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                    <text>Amerikadienst&#13;
&#13;
Herausgeber: U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
&#13;
9. April 1997&#13;
&#13;
07&#13;
&#13;
AUSSENPOLITIK&#13;
&#13;
DIE AMERIKANISCHE FUHRUNGSROLLE&#13;
IM 21. JAHRHUNDERT ZUR GESTALTUNG&#13;
DER ZUKUNFT&#13;
Rede von Außenministerin Madeleine Albright&#13;
EINE AUSSENPOLITISCHE AGENDA FÜR&#13;
DIE ZWEITE CLINTON-ADMINISTRATION&#13;
Rede des Nationalen Sicherheitsberaters&#13;
&#13;
ABRÜSTUNG&#13;
&#13;
CLINTON DRANGT AUF RATIFIZIERUNG&#13;
DER CHEMIEWAFFENKONVENTION&#13;
Ansprache des Präsidenten&#13;
RATIFIZIERUNG DER CHEMIEWAFFENKONVENTION IST OBERSTE PRIORITÄT&#13;
Übersicht des Weißen Hauses&#13;
ABRÜSTUNGSKONFERENZ STREBT&#13;
MULTILATERALES ABRÜSTUNGSABKOMMEN FÜR DIE GANZE WELT AN&#13;
Abschiedsrede von&#13;
Botschafter Stephen Ledogar&#13;
&#13;
PORTRAT&#13;
&#13;
GEORGE J. TENET&#13;
Der designierte CIA-Direktor&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
9. April 1997&#13;
&#13;
Die amerikanische Führungsrolle im 21. Jahrhundert&#13;
zur Gestaltung der Zukunft&#13;
Rede von Außenministerin Madeleine Albright&#13;
&#13;
WINGATE - (AD) - US-Außenministerin Madeleine Albright hielt am 25. März 1997 an der Wingate University&#13;
(North Carolina), der Alma Mater des republikanischen Senators Jesse Helms, im Rahmen der Jesse HelmsVortragsreihe eine Rede, deren vorbereiteten Text wir nachfolgend veröffentlichen.&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender, vielen Dank für Ihre einleitenden&#13;
Worte und Ihre Gastfreundschaft. Ich bin im Ausland&#13;
geboren, wuchs in Denver auf und arbeite in Washington, aber nach dem heutigen Tag fühle ich mich fast&#13;
wie eine Einheimische von Tarheel. Ganz herzlichen&#13;
Dank.&#13;
Dr. McGee, Dr. Provost, Herr Dodd, Herr Baldwin,&#13;
liebe Studentinnen und Studenten, liebe Fakultätsangehörige, verehrte Gäste, es ist mir eine Ehre, im&#13;
Rahmen der Jesse Helms-Vortragsreihe zu Ihnen zu&#13;
sprechen.&#13;
Ich weiß um die Rolle, die Wingate University im Leben&#13;
von Senator Helms gespielt hat, und um den Ruf, den&#13;
diese Universität in einem Bundesstaat erworben hat,&#13;
der mit hochwertigen Bildungseinrichtungen reich&#13;
gesegnet ist.&#13;
Als ehemalige Dozentin liebe ich das akademische&#13;
Umfeld - und alte Gewohnheiten legt man nur schwer&#13;
ab. Bei meinen Anhörungen im Ausschuß von Senator&#13;
Helms erinnert dieser mich immer wieder daran, daß&#13;
nicht jede Frage eine 50 Minuten lange Antwort&#13;
verlangt.&#13;
Trotzdem kommen wir beide gut miteinander aus - was&#13;
manche erstaunt. Sie fragen sich, was uns verbindet.&#13;
Schließlich wurde der Senator im ländlichen North&#13;
Carolina geboren und ich in der Hauptstadt der&#13;
Tschechoslowakei.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Er kann Square Dance tanzen, ich habe den Macarena&#13;
getanzt - und im Gegensatz zu Vizepräsident Gore&#13;
bewege ich mich dabei auch.&#13;
Er ist Republikaner, während ich - bevor ich Diplomatin&#13;
wurde und man alle meine parteipolitischen Instinkte&#13;
chirurgisch entfernte - den Demokraten angehörte.&#13;
Was also haben wir gemeinsam?&#13;
Meines Erachtens ist die Antwort schon auf der ersten&#13;
Seite des von Senator Helms verfaßten Buchs zu&#13;
finden.&#13;
Ich habe "keinen Zweifel", schreibt der Senator darin,&#13;
"daß es das größte Glück eines Menschen ist, im 21.&#13;
Jahrhundert als Amerikaner geboren zu werden".&#13;
Senator Helms und ich sind nicht immer einer Meinung. Aber wir sind beide dankbar für das Privileg, in&#13;
diesem Land zu leben.&#13;
Wir sind uns beide bewußt, daß unsere Fähigkeit, frei&#13;
und ohne Angst über Meinungsverschiedenheiten zu&#13;
reden, nicht als selbstverständlich hingenommen&#13;
werden kann. Millionen sind für dieses Recht gestorben. Und Millionen Menschen wird es immer noch&#13;
verwehrt.&#13;
Wir sind beide der Ansicht, daß der in der amerikanischen Verfassung niedergelegte Gedanke der&#13;
Freiheit des einzelnen auch nach mehr als 200 Jahren&#13;
die mächtigste und positivste Kraft für den Wandel ist.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Und wir sind beide der Meinung, daß wir der Welt nicht&#13;
den Rücken zuwenden dürfen, wenn unsere Freiheiten&#13;
im nächsten amerikanischen Jahrhundert überleben&#13;
sollen.&#13;
&#13;
Werte fördern, auf denen Demokratie und Identität der&#13;
Vereinigten Staaten gründen.&#13;
&#13;
Sie an der Wingate University wissen das ebenfalls.&#13;
Wie Ihre Broschüre sagt, muß man hier über die&#13;
Gegebenheiten auf der Welt Bescheid wissen.&#13;
&#13;
Als Ergebnis der amerikanischen Diplomatie und der&#13;
von Administrationen beider Parteien gezeigten&#13;
militärischen Führung sind unsere Bürger heute&#13;
sicherer als zu jedem anderen Zeitpunkt in der&#13;
Geschichte.&#13;
&#13;
Die Angehörigen der Universität werden zum Reisen&#13;
ermutigt und dabei unterstützt. Das ist ein wichtiger&#13;
Bestandteil ihrer Vorbereitung auf die Zukunft.&#13;
&#13;
Russische Raketen sind nicht länger auf unsere&#13;
Häuser gerichtet, und aus der Ukraine, Belarus und&#13;
Kasachstan wurden die Nuklearwaffen abgezogen.&#13;
&#13;
Wenn die hiesigen Studenten Ihren Abschluß gemacht&#13;
haben, werden Sie auf einem globalen Markt konkurrieren. Ihre Arbeitsplätze hängen vielleicht von der&#13;
Stärke des Handels in Übersee ab. Die Sicherheit&#13;
Ihrer Familien wird davon beeinflußt, ob sie die&#13;
Weiterverbreitung von Nuklearwaffen verhindern und&#13;
die Ausweitung kleiner Kriege zu großen stoppen und&#13;
ob wir den Kampf gegen internationalen Terrorismus,&#13;
Verbrechen, Drogen und Krankheiten gewinnen&#13;
können.&#13;
&#13;
Das Nuklearwaffenprogramm Nordkoreas&#13;
eingefroren und wird eingestellt.&#13;
&#13;
Ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit als Außenministerin besteht darin, die Öffentlichkeit zu informieren, daß Erfolg oder Scheitern der amerikanischen&#13;
Außenpolitik einer der bestimmenden Faktoren in&#13;
ihrem Leben sein wird - wie auch in meinem.&#13;
Und ich schlage vor, daß Sie beim Nachdenken über&#13;
Ihre Zukunft auch überlegen, wie Sie zum Erfolg&#13;
Amerikas beitragen könnten. Für mich gibt es kein&#13;
bedeutenderes oder aufregenderes Ziel und kein&#13;
interessanteres Gebiet als internationale Angelegenheiten.&#13;
Wer weiß, ob nicht vielleicht einer von Ihnen eines&#13;
Tages Außenminister oder Vorsitzender des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten wird.&#13;
Ich hoffe es. Und ich hoffe auch, daß die Welt, die Sie&#13;
dann vorfinden, ebenso gut oder sogar noch besser ist&#13;
als die heutige.&#13;
Vor diesem Hintergrund ist die amerikanische Außenpolitik drei zentralen Zielen verpflichtet.&#13;
Erstens wollen wir weiterhin die Sicherheit unserer&#13;
Bürger gewährleisten, indem wir sie gegen Bedrohungen unserer Sicherheit und der unserer Verbündeten&#13;
und Freunde verteidigen.&#13;
Zweitens wollen wir den Wohlstand unserer Bürger&#13;
erhalten, indem wir eine in ständigem Wachstum&#13;
begriffene Weltwirtschaft schaffen, in der Begabungen&#13;
und Produktivität der Amerikaner belohnt werden.&#13;
Drittens sind wir zur Bewahrung der Freiheit unserer&#13;
Menschen entschlossen, indem wir die Prinzipien und&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
wurde&#13;
&#13;
Saddam Hussein im Irak bleibt in einer strategischen&#13;
Zelle gefangen und kann seine Nachbarn - oder uns nicht mehr bedrohen.&#13;
In Asien gründen wir mit Verbündeten und Freunden&#13;
eine Gemeinschaft der Nationen mit gleichen Interessen und einer gemeinsamen Verpflichtung zum&#13;
Frieden.&#13;
In Europa, wo Amerika in diesem Jahrhundert zwei&#13;
heiße Kriege und einen Kalten Krieg geführt hat,&#13;
machen wir Fortschritte bei der Schaffung eines&#13;
vollständig geeinten, friedlichen und freien Kontinents.&#13;
Und wir arbeiten mit unseren NATO-Verbündeten an&#13;
der Anpassung unseres großartigen Bündnisses an&#13;
neue Missionen sowie an der Aufnahme neuer Mitglieder.&#13;
Diese Bestrebungen sind kein Altruismus unsererseits,&#13;
sondern vielmehr Realismus. Sie sind richtig und klug.&#13;
Wir wissen jedoch, daß Einsatzbereitschaft auch ihren&#13;
Preis hat.&#13;
Es kostet Geld, eine Nukleareinrichtung in Nordkorea&#13;
oder Irak zu inspizieren oder Nuklearmaterial aus der&#13;
ehemaligen Sowjetunion sicher zu zerlegen und zu&#13;
entsorgen. Es kostet Geld, unseren Partnern bei der&#13;
Schaffung von Frieden und Demokratie zu helfen und&#13;
transnationale Verbrechen zu bekämpfen.&#13;
Unter der Clinton-Administration bestehen wir darauf,&#13;
daß andere Länder den ihnen zukommenden Teil der&#13;
Kosten unserer gemeinsamen Unternehmungen tragen. Amerika ist ein Kämpfer, kein Dummkopf.&#13;
Aber ohne Mittel können wir keine Führungsrolle&#13;
übernehmen.&#13;
Ich habe den Ausschußvorsitzenden Helms aufgefordert - ebenso wie ich das jetzt bei Ihnen tue - dem&#13;
Antrag des Präsidenten zur Finanzierung unserer&#13;
Programme für internationale Angelegenheiten&#13;
stattzugeben. Der Betrag für alles - von Hilfe für Israel&#13;
über die Schaffung des Friedens in Bosnien bis zum&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�Kauf von Bleistiften für unsere Botschaft in Tokio entspricht einem Prozent unseres Gesamthaushalts.&#13;
Aber dieses eine Prozent könnte fünfzig Prozent der&#13;
Geschichte unseres Zeitalters bestimmen, und es wird&#13;
das Leben von einhundert Prozent des amerikanischen Volkes bestimmen.&#13;
Eine der ersten und obersten Prioritäten des Präsidenten, die zweifelsohne unser Leben beeinflußt, ist&#13;
der Vertrag über das weltweite Verbot chemischer&#13;
Waffen.&#13;
Dieser als CW-Konvention bezeichnete&#13;
Vertrag tritt am 29. April in Kraft. Unser Ziel ist die&#13;
Ratifizierung des Vertrags vor diesem Zeitpunkt, damit&#13;
Amerika zu den ursprünglichen Vertragsunterzeichnern zählt.&#13;
Chemiewaffen sind unmenschlich. Sie töten auf&#13;
schreckliche und massive Art und sind - wenn sie erst&#13;
einmal stationiert sind - ebenso unkontrollierbar wie&#13;
der Wind. Aus diesem Grund haben wir vor langer Zeit&#13;
beschlossen, unsere Bestände an diesen Waffen zu&#13;
beseitigen. Wir werden sie nicht gegen andere&#13;
einsetzen. Die Chemiewaffenkonvention wird dazu&#13;
beitragen sicherzustellen, daß andere sie nie gegen&#13;
uns einsetzen.&#13;
Die Chemiewaffenkonvention besagt, daß keine Nation&#13;
Chemiewaffen herstellen oder besitzen darf. Sie gibt&#13;
uns starke und effektive Instrumente zur Durchsetzung&#13;
dieser Bestimmung. Dadurch wird es Terroristen oder&#13;
verbrecherischen Staaten erschwert, diese schrecklichen Waffen herzustellen, zu kaufen oder heimlich zu&#13;
besitzen.&#13;
Nicht jeder stimmt dem zu. Es gibt auch aufmerksame&#13;
Kritiker des Vertrags, die ihn als fehlerhaft bezeichnen,&#13;
weil wir nicht von einer frühzeitigen Ratifizierung und&#13;
vollständigen Befolgung durch verbrecherische&#13;
Staaten ausgehen können.&#13;
Das ist ein ernst gemeintes Argument, aber es überzeugt mich nicht. Es ist, als würde man einem Gesetz&#13;
gegen den Drogenhandel seinen Sinn absprechen,&#13;
weil es Drogenhändler gibt. Wir dürfen nicht zulassen,&#13;
daß Verbrecher die Spielregeln vorgeben. Wir und&#13;
andere gesetzestreue Nationen müssen die Normen&#13;
festsetzen, nach denen alle beurteilt werden.&#13;
General Norman Schwarzkopf bemerkte kürzlich,&#13;
wenn der Senat die CW-Konvention ablehne, würden&#13;
die Vereinigten Staaten nicht länger auf derselben&#13;
Seite stehen wie unsere Verbündeten, sondern auf der&#13;
Seite von Ländern wie Libyen und Irak.&#13;
Und das ist noch nicht alles. Wenn wir die Chemiewaffenkonvention nicht bis Ende April ratifizieren, verlieren&#13;
wir das Recht, an der Aufstellung der Regeln mitzuwirken, anhand deren die Konvention umgesetzt&#13;
wird.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Wir würden das Recht verlieren, an der Verwaltung&#13;
und Durchführung von Inspektionen mitzuwirken.&#13;
Und wir würden gravierende wirtschaftliche Verluste&#13;
riskieren.&#13;
Einem von mehr als einem Dutzend Geschäftsführern&#13;
von Unternehmen mit Zweigstellen hier in North&#13;
Carolina unterzeichneten Brief zufolge könnte "der&#13;
Status der chemischen Industrie der Vereinigten&#13;
Staaten als bevorzugter Lieferant der Welt auf dem&#13;
Spiel stehen, wenn der Senat nicht für die CW-Konvention stimmt".&#13;
"Wir riskieren den Verlust von Millionen Dollar an&#13;
Verkäufen in Übersee und setzen Tausende gut&#13;
bezahlter amerikanischer Arbeitsplätze aufs Spiel", so&#13;
die Geschäftsführer.&#13;
Die Ratifizierung der CW-Konvention durch Amerika ist&#13;
richtig und klug. In der Tat trägt die Konvention über&#13;
und über die Worte "made in America". Sie wurde von&#13;
Präsident Reagan befürwortet, unter Präsident Bush&#13;
ausgehandelt und wird von unseren Militärs stark&#13;
unterstützt.&#13;
In den kommenden Wochen werden der Präsident und&#13;
ich versuchen, die Senatoren davon zu überzeugen,&#13;
diesem wichtigen Vertrag rechtzeitig zuzustimmen.&#13;
Ein zweites wesentliches Ziel der amerikanischen&#13;
Außenpolitik ist die Schaffung von amerikanischen&#13;
Arbeitsplätzen. Die Clinton-Administration verzeichnete hier außerordentliche Erfolge. Seit 1993 wurden&#13;
über 200 Handelsabkommen vereinbart, wodurch die&#13;
Exporte in die Höhe schnellten und landesweit schätzungsweise 1,6 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.&#13;
Das ist wichtig für Staaten wie North Carolina, die in&#13;
hohem Maße von Exporten abhängen. Senator Helms&#13;
trug dieser Tatsache Rechnung, als er im vergangenen&#13;
Jahr die Botschafter von sieben südostasiatischen&#13;
Nationen hierhin einlud.&#13;
Er weiß, was auch unsere Geschäftsleute wissen: Der&#13;
Wettbewerb um die Weltmärkte ist hart. Häufig liegen&#13;
unsere Firmen Kopf an Kopf mit ausländischen&#13;
Konkurrenten, die aktiv von ihren Regierungen&#13;
unterstützt werden.&#13;
Unser Ziel ist, daß amerikanische Unternehmen,&#13;
Arbeitnehmer und Landwirte gleiche Chancen beim&#13;
Wettbewerb haben.&#13;
Und wir machen weiterhin&#13;
Fortschritte in diese Richtung.&#13;
Im Dezember letzten Jahres vereinbarten wir ein&#13;
internationales Technologieabkommen, das für viele&#13;
Hightechfirmen in North Carolina neue Märkte öffnen&#13;
wird.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Und Anfang dieses Jahres unterzeichneten wir ein&#13;
globales Telekommunikationsabkommen, das die&#13;
Verkäufe und Investmentchancen für Unternehmen&#13;
aus dieser Region und in ganz Amerika dramatisch&#13;
erhöhen wird.&#13;
Solange ich Außenministerin bin, wird unsere Diplomatie ein globales Wirtschaftssystem anstreben, das&#13;
zunehmend offen und fair ist. Unsere Botschaften&#13;
werden amerikanischen Firmen jegliche Unterstützung&#13;
gewähren. Unsere Unterhändler werden auf Handelsabkommen hinarbeiten, die zur Schaffung neuer&#13;
amerikanischer Arbeitsplätze beitragen. Und ich&#13;
persönlich werde dafür eintreten - wie ich es während&#13;
meiner jüngsten Reise nach Südkorea, Japan und&#13;
China getan habe - daß andere den Vereinigten&#13;
Staaten gestatten müssen, Geschäfte in ihrem Land zu&#13;
machen, wenn sie in unserem Hinterhof verkaufen&#13;
wollen.&#13;
Macht, starke Bündnisse, wirtschaftliche Führung und&#13;
aktive Diplomatie tragen zu unserer Sicherheit und&#13;
unserem Wohlergehen bei. Aber um die Zukunft zu&#13;
gestalten, die wir für unsere Kinder wünschen, müssen&#13;
wir auch getreu den amerikanischen Werten leben.&#13;
Einige meinen, die Vereinigten Staaten seien dumm,&#13;
bei der Durchführung der Außenpolitik moralische&#13;
Grundsätze anzulegen.&#13;
Meines Erachtens kann eine Außenpolitik ohne&#13;
moralische Erwägungen das amerikanische Volk nie&#13;
richtig repräsentieren. Weil wir an unsere Prinzipien&#13;
geglaubt haben, ist die amerikanische Führungsrolle in&#13;
den meisten Teilen der Welt nicht nur notwendig,&#13;
sondern willkommen.&#13;
Deswegen müssen wir internationales Verbrechen&#13;
bekämpfen und die Geschäfte derjenigen für immer&#13;
unterbinden, die mit illegalen Drogen handeln.&#13;
Aus diesem Grund müssen wir uns den Kräften des&#13;
internationalen Terrorismus stellen.&#13;
Aus diesem Grund sollten wir unsere Stimme gegen&#13;
diejenigen erheben, die Menschenrechte verletzen sei es in Bagdad, Burma, Burundi oder Beijing.&#13;
Aus diesem Grund sollten wir unser Wort halten und&#13;
unsere Schulden bei den internationalen Organisationen bezahlen, auf die wir uns bei der Bekämpfung von&#13;
Hunger, der Kontrolle von Epidemien, der Sorge um&#13;
Flüchtlinge und der Gewährleistung des Überlebens&#13;
von Babys und Kindern verlassen.&#13;
Aus diesem Grund sollten wir zu Recht formulierte&#13;
internationale Konventionen über Menschenrechte&#13;
ratifizieren, einschließlich der Konvention über die&#13;
Abschaffung der Diskriminierung der Frau - nahezu&#13;
zwanzig Jahre nach ihrer Unterzeichnung.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Wenn es um die Rechte von mehr als der Hälfte der&#13;
Menschen auf der Welt geht, sollte Amerika den Weg&#13;
weisen. Heute werden Frauen auf der ganzen Welt in&#13;
verabscheuungswürdiger Weise mißbraucht - von&#13;
häuslicher Gewalt über Morde wegen der Mitgift bis zu&#13;
jungen Mädchen, die zur Prostitution gezwungen&#13;
werden. Einige sagen, dies sei alles kulturell bedingt,&#13;
und wir könnten nichts dagegen tun. Ich sage, es ist&#13;
ein Verbrechen, und wir alle haben die Verantwortung,&#13;
das zu beenden.&#13;
Wenn wir unseren amerikanischen Werten getreu&#13;
leben, müssen wir alles in unserer Macht Stehende&#13;
tun, damit die Regierung "des Volkes, durch das Volk&#13;
und für das Volk" weiterhin Fortschritte auf der Welt&#13;
erzielt.&#13;
Eine der wichtigsten Lektionen dieses Jahrhunderts&#13;
lautet, daß Demokratie der Vater des Friedens ist.&#13;
Freie Nationen sind gute Nachbarn. Verglichen mit&#13;
Diktaturen werden sie mit geringerer Wahrscheinlichkeit Akte der Aggression begehen, Terroristen unterstützen, internationales Verbrechen fördern oder&#13;
Flüchtlingsströme verursachen.&#13;
In Haiti handelten die Vereinigten Staaten richtig bei&#13;
der Wiedereinsetzung der demokratisch gewählten&#13;
Führung und klug bei der Beseitigung der Quelle des&#13;
Terrors, die Tausende veranlaßte, an unsere Küsten&#13;
zu fliehen.&#13;
In Kuba handeln die Vereinigten Staaten richtig beim&#13;
Drängen auf demokratischen Wandel und klug bei der&#13;
Zusammenarbeit mit lateinamerikanischen und&#13;
europäischen Politikern, damit von allen Seiten Druck&#13;
ausgeübt wird.&#13;
Heute ist in unserer Hemisphäre nur Kuba ein unfreies&#13;
Land. Und wie Senator Helms des öfteren ausführte,&#13;
hat das kubanische Regime nicht die Zeit auf seiner&#13;
Seite. Wie könnte es auch? Der Kommunismus&#13;
wurde geschaffen, um die Probleme des 19. Jahrhunderts zu lösen - und versagte. Er wurde im 20.&#13;
Jahrhundert prominent und verursachte den Tod oder&#13;
die Inhaftierung von Millionen von Menschen. Heute,&#13;
an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, ist er ein Relikt,&#13;
ein sinkendes Schiff, das bald in den Wellen der&#13;
Geschichte versinkt. Er konnte nicht mit der Idee der&#13;
Freiheit konkurrieren.&#13;
Vor einem halben Jahrhundert erarbeitete eine&#13;
Generation amerikanischer Führungspersönlichkeiten,&#13;
darunter Außenminister George Marshall und Senator&#13;
Arthur Vandenberg, der republikanische Vorsitzende&#13;
des auswärtigen Ausschusses des Senats, einen&#13;
überparteilichen Konsens zur Verteidigung der Freiheit&#13;
gegen die Bedrohungen ihrer Zeit.&#13;
Sie taten dies nicht, weil es gute Politik, sondern weil&#13;
es am besten für Amerika war.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�Sie verstanden, daß wir eher Erfolg haben, wenn die&#13;
Amerikaner Seite an Seite stehen und über Parteigrenzen hinweg handeln.&#13;
Sie wußten, daß unser Engagement größeres Vertrauen hervorbringt, wenn wir zusammen sind. Und&#13;
diejenigen, die zum Widerstand gegen uns versucht&#13;
sind, werden es noch einmal überdenken - oder&#13;
mehrfach überdenken, wenn sie heute Senator Helms&#13;
und mich sehen, wie wir uns gegen sie verbünden.&#13;
Vor allem verstanden unsere Vorgänger, daß die&#13;
Bande, die Amerika verbinden, sehr viel stärker sind&#13;
als Meinungsverschiedenheiten über eine bestimmte&#13;
Politik und sehr viel dauerhafter und weitreichender als&#13;
jede Parteizugehörigkeit.&#13;
Das erinnert mich an eine Geschichte aus der Bibel&#13;
über den Propheten Elias, der, über die Widerspenstigkeit seines Volkes aus der Fassung gebracht, Führung&#13;
von oben suchte. Während Elias in einer Höhle&#13;
kauert, erhebt sich ein starker Wind und spaltet Berge&#13;
und bricht Felsen. Aber Elias findet Gott nicht in dem&#13;
Wind. Nach dem Wind kommt ein Erdbeben, aber Gott&#13;
ist nicht in dem Erdbeben. Dann kommt ein Feuer,&#13;
aber Gott ist nicht in dem Feuer. Nach dem Feuer&#13;
kommt schließlich eine ruhige, kleine Stimme. Und in&#13;
dieser Stimme hört Elias Gott.&#13;
&#13;
Ich glaube, daß diejenigen, die nach dem Geheimnis&#13;
von Amerikas Stärke suchen, sie nicht in unseren&#13;
Raketen finden werden, obwohl unsere Raketen auch&#13;
Berge spalten und Felsen brechen können. Sie&#13;
werden sie nicht in den hohen Gebäuden in der Wall&#13;
Street, den großen Einkaufszentren oder den luxuriösesten Privathäusern finden.&#13;
Ich glaube, sie werden sie statt dessen in der ruhigen,&#13;
kleinen Stimme finden, die uns nicht nur als Amerikanern, sondern als Volk hilft, Recht von Unrecht zu&#13;
unterscheiden, andere so zu beurteilen, wie wir&#13;
beurteilt werden möchten und in der Tiefe unseres&#13;
Herzens an das Geburtsrecht jedes menschlichen&#13;
Wesens zu glauben, frei zu sein.&#13;
Lassen Sie uns alle - Republikaner und Demokraten,&#13;
alt und jung, reich und arm - diese Stimme bewahren.&#13;
Lassen Sie uns auf die Bedrohungen unserer Zeit&#13;
reagieren, indem wir eine Zukunft aufbauen, die sich&#13;
auf das gründet, was richtig und klug ist; eine Zukunft,&#13;
die unsere Menschen verbindet, unsere Freiheit sichert&#13;
und unsere Bürger in den verbleibenden Jahren dieses&#13;
Jahrhunderts und im nächsten schützt.&#13;
Um dieses Ziel zu erreichen, verspreche ich, mein&#13;
Bestes zu tun und bitte um Ihre Hilfe. Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
9. April 1997&#13;
&#13;
Eine außenpolitische Agenda für die&#13;
zweite Clinton-Administration&#13;
Rede des Nationalen Sicherheitsberaters&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Nationale Sicherheitsberater des&#13;
Präsidenten, Samuel R. Berger, am 27. März 1997 vor dem Zentrum für strategische und internationale Studien&#13;
&#13;
in der Bundeshauptstadt Washington hielt.&#13;
&#13;
Vergangenen Monat stellte Präsident Clinton in seinem&#13;
ersten Bericht zur Lage der Nation in seiner zweiten&#13;
Amtszeit das amerikanische Volk vor eine Herausforderung. "Vor fünfzig Jahren", erklärteer, "übernahm&#13;
ein weitblickendes Amerika die Führungsrolle bei der&#13;
Gründung der Institutionen, die zum Sieg im Kalten&#13;
Krieg führten und baute eine wachsende Weltwirtschaft auf... Jetzt stehen wir erneut vor einer Zeit des&#13;
Wandels und der Entscheidungen - und wiederum&#13;
einer Zeit des Weitblicks, um Amerika weitere 50 Jahre&#13;
der Sicherheit und des Wohlstands zu bescheren."&#13;
Um diese Herausforderung zu bewältigen, müssen wir&#13;
zuerst die Natur des uns umgebenden Wandels&#13;
verstehen. Es sind elf Jahre seit Glasnost, acht Jahre&#13;
seit dem Fall der Berliner Mauer, sechs seit der&#13;
Wiedervereinigung Deutschlands und fünf seit dem&#13;
Zerfall der Sowjetunion vergangen. Da sich aber der&#13;
Kalte Krieg in nichts auflöste und nicht mit einer&#13;
Konferenz beendet wurde, und da der Übergang zur&#13;
&#13;
Demokratie in den vor kurzem befreiten Staaten&#13;
Europas zwar revolutionär in seinen Auswirkungen&#13;
war, aber evolutionär von seinem Verlauf her, war der&#13;
außenpolitische Dialog allzu lange in der Rhetorik des&#13;
"Zeitalters nach dem Kalten Krieg" eingefroren.&#13;
Ich bin heute nicht nur hierher gekommen, um das&#13;
"Zeitalter nach dem Kalten Krieg" zu rühmen, sondern&#13;
um es zu begraben. Dieser Satz beschreibt, was&#13;
aufgehört hat, nicht was beginnt; was abgebaut, nicht&#13;
was aufgebaut wurde. Heute, da wir dem Anfang des&#13;
21. Jahrhunderts näher sind als dem Ende des Kalten&#13;
Krieges, beginnen wir ein Zeitalter des Aufbaus auf der&#13;
Grundlage neuer Gegebenheiten, aber dauerhafter&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Werte und Interessen. Die Blöcke und Schranken, die&#13;
50 Jahre lang die Welt teilten, existieren großenteils&#13;
nicht mehr. Jetzt besteht unsere Herausforderung in&#13;
der Schaffung neuer und der Anpassung alter Institutionen und Beziehungen sowie der Stärkung&#13;
unserer Sicherheit und unseres Wohlstands für weitere&#13;
50 Jahre und darüber hinaus.&#13;
Während der letzten 50 Jahre, in denen Eindämmung&#13;
die Richtschnur unserer Außenpolitik war, sahen wir&#13;
auf der Weltkarte nach vorne und hinten verschobene&#13;
Linien, die rote und blaue Gebiete trennten - diejenigen, die unter der brutalen Knute des Kommunismus&#13;
standen und die anderen, wobei die letztgenannten&#13;
von Demokratien bis zu mehr oder weniger autoritären&#13;
Regimen reichten, die durch ihren Antikommunismus&#13;
verbunden waren.&#13;
Da wir ein halbes Jahrhundert unerschütterlich&#13;
blieben, ist diese Richtschnur jetzt veraltet. Das neue&#13;
Zeitalter wird zunehmend von den Kräften der Integration gestaltet. Sie schaffen einzigartige Chancen&#13;
für den Fortschritt. Wir sollten uns jedoch keinen&#13;
Illusionen hingeben: Sie beseitigen nicht alle Gefahren&#13;
und Tyrannen der Welt. Und sie können auch dazu&#13;
beitragen, neue Bedrohungen für die von uns angestrebte Sicherheit, den Frieden und Wohlstand zu&#13;
schaffen.&#13;
Wenn wir die Erde von einem anderen Planeten aus&#13;
beobachten könnten, wäre eines der mächtigsten&#13;
Phänomene, deren wir Zeuge würden, die Auswirkung&#13;
der wirtschaftlichen Integration - die durch eine&#13;
Kommunikations- und technologische Revolution&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�verstärkt wird, die Zeit und Raum verkürzt. Mit einem&#13;
Tastendruck auf dem Computer und einem 50-DollarModem umrunden Ideen und Informationen innerhalb&#13;
einer Nanosekunde die Welt. Händler, Käufer und&#13;
Investoren tauschen stündlich weltweit eine Billion&#13;
Dollar aus.&#13;
Ich werde nie vergessen, wie ich einmal spät in der&#13;
Nacht in meinem Hotelzimmer in Islamabad - eine&#13;
halbe Welt von Amerika entfernt - ankam, CNN&#13;
anschaltete und eine Debatte zwischen George&#13;
Stephanopoulos und Bob Reich darüber sah, wer&#13;
"Primary Colors" geschrieben hat. Männer und Frauen&#13;
guten Glaubens können darüber diskutieren, ob das&#13;
Fortschritt ist. Tatsache ist jedoch, daß dadurch&#13;
unsere Arbeits-, Lebens- und Kommunikationsweise&#13;
verändert wird. Oder betrachten Sie sich die berühmten Bilder des Li auf den chinesischen Wandgemälden.&#13;
Wenn man sich heute ein Foto davon anschaut, sieht&#13;
man, daß die Häuser an diesem Fluß Satellitenschüsseln auf dem Dach haben.&#13;
Die Kräfte der Integration verbreiten auch Werte - und&#13;
die Ideen, die heute in zunehmendem Maße, wenn&#13;
nicht sogar weltweit, angenommen werden, sind die&#13;
zentralen Ideen, die Amerika definieren: Demokratie,&#13;
Freiheit, freies Unternehmertum. Erstmals in der&#13;
Geschichte lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung unter einer Regierung ihrer Wahl. In dieser&#13;
Hemisphäre, wo vor nur drei Jahrzehnten nahezu ein&#13;
Drittel der Länder unter autoritärer Herrschaft stand, ist&#13;
heute mit einer Ausnahme jedes Land eine Demokratie. Von den Philippinen bis Chile, von Südafrika bis&#13;
Estland, von Korea bis Guatemala bauen Menschen,&#13;
die vor weniger als einer Dekade noch unterdrückt&#13;
wurden, ihre eigene Demokratie auf. Wir können&#13;
heute deutlicher als je zuvor sehen, daß Freiheit nicht&#13;
nur ein amerikanisches Geburtsrecht oder ein westliches Ideal ist, sondern das Streben aller Menschen.&#13;
Diese Kräfte der - wirtschaftlichen, technologischen&#13;
und politischen - Integration finden ihren praktischen,&#13;
wenn auch nicht perfekten Ausdruck in den internationalen Regeln, die zu einer Berliner Mauer zwischen&#13;
den Ländern werden: Zwischen denjenigen, die sich&#13;
für einen Beitritt zur Völkergemeinschaft entscheiden,&#13;
und denjenigen, die außerhalb bleiben. Diese Regeln&#13;
- Bündnisse gleichgesinnter Staaten, Rechtsstaatlichkeit, offener Handel und Wettbewerb, umfassende&#13;
Kontrollregime für gefährliche Waffen - sind an sich&#13;
schon wichtig. Aber sie sind auch wichtig, weil sie&#13;
Stein für Stein ein Gebäude der Sicherheit und des&#13;
Wohlstands für alle schaffen, die sich zu ihrer Befolgung entschließen. Und sie definieren die Modalitäten&#13;
der Isolation derjenigen, die außerhalb bleiben.&#13;
Während die Welt immer kleiner wird, werden die&#13;
Kosten für den Ausschluß aus der Völkergemeinschaft&#13;
immer größer.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Wir müssen jedoch auch verstehen, daß die machtvolle Bewegung zur Integration auch ihre Tiefen und&#13;
Gefahren birgt. Wenn man Grenzen so leicht überwinden kann wie eine Linie im Sand, werden die&#13;
Nationen zunehmend den transnationalen Flutwellen&#13;
ausgesetzt - denken Sie nur an die Währungskrise des&#13;
mexikanischen Peso, die nicht nur die Volkswirtschaft&#13;
Mexikos, sondern auch Arbeitsplätze in Amerika und&#13;
die Stabilität von Entwicklungsländern auf der ganzen&#13;
Welt bedrohte.&#13;
Die Kräfte der Integration leisten auch den Gegenkräften des Zerfalls Vorschub: Terroristen, organisiertem Verbrechen, Drogenhändlern, die internationale&#13;
Netze der Korruption und Zerstörung knüpfen. Auch&#13;
sie profitieren vom technologischen Wandel und dem&#13;
freien Fluß von Waren und Informationen. Und sie&#13;
werden häufig von verbrecherischen Staaten wie Iran,&#13;
Irak, Libyen und Sudan unterstützt, die nicht der&#13;
internationalen Staatengemeinschaft angehören - und&#13;
sie destabilisieren wollen.&#13;
Darüber hinaus kann Integration die Ungleichheiten&#13;
zwischen und innerhalb von Ländern verschärfen.&#13;
Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt zwei&#13;
Tagesmärsche von einem Telefon entfernt - buchstäblich von Gegenwart und Zukunft abgeschnitten. In&#13;
vielen Entwicklungs- und Industrieländern wird die&#13;
Kluft zwischen Arm und Reich immer größer, obwohl&#13;
der allgemeine Wohlstand dramatisch angestiegen ist.&#13;
Mit anderen Worten: Integration ist nicht an sich schon&#13;
gut oder schlecht. Sie ist jedoch an sich eine Tatsache&#13;
des modernen Lebens. Und sie wird mit oder ohne .&#13;
uns stattfinden. Die von uns zu beantwortende&#13;
grundlegende Frage lautet: Werden wir unsere&#13;
einzigartige Position nicht nur als mächtigstes Land&#13;
der Welt, sondern als mächtigste Idee der Welt nutzen,&#13;
um weiterhin den Kampf für eine Zukunft mit mehr&#13;
Frieden, Wohlstand und Sicherheit anzuführen - oder&#13;
werden wir zurückgelassen? Wie es Präsident Clinton&#13;
bereits formulierte, ist Untätigkeit der Feind unserer&#13;
Zeit.&#13;
Die von diesem Präsidenten angenommene Herausforderung besteht in der weitestgehenden Ermutigung&#13;
der positiven Kräfte der Integration - und der gleichzeitigen Verhinderung, daß die Kräfte des Zerfalls die&#13;
Zukunft bestimmen.&#13;
Seine Vision wird von sechs entscheidenden strategischen Zielen bestimmt: Arbeit für ein erstmals in der&#13;
Geschichte ungeteiltes, demokratisches, friedliches&#13;
Europa; Aufbau einer starken, stabilen asiatischpazifischen Gemeinschaft; kluge, aber nicht ängstliche&#13;
Förderung unserer Rolle als entscheidende Kraft für&#13;
den Frieden auf der Welt; Errichtung eines Bollwerks&#13;
gegen transnationale Sicherheitsherausforderungen;&#13;
Schaffung von Arbeitsplätzen und Förderung von&#13;
Wachstum durch ein offeneres und konkurrenz-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�fähigeres Handelssystem sowie die Beibehaltung&#13;
eines starken Militärs und einer Diplomatie, die über&#13;
die erforderlichen Finanzmittel zur Erfüllung dieser&#13;
Aufgaben verfügt. Diese ehrgeizigen, aber erreichbaren Ziele stellen die Orientierungspunkte Amerikas&#13;
in der Welt dar. Ich möchte jedes kurz beschreiben.&#13;
Das erste strategische Ziel ist die Arbeit für ein ungeteiltes, friedliches, demokratisches Europa. Zweimal in&#13;
diesem Jahrhundert hat Krieg in Europa die Amerikaner in einen tödlichen Konflikt hineingezogen. Jetzt&#13;
haben wir die Chance, einen dauerhaften europäischen Frieden zu schaffen, indem wir die Teilungen,&#13;
die diesen Kontinent in der Vergangenheit gequält&#13;
haben, durch Bande der Partnerschaft zur Gestaltung&#13;
einer gemeinsamen Zukunft ersetzen.&#13;
Gemeinsam mit unseren Verbündeten verhelfen wir&#13;
den neuen europäischen Demokratien zu mehr Stärke.&#13;
Wir ermutigen ihre Integration in den Westen, entwickeln eine produktive Partnerschaft mit einem demokratischen Rußland und - was besonders wichtig ist passen die NATO an neue Herausforderungen an.&#13;
Amerika hat die Führungsrolle bei der Öffnung der&#13;
Türen des Bündnisses für neue Mitglieder übernommen - anstatt die Verankerung unseres Engagements&#13;
in Europa aufzugeben oder das Bündnis in den&#13;
Gegebenheiten des Kalten Krieges einzufrieren. Die&#13;
NATO kann für den Osten Europas bewirken, was sie&#13;
für den Westen Europas getan hat: Die Stärkung der&#13;
Kräfte des Friedens und der Stabilität.&#13;
Der Prozeß der NATO-Erweiterung wird im Juli dieses&#13;
Jahres in Madrid einen großen Schritt vorwärts&#13;
machen, wenn das Bündnis die ersten potentiellen&#13;
Mitglieder zu Beitrittsgesprächen einläd. Dabei ist es&#13;
mit drei Herausforderungen konfrontiert: Die erste ist&#13;
die Entscheidung darüber, welche Länder aufgenommen werden. Natürlich beginnen wir mit denen, die am&#13;
besten auf die Übernahme der mit einer Mitgliedschaft&#13;
einhergehenden Verpflichtungen vorbereitet sind aber die Tür wird sich nicht hinter ihnen schließen.&#13;
Somit besteht unsere zweite Herausforderung in der&#13;
Stärkung von Sicherheit und Zuversicht der Länder,&#13;
die nicht zu der ersten Gruppe gehören - was durch&#13;
die Ausweitung der Rolle der Partnerschaft für den&#13;
Frieden sowie dadurch geschieht, jedem Partner bei&#13;
der Koordinierung der gemeinsamen Aktivitäten ein&#13;
Mitspracherecht zu geben.&#13;
Die dritte Herausforderung wird am kontroversesten&#13;
diskutiert: Wie können die Narben der Vergangenheit&#13;
Europas abheilen, ohne daß neue Wunden entstehen?&#13;
Manche fürchten, der Prozeß der NATO-Erweiterung&#13;
werde Rußland seines rechtmäßigen Platzes in&#13;
Europa berauben - und die entstehende russische&#13;
Demokratie unterhöhlen. Andere wiederum machen&#13;
sich Sorgen, die Zusammenarbeit mit Rußland würde&#13;
auf Kosten Zentral- und Osteuropas sowie der Fähig-&#13;
&#13;
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&#13;
keit des Bündnisses zur Gestaltung seiner Zukunft&#13;
erfolgen. Zwischen Skylla und Charybdis der NATOErweiterung zu navigieren, ist der entscheidende Test&#13;
für unser Engagement zur Schaffung von Stabilität&#13;
über den Atlantik hinweg.&#13;
Letzte Woche unternahmen die Präsidenten Clinton&#13;
und Jelzin in Helsinki einen bedeutenden Schritt. Sie&#13;
einigten sich, hinsichtlich der Erweiterung keine&#13;
Einigung zu erzielen - Rußland ist dagegen, aber sie&#13;
wird erfolgen. Sie stimmten aber auch darin überein,&#13;
daß die lebenswichtigen Beziehungen zwischen den&#13;
Vereinigten Staaten und Rußland und die Vorteile der&#13;
Zusammenarbeit zwischen ihnen für alle zu bedeutend&#13;
sind, um aufs Spiel gesetzt zu werden.&#13;
Die NATO und Rußland werden so schnell wie möglich&#13;
Fortschritte erzielen, um die Verhandlungen über eine&#13;
Charta für ihre Zusammenarbeit abzuschließen.&#13;
Rußland erhält ein Mitsprache-, aber kein Vetorecht.&#13;
Gleichzeitig machten die beiden Präsidenten wichtige&#13;
Fortschritte bei Rüstungskontrolle und wirtschaftlicher&#13;
Zusammenarbeit. Helsinki war ein Wendepunkt: Dort&#13;
wurde offenkundig, daß unsere gemeinsamen Ziele Aufbau einer sicheren Zukunft für Europa, weitere&#13;
Verringerung der nuklearen Gefahr, Zunahme von&#13;
Handel und Investitionen - schwerer wiegen als unsere&#13;
Meinungsverschiedenheiten.&#13;
Unser zweites strategisches Ziel ist der Aufbau einer&#13;
starken, stabilen, integrierten asiatisch-pazifischen&#13;
Gemeinschaft. Vor wenig mehr als einem Jahrzehnt&#13;
ging die allgemeine Meinung dahin, daß Asien,&#13;
Nordamerika und Europa zu drei rivalisierenden&#13;
Blöcken würden, die ein Kopf-an-Kopf Rennen veranstalten. Präsident Clinton hatte eine andere Vision,&#13;
die auf Amerikas dauerhaftem Platz als einer pazifischen Macht basierte. Kurz nach seiner Amtsübernahme berief er das erste asiatisch-pazifische Gipfeltreffen ein, bei dem sich die Staats- und Regierungschefs von China über Indonesien bis Australien auf ein&#13;
gemeinsames Ziel einigten: Unsere Zukunft nicht nur&#13;
vom asiatischen oder amerikanischen Standpunkt aus&#13;
zu definieren, sondern zunehmend vom asiatischpazifischen.&#13;
Das ist ein evolutionärer Prozeß. Ausweitung des&#13;
offenen Handels. Fortsetzung des amerikanischen&#13;
Sicherheitsengagements in der Region. Die Anerkennung der Tatsache, daß wir in einem Umfeld, in&#13;
dem regionale Rivalitäten immer noch gefährlich sind,&#13;
ein ausgleichendes Moment für Stabilität schaffen, das&#13;
unser aller Wachstum dient.&#13;
Um erfolgreich zu sein, müssen wir drei unmittelbare&#13;
Herausforderungen bewältigen. Erstens müssen wir&#13;
unsere Partnerschaft mit Japan - dem Grundpfeiler des&#13;
amerikanischen Engagements in Asien - vertiefen,&#13;
indem wir unser Sicherheitsbündnis weiter stärken,&#13;
unsere diplomatische Zusammenarbeit verbessern&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�und die Marktöffnungsinitiativen fortführen, die zu einer&#13;
41-prozentigen Erhöhung unserer Exporte seit 1993&#13;
geführt haben.&#13;
Zweitens müssen wir weiterhin eng mit unserem&#13;
Verbündeten Südkorea beim Abbau der Spannungen&#13;
an der letzten Grenze des Kalten Krieges zusammenarbeiten. Wachsamkeit gegenüber den Launen eines&#13;
Nordkorea in Not. Streben nach einem stabileren&#13;
Frieden auf der Halbinsel im Rahmen der Vierparteiengespräche.&#13;
Gewährleistung der Einstellung des&#13;
derzeit eingefrorenen nordkoreanischen Nuklearprogramms.&#13;
Drittens müssen wir unseren strategischen Dialog mit&#13;
China vertiefen. Wir haben großes Interesse daran,&#13;
daß China zu einer stabilen, in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht offeneren, in militärischer Hinsicht&#13;
nichtaggressiven Macht wird - mit anderen Worten zu&#13;
einem Land, das sich auf eine sichere internationale&#13;
Ordnung zubewegt, anstatt sich davon zu entfernen.&#13;
Letztlich entscheidet China selbst über sein Schicksal.&#13;
Aber auf die eine oder andere Weise werden wir ihm&#13;
bei seinen Entscheidungen helfen.&#13;
Unsere Strategie des Engagements in China ist keine&#13;
Belohnung für gutes Verhalten. Sie ist ein Mittel zur&#13;
Ausweitung der Bereiche, in denen wir zur Förderung&#13;
unserer strategischen Interessen zusammenarbeiten&#13;
können - beispielsweise das umfassende Atomtestverbot und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und in denen wir unsere grundlegenden Differenzen&#13;
direkt angehen können - beispielsweise bei Menschenrechten, Marktzugang und bestimmten chinesischen Waffenverkäufen.&#13;
Es gibt keine Garantie, daß es uns durch unser&#13;
Engagement gelingen wird, China in Richtung der&#13;
internationalen Staatengemeinschaft zu bewegen und&#13;
von einem nationalistischeren, egozentrischeren Kurs&#13;
abzuhalten. Aber der Versuch, China zu isolieren oder&#13;
uns von China zu isolieren, wird das Land zweifellos in&#13;
die falsche Richtung drängen und die Stabilität unterminieren, die Amerika, China und die gesamte&#13;
asiatisch-pazifische Region für eine Zukunft in Sicherheit und Wohlstand benötigen.&#13;
Unser drittes strategisches Ziel besteht darin, weder&#13;
vor der unausweichlichen Realität zurückzuschrecken,&#13;
daß Amerika häufig die entscheidende Kraft für den&#13;
Frieden auf der Welt sein kann, noch sich davon in&#13;
den Bann schlagen zu lassen. Die Größe Amerikas&#13;
rührt nicht nur von unserer Größe und Stärke her,&#13;
sondern auch von unserer Vielfalt und der Macht&#13;
unserer Ideale. Wir haben die einzigartige Fähigkeit,&#13;
anderen auf der Welt beizustehen, die ihre Differenzen&#13;
überbrücken wollen - und eine stärkere Grundlage für&#13;
Frieden, Sicherheit und Zusammenarbeit zu schaffen.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Wann, wo und wie wir für den Frieden eintreten&#13;
können - dafür gibt es, wie Außenministerin Albright&#13;
sagte, keine allgemeingültige Antwort. Obwohl wir von&#13;
den Zwängen der Eindämmung befreit sind, haben wir&#13;
eine schwierigere Aufgabe geerbt, insbesondere in&#13;
einer Welt, in der Konflikte sofort auf die Weltbühne&#13;
kommen. Wir müssen in einer Übung kluger Entscheidungsfindung ein Gleichgewicht zwischen Interessen und Risiken, Machbarkeit und Kosten, Klarheit&#13;
der Mission und Unterstützung durch andere finden.&#13;
Wir können nicht überall sein und sollten nicht alles&#13;
tun. Aber wir müssen bereit sein, uns zu engagieren,&#13;
wenn wichtige Interessen und Werte auf dem Spiel&#13;
stehen und wir etwas bewirken können.&#13;
Oftmals ist unser Engagement diplomatischer Natur es bleibt eine unverminderte Kraft für Frieden vom&#13;
Nahen Osten über Nordirland bis Zentralafrika.&#13;
Manchmal muß unsere Diplomatie vorsichtig mit&#13;
Gewalt unterstützt werden. In Bosnien beendeten&#13;
unsere Luftangriffe durch die NATO in Kombination mit&#13;
entschlossener Diplomatie einen Krieg, der die&#13;
Stabilität Europas bedrohte. Jetzt bietet unsere&#13;
fortgesetzte Präsenz im Rahmen der SFOR Bosniens&#13;
zerbrechlichem Frieden eine Chance, Fuß zu fassen.&#13;
In Haiti, wo eine brutale Diktatur Zehntausende zur&#13;
Flucht an unsere Küsten zwang, veranlaßten wir die&#13;
Diktatoren, friedlich zurückzutreten und der Demokratie zu neuem Leben zu verhelfen.&#13;
Es gibt andere Orte, an denen unser Engagement&#13;
wichtiger denn je ist. Ich möchte drei nennen. Südasien bleibt nicht nur ein Brennpunkt für Konflikte,&#13;
sondern auch eine riesige Chance für Zusammenarbeit. Das großartige Ressourcenpotential und die&#13;
strategische Lage des Kaukasus und Zentralasiens&#13;
bewirken, daß wir ein großes Interesse an der Stabilität&#13;
dieser Region und dem Aufbau von Beziehungen mit&#13;
ihr haben. Und es liegt in unserem ureigensten&#13;
Interesse, der Türkei, die an einem strategischen und&#13;
kulturellen Scheideweg steht, zu helfen, im Westen&#13;
verankert und der Demokratie verpflichtet zu bleiben&#13;
sowie seine Differenzen mit unserem griechischen&#13;
Verbündeten friedlich zu lösen.&#13;
Unser viertes strategisches Ziel ist der Umgang mit&#13;
den von mir bereits erwähnten neuen transnationalen&#13;
Sicherheitsbedrohungen - Terroristen, internationale&#13;
Verbrecher, Drogenhändler - und der Widerstand&#13;
gegen die dauerhafte Gefahr verbrecherischer Regime.&#13;
Es gibt Zeiten, in denen wir im Alleingang handeln&#13;
müssen und werden. Damit andere sich uns anschließen, müssen wir manchmal mit gutem Beispiel&#13;
vorangehen. Und es gibt so unerhörtes Verhalten, daß&#13;
wir sogar dann handeln müssen, wenn andere es nicht&#13;
tun würden. Aber unser Kampf gegen diese Kräfte, die&#13;
oftmals nationenübergreifend sind, zwingt uns, die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�Vorteile kollektiver Aktionen zu suchen. Ob es die&#13;
Bedrohung durch Terrorismus oder die Geißel der&#13;
Drogen betrifft - wir müssen unsere Bestrebungen&#13;
intensivieren, ein stärkeres Gefühl für die Dringlichkeit&#13;
der Gefahren und die Bereitschaft zu entwickeln, sie&#13;
durch kollektive Verteidigung abzuwehren.&#13;
Aus diesem Grund arbeiten wir am Aufbau internationaler Koalitionen zur Bewältigung dieser neuen&#13;
Herausforderungen - Rüstungskontrollabkommen über&#13;
das Verbot von Chemiewaffen, stärkere internationale&#13;
Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden im&#13;
Kampf gegen Drogenhändler und verbrecherische&#13;
Kartelle, Austausch nachrichtendienstlicher Informationen zur Ausrottung von Korruption, eine konzertiertere&#13;
Strategie zur Terrorismusbekämpfung.&#13;
Manche&#13;
betrachten Zusammenarbeit bestenfalls als schwer&#13;
erreichbares Ziel, schlimmstenfalls als Zeichen der&#13;
Schwäche. Bei grenzüberschreitenden Bedrohungen&#13;
ist sie eine Quelle der Stärke.&#13;
Amerikas fünftes strategisches Ziel ist der Aufbau&#13;
eines neuen, offenen Handelssystems für das 21.&#13;
Jahrhundert.&#13;
Das wirtschaftliche Wohlergehen&#13;
unserer Nation ist mit dem der übrigen Welt verbunden. Die Arbeitsplätze von elf Millionen Amerikanern&#13;
sind exportabhängig. Wir sollten die Herausforderung&#13;
der Weltwirtschaft nicht fürchten. Unsere Arbeitnehmer und Unternehmen können solange konkurrieren,&#13;
wie der Wettbewerb offen, das Feld konkurrenzfähig&#13;
ist, die Regeln fair sind und eingehalten werden.&#13;
Im Rückblick auf diese Zeit werden Historiker die&#13;
weitreichendsten Veränderungen im Welthandelssystem seit den Tagen von Harry Truman sehen. Wir&#13;
brachten die umfassendste Runde der GATT-Verhandlungen zum Abschluß; wir schlössen ein weitreichendes Handelsabkommen mit unseren beiden Nachbarn;&#13;
wir schafften die Handelshemmnisse in Hochtechnologiebereichen ab, in denen Amerika weltweit führend&#13;
ist; und wir leiteten einen Prozeß für offeneren und&#13;
konkurrenzfähigeren Handel in unserer Hemisphäre&#13;
und der asiatisch-pazifischen Region ein.&#13;
Diese Bestrebungen haben sich für unser Volk&#13;
ausgezahlt. Die Weltwirtschaft ist kein Nullsummenspiel - wir schaffen gute Arbeitsplätze im Inland, indem&#13;
wir neue Märkte im Ausland erschließen. Der Präsident ist zur Fortsetzung dieses Kurses und der&#13;
Gratwanderung zwischen Protektionismus und ungezügeltem freiem Handel entschlossen.&#13;
Protektionismus ist in der heutigen Weltwirtschaft&#13;
einfach keine Option mehr. Der Prozeß der Integration&#13;
wird auch dann nicht beendet, wenn wir ihm den&#13;
Rücken kehren - er geht dann einfach ohne uns weiter.&#13;
Andere in Europa und Asien werden davon profitieren.&#13;
Sich zurückzuziehen würde bedeuten, 95 Prozent der&#13;
Verbraucher auf der Welt den Rücken zuzuwenden&#13;
&#13;
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&#13;
und unser Interesse an den Märkten der Zukunft zu&#13;
verwirken.&#13;
Ebensowenig wie Protektionismus ist ungezügelter&#13;
Freihandel eine Option. Wettbewerb führt zu Erschütterungen - insbesondere unter denjenigen, die&#13;
nicht über genügend Ausbildung und Fähigkeiten&#13;
verfügen, um in der Weltwirtschaft zu konkurrieren.&#13;
Wir dürfen uns nicht von ihnen abwenden - wir sind&#13;
verpflichtet, die abgeschlossenen Übereinkünfte&#13;
durchzusetzen und den Wandel in den Dienst aller mit&#13;
Bildung und Ausbildung zu stellen, damit nicht nur&#13;
einige wenige die Vorteile des Fortschritts genießen,&#13;
während andere die Last tragen.&#13;
Um unsere große Dynamik zu bewahren, benötigen&#13;
wir die Befugnis, kluge, neue Marktöffnungsabkommen&#13;
abzuschließen. Allein in Lateinamerika überstiegen&#13;
1995 unsere Exporte unseren Absatz in Japan und&#13;
Deutschland zusammengenommen. Wir müssen die&#13;
begonnene Arbeit abschließen, in dieser Hemisphäre&#13;
und global Märkte zu öffnen, an diesem Wachstum&#13;
teilzuhaben und uns nicht davon abzuwenden.&#13;
Schließlich können wir uns nicht die Kräfte der Integration zunutze machen, ohne über die zur Erledigung der Arbeit erforderliche Stärke und die Mittel zu&#13;
verfügen - und ohne die Last mit gleichgesinnten&#13;
Nationen zu teilen.&#13;
Wir haben das beste Militär der Welt. Es ist der Stahl,&#13;
der die amerikanische Führungsrolle glaubwürdig&#13;
macht und notfalls unsere Freiheit sichert. Der&#13;
Präsident ist zur Bewahrung unserer Fähigkeit entschlossen, jedes Schlachtfeld zu dominieren. Das ist&#13;
eine unerläßliche Investition in unseren Frieden und&#13;
unsere Sicherheit.&#13;
Das bedeutet auch, unsere Verpflichtung zur umfassenden Finanzierung der amerikanischen Diplomatie&#13;
zu erfüllen. Unser Etat für auswärtige Angelegenheiten für das laufende Haushaltsjahr ist real nur halb so&#13;
groß wie vor einem Jahrzehnt. Das ist schlichtweg&#13;
unklug. Wir müssen die Investitionen zur Förderung&#13;
der amerikanischen Interessen in den kommenden 50&#13;
Jahren ebenso wie in den vergangenen 50 Jahren&#13;
tätigen.&#13;
Der Haushaltsantrag von Präsident Clinton kehrt den&#13;
gefährlichen Abwärtstrend bei der Finanzierung&#13;
internationaler Angelegenheiten um. Unser Antrag ein Prozent des Gesamtetats - ist für alle Steuerzahler&#13;
von Vorteil: Es stärkt unsere Fähigkeit zur Förderung&#13;
des Friedens, Bekämpfung von Drogen, Verfolgung&#13;
von Terroristen, Bekämpfung der nuklearen Weiterverbreitung, Erhöhung von Exporten und Erfüllung&#13;
unserer Verpflichtungen gegenüber der internationalen&#13;
Staatengemeinschaft.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Wir dürfen auch nicht die falsche Entscheidung&#13;
zwischen einem Alleingang oder Untätigkeit treffen. Es&#13;
ist einfach eine Frage des gesunden Menschenverstands, die Kosten und Risiken der Führungsrolle mit&#13;
anderen, wie der Weltbank und den Vereinten Nationen, zu teilen. Jetzt ist es an der Zeit, auf Fortschritt&#13;
zu drängen - schwierige Reformen durchzuführen,&#13;
unsere Rechnungen zu bezahlen, die UNO und die&#13;
multilateralen Entwicklungsbanken wieder auf eine&#13;
solide Finanzgrundlage zu stellen.&#13;
Meine Damen und Herren, wenn heute ein Kind&#13;
geboren wird, wächst es nicht nur in einem neuen&#13;
&#13;
Jahrhundert, sondern in einer neuen Welt auf - in der&#13;
Menschen eher durch Hoffnung als durch Angst geeint&#13;
sein könnten.&#13;
Die außenpolitische Agenda der&#13;
Vereinigten Staaten, die zwar ehrgeizig ist, aber in&#13;
Reichweite liegt, reflektiert das Versprechen dieser&#13;
Zeit - ein nüchternes Bewußtsein für ihre Gefahren und&#13;
die Überzeugung, daß Amerika eine Führungsrolle&#13;
übernehmen muß, wenn wir vom Wandel profitieren&#13;
wollen. Dies ist ein entscheidender Moment. Lassen&#13;
Sie uns das Beste daraus machen - in der Zuversicht,&#13;
daß unsere Sache gut, unser Kurs richtig und die&#13;
Zukunft unser ist.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�ABRÜSTUNG&#13;
9. April 1997&#13;
&#13;
Clinton drängt auf Ratifizierung&#13;
der Chemiewaffenkonvention&#13;
Ansprache des Präsidenten&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Feierstunde auf dem Rasen hinter dem Weißen Haus am 4. April 1997, bei der&#13;
auch zahlreiche ehemalige und derzeitige Regierungsvertreter und Senatoren das Wort ergriffen, forderte&#13;
Präsident Clinton den Senat zur Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention vor ihrem Inkrafttreten am 29. April&#13;
auf. Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.&#13;
&#13;
Vielen Dank, Senator Boren, für Ihre Ansprache und&#13;
Ihre Anwesenheit bei dieser Veranstaltung. Wir haben&#13;
gelacht, bevor wir hierher kamen. Senator Boren und&#13;
ich begannen unsere politische Laufbahn beide 1974,&#13;
aber er fand eine Präsidentschaft, die keine zeitliche&#13;
Begrenzung hat, und dazu kann ich ihm nur gratulieren.&#13;
Herr Vizepräsident, Frau Außenministerin, Herr&#13;
Verteidigungsminister, Minister Baker, Senatorin&#13;
Kassebaum-Baker, General Shalikashvili. Ich möchte&#13;
allen danken, die hier das Wort ergriffen haben. Sie&#13;
haben bereits alles gesagt. Und ich danke allen, die&#13;
heute unter den Zuhörern sind, um Amerika und dem&#13;
Senat eine klare, eindeutige, einstimmige Botschaft zu&#13;
senden.&#13;
Ich danke General Colin Powell und Senator Warren&#13;
Rudman, den früheren Rüstungsunterhändlern Paul&#13;
Nitze, Edward Rowny und Ken Adelman, den zahlreichen Kongreßabgeordneten, die uns unterstützt&#13;
haben, einschließlich der heute anwesenden Senatoren Biden und Levin, den herausragenden Vertretern&#13;
von Militär, Wirtschaft, religiösen Vereinigungen und&#13;
Menschenrechtsgruppen sowie den Wissenschaftlern&#13;
und Rüstungskontrollexperten.&#13;
Minister Baker hat meines Erachtens auf einen sehr&#13;
wichtigen Punkt hingewiesen, den auch andere&#13;
angesprochen haben. Es geht zunächst einmal um die&#13;
Frage, ob wir auf unserem Weg in eine neue Zeit eine&#13;
starke und sichere Führungsrolle Amerikas beibehalten wollen. Wir müssen es tun, und es wird uns nur&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
gelingen, wenn wir die Herausforderung der Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention meistern.&#13;
Am Ende des 20. Jahrhunderts haben wir jetzt die&#13;
Chance, eine sich erweiternde internationale Verpflichtung zum weltweiten Verbot von Giftgas im 21.&#13;
Jahrhundert einzugehen. Es ist im Grunde genommen&#13;
eine einfache Frage, obwohl die Einzelheiten etwas&#13;
komplex sind. Präsidenten und Gesetzgeber beider&#13;
Parteien, Militärs und Rüstungskontrollexperten haben&#13;
sich dieser gemeinsamen Sache verpflichtet, einfach&#13;
weil sie für die Zukunft jedes Amerikaners gut ist.&#13;
Ich habe kürzlich zwei eindrucksvolle Briefe erhalten,&#13;
in denen die Ratifizierung gefordert wurde. Einer&#13;
wurde bereits erwähnt und stammt von Senatorin&#13;
Nancy Kassebaum-Baker, Senator Boren und dem&#13;
ehemaligen Nationalen Sicherheitsberater Brent&#13;
Scowcroft. Den anderen verfaßten die Generäle&#13;
Powell, Jones, Vessey und Schwarzkopf sowie mehr&#13;
als ein Dutzend weiterer Generäle und Admiräle im&#13;
Ruhestand - und alle sagen mit einer Stimme, daß&#13;
Amerika die Chemiewaffenkonvention ratifizieren muß&#13;
und das noch vor ihrem Inkrafttreten am 29. April&#13;
geschehen muß.&#13;
Natürlich ist dieser Vertrag kein Patentrezept. Kein&#13;
Rüstungskontrollvertrag kann absolut perfekt sein und&#13;
keiner kann Wachsamkeit ersetzen. Aber keine Nation&#13;
kann sich im Alleingang vor der Bedrohung durch&#13;
Chemiewaffen schützen. Wenn wir auf eigene Faust&#13;
versuchen würden, diese Bedrohung einzudämmen,&#13;
käme das dem Versuch gleich, den Wind zu stoppen,&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�der das Gift zu seinem Ziel befördert. Wir benötigen&#13;
eine internationale Lösung für ein globales Problem.&#13;
&#13;
die Chemiewaffenkonvention zu isolieren versucht.&#13;
Das dürfen wir nicht zulassen.&#13;
&#13;
Die Konvention enthält klare und überwältigende&#13;
Vorteile für unser Volk. Im Rahmen eines vom Kongreß in den achtziger Jahren erlassenen Gesetzes&#13;
zerstören wir bereits die meisten unserer Chemiewaffen. Die Konvention fordert andere Nationen auf,&#13;
unserem Beispiel zu folgen, ihre Giftgasarsenale zu&#13;
beseitigen und die Entwicklung, Produktion und&#13;
Beschaffung solcher Waffen aufzugeben. Wie Verteidigungsminister Cohen erklärte, können wir durch die&#13;
Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention unsere&#13;
Soldaten vor einem der todbringendsten Kampfstoffe&#13;
des Schlachtfelds schützen. Wir können unseren&#13;
Kindern etwas geben, das unsere Eltern und Großeltern nie hatten - umfassenden Schutz vor der&#13;
Bedrohung eines chemischen Angriffs. Und wir&#13;
können unsere Führungsrolle im Kampf gegen Terrorismus und Weiterverbreitung auf der ganzen Welt&#13;
stärken.&#13;
&#13;
Es ist an der Zeit, diesen Vertrag zu verabschieden,&#13;
wie es 70 andere Nationen bereits getan haben. Seit&#13;
ich dem Senat die CW-Konvention vor dreieinhalb&#13;
Jahren übersandt habe, gab es mehr als ein Dutzend&#13;
Anhörungen, über 1.500 Seiten an Aussagen und&#13;
Berichten. Während der vergangenen drei Monate&#13;
haben wir sehr eng mit dem Senat zusammengearbeitet, damit er noch mehr unternimmt, um die noch&#13;
ausstehenden Fragen zu beantworten und Besorgnisbereiche zu beheben. Ich möchte denjenigen im&#13;
Senat, die mit uns zusammengearbeitet haben, für ihre&#13;
Führungsrolle und ihre Anstrengungen danken.&#13;
&#13;
Wenn der Senat die Konvention nicht vor ihrem&#13;
Inkrafttreten ratifiziert, werden unsere nationale&#13;
Sicherheit&#13;
und unsere wirtschaftliche Sicherheit&#13;
leiden. Wir werden die Instrumente des Vertrags nicht&#13;
gegen verbrecherische Staaten und Terroristen&#13;
einsetzen können. Wir werden nicht die Chance&#13;
haben, zur Umsetzung der Regeln beizutragen, die wir&#13;
mit formuliert haben, und Amerikaner werden nicht als&#13;
internationale Inspektoren tätig werden können etwas, das für diejenigen besonders wichtig ist, die&#13;
Besorgnis über die Inspektionsbestimmungen des&#13;
Vertrags zum Ausdruck gebracht haben.&#13;
Wenn wir nicht zu den Ratifizierern des Abkommens&#13;
gehören, sind es ironischerweise unsere Chemiekonzerne und führenden Exporteure, die sich obligatorischen Handelsrestriktionen ausgesetzt sehen, die sie&#13;
Millionen Dollar an Verkäufen kosten könnten. Bei&#13;
kurzfristigen Aufträgen werden die Vereinigten Staaten&#13;
ihre Position als führende Nation der Welt aufgeben&#13;
müssen und dem Kreis der Pariastaaten beitreten, die&#13;
&#13;
Ich möchte nochmals betonen, daß die Ratifizierung&#13;
der Chemiewaffenkonvention wichtig ist - sowohl&#13;
wegen ihres Inhalts als auch wegen ihres Wortlauts.&#13;
Sie stellt fest, daß die Vereinigten Staaten sich zum&#13;
Schutz unserer Truppen, der Bekämpfung von Terrorismus, der Beendigung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, der Einführung und Durchsetzung&#13;
von Normen des internationalen Verhaltens und zu&#13;
einer Führungsrolle in der Welt bei der Bewältigung der&#13;
Herausforderungen des 21. Jahrhunderts verpflichten.&#13;
Ich fordere den Senat auf, gemäß der besten Tradition&#13;
der Überparteilichkeit und in unserem nationalen&#13;
Interesse zu handeln.&#13;
Ich möchte auch wiederholen, daß meine heutigen&#13;
Worte unbedeutend sind verglichen mit der Präsenz,&#13;
Laufbahn, Erfahrung, Urteilskraft und dem Patriotismus&#13;
der Republikaner und Demokraten sowie der Militärs, •&#13;
die sich hier versammelt haben und die im ganzen&#13;
Land diesen so außerordentlich wichtigen Bestrebungen ihre Unterstützung gewähren. Wir dürfen nicht&#13;
versagen. Es gibt viel zu tun, aber ich gehe heute von&#13;
hier fort in dem Vertrauen, daß wir gemeinsam die&#13;
Arbeit bewältigen können.&#13;
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie. Gott schütze&#13;
Amerika.&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�ABRÜSTUNG&#13;
9. April 1997&#13;
&#13;
Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention&#13;
ist oberste Priorität&#13;
Übersicht des Weißen Hauses&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 4. April 1997 vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht über die Chemiewaffenkonvention.&#13;
&#13;
Die Chemiewaffenkonvention ist ein weltweiter Vertrag,&#13;
der eine ganze Gattung von Massenvernichtungswaffen - Chemiewaffen - verbietet. Die CW-Konvention verbietet Herstellung, Beschaffung, Lagerung,&#13;
Weitergabe und Einsatz chemischer Waffen. Sie tritt&#13;
am 29. April in Kraft - mit oder ohne Beteiligung der&#13;
Vereinigten Staaten. Die Chemiewaffenkonvention&#13;
wird seit langem von Vertretern beider Parteien&#13;
unterstützt, darunter Präsident Bush, General Brent&#13;
Scowcroft, General Colin Powell und Senator Richard&#13;
Lugar.&#13;
Chemiewaffen stellen nicht nur für unser Militär,&#13;
sondern auch für unschuldige Zivilisten eine Bedrohung dar, wie beispielsweise der Giftgasanschlag&#13;
auf die Tokioter U-Bahn letztes Jahr zeigte. Bestimmte&#13;
Aspekte der Chemiewaffenkonvention, einschließlich&#13;
ihrer Anforderungen an Gesetzesvollzug und ihrer&#13;
Nichtverbreitungsbestimmungen, werden bestehende&#13;
Bestrebungen zur Bekämpfung des Terrorismus mit&#13;
Chemiewaffen stärken. Der Präsident erachtet die&#13;
Ratifizierung der CW-Konvention durch den Senat als&#13;
oberste Priorität. Die Chemiewaffenkonvention ist&#13;
ein zentrales Element der amerikanischen Rüstungskontroll- und Nichtverbreitungspolitik, die die nationale&#13;
Sicherheit der Vereinigten Staaten stärken und zur&#13;
globalen Stabilität beitragen wird.&#13;
Präsident Clinton erklärte vergangenen Herbst bei den&#13;
Vereinten Nationen: "Ich bedaure zutiefst, daß der USSenat noch nicht über die Konvention abgestimmt hat,&#13;
möchte Ihnen und den Menschen überall auf der Welt&#13;
aber versichern, daß ich diesen Vertrag nicht sterben&#13;
lassen werde und wir uns den Nationen anschließen&#13;
werden, die zur Verhinderung der Weiterverbreitung&#13;
von Chemiewaffen entschlossen sind."&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Unter der Chemiewaffenkonvention verpflichtet sich&#13;
jede Vertragspartei, niemals und unter keinen Umständen&#13;
Chemiewaffen zu entwickeln, zu produzieren,&#13;
auf andere Weise zu beschaffen, zu lagern, zu&#13;
besitzen oder an irgend jemanden auf direkte&#13;
oder indirekte Weise weiterzugeben,&#13;
Chemiewaffen einzusetzen,&#13;
an militärischen Vorbereitungen für den&#13;
Einsatz von Chemiewaffen teilzunehmen,&#13;
irgend jemanden bei einer Aktivität zu unterstützen, zu ermutigen oder dazu zu veranlassen, die einer Vertragpartei dieser Konvention&#13;
verboten ist.&#13;
Darüber hinaus verpflichtet sich jeder Unterzeichner im&#13;
Einklang mit den Bestimmungen der Konvention,&#13;
die in seinem Besitz oder an irgendeinem Ort&#13;
auf seinem Hoheitsgebiet oder unter seiner&#13;
Kontrolle befindlichen Chemiewaffen zu&#13;
zerstören,&#13;
alle von ihm auf dem Territorium einer anderen Vertragspartei zurückgelassenen Chemiewaffen zu zerlegen und&#13;
alle Einrichtungen zur Herstellung von Chemiewaffen in seinem Besitz oder an irgendeinem Ort auf seinem Hoheitsgebiet oder&#13;
unter seiner Kontrolle zu zerstören.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Derzeit gehen wir davon aus, daß sich 20 Länder im&#13;
Besitz von Chemiewaffen befinden oder diese entwickeln. Diese Waffen sind attraktiv für Länder und&#13;
Einzelpersonen, die nach der Fähigkeit zur Massenvernichtung streben, weil sie relativ billig zu produzieren sind und zu ihrer Herstellung nicht die komplizierte&#13;
technische Infrastruktur benötigen wie Nuklearwaffen.&#13;
Aus diesem Grund ist die Errichtung eines internationalen Bollwerks gegen die Beschaffung und den&#13;
Einsatz dieser Waffen von elementarer Bedeutung.&#13;
Die Chemiewaffenkonvention ist der ehrgeizigste&#13;
Vertrag in der Geschichte der Rüstungskontrolle.&#13;
Während die meisten Rüstungskontrollverträge in der&#13;
Vergangenheit nur Obergrenzen für Waffen vorsahen,&#13;
verlangt die CW-Konvention ihre vollständige Abschaffung. Die Unterzeichner der Konvention müssen&#13;
sämtliche Chemiewaffen und Einrichtungen zu ihrer&#13;
Herstellung zerstören.&#13;
Die CW-Konvention bestraft die Länder, die ihr nicht&#13;
beitreten. Bei ihrem Inkrafttreten wird die Chemiewaffenkonvention eine kleine Anzahl ihr nicht beitretender&#13;
Staaten als internationale Pariastaaten isolieren und&#13;
ihren Zugang zu bestimmten, durch den Vertrag&#13;
kontrollierten Chemikalien verhindern. Da viele dieser&#13;
Chemikalien nicht nur für die Produktion chemischer&#13;
Waffen erforderlich sind, sondern auch für die Industrie&#13;
benötigt werden, bestehen sowohl wirtschaftliche als&#13;
auch politische Anreize, dem Vertrag beizutreten.&#13;
&#13;
Chemikalien herstellen, verarbeiten oder einsetzen,&#13;
damit diese nicht für verbotene Zwecke abgezweigt&#13;
werden.&#13;
Die Bestimmungen der Chemiewaffenkonvention über&#13;
chemische Einrichtungen wurden mit aktiver Beteiligung von Vertretern der Industrie entwickelt. Das&#13;
Verifizierungsregime ist streng genug, um Zuversicht&#13;
zu wecken, daß die Mitgliedstaaten den Vertrag&#13;
befolgen. Es respektiert aber andererseits die legitimen Interessen der Industrie, urheberrechtliche&#13;
Informationen zu schützen und Störungen der Produktion zu vermeiden.&#13;
Bei seiner Anhörung vor dem Senatsausschuß für&#13;
auswärtige Angelegenheiten erklärte Fred Webber, der&#13;
Präsident und Geschäftsführer des Verbands der&#13;
Chemiehersteller: "Wir haben diesen Vertrag eingehend geprüft und getestet. Unseres Erachtens ist die&#13;
CW-Konvention ein gutes Geschäft für die amerikanische Industrie...&#13;
Die Chemiewaffenkonvention&#13;
schützt unsere elementaren Wirtschaftsinteressen. Ich&#13;
weiß das, weil wir beim Entwurf der Berichtformulare&#13;
halfen. Und ich weiß das, weil wir bei der Erarbeitung&#13;
von Inspektionsverfahren Beistand leisteten, die&#13;
Handelsgeheimnisse schützen und gleichzeitig&#13;
garantieren, daß keine Chemiewaffen hergestellt&#13;
werden... Die Chemiewaffenkonvention ist ökonomisch sinnvoll und politisch klug... Wir haben eine&#13;
einfache Bitte: Verabschieden Sie die Chemiewaffenkonvention."&#13;
&#13;
Die CW-Konvention und die Industrie&#13;
Die CW-Konvention und das Militär&#13;
Der größte Exportsektor der Vereinigten Staaten ist die&#13;
chemische Industrie, deren Exporte sich auf 60&#13;
Milliarden Dollar belaufen. Wenn die Vereinigten&#13;
Staaten der CW-Konvention nicht beitreten, werden&#13;
ihre engsten Verbündeten und Handelspartner sich&#13;
gezwungen sehen, Handelsbeschränkungen gegen&#13;
aus den Vereinigten Staaten stammende oder dorthin&#13;
zu liefernde Chemikalien zu verhängen. Amerikanischen Unternehmen könnte Absatz in Millionenhöhe&#13;
entgehen und viele amerikanische Arbeitsplätze&#13;
könnten verloren gehen, weil die Vereinigten Staaten&#13;
dem Vertrag nicht beigetreten sind.&#13;
Die CW-Konvention ist der erste Rüstungskontrollvertrag, der große Auswirkungen auf den Privatsektor hat.&#13;
Obwohl die Vereinigten Staaten keine Chemiewaffen&#13;
herstellen, produzieren, verarbeiten und verwenden&#13;
sie eine Reihe von Chemikalien, die zur Herstellung&#13;
von Chemiewaffen eingesetzt werden können.&#13;
Beispielsweise kann ein in Kugelschreiberminen&#13;
verwendetes Lösungsmittel leicht in Senfgas umgewandelt werden, und eine für die Produktion von&#13;
feuerhemmenden Stoffen und Pestiziden verwendete&#13;
Chemikalie kann für die Herstellung von Nervenkampfstoffen genutzt werden. Aus diesem Grund muß jeder&#13;
Vertrag über das Verbot chemischer Waffen die&#13;
Industrieeinrichtungen überwachen, die Mehrzweck-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Die Chemiewaffenkonvention gestattet den Vertragsparteien ausdrücklich die Beibehaltung von Programmen zur Verteidigung gegen Chemiewaffen und&#13;
beschränkt die nichtchemischen militärischen Antworten nicht auf einen Angriff mit Chemiewaffen.&#13;
General John Shalikashvili, der Vorsitzende der&#13;
Vereinigten Stabschefs, erklärte in einer Anhörung vor&#13;
dem Senat: "Die Operation Wüstensturm hat bewiesen, daß für die Abschreckung vom Einsatz chemischer Waffen keine Vergeltung mit gleichen Mitteln&#13;
erforderlich ist." Er erklärte, "die Fähigkeit des amerikanischen Militärs zur Abschreckung von Chemiewaffen in der Welt nach der Verabschiedung der CWKonvention beruht sowohl auf einer starken Verteidigungsfähigkeit gegen Chemiewaffen als auch auf der&#13;
Fähigkeit, schnell eine überlegene und überwältigende&#13;
Militärmacht als Vergeltung für einen Angriff mit&#13;
Chemiewaffen einzusetzen."&#13;
Wie Verteidigungsminister Cheney während des Golfkriegs erklärte und&#13;
Verteidigungsminister Perry wiederholte, wäre die&#13;
amerikanische Antwort auf einen Angriff mit Chemiewaffen "absolut überwältigend" und "vernichtend".&#13;
In seiner Anhörung vor dem Senatsausschuß für&#13;
auswärtige Angelegenheiten erklärte Generalleutnant&#13;
Wesley Clark im Namen der Vereinigten Stabschefs im&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�März: "Aus militärischer Sicht liegt die Chemiewaffenkonvention zweifellos in unserem nationalen Interesse... Die Nichtverbreitungsaspekte der Konvention&#13;
werden die Ausbreitung von Chemiewaffen aufhalten&#13;
und dadurch die Wahrscheinlichkeit verringern, daß&#13;
amerikanische Streitkräfte in einem regionalen Konflikt&#13;
mit Chemiewaffen konfrontiert werden. Obwohl wir auf&#13;
die Fähigkeit verzichten, Vergeltung mit gleichen&#13;
Mitteln zu üben, behält sich das amerikanische Militär&#13;
die nötigen Mittel vor, von einem Chemiewaffenangriff&#13;
abzuschrecken und sich dagegen zu verteidigen... Ich&#13;
unterstütze diese Konvention entschieden und fordere&#13;
Sie mit allem Respekt auf, die Zustimmung zu ihrer&#13;
Ratifizierung zu geben."&#13;
Notwendigkeit der Ratifizierung durch die USA&#13;
Unabhängig von der Chemiewaffenkonvention zerstören die Vereinigten Staaten bereits ihre Chemiewaffen im Einklang mit einem vom Kongreß vor mehr als&#13;
einem Jahrzehnt verabschiedeten Gesetz, das die&#13;
Zerstörung des Großteils der amerikanischen Chemiewaffenarsenale vorsieht. Dieser Prozeß ist im Gange&#13;
und wahrscheinlich bis Ende des Jahres 2004 abgeschlossen. Die CW-Konvention würde von allen&#13;
anderen im Besitz von Chemiewaffen befindlichen&#13;
Vertragsparteien die Zerstörung ihrer Arsenale bis&#13;
April 2007 verlangen.&#13;
Wenn der Senat nicht vor Inkrafttreten der Konvention&#13;
im Frühjahr handelt, hat das negative Auswirkungen&#13;
auf die nationale Sicherheit und die Wirtschaftsinteressen der Vereinigten Staaten. Die Vereinigten&#13;
Staaten würden dann nicht dem Exekutivrat zur&#13;
Überwachung der Umsetzung der CW-Konvention&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
angehören, und amerikanische Staatsbürger dürften&#13;
nicht als internationale Inspektoren oder in anderen&#13;
Schlüsselpositionen im Zusammenhang mit der&#13;
Verifizierung des Vertrags tätig werden. In wirtschaftlicher Hinsicht wäre die amerikanische Chemieindustrie mit ihren mehr als 60 Milliarden Dollar an&#13;
Exporten dem möglichen Verlust von Millionen Dollar&#13;
an Verkäufen und zahlreichen Arbeitsplätzen ausgesetzt.&#13;
Die CW-Konvention stellt rechtlich bindende internationale Normen auf, die Erwerb, Besitz und Einsatz von&#13;
Chemiewaffen verbieten. Die Konvention verlangt&#13;
nicht nur von den Vertragsparteien die Zerstörung ihrer&#13;
Chemiewaffenarsenale, sondern verbietet ihnen auch&#13;
die Weitergabe chemischer Waffen an Drittländer oder&#13;
die Unterstützung bei verbotenen Aktivitäten. In&#13;
Kombination mit Beschränkungen des Handels mit von&#13;
der CW-Konvention kontrollierten Chemikalien mit&#13;
NichtVertragsparteien werden diese Bestimmungen die&#13;
Kosten und Schwierigkeiten der Beschaffung von&#13;
Chemiewaffen für die Staaten erhöhen, die der&#13;
Konvention nicht angehören.&#13;
Die universelle Befolgung des Vertrags und die&#13;
vollständige Vernichtung von Chemiewaffen werden&#13;
nicht sofort erreicht. Die Konvention wird jedoch die&#13;
Verbreitung chemischer Waffen durch die Isolierung&#13;
einer kleinen Zahl verbrecherischer Staaten, die den&#13;
Beitritt zum Regime verweigern, verlangsamen und&#13;
sogar umkehren, indem sie deren Zugang zu chemischen Grundstoffen beschränkt und internationalen&#13;
politischen und wirtschaftlichen Druck ausübt, wenn&#13;
diese Staaten ihr Chemiewaffenprogramm fortsetzen.&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�ABRÜSTUNG&#13;
9. April 1997&#13;
&#13;
Abrüstungskonferenz strebt multilaterales&#13;
Abrüstungsabkommen für die ganze Welt an&#13;
Abschiedsrede von Botschafter Stephen Ledogar&#13;
&#13;
GENF - (AD) - Der Vertreter der Vereinigten Staaten bei der Genfer Abrüstungskonferenz (CD), Botschafter&#13;
Stephen Ledogar, äußerte in seiner Abschiedsrede am 20. März 1997 in Genf, die Chemiewaffenkonvention und&#13;
der Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot (CTBT) "stehen für das, was dieses Gremium leisten kann,&#13;
wenn seine Mitglieder es wünschen".&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Botschafter Ledogar.&#13;
&#13;
Herr Präsident,&#13;
heute ergreife ich zum letzten Mal das Wort. Es ist&#13;
sowohl ein glücklicher Zufall als auch eine Ironie des&#13;
Schicksals, daß ich dies unter Ihrer Präsidentschaft&#13;
tue, da die Vereinigten Staaten und Rußland so viele&#13;
Jahre im Mittelpunkt der Gespräche in dieser Kammer&#13;
gestanden haben. Wenn ich also nur die üblichen&#13;
Platitüden von mir geben und sagen würde, wie sehr&#13;
ich mich freue, daß Sie den Vorsitz führen, würde das&#13;
diesen merkwürdigen Zufall nur bagatellisieren.&#13;
Ich war über sieben Jahre in Genf tätig und hatte das&#13;
Glück, an einigen der wichtigsten und dauerhaftesten&#13;
Unternehmungen der CD beteiligt gewesen zu sein.&#13;
Die Chemiewaffenkonvention und der Vertrag über ein&#13;
umfassendes Atomtestverbot stehen für das, was&#13;
dieses Gremium leisten kann, wenn seine Mitglieder&#13;
es wünschen. Der erfolgreiche Abschluß dieser&#13;
Verträge ist in der Tat die Ratifizierung der Bedeutung&#13;
des multilateralen Verhandlungsprozesses, selbst&#13;
wenn die universelle Ratifizierung dieser Verträge sehr&#13;
problematisch sein mag. Und wir müssen uns vor&#13;
Augen führen, daß dieser Prozeß alles ist, was wir bei&#13;
den globalen Bestrebungen zur Verringerung des&#13;
Rüstungsniveaus auf der Welt und zur Stabilisierung&#13;
ihrer Auswirkungen haben.&#13;
Mein Gefühl des Stolzes auf diese Leistungen wird&#13;
jedoch durch die wachsende Frustration über das&#13;
getrübt, was ich nur als zum Scheitern verurteilte&#13;
Versuche bezeichnen kann, die Nuklearmächte zu&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
zwingen, in diesem Forum die Elemente eines Abrüstungsprozesses auszuhandeln, den sie andernorts&#13;
durchführen. Die unnachgiebigen Gegner des Abrüstungsprozesses haben auf absehbare Zeit die&#13;
gesamte Arbeit dieses Gremiums blockiert - sogar die&#13;
Arbeit, die im Interesse der Mitglieder dieses Gremiums liegt. Ihre Bestrebungen bewirken genau das&#13;
Gegenteil und wirken sich zum Nachteil der gesamten&#13;
internationalen Staatengemeinschaft aus. Die CD soll&#13;
ein reines Verhandlungsgremium sein - sie ist jedoch&#13;
nicht immun gegen die Gesetze der Politik. Und Politik&#13;
ist - wie wir alle wissen - die Kunst des Möglichen.&#13;
Wenn ich jetzt von Ihnen Abschied nehme, kann ich&#13;
nur hoffen, daß erneut ein Sinn für Realität in der CD&#13;
vorherrscht und die Mitglieder dieses Gremiums es&#13;
nicht zulassen, daß es durch unrealistische und&#13;
unpolitische Forderungen gelähmt wird. Die realen&#13;
Abrüstungserfordernisse der Weltgemeinschaft sind&#13;
einfach zu überwältigend und dringend. Die CD sollte&#13;
tun, was sie kann und helfen, wo sie kann. Sie sollte&#13;
versuchen, die Bedeutung wiederzuerlangen, die sie in&#13;
der Vergangenheit hatte. Sie sollte nicht versuchen,&#13;
auf dem Unmöglichen zu bestehen.&#13;
Die nukleare Abrüstung geschieht jetzt. In der Zukunft&#13;
wird sie noch öfter und sogar noch schneller vollzogen.&#13;
Daß die CD in absehbarer Zukunft nicht die führende&#13;
Rolle in diesem Prozeß übernehmen kann, lenkt weder&#13;
von der Bedeutung der Mission der CD ab, multilaterale Rüstungskontrollabkommen für die ganze Welt&#13;
anzustreben, noch von ihrem Status als einziges&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�globales Verhandlungsgremium für Rüstungskontrolle&#13;
der Welt.&#13;
Herr Präsident, in den etwas mehr als sieben Jahren&#13;
meiner Tätigkeit hier hatte ich die Ehre, mit einigen der&#13;
klügsten und kompetentesten Diplomaten der Welt&#13;
zusammenzukommen. Mit einigen war ich nicht einer&#13;
Meinung. In der Tat bewirkten meine Anweisungen zu&#13;
dem einen oder anderen Zeitpunkt, daß ich mit vielen&#13;
von Ihnen Meinungsverschiedenheiten hatte. Auch&#13;
mein Stil paßt vielen nicht - eine Tatsache, die ich mit&#13;
einer ambivalenten Mischung aus Stolz und Bedauern&#13;
zur Kenntnis nehme. Ich mußte gelegentlich rasche&#13;
Entscheidungen treffen, und habe einige Blessuren&#13;
davongetragen. Aber ich kann ehrlich sagen, daß&#13;
diese Versammlung stets professionell und höflich war,&#13;
und gemeinsam haben wir sehr viel Dauerhaftes&#13;
geschaffen.&#13;
&#13;
Mit bleibt nur, Ihnen - meinen Kollegen und Ihren&#13;
Mitarbeitern - für die Ernsthaftigkeit und Professionalität zu danken, die sie mir und meiner Delegation über&#13;
die Jahre hinweg entgegengebracht haben. Ich danke&#13;
auch den Dolmetschern, allen, die zum Gelingen der&#13;
Konferenz beigetragen haben, und den Mitgliedern des&#13;
internationalen Sekretariats für ihre Unterstützung und&#13;
die Aufmerksamkeit, die sie der CD im allgemeinen&#13;
und meiner Delegation im besonderen gewidmet&#13;
haben. Das Engagement, das die internationale&#13;
Staatengemeinschaft für die Aufgabe der multilateralen&#13;
Abrüstung aufbringt, manifestiert sich in der Professionalität aller, die mit oder in diesem Gremium arbeiten.&#13;
Es spricht für die CD und gibt mir die Hoffnung, daß sie&#13;
überdauern und prosperieren wird.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�PORTRAT&#13;
9. April 1997&#13;
&#13;
George J. Tenet&#13;
Der designierte CIA-Direktor&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Am 19. März 1997 nominierte Präsident Clinton George J. Tenet für das Amt des CIADirektors, nachdem Anthony Lake seine Kandidatur zurückgezogen hatte. Nachfolgend veröffentlichen wir das&#13;
vom Weißen Haus herausgegebene Porträt von George J. Tenet, der derzeit amtierender Direktor des&#13;
amerikanischen Nachrichtendienstes CIA ist.&#13;
&#13;
George J. Tenet wurde am 3. Juli 1995 als Stellvertretender Direktor des amerikanischen Nachrichtendienstes CIA vereidigt. Als Hauptstellvertreter des&#13;
CIA-Direktors umfaßt sein Aufgabenbereich die&#13;
Nachrichtendienste sowie die Leitung des CIA.&#13;
Zuvor war Tenet Sonderberater des Präsidenten und&#13;
ranghöchster Direktor für nachrichtendienstliche&#13;
Programme im Nationalen Sicherheitsrat. In dieser&#13;
Position war er der wichtigste nachrichtendienstliche&#13;
Ratgeber des Nationalen Sicherheitsberaters Anthony&#13;
Lake.&#13;
Er koordinierte die Präsidialerlässe über&#13;
nachrichtendienstliche Prioritäten, sicherheitspolitische&#13;
Zusammenarbeit, die Effektivität amerikanischer&#13;
Spionageabwehr sowie über die amerikanische Politik&#13;
zu weltraumgesteuerten Sensoren. Ferner war er&#13;
Koordinator aller behördenübergreifenden Geheimaktionen.&#13;
Vor seiner Tätigkeit im Nationalen Sicherheitsrat&#13;
gehörte Tenet dem Übergangsteam Präsident Clintons&#13;
für nationale Sicherheit an. In dieser Funktion war er&#13;
für die Beurteilung der amerikanischen Nachrichtendienste zuständig. Ferner war er mehr als vier Jahre&#13;
lang Stabsleiter des nachrichtendienstlichen Sonderausschusses des Senats unter dem Vorsitz von&#13;
Senator David C. Boren mit einem Stab von 40&#13;
Mitarbeitern aus beiden Parteien. Er war verantwortlich für die Abstimmung der gesamten Kontrolltätigkeit und gesetzgeberischen Aktivitäten des&#13;
Ausschusses, einschließlich erhöhter Anforderungen&#13;
an die Berichterstattung über Geheimaktionen, der&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Einsetzung eines ordentlichen CIA-Generalinspekteurs&#13;
und der Einführung umfassender Gesetze zur Neustrukturierung der amerikanischen Nachrichtendienste.&#13;
Vor seiner Arbeit in diesem Ausschuß gehörte George&#13;
Tenet als Beauftragter des Vizevorsitzenden Senator&#13;
Patrick Leahy bis August 1985 dem Stab von Senator&#13;
John Heinz an. Diese Funktion hatte er bis 1986 inne.&#13;
Von 1986 bis zu seiner Ernennung zum Stabsleiter war&#13;
Tenet für die Überwachung aller Rüstungskontrollverhandlungen zwischen der Sowjetunion und den&#13;
Vereinigten Staaten durch den Ausschuß zuständig.&#13;
Diese Arbeit gipfelte in der Vorbereitung eines Berichts&#13;
an den Senat über die Fähigkeit der amerikanischen&#13;
Nachrichtendienste zur Überwachung des INF-Vertrags.&#13;
Tenet arbeitete drei Jahre lang für den verstorbenen&#13;
Senator John Heinz aus Pennsylvania - sowohl als&#13;
Gesetzesberater für nationale Sicherheit und Energiefragen als auch als gesetzgebender Direktor.&#13;
1976 erwarb Tenet an der Fakultät für den auswärtigen&#13;
Dienst der Georgetown University den Bachelor of&#13;
Science und 1978 an der Fakultät für internationale&#13;
Angelegenheiten der Columbia University einen&#13;
Master of International Affairs.&#13;
Tenet ist gebürtiger New Yorker. Er ist mit A. Stephanie Glakas-Tenet verheiratet und wohnt in Potomac&#13;
(Maryland). Sie haben einen Sohn, John Michael.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Führungsrolle im 21. Jahrhundert zur Gestaltung der Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenministerin Madeleine Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine außenpolitische Agenda für die zweite Clinton-Administration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Nationalen Sicherheitsberaters&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton drängt auf Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention ist oberste Priorität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abrüstungskonferenz strebt multilaterales Abrüstungsabkommen für die ganze Welt an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abschiedsrede von Botschafter Stephen Ledogar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Porträt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;George J. Tenet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;der designierte CIA-Direktor&lt;/em&gt;</text>
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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Priors» ^

Z12462 C

06

26. März 1997
y

USA-RUSSLAND

ZIEL IST EIN STABILES, DEMOKRATISCHES,
GEEINTES EUROPA
Gemeinsame amerikanisch-russische Erklärung

FRAUEN

FÖRDERUNG DES STATUS DER FRAU IST
BESTANDTEIL DER AMERIKANISCHEN
AUSSENPOLITIK
Reden der Außenministerin und der First Lady

USA-EUROPA

DIE BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN
VEREINIGTEN STAATEN UND EUROPA
Rede von Wirtschaftsminister Daley

USA-DEUTSCHLAND

AKTUELLE THEMEN DER EUROATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN
Rede von J.D. Bindenagel
KULTURBRUCH MIT AMERIKA - NEIN DANKE!
Rede von J.D. Bindenagel

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�USA-RUSSLAND
26. März 1997

Ziel ist ein stabiles, demokratisches, geeintes Europa
Gemeinsame amerikanisch-russische Erklärung

HELSINKI - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die beim Gipfel von Helsinki am 21. März 1997 verabschiedete
gemeinsame amerikanisch-russische Erklärung zur europäischen Sicherheit.

Die Präsidenten Clinton und Jelzin erörterten die
derzeitige Sicherheitslage im euroatlantischen Raum.
Sie bekräftigten ihr Engagement für das gemeinsame
Ziel, ein stabiles, sicheres, integriertes und ungeteiltes
demokratisches Europa aufzubauen. Die Rolle der
Vereinigten Staaten und Rußlands als Mächte mit
weltweiten Pflichten stellt an diese Länder die besondere Anforderung, zur Erlangung dieses Ziels eng
zusammenzuarbeiten. Die Präsidenten bekräftigten,
daß diese Zusammenarbeit im Geist von Offenheit und
Pragmatismus stattfinden wird, der in den letzten
Jahren charakteristisch für die amerikanisch-russischen Beziehungen gewesen ist.
In Erinnerung an die gemeinsame Erklärung zur
europäischen Sicherheit vom Mai 1995 stellten die
Präsidenten fest, daß ein dauerhafter Friede in Europa
auf der Integration des gesamten Kontinents in eine
Reihe sich gegenseitig unterstützender Institutionen
und Beziehungen gründen sollte, die gewährleisten,
daß es keine erneute Teilung oder Konfrontation
geben wird. Keine Institution kann die Sicherheit
alleine gewährleisten. Die Präsidenten stimmten
überein, daß die Entwicklung von Sicherheitsstrukturen
auf eine Art und Weise stattfinden sollte, die keinen
Staat bedroht und das Ziel des Aufbaus eines stabileren und integrierten Europas fördert. Diese Evolution
soll auf einer umfassenden Verpflichtung zu den
Grundsätzen der Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (OSZE) basieren, wie sie
in der Schlußakte von Helsinki, dem Verhaltenskodex
von Budapest und anderen OSZE-Dokumenten
niedergelegt sind, einschließlich der Respektierung
von Menschenrechten, Demokratie und politischem
Pluralismus, der Souveränität und territorialen Integrität
aller Staaten sowie ihres natürlichen Rechts auf die

AMERIKA DIENST 06

Auswahl der Mittel zur Gewährleistung ihrer eigenen
Sicherheit.
Die Präsidenten sind überzeugt, daß die Stärkung der
OSZE, deren Potential noch voll entfaltet werden muß,
den Interessen der Vereinigten Staaten und Rußlands
dient. Die Präsidenten verliehen ihrer Zufriedenheit
über das Ergebnis des OSZE-Gipfels von Lissabon
Ausdruck und waren sich über die Bedeutung der
Umsetzung der dort getroffenen Entscheidungen einig,
die Ziele der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit
genauer zu definieren und weiter nach innovativen
Methoden für die Erfüllung der wachsenden Zahl von
der OSZE übernommener Aufgaben zu suchen.
Sie unterstrichen ihr Engagement für die Förderung
der operativen Fähigkeiten der OSZE als einzigem
Rahmen für die europäische Sicherheitszusammenarbeit, der die umfassende und gleichberechtigte
Beteiligung aller Staaten vorsieht. Die Konsensregelung soll die unantastbare Grundlage für den
Entscheidungsfindungsprozeß der OSZE sein. Die
Präsidenten bekräftigten ihr Engagement für die
Zusammenarbeit bei den laufenden Bestrebungen der
OSZE zur Entwicklung eines Sicherheitsmodells für
Europa, das der drastisch veränderten Situation am
Vorabend des 21. Jahrhunderts und den auf dem
Gipfel von Lissabon getroffenen Entscheidungen über
eine Charta zur europäischen Sicherheit Rechnung
trägt. Die wesentliche Rolle der OSZE in Bosnien und
Herzegowina und ihre Fähigkeit zur Entwicklung neuer
Formen der Friedenssicherung und Konfliktverhütung
sollten ebenfalls aktiv weiterentwickelt werden.
Bei ihren Gesprächen in Helsinki richteten die beiden
Präsidenten ihr besonderes Augenmerk auf die Frage
der Beziehungen zwischen der NATO und der Russi-

Seite 1

�sehen Föderation. Uneinig waren sie sich weiterhin
über die Frage der NATO-Erweiterung. Um die
möglichen Auswirkungen dieser Meinungsverschiedenheiten gering zu halten, einigten sich die Präsidenten, auf bilateraler Ebene und gemeinsam mit
anderen Ländern ein Dokument auszuarbeiten, das
die Zusammenarbeit zwischen der NATO und Rußland
als wichtiges Element eines neuen umfassenden
europäischen Sicherheitssystems festlegt. Das von
den Staatschefs der NATO-Mitgliedstaaten und
Rußlands unterzeichnete Papier würde eine dauerhafte Verpflichtung auf höchster politischer Ebene
darstellen. Ferner stimmten die Präsidenten darin
überein, daß die in diesem Dokument definierten
Beziehungen zwischen der NATO und Rußland
Konsultationen, Koordination und - soweit möglich und
wo angemessen - gemeinsame Entscheidungsfindung
und Aktionen bei gemeinsame Belange betreffenden
Sicherheitsfragen vorsehen soll.
Die Präsidenten stellten fest, das von der NATO und
Rußland verabschiedete Dokument würde sowohl die
tiefgreifende Umgestaltung der NATO, einschließlich
ihrer politischen und friedenssichernden Dimension,
als auch die neuen Realitäten Rußlands beim Aufbau
einer demokratischen Gesellschaft berücksichtigen
und dazu beitragen.
Das Dokument verkörpert
darüber hinaus das gemeinsame Engagement der
NATO und Rußlands bei der Entwicklung ihrer Beziehungen in einer die gegenseitige Sicherheit verbessernden Weise.
Die Präsidenten erinnerten an die historische Bedeutung des Vertrags über konventionelle Streitkräfte in
Europa bei der Schaffung des erforderlichen Vertrauens für den Aufbau eines gemeinsamen Sicherheitsraums auf dem Kontinent im Interesse aller
Staaten in Europa, ob sie einem militärischen oder
politischen Bündnis angehören oder nicht, und werden
weiterhin jegliche destabilisierende Aufrüstung von
Streitkräften in unterschiedlichen Regionen Europas
verhindern.
Die Präsidenten unterstrichen die Bedeutung einer
Anpassung des KSE-Vertrags. Sie stimmten bezüglich

der Notwendigkeit einer Beschleunigung der Verhandlungen zwischen den KSE-Parteien überein mit dem
Ziel, bis Ende Frühjahr oder Anfang Sommer 1997

ein Rahmenabkommen abzuschließen, das die
grundlegenden Elemente eines angepaßten KSEVertrags enthält, im Einklang mit den Zielen und
Prinzipien des in Lissabon im Dezember 1996 vereinbarten Dokuments über den Umfang und die Parameter.
Präsident Jelzin betonte die Sorge Rußlands, die
NATO-Erweiterung werde zu einer potentiell bedrohlichen Aufrüstung permanent stationierter Streitkräfte der NATO in der Nähe Rußlands führen.
Präsident Clinton unterstrich, daß das Bündnis keine
diesbezüglichen Aktionen in Erwägung zieht.
Präsident Jelzin begrüßte Präsident Clintons Erklärungen und bekräftigte, Rußland würde entsprechende Zurückhaltung bezüglich der Stationierung
seiner konventionellen Streitkräfte in Europa üben.
Präsident Clinton verwies auch auf die Politik der
NATO im Hinblick auf die Stationierung von Nuklearwaffen, wie sie am 10. Dezember 1996 vom Nordatlantikrat formuliert wurde, daß die NATO-Mitglieder
"keine Absicht, keinen Plan und keinen Grund" zur
Stationierung von Nuklearwaffen auf dem Territorium
von Staaten haben, die jetzt Mitglied des Bündnisses
sind, und auch keine zukünftige Notwendigkeit dafür
sehen. Präsident Clinton verwies auf die Bereitschaft
der NATO, einen spezifischen Hinweis auf diese Politik
in das von der NATO und Rußland verabschiedete
Dokument einzubeziehen. Präsident Jelzin sprach
sich für eine Einbeziehung eines solchen Hinweises in
das Dokument aus.
Die Präsidenten waren sich einig, daß sich die Vereinigten Staaten, Rußland und ihre Partner in Europa
mit zahlreichen gemeinsamen Sicherheitsbedrohungen
konfrontiert sehen, die am besten durch Zusammenarbeit zwischen allen Staaten des euroatlantischen
Raums angesprochen werden können. Sie verpflichteten sich zur Intensivierung ihrer Bestrebungen,
auf dem bei ihren Treffen in Helsinki erarbeiteten
gemeinsamen Terrain aufzubauen, um die Effektivität
der europäischen Sicherheitsinstitutionen zu verbessern, einschließlich des in dieser Erklärung
enthaltenen Abschlusses von Abkommen und Vereinbarungen.

* * * *

*

.

Seite 2

AMERIKA DIENST 06

�FRAUEN
26. März 1997

Förderung des Status der Frau ist
Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik
Reden der Außenministerin und der First Lady

WASHINGTON - (AD) - US-Außenministerin Madeleine Albright erklärte am 12. März 1997 bei einer
Veranstaltung im US-Außenministerium aus Anlaß des internationalen Tags der Frau, die Förderung des Status
der Frau sei nicht nur ein moralisches Gebot, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil der amerikanischen
Außenpolitik.
Auch die First Lady Hillary Rodham Clinton forderte die "vollständige Einbeziehung der Bedürfnisse von Mädchen
und Frauen in die amerikanische Außenpolitik".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Reden von Außenministerin Albright und der First Lady unwesentlich gekürzt.

Madeleine Albright: Zu Beginn meiner Ausführungen
am heutigen Morgen möchte ich eine einfache Feststellung machen. Die Förderung des Status der Frau
ist nicht nur ein moralisches Gebot, sondern sie wird
aktiv in die Außenpolitik der Vereinigten Staaten
integriert. Sie ist unsere Aufgabe. Das ist die richtige und offen gesagt auch eine kluge - Vorgehensweise.

saal des Kriegsverbrechertribunals über die weitreichenden Operationen der UN-Hochkommissarin für
Flüchtlinge bis zur obersten Etage des US-Außenministeriums.

Am Vorabend des neuen Jahrhunderts wissen wir, daß
wir die von uns angestrebte Zukunft nicht ohne den
Beitrag der Frauen gestalten können. Und wir wissen,
daß Frauen weltweit nur dann entsprechend ihren
Begabungen einen vollwertigen Beitrag leisten können,
wenn sie gleichen Zugang, gleiche Rechte, gleichen
Schutz und eine faire Chance an den Hebeln der
wirtschaftlichen und politischen Macht erhalten.

Bei meiner jüngsten Reihe von Staatsbesuchen traf ich
mit sechs Präsidenten, vier Ministerpräsidenten, acht
Außenministern, drei Verteidigungsministern, zwei
Premierministern, einem Kanzler, einem Generalsekretär und einem Handelsminister zusammen. Und wenn
wir alle in einem Raum säßen, sähe man 26 Anzüge
und mein Kostüm.

Wir haben bei der Erlangung dieser Ziele Fortschritte
gemacht. Ich habe einmal gesagt, wenn ich eine oder
zwei Generationen früher geboren worden wäre und
eine definitive Aussage zur amerikanischen Außenpolitik hätte machen wollen, hätte ich nur die Möglichkeit gehabt, Mitglied der Gesellschaft zu werden und
einem Botschafter, der beleidigende Äußerungen
macht, Tee über die Hose zu gießen.
Heute sind Frauen an jeder Facette internationaler
Angelegenheiten beteiligt - vom politischen Entscheidungsfindungsprozeß bis zu Vertragsabschlüssen, von Rüstungskontrolle bis Handel, vom Gerichts-

AMERIKA DIENST 06

Wir haben also allen Grund zu feiern. Aber wir haben
noch einen weiten Weg vor uns.

Dieser Mangel an Frauen in Spitzenpositionen spiegelt
sich in den politischen und ökonomischen Strukturen
der meisten Nationen wider. Ob man gegen eine
unsichtbare Schranke läuft oder schmutzige Arbeit
verrichtet - Gleichberechtigung bleibt für die meisten
von uns eher ein Wunsch als eine Realität.
Es liegt im amerikanischen Interesse, das zu ändern.
Die Förderung des Status der Frau steht in direktem
Zusammenhang mit unseren außenpolitischen Zielen.
Wir wollen Frieden schaffen und den Kreis demokratischer Länder erweitern. Wir möchten eine wachsende
Weltwirtschaft aufbauen, die gute Arbeitsplätze für
Amerikaner schafft. Und wir streben eine Zukunft an,

Seite 1

�in der unsere Werte von mehr Menschen in Ehren
gehalten werden.
Auf jeden Fall können wir unser Ziel nicht erreichen,
wenn die Frauen ausgegrenzt werden.
Frauen
müssen auf jedem Schritt dieses Weges einbezogen
werden.
Betrachten Sie sich beispielsweise das Streben nach
Frieden.
Ich gehöre nicht zu den Vertretern der Ansicht, wenn
nur Frauen das Sagen auf der Welt hätten, gäbe es
keine Kriege mehr. Die menschliche Neigung zu
Dummheit und Fehlkalkulation ist weit verbreitet. Aber
die Geschichte dieses Jahrhunderts lehrt uns, daß
Demokratie der Vater des Friedens ist. Und der
gesunde Menschenverstand sagt uns, daß echte
Demokratie nicht ohne die vollständige Beteiligung der
Frau möglich ist.
Die Weltfrauenkonferenz in Peking hat den Frauen
neue Impulse gegeben, für ihre Rechte einzutreten,
sich zu engagieren, zu organisieren, zur Wahl zu
gehen und sich zur Wahl zu stellen. Das von Frauen
geschaffene große Netz nichtregierungsabhängiger
Organisationen konzentriert sich auf diese Aufgaben.
Größere Beteiligung führt zu mehr Demokratie und
repräsentativerer Politik. Und in den Regionen, in
denen Demokratie für den Frieden am meisten bewirkt,
arbeiten Frauen hart an der Schaffung und Erweiterung der Institutionen zur Förderung der Freiheit.
Ich war in Bosnien Zeuge der Bestrebungen von
Frauengruppen, die Wunden ethnischer Spaltung zu
heilen. Die Frauen in diesem Land sind entschlossen
zum Aufbau einer Gesellschaft, in der sie - die einen
enormen Preis für in der Vergangenheit getroffene
falsche Entscheidungen zahlen mußten - daran
mitwirken, die richtigen Entscheidungen für die Zukunft
zu treffen.
Ich habe gesehen, wie in Zentraleuropa und den
Neuen Unabhängigen Staaten Bewegungen entstanden, die Frauen beim Aufbau der neuen Demokratien ein Mitspracherecht geben wollen. Das ist von
entscheidender Bedeutung, denn die Frauen haben
am stärksten unter den wirtschaftlichen und sozialen
Zerrüttungen der letzten Jahre gelitten.
In Burundi sah ich, wie Hunderte von Hutu- und TutsiFrauen Seite an Seite arbeiteten, um zu verhindern,
daß in ihrem Land ein solcher Völkermord stattfindet
wie der, der im benachbarten Ruanda so viel Leid
verursachte.
Während der Weltfrauenkonferenz und danach habe
ich erlebt, wie Vertreter von Gruppen aus der ganzen
Welt - afrikanische, asiatische, lateinamerikanische,

Seite 2

jüdische, islamische und christliche - sich der gemeinsamen Sache des Erhalts der weltweiten Dynamik zu
offeneren und repräsentativeren politischen Systemen
verschrieben haben.
Das ist ihr Ziel, und es ist das Ziel von uns Amerikanern.
Dasselbe gilt für Wirtschaftswachstum.
Seit 1993 haben wir unter der Führung Präsident
Clintons mehr als 200 Handelsvereinbarungen ausgehandelt, damit dem Welthandel enormen Auftrieb
verliehen und Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen.
Damit die Weltwirtschaft weiterhin wächst, müssen
Frauen überall mehr Zugang zu wirtschaftlichen
Chancen und Macht erhalten.
Wirtschaftswachstum erfordert eine moderne Volkswirtschaft. Und wie Kemal Atatürk vor sieben Jahrzehnten erklärte, kann man nicht mit der modernen
Welt Schritt halten, wenn man nur die halbe Bevölkerung modernisiert.
Trotz der jüngsten Errungenschaften bleiben Frauen
eine unterbewertete und unterentwickelte Ressource
der Menschheit. Das heißt jedoch nicht, daß Frauen
nur schwer Arbeit finden.
In vielen Gesellschaften verrichten Frauen neben der
Geburt und Erziehung von Kindern den Großteil
anderer Arbeiten. Aber oftmals dürfen sie kein Land
besitzen, nicht zur Schule gehen, erhalten weniger
Nahrung und haben in der Regierung nur wenig oder
kein Mitspracherecht.
Es ist kein Zufall, daß weltweit der Großteil der Menschen, die in bitterer Armut leben, Frauen sind. Oft
müssen sie ihre Kinder ohne die Hilfe der Väter
aufziehen. Viele sind bereits in jungen Jahren in
einem Netz von Unwissenheit und Mißbrauch gefangen.
Frauen sind bereit, als vollwertige Partner zu nachhaltiger Entwicklung beizutragen, aber sie benötigen
Bildung, angemessene Gesundheitsfürsorge, Zugang
zu Krediten und Schutz vor Gewalt. Sie benötigen
Wissen und die Macht, eigene Entscheidungen zu
treffen.
Wir wissen aus Erfahrung, daß bei Erfüllung dieser
Voraussetzungen der Teufelskreis der Armut gebrochen und die Geburtenrate stabilisiert werden kann,
das Umweltbewußtsein wächst, die Ausbreitung
sexuell übertragbarer Krankheiten abnimmt und die
Wahrscheinlichkeit der Weitergabe sozial konstruktiver
Werte an die jüngere Generation steigt. Das ist ein

AMERIKA DIENST 06

�unbezahlbares und dauerhaftes Geschenk an die
Nachwelt.

behandelt werden. Das heißt, unsere Welt wird besser
und wir alle werden bereichert.

Wir dienen auch der Zukunft, wenn wir für die grundlegenden Werte der Rechtsstaatlichkeit und Respektierung der Würde jedes menschlichen Wesens eintreten.

Bei den Bestrebungen zur Förderung des Status der
Frau haben die Vereinigten Staaten eine Führungsrolle
übernommen. Aber eine Führungspersönlichkeit kann
nicht untätig zusehen - und wir sehen nicht untätig zu.
Auf Initiative von Präsident Clinton beziehen wir
Frauen betreffende Anliegen in die amerikanische
Außenpolitik ein. Was heißt das?

Vor einem halben Jahrhundert war eine großartige
First Lady die treibende Kraft bei der Verabschiedung
der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. In
Peking bekräftigte eine andere großartige First Lady
eloquent die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zu
dieser Erklärung und ihrer Anwendung auf alle Menschen - insbesondere auf Frauen und Kinder.
Ich weiß nicht, ob dies die Folge einer Unterhaltung
zwischen diesen beiden First Ladies war.
Aber ich weiß, daß die Allgemeine Erklärung der
Menschenrechte geistige und moralische Werte
verkörpert, die von zentraler Bedeutung für alle
Kulturen sind und sowohl die uns definierende wunderbare Vielfalt respektieren als auch die uns verbindenden menschlichen Bande.
Die Erklärung verpflichtet alle Regierungen, mit
Gesetzen und in der Praxis den Schutz der Rechte
derjenigen anzustreben, die ihrer Gerichtsbarkeit
unterstehen. Und durch ihr bloßes Vorhandensein
beweist sie, daß die Einhaltung dieser Verpflichtung
durch eine Regierung nicht nur ein innenpolitisches,
sondern ein universelles Anliegen ist.
Bedauerlicherweise werden Frauen heute auf der
ganzen Welt in verabscheuungswürdiger Weise
mißbraucht. Einige sagen, dieser Mißbrauch sei
kulturell bedingt, und wir könnten nichts dagegen tun.
Ich sage, es ist ein Verbrechen, und es ist die Verantwortung jedes Einzelnen von uns, dem Einhalt zu
gebieten.
Es ist ermutigend, daß die Bestrebungen zur Eindämmung der Gewalt gegen Frauen nach der Konferenz von Peking verstärkt wurden. In einem Land
nach dem anderen sehen wir Projekte, mit denen das
Bewußtsein geschärft und den Frauen besserer
Schutz im Rahmen der Gesetze eingeräumt werden
soll.
Das ist wichtig, weil jedes Mal eine spezielle Polizeieinheit gegründet wird, um die unverzügliche Reaktion auf
sexuellen Mißbrauch oder häusliche Gewalt sicherzustellen; jedes Mal werden gemeinsame Anstrengungen unternommen, um die Verstümmelung weiblicher
Genitalien zu beenden; jedes Mal wird ein Programm
in die Wege geleitet, um die Ausbeutung von Frauen
und Kindern zu stoppen; jedes Mal werden Schritte
unternommen, damit Frauen gleichberechtigt als
Einzelpersonen, Familienmitglieder und Bürger

AMERIKA DIENST 06

Zum einen heißt es, daß in diesem Jahr das USAußenministerium den Vorsitz über den letztes Jahr
zur Umsetzung der Aktionsplattform von Peking
gegründeten interministeriellen Rat für Frauen führen
wird.
Es heißt, daß unser Hilfsprogramm für Länder in
Übersee weiterhin die Betonung auf Projekte legen
wird, die die Fähigkeit von Frauen zur wirtschaftlichen
und politischen Beteiligung verbessern, ihnen Zugang
zu Bildung und Gesundheitsfürsorge, einschließlich
reproduktiver Gesundheitsfürsorge, gewähren und sie
selbst gegen Gewalt und Krankheiten schützen.
Es heißt, daß wir uns besonders auf die Institutionen
der bürgerlichen Gesellschaft konzentrieren, die
Frauen und Flüchtlingshilfe einbeziehen und den
Erfordernissen der Frauen gerecht werden.
Es heißt, daß wir weiterhin in ehrlicher und gründlicher
Weise über Menschenrechtsverletzungen berichten,
und wir werden diese Menschenrechtsverletzungen
verurteilen - seien sie Unterlassungssünden derjenigen, die sich weigern, bei häuslicher Gewalt zu
ermitteln oder sie strafrechtlich zu verfolgen, oder
vorsätzliche Vergehen von Diktatoren wie in Burma
oder Extremisten wie in Afghanistan.
Es heißt, daß wir weiterhin das internationale Kriegsverbrechertribunal unterstützen, weil wir die Auffassung vertreten, daß die für ethnische Säuberungen
Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden
sollten und diejenigen, die Vergewaltigung nur als eine
weitere Waffe des Krieges ansehen, für ihre Verbrechen bezahlen sollten.
Es heißt, daß wir uns an globalen Bestrebungen
beteiligen, um scharf gegen den illegalen Menschenhandel mit Frauen und Kindern vorzugehen. Und ich
möchte hinzufügen, daß diejenigen, die mit Drogen
handeln, ebenso schwer bestraft werden sollten wie
die Schlepperbanden.
Und es heißt, ich werde explizit sagen, daß es höchste
Zeit für die Vereinigten Staaten ist, Vertragspartei der
Konvention über die Abschaffung der Diskriminierung
von Frauen zu werden, wenn ich in einigen Wochen in
North Carolina im Jesse Helms Center sprechen
werde.

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�Wie die meisten von Ihnen inzwischen wissen, habe
ich meines Erachtens sehr gute Beziehungen zum
Vorsitzenden des Ausschusses für auswärtige Beziehungen. Wir sind - wenn möglich - einer Meinung und
streiten uns freundschaftlich, wenn wir zu einem
Thema Meinungsverschiedenheiten haben.
Die Integration der Frau in unsere Außenpolitik ist ein
aktiver, kontinuierlicher, weltweiter Prozeß. Er erfordert nicht nur die Zusammenarbeit mit anderen
Regierungen, sondern auch mit Nichtregierungsorganisationen und anderen Befürwortern von Fortschritt. Er betrifft alles - von der Erarbeitung von
Programmen des Amts für internationale Entwicklung
über politische Entscheidungen, die von unseren
Büros hier in Washington getroffen werden, bis zu den
Aktivitäten unserer Botschaften auf der ganzen Welt.
Und er verkörpert unsere Auffassung, daß Fortschritt
nicht nur das Öffnen von Türen erfordert, sondern
auch tatkräftige Anstrengungen, andere einzubeziehen
und die Kunde zu verbreiten, daß das alte Zeitalter der
Ungerechtigkeit und Unterdrückung enden muß, damit
ein neues Zeitalter der Chancen und uneingeschränkten Beteiligung anbrechen kann.
Abschließend möchte ich ein paar Worte über unsere
nächste Rednerin sagen, denn sie ist zweifelsohne
eine der Frauen, die wir in unsere Außenpolitik
einbezogen haben.
In den vergangenen vier Jahren ist Hillary Rodham
Clinton zur am meisten respektierten und geschätzten
- wenn auch inoffiziellen - Botschafterin der Vereinigten
Staaten geworden.
Sie hat Amerikas Tagesordnung für Frieden, Demokratie, Wirtschaftswachstum und Rechtsstaatlichkeit von
Indien bis Indonesien, von China bis Kopenhagen und
von der Ukraine bis zu einer denkwürdigen diplomatischen und kulinarischen Erfahrung in Ulan Bator
vorangebracht.
Sie geht die ihr zugewiesenen Aufgaben mit enormer
Energie, Intelligenz, Engagement und höchster
Eloquenz an.
Diejenigen von Ihnen, die Reden vor der Öffentlichkeit
gehalten haben, wissen, wie schwer es sein kann, ein
Publikum problemlos mitzureißen. Stellen Sie sich vor,
wie schwer es ist, wenn die Zuhörer aus 150 verschiedenen Ländern kommen und die meisten von
ihnen mit Kopfhörern dasitzen, deren Kabel in alle
Richtungen gehen, und einer emotionslosen und nicht
immer akkuraten Übersetzung zuhören.
Und dennoch begeisterte diese Frau, die Ehrenvorsitzende unserer Delegation, in Peking genau diese
Art von Publikum.

Seite 4

Ihre Botschaft klingt noch nach, ihr Beitrag zur amerikanischen Führungsrolle wird weiter ausgebaut, ihre
Klugheit ist zu einer internationalen Kraft für das Gute
geworden. All dies - und sogar ein Grammy Award.
Als Außenministerin kann ich mir kein größeres
Geschenk vorstellen, als die First Lady an meiner Seite
und an der Seite Amerikas zu haben.
Auf meine Bitte hin wird sie an diesem Wochenende
nach Afrika reisen, einer Region von großer Bedeutung für die Vereinigten Staaten und den Fortschritt der
Frauen.
Ich sehe dem Bericht über ihre Reise erwartungsvoll
entgegen, und ich weiß, wir alle sind jetzt gespannt auf
ihre Ansprache.
Wir begrüßen unsere großartige First Lady, Hillary
Rodham Clinton.
Hillary Clinton: Vielen Dank, Frau Außenministerin.
Ich benutze diese Anrede immer noch gerne. Wir
treffen uns heute aus Anlaß des internationalen Tags
der Frau im Zentrum des Außenministeriums. Wir
Amerikaner haben viel zu feiern, angefangen mit einer
Außenministerin, die aufgrund ihres Geschlechts eine
Schwelle überschritt und - was viel wichtiger ist - sich
nicht nur für die Rechte von Amerikanern einsetzt,
sondern für die Bürger auf der ganzen Welt ungeachtet
ihres Geschlechts.
Madeleine Albright hat nicht nur viele unsichtbare
Schranken durchbrochen, sondern auch oft Frieden
ausgehandelt. Sie hat nicht nur viele Türen geöffnet,
sondern auch den Horizont vieler Menschen erweitert.
Da Frau Albright es ansprach - während meines
letzten Gesprächs mit Frau Roosevelt sagte diese mir,
wie erfreut sie gewesen sei, als ihr Mann die erste
Frau in der Geschichte der Vereinigten Staaten in sein
Kabinett berief, und wie sehr sie sich jetzt freue, daß
mein Mann erstmals eine Frau an die Spitze des
Außenministeriums gestellt hat.
Ich danke Außenministerin Albright für ihre Führung,
ihren Mut und - ganz persönlich - für ihre Freundschaft.
Ich freue mich außerordentlich, daß sie zugestimmt
hat, dem interministeriellen Rat des Präsidenten für
Frauenfragen vorzusitzen, wobei ihr Theresa Loar, Tim
Wirth und andere hilfreich zur Seite stehen werden.
Wir wissen, daß unsere neue Außenministerin und wir
alle mit zahllosen Pflichten konfrontiert sind. Unserer
Außenpolitik mangelt es nicht an Herausforderungen.
Wir müssen den Abbau von Massenvernichtungswaffen fortsetzen. Wir müssen den Traum dieses
Jahrhunderts von einem vollständig geeinten, demokratischen und friedlichen Europa erfüllen.
Wir
müssen uns für die Nutzung neuer Chancen in Asien
einsetzen, die Chancen für Frieden im Nahen Osten

AMERIKA DIENST 06

�und anderen Gebieten nutzen, die nicht nur für die
Vereinigten Staaten, sondern für die ganze Welt von
strategischer Bedeutung sind.
Wir müssen mit unseren Partnern in Lateinamerika,
Afrika und andernorts am Aufbau einer alle einbeziehenden und expandierenden Weltwirtschaft
arbeiten. Wir müssen unsere Menschen vor den
Bedrohungen durch Terrorismus, Extremismus,
internationales Verbrechen, Drogen und Umweltzerstörung retten.
All das verlangt unsere Aufmerksamkeit und unser
Engagement. Heute möchte ich eine einfache Idee
vorbringen:
Die vollständige Einbeziehung der
Bedürfnisse von Mädchen und Frauen in die amerikanische Außenpolitik. Trotz der von ihnen geleisteten
Arbeit bei der Kindererziehung und in der Gemeinde
genießen allzu viele Frauen auf dieser Welt, insbesondere in den Entwicklungsländern, weder Gleichberechtigung noch werden ihnen Chancen eröffnet.
Ich möchte mich deutlich ausdrücken. Die Herausforderung ist nicht auf die Entwicklungsländer beschränkt. Wir haben hier in den Vereinigten Staaten
und in anderen Industrieländern genug zu tun um
sicherzustellen, daß Frauen an der Demokratie
beteiligt sind. Ein Ziel jedes Landes sollte die Gewährleistung sein, daß alle Bürger ungeachtet ihrer Rasse,
ihres Geschlechts, ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder
ihrer Religion ihren rechtmäßigen Platz in der Gesellschaft einnehmen können.
Sie werden mir vergeben, wenn ich kurz abschweife:
Gestern war ich in Arkansas, wo ich die Menschen
besuchte, die morgens von einem schrecklichen
Tornado heimgesucht worden waren. Noch vor dieser
Katastrophe machten diese Menschen bereits Überstunden, um sich das von ihnen angestrebte Leben zu
ermöglichen. Die ganzen Vorteile der amerikanischen
Gesellschaft lagen für sie noch in weiter Ferne. Nach
diesem Tornado schien alles verloren, wofür sie
gearbeitet und was sie sich erhofft hatten.
Später hielt ich eine Rede bei einer Veranstaltung, auf
der Gelder gesammelt wurden, um alleinerziehenden
Eltern, vor allem Frauen, den Besuch eines College
oder einer Berufsschule zu ermöglichen. Ich sprach
mit fünf Frauen, die mir sagten, wie wichtig es für sie
war, daß die Gesellschaft in Form derjenigen, die die
Gelder aufbrachten, sie einbezog und ihnen mitteilte,
daß sie etwas aus ihrem Leben machen könnten, aufs
College gehen und den Lebensunterhalt für sich und
ihre Kinder verdienen könnten.
Sie hatten die in Amerika immer noch viel zu oft
geäußerte Botschaft gehört: Sie seien nichts wert und
niemand hätte Interesse an ihnen. Eine junge Frau
erzählte mir: "Vor fünf Jahren war ich in einem heruntergekommenen Frauenhaus in Fayetteville (Ar-

AMERIKA DIENST 06

kansas). Ich besaß nichts. Nicht nur, daß ich kein
Auto hatte, ich hatte auch keinen Führerschein, und
mein Gesicht sah aus, als wäre ein Lastwagen drübergefahren. Und plötzlich gab es Menschen, die mich
davon überzeugten, daß ich etwas aus mir machen
und auch für meinen neun Monate alten Sohn sorgen
könnte. Ich fragte mich, wieso diese Menschen an
mich glaubten, mir zutrauten, aufs College zu gehen
und mich selbst zu ernähren. Wieso kümmerten sich
diese Menschen um mich, wo sich doch nicht einmal
mein eigener Mann um mich kümmerte."
All dies erinnerte mich an andere Geschichten, die mir
auf der ganzen Welt erzählt wurden, als die Frauen in
Bangladesch, Indien, Nicaragua oder Chile sich
erhoben und mir sagten, was es für sie bedeuten
würde, daß ihnen jemand zutraute, ihre Familien zu
ernähren, ihre Fähigkeiten auf dem Markt Wert hätten,
daß ihre Kinder, insbesondere ihre Töchter, ein
besseres Leben haben könnten.
Den Frauen, mit denen ich gestern abend zusammentraf, wurde die Rückkehr auf die Schulbank ermöglicht,
und heute sind sie Bürgerinnen der Vereinigten
Staaten im wahrsten Sinne des Wortes. Die Einkommensunterschiede in unserem Land und auf der
Welt führen dazu, daß Menschen zurückgelassen
werden, von der Datenautobahn abkommen, nicht die
Chancen der Demokratie nutzen können. Amerika
muß um seiner selbst sowie um seiner Führungsrolle
in der Welt von heute und morgen willen in jeder

Nation Demokratie und eine bürgerliche Gesellschaft
fördern, damit alle Bürger - Männer, Frauen und Kinder
- ihre von Gott gegebenen Begabungen nutzen
können.
Man könnte jetzt natürlich sagen: "Es ist gut, sich um
die Frauen von Arkansas zu kümmern, aber warum
sollten ich oder irgendein anderer Amerikaner sich mit
den Frauen in den Entwicklungsländern und andernorts auf der Welt befassen?" Warum sollten Frauen,
wie Außenministerin Albright gerade eloquent darlegte,
zu einem unserer Belange und einem Bestandteil der
amerikanischen Außenpolitik werden?
Die Außenministerin hat es bereits geäußert und diese
Administration ist davon überzeugt, daß die Hälfte der
Bürger dieser Welt unterbewertet, unterbezahlt, nicht
ausreichend gebildet und vertreten, schlecht ernährt
ist, nicht genug beachtet und gedemütigt wird. In einer
solchen Situation können wir unsere demokratischen
Werte und unsere Lebensweise nicht bewahren.
Wenn die Amerikaner sich als Nation um die Öffnung
ausländischer Märkte für amerikanische Waren und
Dienstleistungen bemühen, wenn wir in Anbetracht
neuer Bedrohungen die Sicherheit unseres Landes
erhöhen wollen, wenn wir Frieden und Wohlstand
ausweiten möchten, dann müssen wir uns mit der
Situation der Frauen auf der Welt befassen.

Seite 5

�Sie in diesem Saal wissen besser als jeder andere,
daß sich unsere Welt inmitten einer großartigen
Umgestaltung befindet, die mehr Demokratie ankündigt, welche hoffentlich zu mehr Frieden führt. Die
großen Versprechungen dieser Zeit beinhalten jedoch
luch Herausforderungen. Globaler Wettbewerb, die
nformationsrevolution und die hohe Geschwindigkeit
les Wandels üben Druck auf jede Gesellschaft aus 'on der Regierung bis zu den einzelnen Familien.
Diese Zwänge stellen uns an der Schwelle zum 21.
Jahrhundert vor unvermeidliche Fragen. Wie können
-vir Wege finden, um ein Gleichgewicht zwischen den
Rechten und Pflichten des einzelnen und der Gesellschaft zu finden? Wie können Eltern ihre Kinder in
Anbetracht der Einflüsse der Massenmedien und der
Konsumgesellschaft aufziehen? Was machen wir mit
dem scheinbaren Konflikt zwischen persönlicher
Identität und der im Zeitalter der Globalisierung und
Hochtechnologie zur Verfügung stehenden Arbeit?
Was geschieht mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft? Wir werden die Menschen ihren ethnischen
Stolz bewahren und ihre Staatsbürgerschaft schätzen,
und wie werden Nationen ihre Souveränität schützen,
während sie gleichzeitig auf regionaler und globaler
Ebene mit anderen Ländern zusammenarbeiten?
Wenn wir über diese Fragen und die Antwort einer
freien Nation wie der unsrigen nachdenken, dürfen wir
nicht vergessen, daß es bei der Demokratie nicht nur
um gesetzlich geschützte Rechte, Wahlen oder die
freie Marktwirtschaft geht. Es geht um die Verinnerlich ung demokratischer Werte in den Herzen und
Köpfen der Menschen. Es geht darum, wie die
Demokratie im täglichen Leben der Menschen verwurzelt ist, wenn es weder einen heißen noch einen kalten
Krieg gibt.
Angesichts der Veränderungen um uns herum dürfen
wir unsere weltweiten Interessen nicht länger nur mit
Machtblöcken und großen Waffenarsenalen verfolgen.
Weltweit und in unserem eigenen Land wurden wir
nach dem Ende des Kalten Krieges frei, uns auf die
Probleme direkt vor der eigenen Haustür zu konzentrieren. Wie ziehen wir unsere Kinder auf? Wie stellen
wir eine angemessene Krankenversicherung für
unsere Familien sicher?
Wie können wir dafür
sorgen, daß Demokratien und freie Märkte nicht nur
Verbraucher, sondern Staatsbürger hervorbringen?
Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß wir in dieser
Zeit weltweiter Herausforderungen weiterhin mit dem
sogenannten traditionellen Gleichgewicht der Kräfte
konfrontiert sind. Ich möchte aber auch betonen, daß
wir in diese Gleichung, die oft als Realpolitik bezeichnet wird, die Idee einbringen müssen, daß das reale
Leben vielleicht ebenso eng mit der Frage verknüpft
ist, ob Demokratien überleben und prosperieren.
Die heute angesprochenen Fragen sollten nicht nur als
Frauenfragen angesehen werden. Es ist zweifelsohne

Seite 6

fair zu behaupten, daß Frauen oft zwangsläufig zu
Experten für die Gefahren und Wechselfälle des
Lebens werden und daher besser verstehen und
würdigen können, welch ureigenes Interesse sie daran
haben sicherzustellen, daß ihre Gesellschaften und
Regierungen diese Herausforderungen des realen
Lebens angehen.
Ich war Zeuge, wie Frauen auf verschiedenen Kontinenten Lösungen gefunden haben. Junge Mütter in
Jakarta kommen wöchentlich zu Kursen über Familienplanung und bessere Ernährung ihrer Kinder zusammen. Ärzte und Krankenschwestern in Belarus
und der Ukraine kümmern sich um die Kinder von
Tschernobyl. Frauen von Santiago bis San Diego
befassen sich mit so verschiedenen Fragen wie
Bildung, Verbrechen und Umwelt.
Diese Fragen stehen im Zentrum unserer globalen
demokratischen Interessen, denn Demokratie zeichnet
sich durch die faire und echte Beteiligung an jedem
Aspekt des Lebens aus. Leider ist es nötig darauf
hinzuweisen, daß ein größeres Mitspracherecht von
Frauen bei ihre Zukunft betreffenden Fragen in
direktem Zusammenhang mit der Gesundheit von
Demokratien steht, denn Frauen sind in den meisten
Ländern und weltweit in der Mehrheit. Das Credo der
Vereinigten Staaten sollte folgendermaßen lauten: Eine
Demokratie ohne die umfassende Beteiligung der
Frauen ist ein Widerspruch in sich. Um ihr volles
Potential zu erreichen, muß die Demokratie alle Bürger
einbeziehen.
Offensichtlich hat die Frage, ob uns die Stärkung demokratischer Werte auf der Welt gelingt, besondere
Auswirkungen auf Frauen, die in unserem Land und
andernorts immer noch danach streben, ihren rechtmäßigen Platz in Regierung, Wirtschaft und Gesellschaft zu erlangen oder sogar zu bestimmen, und die
ihren rechtmäßigen Anteil an persönlicher, politischer,
wirtschaftlicher und bürgerlicher Macht verlangen. Die
Förderung des Status von Frauen und Mädchen und
Investitionen in ihre Fähigkeiten sollen sicherstellen,
daß sie über die Mittel verfügen, die Chancen eröffnen:
Bildung, Gesundheitsfürsorge, Kreditwürdigkeit und
Arbeit, Rechtsschutz und das Recht auf die umfassende Teilnahme am politischen Leben in ihren Ländern.
Aus diesem Grund müssen die Vereinigten Staaten
ihre überparteiliche Tradition der Unterstützung von
Initiativen fortsetzen, die unsere Welt diesen Zielen
näherbringen.
Heute werden mehr als 600 Millionen Frauen weltweit
Bildungsmöglichkeiten verwehrt. Zwei Drittel aller
Analphabeten sind Frauen. Dabei ist die wichtigste
Investition, die ein Entwicklungsland tätigen kann, die
Ausbildung von Mädchen und Frauen. Wir entdecken,
daß in einem Land nach dem anderen die Vorteile der
Ausbildung von Frauen weit über das Klassenzimmer
und die Schule hinausgehen. Sie bringt stärkere

AMERIKA DIENST 06

�Familien, bessere Gesundheit und Ernährung, höhere
Löhne und Gehälter und verstärkte Beteiligung am
politischen Leben hervor.
Ich habe gesehen, wie die Unterstützung der Vereinigten Staaten für die weltweite Ausbildung von
Frauen und Mädchen sich auszahlt. Ich habe gesehen, wie ähnliche soziale Investitionen, von denen
ebenfalls viele vc n den Vereinigten Staaten unterstützt
werden, in so un arschiedlichen Ländern wie Brasilien,
den Philippinen, Nepal und Pakistan etwas bewirken.
Da ich - ebenso wie viele von Ihnen - viel reise, habe
ich mit eigenen Augen gesehen, daß Investitionen in
Mädchen und Frauen zur Umgestaltung von Gemeinden beitragen, die wiederum ganze Gesellschaften verändern. Weder Frauen noch die Demokratie können sich voll entfalten, solange Frauen
innerhalb und außerhalb des Hauses unterbewertet
sind.
Viele Experten für Wirtschaftsentwicklung aus der
ganzen Welt haben mir gesagt, die Arbeit der Frau sei
kein Bestandteil der Volkswirtschaften und Frauen
seien kein Akteur auf den Märkten. Und trotzdem
habe ich bei meinen Reisen durch städtische und
entlegende ländliche Gebiete mit eigenen Augen
gesehen, daß Frauen oft den Großteil der Arbeitslast
tragen: Sie säen, ernten und ermöglichen kleinen
Unternehmen das Prosperieren auf den Märkten.
Ich weiß, daß Frauen arbeiten. Ihr Beitrag schlägt sich
vielleicht nicht im Bruttoinlandsprodukt ihrer Gesellschaften nieder, aber er ist wertvoll. Wenn alle Frauen
der Welt morgen aufhören würden, außerhalb des
Hauses zu arbeiten, würden sämtliche Volkswirtschaften zusammenbrechen.
Es ist an der Zeit, den von Frauen innerhalb und
außerhalb des Hauses geleisteten Beitrag zu honorieren und zu würdigen. Investitionen in die Frau beinhalten auch Investitionen in ihre Gesundheit und damit
wiederum in die Gesundheit ihrer Familien. Ich freue
mich ganz besonders, daß die Vereinigten Staaten im
Rahmen des Amts für internationale Entwicklung (AID)
Hilfe gewähren um sicherzustellen, daß Frauen, Kinder
und Familien Zugang zum gesamten Spektrum
kostengünstiger, hochwertiger Gesundheitsdienste
erhalten - von Geburtsvorbereitungskursen für werdende Mütter über Grundimpfungen für Kinder bis zur
Rehydrationstherapie zur Behandlung von unter
Diarrhöe leidenden Kindern.
Ich möchte noch gesondert auf Familienplanung und
ihre Bedeutung in diesem größeren Zusammenhang
eingehen. Familienplanung ist grundlegend dafür, daß
Frauen die Verantwortung für sich und ihre Kinder
übernehmen.
Dennoch haben derzeit etwa 100
Millionen Frauen weltweit keinen Zugang zu Familienplanungsdiensten oder nutzen sie nicht, weil sie arm,
ungebildet und ohne Fürsorge sind. Etwa 20 Millionen

AMERIKA DIENST 06

Frauen lassen einen gefährlichen Schwangerschaftsabbruch vornehmen. Einige dieser Frauen tragen
lebenslängliche Behinderungen davon, einige leiden
unter anderen gesundheitlichen Problemen.
Im Grunde genommen ist die Zahl riskanter Schwangerschaftsabbrüche an sich schon eine Tragödie.
Hohe Raten von Schwangerschaftsabbrüchen sind
kein Anzeichen für die Gleichberechtigung der Frau.
Vielmehr repräsentieren sie ein Versäumnis unsererseits, Frauen bei der Verhinderung ungewollter
Schwangerschaften zu helfen. Wenn wir wirklich die
Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen verringern und
starke Familien fördern wollen, dürfen wir der Verpflichtung Amerikas zu Familienplanungsprojekten in
Übersee nicht den Rücken zuwenden.
Wenn wir die Frauen wirklich in allen Gesellschaften
der Welt zu gleichberechtigten Partnern machen
wollen, müssen wir alles in unserer Macht Stehende
unternehmen, um Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen
- sei es versteckter häuslicher Mißbrauch oder eine
offenkundige Kriegstaktik. Es gibt keine isolierte
soziale Investition, die als Patentrezept für Frauen oder
Entwicklungsländer dienen kann, und Amerika sollte
sich auch nicht jeder gerechten Sache auf der Welt
verschreiben. Aber ich bin überzeugt, daß eine stabile,
prosperierende Welt außerhalb unserer Reichweite
liegt, solange Frauen in hohem Maße diskriminiert und
ungerecht behandelt werden.
Insgesamt sind unsere Investitionen in soziale Entwicklung wesentlich für die Stärkung freier Märkte, die
Verbreitung unserer demokratischen Ideale und die
Verbesserung unserer Sicherheit. Mit der Zeit hat
Amerika gelernt, daß unsere Ideale und Interessen
nicht von den uns umgebenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strömungen getrennt werden
können.
Wir haben hoffentlich auch gelernt, daß weltweites
Engagement sowohl Chancen im Inland als auch
Verpflichtungen im Ausland beinhaltet.
Ich möchte Ihnen ein kleines Beispiel geben. Kürzlich
hielt ich bei einer von AID veranstalteten Konferenz mit
dem Titel "Lektionen ohne Grenzen" eine Rede. Der
Bürgermeister von Baltimore, Kurt Schmoke, sprach
bei dieser Konferenz darüber, daß Regierungsvertreter
aus dieser Stadt nach Afrika gegangen waren, um
etwas über einfache, kostengünstige Strategien zu
lernen, die auf diesem Kontinent eingesetzt werden,
Eltern zur Impfung ihrer Kinder zu ermutigen. Jetzt
werden in Baltimore ähnliche Programme in Gemeindekliniken, einem Impfmobil und bei Hausbesuchen durchgeführt, wodurch die Impfrate für
Kinder unter drei Jahren anstieg.
Wir können von unseren Nachbarn auf der ganzen
Welt lernen. Wir werden feststellen, daß viele der

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�Lektionen, die wir lernen können, mit Hilfe unserer
Außenpolitik gelehrt wurden. Weniger als ein Prozent
unseres Haushalts - und dennoch kann das Leben
zahlloser Menschen verbessert werden, und wir
können die Lebensqualität hier zu Hause verbessern.
abschließend möchte ich einige Worte über meine
evorstehende Afrikareise sagen. Ich fühlte mich sehr
eehrt,
als ich gebeten wurde, diese Reise zu machen,
;
veil meines Erachtens Amerikas Engagement in der
A/elt das Engagement für Afrika südlich der Sahara
oeinhalten muß. Die zeitgenössische Geschichte ist
eine Geschichte, die die Bürger und Länder schreiben,
und es gibt eine neue Geschichte, die erzählt werden
muß. Jede Region trägt ihr eigenes Kapitel bei. Afrika
hat eine bemerkenswerte Geschichte, wenn wir ihr nur
Aufmerksamkeit schenken.
Afrika ist auf dem Weg zu Demokratie. In den vergangenen sechs Jahren ist die Zahl der Demokratien von
fünf auf 23 gestiegen. Afrika verzeichnet ein Wirtschaftswachstum und geht von erstickenden staatlich
kontrollierten Volkswirtschaften zu offenen Märkten
über, dank denen sich das menschliche Potential voll
entfalten kann. Letztes Jahr hatten 30 Länder positives Wirtschaftswachstum.
Afrika beginnt, neue Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten zu knüpfen. Beziehungen, die nicht nur auf
Hilfe, sondern gemeinsamen Idealen, gegenseitiger
Verantwortung, Integration in die Weltwirtschaft und
Partnerschaften gründen, die Konflikte lösen und
gemeinsame Herausforderungen bewältigen sollen.
Natürlich sind viele der afrikanischen Demokratien neu
und daher noch instabil. Die Hoffnungen sind noch
zaghaft. Ein zu großer Teil des Kontinents wird
weiterhin von Krankheiten, Unterernährung, Armut,
Ungerechtigkeit, Korruption, gefährlichen Konflikten
und ihren schrecklichen Auswirkungen heimgesucht Flüchtlingskrisen, die vor allem Frauen und Kinder zu
einem Leben verurteilen, das immer schlimmer wird.
Und trotz dieser Herausforderungen können wir in
diesem Augenblick der Geschichte zum ersten Mal
sehen, daß es in Afrika Grund zu sehr viel mehr
Hoffnung als Verzweiflung gibt. Mit der Unterstützung
der Vereinigten Staaten können wir diese Hoffnung
stabilisieren.
Ich habe die Ehre, Senegal, Südafrika, Simbabwe,
Tansania, Uganda und Eritrea zu besuchen. Ich freue
mich, daß so viele Botschafter aus diesen Ländern und
anderen Ländern in Afrika heute hier anwesend sind.
Ich hoffe, die Anstrengungen der jeweiligen Länder
beim Aufbau von Demokratie und einer starken
bürgerlichen Gesellschaft aus erster Hand erfahren
und hervorheben zu können. Ich werde mich besonders auf Basisinitiativen und Bestrebungen kon-

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zentrieren, die Frauen und Kinder betreffen. Diese
Reise wird - so hoffe ich - dem amerikanischen Volk
ein erneutes Gefühl für die Bedeutung unseres
Engagements für Afrika vermitteln. Sie soll zeigen,
warum wir alles in unserer Macht Stehende zur
Unterstützung von Demokratie und sozialen Investitionen in Afrika sowie zur Stärkung von Afrikas Platz in
der internationalen Staatengemeinschaft tun müssen.
Ich hoffe, diese Reise wird zeigen, daß das amerikanische Engagement nicht nur an Dollars für Hilfsleistungen oder humanitären Bestrebungen nach
Tragödien und Krisen gemessen werden kann,
sondern an den demokratischen Werten, die wir
verstärken, den Menschenrechten, die wir verteidigen,
und den Konflikten, die wir präventiv lösen helfen.
Natürlich steht die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten auf dem Spiel. Instabilität in Afrika - sei sie in
Krieg, Terrorismus, organisiertem Verbrechen, Krankheiten, Umweltzerstörung oder Armut begründet betrifft auch uns. Darüber hinaus steht die Wirtschaft
auf dem Spiel. Zur Zeit halten die Vereinigten Staaten
nur einen Anteil von sieben Prozent des afrikanischen
Marktes von 600 Millionen Menschen. Indem wir
stärkere wirtschaftliche Bande mit Afrika knüpfen,
tragen wir auch in hohem Maße zur Sicherung des
Wohlstands unseres eigenen Volkes bei.
Aber letztlich leiten sich die wichtigsten Gründe
unseres Engagements für Afrika aus einer positiven
Grundlage her. Afrika ist in Bewegung - mit einer
neuen Generation von Politikern, dem frischen Wind
politischer Reformen und prosperierenden multiethnischen Gesellschaften.
Wenn wir uns die Zukunft des amerikanischen Engagements auf der Welt betrachten, stellen wir fest, daß
wir ein Interesse am Erfolg des anderen haben - wo
immer wir dazu beitragen, die Grundlage für Demokratie zu schaffen, wo immer wir aus gegenseitigem
Respekt heraus den Menschen die Hand reichen,
damit sie sich selbst helfen können, wo immer wir klar
verstehen, daß dies eine Zeit der Interdependenz und
Verbindungen ist. Wir werden gemeinsam Fortschritte
erzielen. Wenn wir unseren Freunden in den neuen
Demokratien in Afrika behilflich sind und mit ihnen
zusammenarbeiten oder uns die Bedeutung unseres
Engagements für Frauen und Kinder vor Augen führen
- immer stehen die amerikanischen Interessen auf dem
Spiel.
Aber sehr viel wichtiger ist, daß Amerikas Werte auf
dem Spiel stehen. Wenn wir von diesen Werten
geleitet handeln, werden wir dazu beitragen, die Welt
in die neue Zukunft zu führen, die wir für unsere Kinder
und alle Kinder auf der ganzen Welt für möglich
erachten.

AMERIKA DIENST 06

�USA-EUROPA
26. März 1997

Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und Europa
Rede von Wirtschaftsminister Daley

WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration begrüßt die jüngsten Aktionen der Europäischen Union zur
Förderung von Demokratie in Kuba, ist jedoch enttäuscht, daß die EU ein Gremium der Welthandelsorganisation
(WTO) um die Überprüfung der amerikanischen Politik gegenüber Kuba gebeten hat, äußerte Wirtschaftsminister
William Daley bei der Konferenz des European Institute in Washington am 14. März 1997.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Wirtschaftsminister Daley im Wortlaut.

Wenn ich mir die Natur der amerikanisch-europäischen Beziehungen betrachte, kommen mir die Worte
von Präsident Clinton bei seinem ersten Besuch in
Brüssel 1994 in den Sinn:
"Europa bleibt von zentralem Interesse für die Vereinigten Staaten ...
unser wertvollster Partner, nicht nur in
der Sache von Demokratie und Freiheit, sondern auch was Handel und
Investitionen betrifft."
Es gab eine Zeit, in der die Vereinigten Staaten Europa
ausschließlich als Sicherheitsanliegen sahen. Die
Eindämmung des Kommunismus und der sowjetischen
Expansion, die Gewährleistung von Frieden und
Stabilität auf dem Kontinent sowie der Aufbau von
Bündnissen gegen auftretende strategische Bedrohungen auf der ganzen Welt waren die treibende
Kraft hinter unseren Beziehungen. Heute - nach dem
Ende des Kalten Krieges und mit einer prosperierenden Weltwirtschaft - haben sich unsere Bande erweitert und vertieft.
Während die Vereinigten Staaten Beziehungen in
anderen Teilen der Welt kultivieren, sind wir uns
bewußt, daß keine andere Beziehung so wichtig ist wie
die zwischen unserem Land und der Europäischen
Union. Wir haben gemeinsame historische und
kulturelle Bande, und noch wichtiger ist, wir haben ein
gemeinsames Interesse an der Förderung von Frie-

AMERIKA DIENST 06

den, Demokratie und Entwicklung auf der ganzen Welt
sowie eine gemeinsame Verpflichtung dazu. Gemeinsam haben wir den Krieg in Bosnien beendet und mit
dem Aufbau einer Grundlage für Demokratie und
Wohlstand in der Region begonnen. Wir haben den
aufstrebenden Demokratien in Zentral- und Osteuropa
geholfen und eine Partnerschaft für den Frieden
eingeführt, die alte Trennlinien in Europa durch eine
echte militärische Koalition aller europäischen Länder
ersetzt. Und indem wir unsere gemeinsamen diplomatischen, wirtschaftlichen und strategischen Ressourcen
einsetzen, unterstützen wir den Friedensprozeß im
Nahen Osten und stellen uns gemeinsam gegen die
nukleare Weiterverbreitung auf der koreanischen
Halbinsel.
Aus der Verwüstung des Zweiten Weltkriegs und der
Teilung des Kalten Krieges ist eine Partnerschaft
hervorgegangen, die auf globale Herausforderungen
mit den Lektionen der Geschichte und der Kraft der
Einheit reagiert. Am ermutigendsten ist jedoch, daß
diese Partnerschaft nicht nur eine Partnerschaft der
militärischen Macht und des militärischen Einflußbereichs ist. Das gemeinsame Terrain zwischen den
Vereinigten Staaten und Europa ist vielmehr ebenso
stark durch gemeinsame Wirtschafts- und Handelsinteressen definiert. Die EU ist nicht der größte
Exportmarkt der Vereinigten Staaten - das trifft auf
Kanada zu. Aber die EU ist bei weitem unser größter
Handelspartner - ein Markt für Exporte und Verkäufe
amerikanischer Firmen in Höhe von über einer Billion

Seite 1

�Dollar und steht damit für nahezu die Hälfte des
Weltmarkts für amerikanische Unternehmen. In der
Tat ist Europa ein viermal größerer Markt für amerikanische Firmen als Kanada oder Japan.
Ebenso beeindruckend wie die Größenordnung der
von uns getätigten Geschäfte ist die Tatsache, daß die
Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa ausgeglichen sind. Drei Millionen
Europäer arbeiten für amerikanische Firmen in Europa,
und drei Millionen Amerikaner sind bei europäischen
Unternehmen in Amerika tätig. In der Tat befindet sich
jeder zwölfte Arbeitsplatz in der Fertigungsindustrie in
den Vereinigten Staaten in einer europäischen Fabrik.
Und auch unsere Handelsbilanz ist im Großen und
Ganzen ausgeglichen. In den vergangenen 25 Jahren
beliefen sich die Handelsüberschüsse und -defizite mit
Europa auf plus-minus Null. Im Vergleich dazu erzielte
der Handel der Vereinigten Staaten mit Asien ein
Defizit von 1,5 Billionen Dollar.
Europa ist auch unser wichtigster Partner bei der
Entwicklung und Unterstützung des Welthandelssystems. Die Hälfte des Welthandels entfällt auf die
Vereinigten Staaten und Europa. Wir haben ein
gemeinsames Interesse an der Öffnung von Weltmärkten und der Förderung von größerer wirtschaftlicher
Freiheit. Und in den vergangenen 50 Jahren waren
alle Fortschritte beim Welthandelssystem die Folge
unserer gemeinsamen Vereinbarungen und Maßnahmen. Wenn wir nicht übereinstimmen - wie es
während der Uruguay-Runde im Agrarbereich eine
Reihe von Jahren der Fall war - macht der offene
Handel wenig Fortschritte.
Wenn wir jedoch gemeinsam auf gemeinsame Ziele
hinarbeiten, ist unsere globale Führungsrolle ein
beeindruckender Katalysator. Betrachten Sie sich,
was wir in jüngster Zeit durch unsere gemeinsamen
Bestrebungen erreicht haben: Den Abschluß der
Uruguay-Runde, die Gründung der WTO, das Informationstechnologieabkommen und das Abkommen über
Telekommunikationsdienste.
Aber unsere beiden Seiten zum Vorteil gereichenden
bilateralen Beziehungen und unsere gemeinsamen
globalen Interessen bedeuten nicht, daß wir ständig
einer Meinung sind. Über die Jahre hinweg waren
Meinungsverschiedenheiten eine Realität, und wir
haben zweifelsohne auch heute einige - wobei die
größte über das Libertad- oder Helms-Burton-Gesetz
besteht.
Um ganz offen zu sein: Die Clinton-Administration ist
enttäuscht, daß die EU ein Gremium der Welthandelsorganisation (WTO) um die Überprüfung der amerikanischen Politik gegenüber Kuba gebeten hat. Die
Förderung eines friedlichen Übergangs zu Demokratie
in Kuba ist seit langem ein wichtiges Element der
überparteilichen amerikanischen Außenpolitik. Und

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das Schlüsselelement dieser Politik - einschließlich
des während der Kennedy-Administration und dem
Libertad-Gesetz von 1996 verhängten Embargos - sind
Jahrzehnte zurückreichende Gesetze und Bestimmungen, die für die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten als grundlegend angesehen werden. Unsere
Aktionen und Maßnahmen gegenüber Kuba waren nie
durch Profitdenken motiviert. In der Tat ist das
Gegenteil der Fall. Wir waren bereit, den wirtschaftlichen Preis für unsere Prinzipien zu bezahlen, selbst
als ausländische Firmen bereitwillig Geschäfte mit
Kuba getätigt haben. Aber die amerikanische Haltung
in dieser Frage ist klar: Die WTO ist nicht das geeignete Forum zur Lösung von Differenzen in der
Außenpolitik.
Vor diesem Hintergrund möchte ich hinzufügen, daß
diese Administration die jüngsten Aktionen der Europäischen Union zur Förderung von Demokratie in
Kuba begrüßt, insbesondere die "gemeinsame Position" der EU zu Kuba. Auch die Vereinigten Staaten
haben im Geist der Zusammenarbeit gehandelt. Im
Januar hat Präsident Clinton angesichts der kooperativen Bestrebungen unserer Partner das Recht, unter
Titel III des Libertad-Gesetzes Klage zu erheben, zum
zweiten Mal ausgesetzt. Der Präsident hat darüber
hinaus seine Absicht bekundet, das auch weiter zu tun,
solange die EU ihre verstärkten Anstrengungen zur
Förderung von Frieden in Kuba aufrechterhält.
Ich hoffe, daß wir in diesem Geist der Zusammenarbeit
fortfahren und stimme mit Sir Leon Brittans Einschätzung überein, daß wir bezüglich unserer Differenzen
über das Libertad-Gesetz gute Fortschritte gemacht haben. Wir werden zusammen mit der EU alles in
unserer Macht Stehende tun, um eine beide Seiten
zufriedenstellende Resolution zu erzielen. Wenn wir
jedoch unsere Meinungsverschiedenheiten nicht
unverzüglich beilegen, werden die Vereinigten Staaten
die WTO offiziell davon in Kenntnis setzen, daß das im
Februar eingerichtete Gremium keine Befugnis für ein
Verfahren hat, weil es sich hierbei um eine die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihre
Außenpolitik betreffende Angelegenheit handelt.
Abgesehen von Kuba gibt es auch eher routinemäßige
Themen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren
Verbündeten in der EU. Im Agrarbereich haben wir ein
besonders ernstes Problem, da der Mangel an Fortschritten seitens der EU beim Abschluß eines
Veterinär-Äquivalenzabkommens die amerikanischen
Fleisch- und Geflügelexporte in Höhe von über 1
Milliarde Dollar zu stören droht. Wenn wir diesen
Disput nicht bis zum 1. April lösen - in nicht einmal
zwei Wochen - wird das nicht nur Auswirkungen auf
die amerikanischen Exporte, sondern auch auf die der
EU haben. Darüber hinaus haben wir seit einiger Zeit
Differenzen bei anderen Themen, wie den audiovisuellen Quoten der EU, dem Verbot der EU für nicht BSEverseuchtes amerikanisches Rindfleisch, Öko-Kenn-

AMERIKA DIENST 06

�Zeichnungsprogrammen, die europäische Produktionsmethoden bevorzugen, handelsrestriktive Zollkategorie-Neuklassifizierungen von bestimmtem Informationstechnologiegerät und Auftragsvergabepraktiken
bei Stromversorgungsunternehmen.
Wir dürfen jedoch nicht zulassen, daß diese - und
andere in der Zukunft zweifellos auftauchende Probleme unsere Freundschaft, unsere gemeinsamen
Interessen und die Notwendigkeit von Zusammenarbeit überschatten.
In ihren ersten vier Jahren arbeitete die ClintonAdministration mit der Europäischen Union an der
Schaffung eines transatlantischen Kooperationsmechanismus, der umfassender denn je ist - der
neuen transatlantischen Agenda (NTA). Sie ist eine
ehrgeizige Tagesordnung für die Ausweitung der
amerikanisch-europäischen
Zusammenarbeit, die
Förderung von Frieden und Demokratie, die Erweiterung des Handels und die Ermutigung von
Kontakten zwischen jungen Amerikanern und Europäern, die die nächste Generation von Führungspersönlichkeiten im Zeitalter nach dem Kalten Krieg sind.
Ferner konzentriert sich die NTA auf das, was möglicherweise als die nächste Generation von Sicherheitsbedrohungen bezeichnet werden könnte - Verbrechen,
Drogen, Gesundheitsgefährdungen und Umweltzerstörung.
Der zweite wichtige Mechanismus, der transatlantische
Wirtschaftsdialog, unterstützt unsere Unternehmen bei
ihrer Suche nach Gemeinsamkeiten beim Abbau von
Hindernissen für die Wirtschaft sowie offenem und
fairem Handel. Der transatlantische Wirtschaftsdialog
ist ein weiteres Hilfsmittel bei den Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union und bietet Unternehmen und Regierung
eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit. Die Einrichtung
dieser neuen transatlantischen Institutionen ist eine
große Leistung der ersten Clinton-Administration. In
ihrer zweiten Amtszeit sollte unsere Aufgabe darin
bestehen, die bilateralen Probleme schneller zu lösen
und eine Agenda für die Zukunft aufzustellen, damit
keine neuen Probleme entstehen.
Die neue transatlantische Agenda und der transatlantische Wirtschaftsdialog sollten ein wertvolle'
Aktivposten bei der Bewältigung von Aufgaben wie der
genaueren Definition von einem neuen transatlantischen Markt ohne Handelsschranken, von Schritten zu
seiner Erlangung sowie von gemeinsamen Bestrebungen zur Öffnung weiterer Märkte auf der ganzen Welt
sein. Die Wirtschaftsvertreter auf beiden Seiten des
Atlantiks haben ihrem Wunsch nach einem offenen
transatlantischen Markt ohne Handelshemmnisse
Ausdruck verliehen, und genau das ist unser Ziel. Wir
haben einen pragmatischen, schrittweisen Ansatz zu
dem neuen transatlantischen Markt gewählt, der
meines Erachtens der richtige Weg ist. Das wichtigste

AMERIKA DIENST 06

ist jetzt, weitere Einzelheiten unserer Bestrebungen zu
beschließen und klare Ziele zu setzen.
Ein wichtiges frühes Element des neuen transatlantischen Marktes ist ein Abkommen über die gegenseitige Anerkennung (Mutual Recognition Agreement MRA) zur Verringerung der Kosten von Produkttests
und Kontrollen im atlantischen Raum. Wir handeln
derzeit mehrere dieser Abkommen über die gegenseitige Anerkennung der Vereinigten Staaten und der
Europäischen Union aus, die sich auf bilateralen
Handel im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar
beziehen. Beim amerikanisch-europäischen Gipfel im
vergangenen Dezember wurde das Ziel gesetzt, die
Verhandlungen über das MRA bis Ende Januar
abzuschließen. Demnach hätten wir heute den 73.
Januar! Die Uhr tickt also, obwohl wir uns alle Mühe
geben. Die verbleibenden Schwierigkeiten auf dem
Gebiet von Pharmazeutika und medizinischem Gerät
können überwunden werden, und die diese Woche
geführten kleinen Verhandlungsrunden für diese
Sektoren erzielten vielversprechende Ergebnisse. Ich
kann Ihnen versichern, daß beide Seiten äußerst
motiviert sind und wissen, daß die Augen aller im
Weißen Haus und an der Spitze der EU-Kommission
auf ihnen ruhen. Ich möchte keine zeitlichen Prognosen anstellen, aber nach optimistischen Schätzungen
können wir eher früher als später mit einer Einigung
rechnen - zweifellos vor dem nächsten amerikanischeuropäischen Gipfel Ende Mai.
Eine Vielzahl anderer Fragen im Zusammenhang mit
dem transatlantischen Markt erfordern in den kommenden Monaten unsere Aufmerksamkeit:
Abschluß des Prozesses zur Harmonisierung
von Kraftfahrzeugnormen - ein vor einem Jahr
eingeleitetes Projekt.
Fortschritte bei Zollfragen, dem Schutz geistigen Eigentums und auf anderen Gebieten, auf
denen Kostensenkungen möglich sind, in den
Bereichen Biotechnologie, Pharmazie und
chemische Industrie.
Entwicklung einer gemeinsamen Politik zu
Kryptologie und Entschlüsselung.
Lösung globaler Fragen, beispielsweise
Beschleunigung der Umsetzung von Abkommen der Uruguay-Runde, Abschaffung
der Zölle, Zusammenarbeit bei der Suche
nach dem besten Weg für einen WTO-Beitritt
Chinas und Rußlands.
Besondere Aufmerksamkeit möchte ich auch den
gemeinsamen amerikanisch-europäischen Aktionen
beim Kampf gegen Bestechung und Korruption im
Welthandel widmen. Europa könnte weitaus mehr
unternehmen, um die Empfehlungen der OECD zur

Seite 3

�Bestrafung von Bestechung und Beendigung der
Möglichkeit ihrer steuerlichen Absetzung durchzusetzen. Für Bestechung sollte im Welthandel kein
Raum sein, und die Clinton-Administration möchte,
daß Europa uns bei der Abschaffung dieser Abschreckung von fairem, offenem Handel zur Seite
steht.
In dem Bestreben, die führenden amerikanischen
Unternehmen auf der Weltbühne für offene Märkte und
internationalen Handel zu halten, habe ich mein
Ministerium angewiesen, unsere handelspolitischen
Aufgaben möglichst klar und detailliert darzulegen. Es
steht außer Frage, daß Handelsmissionen effektiv und
gleichermaßen im Interesse von Amerikanern und
Europäern sind. Ich wollte zahlreicheren und unterschiedlicheren Unternehmen die Teilnahme daran
ermöglichen und jede Kritik fernhalten, die Unternehmen dabei behindern könnte. Unsere Handelsmissionen werden offene, zugängliche, transparente
und zielgerichtete Bestrebungen sein, und ich sehe der
Aufgabe erwartungsvoll entgegen, sie zu leiten und die
Botschaft offener Märkte an die führenden Politiker von
Entwicklungsländern weiterzugeben, in denen die
Chancen am größten sind und amerikanische sowie
europäische Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen die größten Erfolge erzielen.
Die uns konfrontierenden Fragen - Differenzen über
Kuba, China und Rußland betreffende Angelegenheiten, technische und spezifische Belange des neuen
transatlantischen Marktes - verblassen in Anbetracht

der großen Gemeinsamkeiten zwischen Amerika und
Europa. Unsere gemeinsame Kultur - Millionen von
amerikanischen Familien mit Geschichte und Wurzeln
in Europa -, unsere gemeinsamen Anliegen - Millionen
von Arbeitnehmern, die ihre Familien mit Arbeitsplätzen in amerikanischen und europäischen Unternehmen ernähren -, und unsere gemeinsame Geschichte - von den Einwanderern, die Amerika aufbauten, bis zu den amerikanischen Soldaten, die Seite
an Seite mit unseren Verbündeten die Kräfte des
Nazismus besiegten und den Totalitarismus abwehrten
- sind ein elementarer Bestandteil der amerikanischeuropäischen Beziehungen.
Der Präsident
hat
Amerika aufgefordert, die Tage zu nutzen, in denen wir
Wohlstand im Inland und Frieden mit dem Ausland
genießen. Dasselbe gilt auch für uns, insbesondere
vor dem Hintergrund, daß die amerikanisch-europäischen Beziehungen der Dreh- und Angelpunkt einer
wachsenden Weltwirtschaft voller Chancen sind, in der
das Leben der Menschen mit jedem Tag reicher,
gesünder, sicherer und freier wird.
Es stünde uns gut an, dem Beispiel von George
Marshall zu folgen, dessen Arbeit im Dienste Amerikas
Europa so sehr dabei half, sich von den Folgen des
Krieges zu erholen und wieder seinen Platz unter den
führenden Nationen der Welt einzunehmen: "Kriege
entstehen durch Armut und Unterdrückung", erklärte
Marshall. "Fortgesetzter Friede ist nur in einer relativ
freien und prosperierenden Welt möglich."
Ich danke Ihnen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 06

�USA-DEUTSCHLAND
26. März 1997

Aktuelle Themen der euroatlantischen Beziehungen
Rede von J.D. Bindenagel

ERFURT - (AD) - Der Charge d'Affaires der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik
Deutschland, J.D. Bindenagel, hielt am 17. März 1997 beim Treffen der Arbeitsgruppe für außenpolitische Fragen
der CDU/CSU Bundestagsfraktion in Erfurt/Thüringen nachfolgende Rede.

Vielen Dank für die Gelegenheit, heute zu Ihnen
sprechen zu dürfen. Es ist eine Ehre, mit dieser
herausragenden Gruppe Gedanken über die drängendsten Probleme unserer Zeit auszutauschen.
Es ist mir auch eine besondere persönliche Freude,
heute hier in Thüringen sein zu können. Als der
dienstälteste amerikanische Diplomat in Deutschland
bin ich mir unserer gemeinsamen Erfahrungen aus der
Vergangenheit und der Grundlage wohl bewußt, die
diese Geschichte für unsere Zukunft bildet. Das ist
nirgends offenkundiger als hier in Erfurt.
Im Jahr 1945 gab es eine amerikanische Präsenz in
Thüringen. Auch mein Vater war als Infanterist der
104. Infanteriedivision hier stationiert. Nachdem die
letzte große Schlacht in Halle gekämpft war, wurden er
und seine Division von der Mulde für das historische
Treffen mit russischen Streitkräften nach Torgau
verlegt. Aber wenige Monate später zogen die
amerikanischen Truppen ab, und wir kamen rund
siebenundvierzig Jahre lang nicht zurück. In diesen
dazwischenliegenden Jahren spürten wir, wie hoch der
Preis der nicht vorhandenen amerikanischen Präsenz
ist.
Im vergangenen Monat, am 11. und 12. Februar,
waren die amerikanischen Streitkräfte wieder in
Thüringen - dieses Mal, um eine Übung mit Truppen
der 1. Infanteriedivision durchzuführen. Diese Übung
ist nicht nur ein Anzeichen dafür, wie weit wir seit der
Vereinigung Deutschlands gekommen sind, sondern
steht auch als Symbol, wohin wir beim Streben nach
Sicherheit für ganz Europa gehen wollen.

AMERIKA DIENST 06

Die Beseitigung von Trennlinien, die Förderung von
Stabilität und Wohlstand - das sind die Ziele, von
denen unsere Politik geleitet ist - in der NATO und den
transatlantischen
Beziehungen
gleichermaßen.
Während die Clinton-Administration ihre zweite
Amtszeit antritt, sind dies unsere unumstrittenen
Prioritäten.
Seit die neue Administration am 20. Januar ihre
Geschäfte aufnahm, haben bereits Außenministerin
Albright, Finanzminister Rubin und Verteidigungsminister Cohen Deutschland und andere Hauptstädte
unserer Verbündeten besucht, um diese Prioritäten
umzusetzen und unsere gemeinsame Tagesordnung
eines ungeteilten Europas voranzubringen.
Ein entscheidender Schritt in diesem Prozeß wird die
Anpassung der NATO sein - neue Mitglieder, Umstrukturierung und die Charta zwischen der NATO und
Rußland. Ende der Woche werden die Präsidenten
Clinton und Jelzin in Helsinki zusammenkommen, um
dieses vorrangige Thema zu erörtern.
In wenigen Monaten wird das Bündnis ein
außerordentliches Gipfeltreffen abhalten, um
potentielle neue Mitglieder zur Aufnahme von
Verhandlungen über die Mitgliedschaft einzuladen.
Im gesamten Verlauf des Aufnahmeprozesses
- einem offenen Prozeß, der nicht im Juli endet
- müssen wir sicherstellen, daß die Länder, die
nicht in der ersten Verhandlungsrunde über
die NATO-Mitgliedschaft zum Beitritt eingeladen werden, ihre Beteiligung an einer erweiterten Partnerschaft für den Frieden oder

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�besonderen Beziehungen zur NATO aufrechterhalten und sogar vertiefen. Wir sehen,
welche positiven, stabilisierenden Auswirkungen dies bereits in der Region gehabt hat.
Die übergeordneten Ziele der Vereinigten Staaten für
die europäische Sicherheit haben sich in der zweiten
Clinton-Administration nicht geändert. Sie sehen
einige neue Gesichter und einen gewissen neuen Stil
in der amerikanischen Diplomatie, aber unser Ziel
bleibt gleich: Der Aufbau eines friedlichen, integrierten
Europas in einer neuen atlantischen Gemeinschaft.
Diese Gemeinschaft muß in der Lage sein, die Sicherheitsherausforderungen des 21. Jahrhunderts
effektiv zu bewältigen.
Amerika hat seinerseits eine Führungsrolle in der sich
verändernden NATO übernommen. Im Frühjahr 1993
formulierte die erste Clinton-Administration ihre Politik
im Hinblick auf den Krieg auf dem Balkan. Wir wurden
daran erinnert, daß Bismarck einmal gesagt hat, der
Balkan sei nicht das Leben eines einzigen pommerischen Grenadiers wert. Diese Debatte über "elementare" nationale Interessen der Vereinigten Staaten in
Europa war eine lebhafte, eindringliche Prüfung der
Rolle Amerikas in Europa.
Im April 1993 wurde das Holocaust Memorial Museum
in Washington eröffnet - ein Ereignis, das uns die
Gelegenheit bot, das amerikanische Engagement in
Europa durch ein neues Prisma zu betrachten. Der
Eröffnung wohnten zahlreiche Politiker aus Zentraleuropa bei, die uns bei diesem Anlaß an die Instabilität
in Europa entlang der alten Trennlinie des Kalten
Krieges erinnerten. Elie Wiesel, ein Überlebender des
Holocaust, verwies auf die besondere Notwendigkeit
einer andauernden amerikanischen Präsenz in Europa
in solchen Zeiten. Es war nicht nur die Geschichte
lange vergangener Zeiten, sondern auch die jüngere
Geschichte, die die Vereinigten Staaten veranlaßte,
ihre Verpflichtung zu Stabilität und Sicherheit in Europa
erneut zu bekräftigen.
Die NATO paßt sich wie alle wichtigen Institutionen
kreativ an die neue Welt an, in der wir uns wiederfinden. Im Hinblick auf die interne Struktur der NATO ist
Frankreich dabei, seine Beziehungen zum Bündnis
neu zu definieren.
Auch wir suchen nach Wegen zur Stärkung des
europäischen Pfeilers, damit wir den sich abzeichnenden Sicherheitsherausforderungen effektiver begegnen können.
Dies ist nirgends offensichtlicher als bei der Stationierung von NATO-Truppen in Bosnien. Die SFOR, und
davor die IFOR, beweisen, daß die NATO die Aufgaben des 21. Jahrhunderts mit Hilfe von Verbündeten
und Nichtverbündeten gleichermaßen angehen kann.

Seite 2

Auf diese Erfahrung können wir die mögliche CJTFMission der Zukunft aufbauen.
Die Partnerschaft für den Frieden der NATO hat weit
über die anfänglichen Erwartungen hinaus Erfolge
gezeigt. Der bleibende Wert der durch die PfFÜbungen gebotenen konkreten Zusammenarbeit und
persönlichen Erfahrungen ist unermeßlich. Während
wir die PfF erweitern, indem wir mehr gemeinsame
Übungen durchführen und die Ebene unserer bilateralen und multilateralen Kontakte erweitem, wird die PfF
zu einem unerläßlichen Ergänzungsmechanismus für
verstärkte Zusammenarbeit. Aber es gibt noch viele
andere Wege, dies zu erreichen. Die bilateralen
Bestrebungen der Vereinigten Staaten, die wir als den
Aktionsplan für die baltischen Staaten bezeichnen,
sind ein Beispiel.
Und als Teil dieser umfassenden Umgestaltung öffnet
die NATO ihre Türen für neue Mitglieder.
Damit die NATO-Erweiterung Erfolg haben kann, muß
sie in einer Weise vollzogen werden, die Sicherheit
und Stabilität auf dem gesamten Kontinent stärkt - für
Mitglieder und Nichtmitglieder gleichermaßen. Vor
allem darf sie keine neuen Trennlinien in Europa
schaffen.
Aus diesem Grund ist es entscheidend, daß Rußland
seinen rechtmäßigen Platz in dem neuen Europa
einnimmt. Rußland ist von zentraler Bedeutung bei
unserem Streben nach Stabilität in Europa. Wir
wünschen ein friedliches, stabiles und demokratisches
Rußland, das fest in einen ungeteilten Kontinent
integriert ist.
Ein entscheidendes Element der russischen Integration in europäische Institutionen wird die Entwicklung einer strategischen Partnerschaft zwischen
Rußland und der NATO sein. Diese Partnerschaft
muß auf der Respektierung der legitimen Sicherheitsinteressen der jeweils anderen Seite gründen. Sie
geht von der Überzeugung aus, daß konkrete Zusammenarbeit der Art, wie wir sie zwischen der NATO
und den russischen Bodentruppen in Bosnien gesehen
haben, zum Vorteil aller Parteien ist.
Wir arbeiten darauf hin, dieser Partnerschaft durch die
Verhandlungen über eine Charta Form und Fokus zu
verleihen. Als Chefunterhändler könnte Generalsekretär Solana später mehr Einzelheiten nennen. Ich
möchte nur sagen, daß wir uns zutiefst zur Entwicklung
dieser Partnerschaft verpflichtet haben und intensiv auf
die Erlangung dieses Ziels hinarbeiten. Gleichzeitig
haben wir uns verpflichtet, mit unserer Tagesordnung
der Erweiterung des Bündnisses fortzufahren. Wie
Außenministerin Albright kürzlich sagte, möchten wir
Rußland ein Mitspracherecht, aber kein Vetorecht
einräumen.

AMERIKA DIENST 06

�Ein anderer wesentlicher Bestandteil unserer Agendafür europäische Stabilität ist die Frage der konventionellen Streitkräfte.
Sie führt die verschiedenen
Elemente - Erweiterung, Partnerschaft mit Rußland
und interne Anpassung - zu einem einheitlichen
Ganzen zusammen. Der KSE-Vertrag bietet die
unerläßliche Grundlage für konventionelle Stabilität auf
dem gesamten europäischen Kontinent. Aber er
wurde zu einer anderen Zeit unter ganz anderen
Umständen konzipiert. Heute arbeiten wir an der
Anpassung des Vertrags an die derzeitigen strategischen Gegebenheiten.
Die NATO unterbreitete in Wien einen weitreichenden
Vorschlag, um die alten Blockstrukturen durch ein
neues System nationaler und territorialer Grenzen zu
ersetzen. Wir möchten die Sicherheit aller Parteien
erhöhen, indem wir die Transparenz auf den niedrigeren Ebenen der Streitkräfte verbessern. Die Verhandlungen über die Anpassung dieses rechtlich bindenden
Vertrags sind ein wichtiger Bestandteil unserer Agenda
für europäische Sicherheit. Diese impliziert auch die
Bestrebung, Stabilität zu einer langfristigen Errungenschaft zu machen, die in einem Vertrag kodifiziert ist.
Unsere neuen Sicherheitsbeziehungen zu Rußland
werden auch durch Wirtschaftsbeziehungen ergänzt.
Die Gore-Tschernomyrdin-Kommission ist zu einem
zentralen Element bei der Gestaltung der Beziehungen
Amerikas und der anderen westlichen Staaten zu
Rußland geworden.
Im Hinblick auf Investitionen, Unterstützung, Beratung
und Goodwill haben wir viel für Rußland - und die
neuen unabhängigen Staaten - erreicht.
Wir reichen Rußland die Hand der Freundschaft, und
Rußland reagiert.
Die russischen Wähler haben in überwältigender Zahl
gezeigt, daß sie zur Bewahrung ihrer neugewonnenen
Freiheiten und zur Fortsetzung des Reformweges
entschlossen sind. Obwohl sie mit großen Schwierigkeiten konfrontiert sind, kämpfen sie darum, über die
sehr realen Härten des Augenblicks hinaus in eine
bessere Zukunft zu blicken.
Unser Ansatz ist umfassend. Er ist nicht auf die
Reform der NATO beschränkt. Vielmehr nutzt er die
bestehenden multilateralen Institutionen wie die
Europäische Union, die Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa und die Welthandelsorganisation. Wir möchten alle verschiedenen Institutionen einbeziehen, weil wir unser Konzept der
neuen atlantischen Gemeinschaft auf eine umfassende
Definition von Sicherheit gründen, die über traditionelle
Militärfragen hinausgeht.
Diese neue Gemeinschaft gründet auf den Idealen, die
Staatsmänner wie George Marshall, Konrad Adenauer

AMERIKA DIENST 06

und Jean Monnet vor nahezu 50 Jahren von einem
wahrhaft integrierten Europa vom Atlantik bis zum Ural
hatten. Sie wird die Partnerschaft der Vereinigten
Staaten nicht nur mit einem integrierteren Europa,
sondern weltweit vertiefen.
Diese Gemeinschaft basiert auf unseren bilateralen
Beziehungen zu allen Ländern Europas sowie auf
unseren Verbindungen im Rahmen multilateraler
Institutionen wie der NATO, der EU und der OSZE.
Durch die Europäische Union, die NATO und die
OSZE haben wir eine historische Chance zur Ausweitung von Frieden und Wohlstand. Durch die
Öffnung demokratischer Institutionen für neue Mitglieder machen wir Gegner zu Freunden und Verbündeten, verbreiten Freiheit und Wirtschaftsreformen und
öffnen unsere Gesellschaften für eine Weltwirtschaft,
die wirklich keine Grenzen kennt. Gemeinsam verfolgen wir eine umfassende Strategie zur Vermeidung
künftiger Konflikte in einem integrierten Europa.
Die ersten Schritte werden nicht allein von der NATO
unternommen.
Die neuen Demokratien Zentraleuropas öffnen sich ebenfalls nach Osten und Westen
um sicherzustellen, daß der Dialog fortgesetzt wird und
fruchtbar ist.
An diesem Punkt möchte ich die positive Rolle Polens
in der Region hervorheben. Polen hat besonderes
Geschick bei der Pflege der Beziehungen zu seinen
Nachbarn im Westen und Osten gleichermaßen
bewiesen und nicht die Tatsache aus den Augen
verloren, daß seine Beziehungen zu diesen Ländern
eine wichtige Priorität bleiben. Polen hat die alte Kluft
überwunden und gemeinsame Friedenssicherungsbataillone mit der Ukraine und Litauen geschaffen.
Polen hat die PfF genutzt, um die Beziehungen zu
seinen Nachbarn im Osten zu verbessern, und nicht
nur, um seine Eignung für einen NATO-Beitritt unter
Beweis zu stellen. Durch diese Bestrebungen hebt
sich Polen als stabilisierender Akteur im neuen
Zentraleuropa ab, dessen Anstrengungen zur Nachahmung empfohlen werden.
Abschließend möchte ich betonen, daß wir uns zwar
einen ehrgeizigen, aber auch den richtigen Zeitplan
gesetzt haben.
Würde der Prozeß langsamer vonstatten gehen,
könnte die politische Unterstützung der NATO in den
Mitgliedstaaten auf unnötige Weise unterminiert
werden. Das Bündnis hat seine ursprüngliche Entscheidung zur Erweiterung vor drei Jahren - 1994 getroffen, und es ist jetzt an der Zeit, Fortschritte zu
machen und die NATO an die derzeitigen Gegebenheiten anzupassen.
Noch länger zu warten, würde einen Aufschub der
vielen mit einer NATO-Erweiterung einhergehenden
Vorteile bedeuten. Madeleine Albright formulierte es

Seite 3

�kürzlich folgendermaßen: "Gleichzeitig gewinnen wir
neue Verbündete, die bestrebt und zunehmend fähig
sind, einen Beitrag zu unserer gemeinsamen Sicherheitsagenda zu leisten - vom Kampf gegen den
Terrorismus und die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen bis zur Sicherung von Stabilität in
Krisenregionen wie dem ehemaligen Jugoslawien."
Allein die Aussicht auf eine NATO-Erweiterung gibt
Zentral- und Osteuropa mehr Sicherheit, als es in
diesem Jahrhundert genossen hat.
Gleichzeitig wollen wir das Tempo nicht forcieren,
denn das könnte - ebenso wie unnötige Verzögerungen - zu Instabilität führen. Wir haben einen überlegten, schrittweisen und transparenten Anpassungsprozeß eingeleitet. Die militärische Effektivität wird
bewahrt. Vor allem werden die 16 Mitgliedstaaten der
NATO während des gesamten Anpassungsprozesses
weiterhin Entscheidungen per Konsens fällen.
Bei unseren Diskussionen über die Zukunft der NATO
sollten wir - und insbesondere diejenigen unter uns,
die an dem politischen Entscheidungsfindungsprozeß
beteiligt sind - nicht vergessen, daß die NATO mehr
bewirkt hat als die Eindämmung der sowjetischen

Bedrohung. Bei ihrer Gründung bot die NATO das
Vertrauen und die Sicherheit, die Europas zerstörte
Volkswirtschaften für ihren Wiederaufbau benötigten.
Sie ermöglichte die europäische Integration, indem sie
die Annäherung von Frankreich und Deutschland
bewirkte. Und sie stabilisierte die Beziehungen
zwischen Griechenland und der Türkei.
Die NATO bot weitaus mehr als die Verteidigung
unserer Lebensweise gegen militärische Aggression.
Sie diente als Forum für Zusammenarbeit bei einer
Vielzahl anderer Fragen. Letztlich wurde sie zu einem
Ort, an dem viele unserer bedeutenden multilateralen
und sogar bilateralen Gespräche stattfanden.
Amerikaner und Europäer können untereinander die
Integration neuer Mitglieder in den Bereichen Politik
und Wirtschaft, Verteidigung und Sicherheit gewährleisten. Wenn wir dieses Ziel erreicht haben, werden
wir auf das Ende des 20. Jahrhunderts als eine Zeit
zurückblicken, in der wir die richtigen Entscheidungen
trafen und den Mut hatten, die historischen Chancen
zu nutzen.
Vielen Dank.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 06

�USA-DEUTSCHLAND
26. März 1997

Kulturbruch mit Amerika - nein danke!
Rede von J.D. Bindenagel

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Charge d'Affaires der Botschaft der
Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, am 16. März 1997 bei der
Fulbright-Woche in Berlin gehalten hat.

Herr Außenminister, Frau Dr. Ischinger, Mitglieder des
Fulbright-Vereins, liebe Fulbright-Stipendiaten und
Alumni,
vielen Dank für die Gelegenheit, zu Ihnen sprechen zu
dürfen - vor allem hier in Berlin. Immer wenn ich in
diese Stadt komme, denke ich an ihre Geschichte
dramatischer Veränderungen und des Aufruhrs. Man
kann praktisch nicht umhin. Wenn man durch die
Stadt geht und zu der Ruine der Gedächtniskirche
kommt, muß man sich an den Strudel der Gewalt
erinnern, der seine Narben auf diesem Land und der
Welt hinterließ. Der Flughafen Tempelhof erinnert uns
an die 18 Monate der Berliner Luftbrücke und die
Solidarität der Alliierten. Und ein Spaziergang entlang
dem Schöneberger Rathaus ruft die Filme meiner
Jugend und einen jungen amerikanischen Präsidenten
ins Gedächtnis, der uns erklärte, der stolzeste Satz
eines freien Bürgers sei: "Ich bin ein Berliner." Wir
hatten das Glück, diese Stadt ungeteilt und frei zu
erleben, als Symbol nicht nur für ein vereintes
Deutschland, sondern auch für einen Kontinent, der
endlich die letzten Grenzen und Schranken des Kalten
Krieges niederreißt. Sie dürfen nie wieder aufgebaut
werden.
Weswegen wurden diese Schranken überhaupt
errichtet? Wodurch wurden die Kontakte zwischen
West und Ost unterbunden? Ich gebe zu, daß die
Antwort für uns heute von Bedeutung ist, wenn wir die
Reisefreiheit und den Austausch von Gedanken
schützen wollen - die kostbarsten, hart erkämpften
Errungenschaften dieses Jahrhunderts der Konflikte.
Als die Sowjetunion ihre politische Kontrolle über die
Länder Zentral- und Osteuropas konsolidierte, sorgte
Stalin dafür, daß es keine privaten Kontakte zu der
Welt dort draußen gab. Als seine Nachfolger sahen,

AMERIKA DIENST 06

daß die Deutschen aus dem unfreien Teil Deutschlands auf der Suche nach Freiheit und Chancen in den
Westen strebten, errichteten sie Wachposten und die
Berliner Mauer. Als George Marshall vor fünfzig
Jahren Wirtschaftshilfe und Chancen versprach, war
ein Teil Europas, der ebenso zerstört war wie der Rest,
nicht frei, sich daran zu beteiligen. Und als William
Fulbright darauf drängte, daß junge Menschen Studenten - international reisen und zum freien Fluß
von Menschen und Gedanken beitragen, konnte sich
halb Europa nicht daran beteiligen. Wenn uns dieses
zu Ende gehende Jahrhundert nur eines lehrt, dann,
daß Freiheit schnell verloren und massiv, extensiv
unterdrückt werden kann. Diese Unterdrückung kann
letztlich überwunden werden, aber nur nach großem
Leid. Wenn der Staat dem Volk die Kontrolle entzieht
oder die Menschen ihre Freiheit dem Staat abtreten, ist
der freie Fluß der Menschen und Gedanken meistens
das erste Opfer. Robert Frost sagte einmal, etwas in
der menschlichen Natur verabscheue eine Mauer.
Das mag zutreffen, aber wir dürfen nicht untätig
zusehen. Wir benötigen Brücken, die jede Mauer
überspannen können.
Das Fulbright-Austauschprogramm ist eine solche
Brücke - vielleicht unsere wichtigste. Sie ist stabil und
jetzt über fünfzig Jahre alt. Mehr als 20.000 Menschen
haben diese Brücke zwischen Deutschland und den
Vereinigten Staaten überquert. Ihre Erfahrungen und
Leistungen im Leben beweisen, daß die Deutschen
und Amerikaner, die diese Brücke überquerten, in
hohem Maße von ihren Studien und Reisen profitiert
haben. Sie haben unsere beiden Länder auch bereichert. Sie sind Minister und Fernsehkommentatoren,
Leiter von Unternehmen und Anwaltskanzleien,
führende Akademiker und Wissenschaftler geworden.
Ein amerikanischer Fulbright-Stipendiat in Deutschland

Seite 1

�wurde ein Astronaut, und einem deutschen FulbrightStipendiaten in den Vereinigten Staaten wurde vor
einigen Jahren der Friedensnobelpreis für Medizin
verliehen. Wie es ein Bundestagsabgeordneter vor
kurzem formulierte, war das deutsch-amerikanische
Fulbright-Programm in den letzten fünfzig Jahren der
Eckpfeiler der bilateralen kulturellen Beziehungen.
Und Präsident Herzog erklärte in einer Rede hier in
Berlin vor nur einem Jahr, das Fulbright-Programm sei
eine wunderbare Investition in unsere gemeinsame
Zukunft. Präsident Clinton schrieb im vergangenen
Jahr, das Fulbright-Programm sei wichtiger als je zuvor
- ein maßgeblicher Beitrag zur Entwicklung einer auf
Frieden, Wohlstand und Freiheit gegründeten globalen
Staatengemeinschaft.
Diese starken Worte des Lobes und Engagements
sollten uns erfreuen und ermutigen. Austauschschüler, Alumni und alle an der ausgezeichneten
Durchführung des Fulbright-Programms in Deutschland Beteiligten können zu Recht stolz sein. Aber die
durch das Fulbright-Programm gebaute "Brücke"
benötigt noch unsere Unterstützung. Wir leben in
einer Zeit, in der sich die Regierungen unserer beiden
Länder großem Druck ausgesetzt sehen, zu sparen
und die fortgesetzte Notwendigkeit jedes Programms
unter Beweis zu stellen. In meinem Land sieht das
Modell für staatliche Aktivitäten - das von manchen als
Paradigma bezeichnet wird - vor, daß Programme nur
mit staatlichen Geldern gefördert werden, wenn sie
eine Partnerschaft mit dem Privatsektor vorweisen
können. Die Fulbright-Kommission in Deutschland
erfüllt diese Bedingung mit ihrem neuen Verein der
Freunde und Förderer des deutsch-amerikanischen
Fulbright-Programms, der sowohl Praktikantenplätze
als auch Stipendien anbietet. Ich bin überzeugt, wenn
der Privatsektor ein echtes Engagement für staatlich
unterstützte
Austauschprogramme
demonstriert,
werden Regierungen nicht vor ihren Verpflichtungen
zurückschrecken. Sie werden an diesem Erfolg
teilhaben wollen. In diesem Jahr ist der FulbrightFörderverein ebenso gewachsen wie der Beitrag der
amerikanischen und der deutschen Regierung.
Ich möchte eine logische Schlußfolgerung ziehen.
Wer sich die gesamten deutsch-amerikanischen
Austauschprogramme ansieht - berufliche, akademische, Jugendaustausch, Städtepartnerschaften - ist
zweifelsohne verblüfft, wenn er sich die staatlichen
Beiträge ansieht. Die zahlreichen Stiftungen, Berufsgruppen, Privatvereinigungen und Unternehmen fügen
den Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern
jedes Jahr im realen Leben und im Cyberspace immer
mehr Brücken hinzu. Sie ersetzen die Rolle der
Regierung nicht, sondern ergänzen sie. Wahrscheinlich kann niemand genau sagen, wieviele private
Übereinkünfte zwischen amerikanischen und deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen
geschlossen wurden. Wir wissen, daß es viele gibt möglicherweise mehr als je zuvor. Das heißt jedoch

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nicht, daß wir das Fulbright-Programm weniger nötig
hätten.
Wir müssen den Privatsektor, die akademischen
Institutionen und die Medien insgesamt in unsere
Kulturbeziehungen einbeziehen. Allzu viele vertreten
die irrige Annahme, zwischen Deutschland und den
Vereinigten Staaten gebe es einen Kulturbruch. Das
Gegenteil ist der Fall. Die Vereinigten Staaten haben
in Europa keinen wichtigeren Austauschpartner auf
kultureller, akademischer und beruflicher Ebene als
Deutschland. Und ich wage zu behaupten, daß es für
Deutschland außerhalb von Europa kein wichtigeres
Tourismus- und Austauschland gibt als die Vereinigten
Staaten. Diese Beziehungen sind zu umfassend, zu
vielfältig und zu dynamisch, um in die enge Schablone
von Beziehungen zwischen spezifischen Institutionen
gepreßt zu werden. Es sind Beziehungen mit vielen
Brücken, nicht nur mit einer.
Die selektive Lektüre einiger Zeitungen mag den
Eindruck erwecken, in Amerika habe sich das Bild von
Deutschland geändert oder Deutschland sei für
Amerika nicht länger einzigartig.
Solche Artikel
erwähnen den Abbau der amerikanischen Streitkräfte
in Deutschland oder die Umstrukturierung einiger
Amerika Häuser. Aber sie begreifen nicht das Wesentliche: Wir leben nicht mehr in einer Zeit der Selbstverständlichkeit oder des automatischen Konsenses,
sondern in einer Zeit der Partnerschaft. Ein amerikanischer Kommentator schrieb letzte Woche in der
Washington Post nachdem er diese Stadt besucht
hatte, in Deutschland sei die größte Story, daß es
keine Story gebe - das heißt, wie er es formulierte, "die
alte Nation scheint vollkommen verschwunden zu
sein".
Glücklicherweise werden wir nicht mehr mit der
Tyrannei konfrontiert, die dieses Jahrhundert in
Aufruhr versetzte. Die Mauern sind gefallen, und auf
den Brücken herrscht mehr Geschäftigkeit denn je.
Dies ist das normale und aufregende Zeitalter der
Vorbereitung auf das neue Jahrhundert in internationaler Partnerschaft. Das Fulbright-Programm ragt
als leuchtendes Beispiel heraus und verbindet unsere
beiden Gesellschaften miteinander. Es gibt keinen
Kulturbruch.
Sie wissen, daß es eine Tradition gibt, die so alt ist wie
das Fulbright-Programm in diesem Land. Jedes Jahr
im Herbst kommen die derzeitigen und ehemaligen
Mitglieder des Fulbright-Programms in Bremen
zusammen, wo die ersten deutschen Fulbright-Stipendiaten in den fünfziger Jahren mit dem Schiff in die
Vereinigten Staaten aufbrachen und die ersten
amerikanischen Austauschschüler in Deutschland
ankamen. Jedes Frühjahr kommen sie hier in Berlin
zusammen. Bei diesen jährlichen Zusammenkünften
sprechen sie über die Geschichte, deren Bestandteil
sie sind und jetzt in Berlin über die Zukunft, in der sie

AMERIKA DIENST 06

�eine wichtige Rolle spielen werden. Ich bin überzeugt,
daß diese Rolle angesichts steigernder Kommunikation und Kontak'e zwischen unseren beiden Ländern
an Bedeutung gewinnen und die Zeit immer weiter
zurück in die Geschichte verweisen wird, in der diese
Kontakte tatsächlich unterbrochen waren. Wenige
Dinge verbinden uns so stark wie das halbe Jahrhundert unseres gemeinsamen Engagements für un-

sere grundlegenden Menschenrechte - Reisefreiheit
und freier Gedankenaustausch. Mit Ihrem persönlichen Engagement und mit Unterstützung unserer
beiden Regierungen wird es nie wieder einen solchen
Bruch geben.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 06

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ziel ist ein stabiles, demokratisches, geeintes Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame amerikanisch-russische Erklärung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Frauen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Förderung des Status der Frau ist Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Reden der Außenministerin und der First Lady&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Wirtschaftsminister Daley&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aktuelle Themen der euroatlantischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kulturbruch mit Amerika - Nein Danke!&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;</text>
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aniGrika
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Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States ot America

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Z12462 C

05

12. März 1997

U SA-DEUTSCHLAND

DIE JUDISCHE DIMENSION DER DEUTSCHAMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
Rede von J.D. Bindenagel

POLITIK

IST DER LIBERALISMUS IN AMERIKA TOT?
von Robert Earle

OSZE

OSZE MUSS ANPASSUNGSFÄHIG UND
KREATIV BLEIBEN
Rede von John Kornblum

UMWELT

NACHHALTIGE ENTWICKLUNG NUR MIT
AKTIVER BETEILIGUNG DER BEVÖLKERUNG
MÖGLICH
von Botschafter Bill Richardson

DATENAUTOBAHN

DER BAU EINES NEUEN AMERIKA HAUSES
IM WEB
von Robert Earle

TELEKOMMUNIKATION

AUF DER SUCHE NACH EINEM STABILEN
TELEKOMMUNIKATIONSMARKT
von Larry Irving

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�USA-DEUTSCHLAND

12. März 1997

Die jüdische Dimension
der deutsch-amerikanischen Beziehungen
Rede von J.D. Bindenagel

BERLIN - (AD) - Der Charge d'Affaires der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik
Deutschland, J.D. Bindenagel, hielt am 3. März 1997 vor dem American Jewish Committee im Amerika Haus
Berlin nachfolgende Rede.

Herr Regierender Bürgermeister, Herr Bubis, Herr
Ramer, liebe Freunde.
Herzlich willkommen im
Amerika Haus Berlin.
Die heutigen deutsch-amerikanischen Beziehungen
wurden auf der Grundlage demokratischer Prinzipien
vor dem Hintergrund einer Mischung tragischer und
hoffnungerweckender Ereignisse geknüpft.
Die
verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs
und die Schrecken des Holocaust können nur als
große Tragödie bezeichnet werden.
Vor dem Hintergrund dieser Geschichte weckte unser
Engagement für Demokratie jedoch große Hoffnungen.
Dies fand seinen Niederschlag in George Marshalls
Plan für wirtschaftlichen Wiederaufbau, der Deutschland zu Wohlstand verhalf; in der Berliner Luftbrücke,
die die Sicherheit der Bundesrepublik bewahrte; und in
Präsident Kennedys stolzem Ausruf eines freien
Mannes: "Ich bin ein Berliner." Auf dieser historischen
Grundlage faßte die Demokratie in Deutschland Fuß
und brachte eine der größten friedlichen Revolutionen
in der europäischen Geschichte hervor.
Während der 25 Jahre, die ich beruflich mit drei
Deutschlands zu tun hatte, insbesondere während der
Revolution von 1989, unterstützte die Politik der
Vereinigten Staaten die Vereinigung Deutschlands
uneingeschränkt. Unsere Unterstützung und Ermutigung basierten auf unseren Erfahrungen mit einem
demokratischen Westdeutschland. Und sie fanden
ihre Bestätigung in der demokratischen Revolution in
Ostdeutschland vor acht Jahren.

AMERIKA DIENST 05

Dieser massive und friedliche Ausdruck des Volkswillens demonstrierte, wie berechtigt die Vision der
Hoffnung von US-Außenminister James F. Byrnes war,
über die er 1946 in Stuttgart sprach. Damals verlieh
Byrnes dem Engagement der Vereinigten Staaten für
Deutschland und seine politische und wirtschaftliche
Einigung Ausdruck, und zum damaligen Zeitpunkt bot
Amerika denjenigen seine entschiedene Unterstützung
an, die an eine bessere Zukunft für Deutschland und
Europa glaubten.
Wir Amerikaner wissen, daß der Preis der Freiheit
ständige Wachsamkeit ist. Wir sind jedoch zuversichtlich, daß diese neue Berliner Republik zur Sicherung
von Frieden und Wohlstand in einem ungeteilten
Europa beitragen wird. Anstatt von der Vergangenheit
verfolgt zu werden, kann Deutschland sich seine in
mehr als einem halben Jahrhundert gemachten
Erfahrungen mit der Ablehnung von faschistischem
und kommunistischem Totalitarismus und dem Aufbau
von Demokratie zunutze machen.
Die Demokratie in Deutschland hat ihre eigene
Geschichte. Sie kann bis 1832 zum Hambacher
Schloß oder dem Parlament in der Frankfurter Paulskirche zurückverfolgt werden. Die moderne, neue
Tradition begann 1949 und fand ihre Legitimation in
der Revolution von 1989. Unsere Herausforderung
besteht darin, den Beziehungen Amerikas zu diesem
souveränen Deutschland eine neue Gestalt zu verleihen, während dieses sich an das neue Umfeld in
einem zunehmend integrierten Europa anpaßt.

Seite 1

�Einige sind zu der Schlußfolgerung gelangt, die
amerikanische Präsenz in Europa sei nicht länger von
elementarer Bedeutung für die nationalen amerikanischen Interessen, weil unser großartiges transatlantisches Projekt zur Beendigung des Kalten
Krieges abgeschlossen ist.

Öffentlichkeit zur Nutzung der historischen Chancen
veranlassen, die durch die Revolutionen geschaffen
wurden, die in Europa den Kommunismus beendeten
und den Weg zur Erweiterung von Frieden, Wohlstand
und demokratischen Prinzipien ebneten?
Ich möchte hierzu einige Gedanken anbringen.

Sie haben Unrecht. Amerika bleibt eine europäische
Macht. Zwar haben sich die "alten Hasen" im Kongreß, den Denkfabriken, den Medien und sogar dem
Außenministerium anderen Projekten gewidmet oder
sind im Ruhestand, aber in den deutsch-amerikanischen Beziehungen entstehen neue Institutionen und
neue Gebiete der Zusammenarbeit.
Diese Veränderung hat unserer Außenpolitik eine
andere Betonung gegeben. Viele prägende Erfahrungen renommierter europäischer Experten entstanden
durch die Appeasementpolitik und ihre katastrophalen
Auswirkungen sowie die Konfrontation des Kalten
Krieges. Die Erfahrungen meiner Generation wurden
durch den Vietnamkrieg sowie die Ereignisse von 1972
und 1973 in Europa geprägt. Der Terroranschlag auf
israelische Sportler bei der Münchner Olympiade war
eine dramatische Demonstration der Nähe des
Nahostkonflikts zu Europa. Dieser Vorfall sowie der
Jörn Kippur-Krieg brachten den arabisch-israelischen
Konflikt vor meine Türschwelle. Als Leutnant der
dritten amerikanischen Infanteriedivision half ich bei
der Verteidigung Deutschlands an der zentralen Front
des Kalten Krieges. Plötzlich hörten wir vom Kriegsausbruch in Israel, und das amerikanische Militär
wurde in Alarmbereitschaft versetzt, um zur Verteidigung Israels entsandt zu werden. Wir stellten unsere
Ausrüstung zusammen, bereiteten uns auf den Einsatz
vor und warteten auf den Marschbefehl in den Nahen
Osten. Der Krieg von 1973 war bald beendet, aber
nach diesen intensiven Kriegsvorbereitungen in den
Wäldern von Unterfranken war ich überzeugt, daß
Europa und der Nahe Osten eng mit den Vereinigten
Staaten verbunden sind. Seitdem erachte ich diese
Dimension der deutsch-amerikanischen Beziehungen
als eines der Grundelemente in unserem Verhältnis zu
Deutschland.
Dieser Aspekt unserer gemeinsamen Interessen ist ein
äußerst geeignetes Thema für unsere Konferenz. Sie
trägt zu unserem Verständnis für das Engagement des
American Jewish Committee für Europa und insbesondere Deutschland und Berlin bei. Wir begrüßen
die Initiative des Committee und seinen Wunsch, diese
bedeutende Dimension der Beziehungen Amerikas zu
Deutschland und Europa zu stärken.
Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der ideologische
Konflikte und Gefahren aus der Zeit des Kalten Krieges
politische Leidenschaften für die Mobilisierung nationaler Ressourcen entfachen. Aber wie können wir
an der Schwelle zu dem neuen Jahrhundert unsere

Seite 2

Erstens müssen wir die Erinnerung an die historischen
Ereignisse schützen und bewahren, auf deren Grundlage unsere Beziehungen geknüpft wurden. Daran
kann kein Zweifel bestehen.
Die Tatsache, daß Amerika Europa nach dem Ersten
Weltkrieg im Stich gelassen hat, lehrte uns, daß die
Vereinigten Staaten hier engagiert bleiben müssen.
Tragödien einschließlich des Holocaust hätten vermieden werden können, wenn sich die Vereinigten Staaten
nach dem Ersten Weltkrieg weiterhin engagiert hätten.
Unsere Verpflichtung zu Deutschland und Europa nach
dem Zweiten Weltkrieg lehrt uns, was durch aktives
amerikanisches Engagement erreicht werden kann.
Zweifelsohne kann jeder Besucher im Haus der
Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn
sehen, wie die Amerikaner der Bundesrepublik beim
Wiederaufbau und der Einführung von Demokratie
geholfen haben.
Zweitens müssen wir unsere politische Analyse
revolutionieren. Wir müssen uns von dem ideologischen Muster des Ost-West-Konflikts befreien, das bis
zum Fall der Berliner Mauer vor acht Jahren unsere
eigenen politischen Erfahrungen maßgeblich beeinflußte. Die Öffnung von Institutionen wie der NATO,
der Europäischen Union und der Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa für neue
Mitglieder ist absolut unerläßlich für unseren Erfolg.
Es ist jetzt an der Zeit, den Ländern Freundschaft,
Partnerschaft und Unterstützung anzubieten, die den
Wunsch geäußert haben, dem Westen beizutreten,
ebenso wie es Deutschland vor einem halben Jahrhundert getan hat. In der NATO arbeiten wir hart auf
die Schaffung eines neuen, umgestalteten Bündnisses
hin, das neue Mitglieder aufnehmen, seinen Dialog mit
anderen durch den neuen Atlantischen Partnerschaftsrat stärken und die Prinzipien besonderer Beziehungen
zu Rußland ausarbeiten kann.
Die deutsch-amerikanischen Beziehungen der letzten
Jahrzehnte sind ein praktisches Beispiel für das gute
Funktionieren des Modells der Erweiterung der
Interessengemeinschaft. Trotz der Ängste, die sich vor
einigen Jahren zur Zeit der deutschen Vereinigung
breit machten, daß die tiefgreifenden Veränderungen
eine Katastrophe für Deutschland und Europa bedeuten könnten, hat sich diese nicht ereignet. Trotz der
durch die Vereinigung herbeigeführten manchmal
schmerzlichen Veränderungen hat Deutschland

AMERIKA DIENST 05

�Grund, stolz auf seinen Platz in Europa und der Welt
zu sein. Der Geist der Demokratie hat Fuß gefaßt.
In meinem dritten Gedankengang möchte ich hervorheben, wie wichtig es ist, mehr Deutsche und
Amerikaner zusammenzubringen. Keine MultimediaTechnologie - so modern oder interaktiv sie auch sein
mag - kann persönliche Kontakte, Verbindungen und
Freundschaften ersetzen. Es ist die menschliche
Dimension der Kontakte, die dauerhafte Ergebnisse
zeitigt.
Die erneuerte transatlantische Gemeinschaft wird auf
dem jahrhundertealten Vermächtnis kultureller und
familiärer Bande aufgebaut. Und sie gründet auf der
jüngeren Geschichte. Unser Erbe gibt uns ein Gefühl
für unsere Identität und für unsere gemeinsamen
Wurzeln in der menschlichen Dimension, die uns
verbindet. Wir sollten unser Erbe, unser Selbstverständnis nicht verlieren, es aber auch nicht zur
Verzerrung der historischen Wahrheit einsetzen.
Wir in den Vereinigten Staaten werden unsererseits
getreu unserem Erbe als Einwanderernation handeln
und die Verbindung zu den 60 Millionen Amerikanern
aufrechterhalten, die deutscher Herkunft sind. Ich bin
der Nachfahre eines preußischen Musketiers, der nach
einer in Königgrätz beendeten früheren historischen
Epoche emigrierte.
Ein Punkt, der in unseren heutigen Diskussionen nicht
vergessen werden sollte, ist, daß die deutsch-amerikanischen Beziehungen eine von den Schrecken des
Holocaust beeinflußte, aber auch darüber hinausgehende Dimension haben.
Millionen Amerikaner
jüdischen Glaubens können kulturelle und historische
Verbindungen zu Deutschland entdecken, die tausend
Jahre zurückreichen. Die jüdische Dimension der
deutsch-amerikanischen Beziehungen ist vielleicht
weniger offensichtlich, bleibt aber ein wichtiger Aspekt
der historischen Bande, die unsere Beziehungen
definieren helfen.
Mit anderen Worten - Deutsche und Amerikaner haben
gleichermaßen in den vergangenen Jahren intensive
Bestrebungen in die Wege geleitet, um die Verbindungen zwischen Deutschland und Europa zu erweitern.
Wir haben mit dem amerikanischen Holocaust Memorial, der Gedenkstätte Topographie des Terrors, dem
Alliierten Museum und dem Haus der Geschichte der
Bundesrepublik Deutschland historischer Ereignisse
gedacht.
Es ist jedoch nicht genug, sich auf Geschichte und
Erbe zu konzentrieren. Wir müssen auch die Aktivitäten verstärken, die uns zusammenbringen und sich auf
die Zukunft konzentrieren.

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Programme wie der Austausch zwischen dem amerikanischen Kongreß und dem Deutschen Bundestag
haben großes Interesse erweckt. Seit seiner Gründung im Jahr 1983 haben bis heute ungefähr 10.000
Deutsche und Amerikaner am Parlamentarischen
Patenschaftsprogramm
Kongreß/Bundestag
teilgenommen.
Das Aspen Institute Berlin hat eine Generation von
Kontakten hervorgebracht und vertieft seine Bande in
Berlin mit Amerikanern sowie Zentral- und Osteuropäern.
Die 1987 gegründete Studiengruppe Deutschland des
Kongresses unterhält reguläre Kontakte zwischen dem
Kongreß und dem Bundestag.
Von der Bundesregierung eingerichtete Universitätszentren für herausragende Studenten in Harvard,
Georgetown und Berkeley stellen sicher, daß sich die
akademische Dimension weiterentwickelt.
Die RIAS Kommission fördert herausragende Leistungen im journalistischen Bereich zum Gedenken an die
Beiträge des Radiosenders während des Kalten
Krieges.
Kongreßdelegationen und führende Politiker kommen
nach Bonn, um die politischen Verbindungen zwischen
unseren beiden Ländern zu Beginn der zweiten
Amtszeit der Clinton-Administration wiederzubeleben.
Es gibt auch bereits Pläne für die Erweiterung der
Kontakte. Die amerikanische Akademie für Gelehrte
der schönen Künste und Geisteswissenschaften wird
in Berlin gegründet.
Die Besuche von Millionen Beschäftigten und Familienangehörigen amerikanischer und deutscher Unternehmen im jeweils anderen Land sind ein Anreiz für
unsere nächste Generation, neue und gemeinsame
Erfahrungen zu sammeln.
Und schließlich fügt die Entscheidung des American
Jewish Committee zur Öffnung eines ständigen Büros
in Berlin eine wichtige Dimension hinzu. Sie bereichert
die kulturelle, historische und familiäre Tradition.
Wir begrüßen Ihre Entscheidung, Ihren amerikanischen Beitrag in die deutsch-amerikanischen
Beziehungen einzubringen und das zu schaffen, was
wir gerne als "Neue Tradition" in Berlin, Deutschland
und Europa bezeichnen.
Ich danke Ihnen.

Seite 3

�POLITIK
12. März 1997

Ist der Liberalismus in Amerika tot?
von Robert Earle

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von Robert Earle, dem Gesandten-Botschaftsrat für öffentliche
Angelegenheiten bei der US-Botschaft Bonn, verfaßten Artikel über die Bedeutung des Wortes "liberal" in der
amerikanischen Politik.

Amerika kann nur sich selbst die Schuld geben, wenn
irgend jemand im In- oder Ausland zu der Schlußfolgerung gelangt, der Liberalismus in Amerika sei tot. Das
Wort "liberal" selbst hat in unseren öffentlichen Diskursen ein trauriges Schicksal erlitten. Es ist ein Unwort,
ein Begriff, der besser vermieden wird. Das ist nichts
Neues. Seit 1980 wurden in jedem Jahr von Präsidentschaftswahlkämpfen eindrucksvolle Trauerfeierlichkeiten abgehalten.
Das Problem dabei ist, daß man - wenn man sorgfältig
hinhört - wie in einer Geschichte von Edgar Allen Poe
ein beunruhigendes Klopfen aus dem Sarg vernehmen
kann. Denn vor wenigen Tagen hat die politische
Partei, mit der Liberalismus amerikanischen Stils am
engsten in Verbindung gebracht wird, wieder ihren
Platz im Weißen Haus eingenommen. Das legt die
Vermutung nahe, daß das, was wir als liberal bezeichnen, einer Überprüfung unterzogen oder zumindest in
einen breiteren Kontext gestellt werden sollte, wenn
die Amerikaner die geringste Hoffnung haben wollen,
auf der Welt verstanden zu werden.
Die Herausforderung besteht darin, zwischen amerikanischem Liberalismus, Parteipolitik und -taktik zu
differenzieren und ihn nicht nur als die Grundlage,
sondern den instinktiven Stil amerikanischen politischen Denkens zu sehen. Das geht weit über Demokraten und Republikaner hinaus.
Der Aufstieg des parteipolitischen Liberalismus im 20.
Jahrhundert ist eng mit Franklin D. Roosevelt verknüpft, einem Demokraten, dessen Maßnahmen des
New Deal das Zeitalter eines aufgeblähten Regierungsapparats - 'big government' - und des Sozialstaats einleiteten. Der Niedergang des parteipoliti-

AMERIKA DIENST 05

schen Liberalismus - so mögen einige argumentieren kam an dem Tag, als Präsident Clinton, ebenfalls ein
Demokrat, erklärte: "Das Zeitalter des 'big government'
ist vorüber."
Unter FDR begannen die Amerikaner Liberalismus als
Instrument des Staates zu sehen, auf die Bedürfnisse
der Verarmten und Benachteiligten zu reagieren. In
den dreißiger Jahren trafen diese Begriffe auf viele
Amerikaner zu. Liberalismus ergab Sinn und war gute
Politik. Bis zur Zeit der Präsidentschaft von Lyndon
Johnson, als es uns wirtschaftlich gut ging, war der
Liberalismus des 'big government' zum weitverbreiteten Credo und Markenzeichen der Demokraten
geworden. Sozialstaatsprogramme waren nicht dazu
gedacht, die Mehrheit vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu retten, sondern vielmehr, eine
Minderheit in das Wirtschaftswachstum einzubeziehen.
In parteipolitischer Hinsicht kümmerten sich die
Demokraten um die Arbeiterklasse und die Armen,
während sich die Republikaner um die Unternehmer
und die Reichen kümmerten.
Bedauerlicherweise verursachten diese spezifischen
taktischen Anwendungen liberaler Ideen und diese
groben parteipolitischen Stereotypen den allmählichen
Tod des "Liberalismus" als bedeutungsvollem Begriff
im amerikanischen politischen Diskurs.
Liberalismus wurde schließlich auf beiden Seiten des
Atlantiks als Mittel geboren, um die Souveränität von
wenigen auf die vielen zu übertragen - vom einzelnen
Souverän auf den souveränen Einzelnen. Das war
eine strategische Verlagerung in der westlichen Politik,
an der sich alle Demokraten beteiligten und stand für
eine enorme Erweiterung der menschlichen Freiheit -

Seite 1

�daher der Begriff Liberalismus. Die amerikanische
Verfassung mit ihrem Schutz des Einzelnen und der
Einschränkung der Regierung ist ein liberales Dokument. Die Vereinigten Staaten waren und sind ein
liberales Land.
Aber lange bevor spezifische politische Anwendungen
und Parteipolitik die Bedeutung von "Liberalismus"
zunichte machten, war ein anderer Faktor - Pragmatismus - der amerikanischen Erfahrung inhärent. Pragmatismus war in praktischer Hinsicht von ebenso
großer Bedeutung wie Liberalismus in konzeptioneller
Hinsicht. Er entwickelte sich als politischer Instinkt,
weil der Triumph des ideologischen Liberalismus im
Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eine nichtideologische Instrumentalisierung erforderte, wenn eine
funktionelle Republik von dreizehn oder mehr Einzelstaaten gegründet werden sollte. Keiner dieser
Staaten war stark genug, um ein klassisches Kräftegleichgewicht anzustreben, das eine Herausforderung
für die liberalen Prinzipen des Unabhängigkeitskrieges
dargestellt hätte, wenn das möglich gewesen wäre. Im
Gegenteil - die Verteilung amerikanischer Macht und
amerikanischen Einflusses war so unklar (und rangierte vom riesigen New York bis zum winzigen Delaware),
daß ein anderes operatives Prinzip entstehen mußte,
um befriedigende politische Lösungen zu erzielen.
Hundert Jahre nach seiner Geburt wurde dieses
operative Prinzip als Pragmatismus bezeichnet und
von amerikanischen Philosophen wie Charles Pierce,
William James und insbesondere John Dewey studiert.
Pragmatismus ist nicht Opportunismus - weit gefehlt.
Er ist vielmehr ein auf Herumprobieren, Experimente
und Gültigkeit gegründeter politischer (und philosophischer) Ansatz, oder - in weniger erhabenen Formulierungen - eine Einstellung, die besagt: "Laß' es uns
versuchen und sehen, ob er gute Ergebnisse erzielt."
Ironischerweise war es Bertram Russell, ein britischer
Philosoph, nicht ein amerikanischer, der die Verbindung zwischen Liberalismus und Pragmatismus am
präzisesten erfaßte: "Das Wesen der liberalen Sichtweise liegt nicht darin begründet, welche Meinungen
man vertritt, sondern wie man sie vertritt: Statt sie
dogmatisch zu vertreten, werden sie vorläufig vertreten
und mit dem Bewußtsein, daß neue Tatsachen jeden
Augenblick dazu führen können, sie aufzugeben."
Ohne Pragmatismus zu erwähnen, akzeptiert Russell
ihn uneingeschränkt als die Praxis im Ethos des
Liberalismus. Mehr als Liberalismus ist es Pragmatismus, der das Verständnis der amerikanischen Politik
so erschwert, weil Pragmatismus ebenso wie die
Wissenschaft dazu neigt, die operativen Prämissen
des vergangenen Jahres mit den Zeitungen von
gestern auszurangieren.
Stellen Sie sich vor (weil es wahr ist): Trotz der
Weltwirtschaftskrise hatte FDR keine ideologischen
Vorbehalte, zu Beginn seiner Administration einen

Seite 2

ausgeglichenen Bundeshaushalt vorzulegen, und
dennoch endete er als Prototyp des amerikanischen
Liberalen. Bill Clinton hat ebenfalls den Ausgleich des
Bundeshaushalts vorgeschlagen. Dafür wurde er
bezichtigt, letztlich doch kein Liberaler zu sein. Also,
wer ist der wirkliche Liberale? Um diese Frage zu
beantworten, muß man sich eine grundlegende
Tatsache vor Augen führen: Fast alle amerikanischen
Präsidenten tendieren dazu, liberale Pragmatiker zu
sein, unabhängig davon, ob sie in Bürgerkriegen,
Weltkriegen, Wirtschaftskrisen oder Ost-West-Konflikten verhaftet waren. Sie sind liberal in dem Sinne,
daß sie um den Schutz und die Erweiterung demokratischer Freiheiten besorgt sind, und sie sind pragmatisch in dem Sinne, daß die amerikanische Geisteshaltung, die nicht nur während der liberalen, sondern
auch während der wissenschaftlichen Revolution
entstand, eher experimentell als dogmatisch ist. Durch
das verfassungsmäßige Recht der freien Rede
geschützte freie Nachfrage ist der intellektuelle
Wirkstoff, der alle Konzepte von Hegemonie oder
Kräftegleichgewicht in der amerikanischen Politik
verbrennt. Daher stehen amerikanische Politiker
gerne breitbeinig, um ihr eigenes Gleichgewicht in der
sich wandelnden Szene offener demokratischer
Debatte zu bewahren.
Der Republikaner Dwight Eisenhower erklärte einmal:
"Ich bin vermutlich in geschäftlicher Hinsicht ein
Konservativer und im Umgang mit Menschen ein
Liberaler." Welches von beiden war er nun? Der
Präsident, der aufhörte, solche Gedanken zu äußern
und der Liberalismus zu einem Schimpfwort machte,
war natürlich Ronald Reagan. Reagan stellte in der
amerikanischen Politik gerade deswegen eine außerordentliche Kraft dar, weil er die auf breiter Basis
ruhende pragmatische Tradition mit einer auf kleinerer
Basis gestützten moralistischen Tradition herausforderte.
Reagan war der echte Amerikaner des 17. Jahrhunderts, ein Emblem der puritanischen Wurzeln
Amerikas, die in den sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts bereits verdorrten. Er war - zumindest in
rhetorischer Hinsicht - ein Absolutist. Er schuf Einfachheit aus der Komplexität moderner Kommunikation, aber tatsächlich brach er mit dem Pragmatismus,
nicht mit dem Liberalismus. Er war ein absolut verfassungstreuer Liberaler. Und er war der Überzeugung,
daß pragmatische Ansätze zum Liberalismus einen
moralischen Ausverkauf darstellten. Diese Nachricht
wollte er nicht nur den Demokraten, sondern auch den
Anhängern seiner republikanischen Vorgänger Ford
und Nixon übermitteln. Moralischer Liberalismus - ein
Liberalismus, der in das eingebettet war, was von
einigen konservativen Denkern als "gottgegebenes
Naturgesetz" bezeichnet wurde - stellte die Quintessenz des Reaganismus dar.

AMERIKA DIENST 05

�Reagan wurde 1980 in seinem Wahlkampf der moralischen Erneuerung von mächtigen Kräften unterstützt.
Der durch Henry Kissinger verkörperte Pragmatismus
Nixons hatte in gewisser Weise nicht funktioniert.
Trotz Detente stellte die Sowjetunion immer noch eine
Bedrohung dar, China war immer noch kommunistisch,
und dasselbe galt für Vietnam, Kuba und schließlich
Afghanistan. Ferner ging es der unter der Ölkrise
leidenden Wirtschaft unter Carter schlecht, was noch
durch die Nachwirkungen der durch den Vietnamkrieg
hervorgerufenen Inflation verschlimmert wurde.
Amerika erschien Reagan und seinen Anhängern im
Wahlkampf 1980 tatsächlich wie Nixons "bedauernswerter Riese". Und diese Anhänger gehörten zu den
talentiertesten politischen Aktivisten seit den Braintrustern von Franklin D. Roosevelt.
Mitte der achtziger Jahre wurde die Reagan-Revolution schwächer und verlor an Glanz. Vertreter von
Pragmatismus und Skeptizismus in Amerika sahen,
wie bestimmte Dinge im nationalen Leben Amerikas
nicht funktionierten, wobei das explodierende Haushaltsdefizit an erster Stelle stand. Die Republikaner
nahmen schnell eine Kurskorrektur vor. Die folgenden
beiden Präsidentschaftskandidaten der Republikaner
waren dieselbe Art von liberalen Pragmatikern wie es
Ford und Nixon gewesen waren.
Nixon - ein liberaler Pragmatiker? Die nachfolgende
Reagan-Revolution stellte ihn in diesem Licht dar. Es
stimmt, daß Nixon sich zum Zweck der Inflationsbekämpfung weigerte, bestimmte vom Kongreß
bewilligte Gelder auszugeben. Reagan hätte wohl
dasselbe getan, wenn der Kongreß es zugelassen
hätte. Aber Nixon machte Lyndon Johnson's Regierung größer denn je. Unter anderem gründete er das
Umweltschutzamt, weil er die Regierung für ein
legitimes Instrument hielt, das den Interessen der
Öffentlichkeit dienen kann und sollte - wenn es
funktioniert.
Und das ist vielleicht der wichtigste Punkt: 'Big government' ist nicht der Maßstab für die Lebensfähigkeit
des Liberalismus in Amerika und auch kein Glaube
und keine Ideologie um seiner oder ihrer selbst willen,
nicht einmal für die Demokraten. Ein aufgeblähter
Regierungsapparat, der nicht die gewünschten Ziele
erreicht, ist ein Feind des Liberalismus, nicht sein
Freund.
Es ist extrem schwierig, diese Idee zu vermitteln, weil
wir 'big government' lange Zeit mit Liberalismus
assoziierten und die ganze Frage damit so parteipolitisch wurde. Zudem sind mit der Fortsetzung
spezifischer staatlicher Ansätze und Programme
machtvolle Interessen verbunden. Unter Franklin
Roosevelt waren die Amerikaner verzweifelt. Sie
hätten praktisch alles versucht. Jetzt sind die Amerika-

AMERIKA DIENST 05

ner zwar pragmatisch, aber alles andere als verzweifelt. Sie würden nicht alles versuchen. Wir sahen
das an ihrer Reaktion auf die Debatte über die Gesundheitsreform, die den Demokraten zum Nachteil
gereichte, und wir sahen das an ihren Reaktionen auf
die Vorschläge zu Kürzungen der Sozialleistungen und
auf die Zahlungsunfähigkeit der Regierung, die den
Republikanern zum Nachteil gereichten.
In diesem Sinn ist die amerikanische Wählerschaft bei
ihrem Experiment mit einer geteilten Regierung republikanische Mehrheit im Kongreß, Demokrat im
Weißen Haus - zunehmend aktivistisch geworden.
Nicht Parteizugehörigkeit und Ideologie sind von
Bedeutung, wichtig ist die Mischung politischer Kräfte,
die den Amerikanern bessere Dienstleistungen
bereitstellen - vorzugsweise (aber nicht notwendigerweise) zu geringeren Kosten.
Wir haben es hier keinesfalls mit einem Toten zu tun dieses Geräusch im Sarg ist der amerikanische
Liberalismus, der sich räuspert, um wieder das Wort
ergreifen zu können. Er weiß, daß er sich in einer
engen Kiste befindet. Die pragmatische Frage lautet wie kommt er heraus? Wie benutzt ein liberaler
Präsident aus den Reihen der Demokraten die Regierung nicht nur zur Bereitstellung notwendiger Leistungen und Durchführung von Veränderungen im Dienste
des amerikanischen Volkes, sondern auch für neue
Anreize, die von Unternehmen und nichtstaatlichen
Organisationen finanziert und umgesetzt werden?
Das erfolgt wahrscheinlich nicht durch eine neue
Doktrin oder ein Dogma, obwohl die Fähigkeit des
Reaganismus zu doktrinärer Denkweise Tradition
bleibt. Vielmehr geschieht es wahrscheinlich durch
kunstvoll gestaltete Initiativen, denen man am besten
erst nach ihrer Umsetzung einen Namen gibt. Das
wird in der Innenpolitik und in der Außenpolitik geschehen. Einige werden uns den Vorwurf der Inkonsequenz machen, aber das bleibt unsere größte Stärke,
während wir den liberal-demokratischen Überzeugungen treu bleiben - mit vielen pragmatischen Drehungen
und Wendungen auf dem Weg.
Ein demokratischer Präsident, der behauptet, die
Regierung könne nicht für alles sorgen und das
Zeitalter des 'big government' sei vorüber, mag ein
ungewöhnlicher Demokrat sein, aber er ist ein typischer Amerikaner auf der Suche nach dem, was
funktioniert und was erfüllt. Darüber hinaus verfügt er
über einen Haushalt von 1,6 Billionen Dollar. Als
Vermittler spielt die US-Regierung eine wichtige Rolle
im amerikanischen Leben und auf der internationalen
Bühne - und der Liberalismus bestimmt weiterhin die
nationalen Ziele Amerikas, ebenso wie der Pragmatismus unsere bevorzugte politische Vorgehensweise
definiert.

Seite 3

�OSZE

12. März 1997

OSZE muß anpassungsfähig und kreativ bleiben
Rede von John Kornblum

WIEN - (AD) - Der Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium,
John Kornblum, hielt am 6. März 1997 vor dem Ständigen Rat der Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (OSZE) die nachfolgende Rede.

Es ist mir eine große Freude, zu einer Zeit hierher
zurückzukehren, in der die OSZE eine neue Bedeutung erlangt hat. Wer von uns 1992 in Helsinki dabei
war, als wir ein Aktionsprogramm für die OSZE
entwarfen, hätte sich nicht vorstellen können, wieviele
Fortschritte die OSZE in fünf kurzen Jahren machen
würde.

des Gefühls der Instabilität, das für viele Teile Europas
immer noch eine Belastung darstellt. Und im neuen
Zeitalter demokratischer Zusammenarbeit heißt das
vor allem, den Menschen und Nationen unserer
Gemeinschaft die Initiative für die Schaffung von
Sicherheit zu überlassen.
Wenn wir unseren Menschen das Gefühl geben

Die OSZE gewinnt jeden Tag an Glaubwürdigkeit und
Einfluß. Als die einzige Organisation, die sich vollständig der Schaffung von Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und über den Atlantik hinweg widmet,
ist die OSZE prädestiniert, eine zentrale Rolle bei
unseren gemeinsamen Bestrebungen zum Aufbau
einer demokratischen Sicherheitsordnung in Europa zu
übernehmen.
Ich kann Ihnen versichern, daß diese Lektion auch in
den Vereinigten Staaten beherzigt wird. Die Bosnienmission und die Mission von Felipe Gonzalez haben
der OSZE mehr Anerkennung denn je verschafft.
Außenministerin Albright ist eine besonders entschiedene Befürworterin der OSZE, wie viele von
Ihnen in ihrer Anhörung vernommen haben. Wenn wir
in Washington nach Mitteln zur Lösung drängender
Probleme suchen, wenden wir uns in immer stärkerem
Maße der OSZE zu. Die Vereinigten Staaten betrachten die OSZE als elementaren Aspekt unserer Hoffnung auf ein - wie Präsident Clinton es formulierte wahrhaft integriertes Europa.
Integration ist für uns keine spezifische organisatorische Lösung oder ein gut durchdachter Vertrag. Sie
bedeutet Integration aller Aspekte der Zusammenarbeit
innerhalb und zwischen Gesellschaften und Regierungen auf allen Ebenen. Sie beinhaltet die Überwindung

AMERIKA DIENST 05

können, daß wir in unsere gegenseitige Sicherheit
investieren und daß sie offen und positiv miteinander
umgehen können, dann haben wir unser Ziel echter
Integration erreicht.
Die OSZE ist der beste, vielleicht der einzige Ort, an
dem diese komplexen Aspekte debattiert, definiert und
in konkrete Aktionen umgesetzt werden können.
Die OSZE ist von Natur aus ein Organ, das ständig
verbessert und umstrukturiert wird. Wir haben in
diesem Saal und andernorts zahllose Debatten über
die richtige Gestaltung der OSZE geführt. Viele von
Ihnen kennen die Überzeugung der Vereinigten
Staaten, daß die OSZE eine einzigartige Einrichtung
ist. Sie ist eine werteorientierte, politische Organisation, die genau deswegen stark ist, weil sie keine
formalrechtliche Struktur hat.
Diesem Konzept schließen sich nicht alle Mitgliedstaaten an. Es gibt andere legitime Visionen für die Zukunft
der OSZE. Aber es gibt auch Zeiten, in denen wir nicht
zulassen sollten, daß die Debatte über Visionen den
Aktionen im Weg steht - und dies ist eine solche Zeit.
Der Lissabonner Gipfel hat einen wesentlichen Beitrag
zu unserer Arbeit geleistet. Jetzt besteht unsere
Aufgabe darin, den Entscheidungen unserer führenden
Politiker Substanz zu verleihen.

Seite 1

�Es ist offensichtlich, daß wir diese Organisation stark,
kreativ und einsatzbereit halten müssen. Wir haben
mehrere Institutionen ins Leben gerufen, die jetzt als
Modelle für innovative Diplomatie angesehen werden.
Unsere ständigen Implementierungstreffen sind ein
Ausgangspunkt für unsere Aktionen. Die OSZE ist
auch eine der beiden Organisationen, die nach Ansicht
der NATO und der WEU ein Mandat für Operationen
zur Friedenssicherung und Konfliktverhütung haben.
Dies ist ein wichtiger Moment um sicherzustellen, daß
die OSZE weiterhin an vorderster Front der Bestrebungen zur Förderung von Sicherheit, Demokratie und
Wohlstand auf ihrem gesamten Gebiet steht.
Eine andere wichtige Frage für die OSZE lautet, wie
sie zu dem Ort werden kann, an dem wir die Sicherheitsagenda für die ganze Region bestimmen.
Aufgrund ihrer umfassenden Mitgliedschaft können alle
Nationen und Völker in der OSZE das Gefühl haben,
daß sie in der zu schaffenden Sicherheitsgemeinschaft
vertreten sind. Dieser gemeinsame Sicherheitsraum
bietet Platz für viele verschiedene Bestrebungen. Die
NATO wird weiterhin eine wesentliche Rolle spielen ebenso wie die Europäische Union, der Europarat und
die in der Schlußakte von Helsinki enthaltenen zahlreichen regionalen Bestrebungen. Letztlich wird unsere
Zukunft jedoch von den demokratischen Grundlagen
der Sicherheit bestimmt.
Durch die Stärkung der Fähigkeit der OSZE zu
handeln und auf dieser Grundlage unser Sicherheitsmodell für das 21. Jahrhundert zu definieren, können
wir sicherstellen, daß die OSZE wirklich die führende
Institution für Sicherheitszusammenarbeit in dem
neuen Zeitalter ist. Aber Worte sind nicht genug. Es
müssen Taten folgen. Aus diesem Grund möchte ich
heute einen Aktionsplan für das kommende Jahr
vorschlagen, der der wichtigen Arbeit zusätzliche
Substanz verleiht, die wir bereits leisten:
Verstärkte Konzentration auf die andauernde
Instabilität auf dem Balkan. Kritische Themen
müssen bewältigt werden. Darunter natürlich
die aktuelle Krise in Albanien, wo die OSZE in
einer einzigartigen Position ist, einen unverzüglichen und dauerhaften Beitrag zu
leisten. Ich fordere die albanische Regierung
auf, die guten Dienste der OSZE uneingeschränkt zu nutzen, damit sie zur Behebung
der Instabilität beitragen kann, die das Land
bedroht.
Es gibt auch eine Reihe anderer drängender Probleme
auf dem Balkan, die unsere Aufmerksamkeit erfordern.
Die Verstärkung unserer Bestrebungen für Kommunalwahlen müssen eine Priorität sein. Jeder teilnehmende
Bundesstaat muß maximale Anstrengungen unternehmen, damit diese Wahlen ungestört ablaufen.

Seite 2

Darüber hinaus sollten wir unseren Einsatz für Menschenrechte und die Demokratisierung in Bosnien
zielgerichteter gestalten, die Einhaltung von Artikel II
und IV der Rüstungskontrollabkommen prüfen, den
Weg für demokratische Wahlen in Serbien ebnen, den
Dialog im Kosovo fördern, den Konflikt in Albanien
ansprechen und die Rolle der OSZE nach UNTAES in
Ostslavonien festlegen.
Ein ausgezeichnetes Forum für die gründliche
Erörterung dieser Probleme wäre ein Treffen
des Hohen Rats. Wie Sie wissen, haben wir
ein solches, im Budapester Dokument von
1994 vorgeschriebenes Treffen seit nahezu
einem Jahr nicht mehr abgehalten. Ein gut
besuchtes und gut organisiertes Treffen des
Hohen Rats würde nicht nur unsere Arbeit auf
das Ziel ausrichten, sondern auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die entscheidende Rolle lenken, die die OSZE jetzt
bei der Stabilisierung dieser Region spielt.
Wir sollten auch die Zusammenstellung von
"Demokratisierungsteams"
in
Erwägung
ziehen, damit sich die instabilen Demokratien
erfolgreicher entwickeln können.
Diese
Teams wären mehr als die isolierten Konsultationsbesuche hochrangiger OSZE-Vertreter
und etwas weniger als eine Langzeitmission.
Sie könnten aus Experten, Diplomaten und Politikern
bestehen, die eine Reihe von Besuchen machen oder
mehrere Wochen bleiben würden, um den Regierungen bei der Erarbeitung von Strategien zur Bewältigung von Problemen wie wirtschaftlicher oder ethnischer Instabilität, Planung effektiver Wahlen oder
Förderung der zivilen Kontrolle des Militärs behilflich zu
sein. Die Zusammenstellung dieser Teams, möglicherweise unter der Schirmherrschaft des Büros für
demokratische Institutionen und Menschenrechte
(BDIMR) wäre ein weiteres Instrument, das flexibel
zum Abbau von Spannungen eingesetzt werden
könnte.
Wir sollten auch dem Arbeitsprogramm für das
Sicherheitsmodell verstärkte Aufmerksamkeit
widmen. Im Einklang mit unseren Lissabonner Vereinbarungen möchten wir die "neuen
Verpflichtungen" definieren, die wir in diesem
Zusammenhang eingehen können.
Am
wichtigsten wird das Sondieren neuer Wege
für gemeinsame Aktionen sein, damit wir
unverzüglich und effektiv handeln können,
wenn OSZE-Prinzipien und -Verpflichtungen
verletzt werden. Unsere Arbeit an dem Sicherheitsmodell sollte vor allem sehr viel mehr
als eine Maßnahme sein, nur eine weitere
Deklaration zu entwerfen.

AMERIKA DIENST 05

�Meines Erachtens müssen wir auch die Art und Weise
eingehend prüfen, wie wir die uns jetzt zur Verfügung
stehenden Handlungsmechanismen entschiedener
einsetzen können. So aktiv die OSZE ist, können wir
doch noch effektivere Überwacher unserer eigenen
Standards sein. Sobald wir diese praktische Seite des
Programms umgesetzt haben, können wir überlegen,
wie wir am besten damit arbeiten - durch eine Charta
oder andere Mittel.
Wir haben den wichtigen wirtschaftlichen,
umweltpolitischen und wissenschaftlichen
Aspekten der OSZE nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Die wirtschaftliche Dimension
wurde der Schlußakte hinzugefügt, um der
Tatsache Rechnung zu tragen, daß demokratische Institutionen ohne eine solide Grundlage des Wohlstands nicht prosperieren können.
Die Vereinigten Staaten und Rußland haben
Initiativen in die Wege geleitet, um die wirt-

schaftliche Dimension zu beleben. Wie die
dramatischen Ereignisse der vergangenen
Wochen demonstrieren, ist der wirtschaftliche
Aspekt der Sicherheit von zentraler Bedeutung
für uns. Es ist an der Zeit, daß alle Teilnehmerstaaten auch ihrer Verantwortung in
diesem Bereich gerecht werden.
Dies sind nur einige wenige Bereiche, in denen wir
meiner Ansicht nach in den kommenden Wochen und
Monaten Entscheidungen treffen können. Ich möchte
hier die andauernde Notwendigkeit unterstreichen, daß
die OSZE weiterhin anpassungsfähig und kreativ
bleibt. Unsere Standards und Werte sind konstant sie sind die unveränderliche Grundlage unserer
Zusammenarbeit. Aber ihre Umsetzung sollte noch
innovativer sein. Auf diese Weise wird sich die
Einzigartigkeit und Relevanz der OSZE entsprechend
der Ereignisse weiterentwickeln, statt statisch zu
werden.

* * * * *

AMERIKA DIENST 05

Seite 3

�UMWELT
12. März 1997

Nachhaltige Entwicklung nur mit aktiver
Beteiligung der Bevölkerung möglich
von Botschafter Bill Richardson

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Bill Richardsen, dem
Ständigen Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, über die Überprüfung und Bewertung
der Umsetzung von Agenda 21: Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Kommission für nachhaltige Entwicklung bei den
Vereinten Nationen, 24. Februar 1997.

Herr Vorsitzender, es ist mir eine Freude und Ehre, zu
Beginn meiner zweiten Woche als Ständiger Vertreter
der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen
diese Chance zu haben, über ein für uns alle so
wichtiges Thema zu sprechen. Ich möchte auch
unsere Kovorsitzenden zu ihrer Wahl beglückwünschen, die unsere Staatengemeinschaft bei der
Vorbereitung der Sondersitzung der UN-Generalversammlung über die Agenda 21 im Frühjahr leiten.
An der Schwelle zum 21. Jahrhundert sind das globale
Jahrhundert, die Deklaration von Rio und das Aktionsprogramm der Agenda 21 für nachhaltige Entwicklung
bahnbrechende Leistungen, die einer einfachen
Wahrheit Rechnung tragen. In der interdependenten
Welt von heute können Probleme und Aktionen überall
auf der Welt die Menschen überall auf der Welt
betreffen. Wir gelangen immer mehr zu der Erkenntnis, daß Armut, die Umwelt, soziale Gerechtigkeit, die
Wirtschaft und Sicherheit auf globaler Ebene untrennbar miteinander verbunden sind. Diese Faktoren
haben wir in das Zentrum unserer Außenpolitik gestellt,
während wir gleichzeitig diese Herausforderungen hier
in den Vereinigten Staaten in Angriff nehmen.
Bei der Vorbereitung auf die Überprüfung der seit dem
Erdgipfel vergangenen fünf Jahre ist es daher von
Bedeutung, daß das Streben nach nachhaltiger
Entwicklung weiterhin eine der obersten Prioritäten
und gemeinsamen Missionen für alle Nationen im
nächsten Jahrtausend bleibt.

AMERIKA DIENST 05

Meine Regierung vertritt die Ansicht, daß die Ergebnisse der Sondersitzung zur Erlangung unserer Ziele
sowohl zielgerichtet als auch durchführbar sein sollten.
Unser Programm muß eindeutig die Tatsache berücksichtigen, daß nachhaltige Entwicklung über Umweltfragen hinausgeht und wirtschaftliche sowie soziale
Entwicklung umfaßt.
In Kopenhagen haben wir
bekräftigt, daß dies sich gegenseitig verstärkende
Komponenten unserer Bestrebungen sind, allen
Menschen eine höhere Lebensqualität zu bieten. Im
Juni sollten unsere Staats- und Regierungschefs in
New York eine politische Erklärung abgeben, die sich
auf folgendes konzentriert:
Die Umsetzung der Agenda 21 auf nationaler
und lokaler Ebene
Die sektoralen Probleme des Umweltschutzes
und die sektorenübergreifenden Probleme
nachhaltiger Entwicklung
Die erforderlichen Institutionen zur Koordinierung und Durchführung dieser Bestrebungen
bis ins nächste Jahrhundert
Während wir mit der Überprüfung von Agenda 21
beginnen, kann die Sondersitzung unseres Erachtens
die Fortschritte im einzelnen hervorheben und einen
Anreiz für weitere Aktionen zu mehreren entscheidenden Themen bieten. Dazu zählen:

Seite 1

�Der Vertrag über den Klimawandel
Stratosphärisches Ozon und der Prozeß des
Montrealer Protokolls
Schädliche und toxische Substanzen
Internationale Wälder
Die Konvention über Artenvielfalt und das
Protokoll über Biosicherheit
Verschmutzung der Meere
Fischereiwesen
Versteppung
Trinkwasserfragen
Herr Vorsitzender, nachhaltige Entwicklung funktioniert, wenn der Ansatz integriert und die Beteiligung
umfassend ist sowie der Prozeß von unten nach oben
initiiert und weiterentwickelt wird.
In regierungsunabhängigen Foren können wir uns auf
Normen und Standards sowie optimale Praktiken und
Maßnahmen einigen. Die Durchsetzung kann jedoch
nur auf möglichst dezentralisierter Ebene erfolgen - sei
es auf nationaler, subnationaler oder lokaler Ebene.
Durch kollektive zwischenstaatliche Zusammenarbeit
können wir ein unseren Zielen förderliches Umfeld
gestalten. Aber die Schaffung von Arbeitsplätzen und
die Bekämpfung der Armut erfordern umfassendes und
nachhaltiges Wirtschaftswachstum, das auf solider
nationaler Politik basiert. Umweltschutz setzt in
Entwicklungs- und Industrieländern gleichermaßen
eine durchdachte und allgemein umgesetzte Staatspolitik voraus. Und Kindererziehung sowie Gesundheit
und Wohlergehen unserer Menschen hängen von
Humankapital und Einrichtungen auf nationaler Ebene
ab.
Eine der großen Errungenschaften von Rio war die
Partnerschaft zwischen Staaten und der bürgerlichen
Gesellschaft,

die

bestimmte

Interessenvertreter

entsandte.
Ein wesentliches Element in diesem
Prozeß, das wir in der Kommission für nachhaltige
Entwicklung bislang vielleicht vernachlässigt haben
und dem wir bei der Sondersitzung vollständig Rechnung tragen müssen, ist gute Regierungsführung.
Damit meinen wir eine repräsentative, rechenschaftspflichtige, transparente und zurückhaltende Regierung.
Nur eine solche Regierungsführung gestattet die
Einbeziehung aller Elemente der bürgerlichen Gesellschaft in die Politik der Kommunal- und Zentralregierung zur Erlangung nachhaltiger Entwicklung.
Die bürgerliche Gesellschaft ist die Grundlage für
nachhaltige Entwicklung auf kommunaler und na-

Seite 2

tionaler Ebene. Es ist offensichtlich, daß Regierungen
Programme für nachhaltige Entwicklung nicht im
Alleingang erfolgreich durchführen können. Und es ist
selbstverständlich, daß die Regierungen, die sich
keinen Praktiken für gute Regierungsführung verschreiben und sie befolgen, weder wirksam regieren
noch umweltfreundliches, umfassendes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum fördern können.
Herr Vorsitzender, bei unserer Arbeit an sektorenübergreifenden Fragen muß die Erklärung der Sondersitzung nicht nur die Fortsetzung und Stärkung der
Agenda 21, sondern auch die Leistungen und Vereinbarungen der in Rio begonnenen Serie großer internationaler Konferenzen hervorheben.
Wir müssen uns sowohl mit der Finanzierung als auch
dem Technologietransfer befassen und in diesem
Zusammenhang unseren Dialog erweitern, damit er
über die Finanzierung des öffentlichen Sektors und die
offizielle Entwicklungshilfe hinausgeht und auch die
Nutzung der enormen Macht von in- und ausländischem Privatkapital und Investitionen einbezieht. Die
Sondersitzungen der Kommission für nachhaltige
Entwicklung haben den Rahmen für Gespräche über
Finanzierungsfragen derart gestaltet, daß folgenden
Tatsachen Rechnung getragen wird: Die private
Finanzierung geht bereits weit über die externe Hilfe
hinaus, und der Schwerpunkt bei den Finanzdiskussionen sollte auf der verbesserten Nutzung bestehender
Ressourcen, der Ermutigung von Privatinvestitionen
zur Förderung nachhaltiger Entwicklung sowie der
Prüfung innovativer Finanzmechanismen liegen.
Bei der Vorbereitung der Sondersitzung müssen wir
auch die Nachhaltigkeit von Produktion und Verbrauch
erneut berücksichtigen. Auf diesem Gebiet sowie bei
sektoralen Umweltfragen besteht eine dringende
Notwendigkeit sicherzustellen, daß die Kosten internalisiert werden, damit der Markt Signale senden und
Anreize für die Förderung von Nachhaltigkeit in allen
Ländern geben kann.
Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten sehen der
Zusammenarbeit mit allen Ländern und den Interessenvertretern der bürgerlichen Gesellschaft erwartungsvoll entgegen um zu gewährleisten, daß unsere
Arbeit in diesem Kreis, bei der fünften Sitzungsperiode
der Kommission für nachhaltige Entwicklung im April
sowie bei der Sondersitzung im Juni erfolgreich und
produktiv wird. Es muß unser Ziel sein, die Agenda 21
und das für Millionen von Menschen daraus resultierende Versprechen im nächsten Jahrhundert fortzuführen. Wir müssen versuchen, uns nicht durch das
wiederholte Lesen und Aushandeln einzelner Zeilen
und Kapitel behindern zu lassen. Vielmehr sollten wir
mit dem lohnenden Ziel im Blick die Foren aufbauen
und die Mechanismen ausfeilen, die für den Erfahrungsaustausch vor Ort sowie auf kommunaler und
nationaler Ebene bei der Erlangung nachhaltiger

AMERIKA DIENST 05

�Entwicklung benötigt werden. In Rio einigten wir uns
darauf, die Bedürfnisse der heute lebenden Menschen
zu decken, ohne das Wohlergehen unserer Kinder und
Enkel aufs Spiel zu setzen. Das ist unsere Heraus-

forderung, und ich sehe unserer Zusammenarbeit in
den kommenden Wochen und Monaten erwartungsvoll
entgegen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 05

Seite 3

�D A T E N A U T O BAHN
12. März 1997

Der Bau eines neuen Amerika Hauses im Web
von Robert Earle

Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Gesandten-Botschaftsrat bei der Amerikanischen Botschaft in
Bonn, Robert Earle.

"The times they are changing" - Bob Dylan

Hamburg auszuziehen und unsere kulturellen und
Informationsprogramme statt dessen von den Konsulaten aus durchzuführen.

Anfang der sechziger Jahre, als Bob Dylan seine
besten Lieder schrieb, geschah etwas, das noch
andauert. Wir alle begannen, unser Leben um das
Konzept des Wandels herum aufzubauen. Unmittelbar
nach dem Zweiten Weltkrieg wollten viele von uns die
Dinge wieder so handhaben, wie sie es in Friedenszeiten getan hatten. Das war der Geist der fünfziger
Jahre. Aber die sechziger Jahre leiteten radikale
Innovation als den kulturellen Stil der westlichen Welt
ein. Bürgerrechte, Feminismus, Umweltschutz, die
sexuelle Revolution und andere Bewegungen begannen, die jahrhundertealten kulturellen Praktiken zu
verändern. Der Impuls zu Wandel war menschlich.
Die Methode des Wandels nahm gelegentlich technologische und sogar chemische Dimensionen an.

Während wir in den vergangenen Jahren über diese
Entscheidungen berieten, nahmen wir parallel auch
Gespräche über die Entwicklung neuer Dimensionen
in den deutsch-amerikanischen Beziehungen auf.
Eine Frage, die wir uns stellten, war, ob wir eine neue
Art von Amerika Haus im World Wide Web aufbauen
könnten. Wenn die historische Prämisse der Amerika
Häuser lautete, daß die Deutschen ungehindert
Amerika entdecken sollten, indem sie unsere Schwelle
überschritten, könnte dann dieses Ziel in einer anderen, phantasievollen Weise erreicht werden, die von
kulturellem und technologischem Wandel profitierte,
statt sich ihm zu widersetzen?

Heute, in den neunziger Jahren, hat der kulturelle Tanz
der Menschheit und Technologie den hitzigen Rhythmus eines Tangos angenommen. Sogar die seriöse
Diplomatie, von der selbst die Diplomaten manchmal in
Kategorien wie gestärkten Kragen und endlosen
offiziellen Empfängen denken, wurde vom Fieber des
Wandels ergriffen. Aber Fieber kann, wie wir alle
wissen, Anfälle von Delirium, Halluzinationen und
Unsicherheiten bewirken. Werden solche Träume je
Realität?
In Deutschland ist eines unserer erfolgreichsten
diplomatischen Programme - einige würden es als das
erfolgreichste bezeichnen - das Amerika Haus. In den
fünfziger Jahren gab es 50 Amerika Häuser. Verschiedene Faktoren, nicht zuletzt der Haushalt, haben
diese Zahl auf sechs verringert, und wir haben jetzt
Pläne, aus den Amerika Häusern in München und

AMERIKA DIENST 05

Wir glauben, wir haben es jetzt geschafft - nach drei
Jahren Arbeit und sehr hohen Investitionen in Mitarbeiter und Technologie. Noch während wir die
Schmerzen ertrugen, unsere uns lieb gewordenen
Amerika Häuser schließen zu müssen und uns mit
unseren deutschen Freunden sorgten, daß dies als
amerikanisches Disengagement oder ein Zusammenbruch des kulturellen Dialogs angesehen werden
würde, haben wir ein erfolgreiches, voll funktionierendes Amerika Haus im Web aufgebaut, das eine neue
Generation Deutscher offenkundig zu schätzen weiß.
Natürlich hat das World Wide Web keine Fenster,
durch die die Sonne auf Sie scheint, während Sie eine
Ausgabe von Huckleberry Finn in der Hand halten,
aber deutsche Buchgeschäfte haben Fenster, und sie
haben Huckleberry Finn und außerdem Tausende
anderer klassischer und zeitgenössischer amerikanischer Titel. Darüber hinaus benutzen Tausende von

Seite 1

�Deutschen jede Woche unser Amerika Haus im Web
für Zwecke, die weit über Literatur hinausgehen. In der
Tat kommen jetzt jede Woche mehr Deutsche zu
unserem Amerika Haus im Web als je zu einem
unserer Amerika Häuser in Deutschland gekommen
sind, und sie finden Antworten auf ihre dringendsten
Fragen. Die USIS-Germany Homepage (die unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html zu finden ist) hat
über 10.000 Besucher pro Woche. Sie funktioniert
uneingeschränkt, obwohl sie immer noch weiterentwickelt wird, während wir sie verbessern und
erweitern. Beispielsweise lesen 1.500 Menschen
wöchentlich politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche
und kulturelle Texte, die wir auf Deutsch im Amerika
Dienst veröffentlichen - einer teuren Publikation, die
wir bisher nur gedruckt per Post an ein ausgewähltes
Publikum verschickten. Weitere 1.000 Menschen
konsultieren unsere Homepage jede Woche für
detaillierte Informationen über ein Studium in den
Vereinigten Staaten. Und mehrere Hunderte zusätzlich lesen auf der Homepage die U.S. Policy Quotes, in
denen die Aussagen hochrangiger Politiker zu Themen
von NATO bis zu Bevölkerungspolitik wörtlich wiedergegeben sind. Konsularische und Visainformationen sind ein weiteres populäres Element unseres
neuen elektronischen Amerika Hauses. Und 1.000
Deutsche benutzen jede Woche unsere Homepage,
um direkt zur USIA-Homepage in Washington zu
gelangen, die wiederum mit den meisten Ministerien
der US-Regierung verbunden ist, einschließlich des
Weißen Hauses.
Man kann unterschiedlich auf all das reagieren,
angefangen mit: "Es ist nicht dasselbe!" Und man
kann sich fragen, wer diese deutschen Nutzer sind und
was sie davon haben, unser Amerika Haus im Web zu
besuchen. Im Augenblick können wir das nicht in Erfahrung bringen, aber diese Deutschen von heute sind

für uns im modernen Informationszeitalter ebenso
wichtig wie ihre Eltern (und Großeltern!) es in den
vergangenen Jahrzehnten waren. Darüber hinaus
wissen wir, daß die von uns angebotenen Informationen so spezifisch sind, daß nur Leute, die sich wirklich
für den deutsch-amerikanischen Dialog engagieren, sie
nutzen. Amerika D/ensf-Artikel sind keine leichte Kost,
ebensowenig wie U.S. Policy Quotes. Viele Anwender
sind offensichtlich Journalisten, Forscher sowie
Politiker und Regierungsvertreter. Aber auch Studenten kommen. Jeden Monat sehen wir steigende
Zahlen, und wir passen unser Angebot entsprechend
an. Eines unserer nächsten Angebote wird eine
Zeitschrift über die Reform des Energiemarktes sein,
die dem letztes Jahr von uns veröffentlichten erfolgreichen telecommunications newsletter folgt. Solche
elektronischen Publikationen sprechen die drängendsten Probleme an, mit denen sich hochentwickelte
Nationen wie die Vereinigten Staaten und Deutschland
in den neunziger Jahren konfrontiert sehen.
Unser Amerika Haus im Web wird sich weiterentwikkeln. Wir sehen es als eine elektronische Struktur, die
konstant modifiziert werden kann, während ihre Türen
den Deutschen in ganz Deutschland (und der Welt) 24
Stunden lang geöffnet sind. Unserer Ansicht nach wird
diese neue Dimension des deutsch-amerikanischen
Dialogs sich noch vergrößern, und zwar exponentiell.
Das rechtfertigt weitere Investitionen in ein Forschungs-/Technologie-/lnformationsteam, das sich an
den Prozeß des Wandels anpassen und ihn vielleicht
anführen kann. Wenn unsere Aufgabe darin besteht,
Amerika so zu repräsentieren wie wir sind, dann ist
diese Art von Amerika Haus im Web ein unerläßlicher
Bestandteil des Engagements der Vereinigten Staaten
für den deutsch-amerikanischen Dialog in den neunziger Jahren.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 05

•HtfW •

�TELEKOMMUNIKATION
12. März 1997

Auf der Suche nach einem stabilen
Telekommunikationsmarkt
von Larry Irving

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen vom Abteilungsleiter für Kommunikation und Information im USWirtschaftsministerium, Larry Irving, verfaßten Artikel über die Einführung des Wettbewerbs auf dem
Telekommunikationsmarkt.

Wir suchen einen stabilen Markt. Und das wird von
uns jetzt auch erwartet. Auf diesem Markt erfordert der
Übergang von gesetzlich geregelten Monopolen für
viele Telekommunikationsdienste zu uneingeschränktem Wettbewerb Zeit. Wie Vizepräsident Gore erklärte, ist dies "das erste Jahr eines Veränderungsprozesses, der gewisse Zeit benötigt".

Im Hinblick auf die Förderung des Wettbewerbs
zwischen Netzbetreibern müssen wir Vorschriften für
Vernetzung und Anschlußgebühren einführen, die den
richtigen Anreiz bieten und tatsächlich ein Umfeld für
Wettbewerb schaffen, der wiederum die Preise für
Unternehmen und Verbraucher senkt. Wir müssen die
Anschlußgebühren senken, damit wir den Firmen die
richtigen wirtschaftlichen Signale senden, die sich um
den Aufbau neuer Netze und die Bereitstellung neuer
Dienstleistungen bemühen.

Wir befinden uns in einer Übergangszeit und sollten
nicht vergessen, daß ein Übergang normalerweise
nicht einfach ist. Gewöhnlich ist er von einem hohen
Maß an Unsicherheit und Störung gekennzeichnet.
Damit werden wir auch jetzt auf dem Telekommunikationsmarkt konfrontiert.

Die gute Nachricht lautet, daß die amerikanischen
Bundesstaaten bereits Übergangsregelungen getroffen
und in einigen Fällen endgültige Vorschriften für
Vernetzung und Wiederverkaufsrabatte erlassen
haben. Landesweit werden derzeit mehr als 250
Vereinbarungen geprüft.

Es ist, als würde man Schwimmer beobachten, die
vom Meer zur Küste schwimmen. Manche werden von
den tosenden Wellen auf den Strand geworfen, andere
von einem Sog erfaßt; wieder andere überraschen
uns, indem sie auf den Wellen reiten und elegant
angeglitten kommen.

Die Auswirkungen der jüngsten oder geplanten
Fusionen von Telekommunikationsanbietern auf den
Wettbewerb sind unklar. Fusionen waren zweifelsohne die große Neuigkeit des Jahres 1996 - Bell Atlantic
mit Nynex, PacTel mit SBC Corporation, MCI mit
British Telecom. Die Vorteile solcher Fusionen für die
Öffentlichkeit bestehen in der Möglichkeit, daß sie den
jeweiligen Unternehmen gestatten, die durch das
Telekommunikationsgesetz geschaffenen Wettbewerbsherausforderungen anzugehen und den Wettbewerb zu erhöhen. Die Gefahr solcher Fusionen ist,
daß diese Unternehmen ihre neue Größe und ihre
Mittel zum Schutz ihres Marktanteils und zur Behinderung weiteren Wettbewerbs einsetzen. In diesem
Bereich müssen wir wachsam sein und sicherstellen,

Wo stehen wir ein Jahr nach der Verabschiedung des
Telekommunikationsgesetzes von 1996?

Der Telekommunikationsmarkt
Unsere Suche nach einem soliden Markt hat drei
Dimensionen. Erstens möchten wir einen pulsierenden Markt, der uneingeschränkten Wettbewerb unter
den Anbietern von Telekommunikationsdienstleistungen ermöglicht. Der wichtigste Aspekt dieses Ziels
besteht im Ausbau der Kommunikationsnetze.

AMERIKA DIENST 05

Seite 1

�daß Fusionen sich nicht als wettbewerbsschädigend
erweisen.

Markt, deren Besitzer oder Betreiber Angehörige von
Minderheiten und Frauen waren.

Wettbewerb ist nicht vorhersehbar.
Tatsächlich
machen drahtlose Dienstleistungen den Telefongesellschaften einen Großteil der Konkurrenz, den viele eher
von Seiten des Kabelfernsehens erwartet hätten.
Vergangenes Jahr gewannen die drahtlosen Dienste
10 Millionen neue Kunden. Derzeit gibt es in den
Vereinigten Staaten 38 Millionen Kunden drahtloser
Dienste - das sind fast 15 Prozent aller Amerikaner.
Die Arbeitnehmer haben Vorteile durch diesen Wettbewerb: Die Industrie für drahtlose Kommunikationsdienste ist stolz darauf, daß sie jeden Monat 1.000
neue Arbeitnehmer einstellt.

Es war auch in gutes Jahr für Kabelgeschäfte. Die
führende Maklerfirma für Kabelunternehmen berichtete
von 47 kabelbezogenen Transaktionen mit Fusionen
und Firmenübernahmen im Wert von 2,6 Milliarden
Dollar.

Das Aufkommen drahtloser Dienste als lebhafter
Konkurrent wird zu einem weltweiten Phänomen. In
Japan hat ein neuer drahtloser Dienst, genannt
Personal Handyphone System (P.H.S.), in den ersten
anderthalb Jahren nach seiner Einführung 4,3 Millionen Kunden gewonnen. Das enorme Wachstum von
P.H.S. zusammen mit der Deregulierung und der
darauf folgenden Preissenkung für Funktelefone haben
den japanischen Markt zu einem der am schnellsten
wachsenden Märkte der Welt für Mobiltelefone
gemacht. Heute unterschreiben jeden Monat mehr als
eine Million Japaner Verträge für diese Dienstleistung alle zwei Sekunden ein neuer Kunde.
In Finnland besitzt nahezu ein Drittel der fünf Millionen
Einwohner des Landes ein Mobiltelefon, und die Zahl
steigt jährlich um 27 Prozent. Darüber hinaus haben
die Finnen Handys, mit denen man elektronische Post
verschicken und sich ins Internet einloggen kann.

Darüber hinaus schlägt die FCC jetzt eine weitere
Lockerung der Eigentumsbestimmungen vor. Die
Vorschläge der FCC würden den gemeinsamen Besitz
von zwei UHF-Sendern oder eine Kombination von
UHF/UKW-Frequenzen auf einem Markt gestatten.
Meines Erachtens ist das eine äußerst schlechte Idee.
Die Unterscheidung zwischen UHF und UKW ist
praktisch irrelevant. Jetzt ist digitales Fernsehen im
Geschäft. Das bedeutet eine enorme Konzentration an
Eigentum.
Viele dieser Veränderungen ergeben wirtschaftlich
Sinn, aber zu welchen Kosten für die Vielfalt der
Inhaberschaft? Geht es unserer Nation nur um
wirtschaftliche Effizienz? Oder wird der Gewährleistung einer Fülle von Gesichtspunkten für Verbraucher immer noch die Priorität beigemessen, die
sie historisch hatte? Die nächsten Jahre werden
entscheidend für die Lösung dieser Fragen sein.
Verbraucher und der Telekommunikations- und
Informationsmarkt
Die dritte Dimension eines stabilen Marktes ist die
uneingeschränkte Beteiligung der Verbraucher. Der
Schlüssel dazu sind verbesserte Auswahl und verringerte Kosten.

Der Ideenmarkt
Zweitens sucht die Clinton-Administration einen
stabilen Ideenmarkt. Das Telekommunikationsgesetz
führte zur Abschaffung oder zum Abbau vieler Eigentumsbeschränkungen für Sendelizenzen. Als Reaktion
auf das Gesetz schaffte die amerikanische Fernmeldebehörde (Federal Communications Commission FCC) die Obergrenze von 12 für den Besitz von
Fernsehsendern ab und setzte die Begrenzung für
Zuschauerzahlen von 25 auf 35 Prozent der Bevölkerung herauf. Das führte zu einem Kaufrausch Fernsehtransaktionen im Wert von 10 Milliarden Dollar
im Jahr 1996 verglichen mit 4,7 Milliarden Dollar 1995.
Nach der Fusionswelle von 1996 - Aufkauf von
CapCities/ABC durch Walt Disney Co., von CBS durch
Westinghouse sowie der verbliebenen 80 Prozent von
New World Communications Group Inc. durch News
Corp/Fox Television Stations Inc. - ist die ClintonAdministration weiterhin über die Konzentration der
Medien besorgt. Besondere Sorgen machen wir uns
über das potentielle Verschwinden jener Sender vom

Seite 2

Im vergangenen Jahr haben die Verbraucher von der
größeren Auswahl auf dem Telekommunikations- und
Informationsmarkt profitiert. Den Verbrauchern stehen
jetzt neue drahtlose Dienste zur Verfügung.
Zu diesem Zeitpunkt stellt die Frage der Kosten die
große Herausforderung für den Verbraucher dar.
Während die Kosten für Telefondienste mit der Inflation
Schritt hielten, schnellten die Kabelgebühren für
Basisdienstleistungen 1996 um 7,8 Prozent in die
Höhe.
Kostenerwägungen führen auch zu dem wichtigen
Thema universeller Dienstleistungen. Unsere nationalen Fortschritte bei Telefondiensten für 94 Prozent
der Amerikaner und 40 Prozent der Haushalte, die
einen PC besitzen, sind bewundernswert, verschleiern
jedoch gravierende Ungleichgewichte. Heute haben
ungefähr jeder vierte Haushalt der Amerikaner,
Indianer, Eskimos und auf den Aleuten sowie über die
Hälfte - 53 Prozent - der Haushalte von Amerikanern
indianischer Abstammung in Reservaten und 12
Prozent der Afroamerikaner und Hispanier kein

AMERIKA DIENST 05

�Telefon. Verglichen damit haben vier Prozent der
Weißen und zwei Prozent der Inselbewohner im
asiatisch-pazifischen Raum kein Telefon.

sowie Hardware, Software und Ausbildung bereitzustellen, wird dies zur dauerhaften Vernetzung aller
Schulen und Bibliotheken beitragen.

Das Telekommunikationsgesetz enthält eine Bestimmung, die sicherstellt, daß Schulen, Bibliotheken,
Kliniken und ambulante Einrichtungen finanzierbaren
Zugang zu modernen Telekommunikationsdiensten
haben werden. Im Herbst vergangenen Jahres
kündigte Präsident Clinton seine Unterstützung für
einen Vorschlag des Kongresses an, bei Telekommunikationsdiensten in Schulen einen "B-Tarif" genannten
"Bildungstarif" einzuführen.

Schlußbemerkung

Im November letzten Jahres gaben das gemeinsame
Telekommunikationsgremium der bundesstaatlichen
und kommunalen Verwaltungen der FCC der Behörde
ihre Empfehlung zu diesem Thema bekannt, die viele
Vorschläge der Administration enthielt, einschließlich
des Zugangs zum Internet, hoher Rabatte für über
geringste Mittel verfügende Schulen und Bibliotheken,
einer konkurrenzfähigen Ausschreibungsstruktur sowie
eines technologisch neutralen Unterstützungssystems,
das Schulen die Flexibilität des Zugangs zu den von
ihnen benötigten Diensten bietet.
Im Rahmen der Empfehlung des gemeinsamen
Gremiums wird Schulen mit den geringsten Mitteln
unter anderem ein 90-prozentiger Preisnachlaß auf
ihre Monatsrechnung für Verbindungen zu modernen
Netzen, Internet-Zugang und Vernetzung innerhalb
des Schulgebäudes gewährt. Zusammen mit maßgeblichen Bestrebungen des Privatsektors und
anderer Finanzquellen, in Schulen Kabel zu verlegen

*

AMERIKA DIENST 05

*

Es ist leicht, ungeduldig zu werden und zu sagen, das
Telekommunkationsgesetz habe Deregulierung versprochen und zu beklagen, daß sie bisher nicht
eingeführt wurde. Dies ist die Zeit für Fortschritte in die
richtige Richtung mit den richtigen Bestimmungen - zu
uneingeschränktem
und
hartem
Wettbewerb.
Schlimmstenfalls könnten wir unregulierte Monopole
schaffen. Wir müssen uns auf den realen Wert und die
Ziele des Gesetzes konzentrieren - niedrigere Kosten,
größere Auswahl und eine Vielfalt von Gesichtspunkten für die Verbraucher sowie die Ankurbelung
von Innovation.
Das Telekommunikationsgesetz hat den Weg für
große Chancen in diesem Bereich geebnet. Wir alle
müssen die Initiative ergreifen und uns durch die
schwierigen Themen arbeiten.
In seinem Bericht zur Lage der Nation erklärte Präsident Clinton: "Die neuen Verheißungen der Weltwirtschaft, das Informationszeitalter, unvorstellbare neue
Arbeit, lebensverbessernde Technologie - all dies
müssen wir nutzen. Das ist unsere Pflicht und unsere
Herausforderung. Wir müssen die Ereignisse gestalten, nicht nur Beobachter sein. Denn wenn wir nicht
handeln, wird der Augenblick verstreichen - und wir
werden die besten Chancen für unsere Zukunft
verpassen."

*

*

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die jüdische Dimension der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ist der Liberalismus in Amerika tot?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert Earle&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. OSZE&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;OSZE muss anpassungsfähig und kreativ bleiben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nachhaltige Entwicklung nur mit aktiver Beteiligung der Bevölkerung möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafter Bill Richardson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Datenautobahn&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Bau eines neuen Amerika Hauses im Web&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert Earle&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Telekommunikation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auf der Suche nach einem stabilen Telekommunikationsmarkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Larry Irving&lt;/em&gt;</text>
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Vo, ^

amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

04

26. Februar 1997

AUSSENPOLITIK

ALBRIGHT: ZIEL IST EIN INTEGRIERTES,
STABILES UND DEMOKRATISCHES EUROPA
Rede der Außenministerin vor Ausschuß
des Repräsentantenhauses

NATO

NATO-ERWEITERUNG: WARUM GRÖSSER
BESSER IST
von Außenministerin Madeleine Albright
RUSSLAND HAT NICHTS ZU BEFÜRCHTEN
von Strobe Talbott

WIRTSCHAFT

WIRTSCHAFT WIRD ZUM IMMER WICHTIGEREN
INSTRUMENT DER DIPLOMATIE
von Alan P. Larson

TELEKOMMUNIKATION

TELEKOMMUNIKATION: DER MOTOR FÜR
WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IM
NÄCHSTEN JAHRHUNDERT
von Alan P. Larson

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AUSSENPOLITIK
26. Februar 1997

Albright: Ziel ist ein integriertes, stabiles
und demokratisches Europa
Rede der Außenministerin vor Ausschuß des Repräsentantenhauses

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Außenministerin Madeleine Albright am 11.
Februar 1997 vor dem Ausschuß für internationale Beziehungen des Repräsentantenhauses gehaltene Rede.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder,
es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, zum ersten
Mal als Außenministerin eine Rede vor Ihnen halten zu
dürfen. Als Botschafterin bei den Vereinten Nationen
habe ich in hohem Maße von unserem konstruktiven
Dialog während der vergangenen vier Jahre profitiert.
Jetzt sehe ich der Fortsetzung unserer Beziehungen
mit derselben Offenheit und demselben Engagement
erwartungsvoll entgegen - und der Zusammenarbeit
mit Ihnen bei einem noch breiteren Spektrum von
Herausforderungen, mit denen sich unsere Nation und
die Welt konfrontiert sehen.
Herr Vorsitzender, seit dem Fall der Berliner Mauer
sind mehr als sieben Jahre vergangen und fünf seit
dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Heute sind die
Vereinigten Staaten sicher, unsere Volkswirtschaft
floriert, und unsere Ideale im Kommen. Auf der
ganzen Welt ist die Bewegung zu offenen Gesellschaften und offenen Märkten weiter verbreitet und
tiefgreifender als je zuvor. Der Triumph der Demokratie ist weder ein Zufall noch umkehrbar - er ist das
Resultat der dauerhaften amerikanischen Führungsrolle. Er wäre ohne die Macht unseres Beispiels, die
Stärke unseres Militärs oder die Beständigkeit und
Kreativität unserer Diplomatie nicht möglich gewesen.
Das ist die zentrale Lektion des 20. Jahrhunderts - und
diese Lektion muß uns weiterhin leiten, wenn wir
unsere Interessen beim Eintritt in das 21. Jahrhundert
schützen wollen.
Mißverstehen Sie mich nicht: Die Interessen, denen
die amerikanische Außenpolitik dient, sind keine
abstrakten Erfindungen der Planer im Außenministerium. Sie sind die konkrete Realität unseres täglichen

AMERIKA DIENST 04

Lebens. Denken Sie darüber nach. Wäre das amerikanische Volk ebenso sicher, wenn Massenvernichtungswaffen, statt kontrolliert zu werden, in die
falschen Hände gerieten? Genau das wäre geschehen, wenn die Administration und der Kongreß nicht
gehandelt hätten, um die Einstellung des irakischen,
das Einfrieren des nordkoreanischen und die Sicherung des russischen Nuklearwaffenprogramms zu
gewährleisten.
Wären wir so sicher, wenn kleine Konflikte, statt
frühzeitig eingedämmt zu werden, sich über ganze
Regionen hinweg ausbreiten würden? Das wäre
geschehen, wenn wir nicht einen Weg zur Beendigung
des Krieges in Bosnien gefunden und nicht auf
unserem Streben nach einem umfassenden Frieden im
Nahen Osten bestanden hätten.
Wären wir so wohlhabend, wenn sich die Weltwirtschaft, statt offener für unseren Handel und unsere
Investitionen zu werden, abgeschottet und hinter
protektionistische Mauern zurückgezogen hätte? Das
wäre geschehen, wenn wir nicht unerschütterlich auf
den Abschluß des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA und der Abkommen der UruguayRunde des GATT - sowie die Erweiterung des Handels
in unserer gesamten Hemisphäre und über den Pazifik
hinweg - gedrängt hätten.
Die große Kluft in der heutigen Welt besteht nicht
zwischen Ost und West oder Nord und Süd, sie
besteht zwischen denjenigen, die Gefangene der
Geschichte sind und denjenigen, die zur Gestaltung
der Geschichte entschlossen sind. Das ist nicht nur
eine faktische Aussage - sondern eine sachliche
Entscheidung, die wir treffen müssen. Herr Vorsitzen-

Seite 1

�der, es ist dieselbe Entscheidung, mit der sich Amerika
vor 50 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert
sah. Damals war es nicht selbstverständlich, daß wir
die richtige Entscheidung treffen würden. Wir waren
kriegsmüde, und die Weltwirtschaftskrise lag erst
einige Jahre hinter uns. Aber zum Glück für unsere
Generation waren Präsident Truman, Außenminister
Marshall, Senator Vandenberg und andere führende
Kongreßabgeordnete beider Parteien entschlossen,
daß Amerika eher eine Führungsrolle übernehmen
statt sich zurückziehen sollte. In überparteilicher
Weise und zusammen mit unseren Verbündeten
gründeten sie eine Reihe von Institutionen, die ein
halbes Jahrhundert lang erfolgreich die Freiheit
verteidigt, Volkswirtschaften wiederaufgebaut, Gesetze
bewahrt und Krieg verhindert haben.
Seit dem Ende des Kalten Krieges haben wir uns für
einen ähnlichen Kurs entschieden. Wir haben mit dem
Aufbau eines neuen Rahmens für die amerikanische
Führungsrolle begonnen, der den Herausforderungen
eines neuen Jahrhunderts angemessen ist. Dabei
müssen wir nicht nur eine einzige übergeordnete
Bedrohung wie den sowjetischen Kommunismus
ansprechen, sondern vielmehr eine Vielfalt von
Gefahren - einige so alt wie ethnische Konflikte, einige
so tödlich wie terroristische Bomben, einige so vorherrschend wie illegale Drogen und einige so neu wie die
Erderwärmung.
Um effektiv auf unterschiedliche Bedrohungen reagieren zu können, benötigen wir ein breites Spektrum
außenpolitischer Instrumente. Aus diesem Grund
müssen wir ein Militär beibehalten, das flexibel, mobil,
einsatzbereit und stark ist - und Präsident Clinton hat
dies zugesagt. Aber Gewalt als ein stumpfes Instrument und eines mit manchmal extremen Konsequenzen kann nicht alle unsere Probleme lösen. Es
wird viele Fälle an vielen Orten geben, in denen wir auf
die Diplomatie zum Schutz unserer Interessen zurückgreifen und von unseren Diplomaten erwarten werden,
diese Interessen mit Geschick, Wissen und Rückgrat
zu verteidigen.
Herr Vorsitzender, obwohl unser Militär der oberste
Garant unserer Freiheit ist, sind unsere Diplomaten
unsere erste Verteidigungslinie. Eine meiner wichtigsten Aufgaben als Außenministerin wird in der Zusammenarbeit mit Ihnen und unseren Kollegen im
Kongreß bestehen, um die ausgezeichnete diplomatische Vertretung aufrechtzuerhalten, die unsere Bürger
verdienen und unsere Interessen erfordern. Wie ich in
der Anhörung zu meiner Bestätigung erklärte, können
wir keine Diplomatie erster Klasse haben, die nichts
kostet. Wir müssen die für eine amerikanische
Führungsrolle nötigen Ressourcen investieren.
In den vergangenen Jahren sind diese Ressourcen
geschrumpft. Während der letzten vier Jahre hat das
Außenministerium über 2.000 Positionen gekürzt, mehr

Seite 2

als 30 Botschaften und Konsulate geschlossen und die
dringend erforderliche Modernisierung der Infrastruktur
und Kommunikationsnetze verschoben. Wir haben
tiefe Einschnitte in unsere Auslandshilfeprogramme
vorgenommen und tragen jetzt einen kleineren Prozentsatz unseres Volkseinkommens zu Wachstum und
Demokratie in den Entwicklungsländern bei als jede
andere Industrienation. Wir sind der größte Schuldner
der Vereinten Nationen und der internationalen
Finanzinstitutionen.
Unsere Ausgaben für internationale Angelegenheiten
machen kaum ein Prozent unseres Bundeshaushalts
aus. Würde dieser kleine Betrag noch weiter gekürzt,
würde unser Einfluß in der Welt abnehmen, nicht unser
Defizit. In seinem Bericht zur Lage der Nation hat
Präsident Clinton vergangene Woche erklärt: "Wenn
Amerika weiterhin die Welt anführen soll, müssen wir
hier, die Amerika anführen, einfach den Weg finden,
die Kosten dafür aufzubringen."
Der Antrag des Präsidenten für das Haushaltsjahr
1998, den er dem Kongreß vorgelegt hat, strebt die
Wiederherstellung unserer diplomatischen Einsatzbereitschaft an, einschließlich einer bescheidenen
Aufstockung der Mittel für die Operationen des Außenministeriums. Meiner Ansicht nach sind die gesamten
für internationale Angelegenheiten beantragten 19,45
Milliarden Dollar für die Bewahrung der amerikanischen Führungsrolle erforderlich. Ich bitte um Ihre
Unterstützung für diesen Etat. Dabei verpflichte ich
mich, meinen Beitrag zu leisten und bin zur engeren
Zusammenarbeit mit Ihnen entschlossen um zu
gewährleisten, daß das amerikanische Volk den vollen
Wert jedes für unsere Diplomatie ausgegebenen
Dollars erhält.
Herr Vorsitzender, ich möchte heute mit Ihnen den
entstehenden Rahmen für die dauerhafte amerikanische Führungsrolle in der Welt erörtern und Teile
unseres Haushaltsantrags hervorheben, die diese
Rolle unterstützen werden. Dieser Rahmen enthält
Maßnahmen, Massenvernichtungswaffen zu kontrollieren, gefährliche regionale Konflikte zu verhindern
oder beizulegen, die Vereinigten Staaten als zentralen
Ausgangspunkt einer expandierenden Weltwirtschaft
zu bewahren sowie die grundlegenden Prinzipien der
Demokratie und Respektierung der Rechtsstaatlichkeit
zu fördern. Diese Ziele werden wir jedoch nicht
erlangen, wenn wir nicht auch unsere Bündnisse
stärken können und unsere wichtigsten bilateralen
Beziehungen gut pflegen.
Eine Führungsrolle mit Schlüsselpartnern
Unsere Beziehungen zu den führenden Mächten der
Welt verbinden nicht nur die amerikanische Diplomatie,
sondern auch das gesamte internationale System.
Indem sie zusammen handeln, können die führenden
Nationen den generellen Standard des internationalen

AMERIKA DIENST 04

�Verhaltens anheben, wirtschaftlichen und sozialen
Fortschritt ankurbeln und die Rechtsstaatlichkeit
stärken.
Am Samstag, dem 15. Februar werde ich eine Reise in
einige der wichtigsten Hauptstädte Europas und
Asiens antreten. Der Zweck meiner Besuche besteht
darin, persönliche Kontakte zu den Politikern dieser
Länder zu knüpfen oder zu erneuern und die gesamte
Bandbreite der uns konfrontierenden drängenden
Themen zu erörtern. Ich möchte keine neuen Abkommen abschließen, sondern Gedanken austauschen und eine starke Grundlage für erweiterte
Zusammenarbeit, insbesondere in dem vor uns
liegenden Jahr, schaffen.
Wenn die grundlegende Lektion dieses Jahrhunderts
tatsächlich lautet, daß Amerika eine Führungsrolle
übernehmen muß, dann ist eines der wichtigsten
Korollare, daß wir eine europäische Macht bleiben
müssen. Wir haben ein Interesse an der Sicherheit
Europas, denn seit der Gründung unserer Republik
wissen wir, daß der Atlantische Ozean keine uneinnehmbare Barriere für unsere Verteidigung ist. Wir
haben ein Interesse am Wohlstand Europas, weil
unser eigener Wohlstand schon immer in hohem Maße
von unserem transatlantischen Handel und Investitionen abhing. Und wir haben ein Interesse an der
Freiheit Europas, weil es der Triumph der Demokratie
auf jenem Kontinent war, der den Kalten Krieg beendete.
Heute ist die amerikanische Führungsrolle in Europa
solide. Amerika hat den Weg zur Wiederbelebung der
NATO angeführt, das Blutvergießen in Bosnien
beendet, Unterstützung für die russische Demokratie
mobilisiert und ist für die Unabhängigkeit der neuen
demokratischen Nationen Europas eingetreten. Jetzt
stehen wir kurz vor der Realisierung des am schwersten faßbaren Traums dieses Jahrhunderts - eines
integrierten, stabilen und demokratischen Europas.
Um unser Ziel vollständig zu erreichen, müssen wir
drei Herausforderungen bewältigen: Wir müssen eine
neue und größere NATO schaffen und gleichzeitig die
Integration aller neuen Demokratien des Kontinents
fördern. Wir müssen enge und konstruktive Partnerschaften mit Rußland und der Ukraine aufbauen. Und
wir müssen die Demokratie fördern, die Stabilität
bewahren und die Spannungen in ganz Südosteuropa
entschärfen - insbesondere im ehemaligen Jugoslawien.
1994 schlug Präsident Clinton ein von unseren
Verbündeten angenommenes Programm zur Anpassung der NATO an neue Herausforderungen vor.
Diese Bestrebungen werden beim NATO-Gipfeltreffen
im Juli in Madrid einen neuen Meilenstein setzen. Bei
dem Gipfel wird das Bündnis mehrere Nationen zur
Aufnahme von Verhandlungen über ihren NATOBeitritt einladen und wichtigen Veränderungen der

AMERIKA DIENST 04

inneren Struktur der NATO zustimmen. Die zum
NATO-Gipfel führenden Verhandlungen werden zu den
ehrgeizigsten und komplexesten in der Geschichte des
Bündnisses gehören. In den kommenden Monaten
werden Regierungsvertreter dem Kongreß und dem
amerikanischen Volk darlegen, warum die neue,
größere NATO unsere elementaren Interessen fördern
wird.
Im Grunde ist es folgendermaßen: Vor fünfzig Jahren
vereinte die Gründung der NATO neue Demokratien,
überwand alten Haß, kurbelte den wirtschaftlichen
Wiederaufbau an und verhinderte künftige Konflikte.
Was die NATO damals für den Westen Europas getan
hat, kann sie jetzt für den Osten Europas tun - die
Region, in der die beiden globalen Kriege des Jahrhunderts und der Kalte Krieg begannen. Der Prozeß
der Erweiterung hat bereits die Beilegung historischer
Differenzen zwischen Ungarn und Rumänien,
Deutschland und der Tschechischen Republik sowie
Polen und der Ukraine ermutigt. In der Zukunft kann er
unser Vertrauen vertiefen, daß es kein zweites Bosnien geben wird, die demokratischen Revolutionen von
1989 Bestand haben werden und eine Teilung Europas wie im Kalten Krieg nicht in irgendeiner neuen und
gefährlichen Form wiederauftritt.
Das versuchen wir zu verwirklichen. Ebenso wichtig
ist, was wir zu verhindern versuchen. Denn es gibt nur
zwei reale Alternativen zur Erweiterung. Wir könnten
das Bündnis durch eine NATO mit dem kleinsten
gemeinsamen Nenner ersetzen, die alle einbezieht
und niemandem Verpflichtungen auferlegt. Das würde
die NATO abwerten und degradieren. Oder wir
könnten die Erweiterung auf unbestimmte Zeit verschieben und die NATO-Mitgliedschaft entlang der
Grenze des Kalten Krieges einfrieren. Das würde nicht
nur eine permanente Ungerechtigkeit schaffen,
sondern auch eine permanente Quelle von Spannung
und Unsicherheit im Herzen Europas.
Während wir Fortschritte erzielen, müssen wir natürlich
auch sicherstellen, daß keine neuen Trennlinien durch
Europa gezogen werden. Aus diesem Grund stärken
wir die Partnerschaft für den Frieden der NATO, und
aus diesem Grund ist unsere finanzielle Unterstützung
der Partnerschaft von elementarer Bedeutung. Aus
diesem Grund unterstützen wir die Erweiterung der EU
und die mutige Arbeit, die die OSZE von Tschetschenien bis Bosnien leistet. Aus diesem Grund ist
auch die Finanzierung im Rahmen des Gesetzes für
die Unterstützung der osteuropäischen Demokratien
(SEED Act) weiterhin entscheidend. Unsere Unterstützung hat Nationen von Estland bis zur Tschechischen
Republik geholfen, aufstrebende Demokratien zu
gründen und sich dadurch von unserem Programm
unabhängig zu machen. Aber in den noch instabilen
Demokratien wie Bulgarien und Rumänien wird Hilfe
immer noch dringend benötigt.

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�Eine der obersten haushaltspolitischen Prioritäten des
Präsidenten ist die Initiative Partnerschaft für den
Frieden, die eine neue Phase unserer Hilfe für Rußland und die anderen Neuen Unabhängigen Staaten
einleitet. Die erste Phase befaßte sich mit der Einführung der elementaren Institutionen der Demokratie
und der Marktwirtschaft. Insgesamt war diese Hilfe
äußerst erfolgreich - insbesondere bei der Förderung
von Privatisierung, freien Wahlen und einer bürgerlichen Gesellschaft. Unsere Bestrebungen konzentrieren sich jetzt auf die Ankurbelung von Handel und
Investitionen, wodurch das Potential für langfristiges
Wachstum freigesetzt wird, das für die Umgestaltung
dieser Gesellschaften von zentraler Bedeutung ist.
Herr Vorsitzender, Rußland und viele seiner Nachbarländertreffen heute Entscheidungen, die monumentale
Konsequenzen für unsere Sicherheit und die Sache
der menschlichen Freiheit haben werden. Das steht
auf dem Spiel: Werden sie normale Demokratien mit
wachsenden Marktwirtschaften, die uneingeschränkter
Bestandteil der europäischen Hauptströmung sind?
Oder werden sie arme und isolierte, von Instabilität,
Korruption und Verbrechen geplagte Nationen? Das
sind keine Entscheidungen, die wir treffen können.
Aber wir können uns entscheiden, denjenigen in jeder
Gesellschaft zu helfen, die zur richtigen Entscheidung
entschlossen sind.
Zweifelsohne sind unsere Interessen klar: Ein starker
und permanenter demokratischer Prozeß in Rußland
und den anderen Neuen Unabhängigen Staaten wird
unsere Sicherheit erhöhen, beim Kampf gegen die
Weiterverbreitung behilflich sein, zur Bekämpfung des
internationalen Verbrechens beitragen, neue Wirtschaftschancen eröffnen und ein Klima dauerhafter
Stabilität in einer Region schaffen, die so lebenswichtig
für unsere Zukunft ist wie sie zentral für unsere
Vergangenheit war.
Wir verstehen, daß Rußland die NATO-Erweiterung
ablehnt und erwarten nicht, daß sich das ändert. Wir
müssen die legitimen Anliegen Rußlands ansprechen,
aber es liegt nicht in unserem Interesse, einen Prozeß
zu verschieben oder aus dem Gleis zu bringen, der
zum Aufbau eines wiedervereinten Europas beiträgt.
Auf jeden Fall werden die von der NATO in Brüssel
und in den Hauptstädten unserer Verbündeten getroffenen Entscheidungen nicht das Schicksal der russischen Demokratie entscheiden. Das wird von der
Fähigkeit der russischen Politiker abhängen, die realen
Bedürfnisse ihres Volkes zu erfüllen sowie die wirtschaftliche Erholung und Erneuerung Rußlands zu
beschleunigen.
Die NATO kann und möchte Rußland zu unserem
vollwertigen Partner beim Aufbau eines geeinten und
friedlichen Europas machen. Die NATO hat Rußland
eine offizielle Charta vorgeschlagen, die uns gemeinsame Kooperation, Konsultationen, Ausbildung und

Seite 4

Krisenreaktion gestatten wird. Wir haben stetige
Fortschritte zu diesem Ziel gemacht, das Hauptthema
meiner Gespräche in Europa sein wird.
Der Erfolg der neuen ukrainischen Demokratie ist
ebenfalls entscheidend für die Zukunft Europas. Von
den Neuen Unabhängigen Staaten war die Ukraine der
erste, der eine Machtübergabe von einer demokratisch
gewählten Regierung an die nächste erlebte. Vor
kurzem hat Präsident Kutschma ein mutiges Reformprogramm eingeleitet, das die Inflation eindämmte und
einen wirtschaftlichen Zusammenbruch verhinderte.
Unsere Beziehungen zur Ukraine gründen auf einem
soliden Fundament gemeinsamer Interessen, einschließlich dem Streben nach einem sichereren und
integrierteren Europa. Ebenso wie mit Rußland haben
wir eine binationale Kommission gegründet, der auf
unserer Seite Vizepräsident Gore vorsitzt, und eine
Tagesordnung für Zusammenarbeit bei einem breiten
Spektrum wichtiger Themen festgelegt.
Die größte Probe für Europas Fähigkeit, gemeinsam im
Namen der europäischen Sicherheit zu handeln, ist
heute Bosnien, wo die NATO und Nichtmitgliedstaaten
der NATO gleichermaßen das Abkommen von Dayton
umsetzen. Die IFOR hat ihre Mission in Bosnien
brillant ausgeführt, aber für die politische Aussöhnung
und den wirtschaftlichen Wiederaufbau wird noch mehr
Zeit benötigt. Die SFOR wird Bosnien die Chance
geben, den neuen Frieden des Landes tragfähig zu
machen. Unsere Strategie besteht in der weiteren
Verringerung der Notwendigkeit für eine internationale
militärische Präsenz durch die Schaffung eines
stabilen militärischen Gleichgewichts, Verbesserung
der Rechtsinstitutionen, die sichere Rückführung der
Menschen in ihre Heimat und die Sicherstellung, daß
mehr der Kriegsverbrechen Beschuldigte verhaftet und
angeklagt werden.
In Bosnien besteht die unmittelbare Aufgabe in der
Entscheidung über den Status von Brcko und das
Datum für Kommunalwahlen - beides sind Meilensteine
beim Abschluß der Umsetzung des Abkommens von
Dayton. Über Bosnien hinaus werden wir weiterhin
klarstellen, daß die Nationen des ehemaligen Jugoslawiens Europa nur als freie und offene Gesellschaften wieder beitreten können.
In den vergangenen 13 Monaten haben praktisch alle
Nationen in Europa zusammengearbeitet, um der
instabilsten Region des Kontinents Hoffnung zu
bringen. Unsere Herausforderung besteht in der
Ausweitung dieses Geistes der Zusammenarbeit auf
alle Bande, die unsere neue atlantische Gemeinschaft
verknüpfen.
Herr Vorsitzender, dieses Jahrhundert hat uns gelehrt,
daß die elementaren Interessen der Vereinigten
Staaten untrennbar mit denen Europas verbunden
sind, aber es hat uns auch gezeigt, daß unsere

AMERIKA DIENST 04

�Sicherheit und unser Wohlstand ebenso von den
Ereignissen in Asien abhängen. In der Tat sind die
Vereinigten Staaten seit der Jahrhundertwende eine
pazifische Macht. In den vergangenen sechs Jahrzehnten haben wir drei Kriege in Asien geführt. Seit
dem Zweiten Weltkrieg sind wir in der asiatischpazifischen Region aktiv engagiert, und in den letzten
Jahren hat unsere Führungsrolle zum Aufschwung
vieler der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt
beigetragen. Darüber hinaus hat es von Südkorea bis
zu den Philippinen und von der Mongolei bis nach
Thailand und Taiwan stetige Fortschritte bei Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit gegeben
- Entwicklungen, die das universelle Streben nach
Freiheit hervorheben.
Präsident Clinton hat Asien neue Bedeutung in unserer
Außenpolitik eingeräumt. Gemeinsam mit unseren
Partnern haben wir mit dem Aufbau der asiatischpazifischen Gemeinschaft begonnen. Wir öffnen
Märkte für amerikanische Waren, Dienstleistungen und
Kapital - sowohl bilateral als auch durch das Forum für
asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit
(APEC). Wir stärken unsere wichtigsten Bündnisse
und behalten unsere Vornestationierung von 100.000
Soldaten im Westpazifik aufrecht. Wir unterstützen
neue multilaterale Sicherheitsdialoge wie das ASEANRegionalforum. Und wir unterstützen weiterhin neue
Demokratien und unterstreichen die Bedeutung der
Achtung von Menschenrechten.
Unser Bündnis mit einem demokratischen und wohlhabenden Japan ist einer der großen Erfolge der
Nachkriegszeit. Heute arbeiten unsere beiden Nationen bei einer Vielzahl bilateraler, regionaler und
globaler Themen zusammen. Wir haben unsere
militärischen Verbindungen durch die Sicherheitserklärung des vergangenen Jahres untermauert und
durch die seit 1993 ausgehandelten beispiellosen 22
Handelsabkommen größeres Gleichgewicht in unsere
Wirtschaftsbeziehungen gebracht.
Mit unserer
ehrgeizigen Gemeinsamen Tagesordnung sprechen
wir komplexe globale Probleme wie AIDS, Umweltverschmutzung und nicht tragfähiges Bevölkerungswachstum an. Und gemeinsam unterstützen wir die
Demokratie in Haiti und Rußland sowie Frieden in
Bosnien und im Nahen Osten.
Wir kooperieren mit Japan und einem anderen wertvollen Verbündeten, der Republik Korea, bei der Umsetzung des Rahmenabkommens, mit dem Nordkoreas
Nuklearwaffenprogramm eingefroren wird. In den
vergangenen Wochen haben wir eng mit der südkoreanischen Regierung zusammengearbeitet, um die
Spannungen mit dem Norden zu entschärfen und
erneute Dynamik für den Friedensprozeß zu gewinnen. Ich bitte um Ihre Unterstützung für die Finanzierung
der Energieentwicklungsorganisation der koreanischen
Halbinsel (KEDO) im Haushaltsjahr 1998, die für diese
erneute Dynamik entscheidend sein wird. Die Ver-

AMERIKA DIENST 04

einigten Staaten leisten zur Zeit die höchsten Beiträge
für die KEDO. Aber in Zukunft werden Japan und die
Republik Korea uns mit der Finanzierung des Baus
von zwei Leichtwasserreaktoren für Nordkorea bei
weitem in den Schatten stellen. Wir werden auch
weiterhin auf die Verwirklichung des Vorschlags der
Präsidenten Clinton und Kim zu Vierparteiengesprächen über die Herbeiführung eines dauerhaften
Friedens auf der Halbinsel drängen.
Chinas Entwicklung zu einer Weltmacht und die
Evolution seiner Beziehungen zu anderen Nationen
werden großen Einfluß auf die Geschichte unseres
Zeitalters haben. Aus diesem Grund müssen wir
unsere Bande erweitern, und aus diesem Grund
ermutigen wir die aktive und verantwortungsvolle
Beteiligung Chinas an der internationalen Staatengemeinschaft. Unsere beiden Nationen teilen viele
gemeinsame Interessen und haben bereits bei vielen
Themenkomplexen zusammengearbeitet - darunter die
nordkoreanische Halbinsel, internationales Verbrechen, Atomtests und die globale Umwelt. Gleichzeitig haben wir beträchtliche Differenzen bei Handel,
Waffentransfers und Menschenrechten.
Wir haben bedeutende Interessen in Hongkong, das
auf der Liste unserer wichtigsten Handelspartner an
13. Stelle steht. China wird bald die Souveränität über
Hongkong wiedererlangen, aber Hongkong wird seine
Verbindungen zu unserer Nation und der Welt nicht
abbrechen. Wir erwarten von China, daß das Land
den Wortlaut und Geist seines Abkommens mit
Großbritannien über die Rückgabe Hongkongs erfüllt.
In diesem Abkommen hat China sich zur Beibehaltung
von Hongkongs offener Wirtschaft, der demokratischen Regierung, des ausgezeichneten Rechtssystems und der bürgerlichen Freiheiten verpflichtet.
Mit der Erfüllung dieser Verpflichtung wird China nicht
nur zur Sicherstellung der Zukunft Hongkongs beitragen, sondern auch die Position der Volksrepublik
stärken und zum eigenen wachsenden Wohlstand
beitragen. Ich sehe Gesprächen über dieses Thema
während meines bevorstehenden Besuchs in Peking
und anderen Hauptstädten erwartungsvoll entgegen.
Obwohl unsere Interessen erfordern, daß wir weiterhin
starke Beziehungen zu Europa und Asien unterhalten,
sind wir zuallererst eine gesamtamerikanische Nation.
Die westliche Hemisphäre war nie zuvor freier oder
wohlhabender. Und nie zuvor waren unsere Beziehungen zu unseren lateinamerikanischen und karibischen Nachbarn so stark. Als die Demokratiebewegung in Haiti bedroht war, haben wir durch unser
entschlossenes Handeln die legitime Regierung wieder
ins Amt eingeführt. Und als die freien Märkte durch die
Finanzkrise in Mexiko bedroht waren, bedurfte es
unserer Führungsrolle zur Wiederherstellung des
Vertrauens.

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�Die Rückzahlung unseres Kredits für Mexiko drei
Jahre vor dem Termin hat Präsident Clintons mutige
Entscheidung gerechtfertigt und uns Vertrauen in die
Fähigkeit unseres Nachbarlandes gegeben, harte,
aber notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Wir
ermutigen nach wie vor weitere politische und wirtschaftliche Reformen in Mexiko, einem Land, mit dem
uns eine 2.000 Meilen lange Grenze und viele gemeinsame Interessen verbinden - einschließlich der
Bekämpfung von Verbrechen, Drogenhandel, illegaler
Migration und Umweltzerstörung. Der Präsident und
ich werden auch in Zukunft unsere Verbündeten und
Freunde drängen, gemeinsam mit uns die Diktatur in
Kuba zu isolieren. In Südamerika wurde die Stärke
unserer Beziehungen zu Argentinien, Brasilien und
Chile durch die Zusammenarbeit unserer vier Nationen
zur Beendigung der Grenzstreitigkeiten zwischen
Ecuador und Peru unter Beweis gestellt. In der gesamten Hemisphäre müssen wir weiterhin den Geist
der Zusammenarbeit des historischen gesamtamerikanischen Gipfels in Miami vor zwei Jahren fördern.
Eine Führungsrolle zur Kontrolle todbringender
Waffen
Herr Vorsitzender, dank der amerikanischen Führungsrolle hat die Welt wichtige Fortschritte bei der
Kontrolle von Nuklear- und anderen Massenvernichtungswaffen gemacht. Die Zeit bis zum Jüngsten
Tag, die einst so nahe schien, wurde verlängert. Zum
ersten Mal seit dem Beginn des Nuklearzeitalters sind
keine russischen Raketen auf die Vereinigten Staaten
gerichtet und keine amerikanischen Raketen auf
Rußland. Die Nuklearwaffen wurden aus Belarus,
Kasachstan und der Ukraine abgezogen. Die Nuklearfähigkeit des Irak wurde beseitigt und die Nordkoreas
eingefroren.
Der Nichtverbreitungsvertrag wurde
unbegrenzt und bedingungslos verlängert und der
Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot verabschiedet.
Trotz dieser Fortschritte ist die Gefahr noch lange nicht
gebannt. Aus diesem Grund bleiben Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung nach wie vor ein grundlegender Bestandteil unseres außenpolitischen Rahmens, und aus diesem Grund ist unsere weitere
Unterstützung des Amts für Rüstungskontrolle und
Abrüstung sowie der Internationalen AtomenergieOrganisation ein wichtiger Bestandteil unseres Haushalts.
Unser unmittelbarstes Gebot der Rüstungskontrolle ist
die Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention, oder
CW-Konvention, vor ihrem Inkrafttreten Ende April.
Wie Sie wissen, wurde die CW-Konvention von den
Reagan- und Bush-Administrationen ausgehandelt und
im Januar 1993 von Außenminister Lawrence Eagleburger unterzeichnet. Sie erfreut sich breiter Unterstützung unserer beiden Parteien, des Militärs und der
Unternehmen. Wie jedes Rüstungskontrollabkommen

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ist die CW-Konvention kein Allheilmittel. Aber sie wird
ein mächtiges Instrument sein, die uns feindlich
Gesinnten von der Entwicklung oder Beschaffung von
Chemiewaffen abzuhalten. Die Verabschiedung der
Konvention würde alle unsere Bürger sicherer und es
weniger wahrscheinlich machen, daß unsere Streitkräfte auf dem Gefechtsfeld mit Chemiewaffen konfrontiert werden.
Wir haben auch noch andere Prioritäten. Wir streben
die rasche Verabschiedung des Flankenabkommens
zum Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE) an, das den KSE-Vertrag stärken und dadurch
die Sicherheit in Europa verbessern wird. Wir werden
mit Rußland zusammenarbeiten, um die baldige
Ratifizierung des START Il-Vertrags durch die Duma
sicherzustellen und dann Verhandlungen über weitere
Reduzierungen unserer Nukleararsenale aufzunehmen. Und wir werden weiterhin ein globales Abkommen über das Verbot von Einsatz, Lagerung,
Herstellung und Transfer von Antipersonenminen
anstreben.
Schließlich ergreifen wir zusätzlich zur Chemiewaffenkonvention wichtige Schritte, die verhindern sollen,
daß Massenvernichtungswaffen von denjenigen
beschafft werden, die zu ihrem Einsatz versucht sein
könnten. Wir arbeiten darauf hin, die Sicherheit zu
verbessern und das Umleiten von spaltbarem Material
zu verhindern. Wir haben die anderen 32 führenden
Waffenlieferanten im Wassenaar-Abkommen überzeugt, nicht mit Waffen oder anderen sicherheitsempfindlichen Technologien mit dem Iran und anderen
Ländern zu handeln, die erwiesenermaßen internationale Normen mißachten. Und wir bestehen auf der
Beibehaltung harter Sanktionen gegen den Irak, bis er
die entsprechenden Resolutionen des Sicherheitsrats
einhält.
Eine Führungsrolle bei der Unterstützung des
Friedens
Herr Vorsitzender, aufgrund der einzigartigen Fähigkeiten und der beispiellosen Macht der Vereinigten
Staaten blickt die Welt häufig auf uns, um Konflikte zu
beenden und auf Krisen zu reagieren. Unsere oberste
Verpflichtung ist jedoch der Schutz unserer eigenen
Bürger.
Wir haben begrenzte Ressourcen und
umfassende - aber immer noch begrenzte - Interessen.
Um unsere Glaubwürdigkeit zu bewahren und schwierige Situationen zu vermeiden, müssen wir sorgfältig
mit unseren Verpflichtungen und selektiv bei unseren
Aktionen vorgehen.
Dennoch sind wir uns bewußt, daß es Situationen
geben wird, in denen unsere Interessen und die
unserer Verbündeten eine aktive amerikanische Rolle
erfordern. Wir verstehen auch, daß kleine Konflikte,
wenn man sich ihrer nicht annimmt, zu großen eskalieren können, die eine Gefahr für uns darstellen und

AMERIKA DIENST 04

�hätten verhindert werden können. Entsprechend
haben Präsident Clinton und Außenminister Christopher während der letzten vier Jahre unerschütterlich
den Frieden in den Regionen der Welt unterstützt, in
denen wir Interessen haben. Wir sind uns bewußt,
daß wir keine Lösungen aufzwingen, es den Verfechtern des Friedens jedoch erleichtern können, die
erforderlichen Risiken zu seiner Erlangung einzugehen.
Im Nahen Osten war das Abkommen vom vergangenen Monat über den Abzug der israelischen Streitkräfte aus Hebron ein außerordentlicher Erfolg für die
amerikanische Diplomatie. Die intensiven Verhandlungen trugen zu neuem Vertrauen zwischen den
Israelis und den Palästinensern bei. Das Abkommen
sieht nicht nur einen Plan für die Zukunft ihrer Beziehungen vor, sondern verleiht auch dem gesamten
Friedensprozeß neue Dynamik.
Ich beglückwünsche Ministerpräsident Netanjahu und
den PLO-Vorsitzenden Arafat zu ihrem Mut, das
Abkommen persönlich abzuschließen, und ich danke
König Hussein für seine wichtige Rolle dabei, diese
langwierigen Gespräche zu einem erfolgreichen Ende
zu bringen. Der ehemalige Außenminister Christopher
sowie der Sonderbeauftragte Dennis Ross und sein
Team verdienen großes Lob für ihre enormen Anstrengungen nicht nur beim Hebron-Abkommen,
sondern während der gesamten vergangenen vier
Jahre. Seien Sie versichert, daß ich das Engagement
der Vereinigten Staaten für eine aktive amerikanische
Rolle in dieser Region von elementarer Bedeutung für
unsere Interessen uneingeschränkt fortsetzen werde.
Um die durch das Hebron-Abkommen ausgelöste
Dynamik zu bewahren, haben wir eine dreigliedrige
Tagesordnung festgelegt. Erstens werden wir dauerhafte Fortschritte zwischen den Israelis und Palästinensern unterstützen. Zweitens werden wir nach
Wegen suchen, um die Verhandlungen zwischen
Israel und Syrien sowie zwischen Israel und Libanon
voranzubringen. Und drittens werden wir andere
arabische Staaten zur Erweiterung ihrer Verbindungen
zu Israel ermutigen. Um all diese Bestrebungen
unterstützen zu können, müssen wir unser derzeitiges
Niveau bilateraler Hilfe für Israel, Ägypten, Jordanien,
das Westjordanland, Gaza und Libanon aufrechterhalten.
Wie Sie wissen, werden Ministerpräsident Netanjahu
und der PLO-Vorsitzende Arafat Washington in Kürze
besuchen, und Präsident Mubarak und König Hussein
werden nächsten Monat kommen. Unter Präsident
Clintons Führung werden wir weiterhin einen sicheren,
umfassenden und dauerhaften Frieden zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn anstreben. Bei all
unseren Bestrebungen werden wir von der unerschütterlichen Verpflichtung der Vereinigten Staaten zur
Sicherheit Israels und von unserer ebenso starken

AMERIKA DIENST 04

Ablehnung derjenigen geleitet sein, die Gewalt und
Terror zur Abschreckung des Friedens einsetzen
würden.
In Zypern ist der seit langem bestehende Konflikt
zwischen dem türkischen und griechischen Teil nach
wie vor ungelöst. Die zunehmende Gewalt auf der
Insel im letzten Jahr vereitelte die Versuche zur
Wiederaufnahme der Verhandlungen, beleuchtete
jedoch auch schlaglichtartig die dringende Notwendigkeit einer dauerhaften Lösung. Der Disput teilt natürlich mehr als die beiden zypriotischen Gemeinden - er
wirkt weiterhin als Keil zwischen den NATO-Verbündeten Türkei und Griechenland. Dabei bedroht er die
europäische Sicherheit und unsere elementaren
Interessen. Entsprechend sind die Vereinigten Staaten
bereit, eine größere Rolle bei der Förderung einer
Lösung des Konflikts zu spielen. Damit solche Bestrebungen jedoch Früchte tragen können, müssen die
Parteien konkreten Schritten zustimmen, die die
Spannungen entschärfen, Vertrauen aufbauen und
produktive Verhandlungen möglich machen.
In Nordirland fühlen wir uns durch die Aufnahme der
Mehrparteiengespräche im Juni vergangenen Jahres
ermutigt, sind jedoch über den Mangel an Fortschritten
enttäuscht. Dennoch erkennen wir die historische
Bedeutung der Zusammenkunft von nationalistischen
und unionistischen Vertretern sowie der britischen und
irischen Regierung an einem Verhandlungstisch an.
Wie bedauern den erneuten Einsatz von Gewalt durch
die IRA und unterstützen die Entscheidung, die Sinn
Fein von den Gesprächen auszuschließen, bis die IRA
wieder einen unmißverständlichen und dauerhaften
Waffenstillstand herstellt.
Ich beglückwünsche
Senator Mitchell sowie seinen kanadischen und
finnischen Kollegen zu ihrer entschlossenen Führungsrolle bei den Verhandlungen. Wir werden zweifelsohne hart auf einen Durchbruch in den kommenden
Monaten hinarbeiten.
In Zentralafrika arbeiten wir mit den regionalen Politikern und unseren Verbündeten zusammen, um weitere
Tragödien in diesem von Genozid, Flüchtlingen und
Krieg heimgesuchten Gebiet zu verhindern. In Ruanda
sind die meisten Flüchtlinge in ihre Heimat zurückgekehrt, aber wir werden weiterhin unseren Beitrag zur
Nothilfe leisten, bis die verbliebenen Flüchtlinge
reintegriert sind. In Burundi fordern wir die Regierung
und die Rebellen auf, den Waffenstillstand auszurufen
und ernsthafte Gespräche über die nationale Aussöhnung aufzunehmen. Und in Zaire sind wir zutiefst
besorgt über die jüngsten Anzeichen einer Wiederaufnahme der schweren Kämpfe im östlichen Teil des
Landes. Wir halten unsere Unterstützung für eine
Lösung des Konflikts auf der Grundlage der Anerkennung der territorialen Integrität Zaires und der
uneingeschränkten Respektierung der Menschenrechte aufrecht.

Seite 7

�Angesichts der andauernden Krise in Zentralafrika
werden wir unserem Vorschlag einer afrikanischen
Krisenreaktionstruppe (ACRF) Priorität einräumen.
Die ACRF wäre eine stehende Streitmacht für die
Ausführung friedenssichernder Missionen in Afrika.
Die internationale Staatengemeinschaft würde die
Ausbildung und das Gerät, die afrikanischen Nationen
selbst würden jedoch die Soldaten und Befehlshaber
bereitstellen.

rangen um einen ausgewogenen Ansatz zum Nahen
Osten. Wir verurteilten den Abschuß unbewaffneter
Flugzeuge durch Kuba. Wir genehmigten die friedenssichernden Missionen, die in Angola, Haiti, Ostslavonien, der ehemaligen jugoslawischen Republik
Mazedonien und andernorts gut funktioniert haben.
Wir haben ein Kriegsverbrechertribunal gegründet und
diplomatische Schritte eingeleitet, um einen erneuten
Genozid in Zentralafrika zu verhindern.

Generell verbessern sich in Afrika die Aussichten auf
Demokratie und Wirtschaftswachstum. Viele der
neuen demokratischen Regierungen Afrikas erleichtern Wachstum durch Maßnahmen, die es Privatunternehmen gestatten, Fuß zu fassen, während
gleichzeitig öffentliche Mittel klug in Bildung, Gesundheitsfürsorge und Projekte zur Verbesserung der
Chancen von Frauen investiert werden. Wir werden
mit den demokratischen Politikern Afrikas zusammenarbeiten, um diese Trends zu erweitern und zu vertiefen. Aber erschreckende Probleme wie Verschuldung,
Konflikte, Umweltbelastung und unzureichende
Investitionen bleiben bestehen. Es liegt in unserem
Interesse, den afrikanischen Politikern bei der Überwindung dieser Probleme behilflich zu sein und einen
wohlhabenderen, demokratischen und stabilen
Kontinent aufzubauen. Wir werden die Integration
Afrikas in die Weltwirtschaft fördern und einzelnen
Ländern, wenn wir können, durch gezielte bilaterale
Hilfsprogramme helfen.

In der Generalversammlung und anderen UN-Gremien
sowie ihren Sonderorganisationen wird ein Großteil der
internationalen Verhandlungen geführt. Die Einhaltung
der nuklearen Sicherheitsbestimmungen wird verifiziert; Bestrebungen zur Beendigung der Ausbeutung
von Kindern werden durchgeführt; man kümmert sich
um Flüchtlinge; epidemische Krankheiten werden
eingedämmt und Normen eingeführt, die amerikanischen Unternehmen den Export von Waren in
Milliardenhöhe gestatten. Dies ist nur ein Beispiel. Wir
haben ein enormes Interesse an diesem System einem System, an dessen Gründung die Amerikaner
mehr als jede andere Nation beteiligt waren.

Die Vereinigten Staaten werden in Afrika und andernorts weiterhin eine nachhaltige Entwicklung unterstützen sowie humanitäre und Flüchtlingshilfe bereitstellen, wenn Krisen auftreten. Unsere begrenzten
Ressourcen sind jedoch ein großer Anreiz für uns,
andere Mechanismen zur Reaktion auf Notfälle und
Konflikte zu stärken, einschließlich Friedenssicherung,
Entwicklung und humanitärer Aktivitäten der Vereinten
Nationen. Der Präsident beantragt in diesem Jahr 100
Millionen Dollar und eine Vorschußbewilligung in Höhe
von 921 Millionen Dollar, die nächstes Jahr zur
Verfügung gestellt werden soll, um unsere Außenstände bei den Vereinten Nationen und anderen
internationalen Organisationen zu bezahlen. Unser
Ziel ist die Sicherstellung der kontinuierlichen amerikanischen Führungsrolle in diesen Organisationen und
die Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedstaaten - in
Konsultationen mit dem Kongreß - bei weiteren UNReformen.
Herr Vorsitzender, dies ist ein Bereich, in dem es
zwingend geboten ist, gemeinsames Terrain zu
schaffen. Die amerikanische Führungsrolle in den
Vereinten Nationen ist von Bedeutung. Vier Jahre lang
hatte ich das Privileg, im Sicherheitsrat hinter einem
Schild zu sitzen, auf dem schlicht stand "Vereinigte
Staaten", und die amerikanischen Interessen zu
verteidigen. Während dieser Zeit hielten wir die
Sanktionen gegen Libyen und den Irak aufrecht. Wir

Seite 8

Jetzt sind wir an einem kritischen Punkt angelangt.
Wir sind mit unseren Beiträgen, die nach den Regeln
entrichtet werden müssen, denen unsere Nation vor
langer Zeit freiwillig zustimmte, in Milliardenhöhe im
Rückstand. Wir haben eine umfassende Tagesordnung für Reformen, die im Falle ihrer Verabschiedung diese Organisation bestens auf das 21. Jahrhundert vorbereiten würden. Wir haben einen neuen
Generalsekretär, der seine Unterstützung der Reformen eindeutig klargestellt hat, aber auch die Auffassung vertritt - wie es auch unsere Nation stets getan
hat - daß Verpflichtungen eingehalten werden sollten.
In den kommenden Tagen möchte ich mit Ihnen
zusammenarbeiten, um einen Weg zur Umsetzung des
Plans des Präsidenten zu finden. Unsere dauerhafte
Führungsrolle in den Vereinten Nationen hängt davon
ab. Unsere Prinzipien erfordern es. Unser Haushalt
gestattet es. Und unsere Interessen erfordern es.
Mißverstehen Sie mich nicht. Für diejenigen, die
eifersüchtig auf die amerikanische Füjirungsrolle sind
oder ihr feindselig gegenüberstehen, sind diese
Außenstände eine offene Einladung, Amerika zur
Strecke zu bringen. Wir müssen dieses Thema hinter
uns bringen und Fortschritte mit besseren internationalen Organisationen erzielen, die von starken und
respektierten Vereinigten Staaten angeführt werden.
Eine Führungsrolle in der Weltwirtschaft
Herr Vorsitzender, kurz nach seiner Amtsübernahme
1993 erklärte Präsident Clinton, "wir müssen uns dem
Wettbewerb stellen und dürfen uns nicht zurückziehen". Seitdem wurden dank der von ihm übernommenen Führungsrolle bei der Schaffung von Arbeits-

AMERIKA DIENST 04

�platzen für Amerikaner im Inland durch die Öffnung
von Märkten im Ausland spektakuläre Erfolge erzielt.
Wir haben mehr als 200 Handelsvereinbarungen
unterzeichnet und unsere Handelsgesetze entschlossen umgesetzt. Wir haben das NAFTA verabschiedet
und die Uruguay-Runde des GATT zum Abschluß
gebracht. Wir sind beim Gipfel von Miami die Verpflichtung eingegangen, die Verhandlungen über eine
Freihandelszone auf dem amerikanischen Kontinent
bis 2005 abzuschließen, und wir haben die Verpflichtung des APEC zur Erlangung freien und offenen
Handels im asiatisch-pazifischen Raum bis zum Jahr
2020 formuliert.

Auf den heutigen, von hartem Wettbewerb charakterisierten Weltmärkten müssen unsere Firmen oft mit
ausländischen Unternehmen konkurrieren, die aktive
Unterstützung durch ihre Regierung erfahren. Aus
diesem Grund muß und wird das US-Außenministerium alles in seiner Macht Stehende unternehmen um
sicherzustellen, daß amerikanischen Unternehmen
und Arbeitnehmern faire Behandlung widerfährt. Aus
diesem Grund bitte ich Sie um ihre fortgesetzte
Unterstützung für die Programme der Export-Import
Bank, die Gesellschaft für Privatinvestitionen in
Übersee (OPIC) und den Handels- und Entwicklungsrat.

Diese historischen Maßnahmen haben seit Anfang
1993 zu einer Erhöhung unserer Exporte um ein Drittel
sowie zur Schaffung von 1,6 Millionen neuen Arbeitsplätzen beigetragen. Noch wichtiger ist, daß die
Vereinigten Staaten unter dieser Administration zu
einem noch dynamischeren Mittelpunkt der Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert geworden sind.

Neben der Schaffung von Chancen für amerikanische
Unternehmen im Ausland müssen wir auch weiterhin in
den multilateralen Institutionen eine Führungsrolle
übernehmen, die eine Expansion der Weltwirtschaft
fördern. Ich bin zuversichtlich, daß unsere Unternehmen bei einem wirklich fairen Wettbewerb erfolgreich
sein können. Unsere Herausforderung besteht jedoch
darin sicherzustellen, daß das System fair bleibt. Das
erfordert harte Arbeit und Wachsamkeit. In der WTO
müssen wir solide Vorschriften ausarbeiten und ihre
entschlossene Durchsetzung gewährleisten - und wir
müssen weiterhin beharrlich unsere Unterstützung für
hohe Standards bei Arbeitsnormen, Geschäftspraktiken sowie beim Umweltschutz fortsetzen.

Wir dürfen uns jedoch nicht auf dem bisher Erreichten
ausruhen. Wir werden eng mit anderen Bundesbehörden zusammenarbeiten und unsere Dienststellen auf
der ganzen Welt dazu auffordern, bei unserer wirtschaftlichen Tagesordnung Fortschritte zu machen. In
unserer Hemisphäre werden wir den frühzeitigen
Beitritt Chiles zum NAFTA als gleichberechtigter
Partner sowie die Einbeziehung Zentralamerikas und
der Karibik in Vereinbarungen anstreben, die dem
NAFTA ähneln.
Im asiatisch-pazifischen Raum
werden wir sicherstellen, daß unsere Marktzugangsabkommen mit Japan und unsere mit China abgeschlossenen Vereinbarungen über das Recht auf
geistiges Eigentum vollständig umgesetzt werden.
Ferner werden wir größeren Zugang zu Schlüsselsektoren in China anstreben und mit diesem Land zusammenarbeiten, während es die erforderlichen
Veränderungen durchführt, die ihm eine Aufnahme in
die WTO zu ökonomisch vertretbaren Bedingungen
gestatten.
Und wir werden die amerikanische
Handels- und Investitionstätigkeit mit Indien ermutigen,
das seine bahnbrechenden Wirtschaftsreformen
fortsetzt.
In Europa bietet die von uns und unseren EU-Partnern
1995 unterzeichnete neue transatlantische Agenda
einen Plan für noch freieren und ungehinderteren
Handel. Wir werden die gemeinsam mit unseren
OECD-Partnern unternommenen Bestrebungen zur
Bekämpfung korrupter Handelspraktiken fortsetzen,
die einen Betrug an amerikanischen Unternehmen und
Arbeitnehmern darstellen und weltweit die Rechtsstaatlichkeit unterminieren. Und schließlich werden wir
mit unseren Partnern im Nahen Osten weiterhin an der
Stärkung der wirtschaftlichen Dimension des Friedensprozesses arbeiten.

AMERIKA DIENST 04

Wir dürfen nicht vergessen, daß die Entwicklungsländer weltweit die am schnellsten wachsenden Märkte
für amerikanische Unternehmen darstellen.
Wir
müssen diese Länder weiterhin zu einer umfassenden
Teilnahme an der Weltwirtschaft ermutigen. Wo es
möglich ist, sollten wir ihre Reformen durch unsere
bilaterale Entwicklungshilfe und die multilateralen
Entwicklungsbanken unterstützen. Für jeden Dollar,
den die Vereinigten Staaten beisteuern, verleiht die
Interamerikanische Entwicklungsbank 40 Dollar, die
asiatische Entwicklungsbank 80 Dollar und die Weltbank 135 Dollar.
Herr Vorsitzender, eine unserer wichtigsten Möglichkeiten, einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung zu
leisten, ist unsere Unterstützung für internationale
Familienplanung. Durch die Stabilisierung der Wachstumsraten der Bevölkerung können die Entwicklungsländer einen größeren Teil ihrer knappen Ressourcen
für die Deckung der Grundbedürfnisse ihrer Bürger
aufwenden. Zudem dienen unsere freiwilligen Familienplanungsprogramme
unseren
allgemeinen
Interessen, indem sie die Stellung der Frau verbessern, den Flüchtlingsstrom eindämmen, die Umwelt
schützen und Wirtschaftswachstum fördern. Aus
diesem Grund fordere ich den Kongreß zur Annahme
einer gemeinsamen Resolution vor Ende des Monats
auf, um den Bevölkerungsfonds des Amts für internationale Entwicklung (AID) für das Haushaltsjahr 1997
umgehend freizugeben. Wie der Präsident bereits
erklärte, wird eine weitere Verzögerung zu einem

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�tragischen Anstieg von ungewollten Schwangerschaften, Schwangerschaftsabbrüchen und der
Sterblichkeitsrate von Müttern und Kindern führen.
Eine Führungsrolle zur Förderung von Freiheit und
Rechtsstaatlichkeit
Die Vereinigten Staaten wurden auf den Prinzipien der
Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde und Freiheit nicht
nur für wenige, sondern für alle Menschen gegründet.
Herr Vorsitzender, als vor Tyrannei Geflohene halte ich
diese Prinzipien in Ehren. Ich kann Ihnen versichern,
daß ich mich als Außenministerin klar und deutlich
gegen eine Verletzung der Menschenrechte aussprechen werde, wo immer sie erfolgt. Darüber hinaus
werde ich mich für die Förderung von Demokratie
weltweit einsetzen. Demokratie ist nicht nur die beste
Garantie für Menschenrechte, sondern auch der
Ursprung von Frieden und Wohlstand. Aus diesem
Grund müssen wir die Unterstützung für unsere
Demokratieprogramme fortsetzen, die Wahlen,
politische Parteien, staatliche Institutionen, die bürgerliche Gesellschaft und die Rechtsstaatlichkeit in zahlreichen Entwicklungsländern stärken.
Die Vereinigten Staaten werden auch ihre Bestrebungen in Übersee zur Bekämpfung von internationalem
Verbrechen und Drogenhandel verstärken.
Mit
unserer Hilfe stärken viele Länder, die Drogen herstellen, ihre demokratischen Institutionen zum Schutz
vordem korrupten Einfluß von Kriminellen. Wir haben
wichtige Fortschritte erzielt: Mehr Drogenbarone denn
je befinden sich hinter Gittern; Peru, wo weltweit die
meisten Kokapflanzen angebaut werden, hat den
Anbau auf das niedrigste Niveau seit einem Jahrzehnt
verringert; und wir haben zahlreiche bilaterale Auslieferungsabkommen und Vereinbarungen über
gegenseitigen Rechtsbeistand ausgehandelt.
Bei unseren Bestrebungen zur Bekämpfung des
internationalen Terrorismus werden wir ebenfalls nicht
nachlassen. Unsere Politik ist klar: Wir machen den
Terroristen gegenüber keine Konzessionen; wir üben
Druck auf den Terrorismus fördernde Staaten aus; wir
unternehmen alles in unserer Macht Stehende, um
Terroristen vor den Richter zu bringen. Unter der
Führung Präsident Clintons mobilisieren wir weltweit
Unterstützung zur Bekämpfung der Kräfte des Terrors.
Gemeinsam mit unseren G-7-Partnern und Rußland
haben wir uns auf die Verbesserung der Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung auf vielen
Gebieten geeinigt - einschließlich des Schutzes für
Massenbeförderungsmittel, der Verbesserung der
Strafverfolgung, strengerer Grenzkontrollen, der
Behinderung der Finanzierung terroristischer Aktivitäten und der Ausarbeitung eines internationalen
Vertrags zur Verhinderung von Terroranschlägen.
Wir werden unsere starke Unterstützung für das
Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen für

Seite 10

Ruanda und den Balkan fortsetzen. Nach allen
Schrecken dieses Jahrhunderts wird die Geschichte
uns nicht vergeben, wenn wir nicht versuchen, die für
ethnische Säuberungen, Massenvergewaltigung und
andere Greueltaten Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Zu unseren Vorschlägen für Beiträge
zu den Friedenssicherungsaktivitäten der UNO zählt
die andauernde Unterstützung für diese Tribunale.
Herr Vorsitzender, ich möchte noch einen Punkt
anführen. Ich möchte deutlich machen, daß ich
Außenminister Christophers herausragende Initiative,
Umweltfragen in den Mittelpunkt der Außenpolitik zu
stellen, fortsetzen werde. Die Bedrohungen durch
Erderwärmung, Umweltverschmutzung, Entwaldung
und Verlust der Artenvielfalt mögen nicht so dramatisch sein wie die durch Nuklearwaffen oder die
Bomben von Terroristen. Aber wenn wir sie ignorieren, werden wir zweifellos mit Gesundheitsschäden,
dem Verlust von Arbeitsplätzen und der Verschlechterung unserer Lebensqualität dafür zahlen. Aus diesem
Grund müssen wir weiterhin Bande der Zusammenarbeit zum Schutz der Gesundheit und Produktivität
unseres gemeinsamen Erbes von Luft, Wasser und
Land schmieden.
Dies wird ein entscheidendes Jahr wird für den Schutz
der internationalen Umwelt sein. Unser Hauptziel
besteht im Abschluß eines Abkommens über die
nächsten Schritte im Kampf gegen die Erderwärmung
bis Dezember. Unter den Wissenschaftlern herrscht
Übereinstimmung, daß das Problem real und ernst ist.
Wir müssen schnell handeln, um die katastrophalen
Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern einschließlich einem Anstieg des Meeresspiegels,
härteren Wetterbedingungen und der Ausbreitung
ansteckender Krankheiten. Im kommenden Jahr
werden die Vereinigten Staaten eine internationale
Aktion starten, um die Produktion einiger der giftigsten
Chemikalien der Welt zu verbieten. Obwohl sie in
unserem Land bereits verboten sind, werden diese
Chemikalien im Ausland immer noch hergestellt - und
können uns selbst dann schaden, wenn ihre Freisetzung in Luft und Wasser Tausende von Kilometern
entfernt erfolgt.
Schlußbemerkung
Verehrte Ausschußmitglieder, der Erfolg unserer
neuen Außenpolitik wird großenteils davon abhängen,
ob wir den Geist der Überparteilichkeit wiederbeleben
können, der nach dem Zweiten Weltkrieg vorherrschend war. Eine von beiden Parteien getragene
Außenpolitik ist von großer Bedeutung, denn sie
gestattet uns, auf der Weltbühne mit mehr Autorität zu
handeln, weil sie unsere Verbündeten zu größerer
Kooperationsbereitschaft anspornt, die Vorsicht
unserer tatsächlichen und potentiellen Gegner erhöht
und unsere Rolle als Modell für Demokratien und
Demokraten auf der ganzen Welt stärkt.

AMERIKA DIENST 04

�Eine von beiden Parteien getragene Politik ist für
unsere derzeit geteilte Regierung nicht nur geeignet,
sondern auch zeitgemäß. Das Ende des Kalten
Krieges hat bereits die innenpolitischen Aspekte der
amerikanischen Außenpolitik ebenso stark verändert
wie es die Weltpolitik verändert hat. Jetzt besteht in
unserer außenpolitischen Debatte die größte Kluft nicht
zwischen den beiden Parteien, sondern zwischen den
Befürwortern und den Gegnern des amerikanischen
Engagements. Die führenden Köpfe beider Parteien
sind sich der Notwendigkeit einer fortgesetzten
Führungsrolle der Vereinigten Staaten bewußt.

hinsichtlich des Haushalts 1998 für internationale
Angelegenheiten erzielen. Lassen Sie es mich noch
einmal wiederholen: Die Verabschiedung dieses
Haushalts ist von elementarer Bedeutung, wenn wir
die amerikanische Führungsrolle in der Welt aufrechterhalten wollen. Wir müssen der Erosion unserer
diplomatischen Ressourcen Einhalt gebieten, die seit
einigen Jahren unsere Außenpolitik behindert. Dieser
Haushalt gibt uns die Chance, diesen Prozeß einzuleiten. Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder, machen wir uns an die Arbeit.
Vielen Dank.

Eine der ersten Bewährungsproben für eine überparteiliche Politik wird die Frage sein, ob wir Einigkeit
*

AMERIKA DIENST 04

* * *

*

Seite 11

�NATO

26. Februar 1997

NATO-Erweiterung: Warum größer besser ist
von Außenministerin Madeleine Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von US-Außenministerin Madeleine Albright
verfaßten Artikel, der erstmals in der Ausgabe des The Economist vom 15. Februar 1997 erschien.

Es ist eine alte diplomatische Tradition, daß amerikanische Außenminister ihre Amtszeit mit einem Besuch
bei unseren engsten Verbündeten und Partnern
beginnen. Daher werde ich diese Woche mit führenden europäischen und anschließend asiatischen
Politikern zusammentreffen, um eine gemeinsame
Tagesordnung aufzustellen. In praktisch allen diesen
Ländern sind die dominierenden Fragen des Tages ebenso wie in meinem Land - innenpolitischer Natur
und betreffen Kindererziehung, Unternehmensgründungen, Defizitabbau und den Kampf gegen die
Arbeitslosigkeit. In einer Zeit, in der auf unseren
Kontinenten relativer Friede herrscht, besteht die
Gefahr, daß die jahrzehntelange diplomatische Arbeit
und der Aufbau von Institutionen in Vergessenheit
geraten, die es der großen Mehrheit der Menschen
erst ermöglicht haben, sich mit innenpolitischen
Verbesserungen zu befassen anstatt mit dem nationalen Überleben.
Meine Botschaft bei dieser Reise lautet, daß wir zügig
unsere Arbeit tun müssen, wenn diese Ruhe andauern
und sich verbreiten soll, statt als schöne Zeit mit
tragischerweise verpaßten Chancen in die Geschichte
einzugehen. Diese Botschaft gilt in besonderer
Hinsicht für Europa. Heute ist dieser Kontinent nicht
länger zweigeteilt, aber Gefahren bleiben bestehen:
Von Bosnien bis Tschetschenien starben während der
letzten fünf Jahre mehr Europäer eines gewaltsamen
Todes als in den vergangenen 45 Jahren. Von
Serbien bis Belarus werden wir daran erinnert, daß die
demokratische Revolution in Europa noch nicht
abgeschlossen ist.
Dennoch liegt ein Ziel, das vor wenigen Jahren noch
utopisch erschien, in Reichweite: Ein friedliches und
ungeteiltes Europa, das partnerschaftlich mit den

AMERIKA DIENST 04

Vereinigten Staaten zusammenarbeitet und jede neue
Demokratie des Kontinents in unserer transatlantischen Gemeinschaft willkommen heißt.
Das ist zweifellos ein ehrgeiziges Ziel. Wir haben
jedoch zu seiner Erlangung gemeinsam bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Westeuropa steht kurz vor
der Wirtschafts- und Währungsunion. Die meisten der
am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften
Europas liegen östlich der Elbe. Rußland hat sich für
Demokratie und Marktwirtschaft entschieden und den
düsteren Prognosen über seine weitere Entwicklung
getrotzt. Eine unabhängige und auf fester demokratischer Grundlage ruhende Ukraine schließt sich Europa
an. Das entschlossene Vorgehen von Amerikanern
und Europäern hat den Kämpfen in Bosnien ein Ende
gesetzt. Die dortige Militärkoalition setzt sich aus so
vielen ehemaligen Gegnern zusammen, wie kein
Geschichtsstudent in nüchternem Zustand hätte
prognostizieren können: Frankreich und Deutschland,
Polen und Litauen, Türkei und Griechenland, Rußland
und die Vereinigten Staaten.
Viele Institutionen spielen bei diesen Bestrebungen
eine Rolle, und alle werden dieses Jahr auf eine harte
Probe gestellt. Die Europäische Union hat zugesagt,
daß sie sich erneut vergrößert und bald Entscheidungen trifft. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat Polen,
Ungarn und die Tschechische Republik aufgenommen;
jetzt blickt sie auf andere marktwirtschaftliche Demokratien einschließlich Rußlands. Die Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)
fördert demokratische Standards, die die europäische
Integration ermöglichen - und sie geht in Bosnien
immer noch einen steinigen Weg.

Seite 1

�Aber es ist die NATO - der Dreh- und Angelpunkt der
europäischen Sicherheit und wichtigste Mechanismus
für das Engagement der Vereinigten Staaten in Europa
- die bei der Integration Europas führend ist. Sie
verändert ihre interne Struktur, um die Rolle Europas
aufzuwerten. Ihre Partnerschaft für den Frieden, in
deren Rahmen andere Länder gemeinsame Übungen
und Manöver mit dem Bündnis durchführen und
gemeinsam mit ihm planen und kooperieren können,
hat alte Gegner und lange Jahre neutrale Länder
zusammengebracht. Nach diesen Veränderungen ist
die Mitwirkung Frankreichs und Spaniens im Bündnis
stärker geworden. Die NATO ist jetzt attraktiver für
mehr Nationen, weil sie neue Herausforderungen in
Europa und darüber hinaus angeht. Die nächsten
sechs Monate werden zu den ehrgeizigsten und
schwierigsten in der Geschichte des Bündnisses
zählen.
Die Chance der NATO
Beim NATO-Gipfel im Juli dieses Jahres in Madrid
werden die führenden Politiker des Bündnisses die
internen Strukturen der NATO reformieren und mehrere Nationen zum Beitritt bis 1999 einladen. Präsident
Clinton und ich haben keine höhere Priorität als die
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten sowie mit
unseren Bürgern und dem Kongreß beim Aufbau
dieser neuen NATO. In Amerika wird es darüber
lebhafte Debatten geben, und das sollte auch so sein.
Aber ich bin zuversichtlich, daß das amerikanische
Volk und seine Vertreter zu der Überzeugung gelangen, daß eine neue und erweiterte NATO unserer
Sicherheit ebenso dient wie der Europas.
In der Debatte über die Zukunft der NATO wird die
Vergangenheit des Bündnisses allzu oft auf eine
eindimensionale Karikatur reduziert, die ihre Bedeutung für die heutigen Herausforderungen in Europa
unterschätzt. Zweifelsohne bestand während des
Kalten Krieges die Aufgabe der NATO in der Eindämmung der sowjetischen Bedrohung. Aber das war
nicht alles. Das Bündnis bot die Zuversicht und
Sicherheit, die zerrüttete Volkswirtschaften für ihren
Wiederaufbau benötigten. Es trug zur deutschfranzösischen Versöhnung bei und ermöglichte damit
die europäische Integration. Gemeinsam mit anderen
Institutionen führte es erst Italien, dann Deutschland
und schließlich Spanien wieder in die Familie europäischer Demokratien zurück. Es nahm der Verteidigungspolitik des Bündnisses den nationalen Charakter. Es stabilisierte die Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei. Und alles, ohne daß ein
Schuß abgegeben wurde.
Jetzt kann die neue NATO für Osteuropa tun, was die
alte NATO für Westeuropa geleistet hat: Überwindung
alten Hasses, Förderung von Integration, Schaffung
eines sicheren Umfelds für Wohlstand, Abschreckung

Seite 2

von Gewalt in der Region, in der zwei Weltkriege und
der Kalte Krieg begannen.
Allein die Aussicht auf eine NATO-Erweiterung verlieh
Zentral- und Osteuropa mehr Stabilität, als die Region
in diesem Jahrhundert erlebt hat. Ungarn löste seine
Grenz- und Minderheitenprobleme mit der Slowakei
und Rumänien. Polen überwand eine alte Kluft und
gründete gemeinsame Friedenssicherungsbataillone
mit der Ukraine und Litauen. In der gesamten Region
mobilisierte die Unterstützung für eine NATO-Mitgliedschaft politische Parteien jeder Couleur, die sich für
einen Beitritt zum Westen aussprachen. Ein Land
nach dem anderen stellte sicher, daß Soldaten von
Zivilisten ihre Befehle erhalten und nicht umgekehrt.
Um sich der NATO anschließen zu können, lösen
diese Staaten Probleme, die zu einem zweiten Bosnien
hätten führen können. Das ist das produktive Paradoxon im Herzen der NATO: Durch die Abgabe feierlicher Sicherheitsgarantien verringern wir tatsächlich die
Möglichkeit, daß unsere Truppen erneut in Kämpfe in
Europa verwickelt werden. Gleichzeitig gewinnen wir
neue Verbündete, die bestrebt und zunehmend fähig
sind, einen Beitrag zu unserer gemeinsamen Sicherheitsagenda zu leisten - vom Kampf gegen den
Terrorismus und die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen bis zur Sicherung von Stabilität in
Krisenregionen wie dem ehemaligen Jugoslawien.
Die NATO-Erweiterung beinhaltet reale Kosten - für die
Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und unsere
Partner. Aber die Kosten sind zumutbar und viele
würden auch unabhängig von einer Erweiterung
entstehen. Die Mitgliedschaft anstrebende Länder
müssen ihre Streitkräfte modernisieren - ungeachtet
dessen, ob sie Bündnismitglied sind oder nicht. In
einem unsicheren Zentraleuropa ohne Bindungen
wären die Militärausgaben wahrscheinlich noch höher.
Die Entscheidung gegen eine Erweiterung würde
ebenfalls Kosten beinhalten: Sie käme der Erklärung
gleich, daß die NATO weder die Herausforderungen
angehen noch die geographischen Gegebenheiten
eines neuen Europas akzeptieren will. Die NATO wäre
der Vergangenheit verhaftet und würde Belanglosigkeit
und sogar Zerfall riskieren. Diese Kosten können wir
nicht tragen.
Reaktion auf die Kritiker
Die NATO und ihre Mitgliedstaaten haben die Gründe
für eine Erweiterung dargelegt. Jetzt ist es für die
Kritiker höchste Zeit, eine vernünftige Begründung
dafür zu geben, warum sie trotz des tiefgreifenden
Wandels in Europa eine Politik versteinerter Unbeweglichkeit befürworten. Nachdem jetzt die Grenze
der Demokratie bis zu den entlegensten Orten Europas verschoben wurde, stellt sich die Frage nach der
Logik, die Ostgrenze der NATO dort einzufrieren, wo
sie gegenwärtig liegt - entlang der Linie, an der die

AMERIKA DIENST 04

�Rote Armee im Frühjahr 1945 Halt machte. Präsident
Clinton erklärte vor zwei Jahren in Prag: "Die Grenzen
der Freiheit sollten jetzt durch neues Verhalten, nicht
durch alte Geschichte definiert werden." Oder in
diesem Fall durch alte Denkweisen. Sie auf andere
Weise zu definieren, würde nicht nur dauerhaftes
Unrecht schaffen und die in diesem Jahrhundert auf
beiden Seiten des Eisernen Vorhangs gebrachten
Opfer verhöhnen, sondern wäre auch eine ständige
Quelle von Spannungen und Unsicherheit im Herzen
Europas.
Manche Kritiker weisen darauf hin, daß kein potentielles NATO-Mitglied mit einer unmittelbaren militärischen
Bedrohung konfrontiert ist. Das stimmt. Aber dasselbe gilt auch für Italien. Oder Dänemark. Oder Großbritannien. Oder Island. Oder die Vereinigten Staaten.
Wenn die NATO nur für die Länder offenstünde, die
von aggressiven Nachbarn bedroht werden, käme
praktisch keines der derzeitigen Mitglieder für einen
Beitritt in Frage.
Wer die Frage stellt, "wo ist die Bedrohung?", erkennt
nicht den wirklichen Wert der NATO. Das Bündnis ist
kein Aufgebot von Sheriffs aus dem Wilden Westen,
das wir nur bei drohender Gefahr mobilisieren. Es ist
eine ständige Präsenz zur Förderung gemeinsamer
Unternehmungen und zur Verhinderung des Entstehens einer Bedrohung. Aus diesem Grund benötigen die derzeitigen Bündnismitglieder es immer noch,
und aus diesem Grund möchten ihm weitere Länder
beitreten. Die NATO braucht keinen Feind. Sie hat
dauerhafte Ziele.
Andere Kritiker behaupten, die Integration Europas
könne durch die EU erfolgen. Ferner argumentieren
sie, Zentraleuropa brauche Aktien und Wertpapiere,
nicht Waffenlager und Bomben. Sie haben sicherlich
Recht, daß die EU-Erweiterung von elementarer
Bedeutung ist. Obwohl die Vereinigten Staaten bei
diesem Prozeß kein Mitspracherecht besitzen, haben
sie großes Interesse daran, daß sie so schnell und
umfassend wie möglich erfolgt.
Die von der NATO gebotene Sicherheit war für den
Wohlstand, den die EU erwarten läßt, immer entscheidend.
Darüber hinaus verlangt die EU-Erweiterung von den derzeitigen und neuen Mitgliedern
enorme und komplexe Anpassungen von Subventionsschemata und Regelwerk. Wenn die NATO-Erweiterung schneller vonstatten gehen kann, warum
sollten wir dann so lange warten, bis die Tomatenbauern in Zentraleuropa die richtigen Pestizide einsetzen?
Und da die NATO im Unterschied zur EU eine transatlantische Institution ist, kann sie gewährleisten, daß
ein geeintes Europa weiterhin seine stärkste Bindung
zu Nordamerika hat. Die Frage lautet nicht, welcher
Institution starke Demokratien beitreten sollten,
sondern wann und wie sie zum Beitritt bereit sind.

AMERIKA DIENST 04

Ferner behaupten die Kritiker, eine NATO-Erweiterung
werde das nach dem Ende des Kalten Krieges entstandene Europa in gewisser Weise erneut spalten.
Ganz im Gegenteil! Das Bündnis hat eine Vielzahl von
Schritten unternommen um sicherzustellen, daß das
Ausradieren alter Trennlinien keine neuen auf der
Landkarte hinterläßt. Die NATO stärkt die Partnerschaft für den Frieden, bezieht die Ukraine und
Rußland ein und gibt jeder neuen Demokratie unabhängig davon, ob sie dem Bündnis früher oder
später oder überhaupt nicht beitritt - im Rahmen des
dieses Frühjahr zu gründenden Atlantischen Partnerschaftsrats ein Mitspracherecht im Hinblick auf ihre
Zukunft.
Natürlich muß die Erweiterung der NATO mit den
stärksten Kandidaten anfangen; andernfalls wäre sie
gar nicht möglich. Aber wenn wir sagen, daß die
ersten neuen Mitglieder nicht die letzten sind, meinen
wir das auch. Und wir erwarten von den neuen
Mitgliedern, die Stabilität nach Osten zu exportieren
anstatt die Erweiterung als ein Wettrennen anzusehen,
auf Kosten der eigenen Nachbarn nach Westen zu
entkommen.
Der Kern dieser Herausforderung - und eine der
wichtigsten Aufgaben der NATO - besteht im Aufbau
einer engen und konstruktiven Partnerschaft mit
Rußland. Das erfordert Vision und politischen Willen.
Es verlangt, die Klischees aus der Zeit des Kalten
Krieges aufzugeben und die europäische Sicherheit
nicht länger als Nullsummenspiel zu betrachten.
Die NATO-Erweiterung erfolgt nicht als Reaktion auf
eine neue russische Bedrohung. Beweggrund ist das
Gebot der Schaffung eines integrierten Europas - das
Rußland ein- und nicht ausschließt. Das Ziel der
Erweiterung besteht darin, Zentral- und Osteuropa einer Region, deren zukünftige Stabilität der Schlüssel
zur Zukunft Europas als Ganzes ist - dieselbe Art von
Sicherheit zu geben, die in Westeuropa bereits
selbstverständlich geworden ist. Rußland benötigt
ebenso wie alle anderen Länder Stabilität und Wohlstand im Zentrum Europas.
Ich bin mir bewußt, daß viele russische Politiker der
NATO-Erweiterung ablehnend gegenüberstehen.
Dennoch hat die NATO, die Rußland abzulehnen
vorgibt, wenig Ähnlichkeit mit dem Bündnis, das wir
tatsächlich aufbauen.
Die konventionellen und
nuklearen Streitkräfte der NATO sind dramatisch
reduziert worden. Wir haben weder den Plan noch die
Notwendigkeit oder Absicht, Nuklearwaffen auf dem
Territorium neuer Mitgliedstaaten zu stationieren. Die
Aktionen der NATO in den vergangenen sechs Jahren
lassen ein auf den Aufbau von Kooperation und nicht
Konfrontation konzentriertes Bündnis erkennen, ein
Bündnis, das - wie in Bosnien - Seite an Seite mit
Rußland zusammenarbeitet und nicht versucht, das
Land zu isolieren.

Seite 3

�Wir sind uns bewußt, daß Europa erst endgültig
ungeteilt und frei sein kann, wenn ein demokratisches
Rußland uneingeschränkter Bestandteil Europas ist.
Wir hoffen jetzt, die Russen werden erkennen, daß ihr
Mißtrauen gegenüber der NATO und ihrer Erweiterung
ungerechtfertigt ist. Wenn Rußland letztlich Teil eines
ungeteilten Europas sein möchte, dann kann es nicht
auf Länder wie Polen, Estland oder die Ukraine als
Pufferzone hoffen, die Rußland von Europa trennt.
Es ist ein Fehler zu denken, das Schicksal der russischen Demokratie stehe bei der Erweiterungsdebatte
irgendwie auf dem Spiel. Rußlands Zukunft als eine
freie und wohlhabende Nation wird von der Fähigkeit
seiner Politiker und Bürger abhängen, eine offene
Gesellschaft aufzubauen, Verbrechen und Korruption
zu bekämpfen, Wirtschaftswachstum anzukurbeln und
alle an dessen Früchten teilhaben zu lassen. Das
russische Volk weiß, daß seine Zukunft in Moskau, in
Perm, Irkutsk und sicherlich nicht in Brüssel entschieden wird. Zahlreiche Meinungsumfragen haben
ergeben, daß wenige Durchschnittsrussen Besorgnis
über ein Bündnis empfinden, das, wie viele russische
Politiker einräumen, keine akute militärische Gefahr für
Rußland darstellt.
Es läge nicht in unserem Interesse, die Erweiterung als
Reaktion auf die Behauptungen einiger Russen, sie sei
ein offensiver Akt, zu verschieben oder aus dem Gleis
zu bringen. Das würde nur die schlimmsten politischen Tendenzen in Moskau ermutigen. Es würde
eine Botschaft senden, daß sich die Konfrontation mit
dem Westen auszahlt. Mit der Integration der neuen
Demokratien Zentral- und Osteuropas abzuwarten,
würde der russischen Demokratie in keiner Weise
helfen. Es würde schwerer, nicht leichter, die Art von
Beziehungen zwischen der NATO und Rußland zu
schaffen, die wir heute anstreben.
Wie Rußland einbezogen werden kann
Die NATO hat den Vorschlag unterbreitet, diese
Partnerschaft in einer Charta mit Rußland zu definieren. Die Charta würde klare Prinzipien und
Arrangements für Konsultationen, Kooperation und
gemeinsame Aktionen bei der Friedenssicherung,
Verteidigungs- und Rüstungskontrolle, nuklearen
Sicherheit, Nichtverbreitung und Notfallhilfe festlegen.
Sie würde einen ständigen gemeinsamen NATORußland-Rat gründen. Wir möchten, daß sich Rußland und unsere anderen Partner an den alliierten
Streitkräftekommandos beteiligen, die uns die gemeinsame Reaktion auf Krisen gestatten. Wir möchten,
daß die russischen Offiziere bei der Planung der
Missionen behilflich sind, die wir gemeinsam unternehmen. Als eine nicht durch NATO-Entscheidungen
gebundene Nation hätte Rußland kein Vetorecht. Aber
die Mitsprache des Landes wäre erwünscht.

Seite 4

Wir führen auch Verhandlungen zur Aktualisierung des
Vertrags über konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE), der die Stationierung konventioneller Waffen in
ganz Europa begrenzt. Wir laden Moskau zur Beteiligung an einem Abkommen ein, das die Streitkräfteniveaus senken sowie Stabilität und Transparenz
auf dem Kontinent fördern wird. Damit kann Rußland
sicher sein, daß die NATO-Erweiterung nicht zu einem
größeren Aufmarsch von NATO-Streitkräften entlang
seiner Grenzen führen wird. In der Tat kann es
sicherstellen, daß es keine destabilisierende Konzentration militärischen Geräts irgendwo in Europa gibt.
Wir haben gute Chancen, vordem NATO-Gipfeltreffen
im Juli Fortschritte bei diesen Themen zu erzielen. Ich
werde am 20. Februar in Moskau mit russischen
Regierungsvertretern zusammentreffen.
Präsident
Clinton wird Präsident Jelzin im März in Helsinki
treffen. Er wird im Mai für das Gipfeltreffen zwischen
den Vereinigten Staaten und der EU erneut nach
Europa kommen. Die Staats- und Regierungschefs
derG-7 werden im Juni mit Präsident Jelzin in Denver
zusammenkommen. Rußland hat eine strategische
Chance zur Sicherung seiner Interessen in einem
integrierten Europa. Das Land sollte sie jetzt ergreifen.
Ich gehe diese Herausforderung und die uns in Europa
in den nächsten Jahren konfrontierenden Herausforderungen mit Zuversicht an. Und warum auch
nicht? Seit nunmehr einem halben Jahrhundert
arbeiten Europäer und Amerikaner bei der Gestaltung
der Ereignisse zusammen, statt sich von den Ereignissen bestimmen zu lassen.
Das Europa von heute steht in krassem Gegensatz zu
dem Europa, das ich als Kind nach dem Zweiten
Weltkrieg kannte. Für diejenigen, die damals noch
nicht hier waren, muß es schwer sein, sich die Tage
von Franco, Tito und Stalin, die Flüchtlinge, den
Hunger, die konstante Furcht, daß Frieden nur ein
Zwischenspiel sein könnte, das Europa, das Winston
Churchill als "einen Trümmerhaufen, ein Leichenhaus,
einen Nährboden für Pest und Haß" bezeichnete,
vorzustellen.
Gott sei Dank hatten Politiker wie Marshall, Monnet,
Bevin und Adenauer die innere Kraft für die harten und
kontroversen Entscheidungen, die für den Aufbau der
Institutionen erforderlich waren, die uns 50 Jahre des
Friedens und Wohlstands bescherten. Jetzt ist es an
uns zu handeln.
In seinem Bericht zur Lage der Nation stellte Präsident
Clinton fest, daß ein heute geborenes Kind praktisch
keine Erinnerung an das 20. Jahrhundert haben wird.
Gleichermaßen haben die heute geborenen Kinder der
transatlantischen Gemeinschaft die Chance, aufzuwachsen und ein völlig anderes Europa zu kennen.
In diesem neuen Europa werden sie den Checkpoint
Charlie nur als Museum kennen, Jalta nur als Provinz-

AMERIKA DIENST 04

�Stadt in einer souveränen Ukraine, Sarajevo nur als
friedliches Bergdorf im Herzen Europas. Die Kinder
des nächsten Jahrhunderts werden erwachsen und
kennen eine völlig andere NATO - die ihre Energien
zugunsten von Integration massiert statt ihre Streitkräfte entlang der Trennlinien zu massieren.

All dies ist möglich, wenn - und es ist kein sehr großes
wenn - wir jetzt handeln, um die Arrangements zu
stärken, die Europa so lange so gut gedient haben,
und sie auf neue Partner und Verbündete ausdehnen.
Wenn wir einmal zusammengekommen sind, können
wir uns auf das konzentrieren, was wir zusammen tun
müssen. Dieses Ziel ist jedes bißchen unserer
gemeinsamen Bestrebungen wert.

* * * * *

AMERIKA DIENST 04

Seite 5

�NATO
26. Februar 1997

Rußland hat nichts zu befürchten
von Strobe Talbott

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Artikel des Stellvertretenden Außenministers Strobe
Talbott, der erstmals in der The New York Times vom 18. Februar 1997 erschien.

Außenministerin Madeleine Albright und ihr russischer
Amtskollege Jewgenij Primakow werden am Donnerstag in Moskau zusammenkommen, um Wege zur
Stärkung der Beziehungen zwischen der NATO und
Rußland zu erörtern - trotz der russischen Vorbehalte
gegen die Entscheidung des Bündnisses zur Aufnahme neuer Mitglieder. Die Chancen für Fortschritte
werden größer sein, wenn die Russen nicht nur die
Unvermeidlichkeit der Erweiterung, sondern auch die
Gründe dafür verstehen.
Die Entscheidung zur Erweiterung des Bündnisses
begann mit einer Frage. Sollte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung des Warschauer Pakts ein Militärbündnis in der europäischen
Landschaft bestehen bleiben, oder sollte sich die
NATO freiwillig in die Annalen der Geschichte zurückziehen?
Als Präsident Clinton 1993 seine erste Amtszeit antrat,
gelangte er zu der Schlußfolgerung, ein Bündnis sei
immer noch erforderlich, weil es weiterhin Bedrohungen der Sicherheit der Mitgliedstaaten und Europas als
Ganzem geben würde.
Er war über mehrere Eventualfälle besorgt. Einer war
ein aus ethnischen und anderen Spannungen herrührender regionaler Konflikt oder Instabilität, die innerhalb oder zwischen europäischen Staaten entstehen würden. Ein anderer war eine externe Bedrohung vom Süden oder Osten. Solche Möglichkeiten mögen weit hergeholt erscheinen, sind jedoch
besonders in einer Ära nicht undenkbar, in der sich
Raketentechnologie und Massenvernichtungswaffen
weiter verbreiten.
Dann stellte sich eine weitere Frage: Wird die NATO
selbst zu sehr mit dem Kalten Krieg identifiziert, um die

AMERIKA DIENST 04

neuen Herausforderungen zu bewältigen und neue
Chancen zu nutzen?
Sollte ein neues Bündnis
gegründet werden?
Der Präsident entschied sich aus drei Gründen für die
Anpassung des bestehenden Bündnisses. Erstens ist
es leichter und billiger, auf das bereits Bestehende
aufzubauen, statt einen völlig neuen Anfang zu
machen. Zweitens muß die NATO der Dreh- und
Angelpunkt für die amerikanische Verpflichtung zur
Verteidigung Europas bleiben. Drittens ist die NATO
eine bewährte Kraft für die friedliche Integration und
demokratische Entwicklung auf dem Kontinent.
Die NATO war nie ein rein militärisches Instrument sie hatte stets auch eine politische Funktion. Nach
dem Zweiten Weltkrieg trug das Bündnis dazu bei, daß
Italien und Deutschland Teil der transatlantischen
Gemeinschaft wurden. Es förderte die Konsolidierung
einer von Zivilisten geführten Demokratie in Spanien.
Es ebnete den Weg für die Aussöhnung zwischen
Frankreich und Deutschland und für die Europäische
Union. Sein einheitliches Kommando schaffte den
Anreiz für militärischen Wettbewerb unter den westeuropäischen Mächten ab. Es trug zur Sicherung des
Friedens zwischen Griechenland und der Türkei bei.
In der Vergangenheit und besonders im 19. Jahrhundertdienten Bündnisse nicht nur zur Führung oder
Abschreckung von Kriegen, sondern gestalteten auch
die Beziehungen zwischen ihren Mitgliedstaaten.
Insoweit die NATO dieser Tradition folgt, hat das Ende
des Kalten Krieges in der Tat seine logische Begründung untermauert - und sollte es denjenigen erleichtern, die bisher das Bündnis als notwendiges aber
vorübergehendes Übel betrachteten, es statt dessen
als dauerhaft Gutes anzusehen.

Seite 1

�Obwohl die NATO ihre militärische Fähigkeit und ihre
Kernidentität als Verteidigungsvertrag bewahrt, kann
sie sich zunehmend auf ihre politische Funktion
konzentrieren. In der Tat kann sie diese Mission auf
die ehemaligen Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts
ausdehnen.
Diese Erwägung hatte Präsident Clinton im Hinterkopf,
als er die schwierigste Frage - die Erweiterung des
Bündnisses - anging. Es gab nur zwei mögliche
Antworten: Ja oder Nein. "Vielleicht" oder "später,
aber nicht jetzt", würde einem "Nein" entsprechen oder
von den Zentraleuropäern zumindest so aufgefaßt
werden.
Es gab mehrere Gründe, warum die Antwort Ja lauten
mußte. Ein Teil der Mission der NATO nach dem
Kalten Krieg ist die Öffnung ihrer Türen für die neuen
Demokratien, die ihre Souveränität wiedergewonnen
haben. Sie möchten Teil der transatlantischen Gemeinschaft sein und verdienen dies auch. Ganz
Europa wird sicherer und wohlhabender sein, wenn die
postkommunistischen Länder sich weiter zu einer
bürgerlichen Gesellschaft und Marktwirtschaften
entwickeln sowie harmonische Beziehungen zu ihren
Nachbarn unterhalten.
Die bloße Aussicht auf die NATO-Mitgliedschaft
ermutigt diese Trends. Bei der Verfolgung ihres Ziels
eines NATO-Beitritts haben einige zentraleuropäische
Staaten ihre internen Reformen bereits beschleunigt
und die Beziehungen untereinander verbessert.
Umgekehrt würde eine Entscheidung gegen die
NATO-Erweiterung - und damit, die NATO nach dem
Kalten Krieg in ihrer Struktur aus dem Kalten Krieg
einzufrieren - den Zentraleuropäern eine weder
willkommene noch hilfreiche Botschaft senden. Sie
würde implizieren, daß diese in eine permanente
Pufferzone zwischen Ost und West verwiesen würden.
Es wäre höchst ungerecht und ironisch - eine doppelte
Gefahr - wenn diese Länder tatsächlich für die nächsten 50 Jahre bestraft wären, weil sie in den letzten 50
Jahren - gegen den Willen des Volkes - Mitglied des
Warschauer Pakts waren. Das daraus resultierende
Gefühl von Isolation und Verwundbarkeit wäre entmutigend und möglicherweise destabilisierend.
Wir müssen natürlich die Frage des russischen
Widerstands gegen die NATO-Erweiterung klar ins
Auge fassen. Wir sollten sie aber auch als das
erkennen, was sie ist - vornehmlich eine Frage der
Einstellung, politischer Empfindlichkeiten, keine Frage
der militärischen Realität.
Die neue NATO stellt für Rußland keine Bedrohung dar
- genausowenig wie ein demokratisches Rußland eine
Bedrohung für das Bündnis darstellt. Die Erweiterung
ist zur bequemen Zielscheibe russischer Ängste und

Seite 2

Ressentiments geworden, die in den Unsicherheiten
über die postsowjetische Identität und Rolle in der Welt
wurzeln.
Viele russische Reformer und Demokraten sowie
einige renommierte Experten aus dem Westen warnen, die NATO-Erweiterung würde nationalistische,
antiwestliche und militaristische Kräfte in Rußland
freisetzen.
Diese Gefahr ist zwar real, wird aber übertrieben
dargestellt. Sie ist durchaus zu meistern. Schwarzseherei findet in der politischen Elite Rußlands mehr
Resonanz als in der Gesamtbevölkerung. Meinungsumfragen deuten darauf hin, daß der Durchschnittsrusse sich weitaus mehr Sorgen über innenpolitische
Fragen - Löhne und Gehälter, Renten und Kriminalität macht.
Das heißt nicht, daß die Bedeutung von Einstellungen
als Faktor in Politik und Diplomatie als unwesentlich
abgetan werden sollte. Aber es liegt in der Macht der
Russen, die derzeit scharf gegen ein anachronistisches Klischee der NATO angehen, ihre Einstellungen
stärker der Realität anzupassen.
Anstatt die Erweiterung als Schlag gegen den russischen Stolz und Mißtrauensvotum des Westens gegen
die Zukunft Rußlands zu betrachten, sollten sie diese
als Bestandteil eines größeren Evolutionsprozesses
akzeptieren, der Rußland nutzen kann und sollte.
Schließlich hat auch Rußland ein Interesse an einem
stabilen Zentraleuropa. Das russische Volk wurde
zweimal in diesem Jahrhundert von Kriegen heimgesucht, die in genau dieser Region begannen.
Ein wichtiger Bestandteil der Öffnung der NATO nach
Osten ist ihre Bereitschaft, den legitimen politischen
und Sicherheitsinteressen Rußlands Rechnung zu
tragen. Die Identifizierung von gemeinsamen Interessen, gemeinsamen Aufgaben und Wegen zur
Vertiefung und Erweiterung der Vertrauensbildung
zwischen dem Bündnis und Rußland ist nicht nur ein
übergeordnetes Ziel des Besuchs von Außenministerin
Albright in Moskau diese Woche, sondern auch des für
nächsten Monat in Helsinki anberaumten Gipfeltreffens
zwischen den Präsidenten Clinton und Jelzin. Die
Zusammenarbeit zwischen der NATO und Rußland,
wie sie derzeit im ehemaligen Jugoslawien stattfindet,
bietet ein Modell für den Umgang mit einem zweiten
Bosnien. Die amerikanischen Streitkräfte in Europa
verbringen nicht mehr ihre Zeit damit, sich auf den
Kampf gegen russische Truppen in Zentraleuropa
vorzubereiten. Vielmehr üben sie für friedenssichernde Operationen mit NATO-Verbündeten und anderen
Partnern, zu denen manchmal sogar die Russen
zählen.
Heute gibt es im NATO-Hauptquartier in Brüssel ein
russisches Verbindungsbüro. Wir haben eine Aus-

AMERIKA DIENST 04

�weitung dieser Austauschaktivitäten und die Einbeziehung russischer Offiziere auf allen oberen
Ebenen der Befehlsstruktur des Bündnisses vorgeschlagen.
Diese Art von Interaktion mit der NATO kann dem
russischen Militär helfen, seine Schwierigkeiten beim
Versuch einer Modernisierung zu bewältigen.
Manche haben prognostiziert, die Erweiterung werde
die Bedeutung der Nuklearwaffen für die europäische
Sicherheit erhöhen. Ganz im Gegenteil. Nach dem
Ende des Kalten Krieges hat das Bündnis bereits die

*

AMERIKA DIENST 04

*

Zahl der Nuklearwaffen in seinem Arsenal um 90
Prozent verringert. Darüber hinaus bestünde für den
Fall, daß die NATO nicht erweitert wird, die ständige
Gefahr, daß Nationalismus und militärische Rivalität in
Zentraleuropa Wiederaufleben und damit die Möglichkeit einer Weiterverbreitung von Nuklearwaffen
schaffen könnten.
Die NATO hat sich bereits verändert - tiefgreifend,
vorteilhaft und dauerhaft. Ein wesentlicher Bestandteil
der neuen Mission der neuen NATO ist die Zusammenarbeit mit einem neuen Rußland bei der Umgestaltung Europas als Ganzem.

*

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Seite 3

�WIRTSCHAFT
26. Februar 1997

Wirtschaft wird immer wichtigeres Instrument
der Diplomatie
von Alan P. Larson

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Artikel des Abteilungsleiters für wirtschaftliche und
unternehmerische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Alan P. Larson.

Zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte der Vereinigten
Staaten hat die Wirtschaft eine wichtigere Rolle in der
Außenpolitik gespielt als heute.
Diese zunehmend interdependente Beziehung hat
zwei grundlegende Dimensionen. Die erste ist, daß
die Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Weltwirtschaft heute lebenswichtiger für den Wohlstand im
Inland ist als zu jeder anderen Zeit seit dem Anfang
des 19. Jahrhunderts. Die zweite ist, daß viele der
großen außenpolitischen Herausforderungen von
heute - beispielsweise die Integration Chinas und
Rußlands in die internationale Staatengemeinschaft nur mit dem kreativen und effektiven Einsatz wirtschaftlicher Maßnahmen und Institutionen bewältigt
werden können.
Während des Kalten Krieges, als die Eindämmung der
Sowjetunion das Hauptziel war, waren Sicherheitsbündnisse das vorherrschende politische Instrument.
In der Zeit nach dem Kalten Krieg haben Wirtschaftsbeziehungen eine mindestens ebenso große Bedeutung gewonnen. Der Internationale Währungsfonds
(IWF) und die Weltbank haben Rußland zum Beispiel
außergewöhnlichen Zugang zu Ressourcen gewährt,
um die Wirtschaft des Landes zu stabilisieren und die
Institutionen von einer zentral gelenkten zu einer vom
Privatsektor geleiteten marktorientierten Volkswirtschaft umzugestalten. Wir versuchen, Rußland in die
Weltwirtschaft zu integrieren, indem wir seine effektive
Beteiligung an der Welthandelsorganisation (WTO),
dem Pariser Club der offiziellen Gläubigernationen, der
OECD und dem APEC fördern.
Die Integration Chinas in das internationale politische
und wirtschaftliche System wird eine der großen
außenpolitischen Herausforderungen des nächsten

AMERIKA DIENST 04

Jahrhunderts sein. Wenn die chinesische Volkswirtschaft nur im entferntesten so weiterwächst wie in den
vergangenen Jahren, werden die Auswirkungen auf
die Weltwirtschaft tiefgreifend sein. Wir begrüßen die
wachsende wirtschaftliche Stärke und den wachsenden Wohlstand Chinas. Wir müssen jedoch sicherstellen, daß China im Einklang mit seinem wirtschaftlichen Aufschwung eine verantwortungsvolle Rolle bei
der Formulierung und Einhaltung internationaler
Regeln spielt. Aus diesem Grund unterstützen wir
Chinas Beitritt zur WTO, bestehen jedoch darauf, daß
dieser Beitritt unter wirtschaftlich soliden Bedingungen
erfolgt.
Im Nahen Osten sind die wirtschaftlichen Instrumente
und Institutionen die unerläßliche Grundlage für einen
dauerhaften Frieden. In diesem Zusammenhang spielt
die Weltbank eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung und Koordinierung von Bestrebungen zur
Entwicklung der Infrastruktur im Westjordanland und
Gazastreifen. Wir hoffen, daß die Nahost-Wirtschaftsentwicklungsbank durch die Unterstützung von
grenzüberschreitenden Infrastrukturprojekten, Privatinvestitionen und die Koordinierung der Wirtschaftspolitik mit der Zeit zur Überwindung der wirtschaftlichen Zersplitterung der Region beiträgt.
In Haiti und Bosnien hängen die außenpolitischen Ziele
der Vereinigten Staaten großenteils von den Anstrengungen der Geberländer auf bilateraler Ebene,
multilateraler Entwicklungsbanken und dem IWF beim
Aufbau politischer und wirtschaftlicher Institutionen ab,
die die bürgerliche Gesellschaft und Stabilität untermauern.
Das soll nicht heißen, daß militärische und regionale
Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr so wichtig sind.

Seite 1

�Weit gefehlt! Dennoch kann der effektive Einsatz
wirtschaftlicher Instrumente - insbesondere auf
multilateraler Basis - Krisen verhindern, die später eine
einseitige Intervention der Vereinigten Staaten als der
verbliebenen militärischen Supermacht mit sehr viel
höheren Opfern an Menschenleben und Gut erforderlich machen könnten.
Im innenpolitischen Bereich unternimmt die ClintonAdministration Schritte zum Wiederaufbau einer
überparteilichen Basis für die wirtschaftliche Führungsrolle der Vereinigten Staaten. Der Präsident hat vom
Kongreß das Verhandlungsmandat für den Abschluß
von Handelsabkommen und eine solide Finanzierung
auswärtiger Angelegenheiten erbeten. Das Verhandlungsmandat ist erforderlich, wenn die Vereinigten
Staaten ihre Initiative global aufrechterhalten und in
der westlichen Hemisphäre wiedergewinnen wollen.
Die Administration bittet auch um die Unterstützung
beider Parteien, damit die Außenstände der Vereinigten Staaten bei internationalen Organisationen
und internationalen Finanzinstitutionen ausgeglichen
werden können.
Gleichzeitig unternehmen das Außenministerium und
andere amerikanische Behörden entschiedene Schritte
zur Öffnung von Märkten und Erweiterung der Handelsbeziehungen wo immer möglich.

den. Und in diesem Monat haben wir gerade entsprechende WTO-Verhandlungen abgeschlossen, bei
denen 68 Länder der Öffnung ihrer Märkte für Basistelekommunikationsdienste für Wettbewerb und internationalen Handel zustimmten.
Die Vereinigten Staaten unterstützen auch die OECDVerhandlungen zur Erlangung eines multilateralen
Investitionsabkommens (MAI). Unser Ziel beim MAI ist
die Schaffung neuer Chancen und die Einführung
besserer Schutzmaßnahmen für ausländische Investoren. Wir werden dafür sorgen, daß nicht der
OECD angehörende Länder dem Abkommen beitreten
können, so daß das Abkommen die Investitionsstandards auf der ganzen Welt verbessern könnte.
Schließlich arbeiten die Vereinigten Staaten auf die
Einführung effektiver Disziplinen zur Bekämpfung der
Wirtschaftskorruption in Übersee hin. Die OECDLänder haben vor kurzem ein Abkommen zur Beendigung der Praxis erzielt, daß Unternehmen Bestechungsgelder aus dem Ausland steuerlich absetzen
können. Zur Zeit werden Verhandlungen über eine
ähnliche Vereinbarung geführt, die von amerikanischen Handelspartnern fordert, Bestechung ausländischer Firmen als Straftat einzustufen - ein Schritt,
den die Vereinigten Staaten vor nahezu 20 Jahren mit
der Verabschiedung des Gesetzes über korrupte
Praktiken im Ausland unternahmen.

Die Vereinigten Staaten haben ein Luftfahrtabkommen
über Offene Himmel mit Deutschland, 11 anderen
europäischen Ländern, Jordanien und Singapur
abgeschlossen. Wir streben aktiv ähnliche Abkommen
mit den wichtigsten Volkswirtschaften des Pazifischen
Beckens und den Ländern Zentralamerikas an. Und
schließlich führen wir entscheidende Verhandlungen
über Offene Himmel mit Großbritannien und Japan den Toren zu Europa und Asien.

Insgesamt werden diese Initiativen die Grundlage für
eine neue Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert schaffen die auch demokratische Werte fördert. Die Disziplinen
bezüglich Bestechung werden auch zur Verhinderung
von Korruption in instabilen demokratischen Institutionen beitragen. Offene Himmel und die Datenautobahn
werden die Verbreitung von Ideen und Informationen
sowie von Waren und Dienstleistungen beschleunigen.

Zur Zeit führen wir Verhandlungen mit der Welthandelsorganisation um sicherzustellen, daß die
Datenautobahn auf die ganze Welt ausgedehnt wird.
Die WTO-Verhandlungen in Singapur im Dezember
vergangenen Jahres führten zum Informationstechnologieabkommen, unter dem die Zölle auf Produkte im
Wert von über 500 Milliarden Dollar abgeschafft wer-

Wenn die Vereinigten Staaten und ihre Partner die vor
uns liegenden wirtschaftlichen Herausforderungen mit
Vision und Enthusiasmus angehen, können wir uns
alle an der Schaffung eines neuen internationalen
Wirtschaftssystems beteiligen, das unseren kollektiven
Wohlstand und unsere kollektive Sicherheit bis weit in
die Zukunft sicherstellen wird.

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AMERIKA DIENST 04

�TELEKOMMUNIKATION

26. Februar 1996

Telekommunikation: Der Motor für wirtschaftliche
Entwicklung im nächsten Jahrhundert
von Alan P. Larson

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Artikel des Abteilungsleiters für wirtschaftliche und
unternehmerische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Alan P. Larson.

Die heutige Weltwirtschaft erfordert eine moderne
Informationsinfrastruktur zur Förderung des Wachstums.
Die raschen
Entwicklungen
in der
Telekommunikations- und Informationstechnologie
machen den schnellen und zuverlässigen Austausch
von Daten, Aufträgen und Analysen unerläßlich für das
unternehmerische Umfeld von heute.
Die Informationstechnologie ist zum Motor für Entwicklung in allen Bereichen der Wirtschaft geworden. Vom
Fertigungsbereich bis zur Landwirtschaft, von der
Versicherungsbranche bis zur Unterhaltungsindustrie,
vom Bankwesen bis zum Umweltschutz kurbeln
Computer, Telefon, Fax, Zellularfunk und andere
Telekommunikationswunder
unseres
Zeitalters
internationales Wirtschaftswachstum an.
Beim Ministertreffen der Welthandelsorganisation
(WTO) in Singapur verpflichtete man sich zum Abbau
von Zöllen in Höhe von mehr als 500 Milliarden Dollar
auf Produkte, die für den Bau der Datenautobahn
unerläßlich sind. Ein gutes WTO-Abkommen über
Basistelekommunikationsdienste wird einen Anreiz für
Wettbewerb und Effizienz bei der Entwicklung unseres
Informationszeitalters darstellen und gewährleisten,
daß sich diese Datenautobahn auf alle Nationen
erstreckt.
Fortschritte in der Telekommunikationstechnologie
werden nicht durch staatliche Beratungen über die
Abkommen im Bereich Informationstechnologie oder
Basistelekommunikationsdienste verzögert. Bestenfalls können diese Absprachen nur dazu beitragen,
daß die Länder mit den Veränderungen Schritt halten,
die Technologie und die Industrie uns weiterhin bieten.

AMERIKA DIENST 04

Diese Abkommen helfen den Ländern, ihren Firmen
und Bürgern, vom Fortschritt zu profitieren.
Um in der heutigen Welt konkurrenzfähig zu sein,
fordern unsere Unternehmen Telekommunikationsregelungen, die vernünftig kalkulierte und wettbewerbsfähige Dienste, transparente und konsequente
Lizenzverfahren sowie wettbewerbsfreundliche und
nichtdiskriminierende Bestimmungen enthalten. In
einem Zeitalter unverzüglicher globaler Kommunikation
über eine Vielfalt von Medien sollten sich die Aufsichtsbehörden jetzt vor Augen führen, daß Hemmnisse
"Außenseiter" nicht abhalten, wie sie es einst konnten in der Tat ist das Konzept des "Außenseiters" jetzt ein
Anachronismus. Die Handelschranken schaden am
ehesten und dauerhaftesten der heimischen Industrie
des Landes, die bei den unweigerlichen Fortschritten
der Informationstechnologie hinterherhinkt.
Länder, die sich für die Entwicklung ihrer Telekommunikationsinfrastruktur und damit für den Verkehr auf
dieser Datenautobahn entscheiden, werden Akteure in
der Weltwirtschaft. Länder, die diese Entwicklung
bekämpfen, werden ihren eigenen Industrien, Unternehmern und Bürgern schaden. Selbst Entwicklungsoder einkommensschwache Länder haben die Chance, die industrielle Revolution zu überspringen und
sofort ins Informations- und postindustrielle Zeitalter
einzutreten. Viele haben sich für den Einsatz neuer
Informationstechnologien zur Ankurbelung
ihres
Wachstums im Agrarbereich und in anderen Industrien
oder dafür entschieden, sich selbst zum globalen
Ausgangspunkt der Telekommunikationsindustrie zu
machen, ihren Volkswirtschaften
unverzügliche
ausländische Direktinvestitionen und - was vielleicht

Seite 1

�am wichtigsten ist - Arbeitsplätze und Ausbildung für
ihre Menschen zur Verfügung zu stellen.
Die US-Regierung ist sich einig, daß Entwicklung im
Telekommunikationsbereich erforderlich ist, jedoch
Geld kostet. Die Weltbank hat errechnet, daß in den
nächsten fünf Jahren 60 Milliarden Dollar pro Jahr an
Kapital für den Aufbau der weltweiten Infrastruktur
benötigt werden, um die Vorteile der Informationsrevolution zu nutzen. Die Weltbank hat jedoch die für
diese Aufgabe erforderlichen 60 Milliarden Dollar
jährlich nicht angeboten. Die notwendigen Investitionen müssen vom Privatsektor angezogen werden.
Um Anreize für solche Investitionen zu schaffen, sollte
jedes Land, das möchte, daß seine Bürger mit der Welt
Schritt halten, ein regulierendes Regime im Inland
einführen, das Investitionen und Wettbewerb ermutigt.
Eine Reihe von Ländern wie Mexiko, Chile und
Singapur haben das getan, viele andere auf dem
amerikanischen Kontinent und andernorts widersetzen
sich bedauerlicherweise noch.
Die Länder müssen auch international handeln. Ein
Abkommen über Basistelekommunikationsdienste wird
den Abbau von Handels- und Investitionshemmnissen
im modernen Sektor bedeuten. Ein Abkommen wird
uns allen dienen, indem es einen wettbewerbsfreundlichen Rahmen zum Nutzen unserer besten und effi-

* *

Seite 2

zientesten Industrien und Dienstleistungen schafft.
Die WTO-Verhandlungen über Basistelekommunikationsdienste sind in die letzte Phase getreten, in der
Nationen "Angebote" zur Ankurbelung von Investitionen machen können. Wir sind optimistisch, daß die
Industrie die Regierungen drängen wird, die besten
Angebote zu unterbreiten. Das Telekommunikationsabkommen muß global sein, um dem Einflußbereich
der Technologie zu entsprechen.
Wir haben den ersten Schritt getan. Unser Markt in
Höhe von 213 Milliarden Dollar ist bereits der offenste,
wettbewerbsfähigste und effizienteste der Welt. Wir
sind jedoch noch weiter gegangen, indem wir bei
Diensten für Orts-, Fern- und internationale Gespräche
unbegrenzten Wettbewerb, 100 Prozent indirekten
ausländischen Besitz und regulative Verpflichtungen
zur Verbesserung des Wettbewerbs zugelassen
haben.
Wir fordern die Industrienationen zu entsprechenden
Angeboten auf und die Entwicklungsländer zu schrittweisen Zusagen für die künftige Liberalisierung.
Unseres Erachtens kann das Wirtschaftswachstum,
das wir am Ende des Jahrhunderts zu sehen begonnen haben, mit dem Abschluß des investitionsfreundlichsten und effizientesten Telekommunikationsabkommens fortgesetzt werden.

* *

*

AMERIKA DIENST 04

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amcrika
dienet

Herausgeber. U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

03

12. Februar 1997

LAGE DER NATION

CLINTON: USA BLEIBEN DIE UNERLÄSSLICHE
NATION
Bericht zur Lage der Nation

WIRTSCHAFT

VIER JAHRE WIRTSCHAFTSWACHSTUM
MACHEN DEN AMERIKANISCHEN TRAUM
ZUR REALITÄT
Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten

USA-DEUTSCHLAND

DIE ZUKUNFT DER DEUTSCHAMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum

ABRÜSTUNG

KREATIVE BESTREBUNGEN ZUR
RÜSTUNGSKONTROLLE UNERLÄSSLICH
Rede von ACDA-Direktor John Holum

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�LAGE

DER

NATION

12. Februar 1997

Clinton: USA bleiben die unerläßliche Nation
Bericht zur Lage der Nation

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den von Präsident Clinton am 4. Februar 1997 vor dem
Kongreß vorgetragenen Bericht zur Lage der Nation im Wortlaut.

Mr. Speaker, Herr Vizepräsident, Abgeordnete des
105. Kongresses, verehrte Gäste, liebe Mitbürger,
ich möchte mich zunächst dafür bedanken, daß Sie
mich wieder eingeladen haben. Heute Abend stehe
ich vor Ihnen mit einer so großen Herausforderung wie
alle Herausforderungen in unserer Geschichte zu
Friedenszeiten und einem Aktionsplan zur Bewältigung
dieser Herausforderung, um unser Volk auf die kühne
neue Welt des 21. Jahrhunderts vorzubereiten.
Wir haben viel, für das wir dankbar sein können. Dank
vier Jahren des Wachstums haben wir die grundlegende Stärke unserer Volkswirtschaft zurückerlangt.
Während die Verbrechensrate und die Zahl der
Sozialhilfeempfänger sinken, kehrt unser Optimismus
zurück - der beständige Glaube, daß wir jede Schwierigkeit meisten können. Der Kalte Krieg gehört
allmählich der Vergangenheit an, der globale Handel
befindet sich auf Rekordhöhe, und wir tragen zu
beispiellosem Frieden und Wohlstand auf der ganzen
Welt bei.
Meine amerikanischen Mitbürger, die Lage unserer
Nation ist sehr gut. Aber jetzt müssen wir den entscheidenden Augenblick nutzen, um eine Nation und
eine Welt zu schaffen, die besser sind als alles, was
wir bisher kannten. Die neuen Verheißungen der
Weltwirtschaft, das Informationszeitalter, unvorstellbare neue Arbeit, lebensverbessernde Technologie all dies müssen wir nutzen. Das ist unsere Pflicht und
unsere Herausforderung. Wir müssen die Ereignisse
gestalten, nicht nur Beobachter sein. Denn wenn wir
nicht handeln, wird der Augenblick verstreichen - und
wir werden die besten Chancen für unsere Zukunft
verpassen.

AMERIKA DIENST 03

Wir sehen uns nicht mit einer unmittelbaren Bedrohung
konfrontiert, aber wir haben einen Feind - der Feind
unserer Zeit ist Inaktivität. Deshalb rufe ich heute
Abend zu Aktivität auf - Aktivität dieses Kongresses,
Aktivität unserer Bundesstaaten, Aktivität unserer
Bürger, um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten. Aktivität, um die Stärke unserer Volkswirtschaft und unserer Demokratie zum Wohle unseres
gesamten Volkes zu bewahren; Aktivität zur Verbesserung des Bildungswesens und zur Nutzung der
Kräfte von Technologie und Wissenschaft; Aktivität
zum Aufbau stärkerer Familien und stärkerer Gemeinden und einer saubereren Umwelt; Aktivität, um
Amerika als die stärkste Kraft für Frieden, Freiheit und
Wohlstand der Welt zu bewahren. Und vor allem,
Aktivität zum Aufbau einer perfekteren Union hier zu
Hause.
Die Geisteshaltung, die wir in unsere Arbeit einbringen,
wird den Unterschied bewirken. Wir müssen uns dem
Streben nach Chancen für alle Amerikaner und der
Verantwortung aller Amerikaner in einer Gemeinschaft
aller Amerikaner verpflichten. Und wir müssen uns zu
einer neuen Art von Regierung verpflichten - die nicht
alle Probleme für uns lösen soll, sondern unserem
Volk die erforderlichen Instrumente an die Hand gibt,
um das beste aus seinem Leben zu machen.
Und wir müssen zusammenarbeiten. Das Volk dieser
Nation hat uns alle gewählt. Es will unser Partner sein,
nicht Parteigänger. Es hat uns alle hier in dasselbe
Boot gesetzt, es hat uns allen Ruder gegeben und uns
gesagt, wir sollen rudern. Hier ist die Richtung, die wir
meines Erachtens einschlagen sollten.
Erstens müssen wir unverzüglich die noch unerledigte
Arbeit unseres Landes in Angriff nehmen - unseren

Seite 1

�Haushalt ausgleichen, unsere Demokratie erneuern
und die Sozialreform abschließen.
In den vergangenen vier Jahren haben wir neues
Wirtschaftswachstum bewirkt, indem wir in unser Volk
investiert, unsere Exporte erweitert, unsere Defizite
verringert und über 11 Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen haben - das ist ein vierjähriger Rekord.
Jetzt muß unsere Volkswirtschaft die stärkste der Welt
bleiben. Wir heute Abend hier Anwesenden haben
eine historische Chance. Dieser Kongreß soll der
Kongreß sein, der endlich den Haushalt ausgleicht.
In zwei Tagen werde ich einen detaillierten Plan zum
Ausgleich des Haushalts bis zum Jahr 2002 vorlegen.
Dieser Plan wird den Haushalt ausgleichen und in
unser Volk investieren und gleichzeitig Medicare,
Medicaid, die Bildung und die Umwelt schützen. Er
wird den Haushalt ausgleichen und auf die Bestrebungen des Vizepräsidenten aufbauen, unsere Regierung
bei geringeren Kosten effizienter zu machen. Er wird
den Haushalt ausgleichen und der Mittelschicht
Steuererleichterungen gewähren, damit Bildung und
Gesundheitsfürsorge bezahlt, Kinder aufgezogen und
ein Haus gekauft oder verkauft werden kann.
Der Ausgleich des Haushalts erfordert nur Ihre
Abstimmung und meine Unterschrift. Er erfordert nicht
von uns, unsere Verfassung zu ändern. Meines
Erachtens ist es sowohl unnötig als auch unklug, einen
Zusatz über einen ausgeglichenen Haushalt zu
verabschieden, der unser Land in Krisenzeiten lähmen
und unerwünschte Ergebnisse erzwingen würde, wie
etwa, daß Richter Sozialversicherungsschecks
sperren oder Steuern erhöhen. Lassen Sie uns
zumindest vereinbaren, keine Maßnahmen zu ergreifen, die die Sozialversicherung bedrohen. Was
immer Sie für eine Meinung zu diesem Thema haben,
wir alle müssen eingestehen, daß wir keinen Verfassungszusatz benötigen - wir benötigen Aktivität.
Unabhängig von unseren Differenzen sollten wir den
Haushalt jetzt ausgleichen. Und dann müssen wir für
die langfristige Gesundheit unserer Gesellschaft einem
überparteilichen Prozeß zustimmen, um die Sozialversicherung zu erhalten und Medicare auf lange Sicht
zu reformieren, damit diese grundlegenden Programme für unsere Kinder so solide sind wie für unsere
Eltern.
Ich möchte etwas sagen, das heute Abend nicht in
meiner Rede steht. Ich weiß, daß es nicht leicht sein
wird. Aber ich bin der festen Überzeugung, daß einer
der Gründe, warum das amerikanische Volk mich für
eine zweite Amtszeit gewählt hat, war, daß ich in den
nächsten vier Jahren die harten Entscheidungen treffe,
die unser Land durch die nächsten 50 Jahre bringen
werden. Ich weiß, es ist leichter für mich als für Sie,
das zu sagen oder zu tun. Aber ein weiterer Grund,
warum ich gewählt wurde, ist die Unterstützung für Sie

Seite 2

alle - unabhängig von der Partei - um Ihnen das für die
Mitsprache an diesen Entscheidungen Notwendige zu
geben. Wir schulden es unserem Land und unserer
Zukunft.
Die zweite unerledigte Arbeit erfordert von uns, daß wir
uns heute Abend, vor den Augen Amerikas, endlich
zur Verabschiedung einer Reform der Wahlkampffinanzierung verpflichten.
Die Senatoren McCain und Feingold, die Abgeordneten des Repräsentantenhauses Shays und
Meehan haben über die Parteigrenzen hinweg eine
durchgreifende und faire Reform erarbeitet.
Ihr
Vorschlag würde die Ausgaben begrenzen, die Rolle
der Lobbyisten einschränken, gleiche Chancen für
Kandidaten und Amtsinhaber schaffen und die Beiträge von nichtamerikanischen Staatsbürgern, alle Unternehmenszuwendungen sowie die anderen hohen
Zahlungen verbieten, die beide Parteien erhalten.
Sie und ich wissen, daß man es verschieben kann.
Und Sie und ich wissen, daß die Vertagung den Tod
der Reform bedeuten wird. Lassen Sie uns daher
unsere eigene Frist setzen. Wir wollen zusammenarbeiten, um die überparteiliche Reform der Wahlkampffinanzierung gesetzlich zu verankern und das
McCain-Feingold-Gesetz an dem Tag verabschieden,
an dem wir den Geburtstag unserer Demokratie feiern
- dem 4. Juli.
Es gibt noch ein drittes Stück unerledigter Arbeit. In
den vergangenen vier Jahren ist es uns gelungen, eine
Rekordzahl von 2,25 Millionen Menschen unabhängig
von der Sozialhilfe zu machen. Im letzten Jahr
verabschiedete der Kongreß ein bahnbrechendes
Gesetz zur Sozialhilfereform, das fordert, daß alle
arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger die Verantwortung
übernehmen, arbeiten zu gehen.
Jeder Einzelne von uns muß seiner Verantwortung - in
der Tat unserer moralischen Verpflichtung - gerecht
werden sicherzustellen, daß Menschen, die jetzt
arbeiten müssen, arbeiten können. Wir müssen jetzt
handeln, um ein neues Ziel zu verwirklichen: Weitere
2 Millionen Menschen sollen bis zum Jahr 2000 nicht
mehr von Sozialhilfe abhängig sein.
Hier ist mein Plan: Steuerfreibeträge und andere
Anreize für Unternehmen, die Sozialhilfeempfänger
einstellen; Anreize für Arbeitsvermittlungsfirmen und
Bundesstaaten zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen
für Sozialhilfeempfänger; Ausbildung, Beförderung und
Kindertagesstätten, um den Menschen zu helfen, zur
Arbeit zu gehen.
Ich stelle jeden Bundesstaat vor die Herausforderung:
Verwandeln Sie diesen Sozialhilfescheck in einen
Gehaltsscheck des Privatsektors. Ich stelle jede
Kirchengemeinde, jede gemeinnützige Organisation,

AMERIKA DIENST 03

�jedes Unternehmen vor die Herausforderung, einen
Sozialhilfeempfänger einzustellen. Und ich möchte
insbesondere an jeden Arbeitgeber in unserem Land
gewandt sagen, wer je das alte Sozialhilfesystem
kritisiert hat, kann diesem alten System nicht mehr die
Schuld zuschreiben, weil wir es abgeschafft haben.
Jetzt müssen Sie das Ihre tun. Geben Sie einem
Sozialhilfeempfänger die Chance zu arbeiten.

Lehrplan so gestalten, daß er diese Standards verkörpert und Lehrer ausbilden, damit die Schüler ihnen
gerecht werden. Um den Schulen zu helfen, diese
Standards zu erfüllen und ihre Fortschritte zu beurteilen, werden wir in den nächsten beiden Jahren
Bestrebungen in die Wege leiten, um nationale
Prüfungen für die Leistungen der Schüler beim Lesen
und in der Mathematik zu erarbeiten.

Ich freue mich, heute Abend bekanntgeben zu können,
daß fünf große Firmen - Sprint, Monsanto, UPS,
Burger King und United Airlines - die ersten sein
werden, die sich an neuen nationalen Bestrebungen
zur Schaffung von Arbeitsplätzen in den kleinen und
großen Unternehmen Amerikas beteiligen, damit
Sozialhilfeempfänger arbeiten können.

Heute Abend stelle ich die Nation vor eine Herausforderung: Jeder Bundesstaat sollte hohe nationale
Standards einführen, und bis zum Jahr 1999 sollte
jeder Bundesstaat jeden Viertklässler im Lesen und
jeden Achtklässler in Mathematik prüfen um sicherzustellen, daß sie diese Standards einhalten.

Wir haben die Sozialhilfereform verabschiedet. Und
Sie alle wissen, daß ich der Überzeugung bin, daß wir
das Richtige getan haben. Aber niemand kann diese
Kammer mit einem reinen Gewissen verlassen, wenn
er nicht zur Beendigung der Arbeit bereit ist.
Wir müssen gemeinsam auch noch etwas anderes in
Angriff nehmen - etwas, um das uns sowohl die
republikanischen als auch die demokratischen Gouverneure gebeten haben: Die Wiedereinführung der
grundlegenden Gesundheitsfürsorge und der Invaliditätsrente, wenn ein Unglück Einwanderer ereilt, die
legal in unser Land kamen, die hart arbeiten, Steuern
zahlen und das Gesetz befolgen. Etwas anderes wäre
einer großartigen Nation von Einwanderern einfach
unwürdig.
Mit Blick in die Zukunft ist der größte Schritt von allen die hohe Schwelle der Zukunft, die wir jetzt überqueren
müssen - und meine oberste Priorität für die nächsten
vier Jahre die Sicherstellung, daß alle Amerikaner die
beste Bildung der Welt erhalten.
Lassen Sie uns zusammenarbeiten, um diese drei
Ziele zu verwirklichen: Jeder 8-jährige muß lesen,
jeder 12-jährige muß sich ins Internet einloggen, jeder
18-jährige muß ein College besuchen und jeder
erwachsene Amerikaner muß sein Leben lang lernen
können.
Mein ausgeglichener Haushalt sieht beispiellose
Zuweisungen für diese Ziele vor - 51 Milliarden Dollar
im nächsten Jahr. Aber es ist sehr viel mehr Geld
erforderlich. Ich habe einen Plan - einen Aktionsplan
für die amerikanische Bildung - auf der Grundlage der
folgenden 10 Prinzipien.
Erstens einen nationalen Kreuzzug für Bildungsstandards - nicht Standards der Bundesregierung, sondern
nationale Standards, die für das stehen, was alle
unsere Studenten wissen müssen, um in der Wirtschaft des Wissens des 21. Jahrhunderts Erfolg zu
haben. Jeder Bundestaat und jede Schule muß den

AMERIKA DIENST 03

Die Anhebung der Standards wird nicht leicht sein, und
einige unserer Kinder werden sie zunächst nicht
erfüllen können. Es geht nicht darum, daß unsere
Kinder schlechter werden, sondern besser. Gute
Prüfungen werden uns zeigen, wer Hilfe benötigt,
welche Veränderungen beim Unterricht vorgenommen
und welche Schulen verbessert werden müssen. Sie
können uns helfen, die "soziale" Versetzung zu
beenden. Denn kein Kind sollte von der Grundschule
zur Junior High School, oder von der Junior High
School zur High School gehen, wenn es nicht dazu
bereit ist.
Letzten Monat haben unser Bildungsminister Dick
Riley und ich Northern Illinois besucht, wo Achtklässler
aus 20 Schulbezirken in einem treffenderweise "Die
Ersten der Welt" genannten Projekt den dritten internationalen Mathematik- und Wissenschaftstest ablegten.
Diese Prüfung hat die Weltklassestandards, die unsere
Kinder für das neue Zeitalter einhalten müssen. Und
diese Schüler in Illinois belegten den ersten Platz
weltweit in Wissenschaft und den zweiten in Mathematik. Zwei von ihnen, Kristin Tanner und Chris
Getsla, sind heute Abend hier zusammen mit ihrer
Lehrerin, Sue Winski. Sie sind dort oben bei der First
Lady. Und sie beweisen, daß sie die Besten der Welt
sein werden, wenn wir uns hohe Ziele stecken und
unsere Schüler vor eine Herausforderung stellen. Ich
bitte um etwas Applaus. Stehen Sie bitte auf.
Zweitens müssen wir die besten Lehrer haben, wenn
wir die besten Schulen haben wollen. Die meisten von
uns in dieser Kammer wären ohne die Hilfe dieser
Lehrer heute Abend nicht hier. Ich weiß, daß ich nicht
hier wäre. Jahrelang haben viele unserer Pädagogen
unter der Führung des Gouverneurs von North Carolina, Jim Hunt, und dem nationalen Gremium für
professionelle Unterrichtsstandards sehr hart an der
Einführung national anerkannter Zeugnisse für herausragenden Unterricht gearbeitet.
Nur 500 Lehrer
erhielten seit 1995 diese Bescheinigung.
Mein
Haushalt wird weiteren 100.000 eine nationale Bescheinigung mit dieser besonderen Auszeichnung
ermöglichen.
Wir sollten unsere besten Lehrer

Seite 3

�auszeichnen und anerkennen. Und während wir sie
anerkennen, sollten wir rasch und in fairer Weise die
wenigen ausscheiden lassen, die nicht den Ansprüchen genügen, und wir sollten mehr von unseren
besten jungen Leuten auffordern, Lehren als Beruf in
Betracht zu ziehen.
Drittens müssen wir mehr tun, um allen unseren
Kindern beim Lesen zu helfen. 40 Prozent unserer 8jährigen können nicht alleine lesen. Aus diesem
Grund haben wir gerade die Initiative "Amerika liest"
ins Leben gerufen - um eine Bürgerwehr von einer
Million freiwilligen Tutoren aufzubauen und sicherzustellen, daß jedes Kind bis zum Ende der 3. Klasse
alleine lesen kann. Wir werden Tausende von
AmeriCorps-Freiwilligen zur Mobilisierung dieser
Bürgerwehr einsetzen. Wir möchten die Hilfe von
mindestens 100.000 Collegestudenten. Und heute
Abend freue ich mich, daß 60 Collegedirektoren
meinem Ruf gefolgt sind und zugesagt haben, daß
Tausende ihrer Studenten ein Jahr lang als Lesetutoren arbeiten werden.
Das ist auch eine Herausforderung für jeden Lehrer
und jeden Schuldirektor. Sie müssen diese Tutoren
einsetzen, um den Schülern beim Lesen behilflich zu
sein. Und es ist insbesondere eine Herausforderung
für unsere Eltern. Sie müssen jeden Abend mit Ihren
Kindern lesen.
Das führt zum vierten Prinzip: Das Lernen beginnt in
den ersten Tagen des Lebens. Wissenschaftler
entdecken jetzt, wie Kinder sich von ihren ersten
Tagen an emotional und intellektuell entwickeln und
wie wichtig es für die Eltern ist, sofort mit ihren Kinder
zu sprechen, zu singen und sogar zu lesen. Die First
Lady hat jahrelang über dieses Thema geschrieben
und es studiert. Sie und ich werden im Frühjahr im
Weißen Haus eine Konferenz über frühes Lernen und
das Gehirn einberufen um herauszufinden, wie Eltern
und Pädagogen diese verblüffenden neuen Erkenntnisse am besten nutzen können.
Wir wissen bereits, daß wir Kinder unterrichten sollten,
bevor sie in die Schule kommen. Aus diesem Grund
erweitert dieser ausgeglichene Haushalt Head Start
bis zum Jahr 2002 auf eine Million Kinder. Und aus
diesem Grund wird die jährliche Familienkonferenz von
Vizepräsident und Mrs. Gore im Juni sich damit
befassen, was wir tun können um zu gewährleisten,
daß die Eltern ein aktiver Teil des Lernens ihrer Kinder
während ihrer gesamten Schulzeit sind.
Sie haben sehr viel getan, um die Bedeutung der
Familie in unserem Leben zu unterstreichen und
wenden jetzt ihre Aufmerksamkeit den Eltern zu, damit
sie sich mehr für das Lernen ihrer Kinder während
ihrer Schulzeit engagieren. Ich danke Ihnen, Herr
Vizepräsident, und besonders Tipper für Ihre Arbeit.

Seite 4

Fünftens sollte jeder Bundesstaat den Eltern die
Entscheidung freistellen, die richtige öffentliche Schule
für ihre Kinder auszusuchen. Ihr Recht auf freie
Entscheidung wird Wettbewerb und Innovationen
fördern, die öffentliche Schulen besser machen
können. Wir sollten auch mehr Eltern und Lehrern die
Gründung von Schulen ermöglichen, die die höchsten
Standards setzen und erfüllen und nur solange
bestehen, wie sie dies tun. Unser Plan wird Amerika
helfen, bis zum nächsten Jahrhundert 3.000 dieser
Schulen zu gründen - nahezu siebenmal so viele wie
es heute im Land gibt - so daß die Eltern noch mehr
Wahlmöglichkeiten haben, ihre Kinder in die besten
Schulen zu schicken.
Sechstens muß in unseren Schulen Charakterbildung
gelehrt werden. Wir müssen unseren Kindern beibringen, gute Bürger zu sein. Und wir müssen weiterhin
Ordnung und Disziplin fördern, Gemeinden unterstützen, die Schuluniformen einführen, Ausgangssperren verhängen, Gesetze gegen Schulschwänzerei
durchsetzen, Störenfriede aus den Klassenzimmern
entfernen und Pistolen und Drogen in Schulen null
Toleranz entgegenbringen.
Siebtens können wir nicht erwarten, daß unsere Kinder
sich zu Höchstleistungen in Schulen antreiben, die
buchstäblich zusammenfallen. Mit Rekordschülerzahlen und Rekordzahlen von Schulen, die baufällig
werden, ist dies zu einem ernsthaften nationalen
Problem geworden. Aus diesem Grund enthält mein
Haushalt eine neue Initiative - 5 Milliarden Dollar für
die Gemeinden, um ihnen bei der Finanzierung von
Schulbauten in Höhe von 20 Milliarden Dollar in den
nächsten vier Jahren behilflich zu sein.
Achtens müssen wir das 13. und 14. Schuljahr mindestens zwei Jahre College - bis zum 21. Jahrhundert ebenso universell in Amerika einführen wie die
High School-Ausbildung heute, und wir müssen den
Amerikanern die Türen zum College öffnen.
Um das zu tun, schlage ich Amerikas HOPE-Stipendium auf der Grundlage des Pionierprogramms von
Georgia vor: Einen zweijährigen Steuerfreibetrag in
Höhe von 1.500 Dollar für die Collegegebühren genug, um für das typische Gemeindecollege zu
bezahlen. Ich schlage auch einen steuerlich absetzbaren Betrag von bis zu 10.000 Dollar pro Jahr für alle
Ausbildungsgebühren nach der High School vor, ein
erweitertes privates Rentenkonto, von dem man
steuerfrei Beträge für die Ausbildung abheben kann,
und die größte Erweiterung der Pell Grant-Stipendien
seit 20 Jahren. Dank dieses Plans müssen die
meisten Familien keine Steuern auf Gelder zahlen, die
sie für die Collegegebühren sparen. Ich bitte Sie, ihn
zu verabschieden - und jedem hart arbeitenden
Amerikaner die Chance eines Collegebesuchs zu
geben.

AMERIKA DIENST 03

�Neuntens müssen wir im 21. Jahrhundert die Grenzen
für lebenslangen Lernens erweitern. Alle unsere
Bürger, gleich welchen Alters, müssen eine Chance
haben, neue Fähigkeiten zu erwerben. Die meisten
Amerikaner leben in der Nähe eines Gemeindecollege.
Der Weg dorthin kann der Weg zu einer besseren
Zukunft sein. Mein Gl-Gesetz für die amerikanischen
Arbeitnehmer wird das Gewirr von Bundesausbildungsprogrammen zu einem einfachem Stipendium für
besondere Fähigkeiten machen, das der in Frage
kommende Arbeitnehmer direkt erhält. Dieses Gesetz
lag viel zu lange auf dem Schreibtisch, ohne daß etwas
geschah - ich bitte Sie, es jetzt zu verabschieden. Wir
wollen mehr Arbeitnehmern die Möglichkeit zu lernen
und für lebenslanges Lernen bieten.
Zehntens müssen wir die Macht des Informationszeitalters in alle unsere Schulen bringen. Im vergangenen
Jahr habe ich Amerika aufgefordert, jedes Klassenzimmer und jede Bibliothek bis zum Jahr 2000 ans
Internet anzuschließen, damit die Kinder in den
isoliertesten Dörfern, den komfortabelsten Vororten
und den Schulen in den ärmsten Innenstädten zum
ersten Mal in unserer Geschichte denselben Zugang
zu demselben Universum des Wissens erhalten. Das
ist mein Plan - ein Aktionsplan für die amerikanische
Bildung. Einige mögen sagen, es sei ungewöhnlich für
einen Präsidenten, der Bildung soviel Aufmerksamkeit
zu widmen. Einige mögen sagen, es sei nur, weil der
Präsident und seine wunderbare Frau seit mehr
Jahren von diesem Thema besessen sind, als sie
erinnern können. Das steht nicht hinter diesen
Vorschlägen.
Wir müssen die Bedeutung dieses Unternehmens
verstehen: Eine der größten Quellen unserer Stärke
während des Kalten Krieges war eine überparteiliche
Außenpolitik. Weil unsere Zukunft auf dem Spiel
stand, machte die Parteipolitik an unseren Grenzen
halt. Nun bitte ich Sie - alle Gouverneure unserer
Nation, die Eltern, Lehrer und Bürger in ganz Amerika um eine neue überparteiliche Verpflichtung zur
Bildung, weil Bildung eine entscheidende nationale
Sicherheitsfrage für unsere Zukunft ist, und Parteipolitik an der Schultür haltmachen muß.
Um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten,
müssen wir die mächtigen Kräfte der Wissenschaft und
Technologie für alle Amerikaner nutzen. Das ist der
erste Bericht zur Lage der Nation, der auf Video im
Internet übertragen wird. Aber wir haben erst begonnen, die Vorteile einer technologischen Revolution zu
verbreiten, die das moderne Geburtsrecht jedes
Bürgers werden sollten.
Unsere Bestrebungen, jedes Klassenzimmer ans
Internet anzuschließen, sind nur der Anfang. Jetzt
sollten wir jedes Krankenhaus ans Internet anschließen, damit die Ärzte unverzüglich Daten über ihre
Patienten mit den besten Spezialisten austauschen

AMERIKA DIENST 03

können. Und heute Abend fordere ich den Privatsektor
auf, damit zu beginnen, jede Kinderklinik so bald wie
möglich ans Internet anzuschließen, damit ein Kind in
der Klinik in Verbindung mit der Schule, Familie und
den Freunden bleiben kann. Ein krankes Kind muß
nicht länger ein einsames Kind sein.
Wir müssen die zweite Generation des Internet bauen,
damit unsere führenden Universitäten und nationalen
Labors mit tausendmal schnellerer Geschwindigkeit
als heute kommunizieren, neue medizinische Behandlungsmethoden, neue Energiequellen und neue
Wege der Zusammenarbeit entwickeln können.
Aber wir können hier nicht haltmachen. Es wird nicht
länger ein Traum, sondern eine Notwendigkeit sein,
daß das Internet unser neuer Marktplatz wird - ein
Computer in jedem Heim, ein Lehrer aller Fächer, eine
Verbindung zu allen Kulturen. Und im nächsten
Jahrzehnt muß das unser Ziel sein.
Wir müssen weiterhin die Himmel erforschen - Fortschritte bei den Marssonden und der internationalen
Raumstation erzielen, die beide praktische Auswirkungen auf unser tägliches Leben haben.
Wir müssen die bemerkenswerten Fortschritte in der
medizinischen Wissenschaft beschleunigen. Das
Projekt über das menschliche Genom entschlüsselt
jetzt die genetischen Mysterien des Lebens. Amerikanische Wissenschaftler haben Gene entdeckt, die mit
Brust- und Ovarialkrebs in Verbindung stehen sowie
ein Medikament, das einen Schlaganfall stoppt und
seine Auswirkungen umkehrt, und Medikamente, die
das Leben von HIV- und AIDS-Infizierten dramatisch
verlängern.
Seit meinem Amtsantritt sind die Mittel für die AIDSForschung an den nationalen Gesundheitsämtern
drastisch auf 1,5 Milliarden Dollar gestiegen. Mit
neuen Ressourcen werden die nationalen Gesundheitsämter jetzt zum mächtigsten Motor für die Entdekkung eines AIDS-Impfstoffs und arbeiten mit anderen
Wissenschaftlern zusammen, um endlich die Bedrohung durch AIDS zu beseitigen. Führen Sie sich
vor Augen, daß jedes Jahr, in dem wir die Erforschung
eines AIDS-Impfstoffs voranbringen, Millionen von
Leben auf der ganzenWelt gerettet werden. Wir
müssen unser Engagement für die medizinische
Wissenschaft verstärken.
Um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten,
müssen wir stärkere Familien schaffen.
In den
vergangenen vier Jahren hat der Krankenurlaub aus
familiären Gründen Millionen Amerikanern geholfen
freizunehmen, um bei ihren Familien zu sein. Angesichts des neuen Drucks auf die Menschen in ihrem
Arbeits- und Privatleben müssen wir meines Erachtens
den Krankenurlaub aus familiären Gründen erweitern,
damit die Arbeitnehmer für Lehrerkonferenzen und die

Seite 5

�Vorsorgeuntersuchung eines Kindes freinehmen
können. Wir sollten Gleitzeit einführen, damit die
Arbeitnehmer entscheiden können, ob sie Überstunden mit Geld oder lieber mit Freizeit vergütet
haben wollen, damit sie bei ihrer Familie sein können.
Wir müssen weiterhin Schritt für Schritt mehr Familien
eine finanzierbare, qualitativ hochwertige Gesundheitsfürsorge ermöglichen. 40 Millionen Amerikaner haben
noch immer keine Krankenversicherung. 10 Millionen
Kindern haben noch keine Krankenversicherung - 80
Prozent von ihnen haben arbeitende Eltern, die
Steuern zahlen. Das ist falsch.
Mein ausgeglichener Haushalt wird die Krankenversicherung auf bis zu 5 Millionen dieser Kinder
ausdehnen. Da nahezu die Hälfte aller Kinder ihre
Versicherung verliert, weil ihre Eltern ihren Arbeitsplatz
verlieren oder verändern, wird mein Haushalt auch
sicherstellen, daß sich Menschen, die ihren Arbeitsplatz vorübergehend verlieren, ihre Krankenversicherung immer noch leisten können. Kein Kind sollte nicht
zum Arzt gehen können, weil ein Elternteil keine Arbeit
hat.
Mein Medicare-Plan modernisiert Medicare, verlängert
die Lebensdauer des Trustfonds auf 10 Jahre und
bietet Unterstützung für eine Atempause für die vielen
Familien, deren Angehörige unter Alzheimer leiden.
Und zum ersten Mal würde jährlich eine Mammographie bezahlt.
Ebenso wie wir im vergangenen Jahr den nur 24stündigen Klinikaufenthalt bei einer Entbindung
abgeschafft haben, müssen wir jetzt die gefährliche
und erniedrigende Praxis beenden, Frauen nur
Stunden nach einer Brustamputation aus der Klinik
nach Hause zu schicken. Ich bitte um Ihre Unterstützung für ein überparteiliches Gesetz mit der Garantie,
daß eine Frau nach einer Brustamputation 48 Stunden
in der Klinik bleiben kann. Heute Abend ist Dr. Kristen
Zarfos anwesend, eine Chirurgin aus Connecticut,
deren Empörung über diese Praxis eine nationale
Bewegung auslöste und zu diesem Gesetz führte. Ich
möchte sie bitten aufzustehen, damit wir ihr für ihre
Bemühungen danken können. Vielen Dank, Frau Dr.
Zarfos.
In den vergangenen vier Jahren haben wir den Erhalt
von Unterhaltszahlungen für Kinder um 50 Prozent
erhöht. Jetzt sollten wir einen Schritt weitergehen und
es noch besser machen, indem wir es zum Verbrechen erklären, wenn ein Elternteil die Grenzen
eines Bundesstaates in dem Versuch überquert, sich
seiner heiligsten Pflicht zu entziehen.
Schließlich müssen wir unsere Kinder auch schützen,
indem wir fest zu unserem Entschluß stehen, die
Werbung und Vermarktung von Zigaretten zu verbieten, die ihr Leben gefährden.

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Um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten,
müssen wir stärkere Gemeinden schaffen. Wir sollten
mit sicheren Straßen anfangen. Schwerverbrechen
haben fünf aufeinander folgende Jahre abgenommen.
Der Schlüssel dazu war die bürgernahe Polizei. Wir
müssen die Arbeit beenden, indem wir 100.000
bürgernahe Polizisten auf die Straßen der Vereinigten
Staaten entsenden. Wir sollten einen Verfassungszusatz über die Rechte von Opfern verabschieden.
Und ich bitte Sie, die Verbrechen Jugendlicher umfassend mit einem Gesetz in Angriff zu nehmen, das den
Gangs den Krieg erklärt, mehr Staatsanwälte und
härtere Strafen vorsieht, das Brady-Gesetz erweitert,
damit gewalttätige kriminelle Teenager keine Handfeuerwaffen mehr kaufen können; Kindersicherungen an
Handfeuerwaffen vorschreibt, um die unbefugte
Benutzung zu verhindern, und so dazu beiträgt, daß
unsere Schulen nach Schulschluß, an Wochenenden
und im Sommer offen bleiben können, damit unsere
jungen Leute einen Ort haben, an den sie gehen und
etwas haben, zu dem sie Ja sagen können.
Dieser ausgeglichene Haushalt enthält die umfassendsten Drogenbekämpfungsmaßnahmen der Geschichte:
Um den Drogenhandel bereits im Herkunftsland zu
stoppen, die Händler zu bestrafen und unsere jungen
Menschen zu lehren, daß Drogen falsch und illegal
sind und sie töten werden. Ich hoffe auf Ihre Unterstützung dieser Bestrebungen.
Unsere wachsende Wirtschaft hat dazu beigetragen,
arme städtische und ländliche Gemeinden wiederzubeleben. Wir müssen ihnen jedoch noch mehr
Befugnisse zur Schaffung von Bedingungen verleihen,
unter denen alle Familien prosperieren und Arbeitsplätze durch Investitionen von Unternehmen und
Bankkredite geschaffen werden können.
Wir sollten die Zahl der Wirtschaftsförderungszonen
verdoppeln. Sie haben Gemeinden wie Detroit bereits
soviel Hoffnung gegeben, wo die Arbeitslosenquote in
vier Jahren um die Hälfte abgenommen hat. Wir
sollten kontaminierte städtische Grundstücke und
Gebäude wieder einer produktiven Nutzung zuführen.
Wir sollten das Netz von Gemeindeentwicklungbanken
erweitern. Und gemeinsam müssen wir uns heute
Abend verpflichten, daß wir diesen Wirtschaftsförderungsansatz - einschließlich Steueranreizen für den
Privatsektor - nutzen werden, um unsere Bundeshauptstadt zu erneuern, damit Washington ein hervorragender Ort zum arbeiten und leben und erneut
das stolze Gesicht ist, das Amerika der Welt zeigt.
Wir müssen unsere Umwelt in jeder Gemeinde
schützen. In den vergangenen vier Jahren haben wir
250 Giftmülldeponien gesäubert - das sind so viele wie
in den letzten 12 Jahren zusammengenommen. Jetzt
sollten wir 500 weitere säubern, damit unsere Kinder in
der Nähe von Parks, nicht Gift aufwachsen können.

AMERIKA DIENST 03

�Ich fordere Sie auf, meinem Vorschlag zuzustimmen,
daß die größten Verursacher nach einer einfachen
Regel leben müssen: Wenn Ihr unsere Umwelt
verschmutzt, dann solltet Ihr für ihre Säuberung
bezahlen.
In den letzten vier Jahren haben wir die Gesetze
unserer Nation für sichere Nahrungsmittel und sauberes Trinkwasser verbessert. Wir haben einige der
seltensten, schönsten Landstriche Amerikas in der
Region Red Rocks in Utah unter Naturschutz gestellt,
in der kalifornischen Wüste drei neue Nationalparks
geschaffen und begonnen, die Everglades in Florida
wiederherzustellen. Jetzt müssen wir mit unseren
Flüssen so wachsam sein wie mit unserem Land.
Heute Abend gebe ich bekannt, daß ich in diesem Jahr
10 Flüsse zum amerikanischen Erbe erklären werde,
um den Gemeinden bei der Sanierung ihrer an den
Ufern gelegenen Stadtbezirke und der Säuberung der
Flüsse behilflich zu sein und damit erneut unter Beweis
zu stellen, daß wir unserer Volkswirtschaft zu Wachstum verhelfen und gleichzeitig die Umwelt schützen
können.
Wir müssen auch die globale Umwelt schützen und auf
ein Verbot der schlimmsten toxischen Chemikalien und
die Verringerung der Treibhausgase hinarbeiten, die
unsere Gesundheit bedrohen und unser Klima verändern.
Wir alle wissen, daß es in allen unseren Gemeinden
Kinder gibt, die nicht das Erforderliche zur Verfügung
haben, um aufzuwachsen und bei sich zu Hause, in
der Schule oder der Nachbarschaft zu lernen. Und
das bedeutet, daß wir mehr tun müssen, denn sie sind
auch unsere Kinder. Aus diesem Grund werden
Präsident Bush, General Colin Powell und der ehemalige Wohnungsbauminister Henry Cisneros gemeinsam
mit dem Vizepräsidenten und mir im April das Gipfeltreffen des Präsidenten für Dienste zum Wohle der
Allgemeinheit in Philadelphia veranstalten.
Unser Programm eines nationalen Sozialdienstes,
AmeriCorps, hat bereits 70.000 jungen Menschen
geholfen, sich das Geld für den Collegebesuch durch
einen Dienst an der Gemeinde zu verdienen. Jetzt
beabsichtigen wir, Millionen von Amerikanern zu
mobilisieren, damit sie in tausenderlei Arten ihren
Dienst leisten können. Der karitative Dienst ist eine
amerikanische Verantwortung, die alle Amerikaner
übernehmen sollten, und ich bitte um Ihre Unterstützung für dieses Unternehmen.
Ich möchte noch einen letzten Punkt zu unserer
nationalen Gemeinschaft anführen. Unsere Volkwirtschaft wird in Zahlen und Statistiken gemessen, und
das ist sehr wichtig. Aber der dauerhafte Wert unserer
Nation liegt in unseren gemeinsamen Werten und
unserem hochfliegenden Geist. Statt unsere bescheidenen Bestrebungen zur Unterstützung der Künste

AMERIKA DIENST 03

und Geisteswissenschaften
zurückzuschrauben,
sollten wir sie meiner Ansicht nach fördern und unsere
Künstler, Musiker und Schriftsteller, unsere Museen,
Bibliotheken und Theater und alle in der Kunst oder
den Geisteswissenschaften tätigen Amerikaner
auffordern, gemeinsam mit unseren Mitbürgern das
Jahr 2000 zu einer nationalen Feier des amerikanischen Geistes in jeder Gemeinde zu machen - eine
Feier unserer gemeinsamen Kultur in dem zu Ende
gehenden Jahrhundert sowie in dem neuen Jahrhundert und dem neuen Jahrtausend, damit wir
weiterhin nicht nur das Symbol der Freiheit in der Welt
bleiben, sondern auch der Kreativität, lange nachdem
das Feuerwerk verloschen ist.
Um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten,
müssen wir die Kräfte des Wandels in der Welt
meistern und eine starke und sichere amerikanische
Führungsrolle für eine unerforschte Zeit bewahren.
Vor fünfzig Jahren übernahm ein weitblickender
Amerikaner die Führungsrolle bei der Gründung der
Institutionen, die zum Sieg im Kalten Krieg führten und
baute eine wachsende Weltwirtschaft auf. Infolgedessen haben sich heute mehr Menschen als je zuvor
unseren Idealen und Interessen verschrieben. Wir
haben bereits viele der Blöcke und Schranken niedergerissen, die die Welt unserer Eltern teilten. Zum
ersten Mal leben mehr Menschen in einer Demokratie
als einer Diktatur, darunter alle Nationen in unserer
Hemisphäre mit Ausnahme einer - und auch deren Tag
wird kommen.
Jetzt stehen wir erneut vor einer Zeit des Wandels und
der Entscheidungen - und wiederum einer Zeit des
Weitblicks, um Amerika weitere 50 Jahre der Sicherheit und des Wohlstands zu bescheren. Bei
diesem Unternehmen besteht unsere wichtigste
Aufgabe im Aufbau eines zum ersten Mal ungeteilten
und demokratischen Europas. Wenn Europa stabil,
wohlhabend und im Frieden ist, ist Amerika sicherer.
Zu diesem Zweck müssen wir die NATO bis 1999
erweitern, damit die Länder, die einst unsere Gegner
waren, unsere Verbündeten werden können. Bei dem
NATO-Gipfeltreffen im Sommer werden wir damit
beginnen. Wir müssen die Partnerschaft für den
Frieden der NATO mit Verbündeten der Nichtmitgliedstaaten stärken. Und wir müssen eine stabile Partnerschaft zwischen der NATO und einem demokratischen
Rußland aufbauen. Eine erweiterte NATO ist gut für
Amerika. Und ein Europa, in dem alle Demokratien
ihre Zukunft nicht im Hinblick darauf definieren, was sie
einander antun können, sondern in Bezug auf das,
was sie gemeinsam zum Wohle aller tun können - ein
solches Europa ist gut für Amerika.
Zweitens muß Amerika ebenso nach Osten blicken,
wie es nach Westen blickt. Unsere Sicherheit erfordert
es. Amerika hat in diesem Jahrhundert drei Kriege in

Seite 7

�Asien geführt. Unser Wohlstand erfordert es. Über
zwei Millionen amerikanischer Arbeitsplätze hängen
vom Handel mit Asien ab.
Auch hier tragen wir dazu bei, eine asiatisch-pazifische
Gemeinschaft der Kooperation, nicht des Konflikts zu
schaffen. Unsere Fortschritte dort dürfen nicht die
verbleibenden Gefahren verschleiern. Gemeinsam mit
Südkorea müssen wir die Friedensgespräche mit
Nordkorea voranbringen und die letzte Trennlinie des
Kalten Krieges überbrücken. Ich fordere den Kongreß
auf, die Mittel für unseren Teil des Abkommens
bereitzustellen, gemäß dem Nordkorea sein Nuklearwaffenprogramm weiterhin einfrieren und dann
beseitigen muß.
Wir müssen einen intensiveren Dialog mit China
verfolgen - um unserer Interessen und Ideale willen.
Ein isoliertes China ist nicht gut für Amerika. Ein
China, das die ihm angemessene Rolle in der Welt
spielt, ist gut für Amerika. Ich werde nach China
reisen, und ich habe den chinesischen Präsidenten zu
einem Besuch hier eingeladen, nicht weil wir in allem
einer Meinung sind, sondern weil die Einbeziehung
Chinas der beste Weg zur Bewältigung unserer
gemeinsamen Herausforderungen wie der Beendigung
der Atomtests und zum offenen Umgang mit unseren
grundlegenden Differenzen bei Menschenrechten ist.
Das amerikanische Volk muß in der Weltwirtschaft
prosperieren. Wir haben hart gearbeitet, um Handelshemmnisse im Ausland abzubauen, damit wir im Inland
gute Arbeitsplätze schaffen können. Ich bin stolz,
sagen zu können, daß Amerika heute erneut die
konkurrenzfähigste Nation und die Nummer eins der
Welt bei Exporten ist.
Wir müssen jetzt handeln, um unsere Exporte zu
erweitern, insbesondere nach Asien und Lateinamerika - den zwei am schnellsten wachsenden
Regionen auf der Welt - oder wir werden hinterherhinken, wenn diese aufstrebenden Volkswirtschaften
neue Bande mit anderen Nationen knüpfen. Aus
diesem Grund benötigen wir jetzt die Befugnis zum
Abschluß neuer Handelsabkommen, die Märkte für
unsere Waren und Dienstleistungen öffnen, während
wir unsere Werte bewahren.
Wir dürfen nicht vor den Herausforderungen der
Weltwirtschaft zurückschrecken. Schließlich haben wir
die besten Arbeitnehmer und die besten Produkte. Auf
einem wirklich offenen Markt können wir jeden überall
auf der Welt ausstechen.
Aber es geht um mehr als um die Wirtschaft. Indem
wir den Handel erweitern, können wir die Sache der
Freiheit und Demokratie auf der ganzen Welt verbreiten. Es gibt kein besseres Beispiel dieser Wahrheit als Lateinamerika, wo Demokratie und offene
Märkte gemeinsam auf dem Vormarsch sind. Aus

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diesem Grund werde ich Lateinamerika im Frühjahr
besuchen, um unsere wichtigen Bande zu stärken.
Wir sollten stolz sein, daß Amerika die Bestrebungen
zur Rettung unseres Nachbarn Mexiko aus der
Wirtschaftskrise des Landes angeführt hat. Und wir
sollten alle stolz sein, daß Mexiko im vergangenen
Monat - drei Jahre vor Ablauf der Frist - den Vereinigten Staaten seine Schulden mit einem Gewinn
von einer halben Milliarde Dollar für uns zurückgezahlt
hat.
Amerika muß weiterhin die unerschütterliche Kraft für
Frieden sein - vom Nahen Osten bis nach Haiti, von
Nordirland bis nach Afrika. Weil wir vernünftige
Risiken für Frieden auf uns nehmen, werden wir später
nicht in sehr viel kostspieligere Konflikte hineingezogen. Dank der amerikanischen Führungsrolle wurde
das Töten in Bosnien beendet. Jetzt müssen die
Gewohnheiten des Friedens Fuß fassen. Die neue
NATO-Streitmacht wird den Wiederaufbau und die
Aussöhnung beschleunigen. Heute Abend bitte ich
den Kongreß um die weitere starke Unterstützung
unserer Truppen. Sie leisten dort beachtliche Arbeit
für Amerika, und Amerika muß ihnen fest zur Seite
stehen.
Fünftens müssen wir vehement gegen neue Bedrohungen unserer Sicherheit vorgehen. In den
vergangenen vier Jahren haben wir die Führungsrolle
bei einem weltweiten Abkommen über das Verbot von
Atomtests übernommen. Rußland und Amerika haben
ihre Nukleararsenale drastisch reduziert, und wir
haben aufgehört, unsere Waffen auf die Bürger des
jeweils anderen Landes zu richten. Wir unternehmen
Schritte, damit Nuklearmaterial nicht in die falschen
Hände gelangt und die Welt von Landminen befreit
wird. Wir arbeiten mit neuer Intensität mit anderen
Nationen zusammen, um die Drogenhändler zu
bekämpfen, Anschläge von Terroristen zu vereiteln
und sie zur Rechenschaft zu ziehen, wenn sie einen
Anschlag verüben.
Jetzt müssen wir uns einer neuen Probe unserer
Führungsrolle stellen: Der Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention. Ich möchte eindeutig klarstellen:
Sie wird unsere Truppen sicherer vor einem Angriff mit
Chemiewaffen machen, und sie wird uns bei der
Bekämpfung des Terrorismus helfen. Wir haben keine
wichtigere Pflicht - insbesondere nach dem, was wir
jetzt über den Golfkrieg wissen. Dieser Vertrag war
von Anfang an überparteilich, wurde von republikanischen und demokratischen Administrationen sowie
republikanischen und demokratischen Kongreßabgeordneten unterstützt und bereits von 68 Nationen
verabschiedet.
Aber wenn wir nicht bis zum 29. April handeln - dem
Tag, an dem diese Konvention mit oder ohne uns in
Kraft tritt - werden wir die Chance verpassen, daß

AMERIKA DIENST 03

�Amerikaner eine Führungsrolle dabei übernehmen und
diese Bestrebungen umsetzen. Gemeinsam müssen
wir der Chemiewaffenkonvention Gesetzeskraft verleihen, damit wir endlich damit beginnen können,
Giftgas von der Erde zu verbannen.
Schließlich müssen wir die Instrumente zur Bewältigung all dieser Herausforderungen haben. Wir
müssen ein starkes und einsatzbereites Militär beibehalten. Wir müssen die Finanzierung für die Modernisierung der Waffen bis zum Jahr 2000 aufstocken und
uns gut um unsere Männer und Frauen in Uniform
kümmern. Sie sind die Besten der Welt.
Wir müssen auch unsere Verpflichtung zur Diplomatie
der Vereinigten Staaten erneuern und unsere Schulden und Beiträge zu internationalen Finanzinstitutionen
wie der Weltbank und den sich reformierenden
Vereinten Nationen bezahlen. Jeder Dollar, den wir für
die Verhinderung von Konflikten, Förderung der
Demokratie und zur Bekämpfung von Krankheiten und
Hunger aufwenden, bringt eine sichere Dividende an
Sicherheit und Einsparungen. Dennoch machen die
Ausgaben für internationale Angelegenheiten heute
nur ein Prozent des Bundeshaushalts aus - einen
Bruchteil dessen, was Amerika in die Diplomatie
investiert hat, um sich zu Beginn des Kalten Krieges
für die Führungsrolle statt Eskapismus zu entscheiden.
Wenn Amerika weiterhin die Welt anführen soll,
müssen wir hier, die Amerika anführen, einfach den
Weg finden, die Kosten dafür aufzubringen.
Ein weitblickendes Amerika hat die Welt in diesen
vergangenen 50 Jahren zu einem besseren Ort
gemacht. Und so kann es für weiter 50 Jahre sein.
Aber ein kurzsichtiges Amerika wird schnell feststellen,
daß es überall auf der Welt auf taube Ohren stößt.
Vor fast genau 50 Jahren, im ersten Winter des Kalten
Krieges, stand Präsident Truman vor einem republikanischen Kongreß und forderte unser Land auf, seiner
Verantwortung zu einer Führungsrolle gerecht zu
werden. Seine Warnung lautete: "Wenn wir scheitern,
könnten wir den Weltfrieden gefährden, und wir
werden zweifelsohne den Wohlstand dieser Nation
gefährden." Dieser von Republikanern wie Senator
Arthur Vandenberg angeführte Kongreß antwortete
Präsident Trumans Appell. Gemeinsam gingen sie
Verpflichtungen ein, die unser Land seit 50 Jahren
stärken.
Lassen Sie uns jetzt das Gleiche tun. Lassen Sie uns
das Erforderliche tun, damit wir eine unerläßliche
Nation bleiben - damit Amerika für weitere 50 Jahre
stark, sicher und wohlhabend bleibt.
Schließlich erwächst unsere weltweite Führungsrolle
vor allem aus der Macht unseres Beispiels hier im
Inland und aus unserer Fähigkeit, als ein Amerika
stark zu bleiben.

AMERIKA DIENST 03

Auf der ganzen Welt werden die Menschen durch
rassische, ethnische und religiöse Konflikte auseinandergerissen, die Fanatismus und Terror schüren.
Wir sind die vielfältigste Demokratie der Welt, und die
Welt blickt auf uns für den Beweis, daß es möglich ist,
über diese Differenzen hinweg gemeinsam zu leben
und voranzukommen.
Die Vereinigten Staaten waren immer eine Nation von
Einwanderern. Von Anfang an hat ein stetiger Strom
von Menschen auf der Suche nach Freiheit und
Chancen sein Land verlassen, um dieses Land zu
seiner Heimat zu machen. Wir begannen als ein von
den Europäern inspiriertes Experiment in Demokratie.
Wir sind zu einem durch Offenheit und Versprechen
inspirierten Experiment in demokratischer Vielfalt
geworden.
Meine amerikanischen Mitbürger, wir dürfen niemals
glauben, daß unsere Vielfalt eine Schwäche ist - sie ist
unsere größte Stärke. Die Amerikaner sprechen jede
Sprache, kennen jedes Land. Menschen auf jedem
Kontinent können auf uns blicken und die Widerspiegelung ihres eigenen großen Potentials sehen und sie werden es immer tun, solange wir danach
streben, allen unseren Bürgern, unabhängig von ihrem
Hintergrund, eine Chance zu geben, ihre eigene Größe
zu erlangen.
Wir sind noch nicht da. Wir sehen immer noch
Beispiele von Bigotterie und Intoleranz, in häßlichen
Worten und schrecklicher Gewalt, in niedergebrannten
Kirchen und zerbombten Gebäuden. Wir müssen in
unserem Land und in unseren Herzen dagegen
ankämpfen.
Nur wenige Tage vor meiner zweiten Amtseinführung
schlug einer der bekanntesten Pastoren des Landes,
Reverend Robert Schuller, vor, ich solle Jesaja 58:12
lesen. Der Vers lautet folgendermaßen: "Du wirst die
Fundamente fortdauernder Generationen aufrichten.
Und du wirst tatsächlich der Ausbesserer der Bresche,
der Wiederhersteller von Wegen, an denen man
wohnt, genannt werden." Ich legte meine Hand auf
diesen Vers, als ich im Namen aller Amerikaner den
Amtseid ablegte. Denn unabhängig von unseren
Unterschieden - in unserem Glauben, unserem
Hintergrund, unserer Politik - müssen wir alle Ausbesserer der Bresche sein.
Ich möchte etwas über zwei andere Amerikaner sagen,
die uns zeigen, wie es geht. Der Kongreßabgeordnete
Frank Tejeda wurde gestern beerdigt, ein stolzer
Amerikaner, dessen Familie aus Mexiko kam. Er war
erst 51 Jahre alt. Er wurde mit dem Silver Star, dem
Bronze Star und dem Purple Heart ausgezeichnet, weil
er in Vietnam für sein Land kämpfte. Und er hat weiter
für Texas und Amerika gekämpft - für die Zukunft
dieser Kammer. Wir sind dankbar für seine Dienste
und fühlen uns geehrt, daß seine Mutter, Lillie Tejada,

Seite 9

�und seine Schwester, Mary Alice, von Texas hierhergekommen sind, um heute Abend bei uns zu sein.
Herzlich willkommen!
Gary Locke, der neugewählte Gouverneur des Bundesstaates Washington, ist der erste amerikanische
Gouverneur chinesischer Abstammung in der Geschichte unseres Landes. Er ist der stolze Sohn von
zwei der Millionen Einwanderer asiatischer Herkunft,
die Amerika mit ihrer harten Arbeit, ihren Familienwerten und als gute Staatsbürger gestärkt haben.
Vielen Dank, Herr Gouverneur, daß Sie heute Abend
hier sind.
Reverend Schuller, der Kongreßabgeordnete Tejada
und Gouverneur Locke sind ebenso wie Kristin Tanner
und Chris Getsla, Sue Winski und Dr. Kristen Zarfos
Amerikaner mit unterschiedlichen Wurzeln, deren
Leben das Beste widerspiegelt, was wir werden
können, wenn wir ein Amerika sind. Wir haben
vielleicht keine gemeinsame Vergangenheit, aber wir
haben zweifelsohne eine gemeinsame Zukunft.
Der Aufbau eines Amerika ist unsere wichtigste
Mission - "die Fundamente fortdauernder Generationen" legen, der Stärke, die wir für dieses neue Jahr-

*

Seite 10

hundert benötigen. Mit Geld kann man sie nicht
kaufen. Mit Macht kann man sie nicht erzwingen. Mit
Technologie kann man sie nicht schaffen. Sie kann
nur aus dem menschlichen Geist erwachsen.
Amerika ist sehr viel mehr als ein Ort. Es ist eine Idee,
die mächtigste Idee in der Geschichte der Nationen.
Und wir alle in dieser Kammer sind jetzt die Träger
dieser Idee, die ein großartiges Volk in eine neue Welt
geleitet. Ein heute Nacht geborenes Kind wird praktisch keine Erinnerung an das 20. Jahrhundert haben.
Alles, was dieses Kind über Amerika weiß, wird es
aufgrund dessen wissen, was wir jetzt für ein neues
Jahrhundert tun.
Wir dürfen keine Minute verschwenden. Morgen sind
es nur noch etwas mehr als 1.000 Tage bis zum Jahr
2000. Tausend Tage, um unser Volk vorzubereiten.
Eintausend Tage, um zusammenzuarbeiten. Eintausend Tage, um eine Brücke zu einem Land neuer
Versprechen zu bauen. Liebe Mitbürger, vor uns liegt
Arbeit. Lassen Sie uns diese Tage und das Jahrhundert nutzen.
Ich danke Ihnen.
Amerika.

* * *

Gott segne Sie, und Gott segne

*

AMERIKA DIENST 03

�WIRTSCHAFT
12. Februar 1997

Vier Jahre Wirtschaftswachstum machen
den Amerikanischen Traum zur Realität
Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den am 10. Februar 1997 herausgegebenen Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten für den Kongreß.

Vor vier Jahren traten wir an, den Kurs der amerikanischen Wirtschaft zu ändern. Wir wollten, daß dieses
Land als Nation ins 21. Jahrhundert geht, in der jeder
arbeitswillige Amerikaner eine Chance hat - keine
Garantie, aber eine echte Chance - zur Verwirklichung
des Amerikanischen Traums. Wir haben hart gearbeitet, um dieses Ziel zu erreichen, und heute ist
unsere Wirtschaft stärker als sie es seit Jahrzehnten
war.

größte Senkung innerhalb von zwei Jahren in über 20
Jahren. Die Armutsgrenze unter den Älteren und den
Afroamerikanern ist auf dem niedrigsten Niveau seit
den ersten statistischen Erhebungen im Jahr 1959.
Ein reales mittleres Familieneinkommen ist um 1.600
Dollar gestiegen - das ist die größte Zuwachsrate seit
der Administration von Präsident Johnson.

Die Wirtschaftsbilanz

Unsere umfassende wirtschaftliche Tagesordnung hat
dazu beigetragen, die Wirtschaft der Vereinigten
Staaten wieder auf den richtigen Kurs zu bringen.
Diese Tagesordnung enthält folgende Punkte:

Die Herausforderung des Jahres 1993 bestand darin,
die Wirtschaft auf einen neuen Kurs haushaltspolitischer Verantwortung bei weiteren Investitionen in
unsere Zukunft zu bringen. In den vergangenen vier
Jahren ist die Arbeitslosenquote um nahezu ein Drittel
gesunken: von 7,5 Prozent auf 5,4 Prozent. Die
Volkswirtschaft hat 11,2 Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen, und über zwei Drittel des jüngsten Beschäftigungszuwachses entfallen auf die Berufsgruppen in der Industrie mit überdurchschnittlichen
Löhnen und Gehältern. In den letzten vier Jahren
betrug die Inflationsrate im Durchschnitt 2,8 Prozent
und war damit die niedrigste seit der Amtszeit von
Präsident John F. Kennedy. Die Arbeitslosen- und
Inflationsrate zusammengenommen ist die niedrigste
seit drei Jahrzehnten. Und die Unternehmensinvestitionen haben um über 11 Prozent pro Jahr zugenommen - mit dem schnellsten Tempo seit Anfang der
sechziger Jahre.
Mit dem Wirtschaftswachstum werden die Früchte
dieses Wachstums gerechter unter allen Amerikanern
aufgeteilt. Zwischen 1993 und 1995 sank die Armutsgrenze von 15,1 Prozent auf 13,8 Prozent - das ist die

AMERIKA DIENST 03

Die wirtschaftliche Tagesordnung

Historischer Defizitabbau. Seit dem Haushaltsjahr 1992 wurde das Defizit des Bundeshaushalts um 63 Prozent verringert - von
290 Milliarden Dollar auf 107 Milliarden Dollar
im Haushaltsjahr 1996. Als Prozentsatz des
Bruttoinlandsprodukts der Nation ist das
Defizit in demselben Zeitraum von 4,7 Prozent
auf 1,4 Prozent gefallen und jetzt das niedrigste seit über 20 Jahren. 1992 war das Haushaltsdefizit auf allen Ebenen der Regierung
höher im Verhältnis zu unserer Wirtschaft als
das von Japan und Deutschland zu deren
Wirtschaft. Gemessen daran ist dieses Defizit
jetzt geringer als das aller führenden Industrienationen. Und diese Administration hat einen
Plan vorgelegt, der den Haushalt bis zum Jahr
2002 ausgleicht und gleichzeitig entscheidende Investitionen in die Zukunft Amerikas
sichert.

Seite 1

�Investitionen in Bildung und Technologie.
Der Defizitabbau ist weiterhin eine Priorität,
aber kein Selbstzweck. Der Ausgleich des
Haushalts durch die Kürzung von Investitionen
in die Bildung oder mangelnde Unterstützung
für Wissenschaft und Technologie könnten
das Wirtschaftswachstum in der Tat verlangsamen. Um in der neuen Weltwirtschaft Erfolg
zu haben, müssen unsere Kinder eine Bildung
von Weltklasse erhalten. Jedes Kind in
Amerika sollte bis zum Alter von 8 Jahren
lesen, sich bis zum Alter von 12 Jahren ins
Internet einloggen können und mindestens 14
Jahre lang eine qualitativ hochwertige Ausbildung erhalten: 2 Jahre College sollten so
universell werden wie es die High School
heute ist. Und wir müssen sicherstellen, daß
jedes Kind, das ein College besuchen möchte,
die erforderlichen Ressourcen dafür hat.
Erweiterung der Märkte. Wir streben aggressiv die Expansion von Exporten und die
Öffnung von Märkten im Ausland an. In den
vergangenen vier Jahren haben wir zwei
wichtige Handelsabkommen abgeschlossen:
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen der Uruguay-Runde, mit dem die
Welthandelsorganisation gegründet wurde.
Die Mitglieder des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit und die
vorgesehene gesamtamerikanische Freihandelszone haben sich zur Gründung einer
Freihandelszone zwischen ihren Ländern bis
zum Jahr 2020 beziehungsweise 2005 verpflichtet. Und wir haben mit der Unterzeichnung von über 200 weiteren wichtigen Handelsabkommen neue Märkte im Ausland
eröffnet. Infolgedessen konnten die amerikanischen Exporte einen Boom verzeichnen, der
höhere Löhne und Gehälter für amerikanische
Arbeitnehmer in der Exportindustrie bedeutet die häufig 13 bis 16 Prozent höher sind als die
der übrigen Erwerbsbevölkerung.

Umstrukturierung der Regierung.
Die
Stärke der amerikanischen Wirtschaft liegt in
der Energie, Kreativität und Entschlossenheit
unserer Bürger. In den vergangenen vier
Jahren haben wir hart an der Schaffung eines
Umfelds gearbeitet, in dem Unternehmen
prosperieren können. Und während der
Privatsektor expandierte, hat die Bundesregierung ihre Effizienz und Wirtschaftlichkeit
verbessert. Wir haben energisch Bestimmungen in Schlüsselsektoren der Wirtschaft
reformiert, darunter im Telekommunikationsund Elektrizitätssektor, Bankwesen und der
Umwelt. Und wir haben den Umfang der
Bundesregierung als Prozentsatz der Erwerbsbevölkerung reduziert und sie zur
kleinsten seit den dreißiger Jahren gemacht.
Eine Wirtschaft für das 21. Jahrhundert
Die amerikanischen Arbeitnehmer arbeiten wieder und
unsere Fabriken sind in höchstem Maße aktiv. Wieder
einmal führt Amerika die Welt in der Automobilherstellung an. Unsere Hightechindustrien sind die
konkurrenzfähigsten der Welt. Die Armut hat sich
verringert und die Reallöhne beginnen endlich zu
steigen. Und wir haben die Grundlage für künftiges
langfristiges Wirtschaftswachstum durch den Abbau
des Defizits und Investitionen in die Bildung geschaffen.
Während der letzten vier Jahre haben wir darauf
hingearbeitet, alle Amerikaner auf die Herausforderungen und Chancen der neuen Weltwirtschaft des 21.
Jahrhunderts vorzubereiten. Wir streben die Wiederherstellung der haushaltspolitischen Disziplin in
unserer Regierung an, um die Chancen für Bildung
und Ausbildung für unsere Kinder und Arbeitnehmer zu
verbessern, die Sozialhilfe zu reformieren, Arbeit zu
ermutigen und die Grenzen des freien Handels zu
erweitern. Es muß jedoch noch mehr getan werden.
Wir müssen unseren Bürgern weiterhin die Instrumente an die Hand geben, damit sie das Beste aus ihrem
Leben machen können und der Amerikanische Traum
für jeden Amerikaner in greifbare Nähe rückt.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 03

�USA-DEUTSCHLAND
12. Februar 1997

Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen
Rede von Abteilungleiter John Kornblum

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von John Kornblum, dem Abteilungsleiter für europäische
und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium, zum 10. Jahrestag der "Initiative Berlin-USA" am 12.
Dezember 1996 im Amerika Haus Berlin gehaltene Rede.

Ich möchte heute Abend über die Zukunft der deutschamerikanischen Beziehungen sprechen.
Unsere
Diskussion sollte mit der Gründung dieser Initiative vor
zehn Jahren beginnen, weil sie uns den Geist vermittelt, der unsere Beziehungen meines Erachtens in
Zukunft leiten sollte. Wir sollten uns jedoch genau an
die Situation erinnern, in der wir zusammenkamen, um
über diese Initiative zu sprechen. Erstens gab es
natürlich eine geteilte Stadt, und es gab die Mauer. Es
waren ungefähr 10.000 britische, französische und
amerikanische alliierte Soldaten in der Stadt - häufig
ziemlich sichtbar. Weniger sichtbar waren die 400.000
sowjetischen Soldaten, die im Umkreis von 100
Kilometern von Berlin stationiert waren.
1986 bestand die Berliner Mauer 25 Jahre, und einige
von Ihnen werden sich daran erinnern, daß es viele
Diskussionsrunden und Fernsehprogramme gab, an
denen ich häufig beteiligt war. Kurze Zeit später
erklärte Erich Honecker, die Mauer würde weitere 100
Jahre oder länger stehen. Wie wir alle wissen, war sie
etwas mehr als drei Jahre später verschwunden. Aber
selbst dann hatten wir hier ein Gefühl der Bedrohung.
In Europa waren massive Armeen stationiert, darunter
200.000 amerikanische Soldaten in Deutschland.
Ich komme gerade aus Brüssel, wo die Außenminister
der NATO mit ihrem russischen Amtskollegen Primakow zusammengekommen sind und die Aufnahme von
Verhandlungen über die besonderen Beziehungen
zwischen Rußland und der NATO vereinbart haben.
Wir einigten uns ferner auf ein NATO-Gipfeltreffen vom
8. bis 9. Juli in Madrid. Zu diesem Zeitpunkt werden
einige ehemalige Mitglieder des Warschauer Pakts
wahrscheinlich zum NATO-Beitritt eingeladen. Und
natürlich wissen wir alle, daß ganz Deutschland und

AMERIKA DIENST 03

Berlin wiedervereinigt sind. Wir stehen jetzt am Beginn
einer Phase, in der wir hoffentlich zum ersten Mal in
der Geschichte eine wirklich demokratische Friedensstruktur in Europa aufbauen können.
Die "Initiative Berlin-USA" wurde von einer Gruppe
weitblickender Menschen ins Leben gerufen. Bedauerlicherweise weilen einige von ihnen nicht mehr unter
uns. Ich kann mich sehr gut an die ersten von uns
geführte Gespräche erinnern und daß jeder glaubte,
die Dinge würden sich in Berlin sehr schnell ändern.
Daß die wirklich besonderen Bande, die zwischen
Amerikanern und Berlinern gewachsen waren, sicherlich fortbestehen würden - was sie taten - jedoch neue
Bestrebungen erforderlich wären um sicherzustellen,
daß diese Beziehungen nicht verschleißen oder
stagnieren.
In jenen Tagen fürchteten wir eine Stagnation der
Beziehungen eben weil sie so sehr auf die militärische
Präsenz der Alliierten konzentriert waren und nicht all
die neuen Ereignisse berücksichtigen würden, die in
der Welt stattfanden. Wir konnten uns nicht vorstellen,
daß die alliierten Streitkräfte 10 Jahre später verschwunden sein und die von uns allen erwarteten
neuen Entwicklungen sich in einem völlig anderen
Berlin vollziehen würden - aber all das geschah.
Es erübrigt sich zu sagen, daß die von der "Initiative
Berlin-USA" geleistete Arbeit heute noch sehr viel
wichtiger ist als damals. Es ist jetzt eine Gruppe wie
diese, die diese umfassenden Kontakte unterhält, wie
ich Ihnen in meinen Ausführungen darlegen möchte.
Sie spiegeln auch das wider, was die deutsch-amerikanischen Beziehungen in Zukunft sein werden.

Seite 1

�Wie wird die Zukunft aussehen? Genau das fragen wir
uns in diesen Tagen und können offensichtlich nicht
klarsehen. Ich möchte Ihnen jedoch meine Eindrücke
von den Dingen wiedergeben, die von Bedeutung sein
werden, ein bißchen darüber reden, was die Vereinigten Staaten in diesem Zusammenhang unternehmen werden, aber Ihnen auch einige Gedanken
darüber vermitteln, was wir alle tun können und wie
sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen entwickeln werden.
Erstens ein vielleicht offensichtlicher Punkt, der jedoch
nützlich ist: Definitionen und Lösungen der Vergangenheit werden in Zukunft nicht sehr viel Gültigkeit besitzen. Selbst Begriffe und Konzepte wie "Westeuropa"
oder "Osteuropa" oder die atlantische Gemeinschaft
an sich beschreiben die Beziehungen nicht mehr
genau genug, die sich über den Atlantik hinweg und in
Europa entwickeln werden. Das Westeuropa der
Nachkriegszeit, das wir alle so gut kannten und zu
dem natürlich Berlin gehörte, existiert beispielsweise
nicht mehr. Die gut definierte Insel demokratischen
Wohlstands wurde durch ein Mosaik von Ländern
ersetzt, die auf verschiedene Weise mit einer unterschiedlichen Geschichte und in verschiedenen
Entwicklungsstadien handeln.
Sie wurde durch
Regionen ersetzt. Manchmal überqueren wir nationale
Grenzen - selbst Grenzen zwischen dem ehemaligen
Osten und Westen - die durch ein weltweites Netz von
Verbindungen ersetzt wurden, die manchmal Tausende von Meilen entfernte Verbindungen, Interessen und
Bande wichtiger machen als die in unmittelbarer Nachbarschaft.
Als die baltischen Staaten und die Ukraine unabhängig
wurden, waren es beispielsweise die "Europäer" in
Nordamerika, auf die sie wegen der ersten Unterstützung blickten. Und es waren diese Europäer, von
denen offensichtlich viele ihren Ursprung in diesen
Ländern haben, die dorthin zogen, die Arbeit aufnahmen und beim Aufbau dieser Gesellschaften
behilflich waren. Es gab übrigens viele Deutsche, die
das gleiche taten. Deutschland hat einen ausgeprägten Sinn für die Unterstützung dieses Teils der Welt.
Aber ohne Namen zu nennen, ist es meiner Ansicht
nach offensichtlich, daß es in Teilen Europas eine
Reihe von Menschen gab, die nicht an dem Geschehen interessiert war.
Und so ist das Europa der Ukraine, Litauens oder
Estlands ein Konglomerat seiner Nachbarn - zweifelsohne Deutschland, aber auch Chicago, Detroit und
Nebraska. Das ist auch für diese Länder Europa. Dort
erhalten sie ihre Unterstützung. Und das gilt übrigens
auch für die baltischen Staaten, deren Kultur während
der über 50-jährigen Besetzung bewahrt wurde.
Die Dinge verändern sich so sehr, daß wir darüber
nachdenken müssen, was wir eigentlich meinen, wenn
wir von Beziehungen über den Atlantik hinweg spre-

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chen. Sie sind völlig anders als noch vor 10 Jahren.
Es ist nicht mehr ein starkes Amerika, das Europa
irgendwie vor den letzten Wellen des Zweiten Weltkriegs schützt. Jetzt ist es eine Reihe integrierter
Gesellschaften, von denen einige mehr integriert sind
als andere, eine Reihe kultureller und psychologischer
Verbindungen, die im Kopf der Menschen ein Bild
dessen formen, wer sie sind und wo sie sind. Dieses
Bild steht jedoch immer weniger in Kontext von
Territorium oder Geographie. Es steht vielmehr im
Kontext einer Reihe von Perzeptionen und Interessen.
Deutschland und die Vereinigten Staaten sind zwei der
fortschrittlichsten Länder im Hinblick auf die Definition
und Handhabung dieser Perzeptionen und Interessen.
Im Flugzeug habe ich heute gelesen, daß man jetzt
sogar die "Tagesschau" auf dem Internet in den
Vereinigten Staaten abrufen kann. Ob die Vereinigten
Staaten allerdings schon bereit für die "Tagesschau"
sind, ist eine andere Frage. Ich habe Jahre gebraucht,
um die Wetterkarte zu verstehen, ganz zu schweigen
von den Nachrichten! Aber ich bin sicher, daß das ein
Schritt nach vorne ist. Ich habe keinen Zweifel. Wenn
also all diese Schranken fallen und all diese Definitionen sich ändern, dann werden neue Gemeinden
und Interessengruppen entstehen mit neuen Verbindungen und neuen Definitionen ihrer selbst.
Wenn wir über die atlantischen Beziehungen sprechen, sind wir in der Vergangenheit häufig von der
Perspektive ausgegangen, "hier ist Nordamerika, hier
ist Europa und hier ist der Atlantik", und wir sollten
Brücken über das bauen, was häufig als Trennlinie
angesehen wurde. Dieses Konzept war meines
Erachtens von Anfang an falsch. Zumindest in der
Geschichte meines Landes war der Atlantik im 18. Und
19. Jahrhundert keine Trennlinie. Wir schöpften
unsere Stärke und unsere intellektuelle Unterstützung,
und in vielen Fällen unsere Universitätsausbildung,
aus Europa. Und es gab kein Gefühl, kulturell irgendwie von Europa getrennt zu sein. Das änderte sich im
20. Jahrhundert vor allem aufgrund von Kriegen, und
wir hatten in der Tat nach dem zweiten Weltkrieg viel
zu tun, Brücken über den Atlantik zu bauen. Und
meiner Ansicht nach hatten wir Erfolg, wie die Geschichte gezeigt hat.
Wenn wir jedoch jetzt über Trennlinien zwischen
Völkern und Gesellschaften sprechen (und sie existieren, wie wir wissen), dann sind diese Trennlinien sehr
viel komplizierter geworden. Und der Atlantik ist nicht
ihre Definition. Manchmal sind diese Trennlinien der
Norden und Süden in Europa, manchmal liegen sie in
den Vereinigten Staaten, wo manche nach Süden
blicken und andere über den Pazifik hinweg. In
Europa selbst gibt es Regionen. Es gibt Wirtschaftsgemeinschaften. Eines der wichtigsten in Europa
erörterten Themen ist, daß es bereits eine um die
Deutsche Mark herum gebildete Gemeinschaft gibt, die
zunehmend in eine subregionale Gemeinschaft inte-

AMERIKA DIENST 03

�griert wird. Eines der Ziele ist natürlich, die subregionale Gemeinschaft zu einer umfassenderen Gemeinschaft zu machen. Aber wenn wir beginnen zu
definieren, wer wir sind und was wir sind, müssen wir
berücksichtigen, daß diese Trennlinien wirklich ganz
andere sind: Die schlichte Trennlinie des Atlantiks hier ist Amerika, hier ist Europa - funktioniert einfach
nicht mehr. In vielen Fällen kann man Asien dieser
Gleichung hinzufügen.
Das führt mich zu meiner nächsten Schlußfolgerung,
die lautet, wenn das alles so ist, dann hat sich die
Rolle der Vereinigten Staaten in dieser neuen atlantischen Gemeinschaft natürlich beträchtlich verändert.
Unsere militärische Stärke ist immer noch wichtig, wie
sich im Falle Bosniens gezeigt hat. Gleichzeitig
müssen wir Europa nicht mehr vor irgendetwas
schützen, und wir sind nicht mehr in irgendeiner Weise
dort, um einer wackeligen Nachkriegsordnung Glaubwürdigkeit zu verleihen. Wir fügen dem Geschehen
Geschicklichkeit und Talent hinzu. Das ist meines
Erachtens eines der faszinierendsten Themen dieses
Zeitalters - wie sich die Rolle der Vereinigten Staaten
langsam (oder vielleicht schnell) von der einer großen,
starken Macht - die wir einige Zeit gewesen sind - zu
einem Land gewandelt hat, das fast der Werkzeugkasten für die übrige Welt ist: Eine Gesellschaft, die
Menschen aufnimmt, ihre Talente nutzt, Lösungen
erarbeitet und die Menschen wieder hinaus in die Welt
schickt. Es ist faszinierend.
Diese Rolle wird nicht von allen positiv gesehen.
Denken Sie beispielsweise an die Klagen, es würde
zuviel amerikanische Popmusik im Radio gesendet
oder die Bestrebungen, den europäischen Anteil am
europäischen Fernsehen zu erhöhen.
Aber zu
anderen Zeiten bieten die Vereinigten Staaten Impulse
und Lösungen, die in der Tat von vielen Menschen als
ihre eigenen adoptiert werden, häufig ohne zu wissen,
daß sie aus den Vereinigten Staaten kamen.
Ich möchte Ihnen ein Beispiel nennen. Als ich vor 10
Jahren in Berlin lebte, war der amerikanische Kapitalismus für eine bestimmte Bevölkerungsschicht einschließlich der Presse wahrscheinlich der größte
Feind, den es gab. Auch sehr viele populäre Publikationen befaßten sich damit. Ich muß zugeben, daß es
mich heute mit einer gewissen Befriedigung erfüllt,
diese Publikationen aufzuschlagen und festzustellen,
daß sie nur darüber sprechen, wie wichtig amerikanische Lösungen sind. Wie machen die Amerikaner
das? Wie schaffen sie Arbeitsplätze? Wie bewahren
sie den technologischen Aufschwung?
Ich versuche nicht, Ihnen zu sagen, die Vereinigten
Staaten hätten alle Antworten parat oder unsere
Antworten seien die besseren. Aber wir sind zu einer
Art Impuls für die Welt geworden. Und dieser Impuls
unterscheidet sich völlig von der Schutzrolle, die wir
vorher gespielt haben. Das heißt, es ist auch sehr

AMERIKA DIENST 03

wichtig, durch Gruppen wie die "Initiative" nicht nur aus
Spaß (was es häufig ist) Kontakte zu kultivieren.
Indem wir die Rolle Deutschlands gegenüber Amerika
- und Amerikas Rolle gegenüber Deutschland definieren, definieren wir auch das neue Zeitalter, in
das wir eintreten.
Dieses neue Zeitalter wird raschen und manchmal
destabilisierenden Wandel mit sich bringen. Dieser
Wandel wird Deutschland ebenso wie alle anderen
betreffen. Es ist auch ein Wandel, der von großem
Vorteil für Deutschland sein wird, und indem wir in
Kontakt bleiben und einen Dialog aufbauen, werden
wir diesen Wandel besser bewältigen können.
Meine letzte These, die viele von Ihnen überraschen
wird, lautet, daß Deutschland von allen wichtigen
Ländern in Europa das Land ist, das am besten für die
Bewältigung dieses Wandels geeignet ist. Das ist zur
Zeit keine populäre Einstellung, vor allem nicht in der
amerikanischen Presse, und ich weiß, auch in der
deutschen Presse nicht. Wenn wir uns den äußerst
langsamen Prozeß leicht verlängerter Ladenöffnungszeiten betrachten - soweit ich weiß, wurde eine
Stunde auf die Gefahr einer nationalen Revolution
hinzugefügt - könnte man sich fragen, ob diese
Aussage auch nur das kleinste bißchen Logik enthält.
Aber ich glaube immer noch, daß es zutrifft und
Deutschland und Amerika in der Tat bestimmt sind, der
Motor des Wandels in dem neuen Europa zu sein.
Amerika in der gerade von mir beschriebenen Rolle;
aber Deutschland als ein Land im Zentrum des
Kontinents, der mit all seiner bekannten Stabilität und
dem Festhalten an einer bestimmten Art und Weise,
Dinge zu tun, auch eine der offensten, produktivsten
und weitblickendsten Gesellschaften in Europa
entwickelt, die sehr viel weniger Traditionen und der
alten Art, Dinge zu tun, verhaftet ist als nahezu jede
andere Gesellschaft.
Ein Teil dessen ist ein tragischer Unfall der Geschichte
- das heißt, hier hat es im 20. Jahrhundert soviel
Aufruhr gegeben, daß viele alten Muster einfach
zerstört und die Menschen umgesiedelt wurden. In
den vielen Jahren, die ich in Deutschland gelebt habe,
fand ich es immer interessant, Menschen von überallher zu treffen, oder Menschen zu treffen, deren Eltern
von überallher kamen. Deutschland ist wirklich wie
kein anderes europäisches Land vermischt worden.
Aber Teil dessen ist auch die Tatsache, daß Deutschland ein Land ist, das noch im Werden begriffen ist.
Das heißt, es findet immer noch heraus, was es ist.
Die Definition Deutschlands war - wie ich den meisten
hier Anwesenden nicht sagen muß - stets eine unsichere. Das hat immer Probleme verursacht. Aber ich
glaube, in dem Europa, das wir jetzt mit den starken
institutionellen Verbindungen, mit sehr starker Demokratie sowie Ihrem starken und offenen Wirtschaftssystem haben, wird diese Suche nach einer Definition

Seite 3

�und Rolle etwas sein, das Deutschland sehr dynamisch macht und nicht zu einem Land, das gegen
Wandel ist.
Man kann es bereits bei einigen Aspekten sehen, aber
während wir vorankommen, wird diese Fähigkeit und
beinahe schon dieser Elan, sich selbst zu definieren
und die noch ungelösten Probleme insbesondere im
Osten zu bewältigen, Deutschland zum wichtigsten
Partner der Vereinigten Staaten für Wandel in Europa
machen. Wenn dies alles zutrifft - und es erübrigt sich
zu sagen, daß man darüber diskutieren kann - dann
gibt es einiges, das wir uns vor Augen halten müssen,
wenn wir in diese Periode eintreten, und ich werde
auch ein bißchen darüber sprechen, was die Vereinigten Staaten denken und zur Bewältigung der
Probleme beizutragen hoffen.
Das erste Korollar folgt aus dem, was ich gerade über
den Wandel gesagt habe. Es ist die Frage der Stabilität. Es mag sich wiederum wie ein Widerspruch
anhören, daß ich nach all den Lobeshymnen über den
Wandel jetzt über Stabilität spreche. Aber hinter all
den in Europa während der ungefähr 75 Jahre erzielten Fortschritten lauert auch ein Gespenst über dem
Kontinent, und das ist die Angst vor Instabilität. Man
kann meines Erachtens argumentieren, daß es seit
1914 kein Jahr gegeben hat, in dem Europa vollständig im Frieden mit sich war. Das Ende des Kalten
Krieges beendete 50 Jahre völlig inakzeptabler
Stabilität - aber es war Stabilität. Dies hat jetzt zum
ersten Mal in der Geschichte Europas die Chance zu
einem wirklich demokratischen Frieden und Stabilität
eröffnet. Ich glaube nicht, daß es eine Zeit gab, in der
Demokratie in der von uns verstandenen Weise als die
Grundlage der Gesellschaft in ganz Europa akzeptiert
wurde. Das bedeutet natürlich nicht, daß sie in ganz
Europa praktiziert wird, aber sie wurde zweifelsohne
als die Grundlage akzeptiert. Das ist eine Chance, die
ergriffen werden muß. In erster Linie entspricht sie der
Bedeutung des Wortes: Demokratie. Der Aufbau von
Demokratie in den seit kurzem freien Teilen Europas
ist die uns alle heute konfrontierende wichtigste
Aufgabe. Sie ist die Grundlage des Friedens.
Zweitens bedeutet es die Suche nach einer Grundlage
für Stabilität, die einerseits praktisch und funktionsfähig, andererseits dynamisch ist. Präsident Clinton
hat von Anfang seiner Amtszeit an eine Vision dieser
Art verfolgt. Die erste detaillierte Definition dieser
Vision gab er in einer Rede, die er im Januar 1994 in
Brüssel gehalten hat, in der er über die Integration
ganz Europas - aller Demokratien in Europa - in eine
demokratische Gemeinschaft des Friedens sprach.
Seit damals haben wir mit unseren Verbündeten, mit
den Zentraleuropäern und auch mit Rußland, auf eine
Definition funktionsfähiger Strukturen für die Schaffung
dieser Art von demokratischer Integration in Europa
hingearbeitet.

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Für die Vereinigten Staaten und für Europa gleichermaßen ist ein zentraler Aspekt dieser Vision die NATO.
Die NATO ist zuallererst die Grundlage für eine starke
und positive Präsenz der Vereinigten Staaten in
Europa. Sie ist auch die fähigste und erfolgreichste
gemeinsame Militärstruktur, die je existiert hat. Sie hat
sich ferner als eine Organisation bewiesen, die im
Gegensatz zu den Erwartungen vieler seit 1990 eine
dramatische Umstrukturierung vollzog und nicht mehr
ein rein defensives Bündnis mit massiven, im Zentrum
Europas stationierten Armeen ist, die gegen massive
russische Armeen gerichtet waren. Sie ist zu einer
flexiblen Plattform für die Schaffung von Frieden in
ganz Europa geworden. Die NATO wird auch zunehmend der Rahmen für die Schaffung von mehr Verantwortung und Fähigkeiten in Europa, und ich bin
glücklich und stolz, daß die Entscheidung hierzu vor
sechs Monaten beim NATO-Ministertreffen im Juni hier
in Berlin getroffen wurde.
Diesen Entscheidungen wurde in der Presse sehr viel
Aufmerksamkeit gewidmet, und sie werden immer
noch erörtert. Es wird jedoch vielleicht immer noch
nicht richtig verstanden, wie weitreichend sie waren.
Sie strebten eine zweite Phase der Umstrukturierung
der NATO auf der Grundlage einer größeren europäischen Rolle im Bündnis an.
Die in dieser Berlin-Entscheidung definierten drei
Bereiche waren: Erstens die innere Umstrukturierung
des Bündnisses, was die Rückkehr Frankreichs in die
integrierte militärische Struktur einbezieht. Zweitens
die externe Projektion des Bündnisses, was die
Aufnahme neuer Mitglieder und auch eine besondere
Beziehung zu Rußland beinhaltet. Und drittens neue
Rollen und Missionen, von denen die dramatischste
die Mission in Bosnien ist. Jeder dieser Bereiche ist
für den Aufbau dieser Stabilität und Berechenbarkeit,
von der ich spreche, gleich wichtig. Durch die innere
Umstrukturierung wird der NATO zum ersten Mal ein
rein europäisches Element hinzugefügt. Es gestattet
der Allianz die Bereitstellung von Ressourcen, Gerät
und auch Personal für Operationen, die ausschließlich
von Europäern auf einer europäischen Grundlage
organisiert werden. In der Tat haben die Vereinigten
Staaten zugestimmt, daß amerikanische Soldaten an
diesen Operationen unter europäischem Kommando
teilnehmen können, wenn dies entschieden werden
sollte. Die externe Projektion wird häufig nur als die
NATO-Erweiterung angesehen - das heißt, welche
Länder der NATO beitreten werden. Das ist sehr
wichtig. Wie ich bereits erwähnte, wird die NATO in
dieser Woche die Entscheidung treffen, das Gipfeltreffen am 8. und 9. Juli in Madrid abzuhalten, und bei
diesem Gipfel werden die Verhandlungen mit einer
Reihe von Ländern aufgenommen - wir wissen noch
nicht, wie vielen - die zum Beitritt in das Bündnis
eingeladen werden.

AMERIKA DIENST 03

�Man muß sich jedoch vor Augen führen, daß die
Projektion der NATO nach Osten nicht nur in der
Aufnahme neuer Mitglieder besteht. Es gibt auch eine
jetzt zwei Jahre alte äußerst wichtige Initiative, genannt
Partnerschaft für den Frieden (PFF), die 26 Mitglieder
hat, von Schweden und Finnland bis zu Aserbaidschan, Kasachstan und Usbekistan. Es ist eine
unglaubliche Vereinigung. Ich war gestern beim
Treffen der Vertreter dieser Länder in Brüssel anwesend, und wenn man sich die Geschichte der NATO
betrachtet, ist es wirklich erstaunlich, in das NATOHauptquartier in Brüssel zu gehen und neben einer
usbekischen Delegation zu sitzen - was der Fall ist. Sie
wissen: "Usbekistan, Vereinigte Staaten". Es ist auch
erstaunlich, in einer anderen Besprechung neben dem
russischen Außenminister zu sitzen und ihn über das
sprechen zu hören, was er mit der NATO zu tun
beabsichtigt. Die Partnerschaft für den Frieden ist also
ein enormer Erfolg. Wir haben vorgeschlagen - und es
wurde gestern bei der NATO vereinbart - daß dies mit
der Gründung des sogenannten Atlantischen Partnerschaftsrats einen Schritt weitergeführt wird, der der
NATO die Arbeit an gemeinsamen Projekten mit
Partnerländern, politische Konsultationen und zunehmend gemeinsame Entscheidungen gestattet.
Wie ich bereits erwähnte, sind ein weiterer Aspekt die
Beziehungen der NATO zu Rußland. Wir beabsichtigen die Erarbeitung einer gemeinsamen Vision und
gemeinsamer Strukturen für eine friedliche Zusammenarbeit mit Rußland. Wir haben bereits damit
begonnen. Ein Kontingent russischer Soldaten ist an
der IFOR-Operation (Implementation Force) in Bosnien
beteiligt. Wir arbeiten auf gemeinsame Übungen und
gemeinsame Verteidigungsgespräche hin. Und jetzt
erzielen wir Fortschritte bei der Charta mit Rußland,
die Konsultationen und Entscheidungsfindung bei
bestimmten Angelegenheiten enthalten wird. Die
NATO wird mit der Ukraine ein ähnliches, etwas
weniger ehrgeiziges Projekt verfolgen, die wiederum
eines der entscheidenden Länder beim Aufbau von
Zusammenarbeit nach Osten ist.
Morgen wird im Bundestag die Abstimmung über ein
Thema stattfinden, das sich aus dem dritten Aspekt der
Veränderung der NATO ergibt, den sogenannten
Rollen und Missionen. Von einer statischen Verteidigungsstreitmacht hat die NATO sich zu einer aktiven
friedenssichernden und konfliktverhütenden Streitmacht umstrukturiert. Das Engagement der NATO in
Bosnien ist das dramatischste Beispiel dafür und war
der Grund für den Frieden in Bosnien - darüber sollte
kein Zweifel bestehen. Nach einer langen Debatte in
Deutschland wurde die Entscheidung getroffen, sich
an der SFOR (Stabilization Force) zu beteiligen, und
das wird ein historischer Schritt - das muß ich niemandem in diesem Raum erzählen. Dies wird meines
Erachtens auch symbolisch für die veränderte Rolle
der Streitkräfte in Europa sein.

AMERIKA DIENST 03

Der Aufbau von Stabilität durch politische Kooperation
und die militärische Vorgehensweise der NATO ist
entscheidend, weil sie Regierungen und Bürgern den
Mut zu Veränderungen gibt. Mehr als andernorts auf
der Welt könnte in Europa die Zukunft ohne diesen Mut
zu Veränderungen in der Tat durch die Furcht vor
Instabilität vereitelt werden. Es gibt jedoch noch einen
anderen wichtigen Aspekt während wir jetzt diese
Veränderungen durchlaufen, und das ist Flexibilität.
Ich habe bereits über einige der seit langem vertretenen Einstellungen gesprochen, die wir meiner
Ansicht nach aufgeben müssen. Wir müssen auch die
Einstellungen zum Leben und den bedeutenden
politischen Ziele aufgeben, die von unseren Gesellschaften vorgegeben werden. Häufig tendiert die
Politik dazu, in vielen Bereichen sozialen Wandel mit
sich zu bringen.
Sowohl in unseren Gesellschaften als auch zwischen
den Ländern basieren unsere Beziehungen jetzt
wieder sehr viel mehr auf dem, was Unternehmen,
Einzelpersonen, Gemeinden, Gruppen wie die "Initiative Berlin-USA" und zwangsläufig Menschen wie ich
tun. Wir haben noch eine gewisse Funktion und
werden vermutlich noch eine Weile da sein. Aber was
die Menschen in einem Zeitalter miteinander machen,
in dem die "Tagesschau" auf dem Internet in Kansas
City empfangen werden kann, wird sehr viel bedeutender und sehr viel weniger kontrollierbar sein als das,
was jede einzelne Regierung tun kann. Das heißt, wir
müssen uns vor Augen führen, daß Stabilität nur eine
Grundlage für Veränderung und nicht die Ausrede
dafür sein kann, neue Herausforderungen zu umgehen.
Wir sind der Garant für Stabilität in Europa, das steht
außer Frage. Unsere Präsenz bietet Deutschland
auch eine glaubwürdige Grundlage für eine stärkere
Rolle in Europa. Wir sind jedoch ebenfalls der wichtige
Motor für Wandel und eine der wichtigsten Rollen
Deutschlands wird - wie ich bereits ausführte - in der
Zusammenarbeit beim Verständnis dessen, was
Wandel ist, beim Verdauen dieser Veränderungen und
ihrer Umsetzung in praktische Lösungen für Europa
bestehen. Offensichtlich bedeutet es nicht, daß alles
in unseren Gesellschaften identisch sein wird. Unsere
Geschäfte werden 24 Stunden lang geöffnet sein,
unabhängig davon, was der Bundestag entscheidet.
Aber die amerikanische Definition des Wandels wird
eine europäische Interpretation benötigen sowie die
Fähigkeit und Stärke zu ihrer Durchführung.
Und hier in Deutschland, einem Land mit einer Tradition des Wandels im 20. Jahrhundert, mit einer starken
bildungs- und industriellen Basis, mit einer nur 80
Kilometer von hier entfernten Grenze nach Polen, mit
einem starken Impuls zu Veränderungen, weil es
Länder an seinen Grenzen hat, die mit dem Status quo
nicht einverstanden sind, die sich rasch entwickeln und
auf Deutschland als Partner bei diesem Wandel

Seite 5

�blicken, wird die Fähigkeit zur Bewältigung dieses
Wandels der Schlüssel sein. Auch bei Ihnen ist
natürlich ein Drittel Ihres Landes, das aus derselben
Geschichte entstanden ist wie diese Länder, nicht
zufrieden mit dem Status quo, und daher wird das
Drängen nach neuen Lösungen in Deutschland größer
sein als andernorts in Europa. Und fügen Sie diesen
starken Banden, die wir bereits haben, sowie unseren
starken kulturellen und familiären Wurzeln die große
Zahl von Menschen in den Vereinigten Staaten hinzu,
die auf eine deutsche Abstammung zurückblicken,
sowie eine große Zahl amerikanischer Soldaten, die
hier gedient haben.
Sie sehen, daß die neue Partnerschaft, die wir haben,
in einer Weise gleichberechtigt ist, die wir noch vor
zehn Jahren nicht vorhersahen, als diese Organisation
gegründet wurde. Sie wird und sollte weder bei
militärischer Stärke gleichberechtigt sein, noch bei
Bevölkerungsdichte oder Gebieten. Sie wird jedoch
gleichberechtigt sein im Hinblick auf den Beitrag, den
jeder von uns zur Definition einer neuen Synthese in
Europa leisten kann, zur Definition, wie Europa und
Nordamerika die uns konfrontierenden dramatischen
Veränderungen bewältigen werden, und letztlich zur
Definition, wie unsere Völker erfolgreich in der neuen
Welt zusammenleben können, an deren Schwelle sie
stehen.

* *

Seite 6

Wenn diese Rede wie eine Werbekampagne für die
"Initiative Berlin-USA" klingt, dann war das natürlich
beabsichtigt. Denn ich strebe genau die grundlegenden, persönlichen Kontakte an der Basis an, die immer
die starken Bande zwischen den Vereinigten Staaten,
Europa und Deutschland ausgemacht haben, von
denen viele jedoch manchmal sagen, sei seien nicht
länger nötig wegen des Internet, wegen der Flugzeuge
und wegen der großen Umwälzungen der Geschichte,
die uns erfassen. Ich glaube, wir alle wissen, daß
große Umwälzungen der Geschichte gut sind. Das
Problem ist, sie erfassen uns und schleudern uns
manchmal durch die Tür, wenn man nicht weiß, was
vor sich geht. Und man weiß nur, was vor sich geht,
wenn man miteinander spricht und zu verstehen
beginnt, wie beispielsweise ethnische Konflikte,
Computer, Viren oder was immer täglich bewältigt
werden. Und das tun Organisationen wie diese.
Wir sollten also beide äußerst optimistisch bezüglich
der Zukunft unserer Partnerschaft und - es erübrigt
sich zu sagen - der "Initiative Berlin-USA" sein. Am
optimistischsten sollten wir jedoch meiner Ansicht nach
- und einige mögen überrascht sein, daß ich das sage
- bezüglich der Fähigkeit unserer beiden Gesellschaften zu Veränderungen sein, um die vor uns
liegenden großen neuen Herausforderungen zu
meistern. Ich danke Ihnen.

* *

*

AMERIKA DIENST 03

�ABRÜSTUNG
12. Februar 1997

Kreative Bestrebungen zur
Rüstungskontrolle unerläßlich
Rede von ACDA-Direktor John Holum

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (U.S. Arms Control and Disarmament Agency - ACDA), John Holum, am 9. Januar 1997 beim Seminar
über Rüstungskontrolle des Forschungsdienstes des Kongresses gehaltene Rede in Auszügen.

Ich sehe Rüstungskontrolle als nationale Sicherheitsangelegenheit. Wichtige Rüstungskontrollverhandlungen mit Rußland über strategische Waffen sind
noch nicht abgeschlossen - dem Land, das, wie Sie
wissen, eine überwältigende nukleare Zerstörung über
die Vereinigten Staaten bringen könnte.
Wir beginnen erst, die Bestimmungen der STARTVerträge zu nutzen, indem wir Tausende von Waffensystemen beseitigen. Das Inkrafttreten von START I
zwang die Ukraine, Kasachstan und Belarus zur
offiziellen Aufgabe ihre nuklearen Option und der nach
den Zusammenbruch der Sowjetunion auf ihrem
Territorium verbliebenen Waffen. Das taten sie Ende
1994 - und die letzten Waffen wurden im vergangenen
Monat aus Belarus abgezogen. Vor uns liegen jedoch
noch sechs weitere Jahre harter Arbeit an der Umsetzung von START I - der Verifizierung, daß Raketen
zerlegt und Silos aufgefüllt sowie Verhandlungen über
die Auslegung des Vertrags und seine Einhaltung
geführt werden.
START II - die Beendigung des Abbaus der Arsenale
um zwei Drittel und die Beseitigung der letzten SS-ISRaketen - muß von Rußland noch ratifiziert werden.
Mehrere Duma-Mitglieder beschweren sich, daß der
Vertrag von Rußland die Beseitigung von Raketen mit
Mehrzweckgefechtsköpfen und dann den Bau neuer
Raketen mit einem Gefechtskopf fordert, um die Parität
mit uns zu wahren.
Aber sie müssen die realistischen Optionen Rußlands
berücksichtigen. Ohne START II werden die Vereinigten Staaten 6.000 Waffen im Rahmen von START I

AMERIKA DIENST 03

beibehalten, wobei Rußland nur mit ruinösen Ausgaben gleichziehen könnte - und es gäbe praktisch
keine Aussicht auf Verhandlungen über einschneidendere Reduzierungen. Mit START II wird Rußland eine
tatsächliche Parität mit 3.000 bis 3.500 Gefechtsköpfen
haben und - wie Präsident Clinton erklärte - wir
könnten unverzüglich Verhandlungen über weitere
Begrenzungen und Reduzierungen aufnehmen, die
das Aufrüstungsproblem vermeiden könnten. Wir
haben Rußland gegenüber klargestellt, daß START II
die Tür zu START III ist, und daran geht kein Weg
vorbei.
Gleichzeitig wurde unsere Rüstungskontrollagenda mit
Rußland erweitert und bezieht jetzt das sogenannte
"loose nukes"-Problem mit ein. Führen Sie sich vor
Augen, daß das größte Hindernis für jemanden, der
eine Atomwaffe bauen will, nicht die Technologie,
sondern das Material ist - das hochangereicherte Uran
oder Plutonium.
Dieses entscheidende Material und die damit in
Zusammenhang stehende Intelligenz werden aus dem
Waffenprogramm Rußlands freigesetzt, um vielleicht
über durchlässige Grenzen an den falschen Ort zu
gelangen. Die Antwort besteht offensichtlich nicht in
der Beendigung der Reduzierungen - das hieße,
dieses Material in auf Raketen montierten Waffen zu
belassen, die die Vereinigten Staaten erreichen
könnten - sondern vielmehr im Einsatz aller erforderlichen diplomatischen, technischen, Strafverfolgungsund anderen Ressourcen um sicherzustellen, daß die
Experten anderweitig beschäftigt werden und das

Seite 1

�Material gesichert ist, bis es verbraucht oder unbrauchbar gemacht werden kann.
In der Zwischenzeit werden diese amerikanischrussischen Fragen von einer nicht geringeren Gefahr
überschattet: Der Verbreitung von - nuklearen, chemischen und biologischen - Massenvernichtungswaffen und ihren Trägerraketen an verbrecherische
Staaten und Terroristen auf der ganzen Welt.
Über 40 Länder haben jetzt die technische
und materielle Fähigkeit zur Entwicklung von
Nuklearwaffen, sollten sie sich dafür entscheiden.
Über 15 Nationen haben zumindest Kurzstreckenraketen - und viele von ihnen wollen
Massenvernichtungswaffen beschaffen.
Ungefähr 20 Länder - von denen viele uns
feindlich gesinnt sind - unterhalten Chemiewaffenprogramme, weitere 15 verfügen über
die Fähigkeit und Motivation dazu. Und
chemische Waffen wurden erst kürzlich in
einem Krieg vom Irak und von Terroristen in
der Tokioter U-Bahn eingesetzt.
Der Fall des Irak erinnert uns daran, daß
biologische Waffen auch für geächtete Regierungen und Gruppen attraktiv sind.
Und wenn wir uns an die Bombenanschläge
auf das World Trade Center und in Oklahoma
City erinnern, müssen wir uns fragen, um
wieviel schrecklicher das Leid wäre, wenn
auch nur primitive nukleare, chemische oder
biologische Waffen je in die falschen Hände
geraten würden.
Unser wichtigstes Instrument gegen die Verbreitung
von Nuklearwaffen ist der Nichtverbreitungsvertrag oder N W - gemäß dem Nichtnuklearwaffenstaaten
vollständig auf Atomwaffen verzichten und dies
bestätigen, indem sie ihre Nuklearprogramme zu
friedlichen Zwecken internationalen Sicherheitsvorschriften unterstellen. Der N W war die Grundlage für
mögliche internationale Aktionen gegen das nicht
bekanntgegebene Nuklearprogramm Nordkoreas - und
für andauernde Verifizierungen vor Ort, daß es wie
vereinbart weiter eingefroren ist.
1995 gelang es der Welt, den N W auf unbegrenzte
Zeit zu verlängern. Er nimmt auch an Universalität zu
und hat jetzt 184 Mitgliedstaaten - nur sechs Länder
sind nicht beigetreten. Eine wichtige Priorität - die wir
im März in die Praxis umsetzen wollen - ist jetzt die
weitere Stärkung seiner Sicherheitsbestimmungen. Es
sollen neue Technologien und der Zugang hinzugefügt
werden, wie etwa die Überwachung der Umwelt nicht
nur in unmittelbarer Nähe der bekanntgegebenen

Seite 2

Einrichtungen um sicherzustellen, daß Nuklearprogramme nicht vor den Inspektoren geheimgehalten
werden.
Der Name des Programms hierfür - "93 plus 2" - läßt
erkennen, daß wir nicht im Zeitplan liegen. Die
Entscheidung zur Verbesserung der Sicherheitsbestimmungen wurde 1993 getroffen, nachdem das
geheime Nuklearprogramm des Irak aufgedeckt
worden war. Und "plus 2" bedeutete, daß es bis 1995
abgeschlossen sein sollte. Wir üben weiterhin großen
Druck aus, vor allem gegen den Widerstand einiger
unserer Verbündeten, die anscheinend Probleme
haben, das richtige Gleichgewicht zwischen den durch
die Nuklearwaffen verbrecherischer Staaten entstehenden Gefahren und möglichen Unannehmlichkeiten für ihre Nuklearanlagen zu finden.
Der im vergangenen Jahr abgeschlossene und
demnächst dem Senat vorzulegende Vertrag über ein
umfassendes Verbot von Atomtests (Comprehensive
Test Ban Treaty - CTBT) wird ein weiteres Hindernis
für die Verbreitung von Nuklearwaffen darstellen.
Die Vereinigten Staaten haben weit über 1.000
Kernversuche durchgeführt - Hunderte mehr als jedes
andere Land. Jedes kleine bißchen weiteren Wissens,
das wir durch weitere Tests erlangen könnten, ist sehr
wenig wert verglichen mit dem Wert, den die Verhinderung weiterer Tests durch andere Staaten besitzt,
einschließlich verbrecherischer Staaten, die aus nur
wenigen Explosionen Quantensprünge an Fähigkeiten
erwerben könnten. Je mehr Nationen wir bei der
Lernkurve über Nuklearwaffen verzeichnen können,
desto sicherer sind wir.
Als ein weiteres Hindernis hat Präsident Clinton
angeordnet, daß wir unsere Bestrebungen in diesem
Jahr intensivieren, um die vollständige Einstellung der
Produktion von waffenfähigem spaltbarem Material
auszuhandeln. Diese vollständige Produktionseinstellung ist unsere beste Hoffnung, das Nuklearwaffenpotential von Nichtmitgliedstaaten des N W , einschließlich Indiens und Pakistans, zu beschneiden.
Eine weitere unmittelbare Priorität bei der Nichtverbreitung sind die Chemiewaffenkonvention (Chemical
Weapons Convention - CWC), die noch vom Senat
ratifiziert werden muß, und die Gesetze für ihre
Durchführung, denen beide Kammern zustimmen
müssen.
Die Uhr läuft - die Konvention muß bis zum 29. April
1997 ratifiziert werden, wenn die Vereinigten Staaten
Gründungspartei sein und ihre energische Umsetzung
beeinflussen wollen.
Überlegen Sie sich, warum wir diesen Vertrag benötigen. Mindestens 20 Länder - von denen uns viele
feindlich gesinnt sind - besitzen Chemiewaffen oder

AMERIKA DIENST 03

�streben ihre Beschaffung an. Sie sind auch für
Terroristen attraktiv, wie wir in der Tokioter U-Bahn
gesehen haben. Die Chemiewaffenkonvention wird
uns mehr Informationen über diese Bedrohungen an
die Hand geben - nicht zuletzt durch kurzfristig anberaumte Inspektionen verdächtiger öffentlicher oder
privater Einrichtungen - und sie wird diese Informationer einklagbar machen, weil schon der Besitz von
Chomiewaffen illegal sein wird, wohingegen er heute
völ, g erlaubt ist.
Die chemische Industrie der Vereinigten Staaten, die
die größte Last der routinemäßigen Bekanntgabe und
Inspektionen trägt, befürwortet den Vertrag vehement.
Auch unsere Militärs befürworten ihn in dem Wissen,
daß wir uns in einem Krieg weniger wahrscheinlich mit
Chemiewaffen konfrontiert sehen werden. Unsere
Strafverfolgungsbehörden möchten seine neuen
Instrumente gegen Terroristen im In- und Ausland
einsetzen. Und er verringert unsere eigenen militärischen Optionen nicht maßgeblich, weil wir bereits
ein 10 Jahre altes Gesetz anwenden, das die einseitige Beseitigung unserer Chemiewaffenarsenale
vorschreibt. Die reale Frage lautet also, ob wir die
übrige Welt zwingen sollten, das zu tun, was wir
bereits tun.
Die Chemiewaffenkonvention ist ein wertvolles Werkzeug. Und wenn wir in einer Welt mit vielen gefährlichen Nachbarn leben, sollten wir uns nicht die
vernünftigen Schutzmittel vorenthalten. In der Tat,
wenn die Vereinigten Staaten, die eine Führungsrolle
bei den Verhandlungen über diesen Vertrag übernommen haben, ihn jetzt aufgeben würden, würden wir uns
nicht nur seiner Vorteile berauben, sondern verbrecherischen Staaten Deckung geben und unsere
Führungsrolle bei der Eindämmung der Verbreitung
aller Massenvernichtungswaffen unterminieren gerade dann, wenn sie am meisten benötigt wird.
Diese Führungsrolle ist beispielweise auch bei biologischen Waffen erforderlich. Sie werden für gewöhnlich
in dieselbe Gruppe wie Chemiewaffen eingeordnet.
Gemessen an den potentiellen Auswirkungen auf das
menschliche Leben würden sie besser mit Nuklearwaffen verglichen.
Chemiewaffen werden weniger
todbringend, wenn sie verstreut sind. Aber biologische
Organismen sind lebende Dinge; in der richtigen
Umgebung können sie sich multiplizieren. Sie können
auch mutieren und der Behandlung widerstehen.
Die Konvention über biologische Waffen datiert von
1972. Aber sie hat einen wichtigen Mangel - sie ist
praktisch machtlos im Hinblick auf die Gewährleistung
der Einhaltung. Deshalb verhandeln wir jetzt in Genf,
um die Fortschritte bei der Technologie und den
Rüstungskontrolltechniken zu nutzen, damit auch
dieser Vertrag ein effektives Instrument wird. Präsident Clinton hat das zu einer weiteren Priorität in der
Rüstungskontrolle gemacht.

AMERIKA DIENST 03

Obwohl sie vornehmlich gegen Länder gerichtet sind,
können diese Verträge - und insbesondere die Gesetze zu ihrer Durchführung - einen wichtigen Effekt für
die Terrorismusbekämpfung haben. 1995 bestellte
beispielweise ein Mitglied einer Haßgruppe in Ohio auf
betrügerische Weise den Beulenpestbazillus per Post
von einem spezialisierten Anbieter in Rockville (Maryland). Der Auftrag wurde ausgeführt. Aber der
Anbieter benachrichtigte auch die Strafverfolgungsbeamten, die wiederum die Wohnung des MöchtegernTerroristen durchsuchten und die von ihm ausgebrüteten bösartigen Pläne vereitelten. Das geschah teilweise aufgrund eines Gesetzes - dem Gesetz zur Bekämpfung von Terrorismus mit biologischen Waffen -,
das wegen der Konvention über biologische Waffen in
den Geschäftsbüchern liegen muß.
Abschließend möchte ich kurz auf ein anderes Thema
eingehen. Wenn Sie sich das Potential von Waffen,
Schaden anzurichten, betrachten, denkt man offensichtlich zuerst an Massenvernichtungswaffen, die mit
einem Schlag ganze Städte ausradieren können.
Wenn man sich jedoch die tatsächlichen Auswirkungen betrachtet, muß man an konventionelle Waffen
denken, die routinemäßig ganze Städte ausradieren,
mit einigen wenigen Menschen auf einen Schlag.
Ein Weg, dieses Thema in Angriff zu nehmen, ist,
spezifische Waffen anzusprechen, die außerordentliche Auswirkungen haben - wie die Antipersonenminen,
die auf der ganzen Welt verstreut sind und jedes Jahr
ungefähr 25.000 Zivilisten töten oder zum Krüppel
machen, vor allem spielende Kinder oder Bauern, die
zu ihren Feldern zurückkehren wollen lange nachdem
der Krieg vorüber ist. Im vergangenen Jahr führten die
Vereinigten Staaten erfolgreiche internationale Verhandlungen über die Kontrolle von Minen an, die nicht
aufgespürt werden können oder sich nicht selbstzerlegen oder selbstdeaktivieren. Diese Zusätze zur
Konvention über konventionelle Waffen müssen
ratifiziert werden. Und in diesem Jahr werden wir
Verhandlungen über ein vollständiges Verbot von
Antipersonenminen als weitere wichtige Rüstungskontrollpriorität aufnehmen.
Ein weiteres vorrangiges Instrument - für konventionelle Waffen sowie für Massenvernichtungswaffen - ist die
rigorose Kontrolle der Exporte.
Die Vereinigten
Staaten haben die schärfsten Kontrollen aller Länder
der Welt für konventionelle Waffen - und wir haben
vom Beratungsgremium des Präsidenten für die Politik
zur Verbreitung von Waffen sehr gute Ratschläge
erhalten. In einem der vielen Bereiche, in dem das
Gremium Empfehlungen aussprach, bauen wir zum
ersten Mal - in dem Wassenaar-Abkommen - eine
multilaterale Struktur auf, um konventionelle Waffen
anzusprechen, mit Konzentration auf den Waffentransfer in den Iran, Irak, nach Libyen und Nordkorea.

Seite 3

�Es ist jedoch meine feste Überzeugung, daß wir auf
der Nachfrageseite die größten Fortschritte bei
konventionellen Waffen erzielen. Zwischen 1988 und
1994 sanken die weltweiten Waffenlieferungen um 70
Prozent - von fast 70 Milliarden Dollar auf etwas unter
20 Milliarden Dollar. Das geschah nicht, weil die
Exporteure aufgehört hatten zu verkaufen, sondern
weil die Kunden nicht kauften. Und langfristig besteht
unsere effektivste Arbeit, selbst wenn sie nicht am
dramatischsten ist, in der Verstärkung dieses Trends durch regionale Kontrollregime wie den Vertrag über
konventionelle Streitkräfte in Europa (Conventional
Forces in Europe Treaty - CFE), vertrauensbildende
und Transparenzmaßnahmen, die die von regionalen
Spannungen ausgehende Gefahr eindämmen können.
Die Welt strotzt immer noch von der Überrüstung aus
den Zeiten des Kalten Krieges. Wir können nicht
hoffen, uns von dem leichteren potentiellen Zugang zu
zunehmend mächtigen Waffen isolieren zu können -

*

Seite 4

durch den die kriegerischen Herrscher verbrecherischer Staaten hoffen, dieses Land, unsere Interessen
und unsere Menschen zu gefährden.
Denn so weit wir in die Zukunft blicken können, wird
dies eine einzigartige Verteidigung der Vereinigten
Staaten erfordern. Und aus eben diesen Gründen wird
es beharrliche und kreative Bestrebungen zur Rüstungskontrolle erfordern. Denn wir haben in einem
hart erkämpften Abkommen nach dem anderen
demonstriert, daß wir mit Rüstungskontrolle unser
Schicksal meistern, unsere Freiheit untermauern sowie
unsere Sicherheit und unseren Wohlstand verbessern
können.
Ebenso wie zu jeder Zeit in der Vergangenheit muß
Rüstungskontrolle ein zentrales Element der Art von
Außenpolitik sein, die einer Großmacht in einer
gefährlichen Welt zukommt.

* * *

*

AMERIKA DIENST 03

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Lage der Nation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: USA bleiben die unerlässliche Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht zur Lage der Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vier Jahre Wirtschaftswachstum machen den amerikanischen Traum zur Realität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kreative Bestrebungen zur Rüstungskontrolle unerlässlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor John Holum&lt;/em&gt;</text>
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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

02

29.Januar 1997

AUSSENPOLITIK

INVESTITIONEN IN DIE AMERIKANISCHE
FÜHRUNGSROLLE
Abschiedsrede von Außenminister Christopher
ENTWURF EINER ÜBERPARTEILICHEN
AUSSENPOLITIK
von Außenministerin Madeleine K. Albright

ABRÜSTUNG

DIE VERRINGERUNG VON BEDROHUNGEN
Rede des designierten Verteidigungsministers

WIRTSCHAFT

AMERIKAS SPITZENPOSITION IN DER
WELTWIRTSCHAFT
Rede des designierten Wirtschaftsministers

PORTRAT

MADELEINE KORBEL ALBRIGHT
Porträt der neuen Außenministerin
WILLIAM S. COHEN
Porträt des neuen Verteidigungsministers

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AUSSENPOLITIK
29.Januar 1997

Investitionen in die amerikanische Führungsrolle
Abschiedsrede von Außenminister Christopher

WASHINGTON - (AD) - In seiner Abschiedsrede als US-Außenminister unterstrich Warren Christopher am 15.
Januar 1997 an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University in Boston (Massachusetts)
die Notwendigkeit einer besseren Finanzierung der diplomatischen Missionen der Vereinigten Staaten im
Ausland. Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Abschiedsrede.

Dies ist das dritte Jahr in Folge, daß ich zu Ihnen
sprechen darf, und ich danke Ihnen für den freundlichen Empfang. Vor einigen Jahren nahm ich mir fest
vor, jeden Januar nach Boston zu kommen, bis die
Patriots in den Super Bowl kommen. Nachdem ich
dieses Versprechen erfüllt habe, kann ich beruhigt
nach Hause gehen. Vorher möchte ich jedoch die
letzten vier Jahre Revue passieren lassen und mich
auf die Investitionen konzentrieren, die wir zur Bewahrung der Führungsrolle und des weltweiten Engagements der Vereinigten Staaten tätigen müssen.
Beim Amtsantritt unserer Administration 1993 konzentrierten wir uns auf eine Vielzahl von Herausforderungen, die dringender Aufmerksamkeit bedurften. In
Rußland befand sich die Demokratie in der Krise und
die Wirtschaft stand kurz vor dem Zusammenbruch.
Das Nuklearwaffenarsenal der ehemaligen Sowjetunion war auf vier neue Länder mit wenigen Sicherheitsvorrichtungen verstreut. Die Krieg in Bosnien
befand sich auf dem Höhepunkt seiner Brutalität und
drohte sich auszuweiten. Nordkorea entwickelte
Nuklearwaffen. Der Friedensprozeß im Nahen Osten
war in eine Sackgasse geraten; die Verhandlungen
kamen nicht voran. Die Unterdrückung in Haiti
verursachte Flüchtlingswellen an unseren Küsten. Die
Annahme des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA war sehr zweifelhaft, was unsere
Beziehungen zur gesamten Hemisphäre gefährdete.
Im Laufe der letzten vier Jahre haben wir diese
drängenden Fragen Schritt für Schritt beantwortet und
eine dauerhafte Grundlage für unser Engagement in
einer Welt mit mehr Sicherheit und größerem Wohlstand gelegt. Tatsächlich begann die Welt des 21.

AMERIKA DIENST 02

Jahrhunderts in diesem Zeitraum unter unserer
Führung Gestalt anzunehmen. Es ist eine Welt, in der
keine Großmacht eine andere für eine unmittelbare
Bedrohung hält, in der die von uns nach dem Zweiten
Weltkrieg gegründeten Institutionen an neue Herausforderungen angepaßt werden, in der offene Gesellschaften und offene Märkte einen Wettbewerbsvorteil
genießen und Amerika eine unerläßliche Nation bleibt.
Ein neues und charakteristisches Element unserer
Strategie war die Priorität, die wir dem Umgang mit
neuen globalen Fragen wie Weiterverbreitung, Terrorismus, internationalem Verbrechen, Drogenhandel
und Umweltzerstörung einräumen. Diese grenzüberschreitenden Fragen können nicht durch die traditionelle nationale Diplomatie und auch nicht auf regionaler Basis gelöst werden. Globale Probleme erfordern
globale Lösungen.
1993 ernannten wir erstmals einen Staatssekretär für
globale Angelegenheiten im Außenministerium, der
sich mit vielen dieser Fragen befassen soll. Meines
Erachtens können die seither gemachten Fortschritte
als Hauptvermächtnis der Präsidentschaft Bill Clintons
und hoffentlich auch meiner Zeit als Außenminister
betrachtet werden.
Ein zentraler Bestandteil unserer globalen Strategie ist
die Gewährleistung, daß das amerikanische Volk nicht
mit Massenvernichtungswaffen bedroht wird. Aus
diesem Grund haben wir so hart an der unbegrenzten
Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags und an
der Sicherung des Vertrags über ein umfassendes
Atomtestverbot (CTB-Vertrag) gearbeitet. Aus diesem
Grund haben wir ein Programm eingeleitet, das

Seite 1

�verhindern soll, daß Nuklearwaffen aus der ehemaligen Sowjetunion in die Hände von Terroristen oder
verbrecherischen Staaten fallen. Aus diesem Grund
habe ich mich für das Einfrieren und letztlich die
Beseitigung des nordkoreanischen Nuklearprogramms
eingesetzt. Aus diesem Grund waren wir so fest zur
Stillegung des irakischen Programms für biologische
Waffen entschlossen, und aus diesem Grund wird der
Präsident in den kommenden Monaten auf die Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention drängen.
Ebenso wichtig ist, daß wir die neuen sicherheitspolitischen Bedrohungen angehen, die seit dem Ende
des Kalten Krieges deutlich sichtbar entstanden sind.
Wir haben den Kampf gegen Terror, Drogen und
Verbrechen ganz oben auf die Tagesordnung der G-7
und der Vereinten Nationen gesetzt. Infolgedessen ist
die Zusammenarbeit der Nationen auf dem Gebiet der
strafrechtlichen Verfolgung enger denn je. Wichtige
Terroristen wurden gefaßt, und viele terroristische
Gewaltakte wurden verhindert.
Ich habe die Einbeziehung von Umweltfragen in jeden
Aspekt unserer Diplomatie zu meiner persönlichen
Priorität gemacht. Auf meinen Reisen war ich bestürzt
über die explodierenden, übervölkerten Städte, die ich
in vielen Teilen der Welt sah - Großstädte wie Sao
Paulo, Mexico City, Jakarta, Manila und Kairo - Städte,
in denen Überbevölkerung und Verschmutzung
Gesundheit und Wohlergehen der Nationen und
Regionen bedrohen. Im Nahen Osten habe ich
gesehen, wie Wassermangel Quelle von Konflikten ist.
In den Neuen Unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion war ich erschrocken über die ruinösen
Auswirkungen von Verschmutzung auf die Gesundheit
des einzelnen, die Lebenserwartung und die Aussicht
auf wirtschaftliche Erholung. Vor einigen Jahren
standen diese Fragen nur selten auf unserer Tagesordnung. Jetzt stehen sie im Mittelpunkt unserer
Diplomatie und werden meines Erachtens im nächsten
Jahrhundert noch mehr Bedeutung erlangen.
Eine weitere dauerhafte Hinterlassenschaft der ersten
Amtszeit des Präsidenten werden unsere Leistungen

Jenseits des Atlantiks befinden wir uns an der Schwelle zur Schaffung eines stabilen, demokratischen und
ungeteilten Europas. Die amerikanische Führungsrolle
beendete den Krieg in Bosnien und gewinnt den
Frieden. Wir haben die Führungsrolle bei der Stärkung
und Umgestaltung der NATO übernommen. Alle
neuen Demokratien Europas sind der Partnerschaft für
den Frieden beigetreten, und dieses Jahr wird die
NATO mehrere Länder zu Verhandlungen über einen
Beitritt zum Bündnis einladen. In den entscheidenden
Momenten standen wir an der Seite der Demokratie in
Rußland und haben die Tür zur Integration dieses
Landes geöffnet, einschließlich einer neuen Charta mit
der NATO.
Auch Asien geht prosperierend und in Frieden in das
nächste Jahrhundert, und seine neuen Strukturen der
Zusammenarbeit zielen darauf ab, daß das so bleibt.
Wieder war die von uns übernommene Führungsrolle
von elementarer Bedeutung. Wir haben durch die
Aufrechterhaltung unserer militärischen Präsenz
Stabilität geschaffen, unser wichtiges Bündnis mit
Japan gestärkt und gemeinsam mit Südkorea den aus
dem Norden des Landes kommenden Provokationen
die Stirn geboten. Wir haben Weitblick gezeigt, als wir
das Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche
Zusammenarbeit APEC zu einer Befürwortung offenen
Handels veranlaßten. Wir arbeiten mit China an der
Förderung unserer gemeinsamen vitalen Interessen,
auch wenn wir unsere schwerwiegenden Differenzen
bei Fragen wie den Menschenrechten ebenfalls
ansprechen.
Im Nahen Osten sind wir der Erlangung unseres Ziels
eines umfassenden Friedens nähergekommen.
Unsere Diplomatie war entscheidend, Israel beim
Abschluß von Abkommen mit den Palästinensern
sowie einem Friedensvertrag mit Jordanien zu unterstützen. Wir trugen zur Eröffnung einer neuen Dimension des Friedensprozesses bei, indem wir die Wirtschaftsgipfel von Casablanca, Amman und Kairo zu
bedeutenden Schritten für eine Normalisierung der
Beziehungen zwischen Israel und seinen arabischen
Nachbarn ermutigten. Obwohl der Frieden in den

zur Förderung unserer Wirtschaftsinteressen sein.

letzten Monaten viele harte Proben bestehen mußte,

Dank der Uruguay-Runde und des NAFTA sind die
Zölle auf amerikanische Exporte jetzt niedriger denn je.
Dank der mehr als 200 Abkommen zur Marktöffnung
haben wir 1,6 Millionen amerikanische Arbeitsplätze
geschaffen. Dank der in unserer Hemisphäre und
jenseits des Pazifiks eingegangenen Verpflichtungen
zu Freihandel haben wir die Chance, zum Mittelpunkt
eines dynamischen, offenen Marktes zu werden, der
von Chile bis Kanada und von Australien bis Korea
reicht. Wir dürfen diese Chance nicht ungenutzt
verstreichen lassen.

sind seine Errungenschaften dauerhaft und wir zu
Fortschritten entschlossen.

In jeder Region der Welt war unsere Führungsrolle
entscheidend für die Förderung unserer Interessen
und Ideale.

Seite 2

Das Hebron-Abkommen und andere gestern abend
erzielte Übereinkünfte stellen eine außerordentliche
Leistung dar. Sie zeigen, daß dem Frieden eine
machtvolle Logik innewohnt - ein Gebot, das mächtig
genug zur Überwindung der Rückschläge und dem
Zögern der letzten Monate ist.
Das Hebron-Protokoll und die von den Vereinigten
Staaten entworfene Note sind ein klarer Kurs für die
Zukunft. Sie setzen Verpflichtungen fest und geben
Israel und den Palästinensern einen Zeitrahmen für die
Umsetzung der bereits erzielten Abkommen. Ferner

AMERIKA DIENST 02

�setzt die Note einen Zeitpunkt für die Aufnahme der
Verhandlungen über den endgültigen Status fest.
Nachdem die Parteien diesen schwierigen Schritt
getan haben, dürfen sie nicht müde werden und die
Hände in den Schoß legen. Sie müssen diese neue
Dynamik nutzen, um bei der Schaffung des Friedens
Fortschritte zu machen, der im Interesse von Israelis
und Palästinensern gleichermaßen liegt. Und wir
müssen daran denken, daß wir den Parteien bei der
Erlangung eines Abkommens aufgrund unserer
Führungsrolle und unseres Engagements helfen
konnten und weil wir über die Mittel zur Unterstützung
derjenigen verfügen, die um des Friedens willen
Risiken eingehen.
In der westlichen Hemisphäre sahen wir eine dramatische Bewegung zu offenen Gesellschaften und
offenen Märkten - in einer Region, die weltweit den am
schnellsten wachsenden Markt für amerikanische
Exporte darstellt. Als der demokratische Trend in der
Hemisphäre durch die verbrecherischen Diktatoren in
Haiti bedroht wurde, handelten die Vereinigten Staaten
entschlossen, um die legitime Regierung wiedereinzusetzen. Als durch die Finanzkrise in Mexiko die
freien Märkte in Gefahr gerieten, war unsere Führungsrolle zur Wiederherstellung des Vertrauens
vonnöten.
In Afrika sind wir auf einem Kontinent engagiert, der
jetzt an einem Scheideweg angelangt ist - einem
Punkt, an dem eine solide Politik und stetiges internationales Engagement den Unterscheid zwischen Krieg
und Frieden, Armut und Wachstum bewirken können.
Aus diesem Grund haben wir entschlossene Bestrebungen zur Ermutigung von Demokratie, Lösung von
Konflikten und Förderung von Handel und Investitionen
unternommen. Aus diesem Grund arbeiten wir an der
Aufstellung einer Krisenreaktionstruppe für Afrika, die
die Länder der Region in die Lage versetzen soll, auf
Notsituationen mit ihren eigenen Soldaten, aber mit
finanzieller und logistischer Unterstützung der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten zu reagieren.
In all diesen Bereichen sind die von uns erzielten
Leistungen das beste Argument für eine prinzipientreue und starke Politik des amerikanischen Engagements in der Welt. Aufgrund unserer militärischen und
wirtschaftlichen Macht und weil man Vertrauen in uns
setzt, daß wir die universellen Werte wahren, gibt es
Zeiten, zu denen nur Amerika eine Führungsrolle
übernehmen kann. Wir müssen führen - nicht weil die
Übernahme einer Führungsrolle ein Selbstzweck ist,
sondern weil sie zur Förderung der Interessen und
Ideale unserer großartigen Nation erforderlich ist.
Das ist die zentrale Lektion unseres Zeitalters. Weil
die Vereinigten Staaten eine Führungsrolle übernahmen, endet ein Jahrhundert, das nie sicher genug

AMERIKA DIENST 02

für die Demokratie war, mit einer Zunahme von
Frieden und Freiheit. Das Ende des Kalten Krieges
hat die Notwendigkeit einer amerikanischen Führungsrolle nur noch verstärkt. Wie Präsident Clinton sagte:
"Dies ist das großartigste Zeitalter menschlicher
Möglichkeiten in der Geschichte, das besondere
Chancen, aber auch besondere Pflichten impliziert."
Die Notwendigkeit einer amerikanischen Führungsrolle
wird in unserem Land selten in Zweifel gezogen.
Heute wird jedoch unsere Fähigkeit zu führen in Frage
gestellt. Lassen Sie mich das erklären: Niemand im
öffentlichen Leben wird aufstehen und sagen "wir
können uns erlauben, uns zurückzuziehen, wir können
unsere Verpflichtungen ignorieren; wir können Amerika
mit einer Mauer umgeben". Die Kongreßabgeordneten
sagen mir nicht: "Schließen Sie einige unserer Botschaften, rollen Sie die Flagge ein und bringen Sie
unsere Diplomaten bis Weihnachten nach Hause
zurück."
Im Gegenteil: Der Kongreß protestiert immer, wenn wir
widerwillig die Schließung einer Mission infolge von
Haushaltskürzungen des Kongresses beschließen
müssen. Darüber hinaus verringert der Kongreß zwar
unser Budget, fordert uns aber regelmäßig auf, unser
globales Engagement zu erhöhen, indem wir die NATO
erweitern, die Unabhängigkeit der russischen Nachbarn unterstützen, Investitionen in Afrika fördern und
die Arbeitnehmerrechte in Asien schützen, um nur
einige Beispiele zu nennen.

Natürlich hat der Kongreß Recht, wenn er sagt, wir
sollten das alles tun. Aber unsere Außenpolitik wird
nicht durch Rhetorik oder Absichtserklärungen unterstützt. Reden ist billig, die Übernahme einer Führungsrolle nicht.
Eine Führungsrolle in der Außenpolitik erfordert
Ressourcen: Genügend Ressourcen, damit unsere
Botschaften geöffnet bleiben und unsere Mitarbeiter
weiterhin gut ausgebildet werden können. Genügend
Ressourcen, um konstruktive Beziehungen zu den
Großmächten der Welt zu unterhalten. Genügend
Ressourcen, um unseren Einfluß durch internationale
Institutionen zu multiplizieren. Genügend Ressourcen,
um aufstrebenden Demokratien, die eines Tages zu
Verbündeten und Exportmärkten werden können,
gezielte Hilfe zu bieten. Genügend Ressourcen, um
neue Bedrohungen wie Terrorismus und internationales Verbrechen zu bekämpfen.
Das größte Problem für unsere Außenpolitik heute ist,
ob wir das ausgeben werden, was wir für eine effektive
Außenpolitik ausgeben müssen. Seit 1985 wurden
unsere Ausgaben für internationale Angelegenheiten in
realen Zahlen um 50 Prozent gekürzt. 50 Prozent.
Unser Haushalt für auswärtige Angelegenheiten
beträgt jetzt nur etwas über ein Prozent des gesamten
Bundeshaushalts.

Seite 3

�Das Erstaunliche daran ist, daß diese Kürzungen nicht
von einer ernsthaften Debatte im Kongreß begleitet
wurden. Sie waren nicht durch eine Neubewertung
unserer Interessen in der Welt motiviert. Wie ich
bereits sagte, ist im Prinzip jeder für die amerikanische
Führungsrolle. Nur denken einige, wir könnten diese
Führungsrolle übernehmen, ohne den Preis dafür zu
bezahlen. Infolgedessen sind wir durch eine neue
Form des Isolationismus gefährdet, der eine amerikanische Führungsrolle erfordert, aber Amerika der
Fähigkeit zu führen beraubt.
Ein Opfer unserer unzulänglichen Ressourcen wird
das Prinzip der Universalität bei unserer Vertretung im
Ausland sein - das Prinzip, daß es in praktisch jedem
Land eine US-Mission geben sollte. Haushaltskürzungen haben uns gezwungen, mehr als zwei Dutzend
Konsulate und mehrere Botschaften zu schließen.
Wenn das Ausbluten andauert, haben wir keine andere
Wahl, als noch mehr Einrichtungen zu schließen.
In einer unberechenbaren Welt benötigen wir eine
Stimme in jeder Nation. In den vergangenen Jahren
haben wir immer wieder gesehen, wie lebenswichtig
unsere Präsenz sein kann, häufig zu ungewöhnlichen
Zeiten an ungewöhnlichen Orten. Über 170 Nationen
hatten das gleiche Mitspracherecht an der Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags und der Verabschiedung des CTB-Vertrags - und den gleichen
Bedarf, von amerikanischer Diplomatie vor Ort überzeugt zu werden. Wir hätten das Friedensabkommen
von Dayton nicht aushandeln können, wenn wir nicht
Botschaften in allen ehemaligen jugoslawischen
Republiken gehabt hätten. Wir brauchten Menschen
vor Ort in jeder Hauptstadt auf dem Balkan, um
Informationen zu sammeln, Verhandlungen zu führen,
Greueltaten aufzudecken, den Weg für unsere Truppen zu ebnen und nicht zuletzt unser Engagement zu
demonstrieren.
Ebenso hätten wir mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit Belarus, Kasachstan und die
Ukraine nicht von der Aufgabe der Nuklearwaffen auf
ihrem Territorium überzeugen können, wenn wir nicht
beschlossen hätten, beim Zusammenbruch der
Sowjetunion Botschaften in allen Neuen Unabhängigen Staaten zu eröffnen. Und dennoch, wenn wir uns
mit einer Situation wie dem Zusammenbruch der
Sowjetunion oder Jugoslawiens konfrontiert sähen,
bezweifle ich, daß wir uns die Eröffnung der erforderlichen neuen Einrichtungen leisten könnten.
Haushaltskürzungen haben auch die Menschen
gezwungen, die für unsere Nation im Ausland tätig
sind, unter unerträglichen Bedingungen zu arbeiten.
Unsere Diplomaten in Peking arbeiten mit veralteter
Technologie in zerfallenden Gebäuden. In unserer
Botschaft in Angola, die der zentrale Ort der Gespräche zur Beendigung des Bürgerkriegs in diesem Land
ist, arbeiten unsere Mitarbeiter behelfsmäßig in

Seite 4

Wohnwagen. Unsere Botschaft in Tadschikistan
operiert in einem Hotel aus der Sowjetära. Wasser
und Strom werden manchmal tagelang abgeschaltet,
und unsere Diplomaten müssen Krüge mit Wasser
nach oben tragen. Das sind die Menschen, an die wir
uns wenden, wenn Amerikaner in Schwierigkeiten
geraten, wenn unsere Unternehmen Hilfe bei der
Erschließung neuer Märkte benötigen, wenn wir
Terroristen und Drogenbarone verfolgen müssen.
Eines der wichtigsten Instrumente unserer Diplomatie
ist Auslandshilfe. Diese Programme geben uns den für
eine effektive Diplomatie erforderlichen Handlungsspielraum. Sie helfen uns, Konflikte und Katastrophen
zu verhindern. Wie eine Krise nach der anderen
bewiesen hat, sind die Kosten der Verhinderung nie so
hoch wie der Preis der Vernachlässigung. Wie haben
bereits fast ebenso viel Geld nur für die Bewältigung
der kurzfristigen Krisen in Ruanda und Burundi
aufgewandt wie wir letztes Jahr zur Förderung von
Entwicklung und Frieden in ganz Afrika ausgeben
konnten.
Unsere Hilfsprogramme haben in den vergangenen
zehn Jahren in realen Zahlen um 37 Prozent abgenommen. Die Hälfte unserer bilateralen Hilfe wird
heute zur Unterstützung des Nahostfriedensprozesses
aufgewandt. Diese Mittel fördern unsere vitalen
Interessen und müssen in vollem Umfang erhalten
werden. Aber die Hilfe für Israel, Ägypten und Jordanien wird unweigerlich unter Druck - möglicherweise
unwiderstehlichen Druck - geraten, wenn unsere
anderen Hilfsprogramme weiterhin dezimiert werden
und dieses Ungleichgewicht zunimmt.
Unsere Diplomaten tragen auch zur Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft
bei. In der Tat haben wir in den vergangenen vier
Jahren einen tiefgreifenden kulturellen Wandel in
unseren Botschaften vollzogen. Sie unterstützen jetzt
aggressiv amerikanische Unternehmen dabei, Verträge abzuschließen und sie im Ausland durchzuführen. Amerikanische Geschäftsleute haben mir erzählt,
wie sehr ihnen dieser Aspekt unseres "Amerikabüros"
im Außenministerium geholfen hat. Aber jetzt höre ich
eine andere Botschaft. Sie sagen, daß unsere Botschafter enorme Anstrengungen unternehmen, die
Kürzungen die Personaldecke jedoch so dünn gemacht haben, daß sie nicht mehr das tun können, was
sie möchten um zu helfen.
Ein anderes Opfer ist unsere Unterstützung für
internationale Institutionen, einschließlich der internationalen Finanzinstitutionen und der Vereinten Nationen. 50 Jahre lang haben die Vereinigten Staaten in
den Vereinten Nationen eine Führungsrolle übernommen, weil sie ein wertvolles Instrument zur Förderung
unserer Interessen sind. Jetzt sehen wir uns mit
krassen Alternativen konfrontiert. Wir können weiterhin über die Vereinten Nationen globale Heraus-

AMERIKA DIENST 02

�forderungen bewältigen, wo wir die Last mit über 180
Nationen teilen. Oder wir können sie alleine meistern,
unsere Soldaten zwingen, das gesamte Risiko zu
übernehmen und unsere Steuerzahler, die Rechnung
zu begleichen. Das ist unsere Wahl.
Teils aufgrund der Außenstände der Vereinigten
Staaten sind die Vereinten Nationen bei der Ausführung von Ausgaben behindert, die für unsere
Interessen von großer Bedeutung sind - Friedenssicherung, Flüchtlingsoperationen, Menschenrechte,
weltweite Gesundheitsfürsorge - um nur einige Beispiele zu nennen. Wenn wir unsere Beiträge nicht
bezahlen, setzen wir auch unsere Fähigkeit aufs Spiel,
kleinere, abgespeckte Vereinte Nationen zu gestalten.
Aber unsere Reformkampagne hat begonnen, Fortschritte zu zeitigen. Die Vereinten Nationen haben
einen neuen Generalsekretär, eine Führungspersönlichkeit mit der Fähigkeit und Überzeugung, die
Vereinten Nationen zu einer effektiven Institution für
das nächste Jahrhundert zu machen. Die Vereinten
Nationen müssen das Ihre tun. Aber wir auch das
Unsere. Es ist an der Zeit, unsere Beiträge und unsere
Schulden zu bezahlen. Es ist an der Zeit zu erkennen,
daß wir nicht gleichzeitig Reformen durchführen und
uns zurückziehen können.
Im umfassenderen Sinn ist es an der Zeit zu erkennen,
daß wir ein vitales nationales Interesse an der angemessenen Finanzierung unserer internationalen
Bestrebungen haben. Ebenso wie wir unsere militärische Einsatzbereitschaft bewahren müssen, indem
wir Streitkräfte und Stützpunkte auf der ganzen Welt
unterhalten, müssen wir unsere diplomatische Einsatzbereitschaft bewahren, indem wir die Menschen und
Programme unterstützen, die unsere Soldaten aus
einem Krieg heraushalten. In einer Welt realer Gefahren wird die Last der Führung unweigerlich unserem
Militär übertragen, wenn es uns nicht gelingt, unsere
diplomatische Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten.
Die Kosten werden an verpaßten Chancen und
verlorenen Menschenleben gemessen.
Unser Verteidigungsministerium hat eine kluge
Strategie erarbeitet, um zwei nahezu gleichzeitige
größere regionale Konflikte zu bewältigen. Während
unser Verteidigungsministerium die Fähigkeit zur
Bewältigung von zwei Krisen hat, sieht sich das
Außenministerium der Gefahr ausgesetzt, ein Budget
zu haben, mit dem keine einzige Krise bewältigt
werden kann.
Wir können nicht auf eine Krise in einem Teil der Welt
reagieren, ohne Mittel von einem wertvollen Programm
in anderen Regionen abzuziehen. Zur Unterstützung
der Stationierung unserer Truppen in Haiti mußten wir
beispielsweise die Hilfe für die Türkei kürzen. Um den
Waffenstillstand im Nordirak zu überwachen, mußten
wir Mittel für den Friedensprozeß in Guatemala

AMERIKA DIENST 02

abziehen. Wenn heute eine neue Krise entstehen
würde, müßten wir die Wahl treffen: Welches langfristige Interesse - wahrscheinlich ein bereits unzureichend finanziertes langfristiges Interesse - sollte
geopfert werden, um den kurzfristigen Bedarf zu
erfüllen?
Ich fordere den Kongreß zur Überprüfung der Aushöhlung unserer diplomatischen Einsatzbereitschaft und
zur überparteilichen Unterstützung des Haushalts des
Präsidenten für auswärtige Angelegenheiten auf. Das
ist eine Herausforderung, die gemeistert werden muß,
wenn wir unsere Stärke im nächsten Jahrhundert
bewahren wollen.
Während ich aus diesem Amt scheide, habe ich viele
Gründe, optimistisch bezüglich der Zukunft zu sein.
Ich weiß, daß Präsident Clinton immer wieder - von
Haiti bis Bosnien, von Mexiko bis Rußland oder China
- die harten Entscheidungen getroffen hat, die eine
Führungsrolle erfordern, und ich weiß, er wird das
auch in Zukunft tun. Ich weiß, daß auch Botschafterin
Albright eine eloquente und effektive Verfechterin der
amerikanischen Tradition des globalen Engagements
sein wird. Ich weiß, daß die Männer und Frauen in
unserem auswärtigen und öffentlichen Dienst mit
einem vernünftigen Maß an Unterstützung weiterhin
unsere Interessen in jedem Teil der Welt fördern
werden, trotz der Härten und Gefahren, die sie auf sich
nehmen und erdulden.
Ich bin optimistisch, weil ich weiß, daß das amerikanische Volk an unserer Seite steht. Bei meinen Reisen
durch das Land habe ich gesehen: Die Amerikaner
sind stolz, daß wir die führende Nation der Welt sind
und sie wissen, daß mit der Führungsrolle Verantwortung einhergeht. Sie sehen den Beweis, der
Isolationisten entgeht: Daß die Sicherheit unserer
Nation von der Einsatzbereitschaft unserer Diplomaten
als unserer ersten Verteidigungslinie abhängt, daß die
Sicherheit unserer Straßen von unserem Kampf gegen
Drogen und Terror im Ausland abhängt, daß unsere
Arbeitsplätze im Inland von der Gesundheit unserer
Weltwirtschaft abhängen.
Ich bin optimistisch, weil meine eigene Karriere eine
inspirierende Periode in der Geschichte des amerikanischen Engagements in der Welt umspannt. Wenn
wir nicht alle eine große Überraschung erleben, werde
ich der letzte Außenminister sein, der im Zweiten
Weltkrieg gedient hat. Meine Erinnerungen an diese
Zeit und meine Erfahrungen der letzten 50 Jahre
lehren mich, Vertrauen in die Entscheidungen zu
haben, die die Amerikaner treffen werden.
Nach meinem Schulabschluß im Jahr 1949 arbeitete
ich für Richter William O. Douglas. Gegen Ende des
Jahres bei ihm bat ich ihn um einen Rat. Er antwortete: Begib Dich in den Strom der Geschichte und
schwimme so schnell Du kannst. Ich war sehr viel

Seite 5

�länger darin als ich mir je vorgestellt hätte, aber ich
möchte Ihnen erzählen, was ich auf dem Weg gesehen
habe.
Ich sah eine ganze Generation von Politikern beider
Parteien, die unser Interesse erkannten, Deutschland
und Japan wiederaufzubauen, so daß sie unsere
starken Verbündeten und Handelspartner werden
konnten. Ich sah das amerikanische Volk Investitionen
tätigen, die sich in einem halben Jahrhundert des
Friedens und Wohlstands und dem Sieg der Freiheit im
Kalten Krieg auszahlten. Als Außenminister habe ich
ehemalige politische Gefangene wie Havel und
Mandela gesehen, die jetzt die Präsidenten ihrer
Länder sind. Ich habe gesehen, wie frühere Gegner
zu unseren Verbündeten wurden. Ich habe einst

Seite 6

verarmte Länder gesehen, die unsere führenden
Exportmärkte wurden. Auf der ganzen Welt würdigen
die Menschen die Vereinigten Staaten für ihre Hilfe bei
dieser Umgestaltung und sie blicken auf uns, diese
Führungsrolle fortzusetzen.
Heute wie damals bedeuten Bündnisse Frieden,
bedeutet Engagement größere Sicherheit, bringt
Führung Freunde an unsere Seite. Und Ihre Generation hat eine noch größere Chance als meine: Sie
haben den Schlüssel, der die Tür zu einem weiteren
Amerikanischen Jahrhundert öffnet. Aber Sie haben
auch die Verantwortung, die Investitionen zu tätigen,
die meine Generation vornahm - die Investitionen, die
eine Führungsrolle verlangt, die Investitionen, die
diese Welt noch sicherer, freier und besser machen.

AMERIKA DIENST 02

�AUSSENPOLITIK
29.Januar 1997

Entwurf einer überparteilichen Außenpolitik
von Außenministerin Madeleine K. Albright

WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel erschien erstmals in der Sunday New York Times vom 26.
Januar 1997.

Vor einem halben Jahrhundert schrieb Dean Acheson,
man müsse bei der Schaffung eines neuen Zeitalters
dabei sein. Auch wir haben heute dieses Privileg und
die Verantwortung, die damit einhergeht.
Damals hatten unsere Politiker den Weitblick, ein
starkes Amerika zu bewahren und gleichzeitig die
demokratischen Kräfte auf der Welt zu stärken und
Institutionen wie die NATO, die Vereinten Nationen und
die Weltbank aufzubauen, um internationale Zusammenarbeit und Wirtschaftswachstum zu fördern.
Sie taten dies auf überparteilicher Ebene.
Heute wird ein neuer Rahmen für die amerikanische
Führungsrolle geschaffen, der an die Erfordernisse
eines neuen Jahrhunderts angepaßt ist. Der Erfolg
dieser neuen Führungsrolle wird in beträchtlichem Maß
davon abhängen, ob der nach dem Zweiten Weltkrieg
entstandene Geist der Überparteilichkeit wiederbelebt
werden kann.
Zyniker könnten argumentieren, daß der Ruf einer
Administration nach Überparteilichkeit weniger durch
Prinzipien als durch eine Fähigkeit zu zählen motiviert
ist. Und wir werden zweifelsohne Stimmen von beiden
Parteien im Kongreß benötigen, um viele unserer
außenpolitischen Initiativen fortzuführen. Aber Überparteilichkeit paßt auch in unsere Zeit.
Jahrzehntelang hat der Kalte Krieg nicht nur Nationen,
sondern alle charakterisiert, die sich mit Außenpolitik
befassten. Heute bedeuten die Etiketten der Vergangenheit - Falke, Taube, liberal, konservativ - wenig.
Die größte Kluft besteht zwischen den Befürwortern
und Gegnern des amerikanischen Engagements, eine
Kluft, die keine Parteigrenzen respektiert.

AMERIKA DIENST 02

Glücklicherweise werden beide Parteien von Menschen angeführt, die die Bedeutung der amerikanischen Führungsrolle verstehen. Das ist wichtig, weil
eine überparteiliche Außenpolitik uns gestattet, mit
größerer Glaubwürdigkeit auf der Weltbühne zu
handeln. Sie fördert das Vertrauen unserer Verbündeten und den Respekt derjenigen, die versucht sind, uns
ablehnend gegenüberzustehen. Sie hilft uns, einen
diplomatischen Part - als Friedensstifter und Problemlöser- zu spielen, den andere Nationen nicht übernehmen können, und hebt damit unser Prestige bei
gleichzeitiger Förderung unserer Interessen. Und sie
verstärkt Amerikas Rolle als Modell für die Stärkung
demokratischer Kräfte.
Ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten über
Taktiken werden die Aussichten für Überparteilichkeit
durch die bestehende breite Unterstützung unserer
vorrangigen Ziele verbessert. Es besteht ein Konsens
über die Notwendigkeit, Wohlstand im Inland durch die
Förderung einer offenen und expandierenden Weltwirtschaft zu mehren und über die Zusammenarbeit mit
unseren Verbündeten, um ein zunehmend vereintes,
demokratisches und stabiles Europa zu schaffen.
Beide Parteien sind sich der Bedeutung bewußt, eine
asiatisch-pazifische Gemeinschaft mit gemeinsamen
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Zielen
aufzubauen und zur Beilegung gefährlicher Dispute im
Nahen Osten und anderen strategischen Regionen
beizutragen. Wir alle wollen die Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen aufhalten und Terrorismus,
Drogenhändler und internationales Verbrechen
bekämpfen. Und es besteht eine Verpflichtung zur
Stärkung der Kräfte auf der ganzen Welt, die sich für
Menschenrechte, Demokratie, Entwicklung, eine
gesunde Umwelt und Rechtsstaatlichkeit einsetzen.

Seite 1

�Natürlich werden die mit diesen Prioritäten einhergehenden Fragen einer eingehenden Prüfung und
Erörterung unterzogen. Das sollte auch so sein.
Während dem Kongreß die Verantwortung zukommt,
eine vernünftige Erwartungshaltung einzunehmen, wird
die Administration die Last der Beweise tragen.
Unsere Aufgabe wird sein, die Verbindung zwischen
unseren umfassenden Zielen und den vor uns liegenden Themen zu schaffen: NATO-Erweiterung, Eindämmung verbrecherischer Regime, Gestaltung
wichtiger bilateraler Beziehungen (einschließlich der
zu China, Rußland und der Ukraine) sowie unsere
Strategien in häufig unbeachteten Regionen von
Lateinamerika, Afrika und Südasien. Die Komplexität
dieser Aufgabe wurde noch in der vergangenen
Woche durch Fragen über die Absichten Pekings in
Hongkong, ein Aufflammen der Spannungen bezüglich
Zyperns und eine neue Runde der Gewalt in Zaire und
Ruanda unterstrichen.
Die Hoffnung, daß Überparteilichkeit den Übergang
von Rhetorik zu Realität bewältigen kann, wird bald auf
die Probe gestellt.
Am 6. Februar wird der Präsident einen Haushalt
vorlegen, der das Defizit weiter verringert, internationale Prioritäten berücksichtig und den Vorschlag
einer Rückzahlung unserer Schulden bei den Vereinten Nationen und multilateralen Banken enthält. Die
Verabschiedung dieses Haushalts ist unerläßlich,
wenn wir die Instrumente haben wollen, um Einfluß auf
die Ereignisse zu nehmen, statt nur auf sie zu reagieren. Zur Bewahrung der Stärke Amerikas benötigen
wir nicht nur ein Militär von Weltklasse, sondern auch
eine Diplomatie von Weltklasse. Dennoch wurden in
den letzten Jahren die Ausgaben für internationale
Angelegenheiten - die normalerweise ein Prozent des
Bundeshaushalts ausmachen - drastisch gekürzt, und
unsere diplomatische Präsenz in Übersee wurde
verringert.
Wenn ich dem Kongreß unseren Haushaltsantrag
vorlege, bin ich mir meiner Pflicht bewußt, unsere
Pläne und Prioritäten mit einer Logik zu erläutern, die
die Amerikaner verstehen. Und ich werde alles in
meiner Macht Stehende tun, damit die Steuerzahler
die volle Dividende ihrer Investition erhalten. Ein wei-

*

Seite 2

terer Test der Überparteilichkeit wird kommen, wenn
die Administration um die baldige Zustimmung des
Senats zur amerikanischen Beteiligung an der unter
den Präsidenten Reagan und Bush ausgehandelten
Chemiewaffenkonvention ersucht. Wenn wir nicht vor
dem 29. April handeln, werden wir keine Gründungspartei des Vertrags sein. Wir würden unseren Interessen schaden, indem wir uns davon abhalten, zur
Formulierung der Regeln beizutragen, nach denen der
Pakt verifiziert wird.
Der Vertrag verkörpert eine Verpflichtung zu unserer
Sicherheit und zum Schutz unserer Streitkräfte. Er
wird von vielen in beiden Parteien, der Geschäftswelt
und dem Militär unterstützt. Aber er hat auch seine
Gegner.
Das amerikanische Volk verdient eine
gesunde Debatte, in der die amerikanischen Interessen abgewogen werden und eine rechtzeitige
Abstimmung stattfindet.
Ich habe einen Großteil meines Lebens im Kongreß
gearbeitet oder ihn studiert. Ich weiß, daß Überparteilichkeit keine Einbahnstraße ist. Ich weiß auch, daß
die Gesetzgeber fast immer das Gefühl haben, sie
seien zu außenpolitischen Fragen nicht ausreichend
konsultiert worden, während die Außenminister
manchmal das Gefühl haben, daß sie nichts anderes
tun, als Konsultationen mit dem Kongreß zu führen.
Die Überbrückung dieser divergierenden Perzeptionen
wird harte Arbeit und guten Willen erfordern.
Als Außenministerin werde ich den Kongreß vor die
Herausforderung stellen, konstruktiv in dem zu sein,
was er von uns fordert, aber meine Tür und auch ich
werden stets offen sein, um möglichst eingehende
Konsultationen sicherzustellen.
In unserer Demokratie ist Überparteilichkeit niemals
absolut. Aber die Geschichte bietet uns die Chance
am Ende des Jahrhunderts, den Geist der Zusammenarbeit wiederzubeleben, der unserer Nation und der
Welt früher gut gedient hat. Indem wir dem Ansatz
unserer gigantischen Vorgänger - Truman, Eisenhower
und Marshall - folgen, können wir ihrer Generation die
Anerkennung zollen, die sie verdient und der nächsten
Generation die Sicherheit geben, die sie verdient.

* * *

*

AMERIKA DIENST 02

�ABRÜSTUNG

29. Januar 1997

Die Verringerung von Bedrohungen
Rede des designierten Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Verteidigungsminister William Cohen erklärte in seiner Anhörung vor dem
Streitkräfteausschuß des Senats am 22. Januar 1997, obwohl "die Bedrohung des nuklearen Holocaust
beträchtlich verringert wurde, ist die Welt weiterhin ein krisengeschüttelter und gefährlicher Ort".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des designierten Verteidigungsministers unwesentlich gekürzt.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
ich fühle mich sehr geehrt, heute als von Präsident
Clinton ernannter Verteidigungsminister hier reden zu
dürfen.
Nahezu zwei Jahrzehnte lang hatte ich das Privileg,
mich als Senator und Mitglied Ihres Ausschusses mit
nationalen Sicherheitsangelegenheiten zu befassen
und habe in dieser Zeit mit sechs Verteidigungsministern zusammengearbeitet. Dank dieser Erfahrung habe ich ein Gefühl für die enorme Verantwortung
dieser Position bekommen. Aber seit dem 5. Dezember weiß ich das Gewicht dieser Verantwortung noch
mehr zu würdigen und fühle mich durch das von
Präsident Clinton in mich gesetzte Vertrauen zutiefst
geehrt.
Daß Präsident Clinton mich zum Verteidigungsminister
ernannt hat, ist meines Erachtens ein deutliches Signal
seiner Verpflichtung zu dem Prinzip, daß die Sicherheit
unserer Nation keine parteipolitische Angelegenheit ist
und auch nicht sein sollte - ein Prinzip, das ich während meiner gesamten Karriere im öffentlichen Dienst
aufrechtzuhalten versuchte. Es war für mich eine
äußerst befriedigende Erfahrung als Gesetzgeber,
wenn es mir gelang, einen Konsens für eine starke,
kohärente und tragfähige Verteidigungspolitik zu
erlangen, um Amerikas globale Interessen zu schützen
und zu fördern.
Wie der Präsident in seiner Rede bei der Einführung in
seine zweite Amtszeit betonte, war diese Zusammen-

AMERIKA DIENST 02

arbeit auch entscheidend für die Bewahrung der
amerikanischen Führungsrolle in der Welt.
Die
Schaffung unserer Bündnisse nach dem Zweiten
Weltkrieg wäre ohne überparteiliche Zusammenarbeit
nicht möglich gewesen, und genau das wird von uns
gefordert, wenn wir diese Bündnisse an die Welt nach
dem Kalten Krieg anpassen und andere Maßnahmen
ergreifen, um dieses vor uns liegende neue Zeitalter zu
gestalten.
Obwohl es immer Raum für legitime Diskussionen über
nationale Sicherheitsfragen geben wird, sollten
Parteilichkeit und Kirchturmdenken in unseren Erörterungen fehl am Platz sein - sei es in der Exekutive, den
Teilstreitkräften oder dem Kongreß. Wir müssen uns
vor Augen führen, daß am Ende jeder Debatte die
Soldaten, Seeleute, Flieger und Marineinfanteristen
stehen, die von uns eine Führungsrolle und keine
Tricks, Unterstützung und nicht politischen Zwist
erwarten.
Denn obwohl die Bedrohung des nuklearen Holocaust
beträchtlich verringert wurde, ist die Welt weiterhin ein
krisengeschüttelter und gefährlicher Ort. Feindlich
gesinnte Regime und Instabilität bedrohen unsere
Interessen in Schlüsselregionen wie Südwest- und
Nordostasien. Instabilität, Nationalismus und ethnische Spannungen stellen Gefahren in Europa dar.
Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
bedroht unsere Interessen, unsere Streitkräfte und
sogar unser Heimatland. Und die Bedrohungen durch
Terrorismus, internationales organisiertes Verbrechen
und Drogenhandel bestehen unvermindert weiter.

Seite 1

�Darüber hinaus müssen wir nicht die jahrhundertealte
Geschichte bemühen, um uns daran zu erinnern, daß
gefährliche Bedrohungen plötzlich und unvorhersehbar
entstehen können.
Politisch, wirtschaftlich und technologisch verändert
sich die Welt in einer beispiellosen und manchmal
alarmierenden Geschwindigkeit.
Die Technologie
miniaturisiert die Welt und verbindet unser Schicksal
noch enger mit dem unserer Verbündeten und Wirtschaftspartner auf der Welt.
Das wirkt sich zu unserem Vorteil aus, während wir
freie Märkte und die Prinzipien der Demokratie zu
fördern versuchen. Es erhöht jedoch auch das
Ausmaß, in dem wir von Entwicklungen im Ausland
betroffen sind. Selbst wenn wir wollten, könnten wir
uns nicht von den Kräften isolieren, die die Welt
erfassen.
Genauso wenig wie wir der Weltpolizist sind und
werden, dürfen wir zum Gefangenen der internationalen Ereignisse werden, isoliert und sicher behütet
in einem kontinentalen Kokon.
Vor diesem Hintergrund haben der Präsident und
Verteidigungsminister Perry eine nationale Sicherheitspolitik verfolgt, die nicht nur auf dieses sich wandelnde
Umfeld reagieren, sondern es auch in einer unseren
Interessen dienlichen Weise gestalten soll.
Sie
können auf ihre Leistungen bei der Beseitigung der
Relikte des Kalten Krieges stolz sein - sie verringerten
die nukleare Bedrohung durch die ehemalige Sowjetunion, riefen die Partnerschaft für den Frieden und die
pragmatische Partnerschaft mit Rußland - wie Verteidigungsminister Perry sie bezeichnete - ins Leben,
brachten die NATO auf den Kurs der Erweiterung,
stärkten unser Bündnis mit Japan und entwickelten
Beziehungen zu China auf militärischer Ebene.
Im Falle meiner Bestätigung beabsichtige ich, diese
Bestrebungen fortzusetzen und auf sie aufzubauen,
während wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten,
uns nicht nur mit dem Ende einer Ära, sondern auch
mit der Gestaltung der nächsten zu befassen.
Nach einem Jahrhundert, in dem zwei Weltkriege im
Herzen Europas ausbrachen und ein Kalter Krieg den
Kontinent mehr als vier Jahrzehnte spaltete, stehen wir
an der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert mit der
realen Aussicht auf eine endgültige Überwindung der
Teilung Europas. Bevor Präsident Clintons zweite
Amtszeit zu Ende ist, wird die NATO ihre erste Runde
neuer Mitglieder aufgenommen haben, und die
Programme der Partnerschaft für den Frieden werden
erweitert worden sein. Die pragmatische Partnerschaft
mit Rußland wird durch die Verhandlungen über eine
Charta zwischen der NATO und Rußland, verstärkte
amerikanisch-russische Zusammenarbeit auf militärischer Ebene, die Fortsetzung der Aktivitäten zur

Seite 2

kooperativen Verringerung der Bedrohung und
Fortschritte bei unserer Rüstungskontrollagenda weiter
gestärkt.
Die Erlangung des richtigen Gleichgewichts zwischen
Strategie, Programmen und Ressourcen zur Erfüllung
unserer sicherheitspolitischen Erfordernisse der
Gegenwart und Zukunft stellt eine große Herausforderung dar. Dies wird zur Zeit vom Verteidigungsministerium überprüft und ebenfalls vom nationalen
Verteidigungsgremium überarbeitet.
Während wir diesen Prozeß durchlaufen, müssen wir
gewährleisten, daß unsere Streitkräfte die Kriege der
Nation führen und gewinnen können.
Den Präsidenten über den Einsatz von Gewalt zu
beraten, ist die größte Verantwortung, die einem
Verteidigungsminister obliegt. Und als Senator war ich
mir dessen bewußt, als ich in die saudi-arabische
Wüste zu einem Besuch der Truppen reiste, die sich
darauf vorbereiteten, die irakische Invasion in Kuwait
zu bekämpfen, und vor kurzem, als ich unsere tapferen
in Bosnien dienenden Männer und Frauen besuchte
und das Privileg hatte, einem mutigen jungen Soldaten
aus Maine das Purple Heart zu verleihen. Als designierter Verteidigungsminister gelobe ich Ihnen und
unseren Männern und Frauen in Uniform, mein Bestes
zu tun, dieses tiefe Vertrauen zu erfüllen.
Der Präsident hat es bereits gesagt: Wir sollten uns
nicht vor dem klugen Einsatz von Gewalt fürchten, und
hierbei sind der Mut, die Loyalität und die Bereitschaft
unserer Männer und Frauen in Uniform, ihr Leben aufs
Spiel zu setzen, ein nationales Gut, das nie als
selbstverständlich hingenommen werden sollte. Und
wenn unsere Soldaten in den Kampf geschickt werden,
müssen klare Ziele gesetzt werden, denen wir entschlossen verpflichtet bleiben und zu deren Erlangung
wir die Mittel haben. Das sind die Grundvoraussetzungen für humanitäre und andere Operationen mit
Ausnahme eines Krieges sowie für andere Eventualfälle größeren Ausmaßes.
Ich möchte auch darauf hinweisen, daß unsere
Streitkräfte ihre Mission nicht nur erfüllen, wenn sie zur
Beilegung einer Krise intervenieren - sie leisten jeden
Tag wichtige Arbeit.
Wenn unsere Schiffe strategische Gewässer patrouillieren, unsere Flugzeuge in weit entferntem Luftraum
fliegen und unsere Soldaten zu Manövern entsandt
werden, sind sie nicht nur bereit für den Fall, daß sich
etwas ereignet. Durch diese Aktionen ereignet sich
bereits etwas: Sie beeinflussen die Ansichten und
Entscheidungen ausländischer Regierungen - seien es
Freunde, die der Unterstützung bedürfen, oder Feinde,
die abgeschreckt werden müssen. Unsere Streitkräfte
gestalten durch ihre täglichen Operationen die Welt

AMERIKA DIENST 02

�und warten nicht einfach, bis sie auf momentane
Krisen reagieren müssen.

waffenprogramm wurde eingefroren, während es mit
der Wirtschaft weiterhin bergab geht.

Herr Vorsitzender, ich möchte auf zwei Punkte besonders eingehen. Seit meiner Nominierung haben
manche festgestellt, daß ich im Hinblick auf mehrere
Fragen der nationalen Sicherheit nicht mit dem
Präsidenten übereinstimme, und aufgrund dessen die
Frage gestellt, ob ich dem Präsidenten in Zukunft
wirksam dienen kann.

Was den Einsatz von Gewalt betrifft, habe ich mich
zwar für verstärkte Konsultationen mit dem Kongreß
ausgesprochen, mich aber geweigert, einmal vom
Präsidenten getroffene Entscheidungen zu unterlaufen. Beispielsweise gehörte ich zu denen, die sich
mit den Senatoren Dole und McCain für die Resolution
zur Unterstützung unserer in Bosnien stationierten
Streitkräfte einsetzten. Ich bin ein Befürworter echter
und andauernder Konsultationen, was meines Erachtens ein Grund für den Präsidenten war, mich in
sein Kabinett zu nehmen.

Ich habe die letzten 25 Jahre im Kongreß gleichermaßen mit denjenigen, deren Meinung ich teile, und mit
denen, deren Meinung ich nicht teile, zusammengearbeitet und habe versucht, das auf konstruktive Art
zu tun, die zu positiven Ergebnissen führt. Meines
Erachtens ist es mir in der Vergangenheit gelungen,
Differenzen zu überbrücken - sie nicht zu übertünchen,
sondern Konsens zu schaffen und vernünftige,
verantwortungsvolle Kompromisse zu schließen.
Ferner möchte ich darauf hinweisen, daß übereinstimmende Meinungen innerhalb einer Administration
weder ein Gebot noch ein anzustrebendes Ideal sind.
Es ist sehr anerkennenswert, daß der Präsident ein
Team energischer Berater haben möchte, die ihm
gemeinsam die beste Beratung zukommen lassen
können. Ich bin sicher, daß es im Falle meiner
Bestätigung wie in allen Administrationen manchmal
Meinungsverschiedenheiten zwischen uns geben wird,
die hinter verschlossenen Türen beigelegt werden
sollten. Und ich habe keinen Zweifel, daß wir bei
unserer Zusammenarbeit ebenso viel oder sogar noch
mehr Einvernehmen und Kooperationsbereitschaft
zeigen werden wie jede andere Administration der
letzten 25 Jahre.
Was einige der gestellten spezifischen Fragen betrifft,
habe ich keine Bedenken hinsichtlich meiner Fähigkeit
zur effektiven Arbeit innerhalb der Administration.
Was beispielsweise die Raketenverteidigung betrifft,
war ich eines der vier Mitglieder dieses Ausschusses,
die vom Vorsitzenden beauftragt wurden, einen
Konsens zu finden, der vom Kongreß angenommen
und als Gesetz verabschiedet würde. Die Senatoren
Warner, Levin, Nunn und ich haben lange und hart mit
anderen Abgeordneten und der Administration zusammengearbeitet. Uns gelang der Abbau bestehender analytischer und politischer Differenzen, und das
ausgearbeitete Gesetz wurde schließlich von Kongreß
und Administration unterstützt und wird jetzt unter
Berücksichtigung der technischen Aspekte umgesetzt.
In bezug auf das nordkoreanische Nuklearabkommen
war ich in der Tat skeptisch hinsichtlich der Einhaltung
des Rahmenabkommens durch Nordkorea. Es kann
jedoch nicht bestritten werden, daß das Abkommen
tatsächlich funktioniert. Das nordkoreanische Nuklear-

AMERIKA DIENST 02

Ich erwähne das, weil ich davon überzeugt bin, daß
Präsident Clinton zur Überwindung parteipolitischer
Trennlinien bei der Formulierung seiner Sicherheitspolitik entschlossen ist und weiß, wie wichtig es ist,
denjenigen zuzuhören, die anderer Meinung als er
oder seine Berater sind. So kann er sichergehen, daß
seine Aktionen begründet und nicht nur das Produkt
irgendwelcher Trends sind.
Herr Vorsitzender, ich bin es Verteidigungsminister
Perry schuldig, ihm besondere Anerkennung zu zollen.
Meines Erachtens ist er einer der fähigsten Staatsbeamten, die je in einer amerikanischen Regierung
tätig waren. Er verkörperte Unparteilichkeit bei der
Verfolgung unserer nationalen Sicherheitsinteressen.
Seine Integrität und sein Patriotismus, verbunden mit
seiner Brillanz und Ruhe, machten ihn zu einem
Verteidigungsminister, der die zweifelsohne einzigartige Fähigkeit hatte, effektiv und beliebt zu sein. Er
war im Hinblick auf den Einsatz von Gewalt immer
vorsichtig und präzise; er entwickelte pragmatische
Beziehungen zur russischen Regierung, stärkte
unsere Sicherheitspartnerschaft mit Japan und machte
echte Fortschritte beim langen Prozeß der Durchsetzung der Beschaffungsreform. Sein Dienst entspricht
der besten Tradition unseres Landes, und er hat
meiner Meinung nach für alle seine Nachfolger hohe
Maßstäbe gesetzt.
In der Schlußbemerkung seines Buches "On the
Origins of War" stellt der Historiker Donald Kagan fest:
"Ein hartnäckiger und wiederholter
Fehler im gesamten Verlauf der
Geschichte ist der Mangel an Einsicht, daß die Wahrung des Friedens
Mühe, Planung, Mittel und Opfer
verlangt - ebenso wie der Krieg.
Insbesondere in der modernen Welt
hat die Ansicht, der Frieden sei ein
natürlicher Zustand und Krieg ein
Irrweg, dazu geführt, daß in Friedenszeiten die Möglichkeit eines weiteren
Krieges nicht in Betracht gezogen
wurde, was wiederum die Bestrebun-

Seite 3

�gen verhinderte, die zur Wahrung des
Friedens erforderlich sind."
Der Präsident ist sich bewußt, daß die Wahrung des
Friedens aktive Bestrebungen, Planung und Opfer
erfordert. Es ist mir eine große Ehre, daß er mich
gebeten hat, ihn als Verteidigungsminister bei den
erforderlichen Planungen und Bestrebungen zu
unterstützen.

* *

Seite 4

Die von mir umrissenen Ziele stellen beträchtliche
Herausforderungen dar, aber unsere Wirtschaft ist
stark, unsere Nation lebt in Frieden, und das Verteidigungsministerium verfügt bei seinen militärischen und
zivilen Mitarbeitern über ein enormes Reservoir von
Begabungen und Fähigkeiten. Wenn wir zum Nutzen
des amerikanischen Volkes zusammenarbeiten,
können und werden wir diese Herausforderungen
bewältigen.

* *

*

AMERIKA DIENST 02

�WIRTSCHAFT
29. Januar 1997

Amerikas Spitzenposition in der Weltwirtschaft
Rede des designierten Wirtschaftsministers

WASHINGTON - (AD) - Bei seiner Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuß des Senats am 22. Januar 1997
sprach sich der von Präsident Clinton zum Wirtschaftsminister ernannte William Daley für die Förderung
amerikanischer Exporte durch die Regierung aus.
Nachfolgend veröffentlichen wir den leicht gekürzten Redetext des designierten Wirtschaftsministers.

Herr Vorsitzender,
es ist mir eine Ehre, heute hier sein zu dürfen. In den
Wochen seit meiner Ernennung zum Wirtschaftsminister habe ich über diese Chance nachgedacht und
es hat mich mit großem Stolz erfüllt, daß meine
Ernennung mir die Möglichkeit bietet, die lange
Tradition meiner Familie im öffentlichen Dienst fortzusetzen. Ich bin dankbar für die Chance, der Nation
zu dienen - den Arbeitnehmern, Unternehmern, den
großen und kleinen Firmen, den einzelnen Gemeinden
und dem Präsidenten.
Auf unserem Weg zur letzten Administration des 20.
Jahrhunderts befinden wir uns auf einer noch nicht
beendeten Reise. Wir gestalten die Welt, in der wir
Geschäfte tätigen, neu und definieren gleichzeitig
unseren Platz in ihr neu. Ich sehe meine Nominierung
für das Wirtschaftsministerium folgendermaßen: In
einer neuen, von neuen Regeln regierten Welt hat
Amerika riesige Schritte zur Bewahrung der Wettbewerbsfähigkeit und des Wohlstands des Landes
unternommen. Aber unsere Arbeit ist noch nicht
beendet, und das Wirtschaftsministerium muß viel
unternehmen, damit wir in der Weltwirtschaft weiterhin
einen Vorsprung haben.
Um sicherzustellen, daß das Wirtschaftsministerium
seine elementare Aufgabe erfüllt, möchte ich, daß Sie
und Ihre Kollegen, die Unternehmer und unsere
Handelspartner auf der ganzen Welt volles Vertrauen
in das Ministerium setzen - und werde garantieren,
daß unsere Rolle unerläßlich ist und unsere Glaubwürdigkeit außer Frage steht. Ebenso sehr wie ich mich

AMERIKA DIENST 02

auf meine Arbeit freue, bin ich beeindruckt von den
Möglichkeiten dieses Ministeriums, rühmliche und
bedeutungsvolle Arbeit für Amerika zu leisten.
Die Annahmen, von denen unser Wachstum und unser
Platz in der Welt nach dem Krieg geleitet waren, gelten
nicht mehr. Es gab eine Zeit, in der wir unser Wachstum und einen besseren Lebensstandard durch unsere
Binnenwirtschaft bewahren konnten, aber heute steht
und fällt unser Wohlstand mit auf lange Sicht getroffenen Entscheidungen. Es ist nicht mehr nur die Börse,
die von Wirtschaftsnachrichten und Entscheidungen
auf der ganzen Welt betroffen ist: Amerikanische
Unternehmen von den größten 500 bis zu den kleinsten Anfängern sehen sich Wettbewerb von Volkswirtschaften in Europa und Asien sowie den aufstrebenden Mächten in Lateinamerika, Afrika und dem Nahen
Osten ausgesetzt, und gleichzeitig bieten sich ihnen
dort neue Chancen.
Nahezu ein Viertel unseres Bruttoinlandsprodukts ist
heute exportabhängig. Über 11 Millionen Arbeitnehmerverdanken ihren Arbeitsplatz den Geschäften, die
ihre Arbeitgeber jenseits unserer Küsten tätigen. Mein
Vorgänger Mickey Kantor erklärte gerne, eine Marktstudie der Vereinigten Staaten heute würde belegen,
daß wir vier Prozent der Weltbevölkerung ausmachen
und eine ziemlich niedrige Geburtenrate haben. Das
heißt, unser zukünftiger Lebensstandard gründet auf
den Verbindungen, die wir mit den anderen 96
Prozent der Welt haben und den Möglichkeiten, die wir
dort schaffen.

Seite 1

�Der Präsident hat einen klaren Plan für den Erfolg der
Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft dargelegt. In
den ersten Wochen seiner Administration erklärte er,
die Vereinigten Staaten würden es begrüßen, wenn
unsere Konkurrenten hier unter fairen und offenen
Bedingungen Geschäfte abwickeln, wir jedoch denselben Zugang zu ihren Märkten erwarten. Die Administration hat über 200 Handelsabkommen mit
Partnern auf der ganzen Welt unterzeichnet, in die
Entwicklung modernster Technologie investiert, auf die
kluge Verwaltung unserer natürlichen Ressourcen
hingearbeitet, die Exporte angekurbelt, bessere und
nützlichere Wirtschaftsinformationen erarbeitet und
unsere städtischen und ländlichen Gemeinden zu
Mitspielern bei unserer wirtschaftlichen Expansion
gemacht.
Aufgrund dieser Entscheidungen und dank der
Zusagen von führenden Unternehmern und Politikern weil wir diese globale Wirtschaft einbeziehen - führen
die Vereinigten Staaten die Weltwirtschaft an. Wir
stehen seit drei aufeinander folgenden Jahren wieder
an oberster Stelle der Liste des Weltwirtschaftsforums
der produktivsten Volkswirtschaften der Welt. Heute
sind wir die größte Wirtschaftsmacht der Welt - der
größte Exporteur, der beste Innovator, der Motor, der
den weltweiten Wohlstand antreibt.
Vor einigen Jahren schien Amerika zu stagnieren.
Unsere Konkurrenten in so unterschiedlichen Industrien wie der Automobil-, Stahl- und Hightechindustrie,
dem Bankwesen sowie der Luft- und Raumfahrt waren
weltweit aktiv und kämpften um Aufträge, Verträge und
Chancen, während wir am Rande standen und
debattierten, ob wir uns in den Kampf begeben sollten.
Industrien in Japan, Taiwan, Deutschland und andernorts investierten in neue Technologien, während wir
den Verlust der amerikanischen Fertigungsindustrie
beklagten und uns fragten, warum andere die von uns
erfundene Technologie besser anwendeten. Ausländische Volkswirtschaften erlebten einen Boom,
während wir diskutierten, ob wachsende Haushaltsdefizite überhaupt wichtig sind oder nicht. Es war eine
Binsenwahrheit, daß unsere asiatischen und europäischen Konkurrenten unser Brot aßen, und ein wichtiges Buch, Der Aufstieg und Fall der Großmächte,
spekulierte, daß Amerika sich im Niedergang befand.
Wir hatten jede Menge Zwangsvollstreckungen und
Konkurse, aber wenig Vertrauen. Aber diese Tage
sind jetzt vorüber.
Heute ist die amerikanische Wirtschaft gesund, vital
und im Wachsen begriffen. Unsere Arbeitslosenquote
ist die niedrigste seit 25 Jahren. Es werden ebenso
viele Geschäfte gegründet und Häuser gekauft wie seit
Anfang der achtziger Jahre. Ein Haushaltsdefizit, das
unsere Ersparnisse aufbrauchte und unser Wachstum
behinderte, wurde in den vergangenen vier Jahren um
die Hälfte reduziert. Und die Produktionskapazität
unserer Volkswirtschaft ist seit 25 Jahren am schnell-

Seite 2

sten gestiegen. Jetzt sehen wir Forschung und
Entwicklung, Technologie und Bildung als Investitionen
in unsere Zukunft, die sich in Unternehmertum,
Arbeitsplätzen und Gehaltsschecks auszahlen. Und
wir geben das Tempo an, dem die übrige Welt bei
allem folgt - in herkömmlichen Industrien wie der
Automobilbranche und der Landwirtschaft bis zur Luftund Raumfahrt, Telekommunikations- und Hightechindustrie.
Das kommende Jahrhundert - das der Präsident als
"Zeitalter der Chancen" bezeichnet hat - wird auf dem
aufbauen, was die Wirtschaft am besten tut. Ich weiß,
daß einige in der modernen Wirtschaft keinen Platz für
das Ministerium sehen. Dem stimme ich überhaupt
nicht zu. In einer immer stärker konkurrierenden Welt
benötigt unsere Nation kohärente und aufeinander
abgestimmte wirtschaftliche, technologische, handelsund entwicklungspolitische Maßnahmen.
Wir haben zwei Alternativen, wenn wir uns den
Realitäten einer interdependenten Weltwirtschaft
stellen: Wir können am Rand stehen und über die
Rolle der Regierung debattieren, oder wir können
aggressiv, aktiv und ehrgeizig sein. Führen Sie sich
jedoch vor Augen, daß unsere Konkurrenten eifrig
Geschäfte tätigen und wirtschaftliche Verbindungen
um uns herum aufbauen, während wir diskutieren.
Bundeskanzler Helmut Kohl ist vor kurzem nach
Rußland gereist, während der kanadische Ministerpräsident Chretien vergangene Woche eine Handelsdelegation nach Korea anführte. Das sind Mahnungen, daß andere unabhängig von unseren Entscheidungen aktiv Exportchancen suchen.
Im Wirtschaftsministerium kommen Amerikas Potential
und seine Versprechungen zusammen, dort werden
unsere zukünftigen Arbeitsplätze geschaffen und
unser Wirtschaftswachstum genährt. Die ungleichen
Elemente des Handels kommen für eine Aufgabe
zusammen: Amerikas Konkurrenzfähigkeit zu verbessern und zu bewahren.
Die Wirtschaft trägt zur Öffnung von Märkten bei und
stellt sicher, daß unsere Partner das Versprechen
offenen und fairen Handels einhalten, das wir uns
gegeben haben. Und während mehr Mitspieler einen
Platz auf der internationalen Handelsbühne suchen,
wollen wir auch durch das Befürwortungszentrum des
Ministeriums und Handelsmissionen im Namen
amerikanischer Firmen und Arbeitnehmer gewährleisten, daß sie auf den dynamischsten Märkten Fuß
fassen können und an Projekten beteiligt sind. Unsere
Konkurrenten überlassen ihre Unternehmen nicht
ihrem Schicksal in der Welt, und das sollten wir auch
nicht tun. Gleichzeitig sollten wir unsere Arbeitnehmer
keinem Risiko durch unfaire Handelspraktiken aussetzen. Über einem Gebäude des Wirtschaftsministeriums steht Benjamin Franklins Mahnung geschrieben:

AMERIKA DIENST 02

�"Der Handel zwischen Nationen sollte fair und gerecht
sein." Das ist der Standard, den wir halten wollen.

peln, die den Ehrgeiz mitbringen und die Belohnung
dafür erhalten.

Unsere Exporte haben seit 1993 um 34 Prozent
zugenommen und 1,4 Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen. Im Rahmen der Aktivitäten der internationalen Handelsverwaltung hat das Wirtschaftsministerium 250 Millionen Dollar für die Exportförderung aufgewandt, die zu überseeischen Umsätzen
von über 40 Milliarden Dollar führten. Darüber hinaus
befreiten wir Hightechexporte in Milliardenhöhe von
veralteten Bestimmungen, ohne unsere nationale
Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Auf diesen Leistungen
aufbauend möchte ich sicherstellen, daß die durch
offene Märkte und globalen Wettbewerb versprochenen hochbezahlten Arbeitsplätze Realität werden.

Aber dieses Versprechen kann nur erfüllt werden,
wenn die Vorteile eines wohlhabenden Amerikas
jedem Amerikaner zugute kommen. Wenn einige
Segmente Fortschritte machen, während andere
stagnieren, werden wir unsere Stärke vergeuden und
unsere Wettbewerbsvorteile aufgeben.
Bildung,
Ausbildung, wirtschaftliche Entwicklung, sogar Zugang
zur Datenautobahn sind der Schlüssel zur Verbesserung der Chancen für alle Amerikaner, damit ein
größerer Teil unserer Nation eine produktive Rolle in
unserer Volkswirtschaft übernehmen kann.

Während der Übergang von der Fertigung zu Information und Technologie das Wirtschaftswachstum auf der
Welt weiter ankurbelt, verleiht der Handel dem Wettbewerbsvorteil einen Bonus, den sich unsere Nation
durch modernste Technologien verschafft hat. Wir
müssen weiterhin neue Technologien entwickeln und
Unternehmen sowie die Industrie ermutigen, sie für die
kommerzielle Anwendung anzupassen. Weniger zu
tun - vor allem angesichts der Pläne Japans, sein
Budget für Wissenschaft und Technologie bis zum
Jahr 2000 zu verdoppeln, der Pläne Chinas, seine
Investitionen in Forschung und Technologie in dieser
Zeit zu verdreifachen und der Tatsache, daß die
gesamten Ausgaben der EU für Technologie in fünf
Jahren doppelt so hoch sein werden wie unsere würde einen Rückschritt bei einem Großteil unserer
Wettbewerbs- und Produktivitätsvorteile bedeuten, die
so viel dazu beigetragen haben, unser wirtschaftliches
Haus im letzten Jahrzehnt in Ordnung zu bringen.
Während heute die 50 größten Exporteure der Vereinigten Staaten für 30 Prozent der Warenexporte
unserer Nation verantwortlich sind, exportieren nur 12
Prozent unserer
kleinen und mittelständischen
Unternehmen. Gleichzeitig nehmen 40 Prozent der
amerikanischen Arbeitnehmer an Aus- und Weiterbildungsprogrammen teil, und heute besucht eine
Rekordzahl von Studenten das College. Für mich ist
diese Kombination kein unausgeschöpftes Potential,
sondern eine Chance für Wirtschaftswachstum. Wir
sollten in den kommenden Jahren die Exporte mittelständischer Unternehmen mit diesen gelernten und
ausgebildeten amerikanischen Arbeitnehmern verdop-

AMERIKA DIENST 02

Ich möchte die Wirtschaftsentwicklung an Exporte und
Technologie anpassen, um reale Chancen für jeden
Menschen, jede Familie und jedes Unternehmen im
Land zu schaffen. Zusammen werden diese Fäden
der wirtschaftlichen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Technologie, Handel und Information - zum Geflecht
unserer wohlhabenden Zukunft verwoben, indem sie in
jeder Gemeinde im ganzen Land Entwicklung, Unternehmertum und Wachstum ankurbeln. Darin sehe ich
die Aufgabe des Handels: Den Wohlstand Amerikas zu
bewahren, indem wir weiterhin auf der ganzen Welt
innovativ, wachsam und stark sind.
Letztlich werden die Ergebnisse dieses globalen
Wettbewerbs um Exporte und Marktöffnung entscheiden, wo die Arbeitsplätze im nächsten Jahrhundert sein und welche Nationen prosperieren
werden. Die Entscheidung über die Funktion oder
Vitalität des Wirtschaftsministeriums ist daher keine
akademische Übung oder eine in einem Vakuum
stattfindende politische Debatte.
Ich freue mich auf die Arbeit als 32. Wirtschaftsminister, weil der Erfolg des Ministeriums niemals
wichtiger für unser Land war. Ich bin der festen
Überzeugung, daß der Wirtschaftsminister nie vergessen darf, daß er dem Präsidenten, dem Kongreß und
letztlich dem amerikanischen Volk als Katalysator
dient, damit die Sicherheit und der Wohlstand unserer
Nation uns mit gutem Grund zu Vertrauen und Hoffnung ins 21. Jahrhundert bringen können. Ich sehe
der engen Zusammenarbeit mit Ihnen erwartungsvoll
entgegen, damit das Wirtschaftsministerium wie bisher
zur Stärke Amerikas beitragen kann, während wir an
der Spitze der Weltwirtschaft stehen.

Seite 3

�PORTRAT
29. Januar 1997

Madeleine Korbel Albright
Porträt der neuen Außenministerin

Madeleine Korbel Albright wurde am 23. Januar 1997
als 64. Außenminister vereidigt. Vor ihrer Ernennung
war sie Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten
bei den Vereinten Nationen (ihre Akkreditierung erfolgte am 6. Februar 1993) sowie Mitglied von Präsident Clintons Kabinett und des Nationalen Sicherheitsrats.
Davor war Botschafterin Albright Präsidentin des
Center for National Policy. Das Center ist eine 1981
von Vertretern der Regierung, Industrie, Gewerkschaften und des Bildungswesens gegründete gemeinnützige Forschungsorganisation. Sein Mandat besteht
in der Förderung von Studien und Diskussionen über
innenpolitische und internationale Themen.
Als Forschungsprofessorin für internationale Angelegenheiten und Direktorin des Programms "Frauen im
auswärtigen Dienst" der Georgetown University's
School of Foreign Service unterrichtete Albright Kurse
in internationalen Angelegenheiten, amerikanischer
Außenpolitik, russischer Außenpolitik sowie zentralund osteuropäischer Politik und war verantwortlich für
die Entwicklung und Umsetzung von Programmen zur
Verbesserung der Berufschancen von Frauen ini
internationalen Angelegenheiten.
Von 1981 bis 1982 erhielt Außenministerin Albright ein
Stipendium am Woodrow Wilson International Center

for Scholars der Smithsonian Institution im Anschluß
an einen internationalen Wettbewerb, bei dem sie über
die Rolle der Presse bei den politischen Veränderungen in Polen Anfang der achtziger Jahre geschrieben
hatte.
Albright war außerdem Senior Fellow für sowjetische
und osteuropäische Angelegenheiten am Center for
Strategie and International Studies, wo sie Forschung
zu Entwicklungen und Trends in der Sowjetunion und
in Osteuropa durchführte.
Von 1978-81 war Außenministerin Albright als Mitarbeiterin des Nationalen Sicherheitsrats und des
Weißen Hauses für die außenpolitische Gesetzgebung
verantwortlich. Von 1976-78 war sie persönliche
Referentin für Gesetzesfragen von Senator Edmund
Muskie.
Botschafterin Albright erwarb ihren Bachelor of Arts in
Politologie am Wellesley College mit Auszeichnung
und studierte an der School of Advanced International
Studies der John Hopkins University, erhielt ein
Zeugnis vom Russischen Institut der Columbia University und legte ihren Master of Arts und ihr Doktorexamen an der Fakultät für Öffentliches Recht und
Staatswissenschaft der Columbia University ab.
Außenministerin Albright hat drei Töchter.

* * * * *

AMERIKA DIENST 02

Seite 1

�PORTRAT
29.Januar 1997

William S. Cohen
Porträt des neuen Verteidigungsministers

Der ehemalige Senator William S. Cohen wurde am
Freitag, dem 24. Januar 1997 bei einer Feier im
Weißen Haus von Vizepräsident AI Gore als 20.
Verteidigungsminister vereidigt.
Präsident Clinton gab Cohens Nominierung am 5.
Dezember 1996 bekannt. Er wurde am 22. Januar
1997 vom Senat mit 99 zu 0 Stimmen bestätigt. Davor
hatte er dem Senat drei Sitzungsperioden für den
Bundestaat Maine (1979-97) und drei dem Repräsentantenhaus als Abgeordneter des zweiten Wahlbezirks
von Maine angehört (1973-79).
Der am 28. August 1940 in Bangor (Maine) geborene
Cohen besuchte die Bangor High School, die er 1958
abschloß. 1962 erwarb er seinen Bachelor of Arts in
Latein am Bowdoin College und 1965 seinen Bachelor
of Laws cum laude an der Boston University Law
School.
Verteidigungsminister Cohen war von 1979-97 Mitglied
des Streitkräfteausschusses des Senats sowie des
Ausschusses für Regierungsangelegenheiten. Von
1983-91 und von 1995-97 war er Mitglied des Sonderausschusses für die Nachrichtendienste und von
1987-91 dessen Stellvertretender Vorsitzender.
Mit seinem Einfluß bei Verteidigungs- und internationalen Sicherheitsfragen spielte Cohen eine führende
Rolle beim Entwurf des Goldwater-Nichols-Gesetzes
über die Umstrukturierung des Verteidigungsapparats
von 1986. Er war der Befürworter des Gl-Gesetzes
von 1984 im Senat sowie der folgenden Zusätze zu
diesem bahnbrechenden Gesetz. Cohens Bemühungen führten zur Gründung der Schnellen Einsatztruppe
(RDF), die später zum US-Zentralkommando wurde,
und des maritimen Voreinlagerungsprogramms, die
beide entscheidend für den Erfolg des Golfkrieges
waren. Darüber hinaus ist er Mitverfasser des Gesetzes über die Reform der Überwachung der Nachrichtendienste von 1991 sowie von Gesetzen über die

AMERIKA DIENST 02

Überarbeitung der amerikanischen Spionageabwehrbestrebungen und Verteidigung gegen ausländische
politische und Industriespionage.
Von dem von ihm verfassten Gesetz über Wettbewerb
bei Vertragsabschlüssen bis zum Erlass des Gesetzes
über die Reform der staatlichen Beschaffung von
1996, bei dessen Entwurf er eine entscheidende Rolle
spielte, stand Cohen an vorderster Front bei der
Reform des Beschaffungsprozesses der Bundesregierung. Aufgrund seines Engagements, Rechenschaftspflicht und die besten Praktiken des Privatsektors bei den Bundesbehörden einzuführen, verfasste
er auch das Gesetz über die Reform der Verwaltung
von Informationstechnologie von 1986 , um die Art und
Weise zu verbessern, in der Bundesbehörden Investitionen in Informationstechnologie verwalten und
den Beschaffungsprozeß zu verschlanken.
Cohen war von 1989-97 Vorstandsmitglied des
Council on Foreign Relations und 1996 Leiter der
Nahoststudiengruppe des Council. Er war ferner Leiter
und Mitglied zahlreicher Studiengruppen und Ausschüsse am Center for Strategie and International
Studies, der School for Advanced International Studies
und der Brookings Institution zu Themen wie der
Umstrukturierung des Verteidigungsministeriums, der
NATO-Erweiterung und der Kontrolle von Chemiewaffen. Seit 1985 war Cohen Leiter der amerikanischen
Delegation hochrangiger Vertreter der Exekutive und
von Abgeordneten des Kongresses bei der Münchner
Konferenz für Sicherheitspolitik, bei der hochrangige
Vertreter der NATO und der Mitgliedsstaaten der
Partnerschaft für den Frieden zusammenkommen. Er
war auch Leiter der amerikanischen Delegationen
beim amerikanisch-arabischen Dialog in Kairo und
dem pazifischen Dialog in Kuala Lumpur - den regionalen Konferenzen über sicherheitspolitische und wirtschaftliche Themen.

Seite 1

�1974 wählte die Zeitschrift TIME Cohen zu einer der
200 künftigen Führungspersönlichkeiten Amerikas.
Die U.S. Junior Chamber of Commerce ernannte ihn
1975 zu einem der zehn herausragenden jungen
Männer in Amerika. Ebenfalls 1975 ehrte die Boston
University Law School Cohen mit ihrem renommierten
"Young Lawyer's Chair" und 1976 verlieh ihm der
Ehemaligenverein der Boston University seine Auszeichnung für hervorragende Dienste zum Wohle der
Allgemeinheit. 1980 erhielt Cohen den "Vanguard"
vom Verband der Unteroffiziere für seine Arbeit für
Angehörige des Militärs und 1983 zeichnete dieselbe
Organisation ihn mit dem L. Mendel Rivers Award aus.
*

Seite 2

1996 wurde ihm die U.S. Special Operations Command Medal verliehen.
Cohen ist Autor oder Mitverfasser von acht Büchern,
darunter zwei Gedichtbänden, drei Romanen und drei
Sachbüchern.
Seine Frau Janet Langhart ist Präsidentin von Langhart Communications. Cohen hat zwei erwachsene
Söhne, Kevin und Chris.

* * *

*

AMERIKA DIENST 02

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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Investitionen in die amerikanische Führungsrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abschiedsrede von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entwurf einer überparteilichen Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Außenministerin Madeleine K. Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verringerung von Bedrohungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des designierten Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Spitzenposition in der Weltwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des designierten Wirtschaftsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Madeleine Korbel Albright&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt der neuen Außenministerin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William S. Cohen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Verteidigungsministers&lt;/em&gt;</text>
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amcrika

dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

22. Januar 1997

SONDERDIENST

AMTSEINFÜHRUNG

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

EIN NEUES VERANTWORTUNGSBEWUSSTSEIN FÜR EIN NEUES JAHRHUNDERT
Rede des Präsidenten bei der Einführung
in seine zweite Amtszeit

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AMTSEINFÜHRUNG
22.Januar 1996

Ein neues Verantwortungsbewußtsein
für ein neues Jahrhundert
Rede des Präsidenten bei der Einführung in seine zweite Amtszeit

WASHINGTON - (AD) - Präsident William Jefferson Clinton legte am 20. Januar 1997 den Amtseid ab und
begann seine zweite Amtszeit mit der Aufforderung an seine Mitbürger, ihren Blick "auf ein Land neuer
Versprechungen" zu richten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Meine amerikanischen Mitbürger,
bei dieser letzten Amtseinführung eines Präsidenten im
20. Jahrhundert wollen wir unsere Augen auf die
Herausforderungen richten, die uns im nächsten
Jahrhundert erwarten. Es ist unser großes Glück, daß
die Zeit und die Möglichkeiten uns nicht nur an die
Schwelle eines neuen Jahrhunderts und eines neuen
Jahrtausends gebracht haben, sondern auch an die
Schwelle vielversprechender neuer Aussichten für
menschliche Belange. Dies ist ein Augenblick, der
unseren Kurs und unseren Charakter auf Jahre hinaus
bestimmen wird. Wir müssen unsere alte Demokratie
für immer jung erhalten. Geleitet von der jahrtausendealten Vision eines gelobten Landes wollen wir
unseren Blick auf ein Land neuer Versprechungen
richten.

den Globus hinweg Millionen Menschen die Hand, die
sich wie wir nach den Segnungen der Freiheit sehnten.
Auf dem Weg dorthin brachte Amerika eine großartige
Mittelschicht und die Alterssicherung hervor, baute
beispiellose Lerneinrichtungen und öffnete die öffentlichen Schulen für alle, spaltete das Atom und erforschte die Himmel, erfand den Computer und den
Mikrochip, vertiefte den Urquell der Gerechtigkeit
durch eine Revolution der Bürgerrechte für Afroamerikaner und alle Minderheiten und erweiterte den
Kreis der Staatsbürgerschaft, Chancen und Würde auf
die Frauen.

Dann katapultierte sich dieses Versprechen in Aufruhr
und Triumph auf die Weltbühne, um dieses Jahrhundert zum Amerikanischen Jahrhundert zu machen.

Jetzt liegt zum dritten Mal ein neues Jahrhundert vor
uns und wiederum eine Zeit der Entscheidungen. Wir
begannen das 19. Jahrhundert mit der Entscheidung,
unsere Nation von Küste zu Küste auszubreiten. Wir
begannen das 20. Jahrhundert mit der Entscheidung,
die Industrielle Revolution für unsere Werte des freien
Unternehmertums, des Naturschutzes und der Menschenwürde zu nutzen.
Diese Entscheidungen
bewirkten den Unterschied. Beim Anbruch des 21.
Jahrhunderts muß ein freies Volk sich jetzt entscheiden, die Kräfte des Informationszeitalters und der
globalen Gesellschaft zu formen, das unbegrenzte
Potential all unserer Menschen freizusetzen und eine
perfektere Union zu bilden.

Und was für ein Jahrhundert es war. Amerika wurde
zur mächtigsten Industrienation der Welt, rettete in
zwei Weltkriegen und einem langen Kalten Krieg die
Welt vor der Tyrannei und reichte immer wieder über

Als wir das letzte Mal zusammenkamen, schien unser
Marsch in diese neue Zukunft weniger sicher als
heute. Damals haben wir gelobt, einen klaren Kurs zur
Erneuerung unserer Nation zu steuern.

Das Versprechen für Amerika wurde im 18. Jahrhundert aus der stolzen Überzeugung heraus geboren,
daß wir alle gleich geschaffen sind. Es wurde im 19.
Jahrhundert erweitert und erhalten, als unsere Nation
sich auf dem Kontinent ausbreitete, die Union rettete
und die schreckliche Geißel der Sklaverei abschaffte.

AMERIKA DIENST

Seite 1

�In diesen vier Jahren haben uns Tragödien berührt,
Herausforderungen belebt, Leistungen gestärkt.
Amerika steht allein als die unerläßliche Nation der
Welt. Unsere Volkswirtschaft ist wiederum die stärkste
der Welt. Wiederum schaffen wir stärkere Familien,
prosperierende Gemeinden, bessere Bildungschancen
und eine sauberere Umwelt. Probleme, die sich einst
zu verschärfen drohten, weichen jetzt unseren Anstrengungen: Unsere Straßen sind sicherer und eine
Rekordzahl unserer Mitbürger ist nicht mehr von
Sozialhilfe abhängig und hat wieder Arbeit.
Und wiederum haben wir eine umfassende Diskussion
über die Rolle der Regierung für unsere Zeit beendet.
Heute können wir erklären: Die Regierung ist nicht das
Problem, und die Regierung ist nicht die Lösung. Wir das amerikanische Volk - sind die Lösung. Unsere
Gründerväter verstanden dies gut und gaben uns eine
Demokratie, die stark genug war, Jahrhunderte zu
überdauern, die flexibel genug war, um sich unseren
gemeinsamen Herausforderungen zu stellen und
unsere gemeinsamen Träume an jedem neuen Tag zu
verwirklichen.
Ebenso wie sich die Zeiten ändern, muß sich die
Regierung ändern. Wir brauchen eine neue Regierung
für ein neues Jahrhundert - bescheiden genug, um
nicht zu versuchen, alle unsere Probleme für uns zu
lösen, aber stark genug, um uns das Handwerkszeug
zur Lösung unserer Probleme an die Hand zu geben.
Eine Regierung, die schlanker ist, nicht die Ausgaben
überschreitet und mehr mit weniger tut. Doch wo sie
für unsere Werte und Interessen in der Welt eintreten
und wo sie den Amerikanern die Macht geben kann,
einen wirklichen Unterschied in ihrem täglichen Leben
zu bewirken, sollte die Regierung mehr tun, nicht
weniger. Die übergeordnete Aufgabe unserer neuen
Regierung besteht darin, allen Amerikanern eine
Chance zu bieten - keine Garantie, aber eine echte
Chance - ein besseres Leben aufzubauen.

hundert zu entwickeln. Damit jeder von uns Erfolg
haben kann, müssen wir als ein Amerika Erfolg haben.
Die Herausforderung unserer Vergangenheit ist die
Herausforderung unserer Zukunft - werden wir eine
Nation, ein Volk mit einem gemeinsamen Schicksal
sein oder nicht? Werden wir alle zusammenkommen
oder auseinanderdriften?
Die Trennung der Rassen ist der ewige Fluch Amerikas. Und jede neue Welle von Einwanderern ist ein
neues Ziel für alte Vorurteile. Mit dem Vorwand
religiöser oder politischer Überzeugung bemäntelte
Vorurteile und Verachtung unterscheiden sich davon
nicht. Diese Kräfte haben in der Vergangenheit
beinahe unsere Nation zerstört. Sie plagen uns immer
noch. Sie heizen den Fanatismus des Terrors an.
Und sie quälen Millionen Menschen in gespaltenen
Nationen auf der ganzen Welt.
Diese Obsessionen lähmen diejenigen, die hassen
und natürlich diejenigen, die gehaßt werden und
berauben beide dessen, was sie sein könnten. Wir
können und werden den düsteren Impulsen nicht
nachgeben, die überall in den innersten Regionen der
Seele lauern. Wir werden sie überwinden. Und wir
werden sie durch die großzügige Geisteshaltung der
Menschen ersetzen, die sich miteinander wohl fühlen.
Unser Gefüge rassischer, religiöser und politischer
Vielfalt wird im 21. Jahrhundert ein Gottesgeschenk
sein. Diejenigen, die zusammen leben, lernen und
arbeiten sowie neue Bande knüpfen können, die
zusammenschmieden, werden reichhaltig belohnt
werden.

Union von verantwortungsvollen Bürgern abhängt.

Am Vorabend dieses neuen Zeitalters können wir
bereits seine groben Umrisse erkennen. Vor zehn
Jahren war das Internet der mystische Wirkungskreis
von Physikern; heute ist es eine täglich genutzte
Enzyklopädie für Millionen von Schulkindern. Wissenschaftler erforschen jetzt die Grundsteine des menschlichen Lebens. Für die am meisten gefürchteten
Krankheiten scheint Heilung in greifbare Nähre gerückt
zu sein.

Und wir benötigen ein neues Verantwortungsbewußtsein für ein neues Jahrhundert. Es liegt Arbeit vor uns
- Arbeit, die die Regierung alleine nicht leisten kann:
Die Kinder im Lesen zu unterrichten, von der Sozialhilfe abhängigen Menschen Arbeit zu geben, hinter
verschlossenen Türen und verbarrikadierten Fenstern
hervorzukommen, um unsere Straßen von Drogen,
Banden und Verbrechen zu befreien, uns Zeit zu
nehmen, anderen zu helfen.

Die Welt ist nicht länger in zwei feindliche Lager
gespalten. Statt dessen knüpfen wir Beziehungen zu
Nationen an, die einst unsere Gegner waren. Die
wachsende Verbindung von Wirtschaft und Kultur gibt
uns die Chance, den Menschen auf der ganzen Welt
ein besseres Leben zu ermöglichen. Und erstmals in
der Geschichte leben auf diesem Planeten mehr
Menschen in einer Demokratie als in einer Diktatur.

Jeder einzelne von uns muß auf seine Weise persönliche Verantwortung übernehmen - nicht nur für uns und
unsere Familien, sondern für unsere Nachbarn und
unsere Nation. Unsere größte Verantwortung besteht
darin, einen neuen Gemeinsinn für ein neues Jahr-

Meine amerikanischen Mitbürger, im Rückblick auf
dieses bemerkenswerte Jahrhundert fragen wir uns:
Können wir hoffen, die Leistungen des 20. Jahrhunderts in Amerika nicht nur fortzusetzen, sondern
sie noch zu übertreffen und eine Wiederholung des

Davon abgesehen liegt es an uns, liebe Mitbürger, die
Zukunft zu gestalten. Unsere Gründerväter lehrten
uns, daß die Bewahrung unserer Freiheit und unserer

Seite 2

AMERIKA DIENST

�schrecklichen Blutvergießens zu vermeiden, das sein
Vermächtnis besudelt? Auf diese Frage muß jeder
hier Anwesende und jeder Amerikaner in unserem
Land mit einem lauten "Ja" antworten.
Das ist der Kern unserer Aufgabe. Mit einer neuen
Vision der Regierung, einem neuen Verantwortungsbewußtsein und neuem Gemeinsinn werden wir die
Reise Amerikas fortsetzten. Wir werden das Versprechen, das wir in einem neuen Land suchten, in
einem Land neuer Versprechungen wiederfinden.
In diesem neuen Land wird Bildung das höchste Gut
jedes Bürgers sein. Unsere Schulen werden die
höchsten Standards der Welt haben und in den Augen
jedes Mädchens und jedes Jungen den Funken der
Chance entzünden. Und die Türen zu weiterführender
Bildung werden für alle offen sein. Das Wissen und
die Macht des Informationszeitalters werden nicht nur
in Reichweite weniger Menschen liegen, sondern in
jedem Klassenzimmer, in jeder Bibliothek, jedem Kind
zur Verfügung stehen. Eltern und Kinder werden nicht
nur arbeiten, sondern auch Zeit zum Lesen und zum
gemeinsamen Spiel haben. Und sie werden am
Küchentisch Pläne für ein schöneres Zuhause, einen
besseren Arbeitsplatz und die sichere Chance für
einen Collegebesuch schmieden.
Auf unseren Straßen werden wir wieder das Lachen
von Kindern hören, weil niemand mehr versuchen wird,
sie zu erschießen oder ihnen Drogen zu verkaufen.
Jeder Arbeitswillige wird Arbeit finden, und die heutige
ewige Unterschicht wird zur wachsenden Mittelschicht
von morgen. Neue Wunder der Medizin werden
endlich nicht nur die erreichen, die schon heute
Anspruch auf Gesundheitsfürsorge haben, sondern
auch die Kinder und hart arbeitenden Familien, denen
sie allzu lange verwehrt war.
Wir werden für Frieden und Freiheit einstehen und
eine starke Verteidigung gegen Terror und Zerstörung
aufrechterhalten. Unsere Kinder werden ohne Furcht
vor der Bedrohung durch atomare, chemische oder
biologische Waffen schlafen können.
Häfen und
Flughäfen, Farmen und Fabriken werden von Handel,
Innovationen und Ideen strotzen. Und die größte
Demokratie der Welt wird eine ganze Welt von Demokratien anführen.
Unser Land neuer Versprechungen wird eine Nation
sein, die ihren Verpflichtungen nachkommt - eine
Nation, die ihren Haushalt ausgleicht, aber deren
Werte nie aus dem Gleichgewicht geraten. Eine
Nation, in der unsere Großeltern im Alter eine sichere
Rente und Gesundheitsfürsorge haben und ihre Enkel
wissen, daß wir die erforderlichen Reformen durchgeführt haben, um auch sie später in den Genuß
dieser Leistungen kommen zu lassen. Eine Nation,
die die weltweit produktivste Volkswirtschaft unterhält,

AMERIKA DIENST

während sie gleichzeitig den großen Naturreichtum
von Wasser, Luft und majestätischem Land schützt.
Und in diesem Land neuer Versprechungen werden
wir unsere Politik reformiert haben, so daß die Stimme
des Volkes immer lauter ist als der Lärm kleinlicher
Interessen. Die Bürger werden sich wieder an der
Politik beteiligen, und sie wird das Vertrauen aller
Amerikaner genießen.
Liebe Mitbürger, lassen Sie uns dieses Amerika
bauen, eine Nation, die sich der Realisierung des
vollen Potentials aller ihrer Bürger immer stärker
annähert. Wohlstand und Macht sind wichtig und
müssen bewahrt werden. Aber lassen Sie uns eines
nie vergessen: Der größte von uns erzielte und der
größte noch zu erzielende Fortschritt ist der des
menschlichen Herzens. Letzten Endes sind aller
Wohlstand der Welt und tausend Armeen der Stärke
und dem Anstand des menschlichen Geistes unterlegen.
Vor 34 Jahren hielt der Mann, dessen wir heute
gedenken, am anderen Ende dieser Mall eine Rede,
die die ganze Nation aufrüttelte. Wie ein Prophet aus
alten Zeiten sprach er über seinen Traum, daß sich
Amerika eines Tages erhebt und alle seine Bürger als
gleichberechtigt vor dem Gesetz und im Herzen
behandelt. Martin Luther Kings Traum war der Amerikanische Traum. Sein Streben ist unser Streben: Das
endlose Streben, unseren wahren Glauben zu leben.
Unsere Geschichte wurde auf solchen Träumen und
Mühen aufgebaut. Und mit unseren Träumen und
Mühen werden wir im 2 1 . Jahrhundert das Versprechen Amerikas erfüllen.
Ich verpflichte mich, hierzu meine ganze Energie und
die Kraft meines Amtes einzusetzen. Ich bitte die
Mitglieder des Kongresses, sich mir bei diesem
Bestreben anzuschließen. Das amerikanische Volk
hat den Präsidenten einer Partei und den Kongreß
einer anderen wiedergewählt. Zweifellos tat es das
nicht, um kleinliche Politik und extreme Parteilichkeit
zu fördern, die es ja kritisiert. Vielmehr fordert es uns
auf, den Bruch zu kitten und die Mission Amerikas
fortzusetzen.
Amerika verlangt uns große Dinge ab und verdient sie
auch - und alles Große war einmal klein. Erinnern wir
uns an die zeitlose Weisheit von Kardinal Bernardin,
der am Ende seines Lebens erklärte: "Es ist falsch,
das kostbare Geschenk der Zeit durch Bitterkeit und
Teilung zu vergeuden."
Meine amerikanischen Mitbürger, wir dürfen
kostbare Geschenk dieser Zeit vergeuden.
alle befinden uns auf der Reise des Lebens,
unsere Reise wird einmal beendet sein.
Reise Amerikas muß fortgesetzt werden.

nicht das
Denn wir
und auch
Aber die

Seite 3

�Daher, liebe Mitbürger, müssen wir stark sein, denn
das Risiko ist groß. Die Herausforderungen unserer
Zeit sind enorm und anders als früher. Wir wollen
ihnen mit Glauben und Mut, mit Geduld und einem
dankbaren, frohen Herzen begegnen. Lassen Sie uns
die Hoffnung dieses Tages in das edelste Kapitel
unserer Geschichte verwandeln. Lassen Sie uns
unsere Brücke bauen. Eine Brücke, die breit und fest
genug ist, damit jeder Amerikaner sie auf dem Weg in
ein gelobtes Land neuer Versprechungen überschreiten kann.

werden, von uns sagen können, daß wir unser geliebtes Land in ein neues Jahrhundert geführt haben, in
dem der Amerikanische Traum für alle Kinder wahr
wird - in dem das amerikanische Versprechen einer
perfekteren Union für alle Menschen Realität ist und
Amerikas helle Flamme der Freiheit auf der ganzen
Welt leuchtet.
Lassen Sie uns von diesem Ort und dem Höhepunkt
dieses Jahrhunderts aus die Reise fortsetzen. Möge
Gott uns für die vor uns liegende Arbeit stärken und
Amerika immer segnen.

Mögen die Generationen, deren Gesichter wir noch
nicht sehen und deren Namen wir vielleicht nie kennen

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST

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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

13.Januar 1997

01

AUSSENPOLITIK

USA BENOTIGEN "DIPLOMATIE ERSTER
KLASSE"
Anhörung von Madeleine Albright

NATO

DIE NEUE TRANSATLANTISCHE
PARTNERSCHAFT
Rede von Botschafter Hunter

PORTRAT

JANET L. YELLEN
Die designierte Vorsitzende des Rats der
Wirtschaftsberater
ALEXIS M. HERMAN
Die designierte Arbeitsministerin
RODNEY E. SLATER
Der designierte Verkehrsminister
ANDREW CUOMO
Der designierte Minister für Wohnungs- und
Städtebau

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AUSSENPOLITIK
15.Januar 1997

USA benötigen "Diplomatie erster Klasse"
Anhörung von Madeleine Albright

WASHINGTON - (AD) - Die designierte Außenministerin der Vereinigten Staaten, Madeleine Albright, erklärte bei
ihrer Anhörung im Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten am 8. Januar 1997, im Falle ihrer
Bestätigung werde es eine ihrer wichtigsten Aufgaben sein, eine "Diplomatie erster Klasse" aufzubauen, die nach
dem Zusammenbruch des Kommunismus einen neuen internationalen Rahmen schaffen kann. Nachfolgend
veröffentlichen wir den offiziellen Text der Rede von Madeleine Albright.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
es ist mir eine große Ehre und Freude, heute Morgen
hier zu sein. Zunächst einmal möchte ich dem Präsidenten für sein Vertrauen danken, das er durch die
Nominierung für dieses hohe und eine große Herausforderung darstellende Amt in mich gesetzt hat.
Ich bin Außenminister Christopher sehr dankbar für
seine freundlichen Einleitungsworte und die mir
während der letzten vier Jahre gebotene Gelegenheit
zu beobachten, wie ein geradliniger und entschlossener Diplomat vorgeht.
Und ich weiß sehr zu schätzen, daß dieser Ausschuß
so freundlich war, diese Anhörung umgehend anzuberaumen.
Herr Vorsitzender, wir haben mehr als die Hälfte des
Weges zwischen dem Zerfall der Sowjetunion und dem
Beginn eines neuen Jahrhunderts hinter uns gelegt.
Unsere Nation wird geachtet und lebt in Frieden.
Unsere Bündnisse sind stark. Unsere Wirtschaft
floriert. Und von den entfernten Gegenden Asiens
über die neuentstehenden Demokratien Zentraleuropas und Afrikas bis zur Gemeinschaft der Demokratien in unserer eigenen Hemisphäre - mit einer
vorübergehenden Ausnahme, dem Kuba unter Castro dienen amerikanische Institutionen und Ideale als
Beispiel für diejenigen, die Freiheit genießen oder
danach streben.
Das alles ist kein Zufall, und die weitere Entwicklung ist
keinesfalls unvermeidlich. Demokratische Prozesse
müssen nicht nur aufgebaut, sondern auch erhalten

AMERIKA DIENST 01

werden - durch die Führungsrolle der Vereinigten
Staaten. Und wir müssen unsere Führungsrolle
bewahren, wenn wir unsere Interessen weltweit
schützen wollen.
Täuschen Sie sich nicht - diese Interessen sind keine
geopolitischen Abstraktionen, sondern durchaus real.
Es ist von Bedeutung für unsere Kinder, ob sie in einer
Welt aufwachsen, in der die Gefahr durch Massenvernichtungswaffen auf das Mindestmaß herabgesetzt
wurde oder ob sie außer Kontrolle geraten können.
Es ist von Bedeutung für Millionen berufstätiger,
landwirtschaftlich tätiger oder investierender Amerikaner, ob die Weltwirtschaft weiterhin gute neue Arbeitsplätze und offene neue Märkte schafft, oder ob es
infolge von Fehlkalkulationen oder Protektionismus mit
ihr bergab geht.
Es ist von Bedeutung für unsere Familien, ob aus dem
Ausland weiterhin illegale Drogen in unser Land
gelangen.
Es ist von Bedeutung für ins Ausland reisende und im
Inland tätige Amerikaner, ob die Geißel des internationalen Terrorismus bekämpft wird.
Es ist von Bedeutung für unsere Arbeitnehmer und
Geschäftsleute, ob sie ungerechterweise zum Konkurrenzkampf mit Unternehmen gezwungen werden,
die faire Arbeitsnormen verletzen, die Umwelt zerstören oder durch Korruption anstatt durch Wettbewerb
Vertragsabschlüsse erzielen.

Seite 1

�Und es ist von Bedeutung für uns alle, ob wir - sei es
durch Unachtsamkeit oder Gleichgültigkeit - zulassen,
daß kleine Kriege sich zu großen entwickeln, die
unsere Sicherheit und Freiheit gefährden.
Um die Gefahren zu bekämpfen und die Chancen zu
ergreifen, müssen wir mehr sein als nur Zuschauer
oder Akteure. Wir müssen die Geschichte unseres
Jahrhunderts schreiben.
Vor einem halben Jahrhundert, nach der durch
Weltwirtschaftskrise, Holocaust und Krieg verursachten Zerstörung, reichte es nicht aus festzustellen, daß
das, wogegen wir ankämpften, gescheitert war.
Führende Politiker wie Truman, Marshall und Vandenberg waren zur Schaffung eines dauerhaften Friedens
entschlossen. Zusammen mit unseren Verbündeten
riefen sie verschiedene Institutionen für die Verteidigung der Freiheit, den Wiederaufbau der Volkswirtschaften, die Einhaltung der Gesetze und Wahrung
des Friedens ms Leben.

die Diplomatie verlassen und von unseren Diplomaten
die Vertretung unserer Interessen mit Können, Wissen
und Rückgrat erwarten.
Im Falle meiner Bestätigung wird eine meiner wichtigsten Aufgaben in der Zusammenarbeit mit dem
Kongreß bestehen um zu gewährleisten, daß wir über
die herausragende diplomatische Vertretung verfügen,
die unser Volk verdient und unsere Interessen verlangen. Das gibt es jedoch nicht umsonst. Wir
müssen die für die Aufrechterhaltung der amerikanischen Führungsrolle erforderlichen Investitionen
tätigen. Betrachten Sie sich, was auf dem Spiel steht.
Wir sprechen hier über ein Prozent unseres Bundeshaushalts, aber dieses eine Prozent könnte
entscheidend für 50 Prozent der Geschichte unseres
Zeitalters sein.

Heute reicht es für uns nicht aus festzustellen, daß der
Kommunismus gescheitert ist. Wir müssen weiterhin
an einem neuen - an die Herausforderungen des
neuen Jahrhunderts angepaßten - Rahmen bauen, der
unsere Bürger und Freunde schützt, unsere Werte
bekräftigt und unsere Zukunft sichert.

Bedauerlicherweise sind - wie Senator Lugar vor
kurzem darlegte - "unsere internationalen Operationen
unzureichend finanziert und personell unterbesetzt".
Er wies auch darauf hin, daß nicht nur unsere Interessen, sondern auch unsere Bestrebungen zum
Ausgleich des Haushalts Schaden nehmen würden,
wenn das amerikanische Disengagement zu "nuklearem Terrorismus, einem Handelskrieg, einer Energiekrise, einem größeren regionalen Konflikt... oder einer
anderen abwendbaren Katastrophe führen würde".

Dabei dürfen wir unsere Energien im Gegensatz zu
unseren Vorgängern nicht nur auf die Bekämpfung
einer einzigen bösartigen Ideologie richten. Wir sehen
uns einer Vielzahl von Bedrohungen gegenüber, von
denen einige so alt sind wie ethnische Konflikte,
andere so neu wie Briefbomben, manche so langfristig
wie die Erderwärmung, andere so gefährlich wie
Nuklearwaffen in den falschen Händen.

Herr Vorsitzender, wir sind die reichste, stärkste und
am meisten respektierte Nation der Welt. Wir sind
auch der größte Schuldner bei den Vereinten Nationen
und anderen internationalen Finanzinstitutionen. Wir
wenden einen geringeren Prozentsatz unseres
Wohlstands für die Unterstützung von Demokratie und
Wachstum in den Entwicklungsländern auf als jede
andere Industrienation.

Für den Umgang mit einer solchen Vielfalt von Bedrohungen benötigen wir ein breites Spektrum außenpolitischer Instrumente.

In den letzten vier Jahren hat das Außenministerium
die Zahl seiner Mitarbeiter um mehr als 2.000 verringert, Stellen heruntergestuft, mehr als 30 Botschaften
oder Konsulate geschlossen und die dringend benötigte Modernisierung von Infrastruktur und Kommunikationsdiensten aufgeschoben. Seit 1991 sind unsere
Auslandshilfeprogramme um 30 Prozent gekürzt
worden.

Aus diesem Grund müssen unsere Streitkräfte die am
besten geführten, am besten ausgebildeten, am besten
ausgerüsteten und am meisten respektierten der Welt
sein. Und Präsident Clinton sowie unsere führenden
Militärs haben zugesagt, daß das der Fall sein wird.
Aus diesem Grund benötigen wir eine Diplomatie
erster Klasse. Macht und die glaubwürdige Möglichkeit des Einsatzes von Gewalt sind für die Verteidigung
unserer vitalen Interessen und die Wahrung der
Sicherheit Amerikas unerläßlich. Aber Gewalt allein
kann ein stumpfes Werkzeug sein, das zur Lösung
vieler Probleme nicht in der Lage ist.

Man sagt, wir wären von einem Zeitalter, in dem die
Großen die Kleinen vernichten, zu einem Zeitalter
übergegangen, im dem die Schnellen die Langsamen
vernichten. Wenn das der Fall ist, befindet sich Ihr
Außenministerium mit seiner veralteten Technologie,
seinen ausgesetzten Wartungsarbeiten im Wert von
300 Millionen Dollar und seiner schrumpfenden Basis
an ausgebildetem Personal in Schwierigkeiten.

Um erfolgreich zu sein, müssen Macht und Diplomatie
einander ergänzen und sich gegenseitig verstärken.
Denn es wird viele Gelegenheiten an vielen Orten
geben, wo wir uns zum Schutz unserer Interessen auf

Im Falle meiner Bestätigung werde ich mich für die
Erfüllung meiner Pflicht einsetzen, effektive und
effiziente Außenpolitik zu machen. Ich werde mit
diesem Ausschuß und dem Kongreß daran arbeiten

Seite 2

AMERIKA DIENST 01

�sicherzustellen, daß die amerikanische Öffentlichkeit
den vollen Gegenwert für jeden Dollar an Steuergeldern bekommt. Ich möchte aber auch gewährleisten,
daß unsere Außenpolitik die Interessen des amerikanischen Volkes erfolgreich fördert und schützt.
Zusätzlich möchte ich mit Ihnen an der Fortsetzung
von Reformen sowie der Bezahlung unserer ausstehenden Beiträge an die Vereinten Nationen arbeiten
- einer Organisation, an deren Gründung die Amerikaner mitwirkten, die unsere Ideale widerspiegelt und
den Zielen Stabilität, Recht und Gesetz sowie internationaler Zusammenarbeit dient, die in unserem Interesse liegen.
Die Debatte über die angemessene Finanzierung
unserer Außenpolitik ist in Amerika nichts Neues. Sie
wurde immer wieder geführt - seit der Vorläufer
unseres heutigen Kongresses Ben Franklin nach Paris
schickte, über die Vorschläge zu Lend Lease und den
Marshallplan vor und nach dem Zweiten Weltkrieg bis
zum Beginn des SEED-Programms zur Unterstützung
osteuropäischer Demokratien und des Nunn-LugarProgramms vor wenigen Jahren. In jedem Fall war die
Geschichte eher auf Seiten derjenigen, die sich für ein
amerikanisches Engagement einsetzten als derjenigen, die behaupteten, wir könnten uns eine Führungsrolle nicht leisten.
Herr Vorsitzender, jeder Rahmen für eine amerikanische Führungsrolle muß Maßnahmen zur Kontrolle
der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und
Terror beinhalten, muß die Chancen für die Beilegung
gefährlicher regionaler Konflikte ergreifen, Amerika als
Mittelpunkt der expandierenden Weltwirtschaft erhalten
und die hehren Grundsätze von Demokratie, Recht
und Gesetz bewahren können.
Im Zentrum dieses Rahmens stehen jedoch unsere
wichtigsten Bündnisse und Beziehungen.
Diese
Bande halten nicht nur unsere Außenpolitik, sondern
das gesamte internationale System zusammen. Wenn
wir mit den anderen führenden Nationen kooperativ
zusammenarbeiten können, schaffen wir ein dynamisches Netz von Grundsätzen, Macht und Zielbewußtsein, das hohe Maßstäbe setzt und weltweiten
Fortschritt fördert. Das ist unsere Chance, denn im
Zeitalter nach dem Kalten Krieg ist große Machtpolitik
kein Nullsummenspiel.
Die transatlantische Partnerschaft
Ein herausragendes Beispiel ist die transatlantische
Partnerschaft.
Es ist eine zentrale Lektion dieses Jahrhunderts, daß
Amerika eine europäische Macht bleiben muß. Wir
haben ein Interesse an der europäischen Sicherheit,
weil wir die Instabilität vermeiden wollen, die fünf
Millionen Amerikaner in zwei Weltkriege auf der

AMERIKA DIENST 01

anderen Seite des Atlantiks hineinzog. Wir haben ein
Interesse an europäischer Demokratie, weil der Kalte
Krieg durch den Triumph der Freiheit beendet wurde.
Wir haben ein Interesse an europäischer Prosperität,
denn unser eigener Wohlstand ist abhängig von
Partnern, die offen für unsere Exporte, Investitionen
und Ideen sind.
Dank der Bestrebungen von Präsident Clinton und
Außenminister Christopher steht heute die amerikanische Führungsrolle in Europa auf solidem Boden.
Die europäischen Institutionen entwickeln sich in
Richtung eines Kontinents, der freier, geeinter und
friedlicher ist als zu jedem anderen Zeitpunkt in der
Geschichte.
Unsere wichtigsten bilateralen Beziehungen sind so
stark und widerstandsfähig wie eh und je, wenn auch
manchmal sehr lebhaft.
Das schreckliche Gemetzel in Bosnien hat geendet.
Die Partnerschaft für den Frieden hat die sicherheitspolitische Zusammenarbeit erweitert.
Und es gibt weitere Fortschritte bei politischen und
marktwirtschaftlichen Reformen in Zentraleuropa und
den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich Sie in diesem
Ausschuß oft um Ihre Unterstützung für unsere Vision
eines integrierten, stabilen und demokratischen
Europas bitten.
Beim Madrider NATO-Gipfel im Juli wird das Bündnis
die europäische Sicherheit erörtern, darunter die
Anpassung der NATO an neue Missionen und Strukturen, der Rahmen für verstärkte Konsultation und
Kooperation mit Rußland und die Erweiterung.
Ziel der Erweiterung ist es, für den Osten Europas das
zu tun, was die NATO vor 50 Jahren für den Westen
Europas leistete: Integration neuer Demokratien,
Überwindung alten Hasses, Aufbau von Vertrauen in
die wirtschaftliche Erholung sowie Abschreckung von
Konflikten.
Wer behauptet, es solle erst eine NATO-Erweiterung
geben, wenn eine militärische Bedrohung auftritt, trifft
nicht den Punkt. Die NATO ist nicht das Aufgebot
eines Sheriffs aus dem Wilden Westen, das erst im
Falle drohender Gefahr mobilisiert wird. Sie ist ein
dauerhaftes Bündnis, der Dreh- und Angelpunkt der
Stabilität, das verhindern soll, daß ernsthafte Bedrohungen überhaupt auftreten.
Wer sich Sorgen macht, die Erweiterung könnte
Europa spalten, dem sei gesagt, daß die NATO den

Seite 3

�alten Eisernen Vorhang nicht als seine Ostgrenze
erhalten kann und soll. Das war eine künstliche
Teilung, die stolzen Nationen aufgezwungen wurde,
von denen einige jetzt bereit sind, einen Beitrag zur
Sicherheit des Kontinents zu leisten. Die NATO muß
und will jeder europäischen Nation die Tür zur Mitgliedschaft offenhalten, die im Bündnis Pflichten übernehmen und zu seinen Zielen beitragen kann, während sie
gleichzeitig eine starke und dauerhafte Partnerschaft
mit allen Demokratien Europas aufbaut.

Und schließlich hängt die Zukunft von Stabilität und
Demokratie in Europa auch von der weiteren Umsetzung des Daytoner Abkommens ab.

Der Aufbau eines kooperativeren und integrierteren
Europas ist eines zahlreicher Themen, die Präsident
Clinton mit Präsident Jelzin während dessen Reise in
die Vereinigten Staaten im März erörtern wird. Ein
demokratisches Rußland kann und muß ein starker
Partner bei der Erlangung dieses gemeinsamen Ziels
sein.

Obwohl das Versprechen von Dayton noch nicht
vollständig erfüllt ist, hat sich während der letzten 13
Monate viel geändert. Die Kämpfe wurden eingestellt,
es fanden friedliche Wahlen statt, und nationale
demokratische Institutionen nehmen Gestalt an.

Wir wissen, daß Rußland sich immer noch inmitten
eines einschneidenden Übergangsprozesses befindet,
aber die Errungenschaften der letzten fünf Jahre sind
unumkehrbar. Trotz der Bedrohung durch Korruption
und Verbrechen haben offene Märkte und demokratische Institutionen Fuß gefaßt. Und im letzten Sommer
fanden die ersten wirklich demokratischen Wahlen
nationaler Politiker in Rußlands langer Geschichte
statt.
Präsident Jelzins Herausforderung in seiner zweiten
Amtszeit wird darin bestehen, die hinter den internen
Reformen stehende Dynamik wiederherzustellen und
Rußlands Integration in den Westen zu beschleunigen.
Wir haben großes Interesse an der Ermutigung dieses
großartigen Landes, seinen demokratischen Kurs zu
halten, die Souveränität seiner Nachbarn uneingeschränkt zu respektieren und gemeinsam mit uns das
gesamte Spektrum regionaler und globaler Fragen
anzugehen.
Unsere immer enger werdende Freundschaft mit einer
demokratischen Ukraine ist für die europäische
Integration ebenfalls von grundlegender Bedeutung.
Die Ukraine war der erste der neuen unabhängigen
Staaten, in dem die Machtübergabe von einer demokratisch gewählten Regierung an die nächste stattfand.
Und unter Präsident Kutschma hat sie ehrgeizige
Wirtschaftsreformen eingeleitet, die die Inflationsrate
senkten und den Zusammenbruch der Wirtschaft
verhinderten.
In unseren Beziehungen zu Rußland und zur Ukraine
gleichermaßen wird die binationale Kommission mit
Vizepräsident Gore als dem führenden amerikanischen Vertreter wertvolle Hilfe bei der Festsetzung
der Tagesordnung und der Erleichterung von Zusammenarbeit bei einem breiten Spektrum von
Unternehmungen bieten.

Seite 4

Obwohl die IFOR ihre militärischen Aufgaben in
Bosnien hervorragend erfüllt hat, ist noch mehr Zeit für
den wirtschaftlichen Wiederaufbau und den politischen
Heilungsprozeß erforderlich. Die SFOR verfolgt jetzt
das Ziel, die Zeit zu überbrücken, bis der Frieden
wirklich tragfähig ist.

Das ist großenteils auf die amerikanische Führungsrolle zurückzuführen. Jetzt besteht unser Plan darin, in
Zusammenarbeit mit unseren zahlreichen Partnern
diese Errungenschaften zu konsolidieren und darauf
aufzubauen.
Unsere Strategie besteht in einer
Verringerung der Notwendigkeit einer internationalen
Militärpräsenz, indem wir ein stabiles militärisches
Gleichgewicht herstellen, Rechts- und Gesetzesinstitutionen verbessern, mehr Menschen die sichere
Rückkehr in ihre Heimat ermöglichen und die Festnahme und strafrechtliche Verfolgung weiterer Kriegsverbrecher veranlassen.
Angesichts dieser dauerhaften Herausforderungen ist
es ermutigend zu sehen, daß der durch das Daytoner
Abkommen eingeleitete Prozeß historische Dimensionen hat.
Heute arbeiten in Bosnien praktisch alle europäischen
Nationen zusammen, um einer Region Stabilität zu
bringen, deren Konflikte Anfang dieses Jahrhunderts
den Kontinent zerrissen.
Das reflektiert eine deutliche Abkehr von den Einflußsphären und der Diplomatie des Kräfteausgleichs
der Vergangenheit sowie eine explizite Ablehnung der
auf ethnischer Zugehörigkeit basierenden Politik. Und
es bestätigt die Prämisse der Partnerschaft für den
Frieden, indem es das wachsende gemeinsame
Verständnis in Europa für die Herstellung eines
Gefühls der Sicherheit unter Beweis stellt.
Die mit IFOR und SFOR in Bosnien gewonnene
Erfahrung erhöht das Potential für die sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen der NATO und
nicht der NATO angehörenden Staaten Europas. In
Bosnien verteidigen sich Soldaten aus der NATO,
Rußland, Polen, der Ukraine, Rumänien und vielen
anderen Nationen gegenseitig und sind voneinander
abhängig. Unsere Herausforderung besteht darin,
diesen Geist auf andere gemeinsame Unternehmungen zu übertragen und ihn noch lange nach Abzug der
SFOR lebendig zu erhalten.

AMERIKA DIENST 01

�Die europäische Stabilität hängt großenteils von
fortgesetztem amerikanischen Engagement und der
Führungsrolle unseres Landes ab. Und die Geschichte zeigt, daß die europäische Stabilität auch für unsere
nationalen Interessen von lebenswichtiger Bedeutung
ist. Infolgedessen bleiben wir engagiert, werden
weiterhin führen, unsere Bündnisse stärken und mit
unseren demokratischen Partnern ein Europa aufbauen, in dem jede Nation frei und jede freie Nation
unser Partner ist.
Förderung von gegenseitiger
Wohlstand in Asien

Sicherheit

und

Herr Vorsitzender, Amerika muß eine europäische
Macht bleiben. Und wir müssen und werden auch eine
pazifische Macht bleiben.
Asien ist ein Kontinent, auf dem atemberaubende
wirtschaftliche Expansion und maßvolle, aber stetige
Bewegung in Richtung auf die Demokratie stattfindet.
Seine Wirtschaftskraft stärkt die unsere und ist einer
der Gründe für das vitale Interesse, das wir an seiner
Sicherheit haben. Schließlich handelt es sich hier um
ein Gebiet, in dem Amerika während der letzten sechs
Jahrzehnte drei Kriege führte und in dem 100.000
amerikanische Soldaten stationiert sind.
Präsident Clinton hat diese dynamische Region oben
auf unsere Tagesordnung gesetzt, und ich plane, ihren
Versprechungen und Gefahren einen Großteil meiner
Aufmerksamkeit zu widmen.
Unsere dortigen Prioritäten liegen in der Stärkung
unserer wichtigsten Bündnisse sowie der gleichzeitigen erfolgreichen Pflege unserer facettenreichen
Beziehungen zu China.
Aufgrund unseres Engagements für die regionale
Sicherheit haben wir unsere vornestationierte Militärpräsenz im Westpazifik beibehalten. Wir ermutigen
regionale Bestrebungen zur gewaltlosen Beilegung
territorialer oder anderer Streitigkeiten. Wir arbeiten
hart an der Öffnung von Märkten für amerikanische
Produkte und Dienstleistungen - sowohl bilateral als
auch im Rahmen des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC). Diese Frage
machte Präsident Clinton zu einem Thema der Gipfeltreffen. Wir erweitern unsere diplomatischen und
sicherheitspolitischen Beziehungen zu Südostasien,
der Heimat der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Und wir werden weiterhin die
Achtung der international anerkannten Menschenrechte und die Ausbreitung der Freiheit fördern.
Unsere engsten und weitreichendsten bilateralen
Beziehungen in der Region unterhalten wir zu Japan,
mit dem wir unser Bündnis nachdrücklich bekräftigten.

AMERIKA DIENST 01

Wir halten mit Japan regelmäßige Konsultationen über
ein breites Spektrum außenpolitischer Fragen ab - von
Sicherheit in Asien bis zu Entwicklung in Afrika. Wir
wissen die großzügige finanzielle Unterstützung des
Landes für Friedensbestrebungen von Bosnien bis
zum Nahen Osten zu würdigen. Und wir arbeiten mit
Japan und einem weiteren geschätzten Verbündeten,
der Republik Korea, an der Umsetzung des Rahmenabkommens über das Einfrieren der Entwicklung von
Nuklearwaffen in Nordkorea zusammen. In den letzten
Wochen haben wir mit Seoul erfolgreich am Abbau der
Spannungen, der Bekräftigung des nuklearen Einfrierens und der Verbesserung der Dialogsaussichten
auf der Halbinsel zusammengearbeitet.
Ich würde mich freuen, im Falle meiner Bestätigung
sowohl Japan als auch der Republik Korea möglichst
bald einen Besuch abstatten zu können.
Ferner sehe ich dem bevorstehenden Besuch des
chinesischen Außenministers bei uns erwartungsvoll
entgegen.
Starke bilaterale Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China sind erforderlich, um die
Zusammenarbeit auszuweiten, das Potential für
Mißverständnisse zu verringern und Chinas Entwicklung zu einem verantwortungsbewußten Mitglied der
internationalen Staatengemeinschaft zu ermutigen.
Um Fortschritte zu machen, müssen unsere beiden
Länder auf der Grundlage gegenseitiger Offenheit
miteinander umgehen. Wir haben wichtige Differenzen, insbesondere bei Handel, Waffenlieferungen und
Menschenrechten, einschließlich Tibet.
Wir sind
besorgt über die chinesische Politik gegenüber
Hongkong. Obwohl wir an unserer Politik festhalten,
daß es nur ein China gibt, werden wir starke inoffizielle
Beziehungen zu Taiwan pflegen. Wir haben jedoch
auch viele gemeinsame Interessen, und wir haben bei
mehreren Fragen zusammengearbeitet, einschließlich
der koreanischen Halbinsel, Verbrechensbekämpfung,
Umweltschutz und Nuklearversuchen.
Die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber China
wird im Kongreß und im amerikanischen Volk seit
langem kontrovers diskutiert. Es bestehen Meinungsverschiedenheiten über ein angemessenes Gleichgewicht zwischen verschiedenen Elementen dieser
Politik. Es sollte jedoch kein Zweifel an der Bedeutung
dieser Beziehungen und der Notwendigkeit einer auf
Integration, nicht Isolation Chinas abzielenden Politik
bestehen.
Präventive Verteidigung
tödlicher Waffen

durch

die

Kontrolle

Der Kalte Krieg mag vorüber sein, aber die Bedrohung
unserer Sicherheit durch nukleare und andere Massenvernichtungswaffen ist nur verringert, nicht beendet

Seite 5

�worden. Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung sind
weiterhin ein wesentliches Element unserer Außenpolitik.
Unter unserer Führung ist viel erreicht worden.
Russische Raketen sind nicht länger auf unsere
Häuser gerichtet. Aus Belarus, Kasachstan und der
Ukraine wurden die Nuklearwaffen abgezogen, und die
letzten Raketensilos werden mit Sonnenblumen
bepflanzt. Die Nuklearkapazitäten des Irak wurden
verringert, die Nordkoreas eingefroren. Der Nichtverbreitungsvertrag wurde unbegrenzt und bedingungslos
verlängert. Ein umfassendes Verbot von Atomtests
wurde verabschiedet, und bald wird ein Verbot von
Chemiewaffen in Kraft treten.
Herr Vorsitzender, diese Bestrebungen zur Verringerung der Ausbreitung und Zahl von Massenvernichtungswaffen tragen zu dem bei, was Verteidigungsminister Perry als "präventive Verteidigung"
bezeichnet. Sie zielen auf die Wahrung der Sicherheit
aller Amerikaner ab. Wir wollen damit nicht anderen
einen Gefallen tun, sondern unterstützen unsere
eigenen nationalen Interessen. Aber Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung sind eine noch nicht
beendete Aufgabe, zu deren Fortsetzung wir Ihre Hilfe,
die dieses Ausschusses und des Senats benötigen.
Erstens werden wir Sie um Ihre Zustimmung zur
Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention vor ihrem
Inkrafttreten Ende April ersuchen.
Wie dieser Ausschuß weiß, wurde die CW-Konvention
unter Präsident Reagan in die Wege geleitet und unter
Präsident Bush ausgehandelt. Sie wird von vielen in
beiden Parteien, von Unternehmen und unserem
Militär unterstützt. Die CW-Konvention ist kein Allheilmittel, aber sie wird es verbrecherischen Staaten und
anderen, die unseren Interessen gegenüber feindlich
gesinnt sind, erschweren, Chemiewaffen zu entwickeln
oder zu beschaffen. Herr Vorsitzender, ich hoffe auf
unsere Zusammenarbeit, um diesen Vertrag rechtzeitig
zu verabschieden, damit die Vereinigten Staaten
Gründungsmitglied sein können.
Wir werden auch Ihre baldige Zustimmung zum KSEFlankenabkommen anstreben, das für den KSEVertrag unerläßlich ist, der wiederum in hohem Maße
zur europäischen Sicherheit beiträgt.
In Übersee werden wir mit Rußland zusammenarbeiten, um die unverzügliche Ratifizierung des
START Il-Vertrags durch die Duma sicherzustellen und
dann weitere Reduzierungen und Begrenzungen
strategischer Nuklearwaffen anzustreben.
Wir werden auch die Bestrebungen fortsetzen, um die
Forderung von Präsident Clinton nach Verhandlungen
zu erfüllen, die zu einem weltweiten Verbot des
Einsatzes, der Lagerung, Herstellung und des Trans-

Seite 6

fers von Antipersonenminen führen.
Die durch
Mißbrauch von Landminen verursachten humanitären
Probleme können nur auf globaler Basis bewältigt
werden. Im September erklärte der Präsident vor der
UN-Generalversammlung, "unsere Kinder haben
Anspruch darauf, auf sicherem Boden gehen zu
können". Dies wird in den nächsten vier Jahren ein
wichtiges Rüstungskontrollziel sein.
Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung sind eng mit
unserer Politik gegenüber verbrecherischen Staaten
verbunden. Wir haben großes Interesse zu verhindern, daß Massenvernichtungswaffen von Regimen
mit erwiesener Mißachtung der Rechtsstaatlichkeit
beschafft werden. Entsprechend werden wir weiterhin
auf die Verbesserung der Sicherheit hinarbeiten und
das Abzweigen von spaltbarem Material verhindern.
Wir lehnen den Verkauf oder Transfer von modernen
Waffen oder Technologien an den Iran nach wie vor
vehement ab. Und wir werden auf der Beibehaltung
strenger Sanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak bestehen, bis das Regime die entsprechenden Resolutionen des Sicherheitsrats erfüllt.
Tatkräftige Diplomatie zur Unterstützung des
Friedens
Herr Vorsitzender, die angemessene Rolle der Vereinigten Staaten bei der Beendigung von Konflikten
und der Reaktion auf Krisen in Übersee ist eingehend
erörtert worden, nicht nur in unserer Zeit, sondern im
gesamten Verlauf der amerikanischen Geschichte.
Weil wir einzigartige Fähigkeiten und beispiellose
Macht haben, ist es natürlich, daß andere sich in
Notfällen an uns wenden. Wir haben zahllose Chancen, auf der ganzen Welt zu handeln. Aber wir haben
weder unbegrenzte Ressourcen noch unbegrenzte
Verantwortung. Wenn wir unsere eigenen Interessen
schützen und unsere Glaubwürdigkeit bewahren
wollen, müssen wir unser jeweiliges Engagement
sorgfältig abwägen und sowohl selektiv als auch
diszipliniert bei unseren vereinbarten Einsätzen
vorgehen.
In Anbetracht dieser Tatsache haben wir einen starken
Anreiz, andere Mechanismen zur Reaktion auf Notfälle
und Konflikte zu stärken, darunter die Vereinten
Nationen und regionale Organisationen. Wir sollten
eng mit dem gesamten Netz öffentlicher und nichtstaatlicher Organisationen zusammenarbeiten, um die
humanitären und anderen Kosten natürlicher und vom
Menschen verursachter Katastrophen vorherzusehen,
zu verhindern, einzudämmen und zu minimieren. Und
wir sollten darauf bestehen, daß andere Nationen, die
dazu in der Lage sind, den ihnen angemessenen
finanziellen, technischen und - wenn nötig - militärischen Beitrag leisten.

AMERIKA DIENST 01

�Die oberste Verpflichtung der Vereinigten Staaten
besteht gegenüber ihren eigenen Bürgern. Wir sind
keine Wohltätigkeitsorganisation oder eine Feuerwehr.
Wir werden entschieden unsere eigenen lebenswichtigen Interessen verteidigen.
Wir sind uns jedoch bewußt, daß unsere Interessen
und die unserer Verbündeten auch durch regionale
oder Bürgerkriege und ein Machtvakuum betroffen sein
könnten - das sich Kriminelle und Terroristen zum Ziel
nehmen - sowie durch entsetzliches menschliches
Leid und Bedrohungen der Demokratie. Präsident
Clinton hat vor kurzem erklärt: "Die Vereinigten
Staaten können und sollten nicht versuchen, jedes
Problem zu lösen, aber wo unsere Interessen klar sind,
unsere Werte auf dem Spiel stehen und wir etwas
bewirken können, müssen wir handeln und eine
Führungsrolle übernehmen."
Während der vergangenen vier Jahre haben die
Vereinigten Staaten unter der Führung von Präsident
Clinton und Außenminister Christopher in historisch
krisengeschüttelten Regionen der Welt unerschütterlich die Friedensstifter gegen die Bombenleger unterstützt. Unser Ziel war die Schaffung eines Umfelds, in
dem Bedrohungen unserer Sicherheit und der unserer
Verbündeten sowie die Wahrscheinlichkeit der Entsendung amerikanischer Streitkräfte in einen Kampf
verringert sind.
Wir sind uns bewußt, daß weder die Vereinigten
Staaten noch irgendeine andere Macht von außen in
den meisten dieser Situationen eine Lösung aufzwingen kann. Aber wir können es den Friedenssuchenden erleichtern, die zur Erlangung dieses Friedens
erforderlichen Risiken zu übernehmen.
Während der Vorbereitung dieser Rede hat die
kontinuierliche Diplomatie der Vereinigten Staaten im
Nahen Osten zu einem neuen Dialog zwischen Israel
und seinen palästinensischen Partnern beigetragen
und bemerkenswerte Fortschritte beim Abzug der
Israelis aus Hebron erzielt.
Obwohl ein Abkommen noch nicht in greifbare Nähe
gerückt ist, haben die von uns während der vergangenen drei Monate geführten intensiven Verhandlungen einschließlich persönlicher Gespräche zwischen
Ministerpräsident Netanjahu und PLO-Führer Arafat eine gewisse Dynamik und größeres Vertrauen
zwischen den beiden Seiten wiederhergestellt. Dieser
Prozeß begann während des von Präsident Clinton im
Oktober letzten Jahres anberaumten Gipfeltreffens in
Washington und wurde durch unser tatkräftiges
diplomatisches Engagement bewahrt und vorangebracht.
Ministerpräsident Netanjahu und PLO-Chef Arafat
haben gegenüber Präsident Clinton ihre Entschlossenheit zur Fortsetzung ihrer gemeinsamen Bestrebungen

AMERIKA DIENST 01

für den Frieden bekräftigt. Die Vereinigten Staaten
werden dabei an ihrer Seite stehen.
Heute gibt es zwei konkurrierende Visionen im Nahen
Osten. Eine konzentriert sich auf das Leid und die
Tragödien der Vergangenheit, die andere auf die
Möglichkeiten der Zukunft. Ein Abkommen über
Hebron würde als Katalysator dienen und die Verfechter des Friedens stärken. Unter der Führung des
Präsidenten beabsichtigen wir, auf allen Ebenen
entschieden vorzugehen, um einen sicheren, umfassenden und dauerhaften Frieden zwischen Israel und
seinen arabischen Nachbarn zu realisieren.
Im gesamten Verlauf dieses Prozesses werden wir
vom unerschütterlichen Engagement der Vereinigten
Staaten für die Sicherheit Israels und unserem Widerstand gegen diejenigen geleitet sein, die diesen
Prozeß durch Terroranschläge und Gewalt stören
wollen.
Außenminister Christopher verläßt sein Amt nach vier
Jahren historischer Fortschritte bei der Erleichterung
des Friedens im Nahen Osten. Er wird vermißt
werden, und ich werde der Verpflichtung des USAußenministeriums zu einer aktiven Rolle der Vereinigten Staaten in diesem seit so langem von Krisen
geschüttelten und strategischen Teil der Welt weiterhin
nachkommen.
Auch in Zypern sind seit langem bestehende Meinungsverschiedenheiten nach wie vor ungelöst. 1996
kamen die Parteien einer endgültigen Entscheidung
über den Status der Insel nicht näher. Darüber hinaus
haben beunruhigende gewalttätige Zwischenfälle das
Klima für Verhandlungen beeinträchtigt und gleichzeitig
ihre Dringlichkeit unterstrichen. Die Kontroverse hier
und ähnliche Differenzen zwischen unsere beiden
NATO-Verbündeten Türkei und Griechenland betreffen
die europäische Stabilität und unsere vitalen Interessen. Entsprechend sind wir in diesem neuen Jahr
bereit, eine größere Rolle bei der Förderung einer
Lösung für Zypern zu übernehmen, aber damit eine
Initiative Früchte tragen kann, müssen die Parteien
Schritten zustimmen, die Spannungen abbauen und
direkte Verhandlungen möglich machen.
In Nordirland fühlen wir uns durch die Aufnahme von
Mehrparteiengesprächen ermutigt, sind jedoch
enttäuscht über den Mangel an Fortschritten und
verurteilen die erneuten Gewaltakte der IRA aufs
Schärfste. Wir werden weiterhin mit der irischen und
der britischen Regierung sowie den betroffenen
Parteien zusammenarbeiten, um zu substantiellen
Fortschritten bei den Gesprächen beizutragen. Wir
stellen fest, daß der ehemalige Senator George
Mitchell, der den Vorsitz der Mehrparteiengespräche
führt, entscheidend an den erzielten Fortschritten
beteiligt war.

Seite 7

�Am Vorabend des 50. Jahrestages der Unabhängigkeit
von Indien und Pakistan werden wir erneut die Aussichten für einen Abbau der Spannungen prüfen, die
seit langem zwischen diesen beiden Freunden der
Vereinigten Staaten bestehen.
Wir haben eine Fülle von Sachwerten in dieser Region
und sind besonders besorgt über den regionalen
Rüstungswettlauf und die nukleare Weiterverbreitung.
Sowohl Indien als auch Pakistan sollten wissen, daß
wir alles in unserer Macht Stehende unternehmen
werden, um die Beziehungen der beiden Länder zu
uns zu stärken und bessere Beziehungen zwischen
ihnen zu ermutigen. Von beiden Ländern erwarten wir,
daß sie Aktionen vermeiden, die als Provokation des
anderen beabsichtigt sind.
Ein weiterer durch die Geschichte und Geographie
bedingter Disput besteht zwischen Armenien, Aserbaidschan und Nagorny-Karabach. Die gute Nachricht
ist, daß der Waffenstillstand jetzt seit über zwei Jahren
hält. Die schlechte Nachricht ist, daß die Fortschritte
unter dem Minsk-Prozeß der OSZE quälend langsam
erzielt werden. Wir haben sehr beträchtliche wirtschaftliche, politische und humanitäre Interessen in
dieser Region und sind bereit, eine maßgeblichere
Rolle bei einer Lösung zu spielen. Ein Schritt, den der
Kongreß zur Erhöhung unseres Einflusses unternehmen sollte, wäre die Aufhebung der Restriktionen für
nichtmilitärische Hilfe für Aserbaidschan bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Unterstützung unseres
großzügigen Hilfsprogramms in Armenien.
In Zentralafrika versuchen wir mit den regionalen
Politikern und unseren Verbündeten zu verhindern,
daß die immer noch instabile Situation zu einer noch
größeren Tragödie eskaliert.
Wir ermutigen die
Rückführung der restlichen ruandischen Flüchtlinge
und sind bei ihrer Reintegration in die ruandische
Gesellschaft behilflich. Mit den Bestrebungen des
Sondergesandten Howard Wolpe fördern wir einen
Dialog zwischen den gegnerischen Parteien in Burundi. Und wir unterstützen ein Ende des Konflikts in
Zaire auf der Grundlage der Anerkennung der territorialen Integrität Zaires und vollständiger Respektierung
der Menschenrechte.
Herr Vorsitzender, ich habe Afrika im vergangenen
Jahr besucht. In Ruanda, in der wunderschönen
Region, wo der Film "Gorillas im Nebel" gedreht wurde,
gibt es eine alte Steinkirche. Neben dieser Kirche
arbeiten Amerikaner und andere Freiwillige mit kleinen
Bürsten, um die Gebeine der 1994 dort ermordeten
Menschen zu reinigen und zusammenzufügen. Unter
den Hunderten von Skeletten fiel mir eines auf, das nur
ungefähr 50 cm lang war - in etwa die Größe meines
kleinen Enkels.
Man sagt, Außenpolitik sollte nicht von Emotionen
geleitet sein. Das ist richtig. Aber wir sollten uns vor

Seite 8

Augen führen, daß ermordete Kinder keine Emotionen
sind - sie sind menschliche Geschöpfe, deren potentieller Beitrag für immer verloren ist. Amerika hat
ebenso wie alle zivilisierten Menschen ein Interesse,
wo immer möglich zu handeln, um Genozid zu verhindern und abzulehnen.
Ein praktischer Schritt, den wir unternehmen können,
ist die Verbesserung der Fähigkeit der afrikanischen
Länder, sich erfolgreich für friedenssichernde Bestrebungen innerhalb ihrer Region zu engagieren. Das ist
der Zweck der von der Administration im Herbst
vergangenen Jahres vorgeschlagenen Reaktionstruppe auf afrikanische Krisen. Dieser Vorschlag hat
beträchtliches Interesse sowohl innerhalb als auch
außerhalb der Region hervorgerufen. Mit der Unterstützung des Kongresses wird ihm im kommenden
Jahr Priorität eingeräumt.
Führungsrolle für eine globale Wirtschaft
Die Clinton-Administration hat in diesen vergangenen
vier Jahren außergewöhnlichen Erfolg bei der Schaffung von Arbeitsplätzen für Amerikaner im Inland durch
die Öffnung von Märkten im Ausland erzielt. Die über
200 vereinbarten Handelsabkommen haben zu einem
Zuwachs unserer Exporte um 34 Prozent seit 1993
geführt und 1,6 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Durch die Verabschiedung des NAFTA, den
Abschluß der Uruguay-Runde des GATT und das beim
Gipfeltreffen von Miami eingegangene Versprechen,
bis zum Jahr 2005 freien und offenen Handel in
unserer Hemisphäre herbeizuführen, sowie die APECVerpflichtung, bis 2020 dasselbe in der asiatischpazifischen Region zu bewirken, hat der Präsident die
Vereinigten Staaten zu einem noch dynamischeren
Dreh- und Angelpunkt der globalen Wirtschaft im 21.
Jahrhundert gemacht.
Als Außenministerin würde ich alles in meiner Macht
Stehende tun, damit diese Dynamik anhält. Ich habe
bereits mit Finanzminister Rubin, dem designierten
Wirtschaftsminister Bill Daley und der designierten
Handelsbeauftragten Charlene Barshefsky gesprochen. Im Falle unserer Bestätigung beabsichtigen wir
als Team zu arbeiten - Amerikas Team. Und wir
beabsichtigen, ein sehr entschlossenes Team zu sein.
Der Wettbewerb auf den Märkten der Welt ist hart.
Häufig liegen unsere Firmen Kopf an Kopf mit ausländischen Konkurrenten, die von ihren Regierungen aktiv
unterstützt werden. Eine Hauptverantwortung des
Außenministeriums ist darauf zu achten, daß die
Interessen amerikanischer Unternehmen und Arbeitnehmerfair behandelt und ungerechte Hemmnisse für
Wettbewerb überwunden werden.
Entsprechend
stehen die Türen des Außenministeriums und unserer
Botschaften auf der Welt für amerikanische Geschäftsleute offen - und werden offen bleiben -, die ihre Ideen
vermarkten wollen und um unsere Hilfe bitten.

AMERIKA DIENST 01

�In den kommenden Jahren müssen wir weiterhin ein
globales Wirtschaftssystem schaffen, das für Amerika
arbeitet. Weil unsere Menschen so produktiv und
erfindungsreich sind, werden wir bei jedem echten
Wettbewerb Erfolg haben. Die Aufrechterhaltung des
gerechten Systems erfordert jedoch konstante Anstrengungen. Die Erfahrung lehrt uns, daß es immer
einige geben wird, die einen Vorteil erzielen wollen,
indem sie den Zugang zu unseren Produkten verweigern, Produktpiraterie bei unseren urheberrechtlich
geschützten Waren begehen oder uns durch Ausbeutungsbetriebe unterbieten.

Fülle gemeinsamer Anliegen teilen, darunter Kriminalität, Drogen, Einwanderung und die Umwelt.

Aus diesem Grund wird unsere Diplomatie weiterhin
einen hohen Standard bei den Arbeitsbedingungen,
der Umwelt und Unternehmenspraktiken betonen.
Und aus diesem Grund werden wir auf ein Handelssystem hinarbeiten, das faire Regeln einführt und
durchsetzt.

Wir wissen jedoch, daß der Hauptantrieb für die
Entwicklung dort wie überall vom Privatsektor kommen
muß.

Obwohl wir nach wie vor eng mit unseren G-7-Partnern
zusammenarbeiten, sind die Vorteile der wirtschaftlichen Integration und erweiterten Handels nicht auf die
meisten Industrienationen begrenzt und sollten dies
auch nicht sein. Insbesondere heute, da unser
bilaterales Auslandshilfeprogramm gekürzt wird, sind
Wirtschaftsinitiativen des öffentlichen und Privatsektors
überall ein wichtiger Bestandteil unserer Außenpolitik.
Wir können auch Ressourcen effektiv einsetzen,
indem wir mit den internationalen Finanzinstitutionen
zusammenarbeiten und sie unterstützen.
In Lateinamerika, einer Region von Demokratien,
werden wir auf den gesamtamerikanischen Gipfel von
1994 aufbauen, um die Rechts- und andere politische
Institutionen zu stärken sowie einen höheren Lebensstandard durch freien Handel und wirtschaftliche
Integration zu fördern. Ich freue mich, daß wir bei
diesen Bestrebungen die Hilfe des neuen designierten
Sondergesandten für Gesamtamerika, Mack McLarty,
haben.
Obwohl es noch sehr viel Armut gibt, wurden in vielen
Teilen der Hemisphäre durch Wirtschaftsreformen,
verstärkten Handel, niedrige Inflation und höhere
Auslandsinvestitionen substantielle Fortschritte erzielt.
Wir sind der Auffassung, daß durch ein Abkommen
über eine Freihandelszone für Gesamtamerika bis zum
Jahr 2005 weitere Fortschritte erzielt werden können,
die für uns und unsere Partner in der Hemisphäre von
Vorteil sind. Wir räumen auch dem baldigen Beitritt
Chiles zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen unter gleichen Bedingungen sowie der Erweiterung von dem NAFTA entsprechenden Arrangements
auf Zentralamerika und die Karibik hohe Priorität ein.
In unserer unmittelbaren Umgebung ermutigen wir
andauernde wirtschaftliche und politische Reformen in
Mexiko, einem Land, mit dem wir eine gemeinsame
Grenze von 3.400 Kilometern Länge haben und eine

AMERIKA DIENST 01

In Afrika verbessert sich die generelle wirtschaftliche
Perspektive, aber erschreckende Probleme wie
Verschuldung, Streitigkeiten, Umweltzerstörung und
unzureichende Investitionen bestehen weiterhin.
Es liegt in unserem Interesse, den Politikern der
Region bei der Überwindung dieser Probleme behilflich
zu sein und ein Afrika aufzubauen, das wohlhabender,
demokratischer und stabiler ist.

Daher ist es ermutigend, daß viele afrikanische
Regierungen Wachstum durch Maßnahmen erleichtern, die es Privatunternehmen gestatten, das Ruder
zu übernehmen, während sie gleichzeitig klug in
Bildung, Gesundheitswesen und Projekte zur Verbesserung der Chancen für Frauen investieren.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich große Betonung
auf die Zusammenarbeit mit den demokratischen
Politikern Afrikas legen, um diese Trends zu erweitern
und zu vertiefen. Insbesondere werden wir auf die
Integration Afrikas in die Weltwirtschaft hinarbeiten,
uns an Bestrebungen zur Erleichterung der Schuldenlast beteiligen und den Ländern, die dafür in Frage
kommen, wo wir können mit gezielten bilateralen
Hilfsprogrammen helfen.
Förderung der Freiheit
Rechtsstaatlichkeit

und Erweiterung der

Herr Vorsitzender, der Vertreter einer ausländischen
Macht hat einmal gesagt, sein Land haben keine
permanenten Verbündeten, nur permanente Interessen.
Von Amerika könnte man sagen, daß das Land keine
permanenten Feinde, sondern nur permanente
Prinzipien hat.
Diese Prinzipien gründen auf der Respektierung der
Gesetze, menschlichen Würde und Freiheit, nicht nur
für einige, sondern für alle Menschen.
Sollte ich bestätigt werden, kann ich Ihnen versichern,
daß die Vereinigten Staaten nicht zögern werden, die
Verletzung international anerkannter Menschenrechte
offen anzusprechen, unabhängig davon, ob sie in
Kuba oder Afghanistan, Burma, Belgrad oder Peking
stattfindet.
Wir werden mit anderen zusammenarbeiten, um die
Kräfte des internationalen Verbrechens zu bekämpfen

Seite 9

�und die Drogenhändler für immer aus dem Geschäft zu
vertreiben.
Wir werden einen harten Kurs gegen internationalen
Terror verfolgen und auf dem Prinzip bestehen, daß es
nicht gerechtfertigt werden kann, Terroristen zu
unterstützen oder ihnen Zuflucht zu gewähren. Es ist
falsch. Und den Schuldigen sollte nicht applaudiert,
sondern sie sollten isoliert und bestraft werden.
Wir werden unsere starke Unterstützung des internationalen Kriegsverbrechertribunals für Ruanda und den
Balkan fortsetzen, weil wir der Überzeugung sind, daß
die der ethnischen Säuberung Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden sollten, und diejenigen, die
Vergewaltigung nur als eine weitere Kriegstaktik
ansehen, für ihre Verbrechen einstehen müssen.
Und wir werden weiterhin Demokratie fördern und
befürworten, weil wir wissen, daß Demokratie ein Vater
des Friedens und die Amerikanische Verfassung noch
immer die revolutionärste und anregendste Quelle für
Wandel in der Welt ist.

größte Herausforderungen und Chancen erachte, mit
denen wir uns in den nächsten vier Jahren konfrontiert
sehen. Zweifelsohne haben wir viel zu tun.
Ich könnte Ihnen sagen, daß ich immer die Ambition
hatte, Außenministerin der Vereinigten Staaten zu
werden. Aber das stimmt nicht. Offen gesagt, habe
ich nicht gedacht, daß es möglich wäre.
Ich kam mit 11 Jahren nach Amerika. Meine Familie
kam hierher, um dem Kommunismus zu entfliehen und
Freiheit zu finden - und das haben wir. Meine Ambition
zu jener Zeit war nur, gut Englisch zu sprechen, meine
Eltern zu erfreuen, hart zu lernen und aufzuwachsen,
um Amerikanerin zu sein.
Die Zeitung in Denver, wo wir lebten, hatte folgendes
Motto: "Es ist ein Privileg, in Colorado zu leben."
Mein Vater pflegte dieses Motto in regelmäßigen
Abständen zu wiederholen, fügte aber häufig eine
kleine Mahnung hinzu: "Kinder", sagte er, "vergeßt nie,
daß es auch ein Privileg ist, in den Vereinigten Staaten
zu leben."

Die Umwelt
Abschließend, Herr Vorsitzender, möchte ich klarstellen, daß ich im Falle meiner Bestätigung auf
Außenminister Christophers kluge Entscheidung
aufbauen möchte, Umweltbelange in unsere Außenpolitik einzubeziehen.
In den vergangenen Jahren bin ich in nahezu jede
Region der Welt gereist. Ich habe die durch Überentwicklung verursachte drängende Fülle und die
Entwaldung gesehen, die entsteht, wenn zunehmende
Populationen um abnehmende natürliche Ressourcen
kämpfen. Ich habe die Luft smogbelasteter Städte
gerochen, wo die durch moderne Technologien
ermöglichten Umwelttechniken noch nicht angewandt
werden.
Die Bedrohungen, denen wir uns durch Umweltzerstörung gegenübersehen, sind nicht so spektakulär
wie die durch die Bombe eines Terroristen oder eine
gegnerische Rakete. Aber sie betreffen direkt die
Gesundheit, Sicherheit und Lebensqualität von
Familien überall auf der Welt. Wir können wählen, ob
wir bei der Reaktion auf diese Bedrohungen passiv
bleiben und die harte Arbeit unseren Kindern überlassen, oder jetzt aktiv und vorausschauend sind. Ich
habe mich für den letzteren Kurs entschieden, und
werde nicht zögern, die Unterstützung des Kongresses
und der Öffentlichkeit dafür zu gewinnen.
Schlußbemerkung
Verehrte Ausschußmitglieder, ich fühle mich zutiefst
geehrt, heute hier sein zu dürfen. Ich habe einiges,
aber bei weitem nicht alles dargelegt, was ich als

Seite 10

Lange nachdem ich mein Zuhause verlassen hatte, rief
meine Mutter immer am 4. Juli an, um meine Kinder ihre Enkel - zu fragen: "Sagt mir, singt Ihr patriotische
Lieder?"
Senatoren, Sie auf Ihrer Seite des Tisches und ich auf
meiner haben eine einzigartige Chance, Partner bei
der Schaffung eines neuen und dauerhaften Rahmens
für eine amerikanische Führungsrolle zu sein. Einer
meiner Vorgänger, Dean Acheson, schrieb darüber,
bei der Schaffung eines neuen Zeitalters dabei zu sein.
Sie und ich stehen vor der Herausforderung und
haben die Verantwortung, das neueste Kapitel unserer
Geschichte mitzuverfassen.
Dabei sollten wir uns vor Augen führen, daß es keine
Seite im amerikanischen Buch der Geschichte - auf die
wir stolz sind - gibt, die von einem chronischen Nörgler
oder einem Niedergangspropheten geschrieben
wurde.
Wir sind Macher.
Indem wir der Versuchung der Isolation widerstehen
und Seite an Seite mit denen auf der Welt stehen, die
unsere Werte teilen, werden wir unsere eigenen
Interessen voranbringen, unsere besten Traditionen
ehren und versuchen, daß ein Gebet erhört wird, das
viele Jahre lang in zahlreichen Sprachen gesprochen
wurde, entsprechend der unterschiedlichen Sitten, als
Antwort auf ein gemeinsames Streben.
Dieses Gebet ist das Gebet für Frieden, Freiheit,
Essen auf dem Tisch und das, was Präsident Clinton

AMERIKA DIENST 01

�einst so eloquent als "das stille Wunder eines
normalen Lebens" bezeichnet hat.
Wenn ich mit Ihrer Zustimmung als Außenministerin
bestätigt werde, möchte ich Sie bitten, mit mir gemein-

AMERIKA DIENST 01

sam als Vertreter der unerläßlichen Nation und mit der
Hilfe Gottes alles zu tun, damit dieses Gebet erhört
wird.
Ich danke Ihnen.

Seite 11

�NATO
15. Januar 1997

Die neue transatlantische Partnerschaft
Rede von Botschafter Hunter

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Botschafter Robert E. Hunter, Ständiger
Vertreter der Vereinigten Staaten bei der NATO, am 19. Dezember 1996 anläßlich des ihm vom European
Institute verliehenen Transatlantic Leadership Award gehalten hat.

Was für eine großartige Zeit ist das heute für die
NATO. In genau sieben Stunden und 31 Minuten läuft
das Mandat der Implementation Force (IFOR) in
Bosnien - der Operation Joint Endeavor - aus. Und im
gleichen Augenblick werden wir die Operation Joint
Guard einleiten, die Stabilization Force (SFOR). Das
sind 366 Tage seit der Stunde Null der ersten Mission,
und es ist die Stunde Null der neuen Mission. Das ist
eine beeindruckende Leistung. Alle 16 NATO-Verbündeten waren an der IFOR beteiligt. Das 16. Land ist
Island, das keine Streitkräfte unterhält, aber, um sich
zu beteiligen und Solidarität zu zeigen, einen Arzt und
zwei Krankenschwestern entsandt hat. Auch 13
Mitglieder der Partnerschaft für den Frieden und vier
andere Länder haben sich an der IFOR beteiligt, und
wir haben zusammen das erreicht, was vor noch
einem Jahr unmöglich erschien, jetzt jedoch praktisch
eine Alltäglichkeit ist. Was die NATO sowie ihre
Freunde und Partner geleistet haben, war außergewöhnlich. Ich danke Gott für die unglaubliche Tatsache, daß es bis jetzt kein einziges Todesopfer gegeben hat - das ist beispiellos bei einer Operation dieser
Qualität und Größe, vor allem in der modernen Geschichte.
Was die NATO tut, wird natürlich nicht genug sein, um
den Erfolg des Abkommens von Dayton zu gewährleisten. Was die NATO tut, wird natürlich nicht genug
sein um sicherzustellen, daß sich für die gepeinigten
Menschen in Bosnien die Hoffnungen erfüllen.
Natürlich liegt die Verantwortung bei den Menschen in
Bosnien selbst, bei ihren Nachbarn und bei der
internationalen Staatengemeinschaft.
Sie müssen
dafür sorgen, daß die zivilen Bestrebungen - der
Wiederaufbau - erfolgen und dafür sorgen, daß die
Polizei die notwendigen Funktionen übernimmt, dafür
sorgen, daß die Kriegsverbrecher in Den Haag vor

AMERIKA DIENST 01

Gericht gestellt werden, und dafür sorgen, daß die
Flüchtlinge in ihre oder ähnliche Häuser in ganz
Bosnien zurückkehren können.
Ich möchte jedoch auch eindeutig klarstellen, daß die
NATO definitiv etwas bewirkt hat. Nach drei langen
Jahren des Kampfes im Rat und im Bündnis ist es uns
gelungen, Indifferenz durch Aktionen zu ersetzen, es
ist uns gelungen, eine Periode des Herumprobierens
zu überwinden und, nachdem die Atlantische Allianz
beinahe wegen Bosnien in die Brüche ging, zu den
ersten erfolgreichen Luftangriffen vor nur 16 Monaten
überzugehen, mit denen die Tür zum Abkommen von
Dayton und darüber hinaus geöffnet wurde. Meiner
Ansicht nach ist es bemerkenswert, daß die NATO
überhaupt handeln konnte und nicht, daß sie so lange
brauchte, in Bosnien "einzugreifen", sich dort zu
engagieren und effektiv zu sein. Es ist bemerkenswert, daß die 16 verbündeten Regierungen in der Lage
waren, diesen großen Supertanker eines Bündnisses das allein zum Zweck der Eindämmung der sowjetischen Macht und des Kommunismus gegründet wurde
- um 120 Grad zu wenden, um sich auf einen Ort zu
konzentrieren, der für die meisten Verbündeten von
geringer strategischer, jedoch von großer politischer
und moralischer Bedeutung war, in der Tat ein Ort, der
für die meisten Verbündeten "ein weit entferntes Land
war, über das wir nichts wußten". Aber schließlich
gewannen alle 16 Länder die Erkenntnis, daß wir
dieses wertvolle Bündnis, das uns seit so vielen
Jahren Sicherheit gegeben hatte und das für so viel
mehr Menschen Sicherheit und Frieden in der Zukunft
versprach, nur bewahren und erweitern können, wenn
wir in Bosnien effektiv sind - und die schlimmsten
Kämpfe auf dem europäischen Kontinent seit dem
Zweiten Weltkrieg beenden.

Seite 1

�Ich bin sicher, daß die NATO aufgrund der Überzeugung der 16 Länder begann, die Zukunft in den Griff zu
bekommen - weit über Bosnien hinaus - und Bosnien
in historischer Hinsicht in den Schatten stellte. Und
aufgrund ihrer kollektiven Überzeugung, daß das
Bündnis es wert sei, erhalten zu werden und wir es
uns nicht leisten könnten, es zu verlieren und wegen
des Versprechens gegenüber Bosnien, waren wir
schließlich in der Lage, zusammenzukommen und
etwas zur Beendigung des Krieges zu unternehmen.
Sieben Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges sind
wir uns meines Erachtens jetzt dreier Tatsachen
bewußt: Erstens, daß die Geschichte nicht zu Ende
ging, sondern vielmehr einen neuen Anfang hinzugefügt hat, eine Chance, die Prinzipien, Werte und
Gründe zu rechtfertigen, für die wir während des
Kalten Krieges gekämpft hatten. Die Geschichte fügte
auch die Verantwortung hinzu, diese Prinzipien und
Werte sehr viel mehr Völkern als je zuvor in ganz
Europa und sogar darüber hinaus nahezubringen.
Zweitens gelangten wir zu der Überzeugung, daß viele
Institutionen in diesem Prozeß von Bedeutung sein
würden: Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die Europäische
Union (EU), die Westeuropäische Union (WEU) und
der Europarat. Aber eine Institution hat sich wiederum
als unerläßlich und herausragend erwiesen, und das
ist die NATO. Das dritte, das wir gelernt haben, auch
wiederum mit allem nötigen Respekt für die gemeinsamen Bestrebungen am Verhandlungstisch und im
Bündnis, ist, daß die NATO am besten arbeitet, wenn
die Vereinigten Staaten bereit sind, sich zu engagieren
und eine Führungsrolle zu übernehmen. Ich freue
mich sagen zu können, daß diese Verpflichtung auch
heute noch gültig ist - die Vereinigten Staaten sind
engagiert, sie haben eine Führungsrolle übernommen und dies gilt auf überparteilicher Ebene. Was wir
heute tun, begann unter Präsident Bush, wurde unter
Präsident Clinton fortgesetzt und von jedem Kongreßabgeordneten ratifiziert, der uns bei der NATO besucht
hat. Es geht auf die Wurzeln dieses Landes zurück.
Es ist keine Verpflichtung der Republikaner oder der
Demokraten. Meiner Ansicht nach ist es eine Verpflichtung Amerikas.
Wir haben uns bei der NATO auf vier große Ziele
geeinigt, die wir verfolgen - nicht um etwas zu haben,
das das Bündnis um seiner selbst willen erhält,
sondern vielmehr unsere gemeinsamen Interessen
fördert, für die das Bündnis erforderlich ist. Das erste
große Ziel ist natürlich, daß Amerika eine europäische
Macht bleibt, nicht nur heute, sondern auf unbegrenzte
Zukunft hinaus. Mit Ausnahme unseres eigenen
Bürgerkriegs hat unser Land in der Tat mehr Blut
vergossen und Gut geopfert, um Europa frei und
unabhängig zu halten, als für irgend etwas, das wir in
unserer gesamten Geschichte getan haben. Ich habe
keinen Grund zu der Annahme, daß wir diese Verpflichtung in Zukunft nicht wahrnehmen werden.

Seite 2

Die zweite große Aufgabe der NATO, der Europäischen Union und anderer Institutionen besteht in der
Sicherstellung, daß wir das in Zukunft bewahren, was
wir während der vergangenen 50 Jahre erfolgreich
geleistet haben, einschließlich der Verhinderung einer
Renationalisierung der Verteidigung. Noch wichtiger
ist das, was von den Ländern der Europäischen Union
erreicht wurde, das in der Geschichte der Menschheit
seinesgleichen sucht - die Abschaffung des Kriegs an
sich als Mittel der Regulierung der Beziehungen
zwischen diesen Ländern. Wir leben in Brüssel, und in
Brüssel haben wir eine Abkürzung oder einen Namen
für alles. Deshalb nenne ich das den "europäischen
zivilen Raum". Und zur Erhaltung und Erweiterung
dieses europäischen zivilen Raums beizutragen, ist
von fundamentaler Bedeutung für unsere Arbeit bei der
NATO.
Aber das sind alte Aufgaben, kontinuierliche Zielsetzungen. Die neuen Aufgaben und Zielsetzungen - die
Öffnung von Grenzen und ihr Überschreiten - beginnen mit der Übernahme von Verantwortung in der
NATO, in unserem kollektiven Interesse, für Sicherheit
in Zentraleuropa. Die Rolle der NATO für die Sicherheit im umfassendsten Sinne war während des
Kalten Krieges ein elementares Ziel im Westen, war
ein elementares Ziel bei der Bewältigung der bosnischen Herausforderung und ist elementar bei der
Bewältigung anderer potentieller Herausforderungen der Schaffung der Grundlagen für Vertrauen und
Veränderungen, damit die Menschen verstehen, daß
sie eine Zukunft haben können, die nicht von außen
gestört wird, und Vertrauen in Stabilität haben.
Was die Europäische Union und die NATO in Zentraleuropa zu tun versuchen, ist die Vollendung des
Versprechens des Marshallplans, das von Joseph
Stalin vor rund 50 Jahren vereitelt und vom Eisernen
Vorhang ausgegrenzt wurde. Wir haben jetzt endlich
eine Chance, dieses große Unternehmen zu vollenden. Es ist höchst selten - vielleicht einzigartig - in
der Geschichte, daß wir eine zweite Chance erhalten!
Jetzt haben wir die Chance, das Vermächtnis des
Marshallplans zu erfüllen.
Schließlich - und was historisch vielleicht am wichtigsten ist - sind wir bei der NATO dem Ziel des Bündnisses verpflichtet, unseren ehemaligen Gegner
Rußland einzubeziehen und zu versuchen, dem Land
beim Erfolg des Experiments mit Demokratie und
Marktwirtschaft behilflich zu sein. Wir müssen Rußland als nützliches und produktives Mitglied in die Welt
dort draußen einbeziehen. Unter Präsident Bush und
dann unter Präsident Clinton sahen wir uns mit der
Entscheidung zwischen Paradigmen konfrontiert, die
sich aus der Art ableiteten, wie Deutschland 1919 und
danach sowie 1945 und danach behandelt wurde.
Das erste Mal wurde Deutschland getreten, als es am
Boden lag, und wir haben die Ergebnisse im Zweiten
Weltkrieg gesehen. Das zweite Mal versuchten viele

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�mutige Männer und Frauen mit Vision etwas anderes.
Das Ergebnis ist das freie, unabhängige und demokratische Deutschland, das wir heute sehen. Wir haben
jetzt die Entscheidung getroffen, daß wir Rußland
entsprechend dem zweiten Paradigma behandeln
werden - so schwierig diese Herausforderung auch ist
und so schwierig es auch sein wird, Verhaltensweisen
und Denkgewohnheiten zu ändern, damit wir mit
unserem alten Gegner arbeiten können - statt ihn an
den Folgen der Beendigung des Kalten Krieges leiden
zu sehen.
Diese vergangenen anderthalb Wochen waren
entscheidend für die NATO. Ich habe gestern unseren
Verteidigungsministern in Brüssel auf Wiedersehen
gesagt, ebenso wie ich letzte Woche zu unseren
Außenministern auf Wiedersehen gesagt habe. Bei
diesen beiden Treffen haben wir einige grundlegende
Entscheidungen getroffen, die auf den jüngsten,
hoffnungsvollen Entscheidungen vom Gipfeltreffen im
Januar 1994 aufbauen, bei dem Präsident Clinton uns
seine Zukunftsvision darlegte und von den anderen
Staats- und Regierungschefs des Bündnisses die
Zustimmung dazu erhielt. Bei diesen beiden Ministertreffen haben wir den Rubikon für die Zukunft der
NATO überschritten. Das von uns Geleistete wird am
8. und 9. Juli beim nächsten NATO-Gipfel in Madrid
ratifiziert. Wir unternehmen entscheidende Schritte,
um eine neue NATO hervorzubringen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern und das Bündnis
in dreierlei grundlegender Weise anzupassen: Neue
Missionen wie in Bosnien, Einbeziehung des Ostens,
um mehr Länder und Menschen zu umfassen als wir je
für möglich gehalten hätten, und einen Prozeß des
inneren Wandels zu durchlaufen, nach dem die neue
NATO in vieler Hinsicht verglichen mit der Vergangenheit nicht wiederzuerkennen ist.
Ja, beim NATO-Gipfeltreffen im Juli können und
werden wir neue Mitglieder aufnehmen. Wir werden
die Einladungen an eine Reihe neuer Länder aussprechen, die Verhandlungen mit der NATO aufzunehmen und bis 1999 Vollmitglieder des Bündnisses
zu werden. Die Tür für zukünftige Mitglieder wird offen
bleiben. Wie Außenminister Christopher bei einem
anderen historischen Anlaß im September vergangenen Jahres in Stuttgart sagte: "Die Tür zur NATOMitgliedschaft wird offen bleiben, so lange es europäische Länder gibt, die willens und bereit zur Übernahme der Pflichten der Mitgliedschaft sind."
Ja, wir können und werden alles Erforderliche tun um
sicherzustellen, daß die Länder, die nicht als erste zum
NATO-Beitritt eingeladen werden, nicht entmutigt
werden. Wir lehnen das Konzept von Grauzonen,
Pufferstaaten oder Einflußsphären ab und versuchen,
im östlichen Teil des Kontinents das außer Kraft zu
setzen, was wir bereits im Westen außer Kraft gesetzt
haben - das jahrhundertealte gescheiterte Konzept des
Kräftegleichgewichts.

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Die noch keine drei Jahre alte Partnerschaft für den
Frieden hat Wunder bewirkt - und meines Erachtens
wissen das die hier versammelten Vertreter der
Partnerländer - indem sie die Völker, die so lange
hinter dem Eisernen Vorhang litten, in die Lage
versetzte, ihren Platz im Westen einzunehmen und die
Vorteile zu genießen, die wir schon lange als selbstverständlich erachten. Die Partnerschaft für den
Frieden verfolgt zwei große Ziele. Eines besteht darin,
die Länder auf die NATO-Mitgliedschaft vorzubereiten.
Wenn wir den wichtigsten Schritt bei der NATOErweiterung unternehmen - den US-Senat um seine
Zustimmung mit Zweidrittelmehrheit zu bitten - und
wenn die Senatoren uns fragen, ob die von uns
ausgewählten Länder für die Aufnahme bereit sind,
wird die PFF gewährleisten, daß wir eine positive
Antwort erhalten - daß diese Länder zur Sicherheit
beitragen und sich ihrer nicht nur erfreuen. Noch
wichtiger ist, daß die Partnerschaft für den Frieden
eine dauerhafte, enge Verbindung zur NATO darstellt.
Die Partnerländer kommen zu uns nach Brüssel, in
unser Oberstes Hauptquartier (SHAPE), sie übernehmen die Maßstäbe der NATO, werden mit uns zusammen ausgebildet, nehmen mit uns zusammen an
Manövern teil, gehen mit uns zusammen nach Bosnien, tragen dieselben Risiken wie wir, übernehmen
dieselben Pflichten wie alle anderen Bündnismitglieder.
Tatsächlich möchten wir den Unterschied zwischen
einem Partner und einem Bündnismitglied so klein wie
möglich halten. Wir haben eine Reihe neuer Schritte
unternommen, um eine "Super"-PFF zu schaffen und
eine neue Institution ins Leben zu rufen - den Atlantischen Partnerschaftsrat - der den Beziehungen dieser
Länder zum Bündnis neuen Schwung verleihen soll.
Wir werden alles Mögliche unternehmen, um Rußland
einzubeziehen. Vor kurzem fand in Lissabon der
OSZE-Gipfel statt, bei dem der Prozeß der Modernisierung des KSE-Vertrags eingeleitet wurde. Rußland
gehört der Partnerschaft für den Frieden an. Wir
möchten besondere Beziehungen zu Rußland anknüpfen. Im letzten Jahr taten 1.500 der besten
russischen Soldaten im amerikanischen Sektor in
Bosnien Dienst. Und als wir im Herbst mit der Planung
für eine Nachfolgetruppe in Bosnien - eine Stabilisierungstruppe - begannen, erklärten die Russen: "Ihr
könnt mit uns rechnen, auf der Grundlage derselben
Bedingungen wie vorher."
Ferner schlugen wir
Rußland die Formulierung einer Charta vor, um die
besonderen Beziehungen zwischen der NATO und
Rußland zu kodifizieren, und wir hoffen, daß sie
rechtzeitig vor dem Madrider Gipfel abgeschlossen
werden kann. Wir müssen uns jedoch über eines im
klaren sein: Rußland ist gegen eine NATO-Erweiterung. Als Außenminister Primakow vor einer Woche
mit den Außenministern des Bündnisses zusammentraf, äußerte er jedoch, die Diskussionen und Verhandlungen über die Charta könnten fortgesetzt werden.
Und als Verteidigungsminister Rodionow mit den
Verteidigungsministem der NATO zusammentraf und

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�laut, deutlich und unmißverständlich die russische
Ablehnung einer NATO-Erweiterung erklärte, wurde er
anschließend bei seiner Pressekonferenz gefragt, ob
dies im Falle der Aufnahme neuer Mitglieder das Ende
der militärischen Zusammenarbeit zwischen Rußland
und dem Bündnis bedeuten würde. Tatsächlich
erwiderte er darauf: "Natürlich nicht, denn sie liegt in
unserem Interesse."
Ich erinnere mich, was geschah, als zwei hochrangige
russische Beamte der NATO einen Besuch abstatteten, der mehr über die russische Psychologie aussagt
als über die russischen Überlegungen hinsichtlich der
weiteren Entwicklung der NATO - ein wirkliches
Verständnis, daß die NATO für niemanden eine
Bedrohung darstellt, auch nicht für Rußland. Nachdem
die beiden Herren ein paar Tage unserer Arbeit
zugeschaut hatten, erklärte jeder von ihnen: "Wir
können akzeptieren, was die NATO tut. Wir sehen,
daß sie nicht aggressiv ist und keine Bedrohung
darstellt. Aber eines müssen Sie tun - Sie müssen den
Namen ändern. Wir können das Wort 'NATO' aufgrund seiner Bedeutung während des Kalten Krieges
in Rußland nicht verkaufen. Unter einem anderen
Namen könnte sie jedoch akzeptiert werden." Ich
fürchte jedoch, daß uns dieser Name ans Herz
gewachsen ist!
Wir können und werden das Bündnis, den Kern der
NATO, reformieren, um zu zeigen, daß wir keine
Bedrohung für Rußland darstellen und in der Lage
sind, in Bosnien und auch zukünftig bei ähnlichen
Fällen einzugreifen. Wir werden Veränderungen
durchführen, die die Grundlage für die Aufnahme
neuer Mitglieder darstellen, Ressourcen sparen und
die Unterstützung durch das Volk in jedem unserer
Länder gewährleisten.
Dadurch werden wir auf
zukünftige Herausforderungen vollständig vorbereitet.
Dadurch sowie durch unser neues Konzept alliierter
Streitkräftekommandos (CJTF) wird das Bündnis mit
16 Mitgliedern leistungsfähiger. Ich möchte die Zahl
16 besonders betonen. Vor drei Wochen entschied
sich Spanien für eine volle Mitgliedschaft im Bündnis.
Vor einem Jahr traf Frankreich am 5. Dezember die
mutige Entscheidung für ein umfassendes Engagement in der neuen, umgestalteten NATO. Am heutigen
Abend möchte ich darauf hinweisen, daß das Glas der
neuen Beziehungen Frankreichs zum Bündnis weder
halb voll noch halb leer ist, sondern zu 99 Prozent voll.
Und ich bin zuversichtlich, daß wir es auch noch um
das fehlende eine Prozent auffüllen können.
Die Umgestaltung der NATO steht auch im Zusammenhang mit einem besonderen europäischen Kapitel
- der Europäischen Union, der Westeuropäischen
Union und der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität (ESDI). Meine Regierung hat zugesagt,
alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um der
WEU erstmals bei der Durchführung wirksamer

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Aktionen zu helfen. Wir verstärken den Einfluß der
Europäer im Befehlssystem des Bündnisses, erhöhen
die Sichtbarkeit des europäischen Teils dieses Befehlssystems und schaffen die Möglichkeit für eine
verstärkte europäische Verantwortung.
Wir, die
Vereinigten Staaten, scheuen uns nicht und flüchten
auch nicht davor. Wir unterstützen und begrüßen sie
und unternehmen zusammen mit den anderen 15
Bündnismitgliedern alles hierzu Erforderliche.
Es gibt jedoch noch eine weitere unerledigte Aufgabe,
die wir in der NATO mit der Europäischen Union
angehen können. Unsere beiden Institutionen befinden sich in derselben Stadt auf zwei verschiedenen
Planeten. Derzeit bestehen praktisch noch keine
Beziehungen zwischen NATO und EU. In Brüssel
bemühen wir uns aber bereits um den Abbau dieser
Mauern. Vor zwei Monaten stattete uns Hans van den
Broek, den man als Außenminister der Europäischen
Union bezeichnen könnte, einen Besuch ab. Er nahm
an einem privaten Mittagessen des NATO-Rates teil.
Viele von uns haben an diesem Problem gearbeitet sehr konstruktiv, aber auch mit vorsichtigem Zögern
und relativ viel gegenseitigem Taxieren zwischen
NATO und EU.
Ich weiß, daß eine Organisation uns beim Knüpfen der
erforderlichen neuen Beziehungen zwischen der
NATO und der Europäischen Union helfen kann: das
European Institute hier in Washington. Jacqueline
Grapin hat bereits sehr viel getan, um die Vereinigten
Staaten und Europa über den Atlantik hinweg einander
näherzubringen. Jetzt arbeiten sie und ihr European
Institute gemeinsam an dieser grundlegenden Zusammenführung von NATO und EU - zwei derselben
Sache verschriebenen Institutionen. Wir setzen uns
dafür ein, innerhalb dieser beiden Institutionen dieselbe Geschichte des Engagements in Westeuropa
und über den Atlantik hinweg wie in Zentaleuropa und
Rußland zu schreiben. Die Ziele des Bündnisses und
der EU - und großenteils auch unsere Methodik ergänzen sich, und meines Erachtens werden wir uns
in Zukunft gegenseitig stärken. Jean Monnet formulierte es vor einigen Jahren am besten, als er sagte: "Das
Ziel besteht darin, alle an eine Seite des Tisches zu
bekommen und das Problem auf die andere." Und
genau das tut Jacqueline.
Ich möchte mit einer Herausforderung schließen und
Sie zur Übernahme einer neuen Aufgabe auffordern.
Meine Arbeit bei der NATO hat viele Aspekte, von
denen einer von herausragender Bedeutung ist.
Meines Erachtens haben wir ein gutes Bündnis für die
Zukunft aufgebaut. Wir haben unserer Meinung nach
einen Cadillac entworfen, fürchten aber, daß wir mit
einem Edsel enden, wenn wir nicht die unvermeidliche
Aufgabe erfüllen, den Menschen in diesem Land und
allen anderen Mitgliedstaaten des Bündnisses zu
erklären, warum und wie wir das tun, zu welchem
Zweck und warum sie uns unterstützen sollten. Es ist

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�eine Ironie, daß wir in einer Zeit nach dem Kalten Krieg
leben, in der leicht so viel zur Verhinderung einer
Wiederholung jedes der drei Kriege getan werden
kann, die Europa in diesem Jahrhundert erlebt hat, wir
aber so große Schwierigkeiten haben, die erforderliche
Aufmerksamkeit zu erhalten. Es werden so wenige
Mittel benötigt, aber es ist so schwierig, sie zu bekommen.
Tom Lantos, ein bekannter Kongreßabgeordneter aus
San Francisco, hat einmal gesagt, wenn man die
westlichen Länder vor zehn Jahren gefragt hätte,
wieviel sie für Ostdeutschland, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und die
Sowjetunion zahlen würden - 100 Milliarden oder 500
Milliarden Dollar? - wäre es kein Problem gewesen,
das Geld aufzubringen. Wieviel würde jetzt gezahlt,
damit diese Länder frei und unabhängig bleiben und
zum Westen gehören? Wieviel würde aufgewendet,
um das Versprechen des Marshallplans zu erfüllen?
Wievel würde man tun um sicherzustellen, daß in
Zukunft in Europa alles gewährleistet ist, was wir im
Kalten Krieg anstrebten? Bedauerlicherweise würde
man jetzt wohl eine andere Antwort bekommen zumindest wenn wir nicht in jeder unserer Nationen

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und in jedem unserer Parlamente die erforderliche
Unterstützung mobilisieren können.
Und hierfür
benötigen wir Ihre Hilfe - jetzt mehr denn je.
Isaac Newton erklärte, er stünde auf den Schulten von
Riesen. Es ist offensichtlich, daß wir in der NATO
heute auch auf den Schultern von Riesen stehen, von
denen einige heute hier versammelt sind. Teilweise
haben sie viele Jahre daran gearbeitet zu ermöglichen,
daß ich heute hier stehen kann und wir ein European
Institute haben, das so viel bewirkt. Wir blicken zurück
und beurteilen die Errungenschaften der letzten 50
Jahre. Wir sprechen über die Größe von Politikern
und ihre damalige Vision. In 50 Jahren werden die
Menschen auf uns zurückschauen - auf jeden einzelnen hier Anwesenden - mit dieser perfekten nachträglichen Einsicht - und darüber urteilen, ob wir
unserer Verantwortung gerecht geworden sind - dieser
einzigartigen Verantwortung und Chance, die keine
andere Generation in der transatlantischen oder
europäischen Geschichte hatte. Ich bin zuversichtlich,
daß die Geschichte uns milde beurteilen wird, denn ich
weiß um das Format und Engagement jedes einzelnen
hier Anwesenden. Ich danke Ihnen.

* * *

*

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�PORTRAT
15.Januar 1997

Janet L. Yellen
Die designierte Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater

WASHINGTON - (AD) - Am 20. Dezember 1996 gab Präsident Clinton die Nominierung von Janet L. Yellen als
Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater bekannt. Yellen, die derzeitig dem Rat der Gouverneure des
Federal Reserve System, der amerikanischen Zentralbank, angehört, tritt damit die Nachfolge von Joseph Stiglitz
an.

Janet L. Yellen wurde am 12. August 1994 als Mitglied
des Rats der Gouverneure des Federal Reserve
System vereidigt - ein Posten, der am 31. Januar 2008
ausläuft.
Dr. Yellen wurde am 13. August 1946 in Brooklyn, New
York, geboren. Sie machte 1967 ihren Abschluß in
Wirtschaftswissenschaften summa cum laude an der
Brown University und promovierte 1971 in diesem
Fach an der Yale University.
Dr. Yellen war von 1971-76 Dozentin in Harvard. Von
1977-78 war sie Ökonomin im Rat der Gouverneure
des Federal Reserve System und auf internationale
Handels- und Finanzfragen, einschließlich der Stabilisierung der internationalen Wechselkurse spezialisiert.
Von 1978-80 lehrte Dr. Yellen an der London School of
Economics.
Vor ihrem Beitritt zum Rat der Gouverneure hatte Dr.
Yellen den Bernard T. Rocca, Jr.-Lehrstuhl für interna-

tionale Wirtschaft und Handel der Haas School of
Business an der University of California in Berkeley
inne, wo sie seit 1980 lehrte. Ferner gehörte sie dem
Gremium der Wirtschaftsberater des Haushaltsbüros
des Kongresses an und war hochrangige Beraterin für
Wirtschaftsfragen beim Brookings Panel.
Dr. Yellen schrieb über eine Vielzahl makroökonomischer Fragen, wobei sie sich auf die Ursachen,
Mechanismen und Auswirkungen von Arbeitslosigkeit
spezialisierte. Darüber hinaus ist sie im Bereich der
Volkswirtschaft eine anerkannte Wissenschaftlerin,
wobei sie sich in letzter Zeit auf die Ermittlung der
Handelsbilanz sowie den Verlauf der Wirtschaftsreformen in Osteuropa konzentrierte.
Dr. Yellen ist mit einem anderen Wirtschaftswissenschaftler, Professor George Akerlof, verheiratet, mit
dem zusammen sie mehrere Artikel verfaßte. Die
beiden haben einen Sohn, Robert.

* * * * *

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Seite 1

�PORTRAT
15.Januar 1997

Alexis M. Herman
Die designierte Arbeitsministerin

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton gab am 20. Dezember 1996 die Nominierung von Alexis M. Herman zur
Arbeitsministerin bekannt. Vorbehaltlich ihrer Bestätigung durch den Senat tritt sie im Kabinett die Nachfolge von
Robert Reich an.
Während Präsident Clintons erster Amtszeit war Herman Direktorin des Büros für Öffentlichkeitsarbeit im Weißen
Haus.

Alexis Herman begann ihre berufliche Laufbahn 1969
als Sozialarbeiterin für Catholic Charities und entwikkelte Berufsausbildungsmöglichkeiten für arbeitslose
Jugendliche, ungelernte Arbeitnehmer und neue
Mitarbeiter des Schiffbauunternehmens Ingall's in
Pascagoula (Mississippi). Nach ihrer einstimmigen
Bestätigung durch den Senat im Jahr 1977 war sie
unter der Carter-Administration Direktorin des Büros
für Frauenfragen im US-Arbeitsministerium. Im Januar
1993 wurde Herman zur persönlichen Referentin
Präsident Clintons und Direktorin des Büros für
Öffentlichkeitsarbeit im Weißen Haus ernannt. In
letztgenannter Funktion ist sie dafür zuständig,
Unterstützung für Präsident Clintons Prioritäten zu
gewinnen. In dieses Amt brachte sie mehr als zwei
Jahrzehnte leitender Tätigkeit ein, während der sie
Maßnahmen zum Schutz von Arbeitnehmern, Frauen
und schwer vermittelbaren Arbeitskräften entwickelte,
förderte und umsetzte.
Herman war 1992 stellvertretende Direktorin des
Übergangsteams des Präsidenten. 1991 wurde sie
Leiterin des Komitees für den nationalen Parteitag der
Demokraten und war verantwortlich für die Organisation des Parteitags. Zuvor war sie Stellvertretende
Vorsitzende und Leiterin des nationalen Komitees der
Demokraten.
Als Gründerin und Präsidentin von A.M. Herman &amp;
Associates war Herman in den achtziger Jahren
Beraterin von Regierungen der Bundesstaaten und
Kommunalverwaltungen sowie von Privatunternehmen. Als Expertin für den Abbau und die Beseitigung

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von Hindernissen auf dem Arbeitsmarkt beriet sie
Unternehmen in Personalfragen im Zusammenhang
mit Ausbildung, Mentorentätigkeit sowie Bekämpfung
von Arbeitskräftefluktuation. Ferner half sie den
Regierungen der Bundesstaaten und Kommunalverwaltungen, wirtschaftliche Entwicklungstätigkeit an die
Schaffung von Arbeitsplätzen und Ausbildungsstrategien zu binden.
Als Direktorin des Büros für Frauenfragen im Arbeitsministerium unter der Carter-Administration beriet
Herman die Administration und Arbeitsminister Ray
Marshall über Arbeitsplatzpolitik. Sie rief neue Programme zur Unterstützung junger Frauen mit niedrigem Einkommen und beschäftigungsbezogenen
. Problemen ins Leben und stärkte die Zusammenarbeit
bei Frauenfragen zwischen Privatwirtschaft, Gewerkschaften und Behörden. Sie war die erste Büroleiterin,
die in den Rang einer Stellvertretenden Staatssekretärin erhoben wurde. Vor ihrer Tätigkeit im Arbeitsministerium war Herman bei R-T-P Inc. in Atlanta
nationale Direktorin des Beschäftigungsprogramms für
weibliche Angehörige von Minderheiten. Dort entwikkelte sie Programme, um Frauen aus Minderheitengruppen im Büro und an nichttraditionellen Arbeitsplätzen unterzubringen.
Herman, die seit langem eine Befürworterin starker
Familien ist, kämpft für Beschäftigungsmöglichkeiten
für Männer und Frauen. Die in Mobile (Alabama)
geborene Herman machte 1969 ihren Abschluß an der
Xavier University in New Orleans.

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�PORTRAT

15.Januar 1997

Rodney E. Slater
Der designierte Verkehrsminister

WASHINGTON - (AD) - Am 20. Dezember 1996 gab Präsident Clinton die Nominierung von Rodney E. Slater
zum Verkehrsminister bekannt. Der derzeitige Direktor der Federal Highway Administration tritt damit die
Nachfolge von Federico Pena an.

Als Hauptverantwortlicher für die Highways der Nation
setzt sich der Direktor der Federal Highway Administration, Rodney E. Slater, dafür ein, der Verpflichtung der Clinton-Administration zu strategischen
Investitionen in die Infrastruktur des Landes nachzukommen und sicherzustellen, daß Amerika den
verkehrspolitischen Herausforderungen des 21.
Jahrhunderts gewachsen ist.
Die Federal Highway Administration (FHWA) unterstellt dem amerikanischen Verkehrsministerium. Die
Behörde hat 3.500 Mitarbeiter, ein Jahresbudget von
20 Milliarden Dollar und ein Büro in jedem Bundesstaat. In den letzten vier Jahren erzielte die FHWA
Rekordhöhen mit ihren Investitionen in die nationale
Infrastruktur. Unter Slaters Führung förderte sie
fortschrittliche Initiativen in Bereichen wie Finanzierung
von Highways und Technologie, während sie dazu
beitrug, das Versprechen des Präsidenten zum
Wiederaufbau Amerikas umzusetzen.
Seit seiner Ernennung zum Direktor der Federal
Highway Administration im Jahr 1993 legte Slater auf
seinen Reisen in 40 Bundesstaaten mehr als 450.000
Kilometer zurück. Er traf mit Tausenden von Menschen zusammen - von Vertretern des Verkehrswesens der Bundesstaaten und Kommunen bis zu
normalen Bürgern, die wissen, daß verkehrspolitische
Erfordernisse mehr umfassen als nur Beton, Asphalt
und Stahl. Alle unterstrichen die Bedeutung von
Beförderungsmitteln für die Volkswirtschaft und ihre
wesentliche Rolle im Alltagsleben der Menschen.
Slater hörte sich ihre Anliegen an und bezog sie in den
Entscheidungsfindungsprozeß der FHWA ein.
Slater ist der 13. Direktor der Federal Highway Administration und der 19. Chef der Verwaltungsbehörde

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für die Highways seit ihrer Gründung unter dem
Namen "Office of Road Inquiry" im Jahr 1893. Slater
bringt in dieses Amt seine auf bundesstaatlicher Ebene
gewonnene große Erfahrung ein. Er war 1992-93
Vorsitzender der Highway-Kommission des Bundesstaates Arkansas und 1987-92 einer ihrer Kommissare. Ferner war er 1983-87 hochrangiger Mitarbeiter
des damaligen Gouverneurs Clinton und 1980-82
stellvertretender Justizminister von Arkansas. Darüber
hinaus war er von 1987 bis 1992 an der Arkansas
State University als Direktor des Verbindungsbüros zur
Regierung tätig.
Slater erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter den "Arkansas Public Transportation
Advocate Award" der Arkansas Transit Association.
Die Arkansas Jaycees ernannten Slater zu einem der
"zehn herausragenden jungen Einwohner von Arkansas", und die Arkansas Times bezeichnete ihn
wegen seines Einsatzes für die Sanierung des Mississippi Delta in Arkansas als "Helden von Arkansas". Er
war Sekretär und Schatzmeister der Arkansas Bar
Association, Mitglied der Arkansas Sesquicentennial
Commission und Verbindungsmann zur Martin Luther
King, Jr. Federal Holiday Commission.
Slater machte 1977 seinen Abschluß an der Eastern
Michigan University und 1980 an der juristischen
Fakultät der University of Arkansas. 1994 erhielt er
den Preis der Eastern Michigan University für herausragende farbige Studenten und bei der Verleihung
akademischer Grade im Wintersemester 1996 die
Ehrendoktorwürde.
Slater wurde in Marianna (Arkansas) geboren. Mit
seiner Frau Cassandra Wilkins hat er eine Tochter,
Bridgette Josette.

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�PORTRAT
15.Januar 1997

Andrew Cuomo
Der designierte Minister für Wohnungs- und Städtebau

WASHINGTON - (AD) - Am 20. Dezember 1996 gab Präsident Clinton die Ernennung von Andrew Cuomo zum
Minister für Wohnungs- und Städtebau bekannt. Der Sohn von Mario Cuomo, dem ehemaligen Gouverneur des
Bundesstaates New York, tritt mit diesem Posten die Nachfolge von Henry Cisneros an.

Während Präsident Clintons erster Amtszeit war
Andrew Cuomo Abteilungsleiter im Ministerium für
Wohnungs- und Städtebau. Während dieser Zeit
wurde er dafür bekannt, daß er den Erfordernissen der
Gemeinden große Beachtung schenkte und innovative
Lösungen auf der Grundlage von Partnerschaften
zwischen örtlichen Gruppen, Wirtschaftsvertretern und
gewählten Beamten fand. Cuomos Tätigkeit im
Wohnungs- und Städtebauministerium wurde von der
John F. Kennedy School of Government der Harvard
University als Beispiel für "effektive Regierungsführung" gewürdigt, die dazu beiträgt, "das Vertrauen
in die Fähigkeit der Regierung zur Lösung schwieriger
Probleme wiederherzustellen".
1986 gründete Cuomo die Organisation H.E.L.P.
(Housing Enterprise for the Less Privileged), die sich
zum größten privaten Anbieter von Übergangswohnungen für Obdachlose und national anerkannten Beispiel
entwickelte. Das Modell von H.E.L.P. bietet sichere,
qualitativ hochwertige Unterbringung und umfassende
Sozialdienste vor Ort unter einem Dach an und schafft
damit eine tragende Gemeinschaft für obdachlose
Familien. H.E.L.P. verhilft derzeit mehr als 4.000
Menschen jährlich zu einer Unterkunft.
Das Projekt Genesis zur Förderung innovativer
Ansätze für Stadtsanierung, Gemeindeentwicklung und
bahnbrechende Verwaltungsmethoden im Bereich der
Wohnungsvermietung geht ebenfalls auf Cuomos
Initiative zurück. Genesis dient als Modell für einen
umfassenden Ansatz, Gemeindeentwicklung mit
erschwinglicher Unterbringung zu verbinden und eine
Partnerschaft zwischen allen Regierungsebenen und
dem Privatsektor zu schaffen. 1993 führte Cuomo das
Modell H.E.L.P. im Bauministerium ein und entwickelte

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den Continuum of Care-Ansatz, der von Hunderten
von Gemeinden im ganzen Land übernommen wurde.
Im Oktober 1991 wurde Cuomo von Bürgermeister
David Dinkins zum Vorsitzenden der Kommission für
die Obdachlosen ernannt und war damit der jüngste
Kommissionsvorsitzende in der Geschichte der Stadt
New York. Die Kommission legte dem Bürgermeister
im Februar 1992 ihren Bericht "Der Weg zum Heim ein neuer Kurs in der Sozialpolitik" vor. Er entwickelt
einen Rahmen für fortgesetzte Betreuung von Obdachlosen in New York und wurde von zahllosen gewählten
Beamten, Organisationen und Zeitungen gewürdigt,
einschließlich des Präsidenten des New Yorker
Stadtrats, der Partnerschaft für die Obdachlosen, der
Koalition für die Obdachlosen sowie der The New
York Times, New York Post und Daily News. Die
Empfehlungen der Kommission wurden vom Bürgermeister angenommen und erhielten nationale Anerkennung als beispielhafter Ansatz zur Lösung von
Problemen der Obdachlosen.
Cuomo ist Verfasser zahlreicher Artikel und hielt
Vorträge an Universitäten im ganzen Land. Für sein
Engagement für Gemeindeentwicklung, erschwingliche
Wohnungen und seine Arbeit im Dienst der Obdachlosen und der Öffentlichkeit erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter 1996 den Preis der Ford Foundation/Kennedy School für innovative Regierungsführung, 1992 für Pionierarbeit im Wohnungsbau vom
American Institute of Architects, ebenfalls 1992 die
Bard-Auszeichnung für herausragende Leistungen im
Bereich von Architektur und städtischem Design für
das Projekt Genesis, 1991 von der New York University die Auszeichnung für herausragende Leistungen im Dienst der Gemeinschaft, 1988 die Auszeich-

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�nung der Fannie Mae Foundation für herausragende
Leistungen sowie den Preis für gute Nachbarschaft
des amerikanischen Roten Kreuzes.
1982, im Alter von 23 Jahren, war Cuomo Wahlkampfmanager für den ersten Wahlkampf von Mario M.
Cuomo für das Gouverneursamt des Bundesstaates
New York und anschließend persönlicher Referent des
Gouverneurs. Danach war Cuomo juristisch tätig - erst
als stellvertretender Staatsanwalt in Manhattan und

dann als Partner in der Anwaltssozietät Blutrich,
Falcone &amp; Miller.
Cuomo machte 1982 seinen juristischen Abschluß an
der Albany Law School und erwarb 1979 seinen
Bachelor of Arts an der Fordham University. Er wurde
am 6. Dezember 1957 in Queens im Bundesstaat New
York geboren. Cuomo ist mit Kerry Kennedy Cuomo
verheiratet und Vater der im Januar 1995 geborenen
Zwillingstöchter Cara und Mariah.

* * * * *

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                <text>Amerikadienst 13.01.1997</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA benötigen "Diplomatie erster Klasse"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung von Madeleine Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die neue transatlantische Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Hunter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Janet E. Yellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die designierte Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alexis M. Herman&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die designierte Arbeitsministerin&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rodney E. Slater&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der designierte Verkehrsminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andrew Cuomo&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der designierte Minister für Wohnungs- und Städtebau&lt;/em&gt;</text>
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amcriha
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Sr,oN ^

Z12462 C
25

20. Dezember 1996

NATO

NATO BILLIGT EINSATZ DER SFOR IN
BOSNIEN
Rede von Außenminister Christopher
beim Nordatlantikrat

UMWELT

GIPFELTREFFEN VON SANTA CRUZ IST
POSITIVES ERGEBNIS VON MIAMI
Eröffnungsansprache von Vizepräsident Gore

PORTRAT

BILL RICHARDSON
Der designierte UNO-Botschafter
WILLIAM M. DALEY
Der designierte Wirtschaftsminister
GENE SPERLING
Der neue Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats
CHARLENE BARSHEFSKY
Die designierte US-Handelsbeauftragte

GESUNDHEIT

BEKÄMPFUNG DER URSACHEN VON
INFEKTIONSKRANKHEITEN
von AID-Direktor J. Brian Atwood

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST

1996

Mit dieser letzten Ausgabe des Jahres 1996
wünscht die Redaktion des Amerika Dienst allen
Lesern ein friedliches und erfolgreiches neues Jahr.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�NATO
20. Dezember 1996

NATO billigt Einsatz der SFOR in Bosnien
Rede von Außenminister Christopher beim Nordatlantikrat

BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die Außenminister Warren
Christopher am 10. Dezember 1996 beim Ministertreffen des Nordatlantikrats in Brüssel hielt. Christopher gibt
darin einen Überblick über die von der NATO während seiner Amtszeit gemachten Fortschritte und kündigt den
Einsatz einer neuen internationalen Stabilisierungstruppe in Bosnien (SFOR) nach erfolgreichem Abschluß des
IFOR-Mandats an.

Herr Generalsekretär, verehrte Kollegen, es ist mir
eine Ehre, erneut im Namen der Vereinigten Staaten
vor Ihnen sprechen zu dürfen.
Während meiner vierjährigen Amtszeit als Außenminister hatte ich neunmal die Gelegenheit, vor dem
Nordatlantikrat eine Rede zu halten. Angesichts der
Bedeutung, die Präsident Clinton und ich unserer
Partnerschaft mit Europa beimessen und in Anbetracht
der zentralen Rolle der NATO bei der Gewährleistung
der Sicherheit all unserer Nationen ist dies einer
meiner wichtigsten Aufgabenbereiche gewesen. Auch
unsere Verbündeten standen unerschütterlich zu ihrer
Verpflichtung zur transatlantischen Partnerschaft. Sie,
meine Damen und Herren, haben uns Amerikaner
immer wieder daran erinnert, welch bedeutende Rolle
wir weiterhin in Europa spielen. Ich habe diese
Botschaft an unseren Kongreß und das amerikanische
Volk weitergeleitet. Mit ihrer Unterstützung ist unser
Bündnis stärker denn je geworden.
Der von uns zurückgelegte Weg und unsere gemeinsamen Leistungen dieser vier Jahre sollten bei all
unseren Völkern Vertrauen schaffen. Halten Sie sich
vor Augen, wo wir Anfang 1993 standen. Denken Sie
an die Unsicherheiten, mit denen das Bündnis damals
konfrontiert war, und an die unbeantworteten Fragen.
Viele fragten sich damals, ob Amerika sein Engagement in Europa fortsetzen würde. Andere stellten die
Bedeutung der NATO für die Welt nach dem Kalten
Krieg in Frage. Wir alle stimmten hinsichtlich der
Notwendigkeit einer Integration der neuen Demokratien Europas überein, hatten uns jedoch auf keine

AMERIKA DIENST 25

Strategie hierfür geeinigt. Rußland begab sich damals
gerade auf den schwierigen und unsicheren Weg zu
Demokratie und Marktwirtschaft. Der Krieg in Bosnien
befand sich auf dem Höhepunkt seiner Grausamkeit.
Wir bewältigten diese Herausforderungen, indem wir die 16 Mitglieder dieses großartigen Bündnisses unsere Interessen gemeinsam verfolgten. Bei ihrem
Gipfeltreffen 1994 einigten sich unsere Staats- und
Regierungschefs auf eine Strategie zur Umgestaltung
der NATO und zum Aufbau eines ungeteilten Europas.
1995 handelte die NATO, um den Krieg in Bosnien zu
beenden und bildete eine Koalition zur Friedenssicherung, die so umfassend war, daß wir zum ersten
Mal behaupten konnten, ganz Europa sei unter einer
Flagge in einer gemeinsamen Sache geeint. Die
NATO-Partnerschaft für den Frieden ist zu einer
dauerhaften, einigenden Kraft in Europa geworden.
Frankreich und Spanien trafen historische Entscheidungen über eine umfassendere Teilnahme am
Bündnis. Wir unterstützten die Demokratie in Rußland
und boten dem Land eine besondere Art der Partnerschaft mit der neuen NATO an. Die Ukraine, Belarus
und Kasachstan haben die Nuklearwaffen von ihrem
Territorium abgezogen. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat
von Bosnien bis zum Kaukasus hart für eine Wahrung
ihrer Grundsätze gearbeitet. Die Europäische Union
hat die Grundlagen für ihre Erweiterung geschaffen
und ihre Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten
gestärkt.
Angesichts unserer Leistungen steht außer Frage, daß
Amerika heute in Europa engagiert bleibt. Es besteht

Seite 1

�kein Zweifel daran, daß die NATO, die EU und die
OSZE funktionieren, sich weiterentwickelt haben und
gemeinsam die beste Hoffnung für den Aufbau eines
sicheren, demokratischen und integrierten Kontinents
darstellen. Es besteht über den Atlantik hinweg ein
breiter Konsens über unseren Kurs. Die NATO ist
weiterhin der zentrale Garant unserer Sicherheit.
Die europäischen NATO-Mitglieder spielen im Bündnis
eine sichtbarere Rolle. Die NATO wird bald neue
Mitglieder aufnehmen. Rußland ist bereits unser
Partner - von den Konferenzräumen Brüssels bis zu
den Schlammfeldern Bosniens.
In dieser Woche symbolisieren drei Ereignisse die von
uns erzielten Fortschritte.
Beim OSZE-Gipfel in
Lissabon verabschiedeten 55 Nationen ein umfassendes Sicherheitsmodell und einen neuen Ansatz für die
konventionelle Rüstungskontrolle in Europa. Bei der
Londoner Bosnienkonferenz kamen wir zur Unterstützung von Demokratie und Wiederaufbau in Bosnien
zusammen. Heute treffen wir uns als NATO-Verbündete, um die von unseren Staats- und Regierungschefs beim Gipfel von 1994 unterbreitete Vision
voranzubringen.
Bei der heutigen Zusammenkunft stimmen wir über
den Einsatz einer NATO-Stabilisierungstruppe in
Bosnien ab. Wir werden einer bedeutenden Stärkung
der PFF zustimmen. Wir setzen die interne Anpassung der NATO fort. Wir erklären, daß die NATO
im heutigen Europa weder die Absicht noch den Plan
hat, Nuklearwaffen auf dem Territorium eines ihrer
neuen Mitglieder zu stationieren und hierfür auch keine
Notwendigkeit sieht. Und wir bekräftigen, daß derzeit
keine NATO-Streitkräfte in Alarmbereitschaft sind. Die
NATO signalisiert ihre Bereitschaft zur Einrichtung
gegenseitiger Verbindungsbüros mit Rußland bei
unseren wichtigsten militärischen Kommandostellen.
Heute beschlossen wir ein Gipfeltreffen unserer
Staats- und Regierungschefs im Sommer 1997. Wir
werden die von uns gemachten Fortschritte bei drei
umfassenden Zielen konsolidieren, die unsere führenden Politiker 1994 festlegten: Ausstattung der NATO
für neue Rollen und Missionen, Reform ihrer internen
Strukturen und Einbeziehung neuer Verbündeter und
Partner.
Wir müssen uns weiterhin ehrgeizige Ziele setzen und
die schwierigen Fragen direkt angehen - sowohl beim
Gipfel als auch danach. Viele bedeutende Herausforderungen liegen noch vor uns. Bei der Erweiterung
von NATO und EU müssen wir sicherstellen, daß die
Türen dieser Organisationen offen bleiben. Wir
müssen hart mit unseren Partnern in Rußland und der
Ukraine zusammenarbeiten, damit diese Nationen den
ihnen zukommenden Platz in dem neuen Europa
einnehmen. Es wird Zeit erfordern, die großen wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Ost und West zu

Seite 2

überwinden und den Nationen des ehemaligen
Jugoslawiens den Wiedereintritt in Europa zu ermöglichen. Wir waren bei der Verteidigung von
Menschenrechten und politischer Freiheit wachsam:
Wie uns die mutigen jungen Menschen in Serbien
gezeigt haben und die jüngsten Entwicklungen in
Belarus demonstrieren, ist der Kampf für Demokratie in
Europa noch nicht vorüber. Natürlich müssen wir
weiterhin unsere transatlantische Partnerschaft
stärken, indem wir die Schranken zwischen unseren
Völkern und Volkswirtschaften abbauen und die
globalen Herausforderungen gemeinsam meistern.
1999 werden unsere Staats- und Regierungschefs
zweifellos aus Anlaß des 50. Jahrestages der NATO
erneut zusammentreffen. Das Ereignis sollte mehr als
eine Feier anläßlich der Vergangenheit der NATO sein,
mehr als eine Zeremonie zur Begrüßung neuer
Mitglieder. Es wird der Moment sein, an dem die
NATO ihre nächsten 50 Jahre beginnt. Es wird der
Zeitpunkt sein, um den weit ins nächste Jahrhundert
hineinreichenden Kurs unserer neuen atlantischen
Gemeinschaft festzulegen. Obwohl sich seit der
Gründung der NATO viel geändert hat, bleibt das Ziel
der Vereinigten Staaten bestehen: Eine engere
Partnerschaft mit einem größeren, stärker integrierten
Europa auf diesem Kontinent und weltweit. Vor dem
Hintergrund dieses Ziels möchte ich kurz auf die
Themen eingehen, die auf der Tagesordnung für
heute, den kommenden Gipfel und die nächsten Jahre
stehen.
Heute besteht unsere unmittelbarste Aufgabe darin,
unsere endgültige Zustimmung zum Einsatz einer
neuen Friedenstruppe für Bosnien zu geben. In zehn
Tagen ist die Mission der IFOR in Bosnien beendet.
Wir werden dann eine neue Mission beginnen - mit
weniger Soldaten und einem neuen anderthalbjährigen
Mandat. Das ist aufgrund des Erfolgs der IFOR
möglich. Lassen Sie uns kurz darüber nachdenken,
wieviel Dank wir den 60.000 Männern und Frauen der
IFOR schulden. Einige gehören den erfahrensten
Streitkräften der Welt an, andere kommen aus Nationen und Armeen, die vor einigen Jahren noch gar nicht
existierten. Sie vertreten langjährige Verbündete und

ehemalige Gegner. Alle haben gezeigt, daß sie der
Aufgabe der Schaffung von Sicherheit in Europa unter
den härtesten Bedingungen gewachsen sind. Alle an
der IFOR beteiligten Nichtmitgliedstaaten der NATO
werden in der Stabilisierungstruppe bleiben.
Wir haben bislang Fortschritte gemacht, indem wir in
Bosnien einen schrittweisen Ansatz für unsere Vorgehensweise wählten. Wir beendeten den Krieg. Wir
trennten die gegnerischen Streitkräfte. Wir überwachten die Übergabe von Land. Wir beaufsichtigten die
demokratischen Wahlen. Jetzt werden die Institutionen eines geeinten bosnischen Staates aufgebaut.
Jeder Schritt hat Bosnien einen weiteren Schritt vom

AMERIKA DIENST 25

�Krieg entfernt. Aber unsere Arbeit ist noch nicht beendet.
Die IFOR und der Hohe Repräsentant hatten bewundernswürdigen Erfolg bei der Schaffung der Grundlagen für eine normale bürgerliche Gesellschaft in
Bosnien. Jetzt müssen die Parteien einen größeren
Teil der Verantwortung übernehmen.
Sie müssen die Pressefreiheit respektieren. Sie
müssen Rüstungskontrollabkommen einhalten. Sie
müssen Freizügigkeit gewährleisten und den Flüchtlingen die sichere Rückkehr in ihre Heimat gestatten.
Wir alle werden große Anstrengungen unternehmen
müssen, um diese Bedingung für den Friedensprozeß
zu erfüllen. Sie müssen dafür sorgen, daß ihre
gemeinsamen Institutionen effektiv funktionieren. Eine
kompetente und ehrliche öffentliche Verwaltung ist von
elementarer Bedeutung. Die OSZE ist verantwortlich
für die Überwachung und Veranstaltung von Kommunalwahlen, die im April stattfinden werden. Wenn
diese Wahlen erfolgreich sein sollen und die OSZE
eine zentralere und einflußreichere Rolle in Europa
übernehmen soll, müssen wir ihren Bestrebungen
unsere volle finanzielle und politische Unterstützung
gewähren.
Gerechtigkeit ist auch eine Vorbedingung für dauerhaften Frieden. Es sollte kein Zweifel an unserer Entschlossenheit bestehen, Kriegsverbrecher zu bestrafen. Wir erwarten von den Behörden in Bosnien,
Kroatien und Serbien die Festnahme von Kriegsverbrechern und ihre Auslieferung an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Aber wir brauchen bei
diesem drängenden Problem auch neue und effektive
Methoden.

ihre Nachbarn in Zentraleuropa bereits haben: Faire
Wahlen, eine freie Presse und Marktwirtschaft. Wenn
Präsident Milosevic ihren Willen respektiert, können
die Serben die erforderliche Legitimität und Hilfe
bekommen. Wenn er Serbien als eine nicht reformierte Diktatur regieren will, erhöht er nur noch seine
Isolierung und das Leiden seines Volkes.
Die internationale Staatengemeinschaft muß ebenfalls
weiterhin ihren Verpflichtungen nachkommen. Wir
müssen die Gewährung von Wiederaufbauhilfe an die
Parteien beschleunigen, die ihre Pflicht erfüllen.
Unsere Zusagen müssen in Projekte vor Ort umgewandelt werden, damit die Menschen die Vorteile des
Friedens sehen können. Aber wie Präsident Clinton
erklärte, obliegt es immer noch dem bosnischen Volk,
die Verantwortung für den Wiederaufbau seines
Landes, die Versöhnung mit seinen Nachbarn, die
Einsetzung einer demokratischen nationalen Regierung sowie die Schaffung der Grundlagen für einen
sich selbst erhaltenden Frieden zu übernehmen.
Die Mission der NATO in Bosnien, die breite Basis
unserer Koalition und unsere Zusammenarbeit mit
Organisationen wie der OSZE machen offenkundig,
daß wir eine neue NATO aufgebaut haben. Die
Herausforderung, mit der wir uns in Bosnien konfrontiert sahen, ist auch die Art von Herausforderung,
der sich eine neue NATO in der Welt nach dem Kalten
Krieg mit größerer Wahrscheinlichkeit gegenübersieht
und zeigt uns das Potential, das die NATO für die
Gewährleistung von Frieden und Stabilität hat.
Jahrelang sahen die Menschen dieses Bündnis nur als
Bollwerk gegen Aggression in Europa. Jetzt erkennen
wir, daß es das mächtigste und effektivste Instrument
für den Aufbau militärischer Koalitionen in der Welt ist.

Unsere Hilfe in Bosnien wird nur etwas bewirken, wenn
wir darauf bestehen, daß die Parteien ihren Verpflichtungen nachkommen. Der Wiederaufbau in
Bosnien ist kein Selbstzweck. Die Reparatur von
Brücken und Straßen ist unseren Zielen nur dann
förderlich, wenn auf ihnen der freie Fluß von Menschen und Waren möglich ist. Wirtschaftshilfe wird nur
stabiles Wachstum hervorbringen, wenn die neuen
Institutionen in Bosnien es sich wirksam zunutze
machen. Die Wiederaufbauhilfe soll den Friedensprozeß unterstützen und die Erfüllung der zentralen
Forderung des Daytoner Abkommens - ein geeintes,
multiethnisches Bosnien - beschleunigen, und sie ist
an die Erfüllung dieser Forderung durch die Parteien
gebunden.

Das ist ein Grund, warum wir die interne Anpassung
der NATO in die Wege geleitet haben, und das ist der
Grund für die Einführung des Konzepts alliierter
Streitkräftekommandos (CJFT). Wir möchten der
NATO eine permanente Fähigkeit verleihen, für
komplexe Missionen wie IFOR zu planen, zu üben
sowie Soldaten und Gerät zu dislozieren. Diese
Reformen werden den europäischen Verbündeten der
NATO auch eine echte Chance bieten, eine sichtbarere, verantwortungsvollere Rolle im Bündnis zu
spielen. Unsere europäischen Verbündeten haben
beispiellose Erfahrung bei der Friedenssicherung. Sie
haben jetzt die Möglichkeit, die Aktiva der NATO für
Operationen unter der Führung der WEU zu nutzen.

Wir müssen Serbien und Kroatien auch klarmachen,
daß sie der internationalen Staatengemeinschaft nur
als offene, demokratische Gesellschaften beitreten
können. Heute verurteilen wir gemeinsam die Entscheidung der serbischen Regierung, die Ergebnisse
der Wahlen vom 17. November zu ignorieren. Diese
Entscheidung muß umgekehrt werden. Die Menschen
in Serbien haben ebenfalls ein Anrecht auf das, was

Seit unserem Berliner Ministertreffen über die innere
Anpassung der NATO haben wir beträchtliche Fortschritte erzielt - bei den CJFT, den Beziehungen der
NATO zur WEU, der Entwicklung einer gemeinsamen
europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität
sowie der Reform der Kommandostruktur. Wir sollten
diese Arbeit bis zu dem Gipfeltreffen beenden. Unser
Ziel besteht in der Stärkung der Fähigkeit der NATO zu

AMERIKA DIENST 25

Seite 3

�handeln, um neue Herausforderungen zu bewältigen,
während wir gleichzeitig die Qualitäten bewahren, die
sie so erfolgreich gemacht haben, darunter das
einheitliche Kommando und die transatlantische
Verbindung.
Wir machen auch kontinuierliche Fortschritte bei
unseren Bestrebungen, die neuen Demokratien
Europas vollständig, endlich und für immer in unsere
transatlantische Gemeinschaft einzubinden.
Die
NATO-Erweiterung muß natürlich mit den stärksten
Kandidaten beginnen, sonst würde sie überhaupt nicht
beginnen. Die Nationen, die wir zuerst einladen,
sollten diejenigen sein, die am deutlichsten unter
Beweis stellen, daß sie der Verantwortung gerecht
werden können, die NATO-Verbündete gemeinsam
tragen. Um Präsident Clinton zu zitieren, glauben wir
auch, daß die neuen Mitglieder nicht später als Juni
1999 - dem 50jährigen Bestehen der NATO - aufgenommen werden sollten.
Wenn die Aufnahmegespräche beginnen, hat jeder
von uns die Pflicht, unseren Bürgern und Parlamenten
zu vermitteln, daß die Erweiterung unsere Interessen
fördern wird. Das Bündnis muß auch klarstellen, daß
dieser Prozeß ein offenes Ende hat: Die ersten neuen
Mitglieder werden nicht die letzten sein. Die NATO
sollte den Wunsch der Nationen begrüßen, die nach
dem Gipfeltreffen weiterhin die Mitgliedschaft anstreben und unseren intensivierten Dialog sowie die
Konsultationen mit ihnen fortführen. Die Aussicht der
Erweiterung hat jedem potentiellen Mitglied einen
Anreiz gegeben, tiefere Beziehungen zur NATO zu
entwickeln, die Demokratie im eigenen Land zu
bewahren und zu regionaler Stabilität beizutragen. Es
liegt in unserem Interesse, diesen Anreiz für eine
große Gruppe von Staaten beizubehalten. Die neuen
Mitglieder der NATO werden auch die Pflicht haben,
die Tür für andere offenzuhalten.
Wir müssen ferner sicherstellen, daß alle neuen
Demokratien Europas - ob sie der NATO früher, später
oder überhaupt nicht beitreten - eine Chance haben,
zur Gestaltung der Zukunft Europas beizutragen.
Deshalb sollten wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten, um so bald wie möglich den Atlantischen
Partnerschaftsrat zu gründen. Der Rat wird die
kollektive Stimme der Partnerschaft für den Frieden.
Er wird unseren Partnern einen offiziellen Konsultationsmechanismus mit dem Bündnis und einen
Mechanismus für gegenseitige Zusammenarbeit - nicht
nur direkt mit der NATO - bieten. Er wird für jedes
Mitglied der Partnerschaft und des Nordatlantischen
Kooperationsrats, an dessen Stelle er tritt, offen sein.
Am wichtigsten ist, daß der Rat uns bei der Gestaltung
der Zukunft der Partnerschaft für den Frieden behilflich
ist. Die Partnerschaft ist ein außerordentlicher Erfolg.
'1996 hat sie 16 militärische Übungen abgehalten, 25
sind für nächstes Jahr geplant. Sie hat es ermöglicht,

Seite 4

die ersten wirklich gesamteuropäischen militärischen
Koalitionen zu bilden. Heute bringen wir sie auf eine
neue Ebene. Wir haben vereinbart, daß die Mitglieder
der Partnerschaft sich am gesamten Spektrum der
NATO-Missionen beteiligen sollten. Wann und wo
immer die NATO handelt, sollten unsere Partner eine
Chance haben, an unserer Seite zu stehen. Wir haben
vereinbart, unsere Partner zusätzlich zur Durchführung
in die Planung der Mission einzubeziehen, an der sie
sich beteiligen, sowie in die reguläre Arbeit der
militärischen Behörden der NATO in Friedenszeiten.
Diese Schritte sollten rasch umgesetzt werden.
Meines Erachtens sollte die NATO auch ein Verbindungsbüro in den Partnerländern eröffnen, die dies
wünschen. Und wir sollten alle anderen Erweiterungen
in Erwägung ziehen, die der Atlantische Partnerschaftsrat vorschlägt.
Jeder von uns, alle unsere Partner und viele andere
Nationen sind auch Mitglieder der OSZE. Sie ist ein
elementarer Pfeiler des amerikanischen Engagements
in Europa. Ihre Bedeutung wird zunehmen, solange
wir die von ihr geförderten Prinzipien respektieren:
Achtung der Menschenrechte und eine offene Gesellschaft. Natürlich ist die OSZE sehr viel mehr als ein
Trendsetter geworden: Sie hat Wahlen in ganz Europa
unterstützt und war während des gesamten Krieges in
Tschetschenien für die Förderung von Dialog und
Aussöhnung vor Ort. Sie ist die einbeziehende und
notwendige Ergänzung zu den anderen Institutionen
unserer neuen atlantischen Gemeinschaft. Bosnien ist
ein Fallbeispiel: Ohne die NATO hätten wir dort nicht
den Frieden sichern können; ohne die OSZE können
wir keine Demokratie - den Schlüssel zu dauerhaftem
Frieden - aufbauen.
Beim OSZE-Gipfeltreffen einigten wir uns auf den
Umfang und die Parameter von Verhandlungen zur
Anpassung des Vertrags über konventionelle Streitkräfte in Europa. Die Verhandlungen sollten unverzüglich im neuen Jahr beginnen. Wir sind bereit,
alte Spaltungen zwischen Staatengruppen zu überwinden, das System von Begrenzungen des Vertrags
auf den neuesten Stand zu bringen sowie stabilisierende Maßnahmen und die Verifizierung zu verbessern.
Unser Ziel sind schnelle Fortschritte. Zu diesem
Zweck sollte das Bündnis Anfang nächsten Jahres
einen umfassenden Verhandlungsvorschlag vorbereiten und unterbreiten.
Auch Rußland sollte eine vitale Rolle in jeder Institution
und bei jedem Vorhaben unserer neuen atlantischen
Gemeinschaft spielen. Das ist heute möglich aufgrund
der Fortschritte, die Rußland unter Präsident Jelzins
Führung gemacht hat: Wahlen sind Realität geworden,
und die Ideale freier Marktwirtschaft verbreiten sich
zunehmend. Das ist unerläßlich, weil wir nur ein von
Tyrannei, Teilung und Krieg freies Europa aufbauen
können, wenn die größte Nation Europas unser
vollwertiger Partner ist.

AMERIKA DIENST 25

�Wir streben grundlegend neue Beziehungen zwischen
dem neuen Rußland und der neuen NATO an. Zur
Erlangung dieses Ziels muß die NATO fest entschlossen ihre Gesamtstrategie weiterentwickeln.
Wir
müssen weiterhin jeden Eindruck von Unsicherheit,
Mehrdeutigkeit oder Verzögerung vermeiden. Gleichzeitig muß die NATO ihre Bereitschaft signalisieren, mit
Rußland die Einzelheiten und Substanz wirklich
kooperativer Beziehungen zu erarbeiten.
Das Potential für diese Beziehungen zeigt sich bereits
in Bosnien. Generalmajor Montgomery Meigs, der die
Einsatztruppe kommandiert, in der amerikanische und
russische Soldaten in Tuzla dienen, hat es am besten
formuliert: Heute "ist ein Angriff auf russische Mitglieder der Einsatztruppe Eagle nichts anderes als ein
Angriff auf amerikanische Soldaten". Die Truppen
Rußlands und der NATO in Bosnien trauen einander,
sind voneinander abhängig und verteidigen sich
gegenseitig. Sie haben letztes Jahr eine gemeinsame
Aufgabe übernommen, und sie haben eine gemeinsame Aufgabe für die nächsten 18 Monate. Unsere
Aufgabe ist es, einen permanenten Rahmen zu
schaffen, der ihre Einstellung auf andere gemeinsame
Vorhaben überträgt und sie bewahrt, lange nachdem
der letzte ausländische Soldat Bosnien verlassen hat.
Diese Beziehungen sollten in einer zwischen der
NATO und Rußland verabschiedeten Charta ihren
Niederschlag finden. Rußland und das Bündnis sollten
gemeinsam einen offiziellen Rahmen für Kooperation,
Konsultationen, Ausbildung und Krisenmanagement
schaffen. Wir streben keinen starren, legalistischen
Vertrag an, sondern vielmehr einen Konsultationsprozeß und ein Schema regelmäßiger Sicherheitszusammenarbeit. Es besteht Übereinstimmung, daß
solche Beziehungen möglich sind und gleichermaßen
im Interesse der NATO und Rußlands liegen. Und wir
sind jetzt bereit, bei jedem Aspekt unserer Sicherheitsstrategie in eine neue Phase zu treten: Wir sehen der
engen Zusammenarbeit mit Rußland bei der Erarbeitung dieses lebenswichtigen Elements erwartungsvoll entgegen, so daß Rußland ein Mitspracherecht bei europäischen Sicherheitsangelegenheiten
hat, das es verdient und das Europa benötigt.
Meiner Ansicht nach kann, muß und wird auch die
Ukraine vollständiger Bestandteil der europäischen
Strömung sein. Die Ukraine hat enorme Fortschritte
bei der Überwindung der schmerzlichen und schwieri-

AMERIKA DIENST 25

gen Geschichte des Landes gemacht. Die ukrainische
Führung hat klargestellt, daß sie ihren Teil zum Aufbau
eines sicheren und integrierten Europas beitragen will.
Heute haben wir beschlossen, erweiterte Beziehungen
zwischen der Ukraine und der NATO zu definieren.
Wir sollten die Ukraine auch ermutigen, weiterhin enge
Bande zu allen Nachbarländern zu knüpfen. Das neue
polnisch-ukrainische Bataillon zur Friedenssicherung
ist beispielsweise ein sichtbarer Schritt bei der Ausmerzung der Teilung Europas. Es sollte integraler
Bestandteil der Partnerschaft für den Frieden werden,
damit es bei künftigen Missionen wie der IFOR eingesetzt werden kann.
Ich habe oft gesagt, daß unsere große Herausforderung in allen diesen Bereichen darin besteht, die Arbeit
fortzusetzen, die unsere Vorgänger begannen, als sie
nach dem Zweiten Weltkrieg unser Bündnis aufbauten.
Sie riefen die transatlantische Partnerschaft ins Leben
und entwickelten sie weiter. Wir stärken unsere
Partnerschaft und dehnen auf die seit kurzem freien
Nationen Europas das aus, was ihnen 1945 verweigert
wurde. Es geschieht nicht häufig, daß den Menschen
die Möglichkeit geboten wird, die großen Chancen zu
nutzen, die wir in der Vergangenheit verstreichen
ließen. Wir haben diese Möglichkeit - und wir ergreifen
sie.
Heute erinnern wir uns an die Leistungen von Schuman, Bevin, Sforza, Pearson, Acheson und Marshall.
Wir denken nicht oft an die zahllosen großen und
kleinen Hindernisse, die ihnen im Weg standen.
Wenige erinnern sich an die Verständigung, die sie
erzielen mußten, bevor unsere Politiker in Bretton
Woods, Washington oder Rom zusammenkommen
konnten, um die Institutionen der Nachkriegszeit aus
der Taufe zu heben. Künftige Generationen werden
sich vielleicht auch nicht an die Einzelheiten unserer
Diskussionen hier erinnern. Aber wenn wir uns
weiterhin auf das wirklich Wesentliche konzentrieren,
werden sie sich an folgendes erinnern: Das war die
Zeit, in der wir die Gründungsvision der NATO erfüllten; das war die Zeit, in der wir die Aufgabe eines
halben Jahrhunderts beendeten, ein freies und
sicheres Europa aufzubauen, dieses Mal jedoch ohne
Teilungen und ohne jemanden auszuschließen. Ich
bin dankbar für die Gelegenheit, daß ich meinen Teil
zu diesem Unternehmen beitragen konnte, und ich
weiß, Präsident Clinton ist entschlossen, es fortzuführen.

Seite 5

�UMWELT
20. Dezember 1996

Gipfeltreffen von Santa Cruz
ist positives Ergebnis von Miami
Eröffnungsansprache von Vizepräsident Gore

SANTA CRUZ - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir in wesentlichen Auszügen die Eröffnungsansprache, die
Vizepräsident AI Gore am 7. Dezember 1996 beim Gipfel über umweltverträgliche Entwicklung in Santa Cruz in
Bolivien hielt.

Es ist mir eine Ehre, heute morgen hier zu Ihnen
sprechen zu dürfen und eine Freude, wieder in
Bolivien und Santa Cruz zu sein, das ich bereits vor
einigen Jahren besucht habe.
Es ist kaum zu glauben, daß fast auf den Tag genau
erst zwei Jahre vergangen sind, seit die 34 demokratisch gewählten Staats- und Regierungschefs unserer
Region in Miami zusammentrafen und unsere Reise in
eine Zukunft auf der Grundlage von freiem Handel,
starken demokratischen Institutionen, der Bekämpfung
von Armut sowie Wachstum begannen, das das Leben
der Menschen verbessert und gleichzeitig unsere
Umwelt schützt. Nach Ansicht der Vereinigten Staaten
gehört der bolivianische Gipfel über nachhaltige
Entwicklung zu den vielversprechendsten Ergebnissen
von Miami. Wir erachten diese Konferenz und ihre
substantielle Tagesordnung als Schlüsselelemente der
Partnerschaft dieser Hemisphäre, die wir für das 21.
Jahrhundert schaffen wollen. Obwohl wir aus verschiedenen Nationen kommen und einen unterschiedlichen Hintergrund haben, sind wir geeint in der
grundlegenden Überzeugung, daß wir keine verantwortungsbewußten Hüter unserer Freiheit sein können, wenn wir nicht auch verantwortungsbewußte
Hüter von Land, Wasser und Luft dieser Hemisphäre
sind. Eine nachhaltige demokratische Entwicklung
setzt die nachhaltige Entwicklung der Ressourcen
voraus, die unsere Freiheit erhalten.
Der Gipfel für nachhaltige Entwicklung in dieser
Hemisphäre ist in vieler Hinsicht eine Brücke, die auf
den geistigen Grundlagen des Erdgipfels von Rio und
auf der in Miami begonnenen hemisphärischen
Partnerschaft steht. In den letzten beiden Jahren

AMERIKA DIENST 25

haben wir begonnen, auf eine größere Synthese
zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, sozialer
Gerechtigkeit und Umweltschutz hinzuarbeiten. Wir
lernen, daß keiner dieser Prozesse ohne den anderen
fortgesetzt werden kann. Durch unsere Zusammenarbeitsind wir zu der Erkenntnis gelangt, daß wir nicht
die Armut bekämpfen können, ohne uns mit der
Zerstörung der Umwelt zu befassen. Und wir haben
gelernt, daß wir nicht die Umwelt schützen können,
ohne wirksam gegen Armut vorzugehen.
Auf dem Weg nach Santa Cruz heute morgen wurde
unser Flugzeug wegen des Sturms nach Cochabamba
umgeleitet. Als der Himmel wieder klar wurde, gab
unser Flug von Cochabamba nach Santa Cruz mir die
Gelegenheit, von oben mehr von diesem wunderschönen Land zu sehen. Von der rechten Seite
meines Flugzeugs aus konnte ich durch die Wolken in
der Ferne fast das Land des sagenumworbenen Cerro
Rico (in Potosi) sehen. Er ist das vielleicht aussagekräftigste Symbol unserer Hemisphäre für die
enge Verbindung zwischen der Art und Weise, wie wir
uns die Erde zunutze machen, und der Armut beziehungsweise dem Reichtum, die das Resultat unseres
Umgangs mit den natürlichen Ressourcen sind. Der
Cerro Rico war früher einmal reich an Silber. Dort
stand einmal die größte Stadt unserer Hemisphäre und
unterhielt das damals mächtigste Imperium, das
Tausende von Meilen entfernt war. Dieser Reichtum
wurde jedoch schnell und grausam ausgebeutet, und
der Wohlstand war nur von kurzer Dauer. Als die
Reichtümer vollkommen erschöpft worden waren,
blieben die Berge kahl zurück und die Menschen in
diesem schönen Land litten gemeinsam mit der Erde.
Beide waren verarmt.

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�Heute, Jahrhunderte später, wächst in unserer Hemisphäre ein neues Verständnis für die Zerbrechlichkeit der Geschenke der Erde und ihren wahren Wert.
In den Vereinigten Staaten und in allen Ländern
unserer Hemisphäre lernen wir aus unseren Fehlern.
Wir setzen uns für die Sauberheit von Wasser, Luft
und Land ein. Wir schützen gefährdete Arten. In
meinem Land können wir endlich wieder auf die Berge
schauen und dort Kondore fliegen sehen. Hier an
diesem südlichen Himmel, in den der Cerro Rico
hineinragt, sehen wir, wie dieses neue Bewußtsein die
Flügel schwingt und sich über diesen Ort erhebt, der
uns von Gott gegeben wurde. Dieser Ort ist unsere
tierra rica, unser reiches Land.
Wir kommen als Brüder und Schwestern in einer
neuen Hemisphäre zusammen und geben ein feierliches Versprechen ab: Die Menschenwürde, die
Bekämpfung der Armut und die Zukunft unseres
Planeten erfordern, daß diese tierra rica nicht zu einem
Cerro Rico wird. Dieses reiche Land soll nicht wieder
ausgebeutet werden.
Diesen Kurs verfolgten wir gemeinsam in Rio, in
Miami, hier in Santa Cruz und werden es bald in
Santiago tun. Durch Zusammenarbeit sind wir zu der
Erkenntnis gelangt, daß Regierungen allein nicht die
Lösungen für alle uns konfrontierenden Herausforderungen bieten können, sondern dem Privatsektor,
nichtstaatlichen Organisationen und den internationalen Finanzinstitutionen eine immer wichtigere
Rolle zukommt. In Zusammenarbeit tragen wir die
Mauer des Mißtrauens ab, die die Debatte über Handel
und Umwelt umgibt. Wir sind uns bewußt, daß
vorsichtige handelspolitische Maßnahmen, wie die im
Rahmen von NAFTA und MERCOSUR ergriffenen, mit
Umweltschutz, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und
sozialem Fortschritt vereinbar sind.
Und durch
Zusammenarbeit sind wir zu der Erkenntnis gelangt,
daß sozialer Fortschritt im Rahmen einer Verpflichtung
zu demokratischer Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit das gemeinsame übergeordnete Ziel
darstellt, das unsere wirtschaftlichen und umweltpolitischen Ziele verbindet.
In diesem Sinne ist unsere heutige Arbeit Teil größerer
globaler Bestrebungen zur Förderung von nachhaltiger
Entwicklung, Demokratie und Wohlstand. In Manila
kamen gerade die Staats- und Regierungschefs des
Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) zusammen und prüften am
Rande ihrer Gespräche über Handel und Integration
auch Mittel und Wege zur Säuberung des pazifischen
Ozeans sowie zur Entwicklung einer Agenda für
umweltverträgliche Städte und Industrien. In Istanbul,
Rom, Peking, Kairo und Kopenhagen kamen wir unter
der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen zusammen, um einen neuen Kurs für Fragen zu entwerfen, die für die Zukunft unseres Planeten von zentraler
Bedeutung sind, einschließlich Urbanisierung, Hunger,

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Rolle der Frau, Bevölkerung und andere äußerst
wichtige soziale Fragen. In Managua hatte ich die
Gelegenheit zur Teilnahme an einer bedeutenden
Zusammenkunft, bei der sich viele unserer Nationen
den Zielen von CONCAUSA (Central American
Alliance for Sustainable Development) verpflichteten.
Kommende Woche werden in Genf Vertreter von mehr
als 100 Nationen zusammentreffen, um über die
nächsten Schritte für die Bewältigung der extrem
wichtigen globalen Herausforderung des Klimawandels
zu beraten. Wir wissen, daß wir uns und künftige
Generationen in große Gefahr bringen, wenn wir
dieses Risiko ignorieren. Ich bin erfreut und ermutigt
angesichts der hier und weltweit unternommenen
Bestrebungen zur Bekämpfung dieser Bedrohung.
Hier in Santa Cruz wird unsere heutige Arbeit neue
Herausforderungen bringen, neue Fragen aufwerfen
sowie unsere Diskussionen und zukünftige Arbeit
leiten. All dies sind Schlüsselelemente eines entstehenden globalen Bewußtseins über die Zukunft
unseres Planeten. Unsere Nationen haben sich
niemals zuvor im Schulterschluß so intensiv auf unsere
gemeinsamen Herausforderungen konzentriert. Und
wir haben nie zuvor so klar die Notwendigkeit von
Aktionen mit hohen Grundsätzen erkannt.
Die besondere Herausforderung, mit der wir heute und
in den kommenden Monaten konfrontiert sind, besteht
in mehr als nur der Befürwortung von Ideen - wir
müssen sie umsetzen. Wir müssen mehr unternehmen, als nur Ideen zu Papier zu bringen - wir müssen
sie vor Ort, zum Nutzen unserer Menschen umsetzen.
Wir müssen über ehrgeizige Worte und Absichtserklärungen hinaus zu konkreten Ergebnissen kommen, die im Leben der Menschen wirklich etwas
bewirken. Lassen Sie uns nicht vergessen, daß wir
heute aus einem einzigen Grund hier sind: Alles
Menschenmögliche zu unternehmen, um das Wohlergehen unserer Kinder und Enkel zu verbessern und
sicherzustellen, daß sie in einer friedlichen Welt leben
können - einer Welt mit sauberer Luft und sauberem
Wasser, in der das Versprechen des Wohlstands nicht
nur ein Traum, sondern ihr Geburtsrecht ist.
Dieses Unterfangen beginnt man am besten mit dem
Aktionsplan dieses Gipfels. Es ist ein ehrgeiziges
Dokument, das auf den in Rio, Miami und andernorts
geschaffenen Grundlagen basiert.
Und dieses
Dokument fördert die Sache nachhaltiger Entwicklung,
indem es viele der in Rio eingegangenen Verpflichtungen weiterentwickelt, anstatt völliges Neuland zu
betreten. Nach mehrjähriger Arbeit mit dem RioProzeß haben wir und der Großteil der internationalen
Staatengemeinschaft erkannt, daß die Konzentration
auf einige wenige Schlüsselthemen zu einem bestimmten Zeitpunkt bei weitem der effektivste Weg zur
Förderung der Umweltagenda ist.

AMERIKA DIENST 25

�Ich möchte zwei Bereiche unseres Aktionsplans
hervorheben, die ein besonderes Versprechen für die
Verbesserung des Lebens der Menschen beinhalten.
Erstens die Initiativen zur Verbesserung der Wasserqualität. Sauberes Wasser ist eine grundlegende
Notwendigkeit. Niemand in dieser Hemisphäre sollte
verurteilt sein, unsauberes Wasser zu trinken. Aber
allzu viele tun das jeden Tag. Viele Menschen in den
Vereinigten Staaten waren vor einigen Jahren schokkiert, als Hunderttausende unserer Mitbürger aufgrund
von Problemen mit der städtischen Wasserversorgung
in Milwaukee (Wisconsin) erkrankten.
Heute stimmen wir darin überein, daß die Länder der
Hemisphäre verschiedene innovative und spezifische
Schritte zur Verbesserung der Wasserqualität in
unserer gesamten Hemisphäre unternehmen müssen.
Im Rahmen unseres Aktionsplans werden wir unsere
Bestebungen verstärken, nicht nur die Verunreinigung
durch biologische Schadstoffe, sondern auch durch
Chemikalien und Schwermetalle zu verhindern. Und
wir werden mehr zur Förderung innovativer Finanzmechanismen unternehmen, um Gelder für die
Bestrebungen zum Schutz von Wassereservoiren zu
erhalten.
Zweitens enthält der Aktionsplan das großartige
Versprechen, allen unseren Bürgern die Vorteile der
Elektrizität zu bringen. Elektrischer Strom erleuchtet
Häuser und Schulen, kühlt Medikamente und versorgt
Unternehmen mit Energie. Trotzdem hat heute noch
ein Drittel unserer Bürger keinen Zugang zu dieser
grundlegenden Technologie. Alle unsere Bürger
müssen Zugang zu dieser elementarsten aller Dienstleistungen und das Recht haben, umfassend am
nachhaltigen Wirtschaftswachstum unserer Hemisphäre beteiligt zu sein und dazu beizutragen.
Ich freue mich feststellen zu können, daß die jüngsten
technologischen Fortschritte erneuerbare Energien
besonders attraktiv für die Stromversorgung ländlicher
Gebiete machen. Ich habe keinen Zweifel daran, daß
sie in den kommenden Jahren noch attraktiver und
kostengünstiger werden.
Unsere hemisphärische Partnerschaft macht sich
diese und andere Fortschritte zunutze, indem sie uns
gestattet, zum Vorteil aller voneinander zu lernen.
Dies sind wichtige Schritte, aber lassen Sie mich noch
einmal wiederholen, daß Worte allein nicht ausreichen.
Wichtig ist jetzt die Umsetzung. Wichtig ist Beharrlichkeit, die jedoch nur dann gegeben ist, wenn alle Teile
der bürgerlichen Gesellschaft beteiligt sind. Tatsächlich wissen wir, daß in der neu zu schaffenden Hemisphäre weder unsere Bürger noch unsere führenden
Politiker nur von den Regierungen Antworten erwarten
können. Der Privatsektor ist derzeit die wichtigste
Triebkraft für nachhaltige Entwicklung und wird es
auch in Zukunft bleiben. Betrachten Sie sich die
Bilanz. In den letzten 20 Jahren überstieg der Zufluß

AMERIKA DIENST 25

von Privatkapital in diesen Kontinent bei weitem die
offizielle Entwicklungshilfe als Hauptquelle für die
Finanzierung der von uns angestrebten Lösungen. Im
vergangenen Jahr stieg der Zufluß von Privatkapital in
die Hemisphäre auf mehr als 50 Milliarden Dollar an.
Wir ersetzen Handelshemmnisse durch Handelsbrücken. Allein innerhalb von sieben Jahren erhöhte
sich der Handel in der westlichen Hemisphäre um das
Doppelte - auf mehr als 530 Milliarden Dollar. Das
Wirtschaftswachstum in Lateinamerika beträgt in
diesem Jahr schätzungsweise 3 Prozent.
Ich möchte nochmals insbesondere Bolivien und
andere hier vertretene Länder dazu beglückwünschen,
daß sie bei der Energieversorgung und auf anderen
Gebieten das Wettbewerbsprinzip eingeführt haben.
Die zunehmende Erfahrung zeigt eindeutig, daß
Privatunternehmen sowohl für die Wirtschaft als auch
für die Umwelt besser sind als staatliche Unternehmen. Zur Förderung dieser beeindruckenden Entwicklungen haben all unsere Nationen eine große Verantwortung, die für mehr Wohlstand und nachhaltige
Entwicklung erforderlichen Instrumente bereitzustellen.
Diese Maßnahmen beinhalten eine solide makroökonomische Politik, zunehmende Privatisierung und
Kapitalisierung, ein angemessenes Regelwerk und gut
funktionierende Finanzmärkte.
Außerdem müssen wir alles in unserer Macht Stehende zur Förderung unserer umweltpolitischen Ziele
unternehmen, indem wir Umfang und Reichweite der
Informationstechnologie in unserer gesamten Hemisphäre vergrößern. Der Einsatz des modernen
Internets erleichtert den Fluß von biologischen,
geologischen und atmosphärischen Informationen, die
unabdingbare Voraussetzung für jeden soliden Plan für
nachhaltige Entwicklung sind. Das interamerikanische
Informationsnetz zur Artenvielfalt, das wir als Teil
unseres Aktionsplans einrichten möchten, ist ein
solider Vorschlag, der unsere Unterstützung verdient.
Das zukünftige Wohlergehen dieses Planeten erfordert
jedoch mehr als das, was wir hier in unserer Eigenschaft als Staats- und Regierungschefs tun oder
sagen. Unsere Zukunft hängt auch von den einzelnen
Bürgern ab, die in ihren Kommunen hart arbeiten. Ich
werde jeden Tag durch den Mut der vielen Bürger,
Kinder, Wissenschaftler, Künstler, Einheimischen,
Entwicklungsexperten und Diplomaten inspiriert, die oft
unter großer Gefahr für sich und ihre Familien am
Schutz der Umwelt und der Bekämpfung von Armut
arbeiten.
Wir haben in den vergangenen Jahren gelernt, daß wir
von Dingen träumen dürfen, die es noch nie gab.
Betrachten Sie sich, welche Wunder sich um uns
herum ereigneten:
Südafrika baut heute seinen Weg zu einer
Zukunft in Demokratie und Wohlstand.

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�In Haiti faßt die Freiheit Fuß.
Rußland und die Vereinigten Staaten schaffen
Frieden, anstatt Raketen aufeinander zu
richten.

Auch unsere Bestrebungen für diese Hemisphäre sind
weit mehr als nur der Stoff, aus dem die Träume sind.
Sie können - und werden - mit harter Arbeit, Zielstrebigkeit und Entschlossenheit realisiert werden,

* * * * *

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AMERIKA DIENST 25

�PORTRAT
20. Dezember 1996

Bill Richardson
Der designierte UNO-Botschafter

Der Kongreßabgeordnete Richardson ist Stellvertretender Fraktionsvorsitzender und hat damit einen
der höchsten Posten der demokratischen Führung im
Repräsentantenhaus inne. Von der Führung wurde er
als einer der "produktivsten Gesetzgeber im Repräsentantenhaus" bezeichnet, der zahlreiche Gesetzesvorlagen und Zusätze in den Bereichen Umwelt,
Energie, Indianerfragen, Gesundheitswesen, Außenpolitik und Verteidigung verabschiedete.
1982 wurde Richardson gewählt, um den 3. Kongreßdistrikt von New Mexiko zu vertreten - einen der
größten und ethnisch vielfältigsten des Landes. In
seinem Distrikt sind große hispanische, indianische
und angloamerikanische Kulturen angesiedelt. Er
umfaßt Santa Fe, Taos, einen Großteil des NavajoReservats, die nationalen Labors von Los Alamos und
den Luftwaffenstützpunkt Cannon.
Bei den letzten sechs Wahlen wurde Richardson mit
durchschnittlich 70 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Er ist als Vertreter der Basis bekannt und hat
über 2.300 Stadtversammlungen abgehalten.
Richardson ist führendes demokratisches Mitglied im
Ressourcen-Unterausschuß für nationale Parks,
Wälder und Ländereien. Neben dem RessourcenUnterausschuß ist er im Handelsausschuß, dem
Ständigen Sonderuntersuchungsausschuß für die
Nachrichtendienste und der Helsinki-Kommission für
Menschenrechte tätig.
Richardson war im Kongreß einer der maßgeblichen
Befürworter von erweitertem Handel auf dem gesamten amerikanischen Kontinent (darunter das
Nordamerikanische Freihandelsabkommen). Er hat
sich vehement für Umweltbelange eingesetzt mit der
Formulierung von Gesetzen über saubere Luft und
sauberes Wasser sowie Gesetzen, die vor der Verunreinigung durch Erdöl schützen sollen. Darüber
hinaus hat er die Erweiterung von Nationalparks und
die Kennzeichnung wilder und malerischer Flüsse

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unterstützt. Seit langem war er Befürworter des
Verfassungszusatzes über einen ausgeglichenen
Bundeshaushalt und stimmte für das selektive Veto.
Der designierte UNO-Botschafter diente als Sondergesandter von Präsident Clinton für heikle diplomatische
Missionen. Er hat die Freilassung von Amerikanern
und anderen Geiseln aus der Gefangenschaft ausgehandelt. Er traf mit dem irakischen Präsidenten
Saddam Hussein (Juli 95) zusammen und handelte die
Freilassung zweier inhaftierter Amerikaner aus. Er
erzielte die Freilassung von zwei amerikanischen
Piloten, die von den Nordkoreanern gefangengenommen worden waren (Dezember 94). Er traf mit dem
kubanischen Präsidenten Fidel Castro (Januar und
Februar 96) zusammen und handelte die Freilassung
von drei politischen Gefangenen aus, beschaffte Visa
für ihre Familien und erreichte eine Reduzierung der
Visagebühren um die Hälfte für jährlich bis zu 1.000
Kubaner. Er befreite eine Amerikanerin aus einem
Gefängnis in Bangladesch (Juli 96). Er führte ein
fünfstündiges Gespräch mit dem haitianischen General
Cedras (Juli 94), das die Grundlage für die friedliche
Wiedereinführung ins Amt von Präsident Aristide legte.
Er hielt ein historisches Treffen (Februar 94) mit der
burmesischen politischen Dissidentin Aung San Suu
Kyi ab (während ihres sechsjährigen Hausarrests
durften sie bis dahin nur Familienangehörige besuchen), die inzwischen freigelassen wurde. Er wurde
für den Friedensnobelpreis nominiert (1995). Richardson wurde von der mexikanischen Regierung der
Aztec Eagle Award verliehen (die höchste Ehre, die
einem Ausländer zuteil wurde). Er leitete amerikanische Beobachterteams bei den Wahlen in Guatemala, Nicaragua und Ostdeutschland.
Richardson ist seit langem Verfechter der Souveränität
der Indianer. Als Vorsitzender des Unterausschusses
für indianische Angelegenheiten im 103. Kongreß
formulierte er Dutzende von Gesetzentwürfen und
verabschiedete fast 40 Gesetzesvorlagen (von denen
die Hälfte Gesetz wurde), mit denen alle Aspekte des

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�Lebens der Indianer verbessert wurden, darunter die
Reform des Gesundheitswesens, gerichtliche Veränderungen, Umweltschutzgesetze und Verbesserungen bei der Verwaltung von Treuhandsfonds.

Als ehemaliger Vorsitzender der Abgeordneten
hispanischer Herkunft im Kongreß war er der Initiator
von "Adelante con Clinton" beim Präsidentschaftswahlkampf 1992.

Richardson ist Stellvertretender Vorsitzender des
nationalen Komitees der Demokraten. Er führte den
Vorsitz des Redaktionsausschusses beim Parteitag
des nationalen Komitees der Demokraten im Jahr
1992 und Berichten der Washington Post vom 5. Juli
1992 zufolge wurde er als Kandidat für die Vizepräsidentschaft gehandelt.

Richardson lebt mit seiner Frau Barbara in Santa Fe
(New Mexico). Er erwarb seinen Bachelor of Arts an
der Tufts University und seinen Master of Arts an der
Fletcher School of Law and Diplomacy.

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Seite 2

AMERIKA DIENST 25

�PORTRAT
20. Dezember 1996

William M. Daley
Der designierte Wirtschaftsminister

Der 48jährige William M. Daley trat im Mai 1993 erneut
der Chicagoer Rechtsanwaltssozietät Mayer, Brown &amp;
Platt bei, wo sein Hauptaufgabenbereich Körperschaftsrecht und staatliche Beziehungen war. Von
September 1993 bis November 1993 war er als
Sonderberater von Präsident Clinton für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA tätig.
Von 1985 bis 1990 war Daley bereits Partner von
Mayer, Brown &amp; Platt und in dieser Zeit bei der Erweiterung des Washingtoner Büros der Kanzlei
behilflich.
Daley war Ko-Vorsitzender von Chicago '96, des mit
der Überwachung der städtischen und kommunalen
Planung für den nationalen Parteikonvent der Demokraten 1996 beauftragten überparteilichen, gemeinnützigen Gastkomitees.
Von 1990 bis 1993 war er Präsident der Amalgamated
Bank of Chicago, nachdem er der Bank 1989 als
stellvertretender Vorsitzender beigetreten war. Von
1975 bis 1985 war Daley Sozius der Anwaltskanzlei
Daley &amp; George, Chicago.
Daley ist Mitglied der boards of directors der Federal
National Mortgage Association (FannieMae), Wheelabrator Technologies, Inc., Northwestern Memorial
Corporation, Everen Securities, Inc. und Big Shoulders
Archdiocese of Chicago. Darüber hinaus ist er auch

Mitglied in den Treuhänderausschüssen des The Field
Museum und der Loyola University Chicago. Außerdem ist Daley Mitglied der Beratungsstellen von City
Year Chicago und The Catholic Charities sowie des
Beratergremiums der John Marshall Law School. Er ist
Mitglied von The Chicago Council on Foreign Relations
und des Economic Club of Chicago. Daley wurde
1977 von Präsident Carter in den Konsultativrat von
Economic Opportunity berufen und hatte diese Position
bis 1980 inne. Weiterhin war er im Bi-State Policy
Commirtee für den regionalen Flughafen tätig und
Leiter der Clinton/Gore-Kampagne 1992 in Illinois.
1994 erhielt Daley den St. Ignatius Award for Excellence in the Practice of Law. Ebenfalls 1994 wurde ihm
vom The World Trade Center Chicago der World Trade
Award verliehen.
Daley, der 1975 bei der Anwaltsvereinigung Illinois
zugelassen wurde, erwarb seinen Bachelor of Laws
an der John Marshall Law School in Chicago und
seinen Bachelor of Arts an der Loyola University
Chicago. Ihm wurde ferner der Ehrendoktor der
Jurisprudenz von der John Marshall Law School,
Chicago, verliehen.
Daley lebt mit seiner Frau Loretta und drei Kindern in
Chicago (Illinois).

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AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�PORTRAT
20. Dezember 1996

Gene Sperling
Der neue Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats

Vom 20. Januar 1993 bis heute war Gene Sperling
Präsident Clintons Stellvertretender Referent des
Präsidenten für Wirtschaftspolitik. In dieser Funktion
war Sperling Stellvertretender Direktor des Nationalen
Wirtschaftsrats (NEC) unter Robert Rubin (1993-95)
und Dr. Laura D'AndreaTyson (1995 bis heute).

Bevor Sperling sein Amt im Weißen Haus antrat, war
er Gouverneur Clintons wirtschaftspolitischer Direktor
beim Clinton-Gore-Präsidentschaftswahlkampf in Little
Rock (Arkansas). Nach der Wahl 1992 wurde er zum
Stellvertretenden Direktor für Wirtschaftspolitik für das
Übergangsteam des Präsidenten ernannt.

Als Stellvertretender Direktor des NEC für binnenwirtschaftliche Fragen koordinierte Sperling die Erarbeitung der wirtschaftlichen Tagesordnung des Präsidenten und hatte die Funktion, als ehrlicher Vermittler
die Interessen des Präsidenten bei der interministeriellen Entwicklung der Wirtschaftspolitik zu vertreten. Zu
seinen Aufgabenbereichen zählten wichtige Budgetfragen, die Formulierung und Rechtfertigung des
Vorschlags des Präsidenten für einen ausgeglichenen
Haushalt, Bildungs- und Ausbildungsinitiativen,
Steuerpolitik, Gesundheitsfürsorge sowie städtische
Fragen. In jüngster Zeit hat Sperling eine führende
Rolle bei der Koordinierung der Erarbeitung neuer
politischer Initiativen des Präsidenten gespielt, wie
etwa dem Projekt zur Bekämpfung des Analphabetentums bei Kindern America Reads, dem Bau von
Schulen und im Bereich der Bildungstechnologie sowie
Steuerfreibeträgen für Collegegebühren im Rahmen
von HOPE-Stipendien.

Von 1990 bis 1992 war Sperling als Wirtschaftsberater
des New Yorker Gouverneurs Mario Cuomo tätig.
Davor arbeitete er als politischer Berater, Anwalt für
Verfassungsfragen in der Berufungsinstanz und
Wirtschaftsberater für Regierungsvertreter der Demokratischen Partei.
Sperling hat Beiträge im Yale Law Journal, der Columbia Law Review, Michigan Law Review, Pennsylvania
Law Review sowie im Atlantic Monthly, der Washington
Post, New York Times, im Christian Science Monitor
und American Prospect veröffentlicht.
Sperling legte seine Examina an der University of
Minnesota und der Yale Law School ab und besuchte
die Wharton Business School. An der Yale Law
School war er Redakteur des Yale Law Journal.
Sperling ist gebürtig aus Ann Arbor (Michigan), und
seine Leidenschaft für Wirtschaftspolitik wird nur noch
von seiner Liebe zum Wolverine football übertroffen.

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AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�PORTRAT
20. Dezember 1996

Charlene Barshefsky
Die designierte US-Handelsbeauftragte

Im April 1996 ernannte Präsident Clinton Charlene
Barshefsky zur amtierenden US-Handelsbeauftragten,
nachdem sie zuvor drei Jahre lang die Hauptstellvertreterin des US-Handelsbeauftragten gewesen war. In
dieses Amt hatte Präsident Clinton sie am 28. Mai
1993 berufen.
Seit 1993 spielt Botschafterin Barshefsky eine Schlüsselrolle bei der Erarbeitung und Verfolgung der
handelspolitischen Ziele der Administration. Sie wirkte
am Zustandekommen zahlreicher Handelsvereinbarungen und Investitionsverträge mit. Ihr Verantwortungsbereich umfaßt viele Regionen, einschließlich
der asiatisch-pazifischen Region und Lateinamerikas,
Funktionsbereiche wie geistiges Eigentum und Investitionen weltweit sowie mehrere Sektoren.
In Asien erwirkte Barshefsky den Abschluß bilateraler
und multilateraler Handelsvereinbarungen sowie die
Aufnahme von Verhandlungen über die Verbesserung
des Marktzugangs für amerikanische Exporte und
Investitionen. Im Verhältnis zu Japan spielte sie eine
Schlüsselrolle bei der Ausarbeitung der Politik und der
Aushandlung eines umfassenden Rahmenabkommens.
Entsprechend diesem Rahmenabkommen
wirkte sie entscheidend an Übereinkünften im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe der japanischen
Regierung für Telekommunikationsgerät und -dienstleistungen, medizinisches Gerät und Medizintechnologie, Versicherungen, Flachglas, Zellulartelefone und ausrüstung sowie Abkommen mit Nippon Telephone &amp;
Telegraph (NTT) mit.
Im Büro des US-Handelsbeauftragten war sie auch
eine bedeutende Entscheidungsträgerin und politische
Innovatorin bei einer Reihe sektoraler Handelsfragen
mit Japan, darunter Halbleiter, Computer, Supercomputer, Papier, Glass, Holzprodukte und Landwirtschaft.
Im Hinblick auf Marktzugangsfragen und den Schutz
des Rechts auf geistiges Eigentum in den
amerikanisch-chinesischen
Handelsbeziehungen

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spielte Botschafterin Barshefsky eine führende Rolle
beim Abschluß eines umfassenden Abkommens mit
China über den Schutz des Rechts auf geistiges
Eigentum und war verantwortlich für die allmähliche
und stetige Öffnung des chinesischen Marktes für
wichtige amerikanische Exporte. Zusätzlich leitete sie
mit China bilaterale Verhandlungen über Dienstleistungen ein, darunter Versicherungen und Telekommunikation. Botschafterin Barshefsky war führend
bei der Formulierung des DEC-Prozesses in Korea
sowie beim Abschluß des Bündnisses für gegenseitiges Wachstum (AMG) mit den Staaten des Verbands
Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Ferner leitet sie
die Ausarbeitung der amerikanischen Handels- und
Investitionspolitik im Zusammenhang mit dem Forum
für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC).
Botschafterin Barshefsky leitete die Bestrebungen der
Administration zur Entwicklung bilateraler und regionaler Handelsinitiativen unter besonderer Berücksichtigung von Brasilien, Argentinien, den CARICOMLändern und Zentralamerika, um dem raschen Wachstum des Handels zwischen den Vereinigten Staaten
und Lateinamerika Rechnung zu tragen. Sie war
verantwortlich für die Umsetzung der CBI ParityInitiative sowie für die Förderung von Maßnahmen, die
angemessenen und effektiven Schutz amerikanischer
Investitionen und des Rechts auf geistiges Eigentum in
der Region sicherstellen. Barshefsky war maßgeblich
an der Initiierung der Freihandelszone für den gesamten amerikanischen Kontinent (FTAA) beteiligt und
ist die führende Unterhändlerin der Vereinigten Staaten
beim FTAA. Ferner wird sie das amerikanische Team
bei den Verhandlungen über den Beitritt Chiles zum
NAFTA leiten.
Botschafterin Barshefsky setzt die Bestrebungen der
Administration für strengere Investitionsregeln fort und
ist Leiterin eines interministeriellen Teams, das mit
dem Abschluß weiterer bilateraler Investitionsverträge
(BITS) in Asien und dem amerikanischen Kontinent

Seite 1

�befaßt ist sowie mit dem Engagement der US-Regierung für regionale Bestrebungen im APEC und der
Erarbeitung des Freihandelsabkommens für den
gesamten amerikanischen Kontinent. Im Hinblick auf
den Schutz des Rechts auf geistiges Eigentum und
dessen Umsetzung ist Botschafterin Barshefsky
verantwortlich für die Durchführung der "Special 301"Bestimmungen des Handelsgesetzes und die wichtigste Unterhändlerin der Administration für bilaterale
Fragen zum Recht auf geistiges Eigentum.
Neben diesen Aufgabenbereichen ist Botschafterin
Barshefsky Vorsitzende der Gruppe zur Überprüfung
der Handelspolitik, die bei der Formulierung der
generellen Handelspolitik der Administration behilflich
ist, und an allen Aspekten des Entscheidungsfindungsprozesses der Regierung zu Handelsfragen beteiligt.
Vor ihrer Verwendung im Büro des Handelsbeauftragten war Botschafterin Barshefsky Partnerin der
Washingtoner Anwaltssozietät Steptoe &amp; Johnson. 18

Jahre lang war sie auf internationalen Handel und
Handelspolitik spezialisiert und Ko-Vorsitzende der
International Practice Group.
Während ihrer Zeit im Büro des Handelsbeauftragten
und bei Steptoe &amp; Johnson hat Botschafterin Barshefsky Artikel über die amerikanische und internationale Handelspolitik und Handelsgesetze veröffentlicht sowie Vorträge und Anhörungen zu diesem
Thema gehalten.
Botschafterin Barshefsky legte ihre Examina 1972 an
der University of Wisconsin und 1975 an der Columbus School of Law an der Catholic University in
Washington ab. Beide Institutionen verliehen ihr
zahlreiche akademische Ehren und Auszeichnungen.
Botschafterin Barshefsky ist mit Edward B. Cohen
verheiratet. Sie wohnen mit ihren beiden Töchtern in
Washington, D.C.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 25

�GESUNDHEIT
20. Dezember 1996

Bekämpfung der Ursachen von Infektionskrankheiten
von AID-Direktor J. Brian Atwood

(AD) - Das Amt für internationale Entwicklung (Agency for International Development - AID) stellt eine Vielzahl von
Instrumenten und Finanzmitteln zur weltweiten Stärkung öffentlicher Gesundheitssysteme sowie zur Bekämpfung
der globalen Verbreitung von Infektionskrankheiten bereit. Nachfolgend erläutert AID-Direktor J. Brian Atwood die
Arbeit seiner Behörde im Kampf gegen die weltweite Ausbreitung ansteckender Krankheiten.

Ebenso wie die Charaktere in einem Spionageroman
überqueren die Erreger ansteckender Krankheiten oft
unerkannt die Landesgrenzen, gefährden unbemerkt
jeden, der mit ihnen in Kontakt kommt und bedrohen
die Stabilität der Nationen. Die Aufmerksamkeit der
Öffentlichkeit konzentriert sich auf furchterregende
neue Krankheiten, wie die durch das Ebola-Virus und
den BSE-Erreger hervorgerufenen, aber die alten
Infektionskrankheiten, die mit Antibiotika und Insektenbekämpfungsprogrammen unter Kontrolle gebracht
wurden, machen ebenfalls wieder Schlagzeilen. Zu
einer Zeit, in der Menschen und Fracht, die möglicherweise Träger von Krankheitserregern sind, innerhalb
weniger Stunden Ozeane und Kontinente überqueren
können, stellen das Auftreten tödlicher neuer Krankheiten und das Wiederaufleben der alten Killer ein
globales Anliegen dar.
AID bekämpft seit langem Infektionskrankheiten in den
Entwicklungsländern und gewährt Unterstützung bei
medizinischer Forschung und Gesundheitsfürsorge in
mehr als 40 dieser Länder. AID ist die führende
Behörde der Vereinigten Staaten zur Förderung
internationaler Gesundheit und spielt eine Schlüsselrolle bei der Reaktion auf den Ausbruch von Krankheiten. Der Anteil von AID am Haushalt der US-Regierung für die Krankheitsbekämpfung lag im Haushaltsjahr 1996 bei 295 Millionen Dollar.
Im Juni 1996 erkannte ein Präsidialerlaß zu Infektionskrankheiten die führende Rolle des Amts für internationale Entwicklung bei den langfristigen Bestrebungen
zur Bekämpfung der Ursachen erstmals oder erneut
auftretender Krankheiten in den Entwicklungsländern
an. Das Dokument fordert verstärkte Überwachung,

AMERIKA DIENST 25

Reaktionsfähigkeit und Forschungsaktivitäten in den
Vereinigten Staaten und zusammen mit anderen
Ländern bei der Bekämpfung dieser Krankheiten.
Wie verbreiten sich Infektionskrankheiten?
Epidemien werden nicht immer von neuen Organismen
verursacht. Bekannte Krankheiten können sich an
neuen Orten ausbreiten oder Menschen befallen, die
nicht immun sind. Die Veränderung der ökologischen
und klimatischen Bedingungen oder der Landnutzung
kann die Anfälligkeit des Menschen für "Bakterienüberträger" erhöhen - Insekten, Nagetiere oder andere die
Krankheit übertragende Tiere.
Da immer mehr
Menschen in den Entwicklungsländern aus ländlichen
Gebieten in stark bevölkerte städtische Gebiete mit
unzulänglichen Wohnverhältnissen und sanitären
Einrichtungen oder Gesundheitssystemen ziehen, sind
die Bedingungen für die Entwicklung und Ausbreitung
dieser Krankheiten gegeben.
Malaria, Tuberkulose, Gonorrhöe und Lungenentzündung treten als größere Gesundheitsprobleme wieder
auf, weil die Krankheitserreger gegen die Medikamente resistent werden und die Insekten, die Krankheiten
übertragen, immer resistenter gegen Schädlingsbekämpfungsmittel werden. Die Gesundheitssysteme
müssen "ungewöhnliche Ereignisse" erkennen
können, die den erstmaligen oder erneuten Ausbruch
von Krankheiten signalisieren und schnelle, angemessene Antworten geben können.

Seite 1

�Präventionsprogramme von AID
In den Entwicklungsländern stellen Infektionskrankheiten eine große Gefahr für ernsthafte gesundheitliche
Beeinträchtigungen (Morbidität) dar. Chronische, zu
Invalidität führende Krankheiten behindern Autonomie
und wirtschaftlichen Fortschritt. Neue und erneut
auftretende Krankheiten mit den größten wirtschaftlichen Auswirkungen in den Entwicklungsländern sind
HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose.
Anstatt Programme zur Bekämpfung spezifischer
Krankheiten zu entwickeln - ein sich ständig veränderndes Ziel - erhöht AID die Fähigkeit der Gesundheitssysteme zur Erkennung, Prävention und Behandlung ansteckender Krankheiten durch verbesserte
Ausbildung, Haushaltsmanagement, Pharmazeutika,
Logistik und Kommunikation. Die Hilfe richtet sich
auch auf die Entwicklung epidemiologischer Fähigkeiten und der Krankheitskontrolle sowie die Förderung von Immunisierung, Gesundheitserziehung und
Veränderung des Risikoverhaltens.
Effektive nationale epidemiologische Überwachungssysteme sind von entscheidender Bedeutung, jedoch
sehr schwierig zu schaffen und zu erhalten. Spezielle
Überwachungssysteme für seltene Krankheiten sind
langfristig möglicherweise nicht zweckmäßig. AID hilft
den Entwicklungsländern bei der Einrichtung von
Systemen zur Entdeckung ungewöhnlicher Ereignisse
und zur Bereitstellung von Informationen, um angemessene Aktionen zur Bekämpfung des Ausbruchs
ansteckender Krankheiten durchführen zu können.

Frauen vor Ort in die Planung und Umsetzung der
Bestrebungen zur Bekämpfung der Krankheit von
elementarer Bedeutung. Andere Schlüsselprogramme
beinhalten die Verfügbarkeit von Kondomen, die
Förderung von Verhaltensänderungen und die Verbesserung von Dienstleistungen zur Kontrolle anderer
Krankheiten, die die Möglichkeit einer Ansteckung mit
HIV/AIDS erhöhen.
Resistenz gegen Antibiotika
Mit der Zeit entwickeln alle Bakterien eine gewisse
Widerstandsfähigkeit gegen Antibiotika. Infolgedessen
werden in Zukunft unausweichlich gravierende Probleme durch gegen Medikamente resistente Bakterien
entstehen.
AID ist besonders besorgt über gegen Antibiotika
resistente Krankheitserreger, die Kinder in Entwicklungsländern bedrohen und in den Industrieländern ein
zunehmendes Risiko darstellen. In diesem Zusammenhang räumt AID durch Pneumokokken verursachten Kinderkrankheiten (Lungenentzündung),
durch Hemophilus verursachter Lungenentzündung
und Hirnhautentzündung sowie durch das ShigaKruse-Bakterium verursachter Ruhr hohe Priorität ein.
Tuberkulose tritt wieder verstärkt auf, und die Infektionen rühren zunehmend von Bakterienstämmen her,
die resistent gegen verschiedene, früher effektive
Antibiotika sind. Das gilt insbesondere für Bevölkerungen mit einer starken Verbreitung der HIV-Infektion.
Forschung

Gesundheitssysteme sind nur eine Waffe im Kampf
gegen das Auftreten ansteckender Krankheiten. Die
Beweise häufen sich, daß komplexe Fragen wie
menschliches Verhalten, wirtschaftliche Entwicklung
und Umwelt zum Auftreten und zur Ausbreitung von
Krankheiten beitragen. Die Programme von AID in
diesen Bereichen befassen sich mit Problemen wie
Bevölkerungsexplosion, schlechter Nutzung von Land,
Wasser und Pflanzen sowie mangelhafter Ernährung.
HIV/AIDS
Seit 1986 ist AID weltweit führend im Kampf gegen die
HIV/AIDS-Epidemie, indem es sich auf die Bekämpfung der Ausbreitung des Virus und die Milderung
seiner sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen
konzentriert. Diese Strategie verhindert das Auftreten
und Wiederauftreten anderer Krankheiten, beispielsweise Tuberkulose. AID gibt jährlich ungefähr 120
Millionen Dollar für Präventions- und Behandlungsprogramme aus, um lokale Kapazitäten für die Bekämpfung der Krankheit und ihrer Folgen aufzubauen.
In vielen Entwicklungsländern bekommen Frauen mit
"ebenso großer Wahrscheinlichkeit HIV/AIDS wie
Männer. Aus diesem Grund ist die Einbeziehung von

Seite 2

Die Forschung des Amts für internationale Entwicklung
im Bereich der Infektionskrankheiten in Entwicklungsländern konzentriert sich auf drei Bereiche:
Bekämpfung verbreiteter Kinderkrankheiten
wie Diarrhoe, Malaria, Lungenentzündung
sowie von Krankheiten, denen durch Impfungen, bessere Vorbeugung, Pflege und den
vernünftigen Einsatz mikrobenbekämpfender
Arzneimittel vorgebeugt werden kann.
Verringerung der hohen reproduktiven Morbidität und Sterblichkeit mit Hilfe angemessener
Behandlung und Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten.
Verringerung der Übertragung von HIV/AIDS.
Abstimmung mit den Partnern
AID arbeitet im Rahmen offizieller Abkommen und
Koordinierungsvereinbarungen mit anderen amerikanischen Partnern zusammen. Zu den multilateralen
Aktivitäten zählen substantielle finanzielle und technische Beiträge zu den Programmen der Weltgesund-

AMERIKA DIENST 25

�heitsorganisation (World Health Organization - WHO)
zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Tuberkulose und der
Resistenz gegen Antibiotika. Ferner fördert AID die
internationale Unterstützung regionaler Kontrolle von
Infektionskrankheiten durch das internationale Zentrum
für die Erforschung diarrhoischer Krankheiten (International Center for Diarrheal Disease Research) mit Sitz
in Dhaka in Bangladesch.
Obwohl das historische Mandat von AID sich auf
langfristige Entwicklungsfragen konzentriert, stellt das
Amt auch Mittel für internationale Notfälle bereit.
Unser Büro für ausländische Katastrophenhilfe reagiert
auf Natur- und vom Menschen verursachte Katastro-

*

AMERIKA DIENST 25

phen; wir haben einen großen Beitrag zur Bekämpfung
von Epidemien wie Cholera und Diphterie sowie zu
Operationen amerikanischer und internationaler
Behörden beim Umgang mit dem Ausbruch neuer
Virusinfektionen wie dem Ebola-Virus gezeigt.
Die Operationen von AID vor Ort in den Entwicklungsländern zielen auf die Weiterentwicklung der lokalen
Kapazitäten zur Überwachung und Kontrolle von
Infektionskrankheiten ab. Unser Hauptbeitrag wird
weiterhin darin bestehen, die Ursachen für ansteckende Krankheiten und ihre Verbreitung begünstigende
Bedingungen zu bekämpfen.

* * *

*

Seite 3

�THEMENINDEX
20. Dezember 1996

DER AMERIKA DIENST
1996

Abrüstung
APEC
Arbeit
ASEAN
Außenpolitik
Bosnien
Civitas
CTBT
Datenautobahn
Demokratie
Drogen
Frauen
Fulbright
Gesamtamerika
Gesundheit
Handel
Haushalt
Kuba
Lage der Nation
Landminen
Literatur
Luftfahrt
Menschenrechte
Nachrichtendienste
NAFTA
Naher Osten
NATO
Nichtverbreitung
OECD
Olympiade
OSZE
PFF
Porträt
Rassismus
RIAS

AMERIKA DIENST 25

03, 04, 06, 07
23
19
15
02, 06, 07, 09, 12, 13, 14, 15
01, 05, 08, 10, 11, 15, 18
14
18
02, 04, 05, 13
06, 14
13
01, 18
05
10
25
23, 24
02, 07
17
02
11, 21
16
09
03, 08, 24
05
19
06, 07, 23
03, 10, 12, 13, Sonderdienst 24. Oktober,
23, 25
03
11
14
24
02, 03
17, 21, 22, 24, 25
13
04

Seite 1

�Soziales
Sport
Technologie
Telekommunikation
Terrorismus
Thanksgiving
Umwelt
USA-Deutschland
USA-Europa
USA-Israel
USA-Japan
USA-Kuba
USA-Rußland
USIA
Vereinte Nationen
Verteidigung
Wahlen '96
Währung
Wirtschaft
WTO
4. Juli

17
12
23
09
09,11,14,16
23
08,09,15,17,25
07, 09, 11, 12, 18, 21, 23
04,08,10,21
16
09
14, 18
14,22
10
Sonderdienst 26. September, 19
11
04, 05, 16,17, 20, 22
05,06
04, 06, 10, 11, 15, 19, 22
01,24
13

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 25

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO billigt Einsatz der SFOR in Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher beim Nordatlantikrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gipfeltreffen von Santa Cruz ist positives Ergebnis von Miami&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnungsansprache von Vizepräsident Gore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bill Richardson&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der designierte UNO-Botschafter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William M. Daley&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der designierte Wirtschaftsminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gene Sperling&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der neue Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Charlene Barshefsky &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die designierte US-Handelsbeauftragte&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

11. Dezember 1996

24

OSZE

VIZEPRÄSIDENT GORE WÜRDIGT ROLLE
DER OSZE
Rede beim Lissabonner Gipfel

WTO

WTO ALS WEGBEREITER FÜR STÄRKERE
VERFLECHTUNG DER WELTWIRTSCHAFT
Eröffnungsansprache von Charlene Barshefsky

ABSCHLUSS EINES INFORMATIONSTECHNOLOGIEABKOMMENS ERWARTET
Rede der ehemaligen US-Handelsbeauftragten
Carla Hills

HANDEL

USA MUSSEN AKTIVISTISCHE
HANDELSPOLITIK VERFOLGEN
von Alan P. Larson

MENSCHENRECHTE

ÜBERBLICK ÜBER DIE
MENSCHENRECHTSSITUATION
Rede von Botschafterin Albright

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�PORTRAT

IM AUSLAND GEBORENE AMERIKANERIN
ZUR AUSSENMINISTERIN BERUFEN
Porträt von Madeleine Korbel Albright

PRÄSIDENT CLINTON NOMINIERT
NEUEN VERTEIDIGUNGSMINISTER
Porträt von William S. Cohen

NEUER NATIONALER SICHERHEITSBERATER
NOMINIERT
Porträt von Samuel R. Berger

VOM NATIONALEN SICHERHEITSBERATER
ZUM CIA-DIREKTOR
Porträt von Anthony Lake

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

�OSZE
11. Dezember 1996

Vizepräsident Gore würdigt Rolle der OSZE
Rede beim Lissaboner Gipfel

LISSABON - (AD) - Vizepräsident AI Gore zufolge ist die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (OSZE) "mehr als ein großartiges Forum der Nationen. Sie stellt für die Nationen eine Möglichkeit dar,
sich in Wort und Tat zusammenzuschließen, um praktische Probleme und Herausforderungen an die Grundsätze
anzugehen, die im Mittelpunkt dieser Organisation stehen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 2. Dezember 1996 von Vizepräsident AI Gore beim OSZE-Gipfel in
Lissabon gehaltene Rede im Wortlaut.

Ich danke meinem langjährigen Freund, Präsident
Naserbajew. Es ist mir eine Ehre, heute hier im
Namen meines Präsidenten darüber zu sprechen, wie
wir am besten zukünftige Sicherheit und Wohlergehen
der Gemeinschaft der in der OSZE zusammengeschlossenen Nationen gewährleisten können.
Zunächst einmal möchte ich dem derzeitigen OSZEVorsitzenden, dem Schweizer Flavio Cotti, danken und
unserem Gastgeber - Portugal - zu seiner herausragenden Gastfreundschaft und Effizienz gratulieren.
Tatsächlich gibt es in gewisser Weise vielleicht keinen
besseren Ort für solche Gespräche als diese schöne
Stadt und diese großartige Nation. Vor Jahrhunderten
segelten die Portugiesen über das ihnen vertraute
Mittelmeer hinaus in unbekannte Gefilde. Furchtlos
und mutig fanden sie den Weg nach Afrika, Asien und
zum amerikanischen Kontinent. Daher ist es äußerst
angemessen, daß wir in diesem Land der Entdecker
zusammentreffen, um weitere Schritte auf der neuen
Reise zu Frieden, Sicherheit und Wohlstand für unsere
Nationen und unsere Völker zu planen.
Der Zeitpunkt für ein solches Unterfangen könnte nicht
günstiger sein. Erstmals in der Geschichte sind heute
die Nationen dieser Region - vom Atlantik bis zum Ural
und den Steppen Zentralasiens - die Verpflichtung
eingegangen, gemäß demokratischen Werten zu
leben. Am Vorabend eines neuen Jahrtausends
können wir endlich den Aufbau eines Europas anstreben, in dem nicht mehr Krieg, sondern Frieden
erwartet wird und in dem Sicherheit auf der Interaktion

AMERIKA DIENST 24

freier Märkte, freier Gedanken, freier Menschen und
freier Nationen basiert. In dieser Staatengemeinschaft
muß die Sicherheit jedes einzelnen Landes untrennbar
von der Sicherheit aller sein.
Und wie bei jeder Reise ins Unbekannte macht sich
natürlich jeder von uns Sorgen über die Erfolgschancen. Und verständlicherweise wird es auch
Meinungsverschiedenheiten darüber geben, welcher
Kurs eingeschlagen werden sollte. Einige der Differenzen werden bis zum Abschluß dieses Gipfeltreffens
beigelegt. Bei anderen sind noch weitere Gespräche
innerhalb der OSZE und anderer Organisationen sowie
zwischen den besonders betroffenen Beteiligten
erforderlich.
Aber obwohl noch viel Arbeit vor uns liegt, dürfen wir
nicht die bereits erzielten bemerkenswerten Fortschritte vergessen. Zunächst einmal sollten wir uns
vor Augen führen, in welchem Ausmaß sich die OSZE
an die in der Schlußakte von Helsinki verankerten
Prinzipien gehalten hat, obwohl seit der Unterzeichnung der Schlußakte vor mehr als zwei Jahrzehnten
dramatische Veränderungen stattgefunden haben.
Die OSZE ist heute ebenso wie in früheren Jahren ein
Ort, an dem das Schicksal Europas betreffende
Fragen von allen Regierungen gleichberechtigt erörtert
werden können. Die OSZE ist in dieser Hinsicht
einzigartig. Aber sie ist viel mehr als ein großartiges
Forum der Nationen. Sie stellt für die Nationen eine
Möglichkeit dar, sich in Wort und Tat zusammen-

Seite 1

�zuschließen, um praktische Probleme und Herausforderungen an die Grundsätze anzugehen, die im
Mittelpunkt dieser Organisation stehen.
Bei der Gründung der OSZE bestand die größte
Herausforderung an den Frieden in der Möglichkeit
eines Konflikts zwischen großen Bündnissen politischer, militärischer und wirtschaftlicher Rivalen. So
Gott will, sind diese Tage vorbei. Heute rühren die
größten Bedrohungen nicht von Konflikten zwischen
Gruppen von Staaten, sondern von Zwistigkeiten
innerhalb der Staaten her.
Die OSZE ist sich dieser Realität voll bewußt und führt
infolgedessen Missionen in Regionen durch, in denen
Probleme zwischen ethnischen Gruppen zu einer
zentralen Herausforderung für Frieden und Sicherheit
geworden sind. Diese Missionen - in Berg-Karabach,
Abchasien und andernorts - sind einzigartige Bestrebungen, um Gewalt durch politische Prozesse zu
ersetzen und den Menschen bei der Beilegung ihrer
Konflikte mit Hilfe gegenseitigen Respekts, Vertrauensbildung, Versöhnung und Achtung der Menschenrechte beizustehen.
Die OSZE-Mission in Bosnien stellt eine besonders
dramatische Anpassung an die Herausforderungen
dar, die der schwerste dieser Konflikte mit sich brachte. Aufgrund unserer koordinierten Zusammenarbeit
schweigen jetzt endlich auf dem Balkan die Waffen. Das bittere Resultat des Hasses macht neuer
Hoffnung Platz. Kinder werden Morgens von der
Schulglocke und nicht von Mörsergranaten geweckt.
Natürlich sind die Probleme in Bosnien noch längst
nicht beigelegt. Daß wir jedoch schon so viele Fortschritte gemacht haben, ist das Ergebnis der erfolgreichen Koppelung der Fähigkeit der OSZE zum Umgang
mit den Problemen sozialen und politischen Wiederaufbaus mit der Fähigkeit der IFOR, die Parteien in die
Lage zu versetzen, die Bestimmungen des Friedensabkommens einzuhalten. Diese Partnerschaft zwischen OSZE und IFOR ist mehr als nur ein spektakuläres Beispiel dafür, wie spezifische Herausforderungen
durch effektive kooperative Lösungen bewältigt
werden können. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie
die Sicherheit in Europa durch dynamische neue
Verbindungen zwischen unterschiedlichen Institutionen
- einschließlich der NATO, WEU, EU und der Partnerschaft für den Frieden - gefördert werden kann, von
denen jede eine wichtige Rolle spielt und jede ihre
eigenen Stärken und ihr Fachwissen beisteuert sowie
ihren Beitrag leistet.
In vieler Hinsicht erleuchten diese Geistesblitze den
vor uns liegenden Weg. Wir sehen, wie sich Systeme
der Zusammenarbeit innerhalb unserer Institutionen
und zwischen ihnen entwickeln.
Neue Staaten
schließen sich diesen Systemen an oder treten ihnen
in nie dagewesener Weise bei, um nie dagewesene

Seite 2

Fragen zu behandeln. Exklusivität macht dem Grundsatz der Inklusion Platz. Das Anliegen einer genaueren Definition dieser Organisationen geht einher mit
ihren immer zahlreicheren Möglichkeiten der Interaktion und Evolution.
Die OSZE entwickelt sich tatsächlich schnell, flexibel
und inklusiv. Gleichzeitig muß die OSZE nicht in das
einzige Instrument europäischer Sicherheit verwandelt
werden. Wir sollten den besonderen Beitrag dieser
Gemeinschaft der Zusammenarbeit und Werte würdigen, anstatt ihn in einen legalistischen Rahmen zu
pressen. Verträge haben ihren Platz, aber unseres
Erachtens wird die OSZE auf der Grundlage ihrer
flexiblen politischen Verpflichtungen am erfolgreichsten
sein. Die Vereinigten Staaten sind bereit und willens,
an der Entwicklung kooperativer Arrangements
zwischen den OSZE-Mitgliedern und anderen Organisationen wie der NATO zu arbeiten.
Die NATO ist und bleibt ein Verteidigungsbündnis
gleichgesinnter demokratischer Staaten. Als solches
stellt es natürlich für keinen anderen Staat eine
Bedrohung dar, denn die Bürger freier und demokratischer Nationen haben keinen Grund, das Streben
freier und demokratischer Länder Zentraleuropas nach
Stabilität und Frieden zu fürchten. Tatsächlich liegt die
Stabilität, zu deren Ausweitung auf Zentraleuropa die
NATO beitragen kann, im Interesse aller Nationen.
Parallel zu ihrer Erweiterung möchte die NATO starke
kooperative Beziehungen zu Rußland und anderen
Staaten aufbauen. Auch das kann bedeutenden
Einfluß auf die Stärkung von Sicherheit und Stabilität in
Europa haben. Und das heutige historische Abkommen hier bei der OSZE verstärkt diesen Rahmen
für Frieden und Sicherheit noch. Insbesondere ist es
wesentlich, daß sich die NATO-Erweiterung parallel
zum Aufbau starker und kooperativer Beziehungen zu
Rußland vollzieht. Wenn Klugheit und Staatskunst die
Oberhand behalten, kann die NATO durch die Übernahme neuer Missionen und die Aufnahme neuer
Mitglieder einen Beitrag zu Integration und umfassender Sicherheit in Europa leisten.
Dank der OSZE und des großen Erfolgs des heutigen
Treffens haben wir bereits eine Reihe von Grundsätzen entwickelt, die uns bei der Erfüllung dieser Aufgabe helfen werden. Das umfassende Sicherheitsmodell für das Europa des 21. Jahrhunderts reflektiert
die Weisheit, die zu einem hohen Preis von ganzen
Generationen erkauft wurde. Dieses Sicherheitsmodell ist eine Botschaft der Zuversicht und der
Hoffnung. Es ist die Botschaft, daß wir über die
intellektuellen und moralischen Kapazitäten zur
Gewährleistung von Sicherheit für diese und unzählige
künftige Generationen verfügen. Ich möchte gerne all
jene beglückwünschen, die das ermöglicht haben insbesondere meinen Freund, Ministerpräsident Viktor
Tschernomyrdin, mit dem ich am Vorabend dieses
Treffens zusammenkam. Ich danke ihnen allen für die

AMERIKA DIENST 24

�von ihnen geleistete Arbeit, die den heutigen Erfolg
ermöglichte. Auch möchte ich meine Kollegen zu dem
Abkommen über die Aufnahme von Verhandlungen zur
Aktualisierung des KSE-Vertrags beglückwünschen.
Dieses Abkommen - und die kooperative Art seiner
Entwicklung - sind herausragende Beispiele für die
Erfolgsmöglichkeiten flexibler, inklusiver und kreativer
politischer Rahmenbedingungen. Nicht alle unsere
Mitglieder sind KSE-Staaten, aber sie haben Teil an
der durch ein erfolgreiches Ergebnis gebotenen
erhöhten Sicherheit und Stabilität. Ohne die Fähigkeit
der OSZE zur Ermutigung innovativer Wege für den
Umgang mit sich entwickelnden und neuen Bedingungen wäre dieser wichtige Schritt nicht möglich geworden.
Liebe Freunde, in diesem Saal sind die führenden
Politiker des riesigen Territoriums der heutigen OSZE
versammelt. Jeder von uns ist sich der besonderen
Anliegen und Interessen unserer Regierungen bewußt.
Aber jeder hier anwesende Politiker hatte schon
Träume, die weit über die Realität des heutigen Tages
hinausgingen. Wir wissen, daß Worte zur Sicherung
unserer Zukunft nicht ausreichen. Sie erfordert
geduldige, überlegte und dauerhafte Bestrebungen.
Sie benötigt Goodwill, gesunden Menschenverstand
und echte Zusammenarbeit. Sie setzt eine neue,
inklusive Vision von Sicherheit voraus - eine Vision, die
Sicherheit in all ihren Dimensionen umfaßt, nicht nur
der militärischen, sondern auch der politischen,
wirtschaftlichen, umweltpolitischen und moralischen.

*

AMERIKA DIENST 24

Und sie erfordert, daß jeder einzelne von uns an der
ernüchternden Lektion des 20. Jahrhunderts festhält:
Ohne Freiheit kann das Streben der Völker und
Nationen nach einem guten Leben und Sicherheit nicht
realisiert werden. Aus diesem Grund teile ich mit
vielen anderen hier Versammelten meine Besorgnis
über die jüngsten Aktionen der Regierungen von
Belarus und Serbien, die eine Verletzung der Grundsätze dieser Organisation darstellen.
Es liegt jedoch noch viel Arbeit vor uns. Aber an der
Schwelle zum 21. Jahrhundert haben wir mehr denn je
zuvor die Fähigkeit, den Willen und das Durchhaltevermögen zur Erlangung unseres Ziels. Diesem Ziel ist
Präsident Clinton zutiefst verpflichtet. Amerika bleibt
engagiert - heute ebenso wie bisher - während wir mit
Ihnen am Aufbau eines neuen, ungeteilten und
friedlichen Europas zusammenarbeiten.
Ein altes iberisches Sprichwort lautet: "Reisender, es
gibt keine Straßen. Straßen entstehen durch das
Reisen." Mit großen Hoffnungen, klarer Vision und
Zielstrebigkeit wollen wir unsere Reise beginnen.
Ebenso wie die Entdecker früherer Zeiten, die von
diesem Land aus unbekannte Pfade erforschten,
wollen auch wir mutig sein. Und wir wollen uns vor
Augen führen, daß das Ausmaß der vor uns liegenden
historischen Aufgabe keine Entschuldigung für ein
Scheitern ist. Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 3

�WTO
11. Dezember 1996

WTO als Wegbereiter für stärkere Verflechtung
der Weltwirtschaft
Eröffnungsansprache von Charlene Barshefsky

SINGAPUR - (AD) - Die amtierende Handelsbeauftragte der Vereinigten Staaten, Charlene Barshefsky, erklärte,
wenn die Welthandelsorganisation WTO bei drei wichtigen Verhandlungsrunden - Informationstechnologie,
Basistelekommunikationsdiensten und Finanzdienstleistungen - Erfolg habe, könne sie die Infrastruktur für eine
noch enger verflochtene globale Wirtschaft im 21. Jahrhundert aufbauen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 9. Dezember 1996 bei der Eröffnungssitzung des WTO-Ministertreffens
in Singapur gehaltene Rede der amtierenden Handelsbeauftragten, die Leiterin der amerikanischen Delegation
ist.

Herr Vorsitzender, verehrte Delegierte,
im Namen der amerikanischen Delegation möchte ich
Ministerpräsident Goh, Minister Yeo und der Regierung von Singapur, dem Vorsitzenden des Allgemeinen Rats Rossier sowie Generaldirektor Ruggiero und
seinen Mitarbeitern für ihre Bemühungen bei der
Vorbereitung dieses historischen ersten Treffens der
Welthandelsorganisation danken. Sie waren außerordentlich freundlich - und wir sind Ihnen sehr dankbar.
Vor nahezu 50 Jahren leitete die Gründung des GATT
eine Periode der Handelsliberalisierung ein, die in der
Weltgeschichte ihresgleichen sucht. Wenige bei
dieser Gründung Anwesende hätten das enorme
Wachstum des Welthandels vorausgesagt, das in
unermeßlicher Weise zum Wohlstand der Völker der
Welt beigetragen und allein im letzten Jahrzehnt um
80 Prozent an Volumen zugenommen hat. Das GATT
hatte Erfolg, weil wir auf dem Ziel beharrten, die
Hemmnisse abzubauen, die unseren Menschen die
Vorteile von freiem und fairen Handel verweigern. Wir
sahen uns mit neuen Herausforderungen konfrontiert,
und wir haben zusammengearbeitet, um neue Chancen zu ergreifen.
Während wir beim ersten Ministertreffen der WTO
zusammenkommen, muß unser Engagement für die
andauernde Arbeit der Handelsliberalisierung ebenso

AMERIKA DIENST 24

entschieden sein. Wir müssen der Welt beweisen, daß
die WTO eine kraftvolle Institution ist, die die Grundlagen für eine neue Periode globalen Wohlstands
schafft. Wie unsere Vorgänger müssen wir neue
Chancen ergreifen.
Die globale Wirtschaft wird nicht auf uns warten. Der
technologische Wandel vollzieht sich rasch - auf der
ganzen Welt - im Westen und im Osten. Wir beglückwünschen Ministerpräsident Mahathir zu seiner Vision,
den Multimedia-Superkorridorplan einzuführen, der zu
einer informationstechnologischen Stadt mit 100.000
Einwohnern sowie zur Schaffung der weltweit ersten
papierlosen nationalen Regierung bis zum Jahr 2000
führen wird. Schätzungen der Weltbank zufolge
werden die Volkswirtschaften der Welt im nächsten
Jahrzehnt Kapital in Höhe von 1,5 Billionen Dollar für
eine qualitativ hochwertige Infrastruktur, moderne
Informationstechnologie und Telekommunikationssysteme benötigen.
Wir haben die Chance, diese Herausforderungen zu
meistern. Wenn wir bei drei wichtigen Verhandlungsrunden - Informationstechnologie, Basistelekommunikationsdiensten und Finanzdienstleistungen - Erfolg
haben, können wir die Infrastruktur für eine noch enger
verflochtene globale Wirtschaft im 21. Jahrhundert
aufbauen.

Seite 1

�Die erste dieser Verhandlungsrunden - das Abkommen über Informationstechnologie - wäre der erste
konkrete Beweis der Fähigkeit der WTO, im Einklang
mit der sich verändernden Welt Fortschritte zu erzielen. Indem wir ein zollfreies Umfeld für Handel und
Informationstechnologieprodukte schaffen, können wir
dazu beitragen, die Kosten für die Verbraucher zu
senken, unsere Unternehmen wettbewerbsfähiger zu
machen und unseren Volkswirtschaften die Vorteile zu
verschaffen, die sich aus dem Zugang zu mehr
Information ergeben.
Diese Produkte werden zunehmend in praktisch jedem
führenden Industriesektor eingesetzt. Die größten
Anwender von Halbleitern weltweit sind Autohersteller.
Computer und computergesteuerte Maschinen werden
immer unerläßlicher für die Textil- und Bekleidungsindustrie sowie die Stahlverarbeitung. Und wir alle
kennen die elementare Rolle, die moderne Telekommunikationssysteme beim Wachstum unserer
Volkswirtschaften spielen.
Aus diesem Grund müssen wir in dieser Woche ein
Abkommen erzielen. Die anhängigen Themen sind
entscheidungsreif. Wir haben eine historische Chance, die Zölle auf diese Produkte zu beseitigen. Wir
müssen sie ergreifen.
Unsere zweite Herausforderung ist rasches Vorgehen,
um die Verhandlungen über Basistelekommunikationsdienste bis zum 15. Februar 1997 abzuschließen. Die
Investoren streben zunehmende Berechenbarkeit im
Telekommunikationssektor als Teil eines gut funktionierenden internationalen Handels- und Investitionsregimes an. Die Telekommunikationsindustrie ist eine
strategisch wichtige Industrie und ein Generator für
Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Wenn wir in
der WTO Erfolg haben, wird die Liberalisierung der
Basistelekommunikationsdienste Investitionen sowie
die Anwendung neuer Technologien in größeren
geographischen und Produktionsgebieten ankurbeln.
Die Vereinigten Staaten und Europa haben vor kurzem
Verbesserungen der bei den Verhandlungen über
Basistelekommunikationsdienste vorgelegten Angebote bekanntgegeben, und wir fordern die anderen auf,
mit uns gleichzuziehen. Das ist zweifelsohne unsere
Hoffnung und Erwartung. Angesichts der Kürze der
Zeit von diesem Ministertreffen bis zum Abschluß der
Verhandlungsrunde hoffen wir, daß alle WTO-Mitglieder in sinnvoller Weise zu einem Abkommen
beitragen, das Marktzugang und Investitionschancen
im 21. Jahrhundert bietet.
Ich möchte jedoch eines eindeutig klarstellen. Heute
entfallen nahezu 50 Prozent der gesamten Einnahmen
im Telekommunikationsbereich weltweit auf die Vereinigten Staaten. Und wir können und wollen uns nicht
mit einer Situation zufriedengeben, in der wir nicht auf
den Märkten der anderen Hälfte der Welt operieren

Seite 2

können. Wir sind zur Übernahme einer Führungsrolle
bereit, indem wir das beste Angebot unterbreiten, aber
wir können keinen Erfolg haben, wenn die anderen
nicht ebenbürtig mitziehen.
Das bringt mich zur dritten entscheidenden Verhandlungsrunde - Finanzdienstleistungen. Wir haben uns
unsererseits zur Erlangung eines umfassenden und
bedeutungsvollen Abkommens bis Ende nächsten
Jahres verpflichtet. Unser erster Versuch bei den
Verhandlungen war nicht von Erfolg gekrönt. Warum?
Weil die Zusagen anderer wichtiger Länder weit unter
dem lagen, was für ein wirklich liberalisierendes
Abkommen erforderlich ist. In der Tat wollten sich
einige Länder nicht einmal zu ihrer bestehenden
Liberalisierung verpflichten. Um diese Gespräche
erfolgreich abzuschließen, ist es von entscheidender
Bedeutung, daß die WTO-Mitgliedstaaten ihre Zusagen auf der Grundlage der GATS-Prinzipien über
Marktzugang, gleiche Behandlung und Meistbegünstigungsstatus maßgeblich verbessern.
Wir sind überzeugt, daß der Abschluß eines Abkommens möglich ist. Wir können und sollten die
stufenweise eingeführten Verpflichtungen, wo das
angebracht erscheint, genauer prüfen, so daß sie
Zusicherungen enthalten, daß nach einem angemessenen Zeitraum unsere Anbieter von Finanzdienstleistungen umfassenden Marktzugang und auf den
Schlüsselmärkten gleiche Behandlung wie die nationalen Unternehmen genießen. Die Vorteile verbindlicher offener Regime in diesem Sektor sollten klar
sein: Mehr Zugang zu internationalem Kapital und eine
stärkere "Infrastruktur" für fortgesetzte Investitionen
und Wirtschaftswachstum.
Wenn wir beim Informationstechnologieabkommen,
den Verhandlungen über Basistelekommunikationsdienste und den bevorstehenden Verhandlungen über
Finanzdienstleistungen erfolgreich sind, werden wir
einen großen Schritt zum Aufbau einer Weltwirtschaft
machen, die für alle unsere Bürger von Vorteil ist.
Natürlich geht unsere Vision für die WTO über diese
drei Verhandlungsbereiche hinaus. Wenn die WTO
weiterhin von Bedeutung sein und auf die neuen
wirtschaftlichen Gegebenheiten reagieren will, müssen
wir nach vorne schauen, mehr Marktzugangschancen
schaffen und - wo erforderlich - neue Regeln aufstellen.
Die Arbeit muß auf vielen Gebieten fortgesetzt werden.
Wer bereits Vorteile aus dem globalen Handelssystem
gezogen hat, muß neue Wege für die weniger Begünstigten finden, damit auch sie in den Genuß der
Vorteile des Systems kommen. Wir müssen die im
WTO-Abkommen über Landwirtschaft geforderten
Reformbestrebungen fortführen. Neben der Ermutigung weiterer Zollsenkungen und Subventionskürzungen sollte die WTO Maßnahmen gegen versteckte

AMERIKA DIENST 24

�Subventionen und neue Formen des Protektionismus
wie handelsbeschränkende und nichttransparente
Aktivitäten staatlicher Handelsfirmen entwickeln. Das
TRIPs-Abkommen sollte so bald wie möglich vollständig umgesetzt und bestehende Verpflichtungen
sollten jetzt erfüllt werden. Ferner müssen wir unsere
Bestrebungen zu Gewährleistung fortsetzen, daß die
WTO offen und transparent ist. Die Öffnung dieses
Ministertreffens für auswärtige Beobachter ist ein
Schritt in die richtige Richtung. Wir werden diese und
andere Fragen in den Arbeitssitzungen eingehender
ansprechen.
•

Um lebensfähig zu bleiben, muß die WTO die Bedürfnisse der verschiedenen am Welthandel beteiligten
Interessengruppen widerspiegeln.
Jede unserer
Volkswirtschaften wird in den kommenden Jahren
aufgrund der Globalisierung stärkerem Druck ausgesetzt, und wir müssen den Arbeitnehmern helfen, sich
an ein offenes Handelssystem anzupassen und davon
zu profitieren. Wir müssen mehr unternehmen um
anzuerkennen, daß eine sich gegenseitig verstärkende
Beziehung zwischen einem offenen Handelssystem
und der Respektierung elementarer Arbeitsnormen
besteht.

Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Integrität der
Entscheidungen im Bereich der staatlichen Beschaffung würde größer, wenn alle WTO-Mitgliedstaaten
den grundlegenden Normen von Transparenz und
ordentlichem Verfahren zustimmen würden. Unseres
Erachtens ist jetzt der richtige Zeitpunkt, den ersten
Schritt zu einem WTO-Abkommen über Transparenz
bei der staatlichen Beschaffung zu unternehmen.

Aus diesem Grund möchten wir ein Abkommen
darüber abschließen, daß die WTO in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO)
die bedeutende Verbindung zwischen Handel und
Arbeitsnormen genauer untersuchen sollte. Wir sind
fest davon überzeugt, daß verstärkter Handel und
damit einhergehendes Wirtschaftswachstum auch eine
größere Achtung der grundlegenden Menschenrechte
bewirken sollten, die im Mittelpunkt unseres Vorschlags zu den elementaren Arbeitsnormen stehen.

Der Ausschuß für Handel und Umwelt muß seine
Arbeit im Bewußtsein der Tatsache fortsetzen, daß ein
Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung geleistet werden
kann, wenn die Liberalisierung des Handels durch
angemessene nationale Umweltpolitik ergänzt wird.
Für die Glaubwürdigkeit der WTO ist von entscheidender Bedeutung, daß der Ausschuß einen ausgewogeneren Ansatz beim Umgang mit Handel und Umwelt
wählt und beide politischen Perspektiven vollständig in
Betracht zieht. Die Erfüllung des vom Erdgipfel in Rio
herrührenden Mandats für nachhaltige Entwicklung
verlangt von der WTO mehr als nur die Gründung
eines Ausschusses. Das Streben nach nachhaltigem
Wachstum und Entwicklung sollte ein die gesamte
Arbeit dieser Organisation durchziehender roter Faden
sein.
Im Hinblick auf die Erweiterung der WTO-Tagesordnung sind wir bereit zu erwägen, ob die WTO eine
sorgfältige Prüfung der neuen Themen beginnen sollte,
die nach Ansicht einiger Mitglieder erörtert werden
sollten. Ebenso wie andere streben wir einen Interessenausgleich an. Aus diesem Grund sind wir bereit
zur Zusammenarbeit mit anderen, die in den Bereichen
Investitionen und Wettbewerb als Teil einer ausgewogenen umfassenden WTO-Tagesordnung ein bescheidenes Arbeitsprogramm beginnen wollen.

*

AMERIKA DIENST 24

Wir schlagen kein Abkommen über Mindestlöhne, den
Wettbewerbsvorteil
von
Niedriglohnproduzenten
zerstörende Veränderungen oder den Einsatz protektionistischer Maßnahmen zur Durchsetzung von
Arbeitsnormen vor. Wir schlagen vor, daß die Belange
der Arbeitnehmer - die eine Verzerrung des Handels
infolge seiner Liberalisierung fürchten - im Rahmen
eines bescheidenen Arbeitsprogramms der WTO
behandelt werden. Eine Liberalisierung des Handels
kann nur mit heimischer Unterstützung erfolgen. Diese
Unterstützung sowie die der WTO wird zweifelsohne
allmählich untergraben, wenn wir uns nicht mit den
Belangen der Arbeitnehmer befassen und zeigen, daß
Handel der Weg zu greifbarem Wohlstand ist.
Während wir nach vorne schauen, fehlt es uns nicht an
Herausforderungen, aber ich bin sehr optimistisch.
Diese Woche können wir eine überzeugende Botschaft
senden, daß die WTO über den Willen und die Entschlossenheit verfügt, Fortschritte zu machen, um die
starke, pulsierende und pragmatische Institution zu
werden, die wir uns alle vorstellen. Mit viel harter
Arbeit können wir die historische Tradition der Liberalisierung des Handels fortsetzen, der wir uns alle
verschrieben haben.

* * *

*

Seite 3

�WTO
11. Dezember 1996

Abschluß eines Informationstechnologieabkommens erwartet
Rede der ehemaligen US-Handelsbeauftragten Carla Hills

WASHINGTON - (AD) - Carla Hills, die unter der Bush-Administration US-Handelsbeauftragte war, erklärte am 6.
Dezember 1996 im National Press Club, beim vom 9.-13. Dezember in Singapur stattfindenden Treffen der
Welthandelsorganisation WTO werde voraussichtlich ein Informationstechnologieabkommen (Information
Technology Agreement - ITA) verabschiedet.

Man hat mich gebeten, hier über das WTO-Ministertreffen in Singapur zu sprechen und einige Hintergrundinformationen zu geben. Wie Peter Hickman
sagte, wird es dort sehr voll werden. Mehr als 160
Nationen werden vertreten sein: 127 Mitglieder der
WTO und 34 Nationen mit Beobachterstatus. Zusätzlich werden 49 internationale Organisationen als
Beobachter anwesend sein, darunter 14 internationale
Organisationen vom IWF bis zur Weltbank, verschiedene regionale Entwicklungsbanken, die Vereinten Nationen und ihre einzelnen Unterorganisationen. Das Treffen findet also nicht im kleinen Rahmen
statt.
Meine heutigen Zuhörer wissen, was die WTO ist - im
Grunde genommen die Erweiterung des Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommens (General Agreement on
Tariffs and Trade - GATT), das bald seinen 50.
Jahrestag begeht. Unter dem GATT senkten die
Handelsnationen der Welt ihre Zölle von durchschnittlich 40 Prozent auf heute weniger als fünf Prozent.
Das führte zu einem rapiden Wachstum des Welthandels und damit zu einer Erhöhung des Lebensstandards für die Menschen auf der ganzen Welt sowie zur
Schaffung wirtschaftlicher Chancen.
Anfang der achtziger Jahre entschieden die Mitgliedstaaten des GATT unter der Führung der Vereinigten
Staaten, daß das GATT modernisiert und gestärkt
werden muß, da es sich nur auf Waren bezog, während es in schnellem Wachstum befindliche Sektoren
wie Dienstleistungen, Landwirtschaft und Hochtechnologie gab, in denen der Schutz von geistigem
Eigentum und Investitionen erforderlich waren, es

AMERIKA DIENST 24

jedoch noch keine international vereinbarten Normen
gab.
Wir begannen die Uruguay-Runde multilateraler
Handelsgespräche im Jahr 1986. Sie führten 1994
zum Abschluß Dutzender neuer Abkommen über
Tausende von Zollsenkungen und neue Verpflichtungen hinsichtlich Dienstleistungen, Schutz geistigen
Eigentums und Investitionsschutz. Das war begrüßenswert. Mehr als 100 Nationen unterzeichneten
verschiedene rechtsverbindliche Texte. Eines der
Abkommen führte zur Gründung der Welthandelsorganisation WTO als Nachfolgeorganisation des
GATT, behielt das GATT jedoch für Handel und Waren
bei. Die uns vorliegende Frage lautet jetzt: Was hat
die WTO in den zwei Jahren ihres Bestehens erreicht?
Zwei Jahre sind wahrscheinlich ein zu kurzer Zeitraum,
um eine abschließende Bewertung der Leistungen der
WTO vorzunehmen, insbesondere da viele ihrer
Verpflichtungen fortlaufend sind und stufenweise
eingeführt werden. Lassen Sie mich Ihnen jedoch ein
halbes Dutzend Beispiele für die Bereiche geben, bei
denen die WTO meines Erachtens weitaus substantiellere Verbesserungen als ihr Vorgänger bewirkt hat.
Erstens hat sie größere Reichweite. Ihre 29 rechtsverbindlichen Abkommen umfassen auch Dienstleistungen. Das ist für die Vereinigten Staaten wichtig,
da wir weltweit der größte Anbieter von Dienstleistungen sind und jährlich Dienstleistungen im Wert von
etwa 200 Milliarden Dollar verkaufen. Die Welthandelsorganisation hat erstmals einer Kürzung von
Agrarsubventionen und der Umwandlung mengen-

Seite 1

�mäßiger Beschränkungen in Zölle zugestimmt, um
diese dann zu senken. Und die WTO-Mitgliedstaaten
stimmten erstmals Regeln für den Schutz von Patentrechten, Warenzeichen, Urheberrechten und Handelsgeheimnissen zu. Und sie einigten sich auf die
Stärkung der Handelsregeln des GATT durch die
Forderung, daß die WTO-Mitglieder ausnahmslos alle
rechtsverbindlichen Texte unterzeichnen. Man kann
sich jetzt nicht mehr nur für einige Texte entscheiden,
wie es beim GATT der Fall war. Wenn man ein
Abkommen unterzeichnet, unterzeichnet man alle.
Diese Regel gilt für alle Bereiche mit Ausnahme der
staatlichen Beschaffung. Und wenn das Abkommen
schließlich umgesetzt wird, ist das für das alte Gebiet
der Waren auch von Vorteil, da die Zölle auf Waren
möglicherweise zusätzlich um ein Drittel gesenkt
werden. Und bei 45 Prozent der Industriegüter werden
die Zölle vollständig abgeschafft, einschließlich
wichtiger Sektoren wie Pharmazeutika, Papier und
Möbel - allesamt für die Vereinigten Staaten wesentliche Bereiche.
Der Konfliktschlichtungsmechanismus der WTO ist viel
klarer und schneller. Dieser Bereich hat meines
Erachtens außerordentlich viel Erfolg zu verzeichnen.
Seit Anfang November fanden weltweit 62 Konsultationen über handelspolitische Differenzen statt.
Die Vereinigten Staaten waren bei 21 Kläger und bei
neun Antragsgegner. Wir haben vier Fälle gewonnen
oder beigelegt. 16 Verfahren sind anhängig. Wir
verloren in zwei Fällen, und wer sie studiert, wird
meines Erachtens zu dem Schluß kommen, daß das
Resultat richtig war. Und es gab als Ergebnis der
Antragseinreichungen einige Schlichtungen außerhalb
des Systems. Das ist meines Erachtens eine Erfolgsgeschichte über den Abbau handelspolitischer Streitigkeiten.
Und schließlich schafft die WTO im Gegensatz zum
GATT eine dauerhafte institutionelle Struktur, so daß
ein Wirtschaftsminister den mehr als 100 Nationen
neue Ideen für eine internationale Norm vorlegen
könnte, ohne eine völlig neue, umfassende Runde
handelspolitischer Gespräche einleiten zu müssen.
Durch diese Tür fanden die neueren Themen Einlaß Arbeit, Umwelt und Wettbewerbspolitik. Und sie
werden weiterhin Einlaß finden. Die Tatsache, daß sie
von Anfang an umstritten waren und der Generalsekretär Schwierigkeiten bei der Konsensbildung hat, ist
nicht überraschend. Schließlich wollten die Vereinigten Staaten die Uruguay-Runde 1982 einleiten,
was jedoch erst 1986 geschah. Es braucht also
gewisse Zeit, um einen Konsens zu erarbeiten.
Worüber werden die Minister in Singapur sprechen?
Meines Erachtens wird die Umsetzung der verschiedenen WTO-Abkommen im Mittelpunkt stehen, einschließlich der noch aus der Uruguay-Runde herrührenden Fragen und der sogenannten eingebauten

Seite 2

Tagesordnung, bei der die WTO-Mitglieder sich auf die
künftige Aushandlung bestimmter Bereiche einigten.
Im folgenden möchte ich einige dieser Bereiche
aufzeigen.
Basistelekommunikationsdienste.
Diese Verhandlungen erstrecken sich auf einen Weltmarkt von 500
Milliarden Dollar. Sie sollen im Februar 1997 zum
Abschluß gebracht werden. Die ursprünglich auf April
1996 festgesetzte letzte Frist wurde verlängert, weil
nur 11 Nationen dem amerikanischen Angebot nachkommen wollten. Lateinamerika und Osteuropa hätten
unserem Angebot zugestimmt, wünschten jedoch
einen Zeitraum von einem bis fünf Jahren. Die
asiatischen Nationen legten keine vergleichbaren
Angebote vor. Die derzeitigen Berichte besagen, daß
die Verhandlungen gut verlaufen. Bei einer Wette
würde ich darauf setzen, daß sie Anfang 1997 zu einer
Resolution führen werden.
Zweitens Finanzdienstleistungen. Die Verhandlungen
über Finanzdienstleistungen sollen im nächsten Jahr
wieder aufgenommen werden. Die Verhandlungen
führten zu einem Interimsabkommen, das im Mai
unterzeichnet wurde und im August dieses Jahres in
Kraft trat. Ende nächsten Jahres soll es überprüft und
annulliert werden. Die Vereinigten Staaten haben sich
beschwert, daß das Abkommen derzeit in vielen
Entwicklungsländern existierende Rechte nicht
festgeschrieben hat, insbesondere das Recht, Mehrheitsaktionär von Finanzinstitutionen zu sein. Unternehmen, die 80 Prozent einer Firma gekauft hatten,
wurde mitgeteilt, daß die Gastregierung diesen
Prozentsatz gemäß der Vereinbarung auf unter 50
Prozent senken könnte, und das käme von seiner
Wirkung her einer Abschottung des Marktes gleich.
Meines Erachtens werden in diesem Jahr enorme
Anstrengungen unternommen, um vor allem die
Nationen in Lateinamerika und Asien zu überzeugen,
bessere Angebote für den Sektor Finanzdienstleistungen zu unterbreiten.
Die Vereinigten Staaten haben die Verhandlungsrunde
über die maritimen Dienstleistungen im Juni verlassen.
Nur 36 Nationen machten Zusagen, und es wurde
vereinbart, die Verhandlungen bis zum Jahr 2000
auszusetzen.
Anfang des Jahres 2000 wird es eine Verhandlungsrunde über Dienstleistungen im allgemeinen geben,
die alle Arten von Dienstleistungen abdeckt, in der
Hoffnung, daß die Nationen Dienstleistungen außer
Tourismus, Information und Gesundheit - die bereits
abgedeckt sind - ansprechen werden.
Landwirtschaft ist stets ein umstrittenes Thema. Unter
den Bedingungen des Abkommens ist eine weitere
Runde vorgesehen, die 1999 beginnen soll. Die
OECD schätzt, daß Agrarsubventionen und Unterstützungsleistungen den Verbraucher noch immer rund

AMERIKA DIENST 24

�350 Milliarden Dollar pro Jahr kosten. Die Vereinigten
Staaten und die 14 Mitglieder der Cairnsgruppe, die
sieben ASEAN- und mehrere lateinamerikanische
Nationen sowie Australien umfaßt, möchten die Arbeit
im Vorfeld der Verhandlungen im Jahr 1999 beginnen.
Sie möchten, daß die Arbeit 1997 aufgenommen wird.
Korea, Japan und die Europäische Union lehnen das
ab. Wäre ich ein Buchmacher, würde ich sagen, es ist
ziemlich unwahrscheinlich, daß vor der Frist 1999 sehr
viel Arbeit geleistet wird.
Der wichtigste Zusatz zu dieser eingebauten und der
unerledigten Tagesordnung wurde bereits erwähnt - es
ist das Abkommen über Informationstechnologie. Die
Vereinigten Staaten messen ihm hohe Priorität bei.
Wir streben bis zum Jahr 2000 einen schrittweisen
Abbau der Zölle - hoffentlich bis auf Null - bei einer
Vielzahl von Geräten an: Computern, LAN-Ausrüstung, Supercomputern und Halbleitern. Das Forum
für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) unterstützt das Konzept. Einige APECNationen hatten das Gefühl, daß ihre Erwartungen
nicht erfüllt wurden und andere gewisse Schwierigkeiten mit dem Zeitplan. Aber meiner Ansicht nach
wird es in Singapur eine eingehende Erörterung dieses
Themas geben, und ich gehe davon aus, daß eine Art
von Einigung erzielt wird.
Auch die Aufnahme neuer Mitglieder wurde bereits
erwähnt. Wie Sie wissen, ist ein weiterer großer Erfolg
der WTO der Wunsch so vieler Nationen, deren
Volkswirtschaften sich im Übergang befinden und die
von einer Plan- zur freien Marktwirtschaft gelangt sind,
der WTO beizutreten. Zur Zeit sind 34 Aufnahmeanträge anhängig, darunter die von China, Taiwan,
Vietnam, Saudi-Arabien und Rußland. Und jeder
dieser Anträge stellt eine Herausforderung dar.
Die Minister werden sich schließlich auch mit den
sogenannten neueren Themen auseinandersetzen
müssen, die kontrovers sind. Ich möchte drei oder vier
in absteigender Reihenfolge ihrer Umstrittenheit
nennen.
Erstens Arbeitsnormen.
Generalsekretär Renato
Ruggiero hat in seinem Entwurf der Erklärung vorgeschlagen, daß er Arbeitsnormen ansprechen wird.
Die ASEAN-Nationen, Brasilien und Ägypten sind
entschieden dagegen.
Die Vereinigten Staaten
werden die Erklärung nicht unterschreiben, solange
die wesentlichen Arbeitsnormen nicht erwähnt werden.
Informationen zufolge stimmen die Europäische Union,
Japan und Australien der Erwähnung zu - beharren
jedoch nicht auf einem bestimmten Wortlaut. Die

*

AMERIKA DIENST 24

Frage lautet daher, ob die Arbeitsnormen erwähnt
werden. Ich vermute, daß sie mit einer gewissen
Erwähnung gelöst werden könnte.
Die Sprachregelung des Entwurfs ist äußerst vorsichtig. Sie lautet,
daß die Internationale Arbeitsorganisation die oberste
Rechtsprechung in diesem Bereich hat und mehr
getan werden sollte.
Zweitens Investitionen. In der OECD werden gute
Fortschritte bei einem multilateralen Abkommen über
Investitionen erzielt. Generalsekretär Ruggiero hat
vorgeschlagen, daß die WTO auch die Arbeit an
Investitionen aufnehmen soll. Die Vereinigten Staaten
würden es vorziehen, wenn die OECD ihre Arbeit
abschließen würde, bevor die WTO sich eingehender
damit befaßt.
Und die Entwicklungsländer sind
gespalten. Einige möchten nicht, daß die WTO das
Thema Investitionen anspricht. Sie möchten unilateral
die Regeln für ihre Geschäfte mit ausländischen
Investoren festlegen. Andere wünschen eine Diskussion mit der WTO aus der Sorge heraus, daß ihren
Interessen nicht gedient sein könnte, wenn die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - der Club der Reichen - zu einer Resolution
über ein Investitionsabkommen ohne ihren Input
kommt. In der Welt der Entwicklungsländer gibt es hier
also eine Dichotomie, bei der einige es vorziehen, daß
die WTO Schritte zu einem Investitionsarrangement
unternimmt und andere nicht wollen, daß irgendeine
Organisation ein Investitionsabkommen abschließt,
das sich mit ihren Interessen befaßt.
Die Umwelt wurde als kontroverses Thema angesehen, erwies sich dann jedoch als nicht so umstritten.
Die Erklärung wird den Bericht des Ausschusses für
Handel und Umwelt erwähnen, und wahrscheinlich
werden die Minister die WTO um die Fortsetzung ihrer
Arbeit bitten. Grundsätzlich fordert der Anfang November vorgelegte Bericht des Ausschusses Zusammenarbeit zwischen der WTO und Institutionen, die
multilaterale Umweltabkommen umsetzen. Der Bericht
umging den umstrittensten Bereich wie den Einsatz
von Handelssanktionen zur Durchsetzung von Umweltnormen. Der Bericht schlägt vor, daß Differenzen
zwischen den Parteien eines multilateralen Umweltabkommens im Rahmen der Vereinbarung behandelt
werden, obwohl die Parteien ihre WTO-Rechte
behalten würden. Das wirft die Frage auf, was geschieht, wenn es eine Unvereinbarkeit gibt. Die
Sprachregelungen wurden fallengelassen, die die
WTO-Mitglieder aufgefordert hätten sicherzustellen,
daß die in allen multilateralen Umweltabkommen
verankerten Handelsmaßnahmen im Einklang mit der
WTO stehen müssen.

* * *

*

Seite 3

�HANDEL
11. Dezember 1996

USA müssen aktivistische Handelspolitik verfolgen
von Alan P. Larson

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen vom Abteilungsleiter für wirtschaftliche und unternehmerische
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Alan P. Larson, verfaßten Artikel über die Bedeutung des
internationalen Handels.

Wie wir alle wissen, ist die Welt gewachsen und wird in
zunehmendem Maße interdependent.
Beispielsweise entsprachen in den sechziger Jahren
die amerikanischen Importe und Exporte dem Wert
von 9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Jetzt nähern
sie sich - einschließlich Geldtransfers und anderer
Inputs - der 30-Prozentmarke und werden wahrscheinlich bis zum Ende der ersten Dekade des
nächsten Jahrtausends um weitere 10 Prozent
ansteigen. Die Vereinigten Staaten sind der weltweit
größte Exporteur geworden. 1995 exportierten sie
Waren und Dienstleistungen im Wert von über 780
Milliarden Dollar.
Die Vereinigten Staaten waren in den letzten drei
Jahren das konkurrenzfähigste Land der Welt. Die
amerikanische Volkswirtschaft bietet weiterhin einen
höheren Lebensstandard als die europäische und
japanische.
Es besteht kein Grund, den Zusammenhang zwischen
dem Wohlstand unserer Nation und unserer erwiesenen Konkurrenzfähigkeit auf den internationalen
Märkten zu bezweifeln. 95 Prozent der Verbraucher
weltweit leben außerhalb der Vereinigten Staaten, viele
von ihnen in den dynamischen, neuentstehenden
Märkten Lateinamerikas und Asiens, die viermal so
schnell wachsen wie unsere traditionellen Exportmärkte.
Ihr Wachstum ist auch für uns von Vorteil - jedoch nur,
wenn ihre Märkte für unsere Produkte offen sind und
unsere Märkte für ihre. Die Öffnung dieser Märkte ist
die beste Strategie für die Schaffung hochbezahlter
Arbeitsplätze für amerikanische Arbeitnehmer. Die

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Statistiken zeigen, daß ungefähr 11 Millionen amerikanische Arbeitsplätze exportabhängig sind - allein eine
Million von Agrarexporten. Ich muß hinzufügen, daß
es sich hier um hochwertige Arbeitsplätze handelt,
deren Bezahlung im Durchschnitt zehn Prozent über
der nichtexportabhängiger Arbeitsplätze liegt. Tatsächlich kam eine jüngere Studie zu dem Schluß, daß
die Schaffung von Arbeitsplätzen bei Exportunternehmen fast 20 Prozent höher liegt als bei anderen
Firmen.
Amerika hat Vorteile durch den freien Handel, ist aber
auch davon abhängig, daß der Handel fair ist. Wir
wenden aggressiv unsere heimischen Handelsgesetze
an, wenn ausländische Firmen den Versuch zum
Absatz ihrer Produkte in unserem Land zu Dumpingpreisen unternehmen oder durch illegale Subventionen
begünstigt werden. Wir nutzen häufig den Konfliktschlichtungsmechanismus der Welthandelsorganisation WTO, um unseren Rechten Geltung zu verschaffen. Wir haben der WTO mehr Fälle zur Schlichtung vorgelegt als irgendein anderes Land der Welt.
Die Vereinigten Staaten müssen eine aktivistische
Handelspolitik verfolgen, die internationale Regeln
stärkt, um noch mehr Vorteile aus dem Handel zu
ziehen. Beispielsweise reflektiert die Unterstützung
der Uruguay-Runde und der WTO durch die Vereinigten Staaten unser vitales Interesse an einem
globalen System, das für Handel, Investitionen und
Finanzfluß offen ist.
Wir setzen uns durch folgende Maßnahmen für die
Stärkung der WTO als Institution ein:

Seite 1

�Erweiterung der Mitgliedschaft auf wirtschaftlich sinnvolle Weise. Wir drängen auf Marktreformen in Rußland, China und den Neuen
Unabhängigen Staaten um sicherzustellen,
daß der Beitritt dieser Staaten zum Handelssystem Marktschancen für die Industrie der
Vereinigten Staaten schafft.
Schaffung der Grundlagen für die Lösung
neuer Handelsfragen - beispielsweise Aufdeckung von Bestechung zum Abschluß von
Verträgen - und Förderung des Bewußtseins
für die Bedeutung grundlegender Arbeitsnormen für das Handelssystem.
Bestrebungen zur weiteren Senkung von
Zöllen in Schlüsselsektoren, die für die Vereinigten Staaten von elementarem Interesse
sind, beispielsweise Informationstechnologie.
Ferner arbeiten wir an einem qualitativ hochwertigen Abkommen in der WTO über Basistelekommunikationsdienste - ein Gebiet, auf
dem die amerikanische Industrie technisch
führend ist.
Zusammen mit unseren Bestrebungen zum Abbau von
Handelshemmnissen und zur Stärkung der Regeln für
die Förderung eines transparenten Handelssystems
handeln wir ferner in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein
Abkommen über die Schaffung neuer Investitionsmöglichkeiten aus, das ein hohes Maß an Schutz für
amerikanische Auslandsinvestitionen gewährleistet.
Dieser neue Maßstab für weltweites Investitionswachstum und Stabilität wird als multilaterales Investitionsabkommen bezeichnet. Dieses Abkommen ist für alle
Volkswirtschaften offen, die sich an diese hohen
Investitionsmaßstäbe halten möchten.
Diese Vision freieren Handels fördert auch die regionale Zusammenarbeit. Initiativen in der asiatisch-pazifischen Region und in der westlichen Hemisphäre
verpflichten einige der weltweit größten Länder mit
dem stärksten Wachstum zur Abschaffung von
Handels- und Investitionshemmnissen innerhalb der
nächsten zwei Jahrzehnte.
Beispielsweise hat sich das Forum für asiatischpazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) das
ehrgeizige Ziel von freiem Handel und Investitionen in
der Region bis 2010 und in den Entwicklungsländern
bis 2020 gesetzt.
Die Länder der westlichen Hemisphäre arbeiten auf die
Schaffung einer Freihandelszone auf dem amerikanischen Kontinent bis 2005 hin.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich auch bilateral
mit anderen Ländern für die Erweiterung des Zugangs
zu ihren Märkten. Die Vereinigten Staaten haben mit

seite 2

Japan 22 Abkommen über Marktöffnung in Bereichen
wie Autos und Autoteile, Telekommunikation, Investitionen und Schutz des Rechts auf geistiges
Eigentum abgeschlossen. Unser Ansatz zeigt Resultate: Die amerikanischen Exporte nach Japan haben seit
1992 um 34 Prozent zugenommen.
Wir drängen China zur Annahme der WTO-Handelsverpflichtungen. Wir haben ferner Druck auf China
ausgeübt, die bisher von dem Land verabschiedeten
Abkommen über den Schutz unserer Rechte auf
geistiges Eigentum umzusetzen.
In der Tat besteht eines unserer wichtigsten handelspolitischen Ziele in der Gewährleistung, daß das
geistige Eigentum der Vereinigten Staaten und die
Industrien, die es produzieren und legal exportieren,
auf den überseeischen Märkten angemessenen
Urheberrechtsschutz erhalten.
Wir arbeiten bilateral, in der WTO und der Weltorganisation für geistiges Eigentum (World Intellectual
Property Organization - WIPO) zusammen um sicherzustellen, daß angemessene Regeln existieren,
eingehalten und durchgesetzt werden.
Wir drängen auch aktiv auf die bestmögliche Umsetzung nationaler Gesetze und Vorschriften sowie der
von der WTO und der WIPO festgesetzten internationalen Regeln und Normen.
Die Liberalisierung des Agrarhandels ist ein weiteres
wichtiges Ziel der Vereinigten Staaten bei künftigen
Handelsgesprächen. Agrarexporte in Höhe von 56
Milliarden Dollar im vergangenen Jahr machten über
sieben Prozent der amerikanischen Gesamtexporte
aus und überstiegen die Agrarimporte bei weitem.
Unser Grundsatz ist die aktive Aushandlung und
Umsetzung von Abkommen - global, regional oder
bilateral - die amerikanische Interessen voranbringen,
fördern und schützen sowie ein auf Regeln basierendes faires und freies internationales System.
Das aus Beamten des Ministeriums und unserer
Botschaften bestehende Amerikabüro im US-Außenministerium arbeitet auf einer sehr praktischen Ebene
um zu gewährleisten, daß die amerikanischen Unternehmer und Arbeitnehmer in der Weltwirtschaft
konkurrenzfähig sind.
Unsere Botschafter und Beamten der Wirtschaftsabteilungen führen Verhandlungen über Wirtschaftsabkommen, darunter Abkommen über den zivilen
Luftverkehr und Investitionen, Steuerverträge, Abkommen über den Schutz geistigen Eigentums sowie
Maßnahmen zur Marktöffnung. Unsere Botschaften
waren amerikanischen Unternehmen beim Abschluß
und der Umsetzung von Verträgen behilflich - bei-

AMERIKA DIENST 24

�spielsweise einem Telekommunikationsvertrag in El
Salvador in Höhe von 50 Millionen Dollar.
Handel ist für unseren Wohlstand wichtiger als je
zuvor. Die amerikanische Wirtschaft ist gut für erfolg-

AMERIKA DIENST 24

reichen Wettbewerb gerüstet. Es liegt in unserem
Interesse, diese Art von aktivistischer Handelspolitik zu
verfolgen, die globale Handelsregeln stärkt und die
Chancen für weiteres Wachstum unserer Wirtschaft
erhöht.

Seite 3

�MENSCHENRECHTE

11. Dezember 1996

Überblick über die Menschenrechtssituation
Rede von Botschafterin Albright

VEREINTE NATIONEN - (AD) - In einer Rede vor der UN-Generalversammlung am 21. November 1996 forderte
die Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, die internationale
Staatengemeinschaft auf, Ruanda bei der Erfüllung seines Versprechens behilflich zu sein, die Rechte der
zurückkehrenden Flüchtlinge zu schützen und mit dem internationalen Tribunal für den Genozid von 1994
zusammenzuarbeiten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Albright.

Frau Vorsitzende, das 20. Jahrhundert brach an in
einem Klima der Hoffnung inmitten eines generellen
Klimas von Frieden und beeindruckendem technologischen Wandel. Die in Den Haag versammelten
Diplomaten erweiterten den Einflußbereich des
humanitären Völkerrechts. Ehrgeizige Vorschläge für
kollektive Sicherheit kamen in Mode. Und die Kommentatoren sagten ein Zeitalter von beispiellosem
Frieden und gutem Willen voraus.

Während wir in diesem Jahr hier zusammenkommen,
gibt es viele gute Nachrichten.

Es folgte das blutigste Jahrhundert in der Geschichte
der Menschheit.

Auf der ganzen Welt streben zukunftsorientierte
Nationen auf jedem Kontinent die Umsetzung der bei
der 4. Weltfrauenkonferenz verabschiedeten Aktionsplattform an.

Auch heute bereiten wir uns auf ein neues Jahrhundert
vor.
Auch wir leben in einem Zeitalter von relativem Frieden
und raschen technologischen Fortschritten.
Auch wir haben Grund zur Hoffnung.
Aber wenn wir ein neues Jahrhundert vermeiden
wollen, das so voller Enttäuschungen wie das vergangene ist, müssen wir zusammenarbeiten, um elementare Normen von Recht und Unrecht festzusetzen und
einzuhalten.
Das bedeutet, daß wir jede Nation zur Erfüllung ihrer
Verpflichtungen im Rahmen der UN-Charta und der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ermutigen
müssen.

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In Guatemala hat eine starke neue Regierung begonnen, Strafverfolgung einzuführen, die Korruption zu
bekämpfen, die Respektierung der Menschenrechte zu
verbessern und den am längsten andauernden Konflikt
in der Hemisphäre auf dem Verhandlungsweg zu
einem Ende zu bringen.

Und der begrüßenswerte Trend zu offeneren Volkswirtschaften und politischen Systemen dauert an. In
den vergangenen beiden Jahrzehnten hat sich die
Zahl demokratischer Nationen mehr als verdreifacht.
Allein in diesem Jahr gingen über eine Milliarde
Menschen zur Wahl.
Bedauerlicherweise ist der Trend zu Demokratie nicht
universell. Zahlreiche Regierungen greifen weiterhin
zur Ausübung ihrer Amtsgewalt nicht auf die Zustimmung des Volkes, sondern auf Zwang zurück.
Burma ist ein Beispiel.
Hier haben die Behörden ihre eigene Version der
Realität.

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�Sie behaupten, ihre Gegner seien von Außenstehenden beeinflußt, während die Opposition in Wirklichkeit
aus zutiefst patriotischen Einheimischen besteht. Sie
behaupten, ihre Verfassungsgebende Versammlung
sei demokratisch, während sie in Wirklichkeit reine
Täuschung ist - vollständig von der Regierung kontrolliert und gelenkt. Sie behaupten, den illegalen
Drogenhandel zu bekämpfen, während das Militär in
Wirklichkeit die Augen vor der Herstellung und dem
Handel mit Drogen verschließt.
Heute gibt es in Burma eine Art Repression, die kommt
und geht. Jeder kleinen Öffnung folgt ein Rückschlag.
Die Regierung hat verhindert, daß Aung San Suu Kyi
und die Nationale Liga für Demokratie einen Parteikongreß einberiefen. Der Nobelpreisträgerin wurde häufig
verboten, in der Öffentlichkeit zu sprechen. Und
Anfang dieses Monats wurde sie von Verbrechern
überfallen, die nicht ohne offizielle Unterstützung
hätten handeln können.
Im Sommer letzten Jahres erließ die SLORC ein
Dekret, in dem Gefängnisstrafen von bis zu 20 Jahren
für jeden angedroht wurden, der den Staat unterminiert
oder die Bestebungen zum Entwurf einer neuen
Verfassung kritisiert. Man kann sich kaum ein repressiveres Gesetz vorstellen.
Entsprechend wird meine Regierung die Generalversammlung in diesem Jahr drängen, ihre uneingeschränkte Unterstützung für Demokratie und Menschenrechte in Burma zum Ausdruck zu bringen. Die
Versammlung könnte einen echten demokratischen
Dialog über Versammlungs- und Redefreiheit, über die
Freilassung politischer Gefangener und ein Ende
erzwungener Umsiedlungen sowie Zwangsarbeit
fordern.
Der Irak ist ein weiteres Land, in dem ständig weitverbreitete gravierende Verletzungen der Menschenrechte stattfinden.
Saddam Husseins Regierung ist die brutalste und
gesetzloseste der Welt. Sie zögert nicht, das irakische
Volk zu foltern und zu terrorisieren, zivile und religiöse
Dissidenten zu unterdrücken, in die Verteilung humanitärer Hilfsgüter einzugreifen und diejenigen zu ermorden, die der Opposition gegen Saddam Husseins
andauernde Herrschaft verdächtig sind.
Bedauerlicherweise ist der Irak nicht das einzige Land
in der Region, das gravierende Menschenrechtsverletzungen begeht.
Bei seinem Besuch im Iran im Februar hörte der
Sondergesandte der Vereinten Nationen Berichte über
Folter, Massenexekutionen, willkürliche Verhaftungen,
Verurteilungen ohne ordentliches Gerichtsverfahren
sowie Unterdrückung bürgerlicher Freiheiten und der
Religionsfreiheit.

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Die Vereinigten Staaten fordern die Behörden im Irak
und Iran zur Beendigung der Unterdrückung ihrer
Völker und Unterstützung von internationalem Terrorismus sowie zu Maßnahmen für offenere und freiere
Gesellschaften auf.
Die Regierung des Sudan begeht ebenfalls ungeheuerliche Verletzungen international anerkannter Menschenrechte.
Im vergangenen Jahr hat sich nicht viel verändert. Die
Dokumente berichten weiterhin von Folter, Sklaverei,
willkürlichen Verhaftungen, religiöser Verfolgung und
Einmischung in die Verteilung humanitärer Hilfslieferungen.
Eine Hauptursache des Mißbrauchs ist der Bürgerkrieg
im Sudan. Beide Seiten tragen Schuld, aber die
Regierung verdient besondere Kritik wegen ihrer
mutwilligen Bombardierung von Zivilisten und dem
Einsatz von Streubomben, über den berichtet wird.
Meine Regierung begrüßt die Bereitschaft des Sudan,
dem Besuch des UN-Sonderberichterstatters zuzustimmen. Wir fordern jetzt, daß die Empfehlungen
des Berichterstatters vollständig umgesetzt werden
und die Regierung alles in ihrer Macht Stehende tut,
um die bewaffnete Konfrontation zu einem friedlichen
Ende zu bringen.
In Nigeria hat die Regierung den Übergang zu Demokratie und größerer Achtung der Menschenrechte
versprochen. Diese Versprechen sind willkommen,
wurden jedoch noch nicht erfüllt.
Obwohl der Wahlprozeß begonnen hat, wird er
manipuliert, um die Beteiligung der Oppositionsparteien einzuschränken. Unabhängige Zeitungen
erscheinen wieder, aber die Journalisten werden
schikaniert.
Einem Wahrheitsfindungsteam der
Vereinten Nationen wurde die Einreise nach Nigeria
erlaubt, nicht aber den Sonderberichterstattern.
Politische Häftlinge wurden freigelassen - was wir
außerordentlich begrüßen - aber mehr als 100 Personen werden noch aus vornehmlich politischen Gründen festgehalten, darunter der Oppositionspolitiker
Moshood Abiola, der als Sieger der Präsidentschaftswahlen von 1993 gilt.
Die Vereinigten Staaten fordern Nigeria auf, einen
umfassenden und glaubwürdigen Übergang zu
Demokratie zu vollziehen und die Sicherheit aufrechtzuerhalten, ohne rücksichtslos über grundlegende
Menschen- und bürgerliche Rechte hinwegzugehen.
In China sind die Vereinigten Staaten weiterhin besorgt
über Aktionen zur Einschränkung der freien Meinungsäußerung einschließlich der Verurteilung prominenter
Dissidenten. Außenminister Christopher erklärte, daß
er während seiner jüngsten Reise nach China das

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�gesamte Spektrum unserer Besorgnis mit den dortigen
Politikern angesprochen hat, darunter die Verhaftung
derjenigen, die ihre Ansichten in friedlicher Weise zum
Ausdruck brachten, und der Situation in Tibet. Die
Vereinigten Staaten werden auch in Zukunft Menschenrechtsprobleme ansprechen, die China betreffen.
In Kuba sind die Vereinigten Staaten nach wie vor
besorgt über den Mangel an Demokratie und Respektierung der Menschenrechte.
Besondere Kritik unsererseits erntete das scharfe
Vorgehen des Regimes gegen die Gruppe "Concillio
Cubano", die versucht hatte, eine Konferenz über
Demokratie und Menschenrechte zu organisieren.
Über 140 Menschen wurden festgenommen und
zusammen mit ihren Familien kontinuierlicher Überwachung und Schikanen unterworfen.
Damit Kuba prosperieren und wachsen kann, muß die
Regierung des Landes den demokratischen Wandel
zulassen. Meine Regierung würden einen solchen
Wandel begrüßen, und wir werden weiterhin mit
anderen freien Nationen zusammenarbeiten, um ihn zu
ermutigen.
Frau Vorsitzende, die Hauptursache von Menschenrechtsverletzungen ist Krieg. Und in unserem Zeitalter
gibt es eher Konflikte in einem Land als zwischen
Ländern.
In Zentralafrika beschäftigen die Spannungen zwischen den Tutsis und Hutus die internationale Staatengemeinschaft seit mehreren Jahren. Die jüngste
Rückführung von Flüchtlingen aus Ostzaire nach
Ruanda ist eine äußerst begrüßenswerte Entwicklung.
Über das unmittelbare Problem der Versorgung dieser
Flüchtlinge hinaus gibt es jedoch weiterhin zahlreiche
Probleme.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zur Zusammenarbeit mit regionalen und nationalen Politikern
sowie mit anderen besorgten Regierungen, um die
ruandischen Flüchtlinge, die noch nicht in ihre Heimat
zurückgekehrt sind, dazu zu ermutigen. Mit Respekt
nehmen wir die Verpflichtung der ruandischen Regierung zur Kenntnis, sicherzustellen, daß die Rechte und
Sicherheit dieser Flüchtlinge sowie anderer Hutus
geachet werden. Und wir hoffen, daß die internationale Staatengemeinschaft Ruanda nicht nur bei der
Erfüllung dieser Verpflichtung behilflich ist, sondern
auch die vielen, seit dem Genozid von 1994 anhängigen Strafprozesse in einem ordentlichen Gerichtsverfahren entscheidet.
Die Menschenrechtssituation gibt auch in Burundi zu
großer Besorgnis Anlaß, wo die Sicherheitskräfte
ebenso wie die ethnischen Milizen und Rebellen
weiterhin Menschenrechtsverletzungen begehen.

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Es ist beachtlich, daß die Regierung vor kurzem die
Verantwortung für das Massaker an 48 Zivilisten
übernommen und versprochen hat, die Täter zur
Rechenschaft zu ziehen. Das ist ein äußerst positiver
Schritt, und wir fordern Major Buyoya und die burundische Armee auf, der Gerechtigkeit Genüge zu
tun.
Auf dem Balkan war das Abkommen von Dayton
darauf ausgelegt, die Rechte aller Bosnier zu wahren,
unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit. Die
Durchführung erfolgte stetig, aber langsam. Wir
drängen die Parteien, die Versprechen des Abkommens in die Realität umzusetzen. Und wir bitten alle
Nationen um die Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrechertribunal, sowohl im ehemaligen Jugoslawien
als auch in Ruanda.
Ein weiteres von Bürgerkrieg heimgesuchtes Land ist
Afghanistan. Wie andernorts wurden hier die Menschenrechte durch praktisch alle kämpfenden Parteien
verletzt. Frauen und Kinder waren vornehmlich die
Opfer, nicht nur der Gewalt, sondern auch der von
einer der kämpfenden Fraktionen - den Taliban erlassenen drakonischen Sozialdekrete.
Wir fordern alle afghanischen Gruppen zur Respektierung der grundlegenden Menschenrechte auf unabhängig von Geschlecht, Ethnizität oder Religion.
Darüber hinaus ist die Beendigung der Kämpfe von
entscheidender Bedeutung. Dieser Krieg verlängert
die Agonie des afghanischen Volkes in sinnloser
Weise. Wie die ehemalige Sowjetunion aufgrund
harter Erfahrung lernte, können die Afghanen grausame und entschlossene Kämpfer sein; ihr physischer
Mut steht außer Frage. Erforderlich ist jetzt der
moralische Mut zur Beendigung der Kämpfe und zur
Gründung einer Regierung mit breiter Basis. Sowohl
diese Organisation als auch zahlreiche Mitgliedstaaten
sind zur Hilfe bei der Verwirklichung dieses Ziels
bereit.
Frau Vorsitzende, die größte Spaltung der heutigen
Welt verläuft nicht zwischen Ost und West, Nord und
Süd, oder Rechts und Links. Sie verläuft zwischen
denjenigen, die in dem Haß der Vergangenheit
verhaftet sind und denjenigen, die den Aufbau der
Zukunft anstreben.
Entsprechend appelliert meine Regierung an alle
Regierungen:
Lassen Sie uns alle die untrennbare Verbindung
zwischen menschlicher Entwicklung und menschlicher
Freiheit anerkennen.
Lassen Sie uns alle die in der UN-Charta eingegangenen Verpflichtungen erfüllen.

Seite 3

�Lassen Sie uns alle die Allgemeine Erklärung der
Menschenrechte einhalten.

Und lassen Sie uns dabei unserer gemeinsamen
Verantwortung für die Zukunft und die Kinder gerecht
werden, deren Erbe wir feierlich verwalten.

Lassen Sie uns alle die Würde unserer Bürger respektieren.

* * * * *

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�PORTRAT
11. Dezember 1996

Im Ausland geborene Amerikanerin
zur Außenministerin berufen
Porträt von Madeleine Korbel Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir das Porträt von Madeleine Albright, die von Präsident
Clinton am 5. Dezember 1996 vorbehaltlich der Bestätigung durch den Senat für das Amt des Außenministers
nominiert wurde.

Madeleine K. Albright wurde von Präsident Clinton im
Januar 1993 zur Ständigen Vertreterin der Vereinigten
Staaten bei den Vereinten Nationen ernannt. Sie ist
außerdem Mitglied von Präsident Clintons Kabinett und
des Nationalen Sicherheitsrats. Botschafterin Albright
wurde am 1. Februar 1993 bei den Vereinten Nationen
akkreditiert.
Von 1989 bis 1992 war Botschafterin Albright Präsidentin des Center for National Policy, einer gemeinnützigen Forschungsorganisation, die Studien und
Diskussionen über innenpolitische und internationale
Themen fördert. Von 1982 bis zu ihrer Ernennung als
Ständige Vertreterin war sie Forschungsprofessorin für
internationale Angelegenheiten und Direktorin des
Programms "Frauen im auswärtigen Dienst" der
Georgetown University's School of Foreign Service.
Vor ihrer Tätigkeit an der Georgetown University nahm
Botschafterin Albright an einem internationalen
Wettbewerb teil, bei dem sie mit einem Woodrow
Wilson-Stipendium am Woodrow Wilson Center for
Scholars der Smithsonian Institution ausgezeichnet
wurde, um über die Rolle der Presse bei den politischen Veränderungen in Polen 1980-82 zu schreiben.

1981 war sie Senior Fellow für sowjetische und
osteuropäische Angelegenheiten am Center for
Strategie and International Studies und von 1981-90
ein Adjunct Fellow der Institution.
Von 1978-81 war Botschafterin Albright als Mitarbeiterin des Nationalen Sicherheitsrats und den Weißen
Hauses für die außenpolitische Gesetzgebung verantwortlich und von 1976-78 persönliche Referentin für
Gesetzesfragen von Senator Edmund Muskie.
Botschafterin Albright erwarb 1968 ihren M.A. an der
Fakultät für Öffentliches Recht und Staatswissenschaft
der Columbia University, wo sie 1976 auch promovierte. 1959 hatte sie am Wellesley College ihr
Examen in Politologie mit Auszeichnung bestanden.
Zu den von ihr veröffentlichten Arbeiten zählen
Poland, the Role of the Press in Political Change,
The Role of the Press in Political Change: Czechoslovakia 1968 und The Soviet Diplomatie Service:
Profile of an Elite.
Botschafterin Albright spricht fließend Französisch und
Tschechisch und verfügt über gute Kenntnisse der
russischen und polnischen Sprache.

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�PORTRAT

11. Dezember 1996

Präsident Clinton nominiert
neuen Verteidigungsminister
Porträt von William S. Cohen

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend stellen wir den von Präsident Clinton am 5. Dezember 1996 für das Amt des
Verteidigungsministers ernannten William S. Cohen vor. Die Nominierung muß noch durch den Senat bestätigt
werden.

William S. Cohen gehörte drei volle Sitzungsperioden
dem Senat und drei dem Repräsentantenhaus als
Abgeordneter des zweiten Wahlbezirks von Maine an.
Der 1940 in Bangor (Maine) geborene Cohen erwarb
1962 seinen Bachelor of Arts in Latein am Bowdoin
College und 1965 seinen Bachelor of Laws cum laude
an der Law School der Boston University. Er war
Sozius in der Anwaltskanzlei Paine, Cohen, Lynch,
Weatherbee &amp; Kobritz in Bangor und Dozent an der
University of Maine. Von 1968-70 war Cohen stellvertretender Staatsanwalt für den Landkreis Penobscot,
von 1969-72 Mitglied des Stadtrats von Bangor und
1971-72 Bürgermeister von Bangor.
Cohen wurde 1972 in das Repräsentantenhaus
gewählt und für die beiden darauffolgenden Sitzungsperioden wiedergewählt. Er gehörte dem Repräsentantenhaus bis 1978 an, als er zum Senator gewählt
wurde. 1984 und 1990 wurde er erneut in den Senat
gewählt, verzichtete jedoch 1996 auf eine vierte
Kandidatur.

Cohen ist Mitglied des Streitkräfteausschusses des
Senats sowie des Ausschusses für Regierungsangelegenheiten und des Sonderausschusses für die
Nachrichtendienste.
Im Streitkräfteausschuß ist
Cohen Vorsitzender des Unterausschusses Seemacht.
Er gehört dem Unterausschuß Luftwaffe und Bodentruppen, dem Unterausschuß für strategische Streitkräfte und dem Unterausschuß für Einsatzbereitschaft
an. Ferner ist Cohen Vorsitzender des Sonderausschusses für Überalterung, des Unterausschusses für
staatliche Verwaltung und den District of Columbia des
Ausschusses für Regierungsangelegenheiten sowie
Mitglied des Ständigen Ermittlungsunterausschusses.
Cohen ist Autor des 1982 erschienenen Buchs Getting
the Most Out of Washington, das sich mit dem
Kampf gegen übermäßige Bürokratie in der Regierung
befaßt, sowie Verfasser von mehreren Romanen und
zwei Gedichtbänden. Der 56jährige ist mit Janet
Langhart verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

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�PORTRAT
11. Dezember 1996

Neuer Nationaler Sicherheitsberater nominiert
Porträt von Samuel R. Berger

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend stellen wir Samuel R. "Sandy" Berger vor, der von Präsident Clinton am 5.
Dezember 1996 zum Berater für nationale Sicherheitsfragen ernannt wurde. Berger muß nicht vom Senat
bestätigt werden.

und

außenpolitischer

Berger ist Stellvertretender Berater des Präsidenten für
nationale Sicherheitsfragen.

wirtschaftlicher, SicherheitsAngelegenheiten.

Während des Präsidentschaftswahlkampfs 1992 war
Berger hochrangiger außenpolitischer Berater von
Gouverneur Clinton und nach der Wahl Stellvertretender Direktor für nationale Sicherheit des Übergangsteams von Präsident Clinton und Vizepräsident
Gore.

Vor seiner Tätigkeit in der Clinton-Administration war
Berger (1973-77, 1981-92) Partner der Washingtoner
Anwaltssozietät Hogan &amp; Hartson sowie Direktor der
internationalen Handelsgruppe der Kanzlei.

Berger blickt auf vielfältige Erfahrung im Staatsdienst
zurück. Er war persönlicher Referent des ehemaligen
New Yorker Bürgermeisters John Lindsay, Rechtsreferent des früheren Senators Harold Hughes (Iowa)
und des Kongreßabgeordneten Joseph Resnick (New
York) sowie von 1977-80 Stellvertretender Direktor des
politischen Planungsstabs im US-Außenministerium.
Während seiner Zeit beim Außenministerium befaßte
sich Berger mit einem breiten Spektrum internationaler

Berger erwarb 1967 seinen B.A. an der Cornell
University und 1971 seinen Doktor der Jurisprudenz
an der Harvard Law School.
Berger ist der Autor von Dollar Harvest (1971), einem
Buch über die Politik für den ländlichen Raum der
Vereinigten Staaten.
Berger ist mit Susan Harrison Berger verheiratet und
hat drei Kinder - Deborah, Sarah und Alexander. Die
Bergers leben in Washington, D.C.

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�PORTRAT

11. Dezember 1996

Vom Nationalen Sicherheitsberater zum CIA-Direktor
Porträt von Anthony Lake

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir das Porträt von Anthony Lake, der am 5. Dezember 1996
von Präsident Clinton für das Amt des CIA-Direktors nominiert wurde. Die Nominierung muß noch durch den
Senat bestätigt werden.

Anthony Lake wurde am 22. Dezember 1992 zum
Berater des Präsidenten in nationalen Sicherheitsfragen ernannt und trat das Amt offiziell am 20. Januar
1993 an. Vorher hatte Lake seine Zeit zwischen seiner
Farm im Westen von Massachusetts und dem Mount
Holyoke College aufgeteilt, wo er seit 1981 Professor
für internationale Beziehungen gewesen war. Ferner
war er im Wahlkampf von Clinton/Gore als hochrangiger außenpolitischer Berater tätig.
1961 schloß Lake sein Studium am Harvard College
mit einem B.A. magna cum laude ab. Anschließend
studierte er zwei Jahre lang Volkswirtschaft am Trinity
College in Cambridge. 1974 promovierte er an der
Woodrow Wilson School of Public and International
Affairs der Princeton University.
Lake trat 1962 in den auswärtigen Dienst ein, dem er
bis 1970 angehörte. Im Rahmen seiner dortigen
Laufbahn war er Vizekonsul in Saigon (1963), Vize-

konsul in Hue (1964-65) und persönlicher Referent des
Präsidentenberaters für nationale Sicherheitsfragen
(1969-70).
Nach seiner Tätigkeit im Wahlkampf von Muskie, für
die Carnegie Endowment und die International Voluntary Services kehrte Lake 1977 ins Außenministerium
zurück und war dort unter der Carter-Administration bis
1981 Leiter des politischen Planungsstabs.
Lake ist Verfasser mehrerer Bücher, darunter Somoza
Falling (1989), Our Own Worst Enemy: The Unmaking of American Foreign Policy (Koautor) (1984)
und The 'Tar Baby' Option: American Policy Toward
Southern Rhodesia (1976). Ferner war er Herausgeber von After the Wars (1990) sowie Mitherausgeber von Legacy of Vietnam: The War, American Society, and the Future of U.S. Foreign Policy
(1976).

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AMERIKA DIENST 24

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                <text>&lt;strong&gt;1. OSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vizepräsident Gore würdigt Rolle der OSZE&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim Lissabonner Gipfel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. WTO&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;WTO als Wegbereiter für stärkere Verflechtung der Weltwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnungsansprache von Charlene Barshefsky&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abschluss eines Informationstechnologieabkommens erwartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der ehemaligen US-Handelsbeauftragten Carla Hills&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA müssen aktivistische Handelspolitik verfolgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Alan P. Larson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Überblick über die Menschenrechtssituation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafterin Albright&lt;/em&gt;</text>
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