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•ff

^ro^ ^

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

13. November 1996

22

WAHLEN '96

CLINTON BEDANKT SICH FÜR SEINE
WIEDERWAHL
Rede des Präsidenten in seinem
Heimatstaat Arkansas
AMERIKA AUF DER REISE INS
21. JAHRHUNDERT
Ansprache von J.D. Bindenagel

USA - RUSSLAND

AMERIKA UND RUSSLAND IN EINER
SICH WANDELNDEN WELT
Rede des Stellvertretenden Außenministers

WIRTSCHAFT

ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN DER
AMERIKANISCHEN VOLKSWIRTSCHAFT
Pressekonferenz mit führenden
Wirtschaftsberatern
ERÖFFNUNG DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFTSKONFERENZ
IN POTSDAM
Ansprache von J.D. Bindenagel
im Filmstudio Babelsberg
DAS WIRTSCHAFTLICHE ENGAGEMENT
DER USA IN DEN NEUEN BUNDESLÄNDERN
Eröffnungsansprache von J.D. Bindenagel
DEUTSCH-AMERIKANISCHE
WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
Schlußwort von J.D. Bindenagel

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�PORTRAT

BANKIER WIRD NEUER STABSCHEF DES
WEISSEN HAUSES
Porträt von Erskine Bowles

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

�WAHLEN

'9 6
13. November 1996

Clinton bedankt sich für seine Wiederwahl
Rede des Präsidenten in seinem Heimatstaat Arkansas

LITTLE ROCK - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Präsident Clinton in den frühen
Morgenstunden des 6. November 1996 in Little Rock, Arkansas, im Old State House hielt, um den
amerikanischen Wählern für seinen überwältigenden Sieg zu danken.

Meine amerikanischen Mitbürger, vielen Dank, daß Sie
hier sind. In vier Jahren beginnen wir ein neues
Jahrhundert großer Herausforderungen und unbegrenzter Möglichkeiten. Wir müssen jetzt eine Brücke
bauen, und ich bin dazu bereit, wenn Sie es sind.
Heute hat das amerikanische Volk gesprochen. Es hat
unseren Kurs bekräftigt. Es hat uns aufgetragen,
weiterzumachen. Amerika hat jedem einzelnen von
uns - Demokraten, Republikanern und Unabhängigen laut und deutlich mitgeteilt, daß es an der Zeit ist,
politische Auseinandersetzungen hinter sich zu lassen
und gemeinsam die für Amerikas Zukunft erforderliche
Arbeit zu leisten.
In den letzten vier Jahren haben wir beachtliche
Fortschritte gemacht, aber in unseren Schulen,
unseren Familien, an unserem Arbeitsplatz und in
unseren Gemeinden sind wir noch nicht am Ziel
unserer Reise. Meine amerikanischen Mitbürger, vor
uns liegt Arbeit, und genau darum ging es bei diesen
Wahlen.
Ich möchte allen hier Anwesenden und dem ganzen
amerikanischen Volk sagen, daß Worte nicht ausreichen, um die Dankbarkeit auszudrücken, die ich
heute über die mir zuteil gewordene Ehre empfinde.
Es ist eine Ehre, die vielen gebührt - zunächst einmal
meiner Familie, meiner wunderbaren Frau, mit der ich
seit 21 Jahren verheiratet bin und die mich seit
unserem ersten Zusammentreffen gelehrt hat, daß
man ein Dorf braucht, um unsere Kinder aufzuziehen
und unsere Zukunft zu gestalten. Und unserer Tochter
Chelsea, die Verständnis für unsere gemeinsame
Arbeit und die damit verbundenen Belastungen
aufbringt.

AMERIKA DIENST 22

Heute habe ich meine Stimme bei der letzten Wahl
abgegeben, bei der ich zur Wahl stehe. Und wie bei
jeder Wahl seit ihrer Geburt habe ich Chelsea mitgenommen. Und als wir uns zusammen den Stimmzettel anschauten und politische Themen erörterten,
dankte ich Gott, daß ich als Amerikaner geboren
wurde.
Ich danke den Mitgliedern meiner wunderbaren
Familie, die heute hier sind - meinem Stiefvater Dick
Kelley, meiner großartigen Schwiegermutter Dorothy
Rodham und allen anderen. Und ich danke meiner
geliebten Mutter, die von dort oben lächelnd herunterschaut und die damals sagte: "Ich hatte nie Zweifel.
Ich wußte schon immer, daß es so kommen würde."
Ich danke meinen langjährigen Freunden. Sie sind mit
mir durch dick und dünn gegangen, sie gingen mit mir
in die Grundschule, die weiterführende Schule, aufs
College und begleiteten mich alle nachfolgenden
Jahre. Es sind Freunde, die mich und meine Träume
kennen und sich als mächtige Kraft denjenigen
entgegenstellten, die den Fortschritt in Amerika mit der
Politik persönlicher Zerstörung bremsen wollten. Ich
danke Euch, liebe Freunde, für das, was Ihr für
Amerika getan habt.
Ich danke den Menschen in meinem geliebten Heimatstaat. Ich möchte heute Nacht nirgendwo anders sein.
Vor diesem wunderbaren alten Kapitol, das so viel von
meinem Leben und der Geschichte dieses Bundesstaates gesehen hat, danke ich Ihnen, daß Sie mich so
lange begleitet haben, daß Sie nie aufgaben und daß
Sie immer wußten, wir können es besser machen.

Seite 1

�Ich danke dem besten Vizepräsidenten, den dieses
Land je gehabt hat. Dank AI Gore haben wir stärkere
und sicherere Beziehungen zu einem demokratischen
Rußland; wir entdecken die Wunder neuer Technologien zum Nutzen Amerikas, wir schützen unsere
Umwelt und wir haben die amerikanische Regierung
umstrukturiert, damit sie dank unserer Führung mit
weniger Mitteln mehr bewirken kann. Das ist ein in der
Geschichte dieser Republik einzigartiges Vermächtnis.
Ich danke Tipper für ihre Freundschaft, ihren Kampf für
unsere Kinder und die geistige Gesundheit unseres
Volkes und dafür, daß sie uns zusammen mit ihren
Kindern und ihrer Familie immer zur Seite gestanden
hat.
Ich danke den Mitgliedern unserer Administration - den
Kabinettsmitgliedern und den Mitarbeitern des Weißen
Hauses. Ich danke allen ständigen Mitarbeitern des
Präsidenten im Weißen Haus und den medizinischen
Betreuern. Insbesondere danke ich meinen Sicherheitsbeamten, die sich mit einem Präsidenten, der sich
nicht vom amerikanischen Volk isolieren lassen will,
großen Herausforderungen gegenübersehen.
Ich danke unseren Wahlkampfmitarbeitern, allen, die
an diesen Wahlen mitwirkten, für die geleistete Arbeit.
Ich danke unseren Parteiführern im Kongreß und den
Parlamenten der Bundesstaaten. Ich danke allen, die
bei den heutigen Wahlen für das eintraten, an das wir
glauben - denen, die gewonnen, und denen, die nicht
gewonnen haben. Sie haben Amerika einen Dienst
erwiesen, indem Sie die Fragen ansprachen, an die wir
glauben. Ich danke Ihnen allen und wünsche Ihnen
viel Glück.
Ich möchte den Mitarbeitern der Bundesregierung
danken. Sie mußten beachtliche Arbeit leisten. Wir
haben unsere Regierung so verschlankt, daß sie die
kleinste seit der Zeit Präsident Kennedys ist, und
dennoch haben ihre Mitarbeiter dem Volk jahrein,
jahraus immer besser gedient. Sie mußten das
zeitweise angesichts enormer Herausforderungen und
offenen Hasses tun. Sie mußten mit dem Grauen von
Oklahoma City und den damit einhergehenden
Schwierigkeiten leben. Die Menschen, die uns dienen,
verdienen unseren Dank. Und ich danke ihnen.
Ich danke denjenigen, die dieser Administration und
unserer Sache gedient haben und nicht mehr unter
uns weilen. Einem muß ich ganz besonders danken meinem Freund und Bruder Ron Brown. Sie schauen
auf uns herunter, und ich weiß, daß sie dabei lächeln.
Ganz persönlich möchte ich meinem Pastor, Rex
Hörne, danken, der mit mir gebetet hat, bevor ich
heute hierherkam, sowie allen Geistlichen und Menschen Gottes, die während dieser vergangenen vier
Jahr mit mir und für mich gebetet haben. Es gab ein
paar - und sie wissen genau, wen ich meine - die in

Seite 2

guten wie in schlechten Zeiten immer wieder ins Weiße
Haus kamen. In schlechten Zeiten erinnerten sie mich
daran, daß Gott dem heiligen Paulus einen Dorn ins
Fleisch gab, damit er keine zu hohe Meinung von sich
selbst hatte, was für mich in den schlechten Zeiten
zweifellos nicht schwierig war. In guten Zeiten erinnerten sie mich daran, daß Bescheidenheit einem
Präsidenten immer ansteht, denn wir sehen in diesem
Leben nur einen Ausschnitt und kennen nicht die
ganze Wahrheit oder die Motive unserer Gegner. Ich
danke ihnen allen, daß sie mich Gott und der ewigen
Weisheit nähergebracht haben, ohne die ein Präsident
nicht dienen kann.
Ich möchte ein besonderes Wort des Dankes an
Senator Dole richten und bitte sie, ihm gemeinsam mit
mir für seinen lebenslangen Dienst an den Vereinigten
Staaten zu applaudieren.
Und ich danke Jack Kemp für seinen Dienst an
Amerika und seinen Einsatz dafür, daß in diesem Land
jeder die Chance haben sollte, in Freiheit und Gleichheit zu leben und Erfolg zu haben.
Ich habe mit Senator Dole ein gutes Gespräch geführt,
kurz bevor er seine Ansprache hielt. Ich habe ihm für
seine Vaterlandsliebe und seine langjährigen Dienste
gedankt. Ich applaudierte dem Wahlkampf, den er bis
zu letzten Minute so heroisch geführt hat. Ich habe
ihm für die Arbeit gedankt, die wir zusammen zur
Förderung der gemeinsamen Sache Amerikas geleistet haben. Im Namen aller Amerikaner wünsche ich
ihm alles Gute und viel Glück.
Vor vier Jahren brachen wir auf dieser Treppe zu einer
Reise auf, um den Kurs Amerikas zum Besseren zu
ändern, um den Amerikanischen Traum für jeden am
Leben zu halten, der dafür zu arbeiten bereit ist, um
Amerika auch in Zukunft zur weltweit stärksten Kraft für
Frieden, Freiheit und Wohlstand zu machen, um als
amerikanische Gemeinschaft zusammenzukommen.
Es war eine Zeit von weitverbreiteter Frustration und
Zweifeln angesichts unserer wirtschaftlichen und
sozialen Probleme sowie unserer Fähigkeit zum
Umgang mit dem sich vollziehenden tiefgreifenden

Wandel. Der Umfang und die Geschwindigkeit dieses
Wandels waren für viele von uns bedrohlich, und
unsere Werte schienen von allen Seiten unter Beschuß zu stehen.
Aber Sie und ich haben geschworen, gemeinsam den
Kurs unseres Landes zu ändern - mit einer Strategie
zur Bewältigung unserer Herausforderungen und zum
Schutz unserer Werte: Chancen für alle, Verantwortung aller, eine amerikanische Gemeinschaft aller
Amerikaner.
Wir haben hart daran gearbeitet, der Politik ein Ende
zu setzen, die sich nur auf Beschuldigungen beschränkt. Statt dessen fragen wir uns, was wir tun

AMERIKA DIENST 22

�können, um Amerika zu einem besseren Land zu
machen. Heute Nacht verkünden wir, daß das Wesen
Amerikas lebendig und gesund ist. Es sind die
Gemeinsamkeiten, auf deren Grundlage wir Fortschritte gemacht haben. Heute ist unsere Wirtschaft
stärker, unsere Straßen sind sicherer, unsere Umwelt
ist sauberer, die Welt ist sicherer und Gott sei Dank ist
unsere Nation geeinter.
Allen Männern und Frauen in diesem Land, die unsere
Arbeitsplätze schaffen, unsere Kinder unterrichten,
unsere Straßen bewachen und Amerika sicher halten,
sage ich: Der Erfolg Amerikas ist Ihr Erfolg, dieser Sieg
ist Ihr Sieg. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen.
Meine amerikanischen Mitbürger, ein langes neues
Jahrhundert liegt vor uns. Es wird eine Zeit mit mehr
Chancen für die Menschen sein, ihre Träume zu
verwirklichen, als zu jedem anderem Zeitpunkt in der
Geschichte der Menschheit. Wir haben uns in dieser
Nacht verpflichtet, unsere Reise fortzusetzen, die harte
Arbeit zu erledigen, mit der unsere Brücke ins 21.
Jahrhundert gebaut wird, und all den jungen Menschen
hier und in ganz Amerika das Amerika zu geben, das
sie und ihre Kinder und Kindeskinder verdienen.
Aber es gibt viel zu tun. Wir müssen darauf hinarbeiten, daß unsere Volkswirtschaft stetig und stark
wächst, indem wir den Haushalt ausgleichen, während
wir unsere Pflicht gegenüber unseren Familien,
unseren Eltern und unseren Kindern erfüllen - und
unsere Pflicht, unseren Kindern die Welt zu hinterlassen, die Gott uns gegeben hat. Wir müssen darauf
hinarbeiten, daß wir allen unseren Kindern das
Geschenk der Bildung machen können und sicherstellen, daß alle achtjährigen lesen, sich alle "^jährigen ins Internet einloggen und alle 18jährigen in
diesem Land eine Collegeausbildung haben können,
wenn sie dafür zu arbeiten bereit sind.
Wir müssen darauf hinarbeiten, daß die Unterschicht in
diesem Land der Vergangenheit angehört, die Abhängigkeit unserer armen Mitbürger von Sozialhilfe
beendet wird und sie dem Stolz und der Würde der
Arbeit zugeführt werden. Wir müssen darauf hinarbeiten, unsere Familien zu stärken, unseren Eltern
zum Erfolg zu Hause und bei der Arbeit zu verhelfen,
unsere Kinder vor Schaden in der Schule, auf der
Straße, in ihrem Zuhause und in ihren Gemeinden zu
bewahren. Wir müssen die Umwelt schützen, damit
unsere Kinder in der Nähe von Parks, nicht Gift
aufwachsen. Wir müssen ihnen sagen, daß Drogen
falsch und illegal sind und sie töten können. Wir
müssen ihnen beibringen, Recht von Unrecht zu
unterscheiden.
Meine amerikanischen Mitbürger, ich werde alles in
meiner Macht Stehende tun, um diese Anliegen
voranzubringen. Aber alle unsere Mitbürger müssen
ihren Teil beitragen, um die persönliche Verantwortung

AMERIKA DIENST 22

weiter zu stärken, die in den vergangenen vier Jahren
die Verbrechensrate auf ein Rekordtief gesenkt, die
Unterhaltszahlungen auf Rekordhöhe gebracht und die
Abhängigkeit von Sozialhilfe verringert hat. Werden
Sie mir helfen, das zu tun? Wir müssen es gemeinsam
tun.
Wir müssen unsere Demokratie stärken, indem wir
eine realistische, überparteiliche Reform der Wahlkampffinanzierung einführen. Reden ist nicht mehr
genug, wir müssen handeln, und zwar jetzt. Und das
amerikanische Volk wird die Politiker beider Parteien
beobachten und sehen, wer bereit ist, nicht nur zu
reden, sondern zu handeln. Ich bin bereit zu handeln.
Und ich bitte die anderen, es mir gleich zu tun.
Wir müssen Amerika weiterhin zur unerläßlichen
Nation der Welt machen - die ungelösten Fragen des
Kalten Krieges beantworten, neue Bedrohungen
unserer Sicherheit durch Terrorismus und die Verbreitung gefährlicher Waffen bewältigen und diese
außerordentlichen Chancen ergreifen, um unsere
Werte von Frieden, Demokratie und Wohlstand zu
verbreiten.
Jeder hier heute abend anwesende Amerikaner und
jeder Amerikaner, der mich hört, kann stolz auf die
Tatsache sein, daß in diesen letzten Jahren zum
ersten Mal in der Geschichte eine Mehrheit von
Menschen auf dieser Erde in Demokratien lebt, die
vom Volk regiert werden.
Die uns konfrontierenden Herausforderungen sind
keine demokratischen oder republikanischen Herausforderungen - es sind amerikanische Herausforderungen. Was wir aus den Haushaltsdebatten der vergangenen zwei Jahre und dem bemerkenswerten Erfolg
dieses Kongresses in den letzten beiden Wochen
gelernt haben, ist die Lektion, die wir die letzten 220
Jahre gelernt haben - was wir als Amerikaner an
dauerhaft Gutem erreichten, haben wir durch Zusammenarbeit erreicht.
An die Führer der Demokratischen Partei und an die
Führer der Republikanischen Partei gewandt, sage ich:
Es ist an der Zeit, das Land vor die Partei zu stellen.
Wir kennen das endgültige Ergebnis der Kongreßwahlen noch nicht, aber wir wissen eines: Es ist ein
Kopf-an-Kopf-Rennen, das amerikanische Volk war in
gleiche Lager gespalten. Was immer auch geschieht der Kongreß wird in gleiche Lager gespalten sein. Er
sendet uns eine Botschaft: Arbeitet zusammen,
meistert die Herausforderungen, überwindet die Politik
der Teilung und baut gemeinsam Amerikas Gemeinschaft auf.
In dieser wunderschönen Nacht, in der wir soviel
Freude, Musik, Vergnügen und soviel Stolz miteinander teilen, kann ich kaum glauben, daß 23 Jahre
vergangen sind, seit ich die Menschen in Arkansas

Seite 3

�zum ersten Mal um ihre Unterstützung gebeten habe.
Das Dauerhafteste und Wichtigste, das ich in diesen
wie im Fluge vergangenen Jahren gelernt habe, ist:
Wenn wir gespalten sind, besiegen wir uns selbst.
Aber wenn wir uns die Hände reichen und unsere
Familien, Gemeinden und unser Land aufbauen, wird
Amerika immer gewinnen. Wir müssen die Arbeit für
Amerika so leisten, wie wir versuchen, unsere Kinder
zu erziehen, unsere Arbeit zu erledigen und unsere
religiösen und kommunalen Institutionen zu unterstützen. Wenn wir einfach nur Amerikaner sind und
alle unsere anderen Rollen ausfüllen, kann man
Amerika nicht aufhalten. Die besten Tage liegen noch
vor uns.
Und so sage ich, wenn wir in uns gehen und uns
fragen, was für das amerikanische Volk und die
Zukunft unserer Kinder richtig ist, wenn wir unsere
Differenzen beilegen und auf unseren gemeinsamen
Werten von Vertrauen, Familie und Arbeit aufbauen,
wenn wir die Ärmel hochkrempeln und zusammenarbeiten, wird Amerika immer gewinnen. Und, meine
amerikanischen Mitbürger, Amerika wird in diesen
nächsten vier Jahren weiterhin gewinnen.
Wie Sie alle hier aus meinem Heimatstaat wissen,
glaube ich daran und habe versucht, danach zu leben,
weil es keinen Menschen in Amerika gibt, dem mehr
geschenkt wurde als mir. Es gibt heute abend keinen
Menschen in Amerika, der angesichts dieses Sieges
mehr Demut empfindet als ich. Vor 50 Jahren, als ich
als Kind einer verwitweten Mutter in einer stürmischen
Sommernacht in einer kleinen Stadt im südwestlichen
Teil unseres Bundesstaats auf die Welt kam, war es
unvorstellbar, daß jemand wie ich je Präsident des
großartigsten Landes in der Geschichte der Menschheit werden könnte. Für mich war es eine bemerkenswerte Reise, nicht frei von Fehlem, aber voller Abenteuer, Wunder und Gnade. Ich habe hart gearbeitet
um zu dienen, aber ich habe es nicht allein so weit
gebracht.
Bei jedem Schritt auf diesem Weg in den vergangenen
23 Jahren und lange davor gab es einen Lehrer, einen

*

Seite 4

*

Arzt, einen Nachbarn, ein Elternteil, einen Freund, eine
Frau und ein Kind, die immer Zeit hatten, sich um mich
zu kümmern, die immer versucht haben, mir Anleitung
und Ermutigung zu geben, und die nie aufgegeben
haben. Ich stehe heute abend hier, meine amerikanischen Mitbürger, weil Amerika mir eine Chance
gegeben hat.
Das verdienen alle Kinder Amerikas. Unser Volk muß
ihnen das Handwerkszeug geben - keine Garantie,
aber eine reelle Chance - ihrem von Gott gegebenen
Potential gerecht zu werden. Und ich bitte Sie, diese
Verpflichtung gemeinsam mit mir einzugehen. Jedes
Kind verdient die große Chance, die mir gegeben
wurde.
Und so sage ich nochmals, laßt uns beschließen,
unser Land so zu führen, wie wir versuchen, unser
Leben zu führen. Ob Sie der Partei von Thomas
Jefferson oder der Partei von Abraham Lincoln
angehören, ob Sie unabhängig oder parteilos sind,
erinnern Sie sich daran, daß wir alle der großartigsten
Nation der Geschichte angehören. Uns wurde viel
gegeben, und es wird noch viel von uns erwartet. Wir
müssen der Herausforderung gerecht werden, diese
Brücke ins 21. Jahrhundert zu bauen.
Die heutige Nacht ist nicht nur eine Nacht der Freude
für uns hier, sondern für alle Amerikaner. Zum 53. Mal
in unserer Geschichte hat unser Volk seine stille und
wohlüberlegte Wahl getroffen. Es hat seiner mächtigen Stimme Gehör verliehen und seinen Willen zum
Ausdruck gebracht. Heute Nacht feiern wir das
Wunder Amerikas. Morgen begrüßen wir den Tag und
beginnen unsere Arbeit aufs Neue.
Ich bin dankbarer, als ich sagen kann. Sie haben mir
eine Chance gegeben und eine Verantwortung
auferlegt, die wenigen Menschen zuteil wird. Ich
werde mein Bestes geben. Und gemeinsam werden
wir diese Brücke ins 21. Jahrhundert bauen.
Ich danke Ihnen. Gute Nacht. Gott schütze Amerika.

*

*

AMERIKA DIENST 22

�WAHLEN

'9 6

13. November 1996

Amerika auf der Reise ins 21. Jahrhundert
Ansprache von J.D. Bindenagel

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache, die J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires ad interim
der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, beim "Election Breakfast"
am Morgen des 6. November 1996 im Embassy Club nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses hielt.

Seit 1789 haben wir Amerikaner alle vier Jahre einen
Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt - ein
manchmal lautes Spektakel, an dem Sie, die Mitglieder
unserer transatlantischen Gemeinschaft, so großes
Interesse haben.
Unsere Präsidentschaftswahlkämpfe sind wie ein
Familienstreit, den man mit Fernsehkameras und
Videorekordern durch das Wohnzimmerfenster
verfolgt. Es gibt viel Zurschaustellung, viel Rhetorik
und sogar eine Reihe von substantiellen Themen oder zumindest einige.
Das geht schon ziemlich lange so. Seit über zweihundert Jahren haben wir bei Wind und Wetter, Krieg
oder Frieden, Wohlstand oder Wirtschaftskrisen
Wahlen abgehalten. Und das Erstaunliche ist, daß die
amerikanische politische Familie zusammensteht.
In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir
viel darüber gehört, wie unpopulär die Kandidaten
sind, daß wir kaum eine Wahl haben. In der Tat waren
die meisten Präsidenten nie sehr populär. Vor einem
Jahrhundert definierte Ambrose Bierce in seinem
Devil's Dictionary den amerikanischen Präsidenten
als "die führende Figur einer kleinen Gruppe von
Männern, von denen man definitiv weiß, daß eine
riesige Zahl ihrer Mitbürger keinen von ihnen als
Präsidenten haben möchte".
Auch die Frage des Charakters, über die wir in diesem
Jahr so viel gehört haben, ist nicht neu. George
Washington - jetzt als "Vater seines Landes" verehrt wurde in den Medien seiner Zeit als der "schlimmste
Flucher und Gotteslästerer", als "Tyrann" und "Verführer einer Nation" verunglimpft.

AMERIKA DIENST 22

Meines Erachtens sind Präsident Clinton und Senator
Dole in der Presse vergleichsweise glimpflich davongekommen.
Es gereicht Präsident Washington zur Ehre, daß er
sich den Übergriffen stellte. Er erklärte: "Diese Art von
Berichterstattung ist ein Übel, das den unendlichen
Vorzügen einer freien Presse entgegengehalten
werden muß."
Ich möchte das Argument vorbringen, daß unsere
Präsidentschaftswahlkämpfe Meilensteine auf der
langen Reise der amerikanischen Geschichte sind.
Als Nation sind - und waren wir - stets in Bewegung.
Wahlen sind eine Möglichkeit, uns selbst zu zeigen, wo
wir waren und wohin wir gehen. Sie liegen im Innersten unseres Wesens.
In der amerikanischen Geschichte und Literatur ist
überall von Reisen die Rede - von Huck Finn, der den
Mississippi hinabreist, bis Captain Ahab auf seiner
Suche nach dem Weißen Wal (an den hier in Bonn das
Rheinschiff "Moby Dick" erinnert) bis zu Jack Kerouacs
Buch On the Road. Die Menschen zogen auf der
Suche nach Arbeit, Gold oder Freiheit über unseren
riesigen Kontinent.
Präsident Kennedy machte diese Reisemetapher
explizit, als er über die "New Frontier" sprach. Die
Metapher für Bewegung und Suche hat sich in den
letzten Wochen als sehr lebendig erwiesen. Präsident
Clinton erklärte, er wolle eine "Brücke in die Zukunft"
bauen, und Bob Dole führte seine heldenhafte 96stündige Odyssee über unseren gesamten Kontinent.
Dieser jugendliche amerikanische Geist der Mobilität

Seite 1

�ist selbst bei einem 73jährigen Kandidaten noch sehr
lebendig.
Ein anderer Aspekt unserer Reise ist das Bild der
Führungspersönlichkeit als Außenseiter, als Fremder,
der in eine Stadt kommt, um Ordnung zu schaffen. In
jüngster Zeit haben alle Kandidaten diese Rolle
gespielt und sind gegen Washington und die Regierung angetreten.
Der Wunsch nach Wandel ist eng mit dem tiefverwurzelten Mißtrauen gegen Ideologien verbunden. Der
Name unseres Spiels ist Pragmatismus. Spontaneität
und mangelnde Planung zählen zu unseren Charakterzügen. Der Bill Clinton, der sich mit dem Spruch, das
Zeitalter des "big government" sei vorüber, zur Wiederwahl stellte, und der Bob Dole, der umfassende
Steuersenkungen vorschlug, sind Beispiele dafür,
welch unerwartete Umwege wir Amerikaner auf
unserer Reise zu einem unbekannten Ziel machen.

Der amerikanische Präsident muß ebenso wie die
Nation, der er dient - in der Tat wie alle Nationen lernen, unsere nationalen Mythen mit den entstehenden globalen Realitäten in Einklang zu bringen. Es
muß eine neue Art von Reise geben und eine neue
Vision, die nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt
umfaßt.
Was für Amerika gilt, gilt am Vorabend des dritten
Jahrtausends auch für die ganze Welt. Wir sind nicht
dazu geboren anzukommen, sondern zu reisen.
Ich möchte Sie alle heute morgen hier sehr herzlich
begrüßen und lade Sie ein, uns auf dieser Reise zu
begleiten.
Jetzt möchte ich einen Toast auf den Mann ausbringen, der gewählt wurde, bei dieser Reise eine
wichtige Führungsrolle zu übernehmen - Präsident Bill
Clinton.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 22

�USA-RUSSLAND
13. November 1996

Amerika und Rußland in einer sich wandelnden Welt
Rede des Stellvertretenden Außenministers

NEW YORK - (AD) - In einer Rede zum 50jährigen Bestehen des Harriman Institute am 29. Oktober 1996 forderte
der Stellvertretende Außenminister Strobe Talbott Rußland auf, das Mißtrauen und die Vorbehalte gegenüber der
NATO-Erweiterung aufzugeben und betonte, die NATO wird "ein positiver Faktor bei der Förderung von
Demokratie und regionalem Frieden sein", während sie ihre Mission und Mitglieder an politische Veränderungen
anpaßt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des Stellvertretenden Außenministers unwesentlich
gekürzt.

Die größte Veränderung der Welt in den vergangenen
25 Jahren ist der Wandel, für den sich Rußland
entschieden hat. Wenn diese Umgestaltung andauert,
wird sie Amerika und Rußland im 21. Jahrhundert die
Zusammenarbeit dabei ermöglichen, diesen Wandel
zu einer besseren Welt fortzusetzen.
Das 21. Jahrhundert steht vor der Tür. Es beginnt in
genau drei Jahren, zwei Monaten, zwei Tagen und
sieben Stunden. Rußland wird sehr viel länger
brauchen, seine Wiedergeburt zu vollenden. Eine
sichere Annahme ist, daß es eine Generation oder
mehr dauern wird, teils genau aus Generationserwägungen heraus. Die Vollendung des sich jetzt in
Rußland vollziehenden Prozesses erfordert das
Abtreten von der Bühne derjenigen, die die sowjetische Art, Dinge zu tun oder nicht zu tun, zu gut gelernt
haben. Sie erfordert das Ableben derjenigen, die
verbittert über den Verlust sind, den Rußland ihres
Erachtens zwischen 1989 und 1991 erlitten hat - einer
Ideologie; eines politischen und wirtschaftlichen
Systems, das über 70 Jahre lang herrschte; eines
Viertels des Territoriums und der Hälfte der Bevölkerung des Staates, dessen Zentrum Rußland bildete,
und eines Bündnisses, in dem die Sowjetunion der
Erste unter Ungleichen war. Diese Generation muß
einer neuen Generation weichen, die von dem Verständnis dessen erfüllt ist, was Rußland in diesen
vergangenen Jahren gewonnen hat - mit einem Wort:
Freiheit. Und etwas ausführlicher: Die Chance für
Rußland, dank seines enormen Potentials an Land und

AMERIKA DIENST 22

Leuten sowohl einen Beitrag zu einer zunehmend
interdependenten globalen Wirtschaft zu leisten als
auch von ihr zu profitieren.
Während diese Umgestaltung andauert, sieht sich
Rußland mit einer Vielzahl alternativer Zukunftsaussichten konfrontiert, von denen einige so häßlich und
gefährlich sind wie die Vergangenheit des Landes.
Eine realistische Einschätzung, wie weit Rußland
gehen muß, wie lange es dauern wird und wie leicht es
scheitern kann, sollte jedoch eine andere Erkenntnis
nicht überschatten: Wie weit Rußland in außerordentlich kurzer Zeit gekommen ist - im wesentlichen in die
richtige Richtung. Um dieses grundsätzlich positive,
wenn auch vorläufige Urteil zu untermauern, möchte
ich drei Bereiche ansprechen: Politik, Wirtschaft und
die Beziehungen zu den anderen Republiken der
ehemaligen UdSSR.
Erstens Politik - das bedeutet vor allem Demokratisierung. Dieser Prozeß vollzieht sich kontinuierlich und
im ganzen Land. Die Menschen in Rußland - die
angeblich apathischen und autoritären Massen beweisen, daß sie es zu schätzen wissen, die entscheidende Stimme bei der Wahl ihrer Führung zu
haben.
Ein wesentlicher Bestandteil der Demokratisierung ist
Dezentralisierung. Die politische Macht überträgt sich
aus dem Kreml nach unten und von Moskau nach

Seite 1

�außerhalb. Natürlich bedeutet diese Dynamik, daß es
über die Weite Rußlands hinweg sehr viel Ungleichheit
und Anomalien geben wird - oder das, was die Marxisten als Widersprüche bezeichneten. Einige Teile des
Landes werden als Oasen wirtschaftlicher und politischer Liberalisierung prosperieren, während andere,
zumindest eine Zeitlang, Bastionen der Reaktion
bleiben werden. Insgesamt hat die Übertragung der
Macht jedoch die Regierung in Rußland für den
Durchschnittsbürger bereits rechenschaftspflichtiger
gemacht; sie hat größeren Pluralismus und ^inen
stärkeren Ideenwettbewerb hervorgebracht.
Diese willkommenen Anzeichen sind auch in den
Zeitungen und im Fernsehen wahrzunehmen. Eine
Meßlatte für die von Rußland gemachten Fortschritte
ist, daß den Medien vor einigen Monaten vorgehalten
wurde, dem kommunistischen Kandidaten in einem
Präsidentschaftswahlkampf mit mehreren Gegenspielern nicht genügend Sendezeit und ausgewogene
Berichterstattung eingeräumt zu haben. Die Parteinahme der Presse während des Wahlkampfs war
offenkundig, aber kaum überraschend: Viele Journalisten, Redakteure und Sender fürchteten, daß ein Sieg
der Kommunisten zu einem scharfen Vorgehen
gegenüber der freien Presse geführt hätte. Und
unmittelbar nach der Wahl übten zahlreiche Medien
erneut massive Kritik an der Regierung.
Was den Kommunismus selbst anbetrifft, so ist die
nicht wiederaufgebaute, militant rückschrittliche
Gruppe um Viktor Anpilow eine verbrauchte Kraft. Die
amorphere, anpassungsfähigere Kommunistische
Partei der Russischen Föderation erreichte wahrscheinlich mit Gennadij Sjuganows starkem Aufritt in
der ersten Wahlrunde im Juni ihren Höhepunkt.
Sjuganow und seine Genossen scheinen zu erkennen,
daß der Breschnewismus, ganz zu schweigen vom
Stalinismus, nicht länger ein lebensfähiges Modell für
den russischen Staat ist. Sie hatten Schwierigkeiten,
ihre Anziehungskraft über eine grauhaarige Basis von
Rentnern und älteren Mitbürgern hinaus zu erweitern.
All das heißt, daß es in dem Drama der russischen
Politik in den vergangenen Jahren viel zu applaudieren
gab - einschließlich der Tatsache, daß ein Großteil der
Handlung mitten auf der Bühne, im Rampenlicht, bei
offenem Vorhang stattfand.
Es wird jedoch noch mit großer Spannung erwartet,
was im nächsten Akt und dem danach geschehen
wird. Obwohl Rußland die Autokratie abgeschafft und
sich der Idee der Demokratie zusammen mit vielen
ihrer Formen verschrieben hat, konnte das Land
unmöglich über Nacht eine in früheren Jahrzehnten
und Jahrhunderten verwurzelte politische Kultur
verändern. Das wird Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen erfordern - von den Russen und von uns.
In Rußland sollten wir auf das hoffen, was russische
Demokraten und Reformer selbst gegen alle Widrig-

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keiten und gegen starken Widerstand versuchen
herbeizuführen: Ein System der gegenseitigen Kontrolle und gemeinsamen Verantwortung von Parlament
und Regierung, eine erweiterte, geschützte Rolle der
Legislative und Judikative, vollständige Respektierung
der Gesetze sowie uneingeschränkte Rechte für alle
Bürger und ethnischen Minderheiten.
Ebenso sollten wir das ablehnen, was die russischen
Demokraten und Reformer ablehnen. In den vergangenen zwei Jahren bedeutete das vor allem die
Verrohung Tschetscheniens. Wir sollten uns den
vielen Russen anschließen, die entschlossen sind
sicherzustellen, daß diese Tragödie zu einem grotesken Irrtum wird, aus dem das Zentrum die richtigen
Lektionen für den Umgang mit den Regionen lernen
muß.
Ich möchte mich nun der russischen Wirtschaft
zuwenden. Auch hier ist das Glas mindestens halb
voll. Die Rudimente von Einzelhandel, Marktmechanismen und einer finanziellen Infrastruktur sind jetzt
vorhanden. Das politische Monopol der wirtschaftlichen Ressourcen ist Vergangenheit. Der größte
Transfer von Vermögenswerten der Geschichte hat
nahezu 70 Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts dem Privatsektor zugeführt. Am wichtigsten
ist jedoch vielleicht, daß Rußland auf dem Weg zur
Bekämpfung der Hyperinflation zu sein scheint, die ein
echter Killer von Reformen und eine tödliche Bedrohung der Lebensfähigkeit des Staates ist.
In der russischen Wirtschaft findet jedoch ebenso wie
in der politischen Arena ein Kampf statt - nicht nur
zwischen Altem und Neuem, sondern zwischen
konkurrierenden Versionen des Neuen, von denen
einige lobenswert und gesund, andere widerlich und
destruktiv sind. Der Kampf um die Privatisierung wird
zwangsläufig mit besonderer Heftigkeit geführt. Die
russischen Reformer und die ausländischen Experten
sind gleichermaßen besorgt, daß es zu viele Verlierer
geben wird, wenn es zu wenige Spielregeln gibt. Es ist
ein Warnzeichen, wenn die Bürger "Markt" als ein
Schimpfwort ansehen und das Wort "Mafia" im modernen Russisch geläufiger ist als in Italienisch oder
amerikanischem Englisch.
Verbrechen und Korruption - nicht nur in den im
Übergang befindlichen Gesellschaften, sondern auch
in den entwickelten nur zu bekannt - drohen die
Reformen zu diskreditieren und sogar zu vereiteln. Sie
stellen diese Gefahr dar, weil sie das Vertrauen des
russischen Volkes in die Regierung und die Demokratie selbst unterminieren und als Vorwand für die
Wiedereinführung von wirkungslosen staatlichen
Kontrollen dienen könnten. Das beste Mittel gegen
Korruption ist in der Tat weniger staatliche Intervention
in die Wirtschaft - und eine größere Verpflichtung des
Staates zum Schutz von Eigentumsrechten und der
Durchsetzung der Gesetze.

AMERIKA DIENST 22

�Ich möchte einen weiteren wirtschaftlichen Mißstand
hervorheben, weil er unsere Fähigkeit zur Unterstützung der russischen Reformen behindert. Rußland
benötigt dringend eine unverzügliche und massive
Überholung seines Steuereinnahmesystems. Das
Versagen der russischen Regierung, Geld einzunehmen, setzt weitere Kredite des Internationalen Währungsfonds aufs Spiel. Dieses Versagen hat dringend
benötigte ausländische Investitionen abgeschreckt und
die Flucht von russischem Kapital ins Ausland stimuliert, die ein weiteres Hindernis für Wachstum ist.
Die gute Nachricht ist, daß die führenden Politiker in
der russischen Führung sich dieser Probleme akut
bewußt sind. Sie haben auch solide persönliche und
institutionelle Kanäle zu den wichtigsten Regierungen
und Institutionen im Westen geschaffen. Unsere
eigene Regierung ist besonders aufgeschlossen und
zur Unterstützung bereit. Die amerikanisch-russische
gemeinsame Kommission für wirtschaftliche und
technische Zusammenarbeit, die zweimal pro Jahr
unter dem gemeinsamen Vorsitz von Vizepräsident
Gore und Ministerpräsident Tschernomyrdin zusammenkommt, ist zu einem außerordentlich effektiven Instrument für die Arbeit an schwierigen Wirtschaftsfragen zum Nutzen beider Länder geworden.
Der dritte Bereich, den ich ansprechen möchte, sind
die Beziehungen Rußlands zu seinen Nachbarn. Dies
ist bei weitem das herausragendste Thema der
russischen Außenpolitik, sowohl für Rußland selbst als
auch für die übrige Welt. Viele in der russischen
politischen Elite fühlen den Verlust des Imperiums wie
den Phantomschmerz an einem amputierten Glied. 25
Millionen gebürtige Russen leben heute außerhalb der
Grenzen Rußlands, in jetzt separaten Ländern. Zu
Recht wollen sie gleichberechtigte Bürger toleranter,
integrierender Demokratien sein. Alle Beschwerden,
die sie zu Recht oder Unrecht vorbringen, spielen in
die Hände der Ultranationalisten in Rußland.
Bisher gereicht es Rußland jedoch zur Ehre, daß es
irredentistische Impulse im Großen und Ganzen unter
Kontrolle gehalten hat. Nicht allzu lange nach dem
Zusammenbruch der UdSSR traf Boris Jelzin eine
historische Entscheidung: Er bestätigte die alten
Grenzen zwischen den Republiken als die neuen
internationalen. Bei mehreren wichtigen Gelegenheiten hat er die kriegerischen Ambitionen seiner neugierigeren Gegner zurückgewiesen. Erst in der vergangenen Woche lehnte er eine aufwiegelnde Duma-Resolution zu den heiklen Themen Krim und Schwarzmeerflotte ab.
Mit anderen Worten: Wir sollten auf Warnzeichen
achten, aber wir sollten auch auf die Hunde hören, die
heute in der ehemaligen UdSSR nicht bellen. Stellen
Sie sich vor, wie anders und wieviel katastrophaler es
gewesen wäre, wenn das postsowjetische Rußland
sich so verhalten hätte wie das postjugoslawische

AMERIKA DIENST 22

Serbien und Kroatien mit dem Einsatz von Gewalt, um
Grenzen nach ethnischer Zugehörigkeit zu verändern.
Stellen Sie sich die jüngsten Greueltaten auf dem
Balkan in Eurasien vor, über elf Zeitzonen hinweg mit
30.000 Nuklearwaffen in einer volatilen und gewalttätigen Mischung.
Zweifelsohne gibt es noch viele Fragen - und unter den
Nachbarn Rußlands viele Ängste - darüber, wie
Moskau seine Beziehungen zu den anderen Mitgliedern der NUS gestalten wird. Ob diese Gruppierung von Staaten überlebt und prosperiert, wird in
hohem Maße davon abhängen, ob diese sich in einer
Weise entwickeln, die den Namen rechtfertigt - das
heißt, ob sie sich zu einem echten Staatenbund
wirklich unabhängiger Länder entwickeln. Wenn nicht
- wenn ihr größtes Mitglied versucht, den "Staatenbund" zu einem Euphemismus für den Übergriff auf
die Unabhängigkeit der anderen zu machen - dann
verdienen es die NUS, gemeinsam mit der ehemaligen
UdSSR auf dem Scherbenhaufen der Geschichte zu
landen.
Präsident Clinton formulierte es von zweieinhalb
Jahren kurz und bündig. Während seines ersten
Moskaubesuchs als Präsident stellte er bei einem im
Fernsehen übertragenen Treffen mit den Bürgern einer
Stadt dem russischen Volk - und der russischen
Führung - eine grundlegende Frage: "Wie definieren
Sie Ihre Rolle als Großmacht? Definieren Sie sie vom
Standpunkt der Vergangenheit aus oder von dem der
Zukunft?" Er erklärte, Rußland habe "die Chance zu
zeigen, daß eine Großmacht Patriotismus ohne
Expansionismus fördern kann, daß eine Großmacht
nationalen Stolz ohne nationale Vorurteile haben kann.
Meines Erachtens wird Ihre künftige Größe daran
gemessen, ob der große Nachbar Rußland auch ein
guter Nachbar sein kann", so Präsident Clinton.
Ich möchte hier zusammenfassend von den Fortschritten berichten, die Rußland in den fünf Jahren
gemacht hat, seit über dem Kreml Hammer und Sichel
durch die weiß-blau-rote Fahne ersetzt wurden: In
dieser Zeit traf Rußland eine Reihe grundlegender,
schwieriger, mutiger und - sowohl von seinem als
auch unserem Standpunkt aus gesehen - richtiger
Entscheidungen. Aber auf jedem der drei von mir
erwähnten Gebiete - Politik, Wirtschaft und Außenpolitik- ist die Neudefinition der russischen Souveränitätein andauernder Prozeß; die Russen müssen noch
weitere schwierige Entscheidungen treffen.
Jetzt möchte ich auf die Politik der Vereinigten Staaten
gegenüber Rußland zu sprechen kommen. Präsident
Clinton ist der Ansicht, daß auch wir bedeutende
Entscheidungen treffen müssen - die einen wichtigen
Einfluß darauf haben werden, wie Rußland mit seinen
Problemen und Schwierigkeiten, seinen Chancen und
Versuchungen umgeht.

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�Eine uns konfrontierende Entscheidung ist die Frage,
ob wir weiterhin in die russischen Reformen - und
somit in unsere eigene langfristige Sicherheit - investieren sollten. Hier haben wir ein großes Problem
mit dem Kongreß, der nicht genügend Mittel für unsere
Außenpolitik im allgemeinen und unsere Hilfsprogramme für die neuen unabhängigen Staaten im besonderen bewilligt. Unsere Unterstützung für die neuentstehenden Demokratien Eurasiens ist seit 1994 um 75
Prozent gesunken, unsere Unterstützung für den
russischen Reformprozeß um 94 Prozent. Wenn der
105. Kongreß im Januar zusammentritt, muß er sich,
wie Außenminister Christopher in seiner Rede in West
Point am vergangenen Freitag erklärte, mit den
Auswirkungen der Ausgabenkürzungen des 104.
Kongresses auseinandersetzen.
Eine andere uns dauerhaft konfrontierende Aufgabe die andere Frage, bei der wir jedes Mal wieder eine
richtige Entscheidung treffen müssen - besteht darin,
unsere Führungsrolle in den verschiedenen regionalen
und internationalen Organisationen zur Sicherstellung
zu nutzen, daß sie ihre Türen für Rußland und die
anderen neuen unabhängigen Staaten offenhalten,
solange diese sich in Richtung von Reformen und
verantwortungsbewußtem internationalen Verhalten
bewegen.
In den letzten Jahren ist Rußland verschiedenen, ganz
unterschiedlichen Organisationen beigetreten - dem
Europarat, dem Raketentechnologiekontrollregime
(MTCR) und der Partnerschaft für den Frieden. Vor
kurzem wurde das Land Gründungsmitglied der
Nachfolgeorganisation des COCOM, die internationalen Handel mit Waffen und sicherheitsempfindlichen Technologien regeln will. Die Gruppe der sieben
führenden Industrieländer, G-7, nahm Rußland in ein
neues politisches Gremium auf, das einfach als "die
Acht" bezeichnet wird. Und wir arbeiten mit Rußland
zusammen, damit sich das Land für die Aufnahme in
die Welthandelsorganisation (WTO) qualifiziert.
Wir müssen die Aufnahme Rußlands in möglichst viele
dieser Organisationen, seine Beteiligung oder zumindest die Assoziierung mit ihnen weiterhin ermutigen
und fördern, denn gemeinsam stellen sie die größere
Gemeinschaft der Demokratien dar, in der wir Rußland
gerne als vollwertiges Mitglied sähen.
In diesem Zusammenhang möchte ich kurz auf eine
internationale Organisation zu sprechen kommen, mit
der sich heute jeder befaßt: Die NATO. Die NATO
war, ist und bleibt ein gegenseitiges Verteidigungsbündnis. Aber sie ist weitaus mehr - und war das auch
immer. Während des Kalten Kriegs förderte die NATO
neben ihrer Hauptaufgabe - Abschreckung der Sowjetunion und des Warschauer Pakts - die Konsolidierung
der unter ziviler Kontrolle stehenden Demokratie in
Spanien und half bei der Wahrung des Friedens
zwischen Griechenland und der Türkei. Während das

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Bündnis seine Aufgaben an neue Gegebenheiten
anpaßt und seine Mitgliedschaft erweitert, um neue
Herausforderungen zu bewältigen und neue Chancen
zu ergreifen, wird es zu einem positiven Faktor bei der
Förderung von Demokratie und regionalem Frieden.
Allein die Aussicht auf eine Aufnahme im Bündnis hat
eine Reihe zentraleuropäischer Staaten bereits zur
Beschleunigung ihrer internen Reformen und Verbesserung der Beziehungen zu ihren Nachbarn
veranlaßt. Rußland, das aufgrund von Instabilität in
Zentraleuropa bereits zweimal in diesem Jahrhundert
zu Schaden kam, hat ein sicherheitspolitisches
Interesse an diesen positiven Trends.
Die Russen sehen die NATO-Erweiterung offensichtlich noch längst nicht in diesem günstigen Licht.
Unsere Fähigkeit zum Umgang mit den Meinungsverschiedenheiten bei dieser Frage und letztlich ihrer
Beilegung wird die amerikanisch-russischen Beziehungen auf eine wichtige Probe stellen. Vergangene
Woche setzte Präsident Clinton den 50. Jahrestag des
Bestehens der NATO 1999 als Frist für die Aufnahme
der ersten neuen Mitglieder des Bündnisses. Dieser
Zeitplan ist fest in unserem Gedächtnis verankert. Er
gibt uns jedoch Zeit, parallel zum Erweiterungsprozeß
die Bedingungen für kooperative und sich gegenseitig
verstärkende Beziehungen zwischen der NATO und
der Russischen Föderation auszuarbeiten. Außenminister Christopher hat sich sehr intensiv mit dieser
Frage befaßt und unter anderem vor sechs Wochen
hier in New York Gespräche mit Außenminister
Primakow geführt. Und es gibt kein Thema, für das ich
mich selbst mehr eingesetzt habe.
Wir sind überzeugt, daß ein Modus vivendi zwischen
der NATO und Rußland nicht nur wünschenswert,
sondern auch möglich ist. Das setzt jedoch auf beiden
Seiten den politischen Willen und die Überwindung der
noch aus dem Kalten Krieg stammenden Klischees
voraus. Bei uns sehen einige selbsternannte "Realisten" das heutige Rußland genauso wie die Sowjetunion von vor 15 Jahren, lediglich verschlankt und mit
einer pseudodemokratischen Verkleidung.
Sie
bezeichnen die russische Demokratie verächtlich als
Motor für Expansion, der von tiefverwurzelten neoim-

perialistischen Überzeugungen angetrieben wird.
Die Ansicht, räuberisches Verhalten sei auf irgendeine
Weise in den russischen Genen verankert, ist eine
grobe Verfälschung der russischen und sowjetischen
Geschichte. Sie verdient eine schlechte Benotung
durch jedes Mitglied dieser Fakultät. Tatsache ist, daß
einer Ihrer ehemaligen Kollegen, Steve Sestanowitsch
von der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden in
der neuesten Ausgabe von The National Interest dem
Konzept des genetischen Expansionismus wirksam
seinen Nimbus nimmt, wobei er sich - davon bin ich
überzeugt - auf das hier vor 24 Jahren Gelernte stützt.
Es war jedoch lan Buruma, der in seinem Buch The
Wages of Guilt diese Ansicht definitiv widerlegte. Er

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�schrieb über zwei andere große Nationen - Deutschland und Japan - deren Menschen vor nicht allzu
langer Zeit als inhärent militaristisch gefürchtet und
sogar gehaßt wurden. Buruma schrieb: "Es gibt keine
gefährlichen Völker, sondern nur gefährliche Situationen, die nicht von Natur- oder historischen Gesetzen
oder nationalem Charakter, sondern von politischen
Vereinbarungen herrühren."
Wenn man Burumas Beobachtungen auf das vorliegende Thema anwenden will, würde ich vorschlagen,
daß die amerikanische Politik gegenüber Rußland die
richtigen politischen Vereinbarungen hervorbringen
muß. Dieses Prinzip steht hinter der amerikanischen
Außenpolitik als Ganzem und bedeutet, wir sollten
Beziehungen knüpfen und Anreize schaffen, die
Rußland ermutigen, sich zu einem demokratischen,
sicheren, stabilen und prosperierenden Staat zu
entwickeln, der mit seinen Nachbarn in Frieden lebt
und in eine Gemeinschaft gleichgesinnter Staaten
integriert ist.
Hierzu muß Amerika jedoch eine Herausforderung
bewältigen, die offen gesagt in der Überwindung
russischen Mißtrauens, russischer Verschwörungstheorien und überkommenen russischen Gedankenguts besteht. Genauer gesagt meine ich, daß die
Russen selbst sich dieser Herausforderung stellen
müssen; sie müssen ihre aus der Zeit des Kalten
Krieges verbliebenen Klischeevorstellungen von
Amerika überwinden. Viele von ihnen haben deutlich
gemacht, daß ihres Erachtens Amerikas wirkliche
Strategie - tatsächlich die wirkliche Strategie dieser
Administration - in der Schwächung und sogar Spaltung Rußlands besteht. Es ist für sie keine Beruhigung, wenn wir sagen, daß wir Rußland in seiner
vollen "Größe" sehen wollen. In ihren Ohren klingt
dieses Wort sentimental, unaufrichtig und sogar falsch
- als würden wir über das kulturelle Genie von Tolstoi
und Tschaikowski, und nicht die größere Brillanz von
Kutuzow und Zukow sprechen.
Diese Voreingenommenheit Moskaus bezüglich
unserer Absichten ist das Spiegelbild der - in einigen
Kreisen der Vereinigten Staaten derzeit modernen Vorurteile, Rußland sei eine verkrüppelte Sowjetunion,
der es in den Fingern jucke, wieder zu ihrer damaligen
Größe und ihrem früheren verhaßten Verhalten
zurückzufinden. Wir haben während des Kalten
Krieges viel Erfahrung mit solchem spiegelbildlichen
Verhalten gesammelt und sollten uns jetzt vor einer
Wiederholung hüten. Insbesondere wäre es wenig
hilfreich, wenn die schlimmsten Annahmen auf Seiten
der außenpolitischen Elite Rußlands zur treibenden
Kraft der Politik der russischen Regierung würden.
Lassen Sie mich etwas genauer über meine Besorgnis
sprechen. Wenn die Russen allzu sehr ihrem fehlgeleiteten Mißtrauen, wir wollten sie kleinhalten, frönen,
dann werden Worte wie Partnerschaft und Kooperation

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im Russischen zu Synonymen für Beschwichtigung,
Unterwürfigkeit und Erniedrigung durch den Westen.
Das könnte dazu führen, daß wir bei genau den
Fragen weniger zusammenarbeiten und mehr konkurrieren, wo verstärkte Zusammenarbeit und weniger
Konkurrenz in unserem gemeinsamen Interesse
liegen: Rüstungskontrolle, Umweltschutz, Terrorismus,
regionale Konflikte und die Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen.
Diese unwillkommene Aussicht ist Anlaß zu einer
weiteren, damit zusammenhängenden Besorgnis.
Russische Politiker - insbesondere diejenigen, die das
Verhältnis zwischen ihrem Land und den Vereinigten
Staaten für im wesentlichen feindselig halten - könnten
den Fehler begehen, alles als in ihrem nationalen
Interesse liegend zu definieren, was uns verärgert
oder uns Probleme bereitet. Wenn dieser Reflex, in
einem Nullsummenspiel gegen uns Punkte zu machen,
praktisch zu einem festen Bestandteil der russischen
Politik wird, ruft er bei uns lediglich Mißtrauen hervor.
Mißtrauen hinsichtlich der Motive des anderen könnte
dann schließlich gerechtfertigt sein, und pessimistische
Prognosen über die Zukunft unserer Beziehungen
könnten sich bestätigen.
Um es noch einmal zu wiederholen: Wir haben
während des Kalten Krieges genug von dieser Art
Teufelskreis gesehen, um jetzt keine Entschuldigung
für seine erneute Entstehung zu haben. Das wäre von
Nachteil für alle, aber zweifelsohne insbesondere für
die Russen selbst. Sie würden riskieren, zumindest
einige der Fehler zu wiederholen, die neun Zehntel des
20. Jahrhunderts für sie zu einer solchen Katastrophe
werden ließen. Zu diesen Fehlern zählen die Definition
ihrer Sicherheit auf Kosten aller anderen sowie eine
falsche Definition von Sicherheit als kostspielige und
verschwenderische Fähigkeit zum Zerstören und
Einschüchtern. Seine menschlichen und natürlichen
Ressourcen - nicht einfach nur seine militärische
Macht - werden Rußland im kommenden Jahrhundert
zu echter Sicherheit und Einfluß verhelfen.
Das russische Volk und die russische Führung
müssen davon überzeugt sein. Ferner müssen sie
wissen, daß auch wir davon überzeugt sind und
unsere heutige Politik ihnen gegenüber von unserem
Glauben an zukünftige Unterstützung geleitet wird.
Ebenso wie bei den uns konfrontierenden spezifischeren Fragen müssen wir mit den Russen viel
Arbeit leisten.
Aber ebenso wie bei den anderen schwierigen Fragen
haben wir etwas Zeit. Wir werden von den richtigen
Ideen geleitet und haben - die Anwesenden ausdrücklich eingeschlossen - die richtigen Menschen, die die
Entwicklung dieser Ideen gewährleisten und sie
umsetzen. Trotz der vor uns liegenden Schwierigkeiten gibt es folglich allen Grund zur Zuversicht, daß
wir den Herausforderungen im Zeitalter nach dem

Seite 5

�Kalten Krieg ebenso gewachsen sind wie denen des
Kalten Krieges - nicht zuletzt, weil das Harriman Insti-

tute - und seine Ehemaligen - uns dabei in den kommenden 50 Jahren helfen werden.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 6

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�WIRTSCHAFT
13. November 1996

Zukunftsperspektiven der amerikanischen
Volkswirtschaft
Pressekonferenz mit führenden Wirtschaftsberatern

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom Pressesprecher des Weißen Hauses, Mike
McCurry, dem Vorsitzenden des Rats der Wirtschaftsberater, Dr. Joseph Stiglitz, und der nationalen
Wirtschaftsberaterin des Präsidenten, Dr. Laura Tyson, am 30. Oktober 1996 im Weißen Haus gegebene
Pressekonferenz in Auszügen.

McCurry: Guten Morgen, meine Damen und Herren.
Heute geben wir Ihnen neue Informationen zur Wirtschaft. Wie immer freuen wir uns, unsere herausragenden Wirtschaftsexperten bei uns zu haben - Dr.
Joseph Stiglitz, den Vorsitzenden des Rats der
Wirtschaftsberater und die nationale Wirtschaftsberaterin des Präsidenten, Dr. Laura Tyson. Sie
werden heute unter anderem über Wirtschaftswachstum und die Zukunft der amerikanischen Volkswirtschaft sprechen.
Herr Dr. Stiglitz, Frau Dr. Tyson, herzlich willkommen.
Dr. Stiglitz: Vielen Dank. Die Wirtschaftszahlen dieser
Woche zeigen weiterhin eine bemerkenswert starke
Wirtschaft mit einer niedrigen Inflationsrate an. Der
heutige Bericht über das Bruttoinlandsprodukt unterstreicht die von großen Investitionen und der Aktivität
des Privatsektors angeführte Fortsetzung der gesunden wirtschaftlichen Expansion.
Die Zahlen des Bruttoinlandsprodukts schwanken von
Quartal zu Quartal, und die heutigen Zahlen ergeben
meines Erachtens am meisten Sinn, wenn sie in einer
längerfristigen Perspektive betrachtet werden. Sie
zeigen, daß das Bruttoinlandsprodukt 1996 real um
nahezu drei Prozent gestiegen ist.
Die jährliche Inflationsrate tendiert schwächer bei 2,1
Prozent. Seit Anfang 1996 ist die Aktivität des Privatsektors um robuste 3,5 Prozent jährlich angestiegen. Seit Anfang 1993 nahm die Aktivität des Privatsektors jährlich um 3,2 Prozent zu. Die Aus-

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rüstungsinvestitionen haben sich seit Anfang 1993 um
44 Prozent erhöht - das ist ein fünfmal schnellerer
Anstieg als während der vergangenen vier Jahre.
Jetzt möchte ich näher auf die Einzelheiten im Bericht
für dieses Quartal eingehen. Im dritten Quartal stieg
das Bruttoinlandsprodukt jährlich real um 2,2 Prozent,
der Privatsektor wuchs jährlich um 3 Prozent, und die
Ausrüstungsinvestitionen erhöhten sich um erstaunliche 19 Prozent jährlich.
Die Einkommen wuchsen schnell. Das reale verfügbare Einkommen - das inflationsbereinigte reale
Einkommen nach Abzug der Steuern - stieg im dritten
Quartal erneut um beeindruckende 4,9 Prozent
gemessen am Jahressatz.
Währenddessen ist die Inflationsrate weiterhin sehr
niedrig. Der Preisindex des Bruttoinlandsprodukts, der
ein umfassenderer Maßstab für die Inflation des
Verbraucherpreisindexes ist, stieg im dritten Quartal
nur um einen Jahressatz von 1,9 Prozent. Ein so
großes Wachstum des Privatsektors und der Investitionen ist ein gutes Vorzeichen für weitere Einkommenszunahmen und niedrige Inflationsraten. Die
Wirtschaftspolitik der Administration, der Abbau des
Haushaltsdefizits, Investitionen im Bildungswesen und
Bestrebungen zur Erschließung von Märkten im Inund Ausland haben für die Zukunft eine solide Grundlage für stärkeres Wirtschaftswachstum und einen
höheren Lebensstandard geschaffen.

Seite 1

�Dr. Tyson: Ich freue mich, wieder hier zu sein und
über einige gute Nachrichten für die amerikanische
Volkswirtschaft sprechen zu können. Wir haben einen
Bericht über das Bruttoinlandsprodukt, der jedoch nur
einen von mehreren diese Woche herausgegebenen
Berichten darstellt, und meines Erachtens ist es
wichtig, alles in einen Zusammenhang zu bringen. Es
gab diese Woche einen Bericht über das Haushaltsdefizit, den wir bereits erörtert haben. Meiner Ansicht
nach ist es wichtig zu erinnern, daß Präsident Clinton
vor vier Jahren eine Verringerung des Haushaltsdefizits um 50 Prozent zugesagt hat. Es wurde um 63
Prozent abgebaut. Das waren 290 Milliarden Dollar
1992 und sind heute 107 Milliarden Dollar. Das ist
eine echte Leistung dieser Administration.
Die Republikaner haben ebenfalls ihren Teil zum
Haushaltsausgleich beigetragen, aber Präsident
Clintons Wirtschaftsplan für 1993 gebührt tatsächlich
der Hauptteil des Verdienstes für den Abbau des
Haushaltsdefizits, was wiederum die Grundlage für
einen gesunden und prosperierenden Privatsektor
darstellt.
Wenn Sie sich anschauen, wie sehr die Ausgaben
noch unterhalb des vom Präsidenten beantragten
Haushalts gekürzt wurden, gebühren den Republikanern unseren Schätzungen zufolge nur zwei bis drei
Prozent des Verdienstes für den Abbau des Defizits im
vergangenen Jahr. Das Wirtschaftsprogramm 1993
und seine positiven wirtschaftlichen Auswirkungen
haben zu etwa drei Vierteln zum Abbau des Haushaltsdefizits beigetragen. Wenn wir Ihnen also Monat um
Monat gute Wirtschaftszahlen präsentieren, spiegeln
wir damit in gewisser Weise wider, daß die Wirtschaft
wie erhofft auf das Wirtschaftspaket des Präsidenten
von 1993 reagiert hat. Eine weitere gute Nachricht
diese Woche - die unbedingt hervorgehoben werden
sollte - ist das Vertrauen der Verbraucher. Vor vier
Jahren war das Vertrauen der Verbraucher im Sinken
begriffen, heute ist es auf dem höchsten Stand seit
sechs Jahren.
Im Oktober 1992 lag der Index für das Vertrauen der
Verbraucher bei 56, während er heute mit 102 fast das
Doppelte beträgt. Das ist zufällig genau dasselbe Maß
an Verbrauchervertrauen wie zu der Zeit, als Präsident
Ronald Reagan erklärte, in Amerika sei ein neuer
Anfang gemacht worden. Es gibt also tatsächlich
zuversichtliche Verbraucher in unserem Land, und
wenn Sie sich das Wachstum des privaten, verfügbaren, realen Einkommens um 4,9 Prozent anschauen
und die Arbeitslosenquote, die seit 25 Monaten unter
sechs Prozent liegt - die niedrigste seit 7,5 Jahren -,
sind das meiner Meinung nach die Faktoren, auf die
die Verbraucher reagieren: Sie reagieren auf Einkommenszuwachs, Nettozuwachs des Realeinkommens und auf eine dauerhaft niedrige Arbeitslosenquote.

Seite 2

Abschließend möchte ich noch betonen, daß wir uns
für diese Art von Veranstaltung normalerweise unsere
eigenen Gesprächsnotizen machen und über die
Wirtschaft sprechen, wie wir sie sehen. Wir haben
jedoch den Vorteil, daß zahlreiche überparteiliche,
unparteiische, objektive Wirtschaftsexperten zu dem
Schluß gekommen sind, daß die Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten sehr positiv ist. Ich
möchte meine Ausführungen mit einem Zitat von Alan
Sinai, einem der führenden Ökonomen Amerikas,
abschließen. Er erklärte, die amerikanische Wirtschaft
sei in ausgezeichneter Verfassung, und "dieser
Konjunkturzyklus wird im Vergleich zu anderen
Wirtschaftsaufschwüngen in der Zeit nach dem
Zweiten Weltkrieg als bester in die Geschichte eingehen".
Wir haben eine solide Wirtschaftsexpansion. Ihr
Fundament ist fiskalische Solidität und Vertrauen des
Privatsektors, sowohl in der Wirtschaft als auch bei
den Verbrauchern. Wir haben eine von niedrigen
Inflationsraten begleitete Expansion - genau die Art
von Expansion, die auch im 21. Jahrhundert noch
fortbestehen kann.
Frage: Frau Dr. Tyson, wenn das Vertrauen der
Verbraucher so groß ist, was erklärt dann die Tatsache, daß die Gesamtausgaben der Verbraucher nur
um 0,4 Prozent zunahmen, was den geringsten
Anstieg seit nahezu fünf Jahren darstellt.
Dr. Tyson: Wir gehen davon aus, daß auf Grundlage
der Zahlen über Einkommenszuwächse, der Zahlen für
das Wachstum verfügbarer Einkommen und der
Zahlen über das Verbrauchervertrauen die Verbraucherausgaben hoch bleiben. Ich weiß nicht, wie
es bei Ihnen ist, aber ich gebe von Monat zu Monat
unterschiedlich viel Geld aus, was nichts über das von
mir in die Wirtschaft gesetzte Vertrauen aussagt.
Wir nehmen also an, daß die Ausgaben der Verbraucher sich, wie es traditionell der Fall war, im
Verhältnis zum Wachstum des verfügbaren Realeinkommens und der Beschäftigungsmöglichkeiten
entwickeln.
Dr. Stiglitz: Ja. Und es gibt einen anderen Faktor, der
meines Erachtens das Wachstum der Gesamtausgaben der Verbraucher beeinflußt: Die Tatsache, daß
das Verhältnis von Netto- zu Bruttoeinkommen besser
ist als seit den sechziger Jahren, so daß es den
Haushalten bilanzmäßig wirklich sehr gut geht.
Frage: Warum sprechen die Kolumnisten der The
Washington Post wie Glassman und andere von
einer "anämischen Wirtschaft"?
Dr. Tyson: Das müssen Sie sie selbst fragen. Meiner
Meinung nach bekommen Sie ein besseres Gefühl für
die Wirtschaftslage, wenn Sie den Experten von

AMERIKA DIENST 22

�außerhalb zuhören. Betrachten Sie sich beispielsweise einen Artikel, der vor einigen Monaten im
Baron's Magazine erschien und im wesentlichen
verschiedene Arten von Konjunkturaufschwüngen
unter Einbeziehung einer Vielzahl von Indikatoren Wirtschaftswachstum, Arbeitslosenquote, Inflationsrate
und Zinssätze - vergleicht. Wenn Sie diese Vielfalt von
Indikatoren betrachten, erkennen Sie ganz klar, daß es
der Volkswirtschaft unter Präsident Clinton besser geht
als unter jeder anderen Administration der Demokraten
seit 30 Jahren.
Frage: Welche Zahlen führt Dole an?
Dr. Stiglitz: Man kann die Statistiken immer neu
interpretieren, und abhängig vom eigenen Blickwinkel
versucht man Dinge hervorzuheben, die den einen
oder anderen Standpunkt untermauern. Eine Tendenz
besteht darin, von der 1983er Talsohle auszugehen.
Von dort aus gesehen wuchs die Wirtschaft sehr
schnell. Man darf jedoch auch nicht vergessen, daß
dies die schlimmste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise war.
Die Arbeitslosenquote lag zum damaligen Zeitpunkt
über der 10 Prozentmarke. Wenn man aus dieser
Talsohle herauskommt, verzeichnet man - scheinbar ein schnelles Wirtschaftswachstum. Aber kein Ökonom würde auf der Grundlage dieser Talsohle Konjunkturvergleiche anstellen. Wenn man das umfassendere Bild ansieht, wie das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im Privatsektor, betrug es in den acht
Jahren unter der Reagan-Administration drei Prozent,
im bereits vergangenen Teil dieses Jahres 3,5 Prozent
und während der gesamten Clinton-Administration 3,2
Prozent. Im Vergleich zur Bush-Administration lag es
bei 1,3 Prozent.
Wenn Sie sich den historischen Verlauf betrachten mit meinen Studenten gehe ich immer anhand einer
Kurve vor - ist unsere Wirtschaft tatsächlich sehr stark.
Und sie ist besonders stark, wenn zwei andere
Faktoren einbezogen werden - wie die anderen großen
Volkswirtschaften wachsen: Es geht uns weitaus
besser als ihnen allen, teilweise weil wir so viel
unternommen haben, um unser Haushaltsdefizit unter
Kontrolle zu bringen. Und zweitens ist es typischerweise und historisch gesehen der Fall, daß bei Sparmaßnahmen der Regierung eine Finanzbremse
gezogen wird, weil wir weniger ausgeben. Und weil
wir es auf eine Art und Weise getan haben, die
Vertrauen in die Wirtschaft erweckte - und eine
Senkung der Zinssätze bewirkte - führte sie tatsächlich
zu einem enormen Wachstum des Privatsektors.
Frage: Eine Zahl im Bericht dieser Woche, die Sie
nicht erwähnten und die nicht besonders positiv ist,
bezieht sich auf die Gesundheitsfürsorge für ältere
Menschen - Medicare. Ich frage mich, wie die Ad-

AMERIKA DIENST 22

ministration im nächsten Jahr das System der Anspruchsberechtigung reformieren will.
Dr. Tyson: Meines Wissens war der jüngste Bericht
über die Situation des Medicare-Treuhandfonds
besser, nicht schlechter als erwartet. Das ist der erste
Punkt. Aber der zweite Punkt ist, daß wir meines
Erachtens hier ein sehr eindeutiges Signal gesetzt
haben. Wir haben gesagt, in dem Haushaltsausgleich
des vergangenen Jahres ist ein Vorschlag enthalten,
mit dem die Lebensdauer des Treuhandfonds um
ungefähr ein Jahrzehnt verlängert würde, und das ist
genau der Zeitraum, um den der Treuhandfonds nach
dem Plan der Republikaner verlängert worden wäre.
Wir sind uns bewußt, daß wir es längerfristig mit einer
sich verändernden demographischen Situation zu tun
haben, und wir sehen hierbei der Zusammenarbeit mit
dem Kongreß auf überparteilicher Ebene erwartungsvoll entgegen.
Man sollte jedoch erwähnen, daß der Präsident bei
diesem Thema eine Führungsrolle übernommen und
tatsächlich als Teil des von den Republikanern
abgelehnten Wirtschaftspakets für 1993 den Treuhandfonds aufgestockt hat. Senator Dole schlug vor,
diese spezielle Erhöhung des Fonds rückgängig zu
machen. Der Präsident hat beim Thema Medicare von
Anfang an verantwortungsvoll gehandelt.
Wir möchten die Zuwachsrate von Medicare verlangsamen und zwar so, daß die Qualität des Programms
erhalten bleibt, und wir können das tun. Als erstes
sollten wir die Zustimmung beider Parteien zu einem
ausgeglichenen Haushalt erhalten, damit das Problem
des Treuhandfonds kurz- bis mittelfristig im nächsten
Jahrzehnt gelöst wird.
Frage: Dr. Tyson, die Unternehmensinventare haben
im dritten Quartal ungefähr fünfmal schneller zugenommen als im zweiten Quartal. Alarmiert Sie diese
steigende Zahl nicht verkaufter Inventare?
Dr. Stiglitz: Nein. Tatsache ist, daß das Gefälle
zwischen den Inventaren und den Verkäufen im
zweiten Quartal sehr gering war und jetzt die Inventare
etwas aufgestockt wurden.
Verglichen mit den
Verkäufen befinden sich die Inventare jedoch auf
einem sehr gemäßigten Niveau.
Frage: Der Zuwachs im zweiten Quartal betrug 4,7
Prozent und verlangsamte sich dann auf 2,2 Prozent was ist die Ursache dieser Verlangsamung und gibt es
einen Grund für die Annahme, daß er sich im nächsten
Quartal noch weiter verlangsamen wird?
Dr. Stiglitz: Wie ich bereits sagte, gibt es eine Reihe
von Faktoren, die beim vierteljährlichen Bruttoinlandsprodukt zum Tragen kommen. Von Quartal zu Quartal
sind sehr große Fluktuationen zu verzeichnen. Ein
Faktor - über den wir vor einigen Minuten gesprochen

Seite 3

�haben - ist, daß die Verbraucherausgaben relativ
niedrig waren. Und es gibt gute Gründe für die
Annahme, daß die Verbraucherausgaben wieder
zunehmen aufgrund der Tatsache, daß das Vertrauen
der Verbraucher groß ist und das reale verfügbare
Einkommen - das Geld, das die Leute ausgeben
können - um 4,9 Prozent gestiegen ist. Und das
Verhältnis zwischen Netto- und Bruttoeinkommen ist
das beste seit den sechziger Jahren.
Ein weiterer Faktor ist, daß die Exporte nicht so hoch
waren wie man es gerne gehabt hätte. Das ist vor
allem darauf zurückzuführen, daß unsere Volkswirtschaft schneller als die vieler unserer Handelspartner
gewachsen ist. Und immer wenn unsere Volkswirtschaft schneller wächst, importieren wir mehr - sind
unsere Importe höher als unsere Exporte. Die Exporte
können in den vergangenen drei Jahren insgesamt
eine beachtliche Bilanz aufweisen. Sie sind um mehr
als 30 Prozent gestiegen, und das ist besonders
beeindruckend angesichts der Tatsache, daß unsere
Volkswirtschaft schneller gewachsen ist als andere.
Es sieht jedoch so aus, als ob sich das Wachstum in
einigen europäischen Ländern erholt, und das wird
auch diesen Teil des Bruttoinlandsprodukts stärken.
Dr. Tyson: Darf ich noch etwas hinzufügen. Ich
möchte betonen, daß es sich hier um einen Quartalsbericht handelt. Wir müssen uns vor Augen halten,
daß wir im Grunde Prognosen für das Jahr machen.
Das Wirtschaftswachstum belief sich in diesem Jahr
auf durchschnittlich 2,9 Prozent, sogar etwas mehr.
Das liegt beträchtlich über unseren Vorhersagen für
das Jahr, die 2,2 Prozent betrugen, und sehr viel höher
als die Prognosen des Haushaltsbüros des Kongresses von 2,0 Prozent.
Der Kongreß machte eine Vorhersage von 2,0 Prozent
in der Annahme, sein Vorschlag für einen Haushaltsausgleich würde angenommen. Diese Volkswirtschaft
ist stark, stärker als die Prognosen, und ich möchte
betonen, daß die Administration auf eine Rekordbilanz
verweisen kann, in der die Volkswirtschaft jedes Jahr
besser als die Vorhersagen abgeschnitten hat. Und
während wir in die nächste Runde der Haushaltsgespräche gehen, muß man die Notwendigkeit
konservativer Schätzungen hervorheben, aber auch
die Erkenntnis, daß eine Prognose nichts über ein Ziel
oder darüber aussagt, wie sich die Wirtschaft langfristig verhält. In diesem Jahr verzeichnet die Wirtschaft einen Zuwachs von durchschnittlich 2,9 Prozent.
Dr. Stiglitz: Kann ich einen weiteren Aspekt hinzufügen? Es gibt einige wichtige Probleme bei den
Angaben zur Wirtschaft. In den vergangenen sieben
Quartalen wurde die Wirtschaft auf zweierlei Weise
gemessen - einmal von der Einkommensseite, zum
anderen am Output. Jedem Lehrbuch zufolge sollen
sie gleich sein, tatsächlich gibt es jedoch große
Diskrepanzen zwischen beiden.

Seite 4

Die Tatsache, daß das reale verfügbare Einkommen in
diesem Quartal so hoch ist - 4,9 Prozent - legt die
Vermutung nahe, daß diese Diskrepanz anhält, wobei
der Einkommenszuwachs ein sehr viel stärkerer
Indikator der Wirtschaft ist als die Seite des Bruttoinlandsprodukts. Und wie ich bereits erwähnte, hatte
diese Diskrepanz eine Größenordnung von einem
halben bis einem Prozentpunkt.
Frage: Welche Garantien gibt es, daß die Administration bei dem Plan zum Abbau des Defizits bleibt? Es
scheint, daß der Präsident mehr über Steuersenkungen und Ausgabenvorschläge als über den Ausgleich
des Haushalts spricht.
Dr. Tyson: Der Präsident hat jedesmal, wenn er einen
Vorschlag für eine gezielte Steuersenkung oder ein
bestimmtes Programm erörterte, wie etwa das Projekt
zum Bau von Schulen, über das ich vor einigen
Monaten mit Ihnen gesprochen habe, eindeutig
dargelegt, wie sie finanziert werden. Die Mittel wurden
stets im Rahmen eines ausgeglichenen Haushalts
bereitgestellt, und wir haben immer das Ziel des
Haushaltsausgleichs eingehalten. Sowohl unsere
Bilanz beim Defizitabbau, die Tatsache, daß wir dem
Kongreß einen Plan zum Ausgleich des Haushalts
vorgelegt haben, als auch die Tatsache, daß wir genau
spezifiziert haben, wie jede neue Initiative bezahlt wird,
beweisen meines Erachtens unser Engagement für
das Ziel kontinuierlicher fiskalpolitischer Verantwortung.
Frage: Ich habe ein Fax von der Konferenz der
Republikaner im Repräsentantenhaus, in dem ein
Bericht der The Washington Post zitiert wird. Dort
heißt es: "Der Börse droht der Zusammenbruch, wenn
die Demokraten die Mehrheit im Kongreß gewinnen."
Sie sagen, die Furcht macht sich auf dem Markt breit,
und wenn die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren, droht der Börse der
Ausverkauf. Wenn sie die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat verlieren, wird es einen Börsencrash geben. Was sagen Sie dazu?
Dr. Stiglitz: Nun, erstens geben wir ebensowenig
einen Kommentar zur Börse ab wie zur Zentralbank.
Nachdem ich das gesagt habe, möchte ich aber doch
einen Kommentar abgeben. Tatsache ist, daß die
Wirtschaft sehr stark ist. Und wenn Sie jeden einzelnen der Indikatoren betrachten, über die wir gesprochen haben, sind die Investitionen hoch. Die Menschen würden nicht in solchen Maße investieren - die
realen Investitionen steigen um 19 Prozent - wenn sie
kein Vertrauen in die Wirtschaft hätten.
Die reinen Gewinne beim Bruttoinlandsprodukt
beliefen sich unseren letzten Angaben zufolge auf 8,7
Prozent - das ist der höchste Prozentsatz seit 28
Jahren. Die Zinssätze sind niedrig, sie sind diese
Woche als Reaktion auf den Defizitabbau beträchtlich

AMERIKA DIENST 22

�gesunken, die von uns heute genannten Inflationszahlen sinken - wie Sie wissen, liegen sie bei 1,9
Prozent des Preisindexes des Bruttoinlandsprodukts.
All diese Faktoren bedeuten, daß das der Wirtschaft
zugrundeliegende Fundament eben sehr stark ist.
Unsere von Dr. Tyson erwähnte absolute Verpflichtung
zum Defizitabbau und weitere Fortschritte dabei geben
Grund zu der Annahme, daß es so bleibt.
Dr. Tyson: Darf ich eine Tatsache hinzufügen, die wir
uns merken sollten? Es waren die Republikaner, die
1993 prognostizierten, das Wirtschaftsprogramm des
Präsidenten würde dazu führen, daß die Wirtschaft
den Bach 'runter geht, würde zu einer Zunahme der
Arbeitslosenrate sowie einer Zunahme des Defizits
führen, und einige sagten, es würde zu einer Rezession führen. Meines Erachtens sind die hellseherischen Fähigkeiten einiger auf der republikanischen
Seite des Kongresses im Hinblick auf die Wirtschaft
zweifelhaft. Ich würde diese Prognose nicht ernst
nehmen.
Frage: Vor ungefähr einem Jahr wurde eine größere
Anpassung des Indexes der Verbraucherpreise als
möglicher Faktor einer endgültigen Vereinbarung
angesehen. Sie hatten ein Jahr Zeit, das zu prüfen.
Könnte dies im nächsten Jahr Bestandteil eines Paktes
sein - ist das politischer Selbstmord?
Dr. Tyson: Zu diesem Thema müssen das Büro für
Arbeitsstatistik, eine Reihe versierter Ökonomen und
Statistiker, die sich ihr Leben lang damit befassen, wie

*

AMERIKA DIENST 22

die Angaben zur Inflation und die Angaben zum
Lebensstandard verbessert werden können, technische Entscheidungen treffen. Und sie tun es, sie
haben es zahllose Male getan, während wir hier
Anpassungen vorgenommen haben, Qualitätsanpassungen bei verschiedenen wichtigen Produkten des
Verbraucherpreisindexes, und meines Erachtens
sollten wir dieses Thema nicht politisieren.
Frage: Vor einigen Minuten erwähnten
offizielle Prognose für die Zuwachsrate des
landsprodukts für dieses Jahr sei 2,2 Prozent
in den ersten neun Monaten bei 2,9 Prozent.
ren Sie diese Prognose jetzt?

Sie, die
Bruttoinund läge
Revidie-

McCurry: Wir sind an der Vorbereitung unserer
Prognose für den nächsten Haushaltszyklus. Wir sind
uns natürlich der Tatsache bewußt, daß die Wirtschaftslage besser als unsere Vorhersagen ist. Wir
haben bei unseren Prognosen für Haushaltsvorlagen
stets gesagt, das sind nicht unsere Wunschzahlen,
sondern absichtlich gewählte konservative Zahlen, so
daß die Zahlen für den Defizitabbau, wenn sie vorliegen, immer sehr viel höher sind als wir zunächst
vorhergesagt haben.
McCurry: Und der Grund hierfür ist meiner Ansicht
nach, daß das Vertrauen in unsere Strategie zum
Defizitabbau vorhanden sein muß, so daß wir bei
unseren neuen Prognosen natürlich die offensichtlichen Erfolge berücksichtigen, die die Wirtschaft in
den vergangenen neun Monaten zu verzeichnen hatte.

* * *

*

Seite 5

�WIRTSCHAFT
13. November 1996

Eröffnung der deutsch-amerikanischen
Wirtschaftskonferenz in Potsdam
Ansprache von J.D. Bindenagel im Filmstudio Babelsberg

POTSDAM - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires ad interim der
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, am 8. November 1996 beim
Eröffnungsabendessen der deutsch-amerikanischen Wirtschaftskonferenz "Connecting the New Länder to the
World" im Studio Babelsberg gehaltene Ansprache. Die Konferenz ist die letzte einer 1994 begonnenen Serie
und wurde von der American Chamber of Commerce in Germany und der US-Botschaft gemeinsam veranstaltet.

Ich freue mich, Sie alle heute abend hier begrüßen zu
dürfen. Das Studio Babelsberg ist eine wunderbare
Kulisse für unsere Konferenz mit amerikanischen
Wirtschaftsvertretern.
Hier wurde Filmgeschichte
gemacht, hier wurden Träume für die Welt fabriziert.
Wir spüren immer noch den Glamour und wissen, daß
Träume wahr werden können.
Dieses Studio hat auch eine Verbindung zu Amerika.
Die Namen der Filmlegenden - Regisseure, Stars,
Drehbuchautoren, die in den glorreichen Jahren, als
die Filmindustrie noch jung war, gemeinsam in Babelsberg und Hollywood tätig waren - sind zu zahlreich, um
hier aufgeführt zu werden. Aber sie sind uns im
Gedächtnis.
Später verließen natürlich viele von ihnen Babelsberg
und kehrten nie mehr zurück. Ihr persönliches Schicksal führte jedoch zu einer unschätzbaren Bereicherung
der Vereinigten Staaten. Sie gaben der amerikanischen Filmindustrie ihre Kunst und ihre Empfindungen. Sie leisteten einen Beitrag zum Amerikabild der
Welt. Aber auch ein Teil Deutschlands war in dieser
Vision enthalten - vom düsteren Unterton der Filme
aus der "Schwarzen Serie" über die ironische Komödie
Billy Wilders bis zu einer neuen Beschäftigung mit
sozialen Belangen.
Die Magie von Babelsberg überlebte sogar die langen,
grauen Dekaden des real existierenden Sozialismus.
Selbst in jenen Tagen wurden hier einige gute Filme
gemacht, und man fand in den starren DDR-Strukturen
Nischen für künstlerische Ausdrucksweise.

AMERIKA DIENST 22

Jetzt wird Babelsberg wieder zu vollem Leben erweckt.
Der derzeitige Umbau des Studios hat eine neue Ära
der Größe zum Ziel. Das wäre für uns alle wunderbar.
Zu Beginn unserer Konferenz "Connecting the New
Länder to the World" feiern wir die Bande, die uns
einen: Nicht nur im Bereich des Handels, sondern
auch in bezug auf Kultur und Werte. Wir wollen nicht
nur die wichtige Rolle amerikanischer Investitionen in
diesem Teil Deutschlands hervorheben, sondern auch
das Netz menschlicher Verbindungen zwischen
Amerika und Deutschland.
Ebenso wie Babelsberg ist Volker Schlöndorff Bestandteil der deutsch-amerikanischen Verbindung.
Als europäischer Kulturschatz, der neue Maßstäbe für
einfallsreiche künstlerische Gestaltung, Inszenierung
und Schneiden setzte, fühlt er sich auf der anderen
Seite des Atlantiks ebenfalls zu Hause, wie seine lange
Schaffenstätigkeit in den Vereinigten Staaten beweist.
Hollywood erkannte schon vor langer Zeit seine
meisterhafte Arbeit mit einem Oskar für "Die Blechtrommel" an.
Herr Schlöndorff, wir freuen uns sehr, daß Sie hier
sind. Es ist uns eine Ehre, daß Sie unsere gemeinsamen Bestrebungen mit den Vertretern der amerikanischen Wirtschaft unterstützen und sich die Zeit
genommen haben, hierherzukommen und eine
Ansprache zu halten.

Seite 1

�WIRTSCHAFT
13. November 1996

Das wirtschaftliche Engagement der USA
in den neuen Bundesländern
Eröffnungsansprache von J.D. Bindenagel

POTSDAM - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires ad interim der
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, am 9. November 1996 bei der
Eröffnung der deutsch-amerikanischen Wirtschaftskonferenz in Potsdam gehaltene Rede.

Vielen Dank, Fred. Es ist mir eine große Freude, Sie
alle heute morgen begrüßen zu dürfen. Ich möchte der
American Chamber of Commerce und ihren herausragenden Mitarbeitern für ihre große Unterstützung
und ihren fachmännischen Rat bei der Organisation
dieser Konferenz mit amerikanischen Wirtschaftsvertretern danken.
Diese Konferenz demonstriert das starke amerikanische Engagement in den neuen Ländern. Sie ist die
dritte einer Serie, die vor mehr als zwei Jahren - im
September 1994 - mit einer Wirtschaftskonferenz in
Berlin begann. Diese Konferenzen sind Teil unserer
"Neuen Traditionen" - "neu", weil wir nach dem Ende
des Kalten Krieges neue Bande mit Deutschland insbesondere diesem Teil Deutschlands - knüpfen.
Den Amerikanern und dem Westen wurde zwei
Generationen lang der Zugang zu diesem Teil
Deutschlands verwehrt, aber seit der deutschen
Vereinigung haben wir mit den neuen Bundesländern
an der Planung und Gestaltung dieses wichtigen
Bestandteils der transatlantischen Verbindung zusammengearbeitet.

Commerce aktiv unterstützt und ermutigt werden. Die
amerikanischen Investitionen in den fünf neuen
Ländern und Berlin belaufen sich auf mehr als 8
Milliarden Dollar (12 Milliarden D-Mark) mit steigender
Tendenz.
Diese Investitionen haben mindestens 55.000 Arbeitsplätze in Bereichen geschaffen oder gesichert, die von
der Produktion über die Nahrungsmittelbranche, das
Bankwesen und den Wohnungsbau bis zu Beratungsdiensten und Umwelttechnologie reichen.
Die Projekte, an denen die Amerikaner beteiligt sind,
variieren in bezug auf ihre Größe: Von Dow Chemical,
Praetor &amp; Gamble und der Opel AG bis zu kleinen und
mittelständischen Unternehmen mit weniger als 100
Angestellten. Diese Konferenz beweist, daß wir noch
mehr zu Ermutigung weiterer Investitionen unternehmen wollen.
Unsere Aktivitäten hier sind jedoch nicht nur wirtschaftlicher Natur. Sie spiegeln unser Engagement für
die Zukunft dieses Kontinents wider - eine auf den
Werten Demokratie und freie Marktwirtschaft basierende Zukunft.

Der Blick auf Brandenburg und das übrige Ostdeutschland zeigt interessante Möglichkeiten für amerikanische Unternehmen - ein erfahrenes, hart arbeitendes
Arbeitskräftepotential, einen innovativen und offenen
Geist sowie eine immer modernere Infrastruktur.

Nach dem Kalten Krieg haben wir die einzigartige
Chance, die Grundlagen für ein neues, integriertes
Europa zu schaffen. Ein Europa, in dem alle Nationen
unabhängig, demokratisch und wohlhabend sind.

Diese Gegebenheiten haben amerikanische Unternehmen beeindruckt. Sie sind der Hauptgrund für ausländische Investitionen in den neuen Bundesländern, die
von der US-Botschaft und der American Chamber of

Denken Sie einen Augenblick darüber nach, was es
bedeutet, heute morgen hier in dieser Stadt zu sein.
Noch vor sieben Jahren wäre diese Zusammenkunft
von Amerikanern und Deutschen undenkbar gewesen.

AMERIKA DIENST 22

Seite 1

�Die Kräfte der Unterdrückung standen zwar auf
wackeligen Beinen, hatten aber noch alles unter
Kontrolle. Die Berliner Mauer stand noch, wie es seit
mehr als einer Generation der Fall gewesen war.
Aber dann - wie durch ein Wunder - erhoben sich die
hinter dem Eisernen Vorhang gefangengehaltenen
Völker Ostdeutschlands und anderer Länder und
veränderten nachhaltig die Welt für uns alle. Wir
schulden es den an dieser friedlichen Revolution
Beteiligten - und uns selbst - diese historische Errungenschaft in dauerhaften Wohlstand umzuwandeln.
Wir erneuern die dauerhaften Bande, die zwischen
unseren Ländern bestehen. Jetzt haben die Menschen in Brandenburg und andernorts in den neuen
Ländern - und in den zentraleuropäischen Nachbarstaaten - die Freiheit, ihre Meinung zu sagen, zu
schaffen, zu bauen, zu prosperieren.
Bei unseren heutigen Gesprächen sollten wir diese
enorme Leistung nicht aus den Augen verlieren.
Selbst wenn wir nüchterne Unternehmer, Politiker und
Akademiker sind, können wir hoffentlich trotzdem ab
und zu eine Pause einlegen und uns voll Staunen
fragen, wie dieser Wandel möglich war - und es als
Privileg ansehen, daß wir daran teilhaben.
Jetzt habe ich die Ehre, einen Mann vorzustellen, der
einen wichtigen Beitrag zu diesem historischen
Wandel geleistet hat - den brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe.
Als ich Herrn Stolpe 1989 zum ersten Mal traf, war ich
amerikanischer Gesandter in der DDR. Ostdeutschland befand sich in Aufruhr. Wir sahen eine Gelegenheit für die Vereinigten Staaten, freie, pluralistische
Wahlen zu unterstützen - Wahlen, die die damalige
Regierung von Hans Modrow den Deutschen in der
DDR versprochen hatte.
Ich ermutigte unseren Botschafter in Ostdeutschland,
Richard Barkley, Außenminister James Baker nach
Potsdam einzuladen. Am 12. Dezember 1989 traf der
Außenminister hier in Potsdam mit führenden Vertretern der DDR zusammen. Er forderte grundlegende
wirtschaftliche und politische Reformen - und freie
Wahlen. Er unterstrich unmißverständlich, daß die
Vereinigten Staaten die Vereinigung Deutschlands
unterstützen.
Außenminister Baker beschränkte sich bei seinen
Zusammenkünften nicht nur auf die ostdeutschen
Behörden. Er wollte mit den Vertretern der Kirche
sprechen, die einen maßgeblichen Beitrag zu der
friedlichen Revolution geleistet hatten, die den Wandel
bewirkte. An jenem Tag traf er in der Nikolaikirche mit
verschiedenen protestantischen Geistlichen sowie
dem Laienvertreter der Evangelischen Kirche, Manfred
Stolpe, zusammen.

Seite 2

Herr Stolpe erzählte ihm von der Empörung des
Volkes über die Korruption und Brutalität des Regimes.
Er sprach über den wachsenden Wunsch nach
Vereinigung mit dem Westen. Er betonte den Wunsch
der Ostdeutschen nach wirtschaftlichem Wohlergehen.
Die Antwort des Außenministers war unmißverständlich: Die Amerikaner unterstützen die friedliche
demokratische Revolution und die deutsche Vereinigung. Diese Unterstützung bestand von jenem Tag
bis heute fort - während der Verhandlungen am
Runden Tisch, der freien Wahlen am 18. März 1990,
die Angleichung der Währung am 1. Juli desselben
Jahres und - was am wichtigsten ist - bei der deutschen Vereinigung am 3. Oktober 1990.
Ebenso bedeutend wie die Unterstützung durch die
US-Regierung war das starke Engagement amerikanischer Unternehmen. Brandenburg unterhielt bereits
interessante und fruchtbare Beziehungen zu amerikanischen Unternehmen. Um nur einige Beispiele zu
nennen: Praetor &amp; Gamble stellt Punica Fruchtsaft in
Werder ganz in der Nähe von Potsdam her; General
Atomics führt in Lübben, Spreewald und Lauchhammer
Projekte zur Entsorgung der Altlasten und zur Umstellung der Produktion durch; EDS errichtete Datenverarbeitungszentren in Eisenhüttenstadt, Cottbus und
Frankfurt an der Oder; und Allstate Insurance plant die
Einrichtung einer Geschäftsstelle in Teltow.
Manfred Stolpe war ein starker und engagierter
Partner bei der Schaffung von Freiheit und Wohlstand.
Als Mann der Kirche weiß er, daß Politik und Wirtschaft
zwar wichtig, aber den grundlegenden menschlichen
Beziehungen untergeordnet sind.
Ich möchte ein persönliches Beispiel für das anführen,
was ich meine. Als in South Dakota Geborener freue
ich mich über die Städtepartnerschaft von Potsdam
und Sioux Falls - eine der zahlreichen neuen Städtepartnerschaften, die unsere zunehmende Präsenz in
den neuen Ländern unterstreicht. Während eines
Besuchs des Kirchenchors von Sioux Falls hier im Juni
1990 war ich dabei, als die deutschen Gastgeber und
ihre amerikanischen Besucher zusammenkamen und
über die Freiheit sprachen, die wir Amerikaner genossen und die die Ostdeutschen anstrebten.
Meine Landsleute waren äußerst beeindruckt, als sie
aus erster Hand von dem Kampf der Deutschen für
Freiheit und Menschenwürde erfuhren.
Unsere
historischen Bande wurden an jenem Tag auf besondere Art und Weise erneuert.
Manfred Stolpe war sich immer der historischen
Freundschaft zwischen Brandenburg und den Vereinigten Staaten bewußt. Schließlich unterzeichnete
das Königreich Preußen im Jahr 1787 als erstes Land
einen Schifffahrts- und Handelsvertrag mit unserer
jungen Republik.

AMERIKA DIENST 22

�Im November 1994 feierte und bekräftigte Herr Stolpe
diese langjährige Freundschaft, indem er die Statue
des großen deutsch-amerikanischen General von
Steuben wieder an ihren angestammten Platz in dieser
Stadt zurückbringen ließ. Die Statue war vor langer
Zeit ein Geschenk des amerikanischen Kongresses als
Ausdruck der Dankbarkeit für die Rolle Deutschlands
bei der Unterstützung unseres Kampfs für die Freiheit
in unserem Unabhängigkeitskrieg.

Heute helfen wir Deutschland ebenso wie im letzten
halben Jahrhundert bei der Sicherung seiner Freiheit
und seines Wohlstands. Darum geht es bei dieser
Konferenz. Und wir haben bei diesem Bestreben
keinen besseren Partner als den brandenburgischen
Ministerpräsidenten Manfred Stolpe.

* * * * *

AMERIKA DIENST 22

Seite 3

�WIRTSCHAFT
13. November 1996

Deutsch-amerikanische wirtschaftliche Zusammenarbeit
Schlußwort von J.D. Bindenagel

POTSDAM - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir das von J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires ad interim der
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, am 9. November 1996 im
Schloß Cecilienhof, dem Schauplatz der Potsdamer Konferenz von 1945, gehaltene Schlußwort bei der deutschamerikanischen Wirtschaftskonferenz.

Herr Ministerpräsident, herzlichen Dank für Ihre
Gastfreundschaft. Es ist kaum zu glauben, daß heute
Abend vor sieben Jahren, am 9. November 1989, die
Freiheit, deren wir uns im Westen seit so langem
erfreuten, den Eisernen Vorhang durchbrach und die
Berliner Mauer zu Fall brachte. Obwohl das deutsche
Geschichte ist, kann ich sagen: "Ich war dabei."
Binnen weniger Monate vertrieben aufgebrachte
Deutsche, Bürger der DDR, das SED-Regime aus dem
Amt, führten Demokratie ein, traten für die Vereinigung
ein und beendeten die Existenz der DDR.
Das zentrale Element dieser Revolution - der erfolgreichsten demokratischen Bewegung in der deutschen
Geschichte - war der Mut derjenigen, die die Demokratie im Osten wiederherstellten. Sie, Herr, Ministerpräsident, waren unter ihnen, und Ihnen gebührt Ehre
dafür.
Infolgedessen hat sich Deutschland unwiederbringlich
verändert.
Präsident Herzog erfaßte das Wesen des neuen
Deutschland am 8. Mai 1995 mit folgenden Worten:
"Heute steht die deutsche Demokratie
auf zwei gleich starken Beinen: auf
der geduldigen Aufbauarbeit und der
Lernfähigkeit der Westdeutschen seit
1948 und auf der ostdeutschen Revolution von 1989."

Katastrophe für Europa voraus, wenn die Vereinigung
käme. Andere fürchteten, daß der desolate Zustand
der schwachen und nicht wettbewerbsfähigen alten
ostdeutschen Wirtschaft den Westen über Gebühr
belasten würde. Es gab auch Experten, die die zur
Vollendung der inneren deutschen Einheit erforderliche
Arbeit und Zeit unterschätzten und damit falsche
Hoffnungen weckten.
Die Arbeit an der Freiheit ist nicht leicht. Der Aufbau
von Wohlstand benötigt Disziplin und Verantwortungsbewußtsein, über die Sie reichlich verfügen. Er
erfordert Zeit und Geduld. Und er erfordert Investitionen. Aber wir Amerikaner hegen keinen Zweifel - in
der Tat haben wir profundes Vertrauen - daß dieser
Teil Deutschlands eine große Zukunft hat.
In den vergangenen beiden Tagen sind wir hier
zusammengekommen, um die Rolle zu unterstreichen
- und zu verbessern - die Amerika bei der Umgestaltung der ostdeutschen Wirtschaft spielt. Wir Amerikaner möchten gemeinsam mit Ihnen zur Überwindung
der Teilung in Deutschland und Europa beitragen. Aus
den in diesem Jahrhundert gemachten Erfahrungen
wissen wir, daß die amerikanische und europäische
Sicherheit nicht teilbar sind.
Dieses Wissen veranlaßte uns, während des Kalten
Krieges unsere unerschütterliche Haltung zu bewahren, die Demokratie in der alten Bundesrepublik zu
unterstützen und an der Seite der Deutschen in der
DDR zu stehen, als 1989 bei Ihrem Streben nach
Freiheit der Augenblick der Wahrheit kam.

Aber 1989 teilten nicht alle diese Ansicht. Einige
fürchteten ein vereintes Deutschland und sagten eine

AMERIKA DIENST 22

Seite 1

�Heute stehen wir in der Berliner Republik an Ihrer
Seite.

Osten blickte und erklärte: "Amerika steht an Ihrer
Seite, jetzt und für immer."

Präsident Clinton gab unser Versprechen am Brandenburger Tor, als er dort mit dem Kanzler stand und nach

Ich möchte einen Toast auf die deutsch-amerikanische
Freundschaft ausbringen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 22

�PORTRAT
13. November 1996

Bankier wird neuer Stabschef des Weißen Hauses
Porträt von Erskine Bowles

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton gab am 8. November 1996 bekannt, daß Erskine Bowles die Position
des nach Kalifornien zurückkehrenden Leon Panetta als Stabschef des Weißen Hauses übernimmt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus herausgegebenen offiziellen Lebenslauf von Bowles.

Erskine Bowles, der ehemalige Leiter des US-Amts für
mittelständische Unternehmen und Stellvertretende
Stabschef des Weißen Hauses, blickt auf eine aktive
Laufbahn im öffentlichen und Privatsektor zurück. Im
Januar 1996 gründete Bowles zusammen mit seinem
langjährigen Freund Nelson Schwab III die Handelsbank Carousel Capital, die sich auf die Akquisition
mittelständischer Unternehmen im Südosten der
Vereinigten Staaten konzentriert.
Vor der Gründung von Carousel Capital war Bowles
persönlicher Referent des Präsidenten und von
Oktober 1994 bis Dezember 1995 Präsident Clintons
Stellvertretender Stabschef.
Als Stellvertretender
Stabschef war er zuständig für das Büro für Planung,
Management und Verwaltung des Weißen Hauses,
dem auch das Militärbüro des Weißen Hauses, das
Personal des Präsidialamts und die Operationen des
Oval Office unterstehen.
Von Mai 1993 bis September 1994 war Bowles Leiter
des US-Amts für mittelständische Unternehmen. In
dieser Funktion überwachte er umfassende Programme und Dienstleistungen zur Förderung und Erweiterung amerikanischer mittelständischer Unternehmen. Während seiner Zeit als Leiter verschlankte und
modernisierte er die Organisationsstruktur des Amts,
überarbeitete die Programme und richtete das Amt auf
den Dienst am Kunden aus - die Besitzer mittelständischer Unternehmen. Bowles war auch votierendes
Mitglied des nationalen Wirtschaftsrats.

well Conner &amp; Co., einer von ihm 1975 gegründeten
Investmentbank mit Sitz in Charlotte. Unter Bowles
Leitung erlangte Bowles Hollowell Conner &amp; Co. den
Ruf einer der führenden Investmentbanken des
Landes, die sich auf mittelständische Transaktionen
spezialisiert hatte.
Vor der Gründung von Bowles Hollowell Conner &amp; Co.
war Bowles bei Morgan Stanley &amp; Co. in New York in
der Finanzgruppe des Unternehmens tätig. Er war
außerdem Vizepräsident für Unternehmensfinanzierung bei der Interstate Securities Corporation in
Charlotte. Von 1975 bis 1976 arbeitete er als Dozent
für Finanzwesen an der University of North Carolina in
Charlotte.
Bowles erwarb ein Bakkalaureat der Naturwissenschaften in Betriebswirtschaft an der University of
North Carolina und den Master of Business Administration an der Graduate School of Business der
Columbia University, wo er McKinsey Scholar war.
Neben seiner Aufsichtsratstätigkeit für mehrere
Unternehmen war Bowles Präsident der Stiftung für
jugendliche Diabetiker in New York sowie Mitglied des
Beratergremiums der University of North Carolina, des
Davidson College und der Johnson C. Smith University.
Bowles, 51, ist mit Crandall Close Bowles verheiratet,
die Vizepräsidentin von Spring Industries ist. Sie
haben drei Kinder: Sam, Anne und Bill im Alter von 22,
20 und 19 Jahren.

Vor seiner Laufbahn in der Regierung war Bowles
Vorsitzender und Geschäftsführer von Bowles Hollo-

AMERIKA DIENST 22

Seite 1

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 13.11.1996</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wahlen'96&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton bedankt sich für seine Wiederwahl&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten in seinem Heimatstaat Arkansas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerika auf der Reise ins 21. Jahrhundert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerika und Russland in einer sich wandelnden Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zukunftsperspektiven der amerikanischen Volkswirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz mit führenden Wirtschaftsberatern&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eröffnung der deutsch-amerikanischen Wirtschaftskonferenz in Potsdam&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von J.D. Bindenagel im Filmstudio Babelsberg&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das wirtschaftliche Engagement der USA in den neuen Bundesländern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnungsansprache von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutsch-amerikanische wirtschaftliche Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schlußwort von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Amerikadienst&#13;
&#13;
Herausgeber: U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
21&#13;
&#13;
USA-EUROPA&#13;
&#13;
POSITIVER WANDEL IN DEN&#13;
TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
&#13;
USA-DEUTSCHLAND&#13;
&#13;
BOTSCHAFT 2000 - EIN MODELL FÜR&#13;
DIE ZUKUNFT DES AUSWÄRTIGEN DIENSTES&#13;
von J.D. Bindenagel&#13;
&#13;
DEUTSCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN&#13;
UND DIE WELTWIRTSCHAFT&#13;
Rede der Gesandten Janice Bay&#13;
&#13;
LANDMINEN&#13;
&#13;
GLOBALES VERBOT VON LANDMINEN&#13;
OBERSTE PRIORITÄT DER&#13;
CLINTON-ADMINISTRATION&#13;
Rede von Thomas McNamara&#13;
&#13;
PORTRAT&#13;
&#13;
JAMES D. BINDENAGEL&#13;
Charge d'Affaires ad interim der&#13;
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika&#13;
in der Bundesrepublik Deutschland&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�USA-EUROPA&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
Positiver Wandel in den transatlantischen Beziehungen&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Das Ende des Kalten Krieges hat einen "positiven Wandel" in den amerikanischeuropäischen Beziehungen bewirkt, erklärte der Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium, John Kornblum, am 8. Oktober 1996 in einer Rede vor dem Atlantic Council, deren&#13;
vorbereiteten Text wir nachfolgend veröffentlichen.&#13;
&#13;
Wir durchleben eine Zeit dramatischer Umgestaltung in&#13;
Europa. Inmitten dieses Prozesses ist es nützlich, sich&#13;
bewußt zu machen, was geschieht und was wir&#13;
erreichen wollen.&#13;
Es wurden wichtige erste Schritte&#13;
&#13;
unternommen.&#13;
&#13;
Konfrontation wurde durch Bestrebungen zu gemeinsamem Vorgehen auf der Grundlage gemeinsam&#13;
definierter Werte ersetzt. Demokratisierung wurde&#13;
erstmals in der europäischen Geschichte als einheitliches Leitprinzip dieser Umgestaltung akzeptiert.&#13;
Der schnelle Wandel setzte jedoch auch die Kräfte von&#13;
Konflikt und Gewalt auf einer seit einem halben&#13;
Jahrhundert ungekannten Ebene frei. Traditionelle&#13;
Annahmen zur Gestaltung Europas und den Beziehungen zwischen Nationen und Menschen werden in den&#13;
kommenden Jahren wahrscheinlich noch stärker in&#13;
Frage gestellt.&#13;
Man kann keine genauen Prognosen anstellen, wohin&#13;
dieser historische Prozeß uns führen wird, aber es gibt&#13;
bestimmte konstante Größen, die als Wegweiser&#13;
dienen können. Ferner gibt es eine Reihe wichtiger&#13;
Annahmen über die vor uns liegenden neuen Wege.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben in den letzten drei&#13;
Jahren versucht, einen Kurs einzuschlagen, der auf&#13;
den Erfolgen der letzten fünf Jahrzehnte aufbaut und&#13;
gleichzeitig den Veränderungen vorauszusein.&#13;
In der besten Tradition der amerikanischen Führungsrolle haben Präsident Clinton und Außenminister&#13;
Christopher auf diesem aufregenden, bisweilen jedoch&#13;
auch schwierigen Weg eine starke Führung geboten.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Im Januar 1994 legten die Vereinigten Staaten in&#13;
Brüssel erstmals und zuletzt am 6. September in&#13;
Stuttgart ein mutiges und kreatives Konzept vor, wie&#13;
wir eine neue atlantische Partnerschaft auf der Grundlage der Institutionen und Beziehungen aufbauen&#13;
können, die uns so gute Dienste geleistet haben.&#13;
Unser strategischer Ansatz zielt auf Integration und&#13;
Kooperation gleichermaßen, um zur Erlangung seiner&#13;
Ziele verschiedene Institutionen und Prozesse zusammenzubringen. Außenminister Christopher bezeichnete dies als "neue atlantische Gemeinschaft".&#13;
Mit Unterstützung der produktiven bilateralen Beziehungen zu den europäischen Ländern ermöglichen&#13;
unsere Bestrebungen eine engere Partnerschaft&#13;
Nordamerikas mit einem neuen Europa - ohne künstliche Trennlinien. Sie gestatten uns Zusammenarbeit&#13;
zur Eindämmung ethnischer Konflikte und - im Fall&#13;
Bosniens - zur Wiederherstellung des Friedens. Sie&#13;
helfen uns bei der Wahrung von Stabilität in der Ägäis&#13;
und der gemeinsamen Arbeit an einer umfassenden&#13;
Regelung für Zypern. Und sie ermöglichen konzertierte Bestrebungen zur Beeinflussung von Ländern,&#13;
deren Reformprozeß auf Schwierigkeiten stößt.&#13;
Die neue atlantische Gemeinschaft spiegelt das von&#13;
George Marshall vor nahezu 50 Jahren anvisierte Ideal&#13;
eines wahrhaft integrierten Europas vom Atlantik bis&#13;
zum Ural wider. Im Juni 1947 erläuterte Marshall&#13;
eloquent unser bestes und edelstes Streben nach&#13;
Einbeziehung, gegenseitiger Hilfe und Unterstützung&#13;
sowie einem - nicht aufgrund militärischer Macht,&#13;
sondern aufgrund des Vertrauens seiner Gesellschaften - sicheren Europa. Heute ist seine Einschät-&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�zung so relevant wie eh und je: Amerikas erfolgreiche&#13;
Interaktion mit Europa muß auf durch Führungsrolle,&#13;
Partnerschaft und konkrete Aktionen hervorgerufene&#13;
Dynamik gegründet sein.&#13;
Wenn ich mich durch Marshalls Vision von aktiver&#13;
Zusammenarbeit in der euroatlantischen Region&#13;
inspirieren lasse, meine ich damit nicht, daß wir beim&#13;
Umgang mit den heutigen Problemen in die Vergangenheit blicken sollten.&#13;
Es ist klar, daß die von uns zu schaffende neue&#13;
atlantische Gemeinschaft nicht auf überkommenen&#13;
Modellen gründen kann. Die Beziehung zwischen&#13;
gemeinsamer Verantwortung zur Lösung spezifischer&#13;
Fragen bei ihrem Entstehen und der Notwendigkeit&#13;
einer Aufteilung von Befugnissen zwischen Europa&#13;
und den Vereinigten Staaten entwickelt sich noch. Wir&#13;
können die neue atlantische Gemeinschaft nicht auf&#13;
der Annahme aufbauen, daß sie letztlich den Westen&#13;
so widerspiegelt, wie wir ihn kennen. Ebenso wie das&#13;
vereinigte Deutschland eine Mischung aus Ost und&#13;
West ist, statt lediglich ein vergrößertes Westdeutschland, muß unsere neue Gemeinschaft die von allen&#13;
Gesellschaften geleisteten Beiträge zu einer echten&#13;
Synthese verschmelzen.&#13;
Wir müssen uns die Vielfalt Europas zunutze machen die Quelle seiner Stärke sowie seine Herausforderung.&#13;
Das neue Europa muß Trennungen überwinden und&#13;
gleichzeitig die Realität erkennen, daß die Gesellschaften in zunehmendem Maße ihre Identität und&#13;
ihren Individualismus wahren möchten. Bei der NATOErweiterung, der Vergrößerung der OSZE sowie&#13;
unseren zahlreichen gemeinsamen Bestrebungen mit&#13;
der EU im Rahmen der neuen transatlantischen&#13;
Tagesordnung besteht keine Notwendigkeit, daß&#13;
irgendein Staat das Gefühl bekommt, er schließe sich&#13;
lediglich existierenden Strukturen an. Es wird etwas&#13;
vollkommen Neues geschaffen, das aus der Stärke&#13;
jedes Beitragsleistenden entsteht.&#13;
Der zweite wichtige Punkt ist, daß trotz Wohlstand,&#13;
Talent und Erfolg im Großteil Europas die Rolle&#13;
Amerikas für die Schaffung von Stabilität in der neuen&#13;
atlantischen Gemeinschaft immer noch von elementarer Bedeutung ist. Für die aktiven und engagierten&#13;
Europäer und Amerikaner ist das natürlich eine&#13;
Binsenweisheit. In der Zeit nach dem Kalten Krieg&#13;
wurde jedoch eine lebhafte Debatte über das Wesen&#13;
und den Einsatz amerikanischer Macht im transatlantischen Kontext geführt. Laut einer Umfrage&#13;
jüngeren Datums sind 35 Prozent der Amerikaner der&#13;
Ansicht, die Vereinigten Staaten sollten auf internationaler Ebene gar kein Engagement zeigen. Ihnen&#13;
zufolge sollte sich Amerika auf seine eigenen Interessen konzentrieren - und auf diese Weise seine&#13;
Macht bewahren, nicht vergeuden. Andere wünschen&#13;
eine konstante und sehr sichtbare Präsenz der&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Vereinigten Staaten als Zünglein an der Waage und&#13;
als Großmacht.&#13;
Diese Ansichten sind jedoch nicht miteinander vereinbar. Manche wollen sich bei der Frage nicht&#13;
festlegen, machen sich Sorgen, die Vereinigten&#13;
Staaten zeigten kein Engagement und fürchten, wir&#13;
würden zu dominant, wenn wir direkt und entschieden&#13;
vorgehen. Im letzten Jahr beobachteten wir eine&#13;
Stimmungsänderung: Zunächst hieß es, wir würden&#13;
uns allzu sehr mit asiatischen Angelegenheiten&#13;
befassen oder hätten Europa vergessen und anschließend wurde unsere mutige Rolle bei der Erlangung des Friedens in Bosnien kritisiert. Aber&#13;
während dieser ganzen Zeit sollten wir nie die allgemeine Notwendigkeit unserer entschlossenen&#13;
Präsenz in Europa in Frage stellen.&#13;
Die Vereinigten Staaten mögen das mächtigste Land&#13;
sein, das es je gab. Aber ihre Macht hat sich nicht auf&#13;
traditionelle Weise entwickelt. Es steht außer Frage,&#13;
daß wir eine fast beispiellose Militär- und Wirtschaftsmacht sind. Unsere wirkliche Stärke liegt jedoch in&#13;
unserer Fähigkeit zur Entwicklung von Ideen, Durchführung von Aktionen und Lösung von Problemen auf&#13;
unerwartete Weise. Zudem haben wir Menschen aus&#13;
allen Nationen aufgenommen, so daß wir eine Mischung aus einer breiten Palette verfügbarer Energie&#13;
und kreativen Denkens sind. Indem wir das weltweit&#13;
größte Labor für sozialen Wandel - und die Personifizierung seiner Vielfalt - bleiben, inspirieren wir die&#13;
Menschen, sich mit uns zu identifizieren. Wir sind in&#13;
gewisser Weise in einer Zeit spaltender Trends das&#13;
Verbindungsstück zwischen vielen Gesellschaften in&#13;
Europa.&#13;
Wenn irgend jemand Tausende von Kilometern&#13;
entfernt eine Cola trinkt oder sich ins Internet einloggt,&#13;
wird er dadurch nicht Amerikaner, sondern Bestandteil&#13;
der internationalen Gemeinschaft. Er schließt sich&#13;
damit einer Lebensweise an, die außerhalb seiner&#13;
Umgebung und ihrer eng definierten Traditionen liegt.&#13;
Entsprechend machen europäische Unternehmen, die&#13;
sich der in den Vereinigten Staaten erfolgreich entwikkelten, umgesetzten und anschließend in Europa&#13;
vermarkteten Managementstrategien bedienen, nicht&#13;
einen gefährlichen Schwenk auf den Weg des amerikanischen Kulturimperialismus. Vielmehr nutzen sie&#13;
einen der besten Exportartikel Amerikas: Lösungen für&#13;
Probleme. Die Vereinigten Staaten projizieren Autorität - nicht weil sie stark sind, sondern in zunehmendem&#13;
Maße weil sie Ideen, Dienstleistungen und Produkte&#13;
anbieten, die anpassungsfähig und aufgrund ihrer&#13;
Universalität attraktiv sind.&#13;
Das Einzigartige an der amerikanischen Macht ist ihre&#13;
Behutsamkeit. Es wäre albern zu behaupten, die&#13;
Vereinigten Staaten setzten nie pure Macht zur&#13;
Förderung ihrer nationalen Interessen ein. Aber die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�Amerikaner selbst haben heute ein ambivalentes&#13;
Verhältnis zu ihrer Macht. Einerseits wollen sie die&#13;
Macht und den damit einhergehenden Status zweifelsohne beibehalten. In der heutigen Zeit könnte kein&#13;
Politiker mit einer Plattform Erfolg haben, die ein&#13;
schwächeres und bescheideneres Amerika propagiert.&#13;
Aber wir als Nation nehmen bei der Ausübung militärischer Macht eine ungewöhnliche Gewissensprüfung vor. Wir zögern nicht, wenn es um die Macht&#13;
geht, etwas zu bewirken, die Welt zum Besseren&#13;
umzugestalten. Bisweilen durch militärische Stärke,&#13;
öfter jedoch durch technologische Erfindungen, die&#13;
Förderung von Kultur und Unterhaltung oder die&#13;
Umsetzung von Ideen in Aktionen üben wir Einfluß&#13;
aus, der die Welt dazu veranlaßt, uns zu folgen.&#13;
Der Einfluß der Vereinigten Staaten ist somit von&#13;
elementarer Bedeutung. Unsere Rolle besteht jedoch&#13;
im allgemeinen darin, richtungsweisend zu sein und&#13;
gemeinsam die Verantwortung für gemeinsame Ziele&#13;
zu übernehmen - nicht in zielstrebiger Machtpolitik.&#13;
Dies gilt insbesondere angesichts der zunehmenden&#13;
Notwendigkeit gemeinsamer Bestrebungen mit&#13;
unseren europäischen Partnern. In den letzten Jahren&#13;
haben wir gemeinsam eine geniale Vielfalt von Werkzeugen geschaffen, um entstehende Krisen oder&#13;
hartnäckige Probleme zu bewältigen.&#13;
Das von uns aufgebaute institutionelle Netz ist eine&#13;
beeindruckende Ressource. Unser "Werkzeugkasten"&#13;
ist so gut bestückt, daß wir zwischen mehreren&#13;
Alternativen wählen können - von unterschwelligen,&#13;
werteorientierten Aktionen der Organisation für&#13;
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)&#13;
über direkte militärische Macht in angemessenen&#13;
Situationen im Rahmen unserer militärischen Verbindungen in der NATO bis zu bilateralen Sicherheitsbeziehungen in der gesamten Region.&#13;
Die NATO bleibt als Grundlage für das amerikanische&#13;
Sicherheitsengagement in Europa von vorrangiger&#13;
Bedeutung. Obwohl wir die Schlüsselfunktion des&#13;
Bündnisses beibehalten - die feierliche Verpflichtung&#13;
zur Verteidigung unserer Verbündeten und Wahrung&#13;
ihrer Freiheit - schaffen wir auch eine neue NATO.&#13;
Diese ist an die heutigen sicherheitspolitischen&#13;
Herausforderungen angepaßt, wird durch eine aktivere&#13;
und sichtbarere europäische Rolle gestärkt, arbeitet&#13;
partnerschaftlich mit Rußland und der Ukraine zusammen und ist der Ausweitung von Sicherheit und&#13;
Stabilität auf die Länder verpflichtet, denen diese&#13;
Vorteile durch den Kalten Krieg verwehrt wurden.&#13;
Durch die offizielle Aufnahme neuer Demokratien kann&#13;
das Bündnis den Interessen aller Länder in Europa,&#13;
einschließlich Rußlands, dienen. Die NATO-Mitgliedschaft wird ein für allemal die Rivalitäten und Versuchungen einer Region beseitigen, deren Vergangenheit von Krieg und Konflikten geprägt ist. Die NATOErweiterung stellt für niemanden eine Bedrohung dar,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
sondern gewährleistet vielmehr eine&#13;
Partnerschaft in der gesamten Region.&#13;
&#13;
dauerhafte&#13;
&#13;
In gewisser Weise wurde die NATO bereits durch die&#13;
äußerst erfolgreiche Partnerschaft für den Frieden&#13;
(PFF) erweitert. Die Partnerschaft hat eine enge&#13;
Zusammenarbeit zwischen über 20 Nichtmitgliedstaaten und der NATO bewirkt - sie hilft einigen bei der&#13;
Vorbereitung auf die Mitgliedschaft und allen dabei,&#13;
Seite an Seite auf den Aufbau eines sicheren Europas&#13;
hinzuarbeiten sowie ihre Stabilität zu verbessern. Die&#13;
Erfolgsgeschichte der IFOR in Bosnien ist ein Ausdruck dieser neuen Beziehungen. Aufbauend auf dem&#13;
Erfolg der PFF beabsichtigen wir die weitere Einbeziehung der Partner bei der Gründung eines&#13;
Atlantischen Partnerschaftsrats, um sie in die Planung&#13;
und Ausführung von NATO-Missionen zu involvieren.&#13;
Die Erweiterung der Beziehungen zu Rußland und der&#13;
Ukraine sind die Hauptaufgaben der neuen NATO. Im&#13;
Falle Rußlands arbeiten wir darauf hin, diese Beziehungen in einer offiziellen Charta zu verankern.&#13;
Niemand versteht besser als wir, daß enge Kooperation und Konsultationen mit der Russischen Föderation&#13;
unerläßlich für den Aufbau der neuen atlantischen&#13;
Gemeinschaft sind.&#13;
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß die Staats- und&#13;
Regierungschefs der NATO bei ihrem Treffen im&#13;
Frühjahr oder Frühsommer nächsten Jahres ein&#13;
umfassendes Maßnahmenpaket mit wirklich historischen Auswirkungen verabschieden werden. Bei dem&#13;
Gipfeltreffen sollte die innere Anpassung des Bündnisses vervollständigt, die Eröffnung von Verhandlungen für neue Mitglieder signalisiert, die PFF aufgewertet, ein neuer Atlantischer Partnerschaftsrat gegründet und eine Charta mit der Russischen Föderation unterzeichnet werden. Diese Schritte sind gleichrangig mit den Leistungen der frühen Nachkriegszeit&#13;
bei der Schaffung einer soliden Grundlage für die&#13;
Zukunft.&#13;
Die Arbeit der NATO wird zunehmend durch die&#13;
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in&#13;
Europa unterstützt. Die OSZE ist der einzige Rahmen,&#13;
der alle Mitglieder der Gemeinschaft in einer einzigen&#13;
Organisation zusammenbringt. Die OSZE steht für ein&#13;
umfassendes Sicherheitskonzept, das sich auf die&#13;
Förderung von Demokratie an den Wurzeln der&#13;
Gesellschaft konzentriert. Die Betonung von Werten,&#13;
Menschenrechten und einer Definition der Stabilität auf&#13;
der Grundlage der Demokratisierung von Gesellschaften sind die Leitprinzipien der OSZE. Wie ihr&#13;
Name verdeutlicht, ist sie die Grundlage für die neue&#13;
Art der Sicherheitszusammenarbeit, die sich in Europa&#13;
entwickelt.&#13;
Die Staats- und Regierungschefs der OSZE werden&#13;
Anfang Dezember in Lissabon zusammenkommen, um&#13;
ein Modell für Sicherheit im 21. Jahrhundert zu de-&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�finieren. Dieses Modell sollte die von den OSZEMitgliedstaaten in den vergangenen 25 Jahren vereinbarten Prinzipien der Zusammenarbeit in die Praxis&#13;
umsetzen. Es sollte über Worte hinausgehen und ein&#13;
Gefühl für die Übernahme von Befugnissen durch alle&#13;
Staaten - groß oder klein - zur Definition ihrer eigenen&#13;
Interessen im Rahmen der Prinzipien der OSZE&#13;
vermitteln. Die Verwirklichung dieses demokratischen&#13;
Sicherheitsraums wird ein wichtiger Schritt sein, um die&#13;
Machtpolitik der Vergangenheit zu ersetzen.&#13;
&#13;
Das Netz der von uns entwickelten Institutionen und&#13;
Beziehungen hat sich bereits als äußerst effektiv&#13;
erwiesen. Zwei ausgezeichnete Beispiele fallen mir&#13;
ein. Nach Differenzen und Meinungsverschiedenheiten haben wir in Bosnien große Fortschritte bei der&#13;
Erlangung eines sicheren Friedens gemacht. Die&#13;
wichtigsten europäischen Länder und Rußland kamen&#13;
mit den Vereinigten Staaten in der Kontaktgruppe&#13;
zusammen, um eine echte Synthese von Interessen&#13;
und Ansätzen zu dem Problem zu erzielen.&#13;
&#13;
Die Europäische Union ist ein weiterer einzigartiger&#13;
und unschätzbarer Partner sowohl im Hinblick auf die&#13;
vertiefte Integration als auch auf die Bewahrung der&#13;
transatlantischen&#13;
Zusammenarbeit.&#13;
Nach allen&#13;
Standards ein wirtschaftliches Kraftwerk, haben die EU&#13;
und ihr Binnenmarkt den Wirtschaftserfolg Westeuropas garantiert und stellen einen entscheidenden&#13;
Mechanismus für die Ausweitung des Wohlstands&#13;
nach Zentral- und Osteuropa dar.&#13;
&#13;
Für konkrete Fortschritte war die militärische und&#13;
diplomatische Führungsrolle der Vereinigten Staaten&#13;
unabdingbar - und wird es auch weiterhin sein. Die&#13;
Vereinigten Staaten konnte jedoch nicht im Alleingang&#13;
handeln. Die Macht der Vereinigten Staaten allein&#13;
reichte nicht aus, um alle historischen, politischen und&#13;
ethnischen Probleme des Balkans in Angriff zu&#13;
nehmen. Ein neuer Konsens zwischen der NATO, der&#13;
EU und den Nachbarstaaten war erforderlich.&#13;
&#13;
Mit der Anerkennung der Rolle und Bedeutung der EU&#13;
haben wir mit der von Präsident Clinton und seinen&#13;
Amtskollegen in der EU im Dezember 1995 unterzeichneten neuen transatlantischen Tagesordnung (New&#13;
Transatlantic Agenda - NTA) dramatische Schritte zur&#13;
Anhebung unserer Zusammenarbeit auf ein noch&#13;
höheres Niveau unternommen. Diese Agenda hat die&#13;
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und&#13;
der EU im Kern verändert - wir machen nicht länger&#13;
große Versprechungen, wir arbeiten jetzt an konkreten&#13;
Tagesordnungen. Zweitens umfaßt sie jetzt ganz&#13;
Europa. Unser Ziel besteht in der Erweiterung der&#13;
Methoden, die unsere westliche Interaktion so erfolgreich für ganz Europa gemacht haben.&#13;
&#13;
Bisher haben wir auch Erfolge erzielt. Die IFOR und&#13;
die auf die Förderung des zivilen Wiederaufbaus&#13;
ausgerichteten Institutionen verkörpern den Geist des&#13;
gemeinsamen Handelns, den wir beim Aufbau der&#13;
neuen atlantischen Gemeinschaft anstreben. Die&#13;
IFOR hat den zugrundeliegenden Zusammenhalt der&#13;
NATO in höchstem Maße projiziert und der Welt&#13;
gezeigt, wie effektiv sie in kooperativen Bestrebungen&#13;
mit ehemaligen Gegnern sein kann.&#13;
&#13;
Ein weiteres unserer wichtigen Ziele ist die Schaffung&#13;
eines euroatlantischen Markts. Die NTA verleiht&#13;
unseren transatlantischen Bindungen eine neue&#13;
Richtung und einen neuen Mittelpunkt und versucht,&#13;
unsere europäischen Verbündeten vollständiger in die&#13;
Lastenteilung zu integrieren, auf die Anliegen der Welt&#13;
nach dem Kalten Krieg in Europa und weltweit zu&#13;
reagieren. Das Tempo der Errungenschaften war&#13;
jedoch ungleich. Wir fordern unsere europäischen&#13;
Partner zur Zusammenarbeit mit uns und zur Verdoppelung der Anstrengungen auf, damit wir noch vor dem&#13;
nächsten Gipfeltreffen zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten und der EU Fortschritte beim Handel und der&#13;
Bekämpfung des Drogenhandels aufweisen können.&#13;
Unser Wirtschaftsdialog wurde auch durch die von der&#13;
OECD und der G-7 gebotenen Mechanismen beträchtlich erweitert. Die europäische Rolle in diesen Arrangements ist - mit uneingeschränkter Unterstützung der&#13;
Vereinigten Staaten - immer wichtiger geworden. Auch&#13;
aas ist unerläßlich, wenn wir als Gemeinschaft bei der&#13;
Bewältigung der uns am Ende diese Jahrhunderts&#13;
Konfrontierenden Probleme wirklich zusammenarbeiten wollen.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Alle europäischen Institutionen arbeiten bei der&#13;
Erlangung unserer Ziele in Bosnien zusammen und&#13;
versprechen, ihr Bestes zu geben, um dauerhafte&#13;
Lösungen herbeizuführen. Bei unseren gemeinsamen&#13;
Anstrengungen, Bosnien wieder in die euroatlantische&#13;
Familie zu integrieren, kombinieren wir unseren festen&#13;
Glauben an aufwerte gegründete Maßnahmen mit der&#13;
Erkenntnis, daß nur die Schaffung zuversichtlicher und&#13;
freiheitsliebender Gesellschaften wirkliche Stabilität&#13;
bewirken kann.&#13;
Die bei der militärischen Vertrauensbildung und dem&#13;
Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa&#13;
(KSE) in den vergangenen Jahren geleistete Arbeit hat&#13;
auch unsere Überzeugung untermauert, daß ein&#13;
Geflecht von Beziehungen entscheidend für die&#13;
Erlangung wirklicher Sicherheit ist. Diese auf dem&#13;
Höhepunkt des Kalten Krieges entwickelten und&#13;
während einer Zeit revolutionären Wandels ausgehandelten Sicherheitsarrangements haben letztlich&#13;
unsere gesamte militärische Denkweise und unser&#13;
Handeln verändert.&#13;
Wo militärische Angelegenheiten in ganz Europa&#13;
einstmals im Geheimen und einer Atmosphäre des&#13;
Mißtrauens behandelt wurden, ist jetzt Transparenz die&#13;
Regel. Die Nationen führen praktisch über jeden&#13;
Aspekt der Verteidigung Konsultationen, von Truppenbewegungen bis zu Waffenlieferungen. Ihre Waffen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�und Verteidigungshaushalte unterliegen eingehenden&#13;
Inspektionen durch Nachbarn und ehemalige Feinde.&#13;
Die militärische Sicherheit hängt jetzt mehr von&#13;
Offenheit und Kooperation ab als von Überraschung&#13;
oder Waffenarsenalen.&#13;
In den kommenden Monaten werden wir versuchen,&#13;
unsere Chancen für Konsultationen im Rahmen des&#13;
KSE-Vertrags zu nutzen, um über alle Aspekte unserer&#13;
militärischen Beziehungen zu sprechen sowie darüber,&#13;
wie sie unter veränderten Gegebenheiten am effektivsten bleiben können.&#13;
Wir werden eine gezielte Überprüfung der militärischen&#13;
Situationen auf dem gesamten Kontinent vornehmen&#13;
und die Dynamik bewahren können, mit der die&#13;
höchste Zahl konventioneller Waffen in der Geschichte&#13;
zerstört wurde. Dies wiederum ist das willkommene&#13;
Produkt unseres neuen integrierten Ansatzes um&#13;
sicherzustellen, daß die Interessen jeder Nation&#13;
gewahrt werden, um die Interessen aller zu wahren.&#13;
Von kollektiven Aktionen profitieren alle.&#13;
Wir entwickeln ein neues Verständnis der Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.&#13;
Dieses Verständnis gründet auf der Respektierung der&#13;
unterschiedlichen Stärken Europas und der Vereinigten Staaten.&#13;
Während wir neue Wege für den Einsatz der von uns&#13;
&#13;
Welt hat sich entwickelt, und die amerikanische Rolle&#13;
hat sich geändert. Wir können die Vergangenheit nicht&#13;
neu erfinden; wir haben keinerlei Absicht - wie Josef&#13;
Joffe es formulierte - das britische Empire oder&#13;
Bismarck zum Vorbild zu nehmen. Genausowenig&#13;
wird der Einsatz amerikanischer Macht ein Spiegelbild&#13;
des Anfangs dieses Jahrhunderts, des Zweiten&#13;
Weltkriegs oder des Kalten Krieges sein.&#13;
Bei der Schaffung der neuen atlantischen Gemeinschaft machen wir keinen Klon des Westens, wie wir&#13;
ihn kannten. Wir sind vielmehr mit dem aufregenden&#13;
Prozeß der Erfindung unserer Gemeinschaft befaßt:&#13;
Einer Gemeinschaft, die durchdrungen von gemeinsamen Standards und Zielen ist und die gesamte Fülle&#13;
ihrer Vielfalt zur Erfüllung ihres Zwecks nutzt.&#13;
Das vor uns liegende Jahr wird von historischen&#13;
Ereignissen gekennzeichnet sein. In den vergangenen&#13;
drei Jahren haben wir eine Aktionsstrategie in die&#13;
Wege geleitet, die es uns gestatten wird, mehr als je&#13;
zuvor Einfluß auf diese Ereignisse zu nehmen. Dabei&#13;
werden wir die reichen Ressourcen unserer traditionellen Beziehungen nutzen. Die Rolle der Vereinigten&#13;
Staaten wird von zentraler Bedeutung sein. Unser&#13;
Ansatz wird auch aus unserer dynamischen neuen&#13;
Partnerschaft mit Zentral- und Osteuropa an Stärke&#13;
gewinnen. Und unsere neue Interaktion mit der&#13;
Russischen Föderation wird eine noch breitere&#13;
Dimension hinzufügen. Damit sie funktionieren kann,&#13;
&#13;
wir&#13;
&#13;
müssen wir jedoch unseren kollektiven Willen auf&#13;
&#13;
weiterhin auf unsere wechselseitigen Beziehungen&#13;
aufbauen. Die Macht der Vereinigten Staaten wird&#13;
entscheidend dafür sein, es wird jedoch eine andere&#13;
Art von Macht sein als die herkömmliche. Die übrige&#13;
&#13;
dieses neue Konzept konzentrieren.&#13;
Vor allem&#13;
müssen wir unser Vertrauen in die Gemeinschaft von&#13;
Werten und Interessen bekräftigen, die bereits über&#13;
den Atlantik hinweg entstanden ist.&#13;
&#13;
entwickelten&#13;
&#13;
Instrumente&#13;
&#13;
sondieren,&#13;
&#13;
werden&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
Botschaft 2000 - ein Modell für die Zukunft&#13;
des auswärtigen Dienstes&#13;
von J.D. Bindenagel&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires a.i. bei der Botschaft&#13;
der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, verfaßten Artikel zum Bonn-Berlin&#13;
Umzug.&#13;
&#13;
Das Ende einer Ära&#13;
Am 9. November 1989, als die Berliner Mauer fiel und&#13;
der Kalte Krieg endete, war ich Gesandter der Amerikanischen Botschaft in der Deutschen Demokratischen&#13;
Republik. An diesem Tag kehrte ich spät abends mit&#13;
Wolfgang Vogel, dem persönlichen Bevollmächtigten&#13;
des ostdeutschen Staatsoberhaupts Erich Honecker,&#13;
von einem Empfang im Aspen Institute nach Ostberlin&#13;
zurück. Vogel war eine Schlüsselfigur beim innerdeutschen Gefangenenaustausch von Francis Gary&#13;
Powers bis Anatoli Tschtscharanski gewesen.&#13;
Ostdeutschland befand sich ebenso wie der übrige&#13;
Ostblock in Aufruhr. Im Verlauf des Sommers 1989&#13;
hatten mehr als eine Million Menschen die Flucht aus&#13;
der DDR versucht. Die Situation erinnerte düster an&#13;
die frühen sechziger Jahre, als die Berliner Mauer&#13;
gebaut wurde und die Welt kurz vor einer nuklearen&#13;
Konfrontation stand.&#13;
Die allgemeine Meinung lautete, wenn die Sowjetunion&#13;
zum Schutz ihrer Interessen in Zentral- und Osteuropa&#13;
intervenieren würde, dann geschähe das in Deutschland. Die blutige Niederschlagung der friedlichen&#13;
Demonstrationen in Berlin und anderen ostdeutschen&#13;
Städten am 17. Juni 1953 war ein einschlägiges&#13;
Beispiel. Es bestand echte Besorgnis, die politische&#13;
Situation könnte sich zu einer Konfrontation zwischen&#13;
der Sowjetunion und den ostdeutschen Demonstranten&#13;
entwickeln - ein Szenarium, das zu einem Dritten&#13;
Weltkrieg hätte führen können.&#13;
In dem Bestreben, den Druck zu verringern und ihre&#13;
Autorität zu wahren, liberalisierte die DDR am 6.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
November 1989 ihre Reisebestimmungen.&#13;
Das&#13;
geschah jedoch in zu geringem Umfang und zu spät&#13;
und wurde von Hunderttausenden von Demonstranten&#13;
in ganz Ostdeutschland auf dramatische Weise&#13;
abgelehnt.&#13;
Vor diesem Hintergrund bat ich Wolfgang Vogel um&#13;
seine Einschätzung. Während der letzten drei Tage&#13;
hatte er zur weiteren Liberalisierung der Reisebestimmungen intensive Konsultationen mit dem ostdeutschen Juristenkollegium abgehalten. Als ich an jenem&#13;
Abend mit ihm sprach, war er zuversichtlich, daß ein&#13;
neues Gesetz die Situation entschärfen würde.&#13;
Vogels Optimismus, die DDR könnte weiterhin ihre&#13;
Autorität wahren, wurde jedoch innerhalb weniger&#13;
Minuten unterminiert. Bei einer Pressekonferenz in&#13;
Ostberlin gab DDR-Regierungssprecher Günter&#13;
Schabowski noch weiterreichende Veränderungen bei&#13;
den ostdeutschen Reisebeschränkungen bekannt.&#13;
Die Ostberliner nahmen ihre Regierung beim Wort.&#13;
Sie testeten die Grenzen ihrer neuen Freiheit. Die&#13;
Menschen gingen zum Checkpoint Charlie, wo die&#13;
Beamten der US-Botschaft hörten, wie sie von den&#13;
DDR-Grenzbeamten zurückgeschickt wurden. Sie&#13;
benötigten ein Visum - so die Grenzbeamten - um die&#13;
Grenze nach Westberlin überqueren zu können.&#13;
In der US-Botschaft waren Botschaftsrat Jon Greenwald und seine politische Abteilung fieberhaft mit der&#13;
Berichterstattung über die neuen Entwicklungen&#13;
beschäftigt. Ich telefonierte mit dem Lagezentrum,&#13;
dem Lageraum des Weißen Hauses und unseren&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Kollegen in der Außenstelle der US-Botschaft in&#13;
Westberlin.&#13;
Als ich um etwa 22.00 Uhr die Botschaft verließ und&#13;
nach Hause fuhr, kam ich am Checkpoint Bornholmerstraße vorbei, einer nach Westberlin führenden&#13;
Brücke. Dort hatte sich eine kleine Gruppe von&#13;
Demonstranten versammelt, die verlangten, daß sie&#13;
entsprechend der Erklärung von Schabowski in den&#13;
Westen dürften.&#13;
Auf der anderen Seite des Checkpoint in Westberlin&#13;
wartete ein Kamerateam des Fernsehens auf den&#13;
ersten Durchbruch der Berliner Mauer. Erst Monate&#13;
später erfuhr ich durch Gespräche mit meinen Nachbarn, daß die ostdeutschen Wachposten sich ein&#13;
Visum auf das Paßbild in ihren Ausweisen gestempelt&#13;
hatten. Man erwartete allgemein, daß sie nie zurückkehren würden.&#13;
Niemand rechnete jedoch mit der Macht des&#13;
Fernsehens. Ohne zu wissen, daß diese Menschen&#13;
tatsächlich von den Wachposten ausgewiesen worden&#13;
waren, filmte das Kamerateam ihre Ankunft in Westberlin als freie Menschen. Fast gleichzeitig gingen in&#13;
meiner Nachbarschaft in Pankow die Lichter an, und&#13;
ein Menschenstrom bewegte sich auf die Kontrollpunkte an der Grenze zu.&#13;
In einer dramatischen Konfrontation setzten sich die&#13;
Menschen über die Forderung der DDR-Regierung&#13;
nach Visa hinweg und gingen in die Freiheit. Die&#13;
Berliner Mauer, die Europa und die Welt nahezu&#13;
dreißig Jahre lang geteilt hatte, war endlich gefallen.&#13;
Trotz ihrer Versuche, ein Visum zu fordern (und ihrer&#13;
Bestrebungen, in den kommenden Tagen Millionen&#13;
Visa auszustellen) gewann die DDR nie wieder ihre&#13;
Autorität zurück. Bis zu ihrem Ende dauerte es dann&#13;
nicht mehr lange.&#13;
Im März 1990 wurden freie Wahlen abgehalten. Die&#13;
Kommunisten wurden endgültig entmachtet, und die&#13;
Volkskammer erhielt ein Mandat für die Vereinigung&#13;
Deutschlands. Am 3. Oktober 1990 war Deutschland&#13;
wieder vereint.&#13;
Ebenso wie meine Kollegen war ich von den Ereignissen dieser unvergeßlichen Nacht aufgewühlt. An&#13;
die langfristigen Auswirkungen dachte jedoch damals&#13;
noch keiner von uns.&#13;
Der Beginn einer neuen Ära&#13;
Die Vereinigung stellte für Deutschland den großartigsten Augenblick seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs&#13;
dar. Der Erfolg bei der Schaffung von Demokratie und&#13;
Wohlstand in der alten Bundesrepublik wurde durch&#13;
die demokratische Revolution von 1989 in Ostdeutschland gestärkt. Es war ein äußerst zufriedenstellender&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Moment für die Amerikaner, die nach dem Zweiten&#13;
Weltkrieg so viel in das deutsche Experiment mit der&#13;
Demokratie investiert hatten. Als ich Deutschland&#13;
1990 verließ, tat ich das mit dem Gefühl, daß die&#13;
Amerikaner stolz auf das von uns Erreichte sein&#13;
können.&#13;
Im November 1989 waren die Vereinigten Staaten in&#13;
den beiden deutschen Staaten durch zwei Botschaften, eine Außenstelle in Westberlin, sechs Konsulate&#13;
und acht Kulturzentren des US-Informationsamts&#13;
(USIS) in Form von Amerika Häusern vertreten.&#13;
Insgesamt waren dort 2.000 Mitarbeiter beschäftigt.&#13;
Bereits 1990 hatte ich mit meinem Amtskollegen in der&#13;
US-Botschaft in Bonn, George Ward, und seinem&#13;
Gesandten-Botschaftsrat für administrative Angelegenheiten, Harry Geisel, an der Konsolidierung unserer&#13;
Vertretung in den beiden deutschen Staaten gearbeitet, die zu einer neuen geeinten Republik verschmolzen. Als die DDR nicht mehr existierte und die&#13;
Verantwortung der Berliner Außenstelle der USBotschaft für Besatzung und Schutz der westlichen&#13;
Hälfte der geteilten Stadt endete, wurden die beiden&#13;
Einrichtungen geschlossen und eine neue, kleinere,&#13;
umstrukturierte Außenstelle Berlin wurde gegründet.&#13;
Wir warteten auf eine Entscheidung von deutscher&#13;
Seite. Würde die Regierung in Bonn bleiben oder nach&#13;
Berlin umziehen?&#13;
Die Antwort kam am 20. Juni 1991, als der Bundestag&#13;
für Berlin als Sitz der Regierung der nach der Vereinigung entstandenen neuen Republik stimmte.&#13;
Nachdem diese Entscheidung getroffen worden war,&#13;
begannen wir eine Neuorganisation größeren Stils&#13;
unserer diplomatischen Präsenz in Deutschland.&#13;
Diese Reorganisation wurde von vier Botschaftern&#13;
fortgesetzt: Vernon Walters, Robert Kimmitt, Richard&#13;
Holbrooke und Charles Redman.&#13;
Im Herbst 1992 beschäftigte ich mich als Direktor der&#13;
Abteilung für mitteleuropäische Angelegenheiten im&#13;
US-Außenministerium erneut mit deutschen Angelegenheiten. In dieser Position arbeitete ich eng mit Don&#13;
Hays, dem Botschaftsrat für administrative Angelegenheiten, zusammen, der ein Programm zur Verschlankung unserer Konsulate entwarf.&#13;
Zusammen mit der amerikanischen Bundesbaubehörde handelten wir ein Liegenschaftsabkommen für die&#13;
Botschaft in Berlin über Wohnraum, Büroräume und&#13;
Verwaltungseinrichtungen aus. Don Hays führte einen&#13;
Plan für die Konsolidierung der regionalen Unterstützungselemente in Frankfurt durch.&#13;
Die Kommunikationseinrichtungen in allen Dienststellen wurden vollkommen umgewandelt.&#13;
Die&#13;
verbleibenden Konsulatsmitarbeiter waren entlastet&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�und konnten wieder die wesentliche Arbeit leisten:&#13;
Hilfestellung, Analyse, Berichterstattung und Repräsentation.&#13;
Planung einer neuen Botschaft&#13;
Wir wußten, daß das Ende des Kalten Krieges zu&#13;
Veränderungen führen würde, vor allem in Deutschland. Bis zur Haushaltskrise von 1995 und den daraus&#13;
resultierenden Finanz- und Personalkürzungen hatten&#13;
wir gehofft, daß die von mir bis jetzt beschriebenen&#13;
Schritte ausreichen würden. Das war nicht der Fall.&#13;
Angesichts der neuen finanziellen Gegebenheiten&#13;
begannen wir eine scheinbar endlose Reihe von&#13;
Überprüfungen, Treffen, Mitarbeiterkonsultationen und&#13;
Managementinitiativen. Alle waren gekennzeichnet&#13;
von Offenheit und der Bereitschaft zur Entwicklung&#13;
eines neuen Modells für Stellenbesetzungen, das wir&#13;
"Botschaft 2000" nennen.&#13;
Nach zähen behördenübergreifenden Verhandlungen&#13;
konnte Botschafter Redman im Juni 1996 unseren&#13;
Plan vorlegen. Dieser sah die Schließung von einem&#13;
Generalkonsulat, zwei Amerika Häusern von USIS&#13;
sowie die Abschaffung von mehr als 150 Stellen für&#13;
Amerikaner und Ortskräfte vor.&#13;
Landesweit hat sich das Botschaftspersonal seit 1990&#13;
bereits um ein Drittel auf 1.400 Mitarbeiter verringert.&#13;
Diese Zahl wird sich in den nächsten vier Jahren bei&#13;
ungefähr 900 einpendeln. Wenn die Amerikanische&#13;
Botschaft in Berlin fertiggestellt ist, wird sie insgesamt&#13;
rund 280 Beschäftigte haben, ein Drittel der auf dem&#13;
Höhepunkt des Kalten Krieges bei der Botschaft in&#13;
Bonn Tätigen.&#13;
Das Ergebnis: Eine umstrukturierte, von einem&#13;
Team geleitete Botschaft&#13;
In einem Artikel der Juli/August-Ausgabe von Foreign&#13;
Affairs verweisen der ehemalige Außenminister&#13;
Lawrence S. Eagleburger und der frühere Botschafter&#13;
in Indonesien, Robert L. Barry, darauf, daß der Haushalt für internationale Angelegenheiten seit 1984 in&#13;
realen Zahlen um über die Hälfte gesunken ist und der&#13;
Trend nach unten anhält. Wenn wir weiterhin einen&#13;
effektiven auswärtigen Dienst haben wollen, müssen&#13;
wir unsere dauerhafte Relevanz sicherstellen.&#13;
Das ist eine Überlebensfrage für die amerikanische&#13;
Diplomatie im 21. Jahrhundert. Außenminister Christopher erklärte: "Die wichtigsten Themen, (mit denen&#13;
sich die Vereinigten Staaten konfrontiert sehen,) sind&#13;
nicht bilaterale, sondern transnationale Themen." Im&#13;
Einklang mit der Denkweise des Außenministers&#13;
beabsichtigen wir, die Botschaft Berlin zu einer&#13;
Botschaft mit vielen unter einem Dach untergebrachten&#13;
Behörden unter der dem Botschafter vom Präsidenten&#13;
verliehenen Amtsgewalt zu machen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Eine erfolgreiche Umstrukturierung erfordert, daß der&#13;
Botschafter alle Behörden in der Botschaft koordiniert nicht nur das Außenministerium.&#13;
Um nochmals&#13;
Eagleburger und Barry zu zitieren: "Der erfolgreiche&#13;
Botschafter würde alle Mauern zwischen den einzelnen Behörden niederreißen, Teams bilden, die&#13;
entsprechend der sich verändernden Umstände&#13;
wechseln und eine schlanke, erfolgsorientierte Organisation schaffen."&#13;
Unter meinen Vorgängern und mir hat die Amerikanische Botschaft Bonn hart gekämpft um sicherzustellen, daß die Amtsgewalt des Botschafters für alle&#13;
Behörden effektiv zum Tragen kommt. Wir begannen,&#13;
die Zusammenarbeit zwischen den Behörden durch&#13;
die Einrichtung von Teams zu formalisieren, die&#13;
Kontakte koordinieren, die Berichterstattung verbessern, Empfänge planen und das Eintreten für die&#13;
amerikanische Politik fördern sollen.&#13;
Wir haben bereits früh ein behördenübergreifendes&#13;
Team gebildet um herauszufinden, wie alle Elemente&#13;
dieser verzweigten Botschaft besser zusammenarbeiten könnten. Unsere über dreißig Behörden&#13;
haben sehr unterschiedliche Funktionen, aber sie alle&#13;
sind zur Erlangung unserer wichtigsten außenpolitischen Ziele hier vertreten.&#13;
Die Teams der Botschaft Bonn, wie das RußlandTeam, sind aus mehreren Behörden zusammengesetzt. Sie bereiten Veranstaltungen vor und koordinieren die Berichterstattung (einschließlich getrennter&#13;
Berichte und des Inputs von unseren Konsulaten).&#13;
Das Gebäude sendet die Botschaft&#13;
Das Team-Konzept hat unseren Entwurf für das neue&#13;
Botschaftsgebäude in Berlin maßgeblich beeinflußt.&#13;
Es wird Mehrzweckbereiche haben, die den sich&#13;
wandelnden Bedürfnissen der Öffentlichkeit, der&#13;
Medien und der Mitarbeiter der US-Regierung gerecht&#13;
werden.&#13;
Unsere Bestrebungen zur Förderung amerikanischer&#13;
Unternehmen in Ostdeutschland sind ein gutes&#13;
Beispiel. Im Rahmen dieser Bestrebungen haben wir&#13;
in den vergangenen zwei Jahren Wirtschaftskonferenzen in Berlin, Leipzig, Weimar-Erfurt und Potsdam&#13;
veranstaltet. In Zukunft werden solche, vom Team für&#13;
Handels- und Unternehmensförderung - das aus der&#13;
Wirtschaftsabteilung des US-Außenministeriums, der&#13;
Handelsabteilung des Wirtschaftsministeriums, dem&#13;
Büro für gemeinsame Verteidigungsangelegenheiten,&#13;
dem US-Informationsamt und anderen Behörden&#13;
besteht - organisierten Aktivitäten in den öffentlichen&#13;
Konferenzeinrichtungen unserer neuen Berliner&#13;
Botschaft stattfinden.&#13;
Während die äußere Gestaltung der neuen Botschaft&#13;
modern und schlicht ist und sich in ihre Umgebung am&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Brandenburger Tor einfügt, ist es das Innere, durch&#13;
das sich das Gebäude wirklich abhebt. Wir machten&#13;
unser Konzept für die Umstrukturierung unserer&#13;
Funktionsweise zur logischen Grundlage für die&#13;
Gestaltung des Innenraums der Botschaft.&#13;
Die Schlüsselelemente der Botschaft werden in&#13;
funktionelle Büroeinheiten unterteilt: Wirtschafts-/&#13;
Finanz-/Wissenschafts-/Arbeits-/Handelsabteilung;&#13;
Politisch-militärisches Verbindungsbüro sowie Strafverfolgungsorganisationen. Die gemeinsame Unterbringung der Teams in Büroeinheiten gestattet uns die&#13;
Maximierung der Anzahl der berichterstattenden&#13;
Regierungsvertreter bei gleichzeitiger gemeinsamer&#13;
Nutzung des administrativen Mitarbeiterstabs und der&#13;
Konferenzeinrichtungen.&#13;
In der Verwaltung der Botschaft wird es einen "service&#13;
court" geben, in dem die Dienstleistungen für die&#13;
Mitarbeiter bequem und effizient zusammen untergebracht sind. Die Verwaltungsabteilung befindet sich&#13;
auf einem Stockwerk, wodurch die Unterstützung und&#13;
Aufsicht erleichtert wird.&#13;
Das wahrscheinlich dramatischste Element in der&#13;
Struktur der neuen Botschaft sind die Empfangs- und&#13;
Veranstaltungsräume. Die Architekten, Moore Ruble&#13;
Yudell Architects and Planners, ergriffen in Zusammenarbeit mit Gruen Associates die einzigartige&#13;
Gelegenheit zur Bereitstellung von repräsentativen&#13;
Räumlichkeiten im Gebäude in dem riesigen und&#13;
verkehrsreichen Stadtzentrum von Berlin. Sie entwarfen Repräsentationsräume im obersten Geschoß mit&#13;
einem herrlichen Blick auf das Brandenburger Tor und&#13;
den Reichstag. Diese Räume werden von hochrangigen amerikanischen Regierungsvertretern und&#13;
Unternehmern für die Förderung amerikanischer&#13;
Interessen genutzt.&#13;
Nach ihrer Fertigstellung wird die neue Botschaft ein&#13;
Gebäude sein, das wirklich die Botschaft verkörpert,&#13;
die wir senden wollen. Auf deutsch hat das Wort&#13;
"Botschaft" zweifache Bedeutung. Die Flexibilität der&#13;
neuen Struktur wird dazu beitragen, daß der Botschafter die Flexibilität zur effektiven Verbreitung&#13;
unserer Botschaft hat.&#13;
&#13;
Zusätzlich zu den physischen Eigenschaften des&#13;
Gebäudes gibt es auch gute Nachrichten für den&#13;
amerikanischen Steuerzahler.&#13;
Das Projekt wird&#13;
hauptsächlich aus dem Verkauf von Immobilienbeständen der Vereinigten Staaten in Berlin und&#13;
Deutschland finanziert.&#13;
Schlußbemerkung&#13;
In Deutschland streben wir eine neue Art von auswärtiger Vertretung an. Wir möchten eine Botschaft&#13;
schaffen, die nicht nur ein großes Bundesgebäude mit&#13;
einem Konglomerat von Behörden ist. Es wird eine&#13;
straff organisierte, vollständig integrierte Botschaft&#13;
sein: Ein Ort, an dem der amerikanische Steuerzahler,&#13;
der amerikanische Tourist, Geschäftsmann oder&#13;
Rentner alles für sein Geld unter einem Dach findet.&#13;
Wir nutzten die Notwendigkeit des Umzugs nach Berlin&#13;
mit der Bundesregierung, um neue Strukturen aufzubauen - Strukturen, die - wie wir hoffen - als Modell&#13;
für andere dienen können. Mit der Notwendigkeit von&#13;
Veränderung konfrontiert, haben wir uns entschlossen,&#13;
nicht nur zu reagieren, sondern die Zukunft zu antizipieren und zu gestalten.&#13;
Das Ergebnis - die Botschaft Berlin - wird in Kürze&#13;
neben dem Brandenburger Tor im historischen und&#13;
zukünftigen Herzen der deutschen Hauptstadt entstehen.&#13;
Wenige von uns - inklusive mir - haben die Veränderungen in unseren Beziehungen zu Deutschland&#13;
vorausgesehen, die an jenem dramatischen Abend vor&#13;
nur sieben Jahren begannen. Aber Präsident Clinton&#13;
hat den Berlinern 1994 versprochen, "Amerika steht an&#13;
Ihrer Seite, jetzt und für immer", ebenso wie wir die&#13;
Demokratie in Deutschland während des letzten&#13;
halben Jahrhunderts unterstützt haben. Das bedeutet,&#13;
daß wir bereit sein müssen - und ich bin zuversichtlich,&#13;
daß wir bereit sein werden - diese Unterstützung der&#13;
Demokratie vom Pariser Platz aus fortzusetzen.&#13;
Das Jahr 1996 markiert den Höhepunkt der Planung&#13;
für unsere Umstrukturierung. Ihre Umsetzung ist&#13;
jedoch ein andauernder Prozeß, während wir versuchen, die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts zu&#13;
antizipieren.&#13;
&#13;
* * * *&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
Deutsch-amerikanische Beziehungen&#13;
und die Weltwirtschaft&#13;
Rede der Gesandten Janice Bay&#13;
&#13;
KÖLN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Janice Bay, Gesandte der Botschaft der Vereinigten&#13;
Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, am 9. Oktober 1996 beim Bergneustädter Forum der&#13;
Friedrich-Ebert-Stiftung im Amerika Haus Köln gehaltene Rede.&#13;
&#13;
Ich freue mich, heute nachmittag hier zu sein.&#13;
Wir sehen uns heute einer von Wandel und Unsicherheit gekennzeichneten Welt gegenüber. Der Kalte&#13;
Krieg ist Geschichte. Die Sowjetunion und der Eiserne&#13;
Vorhang existieren nicht mehr.&#13;
Deutschland ist&#13;
vereint, und dasselbe gilt auch in zunehmendem Maße&#13;
für Europa.&#13;
Das ist gut so. Aber Frieden und Wohlstand sind&#13;
immer noch nicht sicher. Der Fortschritt kann sich&#13;
sohneil verbreiten - aber Probleme auch. Es dauerte&#13;
Jahre, bis der Zusammenbruch an der Wall Street&#13;
1929 zu einer weltweiten wirtschaftlichen Katastrophe&#13;
wurde. Heute kann eine Wirtschaftskrise in Mexiko die&#13;
Welt innerhalb weniger Stunden erschüttern.&#13;
Während des Kalten Krieges stand die Sicherheit an&#13;
erster Stelle.&#13;
Die überragende Bedrohung hielt&#13;
wirtschaftliche Konflikte unter Kontrolle. Das ist nicht&#13;
mehr der Fall.&#13;
Unsere heutige außenpolitische Herausforderung&#13;
besteht darin, unsere beständigen Ziele Frieden und&#13;
Wohlstand an diese neue Welt anzupassen. Wir&#13;
haben gesehen, daß zunehmender Wohlstand Frieden&#13;
und Fortschritte zu Demokratie fördert.&#13;
Es bestehen haushaltspolitische Engpässe. Wir alle&#13;
dürfen uns weniger auf die traditionelle Politik der&#13;
Wirtschaftshilfe verlassen und müssen uns stärker auf&#13;
die Förderung von Auslandsinvestitionen, Wirtschaftsreformen und regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit konzentrieren.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Wirtschaftliche Zusammenarbeit war von entscheidender Bedeutung für den Friedensvertrag zwischen Israel&#13;
und seinen arabischen Nachbarn und wird letzten&#13;
Endes der Schlüssel zu seinem Erfolg sein.&#13;
In den vergangenen Jahren hat sich im Nahen Osten&#13;
ein bemerkenswerter Wandel vollzogen. Die Menschen sehen, daß wirtschaftliche Entwicklung und&#13;
starke, grenzüberschreitende Wirtschaftsbeziehungen&#13;
für den Frieden in der Region notwendig sind.&#13;
Wirtschaftsfaktoren können somit die Diplomatie&#13;
effektiver gestalten.&#13;
Wir in den Vereinigten Staaten lehnen Protektionismus&#13;
ab, bestehen aber auf offenen Märkten.&#13;
Amerikanische Unternehmen haben einen grundlegenden Strukturwandel durchlaufen. Arbeitgeber und&#13;
Arbeitnehmer litten gleichermaßen darunter. Um zu&#13;
überleben, waren die Unternehmen gezwungen, sich&#13;
an den entstehenden Weltmarkt anzupassen.&#13;
Am Ende hat jedoch dieser Strukturwandel die amerikanischen Firmen noch konkurrenzfähiger gemacht,&#13;
insbesondere in der Hightechindustrie und in hochwertigen Dienstleistungssektoren.&#13;
Die Vereinigten Staaten fürchten sich nicht vor Globalisierung. So schmerzlich sie auch sein mag, schafft sie&#13;
Chancen für Wachstum, eine bessere Arbeitsteilung,&#13;
mehr Kostenersparnisse durch optimale Betriebsvergrößerungen sowie bessere Produkte und Dienstleistungen. Ferner fördert sie Modernisierung und&#13;
Demokratisierung.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Freier Marktzugang ist von entscheidender Bedeutung.&#13;
Die Marktöffnung ist der Grundstein unserer Handelspolitik.&#13;
Globalisierung bedeutet nicht Anarchie. Wir benötigen&#13;
Institutionen für die Lenkung des Wandels. Wir&#13;
müssen eine Wirtschaftsarchitektur für die Zeit nach&#13;
dem Kalten Krieg schaffen.&#13;
Wir haben neue internationale Wirtschaftsinstitutionen&#13;
wie die WTO und das NAFTA ins Leben gerufen.&#13;
Wir setzen uns für die Förderung eines offeneren&#13;
Handels- und Investitionsklimas ein. Wir arbeiten an&#13;
der Reform und Stärkung internationaler Wirtschaftsinstitutionen.&#13;
Die Europäische Union ist für uns ein natürlicher&#13;
Partner bei diesen Bestrebungen. Wir wissen, daß die&#13;
Europäische Union großen Herausforderungen&#13;
begegnen muß, die wahrscheinlich zu einer Umgestaltung ihrer Institutionen, Funktionsweise und Identität&#13;
führen werden.&#13;
Ich bin optimistisch, daß diese Herausforderungen&#13;
bewältigt werden. Die Vereinigten Staaten haben den&#13;
Prozeß der europäischen Integration in den letzten 50&#13;
Jahren unterstützt. Wir haben konsequent erklärt, daß&#13;
ein starkes Europa ein starkes Amerika bedeutet.&#13;
Ich kann nicht über die deutsch-amerikanischen&#13;
Wirtschaftsbeziehungen sprechen, ohne sie in einen&#13;
europäischen Kontext einzuordnen. Ich möchte jedoch&#13;
auch über unsere bilateralen Beziehungen sprechen.&#13;
Die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit kann zu&#13;
einer offeneren EU beitragen.&#13;
Als wichtigste&#13;
Wirtschafts- und Finanzmacht der EU spielt Deutschland eine wichtige Rolle dabei, die EU auf einem Kurs&#13;
der Offenheit zu halten. Wir Amerikaner sind gemeinsam mit Deutschland Anhänger von freien Märkten,&#13;
ungehindertem Wettbewerb sowie freiem Handels- und&#13;
Investitionsfluß.&#13;
Das ist bedauerlicherweise nicht bei alle Mitgliedern&#13;
der EU der Fall. Manche befürworten handelsverzerrenden Interventionismus und orientieren sich mehr in&#13;
Richtung Protektionismus. Diese Spaltung erschwert&#13;
manchmal den Umgang mit der EU als Ganzem. Die&#13;
deutsch-amerikanische Zusammenarbeit kann bei der&#13;
Entschärfung der Spannungen ein hilfreiches Werkzeug sein.&#13;
Bei vielen Fragen verfolgen Deutschland und Amerika&#13;
dieselben Ziele: Wir lehnen beide Quoten für Filme und&#13;
Fernsehprogramme ab; wir haben beide das protektionistische Bananenregime der EU bekämpft; wir haben&#13;
ein bilaterales ziviles Luftverkehrsabkommen geschlossen, das den Luftverkehr zwischen unseren&#13;
beiden Ländern stark ausweitet.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Wir haben jedoch unsere Probleme. Es gibt immer&#13;
noch einige staatlich geschützte Märkte. Es gibt immer&#13;
noch Monopole und wettbewerbsschädigende Vorschriften. In manchen Bereichen wird der Wettbewerb&#13;
immer noch ausgeschaltet, und privilegierte Anbieter&#13;
sind die Norm.&#13;
Solche Hindernisse sind für ausländische Zulieferer&#13;
oftmals unüberwindlich. Ein Beispiel ist der deutsche&#13;
Markt für Energieausrüstung und Stromerzeugung.&#13;
Konkurrenzfähige&#13;
amerikanische&#13;
Unternehmen&#13;
konnten häufig keine Vertragsabschlüsse tätigen,&#13;
ungeachtet dessen, wie attraktiv ihr Angebot war.&#13;
Letztlich zahlen die Verbraucher den Preis für ein&#13;
solches Verhalten.&#13;
Das behindert internationale Zusammenarbeit. Es&#13;
erschwert internationale Partnerschaften und ausländische Direktinvestitionen. Es beschränkt den Marktzugang.&#13;
Abgeschottete Märkte schließen nicht nur ausländische Wettbewerber aus, sondern verlangsamen&#13;
auch Innovationen. Sie verhindern bessere Preise und&#13;
wettbewerbsfähigere Dienstleistungen. Sie verringern&#13;
die Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben im Bereich der Stromerzeugung intensiv mit der Bundesregierung zusammengearbeitet. Jetzt sind wir optimistisch, daß&#13;
auch dieser Sektor für den Wettbewerb geöffnet wird.&#13;
Die jüngsten Erfahrungen in Deutschland unterstreichen das.&#13;
Nach der Privatisierung werden&#13;
Unternehmen im Transport-, Telekommunikations- und&#13;
Energiesektor immer preisbewußter. Sie suchen si«h&#13;
das beste Angebot heraus. Das Preisniveau sinkt.&#13;
Amerikanische Unternehmen spielen ebenfalls eine&#13;
wichtige Rolle. Sie bieten niedrige Preise, ausgezeichnete Qualität und Dienstleistungen der Spitzenklasse.&#13;
Ich habe einige Problembereiche angesprochen. Im&#13;
Grunde genommen sind die Wirtschaftsbeziehungen&#13;
zwischen Europa und den Vereinigten Staaten jedoch&#13;
solide.&#13;
Europa ist unser größter und wichtigster Wirtschaftspartner. Amerikanische Exporte in die Europäische&#13;
Union belaufen sich jährlich auf 130 Milliarden Dollar mehr als doppelt so viel wie unsere Exporte nach&#13;
Japan.&#13;
Diese Statistiken sind jedoch nur ein Teil der Geschichte. Die meisten internationalen Geschäfte&#13;
werden durch Investitionen auf ausländischen Märkten&#13;
abgewickelt - nicht durch Exporte von Gütern und&#13;
Dienstleistungen. Der jährliche Absatz amerikanischer&#13;
Niederlassungen im Ausland übersteigt 1,6 Billionen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�Dollar. Mehr als die Hälfte dieser Verkäufe werden in&#13;
Europa abgewickelt.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der größte ausländische&#13;
Investor in Deutschland und der größte Investor in den&#13;
neuen Bundesländern. Deutschland ist der zweitgrößte europäische Investor in den Vereinigten&#13;
Staaten.&#13;
Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union&#13;
sind der größte Investor im jeweils anderen Land jeder investierte ungefähr 270 Milliarden Dollar beim&#13;
anderen. Das ist mehr als die Hälfte der amerikanischen Direktinvestitionen im Ausland - 40 Prozent&#13;
mehr als in Lateinamerika und Asien zusammengenommen.&#13;
Investitionen schaffen Arbeitsplätze auf beiden Seiten&#13;
des Atlantiks. Amerikanische Firmen beschäftigen drei&#13;
Millionen Europäer. Europäische Unternehmen haben&#13;
eine ähnlich hohe Zahl amerikanischer Angestellter.&#13;
Die amerikanischen Vermögenswerte in Europa&#13;
betragen insgesamt eine Billion Dollar - weit mehr als&#13;
unsere 200 Milliarden Dollar in Asien.&#13;
Insgesamt beläuft sich der amerikanisch-europäische&#13;
Handel auf 1,7 Billionen Dollar. Das sind nahezu 50&#13;
Prozent mehr als unser Handelsvolumen im pazifischen Raum.&#13;
&#13;
Diese Arbeitsgruppen haben eine Reihe von Empfehlungen abgegeben, die das Fundament für das&#13;
nächste Treffen im November in Atlanta sein werden.&#13;
Dies ist ein evolutionärer Ansatz auf der Grundlage&#13;
des Prinzips, einen Schritt nach dem anderen zu&#13;
machen. Unser langfristiges Ziel bleibt jedoch die&#13;
Integration der Volkswirtschaften Europas und Nordamerikas im Einklang mit den Prinzipien der WTC1.&#13;
Während wir an der Integration unserer transatlantischen Volkswirtschaften arbeiten, sollten wir nicht&#13;
unsere globale Verantwortung vernachlässigen. Die&#13;
Vereinigten Staaten bleiben der Ausweitung des&#13;
Welthandelssystem im Rahmen der WTO verpflichtet.&#13;
Schließlich sind die meisten wichtigen multinationalen&#13;
Unternehmen amerikanische Firmen. Die meisten von&#13;
ihnen globalisieren ihre Produktion auf eine Art und&#13;
Weise, die eine Liberalisierung des Handels in vielen&#13;
Ländern gleichzeitig erfordert.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben auch den offensten&#13;
Markt der Welt, was bedeutet, daß sie enorme Vorteile&#13;
aus multilateralen Verpflichtungen ziehen. Es ist für&#13;
uns viel einfacher, wenn jeder umgehend die Landwirtschaftsquoten oder das Verfahren für öffentliche&#13;
Auftragsvergabe liberalisiert.&#13;
Die Anzeichen sind klar. Die Vereinigten Staaten,&#13;
Deutschland und jedes andere Land profitieren von&#13;
der Liberalisierung des Handels.&#13;
&#13;
Das ist eine solide Grundlage, auf der wir aufbauen&#13;
können. Wir sollten jedoch nicht selbstgefällig werden.&#13;
Ein verstärkter Rahmen für die transatlantischen&#13;
Wirtschaftsbeziehungen wird beim Umgang mit Druck&#13;
und Spannungen nützlich sein. Wie Außenminister&#13;
Warren Christopher letzten Monat in Stuttgart sagte,&#13;
sollten wir Fortschritte zu einem freien und offenen&#13;
transatlantischen Markt machen.&#13;
Als ersten Schritt in diese Richtung initiierten der&#13;
verstorbene Wirtschaftsminister Ron Brown und EUHandelskommissar Sir Leon Brittan den transatlantischen Wirtschaftsdialog (Transatlantic Business&#13;
Dialogue - TABD).&#13;
Der TABD ist eine staatlich geförderte Initiative,&#13;
Wirtschaftsgemeinschaften auf beiden Seiten des&#13;
Atlantiks zur Förderung von Handel und Investitionen&#13;
zusammenzubringen.&#13;
Bei der ersten Konferenz&#13;
führender europäischer und amerikanischer Wirtschaftsvertreter in Sevilla vergangenen November&#13;
wurden vier Studiengruppen gegründet. Sie befaßten&#13;
sich mit spezifischen Problemen: Produktnormen und&#13;
Zertifizierung, offene Investitionen, Liberalisierung des&#13;
Handels und einem gemeinsamen Ansatz zu Wettbewerbspolitik und Vorschriften.&#13;
&#13;
Das WTO-Ab-&#13;
&#13;
kommen ist tatsächlich eine Investition in langfristiges&#13;
Wachstum. Wir können das am enormen Wachstum&#13;
unserer Exporte in die WTO-Mitgliedstaaten sehen.&#13;
Seit der Gründung der WTO vor nahezu zwei Jahren&#13;
sind die amerikanischen Exporte schnell angestiegen.&#13;
Wir haben immer noch ein Handelsdefizit, aber es ist&#13;
während des letzten Jahrzehnts um nahezu zwei&#13;
Drittel des Bruttoinlandsprodukts gesunken.&#13;
Die Handelsbilanz ist natürlich nicht der Maßstab für&#13;
unsere handelspolitische Konkurrenzfähigkeit oder&#13;
unseren wirtschaftlichen Erfolg. Ausländische Handelshemmnisse beeinflussen unsere Handelsbilanz.&#13;
Wir sind jedoch bereit, diese Hemmnisse entschlossen&#13;
anzugehen.&#13;
Man beschuldigt uns zwar weiterhin unilateraler&#13;
amerikanischer Vorgehensweise im Bereich des&#13;
Handels, aber wir verlassen uns in zunehmendem&#13;
Maße auf den multilateralen Schlichtungsmechanismus der WTO, um unsere berechtigten Interessen&#13;
geltend zu machen. Wir haben ihn in 17 Fällen&#13;
zugezogen - mehr als jedes andere Land. Wir haben&#13;
gewonnen und verloren, und wir haben die Entscheidungen des WTO-Gremiums akzeptiert.&#13;
Lassen Sie mich eine Vorschau auf das WTO-Ministertreffen in Singapur geben. Die Tagesordnung ist lang.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Erstens müssen wir existierende Abkommen umsetzen. Wir müssen Fortschritte bei der Durchsetzung&#13;
der Verringerung von Agrarsubventionen machen. Wir&#13;
müssen die notwendigen Mechanismen für den Schutz&#13;
von pharmazeutischen Patenten schaffen.&#13;
Zweitens müssen wir auch die unerledigten Aufgaben&#13;
der Uruguay-Runde bei Telekommunikation, Seefahrt&#13;
und Finanzdienstleistungen angehen.&#13;
Wir haben die vollständige Öffnung unseres Marktes&#13;
für Telekommunkationsdienstleistungen abgeboten,&#13;
wenn wir im Gegenzug entsprechende Zusagen von&#13;
Seiten unserer Handelspartner erhalten. Wir werden&#13;
jedoch keine offenkundig protektionistische Politik&#13;
tolerieren.&#13;
Drittens wird es auf der Tagesordnung in Singapur&#13;
auch einige neue Punkte geben. Wir hoffen auf&#13;
spezifische Empfehlungen dazu, wie Regierungen eine&#13;
solide Umweltpolitik verfolgen können. Gleichzeitig&#13;
wollen wir nicht, daß umweltpolitische Vorschriften zu&#13;
verstecktem Protektionismus werden.&#13;
Arbeitsnormen gehören ebenfalls zu den neuen&#13;
Fragen.&#13;
Dem WTO-Abkommen zufolge sollten&#13;
Handelsbeziehungen mit Blick auf steigenden Lebensstandard und bessere soziale Bedingungen unterhalten werden. Wir lehnen jedoch die Benutzung von&#13;
Lohnsätzen oder Lohnkosten als neue Rechtfertigung&#13;
für protektionistische Maßnahmen ab.&#13;
Wir befürworten bestimmte grundlegende Normen.&#13;
Dazu zählen Koalitionsfreiheit, das Recht auf Tarifverhandlungen, ein Ende der Ausbeutung durch&#13;
Kinderarbeit und das Verbot von Zwangsarbeit. Wir&#13;
teilen diese Prinzipien mit unseren Verbündeten in&#13;
Europa.&#13;
Viertens werden wir Wettbewerb und Investitionspolitik&#13;
erörtern. In der OECD wurde eine Menge nützlicher&#13;
Arbeit zu Investitionen geleistet. Wir sollten in der&#13;
WTO keine Arbeit in Angriff nehmen, die von den&#13;
Verhandlungen über ein multilaterales Investitionsabkommen in der OECD ablenken oder diese unterminieren könnte.&#13;
Ergänzende Arbeit wäre jedoch&#13;
nützlich.&#13;
Das gilt auch für die Wettbewerbspolitik. Es steht&#13;
außer Frage, daß wettbewerbsschädigendes Verhalten negative grenzüberschreitende Auswirkungen hat.&#13;
Aber Zusammenarbeit bei der Wettbewerbspolitik ist&#13;
eine komplizierte technische Übung, die am besten&#13;
den erfahrenen Wettbewerbsbehörden überlassen&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
wird, die unter der Schirmherrschaft der OECD&#13;
zusammenarbeiten.&#13;
Es besteht jedoch Raum für ein Paket zur Marktöffnung und Senkung der Zollsätze, auf das man sich in&#13;
Singapur einigen soll. Es sollte sich auf ein Abkommen über Informationstechnologie (Information&#13;
Technology Agreement - ITA) konzentrieren, das&#13;
gestaffelte Zollsenkungen von 1997 an bis zur vollständigen Abschaffung von Zöllen im Jahr 2000 bei&#13;
einer Vielzahl von Informationstechnologieprodukten&#13;
wie Multimedia-Computern und LAN-Ausrüstung&#13;
vorsieht. Das würde der Informationsinfrastruktur in&#13;
den beteiligten Ländern entscheidenden Auftrieb&#13;
geben.&#13;
Wir werden durch die Begeisterung unserer asiatischen Partner für unsere Initiative stark ermutigt. Wir&#13;
hoffen, daß die Europäische Union sich dem entstehenden Konsens über ein ITA anschließt.&#13;
Dies ist eine längst noch nicht vollständige Liste von&#13;
Themen, die in Singapur erörtert werden. Ich denke&#13;
jedoch, daß ich Ihnen ausreichende Beweise für die&#13;
Energie und Entschlossenheit gegeben habe, mit der&#13;
wir auf die Schaffung eines wirklich globalen Handels&#13;
drängen.&#13;
Wir wollen unseren Einfluß zur Förderung der strategischen Interessen nutzen, die wir mit Deutschland&#13;
gemein haben: Förderung demokratischer Werte,&#13;
Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen,&#13;
Umweltschutz und Menschenrechte.&#13;
Unsere engen bilateralen Beziehungen werden zur&#13;
Schaffung eines transatlantischen Marktes sowie eines&#13;
umfassenderen und effektiveren Welthandelssystems&#13;
beitragen. Das wird unseren beiden Ländern den&#13;
Umgang mit den Herausforderungen der Globalisierung ermöglichen.&#13;
In Zusammenarbeit haben wir einzigartigen Frieden&#13;
und Wohlstand geschaffen. Dies ist nicht die Zeit, den&#13;
Predigern von Protektionismus und Autarkie zuzuhören. Wir sind diesen Weg in den dreißiger Jahren&#13;
gegangen, und das Ergebnis war katastrophal.&#13;
Nein - dies ist eine Zeit für Engagement und Führung.&#13;
Gemeinsam haben wir die historische Chance, nicht&#13;
nur uns selbst, sondern der ganzen Menschheit zu&#13;
helfen.&#13;
Vielen Dank.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�L A N D M I N EN&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
Globales Verbot von Landminen oberste Priorität&#13;
der Clinton-Administration&#13;
Rede von Thomas McNamara&#13;
&#13;
OTTAWA - (AD) - Präsident Clinton hat ein globales Verbot von Antipersonenminen zur obersten Priorität der&#13;
Rüstungskontrolle erklärt, und die Vereinigten Staaten haben bereits signifikante unilaterale Restriktionen beim&#13;
Einsatz dieser Waffen eingeführt, äußerte der Abteilungsleiter für politisch-militärische Angelegenheiten im USAußenministerium, Thomas McNamara, am 3. Oktober 1996 in seiner Rede bei einer internationalen Konferenz&#13;
über dieses Thema in Ottawa.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Thomas McNamara im Wortlaut.&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender,&#13;
die Vereinigten Staaten haben sich zu einem weltweiten Verbot von Antipersonenminen (anti-personnel&#13;
landmines - APL) verpflichtet. Es gibt zahlreiche&#13;
Beispiele aus den vergangenen Jahren, wie die&#13;
Vereinigten Staaten eine Führungsrolle dabei übernommen haben, die durch Antipersonenminen verursachte humanitäre Krise anzusprechen:&#13;
Dank der unermüdlichen Anstrengungen von Senator&#13;
Leahy und anderen gehörten die Vereinigten Staaten&#13;
zu den ersten Ländern, die im Oktober 1992 offiziell&#13;
ein unilaterales Moratorium für den Export von&#13;
Antipersonenminen verabschiedeten.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben seit 1993 in der UNGeneralversammlung jährlich Resolutionen eingebracht, die andere Staaten zur Verabschiedung von&#13;
Exportmoratorien und seit 1994 zur endgültigen&#13;
Abschaffung von Antipersonenminen auffordern und&#13;
damit das internationale Ziel gesetzt, die Welt von&#13;
diesen Waffen zu befreien.&#13;
Bei der UN-Generalversammlung im Jahr 1994&#13;
forderte der Präsident als ersten Schritt zur letztlichen&#13;
Beseitigung von Antipersonenminen die Staaten auf,&#13;
mit uns zusammen ein Abkommen zur Verringerung&#13;
der Anzahl und Verfügbarkeit von Antipersonenminen&#13;
abzuschließen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten nahmen dann Konsultationen&#13;
mit zahlreichen Staaten über die Einleitung von&#13;
Bestrebungen zur Kontrolle von Antipersonenminen&#13;
auf. Dies führte zu einer amerikanischen Initiative für&#13;
ein Kontrollprogramm zur Regelung der Produktion,&#13;
Lagerung und dem Transfer von Antipersonenminen.&#13;
Im Jahr 1995 koordinierten die Vereinigten Staaten&#13;
ihre Initiative für ein Kontrollprogramm mit einem&#13;
ähnlichen Vorschlag Großbritanniens. Über 30 Länder&#13;
nahmen im Juni 1995 an einem Treffen in Budapest&#13;
über diesen neuen Vorschlag teil. Diese Initiative hätte&#13;
die Bestrebungen der Überprüfungskonferenz der&#13;
Konvention über konventionelle Waffen (Konvention on&#13;
Conventional Weapons - CCW) ergänzt und darauf&#13;
aufgebaut.&#13;
Die Vereinigten Staaten waren maßgeblich an den&#13;
erfolgreichen Bestrebungen der Überprüfungskonferenz der Konvention über konventionelle Waffen&#13;
beteiligt, um die Restriktionen für den Einsatz und&#13;
Transfer von Landminen beträchtlich zu erhöhen.&#13;
Bedauerlicherweise enthält das überarbeitete Protokoll&#13;
nicht alle von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Verbesserungen wie einen Mechanismus für&#13;
Ermittlungen bezüglich der Einhaltung oder die&#13;
Anforderung zur Einhaltung bestimmter technischer&#13;
Bestimmungen ohne eine sogenannte "Übergangsperiode". Wir werden diese Probleme weiterhin im&#13;
Rahmen des überarbeiteten Protokolls oder in anderen&#13;
Foren ansprechen.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Schließlich haben die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr über 40 Millionen Dollar zu Minenentschärfungsprogrammen in 14 Ländern beigesteuert&#13;
und waren in Zusammenarbeit mit den Vereinten&#13;
Nationen maßgeblich an der Organisation der internationalen Tagung über Minenräumung in Genf im&#13;
vergangenen Jahr beteiligt.&#13;
Aber wir müssen mehr tun. Nach intensiver Überprüfung gab Präsident Clinton am 16. Mai eine neue&#13;
Politik der Vereinigten Staaten zu Antipersonenminen&#13;
bekannt. Dies ist eine Priorität des Präsidenten bei der&#13;
Rüstungskontrolle. Gleichzeitig trägt die Politik der&#13;
Tatsache Rechnung, daß die Vereinigten Staaten eine&#13;
globale Macht mit essentiellen militärischen Erfordernissen und Verpflichtungen gegenüber ihren Verbündeten sind, die berücksichtigt werden müssen. Ich&#13;
möchte Ihnen einige Einzelheiten dieser Politik nennen.&#13;
Vor allem werden die Vereinigten Staaten aggressiv&#13;
ein globales Abkommen über ein Verbot für Einsatz,&#13;
Lagerung, Produktion und Transfer von Antipersonenminen mit der Absicht eines möglichst baldigen&#13;
Abschlusses der Verhandlungen anstreben. Alle&#13;
Nationen tragen die Verantwortung sicherzustellen,&#13;
daß unschuldige Zivilisten frei von der Gefahr von&#13;
Landminen leben können. Wir vertreten daher die&#13;
Auffassung, daß wir uns bei Aufnahme der Verhandlungen über Antipersonenminen auf ein Abkommen&#13;
über ein globales Verbot konzentrieren sollten. Die&#13;
Vereinigten Staaten könnten regionale Aktivitäten&#13;
unterstützen, die die Arbeit an einem globalen Verbot&#13;
ergänzen und im Einklang mit der Politik zu Antipersonenminen der Vereinigten Staaten stehen.&#13;
Die Vereinigten Staaten tragen jedoch auch eine&#13;
globale Verantwortung, zum Schutz von Freunden und&#13;
Verbündeten beizutragen, sich an friedenssichernden&#13;
Operationen zu beteiligen und zu gegebener Zeit auf&#13;
Krisen in instabilen Regionen zu reagieren. Diese&#13;
Verantwortung hat unsere Politik gestaltet. Beispielsweise sehen die Vereinigten Staaten die Sicherheitssituation auf der koreanischen Halbinsel als einzigartigen Fall an und werden bei der Aushandlung eines&#13;
Abkommens ihr Recht zum Einsatz von Antipersonenminen wahren, bis Alternativen zur Verfügung stehen&#13;
oder das Risiko der Aggression beseitigt worden ist.&#13;
Von jetzt bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein weltweites&#13;
Abkommen Wirkung zeitigt, werden die Vereinigten&#13;
Staaten sich außerdem die Option vorbehalten,&#13;
abhängig von CCW-Restriktionen bei militärischen&#13;
Feindseligkeiten zum Schutz des Lebens von Amerikanern und zur beschleunigten Beendigung der Kämpfe&#13;
selbstzerlegende/selbstdeaktivierende Antipersonenminen einzusetzen.&#13;
Wir haben jedoch bereits mit der Umsetzung bedeutender unilateraler Restriktionen begonnen. Am 16.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Mai ergriffen die Vereinigten Staaten Maßnahmen, alle&#13;
(a) zur Ausbildung von mit Entschärfung und Minenabwehr befaßten Personen oder (b) zur Verteidigung&#13;
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten gegen&#13;
eine bewaffnete Aggression über die koreanische&#13;
Entmilitarisierte Zone hinweg nicht erforderlichen nicht&#13;
selbstzerlegenden Antipersonenminen nicht einzusetzen und sie mit der Absicht der Entmilitarisierung&#13;
bis Ende 1999 in einem inaktiven Status zu lagern.&#13;
Ich kann nicht genug betonen, wie ernst die Vereinigten Staaten das Ziel der vollständigen Abschaffung von Antipersonenminen nehmen. Ab 1999 wird&#13;
der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs dem&#13;
Präsidenten und dem Verteidigungsminister einen&#13;
Jahresbericht mit seiner Beurteilung vorlegen, ob für&#13;
die von mir genannten Ausnahmen weiterhin eine&#13;
militärische Notwendigkeit besteht. Um die Zeitspanne&#13;
bis zur Beseitigung von Antipersonenminen zu verkürzen, haben wir ein Forschungs- und Beschaffungsprogramm sowie andere Maßnahmen in die Wege&#13;
geleitet, die zur Abschaffung der Anforderung für die&#13;
Ausnahmen erforderlich sind und es uns gestatten,&#13;
den Rückgriff auf Antipersonenminen so schnell wie&#13;
möglich zu beenden.&#13;
Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, daß wir bei&#13;
unserer Arbeit an einem Verbot des weiteren Einsatzes von Antipersonenminen das durch zahllose&#13;
bereits verlegte Antipersonenminen verursachte&#13;
Leiden ansprechen müssen. Im Hinblick auf die&#13;
Entschärfung werden die Vereinigten Staaten ein&#13;
substantielles Programm zur Entwicklung verbesserter&#13;
Technologien zum Aufspüren von Minen und deren&#13;
Räumung in die Wege leiten und diese verbesserte&#13;
Technologie der internationalen Staatengemeinschaft&#13;
zukommen lassen. Wir werden darüber hinaus unser&#13;
humanitäres Entschärfungsprogramm beträchtlich&#13;
erweitern, um andere Länder für die Entwicklung&#13;
effektiver Entschärfungsprogramme auszubilden und&#13;
ihnen dabei behilflich zu sein. Ich möchte einige&#13;
Einzelheiten dieser Entschärfungsaktivitäten nennen.&#13;
Erstens haben die Vereinigten Staaten vor kurzem ein&#13;
humanitäres Entschärfungsinformationszentrum eröffnet, das - wie wir hoffen - als zentraler Punkt für das&#13;
Militär, die nichtstaatlichen Organisationen und andere&#13;
Gruppen zum Sammeln, Überprüfen und Verbreiten&#13;
von Informationen über weltweite Entschärfungsaktivitäten dienen wird.&#13;
Zweitens war und ist die Entwicklung einer Entschärfungskapazität im jeweiligen Land ein Hauptziel&#13;
unserer humanitären Entschärfungspolitik.&#13;
Wir&#13;
beabsichtigen, unseren Bestand von rund 200 Ausbildern um bis zu 300 zu erweitern.&#13;
Drittens wird unser Forschungs- und Entwicklungsprogramm für neue humanitäre Entschärfungstechnologien in kommenden Jahr auf 14,7 Millionen Dollar&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�aufgestockt. Im Rahmen dieses zwei Jahre alten&#13;
Programms wurden 30 Prototypen von Systemen für&#13;
das verbesserte Aufspüren von Minen, ihre Neutralisierung und Räumung entwickelt, erprobt und ausgewertet.&#13;
Neben dieser Konferenz bietet die UN-Generalversammlung eine ausgezeichnete Gelegenheit für uns&#13;
alle, das Streben nach einem Verbot von Antipersonenminen weiterhin schlaglichtartig zu beleuchten.&#13;
Erst letzte Woche erneuerte Präsident Clinton in einer&#13;
Rede in New York seinen Appell für rasche Verhandlungen über ein weltweites Verbot von Antipersonenminen. Wie die meisten von Ihnen wissen, geht die&#13;
dieses Jahr von den Vereinigten Staaten in der UNGeneralversammlung vorgeschlagene Resolution zu&#13;
Antipersonenminen weiter als frühere Resolutionen, da&#13;
sie sich auf die Forderung nach dem möglichst&#13;
schnellen Abschluß eines Abkommens über ein Verbot&#13;
von Antipersonenminen konzentriert, während bei&#13;
früheren Resolutionen Exportmoratorien und letztlich&#13;
die Beseitigung von Antipersonenminen im Mittelpunkt&#13;
standen. Viele von Ihnen haben sich den Vereinigten&#13;
Staaten bei der Annahme von Verboten, Moratorien&#13;
und anderen Beschränkungen von Antipersonenminen&#13;
angeschlossen. Wir wollen zusammenarbeiten, um&#13;
unsere Freunde und Verbündeten zu ermutigen,&#13;
dasselbe zu tun und sich unseren Bestrebungen zur&#13;
Erlangung eines vollständigen Verbots anzuschließen.&#13;
Die Führungsrolle Kanadas bei den Bestrebungen zur&#13;
Kontrolle von Antipersonenminen zeigt sich nicht nur&#13;
anhand dieser Konferenz, sondern auch bei Kanadas&#13;
Lobbyarbeit für eine entschlossene Resolution der UNGeneralversammlung über das Verbot von Antiperso-&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
nenminen. Wir begrüßen die Hilfe Kanadas beim&#13;
Entwurf unserer Resolution sowie die von dem Land&#13;
geleistete Unterstützung und sehen der Unterstützung&#13;
anderer hier vertretener Staaten erwartungsvoll&#13;
entgegen. Bei unserer Arbeit zur Erlangung eines&#13;
weltweiten Verbots von Antipersonenminen werden die&#13;
weitverbreitete Befolgung und vollständige Umsetzung&#13;
des überarbeiteten Landminenprotokolls der Konvention über konventionelle Waffen die Zahl der zivilen&#13;
Opfer beträchtlich reduzieren. Hätten diese Beschränkungen schon vor Jahren existiert und wären&#13;
weithin befolgt worden, hätten wir weitaus weniger&#13;
Opfer zu beklagen gehabt als leider der Fall war. Wir&#13;
planen eine rechtzeitige Vorlage des Protokolls im USSenat, damit es vom im Januar zusammentretenden&#13;
neuen Kongreß geprüft werden kann.&#13;
Wir fordern andere Staaten, die das noch nicht getan&#13;
haben, eindringlich dazu auf, der Konvention über&#13;
konventionelle Waffen und dem neuen Protokoll&#13;
beizutreten. Herr Vorsitzender, abschließend möchte&#13;
ich Kanada für die Veranstaltung dieser Konferenz&#13;
danken und das Engagement aller hier vertretenen&#13;
Staaten, internationalen und nichtstaatlichen Organisationen begrüßen, die Welt von Antipersonenminen zu&#13;
befreien. Unser Ziel, ein internationales Abkommen&#13;
über das Verbot von Antipersonenminen abzuschließen, wird eindeutig am schnellsten und effektivsten&#13;
durch verstärkte Zusammenarbeit und Koordinierung&#13;
zwischen allen Ländern erreicht.&#13;
Die weltweite&#13;
Beseitigung von Antipersonenminen ist eine beängstigende Aufgabe, die wir jedoch erfüllen müssen. Wir&#13;
sehen der Arbeit mit Ihnen allen zur Erlangung dieses&#13;
lebenswichtigen Ziels erwartungsvoll entgegen.&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�PORTRAT&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
James D. Bindenagel&#13;
Charge d'Affaires ad interim der Botschaft der Vereinigten Staaten&#13;
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland&#13;
&#13;
J.D. Bindenagel, Karrierediplomat im höheren auswärtigen Dienst, ist seit 17. Juni 1996 Charge&#13;
d'Affaires der Amerikanischen Botschaft in Deutschland.&#13;
Seit August 1994 war er Gesandter der Botschaft. Vor&#13;
Übernahme dieser Position war Bindenagel Direktor&#13;
der Abteilung für mitteleuropäische Angelegenheiten&#13;
im US-Außenministerium und in dieser Eigenschaft&#13;
verantwortlich für die bilateralen Beziehungen der&#13;
Vereinigten Staaten zu Deutschland, Österreich und&#13;
der Schweiz.&#13;
Von 1989-90 war Bindenagel Gesandter der Amerikanischen Botschaft in der ehemaligen Deutschen&#13;
Demokratischen Republik - zur Zeit der demokratischen Revolution in Ostdeutschland, des Falls der&#13;
Berliner Mauer, der deutschen Wirtschafts- und&#13;
Währungsunion, freier Wahlen und der Vereinigung&#13;
Deutschlands.&#13;
In Deutschland war Bindenagel darüber hinaus als&#13;
Leiter der Abteilung für Innenpolitik in der Bonner USBotschaft (1983-86), als Wirtschaftsbeamter in der&#13;
Abteilung für mitteleuropäische Angelegenheiten des&#13;
US-Außenministeriums (1980-83) und als amerikanischer Konsul in Bremen (1977-79) tätig. Vor seinem&#13;
&#13;
Eintritt in den auswärtigen Dienst der Vereinigten&#13;
Staaten war Bindenagel als Offizier der US-Armee in&#13;
Würzburg stationiert (1972-74).&#13;
Als Congressional Fellow des amerikanischen Politologenverbands war Bindenagel von 1987-88 Mitarbeiter des Kongreßabgeordneten Lee H. Hamilton,&#13;
der bei der Gründung der Studiengruppe Deutschland&#13;
des Kongresses deren Vorsitzender war.&#13;
Neben seinen Verwendungen für deutsche Angelegenheiten hatte er eine vom Außenministerium geförderte&#13;
Position bei Rockwell International inne (1991-92).&#13;
1991 arbeitete Bindenagel im Büro für wirtschaftliche&#13;
und unternehmerische Angelegenheiten des Außenministeriums und war geschäftsführender Direktor für&#13;
kanadische Angelegenheiten (1988-1989). Davor war&#13;
er im Krisenstab des Außenministeriums sowie als&#13;
Wirtschaftsbeamter in Seoul tätig.&#13;
Bindenagel wurde am 30. Juni 1949 in Huron (South&#13;
Dakota) geboren. Er erwarb 1971 an der University of&#13;
Illinois (Urbana) den Titel eines Bachelor of Arts und&#13;
1977 an dieser Universität den Magister in Verwaltungswissenschaften. Er ist mit Jean Bindenagel&#13;
verheiratet und hat zwei Kinder. J.D. Bindenagel&#13;
spricht Deutsch.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
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                    <text>1.USA-EUROPA POSITIVER WANDEL IN DEN&#13;
TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
2.USA-DEUTSCHLAND BOTSCHAFT 2000 - EIN MODELL FÜR DIE ZUKUNFT DES AUSWÄRTIGEN DIENSTES&#13;
von J.D. Bindenagel&#13;
3.DEUTSCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN UND DIE WELTWIRTSCHAFT&#13;
Rede der Gesandten Janice Bay&#13;
4.LANDMINEN GLOBALES VERBOT VON LANDMINEN&#13;
OBERSTE PRIORITÄT DER CLINTON-ADMINISTRATION&#13;
Rede von Thomas McNamara&#13;
5. PORTRAT JAMES D. BINDENAGEL&#13;
Charge d'Affaires ad interim der&#13;
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland </text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Positiver Wandel in den transatlantischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschaft 2000 - ein Modell für die Zukunft des auswärtigen Dienstes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutsch-amerikanische Beziehungen und die Weltwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der Gesandten Janice Bay&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Landminen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Globales Verbot von Landminen oberste Priorität der Clinton-Administration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Thomas McNamara&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;James D. Bindenagel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chargé d'Affaires ad interim der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

20

16. Oktober 1996

WAHLEN '96

DIE BESTÄNDIGKEIT EINER ÜBERPARTEILICHEN AUSSENPOLITIK
von Robert D. Schulzinger
DER FAKTOR AUSSENPOLITIK IM
AMERIKANISCHEN PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPF
von Stephen Hess
INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT UND
HANDEL: SCHLÜSSELTHEMEN DER
DEMOKRATEN
Interview mit Professor Zbigniew Brzezinski
FÜHRUNGSROLLE UND KONTIUNITÄT:
SCHLÜSSELTHEMEN DER REPUBLIKANER
Interview mit General Brent Scowcroft
AUSSENPOLITIK UND DER PRÄSIDENT
SCHAFTSWAHLKAMPF 1996
Wichtige Internetseiten
AUSSENPOLITIK UND DER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPF 1996
Bibliographie

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax:0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�WAHLEN

'9 6
16. Oktober 1996

Die Beständigkeit einer überparteilichen Außenpolitik
von Robert D. Schulzinger

WASHINGTON - (AD) - "Eine von zwei Parteien getragene Außenpolitik ist tief in der politischen Kultur der
Vereinigten Staaten verwurzelt", so der Verfasser des nachfolgenden Artikels, der angefangen mit den
Präsidentschaftswahlen von 1952 beschreibt, wie erfolgreiche Präsidentschaftskandidaten beim Umgang mit
anderen Nationen in die Fußstapfen ihrer Vorgänger traten.
Robert D. Schulzinger ist Geschichtsprofessor an der University of Colorado in Boulder. Er war Personalberater
des Senatsausschusses für auswärtige Beziehungen und gehört derzeit dem Beratungsausschuß für historische
Publikationen des US-Außenministeriums an. Er schrieb unter anderem folgende Bücher: American Diplomacy
in the Twentieth Century, Present Tense: The United States since 1945, Henry Kissinger: Doctor of
Diplomacy sowie The Wise Men of Foreign Affairs: The History of the Council on Foreign Relations.

Sechs der elf amerikanischen Präsidentschaftswahlen
nach dem Zweiten Weltkrieg führten zu einem Parteiwechsel im Weißen Haus. Dreimal lösten die Republikaner die Demokraten ab (1952, 1968 und 1980),
und dreimal traten die Demokraten an die Stelle der
Republikaner (1960, 1976 und 1992). In jedem dieser
Wahlkämpfe versprach der siegreiche Kandidat eine
Außenpolitik, die sich grundlegend von der des
derzeitigen Amtsinhabers aus der anderen Partei
unterschied. Nach seiner Amtsübernahme trat er dann
jedoch beim Umgang mit anderen Nationen in die
Fußstapfen seines Vorgängers.
Eine von zwei
Parteien getragene Außenpolitik ist tief in der politischen Kultur der Vereinigten Staaten verwurzelt.
Der Anfang wurde im Wahlkampf 1952 gemacht, als
Dwight D. Eisenhower, der Kandidat der Republikaner,
zusagte, über die von der Truman-Administration
gegenüber der Sowjetunion verfolgte Eindämmungspolitik hinaus die Kommunisten in Osteuropa und
Asien wieder zurückzudrängen. Bald nach seinem
Amtsantritt ordnete Eisenhower jedoch eine grundlegende Überprüfung der amerikanischen Außenpolitik
an, die zu dem Schluß führte, daß sich die Außenpolitik
auf die langsame, geduldige Eindämmung der sowjetischen Aggression konzentrieren sollte. Während
seiner zweiten Amtszeit verfolgte Eisenhower einen
noch gemäßigteren Kurs, als er mit einer neuen

AMERIKA DIENST 20

Generation führender sowjetischer
Entspannung einleitete.

Politiker

die

Was Eisenhower als kluge Vorgehensweise zur
Entschärfung der Spannungen zwischen den Supermächten ansah, kritisierten prominente Demokraten
bei ihrem Streben nach der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei 1960 als gefährliche Gleichgültigkeit gegenüber der Verteidigungsfähigkeit der Nation. Einer von ihnen - John F. Kennedy- stellte bei seiner erfolgreichen Bewerbung um das
Präsidentenamt die Wiederherstellung der militärischen Macht seines Landes und seiner Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Sowjetunion in den Mittelpunkt
seiner außenpolitischen Agenda. In den ersten 21
Monaten seiner Amtszeit begegnete Kennedy kommunistischen Staaten und Revolutionsbewegungen,
insbesondere in den Entwicklungsländern, weitaus
entschiedener als es Eisenhower 1959 und 1960
getan hatte. Nachdem er jedoch im Oktober 1962
während der Kubakrise am Rande eines Krieges
gestanden hatte, verstärkte Kennedy dramatisch
Eisenhowers frühere Bestrebungen, die Gefahr eines
Atomkriegs zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion zu verringern.
Als der Republikaner Richard Nixon 1968 den Demokraten Hubert Humphrey beim Kampf um die Präsidentschaft besiegte, versprach er, im die Vereinigten

Seite 1

�Staaten so stark entzweienden Vietnamkrieg einen
"ehrenhaften Frieden" zu erlangen. Humphrey verlor
die Wahl mit nur einem halben Prozentpunkt, weil
letztlich nicht genug Amerikaner der Ansicht waren,
daß er sich ausreichend von der äußerst unpopulären
Vietnamkriegspolitik Präsident Lyndon B. Johnsons
distanziert hatte. Als Nixon jedoch Präsident wurde,
verfolgte er die von der Johnson-Administration
entwickelte Politik der Vietnamisierung - den Südvietnamesen einen größeren Teil der Kampfhandlungen
zu überlassen. Nixon und Henry Kissinger, sein
wichtigster außenpolitischer Berater und Außenminister, fanden weithin öffentliche Zustimmung zur
Förderung der Entspannungspolitik mit der Sowjetunion, dem Auftauen der eingefrorenen Beziehungen
zur Volksrepublik China und der Einleitung des
Friedensprozesses zwischen Arabern und Israelis. All
diese Initiativen wurzelten in den unter der JohnsonAdministration entwickelten Plänen.
1976 war der Glanz von Kissingers Außenpolitik
verblaßt. Der Demokrat Jimmy Carter gewann in
diesem Jahr die Präsidentschaftswahlen teilweise
durch Angriffe auf Kissingers anmaßende Gleichgültigkeit gegenüber Menschenrechtsverletzungen im
Ausland
und seine
Konzentration auf die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. 1977 und
1978 widmete die Carter-Administration den Beziehungen zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern mehr Aufmerksamkeit, aber 1979 und 1980
konzentrierten sich die Vereinigten Staaten erneut auf
die wachsenden Spannungen im Verhältnis zur
Sowjetunion. Die sowjetische Invasion in Afghanistan
im Dezember 1979 war für die Amerikaner ein großer
Schock. Im letzten Jahr seiner Präsidentschaft hatte
Carter den größten Zuwachs der Verteidigungsausgaben seit 20 Jahren gefordert. Seine Wiederentdekkung der von der Sowjetunion ausgehenden Bedrohung rettete ihn jedoch nicht vor der Niederlage
gegen den republikanischen Kandidaten Ronald
Reagan, der 1981 mit der im Vergleich zu sämtlichen
Kandidaten seit 1952 militantesten antisowjetischen
Plattform gewählt wurde. In der Praxis entsprach
jedoch auch Reagan dem Muster, daß ein Präsident im
Großen und Ganzen in die außenpolitischen Fußstapfen seines Vorgängers tritt. Die Aufrüstung
während Reagans erster Amtszeit entsprach den
Plänen von Carters letzten Verteidigungsgesuchen.
Während seiner zweiten Amtszeit wurde Reagan, der
früher die Entspannungspolitik als Garantie für "Friedhofsruhe" verhöhnt hatte, der engagierte Verfechter
des Abbaus der Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Als Reagan bei seinem Besuch in Moskau 1988
gefragt wurde, warum er seine scharfe, antisowjetische
Rhetorik eingestellt habe, antwortete er: "Sie haben
sich geändert." Das war tatsächlich der Fall. Ende
1991 war die Sowjetunion von innen her zerfallen und
existierte nicht mehr. Der Kalte Krieg, der vier Jahr-

Seite 2

zehnte lang der Fokus der amerikanischen Außenpolitik gewesen war, hatte bereits zwei Jahre früher zu Beginn der Präsidentschaft des Republikaners
George Bush - geendet. In der Zeit nach dem Kalten
Krieg wurde Bush große Anerkennung für seine
außenpolitischen Fähigkeiten gezollt, insbesondere die
Zusammenstellung der multinationalen Koalition, die
1991 die irakischen Truppen aus Kuwait vertrieb.
Im Wahlkampf 1992 wurde Außenpolitik eindeutig zu
einem zweitrangigen Thema. Der Wahlsieger, der
Demokrat Bill Clinton, kritisierte Bush zwar hauptsächlich wegen der schlechten Wirtschaftslage, versprach
aber auch eine Kursänderung bei der Außenpolitik.
Clinton griff Bush wegen seiner Gleichgültigkeit
gegenüber Menschenrechtsverletzungen in China,
seinem Widerstreben gegen eine Militärintervention in
Bosnien sowie seiner offensichtlichen Feindseligkeit
gegenüber den vor Unterdrückung geflohenen haitianischen Flüchtlingen an. Nach seiner Amtsübernahme
unterschied sich Clinton beim Umgang mit auswärtigen
Angelegenheiten jedoch weitaus weniger von seinem
Vorgänger als seine Rhethorik im Wahlkampf hätte
vermuten lassen. Ebenso wie Bush bemühte sich
Clinton um die Riege freundschaftlicher politischer und
wirtschaftlicher Beziehungen zur Volksrepublik China trotz der Menschenrechtsverletzungen in dem Land.
Clinton entschied sich schnell gegen ein Eingreifen in
die Kampfhandlungen in Bosnien. Seiner Administration gelang 1995 jedoch die erfolgreiche Vermittlung
des Friedensabkommens zwischen den Kriegsparteien
in Bosnien. Auch in Haiti setzte Clinton anfänglich die
Politik der Bush-Administration fort, die er früher als
Abschiebung der Flüchtlinge in ihre Heimat kritisiert
hatte. 1994 setzte sich die Clinton-Administration
energischer für die Wiederherstellung der Demokratie
in Haiti ein.
Mitten im Wahlkampf 1996 kritisierte der republikanische Herausforderer des Präsidenten, Bob Dole,
Clintons Mangel an außenpolitischer Kohärenz, seine
exzessive Abhängigkeit von den Vereinten Nationen
und seine fehlende Bereitschaft zum angemessenen
Einsatz von militärischer Macht. Als Senator unterstützte Dole jedoch Clintons Entscheidung zur Entsendung amerikanischer Truppen nach Bosnien Ende
1995. Als die Clinton-Administration im September
1996 den Einsatz von Marschflugkörpern gegen den
Irak als Vergeltung für die Angriffe des Landes auf
kurdische Städte anordnete, unterstützte Dole den
Militärschlag.
Ungeachtet dessen, wie sehr die Präsidentschaftskandidaten im Zeitalter nach dem Zweiten Weltkrieg
die Unterschiede zwischen ihrer außenpolitischen
Haltung und der ihrer Kontrahenten betonten, verfolgten Administrationen der Demokraten und Republikaner gleichermaßen während des Kalten Krieges und
danach eine bemerkenswert ähnliche außenpolitische
Linie. Während des Kalten Krieges befürworteten sie

AMERIKA DIENST 20

�die Eindämmung der Sowjetunion und die Vermeidung
eines Weltkrieges, und nach 1989 sorgten sie für eine
starke Einbeziehung der Vereinigten Staaten in
internationale Angelegenheiten.
Die Amerikaner wählen 1996 auch einen neuen
Kongreß. Entweder behalten die Republikaner ihre
derzeitige Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus, oder die Demokraten erobern sie in einer oder in
beiden Kammern zurück. Unabhängig davon, welche
Partei im Kongreß das Sagen hat, lassen die im
Zeitalter nach dem Kalten Krieg gemachten Erfahrungen auf eine Fortsetzung der überparteilichen amerikanischen Außenpolitik schließen. In 22 der letzten 50
Jahren stellte eine Partei den Präsidenten und hatte
gleichzeitig die Mehrheit in beiden Häusern des
Kongresses, 22 Jahre lang stellte eine Partei den
Präsidenten und die andere hatte die Mehrheit in
beiden Häusern des Kongresses, und sechs Jahre
lang teilten sich beide Parteien die Kontrolle des
Kongresses.
Der Kongreß und der Präsident haben oft unterschiedliche Ansichten zur Außenpolitik. Das Bemerkenswerte an diesen Meinungsverschiedenheiten ist
die Tatsache, daß sie nicht so sehr parteipolitischer
Natur als vielmehr themenbezogen sind. Beispielsweise wurde die demokratische Truman-Administration
1947 und 1948 beim Entwurf des Marshallplans und
der Verbreitung der Truman-Doktrin von einem
republikanischen Kongreß unterstützt. Andererseits
wurde die demokratische Johnson-Administration
wegen des Vietnamkriegs von Kongreßabgeordneten
aus den eigenen Reihen kritisiert.

Als die Demokraten 1993 und 1994 die Mehrheit im
Kongreß hatten, genoß die Clinton-Administration
zweifelsohne mehr Unterstützung der Gesetzgeber bei
außenpolitischen Fragen als unter dem republikanisch
dominierten Kongreß 1995 und 1996. Die letzten
beiden Jahre zeigen jedoch, daß Regierungserfahrung
zu einer Mäßigung der in der Hitze des Wahlkampfs
vertretenen extremen Positionen führt. Als die Republikaner 1995 den Kongreß neu gestalteten, schienen sie zur Abschaffung der für auswärtige Angelegenheiten zuständigen Institutionen, Streichung der
Auslandshilfe und Lähmung der Handels- und Menschenrechtspolitik der Clinton-Administration bereit.
1996 suchten die republikanischen Abgeordneten im
außenpolitischen Bereich jedoch nach Gemeinsamkeiten mit der Clinton-Administration.
Seit dem Ende des Kalten Krieges herrscht in den
Vereinigten Staaten breite Übereinstimmung hinsichtlich der Außenpolitik der Nation. Jüngste Meinungsumfragen deuten darauf hin, daß die meisten Amerikaner trotz Differenzen über Stil und Einzelheiten der
Ansicht sind, daß ein starkes Engagement der Vereinigten Staaten auf der Welt für ihr Land lebenswichtig ist. Ihres Erachtens benötigt Amerika in einem
immer noch gefährlichen Umfeld Freunde und Verbündete. Sie halten militärische Macht immer noch für ein
wichtiges Element bei internationalen Angelegenheiten. Sie möchten, daß ihr Land Demokratie, Menschenrechte, freie Märkte und freien Handel fördert.
Die Erfahrung der letzten 50 Jahre legt nahe, daß
entweder eine zweite Clinton-Administration oder eine
neue Dole-Administration diese grundlegenden
außenpolitischen Ziele verfolgen werden.

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16. Oktober 1996

Der Faktor Außenpolitik im amerikanischen
Präsidentschaftswahlkampf
von Stephen Hess

WASHINGTON - (AD) - Im nachfolgenden Artikel gibt der Verfasser Beispiele dafür, wann die Außenpolitik den
hauptsächlich innenpolitisch dominierten Präsidentschaftswahlkampf beeinflußt. Ein Auslöser kann Hess zufolge
eine Krise sein, die amerikanische Bürger - entweder als Soldaten oder als Geiseln - direkt betrifft.
Stephen Hess ist seit 1972 Senior Fellow für Regierungsstudien an der Brookings Institution in Washington. Er
war Redenschreiber für Präsident Eisenhower, stellvertretender Referent für städtische Angelegenheiten unter
Präsident Nixon und Berater Präsident Carters für die Neuorganisation des Präsidialamts. Hess ist Verfasser von
15 Büchern, darunter The Presidential Campaign, Organizing the Presidency sowie Presidents and the
Presidency.

Am ersten Sonntag im September, als der Präsident
den Einsatz von Marschflugkörpern gegen den Irak
anordnete, kritisierte Robert Dole die "Führungsschwäche" Bill Clintons beim Umgang mit Saddam
Hussein. Am nächsten Tag, nachdem die Marschflugkörper ihr Ziel erreicht hatten, kam der republikanische Präsidentschaftskandidat zu dem Schluß, daß
Angriffe auf seinen Gegner aus der Demokratischen
Partei ein Fehler gewesen waren und bot "ohne
Zögern oder Bedenken" den amerikanischen Streitkräften Unterstützung an. Die Reform Party von Ross
Perot weigerte sich jedoch, sich hinter den Präsidenten
zu stellen und erklärte: "Krieg ist kein Mittel für Politiker, ein positives Image zu kreieren und in den
Meinungsumfragen aufzuholen." Erstaunlicherweise
ist Außenpolitik bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen wieder zu einem Thema geworden.
Es ist erstaunlich, weil die amerikanischen Wähler
hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt sind und die
meisten Wahlen von innenpolitischen Überlegungen
dominiert werden, insbesondere der Wirtschaftslage.
Als Clintons Wahlkampfmanager von 1992, James
Carville, bei einer Besprechung erklärte: "Es ist die
Wirtschaft, du Dummerchen" - seine anschauliche
Methode, die Wahlkampfmitarbeiter zu warnen, nicht
von ihrer grundlegenden Botschaft abzulassen wiederholte er lediglich eine Binsenwahrheit der
amerikanischen Politik.

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Clinton hielt tatsächlich mehrere obligatorische
außenpolitische Reden, in denen er allgemein die
Bedeutung des Welthandels ansprach. Es gelang ihm
jedoch, von außenpolitischen Themen abzulenken, die
traditionell die Stärke der Republikaner gewesen sind erst unter Ronald Reagan, dem Kandidaten von 1980
und 1984, der sich oftmals um ein gegen die Sowjetunion gerichtetes Amt zu bewerben schien, und
anschließend unter George Bush, dessen Beliebtheitsgrad nach dem Golfkrieg auf 90 Prozent anstieg.
Es gibt verschiedene Arten, wie Außenpolitik und
nationale Sicherheitsfragen sich einen Platz im
vorwiegend innenpolitischen Terrain der amerikanischen Präsidentschaftswahlkämpfe erobern:
Die erste ist offensichtlich eine während des Wahlkampfs auftretende Krise, wie die irakische Militärinvasion in kurdisches Gebiet in diesem Jahr. Der Wahlkampf zwischen Dwight Eisenhower und Adlai Stevenson im Jahr 1956 gestaltete sich infolge von zwei
internationalen Krisen komplizierter - dem Aufstand in
Ungarn und dem Einmarsch von Israelis, Franzosen
und Briten in Ägypten. Alle Kandidaten, die nicht der
Regierungspartei angehören, machen sich Sorgen
über sogenannte "Oktober-Überraschungen", bei
denen die Nation daran erinnert wird, daß der Kandidat
der Regierungspartei auch Oberbefehlshaber der

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�Streitkräfte werden könnte. Und die Nation neigt zu
patriotischem Verhalten.
Zweitens: Wenn eine internationale Frage zu einer
innenpolitischen wird, weil sie amerikanische Bürger
entweder als Soldaten oder als Geiseln direkt betrifft.
Jüngste Beispiele sind der Koreakrieg, der Vietnamkrieg und die Stürmung der US-Botschaft im Iran 1979.
Diese Ereignisse hatten beträchtliche Auswirkungen
auf die Wahl von Eisenhower (1952), den Verzicht
Lyndon Johnsons auf eine erneute Kandidatur (1968),
die Wiederwahl Richard Nixons (1972) und die
Niederlage Jimmy Carters (1980).
Drittens: Ein Fehler eines Kandidaten, wie ihn beispielsweise Präsident Gerald Ford und Senator Barry
Goldwater begingen. Ford stellte bei seiner Debatte
1976 mit Carter eine falsche Behauptung hinsichtlich
der sowjetischen Vorherrschaft in Osteuropa auf,
während Goldwater, der 1964 Kandidat der Republikaner war, unaufgefordert eine Erklärung über die
Entlaubung in Vietnam aufgrund des Einsatzes von
Nuklearwaffen gab, was ihm das Image eines "Atombombers" verlieh.
Viertens: Die Kandidaten wissen, daß bestimmte
Länder für verschiedene Gruppen von Amerikanern
eine besondere Bedeutung haben. Doles Vorschlag,
im Mai 1999 die US-Botschaft nach Jerusalem zu
verlegen, gefällt den Amerikanern jüdischer Herkunft,
während Clintons Intervention im Friedensprozeß in
Nordirland von den Amerikanern irischer Herkunft
begrüßt wird. Die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zu Castros Kuba haben Auswirkungen in
Florida, einem Bundesstaat mit einer Vielzahl von
Wählerstimmen, ebenso wie Einwanderungsfragen in
Bundesstaaten mit einer Grenze zu Mexiko besondere
Bedeutung zukommt.
Fünftens: Die Kandidaten sprechen manchmal aufgrund früherer Erfahrungen und Interessen außenpolitische Fragen an. Mehrere Präsidentschaftskandidaten gehörten dem Senatsausschuß für auswärtige
Beziehungen oder dem Streitkräfteausschuß an.
George Bush war Botschafter in China, Vertreter der
Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen und
Direktor des Nachrichtendienstes CIA. Dole - der
einen Aufschub der bosnischen Wahlen mit der
Behauptung forderte, "diese Wahlen werden Betrug
sein, aber Betrug mit Billigung der Vereinigten Staaten" - hat seit langer Zeit bestehende, entschiedene
Ansichten über den Konflikt im ehemaligen Jugoslawien.
Sechstens: Die Kandidaten werden durch das Wahlprogramm ihrer Partei bestimmten Ansichten verpflichtet. Es gibt vergleichsweise große Unterschiede
in diesen Dokumenten, die bestimmen, warum die
Wähler für Republikaner, Demokraten oder eine der
kleineren Parteien stimmen. In den Wahlprogrammen

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von 1996 verpflichten sich die Republikaner beispielsweise, "die Verringerung der Verteidigungsausgaben
unserer Nation rückgängig zu machen", und die
Demokraten argumentieren, "die Republikaner wollen
mehr für die Verteidigung ausgeben als das Pentagon
beantragt". (Die Plattform der Reform Party befaßt
sich nicht mit internationalen Beziehungen.)
Jeder Erklärung zur wichtigen Rolle der Außenpolitik
bei den Wahlen müssen ernsthafte Bedenken entgegengehalten werden: In den Vereinigten Staaten gibt
es während der Präsidentschaftswahlkämpfe keine
verantwortungsbewußte Debatte über außenpolitische
Fragen. Die amerikanischen Wähler wissen nicht viel
über außenpolitische Angelegenheiten. Und das
außenpolitische Interesse der Wähler geht nicht über
den grundlegenden Wunsch nach Frieden hinaus.
Außenpolitik als Wahlkampfthema beschränkt sich auf
die Frage, wer das Land am besten aus einem Krieg
heraushalten kann. Sehr technische Fragen wie die
internationale Finanzlage oder sogar explosive
Situationen, die das amerikanische Militär mit großer
Wahrscheinlichkeit nicht betreffen, spielen für Wahlmandate keine Rolle. Die Appelle der Kandidaten sind
grundlegend, sogar primitiv. "Ich habe es schon früher
gesagt, und ich sage es immer wieder: Eure Jungs
werden nicht in irgendwelche Kriege ins Ausland
geschickt", erklärte Franklin Roosevelt 1940.
Da die Wähler weniger Interesse an außenpolitischen
als an innenpolitischen Fragen haben und weniger
darüber wissen, ist klar, daß die internationalen
Fragen, für die die Wähler sich interessieren, ein sehr
großes Anliegen darstellen. Die Außenpolitik wird nur
dann zu einer beherrschenden Wahlkampffrage, wenn
sie die Wähler an einer empfindlichen Stelle trifft. Das
Engagement der Amerikaner in Vietnam war ein
solcher Fall, und Perot würde gerne die Beteiligung der
Amerikaner am Nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA und am Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommen GATT zu einer weiteren entscheidenden Frage machen.
Senator Daniel Patrick Moynihan vertritt die weithin
verbreitete Meinung, "bei Wahlen präsentieren wir uns
selten von unserer besten Seite". In einem Wahlkampf
werden die Fragen immer stark vereinfacht, allzu sehr
dramatisiert und aufgebauscht. Vielleicht sollte man in
der Praxis nicht erwarten, daß Präsidentschaftswahlen
ein angemessenes Medium für eine objektive, gründliche, ausgewogene Überprüfung der Politik sind.
Obwohl diese Beobachtung für innenpolitische und
internationale Fragen gleichermaßen zutrifft, sind
letztere angesichts ihrer Komplexität, Geheimhaltung
und des begrenzten Wissens der Wähler noch unergründlicher. Daher kann man als Faustregel im
Wahlkampf festhalten: Alle Fragen werden schlecht,
und die außenpolitischen Fragen am schlechtesten
gehandhabt.

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�Es gibt keine geographischen oder geometrischen
Veränderungen in der amerikanischen Politik, die
darauf hindeuten, daß außenpolitische Themen bei
zukünftigen Wahlkämpfen mit größerer oder geringerer
Wahrscheinlichkeit angesprochen werden. Oder daß
sie mit mehr Verantwortungsbewußtsein als in der
Vergangenheit gehandhabt werden. Die Ironie liegt
darin, daß die außenpolitischen Versprechungen der
Kandidaten wahrscheinlich wenig mit den außenpolitischen Krisen gemein haben, mit denen ein
Präsident tatsächlich konfrontiert wird. Aufgrund der
jüngeren Geschichte kann man sagen, daß den

Wählern besser gedient wäre, wenn sich die Kandidaten mit den folgenden Fragen befassen würden:
Was würden Sie tun, wenn eine feindliche Macht
Angriffsraketen auf Kuba stationieren, wenn Nordkorea
eine Atomwaffe einsetzen oder wenn in Bosnien ein
Krieg zwischen Muslimen und Serben ausbrechen
würde? Bedauerlicherweise beantworten die Präsidentschaftskandidaten keine hypothetischen Fragen.
Täten sie es, wäre das Ergebnis weitaus interessanter
- und zweifelsohne nützlicher - als die jetzt beim
Präsidentschaftswahlkampf geführten außenpolitischen Debatten.

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16. Oktober 1996

Internationale Zusammenarbeit und Handel:
Schlüsselthemen der Demokraten
Interview mit Professor Zbigniew Brzezinski

WASHINGTON - (AD) - Professor Zbigniew Brzezinski zufolge spielt Außenpolitik zwar keine große Rolle bei
Präsidentschaftswahlkämpfen, der Nahe Osten und die NATO-Erweiterung sind jedoch zwei Themen, die "den
Ausgang der Wahlen beeinflussen, aber auf keinen Fall entscheiden könnten". Obwohl es nur marginale
Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten zum Thema Außenpolitik gäbe, behauptet er, die
Demokraten tendierten zu einer größeren Betonung von Handel, internationaler Zusammenarbeit und
ökologischen Belangen.
Brzezinski war Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Carter und Fakultätsmitglied der Universitäten
Harvard und Columbia. Jetzt ist Brzezinski Berater am Zentrum für strategische und internationale Studien und
Professor der amerikanischen Außenpolitik an der Schule für moderne internationale Studien der Johns Hopkins
University in Washington. Das Interview führte die freie Journalistin Wendy S. Ross im September 1996.

Frage: Welche Rolle spielt die Außenpolitik Ihrer
Ansicht nach im derzeitigen Präsidentschaftswahlkampf?

Das zweite Thema ist die NATO-Erweiterung. Dieses
Problem ist ein spezielles Anliegen, besonders für die
Amerikaner, die aus Zentraleuropa stammen.

Antwort: Ich glaube nicht, daß die Außenpolitik eine
wichtige Rolle im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf
spielt. Diese Kampagne konzentriert sich vornehmlich
auf innenpolitische Themen. Darüber hinaus gibt es
zu diesem Zeitpunkt keine größeren Krisen - mit
Ausnahme des irakischen Problems - die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit fesseln und ein echtes
Interesse an Außenpolitik wecken.

Die von dem jeweiligen Kandidaten zu diesen beiden
Themen eingenommenen Positionen könnten in
gewissem Maße das Wahlverhalten einiger wichtiger
religiöser und ethnischer Gruppen beeinflussen.

Frage: Gibt es außenpolitische Themen, die das
Wahlergebnis beeinflussen könnten?

Antwort: In etwas vager Weise tendieren die Demokraten eher zu einer Betonung von Multilateralismus,
internationaler Zusammenarbeit, ökologischen Belangen und so weiter. Mit anderen Worten: Wenn man
sarkastisch sein wollte, könnte man sie als die "Tagesordnung derjenigen, die Gutes tun" bezeichnen. Im
Gegensatz dazu sind die Republikaner mehr an
Fragen wie Macht, militärischer Bereitschaft und dem
nationalen Einsatz von Gewalt interessiert. Wiederum
vereinfacht, könnte man sie als die "SchwarzeneggerTagesordnung" bezeichnen.

Antwort: Es gibt einige Themen, die den Ausgang der
Wahlen beeinflussen, aber auf keinen Fall entscheiden
könnten. Vor allem zwei drängen sich auf. Das erste
ist der Nahe Osten. Dieses Thema könnte - aufgrund
der Probleme mit dem Irak, dem relativ kurz zurückliegenden Golfkrieg und dem großen Interesse vieler
Amerikaner an der Zukunft Israels - das Wahlverhalten
in einigen Teilen der Vereinigten Staaten beeinflussen.

Frage: Sehen Sie grundlegende philosophische
Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten bei außenpolitischen Themen?

Ich möchte jedoch betonen, daß dies nur marginale
Unterschiede sind. Und es gibt heute keine grundle-

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�gende philosophische Kollision zwischen Republikanern und Demokraten, teils, weil es keine größeren
internationalen Krisen gibt, die entscheidende Trennlinien schaffen.
Frage: Welche außenpolitischen Themen sind zu
diesem Zeitpunkt für die Demokratische Partei von
größter Bedeutung?
Antwort: Neben den von mir bereits erwähnten würde
ich Handel weit oben auf die Liste setzen, weil Handel
das Arbeitsleben in den Vereinigten Staaten betrifft,
eine besondere Bedeutung für die amerikanische
Erwerbsbevölkerung hat und mit dem Thema Wohlstand in Zusammenhang steht. Handel ist ein Bereich,
in dem die Clinton-Administration große Leistungen
vorweisen kann.
Frage: In welchem außenpolitischen Bereich haben
die beiden Präsidentschaftskandidaten Ihrer Ansicht
nach die größten Meinungsverschiedenheiten?
Antwort: Ich möchte nochmals betonen, daß es keine
grundlegenden, sondern nur marginale Meinungsverschiedenheiten gibt. Die Republikaner befürworten
beispielsweise eine etwas entschiedenere Reaktion
auf die jüngste Herausforderung durch den Irak. Von
den Republikanern weiß man, daß sie sich für ein
etwas früheres Datum der NATO-Erweiterung ausgesprochen haben als bisher von dem Kandidaten der
Demokratischen Partei angedeutet wurde.
Die Republikaner haben kritisiert, wie die Demokraten
das Thema China behandelten. Die Republikaner
tendierten zu einer Betonung der Menschenrechtsdimension. Bei diesem Thema gibt es jedoch unter
den Republikanern selbst Meinungsverschiedenheiten,
weil die Unternehmer, die vielleicht mehr dem republikanischen Kandidaten zugeneigt sind, kein
Interesse daran haben, die Menschenrechtsfrage zu
einem wichtigen Anliegen in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen zu machen.
Frage: Einige Republikaner sagen, die jüngsten
Luftangriffe auf den Irak seien in diesem Wahljahr aus
politischen Gründen ausgeführt worden. Wie lautet
Ihre Antwort auf diese Beschuldigungen?
Antwort: Ich glaube wirklich nicht, daß es sich hierbei
überhaupt um eine Beschuldigung handelt. In einem
Wahljahr können die von nationalen Interessen
geleiteten Entscheidungsträger offensichtlich die
politischen Konsequenzen außenpolitischer Entscheidungen nicht völlig außer Acht lassen. In der Tat
ist es so, daß die Vorgehensweise des Präsidenten im
Hinblick auf den Irak von den Republikanern generell
unterstützt wurde, aber dann erklärten sie, es müßte
mehr getan werden.

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Frage: Glauben Sie, daß die Politik in den vergangenen Wochen bei außenpolitischen Themen im Kongreß eine maßgebliche Rolle gespielt hat - beispielsweise bei der Senatsentscheidung, Maßnahmen zur
Chemiewaffenkonvention zu vertagen?
Antwort: Die Vertagung des Abschlusses der Chemiewaffenkonvention war eine politische Entscheidung, und die Bestrebungen, sie zu verabschieden,
waren ebenfalls eine politische Entscheidung. In
diesem Sinn haben beide Seiten ein politisches Spiel
gespielt und jeder kalkulierte, das negative Ergebnis
wäre für die andere Seite im innenpolitischen Bereich
schädlicher. Der Grund für die Vertagung war, daß die
Republikaner nicht als Gegner der Konvention ins
Protokoll eingehen wollten, gleichzeitig jedoch die
Ansicht vertraten, die Chemiewaffenkonvention sei
nichtsehr effektiv und einfach nur ein weiterer Vertrag
ohne jeden Biß.
Frage: Und die Meinung der Clinton-Administration
zur Chemiewaffenkonvention?
Antwort: Die Clinton-Administration äußerte, sie sei
dennoch ein Schritt zu einer internationalen Ordnung nicht idiotensicher, aber dennoch ein Schritt zu
engerer internationaler Zusammenarbeit bei der
Eindämmung der Verbreitung von Chemiewaffen.
Das waren die Argumente, die zu diesem Thema
vorgebracht wurden. Aber dahinter stand auf beiden
Seiten eine politische Rechnung. Die Demokraten
hofften, den Republikanern wäre es peinlich, wenn es
den Anschein hätte, daß sie in irgendeiner Weise
Chemiewaffen befürworteten, und die Republikaner
hofften, man könnte die Demokraten des Wunschdenkens bezichtigen.
Frage: Glauben Sie, daß die beiden großen politischen Parteien außenpolitische Themen während der
Präsidentschaftswahlkämpfe
besser
abhandeln
könnten?
Antwort: Diese Frage ist leicht zu beantworten. Die
Antwort lautet offensichtlich "Ja". Tatsache ist, daß
außenpolitische Themen im Verlauf dieses Wahlkampfs - und bedauerlicherweise während der meisten
Wahlkämpfe der vergangenen Jahre - nicht in ernsthafter und verantwortungsvoller Weise behandelt
wurden. Ich hoffe, daß es beispielsweise möglich sein
könnte - und meines Erachtens möglich sein sollte eine Debatte der Präsidentschaftskandidaten ausschließlich der Erörterung von Außenpolitik
zu
widmen. Ich hoffe, es ist möglich, ernsthafte Diskussionen zwischen den Anhängern der jeweiligen
Kandidaten zu führen, die sich mit den außenpolitischen Themen befassen. Solche Veranstaltungen
würden zur Information der Öffentlichkeit über außenpolitische Fragen beitragen und vielleicht eine klarere

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�Definition alternativer Ansätze zu außenpolitischen
Problemen herausarbeiten.
Frage: Wie schätzen Sie das Wissen der amerikanischen Öffentlichkeit über auswärtige Angelegenheiten und ihr Interesse daran ein?
Antwort: Ich muß sagen, daß es insgesamt relativ
gering ist. Die amerikanische Öffentlichkeit besitzt ein
sehr geringes Wissen der ausländischen Geschichte,
überhaupt kein Wissen ausländischer Geographie und
hat ein relativ geringes Interesse an auswärtigen
Angelegenheiten. Meines Erachtens ist dies die Folge
der kontinentalen Isolation, gewisser Unzulänglichkeiten im Bildungswesen, aber auch auf die amerikanischen Medien zurückzuführen, die sich nur mangelhaft mit Außenpolitik befassen.
Das habe ich besonders gemerkt, als ich im August
außerhalb von Washington war und im Radio die
Morgennachrichten von CBS hörte, die sich CBSWeltnachrichtenüberblick nennen. Es gab praktisch
nichts außer einer Zusammenfassung absolut trivialer
Geschichten, die sich fast ausschließlich um innenpolitische Angelegenheiten drehten. Obwohl die
Morgennachrichten Weltnachrichtenüberblick hießen,
erfuhr ich buchstäblich überhaupt keine Weltnachrichten. Dasselbe galt für die Abendnachrichten. An
dem Ort, an dem ich mich befand, konnte ich nur die
Fernsehnachrichten auf CBS TV empfangen, die auch
vorgeben, Weltnachrichten zu sein. Aber tatsächlich
gab es keine ernsthafte Berichterstattung über irgendein wichtiges internationales Thema.

mend auf den letzten Seiten. Tatsache ist, daß
Amerika sehr viel mehr mit sich selbst beschäftigt ist.
Die Institutionen und Organisationen, die den Horizont
der amerikanischen Öffentlichkeit erweitern könnten
und es meiner Meinung nach tun sollten, versagen
kläglich.
Frage: Welche Rolle spielte die Außenpolitik bei den
Präsidentschaftswahlkämpfen 1976 und 1980?
Glauben Sie, daß das Geiseldrama im Iran teilweise
dafür verantwortlich war, daß Carter 1980 nicht
wiedergewählt wurde?
Antwort: Meines Erachtens spielte die Außenpolitik
im Jahr 1976 auf zwei Ebenen eine Rolle. Zum einen
wurde die Entspannungspolitik von Nixon und Ford
von den Demokraten kritisiert, weil sie Menschenrechte nicht ausreichend berücksichtigte.
Und zum
anderen machte Präsident Ford in der Debatte der
Präsidentschaftskandidaten eine Aussage über
Osteuropa, die zu implizieren schien, daß der kommunistische Satellitenstaat Polen seiner Ansicht nach ein
völlig unabhängiger Staat sei. Das war für die Demokraten natürlich ein gefundenes Fressen, und sich
nutzten es politisch effektiv aus.
1980 trug das Geiseldrama im Iran zweifelsohne zur
Niederlage der demokratischen Administration bei.
Die demokratische Administration wurde als inkompetent, unentschlossen und schwach sowie einfach
unfähig angesehen, mit der andauernden nationalen
Demütigung fertigzuwerden.
Die Republikaner
brachten diese Punkte natürlich vor und konnten
dadurch politisch beträchtlich an Boden gewinnen.

Amerikanische Zeitungen, selbst führende nationale
Zeitungen, bringen internationale Nachrichten zuneh-

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16. Oktober 1996

Führungsrolle und Kontinuität:
Schlüsselthemen der Republikaner
Interview mit General Brent Scowcroft

WASHINGTON - (AD) - General Brent Scowcroft zufolge ist die Rolle der Außenpolitik beim derzeitigen
Präsidentschaftswahlkampf unerheblich und wird wahrscheinlich keinen großen Einfluß auf das Wahlverhalten
der Amerikaner haben, es sei denn, vor der Wahl finden auf der internationalen Bühne "dramatische Ereignisse"
statt. Die Schlüsselthemen der Republikaner im Bereich der Außenpolitik sind bei diesem Wahlkampf
"Führungsrolle und Kontinuität", so der General.
Scowcroft war Referent für nationale Sicherheitsfragen der Präsidenten Ford und Bush sowie Militärbeauftragter
unter Präsident Nixon. Im Rahmen seiner militärischen Laufbahn hatte Scowcroft Ämter in der Organisation der
Vereinigten Stabschefs, im Hauptquartier der US-Luftwaffe sowie im Büro des Abteilungsleiters für internationale
Sicherheitsfragen im Verteidigungsministerium inne. Scowcroft ist Gründer und Präsident von The Forum for
International Policy, einer überparteilichen, gemeinnützigen Organisation, die unabhängige Meinungen zu
wichtigen außenpolitischen Fragen abgibt. Ferner ist er Präsident von The Scowcroft Group, einer Beraterfirma
für weltweit expandierende und investierende Unternehmen. Das Interview führte der Chef vom Dienst Dian
McDonald im September 1996.

Frage: Wie würden Sie die Rolle der Außenpolitik im
derzeitigen Präsidentschaftswahlkampf charakterisieren?
Antwort: Ich würde sagen, sie ist wahrscheinlich so
unmaßgeblich wie bei allen Wahlkämpfen, an die ich
mich erinnern kann. Die Außenpolitik wird sporadisch
angesprochen, ist jedoch kein wichtiges Thema im
Wahlkampf.
Frage: Glauben Sie, daß es außenpolitische Themen
gibt, die zu diesem Zeitpunkt potentielle Auswirkungen
auf den Ausgang der Wahlen haben könnten?
Antwort: Das glaube ich nicht, es sei denn, es
geschehen dramatische Ereignisse, die Auswirkungen
haben würden. Aber abgesehen davon glaube ich das
nicht. Die Außenpolitik wird eine untergeordnete Rolle
beim Wahlkampf spielen. Und meines Erachtens wird
Präsident Clinton generell sagen, daß er in der
Außenpolitik ein guter Präsident war, daß er die
Tradition der amerikanischen Außenpolitik fortgesetzt
hat, stark gewesen ist und nicht vor dem Einsatz von

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Gewalt zurückschreckte, wenn dieser angebracht war.
Und Senator Dole wird wahrscheinlich sagen: "Es gibt
keine Führung. Unsere Politik war von einer Veränderung nach der anderen gekennzeichnet. Es gab
keine Kontinuität, keine Strategie. Wir benötigen eine
kontinuierliche Außenpolitik, die durch Stärke untermauert wird, und der Präsident hat eine Aushöhlung
unseres Militärs zugelassen." Mir scheint, daß dies
das zugrundeliegende Thema sein wird, aber es wird
nicht die Einstellung vieler Wähler ändern. Sollte
jedoch etwas dramatisches geschehen, wie etwa im
Irak, mit China und der Verbreitung von Raketen, dann
könnte das Auswirkungen auf die Wahl haben. Aber
das wäre ein unvorhergesehenes Ereignis.
Frage: Die amerikanische Politik gegenüber illegalen
Einwanderern wird als das umstrittenste außenpolitische Thema für Präsident Clinton und Senator
Dole bezeichnet. Stimmen Sie dieser Einschätzung
zu?
Antwort: Meiner Ansicht nach ist es ein äußerst
emotionsgeladenes Thema. Aber Ihre Formulierung ist

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�mir zu stark. Erstens möchte ich in Frage stellen, daß
es wirklich ein außenpolitisches Thema ist. Es ist ein
innenpolitisches Thema. Und es ist für einige wenige
wichtige Staaten wie Kalifornien, Texas und Florida
von entscheidender Bedeutung. Aber im übrigen Land
ist es ein eher abstraktes Thema und wird daher nicht
allzu viele Wähler beeinflussen.
Frage: Glauben Sie, daß es ein entscheidender Faktor
sein könnte, wie Kalifornien wählt?
Antwort: Ich denke, ja. Aber wie Sie wissen, ist man
dort nicht unbedingt nach Parteien in unterschiedliche
Lager gespalten. Es wird jedoch mehr als in jedem
anderen Staat in Kalifornien ein entscheidendes
Thema sein, danach vielleicht in Florida.
Frage: Welche außenpolitischen Themen sind für die
Republikanische Partei zum gegenwärtigen Zeitpunkt
von besonderer Bedeutung?
Antwort: Auch wenn es einige spezifische Themen
wie Bosnien und Haiti gibt, sind Führungsrolle und
Kontinuität die Themen, die die Republikaner betonen
würden.
Frage: Welche Rolle und welchen Charakter hat die
Sicherheitspolitik Ihrer Ansicht nach in den Wahlen,
jetzt, da der Kalte Krieg Geschichte ist?
Antwort: Während des Kalten Krieges waren die
Wahlen häufig das Forum von Debatten darüber, wer
gegenüber dem Kommunismus eine schwache
Haltung einnahm, wer unsere militärische Stärke nicht
aufrechterhielt und so weiter und so fort. Diese
Themen sind verschwunden. Und nach dem Ende des
Kalten Krieges ist das amerikanische Volk meines
Erachtens im Augenblick im Großen und Ganzen nicht
besonders an Außenpolitik interessiert.
Deshalb
werden die jeweiligen Wahlkampfmanager auf der
Suche nach Themen, die von Interesse für das Volk
sind, wahrscheinlich keine in der Außenpolitik finden,
weil es nichts mehr gibt, was die Menschen so interessiert, wie es die Bedrohung durch eine aggressive
Sowjetunion tat.
Frage: Sehen Sie einen grundlegenden philosophischen Unterschied zwischen den Republikanern und
den Demokraten bei außenpolitischen Themen?
Antwort: Ja, meiner Ansicht nach gibt es generelle
Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten. Aber wie Sie wissen, ist es etwas schwieriger,
diese Unterschiede auszumachen, weil es unterschiedliche Demokraten und unterschiedliche Republikaner gibt. Aber in dem Maße, in dem man eine
Unterscheidung treffen kann, würde ich sagen, daß
diese zweierlei Art ist. Zum einen ist es das Ausmaß,
in dem die militärische Stärke eine Rolle in der Außenpolitik spielen muß: Wie stark müssen wir militärisch im

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Vergleich zu unserer Wirtschaft sein? Und zum
anderen ist es wirklich das Ausmaß, in dem die
Themen Menschenrechte und Demokratie zu operativen Elementen der Außenpolitik werden. Es gibt
grundsätzliche Elemente für beide Parteien. Aber die
Demokraten tendieren dazu, sie operativer als die
Republikaner in dem Sinne zu machen, was unsere
Außenpolitik sein sollte.
Nehmen wir zum Beispiel China. Die Demokraten
pflegen zu sagen: "Das wichtigste im Hinblick auf die
amerikanisch-chinesischen Beziehungen ist die
Menschenrechtsbilanz Chinas, und wir müssen die
Chinesen bestrafen, bis sie ihre Menschenrechtsbilanz
in Ordnung gebracht haben." Die Republikaner
pflegen zu sagen: "China ist eine Großmacht. Wir
haben viele Interessen in China - viele sehr wichtige
Interessen, darunter auch die Menschenrechte. Aber
sie sollten die Beziehungen nicht dominieren."
Frage: Glauben Sie, daß die Republikaner während
dieses Wahlkampfs zögern, die außenpolitische Bilanz
des Präsidenten zu kritisieren?
Antwort: Nein, meines Erachtens zögern sie überhaupt nicht. In der Tat glaube ich, daß es eine gewisse Tendenz dazu gibt, insbesondere im Hinblick auf
die Führungsrolle. Aber wie ich bereits gesagt habe,
wird die Außenpolitik kein vorherrschendes Thema
sein, da sie den amerikanischen Wähler nicht so sehr
zu interessieren scheint.
Frage: Könnten Sie kurz Präsident Bushs wichtigste
außenpolitische Erfolge zusammenfassen, und
glauben Sie, daß der amerikanische Wähler diese
Leistungen im Präsidentschaftswahlkampf 1992 aus
dem Blick verloren hat?
Antwort: Meiner Ansicht nach gab es eine Reihe
wichtiger Leistungen. Die herausragendste war das
Ende des Kalten Krieges. Es war natürlich nicht
George Bush, der das Ende des Kalten Krieges
bewirkte. Hier waren Elemente im Spiel, die nicht nur
einer bestimmten Person zugeschrieben werden
können. Aber die Tatsache, daß eine so tiefgehende
und bittere Konfrontation, wie diejenige, die den Kalten
Krieg motivierte, in so kurzer Zeit enden konnte, ohne
daß ein Schuß abgefeuert wurde, ist meines Erachtens
erstaunlich. Und die Tatsache, daß der Kalte Krieg wenn Sie so wollen - stillschweigend endete und nicht
mit einer Atombombe, war eine besondere Leistung
von George Bush. Dazu kam seine Fähigkeit, die
Sowjetunion dazu zu bringen, nicht nur die Wiedervereinigung Deutschlands zu akzeptieren, sondern auch
eine Wiedervereinigung innerhalb der NATO.
Die andere Leistung, wegen der die meisten Menschen heute George Bush erinnern werden, ist der
Golfkrieg. Und da hat er meiner Ansicht nach hervorragende Arbeit geleistet in dem Sinne, daß er die

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�Aggression erkannte und eine Koalition zur Eindämmung der Aggression und ihrer Abwehr mobilisierte. Er mobilisierte die internationale Staatengemeinschaft über die Vereinten Nationen, um diese Aggression zu verurteilen und die Aktionen zu ihrer
Abwehr zu genehmigen.
Und nachdem er diese Ziele erreicht hatte, beendete
er den Golfkrieg. Dies ist einer der eindeutigsten Fälle,
wie man mit einer nicht provozierten Aggression
umgehen sollte. Ob ich glaube, daß der amerikanische Wähler diese Leistungen im Jahr 1992 aus dem
Blick verloren hat? Ich denke folgendes. Das Ende
des Kalten Krieges vollzog sich - aus der Perspektive
des amerikanischen Volkes - so mühelos, daß es
irgendwie unvermeidlich schien und niemand viel
Aufmerksamkeit darauf verwendete, wievieler Mühen
es bedurfte, daß er auf diese Weise endete. Präsident
Bush erhielt enorm viel Zustimmung für den Golfkrieg.
In der Tat stieg seine Popularität auf ungefähr 90
Prozent. Aber das Gedächtnis der Menschen ist kurz,
es gab eine wirtschaftliche Malaise im Inland und dann
erklärte der damalige Gouverneur Clinton erfolgreich:
"Unsere wirklichen Probleme liegen hier im Inland, und
wir haben einen Präsidenten, der zuviel Zeit für die
Außenpolitik aufwendet."
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß die Republikaner
und/oder Demokraten in Präsidentschaftswahlkämpfen
außenpolitische Themen geschickter handhaben
könnten? Und wenn das der Fall ist, welchen Rat
würden Sie ihnen zur Verbesserung des Umgangs mit
Außenpolitik bei den amerikanischen Wahlen geben?
Antwort: Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten.
Meines Erachtens sollte - soweit das möglich ist Außenpolitik im Wahlkampf entsprechend ihrer
Verdienste behandelt werden. Das ist jedoch sehr
schwierig. Bisher haben die Parteien - wenn während
eines Wahlkampfs Krisen auftraten - im Schulterschluß
einstimmig gehandelt. Meiner Meinung nach sollte

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Außenpolitik ein Wahlkampfthema sein, wird aber
hoffentlich vor dem Hintergrund ihrer Leistungen und
nicht ihrer Persönlichkeiten erörtert. Ich bin jedoch
nicht sehr optimistisch, daß das geschieht.
Frage: Könnten Sie vor dem Hintergrund Ihrer derzeitigen Tätigkeit im The Forum for International
Policy und der The Scowcroft Group noch etwas
über das Wissen der amerikanischen Öffentlichkeit
über außenpolitische Angelegenheiten und ihr Interesse daran sagen? Wie könnte man den jetzigen
Zustand ändern und würden Sie empfehlen, das
Interesse der Amerikaner an internationalen Fragen zu
vertiefen?
Antwort: Das derzeitige Wissen ist relativ gering, und
geringer als während der meisten Zeit im Kalten Krieg.
Meiner Meinung nach ist das darauf zurückzuführen,
daß das amerikanische Volk traditionsgemäß relativ
isoliert ist, Außenpolitik zwei große Ozeane entfernt
stattzufinden scheint und kein Bestandteil unseres
täglichen Lebens ist. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem
wir wahrscheinlich entweder die Grundlage für eine
Welt schaffen, die besser mit unseren Werten vereinbar ist, oder zulassen, daß die Welt einmal mehr in
einen Gefahrenzustand abdriftet, aus der wir sie - wie
schon so oft in diesem Jahrhundert - retten müssen.
Es gibt viele Menschen, die diese Botschaft verbreiten
können, und The Forum for International Policy
bemüht sich ebenfalls darum. Letztlich obliegt es
jedoch insbesondere dem amerikanischen Präsidenten, immer wieder darauf hinzuweisen, daß
Außenpolitik wichtig ist und warum sie wichtig ist und
alles zur Förderung unserer Interessen zu unternehmen. Wieder einmal verläßt sich das amerikanische
Volk in Friedenszeiten darauf, daß sein Präsident das
Richtige tut. Und es gibt ihm eine Menge Spielraum.
Daher ist die vom Präsidenten übernommene Führungsrolle meines Erachtens von entscheidender
Bedeutung.

* * *

*

Seite 3

�WAHLEN

'9 6
16. Oktober 1996

Außenpolitik und der Präsidentschaftswahlkampf 1996
Wichtige Internetseiten

Anmerkung: USIS übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt und die Verfügbarkeit der genannten Quellen.
Diese liegt ausschließlich bei den Anbietern.

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http://dolphin.gulf.net/Political.html

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AllPolitics Presidential Candidates and Issues: Foreign
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http://allpolitics.com/issues/topics/foreign.shtml

The Jefferson Project -- Campaign '96
http://www.voxpop.org/jefferson/

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http://www.clark.net/ccentral/
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The Democratic National Committee -- The Democratic
Party Online
http://www.democrats.org/
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http://www.dole96.com/main/
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AMERIKA DIENST 20

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http://ksgwww.harvard.edu/~7Eksgpress/opinhome.
htm
1996 Presidential and Congressional Elections
http://www.usis-canada.usia.gov/election.htm
Official Reform Party Website
http://www.reformparty.org
PoliticsNow -- Issues -- Foreign Policy
http://www.politicsnow.com/issues/fpolicy/
Republican National Committee -- Republican Main
Street!
http://www.rnc.org/
Road to the White House
http://www.ipt.com/vote/
Ross Perot for President -- Official WWW Site
http://www.perot.org/
Showdown '96: Foreign Policy and Defense
http://www.iguide.com/pol_govt/showdown/issues/for
eig.htm
The Top 10 Political Web Sites
http://top10.imgis.com/
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http://www.usyd.edu.au/su/acas/elections.html

Seite 1

�W AH L E N '9 6
16. Oktober 1996

Außenpolitik und der Präsidentschaftswahlkampf 1996
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* * * * * *

AMERIKA DIENST 20

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 16.10.1996</text>
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            <description>An account of the resource</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wahlen'96&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Beständigkeit einer überparteilichen Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert D. Schulzinger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Faktor Außenpolitik im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Stephen Hess&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Zusammenarbeit und Handel: Schlüsselthemen der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Professor Zbignlew Brzezinski&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Führungsrolle und Kontinuität:&lt;br /&gt;Schlüsselthemen der Republikaner&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit General Brent Scowcroft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außenpolitik und der Präsidentschaftswahlkampf 1996&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wichtige Internetseiten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außenpolitik und der Präsidentschaftswahlkampf 1996&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bibliographie&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

19

2. Oktober 1996

VEREINTE NATIONEN

DIE PRIORITÄTEN DER USA BEI DER
51. UN-GENERALVERSAMMLUNG
Rede von Botschafterin Albright

NAFTA

SCHAFFUNG VON ARBEITSPLATZEN UND
SCHUTZ DER UMWELT MÜSSEN HAND
IN HAND GEHEN
Rede von Staatssekretär Timothy Wirth

WIRTSCHAFT

POLITIKER MUSSEN UNBESTÄNDIGKEIT
DES KAPITALFLUSSES BEKÄMPFEN
Rede des Stellvertretenden Finanzministers
Lawrence Summers

ARBEIT

DIE SCHAFFUNG VON ARBEITSPLÄTZEN
UND BESCHÄFTIGUNGSCHANCEN
Der Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten

1993-1996
- Überarbeitete Version -

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�VEREINTE

NATIONEN
2. Oktober 1996

Die Prioritäten der USA bei der
51. UN-Generalversammlung
Rede von Botschafterin Albright

NEW YORK - (AD) - Die Vereinigten Staaten sehen die 51. Sitzungsperiode der UN-Generalversammlung als
Möglichkeit, bei wichtigen Fragen, die das Leben der Menschen überall auf der Erde beeinflussen, wirkliche
Fortschritte zu machen, insbesondere beim Schutz vor Terrorismus, Korruption und Verbrechen, Drogen und
illegalen Waffenverkäufen, erklärte die Botschafterin der Vereinigten Staaten von Amerika bei den Vereinten
Nationen, Madeleine Albright, am 18. September 1996. Bei einer Pressekonferenz im Zentrum für die
ausländische Presse des US-Informationsamts (United States Information Agency - USIA) legte Albright die fünf
Hauptziele der US-Delegation bei der 51. Generalversammlung dar, die am 17. September offiziell eröffnet wurde.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der von Botschafterin Albright abgegebenen Erklärung.

Ich freue mich, heute Nachmittag hier sein und mit
Ihnen die Prioritäten der Vereinigten Staaten bei der
51. Sitzungsperiode der UN-Generalversammlung
erörtern zu können.
Wir erachten dieses Jahr als Chance, echte Fortschritte bei der Erlangung der Ziele zu machen, die
Auswirkungen auf das Leben der Menschen überall
haben. Das historische Beispiel für die Fähigkeit der
Nationen auf der ganzen Welt zur Zusammenarbeit für
das Gemeinwohl ist uns noch frisch im Gedächtnis.
Letzte Woche unterstützten Nationen jeder Größe und
aus jedem Kontinent den Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Nuclear Test Ban
Treaty - CTBT) - einen Vertrag, der am Rande der UNGeneralversammlung nächste Woche zur Unterzeichnung ausgelegt wird. Wir hoffen, daß wir während der
ganzen bevorstehenden Generalversammlung auf
diesem Geist der zukunftsorientierten Zusammenarbeit
aufbauen können.
Der CTB-Vertrag soll die durch die nukleare Weiterverbreitung und die Möglichkeit eines Atomkriegs entstehenden Risiken für die Welt verringern. Diesen
Herbst wird die Generalversammlung gebeten werden,
auf andere Bedrohungen der Sicherheit und des
Wohlergehens unserer Bürger zu reagieren.

AMERIKA DIENST 19

Wie Präsident Clinton in seiner Rede vor der UNGeneralversammlung im vergangenen Jahr erklärte,
ist internationale Zusammenarbeit von wesentlicher
Bedeutung, wenn alle Menschen vor den die moderne
Welt konfrontierenden Gefahren sicher sein wollen.
Wir werden alle - in unterschiedlichem Ausmaß und
auf verschiedene Art und Weise - von feindlichen
transnationalen Kräften bedroht, darunter Terrorismus,
Korruption und Verbrechen, Drogen und illegale
Waffenverkäufe.
Wir alle haben ein Interesse am Umgang mit den
globalen Herausforderungen der Linderung von Armut,
Eindämmung von Krankheit, des Erhalts einer gesunden Umwelt und der Vergrößerung der Chancen für
Frauen. Und unsere Menschen werden alle von den
Bestrebungen zur Bekämpfung von Intoleranz, Förderung der Respektierung von Menschenrechten und
Ausweitung der Rechtsstaatlichkeit profitieren.
Diesen Herbst werden sich die Vereinigten Staaten im
Rahmen der Beratungen der Generalversammlung für
jedes dieser Ziele einsetzen.
Erstens suchen wir Unterstützung für eine Initiative
zum Entwurf, Aushandeln und Abschluß einer Konvention gegen Terroranschläge: Terrorismus ist eine
Plage, die sich bis in jeden Winkel der Erde ausgebreitet hat. Wir müssen uns gemeinsam für die Ab-

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�schreckung, Verhütung und Bestrafung terroristischer
Aktionen einsetzen. Und wir müssen denjenigen, die
solche Aktionen in Erwägung ziehen, klarmachen, daß
die internationale Staatengemeinschaft sie geeint
bekämpfen wird, falls sie dieser bösartigen Versuchung nachgeben.
Zweitens werden wir weiterhin mit den Mitgliedstaaten
daran arbeiten, unserer Unterstützung für Bestrebungen zur Beilegung seit langer Zeit bestehender
regionaler Differenzen im Nahen Osten und andernorts
möglichst starken Ausdruck zu verleihen. Die Vereinten Nationen haben eine Verantwortung zur
Unterstützung von Anstrengungen zur Erlangung des
Friedens durch ausgewogene und konstruktive
Resolutionen, die diejenigen ermutigen sollen, die zur
Übernahme von Risiken um des Friedens willen bereit
sind.
Drittens werden wir einer Resolution sehr hohe
Priorität einräumen, die möglichst baldige Unterstützung für ein internationales Abkommen über das
Verbot der Nutzung, Lagerung, Produktion und
Weitergabe von Antipersonenminen fordert.
Ich
brauche denjenigen unter Ihnen, die aus von Bürgerkriegen heimgesuchten Ländern kommen, nicht zu
sagen, daß Landminen wahllos töten und sich unter
den Opfern mehr Kinder als Soldaten befinden. Minen
sind billig, im Überfluß vorhanden, langlebig, schwer
zu entdecken und tödlich. Gemeinsam können wir
dieser Geißel ein Ende setzen. Das wäre wahrlich ein
Geschenk für zukünftige Generationen.
Viertens werden wir uns für eine internationale Erklärung über Bürgersicherheit einsetzen, die weitverbreitete Entschlossenheit zur Bekämpfung transnationalen Verbrechens in all seinen Formen bekundet.
Fünftens haben wir die Verabschiedung einer Erklärung der Vereinten Nationen über Korruption und
Bestechung bei transnationalen Geschäftsaktivitäten
eingeleitet und streben ihre Annahme an.
Zusätzlich werden die erfolgreiche Leitung und
Durchführung der Friedenssicherungsoperationen der
UNO für die Vereinigten Staaten wie auch für die
meisten anderen Nationen hohe Priorität haben.
Die UN-Mitgliedstaaten müssen auch während dieser
Generalversammlung zusammenarbeiten, um die
Vereinten Nationen auf eine solidere Finanzgrundlage
zu stellen. Das erfordert eine Reihe von Schritten.
Erstens benötigen wir Haushaltsdisziplin. Die regulären Ausgaben für 1996-97 dürfen die vergangenen
Dezember gebilligte Zahl von 2,6 Milliarden Dollar nicht
überschreiten.

Seite 2

Zweitens befürworten die Vereinigten Staaten eine
Überarbeitung der Einstufungsmaßstäbe der UNO, um
fairere Lastenteilung, besseren Finanzfluß und ein
stärkeres Gefühl für gemeinsame Verantwortung
herbeizuführen. Unseres Erachtens ist es wichtig,
dieses Jahr die Überarbeitung abzuschließen, die
derzeitige Anomalien beseitigt und eine Obergrenze
von 25 Prozent für den Beitrag eines Landes zu
Friedenssicherungsoperationen festlegt.
Diese
Veränderungen würden die Abhängigkeit der Vereinten
Nationen von Beiträgen aus einer Quelle verringern
und gleichzeitig die dramatischen wirtschaftlichen
Veränderungen genauer widerspiegeln, die sich
während des letzten Jahrzehnts ereigneten.
Meine Regierung macht sich große Sorgen über die
Finanzlage der Vereinten Nationen, und wir sehen die
Probleme im Zusammenhang mit den jüngsten
Ausfällen amerikanischer Beitragszahlungen.
Dementsprechend arbeitet meine Administration mit
den Kongreßabgeordneten zusammen, damit wir
unseren Verpflichtungen nachkommen. In Anerkennung der von den Vereinten Nationen unternommenen
ersten Schritte und in Erwartung eines fortgesetzten
Engagements für Reformen stellte der Kongreß für
Zahlungen an die UNO im Kalenderjahr 1995 1,5
Milliarden Dollar zur Verfügung, einschließlich freiwilliger Zahlungen. Dieses Jahr haben beide Häuser des
Kongresses die geschätzten erforderlichen Gelder für
amerikanische Beitragszahlungen an die Vereinten
Nationen für Friedenssicherungsoperationen und den
regulären Haushalt vollständig bewilligt. Das Repräsentantenhaus billigte auch - unter der Bedingung
fortgesetzter Finanzdisziplin und Reformen - die
Zahlung eines Teils der noch ausstehenden amerikanischen Beiträge.
Mit Blick auf die Zukunft ist klar, daß eine Kombination
von Ausgabenbeschränkungen und gemeinsamer
Verantwortung erforderlich ist, wenn wir einen angemessenen und verläßlichen Finanzfluß für Aktivitäten und Programme der Vereinten Nationen gewährleisten wollen.
Schließlich werden wir mit anderen Mitgliedern
zusammenarbeiten, um Effektivität, Reaktionsvermögen und Verantwortlichkeit der Vereinten Nationen
zu verbessern. Im vergangenen Jahr wurden beträchtliche Fortschritte bei der Festlegung von Prioritäten der
Aktivitäten, bei der Abschaffung veralteter Mandate
sowie der Verringerung von Überlappung mit der
UNCTAD, den regionalen Ausschüssen und den
Sonderorganisationen gemacht. Es muß noch viel
mehr getan werden.
Zu diesem Zweck entwickelt die hochrangige Arbeitsgruppe zur Stärkung des UN-Systems (High-Level
Working Group on Strengthening the UN System HLWG) eine Reihe von Reformempfehlungen, an-

AMERIKA DIENST 19

�gefangen mit der Generalversammlung und dem
Sekretariat.
Die Vereinigten Staaten haben ein
Kompendium spezifischer Reformvorschläge zur
Prüfung durch die Arbeitsgruppe in Umlauf gebracht,
und wir befürworten eine Fortsetzung des Mandats der
Gruppe, damit sie ihre Arbeit beenden kann.
Zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben muß die
Generalversammlung ihre Bestrebungen zur Lösung
der äußerst schwierigen Frage einer Erweiterung und
Reform des Sicherheitsrats fortsetzen. Die amerikanische Position zu dieser Angelegenheit lautet, daß die
Effektivität des Rates gewahrt werden muß; Deutschland und Japan sollten ihm als ständige Mitglieder
beitreten; alle Regionen der Welt sollten gerecht
vertreten sein; die Gesamtzahl der Mitglieder sollte 20

*

AMERIKA DIENST 19

nicht überschreiten, und die Rechte der derzeitigen
ständigen Mitglieder sollten nicht verändert werden.
Zusammenfassend sind die Vereinigten Staaten der
Ansicht, daß unsere kollektiven Bestrebungen in der
Generalversammlung in den kommenden Wochen auf
die Förderung der Ziele Sicherheit, Wohlstand und
Frieden ausgerichtet sein sollten, die im Mittelpunkt
der Arbeit der Vereinten Nationen stehen. Ferner
müssen wir weitere Fortschritte bei der Reform der
Organisation machen, damit die UNO einen geringeren
Prozentsatz ihrer Mittel für allgemeine Verwaltungskosten und mehr Geld für Programme und Dienstleistungen ausgibt, die Menschenleben retten oder
bereichern.

* * *

*

Seite 3

�NAFTA
2. Oktober 1996

Schaffung von Arbeitsplätzen und
Schutz der Umwelt müssen Hand in Hand gehen
Rede von Staatssekretär Timothy Wirth

WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration engagiert sich für eine Beendigung des "Fehlverhaltens" der
Vergangenheit, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Umweltschutz als widersprüchlich anzusehen, erklärte der
Staatssekretär für globale Angelegenheiten im US-Außenministerium, Timothy Wirth, am 18. September 1996 bei
einer Konferenz über die umweltpolitischen Auswirkungen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens
(North American Free Trade Agreement - NAFTA). Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der
Erklärung des Staatssekretärs.

Vielen Dank. Ich freue mich, heute hier zu sein und
über die bedeutenden Fortschritte zu sprechen, die bei
der Verknüpfung der eng zusammenhängenden
Interessen freier Handel und Umweltschutz gemacht
wurden.
Wie Sie alle wissen, gab es in den letzten Jahren nur
wenige Dinge, die interessanter, fesselnder oder
komplexer waren als Handel und Umwelt. Bereits seit
Jahrhunderten befaßt man sich weltweit mit Handelspolitik, aber im Laufe der letzten 50 Jahre entwickelte
sie sich im Zuge der Woge von Protektionismus, die
charakteristisch für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg
war, zu einer Hauptaufgabe des internationalen
Engagements. Angesichts der negativen Auswirkungen des Protektionismus wurden das GATT und
ähnliche Mechanismen entwickelt, um ein offeneres
und freieres Handelssystem zu fördern, das weltweit
mehr Arbeitsplätze schaffen und einen höheren
Lebensstandard bieten kann.
In ähnlicher Weise haben wir erkannt, daß unser
Lebensstandard und unsere Lebensqualität von den
unsere Wirtschaft und unsere Welt umgebenden
Ökosystemen abhängen. Wir in den Vereinigten
Staaten haben einen umfassenden Gesetzesrahmen
geschaffen, um die Gesundheit des Menschen zu
schützen, die Artenvielfalt zu bewahren und die
Umwelt zu erhalten. Ebenso wie beim Handel ist auch
im Bereich der Umwelt unser Verständnis für die
Zusammenhänge gewachsen. Folglich sind wir zu der

Erkenntnis gelangt, daß internationaler Konsens und
gemeinsame Entschlossenheit das Beste sind, um die
Bestrebungen zum Schutz der Umwelt zu realisieren.
Dies führte zur Entwicklung einer Sammlung nationaler
und internationaler Umweltgesetze, die in ihrer Komplexität den Handelsgesetzen Konkurrenz machen.
Diese beiden Trends - die Betonung eines offeneren
Handelssystems im Dienste unserer gemeinsamen
wirtschaftlichen Zukunft sowie die Betonung erweiterter Bestrebungen, um mehr für unsere gemeinsame umweltpolitische Zukunft zu unternehmen überschneiden sich jetzt. Infolgedessen besteht breite
Übereinstimmung, daß wir bei der Rationalisierung
dieser beiden internationalen Prioritäten erfolgreicher
sein müssen, um globalen Fortschritt zu fördern und
tragfähige Entwicklung zu realisieren - das beim
Erdgipfel vor zwei Jahren verfochtene Konzept.
Daß diese beiden Politikbereiche sich gegenseitig
beeinflussen, ist offensichtlich. Die Handelspolitik
kann eine mächtige Determinante der Qualität der
Umwelt sein, indem sie den Fluß von Investitionen und
Gütern reguliert, die Auswirkungen auf die Umwelt
haben. Umgekehrt kann die Umweltpolitik bedeutende
Auswirkungen auf den Handel haben, beispielsweise
durch die Festlegung von Produktionsstandards oder
das Verbot der Verwendung bestimmter Güter.
In einer idealen Welt sollte es keinen inhärenten
Konflikt zwischen Handels- und Umweltpolitik geben.

AMERIKA DIENST 19

Seite 1
\

�Ein gut funktionierender freier Markt - der alle Marktund anderen Kosten internalisiert - sollte das Verhalten
der Produzenten und Konsumenten so lenken, daß ein
Maximum an wirtschaftlichem Wohlergehen und
Umweltschutz erreicht wird.
Bedauerlicherweise
werden wir uns erst jetzt vieler der marktunabhängigen
Umweltkosten bewußt, während wir die Komplexität
und Zerbrechlichkeit der Natur besser verstehen
lernen. Und bis es uns gelingt, unsere Wirtschaftsund Umweltpolitik - im Inland und auf der Welt - stärker
zu integrieren, müssen wir uns alle an den internationalen Bestrebungen beteiligen - und dabei meines
Erachtens sogar eine führende Rolle übernehmen -,
Handels- und Umweltpolitik in Einklang zu bringen.
Diese Administration trat ihr Amt mit der Verpflichtung
an, dem Fehlverhalten ein Ende zu setzen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Umweltschutz als widersprüchlich anzusehen. Der Präsident und der Vizepräsident haben stattdessen versprochen sicherzustellen,
daß die beiden Hand in Hand gehen - wie das sein
muß. Es ist unsere Herausforderung und unsere
Absicht, eine führende Rolle bei den internationalen
Bestrebungen zu übernehmen, diese Fragen global zu
verbinden, um das Versprechen tragfähiger Entwicklung zu erfüllen.
Das beinhaltet bedauerlicherweise äußerst komplexe
Angelegenheiten, die schwierige Fragen über folgende
Themen aufwerfen:
Die Ratsamkeit und Möglichkeit der Annahme
internationaler Umweltschutznormen. Wie
können wir am besten die steigende Harmonisierung von Normen ermutigen, damit sie
einen effektiveren Umweltschutz gewährleisten?
Souveränität und die Beilegung von Streitigkeiten. Welche Mechanismen und Institutionen sind zur Beilegung von Streitigkeiten
erforderlich?
Analyse des Produktzyklus. Wie beeinflussen
Anforderungen an Etikettierung, Verpackung
und Recycling den Handel, und stellen sie
legitime Umweltstrategien oder versteckte
Handelsrestriktionen dar?
Subventions- und Investitionsmuster. Beeinflussen Subventionen, Investitionspolitik und
das Niveau von Produktnormen handeis- und
umweltpolitische Ziele?
Diese Themen werfen eine Reihe weiterer Fragen
darüber auf, wie tragfähige Entwicklung unter in
unterschiedlichen Entwicklungsstadien befindlichen
Nationen gefördert werden kann. Im wesentlichen
fürchten die Entwicklungsländer, daß die steigende
Ermutigung umweltpolitischer Belange die Entwick-

Seite 2

lungsmöglichkeiten einschränkt. Daher bleibt eine
breite Kluft zwischen Nord und Süd bestehen, obwohl
einige Fortschritte bei der Entwicklung eines gemeinsamen Rahmens für die Bewältigung dieser Fragen
innerhalb der OECD gemacht wurden.
Aus diesem Grund nutzen wir das Aufkommen von
Organisationen wie der Welthandelsorganisation WTO,
dem Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche
Zusammenarbeit APEC, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO,
der Kommission für internationalen Handel mit gefährdeten Arten sowie einer Vielzahl anderer Foren zur
Förderung von Umweltschutz, sorgsam abgewogen
gegen das Wachstum des freien Handels und seine
Vorteile. Fall um Fall und Forum um Forum haben wir
Führungstellen geschaffen, die die enge Verbindung
zwischen Umweltschutz und Welthandel fördern.
Der eindrucksvollste Wegweiser, den wir haben, ist
auch der Hauptgegenstand der hier stattfindenden
Diskussionen - das drei Jahre alte Nordamerikanische
Freihandelsabkommen NAFTA. Einer der Gründe,
warum diese Administration das NAFTA und seine
Zusatzabkommen so entschieden unterstützte, waren
seine bahnbrechenden historischen Bestrebungen,
Handels- und Umweltpolitik in Einklang zu bringen.
Das NAFTA unterstützte den entstehenden Konsens,
daß wir im internationalen Handelssystem dem
lokalen, nationalen, regionalen und globalen Umweltschutz Priorität einräumen müssen. Erstmals besteht
eines der Ziele einer bedeutenden Handelsvereinbarung in der Förderung tragfähiger Entwicklung. Zur
Erlangung dieses Ziels:
legt das NAFTA-Paket Investitionsvorschriften fest, die eine Senkung bestimmter Normen zum Zweck der
Anziehung von Investoren entmutigen
und stattdessen die Durchführung von
Umweltschutzmaßnahmen zur Regelung von Investitionsaktivitäten gestatten;
unterstützt und bevorzugt das
NAFTA-Paket ausdrücklich handelspolitische Maßnahmen, die in bestimmten internationalen Umweltabkommen gefordert werden - wie
dem Montrealer Protokoll über die
Ozonschicht schädigende Substanzen;
bewahrt das NAFTA-Paket die amerikanischen Umwelt-, Gesundheits- und
Sicherheitsstandards auf allen Regierungsebenen - ein wichtiges Anliegen.

AMERIKA DIENST 19

�Die BECC bestätigte die mögliche Finanzierung von 10 Projekten und entwickelte nach
längerer Vorlaufzeit neue Richtlinien, die jetzt
der Öffentlichkeit vorgelegt werden, um eine
effektivere Prüfung von Projekten und eine
aggressivere Förderung
von tragfähiger
Entwicklung zu erreichen.

Ebenso wichtig ist, daß das NAFTA verschiedene
bedeutende Institutionen ins Leben rief - einschließlich
der Kommission für umweltpolitische Zusammenarbeit
(Commission for Environmental Cooperation - CEC),
dem wichtigsten Träger für die Überwachung und
Erlangung dieser Ziele; der Kommission für umweltpolitische Zusammenarbeit an den Grenzen (Border
Environmental Cooperation Commission - BECC), die
mit den Kommunalbehörden an der Entwicklung von
Plänen für Umweltinfrastrukturprojekte und ihrer
Zertifizierung arbeitet; und der Nordamerikanischen
Entwicklungsbank (North American Development Bank
- NADBank), die Kapital aus dem Privatsektor zur
Finanzierung von durch die BECC zertifizierten
Projekten zur Verfügung stellt.
Es ist kein Geheimnis, daß diese Institutionen für ihren
Aufbau und ihr effektives Funktionieren Zeit brauchten
- mehr als erwartet. Insgesamt gesehen vertritt die
Administration jedoch die Ansicht, daß das NAFTA ein
Erfolg ist.
Bei seinem Treffen im letzten Monat gab der
Rat der CEC Aktionspläne für die Kontrolle
von vier hartnäckigen toxischen Stoffen
bekannt, die unsere Hemisphäre verschmutzen. Unsere trilaterale Zusammenarbeit wird
unseres Erachtens die Weichen für umfassendere internationale Verhandlungen über eine
globale Konvention über schwer zu beseitigende organische Schadstoffe stellen.
Die CEC stellt eine Liste über die Freisetzung
von Schadstoffen im nordamerikanischen
Raum auf, um die Öffentlichkeit über die
Herkunft der Schadstoffe und ihre Gefahren
zu informieren.
1997 wird der Umweltrat des NAFTA Empfehlungen zu grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfungen aussprechen, um den
Informationsaustausch zwischen benachbarten NAFTA-Ländern über vorgeschlagene
Projekte zu fördern, die wahrscheinlich negative Auswirkungen auf die Umwelt eines benachbarten NAFTA-Landes haben.
Und wir entwickeln neue Mechanismen zur
Ermutigung regionaler Umweltschutzstrategien - beispielsweise das Aufspüren illegalen
grenzüberschreitenden Transports von Sondermüll, die Durchsetzung von Antischmuggelgesetzen der CEC und die Zusammenarbeit zur Durchsetzung der Bestimmungen
der Konvention über den internationalen
Handel mit gefährdeten Arten (Convention on
the International Trade in Endangered Species
- CITES).

AMERIKA DIENST 19

Unabhängig davon entwickelten die Vereinigten Staaten und Mexiko ihre bereits
eindrucksvolle bilaterale Zusammenarbeit in
der Grenzregion weiter. Ein neuer, umfassender Umweltplan für das Grenzgebiet, genannt
Border 21, soll als übergeordneter Rahmen für
Aktivitäten in diesem Bereich dienen.
Einige der signifikantesten Entwicklungen finden
angemessenerweise unter Einbeziehung der Bevölkerung vor Ort statt. Beispielsweise einigten sich Anfang
des Jahres öffentliche und private Organisationen
sowie Regierungsvertreter aus Mexiko und den
Vereinigten Staaten auf die Förderung von Vorschlägen für den Umgang mit Problemen der Luftverschmutzung in der Region von El Paso-Juarez, die als
einheitlicher Luftraum betrachtet wird. Dieses neue
und vielversprechende Abkommen basiert auf der
Erkenntnis, daß Verschmutzung nicht vor Grenzen
Halt macht und dasselbe auch bei der Suche nach
Lösungen gelten sollte.
Über das NAFTA hinaus haben wir uns an einer
Vielzahl anderer Aktivitäten beteiligt, um den engen
Zusammenhang zwischen Handels- und Umweltpolitik
zu erforschen.
Diese Administration schafft eine
solide Grundlage für derartige Bestrebungen. Eine der
interessantesten - und umstrittensten - Fragen, mit
denen sich die Vereinigten Staaten und die internationale Staatengemeinschaft befassen, ist das Verständnis der Umstände, unter denen handelspolitische
Maßnahmen für den Schutz der Umwelt außerhalb der
ausschließlichen Rechtsprechung eines Landes
angemessen sind. Es ist nicht einfach, von vornherein
die exakten Umstände zu definieren, unter denen der
Einsatz handelspolitischer Maßnahmen zum Schutz
der Umwelt angemessen erscheint.
Ich möchte noch kurz den von uns entwickelten
gedanklichen Rahmen ansprechen. Wir haben vier
allgemeine Kategorien von Fällen entwickelt, bei denen
unseres Erachtens handelspolitische Maßnahmen zur
Unterstützung umweltpolitischer Ziele gerechtfertigt
sind:
1.

Wenn handelspolitische Maßnahmen eine
Verpflichtung gemäß einem internationalen
Umweltabkommen darstellen, dem wir angehören - vorausgesetzt dieses sieht keine
Diskriminierung von NichtVertragsparteien vor.

Seite 3

�2.

Wenn die Auswirkungen einer Aktivität auf die
Umwelt teilweise innerhalb unseres Zuständigkeitsbereichs spürbar werden.

3.

Wenn eine Pflanzen- oder Tierart gefährdet
oder bedroht ist oder eine spezielle Vorgehensweise wahrscheinlich zur Gefährdung
oder Bedrohung einer Art führt.

4.

Wenn die Effektivität einer auf wissenschaftlicher Grundlage beruhenden internationalen
Umwelt- oder Naturschutznorm herabgesetzt
wird, vorausgesetzt die Norm ist spezifisch
genug, damit ein objektives Urteil über eine
mögliche "Herabsetzung" gefällt werden kann.

Ich möchte betonen, daß dies Beispiele für Fälle sind,
bei denen die Erwägung von handelspolitischen
Maßnahmen angemessen erscheinen mag.
Dies
hängt jedoch auch von anderen Faktoren ab, zum
Beispiel ob es auch alternative Möglichkeiten gibt, ob
es Optionen zwischen verschiedenen Arten handelspolitischer Maßnahmen gibt und ob diese auf ihre
mögliche umweltpolitische Effektivität und ihre wirtschaftlichen und diplomatischen Konsequenzen
überprüft wurden. Es könnte beispielsweise sein, daß
der Einsatz einer handelspolitischen Maßnahme in
einem bestimmten Fall vom Standpunkt des Umweltschutzes aus kontraproduktiv ist. Oder es könnte sein,
daß die Bekämpfung eines zugrundeliegenden
Umweltproblems mit den Mitteln des Umweltschutzes wie der Aushandlung eines internationalen Abkommens - der bevorzugte Lösungsweg ist. Tatsächlich
sind wir im allgemeinen der Ansicht, daß letzteres für
die internationale Staatengemeinschaft hohe Priorität
haben muß. Konsens ist ein wunderbares Gegenmittel
für Konflikt.
Es ist klar, daß das kein einfacher Prozeß sein wird.
Wir haben uns in der Uruguay-Runde um Fortschritte
bemüht, indem wir ein Arbeitsprogramm aufstellten
und anschließend einen ständigen Ausschuß damit
beauftragten, der internationalen Staatengemeinschaft
dabei zu helfen, Handels- und Umweltpolitik in Ein-

Seite 4

klang zu bringen. Der WTO-Ausschuß für Handel
und Umwelt kommt allmählich voran und befaßt sich wie wir alle - mit diesen neuen Disziplinen und Geboten. Zusätzlich zu dem Ausschuß konnten unsere
GATT-Unterhändler Einigung über mehrere wichtige
Umweltbestimmungen in dem Vertrag herbeiführen einschließlich der sanitären und Planzenschutzbestimmungen, die Schutz vor jeglichen Bestrebungen
zur Unterminierung der amerikanischen Umweltnormen bieten.
Ferner arbeiten wir in anderen internationalen Foren wie der OECD - Grundsätze für die Entwicklung und
Verknüpfung von Handels- und Umweltpolitik aus.
Man kann sagen, daß sich die Vereinigten Staaten bei
diesen Bestrebungen zu einer treibenden Kraft für
Umweltbewußtsein entwickelt haben, und wir hoffen,
daß diese Analysearbeit die Unterstützung durch die
OECD-Mitglieder für unsere Umweltagenda verstärken
wird. Ferner hoffen wir, daß die Ergebnisse dieser
Arbeit die weniger entwickelten Länder davon überzeugen werden, daß das Streben nach tragfähiger
Entwicklung und größerer politischer Integration in
ihrem eigenen Interesse liegt.
Abschließend kann gesagt werden, daß die enge
Verbindung von Handels- und Umweltpolitik - im
Rahmen des NAFTA, des GATT und andernorts sowohl bewundernswert als auch unvermeidbar ist.
Die die Zukunft der Vereinigten Staaten gestaltenden
Kräfte - die wirtschaftliche Erneuerbarkeit mit globalem
Wettbewerb und Umweltschutz mit internationaler
Zusammenarbeit verbinden - sind offensichtlich. Es ist
unsere Herausforderung und unsere Chance, den
Wandel im Dienste unserer wirtschaftlichen und
umweltpolitischen Bestrebungen zu begrüßen.
Ich bin zuversichtlich, daß uns das gelingen wird.
Diese Administration schafft eine solide Grundlage für
diese Bestrebungen. Wir sehen der Zusammenarbeit
mit Ihnen während dieses historischen Treffens zur
Erörterung handeis- und umweltpolitischer Prioritäten
zum Nutzen unserer Nation und der Welt erwartungsvoll entgegen.

AMERIKA DIENST 19

�WIRTSCHAFT
2. Oktober 1996

Politiker müssen Unbeständigkeit
des Kapitalflusses bekämpfen
Rede des Stellvertretenden Finanzministers Lawrence Summers

SINGAPUR - (AD) - Angesichts der zunehmenden Integration der Volkswirtschaften Asiens und der Vereinigten
Staaten müssen die Politiker sich auf nationaler und internationaler Ebene um eine Verringerung der
Unbeständigkeit des Kapitalflusses bemühen, erklärte der Stellvertretende Finanzminister, Lawrence Summers,
am 13. September 1996 vor Vertretern der Finanzwelt in einer Rede, deren vorbereiteten Text wir nachfolgend
veröffentlichen.

Einleitung

I. Amerikas neue Wirtschaftspartner in Asien

Ich begrüße Sie alle und danke Ihnen für den freundlichen Empfang. Es ist mir eine Freude, hier zu sein.
Ich möchte der Bankenvereinigung von Singapur, der
Vereinigung der Merchant bankers von Singapur, der
singapurischen Gesellschaft der Finanzanalysten
sowie der Amerikanischen Handelskammer in Singapur danken, daß sie es mir ermöglicht haben, vor
einem so hochrangigen Publikum zu sprechen.

Es steht außer Frage, daß das Wachstum der führenden Volkswirtschaften Asiens erstaunlich ist.

Sie alle wissen, daß das Ausmaß der Wirtschafts- und
Finanzbeziehungen der Vereinigten Staaten zu Asien
größer ist und schneller wächst als das unserer
Beziehungen zu den Industriestaaten Europas. Im
vergangenen Jahr betrug der Handel Amerikas mit
Asien das anderthalbfache unseres Handelsvolumens
mit Europa - 35 Prozent unseres gesamten Handels im
Vergleich zum 21prozentigen Anteil Europas. Wir
haben jedoch mit unseren asiatischen Partnern wie
Singapur nicht dieselben Möglichkeiten zum Meinungsaustausch über Wirtschafts- und Finanzfragen
wie mit unseren europäischen Partnern. Aus diesem
Grund messen wir der Entwicklung des Finanzministerprozesses des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation Forum - APEC) so große Bedeutung
bei. Wir benötigen jedoch auch die Chance eines
informellen Meinungsaustauschs. Und aus diesem
Grund bin ich hier.

Der Anteil der führenden Länder Asiens am Welthandel stieg von 9,6 Prozent 1981 auf 16,1 Prozent
1994 an.

Im vergangenen Jahr entfielen auf die führenden asiatischen Volkswirtschaften 24,4 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts,
gemessen auf der Grundlage der Kaufkraftparität.

Der Handel der führenden asiatischen Volkswirtschaften mit den Vereinigten Staaten Exporte und Importe - stieg so schnell an, daß
er sich jetzt auf 20 Prozent unseres gesamten
Handels beläuft.
Noch spektakulärer war jedoch vielleicht die Geschwindigkeit des Anstiegs von Kapitalfluß in die
führenden Volkswirtschaften Asiens.
Der Nettofluß an Privatkapital stieg 1995 auf
98,2 Milliarden Dollar an - die Krönung eines
Anstiegs um das 23fache innerhalb von sechs
Jahren.
Allein im vergangenen Jahr stieg der Nettofluß an
Privatkapital in die führenden Länder Asiens um 31

AMERIKA DIENST 19

Seite 1

�Prozent, während der nach Lateinamerika um 22
Prozent fiel.

sich an steigenden Inflationsraten oder Leistungsbilanzdefiziten zeigt.

Obwohl es stimmt, daß ungefähr drei Viertel der
Inlandsinvestitionen aus inländischen Ersparnissen
finanziert wurden und daher die hohen Wachstumsraten der führenden asiatischen Länder großenteils auf
ihre herausragende Spartätigkeit zurückzuführen sind,
war der internationale Kapitalfluß von immenser
Bedeutung für die Ankurbelung der Entwicklung der
Region.

Eine weitere Sorge ist die Abhängigkeit von
den Launen ausländischer Investoren, die
Risiken nicht einschätzen können, der breiten
Masse folgen, beim ersten Anzeichen von
Unsicherheit überreagieren und im Falle ihres
massenhaften Rückzugs eine Volkswirtschaft
zerstören. Wenn die Wirtschaft solchen
Investoren ausgesetzt ist, werden der Kreditkartenbesitzer in Bangkok oder der Hausbesitzer in Manila mit der Hypothek unakzeptabler Risiken belastet.

Wir in den Vereinigten Staaten erkennen zweifelsohne
den Wert großer Auslandsinvestitionen - sowohl für
Ihre Region als auch für unsere Wirtschaft.

IM. Schwere Entscheidungen der Politiker trotz
Entstehen eines grundlegenden Konsenses

Diese haben:
zu Wachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen in unseren Volkswirtschaften beigetragen;
den Handel mit der Region und innerhalb der
Region gefördert; ohne Ihren Zugang zu
Finanzmitteln würden Ihre Export- und Importmöglichkeiten verringert;
die Produktivität von Kapital in all unseren
Volkswirtschaften erhöht;
den grenzüberschreitenden Austausch guter
Ideen erleichtert und gleichzeitig die gesamte
wirtschaftliche Effizienz verbessert;
zu

einer

gesunden

Zunächst einmal gibt es keinen Ersatz für eine starke
makroökonomische Politik. Diese Wahrheit wurde
noch bekräftigt, als nach der Finanzkrise in Mexiko
schnell Kapital nach Asien zurückfloß. Die Notwendigkeit der Beibehaltung einer starken Politik besteht für
alle Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten.

Risikodiversifizierung

Die wichtigste Leistung der amerikanischen

unserer jeweiligen Finanzanlagen beigetragen.

Politiker besteht unter Umständen darin, daß
wir unser wirtschaftliches Haus in Ordnung
gebracht haben. Dies trug zu weitaus günstigeren globalen Zinssätzen bei.

II. Auslandsinvestitionen: Zuviel des Guten?
Trotz der Vorteile, die dieser große und steigende
Kapitalfluß für all unsere Volkswirtschaften hatte,
machte sich nach der Krise von Mexiko in einigen
Kreisen die Besorgnis breit, die leichte Verfügbarkeit
grenzüberschreitender Finanzierung könnte zuviel des
Guten sein. Oder zumindest daß Kapitalflüsse nicht
nur Chancen, sondern auch Herausforderungen
bieten. Ich fordere alle, die sich Sorgen machen, dazu
auf, folgendes nicht zu vergessen: Es ist besser, in
einem Land zu leben, in das Kapital hineinfließt, als in
einem Land, aus dem es herausfließt.
Diejenigen, die bezweifeln, ob es klug sei, Volkswirtschaften einem großen Kapitalfluß auszusetzen,
führen eine Reihe potentieller Probleme an. Dazu
zählen:
Das Risiko, daß ein großer Kapitalzufluß zu
einer Überhitzung der Wirtschaft führt, was

Seite 2

Es wurde ein internationaler Konsens über mindestens
fünf Aspekte nationaler Politik geschmiedet, die für den
erfolgreichen Umgang der Regierungen mit Kapitalfluß
von entscheidender Bedeutung sind. Die Erfahrungen
dynamischer asiatischer Volkswirtschaften wie Singapur und einige seiner Nachbarn stellen wichtige
Lektionen dar, die zur Bildung dieses Konsenses
beitrugen.

Zweitens verringert eine starke Politik nicht nur das
Risiko und die Auswirkungen finanzieller Unbeständigkeiten, sondern schafft auch ein die Spartätigkeit
förderndes Umfeld.
Hohe inländische Sparquoten sind für eine
gesunde Entwicklung wesentlich. Obwohl ich
ein entschiedener Befürworter offener und
integrierter internationaler Kapitalmärkte bin,
bleibt die Tatsache bestehen, daß drei Viertel
der asiatischen Inlandsinvestitionen durch
inländische Ersparnisse finanziert wurden.
Drittens hilft eine solide makroökonomische Politik
auch bei der Eindämmung von Leistungsbilanzdefiziten.
Ich sagte bereits, daß Defizite von über fünf
Prozent des Bruttoinlandsprodukts besorgniserregend sind, obwohl es viele mildernde

AMERIKA DIENST 19

�Faktoren gibt, beispielsweise die Zusammensetzung von Importen, die Zusammensetzung
des Kapitalzuflusses sowie das fiskalische
Gleichgewicht.
Trotz alledem haben die
Defizite in einigen Ländern Asiens ein Niveau
erreicht, das eine genaue Beobachtung
erforderlich macht.
Somit sollten wir die mäßige Verlangsamung
des Wachstums in einigen asiatischen Volkswirtschaften lediglich als eine benötigte sanfte
Landung betrachten. Die Politiker sollten dem
Druck zur Wiederankurbelung der Volkswirtschaften widerstehen, die gemessen an
internationalen Standards immer noch mit
einer außerordentlichen Geschwindigkeit
wachsen.
Viertens haben wir in einer Welt unbeständigen
Kapitalflusses auch gelernt, daß Wirtschaften große,
starke, wohlgesteuerte und überwachte Finanzmärkte
benötigen.
Schwächen der inländischen Finanzmärkte
schränken die Fähigkeit einer Regierung ein,
angemessen auf das Risiko zu reagieren, daß
der Zufluß die finanzielle Instabilität erhöht.
Das könnte geschehen, wenn inländische
Finanzinstitutionen, insbesondere Banken,
nicht wirksam als Vermittler großen Kapitalflusses agieren und diesen in produktive,
langfristige Investitionen umwandeln können.
Die Überwachungsinstitutionen verfügen unter
Umständen nicht über die Kapazitäten zur
angemessenen Kontrolle von Bilanzentwicklungen. Infolgedessen könnten übermäßige
Kredite für Grundbesitzentwicklungen und
Tätigkeit auf dem Aktienmarkt gewährt werden. Bei einem solchen Szenarium ist das
Risiko von spekulativen Schwindelgeschäften
weitaus größer.
Schwache inländische Bankensysteme können auch die Fähigkeit der Politiker zum
rechtzeitigen und wirksamen Einsatz traditioneller Instrumente der Währungskontrolle
einschränken.
Wenn die Anpassungen
endlich stattfinden, sind sie oftmals weitaus
dramatischer und kostspieliger als notwendig
gewesen wäre. Aus diesem Grund hat die
Stärkung der Finanzmärkte und Intensivierung
der Zusammenarbeit zwischen den Aufsichtsbehörden eine ebenso hohe Priorität für die
APEC Finanzminister wie für die Finanzminister der G-7-Staaten. Dabei spielt die
internationale Zusammenarbeit zwischen
Finanzministern und Zentralbanken - in der
Funktion von Politikern und Kontrollinstanzen
gleichermaßen - eine wichtige Rolle.

AMERIKA DIENST 19

Fünftens stellt die Verbesserung der Qualität und
Verbreitung wirtschaftlicher und finanzieller Informationen eine wertvolle Schulung für Teilnehmer der
Finanzmärkte und Politiker gleichermaßen dar. Es ist
besser für die Märkte, die schlechten Nachrichten zu
kennen, als darüber zu spekulieren, wie schlecht die
Nachrichten sein könnten. Und es ist besser für die
Politiker, ihre Probleme schnell und entschlossen
anzugehen, als die Illusion zu hegen, sie würden durch
Nichtbeachtung verschwinden.
Singapur schätzt die Tugend der Offenheit
und hat sich den neuen Datenoffenlegungsnormen des IWF verpflichtet. Dasselbe gilt für
Malaysia, die Philippinen und Thailand.
Selbst die Länder, die diese fünf grundlegenden Ziele
umsetzen - wie es viele in dieser Region tun - sehen
sich angesichts des starken Kapitalzuflusses immer
noch mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert. In
einer Welt des freien Kapitalflusses und integrierter
Märkte kann man nicht gleichzeitig eine unabhängige
Währungspolitik und feste Wechselkurse beibehalten.
Diesbezügliche Bestrebungen der Regierungen waren
kostspielig und könnten tatsächlich die Fähigkeit der
Wirtschaft zur Aufnahme und dem effizienten Einsatz
von Finanzmitteln behindern.
Nicht gewinnbringende Interventionen, die
darauf abzielen, eine aufgrund des Kapitalzuflusses mögliche Abwertung der Wechselkurse zu vermeiden, haben bisweilen nicht nur
eine beschränkte Wirksamkeit, sondern
schaffen auch einen Teufelskreis des immer
weiteren Anstiegs von Kapitalzufluß und
Zinssätzen. Der Grund ist, daß höhere inländische Zinssätze zu mehr anstatt zu weniger
kurzfristigem Kapitalzufluß führen.
Nicht gewinnbringende Interventionen sind
auch extrem kostspielig. Die Zentralbanken
zahlen den Haltern inländischer Wertpapiere darunter viele Ausländer - viel Geld, erzielen
jedoch relativ wenige Gewinne für die ausländische Währung, die sie somit anhäufen.
Ein vielleicht noch größerer Anlaß zur Sorge
ist, daß die Regierungen in ihrem Streben
nach einer Vermeidung von Wechselkursschwankungen den Investoren signalisieren,
daß Investitionen in inländische Währungen
nur einseitig sind - daß sie bei Investitionen in
inländische Währungen nichts verlieren
können. Als Resultat steigt die Begeisterung
noch weiter an, während in Wirklichkeit erforderlich ist, Investoren zu einer realistischen
Einschätzung ihrer Aussichten und Risiken zu
ermutigen.

Seite 3

�IV. Kapitalkontrollen sind nicht die richtige Antwort
Einige Länder haben mit Kapitalkontrollen als Ergänzung zu einer soliden makroökonomischen Politik oder
bisweilen sogar als Ersatz dafür experimentiert. Sie
versuchen durch Kontrollen oder Hindernisse, den
Kapitalzufluß zu bremsen und den Umfang der
darauffolgenden, unvorhersehbaren, schädlichen
Kapitalflucht einzuschränken.
Wir müssen uns jedoch bewußt werden, daß bisher die
Effektivität von Kapitalkontrollen nicht hoch war.
Selbst auf neuentstehenden Märkten mit
unterentwickelten Finanzmärkten wurden die
Kontrollen schnell umgangen, und diese
Unterminierung erzwang eine kontraproduktive Ausweitung der Kontrollen. Die Eskalation
der Kontrolle in Chile Anfang der neunziger
Jahre ist ein Beispiel. Die Einführung einer
Zinsausgleichssteuer in den sechziger Jahren
in den Vereinigten Staaten ist ein weiteres
Beispiel.
Es gibt auch zahlreiche negative Nebenwirkungen. Keine geringe ist, daß bei einer
erfolgreichen Reduzierung der Liquidität die
Kontrollen die Kapitalkosten für inländische
Produzenten erhöhen und damit das Risiko
einer Verringerung von Inlandsinvestitionen
und sogar Handel entsteht.
Wir können im Hinblick auf die Effektivität von Kapitalkontrollen viel lernen. Auch in diesem Bereich entsteht
ein Konsens.
Erstens. Falls Kontrollen eingesetzt werden,
sollten sie begrenzt und temporär sein und
eine Steuerbemessungsgrundlage haben. Die
Kontrollen sollten als vorübergehende Maßnahme betrachtet werden, während Maßnahmen zur Korrektur makroökonomischer
Defekte und Stärkung inländischer Finanzmärkte und ihrer Überwachung ergriffen
werden.
Zweitens. Es gibt keinen Ersatz für die Entwicklung der Finanzmärkte. Kapitalkontrollen
können ein Hindernis für die Evolution des
Finanzsystems werden, das sie überflüssig
machen würde.
Schließlich besteht das Risiko, daß die Politiker aufgrund ihrer Abhängigkeit von Kontrollen
selbstgefällig werden - und die von mir bereits
erwähnten weitaus wichtigeren Dinge übersehen, die sie beim Management ihrer Wirtschaft
in einer Welt finanzieller Unbeständigkeit
beachten sollten.

Seite 4

V. Flexible Wechselkurse funktionieren besser
Angesichts der gravierenden Schwächen von Kapitalkontrollen als dauerhafter Antwort auf den Umgang mit
den potentiellen negativen Auswirkungen von Kapitalfluß ist die einfachste und wirkungsvollste Reaktion
eine flexiblere Wechselkurspolitik. Es ist kein Zufall,
daß einige der ansonsten gut gelenkten Länder mit
geringer Flexibilität der Wechselkurse am härtesten
um die Eindämmung inflationären Drucks kämpfen
mußten und dem Risiko von Spekulationen und
Schwindelgeschäften am stärksten ausgesetzt sind.
Der starke Zufluß, den die führenden asiatischen
Länder in den letzten Jahren erlebten, unterstrich die
Risiken und Kosten unzureichender Wechselkursflexibilität. Natürlich verstehe ich die Argumente für
unterschiedliche Wechselkursregime - um historischen
und/oder örtlichen Gegebenheiten zu entsprechen und ich trete hier nicht als Befürworter baldigen,
folgenschweren Wandels auf. Ich bin jedoch davon
überzeugt, daß größere Wechselkursflexibilität
langfristig den meisten Politikern mehr Mittel für den
Umgang mit Kapitalzufluß und -abfluß zu geringeren
Kosten als derzeit geben wird.
In unserem Fall halten wir es für das Beste, daß der
Dollar wirtschaftliche Grundprinzipien widerspiegelt.
Unsere Erfahrung war, daß die Kosten des Widerstands gegen Wechselkursschwankungen hoch
waren. Mit größerer Flexibilität der Wechselkurse,
wenn die Märkte grundlegende Veränderungen bei
den Aussichten Asiens verspüren, werden die Politiker
in der Lage sein, kostspielige, nicht gewinnbringende
Kapitalanlagen zu vermeiden. Zusätzlich signalisieren
die Schwankungen den Investoren, daß es keine
einseitigen Einsätze mehr gibt. Das sollte die Wahrscheinlichkeit von Spekulationen und untragbar hohem
Kapitalzufluß in Zeiten des Optimismus reduzieren.
VI. Die internationale Reaktion auf Unbeständigkeiten muß ebenfalls gestärkt werden
Ich habe hier der Bedeutung nationaler Politik gewisse
Aufmerksamkeit gewidmet - der entscheidenden Rolle
solider makroökonomischer Politik, den Vorteilen einer
Politik flexibler Wechselkurse, dem Gebot der Stärkung von Finanzmärkten und Intensivierung der
Kooperation zwischen Aufsichtsbehörden sowie den
möglichen vorteilhaften Auswirkungen höherer Standards von Informationsvermittlung auf die Wahrung
des Vertrauens der Investoren und Verhinderung von
Überreaktionen.
Es stimmt aber auch, daß die internationale Staatengemeinschaft eine wichtige Rolle zu spielen hat. Die
Verbindungen zwischen globalen Finanzmärkten
bedeuten jetzt, daß sogar gut gelenkte Länder von
Problemen in einem anderen Land infiziert werden

AMERIKA DIENST 19

�können. Somit ist eine koordinierte internationale
Antwort erforderlich.
Aus diesem Grund arbeitet die internationale Gemeinschaft das New Arrangement to Borrow aus, das die
existierenden General Arrangements to Borrow des
IWF verdoppelt und eine Reihe neuer Wirtschaftsmächte einbringt. Ich freue mich, daß Singapur,
Malaysia und Thailand prinzipiell zugestimmt haben,
einen Beitrag zu dieser bedeutenden internationalen
Initiative zu leisten.
Die internationale Staatengemeinschaft wurde sich
auch der Notwendigkeit verbesserter wirtschaftlicher
Kontrolle in multilateralen Foren bewußt.
Schließlich erkannten wir die Notwendigkeit der
Entwicklung angemessener Problemlösungsmaßnahmen, die Investoren nicht vor Risiken schützen
oder eine unangebrachte nationale Politik ermutigen.
Die Länder müssen das Prinzip akzeptieren, daß sie
ihre Gläubiger aus eigenen Mitteln bezahlen müssen.

*

AMERIKA DIENST 19

Und Schuldscheinbesitzer, die weitaus größere
Gewinne als das amerikanische Finanzamt machen,
sollten keinen Schutz vor Verlusten erwarten, wenn die
Politik des Landes nicht erfolgreich ist.
VII. Schlußbemerkung
Während unsere Wirtschaften immer integrierter
werden, müssen die Politiker parallel dazu handeln.
Wir haben größeres Verständnis für die Auswirkungen
unserer Volkswirtschaften und wirtschaftspolitischen
Maßnahmen auf das jeweils andere Land. Ferner
haben wir gelernt, wie wichtig es ist, daß wir unsere
Ansichten über wachstumsfördernde Maßnahmen, die
Vermeidung und Eindämmung von Finanzkrisen und
effektive Lenkung von Spartätigkeit austauschen.
Unsere Geschäftsleute haben Handels- und Investitionsverbindungen zu den schnell wachsenden
Volkswirtschaften Asiens geknüpft, die nie enger
waren. Politiker im gesamten pazifischen Raum
müssen dasselbe tun.

* * * *

Seite 5

�Die Schaffung von Arbeitsplätzen und
Beschäftigungschancen:
Der Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten 1993 -1996

Ein Bericht des
Rats der Wirtschaftsberater im
US-Arbeitsministerium, Büro des Chefökonoms
23. April 1996

�Zusammenfassung
Seit Januar 1993 hat die Beschäftigungsrate rapide - um netto 8.5 Millionen
neue Arbeitsplätze - zugenommen. Anhand vergleichbarer Daten war das
Beschäftigungswachstum in den Vereinigten Staaten stärker als bei allen
anderen unserer G-7-Partner.
Zwei Drittel (68 Prozent) des Nettozuwachses bei der Vollzeitbeschäftigung
zwischen Februar 1994 und Februar 1996 entfielen auf Industriezweige/Berufsgruppen mit über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und
Gehältern. Mehr als die Hälfte des Nettozuwachses fand bei den obersten 30
Prozent der Arbeitsplatzkategorien statt. Obwohl viele dieser neuen Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor entstanden, entsprachen sie nicht den Stereotypen.
Die Fakten legen nahe, daß die große Mehrheit des Nettozuwachses an neuen
Arbeitsplätzen Ganztagsstellen sind. Sowohl die Haushalts- als auch die
Betriebserhebungen verweisen darauf, daß die Zunahme an Arbeitplätzen auf
Ganztagsstellen konzentriert war.
Der Anteil von Arbeitnehmern mit Mehrfachbeschäftigung blieb seit Ende der
achtziger Jahre ungefähr konstant. Der Haushaltserhebung ist zu entnehmen,
daß der Anteil von beschäftigten Personen mit mehreren Arbeitsplätzen weiterhin bei rund 6 Prozent liegt.
Die Gesamtzahl der Entlassenen machte 1991-92 ungefähr denselben Anteil
an der Erwerbsbevölkerung aus wie 1981-82, obwohl die Rezession Anfang der
achtziger Jahre gravierender war als die Anfang der neunziger Jahre. Es ist
jedoch schwierig genau festzustellen, welcher Prozentsatz der Entlassenen auf
die Konjunktur zurückzuführen ist. Die offiziellen Daten über Entlassungen
nach 1993 stehen noch nicht zur Verfügung, aber eine alternative Zählweise zu
Arbeitsplatzverlusten zeigt, daß sie seitdem gesunken sind.
Die Charakteristiken der Entlassungen haben sich etwas verändert. Die Entlassungen von älteren, besser ausgebildeten Büroangestellten haben zugenommen, obwohl sie verglichen mit denen bei jüngeren und weniger gut
ausgebildeten Arbeitern weiterhin relativ niedrig sind.
Trotz einiger jüngster positiver Anzeichen bleiben langfristige Herausforderungen bestehen. Zwischen den siebziger und frühen neunziger Jahren stagnierten die Reallöhne und -gehälter, und das Einkommensgefälle wurde größer.
Aber 1994 stieg das reale mittlere Familieneinkommen zum ersten Mal seit fünf
Jahren, und die Armutsgrenze sank. Wir müssen weiter auf diese Errungenschaften aufbauen, um den Lebensstandard zu verbessern und das Einkommensgefälle zu verringern. Und obwohl sehr viel mehr Arbeitsplätze geschaf1

�fen als abgebaut werden, erlegt eine dynamische Wirtschaft einigen Arbeitnehmern unweigerlich Kosten auf. Daten von 1981 bis 1993 legen beispielsweise
den Schluß nahe, daß diejenigen, die ihre Stelle verloren, eher auf Dauer (statt
vorübergehend) entlassen wurden, daß ältere Arbeitnehmer ein größeres
Risiko der Entlassung hatten und der durchschnittliche Verlust des Reallohns
aufgrund von Entlassung beträchtlich und andauernd war. Um alle Vorteile
einer dynamischen Wirtschaft zu erlangen, müssen wir diese Angleichungskosten verringern.

Einleitung
Das Beschäftigungswachstum in den Vereinigten Staaten war seit Januar 1993 solide,
wobei die Beschäftigungsrate im nichtlandwirtschaftlichen Bereich um 8,5 Millionen
zunahm.
Anhand vergleichbarer Daten war das Beschäftigungswachstum in den
Vereinigten Staaten stärker als bei allen anderen unserer G-7-Partner. Der Hauptzweck dieser Studie besteht darin, das Material zu sichten, um ein detaillierteres Bild
zu entwickeln, wo das Beschäftigungswachstum stattfindet und welcher Art die neugeschaffenen Arbeitsplätze sind.
Die Nachrichten sind ermutigend: Die Beschäftigung bei den Industriezweigen/Berufsgruppen mit über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern ist unverhältnismäßig gestiegen. Selbst in der traditionell niedriger bezahlten
Dienstleistungsindustrie war die Mehrheit des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen bei
leitenden Positionen und solchen mit einem speziellen beruflichen Anforderungsprofil
zu verzeichnen, die normalerweise über dem mittleren Einkommen liegende Löhne
und Gehälter bieten. Im Gegensatz zur herkömmlichen Überzeugung sind die neuen
Arbeitsplätze nicht unverhältnismäßig viele Teilzeitstellen, die geringe berufliche
Qualifikation erfordern.
Der zweite Zweck dieser Studie ist die Prüfung der Entlassungen. Obwohl die Volkswirtschaft einen Nettozuwachs von Millionen neuer Arbeitsplätze bewirkt, ist es offenkundig, daß die Geschwindigkeit der Umgestaltung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt viele Amerikaner besorgt über ihre wirtschaftliche Zukunft macht. Ein dynamischer und wachsender Arbeitsmarkt kann sowohl Kosten auferlegen als auch
Chancen bieten, und Maßnahmen für Arbeitnehmer zur Bewältigung eines Arbeitsplatzwechsels sind entscheidend zur Reduzierung dieser Angleichungskosten.

Schaffung von Arbeitsplätzen
Einer Betriebserhebung des Bundesamts für Arbeitsstatistik zufolge nahm die Zahl der
nicht in der Landwirtschaft Beschäftigten zwischen Januar 1993 und März 1996 um
8,5 Millionen (7,8 Prozent) zu. Im Privatsektor stieg die Zahl der Beschäftigten (um
8,7 Prozent) noch schneller, wohingegen die Zahl der Bundesbediensteten (mit

�Ausnahme des Postdienstes) tatsächlich um 11,4 Prozent abnahm und die der bei
bundesstaatlichen und kommunalen Regierungen Tätigen zusammengenommen um
nur 5 Prozent (siehe Abbildung 1) stieg. Der Anteil des öffentlichen Dienstes an der
Beschäftigung nimmt daher ab.
Die Arbeitslosenquote fiel von über 7 Prozent im Januar 1993 auf 5,6 Prozent im März
1996 und lag 19 aufeinanderfolgende Monate unter 6 Prozent. Angesichts der aktuellen demographischen Trends prognostiziert das Bundesamt für Arbeitsstatistik, daß
die Erwerbsbevölkerung zwischen 1994 und dem Jahr 2005 jährlich um rund 1,1
Prozent zunimmt. Um die Arbeitslosigkeit niedrig zu halten, muß die Volkswirtschaft
daher durchschnittlich einen Nettozuwachs von ungefähr 120.000 neuen Arbeitsplätzen pro Monat verzeichnen. Die Beschäftigung expandiert jetzt in einer Geschwindigkeit, die im Einklang mit stetigem, tragfähigem Wachstum und niedrigen
Arbeitslosenquoten steht.
Figure 1
Private Sector and Government Employment Growth
January 1993 - March 1996

Private Sector

Government

Note: Federal employment excludes the postal Service.
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, establishment survey.

Internationaler Vergleich. Die Vereinigten Staaten konnten einen schnelleren
Beschäftigungszuwachs verzeichnen als alle anderen G-7-Nationen. Nur Kanada
beobachtete eine beträchtliche Zunahme der Beschäftigung, während die anderen G7-Mitglieder unerhebliche Zuwächse an Arbeitsplätzen oder eine tatsächliche Abnahme hatten. Die Leistung des amerikanischen Arbeitsmarkts ist besonders beeindruckend aufgrund der Tatsache, daß sie in einer Periode stattfand, in der das Defizit
des Bundeshaushalts von 4,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Haushaltsjahr
1992 auf schätzungsweise 1,9 Prozent im Haushaltsjahr 1996 reduziert wurde.

3

�Die Qualität der Arbeitsplätze
Daten der laufenden Bevölkerungserhebung zufolge fanden 38 Prozent des Nettozuwachses bei der Beschäftigung zwischen Februar 1994 und Februar 1996 in den
"Dienstleistungsindustrien" statt.1 Dieser Abschnitt befaßt sich daher zunächst mit der
Qualität der Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Dann wird eine detailliertere
Analyse aller Sektoren der Wirtschaft vorgenommen.
Höher bezahlte Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Der "Dienstleistungssektor" ist sehr vielfältig. Dazu zählen viele schlecht bezahlte Positionen, aber auch
zahlreiche hochbezahlte bei Finanzdienstleistungen, Kliniken sowie Computer- und
Buchhaltungsdiensten. Aus diesem Grund ist es wichtig festzustellen, ob der Beschäftigungszuwachs innerhalb der Dienstleistungen vornehmlich in den hohe Qualifikationen erfordernden leitenden Positionen und bei Berufen mit einem speziellen Anforderungsprofil oder bei schlecht bezahlten Arbeitsplätzen stattfand. Die laufende
Bevölkerungserhebung bietet Fakten bezüglich des Beschäftigungszuwachses je nach
Beruf.
*

Die Daten belegen, daß der jüngste Nettozuwachs bei der Beschäftigung im
Dienstleistungssektor vorwiegend in leitenden Positionen oder solchen mit
einem speziellen beruflichen Anforderungsprofil stattfand (Abbildung 2).
Hierbei handelt es sich um relativ gutbezahlte Arbeitsplätze.

Figure 2
Service Industry Occupations
February 1994 - February 1996

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*

Higher Wage Occupations
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.

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�Die herkömmliche Überzeugung, der Beschäftigungszuwachs im Dienstleistungssektor
sei unverhältnismäßig in schlecht bezahlten Arbeitsplatzkategorien konzentriert, ist
daher falsch.
Zuwachs bei höher bezahlten Arbeitsplätzen nach Industriezweig und Berufsgruppe. Ein noch detaillierteres Bild der Art der neugeschaffenen Arbeitsplätze bietet
eine nach Industriezweig und Berufsgruppe aufgeschlüsselte Untersuchung. Anhand
von Daten der laufenden Bevölkerungserhebung von Februar 1994 bis Februar 1996
ordneten wir die Ganztagsstellen 45 bestimmten Berufsgruppen in 22 großen Industriezweigen zu. 25 Prozent der Befragten gaben an, daß sie neben ihrer Beschäftigung in den angegebenen Industriezweigen und Berufsgruppen noch zusätzliche
Einnahmen hatten. Obwohl viele der Felder für 990 Industriezweige/Berufsgruppen
ziemlich klein waren, fanden sich nur 6 Prozent der Untersuchten in Feldern mit 10
oder weniger Befragten wieder, die für beide Erhebungen Daten über ihre Einkünfte
angaben. Um die mit einer unzureichenden Zahl von Befragten einhergehende große
Schwankungsbreite der Erhebung zu vermeiden, strichen wir die kleinen Felder aus
unserer Analyse. Nach Streichung der Felder mit 10 oder weniger Befragten blieben
287 Berufsgruppen jährlich übrig.2
Der erste Schritt bei unserer Analyse bestand darin, die 287 Industriezweige/Berufsgruppen nach dem mittlerem Wocheneinkommen der Vollzeitbeschäftigten
zu ordnen. Ungefähr die Hälfte aller Vollzeitbeschäftigten im Februar 1994 befand
sich in Feldern mit einem mittleren wöchentlichen Einkommen von mehr als 480 Dollar
(Dollarstand von Februar 1996). Das Beschäftigungswachstum bei diesen hochbezahlten Arbeitsplatzkategorien kann dann mit dem Gesamtbeschäftigungswachstum
verglichen werden. Unsere wichtigste Bemessungsgrundlage für die Arbeitsplatzqualität ist der Prozentsatz des gesamten Beschäftigungswachstums innerhalb der Industriezweige/Berufsgruppen mit über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und
Gehältern im Februar 1994. Die Ergebnisse waren bemerkenswert.
Zwei Drittel (68 Prozent) des Nettozuwachses bei der Vollzeitbeschäftigung
zwischen Februar 1994 und Februar 1996 fand bei Arbeitsplätzen mit über dem
mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern statt.3
Eine andere Art und Weise, die Ergebnisse unserer nach Industriezweig/Berufsgruppe
aufgeschlüsselten Analyse zusammenzufassen, ist in Abbildung 3 zu sehen. Wir
ordneten 287 Industriezweige/Berufsgruppen nach dem mittleren Wochenlohn der
Vollzeitbeschäftigten und sortierten sie dann entsprechend ihrem Einkommen in 10
Gruppen ein -jede mit 10 Prozent der Beschäftigten im Februar 1994. Hätten alle 10
Gruppen proportional zu ihrem Anteil an der Beschäftigung im Februar 1994 zugenommen, wäre auf jede 10 Prozent des Nettozuwachses an neuen Arbeitsplätzen
entfallen. Die obersten drei Zehntel entsprachen nicht nur ihrem proportionalen Anteil
am gesamten Beschäftigungswachstum (30 Prozent), sondern lagen weit darüber
(über 50 Prozent).

5

�Mehr als die Hälfte (52 Prozent) des Beschäftigungszuwachses fand in den
obersten 30 Prozent der Arbeitsplatzkategorien statt.

Figure 3
Shares of Net Employment Growth
February 1994 - February 1996
Higher paying job categories
68 percent of growth

Lower paying job categories
32 percent of growth
Council of Economic Advisers analysis of Bureau of Labor Statistics data.

Detailliertere Daten über Beschäftigung. Das Bundesamt für Arbeitsstatistik gibt
auch eine jährliche Veröffentlichung über Löhne und Gehälter sowie Beschäftigungswachstum für eine äußerst detaillierte Reihe von Beschäftigungskategorien auf der
Grundlage von Ergebnissen der Bevölkerungserhebung eines Jahres heraus. Die
Erhebung umfaßte 488 Kategorien mit Daten für 1994 und 1995 (die jährlichen Schätzungen für 1996 stehen erst nächstes Jahr zur Verfügung). Die Ergebnisse dieser
Datensammlung sind eine Erhärtung der obengenannten Erkenntnisse. Zu den
Kategorien mit den größten Zuwächsen bei der Beschäftigung zählen "Verkauf und
Inhaberschaft", "Elektriker", "leitende Positionen bei Marketing und Werbung" sowie
"Elektroingenieurwesen". Im Einklang mit den obengenannten Überlegungen entfielen
auf die einzelnen Berufsgruppen in der oberen Hälfte der Einkommenspyramide 70
Prozent des Nettozuwachses an Beschäftigung, während die obersten 10 Prozent ein
Drittel des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen hervorbrachten.

�Die Beschäftigung in den "Hamburger-Flipping-Jobs"4 sank zwischen 1994 und
1995.
Insgesamt geben die Daten folgende Hinweise auf die Art des jüngsten Beschäftigungswachstums:
Zwei Drittel der zwischen Februar 1994 und Februar 1996 geschaffenen Ganztagsstellen entfallen auf Beschäftigungskategorien/Industriezweige mit über
dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern.
Mehr als die Hälfte der zwischen Februar 1994 und Februar 1996 geschaffenen
Ganztagsstellen fallen in Beschäftigungskategorien/Industriezweige mit noch
höheren Löhnen und Gehältern (die obersten 30 Prozent).

Die neugeschaffenen Arbeitsplätze sind großenteils Ganztagsstellen. Daten aus
der laufenden Bevölkerungserhebung und der Betriebserhebung des Bundesamts für
Arbeitsstatistik legen den Schluß nahe, daß der überwiegende Teil des Nettozuwachses an neuen Arbeitsplätzen Ganztagsstellen sind. Die laufende Bevölkerungserhebung enthält auch Daten über Teilzeitstellen. Abbildung 4 zeigt den Anteil der
Beschäftigten, die als Grund für ihre Teilzeitbeschäftigung sowohl "wirtschaftliche" als
auch "nichtwirtschaftliche" Gründe angeben. Trotz einer Verlagerung bei beiden
Kurven aufgrund der Umgestaltung der Erhebung im Januar 1994 ist der Anteil der
Teilzeitbeschäftigten tatsächlich leicht gesunken. Der Rückgang war bei denjenigen,
die aus "wirtschaftlichen" Gründen teilzeitbeschäftigt sind - die oft als "unfreiwillig
Unterbeschäftigte" bezeichnet werden - sogar noch größer.
Die Daten der Betriebserhebung erhärten indirekt die Schlußfolgerungen der Haushaltserhebung. Wenn der Nettozuwachs an neuen Arbeitsplätzen in unverhältnismäßig starkem Maße aus Teilzeitstellen bestünde, würden wir ein Absinken der
durchschnittlichen Arbeitszeit pro Stelle erwarten.5 Die Beschäftigungsdaten zeigen
jedoch, daß die durchschnittliche Arbeitszeit aller Stellen (einschließlich der neugeschaffenen) ungefähr konstant blieb: Die Anzahl der nicht im landwirtschaftlichen
Sektor Beschäftigten und die Gesamtzahl der Arbeitsstunden steigen in den letzten
drei Jahren beide ungefähr in gleichem Maße an (siehe Tabelle). Dies weist darauf
hin, daß die neuen Arbeitsplätze nicht in unverhältnismäßig hohem Maße Teilzeitstellen waren.
In Haushalten und Unternehmen erhobene Daten belegen, daß der Großteil
des in den letzten drei Jahren erfolgten Nettozuwachses an Arbeitsplätzen
Ganztagsstellen waren.

7

�Figure 4
Part-Time Workers
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Non-Economic Reasons

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2

Jan. 1990 Jan. 1991 Jan.1992 Jan. 1993 Jan. 1994 Jan. 1995 Jan.1996
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.

Beschäftigung und Arbeitsstunden außerhalb des landwirtschaftlichen Sektors
Januar

März

Prozent

1993

1996

Veränderung

Beschäftigung (Millionen)

109,5

118,0

7,8

Arbeitsstunden (jährlich, Milliarden)

202,2

217,8

7,7

Quelle: Bundesamt für Arbeitsstatistik

Wenig Veränderung bei Mehrfachbeschäftigung. Manche Amerikaner haben mehr
als eine Stelle, um für ein Haus sparen oder unerwartete Ausgaben finanzieren zu
können. Eine Mehrfachbeschäftigung gibt jedoch Anlaß zur Besorgnis hinsichtlich der
Qualität der Arbeitsplätze, wenn immer mehr Amerikaner zwei oder drei Stellen haben
müssen, um mit ihren Einkünften auszukommen. Ein frustrierter Arbeitnehmer soll auf
die Nachricht, daß 8,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, mit der
Äußerung reagiert haben: "Ja, und ich habe drei davon." Die Daten zeigen jedoch
keine nennenswerte Bewegung im Bereich der Mehrfachbeschäftigung. Der Anteil
derjenigen, die mehrere Stellen haben, liegt seit den späten achtziger Jahren bei
ungefähr 6 Prozent.

�Auswirkungen auf Löhne und Gehälter sowie Einkommensgefälle. Zwischen den
siebziger und den frühen neunziger Jahren verlangsamte sich das durchschnittliche
Wachstum der Reallöhne, und das Einkommensgefälle wurde größer. In den letzten
Jahren gab es jedoch einige ermutigende Anzeichen, daß sich bei diesen Herausforderungen des Arbeitsmarktes das Blatt wendet. 1994 - das letzte Jahr, für das
Daten vorliegen - stieg das mittlere Realeinkommen der Familien, und zum ersten Mal
seit fünf Jahren sank die Armutsgrenze. Eine verbesserte Arbeitsplatzqualität kann
diese jüngsten Errungenschaften stärker zur Geltung bringen, auch wenn die Auswirkungen erst nach längerer Zeit erkennbar sein werden. Wie bereits erwähnt, fand
der jüngste Nettozuwachs an Arbeitsplätzen bei Berufen und in Industriezweigen statt,
die normalerweise über dem mittleren Einkommen liegende Löhne und Gehälter
zahlen. Die Vergrößerung der Beschäftigtenzahl hatte jedoch nur geringfügige
Auswirkungen auf die gesamten Lohn- und Gehaltsdaten, da der Nettozuwachs bei
der Beschäftigung lediglich einen relativ kleinen Prozentsatz der Gesamtbeschäftigung des Arbeitskräftepotentials der Vereinigten Staaten ausmacht. Dennoch sind die
Nachrichten über die Qualität des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen ermutigend und
versprechen Gutes für die Zukunft. Obwohl noch viel zu tun bleibt, zeigen die neuesten Trends, daß sich der Arbeitsmarkt auf dem richtigen Weg befindet.

Die Herausforderungen eines dynamischen Arbeitsmarkts
Ein dynamischer, gesunder Arbeitsmarkt schafft genug Arbeitsplätze für eine
wachsende Erwerbsbevölkerung. Gleichzeitig verlagern sich jedoch in einer dynamischen Volkswirtschaft fortwährend Arbeitsplätze von bestimmten Bereichen auf
andere mit mehr Wachstumschancen. (Beispielsweise wurde der Abbau der Stellen
für Bundesbedienstete durch den Beschäftigungsanstieg im Privatsektor mehr als
ausgeglichen.) Inzwischen führen von der Federal Reserve Bank of San Francisco
veröffentlichte Untersuchungen Robert Vallettas zu der Schlußfolgerung, daß
- konjunkturell bereinigt - der Prozentsatz der auf dauerhafte (statt vorübergehende)
Entlassungen zurückzuführenden Arbeitslosigkeit gestiegen ist - insbesondere zwischen 1980 und 1993. Ein höherer Anteil Arbeitslose kann daher keine erneute
Einstellung bei ihrem alten Arbeitgeber erwarten. Infolge dieser Veränderungen auf
dem Arbeitsmarkt fühlen sich viele Arbeitnehmer im Hinblick auf ihre Beschäftigungsaussichten weniger sicher.
Obwohl die Besorgnis vieler Arbeitnehmer real und bedeutend ist, muß man sich auch
objektiv mit den Fakten befassen. Nicht alle Quellen zeigen verstärkte wirtschaftliche
Besorgnis. Beispielsweise lagen die statistischen Erhebungen des Michigan and
Conference Board über Verbrauchermeinungen kürzlich über ihrem historischen
Durchschnitt. Die im Rahmen dieser Erhebung Befragten erachten die Beschäftigungsaussichten offensichtlich nicht als schlecht. Dennoch deutet eine erhebliche
Zahl von Aussagen darauf hin, daß viele Amerikaner sich wegen einer möglichen
Entlassung Sorgen machen - einige sogar große Sorgen. Um auf diese Besorgnis
optimal reagieren zu können, benötigen wir eine präzisere Einschätzung der Natur des
Entlassungsproblems. Ist die Zahl der Entlassungen tatsächlich angestiegen?

9

�Betreffen sie eine andere Kategorie von Menschen als vor zehn Jahren? Dieser
Abschnitt des Berichts befaßt sich mit solchen Fragen.
Fakten aus einer Erhebung über Entlassungen. Das Bundesamt für Arbeitsstatistik
erstellt alle zwei Jahre eine Erhebung über entlassene Arbeitnehmer, wobei die
neuesten Daten vom Februar 1994 stammen. Die nachfolgende Tabelle faßt die
Entlassungsraten (definiert als Zahl der entlassenen Arbeitnehmer pro 100 Beschäftigte) für die Zeiträume 1981-82 und 1991-92 zusammen.
Der prozentuale Anteil der Entlassenen an der Erwerbsbevölkerung war 1991-92
ungefähr so groß wie 1981-82, obwohl die Rezession Anfang der achtziger Jahre
weitaus gravierender war als die zu Beginn der neunziger Jahre. Es ist jedoch
schwierig genau festzulegen, wie sich der Konjunkturzyklus auf die Entlassungsquote
auswirkt. Ein Vergleich der Entlassungsquoten insgesamt verschleiert auch den
grundlegenden Wandel bei der Häufigkeit der Entlassungen. Die Tabelle zeigt, daß
ältere Büroangestellte 1991-92 viel entlassungsgefährdeter waren als während der
vorherigen Rezession. Und weitere Analysen belegen, daß die Entlassungsquote bei
besser ausgebildeten Arbeitnehmern gestiegen ist. Diese Veränderungen bei der
Häufigkeit von Entlassungen mögen ein Grund für die Berichte über zunehmende
Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes sein. Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer
Entlassung bei Arbeitern und schlechter ausgebildeten Arbeitnehmern größer ist, stieg
die Entlassungsquote eindeutig bei den Arbeitnehmern an, die vorher großenteils
immun gegen die Gefahr eines Arbeitsplatzverlusts waren.
*

Die Entlassungsquoten für ältere und besser ausgebildete Arbeitnehmer, die sich
großenteils nicht mit einem solchen Risiko auseinandergesetzt hatten, stiegen
zwischen 1981-82 und 1991-92.
Veränderte Häufigkeit von Entlassungen
Entlassungsquoten*

Gesamt
Beruf
Bürotätigkeit
Fabrikarbeit
Alter
25-34 Jahre
35-44 Jahre
45-54 Jahre
55+

1981-82
3,9

1991-92
3,8

2,6
7,3

3,6
5,2

5,0
3,8
3,0
3,6

3,8
3,9
3,8
4,3

Als Prozentsatz der Arbeitnehmer, die drei oder mehr Jahre in ihrer derzeitigen Stelle beschäftigt
sind. Quelle: Bundesamt für Arbeitsstatistik

�Indikatoren für Entlassungen neueren Datums. Wie bereits erwähnt, wird die
Erhebung über Entlassungen alle zwei Jahre durchgeführt, wobei die jüngsten Daten
vom Februar 1994 stammen und sich auf den Zeitraum 1991-93 erstrecken. Bedauerlicherweise stehen die offiziellen Entlassungszahlen für die Zeit nach 1993 noch nicht
zur Verfügung.6 (Die Ergebnisse der im Februar durchgeführten Erhebung über
Entlassungen 1996 sollten Ende des Sommers vorliegen.) Bis die offiziellen Entlassungszahlen zur Verfügung stehen, kann man mit Hilfe anderer Statistiken Hinweise
auf den Wandel des Arbeitsmarktes seit 1993 erhalten.
Ein Indikator sind die Daten über diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Abbildung 5 zeigt die Arbeitsplatzverlustrate, definiert als Prozentsatz derjenigen, die
vor kurzem ihren Arbeitsplatz verloren haben - die aufgrund eines Arbeitsplatzverlusts
Arbeitlosen (im Gegensatz zu denjenigen, die ihren Arbeitsplatz aufgegeben haben
oder zu den Neuzugängen auf dem Arbeitsmarkt), die weniger als fünf Wochen
Unbeschäftigten sowie die nicht vorübergehend Entlassenen - an der Gesamtbeschäftigtenzahl gemäß der laufenden Bevölkerungserhebung. Diese Arbeitsplatzverlustrate
entspricht annähernd dem netto-"Abgleiten" in die Arbeitslosigkeit aufgrund eines
Verlusts des Arbeitsplatzes, da sie nur diejenigen erfaßt, die vor kurzem ihren Arbeitsplatz verloren haben. Abbildung 5 zeigt, daß die Arbeitsplatzverlustrate seit 1992 fällt.

Figure 5
New Job Losers
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Unemployed new job losers

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excluding temporary layoffs

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1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.

Offizielle Daten über Entlassungen nach 1993 sind noch nicht erhältlich. Aufgrund der Zahlen für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, ist die
Arbeitsplatzverlustrate seitdem jedoch gefallen.

11

�Die Kosten der Entlassungen. Die Erhebung über entlassene Arbeitnehmer liefert
Informationen über die Auswirkungen des Arbeitsplatzverlusts auf Arbeitnehmer. Die
Ergebnisse sind ernüchternd. Einer Analyse des Bundesamts für Arbeitsstatistik
zufolge hatte ungefähr ein Viertel der zwischen 1991 und 1992 Entlassenen entweder
die Stellensuche eingestellt oder bis zum Zeitpunkt ihrer Befragung im Februar 1994
noch keine Arbeit gefunden. Und obwohl die Erfahrungen sehr unterschiedlich waren,
deutet die von Henry Farber von der Princeton University durchgeführte Untersuchung
darauf hin, daß der reale Einkommensverlust für aus einer Ganztagsstelle Entlassene
und wieder auf einer Ganztagsstelle Beschäftigte Anfang der achtziger und neunziger
Jahre im Durchschnitt bei 10 Prozent lag. Laut einer Studie von Ann Huff Stevens von
der Rutgers University sowie des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung sind
Einkommensverluste als Folge von Entlassungen ein dauerhaftes Phänomen. Sechs
oder mehr Jahre nach der Entlassung liegen die Einkünfte eines entlassenen Arbeitnehmers ungefähr 10 Prozent unter dem, was er sonst hätte verdienen können.
In einer Marktwirtschaft, die sich auf nationaler und internationaler Ebene wachsendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt sieht, ist ein gewisses Maß an Entlassungen
unvermeidlich. Die Technologie ist ständigem Wandel unterworfen. Neue Unternehmen werden gegründet, einige alte schrumpfen oder schließen. Da der Wandel für
die Arbeitnehmer teuer weden kann, müssen Maßnahmen zur Unterstützung der
Arbeitnehmer bei der Bewältigung dieses Wandels ergriffen werden. Die Mitnahme
von Renten- und Krankenversicherungsansprüchen, effektive Wiederbeschäftigungshilfe, angemessene Arbeitslosenversicherung sowie Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen können allesamt zur Senkung der zwischen zwei Arbeitsstellen anfallenden
Angleichungskosten beitragen. Zusätzlich ist wichtig, daß es keine unnötigen Entlassungen gibt. Ein stabiles makroökonomisches Umfeld mit Vollbeschäftigung wird die
Notwendigkeit vorübergehender Entlassungen auf ein Minimum reduzieren und die
Chance für eine schnelle Wiederbeschäftigung derjenigen, die ihren Arbeitsplatz
verloren haben, vergrößern.
Der Verlust des Arbeitsplatzes ist teuer. Wenn amerikanische Arbeitnehmer mit
dem Verlust ihres Arbeitsplatzes konfrontiert werden, müssen sie über die erforderlichen Mittel verfügen, schnell eine neue Stelle zu finden.

Schlußbemerkung
Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem starken Aufschwung, in dem seit Januar 1993
8,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden. Nachdem wir die letzte Rezession
überwunden haben und uns auf stetige, nachhaltige Weise entwickeln, wächst die
Beschäftigung in den Arbeitsplatzkategorien am schnellsten, die die am besten
bezahlten Stellen anbieten. Unsere Analyse belegt, daß mehr als zwei Drittel des
jüngsten Beschäftigungswachstums in Beschäftigungskategorien/Industriezweigen mit
über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern stattfand, daß die
überwältigende Mehrheit neugeschaffener Arbeitsplätze Ganztagsstellen sind und der
Anteil der Arbeitnehmer, die mehrere Stellen haben, seit Ende der achtziger Jahre

12

�mehr oder weniger konstant geblieben ist. Ein dynamischer Arbeitsmarkt baut jedoch
unweigerlich einige Arbeitsplätze ab und schafft andere neu. Die Kosten eines
Arbeitsplatzverlusts sind beträchtlich und dauerhaft. Um die Vorteile einer dynamischen Volkswirtschaft umfassend genießen zu können, müssen wir diese Angleichungskosten senken.

Fußnoten
1.

Eine umfassende Umstrukturierung der Erhebung im Januar 1994 erschwert langfristige
Vergleiche. Da die Daten der Haushaltserhebungen häufig nicht saisonbereinigt sind,
versuchen wir darüber hinaus denselben Monat in verschiedenen Jahren zu vergleichen.
Der hier vorliegende repräsentative Zeitraum ist daher Februar 1994 bis Februar 1996.

2.

Die verbleibenden Felder für Industriezweige/Berufsgruppen umfaßten 331 Befragte und
enthielten Einkommensdaten für 70 Stichproben.

3.

Aufgrund der Schwankungsbreite bei den monatlichen Erhebungen könnten die präzisen
Zahlen von den Vergleichsmonaten beeinflußt werden. Ferner haben wir dieselbe
Vorgehensweise unter Einsatz von Stundenlöhnen und -gehältern für eine Kombination
von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten gewählt. Die Ergebnisse sind ähnlich.

4.

Diese werden definiert als Stellen in Imbißstuben, Getränkekiosken, in der Küche sowie
in verschiedenen Bereichen der Nahrungsmittelzubereitung. Die Ergebnisse gelten für
Vollzeitbeschäftigte und andere Arbeitnehmer (Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung
kombiniert).

5.

Hierbei ist Voraussetzung, daß sich die durchschnittliche Arbeitszeit bei bestehenden
Stellen nicht ändert. Bedauerlicherweise können wir anhand der existierenden Statistiken
nicht feststellen, ob diese Annahme zutreffend ist.

6.

Aufgrund früherer Erfahrungen liegt die Entlassungsquote für
Erhebungsdaten für 1996 wahrscheinlich unter der für 1994.

13

1993 in den

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                    <text>cimcrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

26. September 1996

SONDERDIENST

VEREINTE NATIONEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

CLINTON FORDERT WELTWEITE
KAMPAGNE GEGEN TERRORISMUS
Rede des Präsidenten vor der
UN-Generalversammlung

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�VEREINTE

NATIONEN
26. September 1996

Clinton fordert weltweite Kampagne gegen Terrorismus
Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung

NEW YORK - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus freigegebenen Text der Rede, die
US-Präsident Bill Clinton am 24. September 1996 vor der 51. UN-Generalversammlung hielt, nachdem er als
erster das Abkommen über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT)
unterzeichnet hatte.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Staatsund Regierungschefs, Außenminister, Botschafter,
Exzellenzen, verehrte Gäste.
Vor drei Jahren hatte ich die Ehre, als erster nach der
Gründung der Vereinten Nationen geborener amerikanischer Präsident zu Ihnen sprechen zu dürfen. In
ihrem 51. Jahr haben die Vereinten Nationen noch
nicht alle Bestrebungen ihrer Gründerväter in die Tat
umgesetzt, aber die Ideale der Charta der Vereinten
Nationen - Frieden, Freiheit, Toleranz, Wohlstand erreichen jetzt mehr Menschen in mehr Nationen als je
zuvor.
Wir befinden uns derzeit an einem Wendepunkt in der
Geschichte, an dem Blöcke und Schranken, die lange
Zeit die Welt definierten, einem Zeitalter bemerkenswerter Chancen weichen; einer Zeit, in der mehr
Kinder und mehr Nationen zur Erfüllung ihrer Träume
in der Lage sein werden als je zuvor.
Dies ist jedoch auch ein Zeitalter neuer Bedrohungen:
Bedrohungen durch Terroristen und ihnen Vorschub
leistende verbrecherische Staaten, Bedrohungen
durch ethnisch, religiös, rassisch und stammesbedingten Haß, Bedrohungen durch internationale
Verbrecher und Drogenhändler, die alle noch gefährlicher werden, wenn sie Zugang zu Massenvernichtungswaffen erhalten.
Vor uns liegt eine zweifache Herausforderung: Die
Chance zu ergreifen, mehr Menschen in den Genuß
von Frieden und Freiheit, Sicherheit und Wohlstand zu
bringen sowie entschieden und schnell die durch den
Wandel hervorgerufenen Gefahren zu bekämpfen.

AMERIKA DIENST

Diese Woche unternehmen wir an diesem Ort einen
riesigen Schritt.
Mit überwältigendem globalen
Konsens werden wir das feierliche Versprechen
abgeben, für immer auf sämtliche Atomtests zu
verzichten.
Bevor ich hierher kam, hatte ich die Ehre, als erster
den Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot zu
unterzeichnen. Ich tat das stolz mit diesem Federhalter- demselben, den Präsident Kennedy vor 33 Jahren
zur Unterzeichnung des Vertrags zur Begrenzung von
Atomversuchen (Limited Test Ban Treaty - LTBT)
benutzte.
Der CTB-Vertrag wird dazu beitragen, die Atommächte
von der Entwicklung modernerer und gefährlicherer
Waffen abzuhalten. Er wird die Fähigkeit anderer
Staaten beschränken, in den Besitz solcher Waffen zu
gelangen. Er weist in ein Jahrhundert, in dem die
Funktion und Gefahr von Nuklearwaffen weiter verringert und letztlich beseitigt werden kann.
Ich möchte all jenen danken, die dazu beigetragen
haben, daß wir diesen Tag erleben, insbesondere dem
Vorsitzenden des Verhandlungsausschusses des
CTB-Vertrags, dem niederländischen Botschafter
Ramaker, und der australischen Regierung, die in den
Vereinten Nationen eine führende Rolle übernahm. Ich
danke dem Generalsekretär für seine Äußerungen
heute Morgen, in denen er die Kriterien, Maßstäbe und
Unterstützung der UNO als Hinterlegungsstelle für den
Vertrag festsetzte.
Die Unterzeichnung durch die erklärten Atommächte
der Welt - die Vereinigten Staaten, China, Frankreich,

Seite 1

�Rußland und Großbritannien - sowie die überwältigende Mehrheit der Nationen - wird umgehend eine
internationale Norm gegen Atomtests schaffen, noch
bevor der Vertrag offiziell in Kraft tritt.
Der CTB-Vertrag ist die aus harten Verhandlungen
hervorgegangene gemeinsame Arbeit.
Manche
beschwerten sich, er schreibe keine vollständige
atomare Abrüstung zu einem bestimmten Zeitpunkt
vor. Diesen Menschen würde ich raten, nicht die
Vorteile dieser Errungenschaft aufzugeben, indem sie
die zur Erlangung dieses Ziels gemachten enormen
Fortschritte ignorieren.
Heute sind keine russischen Raketen mehr auf
Amerika gerichtet und keine amerikanischen Raketen
mehr auf Rußland. Im Rahmen der START-Verträge
verringern wir unsere Nuklearwaffenarsenale um zwei
Drittel. Die Ukraine, Belarus und Kasachstan verzichten auf die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf ihrem Territorium verbliebenen Nuklearwaffen. Wir arbeiten mit den neuen unabhängigen
Staaten an der Verbesserung der Sicherheit von
Nukleareinrichtungen sowie der Konversion von
Nuklearwaffen zu friedlichen Zwecken.
Die Vereinigten Staaten und die anderen Atommächte
befürworten die nuklearwaffenfreien Zonen im Südpazifik und in Afrika. Die Hälfte des Landes auf der Welt
ist infolge internationaler Übereinkünfte atomwaffenfrei.
Und die Weltgemeinschaft verlängerte den Nichtverbreitungsvertrag unbeschränkt.
Dennoch haben einige der Veränderungen, die diese
Fortschritte ermöglichten, auch neue Gefahren
hervorgerufen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion
hinterließ Nuklearmaterial auf dem gesamten Gebiet
der neuen unabhängigen Staaten. Während weltweit
die Grenzen fallen, steigt die Gefahr von Nuklearschmuggel. Wenn wir also die globalen Arsenale von
Massenvernichtungswaffen abbauen, müssen wir auch
die Gefahr verringern, daß tödliches Material in die
falschen Hände gelangt, und müssen gleichzeitig
effektive Verteidigungsmöglichkeiten für unsere
Menschen entwickeln, falls das geschehen sollte.
Die Vereinigten Staaten haben sechs Zielen oberste
Priorität eingeräumt, um die Bedrohung durch atomare
Zerstörung und die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen weiter zu verringern und um die
gefährliche Verbreitung dieser Waffen einzuschränken.
Erstens müssen wir unsere Menschen vor Angriffen
mit Chemiewaffen schützen und verbrecherischen
Staaten und Terroristen die Androhung eines Einsatzes von Giftgas erschweren, indem wir die Chemiewaffenkonvention so bald wie möglich in Kraft setzen.
Ich danke den hier vertretenen Nationen, die die
Chemiewaffenkonvention ratifiziert haben. Ich bedaure zutiefst, daß der US-Senat noch nicht über die

Seite 2

Konvention abgestimmt hat, möchte Ihnen und den
Menschen überall auf der Welt aber versichern, daß
ich diesen Vertrag nicht sterben lassen werde und wir
uns den Nationen anschließen werden, die zur
Verhinderung der Weiterverbreitung von Chemiewaffen entschlossen sind.
Zweitens müssen wir das Risiko verringern, daß ein
geächteter Staat oder eine Organisation eine Nukleareinrichtung bauen können, indem wir einen Vertrag
über das Einfrieren der Produktion spaltbaren Materials für nuklearwaffenfähige Zwecke aushandeln. Die
Abrüstungskonferenz sollte sich umgehend dieser
Herausforderung widmen. Die Vereinigten Staaten,
Rußland, Frankreich und Großbritannien haben bereits
die Produktion spaltbaren Materials für waffenfähige
Zwecke eingestellt. Ich fordere die anderen Nationen
zur Beendigung der ungesicherten Produktion dieser
Materialien bis zur Fertigstellung des Vertrags auf.
Drittens müssen wir den Abbau unserer Nuklearwaffenarsenale fortsetzen. Wenn Rußland den START IIVertrag ratifiziert, sind Präsident Jelzin und ich bereit
zur Erörterung der Möglichkeiten weiterer Kürzungen
sowie zur Beschränkung und Kontrolle nuklearer
Gefechtsköpfe und Nuklearmaterials. Das wird dazu
beitragen, den Abbau irreversibel zu gestalten.
Viertens müssen wir unsere Bestrebungen zur Bekämpfung der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen
intensivieren, indem wir den Nichtverbreitungsvertrag
stärken. Wir sollten der Internationalen AtomenergieOrganisation (IAEO) eine wichtigere Rolle und bessere
Mittel für die Durchführung weltweiter Inspektionen
geben. Unsere Strafverfolgungs- und Zollbehörden
sollten im Kampf gegen Nuklearschmuggel enger
zusammenarbeiten. Und ich fordere alle Nationen, die
das noch nicht getan haben, zur unverzüglichen
Unterzeichnung des Nichtverbreitungsvertrags auf.
Fünftens müssen wir die Menschen besser vor
denjenigen schützen, die Krankheit als Waffe im Krieg
einsetzen, indem wir der Konvention über biologische
Waffen Mittel zur Verbesserung ihrer Einhaltung
beifügen, darunter Inspektionen vor Ort, wenn wir der
Ansicht sind, daß solche Waffen eingesetzt worden
sein könnten oder wenn sich ein verdächtiger Krankheitsausbruch ereignet. Wir sollten die Erfüllung
dieser Aufgabe bis 1998 anstreben.
Schließlich müssen wir dem durch Antipersonenminen
hervorgerufenen Gemetzel ein Ende setzen - den
versteckten Killern, die jedes Jahr mehr als 25.000
Menschen töten oder verstümmeln. Im Mai habe ich
eine Reihe von Aktionen bekanntgegeben, die die
Vereinigten Staaten zur Erlangung dieses Ziels
durchführen. Heute wiederhole ich meinen Appell für
die zügige Aushandlung eines weltweiten Verbots des
Einsatzes, der Lagerung, Produktion und des Transfers von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen.

AMERIKA DIENST

�Unsere Kinder haben Anspruch darauf, auf sicherem
Boden gehen zu können.
Vor 33 Jahren hielt Präsident Kennedy auf dem
Höhepunkt des Kalten Krieges eine Rede vor der
American University in Washington. Das Thema
seiner Ausführungen war der Frieden, jedoch kein
abstraktes Ideal des Friedens. Vielmehr rief er uns
dazu auf, sich auf einen "praktischeren, erreichbaren
Frieden" zu konzentrieren, "der nicht auf einer plötzlichen Revolution der menschlichen Natur basiert,
sondern auf der allmählichen Evolution menschlicher
Institutionen, auf einer Reihe konkreter Aktionen sowie
positiver, effektiver Abkommen, die im Interesse aller
Betroffenen liegen".
In derselben Rede gab er auch die baldige Aufnahme
von Gesprächen in Moskau über einen Vertrag über
ein umfassendes Atomtestverbot bekannt. Präsident
Kennedys Vision überstieg die damaligen Möglichkeiten. Aber seine Worte haben immer noch Gültigkeit. Während wir unsere Namen unter den CTBVertrag setzen - den am längsten angestrebten und
am härtesten erkämpften Preis in der Geschichte der
Rüstungskontrolle - wollen wir die Zuversicht früherer
Pioniere aufbieten und die Herausforderungen des
neuen Jahrhunderts ins Auge fassen.
In den letzten drei Jahren haben wir bei der Bewältigung dieser Herausforderungen den richtigen Kurs
eingeschlagen. In Bosnien, wo der Krieg vorüber ist
und die Menschen vor zehn Tagen friedliche Wahlen
veranstalteten, haben wir den richtigen Kurs eingeschlagen. Jetzt müssen wir Bosnien beim Aufbau
einer Zukunft in Einheit, Demokratie und Frieden
helfen. In Haiti, wo die Diktatoren verschwunden sind,
es wieder Demokratie gibt und die Abwanderung von
Flüchtlingen aufgehört hat, haben wir den richtigen
Kurs eingeschlagen. Jetzt müssen wir dem haitianischen Volk helfen, die umfassenden Vorteile der
Freiheit zu genießen und eine Zukunft in mehr Wohlstand aufzubauen.
Im Nahen Osten und in Nordirland werden Fortschritte
zu einem dauerhaften Frieden gemacht, und wir sind
auf dem richtigen Kurs. Jetzt müssen wir weitere
Fortschritte zwischen Israel und den Palästinensern
fördern und den Kreis des Friedens erweitern, um
noch mehr Nachbarn Israels einzubeziehen. Wir
müssen dazu beitragen, daß die Kinder in Belfast die
Chance erhalten, ein normales Leben zu führen.
Die Tatsache, daß Demokratien Märkte öffneten und
der Frieden auf der ganzen Welt Fuß faßt, zeigt, daß
wir auf dem richtigen Kurs sind. Hier auf dem amerikanischen Kontinent hat mit einer Ausnahme jede Nation
die Flagge der Freiheit gehißt. In Zentraleuropa,
Rußland, der Ukraine und den anderen neuen unabhängigen Staaten verdienen die Kräfte der Reform
all unseren Respekt und werden weiterhin die Unter-

AMERIKA DIENST

stützung der Vereinigten Staaten genießen. Jetzt
müssen wir damit beginnen, die neuen Demokratien
Europas in die NATO aufzunehmen, die Partnerschaft
der NATO mit Rußland zu stärken und ein sicheres
und ungeteiltes Europa aufzubauen.
In Asien überredeten Südkorea, Japan, China und
Amerika gemeinsam Nordkorea zum Einfrieren seines
Nuklearprogramms unter internationaler Überwachung. Jetzt müssen wir nach den provozierenden
Aktionen Nordkoreas einen dauerhaften Frieden für
das gesamte koreanische Volk anstreben.
Unser Planet ist sicherer aufgrund unserer gemeinsamen Bestrebungen zur Schließung von Tschernobyl,
zur Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels, zum Schutz der Wälder und Ozeane der
Welt. Jetzt müssen wir unsere Pflicht als Hüter
unserer Umwelt erfüllen, damit wir unseren Kindern
einen noch gesünderen Planeten hinterlassen können.
Wir alle müssen unsere historischen Bestrebungen
zum Aufbau eines besseren, globaleren Handelssystems für das 21. Jahrhundert fortsetzen. Wir haben
bemerkenswerte Fortschritte gemacht, aber es muß
mehr zur Öffnung von Märkten und Schaffung von
Millionen neuer Arbeitsplätze für all unsere Menschen
getan werden.
In dieser Zeit der Herausforderung und des Wandels
sind die Vereinten Nationen wichtiger denn je, denn
unsere Welt ist interdependenter denn je. Die meisten
Amerikaner wissen das. Bedauerlicherweise ignorieren manche Amerikaner in ihrem Bestreben sich der
Probleme der Welt zu entledigen und sich vielleicht
stärker auf unsere eigenen Probleme zu konzentrieren, was die Vereinten Nationen getan haben. Sie
ignorieren die Vorteile der Zusammenarbeit sowie
unsere wechselseitige Abhängigkeit bei der Gestaltung
einer besseren Zukunft. Sie ignorieren alles, was die
Vereinten Nationen unternehmen, um das Leben von
Millionen Menschen zu verbessern, indem sie den
Frieden bewahren, Kinder impfen, sich um Flüchtlinge
kümmern und die Vorteile des Fortschritts mit allen auf
der Welt teilen. Sie erschweren es den Vereinigten
Staaten, ihren Verpflichtungen gegenüber den Vereinten Nationen nachzukommen.
Ich möchte Ihnen allen jedoch versichern, daß die
überwältigende Mehrheit der Amerikaner die Vereinten
Nationen unterstützt - nicht nur, weil sie unsere
eigenen Ideale widerspiegeln, sondern auch weil sie
unsere Interessen stärken. Wir müssen weiterhin
daran arbeiten, die Unterstützung der UNO durch
unser Volk offenkundig werden zu lassen.
Zum 51. Mal in Folge sind die Vereinigten Staaten der
größte Beitragszahler der UNO: Wir zahlen unsere
Schulden, und ich verpflichte mich zur Abzahlung
unserer angehäuften Verbindlichkeiten.
Jedoch

Seite 3

�unterstützen wir auch den Reformprozeß, in dessen
Rahmen großartige Arbeit zur Reformierung und
Verschlankung der Bürokratie und Kontrolle des
Haushalts geleistet wurde und der fortgesetzt werden
sollte.
Ferner sind wir der Ansicht, daß wir alle - die Nationen
der Welt - durch Zusammenarbeit mehr zur Bekämpfung des Terrorismus unternehmen sollten. Letztes
Jahr forderte ich die hier versammelten Nationen dazu
auf, sich der vollständigen Ablehnung von Aggression,
Terrorismus und gesetzlosem Verhalten zu verpflichten. Offen gesagt, haben wir das noch nicht
getan. Klare Ablehnung bedeutet, Terroristen, die
Unschuldige ermorden, und Drogenhändlern, die
unsere Kinder vergiften, keine Hilfe und keine Zuflucht
zu gewähren. Und sie bedeutet, alles in unserer
Macht Stehende zu unternehmen, damit Massenvernichtungswaffen nicht in die falschen Hände gelangen.
Klare Ablehnung verlangt von uns die Isolierung der
Staaten, die nicht die von uns allen akzeptierten
Regeln zivilisierten Verhaltens befolgen. Solange der
Irak seine Nachbarn und Menschen bedroht, solange
der Iran Terroristen hilft und ihnen Schutz gewährt,
solange Libyen die Auslieferung der für den Bombenanschlag auf Pan Am Flug 103 Verantwortlichen
verweigert, solange sollten diese Länder keine vollwertigen Mitglieder der Familie der Nationen werden.
Die Vereinigten Staaten verfolgen eine aus drei Teilen
bestehende Strategie zur Bekämpfung von Terroristen
- im Ausland durch engere Zusammenarbeit mit
gleichgesinnten Nationen, im Inland durch die Ausstattung unserer Strafverfolgungsbehörden mit den
härtesten verfügbaren Terrorismusbekämpfungsinstrumenten und indem wir alles in unserer Macht
Stehende unternehmen, unsere Flughäfen und die uns
verbindenden Flugzeuge noch sicherer zu gestalten.
Ich habe unseren Kongreß zur Erfüllung dieser
Verpflichtungen um mehr als eine Milliarde Dollar
ersucht, und wir setzen den Plan des Vizepräsidenten
für Luftfahrtsicherheit in die Tat um, damit die in die
Vereinigten Staaten Ein- und Ausreisenden sowie die
innerhalb unseres Landes Reisenden sicherer sind.
Es gibt weitere Schritte, die wir zusammen unternehmen müssen. Im vergangenen Jahr habe ich darauf
gedrängt, daß wir zusammen gegen Geldwäsche und
Briefkastenfirmen vorgehen, daß wir die grauen Märkte
für Feuerwaffen, Explosivstoffe und gefälschte Papiere
schließen, weltweit mehr Zentren für Strafverfolgungsbehörden eröffnen und die Schutzvorrichtungen für
todbringendes Material erhöhen. Auf jedem dieser
Gebiete haben wir Fortschritte gemacht - im Rahmen
der UNO, beim Anti-Terror-Gipfel in Scharm el
Scheich, bei der Terrorismuskonferenz in Paris sowie
im Alleingang.

Seite 4

Jetzt sollten wir die von mir letztes Jahr vorgeschlagene Erklärung über Verbrechen und öffentliche Sicherheit annehmen. Sie beinhaltet die Verweigerung
von Schutz, damit wir den Terroristen, Verbrechern
und Drogenhändlern mit einer Stimme sagen können:
Ihr habt keinen Zufluchtsort und kein Versteck.
Ich rufe jedes Mitglied zur Ratifizierung der elf internationalen Konventionen auf, die zur Verhinderung und
Bestrafung von Terrorismus und zur Bestrafung des
Einsatzes von Explosivstoffen bei Terroranschlägen
beitragen. In jeder Nation, deren Kinder Opfer von
Drogen werden, und in jeder Nation, die Drogen
herstellt, müssen wir mehr unternehmen, um die
Nachfrage zu senken und illegale Drogen vom Markt
und von der Straße zu nehmen.
Die Vereinigten Staaten werden das Ihrige tun.
Nächste Woche werde ich militärische Ausrüstung und
Ausbildung im Wert von über 100 Millionen Dollar für
Mexiko, Kolumbien sowie andere Staaten Südamerikas und der Karibik anvisieren. Diese Mittel werden
unseren Freunden bei der Unterbindung des Drogenflusses an der Quelle helfen. Jetzt fordere ich alle
Nationen, die zur Produktion illegaler Rauschmittel
erforderliche Chemikalien herstellen, zur Gründung
einer Arbeitsgruppe auf, deren Mitglieder sich dafür
einsetzen, daß die Drogenhersteller nicht in den Besitz
dieser Chemikalien gelangen.
Wir dürfen nicht
zulassen, daß noch mehr Drogen dunkle Schatten auf
den Anbruch des kommenden Jahrhunderts werfen.
Unsere Pflicht zur Bekämpfung all dieser Kräfte der
Zerstörung steht in direktem Zusammenhang mit
unseren Bestrebungen zur Verringerung der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen. Wir sind
uns alle bewußt, daß wir dagegen nicht immun sind.
Wir sahen sie, als unsere Freunde in Japan in der
Tokioter U-Bahn der mörderischen Macht einer kleinen
Phiole Saringas ausgeliefert waren. Wir wissen, daß
eine kleine Menge Plutonium für den Bau einer
Atombombe ausreicht. Wir wissen, daß angesichts
der diese Zeit kennzeichnenden schnellen Entwicklung
und offenen Grenzen mehr gefährliche Menschen
Zugang zu Materialien zur Massenvernichtung haben.
Das Streben nach der Lösung dieser Probleme in den
Waffenarsenalen dieser Welt und der Verhinderung
ihrer Verbreitung hat für uns alle eine neue und starke
Dringlichkeit angenommen.
Daher wollen wir unsere Entschlossenheit zur Bekämpfung verbrecherischer Staaten, Terroristen und
Verbrecher erhöhen, die unsere Sicherheit, unsere
Lebensweise und die Möglichkeiten unserer Kinder im
21. Jahrhundert bedrohen. Wir wollen uns erneut dazu
verpflichten sicherzustellen, daß sie nicht in den Besitz
von Massenvernichtungswaffen gelangen. Wir wollen
härter denn je dafür arbeiten, die nukleare Bedrohung
zu beseitigen, die die Weltbühne zu lange verdunkelt
hat. Wir wollen diese wichtigen Aufgaben zu unserer

AMERIKA DIENST

�gemeinsamen Verpflichtung machen. Wenn wir das
tun, werden wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf
eine bessere, sicherere Welt zusteuern - die bessere

und sicherere Welt, deren Aufbau die Vereinten
Nationen seit 51. Jahren anstreben.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST

Seite 5

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                    <text>Herausgeber. U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
&#13;
&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
18&#13;
&#13;
CTBT&#13;
&#13;
UN-GENERALVERSAMMLUNG BILLIGT&#13;
VERTRAG ÜBER EIN UMFASSENDES&#13;
ATOMTESTVERBOT&#13;
Erklärung von Präsident Clinton&#13;
&#13;
USA-DEUTSCHLAND&#13;
&#13;
REDE DER HOFFNUNG&#13;
US-Außenminister James F. Byrnes&#13;
am 6. September 1946&#13;
&#13;
EINE NEUE ATLANTISCHE GEMEINSCHAFT&#13;
FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT&#13;
Außenminister Christopher zum 50. Jahrestag&#13;
der "Rede der Hoffnung"&#13;
&#13;
USA-KUBA&#13;
&#13;
USA STREBEN MULTILATERALE&#13;
ZUSAMMENARBEIT ZUR FÖRDERUNG&#13;
VON DEMOKRATIE IN KUBA AN&#13;
Erklärung von Botschafter Stuart E. Eizenstat&#13;
&#13;
BOSNIEN&#13;
&#13;
WAHLEN SIND ERSTER SCHRITT&#13;
BEIM WIEDERAUFBAU&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
&#13;
FRAUEN&#13;
&#13;
DAS JAHR NACH DER PEKINGER&#13;
WELTFRAUENKONFERENZ - EINE&#13;
BESTANDSAUFNAHME&#13;
Rede von Gesundheitsministerin Donna Shalala&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�CTBT&#13;
&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
UN-Generalversammlung billigt Vertrag&#13;
über ein umfassendes Atomtestverbot&#13;
Erklärung von Präsident Clinton&#13;
&#13;
KANSAS CITY - (AD) - Präsident Clinton zufolge bringt der Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot&#13;
(Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT) die Welt der Erfüllung des jahrzehntealten Traums näher, "daß&#13;
nirgends auf der Erde Nuklearwaffen gezündet werden".&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der vom Präsidenten am 10. September 1996 nach der Billigung&#13;
des Vertrags durch die UN-Generalversammlung abgegebenen Erklärung.&#13;
&#13;
Heute stimmte die UN-Generalversammlung in New&#13;
York mit überwältigender Mehrheit für die Annahme&#13;
des Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot&#13;
und seine Auslegung zur Unterzeichnung Ende dieses&#13;
Monats. Es wird mir eine Ehre sein, diesen historischen Vertrag im Namen des amerikanischen Volkes&#13;
zu unterzeichnen.&#13;
Mit unserer Unterschrift sowie der Rußlands, Chinas,&#13;
Frankreichs, Großbritanniens und der großen Mehrheit&#13;
der Nationen auf der ganzen Welt wird umgehend eine&#13;
internationale Sperre gegen Atomtests errichtet.&#13;
Mit diesem Vertrag stehen wir kurz vor der Erfüllung&#13;
des jahrzehntealten Traums, daß nirgends auf der&#13;
Erde Nuklearwaffen gezündet werden.&#13;
Dieser Traum amerikanischer Politiker geht auf die&#13;
Präsidenten Eisenhower und Kennedy zurück. Sie&#13;
setzten sich lange im In- und Ausland für eine sicherere Welt ein. Durch das dauerhafte Verbot sämtlicher&#13;
Nukleartests wird der Vertrag alle Nationen an der&#13;
Verbesserung ihrer existierenden Nuklearwaffenarsenale hindern, die Entwicklung moderner Nuklearwaffen beenden und zur Verhinderung ihrer Ausbreitung beitragen.&#13;
Wir unternehmen den nächsten entscheidenden&#13;
Schritt, um die dunkle Wolke nuklearer Angst zu&#13;
beseitigen, die seit 50 Jahren über der Welt hängt. In&#13;
den vergangenen vier Jahren haben wir den Nichtverbreitungsvertrag dauerhaft verlängert, unter den&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
beiden START-Verträgen existierende Nukleararsenale dramatisch verringert, die Ukraine, Belarus und&#13;
Kasachstan zum Verzicht auf die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf ihrem Territorium&#13;
verbliebenen Nuklearwaffen überredet und das&#13;
gefährliche Nuklearprogramm Nordkoreas eingefroren.&#13;
Und heute sind keine russischen Raketen mehr auf&#13;
unsere Städte und Bürger gerichtet.&#13;
Seit vier Jahrzehnten arbeiten visionäre Staatsmänner&#13;
wie der indische Ministerpräsident Nehru unermüdlich&#13;
daran, den Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot in die Realität umzusetzen. Vor kurzem haben&#13;
der britische Premierminister John Major, Frankreichs&#13;
Staatspräsident Jacques Chirac, der russische&#13;
Präsident Boris Jelzin und der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin die mutige Entscheidung getroffen,&#13;
die Atomtestprogramme ihrer Länder einzustellen. Ich&#13;
möchte ihnen, dem australischen Außenminister&#13;
Downer sowie dem Vorsitzenden des CTBT-Verhandlungsausschusses und Botschafter der Niederlande,&#13;
Jaap Ramaker, für die von ihnen geleistete Arbeit&#13;
danken.&#13;
Ferner möchte ich im Namen meines Landes unserem&#13;
Botschafter bei der Abrüstungskonferenz, Stephen&#13;
Ledogar, sowie der gesamten US-Delegation meinen&#13;
Dank aussprechen. Sie haben in den letzten drei&#13;
Jahren sehr hart gearbeitet, um diesen glücklichen Tag&#13;
zu ermöglichen. Ich bin stolz, daß die von den Vereinigten Staaten übernommene Führungsrolle entscheidend zu diesem Erfolg beigetragen hat.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Die Vereinigten Staaten und die Nationen der Welt&#13;
haben gemeinsam einen weiteren riesigen Schritt&#13;
unternommen, um unsere Welt sicherer zu machen. In&#13;
&#13;
diesem Geiste fordere ich alle Nationen auf, das&#13;
Abkommen zu unterzeichnen,&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
Rede der Hoffnung&#13;
US-Außenminister James F. Byrnes am 6. September 1946&#13;
&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die "Rede der Hoffnung" des damaligen US-Außenministers James F. Byrnes, die&#13;
eine historische Wende der amerikanischen Außenpolitik gegenüber dem besetzten Deutschland darstellte, aus&#13;
Anlaß ihres 50. Jahrestages im Wortlaut. "&#13;
Einführung&#13;
Der Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone, General Lucius D. Clay (1897 - 1978) drängte&#13;
Byrnes, seine Rede in Stuttgart zu halten. Byrnes wollte ursprünglich in Paris sprechen, wo der Rat der&#13;
Außenminister (CFM) der alliierten Mächte von April bis Juni 1946 tagte. Außenminister Byrnes, der sowjetische&#13;
Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow (1890 -1986), der britische Außenminister Ernest Bevin (1881 - 1951)&#13;
und der französische Außenminister Georges Bidault (1899 -1983) nahmen daran teil.&#13;
Molotow hatte auf der Pariser Konferenz am 10. Juli 1946 ein vereintes Deutschland angeboten. Die Rede von&#13;
Byrnes wurde - seitens der USA - als eine Antwort auf diesen Vorschlag Molotows für notwendig erachtet.&#13;
Byrnes erteilte General Clay den Auftrag, den Entwurf einer Konzeption für die US-Politik in Deutschland&#13;
abzufassen. General Clays Entwurf wurde auf den 19. Juli 1946 datiert und bildete die Grundlage von Byrnes&#13;
"Rede der Hoffnung".&#13;
General Clay amtierte seit 1945 als Stellvertreter des US-Oberkommandierenden für Europa und Deutschland,&#13;
General Dwight D. Eisenhower. Er folgte dessen Nachfolger General Joseph McNarney zwischen 1947 und 1949&#13;
als US-Oberkommandierender in Europa und Militärgouverneur in der amerikanischen Besatzungszone&#13;
Deutschlands nach und betätigte sich als Mitinitiator und Organisator der Luftbrücke während der Berliner&#13;
Blockade. 1961/62 fungierte er als persönlicher Beauftragter Präsident Kennedys in der Berlin-Frage.&#13;
&#13;
Ich bin nach Deutschland gekommen, um mich an Ort&#13;
und Stelle über die mit dem Wiederaufbau Deutschlands verbundenen Probleme zu orientieren und die&#13;
Ansichten der Regierung der Vereinigten Staaten über&#13;
einige der vor uns liegenden Probleme mit unseren&#13;
Vertretern in Deutschland zu besprechen. Wir Amerikaner haben diesen Problemen beträchtliche Zeit und&#13;
Aufmerksamkeit gewidmet, weil von ihrer erfolgreichen&#13;
Lösung nicht nur das künftige Wohlergehen Deutschlands, sondern auch das Europas abhängt.&#13;
Wir haben wohl oder übel lernen müssen, daß wir alle&#13;
in einer Welt leben, von der wir uns nicht isolieren&#13;
können 2I: Wir haben gelernt, daß Frieden und Wohl-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
ergehen unteilbar sind und daß Frieden und Wohlergehen in unserem Land nicht auf Kosten des&#13;
Friedens und Wohlergehens eines anderen Volkes&#13;
erkauft werden können.&#13;
Ich hoffe, daß das deutsche Volk nie wieder den Fehler&#13;
machen wird, zu glauben, daß das amerikanische&#13;
Volk, gerade weil es den Frieden liebt, in der Hoffnung&#13;
auf Frieden abseits stehen wird, wenn irgendeine&#13;
Nation Gewalt anwendet oder mit Gewalt droht, um die&#13;
Herrschaft über andere Völker oder Regierungen zu&#13;
erlangen.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Im Jahre 1917 wurden die Vereinigten Staaten zur&#13;
Teilnahme am Ersten Weltkrieg gezwungen. Nach&#13;
diesem Krieg weigerten wir uns, dem Völkerbund&#13;
beizutreten.31 Wir glaubten, uns den europäischen&#13;
Kriegen fernhalten zu können, und verloren das&#13;
Interesse an europäischen Angelegenheiten. Dies&#13;
schützte uns aber nicht davor, zum Eintritt in den&#13;
Zweiten Weltkrieg gezwungen zu werden. Wir wollen&#13;
jenen Fehler nicht wiederholen. Wir sind entschlossen,&#13;
uns weiter für die Angelegenheiten Europas und der&#13;
Welt zu interessieren. Wir haben zur Organisation der&#13;
Vereinten Nationen beigetragen" und glauben, daß&#13;
dadurch Angreifernationen davon abgehalten werden,&#13;
Kriege anzufangen. Weil wir das glauben, wollen wir&#13;
die Vereinten Nationen mit unserer ganzen Macht und&#13;
allen unseren Hilfsquellen unterstützen.&#13;
Das amerikanische Volk will den Frieden. Es hat schon&#13;
seit langem nicht mehr von einem strengen oder&#13;
milden Frieden für Deutschland gesprochen.&#13;
Darauf kam es auch niemals wirklich an. Was wir&#13;
wollen, ist ein dauerhafter Friede. Wir werden uns&#13;
gegen zu harte und von Rachsucht diktierte Maßnahmen wenden, die einem wirklichen Frieden im&#13;
Wege stehen. Wir werden uns zu milden Maßnahmen&#13;
widersetzen, welche zum Bruch des Friedens einladen.&#13;
Als die Vereinigten Staaten in Potsdam 5| der Entwaffnung und Entmilitarisierung Deutschlands zustimmten&#13;
und als sie vorschlugen, dafür zu sorgen, daß&#13;
Deutschland für die Dauer einer Generation entwaffnet&#13;
und entmilitarisiert bleibt, waren sie sich der auf ihnen&#13;
und ihren Hauptverbündeten ruhenden Verantwortung&#13;
für die Aufrechterhaltung und gesetzmäßige Durchführung des Friedens wohl bewußt.&#13;
Die Befreiung vom Militarismus wird dem deutschen&#13;
Volke Gelegenheit geben, seine großen Kräfte und&#13;
Fähigkeiten den Werken des Friedens zuzuwenden.6)&#13;
Es braucht sie nur zu ergreifen. Sie gibt ihm die&#13;
Gelegenheit, sich der Achtung und Freundschaft&#13;
friedliebender Völker würdig zu erweisen und eines&#13;
Tages einen ehrenvollen Platz unter den Mitgliedern&#13;
der Vereinten Nationen einzunehmen.&#13;
Es liegt weder im Interesse des deutschen Volkes,&#13;
noch im Interesse des Weltfriedens, daß Deutschland&#13;
eine Schachfigur oder ein Teilnehmer in einem&#13;
militärischen Machtkampf zwischen dem Osten und&#13;
dem Westen wird. Zweimal in einer Generation haben&#13;
der deutsche Militarismus und der Nazismus die&#13;
Gebiete von Deutschlands Nachbarn verwüstet. Es ist&#13;
nur recht und billig, daß Deutschland sein Teil dazu&#13;
beitragen soll, diese Verwüstungen wiedergutzumachen. Die meisten Opfer der Naziaggression waren vor&#13;
dem Krieg weniger begütert als Deutschland. Deutschland darf nicht erwarten, daß diese Opfer ohne fremde&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Hilfe die Hauptkosten dieser Naziüberfälle tragen&#13;
sollen.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind daher bereit, die in den&#13;
Potsdamer Beschlüssen über die Entmilitarisierung&#13;
und die Reparationen niedergelegten Grundsätze in&#13;
vollem Umfange durchzuführen.7| Wenn Deutschland&#13;
jedoch nicht in der in den Potsdamer Beschlüssen&#13;
vorgesehenen und geforderten Weise als wirtschaftliche Einheit verwaltet wird, müßten an dem von der&#13;
Alliierten Kontrollkommission 8) genehmigten Industrieniveau Änderungen vorgenommen werden.&#13;
Die Grundlage der Potsdamer Beschlüsse war, daß im&#13;
Rahmen eines kombinierten Entmilitarisierungs- und&#13;
Reparationsprogramms Deutschlands Kriegspotential&#13;
durch Ausschaltung und Demontage seiner Kriegsindustrie und durch Verminderung und Beseitigung&#13;
schwerindustrieller Anlagen herabgesetzt werden&#13;
sollte. Es war vorgesehen, dies soweit durchzuführen,&#13;
daß Deutschland ein Industriepotential belassen&#13;
bliebe, welches ihm die Aufrechterhaltung eines&#13;
durchschnittlichen europäischen Lebensstandards&#13;
ohne die Hilfe anderer Länder ermöglicht.&#13;
Die auf diese Weise zu entfernenden Fabriken sollten&#13;
als Reparationen an die Alliierten abgeliefert werden.&#13;
Die aus der russischen Zone zu entfernenden Fabriken sollten der Sowjetunion und Polen zufallen,&#13;
während die aus den westlichen Zonen zu entfernenden Fabriken teilweise der Sowjetunion, in der Hauptsache jedoch den westlichen Alliierten zufallen sollten.&#13;
Ferner wurde eine Aufteilung des deutschen Vermögens im Ausland unter den Alliierten vorgesehen.&#13;
Nach langen Verhandlungen einigten sich die Alliierten&#13;
über den Stand, auf den die hauptsächlichsten deutschen Industrien zwecks Durchführung der Potsdamer&#13;
Beschlüsse herabgesetzt werden sollten. Auf diesen&#13;
Stand einigte man sich in der Annahme, daß Deutschlands einheimische Hilfsquellen für eine auf gerechter&#13;
Grundlage erfolgende Verteilung an alle Deutschen in&#13;
Deutschland zur Verfügung stehen sollten, und daß die&#13;
für den Verbrauch in Deutschland nicht benötigten&#13;
Erzeugnisse der Ausfuhr zur Verfügung stehen sollten,&#13;
um damit die erforderliche Einfuhr zu bezahlen.&#13;
Bei Festsetzung des zulässigen Standes der Industrie&#13;
wurden keinerlei Reparationsleistungen aus der&#13;
laufenden Produktion vorgesehen. Aus der laufenden&#13;
Produktion erfolgende Reparationsleistungen würden&#13;
mit dem nach den Potsdamer Beschlüssen festgesetzten Stand der Industrie völlig unvereinbar sein. Offensichtlich hätte ein höherer Stand der Industrie festgesetzt werden müssen, wenn Reparationen aus der&#13;
laufenden Produktion beabsichtigt gewesen wären.&#13;
Der Stand der Industrie, wie er festgesetzt worden ist,&#13;
reicht nur aus, das deutsche Volk in die Lage zu&#13;
versetzen, sich selbst zu versorgen und einen Lebensstandard aufrechtzuerhalten, der den durchschnitt-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�liehen Lebensverhältnissen in Europa annähernd&#13;
gleichkommt. Dieser Grundsatz bedeutet erhebliche&#13;
Härten für das deutsche Volk, aber er verlangt von ihm&#13;
lediglich, die Härten zu teilen, die der Angriff der Nazis&#13;
dem Durchschnittseuropäer auferlegt hat.&#13;
Dem deutschen Volk wurde jedoch nicht die Möglichkeit genommen, sein Los im Lauf der Jahre durch&#13;
harte Arbeit zu verbessern. Eine industrielle Entwicklung und industrieller Fortschritt wurden ihm nicht&#13;
verweigert. Gleich den Völkern anderer verwüsteter&#13;
Länder sollte das deutsche Volk den Wiederanfang mit&#13;
einer Friedenswirtschaft machen, die nicht imstande&#13;
ist, ihm mehr als den durchschnittlichen europäischen&#13;
Lebensstandard zu gewähren. Dabei sollte ihm nicht&#13;
das Recht verwehrt bleiben, mögliche, auf Grund&#13;
harter Arbeit und einfacher Lebensweise erworbene&#13;
Ersparnisse für den Aufbau einer Industrie zu verwenden, die friedlichen Zwecken dient.&#13;
Dieses war der Grundsatz der Reparationen, wie&#13;
Präsident Truman ihm in Potsdam zugestimmt hat. Die&#13;
Vereinigten Staaten werden nicht ihre Zustimmung&#13;
geben, daß Deutschland größere Reparationen leisten&#13;
muß als in den Potsdamer Beschlüssen vorgesehen&#13;
wurde.&#13;
Die Durchführung der Potsdamer Beschlüsse ist&#13;
jedoch dadurch behindert worden, daß der Alliierte&#13;
Kontrollrat nicht die notwendigen Maßnahmen getroffen hat, um es der deutschen Wirtschaft zu ermöglichen, als Wirtschaftseinheit zu arbeiten. Die notwendigen deutschen Zentralverwaltungskörper sind nicht&#13;
geschaffen worden, obgleich die Potsdamer Beschlüsse sie ausdrücklich verlangten.&#13;
Die gerechte Verteilung der lebenswichtigen Güter&#13;
zwischen den einzelnen Zonen mit dem Ziel, eine&#13;
ausgeglichene Wirtschaft in ganz Deutschland herbeizuführen und den Einfuhrbedarf zu verringern, ist nicht&#13;
in die Wege geleitet worden, obgleich die Potsdamer&#13;
Beschlüsse auch dies ausdrücklich verlangten. Die&#13;
Vorbereitung einer ausgeglichenen Wirtschaft in ganz&#13;
Deutschland zur Beschaffung der für die Bezahlung&#13;
genehmigter Einfuhr erforderlichen Mittel ist nicht&#13;
erfolgt, obgleich auch dies die Potsdamer Beschlüsse&#13;
ausdrücklich verlangen.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der festen Überzeugung,&#13;
daß Deutschland als Wirtschaftseinheit verwaltet&#13;
werden muß, und daß die Zonenschranken, soweit sie&#13;
das Wirtschaftsleben und die wirtschaftliche Betätigung in Deutschland betreffen, vollständig fallen&#13;
müssen.&#13;
Die jetzigen Verhältnisse in Deutschland machen es&#13;
unmöglich, den Stand der industriellen Erzeugung zu&#13;
erreichen, auf den sich die Besatzungsmächte als&#13;
absolutes Mindestmaß einer deutschen Friedenswirtschaft geeinigt hatten. Es ist klar, daß wir, wenn die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Industrie auf den vereinbarten Stand gebracht werden&#13;
soll, nicht weiterhin den freien Austausch von Waren,&#13;
Personen und Ideen innerhalb Deutschlands einschränken können. Die Schranken zwischen den vier&#13;
Zonen Deutschlands sind weit schwieriger zu überwinden, als die zwischen normalen unabhängigen&#13;
Staaten. Die Zeit ist gekommen, wo die Zonengrenzen&#13;
nur als Kennzeichnung der Gebiete angesehen&#13;
werden sollten, die aus Sicherheitsgründen von den&#13;
Streitkräften der Besatzungsmächte besetzt gehalten&#13;
werden, und nicht als eine Kennzeichnung für in sich&#13;
abgeschlossene wirtschaftliche oder politische Einheiten.&#13;
Das war der Gang der Entwicklung, wie er in den&#13;
Potsdamer Beschlüssen vorgesehen war, und das ist&#13;
auch der Gang der Entwicklung, den die amerikanische Regierung mit ihrer ganzen Autorität verfolgen&#13;
wird. Sie hat offiziell ihre Absicht ausgedrückt, die&#13;
Wirtschaft ihrer eigenen Zone mit einer oder mit allen&#13;
anderen zu vereinigen, die hierzu bereit sind.&#13;
Bis jetzt hat sich nur die britische Regierung bereit&#13;
erklärt, mit ihrer Zone daran teilzunehmen. Wir begrüßen diese Zusammenarbeit aufs wärmste. Selbstverständlich soll diese Vereinigungspolitik nicht jene&#13;
Regierungen ausschließen, die heute noch nicht zum&#13;
Beitritt bereit sind. Die Vereinigung steht ihnen zu jeder&#13;
Zeit frei. 9|&#13;
Wir treten für die wirtschaftliche Vereinigung Deutschlands ein. Wenn eine völlige Vereinigung nicht erreicht&#13;
werden kann, werden wir alles tun, was in unseren&#13;
Kräften steht, um eine größtmögliche Vereinigung zu&#13;
sichern.&#13;
So wichtig auch die wirtschaftliche Vereinigung für die&#13;
Gesundung Deutschlands und Europas ist, so muß&#13;
das deutsche Volk doch einsehen, daß der Hauptgrund seiner Leiden und Entbehrungen der Krieg ist,&#13;
den die Nazidiktatur über die Welt gebracht hat. Aber&#13;
gerade, weil Leiden und Entbehrungen in Deutschland&#13;
unvermeidlich sind, lehnt die amerikanische Regierung&#13;
die Verantwortung für ein unnötiges Anwachsen der&#13;
deutschen Not ab, die dadurch verursacht wird, daß es&#13;
dem Alliierten Kontrollrat nicht gelingt, sich darüber zu&#13;
einigen, dem deutschen Volk Gelegenheit zu geben,&#13;
einige seiner dringenden wirtschaftlichen Probleme&#13;
selbst zu lösen: In vielen lebenswichtigen Fragen wird&#13;
Deutschland weder vom Kontrollrat regiert, noch&#13;
gestattet ihm dieser, sich selbst zu regieren.&#13;
Für einen erfolgreichen Wiederaufbau Deutschlands&#13;
ist eine gemeinsame Finanzpolitik wesentlich. Eine&#13;
unkontrollierbare Inflation, begleitet von einer wirtschaftlichen Lähmung, ist fast mit Sicherheit zu&#13;
erwarten, wenn keine gemeinsame Finanzpolitik zur&#13;
Steuerung der Inflation besteht. Ein Programm drastischer Haushaltsreformen ist dringend erforderlich, um&#13;
den Währungsumlauf und die Geldforderungen&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�zurückzuschrauben, die Schuldenlast zu revidieren&#13;
und Deutschlands Finanzen auf eine gesunde Grundlage zu stellen.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben große Anstrengungen&#13;
gemacht, um ein solches Programm zu verwirklichen,&#13;
wenn aber eine verheerende Inflation verhindert&#13;
werden soll, müssen völlig aufeinander abgestimmte&#13;
Maßnahmen beschlossen und in allen Zonen einheitlich angewandt werden. Um ein Programm dieser&#13;
Art wirksam durchzuführen, ist eine zentrale Finanzbehörde offensichtlich notwendig.&#13;
Es ist auch notwendig, daß ein Verkehrs-,&#13;
Nachrichten- und Postwesen in ganz Deutschland&#13;
ohne Rücksicht auf Zonenschranken eingeführt wird.&#13;
Der sich auf ganz Deutschland erstreckende Aufbau&#13;
dieser öffentlichen Einrichtungen war in den Potsdamer Beschlüssen beabsichtigt. Zwölf Monate sind&#13;
vergangen, und nichts ist geschehen.&#13;
Deutschland benötigt die ganzen Nahrungsmittel, die&#13;
es erzeugen kann. Vor dem Kriege konnte es nicht&#13;
genug Nahrungsmittel für seine Bevölkerung erzeugen. Das Gebiet Deutschlands ist verkleinert worden.&#13;
Die Bevölkerung Schlesiens zum Beispiel ist in ein&#13;
verkleinertes Deutschland zurückgedrängt worden.&#13;
Besatzungsarmeen und Zwangsverschleppte erhöhen&#13;
den Bedarf, während der Mangel an landwirtschaftlichen Maschinen und Düngemitteln die Versorgungsmöglichkeit herabsetzt.10' Um die größtmögliche&#13;
Erzeugung und die zweckmäßigste Verwendung und&#13;
Verteilung der Nahrungsmittel, die erzeugt werden&#13;
können, sicherzustellen, müßte eine zentrale Verwaltungsstelle für Landwirtschaft geschaffen werden&#13;
und unverzüglich mit der Arbeit beginnen.&#13;
Ebenso ist die Schaffung einer zentralen deutschen&#13;
Verwaltungsstelle für Industrie und Außenhandel&#13;
dringend notwendig. Deutschland muß bereit sein,&#13;
seine Kohle und seinen Stahl mit den befreiten Ländern Europas zu teilen, die von diesen Lieferungen&#13;
abhängig sind. Deutschland muß andererseits in die&#13;
Lage versetzt werden, seine Fähigkeiten und Kräfte&#13;
der Steigerung seiner industriellen Produktion dienstbar zu machen und für die zweckmäßigste Verwendung seiner Rohstoffe Sorge tragen zu können.&#13;
Deutschland muß die Möglichkeit haben, Waren&#13;
auszuführen, um dadurch so viel einführen zu können,&#13;
daß es sich wirtschaftlich selbst erhalten kann.&#13;
Deutschland ist ein Teil Europas. Die Gesundung in&#13;
Europa und besonders in den Nachbarstaaten&#13;
Deutschlands wird nur langsam voranschreiten, wenn&#13;
Deutschland mit seinen großen Bodenschätzen an&#13;
Eisen und Kohle in ein Armenhaus verwandelt wird.&#13;
Nachdem die rücksichtslose Nazidiktatur zur bedingungslosen Kapitulation'" gezwungen worden war, gab&#13;
es keine deutsche Regierung, mit der die Alliierten&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
hätten verhandeln können. Die Alliierten mußten&#13;
vorübergehend die Aufgaben des zertrümmerten&#13;
deutschen Staates übernehmen, da sich die Nazidiktatur jeder wahren Rechenschaft dem deutschen Volke&#13;
gegenüber enthoben hatte. Die Alliierten konnten die&#13;
Führer und Günstlinge des Nazismus nicht in Schlüsselstellungen belassen, in denen sie ihren Einfluß&#13;
wieder geltend gemacht hätten. Sie mußten gehen.&#13;
Es war jedoch niemals die Absicht der amerikanischen&#13;
Regierung, dem deutschen Volk das Recht zu versagen, seine eigenen inneren Angelegenheiten wahrzunehmen, sobald es in der Lage sein würde, dies auf&#13;
demokratische Art und unter aufrichtiger Achtung der&#13;
Menschenrechte und grundsätzlichen Freiheiten zu&#13;
tun.&#13;
Die nur wenige Monate nach der Kapitulation gefaßten&#13;
Potsdamer Beschlüsse verpflichteten die Besatzungsmächte, die örtliche Selbstverwaltung wiederherzustellen und die Grundsätze einer gewählten Volksvertretung in den Verwaltungen der Bezirke, Provinzen&#13;
und Länder einzuführen, und zwar so bald wie es mit&#13;
der militärischen Sicherheit und den Zwecken der&#13;
militärischen Besetzung vereinbar ist.&#13;
Der Hauptzweck der militärischen Besetzung war und&#13;
ist, Deutschland zu entmilitarisieren und entnazifizieren, nicht aber den Bestrebungen des deutschen&#13;
Volkes hinsichtlich einer Wiederaufnahme seiner&#13;
Friedenswirtschaft künstliche Schranken zu setzen.&#13;
Die Nazikriegsverbrecher sollten für die Leiden, die sie&#13;
über die Welt gebracht haben, bestraft werden.12) Die&#13;
in den Potsdamer Beschlüssen enthaltenen Grundsätze für die Reparationen und die industrielle Abrüstung&#13;
sollten durchgeführt werden. Die Ziele der Besetzung&#13;
sahen jedoch weder eine lang anhaltende ausländische Diktatur über die deutsche Friedenswirtschaft&#13;
noch eine lang anhaltende ausländische Diktatur über&#13;
Deutschlands innerpolitisches Leben vor. Die Potsdamer Beschlüsse verpflichteten die Besatzungsmächte ausdrücklich, den Aufbau einer politischen&#13;
Demokratie von Grund auf zu beginnen.&#13;
Die Potsdamer Beschlüsse sahen nicht vor, daß&#13;
Deutschland niemals eine zentrale Regierung haben&#13;
sollte. Sie bestimmten lediglich, daß es einstweilen&#13;
noch keine zentrale deutsche Regierung geben sollte.&#13;
Dies war nur so zu verstehen, daß keine deutsche&#13;
Regierung gebildet werden sollte, ehe eine gewisse&#13;
Form von Demokratie in Deutschland Wurzel gefaßt&#13;
und sich ein örtliches Verantwortungsbewußtsein&#13;
entwickelt hätte.&#13;
Die Potsdamer Beschlüsse bestimmten in weiser&#13;
Voraussicht, daß die Verwaltung der deutschen&#13;
Angelegenheiten auf eine Dezentralisierung der&#13;
politischen Struktur und auf die Entwicklung örtlichen&#13;
Verantwortungsbewußtseins gerichtet sein sollte. Dies&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�sollte nicht die Weiterentwicklung zu einer zentralen&#13;
Regierung verhindern, welche die erforderlichen&#13;
Machtbefugnisse besitzt, um Angelegenheiten zu&#13;
behandeln, die einheitlich für ganz Deutschland&#13;
geregelt werden müssen. Dagegen bestand die&#13;
Absicht, die Bildung einer stark zentralen Regierung zu&#13;
verhindern, welche das deutsche Volk beherrschen&#13;
würde, ohne seinem demokratischen Willen zu&#13;
entsprechen.&#13;
Die amerikanische Regierung steht auf dem Standpunkt, daß jetzt dem deutschen Volk innerhalb ganz&#13;
Deutschlands die Hauptverantwortung für die Behandlung seiner eigenen Angelegenheit bei geeigneten Sicherungen übertragen werden sollte.&#13;
Seit dem Ende der Feindseligkeiten ist mehr als ein&#13;
Jahr vergangen. Die Millionen deutscher Menschen&#13;
sollten nicht gezwungen werden, in Ungewißheit über&#13;
ihr Schicksal zu leben. Die amerikanische Regierung&#13;
ist der Ansicht, daß die Alliierten dem deutschen Volk&#13;
unverzüglich die wesentlichen Friedensbedingungen&#13;
klarmachen sollten, deren Annahme und Befolgung sie&#13;
vom deutschen Volk erwarten. Wir sind der Ansicht,&#13;
daß dem deutschen Volk Erlaubnis und Unterstützung&#13;
gewährt werden sollten, die notwendigen Vorbereitungen für eine demokratische deutsche Regierung zu&#13;
treffen, die in der Lage ist, diese Bedingungen anzunehmen und zu befolgen.&#13;
Die denkenden Menschen der Welt werden von jetzt&#13;
ab die Tätigkeit der Alliierten in Deutschland nicht nach&#13;
ihren Versprechungen, sondern nach ihren Leistungen&#13;
beurteilen. Die amerikanische Regierung hat die für die&#13;
Entnazifizierung und Entmilitarisierung Deutschlands&#13;
erforderlichen Maßnahmen unterstützt und wird dies&#13;
weiterhin tun. Sie glaubt jedoch nicht, daß große Heere&#13;
ausländischer Soldaten oder ausländischer Bürokraten, wie gut ihre Ansichten und Disziplin auch sein&#13;
mögen, auf Dauer die zuverlässigsten Beschützer der&#13;
Demokratie eines anderen Landes sind.&#13;
Alles, was die alliierten Regierungen tun können und&#13;
tun sollten, ist Richtlinien festzusetzen, nach denen&#13;
sich die deutsche Demokratie selbst regieren kann.&#13;
Die Zahl der alliierten Besatzungskräfte sollte so&#13;
beschränkt werden, daß sie genügt, um die Befolgung&#13;
dieser Richtlinien zu sichern.&#13;
Die Frage für uns ist, welche Kräfte notwendig sind,&#13;
um die Sicherheit zu schaffen, daß Deutschland nicht&#13;
wieder wie nach dem Ersten Weltkrieg aufrüstet. Unser&#13;
Vorschlag, einen Vertrag mit den Großmächten zu&#13;
schließen, um ihn für 25 oder sogar 40 Jahre beizubehalten, hätte eine kleinere Besatzungsarmee&#13;
möglich gemacht. Zu seiner Durchführung könnten wir&#13;
uns besser auf ausgebildete Überwachungsbeamte als&#13;
auf die Infanterie verlassen. Wenn zum Beispiel eine&#13;
Automobilfabrik den Vertrag verletzt und ihre Anlagen&#13;
auf die Herstellung von Kriegsmaterial umstellt, würden&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
die Uberwachungsbeamten dies dem Alliierten Kontrollrat melden und dieser würde die deutsche Regierung auffordern, die Herstellung zu unterbinden und&#13;
den Schuldigen zu bestrafen. Leistet die deutsche&#13;
Regierung der Aufforderung nicht Folge, würden die&#13;
alliierten Nationen Schritte unternehmen, die Befolgung durch die deutsche Regierung zu erzwingen.&#13;
Unser Vorschlag für dieses Abkommen wurde nicht&#13;
angenommen.'31 Sicherungsstreitkräfte werden unglücklicherweise wahrscheinlich noch lange Zeit in&#13;
Deutschland bleiben müssen. Man darf mich nicht&#13;
mißverstehen. Wir wollen uns unseren Verpflichtungen&#13;
nicht entziehen. Wir ziehen uns nicht zurück. Wir&#13;
bleiben hier und werden unseren Anteil an der Last auf&#13;
uns nehmen. Solange die Anwesenheit von Besatzungskräften in Deutschland notwendig ist, wird die&#13;
Armee der Vereinigten Staaten einen Teil dieser&#13;
Besatzungsmacht bilden.'"&#13;
Die Vereinigten Staaten treten für die baldige Bildung&#13;
einer vorläufigen deutschen Regierung ein. Fortschritte&#13;
bei der Entwicklung der örtlichen Selbstverwaltung und&#13;
der Landesselbstverwaltungen sind in der amerikanischen Zone Deutschlands erzielt worden, und die&#13;
amerikanische Regierung glaubt, daß ein ähnlicher&#13;
Fortschritt in allen Zonen möglich ist.&#13;
Die amerikanische Regierung steht auf dem Standpunkt, daß die vorläufige Regierung nicht von anderen&#13;
Regierungen ausgesucht werden soll, sondern daß sie&#13;
aus einem deutschen Nationalrat bestehen soll, der&#13;
sich aus den nach demokratischen Prinzipien verantwortlichen Ministerpräsidenten oder anderen leitenden&#13;
Beamten der verschiedenen Länder zusammensetzt,&#13;
die in jeder der vier Zonen gebildet worden sind.&#13;
Unter Vorbehalt der Befugnisse des Alliierten Kontrollrats soll der deutsche Nationalrat für die sachgemäße&#13;
Erfüllung der Aufgaben der zentralen Verwaltungsbehörden verantwortlich sein, die ihrerseits angemessene Machtbefugnisse besitzen sollen, um die Verwaltung Deutschlands als eine Einheit, wie sie in den&#13;
Potsdamer Beschlüssen geplant war, zu sichern.&#13;
Der deutsche Nationalrat sollte auch mit der Vorbereitung des Entwurfes einer Bundesverfassung für&#13;
Deutschland beauftragt werden, die unter anderem&#13;
den demokratischen Charakter des neuen Deutschlands, die Menschenrechte und die grundsätzlichen&#13;
Freiheiten aller seiner Einwohner sichern soll. Nach&#13;
grundsätzlicher Genehmigung durch den Alliierten&#13;
Kontrollrat wäre die vorgeschlagene Verfassung einer&#13;
gewählten Versammlung zur endgültigen Formulierung&#13;
vorzulegen und sodann dem deutschen Volk zur&#13;
Ratifizierung zu unterbreiten.&#13;
Während wir darauf bestehen werden, daß Deutschland die Grundsätze des Friedens, der gutnachbarlichen Beziehungen und der Menschlichkeit befolgt,&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�wollen wir nicht, daß es der Vasall irgendeiner Macht&#13;
oder irgendwelcher Mächte wird oder unter einer inoder ausländischen Diktatur lebt. Das amerikanische&#13;
Volk hofft, ein friedliches und demokratisches Deutschland zu sehen, das seine Freiheit und Unabhängigkeit&#13;
erlangt und behält.&#13;
Nun ist es auch Zeit, die Grenzen des neuen Deutschlands festzusetzen. Österreich ist bereits als freies und&#13;
unabhängiges Land anerkannt worden.151 Seine&#13;
zeitweilige und erzwungene Vereinigung mit Deutschland war für beide Länder kein glücklicher Zustand,&#13;
und die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß es im&#13;
Interesse beider Länder und des Friedens für Europa&#13;
liegt, wenn jedes seinen eigenen Weg geht.&#13;
In Potsdam wurden, vorbehaltlich einer endgültigen&#13;
Entscheidung durch die Friedenskonferenz, bestimmte&#13;
Gebiete, die einen Teil Deutschlands bildeten, vorläufig&#13;
der Sowjetunion und Polen zugewiesen. Damals&#13;
waren diese Gebiete von der Sowjetarmee und von&#13;
der polnischen Armee besetzt. Es wurde uns gesagt,&#13;
daß die Deutschen aus diesen Gebieten in großer Zahl&#13;
flüchteten und daß es im Hinblick auf die durch den&#13;
Krieg hervorgerufenen Gefühle tatsächlich schwierig&#13;
sein würde, das wirtschaftliche Leben dieser Gebiete&#13;
wieder in Gang zu bringen, wenn diese nicht als&#13;
integrale Bestandteile der Sowjetunion beziehungsweise Polens verwaltet würden.&#13;
Die Staatsoberhäupter erklärten sich damit einverstanden, bei den Friedensregelungen den Vorschlag&#13;
der Sowjetregierung hinsichtlich der endgültigen&#13;
Übertragung der Stadt Königsberg und des anliegenden Gebietes an die Sowjetunion zu unterstützen.&#13;
Sofern die sowjetische Regierung ihre Auffassung&#13;
diesbezüglich nicht ändert, werden wir an diesem&#13;
Abkommen festhalten.&#13;
Was Schlesien und andere ostdeutsche Gebiete&#13;
anbetrifft, so fand die zu Verwaltungszwecken erfolgte&#13;
Übergabe dieses Gebietes durch Rußland an Polen&#13;
vor der Potsdamer Zusammenkunft statt. Die Staatsoberhäupter stimmten zu, daß Schlesien und andere&#13;
ostdeutsche Gebiete bis zur endgültigen Festlegung&#13;
der polnischen Westgrenze durch den polnischen&#13;
Staat verwaltet und zu diesem Zwecke nicht als Teil&#13;
der russischen Besatzungszone in Deutschland&#13;
angesehen werden sollten. Wie aus dem Protokoll der&#13;
Potsdamer Konferenz hervorgeht, einigten sich die&#13;
Staatsoberhäupter jedoch nicht dahingehend, die&#13;
Abtretung eines bestimmten Gebietes zu unterstützen.&#13;
Rußland und Polen haben schwer durch Hitlers&#13;
einfallende Armeen gelitten. Durch das Abkommen von&#13;
Jalta hat Polen an Rußland das Gebiet östlich der&#13;
Curzon-Linie'61 abgetreten. Polen hat dafür eine&#13;
Revision seiner nördlichen und westlichen Grenzen&#13;
verlangt. Die Vereinigten Staaten werden eine Revision dieser Grenzen zugunsten Polens unterstützen.&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
Der Umfang des an Polen abzutretenden Gebietes&#13;
kann jedoch erst entschieden werden, wenn das&#13;
endgültige Abkommen darüber getroffen ist.&#13;
Die Vereinigten Staaten finden, daß sie Frankreich, in&#13;
welches Deutschland innerhalb von 70 Jahren dreimal&#13;
eingefallen ist, seinen Anspruch auf das Saargebiet,,?l&#13;
dessen Wirtschaft mit Frankreich eng verbunden ist,&#13;
nicht verweigern können. Natürlich müßte Frankreich,&#13;
wenn ihm das Saargebiet eingegliedert wird, seine&#13;
Reparationsansprüche an Deutschland entsprechend&#13;
ändern.&#13;
Von diesen Veränderungen abgesehen, werden die&#13;
Vereinigten Staaten keine Eingriffe in unbestritten&#13;
deutsches Gebiet oder eine Aufteilung Deutschlands,&#13;
die nicht dem echten Willen der Bevölkerung entspricht, unterstützen.&#13;
Soweit den Vereinigten Staaten bekannt ist, wünscht&#13;
die Bevölkerung des Ruhrgebiets und des Rheinlandes, mit dem übrigen Deutschland vereinigt zu&#13;
bleiben, und die Vereinigten Staaten werden sich&#13;
diesem Wunsch nicht widersetzen.""&#13;
Obgleich die Ruhrbevölkerung dem Nazieinfluß als&#13;
letzte erlegen war, ist es eine Tatsache, daß die Nazis&#13;
ohne alle Hilfsmittel des Ruhrgebietes niemals hätten&#13;
die Welt bedrohen können. Nie wieder dürfen diese&#13;
Hilfsmittel für Zerstörungszwecke benutzt werden. Sie&#13;
müssen für den Wiederaufbau eines freien und&#13;
friedlichen Deutschlands und eines freien und friedlichen Europas Verwendung finden. Die Vereinigten&#13;
Staaten werden für solche Kontrollmaßnahmen für&#13;
ganz Deutschland, einschließlich des Ruhrgebietes&#13;
und des Rheinlandes, eintreten, die aus Sicherheitsgründen erforderlich sind. Sie werden helfen, diese&#13;
Maßnahmen durchzusetzen. Sie werden jedoch nicht&#13;
für solche Maßnahmen eintreten, die Ruhrgebiet und&#13;
Rheinland - unmittelbar oder mittelbar - einer politischen Beherrschung oder politischen Manipulation&#13;
seitens ausländischer Mächte unterwerfen.&#13;
Das deutsche Volk empfindet heute die verheerenden&#13;
Folgen des Krieges, den Hitler und seine Günstlinge&#13;
über die Welt gebracht haben. Andere Völker bekamen&#13;
diese verheerenden Folgen lange vor dem deutschen&#13;
Volk zu spüren. Das deutsche Volk muß einsehen, daß&#13;
es Hitler und seine Günstlinge waren, die unschuldige&#13;
Männer, Frauen und Kinder quälten und ausrotteten&#13;
und die versuchten, mit den deutschen Waffen die&#13;
Welt zu beherrschen und zu erniedrigen. Es waren die&#13;
gesammelten zornentbrannten Kräfte der Menschheit,&#13;
die sich den Weg nach Deutschland hinein erkämpfen&#13;
mußten, um der Welt die Hoffnung auf Freiheit und&#13;
Frieden zu geben.&#13;
Das amerikanische Volk, das für die Freiheit gekämpft&#13;
hat, hat nicht den Wunsch, das deutsche Volk zu&#13;
versklaven. Die Freiheit, an welche die Amerikaner&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�glauben und für die sie kämpfen, ist eine Freiheit, an&#13;
der alle teilhaben sollen, die gewillt sind, die Freiheit&#13;
anderer zu achten.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben fast alle in ihrem Lande&#13;
befindlichen Kriegsgefangenen nach Deutschland&#13;
zurückgeschickt. Wir unternehmen unverzüglich&#13;
Schritte, um die in anderen Teilen der Welt in unserer&#13;
Hand befindlichen deutschen Kriegsgefangenen&#13;
baldigst zurückzusenden.&#13;
Die Vereinigten Staaten können Deutschland die&#13;
Leiden nicht abnehmen, die ihm der von seinen&#13;
Führern angefangene Krieg zugefügt hat. Aber die&#13;
Vereinigten Staaten haben nicht den Wunsch, diese&#13;
Leiden zu vermehren oder dem deutschen Volk die&#13;
Gelegenheit zu verweigern, sich aus diesen Nöten&#13;
herauszuarbeiten, solange es menschliche Freiheit&#13;
achtet und vom Wege des Friedens nicht abweicht.&#13;
Das amerikanische Volk wünscht, dem deutschen Volk&#13;
die Regierung Deutschlands zurückzugeben. Das&#13;
amerikanische Volk will dem deutschen Volk helfen,&#13;
seinen Weg zurückzufinden zu einem ehrenvollen&#13;
Platz unter den freien und friedliebenden Nationen der&#13;
Welt.&#13;
&#13;
" - Quellen:&#13;
Als amerikanische Fassung gilt der vom State Department veröffentlichte Text.&#13;
Vgl.: Byrnes Papers in the library of Clemson University, South Carolina;&#13;
"James F. Byrnes and The Origins of the Cold War";&#13;
ed. by Kendrick A. Clements&#13;
Deutsche Fassungen:&#13;
Stuttgarter Zeitung, 7. September 1946;&#13;
Europa-Archiv, Dezember 1946;&#13;
Diese Rede wurde in Deutschland unter der populären&#13;
Bezeichnung "Rede der Hoffnung" bekannt.&#13;
Vgl. die Textpassagen (unten S. 1) "ich hoffe, daß das&#13;
deutsche Volk"; S. 6 "das amerikanische Volk hofft"&#13;
und S. 6 "der Welt die Hoffnung auf Freiheit und&#13;
Frieden geben".&#13;
21&#13;
&#13;
Nach dem Ersten Weltkrieg praktizierten die USA&#13;
eine Politik der Isolation, indem sie sich aus der&#13;
europäischen Nachkriegspolitik weitgehend zurückzogen.&#13;
31&#13;
&#13;
Der Völkerbund (1920 - 1946) wurde auf Vorschlag&#13;
des US-Präsidenten Thomas Woodrow Wilson&#13;
gegründet. Die USA traten dem Völkerbund jedoch&#13;
nicht bei.&#13;
41&#13;
&#13;
Die UNO war - auf die Initiative des US-Präsidenten&#13;
Franklin D. Roosevelt hin - am 26. Juni 1945 in San&#13;
Francisco gegründet worden mit dem Ziel, nach dem&#13;
Scheitern des Völkerbundes und der Katastrophe des&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Zweiten Weltkrieges, international Frieden und Sicherheit zu garantieren. Am 24. Oktober 1945 trat die&#13;
Charta der Vereinten Nationen (am "Tag der Vereinten&#13;
Nationen") in Kraft.&#13;
51&#13;
&#13;
Die Potsdamer Konferenz dauerte vom 17. Juli bis 2.&#13;
August 1945: Die drei Kriegsverbündeten (US-Präsident Harry S. Truman (1884 - 1972), UdSSR-Premier&#13;
Josef W. Stalin (1879 - 1953), UK-Premierminister&#13;
Winston L Churchill (1874 - 1965), nach den britischen&#13;
Wahlen von Clement R. Attlee (1883 - 1967) abgelöst)&#13;
einigten sich auf Vier-Mächte-Besatzungszonen (der&#13;
USA, des UK, der UdSSR und Frankreichs) für&#13;
Nachkriegsdeutschland sowie auf eine umfassende&#13;
Neuordnung der deutschen Wirtschaft und der deutschen Verwaltungseinrichtungen.&#13;
61&#13;
&#13;
Ein Beispiel für diese Politik war das am 5. 3. 1946&#13;
erlassene "Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus in der US-Zone", in: "Gesetz der&#13;
Militärregierung und des Kontrollrats", 1/1, 7 (III).&#13;
7)&#13;
&#13;
Die bereits in Jalta vereinbarten Reparationszahlungen Deutschlands wurden im Potsdamer Abkommen näher modifiziert. In diesem Punkt hatten sich&#13;
Unterschiede zwischen den USA auf der einen Seite&#13;
und Frankreich und der Sowjetunion auf der anderen&#13;
Seite entwickelt. Die Sowjetunion und Frankreich&#13;
versuchten 1946 wiederholt, die Reparationszahlungen zu ihren Gunsten zu ändern.&#13;
8&#13;
&#13;
» Der am 5. Juni 1945 gebildete "Alliierte Kontrollrat",&#13;
dem am 8. August 1945 gebildeten obersten Regierungsorgan der Besatzungsmächte für Deutschland&#13;
(Frankreich, Großbritannien, UdSSR, USA), etablierte&#13;
sich am 30. August 1945 in Berlin.&#13;
&#13;
91&#13;
&#13;
Der Zusammenschluß der amerikanischen und&#13;
britischen Besatzungszone zum "Vereinigten Wirtschaftsgebiet", der sogenannten "Bizone", erfolgte am&#13;
1. Januar 1947. Durch den Beitritt der französischen&#13;
Besatzungszone zur Bizone am 8. April 1949 entstand&#13;
die "Trizone", welche nun die drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands umfaßte.&#13;
'0| Die sowjetischen und französischen Truppen lebten&#13;
aus ihrer jeweiligen Zone, weil ihr eigener dürftiger&#13;
Nachschub nicht ausreichte. Die Sowjets rechtfertigten&#13;
dies als eine Art von Reparationen, aber sie waren&#13;
auch selber in einer akuten Notsituation und konnten&#13;
keine Armee im Ausland unterhalten. Die Franzosen&#13;
nannten ähnliche Gründe, um große Materialmengen&#13;
aus ihrer Zone wegzuschaffen und ihre Besatzungsarmee einschließlich ihrer Angehörigen in Deutschland&#13;
zu versorgen.&#13;
"' Die Forderung zur bedingungslosen Kapitulation&#13;
des Deutschen Reiches wurde erstmals auf der&#13;
Konferenz von Casablanca (14. - 26. 1. 1943) erho-&#13;
&#13;
Seite 7&#13;
&#13;
�ben, danach auf den Konferenzen von Teheran (28.&#13;
11. - 1. 12. 1943) und Jalta (4. - 11. 2. 1945) bestätigt.&#13;
'?l Zum Zeitpunkt der Byrnes-Rede beriet das Internationale Militärtribunal (IMT) in Nürnberg im Prozeß&#13;
gegen die Hauptkriegsverbrecher die Urteile.&#13;
,3&#13;
&#13;
&gt; Byrnes meinte damit das Scheitern seines Vorschlags für einen "Treaty for Disarmament and Demilitarization of Germany" während der Pariser Außenministerkonferenz im April 1946. Die Vorstellung von&#13;
Byrnes wurde von den Sowjets abgelehnt, in der&#13;
Hoffnung, ein längeres Engagement der USA zu&#13;
verhindern.&#13;
Vgl. Hermann Graml, Die Alliierten und die Teilung&#13;
Deutschlands, Konflikte und Entscheidungen 1941 1948, 1985, S. 150-158.&#13;
141&#13;
&#13;
General Clay hielt diese Textpassage für die wichtigste Feststellung der Rede.&#13;
,S|&#13;
&#13;
Nach der Vier-Mächte-Besatzungsherrschaft vom&#13;
April 1945 bis zum Januar 1946 wurde Österreich am&#13;
7. Januar 1946 eine eigene Republik innerhalb seiner&#13;
Grenzen von 1937 (sog. Zweite Republik Österreich).&#13;
Österreich blieb jedoch bis zum Abschluß des Staatsvertrags vom 15. Mai 1955 in vier Besatzungszonen&#13;
eingeteilt mit seiner ebenfalls in Sektoren aufgeteilten&#13;
Hauptstadt Wien. Die österreichische Neutralität wurde&#13;
im Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 festgeschrieben.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 8&#13;
&#13;
,6)&#13;
&#13;
Hier wird auf die Konferenz von Jalta vom 4. - 11.&#13;
Februar 1945 Bezug genommen: Die polnische&#13;
Westgrenze sollte in einem späteren Friedensvertrag&#13;
festgelegt werden, die Curzon-Linie setzte Stalin in&#13;
Jalta als polnische Ostgrenze durch. Sie wurde&#13;
erstmals im Dezember 1919 als polnische Grenze zur&#13;
Sowjetunion nach dem Ersten Weltkrieg vom britischen Außenminister Lord George N. Curzon (1859 1925) vorgeschlagen und von Polen nicht akzeptiert.&#13;
Nach dem polnisch-sowjetischen Krieg erfolgte die&#13;
tatsächliche Grenzziehung auf der Friedenskonferenz&#13;
von Riga am 18. März 1921; sie verlief wesentlich&#13;
weiter ostwärts. Die "Curzon-Linie" diente dann auch&#13;
der neuen polnisch-sowjetischen Grenze, die durch&#13;
den Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 festgelegt&#13;
wurde, zur Orientierung.&#13;
'" Die "Saar-Frage" wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst durch einen Sonderstatus des Saarlandes (wirtschaftlicher Anschluß an Frankreich)&#13;
geregelt.&#13;
1,1&#13;
&#13;
Diese Bemerkung richtete sich primär an Frankreich, dessen Politik beabsichtigte, die linksrheinischen&#13;
Gebiete von Deutschland abzutrennen und das&#13;
Ruhrgebiet zu internationalisieren.&#13;
(Die Fußnoten wurden von einer Historikerkommission&#13;
erarbeitet.)&#13;
&#13;
* • *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
Eine neue atlantische Gemeinschaft&#13;
für das 21. Jahrhundert&#13;
Außenminister Christopher zum 50. Jahrestag der "Rede der Hoffnung"&#13;
&#13;
STUTTGART - (AD) - Außenminister Christopher hielt am 6. September 1996 bei einem Festakt im&#13;
Württembergischen Staatstheater aus Anlaß des 50. Jahrestages der "Rede der Hoffnung" nachfolgende&#13;
Grundsatzrede. Wir veröffentlichen den vorbereiteten Text der Rede.&#13;
&#13;
Herr Ministerpräsident, Herr Außenminister, Herr&#13;
Bürgermeister, General Jamerson, Gouverneur&#13;
James, Herr Kongreßabgeordneter, meine Damen und&#13;
Herren,&#13;
bevor ich beginne, möchte ich ein besonderes Wort&#13;
der Anerkennung für meinen Amtskollegen Klaus&#13;
Kinkel aussprechen, der sich in hohem Maße für die&#13;
deutsch-amerikanischen Beziehungen eingesetzt hat,&#13;
der während meiner dreieinhalbjährigen Amtszeit als&#13;
Außenminister mein enger Freund und Vertrauter&#13;
gewesen ist, und der mich heute nach Stuttgart&#13;
eingeladen hat. Ich bin gekommen, um gemeinsam&#13;
mit Ihnen der "Rede der Hoffnung" zu gedenken, die&#13;
mein Vorgänger, Außenminister James Byrnes, heute&#13;
vor 50 Jahren hier in Stuttgart hielt. Ich bin gekommen, um an das halbe Jahrhundert der Fortschritte zu&#13;
erinnern, die wir gemeinsam seit dieser Rede erzielt&#13;
haben und zu erörtern, wie wir im nächsten Jahrhundert eine prosperierende Partnerschaft gewährleisten können.&#13;
Es wird niemanden überraschen, daß man Außenminister Byrnes - wie den meisten von uns - bei der&#13;
Vorbereitung seiner Rede behilflich war. Sein wichtigster Berater war John Kenneth Galbraith, der berühmte&#13;
Ökonom, Autor und Botschafter in Indien. Als ich&#13;
Professor Galbraith vor einigen Tagen anrief, um mit&#13;
ihm Erinnerungen an die Byrnes-Rede auszutauschen,&#13;
meinte er mit einem Lächeln in der Stimme: "Ich habe&#13;
niemals mit größerer-Zustirnmung einer—Rede gelauscht."&#13;
Natürlich hörte ganz Europa aufmerksam zu, denn die&#13;
Zukunft des Kontinents stand auf Messers Schneide.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten hatten sich mit ihren Verbündeten zusammengetan, um den Krieg zu gewinnen,&#13;
weil sie wußten, daß Amerika nicht frei sein konnte,&#13;
wenn Europa es nicht war. Aber im Jahr 1946 hatten&#13;
wir den Sieg noch nicht davongetragen. Die ersten&#13;
amerikanischen Care-Pakete kamen zwar im August&#13;
jenes Jahres hier an, aber ein deutscher Reporter, der&#13;
mit Außenminister Byrnes nach Stuttgart reiste, blickte&#13;
aus seinem Zugfenster und beschrieb "zahllose&#13;
Frauen mit zerschlissenen Rucksäcken ... einige&#13;
wenige Männer, die sich in der Dämmerung nach&#13;
Hause schleppten", ein Zuhause, in dem "die Kinder&#13;
keine Schuhe haben, die Tochter keinen Mantel, das&#13;
Haus weder Fensterscheiben noch Brennstoff im&#13;
Keller hat. Und der Winter kommt." Unterdessen&#13;
brachte die Befreiung im Osten nicht die Freiheit,&#13;
sondern neue kommunistische Tyrannei, die Familien,&#13;
Nationen und die Welt trennen sollte.&#13;
Außenminister Byrnes Rede wurde bekannt als "Rede&#13;
der Hoffnung", weil sie Amerika fest an die Seite derer&#13;
stellte, die an eine bessere Zukunft für Deutschland&#13;
und Europa glaubten. Die von ihm in der Rede&#13;
formulierten Prinzipien legten das Fundament für&#13;
unsere erfolgreiche Partnerschaft der Nachkriegszeit.&#13;
Sie schufen die Basis für das, was zu einer überparteilichen amerikanischen Strategie wurde, symbolisiert&#13;
durch die Anwesenheit des republikanischen Senators&#13;
Arthur Vandenberg bei der Rede von Außenminister&#13;
Byrnes. Diese Prinzipien gestalten unseren Ansatz zu&#13;
Europa bis-auf den heutigen Tag.&#13;
Erstens versprach Byrnes, daß die Vereinigten Staaten&#13;
eine politische und militärische Macht in Europa&#13;
bleiben würden. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten wir&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�uns aus den europäischen Angelegenheiten zurückgezogen und einen schrecklichen Preis dafür bezahlt.&#13;
"Wir wollen jenen Fehler nicht wiederholen", erklärte&#13;
Byrnes. "Wir bleiben hier."&#13;
Zweitens bekräftigte Byrnes, daß unsere Unterstützung für die Demokratie der Schlüssel zu dauerhaftem&#13;
Frieden in Deutschland und Europa ist. "Das amerikanische Volk wünscht, dem deutschen Volk die Regierung Deutschlands zurückzugeben", äußerte er. Wir&#13;
waren zuversichtlich, daß ein demokratisches&#13;
Deutschland unser Partner werden könnte.&#13;
Schließlich brachte Byrnes das Engagement der&#13;
Vereinigten Staaten für die politische und wirtschaftliche Einheit Deutschlands zum Ausdruck. Die Vereinigten Staaten vertraten die Auffassung, daß&#13;
Deutschland vereinigt, demokratisch und frei sein&#13;
müßte, wenn Europa als Ganzes Stabilität und Integration erlangen sollte.&#13;
Byrnes weitblickender Ansatz ebnete den Weg für&#13;
George Marshall, Konrad Adenauer, Jean Monnet und&#13;
die bemerkenswerte Generation, die die Erholung&#13;
Europas anführte und uns 50 Jahre Frieden und&#13;
Wohlstand bescherte. Dank ihnen erkannten wir das&#13;
Versprechen der "Rede der Hoffnung". Amerika&#13;
behielt sein Engagement und seine Streitkräfte in&#13;
Europa bei. Das deutsche Volk wählte Freiheit und&#13;
erreichte die Vereinigung. Und gemeinsam behielten&#13;
wir Kurs im Kalten Krieg. Heute ist der Checkpoint&#13;
Charlie nur noch ein Museum für Touristen. Vor dem&#13;
NATO-Hauptquartier, wo wir einst die Verteidigung von&#13;
Berlin und Stuttgart gegen einen sowjetischen Angriff&#13;
planten, wehen heute die Flaggen von 43 europäischen Nationen, einschließlich der russischen.&#13;
Im vergangenen halben Jahrhundert haben die&#13;
Vereinigten Staaten und Deutschland Beziehungen&#13;
aufgebaut, die tiefer als die Bande sind, die ausschließlich von Soldaten und Diplomaten geknüpft&#13;
werden. Wir haben eine kulturelle und intellektuelle&#13;
Partnerschaft, die so ausgezeichnet durch das&#13;
Fulbright-Programm, die Goethe-Institute, den German&#13;
Marshall Fund und viele andere Institutionen repräsentiert wird. Wir haben eine wirtschaftliche&#13;
Partnerschaft: Amerika ist der größte ausländische&#13;
Investor in Deutschland und der Hauptnutznießer&#13;
deutscher Investitionen im Ausland. Wir haben auch&#13;
eine umweltpolitische Partnerschaft: Gemeinsam&#13;
kämpfen wir um die Beseitigung von Altlasten in&#13;
Ostdeutschland, gegen sauren Regen in Wisconsin&#13;
und die Entwaldung in Brasilien.&#13;
Vor 50 Jahren erklärte Außenminister Byrnes, Amerika&#13;
will "dem deutschen Volk helfen, seinen Weg zurückzufinden zu einem ehrenvollen Platz unter den freien&#13;
und friedliebenden Nationen der Welt".&#13;
Unsere&#13;
gemeinsamen Leistungen sind atemberaubend. Heute&#13;
stehen diese Stadt und das sie umgebende Land für&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
das Europa, das uns allen vertraut ist: Ein Ort, an dem&#13;
Demokratie, Wohlstand und Frieden eine Selbstverständlichkeit geworden sind. Deutschland ist das&#13;
vereinigte Herzstück eines zunehmend vereinten&#13;
Kontinents. Und dieser Kontinent blickt jetzt auf&#13;
Deutschland als Symbol und Katalysator für die&#13;
Integration, die er anstrebt.&#13;
Trotz all unserer Fortschritte haben wir jedoch in&#13;
Europa noch Herausforderungen zu bewältigen. Das&#13;
Ende des Kalten Krieges hat kein Ende der bewaffneten Konflikte auf diesem Kontinent mit sich gebracht.&#13;
Und obwohl die durch den Kalten Krieg in Europa&#13;
herbeigeführte Spaltung verblaßt, ist sie noch nicht&#13;
vollständig überwunden. Diese Spaltung ist immer&#13;
noch sichtbar in der wirtschaftlichen Kluft zwischen Ost&#13;
und West. Sie zeigt sich an der Umweltverschmutzung, die Menschenleben von der Ukraine bis nach&#13;
Schlesien verkürzt. Vor allem ist sie greifbar in dem&#13;
Wunsch nach größerer Sicherheit der Bürger vom&#13;
Baltikum bis zum Schwarzen Meer, über eine Region&#13;
hinweg, in der die beiden großen Kriege unseres&#13;
Jahrhunderts und der Kalte Krieg begannen.&#13;
In wenigen Jahren bricht ein neues Jahrhundert an.&#13;
Ich möchte Ihnen die Vision vermitteln, die Präsident&#13;
Clinton und ich für die Vereinigten Staaten und Europa&#13;
im Jahr 2000 haben. Es ist die Vision einer neuen&#13;
atlantischen Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft wird&#13;
auf den von unseren Vorgängern geschaffenen&#13;
Institutionen aufbauen, aber sie wird die künstlichen&#13;
Grenzen Europas der Zeit des Kalten Krieges überschreiten. Sie wird Nordamerika eine tiefere Partnerschaft mit einem umfassenderen, integrierteren Europa&#13;
auf diesem Kontinent und der ganzen Welt bescheren.&#13;
Sie schreibt die von Außenminister Byrnes niedergelegten Prinzipien fort.&#13;
Während das nächste Jahrhundert in dieser neuen&#13;
atlantischen Gemeinschaft anbricht, werden unsere&#13;
gemeinsamen Anstrengungen uns das Vertrauen&#13;
gegeben haben, daß die demokratischen Bestrebungen von 1989 Bestand haben, Vertrauen, daß Kriege&#13;
wie der in Bosnien verhindert werden können, und&#13;
Vertrauen, daß jede neue Demokratie - groß und klein&#13;
- ihren rechtmäßigen Platz in Europa einnehmen kann.&#13;
In dieser neuen atlantischen Gemeinschaft werden die&#13;
Vereinigten Staaten in Partnerschaft mit unseren&#13;
Freunden und Verbündeten - und einer effektiveren&#13;
Europäischen Union, die neue Mitglieder aufnimmt vollständig in Europa engagiert sein. In dieser Gemeinschaft wird die NATO weiterhin der zentrale&#13;
Pfeiler unseres Sicherheitsengagements sein. Es wird&#13;
eine neue NATO sein, angepaßt an die Bewältigung&#13;
sich abzeichnender Herausforderungen, mit der&#13;
uneingeschränkten Beteiligung aller unserer derzeitigen Mitglieder und mehrerer neuer aus dem&#13;
Osten. Die Partnerschaft für den Frieden der NATO&#13;
und die OSZE werden uns die Instrumente zur Verhinderung von Konflikten an die Hand geben und die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�Freiheit für alle Bürger unserer Gemeinschaft sicherstellen. In unserer Vision für diese Gemeinschaft wird&#13;
ein demokratisches Rußland unser vollwertiger Partner&#13;
sein. Unsere Volkswirtschaften werden zunehmend&#13;
integriert sein und florieren. Europa und Amerika&#13;
werden gemeinsam gegen die globalen Bedrohungen&#13;
vorgehen, die wir nur zusammen überwinden können.&#13;
Das ist die Art von Vision, die unserer Partnerschaft&#13;
Stärke und unserem Volk Hoffnung in den dunkelsten,&#13;
gefährlichsten Tagen unseres Jahrhunderts gegeben&#13;
hat. Vor zehn Jahren war sie noch ein Traum. In zehn&#13;
Jahren könnte die Chance vertan sein. Aber ich&#13;
glaube, wir können sie ergreifen, wenn wir in den&#13;
letzten Jahren dieses Jahrhunderts gemeinsam vier&#13;
Herausforderungen meistern.&#13;
Die erste Herausforderung besteht im Aufbau eines&#13;
sicheren und integrierten Europas, um die veralteten&#13;
Grenzen des Kalten Krieges für immer auszuradieren.&#13;
Die neuen Demokratien Zentraleuropas und der neuen&#13;
unabhängigen Staaten wollen unsere Partner sein. Es&#13;
liegt in unserem Interesse, ihnen bei der Übernahme&#13;
unserer gemeinsamen Pflichten behilflich zu sein. Es&#13;
liegt in unserem Interesse, sie in die gleichen Wertestrukturen und Institutionen einzubeziehen, die&#13;
Westeuropa die Überwindung seines Erbes von&#13;
Konflikten und Teilung ermöglichten. Es liegt sicherlich&#13;
im Interesse Deutschlands, mit uns und unseren&#13;
anderen Verbündeten bei dieser Aufgabe zusammenzuarbeiten, denn damit kann Deutschlands östliche&#13;
Grenze zu dem gemacht werden, was seine westliche&#13;
seit langem ist: Ein Tor, nicht eine Schranke.&#13;
Beim NATO-Gipfeltreffen im Januar 1994 schlugen&#13;
Präsident Clinton und unsere Verbündeten eine&#13;
umfassende Strategie für die europäische Sicherheit&#13;
vor. Präsident Clinton vertritt die Auffassung, daß ein&#13;
weiterer Gipfel zur vollständigen Umsetzung dieser&#13;
Strategie erforderlich ist. Ich erwarte, daß unsere&#13;
Staats- und Regierungschefs im Frühjahr oder Frühsommer 1997 zusammentreffen. Ihr Ziel sollte sein,&#13;
den internen Reformen der NATO zuzustimmen,&#13;
Erweiterungsverhandlungen in die Wege zu leiten und&#13;
die Partnerschaft der NATO mit Rußland und anderen&#13;
europäischen Staaten zu vertiefen.&#13;
Der Zweck der NATO-Reform besteht in der Gewährleistung, daß die NATO neue Herausforderungen in&#13;
einem Europa bewältigen kann, in dem keine Macht&#13;
eine Bedrohung für eine andere darstellt. In diesem&#13;
Jahr haben meine Amtskollegen und ich ein historisches Programm für den Aufbau einer neuen NATO&#13;
vereinbart. Es wird dem Bündnis die Übernahme einer&#13;
prominenteren und kompetenteren europäischen Rolle&#13;
gestatten und den besonderen europäischen Funktionen der Westeuropäischen Union Substanz verleihen.&#13;
Es wird die Fähigkeit der NATO verbessern, auf&#13;
Notfälle zu reagieren und es unseren Partnern in&#13;
Zentraleuropa und den neuen unabhängigen Staaten&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
erleichtern, uns zur Seite zu stehen, wenn wir es tun.&#13;
Unser oberstes Ziel ist eine neue NATO, in der alle&#13;
unsere Verbündeten, einschließlich Frankreich und&#13;
Spanien, Vollmitglieder sind.&#13;
Auch die NATO-Erweiterung verläuft planmäßig und&#13;
wird stattfinden. Im Augenblick befindet sich die NATO&#13;
in einem intensiven Dialog mit den interessierten&#13;
Ländern um herauszufinden, was sie und die NATO&#13;
als Vorbereitung für ihren Beitritt tun müssen. Auf der&#13;
Grundlage dieser Diskussionen sollten wir beim Gipfel&#13;
von 1997 mehrere Partner zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen einladen. Wenn die ersten neuen&#13;
Mitglieder durch die offene Tür der NATO treten, wird&#13;
sie für alle diejenigen offen bleiben, die unter Beweis&#13;
stellen, daß sie willens und bereit zur Übernahme der&#13;
Pflichten der Mitgliedschaft sind. Die NATO sollte in&#13;
eine neue Phase ihres intensivierten Dialogs mit&#13;
denjenigen eintreten, die eine Mitgliedschaft anstreben, nachdem die ersten Kandidaten zum Beitritt&#13;
eingeladen wurden.&#13;
Die Erweiterung wird sicherstellen, daß die Vorteile der&#13;
NATO nicht an der Linie halt machen, die ihre Bedeutung mit dem Fall der Berliner Mauer verlor. Die von&#13;
unseren Partnern als Vorbereitung auf die Mitgliedschaft unternommenen Schritte - Stärkung der Demokratie und Bildung von Vertrauen mit ihren Nachbarn haben Zentraleuropa bereits größere Stabilität verliehen als es in diesem Jahrhundert erlebt hat. In der Tat&#13;
war kein Bündnis effektiver bei der Verhinderung von&#13;
Konflikten als die NATO. Aus diesem Grund haben wir&#13;
sie geschaffen. Aus diesem Grund wollen unsere&#13;
Partner ihr beitreten. Aus diesem Grund ist die NATO&#13;
das Kernstück unserer europäischen Strategie.&#13;
Natürlich verdienen alle neuen Demokratien Europas unabhängig davon, ob sie der NATO früher, später&#13;
oder überhaupt nicht beitreten - gleiche Chancen, zur&#13;
Gestaltung der Zukunft Europas beizutragen. Aus&#13;
diesem Grund müssen wir den Geltungsbereich der&#13;
Partnerschaft für den Frieden ausdehnen.&#13;
Dank der Partnerschaft für den Frieden können wir&#13;
jetzt die ersten wirklich europaweiten militärischen&#13;
Koalitionen bilden, in denen Soldaten aus Rußland und&#13;
Amerika, Polen und der Ukraine, Deutschland und&#13;
Litauen Seite an Seite üben und jederzeit zum Schutz&#13;
unserer Sicherheit bereit sind. Zu diesem Zweck&#13;
sollten wir das Mandat der Partnerschaft über ihre&#13;
derzeitige Mission hinaus erweitern. Wir sollten&#13;
unsere Partner in die Planung und Durchführung der&#13;
NATO-Missionen einbeziehen. Wir sollten ihnen ein&#13;
größeres Sagen bei der Gründung eines Atlantischen&#13;
Partnerschaftsrats einräumen. Auf diese Weise bietet&#13;
uns die NATO die Grundlage zur Schaffung unserer&#13;
neuen atlantischen Gemeinschaft - in der ganz&#13;
Europa und Nordamerika beim Aufbau dauerhafter&#13;
Sicherheit zusammenarbeiten, und die Erfolg hat, wo&#13;
alle bisherigen Bestrebungen scheiterten.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in&#13;
Europa ist unerläßlich für diese sich abzeichnende&#13;
neue Gemeinschaft. Das ist klar ersichtlich aus ihren&#13;
wichtigen und mutigen Missionen in Bosnien, Tschetschenien und im Baltikum. Die Grundsätze von&#13;
Helsinki - Respektierung einer offenen Gesellschaft&#13;
und der Rechtsstaatlichkeit - waren der Wegweiser für&#13;
alles, was wir im letzten Jahrzehnt geleistet haben und&#13;
gestalten unsere Vision für die Zukunft. Beim OSZEGipfeltreffen im Dezember in Lissabon sollten wir auf&#13;
diesen Prinzipien aufbauen, um unsere Sicherheitszusammenarbeit im nächsten Jahrhundert zu definieren. In Lissabon sollten unsere Staats- und&#13;
Regierungschefs praktische Schritte unternehmen, wie&#13;
die Aufnahme von Verhandlungen zur Anpassung des&#13;
KSE-Vertrags an das neue Sicherheitsumfeld Europas.&#13;
Engere politische Zusammenarbeit in der Europäischen Union sowie ihre bevorstehende Erweiterung&#13;
werden zu Sicherheit und Wohlstand der neuen&#13;
atlantischen Gemeinschaft beitragen und die Partnerschaft zwischen Europa und den Vereinigten Staaten&#13;
festigen. Präsident Clinton ist ein entschiedener&#13;
Befürworter verstärkter europäischer Integration und&#13;
hat erneut die von Präsident John F. Kennedy eingegangene Verpflichtung bekräftigt.&#13;
Ein entscheidendes Ziel der neuen atlantischen&#13;
Gemeinschaft ist die Integration der Ukraine in Europa.&#13;
Die Ukraine hat Marktwirtschaft und Demokratie&#13;
eingeführt und auf Nuklearwaffen verzichtet. Sie strebt&#13;
enge Beziehungen zu Rußland und Zentraleuropa&#13;
sowie eine enge Partnerschaft mit westlichen Nationen&#13;
und Institutionen an. Wir wollen der Ukraine bei der&#13;
Konsolidierung ihrer Unabhängigkeit durch die Überwindung ihrer ernsthaften Wirtschaftsprobleme, durch&#13;
Zugang zu wichtigen Märkten und die Entwicklung&#13;
engerer Beziehungen zur NATO helfen.&#13;
Die von mir dargelegte Vision kann nur erfolgreich&#13;
sein, wenn wir die entscheidende Rolle Rußlands in&#13;
der neuen atlantischen Gemeinschaft anerkennen.&#13;
Während eines Großteils dieses Jahrhunderts haben&#13;
Angst, Tyrannei und Selbstisolation Rußland vom&#13;
europäischen Mainstream getrennt. Jetzt fassen&#13;
jedoch die neuen Muster von Vertrauen und Zusammenarbeit Fuß. Das russische Volk baut auf der&#13;
Grundlage der Ideale von Demokratie und freier&#13;
Marktwirtschaft eine neue Gesellschaft auf. Obwohl&#13;
sein Kampf noch lange nicht beendet ist, wie die seit&#13;
20 Monaten andauernden Angriffe auf Tschetschenien&#13;
demonstrieren, hat das russische Volk eine Rückkehr&#13;
zur Vergangenheit abgelehnt und unser Vertrauen in&#13;
die Demokratie bestätigt - dieselbe Art von Vertrauen,&#13;
dem Außenminister Byrnes hier vor 50 Jahren Ausdruck verlieh. Jetzt kann sich ein integriertes, demokratisches Rußland am Aufbau eines integrierten,&#13;
demokratischen Europas beteiligen.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Heute möchte ich dem russischen Volk folgendes&#13;
mitteilen: Wir begrüßen Sie als unsere vollwertigen&#13;
Partner beim Aufbau eines neuen Europas, das frei&#13;
von Tyrannei, Teilung und Krieg ist. Wir wollen&#13;
zusammen mit Ihnen daran arbeiten, Rußland in die&#13;
Familie marktwirtschaftlicher Demokratien aufzunehmen. Wir wollen, daß Sie Interesse an den Institutionen europäischer Sicherheit und wirtschaftlicher&#13;
Zusammenarbeit entwickeln und eine Rolle darin&#13;
übernehmen. Aus diesem Grund streben wir grundlegend neue Beziehungen zwischen Rußland und der&#13;
neuen NATO an. Solche Beziehungen sind möglich.&#13;
Sie sind für uns alle wichtig. Und wir sind entschlossen, sie zu knüpfen.&#13;
Die Zusammenarbeit der NATO mit Rußland sollte in&#13;
einer offiziellen Charta ihren Ausdruck finden. Diese&#13;
Charta sollte dauerhafte Vereinbarungen über Konsultationen und gemeinsame Aktionen zwischen Rußland&#13;
und dem Bündnis enthalten.&#13;
Die NATO und Rußland benötigen eine Charta, weil&#13;
wir ein gemeinsames Interesse an der Verhinderung&#13;
bewaffneter Konflikte haben. Wie werden gleichermaßen bedroht durch Proliferation, Nuklearschmuggel&#13;
und das Schreckgespenst von Katastrophen wie&#13;
Tschernobyl. Die Charta sollte uns einen dauerhaften&#13;
Mechanismus für Krisenmanagement an die Hand&#13;
geben, damit wir beim Auftreten dieser Herausforderungen umgehend zusammen darauf reagieren&#13;
können. Unsere Truppen sollten zusammen für&#13;
gemeinsame Operationen üben.&#13;
Das Potential&#13;
unserer Partnerschaft zeigt sich bereits in Bosnien, wo&#13;
unsere Truppen gemeinsame Lasten tragen und&#13;
gemeinsame Leistungen erbringen. Wir wollen den&#13;
nächsten logischen Schritt unternehmen.&#13;
Unsere Bestrebungen in Bosnien demonstrieren&#13;
sowohl die Chancen als auch die Dringlichkeit des&#13;
Aufbaus einer neuen atlantischen Gemeinschaft.&#13;
Bosnien steht heute in vieler Hinsicht dort, wo Europa&#13;
1946 stand. Die Grünflächen seiner Städte wurden zu&#13;
Friedhöfen. Seine Kinder haben Terror und Hunger&#13;
kennengelernt und die destruktive Macht des Hasses&#13;
gesehen. Das Land steht aber auch an der Schwelle&#13;
zu einer besseren Zukunft. Der Krieg ist vorüber und&#13;
der vor ihm liegende Weg klar: Er ist abhängig von&#13;
Demokratie, Gerechtigkeit und Integration. Vergangenen Monat war ich in Sarajevo und sah dort die&#13;
Fortschritte, die gemacht wurden, seit das Daytoner&#13;
Abkommen den Weg zum Frieden geebnet hat.&#13;
Deutschlands Diplomatie, seine Wirtschaftshilfe sowie&#13;
sein militärischer Beitrag sind hierbei allesamt von&#13;
entscheidender Bedeutung.&#13;
Bereits in einer Woche werden Wahlen abgehalten,&#13;
damit die Institutionen eines geeinten bosnischen&#13;
Staates gegründet werden können. Jede politische&#13;
Partei in Bosnien unterstützt diese Wahlen. Das&#13;
bosnische Volk möchte wieder seine Stimme zurück-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�erhalten, die der Krieg ihm verweigerte. Unsere&#13;
Aufgabe besteht darin, ihm bei der Wahrnehmung&#13;
dieses Rechts unter angemessenen Bedingungen zu&#13;
helfen. Durch die Verschiebung der Kommunalwahlen&#13;
hat die OSZE bereits ein deutliches Signal gesendet,&#13;
daß grundlegende Normen erfüllt werden müssen. Wir&#13;
müssen Vertrauen in die Macht der demokratischen&#13;
Entscheidung in Bosnien haben. Wir müssen uns&#13;
auch vor Augen halten, daß Wahlen nur ein erster&#13;
Schritt sind. Wir müssen langfristig zusammenarbeiten, damit die führenden Politiker Bosniens ihren&#13;
Verpflichtungen nachkommen und wir allen Nationen&#13;
des ehemaligen Jugoslawien helfen können, sich&#13;
wieder an Europa anzuschließen.&#13;
Unsere zweite Herausforderung beim Aufbau der&#13;
neuen atlantischen Gemeinschaft besteht in der&#13;
Förderung von Wohlstand unserer Nationen und&#13;
seiner globalen Ausweitung. Die Vereinigten Staaten&#13;
und Europa haben die umfassendsten Wirtschaftsbeziehungen der Welt aufgebaut. Sie erhalten 14&#13;
Millionen Arbeitsplätze auf beiden Seiten des Atlantiks.&#13;
Wir müssen uns auf einen freien und offenen transatlantischen Markt zubewegen, wie ihn die Vereinigten&#13;
Staaten und die Europäische Union letzten Dezember&#13;
anvisierten. Während die Schranken fallen und sich&#13;
die Dynamik erhöht, scheint immer mehr möglich. Wir&#13;
haben bereits ein Stadium erreicht, in dem wir die&#13;
echte Integration der Volkswirtschaften Europas und&#13;
Nordamerikas realistisch erörtern können. Wir können&#13;
jetzt praktische Schritte unternehmen, beispielsweise&#13;
den Abbau von beschränkenden Vorschriften, um&#13;
visionärere Ziele zu erlangen.&#13;
Unsere Vision für offenen Handel und Investitionen in&#13;
der neuen atlantischen Gemeinschaft muß ebenso&#13;
umfassend sein wie unsere Vision dieser Gemeinschaft selbst. Mit anderen Worten: Sie muß sich auf&#13;
Zentraleuropa und die neuen unabhängigen Staaten,&#13;
einschließlich Rußlands, erstrecken. Präsident Jelzin&#13;
hat beispielsweise der Öffnung Rußlands für ausländische Investitionen Priorität eingeräumt, und Präsident Clinton engagiert sich persönlich für die Erlangung dieses Ziels. Wir unterstützen entschieden&#13;
den Eintritt Rußlands in die WTO zu angemessenen&#13;
wirtschaftlichen Bedingungen. Wir sind uns bewußt,&#13;
daß in den neuen Demokratien Europas Stabilität von&#13;
Wohlstand abhängt - und von unserer Bereitschaft zur&#13;
Öffnung westlicher Märkte.&#13;
Das ist ein Grund dafür, daß wir ein umfassendes&#13;
Programm für die Erweiterung der Europäischen Union&#13;
unterstützen. Die Aussicht auf eine Mitgliedschaft in&#13;
der EU wird zur Durchführung demokratischer und&#13;
marktwirtschaftlicher Reformen in Zentral- und Osteuropa beitragen. Sie stellt die Weichen für einen&#13;
echten europäischen Binnenmarkt. Dabei sollten&#13;
rasche Fortschritte gemacht werden.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Gemeinsam tragen wir auch die Verantwortung&#13;
sicherzustellen, daß das internationale Wirtschaftssystem und seine Institutionen für das 21. Jahrhundert&#13;
gerüstet sind. Wir haben bereits gemeinsam an der&#13;
Reform des IWF und der Weltbank gearbeitet. Wir&#13;
schlössen die Uruguay-Runde ab und gründeten die&#13;
Welthandelsorganisation. Beim ersten Ministertreffen&#13;
der WTO kommenden Dezember in Singapur sollten&#13;
wir auf den Abschluß der unerledigten Themen der&#13;
Uruguay-Runde drängen, insbesondere bei den&#13;
Dienstleistungen, und damit beginnen, die Prioritäten&#13;
für das nächste Jahrhundert zu setzen. Ferner&#13;
müssen wir das unsrige tun um zu gewährleisten, daß&#13;
die ärmsten Nationen der Welt von offenen Märkten&#13;
profitieren.&#13;
Unsere neue atlantische Gemeinschaft wir nur sicher&#13;
sein, wenn wir gemeinsam am Umgang mit grenzüberschreitenden Bedrohungen arbeiten - Bedrohungen&#13;
wie Terrorismus, Weiterverbreitung von Nuklearwaffen, Verbrechen, Drogen, Krankheiten und Umweltzerstörung. Die Gefahren, die diese Bedrohungen für&#13;
unsere Sicherheit und unser Wohlergehen darstellen,&#13;
sind ebenso groß wie alle, mit denen wir während des&#13;
Kalten Krieges konfrontiert waren. Ihre Bewältigung&#13;
stellt unsere dritte Herausforderung dar, von der ich&#13;
heute zwei Elemente erörtern möchte: Terrorismus&#13;
und Umwelt.&#13;
Wir müssen gemeinsam dem Terrorismus die Stirn&#13;
bieten, wo immer er auftritt. Von den Nachtlokalen in&#13;
Berlin zu den Metrostationen in Paris, von den Bürgersteigen Londons zu den Bürotürmen in New York&#13;
haben gesetzlose Verbrecher unsere Bürger zu&#13;
Zielscheiben und unsere öffentlichen Plätze zu&#13;
Jagdgründen gemacht.&#13;
Präsident Clinton hat versprochen, internationale&#13;
Bestrebungen zur Bekämpfung dieses gemeinsamen&#13;
Feindes anzuführen. Die vom Präsidenten bei der UNGeneralversammlung im vergangenen Jahr vorgestellte Strategie zur Terrorismusbekämpfung war ein&#13;
deutliches Zeichen unserer Entschlossenheit. Die vor&#13;
zwei Monaten von den G-7-Staaten und Rußland in&#13;
Paris angenommenen 25 spezifischen Maßnahmen&#13;
sind ein Entwurf dafür, wie man Terroristen das&#13;
Handwerk legen und sie hinter Gitter bringen kann.&#13;
Ich fordere alle Nationen dazu auf, sie so schnell wie&#13;
möglich umzusetzen.&#13;
Die Zusammenarbeit gegen dem Terrorismus Vorschub leistende Staaten ist ein Gebot, keine Option.&#13;
Sie ist ein Anliegen, für das sich alle Nationen einsetzen sollten. Unser auf Prinzipien gegründetes&#13;
Engagement für freien Handel verpflichtet uns nicht,&#13;
Geschäfte mit aggressiven Tyranneien wir Iran und&#13;
Libyen abzuschließen. Wir müssen unsere Kräfte&#13;
bündeln, um durch wirksame multilaterale Maßnahmen&#13;
diesen verbrecherischen Regimen die Mittel zu&#13;
verweigern, nach denen sie streben.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Auch der Irak unterstützt den Terrorismus, und wie wir&#13;
gesehen haben, stellt er eine dauerhafte Bedrohung&#13;
des Friedens im Nahen Osten dar. Ich möchte&#13;
Bundeskanzler Kohl, Außenminister Kinkel und&#13;
Deutschland meinen aufrichtigen Dank aussprechen,&#13;
daß sie Präsident Clintons entschlossene Reaktion auf&#13;
Saddam Husseins erneute Aggression unterstützt&#13;
haben.&#13;
Bedrohungen der Umwelt respektieren ebenfalls keine&#13;
Grenzen. Sie schaden unseren Volkswirtschaften und&#13;
der Gesundheit unserer Bürger. Aus diesem Grund&#13;
haben Präsident Clinton und ich Umweltfragen zu&#13;
einem wesentlichen Bestandteil der amerikanischen&#13;
Außenpolitik gemacht.&#13;
Hier in Europa besteht unsere dringlichste umweltpolitische Herausforderung darin, die verheerenden&#13;
Auswirkungen jahrzehntelanger kommunistischer&#13;
Mißwirtschaft zu beseitigen. Von den verlassenen&#13;
Dörfern im Umkreis von Tschernobyl über die abgeholzten Wälder Sibiriens bis zu den riesigen verrosteten Fabriken in Zentraleuropa gehört Umweltzerstörung zu den verheerendsten Altlasten, mit denen&#13;
Europas neue Demokratien konfrontiert werden.&#13;
Weltweit können wir durch Zusammenarbeit 1997 zum&#13;
wichtigsten Jahr für die globale Umwelt seit dem Gipfel&#13;
von Rio machen. Wir können die Führung bei der&#13;
Erlangung realistischer, rechtlich bindender Verpflichtungen zur Verringerung der Emission von&#13;
Treibhausgasen übernehmen. Wir können uns auf&#13;
eine verantwortliche Verwaltung der Wälder der Erde&#13;
einigen - einer Ressource, der das deutsche und das&#13;
amerikanische Volk immer hohen Wert beigemessen&#13;
haben.&#13;
Alle heute von mir vorgeschlagenen Schritte erfordern&#13;
eine engere Zusammenarbeit unserer Regierungen.&#13;
Aber die Stärke unserer Beziehungen hängt letztlich&#13;
von den Banden zwischen unseren Menschen ab.&#13;
Das ist die vierte Herausforderung, die ich erörtern&#13;
möchte.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg leisteten Deutschland&#13;
und die Vereinigten Staaten Pionierarbeit bei kulturellen und akademischen Austauschprogrammen, die für&#13;
Amerikaner und Europäer heute so wichtig sind.&#13;
Aufgrund unserer Partnerschaft im Kalten Krieg haben&#13;
Millionen Amerikaner in Deutschland und Europa&#13;
gelebt und gearbeitet, und wir können praktisch davon&#13;
ausgehen, daß die Menschen sich gut kennenlernten.&#13;
Aber jetzt nach dem Ende des Kalten Krieges müssen&#13;
wir neue Bande knüpfen. Wir müssen auf den Banden&#13;
aufbauen, die täglich von unseren Unternehmen,&#13;
Universitäten, Parlamentariern und nichtstaatlichen&#13;
Organisationen geschmiedet werden.&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
Im November werden die Vereinigten Staaten und die&#13;
Europäische Union in Washington eine Konferenz zur&#13;
Stärkung transatlantischer&#13;
Austauschprogramme&#13;
veranstalten. Ich möchte einen besonderen Vorschlag&#13;
unterbreiten. Wir wollen eine Hoffnungsgemeinschaft&#13;
-eine Fellowship of Hope - gründen: Einen Austausch&#13;
zwischen den für auswärtige Angelegenheiten zuständigen Behörden der Vereinigten Staaten, der EU und&#13;
ihrer Mitgliedstaaten, damit unsere jungen Führungspersönlichkeiten zusammen arbeiten und voneinander&#13;
lernen können. Auch der Privatsektor kann mehr tun.&#13;
Derzeit sind 500.000 Amerikaner bei deutschen&#13;
Unternehmen beschäftigt, und 600.000 Deutsche&#13;
arbeiten für amerikanische Firmen. Wir wollen alle&#13;
unsere Unternehmen dazu ermutigen, dem Beispiel zu&#13;
folgen, das einige Unternehmen bereits durch die&#13;
Ausweitung von Austauschprogrammen für ihre&#13;
Beschäftigten gesetzt haben.&#13;
Ich bin zuversichtlich, daß unsere Völker und unsere&#13;
Regierungen gleichermaßen die Partnerschaft vertiefen können, deren wir uns schon lange erfreuen.&#13;
Schließlich sind die dieser Partnerschaft zugrundeliegenden Prinzipien, denen Außenminister Byrnes&#13;
Ausdruck verlieh, dauerhaft. Im Westen hielten sie&#13;
dem Trauma des Zweiten Weltkriegs stand. Im Osten&#13;
überdauerten sie die Säuberungsaktionen und Propaganda der kommunistischen Herrschaft. Im letzten&#13;
Jahrzehnt ermutigten sie uns zur Zusammenarbeit bei&#13;
der Vereinigung Deutschlands, der Beendigung des&#13;
Krieges in Bosnien, der Unterstützung von Reformen&#13;
in Rußland sowie der Errichtung des offensten Welthandelssystems der Geschichte.&#13;
All dies begann hier, inmitten der Trümmer und&#13;
Verzweiflung des Jahres 1946. Und wenn wir heute&#13;
von großer Hoffnung beflügelt sind, liegt das an dem,&#13;
was Deutschland mit seinen Partnern seit damals&#13;
erreicht hat. Aufgrund des von uns gemeinsam&#13;
Geleisteten kann mein Land einer zukünftigen Partnerschaft mit einen neuen Deutschland und einen neuen&#13;
Europa erwartungsvoll entgegensehen - einem&#13;
Europa, in dem Grenzen einen statt zu trennen; einem&#13;
Europa, dessen Horizonte weiter als seine Grenzen&#13;
sind.&#13;
Wir haben mit Ihnen für den Aufbau dieses neuen&#13;
Europas gekämpft. Und jetzt möchte ich ebenso wie&#13;
mein Vorgänger es vor 50 Jahren tat im Namen&#13;
Amerikas sagen: Wir bleiben hier. Wir können die von&#13;
mir umrissenen Herausforderungen bewältigen. Wir&#13;
können eine freie, geeinte und wohlhabende atlantische Gemeinschaft gründen. Und wenn wir das tun,&#13;
werden Menschen auf der ganzen Welt von dem von&#13;
Europa und Amerika gegebenen Beispiel inspiriert,&#13;
ebenso wie wir von dem Beispiel Deutschlands&#13;
inspiriert wurden.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�USA-KUBA&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
USA streben multilaterale Zusammenarbeit&#13;
zur Förderung von Demokratie in Kuba an&#13;
Erklärung von Botschafter Stuart E. Eizenstat&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Stuart E. Eizenstat, dem Sondergesandten von Präsident&#13;
Clinton und Außenminister Christopher für die Förderung von Demokratie in Kuba, im Rahmen seiner&#13;
Europareise am 11. September 1996 in Bonn abgegebene Erklärung.&#13;
&#13;
Ich freue mich sehr, wieder in Deutschland zu sein, um&#13;
mit hochrangigen Vertretern der Bundesregierung, der&#13;
Wirtschaft sowie von nichtstaatlichen Organisationen&#13;
zusammenzutreffen. Ich wollte Deutschland zu einem&#13;
frühen Zeitpunkt in diesem Prozeß besuchen, um die&#13;
Ansichten unserer engsten Verbündeten darüber zu&#13;
hören, wie wir zur Erlangung unseres obersten Ziels der Förderung von Demokratie in Kuba - am besten&#13;
vorgehen.&#13;
Der Schlüssel zur Erreichung dieses Ziels besteht in&#13;
der Ausarbeitung eines effektiven multilateralen&#13;
Ansatzes auf der Grundlage gemeinsamer Interessen&#13;
und gemeinsamer Anliegen. Präsident Clinton ist&#13;
diesen Bestrebungen entschlossen verpflichtet, und&#13;
meine Ernennung zum Sondergesandten reflektiert&#13;
und unterstreicht dieses Engagement. Die heutigen&#13;
Treffen in Deutschland lassen mich hoffen, daß eine&#13;
gemeinsame Basis gefunden werden kann und wir&#13;
trotz unserer Differenzen parallel und unabhängig an&#13;
der Beschleunigung eines friedlichen Übergangs zur&#13;
Demokratie in Kuba arbeiten können.&#13;
Die Zusammenarbeit zur Förderung der Demokratie in&#13;
Kuba würde doppelten Nutzen bringen. Sie würde&#13;
dem seit langer Zeit unterdrückten kubanischen Volk&#13;
Hoffnung geben und den Anbruch des Tages beschleunigen, an dem Freiheit zur Realität geworden ist.&#13;
Und gleichzeitig würde sie zum Abbau von durch das&#13;
LIBERTAD-Gesetz hervorgerufenen Spannungen mit&#13;
unseren Verbündeten beitragen.&#13;
Wir sind uns bewußt, daß unsere Freunde und Verbündeten, einschließlich Deutschlands, wegen be-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
stimmter Aspekte des Helms-Burton-Gesetzes äußerst&#13;
besorgt sind. Wir haben über diese Differenzen&#13;
gesprochen. Wir waren uns jedoch auch darüber&#13;
einig, daß wir Wege zur Förderung der Demokratie in&#13;
Kuba erörtern sollten - eine vom LIBERTAD-Gesetz&#13;
unabhängige Tagesordnung - denn das kubanische&#13;
Volk verdient unsere Hilfe.&#13;
Die Nationen der westlichen Hemisphäre, wie&#13;
Deutschland und seine Partner in Europa, haben sich&#13;
gemeinsam der Demokratie verpflichtet, denn sie ist&#13;
das einzige Regierungssystem, das einen angemessenen Schutz von Menschenrechten und Menschenwürde bieten kann. Kuba ist die einzige nichtdemokratische Nation auf dem amerikanischen Kontinent. Das&#13;
kubanische System stellt keine Alternative dar - es ist&#13;
ein unterdrückerischer Anachronismus. Ebenso wie&#13;
die Vereinigten Staaten, Deutschland und Europa zur&#13;
Förderung von Freiheit und Demokratie in der Sowjetunion und dem ehemaligen Ostblock, in Südafrika,&#13;
Mittelamerika und auf der ganzen Welt zusammengearbeitet haben, können und müssen wir das jetzt in&#13;
Kuba tun.&#13;
Heute habe ich freundschaftliche, konstruktive und&#13;
offene Gespräche mit Wirtschaftsminister Günter&#13;
Rexrodt sowie weiteren Regierungsmitgliedern,&#13;
Wirtschaftsvertretern und Angehörigen nichtstaatlicher&#13;
Organisationen geführt. Wir haben einen wichtigen&#13;
Dialog über diese Angelegenheit eingeleitet, der in den&#13;
kommenden Monaten fortgeführt wird. Die Bundesregierung wird einige unserer Ideen überprüfen, und&#13;
wir hoffen, daß sie auch ihren eigenen Input und Ideen&#13;
dazu unterbreiten wird, wie wir unsere gemeinsamen&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Ziele erreichen können.&#13;
Die Vereinigten Staaten streben multilaterale Zusammenarbeit an, die zu konkreten und spezifischen&#13;
Maßnahmen zur Förderung von Demokratie in Kuba&#13;
führt. Diese Bestrebungen sollten Regierungen, NGOs&#13;
und den Privatsektor einschließen. Wir wollen Fortschritte auf den folgenden Gebieten, jedoch nicht&#13;
darauf beschränkt, erzielen:&#13;
1.&#13;
&#13;
Förderung staatlicher Unterstützung für die&#13;
Demokratisierung in Kuba.&#13;
&#13;
2.&#13;
&#13;
Hilfe für unabhängige NGOs und verstärkte&#13;
Unterstützung für den unabhängigen Sektor.&#13;
&#13;
3.&#13;
&#13;
Ermutigung von Zusammenarbeit zwischen&#13;
nichtstaatlichen Organisationen zur Stärkung&#13;
des unabhängigen Sektors.&#13;
&#13;
4.&#13;
&#13;
Ich reise heute abend nach London ab, nachdem ich&#13;
gestern in Madrid war. Ich werde in nächster Zeit wohl&#13;
noch öfter nach Europa reisen. Ich sehe weiteren&#13;
Gesprächen mit der Europäischen Union, ihren&#13;
Mitgliedstaaten sowie anderen Partnern der Vereinigten Staaten in den kommenden Monaten erwartungsvoll entgegen.&#13;
Ich verlasse Deutschland voller Hoffnung und Optimismus, daß unsere gemeinsamen Ziele und gemeinsamen Werte einen Geist der Zusammenarbeit&#13;
schaffen werden, während wir uns gemeinsam für die&#13;
Förderung von Demokratie in Kuba einsetzen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Entwicklung einer Reihe wirtschaftlicher&#13;
Prinzipien, damit Auslandsinvestitionen in&#13;
Kuba den Wohlstand und die Freiheiten der&#13;
Arbeitnehmer in Kuba erhöhen und nicht&#13;
einfach nur die kubanische Regierung stärken.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�BOSNIEN&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
Wahlen sind erster Schritt beim Wiederaufbau&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die für den 14. September 1996 anberaumten Wahlen in Bosnien werden ein&#13;
wesentlicher erster Schritt für den Wiederaufbau des Landes sein, teilte der Abteilungsleiter für europäische und&#13;
kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium, John Kornblum, dem Unterausschuß für europäische&#13;
Angelegenheiten des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten am 10. September mit. Nachfolgend&#13;
veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von John Kornblum.&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen für die Gelegenheit, zu diesem Ausschuß zu sprechen und die&#13;
derzeitige Situation in Bosnien sowie unsere Arbeit auf&#13;
dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens zu erörtern.&#13;
Wie Sie wissen, waren die Vereinigten Staaten führend&#13;
bei den Bestrebungen, dem jahrelangen blutigen&#13;
Konflikt in Bosnien ein Ende zu setzen. Die zum&#13;
Daytoner Abkommen führenden Friedensgespräche&#13;
waren nur das sichtbarste Beispiel für diese Führungsrolle. Sowohl vor als auch nach Dayton waren wir fest&#13;
entschlossen, bei der Schaffung eines gerechten und&#13;
dauerhaften Friedens in Bosnien und im gesamten&#13;
ehemaligen Jugoslawien Hilfe zu leisten.&#13;
Aus diesem Grund sind 16.000 amerikanische Männer&#13;
und Frauen als Teil der NATO-Friedenstruppe in&#13;
Bosnien. Aus diesem Grund sind Tausende amerikanischer Zivilisten führend bei den Bestrebungen zur&#13;
Veranstaltung demokratischer Wahlen, Mitwirkung bei&#13;
der Rückkehr der Flüchtlinge, Gründung offener&#13;
Medien, Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit&#13;
und Untersuchung von Kriegsverbrechen. Und aus&#13;
diesem Grund haben wir einen so großzügigen Beitrag&#13;
zu den internationalen Bestrebungen zum Wiederaufbau der zerstörten bosnischen Infrastruktur geleistet.&#13;
Obwohl wir zu Recht stolz auf die von den Vereinigten&#13;
Staaten übernommene Schlüsselrolle bei der Schaffung des Friedens in Bosnien sind, haben wir nicht nur&#13;
aus altruistischen Motiven so viel investiert. Unser&#13;
Engagement auf dem Balkan ist das Ergebnis einer&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
nüchternen Analyse unserer nationalen Interessen und&#13;
Prioritäten.&#13;
Der Zusammenbruch des ehemaligen Jugoslawiens,&#13;
der zum Konflikt auf dem Balkan führte, stellte eine&#13;
beträchtliche Bedrohung der europäischen Stabilität&#13;
und somit unserer eigenen Sicherheit dar. Wären die&#13;
Kämpfe über die Grenzen des ehemaligen Jugoslawiens hinausgegangen, hätten leicht unsere NATOVerbündeten sowie andere Länder in der Region&#13;
einbezogen werden können. Hätten wir auf dem&#13;
Balkan nicht entschlossen gehandelt, hätte das der&#13;
Glaubwürdigkeit des Bündnisses - dem Grundstein&#13;
unserer nationalen Sicherheit - großen Schaden&#13;
zufügen können.&#13;
Zusätzlich hätte das Virus von Intoleranz und ethnischem Haß, von dem das ehemalige Jugoslawien&#13;
befallen ist, leicht auf die noch auf tönernen Füßen&#13;
stehenden Demokratien Zentral- und Osteuropas&#13;
übergreifen können.&#13;
Schließlich ist das unerschütterliche Engagement für&#13;
Menschenrechte seit langem die wichtigste Säule der&#13;
amerikanischen Außenpolitik.&#13;
Tatsächlich unterscheidet uns dieses Engagement von anderen und&#13;
erhöht unsere Glaubwürdigkeit auf der ganzen Welt,&#13;
insbesondere in Zentral- und Osteuropa. Die ungeheuerlichen Verletzungen von Menschenrechten&#13;
und die verzweifelte humanitäre Situation in Bosnien&#13;
während des Krieges waren unerträglich und erforderten zum Erhalt dieser Glaubwürdigkeit, daß wir&#13;
handelten.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Ich freue mich, berichten zu können, daß heute die&#13;
Vereinigten Staaten unvergleichliches Ansehen und&#13;
Einfluß in ganz Europa und der übrigen Welt genießen&#13;
- großenteils aufgrund der von uns übernommenen&#13;
Führungsrolle bei der Befriedung des Balkans. Die&#13;
durch unsere führende Rolle im Dayton-Prozeß&#13;
gewonnene Erfahrung zeigt eindeutig, daß nur Amerika über die militärische, diplomatische und wirtschaftliche Macht verfügt, die zur Bildung eines&#13;
Konsenses über scheinbar unlösbare Probleme wie&#13;
Bosnien erforderlich ist.&#13;
Europa und damit die Vereinigten Staaten sind aufgrund unserer Bestrebungen in Dayton zweifelsohne&#13;
sicherer geworden. Obwohl einige unser Engagement&#13;
für und in Europa in Frage stellten, besteht heute kein&#13;
Zweifel daran, daß die Vereinigten Staaten die herausragende europäische Macht sind und die Saat dieser&#13;
Position ernten.&#13;
Als ich Außenminister Christopher letzte Woche auf&#13;
seiner Europareise begleitete, sah ich aus erster Hand,&#13;
welch starke Position die Vereinigten Staaten auf dem&#13;
gesamten Kontinent einnehmen. Unsere langjährigen&#13;
Verbündeten wollen mit uns bei einer Vielzahl von&#13;
Fragen zur Erneuerung und Stärkung der transatlantischen Partnerschaft zusammenarbeiten. Die&#13;
neuentstehenden Demokratien Zentraleuropas, die ein&#13;
halbes Jahrhundert kommunistischer Herrschaft hinter&#13;
sich gelassen haben, erkennen die Vorteile der&#13;
Partnerschaft mit Amerika und sind jetzt weniger&#13;
versucht, für die sie konfrontierenden Probleme&#13;
extreme Lösungen zu suchen.&#13;
In ähnlicher Weise ist die NATO, deren Zukunft von&#13;
einigen vor nur einem Jahr noch in Frage gestellt&#13;
wurde, heute zweifelsohne die mächtigste und wirkungsvollste Militärorganisation der Welt.&#13;
Das heißt nicht, daß es keine Probleme gegeben hätte.&#13;
Angesichts der in vier Tagen stattfindenden Wahlen in&#13;
Bosnien kämpfen wir weiterhin mit den Dämonen, die&#13;
Bosnien in den letzten Jahren quälten. Mißtrauen,&#13;
Intoleranz und Gewalt, die wuchsen, während eine&#13;
Generation Bosnier zugrunde ging, werden nicht mit&#13;
der Unterzeichnung eines Dokuments oder der&#13;
Abgabe einer Erklärung verschwinden. Die Auswirkungen dieser Dämonen werden jedesmal deutlich,&#13;
wenn wir eine Zeitung in die Hand nehmen. Sie&#13;
werden nicht über Nacht verschwinden, aber das&#13;
bosnische Volk muß mit unserer Hilfe die Arbeit des&#13;
Wiederaufbaus seiner einst lebensprühenden Gesellschaft fortsetzen. Wahlen sind der erste Schritt in&#13;
diesem Wiederaufbauprozeß.&#13;
Diese Wahlen werden nicht perfekt sein. Es wird&#13;
Probleme geben, darunter auch gravierende. Es&#13;
könnten Menschen gewählt werden, die unsere&#13;
Verpflichtung zu den Idealen von Dayton nicht vollkommen teilen. Einige Wähler werden vielleicht&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
eingeschüchtert, es könnte Betrügereien sowie&#13;
organisatorische oder logistische Schwierigkeiten&#13;
geben.&#13;
Das sollte niemanden überraschen.&#13;
Schließlich&#13;
organisieren Bob Frowick und sein herausragendes&#13;
OSZE-Team die komplexesten Wahlen der Geschichte. Nationale, Kreis- und Kantonalwahlen werden in&#13;
einem Land abgehalten, das vom erbittertsten europäischen Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg zerrüttet&#13;
wurde.&#13;
Manche erklärten, diese Probleme seien so groß, daß&#13;
wir gar keine Wahlen abhalten sollten. Bosnien sei&#13;
noch nicht bereit für die Demokratie. Diese Menschen&#13;
haben nicht die Stimme des bosnischen Volkes gehört.&#13;
Bei einer jüngsten Umfrage des US-Informationsamts&#13;
(USIA) erklärten 90 Prozent der Bosnier aller ethnischen Gruppen, sie wollten Wahlen, da diese ein&#13;
wesentlicher Bestandteil des Wiederaufbauprozesses&#13;
und eine notwendige Vorbedingung für demokratisches Leben seien.&#13;
Es wird also Probleme geben. Aber nachdem ich mit&#13;
Vertretern des bosnischen Volkes zu Gesprächen&#13;
zusammengetroffen und im letzten halben Jahr 14 Mal&#13;
in die Region gereist bin, die Unterzeichner des&#13;
Daytoner Abkommens während desselben Zeitraums&#13;
mehr als 20 Mal getroffen und mit eigenen Augen die&#13;
laufenden Vorbereitungen gesehen habe, bin ich&#13;
zuversichtlich, daß diese Wahlen - so unvollkommen&#13;
sie auch sein mögen - den Willen des bosnischen&#13;
Volkes widerspiegeln werden.&#13;
Man muß auch daran denken, daß der 14. September&#13;
den ersten vorsichtigen Schritt Bosniens zu einer&#13;
demokratischen Gesellschaft nach jahrzehntelanger&#13;
kommunistischer Herrschaft und jahrelangem Krieg&#13;
darstellen wird. Dieser Prozeß wird sich fortsetzen&#13;
und weiterentwickeln, während gewählte Vertreter&#13;
zusammen mit der Bildung und Führung einer gemeinsamen Regierung beginnen. Das war der Kern ihrer in&#13;
Dayton eingegangenen Verpflichtung - ein einheitlicher&#13;
Staat mit einer einheitlichen Regierung. Danach&#13;
müssen sich diese Vertreter in zwei Jahren zur&#13;
Wiederwahl stellen.&#13;
Der amerikanische Beitrag zu den Wahlen ist beeindruckend. Mehr als 175 Amerikaner sind derzeit in&#13;
Bosnien, wo sie als Wahlbeobachter und Inspektoren&#13;
eingesetzt werden. 66 Amerikaner nehmen an der&#13;
OSZE-Mission in Bosnien teil. Die NATO-Friedenstruppe unter ihrem amerikanischen Befehlshaber hat&#13;
außerordentliche Arbeit geleistet, um ein sicheres&#13;
Umfeld für Wahlen zu schaffen. Die Mitarbeiter der&#13;
US-Botschaft, die in den schlimmsten Zeiten des&#13;
Konflikts buchstäblich im Büro übernachteten, setzen&#13;
ihre unermüdliche Arbeit fort, um die für die Veranstaltung dieser Wahlen notwendige diplomatische&#13;
Arbeit zu erledigen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�Ich habe eine Reihe potentieller Herausforderungen für&#13;
den Wahlprozeß aufgeführt. Eine nicht von mir&#13;
erwähnte betrifft die Beteiligung von angeklagten&#13;
Kriegsverbrechern. Ich habe sie nicht erwähnt, weil&#13;
sie eine Möglichkeit darstellt, die wir keinesfalls&#13;
akzeptieren. Solche Individuen dürfen im Wahlprozeß&#13;
keine Rolle spielen. Zu diesem Zweck forderten und&#13;
erhielten wir die Zustimmung von Radovan Karadzic,&#13;
sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen. Er&#13;
hat sich großenteils an dieses Abkommen gehalten,&#13;
und wir erwarten nicht, daß er eine Bedrohung des&#13;
Wahlprozesses darstellen wird.&#13;
Vor diesem Hintergrund versichere ich Ihnen jedoch,&#13;
daß wir uns damit nicht zufrieden geben. Das Friedensabkommen ist klar - Angeklagte dürfen keine&#13;
Minute Ruhe haben, bis sie auf die vom Kriegsverbrechertribunal gegen sie erhobenen Vorwürfe reagiert&#13;
haben. Die Vereinigten Staaten haben für die Errichtung des Tribunals gekämpft, wir waren sein&#13;
stärkster Befürworter, und wir werden bei dieser Frage&#13;
keine Nichtbefolgung tolerieren. Karadzic und Mladic&#13;
müssen gehen.&#13;
In unserem Eifer zur Bewältigung der wichtigen&#13;
Probleme, mit denen wir täglich in Bosnien konfrontiert&#13;
werden, lassen wir allzu oft das Gesamtbild außer Acht&#13;
und übersehen die erzielten wirklichen Erfolge.&#13;
Bosnien ist heute ein ganz anderer und viel hoffnungsvollerer Ort als noch vor einem Jahr.&#13;
Vor einem Jahr hatte die amerikanische Friedensinitiative, die in Dayton gipfelte, gerade erst begonnen.&#13;
Die internationale Gemeinschaft stand noch unter dem&#13;
Eindruck der Plünderung Srebrenicas und der mörderischen Bombenanschläge auf unschuldige Zivilisten auf&#13;
dem Zentralmarkt von Sarajevo. Kriegsflugzeuge der&#13;
NATO beteiligten sich an der komplexesten Kampfoperation des Bündnisses in dem Bestreben, die&#13;
Beseitigung schwerer Waffen aus Sarajevo sicherzustellen.&#13;
Und wir mußten noch den Verlust unserer lieben&#13;
Freunde und Kollegen Bob Frasure, Joe Kruzel und&#13;
Nelson Drew bewältigen, die bei ihrer Suche nach dem&#13;
Frieden in Bosnien ums Leben kamen.&#13;
Heute herrscht in Bosnien jedoch Frieden. Ungeachtet&#13;
der anderen Implementierungsprobleme, ungeachtet&#13;
der Herausforderungen, die bisweilen auftauchen,&#13;
dürfen wir eine entscheidende Tatsache nie vergessen: In Bosnien herrscht Frieden.&#13;
Die Kinder Sarajevos können in den Stadtparks&#13;
spielen, ohne auf das Pfeifen der Kugeln eines Scharfschützen horchen zu müssen. Paare können die&#13;
Straßen der Altstadt ohne Angst vor Mörsergranaten&#13;
entlangschlendern.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Geschäfte wurden eröffnet, im Exil Lebende kehren&#13;
zurück, Sarajevo ist wieder zum Leben erwacht. Erst&#13;
letzten Monat konnte Außenminister Christopher sich&#13;
selbst ein Bild von den erzielten Fortschritten machen,&#13;
als ihm auf den Straßen der Stadt ein begeisterter&#13;
Empfang bereitet wurde. Die brutale Belagerung&#13;
Sarajevos wird bereits Geschichte.&#13;
Im ganzen Land wurden Soldaten demobilisiert und&#13;
arbeiten am Wiederaufbau ihrer zerrütteten Gemeinden. Die internationale Staatengemeinschaft hat&#13;
den mühsamen Prozeß des Wiederaufbaus der&#13;
zerstörten bosnischen Infrastruktur begonnen. Diese&#13;
Bestrebungen werden dem ganzen bosnischen Volk&#13;
die Vorteile des Friedens zeigen und eine Rückkehr&#13;
zum Blutvergießen unmöglich machen. Die Vereinigten Staaten werden hierzu einen Beitrag von fast&#13;
600 Millionen Dollar leisten, und der Präsident hat&#13;
seinen Sondergesandten, Richard Sklar, nach Sarajevo gesandt, um unsere Arbeit zu koordinieren.&#13;
Im militärischen Bereich wurden die schweren Waffen,&#13;
die während des Konflikts mit solch tödlicher Kraft&#13;
eingesetzt wurden, unter strenger Überwachung der&#13;
NATO eingelagert. Munitionslager, die das Friedensabkommen verletzen, wurden zerstört oder beschlagnahmt. Der Prozeß der Räumung Tausender von über&#13;
das ganze Land verteilten Minen hat begonnen.&#13;
Ferner gelang uns der Abschluß der komplexen und&#13;
umstrittenen Verhandlungen über ein Rüstungskontrollabkommen zwischen Bosnien, Kroatien, Serbien&#13;
und Montenegro sowie den bosnischen Serben.&#13;
Dieses bedeutende Abkommen, dessen Abschluß&#13;
viele für unmöglich gehalten hatten, wird nicht nur&#13;
Waffen, sondern auch Spannungen abbauen. Vor nur&#13;
zwei Wochen inspizierten Vertreter der bosnischen&#13;
Serben Militärgelände in der Föderation, was noch vor&#13;
kurzer Zeit undenkbar gewesen wäre.&#13;
Obwohl&#13;
beträchtliche Probleme bei der Einhaltung des Abkommens bestehen bleiben, haben wir bereits die&#13;
Fähigkeit der Parteien zur Kriegführung verringert und&#13;
eine Rückkehr zum Blutvergießen weitaus schwieriger&#13;
gemacht.&#13;
Die internationale Einsatztruppe der Polizei ist an Ort&#13;
und Stelle und hilft mit ihren Ausbildungs- und Überwachungsprogrammen bei der Wiedereinführung von&#13;
Rechtsstaatlichkeit im gesamten Land. Die Rückkehr&#13;
der Flüchtlinge, eine emotionsgeladene und schwierige&#13;
Frage, ist langsam in Gang gekommen, und es gibt&#13;
einen regelmäßigen Transitverkehr zwischen der&#13;
Föderation und der Republika Srpska.&#13;
Die bosnische Föderation hat große Fortschritte&#13;
gemacht. Die Föderation wurde hier in Washington ins&#13;
Leben gerufen, und ich habe ihrem Erfolg oberste&#13;
Priorität eingeräumt. Durch das Föderationsforum&#13;
haben wir monatliche, hochrangige Konsultationen ins&#13;
Leben gerufen. Das Forum hat eine Reihe bemer-&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�kenswerter Abkommen hervorgebracht, die die&#13;
Föderation gestärkt und zu einer lebensfähigen Säule&#13;
des Daytoner Prozesses gemacht haben.&#13;
Der&#13;
bosnisch-kroatische Ministaat Herceg-Bosna wurde&#13;
per Gesetz aufgelöst. Muslimische und kroatische&#13;
Militärs werden zusammengelegt. Die muslimische&#13;
und die kroatische Polizei werden in eine einzige&#13;
Einsatztruppe integriert. Die Zollsysteme werden&#13;
vereinheitlicht.&#13;
Die Annahme des Förderationsverteidigungsgesetzes,&#13;
das ein einheitliches Militär der Föderation vorsieht,&#13;
half den Weg für die Einleitung unseres Ausbildungsund Ausrüstungsprogramms zu ebnen. Jim Pardew&#13;
wird mit ihnen erörtern, daß dieses Programm, das die&#13;
Vereinigten Staaten koordinieren, gewährleistet, daß&#13;
beim Abzug der IFOR in Bosnien ein militärisches&#13;
Gleichgewicht herrscht. Dies ist ein weiterer Schritt,&#13;
den wir unternehmen um sicherzustellen, daß ein&#13;
erneuter Konflikt beider Seiten undenkbar erscheint.&#13;
Ich möchte noch etwas zur IFOR-Friedenstruppe und&#13;
unseren in Bosnien stationierten Truppen sagen.&#13;
Meine Kollegen vom Verteidigungsministerium werden&#13;
ausführlicher über die IFOR-Mission sprechen. Ich&#13;
möchte nur meinem Stolz auf die von unseren jungen&#13;
Männern und Frauen in Bosnien geleistete Arbeit&#13;
Ausdruck verleihen. Die IFOR spielt eine entscheidende Rolle bei der Gewährleistung der Einhaltung des&#13;
Daytoner Abkommens. Es ist nicht übertrieben zu&#13;
sagen, daß der Frieden ohne sie unmöglich wäre.&#13;
Abschließend kann gesagt werden, daß der lange,&#13;
schwierige Prozeß, Bosnien wieder zusammenzufügen, begonnen hat. Die für dieses Wochenende&#13;
anberaumten Wahlen werden ein Meilenstein in&#13;
diesem Prozeß sein. In vier Tagen werden - hauptsächlich als Ergebnis amerikanischer Bestrebungen Bosnier aller ethnischen Gruppen das grundlegendste&#13;
Recht eines freien Volkes ausüben - den Urnengang.&#13;
Und wenn auch die einzelnen, täglichen Entwicklungen&#13;
nicht immer so sein mögen, wie wir es erhofft haben,&#13;
bin ich doch zuversichtlich, daß wir die Grundlage für&#13;
einen dauerhaften Frieden in Bosnien schaffen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Natürlich werden Erfolg oder Scheitern des Daytoner&#13;
Prozesses letztlich von den Parteien selbst abhängen.&#13;
Wenn sie den Frieden wollen und das Daytoner&#13;
Abkommen vollständig umsetzen, wird es Frieden&#13;
geben. Aufgrund meiner umfassenden und ständigen&#13;
Kontakte zu den Parteien setze ich Vertrauen in ihre&#13;
Entschlossenheit, das Daytoner Abkommen funktionieren zu lassen.&#13;
Ich bin aus mehreren Gründen davon überzeugt, daß&#13;
wir in Bosnien Erfolg haben werden. Der erste und&#13;
wichtigste ist die Tatsache, daß die Menschen in&#13;
Bosnien wirklich kriegsmüde sind. Sie haben die&#13;
Zerstörung ihres Landes, den Tod geliebter Menschen,&#13;
das Absinken ihres Lebensstandards miterlebt.&#13;
Während die Vorteile des Friedens immer offensichtlicher werden, erscheint eine Rückkehr zum Krieg&#13;
immer undenkbarer.&#13;
Der Frieden wird in Bosnien die Oberhand gewinnen,&#13;
weil er sinnvoll ist. Der Daytoner Prozeß stellt den&#13;
einzigen Weg dar, auf dem diese geschlagenen und&#13;
gebrochenen Menschen ihre Gemeinden wiederaufbauen, ihre Kinder versorgen und ein normales Leben&#13;
führen können. In wirtschaftlicher Hinsicht können die&#13;
einzelnen Gebietskörperschaften Bosniens nicht ohneeinander überleben. Ungeachtet der derzeitigen&#13;
Rhetorik bin ich davon überzeugt, daß die Führer der&#13;
ethnischen Volksgruppen in Bosnien das wissen.&#13;
Letztlich werden wir erfolgreich sein, weil die Vereinigten Staaten involviert sind. Vor Dayton unterstrich&#13;
jede einzelne Partei die Bedeutung des Engagements&#13;
und der Führungsrolle der Vereinigten Staaten. Sie&#13;
machten deutlich, daß die Präsenz und Unterstützung&#13;
Amerikas ihnen das Zutrauen gab, die schwere&#13;
Entscheidung für den Frieden zu treffen. Die amerikanische Führungsrolle hat die Parteien so weit gebracht&#13;
und ist erforderlich, um die Arbeit der Schaffung eines&#13;
dauerhaften Friedens zu beenden. Wie ich bereits&#13;
erwähnte, können nur die Parteien einen dauerhaften&#13;
Frieden sichern, aber wir spielen ebenfalls eine&#13;
entscheidende Rolle.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�FRAUEN&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
Das Jahr nach der Pekinger Weltfrauenkonferenz eine Bestandsaufnahme&#13;
Rede von Gesundheitsministerin Donna Shalala&#13;
&#13;
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Ein Jahr nach der 4. Weltfrauenkonferenz nahm Gesundheitsministerin Donna&#13;
Shalala, die ein hochrangiges Mitglied der US-Delegation in Peking gewesen war, im Rahmen einer&#13;
Sondersitzung bei den Vereinten Nationen eine Bestandsaufnahme des vergangenen Jahres vor und lenkte die&#13;
internationale Aufmerksamkeit erneut auf Frauenfragen und die bei der Weltfrauenkonferenz eingegangen&#13;
Verpflichtungen.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede der Ministerin vom 9. September 1996.&#13;
&#13;
Als ich das letzte Mal hier in diesem herrlichen Saal&#13;
war, hielt ich eine Rede vor der UN-Generalversammlung im Jahr 1994, dem internationalen Jahr der&#13;
Familie. An jenem Tag machten wir deutlich, daß ein&#13;
Land nur stark sein kann, wenn seine Familien stark&#13;
sind, und Familien nur stark sind, wenn Frauen stark&#13;
sind.&#13;
Das war die Botschaft der 4. Weltfrauenkonferenz in&#13;
Peking. Und das ist der Grund, aus dem wir heute alle&#13;
hier sind. Mir fällt kein angemesseneres Thema für&#13;
diesen schönen Saal, für diese außergewöhnliche&#13;
Organisation ein.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Vereinten&#13;
Nationen gegründet, um eine chaotische Welt zu&#13;
ordnen und einer in Aufruhr befindlichen Welt Frieden&#13;
zu bringen. Für Präsident Roosevelt und Eleanor&#13;
Roosevelt verkörperte die UNO einen Traum - einen&#13;
Traum, in dem die Nationen durch Zusammenhalt&#13;
stärker werden können, einen Traum, der hier seit&#13;
mehr als 50 Jahren gelebt wird.&#13;
Seit über 50 Jahren ist das hier der Ort, an dem&#13;
Nationen über geographische und rassische, religiöse&#13;
und kulturelle Grenzen hinweg unsere menschliche&#13;
Vielfalt würdigen und unsere gemeinsamen Ziele&#13;
anstreben. Dies ist der Ort, an dem wir Sanktionen&#13;
gegen Südafrika verhängten, um gegen die Ketten der&#13;
Apartheit zu protestieren. Dies ist der Ort, an dem wir&#13;
den Kriegsflüchtlingen aus Afghanistan und der&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
ganzen Welt Schutz anboten. Dies ist der Ort, an dem&#13;
wir neue Wege zur Ausrottung von Pocken, zur&#13;
Bekämpfung des Hungers in Somalia und der Ausbreitung von Krankheiten in Zaire beschritten.&#13;
Und dies ist der Ort, an dem wir hier und heute den&#13;
Geist der Konferenz von Peking Wiederaufleben lassen&#13;
- und uns erneut zur Verbesserung des Lebens von&#13;
Frauen und Familien auf der ganzen Welt verpflichten.&#13;
Ich werde nie vergessen, was für ein Gefühl es war, in&#13;
Stärke und Solidarität mit den 40.000 Frauen und&#13;
Männern verbunden zu sein, die vergangenes Jahr in&#13;
Peking zusammenkamen - und von denen viele heute&#13;
hier anwesend sind. Wir waren Landwirte und Fabrikarbeiter, wir waren Wissenschaftler und Sozialarbeiter,&#13;
wir waren Eltern und Regierungsvertreter.&#13;
Aber wir waren geeint durch eine Überzeugung, der&#13;
First Lady Hillary Rodham Clinton so beredt Ausdruck&#13;
verlieh, als sie vor der Konferenz und der Welt erklärte:&#13;
"Menschenrechte sind Frauenrechte. Und Frauenrechte sind Menschenrechte." Das Thema durchzog&#13;
die gesamte Konferenz und schuf die Grundlage für&#13;
unser Aktionsprogramm.&#13;
Achten Sie genau auf diese Worte: Ein Aktionsprogramm. Kein Programm für Gemeinplätze oder&#13;
Rhetorik. Kein Programm, um einen Ausschuß zu&#13;
gründen oder eine Studie in Auftrag zu geben. Ein&#13;
Aktionsprogramm. Und ein Mandat für Ergebnisse.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Warum? Weil allzu viele Frauen und ihre Familien&#13;
immer noch an vermeidbaren Krankheiten sterben.&#13;
Allzu viele Frauen und ihre Kinder werden immer noch&#13;
mit dem Terror und den Tränen häuslicher Gewalt&#13;
konfrontiert. Und allzu vielen Frauen wird immer noch&#13;
der Zugang zu Bildung, richtiger Ernährung, reproduktiver Gesundheit und wirtschaftlicher Sicherheit&#13;
verwehrt.&#13;
Wir fuhren nach Peking, um diese globalen Herausforderungen schlaglichtartig zu beleuchten. Und jede&#13;
Nation brachte das Versprechen mit nach Hause, sie&#13;
anzugehen. In den Vereinigten Staaten machen wir&#13;
unter der Führung Präsident Clintons gute Fortschritte&#13;
bei der Erfüllung dieses Versprechens.&#13;
Am Vorabend der Konferenz gab der Präsident die&#13;
Gründung eines behördenübergreifenden Rates für&#13;
Frauen bekannt, dem ich Vorsitze. Vergangenes Jahr&#13;
haben die Mitglieder des Rates jedes Bundesministerium und jede Behörde eingehend geprüft, um neue und bessere Wege - zu finden, Frauen und Kindern zu&#13;
helfen.&#13;
Aber wir haben uns nicht nur auf Untersuchungen&#13;
beschränkt, sondern auch andere einbezogen - wir&#13;
arbeiten mit nichtstaatlichen Organisationen (NGOs)&#13;
und anderen Partnern zusammen, die gestern die Saat&#13;
für Peking säten und stehen ihnen bei ihrer weiteren&#13;
Arbeit zur Seite.&#13;
Am 28. September veranstalten die Vereinigten&#13;
Staaten eine Satellitenkonferenz, um mit Frauen aus&#13;
dem ganzen Land über den seit Peking zurückgelegten Weg zu sprechen und zu überlegen, welche Berge&#13;
wir noch erklimmen müssen. Ich bin stolz darauf&#13;
sagen zu können, daß wir aufgrund der von Ihnen&#13;
übernommenen Führungsrolle eine gute Geschichte&#13;
erzählen können - eine Geschichte der Fortschritte.&#13;
Allein in unserem Ministerium machen wir Fortschritte,&#13;
indem wir darauf bestehen, daß Frauen an jedem&#13;
klinischen Forschungsprojekt teilnehmen. Wir machen&#13;
Fortschritte, indem wir unser Engagement für die&#13;
Erforschung, Behandlung und Verhütung von Brustkrebs dramatisch erhöhen. Wir machen Fortschritte&#13;
dabei sicherzustellen, daß alle Frauen Zugang zu&#13;
guter reproduktiver Gesundheitsfürsorge und umfassender reproduktiver Freiheit haben. Wir machen&#13;
Fortschritte mit neuen Bestrebungen in Höhe von 100&#13;
Millionen Dollar zur Entwicklung eines Mikrobizids für&#13;
Frauen - damit Frauen überall sich und ihre Familien&#13;
vor der Geißel von HIV und AIDS schützen können.&#13;
Und wir machen Fortschritte, indem wir unseren&#13;
jungen Mädchen beibringen, "Nein" zu Tabak, Drogen&#13;
und vorehelichem Geschlechtsverkehr und "Ja" zu&#13;
ihrer Gesundheit, ihrer Bildung und ihrer Zukunft zu&#13;
sagen. Das ist Fortschritt. Und er findet sich überall in&#13;
unserer Administration.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Es den Frauen zu erleichtern, ein eigenes Heim zu&#13;
haben und sich ein Stück vom Amerikanischen Traum&#13;
zu leisten - das ist Fortschritt. Die Einrichtung einer&#13;
gebührenfreien telefonischen Hotline, die Opfer&#13;
häuslicher Gewalt in ganz Amerika zu jeder Tagesund Nachtzeit in Anspruch nehmen können - das ist&#13;
Fortschritt.&#13;
Große und kleine Unternehmen zur&#13;
Verbesserung der Sozialleistungen und Arbeitsbedingungen für amerikanische Frauen aufzufordern das ist Fortschritt.&#13;
Die Gewährleistung, daß Mädchen immer die Chance&#13;
erhalten, Mathematik und Naturwissenschaften zu&#13;
lernen und das in einem von sexueller Belästigung&#13;
freien Umfeld zu tun - das ist Fortschritt. Und Frauen&#13;
auf der ganzen Welt zu helfen, die Vorteile der Beteiligung am politischen Leben, von Rechtsschutz und&#13;
Bildungschancen kennenzulernen - das ist Fortschritt.&#13;
Ich möchte auf diesen Punkt näher eingehen.&#13;
Wir wissen, daß Frauen und Familien in den Vereinigten Staaten nur sicher sein werden, wenn sie&#13;
überall auf der Welt sicher sind. Und wir sehen unsere&#13;
Rolle als internationaler Partner darin, die Gesundheit&#13;
und Sicherheit unserer globalen Gemeinschaft zu&#13;
gewährleisten sowie gleichermaßen im Ausmerzen&#13;
von den Menschen befallenden Viren und Gewalt&#13;
gegen den Menschen, wann immer und wo immer sie&#13;
auftreten.&#13;
Manchmal ist es schwer, diese Themen in Angriff zu&#13;
nehmen. Manchmal ist es unpopulär. Aber es ist&#13;
immer richtig, es zu tun.&#13;
Aus diesem Grund standen wir mit Worten und Taten&#13;
an der Seite unserer Brüder und Schwestern auf der&#13;
ganzen Welt, um die schwierigen Themen anzusprechen und eindeutig klarzustellen, daß alle Frauen die&#13;
erforderlichen Instrumente haben müssen, um ihre&#13;
reproduktive Gesundheit zu bewahren und ihr reproduktives Schicksal zu kontrollieren.&#13;
Ob es unseren Töchtern hier oder andernorts auf der&#13;
Welt angetan wird - wir verurteilen die Grausamkeit&#13;
und absolute Unmenschlichkeit genitaler Verstümmelung und werden dies auch in Zukunft tun.&#13;
Wir haben klargemacht, daß Vergewaltigung als Waffe&#13;
des Krieges ein Verbrechen gegen die gesamte&#13;
Menschheit ist. Und wir haben erklärt, daß wir alles in&#13;
unserer Macht Stehende tun werden, um diejenigen zu&#13;
stoppen, die es wagen, Frauen und Kinder in die&#13;
Prostitution zu verkaufen. Das ist Gewalt. Das ist&#13;
Ausbeutung. Das ist eine Greueltat. Und es muß ein&#13;
Ende haben.&#13;
Aber es gibt noch etwas, das wir alle tun müssen.&#13;
Jeden Tag werden in den Gemeinden im In- und&#13;
Ausland diese Frauen und Familien betreffenden&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�Probleme diskutiert. Die Einzelheiten werden ausgearbeitet. Das Geschäft wird abgeschlossen. Und die&#13;
Entscheidungen werden unterzeichnet, mit dem Siegel&#13;
versehen und abgeschickt. Aber allzu häufig fehlt&#13;
etwas außerordentlich Wichtiges - die Stimme der&#13;
Frauen. In Peking haben wir es deutlich gesagt: Das&#13;
muß sich ändern.&#13;
In den Vereinigten Staaten machen Frauen 52 Prozent&#13;
der Bevölkerung aus - sie sind kein "spezielles Interesse" - sie sind 52 Prozent der Bevölkerung.&#13;
Wenn Entscheidungen über unsere Gesundheit,&#13;
unsere Familien, unsere Gemeinden und unsere&#13;
Länder getroffen werden, müssen wir am Tisch sitzen.&#13;
Es geht nicht darum, daß Frauen besser oder klüger&#13;
sind als Männer. Es geht darum, daß wir eine einzigartige Stimme haben, die gehört, für jede Entscheidung&#13;
gewertet und in sie eingearbeitet werden muß, die&#13;
unsere Familien und unsere Nationen betrifft.&#13;
Wir waren so erfolgreich, daß wir manchmal scherzen,&#13;
wir befänden uns endlich in dem Zeitalter, in dem ein&#13;
politisches Thema in einem Bundesministerium von&#13;
einer Analystin vorgebracht werden kann, über eine&#13;
Kabinettsministerin und eine politische Beraterin im&#13;
Weißen Haus weitergeleitet wird und auf den Schreibtisch des Präsidenten für seine Zustimmung gelangt.&#13;
Dieser Quantensprung hätte ohne die Führungskraft&#13;
und das Engagement dieses Präsidenten und dieser&#13;
First Lady nicht stattfinden können.&#13;
Und er hat sich sicherlich nicht über Nacht vollzogen.&#13;
Eine Frau auf ein hochrangiges politisches Amt&#13;
vorzubereiten, dauert Jahrzehnte.&#13;
Es erfordert&#13;
Jahrzehnte der Zusammenarbeit zwischen Frauen und&#13;
Männern, Jahrzehnte der Unterrichtung junger Mädchen, daß sie etwas anstreben und die Tür zu Chancen aufstoßen können - von der Grundschule bis zur&#13;
juristischen Fakultät und vom Praktikum als Jugendlicher bis zu Partnerschaften zwischen Senioren.&#13;
Der Frauensport ist so.&#13;
Im vergangenen Monat sah die Welt voll Ehrfurcht zu,&#13;
wie die weiblichen Olympioniken Atlanta - und die Welt&#13;
- im Sturm eroberten. Aber Champions wie Amy Van&#13;
Dyken, Gail Devers und Shannon McMillan fielen ihre&#13;
Goldmedaillen nicht einfach in den Schoß. Sie hatten&#13;
Jahre des Engagements, der familiären Zuwendung,&#13;
Talent, Charakter und natürlich Titel IX zur Seite.&#13;
Der vor über 20 Jahren verabschiedete Titel IX hatte&#13;
ein einfaches Ziel: Sicherzustellen, daß die für den&#13;
Schulsport zur Verfügung gestellten Ressourcen&#13;
gerecht zwischen Männern und Frauen verteilt werden. Fairneß: Nicht mehr und nicht weniger. Dieser&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
schlichte Akt der Gerechtigkeit öffnete das Schleusentor der Chancen für Frauen im Sport. Zwei Jahrzehnte&#13;
später sehen wir die Ergebnisse - nicht nur bei der&#13;
Olympiade, sondern auf Baseballfeldern und Fußballplätzen und den Sportplätzen in ganz Amerika.&#13;
Wir müssen sicherstellen, daß die Frauen in diesem&#13;
Land - und in jedem Land - dieselben Chancen zur&#13;
Erfüllung ihrer Träume haben, was immer diese&#13;
Träume sein mögen.&#13;
Wenn ich zu einer Gruppe junger Frauen spreche,&#13;
möchte ich sie stets daran erinnern, daß sie die erste&#13;
Generation sind, die das werden kann, was sie werden&#13;
möchte - in jeder Hinsicht. Nicht nur Ärztinnen und&#13;
Rechtsanwältinnen. Nicht nur Mütter und Astronautinnen. Nicht nur Geschäftsführerinnen und Kabinettsministerinnen. Sondern Präsidentinnen und Ministerpräsidentinnen.&#13;
Ich glaube, daß es möglich ist.&#13;
Wir müssen sicherstellen, daß jedes junge Mädchen&#13;
glaubt, es ist möglich. Wenn es will und wenn es&#13;
dafür zu arbeiten bereit ist, werden wir ihm alle Chancen geben, dieses Ziel zu erreichen.&#13;
Vor einem Jahr war ich auf dem Weg, um die Rede der&#13;
First Lady Hillary Rodham Clinton vor den nichtstaatlichen Organisationen in Hairou zu hören - eine&#13;
Rede, die sich als einer der Höhepunkte der Konferenz&#13;
erweisen sollte. Aber ich habe sie beinahe verpaßt.&#13;
Ich stand völlig durchnäßt im strömenden Regen, und&#13;
die chinesischen Wachleute waren entschlossen, uns&#13;
aus dem Auditorium fernzuhalten.&#13;
Ich glaube nicht, daß sie mit einem Wisconsin Badger&#13;
rechneten. Ich habe genug siegreiche Fußballspiele&#13;
von Wisconsin gesehen um zu wissen, wie man&#13;
effektiv abblockt. Als sie uns stießen, stießen wir&#13;
zurück. Und wir kamen rein.&#13;
Die Frauenbewegung hat sehr viel größere Hindernisse überwunden. Und das werden wir wieder tun.&#13;
Aber nur, wenn wir uns alle die Hände reichen - von&#13;
Regierungsbehörden bis zu nichtstaatlichen Organisationen und von der Unternehmensleitung bis zu den&#13;
Gemeindevertretern. Nur wenn wir trotz der Rückschläge und trotz der Hindernisse nach vorne drängen.&#13;
Und nur, wenn wir die Männer einbeziehen, insbesondere die jungen Männer, denn unser Kampf&#13;
kann - und sollte - nicht ohne sie gewonnen werden.&#13;
Und weil unsere Themen keine Frauenthemen sind.&#13;
Es sind Familienthemen. Es sind globale Herausforderungen, und wir müssen sie gemeinsam bewältigen.&#13;
Das müssen wir nicht nur um der Frauen willen tun,&#13;
sondern um jeder Person auf dieser Erde willen - für&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�jedes Kind, das eine Mutter hat, für jeden Mann, der&#13;
eine Tochter hat, für jede Familie, für jede Nation. Und&#13;
für unsere gemeinsame Zukunft.&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. CTBT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UN-Generalversammlung billigt Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede der Hoffnung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Außenminister James F. Bymes am 6. September 1946&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine neue atlantische Gemeinschaft für das 21. Jahrhundert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Christopher zum 50. Jahrestag der "Rede der Hoffnung"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Kuba&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA streben multilaterale Zusammenarbeit zur Förderung von Demokratie in Kuba an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafter Stuart E. Eizenstat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wahlen sind erster Schritt beim Wiederaufbau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Frauen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Jahr nach der Pekinger Weltfrauenkonferenz - eine Bestandsaufnahme &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Gesundheitsministerin Donna Shalala&lt;/em&gt;</text>
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cimcrikci
dicrv&gt;t

Herausgeber U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
5. September 1996

17

&lt;&gt;

WAHLEN

CLINTON WILL BRÜCKE INS 21. JAHRHUNDERT BAUEN
Rede des Präsidenten beim Parteikonvent
der Demokraten

DELEGIERTE RATIFIZIEREN WAHLPLATTFORM DER "NEUEN DEMOKRATEN"
Auszüge aus dem Wahlprogramm

DEMOKRATEN FÜR VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
Eröffnung des Parteikonvents

KUBA

EIZENSTAT WIRD SONDERGESANDTER FÜR
DIE FÖRDERUNG VON DEMOKRATIE IN KUBA
Erklärung von Präsident Clinton

FREIHEIT UND WOHLSTAND FÜR DAS
KUBANISCHE VOLK
Ansprache von Botschafter Eizenstat

PORTRÄT

STUART E. EIZENSTAT
Sondergesandterfürdie Förderung von Demokratie
in Kuba

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.
Fax
Internet

0228 - 339 23 72
0228 - 33 31 38
bbsbonn@usia.gov

�SOZIALES

BUNDESSTAATEN ÜBERNEHMEN SOZIALHILFE
Rede von Präsident Clinton

UMWELT

NACHHALTIGE ENTWICKLUNG EINE AUSSENPOLITISCHE PRIORITÄT DER
USA
von Timothy E. Wirth

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des, Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

-&gt;

�WAHLEN

4. September 1996

Clinton will Brücke ins 21. Jahrhundert bauen
Rede des Präsidenten beim Parteikonvent der Demokraten

CHICAGO - (AD) - In seiner Rede beim Parteikonvent der Demokratischen Partei am 29. August 1996 in Chicago,
die wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen, stellte Präsident Bill Clinton seine Agenda für die nächsten vier
Jahre vor und erklärte, er wolle im Falle seiner Wiederwahl eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, um die
Herausforderungen zu bewältigen, die Grundwerte zu schützen und die Amerikaner auf die Zukunft
vorzubereiten.

Herr Vorsitzender, Herr Vizepräsident, liebe Parteifreunde, meine amerikanischen Mitbürger. Ich danke
Ihnen für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten. Ich weiß nicht, ob es besonders schön formuliert ist - aber ich sage einfach, ich nehme die Nominierung an.

wachsendes Haushaltsdefizit, eine Vielzahl unbewältigter Herausforderungen und zunehmenden Zynismus
verzeichnen mußten, sprach ich zu Ihnen über meinen
Geburtsort - und ich sagte Ihnen, daß ich immer noch
glaube, daß es einen Ort namens Hope - Hoffnung gibt.

Es haben so viele Menschen einen Beitrag zu dem
geleistet, was wir für das amerikanische Volk bewirken, und hierbei ist an erster Stelle mein Partner,
mein Freund und der beste Vizepräsident unserer
Geschichte zu nennen - AI Gore.

Seit nunmehr vier Jahren haben wir zur Umsetzung
unserer Vision eine einfache aber tiefgreifende
Strategie verfolgt: Chancen für alle, Verantwortung
aller, eine starke, geeinte amerikanische Gemeinschaft.

Am heutigen Abend möchte ich der Stadt Chicago,
ihrem herausragenden Bürgermeister und ihren
wunderbaren Bürgern für diesen großartigen Parteikonvent danken. Ich liebe Chicago aus vielen
Gründen - wegen seines machtvollen Geistes, seiner
Sportmannschaften, seines lebhaften politischen
Lebens, aber vor allem wegen der Frau, die die Liebe
und das Licht meines Lebens ist - Chicagos Tochter,
Hillary.

Vor vier Tagen, als Sie hierher reisten, begann ich
meine Zugfahrt durch das Herz Amerikas nach
Chicago. Ich wollte die Gesichter derjenigen sehen
und die Stimmen derjenigen hören, für die ich in den
letzten vier Jahren gearbeitet und gekämpft habe. Und
ich sah sie.

Vor vier Jahren machten Sie und ich uns gemeinsam
auf die Reise, um unserem Land unsere Vision zu
bringen, um den Amerikanischen Traum für all jene am
Leben zu halten, die dafür zu arbeiten gewillt sind, um
unsere amerikanische Gemeinschaft zu stärken und
um Amerika zur weltweit stärksten Kraft für Frieden,
Freiheit und Wohlstand zu machen.
Vor vier Jahren, als wir eine hohe Arbeitslosenrate,
stagnierende Löhne und Gehälter, steigende Kriminalität und Inanspruchnahme von Sozialleistungen, ein

AMERIKA DIENST 17

Ich traf eine erfinderische Geschäftsfrau, die früher
einmal in West Virginia von der Sozialhilfe abhängig
war; einen tapferen Polizisten, der angeschossen
wurde, gelähmt ist und jetzt in Kentucky eine Bürgerinitiative leitet; einen Automobilarbeiter aus Ohio, der
früher arbeitslos war und jetzt stolz auf seinen Arbeitsplatz beim ältesten Automobilhersteller Amerikas ist,
der dazu beiträgt, Amerika erstmals seit 20 Jahren
wieder zur Nummer eins bei der Automobilherstellung
zu machen. Ich traf eine Großmutter, die um den
Erhalt der Umwelt für ihren Enkel in Michigan kämpft.
Und ich sah zwei wunderbare kleine Kinder, die stolz
aus ihrem Lieblingsbuch "The Little Engine That Could"
vorlasen.

Seite 1

�Bei jedem Zwischenstopp wurde ich von einer großen,
begeisterten Menge begrüßt, und noch wichtiger ist
vielleicht, daß in jeder kleinen Stadt Schulkinder ihre
amerikanischen Fähnchen schwenkten - alle im
Glauben an Amerika und seine Zukunft.
Um nichts auf der Welt hätte ich auf diese Reise
verzichten wollen, denn sie zeigte mir, daß es in
Amerika wieder Hoffnung gibt. Wir befinden uns auf
dem richtigen Weg ins 21. Jahrhundert.
Betrachten Sie sich nur einmal die Fakten: 4,4 Millionen Amerikaner leben zum ersten Mal in ihrem
eigenen Haus, Hunderttausende Frauen haben sich
selbständig gemacht. Mehr Angehörige von Minderheiten denn je besitzen ein Unternehmen. Es gibt
eine Rekordzahl von neuen Unternehmen und Exporten.
Betrachten Sie sich, was getan wurde. Wie haben die
geringste kombinierte Arbeitslosen-, Inflations- und
Hypothekenrate seit 28 Jahren. Betrachten Sie sich,
was getan wurde: Es wurden 10 Millionen neue
Arbeitsplätze geschaffen, mehr als die Hälfte davon
gutbezahlte. 10 Millionen Arbeitnehmer erhalten nach
dem Mindestlohngesetz ihre verdiente Lohn- oder
Gehaltserhöhung. 25 Millionen Menschen genießen
jetzt Krankenversicherungsschutz, weil das KennedyKassebaum-Gesetz besagt, daß man beim Wechsel
seines Arbeitsplatzes nicht mehr seine Krankenversicherung verlieren darf, selbst wenn ein Familienmitglied krank ist. 40 Millionen Amerikaner haben jetzt
sicherere Renten. Wir senkten die Steuern für 15
Millionen der am härtesten Arbeitenden - für die dem
stärksten Druck Ausgesetzten sowie für alle kleineren
Unternehmen. 12 Millionen Amerikaner profitieren von
dem Gesetz über Urlaub aus familiären oder gesundheitlichen Gründen und können dadurch gute Eltern
und gute Arbeitnehmer sein.
Zehn Millionen Studenten haben bei ihren Darlehen für
Collegegebühren Geld gespart. Wir sorgen dafür, daß
unsere Demokratie funktioniert.
Ferner haben wir politische Reformen durchgeführt,
das selektive Veto, das Motor-Voter-Gesetz und
strengere Registrierungsgesetze für Lobbyisten
eingeführt, dafür gesorgt, daß der Kongreß sich an die
von ihm erlassenen Gesetze für den Privatsektor hält
und nicht fundierte Mandate für die Regierungen der
Bundesstaaten und die Kommunalbehörden gestoppt
werden. Wir haben viel erreicht, und wir müssen noch
eines tun. Werden Sie mir helfen, in den kommenden
vier Jahren eine Reform der Wahlkampffinanzierung
durchzuführen?
Wir haben unsere Investitionen in Forschung und
Technologie erhöht. Wir haben die Investitionen für
die Brustkrebsforschung drastisch erhöht. Wir entwikkeln einen Supercomputer - einen Supercomputer, der

Seite 2

innerhalb einer Sekunde mehr rechnen kann als ein
Mensch mit Hilfe eines Taschenrechners in 30.000
Jahren. Die beschleunigte Entwicklung von Medikamenten gegen HIV und AIDS und ihre schnellere
Markteinführung haben die Lebenserwartung der
Betroffenen in nur vier Jahren nahezu verdoppelt. Und
wir sehen in dieser Hinsicht noch keine Beschränkungen. Wir werden weitermachen, bis die Betroffenen
wieder ein normales Leben führen können.
Unser Land ist immer noch die stärkste Kraft für
Frieden und Freiheit auf der Welt. Bei Fragen, die uns
früher entzweiten, haben wir die alte Washingtoner
Politik geändert. Die Politiker in Washington haben
sich allzu lange gefragt, wer die Schuld trägt. Wir
haben jedoch gefragt, was wir tun werden.
Bei der Verbrechensbekämpfung: Wir stellen 100.000
zusätzliche Polizisten ein. Wer dreimal gefaßt wird,
muß ins Gefängnis - das ist das Gesetz. Wir verhinderten durch das Brady-Gesetz, daß 60.000 Schwerverbrecher, Ausreißer und Wilderer in den Besitz von
Handfeuerwaffen gelangen. Wir haben halbautomatische Waffen verboten. Wir unterstützten stärkere
Bestrafung und Präventionsprogramme, um unsere
Kinder von Drogen, Gangs und Gewalt fernzuhalten.
Seit vier Jahren - seit vier Jahren sinkt in Amerika die
Verbrechensrate.
Im Bereich der Sozialhilfe haben wir mit den Bundesstaaten zusammengearbeitet, um eine friedliche
Revolution einzuleiten. Heute gibt es 1,8 Millionen
weniger Sozialhilfeempfänger als am Tag meines
Amtsantritts. Wir verhelfen Sozialhilfeempfängern
wieder zu einem Arbeitsplatz.
Wir haben die Unterhaltszahlungen für Kinder um 40
Prozent aufgestockt. Die Zahl der Bundesbediensteten ist die kleinste seit John F. Kennedy. Und das
Haushaltsdefizit ist erstmals seit der Zeit vor dem
Bürgerkrieg vier Jahre lang ununterbrochen gesunken
- um 60 Prozent auf fast Null. Wir werden es schaffen.
Wir befinden uns auf dem richtigen Weg ins 21.
Jahrhundert. Wir sind auf dem richtigen Weg. Aber
unsere Arbeit ist noch nicht beendet. Was sollten wir
tun? Zuerst einmal sollten wir überlegen, wie wir
vorgehen wollen. Ich möchte nochmals betonen, daß
die Frage nicht länger lautet, wer die Schuld trägt,
sondern vielmehr, was wir tun sollten.
Ich bin überzeugt, daß Bob Dole, Jack Kemp und Ross
Perot unser Land lieben, und sie haben ihm mit harter
Arbeit gedient. Es ist nicht nur legitim, sondern sogar
notwendig, unsere Leistungen mit ihren zu vergleichen
und unsere Vorschläge hinsichtlich unserer Zukunft mit
ihren. Und ich erwarte von ihnen entschlossene
Bestrebungen, dasselbe zu tun.

AMERIKA DIENST 17

�Aber ich werde sie nicht angreifen. Ich werde sie
weder persönlich angreifen noch anderen in dieser
Partei gestatten, das zu tun, wenn ich es verhindern
kann.
Meine amerikanischen Mitbürger, dies muß ein
Wahlkampf der Ideen, nicht ein Wahlkampf der
Beleidigungen sein. Das amerikanische Volk verdient
es.
Die Hauptidee lautet folgendermaßen: Ich liebe die
großartige und stolze Geschichte Amerikas und halte
sie in Ehren. Und ich bin entschlossen, unsere besten
Traditionen in die Zukunft mitzunehmen. Aber mit
allem Respekt: Wir brauchen keine Brücke zur Vergangenheit. Wir müssen eine Brücke in die Zukunft
schlagen. Und dazu verpflichte ich mich Ihnen
gegenüber.
So wollen wir am heutigen Abend den Entschluß
fassen, diese Brücke ins 21. Jahrhundert zu bauen,
unsere Herausforderungen zu bewältigen und unsere
Werte zu schützen. Wir wollen eine Brücke bauen, um
unsere Eltern bei der Erziehung unserer Kinder zu
unterstützen, um jungen Menschen und Erwachsenen
zu der erforderlichen Bildung und Ausbildung zu
verhelfen, um unsere Straßen sicherer zu machen, um
den Amerikanern zu Erfolg im Privat- und Berufsleben
zu verhelfen, um den Kreislauf von Armut und Abhängigkeit zu durchbrechen, um unsere Umwelt für
künftige Generationen zu schützen und unsere
weltweite Führungsrolle für Frieden und Freiheit
beizubehalten. Wir wollen den Entschluß zum Bau
dieser Brücke fassen.
Meine amerikanischen Mitbürger, heute abend bitte ich
Sie alle, sich am Bau dieser Brücke ins 21. Jahrhundert zu beteiligen. In vier Jahren - in nur vier
Jahren, halten Sie sich das vor Augen - beginnt ein
neues Jahrhundert voll enormer Möglichkeiten. Wir
müssen dem amerikanischen Volk die Instrumente
geben, damit es das Beste aus seinem ihm von Gott
gegebenen Potential machen kann. Wir müssen für
alle Amerikaner, nicht nur einige wenige, die grundlegende Abmachung - Chancen gegen Verantwortung in greifbare Nähe rücken. Das ist das Versprechen
der Demokratischen Partei. Das ist das Versprechen
Amerikas.
Ich möchte eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, in
dem wir durch Bildung unsere Chancen erhöhen, in
dem Computer ebenso Bestandteil des Klassenzimmers sind wie die Tafel, in dem gut ausgebildete
Lehrer von unseren Schülern Spitzenleistungen
verlangen, in dem jeder Achtjährige ein Buch lesen
kann.
Bis zum Jahr 2000 ist das Entscheidendste, was wir
tun können, jedem Amerikaner, der das möchte, die
Chance zu einem Collegebesuch zu geben. Wir

AMERIKA DIENST 17

müssen innerhalb von vier Jahren dafür sorgen, daß
zwei Jahre auf dem College ebenso verbreitet sind wie
es heute schon der Besuch der High School ist. Und
wir können es schaffen. Wir können es schaffen, und
wir sollten zu diesem Zweck die Steuern senken.
Ich schlage einen jährlichen Steuerfreibetrag von
1.500 Dollar für Collegegebühren vor, ein HopeStipendium für die ersten beiden Jahre des Collegebesuchs, um jedem Amerikaner die typische
Collegeausbildung zu ermöglichen.
Meines Erachtens sollte jede Arbeitnehmerfamilie auch
bei der weiterführenden Ausbildung in der Lage sein,
jährlich bis zu 10.000 Dollar an Collegegebühren
steuerlich abzusetzen. Meiner Meinung nach sollten
die Familien dieses Landes auf einem steuerfreien
Rentenkonto Geld für das College sparen können; es
jahrein, jahraus sparen und für die Collegeausbildung
entnehmen können.
Wir sollten Angehörige der Mittelschicht keine Steuern
für das Geld bezahlen lassen, das sie fürs College
ausgeben.
Wir bekommen das Geld langfristig
gesehen vielfach zurück.
Ich möchte hier noch betonen, daß mein ausgeglichener Haushaltsplan diese und alle anderen von mir
heute abend erwähnten Steuersenkungen abdeckt Zeile um Zeile, Cent um Cent. Und diese Steuersenkungen konzentrieren sich auf die Billdung.
Viele unserer amerikanischen Mitbürger lernen, daß
Bildung nicht mit dem Tag der Diplomverleihung
aufhört. Ich habe ein neues G.l.-Gesetz für amerikanische Arbeitnehmer vorgeschlagen - ein Darlehen
von 2.600 Dollar für arbeitslose und unterbeschäftigte
Amerikaner, damit sie die Ausbildung und die erforderlichen Fähigkeiten erhalten können, auf einem
besser bezahlten Arbeitsplatz wieder ins Berufsleben
zurückzukehren - hochqualifizierte Arbeitskräfte für
eine gute Zukunft.
Wir müssen jedoch auf jeder Bildungsebene herausragende Leistungen fordern. Wir müssen darauf
bestehen, daß unsere Schüler und Studenten sowohl
die alten grundlegenden Dinge lernen, die wir schon
gelernt haben, als auch die neuen grundlegenden
Dinge, die sie im kommenden Jahrhundert wissen
müssen. Heute wollen wir uns ein klares nationales
Ziel setzen: Alle Kinder sollten ab der dritten Klasse
lesen können. Wenn 40 Prozent unserer Achtjährigen
nicht so gut lesen können, wie sie sollten, müssen wir
etwas unternehmen. Ich möchte 30.000 Leseexperten
und Mitglieder des National Service Corps mit der
Mobilisierung einer Freiwilligenarmee von einer Million
Lesetutoren für Drittkläßler in ganz Amerika beauftragen. Sie werden unseren Kindern das Lesen
beibringen.

Seite 3

�An unsere Eltern gerichtet sage ich: Sie müssen den
Weg weisen. Es wird sich vielfach zeigen, daß jede
Nacht es wert war, in der sie erschöpft ihren Kindern
vorlasen. Hillary und ich sprechen immer noch über
die Bücher, die wir Chelsea vorlasen, als wir vor
Müdigkeit kaum die Augen offenhalten konnten. Wir
erinnern uns immer noch an diese Bücher, und viel
wichtiger ist, daß auch sie es tut. Wir werden den
Eltern in diesem Land helfen, jedem Kind bis zum Alter
von acht Jahren, bis zur dritten Klasse, das Lesen
beizubringen. Glauben Sie, daß wir das können?
Werden Sie uns dabei helfen?
Wir müssen den Eltern - allen Eltern - das Recht auf
die Entscheidung geben, welche staatliche Schule ihre
Kinder besuchen sollen, und wir müssen den Lehrern
gestatten, neue Schulen zu gründen, in denen sie die
Anforderungen nur erfüllen, wenn sie gute Arbeit
leisten. Wir müssen unsere Schulen auch abends
noch offenlassen, damit unsere Jugendlichen einen
Ort haben, an den sie gehen können, den sie bejahen
können und damit von der Straße bleiben.
Wir müssen dafür sorgen, daß unsere Schüler während ihrer Schullaufbahn harte Prüfungen ablegen. Ein
Schulabschluß muß etwas bedeuten. Wir sollten die
Lehrer belohnen, die gute Arbeit leisten, und diejenigen entlassen, die es nicht tun. Auf jeden Fall sollten
wir nie vergessen, daß ohne unsere Lehrer keiner von
uns heute abend hier wäre. Auf mich trifft das zu. Wir
sollten sie auf-, nicht abwerten.
Wir benötigen Schulen, die unsere Kinder ins nächste
Jahrhundert begleiten. Wir benötigen Schulen, die
wiederaufgebaut und modernisiert werden, mit einzigartigem Engagement von Seiten der Bundesregierung
zur Verstärkung des Baus von Schulen. Und bis zum
Jahr 2000 sollte jede Bibliothek und jedes Klassenzimmer in Amerika mit der Datenautobahn verbunden
werden.
Wenn wir so vorgehen, wird jeder Achtjährige lesen,
wird jeder Zwölfjährige sich ins Internet einloggen, wird
jeder Achtzehnjährige aufs College gehen können.
Und alle Amerikaner werden über das erforderliche
Wissen verfügen, diese Brücke ins 21. Jahrhundert zu
überschreiten.
Ich möchte eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, in
dem wir eine starke und wachsende Volkswirtschaft
schaffen und nachfolgenden Generationen Chancen
hinterlassen, in dem wir unseren Haushalt auf eine Art
und Weise ausgleichen, die unsere Werte schützt und
gewährleistet, daß jede Familie ein eigenes Heim
besitzen und dieses wichtige Kapital schützen kann.
Heute abend wollen wir dem amerikanischen Volk
mitteilen, daß wir den Haushalt ausgleichen werden.
Und wir wollen auch bekanntgeben, daß das auf eine
Weise geschehen soll, die Medicare, Medicaid,

Seite 4

Bildung, Umwelt, ungekürzte Renten und die Stärke
unseres Volkes bewahrt.
Im vergangenen Jahr übermittelte mir der republikanisch dominierte Kongreß einen Haushalt, der diese
Werte und Prinzipien verletzt, und ich legte dagegen
mein Veto ein. Das würde ich morgen wieder tun. Ich
könnte niemals Einsparungen zulassen, die die
Bildung unserer Kinder gefährden, unsere Umwelt
verschmutzen, die Krankenversicherung der Empfänger von Medicaid einstellen oder unsere Pflicht
gegenüber unseren Eltern durch Medicare beenden
oder verletzen. Das könnte ich einfach nicht tun.
Solange ich Präsident bin, werde ich das nicht zulassen.
Und es ist unwichtig, ob sie es wie schon früher erneut
versuchen und uns mit einer Schließung der Bundesbehörden erpressen wollen, um dem amerikanischen
Volk diese Dinge aufzuzwingen. Wir haben esvorher
nicht zugelassen, und wir werden es jetzt nicht zulassen.
Natürlich gibt es eine bessere Antwort auf dieses
Dilemma. Wir könnten die richtige Art von ausgeglichenem Haushalt mit einem neuen Kongreß haben einem demokratischen Kongreß.
Ich möchte den Haushalt mit echten Kürzungen bei der
Regierung, bei Verschwendung, ausgleichen. Ich
möchte einen Plan haben, der ebenso wie meiner
Investitionen im Bildungswesen tätigt - und im Bereich
der Forschung, was Christopher Reeve so überzeugend angemahnt hat.
Und mein Plan verschafft den Amerikanern Steuersenkungen, die zum Wachstum unserer Volkswirtschaft
beitragen werden.
Ich möchte die individuellen
Rentenkonten ausbauen, damit junge Menschen
steuerfrei sparen können, um sich ein Haus zu kaufen.
Heute schlage ich neue Steuersenkungen für Hausbesitzer vor, damit in diesem Land Familien mit
mittlerem Einkommen keine Kapitalertragsteuer zahlen
müssen, wenn sie ihr Haus verkaufen. Ich möchte,
daß jeder Amerikaner die wunderbaren Worte hören
kann: "Willkommen zu Hause".
Ich möchte es noch einmal betonen: Jede heute abend
von mir geforderte Steuersenkung ist gezielt, verantwortungsbewußt und innerhalb meines ausgeglichenen Haushalts finanziert. Meine Steuersenkungen
werden unsere Volkswirtschaft nicht aushöhlen. Sie
werden das Wirtschaftswachstum beschleunigen.
Wir sollten die Steuern senken - für die Familien, die
ihr Kind aufs College schicken, für die Arbeitnehmer,
die noch einmal aufs College gehen, für die Familien,
die für ein Haus oder die Pflege im Alter sparen. Und
wir sollten einen Steuerfreibetrag in Höhe von 500
Dollar pro Kind für Familien mit mittlerem Einkommen

AMERIKA DIENST 17

�einführen, die bei der Erziehung und späteren Ausbildung ihrer Kinder Hilfe benötigen. Das ist die
richtige Art von Steuersenkung - familienfreundlich,
bildungsfreundlich, wirtschaftsfördernd.
Unsere Gegner haben einen völlig anderen Plan
vorgelegt - ein riskantes Steuerprogramm in Höhe von
550 Milliarden Dollar, das sie zu noch größeren
Kürzungen bei Medicare, Medicaid, Bildung und
Umwelt zwingt als die von ihnen letztes Jahr unterbreiteten, gegen die ich mein Veto eingelegt habe.
Aber selbst dann werden die Kosten ihres Plans nicht
gedeckt, so daß dieser das Defizit explosionsartig
erhöhen würde, wodurch ihren eigenen Schätzungen
vom letzten Jahr zufolge die Zinssätze um zwei
Prozent steigen würden. Das würde riesige Kürzungen bei genau den Investitionen erfordern, die wir
für das Wachstum insgesamt benötigen und gleichzeitig die Konjunktur verlangsamen.
Wir wissen, was höhere Zinssätze bedeuten. Für Sie
heißt das höhere Hypothekenzahlungen, höhere
Abzahlungen für das Auto, höhere Gebühren für die
Kreditkarte. Für unsere Wirtschaft bedeutet es, daß
die Geschäftsleute nicht so viel Geld aufnehmen oder
investieren, weniger Arbeitsplätze und Wohlstand
schaffen, nicht so viele Lohnerhöhungen durchführen.
Wollen wir wirklich denselben Fehler wieder machen?
Wollen wir wirklich das Wirtschaftswachstum wieder
stoppen?
Wollen wir wirklich einen neuen Schuldenberg aufhäufen?
Wollen wir die Rezession von 1991 und 1992 zurückbringen?
Wollen wir unsere Brücke ins 21. Jahrhundert schwächen?
Natürlich wollen wir das nicht.
Wir haben die Pflicht - Sie und ich - unseren Kindern
Chancen, nicht Schulden zu hinterlassen. Unser
Haushalt wäre heute ausgeglichen, wir hätten heute
einen Überschuß, wenn wir nicht die Zinszahlungen für
die in den 12 Jahren vor der Clinton-Gore-Administration aufgehäuften Schulden zu leisten hätten.
Dies ist also einer der Bereiche, in denen ich bei allem
Respekt anderer Meinung bin als mein Gegenkandidat. Ich bin nicht der Meinung, wir sollten Haus und
Hof oder dieses Land aufs Spiel setzen. Wir sollten
auf dem richtigen Weg ins 21. Jahrhundert bleiben.
Chancen allein reichen nicht aus. Ich möchte ein
Amerika des 21. Jahrhunderts schaffen, in dem alle
Amerikaner die persönliche Verantwortung für sich,
ihre Familien, ihre Gemeinden und ihr Land überneh-

AMERIKA DIENST 17

men. Ich möchte, daß unsere Nation die Verantwortung übernimmt sicherzustellen, daß jedes Kind
morgens aus dem Fenster schauen und eine ganze
Gemeinde sehen kann, die aufsteht und zur Arbeit
geht.
Ich möchte, daß diese jungen Menschen die freudige
Erregung beim Erhalt des ersten Gehaltsschecks
erfahren, die Herausforderung einer ersten Unternehmensgründung, den Stolz darauf, in die Fußstapfen
der Eltern zu treten. Das von mir letzte Woche
unterzeichnete Gesetz über die Reform des Sozialwesens gibt Amerika eine Chance, aber keine Garantie
für diese Art von Neuanfang, für einen neuen Sozialvertrag mit den Armen, der Gesundheitsfürsorge,
Kinderversorgung und -ernährung garantiert, aber
auch von gesunden Eltern erwartet, sich ihr Einkommen zu verdienen.
Jetzt sage ich an Sie alle gerichtet - ob sie das Gesetz
nun befürworteten oder ablehnten - insbesondere
jedoch an die Adresse derjenigen, die es unterstützten:
Wir haben eine Verantwortung, eine moralische
Verpflichtung zu gewährleisten, daß diejenigen, die
arbeiten sollen, auch die Chance hierzu erhalten. Wir
müssen sicherstellen, daß es Arbeitsplätze gibt.
Bis zum Jahr 2000 sollten eine Million neuer Arbeitsplätze für Sozialhilfeempfänger geschaffen werden.
Unter diesem Gesetz können die Bundesstaaten das
Geld, das vorher für Sozialleistungen aufgewendet
wurde, jetzt für die Unterstützung von Unternehmen
bei der Schaffung von Arbeitsplätzen verwenden. Ich
fordere alle Bundesstaaten dazu auf, das bald zu tun.
Ferner schlage ich vor, Unternehmen einen Steuerfreibetrag für jeden Arbeitnehmer zu gewähren, der früher
von der Sozialhilfe abhängig war und auf Dauer
eingestellt wurde. Private Arbeitsvermittler sollten eine
Prämie für jeden Sozialhilfeempfänger erhalten, den
sie dauerhaft auf einem Arbeitsplatz unterbringen.
Und noch wichtiger ist, ich möchte den Gemeinden
dabei helfen, Sozialhilfeempfänger jetzt sofort - ohne
Aufschub - wieder zurück ins Arbeitsleben zu bringen,
wo sie Schulen reparieren und ihre Umgebung wieder
sauber und sicher gestalten. Es gibt dort draußen sehr
viel zu tun. Unsere Städte können Wege finden, den
Menschen wieder Arbeit zu geben und diesen Familien
dadurch ihre Würde und Stärke zurückzugeben.
Meine amerikanischen Mitbürger, ich habe sehr viel
Zeit mit meinem guten Freund, dem verstorbenen Ron
Brown, mit Wirtschaftsminister Mickey Kantor und
anderen verbracht, weltweit Märkte für Amerika zu
erschließen. Und ich bin stolz auf jeden einzelnen,
den wir geöffnet haben. Aber wir dürfen nie vergessen, daß der größte unerschlossene Markt für amerikanische Unternehmen hier in Amerika selbst liegt - in
den Innenstädten, den ländlichen Gebieten, wo die
wirtschaftliche Erholung noch nicht spürbar geworden

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�ist. Durch Investitionen, Geschäftsabschlüsse und
Arbeitsplätze können sie unsere Partner der Zukunft
werden. Das ist eine großartige Chance, die wir nicht
verpassen dürfen.
Ich schlage neue Ermächtigungszonen vor, wie die
gerade hier in Chicago geschaffene, um arme Gemeinden für Unternehmen attraktiv zu gestalten. Ich
schlage die Gründung von weiteren Gemeindeentwicklungsbanken wie der South Shore Bank hier in Chicago vor, um den Menschen in diesen Gemeinden bei
der Gründung ihrer eigenen kleinen Firma zu helfen.
Mehr Arbeitsplätze, höhere Einkommen und neue
Märkte für Amerika hier im eigenen Land tragen zur
Umsetzung der Sozialhilfereform bei.
Meine Damen und Herren, Sie haben mir applaudiert und ich danke Ihnen dafür - aber die Regierung kann
auch nicht alles leisten. Der Privatsektor muß die
meisten dieser Arbeitsplätze bereitstellen. Daher
fordere ich heute erneut jeden Unternehmer in Amerika, der sich einmal über das Scheitern des Sozialwesens beklagt hat, dazu auf, sich entschlossen um die
Einstellung eines Sozialhilfeempfängers zu bemühen.
Ich danke Ihnen.
Schließlich gibt es die Sozialleistungen, über die Sie
sich beschwerten, in dieser Form nicht mehr. Es stellt
sich nicht mehr die Frage nach dem Schuldigen. Jetzt
lautet die einzige Frage, was zu tun ist. Und wir alle
tragen Verantwortung, insbesondere diejenigen, die
früher an den Gesetzen Kritik übten, einen Wandel
forderten und in der Lage sind, armen Menschen eine
Chance zu geben, sich zu entwickeln und ihre Familien
zu ernähren. Ich möchte eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, damit es keine Unterprivilegierten mehr
gibt, die Armen unterstützt und aus ihrer Isolation und
ihrem Exil geholt und nicht mehr vergessen werden.
Ich danke Ihnen.
Ich möchte eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, in
dem unsere Kinder sich nicht mehr gegenseitig
umbringen, in dem ihr Leben nicht mehr durch Gewalt
zu Hause oder auf dem Schulhof bedroht ist, in dem
nicht mehr eine Generation junger Menschen auf der
Straße aufwachsen muß.
Aufgrund der Einstellung von mehr Polizisten, verstärkten Straf- und Präventionsmaßnahmen ist die
Verbrechensrate seit vier Jahren ununterbrochen
gesunken. Aber wir dürfen nicht ruhen, denn sie ist
immer noch zu hoch. Wir dürfen nicht ruhen, bis
Verbrechen nicht mehr an der Tagesordnung sind,
sondern lediglich eine schockierende Ausnahme von
unserem Alltagsleben. Werden Sie mir zur Seite
stehen, bis wir diesen guten Tag erreicht haben?
Meine amerikanischen Mitbürger, wir alle stehen tief in
der Schuld von Sarah und Jim Brady - und ich freue
mich, daß sie sich doch noch nach Chicago verirrt

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haben. Das hat mich sehr gefreut. Ihnen verdanken
wir die gute Nachricht, daß 60.000 Schwerverbrecher,
Ausreißer und Wilderer aufgrund des Brady-Gesetzes
nicht in den Besitz von Handfeuerwaffen gelangen
konnten. Aber keinem einzigen Jäger in Arkansas,
New Hampshire, Illinois oder andernorts entging die
Jagdsaison.
Wir sollten das Brady-Gesetz ausweiten, denn keiner,
der sich zu Hause der Gewaltanwendung gegen einen
Ehepartner oder ein Kind schuldig gemacht hat, sollte
eine Waffe kaufen dürfen.
Und wir müssen jene Pistolenkugeln verbieten, die
unsere Polizisten töten. Sie sind nur zu einem Zweck
konzipiert - Polizisten umzubringen. Wir bitten die
Polizei um Schutz. Wir sind es den Polizisten schuldig,
zu ihrer Sicherheit beizutragen, während sie für uns
ihre Arbeit tun.
Wir sollten einen Verfassungszusatz über die Rechte
von Opfern verabschieden, weil Opfer ein Anrecht
haben, gehört zu werden und wissen müssen, wann
ein Angreifer freigelassen wird. Sie müssen es
wissen, und der einzige Weg, dies zu garantieren, ist
ein Verfassungszusatz.
Wir haben große Fortschritte erzielt. Selbst die
Verbrechensrate unter Jugendlichen nimmt endlich ab.
Um so schmerzlicher ist es für mich, daß der Drogenkonsum der Jugendlichen ansteigt. Drogen haben
meinen Bruder beinahe umgebracht, als er ein junger
Mann war. Und ich hasse sie. Er hat gekämpft. Heute
abend ist er mit seiner Frau hier, sein kleiner Sohn ist
hier, und ich bin wirklich stolz auf ihn.
Aber ich habe etwas gelernt - ich habe etwas daraus
gelernt, diesen langen Alptraum mit unserer Familie
durchzumachen. Ich kann Ihnen sagen, mit einigen
dieser jungen Menschen ist etwas geschehen - sie
denken auf einmal, diese Drogen seien nicht mehr
gefährlich, oder sie denken, das Risiko sei akzeptabel.
Angefangen mit unseren Eltern und unabhängig von
der Parteizugehörigkeit müssen wir unsere Energien
erneuern, um diese jungen Menschen die harte,
nackte Wahrheit zu lehren: Drogen sind tödlich,
Drogen sind falsch, Drogen können Euch das Leben
kosten.
General Barry McCaffrey, der Viersternegeneral, der
unseren Kampf gegen Drogen in Lateinamerika
anführte, leitet jetzt unseren Kreuzzug gegen Drogen
im Inland - mehr Drogen an unseren Grenzen abzufangen, scharf gegen diejenigen vorzugehen, die sie
verkaufen, und vor allem, eine nationale Drogenbekämpfungsstrategie zu verfolgen, deren Hauptziel
darin besteht, unsere Kinder nicht in Berührung mit
Drogen kommen zu lassen. Ich fordere den Kongreß
auf, ihm jeden Cent der Mittel zur Verfügung zu stellen,

AMERIKA DIENST 17

�die wir für diese Strategie beantragt haben, und es
jetzt zu tun.
Wir werden noch mehr tun. Wir sollten bedingt
Haftentlassenen sagen: Wir machen einen Drogentest
mit Euch. Wenn Ihr rückfällig werdet, schicken wir
Euch zurück ins Gefängnis. Wir werden den Gangs
sagen: Wir brechen Euch mit denselben Gesetzen
gegen organisiertes Bandentum das Genick, die wir
anwenden, um die Anführer des Mobs ins Gefängnis
zu bringen. Ihr werdet nicht länger unsere Kinder
umbringen oder Mörder aus ihnen machen, bevor sie
Teenager sind.
Meine amerikanischen Mitbürger, wenn wir diese
Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, müssen wir unsere
Kinder befreien - sie aus dem tödlichen Würgegriff der
Waffen, Gangs und Drogen befreien, damit sie frei
sind, ein Leben der Hoffnung aufzubauen.
Ich möchte die Brücke ins 21. Jahrhundert mit einer
starken amerikanischen Gemeinde bauen, die mit
einer starken Familie beginnt. Ein Amerika, in dem alle
Kinder vor destruktiven Kräften bewahrt und geschützt
sind, ein Amerika, in dem die Eltern zu Hause und bei
der Arbeit Erfolg haben.
Wo immer ich in Amerika war, kamen die Menschen
auf mich zu und sprachen über ihren Kampf mit den
Anforderungen der Arbeit und ihrem Wunsch, sich
besser um ihre Kinder kümmern zu können.

Die

allererste Person, die ich je diesen Kampf führen sah,
war vor vier Jahren mit mir hier, und ich vermisse sie
heute abend sehr. Meine hart arbeitende, stets
optimistische Mutter, die sich nie unterkriegen ließ, tat
alles ihr Mögliche für meinen Bruder und mich, häufig
vielen Widrigkeiten zum Trotz. Von ihr habe ich
gelernt, welche Schwierigkeiten man mit Liebe und
Entschlossenheit überwinden kann.
Aber von ihr und unserem Leben habe ich auch
gelernt, daß kein Elternteil es alleine schaffen kann.
Und kein Elternteil sollte es alleine schaffen müssen.
Sie hatte die Hilfe, die alle Eltern verdienen - von
unseren Nachbarn, unseren Freunden, unseren
Lehrern, unseren Pastoren, unseren Ärzten und vielen
anderen mehr.
Als ich meine Karriere im öffentlichen Leben mit
zahlreichen meiner Freunde in der Delegation von
Arkansas begann, hörte man des öfteren den Ausspruch, daß jeder Mann, der für ein öffentliches Amt
kandidiert, behaupten wird, er sei in einer Holzhütte
geboren, die er mit seinen eigenen Händen erbaut
hatte. Nun, meine Mutter wußte es besser. Und sie
stellte sicher, daß auch ich es wußte. Lange bevor sie
Hillary kennenlernte, wußte sie, daß man ein Dorf
braucht, um Kinder großzuziehen, und sie war dankbar
für die Unterstützung, die sie erhielt.

AMERIKA DIENST 17

Wie Tipper Gore und Hillary am Dienstag sagten,
haben wir alle in unserer Administration hart gearbeitet, um die Familien bei der Erziehung ihrer
Kinder und erfolgreicher Arbeit zu unterstützen. Aber
wir müssen mehr tun. Wir sollten das Gesetz über
Krankenurlaub aus familiären oder gesundheitlichen
Gründen erweitern, um den Eltern mehr Zeit einzuräumen, ihre Kinder zu regulären Arztterminen zu
begleiten oder an Elternkonferenzen der Schule
teilzunehmen.
Wir sollten ein Gesetz über Gleitzeit verabschieden,
das den Beschäftigten die Entscheidung gestattet, sich
ihre Überstunden auszahlen oder mit Freizeit vergüten
zu lassen, abhängig davon, was besser für ihre Familie
ist.
Die Lebensmittelbehörde hat neue Maßnahmen
eingeführt, um die Werbung und den Verkauf von
Zigaretten an Jugendliche einzuschränken.
Der
Vizepräsident hat gestern abend eine sehr bewegende
Rede gehalten. Ich möchte Sie jedoch daran erinnern,
meine amerikanischen Mitbürger, daß dies ein äußerst
wichtiges Wahlkampfthema ist, denn der Kampf ist
noch lange nicht beendet, und die beiden Kandidaten
haben unterschiedliche Meinungen. Ich verspreche
den amerikanischen Eltern, daß ich diesen Kampf zu
Ende führen werde.
In Zusammenarbeit mit der Unterhaltungsindustrie
bieten wir den Eltern einen Chip an, mit dem sie die
Fernsehsendungen kontrollieren können. Fernsehshows werden nach ihrem Inhalt eingestuft, damit die
Eltern entscheiden können, ob ihre kleinen Kinder sie
ansehen sollten. Und in Kürze werden drei Stunden
qualitativ hochwertige Kinderprogramme pro Woche
auf jedem Kanal gesendet.
Das Kennedy-Kassebaum-Gesetz legt fest, daß jeder
Amerikaner seine Krankenversicherung behalten kann,
wenn er den Arbeitsplatz wechseln muß, selbst wenn
jemand in der Familie krank geworden ist. Das ist sehr
wichtig. Aber heute abend sollten wir die nächsten
Schritte darlegen. Als erstes sollten wir die Leistungen
der Krankenversicherung denjenigen zugänglich
machen, die arbeitslos sind. In meinem Plan für einen
ausgeglichenen Haushalt schlage ich vor, daß arbeitslose Familien ihre Krankenversicherung bis zu sechs
Monate behalten können.
Ein Elternteil mag ohne Arbeit, aber kein Kind sollte
ohne ärztliche Versorgung sein. Und ich möchte
wiederholen, was die First Lady am Dienstag sagte:
Wir sollten Mütter und Neugeborene davor schützen,
in weniger als 48 Stunden aus dem Krankenhaus
entlassen zu werden.
Wir respektieren die persönliche Gewissensentscheidung jedes Amerikaners bei dem schmerzlichen
Thema Schwangerschaftsabbruch, vertreten jedoch im

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�Hinblick auf ein Gesetz die Auffassung, diese Entscheidung sollte der Frau, ihrem Gewissen, ihrem Arzt
und ihrem Gott überlassen bleiben. Schwangerschaftsabbruch sollte aber nicht nur sicher und legal
sein, sondern auch selten. Aus diesem Grund habe
ich von mir unterstützte nationale Bestrebungen in die
Wege geleitet, um die Zahl unehelicher Kinder von
Teenagern zu verringern. Und aus diesem Grund
müssen wir die Adoption fördern.
Das von mir in der vergangenen Woche unterzeichnete Gesetz über die Anhebung des Mindestlohns
enthielt einen Freibetrag in Höhe von 5.000 Dollar für
Familien, die Kinder adoptieren, und noch mehr, wenn
die Kinder behindert sind. Ich habe der Rassendiskriminierung beim Adoptionsverfahren ein Ende
bereitet. Das war gut für Amerika.
Meine amerikanischen Mitbürger, es gibt bereits
Zehntausende von Kindern dort draußen, die ein gutes
Heim mit liebenden Eltern brauchen. Ich hoffe, daß
mehr Kinder jetzt dieses Heim finden werden.
Ich möchte mit einer sauberen und sicheren Umwelt
eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen. Wir schützen
unsere Nahrungsmittel besser vor Pestiziden. Wir
schützen unser Trinkwasser und unsere Luft vor Gift.
Wir haben Bergbau im Yellowstone-Nationalpark
verhindert. Wir haben in der Mojave-Wüste in Kalifornien den größten Nationalpark südlich von Alaska
geschaffen. Wir arbeiten an der Erhaltung der herrlichen Everglades in Florida.
Und als die Führung dieses Kongresses die Umweltverschmutzer in die Hinterzimmer einlud, um 25 Jahre
des Umweltschutzes rückgängig zu machen, der von
beiden Parteien stets unterstützt wurde, sagte ich
Nein.
Aber wir müssen mehr tun. Heute leben 10 Millionen
Kinder nur vier Meilen von einer Giftmülldeponie
entfernt. In den vergangenen drei Jahren haben wir
197 dieser Deponien beseitigt - mehr als in den
vorherigen 12 Jahren zusammengenommen. In den
nächsten vier Jahren beabsichtigen wir die Beseitigung von weiteren 55 - zwei Drittel der noch vorhandenen, und es sind die gefährlichsten. Unsere Kinder
sollten in der Nähe von Parks aufwachsen, nicht in der
Nähe von Gift.
Wir sollten den bloßen Versuch der Umweltverschmutzung schon zu einem Verbrechen machen. Wir sollten
das Vermögen gravierender Umweltverschmutzer
einfrieren, bis sie die von ihnen geschaffenen Probleme behoben haben. Wir sollten es Familien erleichtern, Informationen über toxische Chemikalien in ihrer
Nachbarschaft zu beschaffen, so daß sie mehr zum
Schutz ihrer Kinder unternehmen können. Das alles
müssen wir tun, um diese Brücke ins 21. Jahrhundert
zu bauen.

Seite 8

Meine amerikanischen Mitbürger, ich möchte eine
Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, die gewährleistet,
daß wir noch immer die Nation mit der stärksten
Verteidigung der Welt sind und unsere Außenpolitik
noch immer die Werte unserer amerikanischen
Gemeinde in der internationalen Staatengemeinschaft
fördert. Unsere Brücke in die Zukunft muß Brücken zu
anderen Nationen enthalten, weil wir immer noch
unverzichtbar als Nation für die Welt bei der Förderung
von Wohlstand, Frieden und Freiheit sind und unsere
Kinder vor den Gefahren des Terrors und der Massenvernichtungswaffen bewahren müssen.
Wir haben dazu beigetragen, Demokratie nach Haiti
und Frieden nach Bosnien zu bringen. Das auf dem
Rasen des Weißen Hauses unterzeichnete Friedensabkommen zwischen Israel und den Palästinensern
muß jetzt noch mehr Nachbarn Israels einbeziehen.
Der tiefempfundene Wunsch nach Frieden, den Hillary
und ich spürten, als wir durch die Straßen von Belfast
und Derry gingen, muß für alle Menschen Nordirlands
Realität werden. Und Kuba muß endlich der Gemeinschaft von Demokratien beitreten.
Nichts in unserem Leben war so ergreifend wie der
Tag, an dem das Volk der ehemaligen Sowjetunion
und Zentraleuropas die Fesseln des Kommunismus
sprengte. Wir waren bei diesem Prozeß behilflich, und
ich bin stolz darauf. Ich werde unsere starke Partnerschaft mit einem demokratischen Rußland fortsetzen.
Und wir werden einige der neuen Demokratien
Zentraleuropas in die NATO einbeziehen, so daß sie in
Zukunft niemals ihre Freiheit in Frage stellen werden.
Unsere amerikanischen Exporte befinden sich auf
einem Rekordniveau. In den nächsten vier Jahren
müssen wir noch weitere Schranken aus dem Weg
räumen und Lateinamerika, Afrika und andere Länder
in Asien einbeziehen um sicherzustellen, daß unsere
Arbeitnehmer und unsere Produkte - die besten der
Welt - in den Genuß der Vorteile von freiem und fairem
Handel kommen.
In den vergangenen vier Jahren haben wir das
Nuklearwaffenprogramm Nordkoreas eingefroren.
Und ich bin stolz zu sagen, daß heute abend keine
einzige russische Atomrakete auf ein amerikanisches
Kind gerichtet ist. Jetzt müssen wir unverzüglich
Maßnahmen umsetzen und ratifizieren, mit denen die
Nukleararsenale weiter reduziert, Giftgas verbannt und
Atomtests ein für allemal verboten werden.
Wir haben Investitionen in unser wichtigstes Verteidigungsgut getätigt - unsere herausragenden Männer
und Frauen in Uniform. Bis zum Jahr 2000 werden wir
unsere Mittel zur Modernisierung unserer Waffensysteme um 40 Prozent aufstocken. Mit diesen
Zusagen werden wir sicherstellen, daß unser Militär
weiterhin die am besten ausgebildete und am besten
ausgerüstete Streitmacht der gesamten Welt ist.

AMERIKA DIENST 17

�Wir entwickeln eine hochempfindliche nationale
Raketenverteidigung, aber wir dürfen - weder jetzt
noch bis zum Jahr 2000 - nicht 60 Milliarden Dollar für
ein nicht erprobtes, ineffektives Programm 'Krieg der
Sterne' verschleudern, das morgen veraltet sein
könnte.
Wir bekämpfen den Terrorismus an allen Fronten mit
einer dreigleisigen Strategie. Erstens arbeiten wir auf
eine internationale Koalition hin, die keinerlei Toleranz
für Terrorismus hat. In diesem Monat habe ich ein
Gesetz unterzeichnet, das ausländischen Unternehmen harte Sanktionen auferlegt, die in Schlüsselsektoren der iranischen und libyschen Wirtschaft investieren. Solange der Iran Terroristen ausbildet, fördert und
stützt, solange Libyen die Auslieferung derjenigen
verweigert, die für den Bombenanschlag auf Pan AmFlug 103 verantwortlich sind, werden sie einen von den
Vereinigten Staaten festgesetzten Preis bezahlen
müssen.
Zweitens müssen wir der Strafverfolgung die zur
Bekämpfung der Terroristen erforderlichen Instrumente
an die Hand geben. Wir benötigen neue Gesetze, um
hart gegen Geldwäsche durchzugreifen und diejenigen
zu verfolgen und zu bestrafen, die gewalttätige Akte
gegen amerikanische Staatsbürger im Ausland
begehen; um in Bomben verwendetem Schießpulver
chemische Markierungen oder Etiketten beizufügen,
damit wir die Bombenhersteller aufspüren können; um
den Polizisten dieselbe Macht zu verleihen, Leben zu
retten, indem die von Terroristen benutzten Telefone
angezapft werden - die Macht, die sie jetzt zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens haben.
Terroristen sind eine ebenso große - vielleicht noch
größere - Bedrohung unserer Zukunft wie das organisierte Verbrechen. Warum sollten wir zwei unterschiedliche Maßstäbe für eine gemeinsame Bedrohung der Sicherheit Amerikas und unserer Kinder
anlegen?
Mit anderen Worten: Wir benötigen die Gesetze, deren
Verabschiedung der Kongreß verweigert hat. Und ich
bitte den Kongreß erneut: Stimmen Sie diesen Gesetzen als Amerikaner, nicht aufgrund Ihrer Parteizugehörigkeit, jetzt zu.
Drittens werden wir die Sicherheit der Flughäfen und
der Flugreisen verbessern. Ich habe den Vizepräsidenten um die Gründung einer Kommission und
Berichterstattung gebeten, wie dies angegangen
werden kann. Aber jetzt werden wir in unseren
größten Flughäfen das modernste Gerät zum Aufspüren von Bomben installieren. Wir werden jedes
Flugzeug untersuchen, das aus einem anderen Land
nach Amerika oder von Amerika in ein anderes Land
fliegt - jeden Flug, jeden Frachtraum, jede Kabine, ein
jedes Mal.

AMERIKA DIENST 17

Liebe Parteifreunde, meine amerikanischen Mitbürger ich weiß, daß in den meisten Wahlkämpfen Außenpolitik bei den Diskussionen in Friseurgeschäften und
Cafes in Amerika, auf dem Betriebsgelände und den
Bowlingbahnen kein Thema von großem Interesse ist.
Aber es gibt Zeiten, in denen nur Amerika den Unterschied zwischen Krieg und Frieden, zwischen Freiheit
und Unterdrückung, zwischen Leben und Tod bewirken kann. Wir können nicht alle Kinder der Welt
retten, aber wir können viele von ihnen retten. Wir
können nicht der Weltpolizist werden, aber wo unsere
Werte und unsere Interessen auf dem Spiel stehen
und wir etwas bewirken können, müssen wir handeln
und eine Führungsrolle übernehmen. Das ist unsere
Aufgabe, und wir sind besser, stärker und sicherer,
weil wir es tun.
Meine amerikanischen Mitbürger, lassen Sie mich es
ein letztes Mal sagen: Wir können unsere Brücke ins
21. Jahrhundert nur bauen, wenn wir sie gemeinsam
bauen und wenn wir bereit sind, Arm in Arm zusammen über diese Brücke zu gehen. Ich habe in den
vergangenen vier Jahren so viel der Zeit, die Sie mir
gegeben haben, um Ihr Präsident zu sein, damit
verbracht, mich mit den Problemen in Bosnien, dem
Nahen Osten, Nordirland, Ruanda und Burundi zu
befassen. Was haben diese Orte gemeinsam?
Menschen bringen sich gegenseitig um und schlachten
Kinder ab, weil sie sich voneinander unterscheiden.
Sie teilen dasselbe Stück Land, aber sie unterscheiden
sich voneinander - sie hassen ihre Rasse, ihren
Stamm, ihre ethnische Gruppe, ihre Religion.
Wir haben den schrecklichen Preis gesehen, den
Menschen zahlen, wenn sie darauf bestehen, zu
kämpfen und ihre Nachbarn wegen Meinungsverschiedenheiten umzubringen. In unserem eigenen
Land haben wir gesehen, wie Amerika einen schrecklichen Preis für jede Form der Diskriminierung zahlte.
Und wir konnten uns stärker werden sehen, während
wir stetig einen Teil unseres Hasses und unserer
Ängste ablegten; während wir immer mehr Menschen
die Chance gaben, ihre Träume zu leben.
Aus diesem Grund wird die Fackel unserer Freiheitsstatue ebenso wie das von Tausenden von Helden
quer durch Amerika getragene Olympische Feuer
immer heller leuchten als die Feuer, die unsere
Kirchen, unsere Synagogen und unsere Moscheen
niederbrennen. Immer.
Blicken Sie und unsere vor dem Fernseher zuschauenden Mitbürger sich heute abend in diesem Saal um es gibt alle möglichen Unterschiede zwischen den hier
versammelten Menschen. Wenn wir diese Brücke ins
21. Jahrhundert bauen wollen, wenn Sie an die Werte
der Verfassung, der Bill of Rights und der Unabhängigkeitserklärung glauben, wenn Sie bereit sind, hart zu
arbeiten und die Regeln einzuhalten, sind Sie Teil
unserer Familie, und wir sind stolz, bei Ihnen zu sein.

Seite 9

�Sie applaudieren jetzt, weil Sie wissen, daß es wahr
ist. Wenn Sie aus diesem Saal gehen, denken Sie
darüber nach. Leben Sie danach.
Es gibt immer noch zu viele Amerikaner, die ihrer
Angst vor denjenigen nachgeben, die sich von ihnen
unterscheiden. Vor nicht allzu langer Zeit wurden
Hakenkreuze auf die Tür von afroamerikanischen
Angehörigen unserer Spezialeinheit in Fort Bragg
gemalt. Für diejenigen unter Ihnen, die nicht wissen,
was Spezialeinheiten tun - sie sind genau das, was ihr
Name sagt - Spezialeinheiten. Wenn ich heute abend
von dieser Bühne trete, sie anrufe und ihnen sage, sie
sollen um die halbe Welt fliegen und ihr Leben für Sie
riskieren und morgen Mittag dort sein, werden sie es
tun. Sie verdienen es nicht, Hakenkreuze auf ihrer Tür
zu haben.
Blicken Sie um sich - alt oder jung, gesund oder mit
einer Behinderung, von der man sich nicht unterkriegen läßt, Mann oder Frau, Indianer, hier geboren,
Einwanderer, hetero- oder homosexuell - was immer.
Der Test sollte lauten, ich glaube an die Verfassung,
an die Bill of Rights und die Unabhängigkeitserklärung.
Ich glaube an religiöse Freiheit. Ich glaube an die
Redefreiheit. Ich glaube an harte Arbeit und die
Einhaltung von Regeln. Ich komme morgen früh zur
Arbeit. Ich baue diese Brücke ins 21. Jahrhundert. So
sollte der Test lauten.

Moment der Entscheidung . Wir werden den letzten
Präsidenten des 20. Jahrhunderts und den ersten
Präsidenten des 21. Jahrhunderts wählen. Aber das
ist nicht die Entscheidung, um die es geht. Es geht
darum, ob wir eine Brücke in die Zukunft oder eine
Brücke in die Vergangenheit bauen. Es geht darum,
ob wir glauben, daß unsere besten Tage hinter uns
liegen, ob wir ein Land mit Menschen haben wollen,
die alle zusammenarbeiten oder eines, in dem man
alleine ist.
Heute abend wollen wir uns verpflichten, uns der
Verantwortung zu stellen und die Brücke, von der wir
wissen, daß sie gebaut werden sollte, bis ins 21.
Jahrhundert bauen. Lassen Sie uns Vertrauen haben das Vertrauen der Amerikaner, daß wir unsere Größe
nicht hinter uns lassen. Wir werden sie mit uns in das
neue Jahrhundert nehmen - ein Jahrhundert neuer
Herausforderungen und grenzenloser Versprechen.
Mit anderen Worten: Lassen Sie uns die vor uns
liegende Arbeit erledigen, so daß wir, wenn unsere Zeit
hier zu Ende ist, wahrhaft sagen können, wir haben
unsere Kinder auf die Zukunft vorbereitet.
Meine amerikanischen Mitbürger, nach diesen vier
guten, harten Jahren glaube ich noch immer an einen
Ort namens Hope, glaube ich noch immer an Amerika.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie. Gute Nacht.

Meine amerikanischen Mitbürger, in 68 Tagen steht
das amerikanische Volk erneut vor einem kritischen

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AMERIKA DIENST 17

�WAHLEN

4. September 1996

Delegierte ratifizieren Wahlplattform
der "neuen Demokraten"
Auszüge aus dem Wahlprogramm

CHICAGO - (AD) - Seit der Nominierung von Lyndon
Johnson im Jahr 1964 war keine Präsidentschaftsnominierung der Demokratischen Partei so unumstritten wie in diesem Jahr.

Dokument unterstützt das Recht der Frau auf die
eigene Entscheidung, beinhaltet jedoch auch einen
Absatz, der eine unterschiedliche Sichtweise der Frage
respektiert.

Der Wortlaut der Wahlplattform - die praktisch ohne
Meinungsverschiedenheiten und einstimmig von den
Delegierten bei ihrem Parteikonvent in Chicago
verabschiedet wurde - deutet darauf, daß die Demokraten die Einheit wiedererlangen wollen, die sie
während Lyndon B. Johnsons Präsidentschaftswahlkampf vor über einer Generation unter Beweis
stellten.

Die neue Klausel lautet: "Die Demokratische Partei ist
eine Partei der Einbeziehung. Wir respektieren die
persönliche Gewissensentscheidung jedes Amerikaners bei diesem schwierigen Thema, und wir laden alle
unsere Mitglieder zur Beteiligung auf allen Ebenen
unserer Partei ein."

Die Delegierten verabschiedeten das 34 Seiten
umfassende Wahlprogramm am 27. August in mündlicher Abstimmung. Bei einigen früheren Parteikonventen war es über bestimmte Absätze der Wahlplattform
im Plenum zu Streitigkeiten wegen beabsichtigter
Änderungen gekommen. Aber dieses Mal wollten die
Demokraten Geschlossenheit vermitteln.
Das Dokument verwendet die Sprache der politischen
Mitte und bringt die Themen der "neuen Demokraten"
zum Ausdruck, die Präsident Clinton zu betonen
versuchte. Traditionelle demokratische Themen, wie
die Erhöhung des Mindestlohns und andere Maßnahmen zur Unterstützung der Armen, sind einbezogen. Die Wahlplattform wiederholt jedoch auch
Clintons Aussage in seinem Bericht zur Lage der
Nation von 1966, daß "das Zeitalter des 'Big Government' vorbei ist". In dem Dokument steht: "Das
amerikanische Volk möchte keine Lösungen einer
aufgeblähten Regierung, und es will keine leeren
Versprechungen."
Das Thema Schwangerschaftsabbruch, ein potentielles Problem für Demokraten und Republikaner gleichermaßen, da es unter den Demokraten wie Republikanern Abtreibungsgegner und -befürworter gibt,
wurde mit einer Toleranzklausel abgehandelt. Das

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Das Wahlprogramm ist in vier Hauptteile mit den Titeln
"Chancen", "Verantwortung", "Sicherheit, Freiheit und
Frieden" sowie "Gemeinschaft" untergliedert. Es
enthält eine lange Liste von Leistungen, die die
Administration für sich in Anspruch nimmt, insbesondere den Abbau des Haushaltsdefizits, die Senkung der
Verbrechensrate und den Umweltschutz. Es legt auch
die Tagesordnung für die nächsten vier Jahre dar, falls
der Präsident wiedergewählt wird.
Im Bereich der Außenpolitik unterstreicht das Dokument die Erfolge der Clinton-Administration bei Bestrebungen, die Konflikte in Bosnien, dem Nahen Osten,
Nordirland und Haiti friedlich zu beenden. Es enthält
auch den Satz: "Präsident Clinton und Vizepräsident
Gore haben die weitreichendste Tagesordnung der
Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung der Geschichte festgesetzt." Bei der Bekämpfung von Terrorismus
und organisiertem Verbrechen stellt die Plattform fest,
daß die Clinton-Administration "die aggressivsten
Bestrebungen der amerikanischen Geschichte eingeleitet hat". Das Dokument verweist ferner auf die
starke Unterstützung der Administration für aufstrebende Demokratien auf der ganzen Welt und
kritisiert die Republikanische Partei wegen des
"drastisch gekürzten Haushalts".
Die Wahlplattform ist ein detailliertes Dokument, das
die Einstellung der Partei zu den einzelnen Themen

Seite 1

�widerspiegelt. Manchmal unterstützen die Präsidentschaftskandidaten die Parteiplattform, wie Clinton es in
diesem Fall getan hat. Sehr häufig stimmen die
Präsidentschaftskandidaten jedoch mit Schlüsselpassagen des Programms nicht überein, zum Teil, weil es
eine Kombination der Ansichten der Parteibasis, der
gewählten Vertreter der Partei im Kongreß sowie des
Präsidentschaftskandidaten ist.
Die Plattform der Demokratischen Partei für dieses
Jahr wurde im Juli von einem kleinen Ausschuß unter
Vorsitz des Gouverneurs von Georgia, Zell Miller, und
des Bürgermeisters von Detroit, Dennis Archer,
erarbeitet. Delegierten des Parteitags zufolge enthält
sie Eingaben von Clintons Wahlkampfteam, dem
nationalen Ausschuß der Demokraten und der demokratischen Führung im Kongreß.

Programm über Themen wie die Todestrafe und
Gesetze zur Wahlkampffinanzierung. Als der 186
Mitglieder umfassende Ausschuß jedoch am 5. August
in Pittsburgh (Pennsylvania) zur Verabschiedung des
Entwurfs zusammenkam, vertagte er sich bereits nach
einer Sitzung. Es gab nur vier geringfügige Änderungen.
Inzwischen wurde der Abschnitt der Wahlplattform
über die Reform der Sozialhilfe geändert, um der
Tatsache Rechnung zu tragen, daß Präsident Clinton
inzwischen ein Gesetz zur Reform der Sozialhilfe
unterzeichnet hat, das im Herbst in Kraft tritt. Der
umgeschriebene Absatz erklärt, daß das Gesetz zur
Reform der Sozialhilfe "bei weitem nicht perfekt" ist
und zu einem späteren Zeitpunkt Änderungen zu
Verfügungen wie Kürzung der Leistungen für legale
Einwanderer vorgenommen werden sollten.

Vor der letzten Parteiversammlung der Demokraten im Jahr 1992 - gab es lange Debatten zum Wahl-

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 17

�WAHLEN
4. September 1996

Demokraten für Verbrechensbekämpfung
Eröffnung des Parteikonvents

CHICAGO - (AD) - Der nationale Parteikonvent der
Demokraten begann mit einem Abend, der Emotionen
wecken und an drei Männer erinnern sollte - einer
wurde bei einem Attentat schwer verletzt, einer erlitt
ernsthafte Verletzungen bei einem Reitunfall, und der
dritte verlor sein Leben bei dem Versuch, den Menschen in Bosnien zu helfen.
Alma Brown, die Witwe des verstorbenen Wirtschaftsministers Ron Brown, der im April bei einem Flugzeugabsturz in Kroatien bei der Mission ums Leben kam,
zum Aufbau der vom Krieg zerstörten Region beizutragen, hielt nach einer Videoaufzeichnung zum
Gedenken ihres Mannes eine kurze Rede. Sie bat um
eine Schweigeminute für ihren Mann und die anderen
34 Opfer.
Der Schauspieler Christopher Reeves, zu dessen
zahlreichen Filmen "Superman" zählt, ist infolge eines
Reitunfalls im vergangenen Jahr gelähmt. Reeves, der
1992 Wahlwerbung für Präsident Clinton machte,
betonte, "Familienwerte" bedeuteten, sich um die
weniger Begünstigten einschließlich der Behinderten
zu kümmern. Er erinnerte an Präsident Franklin
Roosevelt mit den Worten: "Ebenso wie diese Administration glaube ich an das wichtigste Prinzip, das
Franklin D. Roosevelt uns gelehrt hat: Amerika
überläßt seine bedürftigen Mitbürger nicht ihrem
Schicksal. Amerika ist stärker, wenn wir uns alle um
den anderen kümmern."
Größten politischen Symbolgehalt hatte jedoch der
Auftritt von Sarah Brady, der Frau von James Brady,
dem Pressesprecher des republikanischen Präsidenten Ronald Reagan. Reagan und Brady wurden
1981 bei einem Attentatsversuch auf den Präsidenten
verletzt.
Sarah Brady erklärte, "neun von zehn Amerikanern"
seien für die Wartezeit vor dem Kauf einer Waffe, die in
dem nach ihrem Mann benannten Brady-Gesetz
vorgeschrieben ist.
Sie zollte Präsident Clinton

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Anerkennung für sein "echtes Engagement, der
Waffengewalt ein Ende zu bereiten". Sie dankte auch
den Republikanern, die das Gesetz unterstützt hatten,
darunter Präsident Reagan.
Seit Inkrafttreten des Brady-Gesetzes im Jahr 1994
wurde "über 100.000 verurteilten Verbrechern und
anderen, denen der Kauf einer Waffe untersagt ist, das
Recht auf eine Waffe verweigert", fügte Brady hinzu.
Sie bat um die Unterstützung aller Amerikaner gegen
die sogenannte "Waffenlobby".
Seit Jahrzehnten ist die Kontrolle von Handfeuerwaffen
ein ständiges, kontroverses Thema in der amerikanischen Politik, teils aufgrund der Argumentation
einiger, das Recht, eine Waffe zu tragen, sei in der
amerikanischen Verfassung verankert. Der zweite
Zusatzartikel zur Verfassung lautet: "Da eine gut
ausgebildete Miliz für die Sicherheit eines freien
Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes,
Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt
werden."
Die National Rifle Association (NRA), eine mächtige
Lobbygruppe, ist die treibende Kraft bei der Befürwortung von Waffenbesitz mit dem Argument, der
zweite Zusatzartikel verleihe Bürgern und Milizen das
Recht zu ungehindertem Waffenbesitz. In den letzten
Jahren haben sich jedoch die Kontrolle von Waffen
befürwortende Organisationen wie Handgun Control
Inc., deren Vorsitz Sarah Brady führt, stark gemacht
und argumentieren, der zweite Zusatzartikel schütze
nicht den uneingeschränkten Waffenbesitz von
Privatpersonen.
Am Eröffnungsabend des Parteikonvents hielten auch
andere Politiker Reden, darunter der Minderheitsführer
im Senat, Tom Daschle, und der Minderheitsführer im
Repräsentantenhaus, Dick Gephardt. Die Botschaft,
die die Politiker dem Millionenpublikum vor den
Fernsehern übermitteln wollten, war eindeutig: Die
Demokraten kümmern sich und den Durchschnitts-

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�amerikaner und seine Probleme. Alle Meinungsumfragen belegen, daß Verbrechensbekämpfung ein
Hauptanliegen der Wähler ist.

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AMERIKA DIENST 17

�KUBA
4. September 1996

Eizenstat wird Sondergesandter für die Förderung
von Demokratie in Kuba
Erklärung von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat Stuart E. Eizenstat, Staatssekretär für internationalen Handel im
US-Wirtschaftsministerium und ehemaliger Botschafter der Vereinigten Staaten bei der Europäischen Union, zu
seinem und Außenminister Christophers Sondergesandten für die Förderung von Demokratie in Kuba ernannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten.

Zur Unterstützung unserer andauernden Bestrebungen, Demokratie nach Kuba zu bringen, habe ich den
Staatssekretär für internationalen Handel im Wirtschaftsministerium, Stuart E. Eizenstat, zum Sondergesandten des Präsidenten und des Außenministers für
die Förderung von Demokratie in Kuba ernannt. Sein
Auftrag lautet, unsere Verbündeten in den nächsten
sechs Monaten für konkrete Maßnahmen zur Förderung von Demokratie in Kuba zu gewinnen, während
wir Titel III des Gesetzes für Freiheit und demokratische Solidarität in Kuba (Cuban Liberty and Democratic Solidarity Act - Libertad) in der von mir im vergangenen Monat dargelegten Weise umsetzen. Ich habe
ferner die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, und das ehemalige Mitglied des Repräsentantenhauses - den ehrenwerten früheren Vorsitzenden des Ausschusses für
auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses - Dante Fascell, gebeten, eine Beraterfunktion
zu übernehmen, wie dieses wichtige Ziel am besten
erreicht werden kann.
Am 16. Juli 1996 habe ich das Inkrafttreten von Titel IM
des Gesetzes für Freiheit und demokratische Solidarität in Kuba entschieden, mit dem Unternehmen, die
Geschäfte mit Kuba tätigen, davon in Kenntnis gesetzt
werden, daß ihnen wegen des Handels mit enteignetem Vermögen ein Prozeß in den Vereinigten
Staaten droht. Ich habe darüber hinaus das Recht,
Klage zu erheben, für sechs Monate ausgesetzt, um
uns Zeit zur Erarbeitung eines gemeinsamen Ansatzes
mit unseren Verbündeten und Handelspartnern zu
geben, damit wir den demokratischen Übergang in

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Kuba beschleunigen können. Die Verbündeten und
Freunde der Vereinigten Staaten teilen dieses Ziel seit
langem, wir waren uns jedoch nicht immer einig, wie
wir es erreichen können. Es ist jetzt an der Zeit,
gemeinsam konkretere Schritte zu unternehmen.
Damals habe ich auch angekündigt, daß ich einen
Sondergesandten ernennen werde, der internationale
Unterstützung für zunehmenden Druck auf Kuba zur
politischen und wirtschaftlichen Öffnung gewinnen, die
Kräfte des Wandels auf der Insel ermutigen, die
Auslandshilfe gezielter auf die Förderung demokratischer Ziele ausrichten und Geschäftspraktiken unterstützen soll, die Demokratie an den kubanischen
Arbeitsplatz bringen. In den kommenden Wochen und
Monaten wird Stu Eizenstat Konsultationen mit
kubanisch-amerikanischen Unternehmern und Mitgliedern des Kongresses hier in den Vereinigten
Staaten führen, bevor er nach Europa, Kanada und
Lateinamerika reist, um sich der Zusammenarbeit
verbündeter Regierungen, nichtstaatlicher Organisationen und der Unternehmen zu versichern.
Wie gesetzlich festgelegt, werde ich nach Ablauf
dieser sechsmonatigen Frist die von uns gemeinsam
mit unseren Verbündeten erzielten Fortschritte überprüfen, bevor ich entscheide, ob wir das Recht auf
Klage gemäß Titel III weiterhin aussetzen.
Ich bin zuversichtlich, daß die demokratischen Werte
und weitreichenden Interessen, die wir mit unseren
Verbündeten und Partnern teilen, uns die Überwindung
von Meinungsverschiedenheiten über einige Aspekte

Seite 1

�des Libertad-Gesetze gestatten und unsere Aufmerksamkeit erneut auf das Wesentliche lenken - die
Förderung von Demokratie in der einzigen nichtdemokratischen Nation der Hemisphäre.
Kubas jüngste Aktionen unterstreichen die Notwendigkeit für die Vereinigten Staaten und die internationale
Staatengemeinschaft, hart auf einen Wandel auf der
Insel zu drängen. Im Februar haben kubanische MiGs
ohne Warnung zwei unbewaffnete amerikanische
Zivilflugzeuge im internationalen Luftraum abgeschossen und dabei vier unschuldige Menschen getötet. Die
kubanische Regierung unterdrückt systematisch

prodemokratische Aktivisten und unabhängige Journalisten.
Stu Eizenstat verfügt über eine einzigartige Kombination innen- und außenpolitischer Erfahrung als wichtigster ehemaliger innenpolitischer Berater von Präsident
Carter und Botschafter der Vereinigten Staaten bei der
Europäischen Union. Botschafter Eizenstat wird
weiterhin als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium
und Sondergesandter des Außenministeriums für die
Rückerstattung von unrechtmäßig angeeignetem
Vermögen in Zentral- und Osteuropa tätig sein.

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AMERIKA DIENST 17

�KUBA

4. September 1996

Freiheit und Wohlstand für das kubanische Volk
Ansprache von Botschafter Eizenstat

WASHINGTON - (AD) - Stuart E. Eizenstat, der neue Sondergesandte von Präsident Clinton für die Förderung
von Demokratie in Kuba, forderte die Verbündeten der Vereinigten Staaten in Europa und die Amerikaner auf,
gemeinsam mit Amerika den Wandel der letzten Diktatur der westlichen Hemisphäre herbeizuführen.
Vor Reportern im Weißen Haus erklärte Eizenstat am 16. August 1996, seine Ernennung und Aufgabe seien "ein
weiterer Beweis der Verpflichtung des Präsidenten, dem kubanischen Volk Freiheit und Wohlstand zu bringen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Botschafter Eizenstat im Wortlaut.

Es ist mir eine Freude und Ehre, dem Präsidenten und

sidenten im vergangenen Jahr zur Unterstützung des

als Sondergesandter für die

kubanischen Volkes sollten denjenigen helfen, die auf

Förderung von Demokratie in Kuba dienen zu dürfen.
Das wird eine Herausforderung sein, aber ich bin
optimistisch, daß wir Fortschritte in Richtung auf das
Ziel des Präsidenten machen werden, effektive
internationale Kooperation für die Förderung eines
friedlichen Übergangs zu Demokratie in Kuba herbeizuführen. Ich möchte mit unseren Verbündeten
zusammenarbeiten, um kooperative Maßnahmen zur
Verwirklichung dieses Ziels zu sondieren.

einen friedlichen Wandel auf der Insel hinarbeiten. Als
kubanische Flieger im Februar ungerührt und unrechtmäßig ein unbewaffnetes amerikanisches Zivilflugzeug
abschössen, ergriff der Präsident eine Reihe einschneidender Maßnahmen, darunter die Unterzeichnung des Libertad-Gesetzes, um eindeutig klarzustellen, daß die Vereinigten Staaten ein solches
Verhalten nicht tolerieren. Meine Ernennung und
Mission sind ein weiterer Beweis der Verpflichtung des
Präsidenten, dem kubanischen Volk Freiheit und
Wohlstand zu bringen.

dem Außenminister

Ich werde eng mit Botschafterin Albright und dem
ehemaligen Kongreßabgeordneten Dante Fascell
zusammenarbeiten. Sie bringen einen reichen Schatz
an Erfahrung und Urteilsvermögen in dieses Unternehmen ein. Ich habe bereits begonnen, Mitglieder des
Kongresses und Politiker in der kubanisch-amerikanischen Gemeinde zu kontaktieren und werde dies
auch weiterhin tun, um mehr über ihre Ansichten und
Ideen in Erfahrung zu bringen.
Vor allem sehe ich der Arbeit für einen Präsidenten
erwartungsvoll entgegen, der seine Verpflichtung zur
Förderung eines demokratischen Wandels in Kuba
bereits unter Beweis gestellt hat. Der Präsidentschaftskandidat Bill Clinton war ein frühzeitiger und
starker Befürworter des Gesetzes für Demokratie in
Kuba. Als Präsident hat er entschieden und konsequent gehandelt, um den Druck auf die kubanische
Regierung zu verstärken. Die Initiativen des Prä-

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Ich arbeite bereits seit gut zwanzig Jahren mit der
kubanisch-amerikanischen Gemeinde zusammen und
sehe unserer Zusammenarbeit bei dieser neuen
Aufgabe erwartungsvoll entgegen. Daher beabsichtige
ich, Anfang nächster Woche nach Südflorida und New
Jersey zu einem Treffen mit kubanisch-amerikanischen Politikern zu reisen, um unsere Erörterung
meiner Mission fortzusetzen.
Ich werde ein breites Spektrum an Möglichkeiten der
Zusammenarbeit und einen Partnerschaftsrahmen mit
unseren Verbündeten in Europa und vor allem in
unserer Hemisphäre erarbeiten, mit denen der Übergang zu Demokratie in Kuba gefördert werden soll.
Diese Partnerschaft sollte auch nichtstaatliche Organisationen, Privatunternehmen und Verbände einbeziehen. Bei meinen Gesprächen geht es darum, auf

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�grundlegende Veränderungen des politischen und
wirtschaftlichen Systems zu drängen und alle verfügbaren Druckmittel einzusetzen, engere Zusammenarbeit zwischen nichtstaatlichen Organisationen der
Vereinigten Staaten und der Verbündeten bei der
Stärkung der bürgerlichen Gesellschaft in Kuba durch
humanitäre Hilfe über nichtstaatliche Kanäle zu fördern
und freiwillige Geschäftsgrundsätze entsprechend der
Sullivan-Prinzipien in Südafrika einzuführen, damit
Investitionen - sofern sie getätigt werden - den Wandel
fördern. Ich sehe meine Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten nicht so, als ob ich sie "mit der Pistole auf
der Brust" zu Verhandlungen zwinge. Wir werden
vielmehr kooperativ auf Schritte hinarbeiten, die wir
alle unabhängig vom Libertad-Gesetz unternehmen
sollten.
In einer Zeit, in der die Welt sich unweigerlich zu
Demokratie hinbewegt, ist Castros Kuba ein Anachronismus. Kuba ist einer der schlimmsten Menschenrechtsverletzer der Welt. Die Vereinigten Staaten
haben die Führungsrolle bei der Verurteilung dieses
repressiven Regimes übernommen. Das werden wir
auch weiterhin tun.
Der Präsident hat eindeutig klargestellt, daß seine
Entscheidung über die Aussetzung des Rechts, gemäß
Titel III Klage zu erheben, von der Erlangung konkreter
Ergebnisse mit unseren Verbündeten und anderen
interessierten Regierungen abhängt. Es wäre nicht
klug, im Vorhinein zu erörtern, was genau das Resultat
unserer Diskussionen sein muß. Ich kann jedoch
sagen, daß wir konkrete, spezifische Maßnahmen
erwarten. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten teilen die grundlegende Überzeugung, daß die

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Seite 2

Demokratie in Kuba eingeführt und die Menschenrechte respektiert werden sollten. Meine Aufgabe besteht
in der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten, um
unsere Aktivitäten gemeinsam auf diese Ziele auszurichten. Unsere Verbündeten haben diesen Kurs
bereits eingeschlagen. Ich hoffe, diese Verbündeten
ermutigen zu können, mehr zu tun, und andere,
diesem Beispiel zu folgen.
Ich weiß, einige sind skeptisch, ob die Vereinigten
Staaten und andere Demokratien ihre Meinungsverschiedenheiten bezüglich Kuba ausräumen können.
Ich verfüge über einige Erfahrung bei der Zusammenarbeit mit unseren Freunden in Europa, und ich habe
größere Hoffnungen. Ich teile das Vertrauen des
Präsidenten, daß unsere gemeinsamen Werte und
engen Bande es den Vereinigten Staaten und unseren
Verbündeten gestatten werden, unsere Differenzen
über einige Aspekte des Libertad-Gesetzes zu überwinden und auf die Förderung von Freiheit in Kuba
hinzuarbeiten, wie wir es in anderen Teilen der Welt
getan haben. Die Vereinigten Staaten sind ein Partner
ihrer europäischen Verbündeten, den Ländern Zentralund Osteuropas sowie der ehemaligen Sowjetunion
beim Übergang vom Kommunismus zu freien Regimes
behilflich zu sein. Die Vereinigten Staaten sind ein
Partner Europas bei der Beendigung des Krieges in
Bosnien und der Arbeit an einem stabilen Frieden auf
dem Balkan. Wie fordern unserer europäischen
Verbündeten und diejenigen in unserer Hemisphäre
zur Zusammenarbeit mit uns auf und bitten sie,
gemeinsam mit uns mehr zu tun, um den demokratischen Wandel des einzigen nichtdemokratischen
Regimes unserer Hemisphäre herbeizuführen.

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�PORTRAT

4. September 1996

Stuart E. Eizenstat
Sondergesandter für die Förderung von Demokratie in Kuba

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Biographie von Stuart E. Eizenstat, Staatssekretär für
internationalen Handel im Wirtschaftsministerium, der am 16. August 1996 zum Sondergesandten für die
Förderung von Demokratie in Kuba von Präsident Clinton und Außenminister Christopher ernannt wurde.

Am 5. April 1996 wurde Stuart E. Eizenstat als Staatssekretär für internationalen Handel im Wirtschaftsministerium
vereidigt.
Als Staatssekretär leitet
Eizenstat das internationale Handelsbüro des Wirtschaftsministeriums, das für die Förderung amerikanischer Exporte, Unterstützung amerikanischer
Geschäftstätigkeit im Ausland, die Umsetzung von
Gesetzen gegen unfaire Handelspraktiken und die
Entwicklung der Handelspolitik verantwortlich ist.
Botschafter Eizenstat behält auch weiterhin den Titel
und Aufgabenbereich als Sondergesandter für Vermögensansprüche in Zentral- und Osteuropa.
Vor seiner Verwendung im Wirtschaftsministerium war
Eizenstat Vertreter der Vereinigten Staaten bei der
Europäischen Union (der amerikanische Senat
bestätigte die Nominierung am 30. Juli 1993, und der
Botschafter wurde am 23. September 1993 in Brüssel
akkreditiert). Zum Zeitpunkt seiner Nominierung war
er Sozius und Stellvertretender Vorsitzender der
Rechtsanwaltskanzlei Powell, Goldstein, Frazer &amp;
Murphy, in die er 1981 eingetreten war, und Vorsitzender des Washingtoner Büros der Kanzlei. Gleichzeitig
lehrte Eizenstat als Gastdozent an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University in
Cambridge (Massachusetts) und an der Brookings
Institution in Washington.
Von 1977 bis 1981 war Eizenstat als Präsident Carters
Referent für innenpolitische Angelegenheiten und
Politik sowie als Leiter des Stabes für Innenpolitik im
Weißen Haus tätig. 1976 arbeitete er während Carters
Präsidentschaftswahlkampf hauptamtlich als Leiter für
aktuelle Fragen und Politik. Nach der Wahl wurde er
Leiter des Ressorts für Politik, Planung und Analysen
der Carter-Mondale-Übergangsplanungsgruppe.

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Von 1968 bis 1970 war Eizenstat in Atlanta als persönlicher Referent des Richters am Bezirksgericht des
nördlichen Bezirks von Georgia, Newell Edenfield, tätig
und von 1970 bis 1976 als Rechtsanwalt und Sozius
der Kanzlei Powell, Goldstein, Frazer &amp; Murphy.
Botschafter Eizenstat hat zahlreiche Beiträge für
führende Zeitungen, Zeitschriften und juristische
Publikationen verfaßt und war Mitherausgeber des
Buches The American Agenda. Zum Zeitpunkt seiner
Nominierung saß Eizenstat im Vorstand von gemeinnützigen Organisationen wie dem Weizmann Institute
of Science, The Jerusalem Foundation, Brandeis
University, Council on Foreign Relations, Council for
Excellence in Government Center for National Policy,
Overseas Development Council, International Management and Development Institute (Jerusalem), American
Jewish Committee, der UJA Federation of Greater
Washington und war Vorsitzender der Feinberg
Graduate School des Weizmann Institute. Darüber
hinaus war er Vorstandsmitglied von Hercules Inc., PSI
Energy, Inc. sowie der Israel Discount Bank of New
York.
Zur Beendigung seiner Tätigkeit als amerikanischer
Botschafter bei der Europäischen Union im Jahr 1996
verlieh Außenminister Warren Christopher Botschafter
Eizenstat den Foreign Affairs Award for Public Service,
die höchste Auszeichnung, die ein Botschafter erhalten
kann, der nicht Karrierediplomat ist.
Stuart Eizenstat wurde 1943 in Chicago geboren. Er
machte sein Examen in politischen Wissenschaften an
der University of North Carolina in Chapel Hill und
legte 1967 sein juristisches Staatsexamen an der
Harvard University ab. Seine herausragende Lauf-

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�bahn in der Regierung begann während seiner Zeit an
der Universität, als er im Sommer 1963, 1964 und
1966 als Praktikant für die Legislative und Exekutive
der Bundesregierung tätig war. Von 1967 bis 1968
war er unter Präsident Johnson Mitarbeiter im Weißen
Haus und 1968 Forschungsdirektor für Vizepräsident
Hubert Humphreys Präsidentschaftswahlkampf.
Botschafter Eizenstats Biographie erscheint in Who's
Who in America, Who's Who in American Lawyers,
Who's Who in American Jewry, Who's Who in World
Jewry, Who's Who Among Intellectuals, Who's Who in
American Politics und Who's Who in the World.
Während seiner Jahre im öffentlichen Dienst wurden

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ihm zahlreiche Auszeichnungen verliehen, darunter
der Export Enhancement Award, U.S. Coalition for
Employment Through Exports, 1993; Israel Bond
Award, 1992; Jewish Leadership Award, the Academy
of Jewish Religion, 1989; Man of the Year Award der
National Capital Association of B'nai B'rith Lodges,
1982; Department of Labor Award for Special Contributions to Youth Employment, 1980; Award from the
Washington International Business Council, 1978 und
der Young Man of the Year Award for Leadership,
American Association for Jewish Education, 1973-74.
Botschafter Eizenstat und seine Frau Frances Carol
haben zwei Söhne, Jay und Brian.

*

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AMERIKA DIENST 17

�SOZIALES
4. September 1996

Bundesstaaten übernehmen Sozialhilfe
Rede von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Am 22. August 1996 unterzeichnete Präsident Clinton einen Gesetzentwurf, der den
Bundesstaaten die Verantwortung für die Zahlung von Sozialhilfe an Bedürftige überträgt.
Das selbst von vielen Mitgliedern der Demokratischen Partei scharf angegriffene neue Gesetz bricht mit einer 60
Jahre alten Tradition, die mit Präsident Roosevelts New Deal begann und Präsident Johnsons Great Society
beinhaltete. Das Gesetz gestattet jetzt den Bundesstaaten die Entscheidung über die Bedingungen von
Sozialhilfezahlungen an Kinder, Alleinerziehende und ältere Mitbürger. Dem Gesetz zufolge müssen diejenigen,
die in der Lage sind zu arbeiten, eine Arbeit annehmen, und es setzt fest, wer für Sozialhilfeleistungen in Frage
kommt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Heute versuchen wir die Mängel des Sozialhilfesystems für diejenigen zu beseitigen, die darauf
angewiesen sind. Wir alle wissen, daß sich die heute
von Sozialhilfe abhängige typische Familie stark von
der unterscheidet, für die das Sozialhilfesystem vor 60
Jahren geschaffen wurde. Wir alle wissen, daß viele
Menschen nur eine gewisse Zeit von Sozialhilfe
abhängen, es jedoch eine beträchtliche Anzahl derer
gibt, die sehr lange darauf angewiesen sind, wodurch
sie aus der arbeitenden Bevölkerung ausgeschlossen
werden, die unserem Leben Struktur verleiht.
Vor nahezu 30 Jahren erklärte Robert Kennedy:
"Arbeit ist das, worum es in diesem Land überhaupt
geht. Wir benötigen sie als Einzelpersonen, wir
benötigen sie für unsere Mitbürger, und wir benötigen
sie als Gesellschaft und Volk." Er hatte damals recht,
und er hat heute recht.
Von jetzt an ist die Antwort der Nation auf diese große
soziale Herausforderung nicht mehr der unendliche
Zyklus der Sozialhilfe, sondern es wird die Würde,
Macht und Ethik der Arbeit sein. Heute ergreifen wir
eine historische Chance, Sozialhilfe zu dem zu
machen, was sie eigentlich sein sollte: Eine zweite
Chance, nicht eine Lebensweise.

AMERIKA DIENST 17

Wie ich häufig gesagt habe, ist das.Gesetz, das ich
jetzt unterzeichne, bei weitem nicht perfekt. Der
Kongreß hat mir vorher zwei Gesetzentwürfe vorgelegt, die meiner festen Überzeugung nach unsere
Kinder nicht schützten und zu wenig taten, um die
Menschen von der Sozialhilfe weg und zur Annahme
einer Arbeit zu bringen. Ich habe gegen beide mein
Veto eingelegt. Dieses Gesetz hatte breite überparteiliche Unterstützung und ist in beiden Bereichen sehr
viel besser.
Das neue Gesetz stellt die grundlegende Voraussetzung wieder her, indem Chancen angeboten werden
und im Gegenzug Verantwortung gefordert wird. Es
sieht 14 Milliarden Dollar für Kinderbetreuung vor, 4
Milliarden Dollar mehr als das bisherige Gesetz. Es ist
gut, weil es für eine Mutter mit kleinen Kindern ohne
die Gewährleistung der Kinderbetreuung unmöglich ist,
zur Arbeit zu gehen. Es erfordert von den Bundesstaaten, selbst die Ausgaben für die Sozialreform zu
tätigen und bietet ihnen starke Leistungsanreize, mehr
von Sozialhilfe abhängige Menschen zur Annahme
einer Arbeit zu bewegen. Es verleiht den Bundesstaaten die Fähigkeit zur Schaffung von Arbeitsplätzen mit
dem Geld, das bisher für Sozialhilfe aufgewandt und
jetzt den Arbeitgebern als Anreiz zur Einstellung von
Leuten gegeben wird. Das Gesetz wird den Menschen
helfen, zur Arbeit zu gehen, damit sie nicht länger

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�einen Sozialhilfescheck, sondern einen Gehaltsscheck einlösen können.
Es ist auch besser für die Kinder. Es erhält das
nationale Sicherheitsnetz der Lebensmittelmarken und
Schulspeisung. Es hebt die tiefen Einschnitte und
verheerenden Änderungen beim Schutz von Kindern,
Adoption und der Hilfe für behinderte Kinder auf. Es
bewahrt die nationale Garantie der Krankenversicherung für arme Kinder, Behinderte, Ältere und die von
der Sozialhilfe Abhängigen - das ist die wichtigste
Klausel überhaupt.
Es beinhaltet die harten Maßnahmen für die Durchsetzung von Unterhaltszahlungen, die meines Wissens
jeder Kongreßabgeordnete, jeder in der Administration
und jeder denkende Mensch im Land seit über zwei
Jahren unterstützt.
Dieses Gesetz geht in schärfster - beispielloser Weise gegen schmarotzende Eltern vor. Es ist uns
gelungen, die Unterhaltszahlungen um 40 Prozent zu
erhöhen, aber in über einem Drittel der Fälle machen
sich die Delinquenten aus dem Staub und gehen in
einen anderen Bundesstaat. Für viele Frauen und
Kinder ist der einzige Grund ihrer Abhängigkeit von
Sozialhilfe, daß der Vater sie im Stich ließ, statt einen
Beitrag zum Unterhalt des Kindes zu leisten. Das ist
falsch. Wenn alle Väter die Unterhaltszahlungen
leisten würden, die sie rechtlich erbringen müssen,
könnten auf der Stelle 800.000 Frauen und Kinder von
der Liste der Sozialhilfeempfänger gestrichen werden.
Mit diesem Gesetz sagen wir, wenn Ihr nicht den
Unterhalt bezahlt, den Ihr schuldet, werden wir Euer
Gehalt pfänden; wir werden Euch den Führerschein
abnehmen; Euch über Staatsgrenzen hinweg aufspüren; wenn nötig, müßt Ihr abarbeiten, was Ihr
schuldig seid. Das Gesetz ist gut, und es wird zu einer
drastischen Senkung der Sozialhilfezahlungen beitragen, die Unabhängigkeit fördern und die elterliche
Verantwortung stärken.
Wie der Vizepräsident ausführte, sind wir mit einigen
Verfügungen des Gesetzes überhaupt nicht einverstanden. Unseres Erachtens sind die Einschnitte bei
den Lebensmittelzuwendungen zu tief, insbesondere
da sie einkommenschwache Arbeitnehmer mit Kindern
betreffen. Wir sollten nicht diejenigen bestrafen, die
bereits für ihren Lebensunterhalt arbeiten. Wir sollten
alles in unserer Macht Stehende zu ihrer Unterstützung tun, dafür sorgen, daß sie ihren Arbeitsplatz
behalten und zur Unterstützung ihrer Kinder beitragen.
Wir sind auch der Auffassung, daß die Führung im
Kongreß auf Kürzungen von Programmen für legale
Einwanderer bestanden hat, die viel zu einschneidend
sind.
Diese Kürzungen haben jedoch nichts mit dem
grundlegenden Zweck einer Reform des Sozialwesens

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zu tun. Ich unterzeichne dieses Gesetz, weil es eine
historische Chance darstellt - Republikaner und
Demokraten setzten sich zusammen und erklärten, wir
werden diese historische Chance ergreifen, um die
soziale Absprache zwischen der Nation und den
Armen neu zu formulieren. Wir werden die Parameter
der Debatte ändern. Wir werden alles neu machen
und sehen, ob wir nicht ein System der Anreize
schaffen können, das die Arbeit, Familie und Unabhängigkeit stärkt.
Wir können das ändern, was falsch ist. Wir hätten
diese historische Chance nicht vergeuden dürfen, das
zu tun, was richtig ist. Und deshalb möchte ich Sie alle
- unabhängig von Ihrer Parteizugehörigkeit - bitten, die
Implikationen dieser anderen, nicht sozialen Themen
auf das amerikanische Volk zu überdenken und
gemeinsam guten Mutes und guten Glaubens zusammenzuarbeiten, um das zu beheben, was falsch
ist. Wir können den Haushalt ohne diese Kürzungen
ausgleichen, aber wir wollen nicht den Hauptzweck der
sozialen Verfügungen dieses Gesetzes vergessen, die
gut und solide sind und uns zumindest die Chance
bieten können, die schreckliche und fast physische
Isolierung enormer Zahlen armer Menschen und ihrer
Kinder vom Rest Amerikas zu beenden. Das müssen
wir tun.
Dieses Gesetz hat auch etwas wirklich Gutes. Wenn
ich es unterzeichne, müssen wir alle neu anfangen.
Und jedem wird Verantwortung übertragen. Nachdem
ich meinen Namen unter dieses Gesetz geschrieben
habe, wird Sozialhilfe nicht länger ein politisches
Thema sein. Die beiden Parteien können sich nicht
gegenseitig wegen dieses Gesetzes angreifen. Die
Politiker können nicht die Armen angreifen. Es gibt
keine eingefahrenen Gewohnheiten, verkrusteten
Systeme und Mängel, für die jemand anderem die
Schuld zugeschoben werden kann. Wir müssen neu
anfangen. Das ist nicht das Ende der Sozialreform, es
ist der Anfang. Und wir alle müssen Verantwortung
übernehmen.
Wenn wir jetzt sagen, daß wir mit diesem Gesetz
Arbeit erwarten, müssen wir sicherstellen, daß die
Menschen eine Chance haben, zur Arbeit zu gehen.
Wenn wir der Arbeit den ihr gebührenden Wert
beimessen, haben alle in dieser Gesellschaft - Unternehmen, gemeinnützige Organisationen, religiöse
Institutionen, Einzelpersonen und die Regierungsvertreter - die Verantwortung sicherzustellen, daß die
Arbeitsplätze vorhanden sind. Wenn es jetzt nicht
funktioniert, ist es unser aller Fehler - meiner, Ihrer und
der aller anderen. Es steht nicht länger ein System im
Weg.
Ich habe in den vergangenen vier Jahren hart daran
gearbeitet, Arbeitsplätze zu schaffen und die Investitionen dorthin zu lenken, wo viele Menschen von
Sozialhilfe leben, weil es dort keine wirtschaftliche

AMERIKA DIENST 17

�Gesundung gegeben hat. Darum ging es bei dem
Programm der Übertragung von Befugnissen an
bestimmte Zonen. Darum ging es bei der Initiative
einer Gemeindeentwicklungsbank. Darum ging es bei
der Initiative, heruntergekommene Stadtviertel zu
sanieren - den Menschen die Mittel an die Hand zu
geben, in Wohngebieten ihren Lebensunterhalt zu
verdienen, die vernachlässigt worden waren.
Meines Erachtens müssen wir hier in Washington
mehr dafür tun. Ich möchte jedoch wiederholen, wir
müssen ein neues Arbeits- und Familiensystem
aufbauen. Und die Verantwortung dafür obliegt jetzt
allen. Die auf Sozialhilfe Angewiesenen sind Menschen. Und wir schulden es allen, ihnen eine Chance
zur Rückkehr zu bieten.
Ich möchte, daß sie alle darüber nachdenken, was wir
jetzt tun werden. Dies ist nicht das Ende, dies ist erst
der Anfang. Der Kongreß verdient unseren Dank für
die Schaffung einer neuen Realität, aber wir müssen
sie mit Inhalt füllen. Die Gouverneure haben um diese
Verantwortung gebeten, jetzt müssen wir ihr gerecht
werden. Es gibt Bürgermeister, die Verantwortung
haben, Vertreter der Landkreise, die Verantwortung
haben. Jeder Arbeitgeber in diesem Land, der je eine
abfällige Bemerkung über das Sozialhilfesystem
gemacht hat, sollte darüber nachdenken, ob er nicht
jemanden einstellt, der statt Sozialhilfe dann Arbeit hat.
Wenden Sie sich an den Bundesstaat und sagen Sie,
okay, gebt mir den Scheck, ich nutze ihn als Zulage,
ich bilde diese Menschen aus, ich helfe ihnen, ihr
Leben zu beginnen, und von da aus geht es weiter.
Jede einzelne Person muß nachdenken. Jede Person
in Amerika, die heute abend einen Bericht über diese
Veranstaltung sieht, die je eine abfällige Bemerkung
über das Sozialhilfesystem gemacht hat, sollte jetzt
sagen: "Okay, das ist vorbei. Welche Verantwortung
habe ich, es besser zu machen?"

schäftigten in mittelständischen Unternehmen erleichtert, eine Rente zu bekommen und zu behalten.
Gestern unterschrieben wir das Kassebaum-KennedyGesetz, das bis zu 25 Millionen Amerikanern den
Zugang zur Krankenversicherung erleichtert, von
denen viele schlecht bezahlte Arbeitsplätze haben,
was es für sie schwieriger macht.
Das Gesetz, das ich heute unterzeichne, bewahrt die
Aufstockung des Steuerfreibetrags für Arbeitnehmerfamilien. Jetzt ist es entschieden besser, zur Arbeit zu
gehen, statt weiterhin von Sozialhilfe abhängig zu sein
- entschieden besser. Aufgrund der vom Kongreß in
dieser Sitzungsperiode ergriffenen Maßnahmen ist es
entschieden besser. Und wir müssen diese Arbeit jetzt
zur Realität werden lassen.
Ich habe das schon viele Male gesagt - für die meisten
amerikanischen Familien besteht die größte Herausforderung in ihrem Leben darin, ihre Kinder gut zu
erziehen und gute Arbeit zu leisten. Einen Interessensausgleich zwischen Arbeit und Familie herzustellen, ist die Herausforderung, mit der sich die
meisten Amerikaner am Arbeitsplatz konfrontiert
sehen. Wir wollen, daß jeder wenigstens die Chance
hat, das richtige Gleichgewicht für sich herzustellen.
Heute schaffen wir die Sozialhilfe ab, wie wir sie
kannten. Ich hoffe jedoch, daß man diesen Tag in
Erinnerung behält, nicht wegen dem, was er abschaffte, sondern wegen dem, was er begann - einen
neuen Tag, der Hoffnung, Ehrgefühl und Verantwortung bietet, Arbeit belohnt und die Bedingungen der
Debatte ändert, so daß niemand in Amerika je wieder
das Gefühl hat, Menschen kritisieren zu müssen, die
arm oder von Sozialhilfe abhängig sind, sondern statt
dessen die Verantwortung fühlt, Männer und Frauen
und Kinder einzubeziehen, die isoliert sind, eine
Chance brauchen und die bereit zur Übernahme von
Verantwortung sind - ihnen muß man die Chance
geben und die Verantwortung übertragen.

Vor zwei Tagen haben wir eine Gesetzesvorlage
unterzeichnet, die den Mindestlohn erhöht und es Be-

*

AMERIKA DIENST 17

* * *

*

Seite 3

�UMWELT
4. September 1996

Nachhaltige Entwicklung Eine außenpolitische Priorität der USA
von Timothy E. Wirth

WASHINGTON - (AD) - Wirtschaftswachstum und Umweltschutz müssen "sich gegenseitig verstärken", erklärt
der Staatssekretär für globale Angelegenheiten im US-Außenministerium, Timothy E. Wirth.
Timothy E. Wirth war von 1987 bis 1993 Senator von Colorado und von 1975 bis 1986 Mitglied des
Repräsentantenhauses. In seiner derzeitigen Funktion ist Wirth zuständig für Themen im Zusammenhang mit
Umwelt, Bevölkerung, Menschenrechten, Flüchtlingen, Drogen und Verbrechen.

Nachhaltige Entwicklung bedeutet im Grundsatz, daß
die Volkswirtschaften der Welt den Versuch unternehmen sollten, den Bedarf der heutigen Generation zu
erfüllen, ohne künftige Generationen einem Risiko
auszusetzen oder sie zu berauben. So verstanden
und verfolgt kann die Idee tragfähiger Entwicklung die
außerordentlich mächtigen wirtschaftlichen und
umweltpolitischen Kräfte integrieren und harmonisieren, die in der Welt von heute am Werk sind. Es ist ein
in der Erkenntnis wurzelndes Konzept, daß wirtschaftliche und umweltpolitische Fortschritte sich
gegenseitig verstärken.
Ökosysteme sind die Grundlage der modernen
Gesellschaft - bei wissenschaftlicher, landwirtschaftlicher, sozialer und wirtschaftlicher Planung. Auf lange
Sicht ist es eine ruinöse Wirtschaftsstrategie, von
unserem ökologischen Kapital zu leben. Gleichzeitig
streben die meisten Völker und Nationen Wirtschaftswachstum sowie wissenschaftliche und technologische
Fortschritte an, die wiederum unerläßliche Bausteine
des Umweltschutzes sind.
Bedauerlicherweise wurde die Sorge um die Umwelt
viel zu lange als ein peripheres, nicht brisantes Thema
angesehen, das im Kontext des Wohlstands als Luxus
behandelt werden kann. Viel zu viele werden mit dem
Kopf nicken und sagen: "Ja, ich bin für Umweltschutz solange das keine Arbeitsplätze kostet." Und in dieser
völlig falschen Analyse verbirgt sich die grundlegende
intellektuelle Herausforderung für nachhaltige Entwicklung.

AMERIKA DIENST 17

Eine mit der Umwelt verflochtene Wirtschaft
Das größte Hindernis beim Streben nach tragfähiger
Entwicklung - hier in den Vereinigten Staaten und
weltweit - ist die fälschliche Annahme, Umweltschutz
stehe im Widerspruch zu Wirtschaftsinteressen.
Tatsache ist jedoch, daß die Wirtschaft untrennbar mit
der Umwelt verbunden und völlig von ihr abhängig ist.
Fünf biologische Systeme - Ackerland, Wälder,
Weiden, Ozeane und Wasserstraßen - unterstützen
die Weltwirtschaft. Mit Ausnahme von fossilen Brennstoffen und Mineralien liefern sie alle Rohstoffe für die
Industrie und unsere gesamten Nahrungsmittel:
Ackerland liefert Nahrungsmittel, Tierfutter und
eine endlose Vielfalt von Rohstoffen für die
Industrie wie Fasern und pflanzliche Öle.
Wälder sind die Quelle für Brennstoff, Holz,
Papier und zahlreiche andere Produkte.
Weiden bieten Fleisch, Milch, Leder und
Wolle.
Ozeane und Wasserstraßen produzieren
Nahrungsmittel für den einzelnen und Ressourcen für die Industrie.
Im Unternehmerjargon ist die Volkswirtschaft eine
hundertprozentige Tochtergesellschaft der Umwelt.
Die gesamten Wirtschaftsaktivitäten hängen von der
Umwelt ab und sind die zugrundeliegende Ressour-

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�cenbasis. Wenn die Umwelt schließlich gezwungen
ist, den Bankrott zu erklären, weil ihre Rohstoffbasis
verschmutzt, abgebaut, zerstört oder unwiderruflich
aufs Spiel gesetzt wurde, dann geht die Wirtschaft mit
ihr bankrott.
Ist dies nur ein theoretisches Konzept? Natürlich nicht.
Es geschah in Zentral- und Osteuropa, wo wir die
tiefgreifende Umweltzerstörung erst jetzt entdecken
und verstehen. Tatsächlich geschieht es auf der
ganzen Welt, selbst in vielen Krisenherden der heutigen Zeit, die dauernd Schlagzeilen machen.
Ressourcenknappheit ist die Ursache der gewalttätigen Konflikte, die die bürgerliche Gesellschaft in
Ruanda, Haiti und Chiapas erschüttern. Diese Konflikte könnten sich intensivieren und ausweiten,
während sich immer größere Populationen um immer
weniger Land, Brennstoff und Wasser streiten.
Professor Tad Homer-Dixon von der University of
Toronto warnt, daß die Rohstoffe in den kommenden
Jahren "wahrscheinlich in einer Geschwindigkeit,
Komplexität und Größenordnung knapper werden, die
in der Geschichte ihresgleichen suchen".
Wir lernen, daß das Umweltkapital nicht einfach
gemessen werden kann, indem man Bäume, Fischbestände oder Weizenähren zählt. Es umfaßt auch
komplexe Ökosysteme, die Abfall filtern, Boden
regenerieren und Trinkwasservorräte auffüllen. Diese
Systeme, die wir verspätet zu verstehen begonnen
haben, bilden die Grundlage des Lebens auf der Erde.
Abbau der Ozonschicht, Verlust der Arten und der
zunehmende Kohlendioxidgehalt unserer Atmosphäre
sind ein Beweis der Tatsache, daß die Ökosysteme
des Planeten einer großen Belastung ausgesetzt sind.
Unsere Defizitfinanzierung des Umweltkapitals hat
direkte, messbare Auswirkungen auf die menschliche
Sicherheit. Mit anderen Worten: Die lebenserhaltenden Systeme des gesamten Globus werden mit
rascher Geschwindigkeit aufs Spiel gesetzt, illustrieren unsere Interdependenz mit der Natur und verändern unsere Beziehung zum Planeten. Die Sicherheit unserer Welt hängt davon ab, ob wir ein
tragfähiges, ausgewogenes Gleichgewicht zwischen
der Zahl der auf der Erde lebenden Menschen und der
lebenserhaltenden Fähigkeit des Planeten herstellen
können:
Warum ist dieser neue Aspekt der Sicherheit erst jetzt
erkannt worden? Zwei Trends sprechen für sich.
Erstens das exponentielle Wachstum der menschlichen Bevölkerung. Seit 1950 hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt und liegt jetzt bei 5,6 Milliarden.
Jedes Jahr nimmt die Welt um weitere 91 Millionen
Bewohner zu - dem Äquivalent eines New York jeden
Monat, eines Mexiko jedes Jahr, eines China jedes
Jahrzehnt. 95 Prozent dieses Wachstums findet in
verarmten Ländern der Dritten Welt statt, die bereits

Seite 2

darum kämpfen, Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen
und ihre Bevölkerung zu ernähren.
Gleichzeitig hat die industrialisierte Welt Kapazitäten
und ein Konsumverhalten zur Nutzung von Ressourcen und zur Produktion von Abfall in einer in der
Geschichte der Menschheit beispiellosen Geschwindigkeit entwickelt. Obwohl in den Industriestaaten nur
ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt, verbrauchen sie
zwei Drittel aller konsumierten Rohstoffe und erzeugen
vier Fünftel aller Schadstoffe und Abfälle.
Wir manövrieren uns in eine schreckliche Lage - die
Weltbevölkerung nimmt mit einer Geschwindigkeit zu,
der nur unsere zunehmende Fähigkeit, Rohstoffe zu
konsumieren und Abfall zu produzieren, entspricht
oder sie noch übertrifft. Das ist ein absolut nicht
tragfähiger Kurs.
Prioritäten der Vereinigten Staaten für nachhaltige
Entwicklung
Der Bevölkerung muß oberste Priorität auf der Tagesordnung der Vereinigten Staaten für nachhaltige
Entwicklung beigemessen werden. In der internationalen Bevölkerungspolitik haben die Vereinigten
Staaten wieder eine Führungsrolle übernommen, und
wir haben zur Erarbeitung eines 1994 in Kairo vereinbarten internationalen Plans beigetragen, der einen
umfassenden Ansatz zur Bewältigung des raschen
demographischen Wandels fordert. Der Plan sieht die
universelle Bereitstellung von Dienstleistungen in den
Bereichen Familienplanung und reproduktive Gesundheit vor, würde die Ausbildung junger Mädchen
drastisch verbessern und sich auf die Bekämpfung der
Kindersterblichkeit, Verantwortung des Mannes, starke
Familien und die Einbeziehung nichtstaatlicher Organisationen an der Basis konzentrieren.
Elementarer Bestandteil der amerikanischen Bevölkerungsstrategie ist die Förderung sozialer, politischer
und wirtschaftlicher Rechte von Frauen, die außerordentlich wichtige Ressourcen für Wachstum und
Mittler des Wandels sind. Die Dividende dieser
Initiativen - im Hinblick auf Stabilität, Qualität der
Umwelt und wirtschaftliche Produktivität - wird die
Kosten auf Generationen hinaus aufwiegen. Dies wird
zu einem generellen Thema der amerikanischen
Außenpolitik und unseres Erachtens ein erreichbares
Ziel im 21. Jahrhundert.
Eine zweite Priorität - die Bereitstellung grundlegender
Gesundheitsfürsorge - ist eine kluge Investition für die
internationale Staatengemeinschaft, die mit relativ
geringen globalen Kosten getätigt werden kann. Die
Ausrottung von vier verbreiteten, leicht vermeidbaren
Krankheiten - Masern, Tetanus, Keuchhusten und
Kinderlähmung - die Behebung von Jod- und Vitamin
A-Mangel und die weltweite Verfügbarkeit oraler

AMERIKA DIENST 17

�Rehydrationstherapien können allesamt Anfang des
nächsten Jahrhunderts verwirklicht sein.

scheidender Subpopulationen - insbesondere Frauen
- im Entwicklungsprozeß einzulösen.

Allein mit diesen Maßnahmen könnten jährlich 3 bis 4
Millionen Menschenleben gerettet, vielleicht 20
Millionen frühe Kindstode vermieden, unermeßliches,
unnötiges Leiden gemildert und ein maßgeblicher
Beitrag zur Erleichterung des Drucks auf größere
Familien geleistet werden. Bestandteil der globalen
Gesundheitsstrategie der Vereinigten Staaten ist auch
die Konzentration auf AIDS in der Erkenntnis, daß eine
Heilung vielleicht noch Jahrzehnte dauern wird, wir
jedoch mit aggressiven Präventionsstrategien in den
Teilen der Welt helfen können, wo die Verbreitung der
Infektionskrankheit epidemische Ausmaße angenommen hat.

Dieses Ziel der institutionellen Reform ist Teil der
sechsten und letzten Herausforderung - der Herausforderung der Regierungsführung im 21. Jahrhundert.
In dieser Welt nach dem Kalten Krieg machen unsere
Probleme vor traditionellen Grenzen nicht halt globaler Klimawandel, Abbau der Ozonschicht,
Artenvielfalt, Flüchtlinge, Drogen - all diese Themen
geben zur Sorge Anlaß, die uns vor eine Herausforderung stellt und mit Hilfe stärkerer multilateraler,
kooperativer Organisationen bewältigt werden muß.

Die Artenvielfalt ist eine dritte Priorität - ein großer
Schild für die Aufgabe, Gottes Schöpfung zu erhalten,
das biologische Erbe, das alle lebenden Dinge umfaßt.
Diese riesige Quelle genetischer Informationen ist
entscheidend für unsere langfristige wirtschaftliche und
umweltpolitische Integrität, und wir müssen alles in
unserer Macht Stehende tun, um sie zu erhalten. Der
amerikanische Senat muß den beim Erdgipfel in Rio de
Janeiro 1992 verabschiedeten Vertrag über die
Artenvielfalt ratifizieren. Gemeinsam mit anderen
Signatarstaaten müssen die Vereinigten Staaten
weltweite Bestrebungen in die Wege leiten, diese
umfassende und großenteils unbekannte Informationsquelle zu katalogisieren, zu erkunden und nachhaltig
zu nutzen. Das nächste Jahrhundert wird zweifelsohne das Jahrhundert der Biologie, und wir müssen uns
engagieren, um diese bemerkenswerte Chance neuer
Quellen für Nahrungsmittel, Brennstoff, Fasern und
Pharmazeutika vollständig zu nutzen.
Die Integration umweltpolitischer und wirtschaftlicher
Gebote auf nationaler Ebene ist eine vierte Priorität.
Wir können nicht länger davon ausgehen, daß wir
keine Kosten für die Verschmutzung der Luft oder die
Erschöpfung unserer Ressourcen tragen müssen. Wir
müssen vielmehr diese Kosten internationalisieren und
dem Genie des Marktes gestatten, die effizientesten
Mittel zur Erlangung unserer umweltpolitischen Ziele
herauszufinden.
Die fünfte Herausforderung ist die Reform unserer
internationalen Institutionen zur besseren Förderung
nachhaltiger Entwicklung. Die Weltbank - der wichtigste öffentliche Motor für Entwicklung - wird eine
zentrale Rolle bei der Unterstützung des Übergangs zu
tragfähiger Entwicklung spielen. Wir müssen härter
auf Veränderungen bei den Kreditvergabepraktiken
hinarbeiten, um das Versprechen einer verstärktenBetonung von kleineren, dezentralisierten Projekten zur
Förderung alternativer Entwicklung, zum Schutz der
Umwelt, zur Bewahrung der Rechte der lokalen
Bevölkerung und zur Anerkennung der Rolle ent-

AMERIKA DIENST 17

Wir müssen gewährleisten, daß unsere internationalen
Institutionen für die Aufgaben des 21. Jahrhunderts
geeignet sind. Das wird nicht leicht sein. Mauern
können an einem Tag niedergerissen werden, aber
einen Sinneswandel bei Einzelpersonen zu bewirken
und ein Gefühl für eine gemeinsame Sache unter
Institutionen zu vermitteln, ist sehr viel schwieriger.
Wir haben jedoch einen umfassenden, wenn auch
komplizierten Rahmen, auf den wir aufbauen können.
Meines Erachtens wird nachhaltige Entwicklung der
wichtigste logische Grund für unsere institutionellen
Arrangements im 21. Jahrhundert sein.
Ein neues Sicherheitskonzept
In der neu konfigurierten Welt ist die nationale Sicherheit eng mit der menschlichen Sicherheit verbunden. Die Sicherheit des Menschen ruht auf einem
Fundament von Frieden und politischer Stabilität,
physischer Gesundheit und wirtschaftlichem Wohlergehen. Die Hauptbedrohungen der menschlichen
Sicherheit sind nicht so leicht erkennbar wie beispielsweise das Nukleararsenal eines Gegners, aber sie
sind ebenso todbringend.
Es sind die Bedrohungen, die durch die elende Armut,
in der eine Milliarde der Weltbevölkerung lebt, entstehen; durch den Hunger, der 800 Millionen Männer,
Frauen und Kinder plagt; die Verbreitung von
HIV/AIDS, die bis zum Jahr 2000 30 bis 40 Millionen
Menschen infizieren, und die Kombination von Gewalt,
Armut und Zerstörung der Umwelt, die 20 Millionen
Menschen aus ihrer Heimat vertrieben hat.
In den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt
beginnen wir die enge Verbindung zwischen Armut,
Umwelt, Wirtschaft und Sicherheit zu verstehen. Diese
historische Umgestaltung erfordert, daß wir uns jetzt
von veralteten Maßnahmen, Annahmen und der
starren Sichtweise befreien, die gestern noch die
Kriterien unserer Politik waren.
Krisenverhütung und nachhaltige Entwicklung zählen
zu den größten Herausforderungen des nächsten
Jahrhunderts. Es ist an der Zeit, unseren Ansatz zur
nationalen Sicherheit in der Erkenntnis neu zu gestal-

Seite 3

�ten, daß unsere wirtschaftliche und umweltpolitische
Zukunft ein und dasselbe sind. Diese Herausforderun-

gen entscheiden die Zukunft, die wir unseren Kindern
und Enkelkindern hinterlassen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 17

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                <text>&lt;strong&gt;1. Wahlen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton will Brücke ins 21. Jahrhundert bauen&lt;br /&gt;Rede des Präsidenten beim Pateikonvent der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Delegierte ratifizieren Wahlplattform der "neuen Demokraten"&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Wahlprogramm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Demokraten für Verbrechensbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnung des Parteikonvents&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kuba&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eizenstat wird Sondergesandter für die Förderung von Demokratie in Kuba&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freiheit und Wohlstand für das kubanische Volk&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafter Eizenstat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stuart E. Eizenstat&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sondergesandter für die Förderung von Demokratie in Kuba&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Soziales&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bundesstaaten übernehmen Sozialhilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nachhaltige Entwicklung - eine außenpolitische Priorität der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Timothy E. Wirth&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
16

2 1 . August 1996

.

TERRORISMUS

DIE SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
IN EINER SICH WANDELNDEN WELT
Rede von Präsident Clinton

USA-ISRAEL

FRIEDENSPROZESS KONNTE ISRAEL ZUM
"ASIATISCHEN TIGER" DES NAHEN OSTENS
MACHEN
Rede von Staatssekretär Stuart E. Eizenstat

WAHLEN

REPUBLIKANER HOFFEN AUF BELEBUNG
DES WAHLKAMPFS DURCH DOLE-KEMP-TEAM
Entscheidung für den Vizepräsidentschaftskandidaten

BEIM PRASIDENTSCHAFTSWAHLKAMPF
WIRD AMERIKA DER SPIEGEL VORGEHALTEN
Rede von Bob Dole beim nationalen Parteikonvent
der Republikaner

LITERATUR

REGIONALE AMERIKANISCHE LITERATUR
ZUM KENNENLERNEN
Rede Michael J. Bandler

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�TERRORISMUS
21. August 1996

Die Sicherheit der Vereinigten Staaten
in einer sich wandelnden Welt
Rede von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor der George Washington University erklärte Präsident Clinton am 5.
August 1996, 'Terrorismus ist der Feind unserer Generation" und betonte, es sei eine Priorität im Bereich der
nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten, die Kräfte der Zerstörung auf der ganzen Welt zu bekämpfen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

An der Schwelle zum 21. Jahrhundert sehen sich die
Vereinigten Staaten mit drei großen Herausforderungen konfrontiert: Den Amerikanischen Traum für
diejenigen am Leben zu erhalten, die darauf hinzuarbeiten bereit sind; unser Land zusammenzuführen, nicht zu spalten, und sicherzustellen, daß Amerika
die stärkste Kraft für Frieden und Freiheit, Sicherheit
und Wohlstand auf der Welt bleibt.
Die weltweiten Veränderungen bei der Arbeitsweise,
im Leben und der Kommunikation der Menschen
untereinander vollziehen sich mit ungeahnter Geschwindigkeit und sind vielleicht die tiefgreifendsten
der Geschichte. Die meisten dieser Veränderungen
sind gut: Der Kalte Krieg ist beendet, unser Land lebt in
Frieden. Unsere Wirtschaft ist stark. Demokratie und
freie Märkte fassen auf allen Kontinenten Fuß. Die
Blöcke, Barrieren und Grenzen, welche die Welt
unserer Eltern und Großeltern definierten, verschwinden allmählich mit Hilfe einer neuen Generation
außergewöhnlicher Technologien. Jeden Tag benutzen Millionen von Menschen Laptops, Modems, CD
ROMs und Satelliten, um Ideen, Produkte und Geld in
Sekunden über den Planeten zu schicken. Die
Chancen zum Aufbau einer Welt mit mehr Sicherheit
und einer Zukunft mit mehr Wohlstand sind enorm.
Aber trotz all der Versprechungen unserer Zeit sind wir
nicht vor Gefahren gefeit. Faschismus und Kommunismus mögen gescheitert oder diskreditiert sein, aber
die Kräfte der Zerstörung leben weiter. Wir sehen sie
in der plötzlichen Explosion von ethnischem, rassi-

AMERIKA DIENST 16

schem, religiösem Haß und Stammesfehden. Wir
sehen sie in den rücksichtslosen Akten verbrecherischer Staaten. Wir sehen sie insbesondere in dem
gefährlichen Geflecht neuer Bedrohungen wie Terrorismus, internationalem Verbrechen und Drogenhandel
sowie der andauernden Bedrohungen, die Massenvernichtungswaffen über den Globus hinweg verbreiten
könnten. Diese Kräfte der Zerstörung können ihr Werk
eben wegen der Offenheit, Freiheit und Fortschritte
verrichten, die für uns so großen Wert besitzen.
Wir müssen uns vor Augen führen, daß moderne
Technologien allein nicht eine neue Welt des Friedens
und der Freiheit für uns schaffen. Technologie kann
für Gutes oder Schlechtes eingesetzt werden. Die
amerikanische Führungsrolle ist erforderlich um
sicherzustellen, daß die Konsequenzen gut sind. Aus
diesem Grund haben wir so hart gearbeitet, um die
durch den Wandel geschaffenen Chancen zu ergreifen
und uns unverzüglich und unerschütterlich gegen die
neuen Bedrohungen zu stellen, die der Wandel
hervorgebracht hat.
Um die Chancen zu nutzen, stärken wir unsere
Bündnisse, verringern auf dramatische Weise die
Gefahr der Massenvernichtungswaffen, führen den
Marsch für Frieden und Demokratie auf der ganzen
Welt an und schaffen sehr viel größeren Wohlstand im
Inland, indem wir die Märkte für amerikanische
Produkte im Ausland öffnen.

Seite 1

�Unsere Bündnisse bilden das Fundament der amerikanischen Führungsrolle. Wie wir im Golfkrieg, in Haiti
und jetzt in Bosnien sehen konnten, werden viele
andere Nationen, die unsere Ziele teilen, auch unsere
Lasten teilen. In Europa haben wir die Kräfte der
Demokratie und Reform in der ehemaligen Sowjetunion und den Abzug der russischen Truppen aus dem
Baltikum unterstützt sowie den Weg zur Öffnung der
Türen der NATO für die neuen Demokratien Europas
durch die Partnerschaft für den Frieden bereitet,
während Europa, das größte Schlachtfeld für das
blutigste Jahrhundert der Geschichte, sich endlich in
Frieden zusammenschließt.
In Asien haben wir unser Sicherheitsbündnis mit Japan
wiederbelebt, mit Südkorea auf die Förderung eines
dauerhaften Friedens auf der koreanischen Halbinsel
hingearbeitet und stets ein starkes, stabiles und
offenes China ermutigt. Das Ende des Kalten Krieges
hat uns auch gestattet, die dunkle Wolke der nuklearen
Angst zu vertreiben, die seit 50 Jahren über uns
schwebte. Heute ist keine einzige russische Rakete
auf unsere Bürger oder Städte gerichtet. Wir reduzieren die russischen und amerikanischen Arsenale um
zwei Drittel der Anzahl auf dem Höhepunkt des Kalten
Krieges. Wir haben der Ukraine, Belarus und Kasachstan bei der Verlagerung ihrer Nuklearwaffen geholfen,
die nach der Auflösung der Sowjetunion auf ihrem
Territorium verblieben waren.

im Ausland öffneten. Die wirkliche Meßlatte unserer
Sicherheit ist nicht nur physische Sicherheit, sondern
auch wirtschaftliches Wohlergehen. Jahrzehnte später
werden die Menschen auf diese Zeit zurückblicken und
die weitreichendsten Veränderungen im Welthandelssystem seit Generationen ausmachen. Veränderungen, die gut für das amerikanische Volk sind. Veränderungen, zu denen 200 neue Handelsabkommen
zählen, darunter GATT und NAFTA, der gesamtamerikanische Gipfel sowie die Verpflichtung der
Staats- und Regierungschefs des asiatisch-pazifischen
Raums zum Abbau der Handelsschranken. Aufgrund
dieser Veränderungen ist Amerika weltweit wieder der
Exporteur Nummer eins, und infolgedessen haben wir
eine Million neuer hochbezahlter Arbeitsplätze.
Keine dieser Errungenschaften ist von selbst gekommen. Sie wurden gemacht, weil wir mit anderen
bei der Teilung der Risiken und Kosten des Engagements zusammenarbeiten, weil wir die Macht unseres
Beispiels und gegebenenfalls das Beispiel unserer
Macht nutzen. Sie wurden gemacht, weil wir heute zu
harten Entscheidungen in dem Wissen bereit waren,
daß sie sich morgen für Sie bezahlt machen. Und vor
allem wurden sie gemacht, weil wir uns weigerten,
denjenigen Gehör zu schenken, die sagten, nach dem
Ende des Kalten Krieges sollte Amerika sich für
Wirklichkeitsflucht statt Engagement entscheiden. Mit
einer solchen Entscheidung hätten wir das Streben der
Welt nach Freiheit, Toleranz und Wohlstand geschwächt und unsere eigene Sicherheit und unseren
Wohlstand unterminiert.

Wir arbeiten mit Japan und Korea zusammen und
haben Nordkorea überzeugt, das gefährliche Nuklearwaffenprogramm einzufrieren, das von dem Land seit
über einem Jahrzehnt entwickelt wurde. Wir haben
den Kampf für Frieden und Freiheit vorangebracht.
Wenn die Menschen in Freiheit und Frieden leben,
haben wir größere Sicherheit, weil es weniger wahrscheinlich ist, daß sie auf Gewalt zurückgreifen oder
die Menschenrechte verletzen und wahrscheinlich
bessere Handelspartner und Partner in unserem
gemeinsamen Kampf gegen Terrorismus, internationales Verbrechen und Drogenhandel sowie Zerstörung der Umwelt sind.

Tatsache ist, daß Amerika weiterhin eine unentbehrliche Nation ist. Es gibt Zeiten, in denen Amerika - und
nur Amerika - den Unterschied zwischen Krieg und
Frieden, zwischen Freiheit und Unterdrückung,
zwischen Hoffnung und Angst bewirken kann. Natürlich können wir nicht alle Lasten der Welt auf uns
nehmen. Wir können nicht der Weltpolizist werden.
Aber wo unsere Interessen und Werte es erfordern
und wo wir etwas bewirken können, muß Amerika
handeln und die Führungsrolle übernehmen.

Weil Amerika diese Risiken für Frieden und Demokratie auf sich nimmt, sind die Diktatoren aus Haiti
verschwunden. Die Demokratie ist zurückgekehrt und
der Flüchtlingsstrom hat aufgehört. In Bosnien sind die
Felder des Todes der Heckenschützen wieder zu
Kinderspielplätzen geworden. In Nordirland und im
Nahen Osten nähern sich Konflikte, die einst unlösbar
schienen, einer Beilegung, auch wenn Schwierigkeiten
bestehen bleiben.

Nirgendwo ist diese Verantwortung deutlicher oder
vordringlicher als beim Kampf gegen Terrorismus.
Niemand ist dagegen gefeit - sei es in einer U-Bahn in
Tokio oder einem Bus in Tel Aviv, beim Einkaufsbummel in London oder einem Spaziergang in Moskau, bei der Ausübung seiner Pflicht in Saudi-Arabien
oder seiner Arbeit in Oklahoma City. Terrorismus hat
sich mit uns auf eine Stufe gestellt und respektiert
keine Grenzen.

Keiner dieser Kämpfe ist leicht. Es gibt keine Erfolgsgarantie. Aber wir werden weiter auf den Erfolg
hinarbeiten, und wir werden etwas bewirken.

Ob es uns gefällt oder nicht, auf gute wie auf schlechte
Weise, leben wir in einer interdependenten Welt. Aus
diesem Grund müssen wir die Mauern in unseren
Köpfen zwischen Außen- und Innenpolitik einreißen.
Die Realität ist, daß unser persönlicher, gemeinschaftlicher und nationaler Wohlstand von unseren

Wir haben die Chance ergriffen, um das Leben unserer
Bürger im Inland zu verbessern, indem wir die Märkte

Seite 2

AMERIKA DIENST 16

�wirtschaftlichen und handelspolitischen Maßnahmen
im In- und Ausland abhängt. Unser persönliches,
gemeinschaftliches und nationales Wohlergehen hängt
von unseren umweltpolitischen Maßnahmen im In- und
Ausland ab, und unsere persönliche, gemeinschaftliche und nationale Sicherheit hängt von unseren
Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung im In- und
Ausland ab. Wir können nicht das Allgemeinwohl im
Inland verbessern ohne auch das Allgemeinwohl auf
der ganzen Welt zu verbessern. Wir können nicht die
Bedrohungen unseres Volkes verringern ohne die
Bedrohungen der Welt jenseits unserer Grenzen zu
verringern. Aus diesem Grund muß der Kampf gegen
Terrorismus sowohl eine nationale Priorität als auch
eine Priorität im Bereich der nationalen Sicherheit sein.
Wir haben an drei Fronten eine konzertierte nationale
und internationale Strategie zur Bekämpfung des
Terrorismus verfolgt: Erstens jenseits unserer Grenzen durch verstärkte Zusammenarbeit mit unseren
Freunden und Verbündeten, zweitens im Inland durch
Ausstattung der Strafverfolgungsbehörden mit den
wirksamsten Instrumenten zur Terrorismusbekämpfung und drittens auf unseren Flughäfen und in
unseren Flugzeugen durch Verstärkung der Luftfahrtsicherheit.
Es wird ein langer, harter Kampf, bei dem es auch
Rückschritte geben wird. Aber ebenso wie uns im
Zweiten Weltkrieg und während des Kalten Krieges
kein Feind von der Bewältigung unserer Herausforderungen und dem Schutz unserer Werte abhalten
konnte, lassen wir uns heute nicht von unserem harten
Kampf gegen den Terrorismus abhalten. Der Terrorismus ist der Feind unserer Generation, und wir müssen
uns dagegen behaupten.
An der internationalen Front erfordert die Eindämmung
des Terrorismus eindeutig gemeinsame Aktionen. Die
Vereinigten Staaten haben eine besondere Verantwortung zur Übernahme einer Führungsrolle bei
diesen Bestrebungen. Beispielsweise haben unsere
Nachrichtendienste in den letzten vier Jahren stärker
als je zuvor mit anderen Nationen zusammengearbeitet.
Das Entscheidende bei diesen gemeinsam mit anderen Ländern durchgeführten Bestrebungen sind nicht
Gespräche, sondern Taten. Immer mehr Länder
führen mit uns gemeinsame Aktionen durch. Immer
mehr Länder versprechen, Terroristen keine Zuflucht
zu bieten und handeln ihren Auslieferungsgesetzen
gemäß, damit Terroristen nicht in ihr Land flüchten
oder sich dort verstecken können. Immer mehr Länder
helfen uns bei der Schließung der grauen Märkte, die
Terroristen mit Waffen und gefälschten Papieren
versorgen.
Vergangene Woche in Paris einigten sich die G-7Staaten und Rußland auf einen umfassenden Maß-

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nahmenkatalog, um Terroristen das Handwerk zu
legen und sie zu ergreifen. Und wir stellten Zeitpläne
mit bestimmten Fristen auf, innerhalb derer Fortschritte
erzielt werden müssen. Ferner arbeiten wir mit SaudiArabien an der Erhöhung der Sicherheit unserer dort
stationierten Streitkräfte, damit wir weiterhin die
Aggression verbrecherischer Staaten abschrecken
und dem Terrorismus im Nahen Osten die Stirn bieten
können.
Obwohl wir enger denn je mit unseren Verbündeten
zusammenarbeiten und mehr Einigkeit über die
erforderlichen Maßnahmen besteht als jemals zuvor,
sind wir uns nicht immer einig. Wo wir verschiedener
Meinung sind, können und werden die Vereinigten
Staaten dennoch das ihres Erachtens Richtige tun.
Aus diesem Grund haben wir Sanktionen gegen den
Terrorismus fördernde Staaten verhängt oder verstärkt: Iran, Irak, Libyen und Sudan. Man kann keine
Geschäfte mit Staaten abschließen, die bei Tag mit dir
Handel treiben und bei Nacht die Terroristen finanzieren oder schützen, die dich und unschuldige Zivilisten
umbringen. Das wäre falsch. Ich hoffe und erwarte,
daß unsere Verbündeten diese grundlegende Wahrheit bald akzeptieren.
Heute morgen habe ich das Gesetz über Sanktionen
gegen Iran und Libyen unterzeichnet. Es baut auf dem
auf, was wir bereits zur Isolierung dieser Regime
unternommen haben, indem wir harte Strafen gegen
ausländische Unternehmen verhängten, die in Schlüsselsektoren neue Investitionen tätigen. Durch das
Gesetz wird ihnen das Geld vorenthalten, das sie zur
Finanzierung des internationalen Terrorismus oder
zum Erwerb von Massenvernichtungswaffen benötigen. Es wird den Druck auf Libyen zur Auslieferung
der des Bombenanschlags auf Pan Am-Flug 103
Verdächtigten erhöhen.
Ich fordere den Senat erneut zur Ratifizierung der
Chemiewaffenkonvention auf, damit wir das Arsenal
chemischer Waffen beseitigen und unseren Strafverfolgungsbehörden neue Befugnisse zur Ermittlung
und strafrechtlichen Verfolgung derjenigen geben
können, die Angriffe mit solchen Waffen planen. Wir
haben die entsetzlichen, zerstörerischen Auswirkungen von Saringas in der Tokioter U-Bahn gesehen.
Innerhalb von einem Monat nach jenem Anschlag
ratifizierte das japanische Parlament die Chemiewaffenkonvention, was wir jedoch noch nicht getan haben.
Wäre die Chemiewaffenkonvention heute in Kraft, wäre
der Erwerb chemischer Waffen für Terroristen weitaus
schwieriger. Sie warten nicht, und wir sollten es auch
nicht tun.
Die dritte Front bei unserem
rismus sind Flughäfen und
näher zusammenbringen.
sicherste Beförderungsart.
schaften bieten statistisch

Kampf gegen den TerroFlugzeuge, die uns alle
Die Luftfahrt bleibt die
Und unsere Fluggesellgesehen die größte Si-

Seite 3

�cherheit in der Branche. Aber das ist nur ein geringer
Trost, wenn ein einziger Anschlag so viele Menschenleben kosten kann.
Verstärkte internationale Zusammenarbeit, strengere
amerikanische Strafverfolgung und mehr Sicherheit bei
der Luftfahrt - das sind die Fronten unserer konzertierten Strategie bei der Terrorismusbekämpfung. Ein
Großteil dieser von Strafverfolgungsbehörden, Nachrichtendiensten und dem Militär geleisteten Arbeit
findet wenig Beachtung, zeitigt jedoch Ergebnisse.
Ich möchte dem amerikanischen Volk klarmachen, daß
wir zwar Terroristen besiegen können, es jedoch noch
lange dauern wird, bis wir den Terrorismus besiegen.
Amerika bleibt eine Zielscheibe, weil wir in der Welt auf
einzigartige Weise präsent sind, weil wir uns für die
Förderung von Frieden und Demokratie einsetzen, weil
wir uns dem Terrorismus entschiedener entgegenstellen und weil wir die offenste Gesellschaft der Welt
sind. Das zu ändern - unsere Truppen aus den
Krisenregionen der Welt abzuziehen, denjenigen, die
um des Friedens willen Risiken eingehen, den Rücken
zu kehren, unseren Widerstand gegen den Terrorismus zu schwächen, die Freiheit zu verringern, auf die
wir von Geburt an ein Recht haben - würde bedeuten,
dem Terrorismus einen Sieg zu verschaffen, den er
nicht erringen darf und nicht erringen wird.
In diesem Kampf ist die amerikanische Führungsrolle ebenso wie bei zahlreichen anderen Herausforderungen auf der ganzen Welt - unerläßlich. Bei der Über-

* *

Seite 4

nähme unserer Führungsrolle im Kampf gegen den
Terrorismus dürfen wir weder zögerlich noch arrogant
sein, sondern benötigen Realismus, Entschlossenheit
und Selbstvertrauen. Und wir müssen verstehen, daß
wir in dieser Schlacht mehr einsetzen müssen als
Polizisten und militärische Ressourcen. Jeder einzelne von Ihnen zählt - jeder Amerikaner zählt.
Unsere größte Stärke ist unser Selbstvertrauen. Und
das ist die Zielscheibe der Terroristen. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die Bomben, die Unschuldige töten oder verstümmeln, sind nicht wirklich
gegen diese Menschen gerichtet, sondern gegen den
Geist unseres ganzen Landes und den Geist der
Freiheit. Daher beinhaltet der Kampf gegen den
Terrorismus mehr als die von mir bereits angeordneten
oder angestrebten neuen Sicherheitsmaßnahmen.
Letztlich erfordert er die zuversichtliche Bereitschaft
des amerikanischen Volkes, seinen überzeugten
Einsatz für Freiheit und Frieden beizubehalten und die
unerläßliche Kraft für die Schaffung einer besseren
Welt zu Beginn eines neuen Jahrhunderts zu bleiben.
Diese Verantwortung ist enorm, und ich bin mir
bewußt, daß sie schwer auf vielen Amerikanern lastet.
Aber wir sollten diese Verantwortung bereitwillig
übernehmen, weil zum gegenwärtigen Zeitpunkt
niemand außer uns dasselbe für die Förderung von
Frieden, Freiheit und Demokratie leisten kann - und
weil es zum gegenwärtigen Zeitpunkt für Frieden,
Freiheit und Wohlstand in unserem eigenen Land
erforderlich ist.

* *

*

AMERIKA DIENST 16

�USA-ISRAEL
21. August 1996

Friedensprozeß könnte Israel zum "asiatischen Tiger"
des Nahen Ostens machen
Rede von Staatssekretär Stuart E. Eizenstat

TEL AVIV - (AD) - Der Staatssekretär im US-Wirtschaftsministerium, Stuart E. Eizenstat, erklärte in einer Rede am
6. August 1996 vor der israelisch-amerikanischen Handelskammer, man gehe davon aus, daß Israel das
Äquivalent eines "asiatischen Tigers" im Nahen Osten werden könnte, "falls Israel und seine Nachbarn auf dem
Weg zum Frieden bleiben".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Rede von Staatssekretär Eizenstat.

Die israelisch-amerikanischen Beziehungen haben
sich so weit entwickelt, daß die US-Regierung nicht
mehr nur Auslandshilfe gewährt oder ein strategischer
Sicherheitspartner ist - so wichtig das auch sein mag.
Die Vereinigten Staaten haben jetzt auch die Rolle
eines strategischen Wirtschaftspartners übernommen,
der zu einem entscheidenden Zeitpunkt in der israelischen Geschichte einen Beitrag zum Aufbau einer
stärkeren und gesunderen israelischen Volkswirtschaft
leistet. Erstmals können wir uns jetzt gegenseitig als
echte Wirtschaftspartner betrachten und unsere
handeis- und wirtschaftspolitischen Differenzen von
unseren politischen und diplomatischen Belangen
trennen - wie wir es mit anderen Ländern tun. Wir
haben florierende Handelsbeziehungen im Volumen
von 12 Milliarden Dollar - ein 12prozentiger Anstieg im
Vergleich zum Vorjahr - womit Israel auf der Liste
unserer weltweiten Handelspartner an die 18. Stelle
rückt und im Nahen Osten unser zweitgrößter Handelspartner ist. Amerikanische Unternehmen haben in
Israel Investitionen im Wert von 3 Milliarden Dollar
getätigt. Unser Freihandelsabkommen wurde jetzt
nach einer zehnjährigen Einleitungsphase vollständig
in Kraft gesetzt. Unsere Wirtschaftsbeziehungen sind
stark - könnten jedoch sogar noch besser sein. Eine
unserer obersten handelspolitischen Prioritäten ist der
Abschluß des Abkommens über die Landwirtschaft,
das den israelischen Agrarmarkt noch stärker für
amerikanische Produzenten öffnen soll.

AMERIKA DIENST 16

Über die Jahre hinweg haben die Vereinigten Staaten
Israel Militär- und Wirtschaftshilfe in Milliardenhöhe
gewährt, was einen beträchtlichen Anteil

unserer

gesamten jährlichen Auslandshilfe ausmachte.
Ebenso wie in den vergangenen Jahren bleiben wir
einer Aufrechterhaltung unserer Wirtschafts- und
Militärhilfe für Israel verpflichtet. Gleichzeitig engagieren wir uns dafür sicherzustellen, daß Israel wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen kann. Daher
haben wir seit Anfang 1985 in systematischer partnerschaftlicher Arbeit mit Israel dem Land bei der notwendigen Reform seiner Wirtschaft geholfen.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Israel historisch gesehen keine nennenswerte Tradition freier Marktwirtschaft. Eine große Partei war sozialistisch, die andere
populistisch, und es gab nur eine winzige Partei, die
sich für die freie Marktwirtschaft einsetzte. Im Laufe
der letzten 50 Jahre entwickelte sich die israelische
Wirtschaft jedoch beträchtlich weiter. Von 1948 bis
1973 befand sich der Staat Israel in seiner Aufbauphase - einer Zeit beträchtlichen Wachstums und der
Entwicklung, in der eine moderne Infrastruktur geschaffen und Militärtechnologie von Weltklasse
entwickelt wurde. Die jährlichen Wachstumsraten
betrugen zwischen 1960 und 1973 bei einstelliger
Inflationsrate im Durchschnitt real 9 Prozent. Nach
dem Jörn Kippur-Krieg und der enormen Erhöhung des
Ölpreises durch die OPEC durchlief Israel seine zweite
Phase, in der die Militärlast des Landes wuchs und
sich das Wirtschaftswachstum verlangsamte. 12

Seite 1

�Jahre lang verzeichnete Israel fortgesetzt niedriges
Wachstum sowie erst zweistellige, dann dreistellige
Inflationsraten. Bis 1985 stieg die Inflation explosionsartig an - bis zu 400 Prozent -, es gab eine große
Konsumwelle, einen gefährlichen Run auf Devisenrücklagen, ein Haushaltsdefizit von bis zu 15 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts sowie Auslandsverschuldung in Höhe von netto 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
In dieser Zeit wurde eine dritte Phase in der Wirtschaftsgeschichte Israels eingeleitet. Die Koalitionsregierung von Shimon Peres und Jitzhak Shamir führte
harte und wirksame Steuerreformen durch. Zum
ersten Mal waren die Vereinigten Staaten direkt an der
Gestaltung der israelischen Volkswirtschaft beteiligt.
Die Vereinigten Staaten und Israel gründeten die
Gruppe für gemeinsame Wirtschaftschaftsentwicklung
(Joint Economic Development Group - JEDG) und
leiteten damit eine neue Ära in der Wirtschaftsgeschichte Israels ein. Dies war eine äußerst erfolgreiche Initiative, obwohl sie unter der vorherigen Administration brachlag. Unter der Clinton-Administration
haben wir sie erneut belebt, und letzten Herbst feierte
sie ihr zehnjähriges Bestehen. Sie half Israel bei der
Durchführung bedeutender ökonomischer Strukturreformen. Femer schlössen die Vereinigten Staaten und
Israel in diesem Zeitraum (1985) das Freihandelsabkommen ab, das heute vollständig in Kraft ist.
Angesichts des Zustroms von Einwanderern aus der
ehemaligen Sowjetunion sowie aus Äthiopien erkannte
Israel, daß es eine große Zahl von Flüchtlingen
aufnehmen würde. 1990 beschloß die israelische
Regierung, die US-Regierung um Bürgschaften für
Geschäftskredite zu bitten. Das Bürgschaftsprogramm
in Höhe von 10 Milliarden Dollar verschaffte Israel den
dringend benötigten Zugang zu Kapital, ohne seine
Abhängigkeit von amerikanischer Auslandshilfe zu
erhöhen. Israel setzte das Kreditbürgschaftsprogramm
erfolgreich zum Ausbau seiner Infrastruktur ein - eine
große Leistung der Regierung Rabin. Im Rahmen des
Kreditbürgschaftsprogramms baute Israel Straßen und
leitete größere Infrastrukturprojekte ein, die das Land
auf den Zustrom von Investitionen aus dem Ausland
vorbereiteten. Ohne diese Infrastruktur hätte Israel
keine ausländischen Investoren ins Land bringen oder
dort halten können.
Nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens
von 1993 mit den Palästinensern und des Friedensvertrags mit Jordanien im Jahr 1995 begann die vierte
Phase in der israelischen Wirtschaftsgeschichte.
Israel hatte eine der niedrigsten Quoten ausländischer
Direktinvestitionen pro Kopf der Bevölkerung, und auf
vielen Märkten wurde durch den sekundären und
tertiären Boykott der Araber der Absatz israelischer
Produkte wirksam verhindert. Der Friedensprozeß hat
das dramatisch verändert. Tatsächlich gab es eine
echte Friedensdividende für Israel. Israel öffnete sich

Seite 2

der Welt, und die Welt öffnete sich Israel. Ausländische Investitionen, darunter Geld asiatischer und
sogar amerikanischer Unternehmen, die Israel früher
gemieden hatten, flössen ins Land und stiegen von
300 Millionen Dollar im Jahr 1993 auf 2 Milliarden
Dollar im Jahr 1996 an. Gleichzeitig kamen Waren
aus aller Welt nach Israel. Es gab einen starken
Anstieg israelischer Exporte auf Märkten, die durch
den Friedensprozeß geöffnet wurden. Die Exporte
erhöhten sich insgesamt von 16,7 Milliarden Dollar
1989 auf 29,7 Milliarden Dollar 1995. Die Exporte in
den Femen Osten wuchsen seit 1993 um 80 Prozent von 2,5 Milliarden Dollar 1993 auf 3,8 Milliarden Dollar
im letzten Jahr. Japan ist jetzt der zweitgrößte Absatzmarkt Israels, und der Anstieg israelischer Exporte
dorthin ist verblüffend - von 769 Millionen Dollar 1993
auf 1,3 Milliarden Dollar im Jahr 1995. Die israelischen
Exporte wuchsen auch auf anderen Märkten, beispielsweise Südamerika, wo sie von 319 Millionen
Dollar 1993 auf 454 Millionen Dollar 1995 anstiegen.
Israel ist für seine Hochtechnologieexporte von
Weltklasse bekannt, beispielsweise Computersoftware
und medizinisches Gerät.
Die Ergebnisse waren verblüffend.
Israel schuf
zwischen 1989 (1,6 Millionen Erwerbstätige) und 1995
(2 Millionen Erwerbstätige) eine halbe Million Arbeitsplätze und nahm während dieses Zeitraums noch
nahezu 730.000 Einwanderer aus der ehemaligen
Sowjetunion auf. Tatsächlich entspricht die Arbeitslosenrate der zwischen 1989 und 1991 Eingewanderten ungefähr der allgemeinen Arbeitslosenrate.
Insbesondere 1995 war ein bemerkenswertes Jahr, in
dem erstmals seit Jahrzehnten einstellige Inflations- (8
Prozent) und Arbeitslosenraten (6,1 Prozent) zu
verzeichnen waren. Israel hatte eine der höchsten
Wachstumsraten in den Industrieländern (7,1 Prozent)
- die höchste aller OECD-Staaten.
Ferner ist Israel der Nährboden für Ideen, die in
anderen Staaten Anwendung finden. Lange bevor
freier Handel modern wurde, lange vor dem NAFTA
und der Uruguay-Runde schlössen die Vereinigten
Staaten und Israel mit Blick auf die Zukunft ein Abkommen über die Beseitigung aller Zölle auf Produkte,
die zwischen den beiden Ländern gehandelt werden.
Nach einer zehnjährigen Einleitungsphase ist das
amerikanisch-israelische Freihandelsabkommen vollständig in Kraft, und unser bilateraler Handel stieg von
3,4 Milliarden Dollar 1984 auf nahezu 12 Milliarden
Dollar an.
Die konkrete Manifestation des israelischen Erfolgs
findet sich in den Zahlen. Die amerikanischen Direktinvestitionen in Israel belaufen sich jetzt nahezu auf 3
Milliarden Dollar, und mehr amerikanische Unternehmen als je zuvor betrachten Israel als ihr regionales
Hauptquartier im Nahen Osten. Über 200 amerikanische Unternehmen haben bereits in Joint-ventures
und 100prozentige Tochtergesellschaften in Israel

AMERIKA DIENST 16

�investiert. Die Vereinigten Staaten sind weiterhin
Israels größter Handelspartner.
Im Energie- und Infrastrukturbereich sind die Chancen
besonders groß.
Beispielsweise beteiligen sich
amerikanische Unternehmen an allen Stadien des
Projekts zum Ausbau des Ben Gurion-Flughafens bis
zum Jahr 2000. Amerikanische Firmen (General
Electric und Babcock &amp; Wilcox) sind die Hauptlieferanten von Turbinen und Boilern an die israelischen
Elektrizitätswerke. Und amerikanische Unternehmen
nutzen die sich durch den Bau von Autobahnen,
Schmalspurbahnen sowie Hafenausbau und -entwicklung bietenden Chancen.
Auch im Technologiesektor, der in den kommenden
Jahren die treibende Kraft der Weltwirtschaft sein wird,
wurden die amerikanisch-israelischen Wirtschaftsbeziehungen gestärkt. Israel schuf auf den Gebieten
Elektronik, Computer, Informationsaustausch, Energie
und Landwirtschaft eine technologische Basis, die
schnell weltweite Anerkennung fand. Amerikanische
Firmen streben verstärkt Joint-ventures im Technologiebereich mit israelischen Unternehmen an. Das
amerikanische Unternehmen Intel gab vor kurzem
Pläne für den Bau eines Fabrikationsbetriebs im Wert
von 1,5 Milliarden Dollar in Kiryat Gat bekannt. Und
das ist erst der Anfang. Vergangene Woche in
Washington hatte ich die Ehre und das Vergnügen, im
Rahmen der Zusammenkunft der amerikanischisraelischen Wissenschafts- und Technologiekommission mit Wirtschaftsminister Kantor meinen Freund,
den Industrie- und Handelsminister Natan Sharansky
zu treffen. Sein Werdegang - von einem Refusenik im
Gefangenenlager der ehemaligen Sowjetunion zum
Minister im israelischen Kabinett innerhalb eines
kurzen Jahrzehnts - ist ein Beweis für seinen Mut und
seine Entschlossenheit, für die von Israel geschaffene
offene Gesellschaft und für die Kraft der zionistischen
Vision.
Viele von Ihnen wissen, daß die
Wissenschafts- und Technologiekommission zu einem
entscheidenden Zeitpunkt im Entwicklungszyklus
neuer, wettbewerbsfähiger Produkte Gelder bereitstellt
und zusätzlich auch Privatkapital aufbringt. Ferner
kombiniert sie technologisches Fachwissen und
unternehmerischen Weitblick aus unseren beiden
Ländern, wodurch ein großes Potential für Wachstum
und Chancen geschaffen wird. Dies ist ein weiteres
Beispiel dafür, wie Israel Ideen hervorbringt und wie
die Vereinigten Staaten und Israel durch Zusammenarbeit Präsident Clintons Vision der Schaffung von
Arbeitsplätzen im Hochtechnologiebereich unserer
beiden Länder für das 21. Jahrhundert verwirklichen.
Zu den Planungen der Kommission gehören ein
Projekt zur Elektrizitätserzeugung mit Solarenergie, ein
Aquakulturprojekt sowie die Ausstellung verschiedener
israelischer Technologien im Biotechnologiebereich.
Bis heute hat die Kommission 48 Millionen Dollar für
diese Projekte ausgegeben.

AMERIKA DIENST 16

Ein von mir vorgeschlagenes, besonders interessantes
Projekt der Kommission war, daß meine Behörde - die
internationale Handelsbehörde ITA - bei der Initiative
zur Konversion der Rüstungsindustrie mitwirkt. Dies
beinhaltet die Vermarktung israelischer Technologien
in den Vereinigten Staaten von Firmen, die den
schwierigen Übergang von Rüstungs- zu ziviler
Produktion vollzogen haben. Das Fachwissen der ITA
im Bereich der Vermarktung und passenden Zusammenstellung wird ein wichtiger Bestandteil bei der
Vorstellung dieser Technologien in unserem Land.
Zusätzlich
zu Joint-ventures
unterstützt
die
Wissenschafts- und Technologiekommission eine
Reihe von Infrastrukturprojekten wie von der Lebensmittelbehörde veranstaltete Unterrichtsstunden für
klinische Praktiken, die sowohl von der amerikanischen als auch der israelischen Pharmaindustrie gut
angenommen werden. Diese Harmonisierung der
Standards - auf die wir mit der Europäischen Union
durch Abkommen über gegenseitige Anerkennung
hingearbeitet haben - könnte enorme Profite für Israels
Pharmaindustrie und die Hersteller von medizinischen
Geräten bedeuten.
Diese bemerkenswerten Fortschritte in Israels vierter
Phase ergaben sich aus dem Zusammenspiel interaktiver Maßnahmen - den Vorteilen makroökonomischer
Disziplin, Strukturreformen und der Fortsetzung des
Friedensprozesses - die alle für dauerhafte Fortschritte
in dieser vierten Phase unerläßlich waren und sind.
Der Friedensprozeß öffnete gleichzeitig den
israelischen Binnenmarkt für ausländische
Investoren und Märkte im Ausland und brachte so für Israel eine wirkliche Friedensdividende.
Makroökonomische Disziplin unter der festen
Führung der Bank von Israel und eine niedrigere Inflationsrate zu einer Zeit explosionsartigen Wachstums. Dies wird nun ergänzt
durch eine willkommene, diszipliniertere
Haushaltspolitik der Regierung, mit der die
Notwendigkeit behoben wird, daß die Geldpolitik allein die Last der Inflationsbekämpfung
trägt.
Strukturreformen wie die Stärkung der Unabhängigkeit der Zentralbank und die Abschaffung von Restriktionen bei Kapitalkontrollen, so daß der Schekel jetzt eine international konvertierbare Währung ist und Fortschritte bei der Privatisierung, mit der die
Wirtschaft liberalisiert, der israelische Unternehmergeist freigesetzt sowie amerikanische
und ausländische Investitionen ermutigt
wurden.

Seite 3

�Diese Fortschritte sollten nicht als selbstverständlich
erachtet werden. Der Ministerpräsident hat angedeutet, daß er das Abkommen von Oslo umsetzen und
Friedensverhandlungen mit Syrien und dem Libanon
führen will. Dies ist für die Bewahrung des positiven
Umfelds für Israels andauernden und gemehrten
Wohlstand unerläßlich.
Ungeachtet all dieser positiven Entwicklungen können
und sollten die amerikanisch-israelischen Handelsbeziehungen noch enger und vielfältiger sein. Aus der
Handels- und Investitionsperspektive der Vereinigten
Staaten beträgt der amerikanische Marktanteil in Israel
nur ungefähr 20 Prozent des israelischen Importmarkts
- selbst nach der vollständigen Verwirklichung des
amerikanisch-israelischen Abkommens über eine
Freihandelszone von 1995 und selbst angesichts der
zunehmenden Effizienz und Transparenz des Importregimes. Im Gegensatz dazu hatte die Europäische
Union im Jahr 1995 einen Marktanteil von über 52
Prozent in Israel. Im vergangenen Jahr verzeichnete
Israel ein Handelsdefizit in Höhe von 8,7 Milliarden
Dollar mit der EU und einen Handelsüberschuß von
239 Millionen Dollar mit den Vereinigten Staaten obwohl die Vereinigten Staaten in den ersten sechs
Monaten dieses Jahres einen Handelsüberschuß
haben. Wir glauben nicht, daß die amerikanischen
Produkte den Anteil des israelischen Markts erhalten,
der ihnen zukommt. Ich stelle einen positiven Trend in
den gerade veröffentlichten Handelszahlen für die
erste Hälfte des Jahres 1996 fest. Unseres Erachtens
sollte es jedoch eine beträchtliche Erhöhung der
amerikanischen Exporte geben, zum Teil wegen der
Kreditgarantie in Höhe von 10 Milliarden Dollar. Im
zweiten aufeinanderfolgenden Jahr wurden die
Vereinigten Staaten als wettbewerbsfähigstes Land
der Welt eingestuft. Unsere Produkte und Dienstleistungen sind so gut wie alle anderen der Welt in
praktisch jedem Bereich und auf vielen Gebieten die
besten. Sie haben einen konkurrenzfähigen Preis und
werden durch exzellente Dienstleistungen unterstützt.
Die Tatsache, daß ich dies behaupten kann, deutet auf
den gesunden Zustand unserer einzigartigen Beziehungen hin, die jetzt so fest verwurzelt sind, daß wir
Handelsprobleme ohne die Sorge ansprechen können,
daß sie unsere unanfechtbaren, unerschütterlichen
politischen, militärischen und diplomatischen Beziehungen schwächen könnten.
Meiner Ansicht nach tritt Israel unter Ministerpräsident
Netanjahu in die fünfte Phase ein - in der Steuerdisziplin neu bekräftigt, die Inflation eingedämmt und
die letzten Relikte des Sozialismus durch grundlegende wirtschaftliche Umstrukturierung und Liberalisierung
überwunden werden. Wir sind optimistisch und erfreut
über Ministerpräsident Netanjahus Vorschläge zur
Förderung von Wirtschaftswachstum und Entwicklung.
Die Vereinigten Staaten unterstützen sein Programm
zum Abbau des Haushaltsdefizits, für Steuerdisziplin,
Deregulierung und Privatisierung uneingeschränkt.

Seite 4

Wir wollen Israels Wirtschaftspartner in der vielversprechenden wirtschaftlichen Zukunft sein, die dieses
Programm unseres Erachtens nach seiner Umsetzung
herbeiführen wird.
Ministerpräsident Netanjahus Haushaltsvorlage für das
nächste Fiskaljahr wird zur Vermeidung einer Konjunkturüberhitzung beitragen - die bereits wieder abkühlt und ein stärkerer Partner der Geldpolitik bei der
Bekämpfung der Inflation sein. Die Verwirklichung
dieses Programms ist unerläßlich.
Die nächste Phase sollte eine sein, in der Israel
wirtschaftlich als Modell für Entwicklungsländer auf der
ganzen Welt dient. Israel hat eine besondere Chance,
den Weg im Hinblick auf wirtschaftliche Umstrukturierung und Disziplin zu ebnen. Ein kritischer Bereich, in
dem Israel weltweit etwas bewirken kann, bestünde in
einer beträchtlichen Verbesserung seines restriktiven
Angebots bei den Telekommunikationsverhandlungen
der WTO. Israels letztes Angebot sah keine Rechte für
zusätzlichen Marktzugang über den Bezek und IBS
gewährten hinaus vor. Für die Vereinigten Staaten
und die Welt ist kein Wirtschaftssektor wichtiger. Ein
verbessertes Angebot von Israel würde einen Anreiz
für andere sich rasch entwickelnde Nationen darstellen. Wenn Bezek in Indien und der ehemaligen
Sowjetunion konkurrieren kann, hält das Unternehmen
auch dem Wettbewerb hier in Israel stand. Die
Vereinigten Staaten hoffen, daß Israel Bezeks Monopol bei den inländischen Telefondiensten und der
Telekommunikationsinfrastruktur durch ein WTOAngebot aufheben wird, in dem ein festes Datum für
die Beendigung der Exklusivrechte für inländische
sowie internationale Dienste und Einrichtungen
gesetzt, eine Prüfung des wirtschaftlichen Bedarfs für
Zellulardienste abgeschafft und die zur Zeit in Genf
ausgehandelten Regulierungsprinzipien zugunsten
des Wettbewerbs unterstützt werden. Das amerikanische Angebot erlaubt 100prozentige ausländische
Direktinvestitionen über das gesamte Spektrum des
Markts für Ortsgespräche, inländische Ferngespräche
und internationale Telefondienste in den Vereinigten
Staaten hinweg.
Der Ministerpräsident ist sich Israels Potential zu einer
weltweiten wirtschaftlichen Führungsmacht bewußt,
und wir unterstützen seine Pläne zum Abbau der
bürokratischen und sonstigen Hemmnisse, die das
Wirtschaftswachstum in der Vergangenheit behinderten. Ungefähr 56 Prozent des israelischen Bruttoinlandsprodukts kommen aus staatlichen oder vom Staat
kontrollierten Wirtschaftsunternehmen. Wir unterstützen auch uneingeschränkt den Plan des Ministerpräsidenten zur Privatisierung der Banken und anderer
größerer Unternehmen in staatlichem Besitz, um noch
größere Investitionen anzuziehen. Er hat die Privatisierung von 50 der 160 staatlichen Unternehmen
bis zum Ende seiner Amtszeit zugesagt. Wir stimmen
mit dem Ministerpräsidenten überein, daß dies ein

AMERIKA DIENST 16

�entscheidender Teil von Israels Zukunft und ein Mittel
zur Anhebung des Lebensstandards ist.
Diese
Maßnahmen werden nicht nur weitere ausländische
Direktinvestitionen fördern, sondern auch Arbeitsplätze
schaffen und von direktem Vorteil für den israelischen
Privatsektor sein. Zweifelsohne werden die Pläne des
Ministerpräsidenten zur Einschränkung der Rolle des
Staates in der Wirtschaft zu Israels Wirtschaftswachstum, der Schaffung von Arbeitsplätzen und zum
Wohlstand des Landes beitragen.
Es steht außer Frage, daß Israel für eine Führungsrolle
im kommerziellen Umfeld des 21. Jahrhunderts
geeignet ist. Israel muß die Gelegenheit zur Vertiefung
der bereits weitreichenden Wirtschaftsreformen
ergreifen, die in den vergangenen Jahren unternom-

men wurden, und Ministerpräsident Netajahus Verpflichtung zur Privatisierung und Deregulierung wird
diese Reformen konsolidieren. Dieser Kurs wird zur
Bewahrung des bemerkenswerten Wirtschaftswachstums beitragen, dessen sich Israel dank des Friedensprozesses erfreut. Während die Volkswirtschaften in
der Region offener und integrierter werden, kann das
Wirtschaftswachstum in Israel noch größere Chancen
für Wachstum in der Region bieten, das wiederum
Frieden und Stabilität fördert. Die uns und Israel
konfrontierende Herausforderung ist klar: Wir müssen
sicherstellen, daß unsere Bestrebungen an der
diplomatischen und der wirtschaftlichen Front fortgesetztwerden und unser gemeinsames Ziel von Frieden
und Wohlstand auch im 21. Jahrhundert vorangebracht wird.

* *

AMERIKA DIENST 16

*

Seite 5

�WAHLEN
21. August 1996

Republikaner hoffen auf Belebung des Wahlkampfs
durch Dole-Kemp-Team
Entscheidung für den Vizepräsidentschaftskandidaten

SAN DIEGO - (AD) - In Amerika gibt es ein altes
Sprichwort, das besagt: "Die Politik bringt die verschiedensten Leute zusammen."
Wie sonst könnte man so ungleiche Teams wie
Präsident Kennedy und Vizepräsident Johnson im Jahr
1960 erklären? Oder Präsident Reagan und Vizepräsident Bush im Jahr 1980? Oder Bob Dole und Jack
Kemp im Jahr 1996?
All diese Teams waren bei vielen politischen Themen
entgegengesetzter Meinung, und dennoch sahen es
die Präsidentschaftskandidaten der jeweiligen Partei
als angebracht an, einen Mitkandidaten auf ihre
Wahlliste zu setzen, der Divergenz statt Kontinuität
versprach.
Am Vorabend des nationalen Parteikonvents der
Republikaner am 11. August 1996 kam der designierte
Präsidentschaftskandidat Dole an Bord einer Fähre in
Begleitung des Mitstreiters seiner Wahl, Kemp - einem
Mann, mit dem er sich seit 15 Jahren über Wirtschaftsfragen streitet - im Hafen von San Diego an.
Bis zur Ankündigung seines neuen Plans für Steuersenkungen in der vergangenen Woche führte Dole als
Führer der Republikaner im Senat den Kampf zum
Abbau des enormen Haushaltsdefizits an.
Kemp, der ehemalige Footballstar, der Politiker wurde,
ist seit langem ein Befürworter einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik, die Steuersenkungen vor den
Defizitabbau stellt, in der Annahme, dies würde zur
Ankurbelung des Wachstums beitragen, mehr Arbeitsplätze schaffen und damit mehr Einnahmen bringen.
Im Jahr 1988, als beide erfolglose Herausforderer des
damaligen Vizepräsidenten Bush bei der Nominierung
des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
waren, äußerte Dole, daß Kemp sich so für die Gewerkschaften stark gemacht habe, ließe "einem die

AMERIKA DIENST 16

Haare zu Berge stehen", und Kemp sagte, für Dole
"gibt es keine Steuer, die er nicht erhöht".
An diesem Tag gab es jedoch nur Lächeln und
Einigkeit, als die beiden Männer der jubelnden Menge
erklärten, daß sie die Wahl im November zu gewinnen
dächten und Präsident Abraham Lincoln mit dem Satz
zitierten: "Gebt unserer Nation eine neue Geburt der
Freiheit", indem alle Steuern gesenkt werden und ein
ausgeglichener Haushalt angestrebt wird.
Die Delegierten des Parteitags kamen in San Diego
an, als Dole in seiner Heimatstadt Russell in Kansas
am 11. August offiziell seinen Entscheidung für Kemp
bekanntgab. Die Unterhaltungen in Hotelhallen und
Empfangsbereichen drehten sich kaum um ein anderes Thema. Der Mehrheitsführer des Repräsentantenhauses Dick Armey äußerte: "Man konnte fast einen
spontanen Freudenausbruch im ganzen Land vernehmen."
Von vielen politischen Beobachtern wurde es als
gewagt und unerwartet genug angesehen, um Doles
Wahlkampf anzuheizen. Die Parteiführer begrüßten
die Entscheidung und brachten ihre Hoffnung zum
Ausdruck, sie möge den Parteitag beleben und die
Wähler anregen, sich Dole noch einmal genauer
anzusehen. Der ehemalige Mehrheitsführer des
Senats liegt bei öffentlichen Meinungsumfragen immer
noch 20 Prozentpunkte hinter Präsident Clinton, aber
zumindest bei einer von der Washington Post durchgeführten holte Dole zehn Punkte auf, nachdem
bekannt wurde, daß Kemp der Spitzenkandidat ist.
Die Medien hatten davor über eine Reihe von Gouverneuren der Bundesstaaten spekuliert, aber in der
letzten Minute konzentrierte sich die Aufmerksamkeit
auf Kemp als einzigem Mitstreiter mit nationaler
Anerkennung.

Seite 1

�Doles Sprecher Nelson Warfield bezeichnete Kemp als
den "eloquentesten, effektivsten und erfahrensten
Befürworter von wachstumsfördernden Maßnahmen"
mit "bemerkenswerter Popularität auf dem gesamten
politischen Spektrum".

Nachdem er der Quarterback der Footballmannschaften San Diego Chargers und Buffalo Bills gewesen war, wurde Kemp in einem von Demokraten
dominierten und von Arbeitern bewohnten Wahlbezirk
in Buffalo zum Kongreßabgeordneten gewählt.

Ein früherer Rivale Doles, der Unternehmer Steve
Forbes, äußerte, das "Dream Team" Dole-Kemp würde
Unabhängige und Demokraten ins Lager der Republikaner ziehen.

Er wurde als lautstarker Gegner von Kommunismus
und Abtreibung bekannt, bekämpfte aber auch Kürzungen der Sozialleistungen. Kemp erklärte, er habe
beim Profisport enge Beziehungen zu Afro- und
Hispanoamerikanern geknüpft, was seine Ansichten
über berufliche Gleichstellung beeinflußt habe Ansichten, die ihm oftmals Zwistigkeiten mit vielen
seiner Parteikollegen bescherten.

Einige mutmaßten, daß Kemp attraktiv für Frauen ist eine Gruppe, die Clinton gegenüber Dole bevorzugt.
Selbst die Anführerin der Abtreibungsbefürworter unter
den Republikanern, Ann Stone, fand nette Worte und
erklärte, auch wenn Kemp Abtreibungsgegner sei,
verfüge er doch über die Fähigkeit zur Überbrückung
von Meinungsverschiedenheiten und "erreicht Wähler,
die die Republikaner für gewöhnlich ignorieren Minderheiten, ethnische Gruppen und Gewerkschaftsmitglieder."
Aber obwohl Analysten einräumen, daß Kemp dem
Wahlkampfteam Energie und Schwung verleihen wird
und auch für die Bürger, die traditionell nicht republikanisch wählen, attraktiv ist, fragen sie sich, ob das
ausreicht.
Als Reaktion auf die Entscheidung Doles erklärte der
Wahlkampfsprecher Präsident Clintons, Joe Lockhart,
dies sei ohne Bedeutung, da der Vizepräsidentschaftskandidat "bei den meisten Wahlkämpfen keine klar
definierte Rolle" habe. Berichten zufolge war der
Präsident jedoch "schockiert" und erklärte vor Journalisten, er hätte erwartet, daß sein republikanischer
Rivale sich für einen anderen Vizepräsidentschaftskandidaten entscheiden würde.
Manche Beobachter sehen es als mögliches Problem
an, daß Kemp dafür bekannt ist, seine Meinung zu
sagen, obwohl er erklärtermaßen weiß, daß Dole im
Wahlkampfteam an erster Stelle steht. Mitglieder der
religiösen Rechten äußerten Besorgnis darüber, daß
Kemp zwar als Konservativer angesehen wird, jedoch
auch einige freiheitliche Tendenzen aufweist. In
Kalifornien verärgerte er viele Konservative gegen
Ende des Wahlkampfs 1994, als er Kritik an einem
örtlichen Volksbegehren äußerte, scharf gegen die
Inanspruchnahme von Sozialleistungen durch illegal im
Land lebende Ausländer vorzugehen.
Kemp erklärte, wenn die Republikanische Partei nicht
die "Partei von Reformen, Wandel, Fortschritt und
Zukunft" werde, geriete sie "in die Defensive" und
würde schließlich nur noch "auf den Zusammenbruch
der Clinton-Administration hoffen. Das ist keine Art,
einen Präsidentschaftswahlkampf zu führen."

Seite 2

Kemps Wirkung auf Afroamerikaner ist einer der
größten politischen Aktivposten, die er in den Wahlkampf einbringt. Traditionell wählt ein großer Teil
dieser Bevölkerungsgruppe die Demokratische Partei.
Kemp ist auch für seine umstrittenen Ideen bekannt,
beispielsweise eine 33prozentige Steuersenkung, die
1981 schließlich zum Kern von Präsident Reagans
erfolglosen Steuerplänen wurde.
1988 gab Kemp freiwillig seinen Sitz im Kongreß auf,
um sich erfolglos um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner zu bewerben und
beteiligte sich als "progressiver Konservativer" kurze
Zeit am Wahlkampf. Aber weder die Konservativen
noch die Progressiven seiner Partei fühlten sich
damals von ihm angesprochen.
Präsident Bush ernannte ihn später zum Minister für
Wohnungsbau und Stadtentwicklung.
In dieser
Eigenschaft verfolgte er energisch zwei Ideen: Städtische Unternehmenszonen zur Ermutigung von
Wirtschaftswachstum und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in armen Wohngebieten sowie Eigentumsrechte der Mieter an Sozialwohnungen.
Eigenen Angaben zufolge begann Kemp während
seiner Zeit als Wohnungsbauminister in seiner Partei
auf die Einbeziehung von Minderheiten und Armen zu
drängen sowie Maßnahmen zum Wiederaufbau des
städtischen Amerika zu ergreifen.
1993 war Kemp eines der Gründungsmitglieder der
konservativen Denkfabrik "Empower America", die
freie Marktwirtschaft und Kapitalismus, Wachstum von
Arbeitsplätzen und sozialpolitische Maßnahmen
fördert, welche den Menschen und nicht der staatlichen Bürokratie mehr Befugnisse verleihen.
Jack Kemp wurde am 13. Juli 1935 in Los Angeles
geboren und erwarb am Occidental College sein
Bakkalaureat. Er hat mit seiner Frau Joanne vier
erwachsene Kinder und mehrere Enkelkinder.

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�WAHLEN
21. August 1996

Beim Präsidentschaftswahlkampf wird Amerika
der Spiegel vorgehalten
Rede von Bob Dole beim nationalen Parteikonvent der Republikaner

SAN DIEGO - (AD) - Der Präsidentschaftswahlkampf ist "mehr als ein Wettstreit zwischen Kandidaten, mehr als
die Auseinandersetzung mit entgegengesetzten Philosophien - beim Wahlkampf wird Amerika der Spiegel
vorgehalten", erklärte Bob Dole in seiner Dankesrede für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der
Republikaner am 15. August 1996.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Bob Dole im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, sehr geehrte Delegierte,
liebe Mitbürger,
ich möchte mit einfachen Worten klar und deutlich
sagen: Ich nehme Ihre Nominierung an, unsere Partei
erneut zur Präsidentschaft zu führen. Ich bin zutiefst
bewegt durch Ihr Vertrauen und Ihre Zuversicht und
sehe der Aufgabe erwartungsvoll entgegen, Amerika in
das nächste Jahrhundert zu geleiten.
Dies ist jedoch nicht meine Stunde. Es ist Deine
Stunde, Elizabeth. Es ist Deine, Robin. Es ist Eure
Stunde, Jack und Joanne Kemp.
Und denken Sie nicht, ich hätte vergessen, wessen
Stunde dies vor allem ist. Für das amerikanische Volk
stehe ich heute abend hier, das mir diese Gelegenheit
geboten hat. Und während meine Stimme in der
Dunkelheit und in der Wüste widerhallt, während sie in
Autoradios und auf Küstenstraßen vernommen wird,
und während sie über Ackerland und in die Vororte
getragen wird, tief in das Zentrum von Städten, die
heute nacht, aus dem All gesehen, einer Kette glitzernder Diamanten gleichen, kann ich Ihnen sagen, daß
ich weiß, wessen Stunde dies ist: Es ist Ihre Stunde.
Und wer steht vor Ihnen?
Ich wurde in Russell in Kansas geboren, einer kleinen
Stadt mitten in der Prärie, umgeben von Weizenfeldern
und Bohrtürmen. Wie meine Freunde und Nachbarn
aus Russell, die heute abend hier vorne im Saal sitzen,

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gut wissen, blickt Russell, obwohl es nicht der Westen
ist, auf den Westen. Wie die meisten Kleinstädte in der
Prärie ist es ein Ort, an dem niemand ohne gründliche
Kenntnis der Distanz aufwächst. Und das erste, was
man über die Prärie lernt, ist die relative Größe eines
Menschen im Vergleich zur Weite des Landes. Unter
dem unendlichen Himmel, unter dem ich geboren
wurde und aufwuchs, ist ein Mensch sehr klein - und
wenn er etwas anderes denkt, hat er unrecht.
Meine Eltern sind gute Menschen, sehr gute Menschen, und ich bin stolz darauf. Mein Vater heißt
Doran, meine Mutter Bina. Ich hatte sie sehr lieb - und
es gibt keinen Augenblick, an dem meine Erinnerung
an sie und meine Liebe für sie nicht hinter allem steht,
das ich tue - selbst hier heute abend. Es gibt keine
Höhe, zu der ich aufgestiegen bin, die hoch genug
wäre, mich sie vergessen zu lassen, zu vergessen, wo
ich herkomme, wo ich stehe und wie ich hier stehe nur ein Mensch, der Gnade Gottes ausgeliefert.
Diese Perspektive wurde durch das Wissen gestärkt
und verfestigt, das ich nicht meiner eigenen Leistung
verdanke, sondern den gütigen Segnungen des Alters.
Ich weiß, daß manche denken, ich müßte vor dieser
Wahrheit davonlaufen. Ich wurde 1923 geboren Fakten sind besser als Träume - und gute Präsidenten
und gute Kandidaten laufen vor der Wahrheit nicht
davon.
Ich brauche die Präsidentschaft nicht, um meine Seele
zu erneuern. Diesen Trugschluß werde ich gerne

Seite 1

�anderen überlassen, denn Größe liegt nicht in dem
Amt, das man innehat, sondern darin, wie ehrlich man
ist, wie man sich Mißgeschicken stellt und wie man
unerschütterlich die Härten des Lebens erträgt.

Geschichte zurückreichen, reißt die Grundpfeiler
dieser Werte - Gott, Familie, Ehre, Pflicht, Vaterland nicht nieder, die uns im gesamten Verlauf der Zeit
zusammengebracht haben.

Das Alter hat seine Vorteile. Lassen Sie mich die
Brücke zu einem Amerika sein, das nur die Unwissenden als Mythos bezeichnen. Lassen Sie mich die
Brücke zu einer Zeit der Ruhe, des Glaubens an das
Handeln und des Vertrauens darauf sein. Denjenigen,
die sagen, das war nie so, Amerika war nie besser,
sage ich, Ihr habt unrecht, und ich weiß es, weil ich
damals gelebt habe. Ich habe es gesehen. Ich
erinnere mich.

Denjenigen, die glauben, ich sei zu kämpferisch, sage
ich, wenn ich kämpferisch bin, dann aus Liebe zu
unserem Land. Ich bin es, um einen Standard aufrechtzuerhalten, den zu verteidigen ich geboren und
erzogen wurde. Und denjenigen, die glauben, ich sei
zu kompromißbereit, sage ich, in der Politik ist ein
ehrbarer Kompromiß keine Sünde, sondern das, was
uns vor Absolutismus und Intoleranz schützt. Man darf
jedoch nie Kompromisse bezüglich Gott, Familie, Ehre,
Pflicht und Vaterland schließen.

Obwohl verwundet und vernichtet, hat unsere Nation
den Unabhängigkeitskrieg, den Bürgerkrieg, die
Weltkriege, rassische Unterdrückung und wirtschaftliche Katastrophen überdauert. Wir haben auf praktisch
jedem Kontinent und auf praktisch jedem Meer gekämpft und überdauert. Wir haben sogar verloren,
aber wir haben überdauert, und wir sind immer
durchgekommen.
Was uns zu diesen Leistungen verholten hat, hat
wenig mit den heutigen Werten zu tun. Was haben wir
erreicht, was haben wir geschaffen, was haben wir nach Jahrzehnten der Angriffe auf das, was Amerika
zur Größe verholten hat, auf angeblich veraltete
Werte? Der Meinung vieler Amerikaner nach haben
wir Verbrechen, Drogen, uneheliche Kinder, Abtreibung, die Nichterfüllung der Pflicht und verlassene
Kinder. Und nach der sprichwörtlichen Zerstörung der
amerikanischen Familie, dem Fels, auf dem dieses
Land gegründet wurde, wird uns gesagt, wir benötigen
ein Dorf - das heißt das Kollektiv und damit den Staat um ein Kind großzuziehen.
Der Staat ist mehr als je zuvor mit der Erziehung von
Kindern befaßt, und Kinder werden heute mehr
vernachlässigt, mißbraucht und mißhandelt als zu
unserer Zeit. Das ist kein Zufall, und bei allem gebührenden Respekt stehe ich hier, um Ihnen zu sagen:
Man braucht kein Dort, um ein Kind großzuziehen.
Man braucht eine Familie.
Wenn ich durch ein Wunder jedem Kind, das keinen
Vater oder keine Mutter hat, diesen Vater oder diese
Mutter wiedergeben könnte, würde ich es tun. Und
obwohl ich das nicht kann, würde ich ihnen nie meinen
Rücken zukehren, und als Präsident werde ich
Maßnahmen fördern, die Familien zusammenhalten.
Ich stehe hier, um Ihnen zu sagen, daß tabufreies und
zerstörerisches Verhalten abgelehnt werden muß, daß
Ehre und Freiheit wiederhergestellt werden müssen
und die Rechenschaftspflicht des einzelnen wieder an
die Stelle der kollektiven Entschuldigung treten muß.
Ich stehe hier, um Amerika zu sagen, gebt die großen
Traditionen nicht auf, die in die Anfänge unserer

Seite 2

Ich bin hier, um einen Maßstab zu setzen, damit alle
wissen, daß man es in der Politik zu etwas bringen
kann, wenn diese Dinge fest im Kopf verankert sind ohne Konzessionen und nie aufgegeben. Denn die
alten Werte haben Bestand. Obwohl sie in Vergessenheit geraten sein mögen und obwohl sie aufgegeben
werden, haben sie Bestand. Ich weiß, daß es stimmt.
Und jedem, der glaubt, daß Zurückhaltung, Ehre und
Vertrauen in das Volk der Regierung nicht wiedergegeben werden können, sage ich, folgt mir.
Nur das richtige Verhalten unterscheidet eine große
Nation von einer, die nicht über sich selbst hinauswachsen kann. Das war nie anders. Richtiges
Verhalten, jeden Tag, auf jeder Ebene, in allen Facetten des Lebens. Die Entscheidung eines Kindes,
keine Drogen zu nehmen; eines Schülers, nicht zu
pfuschen; einer jungen Frau oder eines jungen
Mannes, zu dienen, wenn sie einberufen werden;
eines Drehbuchautors, den Bergen von Müll nicht noch
weiteren hinzuzufügen; eines Geschäftsmannes, nicht
zu bestechen; eines Politikers, eine Stimme abzugeben oder eine Maßnahme zu ergreifen, die sein
Amt oder seine Siegeschancen aufs Spiel setzen, die
jedoch richtig ist. Warum haben so viele von uns - und
ich schließe mich nicht aus, denn ich bin auch kein
Vorbild an Perfektion - so lange diesen Test nicht
bestanden?
Die Antwort ist kein Geheimnis. Sie ist im Gegenteil
sehr einfach und kann ganz einfach gegeben werden.
Es liegt daran, daß wir zu lange eine Führung hatten,
die nicht bereit war, die Wahrheit zu riskieren, ohne
Kalkül zu sprechen, sich zu opfern - eine Administration, die dies Tag für Tag vermittelt, bis es wie ein
Regen herniederprasselt. Und der Regen wird zu
einem Fluß und der Fluß zu einer Überschwemmung.
Was ist wichtiger - Reichtum oder Ehre? Es geht nicht
um "die Wirtschaft, Du Dummerchen", wie die Sieger
vor vier Jahren sagten. Es ist die Nation, die wir sind.
Es hängt davon ab, ob wir die Intelligenz und Entschlossenheit besitzen, uns mit vielen Fragen zu
befassen - einschließlich Wirtschaftsfragen, aber

AMERIKA DIENST 16

�sicherlich nicht ausschließlich. Reichtum oder Armut
sind nicht für alles verantwortlich. Das weiß ich aus
erster Hand und Sie ebenfalls. Alles ergibt sich
daraus, was richtig ist. Der Triumph dieser Nation liegt
nicht in ihrem materiellen Wohlstand, sondern in Mut,
Opferbereitschaft und Ehre. Wir tendieren dazu, dies
zu vergessen, wenn unsere Politiker es vergessen,
und uns daran zu erinnern, wenn sie sich daran
erinnern.
Das hohe Amt der Präsidentschaft erfordert nicht eine
kontinuierliche Vierjahreskampagne zur Wiederwahl,
sondern vielmehr umfassende Übersicht über drei
unerläßliche Bereiche und die Konzentration darauf das Überleben des Materiellen, der Moral und der
Nation, und zwar in dieser aufsteigenden Rangfolge.
Bei der letzten Präsidentschaftswahl wurden Sie - das
Volk - zutiefst beleidigt. Ihnen wurde gesagt, das
Materielle sei nicht nur das Wichtigste dieser drei,
sondern in der Tat das einzig Ausschlaggebende.
Diese Meinung teile ich in keiner Weise. Niemand
kann die Bedeutung des materiellen Wohlergehens
leugnen. Und in dieser Hinsicht ist es Zeit für die
Erkenntnis, daß wir zu viel unserer wirtschaftlichen
Freiheit aufgegeben haben.
Ich weiß den Wert der wirtschaftlichen Freiheit nicht so
sehr im Hinblick auf das zu schätzen, was sie getan
hat, um uns zu ernähren, sondern vielmehr im Hinblick
auf das, was sie getan hat, um unsere Freiheit zu
bewahren. Die Freiheit des Marktes ist nicht nur der
beste Garant unseres Wohlstands, sie ist der Hauptgarant unserer Rechte. Eine Regierung, die zum Wohl
des Volkes die Kontrolle der Wirtschaft übernimmt,
wird schließlich zum Wohl der Wirtschaft die Kontrolle
des Volkes übernehmen.
Unsere Gegner stellen das Recht auf den Genuß der
Früchte unserer Zeit und Arbeit als eine Art Egoismus
dar, den sie zum Wohle der Nation bekämpfen müssen. Sie haben jedoch zutiefst unrecht, denn wenn sie
sich selbst die Befugnis übertragen, dem Volk sein
Einkommen wegzunehmen und seine Aktivitäten zu
dirigieren, kämpfen sie nicht zu unserem Wohl,
sondern um die Macht, uns sagen zu können, was wir
tun müssen.
Sie arbeiten vom 1. Januar bis zum Mai, nur um Ihre
Steuern zu bezahlen, damit die Regierungspartei ihre
Prioritäten mit dem Schweiß Ihres Angesichts befriedigen kann, weil sie denkt, was Sie mit Ihrem Geld
machen würden, wäre moralisch und praktisch sehr
viel weniger bewundernswert als das, was sie damit
tun würde. Das muß einfach ein Ende haben. Es ist
erniedrigend für die Nation, daß innerhalb der ClintonAdministration ein Korps der Elite, die nie erwachsen
wurde, die nie wirklich etwas geleistet hat, die nie
Opfer gebracht hat, nie gelitten und nie gelernt hat, die

AMERIKA DIENST 16

Macht haben sollte, mit Ihrem Einkommen ihre dubiosen und eigensüchtigen Pläne zu finanzieren.
Irgendwo konnte eine Großmutter es sich nicht leisten,
ihre Enkelin anzurufen, oder ein Kind hatte kein Buch,
oder eine Familie konnte sich nicht ihr erstes Haus
kaufen, weil einfach nicht genug Geld da war, um den
Anruf zu machen, das Buch zu kaufen oder die
Hypothek zu bezahlen - oder, davon abgesehen, viele
andere Dinge zu tun, die man das Recht und häufig die
Pflicht hat zu tun.
Warum? Weil irgendein Genie in der Clinton-Administration das Geld zur Finanzierung einer weiteren
Theorie, eines weiteren Programms und von noch
mehr Bürokratie genommen hat. Kümmert sie sich um
Sie oder kümmert sie sich um sich selbst?
Ich habe mir diese Frage gestellt, und ich sage, laßt
das Volk frei sein.
Frei, soviel von dem zu behalten, was es verdient,
während die Regierung mit aller Macht bestrebt ist,
nicht zu nehmen, und nicht umgekehrt.
Ich vertraue dem amerikanischen Volk, daß es im
besten Interesse des Volkes arbeitet. Und ich glaube,
daß jede Familie, jeder Lohnempfänger und jedes
kleine Unternehmen in Amerika es besser machen
kann - wenn wir nur die richtige Politik in Washington
haben.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Mein Wirtschaftsprogramm ist die richtige Politik für Amerika.
Sie wird folgendes für Sie bedeuten.
Sie bedeutet, daß Sie einen Präsidenten haben
werden, der den Kongreß zur Verabschiedung eines
Verfassungszusatzes über einen ausgeglichenen
Haushalt und seine Weiterleitung an die Bundesstaaten zur Ratifizierung auffordert.
Sie bedeutet, daß Sie einen Präsidenten und einen
Kongreß haben werden, die den Haushaltsausgleich
bis zum Jahr 2000 herbeiführen müssen.
Sie bedeutet, daß Sie einen Präsidenten haben
werden, der die Steuern für jeden Steuerzahler in
Amerika um 15 Prozent senkt - dazu zählt ein Steuerfreibetrag in Höhe von 500 Dollar pro Kind für einkommenschwache Familien und solche mit mittlerem
Einkommen. Die Steuern für eine vierköpfige Familie
mit einem Einkommen von 35.000 Dollar würden um
mehr als die Hälfte gesenkt - 56 Prozent, genau
gesagt.
Sie bedeutet, daß Sie einen Präsidenten haben
werden, der das Finanzamt, wie wir es kennen,
abschafft.

Seite 3

�Sie bedeutet, daß Sie einen Präsidenten haben
werden, der die Rentenkonten des einzelnen aufstockt,
Präsident Clintons Steuererhöhung auf die Sozialversicherung rückgängig macht, Erleichterungen bei
der Grundbesitzsteuer einführt, staatliche Bestimmungen abbaut, unser bürgerliches Gesetzbuch reformiert,
Stipendien im Bildungswesen und eine Reihe anderer
Vorschläge bereitstellt, die für alle Amerikaner bessere
Chancen schaffen.
Und das ist noch nicht alles. Im Zusammenarbeit mit
Jack Kemp und einem republikanischen Kongreß
werde ich mich nicht zufrieden geben, bis wir unser
gesamtes Steuersystem reformiert und es fairer und
einfacher gemacht haben.
Das Prinzip, um das es hier geht, ist altbewährt und
wahr: Es ist Ihr Geld. Sie sollten sich nicht dafür
entschuldigen müssen, daß Sie das behalten wollen,
was Sie verdienen. Im Gegenteil, die Regierung sollte
sich dafür entschuldigen, daß sie so viel davon
wegnimmt. Die Clinton-Administration versteht es
einfach nicht: Sie denkt, sie führe die Aufsicht über Sie.
Und deshalb muß sie gehen.
Der Präsident ist zufrieden mit der Lage der Dinge. Ich
nicht. Wir müssen uns zu einem sehr viel ehrgeizigeren Weg verpflichten, der Wachstum - erweiterte
Chancen, steigende Einkommen, vermehrten Wohlstand - zum Kernstück unserer nationalen Politik
macht. Wir müssen uns zu einer Handelspolitik
verpflichten, die nicht den Verdienst drückt und
amerikanische Arbeitsplätze bedroht. Die Handelspolitik der Clinton-Administration war in jeder Hinsicht
ein Desaster. Die Handelsdefizite steigen ins Unermeßliche und Familien mit mittlerem Einkommen
zahlen den Preis.
Meine Administration wird unsere Handelsgesetze
vollständig in Kraft setzen, effektive Handelsabkommen vereinbaren und nicht zulassen, daß unsere
nationale Souveränität durch die Welthandelsorganisation oder irgendein anderes Gremium beeinträchtigt
wird.
Meine Damen und Herren, Jack Kemp und ich werden
das Versprechen Amerikas wiederherstellen und die
Wirtschaft wieder in Gang bringen, und wir werden es
tun, ohne irgend jemanden zurückzulassen. Ich habe
im Verlauf meines Lebens und aus eigener Erfahrung
gelernt, daß nicht jeder Mann, jede Frau oder jedes
Kind es alleine schaffen kann. Daß in einer Zeit der
Not die Regierung selbst die Brücke zwischen Scheitern und Erfolg sein kann. Und angesichts all dessen,
was ich erfahren habe, werde ich mich immer an
diejenigen in Not erinnern. Aus diesem Grund habe
ich 1983 dazu beigetragen, das Sozialversicherungssystem zu retten und aus diesem Grund werde ich der
Präsident sein, der Medicare erhalten, geschützt und
verbessert hat.

Seite 4

Ich werde auch niemals den Mann vergessen, der im
Zug von Kansas nach Michigan reiste, um seinen
Sohn zu besuchen, der in einem Armeehospital im
Sterben lag. Als er ankam, waren seine Füße geschwollen und er konnte kaum laufen, weil er die Reise
von Kansas nach Michigan die meiste Zeit im Stehen
zurücklegte.
Wer war dieser Mann? Er war mein Vater. Mein Vater
war arm. Und ich hatte meinen Vater sehr lieb.
Können Sie sich je vorstellen, daß ich mein Versprechen gegenüber Amerikanern in Not nicht erfüllen
werde, während ich die Gesetze unterzeichne, die die
Wirtschaft von ihren Fesseln befreien. Sie können
sicher sein, daß ich das tun werde, denn etwas
anderes hieße, an denjenigen Verrat zu begehen, die
ich am meisten liebe und ehre, und ich will niemanden
im Stich lassen.
Jetzt möchte ich über Einwanderung sprechen. Das
Recht und die Pflicht einer souveränen Nation zur
Kontrolle ihrer Grenzen steht außer Frage. Wir dürften
keinen einzigen illegalen Einwanderer im Land haben.
Die Frage der Einwanderung ist jedoch umfassender,
und ich möchte spezifisch darauf eingehen. Eine
Familie aus Mexiko, die heute morgen - legal - hier
ankam, hat ebenso ein Recht auf den Amerikanischen
Traum wie die direkten Nachkommen der Gründerväter.
Die Republikanische Partei ist umfassend und bezieht
alle ein. Sie vertritt viele Meinungen und viele Gesichtspunkte. Wenn es jedoch jemanden gibt, der sich
fälschlicherweise in dem Glauben der Partei angeschlossen hat, daß wir nicht für Bürger jeder Rasse
und Religion offen seien, dann will ich Sie an folgendes
erinnern:
Heute abend gehört dieser Saal der Partei von Lincoln,
und die deutlich gekennzeichneten Ausgänge sind für
Sie da, damit sie hinausgehen können, während ich
hier stehe und diesen Boden verteidige - ohne Kompromiß.
Obwohl ich nur zu Washington und Lincoln aufsehen
kann, möchte ich Sie an ihre Sorge um die manchmal
zerbrechliche Einheit der Menschen erinnern. Der
Gedanke, daß wir ein Volk sind und sein sollten, statt
die "Völker" der Vereinigten Staaten, scheint so
selbstverständlich und offenkundig, daß ich mir kaum
vorstellen kann, ihn verteidigen zu müssen. Als ich in
Kansas aufwuchs, war für mich klar, daß mein Stolz
und mein Zuhause in Amerika sind, nicht in irgendeiner
Splitter- oder Untergruppe. Und damit bewahrte ich wie ich es bis zum heutigen Tag tue -Washingtons
eloquente Ablehnung von Parteigeist. Ich ehrte - wie
ich bis zum heutigen Tag tue - Lincolns Worte, sein
Leben und sein Opfer.

AMERIKA DIENST 16

�Das Prinzip der Einheit hat uns bei all unseren Erfolgen begleitet. Die 10. Gebirgsjägerdivision, bei der ich
in Italien diente, und die schwarzen Truppen der 92.
Division, die in der Nähe dienten, waren für mich ein
erneuter Beweis der Wahrheit, die ich hier zu vermitteln versuche. Der Krieg wurde nur eine Generation nach Amerikas größter und intensivster Einwanderungsperiode geführt. Und dennoch, als das Blut
der Söhne der Einwanderer und der Enkel der Sklaven
auf ausländische Schlachtfelder fiel, war es amerikanisches Blut. Darin konnte man nicht die ethnischen
Eigenheiten des Soldaten lesen, der neben einem
starb. Es war ein Amerikaner. Und wenn ich daran
denke, wie wir diese Lektion gelernt haben, frage ich
mich, wie wir sie je vergessen konnten.
Wird das Prinzip der Einheit, um das so hart und auf
Kosten so vieler Menschenleben gekämpft wurde, das
in unserer Geschichte immer wieder und zu solch
einem schrecklichen Preis umkämpft wurde, allmählich
dem Drang zu trennen geopfert? Müssen wir dem
sinnlosen Drang nachgeben, das auseinanderzubrechen, was schön, ganz und gut ist?
Ich fordere jeden Amerikaner auf, sich über all das zu
erheben, was uns trennen könnte und die Einheit der
Nation zu Ehren der vergangenen und um der kommenden Generationen willen zu verteidigen.
Die Verfassung der Vereinigten Staaten schreibt
gleichen Schutz im Rahmen des Gesetzes zwingend
vor. Das ist keine verschlüsselte Sprachregelung für
Rassismus - sie spricht sich eindeutig dagegen aus.
Und der Leitstern meiner Administration wird sein, daß
wir in diesem Land keine Rangordnung per Geburt,
keinen Anspruch auf Bevorzugung aufgrund der Rasse
und keine Erwartung eines Urteils haben können, das
anders als unparteiisch ist. Wir können das Ergebnis
nicht garantieren, aber wir werden die Chance garantieren.
Ich werde offen über ein anderes bedeutendes Thema
sprechen. Wir gewähren nicht allen Kindern Bildung.
Zu viele sind gezwungen, sich den Unbilden des
Augenblicks zu stellen. Nicht umsonst geben wir am
meisten für Bildung aus und zählen zu denjenigen mit
der geringsten Leistung in den führenden Industrienationen.
Die Lehrergewerkschaft nominierte Bill Clinton im Jahr
1992, sie finanziert jetzt seine Wiederwahl, und sie seine zuverlässigsten Anhänger - wissen, daß er den
Status quo aufrechterhalten wird.
Ich sage dies nicht den Lehrern, sondern ihren
Gewerkschaften: Wenn sich die Bildung im Krieg
befände, würden Sie ihn verlieren. Wenn sie ein
Geschäft wäre, würden Sie es in den Bankrott treiben.
Wenn sie ein Patient wäre, würde er sterben.

AMERIKA DIENST 16

Den Lehrergewerkschaften sage ich, wenn ich Präsident bin, werde ich Ihre politische Macht um unserer
Kinder, der Schulen und der Nation willen ignorieren:
Ich beabsichtige Ihr Vokabular um die Worte zu
erweitern, die Sie fürchten - freie Schulwahl, Wettbewerb und Stipendien - damit Sie wie wir alle rechenschaftspflichtig sind, während andere mit Ihnen um das
lobenswerte Prinzip konkurrieren, unseren Kindern
wirkliche Bildung zu vermitteln. Es gibt keinen Grund,
warum diejenigen, die an irgendeiner Straße in
Amerika leben, nicht dasselbe Recht wie jemand
haben sollten, der an der Pennsylvania Avenue 1600
wohnt - das Recht, sein Kind auf die Schule seiner
Wahl zu schicken. Wenn wir weniger Verbrechen,
Drogenmißbrauch oder Teenagerschwangerschaften
haben wollen, sollten wir damit anfangen, allen
amerikanischen Kindern eine Bildung erster Klasse zu
geben.
Ich möchte auch, daß diese Kinder ein Land erben,
das sehr viel sicherer ist als zur Zeit. Ich strebe für
unsere Kinder und Enkelkinder eine Welt an, die
offener ist und mehr Chancen bietet als je zuvor. Aber
wenn ich möchte, daß diese jungen Amerikaner das
Beste daraus machen können, dann möchte ich als
allererstes, daß sie sicher sind. Ich möchte den
Schatten lüften, der die Chancen für jede Frau, jeden
Mann und jedes Kind in Amerika verdunkelt. Wir sind
eine durch Verbrechen gelähmte Nation, und es ist an
der Zeit, das zu beenden.
Um das zu tun, werde ich die Ursache der Verbrechen
bekämpfen - die Verbrecher. Wenn unsere vielen und
unersättlichen Verbrecher, sagen wir um sechs Uhr
morgen früh, zu Bett gehen, beten sie besser darum,
daß ich diese Wahl verliere. Denn wenn ich gewinne,
wird das Leben für Gewaltverbrecher zur Hölle.
Unter der Reagan-Administration haben wir bedingte
Haftentlassungen auf Bundesebene abgeschafft. In
der Dole-Administration werden wir mit den Gouverneuren der Nation zusammenarbeiten, um bedingte
Haftentlassungen für Gewaltverbrecher in ganz
Amerika abzuschaffen. Und mit meiner nationalen
Initiative zur unverzüglichen Kontrolle werden wir keine
Pistolen in die Hände von Verbrechern gelangen
lassen.
Ich wurde gefragt, ob ich eine Feuerprobe für Richter
habe. Meine Feuerprobe für die Richter ist, daß sie
intolerant gegenüber Greueltaten sind, daß ihre
Leidenschaft nicht in der Änderung, sondern der
Auslegung der Verfassung besteht, daß sie zurückhaltend gegenüber denjenigen sind, die Gesetze befolgen
und strikt mit denen, die sie brechen.
Und für diejenigen, die sagen, ich sollte Bill Clintons
liberale richterliche Ernennungen nicht zu einem
Wahlkampfthema machen, habe ich eine einfache

Seite 5

�Antwort. Ich habe Ihre Argumente gehört: Der Antrag
wird als unbegründet abgelehnt.

Mit anderen Worten: Mischt Euch nicht ein, wenn Ihr
nicht bereit seid, die Konsequenzen zu tragen.

Ich respektiere die Verfassung, nicht diejenigen, die
sie ignorieren, brechen oder sie mit Gebilden ihrer
eigenen Phantasie ersetzen. Meine Administration
wird begierig die bürgerlichen und verfassungsmäßigen Rechte schützen und dabei nie vergessen,
daß unsere Hauptaufgabe der Schutz gesetzestreuer
Bürger ist. Ich habe nicht die Absicht, Gewaltverbrecher zu ignorieren, sie zu verstehen oder freizukaufen. Eine Nation, die sich nicht selbst gegen
Greueltaten verteidigen kann, verdient es nicht zu
überleben. Ein Präsident, der nicht die Führung
gegenüber denen übernehmen kann, die ihn berauben, verdient es nicht, Präsident zu sein. Ich bin
bereit, mehr politisches Kapital für die Verteidigung der
Ruhe im Inland aufzuwenden als jeder Präsident, den
Sie gekannt haben. Die Zeit für solche Risiken ist seit
langem reif.

Darüber hinaus war die Lektion stets klar und deutlich.
Wenn wir zur Verteidigung bereit sind - wenn wir bereit
sind, viele Kriege zu führen, größere Kriege und alle
Kriege, die kommen mögen - werden wir weniger
Kriege führen müssen, kleinere Kriege und vielleicht
überhaupt keine Kriege. Das war immer so und wird
immer so sein.

Bei der Verteidigung der Nation vor Bedrohungen von
außen kann das Überleben nicht einfach gedeichselt
werden. Es gibt keine Fehlerquote. Bei diesem
Thema muß der Präsident vielleicht mehr als bei jedem
anderen auf der gleichen Stufe wie das Volk stehen
und zur Übernahme politischer Risiken bereit sein. Ich
würde eher das in dieser Hinsicht Erforderliche tun und
nicht gewürdigt werden, als dies nicht zu tun und
universell gelobt zu werden. Es muß gesagt werden:
Aufgrund falsch gesetzter Prioritäten hat es massive
Kürzungen bei der Finanzierung unserer nationalen
Sicherheit gegeben. Meines Erachtens hat Präsident
Clinton nicht die angemessenen Mittel für unsere
künftige Verteidigung bereitgestellt. Was auch immer
die Gründe für sein Versagen sein mögen, es ist
unverantwortlich.
Ich bitte Sie, diese eindeutigen Unterschiede in
Betracht zu ziehen. Er glaubt, es sei akzeptabel,
unsere Streitkräfte zu bitten, mehr mit weniger zu tun.
Ich glaube das nicht. Seine Verteidigung besteht
darin, einem terroristischen Staat - Iran - grünes Licht
zu geben, um seinen Einfluß in Europa auszudehnen
und verläßt sich auf die Vereinten Nationen bei der
Bestrafung libyscher Terroristen, die amerikanische
Staatsbürger ermordet haben. Das werde ich nicht
tun. Er glaubt, die Verteidigung unseres Volkes und
unseres Territoriums gegen einen Raketenangriff sei
unnötig. Das glaube ich nicht.
Und an meinem ersten Tag im Amt werde ich Amerika
auf einen Kurs bringen, der unsere Verletzbarkeit
gegen Raketenangriffe behebt und unsere Streitkräfte
wiederaufbauen. Präsident Clinton hat sich geweigert,
diesen Kurs einzuschlagen. An meinem ersten Tag im
Amt werde ich auch eine Warnung an Terroristen
aussprechen: Wenn Ihr einem Amerikaner Schaden
zufügt, fügt ihr allen Amerikanern Schaden zu. Und
Amerika wird Euch bis ans Ende der Welt verfolgen.

Seite 6

Ich bin nicht der erste, der sagt, daß uns die Offiziere
von Westpoint nie enttäuscht haben - das haben sie
nie getan. Diejenigen, die beim Gedanken an Vietnam
zurückschrecken könnten, sollten dies überdenken,
denn in Vietnam haben uns die Offiziere von Westpoint nicht enttäuscht, wir haben sie enttäuscht. Der
amerikanische Soldat war nicht für die gleichgültige
und arrogante Behandlung gemacht, die ihm dort
widerfuhr, wohin er ohne klares Ziel oder Zweck
entsandt worden war, von Regeln gebunden, die den
Sieg verhinderten und wo er im Tal der Schatten des
Todes zehn Jahre lang in Wartestellung verharren
mußte, während die Nation die unumstrittene Frage
seiner Ehre erörterte. Nein. Der amerikanische Soldat
war nicht gemacht, ohne klares Ziel und Zweck in eine
Schlacht geworfen zu werden, nicht gemacht, auf dem
Schlachtfeld allein gelassen zu werden, nicht gemacht,
sein Leben für Indifferenz oder mangelnden Respekt
zu lassen.
Ich werde nie einen amerikanischen Soldaten ohne
Aussicht auf Sieg zu einem schweren Auftrag entsenden. Und wenn ich Präsident bin, werden unsere
Männer und Frauen in unseren Streitkräften wissen,
daß der Präsident ihr Oberbefehlshaber ist - nicht
Boutros Boutros-Ghali oder irgendein anderer Generalsekretär der Vereinten Nationen.
Das schulde ich nicht nur den Lebenden, sondern den
Toten, jedem Heldengrab, den Geistern von Valley
Forge, von Flanders Field, von Bataan, dem Chosin
Reservoir, Khe Sanh und dem Golf. Das schulde ich
den Männern, die vor nicht einmal drei Jahren in den
Straßen von Mogadischu starben, den Schatten der
Klippen der Normandie, den Infanteristen, die nie nach
Hause kamen, den Fliegern, die zur Erde fielen und
den Seeleuten, die für ewig auf See ruhen.
Das ist nicht eine Frage der Politik, sondern etwas
sehr viel Gravierenderes. Wie das Band des Vertrauens zwischen Eltern und Kind ist es das Herzblut
der Nation. Dies erfordert nicht nur Opfer, sondern
Anstand bei der Regierungsführung, die sowohl Mut
als auch Vorsicht verkörpert. Und das schulden wir
nicht nur uns selbst. Unsere Verbündeten fordern
Konsequenz und Entschlossenheit, die sie von uns
ebenso verdienen wie wir von ihnen. Aber selbst wenn
sie zögern, dürfen wir dies nicht, denn die Geschichte
hat uns zum Führer bestimmt, und wir sind von der

AMERIKA DIENST 16

�Geschichte verpflichtet, den höchsten Standard zu
wahren.

Regierung kann das Volk nicht dirigieren, das Volk
muß die Regierung dirigieren.

In diesem Zusammenhang möchte ich Sie an das
erinnern, was die Nation den Präsidenten Nixon, Ford,
Reagan und Bush schuldet. Präsident Nixon engagierte China und die Sowjetunion mit genialem diplomatischem Geschick. Präsident Ford, der mir 1976 zum
Start verhalf, widerstand den Zeiten großer Schwierigkeiten unerschütterlich und mit größter Würde.

Das ist nicht die Sichtweise meines Gegners - und er
ist mein Gegner, nicht mein Feind.

Ohne Präsident Reagan würde es die Sowjetunion
heute noch geben. Er führte das Ende des Kalten
Krieges herbei, nicht - wie einige forderten - durch
Kompromisse und Kapitulation, sondern indem er
siegte.
Präsident Bush führte mit einer Meisterschaft, für die
es keine Worte gibt, die Koalition im Golfkrieg und ihre
Streitkräfte zum Sieg. Einen Krieg, der Jahre gedauert und das Leben Zehntausender Amerikaner gefordert haben könnte, ging so schnell vorbei und verlief
so reibungslos, daß die Geschichte immer noch Atem
holen und ihm den ihm gebührenden Tribut zollen
muß. So ist die Geschichte. Immer wenn wir ihre
einzigartige Präsenz vergessen, erteilt sie uns eine
Lektion in Anstand und Ehrfurcht.
Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, sehe immer
weniger von mir selbst und immer mehr Geschichte diese von uns geschaffene Zivilisation, die Amerika
heißt. Ich bin zufrieden und werde immer damit
zufrieden sein, meine eigene Geschichte in großen
Ereignissen subsumiert zu sehen, und das größte
dieser Ereignisse ist der Weg nach vorne des amerikanischen Volkes.
Was für ein großes Privileg es ist, im Zentrum dieser
Zeiten zu stehen, und das verdanke ich Ihnen - dem
amerikanischen Volk. Ich verdanke Ihnen alles, und
um es richtig zu machen und den Kreis zu schließen,
werde ich mich so oft ich kann an Sie wenden. Es
obliegt mir, dies zu tun, es ist meine Pflicht und mein
zutiefst gehegter Wunsch.
Und so bitte ich heute abend ehrerbietig um Ihren
Segen und Ihre Unterstützung. Die Wahl wird nicht
von den Umfragen, den Meinungsmachern oder den
Gelehrten entschieden. Sie wird von Ihnen entschieden.
Ich bitte um Ihre Stimme, damit ich Ihnen eine Administration geben kann, die fähig und ehrlich ist und
Ihnen vertraut.
Denn im Grunde geht es nicht um Politik, sondern um
Vertrauen - nicht nur darum, ob die Menschen dem
Präsidenten vertrauen, sondern ob der Präsident und
seine Partei dem Volk vertrauen, seiner Güte und
seinem Genie zur Gesundung vertrauen. Denn die

AMERIKA DIENST 16

Obwohl mein Gegner in jüngster Zeit versucht hat, ein
guter Republikaner zu sein, gibt es bestimmte Unterschiede, die selbst er nicht verwischen kann. Es gibt
Unterschiede zwischen den beiden großen Parteien,
die in den nächsten 82 Tagen erörtert werden und
erörtert werden müssen.
Er und seine Partei, die uns die größte Steurerhöhung
der Geschichte beschert hat.
Wir sind die Partei niedrigerer Steuern und größerer
Chancen.
Wir sind die Partei, deren Entschlossenheit nicht ins
Wanken geriet, als der Kalte Krieg andauerte, wir
zitterten nicht vor einem sowjetischen Giganten, der
kurz vor dem Zusammenbruch stand, und wir mußten
nicht gebeten werden, die Waffen gegen Saddam
Hussein zu erheben.
Wir sind nicht die Partei, die nichts Böses hört, nichts
Böses sieht und einfach sagen kann: "Sag einfach
Nein", wenn der Drogenmißbrauch unter den Jugendlichen in die Höhe schnellt.
Wir sind die Partei, die dem Volk vertraut. Ich vertraue
dem Volk. Das ist das Kernstück dessen, was ich
Ihnen heute abend gesagt habe.
Meine Freunde, der Präsidentschaftswahlkampf ist
mehr als ein Wettstreit zwischen Kandidaten, mehr als
die Auseinandersetzung mit entgegengesetzten
Philosophien - beim Wahlkampf wird Amerika der
Spiegel vorgehalten. Er ist eine Meßlatte dessen, wer
wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen.
Denn soviel Anregungen wir auch aus einer glorreichen Vergangenheit schöpfen mögen, sehen wir
Amerika vor allem als das Land von morgen. Denn wir
sind hier von einer höheren Macht zu einem Zweck
vorgesehen. Jeder Soldat in Uniform, jedes Schulkind,
das vor der Flagge das Treuegelöbnis spricht, jeder
Bürger, der seine Hand ans Herz legt, wenn die Flagge
vorbeigetragen wird, ist sich unseres amerikanischen
Schicksals bewußt und reagiert darauf.
Optimismus liegt uns im Blut. Ich weiß das besser als
die meisten anderen. Es gab eine Zeit, in der ich an
der Zukunft zweifelte. Aber ich habe gelernt, daß
Hindernisse überwunden werden können, und ich
habe unbegrenztes Vertrauen in die Klugheit unseres
Volkes und die Zukunft unseres Landes.
Heute abend stehe ich vor Ihnen, erprobt durch
Widrigkeiten, durch Härten sensibel gemacht, ein

Seite 7

�Kämpfer aus Prinzip und der optimistischste Mann in
Amerika. Denn mein Leben hat mich gelehrt, daß
Amerika ein Land ohne Grenzen ist.

Mit beiden Beinen am Boden und einem von Hoffnung
gefüllten Herz setze ich mein Vertrauen in Sie und den
Gott, der uns alle liebt. Ich bin davon überzeugt, daß
die besten Tage Amerikas noch kommen. Möge Gott
Sie schützen, und möge Gott Amerika schützen.

* * * * *

Seite 8

AMERIKA DIENST 16

�LITERATUR
21. August 1996

Regionale amerikanische Literatur zum Kennenlernen
von Michael J. Bandler

(AD) - Der nachfolgende Artikel erörtert den Einfluß regionaler literarischer Werke, die kreative Arbeit in den
verschiedenen Regionen der Vereinigten Staaten und stellt einige führende Autoren vor, die örtliche Schauplätze
zum Leben erwecken.

Mit wenigen ausgewählten Sätzen in jedem seiner
Romane über das zeitgenössische Familienleben lüftet
der Romanschriftsteller Pat Conroy den Schleier über
dem Tiefland von South Carolina, das er seit seiner
Jugend kennt. E.L Doctorow beschreibt durch seine
beredten Bilder Schauplätze in New York und Erfahrungen aus früheren Zeiten, die für uns heute noch
Bedeutung haben. Ivan Doig aus der Gegend der
zerklüfteten Felsen im Westen der Vereinigten Staaten
öffnet mit seinen Satzgebilden dem Leser die Augen
für die Weite Montanas, während David Guterson das
Land durchquert und in seinen Büchern Einblicke in
das Leben an der Atlantik- und der Pazifikküste
gewährt.
Derzeit boomt die regionale Literatur in den gesamten
Vereinigten Staaten - von Stephen Kings Maine bis zu
Garrett Hongos Hawaii. Der Einfluß der Beiträge
Hunderter von Romanciers, Dichtem, Essayisten,
Naturalisten und Biographen ist augenfällig. Um ein
Gefühl für die Nation zu bekommen - ihre Landschaft,
ihren Geist, ihre Leistungen und ihre Herausforderungen - sollte man auf die Spezifizierungen von Reiseführern verzichten und sich einfach den Werken von
Literaten zuwenden - ebenso wie sich andere unter
anderen Umständen der Leinwand bildender Künstler
zuwenden.
Die regionale Überlieferung in der amerikanischen
Literatur ist nichts Neues. Sie ist ebenso alt wie die
Indianerlegenden und schildert Orte ebenso plastisch
wie die Werke von James Fenimore Cooper, Mark
Twain und Bret Harte aus dem 19. Jahrhundert. Sie ist
ebenso lebensprühend wie die zu Beginn dieses
Jahrhunderts vom Romancier William Faulkner und
dem Dramatiker Tennessee Williams geschaffenen

AMERIKA DIENST 16

Welten und spiegelt die Gesellschaft ebenso stark
wider wie die Romane von Sinclair Lewis und Eudora
Welty. Heute haben diese und andere Schriftsteller
früherer Generationen moderne Gegenstücke, die ihre
Tradition fortsetzen.
Die regionale Literatur in den neunziger Jahren des
zwanzigsten Jahrhunderts ist umfassend und vielfältig.
Sie durchdringt Genres. Sie spiegelt sich in den
Werken von zeitgenössischen Amerikanern und den
Vertretern der neuen Ethik wider. Die speziellen
Eigenheiten bestimmter Regionen sind in Dichtung und
Drama, in Romanen und Sachbüchern schemenhaft
erkennbar. Regionale Literatur reflektiert - ebenso wie
in früheren Zeiten - nicht nur geographische Gegebenheiten, sondern auch Stimmungen und Sehnsüchte,
Dialekte und Idiosynkrasien. Sie umfaßt das Greifbare
und das Unbestimmte. Die Literatur eines bestimmten
Orts ist großenteils verwurzelt, persönlich, engagiert und hat oft den vom Naturessayisten Barry Lopez als
"hoffnungsvoll" bezeichneten Tenor in einem "Zeitalter
zynischer Gleichgültigkeit". Und sie verkündet - an
der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert - daß
amerikanische Kultur kreativ und bedeutungsvoll ist von einem Landstrich zum nächsten und auf allen
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ebenen.
Das Interesse an regionaler Literatur und die Mitwirkung daran - die dem Kritiker Sven Birkerts zufolge
eine Reaktion auf die minimalistischen und postmodernen Romane der letzten Generation sind - haben
beträchtlichen Einfluß und finden großen Widerhall.
Beispielsweise führten sie zur Eröffnung verschiedener
Buchhandlungen - wie dem Globe in Boston und dem
Savvy Traveler von Chicago - die auf Romane und
Sachbücher über bestimmte, nach Regionen ge-

Seite 1

�ordnete Schauplätze spezialisiert sind. Folglich wird
ein Reisewilliger, der im Vorfeld seiner Reise in der
Buchhandlung auf das Regal "Südwesten der Vereinigten Staaten" zusteuert, wahrscheinlich Tony
Hillermans Krimis und Rudolfo Anayas Romane
vorfinden.
Ursache und Wirkung können verwischt sein. Beispielsweise ist es schwierig festzustellen, ob kleinere
regionale Verlagshäuser aufgrund der Vielzahl von in
einem Gebiet angesiedelten Autoren entstanden oder
ob ihre Gründung in der Gegend eine literarische
Explosion verursachte. Die Tatsache bleibt jedoch
bestehen, daß regionale Verleger und regionale
Schriftsteller einen sehr großen Beitrag zur amerikanischen Literatur leisten. Außerdem wächst zusätzlich
zum Aufstieg von Verlagen wie Algonquin Books in
Chapel Hill, die ihre Leser mit zahlreichen Schriftstellern aus North Carolina - beispielsweise Clyde Edgerton und Jill McCorkle - bekanntmachen, auch die Zahl
regionaler Literaturjournale. Dazu kommt noch die
bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert von der
nationalen Stiftung für die Künste gewährte Unterstützung für etablierte und neuentstehende Literaturworkshops, die landesweit neue Talente entdeckten. (Die
amerikanische Bundesregierung ist aufgrund haushaltspolitischer Engpässe zwar nicht mehr in der Lage,
dasselbe Quantum an Finanzmitteln wie in der Vergangenheit beizusteuern, aber Unternehmen und der
Privatsektor setzen ihre Unterstützung für diese
Aktivitäten fort.)
Das Gesamtbild ist folglich positiv, wovon Schriftsteller
und Leser gleichermaßen profitieren.
Wer sind diese Schriftsteller und wo findet man sie?
Und wie manifestiert sich das Gefühl für den "Ort"?
Eine Reise entlang der Seitenstraßen regionaler
Literatur könnte im Nordosten beginnen - in Bangor
(Maine), der Heimat von Stephen King, einem der
populärsten Schriftsteller der Nation. Er schrieb vor
der Kulisse dieses Bundesstaates eine endlose Zahl
Fantasie- und Horrorgeschichten, die alle Bestseller
wurden. Jenseits der Grenze von New England ist
Albany (New York) Brennpunkt der Aufmerksamkeit
eines seiner Einheimischen - des ehemaligen Journalisten und jetzigen Romanschriftstellers William Kennedy, dessen Geschichten vor dem Hintergrund der
Hauptstadt des Bundesstaates wehmütig, aber oftmals
rauh das Leben der Bürger auf den Straßen und in den
Saloons der Stadt beschreiben.
In New York wohnen vielleicht mehr Schriftsteller pro
Kopf der Bevölkerung als in jeder anderen Stadt der
Vereinigten Staaten - und möglicherweise der Welt aber die meisten schreiben nicht über ihre Stadt. Für
einen Ort, der sich im Gedächtnis von Touristen und
anderen Reisenden so unauslöschlich eingeprägt hat,
wurde New York nur von einigen wenigen ausgewähl-

Seite 2

ten Romanschriftstellern porträtiert, die sich in den
meisten Fällen der literarischen Form bedienen, um
soziale Belange herauszustellen. Tom Wolfe - der
überwiegend Sachliteratur verfaßt - könnte mit The
Bonfire of the Vanities den Inbegriff eines New
Yorker Romans geschrieben haben - einem lebensprühenden, ernst-komischen Werk über die enge
Verflechtung von Politik und Gesellschaft. Ebenso
stark auf New York ausgerichtet sind die Werke von
E.L. Doctorow, die das Leben in der Stadt in früheren
Zeiten beschreiben. Sie schildern die Stimmung in der
Stadt zu verschiedenen Augenblicken in den vergangenen 100 Jahren - die Spannungen im Amerika der
Jahrhundertwende, die Gesetzlosigkeit in den Jahren
der Prohibition, den durch die Weltausstellung von
1939 hervorgerufenen naiven Futurismus und die
nüchterne Realität des Kalten Kriegs - alle vor dem
Hintergrund der Stadt New York. Und um einen
Einblick in das Leben auf den Straßen im Stadtbezirk
zu erhalten, haben die Leser die Wahl zwischen den
arglosen Schilderungen nachbarschaftlichen Lebens
von Avery Corman, der in den Romanen von Richard
Price beschriebenen, stärker von Instinkten bestimmten und von Verbrechen heimgesuchten Welt sowie
dem rhythmischen Pulsieren des hispanischen
Stadtteils, den der Romancier Oscar Hijuelos so gut
kennt.
Wir lassen Pennsylvania, wo John Updike die peripatetische Reise von Rabbit Angstrom vor dem
Hintergrund von mehr als drei Jahrzehnten amerikanischer moderner Geschichte zurückverfolgte, hinter
uns und reisen nach Maryland. Dort beschreibt Anne
Tyler im Milieu von Baltimore mit sparsamen, ruhigen
Worten alltägliche und außergewöhnliche Ereignisse
im Leben ihrer Charaktere - und die introvertierte
Stimmung in der Region. Auf den Schiffahrtswegen
der Chesapeake Bay an der Ostküste des Bundesstaates, wo der Romanschriftsteller John Barth
jahrelang vorherrschend war, finden wir ein neues
Talent - Christopher Tilghman - der diese Wasserstraßen in den Mittelpunkt seines Oeuvre stellt.
Fährt man von Baltimore aus die Autobahn in Richtung
Süden, kommt man in die Hauptstadt der Vereinigten
Staaten. In Anbetracht der Vielzahl populärer politischer und globaler spannender Abenteuer, die entweder in Washington stattfinden oder im Laufe der
Erzählung dorthin führen, mögen Leser den Eindruck
haben, daß Washington in amerikanischen Romanen
einen besonderen Platz einnimmt. Das sind jedoch
nicht echte Washingtoner Romane. Diese Bezeichnung verdienen eher die Werke von Ward Just, einem
ehemaligen internationalen Korrespondenten, der eine
zweite Laufbahn einschlug und in seinen Romanen die
Welt schuf, die er am besten kennt - die von Journalisten, Kongreßabgeordneten, Diplomaten und Militärs
bewohnte Welt - und sich dabei nicht auf politische
Machenschaften oder weltweite Krisen, sondern
vielmehr auf emotionale Feinheiten und psychologi-

AMERIKA DIENST 16

�sehe Effekte konzentrierte. Jenseits von Richmond
(Virginia), dem Schauplatz der Verbrechen, in die die
Hauptfigur von Patricia Cornwells Kriminalromanen,
Kay Scarpetta, verstrickt wird, erreichen wir North
Carolina. Dieser Bundesstaat ist die Heimat von
Algonquin Books sowie einer reichhaltigen literarischen Tradition, die unter anderem Thomas Wolfe
aufzuweisen hat.
Kürzlich wurde Anne Taylers
Mentor, Reynolds Price, von einem Kritiker als überholter Vertreter eines von einer Universität eingeladenen "Gastautors" in den Südstaaten bezeichnet,
obwohl andere aus jener Zeit diesen Titel viel eher
verdient hätten. Price konzentrierte sich auf die
Menschen und das Land im Osten von North Carolina,
schrieb verschiedene Bücher über eine junge Frau
namens Rosacoke Mustian, ging anschließend auf
andere Themenschwerpunkte über und entschied sich
erst 1986 wieder für eine Protagonistin. Jill McCorkle,
die noch in den Dreißigern ist, vertritt die jüngste
Schriftstellergeneration North Carolinas. Ihre Romane
und Kurzgeschichten spielen großenteils in den
kleinen Städten dieses Bundesstaates und behandeln
hauptsächlich Themen, die von den Geheimnissen von
Teenagern im Herzen Amerikas bis zu den besonderen Empfindlichkeiten der Frauen von heute in den
Südstaaten reichen. Das Sagen- und Märchengut
sowie die Geschichte der in den südlichen Appalachen
lebenden Menschen stehen im Mittelpunkt der schlichten Romane von Lee Smith, während die empfindlichen Antennen von Clyde Edgerton - dem Mark Twain
unserer Tage - auf die Einwohner von Carolina
eingestellt sind, die reif für Satire erscheinen. Wenn
Edgerton aus demselben Holz geschnitzt ist wie Mark
Twain, dann ist T.R. Pearson der Faulkner seiner
Generation - wobei Neely (North Carolina) an die
Stelle von Yoknapatawpha County (Mississippi) tritt.
South Carolina wurde von Pat Conroy verewigt. Seine
erfrischenden autobiographischen Romane über seine
- von dem tyrannischen, häufig ausfallend werdenden
Vater dominierte - Familie sind voller Ambivalenzen,
während er den pessimistischen Ausführungen über
seine gestörte Familie die ausführlichen Beschreibungen der natürlichen Schönheit des Tieflandes an der
Ostküste der Vereinigten Staaten entgegensetzt.
Bevor er sich jedoch mit den Unbilden seines Familienlebens und der Schulzeit auseinandersetzte, schrieb er
das wunderschöne Buch The Water is Wide. Darin
berichtet er von seiner Zeit als junger, unerfahrener
Lehrer, der auf einer Insel vor der Küste von South
Carolina Kinder aus dem Armenviertel unterrichtet.
Der Mittelwesten im Herzen Amerikas bringt weiterhin
eine Fülle talentierter Schriftsteller hervor - Nachfahren
von Willa Cather und Eudora Welty - und auch wilder
städtischer Literaten wie Saul Bellow. Wenn auch die
städtische Literatur in diesen Tagen nicht viel von sich
reden macht, so lassen Chicagoer Schriftsteller wie
Scott Turow - dessen juristische Dramen einen
Standard für dieses Genre gesetzt haben - und Stuart

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Dybek - Autor von Romanen, die vom ethnischen
Umfeld der Stadt handeln - die Stadt nicht in Vergessenheit geraten. Jane Smiley, die Schriftstellerei an
der University of Iowa unterrichtet, ist eine prominente
Vertreterin städtischer Talente. Bevor sie das akademische Leben in ihrem jüngsten Buch Moo aufs Korn
nahm, gewann sie 1992 den Pulitzerpreis in Belletristik
für A Thousand Acres, eine Anpassung von Shakespeares King Lear an das zeitgenössische Amerika.
In dem Buch wird die bittere Familienfehde beschrieben, die ausbricht, als ein alternder Bauer die Entscheidung trifft, sein Land seinen drei Töchtern zu
vermachen. Nicht weit davon entfernt hat Louise
Erdrich, eine Halbindianerin von Stamm der Chippewa,
mehrere in North Dakota spielende eindrückliche
Romane geschrieben, die sich mit den Irrungen und
Wirrungen des Lebens indianischer Familien befassen.
Sie ist eine Vorläuferin einer jüngeren Gruppe indianischer Schriftsteller, die in den Ebenen und im
Westen leben, zu der Susan Power, Linda Hogan und
Sherman Alexie zählen.
In einem etwas populäreren Tenor hat Larry McMurty,
eine feste Größe auf den Bestsellerlisten, die
Geschichte von Texas vom Treck nach Westen bis
zum heutigen Freeway durchlaufen, und während
seine Charaktere Las Vegas und Hollywood verlassen,
verändert auch er seine Umgebung. In der Zwischenzeit hat sich Sandra Cisneros zur starken Fürsprecherin der ethnischen Gruppen in Texas gemacht. Ihre
Kurzgeschichten unter dem Titel Woman Hollering
Creek and other Stories über Amerikaner mexikanischer Herkunft in San Antonio und anderen Grenzgemeinden schließen nahtlos an ihre erste Anthologie
The House on Mango Street an, die von einem
jungen hispanoamerikanischen Mädchen in Chicago
handelt.
Ein anderer erwähnenswerter Schriftsteller, der sich
mit der Grenzproblematik befaßt, ist der viel zu wenig
gewürdigte Douglas C. Jones. Er hat den Treck nach
Westen und das Verschwinden der Grenze in einer
Reihe äußerst beziehungsreicher Romane meisterhaft
verfolgt, die sich hauptsächlich auf eine Familie
konzentrieren und deren Leben von der Mitte des 19.
Jahrhunderts bis in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts über einen Landstrich von Tennessee bis zur
Continental Divide in den Rocky Mountains beschreiben. Weitere Schriftsteller aus dem Süden, die nicht
unerwähnt bleiben sollten, sind Bobbie Ann Mason die Chroniken über das zeitgenössische Familienleben
im Bundesstaat Kentucky verfaßt - und Lewis Nordan
aus Mississippi, der von Algonquin Books entdeckt
wurde und dessen Romane vornehmlich vom Amerikanischen Bürgerkrieg und der beginnenden Integration
handeln.
Die Hochebene der Rockies ist zu einem fruchtbaren
literarischen Pfad geworden. Cormac McCarthy ist
hier zu finden, der den Südwesten der Vereinigten

Seite 3

�Staaten in mehreren seiner Bücher erkundet, nachdem
er selbst von Tennessee dorthin zog. Diesem zurückgezogen lebenden Schriftsteller mit grenzenloser
Phantasie wurde erst in den vergangenen Jahren
gebührende Ehre erwiesen. Allgemein als der rechtmäßige Erbe der "Southern Gothic Tradition" angesehen, ist McCarthy ebenso gefangengenommen von der
Wildheit der Landschaft wie von der Unzivilisiertheit
und Unberechenbarkeit der Menschen. Die in New
Mexico geborene und aufgewachsene indianische
Autorin Leslie Marmon Silko zieht mit ihren Romanen,
insbesondere The Almanac of the Dead ein breites
Publikum an. Dieses Buch gibt einen Überblick über
die Region von den frühen Stammesmigrationen bis zu
den heutigen Drogenhändlern und korrupten Landerschließungsgesellschaften, die Profite aus der
Ausbeutung des Landes schlagen (ein Thema, das
häufig auch von dem Krimiautor Carl Hiassen vor der
Kulisse Floridas abgehandelt wird). Es ist eine
perfekte Ergänzung zu den Kriminalromanen von Tony
Hillerman aus Santa Fe, dessen Detektivgeschichten
zwei zurückhaltende Navajo-Polizisten als Protagonisten haben. John Nichols hat das kulturelle Erbe
und die Empfindlichkeiten ethnischer Gruppen in New
Mexico mit Zuneigung, gutem Humor und Intelligenz in
einer vielgerühmten Trilogie beschrieben, zu der als
herausragendstes Buch The Milagro Beanfield War
zählt.
Der hispanoamerikanische Romanschriftsteller und
Dichter Rudolfo Anaya fügt der Literatur dieser Region
mystische und spirituelle Themen hinzu.
Montana im Norden muß etwas Besonderes haben,
um so viele und unterschiedliche schriftstellerische
Talente hervorzubringen. Die wilden fiktiven Erzählungen von Ivan Doig, darunter eine Familientrilogie,
handeln von "der Ausdehnung dieses Kontinents nach
Westen" - wie er es formuliert. Seine Bücher English
Creek und Dancing at the Rascal Fair werden
ergänzt durch die minimalistischen Sachbücher von
Rick Bass, die sich um Berge und Wildnis drehen, und
die unzufriedenen, entwurzelten Antihelden der
Romane von Thomas McGuane. Nicht unerwähnt
bleiben sollte auch der indianische Dichter und
Romanschriftsteller James Welch, der sich mit dem
Kampf der Angehörigen dieser ethnischen Gruppe
auseinandersetzt, einen Sinn in den historischen
Spannungen in ihrem Leben zu finden.
Seit Jahrzehnten personifizieren zwei Autoren den Far
West, insbesondere Kalifornien. Wallace Stegner,
gebürtig aus Iowa, verbrachte den Großteil seines
Lebens an unterschiedlichen Orten zwischen den
Rockies und dem Pazifischen Ozean. Schon bevor es
in Mode kam, hatte er eine regionale Sichtweise, und
viele Schriftsteller sehen heute in ihm ihren Vorfahr
und Mentor. Seine erste größere Arbeit, The Big
Rock Candy Mountain (1943), schildert das Leben
einer Familie, die nach dem Verschwinden der Grenze

Seite 4

im Westen die Erfüllung des Amerikanischen Traums
anstrebt. Das Epos umspannt das ganze Gebiet von
Minnesota im Mittelwesten bis zum Bundesstaat
Washington im Nordwesten und befaßt sich mit
"diesem Ort unglaublicher Schönheit, der eine ganze
Nation nach Westen zog", so Stegners Worte. 1972
erhielt er den Pulitzerpreis für Angle of Repose, eine
Betrachtung über das Gefühl für den Ort in der Persönlichkeit einer Illustratorin und Chronistin des Old West.
Stegners vorzeitiger Tod bei einem Autounfall im Jahr
1993 beraubte die amerikanische Literatur eines
Künstlers in der Blüte seiner Produktivität. Über die
Jahre hinweg ergänzte Joan Didion das Werk von
Stegner - eine Journalistin und Romanschriftstellerin,
die das zeitgenössische Kalifornien 1968 in ihrem
Sachbuch Slouching towards Bethlehem und in
ihrem bissigen, schockierenden Roman von 1971 über
die Ziellosigkeit der Szene Hollywoods, Play it as it
Lays, verewigte. In ihren jüngeren Büchern wandte
sie sich jedoch anderen Interessengebieten zu. Ihre
Rolle als kalifornische Schriftstellerin wurde zum Teil
von jüngeren Talenten übernommen, darunter Lisa
See - die die turbulente Geschichte der asiatischen
Migration nach Kalifornien und an die Westküste
schilderte - sowie zwei Krimiautoren, Sue Grafton, die
das Gefühl melancholischer Sehnsucht der Strandbewohner des südlichen Kaliforniens von heute vermittelt, und Walter Mosley, dessen afroamerikanischer
Held seine Fälle im Los Angeles der Nachkriegszeit
ermittelt. Auch andere ethnische Gruppen, insbesondere die Amerikanerinnen asiatischer Abstammung Amy Tan und Fae Myenne Ng sowie (an
der Ostküste) Gish Jen und Chang-Rae Lee verwenden den "Ort" als Hintergrund für die Erforschung ihrer
Herkunft.
Weit im Nordwesten, in Oregon und Washington,
herrscht das Gefühl für den Ort in den Werken des
Naturalisten Barry Lopez und des Romanschriftstellers
und Essayisten David Guterson vor. Guterson ist in
der Tat mit dem andauernden Erfolg seines ersten
Romans Snow Falling on Cedars zu einer Art Kultfigur geworden. Das Buch ist eine Studie der den
Mordprozeß gegen einen Fischer japanischer Herkunft auf einer kleinen Insel vor der Küste des Staates
Washington umgebenden Ereignisse. Und Sherman
Alexie, der große Freude und Vergnügen an seiner
indianischen Tradition findet, wird als einer der vielversprechendsten jungen Schriftsteller der heutigen Zeit
gefeiert. Weit vor der Küste ist die literarische Expansion Hawaiis in den Werken von Garrett Hongo
offenkundig - insbesondere in seinen Memoiren,
Volcano, und den ausgefallenen Romanen von LoisAnn Yamanaka.
Zwei heute in dem "Ort" verwurzelte parallele Literaturformen verdienen es erwähnt zu werden. Die Verbindung der einen - Dichtung - mit dieser Sensibilität ist
der Kunstform inhärent. Dichter haben äußerst wenig
Zeit, die Aufmerksamkeit des Lesers zu wecken - im

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�Gegensatz zu Verfassern von Romanen oder Sachbüchern, die den Luxus von Absätzen und Seiten
geniessen. Und daher kommt unweigerlich, wenn es
angebracht ist, ein Gefühl für den Ort ins Spiel. In der
Vergangenheit brüsteten sich die Vereinigten Staaten
mit Walt Whitman und Carl Sandburg. Heute zählen
zu den Dichtern, die sich mit dem "Ort" befassen, Amy
Clampitt, W.S. Merwin und Gary Snyder.
Dramen sind jedoch ein noch besseres Beispiel. In
beträchtlichem Maße kann die Erweiterung des
Gefühls für den Ort im zeitgenössischen Theater direkt
der zunehmenden regionalen Theaterbewegung
zugeschrieben werden.
Diese gemeinnützigen
institutionellen Firmen, die vor allem seit Mitte der
sechziger Jahre zu Kulturzentren in der städtischen
und vorstädtischen Szene wurden, sind der amerikanischen Stiftung für die Künste - und verstärkter
Förderung durch Unternehmen - zu Dank verpflichtet.
Und mit der Gründung erstklassiger Truppen außerhalb von New York - an Orten wie New Haven und
Hartford ( Connecticut) sowie Louisville (Kentucky) - ist
parallel eine Gruppe talentierter junger Dramatiker auf
die Bildfläche getreten. Man fragt sich, wie das
amerikanische Theater und die amerikanische Literatur heute ohne die brillant zersplitterte Gesellschaft

*

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aussehen würden, die in den Werken von Sam
Shepard dargestellt wird, dem einsilbigen, stakkatoartigen Chicagoer Straßenslang von David Mamet, der
Bandbreite des Lebens im 20. Jahrhundert der Helden
und Heldinnen von August Wilsons andauerndem
Spielzyklus, den introspektiven Einblicken in das
Leben im Mittelwesten und dessen tägliche Belange
bei Lanford Wilson, sowie den südlichen Exzentrizitäten von Beth Henley. Wo ihre Vorgänger Eugene O'Neill, William Inge und Tennessee Williams ihre Stücke an das zentralisierte Theaterpublikum von
New York richteten, wurden die neueren Dramatiker
durch ihre Regionen und andere geprägt, bevor sie
sich dieser fremden städtischen Bühne stellten.
So viele Schriftsteller bringen ihre eigenen ungewöhnlichen Impressionen in die amerikanische Literatur ein.
Sie sind leidenschaftlich bewegt, während sie für Leser
auf der ganzen Welt beschreiben und analysieren, was
sie auf der Oberfläche, hinter der Landschaft und
jenseits des Horizonts sehen. Literarisch wie im
übertragenen Sinne bringen sie neue Töne, neue
Perspektiven und eine neue Bedeutung - durch die
Literatur - an die Orte in ihrem Herzen über die
gesamten Vereinigten Staaten hinweg.

* * * *

Seite 5

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                <text>&lt;strong&gt;1. Terrorismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Sicherheit der Vereinigten Staaten in einer sich wandelnden Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Israel&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Friedensprozess könnte Israel zum "asiatischen Tiger" des Nahen Ostens machen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Stuart E. Eizenstat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Republikaner hoffen auf Belebung des Wahlkampfs durch Dole-Kemp-Team&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Entscheidung für den Vizepräsidentschaftskandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beim Präsidentschaftswahlkampf wird Amerika der Spiegel vorgehalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Bobe Dole beim nationalen Parteikonvent der Republikaner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Literatur&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Regionale amerikanische Literatur zum Kennenlernen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Michael J. Bandler&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>ciniGrikci&#13;
dienet&#13;
&#13;
Herausgeber: U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
15&#13;
&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
ASEAN&#13;
&#13;
AMERIKANISCHES ENGAGEMENT FÜR&#13;
SICHERHEIT UND WOHLSTAND&#13;
UNERLÄSSLICH&#13;
Rede von Außenminister Christopher&#13;
&#13;
BOSNIEN&#13;
&#13;
DIE SICHERUNG DES FRIEDENS IN BOSNIEN&#13;
von John Kornblum&#13;
&#13;
AUSSENPOLITIK&#13;
&#13;
ISOLATIONISMUS WIRD AMERIKA SCHADEN&#13;
Rede von ACDA-Direktor John Holum&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
DIE WIRTSCHAFTLICHEN UND DIPLOMATISCHEN ZIELE DER VEREINIGTEN STAATEN&#13;
Rede von Staatssekretärin Joan Spero&#13;
&#13;
UMWELT&#13;
&#13;
DIE UMWELT ALS TAGESORDNUNGSPUNKT&#13;
FÜR DIE NACHRICHTENDIENSTE&#13;
Rede von CIA-Direktor John Deutch&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�ASEAN&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Amerikanisches Engagement&#13;
für Sicherheit und Wohlstand unerläßlich&#13;
Rede von Außenminister Christopher&#13;
&#13;
JAKARTA - (AD) - "Die Vereinigten Staaten teilen die Überzeugung nahezu aller asiatischen Nationen, daß das&#13;
amerikanische Engagement für die Sicherheit und den Wohlstand der asiatisch-pazifischen Region ... nach wie&#13;
vor unerläßlich ist", äußerte Außenminister Warren Christopher am 23. Juli 1996 vor dem regionalen Forum des&#13;
Verbands Südostasiatischer Nationen ASEAN.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Außenministers im Wortlaut.&#13;
&#13;
Es ist mir eine Ehre, Leiter der amerikanischen&#13;
Delegation beim dritten Treffen des regionalen Forums&#13;
des ASEAN (ASEAN Regional Forum - ARF) sein zu&#13;
dürfen. Im Namen der Vereinigten Staaten möchte ich&#13;
Außenminister Alatas von Indonesien für seine im&#13;
vergangenen Jahr geleistete harte Arbeit danken, um&#13;
den Erfolg unseres heutigen Treffens sicherzustellen.&#13;
Die Anwesenheit von 21 Nationen an diesem Tisch&#13;
steht für die durch das Ende des Kalten Krieges&#13;
herbeigeführten großen Veränderungen in der&#13;
asiatisch-pazifischen Region. Vor einem Jahrzehnt&#13;
wäre der Gedanke, daß wir uns alle hier versammeln,&#13;
um Sicherheitsbelange anzusprechen, wahrscheinlich&#13;
so weit hergeholt erschienen wie die Voraussage im&#13;
Jahr 1945, Asien würde die Welt beim Wirtschaftswachstum anführen.&#13;
Obwohl unsere Nationen nie eine größere Chance zur&#13;
Zusammenarbeit für Frieden und Stabilität hatten,&#13;
bleiben wichtige Herausforderungen bestehen. Das&#13;
Wirtschaftswachstum kurbelt Kooperation und Integration an, aber der Konkurrenzkampf um Ressourcen und Märkte schafft neue Spannungen. Viele&#13;
asiatische Nationen befinden sich in einem Prozeß des&#13;
Übergangs. Und wir alle müssen komplexe neue&#13;
Bedrohungen bekämpfen wie die Verbreitung von&#13;
Massenvernichtungswaffen, Terrorismus, Verbrechen&#13;
und Drogenhandel sowie die weitreichenden Konsequenzen der Umweltzerstörung.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten teilen die Überzeugung&#13;
nahezu aller asiatischen Nationen, daß das amerikanische Engagement für die Sicherheit und den Wohlstand der asiatisch-pazifischen Region in diesem&#13;
neuen Zeitalter nach wie vor unerläßlich ist. Präsident&#13;
Clinton hat erkannt, daß diese Region seit dem Ende&#13;
des Kalten Krieges wichtiger für unsere Interessen ist&#13;
als je zuvor. Es sollte absolut kein Zweifel daran&#13;
bestehen, daß die Vereinigten Staaten beabsichtigen,&#13;
weiterhin eine pazifische Macht zu bleiben. Während&#13;
der vergangenen drei Jahre hat der Präsident in&#13;
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten und&#13;
Freunden eine Reihe wichtiger strategischer Entscheidungen zur Verstärkung unseres Engagements&#13;
getroffen - durch unsere Bündnisse, unsere vornestationierte Präsenz, unsere Verpflichtung zur weiteren&#13;
Stationierung von ungefähr 100.000 Soldaten im&#13;
Pazifik und unsere Beteiligung an regionalen Sicherheitsdialogen wie diesem. Unser Ziel ist, zum&#13;
Aufbau einer pazifischen Gemeinschaft beizutragen,&#13;
die auf unseren gemeinsamen Interessen, gemeinsamen Zielen und dem Streben nach nützlicher&#13;
Zusammenarbeit für beide Seiten gründet.&#13;
Die Grundlage unseres Engagements in der Region&#13;
bilden nach wie vor unsere fünf Bündnisse, angefangen von unserer Partnerschaft mit Japan. Die von&#13;
Präsident Clinton und Ministerpräsident Hashimoto im&#13;
April unterzeichnete gemeinsame Erklärung wird die&#13;
Fähigkeit unseres Bündnisses zur Förderung von&#13;
Sicherheit und Stabilität für alle Nationen in der Region&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�stärken. Durch ihre gemeinsamen Bestrebungen zur&#13;
Lösung der atomaren Krise und der Erlangung eines&#13;
dauerhaften Friedens auf der koreanischen Halbinsel&#13;
haben die Vereinigten Staaten und Südkorea ihre&#13;
Beziehungen verstärkt und ihre Zusammenarbeit&#13;
erweitert. Wir haben unsere starken Bande zu Thailand, den Philippinen und Australien bekräftigt, wohin&#13;
ich in zwei Tagen reisen werde, um Wege zur Vertiefung der amerikanisch-australischen Zusammenarbeit&#13;
zu sondieren. Wir haben unsere Sicherheitsarrangements mit unseren ASEAN-Partnern erweitert.&#13;
&#13;
Wir begrüßen die vom ARF im vergangenen Jahr&#13;
erzielten Fortschritte. Insbesondere in Bereichen wie&#13;
Vertrauensbildung, friedenssichernde Operationen&#13;
sowie Such- und Rettungsaktionen wird die Arbeit des&#13;
ARF die Sicherheit und Stabilität verbessern. Das&#13;
Engagement der Vereinigten Staaten im ARF wird sich&#13;
verstärken, vor allem während sich das ARF zu einem&#13;
Forum für präventive Diplomatie entwickelt. Wir wollen&#13;
die Fähigkeit des ARF zur Erörterung wichtiger&#13;
regionaler Sicherheitsfragen in einer bedeutenden&#13;
Weise gewährleisten.&#13;
&#13;
Ferner haben wir unser Engagement für andere&#13;
Nationen verstärkt und ein neues Kapitel unserer&#13;
Beziehungen zu Vietnam geöffnet, setzen unsere&#13;
Unterstützung der Reformen in Rußland fort und&#13;
erweitern unsere Zusammenarbeit mit Indien.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß&#13;
das ARF weiterhin eine konstruktive Rolle bei der&#13;
Entschärfung von Spannungen im Zusammenhang mit&#13;
territorialen Ansprüchen im südchinesischen Meer und&#13;
auf die Spratly-Inseln spielen kann. Die Sicherstellung&#13;
der Navigationsfreiheit in Wasserstraßen, auf denen&#13;
25 Prozent der Güter der Welt transportiert werden, ist&#13;
entscheidend für die Sicherheit und den Wohlstand der&#13;
asiatisch-pazifischen Region. Die Vereinigten Staaten&#13;
stehen zu den Prinzipien ihrer Erklärung vom 10. Mai&#13;
1995: Obwohl wir keine Position zu individuellen&#13;
territorialen Ansprüchen beziehen, werden wir keine&#13;
hinnehmen, die nicht im Einklang mit dem Völkerrecht&#13;
stehen, einschließlich dem Seerecht der Vereinten&#13;
Nationen aus dem Jahr 1992. Wir lehnen den Einsatz&#13;
oder die Androhung von Gewalt ab, fordern alle&#13;
Parteien zur Intensivierung ihrer diplomatischen&#13;
Anstrengungen auf und sind bereit, in jeder Weise zu&#13;
helfen, die eine klagende Partei als nützlich erachtet.&#13;
&#13;
Natürlich wird keine Nation eine größere Rolle bei der&#13;
Gestaltung der Zukunft Asiens spielen als China. Die&#13;
kontinuierliche Modernisierung und Entwicklung des&#13;
Landes ist unabdingbar für die Sicherheit und den&#13;
Wohlstand der asiatisch-pazifischen Region und der&#13;
Welt. Wir haben hart gearbeitet, um ein breites&#13;
Spektrum gemeinsamer Interessen zu fördern und vor&#13;
kurzem mehrere wichtige Übereinkommen erzielt, die&#13;
unsere gemeinsame Verpflichtung zu Nichtverbreitung&#13;
sowie erweitertem Handel und Investitionen stärken.&#13;
Wir sind uns bewußt, daß es weiterhin Meinungsverschiedenheiten geben wird, die wir konstruktiv beilegen müssen. Die Vereinigten Staaten sind fest von der&#13;
Notwendigkeit überzeugt, ein stabiles Umfeld für die&#13;
friedliche Lösung von Problemen zwischen der&#13;
Volksrepublik China und Taiwan sicherzustellen. Wir&#13;
ermutigen beide Seiten zu weiteren Schritten zur&#13;
Verringerung der Spannungen in der Straße von&#13;
Taiwan, darunter die Wiederaufnahme des Dialogs&#13;
über die Überquerung der Straße. Ich blicke weiteren&#13;
Fortschritten bei meinem Treffen hier mit Außenminister Qian Qichen erwartungsvoll entgegen unserem 14. seitdem ich Außenminister wurde.&#13;
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß&#13;
ihre Beteiligung am regionalen Forum des ASEAN,&#13;
dem nordostasiatischen Sicherheitsdialog und anderen&#13;
Mechanismen ihre bilateralen Bestrebungen zur&#13;
Förderung der Stabilität ergänzen. Im vergangenen&#13;
Jahr fanden über 130 multilaterale Treffen über&#13;
Sicherheitsfragen in der asiatisch-pazifischen Region&#13;
statt - ein Beweis dafür, daß Harold Macmillan nicht&#13;
der einzige war, der an den Satz "Reden ist besser als&#13;
Krieg" glaubte. Dieses neue Netz von Kontakten trägt&#13;
zur Verringerung von Spannungen und Mißtrauen bei&#13;
und fördert gewohnheitsmäßige Konsultationen. Das&#13;
ARF - der einzige regionale Sicherheitsdialog auf&#13;
Regierungsebene - hat den Weg durch Förderung des&#13;
Dialogs, Ermutigung von Transparenz und Erweiterung&#13;
der Zusammenarbeit geebnet.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Wir begrüßen auch die kontinuierliche Unterstützung&#13;
der Bestrebungen zur Erlangung eines dauerhaften&#13;
Friedens auf der koreanischen Halbinsel durch das&#13;
ARF. Das mit Hilfe unserer Verbündeten und Partner&#13;
erzielte Rahmenabkommen zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten und der Demokratischen Volksrepublik&#13;
Nordkorea hat die Beseitigung einer verhängnisvollen&#13;
Bedrohung der regionalen Sicherheit eingeleitet. Das&#13;
nordkoreanische Nuklearprogramm ist unter internationaler Überwachung eingefroren. Die Umsetzung&#13;
der Bedingungen des Rahmenabkommens hat das&#13;
Konfliktrisiko dramatisch reduziert und den Weg zu&#13;
Fortschritten mit Nordkorea bei Problemen wie der&#13;
Nichtverbreitung von Raketen und Vermißten geebnet.&#13;
Die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten, Südkorea und Japan ist stärker als je zuvor.&#13;
Und wir drängen Nordkorea weiterhin zu einer positiven Reaktion auf den von Präsident Kim und Präsident&#13;
Clinton unterbreiteten Vorschlag zu Vierparteiengesprächen zwischen den Vereinigten Staaten,&#13;
Südkorea, Nordkorea und China.&#13;
Jeder von uns hat ein großes Interesse an der Förderung dieser positiven Entwicklungen auf der Halbinsel. Ich darf Ihnen versichern, daß Präsident Clinton&#13;
sich der Sicherstellung starker Unterstützung des&#13;
Rahmenabkommens durch die Vereinigten Staaten&#13;
verpflichtet hat. Aber während die zur Umsetzung des&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�Rahmenabkommens ins Leben gerufene Energieentwicklungsorganisation der koreanischen Halbinsel&#13;
(Korean Peninsula Energy Development Organization KEDO) Fortschritte macht, sieht sie sich mit einer&#13;
beträchtlichen Finanzierungslücke konfrontiert. Viele&#13;
der hier vertretenen Nationen sind der KEDO bereits&#13;
behilflich. Ich fordere diejenigen, die noch keine Hilfe&#13;
leisten, zu maßgeblicher und kontinuierlicher Unterstützung auf. Gemessen an den Kosten verschärfter&#13;
Spannungen - ganz zu schweigen von einem bewaffneten Konflikt - ist diese Unterstützung eine verantwortungsvolle Investition in die Sicherheit und den&#13;
Wohlstand der asiatisch-pazifischen Region. Alle&#13;
unsere Nationen haben ferner ein Interesse an der&#13;
Wiederaufnahme des Nord-Süd-Dialogs, der zur&#13;
Beendigung der grausamen Teilung der Halbinsel&#13;
unerläßlich ist.&#13;
Seit seiner Gründung ist sich das ARF der Bedrohung&#13;
für regionale und globale Sicherheit durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen bewußt. Jetzt&#13;
haben unsere Nationen die Chance, auf der letztes&#13;
Jahr ausgehandelten unbegrenzten Verlängerung des&#13;
Nichtverbreitungsvertrags ( N W ) durch die Unterstützung des Abschlusses eines Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban&#13;
Treaty - CTBT) aufzubauen, der Nuklearexplosionen&#13;
für immer verbieten wird. Die aktuelle Version des&#13;
Vertrags ist ein konkreter und unerläßlicher Schritt zur&#13;
weiteren nuklearen Abrüstung, und wir fordern alle in&#13;
der Kommission für Abrüstung vertretenen Nationen zu&#13;
seiner Unterstützung auf.&#13;
Wir appellieren an die ARF-Teilnehmer, ihre Unterstützung für die globalen Nichtverbreitungsregime mit&#13;
einschneidenden&#13;
Exportkontrollmaßnahmen&#13;
zu&#13;
verstärken, die den destabilisierenden Transfer&#13;
sicherheitsempfindlicher Güter und Technologien&#13;
verhindern. Da moderne Rüstungsgüter das Potential&#13;
besitzen, alte regionale Rivalitäten zu schüren, sind die&#13;
Ermutigung von Transparenz und Zurückhaltung beim&#13;
Waffentransfer nach wie vor wichtig für die Aufrechterhaltung der Sicherheit und Stabilität. Wir sollten&#13;
uns weiterhin auf die Möglichkeit konzentrieren, unsere&#13;
Beteiligung am UN-Register für konventionelle Waffentransfers zu verbessern und im nächsten Jahr ein&#13;
regionales Register entwickeln.&#13;
Als Organisation, die sich dem "konsultativen Dialog&#13;
und Konsultationen über politische und Sicherheitsinteressen von gemeinsamem Interesse und Anliegen"&#13;
verschrieben hat, sollte das ARF auch die Auswirkungen der derzeitigen Gegebenheiten in Burma auf die&#13;
Region berücksichtigen. Die Weigerung der SLORC,&#13;
dem Wunsch der Mehrheit des burmesischen Volkes&#13;
nach demokratischer Herrschaft nachzugeben und die&#13;
zunehmende Schikanierung der demokratischen&#13;
Opposition verletzen nicht nur grundlegende, universelle Menschenrechte, sondern vergrößern auch&#13;
die Möglichkeit von Instabilität, Blutvergießen und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Migration innerhalb Burmas und über die Grenzen&#13;
hinaus. Die stetige wachsende Beeinträchtigung der&#13;
Rechtsstaatlichkeit hat die Bedrohung vergrößert, die&#13;
Burmas florierender Drogenhandel für die Bürger von&#13;
Bangkok bis Berlin und von Schanghai bis San&#13;
Francisco darstellt.&#13;
Der Ansatz unserer Nationen zu Burma mag unterschiedlich sein, wir haben jedoch ein gemeinsames&#13;
Interesse und ein gemeinsames Ziel: Einen bedeutungsvollen politischen Dialog, der zu größerer&#13;
Stabilität und Offenheit führt. Präsident Clinton hat vor&#13;
kurzem zwei Sondergesandte zu engen Konsultationen mit Freunden und Verbündeten in die Region&#13;
entsandt.&#13;
Es ist von Bedeutung, daß wir unser&#13;
Engagement für Burma zur Förderung konkreter&#13;
Ergebnisse nutzen, insbesondere nach diesen Treffen&#13;
in Jakarta. Burmas Beteiligung am ARF und die&#13;
engeren Beziehungen des Landes zum ASEAN&#13;
unterstreichen wie wichtig es ist, daß der Versöhnungsprozeß Fortschritte macht und nicht Rückschläge erleidet.&#13;
Die kontinuierlichen Fortschritte Kambodschas zur&#13;
Aussöhnung und beim Wiederaufbau sind ebenfalls&#13;
unabdingbar für die regionale Sicherheit. Die Vereinigten Staaten begrüßen Kambodschas Aufnahme&#13;
als Vollmitglied des ASEAN im Jahr 1997. Wir haben&#13;
uns zu Hilfe bei der stetigen Demokratisierung und&#13;
Entwicklung verpflichtet und sind der Auffassung, daß&#13;
starke internationale Unterstützung für kommunale&#13;
Wahlen im Jahr 1997 und nationale Wahlen im Jahr&#13;
1998 unerläßlich für die Erlangung dieser Ziele ist.&#13;
Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit noch auf ein weiteres&#13;
Thema lenken: Die Bedrohung, die Terrorismus für&#13;
alle unsere Länder darstellt. Von Tokio bis Manila&#13;
wurde die Region Zeuge der grausamen Bedrohung&#13;
durch diese gesetzlosen Mörder. Wir fordern alle&#13;
Nationen dringend zur Ratifizierung der 11 bestehenden internationalen Abkommen zur Terrorismusbekämpfung und zur Verabschiedung praktischer&#13;
Maßnahmen für die Bekämpfung des Terrorismus auf,&#13;
die beim Treffen der P-8 im vergangenen Monat in&#13;
Lyon befürwortet wurden.&#13;
Wir sehen der Zusammenarbeit zur Erfüllung der&#13;
ehrgeizigen Ziele der Arbeitsgruppen des nächsten&#13;
Jahres erwartungsvoll entgegen.&#13;
Unsere sieben&#13;
Treffen zwischen den Sitzungsperioden bieten uns die&#13;
Chance zur Erweiterung unserer Kooperation auf&#13;
wichtige neue Bereiche, von Koordinierung der&#13;
Katastrophenhilfe bis zu gemeinsamen Bestrebungen&#13;
zur Entschärfung von Landminen. Wir sind besonders&#13;
erfreut über die Zustimmung Chinas, gemeinsam mit&#13;
den Philippinen Zusammenkünfte zu vertrauensbildenden Maßnahmen zu veranstalten. Um greifbare&#13;
Ergebnisse der ARF-Aktivitäten des nächsten Jahres&#13;
sicherzustellen, sollten wir die größere Beteiligung von&#13;
Vertretern des Militärs und der Rüstungsindustrie&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�ermutigen - ein entscheidender Schritt für das Ziel des&#13;
ARF von Vertrauensbildung und praktischer Zusammenarbeit.&#13;
In den vergangenen drei Jahren hat die Verpflichtung&#13;
des ARF zu Konsultationen und Konsens Früchte&#13;
getragen. Die Fähigkeit der ARF-Mitglieder zur&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Erörterung sicherheitsempfindlicher Themen mit&#13;
Offenheit und gegenseitigem Respekt wird entscheidend für den dauerhaften Erfolg dieses Forums sein.&#13;
Jetzt haben wir die Verantwortung, den Inhalt unserer&#13;
Treffen zum Symbol unseres Erfolgs zu machen.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�BOSNIEN&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Die Sicherung des Friedens in Bosnien&#13;
von John Kornblum&#13;
&#13;
(AD) - Der nachfolgende Artikel wurde vom Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im&#13;
US-Außenministerium, John Kornblum, verfaßt und erschien erstmals am 14. Juli 1996 im Sunday Star-Ledger&#13;
von Newark. Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The Sunday Star-Ledger.&#13;
Copyright © 1996 The Sunday Star-Ledger.&#13;
&#13;
Sieben Monate nach seiner Unterzeichnung wird das&#13;
Abkommen von Dayton nahezu ständig einer Prüfung&#13;
unterzogen. In den Nachrichten finden wir abwechselnd Berichte über Erfolge und Konflikte. Die Kämpfe&#13;
wurden eingestellt - aber ist der Frieden wirklich&#13;
möglich? Die realistische Beantwortung dieser Frage&#13;
ist für die Zukunft Europas und die Rolle der Vereinigten Staaten auf dem alten Kontinent von elementarer Bedeutung. In diesem Zusammenhang könnten&#13;
einige Anmerkungen hilfreich sein:&#13;
Zuallererst hat das Friedensabkommen sehr erfolgreich zur Beendigung des Krieges geführt. Der IFORFriedenstruppe gelang eine nahezu reibungslose&#13;
Entflechtung der Kriegsparteien, bei der es keine Opfer&#13;
gab. Die meisten Militärexperten bezweifeln, daß die&#13;
Feindseligkeiten in vollem Umfang Wiederaufflammen&#13;
könnten, selbst wenn eine Seite das wünschte.&#13;
Dayton ist jedoch mehr als ein Waffenstillstand. Es ist&#13;
ein umfassender Plan zur Wiederherstellung des&#13;
normalen Lebens. Sein Ziel ist der Erhalt des Staates&#13;
Bosnien-Herzegowina unter freiheitlichen und marktwirtschaftlichen Bedingungen. Hierzu müssen wir drei&#13;
Ziele erlangen: Alle Bürger müssen frei dort leben und&#13;
arbeiten dürfen, wo sie es wünschen. Es muß eine&#13;
demokratische Regierungsform geben, die eine&#13;
politische Beteiligung aller Bürger erlaubt.&#13;
Das&#13;
Wirtschaftsleben muß wiederaufgebaut werden.&#13;
Ein Besuch in Bosnien zum jetzigen Zeitpunkt konfrontiert uns mit den Widersprüchen eines vom Krieg&#13;
verwüsteten Landes. Es wurde bereits viel erreicht.&#13;
Die Normalität stellt sich wieder ein. Überall gibt es&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Anzeichen für Fortschritt. Gleichzeitig bestehen aber&#13;
auch Frustrationen und Probleme fort.&#13;
Die traumatisierten Gesellschaften der drei Volksgruppen sind weiterhin von gegenseitigem Mißtrauen&#13;
erfüllt. Die Angst und Gewalt des Krieges sind in ihren&#13;
Köpfen und Herzen noch tief verankert. Öffentlich&#13;
angeklagte Kriegsverbrecher wie die Führer der&#13;
bosnischen Serben, Radovan Karadzic und General&#13;
Ratko Mladic, üben weiterhin Einfluß aus und behindern die Durchsetzung des Friedens. Die Rückkehr&#13;
der Flüchtlinge geht nur langsam vonstatten, und der&#13;
Wiederaufbau gestaltet sich schwieriger als man&#13;
gedacht hatte.&#13;
Vor einem Jahr erschien die Schaffung gesetzmäßiger&#13;
staatlicher und politischer Strukturen für den Erhalt&#13;
eines unabhängigen und souveränen Bosnien-Herzegowina unmöglich. Heute trennt uns lediglich eine&#13;
Menge harter Arbeit von der Realisierung dieser&#13;
Vision.&#13;
Das Friedensabkommen enthält zwei starke Werkzeuge: Truppen mit einem klar definierten Mandat zur&#13;
Durchsetzung seines militärischen Teils (IFOR) sowie&#13;
ergänzend eine zivile Verwaltungsstruktur zur Durchführung eines über fünf Jahre laufenden Wiederaufbauprogramms.&#13;
Diese zwei Werkzeuge sollten nicht verwechselt&#13;
werden. Der Abzug der IFOR-Truppen wird nicht die&#13;
umfassendere Verpflichtung der internationalen&#13;
Staatengemeinschaft zum Wiederaufbau Bosniens&#13;
beenden.&#13;
Der Wiederaufbau Bosniens ist eine&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufgabe, keine&#13;
militärische.&#13;
Zur Wiederherstellung von Vertrauen und einer&#13;
lebensfähigen staatsbürgerlichen Gesellschaft stellten&#13;
die Verfasser des Daytoner Abkommens absichtlich&#13;
einen ehrgeizigen Zeitplan für seine Umsetzung auf.&#13;
Man sah vorher, daß die Dynamik für den Frieden nur&#13;
erhalten werden kann, wenn die Bewegung hin zu&#13;
einer geeinten Gesellschaft zügig und anhaltend&#13;
genug ist, um die Bestrebungen der nationalistischen&#13;
Kräfte zu vereiteln, die das Land immer noch spalten&#13;
wollen. Der Wiederaufbau der zivilen Strukturen der&#13;
Gesellschaft mußte schnell und geordnet erfolgen, um&#13;
den Aufbau separater Strukturen zu vermeiden, die zu&#13;
einer permanenten Trennung führen könnten.&#13;
Von zentraler Bedeutung bei diesem Bestrebungen&#13;
sind die für den 14. September anberaumten Wahlen&#13;
zur Wiederherstellung einer multiethnischen Regierung. Der Erfolg der Kommunalwahlen vom 30. Juni in&#13;
der krisengeschüttelten Stadt Mostar ist ein Hinweis&#13;
auf die Bedeutung der Wahlen für die Versöhnung der&#13;
entzweiten Volksgruppen Bosniens.&#13;
Eine neue, national gewählte Regierung wird ein&#13;
Partner beim Wiederaufbau des Landes und gleichzeitig das für die vollständige Erfüllung der im Daytoner&#13;
Abkommen eingegangenen Verpflichtungen zuständige Organ sein. Im Herbst werden die Vereinigten&#13;
Staaten und ihre internationalen Partner die erforderliche technische und politische Unterstützung bereitstellen, damit die gewählte Regierung so bald wie&#13;
möglich funktionsfähig ist.&#13;
&#13;
Zusätzlich zu den eindeutigen Erfolgen der IFOR&#13;
verlaufen die Vorbereitungen für nationale Wahlen im&#13;
Zeitrahmen. Niemand würde behaupten, daß die&#13;
gespaltene bosnische Gesellschaft wieder zusammengewachsen ist, aber es werden stetige Fortschritte&#13;
gemacht.&#13;
Die Freizügigkeit wird verbessert, und täglich überqueren mehr als 10.000 Menschen die ehemalige Frontlinie. Die vom US-Amt für internationale Entwicklung&#13;
(USAID) gewährte Wiederaufbauhilfe hat jetzt das&#13;
Land erreicht. Diese Gelder, die äußerst schnell&#13;
bereitgestellt wurden, werden für den Hausbau, die&#13;
Kreditvergabe an kleine und mittelständische Unternehmen sowie den Wiederaufbau der kommunalen&#13;
Infrastruktur verwendet. Alle diese Aktivitäten schaffen&#13;
Arbeitsplätze und bieten den Flüchtlingen damit einen&#13;
Anreiz zur Rückkehr in ihre Heimat.&#13;
Dieser Krieg hat tiefe Spaltungen hervorgerufen, deren&#13;
Überwindung vielleicht eine Generation dauert. Ohne&#13;
die von den Vereinigten Staaten übernommene&#13;
Führungsrolle hätte Bosnien jedoch nicht diese&#13;
Chance, sich wieder zu einer Nation zu entwickeln, die&#13;
im heutigen Europa wirksam funktionieren kann. Die&#13;
Umsetzung des Friedensabkommens stellt einen&#13;
vernünftigen und realistischen Einsatz der amerikanischen Macht dar. Unser Engagement hat sowohl&#13;
klare Ziele als auch ein definiertes Ende, womit es ein&#13;
Modell für die Ausübung amerikanischen Einflusses in&#13;
Abstimmung mit der NATO zur Entwicklung funktionierender Lösungen für die komplexen Gegebenheiten&#13;
der Welt nach dem Kalten Krieg ist.&#13;
&#13;
Hat diese Strategie kurzer Fristen und ständigen&#13;
politischen Drucks bisher funktioniert?&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Isolationismus wird Amerika schaden&#13;
Rede von ACDA-Direktor John Holum&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten "können es sich nicht leisten, daß isolationistische Tendenzen&#13;
oder politische Kontroversen" ihre Bestrebungen zum Abbau und zur Bekämpfung der Verbreitung von&#13;
Massenvernichtungswaffen beeinträchtigen, erklärte der Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung&#13;
(U.S. Arms Control und Disarmament Agency - ACDA), John Holum, bei einer vom Rat für internationale&#13;
Beziehungen und dem US-Außenministerium in Kansas veranstalteten Treffen am 18. Juli 1996.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des ACDA-Direktors im Wortlaut.&#13;
&#13;
Die Berliner Mauer ist in Trümmer und Memorabilien&#13;
zerfallen. Die Sowjetunion besteht seit langem nicht&#13;
mehr. Der Kommunismus ist eine gescheiterte Doktrin&#13;
mit einer schrumpfenden Basis. Was für eine großartige Gelegenheit, die Verschwendung von Ressourcen für internationale Angelegenheiten zu beenden und "Relikte des Kalten Krieges" wie Rüstungskontrolle&#13;
beiseite zu legen. Oder?&#13;
Ganz im Gegenteil. Präsident Clinton hat die Notwendigkeit der amerikanischen Führungsrolle im Ausland&#13;
vehement bekräftigt - was mit seinen Worten zum Teil&#13;
bedeutet, "die ehrgeizigste Tagesordnung zum Abbau&#13;
und zur Bekämpfung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen seit dem Anbruch des Nuklearzeitalters" umzusetzen.&#13;
Mit gutem Grund.&#13;
Im vergangenen Jahr wurden wir Zeuge, wie Zivilisten&#13;
in der Tokioter U-Bahn mit chemischen Waffen&#13;
terrorisiert wurden. Wir sahen das Entsetzen der&#13;
Bombenanschläge auf das World Trade Center und&#13;
das Bundesgebäude in Oklahoma City. Und angesichts der Explosion einer Autobombe in Dhahran im&#13;
letzten Monat sehen wir uns erneut mit der Verletzbarkeit konfrontiert, vor der auch das mächtigste Militär&#13;
der Welt nicht gefeit ist. Dieser blanke Hohn hat das&#13;
dringende Gebot unterstrichen, auch die primitivsten&#13;
nuklearen, chemischen oder biologischen Waffen nicht&#13;
in die falschen Hände gelangen zu lassen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Dennoch hätten jetzt über 40 Länder die&#13;
technischen und materiellen Fähigkeiten zur&#13;
Entwicklung von Nuklearwaffen, wenn sie sich&#13;
dafür entscheiden würden.&#13;
Mehr als 15 Nationen verfügen zumindest&#13;
über Kurzstreckenraketen - und viele von&#13;
ihnen streben den Besitz von Massenvernichtungswaffen an.&#13;
Ungefähr 20 Länder - von denen uns viele&#13;
feindlich gesinnt sind - unterhalten Chemiewaffenprogramme; weitere 15 verfügen über&#13;
die Fähigkeit und Motivation.&#13;
Und der Irak führt uns vor Augen, daß biologische Waffen auch für geächtete Regierungen&#13;
und Gruppen attraktiv sind.&#13;
Unterdessen führen wir noch immer nicht beendete&#13;
strategische&#13;
Rüstungskontrollverhandlungen&#13;
mit&#13;
Rußland - dem Land, das eine verheerende atomare&#13;
Zerstörung in den Vereinigten Staaten anrichten&#13;
könnte.&#13;
Und während Verträge eingehalten und Waffen zerlegt&#13;
werden, wird Rußland auch zum zentralen Element bei&#13;
der Lösung des Problems, daß das Fachwissen und&#13;
Material zur Herstellung von Atomwaffen zu verbrecherischen Staaten oder Terrorgruppen durchsickern könnte.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Diese alten und neuen Herausforderungen auf meinem&#13;
Gebiet sowie in vielen anderen Bereichen machen&#13;
eine intensivierte amerikanische Führungsrolle für eine&#13;
Welt im Umbruch erforderlich. Denn die Vereinigten&#13;
Staaten führen seit über 40 Jahren mit Worten und&#13;
Taten die Bestrebungen zur Schaffung von Sicherheit&#13;
durch die Kontrolle von Waffen an.&#13;
Dank der Initiative von Präsident Kennedy und mit&#13;
Unterstützung von Präsident Eisenhower haben die&#13;
Vereinigten Staaten ein kleines, spezialisiertes,&#13;
unabhängiges Amt - bekannt als ACDA - ausschließlich für diese Sache ins Leben gerufen. Wir handeln&#13;
Abkommen wie den Vertrag über die Verringerung&#13;
strategischer Rüstungen mit Rußland und die globale&#13;
Chemiewaffenkonvention aus und setzen sie um. Wir&#13;
fördern regionale Rüstungskontrolle und Vertrauensbildung, einschließlich der im Rahmen der Beilegung&#13;
des Bosnien-Konflikts vereinbarten Begrenzungen.&#13;
Wir beraten den Präsidenten und den Außenminister&#13;
direkt und ohne bürokratische Behinderungen oder&#13;
Kompetenzgerangel zur Rüstungskontroll- und&#13;
Nichtverbreitungspolitik. Und trotz des Endes des&#13;
Kalten Krieges - und in mancher Hinsicht wegen ihm sind wir in der Tat mehr beschäftigt als früher.&#13;
Es wird Amerika schaden, wenn wir in Isolationismus&#13;
verfallen oder die Außenpolitik vornehmlich als&#13;
Plattform für politische Selbstdarstellung im Inland&#13;
benutzen.&#13;
Zugegeben, die Politik bewegt sich seit einiger Zeit auf&#13;
Messers Schneide - und die Außenpolitik der Exekutive zu stören ist in keiner Weise eine Erfindung des&#13;
heutigen Kongresses. Aber jetzt drohen eine extrem&#13;
parteipolitische Gruppe und neue Rufe nach Isolationismus unsere nationale Sicherheit zu unterminieren.&#13;
Eine unserer wichtigsten Aufgaben im Bereich der&#13;
nationalen Sicherheit heute besteht in der Realisierung&#13;
der Vorteile des zweiten Vertrags über die Verringerung strategischer Rüstungen START II. Damit&#13;
werden die ehemaligen amerikanischen und sowjetischen strategischen Nuklearwaffen auf ein Drittel&#13;
reduziert. Präsident Clinton und sein Amtskollege&#13;
Jelzin haben vereinbart, daß dieser Vertrag die Tür zu&#13;
Gesprächen über künftige Begrenzungen öffnen wird.&#13;
START II legt zwingende Gründe für Rüstungskontrolle&#13;
als Kontrolle der Bedrohung vor: In den siebziger und&#13;
achtziger Jahren waren einige Experten alarmiert&#13;
angesichts einer nuklearen "Lücke", die die Vereinigten Staaten im Falle eines sowjetischen Erstschlags verletzbar machte, der mit über 300 sowjetischen schweren landgestützten SS-18-Raketen&#13;
geführt würde, die mit je 10 Gefechtsköpfen mit&#13;
unabhängiger Zielerfassung bestückt waren.&#13;
Ein zur Zerstörung der SS-18 entworfenes amerikanisches Waffensystem würde optimistischen Schät-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
zungen zufolge viele Milliarden Dollar kosten, wäre&#13;
nicht 100 Prozent zuverlässig und könnte nur mitten in&#13;
einem Nuklearkrieg eingesetzt werden. Aber im&#13;
Rahmen von START II werden diese SS-18 völlig&#13;
zerstört - sicher und verifizierbar, ohne daß ein&#13;
einziger Schuß abgefeuert wird.&#13;
START II ist jedoch in Gefahr. Solche Begrenzungen&#13;
für strategische Offensivwaffen wurden seit langem in&#13;
Zusammenhang mit Begrenzungen bei defensiven&#13;
Rüstungen gestellt, wie sie der ABM-Vertrag von 1972&#13;
vorsieht. Der Grund liegt auf der Hand: Während die&#13;
Zahl von Offensivwaffen auf einer Seite reduziert wird,&#13;
nimmt die Bedeutung jeder Defensivwaffe auf der&#13;
anderen Seite zu bis zu dem Punkt, an dem das erste&#13;
Land sich über seine Fähigkeit zur Abschreckung&#13;
eines Angriffs Sorgen machen könnte. Aufgrund&#13;
dieser Logik haben die Russen, die START II noch&#13;
nicht ratifizierten, stets ein Junktim zwischen dem&#13;
Vertrag und der weiteren Gültigkeit des ABM-Vertrags&#13;
von 1972 hergestellt. Als sie START I ratifizierten - der&#13;
die erste Hälfte der SS-18 eliminiert - machten sie klar,&#13;
daß START I in der Tat vom ABM-Vertrag abhängt.&#13;
Einige Mitglieder des Kongresses haben jedoch&#13;
ausgerechnet diese Zeit - zu Beginn der offiziellen&#13;
Umsetzung von START I und mitten im Drängen auf&#13;
die Ratifizierung von START II durch die Russen - für&#13;
die Forderung gewählt, daß der ABM-Vertrag voll und&#13;
ganz ausrangiert wird und wir unverzüglich mit dem&#13;
Aufbau einer nationalen Raketenverteidigung an&#13;
mehreren Standorten beginnen.&#13;
Ich vermute, daß hier politischer Opportunismus am&#13;
Werk ist - denn Meinungsumfragen belegen, daß die&#13;
meisten Amerikaner der Ansicht sind, wir hätten bereits&#13;
eine solche Verteidigung und würden sie begrüßen.&#13;
Natürlich sind nicht die Umfragen die öffentliche&#13;
Rechtfertigung, sondern die Behauptung, daß wir einer&#13;
Bedrohung durch Langstreckenraketen begegnen&#13;
müssen - jetzt nicht von Rußland, sondern von verbrecherischen Staaten wie Iran, Irak oder Nordkorea.&#13;
Das ist eine potentielle Gefahr, aber die Nachrichtendienste erklären, jede Bedrohung für eine Stadt wie&#13;
beispielsweise Kansas City sei mindestens 10 bis 15&#13;
Jahre entfernt. Als Schutz entwickeln die Vereinigten&#13;
Staaten eine angemessene Verteidigung, die bereits in&#13;
sechs Jahren bereit sein könnte, wenn wir sehen, daß&#13;
sich eine solche Bedrohung abzeichnet.&#13;
Aber jetzt eine nationale Raketenverteidigung zu&#13;
erzwingen, ergibt weder militärisch, diplomatisch,&#13;
wirtschaftlich noch sicherheitspolitisch einen Sinn. Wir&#13;
wären den Technologien von heute verhaftet und&#13;
würden modernere und effizientere Ansätze ausschließen.&#13;
Das Haushaltsbüro des Kongresses&#13;
erklärt, es würde den Etat um bis zu 60 Milliarden&#13;
Dollar aufstocken. Und wie ich bereits ausgeführt&#13;
habe, würde damit alles aufs Spiel gesetzt, was die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�letzten drei Präsidenten bei den tatsächlichen Reduzierungen strategischer Offensivwaffen erzielt haben.&#13;
Dieser Plan wird als das "Gesetz zur Verteidigung&#13;
Amerikas" bezeichnet. Man könnte es genausogut das&#13;
"Gesetz zum Erhalt der russischen schweren Raketen"&#13;
nennen. Denn im Namen der Verteidigung gegen&#13;
Gefahren, die eines Tages Wirklichkeit werden, würde&#13;
es bestehende Gefahren verlängern, die wir sonst&#13;
beseitigen könnten.&#13;
Ich möchte mich nun einem zweiten Bereich zuwenden, in dem die Interventionen des Kongresses noch&#13;
schwerer zu erklären sind - Nordkoreas Nuklearwaffenpotential.&#13;
Nordkorea ist eine isolierte, verunsicherte, militarisierte, zunehmend verarmte und hungrige Nation. Wie&#13;
würde unser Sicherheitsumfeld aussehen, wenn&#13;
Nordkorea im Besitz von Atomwaffen wäre? Was&#13;
wäre, wenn das Land genug Nuklearmaterial oder&#13;
sogar Nuklearwaffen hätte, um sie an andere Staaten&#13;
wie Iran oder Libyen zu verkaufen - oder direkt an&#13;
Terrorgruppen?&#13;
Solche Aussichten mußten bis Ende 1994 nicht nur als&#13;
möglich, sondern als wahrscheinlich angesehen&#13;
werden - als wir ein Rahmenabkommen zu Abwendung des nordkoreanischen materiellen Potentials zur&#13;
Herstellung von über einem Dutzend Atomwaffen pro&#13;
Jahr unterzeichneten. Seit jenem Tag ist das nordkoreanische Nuklearprogramm eingefroren. Der zur&#13;
Verbreitung geeignete Reaktor wurde stillgelegt, und&#13;
der Bau von zwei größeren eingestellt. Die Wiederaufbereitungsanlage, mit der waffenfähiges Plutonium&#13;
aus verbrauchten Brennstäben gewonnen werden&#13;
konnte, ist geschlossen, und der erschöpfte Brennstoff&#13;
wurde in Kanistern versiegelt, die aus dem Land&#13;
transportiert werden. All dies geschieht unter kontinuierlicher internationaler Überwachung.&#13;
Dennoch ist auch dieses Abkommen in Gefahr.&#13;
Bei dem Abkommen von 1994 ging es um den Ersatz&#13;
verlorener Energiequellen. In der nächsten Zeit&#13;
werden zwei Leichtwasserreaktoren, die nicht für die&#13;
Herstellung von waffenfähigem Material geeignet sind,&#13;
die von Nordkorea stillgelegten ersetzen. Als Überbrückung wird in der Zwischenzeit Schweröl geliefert.&#13;
Japan und Südkorea werden zusammen über 4&#13;
Milliarden Dollar zum Bau der neuen Reaktoren&#13;
beitragen. Die Vereinigten Staaten werden im Vergleich dazu einen sehr viel geringeren Betrag für&#13;
Schweröl beisteuern, der sich in diesem Jahr auf rund&#13;
25 Millionen Dollar beläuft. Dennoch hat der Kongreß&#13;
in diesem Sommer diesen bescheidenen Beitrag&#13;
nahezu halbiert - auf 13 Millionen Dollar.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Ich kann nicht erklären, warum das Rahmenabkommen weiterhin solches Unheil anzieht - warum so viele,&#13;
die bei seiner Aushandlung nicht anwesend waren, so&#13;
zuversichtlich sind, sie hätten einen besseren Deal&#13;
abgeschlossen. Aber selbst sie würden sich hartem&#13;
Druck ausgesetzt sehen, Japan und Südkorea zur&#13;
Einhaltung ihrer Abmachung aufzufordern - oder&#13;
darauf zu bestehen, daß Nordkorea seinen Verpflichtungen nachkommt - wenn wir unsere nicht&#13;
erfüllen können. Und wenn dieses Abkommen für&#13;
ungültig erklärt werden sollte und wir uns erneut mit&#13;
den Gefahren eines atomar bewaffneten Nordkorea&#13;
konfrontiert sehen, frage ich mich, ob die Väter dieser&#13;
Kürzung in Höhe von 12 Millionen Dollar nach vorne&#13;
treten werden und die Verantwortung für die von ihnen&#13;
vorgenommenen großen Einsparungen übernehmen.&#13;
Vor kurzem hatten wir eine knappe Entscheidung im&#13;
Kongreß zu einem weiteren wichtigen Ziel - ein&#13;
umfassendes Verbot für alle weiteren Atomtests aller&#13;
Länder, an allen Orten und unabhängig von den&#13;
Gründen.&#13;
Eisenhower war unser erster Präsident, der einen&#13;
solchen Vertrag anstrebte. Präsident Clinton hat ihn&#13;
schließlich in greifbare Nähe gerückt - nicht nur durch&#13;
die grundsätzliche Unterstützung des Testverbots,&#13;
sondern auch, indem er ihn auf den Verhandlungsweg&#13;
brachte und einen wirklich umfassenden Vertrag ohne&#13;
Ausnahmen befürwortete, der die gleiche Behandlung&#13;
aller Länder vorsieht.&#13;
Das Atomtestverbot wird dazu beitragen, die Gefahren&#13;
und Kosten jedes weiteren qualitativen Rüstungswettlaufs abzuwenden und eine zusätzliche Barriere gegen&#13;
die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen in mehr&#13;
Länder zu errichten. Heute lautet die Frage jedoch&#13;
nicht, ob das Testverbot in unserem Interesse, sondern ob es in Reichweite liegt.&#13;
Nach zweieinhalb Jahren harter Arbeit hätte das&#13;
Endspiel der Genfer Abrüstungskonferenz schon&#13;
längst stattfinden müssen. Die Konferenz hätte ihre&#13;
Arbeit vor der letzten Sitzungsperiode, die am 28. Juni&#13;
endete, abschließen sollen. Diese Frist hielt sie nicht&#13;
ein. Sollten die Mitgliedstaaten jetzt nicht am 29. Juli&#13;
mit der Bereitschaft zu einer umgehenden Einigung auf&#13;
den Vertragstext an den Verhandlungstisch zurückkehren, könnte der Abschluß des Vertrags über ein&#13;
umfassendes Atomtestverbot für dieses Jahr und&#13;
wahrscheinlich noch für viele weitere Jahre scheitern.&#13;
Bei den Verhandlungen waren zahlreiche Punkte&#13;
umstritten, einschließlich unseres Beharrens auf einem&#13;
soliden Verifizierungsregime mit gegenseitigen&#13;
Inspektionen vor Ort und dem Recht auf Verwendung&#13;
nationaler technischer Hilfsmittel - Satelliten und&#13;
anderen Technologien - zur Überwachung der Einhaltung. Andere waren stärker mit dem Schutz vor&#13;
einer Verifizierung beschäftigt.&#13;
Einige blockfreie&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Länder drängten darauf, den Vertrag mit der Forderung übermäßig zu belasten, alle Nuklearwaffen bis zu&#13;
einem bestimmten Zeitpunkt zu vernichten und in der&#13;
Zwischenzeit lediglich für den Schutz und die Betriebssicherheit der Arsenale erforderliche Explosionen zu&#13;
gestatten. Die Verfahrensweise zur Inkraftsetzung des&#13;
Vertrags bleibt umstritten. Mit anderen Worten - die&#13;
Arbeit in Genf ist schwierig.&#13;
Auf dem Höhepunkt all dieser Entwicklungen wurde im&#13;
Juni im Senat ein Zusatzantrag vorgelegt, der die&#13;
Vereinigten Staaten zu einer Wiederaufnahme von&#13;
Nukleartests im Herbst ermächtigen sollte. Er hätte zu&#13;
keinem besseren Zeitpunkt kommen können, um&#13;
unsere Glaubwürdigkeit bei den Verhandlungen zu&#13;
unterminieren.&#13;
Glücklicherweise wurde in diesem Fall das Richtige auf&#13;
die richtige Art und Weise getan. Eine überparteiliche&#13;
Mehrheit - unter der Führung von Demokraten wie den&#13;
Senatoren James Exon und Sam Nunn und den&#13;
republikanischen Senatoren Mark Hatfield, John&#13;
Chaffee und Nancy Kassebaum - stimmte gegen den&#13;
Antrag. Im Senat gewannen die langjährigen Verfechter des Testverbots die Oberhand, und bei einem&#13;
Erfolg in Genf wird ihnen daher ein Großteil des&#13;
Verdienstes gebühren. Bleiben Sie am Ball.&#13;
Weniger erfolgreich waren wir mit dem Einsatz unserer&#13;
Mittel auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle und&#13;
Nichtverbreitung. Die von den Vereinigten Staaten&#13;
übernommene Führungsrolle bei diesen Fragen wird&#13;
durch die uns vom Kongreß auferlegte Handlungsunfähigkeit gefährdet.&#13;
Präsident Clinton und Außenminister Christopher&#13;
erfüllten das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung&#13;
mit neuem Leben, damit es die Speerspitze der&#13;
amerikanischen Bestrebungen zur Rüstungskontrolle&#13;
und Nichtverbreitung wird. Vergangenes Jahr wurden&#13;
wir mit dem Versuch des Kongresses konfrontiert, uns&#13;
aufzulösen - das Amt ganz abzuschaffen. Bislang&#13;
haben wir das überlebt.&#13;
Jetzt sehen wir uns jedoch andauernden Bestrebungen zur Abstumpfung des Speers gegenüber - indem&#13;
man uns die Mittel verweigert, die wir für die Erledigung der uns vom Präsidenten zugewiesenen Arbeit&#13;
benötigen. Der Haushalt des ACDA ist seit mehreren&#13;
Jahren real geschrumpft, während unsere Arbeit&#13;
zugenommen hat. Einen Großteil dieses Jahres&#13;
operierten wir mit einer erlaubten Ausgabenquote, die&#13;
53 Prozent unter dem Antrag des Präsidenten liegt.&#13;
Meine Sorge geht jedoch weit über den Haushalt des&#13;
ACDA hinaus. Als kleine Behörde verlassen wir uns&#13;
zusammen mit 37 anderen Ämtern darauf, daß die&#13;
Botschaften und Missionen des Außenministeriums&#13;
unserer Stimme im Ausland Gehör verschaffen. Bei&#13;
Fragen, die anhaltende bilaterale Diplomatie erfordern,&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
beispielsweise das Rahmenabkommen mit Nordkorea,&#13;
übernimmt das Außenministerium oft die Führung und&#13;
ACDA bietet technische und politische Unterstützung.&#13;
Daher bin ich äußerst besorgt, daß die Finanzierung&#13;
internationaler Bestrebungen insgesamt, einschließlich&#13;
des Außenministeriums, jetzt nur noch die Hälfte der&#13;
Summe von vor 12 Jahren beträgt - bei konstantem&#13;
Dollarkurs. Einige Vorschläge des Kongresses sehen&#13;
jedoch Kürzungen um ein weiteres Drittel in den&#13;
nächsten fünf Jahren vor. Das würde unsere diplomatische Struktur wirklich erschüttern.&#13;
Hans Morgenthau, der kein Wilsonscher Idealist war,&#13;
machte die Beobachtung, daß die Qualität der Diplomatie einer Nation "die wichtigste" Komponente ihrer&#13;
internationalen Macht ist. Man braucht damit gar nicht&#13;
vollkommen übereinzustimmen, um die große Gefahr&#13;
in der Vorstellung zu sehen, daß wir bei internationalen&#13;
Angelegenheiten mit wenig mehr als Renomiergehabe&#13;
durchkommen könnten.&#13;
Ich wäre weniger insistent, wenn diese Arbeit nur&#13;
marginale Auswirkungen hätte.&#13;
Aber unsere&#13;
Rüstungskontroll- und Nichtverbreitungsbestrebungen&#13;
sind großartig vorangekommen.&#13;
Zusätzlich möchte ich noch folgende Anmerkungen&#13;
machen:&#13;
Der START I-Vertrag wurde in Kraft gesetzt,&#13;
was erst möglich war, nachdem die Ukraine,&#13;
Kasachstan und Belarus sich auf den Verzicht&#13;
auf alle nach dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion auf ihrem Territorium&#13;
verbliebenen Nuklearwaffen geeinigt hatten.&#13;
Die letzten werden Ende dieses Jahres abgezogen.&#13;
Unter der Führung Präsident Clintons und&#13;
trotz zahlreicher Schwierigkeiten wurde der&#13;
Nichtverbreitungsvertrag - unter dem verbotene Nuklearprogramme ausfindig gemacht und&#13;
bestraft werden können - unbegrenzt verlängert und hat jetzt mit 182 Mitgliedern nahezu&#13;
universellen Charakter.&#13;
Wir vereiteln die irakischen Bestrebungen zur&#13;
Umgehung von UNO-Sanktionen solange, bis&#13;
das Land die Wahrheit über seine Massenvernichtungswaffen sagt.&#13;
Aufgrund unserer mit dem Irak gemachten&#13;
Erfahrungen haben wir internationale Bestrebungen für neue internationale Techniken und&#13;
Regeln geleitet, um das Abzweigen von&#13;
Material aus friedlichen Zwecken dienenden&#13;
Nuklearprogrammen für Waffenprogramme zu&#13;
verhindern.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�Der Senat wird bis Mitte September einen&#13;
einstimmigen Beschluß über die Chemiewaffenkonvention fassen, die Präsident Bush&#13;
1993 abschloß. Das bedeutet, daß dieses&#13;
bahnbrechende Abkommen - das eine ganze&#13;
Waffengattung verbietet und über das einschneidendste Verifizierungssystem verfügt im kommenden Frühjahr in Kraft treten wird.&#13;
Erstmals werden in der Zeit nach dem Kalten&#13;
Krieg konventionelle Waffen in gemeinsame&#13;
Exportkontrollen einbezogen, die sicherheitsempfindliche Technologien von verbrecherischen Staaten fernhalten sollen.&#13;
Und dieses Jahr gibt es eine globale Übereinkunft über das Verbot langlebiger, nicht aufspürbarer Antipersonenminen, die nach einem&#13;
Krieg noch jahrelang scharf sind und unschuldige Zivilisten töten und verstümmeln.&#13;
Mit anderen Worten: Wir verfolgen wichtige Ziele, und&#13;
trotz großer Hindernisse machen wir bei ihrer Erlangung große Fortschritte. Dies ist nicht die richtige&#13;
Zeit, sich zurückzuziehen.&#13;
&#13;
Schlußbemerkung&#13;
Die Realität ist, daß wir immer noch in einer gefährlichen Welt leben - die aufgrund der Überrüstung aus&#13;
der Zeit des Kalten Krieges noch von Waffen starrt und uns neuen Gefahren gegenübersehen wie&#13;
Weiterverbreitung,&#13;
fanatischem&#13;
Nationalismus,&#13;
Terrorismus, Umweltzerstörung, Drogenhandel und&#13;
vielen anderen, uns direkt betreffenden Problemen. In&#13;
einer solchen Welt können es sich die Vereinigten&#13;
Staaten nicht leisten, daß isolationistische Tendenzen&#13;
oder politische Kontroversen ihre ohnehin enormen&#13;
Aufgaben noch erschweren. In Anlehnung an den&#13;
bekannten chinesischen Fluch können wir sagen, daß&#13;
die Zeit, in der wir leben, bereits interessant genug ist.&#13;
Wir müssen jetzt vielmehr auf ernsthafte internationalistische Politiker beider großen Parteien blicken,&#13;
die - selbst wenn unsere Regierung uneinig ist - eine&#13;
einheitliche Außenpolitik machen, wie sie einer&#13;
Großmacht in einer gefährlichen Welt ansteht. Nur&#13;
dann wird sich die Geschichte so entwickeln, wie wir&#13;
es anstreben - hin zu Demokratie, Entwicklung und&#13;
Frieden.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Die wirtschaftlichen und diplomatischen&#13;
Ziele der Vereinigten Staaten&#13;
Rede von Staatssekretärin Joan Spero&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die wirtschaftliche Komponente der amerikanischen Diplomatie gewinnt zunehmend an&#13;
Bedeutung, während die Vereinigten Staaten die Förderung ihrer langfristigen Ziele - Frieden, Wohlstand und&#13;
Stabilität in der Welt nach dem Kalten Krieg - anstreben, erklärte die Staatssekretärin für wirtschaftliche und&#13;
landwirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium, Joan Spero, am 18. Juli 1996 vor Vertretern&#13;
regionaler Medien. Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede der Staatssekretärin im Wortlaut.&#13;
&#13;
Ich freue mich, heute mit Ihnen über die wirtschaftliche&#13;
Dimension der amerikanischen Außenpolitik sprechen&#13;
zu können. Außenminister Christopher und wir alle im&#13;
Außenministerium schätzen diese Gelegenheiten zur&#13;
Erörterung außenpolitischer Angelegenheiten mit&#13;
Ihnen, zur Darlegung der Ziele unserer Politik und&#13;
Beantwortung Ihrer Fragen.&#13;
Präsident Clintons Außenpolitik verfolgt ein einfaches,&#13;
aber großes Ziel: Die Förderung von Sicherheit und&#13;
Wohlstand des amerikanischen Volkes. Wir leben&#13;
heute in einer Welt ohne einen eindeutigen gemeinsamen Feind, einer Welt mit drängenden globalen&#13;
Problemen wie Terrorismus, Bedrohungen unserer&#13;
Gesundheit und Umweltzerstörung - einer Welt, in der&#13;
nationale Grenzen aufgrund wirtschaftlicher Interdependenz zunehmend verwischt werden.&#13;
Unsere&#13;
heutige außenpolitische Herausforderung besteht in&#13;
der Anpassung unserer dauerhaften Ziele Frieden und&#13;
Wohlstand an die Welt nach dem Kalten Krieg.&#13;
Wie Außenminister Christopher heute bereits erwähnte, kommt der amerikanischen Außenwirtschaftspolitik&#13;
in dieser neuen Welt eine zentrale Rolle zu. Wir&#13;
verfolgen wirtschaftliche Ziele um ihrer selbst willen weil sie von Vorteil für amerikanische Unternehmen,&#13;
amerikanische Arbeitnehmer und die amerikanische&#13;
Wirtschaft sind. Ferner bedienen wir uns der Wirtschaftsdiplomatie zur Unterstützung der traditionellen&#13;
außenpolitischen Ziele Frieden und Sicherheit. In&#13;
Bosnien, Haiti, Rußland, den neuen unabhängigen&#13;
Staaten der ehemaligen Sowjetunion und im Nahen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Osten haben wir gesehen, daß die Mehrung des&#13;
Wohlstands den Frieden und die demokratische&#13;
Entwicklung fördert. Somit setzen wir traditionelle&#13;
wirtschaftliche Hilfsmittel ein. In dieser Zeit der&#13;
Haushaltskürzungen konzentrieren wir uns auf die&#13;
Förderung von Wirtschaftsreformen im Inland, regionale wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie Auslandsinvestitionen und Handel.&#13;
Ein ebenso bedeutendes Ziel unserer internationalen&#13;
Wirtschaftspolitik ist die Wahrung des amerikanischen&#13;
Einflusses in den Schlüsselregionen der Welt. Historisch gesehen hat uns die NATO militärisch in Europa&#13;
verankert, und das amerikanisch-japanische Sicherheitsbündnis ist der Pfeiler unserer Sicherheitspräsenz in Asien. Heute bieten Wirtschaftsbeziehungen und die daraus hervorgegangenen neuen wirtschaftlichen Institutionen - beispielsweise die Welthandelsorganisation (WTO) und das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) - ebenso&#13;
wichtige Verankerungen für die Projizierung des&#13;
politischen Einflusses der Vereinigten Staaten in die&#13;
ganze Welt.&#13;
Unterstützung von Frieden und Demokratie&#13;
Heute möchte ich mit Ihnen erörtern, wie wir uns für&#13;
die Verfolgung der zunehmend verflochtenen&#13;
Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen unserer Nation&#13;
einsetzen. Erstens nutzen wir, wie bereits erwähnt, die&#13;
Wirtschaft zur Unterstützung unserer diplomatischen&#13;
Ziele Frieden und Demokratie. In den letzten Monaten&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�haben wir beachtliche Fortschritte zum Frieden in den&#13;
lange Zeit von Streitigkeiten geplagten Regionen&#13;
beobachtet - vom Nahen Osten bis zum Balkan. In&#13;
Südafrika, den Staaten der ehemaligen Sowjetunion&#13;
und Haiti errichten von den Bürgern gewählte Regierungen die Grundlage für eine stabile, demokratische&#13;
Herrschaft. Die amerikanische Diplomatie ist für diese&#13;
Entwicklungen von elementarer Bedeutung, wirtschaftliche Sicherheit ist entscheidend für ihren Erhalt.&#13;
Lassen Sie mich mit dem Nahen Osten beginnen einem Modell wirtschaftlicher Unterstützung von&#13;
Frieden und Sicherheit. Die Tatsache bleibt bestehen,&#13;
daß Frieden und Sicherheit im Nahen Osten heute in&#13;
größerer Reichweite liegen als zu jedem anderen&#13;
Zeitpunkt in der neueren Geschichte, und wirtschaftliche Hilfsmittel haben in diesem Prozeß eine wichtige&#13;
Rolle gespielt.&#13;
Die Vereinigten Staaten bleiben&#13;
optimistisch, daß der Friedensprozeß weitere Fortschritte machen wird, und dabei wird Wirtschaftsdiplomatie auch in Zukunft bedeutende Impulse und&#13;
Beistand geben.&#13;
Heute wählten die Palästinenser einen Palästinensischen Nationalrat, und sie haben in Gaza und den&#13;
meisten Städten des Westjordanlands Selbstverwaltung. Der Wirtschaftsboykott Israels gehört der&#13;
Vergangenheit an.&#13;
Israel und Jordanien haben&#13;
Frieden geschlossen. Nur wenigen Menschen ist&#13;
bewußt, daß wirtschaftliche Zusammenarbeit eine&#13;
zentrale Rolle bei der Weichenstellung für den Friedensvertrag zwischen diesen beiden Ländern spielte.&#13;
Tatsächlich enthält das Friedensabkommen zwischen&#13;
Israel und Jordanien eine Vielzahl von Wirtschaftsklauseln - ebenso wie das Abkommen zwischen den&#13;
Israelis und den Palästinensern.&#13;
Eine der bemerkenswertesten Veränderungen im&#13;
Nahen Osten während der letzten Jahre ist die veränderte Einstellung - die Erkenntnis, daß wirtschaftliche Entwicklung und enge, grenzüberschreitende&#13;
Handelsbeziehungen von entscheidender Bedeutung&#13;
sind, wenn der Frieden in der Region Fuß fassen soll.&#13;
Israelis und Araber gleichermaßen wissen die Ausweitung des Handels, das Wirtschaftswachstum und&#13;
den höheren Lebensstandard zu schätzen, die mit&#13;
regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit einhergehen können. In der Tat hat sich der Friedensprozeß&#13;
als Segen für die Wirtschaft erwiesen, da er die Region&#13;
für ausländische Investoren attraktiver machte.&#13;
Ferner entwickelten wir neue Arten von Wirtschaftsdiplomatie zur Unterstützung des Friedensprozesses.&#13;
Im Mittelpunkt dieser Bestrebungen stehen die jährlichen Wirtschaftsgipfel des Nahen Ostens und&#13;
Nordafrikas, die 1994 in Casablanca begannen. Diese&#13;
Gipfeltreffen führten hochrangige Regierungs- und&#13;
Wirtschaftsverteter aus dem Nahen Osten und der&#13;
ganzen Welt zusammen, um die wirtschaftliche&#13;
Entwicklung in der Region zu unterstützen. Die&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Zusammenkünfte fördern die regionale wirtschaftliche&#13;
Integration und bringen Privatkapital direkt in den&#13;
Friedensprozeß ein. Das möchte ich jetzt näher&#13;
erläutern.&#13;
Zweifellos sind die Unternehmen - nicht die Regierung - der wirkliche Motor für Wirtschaftsentwicklung.&#13;
Vor zwei Jahren trafen in Casablanca Regierungsund Wirtschaftsvertreter aus der gesamten Region&#13;
- Araber und Israelis - ungehindert zusammen und&#13;
sprachen über geschäftliche Dinge. Letztes Jahr in&#13;
Amman wurden Abkommen unterzeichnet. Israel und&#13;
Jordanien einigten sich auf die gemeinsame Entwicklung des Senkungsgrabens des Jordan - eine strittige&#13;
Grenzfrage. Sie wollen in der Region Elat/Aqaba&#13;
gemeinsam einen internationalen Flughafen bauen.&#13;
Und amerikanische Unternehmen unterstützen die&#13;
regionale wirtschaftliche Zusammenarbeit. Beispielsweise schloß Amoco ein Abkommen über ein Jointventure für den Bau einer Pipeline zur Beförderung&#13;
von Erdgas aus Ägypten nach Israel.&#13;
Wir setzen große Hoffnungen in weitere Fortschritte&#13;
beim nächsten Nahostgipfel in Kairo Ende des Jahres.&#13;
In Kairo werden Investitionsmöglichkeiten in der&#13;
Region sowie die Unterstützung von Unternehmen bei&#13;
der Beteiligung an potentiellen Infrastruktur-,&#13;
Tourismus- und anderen Projekten im Mittelpunkt&#13;
stehen.&#13;
Ein bedeutender Aspekt unserer Wirtschaftsdiplomatie&#13;
ist die Schaffung neuer regionaler Institutionen zur&#13;
Förderung regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit.&#13;
Dies sind dauerhafte Institutionen zur Ermutigung und&#13;
Unterstützung intraregionaler Integration sowie zur&#13;
Gewinnung ausländischen Kapitals. Diese Institutionen haben bereits eigene Dynamik entwickelt und&#13;
setzen sich jetzt zunehmend für die Beschleunigung&#13;
und Förderung des Friedensprozesses ein.&#13;
Die Nahostentwicklungsbank ist für diese Bestrebungen von elementarer Bedeutung. Die Bank verfolgt&#13;
drei bestimmte Ziele: Unterstützung des Privatsektors,&#13;
Förderung regionaler Projekte sowie des regionalen&#13;
Wirtschaftsdialogs. Die relativ kleine Kapitalbasis der&#13;
Bank wird eingesetzt, um existierende Mittel im&#13;
Privatsektor, bei der Weltbank und anderen Institutionen freizusetzen.&#13;
Während seiner jüngsten Reise nach Washington rief&#13;
Ministerpräsident Netanjahu die Administration und&#13;
den Kongreß entschieden zur schnellen Finanzierung&#13;
und Einrichtung der Nahostentwicklungsbank auf. Es&#13;
wurden bereits mehr als 75 Prozent der neuen Aktien&#13;
der Bank von 19 Ländern gezeichnet, und wir planen&#13;
die offizielle Eröffnung der Bank, die ihren Hauptsitz in&#13;
Kairo haben wird, beim dortigen Gipfel in diesem Jahr.&#13;
Der Friedensprozeß wird natürlich noch auf zahlreiche&#13;
Herausforderungen stoßen. In Syrien und im Libanon&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�gibt es viele Unwägbarkeiten, und die Gespräche über&#13;
den endgültigen Status Palästinas mit den Palästinensern haben noch nicht begonnen. Ferner müssen wir&#13;
Israel zugestehen, daß es nach seinen Wahlen eine&#13;
Bestandsaufnahme vornimmt. Diese Herausforderungen und Unwägbarkeiten machen es jedoch noch&#13;
wichtiger, daß wir beim Aufbau von Wirtschaftsinstitutionen zur Förderung wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Integration Fortschritte machen.&#13;
Die neue Wirtschaftsarchitektur&#13;
Ein zweites wichtiges Ziel unserer Außenwirtschaftspolitik ist die Gestaltung und Modernisierung der&#13;
Wirtschaftsarchitektur - der globalen und regionalen&#13;
Wirtschaftsinstitutionen - für die Welt nach dem Kalten&#13;
Krieg. Wir arbeiten auf globaler und regionaler Ebene&#13;
- sowie im Rahmen bilateraler Bestrebungen - an der&#13;
Förderung eines offeneren Handels- und Investitionsklimas sowie der Reform und Stärkung internationaler&#13;
Wirtschaftsinstitutionen. Diese neue Architektur bietet&#13;
eine wichtige Grundlage für Einfluß und Führungsrolle&#13;
der Vereinigten Staaten auf der ganzen Welt.&#13;
Auf globaler Ebene haben wir uns für die Gründung&#13;
der Welthandelsorganisation eingesetzt und bereiten&#13;
deren erste Ministerkonferenz vor, die diesen Dezember in Singapur stattfinden soll. Dort hoffen wir auf&#13;
einen weiteren Abbau von Handelshemmnissen sowie&#13;
die Aufnahme neuer Fragen wie Handels- und Arbeitsnormen und Transparenz bei der staatlichen Beschaffung in die Tagesordnung der WTO.&#13;
Ich möchte eine andere multilaterale Institution in&#13;
unserer Wirtschaftsarchitektur erwähnen - die Gruppe&#13;
der 7. Es gibt eine - in meinen Augen gesunde Tendenz, die anhaltende Bedeutung der G-7 in Frage&#13;
zu stellen. Ich habe als Sherpa an den letzten vier G7-Gipfeltreffen teilgenommen und war vor kurzem bei&#13;
dem Treffen der Staats- und Regierungschefs in Lyon&#13;
anwesend. Meiner Ansicht nach sind diese Zusammenkünfte zu einem wichtigen Mechanismus für&#13;
multilaterale Aktionen zu einem breiten Spektrum von&#13;
Themen geworden. Rußland beteiligt sich beispielsweise jetzt am außenpolitischen Teil des Gipfels, und&#13;
die Gipfeltreffen konzentrieren sich mehr auf globale&#13;
Themen wie Terrorismus, Verbrechen und die Umwelt.&#13;
Im wirtschaftlichen Bereich hat die G-7 eine Führungsrolle beim Streben nach offenerem Handel und&#13;
Investitionen übernommen. In Lyon drängten die&#13;
Staats- und Regierungschefs der G-7 spezifisch auf&#13;
die uneingeschränkte und effektive Umsetzung der&#13;
Zusagen der Uruguay-Runde. Die G-7 befürwortete&#13;
auch einen amerikanischen Vorschlag, daß Bestechungsgelder im kommerziellen Bereich künftig&#13;
steuerlich nicht mehr absetzbar sein und als Verbrechen geahndet werden sollen. Solche Bestrebungen werden nicht nur die wirtschaftliche Effizienz und&#13;
gute Regierungsführung verbessern, sondern auch die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Kosten geschäftlicher Transaktionen verringern und&#13;
die Wettbewerbschancen für amerikanische Unternehmen verbessern.&#13;
In diesem Jahr wurden bei der globalen Sitzung der G7 zahlreiche von Präsident Clinton hervorgehobene&#13;
Themen angesprochen. Die acht Staats- und Regierungschefs verabschiedeten 40 konkrete Empfehlungen zur Bekämpfung von transnationalem Verbrechen und Terrorismus und zur Überbrückung der&#13;
Kluft bei der internationalen Strafverfolgung. Die&#13;
Politiker bekräftigten ihren Ruf nach einer durchgreifenden Reform multilateraler Institutionen. Im&#13;
Hinblick auf die Reform der Vereinten Nationen&#13;
ermöglichten die weitere Verschlankung, Kostendämpfung und bessere Managementsysteme es der&#13;
Institution, in diesem Jahr erstmals in ihrer Geschichte&#13;
einen wachstumsneutralen Haushalt zu verabschieden. Auch bei den internationalen Finanzinstitutionen&#13;
wurden bedeutende Reformen vorgenommen: Zu den&#13;
seit Halifax unternommenen Schritten zählen verbesserte Überwachung und eine Verdoppelung der&#13;
durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) zur&#13;
Bewältigung der Finanzkrisen bereitgestellten Ressourcen.&#13;
Unsere Bestrebungen zum Aufbau einer regionalen&#13;
Wirtschaftsarchitektur waren ebenso erfolgreich. Wir&#13;
knüpfen neue Wirtschaftsbeziehungen durch regionale&#13;
Bestrebungen in Europa, Asien und auf dem amerikanischen Kontinent. Diese Arrangements ermöglichen&#13;
uns die uneingeschränkte Beteiligung an den Wirtschaftsaktivitäten dieser Regionen sowie die Stärkung&#13;
unserer politischen und sicherheitspolitischen Bande.&#13;
Hier in der westlichen Hemisphäre wollten wir neue&#13;
und in manchen Fällen noch auf tönernen Füßen&#13;
stehende Demokratien unterstützen und zur Konsolidierung des in der Region bereits eingeleiteten&#13;
wirtschaftlichen Reformprozesses beitragen. Daher&#13;
veranstaltete Präsident Clinton im Dezember 1994 den&#13;
gesamtamerikanischen Gipfel in Miami, an dem 34&#13;
demokratisch gewählte Staats- und Regierungschefs&#13;
teilnahmen. Dort haben wir uns zu neuartiger Zusammenarbeit verpflichtet, um die Demokratie zu&#13;
stärken, die Armut auszumerzen, Wohlstand durch die&#13;
Konsolidierung der Wirtschaftsreformen zu fördern und&#13;
die Umwelt zu schützen. Wir vereinbarten ferner einen&#13;
neuen Rahmen für regionale Zusammenarbeit,&#13;
darunter die Schaffung einer "gesamtamerikanischen&#13;
Freihandelszone" bis zum Jahr 2005.&#13;
Auch unsere Partnerschaft mit Europa mußte umgestaltet werden, um sie an die heutigen Zeiten anzupassen. Aus diesem Grund reiste Präsident Clinton&#13;
im Dezember vergangenen Jahres nach Madrid, um&#13;
zusammen mit den Staats- und Regierungschefs der&#13;
Europäischen Union eine neue transatlantische&#13;
Tagesordnung zu entwerfen. Wirtschaftliche Zusammenarbeit bildet das Kernstück der neuen trans-&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�atlantischen Tagesordnung, welche die Schaffung&#13;
eines neuen transatlantischen Marktes fordert, auf&#13;
dem Handels- und Investitionshemmnisse abgebaut&#13;
oder abgeschafft werden.&#13;
Der transatlantische&#13;
Untemehmensdialog, an dem über 200 Geschäftsführer amerikanischer und europäischer Firmen&#13;
beteiligt sind, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Maßnahmen von praktischem und greifbarem Vorteil für die&#13;
Unternehmen.&#13;
Zum Abschluß möchte ich mich Asien zuwenden. Der&#13;
asiatisch-pazifische Raum ist die dynamischste&#13;
Wirtschaftsregion der Welt. Sie zeichnet für die Hälfte&#13;
der Weltproduktion verantwortlich. Bis zum Ende&#13;
dieses Jahrhunderts wird die Hälfte des Welthandels und zwei Drittel des gesamten amerikanischen&#13;
Handels - in der asiatisch-pazifischen Region abgewikkelt.&#13;
In Asien hat das starke amerikanische Engagement für&#13;
die Sicherheit der Region ein der wirtschaftlichen&#13;
Entwicklung, wachsenden Märkten und florierendem&#13;
Handel förderliches Umfeld geschaffen. Der Wohlstand wiederum hat die Grundlage für die Förderung&#13;
unserer strategischen Interessen gelegt: Demokratische Werte, Nichtverbreitung, Umweltschutz und&#13;
Menschenrechte.&#13;
Wir haben uns an das Forum für asiatisch-pazifische&#13;
wirtschaftliche Zusammenarbeit APEC gewandt, um in&#13;
der asiatisch-pazifischen Region Fuß zu fassen. Das&#13;
APEC wurde 1989 als lockerer Zusammenschluß für&#13;
Konsultationen gegründet, in dem die dynamischsten&#13;
Volkswirtschaften der Welt vertreten sind. 1993&#13;
erreichte das APEC einen Wendepunkt, als Präsident&#13;
Clinton zum ersten Mal die 18 APEC-Vertreter in&#13;
Seattle zusammenbrachte. Hier umrissen die Politiker&#13;
eine Vision für das APEC: Sie forderten eine pazifische&#13;
Gemeinschaft, die sich der Suche nach kooperativen&#13;
Lösungen für die Herausforderungen unserer sich&#13;
rasch wandelnden regionalen und globalen Wirtschaft&#13;
widmen sollte.&#13;
1994, als das APEC erneut in Indonesien zusammenkam, verpflichteten sich die Politiker zu freiem und&#13;
offenem Handel sowie Investitionen in der asiatischpazifischen Region bis zum Jahr 2010 für Industrienationen und bis zum Jahr 2020 für Entwicklungsländer.&#13;
Im November vergangenen Jahres wurde in Osaka&#13;
eine konkrete Tagesordnung zur Erlangung der&#13;
Handels- und Investitionsliberalisierung bis zu diesen&#13;
Daten verabschiedet, und die Mitgliedstaaten kündigten die sogenannten "Abschlagszahlungen" für die&#13;
Liberalisierung an. Im Herbst dieses Jahres werden&#13;
die APEC-Mitglieder in Manila ihre nationalen und&#13;
regionalen Aktionspläne vorlegen, um mit der Umsetzung unserer Liberalisierungsbestrebungen zu&#13;
beginnen.&#13;
&#13;
seite 4&#13;
&#13;
Die Unternehmen sind ein besonders aktiver Teilnehmer am APEC. Die Unternehmensvertreter beteiligen&#13;
sich direkt an den zehn Arbeitsgruppen des APEC, in&#13;
denen die tägliche Problemlösung für Unternehmensbelange vornehmlich stattfindet. Die Staats- und&#13;
Regierungschefs gründeten im letzten Jahr in Osaka&#13;
eine APEC-Unternehmensberatung - ABAC - um die&#13;
entscheidende Rolle der Unternehmen am APEC&#13;
institutionell zu verankern und sicherzustellen, daß die&#13;
Unternehmen ein direktes Sagen auf der politischen&#13;
Entscheidungsebene haben.&#13;
Schließlich möchte ich betonen, daß das APEC&#13;
zusätzlich zur Erleichterung der Unternehmensaktivitäten und der Förderung einer Liberalisierung&#13;
eine bedeutende geopolitische Rolle spielt. Durch das&#13;
APEC sind die Vereinigten Staaten in der am schnellsten wachsenden Region der Welt verankert. Es dient&#13;
auch in beträchtlichem Maße als Instrument, um China&#13;
- die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der&#13;
Region - in die regionale Wirtschaft und die asiatische&#13;
politische Gemeinschaft einzubeziehen. Die erfolgreichen Bemühungen des APEC, solch unterschiedliche&#13;
Volkswirtschaften zusammenzubringen - und ein&#13;
Gefühl gemeinsamer Zielsetzungen unter ihnen zu&#13;
vermitteln - verleiht ihm über seine wirtschaftliche&#13;
Mission hinaus politische Bedeutung.&#13;
Das Amerikabüro - Unterstützung der Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen&#13;
Das dritte - und letzte - Grundprinzip unserer Außenwirtschaftspolitik besteht in der Unterstützung der&#13;
amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit in der globalen&#13;
Wirtschaft. Außenminister Christopher hat die Förderung amerikanischer Wirtschaftsinteressen zur&#13;
Hauptfunktion des modernen Außenministeriums&#13;
erklärt. Er hat dafür ein "Amerikabüro" eingerichtet.&#13;
Unsere Botschaften auf der ganzen Welt arbeiten&#13;
härter als je zuvor, um amerikanischen Firmen behilflich zu sein, Chancen auszumachen, Investitionen&#13;
zu sichern, Handelsgeschäfte abzuschließen und&#13;
allgemein zu gewährleisten, daß unsere Firmen aus&#13;
den durch offene Marktsysteme geschaffenen Chancen Vorteile ziehen können. Wir üben weiterhin Druck&#13;
auf ausländische Regierungen aus, Gesetze zum&#13;
Schutz des Rechts auf geistiges Eigentum zu verabschieden und umzusetzen; wir handeln bilaterale&#13;
Investitionsverträge aus, die eine faire Behandlung&#13;
unserer Unternehmen vorsehen, und wir helfen&#13;
unseren Firmen bei der Beilegung von Investitionsstreitigkeiten.&#13;
Das positive Feedback, das wir erhalten, zeigt, daß wir&#13;
bereits etwas bewirken. Unser Ziel besteht jetzt darin,&#13;
Washington dieselbe Perspektive zu vermitteln, die&#13;
Unternehmen dem Außenministerium näherzubringen&#13;
und ihre Belange zum zentralen Element des politischen Entscheidungsprozesses zu machen. Wenn wir&#13;
wirklich die Wirtschaft ins Zentrum unserer Außen-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�Politik stellen, müssen wir intensivere Konsultationen&#13;
mit den Unternehmen führen, während wir ihre Interessen betreffende Maßnahmen erarbeiten.&#13;
Unsere Tagesordnung bei der Verfolgung unserer eng&#13;
miteinander verknüpften Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen ist daher ehrgeizig. Das Ende des Kalten&#13;
Krieges hat in keiner Weise die Notwendigkeit einer&#13;
amerikanischen Führungsrolle und des Engagements&#13;
geschmälert. In einer zunehmend interdependenten&#13;
globalen Wirtschaft hängen unsere Sicherheit und&#13;
unser Wohlstand immer mehr von unseren diplomatischen Investitionen im Ausland ab. Wir müssen&#13;
gewährleisten, daß wir die erforderlichen Ressourcen&#13;
zuweisen, damit unsere Behörden für auswärtige&#13;
Angelegenheiten effektiv Frieden und Sicherheit auf&#13;
der ganzen Welt - und ein stabiles Klima für amerikanische Exporte und Investitionen - fördern können.&#13;
Eine weitere Kürzung unseres bereits schmalen&#13;
Haushalts für auswärtige Angelegenheiten - wie einige&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
im Kongreß vorschlagen - wird unweigerlich beträchtliche politische und wirtschaftliche Kosten für unsere&#13;
nationale Volkswirtschaft und unsere vitalen Interessen&#13;
im Ausland nach sich ziehen.&#13;
Schlußbemerkung&#13;
Abschließend möchte ich feststellen, daß das wirtschaftliche Können der Vereinigten Staaten und die&#13;
amerikanische globale Führungsrolle untrennbar&#13;
verbunden sind. Wir leben in einem Zeitalter, in dem&#13;
die Vereinigten Staaten in einzigartiger Weise zur&#13;
Übernahme dieser Führungsrolle geeignet sind.&#13;
Indem wir die Volkswirtschaften an die vorderste Front&#13;
dieses Prozesses rücken - und durch unser Verständnis der Art und Weise, in der wirtschaftliche&#13;
Instrumente unsere diplomatischen und politischen&#13;
Ziele unterstützen - haben wir einen großen Schritt in&#13;
die richtige Richtung getan.&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�UMWELT&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Die Umwelt als Tagesordnungspunkt&#13;
für die Nachrichtendienste&#13;
Rede von CIA-Direktor John Deutch&#13;
&#13;
LOS ANGELES - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Direktor des amerikanischen&#13;
Nachrichtendienstes CIA, John Deutch, am 25. Juli 1996 vor dem World Affairs Council in Los Angeles hielt.&#13;
Darin beschreibt Deutch, wie der Einsatz nachrichtendienstlicher Erkenntnisse für den Umweltschutz dem Militär&#13;
zu verbesserter Entscheidungsfindung verhilft, zur Einschätzung von Naturkatastrophen und Notfallsituationen&#13;
sowie zur Prognostizierung des globalen Klimawandels beiträgt.&#13;
&#13;
Die Umwelt ist ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung der Nachrichtendienste. Heute möchte ich&#13;
Ihnen erläutern, was wir unter Umweltarbeit der&#13;
Nachrichtendienste verstehen, warum die Nachrichtendienste an dieser Arbeit mitwirken und warum unsere&#13;
Beteiligung für die Bürger der Vereinigten Staaten und&#13;
der Welt bedeutend ist. Ferner möchte ich zeigen, daß&#13;
der Einsatz nachrichtendienstlicher Erkenntnisse für&#13;
den Umweltschutz kein neues oder kostspieliges&#13;
Bestreben der Nachrichtendienste darstellt.&#13;
Die Aufgabe der Nachrichtendienste besteht darin&#13;
sicherzustellen, daß unsere hochrangigen Politiker und&#13;
Befehlshaber objektive Informationen erhalten, die&#13;
ihnen eine bessere Entscheidungsfindung ermöglichen. Auf der Grundlage unserer Ermittlungen und&#13;
ihrer Analyse verfassen wir nachrichtendienstliche&#13;
Berichte, die der Führung unseres Landes Einblick&#13;
gewähren, wie sich Ereignisse in allen Teilen der Welt&#13;
entwickeln und wie sie sich auf unsere nationale&#13;
Sicherheit auswirken.&#13;
Entwicklungen im Bereich der Umwelt - sowohl&#13;
natürliche als auch vom Menschen herbeigeführte zählen zu den unterschwelligen Kräften, die in einem&#13;
Land die Volkswirtschaft, soziale Stabilität, das&#13;
Verhalten auf den Weltmärkten sowie das Verhältnis&#13;
zu den Nachbarländern beeinflussen.&#13;
Ich möchte betonen - die Umwelt ist ein Faktor. Es&#13;
wäre unüberlegt, Konflikte in Somalia, Äthiopien oder&#13;
Haiti allein auf umweltpolitische Ursachen zurück-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
zuführen. Aber es wäre auch töricht, außer acht zu&#13;
lassen, daß in jedem dieser Staaten das Land auf eine&#13;
Art und Weise ausgebeutet wird, die die Ernährung der&#13;
zunehmenden Bevölkerung unmöglich macht.&#13;
Umweltzerstörung, Ausbreitung der Wüste, Erosion&#13;
und landwirtschaftliche Übernutzung zerstören weite&#13;
Teile des Ackerlandes. Diese Kräfte vertreiben die&#13;
Menschen aus ihrer Heimat und schaffen Spannungen&#13;
zwischen ethnischen und politischen Gruppen,&#13;
während der Kampf um die knappen Ressourcen&#13;
immer härter wird. Es besteht eine enge Verbindung&#13;
zwischen Umweltzerstörung, Bevölkerungswachstum&#13;
und Armut, die regionale Analysten in Betracht ziehen&#13;
müssen.&#13;
Nationale Aufklärungssysteme, die Panzerbewegungen in der Wüste verfolgen, können gleichzeitig auch&#13;
die Bewegung der Wüste erkennen - wie der Sand sich&#13;
auf ehemals produktive Felder ausbreitet oder Hügel&#13;
aufgrund von Entwaldung und Erosion brachliegen.&#13;
Satellitensysteme gestatten uns eine schnelle Einschätzung der Größenordnung des Schadens. Die&#13;
Einbeziehung dieser umweltpolitischen Dimension in&#13;
die traditionelle politische, wirtschaftliche und militärische Analyse verbessert unsere Fähigkeit, die&#13;
Politiker vor möglicher Instabilität, Konflikten oder&#13;
humanitären Katastrophen zu warnen und Situationen&#13;
auszumachen, die amerikanisches Engagement&#13;
erfordern könnten.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Bestimmte Ereignisse haben bereits die Aufnahme von&#13;
Umweltfragen in unsere nachrichtendienstliche&#13;
Tagesordnung erforderlich gemacht. Als Moskau&#13;
anfänglich irreführende Informationen über den Unfall&#13;
im Atomkraftwerk Tschernobyl veröffentlichte, wandten&#13;
sich amerikanische Politiker an die Nachrichtendienste, um den Schaden und seine Auswirkungen auf die&#13;
ehemalige Sowjetunion und ihre Nachbarstaaten&#13;
einzuschätzen.&#13;
&#13;
Die weltweite Debatte über Umweltfragen betrifft&#13;
unsere Diplomatie in zunehmendem Maße. Außenminister Christopher erklärte im April, daß "unsere&#13;
Fähigkeit zur Förderung unserer globalen Interessen&#13;
untrennbar mit der Art und Weise verbunden ist, in der&#13;
wir die natürlichen Ressourcen der Erde verwalten".&#13;
Er betonte, daß wir die Umwelt "zu einem wesentlichen&#13;
Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik" machen&#13;
müssen.&#13;
&#13;
Während des Golfkriegs, als Saddam Hussein Umweltzerstörung als Waffe einsetzte, forderten Politiker&#13;
und Militärs die Nachrichtendienste auf, die Bewegung&#13;
des Rauchs von brennenden Ölfeldern und den Fluß&#13;
des in den Golf abgelassenen Öls zu verfolgen. Sie&#13;
fragten, ob die Beschädigung des irakischen Nuklearkomplexes Tuwaitha eine Gefahr für die Truppen und&#13;
örtliche Bevölkerung beinhalte.&#13;
&#13;
Die Nachrichtendienste haben die Diplomatie auf&#13;
diesem Gebiet seit langem unterstützt, insbesondere&#13;
im Hinblick auf wichtige internationale Umweltverträge&#13;
und -abkommen. Ich möchte hier eine Analogie zur&#13;
Rolle der Nachrichtendienste bei der Aushandlung von&#13;
Rüstungskontrollverträgen herstellen. Solche Verträge&#13;
könnten nicht unterzeichnet und ratifiziert werden,&#13;
wenn die Nachrichtendienste nicht ihre Einhaltung&#13;
kontrollieren würden.&#13;
&#13;
In jedem dieser Fälle konnte die Antwort auf diese&#13;
Fragen nicht lauten "Umwelt ist keine Angelegenheit&#13;
der Nachrichtendienste", und sie lautete auch nicht so.&#13;
Unsere Antworten bestanden aus klassischer nachrichtendienstlicher Arbeit: Analysen auf der Grundlage&#13;
von Daten, die wir durch unsere Ermittlungen und aus&#13;
offenen Quellen gewonnen hatten. Wir konnten das&#13;
Ausmaß des Unfalls von Tschernobyl einschätzen.&#13;
Wir konnten amerikanischen Soldaten sagen, wie sie&#13;
den durch brennende Ölquellen hervorgerufenen&#13;
tödlichen Schwefelwasserstoff meiden können, und wir&#13;
konnten den Militärplanern mitteilen, daß eine Beschädigung des Reaktors keine Bedrohung darstellte.&#13;
&#13;
In ähnlicher Weise überwachen die Nachrichtendienste die Einhaltung von Umweltverträgen wie das&#13;
Montrealer Protokoll über die Ozonschicht schädigende Substanzen und die Londoner Konvention, welche&#13;
die Verklappung radioaktiven und anderen Mülls ins&#13;
Meer regelt. Ferner sollte die nachrichtendienstliche&#13;
Unterstützung beim Verhandlungsprozeß beginnen,&#13;
damit amerikanische Diplomaten über die besten&#13;
Informationen verfügen, um in Zukunft effektive und&#13;
durchsetzbare Verträge auszuarbeiten.&#13;
&#13;
Ich möchte betonen, daß die Umwelt für die Nachrichtendienste kein neues Problem ist. Wir haben seit&#13;
Jahren Mittel für das Verständnis umweltpolitischer&#13;
Fragen aufgewandt. Ein Großteil der Arbeit, der jetzt&#13;
unter die Bezeichnung Umwelt fällt, wurde früher unter&#13;
anderen Namen geleistet - Geographie, Ressourcen&#13;
oder Forschung.&#13;
&#13;
Der Einsatz nachrichtendienstlicher Erkenntnisse für&#13;
den Umweltschutz wird auch Bestandteil unserer&#13;
Unterstützung für die Wirtschaftspolitiker sein. Sie&#13;
müssen beispielsweise wissen, ob sich ausländische&#13;
Konkurrenten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber&#13;
amerikanischen Unternehmen schaffen, indem sie sich&#13;
über Umweltbestimmungen hinwegsetzen.&#13;
Die&#13;
Nachrichtendienste können wertvolle Informationen&#13;
bieten.&#13;
&#13;
Beispielsweise setzen wir seit langem Satellitenbilder&#13;
ein, um den Ernteertrag in Nordkorea oder andernorts&#13;
einschätzen zu können. Das gestattete uns die&#13;
Prognose von möglicherweise zu Instabilität führenden&#13;
&#13;
Mit anderen Worten: Der Bedarf nach von den Nachrichtendiensten bereitgestellten Informationen zu&#13;
Umweltfragen steigt. Da die Weltbevölkerung immer&#13;
weiter anwächst und Ressourcen wie sauberes&#13;
&#13;
Engpässen sowie die mengenmäßige Bestimmung der&#13;
&#13;
Wasser und Ackerland immer knapper werden, erhöht&#13;
&#13;
Agrarprodukte, die eine Nation möglicherweise&#13;
importieren muß - für das US-Landwirtschaftsministerium und die amerikanischen Landwirte wertvolle&#13;
Informationen. Ferner prüften wir das Vorkommen&#13;
natürlicher Ressourcen wie Öl, Gas und Mineralien.&#13;
&#13;
sich die Wahrscheinlichkeit, daß die Aktivitäten eines&#13;
Landes über seine nationalen Grenzen hinausreichende Auswirkungen auf die Umwelt haben. Die amerikanischen Politiker müssen vor Problemen gewarnt&#13;
werden, die wahrscheinlich die amerikanischen&#13;
Interessen und regionale Stabilität beeinflussen.&#13;
&#13;
Wir versorgen das Militär seit Jahren mit Informationen&#13;
über das Terrain und örtliche Ressourcen. Wenn&#13;
unsere Streitkräfte militärische, friedenssichernde und&#13;
humanitäre Operationen in entlegenen und unbekannten Gebieten beginnen, brauchen sie noch bessere&#13;
Informationen über Umweltfaktoren, die ihre Gesundheit, Sicherheit und Fähigkeit zur Durchführung dieser&#13;
Operationen beeinflussen könnten.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Die Wahrung der Fähigkeit zum Einsatz nachrichtendienstlicher Erkenntnisse beim Umweltschutz wird uns&#13;
die Beantwortung wichtiger Fragen gestatten, die&#13;
unsere Verbraucher in Zukunft wahrscheinlich stellen&#13;
werden. Beispielsweise werden das schnelle Bevölkerungswachstum in China und die prosperierende&#13;
Wirtschaft zu einem enormen Anstieg der Nachfrage&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�nach den natürlichen Ressourcen der Welt&#13;
einschließlich Erdöl und Nahrungsmitteln.&#13;
Auswirkungen wird das auf die Weltmärkte&#13;
Ebenso wie in der Vergangenheit müssen&#13;
Beantwortung solcher Fragen bereit sein.&#13;
&#13;
führen,&#13;
Welche&#13;
haben?&#13;
wir zur&#13;
&#13;
Ferner sollten wir Daten aus unseren Ermittlungssystemen bereitstellen, um den Experten bei der&#13;
Beantwortung von weniger traditionellen Fragen zu&#13;
helfen, beispielsweise: Welche Konsequenzen hat die&#13;
zunehmende Verwendung fossiler Brennstoffe für die&#13;
globale Umwelt?&#13;
Wie ich bereits erwähnte, haben die Nachrichtendienste einzigartige Aktivposten, darunter Satelliten,&#13;
Sensoren und Fernerkundungsgeräte, die der Wissenschaft eine Fülle von Informationen über die Umwelt&#13;
liefern können. Ferner können diese Informationen&#13;
durch verschiedene Mechanismen an Experten von&#13;
außerhalb weitergeleitet werden. Diese Bestrebungen&#13;
werden die Fähigkeit unserer Nation zur Verhinderung&#13;
von Umweltkrisen beträchtlich erhöhen.&#13;
1991 forderte der damalige Senator Gore die Nachrichtendienste zur Gründung einer Arbeitsgruppe auf,&#13;
die Wege sondieren sollte, wie nachrichtendienstliche&#13;
Aktivposten zur Unterstützung der Umweltforschung&#13;
eingesetzt werden könnten. Diese Initiative führte zu&#13;
einer Partnerschaft zwischen den Nachrichtendiensten&#13;
und der Wissenschaft, die sich für beide Seiten als&#13;
außerordentlich produktiv erwies.&#13;
Die Arbeitsgruppe Umwelt kam zu dem Ergebnis, daß&#13;
die von den Nachrichtendiensten über Satellit oder mit&#13;
anderen Mitteln gesammelten Daten entscheidende&#13;
Informationslücken der Umweltforschung füllen&#13;
können. Ferner können diese Daten zur weiteren&#13;
Untersuchung freigegeben werden, ohne etwas über&#13;
Quellen und Methoden zu verraten.&#13;
Beispielsweise können von den ersten Satelliten der&#13;
Nachrichtendienste - die lange Zeit vor den kommerziellen Systemen ins All geschickt wurden - aufgenommene Bilderden Wissenschaftlern zeigen, wie sich die&#13;
Grenzen von Wüsten, die Vegetation und das Polareis&#13;
mit der Zeit verändert haben. Diese historischen&#13;
Bilder, die jetzt nicht mehr als geheim eingestuft&#13;
werden, stellen wertvolle Indikatoren für regionalen&#13;
und globalen Klimawandel dar.&#13;
Einige der Wissenschaftler, die an der Arbeitsgruppe&#13;
Umwelt teilnahmen, haben eine Gruppe namens&#13;
MEDEA gegründet. MEDEA arbeitet mit den Nachrichtendiensten an der Einführung eines sogenannten&#13;
"globalen Treuhandprogramms". Im Rahmen dieser&#13;
Initiative werden wir während des kommenden Jahrzehnts regelmäßig Aufnahmen ausgewählter Orte von&#13;
umweltpolitischer Bedeutung machen.&#13;
Dadurch&#13;
werden die Wissenschaftler laufend Aufzeichnungen&#13;
von Veränderungen auf der Erde erhalten, wodurch ihr&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Verständnis für Umweltentwicklungen verbessert wird.&#13;
Noch wichtiger ist, daß dadurch ihre Fähigkeit entscheidend erhöht wird, bei möglichen katastrophalen&#13;
Bedrohungen der Gesundheit und des Wohlergehens&#13;
unserer Bürger ein strategisches Alarmsignal zu&#13;
geben.&#13;
Gleichzeitig wollen wir nicht, daß die Nachrichtendienste zum Zentrum für Umweltforschung werden oder&#13;
Forschung auf diesem Gebiet direkt unterstützen. In&#13;
diesem Fall besteht unsere Arbeit darin, Daten zu&#13;
sammeln und den Wissenschaftlern zur Verfügung zu&#13;
stellen. Ihre Arbeit wird von anderen gesponsert - von&#13;
der Nationalen Stiftung für Wissenschaft, dem Nationalen Amt für Ozeanographie und Meteorologie, der&#13;
NASA sowie akademischen Einrichtungen.&#13;
Wir&#13;
werden weiterhin mit Umweltexperten zusammenarbeiten um zu gewährleisten, daß sie ihr Wissen in&#13;
die Daten einbringen, die wir sammeln oder aus&#13;
unseren beträchtlichen Archiven abrufen.&#13;
Unsere Interaktion mit MEDEA ist nicht nur wertvoll für&#13;
die Umweltschützer, sondern hat auch direkte Vorteile&#13;
für die Nachrichtendienste. MEDEA arbeitet eng mit&#13;
unseren Analysten an der Entwicklung von Technologien zusammen, die unsere Fähigkeit zur Sammlung&#13;
und Auswertung von Daten aus unseren Ermittlungssystemen erhöhen.&#13;
Die Kombination von Daten und Fachwissen der&#13;
Nachrichtendienste mit wissenschaftlichen Erkenntnissen kann den Politikern ein besseres nachrichtendienstliches Produkt liefern. Wissenschaftler von&#13;
MEDEA haben mit unseren Analysten zusammengearbeitet, um Bedarf an Informationen über Umweltfragen und -probleme decken zu können - beispielsweise über eine Reihe von Lecks in Ölpipelines in der&#13;
russischen Region Komi. Das Ausströmen von Öl in&#13;
Komi ist nur ein Beispiel dafür, wie Satelliten der&#13;
Nachrichtendienste und Sensoren nach natürlichen&#13;
oder vom Menschen hervorgerufenen Katastrophen&#13;
umgehend wertvolle Informationen bereitstellen&#13;
können. In diesem Fall konnten wir feststellen, daß&#13;
keine großen Ölmengen in die arktischen Flüsse&#13;
gelangten.&#13;
In den Vereinigten Staaten unterstützen die Nachrichtendienste das Bundesamt für Katastrophenhilfe&#13;
und andere staatliche Einrichtungen im Falle von&#13;
Naturkatastrophen. Mit Hilfe von Daten aus einer&#13;
Vielzahl von Quellen können wir wenige Stunden nach&#13;
einer Katastrophe Art und Umfang des Schadens&#13;
einschätzen und melden - den Zustand von Straßen,&#13;
Flughäfen und Krankenhäusern sowie von Staudämmen und Nukleareinrichtungen, die eine potentielle&#13;
weitere Bedrohung darstellen. Ich möchte hier zwei&#13;
Dinge anmerken:&#13;
Erstens leisten wir diese Art von Unterstützung nur auf Anfrage. Wir brauchen eine&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Erlaubnis, um Aufnahmen über dem Territorium der Vereinigten Staaten zu machen.&#13;
Zweitens schaffen wir aus geheimzuhaltenden&#13;
Informationen nicht als geheim eingestufte&#13;
Produkte. Wir haben ein Katastrophen reaktionsteam, das umgehend nicht geheime&#13;
Landkarten und Diagramme erstellen kann,&#13;
die durch Erdbeben, Brände, Überschwemmungen, Wirbelstürme, Ölkatastrophen oder&#13;
Vulkanausbrüche hervorgerufene Schäden&#13;
zeigen.&#13;
Ich möchte Ihnen ein Beispiel dafür geben, wie gut&#13;
dieses System funktioniert: Vor wenigen Wochen (am&#13;
5. Juni) bat die Bundesforstverwaltung uns um Hilfe bei&#13;
der Bekämpfung des in Alaska wütenden verheerenden Feuers. In jenem Fall hatten wir nicht genug&#13;
Flugzeuge, um das Ausmaß der Brände angemessen&#13;
feststellen zu können. Innerhalb von 24 Stunden nach&#13;
der ersten Anfrage erstellten wir eine Landkarte, die&#13;
Reichweite der Feuersbrunst, schwelende Feuer sowie&#13;
die Feuerwand zeigte. Diese Informationen waren&#13;
umfassender und detaillierter als die durch das&#13;
Überfliegen mit Zivilflugzeugen gewonnenen und&#13;
standen auch viel schneller zur Verfügung.&#13;
Ferner können wir unsere Fähigkeiten einsetzen, um&#13;
vor Katastrophen ein Alarmsignal zu geben. Wir leiten&#13;
diese Informationen auch an ausländische Regierungen weiter. Als beispielsweise 1995 auf der Karibikinsel Montserrat ein Vulkan wieder aktiv wurde,&#13;
beobachteten wir starke Veränderungen und alarmierten Hilfsorganisationen und Militärbehörden der&#13;
Westindischen Inseln, damit sie sich auf eine mögliche&#13;
Evakuierung der Inselbewohner vorbereiten konnten.&#13;
Vor kurzem registrierten wir eine Veränderung im&#13;
Krater des Vulkans - ein Spalt war entstanden, was&#13;
darauf hinwies, daß sich die Gefahr eines Ausbruchs&#13;
dramatisch erhöht hatte. Wir gaben schnell ein&#13;
Alarmsignal, das den Behörden auf Montserrat die&#13;
Evakuierung von 4.000 Menschen in weniger gefährdete Gebiete auf der Insel gestattete.&#13;
Diese Aktivitäten liegen außerhalb unserer traditionellen nachrichtendienstlichen Mission, aber unseres&#13;
Erachtens ist es wichtig Hilfe zu leisten, wenn die&#13;
entsprechenden Fähigkeiten anderweitig nicht verfügbar sind. Diese Bestrebungen kosten uns sehr wenig,&#13;
sind jedoch für Hilfsorganisationen, Katastrophenopfer&#13;
und potentielle Opfer, deren Leben durch die rechtzeitige Warnung gerettet werden konnte, von enormem&#13;
Nutzen.&#13;
Vizepräsident Gore ist ein führender Verfechter des&#13;
Einsatzes von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen&#13;
zur Vertiefung des Wissens über die Umwelt auf&#13;
internationaler Ebene, beispielsweise zur besseren&#13;
Erkennung von Ölkatastrophen und dem Verklappen&#13;
von Chemiemüll auf internationalen Wasserstraßen.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Die amerikanisch-russische gemeinsame Kommission&#13;
für wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit&#13;
- die Gore-Tschernomyrdin-Kommision - hat einen&#13;
produktiven Informationsaustausch zwischen den&#13;
Vereinigten Staaten und Rußland in die Wege geleitet.&#13;
Dank dieses Austauschs verfügen wir über einzigartige&#13;
und wertvolle Daten aus den nachrichtendienstlichen&#13;
Programmen Rußlands. Die Russen haben beispielsweise umfassende Daten über das Nördliche Eismeer&#13;
gesammelt. Diese Informationen sind entscheidend für&#13;
unser Verständnis ozeanographischer und atmosphärischer Prozesse, die wiederum entscheidend für&#13;
unsere Fähigkeit zur Vorhersage globaler Klimaveränderungen sind. Zusammen mit Rußland haben wir&#13;
einen CD-ROM-Atlas des Nördlichen Eismeers&#13;
produziert. Er enthält mehr als zwei Millionen zwischen 1948 und 1993 von wandernden russischen&#13;
Forschungsstationen, Eisbrechern und Flugzeugexpeditionen zusammengetragene Einzeldaten sowie&#13;
auf amerikanischeil Bojen durchgeführte Beobachtungen. Diese einst geheimgehaltenen Daten sind jetzt&#13;
über das World Wide Web auf den Internet abrufbar&#13;
und werden den amerikanischen Wissenschaftlern zur&#13;
Verfügung stehenden wissenschaftlichen Bestand an&#13;
ozeanographischen Daten mehr als verdoppeln.&#13;
Die arktischen Daten sind nicht nur für wissenschaftliche Studien des Klimawandels entscheidend. Sie&#13;
können uns auch die Bewegung von Schadstoffen&#13;
aufzeichnen helfen. Die großen Ströme Rußlands&#13;
fließen nach Norden in die Arktis. Sie führen viele&#13;
Rückstände aus russischen Industrieanlagen mit sich,&#13;
darunter Chemikalien, Schwermetalle und organische&#13;
Substanzen sowie radioaktive Stoffe aus dem russischen Verteidigungsprogramm. Zum Beispiel sind 3&#13;
Millionen Curie radioaktiven Mülls aus Chelyabinsk, die&#13;
vor Jahren im Techa entsorgt wurden, im Nördlichen&#13;
Eismeer - mehr als 1.500 Kilometer von dem Kraftwerk&#13;
entfernt - gelandet. Die russischen ozeanographischen Daten können den Russen und uns dabei&#13;
behilflich sein festzustellen, wohin radioaktive Materialien und Schadstoffe gelangen werden, wenn sie das&#13;
Nördliche Eismeer erreicht haben, und ob amerikanische und kanadische Gewässer davon betroffen sein&#13;
werden.&#13;
&#13;
Anfang dieses Jahres tauschten Rußland und die&#13;
Vereinigten Staaten nicht mehr der Geheimhaltung&#13;
unterliegende, über einen Zeitraum von 25 Jahren&#13;
gemachte Bilder von Umweltschäden auf dem Luftwaffenstützpunkt Eglin in Florida und dem Yeysk-Luftwaffenstützpunkt in Südwestrußland aus. Dieser andauernde Austausch wird unseren beiden Ländern bei&#13;
der Beseitigung ihrer toxischen und radioaktiven&#13;
Altlasten auf den Standorten behilflich sein. Die zur&#13;
Herstellung dieser Karten verwendete Technik könnte&#13;
uns helfen, in der Zukunft potentielle Quellen für&#13;
Verschmutzung zu identifizieren. Ein solcher Informationsaustausch hat sich als kostengünstiger und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�höchst effektiver Weg zur Schaffung guten Willens und&#13;
Stärkung internationaler Beziehungen erwiesen. Wir&#13;
sollten neue Möglichkeiten für den Austausch von&#13;
Informationen mit anderen Ländern sondieren.&#13;
&#13;
Politik und Militär, benötigen - und bitten um Unterstützung bei Umweltfragen und -Problemen.&#13;
Die Nachrichtendienste verfügen über einzigartige technische Ressourcen zur Sammlung&#13;
von Daten und analytisches Fachwissen, die&#13;
entscheidende Informationslücken für Umweltforscher füllen oder Hilfsorganisationen bei&#13;
der Bewältigung von Naturkatastrophen&#13;
behilflich sein können.&#13;
&#13;
Ich möchte noch einen weiteren wichtigen Punkt&#13;
bezüglich unserer Arbeit an Umweltthemen anschneiden - die Kosten sind gering und die potentiellen&#13;
Vorteile enorm. Die für nachrichtendienstliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Umwelt zugewiesenen&#13;
Ressourcen sind bescheiden und machen vielleicht ein&#13;
Zehntel des Budgets für Datensammlung und -analyse&#13;
aus. Wir nutzen die bereits vorhandenen nachrichtendienstlichen Fähigkeiten.&#13;
Diese wichtige Arbeit&#13;
erfordert keine neuen Kapitalinvestitionen.&#13;
Die nachrichtendienstlichen Erkenntnisse auf dem&#13;
Gebiet der Umwelt machen es auch nicht erforderlich,&#13;
daß wir Systeme zur Sammlung von Daten von&#13;
unseren wichtigsten Zielen abziehen oder in Bereichen&#13;
tätig werden, wo wir nicht hingehören. Die Darstellung&#13;
von Standorten im Rahmen des globalen Treuhandprogramms kann beispielsweise während der nicht&#13;
stark genutzten Stunden des Satelliteneinsatzes&#13;
erfolgen. Sie wird die Sammlung von Daten über&#13;
unsere Ziele von höchster Priorität nicht stören,&#13;
darunter die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Terrorismus, Drogenhandel und die Aktivitäten&#13;
verbrecherischer Staaten.&#13;
Mit anderen Worten: Die Umwelt wird weiterhin einen&#13;
bedeutenden Platz auf der nachrichtendienstlichen&#13;
Tagesordnung der Vereinigten Staaten einnehmen.&#13;
Umweltfaktoren beeinflussen die internen und&#13;
externen politischen, wirtschaftlichen und&#13;
militärischen Aktionen von Nationen, die für&#13;
unsere nationale Sicherheit wichtig sind.&#13;
Die Abnehmer unserer nachrichtendienstlichen Erkenntnisse, darunter die Vertreter von&#13;
&#13;
Durch eine produktive Partnerschaft mit den&#13;
Wissenschaftlern können wir strategische&#13;
Alarmsignale über Umweltschäden geben, die&#13;
eine Gefahr für unsere Gesundheit und unser&#13;
Wohlergehen sein könnten.&#13;
Diese Aktivitäten stellen keine Bedrohung&#13;
unserer traditionellen Aufgaben dar.&#13;
Die von mir beschriebene elementare Arbeit&#13;
erfordert nur eine geringe Zuwendung von&#13;
Ressourcen.&#13;
Meines Erachtens wäre das Ignorieren von Umweltfragen kurzsichtig von uns, während wir versuchen, die&#13;
Entwicklungen in der Welt nach dem Kalten Krieg zu&#13;
verstehen und vorherzusagen sowie Bedrohungen&#13;
unseres nationalen Wohlergehens auszumachen.&#13;
Ebenso wie Außenminister Christopher versprochen&#13;
hat, "Umweltfragen zu einem wesentlichen Bestandteil&#13;
der amerikanischen Außenpolitik zu machen", beabsichtige ich sicherzustellen, daß nachrichtendienstliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Umwelt weiterhin ein wesentlicher Bestandteil der nachrichtendienstlichen Aktivitäten der Vereinigten Staaten sind. Selbst&#13;
in Zeiten der Haushaltskürzungen werden wir die&#13;
Politiker und das Militär bei der Bewältigung dieser&#13;
bedeutenden Umweltfragen unterstützen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>&lt;strong&gt;1. ASEAN&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisches Engagement für Sicherheit und Wohlstand unerlässlich &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Sicherung des Friedens in Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Isolationismus wird Amerika schaden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor John Holum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die wirtschaftlichen und diplomatischen Ziele der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretärin Joan Spero&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Umwelt als Tagesordnungspunkt für die Nachrichtendienste&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von CIA-Direktor John Deutch&lt;/em&gt;</text>
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amcrika
dienet

Herausgeber. U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
24. Juli 1996

14

AUSSENPOLITIK

SCHUTZ DER AMERIKANISCHEN INTERESSEN
IST ABHÄNGIG VON FÜHRUNGSROLLE
Rede von Außenminister Warren Christopher

USA-KUBA

AUSSETZUNG VON TITEL III DES
HELMS-BURTON-GESETZES
Erklärung von Präsident Clinton

USA-RUSSLAND

DEMOKRATIE, FREIHEIT UND
WOHLSTAND ALS VERMÄCHTNIS
Ansprache von Vizepräsident AI Gore

AMERIKA MUSS DIE ÄRMEL HOCHKREMPELN
UND SICH AN DIE ARBEIT MACHEN
Rede des Stellvertretenden Außenministers

TERRORISMUS

NEUE TERRORISTISCHE BEDROHUNG IN
DER GOLFREGION
Erklärung von General John M. Shalikashvili

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�CIVITAS

STAATSBÜRGERKUNDE KOMMT ALTEN UND
NEUEN DEMOKRATIEN ZUGUTE
von Penn Kemble

DEMOKRATIE

MALAISE UND FLEXIBILITÄT
von Seymour Martin Lipset

OLYMPIADE

OLYMPIONIKEN BEWEISEN, WAS IN
FREIHEIT ERREICHT WERDEN KANN
Radioansprache des Präsidenten

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

�AUSSENPOLITIK
24. Juli 1996

Schutz amerikanischer Interessen
ist abhängig von Führungsrolle
Rede von Außenminister Warren Christopher

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Rede, die Außenminister Warren Christopher am
18. Juli 1996 vor mehr als 100 Rundfunk- und Fernsehjournalisten im Rahmen einer politischen
Veranstaltungsreihe der Regierung in mehreren Städten zum Thema amerikanische Außenpolitik hielt.

Ich begrüße Sie im US-Außenministerium. Wir alle
waren heute morgen entsetzt und äußerst betroffen
über den Absturz des TWA-Flugzeugs über Long
Island. Ich möchte den Familien und Freunden aller
Opfer dieser schrecklichen Tragödie mein aufrichtiges
Beileid aussprechen.
Die erforderlichen Untersuchungen wurden umgehend und gezielt eingeleitet.
Sie werden verstehen, daß ich zum jetzigen Zeitpunkt
keinen Kommentar zu dem Thema abgeben kann. Es
wäre unverantwortlich, Spekulationen über die
Ursache dieser Tragödie anzustellen.
Das heutige Treffen ist Bestandteil eines umfassenden
Informationsprogramms für die Öffentlichkeit, das wir
vor drei Jahren eingeleitet haben. Allein in diesem
Jahr organisieren wir 23 Veranstaltungen in Städten
von Anchorage bis Boston. Dabei spricht jeweils eine
Gruppe hochrangiger Regierungsvertreter über die
entscheidenden Herausforderungen, mit denen sich
die Vereinigten Staaten weltweit konfrontiert sehen um sicherzustellen, daß die amerikanische Außenpolitik den Amerikanern nicht fremd ist. Bei diesen
Zusammenkünften sind wir auch ganz besonders
bestrebt, die regionalen Medien einzubeziehen, denn
sie sind die Hauptinformationsquelle für die Mehrheit
der Amerikaner.
Bei jeder Veranstaltung ist das Echo überwältigend.
Das bestätigt meine Überzeugung, daß sich die
meisten Amerikaner an einer ernsthaften Diskussion
über die Rolle Amerikas in der Welt beteiligen möchten
- einer Diskussion, die nicht nur an der Oberfläche
bleibt. Ferner wird dadurch bestätigt, was viele

AMERIKA DIENST 14

Meinungsumfragen belegen: Das amerikanische Volk
ist einer zielgerichteten und prinzipientreuen Führungsrolle der Vereinigten Staaten verpflichtet. Bei
einigen Fragen ist die Öffentlichkeit den Politikern in
Washington bereits voraus.
Das amerikanische Volk mißt den Erfolg der
Außenpolitik der Administration auf einfache Weise:
Hat sie unserer Nation zu mehr Sicherheit und
Wohlstand verholten als noch vor dreieinhalb Jahren?
Hat sie unsere Werte gefördert? Meiner Überzeugung
nach lautet die Antwort Ja. Ich möchte Ihnen darlegen,
was wir auf vier Gebieten erreicht haben, die für die
Vereinigten Staaten von zentraler Bedeutung sind.
Damit biete ich hoffentlich einen Rahmen für
nachfolgende Diskussionen.
Erstens bin ich der Ansicht, daß wir beim Streben nach
Frieden und Stabilität in den Regionen effektiv waren,
die für die Vereinigten Staaten von elementarem
Interesse sind.
Durch den Einsatz von Gewalt
unterstützte amerikanische Diplomatie setzte dem
Töten in Bosnien ein Ende, beseitigte die daraus
resultierende Bedrohung der europäischen Stabilität
und bekräftigte die Stärke der NATO sowie unserer
Partnerschaft mit Europa. Die uns heute in Bosnien
konfrontierenden Herausforderungen sind die Herausforderungen des Friedens, nicht des Krieges. Die
von uns gebildete Koalition, der auch Truppen aus
Rußland und Zentraleuropa sowie NATO-Soldaten
angehören, hilft uns bei der Weiterentwicklung unserer
Strategie zur Verhütung künftiger Konflikte in einem
integrierteren Europa.

Seite 1

�Diese Strategie hat enorme Fortschritte gemacht. Die
Partnerschaft für den Frieden (PFF) bringt bereits die
Staaten Europas einander näher. Die Pläne für eine
Erweiterung der NATO wurden schon beachtlich
weiterentwickelt, seit Präsident Clinton 1994 den
Vorschlag dazu unterbreitete. Das von uns bei der
Schaffung eines integrierten Europas Erreichte sollte
jedem Amerikaner Zuversicht einflößen - Zuversicht,
daß Konflikte wie der im ehemaligen Jugoslawien
abgeschreckt werden können, daß die Demokratiebewegung in Zentral- und Osteuropa von Dauer ist,
daß unsere Truppen nie wieder in einem großen Krieg
auf dem Kontinent kämpfen müssen, von dem die
beiden Weltkriege dieses Jahrhunderts ausgingen.
In der asiatisch-pazifischen Region fördern wir mit
starker Unterstützung unserer asiatischen Verbündeten Frieden und Stabilität durch die weitere
Stationierung von 100.000 Soldaten. Wir haben für
unser wichtiges Bündnis mit Japan eine noch stabilere
Grundlage geschaffen.
Das nordkoreanische
Nuklearprogramm, das beim Amtsantritt unserer
Administration eine unmittelbare und furchtbare
Bedrohung darstellte, wird eingestellt.
Die
Entscheidung des Präsidenten zur Entsendung von
Seestreitkräften in die Straße von Taiwan im März
führte zum Abbau der gefährlichen Spannungen
zwischen Taipeh und Peking.
Im Nahen Osten trug die amerikanische Diplomatie zur
Veränderung der Lage bei. Die Palästinenser im
Gazastreifen und in den meisten Städten des
Westjordanlandes haben jetzt eine Selbstverwaltung,
und ihre gewählten Politiker arbeiten mit Israel bei der
Bekämpfung des Terrorismus zusammen. Israel hat
mit Jordanien Frieden geschlossen und mit
zahlreichen
Ländern
der
arabischen
Welt
diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen
geknüpft. Die bereits erzielten Abkommen stellen für
die Vereinigten Staaten und die Länder in der Region
einen strategischen Gewinn dar. In einer Zeit des
Übergangs und der Herausforderungen sind wir zur
Zusammenarbeit mit Israel und unseren arabischen
Partnern entschlossen, um das bereits Erreichte zu
erhalten und darauf aufzubauen.
Auch in unserer Hemisphäre waren die Vereinigten
Staaten eine wirksame Kraft für Stabilität. Unsere
Truppen kamen friedlich nach Haiti und verließen das
Land rechtzeitig nach der Wiederherstellung der
demokratischen
Herrschaft,
Eindämmung des
Flüchtlingsstroms und Verteidigung des Grundsatzes,
daß Demokratie nicht ungestraft zerstört werden kann.
In Südamerika trug unsere Diplomatie zur Beendigung
des Konflikts zwischen Peru und Ecuador sowie zur
Bekämpfung von Bedrohungen der Demokratie in
Guatemala und Paraguay bei.
Jetzt möchte ich ein zweites Gebiet ansprechen, auf
dem wir viel erreicht haben: Wir haben der Pflege

Seite 2

konstruktiver Beziehungen zu den Großmächten der
Welt hohe Priorität eingeräumt. Ich erwähnte bereits
Europa und Japan, aber wir verstärken auch unsere
Zusammenarbeit mit Rußland und China zu einem
Zeitpunkt, an dem sich beide Länder inmitten eines
gewaltigen und schwierigen Übergangsprozesses
befinden.
Vor zwei Wochen passierte Rußland bei seiner
Entwicklung zu einer stabilen Demokratie einen
wichtigen Meilenstein. Wir wissen seit langem, daß
Rußlands Weg zu Reformen lang und steinig sein
würde. Die Wiederwahl Präsident Jelzins bedeutet
jedoch, daß das russische Volk trotz der erlittenen
Härten zu weiteren Fortschritten entschlossen ist. Der
demokratische Prozeß bewirkt eine Umgestaltung
Rußlands. Mit jedem Tag macht er eine Rückkehr zu
der repressiven Vergangenheit weniger wahrscheinlich
und eröffnet unseren beiden Ländern enorme
Chancen. Wir nutzen diese Chancen beispielsweise
zur Verringerung unserer Nuklearwaffenarsenale,
Bekämpfung der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen
und dem Schmuggel damit sowie für die Arbeit am
Frieden in Bosnien und im Nahen Osten.
Wir haben auch unserem Verhältnis zu China neue
positive Dynamik verliehen, nachdem wir in unseren
Beziehungen schwierige Zeiten durchlebt haben. Wir
schlössen nützliche Abkommen zur Kontrolle der
nuklearen Weiterverbreitung und zum Schutz geistigen
Eigentums der Vereinigten Staaten. Wir werden diese
mächtige Nation zu einer Fortsetzung ihrer
Modernisierung auf eine Art und Weise ermutigen, die
einen Beitrag zu Sicherheit und Wohlstand der Region
leistet.
Drittens. 1993 erklärte der Präsident, wir würden die
Wirtschaftspolitik zum Mittelpunkt unserer Außenpolitik
machen, und das ist geschehen. Das Ergebnis war
eine Reihe bedeutender Handelsvereinbarungen und
-Verpflichtungen, die für jedes exportabhängige
amerikanische Unternehmen und die Millionen dort
Beschäftigter von Vorteil sind. Die Liste umfaßt das
Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA),
die Uruguay-Runde des GATT, die Verpflichtung von
Miami zur Erlangung von freiem und offenem Handel in
unserer Hemisphäre bis zum Jahr 2005 sowie die
Verpflichtung des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC), dasselbe Ziel
bis zum Jahr 2020 zu erreichen. Ferner beinhaltet sie
21 Abkommen mit Japan über Marktöffnung. Die
Entscheidung des Präsidenten, Mexiko bei der
Erholung von seiner Wirtschaftskrise zu helfen, war ein
deutliches Beispiel für die vom Präsidenten im
Alleingang übernommene Führungsrolle und meines
Erachtens eine seiner besten Entscheidungen.
Ebenso wichtig ist aber auch unsere Fähigkeit, unser
wirtschaftliches Haus in Ordnung zu bringen.
Während meiner ersten Monate als Außenminister

AMERIKA DIENST 14

�erinnerten uns unsere Verbündeten beständig an die
Notwendigkeit, etwas zur Bekämpfung unseres
Haushaltsdefizits und seiner negativen Auswirkungen
auf die Weltwirtschaft zu unternehmen. Wir haben
riesige Fortschritte gemacht. Beim Wirtschaftsgipfel
der G-7 in Lyon vergangenen Monat wurde deutlich,
daß wir von der ganzen Welt um unsere Wirtschaft
beneidet werden, und das stärkte spürbar unsere
Glaubwürdigkeit. Es ist eine anschauliche Illustration,
wie nahtlos Innen- und Außenpolitik ineinander
übergehen.
Viertens hat der Präsident erkannt, daß die
zunehmende Offenheit und Interdependenz des
internationalen Systems, das uns so große Vorteile
bringt, auch eine Reihe neuer Gefahren hervorbringt Gefahren wie internationales Verbrechen, Terrorismus,
Drogenhandel,
Umweltzerstörung
und
Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen. Präsident
Clinton hat die Bekämpfung dieser Bedrohungen ins
Zentrum unserer Außenpolitik gestellt. Ich persönlich
habe die Bekämpfung des Terrorismus - und der
Terrorismus fördernden Staaten - an die oberste Stelle
der Tagesordnung des Außenministeriums gesetzt.
Wir haben eindeutig klargestellt, daß sich die
Vereinigten Staaten nicht durch Terroranschläge
einschüchtern lassen. Auf Initiative des Präsidenten
wurde beim Lyoner Gipfeltreffen ein Paket mit 40
spezifischen Empfehlungen zur Bekämpfung von
internationalem Verbrechen und Terrorismus verabschiedet.
Ich habe auch die Integration der umweltpolitischen
Zielsetzungen der Vereinigten Staaten in die Arbeit des
Außenministeriums und unserer Diplomaten im
Ausland zu einer persönlichen Priorität erklärt.
Unter der Führung des Präsidenten schützen wir das
amerikanische Volk vor der Bedrohung der nuklearen
Weiterverbreitung.
Die
letzten
nuklearen
Gefechtsköpfe haben jetzt im Rahmen unseres
trilateralen Abkommens mit der Ukraine und Rußland
die Ukraine verlassen. Die in Rußland verbliebenen
Gefechtsköpfe sind nicht länger gegen unsere Städte
und Häuser gerichtet. Im vergangenen Jahr trugen die
Vereinigten Staaten zur unbegrenzten Verlängerung
des Nichtverbreitungsvertrags ( N W ) bei. Da jedes
Land der Welt zum N W seine Stimme abgeben

konnte, mußten unsere Diplomaten in jeder Hauptstadt
der Welt präsent sein, um dieses Ziel zu
erreichen, was uns nachdrücklich die Notwendigkeit
zur Beibehaltung unserer globalen Präsenz vor Augen
führt. Heute arbeiten wir auf die Erlangung eines
umfassenden Vertrags über die Ächtung von
Atomtests hin und erfüllen damit ein von Präsident
Kennedy vor drei Jahrzehnten gesetztes Ziel.
Ich habe Ihnen das breite Spektrum amerikanischer
Interessen auf der Welt dargelegt. Ich möchte jedoch
auch betonen, daß wir diese Interessen nicht ohne die
Beibehaltung unserer Führungsrolle schützen können.
Natürlich ist es leicht, über Führung zu sprechen. Der
Prüftein wird jedoch sein, ob wir die erforderlichen
Ressourcen zur Erfüllung unserer Versprechen
aufbringen können. Bloße Rhetorik ohne Ressourcen
projiziert Schwäche, nicht Stärke.
Um zu führen, müssen die Vereinigten Staaten auch
die Unterstützung ihrer Verbündeten, Freunde und der
internationalen Institutionen zur Erlangung gemeinsamer Ziele mobilisieren. Einige sagen, wir können es
uns leisten, unsere vor einem halben Jahrhundert
eingegangene Verpflichtung gegenüber internationalen
Institutionen wie den Vereinten Nationen und der
Weltbank einzuschränken. Aber wir können nicht den
Institutionen den Rücken kehren, die uns die Kosten
der Führungsrolle tragen helfen, es sei denn, wir
wollen ein Amerika, das der einzige Weltpolizist,
Rettungsdienst und die einzige Kreditanstalt ist.
Amerika wird im Alleingang handeln, wenn es seine
Interessen verteidigen muß. Wir sollten uns jedoch
nicht der Fähigkeit berauben, Lasten zu teilen, wenn
wir können.
Bei meinen Reisen ins Ausland wird mir überdeutlich
klar, warum Amerika immer noch die vorherrschende
Macht der Welt ist. Die Nationen der Welt blicken auf
uns als
verläßliche Führungsmacht mit hohen
Grundsätzen. Sie sehen uns als optimistisches Volk,
das durch seine Interessen motiviert und von seinem
Potential geleitet ist.
Sie folgen uns, weil sie
verstehen, daß Amerikas Kampf für Frieden und
Freiheit der Kampf der Welt ist. Wenn wir unsere
Führungsrolle erhalten wollen, müssen wir weiterhin
gemäß den besten Traditionen unserer Nation und
unseres Volkes handeln.

* *

AMERIKA DIENST 14

*

Seite 3

�USA-KUBA
24. Juli 1996

Aussetzung von Titel III des Helms-Burton-Gesetzes
Erklärung von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton beschloß die Aussetzung des Rechts amerikanischer Staatsbürger und
Unternehmen, ausländische Firmen zu verklagen, die Geschäfte mit durch das Castro-Regime in Kuba
verstaatlichtem amerikanischem Eigentum machen. Gleichzeitig riet der Präsident die Verbündeten der
Vereinigten Staaten dazu auf, gemeinsam mit Amerika konkrete Schritte zur Förderung der Demokratie in Kuba
zu unternehmen. Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der von Präsident Clinton am 16. Juli 1996
abgegebenen Erklärung.

Seit Beginn meiner Amtszeit habe ich mich einer
überparteilichen Politik verpflichtet, die den friedlichen
Übergang zu Demokratie in Kuba fördert. Im Einklang
mit dem Cuban Democracy-Gesetz und den Bestrebungen meiner Vorgänger halte ich ein hartes Wirtschaftsembargo gegen das kubanische Regime
aufrecht und unterstütze gleichzeitig das kubanische
Volk bei seinem Kampf für Freiheit und Wohlstand.
Die Vereinigten Staaten waren in diesem Kampf oft auf
sich selbst angewiesen, da unsere Verbündeten und
Freunde der Ansicht waren, es sei falsch, Kuba zu
Veränderungen zu zwingen.
Vor fünf Monaten wurde der Welt eine harte Lektion
erteilt, warum wir mehr Druck auf Kuba ausüben
müssen. Am hellen Tag und ohne Rechtfertigung
schössen kubanische Militärflugzeuge über internationalen Gewässern zwei unbewaffnete amerikanische
Zivilflugzeuge ab, wobei vier Amerikaner und ExilKubaner ums Leben kamen. Ich ergriff sofort Maßnahmen, um meine Entschlossenheit zu demonstrieren, in Kuba den Wandel zu fördern. Diese
umfaßten auch die Unterzeichnung des Gesetzes
Cuban Liberty and Democratic Solidarity (LIBERTAD),
das die Sanktionen verschärft, die Sache der Freiheit
in Kuba fördert und die Interessen amerikanischer
Staatsbürger schützt, die vom kubanischen Regime
enteignet wurden. Und ich rief die internationale
Staatengemeinschaft auf, die kubanischen Aktionen zu
verurteilen.
Jetzt ist es an der Zeit, daß unsere Verbündeten und
Freunde gemeinsam mit uns konkrete Schritte zur

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Förderung der Demokratie in Kuba unternehmen. Aus
diesem Grund gebe ich heute eine Maßnahme bezüglich Titel III des LIBERTAD-Gesetzes bekannt, die
unsere Verbündeten zur Zusammenarbeit mit uns und
Beschleunigung des Wandels in Kuba ermutigen soll.
Titel IM gestattet amerikanischen Staatsbürgern,
ausländische Firmen zu verklagen, die Geschäfte mit
vom kubanischen Regime beschlagnahmtem amerikanischem Eigentum machen. Ferner gibt das Gesetz
mir die Befugnis, entweder die Inkraftsetzung von Titel
IM auszusetzen oder die Frist zu verschieben, bis zu
der Amerikaner das Recht zu solchen Klagen haben,
wenn mir das für unsere nationalen Interessen erforderlich erscheint und den Übergang zu Demokratie
in Kuba beschleunigt. Ich habe beschlossen, kraft der
mir vom Kongreß verliehenen Befugnisse die Wirksamkeit von Titel III zu maximieren, indem ich unsere
Verbündeten zur Zusammenarbeit mit uns bei der
Förderung der Demokratie in Kuba ermutige.
Ich werde die Inkraftsetzung von Titel III zulassen.
Infolgedessen werden alle in Kuba tätigen Unternehmen hiermit in Kenntnis gesetzt, daß sie bei Geschäften mit enteignetem amerikanischem Besitz mit einem
Prozeß in den Vereinigten Staaten rechnen müssen
und dort haftbar gemacht werden. Dies wird als
Abschreckung von solchen Geschäften dienen - ein
wichtiges Ziel des LIBERTAD-Gesetzes.
Gleichzeitig setze ich das Recht, Klage zu erheben,
ein halbes Jahr aus. Während dieser Zeit wird meine
Administration darauf hinarbeiten, die Unterstützung

Seite 1

�der internationalen Staatengemeinschaft bei einer
Reihe von Schritten zur Förderung der Demokratie in
Kuba zu gewinnen. Diese Schritte beinhalten folgendes: Verstärkung des Drucks auf das Regime zur
politischen und wirtschaftlichen Öffnung, Unterstützung
der Kräfte des Wandels auf der Insel, Aussetzung von
Auslandshilfe für Kuba und Förderung von Geschäftspraktiken, die Demokratie an den kubanischen Arbeitsplatz bringen.
Am Ende dieses Zeitraums werde ich entscheiden, ob
die Aussetzung teilweise oder vollständig aufgehoben
wird - abhängig davon, ob andere sich uns bei der
Förderung der Demokratie in Kuba anschließen.
Unsere Verbündeten und Freunde werden einen
starken Anreiz zu wirklichen Fortschritten erhalten,
denn bei Gültigkeit von Titel III können auch während
der Zeit der Aussetzung unumkehrbare Urteile über
Haftbarkeit gefällt werden, und es könnte sofort nach
der Aufhebung der Aussetzung Klage erhoben werden.
Und aus demselben Grund werden ausländische
Unternehmen einen starken Anreiz erhalten, Geschäfte mit beschlagnahmtem Besitz umgehend
einzustellen - die einzige sichere Möglichkeit, in
Zukunft Prozesse zu vermeiden.
Unsere Verbündeten und ausländischen Geschäftspartner wissen aufgrund unserer Aktionen während
der vergangenen vier Monate, daß meine Administration zur nachdrücklichen
Durchsetzung des
LIBERTAD-Gesetzes entschlossen ist. Beispielsweise
verbietet Titel IV den Personen die Einreise in die
Vereinigten Staaten, die mit beschlagnahmtem
Eigentum amerikanischer Staatsbürger Geschäfte
machen. Meine Administration hat bereits mehrere
Ausländer benachrichtigt, daß sie nicht mehr in die
Vereinigten Staaten einreisen dürfen. Um das zu
vermeiden, hat sich bereits eine beträchtliche Anzahl
ausländischer Unternehmen zum Verlassen Kubas
entschlossen, wodurch der Ressourcenzufluß verringert wird, den das Regime zur Aufrechterhaltung
seiner Macht nutzt.
Die heutige Maßnahme stellt den besten Weg zur

Seite 2

Erlangung unserer gemeinsamen, parteiübergreifenden Ziele dar: Isolierung der kubanischen Regierung
und Ausübung starken internationalen Drucks auf die
kubanische Führung bei gleichzeitiger Wahrung der
sehr realen Möglichkeit einer vollständigen Inkraftsetzung von Titel III, falls das nötig erscheinen sollte.
Indem wir mit unseren Verbündeten vorgehen - nicht
gegen sie - vermeiden wir eine Spaltung, die das
kubanische Regime zweifelsohne ausnutzen würde.
Die Bildung eines internationalen Konsenses vermeidet Handelsstreitigkeiten, die amerikanischen Arbeitnehmern und Unternehmen schaden sowie Arbeitsplätze im Inland zerstören würden. Und er wird zur
Wahrung unserer Führungsrolle bei internationalen
Organisationen beitragen.
Wir werden wenn möglich mit unseren Verbündeten
zusammenarbeiten. Sie müssen jedoch verstehen,
daß Länder und ausländische Unternehmen, die
Vorteile aus verstaatlichtem Besitz ziehen, vor eine
klare Wahl gestellt werden: Sie können ihre Geschäfte
mit diesem Eigentum einstellen. Sie können sich
unseren Bestrebungen zur Förderung des Übergangs
zu Demokratie in Kuba anschließen. Oder sie können
das Risiko einer vollständigen Inkraftsetzung von Titel
IM eingehen. Wie unsere Verbündeten von unserer
Durchsetzung anderer Bestimmungen des Gesetzes
während der vergangenen vier Monate wissen, nimmt
meine Administration diese Verantwortung sehr ernst.
In den letzten vier Jahrzehnten haben sich Administrationen von Republikanern und Demokraten gleichermaßen für den Übergang zu Demokratie im letzten
nichtdemokratischen Regime unserer Hemisphäre
eingesetzt. Die internationale Staatengemeinschaft
sollte bereit sein, das zu ihrem Anliegen zu machen.
Bei einer Durchsetzung entsprechend der heutigen
Entscheidung bietet Titel III des LIBERTAD-Gesetzes
uns ein wirksames Instrument für die Bildung einer
stärkeren internationalen Koalition für Demokratie in
Kuba, falls möglich - und starkes Rüstzeug zur Führung dieses Kampfes im Alleingang, falls nötig. Das
liegt im besten Interesse unseres Landes und im
besten Interesse des kubanischen Volkes.

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�USA-RUSSLAND

24. Juli 1996

Demokratie, Freiheit und Wohlstand als Vermächtnis
Ansprache von Vizepräsident AI Gore

MOSKAU - (AD) - Nach Ansicht von Vizepräsident AI Gore haben die Mitglieder der amerikanisch-russischen
Kommission für wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit eine "einmalige Chance, nachfolgenden
Generationen die Gaben der Demokratie, Freiheit und des Wohlstands als Vermächtnis zu hinterlassen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Vizepräsident AI Gores vom 15. Juli 1996 bei der Plenarsitzung der
Kommission, deren Vorsitz er sich mit dem russischen Ministerpräsidenten Viktor Tschernomyrdin teilt.

Herr Ministerpräsident, auch im Namen meiner
Kollegen möchte ich Ihnen für Ihre aufmerksame und
bewegende Geste danken, eine Schweigeminute für
Ron Brown einzulegen.
Ich freue mich sehr, wieder in Moskau zu sein und
mich erneut der bedeutenden und historischen
Aufgabe unserer Kommission zuzuwenden, produktive, dynamische und vor allem normale Beziehungen
zwischen unseren Nationen und unseren Völkern
herzustellen.
Wie Rußland der Welt vor wenigen Tagen bei den
Wahlen zeigte, sind unsere Nationen und unsere
Völker durch weitaus mehr verbunden als nur geographische Gegebenheiten und gegenseitige Interessen.
Wir teilen auch den elementaren Glauben an die Ideale
der Freiheit, die Macht der Demokratie und das Recht
jedes einzelnen Bürgers, ungeachtet seiner gesellschaftlichen Stellung oder seiner Wirtschaftslage
gehört zu werden und eine bessere Zukunft in Aussicht
gestellt zu bekommen. Am 3. Juli hatte das russische
Volk die Wahl. Es entschied sich für die Gestaltung
einer vielversprechenden eigenen Zukunft. Im Namen
aller Amerikaner - und vielleicht darf ich im Namen
aller Menschen sprechen, die sich für Demokratie
einsetzen - möchte ich dem russischen Volk gratulieren.
Dies ist wirklich ein ganz besonderer Augenblick für
unsere Nationen. Es ist wahrhaft ein Scheideweg für
die Zukunft Rußlands als freie Nation. Die Geschichte
hat dem russischen Volk diese Chance nur einmal in

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einem Jahrtausend geboten. Wir hier haben jetzt als
Mitglieder dieser Kommission die gleiche Chance,
dauerhafte gewohnheitsmäßige Zusammenarbeit,
Freundschaft und Freiheit zu schaffen, die ein weiteres
Jahrtausend überdauern. Aus diesem Grund ist die
von dieser Kommission geleistete Arbeit von elementarer Bedeutung.
Bei sieben Gesprächsrunden während mehr als drei
Jahren harter Arbeit sind die besten und klügsten
Staatsbeamten unserer Nationen für eine gemeinsame
Sache hier in Moskau und in Washington zusammengetroffen, um die Strukturen zu vervollkommnen, auf
denen langfristig die Zukunft der russisch-amerikanischen Beziehungen ruht: Freie Marktwirtschaft und
freie Gedanken sowie Gesetze und Institutionen, die
im Bereich von Handel und Investitionen zwischen
unseren Nationen freies Unternehmertum ermöglichen.
Die gemeinsamen Bestrebungen erstrecken sich auch
auf die Vertiefung des Wissens über unseren Planeten
und die gerechte und sichere Welt, die wir gemeinsam
aufbauen müssen. Von gemeinsamen Weltraumprojekten bis zu innovativen Partnerschaften in
größerer Nähe zur Erde bahnt die Zusammenarbeit
unserer Länder inzwischen einen Weg zu einem
neuen Zeitalter des Friedens und Wohlstands für
unsere Nationen und unsere Bürger.
Jetzt ist es an der Zeit, diese Strukturen zu vervollkommnen. Jetzt ist es an der Zeit, daß wir uns mit
Herz und Verstand für den Abschluß der Revolution
einsetzen, die wir begonnen haben. Ich weiß, daß wir

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�gemeinsam die Tür zu Investitionen und Handel öffnen
können. Wir können die Hindernisse im wirtschaftlichen Bereich beseitigen und an ihrer Stelle Chancen
für unsere Bürger eröffnen, die so grenzenlos sind wie
der Ideenreichtum und die Ausdauer unserer Unternehmer.
Gemeinsam können wir Schritte zur Ausrottung von
Krankheiten wie Diphterie unternehmen, die keine
Grenzen kennen. Gemeinsam können wir die Sicherheit und sichere Lagerung des auf unserem
Boden verbleibenden Nuklearmaterials fördern.
Gemeinsam können wir uns auf so unterschiedlichen
Gebieten wie Weltraumforschung, Energiewirtschaft,
Rüstungskonversion, Landwirtschaft, Wissenschaft
und Technologie auf die großen Herausforderungen
des 21. Jahrhunderts vorbereiten. Dabei werden wir
die Fähigkeiten dieser Kommission auf die Probe
stellen, denn wir können unsere Ziele nur durch die
Vergrößerung unseres Aktionsradius erlangen.
Wir können unsere Fähigkeit zur Beseitigung von
Hindernissen nur testen, wenn wir uns den Herausforderungen unseres Zeitalters stellen. Nur durch
offenen und ehrlichen Dialog werden wir die Partnerschaft und Freundschaft zwischen unseren großartigen Nationen vertiefen. Ich bin stolz auf die von
uns geleistete gemeinsame Arbeit und sehe den vor
uns liegenden Chancen erwartungsvoll entgegen.
Die ganze Welt hat großen Respekt vor den vom
russischen Volk in den vergangenen fünf Jahren
erzielten enormen Fortschritten. 60 Prozent der
Produktion entfallen jetzt auf den Privatsektor, in dem
bereits mehr russische Bürger arbeiten als in verschiedenen anderen westeuropäischen Nationen.
Rußland hält die Inflationsrate unter Kontrolle, hat die
Preise freigesetzt, entwickelt Kapitalmärkte und läßt
seine Bürger Erfahrungen mit Privatbesitz machen.
Diese Veränderungen sind wahrhaft revolutionär, aber
zweifelsohne wird sich in unseren beiden Ländern
noch weitaus mehr wandeln.
Wir müssen kühnere, konkretere Schritte unternehmen
um sicherzustellen, daß Russen und Amerikaner
miteinander Geschäfte abwickeln können. Wir müssen
dynamischer zusammenarbeiten, um übereinstimmende und kalkulierbare Steuer- und Investitionskodizes,
Zollstrukturen und Vorschriften für Unternehmen zu
entwickeln, die den Wirtschaftsbeziehungen förderlich
sind. Noch wichtiger ist jedoch, daß sie von Vorteil für
das russische Volk sind und ihm die angestrebten
Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Sicherheit vermitteln. Diese Kommission leistet harte Arbeit zur
Erlangung dieser Ziele.
Wir machen echte Fortschritte. Ich bin überzeugt, daß
jedesmal, wenn ein Amerikaner ein russisches Labor

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betritt, jedesmal, wenn ein Russe eine amerikanische
Universität besucht, jedesmal, wenn Russen und
Amerikaner sich im Weltraum die Hände reichen, der
Austausch von Wissen die Zukunft unserer Länder
weiter sichert. Wir haben bei unseren sieben Gesprächsrunden viele Fortschritte gemacht. Jetzt ist der
Zeitpunkt gekommen, diesen Prozeß zu beschleunigen
und das Versprechen von beherzten Reformen in
Rußland zu erfüllen.
Rußland hat ganz offensichtlich großes Interesse
daran, daß wir dies tun. Aber es ist auch ein großes
Interesse der Vereinigten Staaten, denn Fortschritte
beim weiteren Vorgehen lassen Rußland zu einer
stabileren, stärkeren Großmacht werden, die Offenheit
und Konkurrenzfähigkeit auf den russischen Märkten
schafft, was eindeutig im Interesse Rußlands liegt. Wir
werden die Unterstützung für Demokratie und Reformen konsolidieren, die die russischen Wähler am 3.
Juli auf so eloquente und historische Weise an der
Wahlurne bekundeten. Das ist der Kern der vor uns
liegenden Chancen.
Wir dürfen bei unserer Aufgabe nicht scheitern. Wir
dürfen uns nicht durch Unsicherheit oder Angst
entmutigen lassen. Wir dürfen nicht diese außergewöhnliche Chance verpassen. Es ist eine einmalige
Chance, nachfolgenden Generationen die Gaben der
Demokratie, Freiheit und des Wohlstands als Vermächtnis zu hinterlassen.
Viktor Stepanowitsch, liebe Freunde, ich bin sehr stolz
und fühle mich geehrt, gemeinsam mit Ihnen an
diesem großartigen Unterfangen teilzuhaben und freue
mich auf unseren Erfolg. Gestatten Sie mir, die
Mitglieder der Kommission auf unserer Seite vorzustellen: Leon Fuerth, Botschafter Thomas Pickering,
der Stellvertretende Wirtschaftsminister Barry Carter,
Wirtschaftsminister Mickey Kantor, Energieministerin
Hazel O'Leary, Gesundheitsministerin Donna Shalala,
die Direktorin der Umweltbehörde Carol Browner, der
Wissenschafts- und Technologieberater des Präsidenten Dr. Jack Gibbons, der Stellvertretende
Landwirtschaftsminister Rieh Rominger, Kommissar
Isaac Hunt vom Ausschuß für Effekten und Wechselverkehr, NASA-Direktor Dan Golden, Staatssekretär
Jim Baker vom Nationalen Amt für Ozeanographie und
Meteorologie (NOA), der Stellvertretende Außenminister Strobe Talbott, der Stellvertretende Finanzminister Larry Summers, der Vizepräsident der
Entwicklungsgesellschaft OPIC, Dan Riordan, Botschafter James Collins, Botschafter Richard Morningstar sowie der Leiter unserer Behörde für kleine und
mittelständische Unternehmen, Phil Lader.
Herr
Ministerpräsident, wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Ihnen und allen unseren russischen Freunden.

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�USA-RUSSLAND
24. Juli 1996

Amerika muß die Ärmel hochkrempeln
und sich an die Arbeit machen
Rede des Stellvertretenden Außenministers

WASHINGTON - (AD) - Nachdem das russische Volk zum ersten Mal in seiner tausendjährigen Geschichte das
Staatsoberhaupt gewählt hat, werden die Vereinigten Staaten in den kommenden Monaten die Ärmel
hochkrempeln und sich mit den Russen an die Arbeit machen, äußerte der Stellvertretende Außenminister Strobe
Talbott in einer Rede vor dem amerikanisch-russischen Unternehmensrat am 11. Juli 1996.
Die Vereinigten Staaten werden sich bei der Zusammenarbeit mit dem russischen Volk auf drei umfassende
Bereiche konzentrieren: Sicherheit, regionale Kooperation sowie Wirtschaft und Handel.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des Stellvertretenden Außenministers in wesentlichen
Auszügen.

Die amerikanisch-russischen Beziehungen:
Die nächste Phase
Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, heute hier sein zu
dürfen. Ich kann mir kein geeigneteres Publikum für
eine Rede über die amerikanisch-russischen Beziehungen vorstellen. Die amerikanische Regierung und
der amerikanische Privatsektor sind in sehr realer
Weise Partner bei dem gemeinsamen Unternehmen,
die Reformen in Rußland zu fördern, daran teilzuhaben
- und davon zu profitieren. Sie haben ein geschäftliches Interesse daran, daß Rußland beim Übergang
vom Sowjetkommunismus zu Demokratie und Marktwirtschaft sowie der vollständigen Integration in die
übrige Welt Erfolg hat - und wir haben ein nationales
Sicherheitsinteresse daran. Von unseren unterschiedlichen Standpunkten aus und mit unseren
unterschiedlichen Ressourcen arbeiten wir bei der
Unterstützung dieses Übergangs zusammen.
In den vergangenen Jahren und insbesondere in den
letzten Monaten haben wir die Höhen und Tiefen, die
Ecken und Kanten der russischen Politik erlebt.
Gemeinsam haben wir sie erlebt - mit einem unterschiedlichen Maß an Skepsis. Die herkömmlichen
Meinungen über Rußland vermischten sich - wie schon
so oft - mit Pessimismus, sogar Panik und verzweifelten Ratschlägen. Seit Januar haben wir Experten

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gehört, die zunächst im Brustton der Überzeugung
prognostizierten, daß Boris Jelzin die Wahl verlieren
würde; dann, daß er sie absagen würde; dann, daß er
Wahlbetrug begehen würde; dann, daß er sie nicht
überleben würde. Von Anfang an und im gesamten
Verlauf dieser langen Periode der Spannung, Tumulte
und Kontroversen stellten Präsident Clinton und
Außenminister Christopher sicher, daß wir für jedes
Ergebnis gerüstet waren. Sie bewahrten sich jedoch
auch das Vertrauen in die Demokratie und die kluge
Politik eines aktiven, geduldigen Engagements für ein
sich reformierendes Rußland. Mit der Entscheidung
für diese Strategie und ihrer Beibehaltung wiesen sie
die Ratschläge der Niedergangspropheten zurück, die
tatsächlich eine Rückkehr zur Politik der Eindämmung
und Konfrontation aus der Zeit des Kalten Krieges
forderten.
Und dies ist unsere Sichtweise der Ereignisse der
letzten Woche in Rußland. Für das russische Volk war
die Wahl eine Chance, seine Hoffnungen und Ängste
bezüglich einer Reihe von Themen zum Ausdruck zu
bringen: Von Kriminalität und Korruption über Tschetschenien und Privatisierung bis zu sozialer Sicherheit
und Unsicherheit. Aber im umfassendsten und tieferen
Sinne war es eine Abstimmung darüber, ob man den in
den vergangenen fünf Jahren eingeschlagenen

Seite 1

�schwierigen Kurs beibehalten oder die Uhr zurückdrehen sollte.
Präsident Clinton hat die Entscheidung vor zweieinhalb
Jahren präzise formuliert. Während seines ersten
Besuchs in Moskau als Präsident im Januar 1994
stellte er dem russischen Volk eine grundlegende
Frage. "Wie werden Sie Ihre Rolle in der Welt als
Großmacht definieren?", fragte er. "Werden Sie sie
anhand der Bedingungen von gestern oder der von
morgen definieren?"
In der vergangenen Woche beantwortete eine eindeutige Mehrheit der Russen diese Frage mit ihrer
Stimme für Reformen, für die Zukunft und gegen einen
Kandidaten, der eine Partei repräsentiert, deren Name
schon ein Synonym für die Vergangenheit ist. Und als
die Russen zum ersten Mal in ihrer tausendjährigen
Geschichte ihr Staatsoberhaupt wählten, stimmten sie
auch entschieden für die Demokratie selbst. Über 72
Millionen Bürger, über 67 Prozent der in Frage kommenden Wähler gingen in die 96.000 Wahllokale von
Kaliningrad bis Wladiwostok über die elf Zeitzonen der
Russischen Föderation hinweg. Diese Zahlen sind
ebenso beeindruckend und bedeutend wie der Wahlsieg mit 14 Prozent Vorsprung.
Die russische Demokratie und die amerikanische
Unterstützung der russischen Demokratie haben also
beide eine wichtige Probe bestanden. Aber es war
natürlich kein endgültiger Test - ganz und gar nicht.
Die Reformen sind schwierig und noch im Gange. Sie
werden eine Generation oder länger dauern. Sie sind
von Unzulänglichkeiten und dem, was die Marxisten erinnern Sie sich an sie? - als "interne Widersprüche"
bezeichnen würden, gekennzeichnet. Viele Russen
setzen Reformen immernoch mit Härten und Gefahren
gleich. Schließlich stimmten 40 Prozent für Sjuganow.
Und nicht alle, die Boris Jelzin wählten, sind mit dem
Leben heute zufrieden.
Dennoch wird Präsident Jelzin, wenn er seine zweite
Amtszeit beginnt, einen bedeutenden neuen Aktivposten zur Bewältigung der ihn konfrontierenden
beängstigenden Herausforderungen haben. Er hat
jetzt ein klares Mandat des russischen Volkes zur
Fortsetzung seines Reformprogramms. Während er
dieses Mandat nutzt, kann er mit unserem kontinuierlichen Engagement rechnen. Er kann auch mit unserer
vollständigen Offenheit bezüglich der Bedingungen
dieses Engagements rechnen. Unsere Unterstützung
für Rußland ist nicht bedingungslos. Das war nie der
Fall. Wie Präsident Eisenhower einmal sagte: "Ich
habe eine Meßlatte, mit der ich jedes Problem teste: Ist
es gut für Amerika?" Präsident Clinton wendet dieselbe Meßlatte an. Jedes Mal, wenn wir uns einem
neuen Problem gegenübersehen oder ein altes
wiederauftaucht, messen wir es an unseren eigenen
Interessen und wägen unsere Politik entsprechend ab.

Seite 2

Die erste große Chance unseres Engagements für die
Jelzin-Administration der zweiten Amtszeit bietet sich
an diesem Wochenende, wenn unser Vizepräsident
zum siebten Treffen der Gore-TschernomyrdinKommission nach Rußland reist. In Begleitung des
Vizepräsidenten befinden sich Verteidigungsminister
Perry, Wirtschaftsminister Kantor, Energieministerin
O'Leary, Gesundheitsministerin Shalala und eine
Reihe weiterer hochrangiger Regierungsvertreter.
Dazu zählen zwei Kollegen, die diesem Publikum gut
bekannt sind: Jim Collins und Dick Morningstar, die
dank der jüngsten Aktionen des Senats jetzt als
Botschafter angesprochen werden, oder - wenn Sie
dies bevorzugen - als Ihre Exzellenz. Wie Sie alle
wissen, hat sich diese Kommission als unschätzbarer
Mechanismus erwiesen. Die starken persönlichen und
beruflichen Bande, die der Vizepräsident mit dem
Ministerpräsidenten entwickelt hat, waren eine Kraft für
Stabilität in den amerikanisch-russischen Beziehungen
und für Fortschritte bei den russischen Reformen.
Wir erachten es als bedeutend und ermutigend, daß
Präsident Jelzin die Bildung seiner neuen Regierung
damit begonnen hat, Herrn Tschernomyrdin zu bitten,
als sein Ministerpräsident im Amt zu bleiben. Viktor
Stepanowitsch hat sich als unerschütterlich in seiner
Befürwortung der Reformen und effektiv bei ihrer
Umsetzung erwiesen. Er hat eine Schlüsselrolle bei
der Umgestaltung einer autoritären, zentral gelenkten
Wirtschaft, der Privatisierung des industriellen Sektors,
Bekämpfung der Inflation, Entwicklung von Kapitalmärkten sowie dabei gespielt, den Russen erste
Erfahrungen mit Privatbesitz zu verschaffen. Er hat
sich effektiv mit der Führung des Industriemanagement-Programms und führenden Vertretern unserer
eigenen Regierung auseinandergesetzt.
Es bleibt jedoch noch viel Arbeit zu tun. In den
kommenden Monaten werden wir die GoreTschernomyrdin-Kommission und andere Foren
nutzen, um unsere Ärmel hochzukrempeln und uns mit
den Russen an die Arbeit zu begeben. Wir werden
uns auf drei umfassende Bereiche konzentrieren:
Sicherheit, regionale Kooperation sowie Wirtschaft und
Handel. Ich möchte kurz auf jedes Gebiet unter
besonderer Berücksichtigung des dritten eingehen.
Erstens Sicherheit - die wirklich an erster Stelle
kommen sollte, da sie das grundlegendste aller
Probleme betrifft: Unsere Sicherheit, in der Tat unser
Überleben als Nation. In den vergangenen dreieinhalb
Jahren haben wir bereits unsere jeweiligen Nukleararsenale um 9.000 Gefechtsköpfe reduziert. Wir werden
auf weitere Reduzierungen drängen und zusätzliche
3.000 Gefechtsköpfe zerlegen. Wir werden weiterhin
mit den Russen bei der Verringerung der Waffenarsenale, der Einstellung von Atomtests und der
Nichtverbreitung von Nuklearwaffen und Massenvernichtungswaffen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten.

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�Zweitens arbeiten wir - wann immer und wo immer
möglich - in den Krisenregionen der Welt zusammen,
anstatt miteinander zu konkurrieren.
Das beste
Beispiel ist Bosnien, wo amerikanische und russische
Soldaten Seite an Seite Dienst tun. Verteidigungsminister Perry wird bei seinen Gesprächen in Moskau
kommende Woche Fragen der Sicherheit und regionalen Zusammenarbeit ansprechen.
Jetzt möchte ich mich dem Gebiet zuwenden, das für
Sie von unmittelbarem Interesse ist. Der Ausgang des
russischen Reformprozesses im allgemeinen hängt
tatsächlich insbesondere davon ab, was mit den
russischen Wirtschaftsreformen geschieht.
Die
Erhöhung von Sicherheit, Stabilität und Wohlstand, die
Millionen Russen vergangene Woche mit ihrer Stimme
bei den Wahlen forderten, bleibt außer Reichweite,
wenn Rußland nicht der Übergang von einer Kommandowirtschaft zu einer offenen Marktwirtschaft gelingt.
Die amerikanischen Unternehmer müssen eine
entscheidende Rolle übernehmen, damit Rußland
diesen Übergang vollziehen kann. Sie, meine Damen
und Herren, besitzen die erforderlichen Ressourcen
und das Fachwissen.
Boris Jelzin weiß das. Bei seinem Telefongespräch
mit Präsident Clinton vergangenen Freitag übermittelte
er eine wichtige Botschaft. Er bat die Vereinigten
Staaten eindringlich, bei der Mobilisierung von Privatinvestitionen in großem Umfang zu helfen. Präsident
Clinton erwiderte, die Vereinigten Staaten würden alles
in ihrer Macht Stehende unternehmen, um Rußland bei
der Erlangung dieses Ziels behilflich zu sein. Dabei
erwähnte er insbesondere zwei Institutionen: Erstens
wird die amerikanische Regierung im Rahmen der
Gore-Tschernomyrdin-Kommission vorgehen und
zweitens werden die amerikanischen Unternehmer bei
einer Verbesserung der Investitionsbedingungen ihr
Engagement auf zahlreichen Ebenen intensivieren,
von denen eine der amerikanisch-russische Unternehmensrat ist.
Ich bin sicher, daß alle hier Anwesenden realistisch
hinsichtlich der verbleibenden Herausforderungen
sind. Und wir werden durch die jüngsten Entwicklungen ermutigt. Wir in der Regierung wissen, daß wir
bei einer Vielzahl äußerst schwieriger diplomatischer
und sicherheitspolitischer Fragen harte Arbeit vor uns
haben. Sie als Unternehmer haben Hindernisse zu
bewältigen, die dauerhafte, feste Bestandteile der
russischen Landschaft zu sein scheinen. Der Vizepräsident wird nächste Woche mit Vertretern von über 600
amerikanischen Unternehmen zusammentreffen, die
Büros in Moskau haben. Er weiß, daß nur ungefähr
ein Drittel von ihnen in den Bereichen Handel und
Investitionen tätig ist und nur die Hälfte nennenswerte
Investitionen tätigte. Und er kennt den Grund dafür.
Obwohl Rußland beeindruckende Fortschritte dabei
machte, die Kontrolle der Wirtschaft durch den Staat
zu beenden, muß das Land noch die Institutionen und

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gesetzlichen Strukturen schaffen, die seiner sich
entwickelnden freien Marktwirtschaft Ordnung und
Effizienz bringen.
Der Vizepräsident weiß auch, daß den Möglichkeiten
von Ministerpräsident Tschernomyrdin und seiner
Regierung, diesen Übergang zu beschleunigen und zu
leiten, Grenzen gesetzt sind. Mein Freund und Kollege
beim Finanzministerium, Larry Summers, erklärte: "Die
Schaffung eines sicheren Wirtschaftsklimas, das den
Investoren Vertrauen gibt, erfordert nicht nur von der
Regierung eingeleitete Reformen, sondern auch vom
Volk ausgehende Veränderungen. Es geht nicht nur
darum, neue Vorschriften zu erlassen, sondern darum,
daß sie angewendet werden und wer dafür zuständig
ist."
Dennoch ist das heute in Rußland herrschende Klima
diesen vom Volk ausgehenden Reformen förderlicher
als noch vor zehn Tagen. Direkt nach den Wahlen
waren auf den russischen Finanzmärkten bereits
Anzeichen für ein neues Leben zu beobachten. Die
Aktienkurse steigen stetig an, und die Kurse für
festverzinsliche Wertpapiere sind ein Zeichen für
größeres Vertrauen in die Regierung. Präsident Jelzin
und Ministerpräsident Tschernomyrdin sind sich voll
und ganz bewußt, daß dieser Trend fortgesetzt werden
muß. Sie wissen, daß Investitionskapital nicht nur aus
dem Ausland ins Inland zurückkommen muß, wo so
viel Kapitalflucht stattfand. Es muß auch im Land
bleiben, Arbeitsplätze schaffen und den Lebensstandard des Durchschnittsbürgers erhöhen.
Das ist sowohl für die Politik als auch für die Wirtschaft
ein Thema. Denn nur wenn sich die Wirtschaft so
entwickelt, daß sich das Leben der russischen Bürger
spürbar verbessert, können die Politiker in Rußland
zuversichtlich sein, daß bei den nächsten Wahlen
weniger, und nicht mehr Russen gegen Reformen
stimmen.
Aus genau demselben Grund - nämlich weil es ein
Gebot des politischen Überlebens sowie eine Selbstverständlichkeit guter Regierungsführung ist - müssen
Präsident Jelzin, Ministerpräsident Tschernomyrdin
und ihre Kollegen die Epidemie von Verbrechen und
Korruption unter Kontrolle bringen. Die weitverbreitete
Gesetzlosigkeit in Rußland ist heute eine große
Bedrohung für das Vertrauen der Öffentlichkeit in die
Regierung, eine Bedrohung der Reformen sowie eine
Bedrohung des politischen Geschicks der Reformer.
Das gute Abschneiden von General Lebed bei der
ersten Wahlrunde spiegelt diese Besorgnis der
Öffentlichkeit wider. Ich brauche vor diesem Publikum
wohl kaum hinzuzufügen, daß Verbrechen und
Korruption auch eine Bedrohung der Bereitschaft und
Fähigkeit Ihrer Unternehmen darstellen, hier geschäftlich tätig zu werden.

Seite 3

�Lassen Sie mich zusammenfassen, was wir unsererseits unternehmen werden, um die Verpflichtung
Präsident Clintons zur Unterstützung der Wirtschaftsreformen in Rußland in Taten umzusetzen. Vizepräsident Gore wird kommende Woche in Moskau die
Regierung Jelzin-Tschernomyrdin dazu auffordern, die
notwendigen Gesetze, Vorschriften und Institutionen
zu schaffen, damit die Investoren das für die Ausweitung ihrer Aktivitäten erforderliche Vertrauen
gewinnen. Er und andere Mitglieder der amerikanischen Delegation werden sich auf vier Fragen
konzentrieren, die für die Weltwirtschaft von besonderer Bedeutung sind.
Die erste ist die Besteuerung. Das derzeitige System
ist verwirrend, schlecht kalkulierbar und oftmals
übertrieben und irrational. Es werden keine Unternehmen in Rußland investieren, wenn sie keine Gewinne
machen können, und sie können keine Gewinne
machen, wenn ihre Einnahmen beschlagnahmt
werden. Aus diesem Grund muß Rußland in seinem
eigenen Interesse unverzüglich einen neuen Steuerkodex entwickeln, der Investitionen ermutigt.
Zweitens wird der Vizepräsident Rußland zur Annahme neuer Gesetze und Vorschriften für den
Energiesektor auffordern. Die derzeitige Gesetzgebung beinhaltet zu viel Konfliktstoff sowie unzureichende Schlichtungsmittel. Ein stabiler Gesetzesund Steuerrahmen würde die 50 bis 60 Milliarden
Dollar nicht realisierter Investitionen im Öl- und
Gasbereich freisetzen.
Drittens wird bei der siebten Gesprächsrunde der
Gore-Tschernomyrdin-Kommission
erstmals
die
wachsende Besorgnis über Wirtschaftskriminalität
angesprochen. Die Russen haben mit der jüngsten
Annahme eines Strafgesetzbuches bereits Fortschritte
in diesem Bereich erzielt. Gestern versprach Präsident Jelzin in einer Grundsatzrede, daß der Reformprozeß fortgesetzt wird und "die Bekämpfung der
Korruption auf allen Ebenen ein äußerst wichtiger
Bestandteil meiner Arbeit sein wird". Vizepräsident

*

Seite 4

Gore wird den Ministerpräsidenten dazu ermutigen,
eine Strafprozeßordnung zu erlassen, Gesetze zur
Bekämpfung von Korruption und Geldwäsche sowie
andere Schlüsselbestandteile der Gesetzgebung im
Bereich der Verbrechensbekämpfung zu verabschieden. Nach den Sitzungen der Gore-TschernomyrdinKommission in Moskau werden wir weiterhin mit den
russischen Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, um eine nachdrückliche Umsetzung dieser
neuen Gesetzgebung zu gewährleisten.
Und schließlich wird der Vizepräsident unser Engagement zur engen Zusammenarbeit mit dem
Industriemanagement-Programm und multilateralen
Entwicklungsbanken bekräftigen. Seit 1993, als die
Vereinigten Staaten die Bestrebungen zur Mobilisierung von Unterstützung der Reformen durch die
internationalen Finanzinstitutionen in der gesamten
ehemaligen Sowjetunion leiteten, haben diese Organisationen beim Entwurf und der Finanzierung von
Programmen geholfen, die für Wachstum und Stabilität
erforderlich sind. Dazu zählen auch die beängstigende aber unerläßliche Aufgabe der Stabilisierung
der Währung und Aufrechterhaltung niedriger Inflationsraten sowie die Fortsetzung von Strukturreformen wie Privatisierung, Reform des Bankwesens und
Milderung der Auswirkungen industrieller Verschlankung.
Abschließend möchte ich unterstreichen, daß die
Wahlen in der vergangenen Woche ein großer Schritt
für Rußland waren - ein Schritt in die richtige Richtung.
Ferner waren sie eine Bekräftigung - ich bin sogar
versucht zu sagen, eine Rechtfertigung - der Politik
unserer Administration, den russischen Reformprozeß
engagiert zu unterstützen. Sie waren für uns ein
Anreiz, den Kurs der russischen Reformen einzuhalten, solange Rußland ihn hält. Und schließlich waren
sie ein neuer Anreiz für die amerikanische Regierung
und den amerikanischen Privatsektor, ihre Zusammenarbeit - und ihr gemeinsames Unterfangen - zu
verstärken, um Rußland um seinet- und um unseretwillen zum Erfolg zu verhelfen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 14

�TERRORISMUS
24. Juli 1996

Neue terroristische Bedrohung in der Golfregion
Erklärung von General John M. Shalikashvili

WASHINGTON - (AD) - Der Schutz der vitalen Interessen der Vereinigten Staaten am Persischen Golf ist dem
Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, General John M. Shalikashvili, zufolge aufgrund der "signifikanten
neuen terroristischen Bedrohung" zu einer äußerst schwierigen Herausforderung geworden. Nachfolgend
veröffentlichen wir die am 9. Juli 1996 bei einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des US-Senats
abgegebene Erklärung von General Shalikashvili.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
normalerweise freue ich mich immer, mit Ihnen zu
sprechen. Heute erörtern wir jedoch ein für uns hier
und alle Angehörigen unserer Streitkräfte sehr
schmerzliches Thema. Wir sind uns alle bewußt, daß
wir zusammengekommen sind, weil zum zweiten Mal
innerhalb von sieben Monaten Terroristen einen
Anschlag auf unsere Streitkräfte in Saudi-Arabien
verübt haben. Dabei starben 19 Angehörige der
Luftwaffe, und das Sicherheitsumfeld in dieser für die
Vereinigten Staaten äußerst wichtigen Region wurde
verändert.
Ich möchte nochmals den Familien der tapferen
Flieger, die ihr Leben verloren, mein Beileid aussprechen. Den Verletzten wünsche ich eine baldige
Genesung.
In den vergangenen anderthalb Jahren stieg die
terroristische Bedrohung in der Region am Persischen
Golf von einem relativ niedrigen auf ein sehr hohes
Maß an. Heute besteht unsere Herausforderung in
dieser Region daher im weiteren Schutz unserer
vitalen Interessen angesichts einer signifikanten neuen
terroristischen Bedrohung. Es ist jetzt eine viel
schwierigere Herausforderung, bei der wir die Gefährdung unserer vitalen nationalen Interessen gegen die
Gefährdung unserer Streitkräfte abwägen müssen.
Dieses Abwägen von Risiken ist ein integraler Bestandteil meiner Arbeit. Als höchster Militärberater des
Verteidigungsministers, des Nationalen Sicherheitsrats
und des Präsidenten leite ich die strategische Planung,

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überwache die Spannungsfalloperationen und unterstütze den Präsidenten und den Verteidigungsminister
bei der strategischen Führung unserer Streitkräfte.
Von allen meinen Aufgaben ist keine wichtiger für mich
als die angemessene Definition von Missionen und die
Strukturierung unserer Streitkräfte, wenn unsere
Männer und Frauen in Uniform sich in Gefahr begeben
müssen. Gleichzeitig möchte ich sicherstellen, daß wir
ständig nach neuen Möglichkeiten suchen, den Schutz
unserer Streitkräfte bei der Durchführung ihrer vielfältigen, unterschiedlichen Missionen im In-und Ausland
zu verbessern.
Bei meinen Reisen um die Welt werde ich ständig
daran erinnert, wie wertvoll unsere Männer und Frauen
in Uniform für unser Land sind und wie kostbar ihr
Leben für ihre Familien und für das amerikanische
Volk ist.
Der Schutz der Truppe und ihrer Gesundheit, die
Gewährleistung der physischen Sicherheit unserer
Männer und Frauen in Uniform und ihrer Familien sind
jedesmal für mich das wichtigste Anliegen, wenn ich
die Annahme eines Plans empfehle oder dem Verteidigungsminister den Befehl für eine operative Dislozierung zur Unterschrift vorlege.
Das war der Fall, als wir unsere Truppen nach Haiti
entsenden mußten, und das ist der Grund, warum wir
in der Sommerhitze Bosniens Kevlarhelme und
Flakwesten tragen. Einzelheiten im Zusammenhang
mit dem Schutz unserer Truppen - von Spezialausbildung über Richtlinien für die Gefechtseröffnung und

Seite 1

�Fortführung bis zu operativen Verfahren - haben
immer oberste Priorität, sei es bei der Evakuierung von
Nichtkombattanten aus Liberia oder bei Operationen
von saudiarabischem Gebiet aus, die Saddam Hussein
von einer erneuten Invasion Kuwaits abschrecken
sollen.
Das Wissen, daß wir unser Bestes tun werden, um sie
in Gefahrensituationen zu schützen, ist ein wichtiger
Grund dafür, daß unsere Soldaten, Seeleute, Flieger
und Marineinfanteristen so viel geleistet haben und so
viele operative Erfolge verbuchen konnten. Das galt
für die Operation Wüstensturm und trifft heute in
Bosnien, in Korea und am Persischen Golf zu.
Während meiner Reise in die Golfregion Ende Mai
stellte ich fest, daß dort überall ein starkes Bewußtsein
für die terroristische Bedrohung und großes Verständnis für die Bedeutung des Schutzes der Truppe
vorherrschte. Angesichts der erwarteten Bedrohung
hatten alle Einheiten, die ich besuchte, umfassende
Maßnahmen für den Schutz der Truppe ergriffen sowohl im Hinblick auf die physische Sicherheit als
auch bei der Aufklärung und Ausbildung auf dem
Gebiet der Terrorismusbekämpfung. Da Aktionen zur
Abschreckung von Terroristen von Dauer sein müssen
und wir uns nie zufriedengeben dürfen, waren zusätzliche Maßnahmen zur weiteren Erhöhung der Sicherheit
in Vorbereitung.
Weniger als einen Monat vor dem Bombenanschlag
sprach ich auf dem Luftwaffenstützpunkt King Abdul
Aziz in Dahran mit einigen dieser Flieger, die in den
Khobar Towers lebten. Wie all unsere jungen Männer
und Frauen in Uniform, die ich überall auf der Welt
besuche, waren sie eine äußerst beeindruckende
Gruppe. Ihre Moral war sehr gut, und sie waren sich
bewußt, daß ihre Arbeit wichtig für unsere Nation ist
und in hohem Maße Frieden und Sicherheit dient.
Sie wußten in der Tat, daß sie eine lebenswichtige
Mission erfüllen. Sie wußten, daß das 4404. Composite Wing täglich Flüge über irakischem Gebiet absolvierte, um Saddam Hussein von einem erneuten
Einmarsch bei seinen Nachbarn und einer Gefährdung
der weltweiten Energieversorgung abzuschrecken.
Und sie verstanden auch folgendes: Wenn sie nicht
dort wären, müßten wir eines Tages vielleicht wieder
kämpfen, um unsere regionalen Verbündeten zu
verteidigen, und das geschähe wahrscheinlich auf
Kosten des amerikanischen Steuerzahlers und
amerikanischer Menschenleben.
Die Angehörigen des 4404. Composite Wing, mit
denen ich sprach, waren auch über Terrorismus und
die Notwendigkeit ständiger Wachsamkeit informiert.
Ich bin überzeugt, sie wußten, daß die terroristische
Bedrohung real war und daß aufgrund zahlreicher
Verbesserungen im Sicherheitsbereich und dank der

Seite 2

Wachposten auf dem Dach der Khobar Towers viele
Menschenleben gerettet wurden.
Zwar müssen alle unsere Streitkräfte weltweit mit
Terroranschlägen rechnen, aber die Soldaten in SaudiArabien waren nach der Explosion einer Autobombe
vor dem Büro des Programmanagers für die Modernisierung der saudiarabischen Nationalgarde, dem
sogenannten OPM SANG-Gebäude, besonders
wachsam. Bei diesem Terroranschlag in Riad wurden
5 Amerikaner und 2 Mitarbeiter aus Drittstaaten
getötet.
Dieser tragische Verlust an Menschenleben war in der
Tat ein Weckruf für unsere Nation. Plötzlich sahen wir
uns in Saudi-Arabien mit einer anderen terroristischen
Bedrohung konfrontiert und mußten unsere Anstrengungen zur Verstärkung unserer Verteidigung
verdoppeln:
Als erste Maßnahme ordnete der Verteidigungsminister am 14. November, dem Tag nach dem
Anschlag auf das OPM SANG-Gebäude, an, daß das
Verteidigungsministerium alle Sicherheits- und Terrorismusbekämpfungsverfahren im In- und Ausland
überprüft. Der Zweck dieser Überprüfung bestand
nicht nur in der Schärfung unseres Bewußtseins
bezüglich Sicherheitsbedrohungen und unseres
Einsatzkonzepts, sondern auch der Förderung einer
Einstellung, mit der die Chancen eines erfolgreichen
Terroranschlags auf Amerikaner und amerikanische
Einrichtungen in Zukunft verringert würden.
Zweitens gründeten der Verteidigungsminister und ich
eine Einsatztruppe des Verteidigungsministeriums zur
Terrorismusbekämpfung. Im Rahmen dieser Bestrebungen entsandten wir ein Team mit Offizieren im
Generalsrang zu jedem gemeinsamen Kommando im
Ausland, um die Sicherheitserfordernisse und Terrorismusbekämpfungspraktiken unter besonderer Berücksichtigung der Gebiete mit hohem Sicherheitsrisiko zu
prüfen.
Die Einsatztruppe sollte politische Empfehlungen
erarbeiten, dank derer die Antiterrorbestrebungen des
Verteidigungsministeriums gestärkt werden sollten. Im
vergangenen Monat bestätigte der Verteidigungsminister die Erkenntnisse der Einsatztruppe, und die
Arbeit an ihren Empfehlungen hat begonnen. Der
Bericht der Einsatztruppe zur Terrorismusbekämpfung
wurde vor kurzem veröffentlicht.
Der Plan der Einsatztruppe verwies auf unverzüglich
und kurzfristig vorzunehmende Änderungen, um den
Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums eine neue
Denkweise über terroristische Bedrohungen und die
Reaktion darauf zu vermitteln. Zu den zahlreichen
Empfehlungen des Berichts zählen:

AMERIKA DIENST 14

�Die Entwicklung eines separaten, vom Büro
des Verteidigungsministers verwalteten Programmelements für Antiterrorprojekte hoher
Priorität.
Zahlreiche Veränderungen der nachrichtendienstlichen Verfahren und die Einführung von
Bedrohungsanalyseverfahren des Verteidigungsministeriums.
Die Einbeziehung von Terrorismusszenarien
in militärische Übungen aller Art und
die Entwicklung von Ausbildungshilfen für das
gesamte Verteidigungsministerium, darunter
ein neues Handbuch zur Terrorismusbekämpfung und ein Video mit Kommandoinformationen.
Die Teilstreitkräfte wurden auch angewiesen, Antiterrormaßnahmen in ihren Haushalten oberste Priorität
einzuräumen und sie bei allen Inspektionen durch den
Generalinspekteur zu einem Punkt von besonderem
Interesse zu machen.
Da das OPM SANG der Zuständigkeit des amerikanischen Botschafters in Saudi-Arabien untersteht,
haben wir darüber hinaus im Überprüfungsgremium für
Rechenschaftspflicht des US-Außenministeriums
mitgearbeitet, dessen Zweck es war, die sicherheitsbezogenen Aspekte des Anschlags zu prüfen sowie
über die Erkenntnisse und Empfehlungen zu berichten.
Wir arbeiten weiterhin Hand in Hand mit dem Außenministerium bei der Umsetzung der Empfehlungen des
Berichts. In Anbetracht der Tatsache, daß viele der
hier aufgedeckten politischen Probleme die interministerielle Zusammenarbeit im Ausland betreffen,
klärt der Bericht die Verantwortungsbereiche des
Außen- und Verteidigungsministeriums im Ausland und

*

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wird eine engere Koordinierung zwischen den Missionschefs in den einzelnen Ländern und den regional
orientierten gemeinsamen Befehlshabern sicherstellen.
Und natürlich gewähren wir General Downings Bericht
jegliche Unterstützung. Es sollte hier nicht unerwähnt
bleiben, daß General Peay, der regionale Oberbefehlshaber, selbst um diese Überprüfung gebeten hat.
Aber angesichts des allgegenwärtigen und sich stets
verändernden Charakters des Terrorismus müssen
Terrorismusbekämpfungsmaßnahmen ein kontinuierlicher Prozeß sein. Wir können es immer noch besser
machen, und wir werden nie aufhören, es zu versuchen. In der Zukunft müssen wir uns jedoch einer
harten Tatsache stellen: Es wird mehr Terroranschläge
geben.
Terrorismus wird immer ein schwaches Glied suchen
und den indirektesten Ansatz für seine Zwecke
wählen. Terrorismus wird alle Anstrengungen unternehmen, an der entscheidenden Stelle zuzuschlagen
und statt militärischer Nützlichkeit einen Schockeffekt
und Schlagzeilen anstreben. Die Terroristen werden
weiterhin geduldig und zerstörerisch vorgehen.
Niemand, nicht einmal die Israelis, die über mehr
Erfahrung als jedes andere Volk bei der Bewältigung
des Terrorismus verfügen, haben einen Weg zu seiner
entschiedenen Bekämpfung in absehbarer Zukunft
gefunden.
In den Bereichen, in denen wir großes Interesse
haben, müssen wir dieses Risiko akzeptieren, während wir gleichzeitig konsequent und methodisch auf
die größtmögliche Verringerung des Risikos für unsere
Männer und Frauen in Uniform hinarbeiten. Der
Downing-Bericht ist ein weiterer Schritt in diesem
kontinuierlichen Prozeß. Aber letztlich können wir
nicht zulassen, daß Akte des Terrorismus uns von der
Verfolgung unserer vitalen Interessen abhalten.

* * * *

Seite 3

�CIVITAS
24. Juli 1996

Staatsbürgerkunde kommt alten und neuen
Demokratien zugute
von Penn Kemble

WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser ist Stellvertretender Direktor des US-Informationsamts (U.S. Information
Agency - USIA). Der Artikel basiert auf seiner am 9. Juli 1996 vor der Interamerikanischen Entwicklungsbank in
Washington gehaltenen Rede.

Staatsbürgerkunde ist unerläßlich für den Bestand der
Demokratie in den Vereinigten Staaten, für die großen
Demokratien in Lateinamerika und für die Beziehungen
zwischen diesen Staaten, während die Welt an der
Schwelle zu einem neuen Jahrtausend steht.
Als die Mauern der Tyrannei zu fallen begannen und
die Diktaturen auf der ganzen Welt zusammenbrachen, wurden sich die Menschen in den entwickelten
Demokratien der Verpflichtung bewußt, den aufstrebenden Demokratien bei der Handhabung der
Mechanismen der Demokratie behilflich zu sein. Wir
wissen, wie die Parlamente arbeiten, wie Wahlen
abgehalten werden, wie Gerichte Recht sprechen, wie
die verschiedenen anderen Instrumente einer demokratischen Gesellschaft und Regierung operieren. Und
so haben wir eine Vielfalt von Hilfsprogrammen in die
Wege geleitet, die den neueren Demokratien halfen,
die Funktionsweise einer Demokratie zu erlernen.

können wir beobachten, daß diese Mechanismen in
einigen Fällen fast wie ein fremdes Organ transplantiert wurden, das nur arbeiten kann, wenn es nicht
abgestoßen wird.
Mit Demokratie geht eine Fülle überlieferten Guts
einher - kleine Dinge, die Menschen nicht verstehen,
wenn sie nicht die Erfahrungen gemacht haben. Wie
strengt man einen Prozeß an, wenn man sich in einem
zivilrechtlichen Streitfall ungerecht behandelt fühlt?
Wie geht man mit dem ordnungswidrigen Verhalten
eines Polizisten um? Wie meistert man einen Streit in
der Nachbarschaft?
Wir in entwickelten Demokratien haben diese Probleme die ganze Zeit. Aber unsere Kulturen haben mit
derzeit gelernt, wie sie mit Hilfe der Mechanismen der
Demokratie bewältigt werden können.

Wir stellten jedoch schnell fest, daß Demokratie mehr
als ein Mechanismus ist - in Wirklichkeit ist sie eine
Kultur. Um Freiheit zu fördern und zu stabilisieren,
muß man nicht nur den externen Apparat von Gesellschaft und Regierung verändern, man muß eine Art
subjektiver Transformation durchmachen. Die Menschen müssen aufhören, passive Untertanen des
Staates zu sein - die Anweisungen entgegennehmen und verantwortungsbewußte Bürger mit Rechten in
einer freien Gesellschaft werden.

Dennoch gehen wir dieses Studiengebiet in den
Vereinigten Staaten nicht mit dem Gefühl an, alle
Antworten parat zu haben. In der Tat war unser
Engagement für Staatsbürgerkunde unter anderem
von der wachsenden Erkenntnis geleitet, daß wir den
Geist der Staatsbürgerschaft erneuern müssen. Wir
haben die Probleme der Apathie, Kriminalität und den
Niedergang einer gemeinsamen Kultur, der an Balkanisierung grenzt. Wir haben Schwierigkeiten mit der
Funktionsweise unserer Institutionen. Die Regierung
ist nicht vor Korruption gefeit.

Mit anderen Worten: Sie erhalten Befugnisse. Und nur
wenn man diese subjektive Transformation in einer
Gesellschaft hat, können die Mechanismen der
Demokratie effektiv funktionieren. Auf der ganzen Welt

Und lange Zeit haben wir selbst die Staatsbürgerkunde
vernachlässigt. Die vor 1980 an den amerikanischen
High Schools gelehrten Kurse in Staatsbürgerkunde
wurden zu trockenem Unterricht in Geschichte oder

AMERIKA DIENST 14

Seite 1

�den grundlegenden Funktionen der Regierung, weil es
den Lehrern zu schwerfiel, die großen Kontroversen
der letzten Generation in der Klasse anzusprechen Krieg und Frieden, Rassentrennung, Gerechtigkeit,
Armut, Klassenkonflikte, Religion.
Aber in den achtziger Jahren begann die ganze Nation
zu erkennen, daß wir etwas sehr Wichtiges vernachlässigt hatten - daß wir ein gemeinsames Gefüge
von Institutionen, eine gemeinsame staatsbürgerliche
Praxis und eine Fülle von Werten haben, die jeder
Generation vermittelt werden müssen, wenn unsere
Demokratie überleben soll. So begannen wir genau zu
dem Zeitpunkt der Umgestaltung, die zum Zusammenbruch der Sowjetunion führte und die geballte demokratische Energie nach Lateinamerika brachte, eine
Wiederbelebung der staatsbürgerlichen Erziehung.
Das US-Informationsamt stellte fest, daß Menschen in
anderen Ländern es ständig darum baten, bei der
Beschaffung von Lehrmaterial behilflich zu sein, wie
Demokratie funktioniert und wie ein Student in einer
offenen Wirtschaft arbeiten kann. Bei der Erfüllung
dieses Bedarfs merkten wir, daß die Menschen in den
neuen Demokratien manchmal bessere Ideen hatten
als wir, wie diese Fächer unterrichtet werden können.
Zusammen mit einer Reihe nichtstaatlicher Organisationen und dem Europarat haben wir im vergangenen
Jahr ein Treffen in Prag veranstaltet. Die Teilnahme
war überwältigend. Die Dozenten, die kamen, wollten
keine Reden von Leuten wie mir hören. Sie wollten
miteinander reden. Wir hatten eine Materialbörse, zu
der Lehrbücher und Videokassetten gebracht wurden.
Der Stand war die ganze Zeit besucht von Leuten, die
Lehrmaterial austauschten und sich das Material des
anderen anschauten. Und wir erkannten, daß im
Bereich der Staatsbürgerkunde eine internationale
Staatengemeinschaft geboren wurde, die enorme
Auswirkungen haben wird.
Wir schufen eine neue, Civitas genannte Gruppe, die
gerade als nichtstaatliche Organisation eingetragen
wird. Sie ist mit dem Europarat und einer Reihe
anderer Gruppen assoziiert. Beispielsweise werden
ungefähr 40 Lehrer nach Sarajevo zu einem Treffen
mit Lehrern aus ganz Bosnien reisen, um ihnen bei der
Erarbeitung von Material behilflich zu sein und Lehrer
im Demokratieunterricht auszubilden.

Wir haben darüber hinaus eine internationale Webseite
für Staatsbürgerkunde eingerichtet. Alle beteiligten
Länder beginnen, ihr Material einzugeben.
Nach dem Erfolg von Prag traf sich im Oktober vergangenen Jahres eine kleine Gruppe in Bonn, um einen
Ansatz zu erarbeiten, wie man die Unterstützung der
internationalen Staatengemeinschaft gewinnen könnte.
Im Anschluß daran unterzeichnete Präsident Clinton
beim Gipfeltreffen der Vereinigten Staaten und der
Europäischen Union in Madrid die transatlantische
Initiative. Die Initiative beinhaltet die Förderung
kooperativer Programme für Staatsbürgerkunde.
Alle diese Themen werden eingehend bei der bevorstehenden Konferenz Civitas Panamericano erörtert,
die vom 29. September bis 2. Oktober 1996 in Buenos
Aires stattfindet. Sie steht unter der Schirmherrschaft
von USIA, der Interamerikanischen Entwicklungsbank
und Conciencia Argentina, einer argentinischen
nichtstaatlichen Organisation, die sich Staatsbürgerkunde widmet.
In Buenos Aires und überall, wo wir Staatsbürgerkunde
fördern könnten, wollen wir auch Materialien für junge
Menschen entwickeln, damit sie das Wirtschaftsleben
verstehen können - was sie benötigen, wenn sie sich
auf Arbeitssuche begeben, ein Geschäft gründen, ein
Haus kaufen oder ein Handwerk lernen wollen - Dinge,
die zum Überleben in einer Volkswirtschaft unerläßlich
sind. Das muß nicht auf herablassende Weise
geschehen. Man kann Menschen sogar höhere
Ökonomie beibringen, indem man sie zuerst auf der
Ebene anspricht, an der sie ein direktes Interesse
haben.
Wo es politische Stabilität sowie größeres öffentliches
Verständnis der Regierung und staatsbürgerlichen
Praxis gibt, kann unseren Interessen bezüglich
nationaler Sicherheit, Wirtschaftswachstum, sozialer
Gerechtigkeit, der Umwelt und so weiter nur gedient
sein.
Wir in den Vereinigten Staaten werden davon profitieren, weil wirtschaftliche und soziale Entwicklung gut für
uns ist. Wir sind der wichtigste Handelspartner
Lateinamerikas, und wir leben in der gleichen Hemisphäre. Unserer Ansicht nach ist der wirtschaftliche
und gesellschaftliche Handel in der Neuen Welt kein
Nullsummenspiel, bei dem es Gewinner und Verlierer
gibt. Wir denken, wir können alle Gewinner sein.

* *

Seite 2

*

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�DEMOKRATIE

24. Juli 1996

Malaise und Flexibilität
von Seymour Martin Lipset

(AD) - Dem Soziologen Seymour Martin Lipset zufolge engagieren sich Amerikaner aktiver in Freiwilligenverbänden und sind eher bereit zu Spenden für nichtstaatliche Organisationen als die Bürger anderer Länder.
Lipset, dessen Gedankengut das Studium der Bedingungen, Werte und Institutionen der Demokratie in den
Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt maßgeblich beeinflußt hat, bestätigt, daß die Amerikaner immer
noch die stärksten Repräsentanten des unabhängigen Sektors sind, trotz offenkundiger Anzeichen eines
politischen Disengagements. Der nachfolgende Beitrag basiert auf einem Artikel mit demselben Titel, der in der
Ausgabe vom Juli 1995 des Journal of Democracy veröffentlicht wurde.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Johns Hopkins University Press. Copyright
© 1995. Aus Journal of Democracy, Juli 1995.

Der Harvard-Politologe Robert Putnam behauptet, daß
das herkömmliche Gefüge, das Amerikaner mit
gemeinsamen Ansichten und Interessen zusammenführte und zum Bestand der politischen Parteien und
der politischen Beteiligung beitrug, in den vergangenen
Jahrzehnten an Bedeutung verloren hat.
Obwohl das Postulieren einer Beziehung zwischen der
abnehmenden Mitgliedschaft in Verbänden und dem
Rückgang der politischen Beteiligung logisch ist, legt
eine genaue Betrachtung der Fakten den Schluß nahe,
daß die bürgerliche Gesellschaft in den Vereinigten
Staaten nach wie vor einigermaßen gesund ist.
Vergleichende Daten bestätigen beispielsweise immer
noch de Tocquevilles Erkenntnis, daß die Amerikaner
sich stärker für staatsbürgerliche Belange engagieren
als die meisten anderen Völker der Welt. Der World
Values-Umfrage aus dem Jahr 1990 zufolge verzeichnen die Vereinigten Staaten beträchtlich höhere
Mitgliederzahlen bei Freiwilligenorganisationen als
jede andere Nation. 82 Prozent der Amerikaner
gehören mindestens einer der 16 verschiedenen
Kategorien von Freiwilligenorganisationen an, verglichen mit 53 Prozent der Deutschen, 39 Prozent der
Franzosen, 36 Prozent der Italiener und 36 Prozent
der Japaner. Darüber hinaus haben die Amerikaner
die höchste Mitgliederzahl bei allen 16 verschiedenen
Organisationsformen, wobei die Gewerkschaften die
größte Ausnahme darstellen. 1990-91 waren 49

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Prozent der Amerikaner im karitativen oder sozialen
Bereich tätig, verglichen mit 13 Prozent der Deutschen
und 19 Prozent der Franzosen. Ein höherer Prozentsatz der Amerikaner - 73 Prozent - spendete Geld für
solche Belange, im Vergleich zu 43 bis 44 Prozent der
Franzosen und Deutschen. Die Amerikaner spendeten auch pro Kopf mehr. Der Anteil der erwachsenen
Bevölkerung in den Vereinigten Staaten, der sich
freiwillig an Gemeindearbeit beteiligt, stieg einer
Gallup-Umfrage zufolge von 27 Prozent im Jahr 1977
auf 54 Prozent im Jahr 1989, bevor er 1994 auf 46
Prozent fiel.
Religiöse und sonstige Gruppen
Die Amerikaner sind zweifelsohne das religiöseste
Volk der christlichen Welt, mit Ausnahme einiger
weniger Länder wie Irland und Polen, wo Religion und
Nationalismus Hand in Hand gehen. Es gibt jedoch
widersprüchliche Angaben über die Trends. Im
Hinblick auf kirchliche Gruppen berichtet das nationale
Meinungsforschungszentrum
(National
Opinion
Research Center - NORC) einen Rückgang von 42
Prozent im Jahr 1974 auf 35 Prozent im Jahr 1993,
wobei der größte Rückgang Ende der siebziger Jahre
zu verzeichnen war. Andererseits belegt eine Studie
von Gallup, daß die Mitgliedschaft in Kirchen und
Synagogen sich kontinuierlich bei zwei Dritteln hielt
und die Rate der wöchentlichen Kirchenbesuche nur

Seite 1

�gering fluktuierte, wobei die Zahlen für 1994 (38
Prozent) praktisch identisch mit denen für 1950 (39
Prozent) und 1987 (40 Prozent) waren.
Zwischen 1974 und 1993 führte das NORC regelmäßige Umfragen zu den zwischenmenschlichen
Beziehungen der Amerikaner durch und stellte drei
verschiedene Fragen bezüglich der Häufigkeit von
Besuchen bei Verwandten, Nachbarn und Freunden.
Der Prozentsatz der Amerikaner, die angaben, sie
besuchten ihre Nachbarn "täglich bis mehrmals im
Monat" fiel von 44 Prozent im Jahr 1974 auf 33,5
Prozent im Jahr 1993. Im gleichen Zeitraum ging der
Prozentsatz derjenigen, die "regelmäßig Zeit mit
Verwandten verbringen" sehr viel weniger zurück - von
57 auf 52 Prozent. Der Prozentsatz derer, die "sich
regelmäßig mit Freunden treffen", stieg hingegen von
40 auf 45 Prozent.
Daten über die Mitgliedschaft in sonstigen Gruppen
sind hier offenkundig relevant. Robert Wuthnows auf
einer Gallup-Umfrage, persönlichen Interviews und
eingehenden Fallstudien basierende, 1990 durchgeführte Studie über kleine Gruppen belegte, daß 40
Prozent der Amerikaner über 18 Jahren regelmäßig in
kleinen Gruppen zusammenkommen, in denen sie
gegenseitige Fürsorge und Unterstützung erfahren.
Die für den Beitritt zu diesen Gruppen angegebenen
Hauptgründe sind "ein Gefühl der Gemeinschaft zu
erhalten" und "Anregungen zu bekommen". Im
Einklang mit der pragmatischen Ausrichtung dieser
Gruppen gibt es keine umständlichen Aufnahme- und
Austrittsvertahren, und an die Mitglieder werden keine
hohen Anforderungen gestellt. Trotz der Flexibilität
dieser "Regeln" bestehen drei Viertel dieser Gruppen
seit über fünf Jahren, und die meisten sogar länger.
Wuthnows Schlußfolgerung lautet, daß diese Gruppen
den Mitgliedern zwar ein Gefühl der Geborgenheit
vermitteln, von den Mitgliedern aber nicht fordern,
einen maßgeblichen Beitrag für andere oder die
gesamte Gemeinde zu leisten.
Die These, daß die sich im Grad der Beteiligung an
Freiwilligenorganisationen widerspiegelnde Lebensfähigkeit der bürgerlichen Gesellschaft an die Stärke
der Demokratie gebunden ist, ist nahezu 200 Jahre alt.
Sie impliziert, so Putnam, daß die beiden wie ein
Tandem funktionieren. Ein Großteil der verfügbaren
Fakten über Trends erhärtet Putnams Schlußfolgerung, daß die Beteiligung der Amerikaner an Freiwilligenorganisationen abgenommen hat.
Dennoch
stehen genügend gegenteilige Daten zur Verfügung,
um das schottische Urteil "Schuldbeweis nicht erbracht" zu rechtfertigen - dem man ein "aber wahrscheinlich" hinzufügen würde. Offenkundig ist mehr
Forschung in diesem Bereich erforderlich.

Seite 2

Das Überleben des Amerikanischen Traums
Was erklärt die kontinuierliche Stabilität des amerikanischen politischen Systems angesichts der schlechten Nachrichten über die Einstellung zur Regierungsführung in den Vereinigten Staaten? Warum ist die von Ross Perot angeführte - wichtigste Protestbewegung im Grunde politisch in der Mitte angesiedelt,
sogar konservativ im Hinblick auf die Wirtschafts- und
Sozialpolitik? Die Antwort liegt zum Teil in der beständigen, wenn vielleicht auch etwas verringerten Stärke
der amerikanischen staatsbürgerlichen Kultur. Wie
oben ausgeführt, haben Freiwilligenarbeit für karitative
Zwecke, einige Arten organisierter Mitgliedschaft und
religiöse Aktivitäten zugenommen oder sind konstant
geblieben, und die Vereinigten Staaten stehen immer
noch an der Spitze der Nationen bei der Beteiligung
der Bürger an Freiwilligeninstitutionen. Noch wichtiger
ist vielleicht die Tatsache, daß die meisten Amerikaner
nicht unglücklich mit ihrem Leben oder ihren Zukunftsaussichten sind - in der Tat sind sie ziemlich optimistisch bezüglich ihrer Zukunft. Sie sehen die Vereinigten Staaten immer noch als ein Land, in dem sich
persönliche Integrität und harte Arbeit bezahlt machen,
als eine Nation die - abgesehen von Regierung und
Politik - immer noch "funktioniert".
Der Amerikanische Traum existiert noch, selbst wenn
die Regierung und andere Institutionen als korrupt und
ineffizient angesehen werden. Eine auf einer Umfrage
von 1994 basierende, für das Hudson Institute durchgeführte Studie ergab, daß über vier Fünftel der
Amerikaner, oder 81 Prozent, der Aussage "Ich bin
optimistisch bezüglich meiner persönlichen Zukunft"
zustimmten. Drei Viertel, oder 74 Prozent, teilten die
Meinung, "Wenn man in Amerika hart arbeitet, kann
man es zu etwas bringen." Es überrascht daher nicht,
daß über drei Viertel, oder 76 Prozent, sich bei der
Wahl zwischen "der Chance zu Erfolg" und "der
Sicherheit vor einem Scheitern" für die erste Option
entschieden, und nur ein Fünftel Sicherheit vorzog.
Eine 1994 für Times Mirror durchgeführte GallupUmfrage gelangte zu ähnlichen Ergebnissen. Über
zwei Drittel der Befragten, oder 67 Prozent, antworteten, sie erwarteten, daß sich ihre finanzielle
Situation "sehr" oder "etwas" verbessern würde; nur 14
Prozent gaben an, sie würde schlechter werden.
Große Mehrheiten wiesen die Aussage zurück, "Erfolg
im Leben wird größtenteils durch Kräfte außerhalb
unserer Kontrolle bestimmt." Die meisten bekräftigten
die traditionelle amerikanische Laisser-faire-ldeologie,
88 Prozent stimmten dem Satz zu, "Ich bewundere
Menschen, die durch harte Arbeit reich werden", und
85 stimmten überein, daß "Arme zu abhängig von
staatlichen Hilfsprogrammen geworden sind." Am
ausschlaggebendsten ist jedoch vielleicht, daß 78
Prozent die Ansicht teilten, "Die heutige Stärke dieses
Landes gründet sich vor allem auf den Erfolg amerikanischer Unternehmen."

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�Einkommensgefälle
Solche Meinungen herrschen trotz der offenkundigen
Tatsache vor, daß das Einkommensgefälle zunimmt
und in den Vereinigten Staaten größer ist als in den
meisten europäischen Nationen und Japan. Die
Erklärung dafür könnte in der Betonung der Leistungsgesellschaft und des sozialen Aufstiegs in den Vereinigten Staaten liegen. Und in den Vereinigten
Staaten steigen mehr Menschen in die privilegierteren
Schichten der Gesellschaft auf als in anderen Ländern.
Angesichts dieses Dranges überrascht es nicht, daß
Amerikaner eher geneigt sind, hohe Gagen für "Stars"
in der Unterhaltungsbranche, Sportler und auf dem
Markt im allgemeinen gut zu heißen - also für Erfolgreiche auf allen Ebenen. Vergleichende Forschungsstudien belegen, daß die Amerikaner beträchtliche
Einkommensunterschiede sehr viel leichter hinnehmen
als die Europäer oder die Japaner. Die Unterstützung
des Systems insgesamt wird auch durch eine relativ
geringe Arbeitslosenrate verstärkt - zur Zeit zwischen
fünf und sechs Prozent. Zweifelsohne besteht eine ge-

*

AMERIKA DIENST 14

wisse Unzufriedenheit mit der Wirtschaftslage und der
Einkommensverteilung in den Vereinigten Staaten, die
wiederum andere Gründe für die politische Malaise
verstärkt, aber sie ist entschieden weniger offenkundig
als andernorts.
Offensichtlich ist das amerikanische politische System
- obwohl ihm mißtraut wird und es ineffektiv bei der
Bewältigung größerer sozialer Probleme ist - nicht
wirklich in Gefahr. Die meisten Amerikaner sind nach
wie vor höchst patriotisch und religiös, glauben, daß
sie in der besten Gesellschaft der Welt leben und
denken, daß ihr Land ihnen - trotz seiner Probleme immer noch Chancen und gute Aussichten für wirtschaftliche Sicherheit bietet. Obwohl die Auswirkungen der Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre in den
Vereinigten Staaten gravierender waren als im größten
Teil Europas, ging Amerika daraus mit seinem Parteiensystem, staatlichen Institutionen und intakten
materiellen Werten hervor. Der Staat wird ohne
Zweifel auch die derzeitige Welle der politischen
Malaise überstehen.

* * *

*

Seite 3

�OLYMPIADE
24. Juli 1996

Olympioniken beweisen, was in Freiheit
erreicht werden kann
Radioansprache des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - In einer Rundfunkansprache am 20. Juli 1996 erklärte Präsident Clinton, die Mitglieder
des amerikanischen olympischen Teams "sind lebende Beispiele für das, was mit Frieden und Freiheit, Chancen
und Verantwortung und der Verpflichtung zu einer Gemeinschaft erreicht werden kann, die zusammenwächst
statt auseinanderzubrechen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache im Wortlaut.

In dieser Woche forderte der tragische Flugzeugabsturz der TWA-Maschine das Leben von 230
Menschen. Meine Frau und ich möchten den Familien
und Freunden gemeinsam mit unserer Nation unser
aufrichtiges Beileid übermitteln. Wir tun alles in
unserer Macht Stehende, um die Ursache der Katastrophe zu ermitteln, und wir werden sie herausfinden.

gearbeitet haben, um ihr höchstes Potential zu erreichen und ihre Träume Realität werden zu lassen.
Unsere Sportler werden bis an die Grenzen ihrer
Leistungsfähigkeit gehen. Und dabei werden sie
Menschen aller Altersgruppen inspirieren, aber ich
hoffe, insbesondere junge Menschen werden aus
ihrem Beispiel lernen.

16 der Opfer waren Schüler aus einer kleinen Stadt in
Pennsylvania auf dem Weg nach Paris, um etwas von
der Welt zu sehen und ihr Französisch zu verbessern.
Indem sie aufbrachen, um ihren Horizont zu erweitern
und ihr Wissen zu vertiefen, versuchten diese Schüler,
ihrem von Gott gegebenen Potential zu entsprechen.
Mehr können wir von unseren Kindern nicht erwarten.

Denn sei es im Sport oder im täglichen Leben - man
kann etwas aus dem lernen, was unsere Olympioniken
geleistet haben und wie sie es geleistet haben. Sie
sind Menschen, denen die Chance zum Erfolg geboten
wurde, aber sie haben sie auch voll und ganz genutzt.
Sie haben die persönliche Verantwortung übernommen und die harte Arbeit geleistet. Für einige bedeutete es, vor Tagesanbruch aufzustehen und Laufen oder
Schwimmen zu gehen, oder Übungen auf dem Schwebebalken zu machen. Für andere war es noch härter.

Wir wollen uns daher des Traums erinnern, den diese
Kinder hatten - den Traum, das Beste aus ihrem Leben
zu machen. Und als Nation sollten wir alle jungen
Menschen dazu ermutigen, so zu denken und sicherstellen, daß sie die Chance haben, ihre Träume zu
erfüllen. Unsere Kinder haben viele unterschiedliche
Stärken, Talente und Fähigkeiten, aber jedes Kind
kann etwas leisten, und gemeinsam können sie alle
eine vielversprechendere Zukunft für Amerika herbeiführen.
Wie diese Lektion mit Leben erfüllt wurde, konnten wir
gestern bei der Eröffnung der Jahrhundertspiele in
Atlanta beobachten. In den nächsten beiden Wochen
werden wir die heroischen Anstrengungen junger
Amerikaner beobachten und feiern, die ein Leben lang

AMERIKA DIENST 14

Ich werde nie den Tag vergessen, an dem Carla
McGhee ins Weiße Haus kam, um das olympische
Feuer von dort auf seinem Weg nach Atlanta zu
tragen. Carla wurde bei einem Autounfall schwer
verletzt. Damit schien ihre brillante Karriere als
Basketballstar beendet zu sein. Aber allen Widrigkeiten zum Trotz hatte sie ein Comeback. Und jetzt
spielt sie für unser olympisches Basketballteam der
Frauen. Sie tat etwas, das kein anderer für sie tun
konnte - sie gab nicht auf.
Wir wissen aber auch, daß jeder unserer Olympioniken
nicht nur seine persönliche Leistung erbringt, sondern

Seite 1

�auch Mitglied einer größeren Gemeinschaft ist. Die
Sportler gehören vielen verschiedenen Rassen,
Glaubensrichtungen und Kulturen an, sind jedoch
durch gegenseitigen Respekt und gemeinsame Werte
miteinander verbunden. Denn selbst bei Einzelsportarten gewinnt niemand alleine. Im Hintergrund steht
immer die lebenslange Unterstützung durch Familie
und Freunde, Trainer und Fans, Lehrer und Vorbilder.
Immer wenn die Nationalhymne gespielt und einem
Sportler eine Goldmedaille umgehängt wird, kann man
sicher sein, daß die Gemeinschaft an seinem Triumph
teilhat.
Es geht uns allen besser, wenn wir zusammenarbeiten
und uns gegenseitig helfen, unsere Träume zu verwirklichen, unsere Herausforderungen zu bewältigen
und unsere Werte zu schützen. Diese Spiele erinnern
uns wirklich daran, daß wir trotz aller Unterschiede und
trotz unseres krassen amerikanischen Individualismus'
immer noch eine amerikanische Gemeinschaft sind.
Wir feuern unsere Sportler nicht wegen ihres Geschlechts oder ihrer Hautfarbe an - bisweilen verstehen wir nicht einmal alle Aspekte ihrer Disziplin - wir
feuern sie an, weil sie Amerikaner sind.
Diese Olympischen Spiele zeigen das Gute an Amerika. Und die herausragenden Bestrebungen Atlantas
bei der Veranstaltung der Olympiade zeigen das Gute
an Amerika. Meines Erachtens gibt es noch einige
andere Aspekte bei diesen Spielen, die Amerikas
positive Seiten zeigen. Beispielsweise haben dieses
Jahr 197 Nationen Mannschaften nach Atlanta geschickt, die unter anderem auch aus Regionen
kommen, denen die Vereinigten Staaten bei ihrem
Streben nach Frieden und Freiheit Beistand geleistet
haben. Und sogar dort, wo die Arbeit für Frieden und
Freiheit noch nicht abgeschlossen ist, wurden zumindest genügend Fortschritte erzielt, damit eine
Olympiamannschaft aufgestellt werden konnte.
Gestern traf ich einen jungen Mann aus Kroatien, der
mir für die Arbeit dankte, die wir zum Aufbau dieser

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vom Krieg zerrütteten Region leisten. Und ich mußte
an Minister Ron Brown und die Wirtschaftsvertreter
denken, die ihr Leben opferten, um den Kroaten
Frieden zu bringen. Bosnien hat hier jetzt wieder eine
Mannschaft, was noch vor vier Jahren undenkbar
gewesen wäre. Haiti hat eine Mannschaft, ebenso wie
Südafrika. Ich traf ein Mitglied der irischen Mannschaft, das mir für den Einsatz der Vereinigten Staaten
für den Frieden dankte und mich bat, alles in meiner
Macht Stehende zu unternehmen, um den Frieden
wiederherzustellen. Und ich traf einen Palästinenser,
der zu mir sagte: "Herr Präsident, die Palästinenser
sind ein sehr altes Volk, aber sie hatten noch nie eine
Olympiamannschaft.
Ich danke Ihnen und den
Vereinigten Staaten für Ihren Beitrag zur Schaffung
des Friedens in unserer Region und bitte Sie, diese
Bestrebungen fortzusetzen."
All diese Menschen spiegeln auf ihre eigene Weise
das Gute an Amerika wider. In vielen anderen Ländern gibt es Sportler, die in den Vereinigten Staaten
studierten, an Wettkämpfen teilnahmen und eine gute
Ausbildung erhielten. Wir gaben Ihnen die Chance,
das Beste aus ihrem Leben zu machen, und jetzt
geben sie ihrem Heimatland etwas zurück. Auch sie
spiegeln das Gute an Amerika wider.
Und am wichtigsten sind die Mitglieder unserer
Olympiamannschaft. Wir jubeln ihnen zu, wenn sie
gewinnen, und weinen mit ihnen, wenn sie es nicht tun.
Aber wir sind immer stolz auf sie. Sie sind lebende
Beispiele für das, was mit Frieden und Freiheit,
Chancen und Verantwortung und der Verpflichtung zu
einer Gemeinschaft erreicht werden kann, die zusammenwächst statt auseinanderzubrechen.
Sie werden Amerika auf der Weltbühne von seiner
besten Seite zeigen. Wir sind sehr stolz auf sie und
wünschen ihnen das Allerbeste.
Ich danke Ihnen.

* * * *

AMERIKA DIENST 14

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