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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

20

16. Oktober 1996

WAHLEN '96

DIE BESTÄNDIGKEIT EINER ÜBERPARTEILICHEN AUSSENPOLITIK
von Robert D. Schulzinger
DER FAKTOR AUSSENPOLITIK IM
AMERIKANISCHEN PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPF
von Stephen Hess
INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT UND
HANDEL: SCHLÜSSELTHEMEN DER
DEMOKRATEN
Interview mit Professor Zbigniew Brzezinski
FÜHRUNGSROLLE UND KONTIUNITÄT:
SCHLÜSSELTHEMEN DER REPUBLIKANER
Interview mit General Brent Scowcroft
AUSSENPOLITIK UND DER PRÄSIDENT
SCHAFTSWAHLKAMPF 1996
Wichtige Internetseiten
AUSSENPOLITIK UND DER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPF 1996
Bibliographie

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax:0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�WAHLEN

'9 6
16. Oktober 1996

Die Beständigkeit einer überparteilichen Außenpolitik
von Robert D. Schulzinger

WASHINGTON - (AD) - "Eine von zwei Parteien getragene Außenpolitik ist tief in der politischen Kultur der
Vereinigten Staaten verwurzelt", so der Verfasser des nachfolgenden Artikels, der angefangen mit den
Präsidentschaftswahlen von 1952 beschreibt, wie erfolgreiche Präsidentschaftskandidaten beim Umgang mit
anderen Nationen in die Fußstapfen ihrer Vorgänger traten.
Robert D. Schulzinger ist Geschichtsprofessor an der University of Colorado in Boulder. Er war Personalberater
des Senatsausschusses für auswärtige Beziehungen und gehört derzeit dem Beratungsausschuß für historische
Publikationen des US-Außenministeriums an. Er schrieb unter anderem folgende Bücher: American Diplomacy
in the Twentieth Century, Present Tense: The United States since 1945, Henry Kissinger: Doctor of
Diplomacy sowie The Wise Men of Foreign Affairs: The History of the Council on Foreign Relations.

Sechs der elf amerikanischen Präsidentschaftswahlen
nach dem Zweiten Weltkrieg führten zu einem Parteiwechsel im Weißen Haus. Dreimal lösten die Republikaner die Demokraten ab (1952, 1968 und 1980),
und dreimal traten die Demokraten an die Stelle der
Republikaner (1960, 1976 und 1992). In jedem dieser
Wahlkämpfe versprach der siegreiche Kandidat eine
Außenpolitik, die sich grundlegend von der des
derzeitigen Amtsinhabers aus der anderen Partei
unterschied. Nach seiner Amtsübernahme trat er dann
jedoch beim Umgang mit anderen Nationen in die
Fußstapfen seines Vorgängers.
Eine von zwei
Parteien getragene Außenpolitik ist tief in der politischen Kultur der Vereinigten Staaten verwurzelt.
Der Anfang wurde im Wahlkampf 1952 gemacht, als
Dwight D. Eisenhower, der Kandidat der Republikaner,
zusagte, über die von der Truman-Administration
gegenüber der Sowjetunion verfolgte Eindämmungspolitik hinaus die Kommunisten in Osteuropa und
Asien wieder zurückzudrängen. Bald nach seinem
Amtsantritt ordnete Eisenhower jedoch eine grundlegende Überprüfung der amerikanischen Außenpolitik
an, die zu dem Schluß führte, daß sich die Außenpolitik
auf die langsame, geduldige Eindämmung der sowjetischen Aggression konzentrieren sollte. Während
seiner zweiten Amtszeit verfolgte Eisenhower einen
noch gemäßigteren Kurs, als er mit einer neuen

AMERIKA DIENST 20

Generation führender sowjetischer
Entspannung einleitete.

Politiker

die

Was Eisenhower als kluge Vorgehensweise zur
Entschärfung der Spannungen zwischen den Supermächten ansah, kritisierten prominente Demokraten
bei ihrem Streben nach der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei 1960 als gefährliche Gleichgültigkeit gegenüber der Verteidigungsfähigkeit der Nation. Einer von ihnen - John F. Kennedy- stellte bei seiner erfolgreichen Bewerbung um das
Präsidentenamt die Wiederherstellung der militärischen Macht seines Landes und seiner Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Sowjetunion in den Mittelpunkt
seiner außenpolitischen Agenda. In den ersten 21
Monaten seiner Amtszeit begegnete Kennedy kommunistischen Staaten und Revolutionsbewegungen,
insbesondere in den Entwicklungsländern, weitaus
entschiedener als es Eisenhower 1959 und 1960
getan hatte. Nachdem er jedoch im Oktober 1962
während der Kubakrise am Rande eines Krieges
gestanden hatte, verstärkte Kennedy dramatisch
Eisenhowers frühere Bestrebungen, die Gefahr eines
Atomkriegs zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion zu verringern.
Als der Republikaner Richard Nixon 1968 den Demokraten Hubert Humphrey beim Kampf um die Präsidentschaft besiegte, versprach er, im die Vereinigten

Seite 1

�Staaten so stark entzweienden Vietnamkrieg einen
"ehrenhaften Frieden" zu erlangen. Humphrey verlor
die Wahl mit nur einem halben Prozentpunkt, weil
letztlich nicht genug Amerikaner der Ansicht waren,
daß er sich ausreichend von der äußerst unpopulären
Vietnamkriegspolitik Präsident Lyndon B. Johnsons
distanziert hatte. Als Nixon jedoch Präsident wurde,
verfolgte er die von der Johnson-Administration
entwickelte Politik der Vietnamisierung - den Südvietnamesen einen größeren Teil der Kampfhandlungen
zu überlassen. Nixon und Henry Kissinger, sein
wichtigster außenpolitischer Berater und Außenminister, fanden weithin öffentliche Zustimmung zur
Förderung der Entspannungspolitik mit der Sowjetunion, dem Auftauen der eingefrorenen Beziehungen
zur Volksrepublik China und der Einleitung des
Friedensprozesses zwischen Arabern und Israelis. All
diese Initiativen wurzelten in den unter der JohnsonAdministration entwickelten Plänen.
1976 war der Glanz von Kissingers Außenpolitik
verblaßt. Der Demokrat Jimmy Carter gewann in
diesem Jahr die Präsidentschaftswahlen teilweise
durch Angriffe auf Kissingers anmaßende Gleichgültigkeit gegenüber Menschenrechtsverletzungen im
Ausland
und seine
Konzentration auf die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. 1977 und
1978 widmete die Carter-Administration den Beziehungen zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern mehr Aufmerksamkeit, aber 1979 und 1980
konzentrierten sich die Vereinigten Staaten erneut auf
die wachsenden Spannungen im Verhältnis zur
Sowjetunion. Die sowjetische Invasion in Afghanistan
im Dezember 1979 war für die Amerikaner ein großer
Schock. Im letzten Jahr seiner Präsidentschaft hatte
Carter den größten Zuwachs der Verteidigungsausgaben seit 20 Jahren gefordert. Seine Wiederentdekkung der von der Sowjetunion ausgehenden Bedrohung rettete ihn jedoch nicht vor der Niederlage
gegen den republikanischen Kandidaten Ronald
Reagan, der 1981 mit der im Vergleich zu sämtlichen
Kandidaten seit 1952 militantesten antisowjetischen
Plattform gewählt wurde. In der Praxis entsprach
jedoch auch Reagan dem Muster, daß ein Präsident im
Großen und Ganzen in die außenpolitischen Fußstapfen seines Vorgängers tritt. Die Aufrüstung
während Reagans erster Amtszeit entsprach den
Plänen von Carters letzten Verteidigungsgesuchen.
Während seiner zweiten Amtszeit wurde Reagan, der
früher die Entspannungspolitik als Garantie für "Friedhofsruhe" verhöhnt hatte, der engagierte Verfechter
des Abbaus der Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Als Reagan bei seinem Besuch in Moskau 1988
gefragt wurde, warum er seine scharfe, antisowjetische
Rhetorik eingestellt habe, antwortete er: "Sie haben
sich geändert." Das war tatsächlich der Fall. Ende
1991 war die Sowjetunion von innen her zerfallen und
existierte nicht mehr. Der Kalte Krieg, der vier Jahr-

Seite 2

zehnte lang der Fokus der amerikanischen Außenpolitik gewesen war, hatte bereits zwei Jahre früher zu Beginn der Präsidentschaft des Republikaners
George Bush - geendet. In der Zeit nach dem Kalten
Krieg wurde Bush große Anerkennung für seine
außenpolitischen Fähigkeiten gezollt, insbesondere die
Zusammenstellung der multinationalen Koalition, die
1991 die irakischen Truppen aus Kuwait vertrieb.
Im Wahlkampf 1992 wurde Außenpolitik eindeutig zu
einem zweitrangigen Thema. Der Wahlsieger, der
Demokrat Bill Clinton, kritisierte Bush zwar hauptsächlich wegen der schlechten Wirtschaftslage, versprach
aber auch eine Kursänderung bei der Außenpolitik.
Clinton griff Bush wegen seiner Gleichgültigkeit
gegenüber Menschenrechtsverletzungen in China,
seinem Widerstreben gegen eine Militärintervention in
Bosnien sowie seiner offensichtlichen Feindseligkeit
gegenüber den vor Unterdrückung geflohenen haitianischen Flüchtlingen an. Nach seiner Amtsübernahme
unterschied sich Clinton beim Umgang mit auswärtigen
Angelegenheiten jedoch weitaus weniger von seinem
Vorgänger als seine Rhethorik im Wahlkampf hätte
vermuten lassen. Ebenso wie Bush bemühte sich
Clinton um die Riege freundschaftlicher politischer und
wirtschaftlicher Beziehungen zur Volksrepublik China trotz der Menschenrechtsverletzungen in dem Land.
Clinton entschied sich schnell gegen ein Eingreifen in
die Kampfhandlungen in Bosnien. Seiner Administration gelang 1995 jedoch die erfolgreiche Vermittlung
des Friedensabkommens zwischen den Kriegsparteien
in Bosnien. Auch in Haiti setzte Clinton anfänglich die
Politik der Bush-Administration fort, die er früher als
Abschiebung der Flüchtlinge in ihre Heimat kritisiert
hatte. 1994 setzte sich die Clinton-Administration
energischer für die Wiederherstellung der Demokratie
in Haiti ein.
Mitten im Wahlkampf 1996 kritisierte der republikanische Herausforderer des Präsidenten, Bob Dole,
Clintons Mangel an außenpolitischer Kohärenz, seine
exzessive Abhängigkeit von den Vereinten Nationen
und seine fehlende Bereitschaft zum angemessenen
Einsatz von militärischer Macht. Als Senator unterstützte Dole jedoch Clintons Entscheidung zur Entsendung amerikanischer Truppen nach Bosnien Ende
1995. Als die Clinton-Administration im September
1996 den Einsatz von Marschflugkörpern gegen den
Irak als Vergeltung für die Angriffe des Landes auf
kurdische Städte anordnete, unterstützte Dole den
Militärschlag.
Ungeachtet dessen, wie sehr die Präsidentschaftskandidaten im Zeitalter nach dem Zweiten Weltkrieg
die Unterschiede zwischen ihrer außenpolitischen
Haltung und der ihrer Kontrahenten betonten, verfolgten Administrationen der Demokraten und Republikaner gleichermaßen während des Kalten Krieges und
danach eine bemerkenswert ähnliche außenpolitische
Linie. Während des Kalten Krieges befürworteten sie

AMERIKA DIENST 20

�die Eindämmung der Sowjetunion und die Vermeidung
eines Weltkrieges, und nach 1989 sorgten sie für eine
starke Einbeziehung der Vereinigten Staaten in
internationale Angelegenheiten.
Die Amerikaner wählen 1996 auch einen neuen
Kongreß. Entweder behalten die Republikaner ihre
derzeitige Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus, oder die Demokraten erobern sie in einer oder in
beiden Kammern zurück. Unabhängig davon, welche
Partei im Kongreß das Sagen hat, lassen die im
Zeitalter nach dem Kalten Krieg gemachten Erfahrungen auf eine Fortsetzung der überparteilichen amerikanischen Außenpolitik schließen. In 22 der letzten 50
Jahren stellte eine Partei den Präsidenten und hatte
gleichzeitig die Mehrheit in beiden Häusern des
Kongresses, 22 Jahre lang stellte eine Partei den
Präsidenten und die andere hatte die Mehrheit in
beiden Häusern des Kongresses, und sechs Jahre
lang teilten sich beide Parteien die Kontrolle des
Kongresses.
Der Kongreß und der Präsident haben oft unterschiedliche Ansichten zur Außenpolitik. Das Bemerkenswerte an diesen Meinungsverschiedenheiten ist
die Tatsache, daß sie nicht so sehr parteipolitischer
Natur als vielmehr themenbezogen sind. Beispielsweise wurde die demokratische Truman-Administration
1947 und 1948 beim Entwurf des Marshallplans und
der Verbreitung der Truman-Doktrin von einem
republikanischen Kongreß unterstützt. Andererseits
wurde die demokratische Johnson-Administration
wegen des Vietnamkriegs von Kongreßabgeordneten
aus den eigenen Reihen kritisiert.

Als die Demokraten 1993 und 1994 die Mehrheit im
Kongreß hatten, genoß die Clinton-Administration
zweifelsohne mehr Unterstützung der Gesetzgeber bei
außenpolitischen Fragen als unter dem republikanisch
dominierten Kongreß 1995 und 1996. Die letzten
beiden Jahre zeigen jedoch, daß Regierungserfahrung
zu einer Mäßigung der in der Hitze des Wahlkampfs
vertretenen extremen Positionen führt. Als die Republikaner 1995 den Kongreß neu gestalteten, schienen sie zur Abschaffung der für auswärtige Angelegenheiten zuständigen Institutionen, Streichung der
Auslandshilfe und Lähmung der Handels- und Menschenrechtspolitik der Clinton-Administration bereit.
1996 suchten die republikanischen Abgeordneten im
außenpolitischen Bereich jedoch nach Gemeinsamkeiten mit der Clinton-Administration.
Seit dem Ende des Kalten Krieges herrscht in den
Vereinigten Staaten breite Übereinstimmung hinsichtlich der Außenpolitik der Nation. Jüngste Meinungsumfragen deuten darauf hin, daß die meisten Amerikaner trotz Differenzen über Stil und Einzelheiten der
Ansicht sind, daß ein starkes Engagement der Vereinigten Staaten auf der Welt für ihr Land lebenswichtig ist. Ihres Erachtens benötigt Amerika in einem
immer noch gefährlichen Umfeld Freunde und Verbündete. Sie halten militärische Macht immer noch für ein
wichtiges Element bei internationalen Angelegenheiten. Sie möchten, daß ihr Land Demokratie, Menschenrechte, freie Märkte und freien Handel fördert.
Die Erfahrung der letzten 50 Jahre legt nahe, daß
entweder eine zweite Clinton-Administration oder eine
neue Dole-Administration diese grundlegenden
außenpolitischen Ziele verfolgen werden.

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16. Oktober 1996

Der Faktor Außenpolitik im amerikanischen
Präsidentschaftswahlkampf
von Stephen Hess

WASHINGTON - (AD) - Im nachfolgenden Artikel gibt der Verfasser Beispiele dafür, wann die Außenpolitik den
hauptsächlich innenpolitisch dominierten Präsidentschaftswahlkampf beeinflußt. Ein Auslöser kann Hess zufolge
eine Krise sein, die amerikanische Bürger - entweder als Soldaten oder als Geiseln - direkt betrifft.
Stephen Hess ist seit 1972 Senior Fellow für Regierungsstudien an der Brookings Institution in Washington. Er
war Redenschreiber für Präsident Eisenhower, stellvertretender Referent für städtische Angelegenheiten unter
Präsident Nixon und Berater Präsident Carters für die Neuorganisation des Präsidialamts. Hess ist Verfasser von
15 Büchern, darunter The Presidential Campaign, Organizing the Presidency sowie Presidents and the
Presidency.

Am ersten Sonntag im September, als der Präsident
den Einsatz von Marschflugkörpern gegen den Irak
anordnete, kritisierte Robert Dole die "Führungsschwäche" Bill Clintons beim Umgang mit Saddam
Hussein. Am nächsten Tag, nachdem die Marschflugkörper ihr Ziel erreicht hatten, kam der republikanische Präsidentschaftskandidat zu dem Schluß, daß
Angriffe auf seinen Gegner aus der Demokratischen
Partei ein Fehler gewesen waren und bot "ohne
Zögern oder Bedenken" den amerikanischen Streitkräften Unterstützung an. Die Reform Party von Ross
Perot weigerte sich jedoch, sich hinter den Präsidenten
zu stellen und erklärte: "Krieg ist kein Mittel für Politiker, ein positives Image zu kreieren und in den
Meinungsumfragen aufzuholen." Erstaunlicherweise
ist Außenpolitik bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen wieder zu einem Thema geworden.
Es ist erstaunlich, weil die amerikanischen Wähler
hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt sind und die
meisten Wahlen von innenpolitischen Überlegungen
dominiert werden, insbesondere der Wirtschaftslage.
Als Clintons Wahlkampfmanager von 1992, James
Carville, bei einer Besprechung erklärte: "Es ist die
Wirtschaft, du Dummerchen" - seine anschauliche
Methode, die Wahlkampfmitarbeiter zu warnen, nicht
von ihrer grundlegenden Botschaft abzulassen wiederholte er lediglich eine Binsenwahrheit der
amerikanischen Politik.

AMERIKA DIENST 20

Clinton hielt tatsächlich mehrere obligatorische
außenpolitische Reden, in denen er allgemein die
Bedeutung des Welthandels ansprach. Es gelang ihm
jedoch, von außenpolitischen Themen abzulenken, die
traditionell die Stärke der Republikaner gewesen sind erst unter Ronald Reagan, dem Kandidaten von 1980
und 1984, der sich oftmals um ein gegen die Sowjetunion gerichtetes Amt zu bewerben schien, und
anschließend unter George Bush, dessen Beliebtheitsgrad nach dem Golfkrieg auf 90 Prozent anstieg.
Es gibt verschiedene Arten, wie Außenpolitik und
nationale Sicherheitsfragen sich einen Platz im
vorwiegend innenpolitischen Terrain der amerikanischen Präsidentschaftswahlkämpfe erobern:
Die erste ist offensichtlich eine während des Wahlkampfs auftretende Krise, wie die irakische Militärinvasion in kurdisches Gebiet in diesem Jahr. Der Wahlkampf zwischen Dwight Eisenhower und Adlai Stevenson im Jahr 1956 gestaltete sich infolge von zwei
internationalen Krisen komplizierter - dem Aufstand in
Ungarn und dem Einmarsch von Israelis, Franzosen
und Briten in Ägypten. Alle Kandidaten, die nicht der
Regierungspartei angehören, machen sich Sorgen
über sogenannte "Oktober-Überraschungen", bei
denen die Nation daran erinnert wird, daß der Kandidat
der Regierungspartei auch Oberbefehlshaber der

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�Streitkräfte werden könnte. Und die Nation neigt zu
patriotischem Verhalten.
Zweitens: Wenn eine internationale Frage zu einer
innenpolitischen wird, weil sie amerikanische Bürger
entweder als Soldaten oder als Geiseln direkt betrifft.
Jüngste Beispiele sind der Koreakrieg, der Vietnamkrieg und die Stürmung der US-Botschaft im Iran 1979.
Diese Ereignisse hatten beträchtliche Auswirkungen
auf die Wahl von Eisenhower (1952), den Verzicht
Lyndon Johnsons auf eine erneute Kandidatur (1968),
die Wiederwahl Richard Nixons (1972) und die
Niederlage Jimmy Carters (1980).
Drittens: Ein Fehler eines Kandidaten, wie ihn beispielsweise Präsident Gerald Ford und Senator Barry
Goldwater begingen. Ford stellte bei seiner Debatte
1976 mit Carter eine falsche Behauptung hinsichtlich
der sowjetischen Vorherrschaft in Osteuropa auf,
während Goldwater, der 1964 Kandidat der Republikaner war, unaufgefordert eine Erklärung über die
Entlaubung in Vietnam aufgrund des Einsatzes von
Nuklearwaffen gab, was ihm das Image eines "Atombombers" verlieh.
Viertens: Die Kandidaten wissen, daß bestimmte
Länder für verschiedene Gruppen von Amerikanern
eine besondere Bedeutung haben. Doles Vorschlag,
im Mai 1999 die US-Botschaft nach Jerusalem zu
verlegen, gefällt den Amerikanern jüdischer Herkunft,
während Clintons Intervention im Friedensprozeß in
Nordirland von den Amerikanern irischer Herkunft
begrüßt wird. Die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zu Castros Kuba haben Auswirkungen in
Florida, einem Bundesstaat mit einer Vielzahl von
Wählerstimmen, ebenso wie Einwanderungsfragen in
Bundesstaaten mit einer Grenze zu Mexiko besondere
Bedeutung zukommt.
Fünftens: Die Kandidaten sprechen manchmal aufgrund früherer Erfahrungen und Interessen außenpolitische Fragen an. Mehrere Präsidentschaftskandidaten gehörten dem Senatsausschuß für auswärtige
Beziehungen oder dem Streitkräfteausschuß an.
George Bush war Botschafter in China, Vertreter der
Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen und
Direktor des Nachrichtendienstes CIA. Dole - der
einen Aufschub der bosnischen Wahlen mit der
Behauptung forderte, "diese Wahlen werden Betrug
sein, aber Betrug mit Billigung der Vereinigten Staaten" - hat seit langer Zeit bestehende, entschiedene
Ansichten über den Konflikt im ehemaligen Jugoslawien.
Sechstens: Die Kandidaten werden durch das Wahlprogramm ihrer Partei bestimmten Ansichten verpflichtet. Es gibt vergleichsweise große Unterschiede
in diesen Dokumenten, die bestimmen, warum die
Wähler für Republikaner, Demokraten oder eine der
kleineren Parteien stimmen. In den Wahlprogrammen

Seite 2

von 1996 verpflichten sich die Republikaner beispielsweise, "die Verringerung der Verteidigungsausgaben
unserer Nation rückgängig zu machen", und die
Demokraten argumentieren, "die Republikaner wollen
mehr für die Verteidigung ausgeben als das Pentagon
beantragt". (Die Plattform der Reform Party befaßt
sich nicht mit internationalen Beziehungen.)
Jeder Erklärung zur wichtigen Rolle der Außenpolitik
bei den Wahlen müssen ernsthafte Bedenken entgegengehalten werden: In den Vereinigten Staaten gibt
es während der Präsidentschaftswahlkämpfe keine
verantwortungsbewußte Debatte über außenpolitische
Fragen. Die amerikanischen Wähler wissen nicht viel
über außenpolitische Angelegenheiten. Und das
außenpolitische Interesse der Wähler geht nicht über
den grundlegenden Wunsch nach Frieden hinaus.
Außenpolitik als Wahlkampfthema beschränkt sich auf
die Frage, wer das Land am besten aus einem Krieg
heraushalten kann. Sehr technische Fragen wie die
internationale Finanzlage oder sogar explosive
Situationen, die das amerikanische Militär mit großer
Wahrscheinlichkeit nicht betreffen, spielen für Wahlmandate keine Rolle. Die Appelle der Kandidaten sind
grundlegend, sogar primitiv. "Ich habe es schon früher
gesagt, und ich sage es immer wieder: Eure Jungs
werden nicht in irgendwelche Kriege ins Ausland
geschickt", erklärte Franklin Roosevelt 1940.
Da die Wähler weniger Interesse an außenpolitischen
als an innenpolitischen Fragen haben und weniger
darüber wissen, ist klar, daß die internationalen
Fragen, für die die Wähler sich interessieren, ein sehr
großes Anliegen darstellen. Die Außenpolitik wird nur
dann zu einer beherrschenden Wahlkampffrage, wenn
sie die Wähler an einer empfindlichen Stelle trifft. Das
Engagement der Amerikaner in Vietnam war ein
solcher Fall, und Perot würde gerne die Beteiligung der
Amerikaner am Nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA und am Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommen GATT zu einer weiteren entscheidenden Frage machen.
Senator Daniel Patrick Moynihan vertritt die weithin
verbreitete Meinung, "bei Wahlen präsentieren wir uns
selten von unserer besten Seite". In einem Wahlkampf
werden die Fragen immer stark vereinfacht, allzu sehr
dramatisiert und aufgebauscht. Vielleicht sollte man in
der Praxis nicht erwarten, daß Präsidentschaftswahlen
ein angemessenes Medium für eine objektive, gründliche, ausgewogene Überprüfung der Politik sind.
Obwohl diese Beobachtung für innenpolitische und
internationale Fragen gleichermaßen zutrifft, sind
letztere angesichts ihrer Komplexität, Geheimhaltung
und des begrenzten Wissens der Wähler noch unergründlicher. Daher kann man als Faustregel im
Wahlkampf festhalten: Alle Fragen werden schlecht,
und die außenpolitischen Fragen am schlechtesten
gehandhabt.

AMERIKA DIENST 20

�Es gibt keine geographischen oder geometrischen
Veränderungen in der amerikanischen Politik, die
darauf hindeuten, daß außenpolitische Themen bei
zukünftigen Wahlkämpfen mit größerer oder geringerer
Wahrscheinlichkeit angesprochen werden. Oder daß
sie mit mehr Verantwortungsbewußtsein als in der
Vergangenheit gehandhabt werden. Die Ironie liegt
darin, daß die außenpolitischen Versprechungen der
Kandidaten wahrscheinlich wenig mit den außenpolitischen Krisen gemein haben, mit denen ein
Präsident tatsächlich konfrontiert wird. Aufgrund der
jüngeren Geschichte kann man sagen, daß den

Wählern besser gedient wäre, wenn sich die Kandidaten mit den folgenden Fragen befassen würden:
Was würden Sie tun, wenn eine feindliche Macht
Angriffsraketen auf Kuba stationieren, wenn Nordkorea
eine Atomwaffe einsetzen oder wenn in Bosnien ein
Krieg zwischen Muslimen und Serben ausbrechen
würde? Bedauerlicherweise beantworten die Präsidentschaftskandidaten keine hypothetischen Fragen.
Täten sie es, wäre das Ergebnis weitaus interessanter
- und zweifelsohne nützlicher - als die jetzt beim
Präsidentschaftswahlkampf geführten außenpolitischen Debatten.

* *

AMERIKA DIENST 20

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�WAHLEN

'9 6
16. Oktober 1996

Internationale Zusammenarbeit und Handel:
Schlüsselthemen der Demokraten
Interview mit Professor Zbigniew Brzezinski

WASHINGTON - (AD) - Professor Zbigniew Brzezinski zufolge spielt Außenpolitik zwar keine große Rolle bei
Präsidentschaftswahlkämpfen, der Nahe Osten und die NATO-Erweiterung sind jedoch zwei Themen, die "den
Ausgang der Wahlen beeinflussen, aber auf keinen Fall entscheiden könnten". Obwohl es nur marginale
Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten zum Thema Außenpolitik gäbe, behauptet er, die
Demokraten tendierten zu einer größeren Betonung von Handel, internationaler Zusammenarbeit und
ökologischen Belangen.
Brzezinski war Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Carter und Fakultätsmitglied der Universitäten
Harvard und Columbia. Jetzt ist Brzezinski Berater am Zentrum für strategische und internationale Studien und
Professor der amerikanischen Außenpolitik an der Schule für moderne internationale Studien der Johns Hopkins
University in Washington. Das Interview führte die freie Journalistin Wendy S. Ross im September 1996.

Frage: Welche Rolle spielt die Außenpolitik Ihrer
Ansicht nach im derzeitigen Präsidentschaftswahlkampf?

Das zweite Thema ist die NATO-Erweiterung. Dieses
Problem ist ein spezielles Anliegen, besonders für die
Amerikaner, die aus Zentraleuropa stammen.

Antwort: Ich glaube nicht, daß die Außenpolitik eine
wichtige Rolle im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf
spielt. Diese Kampagne konzentriert sich vornehmlich
auf innenpolitische Themen. Darüber hinaus gibt es
zu diesem Zeitpunkt keine größeren Krisen - mit
Ausnahme des irakischen Problems - die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit fesseln und ein echtes
Interesse an Außenpolitik wecken.

Die von dem jeweiligen Kandidaten zu diesen beiden
Themen eingenommenen Positionen könnten in
gewissem Maße das Wahlverhalten einiger wichtiger
religiöser und ethnischer Gruppen beeinflussen.

Frage: Gibt es außenpolitische Themen, die das
Wahlergebnis beeinflussen könnten?

Antwort: In etwas vager Weise tendieren die Demokraten eher zu einer Betonung von Multilateralismus,
internationaler Zusammenarbeit, ökologischen Belangen und so weiter. Mit anderen Worten: Wenn man
sarkastisch sein wollte, könnte man sie als die "Tagesordnung derjenigen, die Gutes tun" bezeichnen. Im
Gegensatz dazu sind die Republikaner mehr an
Fragen wie Macht, militärischer Bereitschaft und dem
nationalen Einsatz von Gewalt interessiert. Wiederum
vereinfacht, könnte man sie als die "SchwarzeneggerTagesordnung" bezeichnen.

Antwort: Es gibt einige Themen, die den Ausgang der
Wahlen beeinflussen, aber auf keinen Fall entscheiden
könnten. Vor allem zwei drängen sich auf. Das erste
ist der Nahe Osten. Dieses Thema könnte - aufgrund
der Probleme mit dem Irak, dem relativ kurz zurückliegenden Golfkrieg und dem großen Interesse vieler
Amerikaner an der Zukunft Israels - das Wahlverhalten
in einigen Teilen der Vereinigten Staaten beeinflussen.

Frage: Sehen Sie grundlegende philosophische
Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten bei außenpolitischen Themen?

Ich möchte jedoch betonen, daß dies nur marginale
Unterschiede sind. Und es gibt heute keine grundle-

AMERIKA DIENST 20

Seite 1

�gende philosophische Kollision zwischen Republikanern und Demokraten, teils, weil es keine größeren
internationalen Krisen gibt, die entscheidende Trennlinien schaffen.
Frage: Welche außenpolitischen Themen sind zu
diesem Zeitpunkt für die Demokratische Partei von
größter Bedeutung?
Antwort: Neben den von mir bereits erwähnten würde
ich Handel weit oben auf die Liste setzen, weil Handel
das Arbeitsleben in den Vereinigten Staaten betrifft,
eine besondere Bedeutung für die amerikanische
Erwerbsbevölkerung hat und mit dem Thema Wohlstand in Zusammenhang steht. Handel ist ein Bereich,
in dem die Clinton-Administration große Leistungen
vorweisen kann.
Frage: In welchem außenpolitischen Bereich haben
die beiden Präsidentschaftskandidaten Ihrer Ansicht
nach die größten Meinungsverschiedenheiten?
Antwort: Ich möchte nochmals betonen, daß es keine
grundlegenden, sondern nur marginale Meinungsverschiedenheiten gibt. Die Republikaner befürworten
beispielsweise eine etwas entschiedenere Reaktion
auf die jüngste Herausforderung durch den Irak. Von
den Republikanern weiß man, daß sie sich für ein
etwas früheres Datum der NATO-Erweiterung ausgesprochen haben als bisher von dem Kandidaten der
Demokratischen Partei angedeutet wurde.
Die Republikaner haben kritisiert, wie die Demokraten
das Thema China behandelten. Die Republikaner
tendierten zu einer Betonung der Menschenrechtsdimension. Bei diesem Thema gibt es jedoch unter
den Republikanern selbst Meinungsverschiedenheiten,
weil die Unternehmer, die vielleicht mehr dem republikanischen Kandidaten zugeneigt sind, kein
Interesse daran haben, die Menschenrechtsfrage zu
einem wichtigen Anliegen in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen zu machen.
Frage: Einige Republikaner sagen, die jüngsten
Luftangriffe auf den Irak seien in diesem Wahljahr aus
politischen Gründen ausgeführt worden. Wie lautet
Ihre Antwort auf diese Beschuldigungen?
Antwort: Ich glaube wirklich nicht, daß es sich hierbei
überhaupt um eine Beschuldigung handelt. In einem
Wahljahr können die von nationalen Interessen
geleiteten Entscheidungsträger offensichtlich die
politischen Konsequenzen außenpolitischer Entscheidungen nicht völlig außer Acht lassen. In der Tat
ist es so, daß die Vorgehensweise des Präsidenten im
Hinblick auf den Irak von den Republikanern generell
unterstützt wurde, aber dann erklärten sie, es müßte
mehr getan werden.

Seite 2

Frage: Glauben Sie, daß die Politik in den vergangenen Wochen bei außenpolitischen Themen im Kongreß eine maßgebliche Rolle gespielt hat - beispielsweise bei der Senatsentscheidung, Maßnahmen zur
Chemiewaffenkonvention zu vertagen?
Antwort: Die Vertagung des Abschlusses der Chemiewaffenkonvention war eine politische Entscheidung, und die Bestrebungen, sie zu verabschieden,
waren ebenfalls eine politische Entscheidung. In
diesem Sinn haben beide Seiten ein politisches Spiel
gespielt und jeder kalkulierte, das negative Ergebnis
wäre für die andere Seite im innenpolitischen Bereich
schädlicher. Der Grund für die Vertagung war, daß die
Republikaner nicht als Gegner der Konvention ins
Protokoll eingehen wollten, gleichzeitig jedoch die
Ansicht vertraten, die Chemiewaffenkonvention sei
nichtsehr effektiv und einfach nur ein weiterer Vertrag
ohne jeden Biß.
Frage: Und die Meinung der Clinton-Administration
zur Chemiewaffenkonvention?
Antwort: Die Clinton-Administration äußerte, sie sei
dennoch ein Schritt zu einer internationalen Ordnung nicht idiotensicher, aber dennoch ein Schritt zu
engerer internationaler Zusammenarbeit bei der
Eindämmung der Verbreitung von Chemiewaffen.
Das waren die Argumente, die zu diesem Thema
vorgebracht wurden. Aber dahinter stand auf beiden
Seiten eine politische Rechnung. Die Demokraten
hofften, den Republikanern wäre es peinlich, wenn es
den Anschein hätte, daß sie in irgendeiner Weise
Chemiewaffen befürworteten, und die Republikaner
hofften, man könnte die Demokraten des Wunschdenkens bezichtigen.
Frage: Glauben Sie, daß die beiden großen politischen Parteien außenpolitische Themen während der
Präsidentschaftswahlkämpfe
besser
abhandeln
könnten?
Antwort: Diese Frage ist leicht zu beantworten. Die
Antwort lautet offensichtlich "Ja". Tatsache ist, daß
außenpolitische Themen im Verlauf dieses Wahlkampfs - und bedauerlicherweise während der meisten
Wahlkämpfe der vergangenen Jahre - nicht in ernsthafter und verantwortungsvoller Weise behandelt
wurden. Ich hoffe, daß es beispielsweise möglich sein
könnte - und meines Erachtens möglich sein sollte eine Debatte der Präsidentschaftskandidaten ausschließlich der Erörterung von Außenpolitik
zu
widmen. Ich hoffe, es ist möglich, ernsthafte Diskussionen zwischen den Anhängern der jeweiligen
Kandidaten zu führen, die sich mit den außenpolitischen Themen befassen. Solche Veranstaltungen
würden zur Information der Öffentlichkeit über außenpolitische Fragen beitragen und vielleicht eine klarere

AMERIKA DIENST 20

�Definition alternativer Ansätze zu außenpolitischen
Problemen herausarbeiten.
Frage: Wie schätzen Sie das Wissen der amerikanischen Öffentlichkeit über auswärtige Angelegenheiten und ihr Interesse daran ein?
Antwort: Ich muß sagen, daß es insgesamt relativ
gering ist. Die amerikanische Öffentlichkeit besitzt ein
sehr geringes Wissen der ausländischen Geschichte,
überhaupt kein Wissen ausländischer Geographie und
hat ein relativ geringes Interesse an auswärtigen
Angelegenheiten. Meines Erachtens ist dies die Folge
der kontinentalen Isolation, gewisser Unzulänglichkeiten im Bildungswesen, aber auch auf die amerikanischen Medien zurückzuführen, die sich nur mangelhaft mit Außenpolitik befassen.
Das habe ich besonders gemerkt, als ich im August
außerhalb von Washington war und im Radio die
Morgennachrichten von CBS hörte, die sich CBSWeltnachrichtenüberblick nennen. Es gab praktisch
nichts außer einer Zusammenfassung absolut trivialer
Geschichten, die sich fast ausschließlich um innenpolitische Angelegenheiten drehten. Obwohl die
Morgennachrichten Weltnachrichtenüberblick hießen,
erfuhr ich buchstäblich überhaupt keine Weltnachrichten. Dasselbe galt für die Abendnachrichten. An
dem Ort, an dem ich mich befand, konnte ich nur die
Fernsehnachrichten auf CBS TV empfangen, die auch
vorgeben, Weltnachrichten zu sein. Aber tatsächlich
gab es keine ernsthafte Berichterstattung über irgendein wichtiges internationales Thema.

mend auf den letzten Seiten. Tatsache ist, daß
Amerika sehr viel mehr mit sich selbst beschäftigt ist.
Die Institutionen und Organisationen, die den Horizont
der amerikanischen Öffentlichkeit erweitern könnten
und es meiner Meinung nach tun sollten, versagen
kläglich.
Frage: Welche Rolle spielte die Außenpolitik bei den
Präsidentschaftswahlkämpfen 1976 und 1980?
Glauben Sie, daß das Geiseldrama im Iran teilweise
dafür verantwortlich war, daß Carter 1980 nicht
wiedergewählt wurde?
Antwort: Meines Erachtens spielte die Außenpolitik
im Jahr 1976 auf zwei Ebenen eine Rolle. Zum einen
wurde die Entspannungspolitik von Nixon und Ford
von den Demokraten kritisiert, weil sie Menschenrechte nicht ausreichend berücksichtigte.
Und zum
anderen machte Präsident Ford in der Debatte der
Präsidentschaftskandidaten eine Aussage über
Osteuropa, die zu implizieren schien, daß der kommunistische Satellitenstaat Polen seiner Ansicht nach ein
völlig unabhängiger Staat sei. Das war für die Demokraten natürlich ein gefundenes Fressen, und sich
nutzten es politisch effektiv aus.
1980 trug das Geiseldrama im Iran zweifelsohne zur
Niederlage der demokratischen Administration bei.
Die demokratische Administration wurde als inkompetent, unentschlossen und schwach sowie einfach
unfähig angesehen, mit der andauernden nationalen
Demütigung fertigzuwerden.
Die Republikaner
brachten diese Punkte natürlich vor und konnten
dadurch politisch beträchtlich an Boden gewinnen.

Amerikanische Zeitungen, selbst führende nationale
Zeitungen, bringen internationale Nachrichten zuneh-

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�WAHLEN

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16. Oktober 1996

Führungsrolle und Kontinuität:
Schlüsselthemen der Republikaner
Interview mit General Brent Scowcroft

WASHINGTON - (AD) - General Brent Scowcroft zufolge ist die Rolle der Außenpolitik beim derzeitigen
Präsidentschaftswahlkampf unerheblich und wird wahrscheinlich keinen großen Einfluß auf das Wahlverhalten
der Amerikaner haben, es sei denn, vor der Wahl finden auf der internationalen Bühne "dramatische Ereignisse"
statt. Die Schlüsselthemen der Republikaner im Bereich der Außenpolitik sind bei diesem Wahlkampf
"Führungsrolle und Kontinuität", so der General.
Scowcroft war Referent für nationale Sicherheitsfragen der Präsidenten Ford und Bush sowie Militärbeauftragter
unter Präsident Nixon. Im Rahmen seiner militärischen Laufbahn hatte Scowcroft Ämter in der Organisation der
Vereinigten Stabschefs, im Hauptquartier der US-Luftwaffe sowie im Büro des Abteilungsleiters für internationale
Sicherheitsfragen im Verteidigungsministerium inne. Scowcroft ist Gründer und Präsident von The Forum for
International Policy, einer überparteilichen, gemeinnützigen Organisation, die unabhängige Meinungen zu
wichtigen außenpolitischen Fragen abgibt. Ferner ist er Präsident von The Scowcroft Group, einer Beraterfirma
für weltweit expandierende und investierende Unternehmen. Das Interview führte der Chef vom Dienst Dian
McDonald im September 1996.

Frage: Wie würden Sie die Rolle der Außenpolitik im
derzeitigen Präsidentschaftswahlkampf charakterisieren?
Antwort: Ich würde sagen, sie ist wahrscheinlich so
unmaßgeblich wie bei allen Wahlkämpfen, an die ich
mich erinnern kann. Die Außenpolitik wird sporadisch
angesprochen, ist jedoch kein wichtiges Thema im
Wahlkampf.
Frage: Glauben Sie, daß es außenpolitische Themen
gibt, die zu diesem Zeitpunkt potentielle Auswirkungen
auf den Ausgang der Wahlen haben könnten?
Antwort: Das glaube ich nicht, es sei denn, es
geschehen dramatische Ereignisse, die Auswirkungen
haben würden. Aber abgesehen davon glaube ich das
nicht. Die Außenpolitik wird eine untergeordnete Rolle
beim Wahlkampf spielen. Und meines Erachtens wird
Präsident Clinton generell sagen, daß er in der
Außenpolitik ein guter Präsident war, daß er die
Tradition der amerikanischen Außenpolitik fortgesetzt
hat, stark gewesen ist und nicht vor dem Einsatz von

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Gewalt zurückschreckte, wenn dieser angebracht war.
Und Senator Dole wird wahrscheinlich sagen: "Es gibt
keine Führung. Unsere Politik war von einer Veränderung nach der anderen gekennzeichnet. Es gab
keine Kontinuität, keine Strategie. Wir benötigen eine
kontinuierliche Außenpolitik, die durch Stärke untermauert wird, und der Präsident hat eine Aushöhlung
unseres Militärs zugelassen." Mir scheint, daß dies
das zugrundeliegende Thema sein wird, aber es wird
nicht die Einstellung vieler Wähler ändern. Sollte
jedoch etwas dramatisches geschehen, wie etwa im
Irak, mit China und der Verbreitung von Raketen, dann
könnte das Auswirkungen auf die Wahl haben. Aber
das wäre ein unvorhergesehenes Ereignis.
Frage: Die amerikanische Politik gegenüber illegalen
Einwanderern wird als das umstrittenste außenpolitische Thema für Präsident Clinton und Senator
Dole bezeichnet. Stimmen Sie dieser Einschätzung
zu?
Antwort: Meiner Ansicht nach ist es ein äußerst
emotionsgeladenes Thema. Aber Ihre Formulierung ist

Seite 1

�mir zu stark. Erstens möchte ich in Frage stellen, daß
es wirklich ein außenpolitisches Thema ist. Es ist ein
innenpolitisches Thema. Und es ist für einige wenige
wichtige Staaten wie Kalifornien, Texas und Florida
von entscheidender Bedeutung. Aber im übrigen Land
ist es ein eher abstraktes Thema und wird daher nicht
allzu viele Wähler beeinflussen.
Frage: Glauben Sie, daß es ein entscheidender Faktor
sein könnte, wie Kalifornien wählt?
Antwort: Ich denke, ja. Aber wie Sie wissen, ist man
dort nicht unbedingt nach Parteien in unterschiedliche
Lager gespalten. Es wird jedoch mehr als in jedem
anderen Staat in Kalifornien ein entscheidendes
Thema sein, danach vielleicht in Florida.
Frage: Welche außenpolitischen Themen sind für die
Republikanische Partei zum gegenwärtigen Zeitpunkt
von besonderer Bedeutung?
Antwort: Auch wenn es einige spezifische Themen
wie Bosnien und Haiti gibt, sind Führungsrolle und
Kontinuität die Themen, die die Republikaner betonen
würden.
Frage: Welche Rolle und welchen Charakter hat die
Sicherheitspolitik Ihrer Ansicht nach in den Wahlen,
jetzt, da der Kalte Krieg Geschichte ist?
Antwort: Während des Kalten Krieges waren die
Wahlen häufig das Forum von Debatten darüber, wer
gegenüber dem Kommunismus eine schwache
Haltung einnahm, wer unsere militärische Stärke nicht
aufrechterhielt und so weiter und so fort. Diese
Themen sind verschwunden. Und nach dem Ende des
Kalten Krieges ist das amerikanische Volk meines
Erachtens im Augenblick im Großen und Ganzen nicht
besonders an Außenpolitik interessiert.
Deshalb
werden die jeweiligen Wahlkampfmanager auf der
Suche nach Themen, die von Interesse für das Volk
sind, wahrscheinlich keine in der Außenpolitik finden,
weil es nichts mehr gibt, was die Menschen so interessiert, wie es die Bedrohung durch eine aggressive
Sowjetunion tat.
Frage: Sehen Sie einen grundlegenden philosophischen Unterschied zwischen den Republikanern und
den Demokraten bei außenpolitischen Themen?
Antwort: Ja, meiner Ansicht nach gibt es generelle
Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten. Aber wie Sie wissen, ist es etwas schwieriger,
diese Unterschiede auszumachen, weil es unterschiedliche Demokraten und unterschiedliche Republikaner gibt. Aber in dem Maße, in dem man eine
Unterscheidung treffen kann, würde ich sagen, daß
diese zweierlei Art ist. Zum einen ist es das Ausmaß,
in dem die militärische Stärke eine Rolle in der Außenpolitik spielen muß: Wie stark müssen wir militärisch im

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Vergleich zu unserer Wirtschaft sein? Und zum
anderen ist es wirklich das Ausmaß, in dem die
Themen Menschenrechte und Demokratie zu operativen Elementen der Außenpolitik werden. Es gibt
grundsätzliche Elemente für beide Parteien. Aber die
Demokraten tendieren dazu, sie operativer als die
Republikaner in dem Sinne zu machen, was unsere
Außenpolitik sein sollte.
Nehmen wir zum Beispiel China. Die Demokraten
pflegen zu sagen: "Das wichtigste im Hinblick auf die
amerikanisch-chinesischen Beziehungen ist die
Menschenrechtsbilanz Chinas, und wir müssen die
Chinesen bestrafen, bis sie ihre Menschenrechtsbilanz
in Ordnung gebracht haben." Die Republikaner
pflegen zu sagen: "China ist eine Großmacht. Wir
haben viele Interessen in China - viele sehr wichtige
Interessen, darunter auch die Menschenrechte. Aber
sie sollten die Beziehungen nicht dominieren."
Frage: Glauben Sie, daß die Republikaner während
dieses Wahlkampfs zögern, die außenpolitische Bilanz
des Präsidenten zu kritisieren?
Antwort: Nein, meines Erachtens zögern sie überhaupt nicht. In der Tat glaube ich, daß es eine gewisse Tendenz dazu gibt, insbesondere im Hinblick auf
die Führungsrolle. Aber wie ich bereits gesagt habe,
wird die Außenpolitik kein vorherrschendes Thema
sein, da sie den amerikanischen Wähler nicht so sehr
zu interessieren scheint.
Frage: Könnten Sie kurz Präsident Bushs wichtigste
außenpolitische Erfolge zusammenfassen, und
glauben Sie, daß der amerikanische Wähler diese
Leistungen im Präsidentschaftswahlkampf 1992 aus
dem Blick verloren hat?
Antwort: Meiner Ansicht nach gab es eine Reihe
wichtiger Leistungen. Die herausragendste war das
Ende des Kalten Krieges. Es war natürlich nicht
George Bush, der das Ende des Kalten Krieges
bewirkte. Hier waren Elemente im Spiel, die nicht nur
einer bestimmten Person zugeschrieben werden
können. Aber die Tatsache, daß eine so tiefgehende
und bittere Konfrontation, wie diejenige, die den Kalten
Krieg motivierte, in so kurzer Zeit enden konnte, ohne
daß ein Schuß abgefeuert wurde, ist meines Erachtens
erstaunlich. Und die Tatsache, daß der Kalte Krieg wenn Sie so wollen - stillschweigend endete und nicht
mit einer Atombombe, war eine besondere Leistung
von George Bush. Dazu kam seine Fähigkeit, die
Sowjetunion dazu zu bringen, nicht nur die Wiedervereinigung Deutschlands zu akzeptieren, sondern auch
eine Wiedervereinigung innerhalb der NATO.
Die andere Leistung, wegen der die meisten Menschen heute George Bush erinnern werden, ist der
Golfkrieg. Und da hat er meiner Ansicht nach hervorragende Arbeit geleistet in dem Sinne, daß er die

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�Aggression erkannte und eine Koalition zur Eindämmung der Aggression und ihrer Abwehr mobilisierte. Er mobilisierte die internationale Staatengemeinschaft über die Vereinten Nationen, um diese Aggression zu verurteilen und die Aktionen zu ihrer
Abwehr zu genehmigen.
Und nachdem er diese Ziele erreicht hatte, beendete
er den Golfkrieg. Dies ist einer der eindeutigsten Fälle,
wie man mit einer nicht provozierten Aggression
umgehen sollte. Ob ich glaube, daß der amerikanische Wähler diese Leistungen im Jahr 1992 aus dem
Blick verloren hat? Ich denke folgendes. Das Ende
des Kalten Krieges vollzog sich - aus der Perspektive
des amerikanischen Volkes - so mühelos, daß es
irgendwie unvermeidlich schien und niemand viel
Aufmerksamkeit darauf verwendete, wievieler Mühen
es bedurfte, daß er auf diese Weise endete. Präsident
Bush erhielt enorm viel Zustimmung für den Golfkrieg.
In der Tat stieg seine Popularität auf ungefähr 90
Prozent. Aber das Gedächtnis der Menschen ist kurz,
es gab eine wirtschaftliche Malaise im Inland und dann
erklärte der damalige Gouverneur Clinton erfolgreich:
"Unsere wirklichen Probleme liegen hier im Inland, und
wir haben einen Präsidenten, der zuviel Zeit für die
Außenpolitik aufwendet."
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß die Republikaner
und/oder Demokraten in Präsidentschaftswahlkämpfen
außenpolitische Themen geschickter handhaben
könnten? Und wenn das der Fall ist, welchen Rat
würden Sie ihnen zur Verbesserung des Umgangs mit
Außenpolitik bei den amerikanischen Wahlen geben?
Antwort: Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten.
Meines Erachtens sollte - soweit das möglich ist Außenpolitik im Wahlkampf entsprechend ihrer
Verdienste behandelt werden. Das ist jedoch sehr
schwierig. Bisher haben die Parteien - wenn während
eines Wahlkampfs Krisen auftraten - im Schulterschluß
einstimmig gehandelt. Meiner Meinung nach sollte

*

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Außenpolitik ein Wahlkampfthema sein, wird aber
hoffentlich vor dem Hintergrund ihrer Leistungen und
nicht ihrer Persönlichkeiten erörtert. Ich bin jedoch
nicht sehr optimistisch, daß das geschieht.
Frage: Könnten Sie vor dem Hintergrund Ihrer derzeitigen Tätigkeit im The Forum for International
Policy und der The Scowcroft Group noch etwas
über das Wissen der amerikanischen Öffentlichkeit
über außenpolitische Angelegenheiten und ihr Interesse daran sagen? Wie könnte man den jetzigen
Zustand ändern und würden Sie empfehlen, das
Interesse der Amerikaner an internationalen Fragen zu
vertiefen?
Antwort: Das derzeitige Wissen ist relativ gering, und
geringer als während der meisten Zeit im Kalten Krieg.
Meiner Meinung nach ist das darauf zurückzuführen,
daß das amerikanische Volk traditionsgemäß relativ
isoliert ist, Außenpolitik zwei große Ozeane entfernt
stattzufinden scheint und kein Bestandteil unseres
täglichen Lebens ist. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem
wir wahrscheinlich entweder die Grundlage für eine
Welt schaffen, die besser mit unseren Werten vereinbar ist, oder zulassen, daß die Welt einmal mehr in
einen Gefahrenzustand abdriftet, aus der wir sie - wie
schon so oft in diesem Jahrhundert - retten müssen.
Es gibt viele Menschen, die diese Botschaft verbreiten
können, und The Forum for International Policy
bemüht sich ebenfalls darum. Letztlich obliegt es
jedoch insbesondere dem amerikanischen Präsidenten, immer wieder darauf hinzuweisen, daß
Außenpolitik wichtig ist und warum sie wichtig ist und
alles zur Förderung unserer Interessen zu unternehmen. Wieder einmal verläßt sich das amerikanische
Volk in Friedenszeiten darauf, daß sein Präsident das
Richtige tut. Und es gibt ihm eine Menge Spielraum.
Daher ist die vom Präsidenten übernommene Führungsrolle meines Erachtens von entscheidender
Bedeutung.

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�WAHLEN

'9 6
16. Oktober 1996

Außenpolitik und der Präsidentschaftswahlkampf 1996
Wichtige Internetseiten

Anmerkung: USIS übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt und die Verfügbarkeit der genannten Quellen.
Diese liegt ausschließlich bei den Anbietern.

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AMERIKA DIENST 20

Kennedy School Online Political Information Network
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�W AH L E N '9 6
16. Oktober 1996

Außenpolitik und der Präsidentschaftswahlkampf 1996
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* * * * * *

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&#13;
Herausgeber: U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
21&#13;
&#13;
USA-EUROPA&#13;
&#13;
POSITIVER WANDEL IN DEN&#13;
TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
&#13;
USA-DEUTSCHLAND&#13;
&#13;
BOTSCHAFT 2000 - EIN MODELL FÜR&#13;
DIE ZUKUNFT DES AUSWÄRTIGEN DIENSTES&#13;
von J.D. Bindenagel&#13;
&#13;
DEUTSCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN&#13;
UND DIE WELTWIRTSCHAFT&#13;
Rede der Gesandten Janice Bay&#13;
&#13;
LANDMINEN&#13;
&#13;
GLOBALES VERBOT VON LANDMINEN&#13;
OBERSTE PRIORITÄT DER&#13;
CLINTON-ADMINISTRATION&#13;
Rede von Thomas McNamara&#13;
&#13;
PORTRAT&#13;
&#13;
JAMES D. BINDENAGEL&#13;
Charge d'Affaires ad interim der&#13;
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika&#13;
in der Bundesrepublik Deutschland&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�USA-EUROPA&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
Positiver Wandel in den transatlantischen Beziehungen&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Das Ende des Kalten Krieges hat einen "positiven Wandel" in den amerikanischeuropäischen Beziehungen bewirkt, erklärte der Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium, John Kornblum, am 8. Oktober 1996 in einer Rede vor dem Atlantic Council, deren&#13;
vorbereiteten Text wir nachfolgend veröffentlichen.&#13;
&#13;
Wir durchleben eine Zeit dramatischer Umgestaltung in&#13;
Europa. Inmitten dieses Prozesses ist es nützlich, sich&#13;
bewußt zu machen, was geschieht und was wir&#13;
erreichen wollen.&#13;
Es wurden wichtige erste Schritte&#13;
&#13;
unternommen.&#13;
&#13;
Konfrontation wurde durch Bestrebungen zu gemeinsamem Vorgehen auf der Grundlage gemeinsam&#13;
definierter Werte ersetzt. Demokratisierung wurde&#13;
erstmals in der europäischen Geschichte als einheitliches Leitprinzip dieser Umgestaltung akzeptiert.&#13;
Der schnelle Wandel setzte jedoch auch die Kräfte von&#13;
Konflikt und Gewalt auf einer seit einem halben&#13;
Jahrhundert ungekannten Ebene frei. Traditionelle&#13;
Annahmen zur Gestaltung Europas und den Beziehungen zwischen Nationen und Menschen werden in den&#13;
kommenden Jahren wahrscheinlich noch stärker in&#13;
Frage gestellt.&#13;
Man kann keine genauen Prognosen anstellen, wohin&#13;
dieser historische Prozeß uns führen wird, aber es gibt&#13;
bestimmte konstante Größen, die als Wegweiser&#13;
dienen können. Ferner gibt es eine Reihe wichtiger&#13;
Annahmen über die vor uns liegenden neuen Wege.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben in den letzten drei&#13;
Jahren versucht, einen Kurs einzuschlagen, der auf&#13;
den Erfolgen der letzten fünf Jahrzehnte aufbaut und&#13;
gleichzeitig den Veränderungen vorauszusein.&#13;
In der besten Tradition der amerikanischen Führungsrolle haben Präsident Clinton und Außenminister&#13;
Christopher auf diesem aufregenden, bisweilen jedoch&#13;
auch schwierigen Weg eine starke Führung geboten.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Im Januar 1994 legten die Vereinigten Staaten in&#13;
Brüssel erstmals und zuletzt am 6. September in&#13;
Stuttgart ein mutiges und kreatives Konzept vor, wie&#13;
wir eine neue atlantische Partnerschaft auf der Grundlage der Institutionen und Beziehungen aufbauen&#13;
können, die uns so gute Dienste geleistet haben.&#13;
Unser strategischer Ansatz zielt auf Integration und&#13;
Kooperation gleichermaßen, um zur Erlangung seiner&#13;
Ziele verschiedene Institutionen und Prozesse zusammenzubringen. Außenminister Christopher bezeichnete dies als "neue atlantische Gemeinschaft".&#13;
Mit Unterstützung der produktiven bilateralen Beziehungen zu den europäischen Ländern ermöglichen&#13;
unsere Bestrebungen eine engere Partnerschaft&#13;
Nordamerikas mit einem neuen Europa - ohne künstliche Trennlinien. Sie gestatten uns Zusammenarbeit&#13;
zur Eindämmung ethnischer Konflikte und - im Fall&#13;
Bosniens - zur Wiederherstellung des Friedens. Sie&#13;
helfen uns bei der Wahrung von Stabilität in der Ägäis&#13;
und der gemeinsamen Arbeit an einer umfassenden&#13;
Regelung für Zypern. Und sie ermöglichen konzertierte Bestrebungen zur Beeinflussung von Ländern,&#13;
deren Reformprozeß auf Schwierigkeiten stößt.&#13;
Die neue atlantische Gemeinschaft spiegelt das von&#13;
George Marshall vor nahezu 50 Jahren anvisierte Ideal&#13;
eines wahrhaft integrierten Europas vom Atlantik bis&#13;
zum Ural wider. Im Juni 1947 erläuterte Marshall&#13;
eloquent unser bestes und edelstes Streben nach&#13;
Einbeziehung, gegenseitiger Hilfe und Unterstützung&#13;
sowie einem - nicht aufgrund militärischer Macht,&#13;
sondern aufgrund des Vertrauens seiner Gesellschaften - sicheren Europa. Heute ist seine Einschät-&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�zung so relevant wie eh und je: Amerikas erfolgreiche&#13;
Interaktion mit Europa muß auf durch Führungsrolle,&#13;
Partnerschaft und konkrete Aktionen hervorgerufene&#13;
Dynamik gegründet sein.&#13;
Wenn ich mich durch Marshalls Vision von aktiver&#13;
Zusammenarbeit in der euroatlantischen Region&#13;
inspirieren lasse, meine ich damit nicht, daß wir beim&#13;
Umgang mit den heutigen Problemen in die Vergangenheit blicken sollten.&#13;
Es ist klar, daß die von uns zu schaffende neue&#13;
atlantische Gemeinschaft nicht auf überkommenen&#13;
Modellen gründen kann. Die Beziehung zwischen&#13;
gemeinsamer Verantwortung zur Lösung spezifischer&#13;
Fragen bei ihrem Entstehen und der Notwendigkeit&#13;
einer Aufteilung von Befugnissen zwischen Europa&#13;
und den Vereinigten Staaten entwickelt sich noch. Wir&#13;
können die neue atlantische Gemeinschaft nicht auf&#13;
der Annahme aufbauen, daß sie letztlich den Westen&#13;
so widerspiegelt, wie wir ihn kennen. Ebenso wie das&#13;
vereinigte Deutschland eine Mischung aus Ost und&#13;
West ist, statt lediglich ein vergrößertes Westdeutschland, muß unsere neue Gemeinschaft die von allen&#13;
Gesellschaften geleisteten Beiträge zu einer echten&#13;
Synthese verschmelzen.&#13;
Wir müssen uns die Vielfalt Europas zunutze machen die Quelle seiner Stärke sowie seine Herausforderung.&#13;
Das neue Europa muß Trennungen überwinden und&#13;
gleichzeitig die Realität erkennen, daß die Gesellschaften in zunehmendem Maße ihre Identität und&#13;
ihren Individualismus wahren möchten. Bei der NATOErweiterung, der Vergrößerung der OSZE sowie&#13;
unseren zahlreichen gemeinsamen Bestrebungen mit&#13;
der EU im Rahmen der neuen transatlantischen&#13;
Tagesordnung besteht keine Notwendigkeit, daß&#13;
irgendein Staat das Gefühl bekommt, er schließe sich&#13;
lediglich existierenden Strukturen an. Es wird etwas&#13;
vollkommen Neues geschaffen, das aus der Stärke&#13;
jedes Beitragsleistenden entsteht.&#13;
Der zweite wichtige Punkt ist, daß trotz Wohlstand,&#13;
Talent und Erfolg im Großteil Europas die Rolle&#13;
Amerikas für die Schaffung von Stabilität in der neuen&#13;
atlantischen Gemeinschaft immer noch von elementarer Bedeutung ist. Für die aktiven und engagierten&#13;
Europäer und Amerikaner ist das natürlich eine&#13;
Binsenweisheit. In der Zeit nach dem Kalten Krieg&#13;
wurde jedoch eine lebhafte Debatte über das Wesen&#13;
und den Einsatz amerikanischer Macht im transatlantischen Kontext geführt. Laut einer Umfrage&#13;
jüngeren Datums sind 35 Prozent der Amerikaner der&#13;
Ansicht, die Vereinigten Staaten sollten auf internationaler Ebene gar kein Engagement zeigen. Ihnen&#13;
zufolge sollte sich Amerika auf seine eigenen Interessen konzentrieren - und auf diese Weise seine&#13;
Macht bewahren, nicht vergeuden. Andere wünschen&#13;
eine konstante und sehr sichtbare Präsenz der&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Vereinigten Staaten als Zünglein an der Waage und&#13;
als Großmacht.&#13;
Diese Ansichten sind jedoch nicht miteinander vereinbar. Manche wollen sich bei der Frage nicht&#13;
festlegen, machen sich Sorgen, die Vereinigten&#13;
Staaten zeigten kein Engagement und fürchten, wir&#13;
würden zu dominant, wenn wir direkt und entschieden&#13;
vorgehen. Im letzten Jahr beobachteten wir eine&#13;
Stimmungsänderung: Zunächst hieß es, wir würden&#13;
uns allzu sehr mit asiatischen Angelegenheiten&#13;
befassen oder hätten Europa vergessen und anschließend wurde unsere mutige Rolle bei der Erlangung des Friedens in Bosnien kritisiert. Aber&#13;
während dieser ganzen Zeit sollten wir nie die allgemeine Notwendigkeit unserer entschlossenen&#13;
Präsenz in Europa in Frage stellen.&#13;
Die Vereinigten Staaten mögen das mächtigste Land&#13;
sein, das es je gab. Aber ihre Macht hat sich nicht auf&#13;
traditionelle Weise entwickelt. Es steht außer Frage,&#13;
daß wir eine fast beispiellose Militär- und Wirtschaftsmacht sind. Unsere wirkliche Stärke liegt jedoch in&#13;
unserer Fähigkeit zur Entwicklung von Ideen, Durchführung von Aktionen und Lösung von Problemen auf&#13;
unerwartete Weise. Zudem haben wir Menschen aus&#13;
allen Nationen aufgenommen, so daß wir eine Mischung aus einer breiten Palette verfügbarer Energie&#13;
und kreativen Denkens sind. Indem wir das weltweit&#13;
größte Labor für sozialen Wandel - und die Personifizierung seiner Vielfalt - bleiben, inspirieren wir die&#13;
Menschen, sich mit uns zu identifizieren. Wir sind in&#13;
gewisser Weise in einer Zeit spaltender Trends das&#13;
Verbindungsstück zwischen vielen Gesellschaften in&#13;
Europa.&#13;
Wenn irgend jemand Tausende von Kilometern&#13;
entfernt eine Cola trinkt oder sich ins Internet einloggt,&#13;
wird er dadurch nicht Amerikaner, sondern Bestandteil&#13;
der internationalen Gemeinschaft. Er schließt sich&#13;
damit einer Lebensweise an, die außerhalb seiner&#13;
Umgebung und ihrer eng definierten Traditionen liegt.&#13;
Entsprechend machen europäische Unternehmen, die&#13;
sich der in den Vereinigten Staaten erfolgreich entwikkelten, umgesetzten und anschließend in Europa&#13;
vermarkteten Managementstrategien bedienen, nicht&#13;
einen gefährlichen Schwenk auf den Weg des amerikanischen Kulturimperialismus. Vielmehr nutzen sie&#13;
einen der besten Exportartikel Amerikas: Lösungen für&#13;
Probleme. Die Vereinigten Staaten projizieren Autorität - nicht weil sie stark sind, sondern in zunehmendem&#13;
Maße weil sie Ideen, Dienstleistungen und Produkte&#13;
anbieten, die anpassungsfähig und aufgrund ihrer&#13;
Universalität attraktiv sind.&#13;
Das Einzigartige an der amerikanischen Macht ist ihre&#13;
Behutsamkeit. Es wäre albern zu behaupten, die&#13;
Vereinigten Staaten setzten nie pure Macht zur&#13;
Förderung ihrer nationalen Interessen ein. Aber die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�Amerikaner selbst haben heute ein ambivalentes&#13;
Verhältnis zu ihrer Macht. Einerseits wollen sie die&#13;
Macht und den damit einhergehenden Status zweifelsohne beibehalten. In der heutigen Zeit könnte kein&#13;
Politiker mit einer Plattform Erfolg haben, die ein&#13;
schwächeres und bescheideneres Amerika propagiert.&#13;
Aber wir als Nation nehmen bei der Ausübung militärischer Macht eine ungewöhnliche Gewissensprüfung vor. Wir zögern nicht, wenn es um die Macht&#13;
geht, etwas zu bewirken, die Welt zum Besseren&#13;
umzugestalten. Bisweilen durch militärische Stärke,&#13;
öfter jedoch durch technologische Erfindungen, die&#13;
Förderung von Kultur und Unterhaltung oder die&#13;
Umsetzung von Ideen in Aktionen üben wir Einfluß&#13;
aus, der die Welt dazu veranlaßt, uns zu folgen.&#13;
Der Einfluß der Vereinigten Staaten ist somit von&#13;
elementarer Bedeutung. Unsere Rolle besteht jedoch&#13;
im allgemeinen darin, richtungsweisend zu sein und&#13;
gemeinsam die Verantwortung für gemeinsame Ziele&#13;
zu übernehmen - nicht in zielstrebiger Machtpolitik.&#13;
Dies gilt insbesondere angesichts der zunehmenden&#13;
Notwendigkeit gemeinsamer Bestrebungen mit&#13;
unseren europäischen Partnern. In den letzten Jahren&#13;
haben wir gemeinsam eine geniale Vielfalt von Werkzeugen geschaffen, um entstehende Krisen oder&#13;
hartnäckige Probleme zu bewältigen.&#13;
Das von uns aufgebaute institutionelle Netz ist eine&#13;
beeindruckende Ressource. Unser "Werkzeugkasten"&#13;
ist so gut bestückt, daß wir zwischen mehreren&#13;
Alternativen wählen können - von unterschwelligen,&#13;
werteorientierten Aktionen der Organisation für&#13;
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)&#13;
über direkte militärische Macht in angemessenen&#13;
Situationen im Rahmen unserer militärischen Verbindungen in der NATO bis zu bilateralen Sicherheitsbeziehungen in der gesamten Region.&#13;
Die NATO bleibt als Grundlage für das amerikanische&#13;
Sicherheitsengagement in Europa von vorrangiger&#13;
Bedeutung. Obwohl wir die Schlüsselfunktion des&#13;
Bündnisses beibehalten - die feierliche Verpflichtung&#13;
zur Verteidigung unserer Verbündeten und Wahrung&#13;
ihrer Freiheit - schaffen wir auch eine neue NATO.&#13;
Diese ist an die heutigen sicherheitspolitischen&#13;
Herausforderungen angepaßt, wird durch eine aktivere&#13;
und sichtbarere europäische Rolle gestärkt, arbeitet&#13;
partnerschaftlich mit Rußland und der Ukraine zusammen und ist der Ausweitung von Sicherheit und&#13;
Stabilität auf die Länder verpflichtet, denen diese&#13;
Vorteile durch den Kalten Krieg verwehrt wurden.&#13;
Durch die offizielle Aufnahme neuer Demokratien kann&#13;
das Bündnis den Interessen aller Länder in Europa,&#13;
einschließlich Rußlands, dienen. Die NATO-Mitgliedschaft wird ein für allemal die Rivalitäten und Versuchungen einer Region beseitigen, deren Vergangenheit von Krieg und Konflikten geprägt ist. Die NATOErweiterung stellt für niemanden eine Bedrohung dar,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
sondern gewährleistet vielmehr eine&#13;
Partnerschaft in der gesamten Region.&#13;
&#13;
dauerhafte&#13;
&#13;
In gewisser Weise wurde die NATO bereits durch die&#13;
äußerst erfolgreiche Partnerschaft für den Frieden&#13;
(PFF) erweitert. Die Partnerschaft hat eine enge&#13;
Zusammenarbeit zwischen über 20 Nichtmitgliedstaaten und der NATO bewirkt - sie hilft einigen bei der&#13;
Vorbereitung auf die Mitgliedschaft und allen dabei,&#13;
Seite an Seite auf den Aufbau eines sicheren Europas&#13;
hinzuarbeiten sowie ihre Stabilität zu verbessern. Die&#13;
Erfolgsgeschichte der IFOR in Bosnien ist ein Ausdruck dieser neuen Beziehungen. Aufbauend auf dem&#13;
Erfolg der PFF beabsichtigen wir die weitere Einbeziehung der Partner bei der Gründung eines&#13;
Atlantischen Partnerschaftsrats, um sie in die Planung&#13;
und Ausführung von NATO-Missionen zu involvieren.&#13;
Die Erweiterung der Beziehungen zu Rußland und der&#13;
Ukraine sind die Hauptaufgaben der neuen NATO. Im&#13;
Falle Rußlands arbeiten wir darauf hin, diese Beziehungen in einer offiziellen Charta zu verankern.&#13;
Niemand versteht besser als wir, daß enge Kooperation und Konsultationen mit der Russischen Föderation&#13;
unerläßlich für den Aufbau der neuen atlantischen&#13;
Gemeinschaft sind.&#13;
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß die Staats- und&#13;
Regierungschefs der NATO bei ihrem Treffen im&#13;
Frühjahr oder Frühsommer nächsten Jahres ein&#13;
umfassendes Maßnahmenpaket mit wirklich historischen Auswirkungen verabschieden werden. Bei dem&#13;
Gipfeltreffen sollte die innere Anpassung des Bündnisses vervollständigt, die Eröffnung von Verhandlungen für neue Mitglieder signalisiert, die PFF aufgewertet, ein neuer Atlantischer Partnerschaftsrat gegründet und eine Charta mit der Russischen Föderation unterzeichnet werden. Diese Schritte sind gleichrangig mit den Leistungen der frühen Nachkriegszeit&#13;
bei der Schaffung einer soliden Grundlage für die&#13;
Zukunft.&#13;
Die Arbeit der NATO wird zunehmend durch die&#13;
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in&#13;
Europa unterstützt. Die OSZE ist der einzige Rahmen,&#13;
der alle Mitglieder der Gemeinschaft in einer einzigen&#13;
Organisation zusammenbringt. Die OSZE steht für ein&#13;
umfassendes Sicherheitskonzept, das sich auf die&#13;
Förderung von Demokratie an den Wurzeln der&#13;
Gesellschaft konzentriert. Die Betonung von Werten,&#13;
Menschenrechten und einer Definition der Stabilität auf&#13;
der Grundlage der Demokratisierung von Gesellschaften sind die Leitprinzipien der OSZE. Wie ihr&#13;
Name verdeutlicht, ist sie die Grundlage für die neue&#13;
Art der Sicherheitszusammenarbeit, die sich in Europa&#13;
entwickelt.&#13;
Die Staats- und Regierungschefs der OSZE werden&#13;
Anfang Dezember in Lissabon zusammenkommen, um&#13;
ein Modell für Sicherheit im 21. Jahrhundert zu de-&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�finieren. Dieses Modell sollte die von den OSZEMitgliedstaaten in den vergangenen 25 Jahren vereinbarten Prinzipien der Zusammenarbeit in die Praxis&#13;
umsetzen. Es sollte über Worte hinausgehen und ein&#13;
Gefühl für die Übernahme von Befugnissen durch alle&#13;
Staaten - groß oder klein - zur Definition ihrer eigenen&#13;
Interessen im Rahmen der Prinzipien der OSZE&#13;
vermitteln. Die Verwirklichung dieses demokratischen&#13;
Sicherheitsraums wird ein wichtiger Schritt sein, um die&#13;
Machtpolitik der Vergangenheit zu ersetzen.&#13;
&#13;
Das Netz der von uns entwickelten Institutionen und&#13;
Beziehungen hat sich bereits als äußerst effektiv&#13;
erwiesen. Zwei ausgezeichnete Beispiele fallen mir&#13;
ein. Nach Differenzen und Meinungsverschiedenheiten haben wir in Bosnien große Fortschritte bei der&#13;
Erlangung eines sicheren Friedens gemacht. Die&#13;
wichtigsten europäischen Länder und Rußland kamen&#13;
mit den Vereinigten Staaten in der Kontaktgruppe&#13;
zusammen, um eine echte Synthese von Interessen&#13;
und Ansätzen zu dem Problem zu erzielen.&#13;
&#13;
Die Europäische Union ist ein weiterer einzigartiger&#13;
und unschätzbarer Partner sowohl im Hinblick auf die&#13;
vertiefte Integration als auch auf die Bewahrung der&#13;
transatlantischen&#13;
Zusammenarbeit.&#13;
Nach allen&#13;
Standards ein wirtschaftliches Kraftwerk, haben die EU&#13;
und ihr Binnenmarkt den Wirtschaftserfolg Westeuropas garantiert und stellen einen entscheidenden&#13;
Mechanismus für die Ausweitung des Wohlstands&#13;
nach Zentral- und Osteuropa dar.&#13;
&#13;
Für konkrete Fortschritte war die militärische und&#13;
diplomatische Führungsrolle der Vereinigten Staaten&#13;
unabdingbar - und wird es auch weiterhin sein. Die&#13;
Vereinigten Staaten konnte jedoch nicht im Alleingang&#13;
handeln. Die Macht der Vereinigten Staaten allein&#13;
reichte nicht aus, um alle historischen, politischen und&#13;
ethnischen Probleme des Balkans in Angriff zu&#13;
nehmen. Ein neuer Konsens zwischen der NATO, der&#13;
EU und den Nachbarstaaten war erforderlich.&#13;
&#13;
Mit der Anerkennung der Rolle und Bedeutung der EU&#13;
haben wir mit der von Präsident Clinton und seinen&#13;
Amtskollegen in der EU im Dezember 1995 unterzeichneten neuen transatlantischen Tagesordnung (New&#13;
Transatlantic Agenda - NTA) dramatische Schritte zur&#13;
Anhebung unserer Zusammenarbeit auf ein noch&#13;
höheres Niveau unternommen. Diese Agenda hat die&#13;
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und&#13;
der EU im Kern verändert - wir machen nicht länger&#13;
große Versprechungen, wir arbeiten jetzt an konkreten&#13;
Tagesordnungen. Zweitens umfaßt sie jetzt ganz&#13;
Europa. Unser Ziel besteht in der Erweiterung der&#13;
Methoden, die unsere westliche Interaktion so erfolgreich für ganz Europa gemacht haben.&#13;
&#13;
Bisher haben wir auch Erfolge erzielt. Die IFOR und&#13;
die auf die Förderung des zivilen Wiederaufbaus&#13;
ausgerichteten Institutionen verkörpern den Geist des&#13;
gemeinsamen Handelns, den wir beim Aufbau der&#13;
neuen atlantischen Gemeinschaft anstreben. Die&#13;
IFOR hat den zugrundeliegenden Zusammenhalt der&#13;
NATO in höchstem Maße projiziert und der Welt&#13;
gezeigt, wie effektiv sie in kooperativen Bestrebungen&#13;
mit ehemaligen Gegnern sein kann.&#13;
&#13;
Ein weiteres unserer wichtigen Ziele ist die Schaffung&#13;
eines euroatlantischen Markts. Die NTA verleiht&#13;
unseren transatlantischen Bindungen eine neue&#13;
Richtung und einen neuen Mittelpunkt und versucht,&#13;
unsere europäischen Verbündeten vollständiger in die&#13;
Lastenteilung zu integrieren, auf die Anliegen der Welt&#13;
nach dem Kalten Krieg in Europa und weltweit zu&#13;
reagieren. Das Tempo der Errungenschaften war&#13;
jedoch ungleich. Wir fordern unsere europäischen&#13;
Partner zur Zusammenarbeit mit uns und zur Verdoppelung der Anstrengungen auf, damit wir noch vor dem&#13;
nächsten Gipfeltreffen zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten und der EU Fortschritte beim Handel und der&#13;
Bekämpfung des Drogenhandels aufweisen können.&#13;
Unser Wirtschaftsdialog wurde auch durch die von der&#13;
OECD und der G-7 gebotenen Mechanismen beträchtlich erweitert. Die europäische Rolle in diesen Arrangements ist - mit uneingeschränkter Unterstützung der&#13;
Vereinigten Staaten - immer wichtiger geworden. Auch&#13;
aas ist unerläßlich, wenn wir als Gemeinschaft bei der&#13;
Bewältigung der uns am Ende diese Jahrhunderts&#13;
Konfrontierenden Probleme wirklich zusammenarbeiten wollen.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Alle europäischen Institutionen arbeiten bei der&#13;
Erlangung unserer Ziele in Bosnien zusammen und&#13;
versprechen, ihr Bestes zu geben, um dauerhafte&#13;
Lösungen herbeizuführen. Bei unseren gemeinsamen&#13;
Anstrengungen, Bosnien wieder in die euroatlantische&#13;
Familie zu integrieren, kombinieren wir unseren festen&#13;
Glauben an aufwerte gegründete Maßnahmen mit der&#13;
Erkenntnis, daß nur die Schaffung zuversichtlicher und&#13;
freiheitsliebender Gesellschaften wirkliche Stabilität&#13;
bewirken kann.&#13;
Die bei der militärischen Vertrauensbildung und dem&#13;
Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa&#13;
(KSE) in den vergangenen Jahren geleistete Arbeit hat&#13;
auch unsere Überzeugung untermauert, daß ein&#13;
Geflecht von Beziehungen entscheidend für die&#13;
Erlangung wirklicher Sicherheit ist. Diese auf dem&#13;
Höhepunkt des Kalten Krieges entwickelten und&#13;
während einer Zeit revolutionären Wandels ausgehandelten Sicherheitsarrangements haben letztlich&#13;
unsere gesamte militärische Denkweise und unser&#13;
Handeln verändert.&#13;
Wo militärische Angelegenheiten in ganz Europa&#13;
einstmals im Geheimen und einer Atmosphäre des&#13;
Mißtrauens behandelt wurden, ist jetzt Transparenz die&#13;
Regel. Die Nationen führen praktisch über jeden&#13;
Aspekt der Verteidigung Konsultationen, von Truppenbewegungen bis zu Waffenlieferungen. Ihre Waffen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�und Verteidigungshaushalte unterliegen eingehenden&#13;
Inspektionen durch Nachbarn und ehemalige Feinde.&#13;
Die militärische Sicherheit hängt jetzt mehr von&#13;
Offenheit und Kooperation ab als von Überraschung&#13;
oder Waffenarsenalen.&#13;
In den kommenden Monaten werden wir versuchen,&#13;
unsere Chancen für Konsultationen im Rahmen des&#13;
KSE-Vertrags zu nutzen, um über alle Aspekte unserer&#13;
militärischen Beziehungen zu sprechen sowie darüber,&#13;
wie sie unter veränderten Gegebenheiten am effektivsten bleiben können.&#13;
Wir werden eine gezielte Überprüfung der militärischen&#13;
Situationen auf dem gesamten Kontinent vornehmen&#13;
und die Dynamik bewahren können, mit der die&#13;
höchste Zahl konventioneller Waffen in der Geschichte&#13;
zerstört wurde. Dies wiederum ist das willkommene&#13;
Produkt unseres neuen integrierten Ansatzes um&#13;
sicherzustellen, daß die Interessen jeder Nation&#13;
gewahrt werden, um die Interessen aller zu wahren.&#13;
Von kollektiven Aktionen profitieren alle.&#13;
Wir entwickeln ein neues Verständnis der Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.&#13;
Dieses Verständnis gründet auf der Respektierung der&#13;
unterschiedlichen Stärken Europas und der Vereinigten Staaten.&#13;
Während wir neue Wege für den Einsatz der von uns&#13;
&#13;
Welt hat sich entwickelt, und die amerikanische Rolle&#13;
hat sich geändert. Wir können die Vergangenheit nicht&#13;
neu erfinden; wir haben keinerlei Absicht - wie Josef&#13;
Joffe es formulierte - das britische Empire oder&#13;
Bismarck zum Vorbild zu nehmen. Genausowenig&#13;
wird der Einsatz amerikanischer Macht ein Spiegelbild&#13;
des Anfangs dieses Jahrhunderts, des Zweiten&#13;
Weltkriegs oder des Kalten Krieges sein.&#13;
Bei der Schaffung der neuen atlantischen Gemeinschaft machen wir keinen Klon des Westens, wie wir&#13;
ihn kannten. Wir sind vielmehr mit dem aufregenden&#13;
Prozeß der Erfindung unserer Gemeinschaft befaßt:&#13;
Einer Gemeinschaft, die durchdrungen von gemeinsamen Standards und Zielen ist und die gesamte Fülle&#13;
ihrer Vielfalt zur Erfüllung ihres Zwecks nutzt.&#13;
Das vor uns liegende Jahr wird von historischen&#13;
Ereignissen gekennzeichnet sein. In den vergangenen&#13;
drei Jahren haben wir eine Aktionsstrategie in die&#13;
Wege geleitet, die es uns gestatten wird, mehr als je&#13;
zuvor Einfluß auf diese Ereignisse zu nehmen. Dabei&#13;
werden wir die reichen Ressourcen unserer traditionellen Beziehungen nutzen. Die Rolle der Vereinigten&#13;
Staaten wird von zentraler Bedeutung sein. Unser&#13;
Ansatz wird auch aus unserer dynamischen neuen&#13;
Partnerschaft mit Zentral- und Osteuropa an Stärke&#13;
gewinnen. Und unsere neue Interaktion mit der&#13;
Russischen Föderation wird eine noch breitere&#13;
Dimension hinzufügen. Damit sie funktionieren kann,&#13;
&#13;
wir&#13;
&#13;
müssen wir jedoch unseren kollektiven Willen auf&#13;
&#13;
weiterhin auf unsere wechselseitigen Beziehungen&#13;
aufbauen. Die Macht der Vereinigten Staaten wird&#13;
entscheidend dafür sein, es wird jedoch eine andere&#13;
Art von Macht sein als die herkömmliche. Die übrige&#13;
&#13;
dieses neue Konzept konzentrieren.&#13;
Vor allem&#13;
müssen wir unser Vertrauen in die Gemeinschaft von&#13;
Werten und Interessen bekräftigen, die bereits über&#13;
den Atlantik hinweg entstanden ist.&#13;
&#13;
entwickelten&#13;
&#13;
Instrumente&#13;
&#13;
sondieren,&#13;
&#13;
werden&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
Botschaft 2000 - ein Modell für die Zukunft&#13;
des auswärtigen Dienstes&#13;
von J.D. Bindenagel&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires a.i. bei der Botschaft&#13;
der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, verfaßten Artikel zum Bonn-Berlin&#13;
Umzug.&#13;
&#13;
Das Ende einer Ära&#13;
Am 9. November 1989, als die Berliner Mauer fiel und&#13;
der Kalte Krieg endete, war ich Gesandter der Amerikanischen Botschaft in der Deutschen Demokratischen&#13;
Republik. An diesem Tag kehrte ich spät abends mit&#13;
Wolfgang Vogel, dem persönlichen Bevollmächtigten&#13;
des ostdeutschen Staatsoberhaupts Erich Honecker,&#13;
von einem Empfang im Aspen Institute nach Ostberlin&#13;
zurück. Vogel war eine Schlüsselfigur beim innerdeutschen Gefangenenaustausch von Francis Gary&#13;
Powers bis Anatoli Tschtscharanski gewesen.&#13;
Ostdeutschland befand sich ebenso wie der übrige&#13;
Ostblock in Aufruhr. Im Verlauf des Sommers 1989&#13;
hatten mehr als eine Million Menschen die Flucht aus&#13;
der DDR versucht. Die Situation erinnerte düster an&#13;
die frühen sechziger Jahre, als die Berliner Mauer&#13;
gebaut wurde und die Welt kurz vor einer nuklearen&#13;
Konfrontation stand.&#13;
Die allgemeine Meinung lautete, wenn die Sowjetunion&#13;
zum Schutz ihrer Interessen in Zentral- und Osteuropa&#13;
intervenieren würde, dann geschähe das in Deutschland. Die blutige Niederschlagung der friedlichen&#13;
Demonstrationen in Berlin und anderen ostdeutschen&#13;
Städten am 17. Juni 1953 war ein einschlägiges&#13;
Beispiel. Es bestand echte Besorgnis, die politische&#13;
Situation könnte sich zu einer Konfrontation zwischen&#13;
der Sowjetunion und den ostdeutschen Demonstranten&#13;
entwickeln - ein Szenarium, das zu einem Dritten&#13;
Weltkrieg hätte führen können.&#13;
In dem Bestreben, den Druck zu verringern und ihre&#13;
Autorität zu wahren, liberalisierte die DDR am 6.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
November 1989 ihre Reisebestimmungen.&#13;
Das&#13;
geschah jedoch in zu geringem Umfang und zu spät&#13;
und wurde von Hunderttausenden von Demonstranten&#13;
in ganz Ostdeutschland auf dramatische Weise&#13;
abgelehnt.&#13;
Vor diesem Hintergrund bat ich Wolfgang Vogel um&#13;
seine Einschätzung. Während der letzten drei Tage&#13;
hatte er zur weiteren Liberalisierung der Reisebestimmungen intensive Konsultationen mit dem ostdeutschen Juristenkollegium abgehalten. Als ich an jenem&#13;
Abend mit ihm sprach, war er zuversichtlich, daß ein&#13;
neues Gesetz die Situation entschärfen würde.&#13;
Vogels Optimismus, die DDR könnte weiterhin ihre&#13;
Autorität wahren, wurde jedoch innerhalb weniger&#13;
Minuten unterminiert. Bei einer Pressekonferenz in&#13;
Ostberlin gab DDR-Regierungssprecher Günter&#13;
Schabowski noch weiterreichende Veränderungen bei&#13;
den ostdeutschen Reisebeschränkungen bekannt.&#13;
Die Ostberliner nahmen ihre Regierung beim Wort.&#13;
Sie testeten die Grenzen ihrer neuen Freiheit. Die&#13;
Menschen gingen zum Checkpoint Charlie, wo die&#13;
Beamten der US-Botschaft hörten, wie sie von den&#13;
DDR-Grenzbeamten zurückgeschickt wurden. Sie&#13;
benötigten ein Visum - so die Grenzbeamten - um die&#13;
Grenze nach Westberlin überqueren zu können.&#13;
In der US-Botschaft waren Botschaftsrat Jon Greenwald und seine politische Abteilung fieberhaft mit der&#13;
Berichterstattung über die neuen Entwicklungen&#13;
beschäftigt. Ich telefonierte mit dem Lagezentrum,&#13;
dem Lageraum des Weißen Hauses und unseren&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Kollegen in der Außenstelle der US-Botschaft in&#13;
Westberlin.&#13;
Als ich um etwa 22.00 Uhr die Botschaft verließ und&#13;
nach Hause fuhr, kam ich am Checkpoint Bornholmerstraße vorbei, einer nach Westberlin führenden&#13;
Brücke. Dort hatte sich eine kleine Gruppe von&#13;
Demonstranten versammelt, die verlangten, daß sie&#13;
entsprechend der Erklärung von Schabowski in den&#13;
Westen dürften.&#13;
Auf der anderen Seite des Checkpoint in Westberlin&#13;
wartete ein Kamerateam des Fernsehens auf den&#13;
ersten Durchbruch der Berliner Mauer. Erst Monate&#13;
später erfuhr ich durch Gespräche mit meinen Nachbarn, daß die ostdeutschen Wachposten sich ein&#13;
Visum auf das Paßbild in ihren Ausweisen gestempelt&#13;
hatten. Man erwartete allgemein, daß sie nie zurückkehren würden.&#13;
Niemand rechnete jedoch mit der Macht des&#13;
Fernsehens. Ohne zu wissen, daß diese Menschen&#13;
tatsächlich von den Wachposten ausgewiesen worden&#13;
waren, filmte das Kamerateam ihre Ankunft in Westberlin als freie Menschen. Fast gleichzeitig gingen in&#13;
meiner Nachbarschaft in Pankow die Lichter an, und&#13;
ein Menschenstrom bewegte sich auf die Kontrollpunkte an der Grenze zu.&#13;
In einer dramatischen Konfrontation setzten sich die&#13;
Menschen über die Forderung der DDR-Regierung&#13;
nach Visa hinweg und gingen in die Freiheit. Die&#13;
Berliner Mauer, die Europa und die Welt nahezu&#13;
dreißig Jahre lang geteilt hatte, war endlich gefallen.&#13;
Trotz ihrer Versuche, ein Visum zu fordern (und ihrer&#13;
Bestrebungen, in den kommenden Tagen Millionen&#13;
Visa auszustellen) gewann die DDR nie wieder ihre&#13;
Autorität zurück. Bis zu ihrem Ende dauerte es dann&#13;
nicht mehr lange.&#13;
Im März 1990 wurden freie Wahlen abgehalten. Die&#13;
Kommunisten wurden endgültig entmachtet, und die&#13;
Volkskammer erhielt ein Mandat für die Vereinigung&#13;
Deutschlands. Am 3. Oktober 1990 war Deutschland&#13;
wieder vereint.&#13;
Ebenso wie meine Kollegen war ich von den Ereignissen dieser unvergeßlichen Nacht aufgewühlt. An&#13;
die langfristigen Auswirkungen dachte jedoch damals&#13;
noch keiner von uns.&#13;
Der Beginn einer neuen Ära&#13;
Die Vereinigung stellte für Deutschland den großartigsten Augenblick seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs&#13;
dar. Der Erfolg bei der Schaffung von Demokratie und&#13;
Wohlstand in der alten Bundesrepublik wurde durch&#13;
die demokratische Revolution von 1989 in Ostdeutschland gestärkt. Es war ein äußerst zufriedenstellender&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Moment für die Amerikaner, die nach dem Zweiten&#13;
Weltkrieg so viel in das deutsche Experiment mit der&#13;
Demokratie investiert hatten. Als ich Deutschland&#13;
1990 verließ, tat ich das mit dem Gefühl, daß die&#13;
Amerikaner stolz auf das von uns Erreichte sein&#13;
können.&#13;
Im November 1989 waren die Vereinigten Staaten in&#13;
den beiden deutschen Staaten durch zwei Botschaften, eine Außenstelle in Westberlin, sechs Konsulate&#13;
und acht Kulturzentren des US-Informationsamts&#13;
(USIS) in Form von Amerika Häusern vertreten.&#13;
Insgesamt waren dort 2.000 Mitarbeiter beschäftigt.&#13;
Bereits 1990 hatte ich mit meinem Amtskollegen in der&#13;
US-Botschaft in Bonn, George Ward, und seinem&#13;
Gesandten-Botschaftsrat für administrative Angelegenheiten, Harry Geisel, an der Konsolidierung unserer&#13;
Vertretung in den beiden deutschen Staaten gearbeitet, die zu einer neuen geeinten Republik verschmolzen. Als die DDR nicht mehr existierte und die&#13;
Verantwortung der Berliner Außenstelle der USBotschaft für Besatzung und Schutz der westlichen&#13;
Hälfte der geteilten Stadt endete, wurden die beiden&#13;
Einrichtungen geschlossen und eine neue, kleinere,&#13;
umstrukturierte Außenstelle Berlin wurde gegründet.&#13;
Wir warteten auf eine Entscheidung von deutscher&#13;
Seite. Würde die Regierung in Bonn bleiben oder nach&#13;
Berlin umziehen?&#13;
Die Antwort kam am 20. Juni 1991, als der Bundestag&#13;
für Berlin als Sitz der Regierung der nach der Vereinigung entstandenen neuen Republik stimmte.&#13;
Nachdem diese Entscheidung getroffen worden war,&#13;
begannen wir eine Neuorganisation größeren Stils&#13;
unserer diplomatischen Präsenz in Deutschland.&#13;
Diese Reorganisation wurde von vier Botschaftern&#13;
fortgesetzt: Vernon Walters, Robert Kimmitt, Richard&#13;
Holbrooke und Charles Redman.&#13;
Im Herbst 1992 beschäftigte ich mich als Direktor der&#13;
Abteilung für mitteleuropäische Angelegenheiten im&#13;
US-Außenministerium erneut mit deutschen Angelegenheiten. In dieser Position arbeitete ich eng mit Don&#13;
Hays, dem Botschaftsrat für administrative Angelegenheiten, zusammen, der ein Programm zur Verschlankung unserer Konsulate entwarf.&#13;
Zusammen mit der amerikanischen Bundesbaubehörde handelten wir ein Liegenschaftsabkommen für die&#13;
Botschaft in Berlin über Wohnraum, Büroräume und&#13;
Verwaltungseinrichtungen aus. Don Hays führte einen&#13;
Plan für die Konsolidierung der regionalen Unterstützungselemente in Frankfurt durch.&#13;
Die Kommunikationseinrichtungen in allen Dienststellen wurden vollkommen umgewandelt.&#13;
Die&#13;
verbleibenden Konsulatsmitarbeiter waren entlastet&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�und konnten wieder die wesentliche Arbeit leisten:&#13;
Hilfestellung, Analyse, Berichterstattung und Repräsentation.&#13;
Planung einer neuen Botschaft&#13;
Wir wußten, daß das Ende des Kalten Krieges zu&#13;
Veränderungen führen würde, vor allem in Deutschland. Bis zur Haushaltskrise von 1995 und den daraus&#13;
resultierenden Finanz- und Personalkürzungen hatten&#13;
wir gehofft, daß die von mir bis jetzt beschriebenen&#13;
Schritte ausreichen würden. Das war nicht der Fall.&#13;
Angesichts der neuen finanziellen Gegebenheiten&#13;
begannen wir eine scheinbar endlose Reihe von&#13;
Überprüfungen, Treffen, Mitarbeiterkonsultationen und&#13;
Managementinitiativen. Alle waren gekennzeichnet&#13;
von Offenheit und der Bereitschaft zur Entwicklung&#13;
eines neuen Modells für Stellenbesetzungen, das wir&#13;
"Botschaft 2000" nennen.&#13;
Nach zähen behördenübergreifenden Verhandlungen&#13;
konnte Botschafter Redman im Juni 1996 unseren&#13;
Plan vorlegen. Dieser sah die Schließung von einem&#13;
Generalkonsulat, zwei Amerika Häusern von USIS&#13;
sowie die Abschaffung von mehr als 150 Stellen für&#13;
Amerikaner und Ortskräfte vor.&#13;
Landesweit hat sich das Botschaftspersonal seit 1990&#13;
bereits um ein Drittel auf 1.400 Mitarbeiter verringert.&#13;
Diese Zahl wird sich in den nächsten vier Jahren bei&#13;
ungefähr 900 einpendeln. Wenn die Amerikanische&#13;
Botschaft in Berlin fertiggestellt ist, wird sie insgesamt&#13;
rund 280 Beschäftigte haben, ein Drittel der auf dem&#13;
Höhepunkt des Kalten Krieges bei der Botschaft in&#13;
Bonn Tätigen.&#13;
Das Ergebnis: Eine umstrukturierte, von einem&#13;
Team geleitete Botschaft&#13;
In einem Artikel der Juli/August-Ausgabe von Foreign&#13;
Affairs verweisen der ehemalige Außenminister&#13;
Lawrence S. Eagleburger und der frühere Botschafter&#13;
in Indonesien, Robert L. Barry, darauf, daß der Haushalt für internationale Angelegenheiten seit 1984 in&#13;
realen Zahlen um über die Hälfte gesunken ist und der&#13;
Trend nach unten anhält. Wenn wir weiterhin einen&#13;
effektiven auswärtigen Dienst haben wollen, müssen&#13;
wir unsere dauerhafte Relevanz sicherstellen.&#13;
Das ist eine Überlebensfrage für die amerikanische&#13;
Diplomatie im 21. Jahrhundert. Außenminister Christopher erklärte: "Die wichtigsten Themen, (mit denen&#13;
sich die Vereinigten Staaten konfrontiert sehen,) sind&#13;
nicht bilaterale, sondern transnationale Themen." Im&#13;
Einklang mit der Denkweise des Außenministers&#13;
beabsichtigen wir, die Botschaft Berlin zu einer&#13;
Botschaft mit vielen unter einem Dach untergebrachten&#13;
Behörden unter der dem Botschafter vom Präsidenten&#13;
verliehenen Amtsgewalt zu machen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Eine erfolgreiche Umstrukturierung erfordert, daß der&#13;
Botschafter alle Behörden in der Botschaft koordiniert nicht nur das Außenministerium.&#13;
Um nochmals&#13;
Eagleburger und Barry zu zitieren: "Der erfolgreiche&#13;
Botschafter würde alle Mauern zwischen den einzelnen Behörden niederreißen, Teams bilden, die&#13;
entsprechend der sich verändernden Umstände&#13;
wechseln und eine schlanke, erfolgsorientierte Organisation schaffen."&#13;
Unter meinen Vorgängern und mir hat die Amerikanische Botschaft Bonn hart gekämpft um sicherzustellen, daß die Amtsgewalt des Botschafters für alle&#13;
Behörden effektiv zum Tragen kommt. Wir begannen,&#13;
die Zusammenarbeit zwischen den Behörden durch&#13;
die Einrichtung von Teams zu formalisieren, die&#13;
Kontakte koordinieren, die Berichterstattung verbessern, Empfänge planen und das Eintreten für die&#13;
amerikanische Politik fördern sollen.&#13;
Wir haben bereits früh ein behördenübergreifendes&#13;
Team gebildet um herauszufinden, wie alle Elemente&#13;
dieser verzweigten Botschaft besser zusammenarbeiten könnten. Unsere über dreißig Behörden&#13;
haben sehr unterschiedliche Funktionen, aber sie alle&#13;
sind zur Erlangung unserer wichtigsten außenpolitischen Ziele hier vertreten.&#13;
Die Teams der Botschaft Bonn, wie das RußlandTeam, sind aus mehreren Behörden zusammengesetzt. Sie bereiten Veranstaltungen vor und koordinieren die Berichterstattung (einschließlich getrennter&#13;
Berichte und des Inputs von unseren Konsulaten).&#13;
Das Gebäude sendet die Botschaft&#13;
Das Team-Konzept hat unseren Entwurf für das neue&#13;
Botschaftsgebäude in Berlin maßgeblich beeinflußt.&#13;
Es wird Mehrzweckbereiche haben, die den sich&#13;
wandelnden Bedürfnissen der Öffentlichkeit, der&#13;
Medien und der Mitarbeiter der US-Regierung gerecht&#13;
werden.&#13;
Unsere Bestrebungen zur Förderung amerikanischer&#13;
Unternehmen in Ostdeutschland sind ein gutes&#13;
Beispiel. Im Rahmen dieser Bestrebungen haben wir&#13;
in den vergangenen zwei Jahren Wirtschaftskonferenzen in Berlin, Leipzig, Weimar-Erfurt und Potsdam&#13;
veranstaltet. In Zukunft werden solche, vom Team für&#13;
Handels- und Unternehmensförderung - das aus der&#13;
Wirtschaftsabteilung des US-Außenministeriums, der&#13;
Handelsabteilung des Wirtschaftsministeriums, dem&#13;
Büro für gemeinsame Verteidigungsangelegenheiten,&#13;
dem US-Informationsamt und anderen Behörden&#13;
besteht - organisierten Aktivitäten in den öffentlichen&#13;
Konferenzeinrichtungen unserer neuen Berliner&#13;
Botschaft stattfinden.&#13;
Während die äußere Gestaltung der neuen Botschaft&#13;
modern und schlicht ist und sich in ihre Umgebung am&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Brandenburger Tor einfügt, ist es das Innere, durch&#13;
das sich das Gebäude wirklich abhebt. Wir machten&#13;
unser Konzept für die Umstrukturierung unserer&#13;
Funktionsweise zur logischen Grundlage für die&#13;
Gestaltung des Innenraums der Botschaft.&#13;
Die Schlüsselelemente der Botschaft werden in&#13;
funktionelle Büroeinheiten unterteilt: Wirtschafts-/&#13;
Finanz-/Wissenschafts-/Arbeits-/Handelsabteilung;&#13;
Politisch-militärisches Verbindungsbüro sowie Strafverfolgungsorganisationen. Die gemeinsame Unterbringung der Teams in Büroeinheiten gestattet uns die&#13;
Maximierung der Anzahl der berichterstattenden&#13;
Regierungsvertreter bei gleichzeitiger gemeinsamer&#13;
Nutzung des administrativen Mitarbeiterstabs und der&#13;
Konferenzeinrichtungen.&#13;
In der Verwaltung der Botschaft wird es einen "service&#13;
court" geben, in dem die Dienstleistungen für die&#13;
Mitarbeiter bequem und effizient zusammen untergebracht sind. Die Verwaltungsabteilung befindet sich&#13;
auf einem Stockwerk, wodurch die Unterstützung und&#13;
Aufsicht erleichtert wird.&#13;
Das wahrscheinlich dramatischste Element in der&#13;
Struktur der neuen Botschaft sind die Empfangs- und&#13;
Veranstaltungsräume. Die Architekten, Moore Ruble&#13;
Yudell Architects and Planners, ergriffen in Zusammenarbeit mit Gruen Associates die einzigartige&#13;
Gelegenheit zur Bereitstellung von repräsentativen&#13;
Räumlichkeiten im Gebäude in dem riesigen und&#13;
verkehrsreichen Stadtzentrum von Berlin. Sie entwarfen Repräsentationsräume im obersten Geschoß mit&#13;
einem herrlichen Blick auf das Brandenburger Tor und&#13;
den Reichstag. Diese Räume werden von hochrangigen amerikanischen Regierungsvertretern und&#13;
Unternehmern für die Förderung amerikanischer&#13;
Interessen genutzt.&#13;
Nach ihrer Fertigstellung wird die neue Botschaft ein&#13;
Gebäude sein, das wirklich die Botschaft verkörpert,&#13;
die wir senden wollen. Auf deutsch hat das Wort&#13;
"Botschaft" zweifache Bedeutung. Die Flexibilität der&#13;
neuen Struktur wird dazu beitragen, daß der Botschafter die Flexibilität zur effektiven Verbreitung&#13;
unserer Botschaft hat.&#13;
&#13;
Zusätzlich zu den physischen Eigenschaften des&#13;
Gebäudes gibt es auch gute Nachrichten für den&#13;
amerikanischen Steuerzahler.&#13;
Das Projekt wird&#13;
hauptsächlich aus dem Verkauf von Immobilienbeständen der Vereinigten Staaten in Berlin und&#13;
Deutschland finanziert.&#13;
Schlußbemerkung&#13;
In Deutschland streben wir eine neue Art von auswärtiger Vertretung an. Wir möchten eine Botschaft&#13;
schaffen, die nicht nur ein großes Bundesgebäude mit&#13;
einem Konglomerat von Behörden ist. Es wird eine&#13;
straff organisierte, vollständig integrierte Botschaft&#13;
sein: Ein Ort, an dem der amerikanische Steuerzahler,&#13;
der amerikanische Tourist, Geschäftsmann oder&#13;
Rentner alles für sein Geld unter einem Dach findet.&#13;
Wir nutzten die Notwendigkeit des Umzugs nach Berlin&#13;
mit der Bundesregierung, um neue Strukturen aufzubauen - Strukturen, die - wie wir hoffen - als Modell&#13;
für andere dienen können. Mit der Notwendigkeit von&#13;
Veränderung konfrontiert, haben wir uns entschlossen,&#13;
nicht nur zu reagieren, sondern die Zukunft zu antizipieren und zu gestalten.&#13;
Das Ergebnis - die Botschaft Berlin - wird in Kürze&#13;
neben dem Brandenburger Tor im historischen und&#13;
zukünftigen Herzen der deutschen Hauptstadt entstehen.&#13;
Wenige von uns - inklusive mir - haben die Veränderungen in unseren Beziehungen zu Deutschland&#13;
vorausgesehen, die an jenem dramatischen Abend vor&#13;
nur sieben Jahren begannen. Aber Präsident Clinton&#13;
hat den Berlinern 1994 versprochen, "Amerika steht an&#13;
Ihrer Seite, jetzt und für immer", ebenso wie wir die&#13;
Demokratie in Deutschland während des letzten&#13;
halben Jahrhunderts unterstützt haben. Das bedeutet,&#13;
daß wir bereit sein müssen - und ich bin zuversichtlich,&#13;
daß wir bereit sein werden - diese Unterstützung der&#13;
Demokratie vom Pariser Platz aus fortzusetzen.&#13;
Das Jahr 1996 markiert den Höhepunkt der Planung&#13;
für unsere Umstrukturierung. Ihre Umsetzung ist&#13;
jedoch ein andauernder Prozeß, während wir versuchen, die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts zu&#13;
antizipieren.&#13;
&#13;
* * * *&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
Deutsch-amerikanische Beziehungen&#13;
und die Weltwirtschaft&#13;
Rede der Gesandten Janice Bay&#13;
&#13;
KÖLN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Janice Bay, Gesandte der Botschaft der Vereinigten&#13;
Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, am 9. Oktober 1996 beim Bergneustädter Forum der&#13;
Friedrich-Ebert-Stiftung im Amerika Haus Köln gehaltene Rede.&#13;
&#13;
Ich freue mich, heute nachmittag hier zu sein.&#13;
Wir sehen uns heute einer von Wandel und Unsicherheit gekennzeichneten Welt gegenüber. Der Kalte&#13;
Krieg ist Geschichte. Die Sowjetunion und der Eiserne&#13;
Vorhang existieren nicht mehr.&#13;
Deutschland ist&#13;
vereint, und dasselbe gilt auch in zunehmendem Maße&#13;
für Europa.&#13;
Das ist gut so. Aber Frieden und Wohlstand sind&#13;
immer noch nicht sicher. Der Fortschritt kann sich&#13;
sohneil verbreiten - aber Probleme auch. Es dauerte&#13;
Jahre, bis der Zusammenbruch an der Wall Street&#13;
1929 zu einer weltweiten wirtschaftlichen Katastrophe&#13;
wurde. Heute kann eine Wirtschaftskrise in Mexiko die&#13;
Welt innerhalb weniger Stunden erschüttern.&#13;
Während des Kalten Krieges stand die Sicherheit an&#13;
erster Stelle.&#13;
Die überragende Bedrohung hielt&#13;
wirtschaftliche Konflikte unter Kontrolle. Das ist nicht&#13;
mehr der Fall.&#13;
Unsere heutige außenpolitische Herausforderung&#13;
besteht darin, unsere beständigen Ziele Frieden und&#13;
Wohlstand an diese neue Welt anzupassen. Wir&#13;
haben gesehen, daß zunehmender Wohlstand Frieden&#13;
und Fortschritte zu Demokratie fördert.&#13;
Es bestehen haushaltspolitische Engpässe. Wir alle&#13;
dürfen uns weniger auf die traditionelle Politik der&#13;
Wirtschaftshilfe verlassen und müssen uns stärker auf&#13;
die Förderung von Auslandsinvestitionen, Wirtschaftsreformen und regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit konzentrieren.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Wirtschaftliche Zusammenarbeit war von entscheidender Bedeutung für den Friedensvertrag zwischen Israel&#13;
und seinen arabischen Nachbarn und wird letzten&#13;
Endes der Schlüssel zu seinem Erfolg sein.&#13;
In den vergangenen Jahren hat sich im Nahen Osten&#13;
ein bemerkenswerter Wandel vollzogen. Die Menschen sehen, daß wirtschaftliche Entwicklung und&#13;
starke, grenzüberschreitende Wirtschaftsbeziehungen&#13;
für den Frieden in der Region notwendig sind.&#13;
Wirtschaftsfaktoren können somit die Diplomatie&#13;
effektiver gestalten.&#13;
Wir in den Vereinigten Staaten lehnen Protektionismus&#13;
ab, bestehen aber auf offenen Märkten.&#13;
Amerikanische Unternehmen haben einen grundlegenden Strukturwandel durchlaufen. Arbeitgeber und&#13;
Arbeitnehmer litten gleichermaßen darunter. Um zu&#13;
überleben, waren die Unternehmen gezwungen, sich&#13;
an den entstehenden Weltmarkt anzupassen.&#13;
Am Ende hat jedoch dieser Strukturwandel die amerikanischen Firmen noch konkurrenzfähiger gemacht,&#13;
insbesondere in der Hightechindustrie und in hochwertigen Dienstleistungssektoren.&#13;
Die Vereinigten Staaten fürchten sich nicht vor Globalisierung. So schmerzlich sie auch sein mag, schafft sie&#13;
Chancen für Wachstum, eine bessere Arbeitsteilung,&#13;
mehr Kostenersparnisse durch optimale Betriebsvergrößerungen sowie bessere Produkte und Dienstleistungen. Ferner fördert sie Modernisierung und&#13;
Demokratisierung.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Freier Marktzugang ist von entscheidender Bedeutung.&#13;
Die Marktöffnung ist der Grundstein unserer Handelspolitik.&#13;
Globalisierung bedeutet nicht Anarchie. Wir benötigen&#13;
Institutionen für die Lenkung des Wandels. Wir&#13;
müssen eine Wirtschaftsarchitektur für die Zeit nach&#13;
dem Kalten Krieg schaffen.&#13;
Wir haben neue internationale Wirtschaftsinstitutionen&#13;
wie die WTO und das NAFTA ins Leben gerufen.&#13;
Wir setzen uns für die Förderung eines offeneren&#13;
Handels- und Investitionsklimas ein. Wir arbeiten an&#13;
der Reform und Stärkung internationaler Wirtschaftsinstitutionen.&#13;
Die Europäische Union ist für uns ein natürlicher&#13;
Partner bei diesen Bestrebungen. Wir wissen, daß die&#13;
Europäische Union großen Herausforderungen&#13;
begegnen muß, die wahrscheinlich zu einer Umgestaltung ihrer Institutionen, Funktionsweise und Identität&#13;
führen werden.&#13;
Ich bin optimistisch, daß diese Herausforderungen&#13;
bewältigt werden. Die Vereinigten Staaten haben den&#13;
Prozeß der europäischen Integration in den letzten 50&#13;
Jahren unterstützt. Wir haben konsequent erklärt, daß&#13;
ein starkes Europa ein starkes Amerika bedeutet.&#13;
Ich kann nicht über die deutsch-amerikanischen&#13;
Wirtschaftsbeziehungen sprechen, ohne sie in einen&#13;
europäischen Kontext einzuordnen. Ich möchte jedoch&#13;
auch über unsere bilateralen Beziehungen sprechen.&#13;
Die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit kann zu&#13;
einer offeneren EU beitragen.&#13;
Als wichtigste&#13;
Wirtschafts- und Finanzmacht der EU spielt Deutschland eine wichtige Rolle dabei, die EU auf einem Kurs&#13;
der Offenheit zu halten. Wir Amerikaner sind gemeinsam mit Deutschland Anhänger von freien Märkten,&#13;
ungehindertem Wettbewerb sowie freiem Handels- und&#13;
Investitionsfluß.&#13;
Das ist bedauerlicherweise nicht bei alle Mitgliedern&#13;
der EU der Fall. Manche befürworten handelsverzerrenden Interventionismus und orientieren sich mehr in&#13;
Richtung Protektionismus. Diese Spaltung erschwert&#13;
manchmal den Umgang mit der EU als Ganzem. Die&#13;
deutsch-amerikanische Zusammenarbeit kann bei der&#13;
Entschärfung der Spannungen ein hilfreiches Werkzeug sein.&#13;
Bei vielen Fragen verfolgen Deutschland und Amerika&#13;
dieselben Ziele: Wir lehnen beide Quoten für Filme und&#13;
Fernsehprogramme ab; wir haben beide das protektionistische Bananenregime der EU bekämpft; wir haben&#13;
ein bilaterales ziviles Luftverkehrsabkommen geschlossen, das den Luftverkehr zwischen unseren&#13;
beiden Ländern stark ausweitet.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Wir haben jedoch unsere Probleme. Es gibt immer&#13;
noch einige staatlich geschützte Märkte. Es gibt immer&#13;
noch Monopole und wettbewerbsschädigende Vorschriften. In manchen Bereichen wird der Wettbewerb&#13;
immer noch ausgeschaltet, und privilegierte Anbieter&#13;
sind die Norm.&#13;
Solche Hindernisse sind für ausländische Zulieferer&#13;
oftmals unüberwindlich. Ein Beispiel ist der deutsche&#13;
Markt für Energieausrüstung und Stromerzeugung.&#13;
Konkurrenzfähige&#13;
amerikanische&#13;
Unternehmen&#13;
konnten häufig keine Vertragsabschlüsse tätigen,&#13;
ungeachtet dessen, wie attraktiv ihr Angebot war.&#13;
Letztlich zahlen die Verbraucher den Preis für ein&#13;
solches Verhalten.&#13;
Das behindert internationale Zusammenarbeit. Es&#13;
erschwert internationale Partnerschaften und ausländische Direktinvestitionen. Es beschränkt den Marktzugang.&#13;
Abgeschottete Märkte schließen nicht nur ausländische Wettbewerber aus, sondern verlangsamen&#13;
auch Innovationen. Sie verhindern bessere Preise und&#13;
wettbewerbsfähigere Dienstleistungen. Sie verringern&#13;
die Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben im Bereich der Stromerzeugung intensiv mit der Bundesregierung zusammengearbeitet. Jetzt sind wir optimistisch, daß&#13;
auch dieser Sektor für den Wettbewerb geöffnet wird.&#13;
Die jüngsten Erfahrungen in Deutschland unterstreichen das.&#13;
Nach der Privatisierung werden&#13;
Unternehmen im Transport-, Telekommunikations- und&#13;
Energiesektor immer preisbewußter. Sie suchen si«h&#13;
das beste Angebot heraus. Das Preisniveau sinkt.&#13;
Amerikanische Unternehmen spielen ebenfalls eine&#13;
wichtige Rolle. Sie bieten niedrige Preise, ausgezeichnete Qualität und Dienstleistungen der Spitzenklasse.&#13;
Ich habe einige Problembereiche angesprochen. Im&#13;
Grunde genommen sind die Wirtschaftsbeziehungen&#13;
zwischen Europa und den Vereinigten Staaten jedoch&#13;
solide.&#13;
Europa ist unser größter und wichtigster Wirtschaftspartner. Amerikanische Exporte in die Europäische&#13;
Union belaufen sich jährlich auf 130 Milliarden Dollar mehr als doppelt so viel wie unsere Exporte nach&#13;
Japan.&#13;
Diese Statistiken sind jedoch nur ein Teil der Geschichte. Die meisten internationalen Geschäfte&#13;
werden durch Investitionen auf ausländischen Märkten&#13;
abgewickelt - nicht durch Exporte von Gütern und&#13;
Dienstleistungen. Der jährliche Absatz amerikanischer&#13;
Niederlassungen im Ausland übersteigt 1,6 Billionen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�Dollar. Mehr als die Hälfte dieser Verkäufe werden in&#13;
Europa abgewickelt.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der größte ausländische&#13;
Investor in Deutschland und der größte Investor in den&#13;
neuen Bundesländern. Deutschland ist der zweitgrößte europäische Investor in den Vereinigten&#13;
Staaten.&#13;
Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union&#13;
sind der größte Investor im jeweils anderen Land jeder investierte ungefähr 270 Milliarden Dollar beim&#13;
anderen. Das ist mehr als die Hälfte der amerikanischen Direktinvestitionen im Ausland - 40 Prozent&#13;
mehr als in Lateinamerika und Asien zusammengenommen.&#13;
Investitionen schaffen Arbeitsplätze auf beiden Seiten&#13;
des Atlantiks. Amerikanische Firmen beschäftigen drei&#13;
Millionen Europäer. Europäische Unternehmen haben&#13;
eine ähnlich hohe Zahl amerikanischer Angestellter.&#13;
Die amerikanischen Vermögenswerte in Europa&#13;
betragen insgesamt eine Billion Dollar - weit mehr als&#13;
unsere 200 Milliarden Dollar in Asien.&#13;
Insgesamt beläuft sich der amerikanisch-europäische&#13;
Handel auf 1,7 Billionen Dollar. Das sind nahezu 50&#13;
Prozent mehr als unser Handelsvolumen im pazifischen Raum.&#13;
&#13;
Diese Arbeitsgruppen haben eine Reihe von Empfehlungen abgegeben, die das Fundament für das&#13;
nächste Treffen im November in Atlanta sein werden.&#13;
Dies ist ein evolutionärer Ansatz auf der Grundlage&#13;
des Prinzips, einen Schritt nach dem anderen zu&#13;
machen. Unser langfristiges Ziel bleibt jedoch die&#13;
Integration der Volkswirtschaften Europas und Nordamerikas im Einklang mit den Prinzipien der WTC1.&#13;
Während wir an der Integration unserer transatlantischen Volkswirtschaften arbeiten, sollten wir nicht&#13;
unsere globale Verantwortung vernachlässigen. Die&#13;
Vereinigten Staaten bleiben der Ausweitung des&#13;
Welthandelssystem im Rahmen der WTO verpflichtet.&#13;
Schließlich sind die meisten wichtigen multinationalen&#13;
Unternehmen amerikanische Firmen. Die meisten von&#13;
ihnen globalisieren ihre Produktion auf eine Art und&#13;
Weise, die eine Liberalisierung des Handels in vielen&#13;
Ländern gleichzeitig erfordert.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben auch den offensten&#13;
Markt der Welt, was bedeutet, daß sie enorme Vorteile&#13;
aus multilateralen Verpflichtungen ziehen. Es ist für&#13;
uns viel einfacher, wenn jeder umgehend die Landwirtschaftsquoten oder das Verfahren für öffentliche&#13;
Auftragsvergabe liberalisiert.&#13;
Die Anzeichen sind klar. Die Vereinigten Staaten,&#13;
Deutschland und jedes andere Land profitieren von&#13;
der Liberalisierung des Handels.&#13;
&#13;
Das ist eine solide Grundlage, auf der wir aufbauen&#13;
können. Wir sollten jedoch nicht selbstgefällig werden.&#13;
Ein verstärkter Rahmen für die transatlantischen&#13;
Wirtschaftsbeziehungen wird beim Umgang mit Druck&#13;
und Spannungen nützlich sein. Wie Außenminister&#13;
Warren Christopher letzten Monat in Stuttgart sagte,&#13;
sollten wir Fortschritte zu einem freien und offenen&#13;
transatlantischen Markt machen.&#13;
Als ersten Schritt in diese Richtung initiierten der&#13;
verstorbene Wirtschaftsminister Ron Brown und EUHandelskommissar Sir Leon Brittan den transatlantischen Wirtschaftsdialog (Transatlantic Business&#13;
Dialogue - TABD).&#13;
Der TABD ist eine staatlich geförderte Initiative,&#13;
Wirtschaftsgemeinschaften auf beiden Seiten des&#13;
Atlantiks zur Förderung von Handel und Investitionen&#13;
zusammenzubringen.&#13;
Bei der ersten Konferenz&#13;
führender europäischer und amerikanischer Wirtschaftsvertreter in Sevilla vergangenen November&#13;
wurden vier Studiengruppen gegründet. Sie befaßten&#13;
sich mit spezifischen Problemen: Produktnormen und&#13;
Zertifizierung, offene Investitionen, Liberalisierung des&#13;
Handels und einem gemeinsamen Ansatz zu Wettbewerbspolitik und Vorschriften.&#13;
&#13;
Das WTO-Ab-&#13;
&#13;
kommen ist tatsächlich eine Investition in langfristiges&#13;
Wachstum. Wir können das am enormen Wachstum&#13;
unserer Exporte in die WTO-Mitgliedstaaten sehen.&#13;
Seit der Gründung der WTO vor nahezu zwei Jahren&#13;
sind die amerikanischen Exporte schnell angestiegen.&#13;
Wir haben immer noch ein Handelsdefizit, aber es ist&#13;
während des letzten Jahrzehnts um nahezu zwei&#13;
Drittel des Bruttoinlandsprodukts gesunken.&#13;
Die Handelsbilanz ist natürlich nicht der Maßstab für&#13;
unsere handelspolitische Konkurrenzfähigkeit oder&#13;
unseren wirtschaftlichen Erfolg. Ausländische Handelshemmnisse beeinflussen unsere Handelsbilanz.&#13;
Wir sind jedoch bereit, diese Hemmnisse entschlossen&#13;
anzugehen.&#13;
Man beschuldigt uns zwar weiterhin unilateraler&#13;
amerikanischer Vorgehensweise im Bereich des&#13;
Handels, aber wir verlassen uns in zunehmendem&#13;
Maße auf den multilateralen Schlichtungsmechanismus der WTO, um unsere berechtigten Interessen&#13;
geltend zu machen. Wir haben ihn in 17 Fällen&#13;
zugezogen - mehr als jedes andere Land. Wir haben&#13;
gewonnen und verloren, und wir haben die Entscheidungen des WTO-Gremiums akzeptiert.&#13;
Lassen Sie mich eine Vorschau auf das WTO-Ministertreffen in Singapur geben. Die Tagesordnung ist lang.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Erstens müssen wir existierende Abkommen umsetzen. Wir müssen Fortschritte bei der Durchsetzung&#13;
der Verringerung von Agrarsubventionen machen. Wir&#13;
müssen die notwendigen Mechanismen für den Schutz&#13;
von pharmazeutischen Patenten schaffen.&#13;
Zweitens müssen wir auch die unerledigten Aufgaben&#13;
der Uruguay-Runde bei Telekommunikation, Seefahrt&#13;
und Finanzdienstleistungen angehen.&#13;
Wir haben die vollständige Öffnung unseres Marktes&#13;
für Telekommunkationsdienstleistungen abgeboten,&#13;
wenn wir im Gegenzug entsprechende Zusagen von&#13;
Seiten unserer Handelspartner erhalten. Wir werden&#13;
jedoch keine offenkundig protektionistische Politik&#13;
tolerieren.&#13;
Drittens wird es auf der Tagesordnung in Singapur&#13;
auch einige neue Punkte geben. Wir hoffen auf&#13;
spezifische Empfehlungen dazu, wie Regierungen eine&#13;
solide Umweltpolitik verfolgen können. Gleichzeitig&#13;
wollen wir nicht, daß umweltpolitische Vorschriften zu&#13;
verstecktem Protektionismus werden.&#13;
Arbeitsnormen gehören ebenfalls zu den neuen&#13;
Fragen.&#13;
Dem WTO-Abkommen zufolge sollten&#13;
Handelsbeziehungen mit Blick auf steigenden Lebensstandard und bessere soziale Bedingungen unterhalten werden. Wir lehnen jedoch die Benutzung von&#13;
Lohnsätzen oder Lohnkosten als neue Rechtfertigung&#13;
für protektionistische Maßnahmen ab.&#13;
Wir befürworten bestimmte grundlegende Normen.&#13;
Dazu zählen Koalitionsfreiheit, das Recht auf Tarifverhandlungen, ein Ende der Ausbeutung durch&#13;
Kinderarbeit und das Verbot von Zwangsarbeit. Wir&#13;
teilen diese Prinzipien mit unseren Verbündeten in&#13;
Europa.&#13;
Viertens werden wir Wettbewerb und Investitionspolitik&#13;
erörtern. In der OECD wurde eine Menge nützlicher&#13;
Arbeit zu Investitionen geleistet. Wir sollten in der&#13;
WTO keine Arbeit in Angriff nehmen, die von den&#13;
Verhandlungen über ein multilaterales Investitionsabkommen in der OECD ablenken oder diese unterminieren könnte.&#13;
Ergänzende Arbeit wäre jedoch&#13;
nützlich.&#13;
Das gilt auch für die Wettbewerbspolitik. Es steht&#13;
außer Frage, daß wettbewerbsschädigendes Verhalten negative grenzüberschreitende Auswirkungen hat.&#13;
Aber Zusammenarbeit bei der Wettbewerbspolitik ist&#13;
eine komplizierte technische Übung, die am besten&#13;
den erfahrenen Wettbewerbsbehörden überlassen&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
wird, die unter der Schirmherrschaft der OECD&#13;
zusammenarbeiten.&#13;
Es besteht jedoch Raum für ein Paket zur Marktöffnung und Senkung der Zollsätze, auf das man sich in&#13;
Singapur einigen soll. Es sollte sich auf ein Abkommen über Informationstechnologie (Information&#13;
Technology Agreement - ITA) konzentrieren, das&#13;
gestaffelte Zollsenkungen von 1997 an bis zur vollständigen Abschaffung von Zöllen im Jahr 2000 bei&#13;
einer Vielzahl von Informationstechnologieprodukten&#13;
wie Multimedia-Computern und LAN-Ausrüstung&#13;
vorsieht. Das würde der Informationsinfrastruktur in&#13;
den beteiligten Ländern entscheidenden Auftrieb&#13;
geben.&#13;
Wir werden durch die Begeisterung unserer asiatischen Partner für unsere Initiative stark ermutigt. Wir&#13;
hoffen, daß die Europäische Union sich dem entstehenden Konsens über ein ITA anschließt.&#13;
Dies ist eine längst noch nicht vollständige Liste von&#13;
Themen, die in Singapur erörtert werden. Ich denke&#13;
jedoch, daß ich Ihnen ausreichende Beweise für die&#13;
Energie und Entschlossenheit gegeben habe, mit der&#13;
wir auf die Schaffung eines wirklich globalen Handels&#13;
drängen.&#13;
Wir wollen unseren Einfluß zur Förderung der strategischen Interessen nutzen, die wir mit Deutschland&#13;
gemein haben: Förderung demokratischer Werte,&#13;
Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen,&#13;
Umweltschutz und Menschenrechte.&#13;
Unsere engen bilateralen Beziehungen werden zur&#13;
Schaffung eines transatlantischen Marktes sowie eines&#13;
umfassenderen und effektiveren Welthandelssystems&#13;
beitragen. Das wird unseren beiden Ländern den&#13;
Umgang mit den Herausforderungen der Globalisierung ermöglichen.&#13;
In Zusammenarbeit haben wir einzigartigen Frieden&#13;
und Wohlstand geschaffen. Dies ist nicht die Zeit, den&#13;
Predigern von Protektionismus und Autarkie zuzuhören. Wir sind diesen Weg in den dreißiger Jahren&#13;
gegangen, und das Ergebnis war katastrophal.&#13;
Nein - dies ist eine Zeit für Engagement und Führung.&#13;
Gemeinsam haben wir die historische Chance, nicht&#13;
nur uns selbst, sondern der ganzen Menschheit zu&#13;
helfen.&#13;
Vielen Dank.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�L A N D M I N EN&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
Globales Verbot von Landminen oberste Priorität&#13;
der Clinton-Administration&#13;
Rede von Thomas McNamara&#13;
&#13;
OTTAWA - (AD) - Präsident Clinton hat ein globales Verbot von Antipersonenminen zur obersten Priorität der&#13;
Rüstungskontrolle erklärt, und die Vereinigten Staaten haben bereits signifikante unilaterale Restriktionen beim&#13;
Einsatz dieser Waffen eingeführt, äußerte der Abteilungsleiter für politisch-militärische Angelegenheiten im USAußenministerium, Thomas McNamara, am 3. Oktober 1996 in seiner Rede bei einer internationalen Konferenz&#13;
über dieses Thema in Ottawa.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Thomas McNamara im Wortlaut.&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender,&#13;
die Vereinigten Staaten haben sich zu einem weltweiten Verbot von Antipersonenminen (anti-personnel&#13;
landmines - APL) verpflichtet. Es gibt zahlreiche&#13;
Beispiele aus den vergangenen Jahren, wie die&#13;
Vereinigten Staaten eine Führungsrolle dabei übernommen haben, die durch Antipersonenminen verursachte humanitäre Krise anzusprechen:&#13;
Dank der unermüdlichen Anstrengungen von Senator&#13;
Leahy und anderen gehörten die Vereinigten Staaten&#13;
zu den ersten Ländern, die im Oktober 1992 offiziell&#13;
ein unilaterales Moratorium für den Export von&#13;
Antipersonenminen verabschiedeten.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben seit 1993 in der UNGeneralversammlung jährlich Resolutionen eingebracht, die andere Staaten zur Verabschiedung von&#13;
Exportmoratorien und seit 1994 zur endgültigen&#13;
Abschaffung von Antipersonenminen auffordern und&#13;
damit das internationale Ziel gesetzt, die Welt von&#13;
diesen Waffen zu befreien.&#13;
Bei der UN-Generalversammlung im Jahr 1994&#13;
forderte der Präsident als ersten Schritt zur letztlichen&#13;
Beseitigung von Antipersonenminen die Staaten auf,&#13;
mit uns zusammen ein Abkommen zur Verringerung&#13;
der Anzahl und Verfügbarkeit von Antipersonenminen&#13;
abzuschließen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten nahmen dann Konsultationen&#13;
mit zahlreichen Staaten über die Einleitung von&#13;
Bestrebungen zur Kontrolle von Antipersonenminen&#13;
auf. Dies führte zu einer amerikanischen Initiative für&#13;
ein Kontrollprogramm zur Regelung der Produktion,&#13;
Lagerung und dem Transfer von Antipersonenminen.&#13;
Im Jahr 1995 koordinierten die Vereinigten Staaten&#13;
ihre Initiative für ein Kontrollprogramm mit einem&#13;
ähnlichen Vorschlag Großbritanniens. Über 30 Länder&#13;
nahmen im Juni 1995 an einem Treffen in Budapest&#13;
über diesen neuen Vorschlag teil. Diese Initiative hätte&#13;
die Bestrebungen der Überprüfungskonferenz der&#13;
Konvention über konventionelle Waffen (Konvention on&#13;
Conventional Weapons - CCW) ergänzt und darauf&#13;
aufgebaut.&#13;
Die Vereinigten Staaten waren maßgeblich an den&#13;
erfolgreichen Bestrebungen der Überprüfungskonferenz der Konvention über konventionelle Waffen&#13;
beteiligt, um die Restriktionen für den Einsatz und&#13;
Transfer von Landminen beträchtlich zu erhöhen.&#13;
Bedauerlicherweise enthält das überarbeitete Protokoll&#13;
nicht alle von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Verbesserungen wie einen Mechanismus für&#13;
Ermittlungen bezüglich der Einhaltung oder die&#13;
Anforderung zur Einhaltung bestimmter technischer&#13;
Bestimmungen ohne eine sogenannte "Übergangsperiode". Wir werden diese Probleme weiterhin im&#13;
Rahmen des überarbeiteten Protokolls oder in anderen&#13;
Foren ansprechen.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Schließlich haben die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr über 40 Millionen Dollar zu Minenentschärfungsprogrammen in 14 Ländern beigesteuert&#13;
und waren in Zusammenarbeit mit den Vereinten&#13;
Nationen maßgeblich an der Organisation der internationalen Tagung über Minenräumung in Genf im&#13;
vergangenen Jahr beteiligt.&#13;
Aber wir müssen mehr tun. Nach intensiver Überprüfung gab Präsident Clinton am 16. Mai eine neue&#13;
Politik der Vereinigten Staaten zu Antipersonenminen&#13;
bekannt. Dies ist eine Priorität des Präsidenten bei der&#13;
Rüstungskontrolle. Gleichzeitig trägt die Politik der&#13;
Tatsache Rechnung, daß die Vereinigten Staaten eine&#13;
globale Macht mit essentiellen militärischen Erfordernissen und Verpflichtungen gegenüber ihren Verbündeten sind, die berücksichtigt werden müssen. Ich&#13;
möchte Ihnen einige Einzelheiten dieser Politik nennen.&#13;
Vor allem werden die Vereinigten Staaten aggressiv&#13;
ein globales Abkommen über ein Verbot für Einsatz,&#13;
Lagerung, Produktion und Transfer von Antipersonenminen mit der Absicht eines möglichst baldigen&#13;
Abschlusses der Verhandlungen anstreben. Alle&#13;
Nationen tragen die Verantwortung sicherzustellen,&#13;
daß unschuldige Zivilisten frei von der Gefahr von&#13;
Landminen leben können. Wir vertreten daher die&#13;
Auffassung, daß wir uns bei Aufnahme der Verhandlungen über Antipersonenminen auf ein Abkommen&#13;
über ein globales Verbot konzentrieren sollten. Die&#13;
Vereinigten Staaten könnten regionale Aktivitäten&#13;
unterstützen, die die Arbeit an einem globalen Verbot&#13;
ergänzen und im Einklang mit der Politik zu Antipersonenminen der Vereinigten Staaten stehen.&#13;
Die Vereinigten Staaten tragen jedoch auch eine&#13;
globale Verantwortung, zum Schutz von Freunden und&#13;
Verbündeten beizutragen, sich an friedenssichernden&#13;
Operationen zu beteiligen und zu gegebener Zeit auf&#13;
Krisen in instabilen Regionen zu reagieren. Diese&#13;
Verantwortung hat unsere Politik gestaltet. Beispielsweise sehen die Vereinigten Staaten die Sicherheitssituation auf der koreanischen Halbinsel als einzigartigen Fall an und werden bei der Aushandlung eines&#13;
Abkommens ihr Recht zum Einsatz von Antipersonenminen wahren, bis Alternativen zur Verfügung stehen&#13;
oder das Risiko der Aggression beseitigt worden ist.&#13;
Von jetzt bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein weltweites&#13;
Abkommen Wirkung zeitigt, werden die Vereinigten&#13;
Staaten sich außerdem die Option vorbehalten,&#13;
abhängig von CCW-Restriktionen bei militärischen&#13;
Feindseligkeiten zum Schutz des Lebens von Amerikanern und zur beschleunigten Beendigung der Kämpfe&#13;
selbstzerlegende/selbstdeaktivierende Antipersonenminen einzusetzen.&#13;
Wir haben jedoch bereits mit der Umsetzung bedeutender unilateraler Restriktionen begonnen. Am 16.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Mai ergriffen die Vereinigten Staaten Maßnahmen, alle&#13;
(a) zur Ausbildung von mit Entschärfung und Minenabwehr befaßten Personen oder (b) zur Verteidigung&#13;
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten gegen&#13;
eine bewaffnete Aggression über die koreanische&#13;
Entmilitarisierte Zone hinweg nicht erforderlichen nicht&#13;
selbstzerlegenden Antipersonenminen nicht einzusetzen und sie mit der Absicht der Entmilitarisierung&#13;
bis Ende 1999 in einem inaktiven Status zu lagern.&#13;
Ich kann nicht genug betonen, wie ernst die Vereinigten Staaten das Ziel der vollständigen Abschaffung von Antipersonenminen nehmen. Ab 1999 wird&#13;
der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs dem&#13;
Präsidenten und dem Verteidigungsminister einen&#13;
Jahresbericht mit seiner Beurteilung vorlegen, ob für&#13;
die von mir genannten Ausnahmen weiterhin eine&#13;
militärische Notwendigkeit besteht. Um die Zeitspanne&#13;
bis zur Beseitigung von Antipersonenminen zu verkürzen, haben wir ein Forschungs- und Beschaffungsprogramm sowie andere Maßnahmen in die Wege&#13;
geleitet, die zur Abschaffung der Anforderung für die&#13;
Ausnahmen erforderlich sind und es uns gestatten,&#13;
den Rückgriff auf Antipersonenminen so schnell wie&#13;
möglich zu beenden.&#13;
Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, daß wir bei&#13;
unserer Arbeit an einem Verbot des weiteren Einsatzes von Antipersonenminen das durch zahllose&#13;
bereits verlegte Antipersonenminen verursachte&#13;
Leiden ansprechen müssen. Im Hinblick auf die&#13;
Entschärfung werden die Vereinigten Staaten ein&#13;
substantielles Programm zur Entwicklung verbesserter&#13;
Technologien zum Aufspüren von Minen und deren&#13;
Räumung in die Wege leiten und diese verbesserte&#13;
Technologie der internationalen Staatengemeinschaft&#13;
zukommen lassen. Wir werden darüber hinaus unser&#13;
humanitäres Entschärfungsprogramm beträchtlich&#13;
erweitern, um andere Länder für die Entwicklung&#13;
effektiver Entschärfungsprogramme auszubilden und&#13;
ihnen dabei behilflich zu sein. Ich möchte einige&#13;
Einzelheiten dieser Entschärfungsaktivitäten nennen.&#13;
Erstens haben die Vereinigten Staaten vor kurzem ein&#13;
humanitäres Entschärfungsinformationszentrum eröffnet, das - wie wir hoffen - als zentraler Punkt für das&#13;
Militär, die nichtstaatlichen Organisationen und andere&#13;
Gruppen zum Sammeln, Überprüfen und Verbreiten&#13;
von Informationen über weltweite Entschärfungsaktivitäten dienen wird.&#13;
Zweitens war und ist die Entwicklung einer Entschärfungskapazität im jeweiligen Land ein Hauptziel&#13;
unserer humanitären Entschärfungspolitik.&#13;
Wir&#13;
beabsichtigen, unseren Bestand von rund 200 Ausbildern um bis zu 300 zu erweitern.&#13;
Drittens wird unser Forschungs- und Entwicklungsprogramm für neue humanitäre Entschärfungstechnologien in kommenden Jahr auf 14,7 Millionen Dollar&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�aufgestockt. Im Rahmen dieses zwei Jahre alten&#13;
Programms wurden 30 Prototypen von Systemen für&#13;
das verbesserte Aufspüren von Minen, ihre Neutralisierung und Räumung entwickelt, erprobt und ausgewertet.&#13;
Neben dieser Konferenz bietet die UN-Generalversammlung eine ausgezeichnete Gelegenheit für uns&#13;
alle, das Streben nach einem Verbot von Antipersonenminen weiterhin schlaglichtartig zu beleuchten.&#13;
Erst letzte Woche erneuerte Präsident Clinton in einer&#13;
Rede in New York seinen Appell für rasche Verhandlungen über ein weltweites Verbot von Antipersonenminen. Wie die meisten von Ihnen wissen, geht die&#13;
dieses Jahr von den Vereinigten Staaten in der UNGeneralversammlung vorgeschlagene Resolution zu&#13;
Antipersonenminen weiter als frühere Resolutionen, da&#13;
sie sich auf die Forderung nach dem möglichst&#13;
schnellen Abschluß eines Abkommens über ein Verbot&#13;
von Antipersonenminen konzentriert, während bei&#13;
früheren Resolutionen Exportmoratorien und letztlich&#13;
die Beseitigung von Antipersonenminen im Mittelpunkt&#13;
standen. Viele von Ihnen haben sich den Vereinigten&#13;
Staaten bei der Annahme von Verboten, Moratorien&#13;
und anderen Beschränkungen von Antipersonenminen&#13;
angeschlossen. Wir wollen zusammenarbeiten, um&#13;
unsere Freunde und Verbündeten zu ermutigen,&#13;
dasselbe zu tun und sich unseren Bestrebungen zur&#13;
Erlangung eines vollständigen Verbots anzuschließen.&#13;
Die Führungsrolle Kanadas bei den Bestrebungen zur&#13;
Kontrolle von Antipersonenminen zeigt sich nicht nur&#13;
anhand dieser Konferenz, sondern auch bei Kanadas&#13;
Lobbyarbeit für eine entschlossene Resolution der UNGeneralversammlung über das Verbot von Antiperso-&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
nenminen. Wir begrüßen die Hilfe Kanadas beim&#13;
Entwurf unserer Resolution sowie die von dem Land&#13;
geleistete Unterstützung und sehen der Unterstützung&#13;
anderer hier vertretener Staaten erwartungsvoll&#13;
entgegen. Bei unserer Arbeit zur Erlangung eines&#13;
weltweiten Verbots von Antipersonenminen werden die&#13;
weitverbreitete Befolgung und vollständige Umsetzung&#13;
des überarbeiteten Landminenprotokolls der Konvention über konventionelle Waffen die Zahl der zivilen&#13;
Opfer beträchtlich reduzieren. Hätten diese Beschränkungen schon vor Jahren existiert und wären&#13;
weithin befolgt worden, hätten wir weitaus weniger&#13;
Opfer zu beklagen gehabt als leider der Fall war. Wir&#13;
planen eine rechtzeitige Vorlage des Protokolls im USSenat, damit es vom im Januar zusammentretenden&#13;
neuen Kongreß geprüft werden kann.&#13;
Wir fordern andere Staaten, die das noch nicht getan&#13;
haben, eindringlich dazu auf, der Konvention über&#13;
konventionelle Waffen und dem neuen Protokoll&#13;
beizutreten. Herr Vorsitzender, abschließend möchte&#13;
ich Kanada für die Veranstaltung dieser Konferenz&#13;
danken und das Engagement aller hier vertretenen&#13;
Staaten, internationalen und nichtstaatlichen Organisationen begrüßen, die Welt von Antipersonenminen zu&#13;
befreien. Unser Ziel, ein internationales Abkommen&#13;
über das Verbot von Antipersonenminen abzuschließen, wird eindeutig am schnellsten und effektivsten&#13;
durch verstärkte Zusammenarbeit und Koordinierung&#13;
zwischen allen Ländern erreicht.&#13;
Die weltweite&#13;
Beseitigung von Antipersonenminen ist eine beängstigende Aufgabe, die wir jedoch erfüllen müssen. Wir&#13;
sehen der Arbeit mit Ihnen allen zur Erlangung dieses&#13;
lebenswichtigen Ziels erwartungsvoll entgegen.&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�PORTRAT&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
James D. Bindenagel&#13;
Charge d'Affaires ad interim der Botschaft der Vereinigten Staaten&#13;
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland&#13;
&#13;
J.D. Bindenagel, Karrierediplomat im höheren auswärtigen Dienst, ist seit 17. Juni 1996 Charge&#13;
d'Affaires der Amerikanischen Botschaft in Deutschland.&#13;
Seit August 1994 war er Gesandter der Botschaft. Vor&#13;
Übernahme dieser Position war Bindenagel Direktor&#13;
der Abteilung für mitteleuropäische Angelegenheiten&#13;
im US-Außenministerium und in dieser Eigenschaft&#13;
verantwortlich für die bilateralen Beziehungen der&#13;
Vereinigten Staaten zu Deutschland, Österreich und&#13;
der Schweiz.&#13;
Von 1989-90 war Bindenagel Gesandter der Amerikanischen Botschaft in der ehemaligen Deutschen&#13;
Demokratischen Republik - zur Zeit der demokratischen Revolution in Ostdeutschland, des Falls der&#13;
Berliner Mauer, der deutschen Wirtschafts- und&#13;
Währungsunion, freier Wahlen und der Vereinigung&#13;
Deutschlands.&#13;
In Deutschland war Bindenagel darüber hinaus als&#13;
Leiter der Abteilung für Innenpolitik in der Bonner USBotschaft (1983-86), als Wirtschaftsbeamter in der&#13;
Abteilung für mitteleuropäische Angelegenheiten des&#13;
US-Außenministeriums (1980-83) und als amerikanischer Konsul in Bremen (1977-79) tätig. Vor seinem&#13;
&#13;
Eintritt in den auswärtigen Dienst der Vereinigten&#13;
Staaten war Bindenagel als Offizier der US-Armee in&#13;
Würzburg stationiert (1972-74).&#13;
Als Congressional Fellow des amerikanischen Politologenverbands war Bindenagel von 1987-88 Mitarbeiter des Kongreßabgeordneten Lee H. Hamilton,&#13;
der bei der Gründung der Studiengruppe Deutschland&#13;
des Kongresses deren Vorsitzender war.&#13;
Neben seinen Verwendungen für deutsche Angelegenheiten hatte er eine vom Außenministerium geförderte&#13;
Position bei Rockwell International inne (1991-92).&#13;
1991 arbeitete Bindenagel im Büro für wirtschaftliche&#13;
und unternehmerische Angelegenheiten des Außenministeriums und war geschäftsführender Direktor für&#13;
kanadische Angelegenheiten (1988-1989). Davor war&#13;
er im Krisenstab des Außenministeriums sowie als&#13;
Wirtschaftsbeamter in Seoul tätig.&#13;
Bindenagel wurde am 30. Juni 1949 in Huron (South&#13;
Dakota) geboren. Er erwarb 1971 an der University of&#13;
Illinois (Urbana) den Titel eines Bachelor of Arts und&#13;
1977 an dieser Universität den Magister in Verwaltungswissenschaften. Er ist mit Jean Bindenagel&#13;
verheiratet und hat zwei Kinder. J.D. Bindenagel&#13;
spricht Deutsch.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>Amerikadienst 30.10.1996</text>
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                    <text>1.USA-EUROPA POSITIVER WANDEL IN DEN&#13;
TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
2.USA-DEUTSCHLAND BOTSCHAFT 2000 - EIN MODELL FÜR DIE ZUKUNFT DES AUSWÄRTIGEN DIENSTES&#13;
von J.D. Bindenagel&#13;
3.DEUTSCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN UND DIE WELTWIRTSCHAFT&#13;
Rede der Gesandten Janice Bay&#13;
4.LANDMINEN GLOBALES VERBOT VON LANDMINEN&#13;
OBERSTE PRIORITÄT DER CLINTON-ADMINISTRATION&#13;
Rede von Thomas McNamara&#13;
5. PORTRAT JAMES D. BINDENAGEL&#13;
Charge d'Affaires ad interim der&#13;
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland </text>
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                    <text>U.S. Information Service&#13;
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Positiver Wandel in den transatlantischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschaft 2000 - ein Modell für die Zukunft des auswärtigen Dienstes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutsch-amerikanische Beziehungen und die Weltwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der Gesandten Janice Bay&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Landminen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Globales Verbot von Landminen oberste Priorität der Clinton-Administration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Thomas McNamara&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;James D. Bindenagel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chargé d'Affaires ad interim der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland&lt;/em&gt;</text>
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•ff

^ro^ ^

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

13. November 1996

22

WAHLEN '96

CLINTON BEDANKT SICH FÜR SEINE
WIEDERWAHL
Rede des Präsidenten in seinem
Heimatstaat Arkansas
AMERIKA AUF DER REISE INS
21. JAHRHUNDERT
Ansprache von J.D. Bindenagel

USA - RUSSLAND

AMERIKA UND RUSSLAND IN EINER
SICH WANDELNDEN WELT
Rede des Stellvertretenden Außenministers

WIRTSCHAFT

ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN DER
AMERIKANISCHEN VOLKSWIRTSCHAFT
Pressekonferenz mit führenden
Wirtschaftsberatern
ERÖFFNUNG DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFTSKONFERENZ
IN POTSDAM
Ansprache von J.D. Bindenagel
im Filmstudio Babelsberg
DAS WIRTSCHAFTLICHE ENGAGEMENT
DER USA IN DEN NEUEN BUNDESLÄNDERN
Eröffnungsansprache von J.D. Bindenagel
DEUTSCH-AMERIKANISCHE
WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
Schlußwort von J.D. Bindenagel

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�PORTRAT

BANKIER WIRD NEUER STABSCHEF DES
WEISSEN HAUSES
Porträt von Erskine Bowles

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

�WAHLEN

'9 6
13. November 1996

Clinton bedankt sich für seine Wiederwahl
Rede des Präsidenten in seinem Heimatstaat Arkansas

LITTLE ROCK - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Präsident Clinton in den frühen
Morgenstunden des 6. November 1996 in Little Rock, Arkansas, im Old State House hielt, um den
amerikanischen Wählern für seinen überwältigenden Sieg zu danken.

Meine amerikanischen Mitbürger, vielen Dank, daß Sie
hier sind. In vier Jahren beginnen wir ein neues
Jahrhundert großer Herausforderungen und unbegrenzter Möglichkeiten. Wir müssen jetzt eine Brücke
bauen, und ich bin dazu bereit, wenn Sie es sind.
Heute hat das amerikanische Volk gesprochen. Es hat
unseren Kurs bekräftigt. Es hat uns aufgetragen,
weiterzumachen. Amerika hat jedem einzelnen von
uns - Demokraten, Republikanern und Unabhängigen laut und deutlich mitgeteilt, daß es an der Zeit ist,
politische Auseinandersetzungen hinter sich zu lassen
und gemeinsam die für Amerikas Zukunft erforderliche
Arbeit zu leisten.
In den letzten vier Jahren haben wir beachtliche
Fortschritte gemacht, aber in unseren Schulen,
unseren Familien, an unserem Arbeitsplatz und in
unseren Gemeinden sind wir noch nicht am Ziel
unserer Reise. Meine amerikanischen Mitbürger, vor
uns liegt Arbeit, und genau darum ging es bei diesen
Wahlen.
Ich möchte allen hier Anwesenden und dem ganzen
amerikanischen Volk sagen, daß Worte nicht ausreichen, um die Dankbarkeit auszudrücken, die ich
heute über die mir zuteil gewordene Ehre empfinde.
Es ist eine Ehre, die vielen gebührt - zunächst einmal
meiner Familie, meiner wunderbaren Frau, mit der ich
seit 21 Jahren verheiratet bin und die mich seit
unserem ersten Zusammentreffen gelehrt hat, daß
man ein Dorf braucht, um unsere Kinder aufzuziehen
und unsere Zukunft zu gestalten. Und unserer Tochter
Chelsea, die Verständnis für unsere gemeinsame
Arbeit und die damit verbundenen Belastungen
aufbringt.

AMERIKA DIENST 22

Heute habe ich meine Stimme bei der letzten Wahl
abgegeben, bei der ich zur Wahl stehe. Und wie bei
jeder Wahl seit ihrer Geburt habe ich Chelsea mitgenommen. Und als wir uns zusammen den Stimmzettel anschauten und politische Themen erörterten,
dankte ich Gott, daß ich als Amerikaner geboren
wurde.
Ich danke den Mitgliedern meiner wunderbaren
Familie, die heute hier sind - meinem Stiefvater Dick
Kelley, meiner großartigen Schwiegermutter Dorothy
Rodham und allen anderen. Und ich danke meiner
geliebten Mutter, die von dort oben lächelnd herunterschaut und die damals sagte: "Ich hatte nie Zweifel.
Ich wußte schon immer, daß es so kommen würde."
Ich danke meinen langjährigen Freunden. Sie sind mit
mir durch dick und dünn gegangen, sie gingen mit mir
in die Grundschule, die weiterführende Schule, aufs
College und begleiteten mich alle nachfolgenden
Jahre. Es sind Freunde, die mich und meine Träume
kennen und sich als mächtige Kraft denjenigen
entgegenstellten, die den Fortschritt in Amerika mit der
Politik persönlicher Zerstörung bremsen wollten. Ich
danke Euch, liebe Freunde, für das, was Ihr für
Amerika getan habt.
Ich danke den Menschen in meinem geliebten Heimatstaat. Ich möchte heute Nacht nirgendwo anders sein.
Vor diesem wunderbaren alten Kapitol, das so viel von
meinem Leben und der Geschichte dieses Bundesstaates gesehen hat, danke ich Ihnen, daß Sie mich so
lange begleitet haben, daß Sie nie aufgaben und daß
Sie immer wußten, wir können es besser machen.

Seite 1

�Ich danke dem besten Vizepräsidenten, den dieses
Land je gehabt hat. Dank AI Gore haben wir stärkere
und sicherere Beziehungen zu einem demokratischen
Rußland; wir entdecken die Wunder neuer Technologien zum Nutzen Amerikas, wir schützen unsere
Umwelt und wir haben die amerikanische Regierung
umstrukturiert, damit sie dank unserer Führung mit
weniger Mitteln mehr bewirken kann. Das ist ein in der
Geschichte dieser Republik einzigartiges Vermächtnis.
Ich danke Tipper für ihre Freundschaft, ihren Kampf für
unsere Kinder und die geistige Gesundheit unseres
Volkes und dafür, daß sie uns zusammen mit ihren
Kindern und ihrer Familie immer zur Seite gestanden
hat.
Ich danke den Mitgliedern unserer Administration - den
Kabinettsmitgliedern und den Mitarbeitern des Weißen
Hauses. Ich danke allen ständigen Mitarbeitern des
Präsidenten im Weißen Haus und den medizinischen
Betreuern. Insbesondere danke ich meinen Sicherheitsbeamten, die sich mit einem Präsidenten, der sich
nicht vom amerikanischen Volk isolieren lassen will,
großen Herausforderungen gegenübersehen.
Ich danke unseren Wahlkampfmitarbeitern, allen, die
an diesen Wahlen mitwirkten, für die geleistete Arbeit.
Ich danke unseren Parteiführern im Kongreß und den
Parlamenten der Bundesstaaten. Ich danke allen, die
bei den heutigen Wahlen für das eintraten, an das wir
glauben - denen, die gewonnen, und denen, die nicht
gewonnen haben. Sie haben Amerika einen Dienst
erwiesen, indem Sie die Fragen ansprachen, an die wir
glauben. Ich danke Ihnen allen und wünsche Ihnen
viel Glück.
Ich möchte den Mitarbeitern der Bundesregierung
danken. Sie mußten beachtliche Arbeit leisten. Wir
haben unsere Regierung so verschlankt, daß sie die
kleinste seit der Zeit Präsident Kennedys ist, und
dennoch haben ihre Mitarbeiter dem Volk jahrein,
jahraus immer besser gedient. Sie mußten das
zeitweise angesichts enormer Herausforderungen und
offenen Hasses tun. Sie mußten mit dem Grauen von
Oklahoma City und den damit einhergehenden
Schwierigkeiten leben. Die Menschen, die uns dienen,
verdienen unseren Dank. Und ich danke ihnen.
Ich danke denjenigen, die dieser Administration und
unserer Sache gedient haben und nicht mehr unter
uns weilen. Einem muß ich ganz besonders danken meinem Freund und Bruder Ron Brown. Sie schauen
auf uns herunter, und ich weiß, daß sie dabei lächeln.
Ganz persönlich möchte ich meinem Pastor, Rex
Hörne, danken, der mit mir gebetet hat, bevor ich
heute hierherkam, sowie allen Geistlichen und Menschen Gottes, die während dieser vergangenen vier
Jahr mit mir und für mich gebetet haben. Es gab ein
paar - und sie wissen genau, wen ich meine - die in

Seite 2

guten wie in schlechten Zeiten immer wieder ins Weiße
Haus kamen. In schlechten Zeiten erinnerten sie mich
daran, daß Gott dem heiligen Paulus einen Dorn ins
Fleisch gab, damit er keine zu hohe Meinung von sich
selbst hatte, was für mich in den schlechten Zeiten
zweifellos nicht schwierig war. In guten Zeiten erinnerten sie mich daran, daß Bescheidenheit einem
Präsidenten immer ansteht, denn wir sehen in diesem
Leben nur einen Ausschnitt und kennen nicht die
ganze Wahrheit oder die Motive unserer Gegner. Ich
danke ihnen allen, daß sie mich Gott und der ewigen
Weisheit nähergebracht haben, ohne die ein Präsident
nicht dienen kann.
Ich möchte ein besonderes Wort des Dankes an
Senator Dole richten und bitte sie, ihm gemeinsam mit
mir für seinen lebenslangen Dienst an den Vereinigten
Staaten zu applaudieren.
Und ich danke Jack Kemp für seinen Dienst an
Amerika und seinen Einsatz dafür, daß in diesem Land
jeder die Chance haben sollte, in Freiheit und Gleichheit zu leben und Erfolg zu haben.
Ich habe mit Senator Dole ein gutes Gespräch geführt,
kurz bevor er seine Ansprache hielt. Ich habe ihm für
seine Vaterlandsliebe und seine langjährigen Dienste
gedankt. Ich applaudierte dem Wahlkampf, den er bis
zu letzten Minute so heroisch geführt hat. Ich habe
ihm für die Arbeit gedankt, die wir zusammen zur
Förderung der gemeinsamen Sache Amerikas geleistet haben. Im Namen aller Amerikaner wünsche ich
ihm alles Gute und viel Glück.
Vor vier Jahren brachen wir auf dieser Treppe zu einer
Reise auf, um den Kurs Amerikas zum Besseren zu
ändern, um den Amerikanischen Traum für jeden am
Leben zu halten, der dafür zu arbeiten bereit ist, um
Amerika auch in Zukunft zur weltweit stärksten Kraft für
Frieden, Freiheit und Wohlstand zu machen, um als
amerikanische Gemeinschaft zusammenzukommen.
Es war eine Zeit von weitverbreiteter Frustration und
Zweifeln angesichts unserer wirtschaftlichen und
sozialen Probleme sowie unserer Fähigkeit zum
Umgang mit dem sich vollziehenden tiefgreifenden

Wandel. Der Umfang und die Geschwindigkeit dieses
Wandels waren für viele von uns bedrohlich, und
unsere Werte schienen von allen Seiten unter Beschuß zu stehen.
Aber Sie und ich haben geschworen, gemeinsam den
Kurs unseres Landes zu ändern - mit einer Strategie
zur Bewältigung unserer Herausforderungen und zum
Schutz unserer Werte: Chancen für alle, Verantwortung aller, eine amerikanische Gemeinschaft aller
Amerikaner.
Wir haben hart daran gearbeitet, der Politik ein Ende
zu setzen, die sich nur auf Beschuldigungen beschränkt. Statt dessen fragen wir uns, was wir tun

AMERIKA DIENST 22

�können, um Amerika zu einem besseren Land zu
machen. Heute Nacht verkünden wir, daß das Wesen
Amerikas lebendig und gesund ist. Es sind die
Gemeinsamkeiten, auf deren Grundlage wir Fortschritte gemacht haben. Heute ist unsere Wirtschaft
stärker, unsere Straßen sind sicherer, unsere Umwelt
ist sauberer, die Welt ist sicherer und Gott sei Dank ist
unsere Nation geeinter.
Allen Männern und Frauen in diesem Land, die unsere
Arbeitsplätze schaffen, unsere Kinder unterrichten,
unsere Straßen bewachen und Amerika sicher halten,
sage ich: Der Erfolg Amerikas ist Ihr Erfolg, dieser Sieg
ist Ihr Sieg. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen.
Meine amerikanischen Mitbürger, ein langes neues
Jahrhundert liegt vor uns. Es wird eine Zeit mit mehr
Chancen für die Menschen sein, ihre Träume zu
verwirklichen, als zu jedem anderem Zeitpunkt in der
Geschichte der Menschheit. Wir haben uns in dieser
Nacht verpflichtet, unsere Reise fortzusetzen, die harte
Arbeit zu erledigen, mit der unsere Brücke ins 21.
Jahrhundert gebaut wird, und all den jungen Menschen
hier und in ganz Amerika das Amerika zu geben, das
sie und ihre Kinder und Kindeskinder verdienen.
Aber es gibt viel zu tun. Wir müssen darauf hinarbeiten, daß unsere Volkswirtschaft stetig und stark
wächst, indem wir den Haushalt ausgleichen, während
wir unsere Pflicht gegenüber unseren Familien,
unseren Eltern und unseren Kindern erfüllen - und
unsere Pflicht, unseren Kindern die Welt zu hinterlassen, die Gott uns gegeben hat. Wir müssen darauf
hinarbeiten, daß wir allen unseren Kindern das
Geschenk der Bildung machen können und sicherstellen, daß alle achtjährigen lesen, sich alle "^jährigen ins Internet einloggen und alle 18jährigen in
diesem Land eine Collegeausbildung haben können,
wenn sie dafür zu arbeiten bereit sind.
Wir müssen darauf hinarbeiten, daß die Unterschicht in
diesem Land der Vergangenheit angehört, die Abhängigkeit unserer armen Mitbürger von Sozialhilfe
beendet wird und sie dem Stolz und der Würde der
Arbeit zugeführt werden. Wir müssen darauf hinarbeiten, unsere Familien zu stärken, unseren Eltern
zum Erfolg zu Hause und bei der Arbeit zu verhelfen,
unsere Kinder vor Schaden in der Schule, auf der
Straße, in ihrem Zuhause und in ihren Gemeinden zu
bewahren. Wir müssen die Umwelt schützen, damit
unsere Kinder in der Nähe von Parks, nicht Gift
aufwachsen. Wir müssen ihnen sagen, daß Drogen
falsch und illegal sind und sie töten können. Wir
müssen ihnen beibringen, Recht von Unrecht zu
unterscheiden.
Meine amerikanischen Mitbürger, ich werde alles in
meiner Macht Stehende tun, um diese Anliegen
voranzubringen. Aber alle unsere Mitbürger müssen
ihren Teil beitragen, um die persönliche Verantwortung

AMERIKA DIENST 22

weiter zu stärken, die in den vergangenen vier Jahren
die Verbrechensrate auf ein Rekordtief gesenkt, die
Unterhaltszahlungen auf Rekordhöhe gebracht und die
Abhängigkeit von Sozialhilfe verringert hat. Werden
Sie mir helfen, das zu tun? Wir müssen es gemeinsam
tun.
Wir müssen unsere Demokratie stärken, indem wir
eine realistische, überparteiliche Reform der Wahlkampffinanzierung einführen. Reden ist nicht mehr
genug, wir müssen handeln, und zwar jetzt. Und das
amerikanische Volk wird die Politiker beider Parteien
beobachten und sehen, wer bereit ist, nicht nur zu
reden, sondern zu handeln. Ich bin bereit zu handeln.
Und ich bitte die anderen, es mir gleich zu tun.
Wir müssen Amerika weiterhin zur unerläßlichen
Nation der Welt machen - die ungelösten Fragen des
Kalten Krieges beantworten, neue Bedrohungen
unserer Sicherheit durch Terrorismus und die Verbreitung gefährlicher Waffen bewältigen und diese
außerordentlichen Chancen ergreifen, um unsere
Werte von Frieden, Demokratie und Wohlstand zu
verbreiten.
Jeder hier heute abend anwesende Amerikaner und
jeder Amerikaner, der mich hört, kann stolz auf die
Tatsache sein, daß in diesen letzten Jahren zum
ersten Mal in der Geschichte eine Mehrheit von
Menschen auf dieser Erde in Demokratien lebt, die
vom Volk regiert werden.
Die uns konfrontierenden Herausforderungen sind
keine demokratischen oder republikanischen Herausforderungen - es sind amerikanische Herausforderungen. Was wir aus den Haushaltsdebatten der vergangenen zwei Jahre und dem bemerkenswerten Erfolg
dieses Kongresses in den letzten beiden Wochen
gelernt haben, ist die Lektion, die wir die letzten 220
Jahre gelernt haben - was wir als Amerikaner an
dauerhaft Gutem erreichten, haben wir durch Zusammenarbeit erreicht.
An die Führer der Demokratischen Partei und an die
Führer der Republikanischen Partei gewandt, sage ich:
Es ist an der Zeit, das Land vor die Partei zu stellen.
Wir kennen das endgültige Ergebnis der Kongreßwahlen noch nicht, aber wir wissen eines: Es ist ein
Kopf-an-Kopf-Rennen, das amerikanische Volk war in
gleiche Lager gespalten. Was immer auch geschieht der Kongreß wird in gleiche Lager gespalten sein. Er
sendet uns eine Botschaft: Arbeitet zusammen,
meistert die Herausforderungen, überwindet die Politik
der Teilung und baut gemeinsam Amerikas Gemeinschaft auf.
In dieser wunderschönen Nacht, in der wir soviel
Freude, Musik, Vergnügen und soviel Stolz miteinander teilen, kann ich kaum glauben, daß 23 Jahre
vergangen sind, seit ich die Menschen in Arkansas

Seite 3

�zum ersten Mal um ihre Unterstützung gebeten habe.
Das Dauerhafteste und Wichtigste, das ich in diesen
wie im Fluge vergangenen Jahren gelernt habe, ist:
Wenn wir gespalten sind, besiegen wir uns selbst.
Aber wenn wir uns die Hände reichen und unsere
Familien, Gemeinden und unser Land aufbauen, wird
Amerika immer gewinnen. Wir müssen die Arbeit für
Amerika so leisten, wie wir versuchen, unsere Kinder
zu erziehen, unsere Arbeit zu erledigen und unsere
religiösen und kommunalen Institutionen zu unterstützen. Wenn wir einfach nur Amerikaner sind und
alle unsere anderen Rollen ausfüllen, kann man
Amerika nicht aufhalten. Die besten Tage liegen noch
vor uns.
Und so sage ich, wenn wir in uns gehen und uns
fragen, was für das amerikanische Volk und die
Zukunft unserer Kinder richtig ist, wenn wir unsere
Differenzen beilegen und auf unseren gemeinsamen
Werten von Vertrauen, Familie und Arbeit aufbauen,
wenn wir die Ärmel hochkrempeln und zusammenarbeiten, wird Amerika immer gewinnen. Und, meine
amerikanischen Mitbürger, Amerika wird in diesen
nächsten vier Jahren weiterhin gewinnen.
Wie Sie alle hier aus meinem Heimatstaat wissen,
glaube ich daran und habe versucht, danach zu leben,
weil es keinen Menschen in Amerika gibt, dem mehr
geschenkt wurde als mir. Es gibt heute abend keinen
Menschen in Amerika, der angesichts dieses Sieges
mehr Demut empfindet als ich. Vor 50 Jahren, als ich
als Kind einer verwitweten Mutter in einer stürmischen
Sommernacht in einer kleinen Stadt im südwestlichen
Teil unseres Bundesstaats auf die Welt kam, war es
unvorstellbar, daß jemand wie ich je Präsident des
großartigsten Landes in der Geschichte der Menschheit werden könnte. Für mich war es eine bemerkenswerte Reise, nicht frei von Fehlem, aber voller Abenteuer, Wunder und Gnade. Ich habe hart gearbeitet
um zu dienen, aber ich habe es nicht allein so weit
gebracht.
Bei jedem Schritt auf diesem Weg in den vergangenen
23 Jahren und lange davor gab es einen Lehrer, einen

*

Seite 4

*

Arzt, einen Nachbarn, ein Elternteil, einen Freund, eine
Frau und ein Kind, die immer Zeit hatten, sich um mich
zu kümmern, die immer versucht haben, mir Anleitung
und Ermutigung zu geben, und die nie aufgegeben
haben. Ich stehe heute abend hier, meine amerikanischen Mitbürger, weil Amerika mir eine Chance
gegeben hat.
Das verdienen alle Kinder Amerikas. Unser Volk muß
ihnen das Handwerkszeug geben - keine Garantie,
aber eine reelle Chance - ihrem von Gott gegebenen
Potential gerecht zu werden. Und ich bitte Sie, diese
Verpflichtung gemeinsam mit mir einzugehen. Jedes
Kind verdient die große Chance, die mir gegeben
wurde.
Und so sage ich nochmals, laßt uns beschließen,
unser Land so zu führen, wie wir versuchen, unser
Leben zu führen. Ob Sie der Partei von Thomas
Jefferson oder der Partei von Abraham Lincoln
angehören, ob Sie unabhängig oder parteilos sind,
erinnern Sie sich daran, daß wir alle der großartigsten
Nation der Geschichte angehören. Uns wurde viel
gegeben, und es wird noch viel von uns erwartet. Wir
müssen der Herausforderung gerecht werden, diese
Brücke ins 21. Jahrhundert zu bauen.
Die heutige Nacht ist nicht nur eine Nacht der Freude
für uns hier, sondern für alle Amerikaner. Zum 53. Mal
in unserer Geschichte hat unser Volk seine stille und
wohlüberlegte Wahl getroffen. Es hat seiner mächtigen Stimme Gehör verliehen und seinen Willen zum
Ausdruck gebracht. Heute Nacht feiern wir das
Wunder Amerikas. Morgen begrüßen wir den Tag und
beginnen unsere Arbeit aufs Neue.
Ich bin dankbarer, als ich sagen kann. Sie haben mir
eine Chance gegeben und eine Verantwortung
auferlegt, die wenigen Menschen zuteil wird. Ich
werde mein Bestes geben. Und gemeinsam werden
wir diese Brücke ins 21. Jahrhundert bauen.
Ich danke Ihnen. Gute Nacht. Gott schütze Amerika.

*

*

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�WAHLEN

'9 6

13. November 1996

Amerika auf der Reise ins 21. Jahrhundert
Ansprache von J.D. Bindenagel

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache, die J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires ad interim
der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, beim "Election Breakfast"
am Morgen des 6. November 1996 im Embassy Club nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses hielt.

Seit 1789 haben wir Amerikaner alle vier Jahre einen
Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt - ein
manchmal lautes Spektakel, an dem Sie, die Mitglieder
unserer transatlantischen Gemeinschaft, so großes
Interesse haben.
Unsere Präsidentschaftswahlkämpfe sind wie ein
Familienstreit, den man mit Fernsehkameras und
Videorekordern durch das Wohnzimmerfenster
verfolgt. Es gibt viel Zurschaustellung, viel Rhetorik
und sogar eine Reihe von substantiellen Themen oder zumindest einige.
Das geht schon ziemlich lange so. Seit über zweihundert Jahren haben wir bei Wind und Wetter, Krieg
oder Frieden, Wohlstand oder Wirtschaftskrisen
Wahlen abgehalten. Und das Erstaunliche ist, daß die
amerikanische politische Familie zusammensteht.
In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir
viel darüber gehört, wie unpopulär die Kandidaten
sind, daß wir kaum eine Wahl haben. In der Tat waren
die meisten Präsidenten nie sehr populär. Vor einem
Jahrhundert definierte Ambrose Bierce in seinem
Devil's Dictionary den amerikanischen Präsidenten
als "die führende Figur einer kleinen Gruppe von
Männern, von denen man definitiv weiß, daß eine
riesige Zahl ihrer Mitbürger keinen von ihnen als
Präsidenten haben möchte".
Auch die Frage des Charakters, über die wir in diesem
Jahr so viel gehört haben, ist nicht neu. George
Washington - jetzt als "Vater seines Landes" verehrt wurde in den Medien seiner Zeit als der "schlimmste
Flucher und Gotteslästerer", als "Tyrann" und "Verführer einer Nation" verunglimpft.

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Meines Erachtens sind Präsident Clinton und Senator
Dole in der Presse vergleichsweise glimpflich davongekommen.
Es gereicht Präsident Washington zur Ehre, daß er
sich den Übergriffen stellte. Er erklärte: "Diese Art von
Berichterstattung ist ein Übel, das den unendlichen
Vorzügen einer freien Presse entgegengehalten
werden muß."
Ich möchte das Argument vorbringen, daß unsere
Präsidentschaftswahlkämpfe Meilensteine auf der
langen Reise der amerikanischen Geschichte sind.
Als Nation sind - und waren wir - stets in Bewegung.
Wahlen sind eine Möglichkeit, uns selbst zu zeigen, wo
wir waren und wohin wir gehen. Sie liegen im Innersten unseres Wesens.
In der amerikanischen Geschichte und Literatur ist
überall von Reisen die Rede - von Huck Finn, der den
Mississippi hinabreist, bis Captain Ahab auf seiner
Suche nach dem Weißen Wal (an den hier in Bonn das
Rheinschiff "Moby Dick" erinnert) bis zu Jack Kerouacs
Buch On the Road. Die Menschen zogen auf der
Suche nach Arbeit, Gold oder Freiheit über unseren
riesigen Kontinent.
Präsident Kennedy machte diese Reisemetapher
explizit, als er über die "New Frontier" sprach. Die
Metapher für Bewegung und Suche hat sich in den
letzten Wochen als sehr lebendig erwiesen. Präsident
Clinton erklärte, er wolle eine "Brücke in die Zukunft"
bauen, und Bob Dole führte seine heldenhafte 96stündige Odyssee über unseren gesamten Kontinent.
Dieser jugendliche amerikanische Geist der Mobilität

Seite 1

�ist selbst bei einem 73jährigen Kandidaten noch sehr
lebendig.
Ein anderer Aspekt unserer Reise ist das Bild der
Führungspersönlichkeit als Außenseiter, als Fremder,
der in eine Stadt kommt, um Ordnung zu schaffen. In
jüngster Zeit haben alle Kandidaten diese Rolle
gespielt und sind gegen Washington und die Regierung angetreten.
Der Wunsch nach Wandel ist eng mit dem tiefverwurzelten Mißtrauen gegen Ideologien verbunden. Der
Name unseres Spiels ist Pragmatismus. Spontaneität
und mangelnde Planung zählen zu unseren Charakterzügen. Der Bill Clinton, der sich mit dem Spruch, das
Zeitalter des "big government" sei vorüber, zur Wiederwahl stellte, und der Bob Dole, der umfassende
Steuersenkungen vorschlug, sind Beispiele dafür,
welch unerwartete Umwege wir Amerikaner auf
unserer Reise zu einem unbekannten Ziel machen.

Der amerikanische Präsident muß ebenso wie die
Nation, der er dient - in der Tat wie alle Nationen lernen, unsere nationalen Mythen mit den entstehenden globalen Realitäten in Einklang zu bringen. Es
muß eine neue Art von Reise geben und eine neue
Vision, die nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt
umfaßt.
Was für Amerika gilt, gilt am Vorabend des dritten
Jahrtausends auch für die ganze Welt. Wir sind nicht
dazu geboren anzukommen, sondern zu reisen.
Ich möchte Sie alle heute morgen hier sehr herzlich
begrüßen und lade Sie ein, uns auf dieser Reise zu
begleiten.
Jetzt möchte ich einen Toast auf den Mann ausbringen, der gewählt wurde, bei dieser Reise eine
wichtige Führungsrolle zu übernehmen - Präsident Bill
Clinton.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 22

�USA-RUSSLAND
13. November 1996

Amerika und Rußland in einer sich wandelnden Welt
Rede des Stellvertretenden Außenministers

NEW YORK - (AD) - In einer Rede zum 50jährigen Bestehen des Harriman Institute am 29. Oktober 1996 forderte
der Stellvertretende Außenminister Strobe Talbott Rußland auf, das Mißtrauen und die Vorbehalte gegenüber der
NATO-Erweiterung aufzugeben und betonte, die NATO wird "ein positiver Faktor bei der Förderung von
Demokratie und regionalem Frieden sein", während sie ihre Mission und Mitglieder an politische Veränderungen
anpaßt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des Stellvertretenden Außenministers unwesentlich
gekürzt.

Die größte Veränderung der Welt in den vergangenen
25 Jahren ist der Wandel, für den sich Rußland
entschieden hat. Wenn diese Umgestaltung andauert,
wird sie Amerika und Rußland im 21. Jahrhundert die
Zusammenarbeit dabei ermöglichen, diesen Wandel
zu einer besseren Welt fortzusetzen.
Das 21. Jahrhundert steht vor der Tür. Es beginnt in
genau drei Jahren, zwei Monaten, zwei Tagen und
sieben Stunden. Rußland wird sehr viel länger
brauchen, seine Wiedergeburt zu vollenden. Eine
sichere Annahme ist, daß es eine Generation oder
mehr dauern wird, teils genau aus Generationserwägungen heraus. Die Vollendung des sich jetzt in
Rußland vollziehenden Prozesses erfordert das
Abtreten von der Bühne derjenigen, die die sowjetische Art, Dinge zu tun oder nicht zu tun, zu gut gelernt
haben. Sie erfordert das Ableben derjenigen, die
verbittert über den Verlust sind, den Rußland ihres
Erachtens zwischen 1989 und 1991 erlitten hat - einer
Ideologie; eines politischen und wirtschaftlichen
Systems, das über 70 Jahre lang herrschte; eines
Viertels des Territoriums und der Hälfte der Bevölkerung des Staates, dessen Zentrum Rußland bildete,
und eines Bündnisses, in dem die Sowjetunion der
Erste unter Ungleichen war. Diese Generation muß
einer neuen Generation weichen, die von dem Verständnis dessen erfüllt ist, was Rußland in diesen
vergangenen Jahren gewonnen hat - mit einem Wort:
Freiheit. Und etwas ausführlicher: Die Chance für
Rußland, dank seines enormen Potentials an Land und

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Leuten sowohl einen Beitrag zu einer zunehmend
interdependenten globalen Wirtschaft zu leisten als
auch von ihr zu profitieren.
Während diese Umgestaltung andauert, sieht sich
Rußland mit einer Vielzahl alternativer Zukunftsaussichten konfrontiert, von denen einige so häßlich und
gefährlich sind wie die Vergangenheit des Landes.
Eine realistische Einschätzung, wie weit Rußland
gehen muß, wie lange es dauern wird und wie leicht es
scheitern kann, sollte jedoch eine andere Erkenntnis
nicht überschatten: Wie weit Rußland in außerordentlich kurzer Zeit gekommen ist - im wesentlichen in die
richtige Richtung. Um dieses grundsätzlich positive,
wenn auch vorläufige Urteil zu untermauern, möchte
ich drei Bereiche ansprechen: Politik, Wirtschaft und
die Beziehungen zu den anderen Republiken der
ehemaligen UdSSR.
Erstens Politik - das bedeutet vor allem Demokratisierung. Dieser Prozeß vollzieht sich kontinuierlich und
im ganzen Land. Die Menschen in Rußland - die
angeblich apathischen und autoritären Massen beweisen, daß sie es zu schätzen wissen, die entscheidende Stimme bei der Wahl ihrer Führung zu
haben.
Ein wesentlicher Bestandteil der Demokratisierung ist
Dezentralisierung. Die politische Macht überträgt sich
aus dem Kreml nach unten und von Moskau nach

Seite 1

�außerhalb. Natürlich bedeutet diese Dynamik, daß es
über die Weite Rußlands hinweg sehr viel Ungleichheit
und Anomalien geben wird - oder das, was die Marxisten als Widersprüche bezeichneten. Einige Teile des
Landes werden als Oasen wirtschaftlicher und politischer Liberalisierung prosperieren, während andere,
zumindest eine Zeitlang, Bastionen der Reaktion
bleiben werden. Insgesamt hat die Übertragung der
Macht jedoch die Regierung in Rußland für den
Durchschnittsbürger bereits rechenschaftspflichtiger
gemacht; sie hat größeren Pluralismus und ^inen
stärkeren Ideenwettbewerb hervorgebracht.
Diese willkommenen Anzeichen sind auch in den
Zeitungen und im Fernsehen wahrzunehmen. Eine
Meßlatte für die von Rußland gemachten Fortschritte
ist, daß den Medien vor einigen Monaten vorgehalten
wurde, dem kommunistischen Kandidaten in einem
Präsidentschaftswahlkampf mit mehreren Gegenspielern nicht genügend Sendezeit und ausgewogene
Berichterstattung eingeräumt zu haben. Die Parteinahme der Presse während des Wahlkampfs war
offenkundig, aber kaum überraschend: Viele Journalisten, Redakteure und Sender fürchteten, daß ein Sieg
der Kommunisten zu einem scharfen Vorgehen
gegenüber der freien Presse geführt hätte. Und
unmittelbar nach der Wahl übten zahlreiche Medien
erneut massive Kritik an der Regierung.
Was den Kommunismus selbst anbetrifft, so ist die
nicht wiederaufgebaute, militant rückschrittliche
Gruppe um Viktor Anpilow eine verbrauchte Kraft. Die
amorphere, anpassungsfähigere Kommunistische
Partei der Russischen Föderation erreichte wahrscheinlich mit Gennadij Sjuganows starkem Aufritt in
der ersten Wahlrunde im Juni ihren Höhepunkt.
Sjuganow und seine Genossen scheinen zu erkennen,
daß der Breschnewismus, ganz zu schweigen vom
Stalinismus, nicht länger ein lebensfähiges Modell für
den russischen Staat ist. Sie hatten Schwierigkeiten,
ihre Anziehungskraft über eine grauhaarige Basis von
Rentnern und älteren Mitbürgern hinaus zu erweitern.
All das heißt, daß es in dem Drama der russischen
Politik in den vergangenen Jahren viel zu applaudieren
gab - einschließlich der Tatsache, daß ein Großteil der
Handlung mitten auf der Bühne, im Rampenlicht, bei
offenem Vorhang stattfand.
Es wird jedoch noch mit großer Spannung erwartet,
was im nächsten Akt und dem danach geschehen
wird. Obwohl Rußland die Autokratie abgeschafft und
sich der Idee der Demokratie zusammen mit vielen
ihrer Formen verschrieben hat, konnte das Land
unmöglich über Nacht eine in früheren Jahrzehnten
und Jahrhunderten verwurzelte politische Kultur
verändern. Das wird Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen erfordern - von den Russen und von uns.
In Rußland sollten wir auf das hoffen, was russische
Demokraten und Reformer selbst gegen alle Widrig-

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keiten und gegen starken Widerstand versuchen
herbeizuführen: Ein System der gegenseitigen Kontrolle und gemeinsamen Verantwortung von Parlament
und Regierung, eine erweiterte, geschützte Rolle der
Legislative und Judikative, vollständige Respektierung
der Gesetze sowie uneingeschränkte Rechte für alle
Bürger und ethnischen Minderheiten.
Ebenso sollten wir das ablehnen, was die russischen
Demokraten und Reformer ablehnen. In den vergangenen zwei Jahren bedeutete das vor allem die
Verrohung Tschetscheniens. Wir sollten uns den
vielen Russen anschließen, die entschlossen sind
sicherzustellen, daß diese Tragödie zu einem grotesken Irrtum wird, aus dem das Zentrum die richtigen
Lektionen für den Umgang mit den Regionen lernen
muß.
Ich möchte mich nun der russischen Wirtschaft
zuwenden. Auch hier ist das Glas mindestens halb
voll. Die Rudimente von Einzelhandel, Marktmechanismen und einer finanziellen Infrastruktur sind jetzt
vorhanden. Das politische Monopol der wirtschaftlichen Ressourcen ist Vergangenheit. Der größte
Transfer von Vermögenswerten der Geschichte hat
nahezu 70 Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts dem Privatsektor zugeführt. Am wichtigsten
ist jedoch vielleicht, daß Rußland auf dem Weg zur
Bekämpfung der Hyperinflation zu sein scheint, die ein
echter Killer von Reformen und eine tödliche Bedrohung der Lebensfähigkeit des Staates ist.
In der russischen Wirtschaft findet jedoch ebenso wie
in der politischen Arena ein Kampf statt - nicht nur
zwischen Altem und Neuem, sondern zwischen
konkurrierenden Versionen des Neuen, von denen
einige lobenswert und gesund, andere widerlich und
destruktiv sind. Der Kampf um die Privatisierung wird
zwangsläufig mit besonderer Heftigkeit geführt. Die
russischen Reformer und die ausländischen Experten
sind gleichermaßen besorgt, daß es zu viele Verlierer
geben wird, wenn es zu wenige Spielregeln gibt. Es ist
ein Warnzeichen, wenn die Bürger "Markt" als ein
Schimpfwort ansehen und das Wort "Mafia" im modernen Russisch geläufiger ist als in Italienisch oder
amerikanischem Englisch.
Verbrechen und Korruption - nicht nur in den im
Übergang befindlichen Gesellschaften, sondern auch
in den entwickelten nur zu bekannt - drohen die
Reformen zu diskreditieren und sogar zu vereiteln. Sie
stellen diese Gefahr dar, weil sie das Vertrauen des
russischen Volkes in die Regierung und die Demokratie selbst unterminieren und als Vorwand für die
Wiedereinführung von wirkungslosen staatlichen
Kontrollen dienen könnten. Das beste Mittel gegen
Korruption ist in der Tat weniger staatliche Intervention
in die Wirtschaft - und eine größere Verpflichtung des
Staates zum Schutz von Eigentumsrechten und der
Durchsetzung der Gesetze.

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�Ich möchte einen weiteren wirtschaftlichen Mißstand
hervorheben, weil er unsere Fähigkeit zur Unterstützung der russischen Reformen behindert. Rußland
benötigt dringend eine unverzügliche und massive
Überholung seines Steuereinnahmesystems. Das
Versagen der russischen Regierung, Geld einzunehmen, setzt weitere Kredite des Internationalen Währungsfonds aufs Spiel. Dieses Versagen hat dringend
benötigte ausländische Investitionen abgeschreckt und
die Flucht von russischem Kapital ins Ausland stimuliert, die ein weiteres Hindernis für Wachstum ist.
Die gute Nachricht ist, daß die führenden Politiker in
der russischen Führung sich dieser Probleme akut
bewußt sind. Sie haben auch solide persönliche und
institutionelle Kanäle zu den wichtigsten Regierungen
und Institutionen im Westen geschaffen. Unsere
eigene Regierung ist besonders aufgeschlossen und
zur Unterstützung bereit. Die amerikanisch-russische
gemeinsame Kommission für wirtschaftliche und
technische Zusammenarbeit, die zweimal pro Jahr
unter dem gemeinsamen Vorsitz von Vizepräsident
Gore und Ministerpräsident Tschernomyrdin zusammenkommt, ist zu einem außerordentlich effektiven Instrument für die Arbeit an schwierigen Wirtschaftsfragen zum Nutzen beider Länder geworden.
Der dritte Bereich, den ich ansprechen möchte, sind
die Beziehungen Rußlands zu seinen Nachbarn. Dies
ist bei weitem das herausragendste Thema der
russischen Außenpolitik, sowohl für Rußland selbst als
auch für die übrige Welt. Viele in der russischen
politischen Elite fühlen den Verlust des Imperiums wie
den Phantomschmerz an einem amputierten Glied. 25
Millionen gebürtige Russen leben heute außerhalb der
Grenzen Rußlands, in jetzt separaten Ländern. Zu
Recht wollen sie gleichberechtigte Bürger toleranter,
integrierender Demokratien sein. Alle Beschwerden,
die sie zu Recht oder Unrecht vorbringen, spielen in
die Hände der Ultranationalisten in Rußland.
Bisher gereicht es Rußland jedoch zur Ehre, daß es
irredentistische Impulse im Großen und Ganzen unter
Kontrolle gehalten hat. Nicht allzu lange nach dem
Zusammenbruch der UdSSR traf Boris Jelzin eine
historische Entscheidung: Er bestätigte die alten
Grenzen zwischen den Republiken als die neuen
internationalen. Bei mehreren wichtigen Gelegenheiten hat er die kriegerischen Ambitionen seiner neugierigeren Gegner zurückgewiesen. Erst in der vergangenen Woche lehnte er eine aufwiegelnde Duma-Resolution zu den heiklen Themen Krim und Schwarzmeerflotte ab.
Mit anderen Worten: Wir sollten auf Warnzeichen
achten, aber wir sollten auch auf die Hunde hören, die
heute in der ehemaligen UdSSR nicht bellen. Stellen
Sie sich vor, wie anders und wieviel katastrophaler es
gewesen wäre, wenn das postsowjetische Rußland
sich so verhalten hätte wie das postjugoslawische

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Serbien und Kroatien mit dem Einsatz von Gewalt, um
Grenzen nach ethnischer Zugehörigkeit zu verändern.
Stellen Sie sich die jüngsten Greueltaten auf dem
Balkan in Eurasien vor, über elf Zeitzonen hinweg mit
30.000 Nuklearwaffen in einer volatilen und gewalttätigen Mischung.
Zweifelsohne gibt es noch viele Fragen - und unter den
Nachbarn Rußlands viele Ängste - darüber, wie
Moskau seine Beziehungen zu den anderen Mitgliedern der NUS gestalten wird. Ob diese Gruppierung von Staaten überlebt und prosperiert, wird in
hohem Maße davon abhängen, ob diese sich in einer
Weise entwickeln, die den Namen rechtfertigt - das
heißt, ob sie sich zu einem echten Staatenbund
wirklich unabhängiger Länder entwickeln. Wenn nicht
- wenn ihr größtes Mitglied versucht, den "Staatenbund" zu einem Euphemismus für den Übergriff auf
die Unabhängigkeit der anderen zu machen - dann
verdienen es die NUS, gemeinsam mit der ehemaligen
UdSSR auf dem Scherbenhaufen der Geschichte zu
landen.
Präsident Clinton formulierte es von zweieinhalb
Jahren kurz und bündig. Während seines ersten
Moskaubesuchs als Präsident stellte er bei einem im
Fernsehen übertragenen Treffen mit den Bürgern einer
Stadt dem russischen Volk - und der russischen
Führung - eine grundlegende Frage: "Wie definieren
Sie Ihre Rolle als Großmacht? Definieren Sie sie vom
Standpunkt der Vergangenheit aus oder von dem der
Zukunft?" Er erklärte, Rußland habe "die Chance zu
zeigen, daß eine Großmacht Patriotismus ohne
Expansionismus fördern kann, daß eine Großmacht
nationalen Stolz ohne nationale Vorurteile haben kann.
Meines Erachtens wird Ihre künftige Größe daran
gemessen, ob der große Nachbar Rußland auch ein
guter Nachbar sein kann", so Präsident Clinton.
Ich möchte hier zusammenfassend von den Fortschritten berichten, die Rußland in den fünf Jahren
gemacht hat, seit über dem Kreml Hammer und Sichel
durch die weiß-blau-rote Fahne ersetzt wurden: In
dieser Zeit traf Rußland eine Reihe grundlegender,
schwieriger, mutiger und - sowohl von seinem als
auch unserem Standpunkt aus gesehen - richtiger
Entscheidungen. Aber auf jedem der drei von mir
erwähnten Gebiete - Politik, Wirtschaft und Außenpolitik- ist die Neudefinition der russischen Souveränitätein andauernder Prozeß; die Russen müssen noch
weitere schwierige Entscheidungen treffen.
Jetzt möchte ich auf die Politik der Vereinigten Staaten
gegenüber Rußland zu sprechen kommen. Präsident
Clinton ist der Ansicht, daß auch wir bedeutende
Entscheidungen treffen müssen - die einen wichtigen
Einfluß darauf haben werden, wie Rußland mit seinen
Problemen und Schwierigkeiten, seinen Chancen und
Versuchungen umgeht.

Seite 3

�Eine uns konfrontierende Entscheidung ist die Frage,
ob wir weiterhin in die russischen Reformen - und
somit in unsere eigene langfristige Sicherheit - investieren sollten. Hier haben wir ein großes Problem
mit dem Kongreß, der nicht genügend Mittel für unsere
Außenpolitik im allgemeinen und unsere Hilfsprogramme für die neuen unabhängigen Staaten im besonderen bewilligt. Unsere Unterstützung für die neuentstehenden Demokratien Eurasiens ist seit 1994 um 75
Prozent gesunken, unsere Unterstützung für den
russischen Reformprozeß um 94 Prozent. Wenn der
105. Kongreß im Januar zusammentritt, muß er sich,
wie Außenminister Christopher in seiner Rede in West
Point am vergangenen Freitag erklärte, mit den
Auswirkungen der Ausgabenkürzungen des 104.
Kongresses auseinandersetzen.
Eine andere uns dauerhaft konfrontierende Aufgabe die andere Frage, bei der wir jedes Mal wieder eine
richtige Entscheidung treffen müssen - besteht darin,
unsere Führungsrolle in den verschiedenen regionalen
und internationalen Organisationen zur Sicherstellung
zu nutzen, daß sie ihre Türen für Rußland und die
anderen neuen unabhängigen Staaten offenhalten,
solange diese sich in Richtung von Reformen und
verantwortungsbewußtem internationalen Verhalten
bewegen.
In den letzten Jahren ist Rußland verschiedenen, ganz
unterschiedlichen Organisationen beigetreten - dem
Europarat, dem Raketentechnologiekontrollregime
(MTCR) und der Partnerschaft für den Frieden. Vor
kurzem wurde das Land Gründungsmitglied der
Nachfolgeorganisation des COCOM, die internationalen Handel mit Waffen und sicherheitsempfindlichen Technologien regeln will. Die Gruppe der sieben
führenden Industrieländer, G-7, nahm Rußland in ein
neues politisches Gremium auf, das einfach als "die
Acht" bezeichnet wird. Und wir arbeiten mit Rußland
zusammen, damit sich das Land für die Aufnahme in
die Welthandelsorganisation (WTO) qualifiziert.
Wir müssen die Aufnahme Rußlands in möglichst viele
dieser Organisationen, seine Beteiligung oder zumindest die Assoziierung mit ihnen weiterhin ermutigen
und fördern, denn gemeinsam stellen sie die größere
Gemeinschaft der Demokratien dar, in der wir Rußland
gerne als vollwertiges Mitglied sähen.
In diesem Zusammenhang möchte ich kurz auf eine
internationale Organisation zu sprechen kommen, mit
der sich heute jeder befaßt: Die NATO. Die NATO
war, ist und bleibt ein gegenseitiges Verteidigungsbündnis. Aber sie ist weitaus mehr - und war das auch
immer. Während des Kalten Kriegs förderte die NATO
neben ihrer Hauptaufgabe - Abschreckung der Sowjetunion und des Warschauer Pakts - die Konsolidierung
der unter ziviler Kontrolle stehenden Demokratie in
Spanien und half bei der Wahrung des Friedens
zwischen Griechenland und der Türkei. Während das

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Bündnis seine Aufgaben an neue Gegebenheiten
anpaßt und seine Mitgliedschaft erweitert, um neue
Herausforderungen zu bewältigen und neue Chancen
zu ergreifen, wird es zu einem positiven Faktor bei der
Förderung von Demokratie und regionalem Frieden.
Allein die Aussicht auf eine Aufnahme im Bündnis hat
eine Reihe zentraleuropäischer Staaten bereits zur
Beschleunigung ihrer internen Reformen und Verbesserung der Beziehungen zu ihren Nachbarn
veranlaßt. Rußland, das aufgrund von Instabilität in
Zentraleuropa bereits zweimal in diesem Jahrhundert
zu Schaden kam, hat ein sicherheitspolitisches
Interesse an diesen positiven Trends.
Die Russen sehen die NATO-Erweiterung offensichtlich noch längst nicht in diesem günstigen Licht.
Unsere Fähigkeit zum Umgang mit den Meinungsverschiedenheiten bei dieser Frage und letztlich ihrer
Beilegung wird die amerikanisch-russischen Beziehungen auf eine wichtige Probe stellen. Vergangene
Woche setzte Präsident Clinton den 50. Jahrestag des
Bestehens der NATO 1999 als Frist für die Aufnahme
der ersten neuen Mitglieder des Bündnisses. Dieser
Zeitplan ist fest in unserem Gedächtnis verankert. Er
gibt uns jedoch Zeit, parallel zum Erweiterungsprozeß
die Bedingungen für kooperative und sich gegenseitig
verstärkende Beziehungen zwischen der NATO und
der Russischen Föderation auszuarbeiten. Außenminister Christopher hat sich sehr intensiv mit dieser
Frage befaßt und unter anderem vor sechs Wochen
hier in New York Gespräche mit Außenminister
Primakow geführt. Und es gibt kein Thema, für das ich
mich selbst mehr eingesetzt habe.
Wir sind überzeugt, daß ein Modus vivendi zwischen
der NATO und Rußland nicht nur wünschenswert,
sondern auch möglich ist. Das setzt jedoch auf beiden
Seiten den politischen Willen und die Überwindung der
noch aus dem Kalten Krieg stammenden Klischees
voraus. Bei uns sehen einige selbsternannte "Realisten" das heutige Rußland genauso wie die Sowjetunion von vor 15 Jahren, lediglich verschlankt und mit
einer pseudodemokratischen Verkleidung.
Sie
bezeichnen die russische Demokratie verächtlich als
Motor für Expansion, der von tiefverwurzelten neoim-

perialistischen Überzeugungen angetrieben wird.
Die Ansicht, räuberisches Verhalten sei auf irgendeine
Weise in den russischen Genen verankert, ist eine
grobe Verfälschung der russischen und sowjetischen
Geschichte. Sie verdient eine schlechte Benotung
durch jedes Mitglied dieser Fakultät. Tatsache ist, daß
einer Ihrer ehemaligen Kollegen, Steve Sestanowitsch
von der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden in
der neuesten Ausgabe von The National Interest dem
Konzept des genetischen Expansionismus wirksam
seinen Nimbus nimmt, wobei er sich - davon bin ich
überzeugt - auf das hier vor 24 Jahren Gelernte stützt.
Es war jedoch lan Buruma, der in seinem Buch The
Wages of Guilt diese Ansicht definitiv widerlegte. Er

AMERIKA DIENST 22

�schrieb über zwei andere große Nationen - Deutschland und Japan - deren Menschen vor nicht allzu
langer Zeit als inhärent militaristisch gefürchtet und
sogar gehaßt wurden. Buruma schrieb: "Es gibt keine
gefährlichen Völker, sondern nur gefährliche Situationen, die nicht von Natur- oder historischen Gesetzen
oder nationalem Charakter, sondern von politischen
Vereinbarungen herrühren."
Wenn man Burumas Beobachtungen auf das vorliegende Thema anwenden will, würde ich vorschlagen,
daß die amerikanische Politik gegenüber Rußland die
richtigen politischen Vereinbarungen hervorbringen
muß. Dieses Prinzip steht hinter der amerikanischen
Außenpolitik als Ganzem und bedeutet, wir sollten
Beziehungen knüpfen und Anreize schaffen, die
Rußland ermutigen, sich zu einem demokratischen,
sicheren, stabilen und prosperierenden Staat zu
entwickeln, der mit seinen Nachbarn in Frieden lebt
und in eine Gemeinschaft gleichgesinnter Staaten
integriert ist.
Hierzu muß Amerika jedoch eine Herausforderung
bewältigen, die offen gesagt in der Überwindung
russischen Mißtrauens, russischer Verschwörungstheorien und überkommenen russischen Gedankenguts besteht. Genauer gesagt meine ich, daß die
Russen selbst sich dieser Herausforderung stellen
müssen; sie müssen ihre aus der Zeit des Kalten
Krieges verbliebenen Klischeevorstellungen von
Amerika überwinden. Viele von ihnen haben deutlich
gemacht, daß ihres Erachtens Amerikas wirkliche
Strategie - tatsächlich die wirkliche Strategie dieser
Administration - in der Schwächung und sogar Spaltung Rußlands besteht. Es ist für sie keine Beruhigung, wenn wir sagen, daß wir Rußland in seiner
vollen "Größe" sehen wollen. In ihren Ohren klingt
dieses Wort sentimental, unaufrichtig und sogar falsch
- als würden wir über das kulturelle Genie von Tolstoi
und Tschaikowski, und nicht die größere Brillanz von
Kutuzow und Zukow sprechen.
Diese Voreingenommenheit Moskaus bezüglich
unserer Absichten ist das Spiegelbild der - in einigen
Kreisen der Vereinigten Staaten derzeit modernen Vorurteile, Rußland sei eine verkrüppelte Sowjetunion,
der es in den Fingern jucke, wieder zu ihrer damaligen
Größe und ihrem früheren verhaßten Verhalten
zurückzufinden. Wir haben während des Kalten
Krieges viel Erfahrung mit solchem spiegelbildlichen
Verhalten gesammelt und sollten uns jetzt vor einer
Wiederholung hüten. Insbesondere wäre es wenig
hilfreich, wenn die schlimmsten Annahmen auf Seiten
der außenpolitischen Elite Rußlands zur treibenden
Kraft der Politik der russischen Regierung würden.
Lassen Sie mich etwas genauer über meine Besorgnis
sprechen. Wenn die Russen allzu sehr ihrem fehlgeleiteten Mißtrauen, wir wollten sie kleinhalten, frönen,
dann werden Worte wie Partnerschaft und Kooperation

AMERIKA DIENST 22

im Russischen zu Synonymen für Beschwichtigung,
Unterwürfigkeit und Erniedrigung durch den Westen.
Das könnte dazu führen, daß wir bei genau den
Fragen weniger zusammenarbeiten und mehr konkurrieren, wo verstärkte Zusammenarbeit und weniger
Konkurrenz in unserem gemeinsamen Interesse
liegen: Rüstungskontrolle, Umweltschutz, Terrorismus,
regionale Konflikte und die Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen.
Diese unwillkommene Aussicht ist Anlaß zu einer
weiteren, damit zusammenhängenden Besorgnis.
Russische Politiker - insbesondere diejenigen, die das
Verhältnis zwischen ihrem Land und den Vereinigten
Staaten für im wesentlichen feindselig halten - könnten
den Fehler begehen, alles als in ihrem nationalen
Interesse liegend zu definieren, was uns verärgert
oder uns Probleme bereitet. Wenn dieser Reflex, in
einem Nullsummenspiel gegen uns Punkte zu machen,
praktisch zu einem festen Bestandteil der russischen
Politik wird, ruft er bei uns lediglich Mißtrauen hervor.
Mißtrauen hinsichtlich der Motive des anderen könnte
dann schließlich gerechtfertigt sein, und pessimistische
Prognosen über die Zukunft unserer Beziehungen
könnten sich bestätigen.
Um es noch einmal zu wiederholen: Wir haben
während des Kalten Krieges genug von dieser Art
Teufelskreis gesehen, um jetzt keine Entschuldigung
für seine erneute Entstehung zu haben. Das wäre von
Nachteil für alle, aber zweifelsohne insbesondere für
die Russen selbst. Sie würden riskieren, zumindest
einige der Fehler zu wiederholen, die neun Zehntel des
20. Jahrhunderts für sie zu einer solchen Katastrophe
werden ließen. Zu diesen Fehlern zählen die Definition
ihrer Sicherheit auf Kosten aller anderen sowie eine
falsche Definition von Sicherheit als kostspielige und
verschwenderische Fähigkeit zum Zerstören und
Einschüchtern. Seine menschlichen und natürlichen
Ressourcen - nicht einfach nur seine militärische
Macht - werden Rußland im kommenden Jahrhundert
zu echter Sicherheit und Einfluß verhelfen.
Das russische Volk und die russische Führung
müssen davon überzeugt sein. Ferner müssen sie
wissen, daß auch wir davon überzeugt sind und
unsere heutige Politik ihnen gegenüber von unserem
Glauben an zukünftige Unterstützung geleitet wird.
Ebenso wie bei den uns konfrontierenden spezifischeren Fragen müssen wir mit den Russen viel
Arbeit leisten.
Aber ebenso wie bei den anderen schwierigen Fragen
haben wir etwas Zeit. Wir werden von den richtigen
Ideen geleitet und haben - die Anwesenden ausdrücklich eingeschlossen - die richtigen Menschen, die die
Entwicklung dieser Ideen gewährleisten und sie
umsetzen. Trotz der vor uns liegenden Schwierigkeiten gibt es folglich allen Grund zur Zuversicht, daß
wir den Herausforderungen im Zeitalter nach dem

Seite 5

�Kalten Krieg ebenso gewachsen sind wie denen des
Kalten Krieges - nicht zuletzt, weil das Harriman Insti-

tute - und seine Ehemaligen - uns dabei in den kommenden 50 Jahren helfen werden.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 22

�WIRTSCHAFT
13. November 1996

Zukunftsperspektiven der amerikanischen
Volkswirtschaft
Pressekonferenz mit führenden Wirtschaftsberatern

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom Pressesprecher des Weißen Hauses, Mike
McCurry, dem Vorsitzenden des Rats der Wirtschaftsberater, Dr. Joseph Stiglitz, und der nationalen
Wirtschaftsberaterin des Präsidenten, Dr. Laura Tyson, am 30. Oktober 1996 im Weißen Haus gegebene
Pressekonferenz in Auszügen.

McCurry: Guten Morgen, meine Damen und Herren.
Heute geben wir Ihnen neue Informationen zur Wirtschaft. Wie immer freuen wir uns, unsere herausragenden Wirtschaftsexperten bei uns zu haben - Dr.
Joseph Stiglitz, den Vorsitzenden des Rats der
Wirtschaftsberater und die nationale Wirtschaftsberaterin des Präsidenten, Dr. Laura Tyson. Sie
werden heute unter anderem über Wirtschaftswachstum und die Zukunft der amerikanischen Volkswirtschaft sprechen.
Herr Dr. Stiglitz, Frau Dr. Tyson, herzlich willkommen.
Dr. Stiglitz: Vielen Dank. Die Wirtschaftszahlen dieser
Woche zeigen weiterhin eine bemerkenswert starke
Wirtschaft mit einer niedrigen Inflationsrate an. Der
heutige Bericht über das Bruttoinlandsprodukt unterstreicht die von großen Investitionen und der Aktivität
des Privatsektors angeführte Fortsetzung der gesunden wirtschaftlichen Expansion.
Die Zahlen des Bruttoinlandsprodukts schwanken von
Quartal zu Quartal, und die heutigen Zahlen ergeben
meines Erachtens am meisten Sinn, wenn sie in einer
längerfristigen Perspektive betrachtet werden. Sie
zeigen, daß das Bruttoinlandsprodukt 1996 real um
nahezu drei Prozent gestiegen ist.
Die jährliche Inflationsrate tendiert schwächer bei 2,1
Prozent. Seit Anfang 1996 ist die Aktivität des Privatsektors um robuste 3,5 Prozent jährlich angestiegen. Seit Anfang 1993 nahm die Aktivität des Privatsektors jährlich um 3,2 Prozent zu. Die Aus-

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rüstungsinvestitionen haben sich seit Anfang 1993 um
44 Prozent erhöht - das ist ein fünfmal schnellerer
Anstieg als während der vergangenen vier Jahre.
Jetzt möchte ich näher auf die Einzelheiten im Bericht
für dieses Quartal eingehen. Im dritten Quartal stieg
das Bruttoinlandsprodukt jährlich real um 2,2 Prozent,
der Privatsektor wuchs jährlich um 3 Prozent, und die
Ausrüstungsinvestitionen erhöhten sich um erstaunliche 19 Prozent jährlich.
Die Einkommen wuchsen schnell. Das reale verfügbare Einkommen - das inflationsbereinigte reale
Einkommen nach Abzug der Steuern - stieg im dritten
Quartal erneut um beeindruckende 4,9 Prozent
gemessen am Jahressatz.
Währenddessen ist die Inflationsrate weiterhin sehr
niedrig. Der Preisindex des Bruttoinlandsprodukts, der
ein umfassenderer Maßstab für die Inflation des
Verbraucherpreisindexes ist, stieg im dritten Quartal
nur um einen Jahressatz von 1,9 Prozent. Ein so
großes Wachstum des Privatsektors und der Investitionen ist ein gutes Vorzeichen für weitere Einkommenszunahmen und niedrige Inflationsraten. Die
Wirtschaftspolitik der Administration, der Abbau des
Haushaltsdefizits, Investitionen im Bildungswesen und
Bestrebungen zur Erschließung von Märkten im Inund Ausland haben für die Zukunft eine solide Grundlage für stärkeres Wirtschaftswachstum und einen
höheren Lebensstandard geschaffen.

Seite 1

�Dr. Tyson: Ich freue mich, wieder hier zu sein und
über einige gute Nachrichten für die amerikanische
Volkswirtschaft sprechen zu können. Wir haben einen
Bericht über das Bruttoinlandsprodukt, der jedoch nur
einen von mehreren diese Woche herausgegebenen
Berichten darstellt, und meines Erachtens ist es
wichtig, alles in einen Zusammenhang zu bringen. Es
gab diese Woche einen Bericht über das Haushaltsdefizit, den wir bereits erörtert haben. Meiner Ansicht
nach ist es wichtig zu erinnern, daß Präsident Clinton
vor vier Jahren eine Verringerung des Haushaltsdefizits um 50 Prozent zugesagt hat. Es wurde um 63
Prozent abgebaut. Das waren 290 Milliarden Dollar
1992 und sind heute 107 Milliarden Dollar. Das ist
eine echte Leistung dieser Administration.
Die Republikaner haben ebenfalls ihren Teil zum
Haushaltsausgleich beigetragen, aber Präsident
Clintons Wirtschaftsplan für 1993 gebührt tatsächlich
der Hauptteil des Verdienstes für den Abbau des
Haushaltsdefizits, was wiederum die Grundlage für
einen gesunden und prosperierenden Privatsektor
darstellt.
Wenn Sie sich anschauen, wie sehr die Ausgaben
noch unterhalb des vom Präsidenten beantragten
Haushalts gekürzt wurden, gebühren den Republikanern unseren Schätzungen zufolge nur zwei bis drei
Prozent des Verdienstes für den Abbau des Defizits im
vergangenen Jahr. Das Wirtschaftsprogramm 1993
und seine positiven wirtschaftlichen Auswirkungen
haben zu etwa drei Vierteln zum Abbau des Haushaltsdefizits beigetragen. Wenn wir Ihnen also Monat um
Monat gute Wirtschaftszahlen präsentieren, spiegeln
wir damit in gewisser Weise wider, daß die Wirtschaft
wie erhofft auf das Wirtschaftspaket des Präsidenten
von 1993 reagiert hat. Eine weitere gute Nachricht
diese Woche - die unbedingt hervorgehoben werden
sollte - ist das Vertrauen der Verbraucher. Vor vier
Jahren war das Vertrauen der Verbraucher im Sinken
begriffen, heute ist es auf dem höchsten Stand seit
sechs Jahren.
Im Oktober 1992 lag der Index für das Vertrauen der
Verbraucher bei 56, während er heute mit 102 fast das
Doppelte beträgt. Das ist zufällig genau dasselbe Maß
an Verbrauchervertrauen wie zu der Zeit, als Präsident
Ronald Reagan erklärte, in Amerika sei ein neuer
Anfang gemacht worden. Es gibt also tatsächlich
zuversichtliche Verbraucher in unserem Land, und
wenn Sie sich das Wachstum des privaten, verfügbaren, realen Einkommens um 4,9 Prozent anschauen
und die Arbeitslosenquote, die seit 25 Monaten unter
sechs Prozent liegt - die niedrigste seit 7,5 Jahren -,
sind das meiner Meinung nach die Faktoren, auf die
die Verbraucher reagieren: Sie reagieren auf Einkommenszuwachs, Nettozuwachs des Realeinkommens und auf eine dauerhaft niedrige Arbeitslosenquote.

Seite 2

Abschließend möchte ich noch betonen, daß wir uns
für diese Art von Veranstaltung normalerweise unsere
eigenen Gesprächsnotizen machen und über die
Wirtschaft sprechen, wie wir sie sehen. Wir haben
jedoch den Vorteil, daß zahlreiche überparteiliche,
unparteiische, objektive Wirtschaftsexperten zu dem
Schluß gekommen sind, daß die Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten sehr positiv ist. Ich
möchte meine Ausführungen mit einem Zitat von Alan
Sinai, einem der führenden Ökonomen Amerikas,
abschließen. Er erklärte, die amerikanische Wirtschaft
sei in ausgezeichneter Verfassung, und "dieser
Konjunkturzyklus wird im Vergleich zu anderen
Wirtschaftsaufschwüngen in der Zeit nach dem
Zweiten Weltkrieg als bester in die Geschichte eingehen".
Wir haben eine solide Wirtschaftsexpansion. Ihr
Fundament ist fiskalische Solidität und Vertrauen des
Privatsektors, sowohl in der Wirtschaft als auch bei
den Verbrauchern. Wir haben eine von niedrigen
Inflationsraten begleitete Expansion - genau die Art
von Expansion, die auch im 21. Jahrhundert noch
fortbestehen kann.
Frage: Frau Dr. Tyson, wenn das Vertrauen der
Verbraucher so groß ist, was erklärt dann die Tatsache, daß die Gesamtausgaben der Verbraucher nur
um 0,4 Prozent zunahmen, was den geringsten
Anstieg seit nahezu fünf Jahren darstellt.
Dr. Tyson: Wir gehen davon aus, daß auf Grundlage
der Zahlen über Einkommenszuwächse, der Zahlen für
das Wachstum verfügbarer Einkommen und der
Zahlen über das Verbrauchervertrauen die Verbraucherausgaben hoch bleiben. Ich weiß nicht, wie
es bei Ihnen ist, aber ich gebe von Monat zu Monat
unterschiedlich viel Geld aus, was nichts über das von
mir in die Wirtschaft gesetzte Vertrauen aussagt.
Wir nehmen also an, daß die Ausgaben der Verbraucher sich, wie es traditionell der Fall war, im
Verhältnis zum Wachstum des verfügbaren Realeinkommens und der Beschäftigungsmöglichkeiten
entwickeln.
Dr. Stiglitz: Ja. Und es gibt einen anderen Faktor, der
meines Erachtens das Wachstum der Gesamtausgaben der Verbraucher beeinflußt: Die Tatsache, daß
das Verhältnis von Netto- zu Bruttoeinkommen besser
ist als seit den sechziger Jahren, so daß es den
Haushalten bilanzmäßig wirklich sehr gut geht.
Frage: Warum sprechen die Kolumnisten der The
Washington Post wie Glassman und andere von
einer "anämischen Wirtschaft"?
Dr. Tyson: Das müssen Sie sie selbst fragen. Meiner
Meinung nach bekommen Sie ein besseres Gefühl für
die Wirtschaftslage, wenn Sie den Experten von

AMERIKA DIENST 22

�außerhalb zuhören. Betrachten Sie sich beispielsweise einen Artikel, der vor einigen Monaten im
Baron's Magazine erschien und im wesentlichen
verschiedene Arten von Konjunkturaufschwüngen
unter Einbeziehung einer Vielzahl von Indikatoren Wirtschaftswachstum, Arbeitslosenquote, Inflationsrate
und Zinssätze - vergleicht. Wenn Sie diese Vielfalt von
Indikatoren betrachten, erkennen Sie ganz klar, daß es
der Volkswirtschaft unter Präsident Clinton besser geht
als unter jeder anderen Administration der Demokraten
seit 30 Jahren.
Frage: Welche Zahlen führt Dole an?
Dr. Stiglitz: Man kann die Statistiken immer neu
interpretieren, und abhängig vom eigenen Blickwinkel
versucht man Dinge hervorzuheben, die den einen
oder anderen Standpunkt untermauern. Eine Tendenz
besteht darin, von der 1983er Talsohle auszugehen.
Von dort aus gesehen wuchs die Wirtschaft sehr
schnell. Man darf jedoch auch nicht vergessen, daß
dies die schlimmste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise war.
Die Arbeitslosenquote lag zum damaligen Zeitpunkt
über der 10 Prozentmarke. Wenn man aus dieser
Talsohle herauskommt, verzeichnet man - scheinbar ein schnelles Wirtschaftswachstum. Aber kein Ökonom würde auf der Grundlage dieser Talsohle Konjunkturvergleiche anstellen. Wenn man das umfassendere Bild ansieht, wie das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im Privatsektor, betrug es in den acht
Jahren unter der Reagan-Administration drei Prozent,
im bereits vergangenen Teil dieses Jahres 3,5 Prozent
und während der gesamten Clinton-Administration 3,2
Prozent. Im Vergleich zur Bush-Administration lag es
bei 1,3 Prozent.
Wenn Sie sich den historischen Verlauf betrachten mit meinen Studenten gehe ich immer anhand einer
Kurve vor - ist unsere Wirtschaft tatsächlich sehr stark.
Und sie ist besonders stark, wenn zwei andere
Faktoren einbezogen werden - wie die anderen großen
Volkswirtschaften wachsen: Es geht uns weitaus
besser als ihnen allen, teilweise weil wir so viel
unternommen haben, um unser Haushaltsdefizit unter
Kontrolle zu bringen. Und zweitens ist es typischerweise und historisch gesehen der Fall, daß bei Sparmaßnahmen der Regierung eine Finanzbremse
gezogen wird, weil wir weniger ausgeben. Und weil
wir es auf eine Art und Weise getan haben, die
Vertrauen in die Wirtschaft erweckte - und eine
Senkung der Zinssätze bewirkte - führte sie tatsächlich
zu einem enormen Wachstum des Privatsektors.
Frage: Eine Zahl im Bericht dieser Woche, die Sie
nicht erwähnten und die nicht besonders positiv ist,
bezieht sich auf die Gesundheitsfürsorge für ältere
Menschen - Medicare. Ich frage mich, wie die Ad-

AMERIKA DIENST 22

ministration im nächsten Jahr das System der Anspruchsberechtigung reformieren will.
Dr. Tyson: Meines Wissens war der jüngste Bericht
über die Situation des Medicare-Treuhandfonds
besser, nicht schlechter als erwartet. Das ist der erste
Punkt. Aber der zweite Punkt ist, daß wir meines
Erachtens hier ein sehr eindeutiges Signal gesetzt
haben. Wir haben gesagt, in dem Haushaltsausgleich
des vergangenen Jahres ist ein Vorschlag enthalten,
mit dem die Lebensdauer des Treuhandfonds um
ungefähr ein Jahrzehnt verlängert würde, und das ist
genau der Zeitraum, um den der Treuhandfonds nach
dem Plan der Republikaner verlängert worden wäre.
Wir sind uns bewußt, daß wir es längerfristig mit einer
sich verändernden demographischen Situation zu tun
haben, und wir sehen hierbei der Zusammenarbeit mit
dem Kongreß auf überparteilicher Ebene erwartungsvoll entgegen.
Man sollte jedoch erwähnen, daß der Präsident bei
diesem Thema eine Führungsrolle übernommen und
tatsächlich als Teil des von den Republikanern
abgelehnten Wirtschaftspakets für 1993 den Treuhandfonds aufgestockt hat. Senator Dole schlug vor,
diese spezielle Erhöhung des Fonds rückgängig zu
machen. Der Präsident hat beim Thema Medicare von
Anfang an verantwortungsvoll gehandelt.
Wir möchten die Zuwachsrate von Medicare verlangsamen und zwar so, daß die Qualität des Programms
erhalten bleibt, und wir können das tun. Als erstes
sollten wir die Zustimmung beider Parteien zu einem
ausgeglichenen Haushalt erhalten, damit das Problem
des Treuhandfonds kurz- bis mittelfristig im nächsten
Jahrzehnt gelöst wird.
Frage: Dr. Tyson, die Unternehmensinventare haben
im dritten Quartal ungefähr fünfmal schneller zugenommen als im zweiten Quartal. Alarmiert Sie diese
steigende Zahl nicht verkaufter Inventare?
Dr. Stiglitz: Nein. Tatsache ist, daß das Gefälle
zwischen den Inventaren und den Verkäufen im
zweiten Quartal sehr gering war und jetzt die Inventare
etwas aufgestockt wurden.
Verglichen mit den
Verkäufen befinden sich die Inventare jedoch auf
einem sehr gemäßigten Niveau.
Frage: Der Zuwachs im zweiten Quartal betrug 4,7
Prozent und verlangsamte sich dann auf 2,2 Prozent was ist die Ursache dieser Verlangsamung und gibt es
einen Grund für die Annahme, daß er sich im nächsten
Quartal noch weiter verlangsamen wird?
Dr. Stiglitz: Wie ich bereits sagte, gibt es eine Reihe
von Faktoren, die beim vierteljährlichen Bruttoinlandsprodukt zum Tragen kommen. Von Quartal zu Quartal
sind sehr große Fluktuationen zu verzeichnen. Ein
Faktor - über den wir vor einigen Minuten gesprochen

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�haben - ist, daß die Verbraucherausgaben relativ
niedrig waren. Und es gibt gute Gründe für die
Annahme, daß die Verbraucherausgaben wieder
zunehmen aufgrund der Tatsache, daß das Vertrauen
der Verbraucher groß ist und das reale verfügbare
Einkommen - das Geld, das die Leute ausgeben
können - um 4,9 Prozent gestiegen ist. Und das
Verhältnis zwischen Netto- und Bruttoeinkommen ist
das beste seit den sechziger Jahren.
Ein weiterer Faktor ist, daß die Exporte nicht so hoch
waren wie man es gerne gehabt hätte. Das ist vor
allem darauf zurückzuführen, daß unsere Volkswirtschaft schneller als die vieler unserer Handelspartner
gewachsen ist. Und immer wenn unsere Volkswirtschaft schneller wächst, importieren wir mehr - sind
unsere Importe höher als unsere Exporte. Die Exporte
können in den vergangenen drei Jahren insgesamt
eine beachtliche Bilanz aufweisen. Sie sind um mehr
als 30 Prozent gestiegen, und das ist besonders
beeindruckend angesichts der Tatsache, daß unsere
Volkswirtschaft schneller gewachsen ist als andere.
Es sieht jedoch so aus, als ob sich das Wachstum in
einigen europäischen Ländern erholt, und das wird
auch diesen Teil des Bruttoinlandsprodukts stärken.
Dr. Tyson: Darf ich noch etwas hinzufügen. Ich
möchte betonen, daß es sich hier um einen Quartalsbericht handelt. Wir müssen uns vor Augen halten,
daß wir im Grunde Prognosen für das Jahr machen.
Das Wirtschaftswachstum belief sich in diesem Jahr
auf durchschnittlich 2,9 Prozent, sogar etwas mehr.
Das liegt beträchtlich über unseren Vorhersagen für
das Jahr, die 2,2 Prozent betrugen, und sehr viel höher
als die Prognosen des Haushaltsbüros des Kongresses von 2,0 Prozent.
Der Kongreß machte eine Vorhersage von 2,0 Prozent
in der Annahme, sein Vorschlag für einen Haushaltsausgleich würde angenommen. Diese Volkswirtschaft
ist stark, stärker als die Prognosen, und ich möchte
betonen, daß die Administration auf eine Rekordbilanz
verweisen kann, in der die Volkswirtschaft jedes Jahr
besser als die Vorhersagen abgeschnitten hat. Und
während wir in die nächste Runde der Haushaltsgespräche gehen, muß man die Notwendigkeit
konservativer Schätzungen hervorheben, aber auch
die Erkenntnis, daß eine Prognose nichts über ein Ziel
oder darüber aussagt, wie sich die Wirtschaft langfristig verhält. In diesem Jahr verzeichnet die Wirtschaft einen Zuwachs von durchschnittlich 2,9 Prozent.
Dr. Stiglitz: Kann ich einen weiteren Aspekt hinzufügen? Es gibt einige wichtige Probleme bei den
Angaben zur Wirtschaft. In den vergangenen sieben
Quartalen wurde die Wirtschaft auf zweierlei Weise
gemessen - einmal von der Einkommensseite, zum
anderen am Output. Jedem Lehrbuch zufolge sollen
sie gleich sein, tatsächlich gibt es jedoch große
Diskrepanzen zwischen beiden.

Seite 4

Die Tatsache, daß das reale verfügbare Einkommen in
diesem Quartal so hoch ist - 4,9 Prozent - legt die
Vermutung nahe, daß diese Diskrepanz anhält, wobei
der Einkommenszuwachs ein sehr viel stärkerer
Indikator der Wirtschaft ist als die Seite des Bruttoinlandsprodukts. Und wie ich bereits erwähnte, hatte
diese Diskrepanz eine Größenordnung von einem
halben bis einem Prozentpunkt.
Frage: Welche Garantien gibt es, daß die Administration bei dem Plan zum Abbau des Defizits bleibt? Es
scheint, daß der Präsident mehr über Steuersenkungen und Ausgabenvorschläge als über den Ausgleich
des Haushalts spricht.
Dr. Tyson: Der Präsident hat jedesmal, wenn er einen
Vorschlag für eine gezielte Steuersenkung oder ein
bestimmtes Programm erörterte, wie etwa das Projekt
zum Bau von Schulen, über das ich vor einigen
Monaten mit Ihnen gesprochen habe, eindeutig
dargelegt, wie sie finanziert werden. Die Mittel wurden
stets im Rahmen eines ausgeglichenen Haushalts
bereitgestellt, und wir haben immer das Ziel des
Haushaltsausgleichs eingehalten. Sowohl unsere
Bilanz beim Defizitabbau, die Tatsache, daß wir dem
Kongreß einen Plan zum Ausgleich des Haushalts
vorgelegt haben, als auch die Tatsache, daß wir genau
spezifiziert haben, wie jede neue Initiative bezahlt wird,
beweisen meines Erachtens unser Engagement für
das Ziel kontinuierlicher fiskalpolitischer Verantwortung.
Frage: Ich habe ein Fax von der Konferenz der
Republikaner im Repräsentantenhaus, in dem ein
Bericht der The Washington Post zitiert wird. Dort
heißt es: "Der Börse droht der Zusammenbruch, wenn
die Demokraten die Mehrheit im Kongreß gewinnen."
Sie sagen, die Furcht macht sich auf dem Markt breit,
und wenn die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren, droht der Börse der
Ausverkauf. Wenn sie die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat verlieren, wird es einen Börsencrash geben. Was sagen Sie dazu?
Dr. Stiglitz: Nun, erstens geben wir ebensowenig
einen Kommentar zur Börse ab wie zur Zentralbank.
Nachdem ich das gesagt habe, möchte ich aber doch
einen Kommentar abgeben. Tatsache ist, daß die
Wirtschaft sehr stark ist. Und wenn Sie jeden einzelnen der Indikatoren betrachten, über die wir gesprochen haben, sind die Investitionen hoch. Die Menschen würden nicht in solchen Maße investieren - die
realen Investitionen steigen um 19 Prozent - wenn sie
kein Vertrauen in die Wirtschaft hätten.
Die reinen Gewinne beim Bruttoinlandsprodukt
beliefen sich unseren letzten Angaben zufolge auf 8,7
Prozent - das ist der höchste Prozentsatz seit 28
Jahren. Die Zinssätze sind niedrig, sie sind diese
Woche als Reaktion auf den Defizitabbau beträchtlich

AMERIKA DIENST 22

�gesunken, die von uns heute genannten Inflationszahlen sinken - wie Sie wissen, liegen sie bei 1,9
Prozent des Preisindexes des Bruttoinlandsprodukts.
All diese Faktoren bedeuten, daß das der Wirtschaft
zugrundeliegende Fundament eben sehr stark ist.
Unsere von Dr. Tyson erwähnte absolute Verpflichtung
zum Defizitabbau und weitere Fortschritte dabei geben
Grund zu der Annahme, daß es so bleibt.
Dr. Tyson: Darf ich eine Tatsache hinzufügen, die wir
uns merken sollten? Es waren die Republikaner, die
1993 prognostizierten, das Wirtschaftsprogramm des
Präsidenten würde dazu führen, daß die Wirtschaft
den Bach 'runter geht, würde zu einer Zunahme der
Arbeitslosenrate sowie einer Zunahme des Defizits
führen, und einige sagten, es würde zu einer Rezession führen. Meines Erachtens sind die hellseherischen Fähigkeiten einiger auf der republikanischen
Seite des Kongresses im Hinblick auf die Wirtschaft
zweifelhaft. Ich würde diese Prognose nicht ernst
nehmen.
Frage: Vor ungefähr einem Jahr wurde eine größere
Anpassung des Indexes der Verbraucherpreise als
möglicher Faktor einer endgültigen Vereinbarung
angesehen. Sie hatten ein Jahr Zeit, das zu prüfen.
Könnte dies im nächsten Jahr Bestandteil eines Paktes
sein - ist das politischer Selbstmord?
Dr. Tyson: Zu diesem Thema müssen das Büro für
Arbeitsstatistik, eine Reihe versierter Ökonomen und
Statistiker, die sich ihr Leben lang damit befassen, wie

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AMERIKA DIENST 22

die Angaben zur Inflation und die Angaben zum
Lebensstandard verbessert werden können, technische Entscheidungen treffen. Und sie tun es, sie
haben es zahllose Male getan, während wir hier
Anpassungen vorgenommen haben, Qualitätsanpassungen bei verschiedenen wichtigen Produkten des
Verbraucherpreisindexes, und meines Erachtens
sollten wir dieses Thema nicht politisieren.
Frage: Vor einigen Minuten erwähnten
offizielle Prognose für die Zuwachsrate des
landsprodukts für dieses Jahr sei 2,2 Prozent
in den ersten neun Monaten bei 2,9 Prozent.
ren Sie diese Prognose jetzt?

Sie, die
Bruttoinund läge
Revidie-

McCurry: Wir sind an der Vorbereitung unserer
Prognose für den nächsten Haushaltszyklus. Wir sind
uns natürlich der Tatsache bewußt, daß die Wirtschaftslage besser als unsere Vorhersagen ist. Wir
haben bei unseren Prognosen für Haushaltsvorlagen
stets gesagt, das sind nicht unsere Wunschzahlen,
sondern absichtlich gewählte konservative Zahlen, so
daß die Zahlen für den Defizitabbau, wenn sie vorliegen, immer sehr viel höher sind als wir zunächst
vorhergesagt haben.
McCurry: Und der Grund hierfür ist meiner Ansicht
nach, daß das Vertrauen in unsere Strategie zum
Defizitabbau vorhanden sein muß, so daß wir bei
unseren neuen Prognosen natürlich die offensichtlichen Erfolge berücksichtigen, die die Wirtschaft in
den vergangenen neun Monaten zu verzeichnen hatte.

* * *

*

Seite 5

�WIRTSCHAFT
13. November 1996

Eröffnung der deutsch-amerikanischen
Wirtschaftskonferenz in Potsdam
Ansprache von J.D. Bindenagel im Filmstudio Babelsberg

POTSDAM - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires ad interim der
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, am 8. November 1996 beim
Eröffnungsabendessen der deutsch-amerikanischen Wirtschaftskonferenz "Connecting the New Länder to the
World" im Studio Babelsberg gehaltene Ansprache. Die Konferenz ist die letzte einer 1994 begonnenen Serie
und wurde von der American Chamber of Commerce in Germany und der US-Botschaft gemeinsam veranstaltet.

Ich freue mich, Sie alle heute abend hier begrüßen zu
dürfen. Das Studio Babelsberg ist eine wunderbare
Kulisse für unsere Konferenz mit amerikanischen
Wirtschaftsvertretern.
Hier wurde Filmgeschichte
gemacht, hier wurden Träume für die Welt fabriziert.
Wir spüren immer noch den Glamour und wissen, daß
Träume wahr werden können.
Dieses Studio hat auch eine Verbindung zu Amerika.
Die Namen der Filmlegenden - Regisseure, Stars,
Drehbuchautoren, die in den glorreichen Jahren, als
die Filmindustrie noch jung war, gemeinsam in Babelsberg und Hollywood tätig waren - sind zu zahlreich, um
hier aufgeführt zu werden. Aber sie sind uns im
Gedächtnis.
Später verließen natürlich viele von ihnen Babelsberg
und kehrten nie mehr zurück. Ihr persönliches Schicksal führte jedoch zu einer unschätzbaren Bereicherung
der Vereinigten Staaten. Sie gaben der amerikanischen Filmindustrie ihre Kunst und ihre Empfindungen. Sie leisteten einen Beitrag zum Amerikabild der
Welt. Aber auch ein Teil Deutschlands war in dieser
Vision enthalten - vom düsteren Unterton der Filme
aus der "Schwarzen Serie" über die ironische Komödie
Billy Wilders bis zu einer neuen Beschäftigung mit
sozialen Belangen.
Die Magie von Babelsberg überlebte sogar die langen,
grauen Dekaden des real existierenden Sozialismus.
Selbst in jenen Tagen wurden hier einige gute Filme
gemacht, und man fand in den starren DDR-Strukturen
Nischen für künstlerische Ausdrucksweise.

AMERIKA DIENST 22

Jetzt wird Babelsberg wieder zu vollem Leben erweckt.
Der derzeitige Umbau des Studios hat eine neue Ära
der Größe zum Ziel. Das wäre für uns alle wunderbar.
Zu Beginn unserer Konferenz "Connecting the New
Länder to the World" feiern wir die Bande, die uns
einen: Nicht nur im Bereich des Handels, sondern
auch in bezug auf Kultur und Werte. Wir wollen nicht
nur die wichtige Rolle amerikanischer Investitionen in
diesem Teil Deutschlands hervorheben, sondern auch
das Netz menschlicher Verbindungen zwischen
Amerika und Deutschland.
Ebenso wie Babelsberg ist Volker Schlöndorff Bestandteil der deutsch-amerikanischen Verbindung.
Als europäischer Kulturschatz, der neue Maßstäbe für
einfallsreiche künstlerische Gestaltung, Inszenierung
und Schneiden setzte, fühlt er sich auf der anderen
Seite des Atlantiks ebenfalls zu Hause, wie seine lange
Schaffenstätigkeit in den Vereinigten Staaten beweist.
Hollywood erkannte schon vor langer Zeit seine
meisterhafte Arbeit mit einem Oskar für "Die Blechtrommel" an.
Herr Schlöndorff, wir freuen uns sehr, daß Sie hier
sind. Es ist uns eine Ehre, daß Sie unsere gemeinsamen Bestrebungen mit den Vertretern der amerikanischen Wirtschaft unterstützen und sich die Zeit
genommen haben, hierherzukommen und eine
Ansprache zu halten.

Seite 1

�WIRTSCHAFT
13. November 1996

Das wirtschaftliche Engagement der USA
in den neuen Bundesländern
Eröffnungsansprache von J.D. Bindenagel

POTSDAM - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires ad interim der
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, am 9. November 1996 bei der
Eröffnung der deutsch-amerikanischen Wirtschaftskonferenz in Potsdam gehaltene Rede.

Vielen Dank, Fred. Es ist mir eine große Freude, Sie
alle heute morgen begrüßen zu dürfen. Ich möchte der
American Chamber of Commerce und ihren herausragenden Mitarbeitern für ihre große Unterstützung
und ihren fachmännischen Rat bei der Organisation
dieser Konferenz mit amerikanischen Wirtschaftsvertretern danken.
Diese Konferenz demonstriert das starke amerikanische Engagement in den neuen Ländern. Sie ist die
dritte einer Serie, die vor mehr als zwei Jahren - im
September 1994 - mit einer Wirtschaftskonferenz in
Berlin begann. Diese Konferenzen sind Teil unserer
"Neuen Traditionen" - "neu", weil wir nach dem Ende
des Kalten Krieges neue Bande mit Deutschland insbesondere diesem Teil Deutschlands - knüpfen.
Den Amerikanern und dem Westen wurde zwei
Generationen lang der Zugang zu diesem Teil
Deutschlands verwehrt, aber seit der deutschen
Vereinigung haben wir mit den neuen Bundesländern
an der Planung und Gestaltung dieses wichtigen
Bestandteils der transatlantischen Verbindung zusammengearbeitet.

Commerce aktiv unterstützt und ermutigt werden. Die
amerikanischen Investitionen in den fünf neuen
Ländern und Berlin belaufen sich auf mehr als 8
Milliarden Dollar (12 Milliarden D-Mark) mit steigender
Tendenz.
Diese Investitionen haben mindestens 55.000 Arbeitsplätze in Bereichen geschaffen oder gesichert, die von
der Produktion über die Nahrungsmittelbranche, das
Bankwesen und den Wohnungsbau bis zu Beratungsdiensten und Umwelttechnologie reichen.
Die Projekte, an denen die Amerikaner beteiligt sind,
variieren in bezug auf ihre Größe: Von Dow Chemical,
Praetor &amp; Gamble und der Opel AG bis zu kleinen und
mittelständischen Unternehmen mit weniger als 100
Angestellten. Diese Konferenz beweist, daß wir noch
mehr zu Ermutigung weiterer Investitionen unternehmen wollen.
Unsere Aktivitäten hier sind jedoch nicht nur wirtschaftlicher Natur. Sie spiegeln unser Engagement für
die Zukunft dieses Kontinents wider - eine auf den
Werten Demokratie und freie Marktwirtschaft basierende Zukunft.

Der Blick auf Brandenburg und das übrige Ostdeutschland zeigt interessante Möglichkeiten für amerikanische Unternehmen - ein erfahrenes, hart arbeitendes
Arbeitskräftepotential, einen innovativen und offenen
Geist sowie eine immer modernere Infrastruktur.

Nach dem Kalten Krieg haben wir die einzigartige
Chance, die Grundlagen für ein neues, integriertes
Europa zu schaffen. Ein Europa, in dem alle Nationen
unabhängig, demokratisch und wohlhabend sind.

Diese Gegebenheiten haben amerikanische Unternehmen beeindruckt. Sie sind der Hauptgrund für ausländische Investitionen in den neuen Bundesländern, die
von der US-Botschaft und der American Chamber of

Denken Sie einen Augenblick darüber nach, was es
bedeutet, heute morgen hier in dieser Stadt zu sein.
Noch vor sieben Jahren wäre diese Zusammenkunft
von Amerikanern und Deutschen undenkbar gewesen.

AMERIKA DIENST 22

Seite 1

�Die Kräfte der Unterdrückung standen zwar auf
wackeligen Beinen, hatten aber noch alles unter
Kontrolle. Die Berliner Mauer stand noch, wie es seit
mehr als einer Generation der Fall gewesen war.
Aber dann - wie durch ein Wunder - erhoben sich die
hinter dem Eisernen Vorhang gefangengehaltenen
Völker Ostdeutschlands und anderer Länder und
veränderten nachhaltig die Welt für uns alle. Wir
schulden es den an dieser friedlichen Revolution
Beteiligten - und uns selbst - diese historische Errungenschaft in dauerhaften Wohlstand umzuwandeln.
Wir erneuern die dauerhaften Bande, die zwischen
unseren Ländern bestehen. Jetzt haben die Menschen in Brandenburg und andernorts in den neuen
Ländern - und in den zentraleuropäischen Nachbarstaaten - die Freiheit, ihre Meinung zu sagen, zu
schaffen, zu bauen, zu prosperieren.
Bei unseren heutigen Gesprächen sollten wir diese
enorme Leistung nicht aus den Augen verlieren.
Selbst wenn wir nüchterne Unternehmer, Politiker und
Akademiker sind, können wir hoffentlich trotzdem ab
und zu eine Pause einlegen und uns voll Staunen
fragen, wie dieser Wandel möglich war - und es als
Privileg ansehen, daß wir daran teilhaben.
Jetzt habe ich die Ehre, einen Mann vorzustellen, der
einen wichtigen Beitrag zu diesem historischen
Wandel geleistet hat - den brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe.
Als ich Herrn Stolpe 1989 zum ersten Mal traf, war ich
amerikanischer Gesandter in der DDR. Ostdeutschland befand sich in Aufruhr. Wir sahen eine Gelegenheit für die Vereinigten Staaten, freie, pluralistische
Wahlen zu unterstützen - Wahlen, die die damalige
Regierung von Hans Modrow den Deutschen in der
DDR versprochen hatte.
Ich ermutigte unseren Botschafter in Ostdeutschland,
Richard Barkley, Außenminister James Baker nach
Potsdam einzuladen. Am 12. Dezember 1989 traf der
Außenminister hier in Potsdam mit führenden Vertretern der DDR zusammen. Er forderte grundlegende
wirtschaftliche und politische Reformen - und freie
Wahlen. Er unterstrich unmißverständlich, daß die
Vereinigten Staaten die Vereinigung Deutschlands
unterstützen.
Außenminister Baker beschränkte sich bei seinen
Zusammenkünften nicht nur auf die ostdeutschen
Behörden. Er wollte mit den Vertretern der Kirche
sprechen, die einen maßgeblichen Beitrag zu der
friedlichen Revolution geleistet hatten, die den Wandel
bewirkte. An jenem Tag traf er in der Nikolaikirche mit
verschiedenen protestantischen Geistlichen sowie
dem Laienvertreter der Evangelischen Kirche, Manfred
Stolpe, zusammen.

Seite 2

Herr Stolpe erzählte ihm von der Empörung des
Volkes über die Korruption und Brutalität des Regimes.
Er sprach über den wachsenden Wunsch nach
Vereinigung mit dem Westen. Er betonte den Wunsch
der Ostdeutschen nach wirtschaftlichem Wohlergehen.
Die Antwort des Außenministers war unmißverständlich: Die Amerikaner unterstützen die friedliche
demokratische Revolution und die deutsche Vereinigung. Diese Unterstützung bestand von jenem Tag
bis heute fort - während der Verhandlungen am
Runden Tisch, der freien Wahlen am 18. März 1990,
die Angleichung der Währung am 1. Juli desselben
Jahres und - was am wichtigsten ist - bei der deutschen Vereinigung am 3. Oktober 1990.
Ebenso bedeutend wie die Unterstützung durch die
US-Regierung war das starke Engagement amerikanischer Unternehmen. Brandenburg unterhielt bereits
interessante und fruchtbare Beziehungen zu amerikanischen Unternehmen. Um nur einige Beispiele zu
nennen: Praetor &amp; Gamble stellt Punica Fruchtsaft in
Werder ganz in der Nähe von Potsdam her; General
Atomics führt in Lübben, Spreewald und Lauchhammer
Projekte zur Entsorgung der Altlasten und zur Umstellung der Produktion durch; EDS errichtete Datenverarbeitungszentren in Eisenhüttenstadt, Cottbus und
Frankfurt an der Oder; und Allstate Insurance plant die
Einrichtung einer Geschäftsstelle in Teltow.
Manfred Stolpe war ein starker und engagierter
Partner bei der Schaffung von Freiheit und Wohlstand.
Als Mann der Kirche weiß er, daß Politik und Wirtschaft
zwar wichtig, aber den grundlegenden menschlichen
Beziehungen untergeordnet sind.
Ich möchte ein persönliches Beispiel für das anführen,
was ich meine. Als in South Dakota Geborener freue
ich mich über die Städtepartnerschaft von Potsdam
und Sioux Falls - eine der zahlreichen neuen Städtepartnerschaften, die unsere zunehmende Präsenz in
den neuen Ländern unterstreicht. Während eines
Besuchs des Kirchenchors von Sioux Falls hier im Juni
1990 war ich dabei, als die deutschen Gastgeber und
ihre amerikanischen Besucher zusammenkamen und
über die Freiheit sprachen, die wir Amerikaner genossen und die die Ostdeutschen anstrebten.
Meine Landsleute waren äußerst beeindruckt, als sie
aus erster Hand von dem Kampf der Deutschen für
Freiheit und Menschenwürde erfuhren.
Unsere
historischen Bande wurden an jenem Tag auf besondere Art und Weise erneuert.
Manfred Stolpe war sich immer der historischen
Freundschaft zwischen Brandenburg und den Vereinigten Staaten bewußt. Schließlich unterzeichnete
das Königreich Preußen im Jahr 1787 als erstes Land
einen Schifffahrts- und Handelsvertrag mit unserer
jungen Republik.

AMERIKA DIENST 22

�Im November 1994 feierte und bekräftigte Herr Stolpe
diese langjährige Freundschaft, indem er die Statue
des großen deutsch-amerikanischen General von
Steuben wieder an ihren angestammten Platz in dieser
Stadt zurückbringen ließ. Die Statue war vor langer
Zeit ein Geschenk des amerikanischen Kongresses als
Ausdruck der Dankbarkeit für die Rolle Deutschlands
bei der Unterstützung unseres Kampfs für die Freiheit
in unserem Unabhängigkeitskrieg.

Heute helfen wir Deutschland ebenso wie im letzten
halben Jahrhundert bei der Sicherung seiner Freiheit
und seines Wohlstands. Darum geht es bei dieser
Konferenz. Und wir haben bei diesem Bestreben
keinen besseren Partner als den brandenburgischen
Ministerpräsidenten Manfred Stolpe.

* * * * *

AMERIKA DIENST 22

Seite 3

�WIRTSCHAFT
13. November 1996

Deutsch-amerikanische wirtschaftliche Zusammenarbeit
Schlußwort von J.D. Bindenagel

POTSDAM - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir das von J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires ad interim der
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, am 9. November 1996 im
Schloß Cecilienhof, dem Schauplatz der Potsdamer Konferenz von 1945, gehaltene Schlußwort bei der deutschamerikanischen Wirtschaftskonferenz.

Herr Ministerpräsident, herzlichen Dank für Ihre
Gastfreundschaft. Es ist kaum zu glauben, daß heute
Abend vor sieben Jahren, am 9. November 1989, die
Freiheit, deren wir uns im Westen seit so langem
erfreuten, den Eisernen Vorhang durchbrach und die
Berliner Mauer zu Fall brachte. Obwohl das deutsche
Geschichte ist, kann ich sagen: "Ich war dabei."
Binnen weniger Monate vertrieben aufgebrachte
Deutsche, Bürger der DDR, das SED-Regime aus dem
Amt, führten Demokratie ein, traten für die Vereinigung
ein und beendeten die Existenz der DDR.
Das zentrale Element dieser Revolution - der erfolgreichsten demokratischen Bewegung in der deutschen
Geschichte - war der Mut derjenigen, die die Demokratie im Osten wiederherstellten. Sie, Herr, Ministerpräsident, waren unter ihnen, und Ihnen gebührt Ehre
dafür.
Infolgedessen hat sich Deutschland unwiederbringlich
verändert.
Präsident Herzog erfaßte das Wesen des neuen
Deutschland am 8. Mai 1995 mit folgenden Worten:
"Heute steht die deutsche Demokratie
auf zwei gleich starken Beinen: auf
der geduldigen Aufbauarbeit und der
Lernfähigkeit der Westdeutschen seit
1948 und auf der ostdeutschen Revolution von 1989."

Katastrophe für Europa voraus, wenn die Vereinigung
käme. Andere fürchteten, daß der desolate Zustand
der schwachen und nicht wettbewerbsfähigen alten
ostdeutschen Wirtschaft den Westen über Gebühr
belasten würde. Es gab auch Experten, die die zur
Vollendung der inneren deutschen Einheit erforderliche
Arbeit und Zeit unterschätzten und damit falsche
Hoffnungen weckten.
Die Arbeit an der Freiheit ist nicht leicht. Der Aufbau
von Wohlstand benötigt Disziplin und Verantwortungsbewußtsein, über die Sie reichlich verfügen. Er
erfordert Zeit und Geduld. Und er erfordert Investitionen. Aber wir Amerikaner hegen keinen Zweifel - in
der Tat haben wir profundes Vertrauen - daß dieser
Teil Deutschlands eine große Zukunft hat.
In den vergangenen beiden Tagen sind wir hier
zusammengekommen, um die Rolle zu unterstreichen
- und zu verbessern - die Amerika bei der Umgestaltung der ostdeutschen Wirtschaft spielt. Wir Amerikaner möchten gemeinsam mit Ihnen zur Überwindung
der Teilung in Deutschland und Europa beitragen. Aus
den in diesem Jahrhundert gemachten Erfahrungen
wissen wir, daß die amerikanische und europäische
Sicherheit nicht teilbar sind.
Dieses Wissen veranlaßte uns, während des Kalten
Krieges unsere unerschütterliche Haltung zu bewahren, die Demokratie in der alten Bundesrepublik zu
unterstützen und an der Seite der Deutschen in der
DDR zu stehen, als 1989 bei Ihrem Streben nach
Freiheit der Augenblick der Wahrheit kam.

Aber 1989 teilten nicht alle diese Ansicht. Einige
fürchteten ein vereintes Deutschland und sagten eine

AMERIKA DIENST 22

Seite 1

�Heute stehen wir in der Berliner Republik an Ihrer
Seite.

Osten blickte und erklärte: "Amerika steht an Ihrer
Seite, jetzt und für immer."

Präsident Clinton gab unser Versprechen am Brandenburger Tor, als er dort mit dem Kanzler stand und nach

Ich möchte einen Toast auf die deutsch-amerikanische
Freundschaft ausbringen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 22

�PORTRAT
13. November 1996

Bankier wird neuer Stabschef des Weißen Hauses
Porträt von Erskine Bowles

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton gab am 8. November 1996 bekannt, daß Erskine Bowles die Position
des nach Kalifornien zurückkehrenden Leon Panetta als Stabschef des Weißen Hauses übernimmt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus herausgegebenen offiziellen Lebenslauf von Bowles.

Erskine Bowles, der ehemalige Leiter des US-Amts für
mittelständische Unternehmen und Stellvertretende
Stabschef des Weißen Hauses, blickt auf eine aktive
Laufbahn im öffentlichen und Privatsektor zurück. Im
Januar 1996 gründete Bowles zusammen mit seinem
langjährigen Freund Nelson Schwab III die Handelsbank Carousel Capital, die sich auf die Akquisition
mittelständischer Unternehmen im Südosten der
Vereinigten Staaten konzentriert.
Vor der Gründung von Carousel Capital war Bowles
persönlicher Referent des Präsidenten und von
Oktober 1994 bis Dezember 1995 Präsident Clintons
Stellvertretender Stabschef.
Als Stellvertretender
Stabschef war er zuständig für das Büro für Planung,
Management und Verwaltung des Weißen Hauses,
dem auch das Militärbüro des Weißen Hauses, das
Personal des Präsidialamts und die Operationen des
Oval Office unterstehen.
Von Mai 1993 bis September 1994 war Bowles Leiter
des US-Amts für mittelständische Unternehmen. In
dieser Funktion überwachte er umfassende Programme und Dienstleistungen zur Förderung und Erweiterung amerikanischer mittelständischer Unternehmen. Während seiner Zeit als Leiter verschlankte und
modernisierte er die Organisationsstruktur des Amts,
überarbeitete die Programme und richtete das Amt auf
den Dienst am Kunden aus - die Besitzer mittelständischer Unternehmen. Bowles war auch votierendes
Mitglied des nationalen Wirtschaftsrats.

well Conner &amp; Co., einer von ihm 1975 gegründeten
Investmentbank mit Sitz in Charlotte. Unter Bowles
Leitung erlangte Bowles Hollowell Conner &amp; Co. den
Ruf einer der führenden Investmentbanken des
Landes, die sich auf mittelständische Transaktionen
spezialisiert hatte.
Vor der Gründung von Bowles Hollowell Conner &amp; Co.
war Bowles bei Morgan Stanley &amp; Co. in New York in
der Finanzgruppe des Unternehmens tätig. Er war
außerdem Vizepräsident für Unternehmensfinanzierung bei der Interstate Securities Corporation in
Charlotte. Von 1975 bis 1976 arbeitete er als Dozent
für Finanzwesen an der University of North Carolina in
Charlotte.
Bowles erwarb ein Bakkalaureat der Naturwissenschaften in Betriebswirtschaft an der University of
North Carolina und den Master of Business Administration an der Graduate School of Business der
Columbia University, wo er McKinsey Scholar war.
Neben seiner Aufsichtsratstätigkeit für mehrere
Unternehmen war Bowles Präsident der Stiftung für
jugendliche Diabetiker in New York sowie Mitglied des
Beratergremiums der University of North Carolina, des
Davidson College und der Johnson C. Smith University.
Bowles, 51, ist mit Crandall Close Bowles verheiratet,
die Vizepräsidentin von Spring Industries ist. Sie
haben drei Kinder: Sam, Anne und Bill im Alter von 22,
20 und 19 Jahren.

Vor seiner Laufbahn in der Regierung war Bowles
Vorsitzender und Geschäftsführer von Bowles Hollo-

AMERIKA DIENST 22

Seite 1

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                <text>&lt;strong&gt;1. Wahlen'96&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton bedankt sich für seine Wiederwahl&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten in seinem Heimatstaat Arkansas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerika auf der Reise ins 21. Jahrhundert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerika und Russland in einer sich wandelnden Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zukunftsperspektiven der amerikanischen Volkswirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz mit führenden Wirtschaftsberatern&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eröffnung der deutsch-amerikanischen Wirtschaftskonferenz in Potsdam&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von J.D. Bindenagel im Filmstudio Babelsberg&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das wirtschaftliche Engagement der USA in den neuen Bundesländern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnungsansprache von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutsch-amerikanische wirtschaftliche Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schlußwort von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

11. Dezember 1996

24

OSZE

VIZEPRÄSIDENT GORE WÜRDIGT ROLLE
DER OSZE
Rede beim Lissabonner Gipfel

WTO

WTO ALS WEGBEREITER FÜR STÄRKERE
VERFLECHTUNG DER WELTWIRTSCHAFT
Eröffnungsansprache von Charlene Barshefsky

ABSCHLUSS EINES INFORMATIONSTECHNOLOGIEABKOMMENS ERWARTET
Rede der ehemaligen US-Handelsbeauftragten
Carla Hills

HANDEL

USA MUSSEN AKTIVISTISCHE
HANDELSPOLITIK VERFOLGEN
von Alan P. Larson

MENSCHENRECHTE

ÜBERBLICK ÜBER DIE
MENSCHENRECHTSSITUATION
Rede von Botschafterin Albright

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�PORTRAT

IM AUSLAND GEBORENE AMERIKANERIN
ZUR AUSSENMINISTERIN BERUFEN
Porträt von Madeleine Korbel Albright

PRÄSIDENT CLINTON NOMINIERT
NEUEN VERTEIDIGUNGSMINISTER
Porträt von William S. Cohen

NEUER NATIONALER SICHERHEITSBERATER
NOMINIERT
Porträt von Samuel R. Berger

VOM NATIONALEN SICHERHEITSBERATER
ZUM CIA-DIREKTOR
Porträt von Anthony Lake

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

�OSZE
11. Dezember 1996

Vizepräsident Gore würdigt Rolle der OSZE
Rede beim Lissaboner Gipfel

LISSABON - (AD) - Vizepräsident AI Gore zufolge ist die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (OSZE) "mehr als ein großartiges Forum der Nationen. Sie stellt für die Nationen eine Möglichkeit dar,
sich in Wort und Tat zusammenzuschließen, um praktische Probleme und Herausforderungen an die Grundsätze
anzugehen, die im Mittelpunkt dieser Organisation stehen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 2. Dezember 1996 von Vizepräsident AI Gore beim OSZE-Gipfel in
Lissabon gehaltene Rede im Wortlaut.

Ich danke meinem langjährigen Freund, Präsident
Naserbajew. Es ist mir eine Ehre, heute hier im
Namen meines Präsidenten darüber zu sprechen, wie
wir am besten zukünftige Sicherheit und Wohlergehen
der Gemeinschaft der in der OSZE zusammengeschlossenen Nationen gewährleisten können.
Zunächst einmal möchte ich dem derzeitigen OSZEVorsitzenden, dem Schweizer Flavio Cotti, danken und
unserem Gastgeber - Portugal - zu seiner herausragenden Gastfreundschaft und Effizienz gratulieren.
Tatsächlich gibt es in gewisser Weise vielleicht keinen
besseren Ort für solche Gespräche als diese schöne
Stadt und diese großartige Nation. Vor Jahrhunderten
segelten die Portugiesen über das ihnen vertraute
Mittelmeer hinaus in unbekannte Gefilde. Furchtlos
und mutig fanden sie den Weg nach Afrika, Asien und
zum amerikanischen Kontinent. Daher ist es äußerst
angemessen, daß wir in diesem Land der Entdecker
zusammentreffen, um weitere Schritte auf der neuen
Reise zu Frieden, Sicherheit und Wohlstand für unsere
Nationen und unsere Völker zu planen.
Der Zeitpunkt für ein solches Unterfangen könnte nicht
günstiger sein. Erstmals in der Geschichte sind heute
die Nationen dieser Region - vom Atlantik bis zum Ural
und den Steppen Zentralasiens - die Verpflichtung
eingegangen, gemäß demokratischen Werten zu
leben. Am Vorabend eines neuen Jahrtausends
können wir endlich den Aufbau eines Europas anstreben, in dem nicht mehr Krieg, sondern Frieden
erwartet wird und in dem Sicherheit auf der Interaktion

AMERIKA DIENST 24

freier Märkte, freier Gedanken, freier Menschen und
freier Nationen basiert. In dieser Staatengemeinschaft
muß die Sicherheit jedes einzelnen Landes untrennbar
von der Sicherheit aller sein.
Und wie bei jeder Reise ins Unbekannte macht sich
natürlich jeder von uns Sorgen über die Erfolgschancen. Und verständlicherweise wird es auch
Meinungsverschiedenheiten darüber geben, welcher
Kurs eingeschlagen werden sollte. Einige der Differenzen werden bis zum Abschluß dieses Gipfeltreffens
beigelegt. Bei anderen sind noch weitere Gespräche
innerhalb der OSZE und anderer Organisationen sowie
zwischen den besonders betroffenen Beteiligten
erforderlich.
Aber obwohl noch viel Arbeit vor uns liegt, dürfen wir
nicht die bereits erzielten bemerkenswerten Fortschritte vergessen. Zunächst einmal sollten wir uns
vor Augen führen, in welchem Ausmaß sich die OSZE
an die in der Schlußakte von Helsinki verankerten
Prinzipien gehalten hat, obwohl seit der Unterzeichnung der Schlußakte vor mehr als zwei Jahrzehnten
dramatische Veränderungen stattgefunden haben.
Die OSZE ist heute ebenso wie in früheren Jahren ein
Ort, an dem das Schicksal Europas betreffende
Fragen von allen Regierungen gleichberechtigt erörtert
werden können. Die OSZE ist in dieser Hinsicht
einzigartig. Aber sie ist viel mehr als ein großartiges
Forum der Nationen. Sie stellt für die Nationen eine
Möglichkeit dar, sich in Wort und Tat zusammen-

Seite 1

�zuschließen, um praktische Probleme und Herausforderungen an die Grundsätze anzugehen, die im
Mittelpunkt dieser Organisation stehen.
Bei der Gründung der OSZE bestand die größte
Herausforderung an den Frieden in der Möglichkeit
eines Konflikts zwischen großen Bündnissen politischer, militärischer und wirtschaftlicher Rivalen. So
Gott will, sind diese Tage vorbei. Heute rühren die
größten Bedrohungen nicht von Konflikten zwischen
Gruppen von Staaten, sondern von Zwistigkeiten
innerhalb der Staaten her.
Die OSZE ist sich dieser Realität voll bewußt und führt
infolgedessen Missionen in Regionen durch, in denen
Probleme zwischen ethnischen Gruppen zu einer
zentralen Herausforderung für Frieden und Sicherheit
geworden sind. Diese Missionen - in Berg-Karabach,
Abchasien und andernorts - sind einzigartige Bestrebungen, um Gewalt durch politische Prozesse zu
ersetzen und den Menschen bei der Beilegung ihrer
Konflikte mit Hilfe gegenseitigen Respekts, Vertrauensbildung, Versöhnung und Achtung der Menschenrechte beizustehen.
Die OSZE-Mission in Bosnien stellt eine besonders
dramatische Anpassung an die Herausforderungen
dar, die der schwerste dieser Konflikte mit sich brachte. Aufgrund unserer koordinierten Zusammenarbeit
schweigen jetzt endlich auf dem Balkan die Waffen. Das bittere Resultat des Hasses macht neuer
Hoffnung Platz. Kinder werden Morgens von der
Schulglocke und nicht von Mörsergranaten geweckt.
Natürlich sind die Probleme in Bosnien noch längst
nicht beigelegt. Daß wir jedoch schon so viele Fortschritte gemacht haben, ist das Ergebnis der erfolgreichen Koppelung der Fähigkeit der OSZE zum Umgang
mit den Problemen sozialen und politischen Wiederaufbaus mit der Fähigkeit der IFOR, die Parteien in die
Lage zu versetzen, die Bestimmungen des Friedensabkommens einzuhalten. Diese Partnerschaft zwischen OSZE und IFOR ist mehr als nur ein spektakuläres Beispiel dafür, wie spezifische Herausforderungen
durch effektive kooperative Lösungen bewältigt
werden können. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie
die Sicherheit in Europa durch dynamische neue
Verbindungen zwischen unterschiedlichen Institutionen
- einschließlich der NATO, WEU, EU und der Partnerschaft für den Frieden - gefördert werden kann, von
denen jede eine wichtige Rolle spielt und jede ihre
eigenen Stärken und ihr Fachwissen beisteuert sowie
ihren Beitrag leistet.
In vieler Hinsicht erleuchten diese Geistesblitze den
vor uns liegenden Weg. Wir sehen, wie sich Systeme
der Zusammenarbeit innerhalb unserer Institutionen
und zwischen ihnen entwickeln.
Neue Staaten
schließen sich diesen Systemen an oder treten ihnen
in nie dagewesener Weise bei, um nie dagewesene

Seite 2

Fragen zu behandeln. Exklusivität macht dem Grundsatz der Inklusion Platz. Das Anliegen einer genaueren Definition dieser Organisationen geht einher mit
ihren immer zahlreicheren Möglichkeiten der Interaktion und Evolution.
Die OSZE entwickelt sich tatsächlich schnell, flexibel
und inklusiv. Gleichzeitig muß die OSZE nicht in das
einzige Instrument europäischer Sicherheit verwandelt
werden. Wir sollten den besonderen Beitrag dieser
Gemeinschaft der Zusammenarbeit und Werte würdigen, anstatt ihn in einen legalistischen Rahmen zu
pressen. Verträge haben ihren Platz, aber unseres
Erachtens wird die OSZE auf der Grundlage ihrer
flexiblen politischen Verpflichtungen am erfolgreichsten
sein. Die Vereinigten Staaten sind bereit und willens,
an der Entwicklung kooperativer Arrangements
zwischen den OSZE-Mitgliedern und anderen Organisationen wie der NATO zu arbeiten.
Die NATO ist und bleibt ein Verteidigungsbündnis
gleichgesinnter demokratischer Staaten. Als solches
stellt es natürlich für keinen anderen Staat eine
Bedrohung dar, denn die Bürger freier und demokratischer Nationen haben keinen Grund, das Streben
freier und demokratischer Länder Zentraleuropas nach
Stabilität und Frieden zu fürchten. Tatsächlich liegt die
Stabilität, zu deren Ausweitung auf Zentraleuropa die
NATO beitragen kann, im Interesse aller Nationen.
Parallel zu ihrer Erweiterung möchte die NATO starke
kooperative Beziehungen zu Rußland und anderen
Staaten aufbauen. Auch das kann bedeutenden
Einfluß auf die Stärkung von Sicherheit und Stabilität in
Europa haben. Und das heutige historische Abkommen hier bei der OSZE verstärkt diesen Rahmen
für Frieden und Sicherheit noch. Insbesondere ist es
wesentlich, daß sich die NATO-Erweiterung parallel
zum Aufbau starker und kooperativer Beziehungen zu
Rußland vollzieht. Wenn Klugheit und Staatskunst die
Oberhand behalten, kann die NATO durch die Übernahme neuer Missionen und die Aufnahme neuer
Mitglieder einen Beitrag zu Integration und umfassender Sicherheit in Europa leisten.
Dank der OSZE und des großen Erfolgs des heutigen
Treffens haben wir bereits eine Reihe von Grundsätzen entwickelt, die uns bei der Erfüllung dieser Aufgabe helfen werden. Das umfassende Sicherheitsmodell für das Europa des 21. Jahrhunderts reflektiert
die Weisheit, die zu einem hohen Preis von ganzen
Generationen erkauft wurde. Dieses Sicherheitsmodell ist eine Botschaft der Zuversicht und der
Hoffnung. Es ist die Botschaft, daß wir über die
intellektuellen und moralischen Kapazitäten zur
Gewährleistung von Sicherheit für diese und unzählige
künftige Generationen verfügen. Ich möchte gerne all
jene beglückwünschen, die das ermöglicht haben insbesondere meinen Freund, Ministerpräsident Viktor
Tschernomyrdin, mit dem ich am Vorabend dieses
Treffens zusammenkam. Ich danke ihnen allen für die

AMERIKA DIENST 24

�von ihnen geleistete Arbeit, die den heutigen Erfolg
ermöglichte. Auch möchte ich meine Kollegen zu dem
Abkommen über die Aufnahme von Verhandlungen zur
Aktualisierung des KSE-Vertrags beglückwünschen.
Dieses Abkommen - und die kooperative Art seiner
Entwicklung - sind herausragende Beispiele für die
Erfolgsmöglichkeiten flexibler, inklusiver und kreativer
politischer Rahmenbedingungen. Nicht alle unsere
Mitglieder sind KSE-Staaten, aber sie haben Teil an
der durch ein erfolgreiches Ergebnis gebotenen
erhöhten Sicherheit und Stabilität. Ohne die Fähigkeit
der OSZE zur Ermutigung innovativer Wege für den
Umgang mit sich entwickelnden und neuen Bedingungen wäre dieser wichtige Schritt nicht möglich geworden.
Liebe Freunde, in diesem Saal sind die führenden
Politiker des riesigen Territoriums der heutigen OSZE
versammelt. Jeder von uns ist sich der besonderen
Anliegen und Interessen unserer Regierungen bewußt.
Aber jeder hier anwesende Politiker hatte schon
Träume, die weit über die Realität des heutigen Tages
hinausgingen. Wir wissen, daß Worte zur Sicherung
unserer Zukunft nicht ausreichen. Sie erfordert
geduldige, überlegte und dauerhafte Bestrebungen.
Sie benötigt Goodwill, gesunden Menschenverstand
und echte Zusammenarbeit. Sie setzt eine neue,
inklusive Vision von Sicherheit voraus - eine Vision, die
Sicherheit in all ihren Dimensionen umfaßt, nicht nur
der militärischen, sondern auch der politischen,
wirtschaftlichen, umweltpolitischen und moralischen.

*

AMERIKA DIENST 24

Und sie erfordert, daß jeder einzelne von uns an der
ernüchternden Lektion des 20. Jahrhunderts festhält:
Ohne Freiheit kann das Streben der Völker und
Nationen nach einem guten Leben und Sicherheit nicht
realisiert werden. Aus diesem Grund teile ich mit
vielen anderen hier Versammelten meine Besorgnis
über die jüngsten Aktionen der Regierungen von
Belarus und Serbien, die eine Verletzung der Grundsätze dieser Organisation darstellen.
Es liegt jedoch noch viel Arbeit vor uns. Aber an der
Schwelle zum 21. Jahrhundert haben wir mehr denn je
zuvor die Fähigkeit, den Willen und das Durchhaltevermögen zur Erlangung unseres Ziels. Diesem Ziel ist
Präsident Clinton zutiefst verpflichtet. Amerika bleibt
engagiert - heute ebenso wie bisher - während wir mit
Ihnen am Aufbau eines neuen, ungeteilten und
friedlichen Europas zusammenarbeiten.
Ein altes iberisches Sprichwort lautet: "Reisender, es
gibt keine Straßen. Straßen entstehen durch das
Reisen." Mit großen Hoffnungen, klarer Vision und
Zielstrebigkeit wollen wir unsere Reise beginnen.
Ebenso wie die Entdecker früherer Zeiten, die von
diesem Land aus unbekannte Pfade erforschten,
wollen auch wir mutig sein. Und wir wollen uns vor
Augen führen, daß das Ausmaß der vor uns liegenden
historischen Aufgabe keine Entschuldigung für ein
Scheitern ist. Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 3

�WTO
11. Dezember 1996

WTO als Wegbereiter für stärkere Verflechtung
der Weltwirtschaft
Eröffnungsansprache von Charlene Barshefsky

SINGAPUR - (AD) - Die amtierende Handelsbeauftragte der Vereinigten Staaten, Charlene Barshefsky, erklärte,
wenn die Welthandelsorganisation WTO bei drei wichtigen Verhandlungsrunden - Informationstechnologie,
Basistelekommunikationsdiensten und Finanzdienstleistungen - Erfolg habe, könne sie die Infrastruktur für eine
noch enger verflochtene globale Wirtschaft im 21. Jahrhundert aufbauen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 9. Dezember 1996 bei der Eröffnungssitzung des WTO-Ministertreffens
in Singapur gehaltene Rede der amtierenden Handelsbeauftragten, die Leiterin der amerikanischen Delegation
ist.

Herr Vorsitzender, verehrte Delegierte,
im Namen der amerikanischen Delegation möchte ich
Ministerpräsident Goh, Minister Yeo und der Regierung von Singapur, dem Vorsitzenden des Allgemeinen Rats Rossier sowie Generaldirektor Ruggiero und
seinen Mitarbeitern für ihre Bemühungen bei der
Vorbereitung dieses historischen ersten Treffens der
Welthandelsorganisation danken. Sie waren außerordentlich freundlich - und wir sind Ihnen sehr dankbar.
Vor nahezu 50 Jahren leitete die Gründung des GATT
eine Periode der Handelsliberalisierung ein, die in der
Weltgeschichte ihresgleichen sucht. Wenige bei
dieser Gründung Anwesende hätten das enorme
Wachstum des Welthandels vorausgesagt, das in
unermeßlicher Weise zum Wohlstand der Völker der
Welt beigetragen und allein im letzten Jahrzehnt um
80 Prozent an Volumen zugenommen hat. Das GATT
hatte Erfolg, weil wir auf dem Ziel beharrten, die
Hemmnisse abzubauen, die unseren Menschen die
Vorteile von freiem und fairen Handel verweigern. Wir
sahen uns mit neuen Herausforderungen konfrontiert,
und wir haben zusammengearbeitet, um neue Chancen zu ergreifen.
Während wir beim ersten Ministertreffen der WTO
zusammenkommen, muß unser Engagement für die
andauernde Arbeit der Handelsliberalisierung ebenso

AMERIKA DIENST 24

entschieden sein. Wir müssen der Welt beweisen, daß
die WTO eine kraftvolle Institution ist, die die Grundlagen für eine neue Periode globalen Wohlstands
schafft. Wie unsere Vorgänger müssen wir neue
Chancen ergreifen.
Die globale Wirtschaft wird nicht auf uns warten. Der
technologische Wandel vollzieht sich rasch - auf der
ganzen Welt - im Westen und im Osten. Wir beglückwünschen Ministerpräsident Mahathir zu seiner Vision,
den Multimedia-Superkorridorplan einzuführen, der zu
einer informationstechnologischen Stadt mit 100.000
Einwohnern sowie zur Schaffung der weltweit ersten
papierlosen nationalen Regierung bis zum Jahr 2000
führen wird. Schätzungen der Weltbank zufolge
werden die Volkswirtschaften der Welt im nächsten
Jahrzehnt Kapital in Höhe von 1,5 Billionen Dollar für
eine qualitativ hochwertige Infrastruktur, moderne
Informationstechnologie und Telekommunikationssysteme benötigen.
Wir haben die Chance, diese Herausforderungen zu
meistern. Wenn wir bei drei wichtigen Verhandlungsrunden - Informationstechnologie, Basistelekommunikationsdiensten und Finanzdienstleistungen - Erfolg
haben, können wir die Infrastruktur für eine noch enger
verflochtene globale Wirtschaft im 21. Jahrhundert
aufbauen.

Seite 1

�Die erste dieser Verhandlungsrunden - das Abkommen über Informationstechnologie - wäre der erste
konkrete Beweis der Fähigkeit der WTO, im Einklang
mit der sich verändernden Welt Fortschritte zu erzielen. Indem wir ein zollfreies Umfeld für Handel und
Informationstechnologieprodukte schaffen, können wir
dazu beitragen, die Kosten für die Verbraucher zu
senken, unsere Unternehmen wettbewerbsfähiger zu
machen und unseren Volkswirtschaften die Vorteile zu
verschaffen, die sich aus dem Zugang zu mehr
Information ergeben.
Diese Produkte werden zunehmend in praktisch jedem
führenden Industriesektor eingesetzt. Die größten
Anwender von Halbleitern weltweit sind Autohersteller.
Computer und computergesteuerte Maschinen werden
immer unerläßlicher für die Textil- und Bekleidungsindustrie sowie die Stahlverarbeitung. Und wir alle
kennen die elementare Rolle, die moderne Telekommunikationssysteme beim Wachstum unserer
Volkswirtschaften spielen.
Aus diesem Grund müssen wir in dieser Woche ein
Abkommen erzielen. Die anhängigen Themen sind
entscheidungsreif. Wir haben eine historische Chance, die Zölle auf diese Produkte zu beseitigen. Wir
müssen sie ergreifen.
Unsere zweite Herausforderung ist rasches Vorgehen,
um die Verhandlungen über Basistelekommunikationsdienste bis zum 15. Februar 1997 abzuschließen. Die
Investoren streben zunehmende Berechenbarkeit im
Telekommunikationssektor als Teil eines gut funktionierenden internationalen Handels- und Investitionsregimes an. Die Telekommunikationsindustrie ist eine
strategisch wichtige Industrie und ein Generator für
Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Wenn wir in
der WTO Erfolg haben, wird die Liberalisierung der
Basistelekommunikationsdienste Investitionen sowie
die Anwendung neuer Technologien in größeren
geographischen und Produktionsgebieten ankurbeln.
Die Vereinigten Staaten und Europa haben vor kurzem
Verbesserungen der bei den Verhandlungen über
Basistelekommunikationsdienste vorgelegten Angebote bekanntgegeben, und wir fordern die anderen auf,
mit uns gleichzuziehen. Das ist zweifelsohne unsere
Hoffnung und Erwartung. Angesichts der Kürze der
Zeit von diesem Ministertreffen bis zum Abschluß der
Verhandlungsrunde hoffen wir, daß alle WTO-Mitglieder in sinnvoller Weise zu einem Abkommen
beitragen, das Marktzugang und Investitionschancen
im 21. Jahrhundert bietet.
Ich möchte jedoch eines eindeutig klarstellen. Heute
entfallen nahezu 50 Prozent der gesamten Einnahmen
im Telekommunikationsbereich weltweit auf die Vereinigten Staaten. Und wir können und wollen uns nicht
mit einer Situation zufriedengeben, in der wir nicht auf
den Märkten der anderen Hälfte der Welt operieren

Seite 2

können. Wir sind zur Übernahme einer Führungsrolle
bereit, indem wir das beste Angebot unterbreiten, aber
wir können keinen Erfolg haben, wenn die anderen
nicht ebenbürtig mitziehen.
Das bringt mich zur dritten entscheidenden Verhandlungsrunde - Finanzdienstleistungen. Wir haben uns
unsererseits zur Erlangung eines umfassenden und
bedeutungsvollen Abkommens bis Ende nächsten
Jahres verpflichtet. Unser erster Versuch bei den
Verhandlungen war nicht von Erfolg gekrönt. Warum?
Weil die Zusagen anderer wichtiger Länder weit unter
dem lagen, was für ein wirklich liberalisierendes
Abkommen erforderlich ist. In der Tat wollten sich
einige Länder nicht einmal zu ihrer bestehenden
Liberalisierung verpflichten. Um diese Gespräche
erfolgreich abzuschließen, ist es von entscheidender
Bedeutung, daß die WTO-Mitgliedstaaten ihre Zusagen auf der Grundlage der GATS-Prinzipien über
Marktzugang, gleiche Behandlung und Meistbegünstigungsstatus maßgeblich verbessern.
Wir sind überzeugt, daß der Abschluß eines Abkommens möglich ist. Wir können und sollten die
stufenweise eingeführten Verpflichtungen, wo das
angebracht erscheint, genauer prüfen, so daß sie
Zusicherungen enthalten, daß nach einem angemessenen Zeitraum unsere Anbieter von Finanzdienstleistungen umfassenden Marktzugang und auf den
Schlüsselmärkten gleiche Behandlung wie die nationalen Unternehmen genießen. Die Vorteile verbindlicher offener Regime in diesem Sektor sollten klar
sein: Mehr Zugang zu internationalem Kapital und eine
stärkere "Infrastruktur" für fortgesetzte Investitionen
und Wirtschaftswachstum.
Wenn wir beim Informationstechnologieabkommen,
den Verhandlungen über Basistelekommunikationsdienste und den bevorstehenden Verhandlungen über
Finanzdienstleistungen erfolgreich sind, werden wir
einen großen Schritt zum Aufbau einer Weltwirtschaft
machen, die für alle unsere Bürger von Vorteil ist.
Natürlich geht unsere Vision für die WTO über diese
drei Verhandlungsbereiche hinaus. Wenn die WTO
weiterhin von Bedeutung sein und auf die neuen
wirtschaftlichen Gegebenheiten reagieren will, müssen
wir nach vorne schauen, mehr Marktzugangschancen
schaffen und - wo erforderlich - neue Regeln aufstellen.
Die Arbeit muß auf vielen Gebieten fortgesetzt werden.
Wer bereits Vorteile aus dem globalen Handelssystem
gezogen hat, muß neue Wege für die weniger Begünstigten finden, damit auch sie in den Genuß der
Vorteile des Systems kommen. Wir müssen die im
WTO-Abkommen über Landwirtschaft geforderten
Reformbestrebungen fortführen. Neben der Ermutigung weiterer Zollsenkungen und Subventionskürzungen sollte die WTO Maßnahmen gegen versteckte

AMERIKA DIENST 24

�Subventionen und neue Formen des Protektionismus
wie handelsbeschränkende und nichttransparente
Aktivitäten staatlicher Handelsfirmen entwickeln. Das
TRIPs-Abkommen sollte so bald wie möglich vollständig umgesetzt und bestehende Verpflichtungen
sollten jetzt erfüllt werden. Ferner müssen wir unsere
Bestrebungen zu Gewährleistung fortsetzen, daß die
WTO offen und transparent ist. Die Öffnung dieses
Ministertreffens für auswärtige Beobachter ist ein
Schritt in die richtige Richtung. Wir werden diese und
andere Fragen in den Arbeitssitzungen eingehender
ansprechen.
•

Um lebensfähig zu bleiben, muß die WTO die Bedürfnisse der verschiedenen am Welthandel beteiligten
Interessengruppen widerspiegeln.
Jede unserer
Volkswirtschaften wird in den kommenden Jahren
aufgrund der Globalisierung stärkerem Druck ausgesetzt, und wir müssen den Arbeitnehmern helfen, sich
an ein offenes Handelssystem anzupassen und davon
zu profitieren. Wir müssen mehr unternehmen um
anzuerkennen, daß eine sich gegenseitig verstärkende
Beziehung zwischen einem offenen Handelssystem
und der Respektierung elementarer Arbeitsnormen
besteht.

Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Integrität der
Entscheidungen im Bereich der staatlichen Beschaffung würde größer, wenn alle WTO-Mitgliedstaaten
den grundlegenden Normen von Transparenz und
ordentlichem Verfahren zustimmen würden. Unseres
Erachtens ist jetzt der richtige Zeitpunkt, den ersten
Schritt zu einem WTO-Abkommen über Transparenz
bei der staatlichen Beschaffung zu unternehmen.

Aus diesem Grund möchten wir ein Abkommen
darüber abschließen, daß die WTO in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO)
die bedeutende Verbindung zwischen Handel und
Arbeitsnormen genauer untersuchen sollte. Wir sind
fest davon überzeugt, daß verstärkter Handel und
damit einhergehendes Wirtschaftswachstum auch eine
größere Achtung der grundlegenden Menschenrechte
bewirken sollten, die im Mittelpunkt unseres Vorschlags zu den elementaren Arbeitsnormen stehen.

Der Ausschuß für Handel und Umwelt muß seine
Arbeit im Bewußtsein der Tatsache fortsetzen, daß ein
Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung geleistet werden
kann, wenn die Liberalisierung des Handels durch
angemessene nationale Umweltpolitik ergänzt wird.
Für die Glaubwürdigkeit der WTO ist von entscheidender Bedeutung, daß der Ausschuß einen ausgewogeneren Ansatz beim Umgang mit Handel und Umwelt
wählt und beide politischen Perspektiven vollständig in
Betracht zieht. Die Erfüllung des vom Erdgipfel in Rio
herrührenden Mandats für nachhaltige Entwicklung
verlangt von der WTO mehr als nur die Gründung
eines Ausschusses. Das Streben nach nachhaltigem
Wachstum und Entwicklung sollte ein die gesamte
Arbeit dieser Organisation durchziehender roter Faden
sein.
Im Hinblick auf die Erweiterung der WTO-Tagesordnung sind wir bereit zu erwägen, ob die WTO eine
sorgfältige Prüfung der neuen Themen beginnen sollte,
die nach Ansicht einiger Mitglieder erörtert werden
sollten. Ebenso wie andere streben wir einen Interessenausgleich an. Aus diesem Grund sind wir bereit
zur Zusammenarbeit mit anderen, die in den Bereichen
Investitionen und Wettbewerb als Teil einer ausgewogenen umfassenden WTO-Tagesordnung ein bescheidenes Arbeitsprogramm beginnen wollen.

*

AMERIKA DIENST 24

Wir schlagen kein Abkommen über Mindestlöhne, den
Wettbewerbsvorteil
von
Niedriglohnproduzenten
zerstörende Veränderungen oder den Einsatz protektionistischer Maßnahmen zur Durchsetzung von
Arbeitsnormen vor. Wir schlagen vor, daß die Belange
der Arbeitnehmer - die eine Verzerrung des Handels
infolge seiner Liberalisierung fürchten - im Rahmen
eines bescheidenen Arbeitsprogramms der WTO
behandelt werden. Eine Liberalisierung des Handels
kann nur mit heimischer Unterstützung erfolgen. Diese
Unterstützung sowie die der WTO wird zweifelsohne
allmählich untergraben, wenn wir uns nicht mit den
Belangen der Arbeitnehmer befassen und zeigen, daß
Handel der Weg zu greifbarem Wohlstand ist.
Während wir nach vorne schauen, fehlt es uns nicht an
Herausforderungen, aber ich bin sehr optimistisch.
Diese Woche können wir eine überzeugende Botschaft
senden, daß die WTO über den Willen und die Entschlossenheit verfügt, Fortschritte zu machen, um die
starke, pulsierende und pragmatische Institution zu
werden, die wir uns alle vorstellen. Mit viel harter
Arbeit können wir die historische Tradition der Liberalisierung des Handels fortsetzen, der wir uns alle
verschrieben haben.

* * *

*

Seite 3

�WTO
11. Dezember 1996

Abschluß eines Informationstechnologieabkommens erwartet
Rede der ehemaligen US-Handelsbeauftragten Carla Hills

WASHINGTON - (AD) - Carla Hills, die unter der Bush-Administration US-Handelsbeauftragte war, erklärte am 6.
Dezember 1996 im National Press Club, beim vom 9.-13. Dezember in Singapur stattfindenden Treffen der
Welthandelsorganisation WTO werde voraussichtlich ein Informationstechnologieabkommen (Information
Technology Agreement - ITA) verabschiedet.

Man hat mich gebeten, hier über das WTO-Ministertreffen in Singapur zu sprechen und einige Hintergrundinformationen zu geben. Wie Peter Hickman
sagte, wird es dort sehr voll werden. Mehr als 160
Nationen werden vertreten sein: 127 Mitglieder der
WTO und 34 Nationen mit Beobachterstatus. Zusätzlich werden 49 internationale Organisationen als
Beobachter anwesend sein, darunter 14 internationale
Organisationen vom IWF bis zur Weltbank, verschiedene regionale Entwicklungsbanken, die Vereinten Nationen und ihre einzelnen Unterorganisationen. Das Treffen findet also nicht im kleinen Rahmen
statt.
Meine heutigen Zuhörer wissen, was die WTO ist - im
Grunde genommen die Erweiterung des Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommens (General Agreement on
Tariffs and Trade - GATT), das bald seinen 50.
Jahrestag begeht. Unter dem GATT senkten die
Handelsnationen der Welt ihre Zölle von durchschnittlich 40 Prozent auf heute weniger als fünf Prozent.
Das führte zu einem rapiden Wachstum des Welthandels und damit zu einer Erhöhung des Lebensstandards für die Menschen auf der ganzen Welt sowie zur
Schaffung wirtschaftlicher Chancen.
Anfang der achtziger Jahre entschieden die Mitgliedstaaten des GATT unter der Führung der Vereinigten
Staaten, daß das GATT modernisiert und gestärkt
werden muß, da es sich nur auf Waren bezog, während es in schnellem Wachstum befindliche Sektoren
wie Dienstleistungen, Landwirtschaft und Hochtechnologie gab, in denen der Schutz von geistigem
Eigentum und Investitionen erforderlich waren, es

AMERIKA DIENST 24

jedoch noch keine international vereinbarten Normen
gab.
Wir begannen die Uruguay-Runde multilateraler
Handelsgespräche im Jahr 1986. Sie führten 1994
zum Abschluß Dutzender neuer Abkommen über
Tausende von Zollsenkungen und neue Verpflichtungen hinsichtlich Dienstleistungen, Schutz geistigen
Eigentums und Investitionsschutz. Das war begrüßenswert. Mehr als 100 Nationen unterzeichneten
verschiedene rechtsverbindliche Texte. Eines der
Abkommen führte zur Gründung der Welthandelsorganisation WTO als Nachfolgeorganisation des
GATT, behielt das GATT jedoch für Handel und Waren
bei. Die uns vorliegende Frage lautet jetzt: Was hat
die WTO in den zwei Jahren ihres Bestehens erreicht?
Zwei Jahre sind wahrscheinlich ein zu kurzer Zeitraum,
um eine abschließende Bewertung der Leistungen der
WTO vorzunehmen, insbesondere da viele ihrer
Verpflichtungen fortlaufend sind und stufenweise
eingeführt werden. Lassen Sie mich Ihnen jedoch ein
halbes Dutzend Beispiele für die Bereiche geben, bei
denen die WTO meines Erachtens weitaus substantiellere Verbesserungen als ihr Vorgänger bewirkt hat.
Erstens hat sie größere Reichweite. Ihre 29 rechtsverbindlichen Abkommen umfassen auch Dienstleistungen. Das ist für die Vereinigten Staaten wichtig,
da wir weltweit der größte Anbieter von Dienstleistungen sind und jährlich Dienstleistungen im Wert von
etwa 200 Milliarden Dollar verkaufen. Die Welthandelsorganisation hat erstmals einer Kürzung von
Agrarsubventionen und der Umwandlung mengen-

Seite 1

�mäßiger Beschränkungen in Zölle zugestimmt, um
diese dann zu senken. Und die WTO-Mitgliedstaaten
stimmten erstmals Regeln für den Schutz von Patentrechten, Warenzeichen, Urheberrechten und Handelsgeheimnissen zu. Und sie einigten sich auf die
Stärkung der Handelsregeln des GATT durch die
Forderung, daß die WTO-Mitglieder ausnahmslos alle
rechtsverbindlichen Texte unterzeichnen. Man kann
sich jetzt nicht mehr nur für einige Texte entscheiden,
wie es beim GATT der Fall war. Wenn man ein
Abkommen unterzeichnet, unterzeichnet man alle.
Diese Regel gilt für alle Bereiche mit Ausnahme der
staatlichen Beschaffung. Und wenn das Abkommen
schließlich umgesetzt wird, ist das für das alte Gebiet
der Waren auch von Vorteil, da die Zölle auf Waren
möglicherweise zusätzlich um ein Drittel gesenkt
werden. Und bei 45 Prozent der Industriegüter werden
die Zölle vollständig abgeschafft, einschließlich
wichtiger Sektoren wie Pharmazeutika, Papier und
Möbel - allesamt für die Vereinigten Staaten wesentliche Bereiche.
Der Konfliktschlichtungsmechanismus der WTO ist viel
klarer und schneller. Dieser Bereich hat meines
Erachtens außerordentlich viel Erfolg zu verzeichnen.
Seit Anfang November fanden weltweit 62 Konsultationen über handelspolitische Differenzen statt.
Die Vereinigten Staaten waren bei 21 Kläger und bei
neun Antragsgegner. Wir haben vier Fälle gewonnen
oder beigelegt. 16 Verfahren sind anhängig. Wir
verloren in zwei Fällen, und wer sie studiert, wird
meines Erachtens zu dem Schluß kommen, daß das
Resultat richtig war. Und es gab als Ergebnis der
Antragseinreichungen einige Schlichtungen außerhalb
des Systems. Das ist meines Erachtens eine Erfolgsgeschichte über den Abbau handelspolitischer Streitigkeiten.
Und schließlich schafft die WTO im Gegensatz zum
GATT eine dauerhafte institutionelle Struktur, so daß
ein Wirtschaftsminister den mehr als 100 Nationen
neue Ideen für eine internationale Norm vorlegen
könnte, ohne eine völlig neue, umfassende Runde
handelspolitischer Gespräche einleiten zu müssen.
Durch diese Tür fanden die neueren Themen Einlaß Arbeit, Umwelt und Wettbewerbspolitik. Und sie
werden weiterhin Einlaß finden. Die Tatsache, daß sie
von Anfang an umstritten waren und der Generalsekretär Schwierigkeiten bei der Konsensbildung hat, ist
nicht überraschend. Schließlich wollten die Vereinigten Staaten die Uruguay-Runde 1982 einleiten,
was jedoch erst 1986 geschah. Es braucht also
gewisse Zeit, um einen Konsens zu erarbeiten.
Worüber werden die Minister in Singapur sprechen?
Meines Erachtens wird die Umsetzung der verschiedenen WTO-Abkommen im Mittelpunkt stehen, einschließlich der noch aus der Uruguay-Runde herrührenden Fragen und der sogenannten eingebauten

Seite 2

Tagesordnung, bei der die WTO-Mitglieder sich auf die
künftige Aushandlung bestimmter Bereiche einigten.
Im folgenden möchte ich einige dieser Bereiche
aufzeigen.
Basistelekommunikationsdienste.
Diese Verhandlungen erstrecken sich auf einen Weltmarkt von 500
Milliarden Dollar. Sie sollen im Februar 1997 zum
Abschluß gebracht werden. Die ursprünglich auf April
1996 festgesetzte letzte Frist wurde verlängert, weil
nur 11 Nationen dem amerikanischen Angebot nachkommen wollten. Lateinamerika und Osteuropa hätten
unserem Angebot zugestimmt, wünschten jedoch
einen Zeitraum von einem bis fünf Jahren. Die
asiatischen Nationen legten keine vergleichbaren
Angebote vor. Die derzeitigen Berichte besagen, daß
die Verhandlungen gut verlaufen. Bei einer Wette
würde ich darauf setzen, daß sie Anfang 1997 zu einer
Resolution führen werden.
Zweitens Finanzdienstleistungen. Die Verhandlungen
über Finanzdienstleistungen sollen im nächsten Jahr
wieder aufgenommen werden. Die Verhandlungen
führten zu einem Interimsabkommen, das im Mai
unterzeichnet wurde und im August dieses Jahres in
Kraft trat. Ende nächsten Jahres soll es überprüft und
annulliert werden. Die Vereinigten Staaten haben sich
beschwert, daß das Abkommen derzeit in vielen
Entwicklungsländern existierende Rechte nicht
festgeschrieben hat, insbesondere das Recht, Mehrheitsaktionär von Finanzinstitutionen zu sein. Unternehmen, die 80 Prozent einer Firma gekauft hatten,
wurde mitgeteilt, daß die Gastregierung diesen
Prozentsatz gemäß der Vereinbarung auf unter 50
Prozent senken könnte, und das käme von seiner
Wirkung her einer Abschottung des Marktes gleich.
Meines Erachtens werden in diesem Jahr enorme
Anstrengungen unternommen, um vor allem die
Nationen in Lateinamerika und Asien zu überzeugen,
bessere Angebote für den Sektor Finanzdienstleistungen zu unterbreiten.
Die Vereinigten Staaten haben die Verhandlungsrunde
über die maritimen Dienstleistungen im Juni verlassen.
Nur 36 Nationen machten Zusagen, und es wurde
vereinbart, die Verhandlungen bis zum Jahr 2000
auszusetzen.
Anfang des Jahres 2000 wird es eine Verhandlungsrunde über Dienstleistungen im allgemeinen geben,
die alle Arten von Dienstleistungen abdeckt, in der
Hoffnung, daß die Nationen Dienstleistungen außer
Tourismus, Information und Gesundheit - die bereits
abgedeckt sind - ansprechen werden.
Landwirtschaft ist stets ein umstrittenes Thema. Unter
den Bedingungen des Abkommens ist eine weitere
Runde vorgesehen, die 1999 beginnen soll. Die
OECD schätzt, daß Agrarsubventionen und Unterstützungsleistungen den Verbraucher noch immer rund

AMERIKA DIENST 24

�350 Milliarden Dollar pro Jahr kosten. Die Vereinigten
Staaten und die 14 Mitglieder der Cairnsgruppe, die
sieben ASEAN- und mehrere lateinamerikanische
Nationen sowie Australien umfaßt, möchten die Arbeit
im Vorfeld der Verhandlungen im Jahr 1999 beginnen.
Sie möchten, daß die Arbeit 1997 aufgenommen wird.
Korea, Japan und die Europäische Union lehnen das
ab. Wäre ich ein Buchmacher, würde ich sagen, es ist
ziemlich unwahrscheinlich, daß vor der Frist 1999 sehr
viel Arbeit geleistet wird.
Der wichtigste Zusatz zu dieser eingebauten und der
unerledigten Tagesordnung wurde bereits erwähnt - es
ist das Abkommen über Informationstechnologie. Die
Vereinigten Staaten messen ihm hohe Priorität bei.
Wir streben bis zum Jahr 2000 einen schrittweisen
Abbau der Zölle - hoffentlich bis auf Null - bei einer
Vielzahl von Geräten an: Computern, LAN-Ausrüstung, Supercomputern und Halbleitern. Das Forum
für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) unterstützt das Konzept. Einige APECNationen hatten das Gefühl, daß ihre Erwartungen
nicht erfüllt wurden und andere gewisse Schwierigkeiten mit dem Zeitplan. Aber meiner Ansicht nach
wird es in Singapur eine eingehende Erörterung dieses
Themas geben, und ich gehe davon aus, daß eine Art
von Einigung erzielt wird.
Auch die Aufnahme neuer Mitglieder wurde bereits
erwähnt. Wie Sie wissen, ist ein weiterer großer Erfolg
der WTO der Wunsch so vieler Nationen, deren
Volkswirtschaften sich im Übergang befinden und die
von einer Plan- zur freien Marktwirtschaft gelangt sind,
der WTO beizutreten. Zur Zeit sind 34 Aufnahmeanträge anhängig, darunter die von China, Taiwan,
Vietnam, Saudi-Arabien und Rußland. Und jeder
dieser Anträge stellt eine Herausforderung dar.
Die Minister werden sich schließlich auch mit den
sogenannten neueren Themen auseinandersetzen
müssen, die kontrovers sind. Ich möchte drei oder vier
in absteigender Reihenfolge ihrer Umstrittenheit
nennen.
Erstens Arbeitsnormen.
Generalsekretär Renato
Ruggiero hat in seinem Entwurf der Erklärung vorgeschlagen, daß er Arbeitsnormen ansprechen wird.
Die ASEAN-Nationen, Brasilien und Ägypten sind
entschieden dagegen.
Die Vereinigten Staaten
werden die Erklärung nicht unterschreiben, solange
die wesentlichen Arbeitsnormen nicht erwähnt werden.
Informationen zufolge stimmen die Europäische Union,
Japan und Australien der Erwähnung zu - beharren
jedoch nicht auf einem bestimmten Wortlaut. Die

*

AMERIKA DIENST 24

Frage lautet daher, ob die Arbeitsnormen erwähnt
werden. Ich vermute, daß sie mit einer gewissen
Erwähnung gelöst werden könnte.
Die Sprachregelung des Entwurfs ist äußerst vorsichtig. Sie lautet,
daß die Internationale Arbeitsorganisation die oberste
Rechtsprechung in diesem Bereich hat und mehr
getan werden sollte.
Zweitens Investitionen. In der OECD werden gute
Fortschritte bei einem multilateralen Abkommen über
Investitionen erzielt. Generalsekretär Ruggiero hat
vorgeschlagen, daß die WTO auch die Arbeit an
Investitionen aufnehmen soll. Die Vereinigten Staaten
würden es vorziehen, wenn die OECD ihre Arbeit
abschließen würde, bevor die WTO sich eingehender
damit befaßt.
Und die Entwicklungsländer sind
gespalten. Einige möchten nicht, daß die WTO das
Thema Investitionen anspricht. Sie möchten unilateral
die Regeln für ihre Geschäfte mit ausländischen
Investoren festlegen. Andere wünschen eine Diskussion mit der WTO aus der Sorge heraus, daß ihren
Interessen nicht gedient sein könnte, wenn die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - der Club der Reichen - zu einer Resolution
über ein Investitionsabkommen ohne ihren Input
kommt. In der Welt der Entwicklungsländer gibt es hier
also eine Dichotomie, bei der einige es vorziehen, daß
die WTO Schritte zu einem Investitionsarrangement
unternimmt und andere nicht wollen, daß irgendeine
Organisation ein Investitionsabkommen abschließt,
das sich mit ihren Interessen befaßt.
Die Umwelt wurde als kontroverses Thema angesehen, erwies sich dann jedoch als nicht so umstritten.
Die Erklärung wird den Bericht des Ausschusses für
Handel und Umwelt erwähnen, und wahrscheinlich
werden die Minister die WTO um die Fortsetzung ihrer
Arbeit bitten. Grundsätzlich fordert der Anfang November vorgelegte Bericht des Ausschusses Zusammenarbeit zwischen der WTO und Institutionen, die
multilaterale Umweltabkommen umsetzen. Der Bericht
umging den umstrittensten Bereich wie den Einsatz
von Handelssanktionen zur Durchsetzung von Umweltnormen. Der Bericht schlägt vor, daß Differenzen
zwischen den Parteien eines multilateralen Umweltabkommens im Rahmen der Vereinbarung behandelt
werden, obwohl die Parteien ihre WTO-Rechte
behalten würden. Das wirft die Frage auf, was geschieht, wenn es eine Unvereinbarkeit gibt. Die
Sprachregelungen wurden fallengelassen, die die
WTO-Mitglieder aufgefordert hätten sicherzustellen,
daß die in allen multilateralen Umweltabkommen
verankerten Handelsmaßnahmen im Einklang mit der
WTO stehen müssen.

* * *

*

Seite 3

�HANDEL
11. Dezember 1996

USA müssen aktivistische Handelspolitik verfolgen
von Alan P. Larson

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen vom Abteilungsleiter für wirtschaftliche und unternehmerische
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Alan P. Larson, verfaßten Artikel über die Bedeutung des
internationalen Handels.

Wie wir alle wissen, ist die Welt gewachsen und wird in
zunehmendem Maße interdependent.
Beispielsweise entsprachen in den sechziger Jahren
die amerikanischen Importe und Exporte dem Wert
von 9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Jetzt nähern
sie sich - einschließlich Geldtransfers und anderer
Inputs - der 30-Prozentmarke und werden wahrscheinlich bis zum Ende der ersten Dekade des
nächsten Jahrtausends um weitere 10 Prozent
ansteigen. Die Vereinigten Staaten sind der weltweit
größte Exporteur geworden. 1995 exportierten sie
Waren und Dienstleistungen im Wert von über 780
Milliarden Dollar.
Die Vereinigten Staaten waren in den letzten drei
Jahren das konkurrenzfähigste Land der Welt. Die
amerikanische Volkswirtschaft bietet weiterhin einen
höheren Lebensstandard als die europäische und
japanische.
Es besteht kein Grund, den Zusammenhang zwischen
dem Wohlstand unserer Nation und unserer erwiesenen Konkurrenzfähigkeit auf den internationalen
Märkten zu bezweifeln. 95 Prozent der Verbraucher
weltweit leben außerhalb der Vereinigten Staaten, viele
von ihnen in den dynamischen, neuentstehenden
Märkten Lateinamerikas und Asiens, die viermal so
schnell wachsen wie unsere traditionellen Exportmärkte.
Ihr Wachstum ist auch für uns von Vorteil - jedoch nur,
wenn ihre Märkte für unsere Produkte offen sind und
unsere Märkte für ihre. Die Öffnung dieser Märkte ist
die beste Strategie für die Schaffung hochbezahlter
Arbeitsplätze für amerikanische Arbeitnehmer. Die

AMERIKA DIENST 24

Statistiken zeigen, daß ungefähr 11 Millionen amerikanische Arbeitsplätze exportabhängig sind - allein eine
Million von Agrarexporten. Ich muß hinzufügen, daß
es sich hier um hochwertige Arbeitsplätze handelt,
deren Bezahlung im Durchschnitt zehn Prozent über
der nichtexportabhängiger Arbeitsplätze liegt. Tatsächlich kam eine jüngere Studie zu dem Schluß, daß
die Schaffung von Arbeitsplätzen bei Exportunternehmen fast 20 Prozent höher liegt als bei anderen
Firmen.
Amerika hat Vorteile durch den freien Handel, ist aber
auch davon abhängig, daß der Handel fair ist. Wir
wenden aggressiv unsere heimischen Handelsgesetze
an, wenn ausländische Firmen den Versuch zum
Absatz ihrer Produkte in unserem Land zu Dumpingpreisen unternehmen oder durch illegale Subventionen
begünstigt werden. Wir nutzen häufig den Konfliktschlichtungsmechanismus der Welthandelsorganisation WTO, um unseren Rechten Geltung zu verschaffen. Wir haben der WTO mehr Fälle zur Schlichtung vorgelegt als irgendein anderes Land der Welt.
Die Vereinigten Staaten müssen eine aktivistische
Handelspolitik verfolgen, die internationale Regeln
stärkt, um noch mehr Vorteile aus dem Handel zu
ziehen. Beispielsweise reflektiert die Unterstützung
der Uruguay-Runde und der WTO durch die Vereinigten Staaten unser vitales Interesse an einem
globalen System, das für Handel, Investitionen und
Finanzfluß offen ist.
Wir setzen uns durch folgende Maßnahmen für die
Stärkung der WTO als Institution ein:

Seite 1

�Erweiterung der Mitgliedschaft auf wirtschaftlich sinnvolle Weise. Wir drängen auf Marktreformen in Rußland, China und den Neuen
Unabhängigen Staaten um sicherzustellen,
daß der Beitritt dieser Staaten zum Handelssystem Marktschancen für die Industrie der
Vereinigten Staaten schafft.
Schaffung der Grundlagen für die Lösung
neuer Handelsfragen - beispielsweise Aufdeckung von Bestechung zum Abschluß von
Verträgen - und Förderung des Bewußtseins
für die Bedeutung grundlegender Arbeitsnormen für das Handelssystem.
Bestrebungen zur weiteren Senkung von
Zöllen in Schlüsselsektoren, die für die Vereinigten Staaten von elementarem Interesse
sind, beispielsweise Informationstechnologie.
Ferner arbeiten wir an einem qualitativ hochwertigen Abkommen in der WTO über Basistelekommunikationsdienste - ein Gebiet, auf
dem die amerikanische Industrie technisch
führend ist.
Zusammen mit unseren Bestrebungen zum Abbau von
Handelshemmnissen und zur Stärkung der Regeln für
die Förderung eines transparenten Handelssystems
handeln wir ferner in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein
Abkommen über die Schaffung neuer Investitionsmöglichkeiten aus, das ein hohes Maß an Schutz für
amerikanische Auslandsinvestitionen gewährleistet.
Dieser neue Maßstab für weltweites Investitionswachstum und Stabilität wird als multilaterales Investitionsabkommen bezeichnet. Dieses Abkommen ist für alle
Volkswirtschaften offen, die sich an diese hohen
Investitionsmaßstäbe halten möchten.
Diese Vision freieren Handels fördert auch die regionale Zusammenarbeit. Initiativen in der asiatisch-pazifischen Region und in der westlichen Hemisphäre
verpflichten einige der weltweit größten Länder mit
dem stärksten Wachstum zur Abschaffung von
Handels- und Investitionshemmnissen innerhalb der
nächsten zwei Jahrzehnte.
Beispielsweise hat sich das Forum für asiatischpazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) das
ehrgeizige Ziel von freiem Handel und Investitionen in
der Region bis 2010 und in den Entwicklungsländern
bis 2020 gesetzt.
Die Länder der westlichen Hemisphäre arbeiten auf die
Schaffung einer Freihandelszone auf dem amerikanischen Kontinent bis 2005 hin.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich auch bilateral
mit anderen Ländern für die Erweiterung des Zugangs
zu ihren Märkten. Die Vereinigten Staaten haben mit

seite 2

Japan 22 Abkommen über Marktöffnung in Bereichen
wie Autos und Autoteile, Telekommunikation, Investitionen und Schutz des Rechts auf geistiges
Eigentum abgeschlossen. Unser Ansatz zeigt Resultate: Die amerikanischen Exporte nach Japan haben seit
1992 um 34 Prozent zugenommen.
Wir drängen China zur Annahme der WTO-Handelsverpflichtungen. Wir haben ferner Druck auf China
ausgeübt, die bisher von dem Land verabschiedeten
Abkommen über den Schutz unserer Rechte auf
geistiges Eigentum umzusetzen.
In der Tat besteht eines unserer wichtigsten handelspolitischen Ziele in der Gewährleistung, daß das
geistige Eigentum der Vereinigten Staaten und die
Industrien, die es produzieren und legal exportieren,
auf den überseeischen Märkten angemessenen
Urheberrechtsschutz erhalten.
Wir arbeiten bilateral, in der WTO und der Weltorganisation für geistiges Eigentum (World Intellectual
Property Organization - WIPO) zusammen um sicherzustellen, daß angemessene Regeln existieren,
eingehalten und durchgesetzt werden.
Wir drängen auch aktiv auf die bestmögliche Umsetzung nationaler Gesetze und Vorschriften sowie der
von der WTO und der WIPO festgesetzten internationalen Regeln und Normen.
Die Liberalisierung des Agrarhandels ist ein weiteres
wichtiges Ziel der Vereinigten Staaten bei künftigen
Handelsgesprächen. Agrarexporte in Höhe von 56
Milliarden Dollar im vergangenen Jahr machten über
sieben Prozent der amerikanischen Gesamtexporte
aus und überstiegen die Agrarimporte bei weitem.
Unser Grundsatz ist die aktive Aushandlung und
Umsetzung von Abkommen - global, regional oder
bilateral - die amerikanische Interessen voranbringen,
fördern und schützen sowie ein auf Regeln basierendes faires und freies internationales System.
Das aus Beamten des Ministeriums und unserer
Botschaften bestehende Amerikabüro im US-Außenministerium arbeitet auf einer sehr praktischen Ebene
um zu gewährleisten, daß die amerikanischen Unternehmer und Arbeitnehmer in der Weltwirtschaft
konkurrenzfähig sind.
Unsere Botschafter und Beamten der Wirtschaftsabteilungen führen Verhandlungen über Wirtschaftsabkommen, darunter Abkommen über den zivilen
Luftverkehr und Investitionen, Steuerverträge, Abkommen über den Schutz geistigen Eigentums sowie
Maßnahmen zur Marktöffnung. Unsere Botschaften
waren amerikanischen Unternehmen beim Abschluß
und der Umsetzung von Verträgen behilflich - bei-

AMERIKA DIENST 24

�spielsweise einem Telekommunikationsvertrag in El
Salvador in Höhe von 50 Millionen Dollar.
Handel ist für unseren Wohlstand wichtiger als je
zuvor. Die amerikanische Wirtschaft ist gut für erfolg-

AMERIKA DIENST 24

reichen Wettbewerb gerüstet. Es liegt in unserem
Interesse, diese Art von aktivistischer Handelspolitik zu
verfolgen, die globale Handelsregeln stärkt und die
Chancen für weiteres Wachstum unserer Wirtschaft
erhöht.

Seite 3

�MENSCHENRECHTE

11. Dezember 1996

Überblick über die Menschenrechtssituation
Rede von Botschafterin Albright

VEREINTE NATIONEN - (AD) - In einer Rede vor der UN-Generalversammlung am 21. November 1996 forderte
die Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, die internationale
Staatengemeinschaft auf, Ruanda bei der Erfüllung seines Versprechens behilflich zu sein, die Rechte der
zurückkehrenden Flüchtlinge zu schützen und mit dem internationalen Tribunal für den Genozid von 1994
zusammenzuarbeiten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Albright.

Frau Vorsitzende, das 20. Jahrhundert brach an in
einem Klima der Hoffnung inmitten eines generellen
Klimas von Frieden und beeindruckendem technologischen Wandel. Die in Den Haag versammelten
Diplomaten erweiterten den Einflußbereich des
humanitären Völkerrechts. Ehrgeizige Vorschläge für
kollektive Sicherheit kamen in Mode. Und die Kommentatoren sagten ein Zeitalter von beispiellosem
Frieden und gutem Willen voraus.

Während wir in diesem Jahr hier zusammenkommen,
gibt es viele gute Nachrichten.

Es folgte das blutigste Jahrhundert in der Geschichte
der Menschheit.

Auf der ganzen Welt streben zukunftsorientierte
Nationen auf jedem Kontinent die Umsetzung der bei
der 4. Weltfrauenkonferenz verabschiedeten Aktionsplattform an.

Auch heute bereiten wir uns auf ein neues Jahrhundert
vor.
Auch wir leben in einem Zeitalter von relativem Frieden
und raschen technologischen Fortschritten.
Auch wir haben Grund zur Hoffnung.
Aber wenn wir ein neues Jahrhundert vermeiden
wollen, das so voller Enttäuschungen wie das vergangene ist, müssen wir zusammenarbeiten, um elementare Normen von Recht und Unrecht festzusetzen und
einzuhalten.
Das bedeutet, daß wir jede Nation zur Erfüllung ihrer
Verpflichtungen im Rahmen der UN-Charta und der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ermutigen
müssen.

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In Guatemala hat eine starke neue Regierung begonnen, Strafverfolgung einzuführen, die Korruption zu
bekämpfen, die Respektierung der Menschenrechte zu
verbessern und den am längsten andauernden Konflikt
in der Hemisphäre auf dem Verhandlungsweg zu
einem Ende zu bringen.

Und der begrüßenswerte Trend zu offeneren Volkswirtschaften und politischen Systemen dauert an. In
den vergangenen beiden Jahrzehnten hat sich die
Zahl demokratischer Nationen mehr als verdreifacht.
Allein in diesem Jahr gingen über eine Milliarde
Menschen zur Wahl.
Bedauerlicherweise ist der Trend zu Demokratie nicht
universell. Zahlreiche Regierungen greifen weiterhin
zur Ausübung ihrer Amtsgewalt nicht auf die Zustimmung des Volkes, sondern auf Zwang zurück.
Burma ist ein Beispiel.
Hier haben die Behörden ihre eigene Version der
Realität.

Seite 1

�Sie behaupten, ihre Gegner seien von Außenstehenden beeinflußt, während die Opposition in Wirklichkeit
aus zutiefst patriotischen Einheimischen besteht. Sie
behaupten, ihre Verfassungsgebende Versammlung
sei demokratisch, während sie in Wirklichkeit reine
Täuschung ist - vollständig von der Regierung kontrolliert und gelenkt. Sie behaupten, den illegalen
Drogenhandel zu bekämpfen, während das Militär in
Wirklichkeit die Augen vor der Herstellung und dem
Handel mit Drogen verschließt.
Heute gibt es in Burma eine Art Repression, die kommt
und geht. Jeder kleinen Öffnung folgt ein Rückschlag.
Die Regierung hat verhindert, daß Aung San Suu Kyi
und die Nationale Liga für Demokratie einen Parteikongreß einberiefen. Der Nobelpreisträgerin wurde häufig
verboten, in der Öffentlichkeit zu sprechen. Und
Anfang dieses Monats wurde sie von Verbrechern
überfallen, die nicht ohne offizielle Unterstützung
hätten handeln können.
Im Sommer letzten Jahres erließ die SLORC ein
Dekret, in dem Gefängnisstrafen von bis zu 20 Jahren
für jeden angedroht wurden, der den Staat unterminiert
oder die Bestebungen zum Entwurf einer neuen
Verfassung kritisiert. Man kann sich kaum ein repressiveres Gesetz vorstellen.
Entsprechend wird meine Regierung die Generalversammlung in diesem Jahr drängen, ihre uneingeschränkte Unterstützung für Demokratie und Menschenrechte in Burma zum Ausdruck zu bringen. Die
Versammlung könnte einen echten demokratischen
Dialog über Versammlungs- und Redefreiheit, über die
Freilassung politischer Gefangener und ein Ende
erzwungener Umsiedlungen sowie Zwangsarbeit
fordern.
Der Irak ist ein weiteres Land, in dem ständig weitverbreitete gravierende Verletzungen der Menschenrechte stattfinden.
Saddam Husseins Regierung ist die brutalste und
gesetzloseste der Welt. Sie zögert nicht, das irakische
Volk zu foltern und zu terrorisieren, zivile und religiöse
Dissidenten zu unterdrücken, in die Verteilung humanitärer Hilfsgüter einzugreifen und diejenigen zu ermorden, die der Opposition gegen Saddam Husseins
andauernde Herrschaft verdächtig sind.
Bedauerlicherweise ist der Irak nicht das einzige Land
in der Region, das gravierende Menschenrechtsverletzungen begeht.
Bei seinem Besuch im Iran im Februar hörte der
Sondergesandte der Vereinten Nationen Berichte über
Folter, Massenexekutionen, willkürliche Verhaftungen,
Verurteilungen ohne ordentliches Gerichtsverfahren
sowie Unterdrückung bürgerlicher Freiheiten und der
Religionsfreiheit.

Seite 2

Die Vereinigten Staaten fordern die Behörden im Irak
und Iran zur Beendigung der Unterdrückung ihrer
Völker und Unterstützung von internationalem Terrorismus sowie zu Maßnahmen für offenere und freiere
Gesellschaften auf.
Die Regierung des Sudan begeht ebenfalls ungeheuerliche Verletzungen international anerkannter Menschenrechte.
Im vergangenen Jahr hat sich nicht viel verändert. Die
Dokumente berichten weiterhin von Folter, Sklaverei,
willkürlichen Verhaftungen, religiöser Verfolgung und
Einmischung in die Verteilung humanitärer Hilfslieferungen.
Eine Hauptursache des Mißbrauchs ist der Bürgerkrieg
im Sudan. Beide Seiten tragen Schuld, aber die
Regierung verdient besondere Kritik wegen ihrer
mutwilligen Bombardierung von Zivilisten und dem
Einsatz von Streubomben, über den berichtet wird.
Meine Regierung begrüßt die Bereitschaft des Sudan,
dem Besuch des UN-Sonderberichterstatters zuzustimmen. Wir fordern jetzt, daß die Empfehlungen
des Berichterstatters vollständig umgesetzt werden
und die Regierung alles in ihrer Macht Stehende tut,
um die bewaffnete Konfrontation zu einem friedlichen
Ende zu bringen.
In Nigeria hat die Regierung den Übergang zu Demokratie und größerer Achtung der Menschenrechte
versprochen. Diese Versprechen sind willkommen,
wurden jedoch noch nicht erfüllt.
Obwohl der Wahlprozeß begonnen hat, wird er
manipuliert, um die Beteiligung der Oppositionsparteien einzuschränken. Unabhängige Zeitungen
erscheinen wieder, aber die Journalisten werden
schikaniert.
Einem Wahrheitsfindungsteam der
Vereinten Nationen wurde die Einreise nach Nigeria
erlaubt, nicht aber den Sonderberichterstattern.
Politische Häftlinge wurden freigelassen - was wir
außerordentlich begrüßen - aber mehr als 100 Personen werden noch aus vornehmlich politischen Gründen festgehalten, darunter der Oppositionspolitiker
Moshood Abiola, der als Sieger der Präsidentschaftswahlen von 1993 gilt.
Die Vereinigten Staaten fordern Nigeria auf, einen
umfassenden und glaubwürdigen Übergang zu
Demokratie zu vollziehen und die Sicherheit aufrechtzuerhalten, ohne rücksichtslos über grundlegende
Menschen- und bürgerliche Rechte hinwegzugehen.
In China sind die Vereinigten Staaten weiterhin besorgt
über Aktionen zur Einschränkung der freien Meinungsäußerung einschließlich der Verurteilung prominenter
Dissidenten. Außenminister Christopher erklärte, daß
er während seiner jüngsten Reise nach China das

AMERIKA DIENST 24

�gesamte Spektrum unserer Besorgnis mit den dortigen
Politikern angesprochen hat, darunter die Verhaftung
derjenigen, die ihre Ansichten in friedlicher Weise zum
Ausdruck brachten, und der Situation in Tibet. Die
Vereinigten Staaten werden auch in Zukunft Menschenrechtsprobleme ansprechen, die China betreffen.
In Kuba sind die Vereinigten Staaten nach wie vor
besorgt über den Mangel an Demokratie und Respektierung der Menschenrechte.
Besondere Kritik unsererseits erntete das scharfe
Vorgehen des Regimes gegen die Gruppe "Concillio
Cubano", die versucht hatte, eine Konferenz über
Demokratie und Menschenrechte zu organisieren.
Über 140 Menschen wurden festgenommen und
zusammen mit ihren Familien kontinuierlicher Überwachung und Schikanen unterworfen.
Damit Kuba prosperieren und wachsen kann, muß die
Regierung des Landes den demokratischen Wandel
zulassen. Meine Regierung würden einen solchen
Wandel begrüßen, und wir werden weiterhin mit
anderen freien Nationen zusammenarbeiten, um ihn zu
ermutigen.
Frau Vorsitzende, die Hauptursache von Menschenrechtsverletzungen ist Krieg. Und in unserem Zeitalter
gibt es eher Konflikte in einem Land als zwischen
Ländern.
In Zentralafrika beschäftigen die Spannungen zwischen den Tutsis und Hutus die internationale Staatengemeinschaft seit mehreren Jahren. Die jüngste
Rückführung von Flüchtlingen aus Ostzaire nach
Ruanda ist eine äußerst begrüßenswerte Entwicklung.
Über das unmittelbare Problem der Versorgung dieser
Flüchtlinge hinaus gibt es jedoch weiterhin zahlreiche
Probleme.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zur Zusammenarbeit mit regionalen und nationalen Politikern
sowie mit anderen besorgten Regierungen, um die
ruandischen Flüchtlinge, die noch nicht in ihre Heimat
zurückgekehrt sind, dazu zu ermutigen. Mit Respekt
nehmen wir die Verpflichtung der ruandischen Regierung zur Kenntnis, sicherzustellen, daß die Rechte und
Sicherheit dieser Flüchtlinge sowie anderer Hutus
geachet werden. Und wir hoffen, daß die internationale Staatengemeinschaft Ruanda nicht nur bei der
Erfüllung dieser Verpflichtung behilflich ist, sondern
auch die vielen, seit dem Genozid von 1994 anhängigen Strafprozesse in einem ordentlichen Gerichtsverfahren entscheidet.
Die Menschenrechtssituation gibt auch in Burundi zu
großer Besorgnis Anlaß, wo die Sicherheitskräfte
ebenso wie die ethnischen Milizen und Rebellen
weiterhin Menschenrechtsverletzungen begehen.

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Es ist beachtlich, daß die Regierung vor kurzem die
Verantwortung für das Massaker an 48 Zivilisten
übernommen und versprochen hat, die Täter zur
Rechenschaft zu ziehen. Das ist ein äußerst positiver
Schritt, und wir fordern Major Buyoya und die burundische Armee auf, der Gerechtigkeit Genüge zu
tun.
Auf dem Balkan war das Abkommen von Dayton
darauf ausgelegt, die Rechte aller Bosnier zu wahren,
unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit. Die
Durchführung erfolgte stetig, aber langsam. Wir
drängen die Parteien, die Versprechen des Abkommens in die Realität umzusetzen. Und wir bitten alle
Nationen um die Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrechertribunal, sowohl im ehemaligen Jugoslawien
als auch in Ruanda.
Ein weiteres von Bürgerkrieg heimgesuchtes Land ist
Afghanistan. Wie andernorts wurden hier die Menschenrechte durch praktisch alle kämpfenden Parteien
verletzt. Frauen und Kinder waren vornehmlich die
Opfer, nicht nur der Gewalt, sondern auch der von
einer der kämpfenden Fraktionen - den Taliban erlassenen drakonischen Sozialdekrete.
Wir fordern alle afghanischen Gruppen zur Respektierung der grundlegenden Menschenrechte auf unabhängig von Geschlecht, Ethnizität oder Religion.
Darüber hinaus ist die Beendigung der Kämpfe von
entscheidender Bedeutung. Dieser Krieg verlängert
die Agonie des afghanischen Volkes in sinnloser
Weise. Wie die ehemalige Sowjetunion aufgrund
harter Erfahrung lernte, können die Afghanen grausame und entschlossene Kämpfer sein; ihr physischer
Mut steht außer Frage. Erforderlich ist jetzt der
moralische Mut zur Beendigung der Kämpfe und zur
Gründung einer Regierung mit breiter Basis. Sowohl
diese Organisation als auch zahlreiche Mitgliedstaaten
sind zur Hilfe bei der Verwirklichung dieses Ziels
bereit.
Frau Vorsitzende, die größte Spaltung der heutigen
Welt verläuft nicht zwischen Ost und West, Nord und
Süd, oder Rechts und Links. Sie verläuft zwischen
denjenigen, die in dem Haß der Vergangenheit
verhaftet sind und denjenigen, die den Aufbau der
Zukunft anstreben.
Entsprechend appelliert meine Regierung an alle
Regierungen:
Lassen Sie uns alle die untrennbare Verbindung
zwischen menschlicher Entwicklung und menschlicher
Freiheit anerkennen.
Lassen Sie uns alle die in der UN-Charta eingegangenen Verpflichtungen erfüllen.

Seite 3

�Lassen Sie uns alle die Allgemeine Erklärung der
Menschenrechte einhalten.

Und lassen Sie uns dabei unserer gemeinsamen
Verantwortung für die Zukunft und die Kinder gerecht
werden, deren Erbe wir feierlich verwalten.

Lassen Sie uns alle die Würde unserer Bürger respektieren.

* * * * *

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�PORTRAT
11. Dezember 1996

Im Ausland geborene Amerikanerin
zur Außenministerin berufen
Porträt von Madeleine Korbel Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir das Porträt von Madeleine Albright, die von Präsident
Clinton am 5. Dezember 1996 vorbehaltlich der Bestätigung durch den Senat für das Amt des Außenministers
nominiert wurde.

Madeleine K. Albright wurde von Präsident Clinton im
Januar 1993 zur Ständigen Vertreterin der Vereinigten
Staaten bei den Vereinten Nationen ernannt. Sie ist
außerdem Mitglied von Präsident Clintons Kabinett und
des Nationalen Sicherheitsrats. Botschafterin Albright
wurde am 1. Februar 1993 bei den Vereinten Nationen
akkreditiert.
Von 1989 bis 1992 war Botschafterin Albright Präsidentin des Center for National Policy, einer gemeinnützigen Forschungsorganisation, die Studien und
Diskussionen über innenpolitische und internationale
Themen fördert. Von 1982 bis zu ihrer Ernennung als
Ständige Vertreterin war sie Forschungsprofessorin für
internationale Angelegenheiten und Direktorin des
Programms "Frauen im auswärtigen Dienst" der
Georgetown University's School of Foreign Service.
Vor ihrer Tätigkeit an der Georgetown University nahm
Botschafterin Albright an einem internationalen
Wettbewerb teil, bei dem sie mit einem Woodrow
Wilson-Stipendium am Woodrow Wilson Center for
Scholars der Smithsonian Institution ausgezeichnet
wurde, um über die Rolle der Presse bei den politischen Veränderungen in Polen 1980-82 zu schreiben.

1981 war sie Senior Fellow für sowjetische und
osteuropäische Angelegenheiten am Center for
Strategie and International Studies und von 1981-90
ein Adjunct Fellow der Institution.
Von 1978-81 war Botschafterin Albright als Mitarbeiterin des Nationalen Sicherheitsrats und den Weißen
Hauses für die außenpolitische Gesetzgebung verantwortlich und von 1976-78 persönliche Referentin für
Gesetzesfragen von Senator Edmund Muskie.
Botschafterin Albright erwarb 1968 ihren M.A. an der
Fakultät für Öffentliches Recht und Staatswissenschaft
der Columbia University, wo sie 1976 auch promovierte. 1959 hatte sie am Wellesley College ihr
Examen in Politologie mit Auszeichnung bestanden.
Zu den von ihr veröffentlichten Arbeiten zählen
Poland, the Role of the Press in Political Change,
The Role of the Press in Political Change: Czechoslovakia 1968 und The Soviet Diplomatie Service:
Profile of an Elite.
Botschafterin Albright spricht fließend Französisch und
Tschechisch und verfügt über gute Kenntnisse der
russischen und polnischen Sprache.

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Seite 1

�PORTRAT

11. Dezember 1996

Präsident Clinton nominiert
neuen Verteidigungsminister
Porträt von William S. Cohen

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend stellen wir den von Präsident Clinton am 5. Dezember 1996 für das Amt des
Verteidigungsministers ernannten William S. Cohen vor. Die Nominierung muß noch durch den Senat bestätigt
werden.

William S. Cohen gehörte drei volle Sitzungsperioden
dem Senat und drei dem Repräsentantenhaus als
Abgeordneter des zweiten Wahlbezirks von Maine an.
Der 1940 in Bangor (Maine) geborene Cohen erwarb
1962 seinen Bachelor of Arts in Latein am Bowdoin
College und 1965 seinen Bachelor of Laws cum laude
an der Law School der Boston University. Er war
Sozius in der Anwaltskanzlei Paine, Cohen, Lynch,
Weatherbee &amp; Kobritz in Bangor und Dozent an der
University of Maine. Von 1968-70 war Cohen stellvertretender Staatsanwalt für den Landkreis Penobscot,
von 1969-72 Mitglied des Stadtrats von Bangor und
1971-72 Bürgermeister von Bangor.
Cohen wurde 1972 in das Repräsentantenhaus
gewählt und für die beiden darauffolgenden Sitzungsperioden wiedergewählt. Er gehörte dem Repräsentantenhaus bis 1978 an, als er zum Senator gewählt
wurde. 1984 und 1990 wurde er erneut in den Senat
gewählt, verzichtete jedoch 1996 auf eine vierte
Kandidatur.

Cohen ist Mitglied des Streitkräfteausschusses des
Senats sowie des Ausschusses für Regierungsangelegenheiten und des Sonderausschusses für die
Nachrichtendienste.
Im Streitkräfteausschuß ist
Cohen Vorsitzender des Unterausschusses Seemacht.
Er gehört dem Unterausschuß Luftwaffe und Bodentruppen, dem Unterausschuß für strategische Streitkräfte und dem Unterausschuß für Einsatzbereitschaft
an. Ferner ist Cohen Vorsitzender des Sonderausschusses für Überalterung, des Unterausschusses für
staatliche Verwaltung und den District of Columbia des
Ausschusses für Regierungsangelegenheiten sowie
Mitglied des Ständigen Ermittlungsunterausschusses.
Cohen ist Autor des 1982 erschienenen Buchs Getting
the Most Out of Washington, das sich mit dem
Kampf gegen übermäßige Bürokratie in der Regierung
befaßt, sowie Verfasser von mehreren Romanen und
zwei Gedichtbänden. Der 56jährige ist mit Janet
Langhart verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

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�PORTRAT
11. Dezember 1996

Neuer Nationaler Sicherheitsberater nominiert
Porträt von Samuel R. Berger

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend stellen wir Samuel R. "Sandy" Berger vor, der von Präsident Clinton am 5.
Dezember 1996 zum Berater für nationale Sicherheitsfragen ernannt wurde. Berger muß nicht vom Senat
bestätigt werden.

und

außenpolitischer

Berger ist Stellvertretender Berater des Präsidenten für
nationale Sicherheitsfragen.

wirtschaftlicher, SicherheitsAngelegenheiten.

Während des Präsidentschaftswahlkampfs 1992 war
Berger hochrangiger außenpolitischer Berater von
Gouverneur Clinton und nach der Wahl Stellvertretender Direktor für nationale Sicherheit des Übergangsteams von Präsident Clinton und Vizepräsident
Gore.

Vor seiner Tätigkeit in der Clinton-Administration war
Berger (1973-77, 1981-92) Partner der Washingtoner
Anwaltssozietät Hogan &amp; Hartson sowie Direktor der
internationalen Handelsgruppe der Kanzlei.

Berger blickt auf vielfältige Erfahrung im Staatsdienst
zurück. Er war persönlicher Referent des ehemaligen
New Yorker Bürgermeisters John Lindsay, Rechtsreferent des früheren Senators Harold Hughes (Iowa)
und des Kongreßabgeordneten Joseph Resnick (New
York) sowie von 1977-80 Stellvertretender Direktor des
politischen Planungsstabs im US-Außenministerium.
Während seiner Zeit beim Außenministerium befaßte
sich Berger mit einem breiten Spektrum internationaler

Berger erwarb 1967 seinen B.A. an der Cornell
University und 1971 seinen Doktor der Jurisprudenz
an der Harvard Law School.
Berger ist der Autor von Dollar Harvest (1971), einem
Buch über die Politik für den ländlichen Raum der
Vereinigten Staaten.
Berger ist mit Susan Harrison Berger verheiratet und
hat drei Kinder - Deborah, Sarah und Alexander. Die
Bergers leben in Washington, D.C.

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�PORTRAT

11. Dezember 1996

Vom Nationalen Sicherheitsberater zum CIA-Direktor
Porträt von Anthony Lake

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir das Porträt von Anthony Lake, der am 5. Dezember 1996
von Präsident Clinton für das Amt des CIA-Direktors nominiert wurde. Die Nominierung muß noch durch den
Senat bestätigt werden.

Anthony Lake wurde am 22. Dezember 1992 zum
Berater des Präsidenten in nationalen Sicherheitsfragen ernannt und trat das Amt offiziell am 20. Januar
1993 an. Vorher hatte Lake seine Zeit zwischen seiner
Farm im Westen von Massachusetts und dem Mount
Holyoke College aufgeteilt, wo er seit 1981 Professor
für internationale Beziehungen gewesen war. Ferner
war er im Wahlkampf von Clinton/Gore als hochrangiger außenpolitischer Berater tätig.
1961 schloß Lake sein Studium am Harvard College
mit einem B.A. magna cum laude ab. Anschließend
studierte er zwei Jahre lang Volkswirtschaft am Trinity
College in Cambridge. 1974 promovierte er an der
Woodrow Wilson School of Public and International
Affairs der Princeton University.
Lake trat 1962 in den auswärtigen Dienst ein, dem er
bis 1970 angehörte. Im Rahmen seiner dortigen
Laufbahn war er Vizekonsul in Saigon (1963), Vize-

konsul in Hue (1964-65) und persönlicher Referent des
Präsidentenberaters für nationale Sicherheitsfragen
(1969-70).
Nach seiner Tätigkeit im Wahlkampf von Muskie, für
die Carnegie Endowment und die International Voluntary Services kehrte Lake 1977 ins Außenministerium
zurück und war dort unter der Carter-Administration bis
1981 Leiter des politischen Planungsstabs.
Lake ist Verfasser mehrerer Bücher, darunter Somoza
Falling (1989), Our Own Worst Enemy: The Unmaking of American Foreign Policy (Koautor) (1984)
und The 'Tar Baby' Option: American Policy Toward
Southern Rhodesia (1976). Ferner war er Herausgeber von After the Wars (1990) sowie Mitherausgeber von Legacy of Vietnam: The War, American Society, and the Future of U.S. Foreign Policy
(1976).

* * * * *

AMERIKA DIENST 24

Seite 1

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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Sr,oN ^

Z12462 C
25

20. Dezember 1996

NATO

NATO BILLIGT EINSATZ DER SFOR IN
BOSNIEN
Rede von Außenminister Christopher
beim Nordatlantikrat

UMWELT

GIPFELTREFFEN VON SANTA CRUZ IST
POSITIVES ERGEBNIS VON MIAMI
Eröffnungsansprache von Vizepräsident Gore

PORTRAT

BILL RICHARDSON
Der designierte UNO-Botschafter
WILLIAM M. DALEY
Der designierte Wirtschaftsminister
GENE SPERLING
Der neue Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats
CHARLENE BARSHEFSKY
Die designierte US-Handelsbeauftragte

GESUNDHEIT

BEKÄMPFUNG DER URSACHEN VON
INFEKTIONSKRANKHEITEN
von AID-Direktor J. Brian Atwood

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST

1996

Mit dieser letzten Ausgabe des Jahres 1996
wünscht die Redaktion des Amerika Dienst allen
Lesern ein friedliches und erfolgreiches neues Jahr.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�NATO
20. Dezember 1996

NATO billigt Einsatz der SFOR in Bosnien
Rede von Außenminister Christopher beim Nordatlantikrat

BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die Außenminister Warren
Christopher am 10. Dezember 1996 beim Ministertreffen des Nordatlantikrats in Brüssel hielt. Christopher gibt
darin einen Überblick über die von der NATO während seiner Amtszeit gemachten Fortschritte und kündigt den
Einsatz einer neuen internationalen Stabilisierungstruppe in Bosnien (SFOR) nach erfolgreichem Abschluß des
IFOR-Mandats an.

Herr Generalsekretär, verehrte Kollegen, es ist mir
eine Ehre, erneut im Namen der Vereinigten Staaten
vor Ihnen sprechen zu dürfen.
Während meiner vierjährigen Amtszeit als Außenminister hatte ich neunmal die Gelegenheit, vor dem
Nordatlantikrat eine Rede zu halten. Angesichts der
Bedeutung, die Präsident Clinton und ich unserer
Partnerschaft mit Europa beimessen und in Anbetracht
der zentralen Rolle der NATO bei der Gewährleistung
der Sicherheit all unserer Nationen ist dies einer
meiner wichtigsten Aufgabenbereiche gewesen. Auch
unsere Verbündeten standen unerschütterlich zu ihrer
Verpflichtung zur transatlantischen Partnerschaft. Sie,
meine Damen und Herren, haben uns Amerikaner
immer wieder daran erinnert, welch bedeutende Rolle
wir weiterhin in Europa spielen. Ich habe diese
Botschaft an unseren Kongreß und das amerikanische
Volk weitergeleitet. Mit ihrer Unterstützung ist unser
Bündnis stärker denn je geworden.
Der von uns zurückgelegte Weg und unsere gemeinsamen Leistungen dieser vier Jahre sollten bei all
unseren Völkern Vertrauen schaffen. Halten Sie sich
vor Augen, wo wir Anfang 1993 standen. Denken Sie
an die Unsicherheiten, mit denen das Bündnis damals
konfrontiert war, und an die unbeantworteten Fragen.
Viele fragten sich damals, ob Amerika sein Engagement in Europa fortsetzen würde. Andere stellten die
Bedeutung der NATO für die Welt nach dem Kalten
Krieg in Frage. Wir alle stimmten hinsichtlich der
Notwendigkeit einer Integration der neuen Demokratien Europas überein, hatten uns jedoch auf keine

AMERIKA DIENST 25

Strategie hierfür geeinigt. Rußland begab sich damals
gerade auf den schwierigen und unsicheren Weg zu
Demokratie und Marktwirtschaft. Der Krieg in Bosnien
befand sich auf dem Höhepunkt seiner Grausamkeit.
Wir bewältigten diese Herausforderungen, indem wir die 16 Mitglieder dieses großartigen Bündnisses unsere Interessen gemeinsam verfolgten. Bei ihrem
Gipfeltreffen 1994 einigten sich unsere Staats- und
Regierungschefs auf eine Strategie zur Umgestaltung
der NATO und zum Aufbau eines ungeteilten Europas.
1995 handelte die NATO, um den Krieg in Bosnien zu
beenden und bildete eine Koalition zur Friedenssicherung, die so umfassend war, daß wir zum ersten
Mal behaupten konnten, ganz Europa sei unter einer
Flagge in einer gemeinsamen Sache geeint. Die
NATO-Partnerschaft für den Frieden ist zu einer
dauerhaften, einigenden Kraft in Europa geworden.
Frankreich und Spanien trafen historische Entscheidungen über eine umfassendere Teilnahme am
Bündnis. Wir unterstützten die Demokratie in Rußland
und boten dem Land eine besondere Art der Partnerschaft mit der neuen NATO an. Die Ukraine, Belarus
und Kasachstan haben die Nuklearwaffen von ihrem
Territorium abgezogen. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat
von Bosnien bis zum Kaukasus hart für eine Wahrung
ihrer Grundsätze gearbeitet. Die Europäische Union
hat die Grundlagen für ihre Erweiterung geschaffen
und ihre Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten
gestärkt.
Angesichts unserer Leistungen steht außer Frage, daß
Amerika heute in Europa engagiert bleibt. Es besteht

Seite 1

�kein Zweifel daran, daß die NATO, die EU und die
OSZE funktionieren, sich weiterentwickelt haben und
gemeinsam die beste Hoffnung für den Aufbau eines
sicheren, demokratischen und integrierten Kontinents
darstellen. Es besteht über den Atlantik hinweg ein
breiter Konsens über unseren Kurs. Die NATO ist
weiterhin der zentrale Garant unserer Sicherheit.
Die europäischen NATO-Mitglieder spielen im Bündnis
eine sichtbarere Rolle. Die NATO wird bald neue
Mitglieder aufnehmen. Rußland ist bereits unser
Partner - von den Konferenzräumen Brüssels bis zu
den Schlammfeldern Bosniens.
In dieser Woche symbolisieren drei Ereignisse die von
uns erzielten Fortschritte.
Beim OSZE-Gipfel in
Lissabon verabschiedeten 55 Nationen ein umfassendes Sicherheitsmodell und einen neuen Ansatz für die
konventionelle Rüstungskontrolle in Europa. Bei der
Londoner Bosnienkonferenz kamen wir zur Unterstützung von Demokratie und Wiederaufbau in Bosnien
zusammen. Heute treffen wir uns als NATO-Verbündete, um die von unseren Staats- und Regierungschefs beim Gipfel von 1994 unterbreitete Vision
voranzubringen.
Bei der heutigen Zusammenkunft stimmen wir über
den Einsatz einer NATO-Stabilisierungstruppe in
Bosnien ab. Wir werden einer bedeutenden Stärkung
der PFF zustimmen. Wir setzen die interne Anpassung der NATO fort. Wir erklären, daß die NATO
im heutigen Europa weder die Absicht noch den Plan
hat, Nuklearwaffen auf dem Territorium eines ihrer
neuen Mitglieder zu stationieren und hierfür auch keine
Notwendigkeit sieht. Und wir bekräftigen, daß derzeit
keine NATO-Streitkräfte in Alarmbereitschaft sind. Die
NATO signalisiert ihre Bereitschaft zur Einrichtung
gegenseitiger Verbindungsbüros mit Rußland bei
unseren wichtigsten militärischen Kommandostellen.
Heute beschlossen wir ein Gipfeltreffen unserer
Staats- und Regierungschefs im Sommer 1997. Wir
werden die von uns gemachten Fortschritte bei drei
umfassenden Zielen konsolidieren, die unsere führenden Politiker 1994 festlegten: Ausstattung der NATO
für neue Rollen und Missionen, Reform ihrer internen
Strukturen und Einbeziehung neuer Verbündeter und
Partner.
Wir müssen uns weiterhin ehrgeizige Ziele setzen und
die schwierigen Fragen direkt angehen - sowohl beim
Gipfel als auch danach. Viele bedeutende Herausforderungen liegen noch vor uns. Bei der Erweiterung
von NATO und EU müssen wir sicherstellen, daß die
Türen dieser Organisationen offen bleiben. Wir
müssen hart mit unseren Partnern in Rußland und der
Ukraine zusammenarbeiten, damit diese Nationen den
ihnen zukommenden Platz in dem neuen Europa
einnehmen. Es wird Zeit erfordern, die großen wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Ost und West zu

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überwinden und den Nationen des ehemaligen
Jugoslawiens den Wiedereintritt in Europa zu ermöglichen. Wir waren bei der Verteidigung von
Menschenrechten und politischer Freiheit wachsam:
Wie uns die mutigen jungen Menschen in Serbien
gezeigt haben und die jüngsten Entwicklungen in
Belarus demonstrieren, ist der Kampf für Demokratie in
Europa noch nicht vorüber. Natürlich müssen wir
weiterhin unsere transatlantische Partnerschaft
stärken, indem wir die Schranken zwischen unseren
Völkern und Volkswirtschaften abbauen und die
globalen Herausforderungen gemeinsam meistern.
1999 werden unsere Staats- und Regierungschefs
zweifellos aus Anlaß des 50. Jahrestages der NATO
erneut zusammentreffen. Das Ereignis sollte mehr als
eine Feier anläßlich der Vergangenheit der NATO sein,
mehr als eine Zeremonie zur Begrüßung neuer
Mitglieder. Es wird der Moment sein, an dem die
NATO ihre nächsten 50 Jahre beginnt. Es wird der
Zeitpunkt sein, um den weit ins nächste Jahrhundert
hineinreichenden Kurs unserer neuen atlantischen
Gemeinschaft festzulegen. Obwohl sich seit der
Gründung der NATO viel geändert hat, bleibt das Ziel
der Vereinigten Staaten bestehen: Eine engere
Partnerschaft mit einem größeren, stärker integrierten
Europa auf diesem Kontinent und weltweit. Vor dem
Hintergrund dieses Ziels möchte ich kurz auf die
Themen eingehen, die auf der Tagesordnung für
heute, den kommenden Gipfel und die nächsten Jahre
stehen.
Heute besteht unsere unmittelbarste Aufgabe darin,
unsere endgültige Zustimmung zum Einsatz einer
neuen Friedenstruppe für Bosnien zu geben. In zehn
Tagen ist die Mission der IFOR in Bosnien beendet.
Wir werden dann eine neue Mission beginnen - mit
weniger Soldaten und einem neuen anderthalbjährigen
Mandat. Das ist aufgrund des Erfolgs der IFOR
möglich. Lassen Sie uns kurz darüber nachdenken,
wieviel Dank wir den 60.000 Männern und Frauen der
IFOR schulden. Einige gehören den erfahrensten
Streitkräften der Welt an, andere kommen aus Nationen und Armeen, die vor einigen Jahren noch gar nicht
existierten. Sie vertreten langjährige Verbündete und

ehemalige Gegner. Alle haben gezeigt, daß sie der
Aufgabe der Schaffung von Sicherheit in Europa unter
den härtesten Bedingungen gewachsen sind. Alle an
der IFOR beteiligten Nichtmitgliedstaaten der NATO
werden in der Stabilisierungstruppe bleiben.
Wir haben bislang Fortschritte gemacht, indem wir in
Bosnien einen schrittweisen Ansatz für unsere Vorgehensweise wählten. Wir beendeten den Krieg. Wir
trennten die gegnerischen Streitkräfte. Wir überwachten die Übergabe von Land. Wir beaufsichtigten die
demokratischen Wahlen. Jetzt werden die Institutionen eines geeinten bosnischen Staates aufgebaut.
Jeder Schritt hat Bosnien einen weiteren Schritt vom

AMERIKA DIENST 25

�Krieg entfernt. Aber unsere Arbeit ist noch nicht beendet.
Die IFOR und der Hohe Repräsentant hatten bewundernswürdigen Erfolg bei der Schaffung der Grundlagen für eine normale bürgerliche Gesellschaft in
Bosnien. Jetzt müssen die Parteien einen größeren
Teil der Verantwortung übernehmen.
Sie müssen die Pressefreiheit respektieren. Sie
müssen Rüstungskontrollabkommen einhalten. Sie
müssen Freizügigkeit gewährleisten und den Flüchtlingen die sichere Rückkehr in ihre Heimat gestatten.
Wir alle werden große Anstrengungen unternehmen
müssen, um diese Bedingung für den Friedensprozeß
zu erfüllen. Sie müssen dafür sorgen, daß ihre
gemeinsamen Institutionen effektiv funktionieren. Eine
kompetente und ehrliche öffentliche Verwaltung ist von
elementarer Bedeutung. Die OSZE ist verantwortlich
für die Überwachung und Veranstaltung von Kommunalwahlen, die im April stattfinden werden. Wenn
diese Wahlen erfolgreich sein sollen und die OSZE
eine zentralere und einflußreichere Rolle in Europa
übernehmen soll, müssen wir ihren Bestrebungen
unsere volle finanzielle und politische Unterstützung
gewähren.
Gerechtigkeit ist auch eine Vorbedingung für dauerhaften Frieden. Es sollte kein Zweifel an unserer Entschlossenheit bestehen, Kriegsverbrecher zu bestrafen. Wir erwarten von den Behörden in Bosnien,
Kroatien und Serbien die Festnahme von Kriegsverbrechern und ihre Auslieferung an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Aber wir brauchen bei
diesem drängenden Problem auch neue und effektive
Methoden.

ihre Nachbarn in Zentraleuropa bereits haben: Faire
Wahlen, eine freie Presse und Marktwirtschaft. Wenn
Präsident Milosevic ihren Willen respektiert, können
die Serben die erforderliche Legitimität und Hilfe
bekommen. Wenn er Serbien als eine nicht reformierte Diktatur regieren will, erhöht er nur noch seine
Isolierung und das Leiden seines Volkes.
Die internationale Staatengemeinschaft muß ebenfalls
weiterhin ihren Verpflichtungen nachkommen. Wir
müssen die Gewährung von Wiederaufbauhilfe an die
Parteien beschleunigen, die ihre Pflicht erfüllen.
Unsere Zusagen müssen in Projekte vor Ort umgewandelt werden, damit die Menschen die Vorteile des
Friedens sehen können. Aber wie Präsident Clinton
erklärte, obliegt es immer noch dem bosnischen Volk,
die Verantwortung für den Wiederaufbau seines
Landes, die Versöhnung mit seinen Nachbarn, die
Einsetzung einer demokratischen nationalen Regierung sowie die Schaffung der Grundlagen für einen
sich selbst erhaltenden Frieden zu übernehmen.
Die Mission der NATO in Bosnien, die breite Basis
unserer Koalition und unsere Zusammenarbeit mit
Organisationen wie der OSZE machen offenkundig,
daß wir eine neue NATO aufgebaut haben. Die
Herausforderung, mit der wir uns in Bosnien konfrontiert sahen, ist auch die Art von Herausforderung,
der sich eine neue NATO in der Welt nach dem Kalten
Krieg mit größerer Wahrscheinlichkeit gegenübersieht
und zeigt uns das Potential, das die NATO für die
Gewährleistung von Frieden und Stabilität hat.
Jahrelang sahen die Menschen dieses Bündnis nur als
Bollwerk gegen Aggression in Europa. Jetzt erkennen
wir, daß es das mächtigste und effektivste Instrument
für den Aufbau militärischer Koalitionen in der Welt ist.

Unsere Hilfe in Bosnien wird nur etwas bewirken, wenn
wir darauf bestehen, daß die Parteien ihren Verpflichtungen nachkommen. Der Wiederaufbau in
Bosnien ist kein Selbstzweck. Die Reparatur von
Brücken und Straßen ist unseren Zielen nur dann
förderlich, wenn auf ihnen der freie Fluß von Menschen und Waren möglich ist. Wirtschaftshilfe wird nur
stabiles Wachstum hervorbringen, wenn die neuen
Institutionen in Bosnien es sich wirksam zunutze
machen. Die Wiederaufbauhilfe soll den Friedensprozeß unterstützen und die Erfüllung der zentralen
Forderung des Daytoner Abkommens - ein geeintes,
multiethnisches Bosnien - beschleunigen, und sie ist
an die Erfüllung dieser Forderung durch die Parteien
gebunden.

Das ist ein Grund, warum wir die interne Anpassung
der NATO in die Wege geleitet haben, und das ist der
Grund für die Einführung des Konzepts alliierter
Streitkräftekommandos (CJFT). Wir möchten der
NATO eine permanente Fähigkeit verleihen, für
komplexe Missionen wie IFOR zu planen, zu üben
sowie Soldaten und Gerät zu dislozieren. Diese
Reformen werden den europäischen Verbündeten der
NATO auch eine echte Chance bieten, eine sichtbarere, verantwortungsvollere Rolle im Bündnis zu
spielen. Unsere europäischen Verbündeten haben
beispiellose Erfahrung bei der Friedenssicherung. Sie
haben jetzt die Möglichkeit, die Aktiva der NATO für
Operationen unter der Führung der WEU zu nutzen.

Wir müssen Serbien und Kroatien auch klarmachen,
daß sie der internationalen Staatengemeinschaft nur
als offene, demokratische Gesellschaften beitreten
können. Heute verurteilen wir gemeinsam die Entscheidung der serbischen Regierung, die Ergebnisse
der Wahlen vom 17. November zu ignorieren. Diese
Entscheidung muß umgekehrt werden. Die Menschen
in Serbien haben ebenfalls ein Anrecht auf das, was

Seit unserem Berliner Ministertreffen über die innere
Anpassung der NATO haben wir beträchtliche Fortschritte erzielt - bei den CJFT, den Beziehungen der
NATO zur WEU, der Entwicklung einer gemeinsamen
europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität
sowie der Reform der Kommandostruktur. Wir sollten
diese Arbeit bis zu dem Gipfeltreffen beenden. Unser
Ziel besteht in der Stärkung der Fähigkeit der NATO zu

AMERIKA DIENST 25

Seite 3

�handeln, um neue Herausforderungen zu bewältigen,
während wir gleichzeitig die Qualitäten bewahren, die
sie so erfolgreich gemacht haben, darunter das
einheitliche Kommando und die transatlantische
Verbindung.
Wir machen auch kontinuierliche Fortschritte bei
unseren Bestrebungen, die neuen Demokratien
Europas vollständig, endlich und für immer in unsere
transatlantische Gemeinschaft einzubinden.
Die
NATO-Erweiterung muß natürlich mit den stärksten
Kandidaten beginnen, sonst würde sie überhaupt nicht
beginnen. Die Nationen, die wir zuerst einladen,
sollten diejenigen sein, die am deutlichsten unter
Beweis stellen, daß sie der Verantwortung gerecht
werden können, die NATO-Verbündete gemeinsam
tragen. Um Präsident Clinton zu zitieren, glauben wir
auch, daß die neuen Mitglieder nicht später als Juni
1999 - dem 50jährigen Bestehen der NATO - aufgenommen werden sollten.
Wenn die Aufnahmegespräche beginnen, hat jeder
von uns die Pflicht, unseren Bürgern und Parlamenten
zu vermitteln, daß die Erweiterung unsere Interessen
fördern wird. Das Bündnis muß auch klarstellen, daß
dieser Prozeß ein offenes Ende hat: Die ersten neuen
Mitglieder werden nicht die letzten sein. Die NATO
sollte den Wunsch der Nationen begrüßen, die nach
dem Gipfeltreffen weiterhin die Mitgliedschaft anstreben und unseren intensivierten Dialog sowie die
Konsultationen mit ihnen fortführen. Die Aussicht der
Erweiterung hat jedem potentiellen Mitglied einen
Anreiz gegeben, tiefere Beziehungen zur NATO zu
entwickeln, die Demokratie im eigenen Land zu
bewahren und zu regionaler Stabilität beizutragen. Es
liegt in unserem Interesse, diesen Anreiz für eine
große Gruppe von Staaten beizubehalten. Die neuen
Mitglieder der NATO werden auch die Pflicht haben,
die Tür für andere offenzuhalten.
Wir müssen ferner sicherstellen, daß alle neuen
Demokratien Europas - ob sie der NATO früher, später
oder überhaupt nicht beitreten - eine Chance haben,
zur Gestaltung der Zukunft Europas beizutragen.
Deshalb sollten wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten, um so bald wie möglich den Atlantischen
Partnerschaftsrat zu gründen. Der Rat wird die
kollektive Stimme der Partnerschaft für den Frieden.
Er wird unseren Partnern einen offiziellen Konsultationsmechanismus mit dem Bündnis und einen
Mechanismus für gegenseitige Zusammenarbeit - nicht
nur direkt mit der NATO - bieten. Er wird für jedes
Mitglied der Partnerschaft und des Nordatlantischen
Kooperationsrats, an dessen Stelle er tritt, offen sein.
Am wichtigsten ist, daß der Rat uns bei der Gestaltung
der Zukunft der Partnerschaft für den Frieden behilflich
ist. Die Partnerschaft ist ein außerordentlicher Erfolg.
'1996 hat sie 16 militärische Übungen abgehalten, 25
sind für nächstes Jahr geplant. Sie hat es ermöglicht,

Seite 4

die ersten wirklich gesamteuropäischen militärischen
Koalitionen zu bilden. Heute bringen wir sie auf eine
neue Ebene. Wir haben vereinbart, daß die Mitglieder
der Partnerschaft sich am gesamten Spektrum der
NATO-Missionen beteiligen sollten. Wann und wo
immer die NATO handelt, sollten unsere Partner eine
Chance haben, an unserer Seite zu stehen. Wir haben
vereinbart, unsere Partner zusätzlich zur Durchführung
in die Planung der Mission einzubeziehen, an der sie
sich beteiligen, sowie in die reguläre Arbeit der
militärischen Behörden der NATO in Friedenszeiten.
Diese Schritte sollten rasch umgesetzt werden.
Meines Erachtens sollte die NATO auch ein Verbindungsbüro in den Partnerländern eröffnen, die dies
wünschen. Und wir sollten alle anderen Erweiterungen
in Erwägung ziehen, die der Atlantische Partnerschaftsrat vorschlägt.
Jeder von uns, alle unsere Partner und viele andere
Nationen sind auch Mitglieder der OSZE. Sie ist ein
elementarer Pfeiler des amerikanischen Engagements
in Europa. Ihre Bedeutung wird zunehmen, solange
wir die von ihr geförderten Prinzipien respektieren:
Achtung der Menschenrechte und eine offene Gesellschaft. Natürlich ist die OSZE sehr viel mehr als ein
Trendsetter geworden: Sie hat Wahlen in ganz Europa
unterstützt und war während des gesamten Krieges in
Tschetschenien für die Förderung von Dialog und
Aussöhnung vor Ort. Sie ist die einbeziehende und
notwendige Ergänzung zu den anderen Institutionen
unserer neuen atlantischen Gemeinschaft. Bosnien ist
ein Fallbeispiel: Ohne die NATO hätten wir dort nicht
den Frieden sichern können; ohne die OSZE können
wir keine Demokratie - den Schlüssel zu dauerhaftem
Frieden - aufbauen.
Beim OSZE-Gipfeltreffen einigten wir uns auf den
Umfang und die Parameter von Verhandlungen zur
Anpassung des Vertrags über konventionelle Streitkräfte in Europa. Die Verhandlungen sollten unverzüglich im neuen Jahr beginnen. Wir sind bereit,
alte Spaltungen zwischen Staatengruppen zu überwinden, das System von Begrenzungen des Vertrags
auf den neuesten Stand zu bringen sowie stabilisierende Maßnahmen und die Verifizierung zu verbessern.
Unser Ziel sind schnelle Fortschritte. Zu diesem
Zweck sollte das Bündnis Anfang nächsten Jahres
einen umfassenden Verhandlungsvorschlag vorbereiten und unterbreiten.
Auch Rußland sollte eine vitale Rolle in jeder Institution
und bei jedem Vorhaben unserer neuen atlantischen
Gemeinschaft spielen. Das ist heute möglich aufgrund
der Fortschritte, die Rußland unter Präsident Jelzins
Führung gemacht hat: Wahlen sind Realität geworden,
und die Ideale freier Marktwirtschaft verbreiten sich
zunehmend. Das ist unerläßlich, weil wir nur ein von
Tyrannei, Teilung und Krieg freies Europa aufbauen
können, wenn die größte Nation Europas unser
vollwertiger Partner ist.

AMERIKA DIENST 25

�Wir streben grundlegend neue Beziehungen zwischen
dem neuen Rußland und der neuen NATO an. Zur
Erlangung dieses Ziels muß die NATO fest entschlossen ihre Gesamtstrategie weiterentwickeln.
Wir
müssen weiterhin jeden Eindruck von Unsicherheit,
Mehrdeutigkeit oder Verzögerung vermeiden. Gleichzeitig muß die NATO ihre Bereitschaft signalisieren, mit
Rußland die Einzelheiten und Substanz wirklich
kooperativer Beziehungen zu erarbeiten.
Das Potential für diese Beziehungen zeigt sich bereits
in Bosnien. Generalmajor Montgomery Meigs, der die
Einsatztruppe kommandiert, in der amerikanische und
russische Soldaten in Tuzla dienen, hat es am besten
formuliert: Heute "ist ein Angriff auf russische Mitglieder der Einsatztruppe Eagle nichts anderes als ein
Angriff auf amerikanische Soldaten". Die Truppen
Rußlands und der NATO in Bosnien trauen einander,
sind voneinander abhängig und verteidigen sich
gegenseitig. Sie haben letztes Jahr eine gemeinsame
Aufgabe übernommen, und sie haben eine gemeinsame Aufgabe für die nächsten 18 Monate. Unsere
Aufgabe ist es, einen permanenten Rahmen zu
schaffen, der ihre Einstellung auf andere gemeinsame
Vorhaben überträgt und sie bewahrt, lange nachdem
der letzte ausländische Soldat Bosnien verlassen hat.
Diese Beziehungen sollten in einer zwischen der
NATO und Rußland verabschiedeten Charta ihren
Niederschlag finden. Rußland und das Bündnis sollten
gemeinsam einen offiziellen Rahmen für Kooperation,
Konsultationen, Ausbildung und Krisenmanagement
schaffen. Wir streben keinen starren, legalistischen
Vertrag an, sondern vielmehr einen Konsultationsprozeß und ein Schema regelmäßiger Sicherheitszusammenarbeit. Es besteht Übereinstimmung, daß
solche Beziehungen möglich sind und gleichermaßen
im Interesse der NATO und Rußlands liegen. Und wir
sind jetzt bereit, bei jedem Aspekt unserer Sicherheitsstrategie in eine neue Phase zu treten: Wir sehen der
engen Zusammenarbeit mit Rußland bei der Erarbeitung dieses lebenswichtigen Elements erwartungsvoll entgegen, so daß Rußland ein Mitspracherecht bei europäischen Sicherheitsangelegenheiten
hat, das es verdient und das Europa benötigt.
Meiner Ansicht nach kann, muß und wird auch die
Ukraine vollständiger Bestandteil der europäischen
Strömung sein. Die Ukraine hat enorme Fortschritte
bei der Überwindung der schmerzlichen und schwieri-

AMERIKA DIENST 25

gen Geschichte des Landes gemacht. Die ukrainische
Führung hat klargestellt, daß sie ihren Teil zum Aufbau
eines sicheren und integrierten Europas beitragen will.
Heute haben wir beschlossen, erweiterte Beziehungen
zwischen der Ukraine und der NATO zu definieren.
Wir sollten die Ukraine auch ermutigen, weiterhin enge
Bande zu allen Nachbarländern zu knüpfen. Das neue
polnisch-ukrainische Bataillon zur Friedenssicherung
ist beispielsweise ein sichtbarer Schritt bei der Ausmerzung der Teilung Europas. Es sollte integraler
Bestandteil der Partnerschaft für den Frieden werden,
damit es bei künftigen Missionen wie der IFOR eingesetzt werden kann.
Ich habe oft gesagt, daß unsere große Herausforderung in allen diesen Bereichen darin besteht, die Arbeit
fortzusetzen, die unsere Vorgänger begannen, als sie
nach dem Zweiten Weltkrieg unser Bündnis aufbauten.
Sie riefen die transatlantische Partnerschaft ins Leben
und entwickelten sie weiter. Wir stärken unsere
Partnerschaft und dehnen auf die seit kurzem freien
Nationen Europas das aus, was ihnen 1945 verweigert
wurde. Es geschieht nicht häufig, daß den Menschen
die Möglichkeit geboten wird, die großen Chancen zu
nutzen, die wir in der Vergangenheit verstreichen
ließen. Wir haben diese Möglichkeit - und wir ergreifen
sie.
Heute erinnern wir uns an die Leistungen von Schuman, Bevin, Sforza, Pearson, Acheson und Marshall.
Wir denken nicht oft an die zahllosen großen und
kleinen Hindernisse, die ihnen im Weg standen.
Wenige erinnern sich an die Verständigung, die sie
erzielen mußten, bevor unsere Politiker in Bretton
Woods, Washington oder Rom zusammenkommen
konnten, um die Institutionen der Nachkriegszeit aus
der Taufe zu heben. Künftige Generationen werden
sich vielleicht auch nicht an die Einzelheiten unserer
Diskussionen hier erinnern. Aber wenn wir uns
weiterhin auf das wirklich Wesentliche konzentrieren,
werden sie sich an folgendes erinnern: Das war die
Zeit, in der wir die Gründungsvision der NATO erfüllten; das war die Zeit, in der wir die Aufgabe eines
halben Jahrhunderts beendeten, ein freies und
sicheres Europa aufzubauen, dieses Mal jedoch ohne
Teilungen und ohne jemanden auszuschließen. Ich
bin dankbar für die Gelegenheit, daß ich meinen Teil
zu diesem Unternehmen beitragen konnte, und ich
weiß, Präsident Clinton ist entschlossen, es fortzuführen.

Seite 5

�UMWELT
20. Dezember 1996

Gipfeltreffen von Santa Cruz
ist positives Ergebnis von Miami
Eröffnungsansprache von Vizepräsident Gore

SANTA CRUZ - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir in wesentlichen Auszügen die Eröffnungsansprache, die
Vizepräsident AI Gore am 7. Dezember 1996 beim Gipfel über umweltverträgliche Entwicklung in Santa Cruz in
Bolivien hielt.

Es ist mir eine Ehre, heute morgen hier zu Ihnen
sprechen zu dürfen und eine Freude, wieder in
Bolivien und Santa Cruz zu sein, das ich bereits vor
einigen Jahren besucht habe.
Es ist kaum zu glauben, daß fast auf den Tag genau
erst zwei Jahre vergangen sind, seit die 34 demokratisch gewählten Staats- und Regierungschefs unserer
Region in Miami zusammentrafen und unsere Reise in
eine Zukunft auf der Grundlage von freiem Handel,
starken demokratischen Institutionen, der Bekämpfung
von Armut sowie Wachstum begannen, das das Leben
der Menschen verbessert und gleichzeitig unsere
Umwelt schützt. Nach Ansicht der Vereinigten Staaten
gehört der bolivianische Gipfel über nachhaltige
Entwicklung zu den vielversprechendsten Ergebnissen
von Miami. Wir erachten diese Konferenz und ihre
substantielle Tagesordnung als Schlüsselelemente der
Partnerschaft dieser Hemisphäre, die wir für das 21.
Jahrhundert schaffen wollen. Obwohl wir aus verschiedenen Nationen kommen und einen unterschiedlichen Hintergrund haben, sind wir geeint in der
grundlegenden Überzeugung, daß wir keine verantwortungsbewußten Hüter unserer Freiheit sein können, wenn wir nicht auch verantwortungsbewußte
Hüter von Land, Wasser und Luft dieser Hemisphäre
sind. Eine nachhaltige demokratische Entwicklung
setzt die nachhaltige Entwicklung der Ressourcen
voraus, die unsere Freiheit erhalten.
Der Gipfel für nachhaltige Entwicklung in dieser
Hemisphäre ist in vieler Hinsicht eine Brücke, die auf
den geistigen Grundlagen des Erdgipfels von Rio und
auf der in Miami begonnenen hemisphärischen
Partnerschaft steht. In den letzten beiden Jahren

AMERIKA DIENST 25

haben wir begonnen, auf eine größere Synthese
zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, sozialer
Gerechtigkeit und Umweltschutz hinzuarbeiten. Wir
lernen, daß keiner dieser Prozesse ohne den anderen
fortgesetzt werden kann. Durch unsere Zusammenarbeitsind wir zu der Erkenntnis gelangt, daß wir nicht
die Armut bekämpfen können, ohne uns mit der
Zerstörung der Umwelt zu befassen. Und wir haben
gelernt, daß wir nicht die Umwelt schützen können,
ohne wirksam gegen Armut vorzugehen.
Auf dem Weg nach Santa Cruz heute morgen wurde
unser Flugzeug wegen des Sturms nach Cochabamba
umgeleitet. Als der Himmel wieder klar wurde, gab
unser Flug von Cochabamba nach Santa Cruz mir die
Gelegenheit, von oben mehr von diesem wunderschönen Land zu sehen. Von der rechten Seite
meines Flugzeugs aus konnte ich durch die Wolken in
der Ferne fast das Land des sagenumworbenen Cerro
Rico (in Potosi) sehen. Er ist das vielleicht aussagekräftigste Symbol unserer Hemisphäre für die
enge Verbindung zwischen der Art und Weise, wie wir
uns die Erde zunutze machen, und der Armut beziehungsweise dem Reichtum, die das Resultat unseres
Umgangs mit den natürlichen Ressourcen sind. Der
Cerro Rico war früher einmal reich an Silber. Dort
stand einmal die größte Stadt unserer Hemisphäre und
unterhielt das damals mächtigste Imperium, das
Tausende von Meilen entfernt war. Dieser Reichtum
wurde jedoch schnell und grausam ausgebeutet, und
der Wohlstand war nur von kurzer Dauer. Als die
Reichtümer vollkommen erschöpft worden waren,
blieben die Berge kahl zurück und die Menschen in
diesem schönen Land litten gemeinsam mit der Erde.
Beide waren verarmt.

Seite 1

�Heute, Jahrhunderte später, wächst in unserer Hemisphäre ein neues Verständnis für die Zerbrechlichkeit der Geschenke der Erde und ihren wahren Wert.
In den Vereinigten Staaten und in allen Ländern
unserer Hemisphäre lernen wir aus unseren Fehlern.
Wir setzen uns für die Sauberheit von Wasser, Luft
und Land ein. Wir schützen gefährdete Arten. In
meinem Land können wir endlich wieder auf die Berge
schauen und dort Kondore fliegen sehen. Hier an
diesem südlichen Himmel, in den der Cerro Rico
hineinragt, sehen wir, wie dieses neue Bewußtsein die
Flügel schwingt und sich über diesen Ort erhebt, der
uns von Gott gegeben wurde. Dieser Ort ist unsere
tierra rica, unser reiches Land.
Wir kommen als Brüder und Schwestern in einer
neuen Hemisphäre zusammen und geben ein feierliches Versprechen ab: Die Menschenwürde, die
Bekämpfung der Armut und die Zukunft unseres
Planeten erfordern, daß diese tierra rica nicht zu einem
Cerro Rico wird. Dieses reiche Land soll nicht wieder
ausgebeutet werden.
Diesen Kurs verfolgten wir gemeinsam in Rio, in
Miami, hier in Santa Cruz und werden es bald in
Santiago tun. Durch Zusammenarbeit sind wir zu der
Erkenntnis gelangt, daß Regierungen allein nicht die
Lösungen für alle uns konfrontierenden Herausforderungen bieten können, sondern dem Privatsektor,
nichtstaatlichen Organisationen und den internationalen Finanzinstitutionen eine immer wichtigere
Rolle zukommt. In Zusammenarbeit tragen wir die
Mauer des Mißtrauens ab, die die Debatte über Handel
und Umwelt umgibt. Wir sind uns bewußt, daß
vorsichtige handelspolitische Maßnahmen, wie die im
Rahmen von NAFTA und MERCOSUR ergriffenen, mit
Umweltschutz, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und
sozialem Fortschritt vereinbar sind.
Und durch
Zusammenarbeit sind wir zu der Erkenntnis gelangt,
daß sozialer Fortschritt im Rahmen einer Verpflichtung
zu demokratischer Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit das gemeinsame übergeordnete Ziel
darstellt, das unsere wirtschaftlichen und umweltpolitischen Ziele verbindet.
In diesem Sinne ist unsere heutige Arbeit Teil größerer
globaler Bestrebungen zur Förderung von nachhaltiger
Entwicklung, Demokratie und Wohlstand. In Manila
kamen gerade die Staats- und Regierungschefs des
Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) zusammen und prüften am
Rande ihrer Gespräche über Handel und Integration
auch Mittel und Wege zur Säuberung des pazifischen
Ozeans sowie zur Entwicklung einer Agenda für
umweltverträgliche Städte und Industrien. In Istanbul,
Rom, Peking, Kairo und Kopenhagen kamen wir unter
der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen zusammen, um einen neuen Kurs für Fragen zu entwerfen, die für die Zukunft unseres Planeten von zentraler
Bedeutung sind, einschließlich Urbanisierung, Hunger,

Seite 2

Rolle der Frau, Bevölkerung und andere äußerst
wichtige soziale Fragen. In Managua hatte ich die
Gelegenheit zur Teilnahme an einer bedeutenden
Zusammenkunft, bei der sich viele unserer Nationen
den Zielen von CONCAUSA (Central American
Alliance for Sustainable Development) verpflichteten.
Kommende Woche werden in Genf Vertreter von mehr
als 100 Nationen zusammentreffen, um über die
nächsten Schritte für die Bewältigung der extrem
wichtigen globalen Herausforderung des Klimawandels
zu beraten. Wir wissen, daß wir uns und künftige
Generationen in große Gefahr bringen, wenn wir
dieses Risiko ignorieren. Ich bin erfreut und ermutigt
angesichts der hier und weltweit unternommenen
Bestrebungen zur Bekämpfung dieser Bedrohung.
Hier in Santa Cruz wird unsere heutige Arbeit neue
Herausforderungen bringen, neue Fragen aufwerfen
sowie unsere Diskussionen und zukünftige Arbeit
leiten. All dies sind Schlüsselelemente eines entstehenden globalen Bewußtseins über die Zukunft
unseres Planeten. Unsere Nationen haben sich
niemals zuvor im Schulterschluß so intensiv auf unsere
gemeinsamen Herausforderungen konzentriert. Und
wir haben nie zuvor so klar die Notwendigkeit von
Aktionen mit hohen Grundsätzen erkannt.
Die besondere Herausforderung, mit der wir heute und
in den kommenden Monaten konfrontiert sind, besteht
in mehr als nur der Befürwortung von Ideen - wir
müssen sie umsetzen. Wir müssen mehr unternehmen, als nur Ideen zu Papier zu bringen - wir müssen
sie vor Ort, zum Nutzen unserer Menschen umsetzen.
Wir müssen über ehrgeizige Worte und Absichtserklärungen hinaus zu konkreten Ergebnissen kommen, die im Leben der Menschen wirklich etwas
bewirken. Lassen Sie uns nicht vergessen, daß wir
heute aus einem einzigen Grund hier sind: Alles
Menschenmögliche zu unternehmen, um das Wohlergehen unserer Kinder und Enkel zu verbessern und
sicherzustellen, daß sie in einer friedlichen Welt leben
können - einer Welt mit sauberer Luft und sauberem
Wasser, in der das Versprechen des Wohlstands nicht
nur ein Traum, sondern ihr Geburtsrecht ist.
Dieses Unterfangen beginnt man am besten mit dem
Aktionsplan dieses Gipfels. Es ist ein ehrgeiziges
Dokument, das auf den in Rio, Miami und andernorts
geschaffenen Grundlagen basiert.
Und dieses
Dokument fördert die Sache nachhaltiger Entwicklung,
indem es viele der in Rio eingegangenen Verpflichtungen weiterentwickelt, anstatt völliges Neuland zu
betreten. Nach mehrjähriger Arbeit mit dem RioProzeß haben wir und der Großteil der internationalen
Staatengemeinschaft erkannt, daß die Konzentration
auf einige wenige Schlüsselthemen zu einem bestimmten Zeitpunkt bei weitem der effektivste Weg zur
Förderung der Umweltagenda ist.

AMERIKA DIENST 25

�Ich möchte zwei Bereiche unseres Aktionsplans
hervorheben, die ein besonderes Versprechen für die
Verbesserung des Lebens der Menschen beinhalten.
Erstens die Initiativen zur Verbesserung der Wasserqualität. Sauberes Wasser ist eine grundlegende
Notwendigkeit. Niemand in dieser Hemisphäre sollte
verurteilt sein, unsauberes Wasser zu trinken. Aber
allzu viele tun das jeden Tag. Viele Menschen in den
Vereinigten Staaten waren vor einigen Jahren schokkiert, als Hunderttausende unserer Mitbürger aufgrund
von Problemen mit der städtischen Wasserversorgung
in Milwaukee (Wisconsin) erkrankten.
Heute stimmen wir darin überein, daß die Länder der
Hemisphäre verschiedene innovative und spezifische
Schritte zur Verbesserung der Wasserqualität in
unserer gesamten Hemisphäre unternehmen müssen.
Im Rahmen unseres Aktionsplans werden wir unsere
Bestebungen verstärken, nicht nur die Verunreinigung
durch biologische Schadstoffe, sondern auch durch
Chemikalien und Schwermetalle zu verhindern. Und
wir werden mehr zur Förderung innovativer Finanzmechanismen unternehmen, um Gelder für die
Bestrebungen zum Schutz von Wassereservoiren zu
erhalten.
Zweitens enthält der Aktionsplan das großartige
Versprechen, allen unseren Bürgern die Vorteile der
Elektrizität zu bringen. Elektrischer Strom erleuchtet
Häuser und Schulen, kühlt Medikamente und versorgt
Unternehmen mit Energie. Trotzdem hat heute noch
ein Drittel unserer Bürger keinen Zugang zu dieser
grundlegenden Technologie. Alle unsere Bürger
müssen Zugang zu dieser elementarsten aller Dienstleistungen und das Recht haben, umfassend am
nachhaltigen Wirtschaftswachstum unserer Hemisphäre beteiligt zu sein und dazu beizutragen.
Ich freue mich feststellen zu können, daß die jüngsten
technologischen Fortschritte erneuerbare Energien
besonders attraktiv für die Stromversorgung ländlicher
Gebiete machen. Ich habe keinen Zweifel daran, daß
sie in den kommenden Jahren noch attraktiver und
kostengünstiger werden.
Unsere hemisphärische Partnerschaft macht sich
diese und andere Fortschritte zunutze, indem sie uns
gestattet, zum Vorteil aller voneinander zu lernen.
Dies sind wichtige Schritte, aber lassen Sie mich noch
einmal wiederholen, daß Worte allein nicht ausreichen.
Wichtig ist jetzt die Umsetzung. Wichtig ist Beharrlichkeit, die jedoch nur dann gegeben ist, wenn alle Teile
der bürgerlichen Gesellschaft beteiligt sind. Tatsächlich wissen wir, daß in der neu zu schaffenden Hemisphäre weder unsere Bürger noch unsere führenden
Politiker nur von den Regierungen Antworten erwarten
können. Der Privatsektor ist derzeit die wichtigste
Triebkraft für nachhaltige Entwicklung und wird es
auch in Zukunft bleiben. Betrachten Sie sich die
Bilanz. In den letzten 20 Jahren überstieg der Zufluß

AMERIKA DIENST 25

von Privatkapital in diesen Kontinent bei weitem die
offizielle Entwicklungshilfe als Hauptquelle für die
Finanzierung der von uns angestrebten Lösungen. Im
vergangenen Jahr stieg der Zufluß von Privatkapital in
die Hemisphäre auf mehr als 50 Milliarden Dollar an.
Wir ersetzen Handelshemmnisse durch Handelsbrücken. Allein innerhalb von sieben Jahren erhöhte
sich der Handel in der westlichen Hemisphäre um das
Doppelte - auf mehr als 530 Milliarden Dollar. Das
Wirtschaftswachstum in Lateinamerika beträgt in
diesem Jahr schätzungsweise 3 Prozent.
Ich möchte nochmals insbesondere Bolivien und
andere hier vertretene Länder dazu beglückwünschen,
daß sie bei der Energieversorgung und auf anderen
Gebieten das Wettbewerbsprinzip eingeführt haben.
Die zunehmende Erfahrung zeigt eindeutig, daß
Privatunternehmen sowohl für die Wirtschaft als auch
für die Umwelt besser sind als staatliche Unternehmen. Zur Förderung dieser beeindruckenden Entwicklungen haben all unsere Nationen eine große Verantwortung, die für mehr Wohlstand und nachhaltige
Entwicklung erforderlichen Instrumente bereitzustellen.
Diese Maßnahmen beinhalten eine solide makroökonomische Politik, zunehmende Privatisierung und
Kapitalisierung, ein angemessenes Regelwerk und gut
funktionierende Finanzmärkte.
Außerdem müssen wir alles in unserer Macht Stehende zur Förderung unserer umweltpolitischen Ziele
unternehmen, indem wir Umfang und Reichweite der
Informationstechnologie in unserer gesamten Hemisphäre vergrößern. Der Einsatz des modernen
Internets erleichtert den Fluß von biologischen,
geologischen und atmosphärischen Informationen, die
unabdingbare Voraussetzung für jeden soliden Plan für
nachhaltige Entwicklung sind. Das interamerikanische
Informationsnetz zur Artenvielfalt, das wir als Teil
unseres Aktionsplans einrichten möchten, ist ein
solider Vorschlag, der unsere Unterstützung verdient.
Das zukünftige Wohlergehen dieses Planeten erfordert
jedoch mehr als das, was wir hier in unserer Eigenschaft als Staats- und Regierungschefs tun oder
sagen. Unsere Zukunft hängt auch von den einzelnen
Bürgern ab, die in ihren Kommunen hart arbeiten. Ich
werde jeden Tag durch den Mut der vielen Bürger,
Kinder, Wissenschaftler, Künstler, Einheimischen,
Entwicklungsexperten und Diplomaten inspiriert, die oft
unter großer Gefahr für sich und ihre Familien am
Schutz der Umwelt und der Bekämpfung von Armut
arbeiten.
Wir haben in den vergangenen Jahren gelernt, daß wir
von Dingen träumen dürfen, die es noch nie gab.
Betrachten Sie sich, welche Wunder sich um uns
herum ereigneten:
Südafrika baut heute seinen Weg zu einer
Zukunft in Demokratie und Wohlstand.

Seite 3

�In Haiti faßt die Freiheit Fuß.
Rußland und die Vereinigten Staaten schaffen
Frieden, anstatt Raketen aufeinander zu
richten.

Auch unsere Bestrebungen für diese Hemisphäre sind
weit mehr als nur der Stoff, aus dem die Träume sind.
Sie können - und werden - mit harter Arbeit, Zielstrebigkeit und Entschlossenheit realisiert werden,

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 25

�PORTRAT
20. Dezember 1996

Bill Richardson
Der designierte UNO-Botschafter

Der Kongreßabgeordnete Richardson ist Stellvertretender Fraktionsvorsitzender und hat damit einen
der höchsten Posten der demokratischen Führung im
Repräsentantenhaus inne. Von der Führung wurde er
als einer der "produktivsten Gesetzgeber im Repräsentantenhaus" bezeichnet, der zahlreiche Gesetzesvorlagen und Zusätze in den Bereichen Umwelt,
Energie, Indianerfragen, Gesundheitswesen, Außenpolitik und Verteidigung verabschiedete.
1982 wurde Richardson gewählt, um den 3. Kongreßdistrikt von New Mexiko zu vertreten - einen der
größten und ethnisch vielfältigsten des Landes. In
seinem Distrikt sind große hispanische, indianische
und angloamerikanische Kulturen angesiedelt. Er
umfaßt Santa Fe, Taos, einen Großteil des NavajoReservats, die nationalen Labors von Los Alamos und
den Luftwaffenstützpunkt Cannon.
Bei den letzten sechs Wahlen wurde Richardson mit
durchschnittlich 70 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Er ist als Vertreter der Basis bekannt und hat
über 2.300 Stadtversammlungen abgehalten.
Richardson ist führendes demokratisches Mitglied im
Ressourcen-Unterausschuß für nationale Parks,
Wälder und Ländereien. Neben dem RessourcenUnterausschuß ist er im Handelsausschuß, dem
Ständigen Sonderuntersuchungsausschuß für die
Nachrichtendienste und der Helsinki-Kommission für
Menschenrechte tätig.
Richardson war im Kongreß einer der maßgeblichen
Befürworter von erweitertem Handel auf dem gesamten amerikanischen Kontinent (darunter das
Nordamerikanische Freihandelsabkommen). Er hat
sich vehement für Umweltbelange eingesetzt mit der
Formulierung von Gesetzen über saubere Luft und
sauberes Wasser sowie Gesetzen, die vor der Verunreinigung durch Erdöl schützen sollen. Darüber
hinaus hat er die Erweiterung von Nationalparks und
die Kennzeichnung wilder und malerischer Flüsse

AMERIKA DIENST 25

unterstützt. Seit langem war er Befürworter des
Verfassungszusatzes über einen ausgeglichenen
Bundeshaushalt und stimmte für das selektive Veto.
Der designierte UNO-Botschafter diente als Sondergesandter von Präsident Clinton für heikle diplomatische
Missionen. Er hat die Freilassung von Amerikanern
und anderen Geiseln aus der Gefangenschaft ausgehandelt. Er traf mit dem irakischen Präsidenten
Saddam Hussein (Juli 95) zusammen und handelte die
Freilassung zweier inhaftierter Amerikaner aus. Er
erzielte die Freilassung von zwei amerikanischen
Piloten, die von den Nordkoreanern gefangengenommen worden waren (Dezember 94). Er traf mit dem
kubanischen Präsidenten Fidel Castro (Januar und
Februar 96) zusammen und handelte die Freilassung
von drei politischen Gefangenen aus, beschaffte Visa
für ihre Familien und erreichte eine Reduzierung der
Visagebühren um die Hälfte für jährlich bis zu 1.000
Kubaner. Er befreite eine Amerikanerin aus einem
Gefängnis in Bangladesch (Juli 96). Er führte ein
fünfstündiges Gespräch mit dem haitianischen General
Cedras (Juli 94), das die Grundlage für die friedliche
Wiedereinführung ins Amt von Präsident Aristide legte.
Er hielt ein historisches Treffen (Februar 94) mit der
burmesischen politischen Dissidentin Aung San Suu
Kyi ab (während ihres sechsjährigen Hausarrests
durften sie bis dahin nur Familienangehörige besuchen), die inzwischen freigelassen wurde. Er wurde
für den Friedensnobelpreis nominiert (1995). Richardson wurde von der mexikanischen Regierung der
Aztec Eagle Award verliehen (die höchste Ehre, die
einem Ausländer zuteil wurde). Er leitete amerikanische Beobachterteams bei den Wahlen in Guatemala, Nicaragua und Ostdeutschland.
Richardson ist seit langem Verfechter der Souveränität
der Indianer. Als Vorsitzender des Unterausschusses
für indianische Angelegenheiten im 103. Kongreß
formulierte er Dutzende von Gesetzentwürfen und
verabschiedete fast 40 Gesetzesvorlagen (von denen
die Hälfte Gesetz wurde), mit denen alle Aspekte des

Seite 1

�Lebens der Indianer verbessert wurden, darunter die
Reform des Gesundheitswesens, gerichtliche Veränderungen, Umweltschutzgesetze und Verbesserungen bei der Verwaltung von Treuhandsfonds.

Als ehemaliger Vorsitzender der Abgeordneten
hispanischer Herkunft im Kongreß war er der Initiator
von "Adelante con Clinton" beim Präsidentschaftswahlkampf 1992.

Richardson ist Stellvertretender Vorsitzender des
nationalen Komitees der Demokraten. Er führte den
Vorsitz des Redaktionsausschusses beim Parteitag
des nationalen Komitees der Demokraten im Jahr
1992 und Berichten der Washington Post vom 5. Juli
1992 zufolge wurde er als Kandidat für die Vizepräsidentschaft gehandelt.

Richardson lebt mit seiner Frau Barbara in Santa Fe
(New Mexico). Er erwarb seinen Bachelor of Arts an
der Tufts University und seinen Master of Arts an der
Fletcher School of Law and Diplomacy.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 25

�PORTRAT
20. Dezember 1996

William M. Daley
Der designierte Wirtschaftsminister

Der 48jährige William M. Daley trat im Mai 1993 erneut
der Chicagoer Rechtsanwaltssozietät Mayer, Brown &amp;
Platt bei, wo sein Hauptaufgabenbereich Körperschaftsrecht und staatliche Beziehungen war. Von
September 1993 bis November 1993 war er als
Sonderberater von Präsident Clinton für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA tätig.
Von 1985 bis 1990 war Daley bereits Partner von
Mayer, Brown &amp; Platt und in dieser Zeit bei der Erweiterung des Washingtoner Büros der Kanzlei
behilflich.
Daley war Ko-Vorsitzender von Chicago '96, des mit
der Überwachung der städtischen und kommunalen
Planung für den nationalen Parteikonvent der Demokraten 1996 beauftragten überparteilichen, gemeinnützigen Gastkomitees.
Von 1990 bis 1993 war er Präsident der Amalgamated
Bank of Chicago, nachdem er der Bank 1989 als
stellvertretender Vorsitzender beigetreten war. Von
1975 bis 1985 war Daley Sozius der Anwaltskanzlei
Daley &amp; George, Chicago.
Daley ist Mitglied der boards of directors der Federal
National Mortgage Association (FannieMae), Wheelabrator Technologies, Inc., Northwestern Memorial
Corporation, Everen Securities, Inc. und Big Shoulders
Archdiocese of Chicago. Darüber hinaus ist er auch

Mitglied in den Treuhänderausschüssen des The Field
Museum und der Loyola University Chicago. Außerdem ist Daley Mitglied der Beratungsstellen von City
Year Chicago und The Catholic Charities sowie des
Beratergremiums der John Marshall Law School. Er ist
Mitglied von The Chicago Council on Foreign Relations
und des Economic Club of Chicago. Daley wurde
1977 von Präsident Carter in den Konsultativrat von
Economic Opportunity berufen und hatte diese Position
bis 1980 inne. Weiterhin war er im Bi-State Policy
Commirtee für den regionalen Flughafen tätig und
Leiter der Clinton/Gore-Kampagne 1992 in Illinois.
1994 erhielt Daley den St. Ignatius Award for Excellence in the Practice of Law. Ebenfalls 1994 wurde ihm
vom The World Trade Center Chicago der World Trade
Award verliehen.
Daley, der 1975 bei der Anwaltsvereinigung Illinois
zugelassen wurde, erwarb seinen Bachelor of Laws
an der John Marshall Law School in Chicago und
seinen Bachelor of Arts an der Loyola University
Chicago. Ihm wurde ferner der Ehrendoktor der
Jurisprudenz von der John Marshall Law School,
Chicago, verliehen.
Daley lebt mit seiner Frau Loretta und drei Kindern in
Chicago (Illinois).

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AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�PORTRAT
20. Dezember 1996

Gene Sperling
Der neue Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats

Vom 20. Januar 1993 bis heute war Gene Sperling
Präsident Clintons Stellvertretender Referent des
Präsidenten für Wirtschaftspolitik. In dieser Funktion
war Sperling Stellvertretender Direktor des Nationalen
Wirtschaftsrats (NEC) unter Robert Rubin (1993-95)
und Dr. Laura D'AndreaTyson (1995 bis heute).

Bevor Sperling sein Amt im Weißen Haus antrat, war
er Gouverneur Clintons wirtschaftspolitischer Direktor
beim Clinton-Gore-Präsidentschaftswahlkampf in Little
Rock (Arkansas). Nach der Wahl 1992 wurde er zum
Stellvertretenden Direktor für Wirtschaftspolitik für das
Übergangsteam des Präsidenten ernannt.

Als Stellvertretender Direktor des NEC für binnenwirtschaftliche Fragen koordinierte Sperling die Erarbeitung der wirtschaftlichen Tagesordnung des Präsidenten und hatte die Funktion, als ehrlicher Vermittler
die Interessen des Präsidenten bei der interministeriellen Entwicklung der Wirtschaftspolitik zu vertreten. Zu
seinen Aufgabenbereichen zählten wichtige Budgetfragen, die Formulierung und Rechtfertigung des
Vorschlags des Präsidenten für einen ausgeglichenen
Haushalt, Bildungs- und Ausbildungsinitiativen,
Steuerpolitik, Gesundheitsfürsorge sowie städtische
Fragen. In jüngster Zeit hat Sperling eine führende
Rolle bei der Koordinierung der Erarbeitung neuer
politischer Initiativen des Präsidenten gespielt, wie
etwa dem Projekt zur Bekämpfung des Analphabetentums bei Kindern America Reads, dem Bau von
Schulen und im Bereich der Bildungstechnologie sowie
Steuerfreibeträgen für Collegegebühren im Rahmen
von HOPE-Stipendien.

Von 1990 bis 1992 war Sperling als Wirtschaftsberater
des New Yorker Gouverneurs Mario Cuomo tätig.
Davor arbeitete er als politischer Berater, Anwalt für
Verfassungsfragen in der Berufungsinstanz und
Wirtschaftsberater für Regierungsvertreter der Demokratischen Partei.
Sperling hat Beiträge im Yale Law Journal, der Columbia Law Review, Michigan Law Review, Pennsylvania
Law Review sowie im Atlantic Monthly, der Washington
Post, New York Times, im Christian Science Monitor
und American Prospect veröffentlicht.
Sperling legte seine Examina an der University of
Minnesota und der Yale Law School ab und besuchte
die Wharton Business School. An der Yale Law
School war er Redakteur des Yale Law Journal.
Sperling ist gebürtig aus Ann Arbor (Michigan), und
seine Leidenschaft für Wirtschaftspolitik wird nur noch
von seiner Liebe zum Wolverine football übertroffen.

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Seite 1

�PORTRAT
20. Dezember 1996

Charlene Barshefsky
Die designierte US-Handelsbeauftragte

Im April 1996 ernannte Präsident Clinton Charlene
Barshefsky zur amtierenden US-Handelsbeauftragten,
nachdem sie zuvor drei Jahre lang die Hauptstellvertreterin des US-Handelsbeauftragten gewesen war. In
dieses Amt hatte Präsident Clinton sie am 28. Mai
1993 berufen.
Seit 1993 spielt Botschafterin Barshefsky eine Schlüsselrolle bei der Erarbeitung und Verfolgung der
handelspolitischen Ziele der Administration. Sie wirkte
am Zustandekommen zahlreicher Handelsvereinbarungen und Investitionsverträge mit. Ihr Verantwortungsbereich umfaßt viele Regionen, einschließlich
der asiatisch-pazifischen Region und Lateinamerikas,
Funktionsbereiche wie geistiges Eigentum und Investitionen weltweit sowie mehrere Sektoren.
In Asien erwirkte Barshefsky den Abschluß bilateraler
und multilateraler Handelsvereinbarungen sowie die
Aufnahme von Verhandlungen über die Verbesserung
des Marktzugangs für amerikanische Exporte und
Investitionen. Im Verhältnis zu Japan spielte sie eine
Schlüsselrolle bei der Ausarbeitung der Politik und der
Aushandlung eines umfassenden Rahmenabkommens.
Entsprechend diesem Rahmenabkommen
wirkte sie entscheidend an Übereinkünften im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe der japanischen
Regierung für Telekommunikationsgerät und -dienstleistungen, medizinisches Gerät und Medizintechnologie, Versicherungen, Flachglas, Zellulartelefone und ausrüstung sowie Abkommen mit Nippon Telephone &amp;
Telegraph (NTT) mit.
Im Büro des US-Handelsbeauftragten war sie auch
eine bedeutende Entscheidungsträgerin und politische
Innovatorin bei einer Reihe sektoraler Handelsfragen
mit Japan, darunter Halbleiter, Computer, Supercomputer, Papier, Glass, Holzprodukte und Landwirtschaft.
Im Hinblick auf Marktzugangsfragen und den Schutz
des Rechts auf geistiges Eigentum in den
amerikanisch-chinesischen
Handelsbeziehungen

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spielte Botschafterin Barshefsky eine führende Rolle
beim Abschluß eines umfassenden Abkommens mit
China über den Schutz des Rechts auf geistiges
Eigentum und war verantwortlich für die allmähliche
und stetige Öffnung des chinesischen Marktes für
wichtige amerikanische Exporte. Zusätzlich leitete sie
mit China bilaterale Verhandlungen über Dienstleistungen ein, darunter Versicherungen und Telekommunikation. Botschafterin Barshefsky war führend
bei der Formulierung des DEC-Prozesses in Korea
sowie beim Abschluß des Bündnisses für gegenseitiges Wachstum (AMG) mit den Staaten des Verbands
Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Ferner leitet sie
die Ausarbeitung der amerikanischen Handels- und
Investitionspolitik im Zusammenhang mit dem Forum
für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC).
Botschafterin Barshefsky leitete die Bestrebungen der
Administration zur Entwicklung bilateraler und regionaler Handelsinitiativen unter besonderer Berücksichtigung von Brasilien, Argentinien, den CARICOMLändern und Zentralamerika, um dem raschen Wachstum des Handels zwischen den Vereinigten Staaten
und Lateinamerika Rechnung zu tragen. Sie war
verantwortlich für die Umsetzung der CBI ParityInitiative sowie für die Förderung von Maßnahmen, die
angemessenen und effektiven Schutz amerikanischer
Investitionen und des Rechts auf geistiges Eigentum in
der Region sicherstellen. Barshefsky war maßgeblich
an der Initiierung der Freihandelszone für den gesamten amerikanischen Kontinent (FTAA) beteiligt und
ist die führende Unterhändlerin der Vereinigten Staaten
beim FTAA. Ferner wird sie das amerikanische Team
bei den Verhandlungen über den Beitritt Chiles zum
NAFTA leiten.
Botschafterin Barshefsky setzt die Bestrebungen der
Administration für strengere Investitionsregeln fort und
ist Leiterin eines interministeriellen Teams, das mit
dem Abschluß weiterer bilateraler Investitionsverträge
(BITS) in Asien und dem amerikanischen Kontinent

Seite 1

�befaßt ist sowie mit dem Engagement der US-Regierung für regionale Bestrebungen im APEC und der
Erarbeitung des Freihandelsabkommens für den
gesamten amerikanischen Kontinent. Im Hinblick auf
den Schutz des Rechts auf geistiges Eigentum und
dessen Umsetzung ist Botschafterin Barshefsky
verantwortlich für die Durchführung der "Special 301"Bestimmungen des Handelsgesetzes und die wichtigste Unterhändlerin der Administration für bilaterale
Fragen zum Recht auf geistiges Eigentum.
Neben diesen Aufgabenbereichen ist Botschafterin
Barshefsky Vorsitzende der Gruppe zur Überprüfung
der Handelspolitik, die bei der Formulierung der
generellen Handelspolitik der Administration behilflich
ist, und an allen Aspekten des Entscheidungsfindungsprozesses der Regierung zu Handelsfragen beteiligt.
Vor ihrer Verwendung im Büro des Handelsbeauftragten war Botschafterin Barshefsky Partnerin der
Washingtoner Anwaltssozietät Steptoe &amp; Johnson. 18

Jahre lang war sie auf internationalen Handel und
Handelspolitik spezialisiert und Ko-Vorsitzende der
International Practice Group.
Während ihrer Zeit im Büro des Handelsbeauftragten
und bei Steptoe &amp; Johnson hat Botschafterin Barshefsky Artikel über die amerikanische und internationale Handelspolitik und Handelsgesetze veröffentlicht sowie Vorträge und Anhörungen zu diesem
Thema gehalten.
Botschafterin Barshefsky legte ihre Examina 1972 an
der University of Wisconsin und 1975 an der Columbus School of Law an der Catholic University in
Washington ab. Beide Institutionen verliehen ihr
zahlreiche akademische Ehren und Auszeichnungen.
Botschafterin Barshefsky ist mit Edward B. Cohen
verheiratet. Sie wohnen mit ihren beiden Töchtern in
Washington, D.C.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 25

�GESUNDHEIT
20. Dezember 1996

Bekämpfung der Ursachen von Infektionskrankheiten
von AID-Direktor J. Brian Atwood

(AD) - Das Amt für internationale Entwicklung (Agency for International Development - AID) stellt eine Vielzahl von
Instrumenten und Finanzmitteln zur weltweiten Stärkung öffentlicher Gesundheitssysteme sowie zur Bekämpfung
der globalen Verbreitung von Infektionskrankheiten bereit. Nachfolgend erläutert AID-Direktor J. Brian Atwood die
Arbeit seiner Behörde im Kampf gegen die weltweite Ausbreitung ansteckender Krankheiten.

Ebenso wie die Charaktere in einem Spionageroman
überqueren die Erreger ansteckender Krankheiten oft
unerkannt die Landesgrenzen, gefährden unbemerkt
jeden, der mit ihnen in Kontakt kommt und bedrohen
die Stabilität der Nationen. Die Aufmerksamkeit der
Öffentlichkeit konzentriert sich auf furchterregende
neue Krankheiten, wie die durch das Ebola-Virus und
den BSE-Erreger hervorgerufenen, aber die alten
Infektionskrankheiten, die mit Antibiotika und Insektenbekämpfungsprogrammen unter Kontrolle gebracht
wurden, machen ebenfalls wieder Schlagzeilen. Zu
einer Zeit, in der Menschen und Fracht, die möglicherweise Träger von Krankheitserregern sind, innerhalb
weniger Stunden Ozeane und Kontinente überqueren
können, stellen das Auftreten tödlicher neuer Krankheiten und das Wiederaufleben der alten Killer ein
globales Anliegen dar.
AID bekämpft seit langem Infektionskrankheiten in den
Entwicklungsländern und gewährt Unterstützung bei
medizinischer Forschung und Gesundheitsfürsorge in
mehr als 40 dieser Länder. AID ist die führende
Behörde der Vereinigten Staaten zur Förderung
internationaler Gesundheit und spielt eine Schlüsselrolle bei der Reaktion auf den Ausbruch von Krankheiten. Der Anteil von AID am Haushalt der US-Regierung für die Krankheitsbekämpfung lag im Haushaltsjahr 1996 bei 295 Millionen Dollar.
Im Juni 1996 erkannte ein Präsidialerlaß zu Infektionskrankheiten die führende Rolle des Amts für internationale Entwicklung bei den langfristigen Bestrebungen
zur Bekämpfung der Ursachen erstmals oder erneut
auftretender Krankheiten in den Entwicklungsländern
an. Das Dokument fordert verstärkte Überwachung,

AMERIKA DIENST 25

Reaktionsfähigkeit und Forschungsaktivitäten in den
Vereinigten Staaten und zusammen mit anderen
Ländern bei der Bekämpfung dieser Krankheiten.
Wie verbreiten sich Infektionskrankheiten?
Epidemien werden nicht immer von neuen Organismen
verursacht. Bekannte Krankheiten können sich an
neuen Orten ausbreiten oder Menschen befallen, die
nicht immun sind. Die Veränderung der ökologischen
und klimatischen Bedingungen oder der Landnutzung
kann die Anfälligkeit des Menschen für "Bakterienüberträger" erhöhen - Insekten, Nagetiere oder andere die
Krankheit übertragende Tiere.
Da immer mehr
Menschen in den Entwicklungsländern aus ländlichen
Gebieten in stark bevölkerte städtische Gebiete mit
unzulänglichen Wohnverhältnissen und sanitären
Einrichtungen oder Gesundheitssystemen ziehen, sind
die Bedingungen für die Entwicklung und Ausbreitung
dieser Krankheiten gegeben.
Malaria, Tuberkulose, Gonorrhöe und Lungenentzündung treten als größere Gesundheitsprobleme wieder
auf, weil die Krankheitserreger gegen die Medikamente resistent werden und die Insekten, die Krankheiten
übertragen, immer resistenter gegen Schädlingsbekämpfungsmittel werden. Die Gesundheitssysteme
müssen "ungewöhnliche Ereignisse" erkennen
können, die den erstmaligen oder erneuten Ausbruch
von Krankheiten signalisieren und schnelle, angemessene Antworten geben können.

Seite 1

�Präventionsprogramme von AID
In den Entwicklungsländern stellen Infektionskrankheiten eine große Gefahr für ernsthafte gesundheitliche
Beeinträchtigungen (Morbidität) dar. Chronische, zu
Invalidität führende Krankheiten behindern Autonomie
und wirtschaftlichen Fortschritt. Neue und erneut
auftretende Krankheiten mit den größten wirtschaftlichen Auswirkungen in den Entwicklungsländern sind
HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose.
Anstatt Programme zur Bekämpfung spezifischer
Krankheiten zu entwickeln - ein sich ständig veränderndes Ziel - erhöht AID die Fähigkeit der Gesundheitssysteme zur Erkennung, Prävention und Behandlung ansteckender Krankheiten durch verbesserte
Ausbildung, Haushaltsmanagement, Pharmazeutika,
Logistik und Kommunikation. Die Hilfe richtet sich
auch auf die Entwicklung epidemiologischer Fähigkeiten und der Krankheitskontrolle sowie die Förderung von Immunisierung, Gesundheitserziehung und
Veränderung des Risikoverhaltens.
Effektive nationale epidemiologische Überwachungssysteme sind von entscheidender Bedeutung, jedoch
sehr schwierig zu schaffen und zu erhalten. Spezielle
Überwachungssysteme für seltene Krankheiten sind
langfristig möglicherweise nicht zweckmäßig. AID hilft
den Entwicklungsländern bei der Einrichtung von
Systemen zur Entdeckung ungewöhnlicher Ereignisse
und zur Bereitstellung von Informationen, um angemessene Aktionen zur Bekämpfung des Ausbruchs
ansteckender Krankheiten durchführen zu können.

Frauen vor Ort in die Planung und Umsetzung der
Bestrebungen zur Bekämpfung der Krankheit von
elementarer Bedeutung. Andere Schlüsselprogramme
beinhalten die Verfügbarkeit von Kondomen, die
Förderung von Verhaltensänderungen und die Verbesserung von Dienstleistungen zur Kontrolle anderer
Krankheiten, die die Möglichkeit einer Ansteckung mit
HIV/AIDS erhöhen.
Resistenz gegen Antibiotika
Mit der Zeit entwickeln alle Bakterien eine gewisse
Widerstandsfähigkeit gegen Antibiotika. Infolgedessen
werden in Zukunft unausweichlich gravierende Probleme durch gegen Medikamente resistente Bakterien
entstehen.
AID ist besonders besorgt über gegen Antibiotika
resistente Krankheitserreger, die Kinder in Entwicklungsländern bedrohen und in den Industrieländern ein
zunehmendes Risiko darstellen. In diesem Zusammenhang räumt AID durch Pneumokokken verursachten Kinderkrankheiten (Lungenentzündung),
durch Hemophilus verursachter Lungenentzündung
und Hirnhautentzündung sowie durch das ShigaKruse-Bakterium verursachter Ruhr hohe Priorität ein.
Tuberkulose tritt wieder verstärkt auf, und die Infektionen rühren zunehmend von Bakterienstämmen her,
die resistent gegen verschiedene, früher effektive
Antibiotika sind. Das gilt insbesondere für Bevölkerungen mit einer starken Verbreitung der HIV-Infektion.
Forschung

Gesundheitssysteme sind nur eine Waffe im Kampf
gegen das Auftreten ansteckender Krankheiten. Die
Beweise häufen sich, daß komplexe Fragen wie
menschliches Verhalten, wirtschaftliche Entwicklung
und Umwelt zum Auftreten und zur Ausbreitung von
Krankheiten beitragen. Die Programme von AID in
diesen Bereichen befassen sich mit Problemen wie
Bevölkerungsexplosion, schlechter Nutzung von Land,
Wasser und Pflanzen sowie mangelhafter Ernährung.
HIV/AIDS
Seit 1986 ist AID weltweit führend im Kampf gegen die
HIV/AIDS-Epidemie, indem es sich auf die Bekämpfung der Ausbreitung des Virus und die Milderung
seiner sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen
konzentriert. Diese Strategie verhindert das Auftreten
und Wiederauftreten anderer Krankheiten, beispielsweise Tuberkulose. AID gibt jährlich ungefähr 120
Millionen Dollar für Präventions- und Behandlungsprogramme aus, um lokale Kapazitäten für die Bekämpfung der Krankheit und ihrer Folgen aufzubauen.
In vielen Entwicklungsländern bekommen Frauen mit
"ebenso großer Wahrscheinlichkeit HIV/AIDS wie
Männer. Aus diesem Grund ist die Einbeziehung von

Seite 2

Die Forschung des Amts für internationale Entwicklung
im Bereich der Infektionskrankheiten in Entwicklungsländern konzentriert sich auf drei Bereiche:
Bekämpfung verbreiteter Kinderkrankheiten
wie Diarrhoe, Malaria, Lungenentzündung
sowie von Krankheiten, denen durch Impfungen, bessere Vorbeugung, Pflege und den
vernünftigen Einsatz mikrobenbekämpfender
Arzneimittel vorgebeugt werden kann.
Verringerung der hohen reproduktiven Morbidität und Sterblichkeit mit Hilfe angemessener
Behandlung und Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten.
Verringerung der Übertragung von HIV/AIDS.
Abstimmung mit den Partnern
AID arbeitet im Rahmen offizieller Abkommen und
Koordinierungsvereinbarungen mit anderen amerikanischen Partnern zusammen. Zu den multilateralen
Aktivitäten zählen substantielle finanzielle und technische Beiträge zu den Programmen der Weltgesund-

AMERIKA DIENST 25

�heitsorganisation (World Health Organization - WHO)
zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Tuberkulose und der
Resistenz gegen Antibiotika. Ferner fördert AID die
internationale Unterstützung regionaler Kontrolle von
Infektionskrankheiten durch das internationale Zentrum
für die Erforschung diarrhoischer Krankheiten (International Center for Diarrheal Disease Research) mit Sitz
in Dhaka in Bangladesch.
Obwohl das historische Mandat von AID sich auf
langfristige Entwicklungsfragen konzentriert, stellt das
Amt auch Mittel für internationale Notfälle bereit.
Unser Büro für ausländische Katastrophenhilfe reagiert
auf Natur- und vom Menschen verursachte Katastro-

*

AMERIKA DIENST 25

phen; wir haben einen großen Beitrag zur Bekämpfung
von Epidemien wie Cholera und Diphterie sowie zu
Operationen amerikanischer und internationaler
Behörden beim Umgang mit dem Ausbruch neuer
Virusinfektionen wie dem Ebola-Virus gezeigt.
Die Operationen von AID vor Ort in den Entwicklungsländern zielen auf die Weiterentwicklung der lokalen
Kapazitäten zur Überwachung und Kontrolle von
Infektionskrankheiten ab. Unser Hauptbeitrag wird
weiterhin darin bestehen, die Ursachen für ansteckende Krankheiten und ihre Verbreitung begünstigende
Bedingungen zu bekämpfen.

* * *

*

Seite 3

�THEMENINDEX
20. Dezember 1996

DER AMERIKA DIENST
1996

Abrüstung
APEC
Arbeit
ASEAN
Außenpolitik
Bosnien
Civitas
CTBT
Datenautobahn
Demokratie
Drogen
Frauen
Fulbright
Gesamtamerika
Gesundheit
Handel
Haushalt
Kuba
Lage der Nation
Landminen
Literatur
Luftfahrt
Menschenrechte
Nachrichtendienste
NAFTA
Naher Osten
NATO
Nichtverbreitung
OECD
Olympiade
OSZE
PFF
Porträt
Rassismus
RIAS

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03, 04, 06, 07
23
19
15
02, 06, 07, 09, 12, 13, 14, 15
01, 05, 08, 10, 11, 15, 18
14
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02, 04, 05, 13
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01, 18
05
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25
23, 24
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17
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16
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03, 08, 24
05
19
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03, 10, 12, 13, Sonderdienst 24. Oktober,
23, 25
03
11
14
24
02, 03
17, 21, 22, 24, 25
13
04

Seite 1

�Soziales
Sport
Technologie
Telekommunikation
Terrorismus
Thanksgiving
Umwelt
USA-Deutschland
USA-Europa
USA-Israel
USA-Japan
USA-Kuba
USA-Rußland
USIA
Vereinte Nationen
Verteidigung
Wahlen '96
Währung
Wirtschaft
WTO
4. Juli

17
12
23
09
09,11,14,16
23
08,09,15,17,25
07, 09, 11, 12, 18, 21, 23
04,08,10,21
16
09
14, 18
14,22
10
Sonderdienst 26. September, 19
11
04, 05, 16,17, 20, 22
05,06
04, 06, 10, 11, 15, 19, 22
01,24
13

* * * * *

Seite 2

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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO billigt Einsatz der SFOR in Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher beim Nordatlantikrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gipfeltreffen von Santa Cruz ist positives Ergebnis von Miami&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnungsansprache von Vizepräsident Gore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bill Richardson&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der designierte UNO-Botschafter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William M. Daley&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der designierte Wirtschaftsminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gene Sperling&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der neue Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Charlene Barshefsky &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die designierte US-Handelsbeauftragte&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

13.Januar 1997

01

AUSSENPOLITIK

USA BENOTIGEN "DIPLOMATIE ERSTER
KLASSE"
Anhörung von Madeleine Albright

NATO

DIE NEUE TRANSATLANTISCHE
PARTNERSCHAFT
Rede von Botschafter Hunter

PORTRAT

JANET L. YELLEN
Die designierte Vorsitzende des Rats der
Wirtschaftsberater
ALEXIS M. HERMAN
Die designierte Arbeitsministerin
RODNEY E. SLATER
Der designierte Verkehrsminister
ANDREW CUOMO
Der designierte Minister für Wohnungs- und
Städtebau

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AUSSENPOLITIK
15.Januar 1997

USA benötigen "Diplomatie erster Klasse"
Anhörung von Madeleine Albright

WASHINGTON - (AD) - Die designierte Außenministerin der Vereinigten Staaten, Madeleine Albright, erklärte bei
ihrer Anhörung im Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten am 8. Januar 1997, im Falle ihrer
Bestätigung werde es eine ihrer wichtigsten Aufgaben sein, eine "Diplomatie erster Klasse" aufzubauen, die nach
dem Zusammenbruch des Kommunismus einen neuen internationalen Rahmen schaffen kann. Nachfolgend
veröffentlichen wir den offiziellen Text der Rede von Madeleine Albright.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
es ist mir eine große Ehre und Freude, heute Morgen
hier zu sein. Zunächst einmal möchte ich dem Präsidenten für sein Vertrauen danken, das er durch die
Nominierung für dieses hohe und eine große Herausforderung darstellende Amt in mich gesetzt hat.
Ich bin Außenminister Christopher sehr dankbar für
seine freundlichen Einleitungsworte und die mir
während der letzten vier Jahre gebotene Gelegenheit
zu beobachten, wie ein geradliniger und entschlossener Diplomat vorgeht.
Und ich weiß sehr zu schätzen, daß dieser Ausschuß
so freundlich war, diese Anhörung umgehend anzuberaumen.
Herr Vorsitzender, wir haben mehr als die Hälfte des
Weges zwischen dem Zerfall der Sowjetunion und dem
Beginn eines neuen Jahrhunderts hinter uns gelegt.
Unsere Nation wird geachtet und lebt in Frieden.
Unsere Bündnisse sind stark. Unsere Wirtschaft
floriert. Und von den entfernten Gegenden Asiens
über die neuentstehenden Demokratien Zentraleuropas und Afrikas bis zur Gemeinschaft der Demokratien in unserer eigenen Hemisphäre - mit einer
vorübergehenden Ausnahme, dem Kuba unter Castro dienen amerikanische Institutionen und Ideale als
Beispiel für diejenigen, die Freiheit genießen oder
danach streben.
Das alles ist kein Zufall, und die weitere Entwicklung ist
keinesfalls unvermeidlich. Demokratische Prozesse
müssen nicht nur aufgebaut, sondern auch erhalten

AMERIKA DIENST 01

werden - durch die Führungsrolle der Vereinigten
Staaten. Und wir müssen unsere Führungsrolle
bewahren, wenn wir unsere Interessen weltweit
schützen wollen.
Täuschen Sie sich nicht - diese Interessen sind keine
geopolitischen Abstraktionen, sondern durchaus real.
Es ist von Bedeutung für unsere Kinder, ob sie in einer
Welt aufwachsen, in der die Gefahr durch Massenvernichtungswaffen auf das Mindestmaß herabgesetzt
wurde oder ob sie außer Kontrolle geraten können.
Es ist von Bedeutung für Millionen berufstätiger,
landwirtschaftlich tätiger oder investierender Amerikaner, ob die Weltwirtschaft weiterhin gute neue Arbeitsplätze und offene neue Märkte schafft, oder ob es
infolge von Fehlkalkulationen oder Protektionismus mit
ihr bergab geht.
Es ist von Bedeutung für unsere Familien, ob aus dem
Ausland weiterhin illegale Drogen in unser Land
gelangen.
Es ist von Bedeutung für ins Ausland reisende und im
Inland tätige Amerikaner, ob die Geißel des internationalen Terrorismus bekämpft wird.
Es ist von Bedeutung für unsere Arbeitnehmer und
Geschäftsleute, ob sie ungerechterweise zum Konkurrenzkampf mit Unternehmen gezwungen werden,
die faire Arbeitsnormen verletzen, die Umwelt zerstören oder durch Korruption anstatt durch Wettbewerb
Vertragsabschlüsse erzielen.

Seite 1

�Und es ist von Bedeutung für uns alle, ob wir - sei es
durch Unachtsamkeit oder Gleichgültigkeit - zulassen,
daß kleine Kriege sich zu großen entwickeln, die
unsere Sicherheit und Freiheit gefährden.
Um die Gefahren zu bekämpfen und die Chancen zu
ergreifen, müssen wir mehr sein als nur Zuschauer
oder Akteure. Wir müssen die Geschichte unseres
Jahrhunderts schreiben.
Vor einem halben Jahrhundert, nach der durch
Weltwirtschaftskrise, Holocaust und Krieg verursachten Zerstörung, reichte es nicht aus festzustellen, daß
das, wogegen wir ankämpften, gescheitert war.
Führende Politiker wie Truman, Marshall und Vandenberg waren zur Schaffung eines dauerhaften Friedens
entschlossen. Zusammen mit unseren Verbündeten
riefen sie verschiedene Institutionen für die Verteidigung der Freiheit, den Wiederaufbau der Volkswirtschaften, die Einhaltung der Gesetze und Wahrung
des Friedens ms Leben.

die Diplomatie verlassen und von unseren Diplomaten
die Vertretung unserer Interessen mit Können, Wissen
und Rückgrat erwarten.
Im Falle meiner Bestätigung wird eine meiner wichtigsten Aufgaben in der Zusammenarbeit mit dem
Kongreß bestehen um zu gewährleisten, daß wir über
die herausragende diplomatische Vertretung verfügen,
die unser Volk verdient und unsere Interessen verlangen. Das gibt es jedoch nicht umsonst. Wir
müssen die für die Aufrechterhaltung der amerikanischen Führungsrolle erforderlichen Investitionen
tätigen. Betrachten Sie sich, was auf dem Spiel steht.
Wir sprechen hier über ein Prozent unseres Bundeshaushalts, aber dieses eine Prozent könnte
entscheidend für 50 Prozent der Geschichte unseres
Zeitalters sein.

Heute reicht es für uns nicht aus festzustellen, daß der
Kommunismus gescheitert ist. Wir müssen weiterhin
an einem neuen - an die Herausforderungen des
neuen Jahrhunderts angepaßten - Rahmen bauen, der
unsere Bürger und Freunde schützt, unsere Werte
bekräftigt und unsere Zukunft sichert.

Bedauerlicherweise sind - wie Senator Lugar vor
kurzem darlegte - "unsere internationalen Operationen
unzureichend finanziert und personell unterbesetzt".
Er wies auch darauf hin, daß nicht nur unsere Interessen, sondern auch unsere Bestrebungen zum
Ausgleich des Haushalts Schaden nehmen würden,
wenn das amerikanische Disengagement zu "nuklearem Terrorismus, einem Handelskrieg, einer Energiekrise, einem größeren regionalen Konflikt... oder einer
anderen abwendbaren Katastrophe führen würde".

Dabei dürfen wir unsere Energien im Gegensatz zu
unseren Vorgängern nicht nur auf die Bekämpfung
einer einzigen bösartigen Ideologie richten. Wir sehen
uns einer Vielzahl von Bedrohungen gegenüber, von
denen einige so alt sind wie ethnische Konflikte,
andere so neu wie Briefbomben, manche so langfristig
wie die Erderwärmung, andere so gefährlich wie
Nuklearwaffen in den falschen Händen.

Herr Vorsitzender, wir sind die reichste, stärkste und
am meisten respektierte Nation der Welt. Wir sind
auch der größte Schuldner bei den Vereinten Nationen
und anderen internationalen Finanzinstitutionen. Wir
wenden einen geringeren Prozentsatz unseres
Wohlstands für die Unterstützung von Demokratie und
Wachstum in den Entwicklungsländern auf als jede
andere Industrienation.

Für den Umgang mit einer solchen Vielfalt von Bedrohungen benötigen wir ein breites Spektrum außenpolitischer Instrumente.

In den letzten vier Jahren hat das Außenministerium
die Zahl seiner Mitarbeiter um mehr als 2.000 verringert, Stellen heruntergestuft, mehr als 30 Botschaften
oder Konsulate geschlossen und die dringend benötigte Modernisierung von Infrastruktur und Kommunikationsdiensten aufgeschoben. Seit 1991 sind unsere
Auslandshilfeprogramme um 30 Prozent gekürzt
worden.

Aus diesem Grund müssen unsere Streitkräfte die am
besten geführten, am besten ausgebildeten, am besten
ausgerüsteten und am meisten respektierten der Welt
sein. Und Präsident Clinton sowie unsere führenden
Militärs haben zugesagt, daß das der Fall sein wird.
Aus diesem Grund benötigen wir eine Diplomatie
erster Klasse. Macht und die glaubwürdige Möglichkeit des Einsatzes von Gewalt sind für die Verteidigung
unserer vitalen Interessen und die Wahrung der
Sicherheit Amerikas unerläßlich. Aber Gewalt allein
kann ein stumpfes Werkzeug sein, das zur Lösung
vieler Probleme nicht in der Lage ist.

Man sagt, wir wären von einem Zeitalter, in dem die
Großen die Kleinen vernichten, zu einem Zeitalter
übergegangen, im dem die Schnellen die Langsamen
vernichten. Wenn das der Fall ist, befindet sich Ihr
Außenministerium mit seiner veralteten Technologie,
seinen ausgesetzten Wartungsarbeiten im Wert von
300 Millionen Dollar und seiner schrumpfenden Basis
an ausgebildetem Personal in Schwierigkeiten.

Um erfolgreich zu sein, müssen Macht und Diplomatie
einander ergänzen und sich gegenseitig verstärken.
Denn es wird viele Gelegenheiten an vielen Orten
geben, wo wir uns zum Schutz unserer Interessen auf

Im Falle meiner Bestätigung werde ich mich für die
Erfüllung meiner Pflicht einsetzen, effektive und
effiziente Außenpolitik zu machen. Ich werde mit
diesem Ausschuß und dem Kongreß daran arbeiten

Seite 2

AMERIKA DIENST 01

�sicherzustellen, daß die amerikanische Öffentlichkeit
den vollen Gegenwert für jeden Dollar an Steuergeldern bekommt. Ich möchte aber auch gewährleisten,
daß unsere Außenpolitik die Interessen des amerikanischen Volkes erfolgreich fördert und schützt.
Zusätzlich möchte ich mit Ihnen an der Fortsetzung
von Reformen sowie der Bezahlung unserer ausstehenden Beiträge an die Vereinten Nationen arbeiten
- einer Organisation, an deren Gründung die Amerikaner mitwirkten, die unsere Ideale widerspiegelt und
den Zielen Stabilität, Recht und Gesetz sowie internationaler Zusammenarbeit dient, die in unserem Interesse liegen.
Die Debatte über die angemessene Finanzierung
unserer Außenpolitik ist in Amerika nichts Neues. Sie
wurde immer wieder geführt - seit der Vorläufer
unseres heutigen Kongresses Ben Franklin nach Paris
schickte, über die Vorschläge zu Lend Lease und den
Marshallplan vor und nach dem Zweiten Weltkrieg bis
zum Beginn des SEED-Programms zur Unterstützung
osteuropäischer Demokratien und des Nunn-LugarProgramms vor wenigen Jahren. In jedem Fall war die
Geschichte eher auf Seiten derjenigen, die sich für ein
amerikanisches Engagement einsetzten als derjenigen, die behaupteten, wir könnten uns eine Führungsrolle nicht leisten.
Herr Vorsitzender, jeder Rahmen für eine amerikanische Führungsrolle muß Maßnahmen zur Kontrolle
der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und
Terror beinhalten, muß die Chancen für die Beilegung
gefährlicher regionaler Konflikte ergreifen, Amerika als
Mittelpunkt der expandierenden Weltwirtschaft erhalten
und die hehren Grundsätze von Demokratie, Recht
und Gesetz bewahren können.
Im Zentrum dieses Rahmens stehen jedoch unsere
wichtigsten Bündnisse und Beziehungen.
Diese
Bande halten nicht nur unsere Außenpolitik, sondern
das gesamte internationale System zusammen. Wenn
wir mit den anderen führenden Nationen kooperativ
zusammenarbeiten können, schaffen wir ein dynamisches Netz von Grundsätzen, Macht und Zielbewußtsein, das hohe Maßstäbe setzt und weltweiten
Fortschritt fördert. Das ist unsere Chance, denn im
Zeitalter nach dem Kalten Krieg ist große Machtpolitik
kein Nullsummenspiel.
Die transatlantische Partnerschaft
Ein herausragendes Beispiel ist die transatlantische
Partnerschaft.
Es ist eine zentrale Lektion dieses Jahrhunderts, daß
Amerika eine europäische Macht bleiben muß. Wir
haben ein Interesse an der europäischen Sicherheit,
weil wir die Instabilität vermeiden wollen, die fünf
Millionen Amerikaner in zwei Weltkriege auf der

AMERIKA DIENST 01

anderen Seite des Atlantiks hineinzog. Wir haben ein
Interesse an europäischer Demokratie, weil der Kalte
Krieg durch den Triumph der Freiheit beendet wurde.
Wir haben ein Interesse an europäischer Prosperität,
denn unser eigener Wohlstand ist abhängig von
Partnern, die offen für unsere Exporte, Investitionen
und Ideen sind.
Dank der Bestrebungen von Präsident Clinton und
Außenminister Christopher steht heute die amerikanische Führungsrolle in Europa auf solidem Boden.
Die europäischen Institutionen entwickeln sich in
Richtung eines Kontinents, der freier, geeinter und
friedlicher ist als zu jedem anderen Zeitpunkt in der
Geschichte.
Unsere wichtigsten bilateralen Beziehungen sind so
stark und widerstandsfähig wie eh und je, wenn auch
manchmal sehr lebhaft.
Das schreckliche Gemetzel in Bosnien hat geendet.
Die Partnerschaft für den Frieden hat die sicherheitspolitische Zusammenarbeit erweitert.
Und es gibt weitere Fortschritte bei politischen und
marktwirtschaftlichen Reformen in Zentraleuropa und
den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich Sie in diesem
Ausschuß oft um Ihre Unterstützung für unsere Vision
eines integrierten, stabilen und demokratischen
Europas bitten.
Beim Madrider NATO-Gipfel im Juli wird das Bündnis
die europäische Sicherheit erörtern, darunter die
Anpassung der NATO an neue Missionen und Strukturen, der Rahmen für verstärkte Konsultation und
Kooperation mit Rußland und die Erweiterung.
Ziel der Erweiterung ist es, für den Osten Europas das
zu tun, was die NATO vor 50 Jahren für den Westen
Europas leistete: Integration neuer Demokratien,
Überwindung alten Hasses, Aufbau von Vertrauen in
die wirtschaftliche Erholung sowie Abschreckung von
Konflikten.
Wer behauptet, es solle erst eine NATO-Erweiterung
geben, wenn eine militärische Bedrohung auftritt, trifft
nicht den Punkt. Die NATO ist nicht das Aufgebot
eines Sheriffs aus dem Wilden Westen, das erst im
Falle drohender Gefahr mobilisiert wird. Sie ist ein
dauerhaftes Bündnis, der Dreh- und Angelpunkt der
Stabilität, das verhindern soll, daß ernsthafte Bedrohungen überhaupt auftreten.
Wer sich Sorgen macht, die Erweiterung könnte
Europa spalten, dem sei gesagt, daß die NATO den

Seite 3

�alten Eisernen Vorhang nicht als seine Ostgrenze
erhalten kann und soll. Das war eine künstliche
Teilung, die stolzen Nationen aufgezwungen wurde,
von denen einige jetzt bereit sind, einen Beitrag zur
Sicherheit des Kontinents zu leisten. Die NATO muß
und will jeder europäischen Nation die Tür zur Mitgliedschaft offenhalten, die im Bündnis Pflichten übernehmen und zu seinen Zielen beitragen kann, während sie
gleichzeitig eine starke und dauerhafte Partnerschaft
mit allen Demokratien Europas aufbaut.

Und schließlich hängt die Zukunft von Stabilität und
Demokratie in Europa auch von der weiteren Umsetzung des Daytoner Abkommens ab.

Der Aufbau eines kooperativeren und integrierteren
Europas ist eines zahlreicher Themen, die Präsident
Clinton mit Präsident Jelzin während dessen Reise in
die Vereinigten Staaten im März erörtern wird. Ein
demokratisches Rußland kann und muß ein starker
Partner bei der Erlangung dieses gemeinsamen Ziels
sein.

Obwohl das Versprechen von Dayton noch nicht
vollständig erfüllt ist, hat sich während der letzten 13
Monate viel geändert. Die Kämpfe wurden eingestellt,
es fanden friedliche Wahlen statt, und nationale
demokratische Institutionen nehmen Gestalt an.

Wir wissen, daß Rußland sich immer noch inmitten
eines einschneidenden Übergangsprozesses befindet,
aber die Errungenschaften der letzten fünf Jahre sind
unumkehrbar. Trotz der Bedrohung durch Korruption
und Verbrechen haben offene Märkte und demokratische Institutionen Fuß gefaßt. Und im letzten Sommer
fanden die ersten wirklich demokratischen Wahlen
nationaler Politiker in Rußlands langer Geschichte
statt.
Präsident Jelzins Herausforderung in seiner zweiten
Amtszeit wird darin bestehen, die hinter den internen
Reformen stehende Dynamik wiederherzustellen und
Rußlands Integration in den Westen zu beschleunigen.
Wir haben großes Interesse an der Ermutigung dieses
großartigen Landes, seinen demokratischen Kurs zu
halten, die Souveränität seiner Nachbarn uneingeschränkt zu respektieren und gemeinsam mit uns das
gesamte Spektrum regionaler und globaler Fragen
anzugehen.
Unsere immer enger werdende Freundschaft mit einer
demokratischen Ukraine ist für die europäische
Integration ebenfalls von grundlegender Bedeutung.
Die Ukraine war der erste der neuen unabhängigen
Staaten, in dem die Machtübergabe von einer demokratisch gewählten Regierung an die nächste stattfand.
Und unter Präsident Kutschma hat sie ehrgeizige
Wirtschaftsreformen eingeleitet, die die Inflationsrate
senkten und den Zusammenbruch der Wirtschaft
verhinderten.
In unseren Beziehungen zu Rußland und zur Ukraine
gleichermaßen wird die binationale Kommission mit
Vizepräsident Gore als dem führenden amerikanischen Vertreter wertvolle Hilfe bei der Festsetzung
der Tagesordnung und der Erleichterung von Zusammenarbeit bei einem breiten Spektrum von
Unternehmungen bieten.

Seite 4

Obwohl die IFOR ihre militärischen Aufgaben in
Bosnien hervorragend erfüllt hat, ist noch mehr Zeit für
den wirtschaftlichen Wiederaufbau und den politischen
Heilungsprozeß erforderlich. Die SFOR verfolgt jetzt
das Ziel, die Zeit zu überbrücken, bis der Frieden
wirklich tragfähig ist.

Das ist großenteils auf die amerikanische Führungsrolle zurückzuführen. Jetzt besteht unser Plan darin, in
Zusammenarbeit mit unseren zahlreichen Partnern
diese Errungenschaften zu konsolidieren und darauf
aufzubauen.
Unsere Strategie besteht in einer
Verringerung der Notwendigkeit einer internationalen
Militärpräsenz, indem wir ein stabiles militärisches
Gleichgewicht herstellen, Rechts- und Gesetzesinstitutionen verbessern, mehr Menschen die sichere
Rückkehr in ihre Heimat ermöglichen und die Festnahme und strafrechtliche Verfolgung weiterer Kriegsverbrecher veranlassen.
Angesichts dieser dauerhaften Herausforderungen ist
es ermutigend zu sehen, daß der durch das Daytoner
Abkommen eingeleitete Prozeß historische Dimensionen hat.
Heute arbeiten in Bosnien praktisch alle europäischen
Nationen zusammen, um einer Region Stabilität zu
bringen, deren Konflikte Anfang dieses Jahrhunderts
den Kontinent zerrissen.
Das reflektiert eine deutliche Abkehr von den Einflußsphären und der Diplomatie des Kräfteausgleichs
der Vergangenheit sowie eine explizite Ablehnung der
auf ethnischer Zugehörigkeit basierenden Politik. Und
es bestätigt die Prämisse der Partnerschaft für den
Frieden, indem es das wachsende gemeinsame
Verständnis in Europa für die Herstellung eines
Gefühls der Sicherheit unter Beweis stellt.
Die mit IFOR und SFOR in Bosnien gewonnene
Erfahrung erhöht das Potential für die sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen der NATO und
nicht der NATO angehörenden Staaten Europas. In
Bosnien verteidigen sich Soldaten aus der NATO,
Rußland, Polen, der Ukraine, Rumänien und vielen
anderen Nationen gegenseitig und sind voneinander
abhängig. Unsere Herausforderung besteht darin,
diesen Geist auf andere gemeinsame Unternehmungen zu übertragen und ihn noch lange nach Abzug der
SFOR lebendig zu erhalten.

AMERIKA DIENST 01

�Die europäische Stabilität hängt großenteils von
fortgesetztem amerikanischen Engagement und der
Führungsrolle unseres Landes ab. Und die Geschichte zeigt, daß die europäische Stabilität auch für unsere
nationalen Interessen von lebenswichtiger Bedeutung
ist. Infolgedessen bleiben wir engagiert, werden
weiterhin führen, unsere Bündnisse stärken und mit
unseren demokratischen Partnern ein Europa aufbauen, in dem jede Nation frei und jede freie Nation
unser Partner ist.
Förderung von gegenseitiger
Wohlstand in Asien

Sicherheit

und

Herr Vorsitzender, Amerika muß eine europäische
Macht bleiben. Und wir müssen und werden auch eine
pazifische Macht bleiben.
Asien ist ein Kontinent, auf dem atemberaubende
wirtschaftliche Expansion und maßvolle, aber stetige
Bewegung in Richtung auf die Demokratie stattfindet.
Seine Wirtschaftskraft stärkt die unsere und ist einer
der Gründe für das vitale Interesse, das wir an seiner
Sicherheit haben. Schließlich handelt es sich hier um
ein Gebiet, in dem Amerika während der letzten sechs
Jahrzehnte drei Kriege führte und in dem 100.000
amerikanische Soldaten stationiert sind.
Präsident Clinton hat diese dynamische Region oben
auf unsere Tagesordnung gesetzt, und ich plane, ihren
Versprechungen und Gefahren einen Großteil meiner
Aufmerksamkeit zu widmen.
Unsere dortigen Prioritäten liegen in der Stärkung
unserer wichtigsten Bündnisse sowie der gleichzeitigen erfolgreichen Pflege unserer facettenreichen
Beziehungen zu China.
Aufgrund unseres Engagements für die regionale
Sicherheit haben wir unsere vornestationierte Militärpräsenz im Westpazifik beibehalten. Wir ermutigen
regionale Bestrebungen zur gewaltlosen Beilegung
territorialer oder anderer Streitigkeiten. Wir arbeiten
hart an der Öffnung von Märkten für amerikanische
Produkte und Dienstleistungen - sowohl bilateral als
auch im Rahmen des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC). Diese Frage
machte Präsident Clinton zu einem Thema der Gipfeltreffen. Wir erweitern unsere diplomatischen und
sicherheitspolitischen Beziehungen zu Südostasien,
der Heimat der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Und wir werden weiterhin die
Achtung der international anerkannten Menschenrechte und die Ausbreitung der Freiheit fördern.
Unsere engsten und weitreichendsten bilateralen
Beziehungen in der Region unterhalten wir zu Japan,
mit dem wir unser Bündnis nachdrücklich bekräftigten.

AMERIKA DIENST 01

Wir halten mit Japan regelmäßige Konsultationen über
ein breites Spektrum außenpolitischer Fragen ab - von
Sicherheit in Asien bis zu Entwicklung in Afrika. Wir
wissen die großzügige finanzielle Unterstützung des
Landes für Friedensbestrebungen von Bosnien bis
zum Nahen Osten zu würdigen. Und wir arbeiten mit
Japan und einem weiteren geschätzten Verbündeten,
der Republik Korea, an der Umsetzung des Rahmenabkommens über das Einfrieren der Entwicklung von
Nuklearwaffen in Nordkorea zusammen. In den letzten
Wochen haben wir mit Seoul erfolgreich am Abbau der
Spannungen, der Bekräftigung des nuklearen Einfrierens und der Verbesserung der Dialogsaussichten
auf der Halbinsel zusammengearbeitet.
Ich würde mich freuen, im Falle meiner Bestätigung
sowohl Japan als auch der Republik Korea möglichst
bald einen Besuch abstatten zu können.
Ferner sehe ich dem bevorstehenden Besuch des
chinesischen Außenministers bei uns erwartungsvoll
entgegen.
Starke bilaterale Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China sind erforderlich, um die
Zusammenarbeit auszuweiten, das Potential für
Mißverständnisse zu verringern und Chinas Entwicklung zu einem verantwortungsbewußten Mitglied der
internationalen Staatengemeinschaft zu ermutigen.
Um Fortschritte zu machen, müssen unsere beiden
Länder auf der Grundlage gegenseitiger Offenheit
miteinander umgehen. Wir haben wichtige Differenzen, insbesondere bei Handel, Waffenlieferungen und
Menschenrechten, einschließlich Tibet.
Wir sind
besorgt über die chinesische Politik gegenüber
Hongkong. Obwohl wir an unserer Politik festhalten,
daß es nur ein China gibt, werden wir starke inoffizielle
Beziehungen zu Taiwan pflegen. Wir haben jedoch
auch viele gemeinsame Interessen, und wir haben bei
mehreren Fragen zusammengearbeitet, einschließlich
der koreanischen Halbinsel, Verbrechensbekämpfung,
Umweltschutz und Nuklearversuchen.
Die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber China
wird im Kongreß und im amerikanischen Volk seit
langem kontrovers diskutiert. Es bestehen Meinungsverschiedenheiten über ein angemessenes Gleichgewicht zwischen verschiedenen Elementen dieser
Politik. Es sollte jedoch kein Zweifel an der Bedeutung
dieser Beziehungen und der Notwendigkeit einer auf
Integration, nicht Isolation Chinas abzielenden Politik
bestehen.
Präventive Verteidigung
tödlicher Waffen

durch

die

Kontrolle

Der Kalte Krieg mag vorüber sein, aber die Bedrohung
unserer Sicherheit durch nukleare und andere Massenvernichtungswaffen ist nur verringert, nicht beendet

Seite 5

�worden. Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung sind
weiterhin ein wesentliches Element unserer Außenpolitik.
Unter unserer Führung ist viel erreicht worden.
Russische Raketen sind nicht länger auf unsere
Häuser gerichtet. Aus Belarus, Kasachstan und der
Ukraine wurden die Nuklearwaffen abgezogen, und die
letzten Raketensilos werden mit Sonnenblumen
bepflanzt. Die Nuklearkapazitäten des Irak wurden
verringert, die Nordkoreas eingefroren. Der Nichtverbreitungsvertrag wurde unbegrenzt und bedingungslos
verlängert. Ein umfassendes Verbot von Atomtests
wurde verabschiedet, und bald wird ein Verbot von
Chemiewaffen in Kraft treten.
Herr Vorsitzender, diese Bestrebungen zur Verringerung der Ausbreitung und Zahl von Massenvernichtungswaffen tragen zu dem bei, was Verteidigungsminister Perry als "präventive Verteidigung"
bezeichnet. Sie zielen auf die Wahrung der Sicherheit
aller Amerikaner ab. Wir wollen damit nicht anderen
einen Gefallen tun, sondern unterstützen unsere
eigenen nationalen Interessen. Aber Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung sind eine noch nicht
beendete Aufgabe, zu deren Fortsetzung wir Ihre Hilfe,
die dieses Ausschusses und des Senats benötigen.
Erstens werden wir Sie um Ihre Zustimmung zur
Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention vor ihrem
Inkrafttreten Ende April ersuchen.
Wie dieser Ausschuß weiß, wurde die CW-Konvention
unter Präsident Reagan in die Wege geleitet und unter
Präsident Bush ausgehandelt. Sie wird von vielen in
beiden Parteien, von Unternehmen und unserem
Militär unterstützt. Die CW-Konvention ist kein Allheilmittel, aber sie wird es verbrecherischen Staaten und
anderen, die unseren Interessen gegenüber feindlich
gesinnt sind, erschweren, Chemiewaffen zu entwickeln
oder zu beschaffen. Herr Vorsitzender, ich hoffe auf
unsere Zusammenarbeit, um diesen Vertrag rechtzeitig
zu verabschieden, damit die Vereinigten Staaten
Gründungsmitglied sein können.
Wir werden auch Ihre baldige Zustimmung zum KSEFlankenabkommen anstreben, das für den KSEVertrag unerläßlich ist, der wiederum in hohem Maße
zur europäischen Sicherheit beiträgt.
In Übersee werden wir mit Rußland zusammenarbeiten, um die unverzügliche Ratifizierung des
START Il-Vertrags durch die Duma sicherzustellen und
dann weitere Reduzierungen und Begrenzungen
strategischer Nuklearwaffen anzustreben.
Wir werden auch die Bestrebungen fortsetzen, um die
Forderung von Präsident Clinton nach Verhandlungen
zu erfüllen, die zu einem weltweiten Verbot des
Einsatzes, der Lagerung, Herstellung und des Trans-

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fers von Antipersonenminen führen.
Die durch
Mißbrauch von Landminen verursachten humanitären
Probleme können nur auf globaler Basis bewältigt
werden. Im September erklärte der Präsident vor der
UN-Generalversammlung, "unsere Kinder haben
Anspruch darauf, auf sicherem Boden gehen zu
können". Dies wird in den nächsten vier Jahren ein
wichtiges Rüstungskontrollziel sein.
Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung sind eng mit
unserer Politik gegenüber verbrecherischen Staaten
verbunden. Wir haben großes Interesse zu verhindern, daß Massenvernichtungswaffen von Regimen
mit erwiesener Mißachtung der Rechtsstaatlichkeit
beschafft werden. Entsprechend werden wir weiterhin
auf die Verbesserung der Sicherheit hinarbeiten und
das Abzweigen von spaltbarem Material verhindern.
Wir lehnen den Verkauf oder Transfer von modernen
Waffen oder Technologien an den Iran nach wie vor
vehement ab. Und wir werden auf der Beibehaltung
strenger Sanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak bestehen, bis das Regime die entsprechenden Resolutionen des Sicherheitsrats erfüllt.
Tatkräftige Diplomatie zur Unterstützung des
Friedens
Herr Vorsitzender, die angemessene Rolle der Vereinigten Staaten bei der Beendigung von Konflikten
und der Reaktion auf Krisen in Übersee ist eingehend
erörtert worden, nicht nur in unserer Zeit, sondern im
gesamten Verlauf der amerikanischen Geschichte.
Weil wir einzigartige Fähigkeiten und beispiellose
Macht haben, ist es natürlich, daß andere sich in
Notfällen an uns wenden. Wir haben zahllose Chancen, auf der ganzen Welt zu handeln. Aber wir haben
weder unbegrenzte Ressourcen noch unbegrenzte
Verantwortung. Wenn wir unsere eigenen Interessen
schützen und unsere Glaubwürdigkeit bewahren
wollen, müssen wir unser jeweiliges Engagement
sorgfältig abwägen und sowohl selektiv als auch
diszipliniert bei unseren vereinbarten Einsätzen
vorgehen.
In Anbetracht dieser Tatsache haben wir einen starken
Anreiz, andere Mechanismen zur Reaktion auf Notfälle
und Konflikte zu stärken, darunter die Vereinten
Nationen und regionale Organisationen. Wir sollten
eng mit dem gesamten Netz öffentlicher und nichtstaatlicher Organisationen zusammenarbeiten, um die
humanitären und anderen Kosten natürlicher und vom
Menschen verursachter Katastrophen vorherzusehen,
zu verhindern, einzudämmen und zu minimieren. Und
wir sollten darauf bestehen, daß andere Nationen, die
dazu in der Lage sind, den ihnen angemessenen
finanziellen, technischen und - wenn nötig - militärischen Beitrag leisten.

AMERIKA DIENST 01

�Die oberste Verpflichtung der Vereinigten Staaten
besteht gegenüber ihren eigenen Bürgern. Wir sind
keine Wohltätigkeitsorganisation oder eine Feuerwehr.
Wir werden entschieden unsere eigenen lebenswichtigen Interessen verteidigen.
Wir sind uns jedoch bewußt, daß unsere Interessen
und die unserer Verbündeten auch durch regionale
oder Bürgerkriege und ein Machtvakuum betroffen sein
könnten - das sich Kriminelle und Terroristen zum Ziel
nehmen - sowie durch entsetzliches menschliches
Leid und Bedrohungen der Demokratie. Präsident
Clinton hat vor kurzem erklärt: "Die Vereinigten
Staaten können und sollten nicht versuchen, jedes
Problem zu lösen, aber wo unsere Interessen klar sind,
unsere Werte auf dem Spiel stehen und wir etwas
bewirken können, müssen wir handeln und eine
Führungsrolle übernehmen."
Während der vergangenen vier Jahre haben die
Vereinigten Staaten unter der Führung von Präsident
Clinton und Außenminister Christopher in historisch
krisengeschüttelten Regionen der Welt unerschütterlich die Friedensstifter gegen die Bombenleger unterstützt. Unser Ziel war die Schaffung eines Umfelds, in
dem Bedrohungen unserer Sicherheit und der unserer
Verbündeten sowie die Wahrscheinlichkeit der Entsendung amerikanischer Streitkräfte in einen Kampf
verringert sind.
Wir sind uns bewußt, daß weder die Vereinigten
Staaten noch irgendeine andere Macht von außen in
den meisten dieser Situationen eine Lösung aufzwingen kann. Aber wir können es den Friedenssuchenden erleichtern, die zur Erlangung dieses Friedens
erforderlichen Risiken zu übernehmen.
Während der Vorbereitung dieser Rede hat die
kontinuierliche Diplomatie der Vereinigten Staaten im
Nahen Osten zu einem neuen Dialog zwischen Israel
und seinen palästinensischen Partnern beigetragen
und bemerkenswerte Fortschritte beim Abzug der
Israelis aus Hebron erzielt.
Obwohl ein Abkommen noch nicht in greifbare Nähe
gerückt ist, haben die von uns während der vergangenen drei Monate geführten intensiven Verhandlungen einschließlich persönlicher Gespräche zwischen
Ministerpräsident Netanjahu und PLO-Führer Arafat eine gewisse Dynamik und größeres Vertrauen
zwischen den beiden Seiten wiederhergestellt. Dieser
Prozeß begann während des von Präsident Clinton im
Oktober letzten Jahres anberaumten Gipfeltreffens in
Washington und wurde durch unser tatkräftiges
diplomatisches Engagement bewahrt und vorangebracht.
Ministerpräsident Netanjahu und PLO-Chef Arafat
haben gegenüber Präsident Clinton ihre Entschlossenheit zur Fortsetzung ihrer gemeinsamen Bestrebungen

AMERIKA DIENST 01

für den Frieden bekräftigt. Die Vereinigten Staaten
werden dabei an ihrer Seite stehen.
Heute gibt es zwei konkurrierende Visionen im Nahen
Osten. Eine konzentriert sich auf das Leid und die
Tragödien der Vergangenheit, die andere auf die
Möglichkeiten der Zukunft. Ein Abkommen über
Hebron würde als Katalysator dienen und die Verfechter des Friedens stärken. Unter der Führung des
Präsidenten beabsichtigen wir, auf allen Ebenen
entschieden vorzugehen, um einen sicheren, umfassenden und dauerhaften Frieden zwischen Israel und
seinen arabischen Nachbarn zu realisieren.
Im gesamten Verlauf dieses Prozesses werden wir
vom unerschütterlichen Engagement der Vereinigten
Staaten für die Sicherheit Israels und unserem Widerstand gegen diejenigen geleitet sein, die diesen
Prozeß durch Terroranschläge und Gewalt stören
wollen.
Außenminister Christopher verläßt sein Amt nach vier
Jahren historischer Fortschritte bei der Erleichterung
des Friedens im Nahen Osten. Er wird vermißt
werden, und ich werde der Verpflichtung des USAußenministeriums zu einer aktiven Rolle der Vereinigten Staaten in diesem seit so langem von Krisen
geschüttelten und strategischen Teil der Welt weiterhin
nachkommen.
Auch in Zypern sind seit langem bestehende Meinungsverschiedenheiten nach wie vor ungelöst. 1996
kamen die Parteien einer endgültigen Entscheidung
über den Status der Insel nicht näher. Darüber hinaus
haben beunruhigende gewalttätige Zwischenfälle das
Klima für Verhandlungen beeinträchtigt und gleichzeitig
ihre Dringlichkeit unterstrichen. Die Kontroverse hier
und ähnliche Differenzen zwischen unsere beiden
NATO-Verbündeten Türkei und Griechenland betreffen
die europäische Stabilität und unsere vitalen Interessen. Entsprechend sind wir in diesem neuen Jahr
bereit, eine größere Rolle bei der Förderung einer
Lösung für Zypern zu übernehmen, aber damit eine
Initiative Früchte tragen kann, müssen die Parteien
Schritten zustimmen, die Spannungen abbauen und
direkte Verhandlungen möglich machen.
In Nordirland fühlen wir uns durch die Aufnahme von
Mehrparteiengesprächen ermutigt, sind jedoch
enttäuscht über den Mangel an Fortschritten und
verurteilen die erneuten Gewaltakte der IRA aufs
Schärfste. Wir werden weiterhin mit der irischen und
der britischen Regierung sowie den betroffenen
Parteien zusammenarbeiten, um zu substantiellen
Fortschritten bei den Gesprächen beizutragen. Wir
stellen fest, daß der ehemalige Senator George
Mitchell, der den Vorsitz der Mehrparteiengespräche
führt, entscheidend an den erzielten Fortschritten
beteiligt war.

Seite 7

�Am Vorabend des 50. Jahrestages der Unabhängigkeit
von Indien und Pakistan werden wir erneut die Aussichten für einen Abbau der Spannungen prüfen, die
seit langem zwischen diesen beiden Freunden der
Vereinigten Staaten bestehen.
Wir haben eine Fülle von Sachwerten in dieser Region
und sind besonders besorgt über den regionalen
Rüstungswettlauf und die nukleare Weiterverbreitung.
Sowohl Indien als auch Pakistan sollten wissen, daß
wir alles in unserer Macht Stehende unternehmen
werden, um die Beziehungen der beiden Länder zu
uns zu stärken und bessere Beziehungen zwischen
ihnen zu ermutigen. Von beiden Ländern erwarten wir,
daß sie Aktionen vermeiden, die als Provokation des
anderen beabsichtigt sind.
Ein weiterer durch die Geschichte und Geographie
bedingter Disput besteht zwischen Armenien, Aserbaidschan und Nagorny-Karabach. Die gute Nachricht
ist, daß der Waffenstillstand jetzt seit über zwei Jahren
hält. Die schlechte Nachricht ist, daß die Fortschritte
unter dem Minsk-Prozeß der OSZE quälend langsam
erzielt werden. Wir haben sehr beträchtliche wirtschaftliche, politische und humanitäre Interessen in
dieser Region und sind bereit, eine maßgeblichere
Rolle bei einer Lösung zu spielen. Ein Schritt, den der
Kongreß zur Erhöhung unseres Einflusses unternehmen sollte, wäre die Aufhebung der Restriktionen für
nichtmilitärische Hilfe für Aserbaidschan bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Unterstützung unseres
großzügigen Hilfsprogramms in Armenien.
In Zentralafrika versuchen wir mit den regionalen
Politikern und unseren Verbündeten zu verhindern,
daß die immer noch instabile Situation zu einer noch
größeren Tragödie eskaliert.
Wir ermutigen die
Rückführung der restlichen ruandischen Flüchtlinge
und sind bei ihrer Reintegration in die ruandische
Gesellschaft behilflich. Mit den Bestrebungen des
Sondergesandten Howard Wolpe fördern wir einen
Dialog zwischen den gegnerischen Parteien in Burundi. Und wir unterstützen ein Ende des Konflikts in
Zaire auf der Grundlage der Anerkennung der territorialen Integrität Zaires und vollständiger Respektierung
der Menschenrechte.
Herr Vorsitzender, ich habe Afrika im vergangenen
Jahr besucht. In Ruanda, in der wunderschönen
Region, wo der Film "Gorillas im Nebel" gedreht wurde,
gibt es eine alte Steinkirche. Neben dieser Kirche
arbeiten Amerikaner und andere Freiwillige mit kleinen
Bürsten, um die Gebeine der 1994 dort ermordeten
Menschen zu reinigen und zusammenzufügen. Unter
den Hunderten von Skeletten fiel mir eines auf, das nur
ungefähr 50 cm lang war - in etwa die Größe meines
kleinen Enkels.
Man sagt, Außenpolitik sollte nicht von Emotionen
geleitet sein. Das ist richtig. Aber wir sollten uns vor

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Augen führen, daß ermordete Kinder keine Emotionen
sind - sie sind menschliche Geschöpfe, deren potentieller Beitrag für immer verloren ist. Amerika hat
ebenso wie alle zivilisierten Menschen ein Interesse,
wo immer möglich zu handeln, um Genozid zu verhindern und abzulehnen.
Ein praktischer Schritt, den wir unternehmen können,
ist die Verbesserung der Fähigkeit der afrikanischen
Länder, sich erfolgreich für friedenssichernde Bestrebungen innerhalb ihrer Region zu engagieren. Das ist
der Zweck der von der Administration im Herbst
vergangenen Jahres vorgeschlagenen Reaktionstruppe auf afrikanische Krisen. Dieser Vorschlag hat
beträchtliches Interesse sowohl innerhalb als auch
außerhalb der Region hervorgerufen. Mit der Unterstützung des Kongresses wird ihm im kommenden
Jahr Priorität eingeräumt.
Führungsrolle für eine globale Wirtschaft
Die Clinton-Administration hat in diesen vergangenen
vier Jahren außergewöhnlichen Erfolg bei der Schaffung von Arbeitsplätzen für Amerikaner im Inland durch
die Öffnung von Märkten im Ausland erzielt. Die über
200 vereinbarten Handelsabkommen haben zu einem
Zuwachs unserer Exporte um 34 Prozent seit 1993
geführt und 1,6 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Durch die Verabschiedung des NAFTA, den
Abschluß der Uruguay-Runde des GATT und das beim
Gipfeltreffen von Miami eingegangene Versprechen,
bis zum Jahr 2005 freien und offenen Handel in
unserer Hemisphäre herbeizuführen, sowie die APECVerpflichtung, bis 2020 dasselbe in der asiatischpazifischen Region zu bewirken, hat der Präsident die
Vereinigten Staaten zu einem noch dynamischeren
Dreh- und Angelpunkt der globalen Wirtschaft im 21.
Jahrhundert gemacht.
Als Außenministerin würde ich alles in meiner Macht
Stehende tun, damit diese Dynamik anhält. Ich habe
bereits mit Finanzminister Rubin, dem designierten
Wirtschaftsminister Bill Daley und der designierten
Handelsbeauftragten Charlene Barshefsky gesprochen. Im Falle unserer Bestätigung beabsichtigen wir
als Team zu arbeiten - Amerikas Team. Und wir
beabsichtigen, ein sehr entschlossenes Team zu sein.
Der Wettbewerb auf den Märkten der Welt ist hart.
Häufig liegen unsere Firmen Kopf an Kopf mit ausländischen Konkurrenten, die von ihren Regierungen aktiv
unterstützt werden. Eine Hauptverantwortung des
Außenministeriums ist darauf zu achten, daß die
Interessen amerikanischer Unternehmen und Arbeitnehmerfair behandelt und ungerechte Hemmnisse für
Wettbewerb überwunden werden.
Entsprechend
stehen die Türen des Außenministeriums und unserer
Botschaften auf der Welt für amerikanische Geschäftsleute offen - und werden offen bleiben -, die ihre Ideen
vermarkten wollen und um unsere Hilfe bitten.

AMERIKA DIENST 01

�In den kommenden Jahren müssen wir weiterhin ein
globales Wirtschaftssystem schaffen, das für Amerika
arbeitet. Weil unsere Menschen so produktiv und
erfindungsreich sind, werden wir bei jedem echten
Wettbewerb Erfolg haben. Die Aufrechterhaltung des
gerechten Systems erfordert jedoch konstante Anstrengungen. Die Erfahrung lehrt uns, daß es immer
einige geben wird, die einen Vorteil erzielen wollen,
indem sie den Zugang zu unseren Produkten verweigern, Produktpiraterie bei unseren urheberrechtlich
geschützten Waren begehen oder uns durch Ausbeutungsbetriebe unterbieten.

Fülle gemeinsamer Anliegen teilen, darunter Kriminalität, Drogen, Einwanderung und die Umwelt.

Aus diesem Grund wird unsere Diplomatie weiterhin
einen hohen Standard bei den Arbeitsbedingungen,
der Umwelt und Unternehmenspraktiken betonen.
Und aus diesem Grund werden wir auf ein Handelssystem hinarbeiten, das faire Regeln einführt und
durchsetzt.

Wir wissen jedoch, daß der Hauptantrieb für die
Entwicklung dort wie überall vom Privatsektor kommen
muß.

Obwohl wir nach wie vor eng mit unseren G-7-Partnern
zusammenarbeiten, sind die Vorteile der wirtschaftlichen Integration und erweiterten Handels nicht auf die
meisten Industrienationen begrenzt und sollten dies
auch nicht sein. Insbesondere heute, da unser
bilaterales Auslandshilfeprogramm gekürzt wird, sind
Wirtschaftsinitiativen des öffentlichen und Privatsektors
überall ein wichtiger Bestandteil unserer Außenpolitik.
Wir können auch Ressourcen effektiv einsetzen,
indem wir mit den internationalen Finanzinstitutionen
zusammenarbeiten und sie unterstützen.
In Lateinamerika, einer Region von Demokratien,
werden wir auf den gesamtamerikanischen Gipfel von
1994 aufbauen, um die Rechts- und andere politische
Institutionen zu stärken sowie einen höheren Lebensstandard durch freien Handel und wirtschaftliche
Integration zu fördern. Ich freue mich, daß wir bei
diesen Bestrebungen die Hilfe des neuen designierten
Sondergesandten für Gesamtamerika, Mack McLarty,
haben.
Obwohl es noch sehr viel Armut gibt, wurden in vielen
Teilen der Hemisphäre durch Wirtschaftsreformen,
verstärkten Handel, niedrige Inflation und höhere
Auslandsinvestitionen substantielle Fortschritte erzielt.
Wir sind der Auffassung, daß durch ein Abkommen
über eine Freihandelszone für Gesamtamerika bis zum
Jahr 2005 weitere Fortschritte erzielt werden können,
die für uns und unsere Partner in der Hemisphäre von
Vorteil sind. Wir räumen auch dem baldigen Beitritt
Chiles zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen unter gleichen Bedingungen sowie der Erweiterung von dem NAFTA entsprechenden Arrangements
auf Zentralamerika und die Karibik hohe Priorität ein.
In unserer unmittelbaren Umgebung ermutigen wir
andauernde wirtschaftliche und politische Reformen in
Mexiko, einem Land, mit dem wir eine gemeinsame
Grenze von 3.400 Kilometern Länge haben und eine

AMERIKA DIENST 01

In Afrika verbessert sich die generelle wirtschaftliche
Perspektive, aber erschreckende Probleme wie
Verschuldung, Streitigkeiten, Umweltzerstörung und
unzureichende Investitionen bestehen weiterhin.
Es liegt in unserem Interesse, den Politikern der
Region bei der Überwindung dieser Probleme behilflich
zu sein und ein Afrika aufzubauen, das wohlhabender,
demokratischer und stabiler ist.

Daher ist es ermutigend, daß viele afrikanische
Regierungen Wachstum durch Maßnahmen erleichtern, die es Privatunternehmen gestatten, das Ruder
zu übernehmen, während sie gleichzeitig klug in
Bildung, Gesundheitswesen und Projekte zur Verbesserung der Chancen für Frauen investieren.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich große Betonung
auf die Zusammenarbeit mit den demokratischen
Politikern Afrikas legen, um diese Trends zu erweitern
und zu vertiefen. Insbesondere werden wir auf die
Integration Afrikas in die Weltwirtschaft hinarbeiten,
uns an Bestrebungen zur Erleichterung der Schuldenlast beteiligen und den Ländern, die dafür in Frage
kommen, wo wir können mit gezielten bilateralen
Hilfsprogrammen helfen.
Förderung der Freiheit
Rechtsstaatlichkeit

und Erweiterung der

Herr Vorsitzender, der Vertreter einer ausländischen
Macht hat einmal gesagt, sein Land haben keine
permanenten Verbündeten, nur permanente Interessen.
Von Amerika könnte man sagen, daß das Land keine
permanenten Feinde, sondern nur permanente
Prinzipien hat.
Diese Prinzipien gründen auf der Respektierung der
Gesetze, menschlichen Würde und Freiheit, nicht nur
für einige, sondern für alle Menschen.
Sollte ich bestätigt werden, kann ich Ihnen versichern,
daß die Vereinigten Staaten nicht zögern werden, die
Verletzung international anerkannter Menschenrechte
offen anzusprechen, unabhängig davon, ob sie in
Kuba oder Afghanistan, Burma, Belgrad oder Peking
stattfindet.
Wir werden mit anderen zusammenarbeiten, um die
Kräfte des internationalen Verbrechens zu bekämpfen

Seite 9

�und die Drogenhändler für immer aus dem Geschäft zu
vertreiben.
Wir werden einen harten Kurs gegen internationalen
Terror verfolgen und auf dem Prinzip bestehen, daß es
nicht gerechtfertigt werden kann, Terroristen zu
unterstützen oder ihnen Zuflucht zu gewähren. Es ist
falsch. Und den Schuldigen sollte nicht applaudiert,
sondern sie sollten isoliert und bestraft werden.
Wir werden unsere starke Unterstützung des internationalen Kriegsverbrechertribunals für Ruanda und den
Balkan fortsetzen, weil wir der Überzeugung sind, daß
die der ethnischen Säuberung Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden sollten, und diejenigen, die
Vergewaltigung nur als eine weitere Kriegstaktik
ansehen, für ihre Verbrechen einstehen müssen.
Und wir werden weiterhin Demokratie fördern und
befürworten, weil wir wissen, daß Demokratie ein Vater
des Friedens und die Amerikanische Verfassung noch
immer die revolutionärste und anregendste Quelle für
Wandel in der Welt ist.

größte Herausforderungen und Chancen erachte, mit
denen wir uns in den nächsten vier Jahren konfrontiert
sehen. Zweifelsohne haben wir viel zu tun.
Ich könnte Ihnen sagen, daß ich immer die Ambition
hatte, Außenministerin der Vereinigten Staaten zu
werden. Aber das stimmt nicht. Offen gesagt, habe
ich nicht gedacht, daß es möglich wäre.
Ich kam mit 11 Jahren nach Amerika. Meine Familie
kam hierher, um dem Kommunismus zu entfliehen und
Freiheit zu finden - und das haben wir. Meine Ambition
zu jener Zeit war nur, gut Englisch zu sprechen, meine
Eltern zu erfreuen, hart zu lernen und aufzuwachsen,
um Amerikanerin zu sein.
Die Zeitung in Denver, wo wir lebten, hatte folgendes
Motto: "Es ist ein Privileg, in Colorado zu leben."
Mein Vater pflegte dieses Motto in regelmäßigen
Abständen zu wiederholen, fügte aber häufig eine
kleine Mahnung hinzu: "Kinder", sagte er, "vergeßt nie,
daß es auch ein Privileg ist, in den Vereinigten Staaten
zu leben."

Die Umwelt
Abschließend, Herr Vorsitzender, möchte ich klarstellen, daß ich im Falle meiner Bestätigung auf
Außenminister Christophers kluge Entscheidung
aufbauen möchte, Umweltbelange in unsere Außenpolitik einzubeziehen.
In den vergangenen Jahren bin ich in nahezu jede
Region der Welt gereist. Ich habe die durch Überentwicklung verursachte drängende Fülle und die
Entwaldung gesehen, die entsteht, wenn zunehmende
Populationen um abnehmende natürliche Ressourcen
kämpfen. Ich habe die Luft smogbelasteter Städte
gerochen, wo die durch moderne Technologien
ermöglichten Umwelttechniken noch nicht angewandt
werden.
Die Bedrohungen, denen wir uns durch Umweltzerstörung gegenübersehen, sind nicht so spektakulär
wie die durch die Bombe eines Terroristen oder eine
gegnerische Rakete. Aber sie betreffen direkt die
Gesundheit, Sicherheit und Lebensqualität von
Familien überall auf der Welt. Wir können wählen, ob
wir bei der Reaktion auf diese Bedrohungen passiv
bleiben und die harte Arbeit unseren Kindern überlassen, oder jetzt aktiv und vorausschauend sind. Ich
habe mich für den letzteren Kurs entschieden, und
werde nicht zögern, die Unterstützung des Kongresses
und der Öffentlichkeit dafür zu gewinnen.
Schlußbemerkung
Verehrte Ausschußmitglieder, ich fühle mich zutiefst
geehrt, heute hier sein zu dürfen. Ich habe einiges,
aber bei weitem nicht alles dargelegt, was ich als

Seite 10

Lange nachdem ich mein Zuhause verlassen hatte, rief
meine Mutter immer am 4. Juli an, um meine Kinder ihre Enkel - zu fragen: "Sagt mir, singt Ihr patriotische
Lieder?"
Senatoren, Sie auf Ihrer Seite des Tisches und ich auf
meiner haben eine einzigartige Chance, Partner bei
der Schaffung eines neuen und dauerhaften Rahmens
für eine amerikanische Führungsrolle zu sein. Einer
meiner Vorgänger, Dean Acheson, schrieb darüber,
bei der Schaffung eines neuen Zeitalters dabei zu sein.
Sie und ich stehen vor der Herausforderung und
haben die Verantwortung, das neueste Kapitel unserer
Geschichte mitzuverfassen.
Dabei sollten wir uns vor Augen führen, daß es keine
Seite im amerikanischen Buch der Geschichte - auf die
wir stolz sind - gibt, die von einem chronischen Nörgler
oder einem Niedergangspropheten geschrieben
wurde.
Wir sind Macher.
Indem wir der Versuchung der Isolation widerstehen
und Seite an Seite mit denen auf der Welt stehen, die
unsere Werte teilen, werden wir unsere eigenen
Interessen voranbringen, unsere besten Traditionen
ehren und versuchen, daß ein Gebet erhört wird, das
viele Jahre lang in zahlreichen Sprachen gesprochen
wurde, entsprechend der unterschiedlichen Sitten, als
Antwort auf ein gemeinsames Streben.
Dieses Gebet ist das Gebet für Frieden, Freiheit,
Essen auf dem Tisch und das, was Präsident Clinton

AMERIKA DIENST 01

�einst so eloquent als "das stille Wunder eines
normalen Lebens" bezeichnet hat.
Wenn ich mit Ihrer Zustimmung als Außenministerin
bestätigt werde, möchte ich Sie bitten, mit mir gemein-

AMERIKA DIENST 01

sam als Vertreter der unerläßlichen Nation und mit der
Hilfe Gottes alles zu tun, damit dieses Gebet erhört
wird.
Ich danke Ihnen.

Seite 11

�NATO
15. Januar 1997

Die neue transatlantische Partnerschaft
Rede von Botschafter Hunter

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Botschafter Robert E. Hunter, Ständiger
Vertreter der Vereinigten Staaten bei der NATO, am 19. Dezember 1996 anläßlich des ihm vom European
Institute verliehenen Transatlantic Leadership Award gehalten hat.

Was für eine großartige Zeit ist das heute für die
NATO. In genau sieben Stunden und 31 Minuten läuft
das Mandat der Implementation Force (IFOR) in
Bosnien - der Operation Joint Endeavor - aus. Und im
gleichen Augenblick werden wir die Operation Joint
Guard einleiten, die Stabilization Force (SFOR). Das
sind 366 Tage seit der Stunde Null der ersten Mission,
und es ist die Stunde Null der neuen Mission. Das ist
eine beeindruckende Leistung. Alle 16 NATO-Verbündeten waren an der IFOR beteiligt. Das 16. Land ist
Island, das keine Streitkräfte unterhält, aber, um sich
zu beteiligen und Solidarität zu zeigen, einen Arzt und
zwei Krankenschwestern entsandt hat. Auch 13
Mitglieder der Partnerschaft für den Frieden und vier
andere Länder haben sich an der IFOR beteiligt, und
wir haben zusammen das erreicht, was vor noch
einem Jahr unmöglich erschien, jetzt jedoch praktisch
eine Alltäglichkeit ist. Was die NATO sowie ihre
Freunde und Partner geleistet haben, war außergewöhnlich. Ich danke Gott für die unglaubliche Tatsache, daß es bis jetzt kein einziges Todesopfer gegeben hat - das ist beispiellos bei einer Operation dieser
Qualität und Größe, vor allem in der modernen Geschichte.
Was die NATO tut, wird natürlich nicht genug sein, um
den Erfolg des Abkommens von Dayton zu gewährleisten. Was die NATO tut, wird natürlich nicht genug
sein um sicherzustellen, daß sich für die gepeinigten
Menschen in Bosnien die Hoffnungen erfüllen.
Natürlich liegt die Verantwortung bei den Menschen in
Bosnien selbst, bei ihren Nachbarn und bei der
internationalen Staatengemeinschaft.
Sie müssen
dafür sorgen, daß die zivilen Bestrebungen - der
Wiederaufbau - erfolgen und dafür sorgen, daß die
Polizei die notwendigen Funktionen übernimmt, dafür
sorgen, daß die Kriegsverbrecher in Den Haag vor

AMERIKA DIENST 01

Gericht gestellt werden, und dafür sorgen, daß die
Flüchtlinge in ihre oder ähnliche Häuser in ganz
Bosnien zurückkehren können.
Ich möchte jedoch auch eindeutig klarstellen, daß die
NATO definitiv etwas bewirkt hat. Nach drei langen
Jahren des Kampfes im Rat und im Bündnis ist es uns
gelungen, Indifferenz durch Aktionen zu ersetzen, es
ist uns gelungen, eine Periode des Herumprobierens
zu überwinden und, nachdem die Atlantische Allianz
beinahe wegen Bosnien in die Brüche ging, zu den
ersten erfolgreichen Luftangriffen vor nur 16 Monaten
überzugehen, mit denen die Tür zum Abkommen von
Dayton und darüber hinaus geöffnet wurde. Meiner
Ansicht nach ist es bemerkenswert, daß die NATO
überhaupt handeln konnte und nicht, daß sie so lange
brauchte, in Bosnien "einzugreifen", sich dort zu
engagieren und effektiv zu sein. Es ist bemerkenswert, daß die 16 verbündeten Regierungen in der Lage
waren, diesen großen Supertanker eines Bündnisses das allein zum Zweck der Eindämmung der sowjetischen Macht und des Kommunismus gegründet wurde
- um 120 Grad zu wenden, um sich auf einen Ort zu
konzentrieren, der für die meisten Verbündeten von
geringer strategischer, jedoch von großer politischer
und moralischer Bedeutung war, in der Tat ein Ort, der
für die meisten Verbündeten "ein weit entferntes Land
war, über das wir nichts wußten". Aber schließlich
gewannen alle 16 Länder die Erkenntnis, daß wir
dieses wertvolle Bündnis, das uns seit so vielen
Jahren Sicherheit gegeben hatte und das für so viel
mehr Menschen Sicherheit und Frieden in der Zukunft
versprach, nur bewahren und erweitern können, wenn
wir in Bosnien effektiv sind - und die schlimmsten
Kämpfe auf dem europäischen Kontinent seit dem
Zweiten Weltkrieg beenden.

Seite 1

�Ich bin sicher, daß die NATO aufgrund der Überzeugung der 16 Länder begann, die Zukunft in den Griff zu
bekommen - weit über Bosnien hinaus - und Bosnien
in historischer Hinsicht in den Schatten stellte. Und
aufgrund ihrer kollektiven Überzeugung, daß das
Bündnis es wert sei, erhalten zu werden und wir es
uns nicht leisten könnten, es zu verlieren und wegen
des Versprechens gegenüber Bosnien, waren wir
schließlich in der Lage, zusammenzukommen und
etwas zur Beendigung des Krieges zu unternehmen.
Sieben Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges sind
wir uns meines Erachtens jetzt dreier Tatsachen
bewußt: Erstens, daß die Geschichte nicht zu Ende
ging, sondern vielmehr einen neuen Anfang hinzugefügt hat, eine Chance, die Prinzipien, Werte und
Gründe zu rechtfertigen, für die wir während des
Kalten Krieges gekämpft hatten. Die Geschichte fügte
auch die Verantwortung hinzu, diese Prinzipien und
Werte sehr viel mehr Völkern als je zuvor in ganz
Europa und sogar darüber hinaus nahezubringen.
Zweitens gelangten wir zu der Überzeugung, daß viele
Institutionen in diesem Prozeß von Bedeutung sein
würden: Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die Europäische
Union (EU), die Westeuropäische Union (WEU) und
der Europarat. Aber eine Institution hat sich wiederum
als unerläßlich und herausragend erwiesen, und das
ist die NATO. Das dritte, das wir gelernt haben, auch
wiederum mit allem nötigen Respekt für die gemeinsamen Bestrebungen am Verhandlungstisch und im
Bündnis, ist, daß die NATO am besten arbeitet, wenn
die Vereinigten Staaten bereit sind, sich zu engagieren
und eine Führungsrolle zu übernehmen. Ich freue
mich sagen zu können, daß diese Verpflichtung auch
heute noch gültig ist - die Vereinigten Staaten sind
engagiert, sie haben eine Führungsrolle übernommen und dies gilt auf überparteilicher Ebene. Was wir
heute tun, begann unter Präsident Bush, wurde unter
Präsident Clinton fortgesetzt und von jedem Kongreßabgeordneten ratifiziert, der uns bei der NATO besucht
hat. Es geht auf die Wurzeln dieses Landes zurück.
Es ist keine Verpflichtung der Republikaner oder der
Demokraten. Meiner Ansicht nach ist es eine Verpflichtung Amerikas.
Wir haben uns bei der NATO auf vier große Ziele
geeinigt, die wir verfolgen - nicht um etwas zu haben,
das das Bündnis um seiner selbst willen erhält,
sondern vielmehr unsere gemeinsamen Interessen
fördert, für die das Bündnis erforderlich ist. Das erste
große Ziel ist natürlich, daß Amerika eine europäische
Macht bleibt, nicht nur heute, sondern auf unbegrenzte
Zukunft hinaus. Mit Ausnahme unseres eigenen
Bürgerkriegs hat unser Land in der Tat mehr Blut
vergossen und Gut geopfert, um Europa frei und
unabhängig zu halten, als für irgend etwas, das wir in
unserer gesamten Geschichte getan haben. Ich habe
keinen Grund zu der Annahme, daß wir diese Verpflichtung in Zukunft nicht wahrnehmen werden.

Seite 2

Die zweite große Aufgabe der NATO, der Europäischen Union und anderer Institutionen besteht in der
Sicherstellung, daß wir das in Zukunft bewahren, was
wir während der vergangenen 50 Jahre erfolgreich
geleistet haben, einschließlich der Verhinderung einer
Renationalisierung der Verteidigung. Noch wichtiger
ist das, was von den Ländern der Europäischen Union
erreicht wurde, das in der Geschichte der Menschheit
seinesgleichen sucht - die Abschaffung des Kriegs an
sich als Mittel der Regulierung der Beziehungen
zwischen diesen Ländern. Wir leben in Brüssel, und in
Brüssel haben wir eine Abkürzung oder einen Namen
für alles. Deshalb nenne ich das den "europäischen
zivilen Raum". Und zur Erhaltung und Erweiterung
dieses europäischen zivilen Raums beizutragen, ist
von fundamentaler Bedeutung für unsere Arbeit bei der
NATO.
Aber das sind alte Aufgaben, kontinuierliche Zielsetzungen. Die neuen Aufgaben und Zielsetzungen - die
Öffnung von Grenzen und ihr Überschreiten - beginnen mit der Übernahme von Verantwortung in der
NATO, in unserem kollektiven Interesse, für Sicherheit
in Zentraleuropa. Die Rolle der NATO für die Sicherheit im umfassendsten Sinne war während des
Kalten Krieges ein elementares Ziel im Westen, war
ein elementares Ziel bei der Bewältigung der bosnischen Herausforderung und ist elementar bei der
Bewältigung anderer potentieller Herausforderungen der Schaffung der Grundlagen für Vertrauen und
Veränderungen, damit die Menschen verstehen, daß
sie eine Zukunft haben können, die nicht von außen
gestört wird, und Vertrauen in Stabilität haben.
Was die Europäische Union und die NATO in Zentraleuropa zu tun versuchen, ist die Vollendung des
Versprechens des Marshallplans, das von Joseph
Stalin vor rund 50 Jahren vereitelt und vom Eisernen
Vorhang ausgegrenzt wurde. Wir haben jetzt endlich
eine Chance, dieses große Unternehmen zu vollenden. Es ist höchst selten - vielleicht einzigartig - in
der Geschichte, daß wir eine zweite Chance erhalten!
Jetzt haben wir die Chance, das Vermächtnis des
Marshallplans zu erfüllen.
Schließlich - und was historisch vielleicht am wichtigsten ist - sind wir bei der NATO dem Ziel des Bündnisses verpflichtet, unseren ehemaligen Gegner
Rußland einzubeziehen und zu versuchen, dem Land
beim Erfolg des Experiments mit Demokratie und
Marktwirtschaft behilflich zu sein. Wir müssen Rußland als nützliches und produktives Mitglied in die Welt
dort draußen einbeziehen. Unter Präsident Bush und
dann unter Präsident Clinton sahen wir uns mit der
Entscheidung zwischen Paradigmen konfrontiert, die
sich aus der Art ableiteten, wie Deutschland 1919 und
danach sowie 1945 und danach behandelt wurde.
Das erste Mal wurde Deutschland getreten, als es am
Boden lag, und wir haben die Ergebnisse im Zweiten
Weltkrieg gesehen. Das zweite Mal versuchten viele

AMERIKA DIENST 01

�mutige Männer und Frauen mit Vision etwas anderes.
Das Ergebnis ist das freie, unabhängige und demokratische Deutschland, das wir heute sehen. Wir haben
jetzt die Entscheidung getroffen, daß wir Rußland
entsprechend dem zweiten Paradigma behandeln
werden - so schwierig diese Herausforderung auch ist
und so schwierig es auch sein wird, Verhaltensweisen
und Denkgewohnheiten zu ändern, damit wir mit
unserem alten Gegner arbeiten können - statt ihn an
den Folgen der Beendigung des Kalten Krieges leiden
zu sehen.
Diese vergangenen anderthalb Wochen waren
entscheidend für die NATO. Ich habe gestern unseren
Verteidigungsministern in Brüssel auf Wiedersehen
gesagt, ebenso wie ich letzte Woche zu unseren
Außenministern auf Wiedersehen gesagt habe. Bei
diesen beiden Treffen haben wir einige grundlegende
Entscheidungen getroffen, die auf den jüngsten,
hoffnungsvollen Entscheidungen vom Gipfeltreffen im
Januar 1994 aufbauen, bei dem Präsident Clinton uns
seine Zukunftsvision darlegte und von den anderen
Staats- und Regierungschefs des Bündnisses die
Zustimmung dazu erhielt. Bei diesen beiden Ministertreffen haben wir den Rubikon für die Zukunft der
NATO überschritten. Das von uns Geleistete wird am
8. und 9. Juli beim nächsten NATO-Gipfel in Madrid
ratifiziert. Wir unternehmen entscheidende Schritte,
um eine neue NATO hervorzubringen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern und das Bündnis
in dreierlei grundlegender Weise anzupassen: Neue
Missionen wie in Bosnien, Einbeziehung des Ostens,
um mehr Länder und Menschen zu umfassen als wir je
für möglich gehalten hätten, und einen Prozeß des
inneren Wandels zu durchlaufen, nach dem die neue
NATO in vieler Hinsicht verglichen mit der Vergangenheit nicht wiederzuerkennen ist.
Ja, beim NATO-Gipfeltreffen im Juli können und
werden wir neue Mitglieder aufnehmen. Wir werden
die Einladungen an eine Reihe neuer Länder aussprechen, die Verhandlungen mit der NATO aufzunehmen und bis 1999 Vollmitglieder des Bündnisses
zu werden. Die Tür für zukünftige Mitglieder wird offen
bleiben. Wie Außenminister Christopher bei einem
anderen historischen Anlaß im September vergangenen Jahres in Stuttgart sagte: "Die Tür zur NATOMitgliedschaft wird offen bleiben, so lange es europäische Länder gibt, die willens und bereit zur Übernahme der Pflichten der Mitgliedschaft sind."
Ja, wir können und werden alles Erforderliche tun um
sicherzustellen, daß die Länder, die nicht als erste zum
NATO-Beitritt eingeladen werden, nicht entmutigt
werden. Wir lehnen das Konzept von Grauzonen,
Pufferstaaten oder Einflußsphären ab und versuchen,
im östlichen Teil des Kontinents das außer Kraft zu
setzen, was wir bereits im Westen außer Kraft gesetzt
haben - das jahrhundertealte gescheiterte Konzept des
Kräftegleichgewichts.

AMERIKA DIENST 01

Die noch keine drei Jahre alte Partnerschaft für den
Frieden hat Wunder bewirkt - und meines Erachtens
wissen das die hier versammelten Vertreter der
Partnerländer - indem sie die Völker, die so lange
hinter dem Eisernen Vorhang litten, in die Lage
versetzte, ihren Platz im Westen einzunehmen und die
Vorteile zu genießen, die wir schon lange als selbstverständlich erachten. Die Partnerschaft für den
Frieden verfolgt zwei große Ziele. Eines besteht darin,
die Länder auf die NATO-Mitgliedschaft vorzubereiten.
Wenn wir den wichtigsten Schritt bei der NATOErweiterung unternehmen - den US-Senat um seine
Zustimmung mit Zweidrittelmehrheit zu bitten - und
wenn die Senatoren uns fragen, ob die von uns
ausgewählten Länder für die Aufnahme bereit sind,
wird die PFF gewährleisten, daß wir eine positive
Antwort erhalten - daß diese Länder zur Sicherheit
beitragen und sich ihrer nicht nur erfreuen. Noch
wichtiger ist, daß die Partnerschaft für den Frieden
eine dauerhafte, enge Verbindung zur NATO darstellt.
Die Partnerländer kommen zu uns nach Brüssel, in
unser Oberstes Hauptquartier (SHAPE), sie übernehmen die Maßstäbe der NATO, werden mit uns zusammen ausgebildet, nehmen mit uns zusammen an
Manövern teil, gehen mit uns zusammen nach Bosnien, tragen dieselben Risiken wie wir, übernehmen
dieselben Pflichten wie alle anderen Bündnismitglieder.
Tatsächlich möchten wir den Unterschied zwischen
einem Partner und einem Bündnismitglied so klein wie
möglich halten. Wir haben eine Reihe neuer Schritte
unternommen, um eine "Super"-PFF zu schaffen und
eine neue Institution ins Leben zu rufen - den Atlantischen Partnerschaftsrat - der den Beziehungen dieser
Länder zum Bündnis neuen Schwung verleihen soll.
Wir werden alles Mögliche unternehmen, um Rußland
einzubeziehen. Vor kurzem fand in Lissabon der
OSZE-Gipfel statt, bei dem der Prozeß der Modernisierung des KSE-Vertrags eingeleitet wurde. Rußland
gehört der Partnerschaft für den Frieden an. Wir
möchten besondere Beziehungen zu Rußland anknüpfen. Im letzten Jahr taten 1.500 der besten
russischen Soldaten im amerikanischen Sektor in
Bosnien Dienst. Und als wir im Herbst mit der Planung
für eine Nachfolgetruppe in Bosnien - eine Stabilisierungstruppe - begannen, erklärten die Russen: "Ihr
könnt mit uns rechnen, auf der Grundlage derselben
Bedingungen wie vorher."
Ferner schlugen wir
Rußland die Formulierung einer Charta vor, um die
besonderen Beziehungen zwischen der NATO und
Rußland zu kodifizieren, und wir hoffen, daß sie
rechtzeitig vor dem Madrider Gipfel abgeschlossen
werden kann. Wir müssen uns jedoch über eines im
klaren sein: Rußland ist gegen eine NATO-Erweiterung. Als Außenminister Primakow vor einer Woche
mit den Außenministern des Bündnisses zusammentraf, äußerte er jedoch, die Diskussionen und Verhandlungen über die Charta könnten fortgesetzt werden.
Und als Verteidigungsminister Rodionow mit den
Verteidigungsministem der NATO zusammentraf und

Seite 3

�laut, deutlich und unmißverständlich die russische
Ablehnung einer NATO-Erweiterung erklärte, wurde er
anschließend bei seiner Pressekonferenz gefragt, ob
dies im Falle der Aufnahme neuer Mitglieder das Ende
der militärischen Zusammenarbeit zwischen Rußland
und dem Bündnis bedeuten würde. Tatsächlich
erwiderte er darauf: "Natürlich nicht, denn sie liegt in
unserem Interesse."
Ich erinnere mich, was geschah, als zwei hochrangige
russische Beamte der NATO einen Besuch abstatteten, der mehr über die russische Psychologie aussagt
als über die russischen Überlegungen hinsichtlich der
weiteren Entwicklung der NATO - ein wirkliches
Verständnis, daß die NATO für niemanden eine
Bedrohung darstellt, auch nicht für Rußland. Nachdem
die beiden Herren ein paar Tage unserer Arbeit
zugeschaut hatten, erklärte jeder von ihnen: "Wir
können akzeptieren, was die NATO tut. Wir sehen,
daß sie nicht aggressiv ist und keine Bedrohung
darstellt. Aber eines müssen Sie tun - Sie müssen den
Namen ändern. Wir können das Wort 'NATO' aufgrund seiner Bedeutung während des Kalten Krieges
in Rußland nicht verkaufen. Unter einem anderen
Namen könnte sie jedoch akzeptiert werden." Ich
fürchte jedoch, daß uns dieser Name ans Herz
gewachsen ist!
Wir können und werden das Bündnis, den Kern der
NATO, reformieren, um zu zeigen, daß wir keine
Bedrohung für Rußland darstellen und in der Lage
sind, in Bosnien und auch zukünftig bei ähnlichen
Fällen einzugreifen. Wir werden Veränderungen
durchführen, die die Grundlage für die Aufnahme
neuer Mitglieder darstellen, Ressourcen sparen und
die Unterstützung durch das Volk in jedem unserer
Länder gewährleisten.
Dadurch werden wir auf
zukünftige Herausforderungen vollständig vorbereitet.
Dadurch sowie durch unser neues Konzept alliierter
Streitkräftekommandos (CJTF) wird das Bündnis mit
16 Mitgliedern leistungsfähiger. Ich möchte die Zahl
16 besonders betonen. Vor drei Wochen entschied
sich Spanien für eine volle Mitgliedschaft im Bündnis.
Vor einem Jahr traf Frankreich am 5. Dezember die
mutige Entscheidung für ein umfassendes Engagement in der neuen, umgestalteten NATO. Am heutigen
Abend möchte ich darauf hinweisen, daß das Glas der
neuen Beziehungen Frankreichs zum Bündnis weder
halb voll noch halb leer ist, sondern zu 99 Prozent voll.
Und ich bin zuversichtlich, daß wir es auch noch um
das fehlende eine Prozent auffüllen können.
Die Umgestaltung der NATO steht auch im Zusammenhang mit einem besonderen europäischen Kapitel
- der Europäischen Union, der Westeuropäischen
Union und der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität (ESDI). Meine Regierung hat zugesagt,
alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um der
WEU erstmals bei der Durchführung wirksamer

Seite 4

Aktionen zu helfen. Wir verstärken den Einfluß der
Europäer im Befehlssystem des Bündnisses, erhöhen
die Sichtbarkeit des europäischen Teils dieses Befehlssystems und schaffen die Möglichkeit für eine
verstärkte europäische Verantwortung.
Wir, die
Vereinigten Staaten, scheuen uns nicht und flüchten
auch nicht davor. Wir unterstützen und begrüßen sie
und unternehmen zusammen mit den anderen 15
Bündnismitgliedern alles hierzu Erforderliche.
Es gibt jedoch noch eine weitere unerledigte Aufgabe,
die wir in der NATO mit der Europäischen Union
angehen können. Unsere beiden Institutionen befinden sich in derselben Stadt auf zwei verschiedenen
Planeten. Derzeit bestehen praktisch noch keine
Beziehungen zwischen NATO und EU. In Brüssel
bemühen wir uns aber bereits um den Abbau dieser
Mauern. Vor zwei Monaten stattete uns Hans van den
Broek, den man als Außenminister der Europäischen
Union bezeichnen könnte, einen Besuch ab. Er nahm
an einem privaten Mittagessen des NATO-Rates teil.
Viele von uns haben an diesem Problem gearbeitet sehr konstruktiv, aber auch mit vorsichtigem Zögern
und relativ viel gegenseitigem Taxieren zwischen
NATO und EU.
Ich weiß, daß eine Organisation uns beim Knüpfen der
erforderlichen neuen Beziehungen zwischen der
NATO und der Europäischen Union helfen kann: das
European Institute hier in Washington. Jacqueline
Grapin hat bereits sehr viel getan, um die Vereinigten
Staaten und Europa über den Atlantik hinweg einander
näherzubringen. Jetzt arbeiten sie und ihr European
Institute gemeinsam an dieser grundlegenden Zusammenführung von NATO und EU - zwei derselben
Sache verschriebenen Institutionen. Wir setzen uns
dafür ein, innerhalb dieser beiden Institutionen dieselbe Geschichte des Engagements in Westeuropa
und über den Atlantik hinweg wie in Zentaleuropa und
Rußland zu schreiben. Die Ziele des Bündnisses und
der EU - und großenteils auch unsere Methodik ergänzen sich, und meines Erachtens werden wir uns
in Zukunft gegenseitig stärken. Jean Monnet formulierte es vor einigen Jahren am besten, als er sagte: "Das
Ziel besteht darin, alle an eine Seite des Tisches zu
bekommen und das Problem auf die andere." Und
genau das tut Jacqueline.
Ich möchte mit einer Herausforderung schließen und
Sie zur Übernahme einer neuen Aufgabe auffordern.
Meine Arbeit bei der NATO hat viele Aspekte, von
denen einer von herausragender Bedeutung ist.
Meines Erachtens haben wir ein gutes Bündnis für die
Zukunft aufgebaut. Wir haben unserer Meinung nach
einen Cadillac entworfen, fürchten aber, daß wir mit
einem Edsel enden, wenn wir nicht die unvermeidliche
Aufgabe erfüllen, den Menschen in diesem Land und
allen anderen Mitgliedstaaten des Bündnisses zu
erklären, warum und wie wir das tun, zu welchem
Zweck und warum sie uns unterstützen sollten. Es ist

AMERIKA DIENST 01

�eine Ironie, daß wir in einer Zeit nach dem Kalten Krieg
leben, in der leicht so viel zur Verhinderung einer
Wiederholung jedes der drei Kriege getan werden
kann, die Europa in diesem Jahrhundert erlebt hat, wir
aber so große Schwierigkeiten haben, die erforderliche
Aufmerksamkeit zu erhalten. Es werden so wenige
Mittel benötigt, aber es ist so schwierig, sie zu bekommen.
Tom Lantos, ein bekannter Kongreßabgeordneter aus
San Francisco, hat einmal gesagt, wenn man die
westlichen Länder vor zehn Jahren gefragt hätte,
wieviel sie für Ostdeutschland, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und die
Sowjetunion zahlen würden - 100 Milliarden oder 500
Milliarden Dollar? - wäre es kein Problem gewesen,
das Geld aufzubringen. Wieviel würde jetzt gezahlt,
damit diese Länder frei und unabhängig bleiben und
zum Westen gehören? Wieviel würde aufgewendet,
um das Versprechen des Marshallplans zu erfüllen?
Wievel würde man tun um sicherzustellen, daß in
Zukunft in Europa alles gewährleistet ist, was wir im
Kalten Krieg anstrebten? Bedauerlicherweise würde
man jetzt wohl eine andere Antwort bekommen zumindest wenn wir nicht in jeder unserer Nationen

*

AMERIKA DIENST 01

und in jedem unserer Parlamente die erforderliche
Unterstützung mobilisieren können.
Und hierfür
benötigen wir Ihre Hilfe - jetzt mehr denn je.
Isaac Newton erklärte, er stünde auf den Schulten von
Riesen. Es ist offensichtlich, daß wir in der NATO
heute auch auf den Schultern von Riesen stehen, von
denen einige heute hier versammelt sind. Teilweise
haben sie viele Jahre daran gearbeitet zu ermöglichen,
daß ich heute hier stehen kann und wir ein European
Institute haben, das so viel bewirkt. Wir blicken zurück
und beurteilen die Errungenschaften der letzten 50
Jahre. Wir sprechen über die Größe von Politikern
und ihre damalige Vision. In 50 Jahren werden die
Menschen auf uns zurückschauen - auf jeden einzelnen hier Anwesenden - mit dieser perfekten nachträglichen Einsicht - und darüber urteilen, ob wir
unserer Verantwortung gerecht geworden sind - dieser
einzigartigen Verantwortung und Chance, die keine
andere Generation in der transatlantischen oder
europäischen Geschichte hatte. Ich bin zuversichtlich,
daß die Geschichte uns milde beurteilen wird, denn ich
weiß um das Format und Engagement jedes einzelnen
hier Anwesenden. Ich danke Ihnen.

* * *

*

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�PORTRAT
15.Januar 1997

Janet L. Yellen
Die designierte Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater

WASHINGTON - (AD) - Am 20. Dezember 1996 gab Präsident Clinton die Nominierung von Janet L. Yellen als
Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater bekannt. Yellen, die derzeitig dem Rat der Gouverneure des
Federal Reserve System, der amerikanischen Zentralbank, angehört, tritt damit die Nachfolge von Joseph Stiglitz
an.

Janet L. Yellen wurde am 12. August 1994 als Mitglied
des Rats der Gouverneure des Federal Reserve
System vereidigt - ein Posten, der am 31. Januar 2008
ausläuft.
Dr. Yellen wurde am 13. August 1946 in Brooklyn, New
York, geboren. Sie machte 1967 ihren Abschluß in
Wirtschaftswissenschaften summa cum laude an der
Brown University und promovierte 1971 in diesem
Fach an der Yale University.
Dr. Yellen war von 1971-76 Dozentin in Harvard. Von
1977-78 war sie Ökonomin im Rat der Gouverneure
des Federal Reserve System und auf internationale
Handels- und Finanzfragen, einschließlich der Stabilisierung der internationalen Wechselkurse spezialisiert.
Von 1978-80 lehrte Dr. Yellen an der London School of
Economics.
Vor ihrem Beitritt zum Rat der Gouverneure hatte Dr.
Yellen den Bernard T. Rocca, Jr.-Lehrstuhl für interna-

tionale Wirtschaft und Handel der Haas School of
Business an der University of California in Berkeley
inne, wo sie seit 1980 lehrte. Ferner gehörte sie dem
Gremium der Wirtschaftsberater des Haushaltsbüros
des Kongresses an und war hochrangige Beraterin für
Wirtschaftsfragen beim Brookings Panel.
Dr. Yellen schrieb über eine Vielzahl makroökonomischer Fragen, wobei sie sich auf die Ursachen,
Mechanismen und Auswirkungen von Arbeitslosigkeit
spezialisierte. Darüber hinaus ist sie im Bereich der
Volkswirtschaft eine anerkannte Wissenschaftlerin,
wobei sie sich in letzter Zeit auf die Ermittlung der
Handelsbilanz sowie den Verlauf der Wirtschaftsreformen in Osteuropa konzentrierte.
Dr. Yellen ist mit einem anderen Wirtschaftswissenschaftler, Professor George Akerlof, verheiratet, mit
dem zusammen sie mehrere Artikel verfaßte. Die
beiden haben einen Sohn, Robert.

* * * * *

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Seite 1

�PORTRAT
15.Januar 1997

Alexis M. Herman
Die designierte Arbeitsministerin

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton gab am 20. Dezember 1996 die Nominierung von Alexis M. Herman zur
Arbeitsministerin bekannt. Vorbehaltlich ihrer Bestätigung durch den Senat tritt sie im Kabinett die Nachfolge von
Robert Reich an.
Während Präsident Clintons erster Amtszeit war Herman Direktorin des Büros für Öffentlichkeitsarbeit im Weißen
Haus.

Alexis Herman begann ihre berufliche Laufbahn 1969
als Sozialarbeiterin für Catholic Charities und entwikkelte Berufsausbildungsmöglichkeiten für arbeitslose
Jugendliche, ungelernte Arbeitnehmer und neue
Mitarbeiter des Schiffbauunternehmens Ingall's in
Pascagoula (Mississippi). Nach ihrer einstimmigen
Bestätigung durch den Senat im Jahr 1977 war sie
unter der Carter-Administration Direktorin des Büros
für Frauenfragen im US-Arbeitsministerium. Im Januar
1993 wurde Herman zur persönlichen Referentin
Präsident Clintons und Direktorin des Büros für
Öffentlichkeitsarbeit im Weißen Haus ernannt. In
letztgenannter Funktion ist sie dafür zuständig,
Unterstützung für Präsident Clintons Prioritäten zu
gewinnen. In dieses Amt brachte sie mehr als zwei
Jahrzehnte leitender Tätigkeit ein, während der sie
Maßnahmen zum Schutz von Arbeitnehmern, Frauen
und schwer vermittelbaren Arbeitskräften entwickelte,
förderte und umsetzte.
Herman war 1992 stellvertretende Direktorin des
Übergangsteams des Präsidenten. 1991 wurde sie
Leiterin des Komitees für den nationalen Parteitag der
Demokraten und war verantwortlich für die Organisation des Parteitags. Zuvor war sie Stellvertretende
Vorsitzende und Leiterin des nationalen Komitees der
Demokraten.
Als Gründerin und Präsidentin von A.M. Herman &amp;
Associates war Herman in den achtziger Jahren
Beraterin von Regierungen der Bundesstaaten und
Kommunalverwaltungen sowie von Privatunternehmen. Als Expertin für den Abbau und die Beseitigung

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von Hindernissen auf dem Arbeitsmarkt beriet sie
Unternehmen in Personalfragen im Zusammenhang
mit Ausbildung, Mentorentätigkeit sowie Bekämpfung
von Arbeitskräftefluktuation. Ferner half sie den
Regierungen der Bundesstaaten und Kommunalverwaltungen, wirtschaftliche Entwicklungstätigkeit an die
Schaffung von Arbeitsplätzen und Ausbildungsstrategien zu binden.
Als Direktorin des Büros für Frauenfragen im Arbeitsministerium unter der Carter-Administration beriet
Herman die Administration und Arbeitsminister Ray
Marshall über Arbeitsplatzpolitik. Sie rief neue Programme zur Unterstützung junger Frauen mit niedrigem Einkommen und beschäftigungsbezogenen
. Problemen ins Leben und stärkte die Zusammenarbeit
bei Frauenfragen zwischen Privatwirtschaft, Gewerkschaften und Behörden. Sie war die erste Büroleiterin,
die in den Rang einer Stellvertretenden Staatssekretärin erhoben wurde. Vor ihrer Tätigkeit im Arbeitsministerium war Herman bei R-T-P Inc. in Atlanta
nationale Direktorin des Beschäftigungsprogramms für
weibliche Angehörige von Minderheiten. Dort entwikkelte sie Programme, um Frauen aus Minderheitengruppen im Büro und an nichttraditionellen Arbeitsplätzen unterzubringen.
Herman, die seit langem eine Befürworterin starker
Familien ist, kämpft für Beschäftigungsmöglichkeiten
für Männer und Frauen. Die in Mobile (Alabama)
geborene Herman machte 1969 ihren Abschluß an der
Xavier University in New Orleans.

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�PORTRAT

15.Januar 1997

Rodney E. Slater
Der designierte Verkehrsminister

WASHINGTON - (AD) - Am 20. Dezember 1996 gab Präsident Clinton die Nominierung von Rodney E. Slater
zum Verkehrsminister bekannt. Der derzeitige Direktor der Federal Highway Administration tritt damit die
Nachfolge von Federico Pena an.

Als Hauptverantwortlicher für die Highways der Nation
setzt sich der Direktor der Federal Highway Administration, Rodney E. Slater, dafür ein, der Verpflichtung der Clinton-Administration zu strategischen
Investitionen in die Infrastruktur des Landes nachzukommen und sicherzustellen, daß Amerika den
verkehrspolitischen Herausforderungen des 21.
Jahrhunderts gewachsen ist.
Die Federal Highway Administration (FHWA) unterstellt dem amerikanischen Verkehrsministerium. Die
Behörde hat 3.500 Mitarbeiter, ein Jahresbudget von
20 Milliarden Dollar und ein Büro in jedem Bundesstaat. In den letzten vier Jahren erzielte die FHWA
Rekordhöhen mit ihren Investitionen in die nationale
Infrastruktur. Unter Slaters Führung förderte sie
fortschrittliche Initiativen in Bereichen wie Finanzierung
von Highways und Technologie, während sie dazu
beitrug, das Versprechen des Präsidenten zum
Wiederaufbau Amerikas umzusetzen.
Seit seiner Ernennung zum Direktor der Federal
Highway Administration im Jahr 1993 legte Slater auf
seinen Reisen in 40 Bundesstaaten mehr als 450.000
Kilometer zurück. Er traf mit Tausenden von Menschen zusammen - von Vertretern des Verkehrswesens der Bundesstaaten und Kommunen bis zu
normalen Bürgern, die wissen, daß verkehrspolitische
Erfordernisse mehr umfassen als nur Beton, Asphalt
und Stahl. Alle unterstrichen die Bedeutung von
Beförderungsmitteln für die Volkswirtschaft und ihre
wesentliche Rolle im Alltagsleben der Menschen.
Slater hörte sich ihre Anliegen an und bezog sie in den
Entscheidungsfindungsprozeß der FHWA ein.
Slater ist der 13. Direktor der Federal Highway Administration und der 19. Chef der Verwaltungsbehörde

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für die Highways seit ihrer Gründung unter dem
Namen "Office of Road Inquiry" im Jahr 1893. Slater
bringt in dieses Amt seine auf bundesstaatlicher Ebene
gewonnene große Erfahrung ein. Er war 1992-93
Vorsitzender der Highway-Kommission des Bundesstaates Arkansas und 1987-92 einer ihrer Kommissare. Ferner war er 1983-87 hochrangiger Mitarbeiter
des damaligen Gouverneurs Clinton und 1980-82
stellvertretender Justizminister von Arkansas. Darüber
hinaus war er von 1987 bis 1992 an der Arkansas
State University als Direktor des Verbindungsbüros zur
Regierung tätig.
Slater erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter den "Arkansas Public Transportation
Advocate Award" der Arkansas Transit Association.
Die Arkansas Jaycees ernannten Slater zu einem der
"zehn herausragenden jungen Einwohner von Arkansas", und die Arkansas Times bezeichnete ihn
wegen seines Einsatzes für die Sanierung des Mississippi Delta in Arkansas als "Helden von Arkansas". Er
war Sekretär und Schatzmeister der Arkansas Bar
Association, Mitglied der Arkansas Sesquicentennial
Commission und Verbindungsmann zur Martin Luther
King, Jr. Federal Holiday Commission.
Slater machte 1977 seinen Abschluß an der Eastern
Michigan University und 1980 an der juristischen
Fakultät der University of Arkansas. 1994 erhielt er
den Preis der Eastern Michigan University für herausragende farbige Studenten und bei der Verleihung
akademischer Grade im Wintersemester 1996 die
Ehrendoktorwürde.
Slater wurde in Marianna (Arkansas) geboren. Mit
seiner Frau Cassandra Wilkins hat er eine Tochter,
Bridgette Josette.

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�PORTRAT
15.Januar 1997

Andrew Cuomo
Der designierte Minister für Wohnungs- und Städtebau

WASHINGTON - (AD) - Am 20. Dezember 1996 gab Präsident Clinton die Ernennung von Andrew Cuomo zum
Minister für Wohnungs- und Städtebau bekannt. Der Sohn von Mario Cuomo, dem ehemaligen Gouverneur des
Bundesstaates New York, tritt mit diesem Posten die Nachfolge von Henry Cisneros an.

Während Präsident Clintons erster Amtszeit war
Andrew Cuomo Abteilungsleiter im Ministerium für
Wohnungs- und Städtebau. Während dieser Zeit
wurde er dafür bekannt, daß er den Erfordernissen der
Gemeinden große Beachtung schenkte und innovative
Lösungen auf der Grundlage von Partnerschaften
zwischen örtlichen Gruppen, Wirtschaftsvertretern und
gewählten Beamten fand. Cuomos Tätigkeit im
Wohnungs- und Städtebauministerium wurde von der
John F. Kennedy School of Government der Harvard
University als Beispiel für "effektive Regierungsführung" gewürdigt, die dazu beiträgt, "das Vertrauen
in die Fähigkeit der Regierung zur Lösung schwieriger
Probleme wiederherzustellen".
1986 gründete Cuomo die Organisation H.E.L.P.
(Housing Enterprise for the Less Privileged), die sich
zum größten privaten Anbieter von Übergangswohnungen für Obdachlose und national anerkannten Beispiel
entwickelte. Das Modell von H.E.L.P. bietet sichere,
qualitativ hochwertige Unterbringung und umfassende
Sozialdienste vor Ort unter einem Dach an und schafft
damit eine tragende Gemeinschaft für obdachlose
Familien. H.E.L.P. verhilft derzeit mehr als 4.000
Menschen jährlich zu einer Unterkunft.
Das Projekt Genesis zur Förderung innovativer
Ansätze für Stadtsanierung, Gemeindeentwicklung und
bahnbrechende Verwaltungsmethoden im Bereich der
Wohnungsvermietung geht ebenfalls auf Cuomos
Initiative zurück. Genesis dient als Modell für einen
umfassenden Ansatz, Gemeindeentwicklung mit
erschwinglicher Unterbringung zu verbinden und eine
Partnerschaft zwischen allen Regierungsebenen und
dem Privatsektor zu schaffen. 1993 führte Cuomo das
Modell H.E.L.P. im Bauministerium ein und entwickelte

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den Continuum of Care-Ansatz, der von Hunderten
von Gemeinden im ganzen Land übernommen wurde.
Im Oktober 1991 wurde Cuomo von Bürgermeister
David Dinkins zum Vorsitzenden der Kommission für
die Obdachlosen ernannt und war damit der jüngste
Kommissionsvorsitzende in der Geschichte der Stadt
New York. Die Kommission legte dem Bürgermeister
im Februar 1992 ihren Bericht "Der Weg zum Heim ein neuer Kurs in der Sozialpolitik" vor. Er entwickelt
einen Rahmen für fortgesetzte Betreuung von Obdachlosen in New York und wurde von zahllosen gewählten
Beamten, Organisationen und Zeitungen gewürdigt,
einschließlich des Präsidenten des New Yorker
Stadtrats, der Partnerschaft für die Obdachlosen, der
Koalition für die Obdachlosen sowie der The New
York Times, New York Post und Daily News. Die
Empfehlungen der Kommission wurden vom Bürgermeister angenommen und erhielten nationale Anerkennung als beispielhafter Ansatz zur Lösung von
Problemen der Obdachlosen.
Cuomo ist Verfasser zahlreicher Artikel und hielt
Vorträge an Universitäten im ganzen Land. Für sein
Engagement für Gemeindeentwicklung, erschwingliche
Wohnungen und seine Arbeit im Dienst der Obdachlosen und der Öffentlichkeit erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter 1996 den Preis der Ford Foundation/Kennedy School für innovative Regierungsführung, 1992 für Pionierarbeit im Wohnungsbau vom
American Institute of Architects, ebenfalls 1992 die
Bard-Auszeichnung für herausragende Leistungen im
Bereich von Architektur und städtischem Design für
das Projekt Genesis, 1991 von der New York University die Auszeichnung für herausragende Leistungen im Dienst der Gemeinschaft, 1988 die Auszeich-

Seite 1

�nung der Fannie Mae Foundation für herausragende
Leistungen sowie den Preis für gute Nachbarschaft
des amerikanischen Roten Kreuzes.
1982, im Alter von 23 Jahren, war Cuomo Wahlkampfmanager für den ersten Wahlkampf von Mario M.
Cuomo für das Gouverneursamt des Bundesstaates
New York und anschließend persönlicher Referent des
Gouverneurs. Danach war Cuomo juristisch tätig - erst
als stellvertretender Staatsanwalt in Manhattan und

dann als Partner in der Anwaltssozietät Blutrich,
Falcone &amp; Miller.
Cuomo machte 1982 seinen juristischen Abschluß an
der Albany Law School und erwarb 1979 seinen
Bachelor of Arts an der Fordham University. Er wurde
am 6. Dezember 1957 in Queens im Bundesstaat New
York geboren. Cuomo ist mit Kerry Kennedy Cuomo
verheiratet und Vater der im Januar 1995 geborenen
Zwillingstöchter Cara und Mariah.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA benötigen "Diplomatie erster Klasse"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung von Madeleine Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die neue transatlantische Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Hunter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Janet E. Yellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die designierte Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alexis M. Herman&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die designierte Arbeitsministerin&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rodney E. Slater&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der designierte Verkehrsminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andrew Cuomo&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der designierte Minister für Wohnungs- und Städtebau&lt;/em&gt;</text>
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amcrika

dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

22. Januar 1997

SONDERDIENST

AMTSEINFÜHRUNG

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

EIN NEUES VERANTWORTUNGSBEWUSSTSEIN FÜR EIN NEUES JAHRHUNDERT
Rede des Präsidenten bei der Einführung
in seine zweite Amtszeit

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AMTSEINFÜHRUNG
22.Januar 1996

Ein neues Verantwortungsbewußtsein
für ein neues Jahrhundert
Rede des Präsidenten bei der Einführung in seine zweite Amtszeit

WASHINGTON - (AD) - Präsident William Jefferson Clinton legte am 20. Januar 1997 den Amtseid ab und
begann seine zweite Amtszeit mit der Aufforderung an seine Mitbürger, ihren Blick "auf ein Land neuer
Versprechungen" zu richten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Meine amerikanischen Mitbürger,
bei dieser letzten Amtseinführung eines Präsidenten im
20. Jahrhundert wollen wir unsere Augen auf die
Herausforderungen richten, die uns im nächsten
Jahrhundert erwarten. Es ist unser großes Glück, daß
die Zeit und die Möglichkeiten uns nicht nur an die
Schwelle eines neuen Jahrhunderts und eines neuen
Jahrtausends gebracht haben, sondern auch an die
Schwelle vielversprechender neuer Aussichten für
menschliche Belange. Dies ist ein Augenblick, der
unseren Kurs und unseren Charakter auf Jahre hinaus
bestimmen wird. Wir müssen unsere alte Demokratie
für immer jung erhalten. Geleitet von der jahrtausendealten Vision eines gelobten Landes wollen wir
unseren Blick auf ein Land neuer Versprechungen
richten.

den Globus hinweg Millionen Menschen die Hand, die
sich wie wir nach den Segnungen der Freiheit sehnten.
Auf dem Weg dorthin brachte Amerika eine großartige
Mittelschicht und die Alterssicherung hervor, baute
beispiellose Lerneinrichtungen und öffnete die öffentlichen Schulen für alle, spaltete das Atom und erforschte die Himmel, erfand den Computer und den
Mikrochip, vertiefte den Urquell der Gerechtigkeit
durch eine Revolution der Bürgerrechte für Afroamerikaner und alle Minderheiten und erweiterte den
Kreis der Staatsbürgerschaft, Chancen und Würde auf
die Frauen.

Dann katapultierte sich dieses Versprechen in Aufruhr
und Triumph auf die Weltbühne, um dieses Jahrhundert zum Amerikanischen Jahrhundert zu machen.

Jetzt liegt zum dritten Mal ein neues Jahrhundert vor
uns und wiederum eine Zeit der Entscheidungen. Wir
begannen das 19. Jahrhundert mit der Entscheidung,
unsere Nation von Küste zu Küste auszubreiten. Wir
begannen das 20. Jahrhundert mit der Entscheidung,
die Industrielle Revolution für unsere Werte des freien
Unternehmertums, des Naturschutzes und der Menschenwürde zu nutzen.
Diese Entscheidungen
bewirkten den Unterschied. Beim Anbruch des 21.
Jahrhunderts muß ein freies Volk sich jetzt entscheiden, die Kräfte des Informationszeitalters und der
globalen Gesellschaft zu formen, das unbegrenzte
Potential all unserer Menschen freizusetzen und eine
perfektere Union zu bilden.

Und was für ein Jahrhundert es war. Amerika wurde
zur mächtigsten Industrienation der Welt, rettete in
zwei Weltkriegen und einem langen Kalten Krieg die
Welt vor der Tyrannei und reichte immer wieder über

Als wir das letzte Mal zusammenkamen, schien unser
Marsch in diese neue Zukunft weniger sicher als
heute. Damals haben wir gelobt, einen klaren Kurs zur
Erneuerung unserer Nation zu steuern.

Das Versprechen für Amerika wurde im 18. Jahrhundert aus der stolzen Überzeugung heraus geboren,
daß wir alle gleich geschaffen sind. Es wurde im 19.
Jahrhundert erweitert und erhalten, als unsere Nation
sich auf dem Kontinent ausbreitete, die Union rettete
und die schreckliche Geißel der Sklaverei abschaffte.

AMERIKA DIENST

Seite 1

�In diesen vier Jahren haben uns Tragödien berührt,
Herausforderungen belebt, Leistungen gestärkt.
Amerika steht allein als die unerläßliche Nation der
Welt. Unsere Volkswirtschaft ist wiederum die stärkste
der Welt. Wiederum schaffen wir stärkere Familien,
prosperierende Gemeinden, bessere Bildungschancen
und eine sauberere Umwelt. Probleme, die sich einst
zu verschärfen drohten, weichen jetzt unseren Anstrengungen: Unsere Straßen sind sicherer und eine
Rekordzahl unserer Mitbürger ist nicht mehr von
Sozialhilfe abhängig und hat wieder Arbeit.
Und wiederum haben wir eine umfassende Diskussion
über die Rolle der Regierung für unsere Zeit beendet.
Heute können wir erklären: Die Regierung ist nicht das
Problem, und die Regierung ist nicht die Lösung. Wir das amerikanische Volk - sind die Lösung. Unsere
Gründerväter verstanden dies gut und gaben uns eine
Demokratie, die stark genug war, Jahrhunderte zu
überdauern, die flexibel genug war, um sich unseren
gemeinsamen Herausforderungen zu stellen und
unsere gemeinsamen Träume an jedem neuen Tag zu
verwirklichen.
Ebenso wie sich die Zeiten ändern, muß sich die
Regierung ändern. Wir brauchen eine neue Regierung
für ein neues Jahrhundert - bescheiden genug, um
nicht zu versuchen, alle unsere Probleme für uns zu
lösen, aber stark genug, um uns das Handwerkszeug
zur Lösung unserer Probleme an die Hand zu geben.
Eine Regierung, die schlanker ist, nicht die Ausgaben
überschreitet und mehr mit weniger tut. Doch wo sie
für unsere Werte und Interessen in der Welt eintreten
und wo sie den Amerikanern die Macht geben kann,
einen wirklichen Unterschied in ihrem täglichen Leben
zu bewirken, sollte die Regierung mehr tun, nicht
weniger. Die übergeordnete Aufgabe unserer neuen
Regierung besteht darin, allen Amerikanern eine
Chance zu bieten - keine Garantie, aber eine echte
Chance - ein besseres Leben aufzubauen.

hundert zu entwickeln. Damit jeder von uns Erfolg
haben kann, müssen wir als ein Amerika Erfolg haben.
Die Herausforderung unserer Vergangenheit ist die
Herausforderung unserer Zukunft - werden wir eine
Nation, ein Volk mit einem gemeinsamen Schicksal
sein oder nicht? Werden wir alle zusammenkommen
oder auseinanderdriften?
Die Trennung der Rassen ist der ewige Fluch Amerikas. Und jede neue Welle von Einwanderern ist ein
neues Ziel für alte Vorurteile. Mit dem Vorwand
religiöser oder politischer Überzeugung bemäntelte
Vorurteile und Verachtung unterscheiden sich davon
nicht. Diese Kräfte haben in der Vergangenheit
beinahe unsere Nation zerstört. Sie plagen uns immer
noch. Sie heizen den Fanatismus des Terrors an.
Und sie quälen Millionen Menschen in gespaltenen
Nationen auf der ganzen Welt.
Diese Obsessionen lähmen diejenigen, die hassen
und natürlich diejenigen, die gehaßt werden und
berauben beide dessen, was sie sein könnten. Wir
können und werden den düsteren Impulsen nicht
nachgeben, die überall in den innersten Regionen der
Seele lauern. Wir werden sie überwinden. Und wir
werden sie durch die großzügige Geisteshaltung der
Menschen ersetzen, die sich miteinander wohl fühlen.
Unser Gefüge rassischer, religiöser und politischer
Vielfalt wird im 21. Jahrhundert ein Gottesgeschenk
sein. Diejenigen, die zusammen leben, lernen und
arbeiten sowie neue Bande knüpfen können, die
zusammenschmieden, werden reichhaltig belohnt
werden.

Union von verantwortungsvollen Bürgern abhängt.

Am Vorabend dieses neuen Zeitalters können wir
bereits seine groben Umrisse erkennen. Vor zehn
Jahren war das Internet der mystische Wirkungskreis
von Physikern; heute ist es eine täglich genutzte
Enzyklopädie für Millionen von Schulkindern. Wissenschaftler erforschen jetzt die Grundsteine des menschlichen Lebens. Für die am meisten gefürchteten
Krankheiten scheint Heilung in greifbare Nähre gerückt
zu sein.

Und wir benötigen ein neues Verantwortungsbewußtsein für ein neues Jahrhundert. Es liegt Arbeit vor uns
- Arbeit, die die Regierung alleine nicht leisten kann:
Die Kinder im Lesen zu unterrichten, von der Sozialhilfe abhängigen Menschen Arbeit zu geben, hinter
verschlossenen Türen und verbarrikadierten Fenstern
hervorzukommen, um unsere Straßen von Drogen,
Banden und Verbrechen zu befreien, uns Zeit zu
nehmen, anderen zu helfen.

Die Welt ist nicht länger in zwei feindliche Lager
gespalten. Statt dessen knüpfen wir Beziehungen zu
Nationen an, die einst unsere Gegner waren. Die
wachsende Verbindung von Wirtschaft und Kultur gibt
uns die Chance, den Menschen auf der ganzen Welt
ein besseres Leben zu ermöglichen. Und erstmals in
der Geschichte leben auf diesem Planeten mehr
Menschen in einer Demokratie als in einer Diktatur.

Jeder einzelne von uns muß auf seine Weise persönliche Verantwortung übernehmen - nicht nur für uns und
unsere Familien, sondern für unsere Nachbarn und
unsere Nation. Unsere größte Verantwortung besteht
darin, einen neuen Gemeinsinn für ein neues Jahr-

Meine amerikanischen Mitbürger, im Rückblick auf
dieses bemerkenswerte Jahrhundert fragen wir uns:
Können wir hoffen, die Leistungen des 20. Jahrhunderts in Amerika nicht nur fortzusetzen, sondern
sie noch zu übertreffen und eine Wiederholung des

Davon abgesehen liegt es an uns, liebe Mitbürger, die
Zukunft zu gestalten. Unsere Gründerväter lehrten
uns, daß die Bewahrung unserer Freiheit und unserer

Seite 2

AMERIKA DIENST

�schrecklichen Blutvergießens zu vermeiden, das sein
Vermächtnis besudelt? Auf diese Frage muß jeder
hier Anwesende und jeder Amerikaner in unserem
Land mit einem lauten "Ja" antworten.
Das ist der Kern unserer Aufgabe. Mit einer neuen
Vision der Regierung, einem neuen Verantwortungsbewußtsein und neuem Gemeinsinn werden wir die
Reise Amerikas fortsetzten. Wir werden das Versprechen, das wir in einem neuen Land suchten, in
einem Land neuer Versprechungen wiederfinden.
In diesem neuen Land wird Bildung das höchste Gut
jedes Bürgers sein. Unsere Schulen werden die
höchsten Standards der Welt haben und in den Augen
jedes Mädchens und jedes Jungen den Funken der
Chance entzünden. Und die Türen zu weiterführender
Bildung werden für alle offen sein. Das Wissen und
die Macht des Informationszeitalters werden nicht nur
in Reichweite weniger Menschen liegen, sondern in
jedem Klassenzimmer, in jeder Bibliothek, jedem Kind
zur Verfügung stehen. Eltern und Kinder werden nicht
nur arbeiten, sondern auch Zeit zum Lesen und zum
gemeinsamen Spiel haben. Und sie werden am
Küchentisch Pläne für ein schöneres Zuhause, einen
besseren Arbeitsplatz und die sichere Chance für
einen Collegebesuch schmieden.
Auf unseren Straßen werden wir wieder das Lachen
von Kindern hören, weil niemand mehr versuchen wird,
sie zu erschießen oder ihnen Drogen zu verkaufen.
Jeder Arbeitswillige wird Arbeit finden, und die heutige
ewige Unterschicht wird zur wachsenden Mittelschicht
von morgen. Neue Wunder der Medizin werden
endlich nicht nur die erreichen, die schon heute
Anspruch auf Gesundheitsfürsorge haben, sondern
auch die Kinder und hart arbeitenden Familien, denen
sie allzu lange verwehrt war.
Wir werden für Frieden und Freiheit einstehen und
eine starke Verteidigung gegen Terror und Zerstörung
aufrechterhalten. Unsere Kinder werden ohne Furcht
vor der Bedrohung durch atomare, chemische oder
biologische Waffen schlafen können.
Häfen und
Flughäfen, Farmen und Fabriken werden von Handel,
Innovationen und Ideen strotzen. Und die größte
Demokratie der Welt wird eine ganze Welt von Demokratien anführen.
Unser Land neuer Versprechungen wird eine Nation
sein, die ihren Verpflichtungen nachkommt - eine
Nation, die ihren Haushalt ausgleicht, aber deren
Werte nie aus dem Gleichgewicht geraten. Eine
Nation, in der unsere Großeltern im Alter eine sichere
Rente und Gesundheitsfürsorge haben und ihre Enkel
wissen, daß wir die erforderlichen Reformen durchgeführt haben, um auch sie später in den Genuß
dieser Leistungen kommen zu lassen. Eine Nation,
die die weltweit produktivste Volkswirtschaft unterhält,

AMERIKA DIENST

während sie gleichzeitig den großen Naturreichtum
von Wasser, Luft und majestätischem Land schützt.
Und in diesem Land neuer Versprechungen werden
wir unsere Politik reformiert haben, so daß die Stimme
des Volkes immer lauter ist als der Lärm kleinlicher
Interessen. Die Bürger werden sich wieder an der
Politik beteiligen, und sie wird das Vertrauen aller
Amerikaner genießen.
Liebe Mitbürger, lassen Sie uns dieses Amerika
bauen, eine Nation, die sich der Realisierung des
vollen Potentials aller ihrer Bürger immer stärker
annähert. Wohlstand und Macht sind wichtig und
müssen bewahrt werden. Aber lassen Sie uns eines
nie vergessen: Der größte von uns erzielte und der
größte noch zu erzielende Fortschritt ist der des
menschlichen Herzens. Letzten Endes sind aller
Wohlstand der Welt und tausend Armeen der Stärke
und dem Anstand des menschlichen Geistes unterlegen.
Vor 34 Jahren hielt der Mann, dessen wir heute
gedenken, am anderen Ende dieser Mall eine Rede,
die die ganze Nation aufrüttelte. Wie ein Prophet aus
alten Zeiten sprach er über seinen Traum, daß sich
Amerika eines Tages erhebt und alle seine Bürger als
gleichberechtigt vor dem Gesetz und im Herzen
behandelt. Martin Luther Kings Traum war der Amerikanische Traum. Sein Streben ist unser Streben: Das
endlose Streben, unseren wahren Glauben zu leben.
Unsere Geschichte wurde auf solchen Träumen und
Mühen aufgebaut. Und mit unseren Träumen und
Mühen werden wir im 2 1 . Jahrhundert das Versprechen Amerikas erfüllen.
Ich verpflichte mich, hierzu meine ganze Energie und
die Kraft meines Amtes einzusetzen. Ich bitte die
Mitglieder des Kongresses, sich mir bei diesem
Bestreben anzuschließen. Das amerikanische Volk
hat den Präsidenten einer Partei und den Kongreß
einer anderen wiedergewählt. Zweifellos tat es das
nicht, um kleinliche Politik und extreme Parteilichkeit
zu fördern, die es ja kritisiert. Vielmehr fordert es uns
auf, den Bruch zu kitten und die Mission Amerikas
fortzusetzen.
Amerika verlangt uns große Dinge ab und verdient sie
auch - und alles Große war einmal klein. Erinnern wir
uns an die zeitlose Weisheit von Kardinal Bernardin,
der am Ende seines Lebens erklärte: "Es ist falsch,
das kostbare Geschenk der Zeit durch Bitterkeit und
Teilung zu vergeuden."
Meine amerikanischen Mitbürger, wir dürfen
kostbare Geschenk dieser Zeit vergeuden.
alle befinden uns auf der Reise des Lebens,
unsere Reise wird einmal beendet sein.
Reise Amerikas muß fortgesetzt werden.

nicht das
Denn wir
und auch
Aber die

Seite 3

�Daher, liebe Mitbürger, müssen wir stark sein, denn
das Risiko ist groß. Die Herausforderungen unserer
Zeit sind enorm und anders als früher. Wir wollen
ihnen mit Glauben und Mut, mit Geduld und einem
dankbaren, frohen Herzen begegnen. Lassen Sie uns
die Hoffnung dieses Tages in das edelste Kapitel
unserer Geschichte verwandeln. Lassen Sie uns
unsere Brücke bauen. Eine Brücke, die breit und fest
genug ist, damit jeder Amerikaner sie auf dem Weg in
ein gelobtes Land neuer Versprechungen überschreiten kann.

werden, von uns sagen können, daß wir unser geliebtes Land in ein neues Jahrhundert geführt haben, in
dem der Amerikanische Traum für alle Kinder wahr
wird - in dem das amerikanische Versprechen einer
perfekteren Union für alle Menschen Realität ist und
Amerikas helle Flamme der Freiheit auf der ganzen
Welt leuchtet.
Lassen Sie uns von diesem Ort und dem Höhepunkt
dieses Jahrhunderts aus die Reise fortsetzen. Möge
Gott uns für die vor uns liegende Arbeit stärken und
Amerika immer segnen.

Mögen die Generationen, deren Gesichter wir noch
nicht sehen und deren Namen wir vielleicht nie kennen

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST

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/ $r%

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

02

29.Januar 1997

AUSSENPOLITIK

INVESTITIONEN IN DIE AMERIKANISCHE
FÜHRUNGSROLLE
Abschiedsrede von Außenminister Christopher
ENTWURF EINER ÜBERPARTEILICHEN
AUSSENPOLITIK
von Außenministerin Madeleine K. Albright

ABRÜSTUNG

DIE VERRINGERUNG VON BEDROHUNGEN
Rede des designierten Verteidigungsministers

WIRTSCHAFT

AMERIKAS SPITZENPOSITION IN DER
WELTWIRTSCHAFT
Rede des designierten Wirtschaftsministers

PORTRAT

MADELEINE KORBEL ALBRIGHT
Porträt der neuen Außenministerin
WILLIAM S. COHEN
Porträt des neuen Verteidigungsministers

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AUSSENPOLITIK
29.Januar 1997

Investitionen in die amerikanische Führungsrolle
Abschiedsrede von Außenminister Christopher

WASHINGTON - (AD) - In seiner Abschiedsrede als US-Außenminister unterstrich Warren Christopher am 15.
Januar 1997 an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University in Boston (Massachusetts)
die Notwendigkeit einer besseren Finanzierung der diplomatischen Missionen der Vereinigten Staaten im
Ausland. Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Abschiedsrede.

Dies ist das dritte Jahr in Folge, daß ich zu Ihnen
sprechen darf, und ich danke Ihnen für den freundlichen Empfang. Vor einigen Jahren nahm ich mir fest
vor, jeden Januar nach Boston zu kommen, bis die
Patriots in den Super Bowl kommen. Nachdem ich
dieses Versprechen erfüllt habe, kann ich beruhigt
nach Hause gehen. Vorher möchte ich jedoch die
letzten vier Jahre Revue passieren lassen und mich
auf die Investitionen konzentrieren, die wir zur Bewahrung der Führungsrolle und des weltweiten Engagements der Vereinigten Staaten tätigen müssen.
Beim Amtsantritt unserer Administration 1993 konzentrierten wir uns auf eine Vielzahl von Herausforderungen, die dringender Aufmerksamkeit bedurften. In
Rußland befand sich die Demokratie in der Krise und
die Wirtschaft stand kurz vor dem Zusammenbruch.
Das Nuklearwaffenarsenal der ehemaligen Sowjetunion war auf vier neue Länder mit wenigen Sicherheitsvorrichtungen verstreut. Die Krieg in Bosnien
befand sich auf dem Höhepunkt seiner Brutalität und
drohte sich auszuweiten. Nordkorea entwickelte
Nuklearwaffen. Der Friedensprozeß im Nahen Osten
war in eine Sackgasse geraten; die Verhandlungen
kamen nicht voran. Die Unterdrückung in Haiti
verursachte Flüchtlingswellen an unseren Küsten. Die
Annahme des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA war sehr zweifelhaft, was unsere
Beziehungen zur gesamten Hemisphäre gefährdete.
Im Laufe der letzten vier Jahre haben wir diese
drängenden Fragen Schritt für Schritt beantwortet und
eine dauerhafte Grundlage für unser Engagement in
einer Welt mit mehr Sicherheit und größerem Wohlstand gelegt. Tatsächlich begann die Welt des 21.

AMERIKA DIENST 02

Jahrhunderts in diesem Zeitraum unter unserer
Führung Gestalt anzunehmen. Es ist eine Welt, in der
keine Großmacht eine andere für eine unmittelbare
Bedrohung hält, in der die von uns nach dem Zweiten
Weltkrieg gegründeten Institutionen an neue Herausforderungen angepaßt werden, in der offene Gesellschaften und offene Märkte einen Wettbewerbsvorteil
genießen und Amerika eine unerläßliche Nation bleibt.
Ein neues und charakteristisches Element unserer
Strategie war die Priorität, die wir dem Umgang mit
neuen globalen Fragen wie Weiterverbreitung, Terrorismus, internationalem Verbrechen, Drogenhandel
und Umweltzerstörung einräumen. Diese grenzüberschreitenden Fragen können nicht durch die traditionelle nationale Diplomatie und auch nicht auf regionaler Basis gelöst werden. Globale Probleme erfordern
globale Lösungen.
1993 ernannten wir erstmals einen Staatssekretär für
globale Angelegenheiten im Außenministerium, der
sich mit vielen dieser Fragen befassen soll. Meines
Erachtens können die seither gemachten Fortschritte
als Hauptvermächtnis der Präsidentschaft Bill Clintons
und hoffentlich auch meiner Zeit als Außenminister
betrachtet werden.
Ein zentraler Bestandteil unserer globalen Strategie ist
die Gewährleistung, daß das amerikanische Volk nicht
mit Massenvernichtungswaffen bedroht wird. Aus
diesem Grund haben wir so hart an der unbegrenzten
Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags und an
der Sicherung des Vertrags über ein umfassendes
Atomtestverbot (CTB-Vertrag) gearbeitet. Aus diesem
Grund haben wir ein Programm eingeleitet, das

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�verhindern soll, daß Nuklearwaffen aus der ehemaligen Sowjetunion in die Hände von Terroristen oder
verbrecherischen Staaten fallen. Aus diesem Grund
habe ich mich für das Einfrieren und letztlich die
Beseitigung des nordkoreanischen Nuklearprogramms
eingesetzt. Aus diesem Grund waren wir so fest zur
Stillegung des irakischen Programms für biologische
Waffen entschlossen, und aus diesem Grund wird der
Präsident in den kommenden Monaten auf die Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention drängen.
Ebenso wichtig ist, daß wir die neuen sicherheitspolitischen Bedrohungen angehen, die seit dem Ende
des Kalten Krieges deutlich sichtbar entstanden sind.
Wir haben den Kampf gegen Terror, Drogen und
Verbrechen ganz oben auf die Tagesordnung der G-7
und der Vereinten Nationen gesetzt. Infolgedessen ist
die Zusammenarbeit der Nationen auf dem Gebiet der
strafrechtlichen Verfolgung enger denn je. Wichtige
Terroristen wurden gefaßt, und viele terroristische
Gewaltakte wurden verhindert.
Ich habe die Einbeziehung von Umweltfragen in jeden
Aspekt unserer Diplomatie zu meiner persönlichen
Priorität gemacht. Auf meinen Reisen war ich bestürzt
über die explodierenden, übervölkerten Städte, die ich
in vielen Teilen der Welt sah - Großstädte wie Sao
Paulo, Mexico City, Jakarta, Manila und Kairo - Städte,
in denen Überbevölkerung und Verschmutzung
Gesundheit und Wohlergehen der Nationen und
Regionen bedrohen. Im Nahen Osten habe ich
gesehen, wie Wassermangel Quelle von Konflikten ist.
In den Neuen Unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion war ich erschrocken über die ruinösen
Auswirkungen von Verschmutzung auf die Gesundheit
des einzelnen, die Lebenserwartung und die Aussicht
auf wirtschaftliche Erholung. Vor einigen Jahren
standen diese Fragen nur selten auf unserer Tagesordnung. Jetzt stehen sie im Mittelpunkt unserer
Diplomatie und werden meines Erachtens im nächsten
Jahrhundert noch mehr Bedeutung erlangen.
Eine weitere dauerhafte Hinterlassenschaft der ersten
Amtszeit des Präsidenten werden unsere Leistungen

Jenseits des Atlantiks befinden wir uns an der Schwelle zur Schaffung eines stabilen, demokratischen und
ungeteilten Europas. Die amerikanische Führungsrolle
beendete den Krieg in Bosnien und gewinnt den
Frieden. Wir haben die Führungsrolle bei der Stärkung
und Umgestaltung der NATO übernommen. Alle
neuen Demokratien Europas sind der Partnerschaft für
den Frieden beigetreten, und dieses Jahr wird die
NATO mehrere Länder zu Verhandlungen über einen
Beitritt zum Bündnis einladen. In den entscheidenden
Momenten standen wir an der Seite der Demokratie in
Rußland und haben die Tür zur Integration dieses
Landes geöffnet, einschließlich einer neuen Charta mit
der NATO.
Auch Asien geht prosperierend und in Frieden in das
nächste Jahrhundert, und seine neuen Strukturen der
Zusammenarbeit zielen darauf ab, daß das so bleibt.
Wieder war die von uns übernommene Führungsrolle
von elementarer Bedeutung. Wir haben durch die
Aufrechterhaltung unserer militärischen Präsenz
Stabilität geschaffen, unser wichtiges Bündnis mit
Japan gestärkt und gemeinsam mit Südkorea den aus
dem Norden des Landes kommenden Provokationen
die Stirn geboten. Wir haben Weitblick gezeigt, als wir
das Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche
Zusammenarbeit APEC zu einer Befürwortung offenen
Handels veranlaßten. Wir arbeiten mit China an der
Förderung unserer gemeinsamen vitalen Interessen,
auch wenn wir unsere schwerwiegenden Differenzen
bei Fragen wie den Menschenrechten ebenfalls
ansprechen.
Im Nahen Osten sind wir der Erlangung unseres Ziels
eines umfassenden Friedens nähergekommen.
Unsere Diplomatie war entscheidend, Israel beim
Abschluß von Abkommen mit den Palästinensern
sowie einem Friedensvertrag mit Jordanien zu unterstützen. Wir trugen zur Eröffnung einer neuen Dimension des Friedensprozesses bei, indem wir die Wirtschaftsgipfel von Casablanca, Amman und Kairo zu
bedeutenden Schritten für eine Normalisierung der
Beziehungen zwischen Israel und seinen arabischen
Nachbarn ermutigten. Obwohl der Frieden in den

zur Förderung unserer Wirtschaftsinteressen sein.

letzten Monaten viele harte Proben bestehen mußte,

Dank der Uruguay-Runde und des NAFTA sind die
Zölle auf amerikanische Exporte jetzt niedriger denn je.
Dank der mehr als 200 Abkommen zur Marktöffnung
haben wir 1,6 Millionen amerikanische Arbeitsplätze
geschaffen. Dank der in unserer Hemisphäre und
jenseits des Pazifiks eingegangenen Verpflichtungen
zu Freihandel haben wir die Chance, zum Mittelpunkt
eines dynamischen, offenen Marktes zu werden, der
von Chile bis Kanada und von Australien bis Korea
reicht. Wir dürfen diese Chance nicht ungenutzt
verstreichen lassen.

sind seine Errungenschaften dauerhaft und wir zu
Fortschritten entschlossen.

In jeder Region der Welt war unsere Führungsrolle
entscheidend für die Förderung unserer Interessen
und Ideale.

Seite 2

Das Hebron-Abkommen und andere gestern abend
erzielte Übereinkünfte stellen eine außerordentliche
Leistung dar. Sie zeigen, daß dem Frieden eine
machtvolle Logik innewohnt - ein Gebot, das mächtig
genug zur Überwindung der Rückschläge und dem
Zögern der letzten Monate ist.
Das Hebron-Protokoll und die von den Vereinigten
Staaten entworfene Note sind ein klarer Kurs für die
Zukunft. Sie setzen Verpflichtungen fest und geben
Israel und den Palästinensern einen Zeitrahmen für die
Umsetzung der bereits erzielten Abkommen. Ferner

AMERIKA DIENST 02

�setzt die Note einen Zeitpunkt für die Aufnahme der
Verhandlungen über den endgültigen Status fest.
Nachdem die Parteien diesen schwierigen Schritt
getan haben, dürfen sie nicht müde werden und die
Hände in den Schoß legen. Sie müssen diese neue
Dynamik nutzen, um bei der Schaffung des Friedens
Fortschritte zu machen, der im Interesse von Israelis
und Palästinensern gleichermaßen liegt. Und wir
müssen daran denken, daß wir den Parteien bei der
Erlangung eines Abkommens aufgrund unserer
Führungsrolle und unseres Engagements helfen
konnten und weil wir über die Mittel zur Unterstützung
derjenigen verfügen, die um des Friedens willen
Risiken eingehen.
In der westlichen Hemisphäre sahen wir eine dramatische Bewegung zu offenen Gesellschaften und
offenen Märkten - in einer Region, die weltweit den am
schnellsten wachsenden Markt für amerikanische
Exporte darstellt. Als der demokratische Trend in der
Hemisphäre durch die verbrecherischen Diktatoren in
Haiti bedroht wurde, handelten die Vereinigten Staaten
entschlossen, um die legitime Regierung wiedereinzusetzen. Als durch die Finanzkrise in Mexiko die
freien Märkte in Gefahr gerieten, war unsere Führungsrolle zur Wiederherstellung des Vertrauens
vonnöten.
In Afrika sind wir auf einem Kontinent engagiert, der
jetzt an einem Scheideweg angelangt ist - einem
Punkt, an dem eine solide Politik und stetiges internationales Engagement den Unterscheid zwischen Krieg
und Frieden, Armut und Wachstum bewirken können.
Aus diesem Grund haben wir entschlossene Bestrebungen zur Ermutigung von Demokratie, Lösung von
Konflikten und Förderung von Handel und Investitionen
unternommen. Aus diesem Grund arbeiten wir an der
Aufstellung einer Krisenreaktionstruppe für Afrika, die
die Länder der Region in die Lage versetzen soll, auf
Notsituationen mit ihren eigenen Soldaten, aber mit
finanzieller und logistischer Unterstützung der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten zu reagieren.
In all diesen Bereichen sind die von uns erzielten
Leistungen das beste Argument für eine prinzipientreue und starke Politik des amerikanischen Engagements in der Welt. Aufgrund unserer militärischen und
wirtschaftlichen Macht und weil man Vertrauen in uns
setzt, daß wir die universellen Werte wahren, gibt es
Zeiten, zu denen nur Amerika eine Führungsrolle
übernehmen kann. Wir müssen führen - nicht weil die
Übernahme einer Führungsrolle ein Selbstzweck ist,
sondern weil sie zur Förderung der Interessen und
Ideale unserer großartigen Nation erforderlich ist.
Das ist die zentrale Lektion unseres Zeitalters. Weil
die Vereinigten Staaten eine Führungsrolle übernahmen, endet ein Jahrhundert, das nie sicher genug

AMERIKA DIENST 02

für die Demokratie war, mit einer Zunahme von
Frieden und Freiheit. Das Ende des Kalten Krieges
hat die Notwendigkeit einer amerikanischen Führungsrolle nur noch verstärkt. Wie Präsident Clinton sagte:
"Dies ist das großartigste Zeitalter menschlicher
Möglichkeiten in der Geschichte, das besondere
Chancen, aber auch besondere Pflichten impliziert."
Die Notwendigkeit einer amerikanischen Führungsrolle
wird in unserem Land selten in Zweifel gezogen.
Heute wird jedoch unsere Fähigkeit zu führen in Frage
gestellt. Lassen Sie mich das erklären: Niemand im
öffentlichen Leben wird aufstehen und sagen "wir
können uns erlauben, uns zurückzuziehen, wir können
unsere Verpflichtungen ignorieren; wir können Amerika
mit einer Mauer umgeben". Die Kongreßabgeordneten
sagen mir nicht: "Schließen Sie einige unserer Botschaften, rollen Sie die Flagge ein und bringen Sie
unsere Diplomaten bis Weihnachten nach Hause
zurück."
Im Gegenteil: Der Kongreß protestiert immer, wenn wir
widerwillig die Schließung einer Mission infolge von
Haushaltskürzungen des Kongresses beschließen
müssen. Darüber hinaus verringert der Kongreß zwar
unser Budget, fordert uns aber regelmäßig auf, unser
globales Engagement zu erhöhen, indem wir die NATO
erweitern, die Unabhängigkeit der russischen Nachbarn unterstützen, Investitionen in Afrika fördern und
die Arbeitnehmerrechte in Asien schützen, um nur
einige Beispiele zu nennen.

Natürlich hat der Kongreß Recht, wenn er sagt, wir
sollten das alles tun. Aber unsere Außenpolitik wird
nicht durch Rhetorik oder Absichtserklärungen unterstützt. Reden ist billig, die Übernahme einer Führungsrolle nicht.
Eine Führungsrolle in der Außenpolitik erfordert
Ressourcen: Genügend Ressourcen, damit unsere
Botschaften geöffnet bleiben und unsere Mitarbeiter
weiterhin gut ausgebildet werden können. Genügend
Ressourcen, um konstruktive Beziehungen zu den
Großmächten der Welt zu unterhalten. Genügend
Ressourcen, um unseren Einfluß durch internationale
Institutionen zu multiplizieren. Genügend Ressourcen,
um aufstrebenden Demokratien, die eines Tages zu
Verbündeten und Exportmärkten werden können,
gezielte Hilfe zu bieten. Genügend Ressourcen, um
neue Bedrohungen wie Terrorismus und internationales Verbrechen zu bekämpfen.
Das größte Problem für unsere Außenpolitik heute ist,
ob wir das ausgeben werden, was wir für eine effektive
Außenpolitik ausgeben müssen. Seit 1985 wurden
unsere Ausgaben für internationale Angelegenheiten in
realen Zahlen um 50 Prozent gekürzt. 50 Prozent.
Unser Haushalt für auswärtige Angelegenheiten
beträgt jetzt nur etwas über ein Prozent des gesamten
Bundeshaushalts.

Seite 3

�Das Erstaunliche daran ist, daß diese Kürzungen nicht
von einer ernsthaften Debatte im Kongreß begleitet
wurden. Sie waren nicht durch eine Neubewertung
unserer Interessen in der Welt motiviert. Wie ich
bereits sagte, ist im Prinzip jeder für die amerikanische
Führungsrolle. Nur denken einige, wir könnten diese
Führungsrolle übernehmen, ohne den Preis dafür zu
bezahlen. Infolgedessen sind wir durch eine neue
Form des Isolationismus gefährdet, der eine amerikanische Führungsrolle erfordert, aber Amerika der
Fähigkeit zu führen beraubt.
Ein Opfer unserer unzulänglichen Ressourcen wird
das Prinzip der Universalität bei unserer Vertretung im
Ausland sein - das Prinzip, daß es in praktisch jedem
Land eine US-Mission geben sollte. Haushaltskürzungen haben uns gezwungen, mehr als zwei Dutzend
Konsulate und mehrere Botschaften zu schließen.
Wenn das Ausbluten andauert, haben wir keine andere
Wahl, als noch mehr Einrichtungen zu schließen.
In einer unberechenbaren Welt benötigen wir eine
Stimme in jeder Nation. In den vergangenen Jahren
haben wir immer wieder gesehen, wie lebenswichtig
unsere Präsenz sein kann, häufig zu ungewöhnlichen
Zeiten an ungewöhnlichen Orten. Über 170 Nationen
hatten das gleiche Mitspracherecht an der Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags und der Verabschiedung des CTB-Vertrags - und den gleichen
Bedarf, von amerikanischer Diplomatie vor Ort überzeugt zu werden. Wir hätten das Friedensabkommen
von Dayton nicht aushandeln können, wenn wir nicht
Botschaften in allen ehemaligen jugoslawischen
Republiken gehabt hätten. Wir brauchten Menschen
vor Ort in jeder Hauptstadt auf dem Balkan, um
Informationen zu sammeln, Verhandlungen zu führen,
Greueltaten aufzudecken, den Weg für unsere Truppen zu ebnen und nicht zuletzt unser Engagement zu
demonstrieren.
Ebenso hätten wir mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit Belarus, Kasachstan und die
Ukraine nicht von der Aufgabe der Nuklearwaffen auf
ihrem Territorium überzeugen können, wenn wir nicht
beschlossen hätten, beim Zusammenbruch der
Sowjetunion Botschaften in allen Neuen Unabhängigen Staaten zu eröffnen. Und dennoch, wenn wir uns
mit einer Situation wie dem Zusammenbruch der
Sowjetunion oder Jugoslawiens konfrontiert sähen,
bezweifle ich, daß wir uns die Eröffnung der erforderlichen neuen Einrichtungen leisten könnten.
Haushaltskürzungen haben auch die Menschen
gezwungen, die für unsere Nation im Ausland tätig
sind, unter unerträglichen Bedingungen zu arbeiten.
Unsere Diplomaten in Peking arbeiten mit veralteter
Technologie in zerfallenden Gebäuden. In unserer
Botschaft in Angola, die der zentrale Ort der Gespräche zur Beendigung des Bürgerkriegs in diesem Land
ist, arbeiten unsere Mitarbeiter behelfsmäßig in

Seite 4

Wohnwagen. Unsere Botschaft in Tadschikistan
operiert in einem Hotel aus der Sowjetära. Wasser
und Strom werden manchmal tagelang abgeschaltet,
und unsere Diplomaten müssen Krüge mit Wasser
nach oben tragen. Das sind die Menschen, an die wir
uns wenden, wenn Amerikaner in Schwierigkeiten
geraten, wenn unsere Unternehmen Hilfe bei der
Erschließung neuer Märkte benötigen, wenn wir
Terroristen und Drogenbarone verfolgen müssen.
Eines der wichtigsten Instrumente unserer Diplomatie
ist Auslandshilfe. Diese Programme geben uns den für
eine effektive Diplomatie erforderlichen Handlungsspielraum. Sie helfen uns, Konflikte und Katastrophen
zu verhindern. Wie eine Krise nach der anderen
bewiesen hat, sind die Kosten der Verhinderung nie so
hoch wie der Preis der Vernachlässigung. Wie haben
bereits fast ebenso viel Geld nur für die Bewältigung
der kurzfristigen Krisen in Ruanda und Burundi
aufgewandt wie wir letztes Jahr zur Förderung von
Entwicklung und Frieden in ganz Afrika ausgeben
konnten.
Unsere Hilfsprogramme haben in den vergangenen
zehn Jahren in realen Zahlen um 37 Prozent abgenommen. Die Hälfte unserer bilateralen Hilfe wird
heute zur Unterstützung des Nahostfriedensprozesses
aufgewandt. Diese Mittel fördern unsere vitalen
Interessen und müssen in vollem Umfang erhalten
werden. Aber die Hilfe für Israel, Ägypten und Jordanien wird unweigerlich unter Druck - möglicherweise
unwiderstehlichen Druck - geraten, wenn unsere
anderen Hilfsprogramme weiterhin dezimiert werden
und dieses Ungleichgewicht zunimmt.
Unsere Diplomaten tragen auch zur Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft
bei. In der Tat haben wir in den vergangenen vier
Jahren einen tiefgreifenden kulturellen Wandel in
unseren Botschaften vollzogen. Sie unterstützen jetzt
aggressiv amerikanische Unternehmen dabei, Verträge abzuschließen und sie im Ausland durchzuführen. Amerikanische Geschäftsleute haben mir erzählt,
wie sehr ihnen dieser Aspekt unseres "Amerikabüros"
im Außenministerium geholfen hat. Aber jetzt höre ich
eine andere Botschaft. Sie sagen, daß unsere Botschafter enorme Anstrengungen unternehmen, die
Kürzungen die Personaldecke jedoch so dünn gemacht haben, daß sie nicht mehr das tun können, was
sie möchten um zu helfen.
Ein anderes Opfer ist unsere Unterstützung für
internationale Institutionen, einschließlich der internationalen Finanzinstitutionen und der Vereinten Nationen. 50 Jahre lang haben die Vereinigten Staaten in
den Vereinten Nationen eine Führungsrolle übernommen, weil sie ein wertvolles Instrument zur Förderung
unserer Interessen sind. Jetzt sehen wir uns mit
krassen Alternativen konfrontiert. Wir können weiterhin über die Vereinten Nationen globale Heraus-

AMERIKA DIENST 02

�forderungen bewältigen, wo wir die Last mit über 180
Nationen teilen. Oder wir können sie alleine meistern,
unsere Soldaten zwingen, das gesamte Risiko zu
übernehmen und unsere Steuerzahler, die Rechnung
zu begleichen. Das ist unsere Wahl.
Teils aufgrund der Außenstände der Vereinigten
Staaten sind die Vereinten Nationen bei der Ausführung von Ausgaben behindert, die für unsere
Interessen von großer Bedeutung sind - Friedenssicherung, Flüchtlingsoperationen, Menschenrechte,
weltweite Gesundheitsfürsorge - um nur einige Beispiele zu nennen. Wenn wir unsere Beiträge nicht
bezahlen, setzen wir auch unsere Fähigkeit aufs Spiel,
kleinere, abgespeckte Vereinte Nationen zu gestalten.
Aber unsere Reformkampagne hat begonnen, Fortschritte zu zeitigen. Die Vereinten Nationen haben
einen neuen Generalsekretär, eine Führungspersönlichkeit mit der Fähigkeit und Überzeugung, die
Vereinten Nationen zu einer effektiven Institution für
das nächste Jahrhundert zu machen. Die Vereinten
Nationen müssen das Ihre tun. Aber wir auch das
Unsere. Es ist an der Zeit, unsere Beiträge und unsere
Schulden zu bezahlen. Es ist an der Zeit zu erkennen,
daß wir nicht gleichzeitig Reformen durchführen und
uns zurückziehen können.
Im umfassenderen Sinn ist es an der Zeit zu erkennen,
daß wir ein vitales nationales Interesse an der angemessenen Finanzierung unserer internationalen
Bestrebungen haben. Ebenso wie wir unsere militärische Einsatzbereitschaft bewahren müssen, indem
wir Streitkräfte und Stützpunkte auf der ganzen Welt
unterhalten, müssen wir unsere diplomatische Einsatzbereitschaft bewahren, indem wir die Menschen und
Programme unterstützen, die unsere Soldaten aus
einem Krieg heraushalten. In einer Welt realer Gefahren wird die Last der Führung unweigerlich unserem
Militär übertragen, wenn es uns nicht gelingt, unsere
diplomatische Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten.
Die Kosten werden an verpaßten Chancen und
verlorenen Menschenleben gemessen.
Unser Verteidigungsministerium hat eine kluge
Strategie erarbeitet, um zwei nahezu gleichzeitige
größere regionale Konflikte zu bewältigen. Während
unser Verteidigungsministerium die Fähigkeit zur
Bewältigung von zwei Krisen hat, sieht sich das
Außenministerium der Gefahr ausgesetzt, ein Budget
zu haben, mit dem keine einzige Krise bewältigt
werden kann.
Wir können nicht auf eine Krise in einem Teil der Welt
reagieren, ohne Mittel von einem wertvollen Programm
in anderen Regionen abzuziehen. Zur Unterstützung
der Stationierung unserer Truppen in Haiti mußten wir
beispielsweise die Hilfe für die Türkei kürzen. Um den
Waffenstillstand im Nordirak zu überwachen, mußten
wir Mittel für den Friedensprozeß in Guatemala

AMERIKA DIENST 02

abziehen. Wenn heute eine neue Krise entstehen
würde, müßten wir die Wahl treffen: Welches langfristige Interesse - wahrscheinlich ein bereits unzureichend finanziertes langfristiges Interesse - sollte
geopfert werden, um den kurzfristigen Bedarf zu
erfüllen?
Ich fordere den Kongreß zur Überprüfung der Aushöhlung unserer diplomatischen Einsatzbereitschaft und
zur überparteilichen Unterstützung des Haushalts des
Präsidenten für auswärtige Angelegenheiten auf. Das
ist eine Herausforderung, die gemeistert werden muß,
wenn wir unsere Stärke im nächsten Jahrhundert
bewahren wollen.
Während ich aus diesem Amt scheide, habe ich viele
Gründe, optimistisch bezüglich der Zukunft zu sein.
Ich weiß, daß Präsident Clinton immer wieder - von
Haiti bis Bosnien, von Mexiko bis Rußland oder China
- die harten Entscheidungen getroffen hat, die eine
Führungsrolle erfordern, und ich weiß, er wird das
auch in Zukunft tun. Ich weiß, daß auch Botschafterin
Albright eine eloquente und effektive Verfechterin der
amerikanischen Tradition des globalen Engagements
sein wird. Ich weiß, daß die Männer und Frauen in
unserem auswärtigen und öffentlichen Dienst mit
einem vernünftigen Maß an Unterstützung weiterhin
unsere Interessen in jedem Teil der Welt fördern
werden, trotz der Härten und Gefahren, die sie auf sich
nehmen und erdulden.
Ich bin optimistisch, weil ich weiß, daß das amerikanische Volk an unserer Seite steht. Bei meinen Reisen
durch das Land habe ich gesehen: Die Amerikaner
sind stolz, daß wir die führende Nation der Welt sind
und sie wissen, daß mit der Führungsrolle Verantwortung einhergeht. Sie sehen den Beweis, der
Isolationisten entgeht: Daß die Sicherheit unserer
Nation von der Einsatzbereitschaft unserer Diplomaten
als unserer ersten Verteidigungslinie abhängt, daß die
Sicherheit unserer Straßen von unserem Kampf gegen
Drogen und Terror im Ausland abhängt, daß unsere
Arbeitsplätze im Inland von der Gesundheit unserer
Weltwirtschaft abhängen.
Ich bin optimistisch, weil meine eigene Karriere eine
inspirierende Periode in der Geschichte des amerikanischen Engagements in der Welt umspannt. Wenn
wir nicht alle eine große Überraschung erleben, werde
ich der letzte Außenminister sein, der im Zweiten
Weltkrieg gedient hat. Meine Erinnerungen an diese
Zeit und meine Erfahrungen der letzten 50 Jahre
lehren mich, Vertrauen in die Entscheidungen zu
haben, die die Amerikaner treffen werden.
Nach meinem Schulabschluß im Jahr 1949 arbeitete
ich für Richter William O. Douglas. Gegen Ende des
Jahres bei ihm bat ich ihn um einen Rat. Er antwortete: Begib Dich in den Strom der Geschichte und
schwimme so schnell Du kannst. Ich war sehr viel

Seite 5

�länger darin als ich mir je vorgestellt hätte, aber ich
möchte Ihnen erzählen, was ich auf dem Weg gesehen
habe.
Ich sah eine ganze Generation von Politikern beider
Parteien, die unser Interesse erkannten, Deutschland
und Japan wiederaufzubauen, so daß sie unsere
starken Verbündeten und Handelspartner werden
konnten. Ich sah das amerikanische Volk Investitionen
tätigen, die sich in einem halben Jahrhundert des
Friedens und Wohlstands und dem Sieg der Freiheit im
Kalten Krieg auszahlten. Als Außenminister habe ich
ehemalige politische Gefangene wie Havel und
Mandela gesehen, die jetzt die Präsidenten ihrer
Länder sind. Ich habe gesehen, wie frühere Gegner
zu unseren Verbündeten wurden. Ich habe einst

Seite 6

verarmte Länder gesehen, die unsere führenden
Exportmärkte wurden. Auf der ganzen Welt würdigen
die Menschen die Vereinigten Staaten für ihre Hilfe bei
dieser Umgestaltung und sie blicken auf uns, diese
Führungsrolle fortzusetzen.
Heute wie damals bedeuten Bündnisse Frieden,
bedeutet Engagement größere Sicherheit, bringt
Führung Freunde an unsere Seite. Und Ihre Generation hat eine noch größere Chance als meine: Sie
haben den Schlüssel, der die Tür zu einem weiteren
Amerikanischen Jahrhundert öffnet. Aber Sie haben
auch die Verantwortung, die Investitionen zu tätigen,
die meine Generation vornahm - die Investitionen, die
eine Führungsrolle verlangt, die Investitionen, die
diese Welt noch sicherer, freier und besser machen.

AMERIKA DIENST 02

�AUSSENPOLITIK
29.Januar 1997

Entwurf einer überparteilichen Außenpolitik
von Außenministerin Madeleine K. Albright

WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel erschien erstmals in der Sunday New York Times vom 26.
Januar 1997.

Vor einem halben Jahrhundert schrieb Dean Acheson,
man müsse bei der Schaffung eines neuen Zeitalters
dabei sein. Auch wir haben heute dieses Privileg und
die Verantwortung, die damit einhergeht.
Damals hatten unsere Politiker den Weitblick, ein
starkes Amerika zu bewahren und gleichzeitig die
demokratischen Kräfte auf der Welt zu stärken und
Institutionen wie die NATO, die Vereinten Nationen und
die Weltbank aufzubauen, um internationale Zusammenarbeit und Wirtschaftswachstum zu fördern.
Sie taten dies auf überparteilicher Ebene.
Heute wird ein neuer Rahmen für die amerikanische
Führungsrolle geschaffen, der an die Erfordernisse
eines neuen Jahrhunderts angepaßt ist. Der Erfolg
dieser neuen Führungsrolle wird in beträchtlichem Maß
davon abhängen, ob der nach dem Zweiten Weltkrieg
entstandene Geist der Überparteilichkeit wiederbelebt
werden kann.
Zyniker könnten argumentieren, daß der Ruf einer
Administration nach Überparteilichkeit weniger durch
Prinzipien als durch eine Fähigkeit zu zählen motiviert
ist. Und wir werden zweifelsohne Stimmen von beiden
Parteien im Kongreß benötigen, um viele unserer
außenpolitischen Initiativen fortzuführen. Aber Überparteilichkeit paßt auch in unsere Zeit.
Jahrzehntelang hat der Kalte Krieg nicht nur Nationen,
sondern alle charakterisiert, die sich mit Außenpolitik
befassten. Heute bedeuten die Etiketten der Vergangenheit - Falke, Taube, liberal, konservativ - wenig.
Die größte Kluft besteht zwischen den Befürwortern
und Gegnern des amerikanischen Engagements, eine
Kluft, die keine Parteigrenzen respektiert.

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Glücklicherweise werden beide Parteien von Menschen angeführt, die die Bedeutung der amerikanischen Führungsrolle verstehen. Das ist wichtig, weil
eine überparteiliche Außenpolitik uns gestattet, mit
größerer Glaubwürdigkeit auf der Weltbühne zu
handeln. Sie fördert das Vertrauen unserer Verbündeten und den Respekt derjenigen, die versucht sind, uns
ablehnend gegenüberzustehen. Sie hilft uns, einen
diplomatischen Part - als Friedensstifter und Problemlöser- zu spielen, den andere Nationen nicht übernehmen können, und hebt damit unser Prestige bei
gleichzeitiger Förderung unserer Interessen. Und sie
verstärkt Amerikas Rolle als Modell für die Stärkung
demokratischer Kräfte.
Ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten über
Taktiken werden die Aussichten für Überparteilichkeit
durch die bestehende breite Unterstützung unserer
vorrangigen Ziele verbessert. Es besteht ein Konsens
über die Notwendigkeit, Wohlstand im Inland durch die
Förderung einer offenen und expandierenden Weltwirtschaft zu mehren und über die Zusammenarbeit mit
unseren Verbündeten, um ein zunehmend vereintes,
demokratisches und stabiles Europa zu schaffen.
Beide Parteien sind sich der Bedeutung bewußt, eine
asiatisch-pazifische Gemeinschaft mit gemeinsamen
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Zielen
aufzubauen und zur Beilegung gefährlicher Dispute im
Nahen Osten und anderen strategischen Regionen
beizutragen. Wir alle wollen die Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen aufhalten und Terrorismus,
Drogenhändler und internationales Verbrechen
bekämpfen. Und es besteht eine Verpflichtung zur
Stärkung der Kräfte auf der ganzen Welt, die sich für
Menschenrechte, Demokratie, Entwicklung, eine
gesunde Umwelt und Rechtsstaatlichkeit einsetzen.

Seite 1

�Natürlich werden die mit diesen Prioritäten einhergehenden Fragen einer eingehenden Prüfung und
Erörterung unterzogen. Das sollte auch so sein.
Während dem Kongreß die Verantwortung zukommt,
eine vernünftige Erwartungshaltung einzunehmen, wird
die Administration die Last der Beweise tragen.
Unsere Aufgabe wird sein, die Verbindung zwischen
unseren umfassenden Zielen und den vor uns liegenden Themen zu schaffen: NATO-Erweiterung, Eindämmung verbrecherischer Regime, Gestaltung
wichtiger bilateraler Beziehungen (einschließlich der
zu China, Rußland und der Ukraine) sowie unsere
Strategien in häufig unbeachteten Regionen von
Lateinamerika, Afrika und Südasien. Die Komplexität
dieser Aufgabe wurde noch in der vergangenen
Woche durch Fragen über die Absichten Pekings in
Hongkong, ein Aufflammen der Spannungen bezüglich
Zyperns und eine neue Runde der Gewalt in Zaire und
Ruanda unterstrichen.
Die Hoffnung, daß Überparteilichkeit den Übergang
von Rhetorik zu Realität bewältigen kann, wird bald auf
die Probe gestellt.
Am 6. Februar wird der Präsident einen Haushalt
vorlegen, der das Defizit weiter verringert, internationale Prioritäten berücksichtig und den Vorschlag
einer Rückzahlung unserer Schulden bei den Vereinten Nationen und multilateralen Banken enthält. Die
Verabschiedung dieses Haushalts ist unerläßlich,
wenn wir die Instrumente haben wollen, um Einfluß auf
die Ereignisse zu nehmen, statt nur auf sie zu reagieren. Zur Bewahrung der Stärke Amerikas benötigen
wir nicht nur ein Militär von Weltklasse, sondern auch
eine Diplomatie von Weltklasse. Dennoch wurden in
den letzten Jahren die Ausgaben für internationale
Angelegenheiten - die normalerweise ein Prozent des
Bundeshaushalts ausmachen - drastisch gekürzt, und
unsere diplomatische Präsenz in Übersee wurde
verringert.
Wenn ich dem Kongreß unseren Haushaltsantrag
vorlege, bin ich mir meiner Pflicht bewußt, unsere
Pläne und Prioritäten mit einer Logik zu erläutern, die
die Amerikaner verstehen. Und ich werde alles in
meiner Macht Stehende tun, damit die Steuerzahler
die volle Dividende ihrer Investition erhalten. Ein wei-

*

Seite 2

terer Test der Überparteilichkeit wird kommen, wenn
die Administration um die baldige Zustimmung des
Senats zur amerikanischen Beteiligung an der unter
den Präsidenten Reagan und Bush ausgehandelten
Chemiewaffenkonvention ersucht. Wenn wir nicht vor
dem 29. April handeln, werden wir keine Gründungspartei des Vertrags sein. Wir würden unseren Interessen schaden, indem wir uns davon abhalten, zur
Formulierung der Regeln beizutragen, nach denen der
Pakt verifiziert wird.
Der Vertrag verkörpert eine Verpflichtung zu unserer
Sicherheit und zum Schutz unserer Streitkräfte. Er
wird von vielen in beiden Parteien, der Geschäftswelt
und dem Militär unterstützt. Aber er hat auch seine
Gegner.
Das amerikanische Volk verdient eine
gesunde Debatte, in der die amerikanischen Interessen abgewogen werden und eine rechtzeitige
Abstimmung stattfindet.
Ich habe einen Großteil meines Lebens im Kongreß
gearbeitet oder ihn studiert. Ich weiß, daß Überparteilichkeit keine Einbahnstraße ist. Ich weiß auch, daß
die Gesetzgeber fast immer das Gefühl haben, sie
seien zu außenpolitischen Fragen nicht ausreichend
konsultiert worden, während die Außenminister
manchmal das Gefühl haben, daß sie nichts anderes
tun, als Konsultationen mit dem Kongreß zu führen.
Die Überbrückung dieser divergierenden Perzeptionen
wird harte Arbeit und guten Willen erfordern.
Als Außenministerin werde ich den Kongreß vor die
Herausforderung stellen, konstruktiv in dem zu sein,
was er von uns fordert, aber meine Tür und auch ich
werden stets offen sein, um möglichst eingehende
Konsultationen sicherzustellen.
In unserer Demokratie ist Überparteilichkeit niemals
absolut. Aber die Geschichte bietet uns die Chance
am Ende des Jahrhunderts, den Geist der Zusammenarbeit wiederzubeleben, der unserer Nation und der
Welt früher gut gedient hat. Indem wir dem Ansatz
unserer gigantischen Vorgänger - Truman, Eisenhower
und Marshall - folgen, können wir ihrer Generation die
Anerkennung zollen, die sie verdient und der nächsten
Generation die Sicherheit geben, die sie verdient.

* * *

*

AMERIKA DIENST 02

�ABRÜSTUNG

29. Januar 1997

Die Verringerung von Bedrohungen
Rede des designierten Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Verteidigungsminister William Cohen erklärte in seiner Anhörung vor dem
Streitkräfteausschuß des Senats am 22. Januar 1997, obwohl "die Bedrohung des nuklearen Holocaust
beträchtlich verringert wurde, ist die Welt weiterhin ein krisengeschüttelter und gefährlicher Ort".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des designierten Verteidigungsministers unwesentlich gekürzt.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
ich fühle mich sehr geehrt, heute als von Präsident
Clinton ernannter Verteidigungsminister hier reden zu
dürfen.
Nahezu zwei Jahrzehnte lang hatte ich das Privileg,
mich als Senator und Mitglied Ihres Ausschusses mit
nationalen Sicherheitsangelegenheiten zu befassen
und habe in dieser Zeit mit sechs Verteidigungsministern zusammengearbeitet. Dank dieser Erfahrung habe ich ein Gefühl für die enorme Verantwortung
dieser Position bekommen. Aber seit dem 5. Dezember weiß ich das Gewicht dieser Verantwortung noch
mehr zu würdigen und fühle mich durch das von
Präsident Clinton in mich gesetzte Vertrauen zutiefst
geehrt.
Daß Präsident Clinton mich zum Verteidigungsminister
ernannt hat, ist meines Erachtens ein deutliches Signal
seiner Verpflichtung zu dem Prinzip, daß die Sicherheit
unserer Nation keine parteipolitische Angelegenheit ist
und auch nicht sein sollte - ein Prinzip, das ich während meiner gesamten Karriere im öffentlichen Dienst
aufrechtzuhalten versuchte. Es war für mich eine
äußerst befriedigende Erfahrung als Gesetzgeber,
wenn es mir gelang, einen Konsens für eine starke,
kohärente und tragfähige Verteidigungspolitik zu
erlangen, um Amerikas globale Interessen zu schützen
und zu fördern.
Wie der Präsident in seiner Rede bei der Einführung in
seine zweite Amtszeit betonte, war diese Zusammen-

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arbeit auch entscheidend für die Bewahrung der
amerikanischen Führungsrolle in der Welt.
Die
Schaffung unserer Bündnisse nach dem Zweiten
Weltkrieg wäre ohne überparteiliche Zusammenarbeit
nicht möglich gewesen, und genau das wird von uns
gefordert, wenn wir diese Bündnisse an die Welt nach
dem Kalten Krieg anpassen und andere Maßnahmen
ergreifen, um dieses vor uns liegende neue Zeitalter zu
gestalten.
Obwohl es immer Raum für legitime Diskussionen über
nationale Sicherheitsfragen geben wird, sollten
Parteilichkeit und Kirchturmdenken in unseren Erörterungen fehl am Platz sein - sei es in der Exekutive, den
Teilstreitkräften oder dem Kongreß. Wir müssen uns
vor Augen führen, daß am Ende jeder Debatte die
Soldaten, Seeleute, Flieger und Marineinfanteristen
stehen, die von uns eine Führungsrolle und keine
Tricks, Unterstützung und nicht politischen Zwist
erwarten.
Denn obwohl die Bedrohung des nuklearen Holocaust
beträchtlich verringert wurde, ist die Welt weiterhin ein
krisengeschüttelter und gefährlicher Ort. Feindlich
gesinnte Regime und Instabilität bedrohen unsere
Interessen in Schlüsselregionen wie Südwest- und
Nordostasien. Instabilität, Nationalismus und ethnische Spannungen stellen Gefahren in Europa dar.
Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
bedroht unsere Interessen, unsere Streitkräfte und
sogar unser Heimatland. Und die Bedrohungen durch
Terrorismus, internationales organisiertes Verbrechen
und Drogenhandel bestehen unvermindert weiter.

Seite 1

�Darüber hinaus müssen wir nicht die jahrhundertealte
Geschichte bemühen, um uns daran zu erinnern, daß
gefährliche Bedrohungen plötzlich und unvorhersehbar
entstehen können.
Politisch, wirtschaftlich und technologisch verändert
sich die Welt in einer beispiellosen und manchmal
alarmierenden Geschwindigkeit.
Die Technologie
miniaturisiert die Welt und verbindet unser Schicksal
noch enger mit dem unserer Verbündeten und Wirtschaftspartner auf der Welt.
Das wirkt sich zu unserem Vorteil aus, während wir
freie Märkte und die Prinzipien der Demokratie zu
fördern versuchen. Es erhöht jedoch auch das
Ausmaß, in dem wir von Entwicklungen im Ausland
betroffen sind. Selbst wenn wir wollten, könnten wir
uns nicht von den Kräften isolieren, die die Welt
erfassen.
Genauso wenig wie wir der Weltpolizist sind und
werden, dürfen wir zum Gefangenen der internationalen Ereignisse werden, isoliert und sicher behütet
in einem kontinentalen Kokon.
Vor diesem Hintergrund haben der Präsident und
Verteidigungsminister Perry eine nationale Sicherheitspolitik verfolgt, die nicht nur auf dieses sich wandelnde
Umfeld reagieren, sondern es auch in einer unseren
Interessen dienlichen Weise gestalten soll.
Sie
können auf ihre Leistungen bei der Beseitigung der
Relikte des Kalten Krieges stolz sein - sie verringerten
die nukleare Bedrohung durch die ehemalige Sowjetunion, riefen die Partnerschaft für den Frieden und die
pragmatische Partnerschaft mit Rußland - wie Verteidigungsminister Perry sie bezeichnete - ins Leben,
brachten die NATO auf den Kurs der Erweiterung,
stärkten unser Bündnis mit Japan und entwickelten
Beziehungen zu China auf militärischer Ebene.
Im Falle meiner Bestätigung beabsichtige ich, diese
Bestrebungen fortzusetzen und auf sie aufzubauen,
während wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten,
uns nicht nur mit dem Ende einer Ära, sondern auch
mit der Gestaltung der nächsten zu befassen.
Nach einem Jahrhundert, in dem zwei Weltkriege im
Herzen Europas ausbrachen und ein Kalter Krieg den
Kontinent mehr als vier Jahrzehnte spaltete, stehen wir
an der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert mit der
realen Aussicht auf eine endgültige Überwindung der
Teilung Europas. Bevor Präsident Clintons zweite
Amtszeit zu Ende ist, wird die NATO ihre erste Runde
neuer Mitglieder aufgenommen haben, und die
Programme der Partnerschaft für den Frieden werden
erweitert worden sein. Die pragmatische Partnerschaft
mit Rußland wird durch die Verhandlungen über eine
Charta zwischen der NATO und Rußland, verstärkte
amerikanisch-russische Zusammenarbeit auf militärischer Ebene, die Fortsetzung der Aktivitäten zur

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kooperativen Verringerung der Bedrohung und
Fortschritte bei unserer Rüstungskontrollagenda weiter
gestärkt.
Die Erlangung des richtigen Gleichgewichts zwischen
Strategie, Programmen und Ressourcen zur Erfüllung
unserer sicherheitspolitischen Erfordernisse der
Gegenwart und Zukunft stellt eine große Herausforderung dar. Dies wird zur Zeit vom Verteidigungsministerium überprüft und ebenfalls vom nationalen
Verteidigungsgremium überarbeitet.
Während wir diesen Prozeß durchlaufen, müssen wir
gewährleisten, daß unsere Streitkräfte die Kriege der
Nation führen und gewinnen können.
Den Präsidenten über den Einsatz von Gewalt zu
beraten, ist die größte Verantwortung, die einem
Verteidigungsminister obliegt. Und als Senator war ich
mir dessen bewußt, als ich in die saudi-arabische
Wüste zu einem Besuch der Truppen reiste, die sich
darauf vorbereiteten, die irakische Invasion in Kuwait
zu bekämpfen, und vor kurzem, als ich unsere tapferen
in Bosnien dienenden Männer und Frauen besuchte
und das Privileg hatte, einem mutigen jungen Soldaten
aus Maine das Purple Heart zu verleihen. Als designierter Verteidigungsminister gelobe ich Ihnen und
unseren Männern und Frauen in Uniform, mein Bestes
zu tun, dieses tiefe Vertrauen zu erfüllen.
Der Präsident hat es bereits gesagt: Wir sollten uns
nicht vor dem klugen Einsatz von Gewalt fürchten, und
hierbei sind der Mut, die Loyalität und die Bereitschaft
unserer Männer und Frauen in Uniform, ihr Leben aufs
Spiel zu setzen, ein nationales Gut, das nie als
selbstverständlich hingenommen werden sollte. Und
wenn unsere Soldaten in den Kampf geschickt werden,
müssen klare Ziele gesetzt werden, denen wir entschlossen verpflichtet bleiben und zu deren Erlangung
wir die Mittel haben. Das sind die Grundvoraussetzungen für humanitäre und andere Operationen mit
Ausnahme eines Krieges sowie für andere Eventualfälle größeren Ausmaßes.
Ich möchte auch darauf hinweisen, daß unsere
Streitkräfte ihre Mission nicht nur erfüllen, wenn sie zur
Beilegung einer Krise intervenieren - sie leisten jeden
Tag wichtige Arbeit.
Wenn unsere Schiffe strategische Gewässer patrouillieren, unsere Flugzeuge in weit entferntem Luftraum
fliegen und unsere Soldaten zu Manövern entsandt
werden, sind sie nicht nur bereit für den Fall, daß sich
etwas ereignet. Durch diese Aktionen ereignet sich
bereits etwas: Sie beeinflussen die Ansichten und
Entscheidungen ausländischer Regierungen - seien es
Freunde, die der Unterstützung bedürfen, oder Feinde,
die abgeschreckt werden müssen. Unsere Streitkräfte
gestalten durch ihre täglichen Operationen die Welt

AMERIKA DIENST 02

�und warten nicht einfach, bis sie auf momentane
Krisen reagieren müssen.

waffenprogramm wurde eingefroren, während es mit
der Wirtschaft weiterhin bergab geht.

Herr Vorsitzender, ich möchte auf zwei Punkte besonders eingehen. Seit meiner Nominierung haben
manche festgestellt, daß ich im Hinblick auf mehrere
Fragen der nationalen Sicherheit nicht mit dem
Präsidenten übereinstimme, und aufgrund dessen die
Frage gestellt, ob ich dem Präsidenten in Zukunft
wirksam dienen kann.

Was den Einsatz von Gewalt betrifft, habe ich mich
zwar für verstärkte Konsultationen mit dem Kongreß
ausgesprochen, mich aber geweigert, einmal vom
Präsidenten getroffene Entscheidungen zu unterlaufen. Beispielsweise gehörte ich zu denen, die sich
mit den Senatoren Dole und McCain für die Resolution
zur Unterstützung unserer in Bosnien stationierten
Streitkräfte einsetzten. Ich bin ein Befürworter echter
und andauernder Konsultationen, was meines Erachtens ein Grund für den Präsidenten war, mich in
sein Kabinett zu nehmen.

Ich habe die letzten 25 Jahre im Kongreß gleichermaßen mit denjenigen, deren Meinung ich teile, und mit
denen, deren Meinung ich nicht teile, zusammengearbeitet und habe versucht, das auf konstruktive Art
zu tun, die zu positiven Ergebnissen führt. Meines
Erachtens ist es mir in der Vergangenheit gelungen,
Differenzen zu überbrücken - sie nicht zu übertünchen,
sondern Konsens zu schaffen und vernünftige,
verantwortungsvolle Kompromisse zu schließen.
Ferner möchte ich darauf hinweisen, daß übereinstimmende Meinungen innerhalb einer Administration
weder ein Gebot noch ein anzustrebendes Ideal sind.
Es ist sehr anerkennenswert, daß der Präsident ein
Team energischer Berater haben möchte, die ihm
gemeinsam die beste Beratung zukommen lassen
können. Ich bin sicher, daß es im Falle meiner
Bestätigung wie in allen Administrationen manchmal
Meinungsverschiedenheiten zwischen uns geben wird,
die hinter verschlossenen Türen beigelegt werden
sollten. Und ich habe keinen Zweifel, daß wir bei
unserer Zusammenarbeit ebenso viel oder sogar noch
mehr Einvernehmen und Kooperationsbereitschaft
zeigen werden wie jede andere Administration der
letzten 25 Jahre.
Was einige der gestellten spezifischen Fragen betrifft,
habe ich keine Bedenken hinsichtlich meiner Fähigkeit
zur effektiven Arbeit innerhalb der Administration.
Was beispielsweise die Raketenverteidigung betrifft,
war ich eines der vier Mitglieder dieses Ausschusses,
die vom Vorsitzenden beauftragt wurden, einen
Konsens zu finden, der vom Kongreß angenommen
und als Gesetz verabschiedet würde. Die Senatoren
Warner, Levin, Nunn und ich haben lange und hart mit
anderen Abgeordneten und der Administration zusammengearbeitet. Uns gelang der Abbau bestehender analytischer und politischer Differenzen, und das
ausgearbeitete Gesetz wurde schließlich von Kongreß
und Administration unterstützt und wird jetzt unter
Berücksichtigung der technischen Aspekte umgesetzt.
In bezug auf das nordkoreanische Nuklearabkommen
war ich in der Tat skeptisch hinsichtlich der Einhaltung
des Rahmenabkommens durch Nordkorea. Es kann
jedoch nicht bestritten werden, daß das Abkommen
tatsächlich funktioniert. Das nordkoreanische Nuklear-

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Ich erwähne das, weil ich davon überzeugt bin, daß
Präsident Clinton zur Überwindung parteipolitischer
Trennlinien bei der Formulierung seiner Sicherheitspolitik entschlossen ist und weiß, wie wichtig es ist,
denjenigen zuzuhören, die anderer Meinung als er
oder seine Berater sind. So kann er sichergehen, daß
seine Aktionen begründet und nicht nur das Produkt
irgendwelcher Trends sind.
Herr Vorsitzender, ich bin es Verteidigungsminister
Perry schuldig, ihm besondere Anerkennung zu zollen.
Meines Erachtens ist er einer der fähigsten Staatsbeamten, die je in einer amerikanischen Regierung
tätig waren. Er verkörperte Unparteilichkeit bei der
Verfolgung unserer nationalen Sicherheitsinteressen.
Seine Integrität und sein Patriotismus, verbunden mit
seiner Brillanz und Ruhe, machten ihn zu einem
Verteidigungsminister, der die zweifelsohne einzigartige Fähigkeit hatte, effektiv und beliebt zu sein. Er
war im Hinblick auf den Einsatz von Gewalt immer
vorsichtig und präzise; er entwickelte pragmatische
Beziehungen zur russischen Regierung, stärkte
unsere Sicherheitspartnerschaft mit Japan und machte
echte Fortschritte beim langen Prozeß der Durchsetzung der Beschaffungsreform. Sein Dienst entspricht
der besten Tradition unseres Landes, und er hat
meiner Meinung nach für alle seine Nachfolger hohe
Maßstäbe gesetzt.
In der Schlußbemerkung seines Buches "On the
Origins of War" stellt der Historiker Donald Kagan fest:
"Ein hartnäckiger und wiederholter
Fehler im gesamten Verlauf der
Geschichte ist der Mangel an Einsicht, daß die Wahrung des Friedens
Mühe, Planung, Mittel und Opfer
verlangt - ebenso wie der Krieg.
Insbesondere in der modernen Welt
hat die Ansicht, der Frieden sei ein
natürlicher Zustand und Krieg ein
Irrweg, dazu geführt, daß in Friedenszeiten die Möglichkeit eines weiteren
Krieges nicht in Betracht gezogen
wurde, was wiederum die Bestrebun-

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�gen verhinderte, die zur Wahrung des
Friedens erforderlich sind."
Der Präsident ist sich bewußt, daß die Wahrung des
Friedens aktive Bestrebungen, Planung und Opfer
erfordert. Es ist mir eine große Ehre, daß er mich
gebeten hat, ihn als Verteidigungsminister bei den
erforderlichen Planungen und Bestrebungen zu
unterstützen.

* *

Seite 4

Die von mir umrissenen Ziele stellen beträchtliche
Herausforderungen dar, aber unsere Wirtschaft ist
stark, unsere Nation lebt in Frieden, und das Verteidigungsministerium verfügt bei seinen militärischen und
zivilen Mitarbeitern über ein enormes Reservoir von
Begabungen und Fähigkeiten. Wenn wir zum Nutzen
des amerikanischen Volkes zusammenarbeiten,
können und werden wir diese Herausforderungen
bewältigen.

* *

*

AMERIKA DIENST 02

�WIRTSCHAFT
29. Januar 1997

Amerikas Spitzenposition in der Weltwirtschaft
Rede des designierten Wirtschaftsministers

WASHINGTON - (AD) - Bei seiner Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuß des Senats am 22. Januar 1997
sprach sich der von Präsident Clinton zum Wirtschaftsminister ernannte William Daley für die Förderung
amerikanischer Exporte durch die Regierung aus.
Nachfolgend veröffentlichen wir den leicht gekürzten Redetext des designierten Wirtschaftsministers.

Herr Vorsitzender,
es ist mir eine Ehre, heute hier sein zu dürfen. In den
Wochen seit meiner Ernennung zum Wirtschaftsminister habe ich über diese Chance nachgedacht und
es hat mich mit großem Stolz erfüllt, daß meine
Ernennung mir die Möglichkeit bietet, die lange
Tradition meiner Familie im öffentlichen Dienst fortzusetzen. Ich bin dankbar für die Chance, der Nation
zu dienen - den Arbeitnehmern, Unternehmern, den
großen und kleinen Firmen, den einzelnen Gemeinden
und dem Präsidenten.
Auf unserem Weg zur letzten Administration des 20.
Jahrhunderts befinden wir uns auf einer noch nicht
beendeten Reise. Wir gestalten die Welt, in der wir
Geschäfte tätigen, neu und definieren gleichzeitig
unseren Platz in ihr neu. Ich sehe meine Nominierung
für das Wirtschaftsministerium folgendermaßen: In
einer neuen, von neuen Regeln regierten Welt hat
Amerika riesige Schritte zur Bewahrung der Wettbewerbsfähigkeit und des Wohlstands des Landes
unternommen. Aber unsere Arbeit ist noch nicht
beendet, und das Wirtschaftsministerium muß viel
unternehmen, damit wir in der Weltwirtschaft weiterhin
einen Vorsprung haben.
Um sicherzustellen, daß das Wirtschaftsministerium
seine elementare Aufgabe erfüllt, möchte ich, daß Sie
und Ihre Kollegen, die Unternehmer und unsere
Handelspartner auf der ganzen Welt volles Vertrauen
in das Ministerium setzen - und werde garantieren,
daß unsere Rolle unerläßlich ist und unsere Glaubwürdigkeit außer Frage steht. Ebenso sehr wie ich mich

AMERIKA DIENST 02

auf meine Arbeit freue, bin ich beeindruckt von den
Möglichkeiten dieses Ministeriums, rühmliche und
bedeutungsvolle Arbeit für Amerika zu leisten.
Die Annahmen, von denen unser Wachstum und unser
Platz in der Welt nach dem Krieg geleitet waren, gelten
nicht mehr. Es gab eine Zeit, in der wir unser Wachstum und einen besseren Lebensstandard durch unsere
Binnenwirtschaft bewahren konnten, aber heute steht
und fällt unser Wohlstand mit auf lange Sicht getroffenen Entscheidungen. Es ist nicht mehr nur die Börse,
die von Wirtschaftsnachrichten und Entscheidungen
auf der ganzen Welt betroffen ist: Amerikanische
Unternehmen von den größten 500 bis zu den kleinsten Anfängern sehen sich Wettbewerb von Volkswirtschaften in Europa und Asien sowie den aufstrebenden Mächten in Lateinamerika, Afrika und dem Nahen
Osten ausgesetzt, und gleichzeitig bieten sich ihnen
dort neue Chancen.
Nahezu ein Viertel unseres Bruttoinlandsprodukts ist
heute exportabhängig. Über 11 Millionen Arbeitnehmerverdanken ihren Arbeitsplatz den Geschäften, die
ihre Arbeitgeber jenseits unserer Küsten tätigen. Mein
Vorgänger Mickey Kantor erklärte gerne, eine Marktstudie der Vereinigten Staaten heute würde belegen,
daß wir vier Prozent der Weltbevölkerung ausmachen
und eine ziemlich niedrige Geburtenrate haben. Das
heißt, unser zukünftiger Lebensstandard gründet auf
den Verbindungen, die wir mit den anderen 96
Prozent der Welt haben und den Möglichkeiten, die wir
dort schaffen.

Seite 1

�Der Präsident hat einen klaren Plan für den Erfolg der
Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft dargelegt. In
den ersten Wochen seiner Administration erklärte er,
die Vereinigten Staaten würden es begrüßen, wenn
unsere Konkurrenten hier unter fairen und offenen
Bedingungen Geschäfte abwickeln, wir jedoch denselben Zugang zu ihren Märkten erwarten. Die Administration hat über 200 Handelsabkommen mit
Partnern auf der ganzen Welt unterzeichnet, in die
Entwicklung modernster Technologie investiert, auf die
kluge Verwaltung unserer natürlichen Ressourcen
hingearbeitet, die Exporte angekurbelt, bessere und
nützlichere Wirtschaftsinformationen erarbeitet und
unsere städtischen und ländlichen Gemeinden zu
Mitspielern bei unserer wirtschaftlichen Expansion
gemacht.
Aufgrund dieser Entscheidungen und dank der
Zusagen von führenden Unternehmern und Politikern weil wir diese globale Wirtschaft einbeziehen - führen
die Vereinigten Staaten die Weltwirtschaft an. Wir
stehen seit drei aufeinander folgenden Jahren wieder
an oberster Stelle der Liste des Weltwirtschaftsforums
der produktivsten Volkswirtschaften der Welt. Heute
sind wir die größte Wirtschaftsmacht der Welt - der
größte Exporteur, der beste Innovator, der Motor, der
den weltweiten Wohlstand antreibt.
Vor einigen Jahren schien Amerika zu stagnieren.
Unsere Konkurrenten in so unterschiedlichen Industrien wie der Automobil-, Stahl- und Hightechindustrie,
dem Bankwesen sowie der Luft- und Raumfahrt waren
weltweit aktiv und kämpften um Aufträge, Verträge und
Chancen, während wir am Rande standen und
debattierten, ob wir uns in den Kampf begeben sollten.
Industrien in Japan, Taiwan, Deutschland und andernorts investierten in neue Technologien, während wir
den Verlust der amerikanischen Fertigungsindustrie
beklagten und uns fragten, warum andere die von uns
erfundene Technologie besser anwendeten. Ausländische Volkswirtschaften erlebten einen Boom,
während wir diskutierten, ob wachsende Haushaltsdefizite überhaupt wichtig sind oder nicht. Es war eine
Binsenwahrheit, daß unsere asiatischen und europäischen Konkurrenten unser Brot aßen, und ein wichtiges Buch, Der Aufstieg und Fall der Großmächte,
spekulierte, daß Amerika sich im Niedergang befand.
Wir hatten jede Menge Zwangsvollstreckungen und
Konkurse, aber wenig Vertrauen. Aber diese Tage
sind jetzt vorüber.
Heute ist die amerikanische Wirtschaft gesund, vital
und im Wachsen begriffen. Unsere Arbeitslosenquote
ist die niedrigste seit 25 Jahren. Es werden ebenso
viele Geschäfte gegründet und Häuser gekauft wie seit
Anfang der achtziger Jahre. Ein Haushaltsdefizit, das
unsere Ersparnisse aufbrauchte und unser Wachstum
behinderte, wurde in den vergangenen vier Jahren um
die Hälfte reduziert. Und die Produktionskapazität
unserer Volkswirtschaft ist seit 25 Jahren am schnell-

Seite 2

sten gestiegen. Jetzt sehen wir Forschung und
Entwicklung, Technologie und Bildung als Investitionen
in unsere Zukunft, die sich in Unternehmertum,
Arbeitsplätzen und Gehaltsschecks auszahlen. Und
wir geben das Tempo an, dem die übrige Welt bei
allem folgt - in herkömmlichen Industrien wie der
Automobilbranche und der Landwirtschaft bis zur Luftund Raumfahrt, Telekommunikations- und Hightechindustrie.
Das kommende Jahrhundert - das der Präsident als
"Zeitalter der Chancen" bezeichnet hat - wird auf dem
aufbauen, was die Wirtschaft am besten tut. Ich weiß,
daß einige in der modernen Wirtschaft keinen Platz für
das Ministerium sehen. Dem stimme ich überhaupt
nicht zu. In einer immer stärker konkurrierenden Welt
benötigt unsere Nation kohärente und aufeinander
abgestimmte wirtschaftliche, technologische, handelsund entwicklungspolitische Maßnahmen.
Wir haben zwei Alternativen, wenn wir uns den
Realitäten einer interdependenten Weltwirtschaft
stellen: Wir können am Rand stehen und über die
Rolle der Regierung debattieren, oder wir können
aggressiv, aktiv und ehrgeizig sein. Führen Sie sich
jedoch vor Augen, daß unsere Konkurrenten eifrig
Geschäfte tätigen und wirtschaftliche Verbindungen
um uns herum aufbauen, während wir diskutieren.
Bundeskanzler Helmut Kohl ist vor kurzem nach
Rußland gereist, während der kanadische Ministerpräsident Chretien vergangene Woche eine Handelsdelegation nach Korea anführte. Das sind Mahnungen, daß andere unabhängig von unseren Entscheidungen aktiv Exportchancen suchen.
Im Wirtschaftsministerium kommen Amerikas Potential
und seine Versprechungen zusammen, dort werden
unsere zukünftigen Arbeitsplätze geschaffen und
unser Wirtschaftswachstum genährt. Die ungleichen
Elemente des Handels kommen für eine Aufgabe
zusammen: Amerikas Konkurrenzfähigkeit zu verbessern und zu bewahren.
Die Wirtschaft trägt zur Öffnung von Märkten bei und
stellt sicher, daß unsere Partner das Versprechen
offenen und fairen Handels einhalten, das wir uns
gegeben haben. Und während mehr Mitspieler einen
Platz auf der internationalen Handelsbühne suchen,
wollen wir auch durch das Befürwortungszentrum des
Ministeriums und Handelsmissionen im Namen
amerikanischer Firmen und Arbeitnehmer gewährleisten, daß sie auf den dynamischsten Märkten Fuß
fassen können und an Projekten beteiligt sind. Unsere
Konkurrenten überlassen ihre Unternehmen nicht
ihrem Schicksal in der Welt, und das sollten wir auch
nicht tun. Gleichzeitig sollten wir unsere Arbeitnehmer
keinem Risiko durch unfaire Handelspraktiken aussetzen. Über einem Gebäude des Wirtschaftsministeriums steht Benjamin Franklins Mahnung geschrieben:

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�"Der Handel zwischen Nationen sollte fair und gerecht
sein." Das ist der Standard, den wir halten wollen.

peln, die den Ehrgeiz mitbringen und die Belohnung
dafür erhalten.

Unsere Exporte haben seit 1993 um 34 Prozent
zugenommen und 1,4 Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen. Im Rahmen der Aktivitäten der internationalen Handelsverwaltung hat das Wirtschaftsministerium 250 Millionen Dollar für die Exportförderung aufgewandt, die zu überseeischen Umsätzen
von über 40 Milliarden Dollar führten. Darüber hinaus
befreiten wir Hightechexporte in Milliardenhöhe von
veralteten Bestimmungen, ohne unsere nationale
Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Auf diesen Leistungen
aufbauend möchte ich sicherstellen, daß die durch
offene Märkte und globalen Wettbewerb versprochenen hochbezahlten Arbeitsplätze Realität werden.

Aber dieses Versprechen kann nur erfüllt werden,
wenn die Vorteile eines wohlhabenden Amerikas
jedem Amerikaner zugute kommen. Wenn einige
Segmente Fortschritte machen, während andere
stagnieren, werden wir unsere Stärke vergeuden und
unsere Wettbewerbsvorteile aufgeben.
Bildung,
Ausbildung, wirtschaftliche Entwicklung, sogar Zugang
zur Datenautobahn sind der Schlüssel zur Verbesserung der Chancen für alle Amerikaner, damit ein
größerer Teil unserer Nation eine produktive Rolle in
unserer Volkswirtschaft übernehmen kann.

Während der Übergang von der Fertigung zu Information und Technologie das Wirtschaftswachstum auf der
Welt weiter ankurbelt, verleiht der Handel dem Wettbewerbsvorteil einen Bonus, den sich unsere Nation
durch modernste Technologien verschafft hat. Wir
müssen weiterhin neue Technologien entwickeln und
Unternehmen sowie die Industrie ermutigen, sie für die
kommerzielle Anwendung anzupassen. Weniger zu
tun - vor allem angesichts der Pläne Japans, sein
Budget für Wissenschaft und Technologie bis zum
Jahr 2000 zu verdoppeln, der Pläne Chinas, seine
Investitionen in Forschung und Technologie in dieser
Zeit zu verdreifachen und der Tatsache, daß die
gesamten Ausgaben der EU für Technologie in fünf
Jahren doppelt so hoch sein werden wie unsere würde einen Rückschritt bei einem Großteil unserer
Wettbewerbs- und Produktivitätsvorteile bedeuten, die
so viel dazu beigetragen haben, unser wirtschaftliches
Haus im letzten Jahrzehnt in Ordnung zu bringen.
Während heute die 50 größten Exporteure der Vereinigten Staaten für 30 Prozent der Warenexporte
unserer Nation verantwortlich sind, exportieren nur 12
Prozent unserer
kleinen und mittelständischen
Unternehmen. Gleichzeitig nehmen 40 Prozent der
amerikanischen Arbeitnehmer an Aus- und Weiterbildungsprogrammen teil, und heute besucht eine
Rekordzahl von Studenten das College. Für mich ist
diese Kombination kein unausgeschöpftes Potential,
sondern eine Chance für Wirtschaftswachstum. Wir
sollten in den kommenden Jahren die Exporte mittelständischer Unternehmen mit diesen gelernten und
ausgebildeten amerikanischen Arbeitnehmern verdop-

AMERIKA DIENST 02

Ich möchte die Wirtschaftsentwicklung an Exporte und
Technologie anpassen, um reale Chancen für jeden
Menschen, jede Familie und jedes Unternehmen im
Land zu schaffen. Zusammen werden diese Fäden
der wirtschaftlichen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Technologie, Handel und Information - zum Geflecht
unserer wohlhabenden Zukunft verwoben, indem sie in
jeder Gemeinde im ganzen Land Entwicklung, Unternehmertum und Wachstum ankurbeln. Darin sehe ich
die Aufgabe des Handels: Den Wohlstand Amerikas zu
bewahren, indem wir weiterhin auf der ganzen Welt
innovativ, wachsam und stark sind.
Letztlich werden die Ergebnisse dieses globalen
Wettbewerbs um Exporte und Marktöffnung entscheiden, wo die Arbeitsplätze im nächsten Jahrhundert sein und welche Nationen prosperieren
werden. Die Entscheidung über die Funktion oder
Vitalität des Wirtschaftsministeriums ist daher keine
akademische Übung oder eine in einem Vakuum
stattfindende politische Debatte.
Ich freue mich auf die Arbeit als 32. Wirtschaftsminister, weil der Erfolg des Ministeriums niemals
wichtiger für unser Land war. Ich bin der festen
Überzeugung, daß der Wirtschaftsminister nie vergessen darf, daß er dem Präsidenten, dem Kongreß und
letztlich dem amerikanischen Volk als Katalysator
dient, damit die Sicherheit und der Wohlstand unserer
Nation uns mit gutem Grund zu Vertrauen und Hoffnung ins 21. Jahrhundert bringen können. Ich sehe
der engen Zusammenarbeit mit Ihnen erwartungsvoll
entgegen, damit das Wirtschaftsministerium wie bisher
zur Stärke Amerikas beitragen kann, während wir an
der Spitze der Weltwirtschaft stehen.

Seite 3

�PORTRAT
29. Januar 1997

Madeleine Korbel Albright
Porträt der neuen Außenministerin

Madeleine Korbel Albright wurde am 23. Januar 1997
als 64. Außenminister vereidigt. Vor ihrer Ernennung
war sie Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten
bei den Vereinten Nationen (ihre Akkreditierung erfolgte am 6. Februar 1993) sowie Mitglied von Präsident Clintons Kabinett und des Nationalen Sicherheitsrats.
Davor war Botschafterin Albright Präsidentin des
Center for National Policy. Das Center ist eine 1981
von Vertretern der Regierung, Industrie, Gewerkschaften und des Bildungswesens gegründete gemeinnützige Forschungsorganisation. Sein Mandat besteht
in der Förderung von Studien und Diskussionen über
innenpolitische und internationale Themen.
Als Forschungsprofessorin für internationale Angelegenheiten und Direktorin des Programms "Frauen im
auswärtigen Dienst" der Georgetown University's
School of Foreign Service unterrichtete Albright Kurse
in internationalen Angelegenheiten, amerikanischer
Außenpolitik, russischer Außenpolitik sowie zentralund osteuropäischer Politik und war verantwortlich für
die Entwicklung und Umsetzung von Programmen zur
Verbesserung der Berufschancen von Frauen ini
internationalen Angelegenheiten.
Von 1981 bis 1982 erhielt Außenministerin Albright ein
Stipendium am Woodrow Wilson International Center

for Scholars der Smithsonian Institution im Anschluß
an einen internationalen Wettbewerb, bei dem sie über
die Rolle der Presse bei den politischen Veränderungen in Polen Anfang der achtziger Jahre geschrieben
hatte.
Albright war außerdem Senior Fellow für sowjetische
und osteuropäische Angelegenheiten am Center for
Strategie and International Studies, wo sie Forschung
zu Entwicklungen und Trends in der Sowjetunion und
in Osteuropa durchführte.
Von 1978-81 war Außenministerin Albright als Mitarbeiterin des Nationalen Sicherheitsrats und des
Weißen Hauses für die außenpolitische Gesetzgebung
verantwortlich. Von 1976-78 war sie persönliche
Referentin für Gesetzesfragen von Senator Edmund
Muskie.
Botschafterin Albright erwarb ihren Bachelor of Arts in
Politologie am Wellesley College mit Auszeichnung
und studierte an der School of Advanced International
Studies der John Hopkins University, erhielt ein
Zeugnis vom Russischen Institut der Columbia University und legte ihren Master of Arts und ihr Doktorexamen an der Fakultät für Öffentliches Recht und
Staatswissenschaft der Columbia University ab.
Außenministerin Albright hat drei Töchter.

* * * * *

AMERIKA DIENST 02

Seite 1

�PORTRAT
29.Januar 1997

William S. Cohen
Porträt des neuen Verteidigungsministers

Der ehemalige Senator William S. Cohen wurde am
Freitag, dem 24. Januar 1997 bei einer Feier im
Weißen Haus von Vizepräsident AI Gore als 20.
Verteidigungsminister vereidigt.
Präsident Clinton gab Cohens Nominierung am 5.
Dezember 1996 bekannt. Er wurde am 22. Januar
1997 vom Senat mit 99 zu 0 Stimmen bestätigt. Davor
hatte er dem Senat drei Sitzungsperioden für den
Bundestaat Maine (1979-97) und drei dem Repräsentantenhaus als Abgeordneter des zweiten Wahlbezirks
von Maine angehört (1973-79).
Der am 28. August 1940 in Bangor (Maine) geborene
Cohen besuchte die Bangor High School, die er 1958
abschloß. 1962 erwarb er seinen Bachelor of Arts in
Latein am Bowdoin College und 1965 seinen Bachelor
of Laws cum laude an der Boston University Law
School.
Verteidigungsminister Cohen war von 1979-97 Mitglied
des Streitkräfteausschusses des Senats sowie des
Ausschusses für Regierungsangelegenheiten. Von
1983-91 und von 1995-97 war er Mitglied des Sonderausschusses für die Nachrichtendienste und von
1987-91 dessen Stellvertretender Vorsitzender.
Mit seinem Einfluß bei Verteidigungs- und internationalen Sicherheitsfragen spielte Cohen eine führende
Rolle beim Entwurf des Goldwater-Nichols-Gesetzes
über die Umstrukturierung des Verteidigungsapparats
von 1986. Er war der Befürworter des Gl-Gesetzes
von 1984 im Senat sowie der folgenden Zusätze zu
diesem bahnbrechenden Gesetz. Cohens Bemühungen führten zur Gründung der Schnellen Einsatztruppe
(RDF), die später zum US-Zentralkommando wurde,
und des maritimen Voreinlagerungsprogramms, die
beide entscheidend für den Erfolg des Golfkrieges
waren. Darüber hinaus ist er Mitverfasser des Gesetzes über die Reform der Überwachung der Nachrichtendienste von 1991 sowie von Gesetzen über die

AMERIKA DIENST 02

Überarbeitung der amerikanischen Spionageabwehrbestrebungen und Verteidigung gegen ausländische
politische und Industriespionage.
Von dem von ihm verfassten Gesetz über Wettbewerb
bei Vertragsabschlüssen bis zum Erlass des Gesetzes
über die Reform der staatlichen Beschaffung von
1996, bei dessen Entwurf er eine entscheidende Rolle
spielte, stand Cohen an vorderster Front bei der
Reform des Beschaffungsprozesses der Bundesregierung. Aufgrund seines Engagements, Rechenschaftspflicht und die besten Praktiken des Privatsektors bei den Bundesbehörden einzuführen, verfasste
er auch das Gesetz über die Reform der Verwaltung
von Informationstechnologie von 1986 , um die Art und
Weise zu verbessern, in der Bundesbehörden Investitionen in Informationstechnologie verwalten und
den Beschaffungsprozeß zu verschlanken.
Cohen war von 1989-97 Vorstandsmitglied des
Council on Foreign Relations und 1996 Leiter der
Nahoststudiengruppe des Council. Er war ferner Leiter
und Mitglied zahlreicher Studiengruppen und Ausschüsse am Center for Strategie and International
Studies, der School for Advanced International Studies
und der Brookings Institution zu Themen wie der
Umstrukturierung des Verteidigungsministeriums, der
NATO-Erweiterung und der Kontrolle von Chemiewaffen. Seit 1985 war Cohen Leiter der amerikanischen
Delegation hochrangiger Vertreter der Exekutive und
von Abgeordneten des Kongresses bei der Münchner
Konferenz für Sicherheitspolitik, bei der hochrangige
Vertreter der NATO und der Mitgliedsstaaten der
Partnerschaft für den Frieden zusammenkommen. Er
war auch Leiter der amerikanischen Delegationen
beim amerikanisch-arabischen Dialog in Kairo und
dem pazifischen Dialog in Kuala Lumpur - den regionalen Konferenzen über sicherheitspolitische und wirtschaftliche Themen.

Seite 1

�1974 wählte die Zeitschrift TIME Cohen zu einer der
200 künftigen Führungspersönlichkeiten Amerikas.
Die U.S. Junior Chamber of Commerce ernannte ihn
1975 zu einem der zehn herausragenden jungen
Männer in Amerika. Ebenfalls 1975 ehrte die Boston
University Law School Cohen mit ihrem renommierten
"Young Lawyer's Chair" und 1976 verlieh ihm der
Ehemaligenverein der Boston University seine Auszeichnung für hervorragende Dienste zum Wohle der
Allgemeinheit. 1980 erhielt Cohen den "Vanguard"
vom Verband der Unteroffiziere für seine Arbeit für
Angehörige des Militärs und 1983 zeichnete dieselbe
Organisation ihn mit dem L. Mendel Rivers Award aus.
*

Seite 2

1996 wurde ihm die U.S. Special Operations Command Medal verliehen.
Cohen ist Autor oder Mitverfasser von acht Büchern,
darunter zwei Gedichtbänden, drei Romanen und drei
Sachbüchern.
Seine Frau Janet Langhart ist Präsidentin von Langhart Communications. Cohen hat zwei erwachsene
Söhne, Kevin und Chris.

* * *

*

AMERIKA DIENST 02

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Investitionen in die amerikanische Führungsrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abschiedsrede von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entwurf einer überparteilichen Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Außenministerin Madeleine K. Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verringerung von Bedrohungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des designierten Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Spitzenposition in der Weltwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des designierten Wirtschaftsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Madeleine Korbel Albright&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt der neuen Außenministerin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William S. Cohen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Verteidigungsministers&lt;/em&gt;</text>
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amcrika
dienet

Herausgeber. U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

03

12. Februar 1997

LAGE DER NATION

CLINTON: USA BLEIBEN DIE UNERLÄSSLICHE
NATION
Bericht zur Lage der Nation

WIRTSCHAFT

VIER JAHRE WIRTSCHAFTSWACHSTUM
MACHEN DEN AMERIKANISCHEN TRAUM
ZUR REALITÄT
Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten

USA-DEUTSCHLAND

DIE ZUKUNFT DER DEUTSCHAMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum

ABRÜSTUNG

KREATIVE BESTREBUNGEN ZUR
RÜSTUNGSKONTROLLE UNERLÄSSLICH
Rede von ACDA-Direktor John Holum

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�LAGE

DER

NATION

12. Februar 1997

Clinton: USA bleiben die unerläßliche Nation
Bericht zur Lage der Nation

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den von Präsident Clinton am 4. Februar 1997 vor dem
Kongreß vorgetragenen Bericht zur Lage der Nation im Wortlaut.

Mr. Speaker, Herr Vizepräsident, Abgeordnete des
105. Kongresses, verehrte Gäste, liebe Mitbürger,
ich möchte mich zunächst dafür bedanken, daß Sie
mich wieder eingeladen haben. Heute Abend stehe
ich vor Ihnen mit einer so großen Herausforderung wie
alle Herausforderungen in unserer Geschichte zu
Friedenszeiten und einem Aktionsplan zur Bewältigung
dieser Herausforderung, um unser Volk auf die kühne
neue Welt des 21. Jahrhunderts vorzubereiten.
Wir haben viel, für das wir dankbar sein können. Dank
vier Jahren des Wachstums haben wir die grundlegende Stärke unserer Volkswirtschaft zurückerlangt.
Während die Verbrechensrate und die Zahl der
Sozialhilfeempfänger sinken, kehrt unser Optimismus
zurück - der beständige Glaube, daß wir jede Schwierigkeit meisten können. Der Kalte Krieg gehört
allmählich der Vergangenheit an, der globale Handel
befindet sich auf Rekordhöhe, und wir tragen zu
beispiellosem Frieden und Wohlstand auf der ganzen
Welt bei.
Meine amerikanischen Mitbürger, die Lage unserer
Nation ist sehr gut. Aber jetzt müssen wir den entscheidenden Augenblick nutzen, um eine Nation und
eine Welt zu schaffen, die besser sind als alles, was
wir bisher kannten. Die neuen Verheißungen der
Weltwirtschaft, das Informationszeitalter, unvorstellbare neue Arbeit, lebensverbessernde Technologie all dies müssen wir nutzen. Das ist unsere Pflicht und
unsere Herausforderung. Wir müssen die Ereignisse
gestalten, nicht nur Beobachter sein. Denn wenn wir
nicht handeln, wird der Augenblick verstreichen - und
wir werden die besten Chancen für unsere Zukunft
verpassen.

AMERIKA DIENST 03

Wir sehen uns nicht mit einer unmittelbaren Bedrohung
konfrontiert, aber wir haben einen Feind - der Feind
unserer Zeit ist Inaktivität. Deshalb rufe ich heute
Abend zu Aktivität auf - Aktivität dieses Kongresses,
Aktivität unserer Bundesstaaten, Aktivität unserer
Bürger, um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten. Aktivität, um die Stärke unserer Volkswirtschaft und unserer Demokratie zum Wohle unseres
gesamten Volkes zu bewahren; Aktivität zur Verbesserung des Bildungswesens und zur Nutzung der
Kräfte von Technologie und Wissenschaft; Aktivität
zum Aufbau stärkerer Familien und stärkerer Gemeinden und einer saubereren Umwelt; Aktivität, um
Amerika als die stärkste Kraft für Frieden, Freiheit und
Wohlstand der Welt zu bewahren. Und vor allem,
Aktivität zum Aufbau einer perfekteren Union hier zu
Hause.
Die Geisteshaltung, die wir in unsere Arbeit einbringen,
wird den Unterschied bewirken. Wir müssen uns dem
Streben nach Chancen für alle Amerikaner und der
Verantwortung aller Amerikaner in einer Gemeinschaft
aller Amerikaner verpflichten. Und wir müssen uns zu
einer neuen Art von Regierung verpflichten - die nicht
alle Probleme für uns lösen soll, sondern unserem
Volk die erforderlichen Instrumente an die Hand gibt,
um das beste aus seinem Leben zu machen.
Und wir müssen zusammenarbeiten. Das Volk dieser
Nation hat uns alle gewählt. Es will unser Partner sein,
nicht Parteigänger. Es hat uns alle hier in dasselbe
Boot gesetzt, es hat uns allen Ruder gegeben und uns
gesagt, wir sollen rudern. Hier ist die Richtung, die wir
meines Erachtens einschlagen sollten.
Erstens müssen wir unverzüglich die noch unerledigte
Arbeit unseres Landes in Angriff nehmen - unseren

Seite 1

�Haushalt ausgleichen, unsere Demokratie erneuern
und die Sozialreform abschließen.
In den vergangenen vier Jahren haben wir neues
Wirtschaftswachstum bewirkt, indem wir in unser Volk
investiert, unsere Exporte erweitert, unsere Defizite
verringert und über 11 Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen haben - das ist ein vierjähriger Rekord.
Jetzt muß unsere Volkswirtschaft die stärkste der Welt
bleiben. Wir heute Abend hier Anwesenden haben
eine historische Chance. Dieser Kongreß soll der
Kongreß sein, der endlich den Haushalt ausgleicht.
In zwei Tagen werde ich einen detaillierten Plan zum
Ausgleich des Haushalts bis zum Jahr 2002 vorlegen.
Dieser Plan wird den Haushalt ausgleichen und in
unser Volk investieren und gleichzeitig Medicare,
Medicaid, die Bildung und die Umwelt schützen. Er
wird den Haushalt ausgleichen und auf die Bestrebungen des Vizepräsidenten aufbauen, unsere Regierung
bei geringeren Kosten effizienter zu machen. Er wird
den Haushalt ausgleichen und der Mittelschicht
Steuererleichterungen gewähren, damit Bildung und
Gesundheitsfürsorge bezahlt, Kinder aufgezogen und
ein Haus gekauft oder verkauft werden kann.
Der Ausgleich des Haushalts erfordert nur Ihre
Abstimmung und meine Unterschrift. Er erfordert nicht
von uns, unsere Verfassung zu ändern. Meines
Erachtens ist es sowohl unnötig als auch unklug, einen
Zusatz über einen ausgeglichenen Haushalt zu
verabschieden, der unser Land in Krisenzeiten lähmen
und unerwünschte Ergebnisse erzwingen würde, wie
etwa, daß Richter Sozialversicherungsschecks
sperren oder Steuern erhöhen. Lassen Sie uns
zumindest vereinbaren, keine Maßnahmen zu ergreifen, die die Sozialversicherung bedrohen. Was
immer Sie für eine Meinung zu diesem Thema haben,
wir alle müssen eingestehen, daß wir keinen Verfassungszusatz benötigen - wir benötigen Aktivität.
Unabhängig von unseren Differenzen sollten wir den
Haushalt jetzt ausgleichen. Und dann müssen wir für
die langfristige Gesundheit unserer Gesellschaft einem
überparteilichen Prozeß zustimmen, um die Sozialversicherung zu erhalten und Medicare auf lange Sicht
zu reformieren, damit diese grundlegenden Programme für unsere Kinder so solide sind wie für unsere
Eltern.
Ich möchte etwas sagen, das heute Abend nicht in
meiner Rede steht. Ich weiß, daß es nicht leicht sein
wird. Aber ich bin der festen Überzeugung, daß einer
der Gründe, warum das amerikanische Volk mich für
eine zweite Amtszeit gewählt hat, war, daß ich in den
nächsten vier Jahren die harten Entscheidungen treffe,
die unser Land durch die nächsten 50 Jahre bringen
werden. Ich weiß, es ist leichter für mich als für Sie,
das zu sagen oder zu tun. Aber ein weiterer Grund,
warum ich gewählt wurde, ist die Unterstützung für Sie

Seite 2

alle - unabhängig von der Partei - um Ihnen das für die
Mitsprache an diesen Entscheidungen Notwendige zu
geben. Wir schulden es unserem Land und unserer
Zukunft.
Die zweite unerledigte Arbeit erfordert von uns, daß wir
uns heute Abend, vor den Augen Amerikas, endlich
zur Verabschiedung einer Reform der Wahlkampffinanzierung verpflichten.
Die Senatoren McCain und Feingold, die Abgeordneten des Repräsentantenhauses Shays und
Meehan haben über die Parteigrenzen hinweg eine
durchgreifende und faire Reform erarbeitet.
Ihr
Vorschlag würde die Ausgaben begrenzen, die Rolle
der Lobbyisten einschränken, gleiche Chancen für
Kandidaten und Amtsinhaber schaffen und die Beiträge von nichtamerikanischen Staatsbürgern, alle Unternehmenszuwendungen sowie die anderen hohen
Zahlungen verbieten, die beide Parteien erhalten.
Sie und ich wissen, daß man es verschieben kann.
Und Sie und ich wissen, daß die Vertagung den Tod
der Reform bedeuten wird. Lassen Sie uns daher
unsere eigene Frist setzen. Wir wollen zusammenarbeiten, um die überparteiliche Reform der Wahlkampffinanzierung gesetzlich zu verankern und das
McCain-Feingold-Gesetz an dem Tag verabschieden,
an dem wir den Geburtstag unserer Demokratie feiern
- dem 4. Juli.
Es gibt noch ein drittes Stück unerledigter Arbeit. In
den vergangenen vier Jahren ist es uns gelungen, eine
Rekordzahl von 2,25 Millionen Menschen unabhängig
von der Sozialhilfe zu machen. Im letzten Jahr
verabschiedete der Kongreß ein bahnbrechendes
Gesetz zur Sozialhilfereform, das fordert, daß alle
arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger die Verantwortung
übernehmen, arbeiten zu gehen.
Jeder Einzelne von uns muß seiner Verantwortung - in
der Tat unserer moralischen Verpflichtung - gerecht
werden sicherzustellen, daß Menschen, die jetzt
arbeiten müssen, arbeiten können. Wir müssen jetzt
handeln, um ein neues Ziel zu verwirklichen: Weitere
2 Millionen Menschen sollen bis zum Jahr 2000 nicht
mehr von Sozialhilfe abhängig sein.
Hier ist mein Plan: Steuerfreibeträge und andere
Anreize für Unternehmen, die Sozialhilfeempfänger
einstellen; Anreize für Arbeitsvermittlungsfirmen und
Bundesstaaten zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen
für Sozialhilfeempfänger; Ausbildung, Beförderung und
Kindertagesstätten, um den Menschen zu helfen, zur
Arbeit zu gehen.
Ich stelle jeden Bundesstaat vor die Herausforderung:
Verwandeln Sie diesen Sozialhilfescheck in einen
Gehaltsscheck des Privatsektors. Ich stelle jede
Kirchengemeinde, jede gemeinnützige Organisation,

AMERIKA DIENST 03

�jedes Unternehmen vor die Herausforderung, einen
Sozialhilfeempfänger einzustellen. Und ich möchte
insbesondere an jeden Arbeitgeber in unserem Land
gewandt sagen, wer je das alte Sozialhilfesystem
kritisiert hat, kann diesem alten System nicht mehr die
Schuld zuschreiben, weil wir es abgeschafft haben.
Jetzt müssen Sie das Ihre tun. Geben Sie einem
Sozialhilfeempfänger die Chance zu arbeiten.

Lehrplan so gestalten, daß er diese Standards verkörpert und Lehrer ausbilden, damit die Schüler ihnen
gerecht werden. Um den Schulen zu helfen, diese
Standards zu erfüllen und ihre Fortschritte zu beurteilen, werden wir in den nächsten beiden Jahren
Bestrebungen in die Wege leiten, um nationale
Prüfungen für die Leistungen der Schüler beim Lesen
und in der Mathematik zu erarbeiten.

Ich freue mich, heute Abend bekanntgeben zu können,
daß fünf große Firmen - Sprint, Monsanto, UPS,
Burger King und United Airlines - die ersten sein
werden, die sich an neuen nationalen Bestrebungen
zur Schaffung von Arbeitsplätzen in den kleinen und
großen Unternehmen Amerikas beteiligen, damit
Sozialhilfeempfänger arbeiten können.

Heute Abend stelle ich die Nation vor eine Herausforderung: Jeder Bundesstaat sollte hohe nationale
Standards einführen, und bis zum Jahr 1999 sollte
jeder Bundesstaat jeden Viertklässler im Lesen und
jeden Achtklässler in Mathematik prüfen um sicherzustellen, daß sie diese Standards einhalten.

Wir haben die Sozialhilfereform verabschiedet. Und
Sie alle wissen, daß ich der Überzeugung bin, daß wir
das Richtige getan haben. Aber niemand kann diese
Kammer mit einem reinen Gewissen verlassen, wenn
er nicht zur Beendigung der Arbeit bereit ist.
Wir müssen gemeinsam auch noch etwas anderes in
Angriff nehmen - etwas, um das uns sowohl die
republikanischen als auch die demokratischen Gouverneure gebeten haben: Die Wiedereinführung der
grundlegenden Gesundheitsfürsorge und der Invaliditätsrente, wenn ein Unglück Einwanderer ereilt, die
legal in unser Land kamen, die hart arbeiten, Steuern
zahlen und das Gesetz befolgen. Etwas anderes wäre
einer großartigen Nation von Einwanderern einfach
unwürdig.
Mit Blick in die Zukunft ist der größte Schritt von allen die hohe Schwelle der Zukunft, die wir jetzt überqueren
müssen - und meine oberste Priorität für die nächsten
vier Jahre die Sicherstellung, daß alle Amerikaner die
beste Bildung der Welt erhalten.
Lassen Sie uns zusammenarbeiten, um diese drei
Ziele zu verwirklichen: Jeder 8-jährige muß lesen,
jeder 12-jährige muß sich ins Internet einloggen, jeder
18-jährige muß ein College besuchen und jeder
erwachsene Amerikaner muß sein Leben lang lernen
können.
Mein ausgeglichener Haushalt sieht beispiellose
Zuweisungen für diese Ziele vor - 51 Milliarden Dollar
im nächsten Jahr. Aber es ist sehr viel mehr Geld
erforderlich. Ich habe einen Plan - einen Aktionsplan
für die amerikanische Bildung - auf der Grundlage der
folgenden 10 Prinzipien.
Erstens einen nationalen Kreuzzug für Bildungsstandards - nicht Standards der Bundesregierung, sondern
nationale Standards, die für das stehen, was alle
unsere Studenten wissen müssen, um in der Wirtschaft des Wissens des 21. Jahrhunderts Erfolg zu
haben. Jeder Bundestaat und jede Schule muß den

AMERIKA DIENST 03

Die Anhebung der Standards wird nicht leicht sein, und
einige unserer Kinder werden sie zunächst nicht
erfüllen können. Es geht nicht darum, daß unsere
Kinder schlechter werden, sondern besser. Gute
Prüfungen werden uns zeigen, wer Hilfe benötigt,
welche Veränderungen beim Unterricht vorgenommen
und welche Schulen verbessert werden müssen. Sie
können uns helfen, die "soziale" Versetzung zu
beenden. Denn kein Kind sollte von der Grundschule
zur Junior High School, oder von der Junior High
School zur High School gehen, wenn es nicht dazu
bereit ist.
Letzten Monat haben unser Bildungsminister Dick
Riley und ich Northern Illinois besucht, wo Achtklässler
aus 20 Schulbezirken in einem treffenderweise "Die
Ersten der Welt" genannten Projekt den dritten internationalen Mathematik- und Wissenschaftstest ablegten.
Diese Prüfung hat die Weltklassestandards, die unsere
Kinder für das neue Zeitalter einhalten müssen. Und
diese Schüler in Illinois belegten den ersten Platz
weltweit in Wissenschaft und den zweiten in Mathematik. Zwei von ihnen, Kristin Tanner und Chris
Getsla, sind heute Abend hier zusammen mit ihrer
Lehrerin, Sue Winski. Sie sind dort oben bei der First
Lady. Und sie beweisen, daß sie die Besten der Welt
sein werden, wenn wir uns hohe Ziele stecken und
unsere Schüler vor eine Herausforderung stellen. Ich
bitte um etwas Applaus. Stehen Sie bitte auf.
Zweitens müssen wir die besten Lehrer haben, wenn
wir die besten Schulen haben wollen. Die meisten von
uns in dieser Kammer wären ohne die Hilfe dieser
Lehrer heute Abend nicht hier. Ich weiß, daß ich nicht
hier wäre. Jahrelang haben viele unserer Pädagogen
unter der Führung des Gouverneurs von North Carolina, Jim Hunt, und dem nationalen Gremium für
professionelle Unterrichtsstandards sehr hart an der
Einführung national anerkannter Zeugnisse für herausragenden Unterricht gearbeitet.
Nur 500 Lehrer
erhielten seit 1995 diese Bescheinigung.
Mein
Haushalt wird weiteren 100.000 eine nationale Bescheinigung mit dieser besonderen Auszeichnung
ermöglichen.
Wir sollten unsere besten Lehrer

Seite 3

�auszeichnen und anerkennen. Und während wir sie
anerkennen, sollten wir rasch und in fairer Weise die
wenigen ausscheiden lassen, die nicht den Ansprüchen genügen, und wir sollten mehr von unseren
besten jungen Leuten auffordern, Lehren als Beruf in
Betracht zu ziehen.
Drittens müssen wir mehr tun, um allen unseren
Kindern beim Lesen zu helfen. 40 Prozent unserer 8jährigen können nicht alleine lesen. Aus diesem
Grund haben wir gerade die Initiative "Amerika liest"
ins Leben gerufen - um eine Bürgerwehr von einer
Million freiwilligen Tutoren aufzubauen und sicherzustellen, daß jedes Kind bis zum Ende der 3. Klasse
alleine lesen kann. Wir werden Tausende von
AmeriCorps-Freiwilligen zur Mobilisierung dieser
Bürgerwehr einsetzen. Wir möchten die Hilfe von
mindestens 100.000 Collegestudenten. Und heute
Abend freue ich mich, daß 60 Collegedirektoren
meinem Ruf gefolgt sind und zugesagt haben, daß
Tausende ihrer Studenten ein Jahr lang als Lesetutoren arbeiten werden.
Das ist auch eine Herausforderung für jeden Lehrer
und jeden Schuldirektor. Sie müssen diese Tutoren
einsetzen, um den Schülern beim Lesen behilflich zu
sein. Und es ist insbesondere eine Herausforderung
für unsere Eltern. Sie müssen jeden Abend mit Ihren
Kindern lesen.
Das führt zum vierten Prinzip: Das Lernen beginnt in
den ersten Tagen des Lebens. Wissenschaftler
entdecken jetzt, wie Kinder sich von ihren ersten
Tagen an emotional und intellektuell entwickeln und
wie wichtig es für die Eltern ist, sofort mit ihren Kinder
zu sprechen, zu singen und sogar zu lesen. Die First
Lady hat jahrelang über dieses Thema geschrieben
und es studiert. Sie und ich werden im Frühjahr im
Weißen Haus eine Konferenz über frühes Lernen und
das Gehirn einberufen um herauszufinden, wie Eltern
und Pädagogen diese verblüffenden neuen Erkenntnisse am besten nutzen können.
Wir wissen bereits, daß wir Kinder unterrichten sollten,
bevor sie in die Schule kommen. Aus diesem Grund
erweitert dieser ausgeglichene Haushalt Head Start
bis zum Jahr 2002 auf eine Million Kinder. Und aus
diesem Grund wird die jährliche Familienkonferenz von
Vizepräsident und Mrs. Gore im Juni sich damit
befassen, was wir tun können um zu gewährleisten,
daß die Eltern ein aktiver Teil des Lernens ihrer Kinder
während ihrer gesamten Schulzeit sind.
Sie haben sehr viel getan, um die Bedeutung der
Familie in unserem Leben zu unterstreichen und
wenden jetzt ihre Aufmerksamkeit den Eltern zu, damit
sie sich mehr für das Lernen ihrer Kinder während
ihrer Schulzeit engagieren. Ich danke Ihnen, Herr
Vizepräsident, und besonders Tipper für Ihre Arbeit.

Seite 4

Fünftens sollte jeder Bundesstaat den Eltern die
Entscheidung freistellen, die richtige öffentliche Schule
für ihre Kinder auszusuchen. Ihr Recht auf freie
Entscheidung wird Wettbewerb und Innovationen
fördern, die öffentliche Schulen besser machen
können. Wir sollten auch mehr Eltern und Lehrern die
Gründung von Schulen ermöglichen, die die höchsten
Standards setzen und erfüllen und nur solange
bestehen, wie sie dies tun. Unser Plan wird Amerika
helfen, bis zum nächsten Jahrhundert 3.000 dieser
Schulen zu gründen - nahezu siebenmal so viele wie
es heute im Land gibt - so daß die Eltern noch mehr
Wahlmöglichkeiten haben, ihre Kinder in die besten
Schulen zu schicken.
Sechstens muß in unseren Schulen Charakterbildung
gelehrt werden. Wir müssen unseren Kindern beibringen, gute Bürger zu sein. Und wir müssen weiterhin
Ordnung und Disziplin fördern, Gemeinden unterstützen, die Schuluniformen einführen, Ausgangssperren verhängen, Gesetze gegen Schulschwänzerei
durchsetzen, Störenfriede aus den Klassenzimmern
entfernen und Pistolen und Drogen in Schulen null
Toleranz entgegenbringen.
Siebtens können wir nicht erwarten, daß unsere Kinder
sich zu Höchstleistungen in Schulen antreiben, die
buchstäblich zusammenfallen. Mit Rekordschülerzahlen und Rekordzahlen von Schulen, die baufällig
werden, ist dies zu einem ernsthaften nationalen
Problem geworden. Aus diesem Grund enthält mein
Haushalt eine neue Initiative - 5 Milliarden Dollar für
die Gemeinden, um ihnen bei der Finanzierung von
Schulbauten in Höhe von 20 Milliarden Dollar in den
nächsten vier Jahren behilflich zu sein.
Achtens müssen wir das 13. und 14. Schuljahr mindestens zwei Jahre College - bis zum 21. Jahrhundert ebenso universell in Amerika einführen wie die
High School-Ausbildung heute, und wir müssen den
Amerikanern die Türen zum College öffnen.
Um das zu tun, schlage ich Amerikas HOPE-Stipendium auf der Grundlage des Pionierprogramms von
Georgia vor: Einen zweijährigen Steuerfreibetrag in
Höhe von 1.500 Dollar für die Collegegebühren genug, um für das typische Gemeindecollege zu
bezahlen. Ich schlage auch einen steuerlich absetzbaren Betrag von bis zu 10.000 Dollar pro Jahr für alle
Ausbildungsgebühren nach der High School vor, ein
erweitertes privates Rentenkonto, von dem man
steuerfrei Beträge für die Ausbildung abheben kann,
und die größte Erweiterung der Pell Grant-Stipendien
seit 20 Jahren. Dank dieses Plans müssen die
meisten Familien keine Steuern auf Gelder zahlen, die
sie für die Collegegebühren sparen. Ich bitte Sie, ihn
zu verabschieden - und jedem hart arbeitenden
Amerikaner die Chance eines Collegebesuchs zu
geben.

AMERIKA DIENST 03

�Neuntens müssen wir im 21. Jahrhundert die Grenzen
für lebenslangen Lernens erweitern. Alle unsere
Bürger, gleich welchen Alters, müssen eine Chance
haben, neue Fähigkeiten zu erwerben. Die meisten
Amerikaner leben in der Nähe eines Gemeindecollege.
Der Weg dorthin kann der Weg zu einer besseren
Zukunft sein. Mein Gl-Gesetz für die amerikanischen
Arbeitnehmer wird das Gewirr von Bundesausbildungsprogrammen zu einem einfachem Stipendium für
besondere Fähigkeiten machen, das der in Frage
kommende Arbeitnehmer direkt erhält. Dieses Gesetz
lag viel zu lange auf dem Schreibtisch, ohne daß etwas
geschah - ich bitte Sie, es jetzt zu verabschieden. Wir
wollen mehr Arbeitnehmern die Möglichkeit zu lernen
und für lebenslanges Lernen bieten.
Zehntens müssen wir die Macht des Informationszeitalters in alle unsere Schulen bringen. Im vergangenen
Jahr habe ich Amerika aufgefordert, jedes Klassenzimmer und jede Bibliothek bis zum Jahr 2000 ans
Internet anzuschließen, damit die Kinder in den
isoliertesten Dörfern, den komfortabelsten Vororten
und den Schulen in den ärmsten Innenstädten zum
ersten Mal in unserer Geschichte denselben Zugang
zu demselben Universum des Wissens erhalten. Das
ist mein Plan - ein Aktionsplan für die amerikanische
Bildung. Einige mögen sagen, es sei ungewöhnlich für
einen Präsidenten, der Bildung soviel Aufmerksamkeit
zu widmen. Einige mögen sagen, es sei nur, weil der
Präsident und seine wunderbare Frau seit mehr
Jahren von diesem Thema besessen sind, als sie
erinnern können. Das steht nicht hinter diesen
Vorschlägen.
Wir müssen die Bedeutung dieses Unternehmens
verstehen: Eine der größten Quellen unserer Stärke
während des Kalten Krieges war eine überparteiliche
Außenpolitik. Weil unsere Zukunft auf dem Spiel
stand, machte die Parteipolitik an unseren Grenzen
halt. Nun bitte ich Sie - alle Gouverneure unserer
Nation, die Eltern, Lehrer und Bürger in ganz Amerika um eine neue überparteiliche Verpflichtung zur
Bildung, weil Bildung eine entscheidende nationale
Sicherheitsfrage für unsere Zukunft ist, und Parteipolitik an der Schultür haltmachen muß.
Um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten,
müssen wir die mächtigen Kräfte der Wissenschaft und
Technologie für alle Amerikaner nutzen. Das ist der
erste Bericht zur Lage der Nation, der auf Video im
Internet übertragen wird. Aber wir haben erst begonnen, die Vorteile einer technologischen Revolution zu
verbreiten, die das moderne Geburtsrecht jedes
Bürgers werden sollten.
Unsere Bestrebungen, jedes Klassenzimmer ans
Internet anzuschließen, sind nur der Anfang. Jetzt
sollten wir jedes Krankenhaus ans Internet anschließen, damit die Ärzte unverzüglich Daten über ihre
Patienten mit den besten Spezialisten austauschen

AMERIKA DIENST 03

können. Und heute Abend fordere ich den Privatsektor
auf, damit zu beginnen, jede Kinderklinik so bald wie
möglich ans Internet anzuschließen, damit ein Kind in
der Klinik in Verbindung mit der Schule, Familie und
den Freunden bleiben kann. Ein krankes Kind muß
nicht länger ein einsames Kind sein.
Wir müssen die zweite Generation des Internet bauen,
damit unsere führenden Universitäten und nationalen
Labors mit tausendmal schnellerer Geschwindigkeit
als heute kommunizieren, neue medizinische Behandlungsmethoden, neue Energiequellen und neue
Wege der Zusammenarbeit entwickeln können.
Aber wir können hier nicht haltmachen. Es wird nicht
länger ein Traum, sondern eine Notwendigkeit sein,
daß das Internet unser neuer Marktplatz wird - ein
Computer in jedem Heim, ein Lehrer aller Fächer, eine
Verbindung zu allen Kulturen. Und im nächsten
Jahrzehnt muß das unser Ziel sein.
Wir müssen weiterhin die Himmel erforschen - Fortschritte bei den Marssonden und der internationalen
Raumstation erzielen, die beide praktische Auswirkungen auf unser tägliches Leben haben.
Wir müssen die bemerkenswerten Fortschritte in der
medizinischen Wissenschaft beschleunigen. Das
Projekt über das menschliche Genom entschlüsselt
jetzt die genetischen Mysterien des Lebens. Amerikanische Wissenschaftler haben Gene entdeckt, die mit
Brust- und Ovarialkrebs in Verbindung stehen sowie
ein Medikament, das einen Schlaganfall stoppt und
seine Auswirkungen umkehrt, und Medikamente, die
das Leben von HIV- und AIDS-Infizierten dramatisch
verlängern.
Seit meinem Amtsantritt sind die Mittel für die AIDSForschung an den nationalen Gesundheitsämtern
drastisch auf 1,5 Milliarden Dollar gestiegen. Mit
neuen Ressourcen werden die nationalen Gesundheitsämter jetzt zum mächtigsten Motor für die Entdekkung eines AIDS-Impfstoffs und arbeiten mit anderen
Wissenschaftlern zusammen, um endlich die Bedrohung durch AIDS zu beseitigen. Führen Sie sich
vor Augen, daß jedes Jahr, in dem wir die Erforschung
eines AIDS-Impfstoffs voranbringen, Millionen von
Leben auf der ganzenWelt gerettet werden. Wir
müssen unser Engagement für die medizinische
Wissenschaft verstärken.
Um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten,
müssen wir stärkere Familien schaffen.
In den
vergangenen vier Jahren hat der Krankenurlaub aus
familiären Gründen Millionen Amerikanern geholfen
freizunehmen, um bei ihren Familien zu sein. Angesichts des neuen Drucks auf die Menschen in ihrem
Arbeits- und Privatleben müssen wir meines Erachtens
den Krankenurlaub aus familiären Gründen erweitern,
damit die Arbeitnehmer für Lehrerkonferenzen und die

Seite 5

�Vorsorgeuntersuchung eines Kindes freinehmen
können. Wir sollten Gleitzeit einführen, damit die
Arbeitnehmer entscheiden können, ob sie Überstunden mit Geld oder lieber mit Freizeit vergütet
haben wollen, damit sie bei ihrer Familie sein können.
Wir müssen weiterhin Schritt für Schritt mehr Familien
eine finanzierbare, qualitativ hochwertige Gesundheitsfürsorge ermöglichen. 40 Millionen Amerikaner haben
noch immer keine Krankenversicherung. 10 Millionen
Kindern haben noch keine Krankenversicherung - 80
Prozent von ihnen haben arbeitende Eltern, die
Steuern zahlen. Das ist falsch.
Mein ausgeglichener Haushalt wird die Krankenversicherung auf bis zu 5 Millionen dieser Kinder
ausdehnen. Da nahezu die Hälfte aller Kinder ihre
Versicherung verliert, weil ihre Eltern ihren Arbeitsplatz
verlieren oder verändern, wird mein Haushalt auch
sicherstellen, daß sich Menschen, die ihren Arbeitsplatz vorübergehend verlieren, ihre Krankenversicherung immer noch leisten können. Kein Kind sollte nicht
zum Arzt gehen können, weil ein Elternteil keine Arbeit
hat.
Mein Medicare-Plan modernisiert Medicare, verlängert
die Lebensdauer des Trustfonds auf 10 Jahre und
bietet Unterstützung für eine Atempause für die vielen
Familien, deren Angehörige unter Alzheimer leiden.
Und zum ersten Mal würde jährlich eine Mammographie bezahlt.
Ebenso wie wir im vergangenen Jahr den nur 24stündigen Klinikaufenthalt bei einer Entbindung
abgeschafft haben, müssen wir jetzt die gefährliche
und erniedrigende Praxis beenden, Frauen nur
Stunden nach einer Brustamputation aus der Klinik
nach Hause zu schicken. Ich bitte um Ihre Unterstützung für ein überparteiliches Gesetz mit der Garantie,
daß eine Frau nach einer Brustamputation 48 Stunden
in der Klinik bleiben kann. Heute Abend ist Dr. Kristen
Zarfos anwesend, eine Chirurgin aus Connecticut,
deren Empörung über diese Praxis eine nationale
Bewegung auslöste und zu diesem Gesetz führte. Ich
möchte sie bitten aufzustehen, damit wir ihr für ihre
Bemühungen danken können. Vielen Dank, Frau Dr.
Zarfos.
In den vergangenen vier Jahren haben wir den Erhalt
von Unterhaltszahlungen für Kinder um 50 Prozent
erhöht. Jetzt sollten wir einen Schritt weitergehen und
es noch besser machen, indem wir es zum Verbrechen erklären, wenn ein Elternteil die Grenzen
eines Bundesstaates in dem Versuch überquert, sich
seiner heiligsten Pflicht zu entziehen.
Schließlich müssen wir unsere Kinder auch schützen,
indem wir fest zu unserem Entschluß stehen, die
Werbung und Vermarktung von Zigaretten zu verbieten, die ihr Leben gefährden.

Seite 6

Um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten,
müssen wir stärkere Gemeinden schaffen. Wir sollten
mit sicheren Straßen anfangen. Schwerverbrechen
haben fünf aufeinander folgende Jahre abgenommen.
Der Schlüssel dazu war die bürgernahe Polizei. Wir
müssen die Arbeit beenden, indem wir 100.000
bürgernahe Polizisten auf die Straßen der Vereinigten
Staaten entsenden. Wir sollten einen Verfassungszusatz über die Rechte von Opfern verabschieden.
Und ich bitte Sie, die Verbrechen Jugendlicher umfassend mit einem Gesetz in Angriff zu nehmen, das den
Gangs den Krieg erklärt, mehr Staatsanwälte und
härtere Strafen vorsieht, das Brady-Gesetz erweitert,
damit gewalttätige kriminelle Teenager keine Handfeuerwaffen mehr kaufen können; Kindersicherungen an
Handfeuerwaffen vorschreibt, um die unbefugte
Benutzung zu verhindern, und so dazu beiträgt, daß
unsere Schulen nach Schulschluß, an Wochenenden
und im Sommer offen bleiben können, damit unsere
jungen Leute einen Ort haben, an den sie gehen und
etwas haben, zu dem sie Ja sagen können.
Dieser ausgeglichene Haushalt enthält die umfassendsten Drogenbekämpfungsmaßnahmen der Geschichte:
Um den Drogenhandel bereits im Herkunftsland zu
stoppen, die Händler zu bestrafen und unsere jungen
Menschen zu lehren, daß Drogen falsch und illegal
sind und sie töten werden. Ich hoffe auf Ihre Unterstützung dieser Bestrebungen.
Unsere wachsende Wirtschaft hat dazu beigetragen,
arme städtische und ländliche Gemeinden wiederzubeleben. Wir müssen ihnen jedoch noch mehr
Befugnisse zur Schaffung von Bedingungen verleihen,
unter denen alle Familien prosperieren und Arbeitsplätze durch Investitionen von Unternehmen und
Bankkredite geschaffen werden können.
Wir sollten die Zahl der Wirtschaftsförderungszonen
verdoppeln. Sie haben Gemeinden wie Detroit bereits
soviel Hoffnung gegeben, wo die Arbeitslosenquote in
vier Jahren um die Hälfte abgenommen hat. Wir
sollten kontaminierte städtische Grundstücke und
Gebäude wieder einer produktiven Nutzung zuführen.
Wir sollten das Netz von Gemeindeentwicklungbanken
erweitern. Und gemeinsam müssen wir uns heute
Abend verpflichten, daß wir diesen Wirtschaftsförderungsansatz - einschließlich Steueranreizen für den
Privatsektor - nutzen werden, um unsere Bundeshauptstadt zu erneuern, damit Washington ein hervorragender Ort zum arbeiten und leben und erneut
das stolze Gesicht ist, das Amerika der Welt zeigt.
Wir müssen unsere Umwelt in jeder Gemeinde
schützen. In den vergangenen vier Jahren haben wir
250 Giftmülldeponien gesäubert - das sind so viele wie
in den letzten 12 Jahren zusammengenommen. Jetzt
sollten wir 500 weitere säubern, damit unsere Kinder in
der Nähe von Parks, nicht Gift aufwachsen können.

AMERIKA DIENST 03

�Ich fordere Sie auf, meinem Vorschlag zuzustimmen,
daß die größten Verursacher nach einer einfachen
Regel leben müssen: Wenn Ihr unsere Umwelt
verschmutzt, dann solltet Ihr für ihre Säuberung
bezahlen.
In den letzten vier Jahren haben wir die Gesetze
unserer Nation für sichere Nahrungsmittel und sauberes Trinkwasser verbessert. Wir haben einige der
seltensten, schönsten Landstriche Amerikas in der
Region Red Rocks in Utah unter Naturschutz gestellt,
in der kalifornischen Wüste drei neue Nationalparks
geschaffen und begonnen, die Everglades in Florida
wiederherzustellen. Jetzt müssen wir mit unseren
Flüssen so wachsam sein wie mit unserem Land.
Heute Abend gebe ich bekannt, daß ich in diesem Jahr
10 Flüsse zum amerikanischen Erbe erklären werde,
um den Gemeinden bei der Sanierung ihrer an den
Ufern gelegenen Stadtbezirke und der Säuberung der
Flüsse behilflich zu sein und damit erneut unter Beweis
zu stellen, daß wir unserer Volkswirtschaft zu Wachstum verhelfen und gleichzeitig die Umwelt schützen
können.
Wir müssen auch die globale Umwelt schützen und auf
ein Verbot der schlimmsten toxischen Chemikalien und
die Verringerung der Treibhausgase hinarbeiten, die
unsere Gesundheit bedrohen und unser Klima verändern.
Wir alle wissen, daß es in allen unseren Gemeinden
Kinder gibt, die nicht das Erforderliche zur Verfügung
haben, um aufzuwachsen und bei sich zu Hause, in
der Schule oder der Nachbarschaft zu lernen. Und
das bedeutet, daß wir mehr tun müssen, denn sie sind
auch unsere Kinder. Aus diesem Grund werden
Präsident Bush, General Colin Powell und der ehemalige Wohnungsbauminister Henry Cisneros gemeinsam
mit dem Vizepräsidenten und mir im April das Gipfeltreffen des Präsidenten für Dienste zum Wohle der
Allgemeinheit in Philadelphia veranstalten.
Unser Programm eines nationalen Sozialdienstes,
AmeriCorps, hat bereits 70.000 jungen Menschen
geholfen, sich das Geld für den Collegebesuch durch
einen Dienst an der Gemeinde zu verdienen. Jetzt
beabsichtigen wir, Millionen von Amerikanern zu
mobilisieren, damit sie in tausenderlei Arten ihren
Dienst leisten können. Der karitative Dienst ist eine
amerikanische Verantwortung, die alle Amerikaner
übernehmen sollten, und ich bitte um Ihre Unterstützung für dieses Unternehmen.
Ich möchte noch einen letzten Punkt zu unserer
nationalen Gemeinschaft anführen. Unsere Volkwirtschaft wird in Zahlen und Statistiken gemessen, und
das ist sehr wichtig. Aber der dauerhafte Wert unserer
Nation liegt in unseren gemeinsamen Werten und
unserem hochfliegenden Geist. Statt unsere bescheidenen Bestrebungen zur Unterstützung der Künste

AMERIKA DIENST 03

und Geisteswissenschaften
zurückzuschrauben,
sollten wir sie meiner Ansicht nach fördern und unsere
Künstler, Musiker und Schriftsteller, unsere Museen,
Bibliotheken und Theater und alle in der Kunst oder
den Geisteswissenschaften tätigen Amerikaner
auffordern, gemeinsam mit unseren Mitbürgern das
Jahr 2000 zu einer nationalen Feier des amerikanischen Geistes in jeder Gemeinde zu machen - eine
Feier unserer gemeinsamen Kultur in dem zu Ende
gehenden Jahrhundert sowie in dem neuen Jahrhundert und dem neuen Jahrtausend, damit wir
weiterhin nicht nur das Symbol der Freiheit in der Welt
bleiben, sondern auch der Kreativität, lange nachdem
das Feuerwerk verloschen ist.
Um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten,
müssen wir die Kräfte des Wandels in der Welt
meistern und eine starke und sichere amerikanische
Führungsrolle für eine unerforschte Zeit bewahren.
Vor fünfzig Jahren übernahm ein weitblickender
Amerikaner die Führungsrolle bei der Gründung der
Institutionen, die zum Sieg im Kalten Krieg führten und
baute eine wachsende Weltwirtschaft auf. Infolgedessen haben sich heute mehr Menschen als je zuvor
unseren Idealen und Interessen verschrieben. Wir
haben bereits viele der Blöcke und Schranken niedergerissen, die die Welt unserer Eltern teilten. Zum
ersten Mal leben mehr Menschen in einer Demokratie
als einer Diktatur, darunter alle Nationen in unserer
Hemisphäre mit Ausnahme einer - und auch deren Tag
wird kommen.
Jetzt stehen wir erneut vor einer Zeit des Wandels und
der Entscheidungen - und wiederum einer Zeit des
Weitblicks, um Amerika weitere 50 Jahre der Sicherheit und des Wohlstands zu bescheren. Bei
diesem Unternehmen besteht unsere wichtigste
Aufgabe im Aufbau eines zum ersten Mal ungeteilten
und demokratischen Europas. Wenn Europa stabil,
wohlhabend und im Frieden ist, ist Amerika sicherer.
Zu diesem Zweck müssen wir die NATO bis 1999
erweitern, damit die Länder, die einst unsere Gegner
waren, unsere Verbündeten werden können. Bei dem
NATO-Gipfeltreffen im Sommer werden wir damit
beginnen. Wir müssen die Partnerschaft für den
Frieden der NATO mit Verbündeten der Nichtmitgliedstaaten stärken. Und wir müssen eine stabile Partnerschaft zwischen der NATO und einem demokratischen
Rußland aufbauen. Eine erweiterte NATO ist gut für
Amerika. Und ein Europa, in dem alle Demokratien
ihre Zukunft nicht im Hinblick darauf definieren, was sie
einander antun können, sondern in Bezug auf das,
was sie gemeinsam zum Wohle aller tun können - ein
solches Europa ist gut für Amerika.
Zweitens muß Amerika ebenso nach Osten blicken,
wie es nach Westen blickt. Unsere Sicherheit erfordert
es. Amerika hat in diesem Jahrhundert drei Kriege in

Seite 7

�Asien geführt. Unser Wohlstand erfordert es. Über
zwei Millionen amerikanischer Arbeitsplätze hängen
vom Handel mit Asien ab.
Auch hier tragen wir dazu bei, eine asiatisch-pazifische
Gemeinschaft der Kooperation, nicht des Konflikts zu
schaffen. Unsere Fortschritte dort dürfen nicht die
verbleibenden Gefahren verschleiern. Gemeinsam mit
Südkorea müssen wir die Friedensgespräche mit
Nordkorea voranbringen und die letzte Trennlinie des
Kalten Krieges überbrücken. Ich fordere den Kongreß
auf, die Mittel für unseren Teil des Abkommens
bereitzustellen, gemäß dem Nordkorea sein Nuklearwaffenprogramm weiterhin einfrieren und dann
beseitigen muß.
Wir müssen einen intensiveren Dialog mit China
verfolgen - um unserer Interessen und Ideale willen.
Ein isoliertes China ist nicht gut für Amerika. Ein
China, das die ihm angemessene Rolle in der Welt
spielt, ist gut für Amerika. Ich werde nach China
reisen, und ich habe den chinesischen Präsidenten zu
einem Besuch hier eingeladen, nicht weil wir in allem
einer Meinung sind, sondern weil die Einbeziehung
Chinas der beste Weg zur Bewältigung unserer
gemeinsamen Herausforderungen wie der Beendigung
der Atomtests und zum offenen Umgang mit unseren
grundlegenden Differenzen bei Menschenrechten ist.
Das amerikanische Volk muß in der Weltwirtschaft
prosperieren. Wir haben hart gearbeitet, um Handelshemmnisse im Ausland abzubauen, damit wir im Inland
gute Arbeitsplätze schaffen können. Ich bin stolz,
sagen zu können, daß Amerika heute erneut die
konkurrenzfähigste Nation und die Nummer eins der
Welt bei Exporten ist.
Wir müssen jetzt handeln, um unsere Exporte zu
erweitern, insbesondere nach Asien und Lateinamerika - den zwei am schnellsten wachsenden
Regionen auf der Welt - oder wir werden hinterherhinken, wenn diese aufstrebenden Volkswirtschaften
neue Bande mit anderen Nationen knüpfen. Aus
diesem Grund benötigen wir jetzt die Befugnis zum
Abschluß neuer Handelsabkommen, die Märkte für
unsere Waren und Dienstleistungen öffnen, während
wir unsere Werte bewahren.
Wir dürfen nicht vor den Herausforderungen der
Weltwirtschaft zurückschrecken. Schließlich haben wir
die besten Arbeitnehmer und die besten Produkte. Auf
einem wirklich offenen Markt können wir jeden überall
auf der Welt ausstechen.
Aber es geht um mehr als um die Wirtschaft. Indem
wir den Handel erweitern, können wir die Sache der
Freiheit und Demokratie auf der ganzen Welt verbreiten. Es gibt kein besseres Beispiel dieser Wahrheit als Lateinamerika, wo Demokratie und offene
Märkte gemeinsam auf dem Vormarsch sind. Aus

Seite 8

diesem Grund werde ich Lateinamerika im Frühjahr
besuchen, um unsere wichtigen Bande zu stärken.
Wir sollten stolz sein, daß Amerika die Bestrebungen
zur Rettung unseres Nachbarn Mexiko aus der
Wirtschaftskrise des Landes angeführt hat. Und wir
sollten alle stolz sein, daß Mexiko im vergangenen
Monat - drei Jahre vor Ablauf der Frist - den Vereinigten Staaten seine Schulden mit einem Gewinn
von einer halben Milliarde Dollar für uns zurückgezahlt
hat.
Amerika muß weiterhin die unerschütterliche Kraft für
Frieden sein - vom Nahen Osten bis nach Haiti, von
Nordirland bis nach Afrika. Weil wir vernünftige
Risiken für Frieden auf uns nehmen, werden wir später
nicht in sehr viel kostspieligere Konflikte hineingezogen. Dank der amerikanischen Führungsrolle wurde
das Töten in Bosnien beendet. Jetzt müssen die
Gewohnheiten des Friedens Fuß fassen. Die neue
NATO-Streitmacht wird den Wiederaufbau und die
Aussöhnung beschleunigen. Heute Abend bitte ich
den Kongreß um die weitere starke Unterstützung
unserer Truppen. Sie leisten dort beachtliche Arbeit
für Amerika, und Amerika muß ihnen fest zur Seite
stehen.
Fünftens müssen wir vehement gegen neue Bedrohungen unserer Sicherheit vorgehen. In den
vergangenen vier Jahren haben wir die Führungsrolle
bei einem weltweiten Abkommen über das Verbot von
Atomtests übernommen. Rußland und Amerika haben
ihre Nukleararsenale drastisch reduziert, und wir
haben aufgehört, unsere Waffen auf die Bürger des
jeweils anderen Landes zu richten. Wir unternehmen
Schritte, damit Nuklearmaterial nicht in die falschen
Hände gelangt und die Welt von Landminen befreit
wird. Wir arbeiten mit neuer Intensität mit anderen
Nationen zusammen, um die Drogenhändler zu
bekämpfen, Anschläge von Terroristen zu vereiteln
und sie zur Rechenschaft zu ziehen, wenn sie einen
Anschlag verüben.
Jetzt müssen wir uns einer neuen Probe unserer
Führungsrolle stellen: Der Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention. Ich möchte eindeutig klarstellen:
Sie wird unsere Truppen sicherer vor einem Angriff mit
Chemiewaffen machen, und sie wird uns bei der
Bekämpfung des Terrorismus helfen. Wir haben keine
wichtigere Pflicht - insbesondere nach dem, was wir
jetzt über den Golfkrieg wissen. Dieser Vertrag war
von Anfang an überparteilich, wurde von republikanischen und demokratischen Administrationen sowie
republikanischen und demokratischen Kongreßabgeordneten unterstützt und bereits von 68 Nationen
verabschiedet.
Aber wenn wir nicht bis zum 29. April handeln - dem
Tag, an dem diese Konvention mit oder ohne uns in
Kraft tritt - werden wir die Chance verpassen, daß

AMERIKA DIENST 03

�Amerikaner eine Führungsrolle dabei übernehmen und
diese Bestrebungen umsetzen. Gemeinsam müssen
wir der Chemiewaffenkonvention Gesetzeskraft verleihen, damit wir endlich damit beginnen können,
Giftgas von der Erde zu verbannen.
Schließlich müssen wir die Instrumente zur Bewältigung all dieser Herausforderungen haben. Wir
müssen ein starkes und einsatzbereites Militär beibehalten. Wir müssen die Finanzierung für die Modernisierung der Waffen bis zum Jahr 2000 aufstocken und
uns gut um unsere Männer und Frauen in Uniform
kümmern. Sie sind die Besten der Welt.
Wir müssen auch unsere Verpflichtung zur Diplomatie
der Vereinigten Staaten erneuern und unsere Schulden und Beiträge zu internationalen Finanzinstitutionen
wie der Weltbank und den sich reformierenden
Vereinten Nationen bezahlen. Jeder Dollar, den wir für
die Verhinderung von Konflikten, Förderung der
Demokratie und zur Bekämpfung von Krankheiten und
Hunger aufwenden, bringt eine sichere Dividende an
Sicherheit und Einsparungen. Dennoch machen die
Ausgaben für internationale Angelegenheiten heute
nur ein Prozent des Bundeshaushalts aus - einen
Bruchteil dessen, was Amerika in die Diplomatie
investiert hat, um sich zu Beginn des Kalten Krieges
für die Führungsrolle statt Eskapismus zu entscheiden.
Wenn Amerika weiterhin die Welt anführen soll,
müssen wir hier, die Amerika anführen, einfach den
Weg finden, die Kosten dafür aufzubringen.
Ein weitblickendes Amerika hat die Welt in diesen
vergangenen 50 Jahren zu einem besseren Ort
gemacht. Und so kann es für weiter 50 Jahre sein.
Aber ein kurzsichtiges Amerika wird schnell feststellen,
daß es überall auf der Welt auf taube Ohren stößt.
Vor fast genau 50 Jahren, im ersten Winter des Kalten
Krieges, stand Präsident Truman vor einem republikanischen Kongreß und forderte unser Land auf, seiner
Verantwortung zu einer Führungsrolle gerecht zu
werden. Seine Warnung lautete: "Wenn wir scheitern,
könnten wir den Weltfrieden gefährden, und wir
werden zweifelsohne den Wohlstand dieser Nation
gefährden." Dieser von Republikanern wie Senator
Arthur Vandenberg angeführte Kongreß antwortete
Präsident Trumans Appell. Gemeinsam gingen sie
Verpflichtungen ein, die unser Land seit 50 Jahren
stärken.
Lassen Sie uns jetzt das Gleiche tun. Lassen Sie uns
das Erforderliche tun, damit wir eine unerläßliche
Nation bleiben - damit Amerika für weitere 50 Jahre
stark, sicher und wohlhabend bleibt.
Schließlich erwächst unsere weltweite Führungsrolle
vor allem aus der Macht unseres Beispiels hier im
Inland und aus unserer Fähigkeit, als ein Amerika
stark zu bleiben.

AMERIKA DIENST 03

Auf der ganzen Welt werden die Menschen durch
rassische, ethnische und religiöse Konflikte auseinandergerissen, die Fanatismus und Terror schüren.
Wir sind die vielfältigste Demokratie der Welt, und die
Welt blickt auf uns für den Beweis, daß es möglich ist,
über diese Differenzen hinweg gemeinsam zu leben
und voranzukommen.
Die Vereinigten Staaten waren immer eine Nation von
Einwanderern. Von Anfang an hat ein stetiger Strom
von Menschen auf der Suche nach Freiheit und
Chancen sein Land verlassen, um dieses Land zu
seiner Heimat zu machen. Wir begannen als ein von
den Europäern inspiriertes Experiment in Demokratie.
Wir sind zu einem durch Offenheit und Versprechen
inspirierten Experiment in demokratischer Vielfalt
geworden.
Meine amerikanischen Mitbürger, wir dürfen niemals
glauben, daß unsere Vielfalt eine Schwäche ist - sie ist
unsere größte Stärke. Die Amerikaner sprechen jede
Sprache, kennen jedes Land. Menschen auf jedem
Kontinent können auf uns blicken und die Widerspiegelung ihres eigenen großen Potentials sehen und sie werden es immer tun, solange wir danach
streben, allen unseren Bürgern, unabhängig von ihrem
Hintergrund, eine Chance zu geben, ihre eigene Größe
zu erlangen.
Wir sind noch nicht da. Wir sehen immer noch
Beispiele von Bigotterie und Intoleranz, in häßlichen
Worten und schrecklicher Gewalt, in niedergebrannten
Kirchen und zerbombten Gebäuden. Wir müssen in
unserem Land und in unseren Herzen dagegen
ankämpfen.
Nur wenige Tage vor meiner zweiten Amtseinführung
schlug einer der bekanntesten Pastoren des Landes,
Reverend Robert Schuller, vor, ich solle Jesaja 58:12
lesen. Der Vers lautet folgendermaßen: "Du wirst die
Fundamente fortdauernder Generationen aufrichten.
Und du wirst tatsächlich der Ausbesserer der Bresche,
der Wiederhersteller von Wegen, an denen man
wohnt, genannt werden." Ich legte meine Hand auf
diesen Vers, als ich im Namen aller Amerikaner den
Amtseid ablegte. Denn unabhängig von unseren
Unterschieden - in unserem Glauben, unserem
Hintergrund, unserer Politik - müssen wir alle Ausbesserer der Bresche sein.
Ich möchte etwas über zwei andere Amerikaner sagen,
die uns zeigen, wie es geht. Der Kongreßabgeordnete
Frank Tejeda wurde gestern beerdigt, ein stolzer
Amerikaner, dessen Familie aus Mexiko kam. Er war
erst 51 Jahre alt. Er wurde mit dem Silver Star, dem
Bronze Star und dem Purple Heart ausgezeichnet, weil
er in Vietnam für sein Land kämpfte. Und er hat weiter
für Texas und Amerika gekämpft - für die Zukunft
dieser Kammer. Wir sind dankbar für seine Dienste
und fühlen uns geehrt, daß seine Mutter, Lillie Tejada,

Seite 9

�und seine Schwester, Mary Alice, von Texas hierhergekommen sind, um heute Abend bei uns zu sein.
Herzlich willkommen!
Gary Locke, der neugewählte Gouverneur des Bundesstaates Washington, ist der erste amerikanische
Gouverneur chinesischer Abstammung in der Geschichte unseres Landes. Er ist der stolze Sohn von
zwei der Millionen Einwanderer asiatischer Herkunft,
die Amerika mit ihrer harten Arbeit, ihren Familienwerten und als gute Staatsbürger gestärkt haben.
Vielen Dank, Herr Gouverneur, daß Sie heute Abend
hier sind.
Reverend Schuller, der Kongreßabgeordnete Tejada
und Gouverneur Locke sind ebenso wie Kristin Tanner
und Chris Getsla, Sue Winski und Dr. Kristen Zarfos
Amerikaner mit unterschiedlichen Wurzeln, deren
Leben das Beste widerspiegelt, was wir werden
können, wenn wir ein Amerika sind. Wir haben
vielleicht keine gemeinsame Vergangenheit, aber wir
haben zweifelsohne eine gemeinsame Zukunft.
Der Aufbau eines Amerika ist unsere wichtigste
Mission - "die Fundamente fortdauernder Generationen" legen, der Stärke, die wir für dieses neue Jahr-

*

Seite 10

hundert benötigen. Mit Geld kann man sie nicht
kaufen. Mit Macht kann man sie nicht erzwingen. Mit
Technologie kann man sie nicht schaffen. Sie kann
nur aus dem menschlichen Geist erwachsen.
Amerika ist sehr viel mehr als ein Ort. Es ist eine Idee,
die mächtigste Idee in der Geschichte der Nationen.
Und wir alle in dieser Kammer sind jetzt die Träger
dieser Idee, die ein großartiges Volk in eine neue Welt
geleitet. Ein heute Nacht geborenes Kind wird praktisch keine Erinnerung an das 20. Jahrhundert haben.
Alles, was dieses Kind über Amerika weiß, wird es
aufgrund dessen wissen, was wir jetzt für ein neues
Jahrhundert tun.
Wir dürfen keine Minute verschwenden. Morgen sind
es nur noch etwas mehr als 1.000 Tage bis zum Jahr
2000. Tausend Tage, um unser Volk vorzubereiten.
Eintausend Tage, um zusammenzuarbeiten. Eintausend Tage, um eine Brücke zu einem Land neuer
Versprechen zu bauen. Liebe Mitbürger, vor uns liegt
Arbeit. Lassen Sie uns diese Tage und das Jahrhundert nutzen.
Ich danke Ihnen.
Amerika.

* * *

Gott segne Sie, und Gott segne

*

AMERIKA DIENST 03

�WIRTSCHAFT
12. Februar 1997

Vier Jahre Wirtschaftswachstum machen
den Amerikanischen Traum zur Realität
Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den am 10. Februar 1997 herausgegebenen Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten für den Kongreß.

Vor vier Jahren traten wir an, den Kurs der amerikanischen Wirtschaft zu ändern. Wir wollten, daß dieses
Land als Nation ins 21. Jahrhundert geht, in der jeder
arbeitswillige Amerikaner eine Chance hat - keine
Garantie, aber eine echte Chance - zur Verwirklichung
des Amerikanischen Traums. Wir haben hart gearbeitet, um dieses Ziel zu erreichen, und heute ist
unsere Wirtschaft stärker als sie es seit Jahrzehnten
war.

größte Senkung innerhalb von zwei Jahren in über 20
Jahren. Die Armutsgrenze unter den Älteren und den
Afroamerikanern ist auf dem niedrigsten Niveau seit
den ersten statistischen Erhebungen im Jahr 1959.
Ein reales mittleres Familieneinkommen ist um 1.600
Dollar gestiegen - das ist die größte Zuwachsrate seit
der Administration von Präsident Johnson.

Die Wirtschaftsbilanz

Unsere umfassende wirtschaftliche Tagesordnung hat
dazu beigetragen, die Wirtschaft der Vereinigten
Staaten wieder auf den richtigen Kurs zu bringen.
Diese Tagesordnung enthält folgende Punkte:

Die Herausforderung des Jahres 1993 bestand darin,
die Wirtschaft auf einen neuen Kurs haushaltspolitischer Verantwortung bei weiteren Investitionen in
unsere Zukunft zu bringen. In den vergangenen vier
Jahren ist die Arbeitslosenquote um nahezu ein Drittel
gesunken: von 7,5 Prozent auf 5,4 Prozent. Die
Volkswirtschaft hat 11,2 Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen, und über zwei Drittel des jüngsten Beschäftigungszuwachses entfallen auf die Berufsgruppen in der Industrie mit überdurchschnittlichen
Löhnen und Gehältern. In den letzten vier Jahren
betrug die Inflationsrate im Durchschnitt 2,8 Prozent
und war damit die niedrigste seit der Amtszeit von
Präsident John F. Kennedy. Die Arbeitslosen- und
Inflationsrate zusammengenommen ist die niedrigste
seit drei Jahrzehnten. Und die Unternehmensinvestitionen haben um über 11 Prozent pro Jahr zugenommen - mit dem schnellsten Tempo seit Anfang der
sechziger Jahre.
Mit dem Wirtschaftswachstum werden die Früchte
dieses Wachstums gerechter unter allen Amerikanern
aufgeteilt. Zwischen 1993 und 1995 sank die Armutsgrenze von 15,1 Prozent auf 13,8 Prozent - das ist die

AMERIKA DIENST 03

Die wirtschaftliche Tagesordnung

Historischer Defizitabbau. Seit dem Haushaltsjahr 1992 wurde das Defizit des Bundeshaushalts um 63 Prozent verringert - von
290 Milliarden Dollar auf 107 Milliarden Dollar
im Haushaltsjahr 1996. Als Prozentsatz des
Bruttoinlandsprodukts der Nation ist das
Defizit in demselben Zeitraum von 4,7 Prozent
auf 1,4 Prozent gefallen und jetzt das niedrigste seit über 20 Jahren. 1992 war das Haushaltsdefizit auf allen Ebenen der Regierung
höher im Verhältnis zu unserer Wirtschaft als
das von Japan und Deutschland zu deren
Wirtschaft. Gemessen daran ist dieses Defizit
jetzt geringer als das aller führenden Industrienationen. Und diese Administration hat einen
Plan vorgelegt, der den Haushalt bis zum Jahr
2002 ausgleicht und gleichzeitig entscheidende Investitionen in die Zukunft Amerikas
sichert.

Seite 1

�Investitionen in Bildung und Technologie.
Der Defizitabbau ist weiterhin eine Priorität,
aber kein Selbstzweck. Der Ausgleich des
Haushalts durch die Kürzung von Investitionen
in die Bildung oder mangelnde Unterstützung
für Wissenschaft und Technologie könnten
das Wirtschaftswachstum in der Tat verlangsamen. Um in der neuen Weltwirtschaft Erfolg
zu haben, müssen unsere Kinder eine Bildung
von Weltklasse erhalten. Jedes Kind in
Amerika sollte bis zum Alter von 8 Jahren
lesen, sich bis zum Alter von 12 Jahren ins
Internet einloggen können und mindestens 14
Jahre lang eine qualitativ hochwertige Ausbildung erhalten: 2 Jahre College sollten so
universell werden wie es die High School
heute ist. Und wir müssen sicherstellen, daß
jedes Kind, das ein College besuchen möchte,
die erforderlichen Ressourcen dafür hat.
Erweiterung der Märkte. Wir streben aggressiv die Expansion von Exporten und die
Öffnung von Märkten im Ausland an. In den
vergangenen vier Jahren haben wir zwei
wichtige Handelsabkommen abgeschlossen:
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen der Uruguay-Runde, mit dem die
Welthandelsorganisation gegründet wurde.
Die Mitglieder des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit und die
vorgesehene gesamtamerikanische Freihandelszone haben sich zur Gründung einer
Freihandelszone zwischen ihren Ländern bis
zum Jahr 2020 beziehungsweise 2005 verpflichtet. Und wir haben mit der Unterzeichnung von über 200 weiteren wichtigen Handelsabkommen neue Märkte im Ausland
eröffnet. Infolgedessen konnten die amerikanischen Exporte einen Boom verzeichnen, der
höhere Löhne und Gehälter für amerikanische
Arbeitnehmer in der Exportindustrie bedeutet die häufig 13 bis 16 Prozent höher sind als die
der übrigen Erwerbsbevölkerung.

Umstrukturierung der Regierung.
Die
Stärke der amerikanischen Wirtschaft liegt in
der Energie, Kreativität und Entschlossenheit
unserer Bürger. In den vergangenen vier
Jahren haben wir hart an der Schaffung eines
Umfelds gearbeitet, in dem Unternehmen
prosperieren können. Und während der
Privatsektor expandierte, hat die Bundesregierung ihre Effizienz und Wirtschaftlichkeit
verbessert. Wir haben energisch Bestimmungen in Schlüsselsektoren der Wirtschaft
reformiert, darunter im Telekommunikationsund Elektrizitätssektor, Bankwesen und der
Umwelt. Und wir haben den Umfang der
Bundesregierung als Prozentsatz der Erwerbsbevölkerung reduziert und sie zur
kleinsten seit den dreißiger Jahren gemacht.
Eine Wirtschaft für das 21. Jahrhundert
Die amerikanischen Arbeitnehmer arbeiten wieder und
unsere Fabriken sind in höchstem Maße aktiv. Wieder
einmal führt Amerika die Welt in der Automobilherstellung an. Unsere Hightechindustrien sind die
konkurrenzfähigsten der Welt. Die Armut hat sich
verringert und die Reallöhne beginnen endlich zu
steigen. Und wir haben die Grundlage für künftiges
langfristiges Wirtschaftswachstum durch den Abbau
des Defizits und Investitionen in die Bildung geschaffen.
Während der letzten vier Jahre haben wir darauf
hingearbeitet, alle Amerikaner auf die Herausforderungen und Chancen der neuen Weltwirtschaft des 21.
Jahrhunderts vorzubereiten. Wir streben die Wiederherstellung der haushaltspolitischen Disziplin in
unserer Regierung an, um die Chancen für Bildung
und Ausbildung für unsere Kinder und Arbeitnehmer zu
verbessern, die Sozialhilfe zu reformieren, Arbeit zu
ermutigen und die Grenzen des freien Handels zu
erweitern. Es muß jedoch noch mehr getan werden.
Wir müssen unseren Bürgern weiterhin die Instrumente an die Hand geben, damit sie das Beste aus ihrem
Leben machen können und der Amerikanische Traum
für jeden Amerikaner in greifbare Nähe rückt.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 03

�USA-DEUTSCHLAND
12. Februar 1997

Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen
Rede von Abteilungleiter John Kornblum

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von John Kornblum, dem Abteilungsleiter für europäische
und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium, zum 10. Jahrestag der "Initiative Berlin-USA" am 12.
Dezember 1996 im Amerika Haus Berlin gehaltene Rede.

Ich möchte heute Abend über die Zukunft der deutschamerikanischen Beziehungen sprechen.
Unsere
Diskussion sollte mit der Gründung dieser Initiative vor
zehn Jahren beginnen, weil sie uns den Geist vermittelt, der unsere Beziehungen meines Erachtens in
Zukunft leiten sollte. Wir sollten uns jedoch genau an
die Situation erinnern, in der wir zusammenkamen, um
über diese Initiative zu sprechen. Erstens gab es
natürlich eine geteilte Stadt, und es gab die Mauer. Es
waren ungefähr 10.000 britische, französische und
amerikanische alliierte Soldaten in der Stadt - häufig
ziemlich sichtbar. Weniger sichtbar waren die 400.000
sowjetischen Soldaten, die im Umkreis von 100
Kilometern von Berlin stationiert waren.
1986 bestand die Berliner Mauer 25 Jahre, und einige
von Ihnen werden sich daran erinnern, daß es viele
Diskussionsrunden und Fernsehprogramme gab, an
denen ich häufig beteiligt war. Kurze Zeit später
erklärte Erich Honecker, die Mauer würde weitere 100
Jahre oder länger stehen. Wie wir alle wissen, war sie
etwas mehr als drei Jahre später verschwunden. Aber
selbst dann hatten wir hier ein Gefühl der Bedrohung.
In Europa waren massive Armeen stationiert, darunter
200.000 amerikanische Soldaten in Deutschland.
Ich komme gerade aus Brüssel, wo die Außenminister
der NATO mit ihrem russischen Amtskollegen Primakow zusammengekommen sind und die Aufnahme von
Verhandlungen über die besonderen Beziehungen
zwischen Rußland und der NATO vereinbart haben.
Wir einigten uns ferner auf ein NATO-Gipfeltreffen vom
8. bis 9. Juli in Madrid. Zu diesem Zeitpunkt werden
einige ehemalige Mitglieder des Warschauer Pakts
wahrscheinlich zum NATO-Beitritt eingeladen. Und
natürlich wissen wir alle, daß ganz Deutschland und

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Berlin wiedervereinigt sind. Wir stehen jetzt am Beginn
einer Phase, in der wir hoffentlich zum ersten Mal in
der Geschichte eine wirklich demokratische Friedensstruktur in Europa aufbauen können.
Die "Initiative Berlin-USA" wurde von einer Gruppe
weitblickender Menschen ins Leben gerufen. Bedauerlicherweise weilen einige von ihnen nicht mehr unter
uns. Ich kann mich sehr gut an die ersten von uns
geführte Gespräche erinnern und daß jeder glaubte,
die Dinge würden sich in Berlin sehr schnell ändern.
Daß die wirklich besonderen Bande, die zwischen
Amerikanern und Berlinern gewachsen waren, sicherlich fortbestehen würden - was sie taten - jedoch neue
Bestrebungen erforderlich wären um sicherzustellen,
daß diese Beziehungen nicht verschleißen oder
stagnieren.
In jenen Tagen fürchteten wir eine Stagnation der
Beziehungen eben weil sie so sehr auf die militärische
Präsenz der Alliierten konzentriert waren und nicht all
die neuen Ereignisse berücksichtigen würden, die in
der Welt stattfanden. Wir konnten uns nicht vorstellen,
daß die alliierten Streitkräfte 10 Jahre später verschwunden sein und die von uns allen erwarteten
neuen Entwicklungen sich in einem völlig anderen
Berlin vollziehen würden - aber all das geschah.
Es erübrigt sich zu sagen, daß die von der "Initiative
Berlin-USA" geleistete Arbeit heute noch sehr viel
wichtiger ist als damals. Es ist jetzt eine Gruppe wie
diese, die diese umfassenden Kontakte unterhält, wie
ich Ihnen in meinen Ausführungen darlegen möchte.
Sie spiegeln auch das wider, was die deutsch-amerikanischen Beziehungen in Zukunft sein werden.

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�Wie wird die Zukunft aussehen? Genau das fragen wir
uns in diesen Tagen und können offensichtlich nicht
klarsehen. Ich möchte Ihnen jedoch meine Eindrücke
von den Dingen wiedergeben, die von Bedeutung sein
werden, ein bißchen darüber reden, was die Vereinigten Staaten in diesem Zusammenhang unternehmen werden, aber Ihnen auch einige Gedanken
darüber vermitteln, was wir alle tun können und wie
sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen entwickeln werden.
Erstens ein vielleicht offensichtlicher Punkt, der jedoch
nützlich ist: Definitionen und Lösungen der Vergangenheit werden in Zukunft nicht sehr viel Gültigkeit besitzen. Selbst Begriffe und Konzepte wie "Westeuropa"
oder "Osteuropa" oder die atlantische Gemeinschaft
an sich beschreiben die Beziehungen nicht mehr
genau genug, die sich über den Atlantik hinweg und in
Europa entwickeln werden. Das Westeuropa der
Nachkriegszeit, das wir alle so gut kannten und zu
dem natürlich Berlin gehörte, existiert beispielsweise
nicht mehr. Die gut definierte Insel demokratischen
Wohlstands wurde durch ein Mosaik von Ländern
ersetzt, die auf verschiedene Weise mit einer unterschiedlichen Geschichte und in verschiedenen
Entwicklungsstadien handeln.
Sie wurde durch
Regionen ersetzt. Manchmal überqueren wir nationale
Grenzen - selbst Grenzen zwischen dem ehemaligen
Osten und Westen - die durch ein weltweites Netz von
Verbindungen ersetzt wurden, die manchmal Tausende von Meilen entfernte Verbindungen, Interessen und
Bande wichtiger machen als die in unmittelbarer Nachbarschaft.
Als die baltischen Staaten und die Ukraine unabhängig
wurden, waren es beispielsweise die "Europäer" in
Nordamerika, auf die sie wegen der ersten Unterstützung blickten. Und es waren diese Europäer, von
denen offensichtlich viele ihren Ursprung in diesen
Ländern haben, die dorthin zogen, die Arbeit aufnahmen und beim Aufbau dieser Gesellschaften
behilflich waren. Es gab übrigens viele Deutsche, die
das gleiche taten. Deutschland hat einen ausgeprägten Sinn für die Unterstützung dieses Teils der Welt.
Aber ohne Namen zu nennen, ist es meiner Ansicht
nach offensichtlich, daß es in Teilen Europas eine
Reihe von Menschen gab, die nicht an dem Geschehen interessiert war.
Und so ist das Europa der Ukraine, Litauens oder
Estlands ein Konglomerat seiner Nachbarn - zweifelsohne Deutschland, aber auch Chicago, Detroit und
Nebraska. Das ist auch für diese Länder Europa. Dort
erhalten sie ihre Unterstützung. Und das gilt übrigens
auch für die baltischen Staaten, deren Kultur während
der über 50-jährigen Besetzung bewahrt wurde.
Die Dinge verändern sich so sehr, daß wir darüber
nachdenken müssen, was wir eigentlich meinen, wenn
wir von Beziehungen über den Atlantik hinweg spre-

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chen. Sie sind völlig anders als noch vor 10 Jahren.
Es ist nicht mehr ein starkes Amerika, das Europa
irgendwie vor den letzten Wellen des Zweiten Weltkriegs schützt. Jetzt ist es eine Reihe integrierter
Gesellschaften, von denen einige mehr integriert sind
als andere, eine Reihe kultureller und psychologischer
Verbindungen, die im Kopf der Menschen ein Bild
dessen formen, wer sie sind und wo sie sind. Dieses
Bild steht jedoch immer weniger in Kontext von
Territorium oder Geographie. Es steht vielmehr im
Kontext einer Reihe von Perzeptionen und Interessen.
Deutschland und die Vereinigten Staaten sind zwei der
fortschrittlichsten Länder im Hinblick auf die Definition
und Handhabung dieser Perzeptionen und Interessen.
Im Flugzeug habe ich heute gelesen, daß man jetzt
sogar die "Tagesschau" auf dem Internet in den
Vereinigten Staaten abrufen kann. Ob die Vereinigten
Staaten allerdings schon bereit für die "Tagesschau"
sind, ist eine andere Frage. Ich habe Jahre gebraucht,
um die Wetterkarte zu verstehen, ganz zu schweigen
von den Nachrichten! Aber ich bin sicher, daß das ein
Schritt nach vorne ist. Ich habe keinen Zweifel. Wenn
also all diese Schranken fallen und all diese Definitionen sich ändern, dann werden neue Gemeinden
und Interessengruppen entstehen mit neuen Verbindungen und neuen Definitionen ihrer selbst.
Wenn wir über die atlantischen Beziehungen sprechen, sind wir in der Vergangenheit häufig von der
Perspektive ausgegangen, "hier ist Nordamerika, hier
ist Europa und hier ist der Atlantik", und wir sollten
Brücken über das bauen, was häufig als Trennlinie
angesehen wurde. Dieses Konzept war meines
Erachtens von Anfang an falsch. Zumindest in der
Geschichte meines Landes war der Atlantik im 18. Und
19. Jahrhundert keine Trennlinie. Wir schöpften
unsere Stärke und unsere intellektuelle Unterstützung,
und in vielen Fällen unsere Universitätsausbildung,
aus Europa. Und es gab kein Gefühl, kulturell irgendwie von Europa getrennt zu sein. Das änderte sich im
20. Jahrhundert vor allem aufgrund von Kriegen, und
wir hatten in der Tat nach dem zweiten Weltkrieg viel
zu tun, Brücken über den Atlantik zu bauen. Und
meiner Ansicht nach hatten wir Erfolg, wie die Geschichte gezeigt hat.
Wenn wir jedoch jetzt über Trennlinien zwischen
Völkern und Gesellschaften sprechen (und sie existieren, wie wir wissen), dann sind diese Trennlinien sehr
viel komplizierter geworden. Und der Atlantik ist nicht
ihre Definition. Manchmal sind diese Trennlinien der
Norden und Süden in Europa, manchmal liegen sie in
den Vereinigten Staaten, wo manche nach Süden
blicken und andere über den Pazifik hinweg. In
Europa selbst gibt es Regionen. Es gibt Wirtschaftsgemeinschaften. Eines der wichtigsten in Europa
erörterten Themen ist, daß es bereits eine um die
Deutsche Mark herum gebildete Gemeinschaft gibt, die
zunehmend in eine subregionale Gemeinschaft inte-

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�griert wird. Eines der Ziele ist natürlich, die subregionale Gemeinschaft zu einer umfassenderen Gemeinschaft zu machen. Aber wenn wir beginnen zu
definieren, wer wir sind und was wir sind, müssen wir
berücksichtigen, daß diese Trennlinien wirklich ganz
andere sind: Die schlichte Trennlinie des Atlantiks hier ist Amerika, hier ist Europa - funktioniert einfach
nicht mehr. In vielen Fällen kann man Asien dieser
Gleichung hinzufügen.
Das führt mich zu meiner nächsten Schlußfolgerung,
die lautet, wenn das alles so ist, dann hat sich die
Rolle der Vereinigten Staaten in dieser neuen atlantischen Gemeinschaft natürlich beträchtlich verändert.
Unsere militärische Stärke ist immer noch wichtig, wie
sich im Falle Bosniens gezeigt hat. Gleichzeitig
müssen wir Europa nicht mehr vor irgendetwas
schützen, und wir sind nicht mehr in irgendeiner Weise
dort, um einer wackeligen Nachkriegsordnung Glaubwürdigkeit zu verleihen. Wir fügen dem Geschehen
Geschicklichkeit und Talent hinzu. Das ist meines
Erachtens eines der faszinierendsten Themen dieses
Zeitalters - wie sich die Rolle der Vereinigten Staaten
langsam (oder vielleicht schnell) von der einer großen,
starken Macht - die wir einige Zeit gewesen sind - zu
einem Land gewandelt hat, das fast der Werkzeugkasten für die übrige Welt ist: Eine Gesellschaft, die
Menschen aufnimmt, ihre Talente nutzt, Lösungen
erarbeitet und die Menschen wieder hinaus in die Welt
schickt. Es ist faszinierend.
Diese Rolle wird nicht von allen positiv gesehen.
Denken Sie beispielsweise an die Klagen, es würde
zuviel amerikanische Popmusik im Radio gesendet
oder die Bestrebungen, den europäischen Anteil am
europäischen Fernsehen zu erhöhen.
Aber zu
anderen Zeiten bieten die Vereinigten Staaten Impulse
und Lösungen, die in der Tat von vielen Menschen als
ihre eigenen adoptiert werden, häufig ohne zu wissen,
daß sie aus den Vereinigten Staaten kamen.
Ich möchte Ihnen ein Beispiel nennen. Als ich vor 10
Jahren in Berlin lebte, war der amerikanische Kapitalismus für eine bestimmte Bevölkerungsschicht einschließlich der Presse wahrscheinlich der größte
Feind, den es gab. Auch sehr viele populäre Publikationen befaßten sich damit. Ich muß zugeben, daß es
mich heute mit einer gewissen Befriedigung erfüllt,
diese Publikationen aufzuschlagen und festzustellen,
daß sie nur darüber sprechen, wie wichtig amerikanische Lösungen sind. Wie machen die Amerikaner
das? Wie schaffen sie Arbeitsplätze? Wie bewahren
sie den technologischen Aufschwung?
Ich versuche nicht, Ihnen zu sagen, die Vereinigten
Staaten hätten alle Antworten parat oder unsere
Antworten seien die besseren. Aber wir sind zu einer
Art Impuls für die Welt geworden. Und dieser Impuls
unterscheidet sich völlig von der Schutzrolle, die wir
vorher gespielt haben. Das heißt, es ist auch sehr

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wichtig, durch Gruppen wie die "Initiative" nicht nur aus
Spaß (was es häufig ist) Kontakte zu kultivieren.
Indem wir die Rolle Deutschlands gegenüber Amerika
- und Amerikas Rolle gegenüber Deutschland definieren, definieren wir auch das neue Zeitalter, in
das wir eintreten.
Dieses neue Zeitalter wird raschen und manchmal
destabilisierenden Wandel mit sich bringen. Dieser
Wandel wird Deutschland ebenso wie alle anderen
betreffen. Es ist auch ein Wandel, der von großem
Vorteil für Deutschland sein wird, und indem wir in
Kontakt bleiben und einen Dialog aufbauen, werden
wir diesen Wandel besser bewältigen können.
Meine letzte These, die viele von Ihnen überraschen
wird, lautet, daß Deutschland von allen wichtigen
Ländern in Europa das Land ist, das am besten für die
Bewältigung dieses Wandels geeignet ist. Das ist zur
Zeit keine populäre Einstellung, vor allem nicht in der
amerikanischen Presse, und ich weiß, auch in der
deutschen Presse nicht. Wenn wir uns den äußerst
langsamen Prozeß leicht verlängerter Ladenöffnungszeiten betrachten - soweit ich weiß, wurde eine
Stunde auf die Gefahr einer nationalen Revolution
hinzugefügt - könnte man sich fragen, ob diese
Aussage auch nur das kleinste bißchen Logik enthält.
Aber ich glaube immer noch, daß es zutrifft und
Deutschland und Amerika in der Tat bestimmt sind, der
Motor des Wandels in dem neuen Europa zu sein.
Amerika in der gerade von mir beschriebenen Rolle;
aber Deutschland als ein Land im Zentrum des
Kontinents, der mit all seiner bekannten Stabilität und
dem Festhalten an einer bestimmten Art und Weise,
Dinge zu tun, auch eine der offensten, produktivsten
und weitblickendsten Gesellschaften in Europa
entwickelt, die sehr viel weniger Traditionen und der
alten Art, Dinge zu tun, verhaftet ist als nahezu jede
andere Gesellschaft.
Ein Teil dessen ist ein tragischer Unfall der Geschichte
- das heißt, hier hat es im 20. Jahrhundert soviel
Aufruhr gegeben, daß viele alten Muster einfach
zerstört und die Menschen umgesiedelt wurden. In
den vielen Jahren, die ich in Deutschland gelebt habe,
fand ich es immer interessant, Menschen von überallher zu treffen, oder Menschen zu treffen, deren Eltern
von überallher kamen. Deutschland ist wirklich wie
kein anderes europäisches Land vermischt worden.
Aber Teil dessen ist auch die Tatsache, daß Deutschland ein Land ist, das noch im Werden begriffen ist.
Das heißt, es findet immer noch heraus, was es ist.
Die Definition Deutschlands war - wie ich den meisten
hier Anwesenden nicht sagen muß - stets eine unsichere. Das hat immer Probleme verursacht. Aber ich
glaube, in dem Europa, das wir jetzt mit den starken
institutionellen Verbindungen, mit sehr starker Demokratie sowie Ihrem starken und offenen Wirtschaftssystem haben, wird diese Suche nach einer Definition

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�und Rolle etwas sein, das Deutschland sehr dynamisch macht und nicht zu einem Land, das gegen
Wandel ist.
Man kann es bereits bei einigen Aspekten sehen, aber
während wir vorankommen, wird diese Fähigkeit und
beinahe schon dieser Elan, sich selbst zu definieren
und die noch ungelösten Probleme insbesondere im
Osten zu bewältigen, Deutschland zum wichtigsten
Partner der Vereinigten Staaten für Wandel in Europa
machen. Wenn dies alles zutrifft - und es erübrigt sich
zu sagen, daß man darüber diskutieren kann - dann
gibt es einiges, das wir uns vor Augen halten müssen,
wenn wir in diese Periode eintreten, und ich werde
auch ein bißchen darüber sprechen, was die Vereinigten Staaten denken und zur Bewältigung der
Probleme beizutragen hoffen.
Das erste Korollar folgt aus dem, was ich gerade über
den Wandel gesagt habe. Es ist die Frage der Stabilität. Es mag sich wiederum wie ein Widerspruch
anhören, daß ich nach all den Lobeshymnen über den
Wandel jetzt über Stabilität spreche. Aber hinter all
den in Europa während der ungefähr 75 Jahre erzielten Fortschritten lauert auch ein Gespenst über dem
Kontinent, und das ist die Angst vor Instabilität. Man
kann meines Erachtens argumentieren, daß es seit
1914 kein Jahr gegeben hat, in dem Europa vollständig im Frieden mit sich war. Das Ende des Kalten
Krieges beendete 50 Jahre völlig inakzeptabler
Stabilität - aber es war Stabilität. Dies hat jetzt zum
ersten Mal in der Geschichte Europas die Chance zu
einem wirklich demokratischen Frieden und Stabilität
eröffnet. Ich glaube nicht, daß es eine Zeit gab, in der
Demokratie in der von uns verstandenen Weise als die
Grundlage der Gesellschaft in ganz Europa akzeptiert
wurde. Das bedeutet natürlich nicht, daß sie in ganz
Europa praktiziert wird, aber sie wurde zweifelsohne
als die Grundlage akzeptiert. Das ist eine Chance, die
ergriffen werden muß. In erster Linie entspricht sie der
Bedeutung des Wortes: Demokratie. Der Aufbau von
Demokratie in den seit kurzem freien Teilen Europas
ist die uns alle heute konfrontierende wichtigste
Aufgabe. Sie ist die Grundlage des Friedens.
Zweitens bedeutet es die Suche nach einer Grundlage
für Stabilität, die einerseits praktisch und funktionsfähig, andererseits dynamisch ist. Präsident Clinton
hat von Anfang seiner Amtszeit an eine Vision dieser
Art verfolgt. Die erste detaillierte Definition dieser
Vision gab er in einer Rede, die er im Januar 1994 in
Brüssel gehalten hat, in der er über die Integration
ganz Europas - aller Demokratien in Europa - in eine
demokratische Gemeinschaft des Friedens sprach.
Seit damals haben wir mit unseren Verbündeten, mit
den Zentraleuropäern und auch mit Rußland, auf eine
Definition funktionsfähiger Strukturen für die Schaffung
dieser Art von demokratischer Integration in Europa
hingearbeitet.

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Für die Vereinigten Staaten und für Europa gleichermaßen ist ein zentraler Aspekt dieser Vision die NATO.
Die NATO ist zuallererst die Grundlage für eine starke
und positive Präsenz der Vereinigten Staaten in
Europa. Sie ist auch die fähigste und erfolgreichste
gemeinsame Militärstruktur, die je existiert hat. Sie hat
sich ferner als eine Organisation bewiesen, die im
Gegensatz zu den Erwartungen vieler seit 1990 eine
dramatische Umstrukturierung vollzog und nicht mehr
ein rein defensives Bündnis mit massiven, im Zentrum
Europas stationierten Armeen ist, die gegen massive
russische Armeen gerichtet waren. Sie ist zu einer
flexiblen Plattform für die Schaffung von Frieden in
ganz Europa geworden. Die NATO wird auch zunehmend der Rahmen für die Schaffung von mehr Verantwortung und Fähigkeiten in Europa, und ich bin
glücklich und stolz, daß die Entscheidung hierzu vor
sechs Monaten beim NATO-Ministertreffen im Juni hier
in Berlin getroffen wurde.
Diesen Entscheidungen wurde in der Presse sehr viel
Aufmerksamkeit gewidmet, und sie werden immer
noch erörtert. Es wird jedoch vielleicht immer noch
nicht richtig verstanden, wie weitreichend sie waren.
Sie strebten eine zweite Phase der Umstrukturierung
der NATO auf der Grundlage einer größeren europäischen Rolle im Bündnis an.
Die in dieser Berlin-Entscheidung definierten drei
Bereiche waren: Erstens die innere Umstrukturierung
des Bündnisses, was die Rückkehr Frankreichs in die
integrierte militärische Struktur einbezieht. Zweitens
die externe Projektion des Bündnisses, was die
Aufnahme neuer Mitglieder und auch eine besondere
Beziehung zu Rußland beinhaltet. Und drittens neue
Rollen und Missionen, von denen die dramatischste
die Mission in Bosnien ist. Jeder dieser Bereiche ist
für den Aufbau dieser Stabilität und Berechenbarkeit,
von der ich spreche, gleich wichtig. Durch die innere
Umstrukturierung wird der NATO zum ersten Mal ein
rein europäisches Element hinzugefügt. Es gestattet
der Allianz die Bereitstellung von Ressourcen, Gerät
und auch Personal für Operationen, die ausschließlich
von Europäern auf einer europäischen Grundlage
organisiert werden. In der Tat haben die Vereinigten
Staaten zugestimmt, daß amerikanische Soldaten an
diesen Operationen unter europäischem Kommando
teilnehmen können, wenn dies entschieden werden
sollte. Die externe Projektion wird häufig nur als die
NATO-Erweiterung angesehen - das heißt, welche
Länder der NATO beitreten werden. Das ist sehr
wichtig. Wie ich bereits erwähnte, wird die NATO in
dieser Woche die Entscheidung treffen, das Gipfeltreffen am 8. und 9. Juli in Madrid abzuhalten, und bei
diesem Gipfel werden die Verhandlungen mit einer
Reihe von Ländern aufgenommen - wir wissen noch
nicht, wie vielen - die zum Beitritt in das Bündnis
eingeladen werden.

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�Man muß sich jedoch vor Augen führen, daß die
Projektion der NATO nach Osten nicht nur in der
Aufnahme neuer Mitglieder besteht. Es gibt auch eine
jetzt zwei Jahre alte äußerst wichtige Initiative, genannt
Partnerschaft für den Frieden (PFF), die 26 Mitglieder
hat, von Schweden und Finnland bis zu Aserbaidschan, Kasachstan und Usbekistan. Es ist eine
unglaubliche Vereinigung. Ich war gestern beim
Treffen der Vertreter dieser Länder in Brüssel anwesend, und wenn man sich die Geschichte der NATO
betrachtet, ist es wirklich erstaunlich, in das NATOHauptquartier in Brüssel zu gehen und neben einer
usbekischen Delegation zu sitzen - was der Fall ist. Sie
wissen: "Usbekistan, Vereinigte Staaten". Es ist auch
erstaunlich, in einer anderen Besprechung neben dem
russischen Außenminister zu sitzen und ihn über das
sprechen zu hören, was er mit der NATO zu tun
beabsichtigt. Die Partnerschaft für den Frieden ist also
ein enormer Erfolg. Wir haben vorgeschlagen - und es
wurde gestern bei der NATO vereinbart - daß dies mit
der Gründung des sogenannten Atlantischen Partnerschaftsrats einen Schritt weitergeführt wird, der der
NATO die Arbeit an gemeinsamen Projekten mit
Partnerländern, politische Konsultationen und zunehmend gemeinsame Entscheidungen gestattet.
Wie ich bereits erwähnte, sind ein weiterer Aspekt die
Beziehungen der NATO zu Rußland. Wir beabsichtigen die Erarbeitung einer gemeinsamen Vision und
gemeinsamer Strukturen für eine friedliche Zusammenarbeit mit Rußland. Wir haben bereits damit
begonnen. Ein Kontingent russischer Soldaten ist an
der IFOR-Operation (Implementation Force) in Bosnien
beteiligt. Wir arbeiten auf gemeinsame Übungen und
gemeinsame Verteidigungsgespräche hin. Und jetzt
erzielen wir Fortschritte bei der Charta mit Rußland,
die Konsultationen und Entscheidungsfindung bei
bestimmten Angelegenheiten enthalten wird. Die
NATO wird mit der Ukraine ein ähnliches, etwas
weniger ehrgeiziges Projekt verfolgen, die wiederum
eines der entscheidenden Länder beim Aufbau von
Zusammenarbeit nach Osten ist.
Morgen wird im Bundestag die Abstimmung über ein
Thema stattfinden, das sich aus dem dritten Aspekt der
Veränderung der NATO ergibt, den sogenannten
Rollen und Missionen. Von einer statischen Verteidigungsstreitmacht hat die NATO sich zu einer aktiven
friedenssichernden und konfliktverhütenden Streitmacht umstrukturiert. Das Engagement der NATO in
Bosnien ist das dramatischste Beispiel dafür und war
der Grund für den Frieden in Bosnien - darüber sollte
kein Zweifel bestehen. Nach einer langen Debatte in
Deutschland wurde die Entscheidung getroffen, sich
an der SFOR (Stabilization Force) zu beteiligen, und
das wird ein historischer Schritt - das muß ich niemandem in diesem Raum erzählen. Dies wird meines
Erachtens auch symbolisch für die veränderte Rolle
der Streitkräfte in Europa sein.

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Der Aufbau von Stabilität durch politische Kooperation
und die militärische Vorgehensweise der NATO ist
entscheidend, weil sie Regierungen und Bürgern den
Mut zu Veränderungen gibt. Mehr als andernorts auf
der Welt könnte in Europa die Zukunft ohne diesen Mut
zu Veränderungen in der Tat durch die Furcht vor
Instabilität vereitelt werden. Es gibt jedoch noch einen
anderen wichtigen Aspekt während wir jetzt diese
Veränderungen durchlaufen, und das ist Flexibilität.
Ich habe bereits über einige der seit langem vertretenen Einstellungen gesprochen, die wir meiner
Ansicht nach aufgeben müssen. Wir müssen auch die
Einstellungen zum Leben und den bedeutenden
politischen Ziele aufgeben, die von unseren Gesellschaften vorgegeben werden. Häufig tendiert die
Politik dazu, in vielen Bereichen sozialen Wandel mit
sich zu bringen.
Sowohl in unseren Gesellschaften als auch zwischen
den Ländern basieren unsere Beziehungen jetzt
wieder sehr viel mehr auf dem, was Unternehmen,
Einzelpersonen, Gemeinden, Gruppen wie die "Initiative Berlin-USA" und zwangsläufig Menschen wie ich
tun. Wir haben noch eine gewisse Funktion und
werden vermutlich noch eine Weile da sein. Aber was
die Menschen in einem Zeitalter miteinander machen,
in dem die "Tagesschau" auf dem Internet in Kansas
City empfangen werden kann, wird sehr viel bedeutender und sehr viel weniger kontrollierbar sein als das,
was jede einzelne Regierung tun kann. Das heißt, wir
müssen uns vor Augen führen, daß Stabilität nur eine
Grundlage für Veränderung und nicht die Ausrede
dafür sein kann, neue Herausforderungen zu umgehen.
Wir sind der Garant für Stabilität in Europa, das steht
außer Frage. Unsere Präsenz bietet Deutschland
auch eine glaubwürdige Grundlage für eine stärkere
Rolle in Europa. Wir sind jedoch ebenfalls der wichtige
Motor für Wandel und eine der wichtigsten Rollen
Deutschlands wird - wie ich bereits ausführte - in der
Zusammenarbeit beim Verständnis dessen, was
Wandel ist, beim Verdauen dieser Veränderungen und
ihrer Umsetzung in praktische Lösungen für Europa
bestehen. Offensichtlich bedeutet es nicht, daß alles
in unseren Gesellschaften identisch sein wird. Unsere
Geschäfte werden 24 Stunden lang geöffnet sein,
unabhängig davon, was der Bundestag entscheidet.
Aber die amerikanische Definition des Wandels wird
eine europäische Interpretation benötigen sowie die
Fähigkeit und Stärke zu ihrer Durchführung.
Und hier in Deutschland, einem Land mit einer Tradition des Wandels im 20. Jahrhundert, mit einer starken
bildungs- und industriellen Basis, mit einer nur 80
Kilometer von hier entfernten Grenze nach Polen, mit
einem starken Impuls zu Veränderungen, weil es
Länder an seinen Grenzen hat, die mit dem Status quo
nicht einverstanden sind, die sich rasch entwickeln und
auf Deutschland als Partner bei diesem Wandel

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�blicken, wird die Fähigkeit zur Bewältigung dieses
Wandels der Schlüssel sein. Auch bei Ihnen ist
natürlich ein Drittel Ihres Landes, das aus derselben
Geschichte entstanden ist wie diese Länder, nicht
zufrieden mit dem Status quo, und daher wird das
Drängen nach neuen Lösungen in Deutschland größer
sein als andernorts in Europa. Und fügen Sie diesen
starken Banden, die wir bereits haben, sowie unseren
starken kulturellen und familiären Wurzeln die große
Zahl von Menschen in den Vereinigten Staaten hinzu,
die auf eine deutsche Abstammung zurückblicken,
sowie eine große Zahl amerikanischer Soldaten, die
hier gedient haben.
Sie sehen, daß die neue Partnerschaft, die wir haben,
in einer Weise gleichberechtigt ist, die wir noch vor
zehn Jahren nicht vorhersahen, als diese Organisation
gegründet wurde. Sie wird und sollte weder bei
militärischer Stärke gleichberechtigt sein, noch bei
Bevölkerungsdichte oder Gebieten. Sie wird jedoch
gleichberechtigt sein im Hinblick auf den Beitrag, den
jeder von uns zur Definition einer neuen Synthese in
Europa leisten kann, zur Definition, wie Europa und
Nordamerika die uns konfrontierenden dramatischen
Veränderungen bewältigen werden, und letztlich zur
Definition, wie unsere Völker erfolgreich in der neuen
Welt zusammenleben können, an deren Schwelle sie
stehen.

* *

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Wenn diese Rede wie eine Werbekampagne für die
"Initiative Berlin-USA" klingt, dann war das natürlich
beabsichtigt. Denn ich strebe genau die grundlegenden, persönlichen Kontakte an der Basis an, die immer
die starken Bande zwischen den Vereinigten Staaten,
Europa und Deutschland ausgemacht haben, von
denen viele jedoch manchmal sagen, sei seien nicht
länger nötig wegen des Internet, wegen der Flugzeuge
und wegen der großen Umwälzungen der Geschichte,
die uns erfassen. Ich glaube, wir alle wissen, daß
große Umwälzungen der Geschichte gut sind. Das
Problem ist, sie erfassen uns und schleudern uns
manchmal durch die Tür, wenn man nicht weiß, was
vor sich geht. Und man weiß nur, was vor sich geht,
wenn man miteinander spricht und zu verstehen
beginnt, wie beispielsweise ethnische Konflikte,
Computer, Viren oder was immer täglich bewältigt
werden. Und das tun Organisationen wie diese.
Wir sollten also beide äußerst optimistisch bezüglich
der Zukunft unserer Partnerschaft und - es erübrigt
sich zu sagen - der "Initiative Berlin-USA" sein. Am
optimistischsten sollten wir jedoch meiner Ansicht nach
- und einige mögen überrascht sein, daß ich das sage
- bezüglich der Fähigkeit unserer beiden Gesellschaften zu Veränderungen sein, um die vor uns
liegenden großen neuen Herausforderungen zu
meistern. Ich danke Ihnen.

* *

*

AMERIKA DIENST 03

�ABRÜSTUNG
12. Februar 1997

Kreative Bestrebungen zur
Rüstungskontrolle unerläßlich
Rede von ACDA-Direktor John Holum

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (U.S. Arms Control and Disarmament Agency - ACDA), John Holum, am 9. Januar 1997 beim Seminar
über Rüstungskontrolle des Forschungsdienstes des Kongresses gehaltene Rede in Auszügen.

Ich sehe Rüstungskontrolle als nationale Sicherheitsangelegenheit. Wichtige Rüstungskontrollverhandlungen mit Rußland über strategische Waffen sind
noch nicht abgeschlossen - dem Land, das, wie Sie
wissen, eine überwältigende nukleare Zerstörung über
die Vereinigten Staaten bringen könnte.
Wir beginnen erst, die Bestimmungen der STARTVerträge zu nutzen, indem wir Tausende von Waffensystemen beseitigen. Das Inkrafttreten von START I
zwang die Ukraine, Kasachstan und Belarus zur
offiziellen Aufgabe ihre nuklearen Option und der nach
den Zusammenbruch der Sowjetunion auf ihrem
Territorium verbliebenen Waffen. Das taten sie Ende
1994 - und die letzten Waffen wurden im vergangenen
Monat aus Belarus abgezogen. Vor uns liegen jedoch
noch sechs weitere Jahre harter Arbeit an der Umsetzung von START I - der Verifizierung, daß Raketen
zerlegt und Silos aufgefüllt sowie Verhandlungen über
die Auslegung des Vertrags und seine Einhaltung
geführt werden.
START II - die Beendigung des Abbaus der Arsenale
um zwei Drittel und die Beseitigung der letzten SS-ISRaketen - muß von Rußland noch ratifiziert werden.
Mehrere Duma-Mitglieder beschweren sich, daß der
Vertrag von Rußland die Beseitigung von Raketen mit
Mehrzweckgefechtsköpfen und dann den Bau neuer
Raketen mit einem Gefechtskopf fordert, um die Parität
mit uns zu wahren.
Aber sie müssen die realistischen Optionen Rußlands
berücksichtigen. Ohne START II werden die Vereinigten Staaten 6.000 Waffen im Rahmen von START I

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beibehalten, wobei Rußland nur mit ruinösen Ausgaben gleichziehen könnte - und es gäbe praktisch
keine Aussicht auf Verhandlungen über einschneidendere Reduzierungen. Mit START II wird Rußland eine
tatsächliche Parität mit 3.000 bis 3.500 Gefechtsköpfen
haben und - wie Präsident Clinton erklärte - wir
könnten unverzüglich Verhandlungen über weitere
Begrenzungen und Reduzierungen aufnehmen, die
das Aufrüstungsproblem vermeiden könnten. Wir
haben Rußland gegenüber klargestellt, daß START II
die Tür zu START III ist, und daran geht kein Weg
vorbei.
Gleichzeitig wurde unsere Rüstungskontrollagenda mit
Rußland erweitert und bezieht jetzt das sogenannte
"loose nukes"-Problem mit ein. Führen Sie sich vor
Augen, daß das größte Hindernis für jemanden, der
eine Atomwaffe bauen will, nicht die Technologie,
sondern das Material ist - das hochangereicherte Uran
oder Plutonium.
Dieses entscheidende Material und die damit in
Zusammenhang stehende Intelligenz werden aus dem
Waffenprogramm Rußlands freigesetzt, um vielleicht
über durchlässige Grenzen an den falschen Ort zu
gelangen. Die Antwort besteht offensichtlich nicht in
der Beendigung der Reduzierungen - das hieße,
dieses Material in auf Raketen montierten Waffen zu
belassen, die die Vereinigten Staaten erreichen
könnten - sondern vielmehr im Einsatz aller erforderlichen diplomatischen, technischen, Strafverfolgungsund anderen Ressourcen um sicherzustellen, daß die
Experten anderweitig beschäftigt werden und das

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�Material gesichert ist, bis es verbraucht oder unbrauchbar gemacht werden kann.
In der Zwischenzeit werden diese amerikanischrussischen Fragen von einer nicht geringeren Gefahr
überschattet: Der Verbreitung von - nuklearen, chemischen und biologischen - Massenvernichtungswaffen und ihren Trägerraketen an verbrecherische
Staaten und Terroristen auf der ganzen Welt.
Über 40 Länder haben jetzt die technische
und materielle Fähigkeit zur Entwicklung von
Nuklearwaffen, sollten sie sich dafür entscheiden.
Über 15 Nationen haben zumindest Kurzstreckenraketen - und viele von ihnen wollen
Massenvernichtungswaffen beschaffen.
Ungefähr 20 Länder - von denen viele uns
feindlich gesinnt sind - unterhalten Chemiewaffenprogramme, weitere 15 verfügen über
die Fähigkeit und Motivation dazu. Und
chemische Waffen wurden erst kürzlich in
einem Krieg vom Irak und von Terroristen in
der Tokioter U-Bahn eingesetzt.
Der Fall des Irak erinnert uns daran, daß
biologische Waffen auch für geächtete Regierungen und Gruppen attraktiv sind.
Und wenn wir uns an die Bombenanschläge
auf das World Trade Center und in Oklahoma
City erinnern, müssen wir uns fragen, um
wieviel schrecklicher das Leid wäre, wenn
auch nur primitive nukleare, chemische oder
biologische Waffen je in die falschen Hände
geraten würden.
Unser wichtigstes Instrument gegen die Verbreitung
von Nuklearwaffen ist der Nichtverbreitungsvertrag oder N W - gemäß dem Nichtnuklearwaffenstaaten
vollständig auf Atomwaffen verzichten und dies
bestätigen, indem sie ihre Nuklearprogramme zu
friedlichen Zwecken internationalen Sicherheitsvorschriften unterstellen. Der N W war die Grundlage für
mögliche internationale Aktionen gegen das nicht
bekanntgegebene Nuklearprogramm Nordkoreas - und
für andauernde Verifizierungen vor Ort, daß es wie
vereinbart weiter eingefroren ist.
1995 gelang es der Welt, den N W auf unbegrenzte
Zeit zu verlängern. Er nimmt auch an Universalität zu
und hat jetzt 184 Mitgliedstaaten - nur sechs Länder
sind nicht beigetreten. Eine wichtige Priorität - die wir
im März in die Praxis umsetzen wollen - ist jetzt die
weitere Stärkung seiner Sicherheitsbestimmungen. Es
sollen neue Technologien und der Zugang hinzugefügt
werden, wie etwa die Überwachung der Umwelt nicht
nur in unmittelbarer Nähe der bekanntgegebenen

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Einrichtungen um sicherzustellen, daß Nuklearprogramme nicht vor den Inspektoren geheimgehalten
werden.
Der Name des Programms hierfür - "93 plus 2" - läßt
erkennen, daß wir nicht im Zeitplan liegen. Die
Entscheidung zur Verbesserung der Sicherheitsbestimmungen wurde 1993 getroffen, nachdem das
geheime Nuklearprogramm des Irak aufgedeckt
worden war. Und "plus 2" bedeutete, daß es bis 1995
abgeschlossen sein sollte. Wir üben weiterhin großen
Druck aus, vor allem gegen den Widerstand einiger
unserer Verbündeten, die anscheinend Probleme
haben, das richtige Gleichgewicht zwischen den durch
die Nuklearwaffen verbrecherischer Staaten entstehenden Gefahren und möglichen Unannehmlichkeiten für ihre Nuklearanlagen zu finden.
Der im vergangenen Jahr abgeschlossene und
demnächst dem Senat vorzulegende Vertrag über ein
umfassendes Verbot von Atomtests (Comprehensive
Test Ban Treaty - CTBT) wird ein weiteres Hindernis
für die Verbreitung von Nuklearwaffen darstellen.
Die Vereinigten Staaten haben weit über 1.000
Kernversuche durchgeführt - Hunderte mehr als jedes
andere Land. Jedes kleine bißchen weiteren Wissens,
das wir durch weitere Tests erlangen könnten, ist sehr
wenig wert verglichen mit dem Wert, den die Verhinderung weiterer Tests durch andere Staaten besitzt,
einschließlich verbrecherischer Staaten, die aus nur
wenigen Explosionen Quantensprünge an Fähigkeiten
erwerben könnten. Je mehr Nationen wir bei der
Lernkurve über Nuklearwaffen verzeichnen können,
desto sicherer sind wir.
Als ein weiteres Hindernis hat Präsident Clinton
angeordnet, daß wir unsere Bestrebungen in diesem
Jahr intensivieren, um die vollständige Einstellung der
Produktion von waffenfähigem spaltbarem Material
auszuhandeln. Diese vollständige Produktionseinstellung ist unsere beste Hoffnung, das Nuklearwaffenpotential von Nichtmitgliedstaaten des N W , einschließlich Indiens und Pakistans, zu beschneiden.
Eine weitere unmittelbare Priorität bei der Nichtverbreitung sind die Chemiewaffenkonvention (Chemical
Weapons Convention - CWC), die noch vom Senat
ratifiziert werden muß, und die Gesetze für ihre
Durchführung, denen beide Kammern zustimmen
müssen.
Die Uhr läuft - die Konvention muß bis zum 29. April
1997 ratifiziert werden, wenn die Vereinigten Staaten
Gründungspartei sein und ihre energische Umsetzung
beeinflussen wollen.
Überlegen Sie sich, warum wir diesen Vertrag benötigen. Mindestens 20 Länder - von denen uns viele
feindlich gesinnt sind - besitzen Chemiewaffen oder

AMERIKA DIENST 03

�streben ihre Beschaffung an. Sie sind auch für
Terroristen attraktiv, wie wir in der Tokioter U-Bahn
gesehen haben. Die Chemiewaffenkonvention wird
uns mehr Informationen über diese Bedrohungen an
die Hand geben - nicht zuletzt durch kurzfristig anberaumte Inspektionen verdächtiger öffentlicher oder
privater Einrichtungen - und sie wird diese Informationer einklagbar machen, weil schon der Besitz von
Chomiewaffen illegal sein wird, wohingegen er heute
völ, g erlaubt ist.
Die chemische Industrie der Vereinigten Staaten, die
die größte Last der routinemäßigen Bekanntgabe und
Inspektionen trägt, befürwortet den Vertrag vehement.
Auch unsere Militärs befürworten ihn in dem Wissen,
daß wir uns in einem Krieg weniger wahrscheinlich mit
Chemiewaffen konfrontiert sehen werden. Unsere
Strafverfolgungsbehörden möchten seine neuen
Instrumente gegen Terroristen im In- und Ausland
einsetzen. Und er verringert unsere eigenen militärischen Optionen nicht maßgeblich, weil wir bereits
ein 10 Jahre altes Gesetz anwenden, das die einseitige Beseitigung unserer Chemiewaffenarsenale
vorschreibt. Die reale Frage lautet also, ob wir die
übrige Welt zwingen sollten, das zu tun, was wir
bereits tun.
Die Chemiewaffenkonvention ist ein wertvolles Werkzeug. Und wenn wir in einer Welt mit vielen gefährlichen Nachbarn leben, sollten wir uns nicht die
vernünftigen Schutzmittel vorenthalten. In der Tat,
wenn die Vereinigten Staaten, die eine Führungsrolle
bei den Verhandlungen über diesen Vertrag übernommen haben, ihn jetzt aufgeben würden, würden wir uns
nicht nur seiner Vorteile berauben, sondern verbrecherischen Staaten Deckung geben und unsere
Führungsrolle bei der Eindämmung der Verbreitung
aller Massenvernichtungswaffen unterminieren gerade dann, wenn sie am meisten benötigt wird.
Diese Führungsrolle ist beispielweise auch bei biologischen Waffen erforderlich. Sie werden für gewöhnlich
in dieselbe Gruppe wie Chemiewaffen eingeordnet.
Gemessen an den potentiellen Auswirkungen auf das
menschliche Leben würden sie besser mit Nuklearwaffen verglichen.
Chemiewaffen werden weniger
todbringend, wenn sie verstreut sind. Aber biologische
Organismen sind lebende Dinge; in der richtigen
Umgebung können sie sich multiplizieren. Sie können
auch mutieren und der Behandlung widerstehen.
Die Konvention über biologische Waffen datiert von
1972. Aber sie hat einen wichtigen Mangel - sie ist
praktisch machtlos im Hinblick auf die Gewährleistung
der Einhaltung. Deshalb verhandeln wir jetzt in Genf,
um die Fortschritte bei der Technologie und den
Rüstungskontrolltechniken zu nutzen, damit auch
dieser Vertrag ein effektives Instrument wird. Präsident Clinton hat das zu einer weiteren Priorität in der
Rüstungskontrolle gemacht.

AMERIKA DIENST 03

Obwohl sie vornehmlich gegen Länder gerichtet sind,
können diese Verträge - und insbesondere die Gesetze zu ihrer Durchführung - einen wichtigen Effekt für
die Terrorismusbekämpfung haben. 1995 bestellte
beispielweise ein Mitglied einer Haßgruppe in Ohio auf
betrügerische Weise den Beulenpestbazillus per Post
von einem spezialisierten Anbieter in Rockville (Maryland). Der Auftrag wurde ausgeführt. Aber der
Anbieter benachrichtigte auch die Strafverfolgungsbeamten, die wiederum die Wohnung des MöchtegernTerroristen durchsuchten und die von ihm ausgebrüteten bösartigen Pläne vereitelten. Das geschah teilweise aufgrund eines Gesetzes - dem Gesetz zur Bekämpfung von Terrorismus mit biologischen Waffen -,
das wegen der Konvention über biologische Waffen in
den Geschäftsbüchern liegen muß.
Abschließend möchte ich kurz auf ein anderes Thema
eingehen. Wenn Sie sich das Potential von Waffen,
Schaden anzurichten, betrachten, denkt man offensichtlich zuerst an Massenvernichtungswaffen, die mit
einem Schlag ganze Städte ausradieren können.
Wenn man sich jedoch die tatsächlichen Auswirkungen betrachtet, muß man an konventionelle Waffen
denken, die routinemäßig ganze Städte ausradieren,
mit einigen wenigen Menschen auf einen Schlag.
Ein Weg, dieses Thema in Angriff zu nehmen, ist,
spezifische Waffen anzusprechen, die außerordentliche Auswirkungen haben - wie die Antipersonenminen,
die auf der ganzen Welt verstreut sind und jedes Jahr
ungefähr 25.000 Zivilisten töten oder zum Krüppel
machen, vor allem spielende Kinder oder Bauern, die
zu ihren Feldern zurückkehren wollen lange nachdem
der Krieg vorüber ist. Im vergangenen Jahr führten die
Vereinigten Staaten erfolgreiche internationale Verhandlungen über die Kontrolle von Minen an, die nicht
aufgespürt werden können oder sich nicht selbstzerlegen oder selbstdeaktivieren. Diese Zusätze zur
Konvention über konventionelle Waffen müssen
ratifiziert werden. Und in diesem Jahr werden wir
Verhandlungen über ein vollständiges Verbot von
Antipersonenminen als weitere wichtige Rüstungskontrollpriorität aufnehmen.
Ein weiteres vorrangiges Instrument - für konventionelle Waffen sowie für Massenvernichtungswaffen - ist die
rigorose Kontrolle der Exporte.
Die Vereinigten
Staaten haben die schärfsten Kontrollen aller Länder
der Welt für konventionelle Waffen - und wir haben
vom Beratungsgremium des Präsidenten für die Politik
zur Verbreitung von Waffen sehr gute Ratschläge
erhalten. In einem der vielen Bereiche, in dem das
Gremium Empfehlungen aussprach, bauen wir zum
ersten Mal - in dem Wassenaar-Abkommen - eine
multilaterale Struktur auf, um konventionelle Waffen
anzusprechen, mit Konzentration auf den Waffentransfer in den Iran, Irak, nach Libyen und Nordkorea.

Seite 3

�Es ist jedoch meine feste Überzeugung, daß wir auf
der Nachfrageseite die größten Fortschritte bei
konventionellen Waffen erzielen. Zwischen 1988 und
1994 sanken die weltweiten Waffenlieferungen um 70
Prozent - von fast 70 Milliarden Dollar auf etwas unter
20 Milliarden Dollar. Das geschah nicht, weil die
Exporteure aufgehört hatten zu verkaufen, sondern
weil die Kunden nicht kauften. Und langfristig besteht
unsere effektivste Arbeit, selbst wenn sie nicht am
dramatischsten ist, in der Verstärkung dieses Trends durch regionale Kontrollregime wie den Vertrag über
konventionelle Streitkräfte in Europa (Conventional
Forces in Europe Treaty - CFE), vertrauensbildende
und Transparenzmaßnahmen, die die von regionalen
Spannungen ausgehende Gefahr eindämmen können.
Die Welt strotzt immer noch von der Überrüstung aus
den Zeiten des Kalten Krieges. Wir können nicht
hoffen, uns von dem leichteren potentiellen Zugang zu
zunehmend mächtigen Waffen isolieren zu können -

*

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durch den die kriegerischen Herrscher verbrecherischer Staaten hoffen, dieses Land, unsere Interessen
und unsere Menschen zu gefährden.
Denn so weit wir in die Zukunft blicken können, wird
dies eine einzigartige Verteidigung der Vereinigten
Staaten erfordern. Und aus eben diesen Gründen wird
es beharrliche und kreative Bestrebungen zur Rüstungskontrolle erfordern. Denn wir haben in einem
hart erkämpften Abkommen nach dem anderen
demonstriert, daß wir mit Rüstungskontrolle unser
Schicksal meistern, unsere Freiheit untermauern sowie
unsere Sicherheit und unseren Wohlstand verbessern
können.
Ebenso wie zu jeder Zeit in der Vergangenheit muß
Rüstungskontrolle ein zentrales Element der Art von
Außenpolitik sein, die einer Großmacht in einer
gefährlichen Welt zukommt.

* * *

*

AMERIKA DIENST 03

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Lage der Nation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: USA bleiben die unerlässliche Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht zur Lage der Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vier Jahre Wirtschaftswachstum machen den amerikanischen Traum zur Realität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kreative Bestrebungen zur Rüstungskontrolle unerlässlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor John Holum&lt;/em&gt;</text>
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Vo, ^

amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

04

26. Februar 1997

AUSSENPOLITIK

ALBRIGHT: ZIEL IST EIN INTEGRIERTES,
STABILES UND DEMOKRATISCHES EUROPA
Rede der Außenministerin vor Ausschuß
des Repräsentantenhauses

NATO

NATO-ERWEITERUNG: WARUM GRÖSSER
BESSER IST
von Außenministerin Madeleine Albright
RUSSLAND HAT NICHTS ZU BEFÜRCHTEN
von Strobe Talbott

WIRTSCHAFT

WIRTSCHAFT WIRD ZUM IMMER WICHTIGEREN
INSTRUMENT DER DIPLOMATIE
von Alan P. Larson

TELEKOMMUNIKATION

TELEKOMMUNIKATION: DER MOTOR FÜR
WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IM
NÄCHSTEN JAHRHUNDERT
von Alan P. Larson

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AUSSENPOLITIK
26. Februar 1997

Albright: Ziel ist ein integriertes, stabiles
und demokratisches Europa
Rede der Außenministerin vor Ausschuß des Repräsentantenhauses

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Außenministerin Madeleine Albright am 11.
Februar 1997 vor dem Ausschuß für internationale Beziehungen des Repräsentantenhauses gehaltene Rede.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder,
es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, zum ersten
Mal als Außenministerin eine Rede vor Ihnen halten zu
dürfen. Als Botschafterin bei den Vereinten Nationen
habe ich in hohem Maße von unserem konstruktiven
Dialog während der vergangenen vier Jahre profitiert.
Jetzt sehe ich der Fortsetzung unserer Beziehungen
mit derselben Offenheit und demselben Engagement
erwartungsvoll entgegen - und der Zusammenarbeit
mit Ihnen bei einem noch breiteren Spektrum von
Herausforderungen, mit denen sich unsere Nation und
die Welt konfrontiert sehen.
Herr Vorsitzender, seit dem Fall der Berliner Mauer
sind mehr als sieben Jahre vergangen und fünf seit
dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Heute sind die
Vereinigten Staaten sicher, unsere Volkswirtschaft
floriert, und unsere Ideale im Kommen. Auf der
ganzen Welt ist die Bewegung zu offenen Gesellschaften und offenen Märkten weiter verbreitet und
tiefgreifender als je zuvor. Der Triumph der Demokratie ist weder ein Zufall noch umkehrbar - er ist das
Resultat der dauerhaften amerikanischen Führungsrolle. Er wäre ohne die Macht unseres Beispiels, die
Stärke unseres Militärs oder die Beständigkeit und
Kreativität unserer Diplomatie nicht möglich gewesen.
Das ist die zentrale Lektion des 20. Jahrhunderts - und
diese Lektion muß uns weiterhin leiten, wenn wir
unsere Interessen beim Eintritt in das 21. Jahrhundert
schützen wollen.
Mißverstehen Sie mich nicht: Die Interessen, denen
die amerikanische Außenpolitik dient, sind keine
abstrakten Erfindungen der Planer im Außenministerium. Sie sind die konkrete Realität unseres täglichen

AMERIKA DIENST 04

Lebens. Denken Sie darüber nach. Wäre das amerikanische Volk ebenso sicher, wenn Massenvernichtungswaffen, statt kontrolliert zu werden, in die
falschen Hände gerieten? Genau das wäre geschehen, wenn die Administration und der Kongreß nicht
gehandelt hätten, um die Einstellung des irakischen,
das Einfrieren des nordkoreanischen und die Sicherung des russischen Nuklearwaffenprogramms zu
gewährleisten.
Wären wir so sicher, wenn kleine Konflikte, statt
frühzeitig eingedämmt zu werden, sich über ganze
Regionen hinweg ausbreiten würden? Das wäre
geschehen, wenn wir nicht einen Weg zur Beendigung
des Krieges in Bosnien gefunden und nicht auf
unserem Streben nach einem umfassenden Frieden im
Nahen Osten bestanden hätten.
Wären wir so wohlhabend, wenn sich die Weltwirtschaft, statt offener für unseren Handel und unsere
Investitionen zu werden, abgeschottet und hinter
protektionistische Mauern zurückgezogen hätte? Das
wäre geschehen, wenn wir nicht unerschütterlich auf
den Abschluß des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA und der Abkommen der UruguayRunde des GATT - sowie die Erweiterung des Handels
in unserer gesamten Hemisphäre und über den Pazifik
hinweg - gedrängt hätten.
Die große Kluft in der heutigen Welt besteht nicht
zwischen Ost und West oder Nord und Süd, sie
besteht zwischen denjenigen, die Gefangene der
Geschichte sind und denjenigen, die zur Gestaltung
der Geschichte entschlossen sind. Das ist nicht nur
eine faktische Aussage - sondern eine sachliche
Entscheidung, die wir treffen müssen. Herr Vorsitzen-

Seite 1

�der, es ist dieselbe Entscheidung, mit der sich Amerika
vor 50 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert
sah. Damals war es nicht selbstverständlich, daß wir
die richtige Entscheidung treffen würden. Wir waren
kriegsmüde, und die Weltwirtschaftskrise lag erst
einige Jahre hinter uns. Aber zum Glück für unsere
Generation waren Präsident Truman, Außenminister
Marshall, Senator Vandenberg und andere führende
Kongreßabgeordnete beider Parteien entschlossen,
daß Amerika eher eine Führungsrolle übernehmen
statt sich zurückziehen sollte. In überparteilicher
Weise und zusammen mit unseren Verbündeten
gründeten sie eine Reihe von Institutionen, die ein
halbes Jahrhundert lang erfolgreich die Freiheit
verteidigt, Volkswirtschaften wiederaufgebaut, Gesetze
bewahrt und Krieg verhindert haben.
Seit dem Ende des Kalten Krieges haben wir uns für
einen ähnlichen Kurs entschieden. Wir haben mit dem
Aufbau eines neuen Rahmens für die amerikanische
Führungsrolle begonnen, der den Herausforderungen
eines neuen Jahrhunderts angemessen ist. Dabei
müssen wir nicht nur eine einzige übergeordnete
Bedrohung wie den sowjetischen Kommunismus
ansprechen, sondern vielmehr eine Vielfalt von
Gefahren - einige so alt wie ethnische Konflikte, einige
so tödlich wie terroristische Bomben, einige so vorherrschend wie illegale Drogen und einige so neu wie die
Erderwärmung.
Um effektiv auf unterschiedliche Bedrohungen reagieren zu können, benötigen wir ein breites Spektrum
außenpolitischer Instrumente. Aus diesem Grund
müssen wir ein Militär beibehalten, das flexibel, mobil,
einsatzbereit und stark ist - und Präsident Clinton hat
dies zugesagt. Aber Gewalt als ein stumpfes Instrument und eines mit manchmal extremen Konsequenzen kann nicht alle unsere Probleme lösen. Es
wird viele Fälle an vielen Orten geben, in denen wir auf
die Diplomatie zum Schutz unserer Interessen zurückgreifen und von unseren Diplomaten erwarten werden,
diese Interessen mit Geschick, Wissen und Rückgrat
zu verteidigen.
Herr Vorsitzender, obwohl unser Militär der oberste
Garant unserer Freiheit ist, sind unsere Diplomaten
unsere erste Verteidigungslinie. Eine meiner wichtigsten Aufgaben als Außenministerin wird in der Zusammenarbeit mit Ihnen und unseren Kollegen im
Kongreß bestehen, um die ausgezeichnete diplomatische Vertretung aufrechtzuerhalten, die unsere Bürger
verdienen und unsere Interessen erfordern. Wie ich in
der Anhörung zu meiner Bestätigung erklärte, können
wir keine Diplomatie erster Klasse haben, die nichts
kostet. Wir müssen die für eine amerikanische
Führungsrolle nötigen Ressourcen investieren.
In den vergangenen Jahren sind diese Ressourcen
geschrumpft. Während der letzten vier Jahre hat das
Außenministerium über 2.000 Positionen gekürzt, mehr

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als 30 Botschaften und Konsulate geschlossen und die
dringend erforderliche Modernisierung der Infrastruktur
und Kommunikationsnetze verschoben. Wir haben
tiefe Einschnitte in unsere Auslandshilfeprogramme
vorgenommen und tragen jetzt einen kleineren Prozentsatz unseres Volkseinkommens zu Wachstum und
Demokratie in den Entwicklungsländern bei als jede
andere Industrienation. Wir sind der größte Schuldner
der Vereinten Nationen und der internationalen
Finanzinstitutionen.
Unsere Ausgaben für internationale Angelegenheiten
machen kaum ein Prozent unseres Bundeshaushalts
aus. Würde dieser kleine Betrag noch weiter gekürzt,
würde unser Einfluß in der Welt abnehmen, nicht unser
Defizit. In seinem Bericht zur Lage der Nation hat
Präsident Clinton vergangene Woche erklärt: "Wenn
Amerika weiterhin die Welt anführen soll, müssen wir
hier, die Amerika anführen, einfach den Weg finden,
die Kosten dafür aufzubringen."
Der Antrag des Präsidenten für das Haushaltsjahr
1998, den er dem Kongreß vorgelegt hat, strebt die
Wiederherstellung unserer diplomatischen Einsatzbereitschaft an, einschließlich einer bescheidenen
Aufstockung der Mittel für die Operationen des Außenministeriums. Meiner Ansicht nach sind die gesamten
für internationale Angelegenheiten beantragten 19,45
Milliarden Dollar für die Bewahrung der amerikanischen Führungsrolle erforderlich. Ich bitte um Ihre
Unterstützung für diesen Etat. Dabei verpflichte ich
mich, meinen Beitrag zu leisten und bin zur engeren
Zusammenarbeit mit Ihnen entschlossen um zu
gewährleisten, daß das amerikanische Volk den vollen
Wert jedes für unsere Diplomatie ausgegebenen
Dollars erhält.
Herr Vorsitzender, ich möchte heute mit Ihnen den
entstehenden Rahmen für die dauerhafte amerikanische Führungsrolle in der Welt erörtern und Teile
unseres Haushaltsantrags hervorheben, die diese
Rolle unterstützen werden. Dieser Rahmen enthält
Maßnahmen, Massenvernichtungswaffen zu kontrollieren, gefährliche regionale Konflikte zu verhindern
oder beizulegen, die Vereinigten Staaten als zentralen
Ausgangspunkt einer expandierenden Weltwirtschaft
zu bewahren sowie die grundlegenden Prinzipien der
Demokratie und Respektierung der Rechtsstaatlichkeit
zu fördern. Diese Ziele werden wir jedoch nicht
erlangen, wenn wir nicht auch unsere Bündnisse
stärken können und unsere wichtigsten bilateralen
Beziehungen gut pflegen.
Eine Führungsrolle mit Schlüsselpartnern
Unsere Beziehungen zu den führenden Mächten der
Welt verbinden nicht nur die amerikanische Diplomatie,
sondern auch das gesamte internationale System.
Indem sie zusammen handeln, können die führenden
Nationen den generellen Standard des internationalen

AMERIKA DIENST 04

�Verhaltens anheben, wirtschaftlichen und sozialen
Fortschritt ankurbeln und die Rechtsstaatlichkeit
stärken.
Am Samstag, dem 15. Februar werde ich eine Reise in
einige der wichtigsten Hauptstädte Europas und
Asiens antreten. Der Zweck meiner Besuche besteht
darin, persönliche Kontakte zu den Politikern dieser
Länder zu knüpfen oder zu erneuern und die gesamte
Bandbreite der uns konfrontierenden drängenden
Themen zu erörtern. Ich möchte keine neuen Abkommen abschließen, sondern Gedanken austauschen und eine starke Grundlage für erweiterte
Zusammenarbeit, insbesondere in dem vor uns
liegenden Jahr, schaffen.
Wenn die grundlegende Lektion dieses Jahrhunderts
tatsächlich lautet, daß Amerika eine Führungsrolle
übernehmen muß, dann ist eines der wichtigsten
Korollare, daß wir eine europäische Macht bleiben
müssen. Wir haben ein Interesse an der Sicherheit
Europas, denn seit der Gründung unserer Republik
wissen wir, daß der Atlantische Ozean keine uneinnehmbare Barriere für unsere Verteidigung ist. Wir
haben ein Interesse am Wohlstand Europas, weil
unser eigener Wohlstand schon immer in hohem Maße
von unserem transatlantischen Handel und Investitionen abhing. Und wir haben ein Interesse an der
Freiheit Europas, weil es der Triumph der Demokratie
auf jenem Kontinent war, der den Kalten Krieg beendete.
Heute ist die amerikanische Führungsrolle in Europa
solide. Amerika hat den Weg zur Wiederbelebung der
NATO angeführt, das Blutvergießen in Bosnien
beendet, Unterstützung für die russische Demokratie
mobilisiert und ist für die Unabhängigkeit der neuen
demokratischen Nationen Europas eingetreten. Jetzt
stehen wir kurz vor der Realisierung des am schwersten faßbaren Traums dieses Jahrhunderts - eines
integrierten, stabilen und demokratischen Europas.
Um unser Ziel vollständig zu erreichen, müssen wir
drei Herausforderungen bewältigen: Wir müssen eine
neue und größere NATO schaffen und gleichzeitig die
Integration aller neuen Demokratien des Kontinents
fördern. Wir müssen enge und konstruktive Partnerschaften mit Rußland und der Ukraine aufbauen. Und
wir müssen die Demokratie fördern, die Stabilität
bewahren und die Spannungen in ganz Südosteuropa
entschärfen - insbesondere im ehemaligen Jugoslawien.
1994 schlug Präsident Clinton ein von unseren
Verbündeten angenommenes Programm zur Anpassung der NATO an neue Herausforderungen vor.
Diese Bestrebungen werden beim NATO-Gipfeltreffen
im Juli in Madrid einen neuen Meilenstein setzen. Bei
dem Gipfel wird das Bündnis mehrere Nationen zur
Aufnahme von Verhandlungen über ihren NATOBeitritt einladen und wichtigen Veränderungen der

AMERIKA DIENST 04

inneren Struktur der NATO zustimmen. Die zum
NATO-Gipfel führenden Verhandlungen werden zu den
ehrgeizigsten und komplexesten in der Geschichte des
Bündnisses gehören. In den kommenden Monaten
werden Regierungsvertreter dem Kongreß und dem
amerikanischen Volk darlegen, warum die neue,
größere NATO unsere elementaren Interessen fördern
wird.
Im Grunde ist es folgendermaßen: Vor fünfzig Jahren
vereinte die Gründung der NATO neue Demokratien,
überwand alten Haß, kurbelte den wirtschaftlichen
Wiederaufbau an und verhinderte künftige Konflikte.
Was die NATO damals für den Westen Europas getan
hat, kann sie jetzt für den Osten Europas tun - die
Region, in der die beiden globalen Kriege des Jahrhunderts und der Kalte Krieg begannen. Der Prozeß
der Erweiterung hat bereits die Beilegung historischer
Differenzen zwischen Ungarn und Rumänien,
Deutschland und der Tschechischen Republik sowie
Polen und der Ukraine ermutigt. In der Zukunft kann er
unser Vertrauen vertiefen, daß es kein zweites Bosnien geben wird, die demokratischen Revolutionen von
1989 Bestand haben werden und eine Teilung Europas wie im Kalten Krieg nicht in irgendeiner neuen und
gefährlichen Form wiederauftritt.
Das versuchen wir zu verwirklichen. Ebenso wichtig
ist, was wir zu verhindern versuchen. Denn es gibt nur
zwei reale Alternativen zur Erweiterung. Wir könnten
das Bündnis durch eine NATO mit dem kleinsten
gemeinsamen Nenner ersetzen, die alle einbezieht
und niemandem Verpflichtungen auferlegt. Das würde
die NATO abwerten und degradieren. Oder wir
könnten die Erweiterung auf unbestimmte Zeit verschieben und die NATO-Mitgliedschaft entlang der
Grenze des Kalten Krieges einfrieren. Das würde nicht
nur eine permanente Ungerechtigkeit schaffen,
sondern auch eine permanente Quelle von Spannung
und Unsicherheit im Herzen Europas.
Während wir Fortschritte erzielen, müssen wir natürlich
auch sicherstellen, daß keine neuen Trennlinien durch
Europa gezogen werden. Aus diesem Grund stärken
wir die Partnerschaft für den Frieden der NATO, und
aus diesem Grund ist unsere finanzielle Unterstützung
der Partnerschaft von elementarer Bedeutung. Aus
diesem Grund unterstützen wir die Erweiterung der EU
und die mutige Arbeit, die die OSZE von Tschetschenien bis Bosnien leistet. Aus diesem Grund ist
auch die Finanzierung im Rahmen des Gesetzes für
die Unterstützung der osteuropäischen Demokratien
(SEED Act) weiterhin entscheidend. Unsere Unterstützung hat Nationen von Estland bis zur Tschechischen
Republik geholfen, aufstrebende Demokratien zu
gründen und sich dadurch von unserem Programm
unabhängig zu machen. Aber in den noch instabilen
Demokratien wie Bulgarien und Rumänien wird Hilfe
immer noch dringend benötigt.

Seite 3

�Eine der obersten haushaltspolitischen Prioritäten des
Präsidenten ist die Initiative Partnerschaft für den
Frieden, die eine neue Phase unserer Hilfe für Rußland und die anderen Neuen Unabhängigen Staaten
einleitet. Die erste Phase befaßte sich mit der Einführung der elementaren Institutionen der Demokratie
und der Marktwirtschaft. Insgesamt war diese Hilfe
äußerst erfolgreich - insbesondere bei der Förderung
von Privatisierung, freien Wahlen und einer bürgerlichen Gesellschaft. Unsere Bestrebungen konzentrieren sich jetzt auf die Ankurbelung von Handel und
Investitionen, wodurch das Potential für langfristiges
Wachstum freigesetzt wird, das für die Umgestaltung
dieser Gesellschaften von zentraler Bedeutung ist.
Herr Vorsitzender, Rußland und viele seiner Nachbarländertreffen heute Entscheidungen, die monumentale
Konsequenzen für unsere Sicherheit und die Sache
der menschlichen Freiheit haben werden. Das steht
auf dem Spiel: Werden sie normale Demokratien mit
wachsenden Marktwirtschaften, die uneingeschränkter
Bestandteil der europäischen Hauptströmung sind?
Oder werden sie arme und isolierte, von Instabilität,
Korruption und Verbrechen geplagte Nationen? Das
sind keine Entscheidungen, die wir treffen können.
Aber wir können uns entscheiden, denjenigen in jeder
Gesellschaft zu helfen, die zur richtigen Entscheidung
entschlossen sind.
Zweifelsohne sind unsere Interessen klar: Ein starker
und permanenter demokratischer Prozeß in Rußland
und den anderen Neuen Unabhängigen Staaten wird
unsere Sicherheit erhöhen, beim Kampf gegen die
Weiterverbreitung behilflich sein, zur Bekämpfung des
internationalen Verbrechens beitragen, neue Wirtschaftschancen eröffnen und ein Klima dauerhafter
Stabilität in einer Region schaffen, die so lebenswichtig
für unsere Zukunft ist wie sie zentral für unsere
Vergangenheit war.
Wir verstehen, daß Rußland die NATO-Erweiterung
ablehnt und erwarten nicht, daß sich das ändert. Wir
müssen die legitimen Anliegen Rußlands ansprechen,
aber es liegt nicht in unserem Interesse, einen Prozeß
zu verschieben oder aus dem Gleis zu bringen, der
zum Aufbau eines wiedervereinten Europas beiträgt.
Auf jeden Fall werden die von der NATO in Brüssel
und in den Hauptstädten unserer Verbündeten getroffenen Entscheidungen nicht das Schicksal der russischen Demokratie entscheiden. Das wird von der
Fähigkeit der russischen Politiker abhängen, die realen
Bedürfnisse ihres Volkes zu erfüllen sowie die wirtschaftliche Erholung und Erneuerung Rußlands zu
beschleunigen.
Die NATO kann und möchte Rußland zu unserem
vollwertigen Partner beim Aufbau eines geeinten und
friedlichen Europas machen. Die NATO hat Rußland
eine offizielle Charta vorgeschlagen, die uns gemeinsame Kooperation, Konsultationen, Ausbildung und

Seite 4

Krisenreaktion gestatten wird. Wir haben stetige
Fortschritte zu diesem Ziel gemacht, das Hauptthema
meiner Gespräche in Europa sein wird.
Der Erfolg der neuen ukrainischen Demokratie ist
ebenfalls entscheidend für die Zukunft Europas. Von
den Neuen Unabhängigen Staaten war die Ukraine der
erste, der eine Machtübergabe von einer demokratisch
gewählten Regierung an die nächste erlebte. Vor
kurzem hat Präsident Kutschma ein mutiges Reformprogramm eingeleitet, das die Inflation eindämmte und
einen wirtschaftlichen Zusammenbruch verhinderte.
Unsere Beziehungen zur Ukraine gründen auf einem
soliden Fundament gemeinsamer Interessen, einschließlich dem Streben nach einem sichereren und
integrierteren Europa. Ebenso wie mit Rußland haben
wir eine binationale Kommission gegründet, der auf
unserer Seite Vizepräsident Gore vorsitzt, und eine
Tagesordnung für Zusammenarbeit bei einem breiten
Spektrum wichtiger Themen festgelegt.
Die größte Probe für Europas Fähigkeit, gemeinsam im
Namen der europäischen Sicherheit zu handeln, ist
heute Bosnien, wo die NATO und Nichtmitgliedstaaten
der NATO gleichermaßen das Abkommen von Dayton
umsetzen. Die IFOR hat ihre Mission in Bosnien
brillant ausgeführt, aber für die politische Aussöhnung
und den wirtschaftlichen Wiederaufbau wird noch mehr
Zeit benötigt. Die SFOR wird Bosnien die Chance
geben, den neuen Frieden des Landes tragfähig zu
machen. Unsere Strategie besteht in der weiteren
Verringerung der Notwendigkeit für eine internationale
militärische Präsenz durch die Schaffung eines
stabilen militärischen Gleichgewichts, Verbesserung
der Rechtsinstitutionen, die sichere Rückführung der
Menschen in ihre Heimat und die Sicherstellung, daß
mehr der Kriegsverbrechen Beschuldigte verhaftet und
angeklagt werden.
In Bosnien besteht die unmittelbare Aufgabe in der
Entscheidung über den Status von Brcko und das
Datum für Kommunalwahlen - beides sind Meilensteine
beim Abschluß der Umsetzung des Abkommens von
Dayton. Über Bosnien hinaus werden wir weiterhin
klarstellen, daß die Nationen des ehemaligen Jugoslawiens Europa nur als freie und offene Gesellschaften wieder beitreten können.
In den vergangenen 13 Monaten haben praktisch alle
Nationen in Europa zusammengearbeitet, um der
instabilsten Region des Kontinents Hoffnung zu
bringen. Unsere Herausforderung besteht in der
Ausweitung dieses Geistes der Zusammenarbeit auf
alle Bande, die unsere neue atlantische Gemeinschaft
verknüpfen.
Herr Vorsitzender, dieses Jahrhundert hat uns gelehrt,
daß die elementaren Interessen der Vereinigten
Staaten untrennbar mit denen Europas verbunden
sind, aber es hat uns auch gezeigt, daß unsere

AMERIKA DIENST 04

�Sicherheit und unser Wohlstand ebenso von den
Ereignissen in Asien abhängen. In der Tat sind die
Vereinigten Staaten seit der Jahrhundertwende eine
pazifische Macht. In den vergangenen sechs Jahrzehnten haben wir drei Kriege in Asien geführt. Seit
dem Zweiten Weltkrieg sind wir in der asiatischpazifischen Region aktiv engagiert, und in den letzten
Jahren hat unsere Führungsrolle zum Aufschwung
vieler der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt
beigetragen. Darüber hinaus hat es von Südkorea bis
zu den Philippinen und von der Mongolei bis nach
Thailand und Taiwan stetige Fortschritte bei Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit gegeben
- Entwicklungen, die das universelle Streben nach
Freiheit hervorheben.
Präsident Clinton hat Asien neue Bedeutung in unserer
Außenpolitik eingeräumt. Gemeinsam mit unseren
Partnern haben wir mit dem Aufbau der asiatischpazifischen Gemeinschaft begonnen. Wir öffnen
Märkte für amerikanische Waren, Dienstleistungen und
Kapital - sowohl bilateral als auch durch das Forum für
asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit
(APEC). Wir stärken unsere wichtigsten Bündnisse
und behalten unsere Vornestationierung von 100.000
Soldaten im Westpazifik aufrecht. Wir unterstützen
neue multilaterale Sicherheitsdialoge wie das ASEANRegionalforum. Und wir unterstützen weiterhin neue
Demokratien und unterstreichen die Bedeutung der
Achtung von Menschenrechten.
Unser Bündnis mit einem demokratischen und wohlhabenden Japan ist einer der großen Erfolge der
Nachkriegszeit. Heute arbeiten unsere beiden Nationen bei einer Vielzahl bilateraler, regionaler und
globaler Themen zusammen. Wir haben unsere
militärischen Verbindungen durch die Sicherheitserklärung des vergangenen Jahres untermauert und
durch die seit 1993 ausgehandelten beispiellosen 22
Handelsabkommen größeres Gleichgewicht in unsere
Wirtschaftsbeziehungen gebracht.
Mit unserer
ehrgeizigen Gemeinsamen Tagesordnung sprechen
wir komplexe globale Probleme wie AIDS, Umweltverschmutzung und nicht tragfähiges Bevölkerungswachstum an. Und gemeinsam unterstützen wir die
Demokratie in Haiti und Rußland sowie Frieden in
Bosnien und im Nahen Osten.
Wir kooperieren mit Japan und einem anderen wertvollen Verbündeten, der Republik Korea, bei der Umsetzung des Rahmenabkommens, mit dem Nordkoreas
Nuklearwaffenprogramm eingefroren wird. In den
vergangenen Wochen haben wir eng mit der südkoreanischen Regierung zusammengearbeitet, um die
Spannungen mit dem Norden zu entschärfen und
erneute Dynamik für den Friedensprozeß zu gewinnen. Ich bitte um Ihre Unterstützung für die Finanzierung
der Energieentwicklungsorganisation der koreanischen
Halbinsel (KEDO) im Haushaltsjahr 1998, die für diese
erneute Dynamik entscheidend sein wird. Die Ver-

AMERIKA DIENST 04

einigten Staaten leisten zur Zeit die höchsten Beiträge
für die KEDO. Aber in Zukunft werden Japan und die
Republik Korea uns mit der Finanzierung des Baus
von zwei Leichtwasserreaktoren für Nordkorea bei
weitem in den Schatten stellen. Wir werden auch
weiterhin auf die Verwirklichung des Vorschlags der
Präsidenten Clinton und Kim zu Vierparteiengesprächen über die Herbeiführung eines dauerhaften
Friedens auf der Halbinsel drängen.
Chinas Entwicklung zu einer Weltmacht und die
Evolution seiner Beziehungen zu anderen Nationen
werden großen Einfluß auf die Geschichte unseres
Zeitalters haben. Aus diesem Grund müssen wir
unsere Bande erweitern, und aus diesem Grund
ermutigen wir die aktive und verantwortungsvolle
Beteiligung Chinas an der internationalen Staatengemeinschaft. Unsere beiden Nationen teilen viele
gemeinsame Interessen und haben bereits bei vielen
Themenkomplexen zusammengearbeitet - darunter die
nordkoreanische Halbinsel, internationales Verbrechen, Atomtests und die globale Umwelt. Gleichzeitig haben wir beträchtliche Differenzen bei Handel,
Waffentransfers und Menschenrechten.
Wir haben bedeutende Interessen in Hongkong, das
auf der Liste unserer wichtigsten Handelspartner an
13. Stelle steht. China wird bald die Souveränität über
Hongkong wiedererlangen, aber Hongkong wird seine
Verbindungen zu unserer Nation und der Welt nicht
abbrechen. Wir erwarten von China, daß das Land
den Wortlaut und Geist seines Abkommens mit
Großbritannien über die Rückgabe Hongkongs erfüllt.
In diesem Abkommen hat China sich zur Beibehaltung
von Hongkongs offener Wirtschaft, der demokratischen Regierung, des ausgezeichneten Rechtssystems und der bürgerlichen Freiheiten verpflichtet.
Mit der Erfüllung dieser Verpflichtung wird China nicht
nur zur Sicherstellung der Zukunft Hongkongs beitragen, sondern auch die Position der Volksrepublik
stärken und zum eigenen wachsenden Wohlstand
beitragen. Ich sehe Gesprächen über dieses Thema
während meines bevorstehenden Besuchs in Peking
und anderen Hauptstädten erwartungsvoll entgegen.
Obwohl unsere Interessen erfordern, daß wir weiterhin
starke Beziehungen zu Europa und Asien unterhalten,
sind wir zuallererst eine gesamtamerikanische Nation.
Die westliche Hemisphäre war nie zuvor freier oder
wohlhabender. Und nie zuvor waren unsere Beziehungen zu unseren lateinamerikanischen und karibischen Nachbarn so stark. Als die Demokratiebewegung in Haiti bedroht war, haben wir durch unser
entschlossenes Handeln die legitime Regierung wieder
ins Amt eingeführt. Und als die freien Märkte durch die
Finanzkrise in Mexiko bedroht waren, bedurfte es
unserer Führungsrolle zur Wiederherstellung des
Vertrauens.

Seite 5

�Die Rückzahlung unseres Kredits für Mexiko drei
Jahre vor dem Termin hat Präsident Clintons mutige
Entscheidung gerechtfertigt und uns Vertrauen in die
Fähigkeit unseres Nachbarlandes gegeben, harte,
aber notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Wir
ermutigen nach wie vor weitere politische und wirtschaftliche Reformen in Mexiko, einem Land, mit dem
uns eine 2.000 Meilen lange Grenze und viele gemeinsame Interessen verbinden - einschließlich der
Bekämpfung von Verbrechen, Drogenhandel, illegaler
Migration und Umweltzerstörung. Der Präsident und
ich werden auch in Zukunft unsere Verbündeten und
Freunde drängen, gemeinsam mit uns die Diktatur in
Kuba zu isolieren. In Südamerika wurde die Stärke
unserer Beziehungen zu Argentinien, Brasilien und
Chile durch die Zusammenarbeit unserer vier Nationen
zur Beendigung der Grenzstreitigkeiten zwischen
Ecuador und Peru unter Beweis gestellt. In der gesamten Hemisphäre müssen wir weiterhin den Geist
der Zusammenarbeit des historischen gesamtamerikanischen Gipfels in Miami vor zwei Jahren fördern.
Eine Führungsrolle zur Kontrolle todbringender
Waffen
Herr Vorsitzender, dank der amerikanischen Führungsrolle hat die Welt wichtige Fortschritte bei der
Kontrolle von Nuklear- und anderen Massenvernichtungswaffen gemacht. Die Zeit bis zum Jüngsten
Tag, die einst so nahe schien, wurde verlängert. Zum
ersten Mal seit dem Beginn des Nuklearzeitalters sind
keine russischen Raketen auf die Vereinigten Staaten
gerichtet und keine amerikanischen Raketen auf
Rußland. Die Nuklearwaffen wurden aus Belarus,
Kasachstan und der Ukraine abgezogen. Die Nuklearfähigkeit des Irak wurde beseitigt und die Nordkoreas
eingefroren.
Der Nichtverbreitungsvertrag wurde
unbegrenzt und bedingungslos verlängert und der
Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot verabschiedet.
Trotz dieser Fortschritte ist die Gefahr noch lange nicht
gebannt. Aus diesem Grund bleiben Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung nach wie vor ein grundlegender Bestandteil unseres außenpolitischen Rahmens, und aus diesem Grund ist unsere weitere
Unterstützung des Amts für Rüstungskontrolle und
Abrüstung sowie der Internationalen AtomenergieOrganisation ein wichtiger Bestandteil unseres Haushalts.
Unser unmittelbarstes Gebot der Rüstungskontrolle ist
die Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention, oder
CW-Konvention, vor ihrem Inkrafttreten Ende April.
Wie Sie wissen, wurde die CW-Konvention von den
Reagan- und Bush-Administrationen ausgehandelt und
im Januar 1993 von Außenminister Lawrence Eagleburger unterzeichnet. Sie erfreut sich breiter Unterstützung unserer beiden Parteien, des Militärs und der
Unternehmen. Wie jedes Rüstungskontrollabkommen

Seite 6

ist die CW-Konvention kein Allheilmittel. Aber sie wird
ein mächtiges Instrument sein, die uns feindlich
Gesinnten von der Entwicklung oder Beschaffung von
Chemiewaffen abzuhalten. Die Verabschiedung der
Konvention würde alle unsere Bürger sicherer und es
weniger wahrscheinlich machen, daß unsere Streitkräfte auf dem Gefechtsfeld mit Chemiewaffen konfrontiert werden.
Wir haben auch noch andere Prioritäten. Wir streben
die rasche Verabschiedung des Flankenabkommens
zum Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE) an, das den KSE-Vertrag stärken und dadurch
die Sicherheit in Europa verbessern wird. Wir werden
mit Rußland zusammenarbeiten, um die baldige
Ratifizierung des START Il-Vertrags durch die Duma
sicherzustellen und dann Verhandlungen über weitere
Reduzierungen unserer Nukleararsenale aufzunehmen. Und wir werden weiterhin ein globales Abkommen über das Verbot von Einsatz, Lagerung,
Herstellung und Transfer von Antipersonenminen
anstreben.
Schließlich ergreifen wir zusätzlich zur Chemiewaffenkonvention wichtige Schritte, die verhindern sollen,
daß Massenvernichtungswaffen von denjenigen
beschafft werden, die zu ihrem Einsatz versucht sein
könnten. Wir arbeiten darauf hin, die Sicherheit zu
verbessern und das Umleiten von spaltbarem Material
zu verhindern. Wir haben die anderen 32 führenden
Waffenlieferanten im Wassenaar-Abkommen überzeugt, nicht mit Waffen oder anderen sicherheitsempfindlichen Technologien mit dem Iran und anderen
Ländern zu handeln, die erwiesenermaßen internationale Normen mißachten. Und wir bestehen auf der
Beibehaltung harter Sanktionen gegen den Irak, bis er
die entsprechenden Resolutionen des Sicherheitsrats
einhält.
Eine Führungsrolle bei der Unterstützung des
Friedens
Herr Vorsitzender, aufgrund der einzigartigen Fähigkeiten und der beispiellosen Macht der Vereinigten
Staaten blickt die Welt häufig auf uns, um Konflikte zu
beenden und auf Krisen zu reagieren. Unsere oberste
Verpflichtung ist jedoch der Schutz unserer eigenen
Bürger.
Wir haben begrenzte Ressourcen und
umfassende - aber immer noch begrenzte - Interessen.
Um unsere Glaubwürdigkeit zu bewahren und schwierige Situationen zu vermeiden, müssen wir sorgfältig
mit unseren Verpflichtungen und selektiv bei unseren
Aktionen vorgehen.
Dennoch sind wir uns bewußt, daß es Situationen
geben wird, in denen unsere Interessen und die
unserer Verbündeten eine aktive amerikanische Rolle
erfordern. Wir verstehen auch, daß kleine Konflikte,
wenn man sich ihrer nicht annimmt, zu großen eskalieren können, die eine Gefahr für uns darstellen und

AMERIKA DIENST 04

�hätten verhindert werden können. Entsprechend
haben Präsident Clinton und Außenminister Christopher während der letzten vier Jahre unerschütterlich
den Frieden in den Regionen der Welt unterstützt, in
denen wir Interessen haben. Wir sind uns bewußt,
daß wir keine Lösungen aufzwingen, es den Verfechtern des Friedens jedoch erleichtern können, die
erforderlichen Risiken zu seiner Erlangung einzugehen.
Im Nahen Osten war das Abkommen vom vergangenen Monat über den Abzug der israelischen Streitkräfte aus Hebron ein außerordentlicher Erfolg für die
amerikanische Diplomatie. Die intensiven Verhandlungen trugen zu neuem Vertrauen zwischen den
Israelis und den Palästinensern bei. Das Abkommen
sieht nicht nur einen Plan für die Zukunft ihrer Beziehungen vor, sondern verleiht auch dem gesamten
Friedensprozeß neue Dynamik.
Ich beglückwünsche Ministerpräsident Netanjahu und
den PLO-Vorsitzenden Arafat zu ihrem Mut, das
Abkommen persönlich abzuschließen, und ich danke
König Hussein für seine wichtige Rolle dabei, diese
langwierigen Gespräche zu einem erfolgreichen Ende
zu bringen. Der ehemalige Außenminister Christopher
sowie der Sonderbeauftragte Dennis Ross und sein
Team verdienen großes Lob für ihre enormen Anstrengungen nicht nur beim Hebron-Abkommen,
sondern während der gesamten vergangenen vier
Jahre. Seien Sie versichert, daß ich das Engagement
der Vereinigten Staaten für eine aktive amerikanische
Rolle in dieser Region von elementarer Bedeutung für
unsere Interessen uneingeschränkt fortsetzen werde.
Um die durch das Hebron-Abkommen ausgelöste
Dynamik zu bewahren, haben wir eine dreigliedrige
Tagesordnung festgelegt. Erstens werden wir dauerhafte Fortschritte zwischen den Israelis und Palästinensern unterstützen. Zweitens werden wir nach
Wegen suchen, um die Verhandlungen zwischen
Israel und Syrien sowie zwischen Israel und Libanon
voranzubringen. Und drittens werden wir andere
arabische Staaten zur Erweiterung ihrer Verbindungen
zu Israel ermutigen. Um all diese Bestrebungen
unterstützen zu können, müssen wir unser derzeitiges
Niveau bilateraler Hilfe für Israel, Ägypten, Jordanien,
das Westjordanland, Gaza und Libanon aufrechterhalten.
Wie Sie wissen, werden Ministerpräsident Netanjahu
und der PLO-Vorsitzende Arafat Washington in Kürze
besuchen, und Präsident Mubarak und König Hussein
werden nächsten Monat kommen. Unter Präsident
Clintons Führung werden wir weiterhin einen sicheren,
umfassenden und dauerhaften Frieden zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn anstreben. Bei all
unseren Bestrebungen werden wir von der unerschütterlichen Verpflichtung der Vereinigten Staaten zur
Sicherheit Israels und von unserer ebenso starken

AMERIKA DIENST 04

Ablehnung derjenigen geleitet sein, die Gewalt und
Terror zur Abschreckung des Friedens einsetzen
würden.
In Zypern ist der seit langem bestehende Konflikt
zwischen dem türkischen und griechischen Teil nach
wie vor ungelöst. Die zunehmende Gewalt auf der
Insel im letzten Jahr vereitelte die Versuche zur
Wiederaufnahme der Verhandlungen, beleuchtete
jedoch auch schlaglichtartig die dringende Notwendigkeit einer dauerhaften Lösung. Der Disput teilt natürlich mehr als die beiden zypriotischen Gemeinden - er
wirkt weiterhin als Keil zwischen den NATO-Verbündeten Türkei und Griechenland. Dabei bedroht er die
europäische Sicherheit und unsere elementaren
Interessen. Entsprechend sind die Vereinigten Staaten
bereit, eine größere Rolle bei der Förderung einer
Lösung des Konflikts zu spielen. Damit solche Bestrebungen jedoch Früchte tragen können, müssen die
Parteien konkreten Schritten zustimmen, die die
Spannungen entschärfen, Vertrauen aufbauen und
produktive Verhandlungen möglich machen.
In Nordirland fühlen wir uns durch die Aufnahme der
Mehrparteiengespräche im Juni vergangenen Jahres
ermutigt, sind jedoch über den Mangel an Fortschritten
enttäuscht. Dennoch erkennen wir die historische
Bedeutung der Zusammenkunft von nationalistischen
und unionistischen Vertretern sowie der britischen und
irischen Regierung an einem Verhandlungstisch an.
Wie bedauern den erneuten Einsatz von Gewalt durch
die IRA und unterstützen die Entscheidung, die Sinn
Fein von den Gesprächen auszuschließen, bis die IRA
wieder einen unmißverständlichen und dauerhaften
Waffenstillstand herstellt.
Ich beglückwünsche
Senator Mitchell sowie seinen kanadischen und
finnischen Kollegen zu ihrer entschlossenen Führungsrolle bei den Verhandlungen. Wir werden zweifelsohne hart auf einen Durchbruch in den kommenden
Monaten hinarbeiten.
In Zentralafrika arbeiten wir mit den regionalen Politikern und unseren Verbündeten zusammen, um weitere
Tragödien in diesem von Genozid, Flüchtlingen und
Krieg heimgesuchten Gebiet zu verhindern. In Ruanda
sind die meisten Flüchtlinge in ihre Heimat zurückgekehrt, aber wir werden weiterhin unseren Beitrag zur
Nothilfe leisten, bis die verbliebenen Flüchtlinge
reintegriert sind. In Burundi fordern wir die Regierung
und die Rebellen auf, den Waffenstillstand auszurufen
und ernsthafte Gespräche über die nationale Aussöhnung aufzunehmen. Und in Zaire sind wir zutiefst
besorgt über die jüngsten Anzeichen einer Wiederaufnahme der schweren Kämpfe im östlichen Teil des
Landes. Wir halten unsere Unterstützung für eine
Lösung des Konflikts auf der Grundlage der Anerkennung der territorialen Integrität Zaires und der
uneingeschränkten Respektierung der Menschenrechte aufrecht.

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�Angesichts der andauernden Krise in Zentralafrika
werden wir unserem Vorschlag einer afrikanischen
Krisenreaktionstruppe (ACRF) Priorität einräumen.
Die ACRF wäre eine stehende Streitmacht für die
Ausführung friedenssichernder Missionen in Afrika.
Die internationale Staatengemeinschaft würde die
Ausbildung und das Gerät, die afrikanischen Nationen
selbst würden jedoch die Soldaten und Befehlshaber
bereitstellen.

rangen um einen ausgewogenen Ansatz zum Nahen
Osten. Wir verurteilten den Abschuß unbewaffneter
Flugzeuge durch Kuba. Wir genehmigten die friedenssichernden Missionen, die in Angola, Haiti, Ostslavonien, der ehemaligen jugoslawischen Republik
Mazedonien und andernorts gut funktioniert haben.
Wir haben ein Kriegsverbrechertribunal gegründet und
diplomatische Schritte eingeleitet, um einen erneuten
Genozid in Zentralafrika zu verhindern.

Generell verbessern sich in Afrika die Aussichten auf
Demokratie und Wirtschaftswachstum. Viele der
neuen demokratischen Regierungen Afrikas erleichtern Wachstum durch Maßnahmen, die es Privatunternehmen gestatten, Fuß zu fassen, während
gleichzeitig öffentliche Mittel klug in Bildung, Gesundheitsfürsorge und Projekte zur Verbesserung der
Chancen von Frauen investiert werden. Wir werden
mit den demokratischen Politikern Afrikas zusammenarbeiten, um diese Trends zu erweitern und zu vertiefen. Aber erschreckende Probleme wie Verschuldung,
Konflikte, Umweltbelastung und unzureichende
Investitionen bleiben bestehen. Es liegt in unserem
Interesse, den afrikanischen Politikern bei der Überwindung dieser Probleme behilflich zu sein und einen
wohlhabenderen, demokratischen und stabilen
Kontinent aufzubauen. Wir werden die Integration
Afrikas in die Weltwirtschaft fördern und einzelnen
Ländern, wenn wir können, durch gezielte bilaterale
Hilfsprogramme helfen.

In der Generalversammlung und anderen UN-Gremien
sowie ihren Sonderorganisationen wird ein Großteil der
internationalen Verhandlungen geführt. Die Einhaltung
der nuklearen Sicherheitsbestimmungen wird verifiziert; Bestrebungen zur Beendigung der Ausbeutung
von Kindern werden durchgeführt; man kümmert sich
um Flüchtlinge; epidemische Krankheiten werden
eingedämmt und Normen eingeführt, die amerikanischen Unternehmen den Export von Waren in
Milliardenhöhe gestatten. Dies ist nur ein Beispiel. Wir
haben ein enormes Interesse an diesem System einem System, an dessen Gründung die Amerikaner
mehr als jede andere Nation beteiligt waren.

Die Vereinigten Staaten werden in Afrika und andernorts weiterhin eine nachhaltige Entwicklung unterstützen sowie humanitäre und Flüchtlingshilfe bereitstellen, wenn Krisen auftreten. Unsere begrenzten
Ressourcen sind jedoch ein großer Anreiz für uns,
andere Mechanismen zur Reaktion auf Notfälle und
Konflikte zu stärken, einschließlich Friedenssicherung,
Entwicklung und humanitärer Aktivitäten der Vereinten
Nationen. Der Präsident beantragt in diesem Jahr 100
Millionen Dollar und eine Vorschußbewilligung in Höhe
von 921 Millionen Dollar, die nächstes Jahr zur
Verfügung gestellt werden soll, um unsere Außenstände bei den Vereinten Nationen und anderen
internationalen Organisationen zu bezahlen. Unser
Ziel ist die Sicherstellung der kontinuierlichen amerikanischen Führungsrolle in diesen Organisationen und
die Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedstaaten - in
Konsultationen mit dem Kongreß - bei weiteren UNReformen.
Herr Vorsitzender, dies ist ein Bereich, in dem es
zwingend geboten ist, gemeinsames Terrain zu
schaffen. Die amerikanische Führungsrolle in den
Vereinten Nationen ist von Bedeutung. Vier Jahre lang
hatte ich das Privileg, im Sicherheitsrat hinter einem
Schild zu sitzen, auf dem schlicht stand "Vereinigte
Staaten", und die amerikanischen Interessen zu
verteidigen. Während dieser Zeit hielten wir die
Sanktionen gegen Libyen und den Irak aufrecht. Wir

Seite 8

Jetzt sind wir an einem kritischen Punkt angelangt.
Wir sind mit unseren Beiträgen, die nach den Regeln
entrichtet werden müssen, denen unsere Nation vor
langer Zeit freiwillig zustimmte, in Milliardenhöhe im
Rückstand. Wir haben eine umfassende Tagesordnung für Reformen, die im Falle ihrer Verabschiedung diese Organisation bestens auf das 21. Jahrhundert vorbereiten würden. Wir haben einen neuen
Generalsekretär, der seine Unterstützung der Reformen eindeutig klargestellt hat, aber auch die Auffassung vertritt - wie es auch unsere Nation stets getan
hat - daß Verpflichtungen eingehalten werden sollten.
In den kommenden Tagen möchte ich mit Ihnen
zusammenarbeiten, um einen Weg zur Umsetzung des
Plans des Präsidenten zu finden. Unsere dauerhafte
Führungsrolle in den Vereinten Nationen hängt davon
ab. Unsere Prinzipien erfordern es. Unser Haushalt
gestattet es. Und unsere Interessen erfordern es.
Mißverstehen Sie mich nicht. Für diejenigen, die
eifersüchtig auf die amerikanische Füjirungsrolle sind
oder ihr feindselig gegenüberstehen, sind diese
Außenstände eine offene Einladung, Amerika zur
Strecke zu bringen. Wir müssen dieses Thema hinter
uns bringen und Fortschritte mit besseren internationalen Organisationen erzielen, die von starken und
respektierten Vereinigten Staaten angeführt werden.
Eine Führungsrolle in der Weltwirtschaft
Herr Vorsitzender, kurz nach seiner Amtsübernahme
1993 erklärte Präsident Clinton, "wir müssen uns dem
Wettbewerb stellen und dürfen uns nicht zurückziehen". Seitdem wurden dank der von ihm übernommenen Führungsrolle bei der Schaffung von Arbeits-

AMERIKA DIENST 04

�platzen für Amerikaner im Inland durch die Öffnung
von Märkten im Ausland spektakuläre Erfolge erzielt.
Wir haben mehr als 200 Handelsvereinbarungen
unterzeichnet und unsere Handelsgesetze entschlossen umgesetzt. Wir haben das NAFTA verabschiedet
und die Uruguay-Runde des GATT zum Abschluß
gebracht. Wir sind beim Gipfel von Miami die Verpflichtung eingegangen, die Verhandlungen über eine
Freihandelszone auf dem amerikanischen Kontinent
bis 2005 abzuschließen, und wir haben die Verpflichtung des APEC zur Erlangung freien und offenen
Handels im asiatisch-pazifischen Raum bis zum Jahr
2020 formuliert.

Auf den heutigen, von hartem Wettbewerb charakterisierten Weltmärkten müssen unsere Firmen oft mit
ausländischen Unternehmen konkurrieren, die aktive
Unterstützung durch ihre Regierung erfahren. Aus
diesem Grund muß und wird das US-Außenministerium alles in seiner Macht Stehende unternehmen um
sicherzustellen, daß amerikanischen Unternehmen
und Arbeitnehmern faire Behandlung widerfährt. Aus
diesem Grund bitte ich Sie um ihre fortgesetzte
Unterstützung für die Programme der Export-Import
Bank, die Gesellschaft für Privatinvestitionen in
Übersee (OPIC) und den Handels- und Entwicklungsrat.

Diese historischen Maßnahmen haben seit Anfang
1993 zu einer Erhöhung unserer Exporte um ein Drittel
sowie zur Schaffung von 1,6 Millionen neuen Arbeitsplätzen beigetragen. Noch wichtiger ist, daß die
Vereinigten Staaten unter dieser Administration zu
einem noch dynamischeren Mittelpunkt der Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert geworden sind.

Neben der Schaffung von Chancen für amerikanische
Unternehmen im Ausland müssen wir auch weiterhin in
den multilateralen Institutionen eine Führungsrolle
übernehmen, die eine Expansion der Weltwirtschaft
fördern. Ich bin zuversichtlich, daß unsere Unternehmen bei einem wirklich fairen Wettbewerb erfolgreich
sein können. Unsere Herausforderung besteht jedoch
darin sicherzustellen, daß das System fair bleibt. Das
erfordert harte Arbeit und Wachsamkeit. In der WTO
müssen wir solide Vorschriften ausarbeiten und ihre
entschlossene Durchsetzung gewährleisten - und wir
müssen weiterhin beharrlich unsere Unterstützung für
hohe Standards bei Arbeitsnormen, Geschäftspraktiken sowie beim Umweltschutz fortsetzen.

Wir dürfen uns jedoch nicht auf dem bisher Erreichten
ausruhen. Wir werden eng mit anderen Bundesbehörden zusammenarbeiten und unsere Dienststellen auf
der ganzen Welt dazu auffordern, bei unserer wirtschaftlichen Tagesordnung Fortschritte zu machen. In
unserer Hemisphäre werden wir den frühzeitigen
Beitritt Chiles zum NAFTA als gleichberechtigter
Partner sowie die Einbeziehung Zentralamerikas und
der Karibik in Vereinbarungen anstreben, die dem
NAFTA ähneln.
Im asiatisch-pazifischen Raum
werden wir sicherstellen, daß unsere Marktzugangsabkommen mit Japan und unsere mit China abgeschlossenen Vereinbarungen über das Recht auf
geistiges Eigentum vollständig umgesetzt werden.
Ferner werden wir größeren Zugang zu Schlüsselsektoren in China anstreben und mit diesem Land zusammenarbeiten, während es die erforderlichen
Veränderungen durchführt, die ihm eine Aufnahme in
die WTO zu ökonomisch vertretbaren Bedingungen
gestatten.
Und wir werden die amerikanische
Handels- und Investitionstätigkeit mit Indien ermutigen,
das seine bahnbrechenden Wirtschaftsreformen
fortsetzt.
In Europa bietet die von uns und unseren EU-Partnern
1995 unterzeichnete neue transatlantische Agenda
einen Plan für noch freieren und ungehinderteren
Handel. Wir werden die gemeinsam mit unseren
OECD-Partnern unternommenen Bestrebungen zur
Bekämpfung korrupter Handelspraktiken fortsetzen,
die einen Betrug an amerikanischen Unternehmen und
Arbeitnehmern darstellen und weltweit die Rechtsstaatlichkeit unterminieren. Und schließlich werden wir
mit unseren Partnern im Nahen Osten weiterhin an der
Stärkung der wirtschaftlichen Dimension des Friedensprozesses arbeiten.

AMERIKA DIENST 04

Wir dürfen nicht vergessen, daß die Entwicklungsländer weltweit die am schnellsten wachsenden Märkte
für amerikanische Unternehmen darstellen.
Wir
müssen diese Länder weiterhin zu einer umfassenden
Teilnahme an der Weltwirtschaft ermutigen. Wo es
möglich ist, sollten wir ihre Reformen durch unsere
bilaterale Entwicklungshilfe und die multilateralen
Entwicklungsbanken unterstützen. Für jeden Dollar,
den die Vereinigten Staaten beisteuern, verleiht die
Interamerikanische Entwicklungsbank 40 Dollar, die
asiatische Entwicklungsbank 80 Dollar und die Weltbank 135 Dollar.
Herr Vorsitzender, eine unserer wichtigsten Möglichkeiten, einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung zu
leisten, ist unsere Unterstützung für internationale
Familienplanung. Durch die Stabilisierung der Wachstumsraten der Bevölkerung können die Entwicklungsländer einen größeren Teil ihrer knappen Ressourcen
für die Deckung der Grundbedürfnisse ihrer Bürger
aufwenden. Zudem dienen unsere freiwilligen Familienplanungsprogramme
unseren
allgemeinen
Interessen, indem sie die Stellung der Frau verbessern, den Flüchtlingsstrom eindämmen, die Umwelt
schützen und Wirtschaftswachstum fördern. Aus
diesem Grund fordere ich den Kongreß zur Annahme
einer gemeinsamen Resolution vor Ende des Monats
auf, um den Bevölkerungsfonds des Amts für internationale Entwicklung (AID) für das Haushaltsjahr 1997
umgehend freizugeben. Wie der Präsident bereits
erklärte, wird eine weitere Verzögerung zu einem

Seite 9

�tragischen Anstieg von ungewollten Schwangerschaften, Schwangerschaftsabbrüchen und der
Sterblichkeitsrate von Müttern und Kindern führen.
Eine Führungsrolle zur Förderung von Freiheit und
Rechtsstaatlichkeit
Die Vereinigten Staaten wurden auf den Prinzipien der
Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde und Freiheit nicht
nur für wenige, sondern für alle Menschen gegründet.
Herr Vorsitzender, als vor Tyrannei Geflohene halte ich
diese Prinzipien in Ehren. Ich kann Ihnen versichern,
daß ich mich als Außenministerin klar und deutlich
gegen eine Verletzung der Menschenrechte aussprechen werde, wo immer sie erfolgt. Darüber hinaus
werde ich mich für die Förderung von Demokratie
weltweit einsetzen. Demokratie ist nicht nur die beste
Garantie für Menschenrechte, sondern auch der
Ursprung von Frieden und Wohlstand. Aus diesem
Grund müssen wir die Unterstützung für unsere
Demokratieprogramme fortsetzen, die Wahlen,
politische Parteien, staatliche Institutionen, die bürgerliche Gesellschaft und die Rechtsstaatlichkeit in zahlreichen Entwicklungsländern stärken.
Die Vereinigten Staaten werden auch ihre Bestrebungen in Übersee zur Bekämpfung von internationalem
Verbrechen und Drogenhandel verstärken.
Mit
unserer Hilfe stärken viele Länder, die Drogen herstellen, ihre demokratischen Institutionen zum Schutz
vordem korrupten Einfluß von Kriminellen. Wir haben
wichtige Fortschritte erzielt: Mehr Drogenbarone denn
je befinden sich hinter Gittern; Peru, wo weltweit die
meisten Kokapflanzen angebaut werden, hat den
Anbau auf das niedrigste Niveau seit einem Jahrzehnt
verringert; und wir haben zahlreiche bilaterale Auslieferungsabkommen und Vereinbarungen über
gegenseitigen Rechtsbeistand ausgehandelt.
Bei unseren Bestrebungen zur Bekämpfung des
internationalen Terrorismus werden wir ebenfalls nicht
nachlassen. Unsere Politik ist klar: Wir machen den
Terroristen gegenüber keine Konzessionen; wir üben
Druck auf den Terrorismus fördernde Staaten aus; wir
unternehmen alles in unserer Macht Stehende, um
Terroristen vor den Richter zu bringen. Unter der
Führung Präsident Clintons mobilisieren wir weltweit
Unterstützung zur Bekämpfung der Kräfte des Terrors.
Gemeinsam mit unseren G-7-Partnern und Rußland
haben wir uns auf die Verbesserung der Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung auf vielen
Gebieten geeinigt - einschließlich des Schutzes für
Massenbeförderungsmittel, der Verbesserung der
Strafverfolgung, strengerer Grenzkontrollen, der
Behinderung der Finanzierung terroristischer Aktivitäten und der Ausarbeitung eines internationalen
Vertrags zur Verhinderung von Terroranschlägen.
Wir werden unsere starke Unterstützung für das
Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen für

Seite 10

Ruanda und den Balkan fortsetzen. Nach allen
Schrecken dieses Jahrhunderts wird die Geschichte
uns nicht vergeben, wenn wir nicht versuchen, die für
ethnische Säuberungen, Massenvergewaltigung und
andere Greueltaten Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Zu unseren Vorschlägen für Beiträge
zu den Friedenssicherungsaktivitäten der UNO zählt
die andauernde Unterstützung für diese Tribunale.
Herr Vorsitzender, ich möchte noch einen Punkt
anführen. Ich möchte deutlich machen, daß ich
Außenminister Christophers herausragende Initiative,
Umweltfragen in den Mittelpunkt der Außenpolitik zu
stellen, fortsetzen werde. Die Bedrohungen durch
Erderwärmung, Umweltverschmutzung, Entwaldung
und Verlust der Artenvielfalt mögen nicht so dramatisch sein wie die durch Nuklearwaffen oder die
Bomben von Terroristen. Aber wenn wir sie ignorieren, werden wir zweifellos mit Gesundheitsschäden,
dem Verlust von Arbeitsplätzen und der Verschlechterung unserer Lebensqualität dafür zahlen. Aus diesem
Grund müssen wir weiterhin Bande der Zusammenarbeit zum Schutz der Gesundheit und Produktivität
unseres gemeinsamen Erbes von Luft, Wasser und
Land schmieden.
Dies wird ein entscheidendes Jahr wird für den Schutz
der internationalen Umwelt sein. Unser Hauptziel
besteht im Abschluß eines Abkommens über die
nächsten Schritte im Kampf gegen die Erderwärmung
bis Dezember. Unter den Wissenschaftlern herrscht
Übereinstimmung, daß das Problem real und ernst ist.
Wir müssen schnell handeln, um die katastrophalen
Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern einschließlich einem Anstieg des Meeresspiegels,
härteren Wetterbedingungen und der Ausbreitung
ansteckender Krankheiten. Im kommenden Jahr
werden die Vereinigten Staaten eine internationale
Aktion starten, um die Produktion einiger der giftigsten
Chemikalien der Welt zu verbieten. Obwohl sie in
unserem Land bereits verboten sind, werden diese
Chemikalien im Ausland immer noch hergestellt - und
können uns selbst dann schaden, wenn ihre Freisetzung in Luft und Wasser Tausende von Kilometern
entfernt erfolgt.
Schlußbemerkung
Verehrte Ausschußmitglieder, der Erfolg unserer
neuen Außenpolitik wird großenteils davon abhängen,
ob wir den Geist der Überparteilichkeit wiederbeleben
können, der nach dem Zweiten Weltkrieg vorherrschend war. Eine von beiden Parteien getragene
Außenpolitik ist von großer Bedeutung, denn sie
gestattet uns, auf der Weltbühne mit mehr Autorität zu
handeln, weil sie unsere Verbündeten zu größerer
Kooperationsbereitschaft anspornt, die Vorsicht
unserer tatsächlichen und potentiellen Gegner erhöht
und unsere Rolle als Modell für Demokratien und
Demokraten auf der ganzen Welt stärkt.

AMERIKA DIENST 04

�Eine von beiden Parteien getragene Politik ist für
unsere derzeit geteilte Regierung nicht nur geeignet,
sondern auch zeitgemäß. Das Ende des Kalten
Krieges hat bereits die innenpolitischen Aspekte der
amerikanischen Außenpolitik ebenso stark verändert
wie es die Weltpolitik verändert hat. Jetzt besteht in
unserer außenpolitischen Debatte die größte Kluft nicht
zwischen den beiden Parteien, sondern zwischen den
Befürwortern und den Gegnern des amerikanischen
Engagements. Die führenden Köpfe beider Parteien
sind sich der Notwendigkeit einer fortgesetzten
Führungsrolle der Vereinigten Staaten bewußt.

hinsichtlich des Haushalts 1998 für internationale
Angelegenheiten erzielen. Lassen Sie es mich noch
einmal wiederholen: Die Verabschiedung dieses
Haushalts ist von elementarer Bedeutung, wenn wir
die amerikanische Führungsrolle in der Welt aufrechterhalten wollen. Wir müssen der Erosion unserer
diplomatischen Ressourcen Einhalt gebieten, die seit
einigen Jahren unsere Außenpolitik behindert. Dieser
Haushalt gibt uns die Chance, diesen Prozeß einzuleiten. Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder, machen wir uns an die Arbeit.
Vielen Dank.

Eine der ersten Bewährungsproben für eine überparteiliche Politik wird die Frage sein, ob wir Einigkeit
*

AMERIKA DIENST 04

* * *

*

Seite 11

�NATO

26. Februar 1997

NATO-Erweiterung: Warum größer besser ist
von Außenministerin Madeleine Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von US-Außenministerin Madeleine Albright
verfaßten Artikel, der erstmals in der Ausgabe des The Economist vom 15. Februar 1997 erschien.

Es ist eine alte diplomatische Tradition, daß amerikanische Außenminister ihre Amtszeit mit einem Besuch
bei unseren engsten Verbündeten und Partnern
beginnen. Daher werde ich diese Woche mit führenden europäischen und anschließend asiatischen
Politikern zusammentreffen, um eine gemeinsame
Tagesordnung aufzustellen. In praktisch allen diesen
Ländern sind die dominierenden Fragen des Tages ebenso wie in meinem Land - innenpolitischer Natur
und betreffen Kindererziehung, Unternehmensgründungen, Defizitabbau und den Kampf gegen die
Arbeitslosigkeit. In einer Zeit, in der auf unseren
Kontinenten relativer Friede herrscht, besteht die
Gefahr, daß die jahrzehntelange diplomatische Arbeit
und der Aufbau von Institutionen in Vergessenheit
geraten, die es der großen Mehrheit der Menschen
erst ermöglicht haben, sich mit innenpolitischen
Verbesserungen zu befassen anstatt mit dem nationalen Überleben.
Meine Botschaft bei dieser Reise lautet, daß wir zügig
unsere Arbeit tun müssen, wenn diese Ruhe andauern
und sich verbreiten soll, statt als schöne Zeit mit
tragischerweise verpaßten Chancen in die Geschichte
einzugehen. Diese Botschaft gilt in besonderer
Hinsicht für Europa. Heute ist dieser Kontinent nicht
länger zweigeteilt, aber Gefahren bleiben bestehen:
Von Bosnien bis Tschetschenien starben während der
letzten fünf Jahre mehr Europäer eines gewaltsamen
Todes als in den vergangenen 45 Jahren. Von
Serbien bis Belarus werden wir daran erinnert, daß die
demokratische Revolution in Europa noch nicht
abgeschlossen ist.
Dennoch liegt ein Ziel, das vor wenigen Jahren noch
utopisch erschien, in Reichweite: Ein friedliches und
ungeteiltes Europa, das partnerschaftlich mit den

AMERIKA DIENST 04

Vereinigten Staaten zusammenarbeitet und jede neue
Demokratie des Kontinents in unserer transatlantischen Gemeinschaft willkommen heißt.
Das ist zweifellos ein ehrgeiziges Ziel. Wir haben
jedoch zu seiner Erlangung gemeinsam bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Westeuropa steht kurz vor
der Wirtschafts- und Währungsunion. Die meisten der
am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften
Europas liegen östlich der Elbe. Rußland hat sich für
Demokratie und Marktwirtschaft entschieden und den
düsteren Prognosen über seine weitere Entwicklung
getrotzt. Eine unabhängige und auf fester demokratischer Grundlage ruhende Ukraine schließt sich Europa
an. Das entschlossene Vorgehen von Amerikanern
und Europäern hat den Kämpfen in Bosnien ein Ende
gesetzt. Die dortige Militärkoalition setzt sich aus so
vielen ehemaligen Gegnern zusammen, wie kein
Geschichtsstudent in nüchternem Zustand hätte
prognostizieren können: Frankreich und Deutschland,
Polen und Litauen, Türkei und Griechenland, Rußland
und die Vereinigten Staaten.
Viele Institutionen spielen bei diesen Bestrebungen
eine Rolle, und alle werden dieses Jahr auf eine harte
Probe gestellt. Die Europäische Union hat zugesagt,
daß sie sich erneut vergrößert und bald Entscheidungen trifft. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat Polen,
Ungarn und die Tschechische Republik aufgenommen;
jetzt blickt sie auf andere marktwirtschaftliche Demokratien einschließlich Rußlands. Die Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)
fördert demokratische Standards, die die europäische
Integration ermöglichen - und sie geht in Bosnien
immer noch einen steinigen Weg.

Seite 1

�Aber es ist die NATO - der Dreh- und Angelpunkt der
europäischen Sicherheit und wichtigste Mechanismus
für das Engagement der Vereinigten Staaten in Europa
- die bei der Integration Europas führend ist. Sie
verändert ihre interne Struktur, um die Rolle Europas
aufzuwerten. Ihre Partnerschaft für den Frieden, in
deren Rahmen andere Länder gemeinsame Übungen
und Manöver mit dem Bündnis durchführen und
gemeinsam mit ihm planen und kooperieren können,
hat alte Gegner und lange Jahre neutrale Länder
zusammengebracht. Nach diesen Veränderungen ist
die Mitwirkung Frankreichs und Spaniens im Bündnis
stärker geworden. Die NATO ist jetzt attraktiver für
mehr Nationen, weil sie neue Herausforderungen in
Europa und darüber hinaus angeht. Die nächsten
sechs Monate werden zu den ehrgeizigsten und
schwierigsten in der Geschichte des Bündnisses
zählen.
Die Chance der NATO
Beim NATO-Gipfel im Juli dieses Jahres in Madrid
werden die führenden Politiker des Bündnisses die
internen Strukturen der NATO reformieren und mehrere Nationen zum Beitritt bis 1999 einladen. Präsident
Clinton und ich haben keine höhere Priorität als die
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten sowie mit
unseren Bürgern und dem Kongreß beim Aufbau
dieser neuen NATO. In Amerika wird es darüber
lebhafte Debatten geben, und das sollte auch so sein.
Aber ich bin zuversichtlich, daß das amerikanische
Volk und seine Vertreter zu der Überzeugung gelangen, daß eine neue und erweiterte NATO unserer
Sicherheit ebenso dient wie der Europas.
In der Debatte über die Zukunft der NATO wird die
Vergangenheit des Bündnisses allzu oft auf eine
eindimensionale Karikatur reduziert, die ihre Bedeutung für die heutigen Herausforderungen in Europa
unterschätzt. Zweifelsohne bestand während des
Kalten Krieges die Aufgabe der NATO in der Eindämmung der sowjetischen Bedrohung. Aber das war
nicht alles. Das Bündnis bot die Zuversicht und
Sicherheit, die zerrüttete Volkswirtschaften für ihren
Wiederaufbau benötigten. Es trug zur deutschfranzösischen Versöhnung bei und ermöglichte damit
die europäische Integration. Gemeinsam mit anderen
Institutionen führte es erst Italien, dann Deutschland
und schließlich Spanien wieder in die Familie europäischer Demokratien zurück. Es nahm der Verteidigungspolitik des Bündnisses den nationalen Charakter. Es stabilisierte die Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei. Und alles, ohne daß ein
Schuß abgegeben wurde.
Jetzt kann die neue NATO für Osteuropa tun, was die
alte NATO für Westeuropa geleistet hat: Überwindung
alten Hasses, Förderung von Integration, Schaffung
eines sicheren Umfelds für Wohlstand, Abschreckung

Seite 2

von Gewalt in der Region, in der zwei Weltkriege und
der Kalte Krieg begannen.
Allein die Aussicht auf eine NATO-Erweiterung verlieh
Zentral- und Osteuropa mehr Stabilität, als die Region
in diesem Jahrhundert erlebt hat. Ungarn löste seine
Grenz- und Minderheitenprobleme mit der Slowakei
und Rumänien. Polen überwand eine alte Kluft und
gründete gemeinsame Friedenssicherungsbataillone
mit der Ukraine und Litauen. In der gesamten Region
mobilisierte die Unterstützung für eine NATO-Mitgliedschaft politische Parteien jeder Couleur, die sich für
einen Beitritt zum Westen aussprachen. Ein Land
nach dem anderen stellte sicher, daß Soldaten von
Zivilisten ihre Befehle erhalten und nicht umgekehrt.
Um sich der NATO anschließen zu können, lösen
diese Staaten Probleme, die zu einem zweiten Bosnien
hätten führen können. Das ist das produktive Paradoxon im Herzen der NATO: Durch die Abgabe feierlicher Sicherheitsgarantien verringern wir tatsächlich die
Möglichkeit, daß unsere Truppen erneut in Kämpfe in
Europa verwickelt werden. Gleichzeitig gewinnen wir
neue Verbündete, die bestrebt und zunehmend fähig
sind, einen Beitrag zu unserer gemeinsamen Sicherheitsagenda zu leisten - vom Kampf gegen den
Terrorismus und die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen bis zur Sicherung von Stabilität in
Krisenregionen wie dem ehemaligen Jugoslawien.
Die NATO-Erweiterung beinhaltet reale Kosten - für die
Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und unsere
Partner. Aber die Kosten sind zumutbar und viele
würden auch unabhängig von einer Erweiterung
entstehen. Die Mitgliedschaft anstrebende Länder
müssen ihre Streitkräfte modernisieren - ungeachtet
dessen, ob sie Bündnismitglied sind oder nicht. In
einem unsicheren Zentraleuropa ohne Bindungen
wären die Militärausgaben wahrscheinlich noch höher.
Die Entscheidung gegen eine Erweiterung würde
ebenfalls Kosten beinhalten: Sie käme der Erklärung
gleich, daß die NATO weder die Herausforderungen
angehen noch die geographischen Gegebenheiten
eines neuen Europas akzeptieren will. Die NATO wäre
der Vergangenheit verhaftet und würde Belanglosigkeit
und sogar Zerfall riskieren. Diese Kosten können wir
nicht tragen.
Reaktion auf die Kritiker
Die NATO und ihre Mitgliedstaaten haben die Gründe
für eine Erweiterung dargelegt. Jetzt ist es für die
Kritiker höchste Zeit, eine vernünftige Begründung
dafür zu geben, warum sie trotz des tiefgreifenden
Wandels in Europa eine Politik versteinerter Unbeweglichkeit befürworten. Nachdem jetzt die Grenze
der Demokratie bis zu den entlegensten Orten Europas verschoben wurde, stellt sich die Frage nach der
Logik, die Ostgrenze der NATO dort einzufrieren, wo
sie gegenwärtig liegt - entlang der Linie, an der die

AMERIKA DIENST 04

�Rote Armee im Frühjahr 1945 Halt machte. Präsident
Clinton erklärte vor zwei Jahren in Prag: "Die Grenzen
der Freiheit sollten jetzt durch neues Verhalten, nicht
durch alte Geschichte definiert werden." Oder in
diesem Fall durch alte Denkweisen. Sie auf andere
Weise zu definieren, würde nicht nur dauerhaftes
Unrecht schaffen und die in diesem Jahrhundert auf
beiden Seiten des Eisernen Vorhangs gebrachten
Opfer verhöhnen, sondern wäre auch eine ständige
Quelle von Spannungen und Unsicherheit im Herzen
Europas.
Manche Kritiker weisen darauf hin, daß kein potentielles NATO-Mitglied mit einer unmittelbaren militärischen
Bedrohung konfrontiert ist. Das stimmt. Aber dasselbe gilt auch für Italien. Oder Dänemark. Oder Großbritannien. Oder Island. Oder die Vereinigten Staaten.
Wenn die NATO nur für die Länder offenstünde, die
von aggressiven Nachbarn bedroht werden, käme
praktisch keines der derzeitigen Mitglieder für einen
Beitritt in Frage.
Wer die Frage stellt, "wo ist die Bedrohung?", erkennt
nicht den wirklichen Wert der NATO. Das Bündnis ist
kein Aufgebot von Sheriffs aus dem Wilden Westen,
das wir nur bei drohender Gefahr mobilisieren. Es ist
eine ständige Präsenz zur Förderung gemeinsamer
Unternehmungen und zur Verhinderung des Entstehens einer Bedrohung. Aus diesem Grund benötigen die derzeitigen Bündnismitglieder es immer noch,
und aus diesem Grund möchten ihm weitere Länder
beitreten. Die NATO braucht keinen Feind. Sie hat
dauerhafte Ziele.
Andere Kritiker behaupten, die Integration Europas
könne durch die EU erfolgen. Ferner argumentieren
sie, Zentraleuropa brauche Aktien und Wertpapiere,
nicht Waffenlager und Bomben. Sie haben sicherlich
Recht, daß die EU-Erweiterung von elementarer
Bedeutung ist. Obwohl die Vereinigten Staaten bei
diesem Prozeß kein Mitspracherecht besitzen, haben
sie großes Interesse daran, daß sie so schnell und
umfassend wie möglich erfolgt.
Die von der NATO gebotene Sicherheit war für den
Wohlstand, den die EU erwarten läßt, immer entscheidend.
Darüber hinaus verlangt die EU-Erweiterung von den derzeitigen und neuen Mitgliedern
enorme und komplexe Anpassungen von Subventionsschemata und Regelwerk. Wenn die NATO-Erweiterung schneller vonstatten gehen kann, warum
sollten wir dann so lange warten, bis die Tomatenbauern in Zentraleuropa die richtigen Pestizide einsetzen?
Und da die NATO im Unterschied zur EU eine transatlantische Institution ist, kann sie gewährleisten, daß
ein geeintes Europa weiterhin seine stärkste Bindung
zu Nordamerika hat. Die Frage lautet nicht, welcher
Institution starke Demokratien beitreten sollten,
sondern wann und wie sie zum Beitritt bereit sind.

AMERIKA DIENST 04

Ferner behaupten die Kritiker, eine NATO-Erweiterung
werde das nach dem Ende des Kalten Krieges entstandene Europa in gewisser Weise erneut spalten.
Ganz im Gegenteil! Das Bündnis hat eine Vielzahl von
Schritten unternommen um sicherzustellen, daß das
Ausradieren alter Trennlinien keine neuen auf der
Landkarte hinterläßt. Die NATO stärkt die Partnerschaft für den Frieden, bezieht die Ukraine und
Rußland ein und gibt jeder neuen Demokratie unabhängig davon, ob sie dem Bündnis früher oder
später oder überhaupt nicht beitritt - im Rahmen des
dieses Frühjahr zu gründenden Atlantischen Partnerschaftsrats ein Mitspracherecht im Hinblick auf ihre
Zukunft.
Natürlich muß die Erweiterung der NATO mit den
stärksten Kandidaten anfangen; andernfalls wäre sie
gar nicht möglich. Aber wenn wir sagen, daß die
ersten neuen Mitglieder nicht die letzten sind, meinen
wir das auch. Und wir erwarten von den neuen
Mitgliedern, die Stabilität nach Osten zu exportieren
anstatt die Erweiterung als ein Wettrennen anzusehen,
auf Kosten der eigenen Nachbarn nach Westen zu
entkommen.
Der Kern dieser Herausforderung - und eine der
wichtigsten Aufgaben der NATO - besteht im Aufbau
einer engen und konstruktiven Partnerschaft mit
Rußland. Das erfordert Vision und politischen Willen.
Es verlangt, die Klischees aus der Zeit des Kalten
Krieges aufzugeben und die europäische Sicherheit
nicht länger als Nullsummenspiel zu betrachten.
Die NATO-Erweiterung erfolgt nicht als Reaktion auf
eine neue russische Bedrohung. Beweggrund ist das
Gebot der Schaffung eines integrierten Europas - das
Rußland ein- und nicht ausschließt. Das Ziel der
Erweiterung besteht darin, Zentral- und Osteuropa einer Region, deren zukünftige Stabilität der Schlüssel
zur Zukunft Europas als Ganzes ist - dieselbe Art von
Sicherheit zu geben, die in Westeuropa bereits
selbstverständlich geworden ist. Rußland benötigt
ebenso wie alle anderen Länder Stabilität und Wohlstand im Zentrum Europas.
Ich bin mir bewußt, daß viele russische Politiker der
NATO-Erweiterung ablehnend gegenüberstehen.
Dennoch hat die NATO, die Rußland abzulehnen
vorgibt, wenig Ähnlichkeit mit dem Bündnis, das wir
tatsächlich aufbauen.
Die konventionellen und
nuklearen Streitkräfte der NATO sind dramatisch
reduziert worden. Wir haben weder den Plan noch die
Notwendigkeit oder Absicht, Nuklearwaffen auf dem
Territorium neuer Mitgliedstaaten zu stationieren. Die
Aktionen der NATO in den vergangenen sechs Jahren
lassen ein auf den Aufbau von Kooperation und nicht
Konfrontation konzentriertes Bündnis erkennen, ein
Bündnis, das - wie in Bosnien - Seite an Seite mit
Rußland zusammenarbeitet und nicht versucht, das
Land zu isolieren.

Seite 3

�Wir sind uns bewußt, daß Europa erst endgültig
ungeteilt und frei sein kann, wenn ein demokratisches
Rußland uneingeschränkter Bestandteil Europas ist.
Wir hoffen jetzt, die Russen werden erkennen, daß ihr
Mißtrauen gegenüber der NATO und ihrer Erweiterung
ungerechtfertigt ist. Wenn Rußland letztlich Teil eines
ungeteilten Europas sein möchte, dann kann es nicht
auf Länder wie Polen, Estland oder die Ukraine als
Pufferzone hoffen, die Rußland von Europa trennt.
Es ist ein Fehler zu denken, das Schicksal der russischen Demokratie stehe bei der Erweiterungsdebatte
irgendwie auf dem Spiel. Rußlands Zukunft als eine
freie und wohlhabende Nation wird von der Fähigkeit
seiner Politiker und Bürger abhängen, eine offene
Gesellschaft aufzubauen, Verbrechen und Korruption
zu bekämpfen, Wirtschaftswachstum anzukurbeln und
alle an dessen Früchten teilhaben zu lassen. Das
russische Volk weiß, daß seine Zukunft in Moskau, in
Perm, Irkutsk und sicherlich nicht in Brüssel entschieden wird. Zahlreiche Meinungsumfragen haben
ergeben, daß wenige Durchschnittsrussen Besorgnis
über ein Bündnis empfinden, das, wie viele russische
Politiker einräumen, keine akute militärische Gefahr für
Rußland darstellt.
Es läge nicht in unserem Interesse, die Erweiterung als
Reaktion auf die Behauptungen einiger Russen, sie sei
ein offensiver Akt, zu verschieben oder aus dem Gleis
zu bringen. Das würde nur die schlimmsten politischen Tendenzen in Moskau ermutigen. Es würde
eine Botschaft senden, daß sich die Konfrontation mit
dem Westen auszahlt. Mit der Integration der neuen
Demokratien Zentral- und Osteuropas abzuwarten,
würde der russischen Demokratie in keiner Weise
helfen. Es würde schwerer, nicht leichter, die Art von
Beziehungen zwischen der NATO und Rußland zu
schaffen, die wir heute anstreben.
Wie Rußland einbezogen werden kann
Die NATO hat den Vorschlag unterbreitet, diese
Partnerschaft in einer Charta mit Rußland zu definieren. Die Charta würde klare Prinzipien und
Arrangements für Konsultationen, Kooperation und
gemeinsame Aktionen bei der Friedenssicherung,
Verteidigungs- und Rüstungskontrolle, nuklearen
Sicherheit, Nichtverbreitung und Notfallhilfe festlegen.
Sie würde einen ständigen gemeinsamen NATORußland-Rat gründen. Wir möchten, daß sich Rußland und unsere anderen Partner an den alliierten
Streitkräftekommandos beteiligen, die uns die gemeinsame Reaktion auf Krisen gestatten. Wir möchten,
daß die russischen Offiziere bei der Planung der
Missionen behilflich sind, die wir gemeinsam unternehmen. Als eine nicht durch NATO-Entscheidungen
gebundene Nation hätte Rußland kein Vetorecht. Aber
die Mitsprache des Landes wäre erwünscht.

Seite 4

Wir führen auch Verhandlungen zur Aktualisierung des
Vertrags über konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE), der die Stationierung konventioneller Waffen in
ganz Europa begrenzt. Wir laden Moskau zur Beteiligung an einem Abkommen ein, das die Streitkräfteniveaus senken sowie Stabilität und Transparenz
auf dem Kontinent fördern wird. Damit kann Rußland
sicher sein, daß die NATO-Erweiterung nicht zu einem
größeren Aufmarsch von NATO-Streitkräften entlang
seiner Grenzen führen wird. In der Tat kann es
sicherstellen, daß es keine destabilisierende Konzentration militärischen Geräts irgendwo in Europa gibt.
Wir haben gute Chancen, vordem NATO-Gipfeltreffen
im Juli Fortschritte bei diesen Themen zu erzielen. Ich
werde am 20. Februar in Moskau mit russischen
Regierungsvertretern zusammentreffen.
Präsident
Clinton wird Präsident Jelzin im März in Helsinki
treffen. Er wird im Mai für das Gipfeltreffen zwischen
den Vereinigten Staaten und der EU erneut nach
Europa kommen. Die Staats- und Regierungschefs
derG-7 werden im Juni mit Präsident Jelzin in Denver
zusammenkommen. Rußland hat eine strategische
Chance zur Sicherung seiner Interessen in einem
integrierten Europa. Das Land sollte sie jetzt ergreifen.
Ich gehe diese Herausforderung und die uns in Europa
in den nächsten Jahren konfrontierenden Herausforderungen mit Zuversicht an. Und warum auch
nicht? Seit nunmehr einem halben Jahrhundert
arbeiten Europäer und Amerikaner bei der Gestaltung
der Ereignisse zusammen, statt sich von den Ereignissen bestimmen zu lassen.
Das Europa von heute steht in krassem Gegensatz zu
dem Europa, das ich als Kind nach dem Zweiten
Weltkrieg kannte. Für diejenigen, die damals noch
nicht hier waren, muß es schwer sein, sich die Tage
von Franco, Tito und Stalin, die Flüchtlinge, den
Hunger, die konstante Furcht, daß Frieden nur ein
Zwischenspiel sein könnte, das Europa, das Winston
Churchill als "einen Trümmerhaufen, ein Leichenhaus,
einen Nährboden für Pest und Haß" bezeichnete,
vorzustellen.
Gott sei Dank hatten Politiker wie Marshall, Monnet,
Bevin und Adenauer die innere Kraft für die harten und
kontroversen Entscheidungen, die für den Aufbau der
Institutionen erforderlich waren, die uns 50 Jahre des
Friedens und Wohlstands bescherten. Jetzt ist es an
uns zu handeln.
In seinem Bericht zur Lage der Nation stellte Präsident
Clinton fest, daß ein heute geborenes Kind praktisch
keine Erinnerung an das 20. Jahrhundert haben wird.
Gleichermaßen haben die heute geborenen Kinder der
transatlantischen Gemeinschaft die Chance, aufzuwachsen und ein völlig anderes Europa zu kennen.
In diesem neuen Europa werden sie den Checkpoint
Charlie nur als Museum kennen, Jalta nur als Provinz-

AMERIKA DIENST 04

�Stadt in einer souveränen Ukraine, Sarajevo nur als
friedliches Bergdorf im Herzen Europas. Die Kinder
des nächsten Jahrhunderts werden erwachsen und
kennen eine völlig andere NATO - die ihre Energien
zugunsten von Integration massiert statt ihre Streitkräfte entlang der Trennlinien zu massieren.

All dies ist möglich, wenn - und es ist kein sehr großes
wenn - wir jetzt handeln, um die Arrangements zu
stärken, die Europa so lange so gut gedient haben,
und sie auf neue Partner und Verbündete ausdehnen.
Wenn wir einmal zusammengekommen sind, können
wir uns auf das konzentrieren, was wir zusammen tun
müssen. Dieses Ziel ist jedes bißchen unserer
gemeinsamen Bestrebungen wert.

* * * * *

AMERIKA DIENST 04

Seite 5

�NATO
26. Februar 1997

Rußland hat nichts zu befürchten
von Strobe Talbott

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Artikel des Stellvertretenden Außenministers Strobe
Talbott, der erstmals in der The New York Times vom 18. Februar 1997 erschien.

Außenministerin Madeleine Albright und ihr russischer
Amtskollege Jewgenij Primakow werden am Donnerstag in Moskau zusammenkommen, um Wege zur
Stärkung der Beziehungen zwischen der NATO und
Rußland zu erörtern - trotz der russischen Vorbehalte
gegen die Entscheidung des Bündnisses zur Aufnahme neuer Mitglieder. Die Chancen für Fortschritte
werden größer sein, wenn die Russen nicht nur die
Unvermeidlichkeit der Erweiterung, sondern auch die
Gründe dafür verstehen.
Die Entscheidung zur Erweiterung des Bündnisses
begann mit einer Frage. Sollte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung des Warschauer Pakts ein Militärbündnis in der europäischen
Landschaft bestehen bleiben, oder sollte sich die
NATO freiwillig in die Annalen der Geschichte zurückziehen?
Als Präsident Clinton 1993 seine erste Amtszeit antrat,
gelangte er zu der Schlußfolgerung, ein Bündnis sei
immer noch erforderlich, weil es weiterhin Bedrohungen der Sicherheit der Mitgliedstaaten und Europas als
Ganzem geben würde.
Er war über mehrere Eventualfälle besorgt. Einer war
ein aus ethnischen und anderen Spannungen herrührender regionaler Konflikt oder Instabilität, die innerhalb oder zwischen europäischen Staaten entstehen würden. Ein anderer war eine externe Bedrohung vom Süden oder Osten. Solche Möglichkeiten mögen weit hergeholt erscheinen, sind jedoch
besonders in einer Ära nicht undenkbar, in der sich
Raketentechnologie und Massenvernichtungswaffen
weiter verbreiten.
Dann stellte sich eine weitere Frage: Wird die NATO
selbst zu sehr mit dem Kalten Krieg identifiziert, um die

AMERIKA DIENST 04

neuen Herausforderungen zu bewältigen und neue
Chancen zu nutzen?
Sollte ein neues Bündnis
gegründet werden?
Der Präsident entschied sich aus drei Gründen für die
Anpassung des bestehenden Bündnisses. Erstens ist
es leichter und billiger, auf das bereits Bestehende
aufzubauen, statt einen völlig neuen Anfang zu
machen. Zweitens muß die NATO der Dreh- und
Angelpunkt für die amerikanische Verpflichtung zur
Verteidigung Europas bleiben. Drittens ist die NATO
eine bewährte Kraft für die friedliche Integration und
demokratische Entwicklung auf dem Kontinent.
Die NATO war nie ein rein militärisches Instrument sie hatte stets auch eine politische Funktion. Nach
dem Zweiten Weltkrieg trug das Bündnis dazu bei, daß
Italien und Deutschland Teil der transatlantischen
Gemeinschaft wurden. Es förderte die Konsolidierung
einer von Zivilisten geführten Demokratie in Spanien.
Es ebnete den Weg für die Aussöhnung zwischen
Frankreich und Deutschland und für die Europäische
Union. Sein einheitliches Kommando schaffte den
Anreiz für militärischen Wettbewerb unter den westeuropäischen Mächten ab. Es trug zur Sicherung des
Friedens zwischen Griechenland und der Türkei bei.
In der Vergangenheit und besonders im 19. Jahrhundertdienten Bündnisse nicht nur zur Führung oder
Abschreckung von Kriegen, sondern gestalteten auch
die Beziehungen zwischen ihren Mitgliedstaaten.
Insoweit die NATO dieser Tradition folgt, hat das Ende
des Kalten Krieges in der Tat seine logische Begründung untermauert - und sollte es denjenigen erleichtern, die bisher das Bündnis als notwendiges aber
vorübergehendes Übel betrachteten, es statt dessen
als dauerhaft Gutes anzusehen.

Seite 1

�Obwohl die NATO ihre militärische Fähigkeit und ihre
Kernidentität als Verteidigungsvertrag bewahrt, kann
sie sich zunehmend auf ihre politische Funktion
konzentrieren. In der Tat kann sie diese Mission auf
die ehemaligen Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts
ausdehnen.
Diese Erwägung hatte Präsident Clinton im Hinterkopf,
als er die schwierigste Frage - die Erweiterung des
Bündnisses - anging. Es gab nur zwei mögliche
Antworten: Ja oder Nein. "Vielleicht" oder "später,
aber nicht jetzt", würde einem "Nein" entsprechen oder
von den Zentraleuropäern zumindest so aufgefaßt
werden.
Es gab mehrere Gründe, warum die Antwort Ja lauten
mußte. Ein Teil der Mission der NATO nach dem
Kalten Krieg ist die Öffnung ihrer Türen für die neuen
Demokratien, die ihre Souveränität wiedergewonnen
haben. Sie möchten Teil der transatlantischen Gemeinschaft sein und verdienen dies auch. Ganz
Europa wird sicherer und wohlhabender sein, wenn die
postkommunistischen Länder sich weiter zu einer
bürgerlichen Gesellschaft und Marktwirtschaften
entwickeln sowie harmonische Beziehungen zu ihren
Nachbarn unterhalten.
Die bloße Aussicht auf die NATO-Mitgliedschaft
ermutigt diese Trends. Bei der Verfolgung ihres Ziels
eines NATO-Beitritts haben einige zentraleuropäische
Staaten ihre internen Reformen bereits beschleunigt
und die Beziehungen untereinander verbessert.
Umgekehrt würde eine Entscheidung gegen die
NATO-Erweiterung - und damit, die NATO nach dem
Kalten Krieg in ihrer Struktur aus dem Kalten Krieg
einzufrieren - den Zentraleuropäern eine weder
willkommene noch hilfreiche Botschaft senden. Sie
würde implizieren, daß diese in eine permanente
Pufferzone zwischen Ost und West verwiesen würden.
Es wäre höchst ungerecht und ironisch - eine doppelte
Gefahr - wenn diese Länder tatsächlich für die nächsten 50 Jahre bestraft wären, weil sie in den letzten 50
Jahren - gegen den Willen des Volkes - Mitglied des
Warschauer Pakts waren. Das daraus resultierende
Gefühl von Isolation und Verwundbarkeit wäre entmutigend und möglicherweise destabilisierend.
Wir müssen natürlich die Frage des russischen
Widerstands gegen die NATO-Erweiterung klar ins
Auge fassen. Wir sollten sie aber auch als das
erkennen, was sie ist - vornehmlich eine Frage der
Einstellung, politischer Empfindlichkeiten, keine Frage
der militärischen Realität.
Die neue NATO stellt für Rußland keine Bedrohung dar
- genausowenig wie ein demokratisches Rußland eine
Bedrohung für das Bündnis darstellt. Die Erweiterung
ist zur bequemen Zielscheibe russischer Ängste und

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Ressentiments geworden, die in den Unsicherheiten
über die postsowjetische Identität und Rolle in der Welt
wurzeln.
Viele russische Reformer und Demokraten sowie
einige renommierte Experten aus dem Westen warnen, die NATO-Erweiterung würde nationalistische,
antiwestliche und militaristische Kräfte in Rußland
freisetzen.
Diese Gefahr ist zwar real, wird aber übertrieben
dargestellt. Sie ist durchaus zu meistern. Schwarzseherei findet in der politischen Elite Rußlands mehr
Resonanz als in der Gesamtbevölkerung. Meinungsumfragen deuten darauf hin, daß der Durchschnittsrusse sich weitaus mehr Sorgen über innenpolitische
Fragen - Löhne und Gehälter, Renten und Kriminalität macht.
Das heißt nicht, daß die Bedeutung von Einstellungen
als Faktor in Politik und Diplomatie als unwesentlich
abgetan werden sollte. Aber es liegt in der Macht der
Russen, die derzeit scharf gegen ein anachronistisches Klischee der NATO angehen, ihre Einstellungen
stärker der Realität anzupassen.
Anstatt die Erweiterung als Schlag gegen den russischen Stolz und Mißtrauensvotum des Westens gegen
die Zukunft Rußlands zu betrachten, sollten sie diese
als Bestandteil eines größeren Evolutionsprozesses
akzeptieren, der Rußland nutzen kann und sollte.
Schließlich hat auch Rußland ein Interesse an einem
stabilen Zentraleuropa. Das russische Volk wurde
zweimal in diesem Jahrhundert von Kriegen heimgesucht, die in genau dieser Region begannen.
Ein wichtiger Bestandteil der Öffnung der NATO nach
Osten ist ihre Bereitschaft, den legitimen politischen
und Sicherheitsinteressen Rußlands Rechnung zu
tragen. Die Identifizierung von gemeinsamen Interessen, gemeinsamen Aufgaben und Wegen zur
Vertiefung und Erweiterung der Vertrauensbildung
zwischen dem Bündnis und Rußland ist nicht nur ein
übergeordnetes Ziel des Besuchs von Außenministerin
Albright in Moskau diese Woche, sondern auch des für
nächsten Monat in Helsinki anberaumten Gipfeltreffens
zwischen den Präsidenten Clinton und Jelzin. Die
Zusammenarbeit zwischen der NATO und Rußland,
wie sie derzeit im ehemaligen Jugoslawien stattfindet,
bietet ein Modell für den Umgang mit einem zweiten
Bosnien. Die amerikanischen Streitkräfte in Europa
verbringen nicht mehr ihre Zeit damit, sich auf den
Kampf gegen russische Truppen in Zentraleuropa
vorzubereiten. Vielmehr üben sie für friedenssichernde Operationen mit NATO-Verbündeten und anderen
Partnern, zu denen manchmal sogar die Russen
zählen.
Heute gibt es im NATO-Hauptquartier in Brüssel ein
russisches Verbindungsbüro. Wir haben eine Aus-

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�weitung dieser Austauschaktivitäten und die Einbeziehung russischer Offiziere auf allen oberen
Ebenen der Befehlsstruktur des Bündnisses vorgeschlagen.
Diese Art von Interaktion mit der NATO kann dem
russischen Militär helfen, seine Schwierigkeiten beim
Versuch einer Modernisierung zu bewältigen.
Manche haben prognostiziert, die Erweiterung werde
die Bedeutung der Nuklearwaffen für die europäische
Sicherheit erhöhen. Ganz im Gegenteil. Nach dem
Ende des Kalten Krieges hat das Bündnis bereits die

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Zahl der Nuklearwaffen in seinem Arsenal um 90
Prozent verringert. Darüber hinaus bestünde für den
Fall, daß die NATO nicht erweitert wird, die ständige
Gefahr, daß Nationalismus und militärische Rivalität in
Zentraleuropa Wiederaufleben und damit die Möglichkeit einer Weiterverbreitung von Nuklearwaffen
schaffen könnten.
Die NATO hat sich bereits verändert - tiefgreifend,
vorteilhaft und dauerhaft. Ein wesentlicher Bestandteil
der neuen Mission der neuen NATO ist die Zusammenarbeit mit einem neuen Rußland bei der Umgestaltung Europas als Ganzem.

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�WIRTSCHAFT
26. Februar 1997

Wirtschaft wird immer wichtigeres Instrument
der Diplomatie
von Alan P. Larson

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Artikel des Abteilungsleiters für wirtschaftliche und
unternehmerische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Alan P. Larson.

Zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte der Vereinigten
Staaten hat die Wirtschaft eine wichtigere Rolle in der
Außenpolitik gespielt als heute.
Diese zunehmend interdependente Beziehung hat
zwei grundlegende Dimensionen. Die erste ist, daß
die Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Weltwirtschaft heute lebenswichtiger für den Wohlstand im
Inland ist als zu jeder anderen Zeit seit dem Anfang
des 19. Jahrhunderts. Die zweite ist, daß viele der
großen außenpolitischen Herausforderungen von
heute - beispielsweise die Integration Chinas und
Rußlands in die internationale Staatengemeinschaft nur mit dem kreativen und effektiven Einsatz wirtschaftlicher Maßnahmen und Institutionen bewältigt
werden können.
Während des Kalten Krieges, als die Eindämmung der
Sowjetunion das Hauptziel war, waren Sicherheitsbündnisse das vorherrschende politische Instrument.
In der Zeit nach dem Kalten Krieg haben Wirtschaftsbeziehungen eine mindestens ebenso große Bedeutung gewonnen. Der Internationale Währungsfonds
(IWF) und die Weltbank haben Rußland zum Beispiel
außergewöhnlichen Zugang zu Ressourcen gewährt,
um die Wirtschaft des Landes zu stabilisieren und die
Institutionen von einer zentral gelenkten zu einer vom
Privatsektor geleiteten marktorientierten Volkswirtschaft umzugestalten. Wir versuchen, Rußland in die
Weltwirtschaft zu integrieren, indem wir seine effektive
Beteiligung an der Welthandelsorganisation (WTO),
dem Pariser Club der offiziellen Gläubigernationen, der
OECD und dem APEC fördern.
Die Integration Chinas in das internationale politische
und wirtschaftliche System wird eine der großen
außenpolitischen Herausforderungen des nächsten

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Jahrhunderts sein. Wenn die chinesische Volkswirtschaft nur im entferntesten so weiterwächst wie in den
vergangenen Jahren, werden die Auswirkungen auf
die Weltwirtschaft tiefgreifend sein. Wir begrüßen die
wachsende wirtschaftliche Stärke und den wachsenden Wohlstand Chinas. Wir müssen jedoch sicherstellen, daß China im Einklang mit seinem wirtschaftlichen Aufschwung eine verantwortungsvolle Rolle bei
der Formulierung und Einhaltung internationaler
Regeln spielt. Aus diesem Grund unterstützen wir
Chinas Beitritt zur WTO, bestehen jedoch darauf, daß
dieser Beitritt unter wirtschaftlich soliden Bedingungen
erfolgt.
Im Nahen Osten sind die wirtschaftlichen Instrumente
und Institutionen die unerläßliche Grundlage für einen
dauerhaften Frieden. In diesem Zusammenhang spielt
die Weltbank eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung und Koordinierung von Bestrebungen zur
Entwicklung der Infrastruktur im Westjordanland und
Gazastreifen. Wir hoffen, daß die Nahost-Wirtschaftsentwicklungsbank durch die Unterstützung von
grenzüberschreitenden Infrastrukturprojekten, Privatinvestitionen und die Koordinierung der Wirtschaftspolitik mit der Zeit zur Überwindung der wirtschaftlichen Zersplitterung der Region beiträgt.
In Haiti und Bosnien hängen die außenpolitischen Ziele
der Vereinigten Staaten großenteils von den Anstrengungen der Geberländer auf bilateraler Ebene,
multilateraler Entwicklungsbanken und dem IWF beim
Aufbau politischer und wirtschaftlicher Institutionen ab,
die die bürgerliche Gesellschaft und Stabilität untermauern.
Das soll nicht heißen, daß militärische und regionale
Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr so wichtig sind.

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�Weit gefehlt! Dennoch kann der effektive Einsatz
wirtschaftlicher Instrumente - insbesondere auf
multilateraler Basis - Krisen verhindern, die später eine
einseitige Intervention der Vereinigten Staaten als der
verbliebenen militärischen Supermacht mit sehr viel
höheren Opfern an Menschenleben und Gut erforderlich machen könnten.
Im innenpolitischen Bereich unternimmt die ClintonAdministration Schritte zum Wiederaufbau einer
überparteilichen Basis für die wirtschaftliche Führungsrolle der Vereinigten Staaten. Der Präsident hat vom
Kongreß das Verhandlungsmandat für den Abschluß
von Handelsabkommen und eine solide Finanzierung
auswärtiger Angelegenheiten erbeten. Das Verhandlungsmandat ist erforderlich, wenn die Vereinigten
Staaten ihre Initiative global aufrechterhalten und in
der westlichen Hemisphäre wiedergewinnen wollen.
Die Administration bittet auch um die Unterstützung
beider Parteien, damit die Außenstände der Vereinigten Staaten bei internationalen Organisationen
und internationalen Finanzinstitutionen ausgeglichen
werden können.
Gleichzeitig unternehmen das Außenministerium und
andere amerikanische Behörden entschiedene Schritte
zur Öffnung von Märkten und Erweiterung der Handelsbeziehungen wo immer möglich.

den. Und in diesem Monat haben wir gerade entsprechende WTO-Verhandlungen abgeschlossen, bei
denen 68 Länder der Öffnung ihrer Märkte für Basistelekommunikationsdienste für Wettbewerb und internationalen Handel zustimmten.
Die Vereinigten Staaten unterstützen auch die OECDVerhandlungen zur Erlangung eines multilateralen
Investitionsabkommens (MAI). Unser Ziel beim MAI ist
die Schaffung neuer Chancen und die Einführung
besserer Schutzmaßnahmen für ausländische Investoren. Wir werden dafür sorgen, daß nicht der
OECD angehörende Länder dem Abkommen beitreten
können, so daß das Abkommen die Investitionsstandards auf der ganzen Welt verbessern könnte.
Schließlich arbeiten die Vereinigten Staaten auf die
Einführung effektiver Disziplinen zur Bekämpfung der
Wirtschaftskorruption in Übersee hin. Die OECDLänder haben vor kurzem ein Abkommen zur Beendigung der Praxis erzielt, daß Unternehmen Bestechungsgelder aus dem Ausland steuerlich absetzen
können. Zur Zeit werden Verhandlungen über eine
ähnliche Vereinbarung geführt, die von amerikanischen Handelspartnern fordert, Bestechung ausländischer Firmen als Straftat einzustufen - ein Schritt,
den die Vereinigten Staaten vor nahezu 20 Jahren mit
der Verabschiedung des Gesetzes über korrupte
Praktiken im Ausland unternahmen.

Die Vereinigten Staaten haben ein Luftfahrtabkommen
über Offene Himmel mit Deutschland, 11 anderen
europäischen Ländern, Jordanien und Singapur
abgeschlossen. Wir streben aktiv ähnliche Abkommen
mit den wichtigsten Volkswirtschaften des Pazifischen
Beckens und den Ländern Zentralamerikas an. Und
schließlich führen wir entscheidende Verhandlungen
über Offene Himmel mit Großbritannien und Japan den Toren zu Europa und Asien.

Insgesamt werden diese Initiativen die Grundlage für
eine neue Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert schaffen die auch demokratische Werte fördert. Die Disziplinen
bezüglich Bestechung werden auch zur Verhinderung
von Korruption in instabilen demokratischen Institutionen beitragen. Offene Himmel und die Datenautobahn
werden die Verbreitung von Ideen und Informationen
sowie von Waren und Dienstleistungen beschleunigen.

Zur Zeit führen wir Verhandlungen mit der Welthandelsorganisation um sicherzustellen, daß die
Datenautobahn auf die ganze Welt ausgedehnt wird.
Die WTO-Verhandlungen in Singapur im Dezember
vergangenen Jahres führten zum Informationstechnologieabkommen, unter dem die Zölle auf Produkte im
Wert von über 500 Milliarden Dollar abgeschafft wer-

Wenn die Vereinigten Staaten und ihre Partner die vor
uns liegenden wirtschaftlichen Herausforderungen mit
Vision und Enthusiasmus angehen, können wir uns
alle an der Schaffung eines neuen internationalen
Wirtschaftssystems beteiligen, das unseren kollektiven
Wohlstand und unsere kollektive Sicherheit bis weit in
die Zukunft sicherstellen wird.

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AMERIKA DIENST 04

�TELEKOMMUNIKATION

26. Februar 1996

Telekommunikation: Der Motor für wirtschaftliche
Entwicklung im nächsten Jahrhundert
von Alan P. Larson

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Artikel des Abteilungsleiters für wirtschaftliche und
unternehmerische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Alan P. Larson.

Die heutige Weltwirtschaft erfordert eine moderne
Informationsinfrastruktur zur Förderung des Wachstums.
Die raschen
Entwicklungen
in der
Telekommunikations- und Informationstechnologie
machen den schnellen und zuverlässigen Austausch
von Daten, Aufträgen und Analysen unerläßlich für das
unternehmerische Umfeld von heute.
Die Informationstechnologie ist zum Motor für Entwicklung in allen Bereichen der Wirtschaft geworden. Vom
Fertigungsbereich bis zur Landwirtschaft, von der
Versicherungsbranche bis zur Unterhaltungsindustrie,
vom Bankwesen bis zum Umweltschutz kurbeln
Computer, Telefon, Fax, Zellularfunk und andere
Telekommunikationswunder
unseres
Zeitalters
internationales Wirtschaftswachstum an.
Beim Ministertreffen der Welthandelsorganisation
(WTO) in Singapur verpflichtete man sich zum Abbau
von Zöllen in Höhe von mehr als 500 Milliarden Dollar
auf Produkte, die für den Bau der Datenautobahn
unerläßlich sind. Ein gutes WTO-Abkommen über
Basistelekommunikationsdienste wird einen Anreiz für
Wettbewerb und Effizienz bei der Entwicklung unseres
Informationszeitalters darstellen und gewährleisten,
daß sich diese Datenautobahn auf alle Nationen
erstreckt.
Fortschritte in der Telekommunikationstechnologie
werden nicht durch staatliche Beratungen über die
Abkommen im Bereich Informationstechnologie oder
Basistelekommunikationsdienste verzögert. Bestenfalls können diese Absprachen nur dazu beitragen,
daß die Länder mit den Veränderungen Schritt halten,
die Technologie und die Industrie uns weiterhin bieten.

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Diese Abkommen helfen den Ländern, ihren Firmen
und Bürgern, vom Fortschritt zu profitieren.
Um in der heutigen Welt konkurrenzfähig zu sein,
fordern unsere Unternehmen Telekommunikationsregelungen, die vernünftig kalkulierte und wettbewerbsfähige Dienste, transparente und konsequente
Lizenzverfahren sowie wettbewerbsfreundliche und
nichtdiskriminierende Bestimmungen enthalten. In
einem Zeitalter unverzüglicher globaler Kommunikation
über eine Vielfalt von Medien sollten sich die Aufsichtsbehörden jetzt vor Augen führen, daß Hemmnisse
"Außenseiter" nicht abhalten, wie sie es einst konnten in der Tat ist das Konzept des "Außenseiters" jetzt ein
Anachronismus. Die Handelschranken schaden am
ehesten und dauerhaftesten der heimischen Industrie
des Landes, die bei den unweigerlichen Fortschritten
der Informationstechnologie hinterherhinkt.
Länder, die sich für die Entwicklung ihrer Telekommunikationsinfrastruktur und damit für den Verkehr auf
dieser Datenautobahn entscheiden, werden Akteure in
der Weltwirtschaft. Länder, die diese Entwicklung
bekämpfen, werden ihren eigenen Industrien, Unternehmern und Bürgern schaden. Selbst Entwicklungsoder einkommensschwache Länder haben die Chance, die industrielle Revolution zu überspringen und
sofort ins Informations- und postindustrielle Zeitalter
einzutreten. Viele haben sich für den Einsatz neuer
Informationstechnologien zur Ankurbelung
ihres
Wachstums im Agrarbereich und in anderen Industrien
oder dafür entschieden, sich selbst zum globalen
Ausgangspunkt der Telekommunikationsindustrie zu
machen, ihren Volkswirtschaften
unverzügliche
ausländische Direktinvestitionen und - was vielleicht

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�am wichtigsten ist - Arbeitsplätze und Ausbildung für
ihre Menschen zur Verfügung zu stellen.
Die US-Regierung ist sich einig, daß Entwicklung im
Telekommunikationsbereich erforderlich ist, jedoch
Geld kostet. Die Weltbank hat errechnet, daß in den
nächsten fünf Jahren 60 Milliarden Dollar pro Jahr an
Kapital für den Aufbau der weltweiten Infrastruktur
benötigt werden, um die Vorteile der Informationsrevolution zu nutzen. Die Weltbank hat jedoch die für
diese Aufgabe erforderlichen 60 Milliarden Dollar
jährlich nicht angeboten. Die notwendigen Investitionen müssen vom Privatsektor angezogen werden.
Um Anreize für solche Investitionen zu schaffen, sollte
jedes Land, das möchte, daß seine Bürger mit der Welt
Schritt halten, ein regulierendes Regime im Inland
einführen, das Investitionen und Wettbewerb ermutigt.
Eine Reihe von Ländern wie Mexiko, Chile und
Singapur haben das getan, viele andere auf dem
amerikanischen Kontinent und andernorts widersetzen
sich bedauerlicherweise noch.
Die Länder müssen auch international handeln. Ein
Abkommen über Basistelekommunikationsdienste wird
den Abbau von Handels- und Investitionshemmnissen
im modernen Sektor bedeuten. Ein Abkommen wird
uns allen dienen, indem es einen wettbewerbsfreundlichen Rahmen zum Nutzen unserer besten und effi-

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zientesten Industrien und Dienstleistungen schafft.
Die WTO-Verhandlungen über Basistelekommunikationsdienste sind in die letzte Phase getreten, in der
Nationen "Angebote" zur Ankurbelung von Investitionen machen können. Wir sind optimistisch, daß die
Industrie die Regierungen drängen wird, die besten
Angebote zu unterbreiten. Das Telekommunikationsabkommen muß global sein, um dem Einflußbereich
der Technologie zu entsprechen.
Wir haben den ersten Schritt getan. Unser Markt in
Höhe von 213 Milliarden Dollar ist bereits der offenste,
wettbewerbsfähigste und effizienteste der Welt. Wir
sind jedoch noch weiter gegangen, indem wir bei
Diensten für Orts-, Fern- und internationale Gespräche
unbegrenzten Wettbewerb, 100 Prozent indirekten
ausländischen Besitz und regulative Verpflichtungen
zur Verbesserung des Wettbewerbs zugelassen
haben.
Wir fordern die Industrienationen zu entsprechenden
Angeboten auf und die Entwicklungsländer zu schrittweisen Zusagen für die künftige Liberalisierung.
Unseres Erachtens kann das Wirtschaftswachstum,
das wir am Ende des Jahrhunderts zu sehen begonnen haben, mit dem Abschluß des investitionsfreundlichsten und effizientesten Telekommunikationsabkommens fortgesetzt werden.

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AMERIKA DIENST 04

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