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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

#

24

2 3 . J u l i 1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan sagt nein zu Apartheid und Sanktionen
- Rede des Präsidenten zur Lage in Südafrika Shultz: Kampf gegen den Terrorismus gewinnbar
- Rede des Außenministers beim USIA-Antiterrorismus-Seminar

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Nagelprobe von Stockholm
- Von Botschafter Robert L. Barry -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Die NASA handelt
- Bericht an Präsident Reagan über Maßnahmen nach dem
CHALLENGER-Unglück -

Themenindex AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1986)

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. Juli 1986

24

REAGAN SAGT NEIN ZU APARTHEID UND SANKTIONEN
- Rede des Präsidenten zur Lage in Südafrika -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 22. Juli 1986 vor dem Rat für Weltpolitik und der Vereinigung für Auswärtige Politik in Washington gehaltenen
Rede hat der amerikanische Präsident die Aufstellung eines Zeitplanes für
die Abschaffung der Apartheid-Gesetze gefordert. Zugleich lehnte er es
jedoch ab, die "starke und entwickelte Wirtschaft des Landes lahmzulegen".
Di'? Rede Ronald Reagans hat folgenden Wortlaut:
Seit über einem Jahr gilt die Aufmerksamkeit der Welt in besonderem
Maße Südafrika - der sich verschärfenden Krise und dem sich beschleunigenden Kreislauf der Gewalt. Ich möchte heute die amerikanische Politik gegenüber dieser geplagten Republik und gegenüber der Region, zu der sie gehört, erläutern - einer Region, die für den Westen lebenswichtig ist.
Die Wurzel der Unruhen in Südafrika ist die Apartheid, jenes starre
System der Rassentrennung, in dem die Schwarzen als Bürger dritter Klasse
behandelt werden in einem Staat, den aufzubauen sie mitgeholfen haben.
Die amerikanische Einstellung zur Apartheid war und bleibt klar.
Apartheid ist moralisch falsch und politisch unannehmbar. Die Vereinigten
Staaten können keine herzlichen Beziehungen zu einer Regierung unterhalten, deren Macht auf der Verweigerung von Rechten für die Mehrheit ihrer
Bevölkerung aufgrund deren Rassenzugehörigkeit beruht.
Wenn Südafrika

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�Wenn Südafrika wünscht, zur Familie westlicher Nationen zu gehören, so
ist das Ende der Apartheid die Voraussetzung dafür. Ich glaube, das alle
Amerikaner diese Ansicht teilen.
Zweitens: Die Apartheid muß abgebaut werden. Für die gemäßigten Vertreter aller Rassen in Südafrika wird die Zeit knapp.
Obwohl wir Amerikaner jedoch in der Zielsetzung eines freien Südafrikas der Rassenintegration übereinstimmen, das mit den freien Nationen und
dem Westen verbunden ist, so gibt es doch tiefe Meinungsunterschiede darüber, wie dieses Ziel zu erreichen ist.
Zunächst etwas zur Geschichte. Seit einem ViertelJahrhundert distanziert sich die amerikanische Regierung von der südafrikanischen Regierung.
Im Jahr 1962 verhängte Präsident Kennedy ein Embargo für Waffenverkäufe.
Im vorigen September habe ich eine Anordnung erlassen, durch die amerikanische Kontakte mit der Regierung in Pretoria weiter eingeschränkt wurden. In den letzten 18 Monaten hat die Wirtschaft ihre eigenen unmißverständlichen Signale ausgesandt. Die Vergabe von Krediten an Südafrika
durch amerikanische Banken ist praktisch eingestellt worden. Keine bedeutenden neuen Investitionen wurden getätigt. Einige westliche Geschäftsleute haben ihre Sachen gepackt und sind nach Hause zurückgekehrt.
Wir sind nun an einem kritischen Punkt angelangt. Im Kongreß und in
Europa mehren sich die Stimmen für scharfe Sanktionen gegen Südafrika.
Der britische Premierminister hat Strafsanktionen als "unmoralisch" und
"völlig zu verwerfen" verurteilt. Lassen Sie mich Ihnen erklären, warum
wir glauben, daß Frau Thatcher Recht hat.
Die ersten Opfer eines Wirtschaftsboykotts würden gerade diejenigen
sein, denen wir helfen möchten. Die meisten Arbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren würden, wären schwarze Arbeiter.
Unserer Meinung wäre es kein Weg, den Menschen in Südafrika zu helfen,
wenn wir die Wirtschaft lahmlegen, von der ihr überleben und das ihrer Familien zum überleben abhängen.
Alan Paton, der große Schriftsteller Südafrikas, der seit Jahren das
Gewissen seines Landes verkörpert, hat selbst nachdrücklich erklärt: Ich
bin gänzlich gegen den Rückzug von Investitionen. "Es gibt dafür hauptsächlich moralische Gründe... diejenigen, die am meisten für einen Rückzug der Investitionen bezahlen werden, werden die schwarzen Arbeiter Südafrikas sein. Ich nehme die Lehren der Heiligen Schrift ernst, darunter
besonders die Parabeln über Trank für die Durstigen und Speisen für die
Hungernden... Ich werde mich nicht daran beteiligen, solches Leid für irgendeinen Schwarzen mitzuverursachen." Und dies werden wir ebenfalls
nicht tun.
Wenn man sich einmal die Landkarte anschaut, so bildet das südliche
Afrika eine wirtschaftliche Einheit, die durch Schienen und Straßen miteinander verbunden ist. Zaire hängt in seinem südlichen Bergbaugebiet
hinsichtlich der Nahrungsmittel- und Ölversorgung zu drei Vierteln von

�Vierteln von Südafrika ab. über die Hälfte des Stroms, der die Hauptstadt
von Mosambik versorgt, kommt aus Südafrika, über ein Drittel der Exporte
von Sambia und 65 Prozent der Exporte aus Simbabwe verlassen den Kontinent
über südafrikanische Häfen.
In den Bergwerken Südafrikas werden über 13 000 Arbeiter aus Swasiland, 19 000 aus Botswana, 50 000 aus Mosambik und 110 000 aus dem kleinen
Binnenland Lesotho beschäftigt. Schließen Sie diese Bergwerke durch Sanktionen und Sie werden schwarze Bergarbeiter ihrer Arbeitsplätze berauben
und ihre Familien zur Rückkehr in ihre Heimatländer und damit in bittere
Armut zwingen. Ich glaube nicht, daß das amerikanische Volk so etwas tun
möchte. Wie ein führender afrikanischer Politiker kürzlich bemerkt hat:
Südafrika gleicht einem Zebra. Wenn die weißen Teile verletzt werden,
dann werden die schwarzen Teile ebenfalls sterben.
Westliche Staaten haben Milliarden an Auslandshilfe und Investitionskrediten in das südliche Afrika gepumpt. Ist es sinnvoll, diesen Ländern
einerseits zu helfen und andererseits das industrielle Räderwerk, von dem
ihre Zukunft abhängt, zu zerstören?
Wo immer Schwarze sich um Chancengleichheit, höhere Löhne und bessere
Arbeitsbedingungen bemühen, sind die amerikanischen, britischen, französischen, deutschen und niederländischen Geschäftsleute, die in ihren Heimatländern entwickelte Ideen von sozialer Gerechtigkeit nach Südafrika
tragen, ihre besten Verbündeten.
Wenn der Rückzug der Investitionen ein Mandat erhält, so werden diese
fortschrittlichen westlichen Kräfte das Land verlassen, und südafrikanische Gesellschafter werden ihre Farmen und Fabriken, Werke und Minen zu
Ausverkaufspreisen übernehmen. Wie könnte dies die Apartheid beenden?
Unsere eigenen Erfahrungen lehren uns, daß Fortschritt in Rassenfragen
am schnellsten und leichtesten nicht in Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs erreicht werden, sondern in Zeiten von Wohlstand und Wachstum.
Unsere eigene Geschichte lehrt uns, daß der Kapitalismus den natürlichen
Feind solch feudaler Institutionen wie der Apartheid darstellt.
Trotzdem teilen wir die Empörung, die sich bei den Amerikanern mit der
Zeit entwickelt hat.
Abend für Abend, Woche für Woche hat uns das Fernsehen über die Gewalttaten südafrikanischer Sicherheitskräfte berichtet, durch die friedliche Demonstranten und unschuldige Passanten verletzt oder getötet wurden. In jüngster Zeit haben wir von Gewalttaten Schwarzer gegen Schwarze
gelesen. Und dann existiert da noch der kalkulierte Terror durch Elemente
des Afrikanischen Nationalkongresses: das Verminen von Straßen, die Bombenanschläge auf öffentlichen Plätzen, die auf die Erzeugung weitere Repressionen abzielen, die Einführung des Kriegsrechts, die als Endeffekt
Bedingungen für einen Rassenkrieg schaffen wird.
Die am häufigsten angewandte Methode des Terrors ist das sogenannte
"Halsband". Bei diesem barbarischen Mittel der Vergeltung wird ein Reifen

�ein Reifen mit Kerosin oder Benzin gefüllt, um den Hals eines angeblichen
"Kollaborateurs" gelegt und angezündet. Das Opfer kann ein schwarzer Polizeibeamter, ein Lehrer, ein Soldat oder ein Staatsbediensteter sein.
Das ist egal. Die grausame Tat dient dazu, die Schwarzen so zu terrorisieren, daß sie alle Art von rassischer Kooperation beenden - und dazu,
Südafrika als Präludium zu einem letzten, sich zuspitzenden Machtkampf zu
polarisieren.
Bei der Verteidigung ihrer Gesellschaftsordnung und ihres Volkes hat
die südafrikanische Regierung ein Recht und die Pflicht zur Aufrechterhaltung der Ordnung gegenüber Terroristen. Durch die von ihr angewandten
Taktiken beschleunigt die Regierung jedoch nur die Fahrt in den Abgrund
des Blutvergießens. Die Gemäßigten sind eingeschlossen zwischen der Einschüchterung durch radikale Jugendliche und Gegengewalt durch die andere
Seite.
Der von der Regierung verhängte Ausnahmezustand geht außerdem weit
über das Maß des Notwendigen hinaus. Und dadurch, daß er zur Verhaftung
Tausender von Studenten, Bürgerrechtsvertretern, Kirchenführern und Gewerkschaftsvertretern führte, verletzte er selbst das Gesetz und trug zu
einer weiteren Radikalisierung bei. Solch repressive Maßnahmen werden
Südafrika weder Frieden noch Stabilität bringen.
Es ist tragisch, daß die meisten Amerikaner nur von den Toten und Verletzten in Südafrika erfahren - vom Terrorismus, der Gewalt und der Repression. Denn hinter den furchtbaren Fernsehbildern gibt es noch eine
andere Wahrheit: Südafrika ist eine komplexe und vielfältige Gesellschaft, die sich in einem Ubergangsstadium befindet. Eine zunehmende Zahl
von Südafrikanern ist zu der Ansicht gelangt, daß der Wandel unverzichtbar
zum überleben ist. Diese Erkenntnis ist hart und spät gekommen; aber
Pretoria hat endlich gemerkt, daß die Apartheid der Vergangenheit angehört.
In den letzten Jahren hat sich ein dramatischer Wandel vollzogen.
Schwarzen Arbeitern wurden gestattet, sich gewerkschaftlich zu organisieren, Tarifverhandlungen durchzuführen und die stärkste freie Gewerkschaftsbewegung in ganz Afrika aufzubauen. Die berüchtigten Paßgesetze
wurden abgeschafft, ebenso wie viele der Gesetze, durch die Schwarze daran
gehindert werden, in südafrikanischen Städten zu leben, zu arbeiten und
Grundbesitz zu erwerben. Die Staatsbürgerschaft, die ihnen fälschlich genommen worden war, wurde fast sechs Millionen Schwarzen zurückgegeben.
Die Rassentrennung in Universitäten und öffentlichen Einrichtungen wird
abgebaut. Die sozialen Apartheidgesetze, durch die geschlechtliche Beziehungen und Ehen zwischen den Rassen verboten wurden, sind beseitigt worden. Und gerade weil Staatspräsident Botha die Aufsicht über diese Reformen führte, wird er von Extremisten als Verräter gebrandmarkt.
Wir müssen uns daran erinnern, so wie der britische Historiker Paul
Johnson uns erinnert, daß Südafrika sowohl ein afrikanisches wie auch ein
westliches Land ist.
Und, wenn wir die Geschichte dieses Kontinents in dem ViertelJahrhundert seit der Unabhängigkeit betrachten, sieht der Historiker Johnson Süd- 4 -

�Johnson Südafrika nicht als Fehlschlag an: "...nur in Sudafrika," so
schreibt er, "sind die Realeinkommen der Schwarzen stark angestiegen... Im
Bergbau haben sich die Reallöhne der Schwarzen im letzten Jahrzehnt verdreifacht... Südafrika ist das... einzige afrikanische Land, das eine
große schwarze Mittelschicht hervorgebracht hat." Und er fügt hinzu: "Es
ist fast sicher, daß es in Südafrika heute mehr schwarze Frauen in akademischen Berufen gibt als im übrigen Afrika zusammen."
Trotz Apartheid wandern Zehntausende schwarzer Afrikaner aus Nachbarstaaten nach Südafrika, um der Armut zu entfliehen und sich der Möglichkeiten einer Wirtschaft zu bedienen, die fast ein Drittel des Einkommens
aller Staaten Afrikas südlich der Sahara produziert.
Es ist tragisch, daß in der gegenwärtige Krise der soziale und wirtschaftliche Fortschritt zum Stillstand gekommen ist. Im zeitgenössischen
Südafrika - vor der Verhängung des Ausnahmezustandes - gab es doch ein
großes Maß an Rede-, Presse- und Religionsfreiheit. Und es ist wirklich
schwer, sich ein einziges Land im sowjetischen Block vorzustellen - oder
viele in den Vereinten Nationen -, wo politische Kritiker die gleiche
Freiheit haben, um zu Wort zu kommen - wie es die offenen Kritiker der
südafrikanischen Regierung getan haben.
Narh westlichen Maßstäben gemessen, genügt Südafrika trotzdem noch
immer nicht den Ansprüchen, und das in hohem Maße, was die Bereiche wirtschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit anbelangt. Südafrikas Handlungen
zur Beendigung der Apartheid dürfen jetzt nicht enden. Der Ausnahmezustand nuß aufgehoben werden. Der politische Prozeß muß geöffnet werden.
Daß die Schwarzen in Südafrika ihre Regierung mitbestimmen sollten, ist
eine Idee, deren Zeit heute gekommen ist. Es kann kein Zurück geben. In
der geiiischtrassigen Gesellschaft, die Südafrika nun einmal ist, kann keine einzelne Rasse die Ausübung der politischen Macht monopolisieren.
Schwarze Kirchen, schwarze Gewerkschaften und insbesondere echte
schwarze Nationalisten müssen in der Zukunft ihres Landes eine legitime
Rolle spielen. Die südafrikanische Regierung ist jedoch keineswegs dazu
verpflichtet, über die Zukunft des Landes mit irgendeiner Organisation zu
verhandeln, deren proklamiertes Ziel in der Schaffung eines kommunistischen Staates besteht - und die zur Erreichung dieses Zieles terroristische Taktiken benutzt.
Verständlicherweise fragen viele Amerikaner: Warum waschen wir nicht
unsere Hände in Unschuld, wenn wir uns die Bedingungen der Gewalt zwischen
den Rassen, den Haß vor Augen führen, und verlassen diesen tragischen Kontinent und dieses blutenden Land?
Die Antwort darauf lautet:

Dies können wir nicht tun.

In Südafrika stoßen unsere nationalen Ideale und unsere strategischen
Interessen aufeinander.
Südafrika ist wichtig, weil wir daran glauben, daß alle Menschen
gleich erschaffen und von ihrem Schöpfer mit unveräußerlichen Rechten aus-

�Rechten ausgestattet worden sind. Sudafrika ist wichtig wegen unserer nationalen Identität. Einer von acht Amerikanern kann seine Vorfahren bis
nach Afrika zurückverfolgen.
Strategisch gesehen, ist dies eine der wichtigsten Regionen der Welt.
Um das Kap der Guten Hoffnung herum nimmt das für die Wirtschaft der Industrieländer Westeuropas unerläßliche öl des Persischen Golfs seinen Weg.
Das südliche Afrika und Südafrika sind eine Fundgrube für viele wichtige
Mineralien wie zum Beispiel Vanadium, Mangan, Chrom und Platin, für die
der Westen keine andere sichere Lieferquelle hat.
Die Sowjetunion ist sich sehr wohl dessen bewußt, was auf dem Spiel
steht. Vor zehn Jahren setzte Moskau mit Hilfe einer von Fidel Castro bereitgestellten Armee kubanischer Söldner ein Stellvertreter-Regime in
Angola ein. Heute liefert die Sowjetunion diesem Regime die Waffen, um
die ÜNITA anzugreifen, jene schwarze Befreiungsbewegung, die für alle
Angolaner dasselbe Recht fordert, in ihrer Regierung repräsentiert zu
sein, das auch schwarze Südafrikaner für sich beanspruchen.
Die Apartheid bedroht unsere wichtigen Interessen in Südafrika, weil
sie die Nachbarstaaten in den Strudel der Gewalt hineinzieht. In den vergangenen achtzehn Monaten sind südafrikanische Truppen wiederholt in Nachbarstaaten eingedrungen. Ich wiederhole, daß wir solch ein Verhalten verurteilen. Darüber hinaus haben sich die von den Sowjets ausgerüsteten
Guerillas des Afrikanischen Nationalkongresses - die sowohl innerhalb Südafrikas als auch von den Nachbarländern aus operieren - wiederum mit terroristischen Aktivitäten in Südafrika begonnen. Ich verurteile auch dieses Verhalten.
Aber Südafrika kann die Schuld an diesen Problemen nicht auf die Nachbarstaaten schieben - besonders wenn solche Nachbarn Schritte unternehmen,
um die Aufnahme von Guerilla-Aktivitäten von ihrem Territorium aus zu unterbinden.
Wenn diese zunehmende Feindschaft im südlichen Afrika zwischen .
Pretoria und seinen Anrainer-Staaten offen zum Ausbruch kommt, wird die
Sowjetunion dabei der Hauptnutznießer sein. Dabei ständen die wichtige
Meerenge bei Südafrika sowie auch die strategisch wichtigen Mineralien der
Region auf dem Spiel.
Es wäre daher ein historischer Akt der Torheit seitens der Vereinigten
Staaten und des Westens, aus Gründen der Angst, Frustration und des Xrgers
Südafrika abzuschreiben.
Letztendlich wird aber das Schicksal Südafrikas dort entschieden und
nicht hier. Wir Amerikaner sind zur Hilfe bereit. Aber ob Südafrika frei
und demokratisch wird oder einen Abwärtskurs in eine Spirale der Armut und
Unterdrückung nimmt, wird das Land selbst zu entscheiden haben und nicht
wir.
Der Schlüssel für die Zukunft liegt bei der südafrikanischen Regierung. So wie ich die westlichen Nationen dazu dränge, die Kommunikation

�die Kommunikation und ihr Engagement in Südafrika aufrechtzuerhalten, so
dränge ich auch Herrn Botha, sich nicht in die Isolation zurückzuziehen
und den Kontakt zum Westen nicht abreißen zu lassen. Amerikaner und Südafrikaner waren noch nie Feinde - und wir verstehen die Befürchtungen, die
Angst und die Sorge all seiner Bewohner. Aber ein Ende der Apartheid bedeutet nicht notwendigerweise ein Ende der sozialen, wirtschaftlichen und
physischen Sicherheit der weißen Bevölkerung in diesem Land, das sie lieben und für dessen Aufbau sie so viel geopfert haben.
Zu der schwarzen, "farbigen" und asiatischen Bevölkerung Südafrikas,
die so lange als zweit- und drittklassig angesehen wurde, kann ich nur sagen: in Ihrer Hoffnung auf Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Selbstbestimmung haben Sie in den Vereinigten Staten einen Freund und Verbündeten.
Erhalten Sie sich ihre Hoffnungen auf Frieden und Aussöhnung; wir werden
unseren Beitrag dazu leisten, um diesen Weg offen zu halten.
Wir wissen, daß hinter der Wut und dem Groll in den Townships die Erinnerung an die, Generationen von Südafrikanern widerfahrenen, Ungerechtigkeiten steht. Wem Unrecht widerfuhr, so sagt der Dichter, dem wird es
oft mit Gleichem vergolten.
Aber wenn die Bevölkerung Südafrikas eine Zukunft in einem freien Land
haben soll, in dem die Rechte aller respektiert werden, muß von Vergeltung
abgesehen werden. Andernfalls wird die Zukunft in einem blutigen Kampf um
die Vergangenheit untergehen.
Es wäre überheblich, darauf bestehen zu wollen, daß einzig amerikanische Ideen und Institutionen, die in unserer Geschichte und unseren Traditionen verwurzelt sind, in südafrikanische Erde verpflanzt werden sollen.
Lösungen für Südafrikas politische Krise müssen von Südafrika selbst kommen. Schwarze und Weiße, "Farbige" und Asiaten haben alle jeweils ihre
eigenen Traditionen. Aber lassen Sie mich ihnen darstellen, wie unserer
Ansicht nach die notwendigen Bestandteile des Fortschritts hin zu einem
politischen Frieden aussehen könnten.
Erstens sollte ein Zeitplan für die Abschaffung der Apartheidgesetze
festgelegt werden.
Zweitens sollten alle politischen Gefangenen freigelassen werden.
Drittens muß Nelson Mandela freigelassen werden, um den politischen
Fortschritt seines Landes mitgestalten zu können.
Viertens sollten das Verbot politischer Bewegungen der Schwarzen aufgehoben werden.
Fünftens sollten sowohl die Regierung als auch ihre Gegner einen Dialog über den Aufbau eines politischen Systems einleiten, das auf der Zustimmung der Regierten aufbaut und in dem die Rechte der Mehrheiten, Minderheiten und Individuen gesetzlich geschützt sind. Und der Dialog sollte
von denen begonnen werden, die Macht und Authorität besitzen, nämlich der
südafrikanischen Regierung selbst.
Sechstens sollte

�Sechstens sollte Südafrikas starke und entwickelte Wirtschaft nicht
gelähmt werden, wenn das Südafrika nach der Apartheid das wirtschaftliche
Zugpferd des südlichen Afrika bleiben soll. Deshalb fordere ich den Kongreß auf - und auch die Länder Westeuropas - diesem gefühlsmäßigen Ruf
nach strafenden Sanktionen zu widerstehen.
Wenn der Kongreß Sanktionen verhängt, würde er damit Amerikas Flexibilität zerstören, unseren diplomatischen Einfluß zunichte machen und die
Krise vertiefen. Um etwas zu ändern, müssen Amerikaner, die sich um Anständigkeit und Fortschritt in der Welt bemühen, weiterhin engagiert bleiben.
Wir müssen bleiben und arbeiten, nicht abbrechen und davonrennen.
Es sollte unsere Politik sein, in Südafrika aufzubauen, nicht einzureißen. Nur zu oft haben wir Amerikaner in der Vergangenheit tadelnswerten Regimen - aus Wut, Frustration und Ungeduld heraus - den Rücken zugekehrt, nur um dann das Unglück zu sehen, das auf dem Fuße folgte.
Diejenigen, die uns heute sagen, daß es moralisch sei, die südafrikanische Wirtschaft mit einem Embargo zu belegen und Südafrika abzuschreiben, sollten uns einmal genau sagen, was ihrer Ansicht nach an deren Stelle entstehen wird. Welche ausländische Macht wird den leeren Platz füllen, wenn die Bande zum Westen zerissen sind?
Um jedoch wirkungsvoll zu sein, muß unsere Politik mit den westlichen
Verbündeten und den Anrainerstaaten im südlichen Afrika koordiniert werden. Diese Länder haben die größten Befürchtungen um, aber auch möglichen
Einfluß auf die Situation in Südafrika. Ich beabsichtige, die folgenden
Schritte zu unternehmen:
Außenminister Shultz hat bereits mit unseren westlichen Verbündeten,
deren Verwurzelung und Präsenz in Südafrika bedeutender sind als unsere,
intensive Konsultationen darüber aufgenommen, wie die Verhandlungen dort
zu ermutigen seien. Wir wollen, daß der Fortschritt jetzt beginnt, und
wir wollen allen beteiligten Parteien die Kanäle öffnen. Die Schlüsselnationen des Westens müssen gemeinsam handeln, denn nur zusammen können
wir eine Veränderung herbeiführen.
Wir unterstützen die augenblicklichen Bemühungen der britischen Regierung voll und ganz, durch die Hoffnungen auf Verhandlungen neu beleben
werden sollen. Außenminister Howes Besuche bei südafrikanischen Staatsmännern in dieser Woche werden hierbei eine bedeutende Rolle spielen.
Zweitens fordere ich die Staatsmänner der Region dazu auf, mit uns gemeinsam nach einer Zukunft des südlichen Afrika zu streben, in der die
Länder in Frieden und Zusammenarbeit miteinander leben.
Südafrika ist das Land Afrikas, in dem die industrielle Revolution zuerst in Fuß faßte, seine Wirtschaft ist eine mächtige Maschinerie, die das
südliche Afrika in eine Zukunft des Wohlstandes ziehen könnte. Die anderen Länder des südlichen Afrika sind, von Kinshasa bis zum Kap, alle reich
an natürlichen Bodenschätzen und Arbeitskräften.
Drittens habe ich

�Drittens habe ich Außenminister Shultz und den AID-Vertreter McPherson
angewiesen, eine Studie über die amerikanische Hilfe im südlichen Afrika
zu erstellen und herauszufinden, was getan werden muß, auch um den Handel
und private Investitionen anzukurbeln und Transportmöglichkeiten für die
im Landesinnern blockierten Länder des südlichen Afrika zu schaffen. In
den vergangenen fünf Jahren haben wir den Nachbarn Südafrikas fast eine
Milliarde Dollar an Unterstützung gewährt. In diesem Jahr hoffen wir, den
schwarzen Südafrikanern zusätzlich 45 Millionen Dollar zur Verfügung stellen zu können.
Wir sind entschlossen, weiterhin diplomatisch und wirtschaftlich in
allen Staaten des südlichen Afrika engagiert zu bleiben, die nach konstruktiven Beziehungen mit den Vereinigten Staaten streben.
Diese Administration ist nicht nur gegen ausgedehnte Wirtschaftssanktionen und gegen Apartheid: wir sind für ein neues Südafrika, ein neues
Land, in dem alles, was über Generationen hinweg aufgebaut worden ist,
nicht zerstört wird, für eine neue Gesellschaft, in der die Teilnahme am
sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Leben allen Bevölkerungsgruppen offensteht - ein neues Südafrika, das heimkehrt zur Familie
freier Nationen, der es entstammt.
Um das zu erreichen, benötigen wir keinen Rückzug des Westen, sondern
ein stärkeres Engagement der westlichen Wirtschaftskreise als Mittler des
Wandels, Fortschritts und des Wachstums. Die internationalen Wirtschaftskreise müssen in Südafrika nicht nur unterstützt werden, sondern Auftrieb
bekommen. Wir werden an dieser Aufgabe arbeiten. Wenn wir den Prozeß der
Umwandlung fördern wollen, bietet sich als eines der besten Mittel für den
Wandel eine Beteiligung schwarzer Südafrikaner in der Wirtschaft, am Arbeitsplatz und in den Gewerkschaften an.
Aber die Vision eines besseren Lebens kann nicht verwirklicht werden
solange die Apartheid besteht und die Instabilität in Südafrika regiert.
Wenn die Bevölkerung des südlichen Afrika zu Wohlstand gelangen soll,
müssen die Staatsmänner und Völker der Region - solche aller Rassen - ihre
gemeinsamen Interessen über ihre ethnischen Unterschiede stellen.
Weder wir noch unsere Verbündeten können der Regierung eines souveränen Landes Vorschriften machen. Das sollten wir auch nicht versuchen.
Aber wir können unsere Hilfe anbieten, wenn es darum geht, eine Lösung zu
finden, die für alle Menschen in Südafrika gerecht ist. Wir können freiwillig Beistand leisten und dabei helfen, den Dialog zwischen Führern der
verschiedenen Gruppierungen, die die Bevölkerung Südafrikas ausmachen,
einzuleiten. Wir können raten und beraten und es allen klar machen, daß
wir dort als Freunde aller Menschen in Südafrika sind.
Das Fenster zu diesem gequälten Land bleibt offen für einen friedlichen Wandel, wir wissen jedoch nicht, wie lange diese noch Bestand hat.
Aber wir im Westen, so privilegiert, wohlhabend und frei, wie wir sind,
- 9 -

�wie wir sind, sollten es nicht zuschlagen. Jetzt ist die Zeit der Heilung
gekommen. Die Menschen in Südafrika, und zwar alle Rassen, verdienen die
Chance, eine bessere Zukunft aufzubauen. Und wir sollten diese Chance
nicht zerstören.

* * * * * *

- 10 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. Juli 1986

24

SHULTZ:

KAMPF GEGEN DEN TERRORISMUS GEWINNBAR

- Rede des Außenministers beim USIA-Antiterrorismus-Seminar -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen eines vom US-Informationsamt (USIA)
veranstalteten Presseseminars zur Bekämpfung des staatlich unterstützten
Terrorismus verwies der amerikanische Außenminister George P. Shultz in
seinem Beitrag am 9. Juli 1986 in Washington darauf, daß die Vereinigten
Staaten wie auch die Regierungen anderer Länder über eine Strategie verfügen, "mit der der Krieg gegen den Terrorismus gewonnen werden kann."
Der Beitrag von Außenminister Shultz hat, um wenige einleitende Sätze
gekürzt, den folgenden Wortlaut:
Der erste Punkt, auf den ich hinweisen möchte, ist der, daß wir und
andere Regierungen über eine Strategie verfügen, mit der der Krieg gegen
den Terrorismus gewonnen werden kann. Wir - wir alle - müssen ihn als
Mitglieder zivilisierter, organisierter, freier Gesellschaften gewinnen und wir können ihn gewinnen.
Vom Standpunkt der Vereinigten Staaten aus gesehen besteht unsere
Strategie zu allererst darin, sicher zu sein, daß die Menschen sich ganz
deutlich der Natur, der Bedeutung und der Tragweite des Problems bewußt
sind - und ich glaube, dies ist auch für andere Staaten und für uns als
Staatengemeinschaft eine sehr gute Strategie. Ich glaube, es ist fast

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�es ist fast eine Binsenweisheit, daß man ein Problem erst dann lösen
kann, wenn die Leute erkannt haben, daß eines vorhanden ist und wenn sie
dessen Inhalt und Bedeutung erfaßt haben. Dies ist der erste Punkt.
Punkt zwei ist, daß wir sehr gute nachrichtendienstliche Erkenntnisse
darüber benötigen, um in allen Einzelheiten über die entsprechenden Vorgänge Bescheid zu wissen und so etwas dagegen tun zu können. Dies ist
zum Beispiel bei unserer eigenen Regierung der Fall, wo wir nicht nur im
nachrichtendienstlichen Bereich über große Kapazitäten verfügen, sondern
wo auch ganz allgemein ein immer stärkeres Bewußtsein hinsichtlich dessen
entsteht, was vor sich geht. Durch diese immer detailliertere Kenntnis
des Panoramas konnten wir im Verlauf der letzten 12 bis 18 Monate über
200 terroristische Anschläge verhindern, die sich gegen uns gerichtet
hatten, aber auf diese Weise nicht verwirklicht werden konnten. Aber die
nachrichtendienstliche Kapazität anderer Länder nimmt ebenso zu wie unsere Fähigkeit zur Zusammenarbeit auf diesem Gebiet. Und jene Terrororganisationen und Staaten, die den Terrorismus unterstützen, sollten sich
der Tatsache bewußt sein, daß wir wesentlich mehr über ihre Absichten
wissen, als sie für möglich halten - und das ist gut so. Aber wir brauchen noch mehr nachrichtendienstliche Erkenntnisse und die Fähigkeit,
dementsprechend zu reagieren.
Manches kommt nur von schlichter Achtsamkeit. So machten wir rein
durch die Achtsamkeit der örtlichen Polizei, der Presse und unseres Botschaftspersonals den Versuch zunichte, einen Teil unserer Botschaft in
Mexiko-City mittels einer raffinierten Autobombe in die Luft zu sprengen: wir erhielten einen Hinweis, verfolgten ihn, fanden heraus, daß dem
wirklich so war und kamen allem zuvor. Neben nachrichtendienstlichen Erkenntnissen also die reine Achtsamkeit.
Dies also ist das zweite Element der Strategie und auch hier machen
wir Fortschritte. Es gab in diesem Zusammenhang auch eine Vielzahl von
Kontakten mit entsprechenden Stellen anderer Staaten. Botschafter
Oakley, gleichfalls hier im Programm, wird Ihnen mehr darüber sagen.
Der dritte Schritt, der zu tun ist, betrifft die Vorsorglichkeit, mit
der wir uns selbst benehmen, um defensive Vorkehrungen im Sicherheitsbereich zu treffen. Wir tun dies schon seit langem an Flugplätzen, auch
wenn hier noch mehr zu tun ist. Ich erinnere mich daran, weil ich damals
in den frühen siebziger Jahren, als Flugzeugentführungen zu einem ernsten
Problem wurden, Finanzminister war und, wie immer, darum kämpfte, den
Haushalt so niedrig wie möglich zu halten. Da gab es plötzlich etwas,
was uns zwang, eine Menge Geld auszugeben, und ich schaute mir die Sache
genau an. Aber damals fing es mit diesen Vorrichtugnen an, durch die man
geht, bevor man ein Flugzeug besteigt.
Neben der zusätzlichen Geldausgabe verschaffte es, wie ich weiß, den
Leuten auch noch das Gefühl des Unbehagens. Sie mußten sich in einer
Reihe aufstellen, um durch die Kontrolle zu gehen, und es gab darüber zunächst auch Beschwerden. Mittlerweile hat sich das geändert; jetzt ist
es so, daß man nervös wird, wenn man zu einem Flugplatz kommt und niemand
macht sich diese Mühe der Aufmerksamkeit.
Auch hinsichtlich
- 2-

�Auch hinsichtlich unserer Botschaften verbessern wir die getroffenen
Sicherheitsvorkehrungen - nicht um unsere Arbeitsweise zu verändern, sondern im Gegenteil, um es möglich zu machen, unsere Arbeit effizient zu
tun. So steuern (USIA-Direktor) Charles Wick und wir Geld für Bibliotheken und Ausstellungen bei, wo Menschen kommen, Bücher ausleihen und über
unser Land etwas erfahren können, und natürlich wollen wir, daß sie das
tun. Und vielleicht war es früher so, daß es umso besser war, je offener
und zugänglicher all das war. Jetzt müssen wir etwas tun, um die Sicherheit dieser Räumlichkeiten zu garantieren, weil sonst niemand kommen würde. Wir erfüllen unsere Mission also dadurch, daß wir sie zu sichereren
Plätzen machen. So also gehen wir diese Dinge an.
Viertens müssen wir bereit sein, etwas auf aktive Weise zu unternehmen, wenn wir von Herausforderungen erfahren, die sich uns durch Terroristen, insbesondere staatlich-unterstützten Terrorismus, stellen. Dies
tun wir auch. In dieser Hinsicht sprechen unsere Taten deutlicher als
unsere Worte, aber die Politik ist klar: Wir werden handeln, wenn wir
überzeugt sind, daß Handeln angemessen ist. Und Terroristen wie auch die
Staaten, die Terroristen unterstützen, sollten wissen, daß die Vereinigten Staaten handeln werden. Deshalb agieren sie auch nicht in einem Umfeld, in dem es für sie keine Kosten gibt, in dem sie alles tun können
und nichts unternommen wird, um auch die Kosten für sie selbst zu erhöhen.
Ich möchte auch darauf verweisen, daß hinsichtlich des rechtlichen
Aspekts zur Behandlung dieses Problems Fortschritte erzielt worden sind,
obgleich es hier deutliche Grenzen gibt. Aber in unserem Land und auch
in anderen Ländern gilt eindeutig, daß der terroristische Mord an einem
amerikanischen Bürger oder dem Bürger eines anderen Landes in einem
Drittland in unsrem Staat ein Verbrechen sein kann. Deshalb bemühen wir
uns um Auslieferung und machen auch bei Auslieferungsfällen Fortschritte.
Es gibt also eine eindeutige Strategie, und dies wurde auch in gewissem Sinn auf sehr gute Weise in der Terrorismuserklärung des Gipfels von
Tokio deutlich.
Jetzt würde ich gern noch einige Bemerkungen zu einer Reihe von Dingen machen, die oft über den Terrorismus gesagt werden, die meiner Meinung nach aber einer gewissen Klärung bedürfen.
Erstens haben manche Leute bisweilen den Eindruck, dies sei irgendwie
ein amerikanisches oder ein israelisches Problem. Ein Blick auf die Statistik zeigt, wie falsch dies ist. Im Jahr 1985 gab es 800 internationale Terroranschläge - der Definition zufolge ein Anschlag, der in einem
bestimmten Land stattfindet, wobei jemand aus einem anderen Land in irgendeiner Weise verwickelt ist. Diese Anschläge richteten sich gegen
Menschen oder Objekte in 90 Ländern. Von den 877 Männern, Frauen und
Kindern, die im vergangenen Jahr dabei umkamen, waren 28 Amerikaner, 28
Israelis. Man sieht also: auch wenn wir Ziel dieses Problems sind, so
sind doch meistens andere das Ziel, und nur selten passiert derlei in den
Vereinigten Staaten. Es passiert meistens in anderen Ländern. Es ist
- 3-

�Es ist also ein internationales Problem.

Es geht uns alle an.

Ich sollte auch darauf hinweisen, daß viele der Opfer Araber sind.
Terroristen aus Libyen und anderen Staaten des Nahen Ostens mögen die gemäßigten arabischen Regierungen nicht und streben deshalb danach, sie
einzuschüchtern oder zu untergraben. So haben Tunesien, Xgypten,
Jordanien und Kuweit die Auswirkungen des Terrorismus zu spüren bekommen.
Gerade jetzt sehen wir es besonders in Kuweit und sehen es bei denjenigen, die im Gefängnis sitzen. Ich möchte also herausstellen, daß sich
diese Aktivitäten nicht primär gegen Amerika oder Israel richten, obwohl
unsre beiden Länder sie durchaus zu spüren bekommen, sondern im allgemeinen breiter gestreut sind.
Eil zweiter Punkt, der oft genannt wird, ist das terroristische Engagement für eine vermeintlich gerechtfertigte, edle Sache, und daß wir,
wenn wir etwas dagegen unternehmen wollen, diese Sache an der Wurzel angehen müssen. Mir scheint, daß das eine fehlgeleitete und irreführende
Argumentation ist.
Bei der Verteidigung der Entführer der Achille Lauro wurden diese zum
Beispiel von ihren Verteidigern als "Freiheitskämpfer" bezeichnet. Das
ist Unsinn, weil sie durch ihre brutale Behandlung der Passagiere des
Schiffes und den Mord an einem unschuldigen, behinderten Mann nicht der
Freiheit Vorschub geleistet haben. Was sie ihren eigenen Schilderungen
nach wollten, war die Befreiung ihrer Genossen, die aufgrund früher verübter Terroranschläge im Gefängnis saßen, einer von ihnen für vorsätzlichen Mord an einem vierjährigen Mädchen. Wo ist hier also die edle Absicht «3er Freiheitskämpfer zu erkennen ?
Es ist besonders für all jene von uns, die hart für den Frieden im
Mittleren Osten arbeiten, ein Skandal, wenn manche Leute in diesem Zusammenhang von der "Sache Palästinas" sprechen. Stellen Sie sich einmal
selbst die Frage, auf welcher Seite die Terroristen stehen. Nehmen Sie
Al-Masri als Beispiel, ein integrer, mit dem amtierenden Außenminister
Jordaniens verwandter Mann, der sich im Interesse des Friedens und der
Sache Palästinas, die er als Palästinenser verteidigte, der Verantwortung
stellte und das Amt des Bürgermeisters von Nablus übernahm. Er wurde von
Terroristen getötet. Inwiefern dient das der Sache des Friedens? Was
wollen diese Menschen anderes als Zerstörung und Chaos?
Wenn Sie sich dagegen europäische Terroristen der verschiedenen Lager
anschauen, so scheint deren Hauptinteresse darin zu bestehen, Störungen
hervorrufen, die die Regierungen ihrer allesamt demokratischen Nationen
in dem Lichte erscheinen lassen, unfähig zu sein. Es ist ihnen nicht gelungen. Wenn Sie sich die Terroristen Mittel- und Lateinamerikas, wie
die M-19 oder M-14, anschauen, denen in Nicaragua Unterschlupf, Ausbildung und Ausrüstung gewährt wird: was sind deren Ziele? Was wollten die
M-19 im Justizpalast von Bogota in Kolumbien? Sie verfolgten Richter,
die Urteile zur Ausweisung von Personen aussprechen wollten, die wegen
Drogenschmuggels verfolgt wurden. Hier dient also Terrorismus der Unterstützung des Drogenschmuggels und damit haben Sie das zugrundeliegende
Übel.
Lassen Sie mich
- 4-

�Lassen Sie mich hier die Gelegenheit ergreifen, einige Punkte zum
Thema Terrorismus und Presse zu sagen. Was erwartet der einzelne Bürger
von einer freien Presse? Zunächst einmal, daß der Terrorismus seinem
Stellenwert entsprechend in der Presse abgedeckt werden sollte, daß über
ihn vollständig und objektiv, das heißt akkurat berichtet werden muß.
Journalisten spielen hierbei natürlich eine wichtige Rolle. Diese
Pflicht kommt der Presse zu. Und aus diesem Grunde ist auch eine freie
Presse wichtig.
Das Problem für die Presse besteht beim Terrorismus darin, daß Menschen sich von den Ideen der Terroristen faszinieren lassen und viel dafür zu tun bereit sind, um Interviews zu erhalten. Dabei gilt es jedoch,
vorsichtig zu sein, und nicht etwa den Terrorismus dadurch zu ermutigen,
daß man selbst zum Sprachrohr seiner Ideen wird.
Darüber hinaus müssen wir uns davor hüten, die Gegenmaßnahmen der Regierungen zum Terrorismus dadurch unwirksam zu machen, daß wir zuviele
Einzelheiten über deren Aktionen verbreiten. Sie können dem natürlich
entgegenhalten, daß es ganz allein an uns liegt, die Sache geheimzuhalten, auch wenn es schwierig ist, besonders wenn wichtige Belange auf dem
Spiel stehen. Es ist aber sehr schwierig, Maßnahmen zu ergreifen, wenn
man, wie etwa bei militärischen Operationen, unter Ausschluß der öffentlichtkeit vorgehen will und die Berichterstattung dem vorauseilt. Die
Terroristen werden so in die Lage versetzt, entsprechende Maßnahmen zu
ergreifen, um staatliche Aktionen unmöglich zu machen.
Das sind also die Probleme, denen Sie sich als Journalisten gegenübersehen und mit denen Sie fertigwerden müssen. Ihre Kenntnis vieler
Dinge bedeutet, daß Sie besonderen Verpflichtungen nachkommen müssen und
Ihnen eine besondere Verantwortung zukommt, wenn es darum geht, den Krieg
gegen den Terrorismus zu gewinnen, den wir alle als Mitglieder unserer
Gesellschaften gewinnen wollen.
Ich denke, daß dieses Thema für die Presse eine besondere Verantwortung bedeutet und im allgemeinen glaube ich, daß die Presse ihre Sache
sehr gut macht, ihrem Publikum von allen Ereignissen im Zusammenhang mit
Terroristen ausführlich zu berichten. Indem man diese Personen für sich
selbst sprechen läßt, kann sich die Leserschaft selbst ein Bild von ihnen
machen. Aber das allein reicht nicht aus, man muß auch das ans Tageslicht bringen, was sie selbst nicht sagen - zum Beispiel im Falle der
Achille Lauro, daß ein zu befreiender Terrorist der Mörder eines vierjährigen Kindes ist. Mit dieser Art von Menschen haben wir es hier zu
tun: das gilt es zu begreifen.
Ich habe dieses Thema so ausführlich behandelt, weil es mir persönlich am Herzen liegt. Es betrifft Diplomaten, es betrifft alle Amerikaner. Und es richtet sich gegen unser Gesellschaftssystem, gegen unsere
Demokratie und unsere Zivilisation. Es ist daher etwas, das wir und auch
der Präsident sehr ernst nehmen. Wir nehmen auch unsere Pflicht und unsere Verantwortung in der Regierung der Vereinigten Staaten sehr ernst,
um jeden möglichen Beitrag zu leisten, der notwendig ist, um den Krieg
gegen den Terrorismus zu gewinnen. Und wir werden es schaffen.
* * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
r

Hintergrundmaterial

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23. Juli 1986

24

DIE NAGELPROBE VON STOCKHOLM
- Von Botschafter Robert L. Barry -

Botschafter Barry ist Leiter der
amerikanischen Delegation bei der
Konferenz über vertrauensbildende
Maßnahmen und Abrüstung in Europa
(KVAE).

STOCKHOLM - (AD) - Seit nunmehr fast drei Jahren haben Ost und West
in Stockholm verhandelt, um praktische Wege zu finden, auf denen die Offenheit und Voraussehbarkeit militärischer Handlungen in Europa vergrößert, das Risiko eines konventionellen Krieges in Europa herabgesetzt sowie der Gebrauch von Gewalt zur politischen Einschüchterung verhindert
werden können. Die Konferenz über vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE), an der 35 Staaten teilnehmen, wird am 19. September vertagt; und doch ist es bei weitem nicht sicher, ob sie überhaupt
zu irgendwelchen Resultaten gelangen wird. Im Hinblick auf die sowjetischen Absichten - und zwar nicht nur bei der KVAE, sondern auch in noch
ehrgeizigeren und anspruchsvolleren Abrüstungsforen - werden die Schlußwochen in Stockholm sehr aussagekräftig sein. Da die KVAE ein integraler
Bestandteil des KSZE-Prozesses ist, der auch solch wichtige Problemkreise
wie die Menschenrechte einschließt, könnte das Resultat von Stockholm

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Embassy of the United States of America

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�von Stockholm außerdem richtungsweisend für das Ost-West-Verhältnis über
das begrenzte militärisch-sicherheitspolitische Gebiet hinaus sein.
Hinsichtlich der europäischen Sicherheitsproblematik verfolgen Ost
und West bei der KVAE zwei sehr verschiedene Ansätze. Die NATO-Staaten sowie die neutralen und nichpaktgebundenen Staaten - haben Verhandlungen
über detaillierte vertrauensbildende Maßnahmen wie etwa die Vorankündigung, Notifizierung und Beobachtung militärischer Übungen angestrebt, die
dazu angetan sind, die Berechenbarkeit und Stabilität in europäischen
Militärangelegenheiten zu erhöhen. Dies ist der eigentliche Zweck der
KVAE, wie er in ihrem Mandat festgelegt wurde. Der Warschauer Pakt hat
sich anfänglich gegen diesen praktischen Ansatz gesträubt und statt dessen allgemeinen politischen Erklärungen den Vorzug gegeben, wie etwa einem Versprechen des Gewaltverzichts. Er betrachtete konkrete Maßnahmen
und das ihnen zugrundeliegende Prinzip größerer Offenheit bei militärischen Angelegenheiten mit Mißtrauen und behauptete, solche Offenheit
diene lediglich der Enthüllung seiner militärischen Geheimnisse. Da es
ihm jedoch nicht gelang, die Unterstützung anderer Teilnehmerstaaten für
seinen Ansatz zu gewinnen, ist der Osten nach und nach von den meisten
seiner deklaratorischen Maßnahmen doch abgerückt und hat damit begonnen,
sich konkreten Maßnahmen wie den von der NATO und den neutralen Staaten
favorisierten zuzuwenden.
Die Frage ist nun, ob der Osten sich Maßnahmen zu eigen machen und
durchführen wird, die von realer militärischer Bedeutung sind.
Ein Hauptproblem dabei ist die Verifizierung. Gleichgültig wie substantiell sie in anderer Hinsicht sein könnte, würde jede in Stockholm
erreichte Obereinkunft ernsthaft unterlaufen werden, wenn nicht jeder
daran beteiligte Staat sichergehen könnte, daß auch alle anderen die
Übereinkunft einhalten. Das einzige Instrument, das allen KVAE-Teilnehmern dafür zur Verfügung steht, ist die Untersuchung einer verdächtigen
Aktivität vor Ort durch Spezialisten desjenigen Staats, der diese Zweifel
hegt. Der Osten sollte ebenfalls in der Lage sein, solche Inspektionen
zuzulassen. Die Sowjetunion hat öffentlich das Prinzip der Inspektion
zum Zwecke der Verifizierung bei Abrüstungsgesprächen akzeptiert, einschließlich der Genfer bilateralen Nuklear- und Weltraumgespräche und der
multilateralen Gespräche über chemische Waffen sowie der Wiener MBFR-Gespräche über konventionelle Truppen. Inspektionen im Rahmen der KVAE wo wir Besuche in Operationsgebieten und nicht in geheimhaltungsbedürftigen Anlagen, wie z.B. den Garnisonen selbst oder nuklearen Stellungen,
vorschlagen - wären weit weniger aufdringlich und anspruchsvoll. Aus
diesem Grund bietet Stockholm den Sowjets einen relativ schmerzlosen Weg,
um damit zu beginnen, ihre ausdrückliche Zustimmung zur Verifizierung
durch Inspektionen in die konkrete Sprache militärischer Angelegenheiten
zu übersetzen.
Die Frage der Ernsthafigkeit des Ostens im Himblick auf die Verifizierung ist deshalb besonders aktuell, weil die Sowjetunion und ihre Verbündeten im Warschauer Pakt in der Öffentlichkeit einen Schwall neuer Abrüstungsvorschläge vorbringen - darunter einen Vorschlag für neue Verhandlungen auf breitester Basis -, die sich auf alle konventionellen

�alle konventionellen Kräfte in ganz Europa, vom Atlantik bis zum Ural,
erstrecken sollen. Trotz dieser Eröffnung überwältigender neuer Aussichten versäumen die Sowjets und ihre Verbündeten es jedoch, die bestehenden
bescheideneren, aber realistischeren Foren - KVAE und MBFR - zu nutzen,
um die politische Atmosphäre zu schaffen, die notwendig ist, bevor man
irgend einen allgemeineren und radikaleren Plan zum Abbau der konventionellen Rüstung glaubwürdig in Erwägung ziehen kann.
In Stockholm haben die Sowjets eine Chance, zu demonstrieren, daß sie
das, was sie über ihren Wunsch nach wirksamer Rüstungskontrolle und ihre
Bereitschaft zur Annahme der dafür notwendigen Verifizierung sagen, auch
wirklich meinen. Solchermaßen übertrifft der Sinn der KVAE ihre Bedeutung als Einzelverhandlung, so wichtig diese auch sein mag. Während der
Westen die Eröffnung ehrgeiziger neuer Projekte bei der konventionellen
Rüstungskontrolle in Erwägung zieht, muß die Bereitschaft des Ostens zur
Förderung einer Übereinkunft bei den Stockholmer Verhandlungen einen
Hauptgesichtspunkt darstellen.

* * * * *

- 3-

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

24

23. Juli 1986

DIE NASA HANDELT
- Bericht an Präsident Reagan über Maßnahmen nach dem
CHALLENGER-Unglück -

WASHINGTON - (AD) - In dem 49 Seiten umfassenden Bericht, den Dr.
James Fletcher, Chef der US-Bundesbehörde für Luft- und Raumfahrt (NASA),
Präsident Ronald Reagan am 14. Juli 1986 vorlegte, wird als frühestmöglicher nächster Starttermin eines Raumtransporters das erste Quartal 1988
genannt. Der ursprünglich vorgesehene Termin (Juli 1987) nach der
CHALLENGER-Katastrophe vom 28. Januar 1986, die das Leben aller sieben
Astronauten forderte, wird damit erheblich überschritten. Dr. Fletcher
begründete dies mit Sicherheitserwägungen. Denn "wenn wir wieder zu fliegen beginnen", sagte er, "wollen wir die Gewähr, daß alles wirklich sicher
ist". Sicherheit hat die höchste Priorität.
Das NASA-Papier gibt Aufschluß darüber, wie die Raumfahrtbehörde die
Empfehlungen der Rogers-Kommission, die ihre Untersuchungen des Unglücksfalls mit dem am 9. Juni dem Präsidenten übergebenen Bericht abschloß, in
die Praxis umzusetzen gedenkt. Eine Arbeitsgruppe von Ingenieuren sei gegenwärtig dabei, verschiedene Alternativlösungen für das Abdichten der
Segmentverbindungen an den Feststoff-Zusatzraketen der Trägerkombination
für den Raumtransporter zu untersuchen und zu erproben. Außerdem arbeite
man an einer völlig neuen Konzeption für den Fall, daß die Tests mit den
veränderten Konstruktionsteilen unbefriedigend verliefen. "Unser Bericht
ist keineswegs nur eine Reaktion auf die Arbeit der Rogers-Kommission",
erklärte Dr. Fletcher. "Er ist vielmehr ein Wegweiser zur Wiederaufnahme

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Embassy of the United States of America

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�zur Wiederaufnahme der Flüge. Wir wollen nicht einfach nur die Fehler
ausmerzen, die die Rogers-Kommission beanstandete, sondern die Dinge von
Grund auf in Ordnung bringen." Die Zusammenfassung des NASA-Berichts hat
folgenden Wortlaut:
Am 13. Juni 1986 wies der Präsident die NASA an, die Empfehlungen der
Prasidialkommission zur Untersuchung des Unglücks mit dem Raumtransporter
CHALLENGER in dia Praxis umzusetzen. Der Präsident forderte von der NASA
innerhalb von 30 Tagen einen Bericht darüber, wie und wann die Empfehlungen zu realisieren seien und woran der Fortschritt auf dem Wege dahin gemessen werden könne.
In den Monaten seit dem CHALLENGER-Unglück widmete das NASA-Team viele
Stunden der Unterstützung der Präsidial-Kommission zur Untersuchung des
Raumtransporter-Unfalls mit der CHALLENGER und der Ausarbeitung von Plänen, die dem Raumtransporter wieder einen sicheren Flugstatus geben. Der
Kommissionsvorsitzende William P. Rogers und die anderen Mitglieder des
Ausschusses haben der Nation und der NASA einen außerordentlichen Dienst
erwiesen. Die Arbeit der Kommission war ungemein gründlich und umfassend.
Die NASA geht mit den Empfehlungen der Kommission einig und verfolgt energisch die geforderten Aktionen, um sie in die Praxis umzusetzen und ihnen
nachzukommen.
Als Folge der Anstrengungen zur Unterstützung der Kommission sind viele Aktionen, die für eine sichere Rückführung des Raumtransporters in den
Status der Flugfähigkeit notwendig sind, seit März in Gang gebracht worden. Am 24. März 1986 umriß der Direktor für Raumflug eine umfassende
Strategie und definierte wichtige Maßnahmen für eine sichere Wiederherstellung der Flugfähigkeit. Das Memorandum vom 24. März gab Orientierungshilfen zu folgenden Punkten:
- erforderliche Maßnahmen vor dem nächsten Flug;
- erster Flug und Operationen im ersten Jahr;
- Ausarbeitung eines einhaltbaren Terminplanes für die sichere Flugfolge.
Der Kommissionsbericht wurde dem Präsidenten am 9. Juni 1986 unterbreitet. Seitdem ergriff die NASA zusätzliche Maßnahmen und gab entsprechende V/eisungen, um den Empfehlungen der Kommission zu folgen.
Der Administrator der NASA und der NASA-Direktor für Raumflug werden
an den Entscheidungen des Managements, die für die Realisierung der von
der Kommission gegebenen Empfehlungen zur Rückführung des Raumtransporters
zum Flugstatus erforderlich sind, beteiligt sein. Die NASA wird dem Präsidenten im Juni 1987 über den Stand des Ausführungsprogramms Bericht erstatten.
Der Kommissionsbericht enthielt neun Empfehlungen, über den Stand der
Durchführung in jedem Einzelpunkt wird eine Übersicht gegeben:
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�Empfehlung II
Raumtransporter-Management: Der NASA-Administrator berief General
Sam Phillips, den ehemaligen Direktor des APOLLO-Programms, als Leiter für
die Untersuchung aller nur erdenklichen Aspekte des Managements für die
NASA-Programme. Darunter fallen auch die Beziehungen zwischen den verschiedenen NASA-Zentren im Land und der NASA-Zentrale. General Phillips
ist vom Administrator mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet, um jeden Aspekt des organisatorischen Aufbaues der NASA, ihres Managements und
der Verfahrensweisen zu untersuchen. Zu seinen Aufgaben zählt auch eine
Überprüfung der Mangementstruktur für den Raumtransporter.
Am 25. Juni 1986 wurde Astronaut Robert Crippen beauftragt, eine Arbeitsgruppe zur Bewertung der Managementstruktur für den Raumtransporter
zu bilden. Sie wird spätestens am 15. August 1986 dem Direktor für Raumflug ihre Empfehlungen vortragen. Im Besonderen wird sich diese Gruppe
mit der Rolle und den Aufgaben des Managers für das Raumtransporterprogramm befassen, um die Gewähr zu schaffen, daß die Kompetenzen des Inhabers dieser Position auch seiner Verantwortung angemessen sind. Darüber
hinaus werden die Funktionen und Verantwortlichkeiten auf allen Ebenen des
Progranm-Managements überprüft, um die Beziehungen zwischen der Programmstruktur und der Organisation in den Außenzentren zu untersuchen. Die Ergebnisse dieser Studie werden gemeinsam mit General Phillips und dem Administrator erörtert, um bis zum 1. Oktober 1986 zu entscheiden, wie die
Empfehlungen durchzuführen seien.
Astronauten im Management: Konteradmiral Richard Truly, ein ehemaliger Astronaut, wurde als Mitglied der NASA-Führung ("associate administrator") zum Direktor des Amtes für Raumflug ernannt. Mehrere aktive
Astronauten sind gegenwärtig im Management der Behörde tätig. Die Gruppe
Crippen v/ird sich damit befassen, wie die Besetzung anderer Management-Positionen mit Astronauten gefördert werden könnte. Sie wird außerdem über
die angemessenen Funktionen der Leitung für den Astronauteneinsatz innerhalb der NASA-Struktur entscheiden.
Sicherheitsgremium für den Raumtransporter: Bis spätestens 1. September 1986 beruft der NASA-Direktor für Raumflug ein Shuttle-Sicherheitsgremium, das mit dem Manager für das Raumtransporterprogramm unmittelbar
zusammenarbeitet. Dieser Termin läßt genügend Zeit, um Aufbau und Funktion dieses Gremiums zu bestimmen. Dazu gehört auch eine Bewertung seiner
Beziehungen zum neugebildeten Amt für Sicherheit, Zuverlässigkeit und Qualitätsgarantie und zu dem Beratergremium für Luft- und Raumfahrtsicherheit, das bereits existiert.

Empfehlung III
Überprüfung kritischer Komponenten und Gefahrenanalyse: Am 13. März
1986 begann die NASA mit einer kompletten Überprüfung aller im Raumtransporterprogramm vorgefallenen Pannen samt der Analyse ihrer Auswirkungen
(FMEAs - "failure modes and effects analyses") sowie der dazu gehörenden
Listen mit kritischen Komponenten (CILs - "critical item lists"). Alle am
- 4 -

�Alle am Raumtransporterprojekt Beteiligten und die dazugehörigen Hauptlieferanten führen eigene umfassende Überprüfungen durch. Den Höhepunkt bildet eine später im Jahr vorgesehene Generalkonferenz mit dem Manager des
Raumtransporterprogramms, auf der alle Aspekte behandelt werden. Jedem
dieser Überprüfungsteams sind Spezialisten als offizielle Mitglieder, die
nicht vom Raumtransporterprogramm kommen, beigeordnet. Alle bisherigen
Erklärungen zum Verzicht auf kritische Elemente der Stufen 1 und IR wurden
annuliert. Die Teams sind verpflichtet, Verzichtmeldungen in Kategorien,
wo eine VJeiterbenutzung im Rahmen des Programms empfohlen wurde, erneut zu
bewerten und noch einmal zu unterbreiten. Komponenten, deren Anwendung
nicht mehr vertretbar ist, werden neu konstruiert, zugelassen und für den
Flug erprobt. Alle kritischen Listenelemente der Stufen 2 und 3 werden
überprüft, um neu akzeptiert und richtig klassifiziert zu werden. Alle
diese Maßnahmen gipfeln in einer umfassenden endgültigen Überprüfung durch
das zentrale Hauptamt der NASA, die im März 1987 beginnt.
Wie von der Kommission empfohlen, hat der Nationale Forschungsrat der
Bildung eines unabhängigen Revisionsgremiums zugestimmt, das mit dem
NASA-Administrator direkt zusammenarbeitet, um die zweckdienlichkeit dieser Bemühungen nachzuprüfen.
CIL erfaßt und identifiziert die Abläufe kritischer Pannen bzw. von
technischem Versagen und die Begründung für eine Beibehaltung des betreffenden Teils. Die in die Liste aufgenommenen Punkte sind entsprechend dem
Risikograd in fünf Hauptkategorien gegliedert. Die fünf CIL-Gruppen sind:
1 - Verlust von Leben oder Raumfahrzeug
IR - Versagen beider Reserveausrüstungselemente könnte Verlust von
Leben oder Fahrzeug zur Folge haben
2 - Scheitern der Mission
2R - Versagen beider Reserveausrüstungselemente könnte die Mission
scheitern lassen
3 - alle restlichen Arten von Pannen.

Empfehlung IV
Sicherheit: Der NASA-Administrator gab am 8. Juli 1986 die Ernennung
von George A. Rodney zum Beigeordneten Administrator ("associate administrator") als Direktor für Sicherheit, Zuverlässigkeit und Qualitätssicherung bekannt. Die Aufgaben dieses Amtes umfassen u.a. die Überwachung aller mit NASA-Aktivitäten und Programmen zusammenhängenden Funktionen in bezug auf Sicherheit, Zuverlässigkeit und Qualitätssicherung, dazu
die Realisierung eines Systems zur Dokumentation anomaler Vorkommnisse und
der Absicht zum Aufbau eines Programms für Trendanalyse. Eine der ersten
vom neuen Direktor zu ergreifenden Maßnahmen wird die Bestandsaufnahme und
Bewertung der Ressourcen einschließlich des erforderlichen Personals sein,
um die den Aufgaben gemäße Ausübung der Funktionen der Sicherheitsorgani- 5 -

�der Sicherheitsorganisation zu gewahrleisten. Darüber hinaus wird der
neue Beigeordnete Administrator für eine funktionsfähige Zusammenarbeit in
den Grenzbereichfunktionen der neuen Sicherheitsorganisation und des Raumtransporter-Sicherheitsgremiums Sorge tragen, das gemäß der Empfehlung Nr.
II der Rogers-Kommission geschaffen wird.

Empfehlung V
Bessere Kommunikation: Am 25. Juni 1986 wurde Astronaut Robert
Crippen beauftragt, ein Team zur Entwicklung von Plänen und zu empfehlenden Maßnahmen für folgende Punkte zusammenzustellen:
- Durchführung effektiver Kommunikation im Management auf allen Ebenen;
- Standardisierung für Anordnung und Aufhebung von Startsperren für das
Raumtransportersystem (STS) und für andere Betriebseinschränkungen;
- Durchführung von Besprechungen zur Überprüfung der Flugbereitschaft
sowie von Konferenzen mit dem Team der Missionsleitung, dazu Angabe
der Erfordernisse für Dokumentation und für die Teilnahme der Besatzungsmitglieder.
Da diese Empfehlung in enger Verbindung zur Empfehlung über den Aufbau
des Shuttle-Managements steht, wird das für die Untersuchung verantwortliche Team den Plan für verbesserte Kommunikation mit dem Plan für die Umstrukturierung des Managements verbinden.
Diese Überprüfung wirksamer Kommunikation wird die Aktivitäten und den
Informationsfluß in der NASA-Zentrale und den NASA-Zentren außerhalb
Washingtons, die am Shuttle-Programm mitarbeiten, mit in Betracht ziehen.
Das zuständige Team legt dem Direktor für Raumflug seine Untersuchungsergebnisse und Empfehlungen bis zum 15. August 1986 vor.

Empfehlung VI
Sicherheit für die Landung: Es wurde ein Team für die Sicherheit der
Landung geschaffen, das die Resultate und Empfehlungen der Rogers-Kommission zur Landesicherheit durchzugehen und in die Praxis umzusetzen hat.
Sämtliche Bauteile und Systeme des Raumtransporters werden derzeit konstruktionsmäßig überprüft, damit Übereinstimmung mit den detaillierten Angaben und Sicherheitserwägungen gewährleistet wird. Darunter fallen auch
Reifen, Bremsen und das System für die Bugradsteuerung; die Mittel für ein
neues System mit Carbonmaterial-Bremsen wurden bewilligt. Schon seit geraumer Zeit vor dem Unglück waren Oberflächentests an der Landebahn sowie
Prüfungen der Erfordernisse für Landehilfen im Gang; dies wird fortgesetzt. Die verbesserten Landehilfen werden ab Juli 1987 einsatzbereit
sein. Das zwischenzeitliche Bremssystem ist ab August 1987 verfügbar.
Für die lokale Wettervorhersage werden verbesserte Methoden entwickelt,
das gleiche gilt für Unterstützungsmaßnahmen, die mit dem Wettergeschehen
zusammenhängen. Erst wenn durch Tests, die den realen Beanspruchungen

�realen Beanspruchungen sehr nahe kommen, und während tatsächlicher Landungen auf Edwards Air Force Base das Shuttle-Programm befriedigenden Sicherheitsspielraum demonstriert hat, wird die Landebahn des Kennedy Space
Center bei der regulären Beendigung einer Mission wieder benutzt. Der
Doppeleinsatz der Orbiter für Fähraufgaben steht seit einiger Zeit zur
Diskussion und wird in den nächsten Monaten eingehend erörtert.

Empfehlung VII
Startabbruch und Rettung der Besatzung: Am 7. April 1986 begann die
NASA mit der erneuten Prüfung von Möglichkeiten eines Ausstiegs und der
Rettung von Shuttle-Besatzungen. Diese Analyse umfaßt Ausstiegs- und Rettungsmöglichkeiten vom Start bis zur Landung und wird Analysen, Konzeptionen, Bewertung der praktischen Durchführung, Kosten und Zeitpläne für Abbruch auf der Rampe, Abspringen, Schleudersysteme, Wasserlandungen und Ablösung während des Fluges mit Motorkraft umfassen. Bei dieser Untersuchung v/erden im besonderen Optionen für eine Rettung der Besatzung während
des gesteuerten Gleitfluges sowie Optionen für eine Ausweitung des intakten Rettungsflugsystems auf den Fall des Versagens von zwei oder drei
Haupttriebwerken während der frühen Steigphase untersucht. Im Zusammenhang damit wurde ein Team für die Neubewertung der Frage eines Startabbruchs gebildet, das alle Vorschriften in bezug auf Start und Startabbruch
zu prüfen hat. Dadurch soll gewährleistet werden, daß Kriterien für die
Startfreigabe, Richtlinien für den Flug, für Sicherheitssysteme und Verfahren innerhalb des Flugbereichs, für Landehilfen, Gestaltung und Länge
der Pisten, für die Beurteilung des Schwellenwertes in bezug auf Systemleistung bzw. Notwendigkeit des Abbruchs, für Landegewichte bei Abbruch
und bei regulärer Beendigung der Mission, für Pistenoberflächen und andere
für die Landung zu berücksichtigende Meßgrößen dem Raumfahrzeug und seiner
Besatzung den angemessenen Sicherheitsspielraum geben. Die Studien für
Rettungssystem und Startabbruch werden am 1. Oktober 1986 abgeschlossen
sein; im Dezember 1986 wird über die Durchführungsverfahren entschieden.

Empfehlung VIII
Flugfolge: Im März 1986 richtete die NASA eine Arbeitsgruppe für
Flugfolge ein. Gegenwärtig sind zwei Studien im Gang: (1) über Möglichkeiten und Einschränkungen für Überholung und Startvorbereitung des Raumtransporters im Kennedy-Raumflugzentrum, und (2) über Auswirkungen des
missionsspezifischen Mannschaftstrainings und der Datenübermittlung bzw.
Datenerfassung auf die Flugfolge, was vom Johnson-Raumflugzentrum untersucht wird. Bis zum 15. August 1986 wird die Arbeitsgruppe der Abteilung
für Raumflug ihre Empfehlungen zur Frage der Flugfolge vorlegen. Parallel
dazu laufen Studien zu Empfehlungen der Rogers-Kommission, die der Ersatzteilversorgung, Wartung und technischen Inspektion gelten. In diese Studien werden auch die Stellungnahmen des Nationalen Forschungsrates zur
Flugfolge einbezogen, die, unabhängig von anderen Untersuchungen, auf Anforderung eines Kongreßunterausschusses durchgeführt werden.
Die NASA befürwortet

�Die NASA befürwortet entschieden eine gemischte Raumfahrzeugflotte für
die Erfüllung der speziellen Start- und Projektaufgaben, wobei auch der
Einsatz sog. Verlustgeräte als Nutzlastträger wieder vorgesehen ist.
Außerdem werden in der NASA-Zentrale z. Zt. Richtlinien zur Nutzlastpolitik erarbeitet, die feste Regeln für die Listenzusammenstellung geben
und Xnderungen im späten Vorbereitungsstadium einschränken sollen.
Empfehlungen zur Listenkontrolle sollen im November 1986 unterbreitet
werden.

Empfehlung IX
Instandsetzung und Sicherheit: Ein neugebildetes Team für Sicherheitsfiragen bei Instandsetzung und Wartung der Raumfähre soll einen umfassenden Plan für die Definierung und Durchführung geeigneter Maßnahmen gemäß den Empfehlungen der Kommission für die Instandsetzung und Wartung
aufstellen. Nach dem gegenwärtig in Ausarbeitung befindlichen Plan soll
gewährleistet werden, daß für sämtliche Elemente des Raumtransporterprogramms einheitliche Erfordernisse hinsichtlich Instandsetzung und Wartung
gelten. Dieser Plan wird die organisatorische Struktur zur Dokumentierung
folgender Punkte definieren:
(1) Inspektion der Bauteile samt Zeitplänen,
(2) vorgesehene Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten,
(3) Überprüfung der jeweiligen Zuordnung von Instandsetzungs- und
Wartungsarbeiten, und
(4) Logistik auf den Gebieten Wartung und Instandsetzung.
Der Plan wird außerdem Zuständigkeiten und Verantwortungen, Berichterstattung und Überwachungserfordernisse für Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten am Raumtransporter definieren. Er soll bis zum 30. September 1986
fertiggestellt sein.
Eine Reihe weiterer Maßnahmen, an denen zur Zeit gearbeitet wird, werden dazu beitragen, die Flugsicherheit zurückzugewinnen und die Struktur
der NASA zu stärken. Eine Arbeitsgruppe zur Überprüfung der Konstruktionserfordernisse für den Raumtransporter, die der Abteilung für System-Integration am Johnson-Raumfahrtzentrum unterstellt ist, wurde beauftragt,
alle aus der Shuttle-Konstruktion resultierenden Erfordernisse und die damit zusammenhängenden technischen Verifizierungsprozeduren zu überprüfen.
Das Team wird jedes Element des Shuttle-Projekts und die Konstruktionserfordernisse für das gesamte Raumtransportersystem unter die Lupe nehmen.
Höhepunkt dieser Arbeit wird die Zusammenfassung der Prüfergebnisse für
Shuttle-zusatzkonstruktionen sein, die etwa drei Monate vor dem nächsten
Raumtransporterstart vorliegt.
Angesichts der Zahl, Komplexität und der Wechselbeziehungen zwischen
den vielen Aktivitäten für den nächsten Plug hat der Raumtransporter-Programmdirektor am johnson-Raumflugzentrum eine Reihe bindender Überprüfungen des Managementprogramms für den Raumtransporter eingeleitet. Diese
Überprüfungen werden als regelmäßige Besprechungen ausgeführt, an denen
die Manager für sämtliche wichtigen Aktivitäten des Raumfährenprogramms
teilnehmen. Bei diesen Konferenzen besonders zu erörternde Themen konzen-

�Themen konzentrieren sich auf Fortschritt, Zeitpläne und Haßnahmen im Zusammenhang mit Hauptbereichen der Programmü'berprüfung und werden auf die
jeweiligen Aktivitäten innerhalb des betreffenden Zeitabschnitts direkt
abgestimmt. Nach den ersten Konferenzen dieser Art (5. - 6. Mai 1986 im
Marshall-Raumflugzentrum, 25. Juni 1986 im Kennedy-Raumflugzentrum) folgen
die nächsten im Sechs-Wochen-Turnus. Die Ergebnisse werden dem Direktor
für Raumflug und dem NASA-Administrator vorgelegt.
Am 19. Juni 1986 gab der NASA-Administrator bekannt, daß die Entwicklung der CENTAUR-Oberstufe zur Verwendung von Bord des Raumtransporters
eingestellt worden sei. Die CENTAUR-Oberstufe war für den Start von
NASA-Planetensonden sowie von bestimmten Satelliten für Aufgaben der nationalen Sicherheit vorgesehen. Zum Zeitpunkt des CHALLENGER-Unglücks waren bereits wesentliche Programme zur Sicherheitsüberprüfung des CENTAURSystems im Gang, die in den letzten Monaten noch intensiviert wurden, um
zu entscheiden, ob das Programm fortgesetzt werden soll. Der endgültige
Beschluß, die CENTAUR-Stufe nicht von Bord des Space Shuttle zu verwenden,
wurde aufgrund der Überlegung getroffen, daß selbst nach gewissen, als
Folge der Überprüfungen vorgenommenen Modifikationen die Oberstufe nicht
den Sicherheitskriterien entsprechen würde, die für andere Nutzlasten oder
Elemente des Raumtransportersystems gelten. Die NASA hat jetzt die Prüfung anderer Alternativen zur Verwendung von Trägerraketen für den Start
wichtiger Nutzlasten zur Erforschung von Planeten und für wissenschaftliche Satelliten, die mit der CENTAUR-Oberstufe gestartet werden sollten,
in die liege geleitet. Sie unterstützt das Verteidigungsministerium, das
seinerseits Startalternativen für militärische Nutzlasten prüft, die mit
der Shuttle-CENTAUR-Kombination auf den Weg gebracht werden sollten.
Der NASA-Administrator gab mittlerweile eine Anzahl von organisatorischen Maßnahmen und solche hinsichtlich der Managerstruktur für das Projekt Raumstation bekannt, die die Verbesserung der technischen Voraussetzungen wie auch des Managements zur Vorbereitung der Entwicklungsphase für
das Programm "Raumstation" zum ziel haben. Die Entscheidung für eine neue
Struktur war das Ergebnis von Empfehlungen an den NASA-Administrator durch
ein von General Phillips geleitetes Kommittee, das eine Langzeit-Bewertung
der gesamten Aktionsmöglichkeiten und Aufgaben der NASA vornimmt. Pläne
zur Aufstockung des in kritischen Bereichen tätigen Personals und zu eventuell erforderlichen Änderungen des Personalmanagements sind in Arbeit.

* * * * * *

- 9-

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1986)
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (1. Halbjahr 1!)86) erschiener. sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Theraenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in
der dar. betreffende Thema behandelt wird.

THKMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

1.

Afghanistan

1, 4, 15, 22

2.

Central Amerika und
Nicaragua

11

3.

Libyen

1, 2, 14, 14, 15, 16

4.

Sowjetunion
SS -25

Menschenrechte
Schtscharmski j

2,
4, 7
6,

5. Südafrika
Nelson Mandela

4,

6. Vereinigte Staaten
Botschaft zur Lage der Nation
Energiepolitik
Frieden und Nationale Sicherheit
Haushaitispolitik
Nominierungen
Verteidigunghaushalt

5
13,
9,
6
11
9, 22

�THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Beziehungen d&lt;r USA zu
Europa

14

Ost-West-Bezi«hungen
und
Rüstungspolit:sehe Themen
Abrüstung / Rüstungskontrolle
Chemische Waffen
Genfer Abrüstungsverhandlungen
Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow
KVAE
KSZE
SDI
SALT-Abkommen

8, 15, 17, 20, 21
13,
16, 18
14,
4, 9, 19
9,
9, 12, 17
12, 20,

Internationale Probleme
Drogenprobleme
Menschenrechte
Terrorismus
Tschernobyl und seine Folgen
Weltwirtschaft
Wirtschaftsgipfel in Tokio

7, 5, 12, 20
7, 13
7, 10, 17, 18, 19
17, 19, 21
5
13, 16, 17, 18

Weltraum
CHALLENGER-Unfall und Folgen

4, 5, 7, 8, 16, 18, 1
22

Martin Luther King

1» 3

Wissenschaft und Technik
AIDS
Gentechnologie
Komet Halley
Medizin, allgemein
Rauchen
Umweltschutz
Wetter
Weltraumforschung

14,
2, 13,
11,
15, 18
1»
10,
2,
4, 19, 22

�REDEN UND ERKLÄRUNGEN DES AMERIKANISCHEN BOTSCHAFTERS
RICHARD R. BURT

15. Januar 1986
Erklärung des amerikanischen Botschafters in Bonn zu den Maßnahmen
der Vereinigten Staaten gegen Libyen

12. Februar 1986
Demokratie und Kultur
(Universität Heidelberg)

21. Februar 1986
Ein offenes Handelssystem - unser aller Verantwortung
(Adolf-Weber-Stiftung)

26. Februar 1986
Europa und das Bündnis - Rückkehr zum Zwei-Säulen-Konzept
(Uberseeclub in Hamburg)

17. März 1986
Das Fulbright-Programm - Aufbruch in eine offene Welt
Rede von Botschafter Burt, (Berlin-Woche der FulbrightKommission)

25. April 1986
Der Handel als Instrument der Außenpolitik
(Amerikanische Handelskammer München)

4. Juni 1986
Freiheit, Sicherheit und Frieden in einer offenen Welt
(Konrad-Adenauer-Stiftung, Berliner Reichstagsgebäude)

SONDERDIENSTE

22. Januar 1986
Besuch des Stellvertretenden US-Außenminister John C. Whitehead in
Bonn

2. April 1986
Die sowjetische Militärmacht 1986
- Fünfte Dokumentation des US-Verteidigunsministeriums -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan sagt nein zu Apartheid und Sanktionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten zur Lage in Südafrika -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Kampf gegen den Terrorismus gewinnbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Außenministers beim USIA-Antiterrorismus-Seminar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Nagelprobe von Stockholm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Botschafter Robert L. Barry -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NASA handelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht an Präsident Reagan über Maßnahmen nach dem CHALLENGER-Unglück -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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cimcrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

&lt;o

Z12462 C
14

23. Juli 1997

CLINTON: POLEN WIRD WEGBEREITER
FÜR FREIHEIT UND SICHERHEIT
Rede des Präsidenten in Warschau

NATO

GRUNDE FÜR DIE NATO-ERWEITERUNG
Anhörung von Abteilungsleiter Kornblum

VEREINTE NATIONEN

WICHTIGSTE PUNKTE DES
UNO-REFORMPAKETS
Schritte zu einer effektiveren, effizienteren UNO
REFORMPAKET FÜR DIE UNO IST
"BEDEUTSAMER SCHRITT"
Ansprache von Bill Richardson
VEREINIGTE STAATEN UNTERSTÜTZEN
UNO-REFORM
von Princeton Lyman

USA-DEUTSCHLAND

DEUTSCHLAND IST DER ANKER
EINES GEEINTEN EUROPAS
Anhörung von John Kornblum

TERRORISMUS

TERRORISMUS BLEIBT GLOBALES THEMA
von Botschafter Philip Wilcox, Jr.

FRAUEN

INTEGRATION DER GESCHLECHTSSPEZIFISCHEN PERSPEKTIVE
Rede von Seth Winnick

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�NATO
23. Juli 1997

Clinton: Polen wird Wegbereiter
für Freiheit und Sicherheit
Rede des Präsidenten in Warschau

WARSCHAU - (AD) - "Vor acht Jahren haben Sie den Weg zur Freiheit angeführt. Jetzt bitten wie Sie, erneut
Wegbereiter zu sein", äußerte Präsident Clinton am 10. Juli 1997 gegenüber den Bürgern von Warschau in einer
Rede, die er zwei Tage nach der Einladung Polens zum NATO-Beitritt hielt. Nachfolgend veröffentlichen wir die
Ansprache Präsident Clintons im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Bürgermeister, Major Kuklelka,
Leutnant Blazeusz, liebe Bürger von Warschau und
Polen. Ich bin stolz darauf, zu Ihnen sprechen zu
dürfen und Sie - gemeinsam mit dem Volk Ungarns
und Tschechiens - als neue Mitglieder der NATO und
neue Verbündete der Vereinigten Staaten von Amerika
willkommen heißen zu dürfen.

wird nichts über Sie entschieden ohne Ihre Zustimmung. Jetzt tritt Polen der NATO bei. Polen nimmt
seinen Platz in der Gemeinschaft demokratischer
Staaten ein. Nie wieder werden andere über Ihr
Schicksal entscheiden. Nie wieder wird Ihnen Ihr
Geburtsrecht auf Freiheit verweigert. Polen kommt
nach Hause.

Mein Dolmetscher möge mir vergeben, wenn ich von
meinem Redetext abweiche und sage, daß die amerikanische Delegation stolz darauf ist, hier sein zu
dürfen. Für zwei unserer Delegationsmitglieder hat
dieser Tag eine besondere Bedeutung, und ich bitte
sie, sich zu erheben. Eines ist unsere Außenministerin, die in der Tschechischen Republik geboren und
von den Unruhen vertrieben wurde, die den Polen
während der letzten 50 Jahre so viele Sorgen bereiteten - Madeleine Albright. Die zweite ist eines der
herausragendsten Mitglieder des amerikanischen
Kongresses, deren beide Großväter polnische Einwanderer waren - Senatorin Barbara Mikulski aus
Maryland.

Vor 200 Jahren brannte in Polen ein helles Licht der
Freiheit. Damals gaben Sie Europa seine erste und
der Welt ihre zweite schriftlich niedergelegte Verfassung - nach der amerikanischen. Dieser feierliche
Pakt gab Ihren Vorfahren Kraft und Hoffnung, selbst
als Polen immer wieder Opfer der Tyrannei wurde.
Aber diese Woche sprechen die in dieser Verfassung
enthaltenen Worte und die derjenigen, die sie befolgten, über Jahrhunderte hinweg zu uns. "Wir schreiben
feierlich diese Verfassung in dem Willen, von der
gegenwärtigen Situation in Europa und dem günstigen
Moment zu profitieren, der uns wieder zu uns selbst
finden läßt." Bürger Polens, dieser günstige Moment
läßt Sie wieder zu sich selbst finden.

Wir kommen heute zusammen, um diesen Moment
erfüllter Versprechen zu feiern. Hier, im Dämmerlicht
des 20. Jahrhunderts, richten wir unseren Blick auf ein
neues Jahrhundert, ein Jahrhundert, in dem Polen
endlich eine freie Nation im Herzen eines freien,
neuen, ungeteilten, demokratischen und friedlichen
Europas wird.

Es ist ein von Ihnen gemachter Moment. Ebenso wie
hier vor 200 Jahren die Freiheit geboren wurde, ist sie
vor acht Jahren wiedergeboren worden, als Sie den
Lauf der Geschichte veränderten. Und jetzt haben wir
Polen wieder zurück nach Europa geführt und zu der
Zukunft, die Sie verdienen. Von diesem Tag an wird
Polen das, was es in Frieden aufbaut, in Sicherheit
bewahren.

Diese Woche vor drei Jahren kam ich in diese großartige Stadt und gab das folgende Versprechen ab: Es

AMERIKA DIENST 14

Seite 1

�Den Bürgern meines eigenen Landes sage ich: Dieses
Land, von dem aus ich spreche, hat die schlimmsten
Kriege des 20. Jahrhunderts erlebt. Durch die Erweiterung der NATO werden wir einen erneuten Krieg
verhindern, in den Polen hineingezogen werden
könnte, einen erneuten Krieg in Europa und einen
erneuten Krieg, der das Leben von Amerikanern
kosten könnte.
Wir sind diesem Augenblick dankbar für seine Segnungen, uns aber auch der großen Verantwortung bewußt,
die er beinhaltet. Durch die Macht seines Beispiels
und das Beispiel seiner Macht hat unser Nordatlantisches Bündnis nahezu ein halbes Jahrhundert die
Sicherheit Westeuropas, Kanadas und der Vereinigten
Staaten gewährleistet. Kein NATO-Mitglied ist je
angegriffen worden. Die NATO hat nie aggressiv
zurückgeschlagen.
Jetzt müssen wir unser Bündnis an eine neue Zeit
anpassen. Unser gemeinsamer Feind - die kommunistische Unterdrückung - ist verschwunden, aber
gemeinsame Gefahren bestehen immer noch. Zu viele
Menschen fürchten immer noch den Wandel, weil sie
seine Vorteile noch nicht spüren. Sie sind immer noch
empfänglich für die zersetzenden Aufrufe extremer
Nationalisten zu ethnischem, rassischem und religiösem Haß. Verbrecherische Staaten versuchen, die
Staatengemeinschaft der Demokratien zu unterminieren. Terroristen, internationale Kriminelle und Drogenhändler respektieren keine Grenzen. Das sind unsere
gemeinsamen Gefahren, die wir gemeinsam bekämpfen müssen.
Die NATO trägt ihren Teil dazu bei - sie nimmt neue
Mitglieder auf, übernimmt neue Aufgaben und arbeitet
mit neuen Partnern zusammen. Ebenso wie Polen
haben wir auch die Ukraine einbezogen, um zur
Konsolidierung der Stabilität in Europa beizutragen,
und wir arbeiten mit einem neuen Rußland als unserem Partner beim Aufbau eines Europas zusammen, in
dem jede Nation frei ist und jede freie Nation zur
Sicherung von Frieden und Stabilität für alle beiträgt.
Jetzt müssen Sie - wie Ihr Präsident es formulierte weiterhin Ihren Beitrag leisten. Polen, Ungarn und die
Tschechische Republik werden jetzt Vollmitglieder des
Bündnisses mit der vollen Verantwortung der Mitgliedschaft - der Verantwortung, Ihre Demokratien zu
pflegen, zu stärken und zu verteidigen, weil - wie wir in
Amerika wissen - nach über 200 Jahren der Kampf für
Demokratie nie beendet ist und jeden Tag gekämpft
werden muß.
Die Verantwortung zur Fortsetzung der bemerkenswerten Umgestaltung Ihrer Volkswirtschaft, weil Sie,
nachdem Sie die Armut kennengelernt haben, den
echten Wert des Wohlstands zu schätzen wissen, den
Sie gerade angefangen haben zu schaffen. Die Ver-

Seite 2

antwortung zur Einbeziehung all Ihrer Nachbarn im
Osten wie im Westen, einschließlich der Menschen in
Rußland. Sie müssen weiterhin in Toleranz das
aufbauen, was andere im Haß zerstört haben.
Die Verantwortung zur Erfüllung der hohen militärischen Standards der NATO und zur Übernahme der
Kosten, weil echte Sicherheit Stärke und Einsatzbereitschaft erfordert. Wir wissen, daß Sie bereit sind, die
Lasten der Verteidigung der Freiheit zu teilen, weil Sie
den Preis des Verlusts der Freiheit kennen.
Andere Nationen blicken auf Sie, damit Sie ihnen
zeigen, welchen Beitrag neue Mitglieder leisten
können. Sie sind nicht durch die Tür der NATO
getreten, damit sie hinter Ihnen geschlossen wird.
Diese Tür bleibt offen.
Vor acht Jahren haben Sie den Weg zur Freiheit
angeführt. Jetzt bitten wir Sie, erneut Wegbereiter zu
sein. Die Menschen in Warschau, das polnische Volk
und das amerikanische Volk wissen aufgrund der
harten Lektionen dieses Jahrhunderts, daß Ihr Schicksal und unsere Zukunft miteinander verbunden sind.
Nach dem Ersten Weltkrieg haben sich die Vereinigten
Staaten aus der Welt zurückgezogen, und das flakkemde Licht der Freiheitsfackel wurde durch die Nacht
in Europa verdunkelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg
hielten wir und unsere Verbündeten das Symbol der
Freiheit in die Höhe - aber es konnte nur den halben
Kontinent erleuchten.
Heute sind wir hier zusammengekommen, um das
wertvollste Geschenk der Geschichte zu feiern - eine
zweite Chance. Eine zweite Chance, um das Opfer
derjenigen wiedergutzumachen, die von den Küsten
der Normandie bis zu den Straßen von Warschau für
unsere Freiheit kämpften. Eine zweite Chance, um
endlich Europa nicht durch die Gewalt der Waffen,
sondern die Macht des Friedens zu vereinen.
Vor einer Woche haben wir den 4. Juli - den amerikanischen Unabhängigkeitstag - gefeiert. Vor über 200
Jahren haben Sie Ihre Söhne entsandt, um zur
Sicherung unserer Zukunft beizutragen. Das hat
Amerika nie vergessen. Heute werden wir zusammenarbeiten, um die Zukunft eines ungeteilten Europas für
Ihre und unsere Freiheit zu sichern.
Das ist das Versprechen, das uns heute hier zusammenbringt. Das ist das Versprechen, das uns in
einem neuen Europa für ein neues Jahrhundert
verbindet. Das ist unser Versprechen an alle heute
hier versammelten jungen Menschen und an künftige
Generationen: Sicherheit für 100 Jahre. Demokratie
für 100 Jahre. Freiheit für 100 Jahre.
Gott schütze Amerika und Gott schütze Polen. Ich
danke Ihnen.

AMERIKA DIENST 14

�NATO

23. Juli 1997

Gründe für die NATO-Erweiterung
Anhörung von Abteilungsleiter Kornbium

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Abteilungsleiters für europäische und
kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium, John Kornblum, vor dem nationalen Sicherheitsausschuß
des Repräsentantenhauses am 17. Juli 1997.

Einleitung
Vielen Dank, Herr Vorsitzender. Ich begrüße diese
Gelegenheit, über die historischen Ereignisse der
vergangenen Woche in Madrid und ihre Bedeutung für
das amerikanische Volk sprechen zu können. Während wir unsere Aufmerksamkeit von den Vorbereitungen auf Madrid und zur Erlangung der Ziele des
Gipfeltreffens auf den Beginn der Beitritts- und Ratifizierungsphase verlagern, sehen wir der engen
Zusammenarbeit mit Ihnen erwartungsvoll entgegen
um sicherzustellen, daß die logische Begründung, die
Vorteile und Kosten der Erweiterung und Anpassung
der NATO von diesem Gremium und dem amerikanischen Volk voll und ganz verstanden werden. Ich
hege die Hoffnung, wenn nicht sogar die Erwartung,
daß diese Bestrebungen in ihrem weiteren Verlauf
ebenfalls uneingeschränkt begrüßt und unterstützt
werden.
Wir haben uns sehr gefreut, daß so viele Mitglieder
des Repräsentantenhauses und des Senats, darunter
der Abgeordnete des Repräsentantenhauses Norman
Sisisky, mit uns zusammen am Madrider Gipfel
teilnehmen konnten. Wie Senator Roth vor dem
Nordatlantikrat betonte, war der Gipfel von Madrid eine
historische Wasserscheide in der Entwicklung des
Bündnisses zu einer "neuen NATO" für ein neues
Jahrhundert. Es ist wichtig, daß wir hierbei die enge
Zusammenarbeit zwischen der Administration und dem
Kongreß fortsetzen.
Gründe für die Erweiterung der NATO
Bevor ich die Leistungen des Gipfeltreffens und die
Pläne für das nächste Jahr im einzelnen darlege,

AMERIKA DIENST 14

möchte ich nochmals die Gründe für die Erweiterung
und Anpassung der NATO anführen.
Vor sechs Jahren befand sich die NATO an einem
Scheideweg: Der Kalte Krieg war vorüber und der
Hauptgrund für die Existenz der NATO - die Abwehr
einer möglichen sowjetischen Bedrohung - bestand
nicht mehr. Viele fragten sich, warum wir die NATO
noch benötigen. Das Bündnis selbst stellte sich die
Frage und gelangte zu folgender Antwort: "Weil die
NATO das effektivste Militärbündnis der Geschichte ist
und eine entscheidende Rolle dabei zu spielen hat,
zum ersten Mal in der Geschichte einen ungeteilten,
friedlichen und sicheren Kontinent zu schaffen." Wir
erkannten jedoch, daß sich die NATO verändern
mußte, um dieser Rolle gerecht zu werden. Seit sechs
Jahren paßt sich die NATO an die Realitäten der Zeit
nach dem Kalten Krieg und das neue Sicherheitsumfeld in Europa an. In der vergangenen Woche
haben wir in Madrid die entscheidenden Schritte zu
dieser Anpassung und zur Verwirklichung unseres
Ziels eines geeinten und von Konflikten freien Europas
unternommen.
Die neue NATO ist besser zur Bewältigung der
Herausforderungen unserer Sicherheit in der Zeit nach
dem Kalten Krieg ausgerüstet als jede andere Institution. 50 Jahre lang war die NATO die effektivste
Abschreckung gegen einen Konflikt größeren Ausmaßes. In diesen 50 Jahren wurde kein NATOMitglied angegriffen und kein NATO-Mitglied hat ein
anderes Land angegriffen. Aber stellen Sie sich eine
Welt ohne die NATO vor. Während Institutionen wie
die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (OSZE), die Vereinten Nationen (UNO) und die
Europäische Union (EU) immer noch ihre elementaren
Funktionen ausüben würden, gäbe es keine der NATO

Seite 1

�vergleichbare Organisation. Ohne die NATO würden
wir erneuten Konflikten und der Möglichkeit Tür und
Tor öffnen, daß wiederum amerikanische Soldaten für
den Schutz amerikanischer Interessen und Werte
kämpfen und sterben müßten. Vor seiner Reise nach
Madrid erklärte Präsident Clinton: "Wenn wir aus dem
20. Jahrhundert auch nur eine Lehre gezogen haben,
dann die, daß unsere Zukunft und die Europas untrennbar verbunden sind."
Durch die NATO-Erweiterung stärken wir die NATO
und die Sicherheit und Stabilität in ganz Europa.
Polen, Ungarn und die Tschechische Republik werden
nicht nur Sicherheit in Anspruch nehmen, sondern
auch Sicherheit schaffen. Sie teilen die Verpflichtung
der NATO zu den Prinzipien von Demokratie und
freien Märkten. Sie werden Sicherheit jenseits ihrer
Grenzen verbreiten und mit ihren Nachbarn an der
Konsolidierung der bereits erzielten enormen Fortschritte zusammenarbeiten. Sie werden die Vorteile
genießen, aber sie werden auch die Pflichten und
Kosten der NATO-Mitgliedschaft übernehmen. Durch
die Erweiterung der NATO tragen wir zur Konsolidierung und Fortsetzung der Fortschritte zu Reform und
Demokratie in ganz Europa bei. Und wir löschen für
immer die Trennlinie aus, die Europa 50 Jahre lang
geteilt hat. Die Erweiterung der NATO wird gewährleisten, daß diese neue NATO weiterhin das effektivste
Militärbündnis der Geschichte bleibt. Es ist eine neue
NATO für ein neues Jahrhundert.

chen Erfolg der Partnerschaft für den Frieden hin und
räumten ein, daß die NATO ohne die PfF nicht in der
Lage gewesen wäre, die IFOR und die SFOR so
effektiv und effizient unter Beteiligung so vieler Partner
nach Bosnien zu entsenden. Am zweiten Tag des
Gipfels trafen 28 Staats- und Regierungschefs der
Mitgliedsländer des EAPR beziehungsweise ihre
Stellvertreter erstmals in der Geschichte im Rahmen
der NATO mit ihren Amtskollegen aus dem Bündnis
zusammen.
Die führenden Vertreter des Bündnisses unterzeichneten die Charta zwischen der NATO und der Ukraine,
die dem Bündnis und der Ukraine die Stärkung ihrer
Konsultationen und Kooperation ermöglicht, und sie
erkannten die historische Unterzeichnung der Grundakte zwischen der NATO und Rußland im Mai an. Der
neue Ständige Gemeinsame Rat der NATO und
Rußlands wird der NATO und Rußland erlauben, zu
beratschlagen, zusammenzuarbeiten und - das
möchte ich betonen - "wo es angebracht ist", gemeinsam zur Bewältigung der sicherheitspolitischen
Herausforderungen in Europa zu handeln. Er wird
Rußland kein Vetorecht bei den Entscheidungen des
Bündnisses einräumen - auch das möchte ich betonen,
weil es kürzlich von einigen Kommentatoren mißverstanden wurde. Wo die NATO und Rußland sich auf
gemeinsame Aktionen einigen, werden sie diese auch
durchführen. Wo das nicht geschieht, hat das Bündnis
die Freiheit, ihm angemessen erscheinende Aktionen
durchzuführen.

Die Leistungen von Madrid
Die Einladung an Polen, Ungarn und die Tschechische
Republik zur Aufnahme der Beitrittsverhandlungen war
in keinster Weise die einzige Leistung des Madrider
Gipfels, wenn auch die bemerkenswerteste. Die
Erweiterung kann nicht isoliert betrachtet werden. Sie
ist nur ein Element umfassenderer Bestrebungen zur
Schaffung einer sichereren euroatlantischen Gemeinschaft.
In Madrid haben die Verbündeten klargestellt, daß
diese Erweiterung der NATO nicht die letzte sein wird.
Sie verabschiedenten ein solides Konzept der offenen
Tür, das die Fortsetzung der intensivierten Dialoge der
NATO mit den die Mitgliedschaft anstrebenden
Partnern, eine Verpflichtung zur Überprüfung des
Status dieser Dialoge beim nächsten Gipfeltreffen im
Jahr 1999 sowie stärkere und tiefere kooperative
Beziehungen mit den Partnern durch den neuen
Euroatlantischen Partnerschaftsrat (EAPR) und einer
erweiterte Partnerschaft für den Frieden (PfF) enthält.
Der Euroatlantische Partnerschaftsrat wird die Konsultationen der NATO mit ihren Partnern stärker in den
Brennpunkt rücken, Umfang und Inhalt unserer
praktischen Zusammenarbeit verbessern sowie
Transparenz und Vertrauen zwischen allen Mitgliedstaaten des EAPR erhöhen. In ähnlicher Weise
wiesen die Bündnismitglieder auf den außerordentli-

Seite 2

Ferner stellten die Verbündeten fest, daß Fortschritte
bei der internen Anpassung der NATO gemacht
wurden und einigten sich darauf, ausstehende Fragen
über die Befehlsstruktur und die Entwicklung einer
gemeinsamen europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität (ESVI) möglichst im Rahmen der NATO
und des Konzepts der Alliierten Streitkräftekommandos
bis zum Ministertreffen des Nordatlantikrats im Dezember zu lösen. Diese Elemente der NATO-Anpassung Erweiterung, das Verhältnis zu Rußland und zur
Ukraine, der EAPR, die erweitere PfF und die interne
Anpassung - werden die laufenden Bestrebungen
anderer euroatlantischer Institutionen wie OSZE, EU,
Europarat und WEU zur Erlangung unseres Ziels eines
sicheren, integrierten Europas ergänzen.
Die nächsten Schritte
Beitrittsgespräche
Im September und Oktober wird die NATO mit den
eingeladenen Ländern Beitrittsgespräche führen. Die
Gespräche werden offiziell die Bereitschaft und
Fähigkeit jedes zum Beitritt eingeladenen Landes
bestätigen, die Verpflichtungen des Nordatlantikvertrags zu erfüllen und die politischen und rechtlichen
Voraussetzungen des Bündnisses zu akzeptieren.
Ferner werden die Gespräche das Verhältnis jedes

AMERIKA DIENST 14

�Landes zum Verteidigungsplanungssystem der NATO
und ihrer integrierten Militärstruktur festlegen. Die
NATO möchte die Gespräche bis zum Ministertreffen
des Nordatlantikrats am 16. und 17. Dezember
abschließen, bei dem die Außenminister der NATOStaaten die Beitrittsprotokolle unterzeichnen werden.

hungen zwischen der NATO und der Ukraine mit Leben zu erfüllen. Wir werden mit unseren Verbündeten
und Partnern an der Entwicklung dieser Foren zusammenarbeiten.

Anschließend beginnt der Ratifizierungsprozeß. Der
Zusatzartikel zum Washingtoner Vertrag über die
Aufnahme von drei Ländern muß von allen 16 NATOMitgliedstaaten ratifiziert werden. In Madrid unterstützten die Verbündeten das Ziel Präsident Clintons,
den Ratifizierungsprozeß rechtzeitig abzuschließen,
damit die drei eingeladenen Länder der NATO offiziell
am 50. Jahrestag des Washingtoner Vertrags im April
1999 beitreten können.

Bei der internen Anpassung der NATO wurden bereits
beträchtliche Fortschritte erzielt, aber die Arbeit muß
noch fertiggestellt werden. Die NATO wird sich darum
bemühen, diese Aufgaben ebenfalls bis zum Ministertreffen im Dezember abzuschließen. Wir werden
weiterhin mit unseren Kollegen in Frankreich und
anderen verbündeten Ländern nach Wegen suchen,
die Kommandofrage bei den Alliierten Streitkräften
Südeuropa zu lösen.

Kosten

Schlußbemerkung

Bis Dezember wird die NATO eine umfassende
Analyse der Kosten der Erweiterung sowie eine
detaillierte Analyse der militärischen Erfordernise im
Zusammenhang mit der Erweiterung um die drei
eingeladenen Länder abschließen. Die Erklärung des
Madrider Gipfels enthält das Eingeständnis, daß die
Erweiterung Auswirkungen auf die der NATO zur
Verfügung stehenden Mittel haben wird sowie die
Verpflichtung, die zur Deckung dieser Kosten notwendigen Mittel aufzubringen.

In den letzten drei Monaten haben wir gemeinsam mit
unseren Verbündeten in der NATO und unseren
Partnern in Europa eine Reihe außergewöhnlicher
Maßnahmen ergriffen, um dem Ziel eines friedlichen,
sicheren und ungeteilten Europas näherzukommen.
Sie und Ihre Kollegen im Kongreß haben uns auf
jedem Schritt dieses Weges begleitet. Nicht alle
stimmten jeder unserer Aktionen zu, und es gibt viele
Fragen. Das sollte auch so sein. Ihre Fragen und
Anliegen haben unsere Entscheidungen besser und
stärker gemacht. In Zusammenarbeit haben wir den

Die Erklärung wurde von allen Bündnismitgliedern
gebilligt. Wir werden darauf bestehen, daß unsere
derzeitigen und zukünftigen Mitglieder ihren gerechten
Teil der Kosten der Mitgliedschaft tragen.
EAPR, PfF, Rußland und die Ukraine
Ein anderes wichtiges Ziel in den kommenden Monaten wird darin bestehen, den EAPR, den Ständigen
Gemeinsamen Rat mit Rußland und die neuen Bezie-

*

AMERIKA DIENST 14

Interne Anpassung

Rahmen für die weitreichendsten Veränderungen in

der europäischen Sicherheitsstruktur seit dem Ende
des Kalten Krieges geschaffen. Jetzt haben wir die
Chance, zusammen unsere gemeinsame Vision von
einer neuen NATO für ein neues Europa und ein
neues Jahrhundert zu realisieren. Meine Kollegen in
der Administration und ich sehen der Zusammenarbeit
mit Ihnen bei diesem Bestreben erwartungsvoll
entgegen.

*

Seite 3

�VEREINTE

NATIONEN
23. Juli 1997

Wichtigste Punkte des UNO-Reformpakets
Schritte zu einer effektiveren, effizienteren UNO

VEREINTE NATIONEN - (AD) - UNO-Generalsekretär Kofi Annan legte der UNO-Generalversammlung am 16.
Juli 1997 einen 95-seitigen Bericht vor, der die Reformen und Reorganisationsmaßnahmen enthält, mit denen der
Generalsekretär die Vereinten Nationen in den kommenden Jahren zu einer effektiveren und effizienteren
Organisation machen möchte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die wichtigsten Punkte des Berichts.

Die in dem vorliegenden Bericht enthaltenen Maßnahmen und Vorschläge umfassen das vom Generalsekretär während der ersten sechs Monate seiner
Amtszeit eingeleitete Reformprogramm. Es sieht
tiefgreifende und weitreichende Veränderungen vor,
um die Organisation entschlossen auf den Weg zu
wichtigen und grundlegenden Reformen zu bringen,
die sie zielgerichteter, kohärenter und flexibler machen
sollen. Einige Maßnahmen wurden bereits durchgeführt, andere erfordern mehr Zeit, und viele benötigen Entscheidungen der Mitgliedstaaten. Reform ist
schließlich ein andauernder Prozeß und nicht ein
einzelnes Ereignis.
Die Aktionen und Empfehlungen konzentrieren sich
vornehmlich auf folgende Bereiche von oberster
Priorität:
Schaffung einer neuen Führungs- und Verwaltungsstruktur, mit der die Fähigkeit des Generalsekretärs zur
Übernahme der Führungsrolle und Sicherstellung der
Rechensschaftspflicht verbessert wird, die die Organisation erfordert, durch:
a.

Einrichtung der Position eines Stellvertretenden Generalsekretärs.

b.

Einrichtung einer hochrangigen Verwaltungsgruppe.

c.

Weiterentwicklung und Stärkung der vom
Generalsekretär im Januar 1997 gegründeten
Exekutivausschüsse der sektoralen Gruppen,

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in denen alle Abteilungen, Fonds und Programme der Vereinten Nationen enthalten
sind.
d.

Dezentralisierung des Entscheidungsprozesses auf Landesebene und Konsolidierung der
Präsenz der Vereinten Nationen unter "einer
Flagge".

e.

Schaffung einer strategischen Planungseinheit.

Gewährleistung finanzieller Solvenz durch die Einrichtung eines Umlauffonds von bis zu 1 Milliarde
Dollar, der aus freiwilligen Beiträgen oder von den
Mitgliedstaaten vorzuschlagenden anderen Mitteln
finanziert wird, abhängig von einer dauerhaften Lösung
der Finanzprobleme der Organisation.
Reduzierung von 12 Sekretariatseinheiten auf fünf und
die vorgeschlagene Konsolidierung von fünf behördenübergreifenden Gremien in zwei.
Eine veränderte Verwaltungsstruktur zusammen mit
Maßnahmen zur Verbesserung der Verwaltung und
Effizienz, durch die mindestens 1.000 Mitarbeiterpositionen abgebaut, die administrativen Kosten um ein
Drittel gesenkt, die Leistungen verbessert und über die
Jahre hinweg zusätzliche Einsparungen bei Personalkosten vorgenommen werden.
Durchführung einer gründlichen Überprüfung der das
Humankapital betreffenden Maßnahmen und Praktiken

Seite 1

�um sicherzustellen, daß alle Mitarbeiter die notwendigen Fertigkeiten haben und die Grundvoraussetzungen für effektiven Dienst mitbringen.
Förderung von andauernder und nachhaltiger Entwicklung als oberste Priorität der Vereinten Nationen durch:
a.

b.

c.

d.

e.

Zusammenlegung der Fonds und Programme
der Vereinten Nationen mit Entwicklungsoperationen in einer Entwicklungsgruppe der
Vereinten Nationen, die Konsolidierung und
Zusammenarbeit unter den Mitgliedstaaten
erleichtert ohne ihre Unterschiedlichkeit oder
Identität aufs Spiel zu setzen.
Vorschlag einer "Entwicklungsdividende", um
Ressourcen von der Verwaltung zu Entwicklungsaktivitäten zu verlagern.
Einrichtung eines neuen Büros zur Finanzierung von Entwicklung mit einem Stellvertretenden Generalsekretär, der die Führungsrolle bei der Einführung innovativer Mittel zur
Mobilisierung neuer Finanzressourcen für
Entwicklung übernimmt.
Vorschläge zur Lastenteilung und besseren
Berechenbarkeit durch mehrjährige ausgehandelte und freiwillige Zusagen zur Finanzierung der Entwicklungsoperationen der Vereinten Nationen.
Stärkung der umweltpolitischen Dimension der
Aktivitäten der Vereinten Nationen, insbesondere des Umweltprogramms der Vereinten
Nationen (UNEP).

Stärkung und gezielte Ausrichtung der normativen
Politik- und wissensbezogenen Funktionen des
Sekretariats und seiner Fähigkeit, den behördenübergreifenden Gremien der Vereinten Nationen durch die
Einrichtung einer konsolidierten Sektoralgruppe für
wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten zu dienen.
Verbesserung der Fähigkeit der Organisation zur
rascheren Entsendung von friedenssichernden und
anderen Operationen vor Ort, einschließlich der
Erweiterung der schnellen Einsatztruppe der Vereinten
Nationen.
Stärkung der Fähigkeit der Vereinten Nationen zur
Friedensschaffung nach Konflikten mit der Benennung
der Abteilung für politische Angelegenheiten als
Einrichtung vor Ort für diesen Zweck.
Unterstützung internationaler Bestrebungen zur
Bekämpfung von Verbrechen, Drogenhandel und Ter-

Seite 2

rorismus durch die Konsolidierung der Programme und
Aktivitäten der Vereinten Nationen in Wien in einem
Büro für Drogenkontrolle und die Verhinderung von
Verbrechen.
Erweiterung der Menschenrechtsaktivitäten durch die
Reorganisation und Umstrukturierung des Menschenrechtssekretariats und der Integration von Menschenrechten in alle wichtigen Aktivitäten und Programme der Vereinten Nationen.
Förderung der Abrüstungsagenda durch die Einrichtung einer Abteilung für Abrüstung und Rüstungskontrolle zur Inangriffnahme der Reduzierung von
Rüstungen und Massenvernichtungswaffen sowie der
Rüstungskontrolle.
Verbesserung der Reaktion auf humanitäre Bedürfnisse durch die Einrichtung eines neuen Büros zur
Koordinierung von Katastrophenhilfe, das die Abteilung
für humanitäre Angelegenheiten ersetzt und seine
Fähigkeiten auf die effektivere Bewältigung komplexer
Notfälle konzentriert.
Grundlegende Verbesserung der Information der
Öffentlichkeit und Kommunikationsstrategie und
Funktionen der Vereinten Nationen, um die sich
verändernden Erfordernisse der Organisation zu
meistern.
Berücksichtigung der Notwendigkeit zu grundlegenderen Veränderungen durch Empfehlungen des Generalsekretärs an die Mitgliedstaaten, folgendes in
Erwägung zu ziehen:
a.

Konzentration der Arbeit der Generalversammlung auf Probleme von höchster Priorität
und Verkürzung der Sitzungen der Versammlung.

b.

Einrichtung einer Kommission auf Ministerebene zur Prüfung der Notwendigkeit für
grundlegende Veränderungen durch die
Überprüfung der Charta der Vereinten Nationen und der rechtlichen Instrumente, aus
denen die Sonderorganisationen der Vereinten Nationen ihre Satzungen ableiten.

c.

Ernennung der im Jahr 2000 abzuhaltenden
Sitzung der Generalversammlung zur "Jahrtausendversammlung", die sich auf die Vorbereitung der Vereinten Nationen zur Bewältigung der größten Herausforderungen und
Erfordernisse der Völkergemeinschaft im 21.
Jahrhundert konzentrieren soll und mit einer
"Völkerversammlung" einhergeht.

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�VEREINTE

NATIONEN
23. Juli 1997

Reformpaket für die UNO ist "bedeutsamer Schritt"
Ansprache von Bill Richardson

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Das von UN-Generalsekretär Kofi Annan am 16. Juli 1997 bekanntgegebene
Reformpaket ist dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika bei den Vereinten Nationen, Bill
Richardson, zufolge ein bedeutsamer Schritt. Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache, die Richardson
kurz nach der Vorlage des 95-seitigen Berichts des Generalsekretärs vor der UN-Generalversammlung hielt.

Herr Präsident, als der Generalsekretär im März den
ersten Entwurf seines Reformplans vorstellte, wurde
dieser von meiner Delegation rückhaltlos begrüßt.
Heute freuen wir uns außerordentlich, daß die sorgfältig erwogenen, überarbeiteten Vorschläge des Generalsekretärs der Generalversammlung vorgestellt
werden. Da wir den vollständigen Bericht erst heute
erhalten haben, müssen wir natürlich ebenso wie
andere Delegationen die Einzelheiten sorgfältig prüfen.

sein, wenn die Bestrebungen zur Stärkung der Vereinten Nationen Früchte tragen sollen.
In diesem Zusammenhang schlägt meine Delegation
vor, daß wir die heutige Chance ergreifen, unserer
kollektiven Entschlossenheit zur Fortsetzung des
Reformweges Ausdruck zu verleihen.

Mit der Unterbreitung dieser Vorschläge unternahm
der Generalsekretär einen bedeutsamen Schritt zu der
Strukturreform, die den Vereinten Nationen heute und
in Zukunft gestatten wird, mehr für die Menschen auf
der Welt zu tun, es besser und billiger zu tun.

Wir fordern die Generalversammlung dringend auf,
noch heute auf den Vorschlag von Präsident Razali zur
Einrichtung eines Ad-hoc-Ausschusses aus dem
gesamten Plenum zur Prüfung der Vorschläge des
Generalsekretärs zu reagieren. Dieser Ausschuß stellt
bei der Fortsetzung des Reformprozesses den nächsten logischen Schritt dar.

Wir beglückwünschen den Generalsekretär zu seinen
bisherigen Initiativen und sagen ihm unsere volle
Unterstützung zu, damit der Reformprozeß bei den
Vereinten Nationen Wirkung zeitigt.

Die heutigen Ankündigungen sind ein greifbarer
Ausdruck der Reformkultur, die sich während der
letzten Jahre hier bei den Vereinten Nationen und in
ihren Mitgliedstaaten kräftig entwickelte.

Wir sind uns bewußt, daß der Generalsekretär nicht
alle vorgeschlagenen Reformen alleine durchführen
kann.
Viele zentrale Elemente des Vorschlags
erfordern Aktionen aller Mitgliedstaaten. Das Sekretariat und die Mitgliedstaaten sind gemeinsam für den
Kurs des Reformprozesses als Ganzes verantwortlich.
Zusammenarbeit wird von elementarer Bedeutung

Wir wollen es zu unserer Priorität machen, auf dem
heutigen guten Anfang aufbauend gemeinsam für eine
Organisation zu arbeiten, die in den kommenden
Jahren besser im Dienst aller Menschen stehen kann.
Vielen Dank, Herr Präsident.

* * * * *

AMERIKA DIENST 14

Seite 1

�VEREINTE

NATIONEN
23. Juli 1997

Vereinigte Staaten unterstützen UNO-Reform
von Princeton Lyman

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen vom Abteilungsleiter für internationale Organisationen im USAußenministerium, Princeton Lyman, verfaßten Artikel über die Notwendigkeit einer Reform der Vereinten
Nationen.

Vor 52 Jahren räumte die Welt die Trümmer des
Zweiten Weltkriegs beiseite und gründete die Vereinten Nationen in der Hoffnung, dadurch ein Wiederaufleben solcher Zerstörung, Greueltaten und solchen
Leids zu verhindern. Die Vereinigten Staaten sind
stolz auf ihre bei der Schaffung dieser Organisation
übernommene Führungsrolle und die einzigartige
Unterstützung, die wir ihr seitdem gewährt haben. Wie
Präsident Clinton wiederholt betonte, ist die Rolle der
UNO als internationaler Treffpunkt und Medium für
kooperative Aktionen heute ebenso bedeutend wie zu
jedem anderen Zeitpunkt in ihrer Geschichte. Die
Anforderungen der Welt haben sich jedoch gewandelt,
und wir müssen sicherstellen, daß die Vereinten
Nationen sich so verändern, daß sie zur Erfüllung der
Bedürfnisse der internationalen Staatengemeinschaft
in der Lage sind.
Erfolgreiche Regierungen und Unternehmen hören nie
mit der Suche nach Wegen zur Verbesserung ihrer
Arbeit auf, und das sollte die UNO auch nicht. Diese
Institution ist viel zu wichtig, um sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. In der Zeit seit dem fünfzigsten Jahr
ihres Bestehens, die von intensiven Debatten und der
Vorlage internationaler Reformvorstellungen geprägt
war, haben die Mitgliedstaaten und die Vertreter der
UNO ein großes gemeinsames Interesse an der
Bewilligung und Durchsetzung konkreter Reformmaßnahmen entwickelt.
Es wurden bereits Bestrebungen eingeleitet, einige der
Mängel der Vereinten Nationen zu beheben. Moderne
Managementpraktiken fassen Fuß. Ein rigoroses
Inspektionssystem wurde eingeführt. Die Erhöhung
der Effektivität gestattet Haushaltskürzungen und
Personalabbau. Die Fähigkeit des Generalsekretärs

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zur Organisation und Leitung von Friedenssicherungsoperationen wurde beträchtlich gestärkt, und der
Sicherheitsrat zeigt jetzt äußerste Disziplin bei der
Bewilligung neuer Missionen.
Die Vereinigten Staaten begrüßen den Ansatz von
Generalsekretär Annan zur weiteren Stärkung der
UNO durch Reformen. Seine Initiativen zur Zusammenlegung der Abteilungen des Sekretariats,
Ausarbeitung eines Verhaltenskodex für die UNOMitarbeiter und zum Abbau der Bürokratie werden eine
neue Arbeitsweise im UNO-Hauptquartier ermutigen.
Er verdient und erhält von den Mitgliedstaaten starke
Unterstützung für seine Reformbestrebungen. Von
besonderer Bedeutung ist seine Konzentration auf die
Verringerung der Gemeinkosten der Vereinten Nationen von derzeit 38 auf 25 Prozent und die Verwendung
der Ersparnisse für Wirtschafts- und Sozialprogramme.
Alle Mitgliedstaaten sollten sich Versuchen zur Verlangsamung dieser Reformen widersetzen. Es gibt
keine Rechtfertigung für den Erhalt oder Schutz
überflüssiger Arbeitsplätze in den UNO-Sitzen in New
York und Genf auf Kosten der Bedürftigsten der Welt,
denen dann weniger Hilfe gewährt werden kann. Beim
jüngsten G-8-Gipfel in Denver wurde der Generalsekretär entschieden zu der von ihm vorgeschlagenen
Umstrukturierung der Vereinten Nationen ermutigt, und
die Generalversammlung wird die Gelegenheit haben,
diesen Veränderungen in den kommenden Monaten
zuzustimmen.
Vor diesem Hintergrund bekräftigen die Vereinigten
Staaten ihre starke Unterstützung für die UNO und ihr
Engagement für die Bewältigung des ständigen
Problems der amerikanischen Rückstände, die zusammen mit den Rückständen vieler anderer

Seite 1

�zahlen. Das ist eine ungesunde Situation, durch die
die UNO stets den Haushaltsengpässen einiger
weniger Mitglieder aussetzt ist. Obwohl diese Situation
nicht rasch behoben werden kann, weil so viele
Mitgliedstaaten arm sind, sollten die Vereinten Nationen damit beginnen, sich für den Großteil ihrer Finanzierung weniger abhängig von einem Mitgliedstaat
- den Vereinigten Staaten - zu machen. Zweifelsohne
können die kleinen Summen, die durch die amerikanischen Vorschläge umverteilt würden, ohne gleichzeitige Erhöhung ihrer Beiträge von den Mitgliedstaaten übernommen werden, deren Volkswirtschaften in
den vergangenen Jahren schnei! gewachsen sind.

Staaten - zur Finanzkrise der Vereinten Nationen
beigetragen haben. Präsident Clinton arbeitet mit dem
amerikanischen Kongreß an der umfassenden Lösung
dieses Problems. Ein bald vom Kongreß zu billigender
Gesetzentwurf würde den Vereinigten Staaten gestatten, im Verlauf von drei Jahren die meisten ihrer
Rückstände bei der UNO zu bezahlen und in Zukunft
ihre Beiträge ganz zu begleichen. Der Gesetzentwurf
spezifiziert Reformparameter, die zur Leistung dieser
Zahlungen erreicht werden müssen. Wir sind uns
bewußt, daß andere Mitgliedstaaten diesen Ansatz
nicht als völlig zufriedenstellend ansehen werden. In
unserem Regierungssystem ist es jedoch üblich, daß
der Kongreß Bedingungen oder Parameter für die
Durchführung in- und ausländischer Programme durch
den Präsidenten festsetzt. Das Wichtigste ist, ob
andere Mitgliedstaaten der Ansicht sind, daß diese
Parameter gut für die Vereinten Nationen sind.
Unseres Erachtens ist das der Fall.

Der zweite schwierige Parameter besteht darin, die
Vereinten Nationen zu bitten, bis zur endgültigen
Regelung die Rückstände auf ein "umstrittenes" Konto
einzuzahlen, bei denen wir Differenzen mit den
Vereinten Nationen haben. Das ist nicht neu. Es
wurde in der Vergangenheit bereits mehrmals für
andere Mitglieder für die Dauer ihrer Verhandlungen
mit den Vereinten Nationen über die kontroversen
Punkte praktiziert. Darüber hinaus bezieht sich ein
Viertel des umstrittenen Betrags auf ein kompliziertes
Steuererstattungssytem, das nur die amerikanischen
Beschäftigten bei der UNO betrifft.

Erstens wurden die meisten in diesem Gesetzentwurf
enthaltenen Reformen von anderen UNO-Mitgliedern
und dem Generalsekretär selbst befürwortet, wie
beispielsweise Personal- und Haushaltsdisziplin,
verbesserte Rechenschaftspflicht und regelmäßige
Programmauswertungen. Ohne diese Reformen wird
die UNO weder die Glaubwürdigkeit noch die Fähigkeit
zur Ausübung ihrer Funktionen haben.

Die Schlüsselfrage für andere Mitglieder lautet: Was
steht auf dem Spiel? Präsident Clinton hat die amerikanische Verpflichtung gegenüber den Vereinten
Nationen aufs Entschiedenste bekräftigt.

Wir sind uns bewußt, daß die schwierigeren Parameter
die amerikanischen Beiträge und Zahlungsrückstände
betreffen. Die Vereinigten Staaten versuchen, ihre
Beiträge im nächsten Jahr von 25 Prozent auf 22
Prozent und bis zum Jahr 2000 auf 20 Prozent zu
senken. Das scheint nicht ganz im Einklang mit dem
Prinzip der "Zahlungsfähigkeit" zu stehen. Aber die
Vereinigten Staaten haben viele Jahre lang eine
enorme Verantwortung bei der Finanzierung von
Friedens- und Sicherheitsaktivitäten auf der ganzen
Welt übernommen, die weit über die der UNO hinausgehen. Darüber hinaus würden die Vereinigten
Staaten selbst mit diesem reduzierten Beitragssatz die
höchsten Beiträge entrichten - im vergangenen Jahr
zahlten sie 1,5 Milliarden Dollar an das UNO-System.
Am wichtigsten ist jedoch, daß eine Verringerung des
amerikanischen Beitragssatzes ein notwendiger Schritt
zur Übernahme größerer Verantwortung der Vereinten
Nationen ist. Heute zahlen 155 der 185 Mitgliedstaaten zusammen weniger als 13 Prozent der Ausgaben
der UNO, während 14 Mitglieder mehr als 80 Prozent

* *

Seite 2

Als der Senat mit 90 zu 5 Stimmen über die erste
Version dieses Gesetzentwurfs abstimmte, hatte er die
Unterstützung des breitesten Spektrums der amerikanischen Politiker. Welche Probleme das Gesetz auch
enthalten mag - es geht einen großen Schritt über die
Debatten und die an der UNO in den vergangenen
Jahren geübte Kritik hinaus. Und es bietet den
Vereinten Nationen die Chance, die Finanzkrise im
Großen und Ganzen zu bewältigen.
Die Alternative wäre mehr Konfrontation, mehr Krisen und so lange das andauert weniger effektive Vereinte
Nationen. Nur die Gegner der UNO könnten diese
Aussicht gutheißen. Wir benötigen die Unterstützung
der anderen Mitglieder, damit dieser Plan funktioniert.
Wir sind der Auffassung, daß er sich zu unser aller
Vorteil auswirken wird.

*

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�USA-DEUTSCHLAND
23. Juli 1997

Deutschland ist der Anker eines geeinten Europas
Anhörung von John Kornblum

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des designierten Botschafters für Deutschland,
John Kornblum, bei seiner Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats am 15. Juli 1997.

Ich danke für die Gelegenheit, im Zusammenhang mit
meiner Nominierung zum Botschafter der Vereinigten
Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland eine Rede vor diesem Ausschuß halten zu dürfen.
Ich habe meine Laufbahn im auswärtigen Dienst vor
über 30 Jahren in Deutschland begonnen. Seit damals
haben sich Europa und Deutschland dramatisch
verändert. Ich hatte das Privileg, an vielen der wichtigen Ereignisse auf dem Weg dorthin teilnehmen zu
können. 1970 und 1971 war ich an der Aushandlung
der ersten entscheidenden Öffnung zwischen Ost und
West - dem Viermächteabkommen über Berlin beteiligt. Ich trug zum Entwurf der Schlußakte von
Helsinki bei und war der Vertreter der Vereinigten
Staaten bei der OSZE in Helsinki und Wien. Während
des Zusammenbruchs des Kommunismus in Europa
war ich Stellvertretender Ständiger Vertreter bei der
NATO. Die Grundlagen für die neue NATO von heute
wurden in diesen Jahren geschaffen. Und als Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium konnte ich direkt
an der Entwicklung der amerikanischen Rolle im
Europa der Zeit nach dem Kalten Krieg mitarbeiten.
Deutschland liegt im Zentrum dieses dramatischen
Zeitalters des Wandels. An jedem entscheidenden
Punkt der Nachkriegszeit war Deutschland ein wichtiger Partner der Vereinigten Staaten. Unsere Vision
einer engen und gleichberechtigten atlantischen
Partnerschaft und unsere unermüdlichen Bestrebungen zur Schaffung von Demokratie in ganz Europa
haben wir gemeinsam mit unseren deutschen Verbündeten verfolgt. Während wir in die noch dynamischere
Welt des 21. Jahrhunderts eintreten, wird es praktisch
kein wichtiges amerikanisches Ziel geben, auf das
Deutschland nicht direkt Einfluß hat.

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Es ist mir eine Ehre, von Präsident Clinton zum
Vertreter der Vereinigten Staaten in Deutschland in
dieser Zeit kontinuierlichen Wandels ernannt worden
zu sein. Außenministerin Albright hat ein aktives
amerikanisches Engagement in Deutschland und
Europa zum Kernstück unserer Bestrebungen erklärt.
Unsere engen Verbindungen und gemeinsame Vision
sind ein ausgezeichneter Ausgangspunkt, um die von
der Außenministerin dargelegten Ziele zu erreichen.
Die Herausforderungen schnellen Wandels erfordern
immer engere Konsultationen und Kooperation
zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich auf der Grundlage der engen persönlichen Beziehungen zwischen
Präsident Clinton und Bundeskanzler Kohl einen
umfassenden Dialog zwischen den Politikern und
Völkern unserer beiden Länder über die uns konfrontierenden Herausforderungen anregen. Es wird
mein Ziel sein, einen Weg für den Umgang mit Chancen und Problemen zu finden. Gemeinsam sollten wir
über derzeitige Belange hinausschauen und einer
noch umfassenderen Zusammenarbeit in einem neuen
Jahrhundert Impulse geben.
Dabei gehe ich nicht von automatischer Übereinstimmung oder einem leichten Weg zum Konsens in
allen Fragen aus. Wir haben bereits Bereiche ausgemacht, in denen Deutschland und die Vereinigten
Staaten hart arbeiten müssen, um einen gemeinsamen
Ansatz zu neuen und schwierigen Problemen zu
finden. Ich werde jedoch auf meine in Deutschland
und Europa gemachten Erfahrungen und dem auf
beiden Seiten des Atlantiks vorhandenen Goodwill
aufbauen. Ich hoffe, eng mit Ihnen, Herr Vorsitzender,
und den anderen Kongreßabgeordneten zusammenzuarbeiten und die breite Grundlage der Außenpolitik

Seite 1

�der Vereinigten Staaten zu untermauern. Ferner hoffe
ich, Angehörige beider Kammern und ihre Mitarbeiter
regelmäßig in Deutschland begrüßen zu können. Ihr
fortgesetztes Engagement ist integraler Bestandteil
dieser wesentlichen Partnerschaft.
Herr Vorsitzender, Deutschland ist ein sehr wichtiges
Land. Es ist auch ein Land, das unsere Vision und
unsere Ziele für die moderne Welt teilt. Es ist der
Anker eines geeinten Europas und einer der Grundpfeiler für die Brücke über den Atlantik. Unsere Länder
sind eng miteinander verbunden - durch unsere
Menschen und unsere engen Handels- und Investitionsbeziehungen.

Ungefähr ein Viertel der Amerikaner hat Vorfahren aus
Deutschland, etwa 400.000 Deutsche sind bei in

*

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Deutschland
niedergelassenen
amerikanischen
Unternehmen beschäftigt, und rund 500.000 Amerikaner arbeiten bei deutschen Unternehmen in den
Vereinigten Staaten. Unser gemeinsames Engagement in Berlin trug dazu bei, den Geist der Demokratie
in einem geteilten Europa zu definieren. Unsere
Entschlossenheit zur Bewältigung der Herausforderungen im Europa nach dem Kalten Krieg hat bereits
großen Nutzen gebracht.
Die Chancen für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit sind unbegrenzt. Die Herausforderungen sind enorm. Ich verspreche, mit Ihrer Unterstützung die Interessen der Vereinigten Staaten in unseren wichtigen Beziehungen zu Deutschland zu verteidigen und zu fördern.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

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�TERRORISMUS
23. Juli 1997

Terrorismus bleibt globales Thema
von Botschafter Philip Wilcox, Jr.

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Koordinators für Terrorismusbekämpfung im US-Außenministerium, Botschafter Philip Wilcox, Jr.

Die Welt von heute ist immer noch ein gefährlicher Ort.
Der Zusammenbruch der Sowjetunion und das Ende
des Kalten Krieges führten weder das "Ende der
Geschichte" noch einen neuen Weltfrieden und
Harmonie herbei. Statt dessen rückten diese Veränderungen die ernsthaften globalen Probleme und
Bedrohungen in den Mittelpunkt.
Sie kennen die Liste bereits: Ethnische Konflikte,
Verbreitung von Waffen, Umweltzerstörung, unhaltbares Bevölkerungswachstum, internationales Verbrechen und Terrorismus. Diese globalen Probleme
betreffen direkt unser Wohlergehen und unsere
Sicherheit. Daher wird ihnen in der außenpolitischen
Tagesordnung der Clinton-Administration hohe
Priorität beigemessen.
Aber keines dieser Probleme hat bei den Amerikanern
mehr Furcht ausgelöst als Terrorismus.
Terrorismus, den wir als politisch motivierte Gewalt
gegen Nichtkombattanten definieren, ist ein altes Übel,
und seit Jahren sind die amerikanischen Interessen
Ziel von Terroristen im Ausland. Heute scheint die
Bedrohung jedoch zuzunehmen - vielleicht weil die
Bedrohung eines konventionellen Krieges gegen die
Vereinigten Staaten abgenommen hat und wir Opfer
von zwei schrecklichen Terroranschlägen bei uns im
Inland wurden - dem Bombenattentat auf das World
Trade Center und das Regierungsgebäude in Oklahoma City. Nicht zu vergessen die beiden Bombenanschläge auf amerikanische Streitkräfte in SaudiArabien und die Rohrbombe bei den Olympischen
Spielen in Atlanta.
Es ist ein Paradoxon, daß wir uns besonders mit
Terrorismus beschäftigen und die Regierungen seiner

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Bekämpfung außerordentliche Aufmerksamkeit zuwenden, obwohl verglichen mit anderen Formen der
Gewalt durch Terrorismus relativ wenige Menschen
ums Leben kommen. Warum?
Erstens ruft Terrorismus tiefsitzende Angst und
Unsicherheit hervor - mehr als andere Formen der
Gewalt.
Terroristen suchen sich - häufig willkürlich und ohne
Warnung - unschuldige Zivilisten als Opfer aus. Wir
denken, wir können uns gegen andere Formen der
Gewalt schützen, aber gegenüber Terroristen fühlen
wir uns hilflos.
Die Terroristen wissen das, und sie versuchen uns
einzuschüchtern, damit sie uns ihren politischen Willen
oder ihre Ideologie aufzwingen können. Töten ist nur
ein Mittel zum Zweck. Indem sie Furcht und Panik
auslösen, versuchen Terroristen Konzessionen zu
erzwingen oder Regierungen zu schwächen und zu
diskreditieren, indem sie deutlich machen, daß diese
zum Schutz ihrer Bürger nicht in der Lage sind.
Terrorismus wird auch als billiges Instrument strategischer Kriegführung genutzt, manchmal von verbrecherischen Staaten unter Einsatz von Helfershelfern und manchmal von durch Ideologie, Religion
oder ethnische Zugehörigkeit motivierten Gruppen, die
Regierungen stürzen und den Lauf der Geschichte
verändern wollen.
Terroristen setzen Gewalt auch weniger zielgerichtet
ein, um Protest und Wut zum Ausdruck zu bringen,
messianische und fanatische religiöse Programme zu
verbreiten sowie aus noch obskureren pathologischen
Gründen.

Seite 1

�Man kann argumentieren, daß Terrorismus als strategische Waffe historisch gescheitert ist. Aber das ist
kein Grund zur Beruhigung. Es besteht kein Zweifel,
daß er den amerikanischen Interessen und denen
unserer Freunde auf der ganzen Welt großen Schaden
zugefügt hat. Terrorismus hat beispielsweise den
israelisch-palästinensischen Konflikt und den Nordirlandkonflikt um Jahre verlängert. Echte Fortschritte
zum Frieden bei diesen Auseinandersetzungen
wurden nur erzielt, wenn die Terroristen aufgaben und
geächtet wurden.
Terrorismus verursacht auch hohe wirtschaftliche
Kosten. Allein die Regierung der Vereinigten Staaten
gibt pro Jahr rund 5 Milliarden Dollar zum Schutz vor
Terrorismus im In- und Ausland aus, und diese Kosten
werden zweifelsohne steigen. Terrorismus kann auch
ganze Volkswirtschaften lahmlegen. In Ägypten haben
Terroristen beispielsweise monatelang fast die gesamte lebenswichtige Tourismusindustrie zum Stillstand gebracht, indem sie sich einige wenige Touristen
zum Ziel nahmen.
Die Technologie hat die terroristische Bedrohung noch
verschärft. Im Jahr 1605 versuchte Guy Fawkes in
einer Verschwörung mit 29 Fässern Sprengstoff König
James und das britische Parlament in die Luft zu
sprengen. Heute könnte ein kleiner Zünder in einer
Handtasche dieselbe Wirkung erzielen. Und Anleitungen zum Bau einer Bombe sind ohne Schwierigkeiten
im Internet zu finden.
Terroristen verwenden Computer, Handys und
Kryptographie-Software, um sich ihrer Entdeckung zu
entziehen, und sie haben moderne Mittel zum Fälschen von Pässen und Dokumenten. Ramzi Ahmed
Yousef und seine Bande, die wegen des Versuchs
verurteilt wurden, 12 amerikanische Flugzeuge über
dem Pazifik in die Luft zu sprengen, benutzten alle
dieses Handwerkszeug.
Noch gefährlicher ist die Aussicht, daß Terroristen
Material der - chemischen, biologischen oder atomaren
- Massenvernichtung einsetzen, um die Zahl der Opfer
weit über das herkömmliche Maß hinaus zu multiplizieren. Der Saringasanschlag in der Tokioter U-Bahn im
Jahr 1995 durch die apokalyptische japanische Aum
Shinrikyo-Sekte zeigte, daß die Bedrohung durch
chemischen Terrorismus jetzt eine Realität ist.
Die Bereitschaft einiger fanatischer oder verrückter
Terroristen zu Kamikazekommandos machen Terroristen, die Massenvernichtungswaffen einsetzen, zu
einer noch unheimlicheren Bedrohung.
Und schließlich hat Terrorismus aufgrund der Massenmedien heute eine sehr viel zerstörerische Wirkung als
in der Vergangenheit. Keine Story hält sich besser
oder länger als ein Terroranschlag. Die Medien von
heute, insbesondere das Fernsehen, multiplizieren die

Seite 2

durch Terrorismus erzeugte Angst, indem sie seine
Schrecken lebhaft übermitteln. Und das verstärkt in
hohem Maße unserer kollektives Gefühl der Verletzlichkeit. Natürlich wissen die Terroristen das. Und sie
versuchen, die Medienberichterstattung zu nutzen, um
uns und unsere Regierungen psychologisch in die
Defensive zu drängen.
Wie sieht der derzeitige Trend bei Terrorismus aus?
Wer sind die Terroristen von heute? Und was tut die
US-Regierung, um sie zu bekämpfen und in die
Defensive zu drängen, wo sie hingehören?
Erstens der Trend. Es gibt gute und schlechte Nachrichten. Die aktuelle Zahl internationaler Terroranschläge hat in den vergangenen Jahren abgenommen, von einem Höchststand von 665 im Jahr 1987
auf durchschnittlich 300 - 400 in den letzten Jahren.
Es gibt verschiedene Gründe für diesen positiven
Trend:
Die Sowjetunion und nahezu alle der vielen von ihr
unterstützten revolutionären Terrorgruppen sind jetzt
Geschichte.
Nach 50 Jahren des Krieges und Terrorismus kämpfen
die Araber und Palästinenser jetzt für Frieden. Die
PLO verzichtet jetzt auf Terroranschläge, und auch die
meisten arabischen Staaten verurteilen ihn unmißverständlich.
Nur einige wenige verbrecherische Staaten unterstützen weiterhin den Terrorismus.
Heute besteht ein zunehmender internationaler
Konsens, daß Morde an Unschuldigen aus politischen
Gründen absolut inakzeptabel sind, ungeachtet der
Motivation und des Grundes.
Die Mehrheit der Staaten möchte dementsprechend
mit allen vorhandenen Mitteln gegen Terroristen
vorgehen, insbesondere unter Anwendung des
Gesetzes zur Terrorbekämpfung.
Es gibt jedoch auch eine negative Seite:
Ungeachtet des Engagements der palästinensischen
und arabischen Hauptströmung für den Frieden im
Nahen Osten verübten Gruppen wie die Hamas und
der palästinensisch-islamische Dschihad 1995 in Israel
im Rahmen einer bösartigen Verzögerungstaktik
gezielt Bombenanschläge, um den Friedensprozeß zu
stören.
Und ein israelischer Terrorist ermordete Ministerpräsident Rabin aus demselben Grund.
Der Iran setzt ungeachtet der amerikanischen Bestrebungen, das Land durch Sanktionen in Schach zu

AMERIKA DIENST 14

�halten, weiterhin Terrorismus als außenpolitische
Waffe ein, um Dissidenten umzubringen und den
Friedensprozeß zu unterminieren.
Obwohl Libyens terroristische Aktivitäten im Ausland
durch Sanktionen der UNO eingeschränkt wurden,
widersetzt es sich weiterhin der Forderung der UNO,
zwei der des Bombenanschlags auf Pan Am-Flug 103
über Lockerbie Verdächtigte einem britischen oder
amerikanischen Gericht auszuliefern.
Terroristen nutzen in zunehmendem Maße die Religion
für ihre Zwecke aus. Früher waren die meisten
Terrorgruppen weltlich, während heute immer mehr
Terroristen den Anspruch erheben, im Namen der
Religion, insbesondere des Islam, zu handeln. Einige
sind Teil organisierter Gruppen wie der Hamas, der
libanesischen Hisbollah oder der ägyptischen Gamaat.
Andere sind ad hoc gebildete islamische Elemente wie
die Gang von Ramzi Ahmed Yousef, die großenteils in
Afghanistan ausgebildet werden.
Die Ausschlachtung der Religion für politische Zwecke
und Gewaltanwendung ist ein uraltes Phänomen. Man
muß sich vor Augen halten, daß alle Religionen
abweichlerische und gefährliche Randgruppen
hervorgebracht haben und der Islam - ebenso wie
Christentum und Judentum - Frieden und Gewaltlosigkeit predigt. Angeblich im Namen des Islam handelnde
Terroristen mißbrauchen ihren Glauben und werden in
der ganzen islamischen Welt immer stärker verurteilt.
Inländischer Terrorismus - der auf die Bürger oder das
Territorium von nur einem Staat beschränkt ist - hat mit
der Zeit abwechselnd zu- und abgenommen. Heute
scheint er, beispielsweise in Südasien, abzunehmen.
Messianische Kultgruppen, wie die japanische Aum
Shinrikyo, die sich des Terrorismus zur Erfüllung ihrer
Visionen vom letzten Kampf zwischen Gut und Böse
bedienen, könnten ebenfalls eine wachsende Bedrohung darstellen. Sie sind um so gefährlicher, wenn
sie Zugang zu Geld und Technologie haben.
Die Vereinigten Staaten unternehmen viel zur Bekämpfung des Terrorismus:
Unsere Politik besteht darin, alle Terroristen, ungeachtet ihrer Zugehörigkeit, unermüdlich aufzuspüren
und zu bestrafen, wobei wir uns einer Kombination aus
Mitteln der Strafverfolgung, Diplomatie und Nachrichtendienste bedienen. Wir konnten die für den
Anschlag auf das World Trade Center verantwortlichen
Terroristen, die Verschwörer - darunter Scheich Abdul
Rahman -, die den Holland Tunnel in New York, das
Gebäude der Vereinten Nationen und verschiedene
Bundesbehörden in New York in die Luft sprengen
wollten, und die Gang, die Anschläge auf amerikanische Flugzeuge über dem Pazifik plante, ihrer

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gerechten Strafe zuführen, was echte Erfolgsgeschichten sind.
Wir machen Terroristen gegenüber keine Zugeständnisse. Wir weigern uns, den Forderungen nach
politischen Konzessionen oder Lösegeld nachzugeben.
Wir identifizieren Staaten, die den Terrorismus fördern,
verhängen Wirtschaftssanktionen gegen sie und bitten
unsere Freunde, ebenso zu handeln. In einer an
unsere europäischen Verbündeten gerichteten Rede in
Stuttgart äußerte der damalige Außenminister Christopher: "Die Zusammenarbeit gegen dem Terrorismus
Vorschub leistende Staaten ist ein Gebot, keine
Option.... Unser auf Prinzipien gegründetes Engagementfürfreien Handel verpflichtet uns nicht, Geschäfte
mit aggressiven Tyranneien wie Iran und Libyen
abzuschließen. Wir müssen unsere Kräfte bündeln,
um durch wirksame multilaterale Maßnahmen diesen
verbrecherischen Regimen die Mittel zu verweigern,
nach denen sie streben."
Die Vereinigten Staaten betonen die Rechtsstaatlichkeit beim Umgang mit Terroristen und bestehen
darauf, daß Terrorismus ungeachtet seiner Motive
oder Gründe ein Verbrechen ist, für das es keine
mildernden Umstände gibt. Durch die Stärkung der
amerikanischen Gesetze zur Terrorismusbekämpfung
und die aggressive Förderung internationaler Verträge
und Konventionen gegen den Terrorismus, von denen
es derzeit 10 gibt, führen wir einen weltweiten Trend
zur Anwendung des Gesetzes als unserer effektivsten
Waffe gegen Terroristen an.
Hinzuzufügen ist:
Wir verfügen über herausragende militärische Mittel,
die wir einsetzen können, wenn außergewöhnliche
Situationen das erfordern.
Da Terroristen im Dunkeln operieren, investieren wir in
großem Maße in die Sammlung und Analyse nachrichtendienstlicher Informationen.
Das Büro für diplomatische Sicherheit im Außenministerium bildete im Rahmen des Hilfsprogramms
zur Terrorismusbekämpfung mehr als 18.000 Beamte
aus über 80 Ländern in Terrorismusbekämpfungstechnik und Flugsicherheit aus.
Wir haben ein wirkungsvolles Forschungs- und
Entwicklungsprogramm im Bereich der Technologie für
die Terrorismusbekämpfung, insbesondere für das
Aufspüren von Sprengstoffen.
Und schließlich ist die Zusammenarbeit mit anderen
Staaten unerläßlich, um Terroristen Einhalt zu gebieten, denn der Terrorismus wird ein zunehmend
transnationales Phänomen. Aus diesem Grund hat

Seite 3

�Präsident Clinton der Terrorismusbekämpfung auf
unserer diplomatischen Agenda hohe Priorität eingeräumt. Wir beraten uns jährlich mit Dutzenden von
Regierungen und fördern multilaterale Aktionen wie
den Friedensgipfel von Scharm-el-Scheich, die
Folgetreffen zur Terrorismusbekämpfung in Washington und die G-7-Ministerkonferenz über Terrorismus in
Paris.

*

Seite 4

Wir können stolz auf unsere unter Einsatz dieser
Maßnahmen und Instrumente erzielten Erfolge sein.
Aber wir dürfen nicht selbstgefällig sein, denn der
Terrorismus ist ein bewegliches Ziel.

*

AMERIKA DIENST 14

�FRAUEN
23. Juli 1997

Integration der geschlechtsspezifischen Perspektive
Rede von Seth Winnick

GENF - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden Vertreters der Vereinigten Staaten
beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen in Genf vom 9. Juli 1997.

Herr Präsident,
ich danke für diese Gelegenheit, vor dem Wirtschaftsund Sozialrat das wichtige Thema der Integration der
geschlechtsspezifischen Perspektive ansprechen zu
dürfen.
Wir möchten dem Sekretariat für die ausgezeichnete
Dokumentation für diesen Tagesordnungspunkt
danken. Als wir an der Umsetzung der Erklärung von
Peking und der Aktionsplattform arbeiteten, stellten wir
fest, daß wir als ersten Schritt Richtlinien für die
Integration der geschlechtsspezifischen Perspektive in
alle Maßnahmen und Programme des UNO-Systems
benötigen. Das Papier des Sekretariats enthält mit
seiner klaren Definition der Integration und der nötigen
praktischen Schritte dafür diese ersten Richtlinien.
Die Vereinigten Staaten stimmen mit der Analyse des
Sekretariats überein, daß Integration folgendes
erfordert:
Engagement auf höchster Ebene.
Eine klare politische Aussage begleitet von institutionellen Strategien.
Rechenschaftspflicht oder Anreize zur Verstärkung der
Bedeutung von Integration.
Die Erkenntnis, daß geschlechtsspezifische Themen in
Bereichen angesprochen werden müssen, die traditionell als technisch oder geschlechtsneutral angesehen
werden.

Gruppen, die über die technische Kapazität verfügen,
Anleitung zu geben und die Integration der Geschlechter vehement voranzutreiben.
Es muß dafür gesorgt werden, daß diese Gruppen
oder zentralen Anlaufstellen nicht zum einzigen
Bereich der Organisation werden, der sich mit geschlechtsspezifischen Fragen befaßt. Sollte dies
geschehen, werden die Gruppen selbst zu Instrumenten der Ausgrenzung.
In den Vereinigten Staaten arbeiten wir an der Integration der geschlechtsspezifischen Perspektive in
der gesamten Bundesregierung. Im August 1995
richtete Präsident Clinton einen interministeriellen Rat
für Frauenfragen ein um sicherzustellen, daß die
Vereinigten Staaten die Erklärung von Peking und die
Aktionsplattform umsetzen. Außenministerin Albright
ist die Vorsitzende des Rats und First Lady Hillary
Rodham Clinton die Ehrenvorsitzende. Gesundheitsministerin Donna Shalala, die erste Vorsitzende des
Rats, beteiligt sich aktiv an seiner Arbeit. Der Rat setzt
sich aus hohen Vertretern aller Bundesbehörden
zusammen.
Der Hauptgrund für den Erfolg des Rats ist wahrscheinlich sein Engagement auf höchster Ebene. Er
sendet die Botschaft an alle Ebenen der Regierung,
daß die Umsetzung der Dokumente von Peking wichtig
ist und nicht ignoriert werden darf.
Während der ersten anderthalb Jahre seines Bestehens konzentrierte sich der Rat auf die Durchführung
von Veränderungen in jeder einzelnen Behörde der
US-Regierung durch folgende Maßnahmen:

Mitarbeiterkapazitäten für die Integration.

AMERIKA DIENST 14

Seite 1

�Analyse der aktuellen und vorgesehenen Projekte und
Programme, um sie gegen die Ziele der Aktionsplattform abzuwägen.
Identifizierung neuer Initiativen, mit deren Hilfe staatliche Behörden das Leben von Frauen und Mädchen
verbessern könnten;
Einführung weitreichender Veränderungen bei ihren
Programmen und Operationen um sicherzustellen, daß
die Ziele von Peking integraler Bestandteil des täglichen Geschäftslebens werden.
Vor kurzem begann der Rat mit der Einrichtung
interministerieller Arbeitsgruppen, damit der Wandel in
der gesamten Bundesregierung wirksam wird. Gestatten Sie mir, hierfür drei Beispiele zu nennen:
Geschlechterfragen und institutioneller Wandel
Das Amt für internationale Entwicklung (AID), das bei
der Durchsetzung eines Aktionsplans für die Gleichstellung der Geschlechter an vorderster Front der
amerikanischen Behörden steht, leitet eine Arbeitsgruppe zur Prüfung der Frage, wie geschlechtsspezifische Perspektiven in seine Arbeit integriert werden
können. Ziel der Arbeitsgruppe ist die Gewährleistung,
daß positive Veränderungen - insbesondere im
Hinblick auf die Integration - zu einem festen Bestandteil der Institution werden und nicht so leicht wieder
zunichte gemacht werden können.
Geschlechtsspezifische Datentrennung
Unter Leitung des Landwirtschaftsministeriums befaßt
sich eine Arbeitsgruppe mit der geschlechtsspezifischen Trennung und Analyse von Daten. Dies
entspricht der Ansicht des Generalsekretärs, daß
Geschlechterfragen in Bereichen untersucht werden
müssen, die traditionell als technisch oder geschlechtsneutral angesehen wurden. Obwohl viele
amerikanische Behörden einige Daten nach Geschlecht trennen, gibt es keine einheitliche Politik der
Regierung. Die Arbeitsgruppe bewertet die derzeitige
Situation und prüft Gesetze oder Vorschriften über die
Sammlung und Analyse von Daten.

*

Seite 2

Mentorenarbeit
Unter Leitung des Bildungsministeriums befaßt sich
eine Arbeitsgruppe mit Mentorenarbeit, um sicherzustellen, daß junge Menschen an der Umsetzung der
Beschlüsse von Peking mitwirken. Diese Arbeitsgruppe soll herausfinden, an welchen Arten von
Mentorenprogrammen sich die einzelnen Behörden
beteiligen, welche nachahmenswert sind, welche
neuen Aktivitäten ermutigt werden sollten und wo es
möglich sein könnte, in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Organisationen Mentorenprogramme zu entwerfen und umzusetzen.
Der interministerielle Rat des Präsidenten für Frauenfragen erwartet die Gründung zusätzlicher Arbeitsgruppen in diesem Jahr.
Vor Peking wurden wir oft daran erinnert, daß die
Vorbereitung der Vierten Weltfrauenkonferenz wichtiger sei als die Konferenz selbst - daß die Überprüfung
und Neubewertung des Status der Frau und die
Verpflichtung zur Erlangung von Gleichberechtigung
bis zum Jahr 2000 auch außerhalb der Konferenz
wertvoll ist. In diesem Tenor ist die Umsetzung der
Erklärung von Peking und der Aktionsplattform von
größter Bedeutung.
Obwohl "Integration der geschlechtsspezifischen
Perspektive" nicht poetisch klingt und wahrscheinlich
auch keine Schlagzeilen machen wird, gehört sie zu
den wesentlichsten und dauerhaftesten Aktionen, die
wir ergreifen können. Durch die Integration der
geschlechtsspezifischen Perspektive im gesamten
UNO-System, allen Maßnahmen und Programmen - ob
sie sich mit Armut, Bildung und Ausbildung, Gesundheit, Gewalt, bewaffneten Konflikten, der Wirtschaft,
Macht und Entscheidungsfindung, Menschenrechten,
der Umwelt oder Kindern befassen - werden wir
sicherstellen, daß jede Politik und jedes Programm auf
eine Art und Weise konzipiert, entwickelt und umgesetzt wird, die für alle Männer und Frauen von Vorteil
ist.
Vielen Dank, Herr Präsident.

* * *

*

AMERIKA DIENST 14

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Polen wird Wegbereiter für Freiheit und Sicherheit &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten in Warschau&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gründe für die NATO-Erweiterung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung von Abteilungsleiter Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Vereinte Nationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wichtigste Punkte des UNO-Reformpakets&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schritte zu einer effektiveren, effizienteren UNO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reformpaket für die UNO ist "bedeutsamer Schritt"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Bill Richardson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten unterstützen UNO-Reform&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Princeton Lyman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Deutschland ist der Anker eines geeinten Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung von John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Terrorismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Terrorismus bleibt globales Thema&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafter Philip Wilcox, Jr.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Frauen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Integration der geschlechtsspezifischen Perspektive&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Seth Winnick&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
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8 9 - 3 2 4 0

Nummer

Service

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Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

34

2 3 . August

1972

Inhalt

INFORMATION:
US-Kongreßausschuß für Gemeinsamen NATO«»Fonds
-Presseverlautbarung des Militärausschusses des US-RepräsentantenhausesKulturbrief USA

WIRTSCHAFT:

Einkommenskluft zwischen schwarzen und weißen Amerikanern wird kleiner
Wirtschaftliche Wachstumsrate in den USA höher als erwartet
•Erklärung des US-Handelsministeriums-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Weltgefahr Rauschgift
-Amerikanischer Kabinettsausschuß veröffentlicht Opiumbericht 1972Boden wandert 2 cm pro Jahr
Biologische Präparate unter dem Elektronenmikroskop

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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34/1972

US-KONGRESSAUSSCHUSS FÜR GEMEINSAMEN NATO-FONDS
-Presseverlautbarung des Militärausschusses des US-Repräsentantenhauses-

WASHINGTON--(AD)-- Der Sonderausschuß für NATO-Verpflichtungen des Militärausschusses des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten hat sich nachdrücklich gegen eine Verringerung der amerikanischen Truppen in Europa und
stattdessen für die Schaffung eines "Gemeinsamen NATO-Fonds" ausgesprochen,
mit dessen Hilfe die Devisenlasten der USA erleichtert und deren Zahlungsbilanzdefizit verringert werden soll.
Die am 17. August von dem Sonderausschuss dazu herausgegebene Presseverlautbarung hat folgenden Wortlaut:
"Der Sonderausschuß für Verpflichtungen gegenüber der Organisation des
Nordatlantikvertrages des Militärausschusses des Repräsentantenhauses hat die
Einrichtung eines Gemeinsamen NATO-Fonds empfohlen, der die Vereinigten Staaten
von Zahlungsbilanzdefiziten entlasten würde, die aufgrund der Stationierung
ihrer Truppen in Europa auftreten.
Der Gemeinsame Fonds würde den Lastenausgleich in der NATO auf eine Weise
egalisieren, die für die Vereinigten Staaten am günstigsten wäre, ohne die
militärische Kapazität des Bündnisses zu schwächen, so erklärte der Sonderausschuß.
Der

-l-

�Der Sonderausschuß unter dem Vorsitz des Abgeordneten William J. Randall
(Demokrat, Missouri) sprach sich gegen eine Verringerung der Zahl der amerikanischen Truppen aus, die der NATO assigniert sind, und bezeichnete die in Europa
stationierten amerikanischen Streitkräfte als das 'natürliche Bindeglied* der
NATO - als den Leim, der das Bündnis zusammenhalte.
Der Sonderausschuß erklärte, die Debatte über die amerikanische NATO-Verpflichtung habe sich fälschlicherweise auf den zahlenmäßigen Stand der amerikanischen Truppen in Europa konzentriert. Die Verpflichtung müsse auch im Hinblick
auf die Luft-und Seestreitkräfte und die Dollar-Verpflichtung gesehen werden, so
betonte der Ausschuß.
Der Sonderausschuß hat den Tenor seines Berichtes durch die Feststellung
bestimmt, daß 'er bei der Ausarbeitung seiner Empfehlungen die Versuchung meidet, sich für kosmetische Operationen auszusprechen, die möglicherweise die politischen Gefühle in den Vereinigten Staaten beruhigen könnten. Die Möglichkeit
eines Abzuges von Truppen in der Größenordnung von 10 000 oder 20 000 Mann aus
Europa ist eine jener Ideen, die, oberflächlich gesehen, attraktiv sind und deren Reiz in hochpolitischen Zeiten besonders groß wird. Bei einer genauen Untersuchung stellt sich jedoch heraus, daß ein derartiger Schritt Ergebnisse zeitigen könnte, die das Bündnis in einem Ausmaß schwächen könnten, das in keinem
Verhältnis zu der Zahl der abgezogenen Soldaten stehen würde und daß die Einsparungen, wenn überhaupt, außerordentlich bescheiden wären.'
Der Sonderausschuß traf im wesentlichen folgende Feststellungen:
Die Rückführung von Truppen nach den Vereinigten Staaten schwächt das Bündnis. Truppen in den Vereinigten Staaten würden niemals den Abschreckungswert
besitzen wie in Europa stationierte Truppen, und die Kapazität einer raschen
Redislozierung großer Verbände nach Europa wird von jenen stark übertrieben,
die Truppenverringerungen empfehlen, und gelegentlich auch von Verteidigungsplanern.
Eine

-2-

�Eine Rückführung der Truppen nach den Vereinigten Staaten würde zu keinen
Einsparungen im eigentlichen haushaltsmäßigen Sinne führen, wenn diese nicht demobilisiert werden. Wenn die Verbände aufgelöst würden, wäre es unmöglich, der
amerikanischen Verpflichtung gegenüber der NATO weiterhin gerecht zu werden.
Wenn die Truppen in den Vereinigten Staaten aufrechterhalten würden und ein Versuch gemacht würde, die Kampfstärke in Europa aufrechtzuerhalten, dann würde
dies zusätzliche Ausrüstung erfordern, die in Europa bereitgestellt werden müßte,
sowie zusätzliche Luftbrücken-und Seetransportkapazitäten. Abgesehen davon, daß
eine solche Regelung militärisch fragwürdig wäre, würde sie rein haushaltsmäßig
gesehen mehr kosten als die gegenwärtige Regelung der Stationierung der Truppen
in Europa.
Aus diesem Grunde erklärte der Sonderausschuß, daß der beste Weg zu einer
besseren Verteilung der Lasten in der NATO, sowohl vom militärischen als auch
vom Dollar-Standpunkt aus gesehen, die Einrichtung des Gemeinsamen NATO-Fonds
ist. Länder, die aufgrund der Dislozierung von Truppen für die NATO Zahlungsbilanzdefizite haben, könnten aus dem Fonds ziehen, um das Defizit auszugleichen,
und Länder, die aufgrund der Stationierung anderer Truppen in ihrem Lande aus
der Gunst der Umstände einen Zahlungsbilanzvorteil haben, würden in den Fonds
einzahlen.
Der Sonderausschuß, der empfahl, daß der Vorschlag für den Fonds auf die
Tagesordnung der nächsten Konferenz der NATO-Minister gesetzt werden möge, forderte, daß die Vereinbarung flexibel genug sein müsse, daß auch jene Länder, die
keine Truppen auf ihrem Boden stationiert haben, die jedoch von der Stationierung
amerikanischer Truppen in benachbarten Ländern profitieren, ebenfalls Zahlungen
leisten.
Der Vorsitzende des Sonderausschusses, Randall, wies darauf hin, daß der
Sonderausschuß die Bemühungen unterstützt, zu Verhandlungen über beiderseitige
und ausgewogene Truppenverringerungen in Europa zu gelangen, und erklärte:
•Man

-3-

�•Man muß erkennen,daß mit den Berlin-Abkommen, der Erweiterung des Gemeinsamen
Marktes, der Aufwertung verschiedener Währungen und dem Anstoß, den die MBFR-Verhandlungen aus dem Gipfeltreffen in Moskau erhalten haben, gegenwärtig in Westeuropa tiefgreifende Veränderungen stattfinden. Man muß erkennen, daß die Fortschritte in der europäischen Wirtschaft und die Hoffnung auf eine größere politische Einheit in Westeuropa ohne die militärische Basis der NATO unmöglich wären. Wir sollten besonders vorsichtig sein und keine Veränderungen vornehmen,
die den Fortschritt vereiteln würden, der gemacht wird, oder die die Position
der NATO zu einer Zeit schwächen würden, da Verhandlungen gerade beginnen.'
Dem Sonderausschuß unter dem Vorsitzenden Randall gehören die Demokraten
Samuel S. Stratton aus New York und Les Aspin aus Wisconsin sowie die Republikaner
Alexander Pirnie aus New York und Charles S. Gubser aus Kalifornien an.
Bei der Veröffentlichung des Berichtes des Sonderausschusses fand der Vorsitzende des Militärausschusses, F. Edward Hebert, Worte hoher Anerkennung für
die Mitglieder, die an der umfassenden Studie des Sonderausschusses beteiligt
waren:
•Dies ist die erschöpfendste Studie der militärischen Verpflichtungen der
NATO, die in den 23 Jahren der Geschichte des Bündnisses im Kongreß durchgeführt
worden ist1, so sagte Hebert. 'Der Sonderausschuß hielt 17 Anhörungen in den Vereinigten Staaten und 17 in Übersee ab. Im Verlaufe von zwei Reisen nach Europa besuchte er neun NATO-Länder, sprach mit jedem wichtigen amerikanischen Befehlshaber in Europa und besuchte auch Truppeneinheiten.
Die Mitglieder widmeten diesem Unternehmen außerordentlich viel Zeit und
haben ihre Aufgabe in staatsmännischer Weise angepackt. Sie haben dem Kongreß
einen großen Dienst geleistet.'
Der Bericht des Sonderausschusses widmete den Problemen, die sich an der
Peripherie der NATO entwickeln, besondere Aufmerksamkeit: dem Aufbau der sowjeti-

-4-

�sowjetischen Seestreitkräfte im Mittelmeer, der beachtlichen sowjetischen Flottendrohung an der Nordflanke der NATO, der Möglichkeit beunruhigender künftiger
Entwicklungen in Jugoslawien und der Auswirkung, die der Abzug von NATO-Truppen
auf die Stabilität im Nahen Osten haben könnte.
Der Sonderausschuß sprach sich kritisch gegenüber der Exekutive aus, daß
sie der NATO nicht immer die Priorität eingeräumt habe, die sie in der internationalen Politik verdient, und empfahl, daß eine Konferenz der NATO-Führer und die
Möglichkeit eines Besuchs des Präsidenten bei der NATO ins Auge gefaßt würde.
Der Sonderausschuß erklärte, daß er zu seiner Überraschung einen ernsten
Mangel an langfristiger Planung für künftige Veränderungen in der NATO und ein
mangelndes Interesse seitens einiger amerikanischer Regierungsvertreter für die
ernsten wirtschaftlichen Probleme in den Vereinigten Staaten festgestellt habe.
Der Bericht unterstreicht, wie wichtig es sei, dafür zu sorgen, daß langfristige
Veränderungen in der amerikanischen Verpflichtung nur nach voller Konsultation
und in gemeinsamer Planung mit unseren Verbündeten vorgenommen werden.
Der Sonderausschuß ließ erkennen, daß seine Unterstützung der weiteren Dislozierung von Truppen in Europa sich auf die 260 000 amerikanischen Soldaten erstreckt, die ausdrücklich für die KampfStreitkräfte der NATO assigniert sind.
Er wies darauf hin, daß die oft zitierte Zahl von 310 000 (amerikanischen) Soldaten in Europa rund 50 000 Mann einschließen, die nicht ausdrücklich NATO-Befehlsstellen assigniert sind."

f++++

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Tel:

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Godesbergl,

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34/1972

KULTURBRIEF USA

WASHINGTON --(AD)-- August 1972 —

Das John F.Kennedy Center, das am S.Sep-

tember vergangenen Jahres eröffnet wurde, begeht in diesen Tagen den ersten
Jahrestag seines Bestehens. Mit einer Konzertreihe, die vom 30. August bis
10. September unter dem Motto "The Old and the New" stattfindet und 30 Konzerte mit rund 100 Werken von 75 Meistern - von Vivaldi bis Strawinsky, Bartok
und Ives - umfaßt, eröffnet das Center, das erheblich zur Bereicherung des
kulturellen Lebens der amerikanischen Bundeshauptstadt beigetragen hat, die
zweite Spielzeit.
+-HDie Fromm Music Foundation, so genannt nach dem aus Kitzingen (Main) stammenden
Weinimporteur und Philanthropen Paul Fromm, der sie vor zwanzig Jahren gründete,
um dazu beizutragen, "die Kluft zwischen dem zeitgenössischen Komponisten und
der Gesellschaft zu überbrücken", hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten
in ganz besonderer Weise der Popularisierung der musikalischen Avantgarde angenommen. Dies geschah durch die Vergabe von Stipendien und Kompositionsaufträgen
an begabte junge Musiker

sowie durch Beteiligung der Stiftung an der Ausrich-

tung der Tanglewood Festspiele für Neue Musik. Um die Kontinuität ihres Wirkens

�Wirkens zu sichern, hat sich die Organisation jetzt mit Harvard zusammengetan und
wird in Zukunft die Bezeichnung Fromm Music Foundation at Harvard University
führen.

+++
Das Beste, was dem bekannten Newport Jazz Festival passieren konnte, war seine
Verlegung von Newport (Rhode Island) nach New York City. Die Befürchtung, daß
das Festival, dessen Publikumszulauf das kleine Newport nicht mehr bewältigen
konnte, in der Fülle des kulturellen Angebots der Millionenmetropole versickern
würde, war unbegründet. Die Jazztage waren ein großer Erfolg. Die Großen des
Jazz wie Stan Kenton, Count Basie,Woody Herman, Lionel Hampton, Duke Ellington,
Roy Eldridge, Buddy Täte und Charles Mingus spielten oft in überfüllten Sälen,
in denen vielfach nicht einmal mehr ein Stehplatz zu haben war. Es besteht kein
Zweifel daran, daß New York City auch in kommenden Jahren Schauplatz dieses inzwischen weltberühmten und weltweit interessierenden Festivals sein wird freilich, wie man hofft, unter Beibehaltung der alten Bezeichnung.

1,11
TTT

New York City mußte in diesen Wochen einige scharfe Angriffe der Theaterkritiker
über die in den letzten Jahren ziemlich unbefriedigenden Leistungen des Broadway
(den Off-Broadway ausgenommen) hinnehmen. Zweifellos liegt darin ein gutes Teil
Wahrheit. Trotz der Konkurrenz, die ihm von aktiven Theaterleitern in anderen
Teilen der USA gemacht wird, gilt New York noch immer als Amerikas Theaterstadt.
Nummer eins. Dichtauf aber liegen die Bundeshauptstadt Washington und Los Angeles
In Los Angeles wurden vor kurzem zwei neue Theater eröffnet: das Universal

�Universal Studios Amphitheater, eine Freiluftarena mit 3 800 Sitzplätzen und
das Shubert-Theater mit 1 800 Sitzplätzen - ein Faktum, das erstaunliche RückSchlüsse auf die Theaterfreudigkeit in einem Raum zuläßt, der ohnehin schon
über eine Reihe großer und moderner Theaterstätten verfügt, wie etwa das Music
Center, das Hungton Hartford Theatre, das Greec Theatre und die berühmte Hollywood Bowl. Die beiden neuen Theater bieten darüber hinaus mit dem Broadway-Hit
"Follies" (Shubert) und dem Rockmusical "Jesus Christ Superstar" ein echtes
Kontrastprogramm.

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34/1972

EINKOMMENSKLUFT ZWISCHEN SCHWARZEN UND WEISSEN AMERIKANERN
WIRD KLEINER

NEW YORK --(AD)-- Die Kluft zwischen dem durchschnittlichen Familieneinkommen
der schwarzen und der weißen Amerikaner ist in den letzten sechs Jahren wesentlich geringer geworden. Dies stellt der "Conference Board", eines der
größten Wirtschaftsforschungsinstitute der Welt, in einem in der Augustausgabe seiner Zeitschrift "Record" veröffentlichten Bericht fest.
Dem Bericht zufolge lag das durchschnittliche Jahreseinkommen der schwarzen Familien in den USA 1970 mit 6 279 Dollar um 60 Prozent höher als 1965.
Demgegenüber ist das durchschnittliche Jahreseinkommen der weißen Familien
von 1965 bis 1970 nur um 40 Prozent auf 10 236 Dollar gestiegen. Während das
Durchschnittseinkommen der schwarzen Familien 1965 lediglich 54 Prozent des
Durchschnittseinkommens der weißen Familie ausmachte, waren es 1970 bereits
61 Prozent.
Auch die Zahl der schwarzen Familien, deren Jahreseinkommen über 10 000
Dollar lag, hat, wie der Bericht zeigt, in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich schneller zugenommen, als dies bei den weißen Familien der Fall war.
Allein in der Zeit von 1965 bis 1970 verdoppelte sich die Zahl der schwarzen

-1-

�*

schwarzen Familien dieser Einkommensgruppe, während sie sich bei den weißen Familien lediglich um ein Drittel erhöhte. Im Jahre 1970 hatten rund 28 Prozent
aller schwarzen Familien und 52 Prozent der weißen Familien Jahreseinkommen
von 10 000 Dollar und mehr.
Aus dem Bericht geht weiter hervor, daß gerade Zeiten einer raschen wirtschaftlichen Expansion, wie Ende der sechziger Jahre, die benachteiligten Bevölkerungsgruppen aufgrund des hohen Arbeitskräftebedarfs begünstigen. Am stärksten
hat sich jedoch das Verhältnis der Einkommen von Schwarzen und Weißen 1966 geändert - dem Jahr, in dem die Kommission für gleiche Arbeitschancen erstmalig ihre
Arbeit voll aufnahm.
Der Bericht zeigt aber auch, daß die Schwarzen in immer stärkerem Maße in
gehobenere Berufe Eingang fanden. So hat sich die Zahl der schwarzen Geistesarbei
ter und Techniker in der Zeit von 1960 bis 1971 um 128 Prozent erhöht, die der
weissen in diesen Berufsgruppen um 45 Prozent. Die Zahl der schwarzen Manager,
Unternehmer und Beamten stieg in der gleichen Zeit um 92 Prozent, bei den Weißen
betrug die Zunahme in diesen Berufsgruppen 21 Prozent. Dagegen ging die Zahl der
Schwarzen, die in niedrig bezahlten Berufen wie im Haushalt, als Arbeiter oder
landwirtschaftliche

Arbeitskräfte tätig waren schneller zurück als die der

Weißen. Bei den sogenannten Prestigeberufen sitzen die Weißen allerdings immer
noch in den Spitzenpositionen, während in den untergeordneteren Positionen relativ mehr Schwarze tätig sind. Im Jahre 1971 hatten hier 13 Prozent aller berufstätigen Schwarzen führende Stellungen inne, während es bei den Weißen 26 Prozent
waren. In den untergeordneteren Positionen waren 21 Prozent der berufstätigen
Schwarzen und nur 10 Prozent der berufstätigen Weißen tätig.
Der Bericht weist darauf hin, daß die Schulbildung einen wichtigen Faktor
für den wirtschaftlichen Fortschritt der Schwarzen darstellt. Im Jahre 1959 hatten die im Berufsleben stehenden Schwarzen im Durchschnitt 8,7 Jahre eine Schule
besucht; für die Weißen betrug die Zahl 12,1 Jahre. Im Jahre 1971 hatten die

-2-

�die Schwarzen im Durchschnitt einen Schulbesuch von 11,9 Jahren und die Weißen
von 12,5 Jahren aufzuweisen.
Aber auch die Zahl der schwarzen Familien, deren Einkommen unter dem
Existenzminimum - gegenwärtig 3 968 Dollar für eine vierköpfige Familie in der
Stadt - liegt, ist merklich zurückgegangen.

Bei den schwarzen Familien beträgt

sie zur Zeit noch 29 Prozent, bei den weißen Familien acht Prozent.

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WIRTSCHAFTLICHE WACHSTUMSRATE IN DEN USA HOHER ALS ERWARTET
-Erklärung des US-Handelsministeriums-

WASHINGTON --(AD)-- Der Unterstaatssekretär für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Handelsministerium, Harold C. Passer, hat zu den nunmehr vorliegenden revidierten Zahlen über die Entwicklung des amerikanischen Bruttosozialproduktes
im zweiten Quartal 1972 eine Erklärung des Handelsministeriums abgegeben, die
folgenden Wortlaut hat:
Die berichtigten Zahlen zeigen, daß die reale Wachstumsrate (des Bruttosozialproduktes) im zweiten Quartal noch größer war,als ursprünglich berichtet wurde.- 9,4 Prozent gegenüber 8,9 Prozent. Dies war zum Teil auf die höheren Zahlen
des Bruttosozialproduktes in US-Dollar und zum Teil darauf zurückzuführen, daß
die Inflationsrate niedriger war als erwartet - 1,8 Prozent gegenüber 2,1 Prozent. Die reale Wachstumsrate (des Bruttosozialproduktes) im zweiten Quartal
von 9,4 Prozent ist seit 13 Jahren nicht mehr übertroffen worden - sie wurde
allerdings im vierten Quartal 1965 ebenfalls erreicht. Die Wachstumsrate von
7,4 Prozent in den letzten drei Quartalen ist die höchste für einen Neunmonatszeitraum seit sechs Jahren.
Der

-1-

�Der Anstieg des Deflators des Bruttosozialproduktes - der umfassendste
Preisindikator - um nur 1,8 Prozent steht neben einem Deflator von 1,5 Prozent
im vierten Quartal 1971, als die Preise durch den Preisstopp niedrig gehalten wurden. Abgesehen von diesem Quartal war der Deflator von 1,8 Prozent der niedrigste
seit dem vierten Quartal 1965.
Wie in einer rasch expandierenden Wirtschaft zu erwarten ist, nahmen die
Gesellschaftsgewinne im zweiten Quartal weiter zu. Nach Abzug der Steuern erhöhten sich die Gewinne um 2,9 Milliarden Dollar und sind damit seit dem von 1966
bis 1970 dauernden Rückgang sechs Quartale lang ständig gestiegen.
Obwohl die Gesamtgewinne im Rahmen des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogrammes steigen dürfen, gibt es Kontrollen für die Gewinnmarge pro umgesetztem
Dollar. Die Gesamtgewinne dürfen also steigen, wenn die Umsätze zunehmen. Man
kann dies in etwa mit den Grenzen vergleichen, in denen die Stundenlöhne ansteigen dürfen, was aber nicht verhindert, daß das Gesamteinkommen eines Arbeiters
sich über diese Grenzen hinaus erhöht, sofern er mehr Stunden arbeitet.
Es gibt jedoch ein freiwilliges Programm zur Beschränkung der Dividenden,
und die Höhe der Gewinne, die bisher in diesem Jahr an die Aktionäre ausgeschüttet
worden sind, hat gegenüber vor einem Jahr um weniger als 3 Prozent zugenommen.
Die Aufwärtsentwicklung der Gewinne ist für die Wirtschaft als Ganzes ermutigend, weil sie sowohl Anreiz zur Ausweitung der Produktion und Hinzunahme
neuer Anlagen bietet, die Arbeitsplätze und Einkommen vermehren, als auch einen
Teil der Mittel hierfür bereitstellt.
Die Fluktuation der Gewinne während eines Wirtschaftszyklus ist groß. In
den ersten Phasen einer Wirtschaftsexpansion steigen sie gewöhnlich stark an
und stabilisieren sich dann oder gehen zurück, während Löhne und andere Einkommensarten weiter steigen. Dabei waren die Gewinne zu Beginn der gegenwärtigen
Wiedererholung ohnehin niedrig, da sie Ende der sechziger Jahre zurückgegangen
waren, obwohl die Wirtschaft weiter expandierte.
Von

-2-

�Von dieser zyklischen Wirkung ganz abgesehen hatten die Gewinne eine langfristige Abwärtsentwicklung zu verzeichnen. Im Jahre 1970 waren die Gewinne nach
allen Maßstäben gemessen - in Prozenten des Volkseinkommens, nach der Ertragsrate des investierten Kapitals, in Prozenten der Einkünfte aus dem Gesellschaftssektor und für die Hersteller in Prozenten des Umsatzes - auf dem niedrigsten
Stand seit dem zweiten Weltkrieg angelangt.
Obwohl die Gewinne auf einer relativ niedrigen Basis begannen, sind sie
nicht so rasch gestiegen wie in anderen Wiedererholungsphasen. In den ersten
sechs Quartalen der derzeitigen Wiedererholung betrug die Zunahme der Gewinne
in Dollar noch nicht 15 Prozent der Zunahme des Bruttosozialproduktes in Dollar
verglichen mit etwa 20 Prozent im gleichen Zeitraum einer typischen Wiedererholungsperiode,
Nach Abzug der Steuern lagen die Gewinne im zweiten Quartal nur 5 Prozent
über dem Stand von 1966, während die Stundenlöhne in der Wirtschaft - ohne Landwirtschaft - um 41 Prozent angestiegen sind.
Beide, Gesellschaftsgewinne und Wochenlöhne der Angesteilten,lassen sich
durch Abzug der Einkommensteuerzahlungen und Berücksichtigung der Auswirkungen
des Preisauftriebs bereinigen. Die Gesellschaftsgewinne nach Abzug der Steuern
sind von 1966 bis 1970 real um über 30 Prozent zurückgegangen und liegen immer
noch um 17 Prozent unter dem Stand von 1966. Auf der anderen Seite war das verfügbare wöchentliche Einkommen 1970 real nur um 1 Prozent niedriger als 1966.
Diese Einkommen sind während des letzten Jahres um 4 Prozent gestiegen und jetzt
um 5 Prozent höher als 1966.

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WELTGEFAHR RAUSCHGIFT

Amerikanischer Kabinettsausschuß veröffentlicht Opiumbericht 1972

--(AD)-- Der Drogen-Sonderausschuß der US-Regierung, dem Kabinettsmitglieder
sowie der US-Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen und der Direktor des
CIA angehören, gab am 16. August seinen "Welt-Opiumbericht 1972" zur Veröffentlichung frei. Der Bericht orientiert sich im wesentlichen am Welt-Opiumbericht
von 1970, behandelt jedoch sehr viel ausführlicher das internationale HeroinProblem, die Netze des illegalen Rauschgifthandels, die Rauschgiftsituation
in den einzelnen Ländern sowie internationale Probleme, die sich aus dem
Schmuggel mit Heroin und anderen Opiumderivaten ergeben.
Das unter der Leitung von Außenminister Rogers stehende Gremium hat nicht
nur die Aufgabe, alle Maßnahmen der amerikanischen Bundesregierung gegen die
illegale Einfuhr und den illegalen Handel mit Rauschgiften zu koordinieren,
sondern dabei auch alle Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit auszuschöpfen. Seine Arbeit, für die ein Jahresetat von 50 Millionen Dollar zur
Verfügung steht, konzentriert sich auf die rechtlichen Mittel, die unter

-l-

�unter Nutzung der diplomatischen Kanäle und aller erreichbaren Informationsquellen in Zusammenarbeit mit den UN-Mitgliedsstaaten anwendbar sind.
Dem jüngsten Bericht zufolge ist Südostasien eine bedeutsame,aber doch
sekundäre Quelle für Heroin und andere Opiate, die in die Vereinigten Staaten

ge-

langen. Das Gros - ca.80 Prozent - des Heroins stammt derzeit aus türkischen
Quellen, 10-15 Prozent aus Mexiko und 5 bis 10 Prozent aus Südostasien. Zwar
sei das "Goldene Dreieck" (Nord-Thailand, Westlaos und Ostburma) mit ca. 700
Tonnen pro Jahr noch immer der Haupterzeuger von Schwarzmarkt-Opium, jedoch
werde dieses zum allergrößten Teil in dem Raum selbst und in angrenzenden Gebiete^ einschließlich Hongkong) konsumiert. Nur ein kleiner Bruchteil davon werde zu Heroin weiterverarbeitet.
In der illegalen Opium-Produktion folgen mit insgesamt 220 Tonnen Indien,
Pakistan und Afghanistan; die illegale Produktion in der Türkei wird für das Jahr
1971 auf 35 Tonnen geschätzt. Kleinere Mengen stammten aus Mexiko, Bulgarien
und Jugoslawien. Inwieweit Nordafrika und vor allem südamerikanische Länder zur
illegalen Opiumerzeugung beitragen,ist nicht genau bekannt. Fest steht nur, daß
im Hochland Südamerikas immer mehr Mohn angebaut wird, daß in südamerikanischen
Ländern der Drogenmißbrauch steigt und der internationale Rauschgifthandel in
wachsendem Maße über Südamerika Drogen nach den USA, zum größten Rauschgiftmarkt,
einschleust. Ein Drittel der dort beschlagnahmten

Drogen war jedenfalls über die-

se Kanäle gekommen.
Aber auch Kanada ist ein Land, über das große Mengen Narkotika aus Europa
die Vereinigten Staaten erreichen. Organisierte kriminelle Elemente - einschließlich Mafia und französisch-korsische Banden - kontrollieren einen großen Teil
des Rauschgifthandels. Die kanadische Polizei konnte jedoch, wie der Bericht betont, bemerkenswerte Erfolge im Kampf gegen die Rauschgifthändler erzielen. Sie
arbeitet eng mit den amerikanischen Behörden zusammen; Beschlagnahmeaktionen und
Verhaftungen nehmen zu.
Eine

-2-

�Eine ähnliche Entwicklung ist in Frankreich zu beobachten, wo die Polizei
in guter Zusammenarbeit mit amerikanischen Fahndungsbeamten hart gegen Händler,
Schmuggler und vor allem die Geheimlaboratorien vorgeht, wo Opium zu Heroin aufbereitet wird. Die wichtigste Nachschubroute für Opium und harte Drogen führt noch
immer von der Türkei über Westeuropa in die USA. Anscheinend sehen sich aber die
Banden aufgrund des Vorgehens der Polizei in Frankreich gezwungen, z.T.auf andere
westeuropäische Länder auszuweichen. Der Preisanstieg für Heroin, der heute zu
verzeichnen ist, "dürfte nicht nur die weit verbreitete Inflation in den Industrieländern, sondern auch die erhöhten Risiken für den Heroinschmuggel

widerspiegeln."

Die legale Produktion und die Verteilung von Opium für medizinische und wissenschaftliche Zwecke (1971: ca. 1 500 Tonnen) steht dem Bericht zufolge im grossen und ganzen unter Kontrolle. In einigen Ländern werde allerdings unter dem
Deckmantel des legalen Mohnanbaues auch Opium für illegale Zwecke abgezweigt.
In der Türkei wird dem in Kürze ein Riegel vorgeschoben, da diese Quelle versiegt,
wenn 1973 das generelle Verbot für den Mohnanbau in Kraft tritt. In einigen asiatischen Ländern jedoch, vor allem dort, wo die geographischen und politischen
Verhältnisse die Regierungskontrolle erschweren oder überhaupt unmöglich machen,
sei diesem Problem vorläufig kaum beizukommen.

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BODEN WANDERT

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PRO JAHR

-»(AD)-- Nach eingehenden Beobachtungen über einen Zeitraum von vier Jahren
bestätigte jetzt eine amerikanische Wissenschaftlergruppe kontinuierliche Bodenverschiebungen entlang einer geologischen Verwerfung in der Türkei. Ein ähnliches Phänomen war bisher nur von Kalifornien bekannt. Die Bauingenieure
Edwin Zacher und Karl Steinbrugge hatten dort im Jahre 1956 Versetzungen an
Bauwerken entdeckt. Sie rührten von Bodenverschiebungen her - einer Gleitbewegung entlang der San Andreas-Verwerfung.
Wie Dr. Robert D. Nason, Geophysiker am Institut für Erdbebenforschung in
San Francisco, erklärte, gehört die ca. 110 km nördlich von Ankara entdeckte
Gleitzone zu der sogenannten anatolischen Verwerfung, die Teil eines riesigen
Erdbebengürtels ist. Dieser zieht sich vom Mittelmeerraum durch die Türkei,
den Iran, Südrußland, Afghanistan, Pakistan und Nordindien bis nach Indonesienr
Auf dem Hochplateau Anatoliens hatte man vor ein paar Jahren in der Nähe
der Ortschaft Ismetpasha eine sehr gut gebaute alte Mauer entdeckt, die seltsame Versetzungen aufwies. Sie kreuzt offenbar eine Rißstelle in der Erdrinde,
an der Schollen ins Gleiten geraten sind. Die Bewegungsgeschwindigkeit ist gering, aber doch groß genug, um meßbar zu sein. Dr. Nason errechnete sie für den

�1

den untersuchten Abschnitt mit zwei Zentimeter pro Jahr. Bisher wurde durch Messungen an Ort und Stelle und durch Vergleiche älterer mit neuen Fotos von der Mauer
eine Versetzungsstrecke von insgesamt 16 cm innerhalb der letzten paar Jahre ermittelt. Die Gleitgeschwindigkeit entspricht ungefähr den in Kalifornien gemessenen Werten.
Unter den Wissenschaftlern ist es noch eine Streitfrage, inwieweit solche
Gleitbewegungen in der Erdrinde mit Erdbeben in Zusammenhang stehen. Wenn durch
"Kriechen", wie viele behaupten, Spannungen in der Erdrinde vermindert werden,
so erhebt sich die Frage, in welchem Umfang dies geschieht und wie sich die Verformung möglicherweise auf eine "Entschärfung"großer Erdbeben auswirkt. Manche
Wissenschaftler sind der Ansicht, daß in einer solchen Gleitzone tatsächlich die
Gefahr starker Beben geringer sei. Andere wieder glauben, die Bodenverschiebung
entlang einer Bruchzone sei nur ein Symptom für das Vorhandensein starker Spannungen, die sich in Erdbeben entladen. Dann ist es aber nicht ganz verständlich,
weshalb in anderen, seismisch äußerst aktiven Gebieten wie Japan, Neuseeland,
Alaska oder Iran keine Gleitbewegungen zu beobachten sind.
Die Entdeckung einer zweiten Gleitzone auf der Erdoberfläche ist wegen der
nunmehr möglichen Vergleiche seismischer Aktivität zwischen dem "Testgebiet"
Kalifornien und Anatolien von großer wissenschaftlicher Bedeutung. Vielleicht ist
auch eher die Frage zu beantworten, welche Zusammenhänge zwischen Gleitbewegungen
im Bereich geologischer Verwerfungen und Erdbeben in Bruchzonen bestehen.
Dr. Nason ist z.B. der Meinung, daß das Gleiten in Bruchzonen durch einen "Schmiereffekt" bestimmter Schiefertone, die unter Spannung ihren Zusammenhalt verlieren,
verursacht werde. Deshalb wäre es interessant, zu erfahren, ob in den Gleitabschnitten der Bruchzonen in Kalifornien und Anatolien solche Tonarten vorhanden
sind. Erdbeben in Anatolien kosteten seit 1938, dem Beginn einer Periode verstärkter Aktivität mit 13 großen Erdbeben, schon Tausenden von Menschen das Leben.

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BIOLOGISCHE PRÄPARATE UNTER DEM ELEKTRONENMIKROSKOP

—(AD)-- Bei ihren Arbeiten als Gastforscher im "Centre National des Recherches Scientifique" in Toulouse (Frankreich) machten zwei Wissenschaftler des
"Lawrence Berkeley Laboratory" (Universität Kalifornien) die überraschende
Erfahrung, daß biologische Präparate durch die Untersuchung am Elektronenmikroskop selbst bei sehr hoher Beschleunigungsspannung nicht zerstört werden. Bisher galt es als sicher, daß das Elektronenmikroskop für die Biologie
nur begrenzt einsatzbar sei, weil sich die Präparate infolge Hitzeentwicklung
oder Ionisation im Elektronenstrahl zu stark verändern. Die elektronenmikroskopische Untersuchung sei deshalb, so glaubte man, oberhalb einer bestimmten
Vergrößerungsgrenze sinnlos.
Dies gilt, wie Dr. Gareth Thomas, Professor der Metallurgie, und der Biophysiker Dr. Robert Glaeser von der Universität in Berkeley feststellten, bis
zu einem gewissen Grade nach wie vor bei zunehmender Beschleunigungsspannung
bis ca. 1 Millionen Elektronenvolt. Sobald jedoch mit noch höheren Spannungen
gearbeitet wird, nimmt der Zerstörungseffekt mit zunehmender Beschleunigung
der Elektronen rapide ab. Die beiden Wissenschaftler beobachteten dieses
überraschende Phänomen bis zu Spannungen von 2,5 Millionen Elektronenvolt.
Sie sind jedoch der Meinung, daß Untersuchungen auch noch bei Spannungen von
5 Millionen Volt, vielleicht sogar bis 10 Millionen Volt möglich seien.
Die

�4.

Die Präparate - es handelte sich um die beiden Aminosäuren Valin und
Glycin - waren weder gefärbt noch durch Aufdampfen von Metall vorbereitet worden.
Mit ihnen beabsichtigten Dr. Thomas und Dr. Glaeser Elektronen-Beugungsaufnahmen an dem neuen Gerät von Prof. Dupouy und Prof. Perrier in Toulouse vorzunehmen.Es zählt neben einem zweiten 3-Millionen-eV-Gerät in Japan zu den stärksten
der Welt. Das in Berkeley verfügbare Gerät erreicht dagegen nur eine Leistung
von 650 000 eV.
Wie jetzt Dr. Thomas auf der 13. Konferenz der Amerikanischen Gesellschaft
für Elektronenmikroskopie in Los Angeles erklärte, sei das Phänomen, das nur bei
organischen und biologischen Proben, jedoch nicht bei Proben anorganischer Materie zu beobachten sei, mit den heute gültigen Theorien nicht zu erklären und
erfordere deshalb eine gründliche Erforschung. Es eröffne jedenfalls der Biologie und Biomedizin ganz neue Möglichkeiten für Präparate-Untersuchungen. Denn
je höher die Beschleunigungsspannung, desto kürzer die Wellenlänge des Elektronenstrahls - das bedeutet besseres Auflösungsvermögen, bei der Probe also das
Sichtbarmachen immer kleinerer Einheiten im Molekülverband. Es sei denkbar, daß
bei 2,5 MeV Beschleunigungsspannung Strukturen sichtbar werden, die nur 2 Sngström-Einheiten(ca. ein fünfmillionstel Millimeter) groß sind, verglichen mit
einer Auflösungsgrenze von 25 ÄE unter einem Elektronenmikroskop mit 100 000 eV
Spannung.
Dr. Thomas zufolge dürfte es künftig möglich werden, so empfindliche Präparate wie Nukleinsäuren, Enzyme, Viren, Zellmembranen und andere biologische
"Bausteine" in der tatsächlich vorhandenen molekularen Struktur und ohne die
Komplikationen und Einschränkungen, die sich durch Färben ergeben, abzubilden.
Der Wissenschaftler konzentrierte sich zunächst auf die Untersuchung von Valin
und Glycin, weil die Ergebnisse als repräsentativ auch für Nukleinsäuren und
Proteine gelten können. Was die reine Untersuchungstechnik angehe, so habe
sich in Toulouse gezeigt, daß z.B. der Schaden, der bei einer Spannung von
1 MeV an der Probe angerichtet werde, bei der Beobachtung unter 2,5 MeV Spannung
erst nach zehnmal längerer Beobachtungszeit auftrete.

++++
-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Die Wissenschaft notiert&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strahlungsmessung in 2000 Kilometer Höhe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Untersuchungen zur Struktur des Protons&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strahlenumempfindliche Fernsehkamera&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kritischer Versuch in der Großreaktorstation Rowe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Kleinreaktor-Typen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herabsetzung der höchstzulässigen Strahlendosis in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aufsehenerregende Mineralfunde im Nördlinger Rieskessel&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Weltpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;... Raum für freie Diskussion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rotchinesische Presse greift Professor Schangs "falsche Ansichten" an&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jazz im Museum&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jazzkonzerte sind eine willkommene Variante der in den USA überaus beliebten Museumskonzerte&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisches Stipendium für Düsseldorfer Tänzer&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Funk und Fernsehkurznachrichten aus den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Programme und Techniken&amp;nbsp;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Präsident Reagan sandte Schreiben an Breschnew&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA streben konstruktives Verhältnis zur Sowjetunion an -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Haig fordert neue Ära des Wachstums für die Weltwirtschaft&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers vor der UN-Vollversammlung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Abrüstungsexperte zum Einsatz von Giftstoffen in Südostasien&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Demokratie, Verteidigung und zweierlei Maß&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Kommentar der "Stimme Amerikas" -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

#

23. September 1987

33

INHALT

DOKUMENTATION
Aussichten für bessere Amerikanisch-Sowjestische Beziehungen
ermutigend
- Rede Präsident Reagans vor den Vereinigten Nationen Abkommen über Zentren zur Verringerung der Gefahr eines Atomkrieges
unterzeichnet
- Erklärung von Reagan und Schewardnadse Reagan: Amerikanische Verfassung bringt friedliche Revolution hervor
- Proklamation des Präsidenten Reagan: Amerika braucht tatkräftige und informierte Bürger
- Ansprache des Präsidenten zum Verfassungstag Supermächte erzielen Grundsatzvereinbarung über INF
- Gemeinsame Erklärung zu den Gesprächen Shultz-Schewardnadse HINTERGRUNDMATERIAL

INF-Abkommen hat keinen Einfluss auf flexible Reaktion der NATO
- Artikel über Anhörung im Senat -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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s

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^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

4

23. September 1987

33

AUSSICHTEN FÜR BESSERE AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN ERMUTIGEND
- Rede Präsident Reagans vor den Vereinten Nationen

VEREINTE NATIONEN - (AD) - In seiner anläßlich der 42. Sitzung der Generalversammlung der vereinten Nationen gehaltenen Rede erklärte Präsident
Reagan am 21. September, geduldige Diplomatie könne zu einer Welt beitragen,
in der sowohl Frieden als auch Freiheit gedeihen und die Vereinigten Staaten
seien "durch neue Aussichten auf eine Verbesserung der Ost-West-Beziehungen
und insbesondere des amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses ermutigt".
Der Präsident verwies darauf, daß es zwischen Washington und Moskau wahrscheinlich immer Meinungsverschiedenheiten geben werde, daß dies "uns jedoch
eine besondere Verantwortung auferlegt, Wege aufzuzeigen (...)
und der Welt
die Möglichkeit friedlicher Lösungen für politische Probleme zu geben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Gäste und Delegierte, ich möchte zunächst den von seiner Friedensmission in den Mittleren
Osten zurückgekehrten Generalsekretär
willkommen
heißen.
Hunderttausende
sind bereits in dem blutigen Kampf
zwischen Iran und Irak gefallen. Alle Menschen, die das Gute lieben,
werden dafür beten, daß dieses Blutbad bald ein Ende findet. Wir wünschen uns, daß der Generalsekretär
nicht nur ein Reisender in Sachen
Frieden, sondern auch der Mitbegründer eines andauernden Friedens zwi-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schen diesen beiden Nationen sein
wird. Herr Generalsekretär, sie haben die volle Unterstützung der Vereinten Nationen.
Möge Gott Sie bei
Ihrer bevorstehenden Arbeit leiten.
Ebenso wie der
Generalsekretär
befinden sich die heute hier Versammelten auf einer Art Reise. Aus jedem Kontinent, von jeder Rasse und
aus fast allen Religionen kommen wir
in diesem großen Saal der Hoffnung
zusammen, um im Namen des Friedens
mit Diplomatie vorzugehen.
Diplomatie
ist natürlich ein schwieriges

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Handwerk mit vielen Schattierungen und dies so sehr, daß Diplomaten beim
Tode eines der listigsten Diplomaten
des 19. Jahrhunderts die Frage stellten:
"Was glauben Sie hat der alte
Fuchs damit gemeint?"
Aber wahre Führungsqualitäten als
Staatsmann erfordern nicht nur Geschick, sondern viel mehr - so etwas
wie Weitblick, der die Gegenwart und
die Möglichkeiten der Zukunft erfasst. ich bin heute hierher gekommen, um Ihnen meine eigene Sichtweise
der Zukunft dieser Welt darzulegen,
die, wie ich glaube, in ihren Grundzügen von allen Amerikanern geteilt
wird. Und ich hoffe, daß Andersdenkende es mir nicht übel nehmen, wenn
ich sage, wir in den vereinigten
Staaten glauben, der Ort, an dem man
zunächst mit der Gestaltung der Zukunft beginnen sollte, sei nicht auf
den Kontinenten und Meeren zu suchen
- obwohl Geographie natürlich eine
bedeutende Rolle spielt. Er befindet
sich auch nicht bei den nationalen
Reserven von Menschenleben und Maschinerie oder, auf der anderen Seite, auf dem finanziellen Sektor und
bei den Industriekapazitäten - obwohl
militärische
und
wirtschaftliche
Stärke natürlich entscheidend sind.
Wir beginnen mit etwas viel einfacherem und gleichzeitig viel tiefgreifenderem - dem Herzen der Menschen.
Auf der ganzen Welt lenkte das
Verlangen
des menschlichen
Herzens
die Richtung internationaler Politik
und straften den Mythos von Materialismus und historischem Determinismus
Lügen. Wir brauchen nur die Augen zu
öffnen, um die schlichten Hoffnungen
der Menschen wahrzunehmen, wie sie
unsere Zeit niederschreibt.
Im vergangenen Jahr waren es die
Menschen auf den Philippinen, die den
Geist der Demokratie wiederbelebt und

den Wahlprozeß neu eingeleitet haben.
Man sagt, sie hätten ein Wunder vollbracht, und wenn dies so ist, findet
gerade ein ähnliches Wunder - der
Übergang zur Demokratie - in der Republik Korea statt.
Haiti befindet
sich ebenfalls in der Ubergangsphase.
Manche
verzweifeln
angesichts
der
Konflikte oder Herausforderungen dieser
jungen, aufstrebenden
Demokratien, aber zunehmendes Leid gehört zu
jeder
Demokratie.
Die Vereinigten
Staaten haben es gespürt - wie auch
jede andere Demokratie auf der Erde.
Auch in Lateinamerika sind die
Stimmen der Freiheit zu vernehmen.
Es ist das Lied des nicht in Uniform
oder militärisch in Reih und Glied
marschierenden
Volkes, sondern
des
Volkes, das sich in seiner einfachen
Arbeitskleidung zu den Wahlen begibt.
Vor zehn Jahren lebte nur ein Drittel
der
Bevölkerung
Lateinamerikas und
der Karibischen Inseln in Demokratien
oder in Ländern, die sich im Ubergangsstadium befanden. Heute sind es
90 Prozent.
Aber diese weltweite Hinwendung
zur Demokratie ist nicht der einzige
Weg, auf den uns einfache Menschen uns, die wir als Gestalter der Geschichte bezeichnet werden - in die
Zukunft führen. Auf der ganzen Welt
entstehen
neue
Unternehmen,
neues
Wirtschaftswachtum und neue Technologien
in den Werkstätten einfacher
Menschen mit außergewöhnlichen Träumen.
Hier in den Vereinigten Staaten
hat der - durch Steuererleichterungen
und den Abbau von Vorschriften - wiederbelebte Unternehmergeist dem gegenwärtigen Wirtschaftswachstum neuen
Auftrieb verliehen.
Wissenschaftlern
am Massachusetts Institute of Technology (MIT) zufolge entstanden dreiviertel der seit dem Beginn unseres

�Aufschwungs
geschaffenen
mehr
als
13,5 Millionen neuen stellen in unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten - Unternehmen, die von
Menschen gegründet wurden, die ein
Risiko auf sich genommen haben. Und
vieles im Bereich unserer neuen Hochtechnologie wurde zuerst in den Garagen
aufstrebender
Jungunternehmer
entwickelt.
Aber Amerika ist weder
das einzige noch das beste Beispiel
für die Dynamik und die Träume, die
eine Befreiung der Märkte Wirklichkeit werden läßt.
In Indien und China haben freiere
Agrarmärkte zu einer Produktionsexplosion geführt.
In Afrika überdenken die Regierungen ihre Politik, und
wo sie den Bauern größere wirtschaftliche Freiheiten einräumen, hat sich
die
Getreideproduktion
erhöht.
Gleichzeitig haben in den Schwellenländern des pazifischen Raums freie
Märkte auf dem Dienstleistungs- und
Fertigungssektor sowie im Bereich der
Landwirtschaft zu erhöhtem Wachstum
und einem besseren Lebensstandard geführt.
Die
ASEAN-Länder,
Japan,
Korea und Taiwan, haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein wahres
Wirtschaftswunder vollbracht, und in
jedem dieser Länder ging die magische
Kraft von den Menschen aus, die als
Unternehmer erfolgreich waren.
In Lateinamerika
wird
dieselbe
Lektion der freien Märkte, besseren
Möglichkeiten und des Wachstums gelernt und angewandt. Der brasilianische Staatspräsident Sarney hat für
viele andere gesprochen, als er sagte:
"privatinitative
ist die Antriebskraft der wirtschaftlichen Entwicklung, in Brasilien haben wir gelernt, daß mit jedem Mal, mit dem der
Staat
zunehmend
in die Wirtschaft
eingreift, unsere Freiheit abnimmt".
Eine Politik, die die Träume der Menschen Wirklichkeit werden läßt, fin-

det also auf der ganzen Welt Verbreitung. Von Kolumbien über die Türkei
bis hin zu Indonesien senken Regierungen die Steuern, überprüfen ihre
Vorschriften und eröffnen Initiativen
neue Möglichkeiten.
In den Sälen dieses Gebäudes wurde viel über das "Recht auf Entwicklung" gesprochen. Aber es tritt immer klarer zutage, daß Entwicklung
selbst kein Recht ist. Sie ist ein
Produkt von Rechten - des Rechts auf
Eigentum, des Rechts auf den freien
Warenumschlag, auf Vertragsabschlüsse, des Rechts auf Befreiung
von
überhöhten
Steuern,
übertriebenen
Vorschriften und zuviel Regierungsgewalt.
Untersuchungen haben gezeigt,
daß in Staaten mit geringeren Steuern
ein größeres Wachstum hervorgebracht
wird als in solchen mit hohen Steuersätzen.
Das Phänomen der "schwarzen Wirtschaft" ist uns allen bekannt.
Der
Wissenschaftler Hernando de Soto und
seine Kollegen haben die Situation
eines Landes - Perus - untersucht und
ein Wirtschaftssystem der Armen beschrieben, das erdrückende
Steuern
und Vorschriften umgeht. Diese "inoffizielle Wirtschaft", wie sie von
den Wissenschaftlern
genannt wird,
ist der Hauptlieferant vieler Güter
und Dienstleistungen und oftmals die
einzige Möglichkeit zum Aufstieg. in
der Hauptstadt organisiert sie den
öffentlichen Nahverkehr und fast alle
Straßenmärkte. Und die Wissenschaftler kommen zu dem Schluß, daß dank
der inoffiziellen Wirtschaft "die Armen arbeiten und reisen können und
ein Dach über dem Kopf haben". sie
hätten hinzufügen können, daß die Armen durch ihre Tätigkeit als oder für
schwarze Unternehmer weniger arm geworden sind und die Nation selbst
reicher geworden ist.

- 3 -

�Die Anhänger dirigistischer Lösungen für die Entwicklung sollten
sich merken, daß der freie Markt den
anderen Weg zu einer Entwicklung eröffnet und zwar den einzig richtigen.
Es ist der Weg des Volkes. und im
Gegensatz zu anderen Wegen führt er
zum Ziel.
Hier ist meiner Ansicht
nach der Plan für die Zukunft der
Welt zu finden - in den Herzen der
Menschen, ihren Hoffnungen für sich
selbst und ihre Kinder, in ihren
Nachtgebeten und denen ihrer Familien.
Diese einfachen Menschen beherrschen die Erde, sie sind die wahren Erbauer der Welt und gestalten
die vor uns liegende Zukunft.
und
wenn sie letztlich triumphieren, was
sie meiner Ansicht nach tun werden,
werden wir schließlich eine Welt der
Demokratie kennenlernen - eine Welt,
in der
der
Geist der
Menschheit
schließlich die altbekannten Feinde
von Hunger, Krankeit, Tyrannei und
Krieg besiegt.

Tages ihre Schwerter zu Pflugscharen
macht, die Hoffnung auf den Frieden.
In keinem Teil der Erde braucht
der Frieden heute mehr Freunde als im
Mittleren Osten.
Dort wächst die
Sehnsucht der Menschen nach Frieden.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin den Parteien ein aktiver Partner bei ihren Bemühungen sein, zusammenzufinden, um ihre Differenzen beizulegen und einen gerechten und dauerhaften Frieden aufzubauen.
Dieser Monat erinnert an den Beginn des Krieges zwischen Iran und
Irak vor acht Jahren. Vor zwei Monaten hat der Sicherheitsrat eine verbindliche
Resolution
verabschiedet,
die einen Waffenstillstand, Rückzug
der Truppen und Verhandlungen zur Beendigung des Krieges fordert.
Die
Vereinigten Staaten unterstützen die
Durchführung der Resolution 598 ebenso sehr wie wir die jüngste Mission
des
Generalsekretärs
unterstützen.
Wir haben die Annahme der Resolution
durch den Irak begrüßt und sind weiterhin enttäuscht über die mangelnde
Breitschaft des Iran, diese zu akzeptieren.

Dies ist meine Vision und Amerikas Vision. Ich weiß, daß einige in
diesem
Saal vertretene
Regierungen
anderer
Auffassung
sind.
Manche
glauben nicht an Demokratie oder an
politische, wirtschaftliche und religiöse Freiheit.
Einige glauben an
Diktatur - eines Mannes, einer Partei, Klasse, Rasse oder einer Führungselite.
Diesen Regierungen will
ich nur sagen, daß der Preis für Unterdrückung klar ist.
Ihre Volkswirtschaften werden immer mehr zurückfallen. Ihr Volk wird immer unruhiger werden. ist es nicht besser,
jetzt den Hoffnungen des Volkes Gehör
zu schenken als später
ihre Verwünschungen anhören zu müssen?

Ich
weiß,
daß
der
iranische
Staatspräsident morgen zu Ihnen darüber sprechen wird.
Ich möchte ihn
bei dieser Gelegenheit klar und unzweideutig auffordern, sich dazu zu
äußern, ob der Iran 598 akzeptiert
oder nicht. Wenn die Antwort positiv
ausfällt, wäre dies ein willkommener
Schritt und ein wichtiger Durchbruch.
Wenn sie negativ ausfällt, bleibt dem
Rat keine Wahl als die Verabschiedung
von Zwangsmaßnahmen.

Und dennoch besteht trotz unserer
Verschiedenartigkeit eine gemeinsame
Hoffnung, die uns alle auf diese gemeinsame Reise geschickt hat - die
Hoffnung, daß die Menschheit eines

Seit vierzig Jahren haben die
Vereinigten Staaten ihr lebenswichtiges Interesse an der Sicherheit im
Persischen Golf und in den angrenzenden Ländern klar herausgestellt. Die

�dort befindlichen ölvorräte sind für
die Volkswirtschaften der freien Welt
von
strategischer
Bedeutung.
Wir
setzen uns für den freien Verkehr
dieses Öls ein sowie dafür, daß die
Vorherrschaft
jedweder
feindlichen
Macht in der Region verhindert wird.
Wir streben keine Konfrontation
mit dem Iran oder irgendjemand anders
an. Unser Ziel besteht darin - und
es hat zu jedem Zeitpunkt darin bestanden - ein Mittel zu finden, um
den Krieg ohne Sieger und Besiegte zu
beenden. Die zunehmende Präsenz unserer Marine im Golf stellt keine
Parteiergreifung für die eine oder
andere Seite dar. Es ist eine Reaktion auf die erhöhten Spannungen und
eine Folge der Konsultationen mit unseren Freunden in der Region. Wenn
die Spannungen abnehmen, werden wir
auch unsere Präsenz abbauen.
Die Vereinigten Staaten sind mit
vielen
diplomatischen
Entwicklungen
der jüngsten Zeit zufrieden - der
einstimmigen Verabschiedung von Resolution 598, der Stellungnahme der
Arabischen Liga bei ihrem jüngsten
Treffen in Tunis und dem Besuch des
Generalsekretärs.
Trotzdem gibt es
weiterhin Probleme.
Die Sowjetunion hat bei der Ausarbeitung
und der Erzielung einer
Übereinkunft zu Resolution 598 Unterstützung geleistet.
Aber außerhalb
des Sicherheitsrates haben sich die
Sowjets anders verhalten.
Sie haben
den Abzug unserer Marine aus dem Golf
gefordert, obwohl sie seit 40 Jahren
dort präsent ist. Sie haben die falsche Anschuldigung erhoben, daß die
Vereinigten Staaten - und nicht der
Krieg selbst - auf irgendeine Weise
die Quelle der Spannungen im Golf
sind. Solche Behauptungen sind wenig
hilfreich.
Sie lenken die Aufmerksamkeit von der sich uns stellenden

Herausforderung
Krieges.

ab

-

dem

Ende

des

Die Vereinigten Staaten hoffen,
daß die Sowjets gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsrates ernsthaft ein Ende des Konfliktes
anstreben werden, der niemals hätte
beginnen dürfen, seit langem beendet
sein sollte und inzwischen zu einer
der größten Tragödien der Nachkriegszeit geworden ist.
In einer anderen Region beobachten wir die andauernde sowjetische
Besetzung
Afghanistans.
Nach
fast
acht Jahren, einer Million Opfern,
fast vier Millionen ins Exil gezwungenen Menschen und heftigeren Kämpfhandlungen als jemals zuvor ist es
jetzt an der Zeit, daß die Sowjets
abziehen.
Das
afghanische
Volk
muß
das
Recht erhalten, seine eigene Zukunft
frei von ausländischem Zwang selbst
zu bestimmen.
Es gibt keine Entschuldigung für die Fortführung eines
brutalen Krieges oder die Einsetzung
eines Regimes, dessen Tage zweifelsohne gezählt sind.
Dieses Regime
bietet politische Vorschläge an, die
nur scheinbar Kompromisse sind, in
Wirklichkeit jedoch die Fortdauer der
Macht des Regimes sichern würden.
Solche Vorschläge haben die wichtigste Probe nicht bestanden: sie sind
vom afghanischen Volk zurückgewiesen
worden.
Die
Widerstandsbewegung
wird mit jedem Tag stärker. Sie ist
bei der Suche nach einer auf dem Verhandlungswege zu erzielenden Lösung
eine unentbehrliche Partei.
Die Völkergemeinschaft muß weiterhin
auf echter
Selbstbestimmung
beharren - auf unverzüglichem und
vollständigem sowjetischen Truppenabzug und der sicheren und ehrenvollen
Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Hei-

- 5 -

�mat. Es könnte der Versuch unternommen werden, in diesem Jahr einige wenige Länder zu einem geänderten Abstimmungsverhalten bewegen zu wollen,
aber ich bin davon überzeugt, daß
dieses Gremium wie in allen vorherigen Jahren mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit und Freiheit des afghanischen Volkes stimmen
wird.
Wir
haben
Generalsekretär
Gorbatschows
Bereitschaftserklärung
zum Truppenabzug zur Kenntnis genommen.
Im April habe ich die Sowjetunion aufgefordert, ein Datum in diesem Jahr für den Beginn des Abzugs zu
bestimmen. Ich wiederhole diese Forderung jetzt vor diesem Friedensforum. Sobald die Sowjetunion überzeugende Beweise für ihre Bereitschaft
zu einer echten politischen Beilegung
des Konflikts vorbringt, werden die
Vereinigten Staaten unverzüglich behilflich sein. Dies kann ich Ihnen
versichern.
Lassen Sie mich in dieser Angelegenheit eine abschließende Bemerkung
anführen.
Ungeachtet des ungeheuren
Drucks und der Einschüchterung, denen
sich Pakistan gegenübersah, hat es
afghanischen
Flüchtlingen
Zuflucht
gewährt.
Wir sind von Hochachtung
für den Mut Pakistans und des pakistanischen Volkes erfüllt.
Es verdient unsere volle Unterstützung.
Wie wir alle wissen, erschüttert
ein weiterer regionaler Konflikt Zentralamerika: Nicaragua.
An die heute hier anwesende sandinistische Delegation wende ich mich
mit den Worten:
Ihr Volk kennt den
wahren Charakter Ihres Regimes. Ihr
Volk mußte erleben, wie seine Freiheit unterdrückt wurde. Es mußte erleben, wie die Versprechungen von
1979 unerfüllt blieben. Es mußte er-

leben, daß die Reallöhne und Einkommen seit 1979 um die Hälfte - ja, in
der Tat um die Hälfte - gekürzt wurden, während sich Ihre Parteielite
einem Leben voller Privilegien und
Luxus hingibt.
Aus diesem Grund sehen Sie sich,
trotz der - alleine im vergangenen
Jahr - von sowjetischer Seite geleisteten Hilfe in Höhe von 1 Milliarde
Dollar und trotz der größten und am
besten ausgerüsteten Armee in Zentralamerika im eigenen Land mit einer
Volksrevolution
konfrontiert.
Aus
diesem Grund ist der demokratische
Widerstand in der Lage, tief im Innersten Ihres Landes ungehindert zu
operieren.
Aber
diese
Revolution
sollte keine Überraschung
für Sie
sein, denn es ist die Revolution, die
Sie dem Volk versprochen hatten, dem
Volk, an dem Sie dann verrat begangen
haben.
Das ziel der amerikanischen Politik in Nicaragua ist eindeutig.
Es
deckt sich mit dem Ziel des nicaraguanischen Volkes und der Freiheitskämpfer:
Demokratie - echte, freie,
pluralistische, konstitutionelle Demokratie.
Sie müssen begreifen, daß
weder wir noch die Völkergemeinschaft
eine "Scheindemokratisierung" akzeptieren werden, die darauf ausgerichtet ist, die Fortsetzung der Diktatur
zu verschleiern.
Dieses zweihundertste Jahr unserer eigenen Verfassung begehen wir in
dem Bewußtsein, daß echte Demokratie
von den Schutzvorrichtungen institutioneller Strukturen abhängt, die eine
Machtkonzentration
verhindern.
Das ist es, womit Rechte gesichert
werden. Die vorübergehende Lockerung
von Kontrollen - die später wieder
verschärft werden können - ist keine
Demokratisierung.

�Wiederum an die Sandinisten gerichtet, sage ich: Wir geben unsere
Hoffnung
nicht auf, daß Nicaragua
Teil des wahren demokratischen Wandels wird, den wir im Verlauf dieses
Jahrzehnts in ganz Zentralamerika beobachten konnten.
Unseren uneingeschränkten Beifall finden die im Abkommen
von
Guatemala
verankerten
Grundsätze, mit denen die Sicherheit
der zentralamerikanischen Demokratien
an demokratische Reformen in Nicaragua gekoppelt wird. Jetzt ist es für
Sie an der Zeit, die Militärmaschinerie zu verschrotten, die Ihre Nachbarn bedroht und Ihr eigenes Volk angreift.
Sie müssen ihre Unterdrükkung der politischen Aktivitäten im
Inland aufheben.
sie müssen freie
und gerechte Nationalwahlen abhalten.
Die Medien müssen wirklich frei sein
und nicht durch indirekte Maßnahmen
wie die Verweigerung von Zeitungspapier oder Bedrohung von Journalisten
und deren Familien zensiert oder eingeschüchtert oder lahmgelegt werden.
Exilanten muß die Rückkehr gestattet
werden, damit sie in ihrem Land ihre
Religion ausüben, leben, arbeiten und
sich politisch organisieren können.
Dann erst, wenn die religiöse Verfolgung beendet und in den Gefängnissen
nicht länger politisch Gefangene inhaftiert sein werden, wird nationale
Aussöhnung
und
Demokratie
nu'glich
sein.
Solange
dies
nicht
geschieht,
wird
"Demokratisierung" ein Betrug
bleiben.
Und
bis dies geschieht,
werden wir auf echte Demokratie drängen, indem wir diejenigen unterstützen, die dafür kämpfen.
Freiheit
in Nicaragua, Angola,
Afghanistan, Kambodscha, Osteuropa,
Südafrika oder sonstwo auf der Welt
ist nicht nur eine innenpolitische
Angelegenheit. Vor einiger Zeit hat
der tschechische Schriftsteller und

Regimekritiker Wazlaw Hawel die Welt
mit den Worten gewarnt: "Die Respektierung der Menschenrechte ist die
Grundvoraussetzung und einzig wahre
Garantie
für
den
Frieden".
Und
Andrej Sacharow erklärte in seiner
Ansprache
anläßlich
der
Verleihung
des Friedensnobelpreises:
"Ich bin
davon überzeugt, daß internationales
Vertrauen, gegenseitiges Verständnis,
Abrüstung und internationale Sicherheit ohne eine auf Informationsfreiheit, Gewissensfreiheit, das Recht zu
veröffentlichen, zu reisen und das
Land zu wählen, in dem man leben
möchte,
gegründete
offene
Gesellschaft undenkbar sind."
Freiheit dient dem Frieden.
Das
Streben nach Frieden muß der Sache
der Freiheit dienen.
Geduldige Diplomatie kann zu einer Welt beitragen, in der Frieden und Freiheit gedeihen können. Wir fühlen uns durch
neue Aussichten auf eine Verbesserung
der Ost-West-Beziehungen und insbesondere des amerikanisch-sowjetischen
Verhältnisses ermutigt.
In der vergangenen Woche kam der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse zu Gesprächen mit mir
und Außenminister Shultz in Washington zusammen.
Wir haben die ganze
Bandbreite der Themen diskutiert, bis
hin zu den fortgesetzten Bemühungen,
erstmalig einschneidende Reduzierungen bei den Nuklearwaffen auf amerikanischer und sowjetischer Seite zu
erzielen. Zum Beispiel habe ich bereits vor sechs Jahren die "Null-Lösung" für amerikanische und sowjetische Nuklearraketen
längerer
und
mittlerer
Reichweite
vorgeschlagen.
Ich bin sehr erfreut, daß wir nun
grundsätzliche
Einigung
über
einen
wahrhaft historischen Vertrag erzielt
haben, mit dem eine ganze Kategorie
von Nuklearwaffen auf amerikanischer
und sowjetischer Seite abgebaut wird.

- 7 -

�Ferner haben wir uns auf eine Intensivierung unserer diplomatischen Bemühungen in allen Bereichen von gegenseitigem Interesse geeinigt.
Mit diesem Ziel vor Augen werden
die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse in einem Monat wiederum
in Moskau
zusammenkommen, und ich
werde mich in diesem Herbst erneut
mit Generalsekretär Gorbatschow treffen.
Wir haben noch immer Meinungsverschiedenheiten,
die
wahrscheinlich
stets bestehen bleiben werden. Aber
dadurch wird uns eine besondere Verantwortung auferlegt, Wege - realistische Wege - aufzuzeigen, mit denen
unser
Konkurrenzkampf
ausgewogener
gestaltet werden könnte und mittels
derer wir der Welt ein konstruktives
Beispiel des unschätzbaren Wertes der
Kommunikation und der Möglichkeit zu
friedlichen Lösungen für politische
Probleme geben können.
In diesem Zusammenhang möchte ich
hinzufügen, daß wir mit unserer Strategischen
Verteidigungsinitiative
versuchen, einen Weg zur Bewahrung
des Friedens zu schaffen, indem wir
uns bei der Abschreckung auf Verteidigung - und nicht Angriff - stützen
und dafür eintreten, ballistische Raketen eines Tages zu verschrotten.
SDI hat die Aussichten auf echte Waffenreduzierungen
entscheidend
vergrößert.
SDI bildet einen wesentlichen Bestandteil unserer Bestrebungen
zur Gewährleistung
einer Welt mit
mehr Sicherheit und eines stabileren
strategischen Gleichgewichts.
Wir werden das Ziel der Waffenreduzierungen stets verfolgen, insbesondere das Ziel, auf das sich der
Generalsekretär und ich geeinigt haben - einen 50prozentigen Abbau unserer strategischen Nuklearwaffen. Wir
- 8

werden die Sowjets weiterhin zu einem
konstruktiveren
Verhalten
bei
der
Beilegung regionaler Konflikte drängen. Wir hoffen auf die Einhaltung
der Abkommen von Helsinki durch die
Sowjets.
Wir
hoffen
auf
größere
Freiheit für das sowjetische Volk in
seinem eigenen Land und auf vermehrten Austausch zwischen den Menschen
in ihren und unserem Land sowie die
tatsächliche Anerkennung
der
Freiheitsrechtes durch die Sowjets.
Wir sehen der Zeit entgegen, in
der die Dinge, die wir heute als
Quelle von Spannungen und sogar Gefahr ansehen, für die Zusammenarbeit
zwischen uns und der Sowjetunion beispielhaft werden können. So habe ich
zum Beispiel Zusammenarbeit beim Abbau der Schranken zwischen Ost und
West in Berlinund im weiteren Sinne
in ganz Europa vorgeschlagen. Lassen
Sie uns gemeinsam ein Europa schaffen, in dem Gewalt oder die Androhung
von Gewalt, etwa in Form von Mauern
oder Gewehren, nicht länger ein Hindernis für die freie Wahl des Einzelnen und ganzer Nationen darstellen.
Ich habe ferner von der Sowjetunion
offenere Informationen über ihre militärische Stärke, Politik und Programme gefordert, so daß unsere Verhandlungen über Rüstungsreduzierungen
mit größerem Vertrauen
fortgeführt
werden können.
Wir hören viel über den Wandel,
der sich in der Sowjetunion vollzieht. Wir sind an diesem Wandel ausserordentlich interessiert. Wir vernehmen das Wort "Glasnost", das mit
"Offenheit" übersetzt wird.
Im Englischen ist "Offenheit" ein weitgefaßter Begriff. Er bedeutet freien,
ungehinderten Austausch von Informationen, Gedanken und Menschen.
Er
beinhaltet politische und intellektuelle Freiheit in all ihren Dimensionen. Wir hoffen, zum Wohle der Men-

�sehen in der UdSSR, daß sich ein solcher Wandel vollziehen wird. Und wir
hoffen, zum Wohle der Sache des Friedens, daß er eine Außenpolitik mit
sich bringt, dank derer die Freiheit
und Unabhängigkeit anderer Völker geachtet wird.
Kein Ort könnte besser für Friedensdiskussionen
geeignet
sein als
dieser Saal. Der erste Generalsekretär, Trygve Lie, sagte über die Vereinten Nationen: "Angesichts der Gefahr eines Feuers und in Ermangelung
einer organisierten Feuerwehr zeugt
es nur von gesundem Menschenverstand,
wenn
sich
die
Nachbarn
zusammenschließen und ihre eigene Feuerwehr
aufbauen."
Sich zusammenzuschließen, um die
Flammen des Krieges zu ersticken dies war, gemeinsam mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
das Gründungsideal der Vereinten Nationen. Es ist die ständige Herausforderung
an uns, sicherzustellen,
daß die Vereinten Nationen diesen
Hoffnungen gerecht werden.
Wie der Generalsekretär vor einiger Zeit feststellte, hat sich das
Risiko der Anarchie auf der Welt vergrößert, da die Grundregeln der Charta der vereinten Nationen verletzt
worden sind. Die Vollversammlung hat
dies wiederholt im Hinblick auf die
Besetzung
Afghanistans
bestätigt.
Der Charta kommt auch heute noch konkrete praktische Bedeutung zu, da sie
sich auf alle Dimensionen der Hoffnungen des Menschen erstreckt, die
ich bereits angeführt habe - das Sehnen nach Demokratie und Freiheit,
nach weltweitem Frieden und Wohlstand.
Aus diesem Grund müssen wir die
Allgemeine
Erklärung
der Menschenrechte vor Entwürdigung wie im Falle
der unrühmlichen Resolution "Zionis- 9

mus ist Rassismus" schützen.
Wir
dürfen versuche zur Kontrolle der Medien und verschärfter Zensur unter
dem
Deckmantel
einer
sogenannten
"Neuen Weltinformationsordnung" nicht
zulassen.
Wir müssen
Bestrebungen
unterbinden, umstrittene und irrelevante Themenkomplexe in die Arbeit
spezialisierter und technischer Behörden einzubringen, in denen wir
Fortschritte bei den vordringlichen
Problemen des Terrorismus bis hin zu
Drogenschmuggel
und nuklearer
Verbreitung zu erzielen suchen, von denen wir uns alle bedroht sehen. Solche
Bestrebungen
untergraben
die
Charta und schwächen die Vereinten
Nationen.
Es sind bedeutende Reformen in
der
Verwaltung
und
beim
Haushalt
durchgeführt worden.
Sie haben geholfen.
Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet, in dem Maße
wie die Reformen voranschreiten, ihren Beitrag wieder zu entrichten. Es
bleibt jedoch noch sehr viel zu tun.
Die Vereinten Nationen wurden auf
große Träume und große Ideale gegründet. Gelegentlich sind sie vom rechten Weg abgekommen.
Nun ist es an
der Zeit, daß sie nach Hause zurückkehren.
Es war Dag Hammar skjold, der sagte:
"Am Ende aller politischen Bestrebungen muß das Wohlergehen des
Einzelnen in einem Leben in Sicherheit und Freiheit stehen."
Sollte
dies nicht unser Glaubensbekenntnis
für die vor uns liegenden Jahre sein?
Heute habe ich von einer Vision
und den ihrer Verwirklichung im Wege
stehenden
Hindernissen
gesprochen.
Vor mehr als einem Jahrhundert stattete der junge Franzose Alexis de
Tocqueville Amerika einen Besuch ab.
Nach diesem Besuch prophezeite er,
daß die Großmächte der Zukunft einer-

�seits die Vereinigten Staaten sein
würden, die, seinen Worten zufolge,
"mit der Pflugschar" geschaffen würden und andererseits Rußland, das,
wiederum in seinen Worten, "mit dem
Schwert" vorangehen werde.
Muß es
jedoch so sein?
Können Schwerter
nicht zu Pflugscharen werden? Können
wir und alle Nationen nicht in Frieden leben?

Spektrum des Willens und Einverständnisses der Menschheit und das ganze
menschliche Herz umfassen

Bei unserer besessen Auseinandersetzung mit den Antagonismen der Gegenwart vergessen wir häufig, wieviel
die Menschheit verbindet. Vielleicht
benötigen wir eine weltweite Bedrohung von außen, um uns dieses gemeinsame Bindeglied erkennen zu lassen.
Gelegentlich denke ich, wie rasch unsere weltweiten Meinungsverschiedenheiten sich in Luft auflösen würden,
wenn wir
uns mit einer
fremden,
außerirdischen Bedrohung konfrontiert
sähen. Und ich frage Sie, weilt diese fremde Macht nicht bereits unter
uns?
Was könnte für das weltweite
Streben unserer Völker abwegiger sein
als Krieg und die Bedrohung durch
Krieg?
Vor zwei Jahrhunderten versammelten sich die Amerikaner in Philadelphia, in einem wesentlich kleineren
Saal als diesem, um eine Verfassung
zu entwerfen. im Verlauf ihrer Erörterungen sagte einer von ihnen, daß
die neue Regierung, wenn ihr Erfolg
beschieden sein solle, auf die breiteste Grundlage gegründet werden müsse:
den Willen und die Zustimmung
des Volkes. Und so geschah es. und
so ist es bis heute geblieben.
Die Botschaft, die ich Ihnen heute vermitteln möchte, heißt, daß die
Träume des einfachen Volkes sich in
erstaunliche Höhen aufschwingen können. Wenn wir diplomatischen Pilger
ebensolche
Höhen erreichen wollen,
muß alles, was wir tun, das gesamte
- 10 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

**

23. September 1987

33

ABKOMMEN ÜBER
ZENTREN ZUR VERRINGERUNG DER GEFAHR EINES ATOMKRIEGES UNTERZEICHNET
- Erklärungen von Reagan und Schewardnadse -

Washington - (AD) - Präsident Reagan zufolge ergänzt das mit der Sowjetunion am 15. September 1987 unterzeichnete Abkommen zur Errichtung von Zentren
zur Risiko-Verringerung "unsere anhaltenden und vielversprechenden Bemühungen
in Genf, zum ersten Mal einen einschneidenden, ausgewogenen und wirkungsvoll
verifizierbaren Abbau der sowjetischen und amerikanischen nuklearen Arsenale
zu erreichen".
Nachstehend veröffentlichen wir die Erklärungen von Präsident Reagan und
Außenminister Schewardnadse im Wortlaut:
Präsident
Reagan:
Ich
bin
hocherfreut darüber, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
heute ein Abkommen zur Errichtung von
Zentren zur Risiko-Verringerung unterzeichnen werden.
Dieses Abkommen
ist ein weiterer nützlicher Schritt
bei unseren Bemühungen zur Verminderung der Gefahren eines Konflikts,
der andernfalls durch Zufall, Fehlkalkulation
oder
Mißverständnisse
ausbrechen
könnte.
Seit der Einrichtung des "heißen Drahts" im Jahr
1963 übertrifft das heutige Abkommen
bestehende Strukturen durch den Auf-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

bau des völlig neuartigen
ten
Kommunikationswegs
Washington und Moskau.

und direkzwischen

Zentren
zur
Risiko-Verringerung
werden beim weiteren Abbau von Konfliktpotentialen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
eine wichtige Rolle spielen. Sie geben uns die Möglichkeit, die nach den
bestehenden vertrauensbildenden Maßnahmen erforderlichen Mitteilungen zu
übermitteln. Sie könnten ferner eine
Schlüsselrolle beim Austausch von Informationen
spielen, die für eine

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wirkungsvolle Überprüfung
Rüstungskontrollabkommen
sind.

zukünftiger
notwendig

Was die Vereinigten Staaten betrifft, ist dieses Abkommen das Ergebnis
einer
engen
Zusammenarbeit
zwischen Exekutive, Kongreß und privaten Verbänden und Personen, um ein
pragmatisches Abkommen hervorzubringen, das uns dem gemeinsamen Ziel von
Frieden und Sicherheit näherbringt.
Ich möchte die uns durch die Senatoren John Warner und Sam Nunn seit
mehreren Jahren in Fragen der RisikoVerringerung zuteil gewordene hervorragende Beratung
und Verantwortung
ganz besonders hervorheben.
Ich möchte ebenfalls der amerikanischen Delegation bei den Zentren
zur Risiko-Verringerung Dank und Anerkennung
aussprechen,
insbesondere
dem Zweiten Vorsitzenden, dem früheren Stellvertretenden Verteidigungsminister Richard Perle, und meinem
Berater
für Sonderaufgaben, Robert
Linhard.
Ferner danke ich der sowjetischen Delegation
unter
Leitung
von Botschafter Alexej Obukow für Ihre Sachkenntnis und ihr Engagement
beim erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen.
Dieses Abkommen ergänzt unsere
anhaltenden
und
vielversprechenden
Bemühungen in Genf, um zum ersten Mal
einen
einschneidenden,
ausgewogenen
und wirkungsvoll verifizierbaren Abbau der sowjetischen und amerikanischen nuklearen Arsenale zu erreichen.
Sehr geehrter Herr Außenminister,
ich bin hocherfreut, daß Sie heute
dieses Abkommen unterschreiben, und
ich freue mich auf den Tag, an dem
Generalsekretär Gorbatschow und ich
bei unserem gemeinsamen Streben nach
Frieden sogar noch mehr Abkommen un-

terzeichnen können.

Außenminister
Schewardnadse:
Sehr geehrter Herr Präsident, meine
Damen und Herren, Genossen.
In den
jüngsten
sowjetisch-amerikanischen
Beziehungen
kommen
Ereignisse
wie
dieses nicht sehr häufig vor.
Das
Jahr 1987 erweist sich jedoch als ein
sehr fruchtbares Jahr.
Während des
Besuchs von Außenminister Shultz in
Moskau im vergangenen April haben wir
ein Abkommen über die friedliche Zusammenarbeit im Weltraum unterzeichnet. Heute unterzeichnen wir ein Abkommen zur Errichtung von Zentren zur
Risiko-Verringerung.
Unsere
heutigen
Unterschriften
unter
dieses Abkommen
kennzeichnen
einen klaren Schritt in der praktischen Durchführung der Übereinkunft,
den Mikhail Gorbatschow und Sie, Herr
Präsident, in Genf erzielt haben.
Sie beide erklärten, ein Atomkrieg
dürfe niemals geführt werden.
Wir
wollen hoffen, daß unser heute unterzeichnetes Abkommen uns diesem historischen Ziel näher bringt.
Dies ist ein Signal, das einen
Auftakt zu weiteren wichtigen Abkommen bilden könnte.
Ich meine damit
insbesondere Abkommen über den Abbau
der nuklearen Arsenale, worauf sich
der Generalsekretär des Zentralkommittees der KPdSU und der Präsident
der Vereinigten Staaten in Reykjavik
geeinigt haben. Die wichtigste Aufgabe ist nun, das möglichste zu tun,
damit es zum Segen unserer Völker und
der Menschen in der ganzen Welt hierzu kommt.

sto
beit
den
auch

- 2 -

Je schneller dies geschieht, debesser. Wenn wir dann gute Arin der uns zur Verfügung stehenZeit geleistet haben, werden wir
die Hoffnung haben können, daß

�die Zeit für uns arbeitet. Heute haben wir den Versuch unternommen, die
erdrückende Last der Angst, Unsicherheit und Sorge, derer die Menschen
müde geworden sind, ein wenig zu verringern.
Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, all denen herzlich zu
danken, die seit zwei Jahren mit Beharrlichkeit und Hingabe an den Vorbereitungen zu diesem Abkommen gearbeitet haben.
Ich möchte allen Diplomaten und
Experten meine Anerkennung aussprechen, desgleichen den Mitgliedern des
amerikanischen
Senats,
insbesondere
den Senatoren Nunn und Warner, die
mit viel Kraft und Ausdauer an der
Umsetzung dieser Idee gearbeitet haben.
Ich würde mir wünschen, daß
dieses kleine Stück Hoffnung der Auftakt zu Anstrengungen ist, den Durst
der Menschheit nach Frieden und Sicherheit zu löschen. Vielen Dank.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. September 1987

33

REAGAN: AMERIKANISCHE VERFASSUNG
BRINGT FRIEDLICHE REVOLUTION HERVOR
- Proklamation des Präsidenten zum Tag der Staatsbürgerschaft

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in einer Proklamation zum Tag der
Staatsbürgerschaft und der amerikanischen Verfassungswoche verkündet, die Verfassung erweise sich "weiterhin als friedliche Revolution bei der Gestaltung
von Freiheit und Wohlstand für die gesamte Menschheit".
Nachfolgend drucken wir den vom Weißen Haus am 13. August 1987 veröffentlichten Wortlaut der Proklamation, die den 17. September 1987 zum Tag der
Staatsbürgerschaft und die an diesem Tag beginnende Woche zur Woche der Verfassung erklärt.
Seit über drei Jahrzehnten haben
wir Amerikaner unsere verfassungsmässigen
Rechte
und
Pflichten
als
Staatsbürger der Vereinigten Staaten
jedes Jahr gefeiert, indem wir den
Tag der Staatsbürgerschaft und die
Woche der Verfassung begingen. Diese
traditionellen
Feiern
gewinnen
im
Jahr 1987 eine besondere Bedeutung,
da am 17. September vor 200 Jahren
die Verfassung unterzeichnet wurde.
In Erwartung dieses Ereignisses
wird die Kommission für das zweihundertjährige Jubiläum der amerikani-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schen Verfassung den 16. September
1987 im Rahmen einer Staatsbürgerschaftsfeier besonders begehen.
An
diesem Tag werden sich Millionen von
Schülern Gedanken über die Segnungen
der durch unsere Verfassung verliehenen Freiheiten machen.
Eltern und
Erwachsene
können
sich
ihnen
anschließen, indem sie den Vätern der
Verfassung ihre Hochachtung erweisen
und sich in Dankbarkeit der durch die
Verfassung garantierten Vorrechte und
Pflichten
erinnern.
Um 13.00 Uhr
amerikanischer Zeit wird eine landesweite und internationale Radio- und

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Fernsehsendung
alle Amerikaner
zum
Treuegelöbnis vereinen.
In der Sendung wird auch die Präambel der Verfassung verlesen. Ich hoffe, daß alle Amerikaner diese Gelegenheit wahrnehmen, sich der unschätzbaren Werte
unseres
Regierungsdokumentes
aufs
neue bewußt zu werden.
Diese Verfassungsgrundsätze haben
manch unruhige Zeit überstanden. Im
Jahr 1787 waren wir eine Nation von
mehr als vier Millionen Menschen in
13 unabhängigen Staaten, die sich an
der Ostküste aneinanderreihten. Diese Staaten waren nur dem Namen nach
"vereinigt"; ein loser Zusammenhalt
durch die Bestimmungen der Konföderation, einer während des Revolutionskrieges ausgearbeiteten Übereinkunft
gemeinsamer
Interessen der 13 ursprünglichen Kolonien.
Als schließlich der gemeinsame Feind besiegt
war, begann sich die allgemeine Konföderation aufzulösen. Viele Staaten
unterhielten
eine
eigene
Armee,
druckten
ihre eigene Währung, und
verlangten von anderen Staaten Gebühren für die Benutzung von Häfen und
Straßen.
Im Mai 1787 wurde in Philadelphia
eine
Konferenz
zu dem
alleinigen
Zweck
einberufen, die Bestimmungen
der Konföderation den "Anforderungen
der Regierung und dem Erhalt der
Union anzupassen".
Zahlreiche politisch
Verantwortliche
der
Nation
fürchteten, daß im Falle des Verzichts auf die Schaffung einer stärkeren Nationalregierung
die Nation
zusammenbrechen könnte, was zur Entwicklung von unabhängigen Republiken
oder zum Wiedereintritt ausländischer
Mächte
geführt
hätte.
Trotz
der
schlechten Ausgangsposition
war es
den Gründungsvätern durch zahlreiche
Zugeständnisse möglich, den Entwurf
für eine neue Nation auszuarbeiten.
In
dieser
friedlichen
Revolution

überantworteten die Staaten ihr lokkeres politisches Bündnis einer konföderierten Union unter der ersten
schriftlich niedergelegten nationalen
Verfassung
der
Geschichte.
Diese
Verfassung ist noch heute, 200 Jahre
später, der Welt ältestes angewandtes
Dokument
der demokratischen Regierungsform. Es erweist sich weiterhin
als friedliche Revolution bei der Gestaltung von Freiheit und Wohlstand
für die gesamte Menschheit.
In einer gemeinsam verfaßten Resolution hat der Kongreß am 29. Februar 1952 (36 U.S.C. 153) den 17.
September zum Tag der Staatsbürgerschaft erklärt. Er tat dies im Gedenken an die Unterzeichung der Verfassung und in Anerkennung all jener,
die durch Volljährigkeit oder Einbürgerung
Staatsbürger
geworden
sind.
Der Kongress hat den Präsidenten dazu
ermächtigt, alljährlich in einer Erklärung alle Regierungsbeamten aufzurufen, an diesem Tag die Flagge auf
allen Regierungsgebäuden zu hissen.
Der Kongreß hat ferner am 2. August
1956 (36 U.S.C. 159) in einer gemeinsam verfaßten Resolution beschlossen,
daß in jedem Jahr die am 17. September beginnende und am 23. September
endende Woche in Anerkennung der historischen Bedeutung der Verfassung
und ihrer entscheidenden Rolle in unserem Leben als Woche eben dieser
Verfassung begangen wird.
Daher erkläre ich, Ronald Reagan,
Präsident der Vereinigten Staaten von
Amerika, hiermit den 17. September
1987 zum Tag der Staatsbürgerschaft
und appelliere an die zuständigen Regierungsbeamten, die Fahne der Vereinigten Staaten an allen Regierungsgebäuden zu hissen. Ich fordere die
Regierungsbeamten
des
Bundes, der
Einzelstaaten und in den Kommunen sowie die Leiter von städtischen, erzieherischen und religiösen Organisa-

- 2 -

�tionen dazu auf, an diesem Tag Feiern
und Veranstaltungen durchzuführen, um
diesen Anlaß zu begehen.
Darüberhinaus erkläre ich die Woche vom 17. bis 23. September 1987
zur Woche der Verfassung und rufe alle Amerikaner auf, jene Woche mit angemessenen Feiern und Aktivitäten in
ihren Schulen, Kirchen und anderen
geeigneten Orten zu begehen.
Unterzeichnet am dreizehnten Tag
des August, im Jahre des Herrn neunzehnhundertundsiebenundachtzig und im
Jahre zweihundertundzwölf der Unabhängigkeit der Vereinigten
Staaten
von Amerika.
Ronald Reagan

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. September 1987

33

REAGAN:

AMERIKA BRAUCHT TATKRÄFTIGE UND INFORMIERTE BÜRGER

- Ansprache des Präsidenten zum Verfassungstag -

WASHINGTON - (AD) - Am Rande einer Feier zum zweihundertsten Jahrestag der
amerikanischen Verfassung erklärte Präsident Reagan am 16. September 1987,
"tatkräftige und informierte Bürger seien entscheidend für die wirkungsvolle
Erfüllung" der Aufgaben des amerikanischen Regierungssystems.
Der zum eigentlichen Jahrestag am 17. September nach Philadelphia - dem
Ort, an dem die Verfassung begründet wurde angereiste Präsident unterstrich, alle Amerikaner seien verpflichtet, die Verfügungen der Verfassung zu
studieren und "sich aktiv am System der durch sie geschaffenen Selbstverwaltung zu beteiligen".
Nachfolgend drucken wir die Erklärung Präsident Reagans im Wortlaut:
Als George Washington zum ersten
Präsidenten der Vereinigten Staaten
gewählt worden war, belief sich die
Gesamtbevölkerung des Landes auf ungefähr vier Millionen. Heute gibt es
mehr als fünf Millionen Bundesbedienstete.
Die Zeiten haben sich geändert.
Die Hauptgrundsätze der Verfassung jedoch sind die gleichen geblieben. Sie ist immer noch unser Entwurf für die Freiheit.
Einer unser
fähigsten Staatsmänner, der Verfassungsrechtler
Daniel
Webster,
hat

United States Information Service
Embassy of the United States of America

einmal geschrieben: "Selbst wenn wir
mitten in den Ozean geworfen würden,
wo wir kein Land oder vielleicht noch
nicht einmal die Sonne oder die Sterne sehen könnten, gäbe es eine Landkarte und einen Kompaß, die wir zu
Rate ziehen, prüfen und denen wir gehorchen können. Diese Landkarte ist
die Verfassung."
Vor zweihundert Jahren war die
bloße Vorstellung freier Selbstverwaltung
ein
neuer
Gedanke.
Aber
James Madison - ein Mann, den viele
als den "Vater der Verfassung" be-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zeichnen - drängte seine Mitbürger
dazu, sich dieser Idee nicht zu widersetzen, nur. weil sie neu war.
Seiner Argumentation zufolge gereichte es den Amerikanern zur Ehre, daß
sie nicht blindlings auf die Vergangenheit vertrauten, sondern bereit
waren, sich auf ihren "eigenen gesunden Menschenverstand" und ihre Erfahrung bei der Gestaltung der Zukunft
zu verlassen.
Es ist interessant, daß Madison
neben anderen die Verfassung verteidigen mußte, weil sie neu war. Die
Zeiten haben sich geändert.
Seit
mehr als 200 Jahren haben wir in gesetzlich verbriefter Freiheit gelebt
und vielleicht sind wir darüber zu
selbstzufrieden geworden.
Wir sollten niemals vergessen, wie selten und
wertvoll die Freiheit ist.
Tatkräftige und informierte Bürger sind entscheidend für die wirkungsvolle Erfüllung der Aufgaben des
amerikanischen
RegierungsSystems.
Wir alle haben eine Verpflichtung,
die Verfassung zu studieren und uns
aktiv am System der durch sie geschaffenen Selbstverwaltung zu beteiligen.
Diese Verpflichtung schulden
wir nicht nur uns selbst, sondern
auch unseren Kindern und Kindeskindern. Und es gibt keine bessere Gelegenheit als sich gerade jetzt - aus
Anlaß der Zweihundertjahrfeier - der
Verfassung und der darin enthaltenen
Werte erneut zu besinnen.
Wir
sollten niemals vergessen,
daß die Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung "im festen Vertrauen
auf die Wahrung der göttlichen Vorsehung" handelten. Vor hundert Jahren
wurde
einem
anderen
Präsidenten,
Grover Cleveland, anläßlich der Einhundert jahrfeier der Verfassung die
gleiche Ehre zuteil wie mir heute:
die Verfassung zu ehren. Und seine
- 2

Worte haben heute die gleiche Gültigkeit wie damals.
Er erklärte: "Wenn wir auf jene
hundert Jahre zurückblicken und uns
die Ursprünge unserer Verfassung vor
Augen führen, wenn wir alle ihre Prüfungen und Triumphe betrachten, wenn
wir erkennen, wie vollständig die ihr
zugrundeliegenden
Grundsätze
jedem
nationalen Bedürfnis und jeder nationalen Gefahr gerecht werden, wie inbrünstig müßten wir mit Franklin ausrufen:
'Gott lenkt die Geschicke der
Menschheit'".

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
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Dokumentation

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23. September 1987

33

SUPERMÄCHTE ERZIELEN GRUNDSATZVEREINBARUNG ÜBER INF
Gemeinsame Erklärung zu den Gesprächen Shultz-Schewardnadse -

WASHINGTON - (AD) - In einer gemeinsamen Erklärung bestätigten die Außenminister Shultz und Schewardnadse am 18. September 1987 ihre erzielte Grundsatzvereinbarung über den Abschluß eines INF-Vertrages.
Der vom Weißen Haus und dem amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Verlautbarung zufolge haben die beiden Außenminister drei Tage "gründlicher und fruchtbarer Erörterungen aller Aspekte" der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen beendet. Die Erklärung enthielt ferner die Ankündigung, "ein Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow findet im
Herbst 1987 statt" - der endgültige Termin müsse jedoch noch festgelegt werden.
Nachfolgend drucken wir den Wortlaut der Erklärung.
Die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse haben drei Tage gründlicher und fruchtbarer Erörterungen
aller Aspekte der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern beendet.
Die beiden Außenminister überarbeiteten das gesamte Spektrum von
Fragen bezüglich der Rüstungskontrolle
nuklearer,
konventioneller
und
chemischer Waffen. Gemeinsam mit ihren Beratern führten die beiden Aussenminister insbesondere ausführliche
Verhandlungen zur Frage der Raketen
mittlerer
und kürzerer
Reichweite.
Im Verlauf dieser Verhandlungen wurde

United States Information Service
Embassy of the United States of America

die
Grundsatzvereinbarung
zum
Abschluß
eines Vertrages erarbeitet.
Die Genfer Delegationen beider Seiten
wurden angewiesen, intensiv auf die
Lösung der verbleibenden technischen
Probleme hinzuarbeiten und unverzüglich einen Vertragsentwurf zu erstellen. Die beiden Außenminister waren
sich einig, daß ähnlich intensive Bemühungen zur Erarbeitung eines Vertrages über den 50-prozentigen Abbau
der strategischen Offensivwaffen im
Rahmen der Genfer Verhandlungen über
Kern -und Weltraumwaffen unternommen
werden sollten.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Im Anschluß an die Erörterung von
Fragen bezüglich der nuklearen Erprobung waren sich beide Seiten einig,
noch vor dem 1. Dezember 1987 mit umfassenden, schrittweisen Verhandlungen zu beginnen, die ausschließlich
in einem Forum geführt werden sollen.
Sie verabschiedeten getrennte Erklärung zu diesem Thema.
Die beiden Außenminister erörterten ferner regionale Themenkomplexe.
Beide
Seiten diskutierten eine
breitgefächerte Palette von Problemen
der bilateralen Beziehungen, E S wurde Einigung über ein von 1987 bis
1988 durchzuführendes Arbeitsprogramm
erzielt, das auf eine Intensivierung
der gemeinsamen Bestrebungen in einzelnen Bereichen der amerikanischsowjetischen
Zusammenarbeit
ausgerichtet ist.
Weiterhin
fand eine
fruchtbare
Erörterung von Themen zur Lage der
Menschenrechte und humanitärer Fragen
statt.
Die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse waren sich einig, daß
ein zusätzliches Treffen zur Überarbeitung der in allen diesen Bereichen
erzielten
Ergebnisse
erforderlich
sei, einschließlich
der Bemühungen
der Delegationen bei den Genfer Verhandlungen über Kernund Weltraumwaffen.
Sie einigten sich darauf, daß
dieses Treffen in der zweite Oktoberhälfte in Moskau stattfinden soll.
Um einen Vertrag über Raketen
mittlerer und kürzerer Reichweite zu
unterzeichnen und um den gesamten Bereich von Themen zu den Beziehungen
zwischen den beiden Ländern abzudekken, wird ein Gipfeltreffen zwischen
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow stattfinden. Das Gipfel- 2

treffen wird im Herbst 1987 abgehalten, wobei der endgültige Termin während der Gespräche zwischen den beiden Außenministern im Oktober in Moskau festgelegt werden soll.

* * * * *

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AMERIKA DIENST
4

Hintergrundmaterial

23. September 1987

33

INF-ABKOMMEN HAT KEINEN EINFLUSS AUF FLEXIBLE REAKTION DER NATO
- Artikel über Anhörungen im Senat -

WASHINGTON - (AD) - Senator Stephen J. Ledogar erklärte bei einer Senatsanhörung am 16. September, ein amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur weltweiten Abschaffung aller Mittelstreckenwaffen würde "in keinem Fall" die Fähigkeit der NATO ausschalten, gegenüber einer sowjetischen Aggression eine flexible Reaktion aufrechtzuerhalten.
Ledogar ging auf die gerade zwischen den Außenministern shultz und
Schewardnadse in Washington über INF abgehaltenen Gespräche ein und erklärte,
mit solch einem Abkommen würden auf sowjetischer Seite etwa 1 400 Gefechtsköpfe und auf seiten der NATO etwa 572 der bereits stationierten Gefechtsköpfe
abgeschafft. Im Bereich der taktischen Nuklearwaffen befänden sich im Arsenal
der NATO immer noch etwa 4 600 Gefechtsköpfe.
Ledogar, stellvertretender Ständiger Vertreter und Gesandter an der
amerikanischen
Vertretung
bei
der
NATO, ist von Präsident Reagan zum
Botschafter bei den Gesprächen über
konventionelle Waffen in Europa und
zum amerikanischen Vertreter bei den
in
Wien
stattfindenden
Gesprächen
über
beiderseitige
und
ausgewogene
Truppenverminderungen in Mitteleuropa
(MBFR) nominiert worden.
Bei der Anhörung anläßlich seiner
Bestätigung im Auswärtigen Ausschuß
des Senats erklärte Ledogar, die neu

United States Information Service
Embassy of the United States of America

aufgenommenen Gespräche über konventionelle Waffen befänden sich in ihrer Vorbereitungsphase und würden innerhalb des durch die Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) gesteckten Rahmens nach
der von den NATO-Außenministern aufgestellten
Vorgabe
stattfinden,
gleichzeitig jedoch "unabhängig und
autonom" sein.
Ledogars Prognosen zufolge wird
"die Zustimmung zu neuen Gesprächen
möglicherweise etwa gleichzeitig mit
dem Abschluß der gegenwärtig statt-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�findenden
Wiener
ferenz erfolgen".

KSZE-Revisionskon-

Der Vorsitzende des Komitees, Senator Claiborne Pell, fragte Ledogar,
wie er sich die Überlegenheit des
Warschauer Paktes bei den konventionellen Waffen erkläre, wenn die Bevölkerung der NATO-Staaten, die Vereinigten Staaten ausgenommen, die der
Länder des Warschauer Paktes einschließlich
der Sowjetunion, übertrifft und wie er sich erkläre, daß
das
Bruttosozialprodukt
der
NATOStaaten, außer den Vereinigten Staaten, doppelt so hoch ist wie das der
Länder der Sowjetunion und des Warschauer Paktes.
Ledogar antwortete darauf, "der
Unterschied liegt in den freien und
totalitären Gesellschaften, weil totalitäre
Gesellschaftsformen
ihre
Neigung
demonstriert
haben,
einen
außergewöhnlichen Anteil ihres nationalen Wohlstandes für die Verteidigung und für militärische Zwecke aufzuwenden" .
"Der Warschauer Pakt produziert
in den meisten Waffenkategorien mehr
als wir, weil er den Vorteil zentralistisch organisierter Industriezweige hat. Trotzdem beginnt die NATO,
Fortschritte bei diesem Problem der
Rationalisierung unserer eigenen Beschaffungsprogramme zu erzielen, aber
ich sehe, offen gesagt, kaum Aussichten, daß die NATO-Staaten bei ihren
Verteidigungsausgaben einen bedeutenden Schritt nach vorn machen werden."
Pell erwog die Möglichkeit, ob
der Abzug von 100 000 amerikanischen
Soldaten der
"NATO Auftrieb geben
könne".
Ledogar antwortete darauf, "Ich
bin nicht sicher, daß dies ein Antriebsmittel. Man könnte argumentie-

ren, daß die NATO dadurch entmutigt,
zur Verzweiflung getrieben und dann
zu
Entgegenkommen
veranlaßt
wird.
Meiner Erfahrung nach ist dies keine
produktive Art und Weise der Behandlung unserer Verbündeten. Eine Möglichkeit zur Erhöhung gemeinsamer Bemühungen im Bereich der Verteidigung
läge bei gemeinsamen Programmen, die
unter Berücksichtigung von Prioritäten definitiv ausgearbeitet
werden
und in den politischen Hauptstädten
Unterstützung erfahren würden sowie
in gemeinsamen Schritten nach vorn;
nicht
in
gegenseitiger
Beschämung
oder gegenseitigem zwang".
Der Senator des Staates Rhode Island erklärte Ledogar, daß er im Anschluß an seine Bestätigung "darauf
aufmerksam machen müsse", daß viele
Menschen in Amerika "genug" von der
Tatsache haben, daß zahlreiche europäische Länder, die sich in einer
besseren wirtschaftlichen Lage befinden
als
die
Vereinigten
Staaten,
trotzdem auf die Vereinigten Staaten
vertrauen, wenn es darum geht, sich
zu schützen.
Der Kandidat antwortete, "diese
Botschaft dringt langsam zu unseren
Verbündeten durch".
Senator Daniel J. Evans bemerkte,
daß die MBFR-Gespräche in Genf in ihr
15. Jahr gehen.
Er fragte Ledogar,
ob wir im Hinblick auf 1988 "einen
höheren Gang einlegen oder Verhandlungen abhalten werden, die wirklich
zu etwas führen"?
Ledogar
antwortete,
"ich
sehe
keinen Grund für Optimismus im Forum
der
gegenwärtigen
MBFR-Gespräche".
Er erklärte weiter, er stimme Kritiken zu, die behaupten, es gäbe bei
der Organisation der MBFR-Gespräche
gewisse "Mängel".
Es besteht insofern ein geographisches Ungleichge-

- 2 -

�wicht im Bereich des Abbaus - besonders in Mitteleuropa -, als daß amerikanische Streitkräfte 6 000 Kilometer weiter nach Westen zurückweichen
müßten, die sowjetischen Truppen hingegen nur einige hundert Kilometer.
Ledogar verwies darauf, daß "es aussergewöhnlich
schwierig
war, einen
Vorschlag zu unterbreiten, der mit
unseren Sicherheitsinteressen im Einklang stand und trotzdem verhandelbar
war".
Er erklärte, es bestünde Hoffnung, daß die neuen Verhandlungen
über konventionelle Waffen - die von
einem
viel größeren
geographischen
Gebiet, dem gesamten Kontinent Europa, ausgehen und Frankreich und Spanien als Teilnehmer haben - "ihre
eigene Dynamik entwickeln werden, so
daß es möglich sein wird, das Ungleichgewicht so zu behandeln, entweder auf Europa-übergreifender Basis
oder je nach Region, und daß damit
eine verhandelbarere Formel hervorgebracht wird, als dies in der Vergangenheit der Fall war.
Ledogar prognostizierte, daß bei
einem Erfolg der Vorbereitungskonferenz im Frühjahr 1988 neue Verhandlungen
im
Bereich
konventioneller
Waffen aufgenommen würden.
Ledogar
erklärte dem Komitee ferner, das Verhältnis dieser neuen Verhandlungen zu
den MBFR-Gesprächen gebe uns für die
Zukunft Fragen auf.

* * * * *
- 3

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23. September 1992

^

WIRTSCHAFT

BRADY SIEHT ZUSAMMENHANG ZWISCHEN
NIEDRIGEREN ZINSSÄTZEN UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM IN EUROPA
Rede des US-Finanzministers

SOMALIA

USA UNTERSTUTZEN UNO-BEMUHUNGEN
FÜR POLITISCHE LÖSUNG IN SOMALIA
Erklärung von
Abteilungsleiter Herman Cohen

WAHLEN '92

POLITISCHE PARTEIEN IN DEN
VEREINIGTEN STAATEN
von Stephen J. Wayne

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�WIRTSCHAFT
23. September 1992

BRADY SIEHT ZUSAMMENHANG ZWISCHEN
NIEDRIGEREN ZINSSÄTZEN UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM IN EUROPA
Rede des US-Finanzministers
WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister Nicholas Brady zufolge sind niedrigere Zinssätze
in Europa "unvermeidlich, wenn dieser Kontinent einen Konjunkturaufschwung erleben soll." Bei der CNNKonferenz über die Entwicklung der Weltwirtschaft erklärte Brady am 18. September 1992, es sei "wichtig, daß
die Rückkehr zum Wachstum so bald wie möglich vollzogen wird".
Brady betonte, daß das zukünftige Wachstum der Vereinigten Staaten von verstärkten Exporten in ein
zunehmend offenes Welthandelssystem und staatlichen Maßnahmen abhängt, die Wettbewerb im Inland,
zusätzliche langfristige Investitionen in den Produktionssektor sowie die Entwicklung einer besser ausgebildeten, qualifizierten Erwerbsbevölkerung fördern.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Finanzminister Brady im Wortlaut.
Wir haben das große Glück, an der Schwelle des 21.
Jahrhunderts zu stehen. Diese Aussage mag verfrüht
erscheinen- die weithin akzeptierte Berechnung gibt
uns noch sieben Jahre bis zur Jahrhundertwende.
Aber wenn die Geschichte unseres Zeitalters von den
fleißigen Gelehrten künftiger Generationen geschrieben wird, liegt es auf der Hand, daß sie den Wendepunkt - das Ende eines Zeitalters und den Beginn eines
neuen - in den entscheidenden Zeitraum der zwei oder
drei Jahre verlegen, den wir jetzt hinter uns lassen. Der
Fall der Berliner Mauer, der Zusammenbruch der
Sowjetunion, das Entstehen von Märkten und Demokratien im Osten und in Lateinamerika sowie die
Umgestaltung von Wirtschaftsbeziehungen weltweit all dies sind die Vorboten des nächsten Jahrtausends
und die Vorläufer einer neuen Wirtschaftsordnung.
Um unseren Weg in dieser neuen Wert ausfindig zu
machen, benötigen wir ein eindeutiges, ausgeprägtes
Gefühl unserer Zielrichtung. Denn mit Wandel gehen
Unsicherheit und Chancen einher. Ohne sichere
Kenntnis des wirtschaftlichen Umfelds kann Unsicherheit lähmen und können Chancen verpaßt werden.
Daher möchte ich heute meine Sicht dieses Umfelds
und unseres einzuschlagenden Kurses darlegen.

kennzeichnet: einer Serie bedeutender, aber temporärer Störungen und - noch wichtiger - einer strukturellen und dauerhaften Veränderung der Organisation
des wirtschaftlichen Wettbewerbs. Dieser Umbruch
ist tiefgreifender als alles, was wir seit dem Ende des
Zweiten Weltkriegs erlebt haben - in mancher Hinsicht
folgenschwerer als alles seit der Industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts.
Als erstes möchte ich Ihnen einige Beispiele der bedeutenden, aber temporären Störungen nennen:
Der Sieg im Kalten Krieg wird der Weltwirtschaft unermeßlichen Nutzen bescheren während wir die enorme
Last der Verteidigungsausgaben reduzieren. Die Vorteile
des Friedens sind jedoch nicht kostenlos: dieses Land
ist jetzt davon gekennzeichnet, die Lasten der Verteidigung der freien Welt nahezu 50 Jahre lang getragen
zu haben. Diese Belastung wird deutlich, wenn wiruns
den Übergang zu einer Wirtschaft in Friedenszeiten
und die schwierige Anpassung betrachten, die er für
Beschäftigte in der Rüstungsindustrie, die Militärs und
ihre Angehörigen mit sich bringt - Belastungen, die
nicht nur von den Arbeitnehmern in Kalifornien und
Neuengland gespürt werden, sondern auch in Polen
und Rußland.

Zunächst müssen wir den Charakter des tiefgreifenden wirtschaftlichen Umbruchs verstehen, den die Solche Anpassungen haben wir auch in der VerganVereinigten Staaten und die Welt in den vergangenen genheit bei der Beendigung von Kriegen vorgenomvier Jahren erlebt haben. Aus meiner Sicht war dieser men, und wirwerden es auch diesmal schaffen. Als die
Übergang von zwei herausragenden Aspekten ge- Vereinigten Staaten zum letzten Mal eine vergleichbaAMERIKA DIENST 38

Seite 1

�re Periode durchlebten - die erste Truman- Administration direkt nach dem Zweiten Weltkrieg - fiel das
Bruttosozialprodukt in einem einzigen Jahr tatsächlich
um 19 Prozent. Damit wird das heutige positive
Wachstum von über 2 Prozent in Relation gestellt - und
wir sollten uns auch vor Augen führen, daß Trumans
zweite Amtszeit, nachdem die Umstrukturierung voll
im Griff war, ein Wirtschaftswachstum von nahezu 25
Prozent in vier Jahren erlebte. Das Wissen, daß die
Schwächen von heute vorübergehend sind, mindert
jedoch nicht die Belastungen für die betroffenen
Menschen oder die Wirtschaft insgesamt.

Sätze in Europa sind unvermeidlich, wenn dieser
Kontinent einen Konjunkturaufschwung erleben soll.
Es ist wichtig, daß die Rückkehr zum Wachstum so
bald wie möglich vollzogen wird.
Kurzfristig haben diese fünf Gegebenheiten als Bremse für Wirtschaftswachstum gewirkt. Und ihre kumulativen Auswirkungen auf die Wirtschaft insgesamt
waren sehr viel größer als die einzelnen zusammengenommen: durch die Unterminierung von Herstellerund Verbraucherverhalten haben sie als zusätzlicher,
unabhängiger Hemmschuh für die Wirtschaft gewirkt.
Glücklicherweise befindet sich jeder dieser Faktoren
auf dem Weg zu einer Lösung. Aber wenn diese
Lösung erfolgt, werden wir die beträchtliche, langfristige Umgestaltung des wirtschaftlichen Wettbewerbs
noch deutlicher sehen - eine Umgestaltung, die dank
der Technologie im letzten Jahrzehnt ermöglicht wurde. Das alte industrielle Zeitalter verschwindet und
wird durch eine neue Weltwirtschaft ersetzt, die durch
eine neue Mobilität von Kapital, Ideen und Informationen gekennzeichnet ist.

Zweitens war die Verschuldung in allen Bereichen der
amerikanischen Gesellschaft in den vergangenen vier
Jahren historisch hoch. Diese Zahlen beginnen jedoch
endlich zu sinken, während die Unternehmen ihre
Bilanzen verbessern und die geburtenstarken Jahrgänge zur Elterngeneration der neunziger Jahre werden, die auf ihr Budget achtet, für ihren Ruhestand und
die Ausbildung ihrer Kinder spart. Der Abbau der Verschuldung des Landes setzt den Rahmen für erneutes
langfristiges Wachstum - selbst wenn es kurzfristig
Diese langfristige Umgestaltung ist das Thema dieser
langsameres Wachstum bedeutet.
Konferenz: die zunehmende Globalisierung des Warenund Dienstleistungsmarkts jeglicher Art. Vorzwanzig
Drittens wurde das Wirtschaftswachstum durch das
Jahren
konnten die meisten Unternehmen ihre VerFinanzsystem behindert, das zunächst wegen der zu
braucher
auf der Straßenkarte ausfindig machen, heute
hohen Inanspruchnahme durch die Verschuldung der
benötigen
sie eine Weltkarte. Die neue Mobilität von
Dritten Welt, dann durch den Zusammenbruch der
heute
ist
nicht
nur bei unseren Reisen, sondern auch
Spar- und Darlehensbanken und in jüngster Zeit durch
bei
unserer
täglichen
Arbeit Routine geworden.
schrumpfende Immobilienmärkte geschwächt wurde.
Die amerikanischen Banken, Sparkassen und Versicherungsgesellschaften verhalten sich zögernd bei Auf dem heutigen Markt sind die Unternehmen nicht
der Vergabe der zur Ankurbelung der Wirtschaft benö- aufgrund des Diktats der Geographie an ein bestimmtigten Kredite. Die Verschuldungskrise der Dritten tes Land gebunden. Über ein elektronisches Netz
Welt liegt jetzt jedoch hinter uns, und die Krise der können getrennte Bereiche des ProduktionsprozesSpar- und Darlehensbanken ist nahezu bewältigt. Die ses von überall auf der Welt gelenkt werden.
Banken sind liquider als seit Jahrzehnten, mit einer
Noch entscheidender ist, daß Informationen und geibesseren Kapitaldecke ausgestattet als je seit 1966,
stiges Potential zunehmend wichtige Bestandteile des
verzeichnen die höchsten Einnahmen seit 10 Jahren
Produktionsprozesses geworden sind. Im Zuge desund stehen vor einer finanziellen Expansion.
sen werden Unternehmen gegründet, die weniger von
Viertens ist der Umstrukturierungsprozeß nahezu physischer Kraft und mehr vom Geschick und Knowabgeschlossen, der sich in der amerikanischen Indu- how abhängen, die nicht an einen bestimmten Standort gebunden sind. Diese Unternehmen werden in der
strie in den vergangenen Jahren vollzogen hat.
Tat zu den führenden Industrien des neuen JahrhunUnd schließlich befanden wir uns in einer Periode derts: Microsoft beispielsweise hat einen Gesamtwert
gedämpften Weltwirtschaftswachstums. Die meisten auf dem Aktienmarkt von 22 Milliarden Dollar, Amgen,
Beobachter, einschließlich des IWF in seiner aktuali- ein führendes Gentechnikunternehmen einen Aktiensierten Prognose, erwarten jedoch 1993 einen be- marktwert von 9 Milliarden Dollar und McCaw Celluträchtlichen Anstieg des Wachstums in den Vereinig- lar's einen von 5 Milliarden Dollar.
ten Staaten und in der gesamten industrialisierten
Welt. Dieses Wachstum ist größtenteils die Folge Verbesserungen beim Transport zusammen mit neueines Konsenses zum Wachstum der G-7, in der die en Informations- und Kommunikationssystemen haVereinigten Staaten einen Führungsrolle übernom- ben die Transportzeit von Waren drastisch verkürzt
men haben. Das vor kurzem von Japan erarbeitete und gestatten es den Unternehmen, selbst mit weit
finanzielle Ankurbelungspaket - das umfassendste entfernten Lieferanten einen Bestand zu unterhalten,
seiner Geschichte - unterstützt zweifelsohne diesen der gerade noch rechtzeitig aufgestockt wird. Eine
Trend. Und inmitten der europäischen Reaktion auf Flugzeugfirma in Mittelkalifornien kann einen Auftrag
die Ereignisse dieser Woche liegt die Lösung für für Ersatzteile nach Leeds in England faxen und die
verstärktes europäisches Wachstum. Niedrigere Zins- Teile am nächsten Tag per Flugkurier erhalten.
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AMERIKA DIENST 38

�Kapital wird auf der ganzen Welt mit einem Knopfdruck
bewegt - ohne staatliche Genehmigung - an den Ort,
an dem es die höchsten Erträge bringt, sei es in Paris
im Bundesstaat Texas oder Paris in Frankreich. Um
die Mobilität des Kapitals in Perspektive zu setzen:
jeden Tag gehen internationale Transaktionen im Wert
von weit über 1 Billion Dollar über die Bundesbank in
New York oder werden dort vereinbart.
Diese Veränderungen haben die Wirtschaftsordnung
umgestaltet, die über den Großteil unseres Lebens
hinweg existierte. Dies ist für Arbeitnehmer und ihre
Familien verständlicherweise beunruhigend. Vehementer internationaler Wettbewerb hat einige der größten
und renommiertesten Firmen unseres Landes zur
Umstrukturierung veranlaßt, nicht nur General Motors,
sondern auch Ford, IBM, AT&amp;T und andere. Die
amerikanischen Arbeitnehmer gehen zu den Ersatzteilregalen und sehen Schilder, die sie beunruhigen.
Um eine kürzliche Bemerkung von George Shultz zu
zitieren:
"Vor einigen Monaten sah ich ein Photo einiger von
einem amerikanischen Unternehmen hergestellter
integrierter Schaltkreise. Darauf stand, 'Made in einem oder mehreren der folgenden Länder: Korea,
Hongkong, Malaysia, Singapur, Taiwan, Mauritius,
Thailand, Indonesien, Mexiko, Philippinen. Das genaue Herkunftsland ist unbekannt.' Dieses Schild sagt
sehr viel darüber aus, wohin die aktuellen Trends
weisen."

Diejenigen, die die Sorge der Menschen vor vermehrtem Handel politisch ausschlachten wollen, tun dies für
einen geringen politischen Vorteil. Sie sind die neuesten Anhänger der These, die Erde sei eine Scheibe.
Die meisten Wirtschaftsbedingungen, die den Vereinigten Staaten eine Führungsrolle in den Industrien
dieser neuen Weltwirtschaft einräumen - Industrien
wie Pharmazie, Software, Telekommunikation, Luftund Raumfahrt sowie Computer - werden durch den
Handel verstärkt und werden uns weiterhin die wirtschaftliche Führung überlassen, wenn wir die Maßnahmen befolgen, die diese Bedingungen fördern.
Es ist eine Tatsache, daß die Amerikaner am besten
abschneiden, wenn der Wettbewerb hart ist - wir
schneiden am besten ab, weil wir kreativer, von größerem Unternehmergeist geleitet und innovativer sind.
Und in der Welt von morgen, in der das geistige
Potential ebenso wichtig wie physische Kraft ist, wird
Innovation, die die Anwendung des intellektuellen
Potentials auf den Produktionsprozeß ist, mehr Arbeitsplätze hervorbringen, als die herkömmlichen Vorteile
bei physischen Kosten.
In dieser Hinsicht haben wir Amerikaner Glück. Innovation und Wandel sind unser Vermächtnis - seit jenem
Sommertag im Jahr 1776, als wir eine neue Regierungstheorie entworfen haben bis zum jüngsten Flug
der Raumfähre Atlantis. Die Amerikaner sind in einer
einzigartigen Position, in der von Innovationen geleiteten Welt des 21. Jahrhunderts Erfolg zu haben.

Aber die Herausforderung - für politische Entscheidungsträger und Privatunternehmen aller Länder wird darin bestehen, die Bedingungen für Innovation
und Wachstum aufrechtzuerhalten und zu verbessern.
Dies bezieht sich nicht nurauf die Innenpolitik, sondern
In den Vereinigten Staaten ist es eine Tatsache, daß auch - und dies ist von ebenso großer Bedeutung - auf
die neue Mobilität Millionen neuer und besserer Ar- Verträge wie das NAFTA auf diesem Kontinent und
beitsplätze schaffen wird - und an diesen exportabhän- GATT auf weltweiter Ebene.
gigen Arbeitsplätzen kann man durchschnittlich 17
Prozent mehr verdienen als gewöhnlich. Andere Länder Welche Bedingungen zählen in diesem Land? Vor
werden ebenfalls von neuen Arbeitsplätzen profitieren allem von staatlichem Einfluß ungehinderter Wettbeund ihren Lebensstandard verbessern. Noch wichtiger werb. Die Bereiche, in denen Amerika - oder irgendein
ist, daß die neue Mobilität den Lebensstandard in den anderes Land - international am stärksten ist, sind
Entwicklungsländern auf der ganzen Welt erhöht. diejenigen mit beträchtlichem Wettbewerb im Inland.
Infolgedessen werden sie mehr hochwertige Produkte Wenn die Vereinigten Staaten eine starke, wettbeaus den Vereinigten Staaten kaufen. Aus diesem werbsfähige Industrie haben, spielen sie international
Grund hat Mexiko seine Importe aus Michigan und eine Führungsrolle und bieten attraktive Arbeitsplätze
Illinois aufgestockt, und unsere Industriestaaten wer- im Inland. Es gibt in den Vereinigten Staaten über
den profitieren.
5.000 Softwarefirmen, die mit subventionierten Unternehmen in Japan, Frankreich und andernorts konkurDiese neue Mobilität, die die Weltwirtschaft charakte- rieren - trotzdem hält diese zersplitterte amerikanische
risiert, hat eine Parallele im politischen Bereich. Eben- Branche einen 75prozentigen Anteil am Weltmarkt.
so wie der Welthandel immer freier über nationale
Grenzen hinweg getätigt wird, weht die belebende Zweitens, Investitionen. Die pharmazeutischen UnterBrise der politischen Freiheit im Großteil der ehemals nehmen meines Heimatstaates New Jersey sind
kommunistischen Welt. Die neue Mobilität der Infor- Weltspitze, weil sie investiert und reinvestiert haben.
mation - für die CNN und der Personalcomputer cha- Wir müssen Maßnahmen erarbeiten, die Investitionen
rakteristisch sind - hat eine zentrale Rolle bei der in Amerika steigern und den Horizont dieser InvestitioZerstörung der alten autoritären Regime gespielt.
nen erweitern, um vernünftige, langfristige ManageAber diejenigen, die versuchen, die Amerikaner davon
zu überzeugen, sie seien in der neuen Wirtschaftswelt
des freien Handels und der neuen Mobilität unterrepräsentiert, liegen falsch.

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�mententscheidungen zu gestatten, Maßnahmen, die Wir haben ehrgeizige Bildungsreformen vorgeschlaKapital in produktive Investitionen umleiten und nicht in gen - sowohl in der allgemeinen Schulbildung als auch
in der Berufsausbildung. Unser Programm Amerika
die Schatztruhen der Regierung.
2000, das Freiheit der Schulwahl und die Einführung
Drittens, Bildung. Die neue Mobilität wird eine hervor- nationaler Leistungsmaßstäbe vorsieht, würde gewährragend ausgebildete Arbeitnehmerschaft belohnen. leisten, daß wir die am besten ausgebildeten MenStaatliche Maßnahmen, die den Erwerb solcher Fähig- schen haben, um den Arbeitsanforderungen von morgen
keiten fördern und sie jedermann zugänglich machen, gerecht zu werden. Arbeitnehmern, die in einem
werden für künftige Steigerungen der nationalen Pro- Bereich ihren Arbeitsplatz verlieren, muß Hilfe zur
duktivität entscheidend sein. Ich beziehe mich nicht Umschulung geboten werden. Die Vorschläge der
nur auf Bildung im allgemeinen, sondern auch auf Administration würden die Zersplitterung der heutigen
berufsspezifische Ausbildung.
Bundesprogramme durch ein koordiniertes, marktorientiertes System ablösen und die gegenwärtig für
Schließlich der Handel. Wenn Wettbewerb der Hebel Ausbildungszwecke bereitgestellten Mittel verdreifaist, mit dem ein Land seine Produktivität im 21. Jahr- chen.
hundert steigert, dann ist Handel der Angelpunkt.
Wenn eine Branche neue Produkte entwickelt, muß Wir haben energisch gehandelt, um freie, offene und
sie auch in der Lage sein, sie auf dem größtmöglichen wachsende Märkte auf der ganzen Welt zu gewährleiMarkt zu verkaufen. Mit dem durch die neue Mobilität sten. Das unlängst vollendete Nordamerikanische
hervorgebrachten Anstieg des Lebensstandards in Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko wird
ehemals unterentwickelten Ländern werden nahezu uns mit unseren Nachbarn im Norden und Süden
4,5 Milliarden potentielle neue Kunden für die Waren verbinden und eine historische Handelspartnerschaft
der Welt geschaffen. Der Handel hat darüber hinaus ins Leben rufen.
das zusätzliche Verdienst sicherzustellen, daß jedes
Land - tatsächlich sogar jede Region - von der steifen Schließlich standen wir auch bei den internationalen
Brise des Wettbewerbs profitiert, indem es seine Pro- Bemühungen zur Stärkung des weltweiten Wachsduktivität verbessert und damit seinen Lebensstan- tums an vorderster Front.
dard hebt.
Manche behaupten, diese Analyse treffe zwarzu, aber
In den vergangenen vier Jahren hat Präsident Bush ein das Rezept sei falsch. Internationaler Wettbewerb, so
Programm entwickelt, um exakt diese Maßnahmen zu sagen sie, ist zerstörerisch - Handel vernichtet Arbeitsverfolgen. Seine Administration hat sich bemüht, ein plätze, Wahlfreiheit zerstört Schulen, Investitionsanwettbewerbsfähiges Umfeld zu schaffen, indem sie reize helfen nur den Reichen. Alles, was diese Kritiker
unnötige staatliche Vorschriften abgebaut und allen anzubieten haben - und sie mit den neuesten SchlagForderungen widerstanden hat, unsere Industrien von wörtern aufpolieren - sind die unwirksamen Heilmittel
der Weltkonkurrenz abzuschotten. Darüber hinaus Protektionismus, Steuern und Staatsdirigismus.
haben wir Programme ins Leben gerufen, um die
Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen zu Wir können uns jedoch nicht an der alten Welt festfördern - durch Steueranreize, Abbau von Vorschriften klammern, und wir sollten dies auch nicht wollen.
und erweiterte Kreditvergabemöglichkeiten -, die zwei Wenn wir in das 21. Jahrhundert aufbrechen, müssen
wir dies mit Mut und Weitblick tun - und ein wenig Stolz.
Drittel der Arbeitsplätze in unserem Land schaffen.
Wir wissen, was wir tun müssen, um von der neuen
Um die Investitionstätigkeit anzukurbeln, haben wir die Mobilität zu profitieren, um in der neuen Weltwirtschaft
Kapitalkosten durch die niedrigsten Zinssätze und Erfolg zu haben. Genau dies tun wir zur Zeit. InsbeInflationsraten in einer Generation reduziert - und wir sondere die Amerikaner haben guten Grund, im Hinschlagen vor, die Kosten durch differenzierte Kapital- blick auf diese neue Welt optimistisch zu sein, denn
zuwachssteuern und eine niedrigere Steuerlast für das Spielfeld ist unser eigenes: kreativ und risikofreuUnternehmen und Einzelpersonen noch weiter zu dig sein, konkurrieren, Leistung erbringen. Mit Optimismus, Energie und Engagement können wir die
senken.
Herausforderungen dieses neuen Jahrhunderts gemeinsam meistern.
* * * * *

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AMERIKA DIENST 38

�SOMALIA
23. September 1992

USA UNTERSTÜTZEN UNO-BEMÜHUNGEN FÜR
POLITISCHE LÖSUNG IN SOMALIA
Erklärung von Abteilungsleiter Herman Cohen
WASHINGTON - (AD) - Unterstützung der UNO-Bemühungen zur Herbeiführung einer politischen Lösung in
Somalia sowie anhaltende humanitäre Hilfe für die Bedürftigen dort sind die Eckpfeiler der amerikanischen Politik
gegenüber Somalia. Dies erklärte Herman Cohen, Abteilungsleiter für afrikanische Angelegenheiten im USAußenministerium, am 16. September vor dem Unterausschuß für Afrika des Auswärtigen Ausschusses des
Repräsentantenhauses.
Dabei bezeichnete Cohen die Beobachtung von UN-Generalsekretär Boutros-Ghali als "völlig zutreffend", daß
"sowohl Konflikte innerhalb und zwischen den Clans als auch allgemeine Gesetzlosigkeit" in Somalia die
Hauptursachen sind, die eine effektive Verteilung von Hilfsgütern verhindern.
Cohen würdigte "das bemerkenswerte Geschick... das Vertrauen der somalischen Politiker zu gewinnen", das
von dem UN-Sonderbeauftragten Mohamed Sahnoun unter Beweis gestellt worden sei und stellte fest: "Wir
möchten seine Bestrebungen auf jede erdenkliche Weise unterstützen, besonders da sie eine Konfliktlösung
zwischen den kriegführenden Fraktionen in Somalia versprechen."
Dem Abteilungsleiter zufolge haben die Vereinigten Staaten bis heute über 148 Millionen Dollar ausgegeben.
Dazu gehörten die Lieferung von mehr als 80.000 Tonnen Nahrungsmitteln, um die Leiden der somalischen
Bevölkerung zu lindem. Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten für das am 1. Oktober 1992 beginnende
Haushaltsjahr weitere 145.000 Tonnen Nahrungsmittel zugesagt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Cohens Stellungsnahme vor dem Unterausschuß im Wortlaut.
Situation nach wie vor verzweifelt
Erfahrene Mitarbeiter humanitärer Organisationen
beschreiben die Bedingungen in Somalia nach wie vor
als die schlimmsten, die sie jemals erlebt haben. Das
Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) schätzt,
daß 1,5 Millionen Somalis verzweifelt und unverzüglich Hilfe benötigen. Bis zu 4,5 Millionen Somalis
benötigen dringend Nahrungsmittel und andere Formen der Hilfe. Hunger und Unterernährung sind weit
verbreitet, besonders in den zentralen und südlichen
Landesteilen. Die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen
in entlegenen Landesteilen befürchten, daß zahlreiche
Menschen auf dem Lande sterben, bevor sie die
Nahrungsmittelstützpunkte in den Städten erreichen.
Vor weniger als zwei Monaten schätzten die Hilfsorganisationen, daß Somalia 30.000 bis 35.000 Tonnen
Nahrungsmittel pro Monat benötige, um die Hungernden zu versorgen. Jüngsten Schätzungen des IKRK
zufolge ist der Bedarf an Nahrungsmittelspenden heute
doppelt so hoch, und das IKRK bittet um Nahrungsmittellieferungen von mindestens 52.000 Tonnen monat-

AMERIKA DIENST 38

lich. Die verzweifelte Suche nach Nahrung hat zu
großen Wanderungsbewegungen innerhalb Somalias
geführt und Hunderttausende von Flüchtlingen hervorgebracht, die in Lager in Kenia, Äthiopien und Dschibuti geströmt sind.
Die Reaktion auf den Hilferuf
Wie der Vorsitzende und die Mitglieder dieses Ausschusses wissen, sind wir bereits seit 18 Monaten bei
der Hilfe an Somalia an vorderster Front beteiligt. Bis
heute übersteigt unser Gesamtbertrag 148 Millionen
Dollar, einschlie ßlich der Lieferung von 80.000 Tonnen
Nahrungsmitteln. Wir haben für das am 1. Oktober
beginnende Haushaltsjahr weitere 145.000 Tonnen
Nahrungsmittel zugesagt.
Am 14. August haben wir Pläne bekanntgegeben,
Flugzeuge des Verteidigungsministeriums einzusetzen, um von Mombasa in Kenia aus Nahrungsmittel zu
Orten in Nordkenia und nach Somalia selbst zu transportieren. Ein Team des Pentagon traf am 17. August
in Kenia ein, um Vorbereitungen für die Luftbrücke zu

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�treffen. Seit dem 21. August wurde dieses Team von
einem besonderen Einsatzkommando (DART) des
Büros für Katastrophenhilfe (OFDA) des US-Amts für
internationale Entwicklung (USAID) unterstützt, das
sich an der Luftbrücke beteiligt sowie weitere amerikanische Maßnahmen plant.
Wir betrachten die Regierung Kenias als unseren
Partner bei dieser Operation, die darüber hinaus auch
Tausenden von der Dürre betroffenen Kenianern
geholfen hat. Wir werden weiterhin alle Elemente der
Operation mit den kenianischen Behörden koordinieren.
Diplomatische und politische Initiativen
Das grundsätzliche Problem, mit dem die Vereinigten
Staaten und die übrigen Geberländer in Somalia konfrontiert sind, ist die Frage, wie Nahrungsmittel und
andere Hilfe sicher an die Bedürftigen geliefert werden
können. In seinem Bericht an den Sicherheitsrat über
die technische Bestandsaufnahme durch die Vereinten Nationen stellte Generalsekretär Boutros-Ghali
fest, der Mangel an Sicherheit sei das Haupthindernis
bei der Lieferung dringend benötigter verstärkter Hilfe.
Er führte dabei sowohl Konflikte innerhalb und zwischen den Clans als auch allgemeine Gesetzlosigkeit
als die Gründe an, die eine effektive Verteilung von
Nahrungsmittelhilfe dort verhinderten, wo sie am meisten benötigt werde.

ten nach Berbera in Nordwest-Somalia und nach Kismayo an der Südostküste entsandt werden.
Diese Einheiten würden von den zusätzlichen UNTruppen abgezogen, deren Stationierung der Sicherheitsrat mit einer Resolution am 28. August zugestimmt hat.
Wir sind ferner der Überzeugu ng, da ß man die Entsendung einiger Truppen in die bedürftigsten Regionen im
Landesinnern in Erwägung ziehen sollte, wo sie die
sichere Verteilung gewährleisten könnten sobald die
UN-Truppen zur Sicherung der Nahrungsmittel erfolgreich stationiert sind.
Der UN-Sonderbeauftragte Mohamed Sahnoun hat
bereits seine Konsultationen mit führenden Vertretern
der somalischen Fraktionen über die Entsendung
weiterer Truppen in andere Regionen aufgenommen.
Botschafter Sahnoun hat bemerkenswertes Geschick
dabei bewiesen, das Vertrauen der somalischen Politiker zu gewinnen. Wir möchten seine Bestrebungen
in jeder erdenklichen Weise unterstützen, besonders
da sie eine Konfliktlösung zwischen den kriegführenden Parteien in Somalia versprechen.
Die Rolle des amerikanischen Sonderbotschafters

Der amerikanische Botschafter Peter J. de Vos wurde
am 27. August zum Sonderbotschafter für Somalia
Die Beobachtungen des Generalsekretärs sind völlig ernannt, um die Zusammenarbeit mit Botschafter
zutreffend. Das effektivste Mittel für die Lieferung Sahnoun zu koordinieren. Botschafter de Vos ist ein
großer Mengen von Nahrungsmitteln ist der Transport äußerst erfahrener Berufsdiplomat mit großem Geüber Land durch Lastwagenkonvois. Dies kann jedoch schick bei der Konfliktlösung. Seine Hauptaufgabe
nicht erfolgen, wenn Hilfskonvois geplündert werden besteht in der Sicherstellung der Koordinierung der
oder wenn Banden von Wegelagerern Versorgungs- amerikanischen Unterstützung der UN-Bestebungen,
Frieden und nationale Aussöhnung für das somalische
und Verteilungsstützpunkte angreifen.
Volk herbeizuführen.
Unterstützung bei der Stationierung von UN-WachBotschafter de Vos ist mehrfach mit Botschafter Sahpersonal
noun zusammengetroffen. Sie haben Themen wie
Aus diesem Grund haben wir uneingeschränkt die Nothilfemaßnahmen und Aussöhnung sowie die NotStrategie der UNO unterstützt, die Sicherheit von wendigkeit eines umfassenden nationalen Ansatzes
Hilfsoperationen durch die Stationierung von Wach- zur Lösung der somalischen Krise erörtert.
personal an ausgewählten Standorten in Somalia zu
verbessern. Am 13. August hat die Administration Konsultationen zur Unterstützung der UN-Bestreangeboten, das erste Kontingent mit 500 pakistani- bungen
schen UN-Wachen nach Mogadischu zu transportieBotschafter de Vos ist inzwischen nach Nordost- und
ren. Diese Stationierung begann am 14. September
Südsomalia gereist und hat Mogadischu besucht. Er
mit der Ankunft eines 40köpfigen Vorauskommandos
führte Gespräche mit mehreren Fraktionsführern,
in Mogadischu an Bord einer US-Militärmaschine. Die
einschließlich General Farah Mohamed Aideed, Ali
Vereinigten Staaten werden darüber hinaus das HauptMahdi Mohamed und General Abshir Muse, dessen
kontingent dieser Einheit und deren Ausrüstung nach
Bewegung den Nordosten Somalias kontrolliert. BotMogadischu transportieren.
schafter de Vos hat betont, daß keine somalische
Die Vereinigten Staaten haben die Empfehlung des Fraktion einen militärischen Sieg erringen kann und
Generalsekretärs für die Stationierung entsprechen- Dialog unabdingbar ist. De Vos stellte fest, daß einige
der Einheiten in Bossasso im Nordosten Somalias und somalische Parteien weniger zum Dialog oder zu
- vorbehaltlich der Zustimmung der kenianischen Gesprächen bereit sind als andere. Es ist offenkundig,
Regierung - in Mandera im Nordosten von Kenia daß Ausdauer, Geduld und Geschick zur Aussöhnung
uneingeschränkt unterstützt. Weitere Einheiten könn- erforderlich sind.
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�Botschafter de Vos hat ferner mit führenden Politikern
am Hörn von Afrika in Dschibuti und Äthiopien Konsultationen geführt, ist mit Vertretern der eritreischen
Übergangsregierung zusammengetroffen und hat mit
französischen, italienischen und britischen Regierungsvertretern gesprochen.

dem deuten auf die breite Unterstützung der vorgesehenen Konferenz zur Koordinierung der Hilfe in Somalia hin. Wir werden weiterhin mit der UNO zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß die gesteckten Ziele
erreicht werden.

Wir unterstützen ferner die Idee der Einberufung einer
Folgekonferenz mit Vertretern der somalischen Fraktionen, um deren Unterstützung zu gewinnen und den
Prozeß der nationalen Aussöhnung in die Wege zu
Bei jedem Aufenthalt hat Botschafter de Vös die Not- leiten. Wir alle wissen, daß weder die Hilfsstrategien
wendigkeit für internationale Unterstützung der UN- noch diplomatische Initiativen ohne die Mitarbeit der
Bestrebungen verdeutlicht. Er hat unser besonderes somalischen Politiker bei der Beendigung der HunInteresse an einem UN-Vorschlag zur Einberufung gersnot und dem politisch motivierten Blutvergießen
einer internationalen Konferenz über die Koordinie- vollen Erfolg zeitigen werden. Es ist entscheidend,
rung der Hilfe für Somalia bekräftigt. Der Sonderkoor- daß sie sich gemeinsam mit der internationalen Staadinator Natsios hat dieses Thema mit UN-Vertretern in tengemeinschaft an umfassenden Bestrebungen zur
Genf und Rom erörtert. Unsere UN-Mission hat diese Lösung der Krise in ihrem Land beteiligen.
Frage mit dem Stellvertretenden Generalsekretär der
UN-Abteilung für humanitäre Angelegenheiten einge- Ich möchte alle somalischen Politiker eindringlich zur
hend diskutiert. Der Stellvertretende Generalsekretär Kooperation mit der UNO und den Geberländern und
hat seinen aufrichtigen Dank für unsere uneingeschränk- zu der Verpflichtung auffordern, die Lieferung der
te Unterstützung dieses Vorschlags zum Ausdruck Nahrungsmittel zu den Hungernden sicherzustellen.
gebracht.
Dies ist eine von Menschen verursachte Tragödie. Wir
wissen, daß Somalia nicht rehabilitiert weiden kann,
Bei der Konferenz würden alle Teilnehmer der Hilfsbe- bis der Frieden wiederhergestellt ist. Es ist ein Trugstrebungen für Somalia zusammenkommen, um die schluß, daß irgendein somalischer Politiker mit Wafhumanitäre Hilfe besser zu strukturieren und zu koor- fengewalt die Einheit und den Frieden wiederhersteldinieren. Die Konferenz würde die Gelegenheit zur len kann. Die bisherigen Konferenzen über die AusErarbeitung von Plänen für kurzfristige Hilfsmaßnah- söhnung sind gescheitert, weil die somalischen Politimen, eines Konzepts für längerfristige Hilfe und Stra- ker sich geweigert haben, mit ihren Gegnern zu spretegien zur Bewältigung der Sicherheitsprobleme, chen. Ich fordere die Somalis auf, Botschafter SahRehabilitation und nationale Aussöhnung bieten.
nouns Appell zu Dialog und Aussöhnung zu befolgen.
Die UN-Konferenz über Koordinierung der Hilfsmaßnahmen und nationale Aussöhnung

Unsere Konsultationen mit UN-Vertretern, unseren
Verbündeten und anderen internationalen Geberlän* *

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*

Seite 3

�WAHLEN

'9 2
23. September 1992

POLITISCHE PARTEIEN IN DEN
VEREINIGTEN STAATEN
von Stephen J. Wayne
In dem nachstehenden Artikel erläutert der Verfasser die Geschichte der politischen Parteien in den Vereinigten
Staaten und ihre Rolle im demokratischen Prozeß von heute. Stephen J. Wayne ist Professor für Staatswissenschaft an der Georgetown University in Washington.
Die politischen Parteien tragen entscheidend zum
Funktionieren des demokratischen Prozesses in den
Vereinigten Staaten bei. Sie wirken als Bindeglied
zwischen den Bürgern und ihren gewählten Vertretern
und bieten diesen Vertretern gleichzeitig eine Orientierungshilfe bei der politischen Entscheidungsfindung.
Wie sie dies bewirkt haben, wurde jedoch von dem
Umfeld beeinflußt, in dem sie agierten.

ten um Posten auf Staats- oder Gemeindeebene oder
um die Wahl der Vertreter eines Bundesstaates im
Kongreß.

Dies kommt naturgemäß im Parteiensystem zum
Ausdruck. Die Kandidaten werden auf Staats- oder
Gemeindeebene rekrutiert und gehen primär auf ihre
örtliche Wählerschaft ein. Zahlreiche der von ihnen
angesprochenen Wahlkampfthemen haben bedeutenZwei Hauptfaktoren haben dieses Umfeld geprägt: die de Auswirkungen auf ihren Bundesstaat oder ihre
föderale Strukturdes amerikanischen Verfassungssy- Gemeinde. Dies beeinflu ßt die von ihnen während des
stems und der wachsende Pluralismus der amerikani- Wahlkampfs vertretenen Positionen sowie - im Falle
schen Gesellschaft. Diese Faktoren haben die politi- ihrer Wahl-die Entscheidungen, die sie im Amt treffen.
schen Parteien dazu ermutigt, sich zu großen, breit Es wirkt sich darüber hinaus auf die Struktur, Haltung
gefächerten und heterogenen Organisationen zu ent- und Vorgehensweise ihrer politischen Parteien aus.
wickeln, um ihr Überleben zu sichern. Für die großen
Parteien hatte dies eine lockere Koalition von Berufs- Amerikanische Parteien sind Konglomerate. Auf
politikern, Kandidaten und Anhängern an der Basis, Bundesebene bestehen sie aus Vertretern der 50
einen pragmatischen Ansatz bei Problemen, eine Bundesstaatsparteien. Auf Bundesstaatsebene bedezentralisierte, vielschichtige Organisation und eine stehen sie aus lokalen Parteifunktionären. Eine starKonzentration auf das Gewinnen von Wahlen anstatt ke, geschlossene, zentralisierte nationale Parteistruktur hat es niemals gegeben.
das Regieren zur Folge.
Dasselbe gilt für die Mitgliedschaft. Der föderale
Charakter der Regierung und die Vielfalt der Nation
Die politischen Parteien rekrutieren politische Ent- haben die großen politischen Parteien in den Vereinigscheidungsträger, nehmen an Wahlen teil und versu- ten Staaten dazu veranlaßt, in ihrer Zusammensetchen, die Führung der Regierungsgeschäfte zu beein- zung groß und heterogen zu sein sowie gemäßigt und
flussen. Die großen Parteien in den Vereinigten Staa- pragmatisch in ihrer politischen Orientierung.
ten sind dezentralisierter, diversifizierter und pragmatischer als ihre Gegenstücke in anderen demokrati- Während die großen Parteien seit jeher nicht ideologisch festgelegte Volksparteien waren, galt dasselbe
schen Ländern. Warum ist dies der Fall?
nicht für die kleineren Parteien. Einige traten offen für
Die Verfassung der Vereinigten Staaten überträgt den eine bestimmte Ideologie ein, wie etwa die KommuniBundesstaaten wesentliche Rechte und Pflichten, stische Partei, die Sozialistische Arbeiterpartei und die
darunter das Abhalten von Wahlen für alle Ämter auf Libertäre Partei. Obwohl sie nicht viele Anhänger für
Bundes- und Bundesstaatsebene. Mit Ausnahme der sich gewinnen konnten, stellen sie Kandidaten auf,
Wahl des Präsidenten und Vizepräsidenten geht es unterhalten Organisationen und veröffentlichen Appeltatsächlich bei allen Wahlen in den Vereinigten Staa- le. Ihr Einfluß auf die großen Parteien war jedoch
Der Charakter der amerikanischen Parteien

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�gering, weil ihre Ansichten außerhalb der Hauptströmungen der amerikanischen Gesellschaft liegen.
Ein anderer Typ kleinerer Parteien hat jedoch Auswirkungen gezeitigt. Anstatt eine Doktrin zu verfechten,
benutzen solche Parteien bestimmte Sachthemen wie
Einwanderung, Einkommensteuern, Wahlrechtsreform
oder in der jüngeren Geschichte Präsidentschaftskandidaten wie George Wallace im Jahr 1968 und John
Anderson 1980 als Mittel, um Wähler zu gewinnen.
Diese Parteien werden häufig als Splitter- oder Übergangsparteien bezeichnet, weil ihre Gründung für
gewöhnlich von Unzufriedenheit über eine der großen
Parteien verursacht wird, wenn diese Partei ein wichtiges Thema ignoriert, eine unpopuläre Haltung einnimmt oder unattraktive Kandidaten nominiert, besonders für ein Amt auf Bundesebene.

ren des 19. Jahrhunderts waren die demokratischen
Republikaner die einzige Partei, die Kongreß und
Präsidentschaftswahlen gewinnen konnte.

Mit dem Wachstum der demokratischen Republikaner
begannen sich regionale Fraktionen innerhalb der
Partei zu entwickeln. Eine dieser Fraktionen, die von
dem ehemaligen General Andrew Jackson angeführt
und als Demokraten bezeichnet wurde, trat schließlich
als Mehrheitsfraktion hervor. Als Jackson 1828 zum
Präsidenten gewählt wurde, strukturierte er die Partei
neu, um auf die Interessen der Durchschnittsbürger
einzugehen: der Kleinbauern, neuen Wähler und
Neueinwanderer. Die als Partei der Whigs bekannte
Opposition gegen Jackson bestand aus denjenigen,
die Jacksons Politik ablehnten: wohlhabendere Farmer, Geschäftsleute und Befürworter der Abschaffung
der Sklaverei. Weil die Whig-Partei so vielfältig war,
Kleinere Parteien dieses Typs haben ihre Bemühun- konnte sie die Präsidentschaft nur durch die Nominiegen auf die Kandidatur für Wahlämter konzentriert. rung von Kriegshelden gewinnen. Die Whigs schafften
Obwohl sie bei der Wahl ihrer Kandidaten erfolglos zweimal den Einzug ins Weiße Haus, hatten jedoch
waren, ist es ihnen gelungen, die Aufmerksamkeit auf Schwierigkeiten, effektiv zu regieren. Schließlich zerfiel
ihre Anliegen zu lenken, die Wahlchancen der von die Partei.
ihnen verlassenen Partei zu beeinträchtigen und in
einigen Fällen diese Partei zu zwingen, die Maßnah- Demokraten und Whigs beherrschten die amerikanimen zu ergreifen, ihre Untätigkeit einzustellen oder sche Politik von 1828 bis zum Ausbruch des Bürgereine Haltung zu ändern, die den Protest ursprünglich krieges. In den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts
ausgelöst hatte.
spaltete die Frage der Sklaverei jedoch die Demokratische Partei in eine Nord- und eine Südfraktion und
Die Geschichte der amerikanischen Parteien
führte zum Auseinanderbrechen der Whigs. Im Jahr
1854 wurde eine neue Partei, die Republikaner, ins
Parteien wurden weder in der Verfassung erwähnt,
Leben gerufen. Sie wurde von den Befürwortern des
noch existierten sie vor der Administration George
freien Unternehmertums und des Privatbesitzes unterWashingtons (1789 -1797). Sie entstanden während
stützt und lehnte sowohl die Ausbreitung der Sklaverei
seiner Administration hauptsächlich zur Unterstützung
als auch die Sklaverei selbst ab. Die Republikaner
oder als Opposition zu ihren Maßnahmen. Im Lauf der
stellten ihren ersten Präsidentschaftskandidaten im
Zeit wurde ihre Entwicklung durch die Konkurrenz
Jahr 1856 und ihren zweiten, Abraham Lincoln, 1860
zweier Parteien und die Dominanz einer Partei charakauf. Die tiefe Spaltung der Demokratischen Partei, die
terisiert.
dazu führte, daß beide Fraktionen ihren eigenen PräVon 1790 bis 1824 waren die wichtigsten Parteien als sidentschaftskandidaten aufstellten sowie die Existenz
Federalists und Democratic-Republicans bekannt. Die eines Kandidaten einer dritten Partei ermöglichten es
Federalists unterstützten die von Finanzminister Alex- Abraham Lincoln, die Wahl mit etwas weniger als 40
ander Hamilton vorgeschlagenen und von der Wash- Prozent der Gesamtstimmen zu gewinnen.
ington-Administration angestrebten Maßnahmen zur
nationalen Entwicklung. Ihre demokratisch-republika- In den nächsten 40 Jahren konkurrierten Republikaner
nischen Gegner, die von Thomas Jefferson angeführt und Demokraten ziemlich gleichmäßig auf nationaler
wurden, der seinen Posten in Washingtons Kabinett Ebene. Im Jahr 1876 mußte der Kongreß aufgrund
wegen seiner Ablehnung dieser Maßnahmen aufgege- des knappen Wahlausgangs und Anschuldigungen
ben hatte, befürworteten eine geringere Rolle der des Wahlbetrugs in mehreren Südstaaten eine KomBundesregierung, während die Bundesstaaten und mission bilden, um den Wahlsieger zu ermitteln. Die
aus acht Republikanern und sieben Demokraten beGemeinden mehr Macht ausüben sollten.
stehende Kommission stimmte nach Parteizugehörigkeit
ab und entschied zugunsten des republikanischen
Während die Maßnahmen der Federalists (mit Hilfe
Kandidaten
Rutherford B. Hayes. Die Entscheidung
eines aus Federalists zusammengesetzten Obersten
war
weithin
umstritten,
da Hayes nicht die Mehrheit der
Bundesgerichts, das die Befugnisse der Bundesregievon
den
Wählern
abgegebenen
Stimmen erhalten
rung weit auslegte) die Oberhand behielten, war der
hatte
(obwohl
die
Kommission
entschied,
daß er die
Partei der Federalists kein Erfolg beschieden. Da sie
meisten
Wahlmännerstimmen
hatte).
Um
die Demonicht vermochte, ihre Anhängerschaft zu erweitern
kraten
im
Kongreß
zu
veranlassen,
den
Beschluß
der
und beim Durchschnittsbürger Anklang zu finden, nahm
Kommission
zu
billigen,
versprach
Hayes
den
Abzug
ihr Einfluß ständig ab, während der der demokratischen Republikaner zunahm. In den zwanziger Jah- der Bundestruppen aus dem Süden, was den weißen
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�Politikern gestattete, ihre Kontrolle über die Regierungen dieser Bundesstaaten wiederzugewinnen. Als
Reaktion auf die Maßnahmen der Republikaner, die im
Bürgerkrieg und der Reconstruction des Südens unter
republikanischer Herrschaft kulminierten, blieben die
Wähler des Südens nahezu 100 Jahre lang demokratische Stammwähler.

Moderne Parteikoalitionen und deren Auswirkungen

Die Demokratische und die Republikanische Partei
haben ihre Wurzeln in einem System, daß sich während der Großen Depression und dem Zweiten Weltkrieg entwickelte. Die Demokraten betrachten einander weiterhin als Partei des kleinen Mannes, die Partei
der
Mittel- und Unterschicht, während die RepublikaDie nächste Phase in der Fortentwicklung der amerikaner
sich
als Partei der Unternehmer und Selbständigen
nischen Parteien begann Ende des 19. Jahrhunderts.
sehen.
Eine Rezession im Jahr 1893 unter der demokratischen Administration von Präsident Grover Cleveland
verlagerte das politische Gleichgewicht zugunsten der Heute beziehen die Demokraten erhebliche UnterstütRepublikaner. Die Republikaner gingen daraus als zung von rassischen Minderheiten, wie etwa AfroameMehrheitspartei hervor und kontrollierten im Zeitraum rikanern und Hispaniem, sowie von religiösen Mindervon 1896 bis 1930 nahezu durchgängig den Kongreß heiten, wie Juden und - in geringerem Umfang und das Weiße Haus. Ihre Anhängerschaft stützte Katholiken. Die Führung der Gewerkschaften ist der
sich auf eine breite Basis. Dazu gehörten Unterneh- Demokratischen Partei treu geblieben, obwohl die
mer und Gewerkschaften, Konservative und Progres- Unterstützung der Basis für die Kandidaten der Partei,
sive, Stadtbewohner sowie die Landbevölkerung. In besonders bei Präsidentschaftswahlkämpfen, abgeden zwanziger Jahren führte jedoch der Zustrom von nommen hat. Diejenigen, die sich als Linke identifizieNeueinwanderern gemeinsam mit unpopulären repu- ren, sind demokratisch geblieben, jedoch hat der Anteil
blikanischen Maßnahmen - insbesondere dem Verbot der Linken an der Gesamtbevölkerung abgenommen,
alkoholischer Getränke - dazu, daß die Angehörigen und zu Beginn der neunziger Jahre betrachten sich
von Minderheiten in den Städten zur Demokratischen rund doppelt so viele Menschen als konservativ wie als
Partei wechselten. Eine Landwirtschaftskrise in den links.
zwanziger Jahren brachte die Bauern gegen die Politik
Im Gegensatz zu den Demokraten sind die Republikaund Philosophie der Republikanischen Partei auf.
ner vorwiegend weiß und Protestanten. Sie erhalten
ihre
stärkste Unterstützung von Angehörigen der oberen
Bei der Wahl von 1932 befanden sich die Republikaner
sozioökonomischen
Schichten. Personen mit höhein der unglücklichen Position, als Inhaber der Regierem
Einkommen,
besserer
Ausbildung und angeseherungsgewalt während der größten Wirtschaftskrise in
neren
Berufen
neigen
dazu,
sich mit den Republikader Geschichte des Landes einen Wahlkampf führen
nern
zu
identifizieren.
Schließlich
erhalten die Repuzu müssen. Das Ergebnis war entsprechend. Die
blikanern
eine
unverhältnismäßig
große UnterstütDemokraten bewahrten und erweiterten ihre Anhänzung
von
denjenigen,
die
sich
als
konservativ
betrachgerschaft unter weißen Südstaatlern, ethnischen
ten.
Gruppen in den Städten und den Arbeitnehmern. Im
Jahr 1936 hatten die Afroamerikaner von der Partei Geographisch haben die Demokraten ihre HochburLincolns zur Partei des wirtschaftlichen Aufschwungs gen in den Städten, besonders in den großen Indugewechselt. Von Präsident Franklin Roosevelts Libe- striestädten des Nordostens und Mittelwestens. Die
ralismus und seiner Außenpolitik gegen die Nazis Republikaner sind in den Vororten stärker. Bei Präsiangezogene Juden wechselten zu den Demokraten. dentschaftswahlkämpfen erhalten die Republikaner
Obwohl die Republikaner ihren Einfluß bei Protestan- die stärkste Unterstützung in den Rocky Mountains
ten im Norden aufrechterhielten, verzeichneten die und im Süden.
Demokraten auch dort Erfolge, besonders bei den
Angehörigen einkommensschwächerer Gruppen. Die Zwischen den großen Parteien bilden sich darüber
Wählerschaft war infolgedessen wie niemals zuvor hinaus wichtige alters- und geschlechtsspezifische
nach wirtschaftlichen Schichten gespalten. Die weni- Unterschiede. Ältere Wähler, die während der Depresger Wohlhabenden neigten mehr zu den Demokraten, sion und des Zweiten Weltkriegs wahlberechtigt wurwährend die Wohlhabenderen eher republikanisch den, tendierten dazu, ihre Zugehörigkeit zu den Demowählten. Die Ausnahme bildete der Süden, wo die kraten zu bewahren. Andererseits haben jüngere
Wähler unabhängig von ihrem Sozialstatus demokra- Wähler, insbesondere die unter 30 Jahren, die ihre
tisch waren.
prägenden politischen Erfahrungen während der
Administrationen Carter (1977-81) und Reagan (1981Seit dem Umschwung der dreißiger Jahre sind die 89) sammelten, begonnen, eine Bindung an die RepuParteikoalitionen schwächer geworden, jedoch nicht blikanische Partei zu entwickeln. Von allen Altersgrupvöllig auseinandergebrochen. Obwohl die Demokra- pen hat diese jüngere Wählergruppe republikanische
ten weiterhin die Regierungen der Bundesstaaten und Kandidaten am stärksten unterstützt. Unterschiede
den Kongreß beherrschen, haben die Republikaner sind auch zwischen Männern und Frauen aufgetreten,
ihren Stimmenanteil im Kongreß erhöht und in sieben wobei Männer eher die Republikaner und Frauen eher
der letzten 10 Wahlen die Präsidentschaft errungen.
die Demokraten unterstützen.
AMERIKA DIENST 38

Seite 3

�Die Zusammensetzung der Parteien hat ihre ideologische Orientierung und politischen Positionen beeinflußt. Naturgemäß waren die Republikaner konservativer als die Demokraten und befürworteten Maßnahmen, die den Privatsektor stimulierten, den Einflu ß des
Staates auf die Innenpolitik reduzierten und die amerikanische Verteidigungsfähigkeit stärkten. Seit dem
Vietnamkrieg waren sie ferner eher dazu bereit als die
Demokraten, militärische Gewalt als Instrument der
Außenpolitik anzuwenden. Die Aktionen der ReaganAdministration in Libanon und Grenada sowie der
Bush-Administration in Panama und am Persischen
Golf sind nur einige Beispiele für diese Tendenz. Die
Republikaner haben eine starke Position gegen Schwangerschaftsabbrüche eingenommen, eine Haltung, die
Spaltungen innerhalb der Partei hervorzurufen beginnt.

Heute besteht zwischen den Parteien ein ungefähres
Gleichgewicht. Nahezu der gleiche Bevölkerungsanteil (35 bis 40 Prozent) identifiziert sich mit jeweils einer
Partei. Der Rest betrachtet sich als unabhängig. Die
Parteiidentifikation hat heute jedoch weniger Einfluß
auf das Wahlverhalten als noch vor zwei oder drei
Jahrzehnten. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß sich die Menschen mehr auf das Führungspotential und die Persönlichkeit der Kandidaten
konzentrieren als auf ihre Parteizugehörigkeit.

Der abnehmende Einfluß der Parteien auf die Wähler,
das relative Gleichgewicht zwischen den Parteien und
der kandidatenorientierte Charakter der amerikanischen Politik hat zu einer weniger einheitlichen Kontrolle der Regierung geführt. Es ist nicht ungewöhnlich, daß eine Partei das Parlament und die andere die
Exekutive kontrolliert. Auf nationaler Ebene kontrollieDie Demokraten waren dagegen eher bereit, den Staat ren die Demokraten mit Ausnahme von vier Jahren seit
um Hilfe bei der Bewältigung der größten wirtschaftli- 1932 eines oder beide Häuser des Kongresses, und
chen und sozialen Probleme des Landes anzurufen. die Republikaner stellen mit Ausnahme von vier JahSie neigten weniger dazu, die Inlandsausgaben oder ren seit 1968 den Präsidenten.
die Rolle des Staates beim Schutz der bürgerlichen
und politischen Rechte der Amerikaner zu verringern. Die geteilte Kontrolle der Regierung hat zu erheblichen
Im allgemeinen waren sie weniger bereit als die Repu- Konflikten zwischen Kongreß und Präsidentschaft
blikaner, den Verteidigungshaushalt stark zu erhöhen geführt, insbesondere bei innenpolitischen Themen.
und amerikanische Truppen im Ausland einzusetzen. Präsidenten müssen bei ihren politischen Vorschlägen
Die demokratischen Mitglieder im Kongreß, insbeson- häufig Kompromisse schließen, um ausreichende
dere im Senat, stimmten mit überwältigender Mehrheit Rückendeckung zu erhalten. Darüber hinaus müssen
gegen die Genehmigung militärischer Gewalt am sie immer mehr Zeit dafür aufbringen, Unterstützung
Persischen Golf durch den Präsidenten und wollten im Kongreß sowie bei Interessengruppen und der
den Sanktionen gegen den Irak mehr Zeit einräumen. Öffentlichkeit zu gewinnen. In der Außenpolitik haben
Die Demokraten haben zu einer Vielzahl wirtschaftli- sich die Präsidenten für gewöhnlich erfolgreicher durchcher und sozialer Probleme Positionen eingenommen, gesetzt, obwohl die Unterstützung nicht automatisch
die den Interessen und Bedürfnissen derjenigen Grup- gewährt wird. Im allgemeinen haben parteipolitische
pen gerecht werden, die ihre Wählerkoalition bilden. Differenzenden Konflikt verschärft, der die BeziehunDazu gehören die Befürwortung höherer Mindestlöh- gen zwischen Präsident und Kongreß in den letzten
ne, die Verlängerung des Arbeitslosengelds, Gesetze Jahren charakterisierte.
gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz und das Recht
der Frau auf Abtreibung.
* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 38

�</text>
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42

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

23. Oktober 1991

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#

n 7HEUE

WELTORDNUNG

NEUE WELTORDNUNG ERFORDERT
NEUES PROGRAMM
Rede von Staatssekretär Bartholomew

¥
RÜSTUNGSKONTROLLE

USA DRANGEN AUF WELTWEITES
ENGAGEMENT BEI RÜSTUNGSKONTROLLE
Rede von ACDA-Direktor Lehman
vor UNO-Ausschuß

IWF/WELTBANK

BRADY FORDERT REFORM
VON IWF UND WELTBANK
Rede des Finanzministers vor IWF
und Weltbank

PORTRAT

BUSH NOMINIERT VERWALTUNGSJURISTEN
FÜR DAS AMT DES JUSTIZMINISTERS
Porträt von William Barr

DAS MEINUNGSBILD
IN AMERIKA

DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG IN AMERIKA
Umfragen zu Nuklearwaffen, Verteidigung,
Entwicklungshilfe, Wirtschaft

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NEUE

WELTORDNUNG
23. Oktober 1991

NEUE WELTORDNUNG ERFORDERT
NEUES PROGRAMM
Rede von Staatssekretär Bartholomew
WASHINGTON - (AD) - Der für internationale Sicherheitsfragen zuständige Staatssekretär im US-Außenministerium, Reginald Bartholomew, hat am 17. Oktober 1991 bei einer Konferenz der Georgetown University mit
dem Titel "Die Vereinigten Staaten, Europa und die Strukturen einer neuen Weltordnung" folgende Rede
gehalten (es gilt das gesprochene Wort):

Ich möchte einige Überlegungen zu dem meiner Meinung nach zentralen Thema dieser Konferenz anstellen: Wie sollte das Programm der transatlantischen
Staatengemeinschaft in der neuen Weltordnung aussehen, die sich uns heute eröffnet?
Der Zusammenbruch des Kommunismus', die dramatischen gegenwärtigen Veränderungen im Gefüge der
Sowjetunion, die Wiedergewinnung der Souveränität
durch die Staaten Mittel- und Osteuropas, die beschleunigte Entwicklung zur europäischen Einheit diese Ereignisse, die sich gerade in den vergangenen
beiden Jahren vollzogen haben, haben das bisherige
Programm, die alte Ordnung, schlicht ausgelöscht.
Der einst alles dominierende Imperativ der Eindämmung des ständigen sowjetischen militärischen und
politischen Drucks im Herzen Europas wird unser
Programm nicht länger beherrschen.
Die Weltordnung, die über mehr als 45 Jahre hinweg
von der Konfrontation zwischen zwei ideologisch
gegensätzlichen Systemen und Supermächten definiert wurde, ist nun auf Dauer überwunden.
Nichts könnte dies deutlicher unterstreichen als der
außergewöhnliche Meinungsaustausch zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, der durch
Präsident Bushs Initiative ausgelöst wurde und an dem
ich in Washington und Moskau unmittelbar teilnehmen
durfte.
Das neue Programm und die neue Ordnung
Welche Aufgaben sind heute von der transatlantischen Staatengemeinschaft zu bewältigen? Welches
sollten unsere internationalen Prioritäten sein? Was
für eine neue Weltordnung sollten wir anstreben?
AMERIKA DIENST 42

Dies waren Fragen, mit denen die Staats- und Regierungschefs des atlantischen Bündnisses bei ihrem
Londoner Gipfel im Juli 1990 konfrontiert waren und
mit denen sie sich bei ihrem im nächsten Monat in Rom
anstehenden Gipfel erneut auseinandersetzen müssen.
Wir können die Antwort auf diese Fragen folgendermaßen umreißen: Mit dem Verschwinden der unmittelbaren Bedrohung und der bipolaren Welt müssen wir
unsere Energien nun auf die harte und komplizierte
Arbeit des Auf baus der soliden Fundamente dauerhafter Sicherheit und der positiven Weltordnung konzentrieren, in der wir leben möchten.
Zunächst müssen wir alles in unserer Macht Stehende
unternehmen, um zur Entwicklung demokratischer
politischer Systeme und freier Volkswirtschaften mit
stabilen Beziehungen untereinander beizutragen. Dies
gilt für die ganze Welt, aber in besonderer Weise für
den menschlich und strategisch so bedeutenden Raum,
der sich östlich der Oder erstreckt.
Dies ist der einzige Weg, mit dem wir sicherstellen
können, daß der gegenwärtige radikale Umbruch unsere
beiderseitige Sicherheit und unseren Wohlstand konsolidiert anstatt neue Bedrohungen hervorzubringen.
Mit anderen Worten: Dies muß von dieser Generation
an das beherrschende und leitende Element unseres
Programms sein.
Jedoch können wir uns auf dieses große politische
Unterfangen nur dann konzentrieren, wenn wir weiterhin die militärische Macht und Organisation aufrechterhalten, die uns Vertrauen in unsere eigene Sicherheit verleihen.

Seite 1

�Das Vertrauen, daß niemand attraktive oder auch nur
mögliche militärische Optionen gegen uns und unsere
Interessen erkennen kann - aus welchem Bereich
auch immer.
Das Vertrauen, daß wir auf jegliche Gewaltanwendung
erfolgreich reagieren können und weiden.
Das Vertrauen, daß die Organisation unserer Verteidigung weiterhin kollektiv und nicht in Konkurrenz zu
einander erfolgen wird.
Wie Außenminister Baker festgestellt hat, ist unser
Ziel der Aufbau einer echten euro-atlantischen Gemeinschaft - von Vancouver bis Wladiwostok -, die auf
gemeinsamen Werten, Demokratie, Menschenrechten sowie freien und offenen Märkten beruht.
Die Säulen dieser Gemeinschaft werden von drei
lebenswichtigen Institutionen gebildet: NATO, EG und
KSZE.
Jede dieser Institutionen unterliegt Veränderungen:
der Annahme neuer und der Neudefinierung alter
Rollen.
Jede leistet ihren einzigartigen Beitrag zur größeren
Gemeinschaft. Ohne diese Institutionen könnte die
neue euro-atlantische Gemeinschaft nicht aufgebaut
werden.
Es gibt keinen festen Plan dafür, wie sich diese Organisationen in die neue Gemeinschaft, die wir heute
aufbauen, einfügen werden. Es wird zu Überlagerungen, zu Verwirrung und sogar zu Spannungen kommen.
Wenn wir jedoch an unseren gemeinsamen Werten,
unseren gemeinsamen Zielen und unserem Engagement zum Aufbau einer besseren Welt festhalten, ist
unser Erfolg gesichert.
Die atlantischen Beziehungen
Das atlantische Bündnis war aus vielen Gründen erfolgreich. Ein wesentlicher Grund für unseren Erfolg
war der zwischen uns bestehende grundsätzliche
Einklang von Idealen und Zielen. Die Partnerschaft
hätte niemals aufrechterhalten werden oder gedeihen
können, wenn sie nicht mehr gewesen wäre als lediglich ein militärisches Bündnis.
Seinem wahren Charakter nach ist das atlantische
Bündnis seit jeher ebenso ein philosophisches, kulturelles und soziales Bindeglied wie ein formelles militärisches Bündnis. Unser gemeinsames Engagement selbst in seinen militärischen Bereichen und Formen ging stets über die rituellen Zusagen militärischer
Unterstützung hinaus, wie sie die Bündnisse der Vergangenheit kennzeichneten.
Insbesondere im Atomzeitalter, in dem Verteidigung
das Überleben einer Zivilisation sichert, ist die transat-

Seite 2

lantische Verbindung so tiefgreifend, daß sie die Grundlagen unserer inneren wie auch unserer internationalen Identität beeinflußt.
Aber heute gilt die alte Ordnung nicht mehr. Am
Horizont deutet sich eine neue Ordnung an. Trotz
unserer Stärken ist ein automatischer Erfolg unserer
Vision der Zukunft nicht gesichert. Die uns konfrontierenden Herausforderungen sind sogar noch komplizierter als diejenigen, die wir gerade erst bewältigt
haben. Die Einheit wird besonders dann in Frage
gestellt, wenn das Gefühl für die äußere Bedrohung
abgenommen hat.
Ich möchte deshalb eine ganz wichtige Botschaft
unterstreichen: Eine neue und bessere Ordnung kann
nicht erreicht werden, wenn die beiden großen Quellen
demokratischer Stärke - Europa und Nordamerika nicht weiterhin in einer transatlantischen Gemeinschaft
mit einem gemeinsamen Programm vereint bleiben.
Wir wissen bereits, wie schwierig es sein wird, Demokratie und Stabilität in Mittel- und Osteuropa zu festigen und ihre Entwicklunmg in der Sowjetunion zu
fördern.
Nur durch engste Kooperation können wir letztlich den
Erfolg unserer gemeinsamen Sache gewährleisten.
Es gibt hier Arbeit für alle Europäer und transatlantischen Institutionen, und die NATO hat sich der Aufgabe mehr als gewachsen gezeigt.
Ihr ideenreiches Programm mit ihren früheren Gegnern - den ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten - ist
ein überwältigender Erfolg. Diese Länder sind dafür
sehr empfänglich, - sie haben den Kontakt gesucht und die NATO hat sich dies zunutze gemacht, um
westliche Ideen von Demokratie und Sicherheit dort
verankern zu helfen, wo sie am dringendsten benötigt
werden.
Dies ist eine der bemerkenswertesten Entwicklungen
- die Tatsache, daß sich alle Länder im Osten angesichts ihrer veränderten Regierungen nicht nach innen, sondern nach außen zum Westen - einschließlich
der NATO - wenden.
Tatsächlich betrachten die Länder Mittel- und Osteuropas sowie die Sowjetunion die NATO als wichtiges
Element der Sicherheit und Stabilität auf dem Kontinent, an dem sie teilhaben wollen.
Die zugrundeliegenden Stärken der transatlantischen
Partnerschaft und die vor uns liegende große politische Aufgabe sollten die Sorgen derjenigen zerstreuen, die angesichts einer Reduzierung der militärischen
Bedrohung fürchten, die NATO habe keine Existenzberechtigung mehr. Aber im militärischen Bereich ist
die durch unser Bündnis ermöglichte integrierte Struktur eine besondere Garantie für Stabilität und Frieden.

�Bei der jetzt in Europa entstehenden verworrenen
Situation kann die NATO die Sicherheit und das Vertrauen einer demokratisch verwurzelten, integrierten
militärischen Macht und Struktur bieten, die die von mir
bereits dargelegte Rolle übernehmen kann.
Die NATO kann die Energien Westeuropas und Nordamerikas bündeln, um eine Militär- und Sicherheitsstruktur zu entwerfen, die sich an bestimmten Werten
orientiert.
In den vergangenen zwei Jahren hat das Bündnis zwei
Gipfel mit Meilensteincharakter abgehalten, und nächsten Monat wird ein dritter Gipfel stattfinden, auf dem
es sich und die neue Welt, mit der es sich konfrontiert
sieht, neu gestalten wird.
Bei ihrem Gipfel 1989 in Brüssel hat die NATO die
Initiative ergriffen und die ungeheure Konzentration
konventioneller Streitkräfte in Europa abgebaut. Ferner hat sie ein politisches Programm vorgestellt, um
die Teilung des Kontinents zu beenden.
Bei ihrem Londoner Gipfel 1990 hat die NATO eine
Reihe umfangreicher Initiativen in die Wege geleitet,
um auf die gegenwärtig stattfindenden demokratischen Revolutionen im Osten zu reagieren und sie
gestalten zu helfen. Deshalb hat die NATO einen
Prozeß zur eigenen Umgestaltung eingeleitet:
das von mir bereits erwähnte Programm der
NATO mit der Sowjetunion und Osteuropa,
eine Reihe von Initiativen zur Stärkung der
KSZE,
die Aufnahme der Arbeit zur Neugestaltung der
militärischen Organisation und Kommandostruktur der NATO und
die Einleitung der grundlegenden Überprüfung
der NATO-Strategie und Doktrin.

Unsere eigenen Interessen und die Art und Weise ihrer
Verflechtung mit der Weltwirtschaft und der Technologiewirtschaft zeigen uns, daß wir uns nicht grundsätzlich oder radikal nach innen kehren dürfen.
Wir sind uns - ebenso wie auch andere - bewußt, daß
die Rolle und der Beitrag der Vereinigten Staaten
weder in Europa oder der Welt vollständig verwirklicht
noch hier politisch gerechtfertigt werden können, wenn
die Vereinigten Staaten "im Abseits stehen" oder
unerreichbar sind. Und das meine ich nicht nur im
politischen sondern auch im militärischen Sinne.
Das soll nicht heißen, daß die amerikanische Rolle in
Europa und der Welt unveränderlich ist oder daß sie
sich nicht an die jetzt von uns zu schaffende ganz
andere Ordnung anpassen sollte.
Natürlich wird die amerikanische Militärpräsenz in Europa
viel geringer sein obwohl unsere konventionellen Streitkräfte ein wichtiger Faktor im neuen Gleichgewicht
bleiben und unsere nuklearen Streitkräfte nach wie vor
die Basis für westliche Sicherheit darstellen werden.
Darüber hinaus sind wir bereit, auch unsere politische
Rolle zu verändern.
Die meiste Zeit in der Ära nach dem kalten Krieg haben
die Vereinigten Staaten eine führende Rolle im Atlantischen Bündnis gespielt - und einen entscheidenden
Anteil am politischen Willen, der erforderlichen Energie und den militärischen Ressourcen aufgebracht.
Dies wurde nicht willkürlich von Amerikanern oder
Europäern geleistet. Es war eine Reaktion auf die
massive und unmittelbare sowjetische Bedrohung,
eine Reflektion des relativen Gleichgewichts zwischen
den Vereinigten Staaten und Europa im Hinblick auf
den Willen und die Fähigkeit zu handeln und ein
Produkt der einzigartigen Rolle Amerikas als nuklearem Garant.

Im nächsten Monat wird ein Gro ßteil dieser Arbeit beim
Gipfeltreffen in Rom vollendet und neue Aufgaben
verteilt werden. Die im laufenden Monat herausgegebene Gemeinsame Erklärung der Außenminister Baker
und Genscher bietet verschiedene Ideen über den
einzuschlagenden Weg an.

Aber das heutige Programm und die von uns angestrebte neue Ordnung zusammen mit neuen Impulsen
für die europäische Identität bereiten den Weg für eine
größere europäische Rolle bei den uns alle angehenden Entscheidungen für Sicherheit und Verteidigung.

Eins möchte ich dazu nachdrücklich feststellen: die
Vereinigten Staaten werden ein voll und ganz engagiertes Mitglied der transatlantischen Gemeinschaft
und des Atlantischen Bündnisses bleiben. Sie werden
femer eine europäische Macht und eine Weltmacht
bleiben.

Meiner Ansicht nach ist die Hinwendung zu einer
europäischen Union ebenso grundlegend wichtig ganz bestimmt für viele Europäer in Ost und West - wie
die turbulenten Veränderungen in den Ost-West-Beziehungen.

Meiner Ansicht nach weiß das amerikanische Volk,
daß wir nicht einfach nach Hause gehen können, weil
weder wir noch die Welt so sind wie vor fünfzig Jahren.

Seit 1945 haben Politiker zu beiden Seiten des Atlantiks geglaubt, die europäische Identität lasse sich am
besten durch Konzentration auf praktische Aufgaben
wiederherstellen.

AMERIKA DIENST 42

Europas neue Identität und Einheit

Seite 3

�Wenn ein Amerikaner das sagen darf: dieser Prozeß
hat hervorragend funktioniert. In jeder Phase ihrer
institutionellen Entwicklung hat die Europäische
Gemeinschaft die Entwicklung der europäischen Identität ein Stück vorangebracht.
Mit der Verwirklichnug des Gemeinsamen Markts 1993
und Fortschritten im Hinblick auf eine Wirtschafts- und
Währungsunion wird die nächste Aufgabe darin bestehen, die Institutionen des gemeinsamen politischen
Willens zu stärken. Dies wird wahrscheinlich die
schwierigste Aufgabe sein.
Europas Vision über seine Rolle im 21. Jahrhundert
muß noch vervollständigt werden. Sogar die Definition
des gegenwärtigen Europas muß noch erarbeitet
werden. Soll es weiterhin nur in den geographischen
Grenzen der europäischen Halbinsel bestehen? Oder
sprechen wir lediglich von einer geringfügig erweiterten EG? Oder möchte Europa seine Führungsrolle in
der euro-atlantischen Gemeinschaft erweitern, wie sie
Außenminister Baker beschrieben hat?
Dies sind grundlegende Fragen, auf die ich keine
spezifische Antwort geben kann und sollte. Ich bin mir
jedoch einer Sache gewiß. Europa kann nicht gedeihen, wenn es seinen Blickwinkel auf den eigenen
Kontinent begrenzt: Wenn die Amerikaner nicht nach
Hause zurückkehren können, kann es auch Europa
nicht. Es scheint ebenso sicher, daß Europa nicht auf
das Territorium der jetzigen EG begrenzt werden darf.
Das Engagement der EG für die Staaten Mittel- und
Osteuropas - und darüber hinaus - kann den wichtigsten Kontakt dieser Staaten zu westlichen Werten und
Institutionen bieten.
Diese täglichen Kontakte mit den aufstrebenden
Demokratien können vielleicht mehr dazu beitragen
diese Länder in demokratische, wohlhabende und
stabile Gesellschaften umzugestalten als alle anderen
politischen, wirtschaftlichen oder sicherheitspolitischen
Verbindungen, die der Westen zu bieten hat.
Ich möchte einen Punkt eindeutig klarstellen. Die
Vereinigten Staaten verstehen, wie schwierig es war,
den Prozeß der europäischen Identität voranzubringen. Wir stimmen überein, daß die Entwicklung weiterer Intitutionen, die aus einem zur Teilung der Souveränität bereiten Kern von Staaten entsteht, das beste
Erfolgsrezept ist. Ohne die heutigen Schlagzeilen
oder irgendwelche anderen spezifischen Vorschläge
ansprechen zu wollen, unterstützen wir den Wunsch
dieser Kernstaaten uneingeschränkt, jetzt die Definition einer gemeinsamen Politik in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung in Angriff zu nehmen.
Wir alle können von der neuen Stärke und Energie
profitieren, die hoffentlich die Folge sein werden.
Wir hoffen auf Fortschritte bei der Entwicklung einer
europäischen Sicherheitsidentität beim EG-Gipfeltref-

Seite 4

fen im Dezember in Maastricht. Zusammen mit dem
NATO-Gipfeltreffen sehen wir dies als Teil eines großen historischen Prozesses.
Natürlich - und ich sage natürlich, weil dies meines
Erachtens im großen und ganzen auf beiden Seiten
des Atlantiks verstanden wird - kann eine eindeutige
europäische Identität einschließlich der politischen
und organisatorischen Strukturen einer solchen Identität nur erfolgreich aufgebaut werden, wenn sie von
der Welt ausgent, wie sie sich seit 1945 entwickelt hat.
Es ist eine Welt, in der der Begriff "europäische Kultur"
in Nordamerika so aktiv verstanden wird wie in Europa.
Es ist eine Welt, in der die Berechnungen der wirtschaftlichen und militärischen Sicherheit nicht länger
in getrennten europäischen und amerikanischen Kategorien definiert werden können. Es ist die Welt einer
transatlantischen Gemeinschaft, die in den vergangenen 45 Jahren aufgebaut wurde.
Ich möchte hier auf die tiefgreifenden Auswirkungen
verweisen, die die Uruguay-Runde auf die zukünftigen
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa haben kann.
Der Erfolg der Uruguay-Runde wird an sich schon die
beste Garantie dafür sein, daß die Vereinigten Staaten
und Europa sich weiterhin des erforderlichen Wohlstands zur Verwirklichung unserer umfassenderen
politischen Ziele erfreuen.
Dies wird in den Vereinigten Staaten jedoch nicht nur
als reine Handelsangelegenheit angesehen. Es wird
uns etwas wichtiges über die Offenheit Europas gegenüber der Welt vermitteln und darüber, wie die
europäischen Mechanismen der Einigung funktionieren - heute im Bereich der Wirtschaft und morgen bei
Außen- und Sicherheitspoltitk.
Der vor uns liegende Weg und die umfassenderen
europäischen Strukturen
Während wir mit Befriedigung auf die tiefgreifenden
positiven Veränderungen der vergangenen zwei Jahre
zurückblicken, führt der vor uns liegende Weg bereits
zu jahrhundertealten wiederaufflammenden Rivalitäten - am dramatischsten in Jugoslawien aber auch in
anderen Regionen. Nationale und religiöse Volksgruppen, deren Wünsche seit Generationen unterdrückt
wurden, finden es schwer verständlich, warum sie
nicht die Früchte der Selbstbestimmung genießen
können, die der Westen so lautstark für sich in Anspruch nimmt.
Selbst während militärisches Gerät drastisch reduziert
wird, macht sich im östlichen Teil Europas Verwirrung
über Ziel und Zweck der nationalen Verteidigung breit.
Begriffe wie "Sicherheitsvakuum" enthüllen die echte
Besorgnis über die Fähigkeit der neuen demokratischen Gesellschaften, sich gegen mögliche Feindseligkeiten von innen oder außen zu schützen.

AMERIKA DIENST 42

�Während meines jüngsten Besucchs in Moskau im
Anschluß an die Initiative des Präsidenten zu Nuklearwaffen wurde ich mit zahlreichen dieser Ängste konfrontiert. Bei einem Treffen fand ich mich in Gegenwart
der Vertreter aus vier Republiken, die alle Nuklearwaffen auf ihrem Territorium stationiert haben. Bei späteren Gesprächen stellten wir fest, da ß diese Republiken
ihre "Souveränität" ernst nehmen.
Daher wird der Prozeß der "europäischen Sicherheit"
in Zukunft eine noch tiefgreifendere politische Anstrengung bedeuten. Jede neue und bessere Weltordnung
muß zuallererst diese neuen Visionen der nationalen
Identität und Souveränität in eine Struktur integrieren,
die Diversifizerung gestattet und gleichzeitig die Mittel
zur Bewältigung von Spannungen bereitstellt.

Wir können jedoch die uns zur Verfügung stehenden
Instrumente nutzen, um die Dinge in die richtige Richtung zu lenken. Ich habe stets von der wichtigen Rolle
von NATO und EG gesprochen. Diese beiden Kernorganisationen werden von der KSZE umrahmt.
Die KSZE hat eine andere Funktion als NATO und EG.
Während die beiden erstgenannten Organisationen
von gemeinsamen Zielen und Interessen ausgehen,
besteht die Aufgabe der KSZE darin, eine solche
Harmonie zwischen Nationen herzustellen, die sich bis
vor kurzem noch im Konflikt befanden. Daher bieten
NATO und EG durch ihren bloßen Charakter Sicherheit, indem sie gemeinsame Ziele bündeln. Die KSZE
wiederum versucht, Sicherheit zu schaffen, indem sie
so viele Gemeinsamkeiten wie möglich hervorbringt.

Das wird nicht leicht sein. Die tragischen Ereignisse in
Jugoslawien sind ein dramatischer Beweis dafür. In
den vergangenen Jahren haben Experten an den
Verfahren für Krisenmanagement und Konfliktlösung
gearbeitet. Sie konzentrieren sich vornehmlich auf die
KSZE in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen.

Zu dem neuen Europa kann die KSZE durch zwei
Aspekte beitragen, die sonst nirgends geboten werden:

In den kommenden Jahren wird sich unser Engagement für den langfristigen Prozeß des Aufbaus demokratischer Institutionen wahrscheinlich wiederholt mit
solchem Wiederaufflackern von Konflikten konfrontiert
sehen. Traditionelle Konzepte wie Souveränität und
Selbstbestimmung werden im Licht der neuen Gegebenheiten geprüft und überprüft werden.

Und sie stellt die Spielregeln auf. Die Schlußakte legt
in der Tat eine Art von Straßenkarte für demokratische
Entwicklung in Europa fest. Wenn sich die Nationen an
diese Straßenkarte halten, sind die Erfolgsaussichten
enorm verbessert.

Die wichtigste Tatsache, die man sich vor Augen
führen muß, ist, daß es keine einfache Lösung gibt. Es
wird den westlichen Nationen nicht möglich sein, Freundschaften mit Menschen zu schließen, die ein tiefes
Gefühl des Konflikts untereinander empfinden. Wir
werden das perfekte System für Krisenmanagement
nicht erfinden.

Sie ist wirklich universal. Sie bietet den Rahmen für
Zusammenarbeit zwischen Nationen mit höchst unterschiedlichem Hintergrund und Zielen.

Ich möchte diese Ausführungen mit zwei Bemerkungen abschließen. Die Vereinigten Staaten sind der
Auffassung, daß in dieser ersten Phase des Aufbaus
einer Weltordnung nach dem kalten Krieg ein Mosaik
politischer, wirtschaftlicher und organisatorischer
Bestrebungen erforderlich sein wird, um den vor uns
liegenden Herausforderungen zu begegnen. Es gibt
keine allgemeingültige Antwort. Keine Institution kann
allein alle Bedürfnisse erfüllen.

* *

AMERIKA DIENST 42

*

Seite 5

�RÜSTUNGSKONTROLLE
23. Oktober 1991

USA DRÄNGEN AUF WELTWEITES
ENGAGEMENT BEI RÜSTUNGSKONTROLLE
Rede von ACDA-Direktor Lehman vor UNO-Ausschuß
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Dem Direktor des amerikanischen Rüstungskontroll- und Abrüstungsamts
(ACDA), Ronald Lehman, zufolge werden die Vereinigten Staaten sich weiterhin für die Verwirklichung der
Rüstungskontrolle engagieren, auch wenn die Verantwortung nicht ausschließlich bei ihnen liegt.
"Das künftige Rüstungskontrollprogramm erfordert, daß sich die Staaten in anderen Regionen der Welt insbesondere in Gebieten, in denen aufgrund von Unruhen und Konflikten Gewalt und Chaos drohen - in Wort
und Tat engagieren", erklärte Lehman am 15. Oktober 1991 in einer Rede beim Ersten Ausschuß der UNGeneralversammlung, dem Forum der Vereinten Nationen, in dem Themen wie internationale Sicherheit und
Rüstungskontrolle erörtert werden.
Lehman fügte hinzu, die internationale Staatengemeinschaft beginne zu verstehen, daß Sicherheitskonzepte,
"wenn sie wirklich Bedeutung haben sollen, weitreichender sein müssen und nicht nur die Anzahl der Waffen in
nationalen Arsenalen erfassen dürfen". Sie müssen "wirtschaftliches Wohlergehen, Lebensqualität, Menschenrechte und Freiheiten" einbeziehen, stellte Lehman in seinen Ausführungen fest, die eine Bilanz der derzeitigen
und zukünftigen Rüstungskontrollstrategie der Vereinigten Staaten zogen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von ACDA-Direktor Lehman im Wortlaut.

Herr Vorsitzender,
es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, erneut vor
diesem erlauchten Gremium sprechen zu dürfen und
ihnen die Ansichten meiner Regierung zu den wichtigen Themen darzulegen, mit denen sich dieser Ausschuß konfrontiert sieht. Als Forum der Vereinten
Nationen zur Erörterung von Themen wie internationale Sicherheit und Rüstungskontrolle ist der Erste
Ausschuß wesentlicher Bestandteil weltweiter Bestrebungen für dauerhaften Frieden und Stabilität. Wir
sind hier zusammengekommen, um Bilanz über die
Fortschritte dieser Arbeit zu ziehen und herauszufinden, wie wir die Sache des Friedens weiter voranbringen können.
In diesem Zusammenhang möchte ich die neuesten
Mitglieder der Vereinten Nationen begrüßen. In diesen
Pionierzeiten sind neue Impulse beim Aufzeigen des
zukünftigen Kurses von Rüstungskontrolle und Abrüstung außerordentlich wichtig. Im Namen der amerikanischen Regierung möchte ich Sie alle aufrichtig
willkommen heißen.
Vor dem Hintergrund eines sich radikal verändernden
internationalen Szenariums wurde vielfach die Frage
aufgeworfen, ob es eine dauerhafte Rolle für Rü-

AMERIKA DIENST 41

stungskontrolle und Abrüstung gibt. Mit der Unterzeichnung des Vertrags über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) Anfang August und der
Abkehr der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
von der Konfrontation des kalten Kriegs wurden in der
Tat Vermutungen laut, daß Rüstungskontrolle ihren
Zweck erfüllt habe und der Rüstungskontrollprozeß
beendet sei. Diese Prognosen waren absolut falsch.
Der Putschversuch in Moskau und die darauf folgenden dramatischen Veränderungen in der Sowjetunion,
die Ereignisse im Irak nach dem Golfkrieg sowie die
andauernde Gewalt in anderen Regionen der Welt
führen uns allen vor Augen, daß Rüstungskontrolle
das entscheidende Element von Außenpolitik und
internationaler Sicherheit bleiben muß.
Während wir das Umfeld der Rüstungskontrolle sondieren, müssen wir uns jedoch bewußt sein, daß wir
uns an einem Scheideweg befinden, an dem Schnittpunkt, an dem das Alte auf das Neue trifft. Herkömmliche Aspekte der Rüstungskontrollandschaft bleiben
bestehen, aber neue Elemente sind hinzugekommen.
Unsere vordringlichsten Rüstungskontrollaufgaben
konzentrieren sich immer weniger auf die traditionellen
Fragen des militärischen Gleichgewichts zwischen
Ost und West sondern vielmehr auf die Probleme von

Seite 1

�Instabilität und Gewalt, die nur wenig oder überhaupt
nicht ideologisch gefärbt sind, die an unerwarteten
Orten und in ungeahnter Weise aufbrechen und unser
aller Frieden und Wohlergehen bedrohen. Diese
Bedrohung wird noch durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und deren Trägersysteme
verschärft. Dies ist eine Gefahr, die aufkeimende
Bestrebungen zu Demokratie und Freiheit weltweit im
Keim zu ersticken droht, die als Symbol für das Ende
des kalten Kriegs standen.
An diesem Scheideweg befinden wir uns an einem
besonders guten Ausgangspunkt, um das Terrain der
Rüstungskontrolle zu sondieren. Gestatten Sie mir,
eine Bilanz der amerikanischen Sichtweise vorzunehmen, wo wir bei Rüstungskontrolle stehen und welchen Kurs wir in Zukunft einschlagen müssen.
Wenn wir das derzeitige Terrain sondieren und über
den Horizont blicken, müssen wir der Tatsache Rechnung tragen, daß Entscheidungen der Vergangenheit
unseren heutigen Standort bestimmt haben, ebenso
wie die Entscheidungen an diesem Wendepunkt unseren Weg für die Zukunft definieren werden.
Während der Spannungen des kalten Kriegs wurde
das Fundament für unser aktuelles Programm gelegt.
Während jener Tage der Unsicherheit gewährten die
Vereinigten Staaten ihren Verbündeten Schutz und
verfochten die Sache der Freiheit weltweit. Zusammmen mit ihren Verbündeten beharrten die Vereinigten
Staaten darauf, daß der Schlüssel zu weltweiter Stabilität der Auf recherhaltung einer wachsamen Verteidigung in Kombination mit der Bereitschaft beruhte,
potentielle Gegner in einen Prozeß einzubeziehen, der
- wenn er unsere Differenzen nicht löste - einen stabilen Rahmen zu ihrer Bewältigung aushandelte. Rüstungskontrolle war eine entscheidende Komponente
dieses Rahmens. Die Vereinigten Staaten forderten
jedoch auch, daß sich die Verhandlungen auf solide
Konzepte und Prinzipien gründeten, die bedeutsame
Abkommen hervorbrachten, nicht rhetorische Gesten,
die nichts zur Festigung der Stabilität beitrugen. Die
Konzepte und Prinzipien - wirksame Verifizierung,
gerechte Ergebnisse sowie strikte Einhaltung der
Vertragsbestimmungen - sind für die vor uns liegenden
wichtigen Rüstungskontrollbestrebungen weiterhin
entscheidend.
Obwohl die Tage des kalten Kriegs in der Tat häufig
düster waren, zeitigten sie jedoch auch Erfolge. Vor
dem Ende des kalten Kriegs traten die Vereinigten
Staaten über einem Dutzend wichtiger Rüstungskontrollabkommen bei, die sowohl die amerikanische als
auch die internationale Sicherheit verbesserten.
Diese Entwicklungen waren ein wesentlicher Beitrag
zu den positiven Veränderungen, die wir in jüngster
Vergangenheit beobachten konnten und boten eine
entscheidende Grundlage für die Architektur der neuen Weltordnung. Die Vereinigten Staaten sind stolz

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auf ihre Bilanz der Rüstungskontrolle und überzeugt,
daß ihre Bestrebungen entscheidend dazu beigetragen haben, die Welt von der Möglichkeit einer atomaren Konfrontation in das heutige Zeitalter zu führen, in
dem die Aussichten für Frieden so vielversprechend
sind.
Es ist eine Binsenwahrheit, daß die Vergangenheit nur
ein Prolog der Zukunft ist. Unsere Arbeit ist nicht
getan, und ich möchte unsere aktuellen Rüstungskontrollpobleme erörtern sowie unsere Bestrebungen zu
deren Bewältigung zusammenfassen.
Strategische Nuklearwaffen
Bei den herkömmlichen Aspekten der Rüstungskontrolle besteht die erste Priorität der Vereinigten Staaten darin zu gewährleisten, daß die Errungenschaften
der START-Vertrags nicht verloren gehen. Der STARTVertrag zielt darauf ab, einschneidende stabilisierende
Verringerungen der strategischen Offensivwaffen der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu bewirken.
Der Vertrag enthält gleiche Obergrenzen und konzentriert sich auf die Begrenzung der destabilisierendsten
Waffen - das heißt, ballistischer Raketen. Einer der
wesentlichsten Beiträge von START zur Stabilität sind
die Zählregeln. Diese Regeln beinhalten striktere
Obergrenzen für Gefechtsköpfe auf ballistischen
Raketen, die schnell fliegen und im Gegensatz zu den
langsameren Bombern, die zurückgerufen werden
können, zur Abwehr eines Erstschlags gut geeignet
sind. Der START-Vertrag begrenzt ferner ballistische
Raketen durch zahlenmäßige Obergrenzen, insbesondere die 50prozenfjge Reduzierung schwerer ICBMs
der Sowjetunion - der destabilisierendsten strategischen Nuklearwaffen; das Verbot der Aufstockung der
Zahl von Gefechtsköpfen pro Rakete; eine Obergrenze für das Wurf gewicht insgesamt sowie eine Begrenzung der Erhöhung der Wurfgewichte.
Der START-Vertrag trägt darüber hinaus der Tatsache
Rechnung, daß in den letzten Jahren eine Revolution
im Hinblick auf Verifizierung und Rüstungskontrollabkommen stattgefunden hat. Die Verifizierungsmaßnahmen des Vertrags, die einen umfassenden Datenaustausch, gemeinsame Maßnahmen und Vor-OrtInspektionen einschließlich Überwachung von Umfeld
sowie Ein- und Ausgängen der Montageeinrichtungen
und peinlich genaue Vor-Ort-Inspektionen vorsehen,
sind ein wesentlicher Beitrag zur Überwachung durch
die nationalen technischen Mittel der Verifizierung.
Diese Maßnahmen sind heute anerkannte Prinzipien
der internationalen Rüstungsreduzierungen. Im Rahmen von START wurden sie erweitert. Sogar während
der Verhandlungsphase hat START neues Terrain
erschlossen. Bei der Erarbeitung von Verfahren zu
Vor-Ort-Inspektionen bei Wiedereintrittsflugkörpern
wurde probeweise Inspektoren beider Seiten gestattet, die Steuer- und Kontrolleinheit des Wiedereintrittsflugkörpers der wichtigsten ICBMs der jeweils
anderen Seite zu prüfen. Der Vertrag sieht eine Reihe

AMERIKA DIENST 41

�solcher Inspektionen vor, um sicherzustellen, daß
stationierte Raketen nicht mit einer größeren Anzahl
von Gefechtsköpfen als erlaubt bestückt werden. Ein
weiterer Aspekt sind Notifizierungen über Zentren zur
Verringerung des nuklearen Risikos. Im Rahmen von
START sollen sie um das 20fache derjenigen aufgestockt werden, die gemäß dem INF-Vertrag gefordert
werden.
Die Vereinigten Staaten beabsichtigen die Ratifizierung des START-Vertrags und gehen davon aus, daß
die Sowjetunion dasselbe tun wird. Unseres Erachtens liegt es im Interesse beider Parteien, die wichtigsten Reduzierungen und Verifizierungsverpflichtungen von START festzuschreiben. Trotz des Umbruchs
in ihrem Land hat die Sowjetunion die Absicht bekundet, ihren Rüstungskontrollverpflichtungen gerecht zu
werden. Die Verwirklichung von START wird die
Transparenz des Militärs und der Rüstungsindustrie in
der Sowjetunion erhöhen und darüber hinaus wirtschaftliche Ziele bei der Umrüstung von militärischem
Gerät ergänzen. Dies sind die Hauptziele der sowjetischen Reformer. Der START-Vertrag bietet ferner
eine solide Basis für Folgebestrebungen.
Am 27. September 1991 hat Präsident Bush seine
dramatische Initiative angekündigt, die das gesamte
Spektrum der amerikanischen Nuklearwaffen betrifft.
Er entschied, diese Initiative in die Wege zu leiten, um
Umfang und Art der nuklearen Stationierungen der
Vereinigten Staaten weltweit zu reduzieren, die Stabilität zu verbessern und die jüngsten tiefgreifenden
Veränderungen in der Sowjetunion zu nutzen.
Die Initiative des Präsidenten umfaßt folgende Maßnahmen:
Abzug und Zerstörung aller atomaren Artilleriegranaten sowie aller atomaren Gefechtsköpfe
für ballistische Raketen kurzer Reichweite,
Abzug aller taktischen Nuklearwaffen und atomaren Marschflugkörper auf Schiffen und Angriffs-U-Booten sowie der Nuklearwaffen auf
unseren landgestützen Marineflugzeugen. Das
bedeutet die Beseitigung aller nuklearen Marschflugkörper von amerikanischen Schiffen und
Unterseebooten sowie der Atombomben an Bord
von Flugzeugträgern,
Aufhebung des Alarmzustands für alle strategischen Bomber und deren gelagerte Waffen,
die unverzügliche Aufhebung der Alarmbereitschaft für alle ICBMs, die gemäß START deaktiviert werden sollen sowie ihre beschleunigte
Beseitigung, sobald START ratifiziert ist,
Einstellung des schienengestützten Peacekeeper-ICBM-Systems sowie der mobilen Komponenten der kleinen ICBMs,

AMERIKA DIENST 41

Einstellung der Angriffsraketen kurzer Reichweite und
Schaffung eines neuen amerikanischen strategischen Kommandos mit dem Ziel, die Führung
und Kontrolle aller strategischen Nuklearstreitkräfte zu verbessern.
Der Präsident hat die Sowjetunion aufgefordert, entsprechende Schritte zu unternehmen. Darüber hinaus
hat er vorgeschlagen, daß die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion so bald wie möglich Abkommen zur
Beseitigung aller landgestützten ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen anstreben - den zweifelsohne destabisierendsten Systemen. Der Präsident hat die Sowjetunion ferner aufgefordert, ebenfalls konkrete Schritte
zu unternehmen, um die begrenzte Stationierung nichtnuklearer Verteidigungssysteme zum Schutz gegen
begrenzte Angriffe ballistischer Raketen gleich welcher Herkunft zu gestatten.
Die Vereinigten Staaten waren über die rasche und
positive Reaktion der sowjetischen Führung auf diesen
Vorschlag erfreut. Obwohl nicht alle Entscheidungen
und Ideen Präsident Gorbatschows unseren entsprechen, gibt es sehr viel gemeinsames Terrain, da sowohl
die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion
entschieden haben, Schritte zur weiteren einschneidenden Reduzierung der Zahl und Art von Nuklearwaffen in beiden Arsenalen zu unternehmen. Wir haben
zu diesen Entscheidungen und Vorschlägen bereits
Gespräche in Moskau geführt und hoffen, daß der
Prozeß beschleunigt fortgesetzt wird. Das Ergebnis
der Initiative des Präsidenten sollte nicht weniger
dramatisch sein als die Veränderungen auf der Welt,
auf die er reagiert.
Für die Welt ist es jetzt offenkundig, daß die beiden
führenden Nuklearmächte begonnen haben, nach rund
40 Jahren die thermonukleare Leiter herabzusteigen.
Dies ist wirklich ein historischer Wendepunkt.
Konventionelle Streitkräfte in Europa
Das zweite wichtige Merkmal der gegenwärtigen
Rüstungskontrollandschaft ist der Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa. Der KSE-Vertrag ist
ein Meilenstein in der Geschichte von Bestrebungen
der Vereinigten Staaten und der NATO zum Aufbau
eines sichereren und stabileren Europas.
Dieser Vertrag stellt ein Gleichgewicht konventioneller
Streitkräfte in Europa auf niedrigeren Niveaus her und
beseitigt die Fähigkeit für Überraschungsangriffe oder
raumgreifende Offensiven mit konventionellen Waffen
auf einem europäischen Kriegsschauplatz. Der Vertrag wird die Belastung durch Waffen in Europa drastisch reduzieren und damit eine wichtige Ursache der
Instabilität in Europa beseitigen helfen. Er enthält
weitreichende Verifizierungsbestimmungen und institutionalisiert Transparenz und Offenheit. Kurzum: der

Seite 3

�KSE-Vertrag wird in einer Zeit der Unsicherheit und
des Wandels in Europa ein Fundament der Stabilität
und Berechenbarkeit legen und infolgedessen eine
feste Basis für zukünftige Kooperation sein.
Ost-West-Rüstungskontrolle ist ein wichtiges Ziel der
Vereinigten Staaten, weil es notwendig ist, sich der
Bedrohung durch Spannungen zu stellen, an denen
Länder mit Atomwaffenarsenalen oder konventionellen Streitkräften in Europa beteiligt sein könnten. Das
Kriegsrisiko in Europa ist gering, aber die Auswirkungen eines Krieges wären katastrophal. Die Vereinigten Staaten sind jedoch zunehmend besorgt über
Bedrohungen, Instabilitäten und gefährliche Fähigkeiten in anderen Teilen der Welt, wo das Kriegsrisiko
höher ist und die Gefahr der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen steigt. Zu diesen gefährdeten
Regionen zählen der Nahe Osten, die Halbinsel Korea
und der südasiatische Subkontinent. Aus dem KSEVertrag resultierende Stabilisierungsmaßnahmen und
die verschiedenen Vertrauens- und sicherheitsbildenden Maßnahmen der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa lassen sich nicht unbedingt auf andere Regionen übertragen. Sie können
jedoch als Quelle der Inspiration und Erfahrung für
angemessene Arrangements außerhalb Europas dienen. Wir verdoppeln unsere Bestrebungen, um einen
solchen Ansatz zum Abbau regionaler Spannungen zu
fördern.
Bestrebungen zur Nichtverbreitung
Darüber hinaus steht die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrenTrägersystemen auf unserer Tagesordnung zur Rüstungskontrolle ganz oben.
Jüngste Entdeckungen der UNO-Teams bei der Inspektion von Einrichtungen zur Herstellung nuklearer,
chemischer und biologischer Waffen sowie ballistischer Raketen im Irak können niemanden gleichgültig
über die Herausforderung lassen, die sich uns mit der
Notwendigkeit zur Eindämmung der Verbreitung dieser gefährlichen und destabilisierenden Waffen stellt.
Die Bestrebungen der Vereinigten Staaten zur Drosselung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen haben eine lange Geschichte, die mit dem BaiuchPlan von 1946 ihren Anfang nimmt. Diese Bestrebungen umfassen den Schwellenvertrag, die Konvention
über biologische Waffen, die Einrichtung des Kontrollregimes für Raketentechnologie, die Australien-Gruppe und die laufenden Genfer Verhandlungen über ein
weltweites Verbot chemischer Waffen.
Heute verfolgen die Vereinigten Staaten bei der Nichtverbreitung eine vielschichtige Strategie: erstens werden
bestehende Regime zur Nichtverbreitung gefördert,
indem wir multinationale Nichtverbreitungsregime
einhalten und ihnen beitreten. Zweitens leiten wir neue
Initiativen ein, wie die Begrenzung konventioneller
Waffen und den Austausch von Informationen, wobei
wir uns angemessener Ansätze in der Rüstungskon-

Seite 4

trolle bedienen, die den Anreiz zum Erwerb von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme reduzieren.
Die Vereinigten Staaten legen seit langem großen
Wert darauf, die Verbreitung von Nuklearwaffen zu
verhindern. Wir engagieren uns für die bessere Durchführung des Schwellenvertrags (Non-Proliferation Treaty
- NPT) und bemühen uns um seine unbegrenzte
Verlängerung bei der NPT-Konferenz 1995, deren
Vorbereitungen 1993 beginnen sollten. Besonders
ermutigt uns der Beitritt von vier afrikanischen Ländern
;,i diesem Jahr - Südafrika, Tansania, Sambia und
Zimbabwe. Femer haben kürzlich Frankreich und
China - beides Atommächte - ihre Absicht bekundet,
dem Vertrag beizutreten. Darüber hinaus freuen wir
uns, daß Litauen am 23. September 1991 Vertragspartei wurde. Wir sehen der Teilnahme neuer Parteien am
Nichtverbreitungsregime und dem baldigen Beitritt der
noch unschlüssigen Parteien entgegen. Wir engagieren uns auch für die Förderung der Internationalen
Atomenergie-Organisation und ihrer wichtigen Sicherungssysteme.
Unsere Bestrebungen, die Verbreitung von destabilisierenden Raketen zu verhindern, konzentrieren sich
auf das Kontrollregime zur Raketentechnologie (Missile Technology Control Regime - MTCR). Die Kooperation unter den 17 Mitgliedstaaten des MTCR ist
unabdingbar, um eine Reihe besorgniserregender
Raketenprojekte in instabilen Regionen aufzuhalten
oder zu Fall zu bringen. Wichtige Prioritäten von
MTCR werden weiterhin darin bestehen, Lieferanten
(Nichtmitglieder) von der Vermeidung von Technologieexporten, die die Kontrolle des Regimes zur Nichtverbreitung unterminieren und von einer Mitgliedschaft
zu überzeugen.
In der US-Außenpolitik hat ein weltweites Verbot
chemischer Waffen - meines Erachtens der beste Weg
zur Kontrolle solcher Waffen - weiterhin hohe Priorität.
Als vordringliche Angelegenheit fordern die Vereinigten Staaten alle Länder auf, gemeinsam mit ihnen am
baldigen Abschluß der Verhandlungen über das weltweite Verbot chemischer Waffen und der Einhaltung
der Konvention über biologische- und Toxinwaffen zu
arbeiten. Dennoch stellen die Verbreitung chemischer
Waffen und der Einsatz solcher Waffen eine unmittelbare Bedrohung der Sicherheit dar und erschweren
das Ziel eines weltweiten Verbots. Deshalb bemühen
wir uns weiterhin um den Abschlu ß der Verhandlungen
über ein Verbot und unternehmen nach wie vor einseitige und gemeinsame Maßnahmen zur Förderung
dieser Verhandlungen und Verhinderung der Verbreitung und des Einsatzes chemischer Waffen.
Im Rahmen unserer erweiterten Initiative zur Kontrolle
der Verbreitung sind nunmehr Exportlizenzen für
Chemiefabriken und ihre Planung, Geräte zur Herstellung chemischer und biologischer Waffen sowie für 50
Vorläufer chemischer Waffen erforderlich. Ferner

AMERIKA DIENST 41

�haben wir die Kontrolle und die Verantwortung für
Geräte und Technologietransfers in Fällen verschärft,
bei denen ein Exporteur davon Kenntnis hat oder von
der US-Regierung darüber informiert wurde, daß ein
bestimmter Export zur Planung, Entwicklung oder
Herstellung von Raketen sowie chemischen oder biologischen Waffen bestimmt ist. Darüber hinaus werden nach dem Gesetz der Vereinigten Staaten amerikanische Staatsbürger bestraft, die wissentlich ausländische Programme zur Herstellung von Raketen
und chemischen oder biologischen Waffen unterstützen.
Auf multilateraler Ebene beteiligen sich die Vereinigten
Staaten aktiv an internationalen Bestrebungen zur
Eindämmung der Verbreitung chemischer Waffen. Die
Vereinigten Staaten konsultieren informell mit 20
westlichen Ländern über Wege und Mittel zur Bewältigung der Verbreitung und des Einsatzes chemischer
Waffen. Diese informelle Gruppe unter dem Vorsitz
Australiens wurde 1984 ins Leben gerufen als Reaktion auf den Einsatz chemischer Waffen im Krieg
zwischen Iran und Irak. In jüngster Zeit sind Mitglieder
der Gruppe übereingekommen, ihre nationalen Kontrolle zu erweitem, damit sie auch Geräte zur Herstellung chemischer Waffen einbezieht.
Ich habe bereits darauf verwiesen, daß wir uns weiterhin für den baldigen Abschluß einer C-Waffen-Konvention als dem besten Mittel zur Bewältigung der
Verbreitung chemischer Waffen engagieren. Dieses
Engagement wurde durch Präsident Bushs Erklärung
im Mai dieses Jahres über weitere Schritte zur Beschleunigung der Genfer Verhandlungen bekräftigt.
Insbesondere hat der Präsident angekündigt, daß die
Vereinigten Staaten unmittelbar nach Inkrafttreten der
C-Waffen-Konvention dem Einsatz von C-Waffen formell, einschließlich von Vergeltungsschlägen mit CWaffen gegen irgendein Land, unter allen Umständen
entsagen würden. Darüber hinaus verpflichten sich
die Vereinigten Staaten zur Zerstörung ihrer C-Waffen-Arsenale innerhalb von zehn Jahren nach Inkrafttreten der Konvention.
Femer haben wir unsere Bereitschaft zum Austausch
von Technologie bekundet, um die sichere Zerstörung
von C-Waffenarsenalen auf der ganzen Welt zu gewährleisten. Gemeinsam mit anderen Ländern haben
die Vereinigten Staaten in diesem Sommer in Genf
einen praktischen Vorschlag für Vedachtsinspektionen vorgelegt, einem Schlüsselelement bei C-Waffen,
mit dem der Abschlu ß der Konvention in unserer Macht
steht. Wirfordern die Abrüstungskonferenz auf, die CWaffen-Konvention bis Ende Mai 1992 abzuschließen
und bitten alle anderen Länder, Mitglied zu werden.
Die dritte Überprüfungskonferenz der Konvention über
biologische und Toxinwaffen wurde kürzlich in Genf
abgeschlossen. Aus dem Blickwinkel meiner Regierung war die Konferenz ein Erfolg. Das von der
Überprüfungskonferenz verabschiedete Paket vertrauAMERIKA DIENST 41

ensbildender Maßnahmen wird Transparenz, Offenheit und damit das Vertrauen in die Konvention erheblich steigern, und wir fordern alle Parteien auf, an der
Durchführung dieser vertrauensbildenden Maßnahmen mitzuwirken. Zu anderen wichtigen Vereinbarungen zählten verbesserte Verfahrensweisen für Konsultation und Kooperation zur Abschreckung von Vertragsverletzungen. Ferner wurde bei der Konferenz
entschieden, eine Ad-hoc-Expertengruppe solle zusätzlich zu vereinbarten Maßnahmen - die wissenschaftlichen und technischen Aspekte potentieller
Verifizierungsmaßnahmen untersuchen. Die Teilnehmern bekräftigten darüber hinaus erneut die Bedeutung der Einhaltung aller mit der Konvention eingegangener Verpflichtungen. All diese Maßnahmen spiegeln die Erkenntnis der internationalen Staatengemeinschaft wider, biologische Waffen seien keine
abstrakte, sondern eine sehr reale Bedrohung, und die
internationale Staatengemeinschaft müsse etwas
dagegen tun.
Erfahrungen im Irak und Im Nahen Osten
Die Erfahrung der Welt mit dem Irak im vergangenen
Jahr betont die Gefahr der Verbreitung und unterstreicht die Bedrohung, der wir uns alle stellen müssen, um sie zu verhindern. Die Resolutionen des UNSicherheitsrats 687, 707 und 715 liefern das weitreichendste Regime zur Beseitigung und Verifizierung
von Waffensystemen, das jemals entwickelt wurde.
Sie verfügen nicht nur ein Waffenembargo für den Irak
sondern auch ein aggressives Inspektionsregime, das
von den Vereinten Nationen und der IAEO zur Beseitigung chemischerund biologischer Waffen, bestimmter Raketen und jetzt vom Irak enthüllter Atomwaffenprogramme durchgeführt wird. Darüber hinaus richtet
es ein langfristiges Überwachungsprogramm ein, um
den Irak an der Aufrüstung seiner konventionellen
Waffen zu hindern. Die Welt ist abhängig von der
demonstrativen Entschlossenheit der Vereinten Nationen, um ein hartnäckiges Außenseiterregime davon
abzuhalten, andere mit Massenvernichtungswaffen zu
bedrohen. Wir müssen uns jedoch darüber im klaren
sein, daß die gegenwärtigen Ereignisse im Irak die
Konsequenz der gescheiterten Aggression sind. Es
handelt sich dabei nicht um freiwillige Rüstungskontrolle.
Auf der anderen Seite umfaßt das von mir bereits
vorgestellte Rüstungskontrollprogramm Herausforderungen und neue Möglichkeiten im gesamten Nahen
Osten. Um effektiv zu sein, müssen Rüstungskontrollarrangements auf militärische Risiken in einer von
Krieg zerrütteten Region eingehen, wo sogar die ersten kleinen Schritte schwierig und komplex sind. Ein
wichtiges erstes Ziel werden grundsätzliche vertrauensbildende Maßnahmen sein. Ebenso wie solche
Rüstungskontrollmaßnahmen zum Abbau der Spannungen zwischen Ost und West beigetragen haben,
können sie auch dem Friedensprozeß im Nahen Osten
helfen. Rüstungskontrolle kann einen vollständigen
Seite 5

�Friedensprozeß natürlich nicht ersetzen, aber sie bietet Möglichkeiten für den Dialog und ein schrittweises
Mittel, um Absichten zu testen. Auch die Länder weit
außerhalb der Regio nmüssen eine nützliche Rolle
spielen.
Vor diesem Hintergrund hat Präsident Bush im Mai
eine Rüstungskontrollinitiative für diese Region vorgelegt. Im Rahmen dieser Initiative wollen die fünf
Länder, die vielleicht 85 Prozent aller konventionellen
Waffen in den Nahen Osten liefern, Richtlinien für
Waffenlieferungen in die Region erarbeiten. Schließlich stellen wir uns ein umfassendes Regime vor, das
Verantwortung bei den Lieferungen und effektive
Exportkontrollen betont. Zum Umgang mit der nuklearen Gefahr in der Region hat der Präsident vorgeschlagen, daß die Länder des Nahen Ostens als ersten
Schritt ein verifizierbares Verbot zur Herstellung in
Waffen einsetzbaren angereichertem Uran oder gespaltenem Plutomium erlassen. Alle Einrichtungen
zur Herstellung nuklearer Waffen in der Region müßten sich an die Vorschriften der IAEO halten. Schließlich hat Präsident Bush vorgeschlagen, die Beschaffung, Herstellung und Erprobung von Boden-BodenRaketen von Ländern des Nahen Ostens einzufrieren.
Femer möchten die Vereinigten Staaten, daß diese
Raketen und alle Massenvernichtungswaffen in der
Region vollständig beseitigt werden.
Die Vereinten Nationen befinden sich in der ausgezeichneten Lage, die Realisierung dieser Ziele zu
fördern. Ihr Einfluß war niemals größer, sie waren der
Verwirklichung ihrer Ziele niemals näher.
Die Vereinten Nationen können eine wichtige Rolle bei
der Förderung einer zunehmend dynamischen Rolle
der Rüstungskontrolle bei der Verhinderung und Begrenzung von Konflikten spielen. Ein großer Teil der
anstehenden Arbeit betrifft Aufklärung. Mit ihren internationalen Mitgliedern und ihrer neugewonnenen Vitalität sind die Vereinten Nationen in einer guten Position, um krisengeschüttelte Länder von der Notwendigkeit zu überzeugen, Ungleichgewichte bei Waffen
zu verhindern und Auswüchse zu regulieren, bevor sie
tatsächlich Instablität hervorrufen. Ebenso wie die
Vereinten Nationen die Welt von den Pocken befreit
haben, sollten sie dazu beitragen, die Geißel chemischer und biologischer Waffen und die Bedrohung
unverantwortlicher Aufrüstung auszurotten.
Herr Vorsitzender, meine Behörde - das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung - feiert ihr 30jähriges
Bestehen, und deshalb blicken die Vereinigten Staaten zurück auf die Rolle, die Rüstungskontrolle und
Abrüstung bei der Entwicklung der nationalen Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten und bei den Bestrebungen zur Förderung internationaler Sicherheit
gespielt haben.

*

Seite 6

*

Welchen Erfolg wir auch gehabt haben mögen - die
Verdienste müssen mit anderen geteilt werden. Ebenso wie die Vereinigten Staaten haben viele Länder durch die Führungskraft ihrer Regierungen und die
öffentlichen Debatten ihrer Bürger- Rüstungskontrolle
zu einem zentralen Punkt nationaler Strategie und
nationaler Ziele gemacht. Unser Engagement für den
Erfolg dieser Bestrebungen ist eng mit unserem Glauben verbunden, daß Demokratie, Frieden und Stabilität Hand in Hand gehen.
Auch wenn wir Zeuge der Beilegung alter Feindschaften zwischen Ost und West werden, beobachten wir,
wie diese von - einigen neuen, anderen tief verwurzelten - Feindseligkeiten in anderen Teilen der Welt
abgelöst werden. Zur gleichen Zeit, da einmalige
Chancen zum Aufbau des Friedens in Europa am
Horizont erkennbar sind, nehmen wir die dunklen
Schatten regionaler und ethnischer Konflikte wahr.
An diesen Ereignissen beunruhigt die Tatsache, daß
einige der vehementsten Befürworter der Rüstungskontrolle - solange sie auf die großen Mächte beschränkt ist - oftmals am meisten zögern, sich für
substantielle Rüstungskontrollbestrebungen in ihrer
eigenen Region zu engagieren. Diese Verfechter der
Reduzierung von Waffen anderer messen mit zweierlei Maß, weil sie keinen Sinn darin sehen, ihre eigenen
Waffen zu reduzieren.
Das Rüstungskontrollprogramm der Zukunft ist bereits
geschrieben. Es verspricht sich von dem der Vergangenheit zu unterscheiden. Es ist zunehmend klar, daß
diejenigen, die sich am stärksten am bisherigen Rüstungskontrollprogramm beteiligt haben, die neue
Tagesordnung nicht allein tragen können. Was die
Vereinigten Staaten betrifft, werden wir weiterhin zu
den Puristen der Rüstungskontrolle zählen, aber die
Verantwortung liegt nicht allein bei uns. Das künftige
Rüstungskontrollprogramm erfordert, daß sich die
Staaten in anderen Regionen der Welt - insbesondere
in Gebieten, in denen aufgrund von Unruhen und
Konflikte Gewalt und Chaos drohen - in Wort und Tat
engagieren.
Die internationale Staatengemeinschaft beginnt zu
begreifen, daß Sicherheitskonzepte, wenn sie wirklich
Bedeutung haben sollen, weitreichender sein müssen
und nicht nur die Anzahl der Waffen in nationalen
Arsenalen erfassen dürfen. Darüber hinaus müssen
sie wirtschaftliches Wohlergehen, Lebensqualität,
Menschenrechte und Freiheiten umfassen.
Der Zug verläßt den Bahnhof. Sein Ziel ist mehr
Freiheit, stabile Demokratie, wirtschaftlicher Wohlstand, gemeinsame Sicherheit und ein gerechter Frieden. Immer mehr Länder springen auf, um diese
aufregende Reise zu unternehmen, die unsere Phantasie stark beflügelt. Wir hoffen inständig, daß niemand zurückbleiben muß. Wir haben unsere Wahl
getroffen - jetzt müssen andere ihre Wahl treffen.
* *
AMERIKA DIENST 41

�IWF/WELTBANK
23. Oktober 1991

BRADY FORDERT REFORM VON IWF UND WELTBANK
Rede des Finanzministers vor IWF und Weltbank
BANGKOK - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister Nicholas Brady zufolge erfordern die Entwicklungen
in Osteuropa und der Sowjetunion eine Änderung der Organisation des Internationalen Währungsfonds (IWF)
und der Weltbank.
Diese Institutionen müssen "eine Partnerschaft mit dem Privatsektor entwickeln", um den aufstrebenden
Demokratien zu helfen, die Basis für Marktwirtschaften zu schaffen, erklärte Brady am 15. Oktober 1991 in seinen
Ausführungen bei der Jahresversammlung von IWF und Weltbank.
Er forderte die Weltbank zur Änderung ihrer Statuten auf, um direkte Kreditvergaben an den Privatsektor zu
ermöglichen.
Brady stellte fest, IWF und Weltbank müßten über einen längeren Zeitraum hinweg Experten in die Region
entsenden, um grundlegende Kenntnisse über die Führung von Privatunternehmen und den Aufbau einer
funktionsfähigen Rechtsgrundlage für diese Unternehmen zu vermitteln.
"Diese Unterstützung kann nicht gewährt werden, wenn man nur mit den Zentralregierungen verhandelt", erklärte Brady. "Die Mitarbeiter von IWF und Weltbank werden die Vertreter des Privatsektors und der Kommunen
beraten und ausbilden müssen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Finanzminister Brady im Wortlaut.

Zunächst möchte ich den Dank unserer Delegation für
die Gastfreundschaft unserer thailändischen Gastgeber zum Ausdruck bringen. Hier in Bangkok wird uns
die wirtschaftliche Dynamik Asiens und die zunehmende Bedeutung der Region für unsere wirtschaftliche
Zukunft vor Augen geführt.
Ich möchte die neuesten Mitglieder von IWF und
Weltbank willkommen heißen: Albanien und die
Mongolei. Ferner begrüße ich die Gäste aus dem
Baltikum und der Sowjetunion.
Wir kommen an einem Wendepunkt der Geschichte
zusammen. Marktorientierte Systeme, die bessere
Wirtschaftsleistung und höhere Lebenstandards bewirken, verbreiten sich zunehmend. Länder in allen
Regionen der Welt - jetzt auch die Sowjetunion ändern ihren Kurs. Wir entdecken Chancen, die uns
bisher verwehrt waren: internationale wirtschaftliche
Integration, Kooperation und Wohlstand.
Diese Entwicklungen konfrontieren die internationalen
Finanzinstitutionen mit einer beispiellosen Herausforderung. Zwangsläufig werden diese Institutionen in
entscheidendem Maße für Erfolg oder Mißerfolg der
Bestrebungen zur Integration ehemaliger KommandoAMERIKA DIENST 42

und Planwirtschaften in das internationale Marktsystem verantwortlich gemacht. Ob Sie wollen oder nicht
- dies ist die Realität.
Die Schwierigkeiten dieser Umgestaltung sollten nicht
unterbewertet werden. Es gibt keine erprobten Patentrezepte für den Übergang von einem zentral gelenkten
Kommandosystem zu einer erfolgreichen Marktwirtschaft. Es liegt jedoch auf der Hand, daß dieser
Übergang ein tiefgreifender, allumfassender Prozeß
ist. Jeder Bereich der Wirtschaftsaktivität und -politik
ist betroffen.
Diese Realität wirft eine wichtige Frage auf. Sind wir
dieser Aufgabe gewachsen? Um sich dieser Herausforderung zu stellen, müssen die internationalen Finanzinstitutionen zur Anpassung bereit sein. Sie müssen
ihre Einstellungen ändern, ihre Zielsetzungen erweitem und ihre Hilfsmöglichkeiten verbessern. Und sie
müssen diesen Prozeß unverzüglich in Angriff nehmen.
Vor kurzem haben IWF und Weltbank ihre Fähigkeit
zur Flexibilität bei der Reaktion auf bestimmten Bedarf
unter Beweis gestellt. Während des Golfkonflikts und
im Anschluß daran haben sie rasch gehandelt, um
Seite 1

�Ressourcen für die am schwersten betroffenen Länder
bereitzustellen. Der IWF hat unverzüglich Ressourcen
über die Fazilität zur kompensierenden Finanzierung
von Exporterlösausfällen (Compensatory and Contingency Financing Facility - CCFF) ausgezahlt, um den
Ländern zu helfen, die Kosten der irakischen Aggression zu bewältigen. Die Weilbank erweiterte ihre
Kreditvergabeprogramme und beschleunigte die Auszahlungen, um die sektorale Anpassung und die
Umsiedlung von Flüchtlingen zu unterstützen.

Die Aufgaben lauten folgendermaßen:
1.

Die Einstellung gegenüber der Schaffung von
Wohlstand muß geändert werden, um die Dynamik des Privatsektors freizusetzen. Frjeie Unternehmen und freies Unternehmertum heißt,
daß Unternehmen und Unternehmer ungehindert den Erfolg anstreben können. Staatliche
Anordnungen sind kein Ersatz für Privatinitiative.

In Osteuropa waren IWF und Weltbank Vorreiter bei
Bestrebungen zur Förderung von freien Marktwirtschaften und Demokratie. Mit der Unterstützung von
IWF und Weltbank führen diese Länder Reform- und
Stabilisierungsprogramme durch. Die finanziellen
Verpflichtungen des IWF für Bulgarien, die Tschechoslowakei, Ungarn, Polen und Rumänien beliefen sich
im Jahr 1991 auf insgesamt 8 Milliarden Dollar. Die
Verpflichtungen der Weltbank für Osteuropa betrugen
im Haushaltsjahr 1991 über 2,6 Milliarden Dollar.

2.

Die Länder benötigen Hilfe beim Aufbau grundlegender privater und staatlicher Wirtschaftsinstitutionen, wie etwa der Entwicklung von Kapitalmärkten sowie Bank- und Rücklagensystemen.

3.

Sie benötigen grundlegende Ausbildung bei der
Führung profitabler Unternehmen, die auch die
besonderen Berufszweige der Kalkulation, Vertragsverhandlungen, des Vertriebs und Marketings einbeziehen.

4.

Sie benötigen praktischen Rat bei der Verwaltung eines soliden Finanzsystems: Richtlinien
zur Festsetzung und zum Einzug der Steuern,
einen Haushaltsmechanismus für die öffentliche Hand, Zollämter an den Grenzen und eine
Datenbank.

5.

Und schließlich benötigen sie Unterstützung
beim Aufbau einer funktionsfähigen Rechtsgrundlage für Privatuntemehmen einschließlich
eines durchführbaren Vertragssystems.

IWF und Weltbank haben eine besondere Assoziierung mit der Sowjetunion geschaffen, um diesem Land
zu helfen, die drängenden Probleme der tiefgreifenden
Reform zu bewältigen. Wir begrüßen diese besondere Assoziierung und hoffen, es wird keine Mühe gescheut, in den vor uns liegenden Tagen hart zu arbeiten. Auch wir sind davon überzeugt, daß der Status
der besonderen Assoziierung den Weg zur Vollmitgliedschaft in beiden Institutionen ebnen wird.
In der Sowjetunion und Osteuropa sehen wir uns mit
der radikalsten Wirtschaftsreform der Nachkriegszeit
konfrontiert. Die Suche nach neuen Werten hat ihren
Preis. Diese Länder haben eine bewußte Entscheidung für eine rasche Umstellung von einem politischen
und wirtschaftlichen System auf ein anderes getroffen.
Sie schreiben im wahrsten Sinne des Wortes alle
Regeln neu. Mein Besuch in der Sowjetunion im
vergangenen Monat erinnerte mich an die Kolonialzeit
in Amerika: ein neuer Anfang und eine neue Regierungsform. Vor über 200 Jahren begannen die Vereinigten Staaten mit dem Aufbau stabiler Institutionen ein Prozeß, der Jahre bis zu seiner Vervollständigung
bedurfte. Dennoch versucht die Sowjetunion, eine
ähnliche Aufgabe in nur wenigen Monaten zu bewältigen.
Den internationalen Finanzinstitutionen wird bei der
Förderung dieses Übergangs eine besondere Rolle
zukommen. Bei der Definition dieser Rolle müssen wir
den Bedürfnissen der Länder im Umbruch Rechnung
tragen. Es steht au ßer Frage, daß ein Teil des Bedarfs
durch den traditionellen Ansatz von IWF und Weltbank
abgedeckt wird: Beratung bei der Formulierung umfassender wirtschaftspolitischer Programme sowie
Finanzhilfe zur Förderung dieser Programme. Sie
benötigen jedoch auch grundlegende Hilfsleistungen,
die weit über die gewöhnlichen Anpassungsprogramme hinausgehen.

Seite 2

Dies sind die Grundpfeiler einer erfolgreichen Marktwirtschaft. Wirwerden dieser Aufgabe nur gewachsen
sein, wenn Weltbank und IWF auf diesen institutionellen Rahmen aufbauen und makroökonomische Reformen einführen. Um dies zu verwirklichen, müssen die
Bretton Woods-Institutionen eine Partnerschaft mit
dem Privatsektor entwickeln, um ihr Know-how beim
Aufbau solider Grundlagen für Marktwirtschaften in
diesen Ländern zum Tragen zu bringen.
Um Unterstützung in all diesen Bereichen zu gewähren, müssen IWF und Weltbank neue Betriebsformen
entwickeln. Kurze Besuche von Delegationen zur
Aushandlung von Anpassungsprogrammen mit den
Zentralregierungen sind nicht genug.
IWF und Weltbank werden in ihren Programmen dem
Humankapital sehr viel größere Aufmerksamkeit widmen müssen. Sie werden Experten für einen längeren
Zeitraum ins Land entsenden müssen. Sie werden auf
Vertreter der Regierung, Unternehmen, Banken, Justiz und Universitäten zurückgreifen müssen.
IWF und Weltbank werden ferner ihre Kontakte im
Land auf alle Regierungsebenen ausweiten müssen.
Diese Unterstützung kann nicht gewährt werden, wenn
man nur mit den Zentralregierungen verhandelt. Die

AMERIKA DIENST 42

�Mitarbeiter von IWF und Weltbank werden die Vertreter des Privatsektors und der Kommunen beraten und
ausbilden müssen.
Zu Recht wurde die Frage aufgeworfen, ob diese
Konzentration auf die osteuropäischen Länder und die
Sowjetunion zu einer Kürzung der Ressourcen für die
traditionellen Nutznießer führen wird. Sowohl die
Weltbank als auch der IWF haben eine gute Kapitaldecke, und ich sehe keinen Grund, warum es irgendeine Verringerung des Kapitalflusses geben sollte. Die
Ressourcen werden entsprechend unserer Aufgaben
verteilt.
Andere haben die Frage gestellt, ob aufgrund der
vermehrten Aufmerksamkeit für die Probleme der
Sowjetunion und Osteuropas die den herkömmlichen
Nutznießern von IWF und Weltbank zur Verfügung
gestellte technische Hilfe gekürzt wird. Legitime bisherige Prioritäten sollten nicht betroffen sein. Darüber
hinaus sollte der Beitrag zur internationalen Stabilität
den großen wie den kleinen Ländern diesen Preis wert
sein.
In anderen Regionen der Welt werden IWF und Weltbank ihrer Verantwortung gerecht, indem sie eine
entscheidende Rolle beim Erfolg der internationalen
Schuldenstrategie spielten. Im Rahmen dieser Strategie haben IWF und Weltbank Marktreformen ermutigt
und den unterschiedlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten in mehreren Schuldnerländem angepaßte Pakete
mit den Geschäftsbanken ausgehandelt. Mexiko,
Chile und Venezuela erfreuen sich jetzt wieder des
Zugangs zu internationalen Kapitalmärkten, neuen
Investitionen und Rückkehr des Fluchtkapitals. Noch
vor kurzem steckten sie bis zum Hals in Schulden.
Als Ergänzung zu den Vorteilen des Pakets zum
Schuldenabbau mit den Geschäftsbanken im Rahmen
der Schuldenstrategie für bei den Geschäftsbanken
hochverschuldete Länder sieht Präsident Bushs Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern
Amerikas für in Frage kommende Länder in Lateinamerika und der Karibik einen Abbau der Schulden
seitens der US-Regierung vor. Chile, Jamaica und
Bolivien wurden im Rahmen dieses Programm bereits
erste Vorteile verschafft. Die Interamerikanische
Entwicklungsbank (Inter-American Development Bank
- IDB) hat ein neues Kreditvergabeprogramm für den
Investitionssektor in die Wege geleitet, um Reformen
bei Investitionen in Entwicklungsländern zu fördern.
Die Vereinigten Staaten haben darüber hinaus einen
Multilateralen Investmentfonds vorgeschlagen, um den
Volkswirtschaften in der Region bei der Anpassung an
den internationalen Wettbewerb behilflich zu sein. Die
Vereinigten Staaten und Japan beabsichtigen, jeweils
500 Millionen Dollar für den Fonds bereitzustellen. Wir
erwarten, daß sich auch andere Länder in absehbarer
Zukunft an diesen Bestrebungen beteiligen werden.

AMERIKA DIENST 42

In den ärmsten Ländern einschließlich Afrikas südlich
der Sahara stellen IWF und Weltbank konzessionäre
Ressourcen zur Verfügung, um anhaltendes Wachstum zu fördern und die Armut zu lindern. Einige dieser
Länder haben das Blatt gewendet. Ihr Beispiel bestätigt, daß marktorientierte Reformen in allen Phasen
der Entwicklung möglich und nützlich sind. Die Vereinigten Staaten haben ihrerseits im vergangenen Jahr
konzessionäre Schulden dieser Länder in Höhe von
2,3 Milliarden Dollar erlassen. Darüber hinaus unterstützen wir die Erweiterung der Liste der für die Erweiterte Strukturanpassungsfazilität (Enhanced Structural Adjustment Facility - ESAF) in Frage kommenden
Länder, um die Kapazitäten des Fonds zur Unterstützung von Ländern mit niedrigen Einkommen aufzustocken.
IWF und Weltbank müssen für ihr Umweltengagement
beglückwünscht werden. Ich stimme mit den Ausführungen von Ministerpräsident Anand heute morgen
überein, daß wir uns alle um unsert- und zukünftiger
Generationen willen für die Umwelt engagieren müssen. Darüberhinaus muß der Linderung der Armut und
der Rolle der Frau in den Entwicklungsländern vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Wir
müssen kontinuierliche Fortschritte an diesen Fronten
sicherstellen.
Es ist an der Zeit für IWF und Weltbank, ihre Unterstützung des Privatsektors zu verstärken. Die Weltbank
prüft, welche Veränderungen bei den vereinbarten
Artikeln vorgenommen werden müssen, um direkte
Kreditvergaben an den Privatsektor vornehmen zu
können. Wenn die Länder den Besitz von Unternehmen an den Privatsektor übergeben, werden einzelne
Firmen im Prozeß der Privatisierung Ressourcen von
der Weltbank benötigen. Die Rolle der Weltbank bei
der Unterstützung der Wirtschaftsentwicklung steht
auf dem Spiel. Aus diesem Grund freuen wir uns, die
Kapitalaufstockung der Internationalen Finanz-Corporation (IFC) in Höhe von 1 Milliarde Dollar sowie damit
einhergehende Maßnahmen für den Privatsektor unterstützen zu können.
Der zunehmende finanzielle Bedarf in den Schuldnerländern, Osteuropa und den ärmsten Ländern bedingt,
daß den internationalen Finanzinstitutionen umfangreiche Ressourcen zur Verfügung stehen. Aus diesem
Grund unterstützen die Vereinigten Staaten die Quotenerhöhung des IWF zur Erfüllung seiner finanziellen
Verpflichtungen uneingeschränkt.
Schlußbemerkung
Abschließend möchte ich nochmals betonen, daß die
internationalen Finanzinstitutionen jetzt Programme
für die wirtschaftliche Umgestaltung und das letztliche
Ziel eines einheitlichen internationalen Wirtschaftssystems durchführen müssen. Die Aktivitäten von IWF

Seite 3

�und Weltbank müssen angepaßt und erweitert werden, während dieses beispiellose weltweite Wirtschaftspotential in greifbare Nähe rückt. Wir müssen die sich
durch die praktisch vollständige Mitgliedschaft in diesen Institutionen und die Verabschiedung marktorientierter Prinzipien bietenden Chancen nutzen. Die
Führungsrolle von IWF und Weltbank kann die gemeinsame Wirtschaftsphilosophie in gerneinsamen
Wohlstand umsetzen.
*

Seite 4

*

Selten in der Geschichte der Menscheit war die internationale Staatengemeinschaft mit einer solchen
Gelegenheit konfrontiert wie wir heute. Mit Phantasie,
Entschlossenheit, mit Vision und Mut steht es meines
Erachtens in unserer Macht, diesen Augenblick zu
nutzen und diese Vision des Wohlstands und der
Harmonie, von dem ich gesprochen habe, Realität
werden zu lassen. Ich glaube, wir sind dieser Aufgabe
gewachsen.

*

*

AMERIKA DIENST 42

�PORTRAT
23. Oktober 1991

BUSH NOMINIERT VERWALTUNGSJURISTEN
FÜR DAS AMT DES JUSTIZMINISTERS
Porträt von William Barr
WASHINGTON - (AD) - Der Kandidat des Präsidenten für das Amt des nächsten Justizministers der Vereinigten Staaten ist ein Verwaltungsjurist, der in seiner Laufbahn eher Umgang mit rechtlichen und administrativen
Fragen hatte als mit Politik.
Bei der Ankündigung von Barrs Nominierung am 16.
Oktober 1991 erklärte Bush, er habe eine Person
ausgewählt, die "durch und durch professionell, darüber hinaus Verfechter der Rechte des einzelnen ist und
sich der Bekämpfung von Verbrechen verschrieben
hat."
Der 41jährige Barr würde Richard Thornburgh als
Leiter des Justizministeriums ablösen. Für dieses Amt
muß er mehrheitlich durch den Senat bestätigt werden.
Barr wuchs in New York City auf, wo er 1973 einen
Magister an der Columbia University erwarb. Er zog
nach Washington und besuchte die juristische Fakultät
der George Washington University in Abendseminaren. Nach seinem Examen arbeitete Barr als Jurist
beim US-Nachrichtendienst CIA. 1978 ließ er sich als
Anwalt nieder.
Barr trat 1982 der Reagan-Regierung bei, wo er im Rat
für Innenpolitik im Weißen Haus als Jurist tätig war.
1989 wechselte erzurBush-Regierung, wurde Staatssekretär im Justizministerium und damit verantwortlich
für das Büro für Rechtsberatung, das dem Weißen
Haus und den Exekutivbehörden des Präsidenten
Rechtshilfe leistet.
1990 wurde Barr Stellvertretender Justizminister und
damit zweiter Mann im Justizministerium. Die Mitarbeiter des Ministeriums lobten seine Gesprächsbereitschaft über Angelegenheiten des Ministeriums. Als
Thornburgh im August vergangenen Jahres zurücktrat, um in Pennsylvania für einen Sitz im Senat zu
kandidieren, wurde Barr automatisch amtierender
Justizminister.
*
AMERIKA DIENST 42

Nur drei Tage nach seinem Amtsantritt gab es im
Talladega-Bundesgefängnis in Alabama eine Revolte
kubanischer Gefangener, die zehn Geiseln nahmen,
um ihre Abschiebung nach Kuba zu verhindern. Barr
traf eine schwierige Entscheidung und wies Rettungseinheiten des FBI an, das Gefängnis mit High-PowerWaffen und Spezialgranaten zu stürmen, wobei die
Opfer zeitweise kampfunfähig gemacht, aber nicht
verletzt wurden. Die Geiseln konnten unverletzt befreit
und die Gefangenen erneut festgesetzt werden, ohne
daß ein Schuß fiel.
Barr vertritt eine andere Meinung als wichtige Kongreßabgeordnete über ein Gesetz von 1989, das ihm
zufolge US-Behörden befugt, Verdächtige im Ausland
für in den Vereinigten Staatem begangene Straftaten
zu verhaften - ohne Zustimmung der ausländischen
Regierung. Barr ist der Auffassung, dieses Recht
beinhalte die Strafverfolgung für Verbrechen gegen
die Vereinigten Staaten außerhalb der gerichtlichen
Zuständigkeit der Vereinigten Staaten.
Barr schrieb einen Kommentar zu diesem Thema, den
der Rechtsausschuß des Senats im Sommer vergangenen Jahres prüfen wollte. Die Regierung verweigerte die Freigabe des Dokuments. Eine Verfassungskrise konnte vermieden werden, weil der Ausschuß später
Teile des Dokuments einsehen konnte.
Der Ausschußvorsitzende Joseph Biden - ein Demokrat - erklärte, die Anhörungen für Barrs Bestätigung
würden trotz dieser Meinungsverschiedenheiten "fair
und gründlich" geführt.

* * *

*

Seite 1

�DAS

MEINUNGSBILD

IN

AMERIKA
23. Oktober 1991

DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG IN AMERIKA
Umfragen zu Nuklearwaffen, Verteidigung, Entwicklungshilfe, Wirtschaft
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir Themen und Probleme, die Amerikaner im Augenblick
beschäftigen und ihre Meinung, wie sie sich in jüngsten Umfragen darstellt. Die Umfragen wurden vom Roper
Center for Public Opinion an der University of Connecticut durchgeführt.

Starke Unterstützung für Bushs Abrüstungsinitiative

Die 59% Befürworter wurden nach ihrer Meinung für
den Fall gefragt, daß die Sowjetunion nicht gleichzieht.

Eine große Mehrheit der Amerikaner begrüßt Präsident Bushs Initiative zum Abzug land- und seegestützter Nuklearwarfen kurzer Reichweite aus Europa
und Asien, aber nur, wenn die Sowjetunion gleichzieht.
Eine überwältigende Mehrheit befürwortet die Beseitigung aller Nuklearwaffen, wobei die meisten dies nicht
als realistische Möglichkeit betrachten. CBS und die
New York Times erhielten auf ihre vom 5. bis 7.
Oktober 1991 durchgeführte persönliche Befragung
von 1.280 Wahlberechtigten in den Vereinigten Staaten folgende Antworten:

Ich stimme zu

32%

Ich stimme nicht zu

63

Stimmen Sie dem Abzug von Nuklearwaffen
kurzer Reichweite aus Europa und Asien zu?
Ich stimme zu

59%

Ich stimme nicht zu

35

Weiß nicht/Keine Angabe

6

Weiß nicht/Keine Angabe

5

Befürworten Sie die weltweite Zerstörung von
Nuklearwaffen?
Ja

87%

Nein

11

Weiß nicht/Keine Angabe

2

Ist die Zerstörung von Nuklearwaffen eine
realistische Möglichkeit?
Realistische Möglichkeit

25%

Nicht realistisch

70

Weiß nicht/Keine Angabe

5

Die 35% der Befragten, die sich negativ geäußert
hatten, wurden nach ihrer Meinung für den Fall befragt,
daß die Sowjetunion gleichzieht.

Würde die Sowjetunion eine neue Vereinbarung
zur Begrenzung von Nuklearwaffen ernstnehmen?

Ich stimme zu

69%

Ja

50%

Ich stimme nicht zu

25

Nein

35

Wei ß nicht/Keine Angabe

15

Weiß nicht/Keine Angabe

AMERIKA DIENST 42

6

Seite 1

�Zu hohe Verteidigungsausgaben? Zu viel
Entwicklungshilfe?
Die Amerikaner sind im Hinblick auf ihre Meinung, ob
die Vereinigten Staaten zuviel Geld oder genau die
richtige Summe für nationale Verteidigung und militärische Zwecke ausgeben, in zwei nahezu gleiche
Lager gespalten. Sie sind generell für eine Kürzung
der Entwicklungshilfe, auf die Frage nach bestimmten
Empfängerländern erhält jedoch Osteuropa stärkere
Unterstützung als der Nahe Osten. Die folgenden
Antworten wurden bei einer landesweit vom 20. bis 24.
September 1991 bei 1.510 Wahlberechtigten durchgeführten telephonischen Befragung von NBC News und
dem Wall Street Journal gesammelt.
Verteidigung und Militärausgaben
Zu gering

10%

Zu hoch

42

Richtiger Betrag

41

Für Ägypten
Notwendig

37%

Nicht notwendig

47

Unsicher

16

Besorgnis der Amerikaner über ihre Wirtschaft
Dieselbe Umfrage von NBC News und dem Wall Street
Journal stellte die Frage nach der Wirtschaftslage in
den Vereinigten Staaten. Drei Viertel der Befragten
erklärten, ihrer Meinung nach befinde sich das Land in
einer Rezession, und dieser Gruppe wurden einige
zusätzliche Fragen gestellt.
Befinden sich die Vereinigten Staaten in einer
Rezession?
Ja

75%

Nein

18

Unsicher
Unsicher

7

7
Ist die Rezession schwach oder gravierend?

Eine verminderte sowjetische Bedrohung bedeutete
eine 50%ige Kürzung der Verteidigungsausgaben bis
zum Jahr 2000.
Richtig

41%

Falsch

50

Unsicher

9

Kürzung der Entwicklungshilfe
Ich bin dafür

69%

Ich bin dagegen

24

Ich bin unsicher

7

Hilfe für die Sowjetunion
Notwendig

58%

Nicht notwendig

32

Unsicher

10

Für Polen

Schwach

59%

Gravierend

32

Dazwischen

7

Unsicher

2

Ist der Höhepunkt der Rezession überwunden?
Höhepunkt überwunden

43

Das Schlimmste kommt noch

49

Unsicher

8

Wie lange wird die Rezession dauern?
Unter 3 Monaten

1%

3 bis 6 Monate

10

6 Monate bis 1 Jahr

34

Über ein Jahr

47

Unsicher

8

Notwendig

55%

Nicht notwendig

29

Leistet die Bush-Regierung genug zur Bekämpfung
der Rezession?

Unsicher

16

Leistet genug

29%

Leistet nicht genug

59

Unsicher

12

Für Israel
Notwendig

44%

Nicht notwendig

46

Unsicher

10

Seite 2

AMERIKA DIENST 42

�Leistet der Kongreß genug zur Bekämpfung der
Rezession?

Das US-Handelsdefizit
Alle gleich wichtig

8
10

Leistet genug

16%

Leistet nicht genug

71

Unsicher

13

Allen wurde folgende Frage gestellt: Hat sich die
nationale Wirtschaftslage im vergangenen Jahr verbessert, verschlechtert, oder ist sie in etwa gleich
geblieben?

Leistet genug

32%

Verbessert

Leistet nicht genug

44

Verschlechtert

57

Unsicher

24

Gleich geblieben

33

Unsicher

Die Bundesbank?

Alle Teilnehmer wurden gefragt: Was ist das wichtigste Problem in der Wirtschaft, mit dem sich das Land
konfrontiert sieht?

Unsicher

3

8%

2

Inflation

10%

Alle wurden befragt: Wird sie sich im kommenden Jahr
verbessern, verschlechtern oder in etwa gleich
bleiben?

Arbeitslosigkeit

37

Verbessern

32%

Verschlechtem

24

Gleich bleiben

39

Zinsen
Das Haushaltsdefizit

Steuern der Bundesregierung

3
23

6

Unsicher

5

* * * * *

AMERIKA DIENST 42

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Neue Weltordnung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Weltordnung erfordert neues Programm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Bartholomew&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Rüstungskontrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA drängen auf weltweites Engagement bei Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor Lehman vor UNO-Ausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. IWF/Weltbank&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brady fordert Reform von IWF und Weltbank&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Finanzministers vor IWF und Weltbank&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bush nominiert Verwaltungsjuristen für das Amt des Justizministers&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von William Barr&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Das Meinungsbild in Amerika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die öffentliche Meinung in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umfragen zu Nuklearwaffen, Verteidigung, Entwicklungshilfe, Wirtschaft&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Weltpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aggressionen, Übergriffe, Terror&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;kennzeichnen dreizehn Jahre kommunistischer Herrschaft in China&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Weltraumforschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Heliumzone in der Atmosphäre schrumpft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Untersuchungen im Interesse der Nachrichtentechnik intensiviert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonne - Verstärker für Radiostrahlung des Jupiters?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Raumfahrt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Rekord im "Nachrichtenverkehr" mit Mariner II&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mondfähre für das Apollo-Raumschiff in Auftrag gegeben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schubleistung - genau dosierbar&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaftliches Forschungsinstitut für die NATO-Länder gefordert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Kultur&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Felsenklöster von Tunhuang&lt;br /&gt;&lt;em&gt;1500 Jahre alte buddhistische Klöster sind Gegenstand einer umfassenden kulturhistorischen Dokumentation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Bericht aus Taipeh (Formosa) von Frank Shih&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Leben in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"In unserem Haus ist Platz für uns alle"&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikas Fortschritte auf dem Weg zur Verwirklichung des Ideals der Gleichheit&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus einer Rede des US-Vizepräsidenten Lyndon B. Johnson vom 13. November 1962&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</text>
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