstleistungen
via Weltraum in der Form an, daß sie die Mitbenutzung von zwei kanadischen Fernmeldesatelliten für den Inlandsverkehr innerhalb der USA vermittelt. Die RCA
hat nämlich mehrere Kanäle des kanadischen Satelliten ANIK II gemietet. ANIK I
und II, die beide in den Vereinigten Staaten gebaut und mit amerikanischen Raketen gestartet wurden, sind über dem Äquator stationiert und können für den
Fernmeldebetrieb in ganz Nordamerika benutzt werden. Ende 1975 möchte die RCA
mit neuartigen Satelliten - vorläufig sind insgesamt drei vorgesehen - ein
eigenes Weltraum-Fernmeldenetz mit zusätzlichen Bodenstationen aufbauen. Bisher
stehen ihr Bodenanlagen in New York, San Francisco und an zwei Orten in Alaska
zur Verfügung.

Die
- 2-

�Die Vereinigten Staaten kommen überraschend spät zu einem eigenen, inländischen Satelliten-Fernmeldenetz. In den vergangenen Jahren konzentrierten
sie bei der Anwendung der neuen Technologie für den zivilen Gebrauch ihre Anstrengungen auf die Schaffung des weltweiten INTELSAT-Fernmeldesystem, das
heute 88 Bodenstationen in 53

der 84 INTELSAT-Mitgliedstaaten umfaßt. Kanada

dagegen schuf sich mit seinen ANIK-Satelliten ein eigenes Weltraum-Fernmeldenetz, TELESAT genannt, um damit auch die dünnbesiedelten abgelegenen Nordgebiete und die zahlreichen Inseln erreichen zu können. Es ist seit April 1974
in Betrieb.

Die Sowjetunion benutzt bereits seit einigen Jahren Nachrichtensatelliten
für den Inlandsverkehr. Die MOLNIJA-Geräte haben es ermöglicht, auch die weit
abgelegenen Regionen der UdSSR an das Fernmeldenetz anzuschließen. Im Gegensatz zu den amerikanischen und kanadischen Fernmeldesatelliten, die sich alle
auf geostationären Kreisbahnen in ca. 36 OOO km Höhe befinden, umrunden die
MOLNIJA-Satelliten die Erde auf stark exzentrischen elliptischen Bahnen. Für
\
die vielen Regionen des weiten Landes stehen sie abwechselnd mehrere Stunden
täglich über dem Horizont.

Fernmeldesatelliten und die damit verbundene Technik dokumentieren den
Nutzen der Raumfahrt besonders eindrucksvoll. Eine Reihe von Nationen hat
bereits die Absicht zu erkennen gegeben, mit Hilfe der INTELSAT-Geräte auch
inländische Satelliten-Fernmeldesysteme aufzubauen. Angesichts der Kommerzialisierung, die sich in den letzten Jahren auf diesem Sektor vollzogen hat, stellte
die US-Regierung ihre Unterstützung der Forschungsarbeiten für eine weitere Verbesserung von Nachrichtensatelliten weitgehend ein. Mit Kanada und den europäischen Ländern wird gegenwärtig die Schaffung eines gemeinsamen Systems von
Nachrichtensatelliten für den Luftverkehr

(AEROSAT) erörtert. Für 1975 planen

die USA außerdem ein ähnliches Netz für die Schiffahrt (MARISAT); die dafür erforderlichen Satelliten sollen über dem Atlantik und Pazifik stationiert
werden.

Auch für Bildungszwecke werden künftig Satelliten zur Verfügung stehen.
Im Juni 1974 wollen die USA das Gerät ATS-F starten, das zunächst ein Jahr
- 3-

�Jahr lang Fernseh-Programme für den Schulfunk in den USA ausstrahlen soll.
Anschließend wird der Stationierungspunkt in die Nähe des indischen Subkontinents verlagert. Dort soll da6 Gerät versuchsweise ein Jahr lang als
Relaisstation für Schulprogramme dienen, mit denen die indische Regierung
auch die abgelegensten Dörfer erreichen will.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maschinen und Zubehör für Druck und Graphik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neuheiten aus USA in Frankfurt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonderausstellungen in Wien und Mailand werben für den US-Export&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studienjahr 1975/76&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Atlantikrates zur Solidarität im Bündnis&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des NATO-Sprechers zu den MBFR-Verhandlungen in Wien vom 10. April 1974&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;William E. Simon zum neuen Finanzminister der USA nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;WESTAR - erster kommerzieller Nachrichtensatellit in USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernmeldegesellschaft "Western Union" dehnt ihr Leitungsnetz auf den Weltraum aus&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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Nummer

8. Mai 1974

Inhalt

WIRTSCHAFT:

Pennsylvania errichtet Handels-Verbindungsbüro in Europa
Die Auslandshilfebotschaft Präsident Nixons
-Wortlaut-

US-Wirtschaft rechnet mit steigendem Kohleverbrauch
-Interview mit unserem Korrespondenten John Uhler-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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9/1974

PENNSYLVANIA ERRICHTET HANDELS-VERBINDUNGSBÜRO IN EUROPA

GENF - (AD) - Der amerikanische Einzelstaat Pennsylvania hat in Genf
ein eigenes Verbindungsbüro eröffnet, um europäische Investitionen im Gebiet
dieses Staates und gleichzeitig seine Exporte zu fördern. Pennsylvania, das
einen eigenen Handelsminister, Walter G. Arader, hat, ist in jüngster Zeit
außerordentlich aktiv gewesen, um das Geschäft zwischen Europa und Amerika
- mit Schwerpunkt auf dem Einzelstaat Pennsylvania - zu beleben. So wurde
kürzlich in Frankfurt ein Büro errichtet, um die Handelsbeziehungen mit dem
Industriegebiet von Pittsburgh zu intensivieren und mehrere Großbanken aus
Philadelphia und Pittsburgh haben in europäischen Hauptstädten Filialen eröffnet. Ein weiteres Regionalbüro für Europa ist noch dieses Jahr in Brüssel
geplant.

Das "Pennsylvania Bureau of International Commerce" (PENBIC) in Genf
(62, Quai Gustave-Ador) will in erster Linie europäische Firmen bei der Errichtung von Zweigniederlassungen in den Vereinigten Staaten beraten. Dazu
stellt es ihnen kostenlos Studien und Unterlagen über Lohnverhältnisse, Steuervorteile, Ubiquitäten und andere für Investitionen relevante Daten zur Verfügung. Darüber hinaus will das Büro Firmen in Pennsylvanien die Herstellung
von Geschäftsbeziehungen mit europäischen Firmen erleichtern.
Wie

- 1 -

�Wie der Direktor des PENBIC, Michel Y.W.Demaurex, betonte, wird die
physische Abwesenheit von Vertretern und Fachleuten des Staates Pennsylvania
in Europa zur Intensivierung der Handels- und Geschäftsbeziehungen über den
Atlantik beitragen. "Die Abwertung des Dollar, die steigenden Arbeitskosten
in Europa und gewisse Restriktionen seitens der Regierungen in den letzten
Jahren", so sagte er, "haben die Wettbewerbsposition vieler aufstrebender
europäischer Firmen verändert. Es ist jetzt an der Zeit, daß diese Firmen
die Vorteile der sich verändernden Weltmärkte wahrnehmen und die in dem ideal
gelegenen Pennsylvania gebotenen geschäftlichen Chancen ergreifen." Er verwies
in diesem Zusammenhang auf die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten und die
hervorragende Infrastruktur sowie die Aufgeschlossenheit der Behörden in
Pennsylvania.

- 2-

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9/1974

DIE AUSLANDSHILFEBOTSCHAFT PRÄSIDENT NIXONS
. - Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
24. April seine Auslandshilfebotschaft vorgelegt, in der er für das Finanzjahr 1974/75 einen Betrag von 5,18 Milliarden Dollar für die Auslandshilfe
der USA anfordert. Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wörtlaut: über
25 Jahre lang hat Amerika großzügig anderen Ländern Auslandshilfe gewährt, um
ihnen dabei zu helfen, ihre Volkswirtschaften weiter zu entwickeln, die humanitären Bedürfnisse ihrer Bevölkerung zu befriedigen und für ihre eigene
Verteidigung zu sorgen.

In dieser Zeit ist die Auslandshilfe zu einem unabdingbaren Bestandteil
unserer Außenpolitik geworden. Ohne diese Hilfe würde Amerika das Risiko eingehen, sich von einem verantwortungsbewußten Engagement in der internationalen
Völkergemeinschaft auszuschließen, auf dem sich unsere eigenen wirtschaftlichen,
sozialen und politischen Institutionen begründen. Bei Fortführung eines vernünftigen Auslandshilfeprogramms können die Vereinigten Staaten weiterhin die
Fortschritte der Welt bei der Errichtung eines dauerhaften Gebäudes des Friedens
maßgebend beeinflussen.

Nachdem wir jetzt den längsten Krieg in unserer Geschichte beendet haben
und zum ersten Mal seit mehr als 10 Jahren keine amerikanischen Truppen mehr
in einem Kampfeinsatz stehen, liegt die Versuchung nahe, sich der Innenpolitik

- 1 -

�i
Innenpolitik zuzuwenden, unsere Hilfsprogramme aufzugeben und sich gegenüber
der großen Not zu verschließen, der sich viele unserer Freunde bei diesem
Prozeß gegenübersehen.

Wir dürfen dieser Versuchung nicht erliegen. Wenn wir die Last jetzt abwerfen, dann werden wir eine friedliche Entwicklung zahlreicher Länder unmöglich machen und sie zum Spielball mächtiger Kräfte werden lassen - sowohl wirtschaftlicher als auch politischer. Ferner werden wir uns dann des besten Hilfsmittels begeben, das wir besitzen, um zur Anbahnung friedlicher Beziehungen
in den eigentlichen Krisengebieten der Welt beizutragen.

Zahlreiche

Länder, deren Fortbestehen einst von unserer direkten Hilfe

abhing, können heute ihren Bedarf auf den Gebieten der Wirtschaft und der Verteidigung selbst ohne unsere Hilfe decken. Diejenigen Länder, die noch weiterhin
unsere Hilfe brauchen, werden diese nicht auf unbegrenzte Zeit hinaus benötigen. ^
Wir erwarten von diesen Ländern, denen wir helfen, daß sie sich selbst helfen
werden. Wir haben klar gestellt, daß wir nicht die Absicht haben, den WeltPolizisten zu spielen, daß unsere Hilfe kein Ersatz für ihr Vertrauen auf die
eigene Kraft ist und daß wir nicht die Absicht haben, das für andere zu tun,
was man von ihnen selbst erwarten kann.

So lange es jedoch Regierungen gibt, die die Grenzen und die Institutionen
anderer Länder gewaltsam zu ändern suchen, wird auch die Möglichkeit eines internationalen Konflikts weiter gegeben sein. Und so lange es für Millionen Menschen
nicht genügend Lebensmittel, Wohnungen und Arbeitsplätze gibt, werden Unterernährung sowie soziale und wirtschaftliche Unruhen unsere gemeinsame Zukunft
bedrohen.

Unser langfristiges Ziel ist die Schaffung einer internationalen Atmosphäre,
in der Toleranz und Verhandlungen an die Stelle von Aggression und Subversion
als bevorzugte Verfahren zur Beilegung internationaler Streitigkeiten treten
können. Obwohl dieses Ziel nicht mehr so weit wie früher entfernt ist, gestatten
die derzeitigen Gegebenheiten keinen Abbau der Auslandshilfe. Wir müssen nicht
nur unsere Anstrengungen fortsetzen, sondern vielmehr in zwei kritischen Ge- 2-

�Gebieten der Welt - im Nahen Osten und in Indochina r besondere Anstrengungen
unternehmen.
Im Nahen Osten haben wir eine Möglichkeit, einen bedeutsamen Durchbruch
für den Weltfrieden zu erzielen. Vermehrte Auslandshilfe wird eine entscheidend
wichtige Ergänzung unserer Diplomatie sein, um der Anbahnung einer Verhandlungslösung weitere Impulse zu geben, die den Interessen Israels wie auch der arabischen Staaten dient.

In Indochina ist unsere Hilfe nicht weniger wichtig. Südvietnam, Kambodscha
und Laos bemühen sich, den schwierigen Übergang vom Krieg zum Frieden zu vollziehen. Damit sie ihren Verteidigungsbedarf selbst decken und gleichzeitig die
Grundlagen für einen sich selbst tragenden sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt legen können, bedarf es weiterer und wesentlicher amerikanischer Hilfe.

Damit diesen noch bestehenden und besonderen Erfordernissen entsprochen
werden kann, schlage ich dem Kongreß ein Auslandshilfebudget von insgesamt
5,18 Milliarden Dollar für das Finanzjahr 1974/75 vor. Meiner Ansicht nach
stellt dieser Betrag ein Minimum dessen dar, was die Vereinigten Staaten vernünftigerweise investieren müssen, wenn das derzeitige internationale Gleichgewicht erhalten bleiben soll und wenn unsere Bemühungen um die Schaffung eines
dauerhaften Friedens in Wohlstand gefördert werden sollen.

Auf dem Wege zu einem Frieden im Nahen Osten

Die Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung des arabisch-israelischen Konflikts ist heute größer als jemals zuvor im letzten ViertelJahrhundert. Die
diplomatischen Initiativen der USA haben mit zur Schaffung der Bedingungen beigetragen, die für eine Beendigung des Konflikts und der Gewalttätigkeiten
notwendig sind. Unsere diplomatischen Bemühungen müssen und werden fortgesetzt
werden, doch gibt es bereits eine Menge Dinge, die getan werden können, um
das zu ergänzen und zu konsolidieren, was bisher erreicht worden ist. Ich beantrage daher ein besonderes Hilfsprogramm für den Nahen Osten und habe den
Kongreß um Bereitstellung der folgenden Mittel ersucht:
- Für
- 3-

�- Für Israel: 50 Millionen Dollar an Hilfe zur Stärkung der Sicherheit
und 300 Millionen Dollar für militärische Beschaffungskäufe auf Kredit. Da
Israel weiterhin in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen, verringert sich
die Aussicht auf einen neuen Konflikt im Nahen Osten, und wir müssen Israel
weiter helfen, sich dieses Potential zu erhalten.

- Für Ägypten: 250 Millionen Dollar an Hilfe für Wiederaufbauaufgaben.
Diese Mittel würden für Aufgaben eingesetzt werden, die sich mit dem Frieden
stellen: Räumung des Suez-Kanals, Beseitigung der Schäden in den angrenzenden
Gebieten und Wiederaufbau des ägqptischen Handels.

- Für Jordanien: 100 Millionen Dollar an nicht rückzahlbarer Militärhilfe. 77,5 Millionen Dollar an Hilfe zur Stärkung der Sicherheit und 30 Millionen für militärische Beschaffungskäufe auf Kredit. Jordanien übte einen
mässigenden Einfluß auf die arabische Welt aus, und diese Gelder werden es in
die Lage versetzen, sich eine Position der Vermittlung und Unabhängigkeit 'zu
erhalten, die für eine dauerhafte Lösung in diesem Gebiet von entscheidender
Wichtigkeit sein wird.

- Für einen Sonderausgabenfonds: 100 Millionen Dollar. Diese Mittel sollen
für etwa sich ergebende neue Aufgaben benutzt werden, wenn sich jetzt die
Konturen einer friedlichen Lösung abzuzeichnen beginnen, unter anderem auch
für den Einsatz einer Friedenstruppe, für Flüchtlingshilfe oder ihre Wiederansiedlung sowie für Entwicklungsprojekte.
Alle diese Hilfe wird dazu beitragen, das Vertrauen zu schaffen, das diese
Länder in die Vereinigten Staaten und in ihre eigene Sicherheit setzen müssen,
damit sie eine Basis für Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden haben.
Sie werden die Kräfte der Mäßigung in einem Gebiet stärken, in dem nur Mäßigung die Basis für eine Regelung schaffen kann, die für alle akzeptabel ist.

Für

�Für den Wiederaufbau Indochinas

Ein weiteres Gebiet, dem die akute und anhaltende Sorge dieser Regierung
gilt, ist Südostasien. Unsere Hilfe für Indochina ist nicht weniger wichtig
als unsere Hilfe für den Nahen Osten,um ein friedliches Ergebnis zu erreichen,
das unsere Interessen schützt und unserem Engagement in diesen beiden Gebieten
in der Vergangenheit entspricht. Ich ersuche den Kongreß um die Bewilligung von
939,8 Millionen Dollar, um Südvietnam, Kambodscha und Laos in ihren Bemühungen
zu unterstützen, ihre Volkswirtschaften von Krieg auf Frieden umzustellen und
den Wiederaufbau ihrer Staatswesen zu beschleunigen.

Wir haben bereits hohe Investitionen in diesen Ländern vorgenommen. Der
Fortschritt war bedeutend und wir nähern uns dem Erfolg unserer Hilfsbemühungen,
sie autark zu machen. Obwohl unsere Gesamtanforderung höher als im letzten Jahr
liegt, ist das von mir vorgeschlagene Budget in Wirklichkeit sehr sparsam. Wir
müssen uns darüber klar sein, daß eine bescheidene Erhöhung der Wirtschaftshilfe zu diesem Zeitpunkt die Entwicklung lebensfähiger, autarker Volkswirtschaften mit einem geringeren Bedarf an Hilfe in einigen Jahren ermöglichen wird.

Die Südvietnamesen stehen vor der ungewöhnlich schwierigen Aufgabe, ihre
Wirtschaft wiederaufzubauen und für die vom Krieg schwer heimgesuchte Bevölkerung
zu sorgen, während die Bemühungen um eine Beendigung der Feindseligkeiten noch
andauern. Der Fortschritt beim Wiederaufbau, bei der wirtschaftlichen Entwicklung und bei den humanitären Programmen, die den Menschen dort Hoffnung auf ein
besseres Leben bieten, sollte deutlich zeigen, daß eine friedliche Beilegung
des politischen Streits im Interesse aller liegt.

In diesem und im nächsten Jahr sehen sich die Vietnamesen verschiedenen
miteinander zusammenhängenden Aufgaben gegenüber, die eine verstärkte amerikanische Wirtschaftshilfe notwendig machen:

- Sie müssen über eine Million Flüchtlinge und Vertriebene wieder ansiedeln.
- Sie

�- Sie müssen die Investitionen durchführen, die zur Schaffung produktiver
Arbeitsplätze für mehrere Hunderttausend Menschen notwendig sind, die ihre Arbeitsplätze mit dem Abzug der amerikanischen Truppen verloren haben.

- Sie müssen die höheren Kosten der notwendigen Importe bestreiten können,
wie Düngemittel und andere wichtige Hilfsmittel, die auf Grund der weltweiten
Inflation gestiegen sind.

- Sie müssen für die Waisen, die Körperbehinderten und die Witwen sorgen,
die das, was sie im Krieg verloren haben, nicht mehr wiedererhalten können.

- Sie müssen die Streitkräfte unterhalten, die für einen weiteren Fortschritt in Richtung auf den Frieden notwendig sind, solange feindliche Truppen
weiter in Südvietnam stehen und vom Ausland her unterstützt werden.

Die Südvietnamesen haben lobenswerte Anstrengungen zur Lösung ihrer eigenen
Probleme gemacht. Sie haben ihre Steuern erhöht - 1973 eine Erhöhung um real
40 Prozent. Sie haben ihren Export ausgeweitet, der durch den Krieg praktisch
auf Null zurückgegangen war - die Exporte haben sich 1972 verdoppelt und dann
1973 noch einmal. Sie haben den Verbrauch von Importgütern stark reduziert und
auch den Erdölverbrauch beachtlich eingeschränkt. Aber nach mehr als 10 Jahren
Krieg können sie ihre Volkswirtschaft und ihr Staatswesen nicht allein wieder
aufbauen. Vermehrte amerikanische Hilfe ist jetzt nötig, um die wachsenden Anstrengungen der Vietnamesen zu unterstützen, Frieden und Autarkie sobald wie
möglich zu erreichen.

In Laos ist eine friedliche politische Beilegung des Konflikts im Gange,
und die Bevölkerung dort kann endlich sicheren und stabilen Verhältnissen entgegensehen. Die Probleme bei der Wiederansiedlung der Flüchtlinge und beim Aufbau einer lebensfähigen Wirtschaft werden jedoch die Fähigkeit der laotischen
Regierung auf die Probe stellen, die Interessen aller wahrzunehmen. Wir werden
unsere Hilfe fortsetzen müssen, um diesem unterentwickelten, von anderen Ländern
eingeschlossenen Land den Wiederaufbau seiner Wirtschaft nach so vielen Jahren
des Krieges zu ermöglichen.
Weitere
- 6 -

�Weitere amerikanische Hilfe ist ferner notwendig, um das harte Los der
kambodschanischen Bevölkerung zu mildern - viele sind Flüchtlinge, die wenig
Möglichkeit haben, für den eigenen Unterhalt aufzukommen, solange nicht die
Feindseligkeiten nachlassen.

Die Investitionen, die ich jetzt vornehmen möchte, - Investitionen, um
den Frieden zu stärken, menschliches Leid im Gefolge des Krieges zu lindern
und der Bevölkerung Indochinas die Möglichkeit zu geben, auf eigenen Füßen zu
stehen - sind gering im Vergleich zu dem, was wir im Laufe der Jahre in Indochina investiert haben. Die potentiellen Erträge dieser Investitionen sind jedoch groß, denn sie stärken die Aussichten auf Frieden in Indochina und überall
auf der Welt.

Entwi cklungshi1fe

Die amerikanischen Hilfsprogramme - die bilateralen wie auch die multilateralen - haben einen sehr wesentlichen Beitrag zu dem wirtschaftlichen
Wachstum der Entwicklungsländer in den letzten 10 Jahren geleistet.

Trotz des ermutigenden Erfolges leben schätzungsweise 40 Prozent der Gesamtbevölkerung aller Entwicklungsländer unter so armseligen Bedingungen, wie
es sie in einer Marktwirtschaft nicht gibt. Diese Menschen erreichen, was Ernährung, Bildung und Gesundheit anbetrifft, immer noch nicht das Existenzminimum.

Es ist klar, daß Friede und Armut in der modernen Welt nicht nebeneinander
bestehen können. Auf lange Sicht

müssen wir Frieden ohne Armut erreichen, oder

wir werden überhaupt keinen dauerhaften Frieden haben. Alles, wofür wir gearbeitet, gekämpft und Opfer gebracht haben, wird gefährdet sein, solange Hunger,
Analphabetentum, Krankheit und Armut für 40 Prozent der Bevölkerung der Entwicklungsländer der Welt ein Dauerzustand sind. Aber der Fortschritt, den herbeizuführen wir bisher mit beigetragen haben, beweist, daß dies kein Dauerzustand zu sein braucht. Unsere Entwicklungshilfe wird weiter erforderlich sein,

- 7-

�sein, um diesen Fortschritt beizubehalten und auszudehnen.

Zwecks Gewährung der benötigten Hilfe ersuche ich den Kongreß um die Bewilligung von 255,3 Millionen Dollar im Finanzjahr 1974/75 für funktionelle
Entwicklungshilfeprogramme zusätzlich zu den im Auslandshilfegesetz des letzten
Jahres bereits bewilligten 618 Millionen Dollar.

Diese zusätzlichen Gelder werden es dem Amt für internationale Entwicklung
(AID) ermöglichen, den Entwicklungsländern bei der Steigerung der Lebensmittelerzeugung zu helfen. Die weitverbreiteten Härten, die durch die Verknappung
der Lebensmittelvorräte der Welt in letzter Zeit hervorgerufen worden waren,
fordern verstärkte Anstrengungen aller zur Steigerung der Produktivität der
Landwirtschaft. Das Bevölkerungswachstum und die kürzlichen Mißernten in vielen
Teilen der Welt haben dazu geführt, daß die Getreidevorräte den niedrigsten
Stand seit vielen Jahren erreicht haben und die Preise gestiegen sind. In
einigen Fällen wird die gesamte Bevölkerung von einer Hungersnot bedroht, und
die Lebensmittelverknappung auf der Welt macht es schwierig, die zur Abwendung
einer solchen Tragödie erforderliche Hilfe zu gewähren. Doch Lebensmittelhilfe
allein ist keine Lösung. Die Entwicklungsländer müssen die Produktivität ihrer
eigenen Landwirtschaft steigern, und fast 60 Prozent aller AID-Entwicklungshilfeprogramme werden auf dieses Ziel abgestellt sein.

Wir werden mit der Neuausrichtung unserer Entwicklungshilfeprogramme fortfahren, wie dies gemeinsam von Kongreß und Administration gefordert worden ist,
um direkter die akuten menschlichen Probleme

der ärmeren Länder anzugehen.

Das AID wird sich daher auf Familienplanung und grundlegende ärztliche Dienstleistungen, auf die Verbesserung der Ausbildung und Programme zur Erschließung
der menschlichen Hilfskräfte, auf die Steigerung der Lebensmittelerzeugung sowie auf die Verbesserung der Ernährung konzentrieren.

Ein starkes bilaterales Auslandshilfeprogramm der USA kann jedoch nur
dann voll wirksam sein, wenn es durch anhaltende aktive multilaterale Hilfeanstrengungen ergänzt wird. Dem Kongreß liegt eine Gesetzesvorläge über Beiträge der Vereinigten Staaten an die Internationale Entwicklungsgesellschaft

�Entwicklungsgesellschaft (IDA) in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar vor. Die
kassenmäßige Auszahlung dieser Beiträge wird sich, 1976 beginnend, über
mehrere Jahre erstrecken.

Die Internationale Entwicklungsgesellschaft blickt auf eine 14jährige
erfolgreiche Tätigkeit in der Bereitstellung von Entwicklungsanleihen an die
ärmsten Länder zurück. Wir haben eine Herabsetzung des amerikanischen Anteils
zu den Gesamtbeiträgen für die Hilfe von 40 auf 33 Prozent ausgehandelt und
damit den anderen Ländern eine vermehrte Verantwortung für internationale Anleihen übertragen. Es ist undenkbar, daß die Vereinigten Staaten ein so erfolgreiches internationales Programm aufgeben, und ich ersuche das Repräsentantenhaus, seinen kürzlichen Abstimmungsbeschluß, in dem die IDA-Ermächtigung
abgelehnt wird, nochmals zu überprüfen. Ein solcher Schritt wäre falsche Sparsamkeit und würde gerade die Prinzipien verletzen, die wir mit der Gewährung
von Entwicklungshilfe an andere Länder zu fördern hoffen.

Ebenfalls noch nicht verabschiedet ist die Gesetzesvorlage über einen
Beitrag von 362 Millionen Dollar zum Stammkapital und von 50 Millionen Dollar
zu dem Sonderfonds der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB). Die Leistungen der
jüngeren Asiatischen Entwicklungsbank entsprechen heute denen der IDA. Der
Afrikanische Entwicklungsfonds und die Afrikanische Entwicklungsbank haben ausgezeichnete Aussichten, eine immer wichtigere Rolle in einem Kontinent zu
spielen, dessen Kapitalbedarf gerade in jüngster Zeit erst durch die große
Dürre aufgezeigt worden ist.

Es ist unbedingt erforderlich, daß diese Rahmenermächtigungen wie auch
die für unsere bilateralen Programme verabschiedet werden. Und es ist genauso
wichtig, daß die Bewilligung mit dem vollen Betrag gebilligt werden, der zur
Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber diesen Institutionen wie auch gegenüber der Interamerikanischen Entwicklungsbank notwendig ist, für die das
entsprechende Gesetz bereits verabschiedet wurde.

Die Vereinigten Staaten führen gegenwärtig Verhandlungen über eine internationale Währungs- und Händelsreform. Es sollte klar sein, daß den unterent- 9 -

�unterentwickelten Ländern, was den Erfolg dieser wichtigen Initiativen anbetrifft, eine bedeutende Rolle zufällt. Diese Länder werden auf die Vereinigten
Staaten blicken, ob diese auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe wie auch bei
der Handels- und Währungsreform weiterhin eine führende Rolle spielen werden.

Sicherheitshilfe

Die Sicherheit unserer Verbündeten und der mit uns befreundeten Länder
ist ein wichtiges Anliegen der Außen- und der nationalen Sicherheitspolitik
der Vereinigten Staaten. Nicht alle sind in der Lage, für ihre Sicherheit zu
sorgen, und unsere Hilfe ermöglicht es diesen Ländern, die Hauptverantwortung
für ihre eigene Verteidigung zu tragen. Sie gibt ihnen das Vertrauen, um mit
ihren potentiellen Gegnern von einer Position der Stärke zu verhandeln und der
Subversion und Einschüchterung zu widerstehen. Die Wirksamkeit und Klugheit
dieser Politik erweist sich heute im Nahen Osten und in Südostasien.

Es kann keinen wirklichen Frieden auf der Welt geben, solange einige Regierungen glauben, daß sie durch Gewalt oder Gewaltandrohung das erreichen
können, was sie durch friedlichen Wettbewerb oder durch Verhandlungen nicht
erreichen können. Unsere Sicherheitshilfeprogramme verringern die Wahrscheinlichkeit, daß derartige Kalkulationen gemacht werden, und erhöhen den Anreiz, internationale Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln beizulegen.

Genauso wie die Sicherheitshilfe die Auswirkungen großer und unerwarteter
Verteidigungslasten auf die Volkswirtschaften befreundeter Staaten mildern kann,
so kann sie auch deren Volkswirtschaften stärken und ihnen so vermehrte militärische Beschaffungskäufe auf Kreditbasis statt auf Schenkungsbasis ermöglichen. Wir brauchen ein flexibles Programm für militärische Beschaffungskäufe
auf Kredit, um die Selbständigkeit befreundeter Staaten zu fördern und zu erleichtern und so mit dazu beizutragen, daß die durch die Gewährung von Sicherheitshilfe für die Vereinigten Staaten entstehenden Kosten sich verringern.

Ich

- 10 -

�Ich ersuche den Kongreß um die Billigung von Bewilligungen in Höhe von
985 Millionen Dollar im Finanzjahr 1974/75 für Militärhilfe auf Schenkungsbasis und von 555 Millionen Dollar für militärische Beschaffungskäufe anderer
Länder auf Kredit zur Finanzierung eines 872,5 Millionen-Dollar-Programms sowie von 385,5 Millionen Dollar für Hilfe zur Stärkung der Sicherheit.

Zusammenfassung
Die Vereinigten Staaten haben erst vor kurzem ein über 10 Jahre dauerndes
Engagement in einem langen, harten und kostspieligen Krieg beendet. Es ist
nichts Ungewöhnliches, wenn im Land eine starke Tendenz festzustellen ist, die
mit einer führenden Rolle in der Welt verbundenen schweren Pflichten aufzugeben. Aber eine vorübergehende Strömung darf nicht die langfristigen Interessen unseres Landes trüben.

Der Prozentsatz des amerikanischen Bruttosozialprodukts, der auf die Auslandshilfe entfällt, ist klein. Er ist in der Tat niedriger als der manches
anderen Landes, doch ist dies eine kluge Investition, die mit der Unterstützung
beider großen politischen Parteien im Interesse unseres eigenen Landes vorgenommen wird - im Interesse unserer historischen Rolle als großzügiger und
mutiger Verteidiger der Freiheit und der Menschenrechte und im Interesse des
Weltfriedens.

Mit unserer Hilfe haben andere Länder einen Punkt erreicht, an dem sie einen
Teil dieser Last übernehmen können. Aber wir haben bis jetzt noch nicht den
Punkt erreicht, an dem wir sie ruhig ablegen dürfen.

Die von mir für das Finanzjahr 1974/75 beantragten Gelder stellen das
Minimum dessen dar, was notwendig ist, um die verantwortungsbewußte und konstruktive Rolle der Vereinigten Staaten zu unterstützen, die sie als international
führende Macht und bei der Zusammenarbeit spielen - eine Rolle, die in unserem
eigenen nationalen Interesse fortgeführt und gestärkt werden sollte.
+ + + + +
- 11 -

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9/1974

US-WIRTSCHAFT RECHNET MIT STEIGENDEM KOHLEVERBRAUCH
- Interview mit unserem Korrespondenten John Uhler -

WASHINGTON --(AD)-- Mit einem starken Ansteigen des Kohleverbrauchs der
Welt ist nach Ansicht des Präsidenten des amerikanischen Kohlenbergbauverbandes Carl Bagge als Folge der Energiekrise zu rechnen. Bagge, der von
1965 bis 1971 an maßgebender Stelle für das Bundesamt für Energiewirtschaft
tätig war, weist unter anderem auf die großen Möglichkeiten hin, die die Verfahren zur Kohleverflüssigung und Vergasung bieten, an deren Verbesserung
amerikanische und europäische Wissenschaftler gemeinsam arbeiten. Das dem
Korrespondenten des US-Informationsamtes John Uhler gegebene Interview hat
folgenden Wortlaut:

Frage: Warum ist die Kohle plötzlich so wichtig geworden?

Antwort: Seit dem Erdölembargo des Nahen Ostens hat sich immer mehr die
Erkenntnis durchgesetzt, welche Bedeutung unsere riesigen Kohlevorkommen
als Energiequelle für die Vereinigten Staaten haben.
Die

�«

Die Erkenntnis, daß die Kohle die größte einheimische Energiequelle
ist, und die Folgerungen, die sich aus der Tatsache ergeben, daß wir rund
60 Prozent der Kohlevorkommen der freien Welt besitzen, sprechen für sich.
Die Kohle ist nicht nur der Brennstoff für Kraftwerke und große industrielle Heizanlagen, sondern auch der Ausgangsbrennstoff für eine in der Entwicklung begriffene Industrie für synthetische Brennstoffe, für Gas und für eine
ganze Reihe flüssiger Petroleumprodukte.

Frage: Importieren die Vereinigten Staaten große Mengen Kohle?

Antwort: Die Vereinigten Staaten sind ein Nettoexporteur von Kohle.
Wir haben den großen Vorteil, über eine für metallurgische Zwecke bestens geeignete Kohle zu verfügen, die für die Stahlerzeugung überall auf der Welt
gebraucht wird. Wir haben in der Vergangenheit laufend Kohle für die Stahlindustrie der freien Welt exportiert. Und es ist angesichts der einzigartigen Qualität dieser Kohle unbedingt notwendig, daß wir diese Exporte fortsetzen. Die beste russische und polnische Kohle kann den Anforderungen der
japanischen und der westeuropäischen Stahlindustrie nicht genügen.

Es gibt eine Menge interessante Projekte, die wir gemeinsam unternehmen.
Wir arbeiten gemeinsam an Verfahren zur Filterung der Kohleabgase der Fabrikschornsteine, an Verfahren zur Kohlevergasung und Verflüssigung sowie an
Kohleabbauverfahren. Wir arbeiten mit der Bundesrepublik Deutschland an Verfahren des Kohleabbaus und mit Großbritannien an anderen Projekten. Mit den
Russen arbeiten wir an einem neuen magneto-hydrodynamischen Energieprojekt

�Energieprojekt mit Kohle. Wir sind an zahlreichen gemeinsamen Forschungsprojekten beteiligt, deren Umfang ständig erweitert wird. Auf diese Weise sind
die Kohleindustrien der Welt immer enger zusammengerückt.

Frage: Was sollten die Vereinigten Staaten in den nächsten Jahren für
den Export von Kohle tun?
Antwort: Die amerikanische Politik sollte auf eine Fortsetzung der Exporte hinauslaufen - im Interesse unserer Freunde in der freien Welt und im
Hinblick auf die Schlüsselstellung der Stahlerzeugung. Ich rechne mit einem
Ansteigen der Kohlenexporte. Das läßt sich durchaus mit dem Bedarf unserer
eigenen Stahlindustrie vereinbaren, die metallurgische Kohle in ausreichender
Menge erhalten wird.
Frage: Gibt es irgendwelche amerikanischen Export-oder Importkontrollen
für Kohle, sollte es welche geben?

Antwort: Wir haben nichts gegen ein Lizensierungsprogramm für Kohlenexporte einzuwenden. Bei unseren Kohlenexporten handelt es sich zu 95 Prozent
um metallurgische Kohle und nicht um Kraftwerkskohle. Kanada ist eine Ausnahme; dorthin liefern wir Kraftwerkskohle im Austausch gegen Kraftstrom.

Langfristige Kontrakte - im allgemeinen über mehr als fünf Jahre - haben
wir mit den Stahlindustrien der Länder der freien Welt. Ein Bruch dieser Kontrakte würde sich sehr nachteilig auf unsere Beziehungen zu den Ländern der
freien Welt auswirken. Dies liegt nicht im Interesse der Vereinigten Staaten.
Frage:

-3-

�9
t

i

Frage: Wie hoch belaufen sich die Investitionen anderer Länder im amerikanischen Kohlenbergbau?

Antwort: Gerade die Japaner haben zahlreichen amerikanischen Bergwerks eignem Geld für den Abbau von metallurgischer Kohle zur Verfügung gestellt.
Auf diesem Gebiet wird eine ganze Menge getan und es wird noch mehr geschehen,
wenn unsere Kohleindustrie weiter expandiert.

Frage: Was wird in der Kohleindustrie in den nächsten Jahren geschehen?

Antwort: Das hängt zu einem großen Teil davon ab, welche Entwicklung die
Politik der amerikanischen Regierung nimmt. Einige Amerikaner sind der Ansicht,
daß der Tagebau eingestellt werden oder auslaufen sollte. Da das Land wieder
erschlossen werden kann, sollten dem Tagebau strikte Auflagen für die Rekultivierung gemacht werden. Wo dies nicht möglich ist darf nicht abgebaut werden. Die Vereinigten Staaten sollten jedoch nicht einfach große Vorkommen stilllegen, weil im Augenblick eine Rekultivierung noch nicht möglich ist. In
Dürregebieten mit weniger als 25 cm Niederschlagsmenge gibt es natürlich
Probleme, die jedoch von der Forschung gelöst werden können. Das braucht nur
etwas Zeit. Wenn wir jetzt aus politischen Gründen einzelne Gebiete blockieren,
dann werden diese künftigen Generationen beim Übergang zu einer synthetischen
Kohleindustrie fehlen, das ist das Problem. Es gibt Umweltschützer, die bestimmte Gebiete am liebsten für immer für den Kohlenabbau sperren möchten.

Der amerikanische Kohlenbergbau hat sich gegenüber der Regierung schriftlich verpflichtet, 60 Millionen Tonnen Kohle zusätzlich zu fördern, damit die

-4-

�die zahlreichen Energieversorgungsbetriebe, vor allem an der Atlantikküste,
die bisher auf Nahostöl angewiesen waren, umgestellt werden können. Die Vereinigten Staaten lassen Gas als Heizstoff für die Elektrizitätsgewinnung
nicht mehr zu. Die Wirtschaftlichkeit solcher technologischen Verfahren zur
Elektrizitätsgewinnung liegt bei nur 35 Prozent, so daß bei der Umwandlung
in Elektrizität rund 65 Prozent der Energie des Brennstoffs verlorengehen.
Praktisch werden also rund 65 Prozent des Gases oder des Erdöls nutzlos abgebrannt.
Frage: Wie hoch sollten die Investitionen in der Kohlenindustrie in den
nächsten fünf Jahren sein? Werden diese Investitionen erfolgen und wohin wird
dieses Geld fliessen?

Antwort: Der Nationale Kohleausschuß hat vor 18 Monaten in einem Bericht
die Investitionen in der amerikanischen Kohleindustrie bis 1985 auf 12 Milliarden Dollar veranschlagt. Das ist einmalig. Der Ausschuß hat weiter angedeutet,
daß die amerikanischen Eisenbahnen weitere 4 bis 6 Milliarden Dollar investieren müssen, um eine solche riesige Expansion möglich zu machen. Solche Investitionen können nur erfolgen, wenn seitens der Regierung eine Politik verfolgt wird, die ein derartiges langfristiges Engagement garantiert.

Entscheidend für die Erschließung der amerikanischen Kohlevorkommen ist
die von den Senatoren Henry Jackson und Jennings Randolph eingebrachte Vorlage, die unter dem Namen "National Coal Conversion Policy Act" läuft. Wir
unterstützen dieses Gesetz.
Dieses

�*

Dieses Gesetz fordert im wesentlichen, daß die Bundesregierung dafür
Sorge tragen müsse, daß alle großen (nicht mit Kernbrennstoff betriebenen)
Kraftwerke in Zukunft mit Kohle und nicht mit Erdöl oder Erdgas heizen. Und
es geht sogar noch weiter und fordert, daß die Industrie künftig für die Erzeugung von Dampf ebenfalls in erster Linie auf Kohle zurückgreifen soll.
Die riesigen Kohlevorkommen werden dann voll genutzt werden.

Frage: Wieso können wir hinsichtlich der Kohlesituation optimistisch
sein?
Antwort: Ich bin hinsichtlich der Zukunft recht optimistisch. Trotz binnenwirtschaftlicher Schwierigkeiten waren die Aussichten für die amerikanische Kohlenindustrie niemals besser.

Innenminister Morton und andere Regierungsvertreter haben davon gesprochen, daß 1985 rund zwei Milliarden Tonnen Kohle jährlich gefördert werden.
Verglichen mit unserer gegenwärtigen Förderung von 600 Millionen Jahrestonnen ist das ein ehrgeiziges Ziel. Selbst in Zeiten, da die Kohle "König" war,
haben wir keine solchen Mengen gefördert. Das Phänomen ist, daß die Förderung überall auf der Welt ansteigt.

Eine vor 18 Monaten von den Vereinten Nationen durchgeführte Studie stellt
fest, daß 93 Prozent aller fossilen Brennstoffe auf der Welt in Form von
Kohle vorkommen. Die Studie kommt dann zu dem Schluß, daß im Jahre 2 000 die
in flüssiger Form vorkommenden fossilen Brennstoffe - Erdöl - zu 87 Prozent
und die als Gas vorkommenden fossilen Brennstoffe zu 80 Prozent erschöpft

-6-

�erschöpft sein werden. Dagegen werden erst zwei Prozent der Kohlevorkommen
der Welt verbraucht sein.

Die Folgerungen, nicht nur für die amerikanische Politik, sondern für
die weltweite Politik auf diesem "Raumschiff Erde", liegen klar auf der Hand.
Wir müssen diese riesigen Kohlevorkommen unter einem völlig anderen Gesichtspunkt als bisher sehen. Selbst wenn mehr Kernenergie für die Elektrizitätsgewinnung zur Verfügung steht, werden die Aussichten für die amerikanische
Kohleindustrie

und die Kohleindustrie überall auf der Welt hervorragend

sein.

+++

�</text>
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Dokumentation

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22. Mai 1974

10

Inhalt

DOKUMENTATION:

Zweiter Bericht Präsident Nixons an den Kongreß über die US-Streitkräfte in Europa
•

HINTERGRUND:

Unterstaatssekretär Hartman erläutert amerikanische Entspannungspolitik
Neue Übereinstimmung über Grundsätze der US-Außenpolitik
- Von Senator Edmund S. Muskie -

INFORMATION:
Ausrüstungen für Hotel und Restaurant
- Fachausstellung im Frankfurter US-Handelszentrum

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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10/1974

ZWEITER BERICHT PRÄSIDENT NIXONS AN DEN KONGRESS ÜBER DIE US-STREITKRÄFTE IN EUROPA

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat am 16. Mai dem Kongreß seinen zweiten Bericht über den Status der amerikanischen Streitkräfte in Europa übermittelt. Diese Berichte müssen nach dem Jackson-Nunn-Amendment (812) (siehe
I&amp;D Nr.5 vom 13. März 1974) des Gesetzes über die Bewilligung des Verteidigungshaushaltes (Defense Appropriation Authorization Act 1974) vierteljährlich vorgelegt werden, da die Zahl der amerikanischen Soldaten in Europa von
der jeweiligen Zahlungsbilanzsituation der USA abhängig gemacht wird.

Der zweite Viertel Jahresbericht hat folgenden Wortlaut:

"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:

Gemäß Abschnitt 812 (D) des Department of Defense Appropriation Authorization Act 1974 (Bewilligung des Verteidigungshaushaltes) habe ich die Ehre,
dem Kongreß den folgenden Bericht über den Fortschritt zu unterbreiten, der
seit meinem vorigen Bericht vom 20. Februar 1974 bei der Durchführung der Bestimmungen von Abschnitt 812 des oben erwähnten Gesetzes erzielt worden ist.
Am

�Am 25. April haben Vertreter der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland ein neues Devisenausgleichsabkommen (Offset-Abkommen) für
die Haushaltsjahre 1974 und 1975 unterzeichnet. Der für diese Zweijahreszeitspanne vorgesehene Devisenausgleich ist in Dollar größer und bietet wesentlichere wirtschaftliche Vorteile für uns als dies je bei einem früheren Offset-Abkommen der Fall gewesen wäre. Bei einem Wechselkurs von 2,669 DM für
den Dollar liegt der Dollarwert des Abkommens bei etwa 2,22 Milliarden Dollar
für den Zweijahreszeitraum.

Die Zusammensetzung des Abkommens ist generell der früherer Offset-Abkommen ähnlich, es enthält jedoch eine Reihe von Punkten, die seinen Wert
für die Vereinigten Staaten beträchtlich erhöhen - darunter wesentliche haushaltsmäßige Entlastungen. Wie früher stellt die'deutsche militärische Beschaffung in den Vereinigten Staaten den größten Einzelposten dar. Im vorliegenden Abkommen beläuft sie sich auf 1,03 Milliarden Dollar (bei einem Dollarkurs von DM 2,669). Andere attraktive Punkte sind die deutsche Bereitschaft,
die Finanzierung der Renovierung von Einrichtungen fortzusetzen, die von amerikanischen Truppen in der Bundesrepublik benutzt werden; im Zusammenhang
mit amerikanischen militärischen Tätigkeiten in Deutschland die Zahlung bestimmter Grundsteuern und Flughafengebühren zu übernehmen; von den Vereinigten Staaten durch die Atomenergiekommission angereichertes Uran, einschließlich der Lohnanreicherung, zu kaufen; und zum ersten Mal im Rahmen eines Offset-Abkommens amerikanisch-deutsche Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie zu finanzieren.
Wie

�Wie im Falle früherer Offset-Abkommen sieht das neue Abkommen deutsche
Käufe von amerikanischen Schuldverschreibungen zu Konzessionsbedingungen
vor. Die wesentlichen Zinseinsparungen, die sich aus einer 843 Millionen
Dollar-Anleihe über sieben Jahre zu 2,5 Prozent ergeben, decken zusammen mit
den oben erwähnten Beiträgen zu unseren Truppenstationierungskosten - wie
etwa durch Renovierung von Truppeneinrichtungen und Übernahme von Steuern
und Flughafengebühren - im wesentlichen die zusätzlichen Kosten, die uns dadurch entstehen, daß wir unsere Truppen in der Bundesrepublik statt in den
Vereinigten Staaten dislozieren.
Die in dem Abkommen enthaltenen Vorteile stellen das wesentliche Element
in dem Bemühen dar, die Bedingungen von Abschnitt 812 zu erfüllen. Das Abkommen ist das Ergebnis viele Monate langer schwieriger Verhandlungen, die
nicht nur unsere von beiden Regierungen ernannten Verhandlungsbevollmächtigten, sondern auch den persönlichen Meinungsaustausch auf höchster Ebene beider Regierungen in Anspruch nahmen.

In meinem vorigen Bericht an den Kongreß habe ich festgestellt, daß die
amerikanischen Ausgaben, die sich aufgrund der Dislozierung von Streitkräften
in NATO-Europa in Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen der Vereinigten
Staaten in der Zahlungsbilanz niederschlagen, im Haushaltsjahr 1974 rund
2,1 Milliarden Dollar betragen werden. Dieser Voranschlag gilt noch immer.

Ich

�Ich gehe davon aus, daß das bilaterale Offset-Abkommen mit der Bundesrepublik Deutschland zusammen mit Vereinbarungen mit anderen Verbündeten die
Bedingungen von Abschnitt 812 erfüllen wird. Dies wird uns erlauben, unsere
Streitkräfte in NATO-Europa auf dem gegenwärtigen Stand aufrechtzuerhalten.
In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, daß die NATO-Studie über
alliierte Beschaffungspläne, von der ich in meinem vorigen Bericht an den
Kongreß gesprochen habe, erkennen läßt, daß die alliierten militärischen
Beschaffungskäufe in den Vereinigten Staaten im Haushaltsjahr 1974 beträchtlich sein werden, trotz der Tatsache, daß viele unserer Verbündeten eine
Verschlechterung ihrer Handelsbilanz erfahren haben und vor der Möglichkeit
einer noch stärkeren Verschlechterung stehen. Ich werde den Kongreß in
meinem August-Bericht weiter über die Erfüllung der Bedingungen von Abschnitt 812 unterrichten.

+++

-4-

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UNTERSTAATSSEKRETÄR HARTMAN ERLÄUTERT AMERIKANISCHE ENTSPANNUNGSPOLITIK

Der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Arthur Hartman, hat am 15. Mai vor
dem Europa-Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses
die Entspannungspolitik der Vereinigten
Staaten erläutert und betont, daß die USA
die Entspannung als einen "Prozeß" und
nicht als ein "Bündnis" verstehen. Die Vereinigten Staaten würden weder fundamentale
Prinzipien aufgeben noch die Sicherheitsinteressen ihrer Verbündeten opfern. Hartmann wies in diesem Zusammenhang darauf
hin, daß die amerikanische Regierung sich
immer vor und nach Verhandlungen mit der
Sowjetunion mit den Verbündeten konsultiert und deren Vorschläge berücksichtigt
habe. Das fundamentale Anliegen der USA
bei ihren Bemühungen um eine Normalisierung
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
sei die Schaffung einer friedlicheren und
stabileren Welt.
Nachfolgend geben wir die Ausführungen Hartmans vor dem Unterausschuß mit unwesentlichen Kürzungen wieder:
Bevor ich über Entspannung spreche, möchte ich kurz versuchen, diesen
Begriff zu definieren. Wörtlich bedeutet Entspannung ein Nachlassen von
Spannungen. Aber dieser Begriff wird heute häufig als Kürzel für einen
komplexen Prozeß der Anpassung benutzt. Es handelt sich nicht um ein statisches Verhältnis oder einfach eine Verhaltensweise, und "Detente" bedeutet nicht "Entente".
I.
-1-

�j
I.
Ich möchte gerne meine einleitende Erklärung dem widmen, was sich die
Administration unter Entspannung vorstellt und mich zunächst dem globalen
Stand der amerikanisch«sowjetischen Beziehungen zuwenden. Dann möchte ich
aufzeigen, wie die Administration an die Verbesserung dieser Beziehungen
herangeht, und schließlich möchte ich auf spezifische Erfolge hinweisen,
die erreicht worden sind, und auf Probleme, die bestehen bleiben.

Die entscheidende Frage der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen seit
dem Zweiten Weltkrieg ist die Frage von Krieg und Frieden gewesen - diese
Frage war entscheidend wichtig in diesen Zeiten wegen der offensichtlichen
Tatsache, daß ein Nuklearkrieg eine gewaltige Zerstörung für die Menschheit
bedeuten könnte.

Daher ist seit über 20 Jahren ein roter Faden in der amerikanischen
Außenpolitik die Suche nach Übereinkommen gewesen,um das Risiko eines Krieges zu verringern. Auf Gipfelkonferenzen und durch geduldige diplomatische
Verhandlungen haben die aufeinanderfolgenden Administrationen versucht, das
Wettrüsten unter Kontrolle zu bringen und Quellen der Spannung abzubauen.

Gelegentlich wurden bedeutsame Durchbrüche erzielt. So hat beispielsweise die Unterzeichnung des Begrenzten Teststoppvertrages vom Jahre 1963
- das erste große Rüstungskontrollabkommen des Nuklearzeitalters * eine
Periode verbesserter Ost-West-Beziehungen eingeleitet. Aber so wie bei dem
kurzlebigen Geist von Genf, dem Geist von Camp David oder dem Geist von
Glassboro hat der Fortschritt auf begrenzten Gebieten keine dauerhaften Veränderungen in den Ost-West-Beziehungen hervorgebracht.
Um

�Um eine tragfähige Grundlage für eine neue Beziehung zur Sowjetunion
aufzubauen, wählte man eine Methode des schrittweisen Vorgehens:

-- Erstens, durch konkreten Fortschritt beim Abbau spezifischer Quellen
der Spannung, um den Weg für produktive Konferenzen auf höchster Ebene zu bereiten;
-- zweitens, indem man den Schwung, den die Vorbereitung von Gipfelkonferenzen schuf, dazu benutzte, um Verhandlungen über ein breites Spektrum
bilateraler Fragen zu beschleunigen, an denen beide Seiten Interesse hatten;

-- drittens, indem man sich in dem Maße, in dem unsere politischen Beziehungen sich verbesserten, dem wirtschaftlichen Aspekt unseres Verhältnisses zuwandte und versuchte, seit langem bestehende Schranken für einen erweiterten Handel zu beseitigen.

Die Verhandlungen über Berlin - Quelle immer wiederkehrender Krisen in
Europa - begannen im Jahre 1969. Im gleichen Jahr begann SALT - die Gespräche
über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen. Erst 1971, nachdem in diesen beiden Verhandlungen ein wesentlicher Fortschritt erzielt worden war, erwog die Administration die Möglichkeit eines Gipfeltreffens der amerikanischen
und der sowjetischen Führer.
II
Selbst eine flüchtige Betrachtung dessen, was in den letzten Jahren erreicht worden ist, zeigt nach meiner Auffassung, daß eine wesentliche und viel
leicht sogar fundamentale Änderung in den Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion eingetreten ist:
—

In

�-- In Berlin sind die Rechte der Westmächte anerkannt und bekräftigt worden, und die Stadt ist heute nicht mehr Punkt immer wiederkehrender Spannungen und einer Konfrontation zwischen Ost und West.

-- In den Gesprächen über die Begrenzung der Strategischen Rüstungen
haben wir zum ersten Mal den zentralsten Rüstungen Begrenzungen auferlegt und
wir führen heute den Prozeß weiter, die Verhandlungen über eine ständige und
noch weiterreichende Begrenzung der Nuklearrüstung voranzutreiben.

-- Wir sind über spezifische Maßnahmen übereingekommen, um Zwischenfälle auf hoher See zwischen unseren Marinen zu verhüten, und zwar in dem ersten
Abkommen zwischen den Streitkräften unserer beiden Länder seit dem Zweiten
Weltkrieg. Als Ergebnis dieses Abkommens haben provozierende Handlungen auf
hoher See abgenommen und in regelmäßigen Abständen kommen technische Experten zusammen, um unsere Erfahrung mit dem Abkommen zu überprüfen.

-- Wir haben Abkommen geschlossen, die gemeinsame kooperative Anstrengungen auf einer Reihe wichtiger Gebiete vorsehen. Auf der Erfahrung früherer
kultureller, wissenschaftlicher und technischer Austauschprogramme aufbauend,
erstrecken sich diese Abkommen heute auf so weit verzweigte Gebiete wie Weltraum, friedliche Nutzung der Atomenergie, Wissenschaft und Technologie, Umwelt, Gesundheit und Medizin, Verkehrswesen, Landwirtschaft und Ozeanographie.

-- Die Führer unserer beiden Länder haben sich in einem auf dem Gipfeltreffen 197.2 unterzeichneten Abkommen verpflichtet, sich bei ihrem Verhalten
in auswärtigen Angelegenheiten von vereinbarten Grundprinzipien leiten zu
lassen. Im Rahmen dieses Abkommens haben sie sich verpflichtet, in ihren ge-

�gegenseitigen Beziehungen Zurückhaltung zu üben, ihr Äußerstes zu tun, um
Situationen zu verhüten, die zu einer militärischen Konfrontation führen könnten, und sich aller Anstrengungen zu enthalten, um einseitige Vorteile auf
Kosten des anderen zu erzielen. Im Rahmen eines getrennten Abkommens, das
auf dem Gipfel im Jahre 1973 unterzeichnet wurde, sind wir übereingekommen,
unsere Beziehungen zueinander und zu anderen Ländern so zu entwickeln, daß
der Ausbruch eines Nuklearkrieges ausgeschlossen wird.

Die Entwicklung und Ausweitung der wirtschaftlichen Bindungen zwischen
den beiden Ländern bilden einen integralen Bestandteil dieses Kooperationsgefüges. Der auf der Gipfelkonferenz im Jahre 1972 erzielte politische Aufschwung führte zu einer Formel für.die Lösung des schwierigen Problems unserer Pacht-und Leihkonten - eine Lösung, die wiederum zur Gewährung von Krediten und Garantien durch die Export-Import-Bank führte, die für eine anhaltende Ausweitung des Handels mit der UdSSR notwendig sind. Wir haben ein Seefahrt-Abkommen geschlossen, in dessen Rahmen in jedem Land 40 Häfen für den
unmittelbaren Zugang durch Handels-und Forschungsschiffe des anderen geöffnet
worden sind. Wir haben ein sorgfältig ausgewogenes Handelsabkommen unterzeichnet, das dazu dienen soll, die strukturellen Asymmetrien des Handels zwischen
einer Marktwirtschaft und einer Staatshandelswirtschaft in Rechnung zu stellen. Im Jahre 1973 schlössen wir ein Steuerabkommen und unterzeichneten Protokolle über die Eröffnung von Handelsbüros in unseren jeweiligen Ländern und
die Einsetzung eines gemeinsamen Handels-und Wirtschaftsrates zur Förderung
des amerikanisch-sowjetischen Handels.
Einige

-5-

�Einige wenige konkrete Indikatoren zeigen, wie ich meine, den Fortschritt, der in den letzten Jahren bei der Auffächerung unserer Beziehungen
zur Sowjetunion und bei der Ausweitung der Kontakte und der Kommunikation
zwischen uns erzielt worden sind.

Von den rund 105 Verträgen und anderen internationalen Abkommen, die sei
Aufnahme der ersten diplomatischen Beziehungen im Jahre 1933 zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion geschlossen worden sind,kamen allein
58 seit Ende Januar 1969 zustande. Und 41 dieser Abkommen wurden allein in
den letzten beiden Jahren unterzeichnet.

Insgesamt gesehen haben die bilateralen kooperativen Abkommen - obwohl
sie einzeln für sich nicht unbedingt von entscheidender Bedeutung sind - zu
einem beträchtlichen Fluß von Ideen, Informationen und Einzelpersonen in beiden Richtungen zwischen unseren Ländern geführt. Im Rahmen der acht Spezialabkommen und dem allgemeinen Austauschabkommen sind fast 60 gemeinsame Arbeitsgruppen, davon einige mit zahlreichen Unterprojekten, eingesetzt worden,
um den in den Abkommen vorgesehenen Tätigkeitsbereich weiter zu verfolgen.
Im Jahre 1972 stieg die Gesamtzahl der im Rahmen dieser Abkommen in beiden
Richtungen reisenden Personen auf über 4000,was gegenüber 197}, dem letzten
Jahr vor dem Moskauer Gipfel, eine Zunahme von fast 2 500 bedeutet.

Lassen Sie mich kurz auf einige der gemeinsamen Programme eingehen, die
heute auf solchen Gebieten wie friedliche Nutzung der Atomenergie, Umweltschutz und Wissenschaft und Technologie im Gange sind - Gebiete, die für alle
Amerikaner von Bedeutung sind - nicht nur für die Techniker und Spezialisten
beider Seiten, die diese Projekte planen und durchführen.
Auf

�Auf dem Gebiet der Atomenergie bieten die Mittel, die die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion für die Nuklearforschung aufbringen können, die
Aussicht, daß bilaterale, kooperative Programme zu größeren und rascheren
Ergebnissen führen können, als dies der Fall wäre, wenn jedes Land für sich
arbeiten würde. So trifft beispielsweise diese Woche eine amerikanische Delegation mit ihren sowjetischen Kollegen in Moskau zusammen, um Pläne für die
Suche nach einer praktisch anwendbaren Thermonuklear-Technologie abzustecken
- Pläne, die, wie wir hoffen, die führenden Nuklearwissenschaftler beider
Länder noch einen guten Teil der verbleibenden Jahre dieses Jahrhunderts beschäftigen werden. Im Rahmen eines anderen Programmes ist ein Team sowjetischer Wissenschaftler etwa auf halbem Wege mit einem Experiment der Hochenergie-Physik, das am Nationalen Beschleuniger-Laboratorium in Batavia im Staate
Illinois durchgeführt wird, und bei dem diese einzigartige Einrichtung in
Verbindung mit einer Apparatur benutzt wird, die in der Sowjetunion entwickelt
und eigens für dieses Experiment nach den Vereinigten Staaten gebracht wurde.

Das auf der Gipfelkonferenz im Jahre 1972 unterzeichnete Abkommen über
Umweltschutz befindet sich jetzt schon im zweiten Jahr seiner Durchführung.
Der Meinungs-und Erfahrungsaustausch beginnt sich zu echten kooperativen Gemeinschaftsprojekten auf 36 Gebieten zu entwickeln, angefangen vom Schutz der
Umwelt in den Städten bis zu arktischen und subarktischen Ökosystemen. Da
beide Länder über große Land-, See-und Binnengewässergebiete, eine Vielfalt
klimatischer Verhältnisse und große urban-industrielle Konzentrationen verfügen, führen solche kooperative

Programme zu einer weit größeren Datengrund-

lage und theoretischen Bezugswelt für die Umweltforschung in jedem Land. Die

�Die aus dem Austausch gewonnenen Techniken können oft direkt auf laufende
theoretische Studien angewandt werden. So wird beispielsweise im LamontDaherty-Geologischen Observatorium der Columbia-Universität bei den gegenwärtigen Arbeiten eine Technik der Erdbebenvorhersage angewandt, die in der
Sowjetunion entwickelt worden ist.

Im Rahmen des Abkommens über Wissenschaft und Technologie, das auf dem
Gipfeltreffen im Jahre 1972 unterzeichnet wurde, streben wir danach, über den
Austausch von Delegationen hinauszukommen, wie er bei der Entwicklung von
kooperativen Projekten während der letzten 15 Jahre stattgefunden hat. So
sind beispielsweise Konsultationen über Normen und über Patent-und Lizenzierungsverfahren und -bestimmungen von direktem Interesse für viele amerikanische Firmen, die in der Sowjetunion ins Geschäft kommen wollen. Auf diesem
Gebiet sind die Regierungsinteressen und die privaten Handelsinteressen eng
miteinander verwoben. Viele der Beteiligten auf unserer Seite sind Vertreter
amerikanischer Firmen und privater, nicht-staatlicher Organisationen wie
etwa der Industrieforschung.

III

Zweifellos ist viel erreicht worden, um unser Verhältnis zur Sowjetunion
zu verbessern. Die grundlegende Frage bleibt jedoch: Welches sind die Dimensionen der Entspannung

nach den Vorstellungen beider Seiten?

Wir haben ständig klarzustellen versucht, daß unsere Bemühungen um eine
Verringerung der Spannungen in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sich

�sich keineswegs auf einer neuentdeckten Vereinbarkeit der nationalen Systeme
begründen. Sie gehen von der Voraussetzung aus, daß die beiden nuklearen Supermächte alles in ihren Kräften stehende tun müssen, um der Menschheit die
Gefahren einer nuklearen Katastrophe zu ersparen. In einer Welt, wie sie heute
ist - nicht wie sie war und nicht wie wir sie uns wünschen - tragen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gemeinsam eine Verantwortung, die Gefahr
eines Zwischenfalls, einer Fehlkalkulation oder eines Mißverständnisses auf
ein Minimum zu verringern, Normen des gegenseitigen Verhaltens auszuarbeiten,
sich über die Wechselbeziehungen ihrer Interessen klar zu werden und die Kommunikation zwischen uns zu verbessern.

Gleichzeitig hat Außenminister Kissinger andere Aspekte unserer Vorstellung von einer Entspannung herausgestellt. Wir werden dem Versuch eines jeden
Landes entgegentreten, sich - weltweit oder regional - eine Position der Vorherrschaft zu verschaffen; wir werden jedem Versuch entgegentreten, eine Politik der Entspannung zur Schwächung unserer Bündnisse auszunutzen; und wir werden dagegen angehen, falls eine Verringerung der Spannungen als Deckmantel dafür benutzt werden sollte, Konflikte in internationalen Unruhegebieten auszuweiten. Meines Erachtens haben die Ereignisse im Nahen Osten im Oktober letzten Jahres gezeigt, daß das letzte dieser Prinzipien nicht mißachtet werden
darf, wenn nicht das gesamte amerikanisch-sowjetische Verhältnis gefährdet
werden soll.

Die Sowjetunion hat ebenfalls ihre Vorstellung von den Grenzen einer Koexistenz klargemacht. Für die Sowjets schließt die Koexistenz nicht das Recht
anderer ein, eine Schwächung dessen anzustreben, was sie als die Einheit des

�des sozialistischen Lagers bezeichnen. Sie darf nicht zur Aushöhlung der
ideologischen Basis des Sozialismus oder zu einer anderweitigen Einmischung
in ihre inneren Angelegenheiten benutzt werden. Genauso wenig bedeutet Koexistenz für die Sowjets irgendeinen Widerspruch zwischen Zusammenarbeit mit
dem Westen auf der einen Seite und auf der anderen Seite dem, was die Sowjets
als Evolution des Klassenkampfes zwischen Sozialismus und Kapitalismus betrachten - vor allem auf ideologischem Gebiet.

Welche Vorstellungen auch immer von den Dimensionen einer Entspannung
bestehen mögen, so stimmen doch beide Seiten offenbar darin überin, daß Entspannung angesichts der durch die Anhäufung von Nuklearwaffen gegebenen Gefahr
notwendig ist; daß Entspannung notwendig ist, nicht etwa, weil wir keine entgegengesetzten Interessen in zahlreichen Teilen der Welt hätten oder weil
unsere Systeme nicht völlig unterschiedlich wären «. sondern gerade weil diese
Gegebenheiten herrschen; und daß gerade, wenn gelegentlich Interessenkonflikte
auftreten, die Entspannung eine rasche Beilegung ermöglicht und eine gewisse
Zurückhaltung gewährleistet. Und schließlich sind sich beide Seiten offensichtlich darin einig, daß eine Entspannung notwendig ist, weil es einfach
keine andere vernünftige Alternative gibt.

Jede Bewertung von Entspannung muß von Anfang an klar davon ausgehen,
daß grundlegende Meinungsverschiedenheiten zwischen uns bestehen und daß
wir und die Sowjets auf viele Weise und an vielen Orten Gegner bleiben.
Gleichzeitig scheint jedoch die gegenwärtige Verbesserung in den Beziehungen
von jeder Seite als ihren eigenen nationalen Interessen dienend angesehen zu
werden und so beiden Ländern einen Anreiz zu bieten, um zu versuchen, die

-10-

�die Folgen ihrer Meinungsverschiedenheiten auf ein Minimum zu verringern und
einzudämmen, den schwierigen Prozeß von Verhandlungen fortzusetzen und jede
vorsätzliche Rückkehr zu Feindseligkeit und Konfrontation zu vermeiden.

IV.
Unser Ziel in den kommenden Jahren ist es, den Prozeß der Verbesserung
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen unwiderruflich zu machen. Aber Gewohnheiten, die sich in 20 Jahren der Konfrontation auf beiden Seiten herangebildet haben, sind nicht so leicht abzuschaffen.

Wir sind uns ferner darüber im klaren, daß es weder in diesem Land noch
in irgendeinem anderen Land eine einheitliche Auffassung von der Bedeutung
des Begriffs Entspannung gibt. Manche Leute meinen, daß eine Zusammenarbeit
mit einem Land, dessen innenpolitisches System in vieler Hinsicht mit den
amerikanischen Traditionen und Werten nicht zu vereinbaren ist, nur auf Kosten
unserer Ideale und moralischen Prinzipien erfolgen könne. Andere erklären,wir
sollten das sowjetische Interesse an Handel und technologischem Wissen nutzen,
um politische Bedingungen damit zu verknüpfen, die grundlegende Änderungen in
den innenpolitischen Praktiken der Sowjets erfordern würden. Die Administration pflichtet dem, wie ich bereits angedeutet habe, nicht bei. Wir begreifen
sehr wohl die natürliche Neigung der Amerikaner, zu wünschen, daß andere
die Rechte und Freiheiten mit ihnen teilen, die wir so hoch schätzen. Wenn
jedoch die Vereinigten Staaten versuchen, mehr Freiheit innerhalb der Sowjetunion zu einer starren Vorbedingung für verbesserte Beziehungen zu machen,
dann würden wir riskieren, keines von beidem zu erreichen - weder verbesserte

-11-

�•

V

verbesserte Beziehungen noch mehr Achtung vor den Menschenrechten in der
Sowjetunion. Wir werden natürlich, wenn wir jetzt verbesserte Beziehungen mit
der Sowjetunion anstreben, unsere Ideale nicht aufgeben. Wir sind jedoch überzeugt, daß unsere Außenpolitik vor allem darauf abgestellt sein muß, die Aussenpolitik anderer Regierungen zu beeinflussen und nicht deren innere Struktur. ...

Außenminister Kissinger hat sich mit dieser Frage in seinen Ausführungen
vor dem Finanzausschuß des Senats am 7. März befaßt, als er erklärte:

"Da Entspannung in der Anerkennung von Unterschieden verwurzelt ist
- und auf der Verhütung der Katastrophe basiert - gibt es scharfe Grenzen dafür, was wir im Rahmen dieser Beziehung verlangen können. Wir haben ein Recht,
von der UdSSR ein verantwortungsbewußtes internationales Verhalten zu fordern
- und wir haben nicht gezögert, dies während der Nahostkrise klar und deutlieh zu machen. Wir haben auch ein Recht, zu verlangen, daß von uns unterzeichnete Abkommen in gutem Glauben eingehalten werden.

Was jedoch grundsätzliche Veränderungen des Sowjetsystems anbetrifft so
geht es nicht darum, ob wir uns mit dem zufrieden geben, was die UdSSR im
eigenen Lande tut - sondern es geht darum, ob und in welchem Ausmaß wir andere Ziele - und vor allen Dingen den Aufbau eines Gebäudes des Friedens - um
dieser inneren Veränderungen willen aufs Spiel setzen können..."

V.

-12-

&lt;

�I
V.
Der Handel ist ebenfalls eine wichtige Komponente unserer Gesamtpolitik
der Entspannung gegenüber der Sowjetunion. Wir gehen davon aus, daß die Handels-und Wirtschaftsbeziehungen zur Sowjetunion keine gedeihliche Entwicklung
nehmen

können, wenn die politischen Beziehungen weiterhin von Feindseligkeit

gekennzeichnet sind. Deshalb haben wir auch dann erst, als wir Fortschritte
in der Verminderung der Ursachen

politischer Spannungen im Verhältnis zu der

UdSSR erzielt hatten, Sondierungen im wirtschaftlichen Bereich unternommen.
Wir haben gleichzeitig die Kontrollen beibehalten, die die Ausfuhr von solchen Gütern verbieten, die die sowjetischen Militärkapazitäten direkt zu
steigern geeignet sind. Wenn wir jedoch unsere Handelsbeziehungen zur UdSSR
auf der gleichen Basis wie in den schlimmsten Jahren des kalten Krieges fortführen wollten, würden wir den Sowjets unserer Meinung nach einen wichtigen
Anreiz für eine Verbesserung ihrer Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
nehmen.

Die Entspannung hat im übrigen nicht das geringste mit Beschwichtigungspolitik zu tun. Wir verhandeln mit der Sowjetunion nicht aus einer Position
der Schwäche heraus. Ganz im Gegenteil, die Aufrechterhaltung unserer militärischen Stärke ist eine Grundvoraussetzung für die Entspannung. Dafür zu
sorgen, daß unsere militärische Stärke hinter der keines anderen Landes zurückbleibt, stellt die eigentliche Prämisse der nationalen Verteidigung dar,
die für die Vereinigten Staaten einzig und allein je akzeptabel ist. Wir
können nicht erwarten, daß die sowjetischen Führer in ihren Beziehungen zu
uns aus gutem Willen Mäßigung üben, sondern nur aus dem einen Grund, weil sie

-13-

�f

r

sie unsere Stärke respektieren, die die Grundlage unserer Diplomatie bildet.

Wir sind uns unserer Verantwortlichkeit voll bewußt. Verhältnisse aufrechtzuerhalten, die die Stabilität fördern und zu weiteren Anstrengungen ermutigen, die atomare Rüstung zu beschränken. Unser Ziel in den SALT-Verhandlungen ist es, das zu erreichen, was wir als "wesentliche Gleichwertigkeit"
bezeichnen. In Verfolgung dieses Zieles sind wir bereit, unseren Grad der
strategischen Rüstung zu vermindern, beizubehalten oder notfalls zu erhöhen,
wird dieser Grad doch von der Politik und den Entscheidungen der Sowjetunion
beeinflußt. Wir sind nicht willens, uns im Zuge der Bestrebungen zur Erreichung
einer Entspannung mit der Sowjetunion die langfristigen strategischen Erfordernisse unserer Sicherheit abhandeln zu lassen oder sie durch irgendwelche
Kompromisse zu gefährden.
Und eine Politik der Entspannung kann auch nicht in Isolation von unseren
Verbündeten betrieben werden. Um ein internationales militärisches Gleichgewicht aufrechterhalten zu können, müssen wir die Stärke, Integrität und Standfestigkeit unserer Bündnisse in der freien Welt beibehalten. Dies ist nirgends
wichtiger als in Europa. Das Berlin-Abkommen, das wir in Übereinstimmung mit
unseren britischen und französischen Verbündeten ausgehandelt haben, stellte
nicht nur eine wichtige Stufe in der Entwicklung unserer eigenen Beziehungen
zur Sowjetunion dar; es trug auch zu einer allgemeinen Verbesserung des politischen Klimas in Europa bei, wo wir uns im Verein mit unseren Verbündeten nunmehr an der Konferenz über die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und an
den Verhandlungen über gegenseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen beteiligen.

Wie

-14-

�Wie Sie wissen, begann die Konferenz über die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa - KSZE, wie sie auch genannt wird - im Juli (letzten Jahres)
und tagte den Sommer über bis in den Frühherbst hinein. Herr Vorsitzender,
Ihr Unterausschuß führte im April und erneut im September 1972 eingehende
Hearings über die KSZE durch und nahm zu diesem Zeitpunkt auch die Aussagen
meiner Amtsvorgänger, der ehemaligen Unterstaatssekretäre Hillenbrand und
Stoessel»entgegen. Wir sind auch weiterhin fest überzeugt, daß diese Konferenz
kein Ergebnis zu zeitigen vermag, das die Sicherheitsvorkehrungen, wie sie die
NATO bietet, ersetzen könnte. Diese Konferenz ist vielmehr als ein Element
eines viel umfassenderen und in Entwicklung begriffenen Systems von Ost-WestVerhandlungen zu verstehen, das geeignet ist, die Risiken der Konfrontation zu
verringern und den Weg zu stabileren Beziehungen innerhalb Europas zu eröffnen.
Wir hoffen insbesondere, im Rahmen der KSZE eine Vereinbarung zustandebringen
zu können, die einige der Schranken abbauen hilft, die heute den Strom von
Menschen und Informationen zwischen Ost und West behindern.

Fünf Jahre nachdem die Alliierten beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen auf der Seite des Ostens und des Westens in Mitteleuropa vorschlugen, begannen im Oktober (vergangenen Jahres) die formellen Verhandlungen,
die heute noch andauern. Beide Seiten gehen von der Prämisse aus, daß die Gespräche ein Ergebnis zeitigen sollten, das die Sicherheit aller Teilnehmerstaaten unvermindert läßt. Die Alliierten haben größere zahlenmäßige Verringerungen
der Truppenstärken auf östlicher als auf westlicher Seite vorgeschlagen, um
gemeinsame Höchstziffern für die gesamten Mannschaftsstärken der Landstreitkräfte zu erreichen, bei denen der Warschauer Pakt gegenwärtig ein Übergewicht
von 150 000 Mann besitzt. Die östliche Seite sucht im Gegensatz hierzu das be-15-

�»

bestehende Kräfteverhältnis zwischen den Truppenkomponenten des Ostens und
des Westens zu erhalten.

Bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen stehen die unterschiedlichen Auffassungen beider Seiten darüber, was
das entscheidende militärische Gleichgewicht in Mitteleuropa darstellt, zur
Debatte. Es liegen deshalb schwierige Verhandlungen vor uns. Der Zusammenhalt
der westlichen Alliierten ist ausgezeichnet. Beide Seiten verhandeln zudem
ernsthaft, und die bisher geführten Gespräche haben die grundlegenden Fragen,
um die es hier geht, klar hervortreten lassen. Wir hoffen auf weitere Fortschritte in den vor uns liegenden Wochen, die schließlich zu einem stabileren
Gleichgewicht bei geringeren Truppenstärken entlang der Front im Mittelabschnitt führen werden - in einem Gebiet, das für den Frieden in Europa und
in der Welt von lebenswichtiger Bedeutung ist.

Diese beiden wichtigen Verhandlungsrunden sind konkrete Beispiele für
unsere Anstrengung, von der Konfrontation zu Verhandlungen überzuleiten. Sie
zeigen beide, daß die Entspannung, soll sie sinnvoll sein, für keine der beiden Seiten zu einer Verminderung ihrer Sicherheit führen darf.

Auf lange Sicht wird die Stabilität unserer Beziehungen zu Moskau davon
abhängen, bis zu welchem Grad wir beide die günstigen Auswirkungen einer Normalisierung als real und nicht illusorisch zu begreifen lernen. Dieser Prozeß
läuft aufgrund der großen Unterschiede in unseren ideologischen und politischen Anschauungen keineswegs automatisch ab. Diese Unterschiede setzen der
Tiefe und Qualität unserer Kommunikation miteinander Grenzen und werden uns

-16-

�uns offensichtlich nicht zu jener Intimität gelangen lassen, wie wir sie in
den Beziehungen zu engen Freunden und Verbündeten erwarten möchten. Aber die
Veränderungen,die in den letzten Jahren in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen eingetreten sind, haben uns zu der Auffassung ermutigt,daß wir uns
auch weiter von der starren Feindseligkeit der Vergangenheit entfernen und
zu einem neuen Verhältnis gelangen können, das durch gegenseitige Zurückhaltung und ein höheres Maß an Stabilität gekennzeichnet ist. Das aber ist das
eigentliche Ziel der Entspannung.

-17-

�amerika dienst
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10/1974

NEUE ÜBEREINSTIMMUNG ÜBER GRUNDSÄTZE DER US-AUSSENPOLITIK
Von Senator Edmund S. Muskie

Senator Muskie war 1968 Vizepräsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei.
Er ist Mitglied des wichtigen Außenpolitischen Ausschusses des Senats und
einer der führenden Sprecher seiner Partei
im Kongreß.
Der vorliegende Artikel basiert auf den
Ausführungen des Senators auf der 14.
Außenpolitischen Jahreskonferenz am 23.
April in der amerikanischen Marineakademie.
Die Darlegungen Muskies lassen einen neuen
Trend der "Überparteilichkeit" in der amerikanischen Außenpolitik und die Bereitschaft des Senators erkennen, selbst darauf
hinzuwirken, daß die Außenpolitik der USA
von beiden Parteien im Kongreß getragen
wird.

Die Vereinigten Staaten gehen heute aus einer der schwierigsten Perioden ihrer außenpolitischen Entwicklung hervor. Ich bin überzeugt, daß die
Vereinigten Staaten trotz einer Verwirrung der Wertvorstellungen nach
Vietnam, trotz des gegenwärtigen innenpolitischen Traumas der WatergateAffaire, trotz des gefährlichen Konflikts im Nahen Osten und der neuerlichen Ausweitung der Feindseligkeiten in Indochina, trotz einer offensicht-

�offensichtlichen Abkühlung der Entspannung und einer Erhitzung unserer Beziehungen zu Europa - daß sie trotz all dieser Dinge an einer Schwelle stehen, die zu einem neuen Zusammenhalt in der Außenpolitik, zu einem neuen
Zielbewußtsein und zu einer gemeinsamen Zielsetzung und einer Wiederherstellung der überparteilichen Tradition in den außenpolitischen Beziehungen führen wird.

Der Grund für meinen Optimismus liegt darin, daß ich heute in der Bevölkerung eine breite Übereinstimmung über vier Grundprinzipien der amerikanischen Außenpolitik feststellen kann.

Erstens besteht eine allgemeine Übereinstimmung, daß eine Politik des
Isolationismus keine tragbare und tragfähige Option für Amerika ist. Trotz
der neuen und spürbaren Aversion des amerikanischen Volkes,in marginale
regionale Konflikte verwickelt zu werden, sind die meisten Amerikaner von
einer globalen Interdependenz überzeugt, die notwendigerweise erfordert, daß
die Vereinigten Staaten in den politischen, wirtschaftlichen und Sicherheitsangelegenheiten der Welt eine bedeutsame Rolle übernehmen.
Zweitens finden die Grundsätze der Entspannung allgemeine Unterstützung
- Entspannung im Sinne eines Abbaus der Spannungen und der Normalisierung
der Beziehungen zu unseren Hauptgegnern aus dem kalten Krieg, nämlich der
Sowjetunion und der Volksrepublik China. Unter welchen Bedingungen und in
welchem Tempo die Entspannung vonstatten gehen soll, darüber kann und soll
in der Öffentlichkeit debattiert werden. Die meisten

Amerikaner sind jedoch

im Prinzip für die Entspannung.
i ,...,,

-2-

Drittens

�{

Drittens herrscht weitgehend Einigkeit darüber, daß unsere Bündnisse mit
Europa und Japan bei allen Fortschritten der Entspannung weiterhin lebenswichtig sind und nachdrücklich betont werden müssen. Diese Bündnisse werden in
weiten Kreisen als durchaus mit der Entspannungspolitik vereinbar betrachtet,
und man sieht in ihnen Zielsetzungen, die weit über die gemeinsame Sicherheit
hinausgehen.

Viertens besteht ein neues Bewußtsein der gegenseitigen Abhängigkeit
- der Interdependenz - der Industrienationen und der Entwicklungsländer. Diese
Erkenntnis ist erst jüngst durch das arabische Ülembargo schmerzlich zum Bewußtsein gebracht worden. Diese Dinge haben auch auf der kürzlichen Sondersitzung der Vereinten Nationen sorgfältige Beachtung gefunden, die auf Antrag
des algerischen Präsidenten Boumedienne einberufen wurde, um die kritischen
Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung der Welt zu behandeln. Die Sitzung war
nach meiner Auffassung höchst bedeutsam, nicht zuletzt dank der bemerkenswert
einsichtigen Rede von Außenminister Henry Kissinger über Probleme der Weltwirtschaft und der Entwicklung.

Diese vier Grundsätze bilden nach meiner Meinung die Grundlage für die
wachsende Übereinstimmung über die Richtung unserer Außenpolitik und über unsere fundamentale nationale Zielsetzung.

Was den ersten Punkt angeht, so ist die Vorstellung einer im wesentlichen
isolationistischen Politik schon immer praktisch eine optische Täuschung gewesen. Eine kleine Macht mag sich den Luxus leisten können, sich hauptsächlich

3-

�t

hauptsächlich mit ihrer physischen Sicherheit und der Erhaltung ihrer Unabhängigkeit zu befassen. Aber eine Großmacht kann und darf sich nicht nur über
diese Minimalziele Gedanken machen, sondern sie muß auch an die Schaffung und
Erhaltung eines günstigen internationalen Klimas denken. Das erfordert keineswegs eine Politik der Intervention - einer Politik also, die weder möglich
noch wünschenswert wäre - sondern das bedeutet, daß die Aufgabe unserer grossen Verpflichtungen in Europa und Japan untragbar wäre.

Wenn sich die Vereinigten Staaten von diesen Verpflichtungen zurückzögen,
dann würde dies mit ziemlicher Sicherheit früher oder später die nukleare
Proliferation, d.h. die weitere Ausbreitung von Kernwaffen , bedeuten. Theoretisch würden ein paar Nuklearstaaten mehr die Welt vielleicht auch nicht
weniger stabil machen, und man könnte sogar argumentieren, daß sich die Vereinigten Staaten dann aus einem regionalen Nuklearkonflikt heraushalten könnten, wenn die Stabilität zusammenbrechen sollte. Man könnte sich ein solches
System zwar theoretisch vorstellen, aber die meisten Historiker bezweifeln,
daß sich eine Großmacht wie die Vereinigten Staaten immer aus Konflikten
heraushalten könnte, in die andere große Staaten verwickelt wären - aus Konflikten also, die ohne Frage politische und wirtschaftliche Interessen der
USA berühren würden.

Darüber hinaus muß man einmal ganz realistisch die praktischen Folgen
eines solchen Rückzuges betrachten. Eine unabhängige japanische Nuklearstreitmacht würde wahrscheinlich - einmal von den möglichen Auswirkungen auf
die japanische Gesellschaft selbst abgesehen - eine sich möglicherweise

-4-

�möglicherweise herausbildende Stabilität in Asien sprengen. In Europa müßte
eine totale amerikanische Abwehr von unseren Sicherheitsgarantien außerordentlich destabilisierend wirken. Im gegenwärtigen Stadium der europäischen Entwicklung kann man sich leicht die großen Belastungen vorstellen, denen das
englisch-französisch-deutsche Verhältnis ausgesetzt wäre, wenn man vor der
Notwendigkeit stünde, Mittel und Wege - also eine Art gemeinsamer Nuklearstreitmacht mit einem gemeinsamen Entscheidungsmechanismus

- zu finden, um

den amerikanischen Schild zu ersetzen.

Es liegt auf der Hand, daß die meisten Europäer, und vor allem die Deutschen, die militärische Präsenz Amerikas als von entscheidender Bedeutung für
ihre Sicherheit betrachten. Nicht daß sie eine Aggression im traditionellen
Sinne befürchteten. Sie befürchten vielmehr - und,wie ich meine, zu Recht einen Verlust ihrer Handlungsfreiheit, wenn das europäische Gleichgewicht
wesentlich gestört wird - einen Verlust der Bewegungsfreiheit, die nach ihrer
Auffassung darauf beruht, daß sich die Großmächte auf dem europäischen Schauplatz gegenseitig militärisch paralysieren.

Wir können mit allem Nachdruck über solche Fragen sprechen, wie Lastenverteilung im Bündnis,und - wie ich meine, zu Recht - darauf bestehen, daß
die Europäer einen größeren Anteil an der Verantwortung für die konventionelle Verteidigung ihres eigenen Kontinents übernehmen. Die gegenwärtige Zahl
der amerikanischen Truppen in Europa ist keine magische Formel, und wir können nach meiner Auffassung durchaus über einen wesentlichen Abzug amerikanischer Soldaten sprechen, ohne die fundamentalen Verpflichtungen zu unterminie-

-5-

�f

unterminieren, die wir gegenüber unseren NATO-Verbündeten eingegangen sind.
Aber eine solche Debatte - wie sie auch in diesem Jahr wieder im Kongreß
anstehen wird - wird niemals unsere grundsätzliche Verpflichtung zur Verteidigung Europas in Frage stellen oder den Grundsatz berühren, daß eine bestimmte Zahl amerikanischer Soldaten als Garantie für diese Verpflichtung in
Europa bleiben muß.

Was das zweite Prinzip anbetrifft, so besteht meiner Ansicht nach weitgehende Zustimmung beim amerikanischen Volk in bezug auf die Grundrichtung
der amerikanischen Entspannungspolitik mit der Sowjetunion und China. Aber
auch hier gibt es große Meinungsverschiedenheiten über Form und Grad der
Interdependenz, die wir mit der kommunistischen Welt zu schaffen suchen. Die
Entspannung selbst aber - nach den Worten Außenminister Kissingers - als
ein "Prozeß" angesehen, "wie man Beziehungen zu einem potentiell gegnerischen
Land unterhält, um den Frieden und dabei gleichzeitig unsere lebenswichtigen
Interessen zu bewahren",- findet beim amerikanischen Volk weitgehend Unterstützung.

Entspannung beruht nicht auf einer Übereinstimmung über verbindliche
Werte, sondern eher auf der auf jeder Seite bestehenden Einsicht, daß der
andere ein möglicher Gegner in einem Nuklearkrieg sein könnte. In einer Welt
dieser Art muß das Streben nach Frieden, um nochmals Dr. Kissingers Worte zu
gebrauchen, mit einer pragmatischen Konzeption von Koexistenz beginnen was nicht heißt, mit einer rein pragmatischen Politik, der das Element der
Menschlichkeit und der Vision fehlen würde, sondern mit einer Politik, die

,6-

�die sich von allen moralistischen Überschwänglichkeiten freihält, die der
Verhandlung und Angleichung im Wege stehen.

Zumindest auf drei Gebieten ist die Entspannung erfolgreich gewesen. Sie
hat zu einem Nachlassen der ideologischen Überhitzung geführt. Sie hat zu
einer soliden Lösung der deutschen Frage geführt. Und sie hat zu den Abkommen
von 1972 über strategische Rüstungen geführt. Auf den anderen Gebieten sind
die Entspannungsbemühungen weniger erfolgreich gewesen, und zur Zeit zeichnet
sich in den sowjetisch-amerikanischen Beziehungen eine Tendenz ab, die ernsthafte Zweifel über ihre künftige Weiterentwicklung aufkommen läßt. Es herrscht
Pessimismus in bezug auf SALT II, ferner zeichnet sich eine offensichtlich
härtere Haltung hinsichtlich der Unterdrückung in der Sowjetunion selbst
sowie ein sich in beiden Ländern verstärkendes Bewußtsein ab, daß der Entspannung Grenzen gesetzt sind.

Wir sehen uns gegenwärtig in einem Begriffsdilemma gefangen, was diese
Grenzen der Entspannung anbetrifft. In seinen Darlegungen vor dem Finanzausschuß des Senats argumentierte Außenminister Kissinger kürzlich, daß die Vereinigten Staaten das Recht hätten, von der Sowjetunion ein verantwortungsbewußtes internationales Verhalten zu fordern und zu erwarten, daß Abkommen
treu und ehrlich eingehalten werden. Dann aber zog er die Zweckmäßigkeit des
Jackson-Amendments zum Handelsgesetz in Zweifel,(eine Zusatzbestimmung, die
von Senator Henry Jackson eingebracht wurde und die Zollpräferenzen für die
Sowjetunion von einer Erleichterung der sowjetischen Beschränkungen der
jüdischen Auswanderung abhängig macht) - eine Zusatzbestimmung, für die ich

-7-

�I

ich selbst und drei Viertel aller Senatoren eintreten - indem er argumentierte, daß es fruchtlos für uns sei, auf grundsätzlichen Änderungen im sowjetischen System selbst zu beharren und daß wir dadurch nur andere lebenswichtige internationale Ziele aufs Spiel setzten, die wir^in konstruktiver Weise
zusammen anstreben können.

Von denjenigen, die für das Jackson-Amendment eintreten, wurde dagegen
eingewandt, daß es sich nicht um eine unberechtigte Einmischung in fremde
Angelegenheiten handele, wenn Amerika sich besorgt mit den innenpolitischen
Zuständen in der Sowjetunion befasse. Darin komme vielmehr zum Ausdruck, daß
ein stabiler Friede seine Grundlage auf einem gemeinsamen moralischen Fundament haben müsse. Ohne ein solches gemeinsames moralisches Grundgefüge, so
argumentiert man von dieser Seite, könne eine Entspannung immer nur begrenzt und prekär sein.

Das Jackson-Amendment konfrontiert uns mit einem moralischen und praktischen Dilemma, das sich nicht leicht lösen lassen wird. Aber es besteht
eine gewisse Möglichkeit, daß ein befriedigender Kompromiß Zustandekommen
kann, der eine Normalisierung der amerikanisch-sowjetischen Wirtschaftsbeziehungen gestattet, ohne daß wir deshalb denjenigen, die am meisten unter
der sowjetischen Repression im eigenen Lande leiden, den Rücken kehren
müßten. Die Befürworter des Jackson-Amendments haben Bereitschaft zu einem
Kompromiß in bezug auf die Forderung nach völlig freier Auswanderung erkennen lassen, wenn sich dafür die Zahl der Auswanderer beträchtlich erhöht und
die Schikanen gegen die Einzelnen, die Auswanderungsanträge stellen, aufhören. Die Administration hat die Bereitschaft erkennen lassen, das Handels-

-8-

�Handelsproblem und das Auswanderungsproblem vermittels jährlicher Überprüfung
durch den Kongreß miteinander verknüpfen zu lassen. Auch wenn beide Seiten
bislang noch zu keinem Übereinkommen gelangt sind, so besteht doch einiger
Grund zu der Annahme, daß letztlich ein Kompromiß möglich sein dürfte.

Zum dritten Grundsatz möchte ich sagen, daß nach meiner Überzeugung allgemeine Übereinstimmung darüber besteht, daß die amerikanischen Bündnisse mit
Europa und Japan noch immer lebenswichtig sind - welche Fortschritte die Entspannung auch bringen mag.

Wenn die Vereinigten Staaten Klage über Europa führen, dann geht es um
den angeblichen Mangel an ausreichender Konsultation zwischen den neun Mitgliedern des Gemeinsamen Marktes und den Vereinigten Staaten vor Entscheidungen,
die auch die amerikanischen Interessen berühren. Es heißt, in Europa mache sich
in zunehmendem Maße die Tendenz breit, dem Diktum de Gaulies zu folgen, daß
Europa der amerikanischen Beherrschung nur entgehen könne, wenn es seine Entscheidungen ohne Konsultation treffe. Das hat, wie Außenminister Kissinger es
ausdrückte, zu einer Haltung geführt, die europäische Identität im Gegensatz
zu den Vereinigten Staaten zu suchen. In Wirklichkeit, so sagt er, liegt dem
eine innere Schwäche der meisten europäischen Regierungen zu Grunde, die sie
dazu verleitet, sich in antiamerikanische Positionen, die wenig innenpolitisches Risiko bergen, an Paris anzulehnen.

Angesichts der gegenwärtigen Stimmung im Bündnis ist es schwer zu sagen,
wie tief diese Spaltungen tatsächlich gehen. Ich bin da gar nicht pessimistisch, denn ich glaube, daß im Kern das atlantische Verhältnis von einem

-9-

�f

4

einem starken Gefühl der psychologischen und kulturellen Gemeinsamkeit beherrscht wird, das weit tiefer geht als die gelegentlichen Reibereien.
Darüber hinaus sind die Aufgaben, die Amerika, Europa und Japan in der heutigen Welt gestellt sind, so groß, und die Folgen eines Versagens wären so
schwerwiegend, daß sich nach meiner Auffassung in den gemeinsamen Anstrengungen dieser großen modernen Demokratien ein natürliches und grundsätzliches
Gefühl der gemeinsamen Zielsetzung durchsetzen wird.

Wir alle kennen zur Genüge die hartnäckigen Probleme der Verteilung
der Sicherheitslasten und der wirtschaftlichen Koordination und Integration.
Was eine erneute gemeinsame Anstrengung aller Industrienationen erfordert
- und das hängt mit dem vierten Prinzip zusammen - ist das, was man wohl als
die zwingendste moralische Verpflichtung unserer Zeit bezeichnen darf: Die
Notwendigkeit,die Armut in der Welt zu verringern und ein gerechteres Verhältnis zwischen den reichen und den armen Ländern herzustellen.

Außenminister Kissinger hat in seiner Rede auf der Sondersitzung der
Vereinten Nationen zunächst einmal unterstrichen, daß die Weltwirtschaft mehr
Energie zu vertretbaren Preisen braucht, und die Mitarbeit der Vereinigten
Staaten an allen Anstrengungen zugesichert, der Verschwendung von Energie
Einhalt zu gebieten und neue Energiequellen zu erschließen. Zweitens forderte er die Zusammenarbeit der Erzeuger-und Verbraucherländer bei der Überwindung des Zyklus des Rohstoffüberschusses und des Rohstoffmangels. Dabei wandte
er sich gegen alle Bestrebungen von Kartellen von Rohstofferzeugern, künstlich
hohe Preise auszuhandeln. Drittens sagte er die Mitwirkung der Vereinigten

-10-

�Vereinigten Staaten an einer großen Anstrengung zu, den Entwicklungsländern
bei der Lebensmittelerzeugung und der Bevölkerungskontrolle zu helfen,um ein
stabiles Gleichgewicht zu erreichen, und er forderte eine globale Nahrungsreserve, um Hungersnöten begegnen zu können. Viertens forderte er die besondere
Unterstützung der ärmsten Nationen - jener also, die weder Industrie haben
noch Rohstoffe, noch ausreichend Lebensmittel produzieren können, um sie davor zu bewahren, bei den gegenwärtigen Verhältnissen unterzugehen. Fünftens
verpflichtete er die Vereinigten Staaten zu einer großen wissenschaftlichen
Anstrengung in der Entwicklung neuer landwirtschaftlicher Technologien, die
produktiv und arbeitsintensiv sind, in der Verbesserung der Mittel der Geburtenkontrolle und in der Ausweitung von Forschung und Entwicklung auf dem Gebiete der Energie. Und sechstens schließlich forderte er ein weltweites Handels-, Währungs-und Investitionssystem, das unsere industrielle Zivilisation
im gegenwärtigen Zeitalter des Mangels erhalten und tragen kann.

Die Kluft zwischen Arm und Reich in weltweitem Ausmaß ist das zentrale
moralische Problem unserer Zeit. Diese Kluft zwischen Arm und Reich öffnet
sich immer weiter und das Bewußtsein dieser globalen Ungleichheit nimmt ebenso zu wie die Entschlossenheit, sie zu beseitigen. Wenn wir uns diesem Problem
nicht ernsthaft zuwenden, dann riskieren wir in gleichem Maße verstärkte soziale Unruhe in der ganzen Welt und eine globale Anarchie.

Das erneute Bewußtsein der globalen Interdependenz kommt zu einem Zeitpunkt, da die Auslandshilfe in ihrem traditionellen Sinn den größten Teil
ihrer einheimischen Befürworter in Amerika verloren hat. Aber die Enttäuschung

-11-

�i
i

Enttäuschung der Öffentlichkeit über unsere bilateralen Auslandshilfeprogramme ist nicht ganz ungerechtfertigt. Was wir jetzt brauchen, ist eine massive
Anstrengung in multilateralem Ausmaß, und zwar nicht nur, um den Entwicklungsländern Kapital zukommen zu lassen oder eine Vielzahl technischer
Hilfsprojekte durchzuführen, sondern um das gesamte System von Hilfe, Handel,
Investitionen und Finanzierung in der Welt zu reformieren, um die vor uns
liegenden historischen Aufgaben realistisch anpacken zu können.

-12-

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10/1974

AUSRÜSTUNGEN FÜR HOTEL UND RESTAURANT
-Fachausstellung im Frankfurter US-Handelszentrum-

--(AD)-- Rund vierzig amerikanische Hersteller zeigen ihre neuesten Produkte und Entwicklungen in der Ausstellung "Ausrüstungen für Hotel und
Restaurant ", die vom 18. bis 21. Juni 1974 im US-Handelszentrum in
Frankfurt stattfindet. Mehr als die Hälfte dieser Firmen sind neu auf
dem deutschen bezw. europäischen Markt und suchen hier in erster Linie
Vertretungen, Lizenznehmer und Partner für gemeinsame Projekte.

Das Ausstellungsprogramm umfaßt Automatikherde, Mikrowellenöfen, ein
umfangreiches Programm an Grillgeräten, u.a. vertikale Burger-Grills
und Grilltoaster mit automatischer Butterbestreicheinrichtung, Würstchenwärmer, Dampfpfannen, Frittiergeräte, Eierkocher, Warmhaltespeicher und
-platten für Speisen, Kaffeemaschinen, Bierzapfanlagen, Fruchtsaftausschankgeräte, Behälter und Zapfanlagen für Saucen, Dressings und Konzentrate, Armaturen, Dosiergeräte für Spirituosen, Gefrierautomaten, Kühl-

�V
Kühlgeräte, Geschirrspülanlagen, Topfreinigungsgeräte, Silberputzautomaten,
Portionsgeschirr, fahrbare Geschirrstapel», Transport- und Regalsysteme,
Klimageräte und Luftreiniger, pflegeleichte Bett-und Tischwäsche, mobile
und zusammenklappbare Tanzflächen, Bühnen, Stühle, Tische, raumsparende
Klappbetten, Zimmersafes, künstliche Kaminfeuer, Reinigungsmaschinen für
Fußböden, Teppiche, Möbel und Wände, Staubsauger für Naß-und Trockenanwendung (auch für grobe Abfälle) und Geräte zur Abfallbeseitigung.

Weitere Informationen durch das US=»Handelszentrum, 6 Frankfurt,
Bockenheimer Landstraße 2-4, Tel.: 720801, Telex: 416535

-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zweiter Bericht Präsident Nixons an den Kongress über die US-Streitkräfte in Europa&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unterstaatssekretär Hartman erläutert amerikanische Entspannungspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Übereinstimmung über Grundsätze der US-Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Senator Edmund S. Muskie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausrüstungen für Hotel und Restaurant&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fachausstellung im Frankfurter US-Handelszentrum -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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5. J u n i 1974

•*• *•

Inhalt

WIRTSCHAFT
USA begrüßen Senkung der EG-Importzölle
- Wortlaut der Erklärungen Nixons und Eberles US-Wirtschaftsbeirat rechnet nicht mit weltweiter Rezession
- Auszüge aus dem Bericht an den Kongreß Nixon drängt auf rasche Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes
Von John J. Harter
USA rechnen mit Übereinkunft über ein "Interims"-Währungssystem
Von Eugene Brake

DOKUMENTATION
Amerikanische Stellungnahme zu chemischen Waffen und Mininukes
- Erklärung des US-Delegierten in Genf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Relaistation im Weltraum für den Flugverkehr
- I n t e r n a t i o n a l e Einigung über AEROSAT-System Expedition i n d i e Wetterküche d e r Erde
- GATE - I n t e r n a t i o n a l e s Großprojekt d e r Forschung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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11/1974

USA BEGRÜSSEN SENKUNG DER IMPORTZÖLLE
-Wortlaut der Erklärungen Nixons und Eberles-

WASHINGTON —(AD)--

Präsident Nixon und Botschafter William D. Eberle haben

die Senkung der Importzölle für eine bedeutende Anzahl amerikanischer Waren
ü

jh die Europäische Gemeinschaft begrüßt. Die vom Weißen Haus am 31. Mai

veröffentlichte Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Ich freue mich, heute vormittag bekannt geben zu können, daß die Handelsbeauftragten der Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemsinschaft
auf ihrer Konferenz in Brüssel eine Formel vereinbart haben, um die Importzölle der Gemeinschaft für eine bedeutende Anzahl und ein bedeutendes Volumen
amerikanischer Exporte zu senken. Diese Zollsenkungen erfolgen als Kompensation für Änderungen, die im Zusammenhang mit der Erweiterung der Europäischen
Gemeinschaft durch den Beitritt Großbritanniens, Irlands und Dänemarks eingetreten sind.

Die Lösung dieser wichtigen Frage nach mehrmonatigen, langwierigen und
harten Verhandlungen ist ein wichtiger Schritt in Richtung auf bessere

-1-

�bessere atlantische Beziehungen. Sie trägt ferner dazu bei, den Weg für eine
rasche Verabschiedung des Gesetzes über eine Reform des Handels durch den
Senat zu ebnen.

Für ihren Einsatz bei den Verhandlungen über dieses Abkommen verdienen
der Vizepräsident der Kommission der Europäischen Gemeinschaft, Sir ,,..:..
Christopher Soames, und der amerikanische Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, Botschafter William D. Eberle, den Dank der gesamten atlantischen
Völkergemeinschaft.

Die Vereinigten Staaten hoffen, daß der bei diesen Verhandlungen herrschende Geist in den kommenden Monaten und Jahren weiter fortbestehen wird,
wenn wir andere wichtige und delikate Fragen zu lösen suchen."

Das Amt des amerikanischen Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen,
Botschafter Eberle, veröffentlichte gleichzeitig folgende Erklärung:

"Die seitens der Europäischen Gemeinschaft erfolgte Billigung einer
Formel, durch die die seit langem andauernden Verhandlungen zwischen den USA
und der EG über eine kompensierende Senkung der Importzölle durch den Gemeinsamen Markt bei einer bedeutsamen Anzahl und einem bedeutsamen Volumen amerikanischer Agrar-und Industrieexporte beendet wurden, ist von dem Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsverhandlungen, Botschafter William D.
Eberle,*wärmstens begrüßt und akzeptiert'worden.

Die Senkung der Importzölle der EG wurde nach den Bestimmungen des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) ausgehandelt und vereinbart. GATT-

�GATT-Artikel XXIV:6 verlangt von Zollunionen, daß mit Lieferländern Zollzugeständnisse ausgehandelt werden, sobald einzelne nationale Importzölle von
Mitgliedsstaaten zur Anpassung an einen gemeinsamen Außenzolltarif angehoben
werden. Dies war nach dem Beitritt Großbritanniens, Irlands und Dänemarks
zur Europäischen Gemeinschaft der Fall.

Botschafter Eberle hat die in Brüssel bekanntgegebene Lösungsformel begrüßt, *die an einem besonders kritischen Punkt der gegenwärtigen internationalen Wirtschaftsbeziehungen ein wichtiger Beweis dafür ist, daß potentiell
abträgliche Handelsstreitigkeiten zwischen Ländern nach multilateralen Regeln
mit der erforderlichen beiderseitigen Geduld,in gutem Glauben und mit dem entsprechenden politischen Wollen beigelegt werden können*.
•Ich pflichte der EG-Kommission bei», so hat Eberle erklärt, fdaß diese
Lösung einer schwierigen und delikaten Frage uns dem Beginn einer neuen Runde
multilateraler, auf Gegenseitigkeit beruhender Handelsverhandlungen wesentlich
näher bringt, die angesichts der schweren Belastungen des internationalen
Handelssystems heute dringender denn je zuvor sind.

Die Beendigung der Gespräche nach Artikel XXIV:6 ,*so hat Eberle weiter
betont, •ebnet ferner ganz wesentlich den Weg für Fortschritte bei unserem Gesetz über eine Reform des Handels, das gegenwärtig dem Senat vorliegt und
das ein sine qua non für die neue multinationale Verhandlungsrunde darstellt.'
Die von der EG nach Artikel XXIV gebilligte Formel bringt Zollsenkungen für
den amerikanischen Export von Tabak, Orangen und Grapefruit, Kraftpapier,
Filmmaterial, nicht-landwirtschaftliche Zugmaschinen, Erdbewegungsmaschinen,

-3

�I
' i

i!

Erdbewegungsmaschinen, Diesel-und Schiffsmaschinen sowie Außenbordmotore,
Zubehörmaschinen, Meßinstrumenten, Pumpen, Sperrholz sowie anderen Waren.

Der Wert der Warenexporte in die EG, für die seitens der Europäischen Gemeinschaft neue Zugeständnisse in diesen Verhandlungen gemacht worden sind,
wird schätzungsweise in der Größenordnung von einer Dreiviertelmilliarde Dollar liegen. Diese Konzessionen werden zusätzlich zu den anderen Zollverbesserungen eingeräumt, die sich automatisch aus der Anpassung der britischen,
irischen und dänischen Zollsätze an den gemeinsamen Zolltarif der Gemeinschaft
ergeben.

Die von der EG heute gebilligte Formel enthält keine Zugeständnisse,
wie sie von den USA für den Export von Getreide gefordert werden. Die Vereinigten Staaten haben sich das Recht vorbehalten, die Verhandlungen über diese
Frage im Rahmen des GATT fortzusetzen, und die USA und die EG haben gemeinsam
vereinbart, 'die Gespräche mit dem Ziel fortzuführen,in internationalen Verhandlungen vereinbarte Lösungen des Problems anzustreben, das sich auf dem Gebiet
des internationalen Handels mit Getreide ergibt1.
Eberle hat ferner darauf hingewiesen, daß die Beilegung des Problems
unter XXIV: 6 einen allen Seiten zum Vorteil gereichenden Durchbruch für die
amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen bedeutet und die Atmosphäre der allgemeinen Beziehungen wesentlich verbessern dürfte."

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11/1974

US-WIRTSCHAFTSBEIRAT RECHNET NICHT MIT WELTWEITER REZESSION
-Auszüge aus dem Bericht an den Kongreß-

WASHINGTON --(AD)»- Die Gefahr einer weltweiten Rezession ist zurückgegangen. Allerdings unterstreichen die kürzlich von Italien, Dänemark und Isi

land ergriffenen Maßnahmen die Notwendigkeit von Vereinbarungen über den
Verzicht auf einseitige, den internationalen Zahlungsverkehr betreffende
Restriktionen. Dies haben Präsident Nixon und sein Wirtschaftsbeirat in
einem dem amerikanischen Kongreß am 28. Mai übermittelten Bericht festgestellt, der sich eingehend mit den anstehenden wirtschaftspolitischen Fragen
befaßt. Wir geben im folgenden Ausschnitte aus den Kapiteln wieder, die sich
mit dem Energieproblem,der Frage von Verknappungen sowie der Lage der Weltwirtschaft Anfang 1974 befassen.
Energie

... Bei den derzeitigen Weltmarktpreisen ist die Förderung erheblich
größerer Mengen von Erdöl und anderen Brennstoffen im eigenen Lande sicherer

�1

sicherer und wahrscheinlich auch billiger als ihre Einfuhr. Solange d-r Preis
des importierten Erdöls auf dem derzeitigen Stand bleibt, wird es wirtschaftlicher sein, durch Ausweitung der inländischen Energieerzeugung einen immer
größeren Teil des eigenen Bedarfs zu decken. Dies bedingt größere Investitionen auf dem Energiesektor. Es wird notwendig sein, eine Politik zur Erleichterung solcher Investitionen zu entwickeln, und dies schließt auch die Beseitigung staatlicher Hindernisse ein. Ferner ist es in einer Zeit hoher Energiepreise noch wichtiger als sonst, sicherzustellen, daß die verfügbaren Energiemengen rationell genutzt werden.

Sollten jedoch die Preise für ausländisches Erdöl wesentlich zurückgehen, wären wir vor eine schwierige Entscheidung gestellt. Es wäre dann billi—
ger,weiterhin einen wesentlichen Teil unseres Erdölbedarfs zu importieren.
*

Würden wir dies nicht tun, so würde die amerikanische Industrie einen Wettbewerbsnachteil hinnehmen müssen. Die kürzliche Unterbrechung unserer Erdölversorgung hat jedoch das Risiko unterstrichen, das sich aus einer weiteren
starken Abhängigkeit von Erdölimporten im Rahmen der derzeitig gültigen Verträge ergeben würde. Angesichts solcher Gegebenheiten wäre es notwendig,
verschiedene Maßnahmen festzulegen, um eine möglichst billige Bereitstellung
einheimischer Energie sicherzustellen, sowie zu entscheiden, inwieweit eine
Abhängigkeit von billigeren ausländischen Lieferungen sicher ist.
Zwecks Erarbeitung eines langfristigen energiepolitischen Paketes wurden
zwei Initiativen eingeleitet. Einmal befaßt sich eine interministerielle Arbeitsgruppe, koordiniert durch das Bundesamt für Energiewirtschaft (FEA), mit

-2-

�mit den politischen Optionen, um eine billige und zuverlässige

7

i räiover-

sorgung sicherzustellen. Diese Arbeitsgruppe prüft Maßnahmea, jm ausländische Lieferungen sicherer zu machen und die Anfälligkeit der Wirtschaft gegenüber Marktstörungen zu verringern, sowie eine Politik, um die Gewinnung
wie auch den Verbrauch von Energie rationeller zu gestalten und Alternativen
zur Ausweitung der einheimischen Energieerzeugung zu Wettbewerbspreisen zu
finden. Man darf erwarten, daß die Arbeitsgruppe Ende des Sommers einen
ersten Bericht zu den Optionen und im Oktober einen endgültigen Bericht vorlegen wird.

Zweitens war im Februar 1974 eine Energiekonferenz nach Washington einberufen worden, auf der das amerikanische Außenministerium eine führende Rolle spielte. Diese Konferenz hat zur Bildung einer Energiekoordinierungsgruppe (ECG) geführt, der die meisten Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft,
Japan, Kanada, Norwegen und die Vereinigten Staaten angehören. Die ECG hat
die Arbeit aufgenommen, um einen Rahmen für eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energiepolitik zu entwickeln...

Das Problem der Verknappungen
... Wir machen uns Sorge über die möglichen Folgen eines erneuten Rückgangs der Weltgetreideernte, der - falls es dazu kommen sollte - sich unter
weitaus gefährlicheren Begleitumständen vollziehen könnte als der letzte,
der bereits so schwerwiegende Auswirkungen hatte. Die Welt würde im Falle
eines solchen Rückgangs der Getreideernte erheblich niedrigere Vorräte als

�1
I

4

als 1972 sowie weitaus geringere Reserven an ungenutztem Ackerland nah :.. Die
Haltung ausreichender Lebensmittelreserven ist ein die ganze Welt betreffendes Problem . Die Vereinigten Staaten können es weder allein lösen noch sich
von dem abschirmen, was in anderen Teilen geschieht. Die Vereinigten Staaten
haben eine internationale Lebensmittelkonferenz unter der Leitung der Vereinten Nationen vorgeschlagen, die diese Frage sowie hiermit zusammenhängende
Fragen prüfen soll. Bei der Vorbereitung einer solchen Konferenz wäre unter
anderem auch die Frage der Bevorratung von Grundnahrungo litteln zu untersuchen.
Das Unterhalten großer Vorräte an sich ist bereits kostspielig; wenn man jedoch in einem Krisenfall nur über geringe Vorräte verfügt, so ist dies ebenfalls kostspielig. Welches ist nun angesichts dieser Tatsache das Optimum an
Bevorratung, das auf der Welt anzustreben wäre? Liegt es über der Bevorratung,
die von privater Seite ohne Beteiligung der Regierungen vorgenommen wird?

*

Wenn ja, wie könnten die Regierungen dann eine darüber hinausgehende Bevorratung erleichtern?

Wie ließen sich die Kosten einer Bevorratung unter den Re-

gierungen aufteilen? Eine gemeinsame Lösung für diese Fragen könnte eine große
Sorge beseitigen,die heute auf den Schultern der verantwortlichen Politiker
überall auf der Welt lastet.

Die Erfahrungen der letzten Monate haben viele daran erinnert, daß die
Aufgabe des Außenhandels nicht nur darin besteht, im Ausland zu verkaufen, sondern - und das ist noch wichtiger - auch darin, im Ausland einzukaufen. Wir
sind auf einmal mehr besorgt, daß wir eines Tages nicht mehr das kaufen könnten, was wir brauchen, und nicht so sehr, daß wir nicht mehr das, was wir

�wir haben, verkaufen können. Dies hat zu Änderungen des Handelsgesetzes geführt, damit klargestellt ist, daß wir mit anderen Ländern Verhandlungen
nicht nur über Garantien führen sollten, daß wir verkaufen können, sondern
auch über Garantien für einen Zugang - unter nicht-diskriminierenden Bedingungen - zu ihren Rohstoffen.
Im Augenblick befassen sich zwei interministerielle Arbeitsgruppen der
Regierung mit dem Problem der Verknappungen - Erdöl und Lebensmittel ausgenommen. Die eine Arbeitsgruppe erörtert die Möglichkeit einer Unterbrechung
der Versorgung oder von Kartelbeschlüssen bei Rohstoffen - Erdöl ausgenommen
und entwickelt politische Alternativen, die für die Vereinigten Staaten in
Frage kämen. Die andere Arbeitsgruppe prüft mögliche bindende internationale
Abmachungen, um einen störungsfreien Warenfluß auf den Weltmärkten zu gewährleisten.

Aufgrund eines Briefwechsels zwischen dem Präsidenten und den Fraktionsführern im Senat haben die für die Wirtschaftspolitik verantwortlichen Männer
der Regierung und die führenden Mitglieder des Senats mehrere Wochen lang
die Frage der Verknappungen erörtert. Das Ergebnis ihrer Gespräche war eine
Empfehlung, vorübergehend einen nationalen Ausschuß für Versorgung und Verknappungen einzusetzen, in dem Regierung, Kongreß und Privatwirtschaft
vertreten sind und der prüfen soll, wie sich Verknappungen vorhersehen, vermeiden oder überwinden lassen und der eine geeignete kontinuierliche Politik
oder organisatorische Maßnahmen empfehlen soll...
Die

-5-

�i
Die internationale Wirtschaft Anfang 1974

Mit Beginn des neuen Jahres sahen sich die Volkswirtschaften der Welt
zahlreichen aus der Ölkrise resultierenden Ungewißheiten gegenüber. Auf der
einen Seite hatte der starke Anstieg der Erdölpreise auf das allgemeine
Preisgefüge zu einer Zeit einen Druck nach oben ausgeübt, als die Inflation bereits praktisch allen Industriestaaten der Welt große Sorge bereitete. Auf der anderen Seite drohtendie produktionsdämpfenden Folgen der
Energieverknappung und ihr negativer Einfluß auf die Nachfrage nach "energieabhängigen" Gütern und Dienstleistungen sich recht nachteilig auf Gütererzeugung und Beschäftigung auszuwirken. Hinter diesen potentiellen Gefahren
zeichnete sich drohend die Möglichkeit ab, daß das in den letzten Jahren so,
mühsam zwischen den einzelnen Ländern geschaffene System der Zusammenarbeit
unter dem Druck der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, denen sich die einzelnen Volkswirtschaften gegenübersahen, einer Politik des Alleingangs ohne
Rücksicht auf den Nachbarn weichen würde. Damit erhöhte sich die Möglichkeit
neuer Handelsrestriktionen und sogar einer weltweiten Rezession.

Die Energiekrise hat in die Probleme der Entwicklungsländer wie auch in
ihre Beziehungen zu der industrialisierten Welt eine neue Dimension gebracht.
Die stark gestiegenen Energiekosten haben den Entwicklungsplänen zahlreicher dieser Länder einen schweren Schlag versetzt und zu dem Bemühen geführt,
Hilfe zur Überbrückung dieser Lücken zu erhalten. Zwar hat der Anstieg der
Ölpreise bei einigen Entwicklungsländern ein Interesse wach werden lassen,

�lassen, bei den verschiedenen Rohstoffen ein ähnliches Kartell wie des von
den Erdölproduzenten errichtete aufzubauen, doch erscheint es unwahrscheinlich, daß diese Taktik über einen sehr begrenzten Rahmen hinaus erfolgreich
ist, sofern die Moeglichkeit allgemein erhältlicher Ersatzstoffe besteht.

Im Verlauf des Jahres verloren einige der Unsicherheitsfaktoren an Gewicht. Obwohl sich in zahlreichen Ländern, darunter auch die Vereinigten
Staaten, die Inflation in den ersten Monaten des Jahres 1974 weiter beschleunigte, ließ sich eine verstärkte Entschlossenheit feststellen, ihr wirksamer als in der Vergangenheit entgegenzutreten. Gleichzeitig nah^ auch die
Gefahr einer weltweiten Rezession ab, als klar wurde, daß die einzelnen Länder nicht beabsichtigten, eine zu stark restriktive Währungs-und Haushaltspolitik einzuschlagen.

Die Verhandlungen innerhalb der Zwanziger Gruppe über eine Reform des
internationalen Währungssystems wurden fortgesetzt, wobei einige der Ziele
modifiziert wurden, um den auf den internationalen Rohstoffmärkten bestehenden neuen Bedingungen Rechnung zu tragen. Die hieran beteiligten Länder haben
erkannt, daß die Schaffung eines Systems relativ fester Wechselkurse in einer
Situation, für die nicht vorhersehbare Änderungen charakteristisch sind, die
erforderlichen Anpassungsprozesse ernstlich beeinträchtigen würde. Es wird
in weiten Kreisen anerkannt, daß das System der floatenden Wechselkurse, wie
es gegenwärtig in einer durch staatliche ad hoc-Interventionen modifizierten
Form gehandhabt wird, unter den gegenwärtigen Umständen am besten den Erfordernissen entspricht. In letzter Zeit konzentrierten sich die Bemühungen weit-

-7-

�I
weitgehend auf die Entwicklung eines allgemein akzeptierbaren Verhaltenskodex für staatliche Interventionen, die ungeordnete Verhältnisse an den Devisenbörsen verhindern sollen, ohne daß die grundlegenden Bestrebungen für eine
Wechselkursanpassung unterdrückt werden. In den ersten Monaten des Jahres
1974 ging der Wert des US-Dollar gegenüber den anderen Hauptwährungen zurück.
Dies war zum Teil auf die Beurteilung des Marktes zurückzuführen, daß die Ölkrise sich auf die langfristigen wirtschaftlichen Aussichten Europas und Japans weniger nachteilig auswirken werde, als zuvor angenommen worden war.
Trotz des niedrigeren Dollarkurses, der zumindest langfristig die Exporte stärker als die Importe fördern mußte, verschlechterte sich die amerikanische Handelsbilanz im ersten Quartal 1974. Dies ist auf die staric gestiegenen
Kosten des Erdöls und anderer Rohstoffimporte zurückzuführen. Genauso sahen
sich andere Länder der Welt ähnlichen Problemen eines Ungleichgewichtes ihrer
laufenden Konten gegenüber. Ja, zahlreiche andere Industriestaaten werden
wahrscheinlich das Jahr mit einem noch weit größeren Defizit ihrer laufenden
Konten abschließen als wir.

Um miteinander konkurrierende Anstrengungen aller Erdöl importierenden
Länder auszuschließen, ihre Handelsbilanzdefizite auf andere zu verlagern, was
lediglich zu einem Rückgang des Handels ohne Abbau des Defizits innerhalb der
Ländergruppe als ganzes führen würde, arbeiten die Mitgliedsstaaten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gegenwärtig Vereinbarungen aus, von
einseitigen, ihren internationalen Zahlungsverkehr betreffenden Restriktionen

-8-

�Restriktionen Abstand zu nehmen. Die kürzlich von Italien und ebenso von
Dänemark und Island ergriffenen restriktiven Maßnahmen zeigen die Notwendigkeit derartiger Vereinbarungen.
Die anhaltenden Bemühungen seitens der Administration, den Kongreß anzuhalten, das Handelsgesetz zu verabschieden und dadurch die USA in die Lage
zu versetzen, die Führung bei der Gewährleistung eines freieren Handels zu
übernehmen, sind angesichts der gegenwärtigen Situation besonders angebracht.
Die jüngste amerikanische Initiative, Maßnahmen der OECD zur Verbesserung der
Investitionsbestimmungen zu beschleunigen und so eine Diskriminierung ausländischer Investoren zu verhindern, die damit auch zu einem freieren Kapitalverkehr zwischen den einzelnen Ländern führen würde, ist ebenfalls als wichtiger Bestandteil der Gesamtbemühungen zu sehen, engere Bindungen zwischen
den Ländern der Welt zu erreichen und die Ausbreitung der selbstzerstörerischen protektionistischen Praktiken zu verhindern.

Die Probleme der Entwicklungsländer sind von der amerikanischen Regierung 1974 eingehend geprüft worden. Die Bereitstellung von Mitteln sowohl für
unsere bilateralen Hilfsprogramme wie auch für unsere Beiträge zu den multilateralen Institutionen, wie zum Beispiel die Internationale Entwicklungsgesellschaft, um auf diese Weise Härten für die Entwicklungsländer zu mildern,
wird nach einigen Verzögerungen nunmehr vom Kongreß abgeschlossen. Gleichzeitig beteiligt sich die amerikanische Regierung an internationalen Verhandlungen, die zu einem Kodex für die Sicherung der Rohstoffversorgung führen könnten, die alle Länder für die Verwirklichung ihres gleichen Strebens nach

-9-

�t
nach einem höheren Lebensstandard ihrer Bevölkerung benötigen.

Insgesamt gesehen können wir mit Recht zuversichtlich sein, daß die internationale Völkergemeinschaft die gegenwärtigen Schwierigkeiten überwinden
wird, wenn auch einige Länder vor ernsteren Problemen stehen als andere, unter ihnen die Vereinigten Staaten. Zur Verwirklichung dieses Zieles ist es
jedoch notwendig, daß wir uns aktiv an den gemeinsamen internationalen Bemühungen beteiligen - Bemühungen, die zum Beispiel durch das Handelsgesetz nach
seiner Verabschiedung gefördert werden. Bei zahlreichen dieser Unterfangen
sind unsere Initiative und unsere Führung in der Tat dringend notwendig.

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11/1974

NIXON DRÄNGT AUF RASCHE VERABSCHIEDUNG DES NEUEN HANDELSGESETZES
Von John J. Harter

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat in den letzten Tagen erneut unmißverständlich zu verstehen gegeben, daß er alles in seiner Macht stehendo
tun werde, um die Behandlung und Verabschiedung des neuen Gesetzes über
eine Reform des Handels zu beschleunigen. "Diesem Gesetz", so erklärte der
Präsident in seiner Rundfunkansprache vom 25. Mai, "kommt nicht nur eine
entscheidende Bedeutung bei der Stärkung der amerikanischen Wirtschaft auf
lange Sicht zu, sondern es wird auch der amerikanischen Regierung die Werkzeuge in die Hand geben, um die ihr zukommende Rolle bei der Weiterentwicklung der Weltwirtschaft übernehmen zu können."

Bereits zwei Tage zuvor hatte der Präsident in einem Gespräch mit dem
Vorsitzenden des Finanzausschusses des amerikanischen Senats, Senator Rüssel
Long, und dem führenden republikanischen Mitglied dieses Ausschusses, Senator Wallace Bennett, die Zusicherung erhalten, daß dieser wichtige Ausschuß
die abschließende Behandlung der Vorlage umgehend aufnehmen wird. Allerdings

-1-

�1

i
Allerdings machte Senator Long später vor der Presse die Einschränkung,
"soweit dies unser angespannter Terminkalender gestattet". .So ist es durchaus
möglich, daß die Debatte über das Handelsgesetz verschiedentlich unterbrochen
wird, um andere Vorlagen, zum Beispiel zur Krankenversicherung, über steuerliche Maßnahmen oder die von der Regierung beantragte Erhöhung des Schuldenplafonds einzuschieben. Doch haben Ausschußmitglieder bereits angedeutet,
daß die Beratungen so vorangetrieben werden sollen, daß das Plenum des Senats
noch im Sommer über das Gesetz abstimmen kann.

Die vom Repräsentantenhaus bereits im Dezember vorigen Jahres verabschiedete Fassung des neuen Handelsgesetzes würde den Präsidenten unter anderem dazu ermächtigen:

—

im Rahmen der im September 1973 in Tokio eingeleiteten neuen Runde

von Handelsgesprächen mit anderen Ländern weitreichende Abkommen über den Abbau der tarifären und nicht-tarifären Handelsschranken abzuschließen;

— unter bestimmten Bedingungen den Importen aus Entwicklungsländern
eine bevorzugte zollfreie Behandlung einzuräumen; und
—

zahlreiche administrative Maßnahmen zu ergreifen mit dem Ziel, die

Beteiligung der USA an einem expandierenden Welthandel zu erleichtern, wobei
einzelne dieser Maßnahmen eventuell einer nachträglichen Überprüfung durch
den Kongreß unterliegen sollen.

Der

-2-

�Der am meisten umstrittene Punkt der vom Repräsentantenhaus verabschü deten Vorlage ist Abschnitt 4, in dem die Vollmachten des Ptr -irenten eingeschränkt werden, der Sowjetunion und anderen sozialistischen Ländern staatliche Exportkredite und eine nicht-diskriminierende Zollbehandlung zu gewähren. Außenminister Kissinger hat bereits zu verstehen gegeben, daß der Präsident sein Veto gegen das Gesetz einlegen wird, falls diese Bestimmung

nicht

gestrichen wird.

Präsident Nixon kann nach den derzeitigen Bestimmungen der Sowjetunion
und den übrigen sozialistischen Ländern Exportkredite gewähren, doch ist r
nicht ermächtigt, Importen aus diesen Ländern die Meistbegünstigung einzuräumen. Der vom Repräsentantenhaus verabschiedete Gesetzestext würde dem Präsidenten künftig vorschreiben, allen Ländern, die die Auswanderung behindern,
Kredite sowie auch die Meistbegünstigung vorzuenthalten.

Wenn es gelingt, eine Lösung für dieses Problem zu finden, dann dürfte
das neue Gesetz nach Ansicht maßgebender Regierungskreise im Senat eine große
Mehrheit finden. Was die Angleichung der vom Repräsentantenhaus und vom Senat
verabschiedeten unterschiedlichen Gesetzesfassungen anbetrifft, so ist im Vermittlungsausschuß kaum mit irgendwelchen größeren Schwierigkeiten zu rechnen.

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11/1974

USA RECHNEN MIT ÜBEREINKUNFT ÜBER EIN "INTERIMS"-WÄHRUNGSSYSTEM

Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)— Die Vereinigten Staaten drängen auf eine Stärkung der
Stellung des Internationalen Währungsfonds (IWF), damit dieser künftig darauf hinwirken kann, daß Beschränkungen des Handels-und Zahlungsverkehrs
nicht mehr in dem bisherigen Maße zur Lösung von Zahlungsbilanzproblemen
angewandt werden.

Nach Ansicht der USA sollte eine solche Vereinbarung in dem Paket von
Interimsmaßnahmen enthalten sein, das der Zwanzigerausschuß für eine Reform
des Internationalen Währungssystems auf seiner Abschlußsitzung in Washington
am 12. und 13. Juni beschließen soll. Der Staatssekretär im amerikanischen
Finanzministerium, Paul Volcker, hat bereits auf seiner letzten Pressekonferenz angedeutet, daß auf der Juni-Sitzung mit der Verabschiedung einer langen Liste von Interimsmaßnahmen zu rechnen sei, die den Weg für eine weitere
Entwicklung des internationalen Währungssystems weisen werden.
Zu

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&lt;%
Zu den vom Zwanzigerausschuß in den letzten Monaten erörterten Maßnahmen gehören Richtlinien für das Floaten der Wechselkurse, die Errichtung
eines ständigen Ausschusses - ähnlich dem derzeitigen Zwanzigerausschuß im Rahmen des Internationalen Währungsfonds, ein Interimsabkommen über Bewertung und Verwendung der IWF-Sonderziehungsrechte sowie Schaffung eines
Sonderfonds zur Unterstützung finanzieller Anpassungen, die aufgrund der
stark angestiegenen Erdölpreise erforderlich geworden sind.

Die Frage, wie Einschränkungen des Handels und des Zahlungsverkehrs vermieden werden können, hat gerade jetzt besondere Dringlichkeit gewonnen angesichts der starken Belastungen, die der jähe Preisanstieg des Importöls
für zahlreiche Länder mit sich gebracht hat. Der Zwanzigerausschuß hatte bereits im Januar auf seiner Sitzung in Rom davon Kenntnis genommen, daß einige Länder wahrscheinlich mit hohen Defiziten in ihren laufenden Konten rech- '
nen müßten und alle Regierungen aufgerufen, auf keinen Fall zu einer Politik
zu greifen, die diese Defizite lediglich auf andere Länder abwälzen würde.
Es müßten in jedem Fall miteinander konkurrierende Abwertungen sowie eine
Eskalation von Beschränkungen für den Handels-und Zahlungsverkehr vermieden
werden. Mit der Verabschiedung des "Stillhalteabkommens" auf der Tagung der
Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) in
Paris in dieser Woche ist nunmehr ein wichtiger Schritt in dieser Richtung
getan worden.

Die Vereinigten Staaten möchten jedoch, wie Volcker betonte, daß eine
derartige Zusicherung auch in die Statuten des Internationalen Währungsfonds
aufgenommen wird und dadurch die Form eines internationalen Vertrags erhält,

-2-

�erhält, und sie streben daher eine wichtige institutionelle Neuerung an. Zur
Zeit obliegt dem Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommen (GATT) die Aufsicht über
bestimmte Formen von Restriktionen, während der IWF wieder für andere zuständig ist. Manche der Restriktionen, zu denen einzelne Länder greifen könnten,
liegen nach Ansicht der USA jedoch genau in der Mitte zwischen den Kompetenzbereichen dieser beiden Organisationen, so daß eine wirksame internationale
Überwachung nicht gegeben ist. Daher sollten künftig alle aus Zahlungsbilanzgründen erlassenen Restriktionen in den Zuständigkeitsbereich des IWF fallen.

Volcker faßte die Ansichten der USA zu den übrigen Maßnahmen des Interims-Reformpaketes wie folgt zusammen:
-- Beibehaltung des Zwanzigerausschusses als ständiges Gremium: Nachdem
der neue IWF-Gouverneursrat sich aus den Finanzministern der Mitgliedsstaaten
zusammensetzt, würde dieser Schritt die Authorität des IWF stärken und ein
neues Kommunikationsmittel für den Ideenfluß von der internationalen Völkergemeinschaft hin zu den Entscheidungsgremien der nationalen Regierungen
schaffen.

-- Richtlinien für ein System floatender Währungen: Es besteht gute
Aussicht dafür, daß eine Übereinstimmung über solche Richtlinien erzielt
wird. Die einzelnen Regierungen könnten dann Maßnahmen im Hinblick auf ihre
Wechselkurse ergreifen, damit diese für einen bestimmten Zeitraum weitgehend
durch die Marktkräfte bestimmt werden. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Regierungen im Rahmen des Systems floatender Wechselkurse war bisher

-3-

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I
bisher recht gut; die neuen Richtlinien sind jedoch ein wichtiges Hilfsmittel, um dieses "Wohlverhalten" zu institutionalisieren.

-- Bewertung der Sonderziehungsrechte: Nach Ansicht Volckers kann das
Juni-Treffen ein Interimsabkommen hierzu bringen. Es besteht Übereinstimmung
darüber, daß der Wert der Sonderziehungsrechte auf der Basis des Wertes einer
Gruppe harter Währungen festgelegt werden und nicht an eine einzige Währung
oder an das Gold gekoppelt sein sollte. Einzelheiten hierzu sind bereits von
den Exekutivdirektoren des IWF ausgearbeitet worden. Dagegen ist die Frage,
mit welchem Zinssatz die Sonderziehungsrechte ausgestattet werden sollen,
weitaus schwieriger zu lösen. Beide Punkte sind jedoch wichtig, denn sie entscheiden darüber, ob die Sonderziehungsrechte die ihnen in dem neuen internationalen WährungsSystem zugedachte Rolle wirklich ausfüllen können. Der
*
Wert der Sonderziehungsrechte muß so geschützt werden, daß die einzelnen Regierungen sie auch als Währungsreserve voll akzeptieren. Allerdings, so räumte
Volcker ein, bestehe dann auch die Gefahr, daß die einzelnen Regierungen sich
weigern könnten, Sonderziehungsrechte für den Ausgleich ihrer internationalen
Konten einzusetzen.
-- Sonderfonds zur Finanzierung der gestiegenen Erdölkosten: Der von dem
IWF-Direktor H. Johannes Witteveen vorgeschlagene Sonderfonds soll dazu beitragen, die von den Erdölländern eingenommenen Gelder wieder in solche Länder
zurückzuschleusen, die Kredite zur Finanzierung ihrer Erdölkäufe benötigen.
Die bisherigen Erfahrungen haben nach den Worten Volckers gezeigt, daß die
stark angestiegenen Geldströme nach den Erdölländern auch wieder zurück in

-4-

�in die Weltwirtschaft fließen. Das Problem besteht jedoch darin, daß dieser
Rückfluß, der in erster Linie die Form von Investitionen in den Industriestaaten annehmen müßte, nicht immer in die Länder erfolgen würde, die am dringendsten zusätzliche Mittel zur Finanzierung ihres Energiebedarfs benötigen. Der
neue Sonderfonds soll künftig solchen Ländern Kredite einräumen und gleichzeitig als Instrument für Investitionen der Erdölländer dienen. Solche Kredite
würden zu dem handelsüblichen

Zins gewährt werden. Das bisher noch nicht ge-

löste Problem ist jedoch, daß die ärmeren

Entwicklungsländer derartige Zinsbe

lastungen nicht tragen können.

—

Entwicklungsfragen: Die Vereinigten Staaten hoffen nach den Worten

Volckers ferner, daß Übereinkunft über die Ausarbeitung einer Studie über
Entwicklungsfragen erzielt wird, die unter Aufsicht des IWF und der Weltbank
von einer Gruppe internationaler Finanzexperten durchgeführt werden soll.

Volcker, der seinen Posten im Finanzministerium zu einem noch nicht genau
festgesetzten Zeitpunkt an den derzeitigen stellvertretenden Staatssekretär
für Währungsfragen, Jack F. Bennett, übergeben wird und dann aus dem Regierungsdienst ausscheidet, äußerte sich auch zu der Stellung des Goldes in einem
künftigen Währungssystem. Nach seinen Worten sollte nichts geschehen, um diese
Stellung zu stärken. Die Vereinigten Staaten, so fuhr der Staatssekretär fort,
seien jedoch etwas besorgt über einige Aspekte der von einzelnen europäischen
Ländern unterbreiteten Vorschläge, Gold zu einem marktüblichen Preis für den
Ausgleich von Zahlungsbilanzungleichgewichten zu benutzen. Trotzdem seien die
USA bereit,diese Frage zu erörtern.
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11/1974

AMERIKANISCHE STELLUNGNAHME ZU CHEMISCHEN WAFFEN UND MININUKES
- Erklärung des US-Delegierten in Genf -

GENF --(AD)-- Der amerikanische Chefdelegierte auf der Genfer Abrüstungskonferenz, Botschafter Joseph Martin, hat am 23. Mai zu dem japanischen Entwurf
für ein Verbot chemischer Waffen und zu der Frage der Kleinstatomwaffen, der
sogenannten Mininukes, Stellung genommen. Die Konferenz des Abrüstungsausschusses der Vereinten Nationen (CCD), die seit Jahren in Genf zusammenkommt,
hat am 23. Mai ihre Frühjahrssitzung vertagt und wird voraussichtlich am 2.
Juli zur Sommersitzung einberufen werden.

Die Erklärung des amerikanischen Chefdelegierten auf der Abschlußsitzung
der Frühjahrstagung hat folgenden Wortlaut:

"Die Frühjahrstagung der Genfer Abrüstungskonferenz ist zwar kurz gewesen, jedoch keineswegs unproduktiv. Ich glaube, wir sind uns alle einig,
daß die wohl bedeutsamste Entwicklung in unseren Verhandlungen die Vorlage
eines Entwurfes für eine Konvention über das Verbot chemischer Waffen
(CCD/420) durch die japanische Delegation gewesen ist. Meine Regierung wird

-1-

�4
wird den Vertragsentwurf sehr ernsthaft prüfen. Darf ich jedoch schon einige
vorläufige Bemerkungen zu dem Entwurf machen.

Meine Delegation begrüßt die japanische Initiative als einen konstruktiven Schritt vorwärts auf unser gemeinsames Ziel hin, wirksame Einschränkungen
für chemische Waffen zu erreichen. Wie das im August vorigen Jahres angelegte Arbeitspapier (CCD/413) stellt der Konventionsentwurf eine lobenswerte Anstrengung dar, viele der von Mitgliedern des Ausschusses vorgetragenen unterschiedlichen Auffassungen auf einen Nenner zu bringen. Wir hoffen, daß die
wohlüberlegte Behandlung einiger der Kernfragen, die bei jeder Einschränkung
chemischer Kriegführung gelöst werden müssen, in dem Entwurf, uns in den kommenden Monaten in die Lage versetzen wird, unsere Erörterungen auf konkreterer Basis fortzusetzen.
4

Mit besonderem Interesse haben wir die Bestimmungen im Vertragsentwurf
zur Kenntnis genommen, die sich mit Verifizierung befassen. Obwohl die spezifischen Merkmale des vorgeschlagenen Verifizierungssystems natürlich Anlaß
zu Fragen geben, die näher geklärt werden müssen, sind wir doch der Überzeugung, daß diese Bestimmungen des Vertragsentwurfs die Überlegungen des Ausschusses hinsichtlich des Verifizierungsproblems in eine vielversprechende
Richtung lenken könnten.

Wir sehen den Auffassungen anderer Delegationen hinsichtlich solcher
Fragen wie Funktion und Zusammensetzung einer internationalen Verifizierungsbehörde und der Verfahren einer internationalen Konsultation und Inspektion
mit Interesse entgegen.
Die

-2-

�Die Grundeinstellung des japanischen Vorschlages, so scheint es uns, ist
die Festlegung des Endziels all unserer Anstrengungen - als grundsätzliche
Verpflichtung - nämlich ein wirksames Verbot der Entwicklung, Herstellung und
Lagerung jeglicher chemischer Waffen - während gleichzeitig praktische
Schritte für die Übergangszeit unternommen werden. In seiner Erklärung zur
Vorlage des Konventionsentwurfs hat der verehrte Vertreter Japans, Botschafter Nisibori, festgestellt, daß 'es unrealistisch wäre, zu erwarten, daß
gleich von Anfang an ein umfassendes Verbot erreicht werden könnte». Bei der
Erörterung von Artikel IV des Vertragsentwurfes erklärte er ferner, daß Vertragsparteien bestimmte vorläufige Maßnahmen ergreifen könnten - d.h. nur
eine teilweise Einschränkung akzeptieren würden - bis Abkommen - einschließlich von Abkommen über wirksame Verifizierungsmaßnahmen - getroffen worden
sind. Die Methode des schrittweisen Vorgehens, wie sie im Vertragsentwurf
benutzt wird, stimmt mit einem von meiner Delegation nachdrücklich vertretenen Grundsatz überein, daß nämlich das Ausmaß der Begrenzung der chemischen
Kriegführung in einem Verhältnis zu den Möglichkeiten der Verifizierung stehen sollte.

Aus einer ersten Prüfung des Vertragsentwurfes haben wir den Eindruck
gewonnen, daß zu dem Zeitpunkt, an dem das Abkommen in Kraft treten würde, es
zwei Wege gäbe, nach denen Umfang und Ausmaß des Abkommens begrenzt wären..
Erstens würde, wie ich bereits erwähnt habe, Artikel IV es den Vertragsparteien erlauben, bestimmte chemische Stoffe aus Umfang und Ausmaß des Erstabkommens herauszunehmen bis Folgeabkommen, einschließlich solcher über weitere

-3-

�weitere Verifizierungsbestimmungen, es ermöglichen, die Liste derart ausgenommener Stoffe zu verkleinern oder abzuschaffen. Darüber hinaus würden sich
die Vertragschließenden unter Artikel II selbst verpflichten, schließlich
alle Lager chemischer Waffen zu vernichten, wobei die Vernichtung so bald wie
möglich stattzufinden hätte. Damit könnten also Umfang und Ausmaß des Abkommens auf zwei Wegen schrittweise ausgedehnt werden - durch Verkleinerung der
Liste der ausgenommenen Stoffe und durch die Vernichtung der Lager. Es wird
uns sehr interessieren, von dem japanischen Vertreter zu erfahren, wenn er
künftig auf dieses Thema zurückkommen wird, ob der Vertragsentwurf Verhandlungen über künftige weitere Abkommen über die Vernichtung von Lagern, einschließlich weiterer Abkommen über wirksame Verifizierungsmaßnahmen, und
auch über die Verkleinerung der Liste der ausgenommenen Stoffe

vorsieht.

Oder beziehen sich die in Artikel IV und XIII vorgesehenen »weiteren Abkommen* nur auf die in Anhang I aufgeführten vorläufig ausgenommenen Stoffe?

Die amerikanische Delegation rechnet damit, daß sie mit Experten an den
informellen Sitzungen teilnehmen wird, die für die Sommertagung vorgesehen
sind. Nach unserer Überzeugung wird es nützlich sein, wenn sich die Experten
der Frage zuwenden, wie sich eine praktische und eindeutige Definition der
verbotenen Substanzen finden läßt. Darüber hinaus unterstützen wir den japanischen Vorschlag, daß die Experten die Arten von Informationen prüfen sollten, die ein nationales Kontrollgremium einer internationalen Körperschaft zu
unterbreiten hätte. Ferner müßte geprüft werden, welches Maß an Garantie
solche Informationen bieten könnten. Wir würden die Gelegenheit begrüßen, die
Wirksamkeit der verschiedenen Verifizierungsmethoden prüfen zu können, die

-4-

�die im Ausschuß behandelt worden sind.

Mininukes

Ich möchte mich jetzt einem Thema zuwenden, das die frühere Leiterin
der schwedischen Delegation, Mrs. Myrdal, im vorigen Jahr angeschnitten und
von der verehrten Nachfolgerin von Mrs. Myrdal, Mrs. Thorsson, auf unserer
633. Plenarsitzung aufgegriffen wurde. In ihrer Erklärung vom 9. August vorigen Jahres bezog sich die schwedische Delegierte auf Zeitungsberichte über
die Entwicklung einer neuen Generation von taktischen Nuklearwaffen, den sogenannten 'Mininukes*, die nach ihren Worten 'die gegenwärtige UnterscK ;idung
zwischen konventionellen Waffen und Nuklearwaffen verwischen würden». Eine
solche Entwicklung, so erklärte sie, würde die nukleare Bedrohung von Nichtnuklearstaaten drastisch verschärfen und 'die Prämissen in Frage stellen, von
denen die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrages ausgeht». Ich möchte hier
darlegen, warum solche Befürchtungen völlig unbegründet sind.

Der Begriff »Mininuke» ist in zwei wichtigen Aspekten irreführend. Zunächst einmal vermittelt dieses neue Schlagwort von seiner Prägung her den
falschen Eindruck, es handele sich hier um eine radikal neue und futuristische Waffengeneration. Und zweitens führt die Verkleinerungssilbe 'Mini* in
dem Begriff zu der falschen Vorstellung, es handele sich um eine MiniaturNuklearwaffe, die so behandelt und eingesetzt werden könnte wie eine konventionelle Waffe. Ich möchte beide dieser falschen Vorstellungen richtig stellen.
Wir

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�J
Wir stehen heute nicht an der Schwelle eines qualitativen Durchbruchs
in der Entwicklung taktischer Nuklearwaffen - und wir haben in den letzten
Jahren nicht davor gestanden. Wir stehen vielmehr, wie dies Verteidigungsminister Schlesinger dargelegt hat, seit vielen Jahren in einem schrittweisen
Prozeß, unser taktisches Nukleararsenal in bescheidenem umfang zu verbessern.
Die Existenz taktischer Nuklearwaffen mit sehr niedriger Sprengkraft ist
nichts neues. Es ist sogar öffentlich bekannt, daß in das amerikanische Arsenal schon vor vielen Jahren Nuklearwaffen mit einer Sprengwirkung im Subkilotonnenbereich aufgenommen worden sind. Es ist keine Entscheidung getroffen worden, irgendein neues System zu produzieren oder zu dislozieren.

Das Hauptproblem, das die schwedische Delegierte angeschnitten hat, ist •
jedoch nicht, ob und wann irgendwelche spezifischen Verbesserungen des taktischen Nuklear-Arsenals vorgenommen werden, sondern vielmehr, wie sich solche Verbesserungen auf unser Ziel auswirken würden, den Ausbruch eines Krieges, vor allem eines Nuklearkrieges,zu verhüten.

Wenn es um die Entscheidung von Fragen der möglichen Veränderung des amerikanischen Arsenals an taktischen Nuklearwaffen geht, dann lassen wir uns
von dem Ziel der Verringerung des Risikos eines Nuklearkrieges leiten. Das
heißt mit anderen Worten, daß jede Verbesserung unseres Arsenals an taktischen Nuklearwaffen die Abschreckung wirksamer machen und damit die Wahrscheinlichkeit eines Nuklearkrieges überhaupt verringern muß.

Um

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�Um allen Spekulationen zu begegnen, daß die Weiterentwicklung von taktischen Nuklearwaffen mit niedriger Sprengkraft den gegenwärtigen Unterschied
zwischen konventionellen Waffen und Nuklearwaffen verwischen würde, möchte
ich kategorisch erklären, daß die amerikanische Regierung keinerlei Absicht
hat, solche taktischen Systeme als austauschbar mit konventionellen Waffen
anzusehen und zu behandeln. Wir sind uns völlig darüber im klaren, daß der
Unterschied - oder »Firebreak* - zwischen Nuklearwaffen und nicht-nuklearen
Waffen ein wichtiger Faktor in der Verhütung eines Nuklearkrieges ist, und
wir werden nichts tun, um diese Unterscheidung zu verwischen. Die ganz besonderen Anordnungen für Befehl und Kontrolle und Sicherheit, die für Nuklearwaffen allgemein gelten, haben selbstverständlich auch immer für Nuklearwaffen mit niedriger Sprengkraft gegolten.

Ich glaube, mit meinen Ausführungen zwei der Fragen beantwortet zu haben, die im August vorigen Jahres von der damaligen Leiterin der schwedischen Delegation gestellt worden sind, vor allem ihre Fragen hinsichtlich der
Entwicklung und Dislozierung von Nuklearwaffen im Subkilotonnenbereich. Was
ihre Frage anbetrifft, ob die Entwicklung solcher taktischer Waffen ein Hindernis für einen Vertrag über ein völliges Versuchsverbot sein könnte, so
werden sich die Mitglieder des Ausschusses daran erinnern, daß ich in Beantwortung einer ähnlichen Frage Schwedens im Jahre 1972 erklärt habe, daß die
Vereinigten Staaten bereit seien, ihre Vorteile aus der Erprobung von Nuklearwaffen aufzugeben, wenn wir sicher sein können, daß sich andere an die
gleichen Beschränkungen halten (CCD/PV. 580). Diese Antwort gilt für die Erprobung aller Nuklearwaffen, einschließlich der taktischen.
Schließlich
-7-

�t

Schließlich hat Mrs. Myrdal im August vorigen Jahres gefragt,ob das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR über die Verhütung eines
Nuklearkrieges für Kriege gelte, in denen nur »Mininukes* eingesetzt würden,
und ferner, ob die Vereinigten Staaten die Resolution 255 des Sicherheitsrates hinsichtlich von Sicherheitsgarantien (1968) dahingehend interpretierten,
daß sie für eine nukleare Aggression gelte, bei der nur 'Mininukes* eingesetzt
würden. Ich habe betont, daß meine Regierung auch weiterhin alle taktischen
Nuklearwaffen in gleicher Weise ansehen und behandeln wird. Ich kann daher
diese beiden Fragen mit einem uneingeschränkten »Ja* beantworten."

-H-f

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11/1974

RELAISTATION IM WELTRAUM FÜR DEN FLUGVERKEHR
-Internationale Einigung über AEROSAT-System-

--(AD)-- Mit der Zustimmung des Bewilligungsausschusses des US-Senats zur
Beteiligung der amerikanischen Bundesluftfahrtbehörde (FAA) am AEROSATProjekt ist nunmehr der finanzielle Beitrag der USA zur Vorbereitung eines
neuartigen Flugsicherungssystems gewährleistet. Die ca. 100 Millionen Dollar Kosten, die der FAA daraus entstehen, werden aus dem "Treuhandfonds
Flughäfen und Luftfahrtgesellschaften" (Airport and Airways Trust Fund)
aufgebracht. Im Mai 1974 unterzeichnete Alexander P. Butterfield, der
Leiter der FAA, für die Vereinigten Staaten das vorläufige Abkommen zwischen den USA, Kanada und der Europäischen Organisation für Weltraumforschung (ESRO) über das AEROSAT-Programm. Vertreter von neun der zehn ESROStaaten, auch der Bundesrepublik, haben das "Memorandum of Understanding"
ebenfalls paraphiert; Frankreich wird dies in Kürze nachholen.

Mit

-1-

�&lt;

Mit dem Bau des ersten AEROSAT-Satelliten, der für die Sicherung des
Flugverkehrs auf transozeanischen Routen als Relaisstation benutzt werden
soll, wird wahrscheinlich im Frühjahr 1975 begonnen; der Start ist Ende 1977
oder Anfang 1978 zu erwarten. Das Gerät soll über dem Atlantik in 36 000 km
Höhe stationiert werden und dient der Erprobung neuer, verbesserter Methoden
der Flugsicherung. Es ermöglicht ständigen Funkkontakt mit Flugzeugen im
nordatlantischen Raum und genaue Positionsbestimmungen selbst dann, wenn sie
sich mitten über dem Ozean befinden. In den achtziger Jahren soll das AEROSATSystem ein Netz von Flugsicherungssatelliten umfassen, die über dem Atlantik
und Pazifik auf erdsynchroner Bahn stationiert werden. Die Fluglinien von mindestens 70 Ländern können dann die "Dienste" dieser Relaistationen im Weltraum für den Funkverkehr mit Passagier-und Frachtflugzeugen auf transozeanischen Routen in Anspruch nehmen.

Schon seit 1959 befassen sich die in der ICAO (International Civil Air
Organization) zusammengeschlossenen Länder mit der Frage, wie angesichts der
rapiden Ausweitung des Flugverkehrs und des Einsatzes immer schnellerer und
größerer Linienmaschinen die Flugsicherung zu verbessern sei. Schließlich
einigte man sich darauf, daß "Aeronautik-Satelliten in einem erdsynchronen
Orbit, über den Weltmeeren stationiert und als Nachrichtensatelliten eingesetzt, die einzige Lösung für die technischen und operativen Erfordernisse
darstellen".

Das

�Das in London unterzeichnete Dokument zielt darauf ab, in bezug auf
die technischen, operativen und wirtschaftlichen Fragen eines solchen Flugsicherungssystems zunächst einmal Erfahrungen zu sammeln. Es dient u.a. der
Erprobung und Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Ausrüstungen beim
Sprechverkehr und bei der Datenübertragung zu Bodenstellen und zu den Flugzeugen innerhalb des kontrollierten Raumes sowie der versuchsweisen Benutzung von Breitbandfrequenzen.

Nach Schätzungen von Mr. Butterfield dürfte sich der Flugverkehr in
den kommenden 10 Jahren allein für die amerikanischen Fluglinien auf den
internationalen Routen, der gegenwärtig pro Jahr 55 Milliarden Passagierkilometer verzeichnet, mehr als verdreifachen. Internationale Fluggesellschaften anderer Länder kommen zu ähnlichen Vorausberechnungen. Den damit
verbundenen Anforderungen an die Flugverkehrskontrolle könnte ein Boden-LuftSystem allein nicht mehr gerecht werden. Als Sekundäreffekt des Einsatzes
von Aeronautik-Satelliten wäre eine Senkung der Betriebskosten und damit auch
der Flugpreise zu erwarten. Bereits in den achtziger Jahren dürfte das neue
System soweit erprobt und vervollkommnet sein, daß es auch den Vorschriften
der ICAO genügt.

Probleme ergeben sich daraus, daß in zunehmendem Maße Flugzeuge, die
auf den Namen von Fluggesellschaften, Herstellerfirmen, Finanzgruppen oder
Chartergesellschaften zugelassen sind, von Unternehmern gechartert werden,
die nicht der Kontrolle des Staates unterliegen, in der das Flugzeug registriert ist. Bis zu einer praktikablen Dauerlösung dieser Frage innerhalb

-3-

�i
innerhalb der ICAO beabsichtigen

die Vereinigten Staaten,bilaterale Verein-

barungen mit bestimmten Ländern zu treffen, auf Grund deren die Partnerstaaten gewisse Verantwortungen für die Überwachung von in den USA registrierten,
jedoch im Ausland gecharterten Flugzeugen übernehmen.

Auch die Unterbindung von Flugzeugentführungen fiele letztlich unter das
neue Sicherungssystem. Nach Ansicht Butterfields ist es vor allem den strengen Kontrollmaßnahmen auf amerikanischen Flughäfen und der sorgfältigen Überwachung der Flugzeuge zu verdanken, daß es in den USA in den letzten 1 1/2
Jahren nicht mehr zur Entführung oder zu einem Gewaltakt gegen ein Passagierflugzeug gekommen ist. Um anderen Nationen dabei zu helfen, Sabotageakte und
Entführungen im Flugverkehr zu bekämpfen, machte die FAA ihr Verkehrssicherheitsinstitut in Oklahoma City den Vertretern anderer Länder zugänglich.
Bisher haben 24 Staaten von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, dort die in
den USA entwickelten Methoden der Passagierkontrolle und der Sicherungsmaßnahmen an Bord der Flugzeuge und innerhalb der Flughäfen zu studieren. Einschlägige Literatur wurde den zuständigen Stellen in 52 Ländern zugesandt.

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11/1974

EXPEDITION IN DIE WETTERKÜCHE DER ERDE
- GATE - Internationales Großprojekt der Forschung -

--(AD)-- In einer Mammutexpedition ohne Beispiel werden 4 000 Wissenschaftler von 72 Ländern und Territorien 101 Tage lang - vom 15. Juni bis 23.
September 1974 - etwa ein Drittel der "Wetterküche der Erde" sondieren.
Gemeint ist damit ein 52 Millionen qkm großes Land-und Seegebiet in den
Tropen, das sich vom östlichen Pazifik über Lateinamerika, den Atlantik und
Afrika bis zum Westteil des Indischen Ozeans erstreckt. Von ca. 1 000 Landstationen, 38 Forschungsschiffen und 13 Flugzeugen aus, mit Hilfe von 65
verankerten Meßbojen, dazu Ballon-und Raketensonden sowie sechs verschiedenen Typen von Erdsatelliten will man in dem Gürtel zwischen 10 Grad Süd und
20 Grad Nord umfassende geophysikalische Beobachtungen machen. Aufgrund der
Auswertung dieser Daten, die 1977 abgeschlossen werden soll, hofft hofft man
zu einem besseren Verständnis vor allem der Prozesse der Wolken-und Wetterfrontenbildung in den Tropen und damit von Faktoren zu kommen, die das Wetter in den gemäßigten Zonen erheblich beeinflussen. Solche Kenntnisse sind

�I

sind die Voraussetzung für genauere und längerfristige Wettervorhersa^ n
in unseren Breiten.

Gemeinsam mit dem Internationalen Rat Wissenschaftlicher Vereinigungen
(ICSU) führt die Meteorologische Organisation der Vereinten Nationen (WMO)
ein weltweites atmosphärisches Forschungsprogramm (GARP - Global Atmospheric
Research Program) durch, in dessen Rahmen das bevorstehende Unternehmen GATE
(GARP Atlantic Tropical Experiment) das erste Großprojekt darstellt.

Das zweite Projekt, das für Ende der siebziger Jahre vorgesehen ist,
wird Beobachtungen rund um den Globus umfassen.

Zwölf der GATE-Forschungsschiffe kommen aus der Sowjetunion, neun aus
den Vereinigten Staaten, je vier aus Großbritannien und Frankreich, weitere
aus der Bundesrepublik, Brasilien, der DDR, Kanada, Mexiko und den Niederlan-'
den. Allein die Hälfte der Schiffe wird innerhalb einer 500 000 qkm großen
sechseckigen Fläche im Ostatlantik, ca. 1 000 km südwestlich von Dakar vor
der afrikanischen Küste postiert. Sie sollen mit Hochatmosphärensonden ,
Radar, Ballonsonden und Bordinstrumenten Wind, Luftdruck, Temperatur, Feuchtigkeit, Niederschläge, Sonnen-und Infrarotstrahlung in verschiedenen Höhen
sowie Wassertemperaturen an der Oberfläche messen. Außerdem werden Wassertemperaturen in größerer Tiefe, Salzgehalt des Wassers und Strömungen registriert.
Die übrigen Schiffe sind mit erheblich mehr Abstand voneinander (480 bis 960
km) über den ganzen tropischen Atlantik verteilt.

Die

-2-

�Die 13 Forschungsflugzeuge aus fünf Ländern, die in Flughöhen zwischen
100 m und 10 000 m regelmäßig Luftproben und aus genau definierten Wolkenzonen Nebelproben nehmen und zahlreiche Messungen durchführen, werden hauptsächlich über dem Ostatlantik operieren. In diesem Raum soll der Energieaustausch zwischen Atmosphäre und Wasser besonders intensiv untersucht werden. Schiffe und Flugzeuge sowie Satelliten, die die Erde auf polaren, verschieden stark zum Äquator geneigten oder sogenannten erdsynchronen Bahnen
umkreisen, registrieren bei Tag und Nacht, physikalische Phänomene von der
äußeren Atmosphäre bis in ca. 1 500 m Meerestiefe. Die USA setzen dazu neben ihrem jüngsten, Mitte Mai 1974 gestarteten Meteorologie-Satelliten
SMS-1 den bewährton Anwendungssatelliten ATS-3 (gestartet im November 1967),
ferner zwei Satelliten der NOAA (Bundesamt Meeres-und Atmosphärenforschung),
den Wettersatelliten NIMBUS 5 und militärische Meteorologie-Satelliten ein,
die Sowjetunion Satelliten ihrer METEOR-Serie.

Hauptzweck des Unternehmens ist es, so viele Beobachtungsdaten aus den
verschiedensten Beobachtungsebenen zu sammeln, daß die Wissenschaftler ein
umfassendes Bild von den tropischen Wetterphänomenen bekommen, sie in mathematischen Größen beschreiben und damit verbesserte Modelle für die Computer
ausarbeiten können, die bei der

Wettervorhersage eingesetzt werden. Die

bisher existierenden Modelle und mathematischen Gleichungen gründen sich
fast ausschließlich auf die gründlichen

Untersuchungen der Atmosphäre

in den mittleren Breiten. Sie enthalten aber noch zu viele unbekannte Grössen - schon angesichts der Tatsache, daß ja die Tropen es sind, die die
Hälfte der gesamten auf die Erde auftreffenden Sonnenergie erhalten. Sie

-3-

�I
Sie sind die einzige Region, die pro Tag mehr Energie aufnimmt als sie in
den Weltraum abstrahlt.

Ein großer Teil der Sonnenenergie,die letztlich die Zirkulation in der
Erdatmosphäre in Gang hält, wird zunächst einmal in den tropischen Meeren gespeichert. Das Wasser gibt sie dann an die Luft weiter, wo sie mit den sich
bildenden Wolken in immer größere Höhen transportiert und auf immer weitere
Regionen der Nord-und Südhalbkugel verteilt wird. Diese Prozesse beeinflussen
letzten Endes die Wettervorgänge auf der ganzen Erde - aber von den Größenordnungen und Einzelfaktoren an der"Quelle", in den Tropen, weiß man einfach
noch zu wenig.
i

Alle Meldungen, auch die der Landstationen in Lateinamerika und Afrika, »i
|
welche als normale Wetterwarten fungieren und unter anderem die Niederschlagsmengen messen, werden in der GATE-Zentrale in Dakar (Afrika) gesammelt und
an die Datenverarbeitungszentren in Washington und Moskau weitergegeben.
Wissenschaftlicher Leiter des ganzen Unternehmens ist Dr. Joachim Paul
Kuettner (64). Der aus Breslau gebürtige Deutschamerikaner war zuvor für die
NOAA tätig und hatte maßgeblichen Anteil am Aufbau des amerikanischen Wettersatelliten-Systems.

+++

-4-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA begrüßen Senkung der EG-Importzölle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärungen Nixons und Eberles -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftsbeirat rechnet nicht mit weltweiter Rezession&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Bericht an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nixon drängt auf rasche Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John J. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA rechnen mit Übereinkunft über ein "Interims"-Währungssystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Stellungnahme zu chemischen Waffen und Mininukes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Delegierten in Genf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Relaistation im Weltraum für den Flugverkehr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Einigung über den AEROSAT-System -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Expedition in die Wetterküche der Erde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- GATE - Internationales Großprojekt der Forschung -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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19. Juni 1974

12

Inhalt

DOKUMENTATION:

Nixon: USA bleiben stärkste Macht der freien Welt
- Ansprache des Präsidenten vor der MarineakademieKissinger: USA wollen ein starkes Europa
-»Ansprache des US-Außenministers vor Mitgliedern der Nordatlantischen
Versammlung-

HINTERGRUNDMATERIAL:

Kongreß gegen jede Schwächung der Verteidigungsbereitschaft der USA
-Senator Jackson für Aufrechterhaltung der Truppenstärke in Ubersee-

Ost-West-Handel und Entspannung

WIRTSCHAFT:

Eberle: USA um internationale Lösung der Versorgungsprobleme bemüht
-Auszüge aus der Rede auf dem Symposium für Energie und Rohstoffe-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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12/1974

NIXON: USA. BLEIBEN STÄRKSTE MACHT DER FREIEN WELT
-Ansprache des Präsidenten vor der Marineakademie-

ANNAPOLIS,Maryland —(AD)-- Präsident Nixon hat am 5. Juni vor der diesjährigen Abschlußklasse der amerikanischen Marineakademie betont, daß sich die
Vereinigten Staaten ihrer Verantwortung als stärkste Macht der freien Welt
nicht entziehen werden und daß seine Reisen nach dem Nahen Osten und der
Sowjetunion der Suche nach dem Frieden dienen sollen.

Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Für jemanden, der mit Stolz in der Marine gedient hat, ist es eine besondere Ehre, an dieser Feier der 124. Abschlußklasse der amerikanischen
Marineakademie teilzunehmen. Dieser Jahrgang 1974 wird vor Aufgaben und
Herausforderungen stehen, die so einmalig und anspruchsvoll sind wie je in
der langen und stolzen Geschichte der Akademie.
George

-1-

�George Washington schrieb im November 1781 in einem Brief an Lafayette:
•Ohne eine ins Gewicht fallende Flottenmacht können wir nichts Entscheidendes tun, und mit einer solchen Macht alles Ehrenhafte und Glorreiche1.
Washington wußte nur zu gut, daß es die Marine war, die in dem Kampf
Amerikas um seine Unabhängigkeit - der Geburt einer Nation - den Unterschied
zwischen Sieg und Niederlage bedeutete.

Heute, im Nuklearzeitalter, ist die Rolle der Marine ebenso wichtig
wie vor zwei Jahrhunderten, denn heute, da der amerikanische Kontinent keine
isolierte Festung mehr ist, sondern ein integraler Bestandteil einer immer
kleiner werdenden, von Unruhe geschüttelten Welt, ist eine starke amerikanische Marine ein unerläßlicher Faktor für die Aufrechterhaltung von Frieden
und Stabilität auf der Welt.

Sie beginnen Ihre Laufbahn zu einer Zeit, da Amerikas Streitkräfte
einen lebenswichtigen Beitrag zur Erreichung eines

Zieles leisten, das von

fundamentaler Bedeutung für jeden von Ihnen hier, für alle Amerikaner und
für alle Nationen der Welt ist: das Ziel eines dauerhaften Friedens. Das ist
das Ziel, auf das ich seit dem ersten Tag meiner Präsidentschaft diese Administration persönlich verpflichtet habe. Es ist ein Ziel, dem sich die
amerikanische Diplomatie total verschrieben hat, und es ist ein Ziel, das
nur erreicht werden kann, wenn amerikanische Stärke und amerikanische Entschlossenheit dahinter stehen.
Und

�Und wenn Sie jetzt Ihre große Aufgabe als neue Führer in der Verteidigung des Friedens antreten, dann möchte ich Ihnen in Umrissen die Friedensstrategie Amerikas und die wichtige Rolle umreißen, die Sie bei der Verwirklichung dieser Strategie spielen werden.

Wollen wir einen Blick zurückwerfen auf die Welt, in der Sie aufgewachsen sind.
Als der Krieg in Europa und in Asien 1945 beendet wurde, war Amerika
die einzige wirtschaftliche und militärische Supermacht, die es auf der Welt
gab. Der größte Teil Europas und Japans lag in Trümmern - war wirtschaftlich
völlig am Ende und politisch demoralisiert. Die Führung der freien Welt mußte
von uns übernommen werden, ob wir es nun wollten oder nicht.
So schwierig die Aufgabe war, sie wurde uns am Anfang durch unsere überwältigende materielle Stärke und durch ein festes und geeintes Gefühl der
nationalen Zielsetzung erleichtert.

Überall auf der Welt gingen wir Verpflichtungen ein, um das Vordringen
des Kommunismus aufzuhalten, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und
andere Länder zu ermutigen, unsere wirtschaftlichen, politischen und sozialen
Ideale zu übernehmen.

So vereinfacht und gelegentlich auch fehlgeleitet diese Zielsetzung war,
so war es doch ein edles und in seinem Enthusiasmus selbstloses Ziel. Trotz
mancher Mißgriffe, die wir zu korrigieren hatten, wußten wir in unseren Herzen - und Millionen in Europa und in Japan sowie in den Entwicklungsländern

-3-

�Entwicklungsländern wußten es - daß der Beitrag, den Amerika in dem Vierteljahrhundert nach Kriegsende für die Menschheit leistete, in seiner geschichtlichen Bedeutung und seinen Dimensionen einmalig war. Wir dürfen stolz darauf sein, daß Amerika bei der Hilfe für seine ehemaligen Feinde wie bei der
Unterstützung unserer Freunde so großherzig war.

In dem gleichen Zeitabschnitt wandelte sich das Antlitz der Welt rapider
und dramatischer als je zuvor in der Geschichte. Achtundfünfzig Staaten, die
soeben ihre Unabhängigkeit gewonnen hatten, schlössen sich der Weltgemeinschaft an. Der einstmals monolithische kommunistische Block zerfiel. Neue
Machtzentren entstanden in Europa und Asien.

Der Eifer und die Arglosigkeit Amerikas erhielten in diesen Jahren einen
Dämpfer. Der lange Krieg in Vietnam zehrte zu sehr an unserem nationalen
Selbstvertrauen und Selbstverständnis. Die Nöte in unserem eigenen Lande forderten gebieterisch größere Aufmerksamkeit. Ende der sechziger Jahre war unse
re Politik, die versuchte, jedermanns Probleme auf der ganzen Welt zu lösen,
nicht länger realistisch - oder auch notwendig. Amerika war nicht mehr der
Gigant, der mit anscheinend unerschöpflichen

Hilfsquellen und seinem Atom-

monopol die übrige Welt turmhoch überragte.

Mit dem Rückgang unserer überwältigenden Überlegenheit an Macht entstand in zunehmendem Maße die Gefahr, daß wir uns nach innen wenden und uns
von unseren weltweiten Pflichten in einen Isolationismus zurückziehen würden
und dabei die Tatsache außer acht lassen könnten, daß.wir immer noch die
stärkste Kraft des Friedens auf der ganzen Welt waren.
Diese

�r

Diese Drohung einer neuen Woge des Isolationismus, blind sowohl gegenüber den Lehren der Vergangenheit als auch gegenüber den Gefahren der Zukunft,
war und bleibt auch heute eine der größten potentiellen Gefahren, denen sich
unser Land gegenübersieht.

In unserem Zeitalter könnte ein amerikanischer Isolationismus leicht
zu einer globalen Hoffnungslosigkeit führen. Ob es uns nun gefällt oder nicht,
die Alternative zur Entspannung ist:
—

Hemmungsloses nukleares Wettrüsten;

-- Rückkehr zur Konfrontation; und
-- ein vernichtender Rückschlag für unsere Hoffnung, in der Welt ein
neues Gebäude des Friedens zu errichten.
Als wir im Jahre 1969

unser Amt antraten, sah sich diese Administration

einer Situation in der Welt gegenüber, die komplexer war, größere Herausforderungen stellte, aber in mancher Hinsicht auch größere Verheißungen bot als
die Situation nach dem Kriege.

Da wir unsere Verpflichtungen als mächtigstes Land der freien Welt nicht
aufgeben konnten und wollten, war klar, daß nunmehr der Zeitpunkt für eine
Überprüfung dieser Verpflichtungen gekommen war. Das war die Richtschnur der
Nixon,Doktrin - eine Doktrin, die besagt, daß diejenigen, denen wir helfen,
damit sie sich der Segnungen der Freiheit erfreuen können, auch einen fairen
Anteil der Lasten ihrer eigenen Verteidigung tragen sollten.
Ebenso

-5-

�Ebenso klar war auch, daß Pragmatismus und moralische Stärke die beiden
Pfeiler jeder amerikanischen Außenpolitik in der neuen Ära sein mußten. Ein
Bewußtsein moralischer Zielsetzung gehört zu unserem Erbe und zu den Traditionen unserer Außenpolitik. Pragmatismus, Realismus und technische Leistung
dürfen nicht die ausschließlichen Kriterien unserer Außenpolitik sein. Einer
solchen Politik würde es an Wurzeln und an Inspiration mangeln und sie könnte
nicht lange auf eine positive Unterstützung durch das amerikanische Volk
und den Kongreß rechnen - noch würde sie die Achtung cor Welt verdienen.
Wir mußten jedoch bedenken, daß sich ein unrealistischer Idealismus als
undurchführbar und potentiell gefährlich erweisen könnte. Er könnte uns dazu
verleiten, auf gute Resultate zu verzichten, nur weil wir unbedingt perfekte
Resultate wollen.
Speziell in unserer Einstellung zu der Sowjetunion war eine solche
Mischung des idealistischen und des pragmatischen in unserer Außenpolitik
von entscheidender Bedeutung. Die Unterschiede in unseren Lebensformen und
Regierungssystemen waren kraß und grundlegend. Aber selbst wenn wir den Totalitarismus ablehnen, so müssen wir uns doch der harten, nackten Tatsachen

des Lebens im Nuklearzeitalter bewußt sein. Seit die Sowjetunion in den
strategischen Waffensystemen gleichgezogen hat, bedeutet jede Konfrontation
einen Zusammenstoß, der zu einer potentiellen nuklearen Vernichtung aller
Kulturvölker führen könnte. Der Abbau der Spannungen zwischen uns ist die
wichtigste Aufgabe unserer Außenpolitik geworden.
Die

�f

Die Vereinigten Staaten werden ihre Grundsätze nicht aufgeben. Die Führer der Sowjetunion werden die ihren nicht preisgeben. Wenn wir jedoch den
Mut haben, die Grundsätze zu verteidigen, die uns als Nationen unterscheiden,
dann müssen wir auch den Weitblick haben, die Dinge zu sehen, die uns als
Menschen vereinen. Wir verfügen beide über das Potential, unser gemeinsames
Erbe einer viertausendjährigen Kultur für immer zu zerstören. Wir unternehmen
beide Schritte, um sicherzustellen, daß dies nicht geschehen wird, weil es
nicht geschehen darf.
Behutsam und vorsichtig haben wir in den letzten fünf Jahren mit der
Sowjetunion darauf hingearbeitet, konkrete Probleme zu lösen, die sich zu militärischen Konfrontationen auswachsen könnten. Auf diesen Brücken bauen wir
jetzt eine Reihe greifbarer wirtschaftlicher und kultureller Austauschprojekte auf, die uns enger miteinander verbinden werden. Amerikaner und Russen,
zwei große Völker, die einst im Kriege zusammengearbeitet haben, lernen jetzt,
im Frieden zusammenzuarbeiten. Letztlich, so hoffen wir, werden die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein gleich großes Interesse daran haben, ein
stabiles internationales Klima zu erhalten.

Die Ergebnisse dieser Politik waren ermutigend.

Das Berlin-Problem,wo unsere Länder ein Viertel Jahrhundert lang sich
Auge in Auge gegenüberstanden, ist jetzt auf dem Verhandlungswege gelöst worden.

Unsere beiden Länder haben ein historisches Abkommen zur Begrenzung der

strategischen Nuklearrüstungen abgeschlossen.
Wir

-7-

�»

t

Wir und unsere Verbündeten haben mit der Sowjetunion Verhandlungen über
wichtige Fragen der Europäischen Sicherheit, darunter auch über eine Reduzierung der Streitkräfte in Mitteleuropa, aufgenommen.

Wir haben das Risiko einer direkten amerikanisch-sowjetischen Konfrontation in Krisengebieten wesentlich vermindert.

Wir haben eine Reihe bilateraler Abkommen über die Zusammenarbeit auf
Gebieten wie Gesundheit, Umwelt, Weltraum, Wissenschaft und Technologie sowie
auf dem Gebiet des Handels geschlossen.

Auf dem Moskauer Gipfeltreffen im Jahre 1972 haben unser Marineminister
und der Oberbefehlshaber der sowjetischen Marine ein Abkommen über die Verhütung von Zwischenfällen auf hoher See getroffen, das einen Verhaltenskodex
darstellt, der auf die Unterlassung gefährlicher Handlungen aus der Zeit des '
kalten Krieges abzielt - und ein Verhaltenskodex, der sich bereits als ein Erfolg erwiesen hat.

Während der letzten fünf Jahre haben wir mehr Abkommen mit der Sowjetunion erreicht als in der gesamten vorangegangenen Nachkriegsperiode. Das ist
ein Ergebnis, auf das alle Amerikaner stolz sein dürfen.

In Übereinstimmung mit unseren Bemühungen, die amerikanische Außenpolitik
auf die Realitäten der modernen Welt abzustimmen, haben wir auch die Normalisierung unserer Beziehungen zur Volksrepublik China angestrebt, einem Lande,
mit dem uns während eines Vierteljahrhunders des kalten Krieges nichts ande-

�anderes verband als Konfrontation und Mißtrauen. Von einem offiziellen Dial &gt;g
ausgehend, der im Jahre 1971 eröffnet wurde, haben w.\.r konstruktive Abkommen
auf den Gebieten des Handels und des wissenschaftlichen und kulturellen Austausches ausgehandelt. Wir haben im vorigen Jahr in unseren jeweiligen Hauptstädten Verbindungsbüros eingerichtet und wir rechnen in den kommenden Jahren
mit weiteren Fortschritten.
Es ist uns auch gelungen, unser militärisches Engagement in Vietnam auf
eine Weise zu beenden, die die schweren Opfer nicht umsonst sein ließ, die
wir gebracht hatten, und wir haben so wesentlich zur Erhaltung der Freiheit
und Stabilität in Südostasien beigetragen. Ein Ergebnis ist, daß heute die
20 Millionen Menschen in Südvietnam die Freiheit haben, sich selbst zu regieren, und daß sie in der Lage sind, sich selbst zu verteidigen. Und was noch
wichtiger ist, wir haben bewiesen, daß Amerika sein Wort hält.
Wir haben das Vertrauen unserer Verbündeten in der ganzen Welt bewahrt,
indem wir gezeigt haben, daß wir ein zuverlässiger Partner in der Verteidigung der Freiheit sind, und wir haben die Achtung unserer potentiellen Gegner geerntet, indem wir gezeigt haben, daß wir ein zuverlässiger Partner auf
der Suche nach Frieden sind.

Der einzigartige und wesentliche Beitrag Amerikas zum Frieden wird nirgends deutlicher sichtbar als im Nahen Osten. Der Haß und das Mißtrauen, die
die Beziehungen zwischen Arabern und Israelis solange vergiftet haben, hatten
in weniger als vier Jahrzehnten viermal zu Kriegen geführt. Der Blutzoll und
das menschliche Leid waren gewaltig und die Spannung machte den Nahen Osten

�i

Osten zu einem Pulverfaß, das leicht die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in eine militärische Konfrontation hineinziehen könnte. Die Notwendigkeit einer stabilen Lösung unter den Partnern
den Großmächten war überwältigend.

der Region wie auch zwischen
'

Der Oktober-Krieg des vorigen Jahres bot, so tragisch er war, eine einmalige Chance. Zum ersten Mal waren wir uns bewußt, und waren sich die gemässigten Führer der arabischen Welt bewußt, daß für die Erreichung einer dauerhaften Lösung im Nahen Osten eine positive amerikanische Rolle unerläßlich
war. Aus diesem Grunde habe ich Außenminister Kissinger nach dem Nahen Osten
entsandt, um in dem Verhandlungsprozeß unsere guten Dienste anzubieten.

Die Ergebnisse, die mehr als alles andere den Weitblick und die Staatskunst der Führer beider Seiten erkennen lassen, sind ermutigend. An der
ägyptisch-israelischen Front ist ein Abkommen über das Auseinanderrücken der
Streitkräfte durchgeführt und jetzt ist ein ähnliches Abkommen zwischen Israel und Syrien ausgehandelt worden. Zum ersten Mal seit einer Generation
sehen wir den Beginn eines Dialogs zwischen den arabischen Staaten und Israel .
Der Weg zu einem gerechten und dauerhaften Frieden ist noch weit und
schwer. Aber etwas, das ein unüberwindbares Hindernis gewesen zu sein schien,
ist beseitigt worden. Wir sind entschlossen, an unserem Kurs festzuhalten, bis
wir unser Ziel, nämlich einen dauerhaften Frieden, erreicht haben. Die Rolle,
die Außenminister Kissinger in diesem Prozeß gespielt hat, ist ein Zeugnis sowohl seiner bemerkenswerten diplomatischen Fähigkeiten als auch der Gesundheit

-10-

�Gesundheit und Integrität unserer Überzeugung, daß ein dauerhaftes Gebäude
des Friedens errichtet werden kann - und muß.
Wenn man die Ergebnisse unserer Außenpolitik betrachtet, so kann man
ironischerweise feststellen, daß gerade ihre Leistungen

uns heute zu Opfern

unseres eigenen Erfolges zu machen drohen. So ist vor allem ein gefährliches
Mißverständnis darüber entstanden, was eine Entspannung ist und was sie nicht
ist.
Bis vor kurzem war die Entspannungspolitik kein Problem für uns. Wir
standen so sehr inmitten des Versuchs, das internationale Streben von der
Konfrontation zur Verhandlung zu wandeln, daß die Menschen allgemein übereinstimmten, daß an erster Stelle die Überlegung stehen müsse, ein Gefüge friedlichen internationalen Verhaltens zu schaffen. Nachdem jetzt jedoch ein so
großer Fortschritt erzielt worden ist, nehmen manche Leute ihn für selbstverständlich.

Heute werden beredte Appelle an die Vereinigten Staaten gerichtet, durch
ihre Außenpolitik das Verhalten anderer Länder, vor allem der Sowjetunion, im
Innern wie auch nach außen, zu verändern. Diese Frage bringt uns genau wieder
in das Dilemma, das ich zu Beginn aufgezeigt habe. Hier geht es nicht nur um
unser Verhältnis zur Sowjetunion, sondern auch um unseren Standpunkt gegenüber
vielen Nationen, mit deren politischen Systemen wir überhaupt nicht übereinstimmen - so wie sie nicht mit unserem System.
Unsere

-11-

�i

»
Unsere Außenpolitik muß unsere Ideale und Zielsetzungen zum Ausdruck
bringen. Wir dürfen uns niemals mit der Unterdrückung menschlicher Freiheit
zufriedengeben. Wir müssen alles tun, was wir vernünftigerweise tun können,
um der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. Aus diesem Grunde halten wir
weiterhin unerschütterlich an bestimmten Grundsätzen der Menschlichk it fest
- nicht nur in den zuständigen internationalen Foren, sondern auch in unserem privaten Meinungsaustausch mit anderen Regierungen - wo dies wirksam
sein kann. Wir bleiben unseren Idealen treuer, wenn wir auf Ergebnisse aus
sind, und wir erreichen mehr Ergebnisse durch diplomatisches Handeln als durch
Hunderte von eleganten Reden.

Aber es gibt Grenzen dessen, was wir tun können, und wir müssen uns
einige ganz harte Fragen stellen. Wie weit geht unsere Fähigkeit, die innere
Struktur anderer Völker zu verändern? Würde eine Verlangsamung oder eine Umkehr der Entspannung die positive Entwicklung anderer Gesellschaftssysteme
unterstützen oder behindern? Welchen Preis sind wir - in erneutem Konflikt
ausgedrückt - bereit, zu zahlen, um einen Druck im Sinne menschlicher Angelegenheiten ausüben zu können?

Nicht, weil wir es so wollen, sondern einfach aufgrund unserer Fähigkeit,
muß unser oberstes Anliegen in der Außenpolitik darin bestehen, einen Einfluß
auf das internationale Verhalten von Nationen auf der Weltbühne auszuüben. Wir
würden die Einmischung anderer Länder in unsere inneren Angelegenheiten auch
nicht begrüßen. Und wir können nicht erwarten, daß andere kooperativ sind,
wenn wir versuchen, direkt in ihre inneren Angelegenheiten einzugreifen.
Wir

-12-

t

�Wir können unsere Außenpolitik nicht auf die Umformung anderer Gesellschaften einstellen. Im Nuklearzeitalter muß unsere oberste Verantwortung die
Verhütung eines Krieges sein, der alle Gesellschaften vernichten könnte.

Der Friede zwischen Völkern mit völlig unterschiedlichen Systemen ist
auch ein moralisches Ziel.
Die Konzeptionen der nationalen Sicherheit, der Partnerschaft und der Verhandlung mit Gegnern sind die zentralen Säulen des »Gebäudes des Friedens*,
dessen Errichtung sich diese Administration als ein Ziel gesetzt hat.

Wenn ein Gebäude des Friedens Bestand haben soll:
-- dann muß es Ausdruck der Beiträge und Sammelpunkt der Hoffnungen der
Nationen sein;
-- dann muß es durch das gemeinsame Ziel der Koexistenz und die gemeinsame
Praxis der Anpassung zementiert sein;
—

dann muß es jeder Nation die Freiheit bringen, ihr eigenes Geschick

ohne Kriegsdrohung zu erfüllen; und
-- dann muß es der sozialen Gerechtigkeit und Menschenwürde dienen.

Das Gebäude des Friedens, von dem ich spreche, wird eine Ära der Zusammenarbeit ermöglichen, in der alle Nationen ihre jeweiligen Talente und Mittel für
die Lösung der Probleme einsetzen werden, die die ganze Menschheit plagen
- Probleme der Energie, des Hungers, der Krankheit und des Leidens - Probleme,
die so alt sind wie die Menschheit selbst.
An

-13-

�•

I

An all das dachten wir, als wir im Februar eine Anstrengung unternahmen,
um die Hauptverbraucherländer zusammenzubringen, um das Problem der gerechten
Befriedigung des Bedarfs aller Völker in der ganzen Welt in Angriff zu nehmen,
die vor der Aussicht immer knapper werdender Hilfsquellen

- in diesem Falle

Energie - stehen.

Aus dem Bewußtsein der menschlichen Tragödie des Hungers und aus der
dringenden Notwendigkeit heraus, die Technologie des Menschen gemeinsam zur
Lösung dieses Problems anzuwenden, haben die Vereinigten Staaten auch zu einer
Welternährungskonferenz der Vereinten Nationen aufgerufen, die im Herbst dieses Jahres in Rom stattfinden soll.

Meine Nahostreise in der kommenden Woche wird die Gelegenheit bieten, mit
den Führern der Länder, die ich besuchen werde, Mittel und Wege zu erörtern,
wie wir unseren Fortschritt auf dem Wege zu einem dauerhaften Frieden in jenem
Gebiet weiter ausbauen können.

Am 27. Juni werde ich erneut nach Moskau reisen, um mit Parteichef
Breschnew zusammenzutreffen und weitere Wege zu einem

- und weitere Aussich-

ten auf einen - dauerhaften Frieden, nicht nur zwischen der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten, sondern zwischen allen Nationen zu eruieren.

Jede dieser Reisen ist auf ihre Weise ein Ausdruck der größeren Hoffnungen und Verantwortlichkeiten Amerikas. Dies sind Hoffnungen und Verantwortlichkeiten, die zu verwirklichen jeder von Ihnen auf seinem ersten Kommando
aufgerufen sein wird.
Solange

-14-

�Solange Sie Ihre Pflicht tun - und solange Sie die Bevölkerung und die
Regierung unterstützen - wird das Amerika, das Sie lieben und dem Sie dienen,
fortbestehen.

Heute wird jeder von Ihnen ein Hüter einer noblen Tradition des Dienens.
Als erster Jahrgang haben Sie Ihre Ausbildung in der Ära nach dem Vietnamkrieg
begonnen. Es liegt jetzt an Ihnen, auf eine Weise zu dienen, daß die Jahrgänge
nach Ihnen in eine amerikanische Marine eintreten können, die stark, bereit
und geachtet ist, und vor allem in eine Marine und eine Nation, die in ehrenhaftem Frieden mit allen Nationen der Welt lebt."

-15-

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12/1974

KISSINGER: USA WOLLEN EIN STARKES EUROPA
Ansprache des US-Außenministers vor Mitgliedern der Nordatlantischen
Versammlung

WASHINGTON — ( A D ) - - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger
hat am 6. Juni auf einem Empfang im State Department für die Mitglieder der
in Washington tagenden Nordatlantischen Versammlung - der jährlichen Zusammenkunft von Parlamentariern aus NATO-Ländern - folgende Ansprache gehalten:

"Ich möchte Ihnen sagen, wie sehr ich mich freue,daß mein Besuch in
Washington mit Ihrem Besuch zusammenfällt.

Mich befällt immer eine gewisse nervöse Unruhe, wenn ich zu einer
Gruppe von Europäern spreche, denn das letzte Mal, als ich vor einem Kreis
von Damen einige informelle Bemerkungen machte - und einige Gedanken zur
europäischen Geschichte und zu anderen Aspekten der transatlantischen Beziehungen äußerte - war das Resultat recht bestürzend.
Ich

-1-

�V

Ich bin unserem Kongreßabgeordneten Hays sehr dankbar, daß er sich dazu bewegen ließ, ein Treffen der NATO-Parlamentarier hier in Washington zu
organisieren. Wir glaubten, es wäre angebracht, wenn wir an diesem 25. Jahres
tag der NATO die Gelegenheit hätten, zu Ihnen zu sprechen.

Es

hat in den letzten Monaten so viele Debatten gegeben, daß wir manch-

mal vergaßen, was diese Debatten eigentlich auslöste und worum es für uns dabei im Grunde ging. Was die Debatte auslöste, war eigentlich nicht eine Meinungsverschiedenheit über die Ziele, sondern vielmehr ein von den Vereinigten
Staaten unternommener Versuch, eine neue Basis für das atlantische Verhältnis
zu finden, die dieser Beziehung für die nächsten 25 Jahre die gleiche Vitalität geben würde, die sie in den vergangenen 25 Jahren besessen hat.

Darin fand unsere feste Verpflichtung gegenüber einer Organisation ihren
Ausdruck, die die Sicherheit der westlichen Welt gewährleistet hat und die
- wie wir glauben - in einer neuen Periode der internationalen Politik, in
der wir uns jetzt befinden, über diese Sicherheit hinaus auch auf anderen Gebieten genau so ihren Beitrag leisten kann.

Wir empfanden die Notwendigkeit, dieser Beziehung eine neue Definition
zu geben, damit die neue Generation, die herangewachsen ist und für die sich
mit dem Begriff kalter Krieg eine andere Bedeutung verbindet, als er für die
Gründer der NATO hatte, sich für eine Periode des Aufbaus einsetzen konnte.

Nun

-2-

�Nun wurden im Verlauf dieses Prozesses unvermeidlicherweise eine Reihe
von bedeutsamen Fragen auf beiden Seiten des Atlantik aufgeworfen. Und - wie
es bei Familienstreitigkeiten immer zu sein pflegt - erwies sich die Tatsache, daß überhaupt Meinungsverschiedenheiten bestanden, manchmal als irritierender als die eigentliche Substanz der Meinungsverschiedenheit selbst.

Aber wenn wir unser Verhältnis in der richtigen Perspektive betrachten,
dann wissen wir, daß es in seiner Grundbeziehung fest ist und daß die Richtung, in die wir gehen, klar ist.

Die Vereinigten Staaten wollen ein starkes Europa. Die Vereinigten Staaten waren stets und sind auch weiterhin für ein vereintes Europa. Wir glauben
nicht, daß die europäische Einheit in der Opposition gegenüber den Vereinigten Staaten definiert werden muß, wir sind uns aber darüber im klaren, daß
ein vereintes Europa nicht immer mit uns der gleichen Meinung sein muß
- und wir können auch nicht davon ausgehen, daß Europa unfehlbar ist.

Und wenn nun ein vereintes Europa mit uns nicht einer Meinung ist, dann
werden wir dies mit der Geduld, dem guten Willen, der Liebenswürdigkeit und
Zurückhaltung ertragen, für die wir bekannt sind.

Aber zweifellos wird ein vereintes Europa seine eigene Identität suchen.
Wir wissen, was das Europa der Neun ist - wir wollen keinesfalls ein Europa
der Neun in eine Organisation der Zehn umformen.

Ich

-3-

�Ich glaube, daß in den letzten Monaten einige der Debatten, die theologisch zu werden drohten, wieder in einer klareren Perspektive gesehen worden sind. Ich denke auch, daß es einen Fortschritt hinsichtlich einer NATODeklaration geben wird. Aber über ein solches förmliches Dokument hinaus haben die Erörterungen, die im Verlauf des letzten Jahres stattfanden, dem
nützlichen Zweck gedient, die Frage zu klären, wieviel Einheit wir wirklich
wollen und wieviel Unterschiedlichkeit und Abweichung wir aushalten können.

In jedem Falle aber rechnen die Vereinigten Staaten damit, auf der
Grundlage der Gleichberechtigung mit ihren europäischen Verbündeten zusammenzuarbeiten, und sie waren niemals der Meinung, daß sie von einem starken und •
selbstsichereren Europa irgendetwas zu fürchten hätten.
i

i

i •

Es ist sehr viel über die Frage der Konsultation gesprochen worden. Ich
glaube jedoch, daß das Wesentliche der Konsultation in einer Gemeinschaft
gemeinsamer Zielsetzungen immer zum Ausdruck kommen wird und daß, wenn man
auf beiden Seiten des Atlantik der Überzeugung ist, an einem gemeinsamen
Unterfangen engagiert zu sein, es ganz spontan zu Konsultationen kommt. Wenn
man jedoch nicht daran glaubt, an einem gemeinsamen Unterfangen engagiert zu
sein, dann können auch vertragliche Bestimmungen über Konsultationen keinen
Ersatz für das Fehlen einer gemeinsamen Zielsetzung bieten.

So wie wir diese Periode jedoch hinter uns gebracht haben - und mit
meinem festen Versprechen, nicht wieder vor einem Kreis von Damen zu sprechen, wenn die Presse anwesend ist - glaube ich, daß wir mit einigem

�einigem Optimismus in die Zukunft blicken können. Wir sind der Ansicht, daß
diese Nordatlantische Versammlung eine sehr wichtige Rolle gespielt hat.

Der Bericht des Neuner-Ausschusses unter dem Vorsitz von Senator Javits
über die Zukunft des Atlantischen Bündnisses, zu dem das State Department soeben Stellung genommen hat, ist ein hervorragendes Beispiel für die Beiträge,
die zu diesen Debatten im Bündnis geleistet werden können.

Und wenn wir jetzt vor der Tagesordnung für das nächste Jahr stehen
- Gespräche über europäische Sicherheit, Erörterungen des Problems einer beiderseitigen und ausgewogenen Truppenreduzierung, bilaterale Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über eine Kontrolle des
Wettrüstens in strategischen Waffen, die künftige Entwicklung im Nahen Osten
- dann sollten wir uns über das Eine im klaren sein:

Die Vereinigten Staaten werden in Verhandlungea mit anderen Mächten niemals wissentlich europäische Interessen opfern. Und die Vereinigten Staaten
werden alles tun, um in enger Fühlung mit ihren europäischen Verbündeten zu
bleiben, wenn sie sich an diese verschiedenen Aufgaben machen. Ich glaube, daß
wir beide,Europa und die Vereinigten Staaten,in vielen Teilen der Welt, so
beispielsweise im Nahen Osten, eine große und bedeutende Rolle spielen können.
Die Vereinigten Staaten betrachten sich in dieser Hinsicht nicht als Konkurrent Europas.

Wenn wir also in die Zukunft blicken, dann ist es an der Zeit, sich wieder an den Tisch zu setzen - nicht um zur Form unseres Dialogs zurückzukehren

-5-

�zurückzukehren, sondern zum Inhalt unseres Dialogs - um das Ende zu bringen,
an dem wir in Form von NATO-Deklarationen arbeiten mögen.

Wollen wir jedoch nicht vergessen, daß sich die Vitalität des Bündnisses
immer in der Haltung seiner Führer und in der Überzeugung seiner Völker manifestiert hat - und nicht in den juristischen Dokumenten, in denen formelle
Verpflichtungen festgehalten werden.

Danach wird sich die Haltung der Vereinigten Staaten in den kommenden
Jahren ausrichten,und in diesem Geiste werden wir, dessen bin ich sicher,
einen 50. Jahrestag der Organisation

des Nordatlantikvertrages feiern kön-

nen - und wir werden auf die jetzige Periode als den Beginn einer neuen Ära
der Vitalität unter freien Völkern zurückblicken können."

•I"l"l'

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12/1974
KONGRESS GEGEN JEDE SCHWÄCHUNG DER VERTEIDIGUNGSBEREITSCHAFT DER USA
-Senator Jackson für Aufrechterhaltung der Truppenstärke inUbersee-

WASHINGTON —(AD)-- Der amerikanische Kongreß hat in beiden Häusern und mit
Unterstützung beider Parteien das Gesetz für die militärische Beschaffung
gebilligt und in beiden Häusern und mit Unterstützung beider Parteien wurden alle Anträge auf eine Verringerung der amerikanischen Truppenstärke im
Ausland zurückgewiesen.

Das amerikanische Verteidigungsministerium hatte 23,1 Milliarden Dollar
für die militärische Beschaffung im Haushaltsjahr 1974/75 beantragt. Das
Repräsentantenhaus hatte 22,6 Milliarden Dollar bewilligt, und am 11. Juni
hat der Senat dann mit 84 gegen sechs Stimmen eine Vorlage über 21,8
Milliarden Dollar verabschiedet. Die Unterschiede sind relativ so gering,
daß es kaum Schwierigkeiten geben dürfte, im Vermittlungsausschuss eine
gemeinsame Kompromißfassung auszuarbeiten, deren Verabschiedung und Unterzeichnung nicht lange auf sich warten lassen wird.
Hier

�•I
Hier zeigt sich, daß bei allen innenpolitischen Kontroversen die Verteidigungsbereitschaft der Vereinigten Staaten niemals in Frage gestellt
wird. Zwar wurden in

beiden Häusern Kürzungen bei den Anforderungen für die

Militärhilfe für Südvietnam vorgenommen und auch der geplante Probeabschuß
von riesigen verbunkerten Interkontinentalraketen des Typs Minuteman wurde
gestrichen. Aber im übrigen scheiterten alle Versuche einzelner Abgeordneter oder Senatoren, Abstriche an der Beschaffungsvorlage durchzusetzen. So
wurde beispielsweise auch der Versuch, den angeforderten Betrag von 77 Millionen Dollar für die Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Treffsicherheit von

Interkontinentalraketen zu streichen, von einer Mehrheit zu-

rückgewiesen.

Von ganz entscheidender Bedeutung für Europa war jedoch, daß alle Bemühungen um eine Kürzung der Truppenstärke in Übersee, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland, von soliden Mehrheiten - 240 gegen 163 im Repräsentantenhaus und 54 gegen 35 im Senat - vereitelt werden konnten.

Hier ist die Auffassung eines Mannes besonders ausschlaggebend, des
einflußreichen demokratischen Senators Henry M. Jackson. Er sagt dazu wörtlich:
"Seit Jahren war die jährliche Behandlung der Vorlage für die militärische Beschaffung zugleich die Gelegenheit,sich ausführlich mit der überseeischen Komponente der amerikanischen Verteidigung und der Rolle des westlichen Bündnissystems für die Garantie der internationalen Sicherheit und Sta-

-2-

�und Stabilität zu befassen. Und erneut hat der Senat in kluger Weise Vorschläge abgelehnt, die unsere in Übersee dislozierte militärische Kapazität
drastisch verringert und dem Gebäude des erfolgreichen westlichen Bündnissystems einen schweren Schlag versetzt hätten.

Der am stärksten ins Auge fallende Aspekt dieser Frage ist immer die
weitere Stationierung amerikanischer Truppen in Europa gewesen. Wenn der
Kongreß jetzt erneut alle Versuche zurückgewiesen hat, die konventionelle militärische Kapazität in Europa wesentlich zu verringern, dann zeigt er damit
ein tiefes Verständnis für die lebenswichtige Rolle,die diese Truppen spielen.Die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen konventionellen westlichen Abschreckung in Europa gegenüber dem Warschauer Pakt hat sich in all den Jahren
als eine conditio sine qua non der Stabilität in Europa erwiesen.
In den Tagen vor der Abstimmung im Senat ist in Kommentaren in der New
York Times und in der Washington Post sehr gut dargestellt worden, daß wesentliche Verringerungen der amerikanischen Streitkräfte in Europa nicht am Platze
seien. Solche Rückzüge

hätten ein neues Element der Unsicherheit in die

transatlantischen Beziehungen gebracht - Beziehungen, die ohnehin unter
Streitigkeiten über

Fragen der Sicherheit, der Politik und der Wirtschaft

leiden. Wir sind jedoch, obwohl es Regierungswechsel in Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien gegeben

hat, in der Lage, gemein-

same Einstellungen zu anstehenden Problemen zu finden - und zwar in einer
Atmosphäre, die nicht durch einen schweren Schock für das Gleichgewicht der
Sicherheit in Europa gestört ist.

3-

�Der positive Beschluß des Senats ist meiner Auffassung nach durch vielversprechende Initiativen beeinflußt worden, die bereits ergriffen wurden, um
einmal die Finanzierung des Nordatlantischen Bündnisses auf eine stabilere und
gerechtere Grundlage zu stellen, und zum anderen, um sicherzustellen, daß
die für Europa zugesagten amerikanischen Mittel wirksam und effektiv eingesetzt werden.

Im vorigen Jahr hat der Senat eine konstruktive und positive Haltung zu
anstehenden NATO-Problemen

eingenommen - eine Haltung, die dazu diente, das

Bündnis zu stärken. Die Initiative des Senats machte den vollen Ausgleich
des durch die NATO verursachten Teils des amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits zu einem offiziellen Ziel der amerikanischen Politik. Dieses sogenannte
Jackson-Nunn-Amendment, das vom Senat mit 84 gegen fünf Stimmen verabschiedet,
vom Repräsentantenhaus bestätigt und schließlich als Gesetz unterzeichnet
wurde, entwickelte eine Formel, nach der sich die amerikanische Truppenverpflichtung nach dem Stand der Zusammenarbeit im Bündnis auf diesem Gebiet
des 'Lastenausgleiches* (bürden-sharing) richtet.
Die nach diesem Gesetz vorgesehenen Verhandlungen sind noch nicht ganz
beendet. Es ist jedoch ein neues und wesentliches Devisenausgleichsabkommen
mit der Bundesrepublik Deutschland abgeschlossen worden. Weitere multilaterale Abkommen werden ausgehandelt. Nachdem die NATO-Verbündeten einfach vor
ein wichtiges Problem gestellt wurden, sind sie jetzt auf dem Wege, es zu lösen. Es gibt hoffnungsvolle Anzeichen dafür, daß der Handelsminister, der nach
dem Gesetzt damit betraut ist, einen vollen Devisenausgleich feststellen
kann.
Eine

�Eine wesentliche Verringerung der amerikanischen Truppenstärke jetzt
wäre nach meinem Dafürhalten jedoch ein verhängnisvoller Rückfall in einen
Unilateralismus, der gerade zu einem Zeitpunkt erfolgen würde, in dem man
zu erfolgreichen kooperativen Verhandlungen gelangt ist. Ja es wäre damit die
logische Grundlage nicht nur für die derzeit geführten Devisenausgleichsverhandlungen, sondern auch für den gesamten Bereich der Verhandlungen zerstört
worden, die dazu dienen sollen, eine fairere Aufteilung der Verteidigungsanstrengungen in der NATO zu gewährleisten.

Worüber der Senat im Grunde befinden sollte, war die Frage, ob eine drastische und nicht mehr rückgängig zu machende Maßnahme seitens des Kongresses
den abgewogenen und verantwortungsbewußten Schritten vorzuziehen sei, die bereits getan sind und nunmehr für d ie Zukunft ausgebaut werden. Mit dem von
den Befürwortern wesentlicher einseitiger Truppenreduzierungen empfohlenen
Rezept wäre nämlich jene Instabilität impliziert, die sich aus dem Bruch einer
nun seit einem ViertelJahrhundert bestehenden Beziehung ergeben würde. Außerdem würde ein drastischer Abbau der Truppenstärken - zu einer Zeit, in der die
Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in eine
bedeutsame Phase gelangt sind - nur dazu geführt haben, beiderseitige Reduzierungen faktisch unmöglich zu machen.

Das Abstimmungsergebnis hat gezeigt, daß der Kongreß auch weiterhin einen ganzen Bereich realistischer amerikanischer Verpflichtungen und Alternativen unterstützen wird, die mit der eigenen Sicherheit Amerikas in Einklang
stehen und für den Fortbestand der internationalen Stabilität von entscheiden-

-5-

�/

entscheidender Bedeutung sind. Dies bleibt weiterhin der klügste und besonnenste Weg zu einer friedlicheren Welt, die wir alle erstreben."

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OST-WEST-HANDEL UND ENTSPANNUNG

"Man scheint vielfach der Auffassung zu sein, daß wir Amerikaner in
unserer Haltung gegenüber den sozialistischen StaatshandeIsländern, vor allem
der Sowjetunion, offensichtlich zu Extremen neigen. Wir sind uns alle darüber einig, daß der Besuch Präsident Nixons in Moskau und Peking das Eis gebrochen hat, das sich in 25 Jahren des kalten Krieges gebildet hatte. Aber
auf der anderen Seite brachten diese historischen Reisen in ihrem Gefolge
auch eine Welle der Euphorie über die neuen Beziehungen, die angeknüpft
wurden.

In dem Maße, in dem wir feststellten, daß wir und die sozialistischen

Länder auch weiterhin unterschiedliche philosophische und politische Standpunkte haben, die uns in Konflikt bringen, war ein gewisses Maß an Ernüchterung unausweichlich".

Diese Worte von Lewis Bowden vor dem Welthandels-

institut am 11. März 1974 lassen vielleicht am ehesten erkennen, wie pragmatisch in amerikanischen Regierungskreisen das Problem der Entspannung
- und auch des Ost-West-Handels - betrachtet wird.

Und in einem Vortrag an der George Washington Universität in Washington
D.C. am 10. Mai 1974 erklärte der gleiche Leiter des Referats für Ost-WestHandel im amerikanischen Handelsministerium: "Ich möchte feststellen, daß
diese wirtschaftliche Beziehung (zum Osten) seit ihrer Artikulierung im Jahre
1972 Perioden der Euphorie und der Ernüchterung überlebt hat. Angesichts
dieser weiten Ausschläge des Pendels ist es wichtig, sich daran zu erinnern,
daß Handel allein keinen sofortigen Frieden bringt.

Er kann unter den Be-

teiligten ein Interesse schaffen, politische Konfrontationen zu vermeiden, die

�V
die zu einem Abbruch einer nützlichen wirtschaftlichen Beziehung führen
könnten. Das ist eine der Rollen des Ost-West-Handels im Rahmen der Entspannungspolitik."

Der Durchbruch im amerikanisch-sowjetischen Handel, der

den wesentlichen Teil des Osthandels der USA ausmacht, kam mit dem Besuch
Präsident Nixons in Moskau im Jahre 1972, wo im Rahmen vieler anderer Abkommen am 26. Mai auch ein Kommunique

über die Errichtung einer gemeinsamen

Handelskommission unterzeichnet wurde, "um die Entwicklung von beiderseits
vorteilhaften Handelsbeziehungen und damit zusammenhängenden wirtschaftlichen
Fragen zwischen beiden Ländern zu fördern."
dem Kommunique,

Die Kommission, so heißt es in

"soll verhandeln über:

- ein Gesamthandelsabkommen, einschließlich der gegenseitigen Einräumung der Meistbegünstigungsklausel;
- Vereinbarungen für die gegenseitige Gewährung von Regierungskrediten;
- Maßnahmen zur beiderseitigen Gründung von Geschäftseinrichtungen
zwecks Förderung des Handels;
- ein Abkommen zur Einrichtung eines Schiedsverfahrens für die Beilegung
von Handelsstreitigkeiten."

Es ist kein Geheimnis, daß der amerikanische Kongreß die Einräumung
der Meistbegünstigungsklausel für die UdSSR von bestimmten Vorbedingungen abhängig machen will.

In der vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Vorlage des

Gesetzes über die Reform des Handels (Handelsgesetz) wird in Abschnitt 4
die Vollmacht des. Präsidenten eingeschränkt, der Sowjetunion und anderen sozialistischen Ländern staatliche Exportkredite und Importen aus diesen Ländern
die Meistbegünstigung einzuräumen.

Man spricht von der Möglichkeit eines

Kompromisses im Senat, wobei das Gesetz dann auf jeden Fall nochmals durch
den Vermittlungsausschuß gehen müßte.

Außenminister Kissinger hat bereits

zu verstehen gegeben, daß der Präsident sein Veto gegen das Gesetz einlegen
wird, falls die einschränkende Bestimmung nicht gestrichen wird.

Daß Bowden für die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel an die Sowjetunion eintritt, bedarf keiner besonderen Erwähnung.

So erklärte er am 10. Mai:

"Wir und die sozialistischen Länder sind übereingekommen, Beziehungen herzu-

�h e r z u s t e l l e n , die für b e i d e S e i t e n von Nutzen s i n d und die e i n e c h t e s Eigeni n t e r e s s e an f r i e d l i c h e n i n t e r n a t i o n a l e n V e r h ä l t n i s s e n erwecken."

Daher i s t

der Ost-West-Handel zu einem d e r Hauptkanäle für den Fluß von E r z e u g n i s s e n ,
Technologie, Menschen und Gedanken zwischen den V e r e i n i g t e n S t a a t e n und den
s o z i a l i s t i s c h e n Ländern geworden.

Damit d i e n t e r g e n e r e l l der amerikanischen

Politik.
Es l i e g t n a t ü r l i c h auf d e r Hand, daß der Ost-West-Handel auch für b e i d e
S e i t e n w i r t s c h a f t l i c h gewinnbringend s e i n muß - und zwar etwa im g l e i c h e n
Maße, wenn e r i n einem bedeutsamen Umfang weitergehen s o l l .

Im v o r i g e n

J a h r s t i e g der Umsatz gegenüber 1972 auf das Doppelte und e r r e i c h t e einen
Wert von rund d r e i M i l l i a r d e n D o l l a r . Der amerikanische Handel m i t den s o z i a l i s t i s c h e n Ländern d ü r f t e a l l e n Erwartungen nach im J a h r e 1974 einen Wert
von d r e i b i s v i e r M i l l i a r d e n D o l l a r e r r e i c h e n , wobei d e r Handel d e r USA mit
der V o l k s r e p u b l i k China im J a h r e 1974 den Wert von e i n e r M i l l i a r d e D o l l a r
erreichen

dürfte.

Im J a h r e 1973 verschob s i c h d i e amerikanische H a n d e l s b i l a n z zu einem
Überschuß von 1,7 M i l l i a r d e n D o l l a r .

Wenn i c h i n diesem Zusammenhang darauf

h i n w e i s e , daß d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n gegenüber den S t a a t s h a n d e l s l ä n d e r n einen
Überschuß von 1,9 M i l l i a r d e n D o l l a r e r r e i c h t haben, dann l ä ß t s i c h l e i c h t e r kennen, welch g ü n s t i g e Auswirkung der Ost-West-Handel b e r e i t s auf d i e amerikan i s c h e H a n d e l s b i l a n z gehabt h a t .

Wir s i n d im P l u s .

Unser Überschuß gegen-

über der Sowjetunion n ä h e r t e s i c h der Grenze von e i n e r M i l l i a r d e D o l l a r - der
g r ö ß t e Überschuß, den w i r j e gegenüber einem Lande e r z i e l t haben.

Wenn man

von den w i r t s c h a f t l i c h e n Entwicklungsplänen d e r Sowjets a u s g e h t , dann d ü r f t e
d i e s e r Überschuß a l l e r W a h r s c h e i n l i c h k e i t nach noch g r ö ß e r werden.

Der zu

erwartende Überschuß der USA gegenüber a l l e n s o z i a l i s t i s c h e n Ländern zusammen
für das J a h r 1974 d ü r f t e zwischen 1,7 und zwei M i l l i a r d e n Dollar l i e g e n

...

Der einmalige Aspekt l i e g t jedoch d a r i n , daß e i n e enge Beziehung zwischen
d e r p o l i t i s c h e n R a t i o n a l e des Ost-West-Handels - d i e auf e i n e i n t e r n a t i o n a l e
Spannung ausgeht - und d e r w i r t s c h a f t l i c h e n R a t i o n a l e - d i e auf b e i d e r s e i t i g e
H a n d e l s v o r t e i l e ausgeht - b e s t e h t .

So gut oder e r f o l g r e i c h w i r auch den O s t -

�Ost-West-Handel b e t r e i b e n , so wird s e i n e Zukunft i n e n t s c h e i d e n d e r Weise von
den Abänderungsantragen abhängen, d i e für das Handelsgesetz 1974 e i n g e b r a c h t
worden s i n d .

Diese Abänderungen würden den m e i s t e n d e r s o z i a l i s t i s c h e n

Länder e i n e g l e i c h e Zollbehandlung und R e g i e r u n g s k r e d i t e verwehren.

Hier s t e h e n w i r vor mehreren Fragen:

E r s t e n s , wollen w i r überhaupt Handel mit ihnen t r e i b e n , denn ohne n o r male und g l e i c h e Behandlung, d i e wir anderen W e l t h a n d e l s p a r t n e r n

zuteil

werden l a s s e n , kann der Ost-West-Handel n i c h t f l o r i e r e n , j a v i e l l e i c h t

nicht

einmal ü b e r l e b e n .
Zweitens, s o l l e n w i r den Handel mit einem i n n e r e n und s o f o r t i g e n Wandel
der s o z i a l i s t i s c h e n I n n e n p o l i t i k

verbinden?

Dazu möchte i c h folgendes sagen:
Erstens, die z e n t r a l geplanten s o z i a l i s t i s c h e n Wirtschaften

erstrecken

s i c h auf e i n e Bevölkerung von zusammen 1,2 M i l l i a r d e n Menschen, a l s o etwa
30 P r o z e n t d e r Weltbevölkerung.

Zusammen bewohnen s i e etwa 25 P r o z e n t des

F e s t l a n d e s der Erde, das v i e l von den Bodenschätzen e n t h ä l t , d i e w i r b r a u c h e n .
Keine große Handelsnation kann es s i c h auf d i e Dauer und e i n s e i t i g
s i c h s e l b s t zu beschneiden ändern s i e

leisten,

im Handel e i n e n Markt o d e r e i n e

Rohstoff-

q u e l l e d i e s e r Größe d i s k r i m i n i e r t .
Zweitens, der blühende Ost-West-Handel i s t e i n Faktum.

Die z e n t r a l

geplanten s o z i a l i s t i s c h e n Wirtschaften s t e l l e n einen gewaltigen,

rasch

wachsenden Markt f ü r F e r t i g w a r e n des i n d u s t r i a l i s i e r t e n Westens sowie e i n e n
immer wieder aufnahmebereiten Markt für l a n d w i r t s c h a f t l i c h e E r z e u g n i s s e d a r .
Im J a h r e 1971 haben d i e I n d u s t r i e n a t i o n e n des Westens für etwa 6,5 M i l l i a r d e n
D o l l a r n i c h t - l a n d w i r t s c h a f t l i c h e E r z e u g n i s s e nach den s o z i a l i s t i s c h e n Ländern
exportiert.

Im J a h r e 1973, a l s o nur zwei J a h r e s p ä t e r , i s t der Umfang d i e s e r

Exporte um 75 P r o z e n t auf f a s t 11 M i l l i a r d e n D o l l a r g e s t i e g e n .

Wir s i n d

mit unserem E i n t r i t t i n einen s c h a r f e n Wettbewerb um Exporte nach diesem e x -

�expandierenden Markt s p ä t daran.

Im J a h r e 1973 b e t r u g unser A n t e i l an d i e s e n

Exporten noch immer nur d i e winzige Zahl von v i e r P r o z e n t .

Hier b e s t e h t ohne

Frage Raum für e i n e w e i t e r e Expansion des amerikanischen A n t e i l s am Ost-WestHandel . . .
Der F ü n f j a h r e s p l a n

für d i e w i r t s c h a f t l i c h e Entwicklung a l l e r

sozialistischen

Länder zusammen wird schätzungsweise Importe i n e i n e r Größenordnung von b i s
zu 100 M i l l i a r d e n D o l l a r an n i c h t - l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n E r z e u g n i s s e n

erfordern.

Unter normalen Bedingungen könnte e i n s e h r w e s e n t l i c h e r T e i l d i e s e r Importe
aus den V e r e i n i g t e n S t a a t e n kommen und d o r t A r b e i t s p l ä t z e für unsere a r b e i t e n d e
Bevölkerung und Gewinne für unsere Firmen s c h a f f e n . Wenn es uns n i c h t g e l i n g t ,
normale Bedingungen h e r z u s t e l l e n , werden wir einen w e s e n t l i c h e n A n t e i l an
d i e s e n Verkäufen n i c h t nur nach d e r Sowjetunion, sondern auch nach Osteuropa
verlieren.

Dabei könnten w i r uns p l ö t z l i c h i n e i n e r S i t u a t i o n v o r f i n d e n ,

in

der d i e Uhr der Geschichte auf d i e g e f ä h r l i c h e n und i n s t a b i l e r e n Z e i t e n von
g e s t e r n zurückgedreht i s t und d i e M i l i t ä r h a u s h a l t e einen größeren A n t e i l
unseres n a t i o n a l e n Wohlstandes a u f f r e s s e n ,

s t a t t daß s i e

zurückgehen."

Es i s t i n diesem Zusammenhang n i c h t u n i n t e r e s s a n t , einen Blick auf d i e
Aufgaben des R e f e r a t s für den Ost-West-Handel - Bureau of East-West-Trade zu werfen, wie s i e i n e i n e r o f f i z i e l l e n P u b l i k a t i o n des amerikanischen Handelsm i n i s t e r i u m s d a r g e s t e l l t werden.

Darin h e i ß t e s :

"Das Bureau of East-West-Trade wurde im November 1972 im Rahmen des amerikan i s c h e n Handelsministeriums g e s c h a f f e n ,

um die g e r e g e l t e Entwicklung der amerika-

n i s c h e n W i r t s c h a f t s b e z i e h u n g e n zu den z e n t r a l g e p l a n t e n V o l k s w i r t s c h a f t e n

Ost-

europas und Asiens zu f ö r d e r n .
Das R e f e r a t für Ost-West-Handel d i e n t a l s V e r m i t t l e r , um amerikanische Ges c h ä f t s l e u t e b e i d e r H e r s t e l l u n g von Handelsbeziehungen mit s o z i a l i s t i s c h e n
A u ß e n h a n d e l s v e r t r e t e r n zu u n t e r s t ü t z e n .

Es b i e t e t G e s c h ä f t s l e u t e n

laufende

I n f o r m a t i o n e n , Beratung und H i l f e b e i a l l e n Aspekten der neuen H a n d e l s u n t e r nehmungen e i n s c h l i e ß l i c h j e n e r , d i e n i c h t v e r t r a u t e Techniken und Verfahren
beinhalten.
Das
- 5 -

�Das Büro bietet Marktinformationen und Analysen sowie Berichte über
laufende HandelsChancen auf sozialistischen Märkten.

Es bietet detaillierte

Informationen in denen die üblichen Schritte zur Herstellung neuer Handelsbeziehungen erläutert werden, und arrangiert persönliche Kontakte mit sozialistischen Handelsvertretern.

Es unterstützt Firmen bei der Beteiligung

an Handelsmessen und Ausstellungen sowie an Handelsmissionen, um sozialistische
Vertreter mit amerikanischen Produkten vertraut zu machen.

Das Büro gibt ge-

eignete Publikationen über sozialistische Handelspraktiken und Wirtschaftspläne heraus."

+ + + + +

�amerika dienst
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12/1974

EBERLE: USA UM INTERNATIONALE LÖSUNG DER VERSORGUNGSPROBLEME
BEMÜHT
-Auszüge aus der Rede auf dem Symposium für Energie und Rohstoffe-

PARIS — ( A D ) — Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William D. Eberle, hat am 6. Juni die Entschlossenheit der
Vereinigten Staaten unterstrichen, eine internationale Lösung der gegenwärtigen Versorgungsprobleme bei Rohstoffen zu erreichen. Auf dem Symposium für
Energie und Rohstoffe, das von dem US-Ausschuß für wirtschaftliche Entwicklung, einer gemeinnützigen Organisation amerikanischer Geschäftsleute und
Wissenschaftler, in Zusammenarbeit mit privaten Organisationen anderer Länder veranstaltet wird, erklärte Eberle unter anderem:

"Das Problem der Verknappungen kann auf den sehr erheblichen Preisanstieg bei Rohstoffen in solchen Ländern, die sich selbst in einer stärkeren
Verhandlungsposition glauben, zurückgeführt werden. Ich habe zwar Verständnis für den Wunsch,die Exporterlöse zu steigern; der Versuch, dies zu tun,
kann jedoch äußerst nachteilige Auswirkungen für andere Volkswirtschaften

-1-

�Volkswirtschaften haben. Sobald große Anpassungen innerhalb einer kurzen
Zeitspanne vorgenommen werden, kann dies zu hohen wirtschaftlichen und sozialen Kosten führen. Die Welt hat darüberhinaus die Folgen zu tragen, wenn
solche Preiserhöhungen auf die Preise für Fertigerzeugnisse aufgeschlagen
werden, da dies zu noch höheren Inflationsraten führt. Schließlich können
die Anpassungen für einige Staaten, zum Beispiel die Länder des indischen Subkontinents, angesichts des dadurch bedingten umfassenden Transfers von Hilfsquellen sehr schmerzlich und schwierig sein.

Die Rohstoffexporteure müssen der Tatsache Rechnung tragen, daß mit
hoher Wahrscheinlichkeit im Laufe der Zeit Ersatzrohstoffe entwickelt und
neue Liefermöglichkeiten gefunden werden. Die Zinnproduzenten waren sich seit
langem darüber klar, daß ein überhöhter Zinnpreis zur Verwendung von Ersatzstoffen ermutigt. Mit dem Vorhandensein verhältnismäßig billiger Ersatzstoffe für Aluminium bietet sich eine Alternative für Bauxit an. Und für zahlreiche Minerale gilt, je höher der Preis ist, umso intensiver wird man sich
um eine Rückgewinnung bemühen.

Wir können alle diese Maßnahmen nicht als an sich falsch oder unmoralisch
bezeichnen. Die Länder tun das, was sie zur Befriedigung der Bedürfnisse ihrer Bürger für erforderlich erachten. Aber durch das Heraufbeschwören von
Gegenmaßnahmen und das Auslösen negativer internationaler Kräfte können sich
ihre Maßnahmen letztlich zum eigenen Nachteil auswirken. Darüberhinaus bringen sie nur Teillösungen.
Wir

-2-

�Wir müssen ein dauerhaftes internationales System zur Lösung dieser
Probleme zu entwickeln suchen. Dieses System muß so ausgewogen sein, daß sowohl die Frage des Zugangs zu den Märkten als auch die Frage der Rohstoffversorgung geregelt ist, wobei davon ausgegangen wird, daß Länder, die jetzt
in erster Linie auf den letzteren Punkt Wert legen, auch künftig an dem
ersten interessiert bleiben und daß unnötige Restriktionen bei einem der beiden Punkte sich für den Außenhandel negativ auswirken. Die von uns angestrebten Vereinbarungen müssen auf lange Sicht so wesentliche Vorteile bieten, daß
ein Land zu jeder Zeit bereit wäre, bei der Geltendmachung seiner wirtschaftlichen Stärke genügend Zurückhaltung zu üben, damit diese Abmachungen nicht
zunichtegemacht werden.
Um den Impuls der Entwicklung in Richtung auf eine offene Welt zu erhalten rv.üssen die Regierungen lernen, bei der Lösung der aufgrund von Versorgungsverknappungen sich ergebenden Probleme zusammenzuarbeiten...

Keiner Regierung dürfte es gelingen,

ihrer Bevölkerung eine ausreichende

Versorgung mit knappen Gütern zu angemessenen Preisen zu sichern, solange die
Regierungen gegeneinander arbeiten.
Ich möchte klarstellen, daß es sich hier nicht einfach um ein Problem
Norden gegen Süden oder Industriestaaten gegen Entwicklungsländer handelt. Die
Vereinigten Staaten und andere Industriestaaten wie auch zahlreiche Entwicklungsländer sind wichtige Rohstofflieferanten; und alle Industriestaaten sind
hinsichtlich der Deckung ihres lebenswichtigen Rohstoffbedarfs von Importen
abhängig. Verknappungen können aber nicht nur bei Rohstoffen eintreten,sondern

-3-

�sondern auch bei Fertigerzeugnissen. Und Handelsbeschränkungen bei den Letzteren können genauso wie bei den Ersteren zu einem Problem werden.

Um die Welt, die uns vorschwebt, errichten zu können, müssen wir Wege
finden, um uns bei nationalen Anstrengungen zur Erleichterung von Marktanpassungen an strukturelle und zyklische Veränderungen der vorhandenen relativen
zu
Mengen bei den verschiedenen Rohstoffen gegenseitig/unterstützen. Wir müssen
ferner vereinbarte Konsultationsverfahren und Richtlinien schaffen, um, wo
irgendmöglich, Konflikte auf dem Gebiet der Handelspolitik zu vermeiden, die
sich aus der Verteilung knapper Rohstoffe ergeben, oder um solche beizulegen,
falls dies erforderlich sein sollte.
Wir haben einen wichtigen Anfang mit der Zusage gemacht, die die Minister
der Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) vor kurzem gegeben haben, nicht zu Handelsrestriktionen,
einschließlich Importbeschränkungen, zu greifen, um aus der Erdölkrise sich
ergebende Anpassungsprobleme zu lösen. Gleichzeitig haben die Minister Maßnahmen vereinbart, um sich bei den Exporten Zurückhaltung aufzuerlegen. Die
Vereinigten Staaten rechnen damit, daß diese Fragen während der multilateralen Handelsverhandlungen von einer größeren Gruppe von Ländern im Rahmen des
GATT erörtert werden...

Alle ausgehandelten internationalen Abkommen müssen der nationalen Politik eine angemessene Flexibilität lassen. Aus zahlreichen Gründen könnten Regierungen es wünschen, die Exporte einzuschränken. Sie könnten zum Beispiel
vermeiden wollen, daß begrenzt vorhandene Hilfsquellen sich zu schnell er-

�schnell erschöpfen; sie könnten verhindern wollen, daß inländische Preiskontrollen durch Abzweigung einheimischer Hilfsquellen auf Auslandsmärkten unterlaufen werden; sie könnten inländische Anpassungen an Mißernten erleichtern
wollen oder sie könnten einfach die Erlöse pro Wareneinheit steigern oder
irgendwelche politischen Zielsetzungen verwirklichen wollen. Da es keine Übereinstimmung darüber gibt, was eine legitime Anwendung von Exportkontrollen
ist, wird es schwer fallen, strikte Verhaltensnormen festzulegen. Die internationale Völkergemeinschaft kann jedoch versuchen, Richtlinien für Ausmaß
und Dauer von Kontrollen je nach der Größe des innenpolitischen Problems,
für die Auswirkungen der gestiegenen Exporte auf das inländische Preisgefüge,
für das Ausmaß der Selbsthilfeanstrengungen zur Erleichterung der binnenwirtschaftlichen Anpassungen und für die negativen Auswirkungen der Kontrollen
auf andere Volkswirtschaften auszuarbeiten....

Es wäre verfrüht, Spekulationen darüber anzustellen, welche spezifische
Form diese Richtlinien haben könnten. Ich möchte jedoch einige Worte dazu sagen, wo wir beginnen müssen. Wir gehen von zwei grundlegenden Annahmen aus:
einmal, daß die meisten, wenn nicht alle Regierungen, von Zeit zu Zeit eine
Ausweitung des inländischen Angebots bestimmter Rohstoffe zulassen und zum
anderen, daß die Regierungen in der Regel damit scheitern, wenn sie die Preise
unabhängig von den Marktkräften festzusetzen suchen. Aufgrund dieser Auffassung sind wir für alle Abmachungen aufgeschlossen , die unabhängige nationale
Anstrengungen unterstützen, um einer Instabilität auf den Märkten entgegenzuwirken; wir stehen dagegen Vorschlägen skeptisch gegenüber, Preise international festzulegen.
Genauso
-5-

�Genauso aufgeschlossen verhalten wir uns auch, was die Art der verbesserten Konsultationsverfahren und der Richtlinien für die Anwendung von Exportkontrollen anbetrifft. Unseres Erachtens ist der beste Weg, den wir einschlagen können, die verschiedenen Gründe zu untersuchen, aus denen die Regierungen Maßnahmen für eine Kontrolle der Exporte erlassen, die Auswirkungen
derartiger Maßnahmen auf andere Länder zu prüfen und Richtlinien auszuarbeiten, die eine angemessene Ausgewogenheit zwischen den

Interessen der Export-

und der Importländer schaffen.

Ein verbessertes internationales System muß ferner zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern führen.
Sowohl die Industriestaaten als auch die Entwicklungsländer, die Rohstoffe exportieren, müssen die Grundlagen für eine konstruktive Zusammenarbeit prüfen.
Einseitige Bemühungen, die Rohstoffpreise zu erhöhen, könnten zur Versuchung
werden, auf diese Weise ein Maximum an nationalen Zielen zu verwirklichen;
aber dies könnte auch zu Rückwirkungen führen, die diesen Ländern zahlreiche
Vorteile verwehren, die sie zu erreichen suchen. Denn für die meisten Entwicklungsländer wären bessere Exportmöglichkeiten für Fertigerzeugnisse und
weiterverarbeitete

Güter - mit der daraus resultierenden Zunahme von Arbeits-

plätzen, Gütererzeugung und Wertsteigerung pro Produktionseinheit - einer
Anhebung der Preise für die Rohstoffexporte vorzuziehen. Dies kann durch Kooperationsabkommen mit den Industriestaaten erreicht werden. Ein weiteres Gebiet für eine Zusammenarbeit ist die Unterstützung der ärmeren Länder, die
durch die kürzlichen Preissteigerungen bei Rohstoffen geschädigt worden
sind...".

�</text>
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States
Bad

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D o k l l fT)6ntCltiOn

08-85432

Nummer
13

5. J u l i

1974

Inhalt

INFORMATION:
Nixon; Eine Reise im Dienste des Friedens
- Ansprache des Präsidenten an das amerikanische Volk DOKUMENTATION:
Gemeinsames amerikanisch-sowjetisches Kommunique zum Abschluß des
Gipfeltreffens in Moskau
- Wortlaut Rundfunk- und Fernsehansprache Präsident Nixons an die sowjetische
Bevölkerung
- Wortlaut Nixon: Es gibt keine Alterantive zum Frieden
- Ausführungen des Präsidenten in Brüssel Erklärung Präsident Nixons bei seiner Ankunft in Brüssel
- Wortlaut Erklärung Präsident Nixons vor seinem Abflug in Washington
- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL:
Treffen in Brüssel demonstrierte Solidarität der NATO
- Nixon sprach vor dem Nordatlantikrat WIRTSCHAFT:
Nixon hält an monetären und fiskalischen Maßnahmen zur Eindämmung der
Inflation fest
- Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 24. Juni -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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13/1974

NIXON: EINE REISE IM DIENSTE DES FRIEDENS
- Ansprache des Präsidenten an das amerikanische Volk -

CARIBOU, MAINE - (AD) - Präsident Nixon hat am Vorabend des amerikanischen
Nationalfeiertages, dem 4. Juli,in einer Rundfunk- und Fernsehansprache der
Bevölkerung der Vereinigten Staaten über seine soeben beendete Reise nach Brüssel
und Moskau berichtet.

Diese Reise, so sagte der Präsident, habe der Sache des

Friedens in der Welt gedient.
stützpunkt

Der Präsident, der auf dem amerikanischen Luft-

Loring in der Nähe von Caribou im Staate Maine vom Vizepräsidenten

und dem Gouverneur des Staates sowie zahlreichen Bürgern begrüßt wurde, hielt
folgende Ansprache:

"Herr Vizepräsident,ich möchte nicht nur in meinem Namen, sondern auch im
Namen von Mrs. Nixon recht herzlich für Ihre freundlichen Begrüßungsworte danken.
Gouverneur Curtis und Mrs. Curtis und alle meine Freunde hier in Maine, ich
möchte Ihnen danken, daß Sie mir einen so wunderbaren Empfang nach meiner Rückkehr bereitet haben.

Wenn ich die vielen geparkten Wagen sehe, dann ist mir

bewußt, wie mühselig es ist, zu einem Luftstütztpunkt hinauszufahren.

Es hat

sicherlich viel Zeit in Anspruch genommen und wir wissen dies zu schätzen und
danken Ihnen.

An jeden von Ihnen hier gewandt und an die vielleicht Millionen, die am
Fernsehschirm oder im Radio dabei sind, kann ich Ihnen eines versichern: es ist
immer etwas wunderbares, nach Amerika heimzukehren.
-

I

-

Das gilt insbesondere, wenn

�•

?
wenn man von einer Reise zurückkehrt, die der Sache des Friedens in der Welt
gedient hat.

Wir sind heute in Moskau abgeflogen und wir konnten sehen, wie hunderte
von amerikanischen und sowjetischen Flaggen nebeneinander wehten.
daran gedacht, daß morgen Millionen von Amerikanern anläßlich

Und ich habe

des 4. Juli ihre

Häuser beflaggen werden und sie werden diese Flaggen mit Stolz zeigen, weil sie
ihnen in ihrem eigenen Leben und in unserem Leben etwas bedeuten und auch
weil unsere Flagge etwas für die Welt bedeutet. Wir dürfen heute überall auf
der Welt sehr stolz auf die amerikanische Flagge sein.
i

Ich habe auch daran gedacht, wie viel mehr diese Flagge für die Welt ob
der Rolle bedeutet, die die Vereinigten Staaten beim Aufbau eines Gebäudes des
Friedens gespielt haben, das allen Nationen zugutekommen kann - eine Rolle, die
so augenfällig durch jene Flaggen symbolisiert wurde, die in der Sowjetunion
nebeneinander wehten.

Unsere Generation,

die so viel Krieg und Zerstörung erlebt hat - vier

Kriege in diesem Jahrhundert - hat jetzt eine Chance, für die nächste Generation
ein Gebäude des Friedens zu errichten, in dem - wie wir hoffen, der Krieg niemals
Platz haben wird.

Das ist die große Aufgabe, die vor uns liegt, und das ist die größte Aufgabe, zu der jemals ein Volk aufgerufen werden kann.

In den letzten Monaten

sind Mrs. Nixon und ich über 25 000 Meilen gereist, um neun Länder in Westeuropa und im Nahen Osten und natürlich auch die Sowjetunion zu besuchen.

Der

Besuch in jedem dieser Gebiete hatte einen Zweck für sich, aber in einem größeren
Zusammenhang waren all diese Besuche auf den gleichen Zweck ausgerichtet, und
hatten eine Beziehung und eine Verbindung zueinander.

Unter den Ländern des Nahen Ostens, unter den Ländern des westlichen Bündnisses und zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion entwickeln sich
neue Verhaltensweisen - Verhaltensweisen, die der Welt die kühnsten Hoffnungen
in dieser Generation auf einen gerechten und dauerhaften Frieden versprechen,

- 2-

�versprechen dessen w i r uns a l l e e r f r e u e n können.
Im Nahen Osten weicht j e t z t e i n e Generation b i t t e r e r

Feindseligkeit,die

durch v i e r Kriege u n t e r s t r i c h e n wurde, einem neuen G e i s t , i n dem b e i d e S e i t e n
e r n s t h a f t nach den S c h l ü s s e l n für e i n e f r i e d l i c h e Beilegung i h r e r

Differenzen

suchen.
Im w e s t l i c h e n Bündnis i s t 25 J a h r e nach der Gründung der NATO d i e s e Organ i s a t i o n neu geboren, zu neuem Leben erweckt worden, wie d i e s i n der Erklärung
über d i e A t l a n t i s c h e n Beziehungen n i e d e r g e l e g t i s t , d i e w i r vor s i e b e n Tagen
auf der Tagung d e r NATO-Regierungschefs vor unserem Besuch i n Moskau i n B r ü s s e l
u n t e r z e i c h n e t haben.

In d e r Reihe a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e r G i p f e l t r e f f e n ,

die

im J a h r e 1972 begann, haben w i r e i n neues V e r h ä l t n i s zwischen den beiden mächt i g s t e n Nationen d e r Welt e n t w i c k e l t - e i n neues V e r h ä l t n i s , das darauf

angelegt

i s t , s i c h e r z u s t e l l e n , daß d i e s e b e i d e n Nationen i n Frieden zusammenarbeiten
werden, s t a t t s i c h i n e i n e r Atmosphäre des Mißtrauens und der Spannung gegenüberzus t e h e n , d i e , wenn s i e n i c h t b e r e i n i g t w i r d , zu einem Krieg führen k ö n n t e .

Auf dem d i e s j ä h r i g e n G i p f e l t r e f f e n haben wir die Beziehung w e i t e r g e f ö r d e r t ,
d i e wir vor zwei J a h r e n i n Moskau angeknüpft und d i e wir auf dem G i p f e l t r e f f e n
i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n im v o r i g e n J a h r f o r t g e s e t z t haben.

In dem Kommunique,

das w i r h e u t e i n Moskau herausgegeben haben, v e r p f l i c h t e n s i c h b e i d e S e i t e n auf
das Z i e l , auf d i e zwingende Notwendigkeit, den Prozeß d e r Verbesserung der
a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n Beziehungen unumkehrbar zu machen.
Das i s t e i n e Zusammenfassung d e s s e n , was d e r ganze w e i t e Bereich u n s e r e r
immer z a h l r e i c h e r werdenden Abkommen e r r e i c h e n s o l l , nämlich d i e Verbesserung
n i c h t nur zu e i n e r S c h l a g z e i l e für einen Tag, n i c h t nur zu e i n e r Tagessensat i o n , sondern zu einem andauernden und unumkehrbaren Prozeß zu machen, der
s e i n e eigene i n n e r e Gesetzmäßigkeit gewinnt und s i c h zu einem b l e i b e n d e n F r i e d e n
entwickelt.

Auf dem d i e s j ä h r i g e n Treffen haben w i r e i n e Reihe w i c h t i g e r Abkommen sowohl
auf dem Gebiet der Rüstungsbegrenzung a l s auch auf dem Gebiet der

friedlichen

�»
friedlichen Zusammenarbeit erreicht. Auf dem Gebiet der Rüstungsbegrenzung
sind drei der von uns erreichten Abkommen besonders erwähnungswert: bei dem
einen geht es um die außerordentlich schwierige Frage der offensiven strategischen Nüklearwaffen und gerade dieser Stützpunkt hat - wie Sie ja wissen speziell mit dieser Art von Einsatz zu tun.

Vor zwei Jahren haben wir ein Interimsabkommen über strategische Offensivwaffen unterzeichnet, das sich auf den FünfJahresZeitraum bis 1977 erstreckt.
In diesem Jahr haben wir beschlossen, daß dieses Interimsabkommen durch ein
neues Abkommen abgelöst werden soll, das sich auf die Zeitspanne bis 1985 erstreckt.
Wir kamen überein, daß dieses Abkommen sowohl die quantitativen als auch qualitativen Aspekte strategischer Nuklearwaffen einschließen sollte.

Und wir kamen

überein, daß es noch sehr rechtzeitig vor dem Ablauf des gegenwärtigen Abkommens
geschlossen werden sollte.

Wir kamen ferner überein, daß die weitgehende Arbeit, die wir für das Zustandekommen eines solchen langfristigen Abkommens bereits geleistet haben,, in
unmittelbarer Zukunft auf der Basis von Instruktionen in Genf fortgesetzt werden *
sollte, die sich während der letzten Woche aus unseren Gesprächen auf höchster
Ebene ergeben haben.

Nun haben beide Seiten noch kein endgültiges Übereinkommen über die Bedingungen eines Abkommens erreicht.

Es handelt sich um ein schwieriges und sehr

komplexes Thema, aber wir sind einer solchen Übereinstimmung bedeutend näher
gekommen, und wir haben beide Seiten fest auf die Lösung unserer verbleibenden
Differenzen verpflichtet.

Das zweite wichtige Rüstungskontrollabkommen, das wir erreicht haben, befaßt sich mit den Raktenabwehrsystemen (ABM).

Sie werden sich erinnern, daß wir

vor zwei Jahren übereingekommen sind, daß jedes Land auf zwei ABM-Anlagen begrenzt werden sollte.

Das Abkommen, das wir heute in Moskau unterzeichnet ha-

ben, verstärkt und erweitert das Ausmaß dieser vorher getroffenen Abmachungen,
in dem jedes Land auf eine ABM-Anlage begrenzt wird.

Und
- 4 -

�Und das dritte Rüstungsbegrenzungsabkommen befaßt sich mit unterirdischen
Atomwaffenversuchen.

Es weitet die früher beschlossenen Schritte zur Begrenzung

von Versuchen, die 1963 mit dem Teststoppabkommen begannen, wesentlich aus.
Jener ursprüngliche Vertrag verwehrte den Signatarstaaten, Versuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser durchzuführen.

Heute haben wir einen

neuen Vertrag abgeschlossen, der zum ersten Mal auch unterirdische Versuche einschließen wird.

Er wird der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten verwehren,

nach dem 31. März 1976 jede Art unterirdischer Waffenversuche überhalb einer
bestimmten Sprengkraftschwelle durchzuführen, und er wird auch von beiden Ländern
verlangen, die Versuche mit Waffen unterhalb dieser Sprengkraftschwelle auf
einer sehr kleinen Zahl zu halten.

Das ist nicht nur ein weiterer Schritt, um das Wettrüsten unter Kontrolle
zu bringen, sondern es ist auch ein bedeutsamer weiterer Schritt zur Verringerung
der Zahl nuklearer und thermonuklearer Explosionen auf der Welt.

Rüstungsbegrenzungen sind selbstverständlich von gewaltiger und entscheidender Bedeutung, aber die Arbeit dieser Gipfeltreffen ist sehr viel breiter
angelegt, so wie auch die Art des neuen amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses
viel breiter angelegt ist.

In diesem Jahr gehörten zu den wichtigen neuen Ab-

kommen, die wir auf dem Gebiet des friedlichen Fortschritts erreicht haben, neue
Programme der Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern auf dem Gebiet der
Energie, des Wohnungsbaus, des Gesundheitswesens, und auch ein Abkommen über langfristige wirtschaftliche Zusammenarbeit, das den wachsenden, beiderseits Nutzen
bringenden Handel zwischen unseren beiden Ländern erleichtern soll.

Die Bedeutung dieser Abkommen geht weit über die Vorteile hinaus, die sie
auf ihrem jeweiligen Spezialgebiet bringen werden, ebenso wie die Bedeutung
unserer Gipfeltreffen über die Bedeutung der einzelnen Abkommen selbst hinausgeht.

Mit diesem wachsenden Netz von Abkommen schaffen wir neue Formen der Zu-

sammenarbeit und neue Formen der Konsultation, und wir geben der Bevölkerung
der Sowjetunion ebenso wie unserem eigenen Volk in den Vereinigten Staaten nicht
lediglich einen negativen, sondern einen positiven Anspruch auf Frieden.

Wir
- 5 -

�1

f
I

Wir schaffen eine stabile neue Grundlage, um den Frieden darauf aufzubauen, nicht einfach durch Furcht vor einem Kriege, sondern durch Gemeinsamkeit
der Segnungen des Friedens, indem wir für ein besseres Leben für die Bevölkerung
unserer beiden Länder zusammenarbeiten.

Die amerikanisch-sowjetischen Abkommen auf dem Gipfel tragen wesentlich
zu dem Gebäude des Friedens bei, das wir in unseren beiden Ländern und in der
Welt zu errichten suchen.

Die anhaltende Stärke des westlichen Bündnisses ist

ebenfalls ein wesentliches und wichtiges Element dieses Gebäudes und das gleiche
gilt für die Entwicklung einer neuen Verhaltensweise in den Beziehungen und
eine neue Haltung zum Frieden in Spannungsgebieten wie etwa dem Nahen Osten.

Die Tatsache, daß das NATO-Treffen in Brüssel auf halbem Wege zwischen der
Reise nach dem Nahen Osten und der Reise nach der Sowjetunion stattfand, ist
smybolisch für die zentrale Rolle, die das westliche Bündnis beim Aufbau des
neuen Gebäudes des Friedens spielen muß.

Die Führer der Sowjetunion sind sich völlig darüber im klaren, daß wir

'

bei Schaffung der neuen Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion nicht auf Kosten unserer traditionellen Verbündeten vorgehen werden.
Im Gegenteil, die anhaltende Stärke des westlichen Bündnisses ist wesentlich
für den Erfolg und für den Prozeß der Aufrechterhaltung und des Ausbaus des
neuen Verhältnisses zur Sowjetunion, in dem wir stehen.

Die Entwicklung dieses neuen Verhältnisses bietet eine Chance, die Einigkeit des westlichen Bündnisses zu vertiefen.

Wir dürfen unsere Bündnisse nicht

vernachlässigen und wir dürfen nicht davon ausgehen, daß unser neues Verhältnis
zur Sowjetunion es uns erlauben würde, unsere eigene militärische Stärke zu vernachlässigen.

Gerade weil wir stark sind, ist ein solches Verhältnis, wie wir

es gegenwärtig entwickeln, möglich.

In seiner ernsten Jahresbotschaft an den Kongreß hat George Washington erklärt, 'auf den Krieg vorbereitet zu sein, ist eines der wirksamsten Mittel,
um den Frieden zu erhalten'.

Diese Erklärung gilt heute noch ebenso wie damals

und darum dienen all jene von ihnen, die in unseren Streitkräften Dienst leisten,
- 6 -

�l e i s t e n , t a t s ä c h l i c h i n den F r i e d e n s s t r e i t k r ä f t e n Amerikas und d e r Welt.

Wir

danken Ihnen d a f ü r .
Wir i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n s i n d b e r e i t , unsere m i l i t ä r i s c h e

Stärke

abzubauen, aber nur im Rahmen e i n e s P r o z e s s e s , i n dem auf beiden S e i t e n e i n e
Reduzierung s t a t t f i n d e t ,
Amerika n i c h t v e r r i n g e r t .

und der d i e S i c h e r h e i t der V e r e i n i g t e n S t a a t e n von
Dafür haben wir g e a r b e i t e t .

Als vor 25 J a h r e n der NATO-Vertrag u n t e r z e i c h n e t wurde, war e r a l s

'ein

Akt des Glaubens an das S c h i c k s a l der w e s t l i c h e n K u l t u r

1

Diese Bezeichnung war ebenso p r o p h e t i s c h wie t r e f f e n d ,

und h e u t e , nach 25

b e z e i c h n e t worden.

J a h r e n , dürfen w i r r u h i g sagen, daß das neue Gebäude des F r i e d e n s , das wir i n
der Welt e r r i c h t e n , e i n Akt des Glaubens an das S c h i c k s a l der Menschheit

ist.

Wie a l l e s , was von Bestand s e i n s o l l , muß d i e s e s Gebäude S t e i n um S t e i n s o r g f ä l t i g gebaut werden.

Es muß s o l i d e gebaut werden.

Es muß e i n Gebäude s e i n ,

das d i e j e n i g e n , d i e es bewohnen, auch e r h a l t e n , w e i l s i e es h o c h s c h ä t z e n , w e i l
es i h r e n E r f o r d e r n i s s e n e n t s p r i c h t und w e i l es i h r e Hoffnungen

wiederspiegelt.

Vor zwei J a h r e n habe i c h i n meinem B e r i c h t an den Kongreß nach der Rückkehr von dem e r s t e n d e r a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n G i p f e l t r e f f e n

d i e Hoffnung

zum Ausdruck g e b r a c h t , daß H i s t o r i k e r e i n e s k ü n f t i g e n Z e i t a l t e r s von dem J a h r e
1972 b e r i c h t e n werden, daß d i e s n i c h t das J a h r war, i n dem Amerika auf den
G i p f e l s t i e g und dann wieder h i n u n t e r i n d i e Tiefen des T a l e s , sondern daß d i e s
das J a h r war, a l s Amerika dazu b e i t r u g , d i e Welt aus den Tiefebenen, des Krieges
h e r a u s auf d i e Hochebenen e i n e s d a u e r h a f t e n F r i e d e n s zu führen.
Und h e u t e , zwei J a h r e s p ä t e r , zwei G i p f e l t r e f f e n
lichung d i e s e r Hoffnung näher g e r ü c k t .
sich s t e t i g weiter vorwärts.

s p ä t e r , i s t d i e Verwirk-

Der Prozeß des F r i e d e n s e n t w i c k e l t

Er wird v e r s t ä r k t durch d i e neuen und s i c h e r -

w e i t e r n d e n Formen der Zusammenarbeit zwischen den V e r e i n i g t e n S t a a t e n und d e r
Sowjetunion. Er wird g e s t ä r k t durch d i e neue Lebenskraft u n s e r e s w e s t l i c h e n
Bündnisses und durch d i e Herbeiführung so ermutigender Ergebnisse wie d i e neue
Wendung zum Frieden im Nahen Osten.

Auf
-

7 -

�Auf a l l unseren Reisen, von denen der Vizepräsident gesprochen h a t , i s t
eines k l a r e r geworden als a l l e s zuvor.

Wir haben in den l e t z t e n Wochen Mil-

lionen und Millionen von Menschen gesehen, und von ihren Gesichtern wie auch aus
den

Worten jener, mit denen wir zusammengetroffen sind, und jener Tausende,

die wir in allen Teilen der Welt getroffen haben, war eines abzulesen: nämlich
daß der Wunsch, dem Krieg ein Ende zu bereiten und Frieden zu schaffen, ein
Wunsch i s t , der keine nationalen Grenzen kennt und die Menschen überall verbindet.
Und noch etwas wird ganz k l a r und deutlich:

die Menschen in den Ländern,

die wir besucht haben - und ich habe s i e , wie ich b e r e i t s andeutete, nicht
nur zu Tausenden, sondern zu Millionen gesehen - wollen Freunde des amerikanischen Volkes sein und wir umgekehrt auch.

Auch wir wollen ihre Freunde sein.

In den ersten Jahren der Geschichte unserer Nation, nachdem Amerika seine
Unabhängigkeit errungen h a t t e , e r k l ä r t e Thomas Jefferson,

'wir handeln nicht

1

nur für uns a l l e i n , sondern für die ganze Menschheit .
Wenn wir uns darauf vorbereiten, morgen den Jahrestag dieser Unabhängigk e i t , den 198. Jahrestag zu feiern, dann dürfen wir als Amerikaner s t o l z darauf
s e i n , da'wir der Version Jeffersons t r e u geblieben sind und daß als Ergebnis
der I n i t i a t i v e Amerikas dieses universale Ziel des Friedens heute näher gerückt
i s t , näher nicht nur für uns, sondern für die ganze Menschheit.

Ich danke

Ihnen."

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13/1974

GEMEINSAMES AMERIKANISCH-SOWJETISCHES KOMMUNIQUE ZUM ABSCHLUSS DES

GIPFELTREFFENS IN MOSKAU
- Wortlaut -

MOSKAU —(AD)-- Zum Abschluß des Gipfeltreffens in Moskau ist von Präsident
Nixon und dem sowjetischen Parteisekretär Breschnew am 3. Juli ein gemeinsames Kommunique unterzeichnet worden, das folgenden Wortlaut hat:

Gemäß der Vereinbarung, regelmäßige amerikanisch-sowjetische Konferenzen auf höchster Ebene abzuhalten, und aufgrund der vom Generalsekretär des
Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, L.I. Breschnew,
während seines Besuches in den USA im Juni 1973 ausgesprochenen Einladung
haben der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Mrs. Richard
Nixon der Sowjetunion vom 27. Juni bis zum 3. Juli 1974 einen offiziellen Besuch abgestattet.

Während seines Aufenthaltes hat der Präsident neben Moskau noch Minsk
und die Südküste der Krim besucht.

Der Präsident der Vereinigten Staaten und die sowjetischen Führer haben
einen eingehenden und nützlichen Gedankenaustausch über die wichtigen Aspekte
der Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR sowie über die gegenwärtige
-1-

�gegenwärtige internationale Lage geführt.

Auf sowjetischer Seite wurden die Gespräche von L.I.Breschnew, Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, N.
V. Podgorny, Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR,
A.N. Kossygin, Vorsitzender des Ministerrates der UdSSR, und von A.A.Gromyko,
Außenminister der UdSSR, geführt.

Den Präsidenten der USA begleitet
hat

und an den Gesprächen teilgenommen

Dr. Henry A. Kissinger, Außenminister der USA und Berater des Präsi-

denten für Nationale Sicherheitsfragen.

Bei den Gesprächen waren ferner zugegen:
Auf amerikanischer Seite Walter J. Stoessel jr., amerikanischer Botschafter in der UdSSR, General Alexander M. Haig jr., Berater des Präsidenten, Ronald L. Ziegler, Berater des Präsidenten und Pressesekretär, Generalmajor Brent Scrowcroft, Stellvertretender Berater des Präsidenten für Nationale Sicherheitsfragen, Helmut Sonnenfeldt, Berater des Außenministeriums,
und Arthur A. Hartman, Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
im US-Außenministerium.

Auf sowjetischer Seite: A.F. Dobrynin, sowjetischer Botschafter in den
USA, A.M. Aleksandrow, Berater des Generalsekretärs des Zentralkomitees der
KPSU, L.M. Samjatin, Generaldirektor der TASS, und G.M.Kornijenko, Mitglied
des Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR.

Die

�•»

Die Gespräche wurden in einer sehr sachlichen und konstruktiven Atmosphäre geführt und waren von dem gemeinsamen Wunsch beider Seiten gekennzeichnet,
das Verständnis, das Vertrauen und die friedliche Zusammenarbeit zwischen ihnen weiter zu stärken sowie zur Festigung der internationalen Sicherheit und
des Weltfriedens beizutragen.

I. Fortschritt bei der Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen

Nachdem beide Seiten im Detail die Entwicklung der Beziehungen zwischen
den USA und der UdSSR seit dem amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen im Mai
1972 erörtert hatten, stellten sie mit Genugtuung fest, daß sie durch ihre
nachdrücklichen gemeinsamen Anstrengungen innerhalb einer kurzen Zeitspanne
eine grundlegende Wende hin zu friedlichen Beziehungen und einer weiten, beiden Seiten zum Vorteil gereichenden Zusammenarbeit erreicht haben, die im Interesse der Völker beider Länder wie auch der ganzen Menschheit liegt.

Sie unterstrichen die besondere Bedeutung der positiven Entwicklung, die
die Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR bei den Zusammenkünften ihrer
Führer auf höchster Ebene genommen haben, die nunmehr zu einer festen Einrichtung werden. Diese Zusammenkünfte bieten Möglichkeiten für eine wirksame und
verantwortungsvolle Erörterung, für die Lösung

grundlegender und wichtiger

bilateraler Fragen sowie für beiderseitige Beiträge zur Lösung internationaler
Probleme, die die Interessen der beiden Länder berühren.

Beide Seiten begrüßen die Herstellung offizieller Kontakte zwischen dem
Kongreß der Vereinigten Staaten und dem Obersten Sowjet der UdSSR. Sie werden

-3-

�werden eine Weiterentwicklung solcher Kontakte fördern, weil sie der Ansicht
sind, daß diese eine wichtige Rolle spielen können.

Beide Seiten haben ihre gemeinsame Entschlossenheit bekräftigt, die Neugestaltung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen auf der Basis der friedlichen Koexistenz und gleicher Sicherheit in strikter Übereinstimmung mit dem
Geist und dem Buchstaben der zwischen den beiden Ländern erreichten Abkommen
und ihren Verpflichtungen aufgrund dieser Abkommen aktiv fortzusetzen.

In diesem Zusammenhang haben Sie erneut die grundlegende Bedeutung der
gemeinsamen Dokumente hervorgehoben,die als Ergebnis der Gipfeltreffen in den
Jahren 1972 und 1973 verabschiedet wurden, vor allem die Grundsatzerklärung
für die Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR, das Abkommen über die
Verhinderung eines Nuklearkrieges, das Abkommen über die Begrenzung der ABMSysteme und das Interimsabkommen über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von strategischen Offensivwaffen.

Beide Seiten sind zutiefst von der zwingenden Notwendigkeit überzeugt,
daß der Fortschritt bei der Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen unumkehrbar sein muß. Sie glauben, daß aufgrund ihrer Anstrengungen
eine echte Möglichkeit zur Verwirklichung dieses Zieles geschaffen worden
ist. Dies wird neue Aussichten für eine weitgehende, beiden Seiten zum Vorteil gereichende Zusammenarbeit und für eine Stärkung der Freundschaft zwischen dem amerikanischen und dem sowjetischen Volk eröffnen und so zur Lösung zahlreicher dringender Probleme beitragen, denen sich die Welt gegenüber
sieht.
Geleitet

�Geleitet von diesen hohen Zielen haben beide Seiten beschlossen, ihre gemeinsamen Anstrengungen - in Zusammenarbeit mit den jeweiligen anderen betroffenen Ländern - in erster Linie auf folgende wichtige Gebiete zu richten:

-- Beseitigung der Gefahr von Kriegen einschließlich vor allem solcher
Kriege, in denen auch Nuklear-und andere Massenvernichtungswaffen angewandt
werden.
-- Begrenzung und letztlich Beendigung des Wettrüstens vor allem bei
strategischen Waffen, wobei das letztliche Ziel die Verwirklichung einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung unter einer entsprechenen internationalen
Kontrolle ist.
-- Beitrag zur Beseitigung der Ursachen internationaler Spannungen und
militärischer Konflikte.

— Verstärkung und Ausweitung des Prozesses der Verminderung der Spannungen überall auf der Welt.
-- Entwicklung einer breiten, beiden Seiten zum Vorteil gereichenden Zusammenarbeit auf kommerziellem und wirtschaftlichem, wissenschaftlich-technischem und kulturellem Gebiet auf der Basis der Prinzipien der Souveränität,
Gleichberechtigung und Nichteinmischung in innere Angelegenheiten - mit dem
Ziel, vermehrtes Verständnis und Vertrauen zwischen den Völkern beider Länder
zu fördern.

Dementsprechend haben beide Seiten im Verlaufe dieses Gipfeltreffens es
für möglich befunden, neue konstruktive Schritte zu unternehmen,die ihrer

�ihrer Ansicht nach nicht nur die Weiterentwicklung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen fördern, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Festigung des Weltfriedens und zur Ausweitung der internationalen Zusammenarbeit
leisten werden.

II. Weitere Begrenzung der strategischen Rüstungen und andere Abrüstungsfragen

Beide Seiten haben erneut sorgfältig den gesamten Bereich ihrer gegenseitigen Beziehungen analysiert, soweit sie im Zusammenhang mit der Verhinderung
eines Nuklearkrieges und der Begrenzung der strategischen Rüstungen stehen.
Sie gelangten zu der gemeinsamen Auffassung, daß die zwischen ihnen auf diesem
Gebiet abgeschlossenen grundlegenden Abkommen weiterhin wertvolle Instrumente
für die allgemeine Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und
der internationalen Lage insgesamt bilden. Die USA und die UdSSR werden weiterhin strikt

die in diesem Abkommen übernommenen Pflichten erfüllen.

Im Verlauf der Gespräche unterzogen beide Seiten alle Aspekte des Problems der Begrenzung der strategischen Rüstungen einer gründlichen Überprüfung. Sie gelangten zu dem Schluß, daß dem Interimsabkommen über strategische Offensivwaffen ein neues Abkommen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten über die Begrenzung der strategischen Rüstungen folgen sollte. Sie stimmten darin überein, daß ein solches Abkommen den Zeitraum bis
1985 umfassen und sowohl quantitative als auch qualitative Begrenzungen enthalten sollte. Sie vereinbarten, daß ein solches Abkommen zum frühestmöglichen Zeitpunkt abgeschlossen werden sollte, noch bevor das Interimsabkommen
abläuft.
Sie

�Sie waren der gemeinsamen Auffassung, daß ein solches neues Abkommen
nicht nur im Interesse der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten, sondern
auch im Interesse einer weiteren Verminderung der internationalen Spannungen
sowie im Interesse des Weltfriedens liegen würde.
Ihre Delegationen werden in naher Zukunft wieder in Genf auf der Basis
der sich aus dem Gipfeltreffen ergebenden Anweisungen zusammentreten.
Unter Berücksichtigung der Wechselbeziehungen zwischen der Entwicklung
offensiver und defensiver Arten von strategischen Waffen und im Hinblick auf
die erfolgreiche Verwirklichung des zwischen ihnen im Mai 1972 abgeschlossenen Vertrages über die Begrenzung der ABM-Systeme hielten es beide Seiten für
wünschenswert, Begrenzungen für die Dislozierung solcher Systeme anzunehmen.
Zu diesem Zweck haben sie ein Protokoll abgeschlossen!, durch das jede Seite
auf nur ein Dislozierungsgebiet für ABM-Systeme beschränkt wird statt auf
zwei solche Gebiete, wie sie jeder Seite in dem Vertrag zugestanden worden
waren. Gleichzeitig wurden zwei Protokolle unterzeichnet, die die Überschrift
tragen "Verfahren für den Ersatz, die Demontage oder Zerstörung strategischer
Offensivwaffen und die Benachrichtigung hierüber" und "Verfahren für den Ersatz, die Demontage oder Zerstörung von ABM-Systemen und ihrer Komponenten
und die Benachrichtigung hierüber". Diese Protokolle waren von der Ständigen
Beratenden Kommission ausgearbeitet worden, die zur Förderung der Ziele und
zur Verwirklichung der Bestimmungen des am 26. Mai 1972 unterzeichneten Vertrages und Interimsabkommens eingesetzt worden war.

Beide Seiten betonten die große Bedeutung,die die USA und die UdSSR
ferner der Verwirklichung anderer möglicher Maßnahmen - sowohl auf bilateraler

�I
»

bilateraler als auch auf multilateraler Basis - auf dem Gebiet der Rüstungsbegrenzung und der Abrüstung beimessen.

Unter Hinweis auf die historische Bedeutung des Vertrages über Atomwaffenversuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser, der 1963 in
Moskau abgeschlossen wurde und zu dessen Vertragspartnern die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gehören, haben sich beide Seiten dafür ausgesprochen,
die Einstellung der Atomwaffenversuche umfassend zu machen. Von dem Wunsche beseelt, zur Verwirklichung dieses Zieles beizutragen, haben die USA und die
UdSSR als einen wichtigen Schritt in dieser Richtung den Vertrag über die Begrenzung der unterirdischen Atomwaffenversuche abgeschlossen, der vom 31. März
1976 an die vollständige Einstellung der Versuche mit solchen Waffen über einer
bestimmten Sprengkraftschwelle vorsieht und der die übrigen unterirdischen
»

Versuche auf ein Minimum beschränkt.

Die Parteien haben die grundlegende Bedeutung des Atomsperrvertrages unterstrichen. Sie haben ihre beiderseitige Absicht bekräftigt, die von ihnen
in diesem Vertrag übernommenen Verpflichtungen einzuhalten, einschließlich
Artikel VI des Vertrages, und sich für eine Erhöhung seiner Wirksamkeit ausgesprochen.
Es wurde ferner eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, in der die USA
und die UdSSR die wirksamsten möglichen Maßnahmen befürworten, um die Gefahr
zu beseitigen, daß Verfahren zur Veränderung der Umwelt für militärische
Zwecke verwandt werden.
Beide

-8-

�Beide Seiten bekräftigten ihr Interesse an einem wirksamen internationalen Abkommen, das aus den Arsenalen

der Staaten so gefährliche Instrumente

der Massenvernichtung wie chemische Waffen ausschließen würde. Aus dem Wunsche heraus, zu einem baldigen Fortschritt in dieser Richtung beizutragen,
sind die Vereinigten Staaten von Amerika und die UdSSR übereingekommen, in
der Konferenz des Abrüstungsausschusses eine gemeinsame Initiative mit dem
Ziel zu erwägen, als einen ersten Schritt eine internationale Konvention abzuschließen,die sich auf die gefährlichsten tödlichen Mittel der chemischen
Kriegführung erstreckt.

Beide Seiten sind überzeugt, daß die neuen wichtigen Schritte, die sie
auf dem Gebiet der Rüstungsbegrenzung ergriffen haben und zu ergreifen beabsichtigen, wie auch weitere Anstrengungen zur Abrüstung den Abbau internationaler Spannungen erleichtern und einen greifbaren Beitrag zur Erfüllung
der historischen Aufgabe darstellen werden, den Krieg

aus dem Leben der

menschlichen Gesellschaft auszuschließen und dadurch den Weltfrieden zu garantieren. Die Vereinigten Staaten und die UdSSR bekräftigten, daß eine Weltabrüstungskonferenz zu einem geeigneten Zeitpunkt eine positive Rolle in diesem
Prozeß spielen kann.

III. Fortschritt bei der Lösung internationaler Probleme

Im Verlaufe des Treffens wurden detaillierte Gespräche über wichtige
internationale Probleme geführt.
Beide Seiten brachten ihre Befriedigung darüber zum Ausdruck, daß ein
Nachlassen der Spannungen, eine Festigung des Friedens und die Entwicklung

-9-

�T

Entwicklung einer beiderseits nutzbringenden Zusammenarbeit in steigendem Maße
die Entwicklung der internationalen Lage charakterisieren. Sie gehen von der
Annahme aus, daß ein Fortschritt in der Verbesserung der internationalen Lage
nicht spontan auftritt, sondern aktive und zielbewußte Anstrengungen erfordert, um Hindernisse zu überwinden und Schwierigkeiten beizulegen, die aus
der Vergangenheit verbleiben.

Die überragenden Ziele aller Staaten und Völker sollten darin bestehen,
einzeln und kollektiv eine dauerhafte Sicherheit in allen Teilen der Welt, die
baldige und völlige Beseitigung bestehender internationaler Konflikte und
Spannungsquellen und die Verhütung der Entstehung neuer Spannungsquellen und
Konflikte zu gewährleisten. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion treten für die weitgehende und fruchtbare wirtschaftliche Zusammenarbeit unter
allen Staaten - ob groß oder klein - auf der Basis der vollen Gleichheit und
des gegenseitigen Nutzens ein.

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion bekräftigen ihre Entschlossenheit, getrennt und gemeinsam zur Erfüllung all dieser Aufgaben beizutragen.

Europa
Nach einer Diskussion über die Entwicklung der Lage in Europa seit dem
letzten amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen stellten beide Seiten mit tiefer Befriedigung die weiteren merklichen Fortschritte in der Herstellung verläßlicher Beziehungen des Friedens, der guten Nachbarschaft und der Zusammenarbeit auf dem europäischen Kontinent fest.
Beide

-10-

�Beide Seiten begrüßen den wesentlichen Beitrag, den die Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zu diesem nutzbringenden Prozeß
leistet. Sie sind der Auffassung, daß auf der Konferenz in vielen wichtigen
Fragen bereits ein wesentlicher Fortschritt erreicht worden ist. Sie sind der
Überzeugung, daß dieser Fortschritt erkennen läßt, daß die Konferenz in ihrem
gegenwärtigen Stadium vereinbarte Dokumente von großer internationaler Bedeutung hervorbringen wird, die die Entschlossenheit der beteiligten Staaten zum
Ausdruck bringen,ihre gegenseitigen Beziehungen auf eine solide, gemeinsam
erarbeitete Basis zu stellen. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
werden in Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten alle Anstrengungen unternehmen, um für alle verbleibenden Probleme akzeptable Lösungen zu finden.

Beide Seiten brachten ihre Überzeugung zum Ausdruck, daß der erfolgreiche Abschluß der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ein
herausragendes Ereignis im Interesse der Herstellung eines dauerhaften Friedens wäre. Von dieser Auffassung ausgehend haben sich die USA und die UdSSR
dafür ausgesprochen, daß die Abschlußphase der Konferenz zu einem baldigen
Zeitpunkt stattfindet. Beide Seiten gehen ferner von der Voraussetzung aus,
daß die Ergebnisse der Verhandlungen einen Abschluß der Konferenz auf höchster
Ebene gestatten werden, was der historischen Bedeutung der Konferenz für die
Zukunft Europas entsprechen und der Bedeutung der Entscheidungen der Konferenz größeres Gewicht beimessen würde.

Beide Seiten bekräftigen die dauerhafte Bedeutung der Verträge und Abkommen, die in den letzten Jahren zwischen europäischen Staaten mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen abgeschlossen worden sind, für

-11-

�r

für eine günstige Entwicklung der Lage in Europa.

Sie brachten ihre Befriedigung über die Aufnahme der Bundesrepublik
Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik in die Vereinten Nationen zum Ausdruck.

. .

Beide Seiten unterstrichen ferner, daß das Viermächte-Abkommen vom 3.
September 1971 weiterhin eine Schlüsselrolle bei der Gewährleistung von Stabilität und Entspannung in Europa spielen muß. Die Vereinigten Staaten und die
UdSSR sind der Auffassung, daß die strikte und konsequente Einhaltung dieses
Abkommens durch alle Beteiligten eine entscheidende Bedingung für die Aufrechterhaltung und Stärkung des gegenseitigen Vertrauens und der Stabilität im Herzen Europas ist.

Die USA und die UdSSR sind der Überzeugung, daß der Abbau der politischen
Spannung auf diesem Kontinent durch Maßnahmen zur Verringerung militärischer
Spannungen begleitet sein sollte, um Stabilität und Sicherheit in Europa zu
festigen. Sie messen daher den gegenwärtigen Verhandlungen über die beiderseitige Verringerung von Streitkräften und Rüstungen und zugehörigen Maßnahmen
in Mitteleuropa, an denen sie teilnehmen, Bedeutung bei. Beide Seiten brachten die Hoffnung zum Ausdruck, daß diese Verhandlungen zu konkreten Entscheidungen führen werden, die die unverminderte Sicherheit aller Beteiligten gewährleisten und einseitige militärische Vorteile verhindern werden.

Naher

-12-

�Naher Osten

Beide Seiten sind der Auffassung, daß die Beseitigung der Gefahr des
Krieges und der Spannung im Nahen Osten eine Aufgabe von überragender Bedeutung und Dringlichkeit ist, und daß daher die einzige Alternative die Erreichung einer gerechten und dauerhaften Friedenslösung auf der Basis der Resolution 338 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen ist - eine Friedensregelung, bei der die legitimen Interessen aller Völker des Nahen Ostens einschließlich des palästinensischen Volkes und das Existenzrecht aller Staaten
in diesem Gebiet in Rechnung gestellt werden sollten.

Als Ko-Vorsitzende der Genfer Friedenskonferenz für den Nahen Osten erachten es die USA und die UdSSR für wichtig, daß die Konferenz ihre Arbeit
sobald wie möglich wieder aufnimmt, wobei die Frage der Beteiligung anderer
aus dem Gebiet des Nahen Ostens auf der Konferenz erörtert werden soll. Beide Seiten betrachten die Herstellung eines gerechten und stabilen Friedens im
Nahen Osten als die Hauptaufgabe der Genfer Friedenskonferenz, zu deren Lösung sie auf jede Weise beitragen werden.

Sie vereinbarten, daß die USA und die UdSSR hinsichtlich der Koordinierung der Anstrengungen beider Länder für eine friedliche Lösung im Nahen Osten
weiterhin in engem Kontakt bleiben werden.

Beide Seiten stellten bestimmte weitere Verbesserungen in der Lage in
Indochina fest. Im Verlaufe des Meinungsaustausches über die Lage in Vietnam
unterstrichen beide Seiten, daß Frieden und Stabilität in der Region nur auf
der Basis der strikten Einhaltung der Bestimmungen des Pariser Abkommens
-13-

�Abkommens vom 27. Januar 1973 und des Aktes der internationalen Vietnamkonferenz vom 2. März 1973 durch alle Beteiligten erhalten und gestärkt werden kann.

Was Laos anbetrifft so stellten sie einen Fortschritt in der Normalisierung der Lage als Ergebnis der dortigen Bildung von Koalitionsregierungs-Gremien fest. Beide Seiten sprachen sich ferner für die strikte Erfüllung der
einschlägigen Abkommen aus.

Beide Seiten unterstrichen auch die Notwendigkeit einer baldigen und gerechten Loesung des Kambodscha-Problems auf der Basis der Achtung der souveränen Rechte des kambodschanischen Volkes auf eine freie und unabhängige Entwicklung ohne jede Einmischung von außen.

Stärkung der Rolle der Vereinten Nationen
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion messen den Vereinten Nationen als einem Instrument zur Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit und der Ausweitung der internationalen Zusammenarbeit große Bedeutung
bei.
Sie bekräftigten erneut ihre Absicht, ihre Anstrengungen zur Erhöhung der
Wirksamkeit der Vereinten Nationen auf jede mögliche Weise fortzusetzen, einschließlich der Erhaltung des Friedens auf der Basis der strikten Einhaltung
der Charta der Vereinten Nationen.

IV.

-14-

�•

IV. Handels-und Wirtschaftsbeziehungen

Im Verlauf des Treffens wurde einer Überprüfung des Status und der Aussichten der Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR auf kommerziellem und
wirtschaftlichem Gebiet große Aufmerksamkeit geschenkt. Beide Seiten bekräftigten, daß sie die Ausbreitung und Vertiefung beiderseits vorteilhafter Bindungen auf diesem Gebiet

auf der Basis der Gleichheit und der Nicht-Diskri-

minierung als einen wichtigen Bestandteil der Grundlage betrachten, auf der
das gesamte Gebäude der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen aufgebaut ist.
Eine Erhöhung des Umfangs der Handels-und Wirtschaftsbindungen entsprechend den
Potentialen beider Länder wird diese Grundlage festigen und dem amerikanischen
und sowjetischen Volk zum Wohle dienen.

Dies kam insbesondere in einem wesentlichen Anwachsen des Güteraustauches zwischen beiden Ländern zum Ausdruck, der sich im Jahre 1973 auf schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar belief. Es wurde festgestellt, daß die Aussichten günstig seien, das in dem gemeinsamer» amerikanisch-sowjetischen Kommunique1 vom 24.Juni 1973 verkündete Ziel zu übertreffen, in der Dreijahresspanne 1973 bis 1975 einen totalen bilateralen Handelsumsatz von 2,3 Milliarden Dollar zu erreichen. Die Gemeinsame Amerikanisch-Sowjetische Handelskommission stellt weiterhin einen wirksamen Mechanismus dar, um das Wachstum der
Wirtschaftsbeziehung in breitem Umfang zu fördern.

Beide Seiten stellten einen gewissen Fortschritt in der Entwicklung einer
langfristigen Kooperation zwischen amerikanischen Firmen und sowjetischen Organisationen bei der Durchführung großangelegter Projekte, einschließlich sol-

-15-

�solcher auf Kompensationsbasis, fest. Sie sind überzeugt, daß eine solche Kooperation

ein wichtiges Element für die Entwicklung kommerzieller und wirt-

schaftlicher Bindungen zwischen beiden Ländern ist. Beide Seiten kamen überein, den Abschluß und die Durchführung geeigneter Abkommen zwischen amerikanischen und sowjetischen Organisationen und Firmen zu ermutigen. Unter Berücksichtigung des Fortschritts, der bei einer Reihe spezifischer Projekte
wie die Herstellung von Lastwagen, das Handelszentrum und bei chemischen Düngemitteln erzielt worden ist, stellten beide Seiten die Möglichkeit fest, geeignete Kontrakte auf anderen Gebieten abzuschließen, wie etwa bei Zellulose
und Papier, Holz, Eisen und Nicht-Eisen Metallen, Erdgas, in der Bauindustrie
und beim Abbau und der Verarbeitung von hochenergieverbrauchenden Mineralien.

Beide Seiten stellten ferner die Entstehung produktiver Kontakte und Verbindungen zwischen Geschäftskreisen

beider Länder fest, bei denen die wäh-

rend des vorangegangenen Gipfeltreffens getroffenen Entscheidungen über die
Eröffnung eines amerikanischen Handelsbüros in Moskau und einer sowjetischen
Handelsvertretung in Washington wie auch die Einrichtung eines amerikanischsowjetischen Handels-und Wirtschaftsrates eine wichtige Rolle spielten. Sie
brachten ihren Wunsch zum Ausdruck, weiterhin günstige Bedingungen für die
erfolgreiche Entwicklung kommerzieller und wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR zu schaffen.

Beide Seiten bekräftigten ihr Interesse an der frühestmöglichen Inkraftsetzung des amerikanisch-sowjetischen Handelsabkommens vom Oktober 1972.
Aus

-16-

�•

Aus dem Wunsche heraus, die weitere Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern zu fördern, unterzeichneten beide Seiten ein langfristiges Abkommen über die Erleichterung wirtschaftlicher, industrieller und
technischer Zusammenarbeit zwischen den USA und der UdSSR. Sie sind der Überzeugung, daß eine konsequente Durchführung der in den Abkommen über einen Zeitraum von 10 Jahren festgelegten Zusammenarbeit ein wichtiger Faktor zur Stärkung der bilateralen Beziehungen im allgemeinen sei und den Völkern beider Länder zum Nutzen sein wird.

Nach einem Überblick über den Fortschritt bei der Durchführung des Abkommens über bestimmte maritime Fragen, das im Oktober 1972 für einen Zeitraum von
drei Jahren abgeschlossen wurde und auf der Basis der bisher gesammelten Erfahrungen haben sich beide Seiten dafür ausgesprochen, vor Erlöschen dieses Abkommens ein neues Abkommen auf diesem Gebiet zu schließen. Die Verhandlungen
über ein solches Abkommen werden dieses Jahr beginnen.

V. Fortschritt auf anderen Gebieten der bilateralen Beziehungen

Nach einem Überblick über den Fortschritt in der Verwirklichung der kooperativen Abkommen, die in den Jahren 1972 bis 1973 geschlossen worden sind,
stellten beide Seiten fest, daß die gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Ausschüsse und Arbeitsgruppen, die im Rahmen dieser Abkommen eingesetzt wurden,
nützliche Arbeit bei der Entwicklung regulärer Kontakte und der Zusammenarbeit
zwischen wissenschaftlichen und technischen

Organisationen, Wissenschaftlern,

Spezialisten und Kulturträgern beider Länder geleistet haben.
Beide

-17-

�Beide Seiten stellten mit Befriedigung fest, daß die gemeinsamen Anstrengungen der USA und der UdSSR auf solchen Gebieten der Zusammenarbeit wie Medizin und öffentliche Gesundheit, Schutz und Verbesserung der Umwelt des Menschen, Wissenschaft und Technologie, Erforschung des Weltraums und der Ozeane,
friedliche Nutzung der Atomenergie, Landwirtschaft und Verkehr Bedingungen für
eine beschleunigte Lösung einiger dringender und komplizierter Probleme geschaffen haben, vor denen die Menschheit steht. Eine solche Zusammenarbeit
stellt einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Gebäudes amerikanischsowjetischer Beziehungen dar

und füllt es mit einem konkreten, positiven In-

halt aus.

Beide Seiten werden bestrebt sein, ihre Zusammenarbeit in Wissenschaft und
Technologie wie auch beim kulturellen Austausch auf der Basis der zwischen ihnen abgeschlossenen Abkommen auszuweiten und zu vertiefen.

Auf der Basis der in ihrer wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit gewonnenen positiven Erfahrung und geleitet von dem Wunsche,einen weiteren Fortschritt in dieser wichtigen Sphäre ihrer gegenseitigen Beziehungen zu
gewährleisten, beschlossen beide Seiten, diese Zusammenarbeit auf folgende neue
Gebiete auszudehnen:

Energie
Unter Berücksichtigung des wachsenden Energiebedarfs in Industrie, Verkehr
und anderen Wirtschaftszweigen beider Länder und der daraus resultierenden Notwendigkeit, die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit in der Entwicklung optimaler Methoden zur Nutzung traditioneller und neuer Energiequellen

-18-

�I

Energiequellen zu verstärken sowie der Notwendigkeit, das Verständnis für Energieprogramme und Energieprobleme beider Länder zu verbessern, schlössen beide
Seiten ein Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energie. Die
Verantwortung für die Durchführung des Abkommens ist einem Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Ausschuß für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energie übertragen worden, der zu diesem Zweck ins Leben gerufen wird.

Wohnungsbau und andere Bauvorhaben

Beide Seiten unterzeichneten ein Abkommen auf dem Gebiet des Wohnungsbaus
und anderer Bauvorhaben.

Das Ziel dieses Abkommens besteht darin, durch gemein-

same Anstrengungen die Lösung von Problemen fördern, sie mit modernen Techniken
des Wohnungsbaus und anderer Bauvorhaben voranzutreiben, und zwar im Sinne der
Verbesserung der Zuverlässigkeit und Qualität von Bauten und Baumaterialien,
der Planung und des Baues neuer Städte, des Bauens in Erdbebengebieten und Gebieten mit extremen klimatischen Bedingungen.

Für die Durchführung dieses Ab-

kommens wird ein Gemeinsamer Sowjetisch-Amerikanischer Ausschuß für die Zusammenarbeit im Wohnungsbau und anderen Bauvorhaben eingesetzt werden, der
spezifische Arbeitsprogramme festlegen wird.

Um die Sicherheit ihrer Bevölkerung zu erhöhen, die in erdbebengefährdeten
Gebieten leben, sind beide Seiten übereingekommen, auf Vorrangbasis ein gemeinsames Forschungsprojekt durchzuführen, um die Sicherheit von Gebäuden und anderen Baulichkeiten in diesen Gebieten zu erhöhen, und vor allem das Verhalten
von vorgefertigten Wohngebäuden während Erdbeben zu studieren.
Forschung
- 19 -

�i

Forschung mit künstlichen Herzen

Im Zuge der Durchführung gemeinsamer Programme auf dem Gebiet der Medizin
und der öffentlichen Gesundheit, sind Wissenschaftler und Spezialisten beider
Länder zu dem Schluß gekommen, daß eine Notwendigkeit besteht, ihre Anstrengungen
auf die Lösung eines der wichtigsten und menschlichsten Probleme der modernen
Medizin zu konzentrieren, nämlich die Entwicklung eines künstlichen Herzens.
Angesichts der großen theoretischen und technischen Kompliziertheit der damit
verbundenen Arbeit haben beide Seiten ein Spezialabkommen auf diesem Gebiet
getroffen.

Die Verantwortung für dieses Projekt wird der Gemeinsame Amerika-

nisch-Sowjetische Ausschuß für die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen übernehmen.

Zusammenarbeit im Weltraum
Beide Seiten haben ihrer Genugtuung Ausdruck gegeben über die erfolgreichen
Vorbereitungen für den ersten bemannten Flug amerikanischer und sowjetischer
Weltraumfahrzeuge - Apollo und Sojus -, der für 1975 vorgesehen ist und der ein
Andocken sowie gegenseitige Besuche der Astronauten in dem jeweiligen anderen
Raumfahrzeug vorsieht. Aufgrund der bestehenden Abkommen wird eine fruchtbare
Zusammenarbeit auf zahlreichen anderen Gebieten durchgeführt, die mit der Erforschung des Weltraumes in Zusammenhang stehen.

Angesichts der großen Bedeutung, die beide Seiten der Förderung der amerikanisch-sowjetischen Zusammenarbeit bei der Erforschung und Nutzung des Weltraumes für friedliche Zwecke beimessen und im Hinblick auf die Tatsache, daß
sie die Konsolidierung der Erfahrungen auf diesem Gebiet für wünschenswert erachten, haben die beiden Seiten vereinbart, Möglichkeiten für weitere gernein-20-

�gemeinsame Weltraumprojekte im Anschluß an den jetzt für Juli 1975 angesetzten
amerikanisch-sowjetischen Raumflug zu prüfen.

Verkehrsmittel der Zukunft

Beide Seiten sind sich der Bedeutung bewußt, die der Entwicklung moderner Verkehrsformen zukommt, und stimmen darin überein,daß hohe Geschwindigkeiten erreichende Bodensysteme der Zukunft, wie ein magnetischer Luftkissenzug, die ein wirtschaftliches, wirksames und zuverlässiges Verkehrsmittel
sein können, ein erwünschtes und neues Gebiet für gemeinsame Aktivitäten
bilden würden. Eine Arbeitsgruppe, die aufgrund des Abkommens über eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Verkehrswesens von 1973 ein gemeinsames ForschungsKooperationsprogramm auf diesem Gebiet ausarbeiten soll, wird auf der Herbstsitzung des Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Verkehrsausschusses eingesetzt werden.

Beide Seiten wünschen eine Erweiterung der Zusammenarbeit auf dem Gebiet
des Umweltschutzes, der aufgrund des am 23. Mai 1972 unterzeichneten amerikanisch-sowjetischen Abkommens erfolgreich durchgeführt wird, und wollen zur
Verwirklichung des vom Erziehungs-, Wissenschafts- und Kulturrates der Vereinten Nationen (UNESCO) durchgeführten internationalen Programms •Der Mensch
und die Biosphäre' beitragen. Sie haben vereinbart, im Bereich ihrer jeweiligen Territorien bestimmte Naturschutzgebiete als Reservate für die Biosphäre
auszuweisen, um bei Pflanzen und Tieren wertvolle genetische Arten und ökologische Systeme zu schützen und um wissenschaftliche Forschung zu betreiben,
die für wirksamere Maßnahmen eines globalen Schutzes der Umwelt notwendig

ist

Geeignete
-21-

-

�Geeignete Schritte zur Verwirklichung dieses Vorhabens werden im Einklang
mit den Zielen des UNESCO-Programms und unter Leitung des zuvor eingesetzten
Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Ausschusses für eine Zusammenarbeit auf
dem Gebiet des Umweltschutzes erfolgen.

Kulturaustausch

Beide Seiten sind sich der Bedeutung eines Kulturaustausches als Mittel
zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses bewußt und geben ihrer Genugtuung über das zwischen dem Metropolitan Museum of Art in New York und dem
Kultusministerium der UdSSR geschlossenen Abkommens Ausdruck, das zu einem
größeren Austausch von Kunstwerken führen wird.

Ein solcher Austausch würde

dem Allgemeinen Abkommen über Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit entsprechen, das am 19. Juli 1973 unterzeichnet wurde und in dem die Parteien vereinbaren, den Austausch von Ausstellungen zwischen den Museen der beiden Länder zu unterstützen.

Errichtung neuer Konsulate
Angesichts der raschen Entwicklung von Bindungen zwischen den USA und
der UdSSR und der Bedeutung einer noch stärkeren Ausweitung der konsularischen
Beziehungen auf der Basis der amerikanisch-sowjetischen Konsularkonvention
sowie aus dem Wunsche heraus, den Handel, den Fremdenverkehr und die Zusammenarbeit zwischen ihnen auf den verschiedenen Gebieten zu fördern, haben beide
Seiten vereinbart, weitere Generalkonsulate in zwei oder drei Städten jeden
Landes zu eröffnen.
Als
-22-

�Als einem ersten Schritt stimmten sie im Prinzip der gleichzeitigen Errichtung eines amerikanischen Generalkonsulates in Kiew und eines sowjetischen Generalkonsulates in New York zu. Verhandlungen über die Verwirklichung dieser Vereinbarung werden zu einem baldigen Zeitpunkt aufgenommen werden.

Beide Seiten begrüßen zutiefst die offene und konstruktive Atmosphäre
und die fruchtbaren Ergebnisse der Gespräche, die zwischen ihnen im Verlaufe
des gegenwärtigen Treffens geführt wurden. Sie sind überzeugt, daß die Ergebnisse einen neuen und wichtigen Meilenstein auf dem Wege zur Verbesserung
der Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR zum Wohle der Völker beider
Länder darstellen und einen bedeutenden Beitrag zu ihren Bemühungen um eine
Stärkung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit leisten.

Beide Seiten haben in diesem Zusammenhang erneut die sehr große Bedeutung sowie den großen praktischen Wert der amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen festgestellt und erneut ihre Übereinstimmung bekräftigt, solche Treffen regelmäßig und wenn zur Erörterung und Lösung dringender Fragen für notwendig erachtet abzuhalten. Beide Seiten bekundeten ferner ihre Bereitschaft,
ihre aktiven und engen Kontakte und Konsultationen fortzusetzen.

Der Präsident lud den Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU,
L.I.Breschnew, ein, den Vereinigten Staaten 1975 einen offiziellen Besuch abzustatten. Diese Einladung wurde gerne angenommen.
Der Präsident
der Vereinigten Staaten von
Amerika
gez.: Richard Nixon

Der Generalsekretär
des Zentralkomitees der KPdSU
gez.: L.I. Breschnew

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- 23 -

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Dokumentation

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T e l e x : 08 - 8 5 4 3 2
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13/1974
RUNDFUNK-UND FERNSEHANSPRACHE PRÄSIDENT NIXONS AN DIE SOWJETISCHE BEVÖLKERUNG

- Wortlaut -

MOSKAU --(AD)— Präsident Nixon hat am 2. Juli in einer Rundfunk-und Fernsehansprache an die sowjetische Bevölkerung auf die bedeutenden Fortschritte in
den Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR verwiesen und die Notwendigkeit
-

•

einer Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern unterstrichen. Die Ansprache des
amerikanischen Präsidenten, die aus dem Grünen Saal des Kreml übertragen wurde, hat folgenden Wortlaut:
!
Auf dem ersten dieser Gipfeltreffen vor zwei Jahren hat mir Ihre Regierung die Möglichkeit geboten, direkt zu Ihnen, der Bevölkerung der Sowjetunion,
zu sprechen. Im vorigen Jahr, während unseres zweiten Zusammentreffens sprach
Generalsekretär Breschnew über Rundfunk und Fernsehen zum amerikanischen Volk.
Heute begrüße ich die Möglichkeit, das, was bereits als Bestandteil unserer
jährlichen Zusammenkünfte zur Tradition geworden ist, fortsetzen zu dürfen.
In diesen letzten beiden Jahren hat eine dramatische Veränderung in der
Art der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern stattgefunden. Nach einer
langen Zeit der Konfrontation sind wir in eine Ära der Verhandlungen eingetre-

-1-

�•'.

•

eingetreten; jetzt lernen wir zusammenzuarbeiten. Wir lernen zusammenzuarbeiten, nicht nur, um die Gefahr eines Krieges zu verringern, sondern auch, um
die Arbeit für den Frieden zu fördern.

Damit tragen wir dazu bei, nicht nur ein sichereres, sondern auch ein
besseres Leben für die Bevölkerung unserer beiden Länder zu schaffen. Wenn wir
uns jetzt vor Augen halten, wie weit wir voran gekommen sind, können wir noch
besser erkennen, wie fest die Grundlage ist, die wir für einen noch größeren
Fortschritt in der Zukunft geschaffen haben.

Auf unserem ersten Gipfeltreffen vor zwei Jahren haben wir das erste jemals ausgehandelte Abkommen über die Begrenzung der strategischen Nuklearwaffen unterzeichnet. Dies war ein historischer Meilenstein auf dem Wege zu einem
dauerhaften Frieden - um der Menschheit die Kontrolle über die Kräfte zu ihrer
eigenen Vernichtung in die Hand zu geben.

Wir müssen noch viele Schwierigkeiten überwinden, bis wir eine volle Kontrolle über die strategischen Nuklearwaffen erreicht haben. Aber jeder einzelne Schritt bringt uns dem näher und stärkt das Vertrauen in den Prozeß der
Verhandlungen selbst.

Unser Fortschritt bei der Begrenzung der Rüstungen war von entscheidender
Bedeutung. Aber er war nicht das einzige Ergebnis unserer Arbeit auf dem
Gipfel. Wir haben ebenso ständig an der Schaffung eines neuen Verhältnisses
gearbeitet, das im Laufe der Zeit die Ursachen des Konfliktes vermindern wird.
Mit der Grundsatzerklärung über unsere gegenseitigen Beziehungen, die 1972
vereinbart worden war, und in dem Abkommen zur Verhinderung eines Nuklearkrie-

-2-

�Nuklearkrieges, das im vorigen Jahr unterzeichnet worden ist, haben wir Normen
geschaffen, die richtungweisend für unsere Handlungen in internationalen Fragen gegenüber dem anderen sind, so daß die Gefahr eines Krieges verringert
wird und die Möglichkeit gefährlicher Konfrontationen abgenommen hat.
Von besonderer Bedeutung ist, daß unsere Verhandlungen noch weit über den
Abbau der Rüstungen und die Verhinderung von Kriegen und Krisen hinausgingen.
Die Art der von uns erreichten Abkommen hat neue Wege der Zusammenarbeit auf
dem weiten Bereich friedlicher Beziehungen eröffnet.

Zum Beispiel arbeiten wir gemeinsam an Programmen, die uns eine bessere
ärztliche Betreuung, bessere Wohnungen und eine bessere Umwelt bringen werden,
und wir arbeiten noch auf zahlreichen anderen Gebieten zusammen. Der Handel
zwischen unseren beiden Ländern erreichte 1973 einen Rekordstand von wertmäßig
1,4 Milliarden Dollar - das ist mehr als das doppelte des Vorjahresergebnisses
und bedeutet mehr Ware und ein größeres Angebot für die Bevölkerung unserer
beiden Länder.

Im nächsten Monat sind es genau 15 Jahre her, daß ich als Vizepräsident
hier in Moskau war und das erste Mal über Rundfunk und Fernsehen zu der Bevölkerung der Sowjetunion sprach. In jener Rede erklärte ich damals: "Unser Ziel
soll nicht der Sieg über andere Völker sein, sondern der Sieg der gesamten
Menschheit über Hunger, Armut, Elend und Seuchen, wo immer sie auf der Welt
vorkommen."

Die von uns auf diesen Gipfeltreffen erreichten Abkommen - zum Beispiel
auf dem Gebiet des Gesundheitswesens - einschließlich des dieses Jahr erzielten

-3-

�1
•

erzielten Abkommens über Forschungsarbeiten mit künstlichen

Herzen - werden

dazu beitragen, uns diesem großen Sieg näher zu bringen. Gleichzeitig werden
sie bei der Bevölkerung unserer beiden Länder ein positives Interesse am
Frieden wecken.

Das ist entscheidend wichtig.

Wenn man in der Vergangenheit vom Frieden sprach, dann gewöhnlich in
erster Linie aus Furcht vor einem Krieg heraus. Die Unterhändler waren in ihren
Anstrengungen entweder durch den Wunsch beflügelt worden, einen Krieg zu beenden, oder durch die Furcht, ihr Fehlschlag würde einen Krieg entfachen.

Der Friede, den wir jetzt zu schaffen trachten, ist ein dauerhafter Friede. Und auf Furcht allein kann nichts Dauerhaftes begründet werden. Indem wir
in unseren beiden Völkern ein positives Interesse am Frieden wecken - indem wir
unseren beiden Völkern Hoffnung geben

- indem wir ihnen etwas geben, auf das

sie als Ergebnis des Friedens blicken können - schaffen wir eine solide Grundlage, auf der ein dauerhaftes Gebäude des Friedens errichtet werden kann und
die auf viele Jahre hält.
Der Friede, den wir zu errichten trachten, ist weit mehr als nur ein Zustand ohne Krieg. Wir streben einen Frieden an, in dem jeder Mann, jede Frau
und jedes Kind auf ein reicheres und erfüllteres Leben blicken können. Das ist
es, was sich die Bevölkerung der Sowjetunion wünscht. Das ist es, was sich das
amerikanische Volk wünscht. Das ist es, was sich die Völker aller Länder wünschen.
Unsere

-4-

&gt;

�Unsere beiden Völker sind große Nationen. Sie sind starke Nationen - die
beiden stärksten Nationen der Welt. Zu oft in der Vergangenheit ist die Größe
einer Nation in erster Linie nach ihren Erfolgen im Kriege bemessen worden.
Es ist jetzt an der Zeit, eine neue Norm zu setzen, nach der die Größe einer
Nation gemessen wird. Wir dürfen unsere Größe nicht danach messen, wie wir
unsere Stärke für Krieg und Zerstörung einsetzen, sondern danach, wie wir gemeinsam für Frieden und Fortschritt für uns und für die ganze Menschheit arbeiten.

Wir sollten uns dessen bewußt werden, daß eine große, eine starke Nation
ihren Willen nicht schwächeren Nationen aufzwingen darf. Eine große Nation
wird sich ihren Platz in der Geschichte durch das Beispiel schaffen, das sie
gibt, für welchen Zweck ihre Macht eingesetzt wird, durch die Achtung, die sie
vor den Rechten anderer zeigt, durch den Beitrag, den sie zum Aufbau einer
neuen Welt leistet, in der die Schwachen genauso sicher sind wie die Starken.

Auf diesen Treffen haben wir uns darum bemüht, sicherzustellen, daß die
Stärke unserer beiden Länder nicht für Krieg und Zerstörung,sondern vielmehr
für Frieden und Fortschritt eingesetzt wird. Unsere beiden Länder werden weiterhin Meinungsverschiedenheiten haben. Wir haben unterschiedliche Systeme.
Und in vieler Hinsicht haben wir unterschiedliche Werte. Es ist ganz unvermeidlich, daß unsere Interessen nicht immer übereinstimmen werden.

Das Wichtigste jedoch ist, daß wir lernen, zu verhandeln, wo wir Meinungsverschiedenheiten haben, um diese,wo immer möglich, einzuengen, und gemeinsam auf einem sich ausweitenden Gebiet gemeinsamer Interessen voranzuschreiten.
Einer
-5-

�Einer der wohl wichtigsten Aspekte unserer sich anbahnenden neuen Beziehungenjläßt sich vielleicht wie folgt umreißen: So wie das Tuch stärker ist
als der Faden, aus dem es gewebt ist, so ist auch das Netz der Abkommen, das
wir gewoben haben, stärker als jedes seiner Teile. Mit diesen Abkommen haben
wir ein System von gegenseitigen Beziehungen, Formen der Zusammenarbeit und
Abmachungen für eine Konsultation geschaffen - die alle ineinandergreifen,um
das Gebäude der neuen Beziehungen zu stärken. So ist jedes neue Abkommen
nicht nur in sich selbst wichtig, sondern auch wichtig im Sinne der zusätzlichen Stärke und Stabilität, die es für unsere Beziehungen insgesamt bringt.

Wir haben dieses Netz der Zusammenarbeit gewoben, nicht nur weil wir
Idealisten in bezug auf den Frieden sind - das sind wir - , sondern weil wir
auch Realisten in bezug auf den Frieden sind. Die Buchstaben der Abkommen
sind wichtig, aber noch wichtiger ist, wie wir sie in der Praxis verwirklichen - wie wir das Ideal der friedlichen Zusammenarbeit in die Praxis der
friedlichen Zusammenarbeit umsetzen. Mit diesem sich ausweitenden Netz von Abkommen, von Austauschprojekten, von Formen der Zusammenarbeit demonstrieren
wir nicht nur das Ideal eines Friedens, sondern den Frieden in der Praxis.

Im Laufe der vielen Jahre habe ich in zahlreichen Ländern die Gedenkstätten für die Gefallenen vieler Kriege besucht. Gestern habe ich einen Kranz
an einer der erschütterndsten Gedenkstätten niedergelegt, die ich jemals gesehen habe, die Kathyn-Gedenkstätte bei Minsk. Eine große bronzene Statue von
Joseph Kaminsky, dem Schmied des Dorfes, der seinen fünfzehnjährigen toten
Sohn in seinen Armen hält, steht heute hoch über den Gräbern dort, wo einst
das Dorf Kathy war.
Wo

�Wo früher Häuser waren, stehen heute die Schornsteine, und in jedem
Schornstein hängt eine Gedenkglocke, die für die Toten nicht nur in Kathyn,
sondern auch in den hunderten von anderen Dörfern läuten, die zerstört worden
waren, und für die Millionen anderen, die starben - eine nachdrückliche Erinnerung für alle Völker und für alle Zeiten, wie furchtbar die Verluste eines
Krieges sind.
Als ich den Kranz niederlegte, dachte ich an die Menschen von Kathyn und
ich dachte besonders an die Kinder von Kathyn. Ich dachte über die Tatsache
nach, daß unsere Anstrengungen heute sich nicht gegen irgend ein Volk oder
irgend eine Gruppe von Völkern richten dürfen, sondern daß sie sich gegen den
Krieg selbst richten müssen.

Ich dachte auch an das lebendige Denkmal, das wir heute errichten müssen
- das immer lebende Denkmal eines dauerhaften Friedens, damit die Kinder derer, die ihr Leben im Kriege gaben, und ihre Enkelkinder vor einer Tragödie
wie in Kathyn bewahrt bleiben und stattdessen die Sicherheit der menschlichen
Brüderschaft kennen lernen, die über die Grenzen aller Völker hinwegreicht.

Als wir zum ersten Male vor zwei Jahren auf dem Gipfel zusammentrafen,
hatten sich beide Seiten in noch unerforschte neue Gewässer gewagt. Und wir
waren vielleicht etwas unsicher und besorgt darüber, wohin dies führen könne.
Aber jetzt haben wir und die Führer der Sowjetunion einander kennengelernt.
Jeder von uns hat ein wesentlich besseres Verständnis für die Politik des anderen Landes, selbst dort, wo es Unterschiede in der Politik gibt.

So

-7-

�i

So wie wir dieses Jahr zusammengekommen sind, so werden wir auch erneut
im kommenden Jahr in den Vereinigten Staaten zusammentreffen, nicht in einer
Atmosphäre der Krisen, sondern in einer Atmosphäre des Vertrauens - Vertrauen
darauf, daß die Arbeit, die wir begonnen haben, voranschreitet, Das Bemerkenswerteste an diesem Gipfeltreffen, das darf man sagen, ist, daß es so routinemäßig, so familiär stattfindet - als Teil eines ständigen Prozesses, der
noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.

Frieden ist nicht nur eine Gegebenheit. Wenn er von Bestand sein soll,
so muß er auch ein fortdauernder Prozeß sein. Und diese Treffen sind

ein Bei-

spiel dafür, daß dieser Prozeß voranschreitet.

Als Verbündete haben wir im zweiten Weltkrieg Seite an Seite in dem
furchtbarsten Krieg in der gesamten Geschichte der Menschheit gekämpft und
gemeinsam mit unseren Verbündeten haben wir den Sieg errungen. Mit diesem Sieg
haben die Bevölkerung der Sowjetunion und die Bevölkerung der Vereinigten Staaten auch eine gemeinsame Hoffnung verbunden, daß wir damit auch einen dauerhaften Frieden gewonnen hätten. Diese Hoffnung wurde enttäuscht; aber jetzt
haben wir eine neue Chance.

Den Sieg in einem Krieg zu erringen ist schwer. Das erfordert von jedem
einzelnen Bürger im Lande außergewöhnlichen Mut, Ausdauer und Hingabe. Aber in
gewisser Hinsicht ist die Schaffung eines dauerhaften Friedens noch schwerer
als das Führen eines Krieges, weil es eine komplexe Aufgabe ist. Wir müssen
für die Aufgabe, einen Frieden zu schaffen, den gleichen Mut, die gleiche Ausdauer und die gleiche Hingabe aufbringen, die uns im Krieg bei unserem Kampf

�*
I
•

Kampf für den Sieg angespornt haben.

Die Tatsache, daß unsere Aufgabe, einen Frieden aufzubauen, weitaus komplexer ist, besagt nicht, daß wir sie nicht erfolgreich lösen können. Lassen
Sie mich ein typisches Beispiel anführen, das diesen Punkt unterstreicht. Auf
dem gesamten Gebiet der modernen Technologie ist keine Aufgabe komplexer als
die Aufgabe, einen Menschen in den Weltraum zu entsenden. Die für das nächste
Jahr geplante gemeinsame sowjetisch-amerikanische Weltraummission - die gemeinsame Sojus-Apollo-Mission - ist in vieler Hinsicht symbolisch für die
neuen Beziehungen,die wir jetzt zwischen unseren beiden Völkern schaffen. Sie
ist symbolisch aus mehreren Gründen - Gründen, die eine wichtige Lehre über
diese neue Beziehung in sich bergen.

Zum einen wird die für den Krieg entwickelte Raketentechnik jetzt für den
Frieden eingesetzt.

Zum anderen starten sowjetische und amerikanische Weltraumfahrer von ihren
jeweiligen Ländern aus. Sie werden ihren Weg zueinander finden und miteinander
zusammentreffen - genau das, was wir tun und weiter tun müssen auf dem gesamten
Gebiet unserer Beziehungen.

Durch Normierung ihrer Docking-Techniken werden sie internationale Rettungsmissionen möglich machen, falls künftige Raumfahrzeuge im Weltraum in
Schwierigkeiten geraten sollten. Dadurch werden sie den Weltraum für die
Astronauten und Kosmonauten aus unseren beiden Ländern sicherer machen - genauso wie unsere neuen Beziehungen das Leben auf der Erde für die Bevölkerung
unserer beiden Länder sicherer machen werden.
Schließlich
-9-

�1

i
Schließlich, und das ist vielleicht noch wichtiger, ist diese gemeinsame
Mission - für die unsere Astronauten jetzt hier in der Sowjetunion zusammen
mit Ihren Kosmonauten üben - möglich gemacht worden durch sorgfältiges Planen,
präzises Steuern und einen Prozeß der gemeinsamen Arbeit und des gemeinsamen
Aufbaus, Schritt für Schritt, um ein Ziel zu erreichen, das wir bei der Verfolgung eines gemeinsamen Zweckes miteinander teilen.
Das ist der Weg, auf dem wir zusammen einen Frieden schaffen können,der
von Bestand sein wird.

Einer der größten Ihrer Schriftsteller, Leo Tolstoi, hat einmal folgende
Geschichte erzählt: Ein sehr alter Mann pflanzte einst Apfelbäume. Er wurde
gefragt: "Warum pflanzt Du Apfelbäume? Es wird lange dauern, bis sie Früchte
tragen, und Du wirst nicht so lange leben, daß Du nur einen einzigen Apfel
davon essen kannst." Der alte Mann antwortete: "Ich werde sie niemals essen,
aber andere werden es, und sie werden mir danken."

Unsere beiden Völker tragen vor der gesamten Welt eine gemeinsame Verantwortung. Und wir müssen ebenfalls jetzt pflanzen, damit künftigenGenerationen
eine Ernte des Friedens heranreift - ein Friede, in dem unsere Kinder zusammenleben können als Brüder und Schwestern,die ihre Hände über den Ozean hinweg
in Freundschaft vereinen und die in eine neue Ära eintreten, in der der Krieg
hinter uns liegt,und die in Frieden für ein besseres Leben für unser Volk
und für alle Völker arbeiten können.

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NIXON: ES GIBT KEINE ALTERNATIVE ZUM FRIEDEN
-Ausführungen des Präsidenten

in Brüssel-

BRÜSSEL -»(AD)-- Präsident Nixon hat erneut unterstrichen, daß es keine Alternative zum Frieden und keine Alternative zu Verhandlungen gibt. Gleichzeitig
versicherte der amerikanische Präsident, daß die NATO-Verbündeten voll über
den Fortschritt bei den Gesprächen mit der Sowjetunion unterrichtet werden.
In einem Trinkspruch auf König Baudouin erklärte Nixon am 26. Juni unter anderem:

"In den kurzen Gesprächen, die ich heute mit einigen meiner Kollegen in
der Atlantischen Gemeinschaft geführt habe, und ebenso auf der Konferenz heute
morgen, der Vollsitzung, habe ich gehört, wie von den Industriestaaten, den
wirtschaftlich fortgeschrittenen Ländern der heutigen Welt, sehr zu Recht das
Inflationsproblem, das Energieproblem, das Problem der internationalen Währungsfragen, der Zahlungsbilanzen, wie ganz allgemein Wirtschaftsprobleme angeschnitten wurden. Und natürlich haben alle von uns festgestellt und erkannt,

�erkannt, daß es in den einzelnen Ländern neben den wirtschaftlichen Problemen
auch weiterhin politische Probleme gibt, wie es sie in freien Gesellschaftssystemen immer geben wird.

Wenn wir auf die Probleme blicken, denen wir uns zur Zeit gegenübersehen,
die an sich und für den Augenblick überwältigend zu sein scheinen, so können
wir, die wir an diesem Tisch sitzen, dankbar sein, daß es sich bei den heutigen Problemen, im Gegensatz zu denen vor fünf Jahren, in erster Linie um
Probleme des Friedens und nicht um Probleme des Krieges handelt. Und das ist
ein Fortschritt.

Das ist ein Fortschritt, obwohl es nicht bedeutet, daß die Aufgabe, der
wir als Staatsmänner gegenüberstehen, leichter ist. Denn in Wirklichkeit ist
sie weit schwerer - schwerer, weil Friede nicht etwas ist, was zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht und dann in einem Vertrag unterzeichnet und besiegelt wird und somit zustandekommt.

Frieden ist ein Prozeß, bei dem laufend Abkommen, Verträge und Vereinbarungen getroffen werden und die ständig bekräftigt werden müssen. Im Falle
eines Krieges dagegen beginnt, sobald dieser endet, mit der Unterzeichnung eines Dokumentes oder irgendeiner anderen Form von Abkommen der Friede,insoweit
nämlich, als kein Krieg mehr herrscht. Und so sind, dessen bin ich mir genauso wie Sie alle bewußt, für uns alle, die wir uns hier aus diesem historischen
Anlaß versammelt haben, die Aufgaben, denen wir uns heute bei der Errichtung
eines Gebäudes des Friedens gegenübersehen, in ihrer Art genauso groß und in
mancher Hinsicht sogar noch größer, denn sie sind umfassender als die Aufgabe,

-2-

�Aufgabe, Völker in einen Krieg zu führen.

Dies ist ein Jubiläum, ein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum,und gewöhnlich betrachten wir einen Jahrestag als Ende einer Ära. Dieses große Bündnis
wurde vor 25 Jahren geschlossen und erwies sich in dieser Zeit als unerläßlich, um in Europa die Freiheit zu erhalten und den Frieden zu wahren. Dieses
Bündnis wird in den kommenden 25 Jahren ein noch größeres und umfassenderes
Ziel haben, nämlich die Freiheit, wo immer sie existiert, zu erhalten. Sie
hat aber auch die Aufgabe, ein Gebäude des Friedens nicht nur für Europa und
für die Atlantische Gemeinschaft, sondern für die gesamte Welt zu errichten.

Das ist ein großes Ziel für ein Bündnis und ein Ziel, dem sich verschrieben zu haben wir als Staatsmänner alle stolz sein können.... Wir leben in e i ner Welt, in der es immer noch tiefe und grundlegende Unterschiede in den Weltanschauungen gibt. Wir leben jedoch in einer Welt, in der die Staatsmänner,
gleichgültig welcher Art diese Unterschiede sind, Wege zu ihrer Überwindung
finden müssen, ohne zur Anwendung von Gewalt Zuflucht zu nehmen, die die Zivilisation, wie wir sie kennen, vernichten würde...

Das will nicht besagen, daß diejenigen, mit denen wir verhandeln, nicht
mit der gleichen Entschlossenheit zu ihren Weltanschauungen und Prinzipien
stehen, wie wir zu den unsrigen.

Das soll lediglich besagen, daß es in der Welt, in der wir leben, mit
den sie drohend überschattenden Nuklearwaffen keine Alternative zum Frieden
und keine Alternative zu Verhandlungen gibt.
Und

3-

�Und Sie können sicher sein, daß wir, was uns anbetrifft, unsere Verbündeten in diesem großen Bündnis nicht nur vorher, sondern auch hinterher konsultieren werden, um sicherzustellen, daß unsere Verhandlungen nicht nur der
Sache des Friedens, sondern auch der Sache der Freiheit und all den Dingen
dienen, die denen etwas bedeuten, die das Vorrecht genießen, Mitglieder dieses großen Bündnisses sein zu dürfen...".

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ERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS BEI SEINER ANKUNFT IN BRÜSSEL
- Wortlaut -

BRÜSSEL --(AD)— Präsident Nixon wurde bei seiner Ankunft in Brüssel am
25. Juni von König Baudouin auf dem Flughafen begrüßt. Die Erklärungen des
Königs und des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
"Herr Präsident, da Belgien schon seit einigen Jahren das Hauptquartier
der Organisation des Nordatlantikvertrages beherbergt - und seit dieser Zeit
auch Sitz der Europäischen Gemeinschaft ist - ist es mir eine Pflicht und ein
Vergnügen, Sie heute abend wieder auf dem Boden meines Landes zu begrüßen.

Sie haben gerade eine Reise durch den Nahen Osten beendet, in deren Verlauf die glücklichen Ergebnisse unermüdlicher Diplomatie bestätigt worden
sind. Wir alle hoffen, daß die unternommenen Bemühungen der Vorläufer eines
endgültigen Friedens in jener Region sein werden.

In zwei Tagen werden Sie in Moskau sein, wo Sie Gespräche führen werden,
deren Ergebnis für uns alle wichtig sein wird. Vor Beginn dieser Getpräche

-1-

�}

&gt;
Gespräche haben Sie den Wunsch geäußert, hierher zu kommen, um nicht nur die
Deklaration von Ottawa über die atlantischen Beziehungen zu unterzeichnen, die
erneut unsere gleichlaufenden Ziele genau feststellt, sondern auch vertrauensvolle Kontakte mit den Regierungschefs befreundeter und verbündeter Nationen
herzustellen, um Ihre Auffassungen darzulegen und deren Meinungen zu hören.
Wir sind über Ihr Handeln sehr beglückt. Es zeigt erneut, daß, so sehr sich
die Zeiten auch ändern mögen, zwischen unseren Völkern noch immer das gleiche
fundamentale Verständnis herrscht, das auf so vielen gemeinsamen Erinnerungen
und so vielen friedlichen Wettkämpfen oder beklagenswerten Schlachten beruht,
die Seite an Seite und im Glauben an die gleichen wesentliche Werte gefochten
worden sind.
Herr Präsident, in der ganzen Welt fühlen sich alle Menschen in zunehmendem
Maße durch das gleiche Schicksal verbunden. Wir wissen, daß sie alle von Herzen wünschen, daß"die Feindseligkeiten aufhören, die Spannungen abgebaut werden und ein gerechter und dauerhafter Frieden hergestellt wird.

Wir heißen Sie und Mrs. Nixon von Herzen willkommen und bringen unsere
Hoffnung auf den E folg der Arbeit zum Ausdruck, .die wir zusammen leisten werden."

Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Eure Majestät, Herr Generalsekretär, verehrte Gäste:

. Eure Majestät, ich möchte Ihnen meine außerordentliche Dankbarkeit für
den freundlichen Empfang zum Ausdruck bringen und auch für Ihre so beredten

-2-

�beredten Worte hinsichtlich der Hoffnungen, die wir alle für den Aufbau
eines Gebäudes des Friedens in der Welt hegen.
Und es ist in der Tat eine Ehre für mich, morgen mit meinen Kollegen im
Atlantischen Bündnis zusammen unsere Hingabe an die großen Prinzipien des
Bündnisses zu bekräftigen. Was wir alle erkennen müssen, ist, daß das Atlantische Bündnis für die Erhaltung des Friedens in Europa während der letzten
25 Jahre unerläßlich war.

Wie Sie festgestellt haben, kommt dieser Besuch in Brüssel auf halbem
Wege zwischen zwei anderen Besuchen - der erste im Nahen Osten, der zweite in
der Sowjetunion. Daß dem so ist, hat seine Bedeutung, denn es symbolisiert
die zentrale Rolle, die das Atlantische Bündnis in der Verfolgung unseres
Zieles eines dauerhaften Friedens in der Welt spielt. Ohne das Bündnis wäre
es fraglich gewesen, ob die Entspannung begonnen hätte, und es ist fraglich, ob ohne den Fortbestand des Bündnisses die Entspannung weitergehen würde.

Und es ist auch von großer Bedeutung, daß dieses Treffen in Brüssel,
heute die Hauptstadt Europas, und in Belgien stattfindet - ein Land,das in
zwei Weltkriegen so viel gelitten hat. Und ich bin sicher, daß alle, die an
dem morgigen Treffen teilnehmen, in ihren Herzen die gleichen Gefühle hegen
werden, nämlich den Wunsch, daß das, was wir dort tun, und welche Entscheidungen wir auch treffen, und was immer wir sagen, zu dem Ziel beitragen möge,
nach dem wir streben - nicht nur für jedes unserer Länder, sondern für alle
Nationen der Welt - ein Frieden, der von Dauer sein wird."
+-H-3-

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ERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS VOR SEINEM ABFLUG IN WASHINGTON

- Wortlaut -

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat am 25. Juni vor seinem Abflug zu
dem NATO-Gipfel in Brüssel und seinem anschließenden Besuch in der Sowjetunion auf dem Washingtoner Flughafen folgende Erklärung abgegeben:
"Mitglieder des Kabinetts, Mitglieder des Diplomatischen Korps, meine
Damen und Herren:
Ich möchte Ihnen allen zunächst meinen Dank aussprechen, daß Sie sich
die Zeit genommen haben, uns zu verabschieden, wenn wir jetzt eine neue
•Reise des Friedens* antreten. Dieses Mal gehen wir, wie Sie wissen, zuerst
nach Brüssel und dann nach Moskau.
Wir beabsichtigen in Brüssel mit alten Freunden zusammenzutreffen und
unsere Unterstützung des großen NATO-Bündnisses erneut zu bekräftigen, dem

-1-

�dem es zuzuschreiben ist, daß 25 Jahre lang der Friede in Europa gewahrt wurde, und das unentbehrlich ist. Wir wollen diesem Bündnis bei unserem Treffen
mit den Regierungschefs der meisten NATO-Länder ein neues Ziel und eine neue
Richtung geben.

Von Brüssel aus gehen wir nach Moskau. Dort werden wir Gelegenheit haben,
erneut mit Generalsekretär Breschnew und seinen Mitarbeitern zusammenzutreffen. Dieses Gipfeltreffen hat, wie die beiden anderen - das erste vor zwei
Jahren in Moskau und das im letzten Jahr in Washington sowie in anderen Teilen der Vereinigten Staaten • einen dreifachen Zweck:

Erstens rechnen wir mit einer Stärkung der bilateralen Beziehungen zwi«
sehen den beiden stärksten Ländern der Welt; zweitens hoffen wir, Gebiete der
Zusammenarbeit zu entwickeln, die an die Stelle von Konfrontation in anderen
kritischen Gebieten der Welt treten, an denen es eventuell zu einem Konflikt
zwischen den beiden großen Mächten kommen könnte; und drittens hoffen wir auf
weiteren Fortschritt bei einem Ziel, das wir 1972 zu verwirklichen begonnen
haben und auf das wir uns hinbewegen, nämlich die Bürde und die Gefahr einer
nuklearen Rüstung für unsere beiden Länder und für die Welt ganz allgemein zu
begrenzen.

Das sind sehr hoch gesteckte Ziele und gleich allen großen Zielen sind
sie sehr schwer zu verwirklichen, so wie dies auch bei den Zielen der Fall
war, die wir auf unserer ersten Reise in den Nahen Osten zu verwirklichen gesucht haben. Aber wir sind Zuversicht lieh,daß wir, wenn wir auf diese Ziele
blicken, sie nicht nur zu verwirklichen trachten müssen, sondern daß wir sie

-2-

�sie unserer Ansicht nach auch verwirklichen können. Denn wenn wir von den
beiden stärksten Ländern, der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten, sprechen, dann ist eine Zusammenarbeit zwischen diesen beiden großen Völkern
unerläßlich, wenn wir ein Gebäude des Friedens in der Welt errichten wollen,
das von Bestand ist.
Wir wissen, daß wir mit der Stärke Amerikas, der Entschlossenheit Amerikas und der Festigkeit und Hingabe Amerikas Fortschritte auf dieser langen,
aber entscheidend wichtigen »Reise des Friedens* nicht nur für Amerika, sondern für die gesamte Menschheit, erzielen können. Und wir haben besonders die
Botschaften begrüßt, die wir vor jeder dieser Reisen von Menschen überall in
Amerika erhalten haben, denn ihre Gebete, ihre Wünsche für einen Erfolg bedeuten, daß das amerikanische Volk in seiner großen Mehrheit geschlossen hinter den Bemühungen steht, die wir jetzt unternehmen, wenn wir Meinungsverschiedenheiten beizulegen suchen, die sonst zu einem ungezügelten Wettrüsten
führen würden, die sonst zu einer Konfrontation nicht nur zwischen den beiden
Großmächten, sondern überall auf der Welt führen würden, die sonst alle Hoffnungen und Ideale vernichten würden, die die Amerikaner von Anbeginn dieses
Jahrhunderts an hegten ~ das Ideal einer Welt des Friedens, so daß wir die
ganze Kraft aller großen Völker für Werke des Friedens statt zur Vorbereitung
eines Krieges einsetzen können. Ich danke Ihnen."

+++

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13/1974

TREFFEN IN BRÜSSEL DEMONSTRIERTE SOLIDARITÄT DER NATO
- Nixon sprach vor dem Nordatlantikrat BRÜSSEL —(AD)-- Das Treffen der führenden Staatsmänner des Atlantischen
Bündnisses am 26. Juni ist nach Auffassung Präsident Nixons ein bedeutsamer
Beweis für die Solidarität des Westens und eine wichtige Vorstufe für seine
Zusammenkünfte mit den sowjetischen Führern in Moskau gewesen.

Der Präsident hielt eine 25minütige Ansprache vor einer Plenarsitzung
des Nordatlantikrates, die zwar für die Öffentlichkeit nicht zugänglich war,
über die jedoch der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, anschließend vor der Presse berichtete.

Nixon hat nach den Ausführungen Zieglers die Einigkeit der Zielsetzung
des Bündnisses unterstrichen und auf die anhaltende Stärke wie auch auf die
Notwendigkeit der Konsultation im Bündnis hingewiesen. Er versicherte, daß
die Unterzeichnung der Atlantischen Erklärung die Basis für ein weiteres Vierteljahrhundert der Solidarität und Sicherheit und für eine bessere Zukunft

-1-

�Zukunft schaffen werde. So w rde hervorgehoben, daß das Bündnis bei seinem
Eintritt in das zweite Viertel Jahrhundert stärker und geeinter sei als je zuvor.

Der Erfolg der NATO, so führte der Präsident aus, böte seinen Mitgliedern die Sicherheit, ihre nationalen, regionalen und globalen Interessen verfolgen zu können. So wie aber die Notwendigkeit für Sicherheit heute nicht geringer geworden sei, so sei auch die Einheit der gemeinsamen Zielsetzung
weiter notwendig.- Wenn Mitglieder des Bündnisses ihre individuellen Interessen erfolgreich verfolgen wollen, so müsse dies in einem Geiste der Harmonie mit den Zielsetzungen des Bündnisses geschehen.

Nixon bekräftigte die Zusicherung der Vereinigten Staaten, ihre Streitkräfte in Europa aufrechtzuerhalten und sie bei einer entsprechenden Anstrengung der anderen Bündnismitglieder weiter zu verbessern. Er erklärte erneut,
daß die Vereinigten Staaten ihre Streitkräfte nicht ohne entsprechende Maßnahme des Sowjetblocks verringern würden. Ein einseitiger Truppenabbau würde
nach seiner Auffassung Auswirkungen in der ganzen Welt haben, die in keinem
Verhältnis zu der Zahl der entlassenen Soldaten oder der eingesparten Mittel
stehen würden.

Der Präsident betonte, daß Verteidigung und Entspannung mit der Sowjetunion in einem unauflöslichen Zusammenhang stünden. Nur durch eine Stärkung
der Bewegung zu einer Entspannung hin könnten die Nationen des Bündnisses ihre
Verteidigungskosten verringern.
Nixon

-2-

�&lt;&gt;!;*.; -I Nixon zeigte sich ermutigt über die Zielstrebigkeit und das Tempo der
. !

jüngsten Anstrengungen, der Partnerschaft in der NATO neue Impulse zu verlei-

i,, \ • hen, vor allem durch echte Konsultation. Die Vereinigten Staaten, so ließ er
eEkei\nen, seienabsolut bereit, sich mit ihren Verbündeten über alle Fragen
von Interesse für das Bündnis zu konsultieren.

Der Präsident wiederholte die Erklärung von Außenminister Kissinger ,
daß die Deklaration und die darin vorgesehenen Konsultationen nicht als juristisch bindende Verpflichtung betrachtet würden, sondern den Geist der Zusammenarbeit im Bündnis symbolisierten,, von dem die Vereinigten Staaten hoff»
\ • ten, daß er zu der Erkenntnis unter, den Mitgliedern führen werde, daß sie
s, i 'j
,,

keine Maßnahmen ins Auge fassen, ohne sich vorher der Unterstützung und des
Einverständnisses anderer Mitglieder zu versichern.

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\

'-,

'•

Nixon wies darauf hin, daß zwar die rechtlichen Verpflichtungen des Bünd-

'

:

-

'•

•

••

nisses geographisch begrenzt seien, daß jedoch Ereignisse außerhalb des Bündnisgebietes Auswirkungen auf alle Mitglieder haben können. Die Vereinigten
Staaten, so erklärte der Präsident, seien sich dieser Realität bewußt und
beabsichtigten, die Mitglieder in allen Fragen zu konsultieren, die das Bünd,•

nis berühren. Ebenso wies der Präsident darauf hin, daß die gemeinsame Erklärung durch kooperative und konstruktive wirtschaftliche Beziehungen unter-

J(J

mau,ert werden müsse, und er betonte in diesem Zusammenhang, daß die Vereinigten. Staaten wirtschaftliche Fragen in einem Geiste der Freundschaft und aus
der.Überzeugung heraus behandeln würden, daß es im gemeinsamen Interesse

. u.r

liegt, .wenn alle. Völker, einschließlich der Entwicklungsländer, davon profitieren.
Bezüglich
-3-

�Bezüglich seines Moskau-Besuches hob Nixon hervor, daß der westliche Zusammenhalt die Grundlage für die Entspannungsbemühungen im gemeinsamen Interesse darstelle. Die Entspannung, so erklärte Nixon, biete der Welt eine Chance, das Wettrüsten unter Kontrolle zu bringen und eine Atmosphäre zu schaffen,
in der Probleme ohne eine bipolare Konfrontation angepackt werden können. Die
Entspannung biete weiter die Möglichkeit, ein Netz kooperativer Abkommen zu
schaffen, die der Zurückhaltung in'den internationalen Beziehungen dienlich
seien.

Nixon wies darauf hin, daß neben einem Meinungsaustausch über wichtige
internationale Fragen, einer gründlichen Aussprache über bilaterale Beziehungen und den Abkommen über eine Zusammenarbeit auf verschiedenen Gebieten die
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und die beider*,
seitigen ausgewogenen Truppenreduzierungen in Mitteleuropa (MBFR) zu seinen
wichtigen Moskauer Themen gehören. Er bekräftigte erneut, daß die Vereinigten
Staaten niemals die Interessen ihrer Verbündeten aufs Spiel setzen werden, um
mit Moskau zu einem Abkommen zu gelangen.

Im Zusammenhang mit dem Nahen Osten erklärte der Präsident vor dem Rat,
daß die dortige Krise und die ersten Schritte zu ihrer Beilegung eine eindeutige Demonstration darstellen können,und daß alle ein Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens außerhalb der Grenzen des Bündnisses haben. Die
Vereinigten Staaten würden auch weiterhin eine zentrale Rolle im Nahen Osten
spielen, um eine diplomatische Alternative zum Krieg zu finden. Die USA hätten
nicht die Absicht, irgendeine Nation von diesem Gebiet auszuschließen, und

-4-,

�und die europäischen Nationen hätten ein lebenswichtiges Interesse am Nahen
Osten und wünschten,eine wesentliche eigene Rolle dort zu spielen. Er gab
seiner Hoffnung Ausdruck, daß das Bündnis diese Aktivitäten koordinieren und
gemeinsam für den Frieden arbeiten werde.

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13/1974

NIXON HÄLT AN MONETÄREN UND FISKALISCHEN MASSNAHMEN ZUR EINDÄMMUNG
DER INFLATION FEST

- Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 24.Juni -

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat eine Politik der fiskalischen und
monetären Zurückhaltung als sicherstes Mittel zur Eindämmung der Inflation
empfohlen.

In einer am 24. Juni vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung betonte der Präsident, daß das Haushaltsdefizit in dem am 30. Juni auslaufenden
Finanzjahr 1973/74 nur 3 Milliarden Dollar betragen wird gegenüber 5 Milliarden Dollar, die in dem ursprünglichen Haushaltsvoranschlag ausgewiesen worden waren. Mit einem baldigen Ende des Preisauftriebs,so stellte Nixon fest,
sei zwar nicht zu rechnen, doch werde die Inflationsrate zum Jahresende erheblich niedriger liegen. Die wesentlichen Teile der Erklärung des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
"Die

-1-

�1
"Die wirksamste Waffe im Kampf gegen die Inflation ist, wie ich dies wiederholt betont habe, eine Politik der fiskalischen und monetären Zurückhaltung seitens der Bundesregierung. Der Anstieg der Verbraucherpreise in der
letzten Zeit,so enttäuschend er auch war, hat nur erneut unterstrichen, wie
wichtig es ist, mit Nachdruck und Geduld an diesem Kurs festzuhalten.

Zur Verwirklichung dieses Zieles habe ich mit meinen wichtigsten Wirtschaftsberatern eine Überprüfung unserer Haushaltspolitik durchgeführt. Es
hat nunmehr den Anschein, daß das Defizit in dem am Sonntag zu Ende gehenden
Finanzjahr weit niedriger sein wird, als es Anfang dieses Jahres vorausgesagt worden war. Das Gesamtdefizit in diesem Jahr dürfte bei 3 Milliarden Dollar liegen und damit um 2 Milliarden Dollar hinter den Ansätzen zurückbleiben. #

Mein Wirtschaftsberater Kenneth Rush, der Direktor des Budgetamtes und
meine übrigen maßgebenden Berater legen auf meine Anweisung hin Maßnahmen fest,
wie die Bundesausgaben in den beiden kommenden Haushaltsjahren niedrig gehalten werden können. Wir tun alles in unseren Kräften stehende, damit die Ausgaben auf der Basis bestehender Gesetze im Finanzjahr 1974/75 nicht über 300
Milliarden Dollar ansteigen. Diese Zahl würde um 5 Milliarden Dollar hinter
unseren letzten Ansätzen zurückbleiben, und falls uns dies gelingt, würde
sich das voraussichtliche Defizit in dem genannten Finanzjahr von etwa 11 auf
6 Milliarden Dollar verringern.

Für das Finanzjahr 1975/76 haben wir uns einen Ausgleich des Haushalts als
Ziel gesetzt. Anfang Juli wird der Direktor des Budgetamtes den einzelnen
Ministerien und selbständigen Regierungsbehörden die neuen Richtlinien zur

-2-

,

�zur Verwirklichung dieses Zieles übersenden...

Wir hoffen, daß der Kongreß diese Anstrengungen voll unterstützt, kostspielige und inflationistische Vorschläge zurückweist und allen Anträgen
auf eine Steuersenkung widersteht...

Meine kürzliche Reise nach dem Nahen Osten hat gezeigt, daß die Nemesis
der Inflation vielfältige Gestalt annimmt und ihr die Hauptsorge aller
Staatsmänner der Welt gilt. Die Zunahme der Gütererzeugung hält einfach
nicht Schritt mit dem raschen Wachstum der Nachfrage auf der Welt. Im Rahmen
unserer Bemühungen zur Ausweitung des Warenangebots haben auf meine Anweisung hin Wirtschaftsberater Rush und der Wirtschaftsbeirat auf hoher Ebene
eine Arbeitsgruppe eingesetzt,die die gegenwärtigen Verknappungen untersuchen
soll.

Aber so wie die Probleme des Friedens keine sofortigen Lösungen anbieten,
so sind auch die Probleme der Weltwirtschaft schwierig zu lösen. Wir sehen
kein rasches Ende der Inflation. Die neuesten statistischen Zahlen für die
Verbraucherpreise deuten darauf hin, daß es immer noch zahlreiche Risiken
gibt

und daß auch die von uns für das Ende des Kalenderjahres vorausgesagte

niedrigere Inflationsrate höher sein wird, als wir dies gerne hätten.

Trotz allem steht fest, daß die gegenwärtige Politik einer fiskalischen
und monetären Zurückhaltung der sicherste

Weg zur Eindämmung der Inflation

ist. Es wird eine gewisse Zeit dauern, aber sie wird wirken, wenn wir Geduld
und Disziplin aufbringen, damit sie wirken kann.
H I r
-3-

�</text>
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            <description>An account of the resource</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon: Eine Reise im Dienste des Friedens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des Präsidenten vor dem amerikanischen Volk -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsames amerikanisch-sowjetisches Kommunique zum Abschluss des Gipfeltreffens in Moskau&lt;br /&gt;- Wortlaut -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rundfunk- und Fernsehansprache Präsident Nixons an die sowjetische Bevölkerung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nixon: Es gibt keine Alternative zum Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausführungen des Präsidenten in Brüssel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Präsidenten Nixons bei seiner Ankunft in Brüssel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Nixons vor seinem Abflug in Washington&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Treffen in Brüssel demonstrierte Solidarität der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nixon sprach vor dem Nordatlantikrat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon hält an monetären und fiskalischen Maßnahmen zur Eindämmung der Inflation fest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 24. Juni -&lt;/em&gt;</text>
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14

10. Juli

1974

Inhalt

DOKUMENTATION:
Amerikanisch-Sowjetischer Vertrag über unterirdische Nuklearversuche
- Wortlaut Protokoll zum amerikanisch-sowjetischen Vertrag über unterirdische
Nuklearversuche
- Wortlaut Protokoll zum amerikanisch-sowjetischen Vertrag über die Begrenzung
der ABM-Systeme
- Wortlaut Hintergrundmaterial zum Protokoll über AMB-Systeme
- Wortlaut Gemeinsame Erklärung über den Schutz der Umwelt vor Veränderungen für
militärische Zwecke
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL:
Amerikanisch-Sowjetisches Abkommen über Zusammenarbeit auf dem Gebiet
der Energie
Amerikanisch-Sowjetisches Abkommen über Zusammenarbeit im Bauwesen
Amerikanisch-Sowjetisches Abkommen über Zusammenarbeit bei der Erforschung von Herzkrankheiten und der Entwicklung eines künstlichen Herzens

WIRTSCHAFT:
Amerikanisch-Sowjetisches Abkommen über die Erleichterung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen Zusammenarbeit
- Wortlaut USA erläutern amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die Erleichterung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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1471974
AMERIKANISCH-SOWJETISCHER VERTRAG ÜBER UNTERIRDISCHE NUKLEARVERSUCHE
- Wortlaut MOSKAU --(AD)-- Der von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef
Breschnew am 3. Juli in Moskau unterzeichnete amerikanisch-sowjetische Vertrag über die Begrenzung der unterirdischen Nuklearwaffenversuche hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken, nachfolgend als Vertragspartner bezeichnet, sind

aus der erklärten Absicht heraus, zum frühestmöglichen Zeitpunkt die Beendigung des nuklearen Wettrüstens zu erreichen und wirksame Maßnahmen für einen
Abbau der strategischen Rüstungen, eine nukleare Abrüstung sowie eine allgemeine und völlige Abrüstung unter strikter und wirksamer internationaler
Kontrolle zu ergreifen,
im Hinblick auf die von den Partnern des Vertrages über ein Verbot von Atom»
waffenversuchen in der Atmosphäre,im Weltraum und unter Wasser in dessen

-1-

�dessen Präambel bekundete Entschlossenheit, sich darum zu bemühen, für alle
Zeiten die Einstellung aller Testexplosionen von Nuklearwaffen zu erreichen,
und die diesbezüglichen Verhandlungen fortzusetzen,

unter Hinweis, daß die Einführung von Maßnahmen zur weiteren Begrenzung der
unterirdischen Nuklearwaffenversuche zur Verwirklichung dieser Ziele beitragen und im Interesse einer Stärkung des Friedens und der weiteren Verminderung
der Spannungen liegen würde,

wie folgt übereingekommen:

Artikel I

1.

Jeder Vertragspartner verpflichtet sich, beginnend vom 31. März 1976 an,

alle unterirdischen Nuklearwaffenversuche mit einer Sprengkraft von mehr als
150 Kilotonnen an jedem unter seiner Hoheitsgewalt oder Kontrolle stehenden
Ort zu verbieten, zu verhindern und nicht durchzuführen.

2.

Jeder Vertragspartner soll die Zahl seiner unterirdischen Nuklearwaffen-

versuche auf ein Minimum begrenzen.
3.

Die Vertragspartner werden ihre Verhandlungen mit dem Ziel fortsetzen,

eine Lösung des Problems der Einstellung aller unterirdischen Nuklearwaffenversuche zu erreichen.

Artikel

�Artikel II
1.

Um die Einhaltung der Bestimmungen dieses Vertrages zu gewährleisten,

soll jeder Vertragspartner die ihm zur Verfügung stehenden nationalen technischen Verifizierungsmittel in einer Art und Weise anwenden, die mit den allgemein anerkannten Grundsätzen des Völkerrechtes in Einklang steht.
2.

Jeder

Vertragspartner verpflichtet sich, nicht in die nationalen

technischen Verifizierungsmittel des anderen Vertragspartners einzugreifen,
die gemäß Paragraph 1 dieses Artikels angewandt werden.

3.

Um die Ziele und die Durchführung der Bestimmungen dieses Vertrages

zu fördern, sollen die Vertragspartner erforderlichenfalls einander konsultieren, Erkundigungen einholen und auf derartige Erkundigungen hin Auskunft erteilen.

Artikel III

Die Bestimmungen dieses Vertrages gelten nicht für unterirdische Nuklearexplosionen, die von den Vertragspartnern für friedliche Zwecke durchgeführt
werden. Unterirdische Nuklearexplosionen für friedliche Zwecke sollen durch
ein Abkommen erfaßt werden, das von den Vertragspartnern zum frühestmöglichen
Zeitpunkt ausgehandelt und abgeschlossen werden soll.

Artikel

�Artikel IV

Dieser Vertrag bedarf der Ratifizierung in Einklang mit den verfassungsmäßigen Verfahren jedes Vertragspartners. Der Vertrag soll am Tage des Austausches der Ratifikationsurkunden in Kraft treten.

Artikel V

1.

Dieser Vertrag soll für einen Zeitraum von fünf Jahren in Kraft blei-

ben. Sofern er nicht vorher durch ein Abkommen über die Verwirklichung der
in Paragraph drei Artikel I dieses Vertrages im einzelnen dargelegten Ziele
ersetzt wird, soll er für weitere Zeiträume von jeweils fünf Jahren verlängert
werden, sofern nicht einer der Vertragspartner den anderen spätestens sechs
Monate vor Ablauf des Vertrages von dessen Kündigung in Kenntnis setzt. Vor
Ablauf dieses Zeitraumes können die Vertragspartner erforderlichenfalls Konsultationen abhalten, um die Situation im Zusammenhang mit dem Inhalt dieses
Vertrages zu prüfen und um etwaige Zusätze zu dem Vertragstext einzubringen.
2.

Jeder Vertragspartner soll in Ausübung seiner nationalen Souveränität

das Recht haben, von diesem Vertrag zurückzutreten, wenn er zu der Entscheidung gelangt, daß außergewöhnliche Ereignisse, die im Zusammenhang mit dem Gegenstand dieses Vertrages stehen, seine höchsten Interessen gefährdet haben.
Er soll dann dem anderen Vertragspartner sechs Monate vor dem Zurücktreten
von dem Vertrag von seiner Entscheidung Kenntnis geben. Eine solche Bekundung

�Bekundung soll eine Erklärung über die außergewöhnlichen Ereignisse einschliessen, die der seine Absicht bekundende Vertragspartner als seine höchsten Interessen gefährdend ansieht.

3.

Dieser Vertrag soll gemäß Artikel 102 der Charta der Vereinten Nationen

hinterlegt werden.

Gegeben in Moskau am 3. Juli 1974 in doppelter Ausfertigung in englischer
und russischer Sprache, die beide in gleicher Weise authentisch sind.

Für die Vereinigten Staaten

Für die Union der Sozialistischen

von Amerika

Der Präsident der Vereinigten

Sowjetrepubliken

Der Generalsekretär des Zentralkomitees

Staaten von Amerika

der KPdSU

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PROTOKOLL ZUM AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN VERTRAG ÜBER UNTERIRDISCHE
NUKLEARVERSUCHE

- Wortlaut -

MOSKAU --(AD)-- Das von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef
Breschnew am 3. Juli in Moskau unterzeichnete Protokoll zum Vertrag über die
Begrenzung der unterirdischen Nuklearwaffenversuche hat folgenden Wortlaut:

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, im folgenden als Vertragspartner bezeichnet, haben beschlossen,
die unterirdischen Nuklearwaffenversuche zu begrenzen, und sind wie folgt
übereingekommen:
1.

Um die Verifizierung der Einhaltung der von den Vertragspartnern in

dem Vertrag übernommenen Verpflichtungen mit nationalen technischen Mitteln
zu gewährleisten, sollen die Vertragspartner auf der Basis der Gegenseitigkeit die folgenden Daten austauschen:
a)

-1-

�a) Die geographischen Koordinaten der Grenzen jedes Versuchsgebietes
und der Grenzen der geophysikalisch unterschiedlichen Testräume innerhalb des Gebietes;

b) Informationen über die geologischen Verhältnisse der Testräume in
den Versuchsgebieten (Eigenarten des Gesteins geologischer Formationen und die grundlegenden physikalischen Eigenschaften des Gesteins,
wie z.B. Dichte, seismische Ausbreitungsgeschwindigkeit, Wassergehalt,
Porosität und Höhe des Grundwasserstandes);

c) d ie geographischen Koordinaten unterirdischer Nuklearwaffenversuche
nach deren Durchführung;

d) Sprengkraft, Tag, Uhrzeit, Tiefe und Koordinaten von zwei Nuklearwaffenversuchen für Vergleichszwecke (Kalibrierung) aus jedem der
geophysikalisch unterschiedlichen Testräume, in dem Nuklearwaffenversuche durchgeführt worden sind

oder durchgeführt werden sollen.

Was die Sprengkraft solcher für Vergleichszwecke (Kalibrierung) angegebenen Explosionen anbetrifft, so sollte diese möglichst nahe der
in Artikel I des Vertrages angegebenen Höchstgrenze liegen und nicht
weniger als ein Zehntel dieses Grenzwertes betragen. Im Falle von
Testräumen, für die keine Daten von zwei Versuchen für Vergleichszwekke (Kalibrierung) vorliegen, sollen, falls verfügbar,Daten über einen
solchen Versuch ausgetauscht werden, und die Daten über den zweiten
Versuch sollen baldmöglichst ausgetauscht werden, nachdem ein zweiter

�zweiter Versuch mit einer Sprengkraft in dem oben erwähnten Bereich
durchgeführt worden ist. Die Bestimmungen dieses Protokolls sollen
die Vertragspartner nicht veranlassen, Versuche ausschließlich zu
Vergleichszwecken (Kalibrierung) durchzuführen.

2.

Die Vertragspartner vereinbaren, daß der Austausch von Daten gemäß Para-

graph 1 Absatz a, b und d gleichzeitig mit dem Austausch der Ratifizierungsurkunden zu dem Vertrag gemäß Artikel IV des Vertrages erfolgen soll, - unter
der Überlegung, daß jeder Vertragspartner auf der Basis der

Gegenseitigkeit

dem jeweils anderen Gelegenheit geben soll, sich mit diesen Daten noch vor
dem Austausch der Ratifikationsurkunden vertraut zu machen.
3.

Sollte ein Vertragspartner nach Inkrafttreten des Vertrages ein neues

Versuchsgebiet oder einen neuen Testraum festlegen, so sollen die in Paragraph 1 Absatz a und b geforderten Daten dem anderen Vertragspartner noch vor
Benutzung dieses Versuchsgebietes oder Testraumes übermittelt werden. Die in
Paragraph 1 Absatz d geforderten Daten sollen ebenfalls vor

Benutzung des

Versuchsgebietes oder des Testraumes übermittelt werden, sofern sie verfügbar sindjsollten sie noch nicht verfügbar sein, so sollen sie, sobald sie dem
notifizierenden Vertragspartner vorliegen, weitergegeben werden.

4.

Die Vertragspartner vereinbaren, daß die Versuchsgebiete eines jeden

Vertragspartners an Orten unter seiner Hoheitsgewalt oder Kontrolle liegen
und daß alle Nuklearwaffenversuche ausschließlich in den gemäß Paragraph 1
festgelegten Versuchsgebieten durchgeführt werden sollen.
5.

-3-

�5.

Nach dem Vertrag sollen alle unterirdischen Nuklearexplosionen in den

festgelegten Versuchsgebieten als Nuklearwaffenversuche gelten und allen Bestimmungen des Vertrages über Nuklearwaffenversuche unterliegen. Die Bestimmungen des Artikels III des Vertrages gelten für alle unterirdischen Nuklearexplosionen, die außerhalb der festgelegten Versuchsgebiete durchgeführt werden und ausschließlich für solche Explosionen.

Dieses Protokoll soll als fester Bestandteil des Vertrages betrachtet
werden.

Gegeben in Moskau am 3. Juli 1974

Für die Vereinigten Staaten

Für die Union der Sozialistischen

von Amerika

Sowjetrepubliken

Der Präsident der Vereinigten

Der Generalsekretär des Zentralkomitees

Staaten von Amerika

der KPdSU

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PROTOKOLL ZUM AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN VERTRAG ÜBER DIE BEGRENZUNG
DER ABM-SYSTEME
- Wortlaut -

MOSKAU --(AD)-- Das von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef
Breschnew am 3. Juli in Moskau unterzeichnete Protokoll zum amerikanischsowjetischen Vertrag über die Begrenzung der ABM-Systeme hat folgenden Wortlaut:

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken, im folgenden als Vertragspartner bezeichnet, sind

ausgehend von den am 29. Mai 1972 unterzeichneten Grundsätzen für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken;

aus dem Wunsche heraus, die Ziele des am 26. Mai 1972 von den Vereinigten
Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken unterzeichneten Vertrages über die Begrenzung der ABM-Systeme, im folgenden als
Vertrag bezeichnet, zu fördern;
unter

�unter Bekräftigung ihrer Überzeugung, daß die Einführung weiterer Maßnahmen
zur Begrenzung der strategischen Rüstungen zur Stärkung des Weltfriedens und
der internationalen Sicherheit beitragen würde;

von der Voraussetzung ausgehend, daß eine weitere Begrenzung der ABM-Sysceme
günstigere Bedingungen für den Abschluß der Arbeit an einem dauerhaften abkommen über umfassendere Maßnahmen zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen schaffen würde;

wie folgt übereingekommen:

Artikel I

1.

Jeder Vertragspartner soll jeweils auf ein einziges Dislozierungsgebiet

beschränkt werden statt auf zwei, wie dies in Artikel III des Vertrages über
die Begrenzung der Dislozierung von ABM-Systemen oder deren Komponenten vorgesehen war, und soll daher von seinem Recht, ein ABM-System oder seine Komponenten auf dem zweiten Dislozierungsgebiet für ABM-Systeme zu dislozieren,
keinen Gebrauch machen, es sei denn im Austausch von einem erlaubten Gebiet
gegen ein anderes gemäß Artikel II dieses Protokolls.
2.

Dementsprechend dürfen, es sei denn, daß es nach Artikel II dieses Pro-

tokolls gestattet ist, die Vereinigten Staaten von Amerika kein ABM-System
oder dessen Komponenten im Gebiet um ihre Hauptstadt dislozieren, wie dies in
Artikel III (A) des Vertrages gestattet war, und die Sowjetunion darf kein
ABM-System oder dessen Komponenten in dem Dislozierungsgebiet von ICBM

�ICBM (Interkontinentalraketen)-Abschuß-Silos dislozieren, wie dies in Artikel III (B) des Vertrages gestattet war.

Artikel II
1.

Jeder Vertragspartner soll das Recht haben, sein ABM-System und dessen

Komponenten in dem Gebiet, wo sie gegenwärtig disloziert sind, zu demontieren oder zu zerstören und ein ABM-System oder dessen Komponenten in dem nach
Artikel III des Vertrages gestatteten Alternativgebiet zu dislozieren, vorausgesetzt, daß vor Beginn des Baues gemäß dem von der Ständigen Beratenden Kommission vereinbarten Verfahren eine Notifizierung erfolgt ist, und zwar in
dem am 3. Oktober 1977 beginnenden und am 2. Oktober 1978 endenden Jahr oder
in jedem in einem FünfJahreszeitraum danach beginnenden Jahr - den jeweils gemäß Artikel XIV des Vertrages für eine periodische Überprüfung des Vertrages
vorgesehenen Jahren. Von diesem Recht kann nur einmal Gebrauch gemacht werden.

3.

Demontage oder Zerstörung und Dislozierung von ABM-Systemen und deren

Komponenten und die Notifizierung hierüber sollen gemäß Artikel VIII des
ABM-Vertrages und den von der Ständigen Beratenden Kommission vereinbarten
Verfahren erfolgen.

Artikel III

Die durch den Vertrag entstandenen Rechte und Pflichten bestehen weiter und
müssen von den Vertragspartnern eingehalten werden, soweit sie nicht durch

�t

\

d u r c h dieses Protokoll m o d i f i z i e r t w o r d e n sind. Im b e s o n d e r e n soll die D i s lozierung eines A B M - S y s t e m s oder seiner K o m p o n e n t e n in dem a u s g e w ä h l t e n G e biet w e i t e r h i n in dem Umfang und g e m ä ß den a n d e r e n durch den Vertrag festgelegten E r f o r d e r n i s s e n begrenzt b l e i b e n .

A r t i k e l IV

D i e s e s Protokoll bedarf der R a t i f i z i e r u n g im Einklang mit den v e r f a s s u n g s m ä ß i g e n V e r f a h r e n jedes V e r t r a g s p a r t n e r s . Es soll am Tage des A u s t a u s c h e s
d e r R a t i f i k a t i o n s u r k u n d e n in Kraft treten und danach als fester Bestandteil
des Vertrages g e l t e n .

G e g e b e n in M o s k a u am 3. Juli 1974 in doppelter A u s f e r t i g u n g in englischer
und russischer S p r a c h e , die beide in gleicher W e i s e authentisch sind.

F ü r die V e r e i n i g t e n Staaten

F ü r d i e Union der S o z i a l i s t i s c h e n

v o n Amerika

Sowjetrepubliken

D e r Präsident der V e r e i n i g t e n

Der G e n e r a l s e k r e t ä r des Z e n t r a l k o m i t e e s

Staaten von Amerika

der K P d S U

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14/1974

HINTERGRUNDMATERIAL ZUM PROTOKOLL ÜBER ABM-SYSTEME
- Wortlaut -

MOSKAU --(AD)-- Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, hat
zu dem von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef Breschnew am
3. Juli unterzeichneten Protokoll zum ABM-Vertrag folgendes Hintergrundmaterial herausgegeben:

Im Jahre 1972 haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion einen
ABM-Vertrag unterzeichnet, der jeder Seite die Begrenzung auf eine ABM-Anlage zum Schutze ihrer nationalen Hauptstadt und eine Anlage zum Schutze einer
ICBM-Anlage auferlegt. Jeder Seite waren 100 ABM-Abfangraketen für jedes Gebiet zugestanden worden. Die Vereinigten Staaten haben 100 ABM-Abfangraketen
um den Minuteman-Stützpunkt in Grand Forks, North Dakota, disloziert. Die
Sowjets haben ihre ABM's um Moskau disloziert. Keine der beiden Seiten hat
mit dem Aufbau des zweiten nach dem ABM-Vertrag von 1972 zugelassenen Gebietes begonnen.
Das

-1-

�Das Übereinkommen begrenzt jede Seite auf einen ABM-Stützpunkt zum
Schutze ihrer nationalen

Hauptstadt (Moskau und Washington) oder zum Schutze

einer ICBM-Anlage.

Jeder Vertragspartner wird in dem am 3. Oktober 1977 beginnenden und am
2. Oktober 1978 endenden Jahr oder in irgendeinem Jahr, das in einem Zeitraum
von jeweils fünf Jahren danach beginnt, das Recht haben, sein ABM-System und
die Komponenten in dem Gebiet, in dem sie gegenwärtig disloziert sind, zu demontieren und ein ABM-System und seine Komponenten in einem anderen Gebiet zu
dislozieren.

Die Sowjetunion würde das Recht haben, das um ihre Hauptstadt errichtete
ABM-System zu demontieren und ein ABM-System in einem Gebiet - wenigstens
1300 Kilometer von Moskau entfernt - zu dislozieren, in dem sich ICBM-Abschuß-Silos befinden.

Die USA würden das Recht haben, das ABM-System in dem Dislozierungsgebiet der ICBM-Abschuß-Silos zu demontieren und ein ABM-System um ihre Hauptstadt zu errichten.
Sofern der Wunsch besteht, die ABM-Verteidigung gemäß den von der Ständigen Beratenden SALT-Kommission (SCC) vereinbarten Verfahren zu verlegen,
muß eine vorherige

Notifizierung erfolgen.

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14/1974

GEMEINSAME ERKLÄRUNG ÜBER DEN SCHUTZ DER UMWELT VOR VERÄNDERUNGEN FÜR
MILITÄRISCHE ZWECKE
- Wortlaut -

MOSKAU --(AD)-- Präsident Nixon und der sowjetische Parteichef Breschnew haben am 3. Juli eine gemeinsame Erklärung über den Schutz der Umwelt vor Veränderungen für militärische Zwecke unterzeichnet, die folgenden Wortlaut
hat:
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken

aus dem Wunsche heraus, die potentielle Gefahr, die sich für die Menschheit aus möglichen neuen Mitteln der Kriegführung ergibt, zu begrenzen;

unter Berücksichtigung, daß die wissenschaftlichen und technischen Fortschritte auf den Gebieten der Umwelt, einschließlich klimatischer Veränderungen, neue Möglichkeiten eröffnen könnten, um Verfahren zur Veränderung der
Umwelt für militärische Zwecke zu verwenden;
in
-1-

�in der Erkenntnis, daß ferner eine richtige Nutzung der wissenschaftlichen und technischen Fortschritte die Wechselbeziehung zwischen Mensch und
Natur verbessern könnten,

befürworten erstens die wirksamsten Maßnahmen, die möglich sind, um die
Gefahr zu beseitigen, daß Verfahren zur Veränderung der Umwelt für militärische Zwecke benützt werden;

haben zweitens beschlossen, in diesem Jahr eine Konferenz amerikanischer
und sowjetischer Vertreter abzuhalten, um dieses Problem weiter zu erforschen;

haben drittens beschlossen, ebenfalls zu erörtern, welche Schritte ergriffen werden könnten, um die in Absatz eins erwähnten Maßnahmen zu verwirklichen.

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AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER ZUSAMMENARBEIT AUF DEM GEBIET
DER ENERGIE

MOSKAU--(AD)-- Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 28. Juni ein neues Abkommen über die Einsetzung eines "Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Ausschusses für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energie" geschlossen. Das Abkommen sieht den
Austausch von technischen Informationen und gemeinsame Energieforschungsprojekte vor und soll mithelfen, eine ausreichende Energieversorgung nicht nur der
der USA und der UdSSR, sondern aller Länder in der Zukunft sicherzustellen.

Das Abkommen ist von besonderer Bedeutung, da die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion wohl die größten Energiequellen besitzen und zu den größten
Energieverbrauchern gehören dürften.

Beide Länder arbeiten unter anderem an neuen Wegen der Nutzung der Wasserkraft und an der Verringerung des Energieverlustes bei Überlandleitungen.

Von

�"1

Von besonderem Interesse für die amerikanischen Ingenieure und Techniker sind sowjetische Methoden des Abbaus in großen Tiefen, die eine intensivere Erschließung der gewaltigen amerikanischen Kohlevorkommen erleichtern
würden. Das Interesse der Sowjetunion dürfte sich auf die amerikanischen Fortschritte in der Forschung auf den Gebieten der Gewinnung von Energie aus Ölschiefer, Erdgas und Kohlevergasung konzentrieren sowie auf die amerikanischen
Erkenntnisse auf nicht herkömmlichen Gebieten wie geothermale Energie, Sonnenenergie und synthetische Brennstoffe.

Mit dem neuen Abkommen werden die Spezialgebiete der Energie und der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Erhaltung der Umwelt aus dem generellen Abkommen über Wissenschaft und Technik, das am 24. Mai 1972 zwischen den USA und
der UdSSR geschlossen wurde, und dem generellen Abkommen über Zusammenarbeit
im Umweltschutz, das am 23. Mai 1972 geschlossen wurde, herausgenommen.
Die Einsetzung eines gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Ausschusses
folgt dem Beispiel anderer Verträge dieser Art.

Der gemeinsame Ausschuß wird je nach Bedarf Arbeitsgruppen einberufen,
die sich mit spezifischen Projekten der Energieforschung befassen. Eine Arbeitsgruppe soll ein Gesamtbild der Energielage jedes der beiden Länder erstellen und dem jeweils anderen Land zukommen lassen. Diese Gesamtberichte
können als Grundlage für die Energieplanung der USA und der UdSSR dienen.

Das

-2-

�Das Abkommen erstreckt sich nicht auf kommerzielle Verhandlungen zwischen amerikanischen Firmen und sowjetischen Handelsorganisationen über Energieprojekte oder den Kauf oder Verkauf von Brennstoff. Auch Verhandlungen
zwischen beiden Regierungen über Fragen des Außenhandels werden nicht erfaßt.

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AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER ZUSAMMENARBEIT IM BAUWESEN

MOSKAU --(AD)-- Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 28. Juni 1974 ein Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Wohnungsbaus und anderer Bauvorhaben geschlossen. Das von Präsident Nixon und Parteichef Breschnew unterzeichnete Abkommen
hat eine Laufzeit von fünf Jahren und kann erneuert werden. Es dient vor allem
dem Austausch von Informationen und Fachwissen und künftigen gemeinsamen Projekten von Interesse für beide Länder.

Eines der Hauptthemen ist die Erarbeitung von Normen für Bauweisen und
Baumaterialien für Wohngebäude in erdbebengefährdeten Gebieten. Ein zweites
Gebiet besonderen Interesses ist das Bauen unter extremen klimatischen Bedingungen. Hier sollen Spezialforschungen betrieben werden.

Das Abkommen sieht - wie ähnliche Abkommen - die Einsetzung eines "Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Ausschusses für die Zusammenarbeit auf dem
Gebiet des Wohnungsbaus und anderer Bauvorhaben" vor. Dieser Ausschuß soll

-1-

�soll normalerweise einmal im Jahr - abwechselnd in den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion - tagen.

Im einzelnen werden spezifische Arbeitsprogramme auf dem Gebiet des Bauwesens ins Auge gefaßt, wie neue Bauweisen, neue Baustoffe und Normen für die
Dienstleistungen in Wohngebaeuden und öffentlichen Gebäuden - wie Wasser, Müllbeseitigung und Heizung. Ferner sollen Erfahrungen über die Planung und den
Bau neuer Städte ausgetauscht werden.

11)

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AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER ZUSAMMENARBEIT BEI DER ERFORSCHUNG
VON HERZKRANKHEITEN UND DER ENTWICKLUNG EINES KÜNSTLICHEN HERZENS

MOSKAU --(AD)-- Zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken wurde am 28. Juni in Moskau ein neues
Abkommen über die Zusammenarbeit bei Forschungsarbeiten zur Entwicklung
künstlicher Herzen unterzeichnet.

Durch dieses Abkommen, das die Unterschriften des amerikanischen Außenministers Henry Kissinger und des sowjetischen Außenministers Andrej Gromyko
trägt, soll der große Wissensschatz, den beide Länder auf diesem für die medizinische Forschung so wichtigen Gebiet angesammelt haben, mobilisiert und
zum Wohle von Millionen Herz-und Gefäßkranken in der ganzen Welt nutzbar gemacht werden.

Beide Länder hatten bereits seit Jahren unabhängig voneinander umfangreiche Forschungsarbeiten und bahnbrechende Entdeckungen zur Behandlung von
Herzkrankheiten gemacht, die über wissenschaftliche Fachzeitschriften und
ärztliche Symposien ausgetauscht worden waren.
Dieser

-1-

�Dieser traditionelle Austausch wissenschaftlicher Forschungsergebnisse
hatte sich jedoch in vielen Fällen als recht schwerfällig und umständlich erwiesen.

Aus dieser Erkenntnis heraus war anläßlich des ersten Staatsbesuches von
Präsident Nixon in der Sowjetunion am 23- Mai 1972 ein erstes umfassendes amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiete der
medizinischen Forschung und des öffentlichen Gesundheitswesens unterzeichnet
worden, das einen Datenaustausch über Forschungsergebnisse auf breiter Ebene
eröffnen sollte.

Durch das neue Abkommen erhält nun ein Spezialgebiet der medizinischen
Forschung - die Behandlung von Herz-und Gefäßkrankheiten - ein besonderes
Schwergewicht.
Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in der Sowjetunion - ebenso
wie in den übrigen hochindustrialisierten Ländern der Welt - stehen Herz-und
Gefäßerkrankungen als Todesursachen an erster Stelle unter allen Krankheiten.
Forschungsarbeiten in der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten sind in
jüngster Zeit vor allem darauf gerichtet gewesen, Geräte zur Unterstützung
des erkrankten Herzens zu entwickeln, wobei die Forscher in beiden Ländern
das Ziel anstrebten, ein künstliches Herz als Ersatz für ein durch Krankheit
funktionsunfähig gewordenes zu entwickeln.
Die Arbeiten der sowjetischen Forscher haben sich dabei vor allem auf die
Entwicklung von Kunststoffinnenwänden für Herzklappen gerichtet, durch die
das durchströmende Blut nicht schädigend beeinflußt wird.
Die
-2-

�Die Entdeckung eines solchen dem gesunden Zellgewebe in der Innenauskleidung der Herzklappen physiologisch gleichwertigen Materials hatte sich
bisher als das entscheidende Hindernis für die Entwicklung eines Kunstherzens
erwiesen.
Die sowjetischen Wissenschaftler haben außerdem bedeutende Erfahrungen
bei der Entwicklung von Mini-Energiequellen zum Antrieb von Kunstherzen und
anderen künstlichen Organen gemacht.

Auch in den Vereinigten Staaten ist es - ähnlich wie in der Sowjetunion den Forschern gelungen, Tiere durch mit Atombatterie getriebene künstliche
Herzen bis zu mehreren Tagen am Leben zu erhalten. Nach Ansicht der medizinischen Forscher wird es jedoch noch einiger Jahre bedürfen, um am Tierver»

such Kunstherzen soweit zu entwickeln, daß sie beim kranken Menschen als letzte
Möglichkeit, ihn vor dem Tode zu bewahren, Verwendung finden können.

Das neue Abkommen, das auf dem Erfahrungs-und Gedankenaustausch sowjetischer und amerikanischer Herzspezialisten während der letzten beiden Jahre beruht, soll die entsprechenden Arbeiten in beiden Ländern durch den Austausch
von Modellen künstlicher Herzen und dazugehöriger Geräte sowie die Veröffentlichung der einschlägigen Forschungsarbeiten beschleunigen helfen.

Außerdem sieht das Abkommen die Einrichtung von Instituten zur Diagnostik
und Funktionsprüfung des Herzens und des Kreislaufs vor,an denen Wissenschaftler aus beiden Ländern gemeinsam arbeiten werden, sowie eine engere Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung von sogenannten Herzschrittmachern.

+++
-3-

�W a m e r i k a dienst
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13/1974
AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE ERLEICHTERUNG DER WIRTSCHAFTLICHEN
INDUSTRIELLEN UND TECHNISCHEN ZUSAMMENARBEIT
- Wortlaut MOSKAU --(AD)-- Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 29. Juni ein "langfristiges Abkommen über
die Erleichterung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen Zusammenarbeit" abgeschlossen. Das Abkommen, das eine Laufzeit von 10 Jahren hat, wurde
von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef Breschnew unterzeichnet und
hat folgenden Wortlaut:
29. Juni 1974
Langfristiges Abkommen
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
über die Erleichterung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen
Zusammenarbeit
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind
aus dem Wunsche heraus, eine stetige geregelte Ausweitung der wirtschaftlichen,

�wirtschaftlichen, industriellen und technischen Zusammenarbeit und den Austausch relevanter Informationen zu fördern, um so eine Zusammenarbeit zwischen
den beiden Ländern und ihren zuständigen Organisationen, Unternehmen und Firmen auf einer langfristigen und beiden Seiten zum Vorteil gereichenden Basis
zu erleichtern;
geleitet von den Grundsätzen für die Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken vom
29. Mai 1972, dem gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Kommunique vom 24.
Juni 1973 und den Prinzipien, die in dem Handelsabkommen zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten vom Amerika und der Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken vom 18. Oktober 1972 niedergelegt worden sind;

wie folgt übereingekommen:
Artikel I
Die Vertragspartner sollen sich vermittelnd einschalten, um die wirtschaftliche, industrielle und technische Zusammenarbeit im Einklang mit den bestehenden

Praktiken und den anwendbaren Gesetzen und Bestimmungen in dem jeweiligen

Lande zu erleichtern.
Artikel II

Die Zusammenarbeit, die - wie in Artikel I vorgesehen - erleichtert werden soll, soll einschließen:
A.

An-und Verkauf von Maschinen und Ausrüstungen zur Errichtung neuer Unter-

nehmen und zur Erweiterung und Modernisierung bestehender Unternehmen auf
den Gebieten: Rohstoffe, Landwirtschaft, Maschinen und Ausrüstungen, Endpro-

-2-

�Endprodukte, Verbrauchsgüter und Dienstleistungen;
B.

An-und Verkauf von Rohstoffen, landwirtschaftlichen Erzeugnissen, End-

produkten, Verbrauchsgütern und Dienstleistungen;
C.

Ankauf, Verkauf und Lizensierung von Patentrechten und gesetzlich ge-

schützten industriellen Kenntnissen, Warenzeichen und Verfahren;
D.

Ausbildung von Technikern und Austausch von Spezialisten; und

E.

Gemeinsame Bemühungen zur Errichtung industrieller und sonstiger Anlagen

in Drittländern, wo dies angebracht, vor allem durch Lieferung von Maschinen
und Ausrüstungen.
Artikel III
Zur Unterstützung der einschlägigen Organisationen, Unternehmen und Firmen beider Länder bei Entscheidungen darüber, welche Gebiete der Zusammenarbeit mit größter Wahrscheinlichkeit eine Basis für beide Seiten zum Vorteil
gereichende Kontrakte bieten, sollen Arbeitsgruppen von Experten, die von der
in Artikel V erwähnten Kommission eingesetzt worden sind, wenigstens einmal im
Jahr zusammentreten, um Informationen und Voraussagen über die wirtschaftlichen, industriellen und kommerziellen Trends miteinander auszutauschen.

Artikel IV

Zur Förderung der in diesem Abkommen vorgesehenen Zusammenarbeit werden
die Vertragspartner, wo angebracht, den Erwerb oder das Anmieten geeigneter Geschäfts-und Wohnräume durch Organisationen, Unternehmen und Firmen des anderen
Landes und deren Angestellte, die Einfuhr der erforderlichen Büroeinrichtungen
und Materialien, die Einstellung von Mitarbeitern, die Ausstellung von Visen

-3-

�I

•I
Visen - einschließlich Visen für mehrmalige Einreisen - fü.r die leitenden
Angestellten und Vertreter solcher Organisationen, Unternehmen und Firmen
und ihre unmittelbaren Familienangehörigen sowie die Reisen solcher Personen
aus geschäftlichen Gründen in das Territorium des Einreiselandes erleichtern.

Artikel V
Die gemäß dem Kommunique vom 29. Mai 1972 eingesetzte amerikanisch-sowjetische Handelskommission ist ermächtigt und angewiesen, die praktische Durchführung dieses Abkommens, notfalls zusammen mit anderen amerikanisch-sowjetischen Gremien, die aufgrund von Vereinbarungen zwischen den Regierungen der
beiden Länder eingesetzt worden sind, mit dem Ziel zu überwachen, die in die,

sem Abkommen vorgesehene Zusammenarbeit zu erleichtern.

»
Artikel VI

Dieses Abkommen soll mit dem Tage seiner Unterzeichnung in Kraft treten
und zehn Jahre in Kraft bleiben.
Die Vertragspartner sollen spätestens sechs Monate vor Ablauf obiger Zeitspanne Maßnahmen vereinbaren, die erforderlich sein könnten, um eine Weiterentwicklung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen Zusammenarbeit zu erleichtern.

Gegeben

-4-

�Gegeben in Moskau am 29. Juni 1974 in doppelter Ausfertigung in englischer und
russischer Sprache, die beide in gleicher Weise authentisch sind.

Für die Vereinigten Staaten

Für die Union der Sozialistischen

von Amerika

Sowjetrepubliken

Der Präsident der Vereinigten

Der Generalsekretär des Zentral-

Staaten von Amerika

komitees der KPdSU

•|" 1 ~r

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13/1974

USA ERLÄUTERN AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE ERLEICHTERUNG
DER WIRTSCHAFTLICHEN ZUSAMMENARBEIT
- Darlegung des US-Finanzministeriums

WASHINGTON -

-

(AD) - Das a m e r i k a n i s c h e F i n a n z m i n i s t e r i u m h a t am 2 9 . J u n i

i n e i n e r l ä n g e r e n D a r l e g u n g d a s am g l e i c h e n Tag von P r ä s i d e n t Nixon u n d dem
s o w j e t i s c h e n P a r t e i c h e f B r e s c h n e w i n Moskau u n t e r z e i c h n e t e
kommen ü b e r d i e E r l e i c h t e r u n g d e r w i r t s c h a f t l i c h e n ,
n i s c h e n Zusammenarbeit"

" L a n g f r i s t i g e Ab-

industriellen

und t e c h -

erläutert.

Die V e r l a u t b a r u n g d e s F i n a n z m i n i s t e r i u m s h a t f o l g e n d e n

Wortlaut:

Der A b s c h l u ß e i n e s l a n g f r i s t i g e n Abkommens z w i s c h e n d e n USA u n d d e r UdSSR
über d i e Erleichterung d e r wirtschaftlichen,

industriellen

und t e c h n i s c h e n Zu-

s a m m e n a r b e i t e r f o l g t im E i n k l a n g m i t dem Z i e l d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n , d i e
l ä n g e r f r i s t i g e A u s w e i t u n g u n d e i n a u s g e w o g e n e r e s Wachstum d e s a m e r i k a n i s c h s o w j e t i s c h e n Handels zu f ö r d e r n .

Das Abkommen, d a s 10 J a h r e i n K r a f t

bleiben

s o l l , b i e t e t e i n e n a l l g e m e i n e n Rahmen f ü r d e n A u s t a u s c h von I n f o r m a t i o n e n u n d
Ansichten über wichtige w i r t s c h a f t l i c h e

P r o j e k t e zwischen den b e i d e n

Ländern

sowie f ü r f ö r d e r n d e Gespräche zwischen p r i v a t e n a m e r i k a n i s c h e n und s o w j e t i s c h e n
Außenhandels- und s o n s t i g e n O r g a n i s a t i o n e n über p o t e n t i e l l e P r o j e k t e
Zusammenarbeit.

für eine

Obwohl d a s Abkommen s e i n e m Wesen u n d I n h a l t n a c h d e n a n d e r e n

von z a h l r e i c h e n w e s t l i c h e n L ä n d e r n m i t d e r S o w j e t u n i o n
-

1 -

abgeschlossenen

lang-

�langfristigen Abmachungen für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit ähnelt,
dürfte die Bestimmung in dem von den USA mit der UdSSR geschlossenen Abkommen
über einen jährlichen Austausch von wirtschaftlichen Informationen und über
verschiedene, die Geschäftstätigkeit erleichternde Maßnahmen in Verträgen
dieser Art e i n z i g a r t i g sein.

Die auf Grund des Kommuniques vom 29. Mai 1972

geschaffene gemeinsame, amerikanisch-sowjetische Handelskommission wird die
Durchführung dieses Abkommens überwachen.
Das l a n g f r i s t i g e Abkommen s o l l das von den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion am 18. Oktober 1972 abgeschlossene Handelsabkommen ergänzen.

Die

Administration b l e i b t weiterhin unbedingt v e r p f l i c h t e t , die Ermächtigung zu
erlangen, um der UdSSR eine nichtdiskriminierende Zollbehandlung gewähren zu
können, und so das Handelsabkommen von 1972 in Kraft zu setzen.

Das lang-

f r i s t i g e Abkommen bedeutet keine Änderungdes gegenwärtigen Systems einer sorgfältigen Überprüfung a l l e r Transaktionen, um s i c h e r z u s t e l l e n , daß amerikanische
Güter und Technologie ausschließlich für friedliche Zwecke e x p o r t i e r t werden.

Handel und l a n g f r i s t i g e Zusammenarbeit
Der amerikanisch-sowjetische Handel hat sich s e i t dem Abschluß des Handelsabkommens und des Pacht- und Leihabkommens vom 18. Oktober 1972 rasch entwickelt.
Der b i l a t e r a l e Handel s t e l l t e sich 1973 auf insgesamt 1,4 Milliarden Dollar
und der Warenaustausch dürfte 1974 den hohen Stand des l e t z t e n Jahres wahrscheinlich wieder erreichen. Beide Länder befinden sich auf dem besten Wege,
das im Kommunique des Gipfeltreffens vom Juni 1973 verkündete Ziel, in dem Dreijahreszeitraum 1973 - 1975 einen Warenaustausch von insgesamt zwei b i s drei
Milliarden Dollar zu erreichen, noch zu übertreffen.
Die amerikanischen Maschinen- und Ausrüstungsexporte nach der Sowjetunion
dürften auf lange Sicht noch wesentlich zunehmen.

Die UdSSR bemüht sich um

amerikanische Ausrüstungen, die zur Verwirklichung der großen Entwicklungsprojekte beitragen s o l l e n , deren Aufnahme in dem neuen Fünfjahresplan gegenwärtig
geprüft wird.

Sie hat besonders l a n g f r i s t i g e kooperative Projekte mit amerika-

�amerikanischen Firmen ausgewählt, das h e i ß t T r a n s a k t i o n e n , b e i denen der Exp o r t a m e r i k a n i s c h e r Ausrüstungen m i t Erzeugnissen der neuen P r o d u k t i o n s s t ä t t e n
b e z a h l t werden s o l l , w e i l d i e s e d i e b e s t e A u s s i c h t auf e i n e s t a r k e s t e t i g e Ausweitung des a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n Handels b i e t e n .
In den l e t z t e n beiden J a h r e n haben s i c h d i e i n d u s t r i e l l e n K o n t r a k t e zwischen
amerikanischen Firmen und s o w j e t i s c h e n O r g a n i s a t i o n e n auf insgesamt rund 800
Millionen D o l l a r g e s t e l l t und i n den kommenden J a h r e n werden s i e w e i t e r h i n e i n e n
w e s e n t l i c h e n T e i l d e r amerikanischen Exporte ausmachen.

Die Exporte amerika-

n i s c h e r Maschinen, d i e zu einem großen T e i l für das Lastwagenwerk an d e r Kama
bestimmt s i n d , werden von 200 M i l l i o n e n D o l l a r im J a h r e 1973 auf v i e l l e i c h t 300
b i s 400

Millionen D o l l a r i n diesem J a h r a n s t e i g e n .

Der k ü r z l i c h b e w i l l i g t e

K r e d i t der Export-Import-Bank für das O c c i d e n t a l - D ü n g e m i t t e l p r o j e k t

wird i n

den n ä c h s t e n J a h r e n zu 400 M i l l i o n e n D o l l a r an amerikanischen Exporten

führen.

Und fünf andere große Kontrakte werden w e i t e r e 200 Millionen D o l l a r an amerikanischen Exporten in d i e UdSSR bewirken.

Amerikanische Firmen und s o w j e t i s c h e

O r g a n i s a t i o n e n prüfen oder handeln gegenwärtig l a n g f r i s t i g e Kontrakte auf so
v i e l s e i t i g e n Gebieten aus wie Motorenbau, Gewinnung und W e i t e r v e r a r b e i t u n g
von M a t e r i a l i e n mit hohem E n e r g i e v e r b r a u c h , E r s c h l i e ß u n g von E r d ö l - und Gasvorkommen, e l e k t r o n i s c h e E r z e u g n i s s e , Chemikalien, Holzprodukte,

Verbrauchsgüter-

p r o d u k t i o n , Verbesserung der E i n r i c h t u n g s n für den Fremdenverkehr.

Das Abkommen

über die l a n g f r i s t i g e Zusammenarbeit d ü r f t e dazu b e i t r a g e n , d i e Gebiete

für

e i n e beiden S e i t e n zum V o r t e i l gereichende l a n g f r i s t i g e Kooperation zwischen
amerikanischen G e s e l l s c h a f t e n und s o w j e t i s c h e n O r g a n i s a t i o n e n i n der Zukunft
abzustecken und zu e r w e i t e r n .

Die w i c h t i g s t e n Bestimmungen
Langfristige

Zusammenarbeit:

Das Abkommen s i e h t vor, daß d i e beiden Regierungen s i c h v e r m i t t e l n d e i n s c h a l t e n , um den An- und Verkauf von Maschinen und Ausrüstungen zur E r r i c h t u n g ,
Modernisierung und Erweiterung von P r o d u k t i o n s e i n r i c h t u n g e n i n b e i d e n Ländern,

-

3 -

�•

f

Ländern, den Handel mit Rohstoffen, landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Endprodukten, Verbrauchsgütern und Dienstleistungen sowie den Ankauf, Verkauf
und die Lizensierung von Patentrechten und gesetzlich geschützten industriellen
Kenntnissen, Warenzeichen und Verfahren zu erleichtern.

Es sieht ferner eine

Zusammenarbeit bei der Ausbildung und dem Austausch von Spezialisten vor sowie
gemeinsame Bemühungen zur Errichtung industrieller und sonstiger Anlagen in
Drittlängern durch Export von Maschinen und Anlagen.

Die in diesem Abkommen

vorgesehenen wirtschaftlichen Vorhaben beschränken sich nicht auf langfristige
Großprojekte; kurzfristigere Transaktionen kleiner und mittlerer amerikanischen
F

irmen sollen ebenfalls gefördert werden.

Es wird weiter damit gerechnet, daß

die UdSSR neue Kooperationsprojekte in den Vereinigten Staaten eingehen wird.

Informationsaustausch:

Eine äußerst wichtige Bestimmung des Abkommens ist die Einsetzung einer
Arbeitsgruppe von nationalen Experten, die Statistiken und Voraussagen über
grundlegende wirtschaftliche, industrielle und kommerzielle Trends in beiden
Ländern austauschen sollen.

Dieser regelmäßige Informationsaustausch soll

*

den amerikanischen Firmen und den sowjetischen Außenhandels- undsonstigen Wirtschaftsorganisationen dabei helfen, Entscheidungen bezüglich der Gebiete einer
Zusammenarbeit zu treffen, die mit größter Wahrscheinlichkeit eine Basis für
beide Seiten zum -Vorteil gereichende Kontrakte bieten und ihnen ihre langfristigen geschäftlichen und wirtschaftlichen Planungen erleichtern.

Die erste

Tagung dieser Experten soll noch vor Ende dieses Jahres stattfinden.

Erleichterung der Geschäftstätigkeit:

Um die Förderung der langfristigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu
unterstützen, sieht das Abkommen ferner vor, daß jede Vertragspartei sich
einschaltet, um die Arbeits- und Geschäftsbedingungen der Firmenvertreter der
anderen Seite auf ihrem Territorium zu erleichtern.

Artikel IV des Abkommens

besagt daher, daß beide Vertragspartner, wo angebracht, die Beschaffung geeigneter Geschäfts- und Wohnräume für die Handelsfirmen und Organisationen sowie deren Angestellte, die Einfuhr der erforderlichen Büroeinrichtungen und
- 4-

�und Materialien, die Einstellung von Mitarbeitern, die Ausstellung von Visen
und die Reisen der Handelsvertreter aus geschäftlichen Gründen erleichtern.
Insgesamt 17 amerikanische Firmen haben bis jetzt von den Sowjets eine
Zulassung zur Eröffnung von Büros in Moskau erhalten und über die Hälfte von
ihnen hat bisher davon Gebrauch gemacht.

Im Zuge der in diesem Abkommen vor-

gesehenen langfristigen Ausweitung des Handels und der Wirtschaftsbeziehungen
dürften weitere amerikanische Firmen in der Zukunft um eine solche Zulassung
nachsuchen.

Die Errichtung eines internationalen Handelszentrums in Moskau, an

der sich amerikanische Firmen beteiligen, wird eine bedeutsame Erweiterung der
kommerziellen Einrichtungen darstellen, die amerikanischen und anderen ausländischen Gesellschaften in der UdSSR zur Verfügung stehen.

- 5-

�</text>
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Dokumentation

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Nummer ^5

24. Juli 1974

Inhalt
DOKUMENTATION:
MBFR-Erklärung des Westens vom 17. Juli 1974
-Wortlaut-

HI NTERGRUNDMATERIAL:

Neue Impulse für die Wirtschaft
Von Clayton Yeutter -' Unterstaatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium
INFORMATION:
Earl Warren
WIRTSCHAFT:
Washington rechnet mit Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes
noch in diesem Jahr
Von John J. Harter

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Was macht die Zelle krebsanfällig?
Von Gertrud Weiss

Strom vom Wechselbad

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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15/1974

MBFR-ERKLÄRUNG DES WESTENS VOM 17. JULI 1974
- Wortlaut -

WIEN — ( A D ) —

Der niederländische Botschafter B.E. Quarles van Ufford gab

anläßlich der Vertagung der MBFR-Verhandlungen in Wien zur Sommerpause am
17. Juli im Namen der westlichen Teilnehmer eine Erklärung in englischer
Sprache ab, die (in der inoffiziellen deutschen Übersetzung) folgenden Wortlaut hat:

Die Plenarsitzung heute vormittag war die letzte dieser Verhandlungsrun»
de. Wir gehen jetzt in die Sommerpause. Diese wird uns Zeit für Beratungen
mit unseren Regierungen und für die Vorbereitung der nächsten Verhandlungsrunde geben, die in der Woche vom 16. September beginnen wird. Ich treffe heute
mit Ihnen zusammen, um Sie auf dem Laufenden zu halten und um mit Ihnen den
gegenwärtigen Stand der Verhandlungen zu diskutieren.
Zunächst ist es wohl nützlich, Ihnen in großen Zügen die Positionen beider Seiten in der Substanz ins Gedächtnis zu rufen. Wie Sie wissen, wurde bei
den vorbereitenden Konsultationen im vergangenen Jahr das grundsätzliche Ziel

�Ziel der Verhandlungen festgelegt. Man war sich darüber einig, daß diese
Verhandlungen über die Verminderung von Streitkräften zu stabileren Beziehungen und zur Festigung von Frieden und Sicherheit in Europa beitragen soll=
ten.

Zur Erreichung dieses Zieles stabilerer Beziehungen sollten sich die
teilnehmenden Staaten nach westlicher Auffassung auf einen ungefähren Gleichstand der Landstreitkräfte beider Seiten in Mitteleuropa, und zwar auf niedrigerer Ebene, einigen. Dies würde die Beseitigung der gegenwärtigen Unausgewogenheit im Personalbestand der Landstreitkräfte bedeuten, bei dem der
Warschauer Pakt einen Vorsprung von 150 000 Mann besitzt, sowie eine Verminderung der Unausgewogenheit bei Panzern, bei denen der Warschauer Pakt
einen Vorsprung von 9 500 Panzern aufweist. Daher haben die westlichen Bündnispartner eine Einigung auf übereinstimmende Höchststärken des gesamten Personalbestandes der Landstreitkräfte auf beiden Seiten vorgeschlagen, die in
zwei Verhandlungsphasen herbeigeführt werden sollen. In der ersten Phase gäbe
es bedeutsame Verminderungen des Personalbestandes der amerikanischen und sowjetischen Landstreitkräfte und der sowjetische Panzer. In der zweiten Phase
würde bis zum Einstellen übereinstimmender Höchststärken weiter vermindert
werden. Der westliche Beitrag zu den Verminderungen dieser zweiten Phase würde sich auf die Streitkräfte anderer direkter Teilnehmer als der Vereinigten
Staaten konzentrieren.

Der Osten geht anders heran. Ausgangspunkt der östlichen Teilnehmer ist
die Maxime, daß das bestehende Ost-West-Verhältnis der Landstreitkräfte -

�Landstreitkräfte - das für sie natürlich höchst günstig ist - aufrechterhalten werden sollte. Sie haben daher vorgeschlagen, alle direkten Teilnehmer
sollten von Anfang an ihre Streitkräfte um die gleiche Anzahl oder den gleichen Prozentsatz vermindern. Alle Arten von Streitkräften, eingeschlossen
Luft-und nukleare Streitkräfte, würden vermindert.

Es sollte für jedermann einsichtig sein, daß dieses Herangehen, das
auf die Aufrechterhaltung des Status quo auf einem niedrigeren Streitkräfteniveau abzielt, nicht zur Festigung der Stabilität und Sicherheit in Mitteleuropa beitragen würde. Dadurch würde vielmehr das gegenwärtige Ungleichgewicht auf dem Gebiet der Landstreitkräfte in einem zwischenstaatlichen Abkommen zementiert. Nach unserer Auffassung würde sogar eine unzufriedenstellende Situation auf diesem Wege eher noch verschlechtert. Der bestehende Vorsprung des Ostens bei Landstreitkräften würde nicht nur aufrechterhalten,
sondern vergrößert, so daß dem Osten ein beträchtlicher einseitiger militärischer Vorteil entstünde.
Den Status quo auf einer niedrigeren Streitkräfteebene aufrechtzuerhalten, wäre dem Westen gegenüber unfair. Eine geringere Anzahl von Streitkräften der NATO wäre künftig weiter auseinandergezogen über ein und dasselbe
Gebiet zu verteilen. Sie stünden einem möglichen Gegner gegenüber, der den
bisherigen Grad an Überlegenheit behielte und sich diejenigen Punkte dieser
dünn verteidigten Linie heraussuchen könnte, an denen er sein Übergewicht an
Soldaten und Panzern ansetzen wollte. Abgesehen davon grenzt die Sowjetunion
als die stärkste Macht auf östlicher Seite unmittelbar an den Raum der Verminderungen an. Demgegenüber sind die Vereinigten Staaten als die größte

-3-

�?

L
größte Macht auf westlicher Seite durch den Atlantik von ihm getrennt. Die
Nähe der Sowjetunion mit ihrem umfangreichen Potential an kampfbereiten
Truppen erleichtert sehr die Verstärkung östlicher Streitkräfte in diesem
Raum. Umsomehr Streitkräfte in ihm vermindert werden, umso ausschlaggebender
wird schließlich die Nähe der Sowjetunion dazu. Aus diesen Gründen hätten
gleiche Verminderungen der Landstreitkräfte von NATO und Warschauer Pakt
höchst ungleiche Auswirkungen.
Trotz dieser Unterschiede im Herangehen an das Problem haben die Verhandlungsteilnehmer während der letzten Runde versucht, Differenzen zu überbrücken und gewisse Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, auf deren Grundlage ein
beiderseitig annehmbares Herangehen an ein Übereinkommen über Verminderungen
entwickelt werden könnte. Die Teilnehmer haben sich dieser Aufgabe in konstruktivem und sachlichem Geist gewidmet. Die Verhandlungsatmosphäre ist weiterhin gut. Wir meinen, gewisse Fortschrittes durch eine genauere Definition
der zu lösenden Fragen gemacht zu haben.

Lsssen Sie mich dies etwas weiter ausführen. Neunzehn verschiedene Teilnehmer nehmen an diesen Verhandlungen teil; der Verhandlungsgegenstand ist
in höchstem Maße komplex und schwierig; Fragen der nationalen Sicherheit werden berührt; schließlich unterscheidet sich das allgemeine Herangehen beider
Seiten an Verminderungen beträchtlich.

Um Fortschritte zu machen müssen die Teilnehmer die einer baldigen Lösung zugänglichen Aspekte des Gesamtproblems identifizieren und Wege zur Lösung dieser Aspekte suchen. Hierbei ist es besonders angebracht, Schritt für

-4-

&gt;

�für Schritt vorzugehen, wobei Schlüsselfragen so definiert werden, daß sie
sich als handlicher erweisen und nacheinander behandelt werden.

In der Praxis ist dies die von den Teilnehmern während der letzten Verhandlungsrunde angewandte Methode. Eine von uns behandelte Frage war, wpssen
Streitkräfte zunächst vermindert werden sollten. In dieser Frage möchten wir
eine Verständigung im Prinzip herbeiführen. Wir glauben,daß die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion ihre Landstreitkräfte in einer ersten Phase vermindern und daß die Landstreitkräfte anderer direkter Teilnehmer in einer
zweiten Phase in Verminderungen eingeschlossen werden sollten.

Wir sind der Auffassung, daß dieses Herangehen des Westens vernünftig
ist. Es ist Tatsache, daß sich die zwei großen Mächte,die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, wegen ihrer Größe und ihres Umfanges ihrer

nili-

tärischen Macht ganz offenbar in einer anderen Situation befinden als alle
übrigen direkten Teilnehmer

dieser Verhandlungen. Die übrigen direkten

Teilnehmer besitzen kein derartiges Potential. Verminderungen der Streitkräfte dieser übrigen westlichen direkten Teilnehmer hätten für sie bedeutend größere

Auswirkungen als der Rückzug eines Teiles der amerikanischen

und sowjetischen Streitkräfte für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion hätte.

Nur vorausgehende Rückzüge eines Teiles der amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte könntendie notwendige Vertrauensgrundlage für Verminderungen der Streitkräfte anderer Staaten schaffen. Ein Abkommen über eine

-5-

�I
eine erste Phase,wie wir es vorgeschlagen haben,würde die Realisierbarkeit
des gesamten Verminderungsprozesses demonstrieren. Es würde Vertrauen darauf
schaffen, daß dieser Prozeß zu einem Ergebnis ungefährer Parität führte, das
von allen als gerecht und billig anerkannt würde. Es würde ferner die Stabilität festigen und zugleich die Sicherheit aller Beteiligten gewährleisten.

Ich hoffe, daß Sie es verstehen werden, wenn ich nicht über die Substanz
der einzelnen Vorschläge spreche, die wir vorgebracht haben. Es handelt sich
um Themen, über die aktiv verhandelt wird. Ihre öffentliche Diskussion wäre
nicht hilfreich. Ich habe soeben dargelegt - und es sind gute Gründe - weshalb andere westliche direkte Teilnehmer außer den Vereinigten Staaten nicht
dazu bereit sind, an Verminderungen einer ersten Phase teilzunehmen. Die Vertreter der NATO-Staaten haben jedoch beträchtliche Flexibilität in ihren Bemühungen gezeigt, ihre östlichen Kollegen der Ernsthaftigkei t und Durchführbarkeit des Zwei-Phasen-Programmes zu versichern. Mit anderen Worten, wir haben klargestellt, daß wir zu bestimmten Maßnahmen bereit sind, um sicherzustellen, daß eine zweite Phase alle Chancen des Erfolgs hätte.

Die östliche Seite zeigt ihrerseits weiterhin Interesse an der Lösung bestehender Differenzen. Wir meinen, daß während der zu Ende gehenden Runde bei
der Klärung von Vorstellungen und Sorgen beider Seiten gewisse Fortschritte
gemacht worden sind.

Die Delegationen werden jetzt Wien zu Konsultationen mit ihren Regierungen verlassen. Sie werden die Entwicklungen sorgfältig prüfen wollen, die in
der soeben beendeten Runde eingetreten sind.
Wir

-6-

�Wir hoffen, daß es im September, wenn wir alle wieder zusammenkommen,
möglich sein wird, zu einer Lösung der in dieser Runde diskutierten Hauptthemen zu kommen, um anschließend zur Prüfung anderer Schlüsselfragen überzugehen.

Eine derartige ausstehende Frage ist es, welche Truppen in einer ersten
Phase vermindert werden sollten. Hierzu sind die Positionen beider Seiten
natürlich noch weit voneinander entfernt. Weitere wichtige Themen, die im
einzelnen noch erörtert werden müssen, sind die Frage der Gewährleistung der
unverminderten Sicherheit der Teilnehmer mit besonderem Status im Zusammenhang mit Verminderungen sowie die Frage von "associated measures" - nämlich
mit Verminderungen zusammenhängende Maßnahmen - über die wir uns im Zusammenhang mit Verminderungen einigen müssen.
Von so komplexen Verhandlungen wie diesen erwartet man besonnene Gangart. Die Teilnehmer werden auch künftig Geduld und Beharrlichkeit aufbringen
müssen. Die Verhandlungen brauchen Zeit. Wir sind jedoch hinsichtlich der wei
teren Aussichten nicht pessimistisch, weil wir nach wie vor davon überzeugt
sind, daß alle Teilnehmer ein Abkommen wünschen.

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15/1974

NEUE IMPULSE FÜR DIE WIRTSCHAFT
Mehr Produktivität durch Abbau der Handelsschranken
Von Clayton Yeutter
Unterstaatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium

Im folgenden bringen wir eine gekürzte
Fassung der Ansprache, die Clayton Yeutter
am 20. Juni 1974 in Washington vor einer
Gruppe deutscher Journalisten gehalten
hat.

--(AD)— Die deutsche und die amerikanische Wirtschaft weisen viele Gemeinsamkeiten auf - einmal ganz abgesehen davon, daß die beiden Länder eine
Menge von Handelsgütern austauschen. Beide zählen zu den führenden Wirtschaftsländern der Welt, die einen ständig steigenden Lebensstandard aufweisen. Beide verdanken dem Prinzip des relativen Marktvorteils, das ich
als das wirksamste Prinzip der wirtschaftlichen Organisation betrachte, sehr

�sehr viel. Es besagt ganz einfach, daß wir jeder Einheit innerhalb der Wirtschaft freie Hand lassen sollten, das zu produzieren, was sie auf der Basis
von Kosten und Erträgen am besten produzieren kann - und daß wir miteinander
Handel treiben, um unsere Angebotslisten abrunden zu können. Leistungsfähigkeit wird durch Spezialisierung gesteigert und davon profitiert jeder. Im
Alltag nennen wir dies den freien Markt.

Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten war von Anfang an marktorientiert,
wenn wir auch zeitweise von den Normen des freien Marktes abgewichen sind.
Unsere jüngste Abweichung bestand, wie Sie wissen, in Lohn-und Preiskontrollen, die uns in den letzten zwei Jahren helfen sollten, der ständig steigenden Inflation Einhalt zu gebieten. Bekanntlich funktionierten die Kontrollen
nicht so gut wie der Markt.

Deutschland war im Zuge des bemerkenswerten Wiederaufbaus seiner Wirtschaft seit dem Ende des zweiten Weltkrieges in hohem Maße auf den freien
Markt und den Wettbewerb angewiesen. Es wurde so in die Lage versetzt, wieder leistungsfähige Industrien zu schaffen... Und sowohl Deutschland als auch
die USA wissen heute, welche Vorteile große Handelsräume bieten - Deutschland seit seiner Beteiligung an der Europäischen Gemeinschaft, Amerika schon
allein aufgrund seiner räumlichen Ausdehnung und seiner Bevölkerungszahl.
Natürlich ergeben sich aus großen Wirtschaftsräumen mehr Möglichkeiten für
den Wettbewerb und für die allgemeine Leistungsfähigkeit der Wirtschaft.

Nationale

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i

- Nationale Industrien Wie wichtig dabei auch der Außenhandel ist, haben beide Länder mit der
Ausweitung bestimmter Industrien immer stärker erfahren. Als Beispiele seien
hier nur der japanische Schiffbau, die deutsche Auto-und Stahlindustrie, und
der Computerbau in den Vereinigten Staaten erwähnt. Auch die amerikanische
Landwirtschaft gehört dazu. Sie basiert noch immer auf dem Familienbetrieb
- aber der Familienbetrieb wächst nahezu Jahr um Jahr und wird ständig weiter modernisiert. Unsere Farmer haben eine gute Ausbildung, und sie verfügen
über erhebliches Kapital und die modernsten Techniken,, Traktoren mit 100 PS
gehören zur Standardausrüstung. Und interessanterweise ist im Traktorenbau
die höchste Zuwachsrate bei Maschinen mit mehr als 150 PS zu verzeichnen. F.in
Getreidefarmer in Iowa kann durchaus in eigener Regie, nur mit der Hilfe
seiner Frau und vielleicht ein oder zwei heranwachsenden Söhnen,einen 320
Hektar großen Betrieb bewirtschaften. Große Rinderfarmen umfassen Zehntausende von Hektar Land und mästen bis zu 50 000 Tiere gleichzeitig heran.

Die ständig wachsende Mechanisierung hat den Arbeitskräftebedarf enorm
verringert: So waren im Jahre 1910 für die Produktion von 100 Bushel Mais
135 Arbeitsstunden erforderlich - heute sind es weniger als sechs. Nicht einmal fünf Prozent der amerikanischen Bevölkerung leben heute auf Farmen.
- dennoch ist die Produktivität der Agrarwirtschaft so groß, daß sie nicht nur
die Ernährung für die USA sicherstellt, sondern daß Amerika

auch der größte

Exporteur landwirtschaftlicher Erzeugnisse ist. Eine gut ausgebaute industrielle Infrastruktur - Landwirtschaftsmaschinen, Chemikalien und Düngemittel,
Transportwesen, Vorratslager, Weiterverarbeitung, Exportzentren -3-

dies

�dies alles macht es möglich, die Wettbewerbsposition maximal zu nutzenv
Dennoch wird es, wie Sie aus eigener Erfahrung wissen, immer schwieriger, den ständig wachsenden Verbraucherwünschen gerecht zu werden, die Produktivität immer weiter zu steigern, Regierungsausgaben zu begrenzen, der
Arbeitslosigkeit und der Inflation gleichzeitig zu steuern, Gegenwärtig
kämpfen wir, wie Sie ja auch, gegen die Auswirkungen der plötzlich in die
Höhe geschnellten Ölpreise und gegen die hohen Energiekosten an. Von den neuen Handelsbeschränkungen, die Italien verhängte, sind die EG=Partner ebenso
betroffen wie Drittländer, zu denen z.B. wir gehören. Dazu kommt, daß mit dem
Schwund der Kaufkraft des Geldes die Nachfrage nach Verbrauchsgütern zurückgeht.

Eine Möglichkeit für die Lösung unserer Probleme sehe ich in der Steigerung unserer produktiven Leistung. Sie könnte beispielsweise durch einen Abbau der internationalen Handelsschranken erreicht werden. Und dafür bieten
die multilateralen Handelsverhandlungen, in die wir bereits eingetreten sind,
eine großartige Gelegenheit - gerade jetzt zu diesem kritischen Zeitpunkt.

Eine nicht effiziente Produktion dient letzten Endes niemandem. Wir alle
wissen das. Auf die Dauer gehen durch höhere Produktionskosten die kurzfristigen politischen Vorteile von Protektions-und Subventionsmaßnahmen verloren
- dabei ist es gleichgültig, ob sie z.B. dem Obstbau, dem Schiffsbau oder
der chemischen Produktion gelten.
Die

-4-

�Die Vereinigten Staaten haben selbst ihren Anteil an solchen protektionistischen Maßnahmen gehabt. Aber wir sind fest entschlossen, den ganzen
Komplex auf den bevorstehenden multilateralen Handelsverhandlungen zu erörtern - in der Überzeugung, daß freierer Handel auch größere Vorteile bringt.
Wir wissen, daß sich letzten Endes die Marktkräfte immer durchsetzen. Und
deshalb werden wir auch mehr gewinnen, wenn wir einen die Kosten-und Ertragssituation berücksichtigenden allmählichen Strukturwandel zulassen, anstatt
zu versuchen, Veränderungen mittels staatlicher Hilfe und Billigung zu verhindern.

Deutschland verfügt auf vielen Produktionsgebieten über Wettbewerbsvorteile. Die besondere. Stärke der Vereinigten Staaten liegt auf verschiedenen
Gebieten hochwertiger Technik, z.B. Computer- und Flugzeugbau - und nicht
zuletzt auf dem Gebiet der Agrarprodukte. Wir hoffen, daß wir bei einem weitergehenden Abbau der Handelsschranken den westeuropäischen Verbrauchern rationell erzeugtes Getreide und Ölfrüchte als billige Rohstoffe für die Viehzucht liefern können, die in Europa ständig weiter ausgeweitet wird.

Ich kenne den Vorwurf mancher Europäer, daß wir nur dann mit dem Wettbewerbsvorteil argumentierten, wenn es in unserem eigenen Interesse liege. Meine
Antwort darauf: Wettbewerbsvorteil liegt stets

in unserem - und in Ihrem

Interesse. Wenn dieses Prinzip nicht funktioniert, hat das ganze Konzept vom
Gemeinsamen Markt keinen Sinn. Wenn aber das Wettbewerbsprinzip und der Gemeinsame Markt funktionieren, macht es sogar sehr viel Sinn, die Idee des
freien Marktes auch über die Grenzen der EG hinaus wirken zu lassen.
Ich

-5-

�Ich glaube, daß unser aller Erfahrungen mit den OPEC-Ländern - und
nicht zuletzt die wachsende Unruhe der weniger entwickelten Länder - darauf
hindeuten, daß die Welt künftig immer weniger Geduld mit engstirnigem Nationalismus oder kurzsichtiger Wirtschaftspolitik haben wird. Und mit Sicherheit werden mit Floating der Wechselkurse Fehler in der Handelspolitik jeder
Nation durch absinkende Kurse geahndet.

Da letzten Endes der Markt immer der Stärkere ist - warum also sollte
man nicht mit ihm statt gegen ihn arbeiten?

Offener Wettbewerb ist ein ge-

strenger Meister - aber er bietet auch mehr als jeder andere. Marktvorteile
und der freie Markt geben uns die beste Gelegenheit, die Erwartungen unserer
Bevölkerung auf eine echte Steigerung des Lebensstandards zu erfüllen. Ein
Abbau der Handelsschranken kann uns helfen, zu der dafür notwendigen höheren
Leistungsfähigkeit zu gelangen. Vielleicht ist dies überhaupt das einzige,
was die Regierungen noch tun können. Die Alternative wären mehr staatliche
Tricks, mehr Anleihen auf die Zukunft, mehr Inflation für morgen.

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15/1974

EARL WARREN

--(AD)-- Der frühere Oberste Bundesrichter Earl Warren starb am Abend des
9. Juli im Krankenhaus der Georgetown Universität an einem Herzversagen.
Er war 83 Jahre alt. Im folgenden eine kurze Darstellung seiner Laufbahn:
Earl Warren wurde am 19. März 1891 in Los Angeles in Kalifornien geboren und erwarb das Bakkalaureat

der Rechte sowie den Doktor beider Rech-

te an der Universität von Kalifornien. Im Jahre 1925 heiratete er die
frühere Nina Meyers, mit der er 6 Kinder hatte.

Nach dreijähriger Anwaltspraxis in San Francisco und Oakland trat
Warren im Jahre 1917 als Infanterieoffizier in die Armee ein. Nach dem
Kriege begann seine öffentliche Laufbahn im Justizdienst des Staates Kalifornien und seine politische Stufenleiter führte ihn vom Stellvertretenden
Staatswanwalt in Oakland über den Stellvertretenden Distriktsanwalt in
Alameda und den Distriktsanwalt bis zum Generalstaatsanwalt des Staates
Kalifornien. Im Jahre 1943 wurde er zum Gouverneur von Kalifornien gewählt,
ein Amt, das er bis zu seiner Ernennung zum Obersten Bundesrichter des

-1-

�des Obersten Bundesgerichtshofes im Jahre 1953 innehatte. In der Zeitspanne
bis zu seiner Berufung nach Washington beherrschte er die politische Szene
in Kalifornien und wurde zu einer der mächtigsten politischen Persönlichkeiten der Nation. Im Jahre 1948 war er - ohne Erfolg - Vizepräsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei.

In den 16 Jahren, in denen Chief Justice Warren dem höchsten Gericht
Amerikas vorstand, wurde er als Aktivist bekannt. Die Gerichtsentscheidungen
auf dem Gebiet der Bürgerrechte und der Rechte des einzelnen während seiner
Amtszeit waren oft umstritten, haben jedoch unbestreitbar den Kurs der amerikanischen

Geschichte beeinflußt.

Bürgerrechte, die Rechte des Angeklagten und das Recht auf gleiche Vertretung in der Regierung gehören zu den verfassungsmäßigen Freiheiten, die
durch die Entscheidungen während der Amtszeit Warrens wesentlich gestärkt
wurden.

Als Earl Warren im Jahre 1953 von Präsident Eisenhower zum Obersten Bundesrichter ernannt wurde, waren zahlreiche Bürgerrechtsfälle vor Gericht anhängig. Im Jahre 1954 entschied der Gerichtshof im Falle "Brown Versus The
Board of Education" einstimmig, daß Rassentrennung an öffentlichen Schulen
in den Vereinigten Staaten eine Verletzung der Verfassung sei. In den folgenden Jahren hat der Gerichtshof die Rassenschranken beim Stimmrecht niedergelegt und auf allen möglichen Gebieten des täglichen Lebens öffentliche und
private Diskriminierung geächtet. Im Jahre 1963 hat der Gerichtshof ein

�ein System als verfassungswidrig erklärt, das eine ungleiche Vertretung in
der Regierung ermöglichte und den Grundsatz "Ein Mann Eine Stimme" unterstrichen. Das Gericht hat unter Warren auch in zahlreichen Straffällen zugunsten einer Stärkung der Rechte des Angeklagten entschieden.
Der frühere Bundesrichter ist ferner der breiten Öffentlichkeit bekanntgeworden, weil er die Kommission leitete, die damals eine umfassende Untersuchung der Ermordung von Präsident J. F. Kennedy durchführte.

Als Earl Warren im Jahre 1969 als Oberster Bundesrichter in den Ruhestand trat, sagte Präsident Nixon über ihn: "Wir alle sind heute dankbar
für sein Beispiel der Würde, Integrität und Fairness. Er hat dazu beigetragen, Amerika in der Kontinuität und in dem Wandel zu halten, die so entscheidend für unseren Fortschritt sind."

~T~W*

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15/1974

WASHINGTON RECHNET MIT VERABSCHIEDUNG DES NEUEN HANDELSGESETZES NOCH
IN DIESEM JAHR
Von John J. Harter

WASHINGTON —

(AD) —

Maßgebende politische Kreise in der amerikanischen

Hauptstadt rechnen fest damit, daß das neue amerikanische Handelsgesetz
noch in diesem Jahr vom Kongreß verabschiedet werden wird. Wie der neue
Unterstaatssekretär für Wirtschaft im US-Außenministerium, Thomas 0. Enders,
betont, wird das Gesetz über die Reform des Handels Präsident Nixon die
erforderlichen Vollmachten für eine erfolgreiche Teilnahme der USA an der
im September 1973 offiziell eröffneten Tokio-Runde von Handelsverhandlungen geben.

Die Vorlage war bereits im Dezember 1973 vom amerikanischen Repräsentantenhaus mit 272 gegen 140 Stimmen gebilligt worden und liegt seit Monaten dem Finanzausschuß des Senats vor. Dieser hatte zunächst eingehende
öffentliche Anhörungen durchgeführt und dann im Juni mit der Ausarbeitung
einer eigenen Fassung des Gesetzes begonnen. Allgemein wird auf dem Capitol

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s

i
Capitol damit gerechnet, daß der Ausschuß diese Arbeiten Ende Juli wieder
aufnehmen wird.

Die Handelsverhandlungen im Rahmen der Tokio-Runde waren mehrere Monate
lang praktisch zum Erliegen gekommen, da die Verabschiedung des amerikanischen
Handelsgesetzes noch immer ausstand. Allerdings hat jetzt der von den Ministern seinerzeit in der japanischen Hauptstadt eingesetzte GATT-Ausschuß für
Handelsverhandlungen letzte Woche in Genf den Stand der Vorarbeiten überprüft
und weitere Schritte erörtert, wie die Verhandlungen in den nächsten Monaten
vorangetrieben werden können. Die Vereinigten Staaten werden sich in die kommenden Verhandlungen über einen Austausch von Konzessionen mit anderen Regierungen erst voll einschalten können, wenn der Kongreß die in dem neuen Handelsgesetz enthaltenen Vollmachten gebilligt hat. Doch geht es, wie Enders
betont, bei den Erörterungen im Finanzausschuß keineswegs um besonders kontroverse Fragen, so daß mit einer baldigen Empfehlung an das Plenum des Senats gerechnet werden kann.

Die große Bedeutung, die die Vereinigten Staaten den bevorstehenden Verhandlungen beimessen, faßt Enders mit folgenden Worten zusammen:

"Obwohl die in den meisten Industriestaaten heute gültigen Zollsätze nach
mehr als dreißigjährigen Verhandlungen über einen Zollabbau jetzt relativ
niedrig sind, ist es trotzdem notwendig, weiter mit Nachdruck auf einen noch
freieren Handel hinzuarbeiten. Es liegt angesichts des großen Öldefizits gerade jetzt im Interesse aller Länder, mehr Waren zu niedrigeren Preisen bereitzustellen, und es ist besonders wichtig, daß die Bemühungen um einen

-2-

�einen freieren Handel fortgesetzt werden. Das klassische Argument für einen
freieren Handel war stets, wer nicht vorwärts schreitet, riskiert einen Rückfall in den Protektionismus mit all seinen wirtschaftlichen und politischen
Begleiterscheinungen. Dieses Argument hat niemals mehr Gültigkeit besessen
als heute. In den letzten 20 Jahren hat der Welthandel die bei weitem größte Zunahme zu verzeichnen gehabt und die Expansion der einzelnen Binnenwirtschaften Jahr um Jahr ständig übertroffen. Wir hoffen, daß dies auch weiterhin der Fall sein wird."
Der Ausgang der neuen Runde von Handelsverhandlungen wird nach Ansicht
von Enders wichtige Auswirkungen auf die politischen Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten, der Europäischen Gemeinschaft, Japan und anderen Ländern
haben.Auch die wirtschaftlichen Beziehungen zu den Entwicklungsländern könnten durch diese Verhandlungen enger und erfolgreicher gestaltet werden. Die
USA erwarteten von diesen Verhandlungen, daß nicht nur der wachsenden Interdependenz der einzelnen Volkswirtschaften Rechnung getragen, sondern auch
eine solche Ausweitung des gemeinsamen Handels erreicht wird, daß die politischen Bindungen zwangsläufig ebenfalls immer enger werden.

Für den kommenden Herbst rechnet Enders mit einer Phase aktiver Verhandlungen. So würden bereits Ende September oder Anfang Oktober in Genf erste
Gespräche aufgenommen werden.

In gleicher Weise hat auch der Vorsitzende des Finanzausschusses, Senator
Russell Long, dieser

Tage seiner festen Zuversicht Ausdruck gegeben, daß

-3-

�daß das Gesetz über die Reform des Handels endgültig 1974 verabschiedet wird.
Es bleibe noch genügend Zeit für die Beratungen, sofern die Sitzungsperiode
des Kongresses, was anzunehmen sei, so lange wie in den letzten Jahren dauern werde.

-4-

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WAS MACHT DIE ZELLE KREBSANFÄLLIG?

Amerikanische Wissenschaftler erforschen die biochemischen Mechanismen zur
Entstehung und Bekämpfung von Krebs
Von Gertrud Weiss

»

--(AD)-- Noch haben die Ergebnisse, zu denen Prof. Melvin Calvin vom Department für Molekularbiologie der Universität Berkeley (Staatsuniversität
von Kalifornien) mit einer Gruppe von Mitarbeitern bei Experimenten mit
krebserzeugenden Chemikalien und Viren gelangt ist, als vorläufig zu gelten.
Aber sie sind gut belegt und scheinen für die Erforschung des ungeheuer komplizierten und vielschichtigen Problems Krebs einen wichtigen Weg zu weisen
- den Weg zur Identifizierung jener Moleküle, Zwischenverbindungen und Reaktionsmechanismen, die letztlich zur Erkrankung führen.

Die Versuche laufen seit vier Jahren und werden auf vier verschiedenen
Ebenen durchgeführt - mit Enzymen zum Studium von deren Aktivität unter der
Beteiligung der verschiedensten Chemikalien sowie unter der Einwirkung von
ultraviolettem Licht, ferner mit Zellen, mit Gewebekulturen und mit Tieren.

�Tieren. Die Forscher erkannten bald, daß es nicht genügt, sich auf die chemische Karzinogenese, d.h. auf Untersuchungen mit chemischen Verbindungen,
die vielleicht oder nachgewiesenermaßen Krebs erzeugen, zu konzentrieren. Die
Arbeiten mußten vielmehr auf die biologische Karzinogenese ausgedehnt werden, bei der vor allem Viren eine Rolle spielen. Ionisierende Strahlung, deren Effekte im Zusammenhang mit Krebs schon seit Jahren untersucht werden,
kommt als physikalischer Umweltfaktor noch hinzu.

Prof. Calvin, der auf der 24. Nobelpreisträgertagung Anfang Juli 1974
in Lindau über seine gegenwärtigen Arbeiten berichtete, hofft, daß die Wissenschaft dahin gelangt, die Beziehungen zwischen diesen drei Umweltfaktoren
zu verstehen. Er hält es für denkbar, daß sie nicht in unterschiedlichen, sondern eher in ähnlichen, vielleicht sogar identischen Mechanismen wirksam
sind,wenn aus gesunden Zellen Tumorzellen hervorgebracht werden. Herauszufinden, auf welche Weise dies geschieht, ist jetzt die vordringliche Aufgabe.

Die Untersuchungen in Verbindung mit einer der vielen,bisher bekannten
krebserzeugenden Verbindungen, nämlich Acetylaminofluoren und seinen Derivaten, verdienen besondere Beachtung. Es zeigte sich, daß das Vorhandensein
ganz bestimmter Atome an bestimmten Positionen im Molekülverband darüber entscheidet, ob die Verbindung karzinogen ist oder nicht. War die betreffende
Position z. B. mit einem Wasserstoffatom oder einem Fluoratom besetzt, erwies sie sich als karzinogen. Saß aber ein Jodatom darauf, blieb die krebserzeugende Wirkung aus. Weshalb? Physikalisch-chemische Messungen brachten
die Antwort: Die Verbindungen mit Wasserstoff-und Fluoratomen vermochten es,

-2-

�es, sich zwischen die Basengruppen der fadenförmigen, zur Doppelspirale gewundenen Riesenmoleküle von natürlicher wie künstlicher DNS oder RNS zu
drängen. Es sind dies jene hochmolekularen Nukleinsäuren, die man als Träger
der Erbinformationen ausgemacht hat. Waren aber Jodatome beteiligt, kam es
dazu nicht. Die Jod-Kombination ist zu groß, um zwischen die organischen
Basenpaare zu schlüpfen, deren Abstand voneinander genau ermittelt werden
konnte.

Dieser Umstand scheint also einer der Faktoren zu sein, die dafür ausschlaggebend sind, ob eine chemische Verbindung in der Zelle

bzw. im Zell-

kern die Ordnung im genetischen "Schlüsselmolekül" so zu stören und die
Spiralstruktur so zu verändern vermag, daß sich für den Aufbau des DNS-oder
RNS-Moleküls der Tochterzelle Fehlinformationen ergeben.

Aber es spielen noch zahlreiche weitere Faktoren mit. Auch den reaktionsfreudigen "elektrophilen" Zwischenprodukten, die direkt von der karzinogenen Substanz oder einer ihrer Stoffwechselprodukte stammen, kommt in dem
Prozeß der Veränderung des genetischen Codes große Bedeutung zu. Als elektronensuchendes Agens greifen sie nukleophile Verbindungen an. Zu den letzteren zählen z.B. viele Substrate in der Zelle. Ihr Hauptangriffsziel scheinen
jedoch die Nukleinsäuren DNS (Desoxyribonukleinsäure) oder RNS (Ribonukleinsäure) zu sein. Deren Basen haben alle zusätzliche Elektronen, so daß sie dem
Angriff der elektrophilen Gruppen des Karzinogens leicht zum Opfer fallen.

Dennoch braucht dieser nicht zwangsläufig zu massiven und bleibenden
Veränderungen der Erbsubstanz und, in späteren Phasen, zur Entwicklung von

-3-

�1
I

von Krebs zu führen. Kleine "punktuelle" Veränderungen können durchaus wieder korrigiert werden, wie sich bei Experimenten mit Hamster-Gewebekulturen
zeigte. Selbst eine

Einwirkung sehr starker Karzinogene muß

nicht

automatisch die Entwicklung von Krebszellen und ausgedehnten Tumoren im Gefolge haben.

Sind jedoch gleichzeitig onkogene (krebserzeugende) Viren in der Zelle
vorhanden, wirken offenbar beide Komponenten zusammen, um ausgedehnte Wucherungen hervorzubringen. Jedenfalls ist dann die Zahl der entstehenden Krebsherde auffallend hoch. Wie Calvin berichtete, demonstrierte dies Prof. Stitch
(British Columbia) eindrucksvoll an Hamster-Gewebekulturen. Deren Behandlung
mit einer krebserzeugenden chemischen Verbindung allein vermochte keine Trans-J
formation auszulösen. Infizierte man die Kultur unter Weglassung der krebserzeugenden chemischen Komponente mit Adeno-Viren, kam es zur Bildung von
durchschnittlich 17 Herden in 2 Millionen Zellen. Wurden jedoch das chemische Gift und die Viren gleichzeitig eingebracht, so entwickelten sich 435
Herde. Der Zeitpunkt, an dem beide Komponenten in der Zelle zusammenkommen,
scheint für die Tumorbildung erhebliche Bedeutung zu haben.

Es ist aber andererseits auch möglich, diese Entwicklung bezw. die
Transformation von DNS-und RNS-Molekülen mit bestimmten chemischen Verbindungen zu blockieren oder, wenn der Prozeß bereits in Gang gekommen ist, das
Weiterwachsen des Tumors zu stoppen. Bei Zellkultur-und Tierversuchen, die
noch nicht abgeschlossen sind, stellten Calvin und Mitarbeiter fest, daß bei
einer bestimmten Dosierung die Krebszellen in der Vermehrung gehemmt und

-4-

�t
f
i

und sogar zerstört werden, die benachbarten gesunden Zellen dagegen keine Beeinträchtigung erfahren. Als wirksame Hemmsubstanzen erwiesen sich Verbindungen und Abkömmlinge des halbsynthetischen Antibiotikums Rifamyzin.

Bisher vermag aber noch niemand zu sagen, ob nach dem gleichen Prinzip
auch Krebs beim Menschen zu beeinflussen wäre. Und bis zu einer möglichen Therapie auf dieser Basis ist noch ein weiter Weg.

+++

-5-

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15/1974
STROM VOM WECHSELBAD
- Die "Banks engine"arbeitet mit minimalen Temperaturunterschieden --(AD)-- Eine Veränderung der Eigenschaften einer besonderen Metall-Legierung
durch geringe Temperaturunterschiede reicht aus, um mit der so gewonnenen
mechanischen Energie einen kleinen Generator zu betreiben. Ein Arbeitsmodell
der neuen "Maschine" führte Prof, Edwin M, McMillan (Universität Kalifornien
in Berkeley) unter großem Beifall des Auditoriums auf der 24. Nobelpreisträgertagung (1,-5.Juli 1974) in Lindau vor.

Die Maschine ist die Erfindung von Ridgway Banks, einem jungen Wissenschaftler aus der Gruppe der Mitarbeiter von Prof. McMillan. Die bisher erzielte Leistung von einigen Watt dürfte durch weitere Verbesserungen in den
Kilowatt-Bereich gesteigert werden können. Die "National Science Foundation"
(US-Nationalstiftung für die Wissenschaften) gewährte bereits einen Zuschuß
von mehreren tausend Dollar für die Weiterentwicklung. Das neue System gilt
als vielversprechend, um beispielsweise erwärmte Abwässer für die Energiegewinnung zu nutzen.

Die Banks-Maschine erzeugt Strom nach dem Dynamo-Prinzip, Die Energie,
die erforderlich ist, um die beweglichen Teile in Gang zu halten, ergibt sich

�I
sich aus der Formänderung von Metallstreifen, wenn diese abwechselnd in
heißes und kaltes Wasser eintauchen. Die eigentliche Quelle dieser Energie
liegt jedoch im atomaren Bereich. Sie basiert auf der Lageveränderung bestimmter Metallatome im Kristallgitter der Bimetall-Legierung, welche durch den
Wechsel von der höheren zur niedrigeren Temperatur und umgekehrt ausgelöst
wird.
Das "Arbeitsmaterial" ist die Legierung NITINOL. Sie wurde am Navy
Ordnance Laboratory entwickelt und besteht aus Nickel, und Titan zu etwa gleichen Teilen. Die Kristalle des Materials machen im festen Zustand bei der
verhältnismäßig niedrigen Temperatur von 30 bis 50 Grad Celsius eine Umwandlung durch, die bewirkt, daß unterhalb 30° C das Material weich und biegsam,
aber oberhalb 50°C starr und ziemlich hart ist.

.

Wenn eine schlaff herabhängende Schlaufe aus NITINOL in heißes Wasser
i

eintaucht, streckt sie sich fast schlagartig. Sobald sie aber in kaltes Wasser gelangt, fällt sie in die schlaffe Schlaufenform zurück. Sie scheint sich
in heißem Wasser an den Formzustand zu "erinnern", der ihr mit der Wärmebehandlung bei 500 C gegeben wurde. Neben Schlaufen werden auch Spiralen in
einer Art endlosem Band als aktive Elemente benutzt. Nach Prof. McMillan könnte die von der Wassertemperatur beeinflußte Verhaltensänderung der Legierung,
die man schon länger kennt, aber nicht nutzte, durch reversible Lageveränderungen bestimmter Nickel- und Titanatome im Kristallgitter hervorgerufen werden. Die Atome laufen wie ein Kolben hin und her - sie werden vom Temperaturwechsel zwischen heißem und kaltem Wasser in Gang gehalten. Dabei wird zwar
eine Gefügeumwandlung eingeleitet, aber sie kommt niemals zum

Abschluß .
Deshalb

-2-

�Deshalb bleiben die Kristalle in ihrer ursprünglichen Anordnung und Größe
erhalten.

Das Demonstrationsmodell besteht aus einem trommeiförmigen Wasserbehälter
von ca. 40 cm Durchmesser und 10 cm Höhe mit je einem Teil für warmes und
kaltes Wasser sowie einem Einsatz, der die NITINOL-Schlaufen trägt. Sie hängen
an sternförmig angeordneten Stäben, die in einem Außenring gehalten werden.
Durch die exzentrische Lagerung des Speichenrades für die Übertragung der mit
der Banks-Maschine erzeugten Energie wird zusätzlicher Schwung für die Drehbewegung erzielt. Diese setzt ein, sobald sich die Schlaufen bei der Berührung
mit heißem Wasser schlagartig straffen. Eine "Ladung" mit heißem und kaltem
Wasser aus dem Wasserhahn genügt, um die Maschine bei hoher Drehgeschwindigkeit für ca. 50 Minuten in Gang zu halten. Gegenwärtig laufen in Berkeley
Versuche mit Banks-Maschinen verschiedener Konfiguration.

+4+

-3-

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;MBFR-Erklärung des Westens vom 17. Juli 1974&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Impulse für die Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Clayton Yeutter Unterstaatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Earl Warren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Washington rechnet mit Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes noch in diesem Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John J. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was macht die Zelle krebsanfällig?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Gertrud Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strom vom Wechselbad&lt;/p&gt;</text>
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Dokumentation

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16

7. August 1974

Inhalt

WIRTSCHAFT:
Nixon kündigt weitere Maßnahmen gegen die Inflation an
»Rede des Präsidenten am 25. Juli 1974-

INFORMATION:
Alan Greenspan
-Neuer Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates Präsident NixonsGreenspan-Interview mit der Zeitschrift "Business Week"

USA FARNBOROUGH »74
-Große amerikanische Beteiligung an der diesjährigen Luftfahrtschau
in Großbritannien-

DOKUMENTATION:
Die amerikanisch-spanische Grundsatzdeklaration
-Wortlaut«

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Manganquelle im Mittelatlantik?
-FAMOUS=.Expedition mit Tauchbooten am Meeresgrund-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Wirtschaft

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16/1974

NIXON KÜNDIGT WEITERE MASSNAHMEN GEGEN DIE INFLATION AN
- Rede des Präsidenten am 25. Juli 1974 -

LOS ANGELES — ( A D ) — Präsident Nixon hat in einer Rundfunk-und Fernsehansprache an das amerikanische Volk weitere Maßnahmen gegen die Inflation angekündigt, die er als das gegenwärtig wichtigste Problem der Vereinigten
Staaten bezeichnete. Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte zu Ihnen über das wichtigste Problem sprechen, vor dem Amerika heute steht - nämlich die Inflation.

Ich möchte darlegen, wo wir im Kampf gegen die Inflation stehen, wie
wir dahin gekommen sind und was wir gegen die Inflation tun.

Lassen Sie mich damit beginnen, daß ich kurz auf die Art und die Ursachen der Inflation eingehe, die wir heute erleben. Im Grunde ist es so,
daß wir und die anderen Industrieländer eine Generation der Inflation erlebt haben, weil die Regierungen in der ganzen Welt über einen langen

-1-

�langen Zeitraum zugelassen - ja ermutigt haben -, daß die Nachfrage nach
Gütern und Dienstleistungen die Kapazität überstieg statt diese Nachfrage
durch eine steigende Produktion zu decken.

Immer wieder haben Regierungen ihre eigenen Ausgaben stärker erhöht als
die Besteuerung. Sie haben dadurch zu einer erhöhten Nachfrage beigetragen,
ohne eine entsprechende Einschränkung der privaten Ausgaben vorzunehmen. Sie
haben neues Geld geschöpft, um mehr Kredite und Investitionen zu finanzieren,
als die Menschen aus ihren Ersparnissen zu finanzieren bereit waren. All dies
hat zu dem Preisdruck nach oben beigetragen.

Die große.weltweite Woge der Inflation, die uns in den letzten anderthalb
Jahren überschwemmt hat, wurde durch drei außergewöhnliche Umstände ausgelöst, die gleichzeitig auftraten. Einmal war die Weltgetreideernte aufgrund
der ungünstigen Witterung in zahlreichen Anbaugebieten niedriger ausgefallen.
Zweitens hatte das Ölembargo zusammen mit den Maßnahmen der erdölexportierenden Länder plötzlich zu einer Steigerung der Erdölpreise auf das Vierfache
geführt. Und drittens hatte eine gleichzeitig in allen Industriestaaten auftretende Hochkonjunktur zu einer Steigerung der Nachfrage nach Gütern geführt,
die weit über die vorhandenen Produktionskapazitäten hinausging.

Glücklicherweise hat die Nahrungsmittelproduktion jetzt wieder zugenommen, obwohl der inflationistische Druck auf den anderen Gebieten weiter anhält. Die Erdölpreise haben nachgegeben. Der weltweite Wirtschaftsboom hat
sich abgeflacht.
Diese

�Diese besonderen inflationistischen Kräfte treiben die Inflationsspira.e
nicht länger mehr in dem gleichen Maße in die Höhe wie in der Vergangenheit.
Wir müssen uns allerdings darüber klar sein, daß das bei Erdöl und anderen
Rohstoffen erreichte höhere Preisniveau weiterhin einen starken Druck nach
oben ausüben wird,bis die Wirtschaft diese Preise verkraftet hat.

Wir bekommen jetzt ferner die Auswirkungen des Preisanstiegs des letzten
Jahres in Form eines starken Druckes nach wesentlichen Lohnerhöhungen zu
spüren, wenn die Arbeiter nachzuziehen suchen.

Angesichts einer nicht mehr tragbaren Inflationsrate einerseits und eines
vorübergehenden Rückgangs der Wirtschaftstätigkeit auf der anderen Seite haben
in letzter Zeit viele Stimmen schnelle und spektakuläre Maßnahmen gefordert.
Einige verlangen die Wiedereinführung der Lohn-und Preiskontrollen. Andere
empfehlen, die Wirtschaft durch höhere Steuern und eine stark restriktive Währungspolitik gesundzuschrumpfen. Ihnen stehen wieder andere gegenüber, die
Steuersenkungen verlangen, um auf diese Weise die Wirtschaft schneller in Gang
zu bringen. Wieder andere schlagen vor, daß wir einfach aufgeben sollen - daß
wir eine ausufernde Inflation als eine mysteriöse und unheilbare Krankheit
hinnehmen und uns darauf konzentrieren sollten, zu lernen, mit ihr zu leben.

Wir werden nichts von alledem tun. Ich werde Ihnen sagen, warum, und
ich werde Ihnen sagen, was wir stattdessen tun werden. Wenn die Erfahrung uns
etwas gelehrt hat, so ist es dies, daß eine ausschließlich auf kurzfristige
Erleichterungen ausgerichtete Wirtschaftspolitik langfristig nur zu oft zu
Schwierigkeiten führt.
Wir

-3

�r

Wir müssen lernen, weniger in Programmen und mehr in politischen Maßnahmen zu denken - in einer Politik, die die grundlegenden Gesetze und Kräfte
des Marktes respektiert und anerkennt, daß in ihnen der Schlüssel zu unserer
wirtschaftlichen Zukunft liegt.

Ich möchte Ihnen zunächst sagen, was wir nicht tun werden.

Wir werden nicht zu der zweifelhaften Patentmedizin der Lohn-und Preiskontrollen greifen. Eine Rückkehr zu Kontrollen jetzt, um eine vorübergehende Erleichterung zu erreichen, würde nur zu neuen Verzerrungen führen und
damit unsere langfristigen Schwierigkeiten noch vergrößern.

Wir werden auf die kurzfristige Wirtschaftsflaute nicht damit reagieren,
daß wir die Inflation durch ein erneutes Defizit-Spending, durch erneute
Krediterleichterungen oder durch Steuersenkungen anheizen, um so die Inflation noch schlimmer zu machen. Das wäre dasselbe, als wenn wir Benzin ins
Feuer gießen.

Genauso wenig werden wir eine Schocktherapie durchführen, indem wir die
Inflation plötzlich und drastisch "aushungern" unter Kosten einer hohen Arbeitslosigkeit, die nicht mehr tragbar sein würde.

Und jetzt möchte ich Ihnen sagen, was wir tun werden.
Unser Ziel ist es, die Inflation unter Kontrolle zu bringen, gleichzeitig
aber mehr zu produzieren, so daß die Bevölkerung besser leben kann. Der
Schlüssel hierzu liegt in einer Politik, die das Augenmerk auf das Langfristi-

-4-

�wir
Langfristige legt - und zwar auch in der Zeit, in der/ uns aktiv um die Bewältigung unserer kurzfristigen Schwierigkeiten kümmern. Er liegt in einer
Politik, die sich für einen vernünftigen, realistischen Kurs entscheidet
und an diesem festhält, gleichgültig, welcher Druck auf sie ausgeübt wird.
Und dies ist genau das, was wir tun werden.
Wir werden weiterhin jeden einzelnen Wirtschaftssektor beobachten. Wir
werden alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um unnötige Härten zu vermeiden. Aber wir werden nicht auf allgemeine oder spezifische Härten mit Flickwerk oder Gefühlsduselei reagieren und wir werden beständig auf unserem grundlegenden antiinflationistischen Kurs fortfahren.
Eine Politik zur Eindämmung der Inflation ist im Grunde genommen nichts
anderes als eine Politik, die die Zunahme der Nachfrage in einer Relation zur
Zunahme des Angebots hält. Kurzfristig muß das Augenmerk darauf konzentriert
werden, ein Ansteigen der Nachfrage zu unterbinden, da die Steigerung des Warenangebots eine gewisse Zeit benötigt.

Allerdings gibt es Ausnahmen, in denen eine Änderung der Politik der Regierung zu einer schnellen Ausweitung des Güterangebots führen kann. Beispiele für von uns bereits ergriffene Maßnahmen sind die erneute Bestellung von
Millionen Hektar brachliegendem Ackerland, das in der Vergangenheit aus der
Bestellung genommen worden war, sowie der Verkauf bestimmter Rohstoffe aus
überschüssigen Regierungsbeständen.

Langfristig können wir uns mehr auf eine Steigerung der Wachstumsrate
der Gütererzeugung konzentrieren - auf eine erhöhte Produktion und nicht auf

�auf eine Eindämmung der Nachfrage. Unsere Politik muß somit zwei Elemente aufweisen - kurzfristig in erster Linie eine Eindämmung der Nachfrage und langfristig eine Ausweitung des Warenangebots.

Das Nächstliegende, was die Bundesregierung zur Eindämmung der Nachfrage
tun kann, ist eine Kürzung ihrer eigenen Ausgaben. Der Ausgabenvoranschlag in
dem von mir im Februar für das laufende Finanzjahr unterbreiteten Haushalt beträgt 305 Milliarden Dollar. Zahlreiche Faktoren, vor allem im Kongreß anstehende Gesetze, die über diesen Voranschlag hinausgehen würden, drohen den
Haushalt auf 312 Milliarden Dollar zu erhöhen.
gabenvorschläge in den nächsten

Zweifellos werden weitere Aus-

Monaten im Kongreß eingebracht werden.

*
Ich werde eine solche Haushaltsinflationierung nicht akzeptieren. Im Gegenteil bin ich entschlossen, diese 305 Milliarden Dollar zu kürzen, wobei
i

das Ziel 300 Milliarden Dollar sind. Ich beabsichtige ein Veto gegen Beschlüsse des Kongresses einzulegen, die die Gesamtausgaben über den Haushaltsvoranschlag hinaus erhöhen würden. Darüber hinaus habe ich die Leiter aller Ministerien und Bundesbehörden - ohne jede Ausnahme - angewiesen, die bereits programmierten Bundesausgaben in Richtung auf dieses angestrebte Ziel von 300
Milliarden Dollar zusammenzustreichen.
Ich habe ferner angeordnet, daß die Zahl der in dem Haushalt für das laufende Finanzjahr vorgesehenen Bundesbediensteten um 40 000 gekürzt wird.
Allein hierdurch werden 300 Millionen Dollar eingespart werden.
Für

�Für das Finanzjahr 1975/76, das in elf Monaten beginnt, werde ich einen
Haushalt vorlegen, der nicht nur ausgeglichen sein wird, sondern der auch
die Wachstumsrate der Bundesausgaben tatsächlich senken wird - so daß die
Zunahme zwischen dem Finanzjahr 1974/75 und dem Finanzjahr 1975/76 geringer - und nicht größer - als die zwischen dem Finanzjahr 1973/74 und dem
Finanzjahr 1974/75 sein wird. Notfalls werde ich vorschlagen, gültige Gesetze aufzuheben, die bindende Ausgaben verursachen.

Vor zwei Wochen habe ich das Budget-und Einsparungskontrollgeeetz 1974
des Kongresses unterzeichnet. Zum ersten Male in der Geschichte der Vereinigten Staaten gibt dieses Gesetz dem Kongreß die Möglichkeit, den Gesamthaushalt und nicht nur seine Teile eingehend zu prüfen. Es wird notwendig sein,
daß hiervon wirksam Gebrauch gemacht wird mit dem klaren und ständigen Ziel,
Ausgaben zu kürzen oder zu streichen, die zwar einigen helfen, aber für die
Gesamtbevölkerung höhere Kosten bringen würden.

Der Präsident allein kann die Regierungskosten nicht senken. Dieses
neue Gesetz ist ein Mittel, mit dem der Kongreß und der Präsident gemeinsam
auf die Verwirklichung dieses Zieles hinarbeiten können.

Ich bin zuversichtlich, daß die Mehrheit der Mitglieder des Kongresses
die Bemühungen des Präsidenten um einen Ausgleich des Bundeshaushalts unterstützen wird, so daß Millionen Amerikaner ebenfalls ihr eigenes Familienbudget ausgleichen können.

Die andere wichtige Waffe in dem Arsenal der Regierung zur Kontrolle
der Inflation ist die Währungspolitik - die Kontrolle der Geld-und Kredit-

�Kreditausweitung.

Es ist Aufgabe des Federal Reserve Systems, für eine ausreichende Geldund Kreditversorgung zu sorgen, aber zu verhindern, daß dieses Angebot zu
schnell steigt. Die

Federal Reserve Bank tut dies. Die Begrenzung der Geld-

und Kreditmenge angesichts einer schnellen Inflation führt zu hohen Zinsen,
was niemand gerne sieht. Würde jedoch eine noch schnellere monetäre Expansion zugelassen, so würde dies zu einer noch schnelleren Inflation und zu
noch höheren Zinsen führen. Daher ist der von der Federal Reserve Bank eingeschlagene Weg der notwendige, um die Inflation einzudämmen und die Zinsen zu
senken.

Wie bei jedem anderen Teil des Anti-Inflationsprogrammes kann auch die
monetäre Zurückhaltung übertrieben werden. Das ist bisher nicht geschehen und
wird auch nicht geschehen. Wir werden die erforderliche Geld-und Kreditaus- *
weitung zulassen, um ein gemäßigtes Wirtschaftswachstum zu vernünftigen Preisen zu unterstützen. Der Vorsitzende (des Federal Reserve Board) Burns hat
mir versichert, daß die Federal Reserve Bank extreme Restriktionen vermeiden
wird, wenn sie jetzt eine wirksame anti-inflationistische Währungspolitik
verfolgt - eine Politik, die jeder Amerikaner unterstützen sollte. Es wird
nicht zu einer so starken Kreditverknappung kommen, daß für die notwendigen
Wirtschaftsaktivitäten kein Geld mehr da ist.

Was die Bundesregierung anbetrifft, so werden wir die Zuwachsrate der
Bundesausgaben senken. Wir werden die Zunahme der Geld-und Kreditmenge niedrig halten, um die Privatausgaben einzudämmen. Und ich werde die Regierungen

�Regierungen der Bundesstaaten sowie die Kommunalverwaltungen,die Wirtschaft
und die Verbraucher aufrufen, als ihren Beitrag im Kampf gegen höhere Preise
ihre eigenen Ausgaben einzuschränken und ihre Sparrücklagen zu erhöhen.

Ich weiß, daß einige Amerikaner ihre Ausgaben nicht einschränken können, ohne daß dies zu wirklichen Härten führen würde. Einige Ausgaben der
Wirtschaft können nicht gesenkt werden, ohne daß dies zu einer Kürzung der
Produktion jetzt oder künftig führen würde.

Aber die meisten Familien könnten einige Ausgaben einschränken oder
hinausschieben - und stattdessen ihre Sparrücklagen erhöhen -, ohne daß dies
zu Härten führt. Jedes Unternehmen hat noch Fettpolster, so wie dies bei allen Bundesbehörden der Fall ist. Und die Regierungen der Bundesstaaten sowie
die Kommunalverwaltungen, deren Ausgaben in der Vergangenheit schnell gestiegen waren, sollten dem Beispiel der Bundesregierung folgen und unnötige Ausgaben abbauen.

Es gibt Zyniker,die sagen werden, daß ein Appell an den Gemeinsinn des
amerikanischen Volkes nutzlos ist. Ich glaube dies nicht. Wir haben erlebt,
welche Sparleistungen das amerikanische Volk während des zweiten Weltkrieges
erbrachte. Gerade erst im letzten Winter haben wir erlebt, wie es Benzin und
Heizöl einsparte. Auf meinen letzten Konferenzen zur Erörterung der Wirtschaftslage wie auch in meiner täglichen Post habe ich immer wieder Zeichen
der Bereitschaft von Seiten des amerikanischen Volkes gefunden, nicht nur
mitzuarbeiten, sondern sich auch aktiv an dem Kampf gegen die Inflation zu
beteiligen.
Weniger
-9-

�Weniger Ausgaben bedeutet weniger Druck auf die Preise heute. Mehr Ersparnisse bedeutet mehr Investitionen in neue Wohnungen und neue Produktion
- und damit niedrigere Preise morgen. Der Verbraucher gewinnt in beiden Fällen.

Ich habe zuvor auf die Bedeutung verwiesen, die eine Differenz im Bundes
haushält von 12 Milliarden Dollar haben würde. Eine Einschränkung bei den
persönlichen Verbraucherausgaben um nur 1 1/2 Prozent - wenn bei Ausgaben von
jeweils 1,10 Dollar immer 15 Cent beiseite gelegt würden - könnte zu einer
ähnlichen Differenz im Kampf gegen die Inflation führen.

Wie schnell uns eine Eindämmung der Inflation gelingt, wird ebenso von
der Wirtschaft oder den Arbeitnehmern abhängen. Wenn sie weiterhin Preise und
Löhne schnell in die Höhe treiben, so wird der inflationistische Druck fortdauern. Aber die Umsätze werden leiden, da die Verbraucher sich weigern werden, die höheren Preise zu zahlen, und der Beschäftigungsstand wird ebenfalls
darunter leiden. Niemandem wird damit gedient sein.

Daher ist es im Interesse aller wie auch im Interesse des Landes erforderlich, daß Wirtschaft und Arbeitnehmer sich bei ihren Preis-und Lohnforderungen verantwortungsbewußt verhalten. Wir werden nicht zu Preis-und Lohnkontrollen zurückkehren. Aber ich werde meinen ganzen Einfluß als Präsident
nutzen, um eine positive freiwillige Zurückhaltung seitens der Wirtschaft wie
auch der Arbeitnehmer zu erreichen.

Kurzfristig

-10-

�Kurzfristig müssen wir, wie ich bereits sagte, uns auf Maßnahmen zur
Eindämmung der Nachfrage konzentrieren. Um jedoch langfristig Prosperität ohne
Inflation zu erreichen, müssen wir uns vor allem auf eine Ausweitung der Produktion konzentrieren, damit uns ohne Preisanstieg mehr Güter und Dienstleistungen zur Verfügung stehen.

Um langfristig eine dynamische Ausweitung des Angebots zu erreichen,sind
eine Reihe entscheidend wichtiger Maßnahmen erforderlich.
Ein gutes Beispiel ist die Landwirtschaft, wo heute weniger als fünf Prozent unserer Bevölkerung ganz Amerika ernährt und noch zur Ernährung der übrigen Welt beiträgt. Wir müssen unsere Agrarprogramme auf eine Politik des Überflusses abstellen, wie dies jetzt der Fall ist, und nicht auf eine Politik der
Verknappung.

Wir haben deutlich gesehen, wie wichtig Energieversorgung und Energiepreise für die amerikanische Wirtschaft sind. Wir müssen alle erforderlichen
Maßnahmen ergreifen, um für uns eine zuverlässige Versorgung zu den geringstmöglichen Kosten sicherzustellen. Darum geht es bei dem Projekt Unabhängigkeit, bei dem wir ständig Fortschritte machen. Wir werden alle erforderlichen
Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten niemals
wieder von einem anderen Land durch Abschneiden der entscheidend wichtigen
Energieversorgung erpreßt werden können.

Wir müssen eine ausreichende Versorgung mit langfristigem Kapital für Investitionen sicherstellen. Im Mai habe ich den Vorsitzenden des Wirtschafts-

-11-

�Wirtschaftsbeirates angewiesen, eine besondere Studie über unseren Bedarf an
langfristigem Kapital durchzuführen, damit das stetige Wachstum unserer Wirtschaft gewährleistet ist, sowie darüber, wie dieser Kapitalbedarf gedeckt
werden kann.

Zu oft werden heute die schöpferischen Kräfte in unserem Wirtschaftssystem durch eine lästige Reglementierung abgewürgt, die noch auf einer Politik basiert, die in einer vergangenen Ära entwickelt wurde. Zum Beispiel müssen Lkw's oftmals aufgrund staatlicher Bestimmungen Leerfahrten machen, wodurch Brennstoff vergeudet wird und sich die Frachtkosten für den Verbraucher
erhöhen. Ich habe eine schnelle Überprüfung dieser Maßnahmen mit dem Ziel angeordnet, daß die erforderlichen Empfehlungen ausgearbeitet werden, um diese
Bestimmungen in Einklang mit den Erfordernissen einer neuen Zeit zu bringen,
in der die Steigerung der Produktivität das wichtigste Mittel zur Verwirklichung unseres Hauptzieles ist: Prosperität ohne Inflation.

Einige der wichtigsten Bestimmungen in dieser Hinsicht wurdennicht von
der Bundesregierung, sondern von den Einzelstaaten oder von den Kommunen erlassen, wie zum Beispiel veraltete Baunormen. Daher wird diese Überprüfung
die auf allen Ebenen erforderlichen Reformen einschließen. Gleichzeitig ersuche ich erneut den Kongreß nachdrücklich, die von mir bereits vorgeschlagenen Änderungen zu verabschieden - zum Beispiel auf dem Transportsektor und im
Finanzwesen -, damit unser Wirtschaftssystem produktiver und weniger inflationistisch wird.
Wir

-12-

�Wir müssen erneut die Beziehungen zwischen einer Steigerung der Gütererzeugung und bestimmten anderen Zielen untersuchen, zum Beispiel Verbesserung der Umwelt und Erhöhung der Sicherheit. Das alles ist wichtig, aber wir
sind nur zu oft geneigt, bestimmte soziale Ziele so schnell und so weit
voranzutreiben, daß andere wichtige wirtschaftliche Ziele unnötig auf der
Strecke bleiben.

Der Kongreß sollte das Gesetz über die Reform des Handels verabschieden,
so daß die Verhandlungen über einen Abbau der Handelsschranken beginnen können. Der ausländische Wettbewerb kann als gewichtige Kraft zur Steigerung der
Produktivität in den Vereinigten Staaten beitragen, mehr Arbeitsplätze schaffen, dem amerikanischen Verbraucher ein größeres Warenangebot verfügbar machen und die Preise niedrig halten.
Schließlich, und das ist am wichtigsten, müssen wir uns wieder darüber
klar werden, daß wir nur mehr haben können, wenn wir mehr produzieren. Das
i

trifft für die Länder zu und das trifft auch für den Einzelnen zu. Zu viele
Länder befinden sich in größten Schwierigkeiten, weil ihre Bevölkerung glaubt,
sie könne mehr haben, wenn ihre Regierung mehr ausgibt, obwohl nicht mehr produziert wird.

Es ist oft gesagt worden, daß wir eine weltweite Inflation haben, weil
die Menschen größere Ansprüche stellen. Dies ist nur die halbe Wahrheit. Wir
haben eine weltweite Inflation, weil der Forderung der Menschen nach mehr Waren nicht die Bereitschaft und die Fähigkeit gegenübersteht, mehr zu produ-

-13-

�i

produzieren. Nachfrage wird nur zu oft als Werben, um Stimmen betrachtet,
nicht als Angebot von Arbeit, Sparkapital, Initiative und Neuerungen.

In Amerika ist die Macht der Regierung die Macht des Volkes. Daher
liegt die äußerst wichtige Aufgabe jedes Amerikaners bei der Bekämpfung der
Inflation in Ihrem Verantwortungsbewußtsein als Bürger. Ich kann Ihnen versichern, daß Ihre Regierung entschlossene Maßnahmen ergreifen wird - Maßnahmen, die bei vielen besonderen Interessengruppen unpopulär sein werden. Die
Stimme des Volkes, das eine gesunde, anti-inflationistische Politik unterstützt, muß in Washington mehr Gehör finden, als die Stimmen spezieller Interessengruppen.

Praktisch brauchen wir in unserem eigenen Lande die eine Lobby, die wir
nicht haben, nämlich eine anti-inflationistische Lobby. Dies sollte keine
Lobby mit Luxusbüros in Washington und hochbezahlten Angestellten sein. Diese
Lobby sollte in jedem Heim in Amerika zu Hause sein und jeder Bürger sollte
ihr angehören. Wenn jeder im Öffentlichen Dienst - sei es in der Exekutive,
im Kongreß, in den Regierungen der Einzelstaaten oder den KommunalVerwaltungen - weiß, daß diese Lobby anti-inflationistische Maßnahmen belohnt und inflationistische Maßnahmen bestraft, dann wird der Kampf gegen die Inflation
gewonnen werden.

Trotz ihrer Schwierigkeiten wird die amerikanische Wirtschaft heute von
der übrigen Welt beneidet.

So schmerzlich unsere eigene Inflation für uns ist, so ist sie doch geringer als die in Frankreich, in Italien, in Großbritannien oder in Japan •=

-14-

�Japan - sie liegt niedriger als in den meisten Industriestaaten der Welt.

Praktisch stelle ich immer wieder fest, daß die Staatsmänner der anderen
Länder die große wirtschaftliche Stärke Amerikas bewundern - und daß sie
wünahteij, sie könnten ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten gegen die unsrigen
eintauschen.

Wenn wir auf die Schwierigkeiten in unserer Wirtschaft heute blicken, so
dürfen wir ihre Stärken dabei nicht übersehen. Wir haben heute in Amerika
mehr Arbeitsplätze als jemals zuvor, und es werden höhere Löhne als in jedem
anderen Land gezahlt. Die jungen Amerikaner finden Arbeit und unterliegen
nicht mehr der Wehrpflicht.

Wir können dankbar sein, daß es sich bei unseren heutigen Problemen um
Probleme des Friedens handelt und nicht um Probleme eines Krieges.

Wir werden den Kampf gegen die Inflation gewinnen, nicht durch einmalige
dramatische Maßnahmen, sondern durch die kumulative Wirkung von Maßnahmen, di
in sich selbst oft ganz undramatisch sind - Maßnahmen, die keine Schlagzeilen
in den Morgenzeitungen abgeben, aber die richtig sind.

In der Wirtschaftspolitik ist Ungeduld der größte Feind jeder gesunden
Politik. Wenn Sie auf den Verlauf der Inflation in Amerika zurückblicken,
dann kann das meiste der Ungeduld zugeschrieben werden: Ungeduld, Geld auszugeben, das noch nicht verdient ist, oder Steuern auszugeben, die noch nicht
eingegangen sind; Ungeduld, alle unsere sozialen Wünsche auf einmal zu erfüllen, ohne Rücksicht auf die Tatsache, daß wir uns nicht alles auf einmal

-15-

�f
einmal leisten können; Ungeduld bei kurzfristigen Dislozierungen, die oftmals
Teil langfristiger Anpassungen sind, wie sie zur Aufrechterhaltung eines gesunden - und nicht eines ungesunden - Wachstums erforderlich sind.

Der entscheidende Punkt im Kampf gegen die Inflation ist daher Beharrlichkeit: Beharrlichkeit, die die Notwendigkeit harter Entscheidungen, gelegentliche unerfreuliche Statistiken und kurzfristig selbst ein gewisses Maß
an Opfern akzeptiert, um langfristig ein stabiles Wachstum sicherzustellen;
Beharrlichkeit, die gegenüber der Forderung fest bleibt, dramatische Maßnahmen
nur um den Schein eines Fortschrittes zu ergreifen; die Art von Beharrlichkeit,
die Flickwerk ablehnt und den gewaltigen schöpferischen Kräften des Marktes
eine Möglichkeit zur Entfaltung gibt.

Wir befinden uns auf dem rechten Wege in Richtung auf unser Ziel: Prosperität für alle ohne Krieg und ohne Inflation. Wir werden auf diesem Wege bleiben. Wir werden standhaft bleiben, die Bundesausgaben niedrig zu halten, und
die Ausweitung des Haushalts verlangsamen.

Wir werden schöpferisch mit anderen Nationen zusammenarbeiten, um der Inflation in ihren weltweiten Dimensionen entgegenzutreten.

Wir werden neue Maßnahmen ergreifen, um die Produktivität zu fördern und
das Angebot an knappen Hilfsquellen zu vergrößeren. Im besonderen werden wir
mit Nachdruck auf eine Steigerung der Energie-und Lebensmittelversorgung hinwirken - die die wesentlichen Komponenten der jüngsten Inflationswelle sind.

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16/1974

ALAN GREENSPAN

Neuer Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates Präsident Nixons

WASHINGTON --(AD)-- Mit

-lan Greenspan hat Präsident Nixon einen professio-

nelen Wirtschaftsberater als Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates berufen.
Greenspan, der am 1. September die Nachfolge von Herbert Stein antreten soll,
ist 48 Jahre alt und ein nachdrücklicher Verfechter der freien Marktwirtschaft,
In Übereinstimmung mit Finanzminister William Simon tritt Greenspan für eine
restriktive Haushalts-und Geldpolitik ein, um die Inflation zu bekämpfen.

Seine Karriere begann Alan Greenspan nicht als Wirtschaftler sondern
als Berufsmusiker. Nach dem Besuch der George Washington Highschool in New
York besuchte er die Juilliard School of Music und spielte in einer Tanzkapelle Klarinette und Saxophon. Nach diesem etwas ungewöhnlichen Anfang studierte
er an der Universität von New York und erwarb dort 1948 den akademischen Grad
eines Bachelor of Science und anschließend an der Columbia-Universität im
Jahre 1950 den Grad eines Masters in Nationalökonomie, um dann unter Arthur
Burns, dem heutigen Präsidenten des Federal Reserve Board (Bundesbank), seine

�1

seine Doktorarbeit zu schreiben.

Greenspan ist seit langem als Berater des Präsidenten tätig gewesen und
hat den Posten des Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates mehrfach angeboten
bekommen. Er zog es jedoch vor, an der Spitze seiner im Jahre 1953 gegründeten Industrieberaterfirma in New York zu bleiben. Seit 1968 war er als offizieller Berater des Wirtschaftsbeirates des Finanzministeriums und des Federal
Reserve Board tätig. Er gilt allgemein als unabhängiger Fachmann für Fragen
des wirtschaftlichen Wachstums, des Außenhandels, der Finanzwirtschaft und
der Börse und verfügt über Beziehungen zu allen Wirtschaftskreisen.

Greenspan selbst hat betont, daß das Problem der Inflationsbekämpfung
nicht einfach ist, daß er jedoch mit aller Offenheit an diese Aufgabe herangehen wolle. Er ist der Überzeugung, daß die Vorstellungen über das politisch
Machbare sich ändern werden und eine normalerweise unpopuläre Politik der
Ausgabenrestriktion und des knappen Geldes allgemeine Zustimmung finden wird.
Seine Auffassung gibt vielleicht am deutlichsten ein Schreiben an einen Kunden im vorigen Jahr wider, in dem es heißt: "Wir betrachten die Inflation im
wesentlichen als ein politisches und nicht als

ein wirtschaftliches

Problem. Angesichts der wachsenden Politisierung der Wirtschaftspolitik glauben wir kaum an eine baldige Umkehr der Trends, die sich seit dem letzten
Jahrzehnt und länger entwickelt haben."

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16/1974

GREENSPAN-INTERVIEW MIT DER ZEITSCHRIFT "BUSINESS WEEK"

Der von Präsident Nixon zum neuen Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates berufene
Wirtschaftsexperte Alan Greenspan hat sich
in einem Interview mit der Zeitschrift
"Business Week" zu den vordringlichen Gegenwartsproblemen geäußert. Der im Folgenden mit Genehmigung des Verlages wiedergegebene Wortlaut ist nur zur Information,
nicht zum Abdruck bestimmt.
U

1974 McGraw Hill Inc.)

Nachdem die Administration sich jetzt die "altbewährte Theorie" wieder
zu eigen gemacht hat, die Inflation durch einen Ausgleich des Haushalts und
eine Eindämmung der Regierungsausgaben zu bekämpfen, ist die Entscheidung
Präsident Nixons, Herbert Stein als Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates im
September durch Alan Greenspan zu ersetzen, nur natürlich. Unter den konservativen Volkswirtschaftlern genießt Greenspan hohes Ansehen und Sparsamkeit
ist sein Credo.

Greenspan, ein erfahrener Geschäftsmann und Leiter der New Yorker Beraterfirma Townsend-Greenspan und Co., war seit Ende der sechziger Jahre privater

-1-

�i
privater Berater Präsident Nixons und seiner Wirtschaftspolitiker. Seine Berufung zum Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates wurde von Wirtschaftsexperten
aller Richtungen, von den Liberalen wie Walter W. Heller bis zu den Konservativen wie Murray L. Weidenbaum, begrüßt. In einem Interview mit der Zeitschrift "Business Week" hat Greenspan jetzt zu zahlreichen Wirtschaftsfragen
Stellung genommen.

Frage: Was kann Ihres Erachtens im Kampf gegen die Inflation getan werden?
Antwort: Ich stehe voll zu der Richtung der gegenwärtigen Politik. Es
hat lange gedauert, zu einer Politik der Einschränkung zu gelangen, aber ich
begrüße das, was jetzt geschieht. Es steht so viel auf dem Spiel, daß man
meiner Ansicht nach einen solchen Versuch einfach machen muß. Es geht letztlich
um die grundlegenden wirtschaftlichen und politischen Freiheiten, auf denen
unser Land basiert.
Aufgrund des wachsenden inflationistischen Druckes ist es zu einer beträchtlichen Instabilität der Volkswirtschaften auf der Welt gekommen. Wir haben noch nie etwas derartiges in Friedenszeiten erlebt. Infolgedessen

sind

alle unsere Wirtschaftstheorien völlig unzulänglich. Alles, was wir an neuen
Techniken, Erkenntnissen und Analogien aufzuweisen haben, um die relevanten
Entwicklungen zu beeinflussen, kann zur Formulierung unserer Wirtschaftspolitik beitragen. Dies ist die grundlegende Aufgabe, die ich für den Wirtschaftsbeirat sehe.
Frage:

-2-

�Frage: Was könnte am ehesten wieder zu einem wirtschaftlichen Gleichgewicht

auf der Welt führen?

Antwort: Zwei Dinge, ein ausgeglichener Haushalt der USA und ein Rückgang der internationalen Rohölpreise.

Frage: Würden Sie eine restriktivere Steuerpolitik empfehlen?
Antwort: Nicht unbedingt. Wir könnten jetzt bei der Inflationsrate einen
beachtlichen Einbruch erzielen, doch glaube ich, daß kurzfristig nicht sehr
viel getan werden kann. Natürlich würde ich es gerne sehen,daß eine solche
Haushaltskürzung bald erfolgt, doch möchte ich das nicht zu sehr betonen. Ich
möchte mich in erster Linie auf solche Dinge konzentrieren, die sich im Finanzjahr 1975/76 auswirken, in dem ich einen ausgeglichenen Haushalt oder
einen Haushaltsüberschuß erzielen möchte. Damit will ich nicht sagen, daß wir
das Kurzfristige ignorieren sollten, doch oft verfolgen wir nur eine Politik,
um Zeit zu gewinnen. Das Entscheidende ist, in einem oder in zwei Jahren einen
stabilen und vernünftigen Ausgleich des Wirtschaftssystems zu erreichen.

Frage: Wie betrachten Sie die Aussichten für einen ausgeglichenen Haushalt im Finanzjahr 1975/76?
Antwort: Gelinde gesagt mit einer gewissen Unruhe. Ich bin nicht so
naiv,anzunehmen, daß die derzeitigen Programme rein zufällig in den Bundeshaushalt aufgenommen wurden. Es gibt sehr gewichtige Gründe und sehr wichtige
fiskalische Erwägungen, die jedem dieser Programme zu Grunde liegen.
Frage:

-3

�I

Frage: Sind Sie mit den Plänen der Administration einverstanden, die sogenannten nicht-gebundenen Ausgaben zu kürzen?

Antwort: Selbstverständlich. Sofern wir unsere Ansichten bezüglich dieser nicht-gebundenen Ausgaben nicht ändern, bleibt die Inflation ein absolut
unlösbares Problem. Es ist entscheidend wichtig, daß der Kongreß zahlreiche
seiner in der Vergangenheit verabschiedeten Programme überprüft.

Frage: Würden Sie eine Verlangsamung des Wachstums auf dem öffentlichen
Sektor empfehlen?

Antwort: Von der Idee her würde ich dies gerne sehen, aber das ist mehr,
als meines Erachtens realistisch wäre. Wenn sich die Wachstumsrate der Bundesausgaben drastisch verringern würde, dann würde ich sagen, wir sind auf dem
richtigen Wege.

Woran ich im Grunde genommen interessiert bin, ist, in welchem Maße die
Regierung die Kapitalmärkte in Anspruch nimmt. Sie müssen den Haushalt, die
nicht in den Haushalt einbezogenen Dienststellen und die halbamtlichen Kreditinstitute in ihrer Gesamtheit sehen. Die de facto-Kreditgarantien, ihre Auswirkung auf die Kapitalmärkte und die Absorption privater Spargelder läßt
sich von den direkten Kreditaufnahmen des Schatzamtes nicht trennen.

Frage: Wenn sich die Ausgaben nicht unter Kontrolle bringen lassen, sollten wir dann die Steuern erhöhen?
Antwort:

-4-

�1
Antwort: Letztlich ist eine Steuererhöhung nur eine kurzfristige Lösung. Der Zeitpunkt, da man die wachsenden Ausgaben in den Griff bekommt,
wird damit nur hinausgeschoben.

Frage: Sind Sie für irgendeine Form von Lohn-, Preis-oder Kreditrichtlinien?
Antwort: Eine solche Medizin wäre äußerst unerfreulich. Die von uns
bisher auf diesem Sektor gemachten Erfahrungen zeigen, daß derartige Programme schließlich nur die Probleme der Inflation vergrößern.
Frage: Bedeutet dies, daß das Land eine Zeit eines gemäßigten Wachstums durchstehen muß?
&lt;

Antwort: Dies ist nicht unbedingt eine Voraussetzung, um aus der Inflation herauszukommen, aber ein wahrscheinliches Erfordernis. Es ist möglich,
daß sehr große Fortschritte auf fiskalischem Gebiet dazu führen könnten,
daß die Inflationsgewinne zusammenbrechen, die Preiserwartungen auf das Normale zurückgeschraubt werden und der Verbrauchermarkt gestärkt wird - aber
diese Entwicklung ist nicht wahrscheinlich.
Frage: Wird dies den Kapitalinvestitionen schaden?
Antwort: Dies ist eine ungewöhnliche Zeit, in der es durchaus möglich
ist, daß sich die Verbraucherausgaben deutlich verlangsamen, während die Kapitalanlagen dennoch einen starken Zuwachs erfahren. Der Nachholbedarf an
geplanten Ausgaben für Kapazitätserweiterungen und für die Produktion gewinnbringender Anlagen, die Energie ersetzen, gibt auf Jahre hinaus starke Expansiontanreize.
Frage:

-5-

�l
Frage: Könnten das verlangsamte Wirtschaftswachstum und die Inflation
sich zu einer Rezession ausufern?

Antwort: Dafür besteht nur geringe Wahrscheinlichkeit, doch muß man darauf achten.
Frage: Aber gehen wir nicht auch ohne Rezession einer höheren Arbeitslosigkeit entgegen?
Antwort: Ich mag die Konzeption eines starren Zieles nicht. Meines Erachtens sollte sich die Wirtschaftspolitik darauf konzentrieren, längerfristig den höchstmöglichen Beschäftigtenstand und die niedrigstmögliche
Arbeitslosigkeit zu erreichen. Aber wir haben uns zu oft darauf konzentriert,
kurzfristig die Arbeitslosigkeit zu senken, was zu einem verheerenden Wechsel
zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation geführt hat. Die ideale Arbeitslosigkeit ist meines Erachtens die niedrigstmögliche, die sich auf lange Zeit
durchhalten läßt, doch kann ich nicht genau sagen, ob dies nun 4 oder 4,5
oder 5 Prozent sein werden.
Es ist geradezu eine Tragödie, daß wir es zugelassen haben, daß dieses
Problem solche Ausmaße angenommen hat. Viele werden dadurch geschädigt. Wir
zahlen jetzt den Preis für eine kurzfristige ad hoc-Politik, die uns in diese Situation gebracht hat, und ich hoffe, wir werden die Kosten in Grenzen
halten können.

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USA FARNBOROUGH ' 74
Große amerikanische Beteiligung an der diesjährigen Luftfahrtschau
in Großbritannien
Mit einem Beitrag in bisher nicht dagewesenem Umfang werden
die Vereinigten Staaten auf der diesjährigen Luftfahrtgeräteschau von
Farnborough (Großbritannien) vertreten sein.

Die Ausstellung, die vom 2. -

8. September 1974 stattfindet, hat ausgesprochen internationalen Charakter.
Das Ausstellungsgelände mit den traditionellen Zeltständen wurde um eine
große feste Halle erweitert, in der allein für die vom US-Handelsministerium
arrangierten Gemeinschaftsschau der amerikanischen Luft- und Raumfahrtindustrie
sowie des US-Bundesamtes für die zivile Luftfahrt (FAA - Federal Aviation
Agency) mehr als 7CO gm Fläche reserviert sind.

"Flugsicherheit" ist das zentrale Thema der amerikanischen Ausstellung,
auf der u.a. die neuesten Verfahren, Instrumente und Ausrüstungen auf diesem
Spezialgebiet zur Anwendung am Boden und in der Luft gezeigt werden. Außerdem nehmen amerikanische Flugzeuge, Helikopter und Segler der verschiedensten
Typen an den Flugvorführungen teil.
Auf der Gemeinschaftsschau der USA (Stand Nr. 49 in der "North Exhibition
Hall") sind fast 70 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen vertreten. Die
Besucher passieren zunächst die FAA-Informationsschau, die,in Themengruppen
unterteilt, an Fernsehmonitoren die wichtigsten Bereiche der Organisation und
Abwicklung des Flugverkehrs und der Flugsicherung demonstriert.

Die Präsen-

tation , die jeweils drei Minuten dauert, gibt u.a. einen Überblick über "Flug-

- 1 -

�"Flugsicherung im Flughafenbereich", "Navigation und Kommunikation", "Kontrolle und Sicherung auf der Route", "Flugplätze, Befeuerung und Beleuchtung",
"Künftige Entwicklungen".

Dies alles ist Teil des "National Airspace System",

des Nutzungs- und Kontrollsystems für den amerikanischen Luftraum, das einen
Investitionskomplex von vielen Milliarden Dollar darstellt.

Spezialisten, die

selbst an seinem Aufbau mitgewirkt haben oder aktiv auf diesem Gebiet tätig
sind, halten sich während der Dauer der Ausstellung bereit, Interessenten zu
beraten und ihnen mit zusätzlichen Informationen zur Verfügung zu stehen.

Die amerikanische Gemeinschaftsschau zeigt u.a. die modernsten Entwicklungen für die Kontrolle des Flugverkehrs, Navigationshilfen und Nachrichtensysteme für Bodenausrüstungen und fliegendes Gerät, Motoren, elektronische
Komponenten und Instrumente, TreibstoffSysteme und Zubehörausrüstungen, Bordbeleuchtungsanlagen, Hydraulik-Ausrüstungen, Ausrüstungen für Sicherheitskontrollen in Flughäfen und Beförderung von

Frachtgut und Gepäck, Werkstoffe für

die Luft- und Raumfahrtindustrie, Werkzeuge und zahlreiches Gerät,das den
Stand der Technologie auf den verschiedensten Gebieten des Sektors Flugtechnik
demonstriert.

Die ersten drei Tage der Luftfahrtschau von Farnborough sind ausschließlich für die Vertreter von Industrie und Wertschaft bzw. Gäste mit besonderer
Einladung reserviert. Ab 5. September wird auch die Öffentlichkeit zugelassen.

- 2 -

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16/1974

DIE AMERIKANISCH-SPANISCHE GRUNDSATZERKLÄRUNG
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Die von Präsident Nixon am 19. Juli in San demente unterzeichnete amerikanisch-spanische Grundsatzerklärung

hat folgenden Wort-

laut:
1.

Die Regierungen Spaniens und der Vereinigten Staaten erklären, daß ihre

Zusammenarbeit seit 1953 für die Sicherheit beider Länder nutzbringend gewesen ist, daß sie die Verteidigung des Westens gestärkt hat und daß sie zur
Erhaltung des Weltfriedens beigetragen hat, wobei Spanien in dieser Hinsicht
eine wichtige Rolle in den Atlantik-und Mittelmeerzonen zukommt.

2.

Sie bekunden ihre Entschlossenheit, ihre Bemühungen zur Konsolidierung

des Friedens sowie zur Entspannung fortzusetzen und nehmen zu diesem Zweck
an der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und an wichtigen
internationalen Verhandlungen teil, wobei sie erneut ihren Glauben an die
Zielsetzungen und Prinzipien der Vereinten Nationen und ihre Unterstützung
der von diesen geförderten Tätigkeiten bekräftigen. Solange jedoch eine

-1-

�eine allgemeine, vollständige und kontrollierte Abrüstung die Ausschaltung
des Risikos einer Aggression noch nicht zuläßt, glauben sie, daß die gemeinsamen defensiven Bindungen beibehalten werden müssen, weil ihre Sicherheit
nicht vernachlässigt werden darf. . .

3.

Sie bekräftigen daher erneut ihre Absicht, die bestehende - auf einer

festen Freundschaft basierende - Zusammenarbeit durch gegenseitige Unterstützung ihrer Verteidigungsanstrengungen fortzusetzen, um ihre eigene Sicherheit und damit die Sicherheit des Westens zu stärken.

4.

Sie bestätigen, daß ihre Zusammenarbeit über 20 Jahre lang den Westen

praktisch gestärkt und dadurch mitgeholfen hat, die Werte, Ideale und Hoffnungen zu erhalten, die auf der Würde und Freiheit des Einzelnen beruhen.

5.

Sie bekräftigen, daß souveräne Gleichheit, territoriale Unversehrtheit,

politische Unabhängigkeit sowie das Recht auf freie Regierungsbildung und auf
die Erlangung von Wohlstand Fundamentalprinzipien sind, die beide Länder gewissenhaft respektieren werden.

6.

Sie glauben, daß ihre gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen eine Ergän-

zung zu den bestehenden Sicherheitsabmachungen im atlantischen Rahmen bilden
und daß allen Ländern dieses Gebietes die gleiche Behandlung zuteil werden
sollte. Dementsprechend liegt es in ihrer Absicht, daß ihre Verteidigungszusammenarbeit unter Förderung geeigneter Beziehungen zu diesen Abmachungen koordiniert wird, da sie überzeugt sind, daß die gegenseitige Sicherheit und
Integrität wesentlich für die Erhaltung des Friedens sind und daß die Sicher-

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16/1974

DIE AMERIKANISCH-SPANISCHE GRUNDSATZERKLÄRUNG
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Die von Präsident Nixon am 19. Juli in San demente unterzeichnete amerikanisch-spanische Grundsatzerklärung

hat folgenden Wort-

laut:
1.

Die Regierungen Spaniens und der Vereinigten Staaten erklären, daß ihre

Zusammenarbeit seit 1953 für die Sicherheit beider Länder nutzbringend gewesen ist, daß sie die Verteidigung des Westens gestärkt hat und daß sie zur
Erhaltung des Weltfriedens beigetragen hat, wobei Spanien in dieser Hinsicht
eine wichtige Rolle in den Atlantik-und Mittelmeerzonen zukommt.

2.

Sie bekunden ihre Entschlossenheit, ihre Bemühungen zur Konsolidierung

des 'riedens sowie zur Entspannung fortzusetzen und nehmen zu diesem Zweck
an der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und an wichtigen
internationalen Verhandlungen teil, wobei sie erneut ihren Glauben an die
Zielsetzungen und Prinzipien der Vereinten Nationen und ihre Unterstützung
der von diesen geförderten Tätigkeiten bekräftigen. Solange jedoch eine

-1-

�1
eine allgemeine, vollständige und kontrollierte Abrüstung die Ausschaltung
des Risikos einer Aggression noch nicht zuläßt, glauben sie, daß die gemeinsamen defensiven Bindungen beibehalten werden müssen, weil ihre Sicherheit
nicht vernachlässigt werden darf.

3.

Sie bekräftigen daher erneut ihre Absicht, die bestehende - auf einer

festen Freundschaft basierende - Zusammenarbeit durch gegenseitige Unterstützung ihrer Verteidigungsanstrengungen fortzusetzen, um ihre eigene Sicherheit und damit die Sicherheit des Westens zu stärken.

4.

Sie bestätigen, daß ihre Zusammenarbeit über 20 Jahre lang den Westen

praktisch gestärkt und dadurch mitgeholfen hat, die Werte, Ideale und Hoffnungen zu erhalten, die auf der Würde und Freiheit des Einzelnen beruhen.
»
5.

Sie bekräftigen, daß souveräne Gleichheit, territoriale Unversehrtheit,

politische Unabhängigkeit sowie das Recht auf freie Regierungsbildung und auf
die Erlangung von Wohlstand Fundamentalprinzipien sind, die beide Länder gewissenhaft respektieren werden.
6.

Sie glauben, daß ihre gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen eine Ergän-

zung zu den bestehenden Sicherheitsabmachungen im atlantischen Rahmen bilden
und daß allen Ländern dieses Gebietes die gleiche Behandlung zuteil werden
sollte. Dementsprechend liegt es in ihrer Absicht, daß ihre Verteidigungszusammenarbeit unter Förderung geeigneter Beziehungen zu diesen Abmachungen koordiniert wird, da sie überzeugt sind, daß die gegenseitige Sicherheit und
Integrität wesentlich für die Erhaltung des Friedens sind und daß die Sicher-

-2-

�Sicherheit des Atlantik-und Mittelmeerraumes die Anstrengung aller Betrot''
erfordert.
7.

Die beiden Regierungen sind sich bewußt, daß Sicherheit und Unversehrt-

heit beider - der Vereinigten Staaten und Spaniens - unerläßlich für die gemeinsame Sicherheit sind. Sie bekräftigen daher erneut, daß eine Bedrohung
oder ein Angriff gegen eines der beiden Länder für beide ein Anlaß zu ernster
Besorgnis sein würde und daß jedes Land Maßnahmen ergreifen würde, wie es
sie im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Verfahren für angemessen erachten
mag. In diesem Sinne werden sie auch weiterhin durch enge und häufige Konsultationen ihre Verteidigungszusammenarbeit konsolidieren, um die Wirksamkeit
ihrer Bemühungen zu gewährleisten.
8.

Da sie sich dessen bewußt sind, daß eine Zusammenarbeit sich auf allen

Gebieten niederschlagen sollte, glauben sie, daß harmonische politische und
wirtschaftliche Beziehungen eine wertvolle Unterstützung für die Sicherheit
darstellen, weil sie es jedem Land ermöglichen, aus dem Fortschritt des an
ren Nutzen zu ziehen..Zu diesem Zweck werden beide Regierungen bestrebt sein,
Konflikte in ihrer Wirtschaftspolitik zu vermeiden und alle Hindernisse zu
beseitigen, die bei ihrer Zusammenarbeit auftreten könnten. Sie werden ihre
wirtschaftliche, technische und technologische Zusammenarbeit auf jede Weise
fördern. Genau so werden sie sich weiterhin - geleitet durch ihre andauernde
Freundschaft und um der Erreichung gemeinsamer Ziele willen - häufig auf
allen dazu geeigneten Ebenen über alle Fragen gemeinsamen Interesses konsultieren.
9.

-3-

�9.

Sie sind sich der Bedeutung bewußt, die Fortschritt und Wohlstand für

4

alle Nationen, besonders aber für die Entwicklungsländer, bei der Erhaltung
des Weltfriedens haben, und sie bringen erneut ihren Willen zum Ausdruck, entscheidend zur Förderung dieser Ideale der sozialen Gerechtigkeit für alle
Völker und der universalen Achtung der Menschenrechte beizutragen.

10.

Schließlich erklären sie, daß die freundschaftlichen Beziehungen zwischen

Spanien und den Vereinigten Staaten nicht gegen irgendein Land gerichtet
sind, sondern ihr Ziel darin besteht, Unabhängigkeit und Wohl ihrer Völker
zu fördern, in dem Wunsche, daß ihre gemeinsamen Anstrengungen auch weiterhin zum Weltfrieden und zum Fortschritt der Menschheit beitragen werden.

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16/1974

MANGANQUELLE IM MITTELATLANTIK?
FAMOUSoExpedition mit Tauchbooten am Meeresgrund

»&lt;=(AD)-~ Wohl kaum ein anderes Gebiet auf hoher See ist bisher so gründlich
sondiert und inspiziert worden wie der Operationsraum für das Projekt FAMOUS
im Atlantik. Die französisch«=amerikanische Gemeinschaftsexpedition FAMOUS
("French-American Mid-Ocean Undersea jJtudy") befaßt sich seit drei Jahren
ca. 300 km südwestlich der Azoren unter allen nur erdenklichen Aspekten der
ozeanegraphischen und geologischen Forschung mit den dortigen Gegebenheiten
- von der Oberfläche bis zum Meeresgrund. Flugzeuge, Forschungsschiffe und
jetzt vor allem Spezialtauchboote werden dafür eingesetzt.

Von Bord der französischen Tauchboote ARCHIMEDE und CYANA und des ame»
rikanischen Tauchbootes ALVIN, das sogar noch in 3 700 m Tiefe dem gewaltigen
Wasserdruck widersteht, werden gegenwärtig die Schluchten, Berge und Talsohlen des atlantischen Unterwassergebirges in einem Gebiet zwischen dem 33. und
36. Längengrad West und dem 35. und 37. Breitengrad Nord untersucht. Wo immer
es möglich ist, wird fotografiert, gemessen und in Augenschein genommen, und

»i-

�und neben Wasserproben werden auch Boden-und Gesteinsproben für die Untersuchung im Laboratorium geborgen.

Die Berge, die aus Tausenden von Metern Tiefe bis etwa 2 000 m unter
der Wasseroberfläche aufsteigen, sind Teil des Mittelatlantikrückens, der
sich als ein bis zu 1 500 km breites Gebirge von der Arktis durch den ganzen
Atlantik und um die Südspitze Afrikas in den Indischen Ozean zieht. Bei dem
Projekt FAMOUS geht es in erster Linie um geologische Untersuchungen in der
Umgebung und an der Sohle des zentralen Kammtales, das in Längsrichtung des
Gebirgsmassivs verläuft und eine mittlere Tiefe von etwa 3 600 m hat. Auch
einige der Quertäler, die bis zu 16 km weit und 3 200 m tief sind, werden
durch Fernmessung und Erforschung an Ort und Stelle sondiert.

Mit Spezialwerkzeugen und Greifarmen klopfen die Wissenschaftler aus
ihrem Tauchboot die Talwände ab. Sorgfältig werden das Gestein und die
stellenweise kissenartig erstarrte Lava untersucht. Die Wassertemparatur
wird laufend registriert. Sie kann Auskunft darüber geben, wo sich möglicherweise Stellen befinden, an denen heißes Material aus der Tiefe nach oben
dringt - ein Vorgang, der nun schon seit Jahrmillionen andauert und die
Kontinente zu beiden Seiten des Atlantik immer weiter auseinandertreibt.
Herauszufinden, wie dieses Material beschaffen ist und in welchen Prozessen
es möglicherweise zum Aufbau von Erzvorkommen beiträgt, ist ein Hauptziel des
Unternehmens.

Wie Ende Juli die New York Times meldete, haben französische Teilnehmer
der Expedition bei einem Tauchversuch in dem zentralen Längsspalt des Mittel-

�Mittelatlantikrückens tatsächlich eine Art Geysir entdeckt, der vermutlich
fast reines Mangan in Mineralform an die Oberfläche transportiert. Sie
haben Erzproben, die von einem kegelförmigen Gebilde stammen, mit ihren
Greifinstrumenten geborgen. Die Aufregung unter den Expeditionsmitgliedern
ist groß, denn es handelt sich um den gleichen Erztyp, der vor einiger Zeit
bei Dredge-Versuchen an die Oberfläche geholt wurde. Mit den durch biochemische Prozesse entstandenen Manganknollen, die in riesigen Feldern vor allem
im Pazifik entdeckt worden sind, ist dieses Erz jedoch nicht verwandt. Die
Mineralogen und Chemiker sind sich noch nicht klar darüber, wie es entstanden
sein könnte - vor allem deshalb, weil es Einschlüsse enthält, die bei der Entstehung aus einer sogenannten hydrothermalen Lösung nicht zu erwarten sind.
Das amerikanische Tauchboot ALVIN soll nun versuchen, durch detaillierte
Messungen und weitere Untersuchungen die Bestätigung dafür zu finden, daß es
sich tatsächlich um ein aktives Zentrum handelt.

Aufgrund anderweitig gemachter Beobachtungen hatte man vermutet, daß
Eruptionen aus dem Boden dieses Längstales Metalle tief aus dem Erdinnern nach
oben bringen. Beim Durchströmen der mit diesem Prozeß ausgeworfenen Lava löst
heißes Wasser die Metalle heraus, die dann entweder als Erzadern in Gesteinsrissen angereichert oder durch heiße Quellen und Geysire über den Tiefseeboden
verteilt und später von Sedimenten zugedeckt werden. Es wird angenommen, daß
solche Vorgänge der Entstehung von besonders reichen Erzvorkommen, wie man sie
heute auf dem Festland findet, zugrundeliegen.

- Erz

-3-

�- Erz aus der Tiefsee -

Die Manganknollenfelder im Pazifik sollen in nicht allzu ferner Zukunft
- vielleicht schon in den achtziger Jahren • industriell abgebaut werden und
Rohstoffe liefern, die auf dem Festland immer knapper werden. Aber noch weiß
man zu wenig darüber, wie die mit solcher Aktivität verbundenen Eingriffe in
die naturgegebenen Bedingungen das ökologische Gleichgewicht verändern und
der Umwelt schaden könnten. Das US»Bundesamt für Meeres=&gt;und Atmosphärenforschung (NOAA) bemüht sich gegenwärtig unter Einsatz von Expeditionen in verschiedenen Gebieten des Pazifik, Fragen dieser Art zu klären. Der Forschungs«
fahrt der MOANA WAVE, die im Frühjahr 1974 auf einer mehrwöchigen Kreuzfahrt
in einem 26 000 qkm großen Gebiet südöstlich von Hawai zahlreiche biologische, chemische, geologische und physikalische Daten sammelte, sollen jetzt
weitere Expeditionen folgen. Sie gelten Gebieten, wo die in Tausenden von
Metern Tiefe liegenden Felder von Manganknollen, die überdies noch reich an
Kupfer, Nickel und Kobalt sind, die Industrie locken. Diese hat bereits zwei
Grundverfahren - Erzförderung mit Kettenbagger oder auf hydraulichem Wege entwickelt, um die Erzgewinnung in großtechnischem Umfang vorzubereiten.

Durch solche Aktivitäten könnte aber die natürliche "Ordnung" erheblich
gestört werden.

Eine mögliche Folge wäre z.B.,daß Bodenwasser nach oben gelangt, Oberflächenwasser mit Nährstoffen anreichert

und die Vermehrung von Phyto-

plankton erheblich steigern würde. Die Auswirkungen einer solchen Veränderung

=&gt;4-

�Veränderung der natürlichen Bedingungen sind noch nicht abzuschätzen. Ein
weiterer Punkt der Untersuchungen ist, herauszufinden, ob sich nach Beendigung der Erzförderung das früher vorhandene Gleichgewicht wieder einstellt,
und, wenn ja, wie lange der Normalisierungsprozeß dauert. Derzeit werden genaue Analysen von lebenden Organismen, Sedimenten, der Zusammensetzung des
Wassers vom Boden bis zur Oberfläche, der Temperaturen, Nährstoffkonzentrationen, des Säurewertes und Sauerstoffgehaltes sowie biologisch aktiver Spurenmetalle wie Blei, Zink, Quecksilber und Silizium gemacht, die man in Manganknollen gefunden hat. In den oberen Wasserschichten wird außerdem die
Lichtintensität bis in bestimmte Tiefen und die Konzentration an Chlorophyll
gemessen.

+-H-

-5-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon kündigt weitere Maßnahmen gegen die Inflation an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten am 25. Juli 1974 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Alan Greenspan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuer Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates Präsident Nixons -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Greenspan-Interview mit der Zeitschrift "Business Week"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA FARNBOROUGH '74&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Große amerikanische Beteiligung an der diesjährigen Luftfahrtschau in Großbritannien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanisch-spanische Grundsatzdeklaration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Manganquelle im Mittelatlantik?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- FAMOUS-Expedition mit Tauchbooten am Meeresgrund -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

14. August 1974

17

Inhalt

INFORMATION:

Präsident Ford umreißt Regierungsprogramm
-Wortlaut der Antrittsrede vor dem KongreßRede Präsident Ford's nach seiner Vereidigung
- Wortlaut Ford: Amerikanische Friedenspolitik wird fortgeführt
-Wortlaut der Erklärung in der Nacht zum 9. August-

Präsident Gerald R. Ford über die amerikanische Außenpolitik
-Auszüge aus Reden-

Fraktionsführer bekräftigen Fortsetzung der überparteilichen US-Außenpolitik

Ford ruft zum gemeinsamen Kampf gegen die Inflation auf
-Auszüge-

Nixon gibt seinen Rücktritt bekannt
-Wortlaut-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

89 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

ImO

rmation

300

0 8 - 8 54 32

17/1974

PRÄSIDENT FORD UMREISST REGIERUNGSPROGRAMM
-Wortlaut der Antrittsrede vor dem Kongreß-

WASHINGTON —(AD)-- Präsident Gerald R. Ford hat am 12. August auf einer
Sondersitzung beider Häuser des amerikanischen Kongresses die Grundzüge seines Regierungsprogramms umrissen. Die Rede des neuen amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Mr. Speaker, Mr. President, hochverehrte Gäste und liebe Freunde:
Meine amerikanischen Mitbürger, wir haben eine Menge Arbeit vor uns.
Meine ehemaligen Kollegen, Sie und ich haben eine Menge Arbeit vor uns. Laßt
uns damit beginnen!
Ich danke Ihnen für Ihren so herzlichen Empfang.

Ich bin nicht hier, um eine Inaugurationsrede zu halten. Die Nation
braucht Taten, nicht Worte.
Genausowenig

�Genausowenig wird dies ein offizieller Bericht über die Lage der Nation
sein. So Gott will, habe ich wenigstens noch dreimal Gelegenheit, einen solchen Bericht vorzulegen.

Es ist gut, wieder hier im Repräsentantenhaus zu sein.
•\'.

Aber dies kann nicht eine echte Rückkehr sein. Gemäß der Verfassung ge-

höre ich nunmehr zur Exekutive. Der Oberste Bundesgerichtshof selbst hat befunden, daß ich die Exekutive - Kopf, Herz und Hand - verkörpere.

Aber bei aller gebührenden Hochachtung vor den erfahrenen Richtern und ich habe eine große Achtung vor der Judikatur - werde ich stets mit einem
Teil meines Herzens hier auf dem KapitoL sein. Ich weiß sehr gut, daß der
Kongreß in unserem Verfassungsprozeß eine gleichberechtigte Rolle spielt. Ich ,
liebe das Repräsentantenhaus. Ich achte die Traditionen des Senats trotz
meines nur allzu kurzen Wirkens dort. Als Präsident lautet mein Motto für die
Beziehungen zum Kongreß: Kommunikation, Konzilianz, Kompromiß und Zusammenarbeit.
Dieser Kongreß wird, davon bin ich überzeugt, mein Arbeitspartner wie
auch mein konstruktivster Kritiker sein. Ich will nicht Konformität. Ich bin
ein Anhänger des Zweiparteien-Systems, und Sie wissen, welches meine Partei
ist.
Ich möchte keine Flitterwochen mit Ihnen. Ich möchte eine gute Ehe.
Ich will Fortschritt, und ich möchte die Probleme lösen, was alle meine
Anstrengungen wie auch die Ihren erfordern wird.

Ich brauche nicht zu lernen,wie der Kongreß für das Volk spricht. Als
Präsident werde ich zuhören.
Aber

�Aber ich habe auch die Absicht, dem Volke selbst zuzuhören - allen Bürgern -, so wie ich es ihm am letzten Freitag versprochen habe. Ich möchte
sichergehen, daß wir alle der wirklichen Stimme Amerikas zuhören.

Meine Regierung beginnt mit der Suche nach Einheit in der Vielfalt. Die
Tür zu meinem Büro ist in der Vergangenheit stets offen gewesen, und so wird
es auch im Weißen Haus sein. Ja, Abgeordnete werden dort willkommen sein
- wenn sie es nicht übertreiben. Die ersten Worte der Verfassung - und dies
sind die wichtigsten - lauten: »Wir, das Volk der Vereinigten Staaten* wir, das Volk, haben die Verfassung gesetzt und begründet und uns selbst alle
Gewalten vorbehalten, die nicht der Bundesregierung und den Regierungen der
einzelnen Bundesstaaten übertragen worden sind. Ich respektiere jene grundsätzliche Herrschaft der Freiheit und werde mir dessen stets bewußt bleiben.

Erst vor acht Monaten, als ich das letzte Mal hier stand, habe ich Ihnen
zugerufen, »ich bin ein Ford, und nicht ein Lincoln». Heute abend betone ich
erneut, »ich bin immer noch ein Ford, aber ich bin kein Modell T».

Ich habe gewisse altmodische Vorstellungen; ich glaube daran, daß Amerika im Grunde anständig und fair ist. Ich glaube an die Integrität und den
Patriotismus des Kongresses. Und wenn ich auch die Regel des Repräsentantenhauses kenne, daß man niemals zu den Galerien spricht, so glaube ich doch an
den ersten Zusatzartikel zur Verfassung und an die absolute Notwendigkeit
einer freien Presse.

Aber ich glaube auch, daß sich unsere Nation seit dem Zusammentreten des
ersten Kontinental-Kongresses vor über zwei Jahrhunderten stets nach vorne

-3-

�J

vorne hinbewegt hat. Und ich bekenne hier, daß ich in meiner ersten Kampagne
für ein Präsidentenamt - in meiner Abschlußklasse an der South High School
in Grand Rapids - an der Spitze der Wahllise der Progressiven Partei stand.
Jetzt rufe ich Sie auf, gemeinsam mit mir unser Land wieder in Schwung und
voran zu bringen. Ich habe das bestimmte Gefühl, daß die Lage der Nation ausgezeichnet ist, aber die Lage unserer Wirtschaft ist nicht so gut.

Überall wo ich als Vizepräsident war - ich bin rund 118 000 Meilen in
40 Bundesstaaten gereist und habe 55 Pressekonferenzen abgehalten - galt die
einmütige Sorge der Amerikaner der Inflation. Darin stimmen alle Meinungsbefragungen überein. Sie besagen ferner, daß die Bevölkerung in weit stärkerem
Maße die Regierung für die hohen Preise verantwortlich machtenals die Arbeitgeber oder die Gewerkschaften.

Sie, die Sie aus 50 Bundesstaaten, drei Territorien und dem District of
Columbia kommen, wissen dies besser als ich. Dies ist der Grund, warum Sie
seit meinem Weggang hier Ihren neuen Ausschuß für eine Reform des Haushalts
eingesetzt haben. Ich begrüße diesen Ausschuß und werde mit seinen Mitgliedern zusammenarbeiten, um bis zum Finanzjahr 1975/76 den Bundeshaushalt auszugleichen.

Tatsache ist, daß der Bundeshaushalt in den letzten 25 Jahren, in denen
ich hier tätig war, nur sechsmal ausgeglichen war.

Mr. Speaker, ich komme etwas spät damit, aber eine Beichte ist gut für
das Gewissen, Ich habe wohl manchmal dafür gestimmt, mehr Gelder des Steuerzahlers für lohnende Bundesprojekte in Grand Rapids auszugeben, während ich

-4-

�t

ich nachdrücklich die Vergeudung von nutzlosen Bundesvorhaben in Oklahoma
ablehnte.
Aber sei es wie es wolle, Mr. Speaker, Sie und ich stemmten sich stets
gemeinsam gegen ungerechtfertigte Kürzungen bei der nationalen Verteidigung.
Dies ist nicht der Zeitpunkt, eine solche überparteiliche Politik zu ändern.
So wie die eskalierenden Bundesausgaben jahrelang eine Hauptursache für
Preissteigerungen waren, so dürfte es auch einige Zeit dauern, bis die Inflation gestoppt werden kann.

Aber wir müssen jetzt damit beginnen.
Als erstes, noch vor der Labor Day-Pause, sollte der Kongreß durch Verabschiedung eines eindeutigen Gesetzes den Lebenshaltungskostenrat reaktivieren, ohne damit irgendwelche Kontrollen wieder einzuführen, der für uns Preise und Löhne überwachen und Mißbräuche aufdecken wird.

Der amerikanische Lohnempfänger und die amerikanische Hausfrau können
weit besser wirtschaften als es die meisten Volkswirtschaftler zugeben möchten. Sie wissen, daß eine Regierung, die genügend Macht hat, um ihnen alles
zu geben, was sie wollen, auch eine Regierung ist, die genügend Macht, um
ihnen alles zu nehmen, was sie haben. Wenn wir das Vertrauen in

uns als han-

delnde Politiker wiederherstellen wollen, so müssen wir alle als erstes einmal
lernen, 'Nein* zu sagen.

Der erste spezifische Appell der Ford-Administration richtet sich nicht
an den Kongreß, sondern an die Wähler bei den bevorstehenden November-Wahlen.

-5-

�1

Wahlen. Er lautet: »Unterstützt Eure Kandidaten, Abgeordnete und Senatoren,
Demokraten oder Republikaner, Konservative oder Liberale, die stets für
harte Entscheidungen stimmen, um die Regierungskosten zu senken, die Bundesausgaben einzuschränken und die Inflation unter Kontrolle zu bringen.

Ich begrüße die vom Kongreß bereits ergriffenen Initiativen. Der einzige Fehler, den ich im Hinblick auf die Inflationsstudie des gemeinsamen Wirtschaftsausschusses finde, die in der letzten Woche in Auftrag gegeben wurde,
ist, daß wir die Erkenntnisse der Experten bereits in sechs Wochen und nicht
erst in sechs Monaten brauchen.

Vor einem Monat hat der hochverehrte Fraktionsführer der Demokraten im
Senat das Weiße Haus ersucht, Mitglieder des Kongresses, die Wirtschaftsberater des Präsidenten und einige der besten Wirtschaftler aus den Reihen der
Gewerkschaften, der Industrie und der Landwirtschaft zu einer Wirtschaftskonferenz einzuberufen.

Später wurde beschlossen, eine innenpolitische Gipfelkonferenz einzuberufen, die einen von beiden politischen Parteien getragenen Aktionsplan für
Stabilität und Wachstum der amerikanischen Wirtschaft ausarbeiten sollte. Weder ich noch meine Mitarbeiter haben im Augenblick Zeit, Briefe zu schreiben;
so möchte ich persönlich hierzu Stellung nehmen: ich akzeptiere Ihren Vorschlag und werde persönlich den Vorsitz übernehmen.

Weiter schlage ich vor, daß diese konzertierte Aktion bald und im Blickpunkt der amerikanischen Öffentlichkeit stattfindet. Die Öffentlichkeit ist
genau so wie wir darauf aus, die richtige Antwort zu finden.
Es

-6-

�Es wird meine vordringliche Aufgabe sein, mit Ihnen zusammenzuarbeiten,
uro die Inflation unter Kontrolle zu bringen. Die Inflation ist iro Inland
unser öffentlicher Feind Nummer eins. Um das Vertrauen in die Wirtschaft
wiederherzustellen, muß die Regierung in Washington die Führung übernehmen.
Es nützt keinem, der Öffentlichkeit Geldverschwendung vorzuwerfen, wenn die
Regierung selbst zuviel ausgibt.
Ich habe damit begonnen, das eigene Haus meiner Administration wirtschaftlich in Ordnung zu bringen, und zwar am letzten Freitag. Ich habe meine
Kabinettsmitglieder, meine Berater und meine Mitarbeiter im Weißen Haus angewiesen, fiskalische Zurückhaltung zum Leitsatz ihrer Arbeit zu machen und
jeden Dollar unserer Steuerzahler einzusparen, soweit Sicherheit und das echte Wohl des Landes dies gestatten. Auf einige wirtschaftliche Aktivitäten
wird sich eine monetäre und fiskalische Zurückhaltung stärker auswirken als
auf andere. Eine gute Regierungsführung setzt ganz klar voraus, daß wir an
die Wirtschaftsprobleme, denen sich unser Land gegenübersieht, in einem Geist
herangehen, der alle Bürger gleich behandelt.

Heute abend ist nicht die Zeit, Ihnen mit Vetos zu drohen. Aber ich verfüge über dieses letzte Hilfsmittel, und ich habe selbst zahlreiche Vetokämpfe in diesem Hause mit ausgetragen. Aber können wir durch einen vernünftigen Kompromiß nicht mehr erreichen?

Unmittelbar, nachdem ich den Eid als Präsident geleistet hatte, haben
mir die führenden Mitglieder des Kongresses im Weißen Haus erklärt, sie würden
mir mehr als auf halbem Wege entgegenkommen. Dies wurde durch Ihre einstimmige, gleichlautende Resolution über eine Zusammenarbeit bestätigt, für die ich
-7-

�ich Ihnen zutiefst dankbar bin. Wenn ich meinerseits dem Kongreß mehr als
auf halbem Wege entgegenkomme, so werden wir vielleicht einen weit größeren
Bereich der Übereinstimmung in nationalen Fragen finden.

Ich habe heute abend keine Einkaufsliste mit Gesetzen bei mir. Ich
werde mich mit Einzelheiten in künftigen Botschaften und in Gesprächen mit
Ihnen befassen, doch hier sind einige Beispiele dafür, wie ernst ich es meine:
In der letzten Woche hat der Kongreß das Gesetz für die Grund-und Oberschulen verabschiedet, und ich fand es auf meinem Schreibtisch vor. Alle
Vorbehalte, die ich in bezug auf einige seiner Bestimmungen haben könnte
- und ich habe welche - treten angesichts der dringenden Notwendigkeit zurück, daß Amerika eine qualitativ hochstehende Schulausbildung braucht. Ich
werde das Gesetz in einigen Tagen unterzeichnen. Ich muß offen sein. Bei
der Durchführung seiner Bestimmungen werde ich zu hohe Mittelzuwendungen
während der gegenwärtigen inflationistischen Krise ablehnen.

Als Vizepräsident habe ich verschiedene Vorschläge für die Finanzierung
einer besseren Gesundheitsfürsorge geprüft. Ich sah, wie sie sich einander
annäherten, und habe meine Freunde im Kongreß und in der Regierung aufgefordert, sich zusammenzusetzen und einen gesunden Kompromiß auszuarbeiten.
Der umfassende Krankenversicherungsplan trägt weitgehend dazu bei, daß
schnelle Hilfe gewährt werden kann.

Warum sollen wir nicht noch vor der Vertagung dieses Kongresses ein
gutes Gesundheitsgesetz in seine Annalen schreiben?
Die
-8-

�f

Die Wirtschaft unseres Landes ist in entscheidendem Maße abhängig davon, wie wir mit den Volkswirtschaften der anderen Länder zusammenarbeiten.
Es kann uns nur wenig trösten, daß unsere Inflation lediglich Teil eines weltweiten Problems ist oder daß die amerikanischen Familien einen geringeren
Teil der Lohntüte für Lebensmittel ausgeben müssen als die meisten unserer
ausländischen Freunde.

Wir haben - und das ist einer der Bausteine für den Frieden - die Führung bei den Arbeiten für ein offeneres und gerechteres internationales Wirtschaftssystem übernommen. Im September letzten Jahres hat in Tokio zwischen
105 Ländern eine neue Runde von internationalen Handelsverhandlungen begonnen. Die anderen Länder warten darauf, daß der amerikanische Kongreß die erforderlichen Vollmachten erteilt, damit diese Verhandlungen vorangehen können.
Mit gewissen Abänderungen würde das vom Repräsentantenhaus im letzten
Jahr verabschiedete Gesetz für eine Reform des Handels diese Vollmachten
bringen. Wie ich höre, sind im Senatsausschuß gute Fortschritte gemacht worden. Ich bin wie immer optimistisch, daß der Senat bald als entscheidenden
Teil unseres Feldzuges für gemeinsamen Wohlstand ein akzeptables Gesetz verabschieden wird.

Ich bin entschlossen, andere internationale wirtschaftliche Pläne zu beschleunigen. Wir werden gemeinsam mit anderen Ländern darauf hinarbeiten,
bessere Wege zur Verhinderung von Verknappungen bei Lebensmitteln und Brennstoffen zu finden. Wir dürfen es nicht zulassen, daß eine Energiekrise wie
im letzten Winter sich wiederholt. Ich werde das Projekt Independence

-9-

�• Independence (Unabhängigkeit) zu' unserem eigenen Wohl und zum Wohle anderer
vorantreiben. Hierzu benötige ich ebenfalls Ihre Hilf«;
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Eine erfolgreiche Außenpolitik fördert die Hoffnungen des gesamten amerikanischen Volkes auf eine Welt des Friedens und der echten Freiheit. Daher möchte ich einige Worte an unsere hochverehrten Gäste, Angehörige der Regierungen anderer Länder, richten und ihnen sagen, daß ich, wie im eigenen
•Lande, entschlossen bin, Verbündeten und Gegnern gegenüber offen zu sein.

Während der letzten fünfeinhalb Jahren habe ich im Kongreß und als Vizepräsident die hervorragende Außenpolitik Präsident Nixons voll unterstützt.
Ich werde dies auch weiter tun.
fj •••••.- Während meiner ganzen Zeit im öffentlichen Dienst - angefangen im Kriege, als ich in der Marine unter dem Oberbefehl von Präsident Franklin D.
Roosevelt diente - habe ich stets alle unsere Präsidenten unterstützt, wenn
sie für mein Land zur Welt sprachen. Ich glaube, die Verfassung fordert das.
Ich weiß, daß ich auf diesem entscheidend wichtigen Gebiet der Außenpolitik
'I auf Ihre feste Unterstützung rechnen kann. •
Möge es nirgendwo Zweifel oder Mißverständnisse geben. Es bieten sich
keine Möglichkeiten, etwas auszunutzen, falls irgendjemand dies wünschen soll;

te. Es wird keinen Kurswechsel und kein Nachlassen der Wachsamkeit geben,
kein Loslassen des Ruders unseres Staatsschiffes beim Wachwechsel. Wir stehen zu unseren Verpflichtungen, und wir werden unseren Verantwortlichkeiten
gerecht werden in unseren offiaiellen Bündnissen, gegenüber unseren Freunden
und bezüglich unserer: sich verbessernden Beziehungen zu irgendwelchen

-10-

�irgendwelchen potentiellen Gegnern.

Darin werden die Amerikaner einig und stark sein. Während meiner Amtszeit, so

hoffe ich, werden sie noch einiger werden. Ich bin sicher, daß wir

stark bleiben werden.

Eine starke Verteidigung ist der sicherste Weg zum Frieden. Stärke
macht eine Entspannung erreichbar, Schwäche lädt zum Krieg ein, wie dies
meine Generation aus vier bitteren Erfahrungen weiß.

So wie Amerikas Wille zum Frieden unübertroffen ist, so wird auch Amerikas Stärke unübertroffen sein.
Wir können uns bei dem Schutz unseres Landes nicht auf die Enthaltung
anderer verlassen. Die Stärke und Vielseitigkeit unserer Streitkräfte, die
Entschlossenheit unserer Mitbürger, die Flexibilität beim Navigieren in weiterhin unruhigen internationalen Gewässern - dies alles ist für unsere Sicherheit unerläßlich.

Ich werde weiterhin auf einer zivilen Kontrolle unserer obersten militärischen Einrichtungen bestehen. Die Verfassung besagt eindeutig, daß der
Präsident der Oberste Befehlshaber ist, und ich werde das sein.

Unsere Aufgabe wird nicht leicht sein. Wenn ich Kontinuität verspreche,
so kann ich jedoch nicht Einfachheit versprechen. Die Probleme und Herausforderungen auf der Welt bleiben komplex und schwierig. Aber wir haben uns
auf einen Weg der Vernunft und der Fairness begeben, und wir werden auf ihm
fortfahren.
Als
-11-

�1

Als Leitlinien für diesen Weg kann ich die folgenden geben:

-- Unseren Verbündeten seit einer Generation, in der Atlantischen Gemeinschaft wie auch Japan, verspreche ich feierlich die Fortsetzung der loyalen Zusammenarbeit bei unseren zahlreichen gemeinsamen Anstrengungen.

-- Unseren Freunden und Verbündeten in der westlichen Hemisphäre verspreche ich feierlich eine fortgesetzte Vertiefung des Dialogs über neue Beziehungen auf der Basis von Gleichheit und Gerechtigkeit.

-- Unseren Verbündeten und Freunden in Asien verspreche ich feierlich
eine fortgesetzte Unterstützung ihrer Sicherheit, Unabhängigkeit und wirtschaftlichen Entwicklung. Was Indochina anbetrifft, so sind wir entschlossen, für eine Einhaltung des Pariser Vietnamabkommens und der ausgehandelten
Laos-Regelung einzutreten. Wir hoffen auf eine baldige Kompromißregelung in
Kambodscha.

-- Der Sowjetunion verspreche ich feierlich, daß wir an unserem

Kurs

der letzten drei Jahre festhalten werden. Unseren beiden Völkern und der gesamten Menschheit sind wir es schuldig, daß die Anstrengungen fortgesetzt
werden,in Frieden zusammenzuleben und,wo immer möglich, zusammenzuarbeiten.
Denn im thermonuklearen Zeitalter kann es keine Alternative zu positiven und
friedlichen Beziehungen zwischen unsern Völkern geben.

-- Der Volksrepublik China, deren legendäre Gastfreundschaft ich genossen habe »verspreche ich feierlich, daß wir auch weiterhin den Prinzipien
des Schanghai-Kommuniquls verpflichtet bleiben. Die auf diesen Prinzipien

-12-

�Prinzipien errichteten neuen Beziehungen haben bewiesen, daß sie schwerwiegenden, objektiven

beiderseitigen Interessen dienen und zu einem festen Be-

standteil unseres Weltbildes geworden sind.

--

Den Ländern des Nahen Ostens verspreche ich feierlich, daß wir unsere

nachhaltigen Bemühungen zur Förderung des Prozesses fortsetzen werden, der
diesem Gebiet nach fünfundzwanzig Jahren, in denen es eine Brutstätte des
Krieges war, Hoffnungen auf Frieden gebracht hat. Wir werden unser Versprechen ausführen, die gegenwärtigen Verhandlungen zwischen allen

Parteien

über eine umfassende, gerechte und dauerhafte Regelung zu fördern.

-- Allen Nationen verspreche ich feierlich, daß wir in dem Streben nach
einem gemeinsamen weltweiten Ziel fortfahren werden: eine stabile internationale Handels-und Finanzstruktur, die die Interdependenz aller Völker widerspiegelt.

-- Der gesamten internationalen Völkergemeinschaft - den Vereinten Nationen, den blockfreien Staaten der Welt und allen anderen verspreche ich
feierlich, daß wir auch künftig den humanen Zielen verschrieben bleiben, die
in unserer ganzen Geschichte einen so bedeutenden Teil unseres Beitrages zur
Menschheit bildeten.

So lange die Völker der Welt Vertrauen in unsere Ziele haben und unserem Wort glauben, wird die jahrhundertealte Vision vom Frieden auf Erden
immer klarer werden.
Ich

-13-

�Ich bekenne mich rückhaltlos zu diesem Ziel. Ich sage Ihnen in Worten, die nicht deutlicher sein können: Laßt uns niemals aus Furcht verhandeln. Doch laßt uns niemals Furcht haben, zu verhandeln.

Als Vizepräsident habe ich mich mit den individuellen Rechten der Amerikaner bezüglich ihrer Privatsphäre beschäftigt. Es wird keine illegalen Tonbandaufnahmen, kein Telefonanzapfen, kein Mithören durch Mikrophone und keine
Einbrüche unter meiner Regierung geben. Scharfe Gesetze werden strikt angewandt werden, um illegale Eingriffe in die Privatsphäre innerhalb wie außerhalb der Regierung zu verhindern.

Was die höhere Ebene der öffentlichen Moral anbetrifft, so brauche ich
heute abend darüber nicht zu sprechen. Es gibt Tausende, die das weit besser
können,und eine Vielzahl frommer Schriften, die uns den Weg weisen können,wie
man persönlich ein rechtschaffenes Leben führt und sich in seinem öffentlichen Wirken beispielhaft verhält. Wenn wir in der heutigen komplexen Gesellschaft von den moralischen und ethischen Lehren der Jahrhunderte wirksam
und rechtzeitig Gebrauch machen, so werden wir mehr Verbrechen und Korruption
verhindern, als dies die ganze Polizei und alle Staatsanwälte können. Dies
ist eine Aufgabe, die zu Hause und nicht in Washington einsetzen muß..

Ich habe einst gesagt, daß ich kein Heiliger bin, und ich hoffe, nie
den Tag zu erleben, an dem ich nicht zugeben kann, einen Fehler gemacht zu
haben. So möchte ich mit einem weiteren Eingeständnis schließen.

Häufig habe ich in den letzten Monaten auf dem steinigen Weg von diesem
Haus bis in das Haus des Präsidenten beteuert, daß ich mein eigener Herr sei.

-14-

�sei. Jetzt sehe ich ein, daß ich irrte. Ich bin Ihr Mann. Denn es war Ihre
sorgfältig abgewogene Bestätigung, die meine Tätigkeit geändert hat.

Ich bin der Mann des Volkes, denn Sie haben in seinem Namen gehandelt,
und ich habe meine neue und ernste Aufgabe angenommen mit dem Versprechen,
dem gesamten Volk zu dienen und für Amerika das Beste, was ich kann, zu tun.
Und wenn ich ausdrücklich sage: das gesamte Volk, so meine ich genau das.
Ich werde bis an die Grenze meiner Kräfte und Fähigkeiten der Präsident der
schwarzen, der braunen, der roten und der weißen Amerikaner sein, der alten
und der jungen, der Frauenrechtlerinnen und der männlichen Chauvinisten und
all der übrigen Amerikaner dazwischen, der Armen und der Reichen, der hier
Geborenen und der neu hierher gekommenen Flüchtlinge, derer, die an Drehbänken arbeiten, an Schreibtischen, in Bergwerken oder auf den Feldern, sowie
der Christen, der Juden, der Moslems, der Buddhisten und der Atheisten, falls
es wirklich noch nach all dem, was wir durchgemacht haben, Atheisten gibt.

Meine amerikanischen Mitbürger, ein letztes Wort:
Ich möchte ein guter Präsident sein.
Ich brauche Ihre Hilfe.
Wir alle brauchen Gottes sichere Führung.
Mit ihr kann nichts mehr die Vereinigten Staaten von Amerika aufhalten."

++++

-15-

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17/1974

REDE PRÄSIDENT FORD »S NACH SEINER VEREIDIGUNG
- Wortlaut -

WASHINGTON --(AD)— Die Rede von Präsident Gerald R. Ford nach seiner Vereidigung durch den Obersten Bundesrichter der Vereinigten Staaten, Warren
Burger, am 9. August hat folgenden Wortlaut:

"Herr Oberster Bundesrichter, meine lieben Freunde, meine amerikanischen Mitbürger:
Der Eid, den ich abgelegt habe, ist der gleiche Eid, wie er von George
Washington und jedem anderen Präsidenten auf die Verfassung geleistet worden
ist. Aber ich trete das Präsidentenamt unter außergewöhnlichen Umständen an,
wie sie die Amerikaner noch nie zuvor erlebt haben. Dies ist eine Stunde in
der Geschichte, die uns verwirrt und die uns schmerzt.

Ich halte es daher für meine erste Aufgabe, mit meinen Landsleuten einen
Pakt zu schließen, wie er ohne Beispiel ist. Ich will nicht eine Antrittsansprache halten, auch nicht ein Gespräch am Kamin oder eine Wahlrede, sondern
zu Ihnen einige offene Worte unter Freunden sprechen. Und ich möchte diesen
-1-

�diesen noch viele solche Worte folgen lassen.

Ich bin mir dessen sehr wohl bewußt, daß Sie mich nicht in geheimer
Wahl zu Ihrem Präsidenten gewählt haben. So bitte ich Sie, mich in Ihren Gebeten als Ihren Präsidenten zu bestätigen. Und ich hoffe, daß diesen Gebeten
ebenfalls viele weitere folgen werden.

So, wie Sie mich nicht in geheimer Wahl gewählt haben, so habe ich meinerseits dieses Amt auch nicht durch irgendwelche geheimen Versprechen erlangt. Ich habe mich weder um das Amt des Präsidenten noch um das Amt des
Vizepräsidenten beworben. Ich habe mich keinem Parteiprogramm verschrieben.
Wenn ich diese äußerst schwierige Aufgabe jetzt antrete, schulde ich keinem
Mann etwas —

nur einer Frau, meiner lieben Ehefrau.

Ich habe diese ungeheure Verantwortung nicht gesucht, aber ich werde
nicht vor ihr zurückschrecken. Diejenigen, die mich zum Vizepräsidenten nominiert und als solchen bestätigt haben, waren meine Freunde und sind meine
Freunde. Sie gehörten beiden politischen Parteien an, waren von der gesamten
Bevölkerung gewählt worden und handelten in deren Namen gemäß der Verfassung.
Es ist daher nur angemessen, wenn ich diesen gegenüber und gegenüber Ihnen
feierlich gelobe, daß ich der Präsident des ganzen Volkes sein will.

Thomas Jefferson hat gesagt, daß das Volk die einzige sichere Gewähr für
die Erhaltung unserer Freiheit ist. Und später hat Abraham Lincoln diesen
amerikanischen Glaubensartikel erneuert, als er sagte, 'gibt es in dieser
Welt irgendeinen besseren Weg oder eine gleichwertige Hoffnung?*
Ich
-2-

�Ich werde am kommenden Montag den Sprecher des Repräsentantenhauses
den Präsidenten pro tempore des Senats um die Ehre ersuchen, vor dem Kongreß
zu erscheinen, um meinen ehemaligen Kollegen und Ihnen, dem amerikanischer
Volke, meine Auffassungen über die vordringlichsten Probleme der Nation darzulegen und um die Meinung des Kongresses sowie die Ihrige einzuholen. Und
dem Sprecher (des Repräsentantenhauses) sowie den anderen möchte ich sagen,
ich würde es begrüßen, wenn ich unmittelbar nach diesen Worten mit ihnen zusammentreffen könnte.

Auch wenn dieses Wahljahr bereits weit fortgeschritten ist, gibt es keine
andere Möglichkeit, als gemeinsam vorzugehen, und gewinnen kann nur der, der
den dringendsten Erfordernissen des Volkes entspricht. Wir dürfen nicht pti1
stehen oder rückwärts gehen. Wir müssen jetzt gemeinsam voranschreiten.

Den Völkern und Regierungen aller befreundeten Nationen - und ich h. tfte, dies könnte die ganze Welt einschließen - versichere ich feierlich, daß
ich die Bemühungen um Frieden weiter unermüdlich und ehrlich fortsetzen werde. Amerika wird weiterhin stark und geeint bleiben, aber seine Stärke wird
künftig der Sicherheit und Gesundheit der gesamten Menschheit wie auch unserer
eigenen kostbaren Freiheit gewidmet sein.

Ich glaube daran, daß es die Wahrheit ist,die eine Regierung zusammenbindet, und das gilt nicht nur für unsere Regierung, sondern für die gesamte
Zivilisation. Dieses Band ist, obwohl stark beansprucht, bei uns wie auch im
Ausland nicht zerrissen.
Was

-3-

�Was immer ich in meinem Amt als Ihr Präsident wie auch privat, tue,
wird von Offenheit und Redlichkeit geprägt sein in der festen Überzeugung,
daß Ehrlichkeit letzten Endes stets die beste Politik ist.

Meine amerikanischen Mitbürger, unser langer nationaler Alptraum ist
überstanden.

Unsere Verfassung bewährt sich: in unserer großen Republik regiert das
Gesetz und nicht einzelne Menschen. Hier herrscht das Volk. Doch es gibt
noch eine höhere Macht, unter welchem Namen wir sie auch immer verehren, die
nicht nur Gesetzestreue, sondern auch Liebe, nicht nur Gerechtigkeit, sondern
auch Gnade fordert. Wenn wir jetzt in unserem Lande die Wunden von Watergate
zu heilen suchen, die schmerzhafter und schlimmer sind alt die, die wir in
Kriegen davontrugen, so laßt uns auch den goldenen Regeln für unser politisches Handeln erneut Geltung verschaffen und unsere Herzen durch brüderliche
Liebe von Argwohn und Haß reinigen.

Eingangs bat ich Sie, für mich zu beten. Bevor ich schließe, möchte ich
Sie noch einmal um Ihr Gebet für Richard Nixon und seine Familie bitten.
Möge unser ehemaliger Präsident, der Millionen den Frieden gebracht hat, auch
für sich selbst Frieden finden. Möge Gott seine großartige Frau und seine
Töchter segnen und trösten, deren Liebe und Treue für immer ein leuchtendes
Vorbild all denen sein wird, die die einsame Last des Weißen Hauses tragen.

Ich kann diese Last nur ahnen, obwohl ich in unmittelbarer Nähe die
Tragödien dreier Präsidenten und die Prüfungen anderer erlebt habe.

Mit

�1

Mit all der Vernunft und der Stärke, die ich aus meinem Leben gewonnen
habe, gestützt auf das Vertrauen, das meine Familie, meine Freunde und meine
mir ergebenen Mitarbeiter in mich setzen, und bauend auf den guten Willen der
ungezählten Amerikaner, denen ich auf meinen kürzlichen Besuchen in 40 Bundesstaaten begegnet bin, bekräftige ich jetzt erneut feierlich mein Versprechen, das ich Ihnen am 6. Dezember letzten Jahres gegeben habe: die Verfassung zu achten, das Rechte zu tun, so wie Gott es mich als richtig erkennen
laßt, und das Beste für Amerika zu leisten.

Mit Gottes Hilfe werde ich Sie nicht enttäuschen."

-5-

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17/1974

FORD: AMERIKANISCHE FRIEDENSPOLITIK WIRD FORTGEFÜHRT
- Wortlaut der Erklärung in der Nacht zum 9.August -

WASHINGTON --(AD)— Vizepräsident Gerald Ford hat in der Nacht zum 9. August
unmittelbar nach der Rundfunk-und Fernsehrede Präsident Nixons, in der dieser
seinen Rücktritt bekanntgab, in seinem Haus in Alexandria, Virginia, folgende
Erklärung abgegeben:
"Ich glaube, dies ist eine der schwierigsten und düstersten Zeiten und
eines der traurigsten Ereignisse, das ich je erlebt habe. Ich möchte sagen,
daß der Präsident der Vereinigten Staaten eines der größten persönlichen
Opfer für das Land gebracht und eine der wohl besten persönlichen Entscheidungen für uns alle als Amerikaner getroffen hat, als er beschloß, als Präsident
der Vereinigten Staaten zurückzutreten. Ich hatte Gelegenheit, fast 25 Jahre
lang eine Außenpolitik zu beobachten, die in den letzten fünf Jahren äußerst
erfolgreich war, für uns alle hier und hoffentlich auch für die übrige Welt
Frieden zu schaffen. Es war eine Politik,

die meines Erachtens in den kommen-

den Monaten und Jahren den Frieden erhalten kann. Lassen Sie mich ohne Zögern

-1-

�Zögern und Vorbehalte sagen, daß - was mich als Präsidenten der Vereinigten
Staaten anbetrifft - die Politik, die den Frieden erreicht und die Grundsteine für den künftigen Frieden geschaffen hat, fortgeführt werden wird.
Wir waren in der glücklichen Lage, in den letzten fünf Jahren in Henry
Kissinger eine sehr bedeutende Persönlichkeit gehabt zu haben, der unter Präsident Nixon dazu beigetragen hat, die Grundsteine für den Frieden zu errichten. Ich glaube, diese Politik sollte fortgesetzt werden und diese Politik
des Friedens wird fortgesetzt werden.

Ich habe Henry Kissinger gebeten,

Außenminister zu bleiben und der Außenminister meiner Regierung zu sein. Ich
kenne Henry Kissinger seit vielen Jahren. Ich kannte ihn bereits, bevor er
in die Nixon-Administration eintrat. Ich möchte ihn als meinen Außenminister
haben und ich freue mich, bekanntgeben zu können, daß er der Außenminister
sein wird. Dies bedeutet, daß er und ich bei den Bemühungen um den Frieden
künftig, so wie wir dies in der Vergangenheit getan haben, zusammenarbeiten
werden. Wir haben zahlreiche andere Probleme. Wir haben Probleme im Inland,
die gelöst werden müssen. Und sie können gelöst werden und werden gelöst werden, in Zusammenarbeit zwischen dem Kongreß und dem Präsidenten sowie dessen
Mitarbeitern. Während meiner Tätigkeit im öffentlichen Dienst hatte ich das
große Glück, eine ganze Menge Gegner auf der politischen Bühne und im Kongreß zu haben, aber ich habe, so glaube ich, keinen einzigen Feind im Kongreß.
Und das Nettoergebnis ist, daß ich, wie ich glaube, morgen damit beginnen
kann, mit den Demokraten und mit den Republikanern im Repräsentantenhaus wie
auch im Senat an den Problemen - ernsten Problemen - zu arbeiten, die wir im
eigenen Lande haben.
Und

-2-

�Und der Geist der Zusammenarbeit, der sich, wie ich glaube, beim Kongreß
und dem neuen Präsidenten gegenüber den Problemen im Ausland und im Inland
zeigen wird, wird sich nicht nur für die 211 Millionen Amerikaner, sondern
auch für die Welt als ganzes als segensreich erweisen. Und ich versichere
Ihnen heute Abend feierlich, so wie ich dies morgen und auch künftig tun werde, daß ich mein Bestes an Zusammenarbeit, Führerschaft und Einsatz geben
werde für das, was gut für Amerika ist und was gut für die Welt ist.
Ich danke Ihnen vielmals.'1

-3-

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17/1974

PRÄSIDENT GERALD R. FORD ÜBER DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK
- Auszüge aus Reden -

WASHINGTON --(AD)— Gerald R. Ford hat als Vizepräsident eingehend in Reden
und Interviews zu den verschiedenen Fragen der amerikanischen Außenpolitik
Stellung genommen. Die folgenden Zitate aus den letzten Monaten zeigen, welche Haltung der neue amerikanische Präsident auf außenpolitischem Gebiet einnimmt:
Entspannung:

Ich glaube fest daran, daß sich die Entspannung als sehr, sehr segensreich erweisen wird. Die Beendigung des kalten Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion hat uns zahlreiche Möglichkeiten zur Verbesserung nicht nur dieser Beziehungen, sondern auch zur Lösung der Weltprobleme
gegeben. Meines Erachtens hat die Entspannung es möglich gemacht, daß wir mit
den Russen - und die Russen mit uns - wertvolle Informationen auf den Gebieten des Gesundheitswesens, des Umweltschutzes und des Weltraums teilen können,
Darüber hinaus, so glaube ich, haben die Beziehungen zwischen der Sowjetunion
und uns dazu beigetragen, Konfrontationen wie zum Beispiel im Nahen Osten zu

�zu vermeiden und andere beizulegen.

Ich glaube, daß die Entspannung von Nutzen war und dazu beigetragen hat,
die Israelis und einige der arabischen

Länder dazu zu bringen, den Krieg im

Nahen Osten zu beenden und einen Weg in Richtung auf eine friedliche Beilegung
dieses seit langem zwischen den Israelis auf der einen Seite und den Arabern
auf der anderen Seite bestehenden Konflikts zu beschreiten. Und ich meine, daß
die durch die Entspannung erreichten Beziehungen sich auch dahingehend ausgewirkt haben, daß die Beendigung des Krieges in Vietnam beschleunigt wurde.

SALT:

Meines Erachtens hat SALT I eine gute Grundlage geschaffen, aber ich glaube, wir müssen sie überprüfen. Was wir in SALT II tun, wird größere Bedeutung
haben als SALT I. Und hier wird es um die entscheidenden Dinge gehen. Werden
wir eine Kontrolle für Raketen mit Mehrfachsprengköpfen errichten können, die
wir besitzen und die die Russen jetzt bauen?

Das Gesetz über eine Reform des Handels:
Ich bin zuversichtlich, daß der Senat ein Handelsgesetz verabschieden
wird. Und ich hoffe, daß der Finanzausschuß des Senats und das Plenum des Senats einen etwas großzügigeren Standpunkt hinsichtlich der von Präsident Nixon
empfohlenen Meistbegünstigung einnehmen werden. Meines Erachtens muß der Präsident die Möglichkeit haben, ein Meistbegünstigungsabkommen mit zahlreichen

-2-

�zahlreichen Ländern, mit allen Ländern auszuhandeln, sofern dies im Interesse der Vereinigten Staaten und der Welt als ganzes liegt.

Es steht zu hoffen ..., daß es zu einem vernünftigen Kompromiß kommt,
der der Exekutive die Möglichkeit gibt, über Zoll Senkungen, den Abbau nichttarifärer Handelsschranken und die Ausweitung des Handels unter Ausnutzung
der Meistbegünstigung zu verhandeln.

Verteidigung:

Meines Erachtens kann man am besten über einen Frieden verhandeln und
einen Frieden wahren, wenn man militärisch stark ist. Die Vereinigten Staaten
haben seit Ende des zweiten Weltkrieges stets ein starkes militärisches Potential aufrechterhalten - nicht um einen Krieg zu führen, sondern um vor
einem Krieg abzuschrecken... Wir müssen stark genug sein, um potentielle Gegner zu

überzeugen, daß es töricht wäre, militärische Operationen durchzu-

führen, die uns zu militärischen Maßnahmen veranlassen würden.

Ich möchte einigen der Kritiker des ... Militärhaushaltes entgegenhalten,
daß dieser unter sechs Prozent unseres Bruttosozialproduktes liegt -&gt; dies
ist der niedrigste Prozentsatz unseres Bruttosozialproduktes seit 20 oder
25 Jahren.
NATO:

�I
t

J

NATO:

Ich habe von Anfang an das NATO-Bündnis stets unterstützt. Ich war immer
der Ansicht, daß gemeinsame Anstrengungen zusammen mit Westeuropa von großer
Wichtigkeit sind. Gleichzeitig bin ich mir klar darüber, daß wir nicht erwarten dürfen, daß die vielen in dem Bündnis zusammengeschlossenen Nationen Jahr
für Jahr in genau der gleichen Tonart sprechen. Die einzelnen Regierungen kommen und gehen, die einzelnen Länder haben Probleme, die in einem Jahr so
sind und in einem anderen Jahr, was die Wirtschaftspolitik anbetrifft, eine
andere Richtung erfordern. Obwohl ich etwas enttäuscht bin, weil einige Länder plötzlich vom Kurs abwichen, so würde ich nach wie vor den Fortbestand
der NATO und des Bündnisses nachdrücklich unterstützen.

... Wenn man es mit unabhängigen Nationen zu tun hat, die aus verständlichen Gründen eigene Probleme haben, die sie manchmal über die gemeinsamen
Beziehungen stellen, so muß man dafür ein gewisses Verständnis aufbringen.
Aber die NATO war seit 1951 insgesamt so erfolgreich, daß wir in den Vereinigten Staaten, und genauso unsere Verbündeten in Europa, das Bündnis nicht herabsetzen und es nicht beenden sollten, nur weil wir einige individuelle Meinungsverschiedenheiten haben... Manchmal neigen wir in der Hitze des Streits
über eine einzelne Frage dazu, mehr an diese Frage als an die Gesamtsituation
zu denken. Ich bin zuversichtlich, daß mit weiteren Fortschritten das Bekenntnis zur NATO sich festigen wird.
US-

-4 -

�US-Truppenstärke in Europa:
... Meines Erachtens wären die Vereinigten Staaten schlecht beraten,
wenn wir einseitig unsere Truppen, oder einen Teil, aus unserem NATO-Engagement in Westeuropa herauslösen würden. Auf der anderen Seite bin ich der
festen Überzeugung, daß wir mit der Sowjetunion und deren Verbündeten im Warschauer Pakt über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung verhandeln müssen. Ich sollte jedoch ganz offen sein: in den Vereinigten Staaten
wird die Stimmung für einen gewissen einseitigen Abzug unserer Truppen wachsen, es sei denn, unsere NATO-Verbündeten arbeiten mit uns voll zusammen und
wir erreichen eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung. Ich
pflichte dem nicht bei. Aber ich glaube, unsere NATO-Verbündeten sollten sich
dieses Problems bewußt sein und sie sollten uns in den Bemühungen unterstützen,
bei den Verhandlungen mit den Ländern des Warschauer Paktes eine faire und
gerechte Vereinbarung zu erreichen... Es gibt immer noch eine ganze Reihe von
Stimmen in den Vereinigten Staaten, die meinen, daß die USA seit 1951 einen
unverhältnismäßig großen Beitrag - sowohl an Truppen als auch in Dollar zur NATO geleistet haben und daß es daher an der Zeit ist, daß einige NATOVerbündete mehr tun, und daß wir uns einseitig zurückziehen sollten, falls
sie nicht mehr tun.

Ich halte das nicht für eine gute Politik, aber diese Stimmen nehmen zu.
Daher müssen wir zwei Dinge tun: Wir müssen unsere Freunde in der NATO überzeugen, daß sie etwas mehr tun müssen - sowohl was die Unterstützung mit
Truppen als auch mit Dollar anbetrifft - und daß sie so lange mit uns bei den

-5-

�•

J

den Bemühungen zusammenarbeiten sollten, eine ausgewogene Truppenreduzierung
zwischen Ost und West in Europa zu erreichen.

Der Nahe Osten:

Ich bin überzeugt, daß Vorurteile und Haß zwischen den Arabern und den
Israelis überwunden werden können, so wie wir in unseren eigenen Beziehungen
zur Volksrepublik China Fortschritte gemacht haben. Daher rechnen wir mit
anhaltender Fortentwicklung bei einer arabisch-israelischen Regelung... Dies
ist ein Test für die direkt betroffenen Parteien wie auch für alle Mächte mit
Interessen in diesem Raum,und darüber hinaus für die Vereinten Nationen...

Dies ist nicht allein nur der amerikanischen Diplomatie zu verdanken.
Zu einem großen Teil ist dies auch dem Mut, dem guten Willen und dem Weitblick der führenden Politiker Ägyptens und Israels zuzuschreiben... Außenminister Kissingers entscheidender Beitrag bestand darin, die Kluft zwischen
den beiden Parteien zu verringern, ohne von außen her eine Formel aufzuzwingen.. .

Ein Prozeß des Erwachens hat in dem Gebiet begonnen,

in dem Furcht und

Tod ein ViertelJahrhundert lang die Grenzen verschloß. Die Vereinigten Staaten
werden in ihrer Arbeit fortfahren, auf jede nur erdenkliche Weise eine dauerhafte Regelung zu ermutigen, die für beide Seiten akzeptabel ist.

Volksrepublik

-6-

�Volksrepublik China:
Der frühere Abgeordnete und Fraktionsführer der Demokraten im Repräsentantenhaus, Haie Boggs, und ich reisten im Sommer 1972 zusammen mit unseren
Frauen und unseren Mitarbeitern nach China. Wir folgten damit den Spuren der
historischen Reise des Präsidenten . Wir kamen zurück mit dem sehr nachhaltigen
Eindruck, daß China, das chinesische Volk, mit

den Amerikanern befreundet

sein möchte. Das chinesische Volk, so stellten wir fest, war das arbeitsamste,
eifrigste und hingebungsvollste, das wir bisher kennengelernt haben... Die
Chinesen waren uns gegenüber sehr freundlich und wir gewannen den Eindruck,daß
die maßgeblichen Männer in China, von Tschou En Lai angefangen, sehr darauf bedacht waren, die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten auszuweiten und auf
eine breitere Basis zu stellen.

Immerhin waren wir 25 Jahre lang nahezu von ihnen isoliert gewesen, und
daß die Türen nun offen waren... gab mir ein Gefühl, daß eine neue Zeit angebrochen war, die nicht nur für China und für die Vereinigten Staaten, sondern
auch für die Welt insgesamt Gewinn bringen würde.

Formosa:

Die Regierung Formosas und die Chinesische Volksrepublik stimmen beide
darin überein, daß Formosa ein Teil Chinas ist. Unterschiedliche Meinungen bestehen nur darüber, ob die Chinesische Volksrepublik oder die Chinesische Nationalregierung China repräsentieren. Im Augenblick drängt die Chinesische

-7-

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t
Chinesische Volksrepublik uns nicht, die chinesische Nationalregierung preiszugeben, und gleichzeitig übt auch die chinesische Nationalregierung keinerlei Druck auf uns aus. Ich glaube, dies ist.eine Frage, die im Laufe der internationalen Entwicklung gelöst werden muß, und für unser Land ist es von
Vorteil, gute Beziehungen zu beiden zu haben.

Kuba:
,

•

-

••&lt;

&gt;

Natürlich bin ich der Meinung, daß unsere Politik gegenüber Kuba ständig überprüft werden muß. Die Gegebenheiten in den Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und anderen Ländern ändern sich, so wie dies zum Beispiel in unseren Beziehungen zur Volksrepublik China der Fall war. Wenn eine
Politik sich nicht bewährt oder wenn sie verbessert werden kann, dann müssen
die zuständigen Stellen im Außenministerium und im Amt des Präsidenten prüfen,.
wie sie wirksamer gestaltet werden kann.

Nixon-Doktrin:
Ich halte sie für sehr konstruktiv. Meines Erachtens ist dies die Rolle,
die wir in der Welt spielen sollten. Wir in den Vereinigten Staaten können
nicht eine militärische Operation in den verschiedenen Teilen der Welt unterstützen. Wir stehen dem Ziel der Völker anderer Länder und dem Ziel anderer
Regierungen, ihre eigene territoriale und nationale Integrität zu wahren,mit
Wohlwollen gegenüber. Aber von den Vereinigten Staaten kann nicht erwartet

-8-

�erwartet werden, daß wir unsere Truppen für solche Ziele einsetzen.

Wir

können ihnen mit Waffen helfen. Wir können sie mit wirtschaftlicher Hilfe
durch unsere Auslandshilfeprogramme unterstützen. Aber die Nixon-Doktrin unterscheidet sich gegenüber dem, was wir früher getan haben, dadurch, daß
wir nicht mehr amerikanische Truppen einsetzen werden, wie das in Vietnam
der Fall war.

Entwicklungsländer:

Unsere Auslandshilfeprogramme und unsere übrigen verwandten bilateralen
Programme sollten meines Erachtens darauf ausgerichtet sein, diesen Entwicklungsländern wirtschaftlich, bei Schulung und Ausbildung sowie auf anderen Gebieten zu helfen. Wir müssen in dem Maße, wie uns dies in den Vereinigten Staaten möglich ist, Hilfe gewähren, so daß diese Länder zu wirklich lebensfähigen Nationen werden und ihre Bevölkerung mehr Möglichkeiten
für eine Ausbildung und wirtschaftliche Sicherheit hat. Die Vereinigten
Staaten sollten dies aus humanitären Gründen tun, und ich glaube, dies liegt
auch im besten Interesse der ganzen Welt.

US-Auslandshilfe:

Ich kam 1949 in den Kongreß nach einer Wahl, in der ich den Standpunkt
vertreten hatte, daß der Marshall-Plan gut war, nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern ebenso für die Welt. Und ich habe stets ein Auslandshilfeprogramm unterstützt. Der Marshallplan und die Anfänge der fünfziger

-9-

�fünfziger Jahre liegen weit zurück; wir haben jetzt ein Programm, das auf
Hilfe für die unterentwickelten Länder abgestellt ist, und ich unterstütze
auch dieses Programm. Nach meiner Ansicht ist ein Auslandshilfeprogramm, das
richtig verwaltet wird und mit ausreichenden Mitteln ausgestattet ist, ein
wichtiger Faktor für die Verwirklichung der amerikanischen Außenpolitik. Ich
habe nicht immer allen Geldzuwendungen der Präsidenten zugestimmt, aber ich
habe grundsätzlich dieses Programm unterstützt, denn wir leben praktisch allf
in einer Welt, ob nun in den Vereinigten Staaten, in Südostasien oder in
Europa.

+H+

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17/1974

FRAKTIONSFÜHRER BEKRÄFTIGEN FORTSETZUNG DER ÜBERPARTEILICHEN US-AUSSENPOLITIK

WASHINGTON — ( A D ) — Der Fraktionsführer der Demokraten im US-Senat, Senator Mike Mansfield, und der Fraktionsführer der Republikaner, Hugh Scott,
haben bekräftigt, daß die von den beiden großen politischen Parteien getragene Außenpolitik der Vereinigten Staaten fortgeführt wird.

Vor dem Plenum des Senats erklärte Senator Mansfield am 7. August:

"Gestern hat Außenminister Henry Kissinger bei der Darlegung der amerikanischen Außenpolitik betont, 'ich möchte namens der Kabinettsmitglieder,
die mit außenpolitischen Fragen zu tun haben, herausstellen, daß die Außenpolitik der Vereinigten Staaten im nationalen Interesse stets auf einer von
beiden großen politischen Parteien unterstützten Basis geführt worden ist und
auch weiterhin geführt werden wird...1.

Ich möchte als Fraktionsführer der Demokraten im Senat unterstreichen,
daß wir diese von Außenminister Kissinger zum Ausdruck gebrachte Auffassung
voll unterstützen und daß wir trotz unserer innenpolitischen Schwierigkeiten

-1-

�Schwierigkeiten weiterhin als Demokraten mit unseren republikanischen Kollegen
zusammenarbeiten werden, um sicherzustellen und allen Ländern kundzutun, daß
unsere Außenpolitik weiterhin auf einer von beiden politischen Parteien getragenen Basis fortgeführt werden wird, daß die von der Nixon-Administration zur
Normalisierung der Beziehungen zur Volksrepublik China und zur weiteren Entspannung mit der Sowjetunion getanen Schritte wie auch unsere Anstrengungen zur
Stabilisierung der Situation im Nahen Osten, daß sie alle fortgesetzt werden.
Niemand soll sich zu dem Glauben verleiten lassen, daß unsere innenpolitischen
Schwierigkeiten - und sie sind sehr ernst - uns irgendwie davon abbringen könnten, unsere Außenpolitik in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren auf einer
überparteilichen Basis zu führen. Dieser Punkt steht nicht zur Debatte."
Senator Scott betonte: ,lAls Fraktionsführer der Republikaner stimme ich
der Erklärung des hochverehrten Fraktionsführers der Demokraten voll und ganz
zu.

Der Außenpolitische Ausschuß des Senats, dem beide von uns angehören, hat
einen Bericht herausgegeben, in dem erneut betont wird, daß er dem Außenminister voll vertrautjdaß er, wenn er die später in der Presse veröffentlichte Information bereits zu dem Zeitpunkt gehabt hätte, als er die Bestätigung der
Nominierung des Außenministers empfahl, genau das gleiche wie damals getan und
diese Bestätigung empfohlen haben würde.

Der Bericht des Ausschusses bestätigt uneingeschränkt die Integrität des
Außenministers in dieser Frage.
Die

�Die republikanische Partei im Senat - und ich bin sicher, auch in dem
anderen Haus und im Lande - wird gemeinsam mit ihren Kollegen in der demokratischen Partei die Außenpolitik der Vereinigten Staaten aufrichtig, uneingeschränkt und nachdrücklich unterstützen, so wie sie von den aufeinanderfolgenden Präsidenten beider Parteien entwickelt und durchgeführt worden ist.
Gleichgültig, was innenpolitisch in unserem Lande geschieht, werden wir, wie
der hochverehrte Fraktionsvorsitzende der Demokraten gesagt hat, allen Ländern
kundtun, daß unsere Außenpolitik weiterhin auf einer von beiden politischen Parteien getragenen Basis fortgeführt werden wird.

Das Entspannungsprogramm gegenüber der Sowjetunion und der Fortschritt
dabei wird unvermindert fortgesetzt werden. Die Beziehungen zur Volksrepublik
China, die glücklicherweise auf einen besseren Stand als zuvor gebracht wurden, werden fortbestehen und werden, so hoffe ich - und glaube es auch - weiter verbessert werden. Unsere Nahostpolitik wird zweifellos weiterhin die Unterstützung beider Parteien haben, was auch für unsere Politik gegenüber Europa, Lateinamerika und die übrige Welt gilt.

Der hochverehrte Fraktionsführer der Demokraten und ich nahmen auf Einladung des Außenministers an der Ratstagung der Außenminister in Mexiko City
teil, um dies unseren lateinamerikanischen Nachbarn ganz klar zu sagen.Wir
haben ständig versucht, diese Verpflichtung zur Gemeinsamkeit der Parteien
beizubehalten.
Dies

-3-

�Dies ist für uns und für die Welt von immenser Bedeutung. Gleichgültig,
welche beunruhigenden Einflüsse innenpolitisch auf unser Land einwirken werden, dieses System bewährt sich: es bewährt sich in der Legislative, es bewährt sich vor den Gerichten, es bewährt sich in der Exekutive, und wir werden unsere Meinungsverschiedenheiten beilegen und aus ihnen gestärkt hervorgehen.

Die Erklärung des hochverehrten Fraktionsführers der Demokraten ist in
höchstem Grade patriotisch und verantwortungsbewußt, und ich bin froh, daß er
sie abgegeben hat. Ich werde Kopien dieses Gesprächs aufheben, um sie unseren
Besuchern aus anderen Ländern zu zeigen, die ihre Besorgnis in bezug auf uns
bekundet haben und die nicht recht begreifen können, wie stark unser System
ist und wie tief, fest und weit verzweigt seine Wurzeln sind. Wir sind ein
großes und ein starkes Land, und es gibt weit mehr, was in Ordnung ist als
was nicht in Ordnung ist.
•

&gt;

.

'.

.

.

Es ist gut, wenn wir uns ständig hieran erinnern und wenn wir dies unseren Freunden und den anderen Völkern überall auf der Welt klar machen. Daher
möchte ich dem hochverehrten Fraktionsführer der Demokraten meinen aufrichtigen und tiefempfundenen Dank sagen für sein - wie immer waches - Verantwortungsbewußtsein und dafür, daß er erneut den Tenor auf die Überparteilichkeit
gelegt hat,die die beste Gewähr für die Stärke und das Fortbestehen einer
starken und stolzen Nation ist, die, wie ich hoffe, in nicht allzu langer Zeit
erneut eine glückliche Nation sein wird."

•H-H-

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17/1974

FORD RUFT ZUM GEMEINSAMEN KAMPF GEGEN DIE INFLATION AUF
- Auszüge -

WASHINGTON --(AD)-- Zum gemeinsamen Kampf aller gegen die Inflation hat
Präsident Gerald R. Ford am 6. August in einer Rede auf der "National Conference for Agricultural Stabilisation and Conservation Service" aufgerufen.
Regierung und Bevölkerung müßten gemeinsame Anstrengungen unternehmen, um
den "öffentlichen Feind Nummer 1 - die Inflation" durch Senkung der Ausgaben
und Steigerung der Produktion zu besiegen. Wörtlich sagte Ford unter anderem:
"Es ist klar, wir müssen ein neues Vertrauen schaffen, daß wir innenpolitisch
über das Potential verfügen, mit der Inflation fertig zu werden.

Alle Opfer der Inflation - Unternehmen und Arbeitnehmer, Landwirtschaft
und Industrie, Beschäftigte und Arbeitslose, Demokraten und Republikaner müssen sich als Amerikaner zusammenschließen und gegen jede weitere Aushöhlung
der Kaufkraft des amerikanischen Dollar vorgehen. Der Regierung kommt natür-

-1-

�natürlich dabei eine besondere Verantwortung zu, denn sie muß durch ihr Beispiel die Führung übernehmen. Die Wiederherstellung des Vertrauens in die Wirtschaft setzt die Bereitschaft voraus..., für das gemeinsame Wohl zusammenzuarbeiten. ..
Offensichtlich gibt es viele Ansichten darüber und viele Wege, wie die
Inflation bekämpft werden kann. Wir müssen ein weites Spektrum von Ideen prüfen. Ich möchte, daß diese Überprüfung offen und objektiv geschieht und dabei
allen Ansichten Beachtung geschenkt wird. Hierzu ist die Mitarbeit des Kongresses notwendig. Genau so bedarf es der festen Entschlossenheit der Exekutive.

Washington muß die Ausgaben einschränken, wenn die anderen folgen sollen.
Washington muß den Weg zu einer Steigerung der Produktion weisen.

Eine echte Partnerschaft zwischen Bevölkerung und Regierung muß aufgebaut
werden, um den Dollar zu schützen.

Washington kann nicht von den anderen fordern, Zurückhaltung zu üben, wenn
nicht die Regierung zeigt, daß sie ihrer eigenen Pflicht nachkommt. Daher
müssen wir gegen Gesetze, die zu einer Aufblähung des Haushalts führen, ein
Veto einlegen. Wir brauchen politisches Gespür, um Programme hinauszuschieben,
die zwar marginal wünschenswert, aber nicht wirklich notwendig sind. Wir können uns nicht unbegrenzten Luxus leisten, während wir gleichzeitig die Inflation zu besiegen suchen.
Der Haushaltsvoranschlag der Bundesregierung für das Finanzjahr 1974/75
sieht Ausgaben in Höhe von 305 Milliarden Dollar vor. Es liegen bereits Hinwei-

-2-

�Hinweise dafür vor, daß diese Gesamtsumme sich durch tatsächliche oder potentielle Gesetzesvorschläge des Kongresses auf bis zu 312 Milliarden Dollar
erhöht. Wir können eine solche Ausweitung nicht dulden. Sie würde das bereits
lodernde Feuer der Inflation noch mehr schüren.

Wir müssen dafür sorgen, daß derartige Haushaltsüberschreitungen nicht
stattfinden. Ja, wir müssen uns sogar dazu entschließen, die Ausgaben unter
den ursprünglich vorgeschlagenen Ansatz von 305 Milliarden Dollar zu senken.
Aber wir können dies nicht ohne die aktive Unterstützung durch die Öffentlichkeit, die Wirtschaft, die Gewerkschaften und den Kongreß tun.

Die Wichtigkeit einer Senkung der Ausgaben kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Geringere Ausgaben bedeuten eine geringere Kreditaufnahme
seitens der Regierung, niedrigere Zinsen,und unterstützen die Federal Reserve
Bank in ihren Bemühungen, die inflationistische Geld-und Kreditausweitung
zu verlangsamen.

Dies ist das, was getan werden muß. Ohne Fortschritte bei diesen wichtigen Punkten kann ein Sieg im Kampf gegen die Inflation von uns nicht erreicht
werden.

Selbst wenn wir an diesem Kurs hartnäckig festhalten, müssen wir noch
andere Maßnahmen finden, um die Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Bestimmte Bevölkerungsgruppen - ältere Amerikaner, Personen mit Einkünften,die nicht
steigen, Arbeitslose - könnten im Rahmen der vom Haushalt gesetzten Grenzen
besondere Hilfe benötigen. Ihr Los muß erleichtert werden. Bestimmte Industrien,

3-

�Industrien,wie die öffentlichen Versorgungsbetriebe, der Wohnungsbau, Finanzierungsinstitute und andere, wurden besonders hart betroffen.

Es sind Lösungen vorgeschlagen worden, an denen etwas dran ist

und die

eine umgehende Prüfung verdienen. Es ist an der Zeit, daß gehandelt wird,
statt düstere Prophezeiungen zu machen und die Hände zu ringen."

-4-

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17/1974
NIXON GIBT SEINEN RÜCKTRITT BEKANNT
- Wortlaut -

WASHINGTON --(AD)-- Der aus seinem Amt scheidende amerikanische Präsident
Richard M. Nixon hat in der Nacht zum 9. August in einer Rundfunk-und Fernsehansprache aus seinem Büro im Weißen Haus seinen Rücktritt bekanntgegeben.
Die Rede Nixons hat folgenden Wortlaut:

"Guten Abend.
Dies ist das 37. Mal, daß ich zu Ihnen aus diesem Büro gesprochen habe,
in dem so viele Entscheidungen getroffen wurden, die die Geschichte unserer
Nation geformt haben. Jedes Mal, wenn ich zu Ihnen sprach, geschah dies, um
mit Ihnen einige Fragen zu erörtern, die meines Erachtens das nationale Interesse berühren.

Bei allen von mir während meiner Tätigkeit im öffentlichen Leben getroffenen Entscheidungen habe ich stets versucht, das Beste für die Nation
zu tun. Während der langen und schwierigen Zeit der Watergate-Affaire hielt
ich es für meine Pflicht, durchzuhalten und alle nur denkbaren Anstrengungen
zu unternehmen, um meine Amtszeit, für die Sie mich gewählt haben, zu Ende
zu führen.
-1-

�In den letzten Tagen jedoch wurde mir klar, daß ich nicht länger mehr
über einen genügend starken politischen Rückhalt im Kongreß verfüge, daß eine
Fortsetzung gerechtfertigt wäre. Solange ein solcher Rückhalt bestand, glaubte ich,fest, daß ich unbedingt die verfassungsmäßigen Verfahren bis zu ihrem
Abschluß durchstehen müßte, daß eine andere Handhi ngsweise den Geist dieses
absichtlich schwierigen Verfahrens verletzen und einen gefährlichen, der Stabilität abträglichen Präzedenzfall für die Zukunft schaffen würde.

Nachdem dieser Rückhalt jedoch nicht mehr gegeben war, glaube ich nunmehr,
daß der Absicht der Verfassung Genüge getan ist, und keine Notwendigkeit mehr
besteht, dieses Verfahren zu verlängern.

Ich hätte es vorgezogen, dieses Verfahren durch alle persönlichen Agonien',
die damit verbunden gewesen wären, bis zum Ende durchzustehen, und meine Familie hat mich einstimmig hierzu gedrängt. Aber das Interesse der Nation muß
stets über allen persönlichen

Erwägungen stehen.

Aus den Gesprächen, die ich mit führenden Mitgliedern des Kongresses und
anderen Politikern hatte, gelangte ich zu dem Schluß, daß ich aufgrund der
Watergate-Affaire nicht mehr den Rückhalt im Kongreß besitze, den ich als notwendig erachte für die Unterstützung der sehr schwierigen Entscheidungen und
bei der Erfüllung der Pflichten dieses Amtes in einer Weise, wie es das Interesse der Nation erfordern würde.

'

Ich gehörte nie zu denen, die leicht aufgeben. Es sträubt sich alles in
mir, meinen Posten vor Beendigung meiner Amtszeit zu verlassen. Aber als Präsident muß ich zuerst auf das Interesse Amerikas Rücksicht nehmen. Amerika

�Amerika braucht einen Präsidenten und einen Kongreß, die voll einsatzbereit
sind, gerade in dieser Zeit und angesichts der Probleme, denen wir uns im
In-und Ausland gegenübersehen.

Die Fortsetzung dieses Kampfes in den kommenden Monaten zu meiner persönlichen Rechtfertigung würde fast die gesamte Zeit und Aufmerksamkeit sowohl des Präsidenten als auch des Kongresses in einer Zeit in Anspruch nehmen,
in der wir uns ausschließlich auf die großen Aufgaben des Friedens im Ausland
und der Prosperität ohne Inflation im Inland konzentrieren sollten.

Daher werde ich mit Wirkung von morgen mittag das Amt des Präsidenten
niederlegen.

Vizepräsident Ford wird zur gleichen Stunde in diesem Büro als Präsident
vereidigt werden.
Wenn ich daran zurückdenke, mit welch hochgespannten Hoffnungen für
Amerika wir diese zweite Amtszeit begannen, so empfinde ich eine große Traurigkeit, daß ich in den kommenden zweieinhalb Jahren nicht mehr hier in diesem Büro sein werde, um für Sie an der Verwirklichung dieser Hoffnungen zu
arbeiten. Aber wenn ich jetzt die Führung der Regierung in die Hände von
Vizepräsident Ford lege, so weiß ich, daß - wie ich dies der Nation vor zehn
Monaten bei seiner Nominierung zum Vizepräsidenten sagte - Amerika in guten
Händen sein wird.
Wenn

-3

�Wenn ich dieses Amt an den Vizepräsidenten übergebe, so tue ich dies in
vollem Wissen um das Gewicht der Verantwortung, das von morgen an auf seinen
Schultern liegen wird, und ich weiß auch, daß er das Verständnis, die Geduld
und die Mitarbeit

aller Amerikaner brauchen wird.

Wenn er diese Verantwortung jetzt übernimmt, wird er die Hilfe und die
Unterstützung von uns allen brauchen. Und wenn wir in die Zukunft blicken, so
ist es das Wichtigste, daß wir damit beginnen, die Wunden dieser Nation zu
heilen und die Bitterkeit und Spaltungen der hinter uns liegenden Zeit zu überwinden, daß wir aber auch diese gemeinsamen Ideale wiederentdecken, die den
Kern unserer Stärke und Einheit als ein großes und freies Volk bilden.

Wenn ich jetzt diesen Schritt tue, so hoffe ich, daß ich damit den Beginn dieses Heilungsprozesses beschleunige, der in Amerika so dringend notwendig ist.

Ich bedauere zutiefst alle Ungerechtigkeiten, die im Verlaufe der Ereignisse geschehen sein mögen, die zu dieser Entscheidung führten. Ich möchte nur
sagen, falls einige meiner Entscheidungen falsch waren - und einige waren
falsch - daß sie, wie ich damals glaubte, im besten Interesse der Nation getroffen wurden.
Denen, die mit mir die vergangenen schwierigen Monate durchgestanden haben, meiner Familie, meinen Freunden und den vielen anderen, die meine Sache
unterstützten, weil sie glaubten, daß sie richtig war, werde ich stets für
ihre Unterstützung dankbar sein.
Und

�Und denjenigen, die sich nicht in der Lage sahen, mir ihre Unterstützung
zu geben,möchte ich sagen, daß ich ohne Bitterkeit gegenüber denen gehe, die
gegen mich waren, weil uns allen letzten Endes das Wohl des Landes am Herzen
lag, auch wenn unsere Meinungen auseinandergehen.
So wollen wir alle jetzt zusammen diese gemeinsame Verpflichtung erneut bekräftigen und unserem neuen Präsidenten dabei helfen, erfolgreich zum
Wohle aller Amerikaner zu wirken.

Ich werde dieses Amt mit Bedauern verlassen, weil ich meine Amtszeit
nicht zu Ende führen konnte, aber mit Dankbarkeit für das Privileg, daß ich
in den letzten fünfeinhalb Jahren als Ihr Präsident dienen durfte. Diese
Jahre waren eine entscheidende Zeit in der Geschichte unserer Nation und der
Welt. Sie waren eine Zeit des Erfolges, auf den wir alle stolz sein können
- Erfolg aufgrund gemeinsamer Anstrengungen der Regierung, des Kongresses
und des Volkes.

Aber die vor uns liegenden Aufgaben sind gleich groß, und sie werden
ebenfalls die Unterstützung und die Kraft des Kongresses und des Volkes in
Zusammenarbeit mit der neuen Regierung erfordern.

Wir haben Amerikas längsten Krieg beendet. Aber bei der Arbeit zur Sicherung eines dauerhaften Friedens auf der Welt sind die vor uns liegenden
Ziele noch weitgesteckter und noch schwieriger. Wir müssen ein Gebäude des
Friedens vollenden, damit einst von dieser unserer amerikanischen Generation,
von den Völkern aller Nationen gesagt werden kann, daß wir nicht nur einen
Krieg beendet, sondern auch künftige Kriege verhindert haben.
Wir
-5-

�Wir haben die Türen aufgestoßen, die zwischen den Vereinigten Staaten
und der Volksrepublik China ein ViertelJahrhundert versperrt waren. Wir müssen
nunmehr sicherstellen, daß dieses eine Viertel der Weltbevölkerung, das in
der Volksrepublik China lebt, nicht unser Gegner, sondern unser Freund sein
und bleiben wird. Im Nahen Osten betrachten hundert Millionen Menschen in
den arabischen Ländern, von denen viele uns fast zwanzig Jahre lang für ihren
Feind hielten, uns nunmehr als ihre Freunde. Wir müssen auf dieser Freundschaft weiter aufbauen, damit der Nahe Osten schließlich auch Frieden erhalten kann und die Wiege der Zivilisation nicht zu ihrem Grab wird.

Gemeinsam mit der Sowjetunion haben wir entscheidende Durchbrüche für
den Beginn einer Begrenzung der Kernwaffen erzielt. Aber wir müssen uns als
Ziel nicht nur die Begrenzung, sondern auch die Verringerung und schließlich
die Vernichtung dieser furchtbaren Waffen setzen,damit sie nicht die Zivilisation vernichten können und damit die Drohung eines Nuklearkrieges nicht länger mehr über der Welt und den Menschen schwebt.

Wir haben neue Beziehungen zur Sowjetunion angebahnt. Wir müssen mit der
Entwicklung und Ausweitung dieser neuen Beziehungen fortfahren, damit die beiden stärksten Nationen der Welt in Zusammenarbeit und nicht in Konfrontation
zusammenleben.
Überall auf der Welt, in Asien, in Afrika, in Lateinamerika, im Nahen
Osten gibt es Millionen Menschen, die in schrecklicher Armut leben, ja sogar
dem Hungertode nahe sind. Es muß weiterhin unser Ziel sein, von der Kriegsproduktion abzukommen und die Produktion für den Frieden auszuweiten, damit

-6-

�damit die Menschen überall auf dieser Erde wenigstens für ihre Kinder - wenn
schon nicht für sich selbst - hoffen können, daß sie einmal

das Nötigste für

ein bescheidenes Leben haben werden. Hier in Amerika befinden wir uns in der
glücklichen Lage, daß der größte Teil unserer Bevölkerung sich nicht nur der
Segnungen der Freiheit erfreuen kann, sondern auch über die Mittel verfügt,
um ein volles und gutes Leben führen zu können, ja, nach dem Weltmaßstab sogar im Überfluß zu leben. Wir müssen jedoch weiterhin darauf drängen, nicht
nur mehr und bessere Arbeitsplätze zu schaffen, sondern auch jedem Merikaner
umfassende Möglichkeiten zu bieten, und, worum wir uns gegenwärtig so hart bemühen, Wohlstand ohne Inflation zu erreichen.
Über ein Viertel Jahrhundert lang habe ich im öffentlichen Leben gestanden
und an der turbulenten Geschichte dieser Zeit teilgenommen. Ich habe für das
gekämpft, an das ich glaubte. Ich habe nach besten Kräften versucht, meine
Pflichten zu erfüllen und meinen Verantwortungen nachzukommen, die mir anvertraut worden waren.

Manchmal ist mir dies gelungen und manchmal nicht. Aber ich habe stets
Mut aus den Worten von Theodore Roosevelt geschöpft, der einst das Bild eines
Mannes in der Arena aufzeichnete,*dessen Gesicht von Staub und Schweiß und
Blut gekennzeichnet ist und der tapfer weiter kämpft, der Irrungen erliegt
und immer und immer wieder unterliegt, weil es keine Anstrengungen ohne Irrtümer und Fehlschläge gibt, der sich wahrhaft um Taten bemüht, der um den
großen Enthusiasmus und die Hingabe weiß, der sich selbst ganz für das hohe
Ziel einsetzt, der bestenfalls am Ende den Triumph des großen Erfolges erfährt
und der schlimmstenfalls, wenn er scheitert, letztlich scheiterte, weil er
Großes wagte*.
,

Heute

�Heute nacht verspreche ich Ihnen, daß ich, solange mir ein Atemzug verbleibt, in diesem Geiste fortfahren werde. Ich werde weiterhin für die großen
Ziele arbeiten, denen ich mich in meinen Jahren als Kongreßabgeordneter, als
Senator, als Vizepräsident und als Präsident verschrieben hatte - der Sache
des Friedens, nicht nur für Amerika, sondern für alle Nationen, dem Wohlstand, der Gerechtigkeit und der gleichen Möglichkeiten für alle unsere Menschen.

Es gibt jedoch eine Sache, die über allem steht, der ich mich verschrieben habe und für die, solange ich lebe, immer einstehen werde. Als ich vor
fünfeinhalb Jahren zum ersten Mal den Amtseid als Präsident leistete, bin
ich die heilige Verpflichtung eingegangen, »mein Amt, meine ganze Kraft und
all meine Klugheit für die Sache des Friedens unter den Völkern einzusetzen1.
Seitdem habe ich mein Bestes getan, um dieses Versprechen zu erfüllen. Auf- &gt;
grund dieser Bemühungen habe ich die Zuversicht, daß die Welt heute sicherer
geworden ist, nicht nur für die Menschen in Amerika, sondern auch für die
Völker aller Nationen, und daß unsere Kinder eine größere Chance als je zuvor haben werden, in Frieden leben zu können und nicht in einem Krieg sterben
zu müssen.

Das ist es, was ich mehr als alles andere als Präsident.zu erreichen
hoffte, als ich mich um das Präsidentenamt bewarb. Oas ist es, was ich in
erster Linie Ihnen und unserem Land zu hinterlassen hoffe, wenn ich jetzt das
Amt des Präsidenten niederlege.

'&gt;

Wer

�I

Wer in diesem Amt gedient hat, hat ein ganz persönliches Gefühl der Beziehung zu jedem einzelnen Amerikaner. Wenn ich dieses Amt nunmehr verlasse,
so tue ich es mit dem Gebet: "Möge Gottes Gnade in den kommenden Tagen mit
Ihnen allen sein1.

• 9-

�</text>
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